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                    <text>&lt;&lt;fc°s*&lt;

AMERIKA DIENST

VoN**

4 . Februar 1987
.

I N H A L T

DOKUMENTATION
Der Trugschluß des "Großen Kompromisses'
- Rede von Kenneth L. Adelman in Bonn -

WIRTSCHAFT
Reagan: Handel und Landwirtschaft wichtigste Probleme im Jahr 1987
- Jahreswirtschaftsbericht des Präsidenten -

HINTERGRUNDMATERIAL
Strategie zur Nationalen Sicherheit der Vereinigten Staaten
- Bericht der Reagan-Administration an den Kongreß (Teil I und II)
Rh

U

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Lehrbeispiel "VOYAGER"
- Experimentierflugzeug aus metallfreiem Verbundmaterial gibt
Luftfahrttechnik neue Impulse -

* * * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�AMERIKA DIENST
Dokumentation

"VoN^

4. Februar 1987

DER TRUGSCHLUSS DES "GROSSEN KOMPROMISSES"
- Rede von Kenneth L. Adelman in Bonn -

BONN - (AD) - In einer Rede vor der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige
Politik in Bonn hat der Direktor des US-Amtes für Rüstungskontrolle und Abrüstung (ACDA) , Kenneth L. Adelman, am 2. Februar 1987 davor gewarnt, SDI in
einer Art "Großem Kompromiß" gegen Rüstungskontrolle zu tauschen. Dies habe
schon einmal, nämlich im Falle des ABM-Vertrages von 1972, trotz erheblicher
Beschränkungen für Verteidigungssysteme zu einer erheblichen Vermehrung der
Offensivwaffenpotentiale geführt. Dagegen würden "wirksam und angemessen ausgelegte Verteidigungssysteme... stabilisierend wirken. Sie würden die Stabilität in Krisen erhöhen," erklärte Adelman.
Die Ansprache von Kenneth L. Adelman hat folgenden Wortlaut:

Heute nachmittag möchte ich mit
Ihnen über das weitaus interessanteste Thema im Bereich der Nationalen
Sicherheit
und
Rüstungskontrolle
sprechen, über die Strategische Verteidigungsinitiative.
Seit Präsident
Reagan im März 1983 seine Idee einer
Verteidigung gegen ballistische Flugkörper verkündete, sind wir Zeuge eines bemerkenswerten
Denkwandels im
Bereich nationaler Sicherheit und Rüstungskontrolle geworden.
Neue und
aufregende Möglichkeiten haben sich
ergeben. Ich glaube, daß viele Men-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

schen nun dank SDI anfangen, unserer
Zukunft hoffnungsvoller entgegenzusehen.
Sicherlich
hält die Zukunft
noch interessantere Möglichkeiten bereit.
Ich möchte
lung nehmen:
Erstens:

zu vier

Fragen

Stel-

Wird SDI funktionieren?

Zweitens: Sollten wir, indem wir
die Initiative im Austausch für Rüstungsverringerungen auf einen sogenannten "Großen Kompromiß" beschrän-

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�ken, SDI den Sowjets überlassen?
Drittens:
Wird die strategische
Verteidigung gegen ballistische Raketen die nukleare Stabilität fördern
oder schädigen, und auf welche Weise
wird sie das tun?
Und schließlich:
Sind Verteidigungssysteme mit der Rüstungskontrolle vereinbar?
Zur ersten Frage: Wird SDI funktionieren?
Sind Verteidigungssysteme
machbar?
Der
Zweck
des
SDI-Programms, das in völliger Übereinstimmung mit allen seitens der Vereinigten Staaten in Verträgen eingegangenen Verpflichtungen,
einschließlich
derer des ABM-Vertrages von 1972,
durchgeführt wird, wird diese Frage
beantworten. Ich möchte betonen, daß
dieses Programm uns alle im westlichen Bündnis angeht. Wir glauben,
daß darin ein großes Versprechen zur
Anhebung der Sicherheit all unserer
Länder, einzeln wie auch zusammengenommen, liegt; ein Versprechen, das
durch die getrennten Beiträge der
verbündeten Staaten zu dieser gemeinsamen Anstrengung wahr gemacht wird.
Der Vorteil, den wir demokratischen
Verbündeten auf unserer Seite haben,
besteht in der Dynamik und Kreativität unserer Technik.
wir haben mit
unseren Verbündeten auf diesem Gebiet
weitgehende Konsultationen unternommen und werden das auch weiterhin
tun.
Es versteht sich von selbst,
daß bei unserem gemeinsamen Vorgehen
in bezug auf dieses Programm wie auch
bei unseren gesamten Verteidigungsanstrengungen die ungeteilte Sicherheit
der Verbündeten weiter besteht.
Die
Sowjets
sagen
natürlich
"nein" zur Frage der Durchführbarkeit
von SDI. Wenigstens sagen sie das in
der Öffentlichkeit. Zu uns sagen sie
nein, aber die Antwort würde bei ih-

nen selbst anders lauten.
Tatsachlich haben sie im Verlauf der letzten
zehn Jahre 150 Milliarden Dollar in
verschiedene Verteidigungssysteme und
in die Forschung für die Verteidigung
gepumpt - etwa fünfzehnmal soviel wie
die Vereinigten Staaten. Das ist für
die Sowjets viel Geld, um es angesichts
ihrer
bescheidenen
Wirtschaftslage für ein Projekt auszugeben, das keinen Erfolg verspricht.
Taten sind in diesem Fall vielsagender als Worte. Ironischerweise waren
eine Reihe von Wissenschaftlern, die
öffentlich an ihre westliche Kollegen
appelliert
haben, sich
gegen
das
westliche SDIProgramm zu wenden
Wissenschaftler
wie Velikow, Basow
und Prokorow - hinter den Kulissen
erheblich mit der sowjetischen Version von SDI befaßt.
Auch
einige
westliche
Wissenschaftler sagen "nein" zur Frage der
Anwendbarkeit
einer
strategischen
Verteidigung.
Nicht etwa alle Wissenschaftler, aber doch einige. Interessant ist dabei, daß einige derselben
amerikanischen
Wissenschaftler, die jetzt argumentieren, die
strategische Verteidigung funktioniere nicht, vor fünfzehn Jahren behaupteten, die Sowjets könnten amerikanische
landgestützte
Raketen nicht
gegenüber einem Präventivschlag verwundbar machen, wenn wir den ABM-Vertrag
unterzeichneten.
Diesen Fall
haben sie wohl unterschätzt.
Die Technik ist tatsächlich nur
schwer vorhersehbar und die Menschen
neigen dazu, sie zu unterschätzen.
Ich möchte ihnen einige Aussagen von
Wissenschaftlern und anderen Persönlichkeiten vortragen, die sie sicher
amüsant finden werden.
Der
Edison:

erste

Satz

ist

von

Thomas

�"Das Spiel mit dem Wechselstrom
ist reine Zeitverschwendung. Niemand
wird ihn jemals verwenden; er ist zu
gefährlich...
Gleichstrom ist viel
sicherer" .
Simon Newcomb schrieb 1903:
"Der Flug durch die Luft gehört
zu den Problemen, die die Menschheit
niemals bezwingen wird".
Lee DeForrest argumentierte 1926:
"Obwohl das Fernsehen theoretisch
und technisch machbar
ist, glaube
ich, daß es finanziell und kommerziell unmöglich wäre; eine Entwicklung, mit deren Traum wir nicht unsere Zeit verschwenden sollten".
Admiral William Leahy, Präsident
Truman's Stabschef, warnte 1945:
"Die
(Atom-)Bombe wird
hochgehen; ich spreche als
stoff experte" .

niemals
Spreng-

Und hier ein abschließender Satz,
den ein Wissenschaftler 1932 schrieb:
"Es gibt nicht den leisesten Hinweis darauf, daß wir jemals (Kern-)
energie erhalten könnten. Das würde
bedeuten, wir müßten das Atom auf Befehl spalten".
Der Wissenschaftler
Einstein.

hieß

Albert

Tatsache ist, daß seit unserer
letzten Debatte über eine Verteidigung gegen ballistishe Flugkörper vor
siebzehn Jahren eine technische Revolution stattgefunden hat. Sie können
die Anzeichen dieser Revolution überall in Ihrer Umgebung feststellen in Ihrem Büro, in den Klassenzimmern
Ihrer Kinder, in Ihrem Wohnzimmer, am
Armaturenbrett Ihres Wagens. Es gibt

Schreibmaschinen, die Sie daran erinnern, was Sie geschrieben haben und
Ihnen mitteilen, wenn Ihnen ein Tippfehler unterlaufen ist; kleine Computer, die Sie auf die Knie setzen und
die dieselbe Kapazität haben wie die
gewaltigen
Maschinen der
fünfziger
Jahre und Tausende von Schritten in
der Minute durchführen können; Armaturenbretter,
die
sprechen
können
(auch wenn sie noch nicht viel Interessantes zu sagen haben) - die Auswirkungen
der
Mikrocomputer-Revolution sind allgegenwärtig.
Dasselbe
technische
Wunderwerk,
das dem Lehrer einen neuen Apfel
(apple) auf das Pult gelegt hat - einen Apple-Computer - hat uns einer
Sache nähergebracht, die vor einigen
Jahren noch absurd schien: eine Kugel
mit einer Kugel zu treffen. Tatsache
ist, daß dieser Trick mit Hilfe moderner Technik durchführbar ist. In
dem von den Vereinigten Staaten vor
einigen Jahren durchgeführten Zielüberlappungsexperiment ist es uns gelungen, einen Gefechtskopf im All zu
treffen.
Techniken der Präzisionssteuerung verwandeln die militärische
Landschaft.
Sie
lassen
uns
auch
Hoffnung
schöpfen.
Das
wollte
Präsident
Reagan im März 1983 darlegen.
Wenn
wir westlichen Einfallsreichtum walten lassen, könnte die Technik der
Präzisionssteuerung sogar das im August 1945 aufgestellte eherne Gesetz
widerlegen, daß der Angriff gegenüber
der Verteidigung
immer
im Vorteil
ist. Werden die Sowjets Gegenmaßnahmen gegen eine strategische Verteidigung entwerfen? Natürlich werden sie
das tun; sie werden es zumindest versuchen. Aber wir sollten immer daran
denken: Gegenmaßnahmen
haben
ihren
Preis. Es ist einfacher und kostengünstiger, auf dem Papier Gegenmaßnahmen zu erarbeiten als diese in der

- 3 -

�Praxis durchzuführen.
Und Gegenmaßnahmen könnten sich am Ende als gar
nicht wirkungsvoll erweisen. Wie alle anderen Systeme brauchen auch offensive Gegenmaßnahmen Zeit zur Entwicklung und Stationierung, und die
recht starre Abwicklungspraxis seitens der Sowjets könnte eine Anpassung ihrer Offensive an unsere Verteidigung zu einem schwierigen Problem werden lassen. Wenn es mittels
SDI gelingt, beide Seiten zu zwingen,
ihre besten
technischen
Bemühungen
auf ein Verteidigungssystem hin zu
orientieren, das Waffen zerstört, und
nicht auf offensive Waffen, die Menschen zerstören, wird dieses System
einen positiven Beitrag geleistet haben.
Kurz gesagt: über die Frage, ob
eine strategische Verteidigung durchführbar sei, ist das letzte Wort noch
nicht gesprochen.
Aber ich bin da
recht optimistisch.
Frage zwei: Sollten wir an diesem Punkt SDI gegen Rüstungskontrolle
in einer Art "Großem Kompromiß" eintauschen?
Es heißt, daß diejenigen,
die die Geschichte vergessen, gezwungen sind, sie zu wiederholen.
Nur
wenige sind sich darüber im klaren,
daß wir schon einmal die Taktik des
"Großen Kompromisses" bei den Sowjets
angewandt haben, und es hat nicht besonders gut funktioniert.
Den ersten "Großen Kompromiß" gab
es 1972, als die Sowjets und wir den
ABM-Vertrag unterzeichneten.
Es ist
der wichtigste Zweck des ABM-Vertrages, den Weg für eine sinnvolle Rüstungskontrolle bei Offensivwaffen zu
bereiten. Das Konzept besteht darin,
daß wir, indem wir das Recht zur Stationierung einer landesweiten Verteidigung
gegen
ballistische
Raketen
aufgeben, bei den Offensivwaffen ein
Wettrüsten vermeiden und wahren Ver-

ringerungen
in nuklearen Arsenalen
Vorschub leisten würden.
Beschränkungen bei der Verteidigung galten
als Schlüssel für Verringerungen bei
den offensiven Nulearwaffen.
Die Präambel des ABM-Vertrages
enthält ausdrücklich dieses Ziel von
"Verringerungen" bei Offensivwaffen.
Einer meiner Vorgänger bei (der amer ikanischen
Rüstungskontrollbehörde)
ACDA und Leiter der amerikanischen
Delegation, die diesen Vertrag aushandelte, Gerard Smith, gab im Mai
1972 im Namen der amerikanischen Regierung eine Erklärung ab, in der es
hieß, daß 'höchstrangige Interessen'
der
Vereinigten
Staaten
gefährdet
sein könnten und wir uns vom Vertrag
zurückziehen
müßten, wenn
es
uns
nicht gelänge, innerhalb von fünf
Jahren umfassendere Beschränkungen zu
erlangen. Das war 1972.
Trotz der Tatsache, daß wir unserer Verteidigung erhebliche Beschränkungen auferlegten, ist es uns niemals wirklich gelungen, die andere
Hälfte des Handels zu verwirklichen.
Im
Jahr
1977
schickte
Präsident
Carter
seinen
Außenminister
Cyrus
Vance mit Vorschlägen für einschneidende Verringerungen bei Offensivwaffen nach Moskau.
Hier gab es also
die Art von Rüstungskontrolle, auf
die alle gehofft hatten - wahre Verringerungen bei nuklearen Offensivwaffen.
Aber es war nichts zu machen. Die Sowjets wollten Vance mit
solchen Vorschlägen kaum anhören, und
Präsident Carter legte sie zur Seite.
Als der SALT II-Vertrag schließlich
1979 unterzeichnet wurde, erlaubte er
erhebliche Steigerungen für die Arsenale beider Seiten.
Als es um die Beschränkung des
Wettbewerbs bei Offensivwaffen ging,
ließen sich die Sowjets ebensowenig
von unserem Beispiel beeindrucken wie

�schon vorher von unseren Vorschlägen
für einen Rüstungsabbau.
Trotz der
Tatsache, daß die militärischen Ausgaben der Vereinigten Staaten Ende
der siebziger Jahre real zurückgingen, stiegen die sowjetischen Ausgaben und die Stationierungen von Nuklearwaffen weiter an.
1979 fasste
der
damalige
Verteidigungsminister
unter Präsident Carter, Harold Brown,
das vergangene Jahrzehnt
zusammen.
"Wenn wir aufrüsten, rüsten sie auch
auf; wir wir abrüsten, rüsten sie
trotzdem weiter auf...".
1970, als die Idee des ABM-Vertrages zur Diskussion stand, erklärte
ein Wissenschaftler vom MIT namens
Bernard Feld vor dem Auswärtigen Ausschuß des Senats zu den Vorteilen einer Einschränkung der strategischen
Verteidigung:
Die Entscheidung bezüglich einer
Raketenabwehr ist äußerst wichtig
für die gesamte Zukunft der Rüstungskontrolle, weil sie zu einer Zeit getroffen wird, in der
beide Seiten sich bei der Zahl
ihrer Nuklearwaffen auf Niveaus
eingependelt zu haben scheinen,
die in allen Fällen so beschrieben werden können, daß sie ungefähren
Gleichstand
aufweisen,
wenn es auch der Gleichstand einer gigantischen Möglichkeit des
"Overkill" auf beiden Seiten ist.
Das war die typische Meinung von
1970 - die Verteidigung zurückzuhalten, um dann in der Lage zu sein, Offensivwaffen
abzubauen oder wenigstens deren Zahl auf einem stabilen
Niveau zu halten. Was glauben Sie,
ist mit den sowjetischen Arsenalen
offensiver
Nuklearwaffen
geschehen,
seitdem wir
zugestimmt haben, die
strategische Verteidigung durch die
Unterzeichnung des ABM-Vertrages im
Jahr 1972 einzuschränken?
Das so-

wjetische Inventar strategischer Nuklearwaffen - Gefechtsköpfe ballistischer Raketen und Bomber - hat nicht
nur zugenommen, es hat sich vervierfacht.
Und die Waffen sind zielgenauer geworden, haben eine größere
Zerstörungskraft und gefährden amerikanische landgestützte Interkontinentalraketen.
Im selben Zeitraum hat
sich unser Arsenal strategischer Waffen etwa verdoppelt. So viel zur Annahme, daß die Beschränkung der Verteidigung der Schlüssel zum Abbau von
Offensivwaffen
ist.
Soviel
zum
"Gleichstand".
Der Große Kompromiß von 1972 hat
nicht zum Abbau von Offensivwaffen
geführt. Er war - wenigstens auf sowjetischer Seite - auch nicht besonders wirkungsvoll bei der Beschränkung
der
Verteidigung.
Bei
der
grundlegenden Haltung der Sowjets zum
Wert einer Verteidigung hat sicher
nur ein geringer Wandel stattgefunden.
Ich habe bereits auf unsere
beste Schätzung der sowjetischen Ausgaben der vergangenen zehn Jahre für
die Luft- und strategische Verteidigung hingewiesen - 150 Milliarden
Dollar gegenüber zehn Milliarden auf
amerikanischer Seite.
Auf Drängen des Kongresses haben
die Vereinigten Staaten auf die ABMVereinbarungen
der Jahre 1972 und
1974 reagiert, indem sie ihr kleines
erlaubtes
Versuchsgelände
für
ABM
schlössen und die Mittel zur Forschung im Bereich der Raketenabwehr
drastisch kürzten. Aus welchen Gründe auch immer nahmen die Vereinigten
Staaten die Haltung "Keine Verteidigung" an.
Die Sowjets taten nichts dergleichen.
Während wir unsere Verteidigung außer Kraft setzten, haben im
Gegenteil die sowjetische Forschung
und ihre Aktivitäten zur Raketenab-

- 5 -

�wehr stetig zugenommen - letztlich
sogar in dem Ausmaß, daß sie den ABMVertrag auf eine ernstliche und sehr
offensichtliche Art und Weise verletzten. Was haben sie getan?
Die Sowjets haben zunächst, wie
dies auch der Vertrag erlaubt, ihr
Raketenabwehrsystem
um Moskau aufrechterhalten und weiter ausgebaut sie haben tatsächlich ein neues System geschaffen. Es besteht Besorgnis darüber, daß die Fließbänder, die
Bestandteile
dieses
neuen
Systems
herstellen, auch dazu verwendet werden könnten, eine breiter angelegte
Stationierung von Raketenabwehrsystemen zu unterstützen könnten.
Zweitens haben die Sowjets, wie dies auch
im ABM-Vertrag erlaubt ist, ihr Netz
der mit Frühwarnsystem ausgerüsteten
Radaranlagen erweitert und ausgebaut.
Neun neue Radaranlagen sind im Bau,
von denen drei in diesem Jahr entdeckt worden sind.
Eine dieser Radaranlagen in der Nähe von Krasnojarsk in Sibirien stellt in ihrem
Aufbau und in ihrer Ausrichtung die
eindeutige Verletzung einer Schlüsselbestimmung des ABM-Vertrages dar.
Die Errichtung solcher großen Radaranlagen mit phasengesteuerter Abtastung (LPARs) seitens der Sowjets
und das vertragswidrige Auftreten einer dieser Radaranlagen - in Krasnojarsk, tief im Inneren der Sowjetunion - erhöhen die Besorgnis über
die sowjetische Fähigkeit zum "Ausbruch" aus dem ABM-Vertrag.
Solche
LPARs könnten die Produktion und die
Stationierung solcher Komponenten einer
landesweiten Verteidigung, die
eine lange Vorbereitungszeit erfordern, bedeuten.
Diese großen Radaranlagen mit phasengesteuerter Abtastung sind schlagkräftiger und leistungsfähiger als amerikanische Frühwarn-LPARs gegen ballistische Raketen.

Die auf sowjetischer Seite offensichtlich
betriebene Erprobung
und
Staionierung der für ein ABM-System
erforderlichen Komponenten, die eher
in Monaten als in Jahren auf einem
bestimmten
Gelände zu stationieren
wären, könnten ebenfalls zum "Ausbruch" aus dem ABM-Vertrag führen.
Darüber hinaus weckt die mögliche Erprobung von Komponenten der Luftverteidigung im Rahmen von ABM und die
mögliche ABM-Fähigkeit eines modernen
Boden-Luft-Raketen Systems die weitere Besorgnis darüber, daß die Sowjetunion eine ABM-Verteidigung ihres nationalen
Territoriums
vorbereiten
könnte. Wenn die sowjetischen Komponenten der Luftverteidigung als Ergebnis dieser Aktivitäten mit ABM-Fähigkeiten
ausgerüstet würden, böte
solch eine Entwicklung einen neuen
Weg zum "Ausbruch" aus dem ABM-Vertrag.
Die sowjetischen Komponenten
für
eine
Luftverteidigung
sind
schnell stationierbar, und ihre Leistungsfähigkeit könnte durch die den
großen Radaranlagen mit phasengesteuerter Abtastung immanenten Fähigkeiten verbessert werden.
Zusammengenommen ergibt dies kurz
gesagt ein weites Netz sowjetischer
ABM- und mit ABM in Zusammenhang stehender Aktivitäten oder Stationierungen - in einigen Fällen zulässig, oft
in Frage zu stellen und in einem Fall
eindeutig illegal - die darauf hinweisen, daß die Sowjets eine Verteidigung ihres nationalen Territoriums
vorbereiten.
Das ist genau das Ergebnis, das der ABM-Vertrag verhindern sollte.
Somit war also unser erster Versuch in Sachen Großer Kompromiß nicht
besonders erfolgreich. Statt die Tür
zum Abbau offensiver Waffen zu öffnen, haben wir der Verletzbarkeit unseren eigenen bodengestützten Waffen
Tür und Tor geöffnet.

�Auch aus anderen Gründen wäre die
Grundannahme der vielfach vorgeschlagenen Formel des Großen Kompromises
zu hinter fragen - die Idee, daß weitere Beschränkungen der Verteidigung
unsere Sicherheit verbessern würden
und gleichzeitig zu bedeutungsvollen
Verringerungen bei den Offensivwaffen
führt.
Zunächst einmal sollten wir uns
darüber im klaren sein, daß auch ein
50prozentiger Abbau von Offensivwaffen uns immer noch in einem schrecklichen Ausmaß der nuklearen Vernichtung aussetzen würde. Wir müssen den
Abbau in seinem Umfeld sehen.
Die
Idee einer strategischen Verteidigung
mit nur 90prozentiger
Effektivität
wird weithin kritisiert.
Es heißt,
eine 90prozentige Effektivität reiche
nicht aus.
Aber historisch gesehen
wäre bereits ein in einem Rüstungskontrollabkommen
niedergelegter
50prozentiger
Abbau nuklearer Offensivwaffen ein sehr kühnes Ergebnis.
Auch wenn wir die Arsenale auf ein
Niveau von 50 Prozent beschränken
könnten, so würden Verteidigungssysteme hierzu einen erheblichen Beitrag leisten und die mögliche Zerstörung noch weiter verringern.
Zweitens tendieren die Anhänger
des Großen Kompromisses zu der Annahme, daß wir bei niedrigen Offensivwaffenniveaus keine Verteidigung benötigen. Aber das ist ganz einfach
falsch. Wir würden im Gegenteil mehr
Verteidigungssysteme
benötigen.
Im
Zuge einer Reduzierung der Offensivwaffen würde auf sowjetischer Seite
der Anreiz zur Täuschung wachsen, da
auf niedrigerem Niveau schon eine geringfügige Vermehrung der Waffen einen größeren Effekt hätte. Verteidigungssysteme würden ein Polster und
eine
Versicherung
gegen
Täuschung
bieten.
Nach
einer
Stationierung
- 7

strategischer
Verteidigungssysteme
würde ein potentieller Betrüger aus
einer heimlichen Erweiterung seines
Arsenals weniger Nutzen ziehen. Auch
Drittländer würden von der Stationierung
eigener
ballistischer
Raketen
weniger profitieren - eine Option,
die in einer Welt, in der die beiden
größten Nuklearmächte ihre Arsenale
stark reduziert hätten, sonst sehr
attraktiv erscheinen könnte.
Schließlich
sollten
wir
immer
daran denken, daß Abschreckung dynamisch ist. Nicht nur das bestehende
Gleichgewicht ist bedeutsam, sondern
auch die Trends. In der vorhersehbaren Zukunft wird die Abschreckung natürlich hauptsächlich in der offensiven Vergeltung
bestehen.
Bedenken
Sie, daß die von uns heute getroffenen Entscheidungen in bezug auf Verteidigungssysteme die Optionen schmälern könnten, die uns auf längere
Sicht zur Verfügung stehen.
Obwohl
es uns bis jetzt gelungen ist, die
Stabilität zu gewährleisten, ist der
Trend
beim strategischen Gleichgewicht nicht gerade beruhigend verlaufen. Während der vergangenen eineinhalb Jahrzehnte ist es den Sowjets
gelungen, die landgestützten Interkontinentalraketen
der
Vereinigten
Staaten gegen Präventivschläge verwundbar
zu
machen.
Strategische
Flugzeuge waren immer schon in gewissen Maß verwundbar gegen Zerstörung
am Boden und wären in jedem Fall einer massiven sowjetischen Luftverteidigung
ausgesetzt.
Mobile
Raketen
wären weniger verwundbar, aber sie
wären nicht immun gegen einen Präventivschlag. Und die Sowjets setzen
weiterhin energisch ihre Anstrengungen fort, eine Methode zum Aufspüren
unserer Raketen-U-Boote zu perfektionieren - das einzig verbleibende unverwundbare Standbein unserer Triade.
Die

Technologie

entwickelt

sich

�weiter. Mit oder ohne neue Rüstungsabkommen kann erwartet werden, daß
die sowjetischen Bemühungen, unsere
nukleare
Abschreckung
zunichte
zu
machen, weitergehen.
Wenn man die
Möglichkeit von Fortschritten bei der
Bekämpfung von U-Booten und anderen
Technologien
berücksichtigt,
dann
können Verteidigungssysteme eines Tages nicht nur hilfreich sondern entscheidend für die Erhaltung unseres
Abschreckungspotentials
sein.
Vergessen wir nicht, daß wir im Begriff
sind, durch die von uns heute und in
den nächsten Jahren getroffenen strategischen Entscheidungen eine vielversprechende technologische Zukunft
zu gestalten und zu erschließen.
Ich habe versucht, zwei Fragen zu
beantworten: die nach der Machbarkeit
von SDI und die nach der Ratsamkeit
des
"Großen Kompromisses".
Lassen
Sie mich nun auf die dritte Frage zu
sprechen
kommen:
werden
Verteidigungssysteme die Stabilität erhöhen
oder schmälern?
Hier scheint mir die Antwort ganz
eindeutig.
Wirksame und angemessen
ausgelegte Verteidigungssysteme würden stabilisierend wirken. Sie würden die Stabilität in Krisen erhöhen.
Vielleicht werden sie sogar die Stabilität bei Anzahl und Gleichgewicht
der Streitkräfte erhöhen. Was meine
ich damit?
Einige argumentieren, daß strategische Verteidigungssysteme
automatisch zu einer Zunahme der Offensivraketen führen werden.
Werden Sie
dies wirklich?
Es stimmt, daß das
offensichtlichste
Gegenmittel
gegen
Verteidigungssysteme in mehr Offensivwaffen besteht. Bedenken Sie jedoch, daß im Jahr 1972 viele Experten
voraussagten, die Begrenzungen
des
ABM-Vertrages würden auf beiden Seiten den Wunsch nach Stationierung

neuer
Offensivwaffen
abschwächen.
Die Experten hatten unrecht. Die Erfahrung lehrt vielmehr, daß das einfache Modell "Aktion-Reaktion" für
den
Rüstungswettlauf
ein
recht
schlechter Indikator für sowjetisches
Verhalten ist.
Es gibt in der Geschichte eine
andere Analogie, die es wert ist, untersucht zu werden.
In den fünfziger Jahren besaßen
die Vereinigten Staaten umfangreiche
Luftverteidigungssysteme
gegen
sowjetische Bomber. In jenen Tagen gaben wir für unsere Luftverteidigung
ungefähr zwei Drittel so viel aus wie
für unsere Offensivkapazitäten.
Im
Jahr 1960 waren unsere Ausgaben für
Verteidigungssysteme sogar höher als
für Angriffssysteme. Es ist interessant, daß die Sowjets, als wir so
viel für die Luftverteidigung ausgaben, damit aufhörten, Bomber zu bauen
und begannen, Raketen zu produzieren.
Als wir später unsere Ausgaben für
die Luftverteidigung reduzierten, begannen die Sowjets wieder damit, Bomber zu bauen, was keine Überraschung
ist.
Anders
gesagt:
Es
ist
nicht
klar, daß die Stationierung von Verteidigungssystemen gegen ballistische
Raketen die Sowjets dazu veranlassen
wird, die Zahl ihrer ballistischen
Systeme
zu
erhöhen.
Langfristig
führt sie vielleicht zu einer verringerten Stützung auf ballistische Raketen seitens der Sowjets. Stattdessen mögen sie dazu veranlaßt werden,
in Bomber und Marschflugkörper zu investieren.
Dies bedeutet Vorteile
für uns. Bomber und Marschflugkörper
sind langsamer.
Sie können weniger
verwundbar gemacht werden, indem man
sie in die Luft bringt, was deshalb
in Krisen weniger leicht zu einer
Haltung des "benutz sie oder verlier

�sie" führen kann. Eine Abschreckung,
die primär auf Bombern und langsam
fliegenden Marschflugkörpern beruht,
wird generell stabiler sein als eine
Abschreckung,
die
sich
auf
ein
Gleichgewicht bei ballistischen Raketen gründet.
Verteidigungssysteme bieten noch
weitere Vorteile. Fast jede gut geplante
Verteidigung
würde,
selbst
wenn sie nicht perfekt ist, dazu tendieren, das Kalkül für einen Aggressor,
der
einen
Präventivangriff
plant, zu komplizieren. Dies ist der
entscheidende Punkt, und deshalb würde ein größeres Vertrauen auf defensive Technologien dazu führen, die
Krisenstabilität oder Kriegsverhinderung grundsätzlich zu stärken.
Ein
Angreifer, der Atomwaffen benutzt,
rechnet damit, einen schockierenden,
entscheidenden
Schlag
auszuführen.
Er muß sicher sein können, daß er lebenswichtige militärische Ziele vernichten wird.
Ohne diese Sicherheit
ist der Anreiz für den Angriff beseitigt.
Selbst
Verteidigungssysteme
von begrenzter Wirksamkeit würden dazu beitragen, dem Angreifer diese Gewißheit zu nehmen. Bei den breitgefächerten, vielfältigen Systemen, die
wir erforschen, um unsere Nation und
unsere Verbündeten zu schützen - Systeme die, wie man sagt, einen großen
"Fußabdruck" hinterlassen - besteht
einer der Hauptvorteile darin, daß
das eigene Vergeltungspotential vergleichweise gut geschützt wird.
In
jedem Fall sind Verteidigungssysteme
die beste Methode, um den destabilisierenden Trend in Richtung auf zunehmende Verwundbarkeit unseres Vergeltungspotentials
umzukehren,
den
wir seit den früheren siebziger Jahren beobachten mußten.
Was hat es mit der sowjetischen
Behauptung
auf
sich,
strategische
Verteidigungssysteme seien darauf an-

gelegt, die Erstschlagfähigkeit der
Vereinigten Staaten zu unterstützen?
Lassen Sie mich eines ganz klar feststellen:
die
Vereinigten
Staaten
streben nicht nach der Erstschlagfähigkeit; wir möchten stattdessen dasselbe, was wir während der letzten
eineinhalb Jahrzehnte der Gespräche
über strategische Waffen angestrebt
haben - mehr Stabilität. Wir haben
mehr getan, als bei den Rüstungskontrollgesprächen
einfach
sowjetische
Behauptungen zurückzuweisen; wir haben den Sowjets konkrete Vorschläge
unterbreitet, um den von ihnen zum
Ausdruck gebrachten Anliegen Rechnung
zu tragen. Bei einer beideitigen Annahme dieser Vorschläge würde der Annahme, strategische Verteidigungssysteme unterstützten Erstschlagstrategie, jede Grundlage entzogen.
Erstens haben wir angeboten, die
in einer kontrollierten Ubergangsphase zur Stationierung von Verteidigungssystemen benötigte Mischung aus
offensiven und defensiven Systemen zu
diskutieren, um sichern zu helfen,
daß die Krisenstabilität
in jeder
Phase des Übergangs gewährleistet ist
d.h., daß für keine Seite eine
Erstschlaggefahr
besteht.
Zweitens
haben wir radikale Reduzierungen vorgeschlagen, die zur Abschaffung genau
der bei einer Erstschlagstrategie benutzten Offensivsysteme führen würden
- den offensiven ballistische Raketen. Dieser Abbau sollte in Verbindung mit einem Übergang zu Verteidigungssystemen
durchgeführt
werden.
Ohne offensive ballistische Raketen
wäre ein erfolgreicher Erstschlag unmöglich.
Dies war der Hauptgrund,
warum Präsident Reagan in Reykjavik
den Vorschlag für eine Null-Lösung
bei ballistischen Raketen vorlegte:
um Generalsekretär
Gorbatschow die
konkrete Gewißheit zu verschaffen,
daß SDI kein Element einer Erstschlagstrategie ist. Drittens unter-

- 9 -

�breitete Präsident Reagan die Initiative
der
"offenen
Laboratorien",
durch die es Wissenschaftlern aus den
Vereinigten Staaten und der Sowjetunion
ermöglicht
würde, die Forschungsstätten für strategische Verteidigungssysteme im jeweils anderen
Land zu besuchen.
Wir glauben, daß Verteidigungssysteme beiden Seiten dabei helfen können, sich auf ein Ziel hin zubewegen,
das wir
in der
Rüstungskontrolle
schon seit vielen Jahren verfolgen:
eine Bewegung weg von schnell fliegenden, potentiellen Erstschlagwaffen
und hin zu langsamer fliegenden, stabilisierenderen Systemen.
Präsident
Reagan hat sein Äußerstes getan, um
Generalsekretär
Gorbatschow
klarzumachen, daß dies die Richtung ist, in
die wir uns bewegen möchten.
Zusätzlich zur Stärkung der Stabilität
würden
wirksame Verteidigungssysteme auch die Möglichkeiten
nuklearer Erpressung verringern. Eine auf Verteidigung gegründete Welt
bedeutet für die Mächte des Status
Quo einen strategischen und psychologischen vorteil. Seit den fünfziger
Jahren ist die landgestützte ballistische Rakete die bevorzugte Waffe zur
nuklearen Einschüchterung.
Die Sowjets waren die ersten, die im Jahr
1957, dem Jahr, in dem sie den Sputnik starteten, Interkontinentalraketen
testeten
und
stationierten.
Chruschtschow
stellte
übertriebene
Behauptungen über die Zahl der Raketen im Besitz der UdSSR auf, und im
Westen bekam man Angst.
Chruschtschows Drohungen führten zur Bildung
einer Anti-Atomwaffenbewegung - der
"Weg mit der Bombe"-Bewegung der späten fünfziger Jahre. Wirksame strategische Verteidigungssysteme können
nuklearer Erpressung entgegenwirken,
indem
sie der
Raketendrohung
die
Spitze nehmen.
- 10

Strategische Verteidigungssysteme
würden eine Versicherung gegen einen
nichtautorisierten
oder
versehentlichen Raketenabschuß darstellen.
Schließlich würde eine defensive
Orientierung
unserer
Strategie ein
klares, einendes Ziel verleihen: dieses Ziel würde darin bestehen, die
Abschreckung zu verbessern und unser
überleben sowie das unserer Freunde
und Verbündeten in dem Rahmen zu sichern, wie ihn unsere Technologie zuläßt.
Dies, so scheint mir, ist
nicht
nur
ein
vernünftigeres
und
praktischeres Ziel als das eines einfachen Strebens nach Aufrechterhaltung eines Verhältnisses gegenseitiger Verwundbarkeit zur Sowjetunion,
das immer prekär sein wird.
Dieses
Ziel ist auch psychologisch eher lebensfähig. Es ist politisch attraktiver - eine sehr wichtige Überlegung
für Demokratien, die bei Verteidigungssystemen auf die Unterstützung
der Öffentlichkeit angewiesen sind.
Langfristig gesehen wird dies, so
glaube ich, auch sicherer sein, da
unabhängig von allen erzielten Abrüstungsvereinbarungen
die
Sowjets
hinter der Bühne immer danach streben, die Verwundbarkeit des Westen zu
erhöhen und wir permanent dazu gezwungen sind, Gegenmaßnahmen zu unternehmen, um dies zu verringern.
Meine vierte und letzte
heute abend lautet: Ist diese
nung von Verteidigungssystemen
einbar mit Rüstungskontrolle?
lut nicht.

Frage
BetounverAbso-

Erstens haben wir unsere Erfahrung.
Hat Ihrer Meinung nach seit
der Schaffung der Strategischen Verteidigungsinitiative
die
Intensität
der Abrüstungsverhandlungen zu- oder
abgenommen? Natürlich hat sie an Intensität zugenommen. Als SDI im Ja-

�nuar 1984 formell ins Leben gerufen
und im Haushaltsansatz berücksichtigt
wurde, fanden überhaupt keine Rüstungskontrollverhandlungen
statt.
Die Sowjets hatten Ende 1983 den Verhandlungstisch verlassen - gänzlich
ungerechtfertigt, wie
ich anmerken
möchte. Es war nicht klar, wann sie
zurückkehren würden. Nur kurze Zeit
nachdem das SDI-Programm angekündigt
worden und Haushaltsmittel breitgestellt worden waren, forderten die
Sowjets neue Verhandlungen über Weltraumwaffen.
Bald darauf nahmen die
Verhandlungen
ihren Fortgang.
SDI
erregte
ihre
Aufmerksamkeit.
Es
brachte sie an den Verhandlungstisch
zurück. Schließlich führte SDI dazu,
daß sie zum ersten Mal in der Geschichte über tiefgehende Reduzierungen der Atomwaffenarsenale verhandelten.
Bitte erinnern Sie sich daran,
daß die Sowjets im Jahr 1977 ohne
weiteres
amerikanische
Vorschläge
einschneidender Reduzierungen bei den
Offensivwaffen
ablehnten.
Kürzlich
jedoch, in Reykjavik, haben die Sowjets endlich begonnen, über einschneidende Reduzierungen zu verhandeln - was weitgehend auf Präsident
Reagans Festigkeit und Hartnäckigkeit
während der vergangenen sechs Jahre
und auf SDI zurückzuführen ist. Ob
diese Gespräche zu Ergebnissen führen
werden - zu gleichgewichtigen, wirksam zu verifizierenden Vereinbarungen, die die Sowjets vollständig einhalten werden - ist ungewiß. Schließlich besitzen wir keine Kontrolle
über ihre Entscheidungen.
SDI hat
sie jedoch dazu angespornt, zum ersten Mal ernsthaft über mögliche Abkommen zu verhandeln, die ihr riesiges und weiter wachsendes Atomwaffenarsenal reduzieren würden.
Es ist
also hilfreich
für
die Rüstungskontrolle gewesen.

Und es kann weiterhin hilfreich
sein.
SDI ist vielleicht nicht nur
für unsere zukünftige Sicherheit notwendig, sondern auch dafür, den Sowjets bei allen Abkommen, die wir mit
ihnen abschließen, Ehrlichkeit aufzuerlegen. SDI ist vielleicht notwendig, um die Sowjets weiterhin konstruktiv in den Rüstungskontrollprozeß einzubeziehen. SDI zu beseitigen
würde tatsächlich bedeuten, die Gans
zu töten, die goldene Eier legt.
Zumindest besteht kein logischer
Widerspruch
zwischen
Fortschritten
bei der Rüstungskontrolle und Bewegung
zu verstärkter
Stützung
auf
strategische
Verteidigungssysteme.
Es gibt kein eisernes Gesetz, das besagt, daß wir nicht in der Lage sein
können, auf beiden Seiten eine Mischung aus Verteidigungsund Offensivsystemen zu besitzen.
Es gibt kein
ehernes Gesetz, das besagt, Rüstungskontrolle funktioniere nur dann, wenn
man
die
Verteidigungssysteme
beschränkt.
Ja, die Erfahrung lehrt
eigentlich das Gegenteil: als wir die
Verteidigungssysteme
einschneidenden
Beschränkungen unterwarfen, gelang es
uns nicht, die erhofften Reduzierungen bei den Offensivwaffen zu erreichen.
Das Hauptproblem
bei
der
Rüstungskontrolle bestand nie in Verteidigungs- oder
Offensivsystemen
per se, sondern in den politischen
Absichten.
Die grundsätzliche Frage
ist diese: sind die Sowjets bereit,
eine echte und dauerhafte Reduzierung
ihrer Drohung gegen uns im Austausch
für eine echte Reduzierung unserer
Bedrohung
gegen
sie
vorzunehmen?
Dies ist immer der springende Punkt
gewesen.
Entweder sind die Sowjets
bereit, eine Reduzierung der Bedrohung zuzulassen oder nicht.
Wenn

- 11 -

sie

dazu

bereit

sind, dann

�ist die Stationierung von Defensivsystemen auf beiden Seiten sehr sinnvoll.
Wenn
nicht, dann
ist
es
schwierig zu erkennen, wie die Rüstungskontrolle uns jemals zu einer
sichereren Welt führen wird.
Wenn
die Sowjets nicht bereit sind, uns zu
erlauben, unsere Verwundbarkeit durch
eine gemeinsame Stationierung strategischer Verteidigungssysteme zu reduzieren, welche Basis könnte es dann
für die Annahme geben, daß sie eine
echte und dauerhafte Reduzierung unserer Verwundbarkeit durch Rüstungskontrolle erlauben würden.
Bis jetzt haben strategische Rüstungskontrollvereinbarungen auf der
Grundlage der gegenseitigen Verwundbarkeit ihr Ziel verfehlt: sie sind
mit gewaltigen Zunahmen der Offensivwaffen in beiden Arsenalen und einem
unverhältnismäßigen Anstieg der amerikanischen Verwundbarkeit einhergegangen. Und es gab sowjetische Täuschungsmanöver .
Logisch und strategisch gesehen
gibt es also für beide Seiten keine
bessere Methode zur Erzielung erhöhter Sicherheit als eine Hinwendung zu
strategischen
VerteidigungsSystemen
zusammen mit tiefgreifenden Reduzierungen der Offensivwaffen. Verteidigungssysteme sind nicht Teil des Problems bei der Rüstungskontrolle - sie
sind Teil der Lösung.
Ich werde Ihnen die Beantwortung
einer Frage selbst überlassen: Würden Sie unsere Sicherheit lieber auf
westlicher Genialität oder auf sowjetischer Integrität gegründet sehen?
Wenn wir die Verteidigungssysteme preisgeben, werden wir vielleicht stark auf das letztere vertrauen müssen.
Andererseits: wenn
wir die defensive Option aktiv verfolgen, besteht die Möglichkeit, daß
wir uns gleichzeitig auf die Statio-

nierung von Verteidigungssystemen und
die Reduzierung von Offensivsystemen
zubewegen.
Auf
diese
Weise
kann
westliche Genialität als Versicherung
dienen: Verteidigungssysteme
können
dazu beitragen, sowohl unsere eigene
Sicherheit wie auch die sowjetische
Integrität zu garantieren, indem sie
eine entscheidende Versicherung gegen
sowjetische Aggression und gegen sowjetische Täuschung bei Rüstungskontrollvereinbarungen
liefern.
Dies,
so scheint mir, ist die Art von Versicherung, die wir in einer von Atomwaffen geprägten Welt brauchen und
dies ist die Richtung, in die wir zu
gehen versuchen sollten.
Lassen Sie mich mit einer kleinen
Geschichte enden. Heinrich VIII. von
England betraute Thomas Morus einmal
damit, dem König von Frankreich eine
ärgerliche Botschaft zu überbringen.
Morus, der wußte, wie gewalttätig der
französische König war, setzte Heinrich von seiner Befürchtung in Kenntnis, daß diese Mission ihn den Kopf
kosten könnte.
"Habe keine Angst",
sagte Heinrich, "wenn die Franzosen
dir den Kopf abschneiden, dann werde
ich jeden Franzosen in London einen
Kopf kürzer machen."
"Ich bin Eurer
Majestät zu Dank verpflichtet", antwortete
Morus, "aber
ich
fürchte
sehr, daß keiner ihrer Köpfe auf meinen Rumpf passen wird." Morus wußte,
was wir alle verstehen: Verteidigung
ist besser als Vergeltung - moralisch, strategisch und in der Praxis.
Rüstungskontrolle sollte einer mehr
auf Verteidigung orientierten
Welt
nicht im Wege stehen; sie sollte dabei helfen, uns dahin zu bringen.

* * * * *

�AMERIKA DIENST
Wirtschaft

VION #

4. Februar 1987

REAGAN:

HANDEL UND LANDWIRTSCHAFT WICHTIGSTE PROBLEME IM JAHR 1987
- Jahreswirtschaftsbericht des Präsidenten -

WASHINGTON - (AD) - Der Abbau des amerikanischen Handelsdefizits, die Reform teurer staatlicher Unterstützungsprogramme für die Landwirtschaft und die
Kontrolle der Bundesausgaben werden dem von Präsident Reagan am 29. Januar
1987 dem Kongreß zugeleiteten Jahreswirtschaftsbericht zufolge im Jahr 1987
für die Reagan-Administration die wichtigsten Punkte sein. "Der Abbau unseres
Handelsdefizits bleibt eine der bedeutendsten Herausforderungen für die amerikanische Wirtschaft," erklärt der Präsident darin.
"Wir können dies jedoch
nicht erreichen oder die Wettbewerbsfähigkeit amerikanische Firmen erhöhen,
indem wir im Protektionismus Zuflucht suchen. Protektionismus ist wachstumsfeindlich. Er würde unsere Wettbewerbsfähigkeit schwächen, nicht stärken."
Der Wirtschaftsbericht des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:

An den KongreB der Vereinigten
Staaten:
Seit sechs Jahren verfolgt meine
Administration eine Politik, die auf
Förderung eines stetigen, nichtinflationären Wachstums und auf Verbesserung der Chancen für alle Amerikaner
ausgerichtet ist. Wir haben eine Politik verankert, die langfristig gesehen im besten Interesse der Nation
liegt, eine Politik, die der unserer
Wirtschaft immanenten Vitalität und
ihrer Fähigkeit, Ressourcen effizient
zu
verteilen
und
wirtschaftliches
Wachstum zu schaffen, aufbaut.
Es

United States Information Service
Embassy of the United States of America

ist ein
gewesen,
Zaum zu
erheben,
zu viele

Hauptelement dieser Politik
die Neigung der Regierung im
halten, zu hohe Steuern zu
zu viel Geld auszugeben und
Vorschriften zu erlassen.

Der gegenwärtige Konjunkturaufschwung
Unsere
marktorientierte
hat sich ausgezahlt.
Wir
uns nunmehr im fünften Jahr
junkturellen Aufschwungs und
le Wachstumsrate
unseres

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Politik
befinden
des kondie reaBruttoso-

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�zialprodukts wird sich 1987 wahrscheinlich auf 3,2 Prozent erhöhen.
Im Oktober wird der gegenwärtige Aufschwung der längste in der Nachkriegszeit geworden sein.
Seit Beginn dieses Aufschwungs
hat die Wirtschaft über 12 Millionen
neuer Arbeitsplätze geschaffen.
In
jedem der letzten beiden Jahre war
der Prozentsatz von Menschen im arbeitsfähigen Alter mit Arbeitsplätzen
der höchste jemals verzeichnete. Obwohl ich mich durch den Rückgang der
Arbeitslosenquote insgesamt auf 6,6
Prozent ermutigt
fühle, werde ich
nicht eher zufrieden sein, bis nicht
alle Amerikaner, die arbeiten wollen,
einen Arbeitsplatz finden können.
Unsere Bemühungen zur Senkung von
Steuern und Inflation sowie zur Beseitigung übertriebener Vorschriften
haben ein günstiges Klima für Investitionen in neue Fabriken und Anlagen geschaffen.
Der Anteil fester
Anlagen der Unternehmen am Bruttosozialprodukt erreichte in den Jahren
1984 und 1985 Rekordhöhen und bleibt
historisch gesehen weiterhin hoch.
Trotz der enormen Fortschritte
der Wirtschaft bei Beschäftigung und
Produktion ist die Inflation in den
vergangenen fünf Jahren unter oder
nahe 4 Prozent stehen geblieben und
im Jahr 1986 auf die niedrigste Rate
der letzten 25 Jahre abgesunken. Obwohl die niedrige Inflationsrate des
vorigen
Jahres
teilweise
den beträchtlichen
Rückgang
der Energiepreise widerspiegelt, erwarten wir
für das Jahr 1987, daß die Teuerung
weiterhin so bescheiden zunimmt, wie
wir dies in den ersten drei Jahren
des Aufschwungs erlebt haben.
Auf
den Finanzmärkten sind unsere Fortschritte beim Abbau der Inflation von
zweistelligen Raten zur Kenntnis genommen worden, und die Zinssätze san- 2

ken im Jahr 1986 auf das niedrigste
Niveau der vergangenen neun Jahre.
Um diese Entwicklungen zu stützen,
sollte die Bundesbank eine Geld- und
Kreditpolitik verfolgen, die den gemeinsamen
Zielen von Wachstum und
Preisstabilität dient.
Kurz gesagt: seit 1982 haben wir
die wirtschaftlichen Probleme vermieden, die uns in der jüngeren Vergangenheit
zusetzten - Beschleunigung
der Inflation, steigende Zinsen und
einschneidende Rezessionen.
Produktion und Beschäftigung sind stark angestiegen während die Inflation niedrig blieb und die Zinsen sanken.
Dieser Aufschwung hat jetzt schon bedeutende Fortschritte im Hinblick auf
unser langfristiges Ziel des stetigen
Wirtschaftswachstums und der Preisstabilität erreicht.

Die wirtschaftliche Rolle des
Staates
Der Staat sollte in der Wirtschaft eine begrenzte Rolle spielen.
Die Bundesregierung sollte eine stabile Wirtschaft fördern, in der die
Menschen Entscheidungen aufgrund von
Informationen
treffen können.
Sie
sollte ihnen diese Entscheidungen weder abnehmen, noch willkürlich die
wirtschaftlichen
Wahlmöglichkeiten
durch die Art der Besteuerung oder
Vorschriften in bezug auf die Produktion verzerren. Sie sollte und kann
nicht weiterhin übermäßig Geld ausgeben, ihre Macht zur Besteuerung mißbrauchen und Geld leihen, um über ihre Verhältnisse zu leben.
Die Bundesregierung sollte gewisse Güter und Dienstleistungen bereitstellen, die ihrem Charakter nach öffentlich und ihrem Anwendungsbereich
nach national sind und die von Privatfirmen
nicht effektiv
geliefert

�werden können - aber sie sollte nicht
versuchen,
öffentliche
Güter
und
Dienstleistungen
zur
Verfügung
zu
stellen, die von den Einzelstaaten
oder den Gemeinden besser geliefert
werden können.
Wenn der Staat dem
Einzelnen und den privaten Unternehmen Entscheidungen
abnimmt, werden
Produktionsanreize
unterdrückt
und
verzerrt; Wachstum, Produktivität und
Beschäftigung werden davon in Mitleidenschaft gezogen. Deshalb sollte der
Staat so weit wie möglich verantwortungsbewußte Maßnahmen des Einzelnen
fördern und auf die Initiative des
privaten Sektors vertrauen.

Arbeitsplätzen
führen.
Schließlich
wird durch die Steuerreform das Besteuerungssystem gerechter. Die einfachere,
niedrigere
Steuerstruktur
wird die Befolgung leichter und Steuerhinterziehung weniger attraktiv gestalten.
Die Amerikaner werden wissen, daß jetzt jeder seinen fairen
Anteil zahlt und kein Einkommen in
Schlupflöchern oder unproduktiven Nischen versteckt. Insbesondere werden
Millionen von ärmeren Arbeitnehmern
von der Steuerreform profitieren, indem sie aus den Steuerlisten gestrichen werden.

Verbleibende Herausforderungen der
Wirtschaftspolitik

Die Steuerreform
In meiner Botschaft zur Lage der
Nation im Jahr 1984 erklärte ich die
Steuerreform zur nationalen Priorität. Nach über zwei Jahren überparteilicher Bemühungen haben wir unser
Ziel im vergangenen Herbst erreicht,
als ich das Steuerreformgesetz von
1984 unterzeichnete.
Die Steuerreform erweitert die Besteuerungsgrundlagen der Einkommensteuer für Privatpersonen und Unternehmen und reduziert die Steuersätze beträchtlich.
Von diesen Veränderungen profitieren
die Amerikaner dreifach.
Erstens, durch die Senkung des
Spitzensteuersatzes erhöht die Steuerreform die Anreize, zu arbeiten, zu
sparen und zu investieren. Zweitens,
durch den Abbau von Disparitäten bei
den Steuersätzen für Einkommen aus
langfristigen Kapitalanlagen fördert
die
Steuerreform eine effizientere
Verwendung von Anlagekapital. Investitionsentscheidungen
werden
eher
die produktiven Vorzüge einer Aktivität als ihre steuerlichen Konsequenzen widerspiegeln und dadurch zu einer effizienteren Verteilung von Ressourcen, zu höherem Wachstum und mehr

Wir haben das Steuerrecht erfolgreich reformiert, die Inflation unter
Kontrolle gebracht und staatliche Interventionen in der Wirtschaft abgebaut. Das Ergebnis bestand in einer
Ausweitung von Produktion und Beschäftigung, die nun im fünften Jahr
anhält und von der wir erwarten, daß
sie im Jahr 1987 verstärkt andauern
wird.
Obwohl schon viel erreicht
wurde, müssen und wollen wir uns den
verbleibenden
Herausforderungen
für
die Wirtschaft widmen.
Wir müssen
weiterhin das Defizit des Bundeshaushalts durch
Zurückhaltung bei den
Ausgaben reduzieren. Wir müssen das
Handelsdefizit reduzieren und gleichzeitig
Protektionismus
vermeiden.
Wir
müssen
die
Produktivität
und
Wettbewerbsfähigkeit Amerikas in der
Weltwirtschaft stärken. Und wir müssen die teuren, unwirksamen und unfairen
Landwirtschaftsprogramme
reformieren.

Kontrolle der Bundesausgaben
Zum ersten Mal seit 1973 werden
die Bundesausgaben im Jahr 1987 real

- 3 -

�sinken. Deshalb wird das Bundeshaushaltsdefizit gegenüber dem Niveau von
1986 um fast 50 Milliarden Dollar abnehmen. Mein Haushalt für 1988 wird
diesen Prozeß fortsetzen, indem er
das durch Gramm-Rudman-Hollings gesetzte Defizit-Ziel von 108 Milliarden Dollar einhält.
Der Abbau des Defizits muß weitergehen und durch die Eindämmung des
Wachstums bei den Bundesausgaben erreicht werden - nicht durch Steuererhöhungen, die Wachstum und Chancen
vermindern würden.
Große und hartnäckige Bundesdefizite verlagern die
Last der Zahlungen für die heutigen
Bundesausgaben auf künftige Generationen. Ein durch Zurückhaltung bei
den Ausgaben erreichter Abbau des Defizits ist unverzichtbar, wenn wir
die beträchtlichen Vorteile dieses
Abbaus bei den Steuersätzen und der
Reform
der
Steuergesetze
erhalten
wollen; sie ist ebenso unverzichtbar
zur Reduzierung unseres Zahlungsbilanzdefizits.
Und schließlich überschreiten die Ausgaben bei vielen
Programmen
die
Summen, die
nötig
sind, um die grundlegenden Dienstleistungen des Bundes kostenwirksam
bereitzustellen.
Neben der Zurückhaltung bei den
Ausgaben müssen wir das Budgetverfahren so reformieren, daß der Macht der
Bundesregierung, zu hohe Steuern zu
erheben und zu viel Geld auszugeben,
Zügel angelegt werden.
Ich unterstütze einen Zusatz zur Verfassung,
der
ein
ausgeglichenes
Budget
in
Friedenszeiten vorschreibt, und ich
fordere den Kongreß auf, dem Präsidenten das gleiche Recht zu gewähren,
das 43 Gouverneuren zusteht - das
Recht, bei Bewilligungsmaßnahmen gegen einzelne Titel ein Veto einzulegen.

Aufrechterhaltung von freiem und
fairem Handel
Eine der bedeutendsten noch verbleibenden Herausforderungen für die
Wirtschaft
der Vereinigten
Staaten
ist der Abbau unseres Handelsdefizits. Wir können jedoch weder dies
erreichen, noch die Wettbewerbsfähigkeit amerikanischer Unternehmen erhöhen, indem wir beim Protektionismus
Zuflucht suchen. Protektionismus ist
wachstumsfeindlich.
Er würde unsere
Wettbewerbsfähigkeit
mindern, nicht
stärken. Durch ihn würden keine Arbeitsplätze geschaffen. Er würde im
Interesse einiger weniger den meisten
Amerikanern schaden. Er würde unsere
Handelspartner zur Vergeltung aufrufen. Langfristig würde uns der Protektionismus in den Bereichen unserer
Wirtschaft gefangen halten, in denen
wir vergleichsweise schwach sind, anstatt uns Wachstum in den Bereichen
zu gestatten, in denen wir relativ
stark sind.
Wir können durch Protektionismus
nichts gewinnen. Aber wir können gewinnen, indem wir uns standhaft darum
bemühen, unfaire Handelspraktiken zu
beseitigen und die Märkte in der ganzen Welt zu öffnen. Ich werde mich
in diesem Jahr weiterhin dafür stark
machen, ausländische Märkte zu öffnen
und unfairen Handelspraktiken, wo immer
sie bestehen mögen, energisch
entgegentreten.
Außerdem werde ich
den Kongreß bitten, das Verhandlungsmandat des Präsidenten für die Uruguay-Runde
unter
dem
Allgemeinen
Zoll- und Handelsabkommen
(GATT) zu
erneuern. Diese Gespräche bieten eine
wichtige
und
vielversprechende
Chance für die Liberalisierung des
Handels auf Gebieten, die für die
Vereinigten
Staaten
lebenswichtig
sind; den Handel mit Dienstleistungen, den Schutz geistigen Eigentums,
faire Regeln für internationale Inve-

�stitionen und den Welthandel mit Agrarprodukten.
Hier in den Vereinigten Staaten
müssen wir Zurückhaltung bei den Bundesausgaben üben.
Unsere Handelsdefizit bei Gütern und Dienstleistungen
spiegelt die Tatsache wider, daß wir
in den letzten Jahren mehr ausgegeben
als produziert haben - und wir haben
aufgrund der Verschwendungssucht der
Bundesregierung zu viel ausgegeben.
Wenn der Kongreß meinen Haushalt für
1988 in Augenschein nimmt, sollte er
dabei bedenken, daß ein Votum für höhere Regierungsausgaben ein Votum gegen die Korrektur unsere Handelsdefizits darstellt.

Stärkung von Produktivität
bewerbsfähigkeit

und Wett-

Wir müssen uns bemühen, um unsere
internationale
Wettbewerbsfähigkeit
durch ein größeres Wachstum bei der
Produktivität zu verbessern. Die Abwertung des Dollar seit Anfang 1985
hat viel dazu beigetragen, unsere
Wettbewerbsfähigkeit wiederherzustellen. Wir wollen uns jedoch nicht allein auf Bewegungen der Wechselkurse
stützen.
Das Wachstum der Produktivität liefert das Mittel, mit dem wir
unsere
Wettbewerbsfähigkeit
stärken
und gleichzeitig Einkommen und Chancen erhöhen können.
Seit 1981 ist
die amerikanische Produktivität
im
Industriebereich um 46 Prozent gestiegen, schneller
als
im Durchschnitt der Nachkriegszeit. Dies ist
eine solide Leistung, aber es muß
noch mehr getan werden. Wir müssen
ein
dauerhaftes
Produktivitätswachstum in der Industrieproduktion und
in anderen Sektoren unserer Wirtschaft ermutigen.
Ein Weg
zur
Stärkung
unserer
weltweiten
Wettbewerbsfähigkeit
ist

die Befreiung der amerikanischen Produzenten von unnötigen gesetzlichen
Vorschriften.
Meine
Administration
hat sich darum bemüht, Vorschriften
für Industrien abzubauen, bei denen
vermehrter Wettbewerb größere Vorteile für Verbraucher und Hersteller mit
sich bringt.
Ebenso hat sie die
Struktur der von der Bundesregierung
erlassenen
Vorschriften
gestrafft.
Die Amerikaner haben bedeutende Vorteile aus der Deregulierung des Flugverkehrs, der finanziellen Dienstleistungen, der Eisenbahnen und des LkwVerkehrs gezogen. ich werde mich jedem Versuch widersetzen, bei diesen
Industrien die Entwicklung wieder zurückzudrehen. Unsere Wirtschaft wird
weitere Vorteile erringen, wenn wir
die Preiskontrollen für Erdgas, verbleibende Vorschriften für den LkwSektor und unnötige Einschränkungen
für den Arbeitsmarkt beseitigen. Ohne Schaden für die Luftqualität in
unserem Land sollten wir die Tendenzen unserer gegenwärtigen Luftreinhaltungsgesetze beseitigen, die saubereren und effizienteren neuen Fabriken und Kraftwerken entgegenstehen. Wo Vorschriften notwendig sind,
sollten ihre Kosten gegen die Vorteile aufgewogen werden, um sicherzustellen, daß regulative Schritte dort
vorgenommen werden, wo sie wirklich
Positives leisten und um zu vermeiden, daß amerikanischen Unternehmen
auf dem Weltmarkt Wettbewerbsnachteile entstehen.
Durch
Privatisierung
wird
die
Produktion von Gütern und Dienstleistungen vom Staat auf den Privatsektor verlagert.
Durch Privatisierung
kann
auch die
Wettbewerbsfähigkeit
Amerikas verbessert werden, weil Privatfirmen Güter und Dienstleistungen
besserer
Qualität
produzieren
und
diese dem Verbraucher preiswerter zur
Verfügung
stellen
können
als
der
Staat. Aus diesen Gründen profitie-

- 5 -

�ren die Amerikaner, wenn der Staat
sich zurückzieht.
Wie die Abschaffung von Vorschriften und Zentralismus verkörpert die Privatisierung die
Überzeugung
meiner
Administration,
daß die Bundesregierung ihre Eingriffe in den Markt und lokale Verwaltungen auf ein Minimum beschränken sollte. Wir müssen zunehmend Regierungsfunktionen auf den wettbewerbsfähigen
Markt
zurückverlagern,
indem
wir
staatliche
Firmen
verkaufen
oder
übertragen.
Im Jahr 1986 hat der
Kongreß das Verkehrsministerium ermächtigt, Conrail der Öffentlichkeit
zum Kauf anzubieten, was, wie wir
hoffen, dieses Jahr stattfinden wird.
Andere für eine Privatisierung geeignete Unternehmen sind zum Beispiel
die National Petroleum Reserves, die
Alaska
Power
Administration
und
Amtrak.

Reform der Agrarpolitik
Eine weitere Priorität des Jahres
1987 muß in der Reform unserer Agrarprogramme bestehen.
Neben der Tatsache, daß diese Programme allein in
diesem Jahr den Steuerzahler 34 Milliarden Dollar kosten, entziehen sie
Land, Arbeitskraft und andere Ressourcen einer produktiven Verwendung.
Die meisten Landwirtschaftsprogramme
sind teuer und unfair, weil sie in
der Tat relativ wenigen Einzelpersonen und Firmen Millionen von Dollar
verschaffen, während viele Familienbetriebe, meist diejenigen, die wirklich Hilfe benötigen, wenig bekommen.
Schließlich
führen
Landwirtschaftsprogramme bei vielen Nahrungsmitteln
zu Preiserhöhungen für alle Amerikaner, reich und arm.
Die Unterstützung landwirtschaftlicher Einkommen sollte nicht durch
direkte Subventionen oder Preisstützung für landwirtschaftliche Produkte
- 6

mit der Produktion verbunden sein.
Meine Administration wird ein marktorientiertes
Reformpaket
verfolgen,
das zwei Ziele hat: eine schrittweise
Trennung der Unterstützung landwirtschaftlicher Einkommen von landwirtschaftlicher Produktion und die Konzentrierung dieser Unterstützung auf
diejenigen Familienbetriebe, die sie
am nötigsten haben.

Zusammenfassung
Die Wirtschaftspolitik meiner Administration hat mehr wirtschaftliche
Freiheit und Chancen für Männer und
Frauen, für Privatfirmen und die Regierungen der Einzelstaaten und Gemeinden geschaffen, um ihre eigenen
Interessen zu verfolgen und ihre eigenen
Entscheidungen
zu
treffen.
Diese Politik hat zu einem stetigen
Wirtschaftsaufschwung
mit
niedriger
Inflation, niedrigeren Steuern und
einem vereinfachten Steuergesetz, der
Befreiung der Industrie von gesetzlichen Vorschriften, einem scharfen
Anstieg bei den Investitionausgaben
und mehr als 12 Millionen neuen Arbeitsplätzen geführt.
Das amerikanische Volk verlangt
eine gesunde, produktive und wachsende Wirtschaft.
Deshalb werde ich
weiterhin eine Politik verfolgen, die
das Wachstum fördert, das Defizit des
Bundeshaushalts abbaut, das Handelsdefizit korrigiert und die Wettbewerbsfähigkeit amerikanischer Produzenten
stärkt.
Das
amerikanische
Volk wird eine Wiederholung der gescheiterten
Wirtschaftspolitik
der
Vergangenheit nicht dulden.
Deshalb
werde ich mich allen Vorschlägen zur
Einführung
einer
Wirtschaftspolitik
widersetzen, die die Errungenschaften
der
Steuerreform
preisgeben,
das
Wachstum lähmen, die Inflation anheizen, unnötige staatliche Eingriffe in

�den Markt bewahren oder den Protektionismus fördern. Mit der Hilfe und
Kooperation des Kongresses können wir
den gegenwärtigen Konjukturaufschwung
aufrechterhalten und stärken und die
wirtschaftlichen Errungenschaften der
letzten sechs Jahre erhalten und ausbauen.

* * * * * *

�AMERIKA DIENST
%

Hintergrundmaterial

^ &lt;£

4. Februar 1987

STRATEGIE ZUR NATIONALEN SICHERHEIT DER VEREINIGTEN STAATEN
- Bericht der Reagan-Adminstration an den Kongreß Teil I und II

Dem im vergangenen Jahr verabschiedeten Gesetz zur Reorganisation der Verteidigung zufolge wird in Zukunft jährlich vom Präsidenten zusammen mit der
Haushaltsvorlage ein Bericht über die "Strategie zur Nationalen Sicherheit der
Vereinigten Staaten" vorgelegt.
Der diesjährige Bericht kam am 28. Januar zur Vorlage und wurde gleichzeitig veröffentlicht.
Er faßt zur Verbreitung in der Öffentlichkeit und
erstmals unter einem Titel die wesentlichen Bestandteile der Strategie zur nationalen Sicherheit der Vereinigten Staaten wie folgt zusammen:

Nationale Interessen und Zielsetzungen der Vereinigten Staaten,
Wichtige
Bedrohungen
scher Interessen,

amerikani-

Die Außenpolitik der Vereinigten
Staaten (ihre Prinzipien und deren regionale Anwendung)
Die internationale Wirtschaftspolitik der Vereinigten Staaten,
Die Verteidigung und militärische
Strategie der Vereinigten Staaten,

United States Information Service
Embassy of the United States of America

- Die integrierte Verwendung amerikanischer Mittel zur Unterstützung
dernationalen
Sicherheitsstrategie
Der
Bericht
rekapituliert
die
heutige amerikanische Politik und beschreibt die Art und Weise, in der
verschiedene
politische
Maßnahmen
durchgeführt werden, die sich zur Erlangung amerikanischer Ziele gegenseitig unterstützen.
Er gibt keine
neuen Maßnahmen oder Initiativen bekannt.

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Die
entsprechenden
Abteilungen
und Behörden waren an der Erstellung
dieses Berichts beteiligt. Obwohl es
ein Bericht des Präsidenten ist, haben der Außenminister, der Verteidigungsminister, der Vorsitzende, die
Vereinigten Stabschefs und der Berater für Fragen der Nationalen Sicherheit des Präsidenten an seiner Entstehung mitgewirkt.
Von hochrangigen Beamten bei Anhörungen im Streitkräftsausschuß des
Senats gehaltene Referate über eine
nationale Strategie vervollständigen
und erweitern Teile des Berichts.
Der Bericht geht auf
Punkte im einzelnen ein:

folgende

- Die grundlegenden Interessen der
Vereinigten Staaten an: dem überleben der Vereinigten Staaten und
ihrer freien Institutionen; einer
gesunden und wachsenden amerikanischen Wirtschaft; der weltweiten Ausbreitung von Demokratie
und
freien
marktwirtschaftlich
orientierten Wirtschaftssystemen.
- Wie unsere Strategien versuchen,
aus amerikanischen
Stärken und
sowjetischen Schwächen Nutzen zu
ziehen.
- Den Charakter
der
Abschreckung
und wie unsere strategischen und
konventionellen Streitkräfte dazu
beitragen.
- Die Einbettung unserer Zielsetzungen im Bereich der Rüstungskontrolle
in
unsere
weitergespannten strategischen Ziele.
- Die
Möglichkeiten
der
Strategischen
Verteidigungsinitiative,
das strategische Verhältnis zwischen den Vereinigten Staaten und
- 2 -

der Sowjetunion grundlegend umzuwandeln und die Abschreckung auf
eine sicherere und gefestigtere
Grundlage zu stellen.
- Die
Strategie
der
Vereinigten
Staaten zur Behandlung von Konflikten mit niedriger Intensität.
- Maßnahmen, die unternommen werden, um durch bessere Planung und
Anleitung die Effizienz bei der
Durchführung dieser Strategie zu
verbessern; dazu gehört auch die
Vorlage eines zwei Jahre umfassenden Verteidigungshaushalts im
Finanzjahr 1988/89.
- Der
Bericht
beschreibt
ferner
wichtige Defizite bei den Mitteln
zur Durchführung dieser Strategie, hier besonders:
- Die Krise bei der Finanzierung
von Entwicklungshilfe, die durch
erhebliche Kürzungen seitens des
Kongresses im Finanzjahr 1987 zustande kam und die Fähigkeit der
Vereinigten Staaten zum Gebrauch
dieses rentablen Mittels zur Unterstützung einer Reihe wichtiger
nationaler
Sicherheitsinteressen
erheblich einschränkte.
Der Bericht erbittet die eindeutige Unterstützung
des Kongresses für
die anhängige Zusatzforderung, um
einen
Teil
der
Mittel
wieder
freizugeben.
- Angesichts des geringen Wachstums
bei den Vorlagen zum Verteidigungshaushalt
der
letzten
zwei
Jahre erbittet der Bericht Unterstützung für einen gemäßigten Zuwachs bei den Investitionen in
die Verteidigung, um die Aufgabe
des Wiederaufbaus der amerikanischen Verteidigung zu vollenden
und die für den wirkungsvollsten
Gebrauch der Verteidigungsmittel

�notwendige programmatische
lität zu fördern.

- Schließlich fordert der Bericht
die Unterstützung beider Parteien
im Kongreß für diese Strategie
und ihre Zielsetzungen wie auch
deren enge Zusammenarbeit, um sicherzustellen, daß die Mittel für
dessen
Durchführung
angemessen
sind.

I.

gen moralischen Unterschiede zwischen Totalitärismus und Demokratie herauszuarbeiten;

Stabi-

Eine amerikanische Perspektive

Seit Beginn dieser Regierung haben wir den Grundstein für eine konstruktivere und positivere amerikanische Rolle in der Welt gelegt, indem
wir die wesentlichen Bestandteile der
amerikanischen
Außen- und Verteidigungspolitik klar darlegten.
In der Zwischenzeit haben wir unsere Politik und unsere Leistungen
auf der Weltbühne objektiv betrachtet, um sicherzustellen, daß sie die
Dynamik einer komplexen und sich ewig
wandelnden
Welt widerspiegeln.
Wo
Kursanpassungen notwendig wurden, habe ich Änderungen angeordnet.
Aber
wir sind nicht vom Kurs abgewichen
und werden auch nicht von den weitgesteckten Zielen abrücken, die Amerikas Rolle in der heutigen Welt bestimmen:
- Starke und enge Beziehungen
unseren Bündnispartnern auf
ganzen Welt;

mit
der

- Aktive Unterstützung jener, die
für ihre Selbstbestimmung, Freiheit, einen annehmbaren Lebensstandard und für ihre Entwicklung
kämpfen;
- Bereitschaft
zu einer
realistischen
Sichtweise
der
Sowjetunion, um öffentlich die wichti-

- Suche nach bedeutsamen Wegen einer
Zusammenarbeit
mit sowjetischen Politikern, um einen Krieg
zu vermeiden und die Welt zu einem friedlicheren Ort zu machen.
Die zu Anfang dieser Regierung
gelegte
Grundlage
einer
gesunden
Strategie zur Nationalen Sicherheit
hat fest gegriffen und uns gute Dienste geleistet.
unsere wirtschaftliche, politische und
militärische
Macht lebt wieder auf.
Die westlichen Demokratien sind neu belebt
und auf der ganzen Welt wenden sich
Nationen demokratischen Ideen und den
Prinzipien der freien Marktwirtschaft
zu. Bei all diesen Bemühungen unterstützen die Vereinigten Staaten auch
weiterhin all jene, die sich die Vorteile unseres demokratischen Lebensstils zu eigen machen wollen.
Obwohl
den Vereinigten
Staaten
seit Ende des Zweiten Weltkrieges in
der freien Welt eine Führungsrolle
zufällt, haben wir doch nie allein
gehandelt.
Während des Krieges und
in den darauffolgenden vier Jahrzehnten gründete sich unsere Strategie
auf die Partnerschaft mit solchen
Ländern, die unsere Ziele teilen.
Da sich die Welt mit den Jahren
gewandelt hat, sind die Unterschiede
zwischen Ländern, die danach streben,
demokratische Institutionen hervorzubringen und solchen, die der totalitär istischen Fahne
folgen, in den
Mittelpunkt unseres Blickfeldes gerückt. Da die Veränderungen der Zukunft in den Bereichen der Menschenrechte, der modernen Technik, der Lebensqualität und der Weltwirtschaft
stattfinden, wird unser Beispiel weiterhin erheblichen Einfluß auf die

- 3 -

�Menschheit ausüben.
Die Vereinigten
Staaten befinden sich in diesem historischen Wettstreit auf der richtigen Seite und wir haben versucht, einen bleibenden Rahmen zur Förderung
dieses positiven Wandels zu schaffen.
Der Bericht über die Strategie
zur Nationalen Sicherheit der Vereinigten Staaten baut auf den Bemühungen dieser Regierung, des Kongresses
und des amerikanischen Volkes in den
vergangenen sechs Jahren auf. Aber
jedes Papier für eine Strategie kann
nur ein Leitfaden sein. Um Wirkung
zu zeigen, muß es fest in weitgespannten
nationalen
Interessen und
Zielsetzungen verwurzelt, von einer
angemessenen Bereitstellung von Mitteln begleitet sein und alle relevanten Bereiche nationaler Macht einschließen, um unsere nationalen Zielsetzungen zu verfolgen.
Es muß ein
Gerüst erstellen, in dem besondere
Einzelziele von den mit der Überwachung bestimmter Bestandteile nationaler Macht beauftragten Behörden erkennbar sind. Und er sollte eine Anleitung
zur
Erstellung
besonderer
Pläne zur Erlangung genau dieser Einzelziele geben.
Aus
diesen
Grund
spielen die
jährlichen Vorlagen des Außen- und
des Verteidigungsministers
vor dem
Kongreß eine Schlüsselrolle zur Unterstützung der in diesem Bericht näher
beschriebenen
Zielsetzungen.
Beide entwickeln in ihren jeweiligen
Bereichen der Außen- und der Verteidigungspolitik detaillierte Aktionspläne, um unsere nationale Strategie
zu unterstützen, amerikanischen Interessen Vorschub zu leisten und, was
am wichtigsten ist, das Risiko für
uns und unsere Verbündeten zu verringern.
Nachfolgend werden die Bemühungen
dieser Administration dargelegt, eine

Strategie zur Nationalen Sicherheit
der Vereinigten Staaten vorzulegen einen Entwurf für Freiheit, Frieden
und Wohlstand in unserer Zukunft.

II. Grundlagen der Strategie zur
Nationalen Sicherheit der Vereinigten
Staaten
Die
Sicherheit
der Vereinigten
Staaten in einer komplexen und sich
wandelnden Welt
In den Jahren nach dem Zweiten
Weltkrieg sahen sich die Vereinigten
Staaten zum ersten Mal einer unausweichlichen Verantwortung für die Angelegenheiten der Welt gegenübergestellt.
Die Vereinigten Staaten waren nicht länger durch die fast perfekte Festung der Meere geschützt,
nun mit vom Krieg zerstörten Ländern
verbündet, sahen sich unumstößlichen
Beweisen expansionistischer Bemühungen der Sowjets gegenüber und nahmen
angesichts dessen die doppelte Last
auf sich, die Wiederherstellung der
weltwirtschaftlichen Ordnung zu erleichtern und der Verbreitung von sowjetisch geprägtem Totalitärismus und
Kommunismus Einhalt zu gebieten.
Die Vereinigten Staaten reagierten auf die von Moskau ausgehenden
Bedrohungen mit einer Politik des
"Containment".
"Containment" umfaßt
als Strategie
für den Weltfrieden
drei verschiedene Elemente.
Zum ersten Element, der amerikanischen Verteidigungspolitik, gehörte
die weitere Stationierung von Streitkräften, die notwendig sind, um eine
militärische Expansion seitens der
Sowjets in ihre Schranken zu verweisen
("contain") und abzuschrecken.
Für die Praxis bedeutet dies, daß wir
zum ersten Mal in unserer Geschichte
große militärische Formationen im Ge-

- 4 -

�biet der Verbündeten in Westeuropa
und Ostasien unterhalten.
Mit dem
Zuwachs an sowjetischen Trägersystemen für Nuklearwaffen wurden auch umfangreiche strategische Streitkräfte
notwendig, um die durch die konventionellen Streitkräfte der Vereinigten Staaten und ihrer Verbündeten geschaffene Abschreckung
zu erhöhen.
Somit konzentrierte sich unser militärisches
Sicherheitssystem
vorwiegend auf zwei Regionen, Europa und
Ostasien, und wurde von unserer nuklearen Abschreckungsstreitmacht gestützt.
Das zweite Element, die internationale Wirtschaftspolitik der Vereinigten Staaten, umfaßte wirtschaftliche Wiederaufbauprogramme für Westeuropa und Japan. Es erforderte ferner eine Führungsrolle der Vereinigten Staaten bei der Einrichtung und
Leitung des internationalen Währungssystems und bei der Ermutigung regionaler und globaler Freihandelsabkommen.
Das dritte Element, die amerikanische Politik in der Dritten Welt,
umfaßt sowohl Hilfe für die Wirtschaft als auch für die Sicherheit.
Es beinhaltet auch eine grundlegende
politische Komponente: die Entkolonialisierung,
Selbstbestimmung
und
Unterstützung
für eine Entwicklung
hin zur Demokratie. Die Sowjetunion
trat uns in der Dritten Welt mit einer Politik "nationaler Befreiungskriege" entgegen, mit deren Hilfe sie
die mangelnde Stabilität sich bildender Nationen auszubeuten sucht um
marxistisch-leninistische Regime nach
sowjetischem Modell zu errichten.
In den drei Nachkriegsjahrzehnten
waren bei unserer nationalen Strategie wichtige Erfolge zu verzeichnen.
Ein Weltkrieg wurde vermieden. Europa und Japan gelangten mit Hilfe mas-

siver
amerikanischer
Unterstützung
wieder zu Wohlstand, und im größten
Teil der Dritten Welt ging die Kolonialzeit zu Ende. "Containment" hatte jedoch seinen Preis. Aber da die
Vereinigten Staaten den Löwenanteil
der
weltwirtschaftlichen
Macht der
Industrieländer
auf sich vereinte,
konnten wir die Last tragen.
Die Nachkriegszeit ging in den
siebziger Jahren zuende. Einmal veränderte
die
amerikanische
Wirtschaftspolitik in Europa und Ostasien
die Verteilung von Macht und Wohlstand in unserem Bündnissystem erheblich.
Gegenüber Westeuropa und dem
Land am Rande Ostasiens hatten die
Vereinigten Staaten nicht länger eine
herausragende
wirtschaftliche
Stellung. Und unser Erfolg bei der Abschreckung einer sowjetischen militärischen Aggression in diesen beiden
strategisch wichtigen Regionen schuf
in der Öffentlichkeit zunehmend die
Meinung, eine direkte sowjetische Aggression in diesen beiden Regionen
sei weniger wahrscheinlich.
Zweitens
erforderten
die militärische Aufrüstung der Sowjets und
die Verlagerung
sowjetischer
Macht
nach Kuba, Nicaragua, den Mittleren
Osten, Südost- und Südwestasien und
Afrika eine Änderung bei der Strategie zur Anwendung unserer Politik des
'Containment'.
Besondere
Bedeutung
kam der Tatsache zu, daß die Sowjets
im Bereich strategischer Nuklearwaffen einen Gleichstand mit den Vereinigten Staaten erreichten.
Drittens führte das aufkommende
politische Bewußtsein in der Dritten
Welt zu Bürgerkriegen und zu regionalen Konflikten, die die Vereinigten
Staaten und die Sowjetunion in eine
direkte militärische Konfrontation zu
verwickeln drohten.
Darüber hinaus
trugen wirtschaftliche Entwicklungen,

- 5 -

�besonders im Energiebereich, zu politischer Instabilität bei und hatten
auf das internationale Währungssystem
einen destabilisierenden Effekt.
In solch einer grundverschiedenen
Welt mußten die Grundlagen der strategischen Planung neu überdacht werden.
Es besteht keine militärische
Überlegenheit der Vereinigten Staaten
mehr bei den strategischen Streitkräften und die unausgesetzte Zunahme
sowjetischer
Fähigkeiten, die sich
gegen Europa, den Persischen Golf und
andere wichtige Gebiete richten könnten, stellt eine fortgesetzte Bedrohung der regionalen Sicherheit dar.
Es ist heute wichtiger denn je,
daß unsere Strategie zur Nationalen
Sicherheit
auf einem soliden Verständnis
amerikanischer
Interessen
und Zielsetzungen basiert wie auch
auf einer realistischen Methode zur
Behandlung der Sowjetunion und anderer Bedrohungen für die Sicherheit
der Vereinigten Staaten.

Die Interessen der Vereinigten
Staaten
Die Strategie zur Nationalen Sicherheit der Vereinigten Staaten ist
ein Abbild unserer nationalen Interessen und bildet einen weitgesteckten
Plan zur Erlangung nationaler Zielsetzungen, die diese Interessen unterstützen.
Die nationalen Schlüsselinteressen, die unsere Strategie
sichern und schützen will, umfassen:
1. Das Überleben der Vereinigten
Staaten als freie und unabhängige Nation, mit ihren intakten grundlegenden Werten und Institutionen.
2. Eine gesunde und wachsende
Wirtschaft der Vereinigten Staaten.

- 6

3. Die Heranbildung von Freiheit,
demokratischen
Institutionen
und
freien Marktwirtschaften auf der ganzen Welt, verbunden mit einem gerechten und offenen internationalen Handelssystem.
4. Eine stabile und sichere Welt,
frei von erheblichen Bedrohungen amerikanischer Interessen.
5. Gesunde und starke Bündsnisbeziehungen der Vereinigten Staaten.

Wichtige Ziele bei der Unterstützung amerikanischer Interessen
Die Zielsetzungen in der Sicherheitspolitik der Vereinigten Staaten
sind Erklärungen weitgesteckter Ziele
zur Unterstützung und Förderung nationaler Interessen. In diesem Sinne
sollen sie nicht mechanisch oder automatisch angewandt werden, sondern
bilden
allgemeine
Richtlinien
zur
Entwicklung einer Politik für besondere Situationen, die eine koordinierte Anwendung nationaler Macht erfordern.
Die wichtigsten Ziele zur
Unterstützung unserer nationalen Interessen sind folgende:
1. Die Erhaltung der Sicherheit
unserer Nation und unserer Verbündeten. Die Vereinigten Staaten müssen
in Zusammenarbeit mit ihren Verbündeten versuchen, jegliche Aggression
abzuwenden, die diese Sicherheit bedrohen könnte, im Falle versagender
Abschreckung bereit sein, einen jeden
militärischen Angriff zu verhindern
oder zunichte zu machen und den Konflikt in einem für die Vereinigten
Staaten, ihre Interessen und ihre
Verbündetnen günstigen Sinne zu beenden.
Im einzelnen heißt das:

�- Abschreckung feindlicher Angriffe
auf die Vereinigten Staaten, ihre
Bürger, Streitkräfte oder
ihre
Verbündenten und Sieg bei einem
feindlichen Angriff, wenn die Abschreckung versagt.
- Erhaltung der Stärke und Lebensfähigkeit der Beziehungen zu den
amerikanischen Bündnispartnern.
- Wirksame Behandlung von Bedrohungen der Sicherheit der Vereinigten Staaten und ihrer Bürger, bei
denen es nicht zum bewaffneten
Konflikt
kommt.
Hierzu
zählt
auch die Bedrohung durch den Terrorismus.
- Verhinderung
der Weiterverbreitung nuklearer Waffen.
- Langfristiger Abbau unserer Stützung
auf
Nuklearwaffen
durch
Stärkung unserer konventionellen
Streitkräfte, die Verfolgung ausgewogenener
und
verifizierbarer
Rüstungskontrollabkommen und die
Entwicklung von Technologien zur
strategischen Verteidigung.
- Sicherung
des
uneingeschränkten
amerikanischen
Zugangs
zu
den
Meeren und zum Weltall.

Volksrepublik China.

2. Reaktionen auf die Herausforderungen in der Weltwirtschaft. Gegenseitige wirtschaftliche Abhängigkeit hat den Vereinigten Staaten erhebliche Vorteile verschafft, stellt
sie aber auch vor neue Schwierigkeiten bei der Vorgehensweise, die gelöst werden müssen. Da unsere Abhängigkeit
von
Rohstoffen
zugenommen
hat, ist die potentielle Verwundbarkeit der Versorgungswege ein Anlaß zu
großer Besorgnis.
Obgleich das anhaltende Wirtschaftswachstum der Vereinigten Staaten dazu beiträgt, die
Welt aus der Rezession zu führen,
verlangsamt sich das Wirtschaftswachstum vieler Länder. Wir müssen unsere Aufmerksamkeit auf wichtige Probleme in der Welt richten, die amerikanische Interessen in Zukunft beeinträchtigen könnten, wenn sie keiner
Lösung zugeführt werden oder keine
Beachtung finden. Viele dieser Probleme, wie etwa die Schulden der
Dritten
Welt,
der
internationale
Rauschgifthandel und der zunehmende
Protektionismus haben im Augenblick
Auswirkungen auf die Interessen der
Vereinigten Staaten.
Das heißt, wir müssen:

- Verhinderung einer Dominanz des
eurasischen Raums durch die UdSSR
(oder
eine
andere
feindliche
Macht oder einen Zusammenschluß
verschiedener Mächte).

- in den Vereinigten Staaten eine
starke, florierende und wettbewerbsfähige Wirtschaft im Zusammenspiel mit einer stabilen und
wachsenden Weltwirtschaft fördern.

- Wir müssen die Sowjetunion zwingen, die Kosten für ihr wirtschaftliches Defizit zu tragen,
um weitere übertriebene Ausgaben
der Sowjets im militärischen Bereich und deren Abenteuerlust auf
der ganzen Welt zu entmutigen.

- den Zugang der Vereinigten Staaten zu ausländischen Märkten sichern und den Vereinigten Staaten
und ihren Verbündeten und Freunden den Zugang zu Energiequellen
und Erzvorkommen sichern.

- Förderung beserer Beziehungen

zur
- 7

- ein gut funktionierendens internationales Wirtschaftssytem
mit

�kleinstmoglichen Verzerrungen bei
Handel und Investitionen wie auch
stabile Währungen und weithin akzeptierte und respektierte Regeln
zur Behandlung
und Lösung von
Streitigkeiten fördern.

3. Verteidigung und Förderung der
Sache der Demokratie, Freiheit und
Menschenrechte auf der ganzen Welt.
Eine Außenpolitik, die das Schicksal
von Millionen nach Freiheit strebenden Menschen auf der ganzen Welt ignoriert, wäre ein Verrat an unserem
nationalen Erbe. Unsere eigene Freiheit
und
die
unserer
Verbündeten
könnte niemals in einer Welt sicher
sein, in der Freiheit überall sonst
bedroht wäre.
Das heißt

Konfliktes in sich.
Konflikte oder
Versuche, befreundete Regierungen zu
stürzen, die von den Sowjets oder ihren Satellitenstaaten angefacht oder
unterstützt werden, stellen eine besonders ernstliche Bedrohung für die
Interessen
der Vereinigten
Staaten
dar.
Insbesondere müssen wir:
- ein stabiles globales und regionales militärisches Gleichgewicht
gegenüber der Sowjetunion und den
mit ihr verbündeten Staaten aufrechterhalten.
- bedrohten Staaten beim Widerstand
gegen sowjetische und sowjetisch
geförderte Subversion und Aggression Hilfe leisten.

im einzelnen, wir müs-

sen:
- die Entwicklung nationaler Unabhängigkeit und freier Institutionen auf der ganzen Welt fördern.

- wo immer es möglich ist, die Ursachen
regionaler
Instabilität,
die das Risiko eines größeren
Krieges in sich bergen, zu beheben.

- Hilfs-, Handels- und
Investitionsprogramme ermutigen und unterstützen, die eine wirtschaftliche Entwicklung und die Heranbildung
freier, humaner politischer und sozialer Ordnungen in
der Dritten Welt fördern.

- die Bemühungen der
Sowjetunion
neutralisieren, ihren Einfluß in
der Welt auszuweiten und die zwischen der UdSSR und ihren Satellitenstaaten in der Dritten Welt
bestehenden
Verbindungen
schwächen.

- Liberalisierungstendenzen
innerhalb der Sowjetunion und ihrer
Satellitenstaaten ermutigen.

- Bedrohungen der Stabilität befreundeter Regierung und Institutionen
durch
Unterminierung,
staatlich unterstützten Terrorismus und den internationalen Drogenhandel bekämpfen helfen.

4. Friedliche Lösung von Streitfällen, die amerikanische Interessen
in unruhigen Regionen der Welt beeinträchtigen. Regionale Konflikte, die
Verbündete oder Freunde der Vereinigten Staaten einbeziehen, könnten die
Interessen
der Vereinigten
Staaten
bedrohen und tragen vielfach das Risiko einer weiteren Eskalation dieses

5. Aufbau wirkungsvoller und günstiger Beziehungen mit allen Staaten,
mit denen uns gemeinsame Probleme
verbinden. In der Welt gibt es heute
150 Nationen, von denen keine den
Vereinigten
Staaten
an
Macht
und

�Wohlstand gleichkommt, aber dennoch
jede einzelne souverän ist und mit
vielen, wenn nicht mit allen amerikanischen Interessen direkt oder indirekt in Berührung kommt.
Im einzelnen heißt das, wir sollten:
- die
Bildung
von
Vereinigungen
solcher Staaten, die den amerikanischen
Interessen
freundlich
gegenüberstehen unter Verwendung
der
ganzen Bandbreite diplomatischer, politischer, wirtschaftlicher und informeller Kontakte
fördern
- wichtige internationale Institutionen
wirkungsvoller
machen,
wenn es darum geht, den Frieden,
die Weltordnung
und den politischen, wirtschaftlichen und sozialen Fortschritt zu fördern.
- die Möglichkeit verbesserter Beziehungen mit uns feindlich gesinnten Nationen zu untersuchen,
um die Möglichkeiten zukünftiger
Konflikte abzubauen.
- den Einfluß der Vereinigten Staaten auf der ganzen Welt erhöhen.
Unsere Strategie zur Nationalen
Sicherheit muß amerikanische Interessen und Zielsetzungen einhellig unterstützen.
Sie muß weiterhin die
vielfachen Bedrohungen und die mangelnde Stabilität der heutigen komplexen und sich wandelnden Welt in
Betracht ziehen.

Die
Hauptbedrohungen
amerikanischen Interessen

für

die

Die wichtigste Bedrohung amerikanischer Sicherheit und nationaler
Interessen ist die weltweite Heraus-

forderung
durch
die
Sowjetunion.
Während nur eine Handvoll Politbüromitglieder berechtigterweise behaupten kann, die präzisen kurzfristigen,
taktischen Pläne der Kreml zu kennen,
ist
die
langfristige
strategische
Richtung der sowjetischen Außenpolitik eindeutiger.
Motiviert von den
Forderungen
eines
politischen
Systems, das von der marxistisch-leninistischen Ideologie und der sie repräsentierenden politischen Partei zusammengehalten und beherrscht wird,
versucht Moskau, das bestehende internationale System zu verändern und
eine globale sowjetische Hegemonie
aufzubauen.
Diese langfristigen sowjetischen Ziele bilden den allgemeinen konzeptionellen Rahmen der sowjetischen Außen- und Verteidigungspolitik.
Grundsätzliche
Unterschiede
bei
den wirtschaftlichen, sozialen und
politischen Überzeugungen und Zielen
führen zu einem grundlegend gegensätzlichen Verhältnis
zwischen den
Vereinigten Staaten und der Sowjetunion.
Beide Seiten haben trotzdem
mit der Vermeidung einer direkten
Konfrontation und dem Abbau der Bedrohung durch einen Nuklearkrieg ein
gemeinsames Ziel.
Die wahre Herausforderung
an
die
amerikanische
Staatskunst besteht darin, wie diese
Gemeinsamkeit der Interessen zur Erhaltung des Friedens am besten verwirklicht werden kann, ohne daß unsere
nationale
Sicherheit
gefährdet
oder
unsere Verpflichtung
an
die
Sache der Freiheit und Gerechtigkeit
aufgegeben werden.
Zur Durchführung ihrer expansionistischen Politik hat sich die UdSSR
ein innenpolitisches System zentralistischer totalitärer Kontrolle bewahrt und dieses System zur Unterstützung ihrer internationalen Ziele
mobilisiert und organisiert. Auf in-

- 9 -

�ternationaler Ebene haben die Sowjets
fortgefahren, Gruppen zu helfen, die
sogenannte "nationale Befreiungskriege" führen, internationale terroristische Gruppen mit Waffen und Ausbildung zu unterstützen, regionale Instabilität zu fördern und auszunutzen
sowie einen aggressiven und ungesetzlichen Krieg in Afghanistan zu führen.
An vielen weiteren Orten der
Welt haben sich sowjetische Berater
und Kampftruppen ebenfalls eines Verhaltens befleißigt, das internationale Vereinbarungen verletzt.
Die Sowjets haben eine noch nie
dagewesene Aufrüstung betrieben, die
eine andauernde Bedrohung der Vereinigten Staaten und unserer Verbündeten darstellt. Die sowjetische Führung mißt ihrer militärischen Stärke,
die die Hauptquelle für den Einfluß
der UdSSR im internationalen Bereich
bildet, eindeutig größten Wert bei.
Jahrzehntelang hat die UdSSR einen
unverhältnismäßig
hohen Anteil des
Nationaleinkommens für die Aufrüstung
ihrer Streitkräfte eingesetzt.
Sie
unterhält
gegenwärtig
eine Streitmacht von über fünf Millionen Uniformierten
(ausschließlich
über
eine
Million Grenzwachen und andere Sicherheitskräfte) . Es wird geschätzt,
daß die Ausgaben für das Militär gegenwärtig etwa 15-17 Prozent des gesamten sowjetischen BSP ausmachen.
Die sowjetische Militärmacht erlaubt es Moskau, eine starke Verteidigung der Heimat zu gewährleisten
und gleichzeitig die direkte und indirekte
Beteiligung
an
regionalen
Konflikten
außerhalb
sowjetischer
Grenzen
zu
erleichtern.
Außerdem
werden
zunehmend militärische Ressourcen der Sowjets dazu benutzt, die
Politik anderer Länder zu beeinflussen und Instabilität zu fördern.
Die

Beweise

für

die

Beziehungen

zwischen der Sowjetunion und der Zunahme des weltweiten Terrorismus sind
heute schlüssig.
Obwohl die Sowjetunion
keine unmittelbare
Kontrolle
über
die
meisten
terroristischen
Gruppen besitzt, liefert sie große
Mengen an Waffen, Geld und Beraterhilfe an revolutionäre Kräfte, die an
terroristischen Aktivitäten beteiligt
sind.
Die Sowjets versuchen, diese
Unterstützung durch das Vorschieben
von Mittelsmännern zu verschleiern radikale Regierungen wie etwa in Kuba, Nordkorea, Nicaragua, Syrien und
Libyen, die direkte Beziehungen zu
radikalen Terroristen
und Aufständischen
unterhalten.
Gleichgültig,
ob Moskau direkte oder indirekte Unterstützung bereitstellt, die eigentlichen Ziele des radikalen Terrorismus sind die Vereinigten Staaten,
Westeuropa, Japan und andere gemäßigte, prowestliche Regierungen.
Die Sowjetunion ist in den letzten Jahren bei der Verwendung ihrer
nationalen
Machtinstrumente
wesentlich subtiler geworden.
Trotz beträchtlicher Schwächen in der sowjetischen Wirtschaft benutzt das Politbüro wirtschaftliche Instrumente aktiv in seiner globalen Strategie. Es
nutzt den Westhandel, um wirtschaftliche Druckmittel, Technologie und
Devisen zu bekommen. Der Erwerb militärisch nutzbarer moderner Technologie mit legalen und illegalen Mitteln ist für die Sowjets insbesondere
wichtig, um die Entwicklungszeit für
Waffen zu verkürzen, die Kosten zu
reduzieren und die Schwächen der sowjetischen Wirtschaft zu kompensieren.
Die Beschaffung von Produktionstechnologie ist für die Sowjets
besonders wichtig, um die Effizienz
ihrer
Rüstungsindustrie
zu verbessern.
Zugang zu westlichen Produktionsausrüstungen, -verfahren
und
Know-How hat die sowjetischen Rüstungsfabriken in die Lage versetzt,

- 10 -

�einige moderne Waffen bis zu fünf
Jahre eher in Produktion gehen zu
lassen als dies sonst der Fall gewesen wäre. Die Sowjets versuchen außerdem langfristige Wirtschaftsabkommen abzuschließen, die Abhängigkeiten
von der UdSSR schaffen (z. B. solche,
die die Versorgung Westeuropas mit
Energie betreffen) .
Zusätzlich haben die Sowjets einen massiven Apparat zur politischen
Einflußnahme
aufgebaut.
Zu diesem
Apparat
gehört
die
umfangreichste
Propagandamaschinerie der Welt, einschließlich offener und geheimer Aktivitäten in den Medien, Finanzierung
und Unterstützung ausländischer kommunistischer Parteien und Frontorganisationen; politischer und ideologischer Indoktrinierung ausländischer
Studenten, Beamter, Terroristen und
Angehöriger des Militärs sowie die
Beeinflussung ausländischer Besucher
in der UdSSR. Dazu gehören getrennte
Bemühungen zur Durchführung "aktiver
Maßnahmen", darunter Desinformation,
Fälschungen, die Benutzung politisch
einflußreicher
Persönlichkeiten
und
andere Täuschungsmanöver.
Obwohl die Sowjets nicht als Anstifter aller revolutionären Bewegungen gebrandmarkt werden können, besteht ihre Strategie doch eindeutig
darin, innenpolitische wunde Schwachpunkte in anderen Ländern auszunutzen, um die Bildung von Regimen zu
fördern, die unter sowjetischem Einfluß oder sowjetischer Kontrolle stehen. All dies wird unter dem Etikett
der "friedlichen Koexistenz" mit den
Vereinigten Staaten und dem Westen
insgesamt erreicht und als ein andauernder Wettstreit definiert, in dem
alle Formen des Kampfes außer einem
offenen Krieg erlaubt sind.

sen

Obwohl wir uns weiterhin angemesmit der sowjetischen Bedrohung

befassen, dürfen wir andere destabilisierende internationale Bedrohungen
und Probleme nicht vernachlässigen,
die ernsthaft den amerikanischen Interessen schaden können, wenn sie
nicht in geeigneter Weise angegangen
werden. Dazu gehören nichtkommunistische Staaten mit repressiven Regierungen und Ideologien, die unserer
entgegenstehen;
internationale wirtschaftliche Probleme wie die massive
Weltverschuldung,
Handelsungleichgewichte und Verlagerungen des vergleichsweisen Vorteils in unserem von
wechselseitiger Abhängigkeit bestimmten Weltwirtschaftssystem; die weltweite Bevölkerungsexplosion und die
damit zusammenhängenden Probleme der
Versorgung
mit Nahrungsmitteln
und
Wasser sowie der Armut; die Ausbreitung von Atomwaffen; Drogenhandel und
Menschenrechtsverletzungen,
um
nur
einige zu nennen.
Eine zusätzliche Bedrohung, die
ihrem Charakter nach heimtückisch und
von wachsendem Ausmaß ist, stellte
der internationale Terrorismus der ein weltweites Phänomen, das zunehmend häufig, wahllos und mit staatlicher
Unterstützung
auftritt.
Höchstwahrscheinlich wird der Terrorismus für den Rest dieses Jahrhunderts ein wichtiger Bestandteil der
internationalen
Landschaft
bleiben.
Er greift unmittelbar unsere demokratischen Werte an, untergräbt unsere diplomatischen Bemühungen um die
friedliche Lösung von Konflikten und
zersetzt die Grundlagen der zivilisierten Gesellschaften. Die effektive Bekämpfung des Terrorismus ist ein
wichtiges Ziel für die nationale Sicherheit der Vereinigten Staaten.
Ein fundiertes Verständnis unserer nationalen Interessen und Ziele
ist in Anbetracht der großen Bedrohungen dieser Interessen unabdingbar,
um vernünftige Strategien zu ent-

- 11 -

�wickeln. in den beiden nächsten Kapiteln werden die Hauptelemente unserer
Außen- und
Verteidigungspolitik
sowie die Wege behandelt, auf denen
diese zur Erlangung unserer nationalen Sicherheitsziele beitragen.
Die
effektive Einbettung unserer Außenund Verteidigungspolitik liefert die
Grundlage unserer Nationalen Sicherheitsstrategie.
(wird fortgesetzt)

* * * * *

12

�AMERIKA DIENST
VON

**

Wissenschaft und Technik

4 . Februar 1987

LEHRBEISPIEL "VOYAGER"
Experimentierflugzeug aus metallfreiem Verbundmaterial gibt
Luftfahrttechnik neue Impulse -

WASHINGTON - (AD) - Pioniertat
und kaum vorstellbare Rekordleistung
dazu
war
die
Erdumkreisung
von
Richard Rutan (48) und Jeana Yeager
(34) mit dem experimentellen Flugzeug
VOYAGER. Neun Tage, drei Minuten und
44 Sekunden nach ihrem Start am 14.
Dezember 1986 von "Edwards Air Force
Base" in Kalifornien erreichten die
beiden wieder die Ausgangsbasis und
landeten am 23. Dezember sicher auf
einem ausgetrockneten Salzsee in der
Mojavewüste.
Ohne ein einziges Mal
aufzutanken und ohne Zwischenlandung
waren sie um die ganze Erde geflogen.

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Im letzten Drittel der 40 240 km langen Reise half zeitweise starker Rükkenwind, die ursprünglich auf zehn
bis 12 Tage angesetzte Flugdauer um
einen Tag zu verkürzen.
Tropische
Stürme über dem Pazifischen und Indischen Ozean machten eine Verlegung
der Route, die u.a. den Norden Australiens und den Süden Afrikas berühren sollte, in äquatornähere Regionen erforderlich. Im allerletzten
Abschnitt wurde, vom Atlantik her
über Venezuela kommend, der Weg entgegen früheren Plänen nicht über den
Golf von Mexiko und den Südwestteil

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�der
Vereinigten
Staaten
genommen.
Vielmehr führte er nun direkt nach
Westen über Costa Rica und, nach Erreichen der lateinamerikanischen Pazifikküste, in leicht nordöstlicher
Richtung
an Mexiko entlang zurück
nach Kalifornien.
Formgebung,
Konstruktion
und
Werkstoffe - alles ist außergewöhnlich bei VOYAGER, wenn auch nicht
ausnahmslos neu: Ein relativ kurzer,
schmaler Mittelrumpf mit je einem Motor an Bug und Heck, weit ausschwingende,
leicht
vorwärts
gekrümmte
Tragflächen, die hinter der in den
Mittelteil
verlegten
Pilotenkabine
ansetzen, zwei Außenrümpfe in einigen
Metern Abstand vom Hauptrumpf.
sie
sind um ein gutes Drittel länger als
ec und tragen ein großes Leitwerk am
Heck. Vorne sind sie durch Stummelflügel, in der Mitte noch einmal über
die Tragflächen mit ihm verbunden.
Diesen geben sie zusätzlichen Halt,
was dringend notwendig ist. Denn die
Spannweite ist mit 33,7 Metern (das
Vierfache der Mittelrumpflänge) sogar
noch größer als die Flügelspannweite
moderner Passagierflugzeuge wie z.B.
der Boeing 727.
Konstrukteur Burt
Rutan, der Bruder des Testpiloten,
berücksichtigte für die Tragflächen
eine Wölbungsfreiheit bis zu neun Metern.
Als Höhenleitwerk
fungieren
die
"canards", d.h.
die
vorderen
Stummelflügel. Gleichzeitig stabilisieren sie gegen Überziehen.
Beim Flug des Fluggeräts setzte
der Konstrukteur seinen großen Erfahrungsschatz nicht nur auf dem Gebiet
der Aerodynamik, sondern auch bei der
Verwendung super leichter Verbundwerkstoffe ein.
Die Schale besteht aus
sandwichähnlichem Material mit einem
sechseinhalb Millimeter dicken "Kern"
in Bienenwabenstruktur, ummantelt von
zwei harten Schichten.
Sie bestehen
aus
Kohlefasern,
eingebettet
in

Epoxydharz. Die sechsflächigen Waben
im Innern aus einem papierähnlichen
Polymer sind mit Kunstharz überzogen.
Die hochfeste Kombination besitzt eine siebenmal höhere Zähigkeit als
Aluminium, heute noch der wichtigste
Werkstoff im Flugzeugbau. Gleichzeitig ist sie um ein Fünftel leichter
als das Material. Was das Verbundmaterial tatsächlich auszuhalten vermag, zeigte sich schon beim Start,
als eine der Tragflächen während des
Anrollens mit der Spitze Bodenberührung bekam. Die Unterseite wurde dadurch von außen her ca. 40 cm weit
abgeschliffen. Gleichzeitig riß eine
kleine Klappe an der Flügelspitze ab.
Rutan
bekam
daraufhin
Anweisung,
durch eine leichte Kippbewegung auch
die andere Tragfläche kurz zu Boden
zu bringen - während des Beschleunigungsvorgangs auf der Rollbahn ein
Versuch, dort ebenfalls die Klappe
loszuscheuern.
Der Versuch gelang,
die "Symmetrie" war hergestellt. Der
Verlust der Klappen war für die Flugstabilität ohne Bedeutung.
Außer für die Verschraubung der
Tragflächenteile wurde beim Bau von
VOYAGER kein Metall verwendet.
Deshalb beträgt das Leergewicht der Zelle, die zu etwa 90 Prozent aus Kohlefaser und Verbundwerkstoffen besteht,
nur ganze 425,8 kg. Komplett ausgerüstet, einschließlich der beiden Motoren, kam man auf 1253 kg, und voll
aufgetankt beim Start auf 4431 kg.
So hob das Fluggerät mehr als das
Zehnfache seines Leergewichts in die
Lüfte.
Das robuste Material ist gut zu
bearbeiten und ergibt z.B. für Tragflächen eine glatte und dabei gut
versteifte Oberfläche.
Aerodynamisch
ist dies für die Ausnutzung der natürlichen laminaren Strömung an den
Tragflächen von Bedeutung. Der Luftwiderstand ist geringer, und damit

�auch
der
Tceifstoffverbrauch.
Das
VOYAGER-Experiment
hat die Eignung
der Werkstoffe und der Konstruktion
überzeugend demonstriert.
Das Fluggerät bewährte sich auch in sehr
starken Tubulenzen.

Fliegender Tank
"Fliegender Tank" wurde VOYAGER
zu Recht genannt. Den Treibstoffvorrat nahmen insgesamt 17 Kavernen in
allen drei Rumpfkörpern, in den Tragflächen und selbst in den Stummelflügeln auf.
Die Kavernen hatten Verbindungsleitungen,
damit
umgepumpt
werden konnte, wenn in turbulenten
Regionen durch höheren Treibstoffverbrauch aus einem größeren Tankbereich
eine Schwerpunktverlagerung und damit
Beeinträchtigung der Manövrierfähigkeit drohte.
Der
Bugmotor
wurde
außer
bei
Start und Landung meist nur zum Manövrieren eingesetzt. Einmal zwangen
beispielsweise
widrige
Wetterbedingungen
dazu, die übliche Flughöhe
zwischen 2 100 und 3 300 m zu verlassen und in mehr als 6 000 m Höhe zu
gehen. Die Schubleistung des Heckmotors reichte aus, um eine durchschnittliche Fluggeschwindigkeit von
ca. 185 km pro Stunde zu halten.

Auf engstem Raum
Die beiden Piloten hatten während
der 216 Stunden Flugdauer so gut wie
keine Bewegungsfreiheit in ihrer winzigen Kabine. Wenigstens ermöglichten Kuppel und Seitenfenster Sichtverbindung nach draußen - der Funkkontakt von und nach Kalifornien war
über alle nur erreichbaren Leitungswege gesichert, Unterstützung gab es
auch von Seiten der NASA und militärischen Stellen.
Steuern war nur in

halb sitzender Position möglich, weil
die 2,30 m lange, an ihrer weitesten
Stelle 1,20 m breite Kabine nichts
anderes zuließ, als daß der andere
die Zeit, in entgegengesetzter Richtung liegend, zubrachte. Die beiden
Piloten wechselten sich in allen Aufgaben ab und hielten nach Möglichkeit
regelmäßig Ruhepausen ein.
Nach dem vorausgegangenen Probeflug im Juli 1986, der viereinhalb
Tage dauerte, wurde Rutan gefragt, ob
solches Eingepferchtsein überhaupt zu
ertragen sei.
"Der Mensch ist ein
anpassungsfähiges
Wesen",
war
die
Antwort.
Habe man die ersten zwei
Tage hinter sich, spiele die Dauer
kaum mehr
eine Rolle.
Allerdings
machten während der Erdumfliegung im
Dezember
Müdigkeit und
körperliche
Anstrengungen in Turbulenzzonen den
beiden Piloten mehr zu schaffen, als
ihnen lieb war. Dennoch überstanden
sie ihr Abenteuer gut, wie auch die
ärztliche
Untersuchung
nach
der
glücklichen
Landung
ergab.
Wenige
Tage später erhielten sie zusammen
mit dem Konstrukteur aus der Hand
Präsident Reagans die Bürgermedaille.

Modell
Das Fluggerät VOYAGER, von einer
kleinen Gruppe begeisterter Ingenieure und Techniker unter der Mithilfe
nur weniger bezahlter Arbeitskräfte,
aber ohne jeglichen staatlichen Zuschuß gebaut, könnte der Flugzeugtechnik neue Anstöße geben. Das gilt
nicht nur für die Anwendung leichter
und dabei hochfester Verbundwerkstoffe aus nichtmetallischem Material,
sondern auch von technischen Prinzipien, die die Aerodynamik verbessern.
Darüber hinaus könnten Fluggeräte im
Stil der VOYAGER, bemannt oder unbemannt, z.B. für Aufgaben großräumiger
Fernerkundung über mehrere Tage für

- 3 -

�die Fischerei oder für Umweltbeobachtungen zu Lande eingesetzt werden und
damit eine wichtige Ergänzung zu Satellitendaten erbringen.
Flugzeugfirmen in den USA prüfen
bereits ob sich die Technik Burt
Rutans auf den Bau von Privatjets anwenden läßt - sowohl in bezug auf
Werkstoffe als auch auf die Tragflächenkonstruktion.
Und ein Flugforschungsinstitut der NASA plant in Zusammenarbeit mit den beiden größten
amerikanischen Flugzeugfirmen Untersuchungen zu der Frage, inwieweit die
von Rutan angewandte Strömungstechnik
bei den Oberflächen von Großflugzeugen einsetzbar ist.

- 4

�</text>
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                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
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                <text>Amerikadienst 04.02.1987</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Der Trugschluss des "Großen Kompromisses"&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rede von Kenneth L. Adelman in Bonn -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Reagan: Handel und Landwirtschaft wichtigste Probleme im Jahr 1987&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Jahreswirtschaftsbericht des Präsidenten -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Hintergrundmaterial&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Strategie zur Nationalen Sicherheit der Vereinigten Staatten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Bericht der Reagan-Administration an den Kongress - (Teil I und II)&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Lehrbeispiel "VOYAGER"&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Experimentierflugzeug aus metallfreiem Verbundmaterial gibt Luftfahrttechnik neue Impulse -&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST
VON

#

2 8 . J a n u a r 1987

I N HA LT

DOKUMENTATION
Präsident Reagans Botschaft zur Lage der Nation
- 27. Januar 1987 -

Alle Staaten müssen die notwendigen Schritte zur Beendigung
des Terrorismus unternehmen
- Ansprache von Justizminister Meese -

Anhaltender Fortschritte im Kampf gegen den Terrorismus
- NorIdnet-Konferenz mit Botschafter Bremer -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Raumflug ohne Risiko gibt es nicht
- DISCOVERY-Kommandant zur Wiederaufnahme von Shuttle-Fluren
im Jahr 1988 -

* * * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�AMERIKA DIENST
Dokumentation
28. Januar 1987

PRÄSIDENT REAGANS BOTSCHAFT ZUR LAGE DER NATION
- 27. Januar 1987 -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Reagan hat am 27. Januar 1987 vor beiden
Häusern des amerikanischen Kongresses seine in der Verfassung vorgesehene Botschaft zur Lage der Nation - "State of the Union Address" - verlesen.
Präsident Reagan erklärte, die Erde sei jetzt aufgrund der Bemühungen seiner Administration um die Wiederherstellung der Stärke Amerikas, ein sicherer
Ort, aber "obwohl die Welt sicherer ist, so ist sie doch nicht sicher".
Reagan drückte sein "Bedauern über eine Sache aus. Ich bin bei unserer Aktion
im Iran ein Risiko eingegangen. Es hat nicht geklappt, und ich übernehme dafür die volle Verantwortung".
Die Botschaft des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:

Ich möchte Ihnen allen, den Mitgliedern
dieses
historischen
100.
Kongresses
der Vereinigten
Staaten
von Amerika, gratulieren.
In diesem
200. Jahr unserer Verfassung werden
Sie und ich von starken Säulen getragen - von den Menschen, deren Worte
und Taten Wind in die Segel der Freiheit geblasen haben.
Wir müssen dennoch immer daran
denken, daß unsere Verfassung nicht
gefeiert werden sollte, weil sie so
alt, sondern weil sie so modern ist modern wegen derselben Energie, des-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

selben Geistes und der Versprechen,
die jeden ereignisreichen Tag im Parlamentsgebäude von Philadelphia erfüllten. Wir werden uns heute abend
von ihren Taten leiten lassen, aber
ihre Worte werden uns immer lenken.
Bitte sehen Sie es mir nach, wenn
ich Ihnen eine Geschichte aus jenen
Tagen erzählen möchte.
Philadelphia
war im Frühjahr 1787 vom Stolz aller
Bürger erfüllt und die Zeitungen begannen, anläßlich der Ankunft der Delegierten der Versammlung deren Namen
mit Titeln auszuschmücken.

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Die
Gouverneure
der
einzelnen
Staaten wurden "Exzellenz" genannt.
Richtern und Kanzlern war die Bezeichnung "Honorable" mit groGem "H"
vorbehalten, Kongreßabgeordneten dagegen waren "honorable" mit kleinem
"h". Alle anderen Mitglieder wurden
"die folgenden ehrwürdigen Herrschaften" genannt.
Bei diesem 100. Kongreß berufe
ich mich auf meine besonderen Befugnisse als Präsident und erkläre, daß
jedem von Ihnen kein geringerer Titel
als "Honorable" mit großem "H" zusteht.
Wir sehen heute abend an diesem
ehrwürdigen Ort ein neues Gesicht.
Bitte gratulieren Sie mit mir zusammen dem Sprecher des Repräsentantenhauses, Jim Wright. Mr. Speaker, sie
werden sich an eine ähnliche Situation bei ihrer ersten Sitzung im
Kongreß vor 32 Jahren erinnern. Dort
war wie heute der Platz des Sprechers
neu vergeben worden und ein anderer
bedeutender
Sohn
von
Texas,
Sam
Rayburn, - "Mr. Sam" - saß auf Ihrem
Platz.
ich könnte
keine besseren
Worte finden, als die, die Präsident
Eisenhower an jenem Abend benutzte:
"Wir werden zusammen noch viel zu tun
haben; ich bin sicher, daß wir es
schaffen werden - und daß wir es in
Eintracht und mit Wohlwollen angehen
werden".
Heute abend möchte
ich diesen
Wunsch wiederholen, und Ihnen, Mr.
Speaker wie auch dem Mehrheitsführer
des Senats, Bob Byrd, der 34 Jahre
hervorragenden
Dienstes
in
den
Kongreß einbringt, sagen: obwohl es
Veränderungen in diesem Kongreß gibt,
bleiben
Amerikas
Interessen
doch
gleich.
Ich bin zuversichtlich, daß
dieser Kongreß zusammen mit den Führern der Republikaner, Bob Michel und

Bob Dole, in die Geschichte
wird.

eingehen

Vor sechs Jahren habe ich an dieser Stelle den Kongreß gebeten, gemeinsam mit mir in Amerika einen neuen Anfang zu machen.
Auf das Ergebnis können wir stolz
sein.
Unsere
Inflationsrate
ist
jetzt die niedrigste seit einem Vierteljahrhundert. Der Leitzins ist von
21,5 Prozent vor unserem Amtsantritt
auf heute 7,5 Prozent gefallen, und
diese Zahlen haben den größten Zuwachs an Hausneubauten der letzten
acht Jahre hervorgerufen.
Die - immer noch zu hohe - Arbeitslosenquote
ist die niedrigste
seit nahezu sieben Jahren, und es
sind etwa 13 Millionen neuer Stellen
geschaffen worden. Mehr als 61 Prozent aller Personen über 16 Jahre,
Männer wie Frauen, sind berufstätig der höchste jemals verzeichnete Prozentsatz .
Lassen sie uns die Ärmel hochkrempeln, an die Arbeit gehen und
Amerikas wirtschaftlichem Motor wieder Vollgas geben.
Auch unsere in der ganzen Welt
erzielten
Fortschritte
sollten
uns
Mut
machen.
Das Wichtigste
ist:
Amerika lebt in Frieden und die Freiheit ist auf dem Vormarsch. Wir haben in den vergangenen Jahren viel
getan, um unsere Verteidigung, unsere
Bündnisse und unsere Führungsrolle in
der Welt wiederherzustellen.
Unsere
Söhne und Töchter in den Streitkräften tragen wieder mit Stolz ihre Uniformen .
Aber
obwohl
wir
soviel
Fortschritt erzielt haben, so möchte ich
doch zu einer Sache mein Bedauern
ausdrücken. Ich bin bei unserer Ak-

- 2 -

�tion im Iran ein Risiko eingegangen.
Es hat nicht geklappt und ich übernehme dafür die volle Verantwortung.
Die Ziele waren ehrenwert.
Ich
glaube nicht, daß es falsch war, zu
versuchen, Kontakte zu einem Land von
strategischer Bedeutung herzustellen
oder zu versuchen, Leben zu retten.
Und ganz sicher war es nicht falsch,
zu versuchen, Freiheit für unsere in
barbarischer Gefangenschaft gehaltenen Mitbürger zu erlangen. Aber wir
haben nicht das erreicht, was wir
wollten, und bei dem Versuch selbst
wurden
ernstliche
Fehler
begangen.
Aber wir werden der Sache auf den
Grund gehen, und ich werde alle hierzu notwendigen Aktionen unternehmen.
Aber wenn wir über die Vergangenheit sprechen, dürfen wir nicht die
Erfolge der Zukunft außer acht lassen. Es darf nie von dieser Generation von Amerikanern gesagt werden,
sie sei so sehr von ihrem Versagen
besessen gewesen, daß wir uns geweigert hätten, Risiken einzugehen, die
die Sache des Friedens und der Freiheit in der Welt hätten vorantreiben
könnten.
Es steht
eine Menge
auf dem
Spiel, und unser Land und die ganze
Welt blicken auf uns - um zu sehen,
ob wir weiterhin gemeinsam im nationalen Interessen vorangehen oder uns
durch Parteilichkeit schwächen lassen.
Und damit über die amerikanische
Politik keine Mißverständnisse aufkommen: Wir werden weder untätig zusehen, wenn unsere Interessen oder
unsere Freunde im Mittleren Osten bedroht werden, noch werden wir terroristischer Erpressung nachgeben.
Also, meine Damen und Herren des
Kongresses, lassen Sie uns an die Arbeit gehen.

Ich freue mich, Ihnen mitzuteilen, daß unsere Bemühungen zur Wiedererrichtung der stärke Amerikas dazu geführt haben, daß die Welt ein
sichererer Ort ist. Anfang des Monats habe ich einen Haushalt vorgelegt, mit dem Amerika verteidigt und
unsere Schwungkraft aufrechterhalten
wird, um die Versäumnisse des vergangenen Jahrzehnt wettzumachen.
Ich
bitte Sie, für eine Verteidigung und
für ein Budget der Außenpolitik abzustimen, das "Ja" sagt zum Schutz unseres Landes.
Obwohl die Welt sicherer
ist sie doch nicht sicher.

ist, so

Seit 1970 haben die Sowjets 500
Milliarden
Dollar
mehr
in
ihre
Streitkräfte investiert als wir. Sogar heutzutage, wo eine von drei sowjetischen Familien immer noch kein
fließend warmes Wasser hat und die
Durchschnittsfamilie
zwei
Stunden
täglich damit beschäftigt ist, für
ihre
Grundbedürfnisse
einzukaufen,
stellte die Regierung die Mittel bereit, um in den vergangenen fünf Jahren Waffen im Wert von 75 Milliarden
Dollar an ihre Satellitenstaaten zu
liefern - an solche Länder wie Syrien, Vietnam, Kuba, Libyen, Angola,
Äthiopien, Afghanistan und Nicaragua.
Wie könnte jemand angesichts der
120 000 Mann an Kampftruppen und Militärpersonal und 15 000 Militärberater in Asien, Afrika und Lateinamerika noch an der einseitigen sowjetischen Entschlossenheit zweifeln, ihren Machtbereich auszuweiten?
Trotzdem hat der Kongreß meine Forderung
nach
der
wichtigen
amerikanischen
Hilfe für die Sicherheit freier Länder dieses Jahr um 21 Prozent gekürzt, und die von mir in den vergangenen drei Jahren beantragten Mittel
für die Verteidigung wurden ebenfalls

- 3 -

�um 85 Milliarden Dollar beschnitten.
Diese Hilfsprogramme dienen unserem nationalen Interesse genauso wie
unseren gegenseitigen Interessen, und
wenn die Programme vernichtet werden,
wird dadurch amerikanischen Interessen Schaden zugefügt. Meine Freunde,
es ist meine Pflicht als Präsident,
Ihnen heute abend nochmals zu sagen,
daß es keinen sichereren Weg gibt,
die Freiheit zu verlieren als unsere
Entschlossenheit aufzugeben.
Heute zeigen die tapferen Menschen in Afghanistan genau diese Entschlossenheit.
Die Sowjetunion will
angeblich eine friedliche Einigung in
Afghanistan, setzt aber dennoch ihren
brutalen Krieg fort und unterstützt
ein Regime, dessen Tage ganz eindeutig gezählt sind.
Wir sind bereit,
eine politische Lösung zu unterstützen, die den schnellen Rückzug aller
sowjetischen Truppen und die wahre
Selbstbestimmung
des
afghanischen
Volkes herbeiführt.
In Mittelamerika
befindet sich
die Sache der Freiheit ebenfalls auf
dem Prüfstand. Und unsere Entschlossenheit wird auch dort auf die Probe
gestellt. Ganz besonders hier schaut
die Welt zu, wie diese Nation reagiert.
Heute leben über 90 Prozent
der Völker Lateinamerikas in Demokratien.
Die Demokratie befindet sich
in Mittel- wie auch in Südamerika auf
dem Vormarsch.
Das
kommunistische
Nicaragua fällt hier aus dem Rahmen es unterdrückt die Kirche, die Presse
wie auch die Befürworter der Demokratie und leistet der Subversion in
dieser Region Vorschub.
Wir unterstützen
diplomatische
Bemühungen,
aber diese Anstrengungen können niemals erfolgreich sein, wenn die Sandinisten ihren Krieg gegen das nicaraguanische Volk gewinnen.

Unser Engagement für eine westliche Welt, die vor Agression sicher
ist, ist nicht spontan bei unserem
Amtsantritt entstanden.
Es geht auf
die Monroe-Doktrin von 1823 zurück
und lebt in unserer historisch gewachsenen,
überparteilichen
amerikanischen
Politik
fort.
Franklin
Roosevelt erklärte, wir "sind entschlossen, alles zu tun, um den Frieden in dieser Hemisphäre zu erhalten". Präsident Truman sagte es noch
deutlicher:
"internationaler Terrorismus... versucht, in allen Teilen
Amerikas
die
Unabhängigkeit...
zu
zertreten, zu unterminieren und zu
zerstören. Wir dürfen das hier nicht
zulassen".
Und John
F. Kennedy erklärte,
"...über eine Vorherrschaft des Kommunismus in dieser Hemisphäre kann
niemals verhandelt werden".
Vielleicht werden einige von Ihnen von diesem historischen Engagement abrücken, aber ich werde dies
nicht tun .
In diesem Jahr feiern wir das
zweite Jahrhundert unserer Verfassung. Die Sandinisten haben ihre vor
erst zwei Wochen unterzeichnet - und
sie
dann
ausgesetzt.
Wir
wissen
nicht, wie dort über meine Worte von
heute abend berichtet werden wird,
und das aus einem einfachen Grund:
Es gibt keine Pressefreiheit in Nicaragua .
Die
nicaraguanischen
Freiheitskämpfer haben uns niemals gebeten,
für sie zu kämpfen, aber ich werde
mit allen Mitteln dagegen kämpfen,
daß ihnen das Blut entzogen wird und
werde sie nicht dem Tod, der Niederlage oder einem Leben ohne Freiheit
überlassen.
Es darf keinen sowjetischen Brückenkopf in Mittelamerika
geben.

�Wir Amerikaner haben den Dialog
immer der Auseinandersetzung vorgezogen, und wir bleiben immer offen für
konstruktivere
Beziehungen
zur Sowjetunion.
Aber ein verantwortungsvolleres verhalten der Sowjets auf
der ganzen Welt bildet einen wesentlichen Bestandteil im amerikanischsowjetischen
Verhandlungsprogramm.
Auch bei den anderen Verhandlungspunkten sind Fortschritte notwendig wie
die vollständige
Respektierung
der Menschenrechte und offenere Kontakte zwischen unseren Gesellschaften
und natürlich Abrüstung.
Im vergangenen Oktober bot sich
in Island eine kurze Gelegenheit, die
die Sowjets zunichte machten, weil
sie
unsere
Strategische
Verteidigungsinitiative (SDI) lähmen wollten.
Das habe ich ihnen damals nicht gestattet.
Und das werde ich auch
jetzt und in Zukunft nicht zulassen.
Es bildet unser positivstes und vielversprechenstes
Verteidigungsprogramm.
Es ist - für beide Seiten der Weg zu einer sichereren Zukunft,
hin
zu
einer
Struktur,
die
das
menschliche Leben verteidigt anstatt
es zu bedrohen.
SDI wird weiter
fortgesetzt werden.
Die Vereinigten Staaten haben der
Sowjetunion ernsthafte, gerechte und
weitreichende Vorschläge unterbreite,
und dies ist ein Augenblick der seltenen Gelegenheit für die Abrüstung.
Aber ich und auch die amerikanischen
Unterhändler in Genf werden die Unterstützung des Kongresses benötigen.
Die
Einarbeitung
der
sowjetischen
Verhandlungsposition
in das amerikanische Gesetz wäre nicht die richtige Methode zur Erzielung einer guten
Übereinkunft.
Ich
muß
den
Kongreß darauf hinweisen, daß ich gegen jede Bemühung zur Beschneidung
unserer nationalen Sicherheit und un-

serer Verhandlungsposition
einlegen werde.

mein

Veto

Heute spielen wir auch eine Rolle
bei der Ausweitung des friedlichen
Handels in der ganzen Welt. Wir werden daran arbeiten, um unsere Möglichkeiten auf internationalen Märkten bei der Uruguay-Runde der Handelsverhandlungen zu erweitern und um
ein Handelsabkommen zwischen den beiden größten Handelspartnern der Welt,
den Vereinigten Staaten und Kanada,
abzuschließen, das in die Geschichte
eingehen wird.
Unsere grundlegende Handelspolitik bleibt bestehen: Wir sind nach
wie vor gegen Protektionismus, weil
Amerikas Wachstum und seine Zukunft
vom Handel abhängen. Aber wir werden
auf gerechtem und freien Handel bestehen. Wir wollen immer Partner im
Handel bleiben, aber dabei niemals
ein schwacher Partner sein.
Lassen Sie uns nun vom Ausland
ins Inland zurückkehren, weil Amerika
im Ausland nur so stark ist wie im
Inland.
Dieser 100. Kongreß hat eine große Verantwortung.
Ich möchte nur
leise
daran
erinnern, daß
vieles
hiervon
unerfüllte
Verpflichtungen
der Vergangenheit sind.
Das amerikanische Volk muß ungeduldig sein,
wenn wir keine Ordnung in den öffentlichen Einrichtungen herstellen.
Wir haben erheblichen Erfolg bei
der Wiederherstellung unserer wirtschaftlichen Integrität zu verzeichnen, und wir haben unsere Nation vor
dem
schlimmsten
wirtschaftlichen
Durcheinander seit der Depression bewahrt .
Aber es gibt noch mehr zu tun.
Zunächst ist das Bundesdefizit enorm.

- 5 -

�Seit Jahren habe ich darum gebeten, daß wir die Ausschweifungen unserer Regierung nicht an unsere Kinder weitergeben. Was dem Kongreß zu
tun bleibt, ist die Verabschiedung
eines Zusatzes zur Verfassung, durch
den ein ausgewogener Haushalt obligatorisch wird und der die Regierung
zwingt, mit ihren Mitteln hauszuhalten.
Die Bundesstaaten, die Städte
und die Familien Amerikas gleichen
ihren Haushalt aus. Warum können wir
das nicht?
Zum nächsten Punkt - das Budgetverfahren bietet einen traurigen Anblick. Das Fehlen von Stichtagen und
der Alptraum von monströsen Haushaltsfortschreibungen, bei denen Hunderte von Milliarden Dollar in eine
einzige Vorlage gepackt werden, muß
beendet werden.
Wir bitten den Kongreß noch einmal:
Geben Sie uns das gleiche Instrument, das 43 Gouverneuren zur
Verfügung steht - ein selektives Veto, um sinnlose und unnötige Projekte, die allein niemals überleben würden, beseitigen können.
Ich werde
dem Kongreß breitgefächerte Empfehlungen zum Haushalt zuleiten, aber
zuerst möchte ich Ihre Vorschläge sehen.
Lassen Sie uns an die Arbeit
gehen und dies zusammen bewältigen.
Lassen Sie mich jetzt über das
diesjährige Budget sprechen.
Obwohl
ich einen Haushalt vorgelegt habe,
der sich innerhalb der von GrammRudman-Hollings gesetzten Zielvorgaben für die Reduzierung des Defizits
bewegt, sind mir Vorschläge bekannt
geworden, um diesen Fahrplan zu verlängern. Nun, ich denke, das amerikanische Volk hat genug davon, dieselben alten Entschuldigungen zu hören.
Gemeinsam sind wir eine Verpflichtung eingegangen, den Haushalt

auszugleichen; lassen Sie uns dieses
Versprechen jetzt einhalten.
Was nun Vorschläge betrifft, denen zufolge die Antwort in höheren
Steuern
liegt:
Das
amerikanische
Volk
hat diesen angestaubten Vorschlag wiederholt zurückgewiesen. Es
weiß, daß wir nicht deshalb Defizite
haben, weil die Menschen zu wenig
Steuern bezahlen; wir haben Defizite,
weil der umfangreiche Regierungsapparat zu viel Geld ausgibt.
Im nächsten Monat werde ich dem
Kongreß
zwei
zusätzliche
Reformen
vorlegen.
Wir haben ein Ungeheuer von Sozialhilf esystem
herangezüchtet, das
eine
schockierende Anklage
unseres
Sinnes
für
Prioritäten
darstellt.
Unser
nationales
Sozialhilfesystem
besteht aus ca. 59 größeren Programmen und über 6 000 Seiten an Gesetzen
und Vorschriften. Im Jahr 1985 wurden dafür 132 Milliarden Dollar ausgegeben .
Ich werde eine neue Sozialhilfestrategie vorschlagen - ein Programm
der Sozialhilfereform durch staatlich
geförderte Vorhaben zur Durchführung
in der Gemeinde. Es ist jetzt an der
Zeit, diesen unzeitgemäßen sozialen
Dinosaurier zu reformieren und endlich die Falle der Armut zu zerbrechen. Wir werden diejenigen, die ohne eigenes Verschulden unsere Hilfe
brauchen,
niemals
ihrem
Schicksal
überlassen. Aber lassen Sie uns daran arbeiten, herauszufinden, wie viele Menschen aus der Abhängigkeit von
Sozialhilfe befreit werden können, um
wieder selbst für ihren Unterhalt zu
sorgen; denn dies ist das, was die
große Mehrheit der Sozialhilfeempfänger mehr als alles andere will.
Und dann

lassen

Sie uns ein fi-

�nanzielles Gespenst beseitigen, das
vor allem den älteren Amerikanern zusetzt - die Furcht vor einer Krankheit, die so teuer ist, daß sie zu
einer
unerträglichen
Wahl
zwischen
Bankrott oder Tod führen kann. Ich
werde in Kürze einen Gesetzentwurf
vorlegen, der dazu beitragen soll,
die Alten von der Furcht vor katastrophalen Krankheiten zu befreien.

Zu dieser Gesetzesvorlage werden
Reformen im rechtlichen Bereich zum
Abbau von Vorschriften sowie Waffen
zur Bekämpfung unfairer Handelspraktiken
gehören.
Wettbewerbsfähikeit
bedeutet auch, unseren Landwirten die
Chance zu geben, fair und umfassend
an einem sich verändernden Weltmarkt
teilzuhaben.

Wie immer muß die Vorbereitung
auf die Zukunft bei unseren Kindern
beginnen. Wir müssen ihnen neue und
anspruchsvollere Ziele setzen.
Wir
Es wird vielfach behauptet, Amemüssen von uns selbst und unseren
rika sei im Begriff, seinen Wettbe- I Kindern mehr verlangen, indem wir das
werbsvorteil zu verlieren.
Das wird
Analphabetentum bis zum Jahr 2 000
nicht geschehen, wenn wir jetzt handrastisch
abbauen.
Unsere
Kinder
deln. Wie gut sind wir auf den Einsollten die Grundlagen von Mathematik
tritt in das 21. Jahrhundert vorbeund Naturwissenschaften beherrschen,
reitet?
Zeit meines Lebens hat Ameund wir sollten darauf bestehen, daß
rika der Welt die Maßstäbe gesetzt.^ die Schüler beim Verlassen der High
Jetzt ist es Zeit, zu entscheiden,
School die grundlegenden Texte unsedaß wir auf einem so außergewöhnres nationalen
Erbes studiert und
lichen Leistungsniveau in das nächste
verstanden haben.
Jahrhundert eintreten sollten, wie es
in der Geschichte niemals zuvor dage
Und da ist noch eine Sache, bei
wesen ist.
der
wir
nicht
nachlassen
können.
Lassen Sie uns unsere persönlichen
Anstrengungen verdoppeln, jedem Kind
Wir werden dies erreichen:
Erein sicheres und drogenfreies Lernumstens, indem wir sicherstellen, daß
feld zu schaffen. Wenn der Kreuzzug
der Staat alles nur Mögliche untergegen Drogen bei unseren Kindern Ernimmt, um Amerikas Wettbewerbsfähigfolg hat, werden wir diese Geißel im
keit zu fördern.
Zweitens muß jedera
ganzen Land besiegen.
Einzelne nach außergewöhnlichen Leistungen streben, die sich nicht in
neuen
Vorschlägen
oder
Milliarden
Und schließlich:
Laßt uns damit
neuer öffentlicher Mittel ausdrücken.
aufhören, die geistigen Wurzeln unseStattdessen gehört dazu ein Aufwand
rer nationalen Identität zu verleugan amerikanischem Geist und einfach
nen. Ohne göttliche Hilfe hätte ungeradlinigem amerikanischen Mumm.
sere Nation nicht entstehen können.
Wie ist es möglich, daß wir eine Nation mit Gebeten aufbauen, aber ein
Der Kongreß wird in Kürze meine
Klassenzimmer nicht zum freiwilligen
umfassenden Vorschläge zur VerbesseGebet
benutzen
können?
Der
100.
rung unserer Wettbewerbsfähigkeit erKongreß der Vereinigten Staaten sollhalten - einschließlich neuer Wissente in Erinnerung bleiben als derjenischafts- und
Technologiezentren
und
ge, der die Vertreibung Gottes aus
erheblicher zusätzlicher Mittel für
amerikanischen
Klassenzimmern
beendie Grundlagenforschung.
dete .
Lassen Sie uns nun in die Zukunft
blicken.

- 7

�Das
Streben
nach
außergewöhnlichen Leistungen im 21. Jahrhundert
beginnt in den Klassenzimmern und muß
sich dann am Arbeitsplatz fortsetzen.
Über 20 Millionen neue Arbeitsplätze
werden bis zum Ende dieses Jahrhunderts geschaffen werden. Dann müßte
unsere Wirtschaft in der Lage sein,
jedem einen Arbeitsplatz zu geben,
der arbeiten möchte.
Wir müssen
unsere Arbeitnehmer
auch dazu befähigen, sich an die
schnellen
Veränderungen
ihrer
Arbeitsplätze anzupassen, und ich werde
ein beträchtliches neues, auf Umschulung und Arbeitsplatzmobilität ausgerichtetes Engagement des Bundes vorschlagen.
In den nächsten Wochen werde ich
dem Kongreß eine Reihe von Sonderbotschaften zuleiten - zu Haushaltsreform, Reform der Sozialhilfe, katastrophalen Krankheiten, Wettbewerbsfähigkeit, einschließlich Bildungswesen, Handel, Ausbildung und Unterstützung
von Arbeitskräften, Landwirtschaft und zu anderen Themen.
Der Kongreß kann uns diese Instrumente geben, aber um sie funktionsfähig zu machen, müssen wir alle
unser Bestes geben. Das ist der Kern
amerikanischer Größe.
Die Verantwortung
der
Freiheit
treibt uns zu höherem Wissen und, wie
ich glaube, zu moralischer und geistiger Größe. Durch niedrigere Steuern und einen kleineren Regierungsapparat besitzt der Staat Mittel, um
den Geist der Menschen zu befreien.
Aber nur wir, jeder Einzelne von uns,
können dafür sorgen, daß sich der
Geist an unseren eigenen Maßstäben
emporschwingt.
Es

ist die Vortrefflichkeit, die

der Freiheit ihren Glanz verleiht.
Und ist es nicht das, was wir am
besten tun?
Wir treten jetzt in das dritte
Jahrhundert
unseres Bestehens ein,
aber es ist falsch, eine Nation nach
Jahren zu beurteilen.
Amerika kann
nicht am Kalender gemessen werden,
weil wir dazu bestimmt sind, ein endloses Experiment der Freiheit zu sein
- mit uneingeschränktem Horizont, ohne Grenzen für das, was wir zu tun
vermögen, ohne Endpunkt für unsere
Hoffnungen.
Die amerikanische Verfassung ist
unser leidenschaftlicher und begeisternder Begleiter auf unserem Weg
durch die Geschichte.
Sie erwuchs
aus der grundlegendsten Eingebung in
unserer Existenz: Daß wir hier sind,
um Gott zu dienen, indem wir als
freie Menschen leben - daß das Leben
in Freiheit in uns die erhabensten
Regungen und die besten Fähigkeiten
erweckt. Daß wir diese Gaben für gute und edle Zwecke benutzen und sie
nicht nur für uns selbst und unsere
Kinder,
sondern
für
die
gesamte
Menschheit sichern würden.
Über die Jahre hat mich nichts so
berührt, wie das Gespräch mit der
amerikanischen Jugend. Und insbesondere die ganz Kleinen - mit ihren
frischen Gesichtern und ihrem Wissensdurst - werden von Zeit zu Zeit
Fragen nach unserer Verfassung stellen.
Ich hoffe, daß Sie als Mitglieder
des Kongresses es nicht als Bruch des
Protokolls auffassen, wenn Sie es mir
erlauben, diese Gedanken wiederum mit
den jungen Menschen zu teilen, die
heute abend zusehen oder zuhören mögen .
Ich

habe

die

Verfassungen

einer

�Reihe von Ländern gelesen - darunter
die der Sowjetunion. Einige Menschen
sind überrascht, wenn sie hören, daß
sie eine Verfassung haben, die dem
Volk angeblich eine Reihe von Freiheiten gewährt.
Viele Länder haben
in ihre Verfassungen Bestimmungen für
Rede- und Versammlungsfreiheit eingefügt.
Wenn dies stimmt, warum ist
dann die Verfassung der Vereinigten
Staaten so außergewöhnlich?
Der Unterschied ist so klein, daß
er fast unserer Aufmerksamkeit entgeht - aber er ist so großartig, daß
er uns die ganze Geschichte in nur
drei Worten erzählt: WIR, DAS VOLK.
In diesen
anderen
Verfassungen
teilt die Regierung den Völkern dieser Länder mit, was ihnen zu tun erlaubt
ist.
In unserer Verfassung
teilen wir, das Volk, der Regierung
mit, was ihr erlaubt ist und daß sie
nur die: Dinge tun kann, die in diesem
Dokument aufgezählt werden und sonst
nichts.
Praktisch alle anderen Revolutionen in der Geschichte haben nur einen
Kreis von Herrschern durch einen anderen ersetzt. Unsere Revolution ist
die erste, die besagt, daß das Volk
der Herr ist und die Regierung sein
Diener .
Vergessen Sie das niemals. Eines
Tages könnten Sie in diesem Zimmer
sitzen - aber wo immer Sie auch sind,
Amerika verläßt sich darauf, daß Sie
Ihr Bestes tun - weil hier in Amerika
das Volk herrscht.
Nur drei Worte.
Wir, das Volk. Dazu gehören die
Jungs, die an Weihnachten in klirrender Kälte auf einem Wachtposten am
38. Breitengrad in Korea oder an Bord
eines Flugzeugträgers im Mittelmeer
- 9

Dienst tun. Viele Meilen von zuhause
entfernt. Aber sie tun ihre Pflicht.
Wir, das Volk.
Dazu gehören die
rmherzi gen, deren Zahl wir nicht
Stimmeri können, die den Tag mit eim kurzen Gebet für Geiseln, die sie
emals kennenlernen werden und für
e Familien vermißter Soldaten, den sie nie begegnen werden, beginnen. Warum? Weil wir so sind, dieser einzigartige Menschenschlag, den
wir als Amerikaner bezeichnen.
Wir, das Volk. Das sind Landwirte in harten Zeiten, die aber niemals
damit aufhören, eine hungrige Welt zu
ernähren. Das sind die Freiwilligen
in Krankenhäusern, die ihre Tränen
zurückhalten, während sie um das Leben eines Säuglings kämpfen, dessen
Mutter Drogen nahm. Und, bitte vergeben Sie mir diese persönliche Reminiszenz - das sind Millionen von Müttern wie Nelle Reagan, für die es
niemals einen Fremden gab und die
niemals
einen
Hungrigen
an
ihrer
Küchentür abwiesen.
Wir, das Volk.
Sie widerlegen
den
Fernsehkommentar
der
vorigen
Woche, der
unseren Optimismus und
Idealismus herabwürdigte.
Das sind
die Unternehmer, die Baumeister, Pioniere und eine Menge normaler Leute die wahren Helden unseres Landes, die
die ungewöhnlichste Nation von tatkräftigen Menschen in der Geschichte
bilden. Man weiß, daß sie Amerikaner
sind, denn ihr Geist ist so groß wie
das Universum und ihre Herzen sind
größer als ihr Geist.
Wir, das Volk. Wir gehen in das
dritte Jahrhundert eines Traums und
wehren uns gegen Zyniker , die behaupten,
daß
wir
keine
Fortschritte
machen werden.
Sind

wir

am

Ende?

Oder

stehen

�wir am Anfang?
Nun, ich kann es
nicht besser sagen, als eine wahre
Geschichte zu erzählen - eine Geschichte, die von James Madison am
17. September 1787, ganz am Ende der
verfassunggebenden Versammlung aufgezeichnet wurde. Als die letzten Mitglieder das Dokument unterzeichneten,
blickte Benjamin Franklin - mit 81
Jahren der älteste Delegierte und von
schwacher Gesundheit - auf den Stuhl,
auf dem George Washington täglich den
Vorsitz hatte.
Hinter diesem Stuhl
befand sich ein Gemälde der Sonne,
die über dem Horizont steht.
Indem
er sich den ihm zunächst Sitzenden
zuwandte, befand Franklin, daß es für
den Künstler schwierig sei, beim Malen von Bildern zwischen einer aufgehenden und einer untergehenden Sonne
zu unterscheiden.
Ich weiß, daß wir, wenn wir dort
wären, diese um Franklin herum sitzenden Delegierten
sehen würden
sich zu ihm hinbeugend, um ihm besser
zuhören zu können.
Dann begann Dr.
Franklin, ihnen seine innersten Hoffnungen und Ängste über das Resultat
ihrer Bemühungen mitzuteilen, und er
sagte dabei folgendes:
"Ich habe oft... das Bild hinter
dem Präsidenten betrachtet, ohne in
der Lage zu sein, zu entscheiden, ob
sie auf- oder untergeht:
Heute jedoch habe ich nach langer Zeit das
Glücksgefühl, zu wissen, daß es eine
aufgehende und nicht eine untergehende Sonne ist. "
Sie können jede Wette eingehen,
daß sie aufgeht, denn, meine Mitbürger, Amerika ist nicht am Ende; seine
besten Tage haben gerade erst begonnen .

+ + + +++

�AMERIKA DIENST
V l o N **

Dokumentation

28. Januar 1987

ALLE STAATEN MÜSSEN DIE NOTWENDIGEN SCHRITTE ZUR BEENDIGUNG DES
TERRORISMUS UNTERNEHMEN
- Ansprache von Justizminister Meese WASHINGTON - (AD) - In einer Ansprache vor einer Konferenz zum Thema "Terrorismus in einer technologischen Welt" erklärte der amerikanische Justizminister Edwin Meese am 21. Januar 1987, Staaten müßten den "politischen Willen"
besitzen, gegen den Terrorismus vorzugehen. Während er seine besondere Unterstützung für die Anwendung juristischer Verfahren im Kampf gegen den Terrorismus betonte, erklärte der Minister aber auch, daß es Fälle gebe, in denen "wir
bereit sein müssen, andere Mittel anzuwenden, einschließlich militärischer".
Die Ausführungen von Justizminister Meese haben folgenden Wortlaut:

Ich möchte heute das Thema Terorismus unter dem Gesichtspunkt der
Herrschaft des Gesetzes beleuchten.
Dafür gibt es vielleicht kein besseres Beispiel als die Auseinandersetzung mit einer Geschichte, die in
dieser
Woche
die
Nachrichten
beherrscht. Ich spiele damit natürlich
auf unsere Bemühungen in der amerikanischen Regierung und insbesondere
im Justizministerium an, eine derjenigen Personen der Gerichtsbarkeit zu
überantworten, die der Entführung des
TWA-Fluges 847 im Juni 1985 und des
Mordes an einem Angehörigen der amerikanischen Marine beschuldigt werden.

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Wir sollten vielleicht diese Geschichte von Anfang an aufrollen
sie beginnt am 14. Juni 1985, dem
Tag, an dem sich die Flugzeugentführung ereignete.
Auf der Grundlage der Bundesgesetze gegen Luftpiraterie und Geiselnahmen in amerikanischen Flugzeugen
haben wir kurze Zeit danach, am 3.
Juli 1985, gegen drei Personen Anklage erhoben, die identifiziert worden
waren und von denen wir glaubten, daß
sie für diesen Vorfall verantwortlich

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�seien.
Am gleichen Tag erließ der
Bezirksgerichtshof hier in Washington
Haftbefehle gegen diese Personen.
Die Dokumente wurden bis zum 17.
Oktober unter Verschluß gehalten, als
wir den Gerichtshof ersuchten, sie zu
öffnen. Und im November wurden förmliche Anklageschriften gegen diejenigen erlassen, die wir als Täter beschuldigten.
Fast 14 Monate später - am 13.
Januar dieses Jahres - wurde eine
dieser
Personen,
Mohammad
Ali
Hamadei, von den Behörden der Bundesrepublik Deutschland verhaftet.
Am
nächsten Tag - dem 14. Januar - haben
wir der Regierung der Bundesrepublik
Deutschland ein vorläufiges Auslieferungsersuchen übermittelt.
Am darauffolgenden Tag haben wir dem Gerichtshof hier in Washington den Antrag unterbreitet, die Anklageschriften freizugeben, um das rechtliche
Verfahren weiterzuführen.
Erst gestern haben wir der Bundesregierung
die Papiere überstellt und um die
Auslieferung von Hamadei an die Vereinigten Staaten ersucht.
Wir erwarten, daß das Auslieferungsverfahren
bald
abgeschlossen
sein
wird
und
daß
Hamadei
nach
Washington
gebracht wird, um sich
dort vor Gericht zu verantworten. Zu
diesem
Zeitpunkt wäre der nächste
Schritt in diesem juristischen Verfahren, ihn vor Gericht zu stellen.
Dies ist also der Verlauf der Geschichte bis heute.
Sie weist auf
einen Punkt hin, dessen Erkenntnis
sehr wertvoll ist: wenn wir uns nun
mit der Zukunft, dem Aufkommen neuer
Technologien und ihrer Beziehung zum
Terrorismus beschäftigen, bleiben die
alten Gesetze und juristischen Verfahren auch im technologischen Zeitalter noch auf den Terrorismus an- 2

wendbar. Sie weist ebenso auf einen
Punkt hin, den diese Administration
schon längere Zeit betont hat: obwohl
der Terrorismus zweifellos eine Bedrohung für die Herrschaft des Gesetzes darstellt, kann dieses Gesetz
selbst benutzt werden, um den Terrorismus zu bekämpfen, ganz gleich ob er
sich nun innerhalb der Grenzen unseres eigenen Landes oder auf internationalen Schauplätzen zuträgt.
Insbesondere möchte ich Ihnen gegenüber darauf hinweisen, daß dieser
Vorfall zunächst die Bedeutung der
Existenz von Gesetzen unterstreicht,
nach denen wir Anklage gegen diejenigen erheben können, die auch im Ausland Akte des Terrorismus gegen unsere Staatsbürger begehen.
Der Kongreß der Vereinigten Staaten hat klugerweise strafrechtliche
Bestimmungen erlassen, die uns in Situationen wie der gegenwärtigen die
Jurisdiktion übertragen und uns damit
in die Lage versetzen, unmittelbar
wichtige
und notwendige
rechtliche
Schritte zu unternehmen.
Zweitens zeigt dieses Beispiel,
daß, wenn eine von uns gesuchte Person in einem anderen Land festgenommen wird, wie in diesem Fall, rechtliche Mittel bestehen müssen, um diese Person in die Vereinigten Staaten
zu bringen und sie dort vor Gericht
zu stellen. Die Auslieferung ist eines dieser Mittel.
In diesem Fall
wird sie sich als das wichtigste Mittel erweisen.
Wir unterhalten mit
mehr als 100 Staaten Auslieferungsverträge, darunter natürlich auch die
Bundesrepublik
Deutschland.
Solche
Verträge, die vor der Festnahme bestehen müssen, liefern eine ordentliche Rechtsgrundlage, auf der solche
Personen, die hier bei uns terroristischer
Verbrechen
angeklagt
sind,
hierhin gebracht werden können, um

�sich vor Gericht zu verantworten.
Drittens illustriert dieser Fall,
daß es eben nicht genügt, die notwendigen
strafrechtlichen
Vorschriften
oder Auslieferungsverträge zu haben.
Es ist ebenso notwendig, daß ein
starker Wille besteht, diese rechtlichen Instrumente zu benutzen. Gegenwärtig erlebt die Welt etwas besonders Wichtiges in diesem Kampf gegen den internationalen Terrorismus.
Ich beziehe mich dabei auf eine Bekundung des Willens, des politischen
Willens, zweier Nationen - der Vereinigten Staaten und der Bundesrepublik
Deutschland.
Zweifellos werden einige unter Ihnen sein, die Fragen zu
der TWA-Angelegenheit stellen möchten. Wenn es die Zeit erlaubt, werde
ich einige davon so gut ich kann beantworten, jedenfalls so gut, wie ich
dies unter dem Diktat der Klugheit im
Vorfeld eines möglichen Strafprozesses vermag.
Für den Augenblick jedoch möchte ich das Thema Terrorismus
etwas breiter angehen, indem ich einen Überblick darüber gebe, was zur
Bekämpfung dieses Übels getan werden
muß.
Erstens müssen wir in der Regierung und diejenigen, die in Presse,
Hochschule und Wirtschaft tätig sind,
die Öffentlichkeit erziehen, was den
wahren Charkter und das Ausmaß des
Terrorismus angeht.
Botschafter
Benjamin
Netanyahu,
Israels Vertreter bei den Vereinten
Nationen, der den vom Terrorismus geforderten Blutzoll persönlich kennt,
weil sein Bruder als mutiger Oberstleutnant die Aktion von Entebbe leitete, in deren Verlauf er getötet
wurde, hat den Terrorismus als "willkürlichen
und systematischen
Mord,
Verstümmelung und Bedrohung Unschuldiger zur Einflößung von Furcht für
politische
Zwecke"
definiert.
Es

kann niemals Ziele geben, die nobel
genug sind, um Mittel wie diese zu
rechtfertigen.
Terroristen
bedrohen
nicht nur
eine Nation, ein Volk oder eine Einzelperson,
sie befinden sich buchstäblich im Krieg gegen die Herrschaft des Gesetzes, gegen die Normen
und Ideale der Zivilisation.
Zusätzlich ist es wichtig, ein
wirksames Programm gegen den Terrorismus zu besitzen. Dies muß hier bei
uns wie auch im Ausland gelten.
In den letzten Jahren haben wir
große Fortschritte erzielt. Und doch
müssen wir gleichzeitig weiterhin außergewöhnliche Wachsamkeit und Vorsicht walten lassen, weil die Möglichkeit
terroristischer
Anschläge
immer besteht.
in den Vereinigten
Staaten resultiert der Erfolg, den
wir erzielt haben, teilweise aus der
Tatsache, daß die Exekutivorgane sich
eingehend mit den für die Bekämpfung
des Terrorismus notwendigen Fähigkeiten vertraut gemacht haben.
Dies
gilt nicht nur auf Bundeseebene für
Organisationen wie etwa den Geheimdienst und das FBI.
Auch örtliche
Polizeibehörden, die mit den Bundesbehörden
zusammenarbeiten
haben in
den letzten Jahren eine Menge getan,
um auf terroristische Reaktionen vorbereitet zu sein.
Insbesondere das
FBI hat großartige Arbeit auf diesem
Gebiet geleistet. Als Ergebnis seiner
beträchtlichen
Bemühungen
und,
wie ich offen gestehen muß, mit etwas
Glück, ist die Anzahl terroristischer
Vorfälle
innerhalb der Vereinigten
Staaten von 112 im Jahr 1977 auf lediglich 7 im Jahr 1985 und 8 im Jahr
1986 zurückgegangen. Unsere Wachsamkeit besteht weiter und unser Wille
zur Verfolgung von Terroristen dauert
auch heute an, und dies nicht nur im
Ausland in dem von mir erwähnten

�Fall, sondern innerhalb der letzten
48 Stunden mit der Verhaftung eines
der "Weathermen"-Terroristen, die auf
Vorfällen beruht, die sich vor 17
Jahren zugetragen haben. Diese Person wurde festgenommen und wird vor
Gericht gestellt werden.
Allein im
Jahr 1985 hat das FBI durch seine Bemühungen 23 einzelne terroristische
Vorhaben
innerhalb der Vereinigten
Staaten und über einhundert im Ausland entdeckt und verhindert.
Im
Jahr 1986 wurden durch die Arbeit des
FBI mindestens vier
terroristische
Anschläge vereitelt.
Gleichzeitig mit der Verbesserung
der Fähigkeiten von FBI und anderen
Bundesbehörden
- Geheimdienst, Amt
für Alkohol, Tabak und Feuerwaffen
und andere - haben wir auch die Rolle
der Anwälte in der Strafrechtsabteilung ausgeweitet. Auf Grund der Notwendigkeit und der verstärkten Betonung der Anwendung don Gesetzen und
normalen
strafrechtlichen
Verfahren
gegen Terroristen haben unsere Experten ihre Fähigkeiten als Anwälte bei
der Behandlung dieser Fälle weiterentwickelt.
Wir hatten das Glück,
daß einer der Staatsanwälte des Justizministeriums als Teil eines Kontingents unserer Botschaft in Rom zugeteilt wurde.
Durch die guten Dienste nicht nur
der Staatsanwälte sondern auch unserer Kollegen im Außenministerium und
unserer Diplomaten und Botschafter im
Ausland, haben wir an der internationalen Front dem Aufbau des notwendigen rechtlichen Rahmens beträchtliche
Energie gewidmet, um die Festnahme,
Anklage, Auslieferung und die Strafverfolgung von im Ausland festgenommenen Terroristen zu erreichen.
Im
Lauf des letzten Jahrzehnts hat der
Kongreß eine Vielzahl wichtiger Gesetze verabschiedet, durch die unsere
Jurisdiktion über terroristische Ak-

te, die gegen unsere Staatsangehörigen im Ausland begangen werden, auszuweitet wurde. Wir tun dies in einer Weise, die Konflikte mit oder
Einmischung in die legitime Strafverfolgung anderer Länder vermeidet und
eher auf eine Ergänzung von deren Bemühungen abzielt. Wir haben festgestellt, daß dies sehr hilfreich gewesen ist, indem es seitens dieser Länder die unverzügliche Beschäftigung
mit solchen Vorfällen ermutigt hat,
von denen unsere Bürger
betroffen
sind.
Wir haben außerdem neue Auslieferungsverträge
ausgehandelt
und
alte modifiziert, um sie auf den neuesten Stand zu bringen und die Herausforderungen
bewältigen, die bei
der Strafverfolgung von Terroristen
in den achtziger Jahren entstehen.
Während all dieser Prozesse war
der politische Wille bedeutsam, da es
wichtig ist, daß das Engagement und
die Verpflichtung bestehen, bei bestimmten Ereignissen alle notwendigen
Maßnahmen zu ergreifen und alle notwendigen Mittel zu benutzen. Im allgemeinen versuchen wir, den Terrorismus durch das von mir soeben beschriebene rechtsstaatliche Verfahren
zu bekämpfen, das wir auch jetzt im
Fall der Verantwortlichen für den Angriff auf TWA-Flug 847 anwenden.
In anderen Fällen müssen wir jedoch bereit sein, andere Mittel anzuwenden, einschließlich militärischer.
Zweimal im vorigen Jahr haben wir zur
Selbstverteidigung und zur Verteidigung des Gesetzes andere Mittel benutzt. Wir haben dies beim Abfangen
eines Passagierjets getan, der die
Mörder beförderte, die an der Achille
Lauro-Entführung beteiligt waren sowie später bei der Bombardierung militärischer Ziele in Libyen, nachdem
wir Beweise für die libysche Beteiligung an der Zerstörung des Nachtclubs
in West Berlin erhalten hatten.

�Man mag argumentieren, daß jede
Methode, also die Anwendung rechtlicher oder militärischer Mittel, das
Risiko der Vergeltung seitens derselben blutdürstigen Terroristen entweder hierzulande oder im Ausland beinhaltet. Und zweifellos gibt es solche Gefahren. Aber Terroristen darf
keine Immunität zugestanden werden,
nur weil sie das Leben Unschuldiger
bedrohen.
Dieses Prinzip gilt für Strategien wie die Aktion gegen Libyen oder
die israelische Rettungsoperation in
Entebbe.
Aber sie gilt ebenso für
Geiselsituationen, wie wir sie heute
erleben.
Wir haben eine moralische
Verpflichtung
anderen
potentiellen
Geiseln gegenüber - theoretisch betrifft dies jedermann - vor Geiselnehmern nicht zu kapitulieren.
Dies
zu tun, würde zukünftig viele weitere
Zwischenfälle dieser Art ermutigen.
Ein Terrorist kann auf verschiedene Art und Weise gewinnen oder zumindest einen Sieg für sich reklamieren. Offensichtlich gewinnt der Terrorist, wenn eine Regierung seinen
Forderungen nachgibt, da dies seine
Überlegenheit und die Ohnmacht der
Regierung demonstriert.
Zweitens gewinnt der
Terrorist
etwas, wenn er seine Drohung wahrmacht und dadurch Verletzung, Tod
oder Zerstörung von Eigentum verursacht. Dies führt bei den Bürgern zu
Zweifeln an der Fähigkeit der Regierung,
ihre
primäre
Verantwortung
wahrzunehmen, die im Schutz von Leben
und Eigentum ihrer Staatsbürger besteht .
Drittens kann ein Terrorist für
sich einen Sieg reklamieren, wenn er
eine Gesellschaft oder eine Gruppe
von Menschen in einem Ausmaß ein-

schüchtert, daß er Furcht oder Veränderungen in den Lebens- und Arbeitsgewohnheiten der Menschen oder in ihrem Lebensstil verursacht, weil der
Terrorist dann die Gesellschaft seinem Willen unterworfen hat. Und der
Terrorist kann auch bedeutende Vorteile für sich verbuchen, wenn er
durch seine Provokation eine Uberreaktion bei der Regierung hervorruft,
so daß diese Regierung Schritte unternimmt, die außergewöhnlich
hart
sind, wie etwa die Verweigerung der
Grundrechte für die Bürger oder ungerechtfertigte Eingriffe in deren Leben oder wenn er die Regierung selbst
dazu veranlaßt, die Herrschaft des
Gesetzes aufzugeben und dadurch mit
gleicher Münze zurückzuzahlen. Solch
harte Maßnahmen seitens einer Regierung säen Ressentiments, Unzufriedenheit, Abneigung und letztendlich Illoyalität unter den Bürgern und dienen damit den Zielen, für die der
Terrorist kämpft. Deshalb müssen die
größten intellektuellen Anstrengungen
jeder Nation und jeder Gesellschaft
diesem Prozeß der Bekämpfung des Terrorismus gelten.
Wir haben in den vergangenen zehn
Jahren feststellen können, daß Terroristen behindert und letztlich besiegt werden können. Dazu sind eine
Reihe von Maßnahmen notwendig, über
die Sie durch andere Referenten und
deren Vorträge und Reden informiert
werden.
Lassen Sie mich auf einige
dieser Maßnahmen eingehen.
Wir müssen ständige Wachsamkeit
üben, um terroristische Zwischenfälle
zu verhindern und die Anschläge der
Terroristen zu vereiteln. Dazu gehören bestmögliche und ausgefeilteste
nachrichtendienstliche Mittel, zu denen Überwachung und Ermittlungen
natürlich im Rahmen des Gesetzes zählen. Dazu zählen ebenfalls erhebliche Kontrollen verbunden mit Wach-

- 5 -

�samkeit darüber, wer die Grenzen verschiedener Länder überschreitet.
Zur Bekämpfung
des Terrorismus
gehört auch eine sorgfältige Vorbereitung, so daß auf den teroristischen Angriff selbst angemessen reagiert werden
kann.
Hierzu zählen
viele Dinge, die ich bereits erwähnt
habe - Planung und
Zusammenarbeit
zwischen Exekutivbehörden, ferner eine Strategie und Grundsätze, mit deren Hilfe schwierige Fragen im voraus
beantwortet werden können: wie Geiselnahmen zu handhaben sind, die Weigerung, sich den Forderungen von Terroristen zu unterwerfen, all diese
Dinge, über die das sorgfältige Nachdenken im ruhigen Umfeld ohne einen
gerade
stattfindenden
Terrorangriff
schwer genug fällt; wenn aber eine
solche
Reflektion
nicht ruhig und
sorgfältig erfolgt, ist es unmöglich,
damit im Rahmen der Spannungen und
unter den Bedingungen eines Terrorangriffs selbst fertigzuwerden.
Die Bekämpfung
des Terrorismus
erfordert
ebenfalls eine
fundierte
Ausbildung und Arbeit bei gemeinsamen
Einsätzen, so daß die Abteilungen der
Polizei beispielsweise lernen, zusammenzuarbeiten und ihre Arbeit zu verknüpfen. Und, um noch einmal auf das
Thema der Herrschaft des Gesetzes zurückzukommen, dazu gehört auch die
Entwicklung angemessener Gesetzesbestimmungen. Ich habe bereits die Art
der von uns benötigten Bestimmungen
beschrieben.
Dazu
zählt auch die
Existenz von erfolgreichen Vorgehensweisen der Gerichte.
Unsere englischen Freunde haben
eine Menge darüber gelernt, wie Verfahrensweisen bei Gericht in Nordirland verändert werden mußten, um mit
den dortigen terroristischen Anschlägen fertigzuwerden.
Und die Schaffung
angemessener
Verfahrensweisen

umfaßt die notwendige Sicherheit, so
daß der Prozeß selbst für alle Beteiligten, auch die Richter und die Geschworenen, sicher durchgeführt werden kann.
Und
schließlich
erfordern
die
Maßnahmen gegen den Terrorismus eine
bewußte und geschulte Bürgerschaft,
die uns unterstützt.
Ich habe einige der von uns in
unserem Land durchgeführten Schritte
beschrieben.
Wir
unternehmen
aber
auch Schritte mit unseren Verbündeten
auf internationaler Basis.
Zwölf Länder der Europäischen Gemeinschaft haben sich zu einer Gruppe
zusammengeschlossen,
die
sich
aus
meinen Kollegen in anderen Ländern
zusammensetzt - den Justiz- oder Innenministern, je nachdem, wem die
größte Verantwortung für öffentliche
Sicherheit
und Polizeiaufgaben
zufällt. Und in diesen Ländern ist besonders im vergangenen Jahr viel getan worden.
Aus einer Gruppe, die bisher nur
einmal jährlich in formellem Rahmen
zusammenkam, ist eine effiziente Arbeitsgruppe geworden, die sich auf
den höchsten Ebenen der Regierungen
dieser Länder direkt mit dem Problem
des Terrorismus beschäftigt. Als Ergebnis hat sie ein höheres Ausmaß an
internationaler
Zusammenarbeit
bei
Maßnahmen zur Bekämpfung des Terrorismus erzielt.
Der
Zusammenarbeit
wurde im Bereich der Grenzkontrollen
und der Kontrolle von Visa und Reisenden verstärkte Aufmerksamkeit gewidmet. Es liegt eine neuerliche Betonung auf dem Austausch nachrichtendienstlicher
Informationen
und dem
Informationsaustausch über verdächtige
Terroristen
und
terroristische
Vereinigungen wie auch über Methoden
und Taktiken von Terroristen, beson-

�ders im Hinblick auf die Art der Finanzierung terroristischer Aktivitäten.
Und es gibt eine gemeinsame
Übereinkunft,
verdächtige
Personen
auszuweisen. Vor einigen Jahren war
es nur allzuoft zu einfach für einen
verdächtigen
Terroristen, nach der
Ausweisung aus einem Land leichten
Zugang zu einem anderen zu finden.
Jetzt hat die Zusammenarbeit einen
Punkt erreicht, an dem eine aus einem
Land ausgewiesene Person keinen Zugang mehr zu einem anderen Land findet.
Diese Verfahrensweise
hat auch
die erneute Zusammenarbeit unter den
Polizeibehörden im Hinblick auf deren
gemeinsame Vorgehensweise, Ausbildung
und andere Maßnahmen zur Ausarbeitung
ihrer Operationen gefördert.
Im April 1986 waren die Vereinigten Staaten zum ersten Mal in ihrer
Geschichte in der Lage, eine informelle Mitgliedschaft in dieser Gruppe
herzustellen, so daß wir auch über
den Vorsitzenden dieser Gruppe und
mittels
regelmäßiger
Verständigung
und Zusammenarbeit in den Genuß dieser gemeinsamen Aktivitäten kommen.
Diese Beziehung hat einen wertvollen
Beitrag
für unsere Fähigkeiten im
Kampf gegen den Terrorismus geleistet
und wird uns jetzt - und in größerem
Umfang auch in Zukunft - in die Lage
versetzen, besonders im Bereich technologischer Neuerungen in den Beratergruppen
dieser
europäischen Gemeinschaft einen Beitrag zu leisten.
Bei der Bekämpfung der Bedrohung
des Terrorismus durch das Gesetz ist
es eminent wichtig, daß nicht die
Grundsätze dieser Gesetze selbst geopfert werden.
In diesem Zusammenhang denke ich daran, daß ein besonders wichtiger Teil dieser Konferenz
die Aufmerksamkeit ist, die sie der
Rolle der Medien dabei zuteil werden
- 7

lassen .
Natürlich wissen wir alle, daß
Terroristen erst durch Publizität Erfolg haben. Und doch ist es gleichzeitig absolut unerläßlich, daß wir
trotz der terroristischen Bedrohung
nicht einen Schritt von unserem Konzept der Pressefreiheit abrücken.
1985 gab es in England zur Zeit
des Besuchs von Mitgliedern der amerikanischen Anwaitskammer erhebliche
Spannungen über die Rolle der Presse
beim Terrorismus, besonders nachdem
sich dort gerade einige Anschläge ereignet hatten.
Die englische Premierministerin
und andere äußerten
sich zu diesem Thema. Ich denke, daß
es wichtig ist, daß wir angesichts
des Terror ismus erkennen, daß es der
Regierung in keinem Fall zusteht, der
Presse vorzuschreiben, wie sie bei
der
Berichterstattung
über
dieses
Phänomen vorgehen soll.

Es stellte die schlimmste Mißachtung des Gesetzes dar, wenn die Regierung Richtlinien oder Beschränkungen über die Art und Weise, wie die
Presse ihre Arbeit, auch im Bereich
des
Terrorismus,
verrichten
soll,
aufstellen würde.
Meiner Ansicht nach steht es den
Medien selbst zu, und so ist es auch
besonders im vergangenen Jahr in diesem Land geschehen, ihre eigene Position, ihre Verhaltensmaßregeln, ihre
eigenen Verhaltensmaßstäbe und ihre
eigenen Pflichten zu überprüfen. Und
das ist eine der Tatsachen, die sie
bei dieser Konferenz hören werden.
Aber auch im Privatsektor sollten die
dort tätigen Medien in diesem Land
weder durch Zwang von seiten der Regierung noch durch deren Gebote beeinflußt werden.
Wir gehen alle davon aus, daß die

�Herrschaft des Gesetzes unser gemeinsames Erbe darstellt, nicht nur, wenn
es um die Durchsetzung von Gesetzen
oder Terrorismus geht, sondern auch
wenn der Handel und der tägliche Umgang der Menschen untereinander betroffen sind.
Bei allem, was wir
tun, bietet sie die Grundlage für unser Leben und ist die Quelle unserer
Stärke, unseres Wohlstandes und unseres Glücks. Ohne die Herrschaft des
Gesetzes würde in jedem Teil unseres
Lebens das Chaos herrschen. Dies ist
ein Vermächtnis, das wir über das
britische Parlament hinweg bis zu den
Volksversammlungen im antiken Griechenland zurückverfolgen können. Und
sie ist ein Versprechen dieses goldenen Zeitalters in Amerika an noch ungeborene Generationen.

aufkommen: obwohl die Technik sicher
eine notwendige Waffe im Kampf gegen
den Terrorismus darstellt, reicht sie
dennoch nicht aus. Die Technik allein kann das Problem des Terrorismus
nicht lösen. Die Lösung des Terror ismus liegt einzig und allein in der
Bekräftigung unseres politischen Willens, ihm zu widerstehen und dabei
die uns zur Verfügung stehenden Mittel zu benutzen.
Lassen Sie mich
nochmals die Bedeutung der gemeinsamen Willensbekundung der Bundesrepublik Deutschland und der Vereinigten
Staaten
betonen.
Die Länder, die
sich für die Bekämpfung des Terrorismus einsetzen, müssen bereit sein,
jedes verfügbare Mittel zu benutzen,
einschließlich, wie im vorliegenden
Fall, des Rechtsmittels.

Dieses Versprechen geben wir auch
den Demokratien, die noch in den Kinderschuhen stecken, sowie denen, die
noch nicht ins Leben gerufen worden
sind.

Der Terrorist rechnet damit, daß
er
unseren
Willen
zum
Widerstand
durch eine Welle der Furcht brechen
kann. Ihm das Gegenteil zu beweisen,
wird Entschlossenheit und Mut auf allen Ebenen erfordern.

Aber unsere Hoffnungen nach Freiheit gemäß dem Gesetz werden wenig
fruchten, wenn wir nicht die heute
von uns zu unternehmenden Schritte
durchführen, um sie zu sichern.
Wie Sie sicher wissen, werden in
diesem Kampf auf beiden Seiten hochentwickelte technische Mittel angewandt.
Von meinem Blickwinkel aus
betrachtet, scheint die Technik keiner Seite einen entscheidenden Vorteil verschafft zu haben. Die Technik selbst ist neutral - und doch
fähig, großen Schaden anzurichten,
aber auch imstande, großes Unglück zu
verhindern.
Der Westen hat es bisher wünschenswert gefunden
und wird dies
auch in Zukunft tun, den Terrorismus
mit Hilfe der Technik zu bekämpfen.
Aber
damit
keine
Mißverständnisse

Die Vereinigten Staaten traten in
ihrer gesamten Geschichte als friedliebende Nation auf.
Aber so sehr
die Amerikaner den Frieden geliebt
haben, noch mehr lieben sie die Freiheit. In diesem Jahr begehen wir den
zweihundertsten Gründungstag unserer
Verfassung, und die Tatsache, daß unsere Regierungscharta gesetzlich verankert wurde, um den Frieden für alle
Generationen zu bewahren, genau wie
die Gründungsväter unserer Nation in
ihrer Arbeit für die Unabhängigkeit
Freiheit vor Bequemlichkeit und Sicherheit gestellt haben, bildet einen
sehr wichtigen Grundsatz für dieses
Konzept von der Herrschaft des Gesetzes.
Ich bin fest davon überzeugt,
daß heute im Zusammenhang mit dem anläßlich dieser Konferenz besprochenen
Thema die Freiheit nicht weniger als
in den Jahren 1776 oder 1787 weiter-

- 8 -

�hin den ersten Platz in der Skala der
amerikanischen Werte einnnehmen wird.

* * * * * *

�AMERIKA DIENST
VON

4

Dokumentation

28. Januar 1987

ANHALTENDER FORTSCHRITT IM KAMPF GEGEN DEN TERRORISMUS
- Worldnet-Konferenz mit Botschafter Bremer -

WASHINGTON - (AD) - Dem amerikanischen Sonderbotschafter für Terrorismusbekämpfung, L. Paul Bremer, zufolge haben die Vereinigten Staaten und Westeuropa im vergangenen Jahr bei akuten Fragen zur Behandlung des Terrorismus erhebliche Fortschritte erzielt.
Bei einer am 23. Januar 1987 von Worldnet per Satellit übertragenen Pressekonferenz beantwortete Botschafter Bremer Fragen von Journalisten aus Rom,
Paris, Den Haag, London und Bonn.
Nachfolgend drucken wir diese Diskusion in Auszügen.

Frage:
Würde es ihre Regierung
verstehen, wenn sich die Bundesrepublik weigerte, Mohammad Hamadei auszuliefern, um das Leben der deutschen
Geiseln in Beirut zu retten?
Antwort:
Zum Problem Hamadei:
Wie der Justizminister am Mittwoch
sagte, ist das Verfahren für einen
Versuch, seine Auslieferung zu beantragen und zu erreichen, im Gange.
Dieses verfahren ist sehr kompliziert
und erfordert die Erstellung zahlreicher
Dokumente, die
ins
Deutsche
übersetzt und der bundesdeutschen Re-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

gierung übergeben werden müssen,
ist jetzt geschehen.

Das

Das Verfahren dauert weiter an.
Wir haben volles Vertrauen, daß es im
Einklang mit den deutschen Gesetzen
und
unseren
Auslieferungsverträgen
voranschreiten wird.
Aber ich glaube, daß es vielleicht angesichts der
schwierigen Lage, in der sich die
bundesdeutsche
Regierung
im Augenblick befindet, keine gute Idee ist,
daß ich oder irgendein anderer Sprecher zu dieser Situation weitere Kommentare abgeben.

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�An twor t:
Frage:
Sind im Augenblick zwischen Washington und Bonn Verhandlungen über dieses Problem der Auslieferung Hamadeis im Gange?
Antwort:
Nein.
Wie
ich bereits erwähnte, haben wir im Einklang
mit den in unseren Verträgen festgelegten Verfahrensweisen und mit den
bundesdeutschen Gesetzen unsere juristischen
Dokumente vorlegt.
Das
Verfahren dauert an.
Frage:
Ich möchte Ihnen dieselbe Frage noch einmal stellen: Werden die Vereinigten Staaten darauf
bestehen, daß dieser sich gerade in
Frankfurt
aufhaltende Terrorist an
die Vereinigten Staaten ausgeliefert
wird, auch wenn das bedeuten sollte,
daß die beiden deutschen Geiseln im
Libanon getötet werden?
Antwort:
Ich kann nur wiederholen, was ich bereits sagte: Unserer Erfahrung nach - und wir haben in
Fällen von Geiselnahme erhebliche Erfahrungen sammeln können - machen öffentliche Diskussionen dieser Fälle
in solch einem delikaten Augenblick
die Situation nicht gerade leichter
lösbar.
Ich weiß, daß Bundeskanzler Kohl
in der Bundesrepublik zu diesem Thema
eine Nachrichtensperre verhängt hat,
die auch von unserer dortigen Botschaft respektiert wird. Dennoch ist
unsere Haltung allseits bekannt. Wir
haben die Auslieferung Hamadeis beantragt.
Die Anträge sind der bundesdeutschen Regierung übergeben worden, das Verfahren
läuft und ich
glaube, dabei sollten wir es belassen.
Frage:
Waren Sie bis jetzt mit
der Haltung der bundesdetuschen Regierung zufrieden?

- 2

Ja .

Frage:
Das
Problem, wie
bei
Geiselnahmen, besonders bei der Geiselsituation im Libanon und zuvor im
Iran, zu verfahren sei, ruft weiterhin Polemik und Kontroversen hervor.
Glauben Sie, daß Erpressung von Seiten der Terroristen erfolgreich dazu
beitragen wird, Regierungen und Länder aus dem Gleichgewicht zu bringen,
die zu ihren Opfern werden und die
internationale
Zusammenarbeit
gegen
den Terrorismus ernsthaft gefährden
wird?

t

t

Antwort:
Sie
bitten
mich
um
eine Zukunftsvorhersage, was für einen Diplomaten immer etwas risikoreich ist. Ich kann Ihnen nur sagen,
was ich darüber denke und wiederhole,
daß meiner Ansicht nach der Stand der
internationalen
Zusammenarbeit
beim
Terrorismus viel weiter fortgeschritten ist als er das noch vor einem
Jahr war.
Ich habe gerade drei Jahre als
amerikanischer Botschafter in Europa
verbracht und mit beträchtlichem Interesse die Entwicklung eines europäischen Konsenses über die Bedeutung
der
Terror ismusbekämpfung
verfolgt.
Ich glaube, wir haben bei einer Reihe
praktischer Fragen erhebliche Fortschritte erzielt.
Eine interessante
Zahl - und es handelt sich hier um
Vorabstatistiken - , die wir herausgefunden haben, besagt, daß bezüglich
des Terrorismus in Europa im Jahr
1986
internationale
Terroranschläge
um 40 Prozent zurückgegangen sind.
Unseren Statistiken zufolge ist
der durch Gruppen aus dem Mittleren
Osten verursachte Terrorismus in Europa im vergangenen Jahr um 70 Prozent zurückgegangen. Obwohl es gewiß
schwierig ist, festzustellen, welche
Faktoren
genau zu diesem
Rückgang

(

«

�beigetragen haben, glaube ich, daß
die Art unserer Zusammenarbeit in allen Bereichen des Terrorismus erheblich zu diesem Rückgang beigetragen
hat.
Wir wollen hoffen, daß diese
Zusammenarbeit in Zukunft weitergeführt wird.
Frage:
Wenn
der
Terrorist
Hamadei von den bundesdeutschen Behörden an die Vereinigten
Staaten
übergeben wird, zieht Washington es
in Betracht, ihn im Austausch gegen
amerikanische Geiseln zu benutzen?
Antwort:
Nein.
Wenn
Hamadei
an die Vereinigten Staaten ausgeliefert wird, so ist es unsere Absicht wie dies auch der Justizminister bereits am Mittwoch sagte - ihn nach
amerikanischem Gesetz zu verurteilen.
Frage:
Herr
Botschafter,
ken Sie, daß die Regierung der
desrepublik
im
Fall
Hamadei
bleiben und den Forderungen der
roristen nicht nachgeben sollte?

denBunhart
Ter-

Antwort:
Ich
denke, daß
die
Regierung der Bundesrepublik Deutschland sich in einer sehr delikaten Situation befindet. Wir sind uns dessen
natürlich
bewußt
und
da wir
selbst schon eine Reihe von Geiselnahmen durchgemacht haben, haben wir
sehr viel Verständnis für den heiklen
Charakter dieser Situation.

einen Antrag
auf Auslieferung von
Hamadei gestellt und wir wissen, daß
die Verfahren - sehr komplizierte juristische Verfahren - ihren Fortgang
nehmen.
Frage:
Herr
Botschafter,
wie
interpretieren Sie den Auslieferungsvertrag?
Ist er für beide Seiten
bindend oder schreibt er lediglich
einen Austausch von Papier vor?
Antwort:
Auslieferungsverträge
regeln die Auslieferung von Straftätern verschiedener Kategorien, nachdem die im Rahmen der Gesetze beider
Staaten - in diesem Fall der Vereinigten Staaten und der Bundesrepublik
Deutschland - geschaffenen Voraussetzungen in die Tat umgesetzt worden
sind.
Ich bin mit den innerstaatlichen
Verfahren in der Bundesrepublik nicht
genügend vertraut.
In den Vereinigten Staaten gilt, daß, wenn ein Gericht über die mögliche Auslieferung
eines Straftäters befunden hat, die
eigentliche
Entscheidung
über
die
Auslieferung an unsere Exekutive, in
diesem
Fall das
Justizministerium,
zurückverwiesen
wird.
Ich
weiß
nicht, ob dies auch in der Bundesrepublik gilt, aber so funktioniert es
in den Vereinigten Staaten.

Meiner Meinung nach wäre es unklug von mir, zu versuchen, der Bundesregierung einen Rat zu geben, wie
diese Situation gelöst werden könnte.
Sie ist sehr heikel und muß seitens
der Bundesregierung mit großer Sensibilität behandelt werden.

Nachdem also die Voraussetzungen
erfüllt worden sind und wenn unsere
Richter
bestimmen, daß die Person
wirklich diejenige ist, die in einem
anderen Land gesucht wird, würde eine
solche Person dann zur Auslieferung
in Betracht kommen, nachdem unser
Justizministerium
dies
entschieden
hätte.

Ich möchte also nicht versuchen,
der
Bundesregierung
zu raten, wie
diese Situation zu lösen ist.
Wie
ich anfangs schon sagte, haben wir

Frage:
Herr
Botschafter, arbeiten amerikanische und deutsche Beamte im Fall Hamadei zusammen? Auch
in Beirut?

- 3 -

�war .
Antwort:
Natürlich halten wir
zur Regierung der Bundesrepublik über
unsere normalen rechtlichen Kanäle in
der Frage unseres Auslieferungsantrages in bezug auf Herrn Hamadei Verbindung - also zwischen unserem Justizministerium und dem Justizministerium der Bundesrepublik.
Aufgrund der dort vorgelegten Dokumente unterhalten wir regelmäßige
Kontakte. Wie ich schon sagte, läuft
meiner Einschätzung nach zur Zeit das
Verfahren der Auswertung dieser Papiere
in
Übereinstimmung
mit
den
deutschen Gesetzen und unserem Auslieferungsvertrag.

Was sehen Sie als die primäre
treibende Kraft hinter Geiselnahmen
überhaupt an? sind es Motive Einzelner, die die Freilassung von Franzosen fordern oder solche von befreundeten Regierungen, die ihre zusätzlichen Forderungen stellen wollen?
Antwort:
Es ist schwierig, auf
diese allgemeine Frage zu antworten,
weil gegenwärtig unserer Zählung zufolge mehr als 20 Ausländer unterschiedlicher Nationalität im Libanon
von verschiedenen Gruppen festgehalten werden.

Frage:
Herr
Botschafter,
die
Vereinigten Staaten haben im Mittleren Osten gewisse Kontakte ausgebaut.
Werden die Deutschen an den Informationen, die aufgrund dieser Kontakte
in Erfahrung gebracht werden, beteiligt?

In manchen Fällen hat keine Gruppierung die Verantwortung
für die
Geiselnahme übernommen.
In anderen
Fällen hat sich eine Gruppe verantwortlich erklärt, aber keine Forderungen gestellt.
In wieder anderen
Fällen haben die Gruppen sowohl die
Verantwortung
übernommen
als
auch
Forderungen gestellt.

Antwort:
Sie
können
sicher
sein, daß wir alle Informationen, die
wir in der Frage der Geiselnahme von
Staatsangehörigen
irgendeines Landes
erhalten sollten - es gibt, wie ich
schon sagte, Staatsangehörige vieler
Länder, die dort als Geiseln festgehalten werden - den betroffenen Staaten sofort zur Kenntnis bringen werden .

Sie sehen also, wie schwierig es
ist , über die Motivationen jeder
dieser Gruppen eine allgemeine Aussage zu machen. Was auch immer die Motive sein mögen, wir verurteilen sie.
Wir glauben nicht, daß Terrorismus
toleriert werden sollte.

Frage:
Botschafter Bremer, wir
sehen uns in Libyen einer Situation
gegenüber, in der private Gruppen Angehörige der westlichen Welt ihrer
Freiheit beraubt haben, um dann die
Freilassung ihrer Freunde in ausländischen
Gefängnissen
zu
verlangen.
Dies zum ersten. Dann mischten sich
befreundete Regierungen ein, die sich
anbieten, zu vermitteln, wenn ihnen
Waffen und Geld gewährt wird - wie
dies bei Syrien und Libyen der Fall
- 4

Frage:
Glauben Sie nicht, daß
die Aufnahme guter Beziehungen zu Syrien, Iran und Libyen eine wirkungsvollere Art und Weise der Anwendung
des Satzes "gut vorgebeugt ist halb
geheilt" darstellt?
Antwort:
Wir haben diese Frage
bereits früher gehört und stimmen dem
nicht zu. Nehmen wir den Fall Libyen. Unsere Regierung hat fünf Jahre
lang versucht, daran zu arbeiten, die
libysche Unterstützung des Terrorismus zu beenden. Dabei haben wir alle

�Arten von friedlichen Maßnahmen angewandt. Wir haben es mit öffentlicher
und
mit Geheimdiplomatie
versucht.
Wir
haben schließlich Wirtschaftssanktionen und politische Sanktionen
ausprobiert.
Wir haben zu militärischen
Mitteln
gegriffen,
und
schließlich hat Präsident Reagan nach
fünf Jahren und angesichts überwältigender Beweise einer libyschen Beteiligung am Terrorismus einen begrenzten Angriff auf Ausbildungslager für
Terroristen in Libyen angeordnet.
Im Falle Syriens gingen wir nach
demselben Muster vor ; wir haben sehr
lange versucht, die Syrier dazu zu
bewegen, dem Terrorismus ihre Unterstützung aufzukündigen. Wie sie wissen, hat sich Präsident Reagan, nachdem die britische Regierung ihre diplomatische Beziehungen zu Syrien im
November abbrach, entschieden, trotz
Aufrechterhaltung diplomatischer Beziehungen unseren Botschafter abzuziehen - als Beweis für die politische Bedeutung, die wir diesem Problem des staatlich unterstützten Terrorismus beimessen.
Frage:
Herr
Botschafter,
tun
die Europäer genug, um den Terrorismus zu bekämpfen?
Antwort:
Ich
denke, wir
tun
alle nicht genug. Wir können niemals
sagen, daß wir genug tun, bis wir es
geschafft haben, dem Terrorismus ein
Ende zu machen. Solange es noch Terrorismus in der Welt gibt, tun wir
alle nicht genug.
Ich möchte lieber
über den günstigen Trend sprechen,
anstatt diesen Punkt zu betrachten.
Unsere vorläufigen Zahlen für das
Jahr 1986 zeigen, daß international
die Gesamtzahl terroristischer Vorfälle gegenüber 1985 ungefähr gleich
geblieben ist. Das ist immer noch zu
viel.
Das sind international unge-

fähr 800 Vorfälle pro Jahr. Wenn Sie
aber davon ausgehen, daß wir von 1983
bis 1984 und von 1984 bis 1985 einen
jährlichen Anstieg von 30 bis 40 Prozent hatten, dann denke ich, daß wir
zumindest ein gewisses Maß an Befriedigung aus der Tatsache ziehen können, daß im Jahr 1986 die Zahl der
Vorfälle anscheinend gleich geblieben
ist.
Ich meine, daß unsere Kooperation
beginnt, erfolgreich zu sein.
Dies
ist nicht genug; ich glaube, daß wir
alle mehr tun können, insbesondere
bei der Verbesserung unseres Austauschs
von
Geheimdienstinformationen, unserer Fähigkeit zur Entdeckung
von Terroristen
beim
überschreiten
internationaler Grenzen, bei unserer
Fähigkeit zur Verbesserung der Grenzsicherung und beim Informationsaustausch, etwa über gefälschte Reisepapiere .
Es gibt also eine Reihe von Dingen, an denen wir arbeiten und wo
zweifellos wir alle mehr tun können.
Frage:
Herr
Bremer,
glauben
Sie, daß die Vereinigten Staaten und
Europa über die Zusammenarbeit bei
der Identifizierung und Auslieferung
von Terroristen und den Informationsaustausch hinaus versuchen sollten,
eine
gemeinsame
Eingreiftruppe
zu
entwickeln, um mit Notfällen, wie
Flugzeugentführungen, fertig zu werden?
Antwort:
Es hat auch auf dieser Seite des Atlantik einige Diskussionen zu diesem Thema gegeben. Obwohl es oberflächlich ein attraktiver
Gedanke sein könnte, finde ich selbst
es sehr schwierig zu verstehen, wie
das in der Praxis funktionieren soll.
Es ist sehr schwierig, sich vorzustellen, wie die an solch einer Truppe beteiligten Staaten in der Lage

- 5 -

�sein würden, die Art von sehr schneilen und unmittelbaren Entscheidungen
zu treffen, wie sie bei terroristischen Vorfällen oft verlangt werden,
insbesondere bei einer militärischen
Reaktion auf einen Fall von Terrorismus.
Das bedeutet jedoch nicht,
daß man sich nicht mit einer solchen
Frage beschäftigen sollte.

gedeuteten
Art
der
schon bereitet wurde.

Frage:
Was sind Ihrer Meinung
nach in Europa und den Vereinigten
Staaten die wahrscheinlichen konkreten Möglichkeiten für die Erzielung
einer
umfassenden
Übereinkunft für
eine gemeinsame Bekämpfung des Terrorismus?
Antwort:
Ich denke, wir haben
schon beträchtliche Fortschritte erzielt.
Ich weiß nicht, wie Sie das
Wann
einer
endgültigen
umfassenden
Übereinkunft und das Wie einer Bekämpfung des Terrorismus definieren,
aber ich glaube, daß wir beträchtliche Fortschritte erzielt haben.
Wenn sie zum Beispiel auf das
vergangene Jahr zurückblicken, dann
haben wir große Anstrengungen unternommen, um Staaten, die den Terrorismus fördern, davon abzubringen.
Im
vergangenen Jahr hat es in diesem Bereich auch in Europa beträchtlichen
Fortschritt gegeben. Die Europaische
Gemeinschaft hat am 27. April dazu
eine energische Erklärung abgegeben,
der in den anschließenden Monaten zusätzliche, ebenfalls sehr energische
Erklärungen und weitere Taten europäischer Regierungen gefolgt sind, um
den staatlich geförderten Terrorismus
zu verurteilen, zunächst gegenüber
Libyen und in jüngster Zeit, im November und Dezember, gegen Syrien.
Ich meine, daß die Grundlage für
eine
sehr
bedeutsame
Übereinkunft
zwischen den Vereinigten Staaten und
Europa in der Frage der von Ihnen an- 6 -

* * * *

Zusammenarbeit

�^DJ^&lt;

^7

&lt;X

AMERIKA DIENST
Wissenschaft und Technik

2 8 . J a n u a r 1987

RAUMFLUG OHNE RISIKO GIBT ES NICHT
DISCOVERY-Kommandant zur Wiederaufnahme von S h u t t l e - F l ü g e n
im J a h r 1988 -

WASHINGTON - (AD) - Im nächsten
Jahr, frühestens am 18. Februar 1988,
soll zum ersten Mal nach dem CHALLENGER-Unglück vom 28. Januar 1986
wieder ein Raumtransporter starten.
Vorgesehen ist eine Mission von vier
TagenDauer mit der DISCOVERY.
Kommandant Frederick Hauck wird zusammen
mit den Astronauten Richard Covey als
Kopilot sowie John Lounge, George
Nelson und David Hilmers als Missionsexperten den Flug unternehmen.
Auf einer am 15. Januar 1987 in
Washington veranstalteten Pressekonferenz ließ Hauck jedoch keinen Zwei-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

fel daran, daß dieser "als sehr optimistisch
einzuschätzende
Termin"
nur dann eingehalten werde, wenn er
persönlich und die Verantwortlichen
der NASA
(US-Behörde für Luft- und
Raumfahrt) von der Sicherheit und
Flugbereitschaft des Geräts überzeugt
seien.
Hauck betonte, daß er und die
Kollegen - alle erfahrene Astronauten
- glücklich seien, für diesen Flug
benannt worden zu sein. Die bemannte
Raumfahrt solle und müsse weitergehen.
Dennoch sei das Unglück, bei

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�dem sieben Astronauten an Bord ihr
Leben verloren, noch frisch im Gedächtnis und werde nicht vergessen
werden.
"Für uns alle ist der 28.
Januar
ein schreckliches Trauma...
aber wir blicken auch vorwärts und
werden alles tun, daß so etwas nie
wieder geschieht", sagte Hauck. Allerdings werde ungeachtet aller Anstrengungen, auch der Bemühungen um
die Entwicklung eines Rettungssystems
zum Aussteigen in der ersten Flugphase, immer mit Gefahren zu rechnen
sein. "Lassen Sie mich sehr deutlich
sagen:
Es wird nie einen Raumflug
geben, mit dem nicht auch ein Risiko
verbunden wäre". Er sei jedoch überzeugt, daß "wir es aufgrund der Veränderungen seit dem Unfall - in bezug
auf Personen, Organisationen, Umkonstruktionen - mit einer gestärkten,
einsichtigeren Behörde zu tun haben".
Er fühle sich sehr ermutigt, daß für
die Vereinigten Staaten die Aussicht
bestehe, ihre führende Stellung in
der bemannten Raumfahrt zurückzugewinnen.
Auf Fragen von Journalisten sagte
Richard Covey, daß die NASA-Astronauten sehr großen Wert darauf legten,
aus dem Raumtransporter aussteigen zu
können, falls ein Motor versage oder
es zu anderen ernsten Pannen im Flug
käme. Er fügte jedoch hinzu, daß sie
auch ohne eine Notausstiegsvorrichtung fliegen würden, wenn die Ingenieure der Meinung seien, daß eine
solche Sicherung nicht gegeben werden
könne.
(Gegenwärtig wird bei der
Firma Rockwell International ein Rettungssystem entwickelt, bei dem eine
seitliche
Einstiegsluke
abgesprengt
wird. Die Astronauten würden mittels
kleiner Raketen aus der Kabine gezogen und dann am Fallschirm landen.
NASA-Sprecher verwiesen darauf, daß
dieses Verfahren nur im kontrollierten Flug bei niedriger Geschwindigkeit unterhalb von 6 000 m Höhe funk-

tionieren könne.
Die Kosten werden
auf 50 Millionen Dollar geschätzt.)
Die Erprobung der umkonstruierten
Feststoffraketen geht jetzt in die
kritische Phase. Richard Truly, beigeordneter NASA-Administrator für bemannte Raumfahrt, berichtete, daß die
Versuche mit verkürzten Versionen des
Zusatzantriebs
erfolgreich
abgeschlossen seien und in Kürze Brenntests mit Geräten in natürlicher Größe aufgenommen würden. Diese enthalten
500 Tonnen
festen Treibstoff.
Die Rakete wird dazu auf dem Testgelände in horizontaler Position verankert, die Erprobung erfolgt stationär.
Ein Expertengremium des Nationalen Forschungsrates (NRC) warnte vor
kurzem erneut vor einer zu kurzfristigen Planung für die Wiederaufnahme
der Raumflüge, weil im Testprogramm
zu wenig Raum für möglicherweise auftretende weitere technische Schwierigkeiten und notwendig werdende Alternativen gelassen sei. Auch brachte es seine Besorgnis wegen der Tatsache zum Ausdruck, daß sich das neue
Material für die kritischen O-RingDichtungen bei vorläufigen Tests als
unzulänglich erwies. Da das neue Material, das kältefest sein sollte,
von Schmiermasse in der Verbindungsstelle zwischen den Segmenten angegriffen wurde, sahen sich die Techniker gezwungen, auf das kälteempfindliche frühere Material zurückzugreifen und kleine Heizvorrichtungen einzubauen. Die NRC-Gruppe tritt dafür
ein, für alle Fälle zusätzlich ein
anderes, kältebeständiges Material zu
entwickeln, das keine Heizung bei
tiefen
Starttemperaturen
brauche.
"Aber wir sind noch nicht so weit,
und wir wollen uns jetzt nicht an einem neuen Problem festbeißen", meinte
John Thomas, Manager für das Technikerteam, das sich mit der Umkonstruktion
befaßt.
"Das Verhalten
des

�jetzt verwendeten
verstehen wir ."

Materials

dagegen

Die NRC-Expertengruppe wies außerdem auf mögliche Probleme in der
Verbindung zwischen Feststoffraketenmantel und Düse am unteren Ende hin,
weil dort nach dem neuen Konzept Bolzen vorgesehen seien, die zuvor nicht
vorhanden waren.
Dies könnte die
Leckgefahr mit einem Ausdringen heißer Gase erhöhen. Truly versicherte,
daß alle Empfehlungen der NRC-Gruppe
in einen Interimsbericht aufgenommen
würden und NASA-Ingenieure mit ihr
regelmäßig die Empfehlungen erörterten .

- 3-

�</text>
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                <text>Amerikadienst 28.01.1987</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Präsident Reagans Botschaft zur Lage der Nation&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- 27. Januar 1987 -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Alle Staaten müssen die notwendigen Schritte zur Beendigung des Terrorismus unternehmen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Ansprache von Justizminister Meese -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Anhaltende Fortschritte im Kampf gegen den Terrorismus&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Worldnet-Konferenz mit Botschafter Bremer -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wissenschaft und Technik&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Raumflug ohne Risiko gibt es nicht&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- DISCOVERY-Kommandant zur Wiederaufnahme von Shuttle-Flügen im Jahr 1988 -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>«fc°s^

VON

AMERIKA DIENST
4

2 1 . J a n u a r 1987

I N H A L T

DOKUMENTATION

Die vereinigten Staaten und die Bundesrepublik Deutschland:
Moderne Gesellschaftssysteme und ihre Herausforderungen
- Rede von Botschafter Burt vor dem Tönnissteiner Kreis -

HINTERGRUNDMATERIAL

Rüstungskontrollinitiativen der Vereinigten Staaten
- Bericht des Weißen Hauses -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK

Analyse des "Stoffwechsels" in der Stratosphäre
- Mit Forschungsflugzeug chemischen Prozessen in der Luft auf der
Spur -

* * * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�AMERIKA DIENST
'VON

Dokumentation

^

21. Januar 1987

DIE VEREINIGTEN STAATEN UND DIE BUNDESREPUBLIK DEUTSCHLAND:
MODERNE GESELLSCHAFTSSYSTEME UND IHRE HERAUSFORDERUNGEN
- Rede von Botschafter Burt vor dem Tönnissteiner Kreis BONN - (AD) - In einer am 18. Januar 1986 vor dem Tönnissteiner Kreis in
Maria Laach gehaltenen Rede ging der amerikanische Botschafter besonders auf
drei wichtige Herausforderungen der modernen demokratischen Gesellschaften
ein: die Herausforderung des moralischen und geistigen Relativismus für unsere
Grundwerte, die Herausforderung des Provinzialismus für die internationale Zusammenarbeit und die Herausforderung der zunehmenden Verkrustung innerhalb der
modernen Gesellschaft. Bei der Bewältigung dieser Herausforderungen wies Botschafter Burt den Medien eine besondere Rolle zu.
Die Rede des amerikanischen Botschafters hat folgenden Wortlaut:
Meine Damen und Herren, ich freue
mich, heute morgen bei Ihnen sein zu
dürfen.
Christoph Bertram hat mir
von der wichtigen Arbeit berichtet,
die der Tönissteiner Kreis leistet,
um jüngere Akademiker wie Sie auf ihre Tätigkeit im Umfeld internationaler Beziehungen vorzubereiten - auf
den höchsten Ebenen der Regierung, in
multinationalen
Organisationen, dem
Bankenwesen, im Handel und im Hochschulbereich.
Heute bilden internationale Probleme größere Herausforderungen, sie

sind komplexer und haben eine unmittelbarere Bedeutung für unseren Alltag als jemals zuvor. Die Verantwortung für die Behandlung dieser Probleme wird zunehmend Ihnen und Ihrer
Generation in der gesamten westlichen
Welt
zufallen.
Ihre Verantwortung
wird schwer wiegen.
Die Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und der Bundesrepublik Deutschland sind von besonderer
Bedeutung.
Unsere Beziehungen sind
komplexer und intensiver Natur, weil
zwischen unseren Ländern ein reger

- 1-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Austausch besteht. Wir arbeiten eng
zusammen für den Fortschritt in einer
Reihe von Bereichen, die uns beide
gleichermaßen angehen - an der Erhaltung und Verbesserung unserer Verteidigung, der Suche nach echter Rüstungskontrolle, an der Stärkung unseres offenen Handelssystems, am Umweltschutz und an der Förderung des
weltweiten Wirtschaftswachstums.
Es
ist dies die reife Partnerschaft, von
der ich so oft gesprochen habe.
Angesichts der in der nächsten
Woche in der Bundesrepublik anstehenden Wahlen werde ich mich wohl besser
wie ein guter Diplomat verhalten und
nicht allzu sehr auf tagespolitische
Fragen eingehen.
Ich möchte diese
Gelegenheit vielmehr dazu benutzen,
einige der langfristigeren Probleme
zu untersuchen, denen sich unsere Gesellschaftssysteme
stellen
müssen,
wenn
sie
die
heute
anstehenden
schwierigen internationalen Probleme
erfolgreich lösen wollen.
Einige von Ihnen haben vielleicht
den Artikel gelesen, den ich kürzlich
für 'Die Zeit' geschrieben habe und
in dem ich die Meinung vertrat, daß
unsere
Gesellschaftssysteme
keineswegs
identisch
sind.
Es bestehen
zwischen uns bedeutende Unterschiede
an historischer Erfahrung, geographischer Lage, im sozialen, wirtschaftlichen und politischen System
und in der Denkweise.
Und trotzdem sehen wir uns, obschon wir keine Zwillinge sind, als
moderne
Demokratien
vielfach
den
gleichen Problemen und Herausforderungen gegenüber.
Heute möchte ich
eher näher auf unsere Gemeinsamkeiten
als auf unsere Unterschiede eingehen.
Ich glaube, daß es im einzelnen drei
grundlegende Herausforderungen sind,
denen sich unsere beiden Länder und
auch andere moderne Gesellschaftssy-

steme stellen müssen, wenn wir die
Probleme von heute und morgen bewältigen wollen.
Die erste Herausforderung liegt
im moralischen und geistigen Relativismus.
Es scheint in unseren Gesellschaftssystemen zunehmend Verwirrung über Grundwerte zu bestehen.
Wir sind
unsicher darüber, welche
Maßstäbe uns bei unseren Versuchen
leiten sollen, Entwicklungen im Inland zu bewältigen, und zu beurteilen, wie unsere Länder am besten zum
internationalen Frieden und zur internationalen
Stabilität
beitragen
können.
Zweitens stellt sich uns die Herausforderung
des
Provinzialismus.
Unsere Generation hat ein internationales System geerbt, in dem die westlichen Länder bereit sind, Probleme
aus einer gemeinsamen globalen Perspektive
zu betrachten.
Aber
ich
fürchte, daß wir zunehmend in unsere
alte Gewohnheit zurückverfallen, jedes Problem aus dem Blickwinkel eines
eng gefassten nationalen Standpunktes
zu betrachten.
Drittens sehen wir uns der Herausforderung einer zunehmenden Verkrustung unserer jeweiligen Gesellschaft
gegenüber.
Flexibität
und
Kreativität, die notwendig sind, um
mit neuen Problemen fertigzuwerden,
werden
allzu
oft
durch
zunehmend
starre Einrichtungen in den Bereichen
Politik, Wirtschaft und im Bildungswesen erstickt.
Es gibt auf die Frage, wie wir
die Denkweise angehen sollen, die
solche Herausforderungen hervorbringt
keine leichten Antworten.
Sie kehrt
in der Geschichte unseres Jahrhunderts immer wieder. zeitweise schien
es, als ob der Schock des Zweiten
Weltkrieges uns im Westen letztlich

2 -

�gelehrt hätte, daß bestimmte Werte
fundamentaler Art sind, daß eine auf
engem nationalen Eigeninteresse aufgebaute Politik sich selbst ausschaltet und daß Gesellschaften nur blühen
können, wenn sie neuen Ideen gegenüber aufgeschlossen sind.
Aber mit
der auf den Erfolg folgenden Selbstzufriedenheit
und
dem
Schock
der
jüngsten Vergangenheit haben sich die
alten Ansichten wieder
eingeschlichen.
Wir müssen Maßnahmen ergreifen, um ihnen entgegenzutreten, Maßnahmen, die sich vor allem auf Offenheit gründen. Heute möchte ich Ihnen
in groben Zügen einige mögliche Maßnahmen vorstellen und dabei auch besonders auf die Medien eingehen, denen bei der Sicherung dieser Offenheit eine besondere Verantwortung zukommt.
Lassen Sie mich dennoch zunächst
auf jede dieser grundsätzlichen Herausforderungen im einzelnen eingehen.

Moralischer Relativismus
Zunächst möchte ich über den moralischen und geistigen Relativismus
sprechen. In einer Welt der Veränderungen bringt jeder Tag neue Ideen,
neue Ideologien und neue Werkzeuge,
mit deren Hilfe wir mit den uralten
Problemen
des menschlichen
Daseins
fertigwerden können. Aber der soziale und technologische Wandel führt
auch zu Störungen und stellt unsere
traditionellen Wertmaßstäbe in Frage.
Der scharfsinnige britische Schriftsteller Paul Johnson hat in seinem
Buch "Modern Times" herausgestellt,
daß Philosophen, Psychologen und Politikwissenschaftler
zu Anfang des
20. Jahrhunderts die Wertvorstellungen des 19. Jahrhunderts hinwegfegten, ohne etwas von vergleichbarem
Wert an ihre Stelle zu setzen.
Es
war das von ihnen geschaffene "mo-

ralische Vakuum", das uns
in die
schrecklichen Zeiten zu Anfang und in
der Mitte des 20. Jahrhunderts geführt hat.
Nach dem Zweiten Weltkrieg erfuhr
die gesamte westliche Welt eine erneute Bestätigung von Freiheit, Demokratie und Menschenrechten. Aber der
Erfolg der demokratischen Wiedergeburt Europas brachte Gleichgültigkeit
mit sich und letztendlich eine neue
Verwirrung der Werte.
Diese Verwirrung wurde durch den Aufruhr reflektiert und verstärkt, den alle westlichen Gesellschaften in den späten
sechziger und frühen siebziger Jahren
erfuhren.
Der amerikanische Erziehungsminister William J. Bennett sagte, "wir haben es unseren sozialen
und kulturellen Institutionen gestattet, sich von ihrer ursprünglichen
Bestimmung zu entfernen; wir haben es
versäumt, Klarheit über die von uns
vertretenen Normen und die Grundlagen
für unser Urteil zu schaffen, oder
wenn wir uns selbst eine Meinung gebildet hatten, haben wir das Umfeld
öffentlicher Diskussionen den Kräften
des moralischen und geistigen Relativismus überlassen".
Sowohl in Amerika als auch in
Europa hatte der Druck des schnellen
Wandels einen auflösenden Einfluß auf
zwei für die Ausprägung von Werten
und moralischen Grundsätzen wichtige
Institutionen - die Familie und das
Bildungssystem.
Die dritte hierzu
zählende Institution, die Kirche, hat
Anzeichen
von Unsicherheit
gezeigt
und einzelne
religiöse Führer und
Gruppen
sind
zuweilen
relativistischen Trugschlüssen erlegen.
Sowohl in Amerika als auch in Europa ist man zunehmend besorgt über
das, was viele als Zerfall der Familie ansehen. Heute lassen sich weniger als zehn Prozent aller amerikan-

- 3-

�ischen
Haushalte
der
sogenannten
"traditionellen
Familie" mit einem
verdienenden Ehemann, einer Hausfrau
und Mutter und ein oder zwei Kindern
zuordnen.
Teilweise
spiegelt dies
die zunehmende Emanzipation der Frau
wider, nachteilig aber ist, daß eine
von zwei Ehen mit einer Scheidung endet und die Zahl der Familien mit einem
alleinerziehenden
Elternteil
ständig steigt. In Europa haben wir
niedrige Geburtenraten und nehmen die
zunehmende Tendenz der sozialen Einrichtungen wahr, verstärkt Funktionen
der Familie zu übernehmen.
Diese
Veränderungen gefährden die Fähigkeit
der
Gesellschaft, wichtige
soziale
Werte von einer Generation an die
nächste weiterzugeben. Solche Sorgen
bestehen nicht nur im konservativen
Feld der politischen Landschaft. Die
Grünen und die Anhänger ihrer Politik
sprechen ebenfalls von der "Auflösung
der Gesellschaft".
Der
Zerfall der
traditionellen
Familie erlegt unseren formalen Bildungseinrichtungen eine große zusätzliche Verantwortung auf. Leider sind
auch diese ins Wanken geraten.
in
den Vereinigten Staaten gab es bis
vor kurzem einen stetigen Qualitätsrückgang bei der Bildung an Grundschulen und weiterführenden Schulen,
ein Ergebnis von zu vielen fruchtlosen Bildungsexperimenten und zu wenig
Hinwendung
zu
den
Grundlagen.
William Bennett betonte, was Schulen
bieten sollten: "einen systematischer
Zugang zu unserer westlichen Erfahrungswelt mit ihrem klassischen und
christlich-jüdischen Erbe, den Ereignissen der amerikanischen und europäischen Geschichte, der politischen
Struktur
westlicher
Gesellschaften,
den großen Werken westlicher Kunst
und Literatur, den wichtigsten Leistungen der Naturwissenschaften...".
Er glaubt, daß Schulen dies nur allzu
häufig nicht bieten.

Es mag in Europa, wo die Ausbildung der Grund- und der weiterführenden
Schulen
geringeren
Belastungen
ausgesetzt ist als in den Vereinigten
Staaten, weniger Anlaß für eine Bewegung "Zurück zu den Grundlagen" geben.
Aber ich glaube, daß Europa
sehr wohl Probleme mit der Struktar
des weiter führerenden Bildungssystems
hat.
In der Bundesrepublik und anderswo bedeutet der rapide Anstieg
von Studenten an Universitäten einen
Qualitätsverlust.
Viele
Studenten
und ihre Eltern glauben einfach immer
noch, daß eine Universitätsausbilduig
die Mitgliedschaft in einer gesellschaftlichen und wirtchaftlichen Elite garantiert, und diese Einstellung
ermutigt sicher nicht zu harter Arbeit oder wirlichkeitsnaher Auswahl.
Wie wir kürzlich in Frankreich sahen,
haben Regierungen mit schwerwiegenden
Problemen zu kämpfen, wenn sie versuchen, mit den Problemen fertigzjwerden, wenn sie den Zugang zur Universität kontrollieren, von Studenten
verlangen, sich an den Ausbildungskosten zu beteiligen oder strengere
Leistungsmaßstäbe anlegen wollen. In
der
Bundesrepublik
begünstigt
die
akademische Mode, alle sozialen Einrichten "kritisch" zu untersuchen genau das, was eigentlich
vermieden
werden soll - Verwirrung und moralischen
Relativismus.
Dem "kritischen" Wissenschaftler wird so vermittelt das zu betonen, was an unseren Werten und Institutionen falsch
ist und niemals, was richtig ist.
Wie Paul Johnson überzeugend ausführt, war es die Zunahme von moralischem Relativismus, die den Aufstieg des Faschismus und Bolschewismus mit ihren grandiosen Projekten
der sozialen Reorganisation, die Millionen Leid und Tod brachten, erst
ermöglichte.
Diese Erfahrung können
wir
nicht
selbstgefällig
auf
die

�staubigen Seiten unserer Geschichtsschreibung zurückverweisen. Wie auch
immer unser Engagement für Frieden
und Demokratie aussehen mag, der geistige Relativismus macht es manchmal
unmöglich, sich auf vernünftige Urteilskriterien zu einigen, nach denen
wir unsere Politik im In- und Ausland
gestalten können.
Der französische
Schriftsteller
Jean-Francois
Revel
schreibt:
"Einer
Zivilisation, die
sich wegen ihrer Eigenarten und Taten
schuldig fühlt, wird die Energie und
Überzeugung fehlen, sich selbst zu
verteidigen".
Zahlreiche
Europäer
und einige
Amerikaner glauben, daß es die einzig
wichtige Wahrheit über die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion sei,
daß beide eine ungeheure und zahlenmäßig etwa gleich große Militärmacht
beherrschen.
Nachdem sie diesen augenfälligen Punkt bemerkt haben, fühlen sich diese Leute geistig dazu berechtigt, die Tatsache außer Acht zu
lassen, daß militärische Macht eine
der wenigen diesen beiden Gesellschaften
gemeinsamen
Eigenschaften
ist.
Manche Europäer ziehen besonders in diesem Land den bequemen,
aber gefährlichen Schluß, die beste
Politik sei eine "Äquidistanz" zwischen diesen beiden gleichermaßen unmoralischen - oder
amoralischen
Ländern.
Solche Ansichten sind ein
besonders zerstörerisches Produkt der
durch moralischen
Relativismus bedingten fehlenden festen Maßstäbe.
Das grundlegende Hindernis
für
den Frieden in Europa besteht heute
meiner Ansicht nach in der Teilung
Europas.
Diese Teilung hat nicht
stattgefunden, weil zwei gleichmaßen
machthungrige Supermächte Europa in
klassische
Einflußgebiete
aufteilten;
vielmehr
bestehen
Spannungen
und Konflikte weiter fort, weil Europa in freie und unfreie Staaten ge-

teilt ist. Wie das jüngste spanische
Referendum über die Mitgliedschaft in
der NATO zeigt, ist die NATO ein Verteidigungsbündnis für freie Nationen,
mit freiwilliger Mitgliedschaft. Wie
die wiederholten Aufstände
in der
DDR, in Ungarn, der Tschechoslowakei
und Polen zeigen, ist der Warschauer
Pakt eine Einrichtung der gewaltsamen
Knechtschaft der Völker Mittel- und
Osteuropas
im Dienste des sowjetischen Imperialismus.
Sicherheitsvereinbarungen und Rüstungskontrollabkommen
sind
sehr
wichtig.
Aber sie werden nicht in
dem Maße zum Frieden beitragen, wie
Maßnahmen, die darauf abzielen, die
Teilung Europas stufenweise zu überwinden, indem sie in östlichen Gesellschaftssystemen Veränderungen im
Hinblick auf größere Offenheit und
eine erhöhte Beachtung der Menschenrechte herbeiführen.
Der moralische
Relativismus kann uns jedoch blind
machen für die Tatsache, daß die Teilung zwischen Ost und West im wesentlichen in unterschiedlichen menschlichen
und politischen Werten besteht, nicht im geopolitischen Wettbewerb.
Es ist noch einfacher - und dabei
genauso gefährlich - im Hinblick auf
die Dritte Welt dem moralischen und
geistigen Relativismus in die Falle
zu gehen. Wir wissen zum Beispiel,
daß Demokratie für uns am besten ist.
Aber wir denken vielleicht, daß Diktatur für andere gut genug sei, weil
wir daran zweifeln, daß sie für die
Demokratie gerüstet sind, oder weil
wir glauben, daß Demokratie nichts
weiter als eine Schöpfung der westlichen Kultur ist. In Wahrheit glauben Millionen von Asiaten, Afrikanern
und Lateinamerikanern
rund um die
Welt, von Indien bis nach Argentinien, von den Philippinen bis nach
Costa Rica, daß sie das gleiche Recht

- 5-

�auf Freiheit und eine pluralistische
Demokratie haben wie wir.
Wenn wir unsere Maßstäbe auf die
Dritte Welt anwenden, tun wir dies
oft auf erstaunlich widersprüchliche
Art und Weise. Ein großer Teil der
westlichen
Intellektuellen
fordert,
daß gegen Südafrika wegen der dort
herrschenden offensichtlichen Verletzungen
der Menschenrechte
härteste
Maßnahmen ergriffen werden sollten.
Aber in anderen Fällen - Uganda in
den siebziger Jahren unter Amin liefert ein hervorstechendes Beispiel ist es für den Westen leicht, über
Massenmord und eine krasse Verletzung
der Menschenrechte hinwegzusehen.
Diese doppelte Moral, die mangelnde Bereitschaft oder Unfähigkeit,
moralische Unterscheidungen zu treffen, führt zu groben außenpolitischen
Fehlern, die auf Vorurteile und Eigeninteresse zurückzuführen sind. So
weigern sich viele, zu unterscheiden
zwischen den amerikanischen Bemühungen zur Wiederherstellung der Demokratie in Grenada und dem kontinuierlichen Drang der Sowjetunion, den
Wunsch des afghanischen Volkes nach
Unabhängigkeit und nationaler Selbstbestimmung zu unterdrücken. Dieselben Menschen, die die Regierung Chiles verurteilen, gewähren dem gleichermaßen
gewalttätigen
und unterdrückerischen Regime in Nicaragua ihre Unterstützung.
Werte und Normen sind ein unerläßlicher Bestandteil der Außenpolitik.
Wir müssen wissen, wofür wir
stehen, was wir verteidigen und was
unsere Zielsetzungen sind.
Die Erlangung von Frieden und Stabilität in
Europa fordert zunächst einmal die
Beachtung
von
Menschenrechten
und
Werten. Die Förderung der Menschenrechte und des politischen Wandels im
Osten ist für den Helsinki-Prozeß le-

benswichtig.
Wir
dürfen
die
Rüstungskontrolle nicht außer acht lassen, aber es kann keine wirkungsvolle
Rüstungskontrollpolitik
geben,
die
nicht Teil einer weiter gefaßten politische Strategie ist, mit der die
Menschenrechte gefördert werden.

Provinzialismus
Die zweite Herausforderung, der
wir uns gegenübersehen, ist ein wiederauflebender Provinzialismus.
Unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg
brach im Westen der pragmatische Internationalismus in großem Stil aus.
Eine begabte Generation von Amerikanern und Europäern erkannte, daß eine
auf bloßem nationalem Eigeninteresse
begründete Politik nicht länger wirkungsvoll war und man sich eine solche nicht leisten könne. Wir hatten
gelernt, daß wir die Interessen aller
westlichen Länder berücksichtigen und
unterstützen mußten - ebenso wie die
der Dritten Welt.
Daher haben wir gemeinsame Sicherheitsvereinbarungen und Bündnisse
entwickelt, um uns alle zu schützen.
Wir
haben die
selbstzerstörerische
protektionistische Handelspolitik der
zwanziger und dreißiger Jahre in neue
Zusammenschlüsse wie GATT und die Europäische
Gemeinschaft
umgewandelt,
mit deren Hilfe ein offenes internationales
Handelssystem
geschaffen
werden soll.
Wir haben vergleichsweise neutrale internationale Hilfsprogramme zum Wiederaufbau und später
zur Wirtschaftshilfe ins Leben gerufen.
Wir haben neue Austauschprogramme entwickelt, um Wissenschaftler, Studenten etc zusammenzuführen,
die das Grundwissen und Verständnis
für eine offenere Welt vermitteln
konnten.
Aber

in den letzten Jahren konn-

�ten wir weniger Bereitschaft zur Zusammenarbeit
an gemeinsamen
Zielen
erkennen.
Dieser neue Provinzialismus ist sowohl auf unsere Erfolge wie
auch auf unsere Niderlagen zurückzuführen. Für Amerikaner und Europäer
waren die
fünfziger
und sechziger
Jahre eine Zeit, in der wir wußten,
daß wir bei der Lösung großer Probleme zusammenarbeiten mußten - aber wir
waren optimistisch, daß wir uns dadurch
grundlegende
Sicherheit
und
dauerhaften Wohlstand sichern konnten.
Wir hatten mehr Erfolg als erwartet. Aber mit zunehmendem Wohlstand
und - wie wir dachten - zunehmender
Sicherheit, mit der heranwachsenden
Generation, die keine persönliche Erinnerung mehr mit den Kriegsjahren
verband, empfanden wir das internationale System zunehmend als selbstverständlich. Wir haben es versäumt,
zu sehen, daß es sich an die neuen
Erfordernisse eines neuen Zeitalters
anpassen mußte.
Dann gab es die
wirtschaftlichen und politischen Erschütterungen der sechziger und siebziger Jahre. Diese ließen unsere alten Ängste und Unsicherheiten wieder
aufleben und haben manchen vom Fehlschlag
der
internationalen
Politik
überzeugt.
Die alte Mentalität des
"jeder für sich" kam wieder auf und
brachte die Gefahr eines neuen Zeitalters des nationalen Egoismus mit
sich.
Unterschiedliche Einstellungen in
Europa und Amerika haben ebenfalls
zum neuen Provinzialismus beigetragen.
Wir haben das 20. Jahrhundert
auf sehr
unterschiedliche Art und
Weise erlebt.
Obwohl Europa heute
freier und wohlhabender ist als jemals
zuvor,
so
haben
doch
die
schrecklichen
Erfahrungen
dieses
Jahrhunderts viele Bürger pessimistisch, mißtrauisch und skeptisch werden lassen, was ihre Fähigkeit zur

Gestaltung der Zukunft betrifft. Europäer tendieren daher zu einer Politik, die europäische Interessen von
den
Auswirkungen
der
Ereignisse
trennt, bei deren Beeinflussung sie
sich machtlos fühlen.
Das 20. Jahrhundert war freundlicher zu den Amerikanern, die teilweise durch ihre geographische Lage
von den über Europa hinwegfegenden
Stürmen geschützt waren.
Für die
Vereinigten Staatn war dies hauptsächlich ein Jahrhundert der Errungenschaften und Siege. Unser manchmal
angeschlagenes
Selbstbewußtsein
ist immer noch stark.
Daher ist es
ein amerikanischer Drang, sich überall auf der Welt aktiv mit internationalen Problemen zu beschäftigen.
Genau diese Verschiedenheit hat
zu der emotional geführten Diskussion
über den Angriff auf Libyen geführt,
um ein Beispiel aus jüngster Zeit zu
verwenden.
Die in Europa vorherrschende Tendenz bestand darin, sich
von libyschem Terrorismus zu isolieren während Amerika die libysche Kampagne des Terrorismus überall auf der
Welt zu verhindern suchte.
In diesem, wie auch in anderen Fällen hat
der europäische Provinzialismus den
amerikanischen
Unilateralismus
geschürt, und umgekehrt.
Der
neue
Provinzialismus
kann
sich immer des geistigen Relativismus
bedienen, um zu "beweisen", daß es
richtig ist, das zu tun, was durch
das
Eigeninteresse
diktiert
wird.
Wir sehen dies besonders deutlich,
wenn wir an die wachsende Neigung zum
wirtschaftlichen Protektionismus denken. Amerikaner, Europäer und Japaner stimmen darin überein, daß der
freie Handel
uns wohlhabender
und
stärker macht.
Wir scheinen jedoch
alle unsere eigenen nationalen Entschuldigungen bei der Hand zu haben,

- 7-

�um Entscheidungen zu treffen, die zusammengenommen
das offene Welthandelssystem untergraben könnten.
Europa
kritisiert
amerikanische
Maßnahmen, die darauf abzielen, unsere Werkzeugmaschinenindustrie zu erhalten,
nennt
sie
"protektionistisch", während es gleichzeitig energisch den europäischen Schutz für die
Montanindustrie, Werften, Stahlwerke,
Rüstungsindustrie,
Fluglinien,
den
Airbus sowie die verwirrenden und
übertriebenen Bestimmungen, die den
freien Handel mit Telekommunikationsausrüstungen unmöglich machen, verteidigt. Die gemeinsame Agrarpolitik
der Europäischen Gemeinschaft ist für
das offene Handelssystem des Westens
sogar noch bedrohlicher. Von den Europäern als notwendig gerechtfertigt,
um die Zerrüttung ihrer Gesellschaften zu verhindern, verzerrt die gemeinsame Agrarpolitik den Weltmarkt
und schädigt insbesondere die amerikanischen Landwirte.
Aus denselben
Gründen
werden
die
amerikanischen
Subventionen für die Landwirtschaft
von den Amerikanern
gerechtfertigt
und von den Europäern verurteilt.
Die Japaner bezeichnen es wiederum als unfair, wenn die Vereinigten
Staaten
die
Automobilimporte
oder
Frankreich die Importe von Videorecordern
beschränken
während
sie
selbst es als ganz richtig empfinden,
die meisten im Ausland hergestellten
industriellen
und
landwirtschaftlichen Produkte durch komplexe und
undurchsichtige
nichttarifäre
Handelsschranken von ihren Märkten auszuschließen,
obwohl Amerikaner berechtigterweise
stolz darauf sind,
daß ihre Wirtschaft Importen gegenüber offener ist als jede andere,
sind sie trotzdem allzu bereit, dem
Sirenengesang des Protektionismus Beachtung zu schenken. In letzter Zeit
ist es Präsident Reagan zum Beispiel

nur unter großen Anstrengungen gelungen, Vorschläge zum Schutz der amerikanischen Schuh- und Textilhersteller
abzuwenden.
Wir sind im Begriff, in einen
Teufelskreis einzutreten, der, wenn
er nicht durchbrochen wird, unsere
Budgets sprengen, die Europäische Gemeinschaft in den Bankrott treiben
und einen neuen Handelskrieg entfachen wird.
Und wir sind in diesem Spiel ja
nicht die einzigen Teilnehmer.
Die
meisten Europäer, vielleicht besonders die Deutschen, stimmen uns zu,
daß Europa und die Vereinigten Stciaten eine moralische Verpflichtung zur
Förderung politischer und wirtschaftlicher Entwicklung unter den ärmeren
Nationen der Dritten Welt haben. Es
ist aber der Handel, viel mehr noch
als Entwicklungshilfe, der der Dritten Welt hilft, und nur zu oft schadet unser Protektionismus am meisten
den Entwicklungsländern.
Den Provinzialismus zu vermeiden,
bedeutet nicht, daß wir die Welt immer aus demselben Blickwinkel betrachten müssen.
wir haben unterschiedliche geschichtliche Traditionen, wir leben in verschiedenen Teilen der Welt. Wir müssen unseren jeweiligen regional bestimmten Anliegen
sensibel gegenüberstehen und den Provinzialismus überwinden, um sie in
Betracht zu ziehen.
Es ist zum Beispiel wichtig J'ür
die Europäer, zu erkennen, daß Entwicklungen in der Karibik und in M:.ttelamerika für die Vereinigten Staaten
von
lebenswichtigem
Interesse
sind - so wie die Amerikaner verstehen müssen, wie wichtig die innerdeutschen Beziehungen für die Deutschen sind. Niemand unter uns sollte
zulassen, daß diese regionalen Anlie-

8-

�gen unsere Aufmerksamkeit so sehr in
Anspruch nehmen, daß darüber Fragen
von größerer Bedeutung ausgeschlossen
oder unsere politischen Haltungen gegenüber der restlichen Welt verzerrt
dargestellt werden. Aber wir benötigen und verdienen unsere gegenseitige
Hilfe bei der Behandlung dieser Fragen.

Gesellschaftliche Verkrustung
Die dritte und besonders komplexe
Herausforderung, die es von uns zu
bewältigen gilt, ist die der gesellschaftlichen
Verkrustungen.
Starre
gesellschaftliche,
politische
und
wirtschaftliche Institutionen können
die Flexibilität und Kreativität lähmen, die zur Bewältigung neuer Probleme notwendig sind.

gend und scheint durch eine Vielzahl
von Beweisen unterstützt zu werden.
Wir können seine Aussagen leicht auf
die
politische
Entscheidungsfindung
bei internationalen Fragen anwenden.
Um auf ein bekanntes Beispiel zurückzukommen:
sowohl
wirtschaftliche
Theorie wie auch praktische Erfahrung
haben immer wieder bewiesen, daß der
freie Handel mehr zu unserem Wohlstand beiträgt als der Protektionismus.
Dies spielt jedoch kaum eine
Rolle, wenn diejenigen, die für die
Handelspolitik
verantwortlich
sind,
zu kämpfen haben mit

Selbst unsere modernen westlichen
Gesellschaften, die so sehr auf Wandel eingestellt sind, verändern sich
nicht so einfach. In seinem wichtigen,
im Jahr
1982 veröffentlichen
Werk "Aufstieg und Niedergang von Nationen" vertritt Mancur Olson die Ansicht, dies beruhe darauf, daß stabile, erfolgreiche Gesellschaftssysteme
ein Netz zunehmend mächtiger Interessengruppen
hervorbringen.
Diese
Gruppen sind darum bemüht, jede Veränderung zu ersticken, die die Position der von ihnen Repräsentierten
bedrohen könnte.
Diese Gruppen, so
behauptet Olson, "verringern die Effizienz und das Gesamteinkommen der
Gesellschaften, in denen sie am Werk
sind....". Sie "verlangsamen die Fähigkeit
einer
Gesellschaft,
neue
Technologien einzuführen als Reaktion
auf sich verändernde Bedingungen Ressourcen neu zu verteilen und verringern so die wirtschaftliche Wachstumsrate".
Olsons

These

ist

intuitiv

zwin-

- 9-

- politisch aktiven Landwirten und
Arbeitnehmern
verfallender
Industriezweige
(zum Beispiel
in
der
Stahl- und
Automobilindustrie), die Schutz vor internationalem
Wettbewerb
verlangen,
der sie aus ihren Arbeitsplätzen,
ihren Wohnungen und ihrem geregelten Lebensablauf zu vertreiben
droht;
- Politikern, Beamten und Militärs,
die den Handel für nicht-wirtschaftliche Ziele benutzen wollen, die ihren eigenen Interessen
dienen, wie etwa dem Gewinn einer
Wahl oder der Erhaltung der nationalen Rüstungsindustrie;
- Managern, die nicht bereit sind,
Kosten und Risiken bei der Einführung
neuer
Technologien
zu
tragen oder neue Methoden auszuprobieren.
Im November hat der
stellvertretende
amerikanische
Finanzminister Richard Darman
kein Gegner des freien Handels klar seine Meinung zum Ausdruck
gebracht, daß die Manager in den
Vereinigten
Staaten einen Teil
der Schuld für den schlechten Exporterfolg unseres Landes tragen.
Er beschuldigte sie, eine "industrielle Bürokratie" geschaffen

�zu haben. Dies, so erklärte er,
ist "die Neigung der amerikanischen Industrie, so zu sein wie
die Regierungsbürokratie, die so
gern
von
Führungskräften
der
Wirtschaft beschimpft wird: aufgebläht, risikofeindlich, ineffizient und einfallslos". Und diese industrielle Bürokratie
ist
kein amerikanisches Monopol.
Mancur
Olson konzentriert sich
auf
wirtschaftliche
Verkrustungen,
aber neben Geld und wirtschaftlicher
Macht gibt es noch andere Dinge, die
Menschen
schützen wollen.
Beamte,
die das Telekommunikationsnetz, die
öffentlichen
Transportmittel
eines
Landes
oder
das
Gesundheitssystem
kontrollieren, werden beispielsweise
nicht gern ihre eigene Macht und ihr
eigenes Prestige schädigen, indem sie
diese Institutionen dezentralisieren
und von einschränkenden Bestimmungen
befreien. Journalisten, die das öffentliche
Rundfunkund
Fernsehwesen
beherrschen, werden versuchen, private
Anbieter
auszuschließen,
deren
Wettbewerb ihren Einfluß auf die öffentliche Meinung schmälern könnte.
Die Art der menschlichen Natur
wird immer eine Tendenz fördern, daß
sich in unseren Gesellschaften Netze
von Interessengruppen
bilden.
ist
eine zunehmende Verkrustung deshalb
unausweichlich?
olson führt aus, daß
in der Bundesrepublik und Japan unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg
ein enormes Maß an Kreativität freigesetzt wurde. Das physische und soziale Gefüge beider Länder war zerschlagen.
Die traditionellen Interessengruppen
waren
zeitweilig
zu
schwach, um das Hervortreten neuer
gesellschaftlicher
und
wirtschaftlicher Kräfte zu verhindern.

be

In geringerem Umfang galt dasselauch für den Westen insgesamt.

All unsere Gesellschaften waren durch
den Krieg zerrüttet.
Deshalb waren
in den Vereinigten Staaten die ersten
beiden
Nachkriegs Jahrzehnte
sicherlich eine Zeit der Kreativität in der
Innen- und Außenpolitik.
Es war :.n
diesem Zeitraum, daß wir die gesetzliche Grundlage der Rassendiskriminierung beseitigten, die Frauen zu
vollwertigen Mitgliedern der Gesellschaft befreiten, Millionen unserer
Mitbürger aus der Armut emporhoben
und eine neue Revolution in Technologie und Informationswesen einleiteten.
Aber müssen wir wirklich erst
Krieg, Revolution und soziales Chaos
durchmachen,
um
gesellschaftliche
Verkrustungen aufzubrechen?
Das ist
die entscheidende Frage.
Und angesichts
unserer
jüngeren Geschichte
ist dies eine Frage, die wir zu allen
drei grundlegenden Herausforderungen
stellen müssen, über die ich heute
gesprochen habe.
In der ersten Hälfte dieses Jahrhunderts hat uns der moralische Relötivismus gegenüber den unbegrenzten
Ambitionen des Totalitärismus in geistiger Wehrlosigkeit belassen.
Der
Provinzialismus
hat abwechselnd
in
Gestalt von fanatischem Nationalismus,
Imperialismus,
Isolationismus
oder
ungezügeltem
Protektionismus
zweimal das internationale Staatensystem
zerschlagen.
Unfähig
zur
Überwindung
gesellschaftlicher
Verkrustungen erfuhr eine Nation nach
der anderen den politischen, wirtschaftlichen
und
gesellschaftlichen
Zusammenbruch - und erlag dem einfachen Ausweg der Diktatur.
Das Ergebnis zeigte sich in einigen der schlimmsten Ereignisse in der
Geschichte der Menschheit, die im
Zweiten
Weltkrieg
kulminierten.
Aber, wie ich schon sagte, hat der
Schock jenes Krieges dem Westen die

10 -

�Tatsache bewußt gemacht, daß sein
überleben auf dem Spiel stand.
Wir
haben wieder gelernt, daß es Werte
gibt, für die es sich lohnt zu kämpfen und zu sterben.
Wir haben erkannt, daß wir nur durch gemeinsame,
enge nationale Interessen überwindende Bemühungen hoffen konnten, eine
Wiederholung der Geschichte zu verhindern. Und unserer Gesellschaften,
ob zerschlagen
oder
lediglich erschüttert, waren genügend aufgelokkert worden, um einen außergewöhnlichen
Kreativitätsschub
zu ermöglichen, eine neue Fähigkeit, politische Grundsätze zu entwickeln, um
sich mit innen- und außenpolitischen
Problemen auseinanderzusetzen.
Aber die Jahre vergingen und wir
nahmen unsere Erfolge zunehmend als
selbstverständlich hin. Für zu viele
Angehörige
der
Nachkriegsgeneration
scheinen die Grundwerte des Westens
heute
wenig
mehr
als
langweilige
Phrasen des Establishments zu sein.
Was als innovative gesellschaftliche,
bildungspolitische
und
wirtschaftliche
Institutionen
seinen
Anfang
nahm ist heute zu neuen Netzen spezieller
Interessengruppen
herangewachsen, die unsere Gesellschaften
immer stärker umklammern.
Egoismus
und Provinzialismus scheinen wieder
legitim geworden zu sein.
Sind wir deshalb dazu verdammt,
die düstere Geschichte der ersten
Hälfte dieses Jahrhunderts zu wiederholen? Nun, wenn dies der Fall ist,
können wir in diesem nuklearen Zeitalter sicherlich nicht erwarten, daß
der Krieg unsere Werte wiederherstellen, unsere Lebensanschauung erweitern oder eine neue Welle der Kreativität freisetzen wird.
Ich kann Ihnen für dieses Dilemma
keine endgültigen Lösungen anbieten.
Es bleibt jedoch noch viel zu tun.

Wir können die Bedeutung von Werten in unseren eigenen Gesellschaften
bekräftigen. Wir können unsere Bildungsinstitutionen
so
umgestalten,
daß sie jungen Menschen eine solide
Grundlage geben, um die den unserer
westlichen Zivilisation zugrundeliegenden traditionellen Werte zu verstehen und sie umfassend mit neuen
Ideen vertraut machen, die sich zur
Bewältigung einer sich verändernden
Welt entwickeln. Wir können bewußte
Anstrengungen unternehmen, um unsere
grundlegenden Werte und Normen konsequent auf die Gestaltung der Innenund
Außenpolitik
anzuwenden.
Wir
können unsere Werte auf internationalem Gebiet in die Tat umsetzen, indem
wir denjenigen Ländern helfen und mit
ihnen zusammenarbeiten, die echte Bemühungen zur Enwicklung freier, demokratischer,
pluralistischer
Gesellschaften zu unternehmen, in denen die
Menschenrechte respektiert werden
selbst wenn sie noch nicht perfekt
sind. Was vielleicht das Wichtigste
ist, wir können und müssen Offenheit
in den
internationalen
Beziehungen
unterstützen, und wir müssen uns Plänen wie etwa der "neuen Weltinformationsordnung" energisch widersetzen,
die die offene Kommunikation zwischen
den Völkern ersticken würden. In einem
freien und offenen Wettbewerb
werden sich unsere westlichen Werte
des Friedens, der Freiheit, Demokratie und Menschenrechte durchsetzen.
Offenheit
kann uns auch dabei
helfen, die steigende Flut des Provinzialismus zurückzudrängen. Egoismus kann nicht bei Licht gedeihen.
Wenn wir bereit sind, wirtschaftliche
und
politische
Risiken einzugehen,
können
wir
tragfähige
Kompromisse
beim Handel finden, durch die das offene Welthandelssystem
auf solider
Grundlage
wiederhergestellt
wird.
Die kommende GATT-Runde wird uns eine

11 -

�wichtige Möglichkeit geben, dies zu
tun. Wir können in unseren eigenen
Gesellschaften politische Grundsätze
entwickeln, die wirksamere Antworten
für die durch unsere fortschreitende
wissenschaftlich-technische
Revolution geschaffenen sozialen und wirtschaftlichen
Herausforderungen
liefern können als der Protektionismus.
Sowohl die Europäer als auch die Amerikaner können und müssen erkennen,
daß Europa tatsächlich eine der unentbehrlichen Säulen des Weltfriedens
ist, dessen Rolle und Verantwortung
sich weit über die Grenzen Europas
hinaus erstreckt. Die Europäer müssen Amerika in seinen Bemühungen unterstützen, mit seinen drückenden regionalen
Problemen
fertigzuwerden,
und die Amerikaner müssen dasselbe
tun - und mehr, weil die Teilung Europas nicht einfach ein regionales
europäisches
Problem,
sondern
die
grundlegende Quelle der Spannungen in
der Welt von heute darstellt.
Und wir können sicherlich eine
Menge tun, um unsere Gesellschaftlich
flexibel und kreativ zu erhalten, um
ein institutionelles Umfeld zu entwickeln, in dem es für Interessengruppen schwierig ist, Veränderungen
zu verhindern.
In den Vereinigten
Staaten haben wir für diese Bemühungen eine Vielzahl von Instrumenten
geschaffen:
- Abschaffung
einschränkender
Bestimmungen, indem wir die staatlichen Kontrollen in allen Sektoren der Gesellschaft auf ein Minimum beschränken, da solche Kontrollen einen besonders starken
Schutz für Monopole bieten;
- Privatisierung vieler staatlicher
Funktionen,
einschließlich
der
Medien, um die Bereiche möglichst
gering zu halten, in denen die
Einmischung des Staates zu Ver-

krustungen führen kann;
- Maßnahmen, um ein Höchstmaß an
freiem Wettbewerb und die Bereitstellung
von Risikokapital
für
neue experimentelle Projekte :ÜU
ermutigen;
- Schaffung von Strukturen im Bildungswesen, die die besten und
kreativsten
Studenten, Forscher
und Lehrer belohnen und ermutigen;
- Liberalisierung des internationalen
Handels,
da
ausländischer
Wettbewerb eine der mächtigsten
Kräfte des Wandels darstellt.

Die modernen Medien
Als ich darüber gesprochen habe,
was zur Bewältigung der grundlegenden
Herausforderungen, mit denen wir konfrontiert sind, getan werden kann,
habe ich sehr viel Betonung auf Offenheit gelegt.
In der Tat denke
ich, daß Offenheit wahrscheinlich der
Schlüssel zu all diesen Problemen
ist. Und die Institution, die in wie
auch zwischen unseren Gesellschaften
potentiell den größten Beitrag zur
Offenheit zu leisten vermag, sind die
Medien. Aus diesem Grunde möchte ich
noch einige besondere Bemerkungen ;su
den Medien machen. Die Medien sollten Teil
der
Problemlösung
sein,
nicht Teil des Problems selbst.
Dies gilt besonders für diejenigen unter uns, die sich mit internationalen Fragen befassen. Wie in der
Vergangenheit
verwehren
Entfernung,
unzureichende
Sprachkenntnisse
oder
willkürliche Zensur den meisten Menschen den direkten Zugang zu Informationen darüber, was in anderen Ländern vor
sich
geht.
Der
Durchschnittsbürger
in
den
Vereinigton
Staaten und Europa ist jedoch heute

- 12 -

�bemerkenswert gut informiert, selbst
im Vergleich zu seinen Eltern. Dafür
können wir uns bei den modernen Medien bedanken, die durch die von der
modernen Technik geschaffenen mächtigen neuen Instrumente zur Beschaffung
und
Übermittlung
von
Informationen
revolutioniert wurden.
Paradoxerweise haben die Medien
jedoch nicht nur unseren Informationsstand über internationale Angelegenheiten verbessert, sondern auch
zu
unserer Verwirrung
beigetragen.
Die reine Masse der uns von den Medien gelieferten Informationen, die
Geschwindigkeit, mit der sie diese
übermitteln können und ihr intensiver
Wettbewerb untereinander führen allzuoft zu einer Art von Berichterstattung, die
trivialisiert und oberflächlich wie auch paradoxerweise extrem konformistisch ist.
Insbesondere
das Fernsehen hat
größere Auswirkungen gehabt als wir
normalerweise annehmen.
Die "Fernsehgeneration" hat eine kurze Aufmerksamkeitsspanne.
Sie wird meist
durch Berichte von 15 bis 30 Sekunden
Dauer in den Abendnachrichten über
internationale Fragen informiert. Da
die ihnen zur Verfügung stehende Zeit
heutzutage so vielfältig in Anspruch
genommen wird, sind die meisten Menschen
glücklich
darüber, daß
das
Fernsehen die scheinbar wichtigsten
Tatsachen schnell präsentieren kann.
Die gedruckten Medien mögen zur eingehenden
Information
besser ausgerüstet sein, aber auch sie müssen den
Stil des Fernsehens imitieren, um mit
dem Fernsehen um die begrenzte Aufmerksamkeit
der
Öffentlichkeit
zu
konkurrieren.
Meine eigene Erfahrung als Journalist hat mich davon überzeugt, daß
das Fernsehen all die traditionellen
Probleme akzentuiert, unter denen der

Journalismus leidet.
Mehr denn je
müssen
die Journalisten
versuchen,
sich
gegenseitig
auszustechen.
Da
ist keine Zeit für ernsthafte Analysen. Den Reporter einer anderen Station bei der Übermittlung einer Story
zu schlagen, und sei es nur um wenige
Minuten, kann für den ersten bedeuten, daß er in die Nachrichten kommt
und der andere nicht. Der erste erntet die Lorbeeren und dem anderen ergeht es schlecht.
Das Resultat besteht darin, daß der Journalismus als
Beruf nicht diejenigen anzieht, die
sich tiefer mit komplexen Problemen
befassen möchten.
Die Mehrzahl der
Journalisten, die über internationale
Angelegenheiten berichten, sind intelligent und gebildet, lassen aber
oft die Sachkenntnis vermissen, um
über diese Fragen zusammhängend zu
schreiben.
Schlagzeilen Journalismus ist ein
weiteres Problem.
Journalisten versuchen, sich vor gegenseitigem Druck
zu schützen, indem sie sich zusammentun und unter sich tage- und wochenweise abmachen, was als wichtigste
Story gebracht werden soll.
Jeder
beschäftigt sich dann nur noch mit
diesem Thema - bis zur nächsten Woche, wenn sie sich alle auf eine neue
Story stürzen. In Amerika können wir
unter einer Menge von Fernsehkanälen
auswählen, aber nur zu oft wird dieselbe große Story auf jedem Kanal gebracht und sonst kaum etwas. Deshalb
ist ein Problem, das heute noch die
Welt erschüttert, morgen schon vergessen.
Schlagzeilen Journalismus bedeutet, daß die Öffentlichkeit keine
Möglichkeit hat, bedeutende Fragen so
wie sie im Fernsehen präsentiert werden, in eine Perspektive zu stellen wer kann den Zusammenhang zwischen
dem heutigen Aufmacher und irgendeinem
anderen
Ereignis, das
vorige
Woche 30 Sekunden lang über den Bildschirm flimmerte, verstehen?

- 13 -

�Das Fernsehen verstärkt außerdem
die traditionelle Tendenz des Journalismus zur Uberdramatisierung.
Reporter haben immer gewußt, daß Geschichten mit "menschlichem Interesse" benötigt werden, um Zeitungen und
Zeitschriften
zu
verkaufen.
Das
Fernsehen bringt jedoch die Nachrichten mit nie gekannter Dramatik in unsere Wohnzimmer - Abend für Abend leben wir mit den Schrecken von Vietnam, mit der Furcht der TWA-Geiseln,
mit apokalyptischen Visionen darüber,
was mit uns geschehen wird wegen
Tschernobyl; weil Chemikalien in den
Rhein geleitet werden; weil die Amerikaner
einen
Schlag gegen Libyen
durchgeführt haben. Die außergewöhnliche Fähigkeit des Fernsehens, jede
Nachricht
zu dramatisieren, zwingt
uns dazu, zu überdenken, ob es die
Zuschauer informierter macht - oder
lediglich emotionaler, mit oberflächlichem Verständnis komplexer Ereignisse, die oft nur als Aufeinanderprallen von Gut und Böse aufgefaßt
werden und sich vom neuesten Produkt
aus Hollywood nicht unterscheidet.
Offensichtlich sind die Probleme
des Medien in Europa und Amerika
nicht identisch.
Die Oberflächlichkeit ist vielleicht charakteristisch
für Amerika. Aber während unsere Medien vielleicht zu sehr auf Wettbewerb und Dramen ausgerichtet sind,
werden Sie meiner Meinung nach hierzulande zu wenig damit konfrontiert.
Das Ergebnis ist eine Konformität der
Medien - die Öffentlichkeit bekommt
bisweilen nur die eine Seite einer
Geschichte und nur einen Teil der
Tatsachen zu hören, insbesondere im
Fernsehen.
Wir
außenpolitischen
Experten
neigen dazu, die Auswirkungen der Medien auf die Gestaltung der Politik
zu unterschätzen.
Tatsächlich ver-

bringen führende Regierungsvertreter
und
Spitzenkräfte
der
Wirtschaft
enorm viel Zeit damit, sich Sorgen zu
machen, was über sie und die von ihnen getroffenen Entscheidungen in der
Presse berichtet wird.
Wegen des
großen Interesses, das eine Regierung
ihrer Darstellung in der Presse beimißt, haben die Medien großen Einfluß
auf die Entscheidungsfindung innerhalb der Regierung gewonnen.
überdies sind es oft die Medien
selbst, die die außenpolitische Tagesordnung bestimmen, indem sie die
Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf
bestimmte Themen lenken.
Oft legen
die Medien die Parameter von Handlungen zu diesen Fragen fest, indem sie
bestimmte politische Ansätze als gut
und andere als schlecht definieren.
Und sogar wir Experten werden mehr
davon beeinflußt, was wir im Fernsehen sehen und in der populären presse
lesen, als von dem, was wir glauben
möchten.
Ja, wir müssen davon beeinflußt werden - anders als die sowjetischen Politiker arbeiten wir in
Demokratien. Wir müssen der öffentlichen Meinung Beachtung
schenken,
und es sind die Medien, die die öffentliche Meinung bilden oder zumindest in bestimmte Kanäle lenken.
All dies bedeutet, daß außenpolitische Experten aktiv an der Erziehung der Öffentlichkeit zu diesen
komplexen Fragen beteiligt sein müssen. Wir müssen in die öffentliche
Debatte eingreifen, anstatt sie als
trivial abzutun. Wenn man den Einfluß der Medien auf den Entscheidungsfindungsprozeß
berücksichtigt,
dann kann die Trivialisierung von
Nachrichten auch zu einer Trivialisierung bei der Gestaltung staatlicher Politik führen.
Wir müssen verstehen, daß der
Journalismus - wie Diplomatie, Handel

14 -

•

,

�und akademische Forschung - einer der
grundlegenden Berufe der internationalen Angelegenheiten ist, und wir
müssen den Journalisten deshalb als
Kollegen behandeln. Gleichzeitig haben wir aber auch das Recht, von den
Medien bessere Leistungen zu verlangen. Die Medien gehören zu den mächtigsten Institutionen unserer Gesellschaft. Wie jede andere mächtige Institution müssen sie dem Rest der Gesellschaft
gegenüber
rechenschaftspflichtig sein.

Schlußfolgerungen
Sicherlich sind die Medien nur
eine unter vielen Institutionen, die
effektiv funktionieren müssen, wenn
wir den Herausforderungen des moralischen Relativismus, des Provinzialismus und der gesellschaftlichen Verkrustung begegnen sollen. Da es auf
diese grundsätzlichen Herausforderungen keine einfachen Antworten gibt,
müssen wir unsere gesamte Politik und
all unsere Institutionen einer eingehenden Überprüfung öffnen. Wir müssen im positivsten Sinn dieses Wortes
"kritisch" sein - nicht davor Angst
haben, zu ändern, was geändert werden
muß oder zu erhalten und bestätigen,
was erhaltenswert ist.
Wir können
dies am besten in einer offenen Welt
tun, wie ich sie schon oft zu früheren Anlässen beschrieben habe.
Je
mehr wir uns auf eine solche Welt zu
bewegen, desto größer wird unsere
Chance sein, vernünftige und wirksame
Antworten auf die zentralen Probleme
der Handhabung einer modernen Demokratie zu formulieren.

- 15

�AMERIKA DIENST
'VON

Hintergrundmaterial

4

21. Januar 1987

RÜSTUNGSKONTROLLINITIATIVEN DER VEREINIGTEN STAATEN
- Bericht des Weißen Hauses -

WASHINGTON - (AD) - Das Weiße Haus hat am 12. Januar 1987 den nachfolgend
abgedruckten Bericht veröffentlicht, in dem amerikanische und westliche Initiativen in zehn verschiedenen Bereichen der Rüstungskontrolle beschrieben
werden.

Strategische Offensivwaffen

(START)

Bei
ihren
Zusammenkünften
in
Reykjavik im vergangenen Oktober sind
Präsident Reagan und Generalsekretär
Gorbatschow
grundsätzlch
übereingekommen, in den nächsten fünf Jahren
eine 50prozentige Reduzierung strategischer Nuklearwaffen auf 1 600 nukleare Trägersysteme mit 6 000 Gefechtsköpfen auf diesen Trägersystemen herbeizuführen. Beide Seiten haben bei der Aufstellung eines Zählmodus für Bomber wichtige Fortschritte
gemacht und grundsätzlich eine Über-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

einkunft über die Notwendigkeit "erheblicher Verringerungen" bei sowjetischen schweren Interkontinentalraketen (ICBM) erzielt, die zu den Raketen zählen, die die Stabilität am
meisten untergraben.
Unsere Unterhändler in Genf haben
daraufhin sofort einen neuen amerikanischen Vorschlag zu START vorgelegt,
der die in Reykjavik akzeptierten gemeinsamen
Bereiche
berücksichtigt.
Ferner hat die Sowjetunion am 7. November einige weitere Schritte unternommen, indem sie Vorschläge unter-

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�breitete, die
teilweise die Fortschritte von Reykjavik widerspiegelten. - Wir hoffen, daß diese Bereiche
der Übereinstimmung als Ausgangspunkt
dienen können, von dem aus amerikanische
und sowjetische Unterhändler
bedeutungsvolle
Verträge
für einen
Rüstungsabbau erarbeiten können.

Kern- und Weltraumwaffen
(NST) wird
es unsere Aufgabe sein, auf den in
Reykjavik erreichten Leistungen und
auf den bei der letzten NST-Runde in
Genf vorgelegten Vorschlägen aufzubauen.

Mittelstreckenwaffen (INF)
Leider koppeln die Sowjets ein
Abkommen zu START an die amerikanische
Zustimmung
zum
sowjetischen
Vorschlag
über
Verteidigungs- und
Weltraumwaffen, der letztendlich SDI
zunichte machen würde. Das ist nicht
akzeptabel und läuft den von Generalsekretär Gorbatschow im November 1985
in Genf eingegangenen Verpflichtungen
zuwider, in den Bereichen, in denen
eine gemeinsame Grundlage vorhanden
ist, voranzugehen, wozu auch das Konzept eines 50prozentigen Abbaus strategischer Offensivwaffen gehört. Die
Sowjets machen ihr Abkommen über einen 50prozentigen Abbau strategischer
Waffen ferner von der grundsätzlichen
amerikanischen Zustimmung zur völligen Abschaffung aller strategischen
Offensivwaffen
bis
1996
abhängig.
Dies ist ebenfalls zur Zeit nicht annehmbar; wenn man die massiven sowjetischen Investitionen bei konventionellen
Streitkräften
betrachtet,
sind Nuklearwaffen
unerläßlich
für
die Sicherheit der Vereinigten Staaten und unserer Verbündeten.
Anfang Dezember haben sich Unterhändler beider Seiten zu Gesprächen
zwischen den Runden in Genf getroffen. Obwohl es bei den unterschiedlichen Standpunkten keine Annäherung
gab, glauben wir doch, daß diese Gespräche zu unseren Vorbereitungen für
die nächste Runde beitragen, weil
durch sie begrenzter, aber nützlicher
Fortschritt bei der Klärung von Punkten der Übereinstimmung und des Gegensatzes erzielt worden ist. In der
nächsten
Runde der Gespräche über

In Reykjavik gäbe es bedeutsame
Fortschritte beim Abbau der Differenzen über Mittelstreckenwaffen.
Die
Vereinigten Staaten und die Sowjetunion haben in Reykjavik grundsätzlich einer weltweiten Begrenzung von
100 Gefechtsköpfen auf Mittelstrekkenraketen
längerer
Reichweite
(LRINF) zugestimmt, von denen keine
in Europa stationiert sein sollen.
Die verbleibenden Raketen würden im
asiatischen Teil der Sowjetunion und
auf amerikanischem Territorium stationiert werden.
Die Sowjets haben
ihre hartnäckige Haltung aufgegeben,
daß britische und französische Nuklearwaffen in solch ein Abkommen eingeschlossen werden sollten. Beide Seiten kamen ferner grundsätzlich überein, INF-Systeme kürzerer Reichweite
zu begrenzen und für deren Abbau in
Genf
Folgeverhandlungen
abzuhalten.
Nach dem Treffen in Reykjavik haben
unsere Unterhändler in Genf umgehend
einen neuen amerikanischen Vorschlag
unterbreitet, der die Bereiche, bei
denen im Prinzip Übereinstimmung besteht wie auch andere Elemente, die
notwendig wären, um ein annehmbares
INF-Abkommen
zu
erlangen,
einschließt. Obwohl die Sowjets daraufhin einen neuen, auf ihrer Sichtweise
der Ereignisse in Reykjavik beruhenden Vorschlag auf den Verhandlungstisch legten, sind sie von dem bei
diesem Treffen erzielten Fortschritt
beträchtlich zurückgetreten.
Darüber
hinaus haben sich die Sowjets von ihrer beim Genfer Gipfeltreffen eingegangenen Verpflichtung zurückgezogen,

�ein separates
INF-Abkommen
zu beschließen. Sie versuchen nun, INF an
andere Bereiche der Rüstungskontrolle
zu koppeln und bestehen darauf, daß
ihre
Rüstungskontrollvorschläge
ein
"Paket" seien und nicht getrennt werden können.

Probleme der Verteidigung im Weltraum
In Reykjavik haben die Vereinigten Staaten als Antwort auf den sowjetischen Vorschlag, sie sollten eine zehnjährige Verpflichtung eingehen
und sich nicht aus dem ABM-Vertrag
zurückzuziehen, angeboten, solch eine
Zehnjahresverpflichtung bis 1996 einzugehen.
In diesem Zeitraum würde
die im ABM-Vertrag gestattete Forschung,
Entwicklung
und
Erprobung
weitergeführt. Die Vereinigten Staaten verbinden ihre Zustimmung mit:
- einem
50prozentigen
Abbau
der
strategischen Offensivwaffen der
Vereinigten Staaten und der Sowjetunion in den ersten fünf Jahren,
- Abschaffung aller amerikanischen
und sowjetischen offensiven ballistischen Raketen in den folgenden fünf Jahren, und
- einem Abkommen, wonach beide Seiten nach
1996 moderne strategische Verteidigungssysteme stationieren könnten, wenn sie nicht
andere Vereinbarungen treffen.
Die Sowjets haben
jedoch versucht, den ABM-Vertrag einzuschränken, indem sie die Erprobung von im
Weltraum befindlichen "Bestandteilen"
eines Raketenabwehrsystems außerhalb
von Labors verbieten.
Damit würde
das amerikanische
SDI-Programm zunichte gemacht - für den Präsidenten

unannehmbar.
Vorher
hatten
die
Vereinigten
Staaten auch eine Initiative der Offenen Labors vorgeschlagen - ein vertrauensbildendes Programm gegenseitiger Informationen
und Besuchen in
Einrichtungen
für die
strategische
Verteidigung.
Im Hinblick auf AntiSatelliten-Systeme
(ASAT) haben die
Vereinigten Staaten noch keine Begrenzungsvorschläge
ausgearbeitet,
die wirklich verifizierbar wären und
im Sicherheitsinteresse der Vereinigten Staaten lägen. Wir haben angeboten, Vorschläge
für bestimmte Rüstungskontrollmaßnahmen
zu ASAT in
Betracht zu ziehen, wenn solche Maßnahmen mit der nationalen Sicherheit
der
Vereinigten
Staaten
vereinbar
sind.

Chemische Waffen (CW)
Im April 1984 haben die Vereinigten
Staaten
bei
der
Genfer
Abrüstungskonferenz (CD) mit 40 Teilnehmerstaaten einen umfassenden Vertrag vorgeschlagen, mit dem Entwicklung, Herstellung, Gebrauch, Transfer
und die Lagerung chemischer Waffen
verboten werden. Dies wäre mit Hilfe
verschiedener Maßnahmen zu verifizieren, zu denen in Zweifelsfällen obligatorische
Überprüfungen
vor Ort
kämen. Beim Gipfeltreffen im November 1985 sind Präsident Reagan und
Generalsekretär Gorbatschow übereingekommen, die bilateralen Gespräche
zu allen Aspekten des umfassenden
Verbots chemischer Waffen zu intensivieren, die auch bei der CD verhandelt werden. Im Jahr 1986 haben wir
vier Runden von Geprächen zu einem
bilateralen
Vertrag
über
chemische
Waffen abgehalten, und für Februar
1987 ist eine fünfte Runde geplant.
Die Gespräche

für einen bilatera-

�len Vertrag haben Differenzen über
eine Abschaffung von Produktionsstätten für chemische Waffen und über von
einem möglichen Vertrag
abgedeckte
chemische
Substanzen
abgebaut.
Trotzdem bestehen darüber und in einer Anzahl anderer wichtiger Bereiche
immer noch Meinungsverschiedenheiten,
besonders in solchen, die sich mit
einer Verifizierung der Vertragseinhaltung beschäftigen. Um die Einhaltung
sicherzustellen,
fordern
die
Vereinigten Staaten systematische Beobachtung vor Ort und obligatorische
"Inspektionen bei Zweifelsfällen", um
mögliche Verletzungen zu untersuchen.
Die Sowjets haben in der Vergangenheit immer wieder darauf bestanden,
daß die Annahme der Inspektionen in
Zweifelsfällen freiwillig sei.
Obwohl sie kürzlich darauf hingewiesen
haben, daß bei bestimmten Zweifelsfällen strengere Verfahrensweisen angewandt werden sollten, so müssen sie
noch im einzelnen erklären, wie diese
genau aussehen sollen.
Darüber hinaus haben wir einen
Dialog mit den Sowjets eröffnet, wie
die Weiterverbreitung chemischer Waffen zu verhindern sei. Wir haben in
diesem Zusammenhang Exportkontrollen
und politische Schritte zur Beschränkung der Ausbreitung chemischer Waffen überarbeitet.

Atomtests
Die
Priorität
der
Vereinigten
Staaten im Bereich der Atomtests besteht in der Verbesserung der Verifizierungsprotokolle
des
bestehenden
Schwellenvertrages
(TTBT)
und
des
Vertrags
über
Atomexplosionen
zu
friedlichen Zwecken (PNET). Bei den
Treffen in Reykjavik zwischen Präsident
Reagan
und
Generalsekretär
Gorbatschow haben wir vorgeschlagen,
daß die Vereinigten Staaten und die

Sowjetunion Verhandlungen über Atomtests aufnehmen. Das Programm dieser
Verhandlungen würde zunächst in der
Lösung anstehender Fragen zur Verifikation von in TTBT und PNET definierten
Zusammenhängen
bestehen.
Wenn
diese Probleme der Verifizierung aus
der Welt geschafft und die Verträge
ratifiziert sind, würden die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion
sofort Verhandlungen darüber aufnehmen, wie ein schrittweises, paralleles Programm - in Zusammenhang mit
einem Programm
zur Begrenzung und
letztendlich
zur Abschaffung
aller
Kernwaffen
durchgeführt
werden
kann, das Atomtests einschränkt und
schließlich ganz beendet.
Obwohl Anzeichen
bestehen, daß
die Sowjets sich zur Behandlung unserer Anliegen einverstanden erklären
könnten, hat es bis heute noch keine
Übereinkunft
über
die
Prioritäten
dieser Verhandlungen gegeben.
Während der dritten Runde von Experte:igesprächen zur Frage der Atomtests
ist die sowjetische Delegation von
einem ordentlichen schrittweisen Ansatz
für
Verhandlungen
abgerückt.
Wir
haben
die
Fortsetzung
dieser
Treffen im Januar vorgeschlagen.
In
Island
hat
der
Präsident
Gorbatschow gegenüber außerdem angedeutet, daß er nach Zusammentreten
des 100. Kongresses vom Senat Ratschläge und die Zustimmung zur Ratifizierung des Schwellenvertrages und
des Vertrages über Atomexplosionen zu
friedlichen Zwecken erbitten werde,
jedoch mit dem angemessenen Vorbehalt, daß diese Verträge nicht vor
einer Regelung der Verifikationsfrage
in Kraft treten würden. Wie versprochen, hat der Präsident dieses Ersuchen am 13. Januar 1987 dem Kongreß
zugeleitet.

�Konferenz über Vertrauensbildung
Abrüstung in Europa (KVAE)

und

Die aus 35 Teilnehmerstaaten bestehende
Stockholmer
KVAE-Konferenz
wurde am 22. September mit Annahme
einer Reihe konkreter Maßnahmen vertagt, die dazu bestimmt sind, die Offenheit und Berechenbarkeit von militärischen Aktivitäten in Europa zu
stärken.
Diese Maßnahmen, die die
Vorschläge der NATO-Staaten einbeziehen, sehen die frühzeitige Notifizierung aller militärischen Aktivitäten
oberhalb einer Schwelle von 13 000
Soldaten oder 300 Panzern vor, die
Beobachtung von militärischen Aktivitäten oberhalb einer Schwelle von
17 000 Mann sowie jährliche Vorschauen auf geplante militärische Aktivitäten.
Die Übereinkunft enthält außerdem Vereinbarungen über Inspektionen vor Ort aus der Luft und zu Land
zur Verifizierung. Obwohl bescheiden
im Ausmaß, hat die Sowjetunion mit
diesen Bestimmungen zum ersten Mal
Inspektionen auf ihrem eigenen Territorium zur Verifizierung einer internationalen
sicherheitsvereinbarung
zugestimmt.

Bilaterale vertrauensbildende Maßnahmen
Der
Vorschlag
der
Vereinigten
Staaten zur Verbesserung der Kommunikation über den heißen Draht wurde
von der Sowjetunion angenommen und
wird gegenwärtig durchgeführt.
Der
amerikanische Vorschlag für Zentren
zur Verminderung des atomaren Risikos
wird gegenwärtig von der Sowjetunion
geprüft.
Vertrauensbildungsinitiativen über einen Informationsaustausch
zwischen den Militärs und zur Notifizierung bei Abschüssen von ballistischen Raketen sowie über strategische Manöver wurden ebenfalls von den
Vereinigten Staaten vorgeschlagen.

Gegenseitige und ausgewogene Truppenreduzierungen in Mitteleuropa
(MBFR)
Am 5. Dezember 1985 hat die NATO
eine neue Initiative mit dem Ziel der
Berücksichtigung
östlicher
Anliegen
vorgeschlagen. Der Vorschlag hat die
westliche Forderung über eine vorherige Einigung bei der Datenfrage in
bezug auf die Truppen des Ostens fallengelassen.
Die Sowjets hatten behauptet, diese westliche Forderung
stelle das primäre Hindernis auf dem
Weg zu einer Einigung dar. Der Vorschlag forderte außerdem eine zeitlich befristete erste Phase für den
Rückzug von 5 000 amerikanischen und
11 500 sowjetischen Soldaten, die von
einer dreijährigen Verpflichtung zur
NichtVerstärkung der Truppen gefolgt
sein würde, die von allen Parteien
mit Streitkräften in dieser Zone mit
dem Ziel eingegangen werden sollte,
die Stärke der verbleibenden Streitkräfte zu verifizieren. Die verbleibenden
Truppenstärken
würden
durch
nationale technische Mittel, vereinbarte Ein- und Ausreisepunkte sowie
30 jährliche Inspektionen vor Ort verifiziert werden.
Bis heute haben
die Sowjets der westlichen Initiative
noch keine konstruktive Antwort erteilt.

Die hochrangige Arbeitsgruppe der
NATO zur Rüstungskontrolle im konventionellen Bereich
Die Arbeitsgruppe hat dem Nordatlantikrat am 11. Dezember 1986 ihren
Bericht über die zukünftige Richtung
der NATO-Rüstungskontrollpolitik vorgelegt. Bei diesem Treffen gaben die
NATO-Minister ihre Annahme der "Brüsseler Erklärung" bekannt, in der die
Bereitschaft der NATO erklärt wird,

�neue Verhandlungen mit dem Warschauer
Pakt aufzunehmen mit dem Ziel, ein
"verifizierbares,
umfassendes
und
stabiles Gleichgewicht der konventionellen Streitkräfte auf niedrigerem
Niveau" in ganz Europa vom Atlantik
bis zum Ural zu schaffen. Die NATO
hofft, Anfang des Jahres 1987 mit Gesprächen beginnen zu können, um ein
Mandat für neue Verhandlungen zu entwickeln.
Die
Brüsseler
Erklärung
fordert außerdem getrennte Verhandlungen, um die Ergebnisse der KVAE
auszubauen und zu erweitern.

Der vertrag
Kernwaffen

zur Nichtverbreitung

folgende Chronologie amerikanisch-sowjetischer
Rüstungskontrollverhandlungen im Jahr 1986 veröffentlicht:

von

Vom 15.-18. Dezember 1986 hielten
die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion
in Washington die achte
Runde einer andauernden Serie von
Konsultationen
zur
Nichtverbreitung
von Kernwaffen ab, die im Dezember
1982 begonnen hatte. Diese Konsultationen erstreckten sich auf ein breites Spektrum von Fragen, einschließlich der Aussichten für eine Stärkung
der
internationalen
Regelungen zur
Nichtverbreitung,
der
Unterstützung
des Vertrages
zur Nichtverbreitung
von Kernwaffen und des gegenseitigen
Wunsches der Vereinigten Staaten und
der UdSSR, die Internationale Atomenergieorganisation
(IAEO) zu stärken. Diese Konsultationen sind keine
Verhandlungen sondern eher Gespräche
zur Überprüfung verschiedener Fragen
beiderseitigen Interesses.
Die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion
haben beide ein starkes Interesse,
die gefährliche Ausbreitung von Atomwaffen zu verhindern und haben sich
darauf verständigt, diese Konsultationen als ein Forum der Diskussion
und des Meinungsaustauschs zu benutzen.
Das Weiße

Haus

hat außerdem

die
- 6 -

�Amerikanisch-sowjetische Rüstungskontrollverhandlungen 1986
Nuklear- und Weltraumgespräche
Runde IV - 16. Januar - 4. März
Runde V - 8. Mai - 26. Juni
Runde VI - 18. September - 13. November
Konferenz
Runde
Runde
Runde
Runde

über Vertrauensbildung und Abrüstung in Europa (multilateral)
IX - 28. Januar - 15. März
X - 15. April - 23. Mai
XI - 10. Juni - 18. Juli
XII - 19. August - 19. September

Konferenz über Abrüstung (multilateral)
Rumpfsitzung des Ausschusses für chemische Waffen - 13.-31. Januar
Frühlingssitzung - 4. Februar - 25. April
Sommersitzung - 10. Juni - 29. August
Konsultationen des Vorsitzenden des Ausschusses für chemische Waffen
- 24. November - 17. Dezember
Beiderseitige und ausgewogene Truppenreduzierungen in Mitteleuropa
(multilateral)
Runde 38 - 30. Januar - 20. März
Runde 39 - 15. Mai - 3. Juli
Runde 40 - 25. September - 4. Dezember
Amerikanisch-sowjetische Expertengespräche über Rüstungskontrolle
Nuklear- und Weltraumgespräche (NST)
- 11.-12. August in Moskau
- 5.-6. September in Washington
- 2.-5. Dezember in Genf auf Verhandlungsführerebene
Beiderseitige und ausgewogene Truppenreduzierungen in Mitteleuropa (MBFR)
- 6.-7. August in Moskau
- 10.-11. September in Moskau
Konferenz über Vertrauensbildung und Abrüstung in Europa (KVAE)
- 14.-15. August in Stockholm
Gespräche über einen Vertrag über chemische Waffen
- 28. Januar - 3. Februar in Genf
- 15.-25. April in Genf
- 1.-18. Juli in Genf
- 28. Oktober - 18. November in New York
Gespräche über die Nichtverbreitung von chemischen Waffen
- 5.-6. März in Bern
- 4.-5. September in Bern

- 7-

�Atomtests
- 25. Juli - 1. August in Genf
- 4.-18. September in Genf
- 13.-25. November in Genf
Zentren zur Verringerung des atomaren Risikos
- 5.-6. Mai in Genf
- 25. August in Genf
Gespräche über die Nichtverbreitung von Kernwaffen (NPT]
- 15.-18. Dezember in Washington

* * * * * *

- 8~

�AMERIKA DIENST
'VON

4

Wissenschaft und Technik

21. Januar 1987

ANALYSE DES "STOFFWECHSELS" IN DER STRATOSPHÄRE
Mit Forschungsflugzeug chemischen Prozessen in der Luft auf der Spur -

WASHINGTON - (AD) - Ein nach Art
und Umfang bisher einzigartiges Forschungsprojekt, organisiert von mehr
als 50 Wissenschaftlern der NASA (USBehörde für Luft- und Raumfahrt) und
NOAA (US-Behörde für Meeres- und Atmosphärenforschung) , begann am 15.
Januar
1987 auf der Südhalbkugel,
über der Nordregion Australiens werden von Bord des amerikanischen Spezialflugzeuges ER-2
(ER steht für
"Earth Resources") in 18 000 m Höhe
und mehr, jedenfalls über den mächtigen Gewitterwolken, Luftproben genommen und im Flugzeug automatisch er-

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Embassy of the United States of America

faßt, zum Teil auch bereits analysiert.
Zur gleichen Zeit sondieren
niedriger
fliegende
Flugzeuge
die
tieferen Schichten der amboßförmigen
Gewitterwolken.
Ziel der Experimente
ist es, nicht nur die Mengen von Wasserdampf sowie Art und Konzentrationen der Schwebstoffe in der Luft zu
bestimmen, sondern auch den Weg von
Luft, Gasen und Aerosolen aus niedrigen in höhere atmosphärische Schichten sowie chemische Umsetzungen bei
diesen Vorgängen
aufzudecken.
Man
hofft, dadurch Prozesse besser als
bisher erfassen zu können, die die

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Telex: 8-85432

�Ozonschicht zerstören.
Die wissenschaftliche Nutzlast im
ER-2-Flugzeug, 16 speziell für dieses
Projekt entwickelte und vollautomatisch
arbeitende Instrumente, mißt
auch den Ozongehalt der durchflogenen
unteren Stratosphäre.
ER-2 ist der
einzige Flugzeugtyp, mit dem bei Unterschallgeschwindigkeit in so großen
Höhen geflogen werden kann.
Fünf
Jahre Vorbereitung hat das jetzt in
Angriff genommene Projekt gekostet.
Die Instrumente sind so ausgelegt,
daß der Pilot nur einen Schalter zu
bedienen braucht, um sie zu aktivieren.
Alles übrige - Kalibrieren,
Überprüfen, Erfassen und Aufzeichnen
von Daten - geschieht vollautomatisch
und wartungsfrei.
Diese erste Meßperiode soll ca.
einen Monat dauern.
Später ist geplant, mit einem ähnlichen Projekt
das berüchtigte "Ozonloch" über der
Antarktis näher zu untersuchen. Dabei handelt es sich um einen Bereich
in der Stratosphäre von der Ausdehnung Nordamerikas, in dem in den Monaten September und Oktober der Ozongehalt bis um 40 Prozent absinkt.
Das bedeutet eine erhebliche Störung
des natürlichen Gleichgewichts
für
den Auf- und Abbau der Ozonschicht,
die wegen ihrer Filterfunktion gegen
gefährliche
ultraviolette
Strahlung
von der Sonne wichtig für das Gedeihen, ja die Erhaltung allen Lebens
auf der Erde ist. In Hunderten von
Millionen Jahren hat sich eine bestimmte Konzentration an Ozonmolekülen (dreiatomiger Sauerstoff) in der
Stratosphäre eingependelt. Schon eine Verdünnung um ein Prozent könnte,
wie Wissenschaftler
der amerikanischen Umweltschutzbehörde EPA schätzen, unter anderem die Zahl der Erkrankungen an Hautkrebs um jährlich
20 000
allein
in
den
Vereinigten
Staaten erhöhen.

Eine Anreicherung von Ozon in bodennahen Luftschichten, unterhalb der
Stratosphäre, der dort durch photochemische Reaktionen bestimmter Luftschadstoffe entsteht, stört ebenfalls
das ökologische Gleichgewicht.
Die
Untersuchung der Auswirkungen dieses
"Tiefen''-Ozons steht noch ziemlich am
Anfang.
Jedenfalls erweist er sich
als Umweltgift, vor allem für Pflanzen.
Eine genaue Kenntnis von Transport- und Umsetzungsvorgängen für Gase und Aerosole in den Luftschichten
bis etwa 2 0 oder 25 km Höhe könnte
helfen, Antworten auf die Frage zu
finden, wie denn bestimmte Stoffe und
Verbindungen
in
die
oberen
Luftschichten gelangen - Stoffe, zu denen
zum Beispiel auch die an der Ozonschicht nagenden Fluorchlorkohlenwasserstoffe
gehören.
Einer
ziemlich
verbreiteten Theorie zufolge werden
Luftmassen, Wasserdampf und chemische
Stoffe durch die Wolken in den Tropen
in die Atmosphäre getragen: Die oberen Wolkenschichten kühlen vom Weltraum her ab, während die unteren
Schichten von der Erde her erwärmt
werden.
Das
erzeugt
aufsteigende
Konvektionsströmungen.
Ob oder inwieweit solche Vorgänge mit Veränderungen der Ozonschicht in Zusammenhang gebracht werden können, ist noch
unklar.
Die amerikanische Forschergruppe, die im Herbst 1986 in der
Antarktis eine Studie speziell zur
Aufklärung der Ursachen für das seit
1979 regelmäßig beobachtete "Ozonloch" durchführte, vermochte
keine
definitive Antwort zu geben.
Aber
sie ist überzeugt, triftige Gegenbeweise gegen Theorien zu haben, denenzufolge Aufwinde oder starke Sonnenaktivität den Abbau der Ozonschicht
bewirkten. Sie vermute vielmehr, daß
in erster Linie ein chemischer Prozeß
dafür verantwortlich sei.

�Dem steht die Hypothese einer anderen
NASA-Gruppe
entgegen.
Sie
glaubt auf Grund von Satellitenbeobachtungen
herausgefunden
zu haben,
daß die Sonne, nicht Chemikalien,
Ozonabbau bewirke.
Durch ungewöhnlich starke Sonnenaktivität, die Ende
1979 ihren Höhepunkt hatte, seien die
Konzentrationen
an
Stickstoffdioxyd
in der Stratosphäre zwischen 1979 und
198 4 um 75 Prozent gestiegen.
Das
habe zu einem weltweiten Rückgang der
atmosphärischen
Ozonkonzentrationen
und einem deutlichen Abbau über der
Antarktis geführt, heißt es in ihrer
Studie. Eine weitere Hypothese hatten einige Wissenschaftler der Universität Colorado auf einer Tagung
der Amerikanischen Geophysikalischen
Gesellschaft im Dezember 1986 in San
Francisco parat:
Sie vermuten, daß
durch Aschewolken von Vulkanausbrüchen in den Jahren 1978 bis 1982 Meßdaten, die Forschungssatelliten zur
Erde
schickten, verfälscht wurden,
weil die Instrumente an Bord der Satelliten
für solche Phänomene gar
nicht eingerichtet waren und sie deshalb nicht "verarbeiten" konnten. So
könnte zum Beispiel eine durch Sulfate vulkanischen Ursprungs verursachte
Streuung
elektromagnetischer
Strahlung bei Beobachtungen aus dem Weltraum fälschlicherweise als Anzeichen
für eine Ausdünnung der Ozonschicht
interpretiert werden.

* * * * * *
- 3

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Vereinigten Staaten und die Bundesrepublik Deutschland: Moderne Gesellschaftssysteme und ihre Herausforderungen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rede von Botschafter Burt vor dem Tönnissteiner Kreis -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Rüstungskontrollinitiativen der Vereinigten Staaten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Bericht des Weißen Hauses -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Analyse des "Stoffwechsels" in der Stratosphäre&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Mit Forschungsflugzeug chemischen Prozessen in der Luft auf der Spur -&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST
VON

*
14. Januar L987

INHALT
DOKUMENTATION
Martin Luther King's mutiger Kampf b l e i b t a l s Vermächtnis lebendig
- P r ä s i d e n t Reagans Proklamation zum Martin Luther King j r . - G e d e n k t a g

WIRTSCHAFT
Präsident Reagan legt Haushalt fUr 1987/88 vor
- Weitere einschneidende Ausgabenkürzungen sind vorgesehen

HINTERGRUNDMATERIAL
Das Gerede vom Zusammenbruch des Kommunismus ist Unsinn
- Von Norman Podhoretz (c) 1986, News America Syndicate

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Schwerpunkte;

Raumtransporter und Forschung

- NASA-Budgetvorschlag für Haushaltjahr 1988

* * * * * *

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�AMERIKA DIENST
"VON

Dokumentation

4

14. Januar 1987

MARTIN LUTHER KING'S MUTIGER KAMPF BLEIBT ALS VERMÄCHTNIS LEBENDIG
- Präsident Reagans Proklamation zum Martin Luther King Jr.-Gedenktag -

WASHINGTON - (AD) - In seiner am 9. Januar 1987 verkündeten Botschaft zum
Martin Luther King Jr. - Gedenktag am 19. Januar erklärte Präsident Reagan,
daß der ermordete Führer der Bürgerrechtsbewegung und sein "mutiger Kampf für
Gerechtigkeit, Gleichheit und Brüderlichkeit für uns ewiges Andenken und lebendiges Vermächtnis bleibt".
Die Proklamation hat folgenden Wortlaut

Indem wir den Geburtstag des Baptistenpfarrers Dr. Martin Luther King
feiern, ehren wir einen Amerikaner,
der die große Ungerechtigkeit der
Rassentrennung
und
Diskriminierung
erkannte und es zu seinem Lebensinhalt und -Ziel erklärte, dieses Unrecht in Recht umzuwandeln, in Gerechtigkeit,
Freiheit,
Gleichheit,
Fairness und Versöhnung.
Weil Dr. King der Gewalt abschwor
und sich statt dessen auf seine Eloquenz und auf die moralische Kraft
seiner Überzeugung verließ, hat die

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von ihm angeführte Sache nicht nur
das Gesetz, sondern auch das Herz und
den Verstand vieler Menschen verändert. Dr. King hat Verhaftungen, Gewalt und Bedrohung getrotzt, weil er
der Auffassung war:
"Die Geschichte
hat immer wieder bewiesen, daß unverdientes Leid gesühnt wird".
Martin
Luther King Jr. ist der von ihm so
leidenschaftlich
bekämpften
Gewalt
anheimgefallen - aber sein Streben
nach Gewaltlosigkeit
hatte bereits
unser
Land unwiderruflich
und zum
Besseren verändert.

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�Dr. King hat die Verwirklichung
des amerikanischen
Traums oft als
seine Vision beschrieben. Er hat sie
1961 den Absolventen der Lincoln University mit einem Zitat aus der Unabhängigkeitserklärung
verdeutlicht:
"Folgende Wahrheiten betrachten wir
als
selbstverständlich:
daß
alle
Menschen gleich geschaffen sind, daß
sie von ihrem Schöpfer mit gewissen,
unveräußerlichen Rechten ausgestattet
sind; daß dazu Leben, Freiheit und
das Streben nach Glück gehören...".
Er sagte dazu ganz einfach:
"Dies
ist der Traum.11
Dr. King betonte,
daß dieser Traum niemanden von seinem
Versprechen und seinem Schutz ausschließt und daß er betont, daß die
Rechte jedes Einzelnen von Gott gegeben sind und "vom Staat weder verliehen noch genommen werden können".
Martin Luther King Jr. legte auch
seine Vision des ewigwährenden, in
der Heiligen Schrift niedergelegten,
Rufs nach Gerechtigkeit, Vergebung,
Brüderlichkeit
und
der
Liebe
zum
Nächsten dar. Er betete oft mit den
Worten des Propheten Arnos: "Laß die
Gerechtigkeit wie Bäche fließen und
die Rechtschaffenheit wie einen mächtigen Strom".
Dr. King hat klar und überzeugend
mit bewegenden Geschichten an die
Menschen
appelliert, wie etwa mit
seiner
Beschreibung
eines
kleinen
Mädchens, das mit seiner Mutter demonstrierte und auf die Frage eines
Polizisten:
"Was willst Du?" antwortete:
"Freiheit".
"Sie konnte das
Wort kaum aussprechen aber kein Engel
Gabriels hätte es überzeugender vorbringen können".
Jeder Amerikaner kennt die Geschichte von Dr. King's letzter Predigt am 3. April 1968, am Abend vor
seinem Tod. Er bekannte, daß er kein
langes Leben wolle, sondern Gottes
- 2

Willen tun. Er sagte, er sei auf dem
Gipfel des Berges gewesen und habe
das Gelobte Land gesehen.
Amerika
werde in dieses Land gelangen, aber
"ich werde vielleicht nicht mit Euch
gehen... Ich bin heute abend glücklich.
Ich habe keine Angst.
Ich
fürchte niemanden. Meine Augen haben
das Licht der Ankunft des Herrn geschaut".
Fünf Jahre zuvor hielt Dr. King
seine Eloge auf die bei einem Bombenangriff auf ihre Sonntagsschule ums
Leben gekommenen Kinder und sprach
Worte des Trostes, der Versöhnung und
des Versprechens.
Er
sagte, wir
sollten nicht verzweifeln, nicht bitter werden oder den Glauben in unseren Nächsten verlieren. Der Tod beende nicht den Satz des Lebens, sondern "verhilft ihm zu einer erhabenen
Bedeutung". Den Eltern der getöteten
Kinder sagte er, daß ihre Töchter
nicht lange, aber gut gelebt hätten:
"Der Ort ihres Todes und das, was sie
im Angesicht des Todes getan haben,
setzt jedem von Ihnen ein wunderbares
Zeichen und ist ihr ewiges Andenken".
Sicher wird Dr. Kings mutiger Kampf
für
Gerechtigkeit,
Gleichheit
und
Brüderlichkeit uns als sein ewiges
Andenken und lebendiges Vermächtnis
bleiben.
Am 4. April 1967, genau ein Jahr
vor seiner Ermorderung hat Dr. King
in einer Predigt die berühmten Zeilen
aus dem Gedicht "The Present Crisis"
von James Russell Lowell zitiert:
"Once to every man and nation comes
the moment to decide; In the strife
of Truth with Falsehood, for the good
or evil side;..." Dr. King hat sich
für die gute Seite entschieden und
die Entscheidung der Nation, dasselbe
zu tun, ist ein Maßstab für seine
Größe.
Kraft des Gesetzes 98-144 ist der

�dritte Montag im Januar jeden Jahres
zum Feiertag erklärt worden, zu Ehren
des Geburtstags
von Martin Luther
King, Jr.
Deshalb
erkläre
ich,
Ronald
Reagan,
Präsident
der
Vereinigten
Staaten von Amerika, kraft der mir
von der Verfassung und den Gesetzen
der Vereinigten Staaten von Amerika
eingeräumten Autorität, Montag, den
19. Januar 1987 zum Martin Luther
King Jr.-Gedenktag.
Zum Zeugnis dessen unterschreibe
ich an diesem neunten Tag im Januar,
im Jahre des Herren neunzehnhundertsiebenundachtzig, und im zweihundertelften Jahr der Unabhängigkeit der
Vereinigten Staaten von Amerika.
(gezeichnet)
Ronald Reagan

- 3 -

�AMERIKA DIENST
Wirtschaft
'«rioN

14. Januar 1987

PRÄSIDENT REAGAN LEGT HAUSHALT FÜR 1987/88 VOR
- Weitere einschneidende Ausgabenkürzungen sind vorgesehen WASHINGTON - (AD) - Präsident Reagan hat am 5. Januar 1987 dem amerikanischen Kongreß seinen Voranschlag für den Bundeshaushalt 1988 vorgelegt (das
Haushaltsjahr dauert vom 1. Oktober 1987 bis zum 30. September 1988). In diesem Zeitraum sollen die Regierungsausgaben weiter reduziert werden, um, so
Reagan, "eine erhebliche Bedrohung unseres künftigen Wohlstandes" abzuwenden.
"Wenn dieses Defizit nicht durch eine Beschränkung der Regierungsausgaben unter Kontrolle gebracht wird, gefährden wir alles, was wir bisher erreicht haben.
Das durch fortlaufend hohe Ausgaben herbeigeführte Defizit stellt für
die mit der Steuerreform eingeführten niedrigeren Steuersätze eine Bedrohung
dar und behindert Fortschritte in unserer Handelsbilanz".
Die Begleitbotschaft
folgenden Wortlaut:

des Präsidenten

Der gegenwärtige Wirtschaftsaufschwung, der seit etwa 50 Monaten anhält, ist bereits jetzt einer der
längsten der Nachkriegszeit und verspricht, eine Rekorddauer zu erreichen.
Dies läßt sich nicht einfach
auf Zufälle zurückführen, sondern ist
das Ergebnis einer in den vergangenen
sechs Jahren erfolgreich angewandten
Politik.
Das verfügbare Privateinkommen ist auf dem höchsten je erreichten Niveau und steigt weiter,
ebenso wie die Gesamtproduktion und
der Lebensstandard; der Zuwachs bei
der Beschäftigtenrate ist ausgezeichnet.
Die 1980 noch zweistellige In-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

zu seinem

Haushaltsvoranschlag

hat

flationsrate
wurde erheblich abgebaut.
Die im Laufe der siebziger
Jahre
gefährlich
geschwächte
Leistungsfähigkeit
im Verteidigungsbereich ist zum größten Teil wiederhergestellt und gibt uns ein angemesseneres Maß an nationaler Sicherheit
zurück. Der unannehmbare Anstieg der
Steuerbelastungen
und
Bundesbestimmungen ist zum Stillstand gebracht
worden, ein unsäglich komplexes und
ungerechtes
EinkommensSteuerSystem
wurde
radikal reformiert, und das
größte jemals durchgeführte Programm
zur Verbesserung der Verwaltung kommt

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Firmen und Privatpersonen erheblich
gesenkt.
Sechs
Millionen
Steuerzahler mit niedrigem Einkommen fallen aus der Kartei der
Steuerzahler heraus. Der hemmende Effekt unserer Steuergesetze
auf die Initiative des Einzelnen
ist dramatisch abgebaut worden.
Das
reale Privateinkommen
nach
Steuern ist in den vergangenen
vier Jahren um 15 Prozent gestiegen und hat unseren gesamten Lebensstandard erhöht.

jetzt in allen größeren Bundesbehörden zum Einsatz. Es waren also sechs
gute Jahre.
Der nun im fünften Jahr anhaltende Aufschwung hat bereits fünf der
sieben
bisherigen
Aufschwungphasen
der Nachkriegszeit an Dauer übertroffen, und maßgebende Wirtschaftsindikatoren weisen auch für die Zukunft
auf Wachstum hin. Unsere Politik hat
sich ausgezahlt. Lassen Sie mich Ihnen einige Höhepunkte des heutigen
Wirtschaftsaufschwungs darlegen:

Unsere Verteidigungsfähigkeit ist
durch
moderne Ausrüstung
sowie
durch
erfolgreiche
Einstellung
und
Weiterbeschäftigung
besser
qualifizierten Personals verbessert worden; die Bereitschaft,
Ausbildung und die Moral unserer
Soldaten wurden verbessert.

- In den vergangenen vier Jahren
sind 12,4 Millionen neue Arbeitsplätze geschaffen worden, und die
Gesamtzahl der Arbeitslosen ist
um
3,7
Prozentpunkte
gesunken.
Verglichen damit ist die zahl der
Arbeitsplätze
in anderen Industrieländern nicht bedeutsam angestiegen, und die Arbeitslosenzahlen sind weiterhin hoch geblieben.

Nach Jahren des schnellen Wachstums, das nicht aufrecht zu erhalten war, sind die Bundesausgaben für nationale Programme, außer für feste Haushaltsverpflichtungen, in den vergangenen vier
Jahren
im wesentlichen
niedrig
geblieben.

- Die vor meinem Amtsantritt
im
Jahresdurchschnitt etwa 10,3 Prozent betragende Inflation hat in
den
vergangenen
vier
Jahren
durchscnittlich weniger als ein
Drittel davon ausgemacht - 3,0
Prozent.
Die Inflation war 1986
mit etwa 1 Prozent auf ihrem
niedrigsten Stand seit mehr als
20 Jahren.
- Der Leitzins und andere wichtige
Zinssätze
betragen
die
Hälfte
dessen, was sie 1981 ausmachten.

Seit 1981 ist die von den Antragstellern
mit dem Ausfüllen
von Formularen der Bundesregierung verbrachte Zeit um über 600
Millionen Stunden gesunken, und
die Anzahl der jährlich im Bundesgesetzblatt
veröffentlichten
Seiten ist um 45 Prozent abgebaut
worden.

Owischen
1981
und
1986
haben
zahlreiche
Änderungen
in
der
Steuergesetzgebung,
einschließlich der im vergangenen Jahr erfolgten vollständigen Überarbeitung, die Steuererklärung vereinfacht, das Steuergesetz gerechter
gemacht und die Steuersätze für

Unser
anhaltender
Kampf
gegen
Verschwendung, Betrug
und Mißbrauch
von
Regierungsprogrammen
hat sich bezahlt gemacht, da der
Rat für Integrität und Effizienz
des
Präsidenten
84
Milliarden
Dollar an Mitteln eingespart hat,
die wirkungsvolleren Zwecken zu2 -

�hung dar und behindert Fortschritte
in unserer Handelsbilanz.

geführt worden sind.
- Schließlich haben die Bundesbehörden das bisher größte Programm
zur Verbesserung der Verwaltung
eingeführt, um die Regierung verstärkt mit der
in der
freien
Wirtschaft üblichen Arbeitsweise
vertraut zu machen.
Die dramatische Verbesserung bei
den Leistungen unserer Regierung ist
auf das standhafte Festhalten an den
vier grundsätzlichen Prinzipien des
Wirtschaftsprogramms
zurückzuführen,
das ich im Februar 1981 vorgestellt
habe:
- Begrenzung des Anstiegs der Bundesausgaben ,
- Abbbau der Steuerlast,
- Entlastung
der
Wirtschaft
von
übertriebenen Bestimmungen und
Schreibarbeit, und
- Unterstützung einer gesunden
stabilen Geldpolitik.

und

(Zusammenfassung der Haushaltsausgaben siehe Ende des Artikels)

Die Notwendigkeit des Defizitabbaus
Der Grundstein für ein dauerhaftes Zeitalter nationalen Wohlstandes
ist gelegt. Aber eine erhebliche Bedrohung unseres zukünftigen Wohlstandes bleibt bestehen: Das Defizit bei
den Bundesausgaben. Wenn dieses Defizit nicht durch eine Beschränkung
der Regierungsausgaben unter Kontrolle gebracht wird, gefährden wir alles, was wir bisher erreicht haben.
Das durch andauernd hohe Ausgaben
herbeigeführte Defizit stellt für die
mit
der
Steuerreform
eingeführten
niedrigeren Steuersätze eine Bedro-

Wir können nicht zulassen, daß
dies geschieht. Deshalb ist es eine
unserer Hauptzielsetzungen in diesem
Haushaltsplan, einen kontinuierlichen
Abbau des Defizits sicherzustellen,
bis ein ausgeglichener Haushalt erzielt ist.
Mit diesem Haushalt wird das Ziel
eines Defizits von 108 Milliarden
Dollar erreicht, wie es im Gesetz
über einen ausgewogenen Haushalt und
Defizitkontrolle,
das
nach
seinen
Förderern
auch
als
Gramm-RudmanHollings bezeichnet wird, niedergelegt ist. Gramm-Rudman-Hollings hat
sowohl dem Präsidenten als auch dem
Kongreß einen festen Zeitplan für den
Fortschritt zu einem Abbau des Defizits auferlegt.
Ich löse mein Versprechen ein, indem ich diesen Haushaltsentwurf rechtzeitig vorlege und
ich fordere den Kongreß auf, dasselbe
zu tun. Wenn die Zielsetzungen zum
Abbau des Defizits außer acht gelassen würden, sähen wir uns einer beispielslosen Zunahme der Ausgaben gegenüber, die sich dieses Land nicht
leisten kann.
Dieser
Haushaltsentwurf
zeigt,
daß mit der Zeit die Ausmerzung de3
Defizits möglich ist, ohne die Steuern anzuheben, ohne unsere Verteidigungsbereitschaft zu opfern und ohne
Abstriche bei berechtigten Programmen
für ältere und arme Mitbürger machen
zu müssen.
Gleichzeitig werden dadurch zusätzlich benötigte Mittel für
andere Programme von höchster Priorität bereitgestellt.

Der Abbau des Defizits im Jahr 1988
Obwohl
jedem der

- 3 -

das Haushaltsdefizit
in
letzten vier Jahre genau

�oder etwas mehr als 5 Prozent vom
Bruttosozialprodukt (BSP) betrug, habe ich in jedem Jahr einen Weg vorgeschlagen, um das Defizit abzubauen und dies hauptsächlich durch die Beschränkung unnötiger Ausgaben im Inland.
Der Kongreß hat jedoch die
meisten dieser Vorschläge zurückgewiesen; deshalb ist der von uns erzielte Fortschritt viel bescheidener
ausgefallen als möglich gewesen wäre.
In diesem Jahr wird es voraussichtlich eine erhebliche Wende zum
Besseren geben. Das Defizit wird im
Jahr
1987 voraussichtlich etwa 48
Milliarden
Dollar
weniger
betragen
als im Jahr 1986 und sollte auf weniger als 4 Prozent des BSP zurückgehen.
Mit dem wirtschaftlichen Aufschwung
werden die
Bundeseinnahmen
schneller zunehmen als die vom Kongreß für dieses Jahr bewilligten Ausgaben steigen werden.
Trotzdem gibt es keine eindeutige
Garantie dafür, daß der Fortschritt
hin zu einem anhaltend geringeren Defizit und letztendlich einem ausgewogenen Haushalt fortdauern wird. Auf
der
Basis gegenwärtiger
Leistungen
wird das Defizit in den nächsten fünf
Jahren weiterhin abnehmen, aber dieser Rückgang geschieht schrittweise
und ist anfällig gegenüber möglichen,
finanziell unverantwortlichen Maßnahmen des Kongresses bei einer Reihe
von Ausgabeprogrammen. Er ist ebenso
von einer möglicherweise schlechter
als
erwartet
ausfallenden
Wirtschaftslage bedroht, da alle Planungen auf der Annahme aufgebaut sind ,
daß die notwendigen Ausgabenkürzungen
vorgenommen werden.
Dieser Haushalt für das Jahr 1988
kann dem Defizit einen entscheidenden
Sclag versetzen. Wenn die in dieser
Haushaltsvorlage unterbreiteten Vorschläge angenommen werden, und wenn

sich die Wirtschaft weiterhin gemäß
den Zuwachsraten und Inflation betreffenden Annahmen des Haushaltsentwurfs verhält, sollte das Defizit in
diesem zweiten Jahr erheblich, d.h.
um 65 Milliarden Dollar, abnehmen und
somit auf weniger als 2,5 Prozent des
BSP absinken.
Ein derartiger Abbau
würde das Defizit wieder auf den Rahmen beschränken, wie wir ihn früher
in Friedenszeiten des Friedens erlebt
haben und uns unserem ziel eines ausgewogenen Haushalts viel näher bringen.
Darüber hinaus wird der Kongreß,
wenn er die in diesem Haushaltsentwurf enthaltenen Vorschläge akzeptiert, in den kommenden Jahren einen
weiteren Abbau des Defizits sicherstellen, weil sich die Einsparungen
bei bestimmten Programmen, und seien
sie 1988 noch so gering, in vielen
Fällen später zu einem größeren Aufkommen ansammeln würden.
Angesichts
des guten Anfangs im Jahr 1987 erhält
der Kongreß in diesem Jahr - durch
die Annahme der Haushaltsvorlage
die Möglichkeit, die schlimmsten Defizitprobleme von uns abzuwenden.
Die Annahme der Ausgabenkürzungen
und anderer in diesem Haushalt vorgeschlagenen Reformen würde das bei den
Bundesausgaben bestehende Defizit in
den nächsten drei Jahren um durchschnittlich 54 Milliarden Dollar pro
Jahr vermindern; das heißt, auf jährlich 220 Dollar für jeden einzelnen
Amerikaner und auf 600 Dollar pro
Haushalt. Meiner Ansicht nach ist es
die richtige Art und Weise, mit dem
Defizit fertigzuwerden, wenn man die
übermäßigen
Bundesausgaben
abbaut
statt mit höheren Steuern auf die
Privateinkommen zurückzugreifen, unsere nationale Sicherheit zu schwächen, das Vertrauen der armen und älteren Mitbürger zu verlieren und über
die
Erfordernisse
für
zusätzliche

�Mittel für andere Programme von höchster Priorität hinwegzusehen.

Ein wettbewerbfähigeres
tiveres Amerika

und

produk-

Der Defizitabbau ist eine gewaltige Aufgabe - aber er kann und muß
erreicht werden, wenn man die Aufmerksamkeit ernsthaft auf seine Auswirkungen
auf Amerikas Wirtschaft,
Unternehmen, Bundes- und Staatsregierungen,
soziale
Einrichtungen
und
einzelne Bürger lenkt. Der Abbau des
Defizits wird die den privaten Kreditmärkten
von der
Bundesregierung
auferlegte Last verringern.
Die in
diesem Haushalt vorgeschlagenen besonderen Maßnahmen zum Abbau des Defizits würden die Wettbewerbsfähigkeit - und die Produktivität - unserer
Regierung
unterstützen
helfen.
Diese Ziele sind bei der Erarbeitung
des Haushaltsplans besonders in Betracht gezogen worden.

Programme von höchster Priorität
sollten angemessen finanziert werden
Trotz der allgemein sehr angespannten
finanziellen
Lage, stellt
dieser
Haushalt
angemessene
Mittel
zur Erhaltung und in einigen Fällen
auch zur Erweiterung von solchen Programmen von höchster Priorität bereit, die im nationalen Interesse eine
Schlüsselposition
einnnehmen.
Einige Beispiele:
- unerläßliche Dienstleistungen und
Einkommenszuschüsse für die älteren
und
bedürftigen
Mitbürger
werden erweitert;
- die unter meiner Initiative zum
Drogenmißbrauch
1987
begonnenen
Bemühungen zu dessen Verhütung,
Behandlung und der Forschung auf
- 5 -

diesem Gebiet werden fortgesetzt,
zumal sich die für die Durchführung der Drogengesetzgebung bereitgestellten Mittel seit meinem
Amtsantritt verdreifacht haben.
- der Haushalt sieht 85 Millionen
Dollar für die intensivere Gesundheitsfürsorge derjenigen Bevölkerungsgruppen mit der höchsten Kindersterblichkeitsrate vor;
- über eine halbe Milliarde Dollar
werden für die Forschung und die
Aufklärungskampagnen
über
AIDS
bereitgestellt, eine 28prozentige
Zunahme gegenüber dem Niveau von
1987 und mehr als das Doppelte
unserer Bemühungen im Jahr 1986
(zusätzlich werden von der Veteranenbehörde
und vom Verteidigungsministerium
100
Millionen
Dollar
für die Behandlung von
AIDS und Blutuntersuchungen bereitgestellt) .
- Angesichts
der
Vormachtstellung
unseres Landes auf dem Gebiet der
biomedizinischen
Grundlagenforschung will der Haushalt die von
den nationalen Gesundheitsbehörden
bewilligten
Ausgaben
für
mehrjährige biomedizinische Forschungstipendien übernehmen.
- Gegenüber 1987 werden 200 Millionen Dollar mehr für die zusätzliche Ausbildung von bildungsmäßig benachteiligten Kindern vorgeschlagen .
- Augenblicklich
unwirksame
Programme
zur Unterstützung
umgesetzter Arbeitskräfte werden von
einem
erweiterten
Programm
in
Milliarden-Dollar-Höhe
ersetzt,
das sorgfältig darauf ausgerichtet ist, Arbeitnehmern, die aus
ihre
Arbeitsstellen
verdrängt
wurden, zu neuen Stellen zu ver-

�helfen.
Eine um 68 Prozent erhöhte Finanzierung wird bereitgestellt, um
die Bundesluftfahrtbehörde in die
Lage zu versetzen, das Flug Leitsystem des Landes zu modernisieren; dazu zählt auch die Bereitstellung von Dopplerradars, die
in der Lage sind, Abwinde auszumachen, die Starts und Landungen
auf den Flughäfen behindern, wo
diese ein Risiko darstellen;
- 1988 werden 400 Millionen Dollar
bereitgestellt, um die neu erlassene
Einwanderungsgesetzgebung
durchzuführen;
- Erhebliche
Mehrausgaben
werden
bereitgestellt für die Finanzierung von Versuchen bei Technologien für eine saubere Kohleverbrennung, die Forschung zur Entstehung sauren Regens und dessen
Auswirkungen auf die Umwelt, um
das Problem des sauren Regens anzugehen, und
- dieser Haushalt sieht ferner eine
Initiative für neue Technologien
der zivilen Raumfahrt vor, zusammen mit bereits geplanten zusätzlichen Mitteln für den Bau einer
Raumstation, der Entwicklung eines
nationalen
Plans
für
die
Luft- und Raumfahrt und der Unterstützung der kommerziellen Erschließung des Weltraums.
In den vergangenen sechs Jahren
gehörte die Wiederherstellung der nationalen Sicherheit wegen der durch
die Unterfinanzierung in der Mitte
und gegen Ende der siebziger Jahre
entstandenen ernstlichen Schwächen zu
meinen höchsten Prioritäten.
Trotzdem sind internationale und Verteidigungsprogramme nicht den Auswirkungen
der staatlichen Einsparungen entgan-

gen. Der Verteidigungshashalt ist in
jedem der vergangenen zwei Jahre real
zurückgegangen. Wir können nicht zulassen, daß sich dieser Trend fortsetzt.
In diesem Haushalt schlage
ich gegenüber dem im vergangenen Jahr
bewilligten Niveau einen realen Zuwachs von 3 Prozent vor. Die Forderung bedeutet mit etwa 8 Milliarden
Dollar weniger
als im vergangenen
Jahr das minimale Niveau, auf dem eine angemessene Verteidigung unseres
Landes aufrechterhalten werden kann.
Ebenso unerläßlich für unsere Bemühungen
zur Aufrechterhaltung
der
nationalen Sicherheit ist meine Forderung für unsere Programme der internationalen
Angelegenheiten.
Ich
fordere den Kongreß auf, die schädigenden Kürzungen des vergangenen Jahres nicht zu wiederholen, sondern
diese Programme voll und ganz zu finanzieren.
Bei
anderen
Bundesprogrammen
sollte das System der Schaffung von
Anreizen verändert werden, um mehr
Leistungs- und
Wettbewerbsfähigkeit
zu fördern.
Eines der Probleme vieler Bundesprogramme besteht darin, daß diese
Zahlungen leisten, ohne Leistung und
Effizienz zu fördern. Sie werden als
"kostenlos" angesehen und deshalb besteht
potentiell
eine
unbegrenzte
Nachfrage danach.
Das muß geändert
werden - und dieser Haushalt schlägt
in den hier wichtigen Bereichen die
Schaffung von Anreizen vor.
Unsere mit dem Food Security Act
von 1985 eingeleiteten Programme zur
Stützung der Preise in der Landwirtschaft erweisen sich als viel zu
kostspielig - als eineinhalb mal so
teuer
wie
die
Schätzungen
veranschlagten, als das Geetz in Kraft
trat. Die 1987 an Subventionen aus-

�gegebenen 25 Milliarden Dollar bilden
14 Prozent unseres gesamtes Bundesdefizits und bedeuten, daß von den
Steuern einer jeden, nicht in der
Landwirtschaft
tätigen Familie 415
Dollar abgezogen werden, um die Einkommen der Landwirte zu stützen
über den Betrag hinaus, den sie durch
die gestützten Preise schon beim Lebensmittelhändler
bezahlen.
Einige
Bestimmungen des Gesetzes ermutigen
die Landwirte zu einer Überproduktion, nur damit sie Bundeszuschüsse
in Anspruch nehmen können.
Andere
Bestimmungen teilen unseren größten
und leistungsfähigsten Erzeugern die
größten Zuschüsse zu statt den wirklich hilfsbedürftigen Familienbetrieben.
Meine Administration wird Zusatzklauseln zu diesem Gesetz vorschlagen, damit es in erster Linie
den
Familienbetrieben,
die
ausschließlich
von der
Landwirtschaft
leben, zugute kommt, indem es die den
großen Erzeugern zu zahlenden Beträge
wirkungsvoll begrenzt und den Landwirten die Anreize zur Überproduktion
wegen der Bundeszuschüsse nimmt.
Es wird ferner eine Reform im
Medicare-Zahlungssystem
für
Srzte
vorgeschlagen.
Den Vorschlägen zufolge würde Medicare Leistungen für
Radiologie, Anästhesie und Pathologie
(radiology,
anestesiology
and
pathology - RAP) gemäß den durchschnittlich in dem betreffenden Bezirk anfallenden Kosten zahlen, statt
einzelne der Inflation unterworfene
Rechnungsbeträge
zurückzuerstatten.
Die momentane Erstattung des Rechnungsbetrages
zerstört Anreize und
leistet der Haltung Vorschub, unangemessene Rechnungsbeträge für unnötige
Dienstleistungen zu fordern.
Diese
Initiative würde die durch das augenblickliche Rückerstattungssystem von
Medicare hervorgerufenen Verzerrungen
beseitigen und somit eine wichtige
Schranke abbauen, die bisher die Wie-

derherstellung der bereits bestehenden Vereinbarungen zwischen RAP-Srzten und Krankenhauspersonal verhindert h3t.
Die Haushaltsvorlage schlägt eine
fortlaufende Erhöhung der mit Bundesmitteln unterstützten Grundlagenforschung vor, die zu längerfristigen
Verbesserungen
der
Leistungsbereitschaft unseres Landes und der weltweiten
Wettbewerbsfähigkeit
führen
wird.
Zum Beispiel sieht der Haushalt innerhalb von fünf Jahren eine
Verdopplung der vom Nationalen Wissenschaftsfonds für die akademische
Forschung
geleisteten
Unterstützung
vor. Ich schlage ferner vor, die Unterstützung zur Ausbildung zukünftiger Wissenschaftler und Ingenieure zu
erhöhen und einen stärkeren Technologie-Transfer von der Regierung zur
Industrie zu pflegen.
Ein anderer Weg, um den von der
Regierung gelieferten Dienstleistungen einen "Wert" - und den Anreiz,
sie nur bei Bedarf in Anspruch zu
nehmen - zu geben, wäre es, in angemessenem
Rahmen dafür Gebühren zu
verlangen. Diejenigen, die besondere
Bundesdienstleistungen
in
Anspruch
nehmen - und nicht der Steuerzahler
schlechthin
- sollten den größten
Teil der Kosten für diese Dienstleistungen
tragen.
Demgemäß
erhebt
dieser Haushaltsplan Gebühren für alle Bundesdarlehen, für die Fleischund Geflügelbeschau, die nationalen
Wald- und
Parkanlagen, die Küstenwache, Zollkontrollen und einige andere Dienstleistungen.

Die Regierung
sollte aufhören,
mit dem Privatsektor zu konkurrieren
Die
Bundesregierung
stört
Produktivität des Privatsektors

- 7 -

die
auf

�vielerlei
Art
und
Weise.
Einmal
durch Darlehen von Kreditgebern zur
Finanzierung von nicht mehr benötigten Programmen - wie dies im Fall des
Versicherungsfonds für Häuser auf dem
Land geschehen ist, ebenso bei der
direkten finanziellen Hilfen für Studenten, den nach Ermessen vergebenen
Zuschüssen für den öffentlichen Personennahverkehr,
freiwilligen
Ausbildungsbeihilfen, dem Fonds des Bundesverbandes der Ernte-Versicherer,
Bauzuschüssen für Kläranlagen, Beihilfen für Rechtsbeistand, die Gesellschaft
für
juristische Dienstleistungen und Zuschüsse zur Elektrifizierung
ländlicher
Gebiete.
Ich
schlage in diesem Haushalt die Abschaffung dieser Programme vor und
verlasse mich statt dessen darauf,
daß sich der Privatsektor, der Staat
oder die Stadtverwaltung dieser Bereiche annehmen wird.
Die Haushaltsvorlage schlägt auch
eine Reihe von Programmen vor, die
entweder durch öffentliche Angebote
oder Verkäufe an den Privatsektor zurückverwiesen werden sollten.
Nach
unseren erfolgreichen Bemühungen um
die Zulassung zum Verkauf von Conrail
schlage ich jetzt den Verkauf von
Kraftstoffreserven
der Marine, von
AMTRAK, der Energiebehörde Alaskas,
des Helium-Programms und von überschüssigen Immobilien vor.
Darüber
hinaus schlage ich der Legislative
vor, zu untersuchen, ob es nicht möglich wäre, die Energiebehörde des
Südostens abzustoßen. Diesen "Privatisierungsbemühungen" kommt auch weiterhin in meiner Administration die
höchste Priorität zu, und meiner Ansicht nach werden sie größere Produktivität und niedrigere Gesamtkosten
für diese Dienstleistungen mit sich
bringen. Die Bundesregierung muß unerläßliche
Dienstleistungen
bereitstellen, die ihrem Charakter nach öffentlich und ihrem Umfang nach natio-

nal sind.
Es geht nicht an, daß
Dienstleistungen für einzelne Bürger
bereitgestellt werden, die ebensogut
oder sogar noch besser vom Privatsektor, den Staats- oder Stadtverwaltungen angeboten werden können.
Die Bundesregierung sollte sich
mehr auf den Privatsektor verlassen,
wenn es darum geht, Dienstleistungen
zur Hilfe und Unterstützung von Aktivitäten anzubieten, die in den Händen
des Bundes verbleiben.
Der Haushaltsplan schlägt vor, daß die jetzt
von
über
40 000
Bundesangestellten
verrichtete Arbeit an den Privatsektor vergeben wird, um die Produktivität zu erhöhen, Kosten zu senken, und
die Dienstleistungen zu verbessern.

Kreditprogramme des Bundes sollten über den privaten Markt abgewickelt werden und ihre realen
Kosten offenbaren
Die Bundesregierung stellt Kredite für das Bauwesen, die Landwirtschaft, kleinere Gewerbebetriebe, das
Bildungswesen und für viele andere
Zwecke zur Verfügung.
Im Augenblick
stehen mehr als eine Billion Dollar
an Bundesdarlehen oder an vom Staat
bezuschußten Darlehen aus.
Zusammen
mit der Kreditvergabe von staatlich
geförderten Unternehmen belief sich
das Kreditvolumen des Staates auf 14
Prozent aller 1985 auf den amerikanischen Kreditmärkten vergebenen Kredite.
Den augenblicklichen Modalitäten
zufolge
scheinen
Anleihegarantien
"kostenlos" zu sein, sie beeinträchtigen den Haushalt nicht, solange die
Schuldner ihre Verbindlichkeiten einhalten.
Direkte Kredite werden bei
ihrer Erteilung
als Ausgaben verbucht, bei ihrer Rückzahlung jedoch
als "negative Ausgaben", daher schei-

�nen Direktkredite ebenso "kostenlos"
zu sein, weil mit ihrer Rückzahlung
gerechnet wird.
Aber weder Direktkredite
noch Anleihegarantien
sind
kostenlos. Abgesehen von den besseren Bedingungen, die ein Schuldner
von der Regierung erhält, gibt es
noch das Problem der nicht erfolgten
Rückzahlung.
Wenn ein Kreditnehmer
seinen
Direktkredit
nicht
zurückzahlt, werden keine negativen Ausgaben verbucht, und das ist eine bereits in der ursprünglichen Kreditvergabe implizierte Subvention. Wenn
ein
Kreditnehmer
seine
garantierte
Anleihe nicht einlöst, muß die Regierung für die Rückzahlung aufkommen ebenfalls eine Subvention des Programms.
Da diese Auswirkungen nur schwer
verständlich
sind
und bei unseren
Kreditprogrammen zu deren erheblich
verminderter Leistungsfähigkeit führen, werden wir den Kongreß bitten,
ein Gesetz zu erlassen, durch das die
realen Kosten zur Führung der Bundeskreditprogramme im Haushalt in Erscheinung treten.
Indem wir einen
erheblichen Teil neu gewährter Kredite an den Privatsektor verkaufen und
neu
erteilte
Garantien
rückversichern, wird der bei der momentanen
Verfahrensweise
implizierte
Zuschuß
sichtbar werden.
Diese Reform wird
die Art und Weise revolutionieren, in
der die Kreditaktivitäten des Bundes
durchgeführt werden.
Der Privatsektor wird sich ferner
zunehmend mit dem Management unseres
gewaltigen Bestands ausstehender Kredite und Anleihegarantien beschäftigen. Säumige Bundeskreditnehmer werden an private Auskunfteien verwiesen
und private Inkassobüros werden uns
bei der Rückforderung helfen.
Die
Finanzbehörden (Internal Revenue Service - IRS) wird seinen "Ausgleich"
von
Rückerstattungen
erweitern, um

ausstehende Schulden beim Staat zu
tilgen, und Bundesangestellten, die
Bundeskredite nicht zurückgezahlt haben, wird das Gehalt gepfändet.

Die erweiterte Rolle der Regierungen von Bundesstaaten und
Städten
Ich habe in den vergangenen 3echs
Jahren versucht, verschiedene Dienstleistungen des Bundes an die Regierungen der Bundessstaaten und Städte
zurückzuverweisen. Diese können viel
besser auf die Bedürfnisse der Empfänger dieser Dienstleistungen eingehen.
Für mich ist dies eine Frage
der Reorganisation von Pflichten in
unserem System auf eine Art und Weise, die zu einer effizienteren Bereitstellung dieser Dienstleistungen
führen wird, deren Notwendigkeit wir
alle zustimmen.
Deshalb läßt diese
Haushaltsvorlage
das
unangemessene
Engagement der Bundesregierung auslaufen, und zwar im örtlichen Polizeiwesen, der Behandlung von Abwässern, bei Privatschulen und bei der
Erschließung von Landkreisen und Gebieten. Verkehrsprogramme werden zusammengelegt oder den Staaten wird
für die Verwendung von Bundesmitteln
für Autobahnen, öffentlichen Personennahverkehr und Flughäfen ein größerer Spielraum zugestanden.

Bundesvorschriften müssen zur
Förderung der Produktivität weiter abgebaut werden
Meine
Administration
wird
die
1981
begonnenen
Bemühungen,
Vorschriften auszusetzen und Bestimmungen abzubauen, fortsetzen.
Die dem
Vizepräsidenten
unterstehende
Arbeitsgruppe zur Entlastung von Bestimmungen ist wiedereingesetzt worden.
In der Vergangenheit haben zu

- 9 -

�viele Bundesvorschriften und die damit verbundene Schreibarbeit die amerikanische
Produktivität
und
die
Freiheit des Einzelnen erdrückt. Wir
müssen unsere Bemühungen zur Vereinfachung der Verfahrensweisen fortsetzen und das richtige Maß zwischen
notwendigen Vorschriften und der damit verbundenen Schreibarbeit auf der
einen und den Kosten für diese Erfordernisse auf der anderen Seite finden.

Die Aktivitäten der Bundesregierung sollten besser gelenkt werden
Das amerikanische Volk verdient
eine bestmöglich geleitete Bundesregierung.
Im vergangenen Jahr habe
ich das Produktivitätsprogramm
der
Bundesregierung
ins Leben gerufen,
mit dem Ziel, die Produktivität in
bestimmten Bereichen bis 1992 um 20
Prozent zu steigern. In diesem Programm
ist auch ein beträchtlicher
Teil der Arbeitsplätze des Bundes
erfaß, die dem Landwirtschaftsministerium
unterstehende
Fleisch- und
Geflügelbeschau, die Wartung und Reparatur von Marineflugzeugen, die Bearbeitung von Sozialversicherungsansprüchen, die Unterhaltung von Nationalparks, die Leitung von Bundesgefängnissen und die Bearbeitung von
Steuerrückerstattungen durch die IRS.
Die Reform des Kreditwesens, Privatisierung, Verbesserung
der
Produktivität und andere Vorschläge werden in dem in diesem Monat herausgegebenen Verwaltungsbericht näher beschrieben. Darin werden ferner weitere Maßnahmen zum Abbau von Verschwendung, Betrug und Mißbrauch vorgeschlagen, ferner die Verbesserung
des Umgangs mit 1,7 Billionen Dollar
Regierungsgeldern,
die
Einrichtung
kompatibler
Abwicklungsmodalitäten
für alle Bundesbehörden und andere
Initiativen zur Verbesserung der Lei-

tung von Regierungsbehörden.
Dieses
ehrgeizige Unternehmen zur Reform der
Verwaltung, das den Namen "Reform 88"
trägt, stellt die größte jemals unternommene
Bemühung
einer
Verwaltungsreform dar .
Die
Haushaltsvorlage
schlägt
ebenfalls eine neue Methode der Entlohnung von Bundesangestellten vor,
die ihre Leistungsfähigkeit steigern.
Ich bitte den Kongreß um die Bewilligung eines neuen Plans zur Umwandlung
des augenblicklichen Systems der automatischen
Anhebung
innerhalb der
Gehaltsstufe, für das jedes Jahr etwa
40 Prozent der Angestellten infrage
kommen und das eine verborgene Gehaltsanhebung von 3 Prozent bedeutet,
in ein System, das "leistungsorientiert" ist. Damit werden Bundesangestellten
stärkere Anreize
geboten,
die Bereitstellung von Dienstleistungen zu verbessern.
Ich schließe in diese Haushaltsvorlage meine Empfehlungen zur Anhebung der Gehälter von geschäftsführenden Beamten der Exekutive, Legislative und Jurisdiktion der Bundesregierung ein. Der mir am 15. Dezember
1986 vorgelegte Bericht der alle vier
Jahre
zusammenkommenden
Kommission
(Quadrennial Commission) legt sowohl
das wahre Niveau der Aushöhlung von
Gehältern der geschäftsführenden Beamten dieser Bundesbehörden dar, die
seit 1969 besteht. Hieraus resultieren Probleme für Einstellung und Weiterbeschäftigung der Beamten, insbesondere im Gerichtswesen.
Der Kommission gebührt Lob für ihre sorgfältigen und gewissenhaften Bemühungen
bei der Behandlung der komplizierten
und komplexen Probleme des Lohnsystems innerhalb der Bundesregierung.
Jede einzelne der alle vier Jahre
zusammentretenden Kommissionen ist in
den vergangenen
18 Jahren zu dem

�Schluß gekommen, daß eine Gehaltserhöhung für Bundesbeamte in Schlüsselpositionen notwendig ist. Jede Kommission vertrat die Ansicht, daß das
Gehalt von höheren Regierungsbeamten
hinter das ihrer Kollegen im Privatsektor
zurückfällt.
Sie vertraten
ferner die Ansicht, daß wir uns keine
Regierung leisten können, die sich
nur aus solchen Mitgliedern zusammensetzt, die wohlhabend genug sind, um
sich in diesen Dienst zu begeben.
Leider fand die letzte Gehaltsangleichung
durch
die
Kommission
1977
statt, also vor bereits zehn Jahren.
Ich weiß jedoch, daß wir uns den
Bemühungen unterworfen haben, das Defizit der Bundesregierung abzubauen
und die Kosten für die Regierung auf
das absolute Minimum zu beschränken.
Vor diesem Hintergrund
glaube ich
nicht, daß es angemessen wäre, die
Empfehlung der Kommission in vollem
Umfang zu verwirklichen.
Ich habe mich deshalb entschlossen, eine Gehaltsanhebung vorzuschlagen, die jedoch erheblich unter den
von den Kommissionsmitgliedern in ihrem Bericht des letzten Monats abgegebenen Empfehlungen liegt.
Darüber
hinaus habe ich mich entschlossen,
eine Kommission für das Entlohnungssystem der höheren Angestellten einzurichten, die bis zum August nächsten Jahres angemessene Gehaltsklassen für die Führungspositionen der
Regierungsangestellten erarbeitet und
mir diese dann vorlegt. Die meinerseits
dem Kongress
vorgeschlagenen
Gehaltsanhebungen dieser neuen Kommission sollten die von der Regierung
gezahlten Gehälter auf eine gerechtere und besser vergleichbare Grundlage
stellen.

Frieden durch Stärke

Ich bin
zunehmend davon überzeugt, daß der einzige Weg, unsere
Gegner bei einem Rüstungsabbau an den
Verhandlungstisch zu bringen, darin
besteht, ihnen einen Grund zu Verhandlunen zu liefern - während wir
gleichzeitig
unserer
Verpflichtung
gegenüber unseren Bürgern und Verbündeten nachkommen, eine vor einer Aggression sichere Umgebung zu schaffen.
Wir haben unsere Verteidigungsfähigkeit wieder auf ein Niveau gebracht, das den heutigen Sicherheitsanforderungen eher entspricht.
Ein
bescheidener und anhaltender Anstieg
der Finanzierung im Verteidigungsbereich wird erforderlich sein, um die
von uns erzielten Zuwachsraten wirklich abzusichern.
Wir gehen wegen
der ernsten finanziellen Einschränkungen langsamer vor als ursprünglich
von mir geplant, und der von mir vorgeschlagene Haushalt stellt das notwendige Minimum zur Sicherung einer
angemessenen Verteidigung bereit.
Ich lege ebenfalls erstmals für
den Verteidigungshaushalt einen Zweijahresplan vor. Damit wird eine größere Stabilität bei der Bereitstellung der Mittel für unsere Verteidigungsbemühungen geschaffen, und das
sollte
zu einer
wirtschaftlicheren
Nutzung dieser Mittel führen.

Reform der Verfahrensweisen beim
Haushalt
Die augenblicklich beim Haushalt
angewandten
Verfahrensweisen
haben
keine funktionierenden und zuverlässigen Mechanismen für die Handhabung
des Haushalts der Bundesregierung bereitgestellt.
Die
Ausführung
von
Haushaltsvorlagen ist mühselig, komplex und schwierig. Sie erlaubt und
unterstützt einen
Prozeß, der ein
Aussetzen unserer Pflicht gegenüber

- 11 -

�dem
amerikanischen
Volk
mit
sich
bringt, dessen Haushalt auf verantwortliche Art und Weise zu verwalten.
Im vergangenen Jahr hat der Kongreß
den Haushalt erst nach acht Monaten
und zwei Wochen verabschiedet - zwei
Wochen nach dem vereinbarten Termin.
Außer dem ersten Bericht des Haushaltskomitees
vom
Senat
hat
der
Kongreß jeden der nur neun Monate
vorher von ihm selbst festgelegten
Termine
überschritten.
Schließlich
hat der Kongreß ein einjähriges, 389
Seiten umfassendes Haushaltsbewilligungsgesetz voller überflüssiger und
verschwenderischer
Ausgaben
verabschiedet.
Da der Kongreß das jährliche Haushaltsgesetz noch nicht verabschiedet hatte, wurde ich gesetzlich gezwungen, ein Aussetzen aller
Tätigkeiten der Bundesregierung einzuleiten. Eine solche Außerkraftsetzung eines verantwortungsvollen Haushaltsprozesses macht nicht nur eine
sorgfältige und wohlüberlegte Gesetzgebung zunichte, sie ermutigt auch
überflüssige Ausgaben und Verschwendung.
Da ich als Präsident darüber hinaus kein selektives Veto einlegen
kann, mußte ich die vielen Punkte des
Haushaltsgesetzes, denen man etwas
hätte entgegenhalten
können, außer
acht lassen und es unterzeichnen, um
eine Finanzierungskrise der Bundesregierung zu vermeiden.
Ich bin sicher, daß viele Mitglieder des Kongresses mit dieser Methode der Haushaltsführung für die Bundesregierung
nicht einverstanden sind.
Die Finanzierungskrise des vergangenen Herbstes und ihre überstürzte Lösung liefern nur einige der offensichtlichen Beweise für die Nachteile des Systems. Der Kongreß entschließt sich für einen in verschiedene Bereiche gegliederten Haushalt
(ohne Einmischung des Präsidenten);

er berücksichtigt dreizehn einzelne,
aber
untereinander
in Zusammenhang
stehende
Bewilligungsgesetze,
die
nach Behörden, nicht nach Bereichen
aufgeschlüsselt sind; er erarbeitet
eine Vereinbarung, er verabschiedet manchmal jährlich - die Gesetzgebung
zur Autorisierung des Haushalts und
er beschränkt das öffentliche Schuldenaufkommen. Diese Begriffe sind an
sich
verschwommen
und
verwirrend,
aber der dahinter stehende Prozeß ist
chaotisch.
Die Vorgehensweisen müssen vereinfacht werden und leichter
nachvollziehbar sein.
In Kürze werde ich detaillierte
Reformen vorstellen, die den Prozeß
leistungsfähiger
und
nachweisbarer
machen, so daß wir dem amerikansichen
Volk das geben können, was es von uns
verdient: einen finanziell verantwortungsbewußten und termingerecht vorgelegten Haushalt.

Zusammen fassung
Bei der Rückschau auf die letzten
sechs Jahre können wir mit Stolz und
Befriedigung über unsere Leistungen
erfüllt sein. Die Inflation ist unter Kontrolle gebracht worden. Wachstum und Investitionen haben zugenommen, während die Zinssätze, die steuern und die Zahl der Arbeitslosen erheblich
zurückgegangen
sind.
Eine
Grundlage für einen anhaltenden wirtschaftlichen Aufschwung ist nun geschaffen.
Unsere nationale Sicherheit ist auf ein annehmbareres Maß
wiederhergestellt worden. Die weitere Anwendung unnötiger und belastender Bundesvorschriften ist zu einem
Stillstand gekommen.
Bei der Einschränkung der überflüssigen Zunahme
der Ausgaben im Inland ist ein wichtiger Anfang
gemacht worden.
Die
Leitung der Regierung ist unter besonderer Betonung auf Leistungsfähig-

�keit verbessert worden.
Es stehen jedoch immer noch wichtige Aufgaben vor uns. Das große und
weiterhin anhaltende Haushaltsdefizit
ist weiterhin eine Quelle der Unzufriedenheit.
Es
bedroht
unseren
Wohlstand und unsere Hoffnung für das
anhaltende Wirtschaftswachstum.
Im vergangenen Jahr haben die Legislative und die Exekutive unserer
Regierung auf diese Bedrohung reagiert, indem sie in den nächsten vier
Jahren den schrittweisen, ordnungsgemäßen Fortschritt für einen ausgeglichenen Haushalt fördern. Die hier
dargelegten Vorschläge werden ihr für
1988 gestecktes Ziel erreichen, obwohl sie berechtigte Programme für
ältere und bedürftige Mitbürger erhalten, eine
angemessene
nationale
Verteidigung sichern, mehr Mittel für
andere Aktivitäten von höchster Priorität zur Verfügung stellen und dies
alles vollbringen, ohne die Steuern
zu erhöhen.
Dieser Haushaltsplan präsentiert
eindeutige Alternativen, denen wir
uns mit Entschiedenheit stellen müssen. Der Kongreß darf die von GrammRudman-Hollings
aufgestellten
Defizitziele nicht außer acht lassen.
Die Beachtung der Bestimmungen und
Versprechen dieser Gesetzgebung bietet uns die beste Gelegenheit, dem
chronischen Defizit zu entgehen, mit
dem wir uns im vergangenen halben
Jahrhundert plagen mußten. Wir müssen uns darüber klar werden, daß das
Problem des Defizits neue Möglichkeiten bietet - die Möglichkeit, eine
neue, klarere, besser ausgerichtete
und besser gelenkte Struktur der Bundesregierung aufzubauen und so ein
leistungsfähigeres und wettbewerbsfähigeres Amerika zu unterstützen.

- 13 -

�Zusammenfassung der Haushaltsausgaben
(in Milliarden Dollar)
1986

769 ,1
989 ,8

Einnahmen
Ausgaben

Uber3chuß/Defizit (-)
Nach Gramm-RudmanHollings angestrebtes
Defizit

Differenz

Einnahmen
Ausgaben

Überschuß oder Defizit
Nach Gramm-RudmanHollings angestrebtes
Defizit

Differenz

(-)

1987

1988

1989

842 ,4

916 ,6

1015 ,6

1024 ,3

976 ,2
1069 ,0

-220 ,1

-173 ,2

-107 ,8

- 92 r8

-171 r9

-144 ,0

-108 ,0

- 72 ,0

48,8

29,2

-0,2

20,8

1990

1991

1992

1048 ,3
1107 -8

1123 ,2
1144 ,4

1191 ,2
1178 ,9

-59,5

-21,3

12,3

•36,0

0,0

0,0

23,5

-21,3

12,3

(N.B. Die Zahlen schließen die Sozialversicherung ein, die im
Haushalt nicht berücksichtigt wird)

* * * * * *

- 14 -

�AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial
Der folgende Artikel erschien zuerst am 6. Januar 1987 in de - International
Herald Tribüne. Er repräsentiert nicht die offizielle Meinung der amerikanischen Regierung.

14. Januar 1987

DAS GEREDE VOM ZUSAMMENBRUCH DES KOMMUNISMUS IST UNSINN
- Von Norman Podhoretz (c) 1986, News America Syndicate

NEW YORK - Die Idee, daß der Kommunismus keine Zugk-aft mehr habe,
begann sich vor wenigen Jahren auszubreiten.
Zunächst wollte man damit
ausdrücken, daß Amerika sich nicht
länger vor dem sowjetischen Expansionismus fürchten müsse und deshalb ruhig seine Rüstungsausgaben verringern
könne. Heute wird dieselbe Idee auch
von einer
Reihe von Kommentatoren
(von denen es einige besser wissen
sollten, und es früher auch wußten)
als Argument dafür benutzt, die nicaraguanischen Contras und die meisten
derjenigen
Menschen, die, mit den

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Worten Präsident Reagans, "auf allen
Kontinenten ihr Leben riskieren ...
um sich sowjetisch geförderten Aggressionen zu widersetzen" im Stich
zu lassen.
Dieses
beruhigende
Hirngespinst
vom Zusammenbruch des Kommunismus basiert auf drei Behauptungen.
Die
erste besteht darin, daß die Herrscher der Sowjetunion, ebenso wie ihre Quislinge und Stellvctreter in
den Ländern, über die sie imperiale
Kontrolle ausüben, aufgehört haben,
an den Marxismus zu glauben, jeden-

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�falls zumindest in dem Ausmaß, wie
sie dies in der Vergangenheit getan
haben. Die zweite besagt, daß heute
in den kommunistischen Ländern kaum
jemand überhaupt noch an den Marxismus glaubt.
Die dritte Behauptung
lautet, daß der Marxismus für westliche intellektuelle weniger attraktiv geworden ist, als er dies in früheren Zeiten einmal war.
Jede dieser Behauptungen enthält
ein Körnchen Wahrheit: gerade genug,
um irreführend zu sein.
Zunächst einmal: ob die sowjetischen Herrscher noch an den Marxismus glauben oder nicht, ihre Militärmacht und deren globale Reichweite
haben in den letzten 25 Jahren enorm
zugenommen. Jedenfalls, was sie nun
insgeheim
denken
mögen
oder
auch
nicht, haben die Herrscher in kommunistischen Ländern - von der Spitze
bis hinunter zu Managern und lokalen
Parteigrößen - keine andere Wahl, als
weiterhin die Prinzipien des Marxismus-Leninismus zu predigen. Es sind
diese Prinzipien, und allein diese
Prinzipien, die ihnen das Recht auf
Herrschaft geben.
Tatsächlich hat die Bedeutung des
Marxismus in der kommunistischen Welt
dem tschechischen Dissidenten Vaclav
Havel zufolge nicht ab-, sondern zugenommen, während eine seiner Verheißungen nach der anderen durch den
"real existierenden Sozialismus" ad
absurdum geführt wurde.
Die Herrschenden
benötigen
den
Marxismus
nicht nur, um ihre Position in den
Augen ihrer Bürger zu rechtfertigen,
sie benötigen ihn, um sich selbst gegenüber ihre Macht zu rechtfertigen
und um sich über ihre üblen Taten
hinwegzutäuschen.
Was ist mit den Leuten, die von
diesen Taten betroffen sind? Sicher-

lich haben viele.von ihnen den Kommunismus
als
Ideologie
und Gesellschaftssystem hassen gelernt.
Doch
wenn sie versuchen, ihren Haß in Taten umzusetzen, finden sie heraus,
daß der Kommunismus, was sie selbst
anbetrifft, sehr wohl Zugkraft hat daß er im Gegenteil mehr als genug
Macht besitzt, um sie zu töten, ins
Gefängnis zu werfen oder sie auf andere Weise zu bestrafen. Mit Ausnahme weniger Helden ordnen sie sich unter.
Ein anderer tschechischer Dissident, Miroslav Kusy, beschreibt die
Lage von Herschern und Beherrschten
wie folgt: "Diejenigen, die ihn predigen, benehmen sich, als ob das ideologische Königreich des realen Sozialismus in dem 'was wir hier heute
haben' bestünde; die Nation benimmt
sich, als ob sie glaube, als ob sie
überzeugt wäre, daß sie im Einklang
mit diesem ideologischen realen Sozialismus lebte".
Soviel
zur
zweiten
Behauptung,
auf der das Hirngespinst vom kommunistischen Zusammenbruch aufbaut.
Was die dritte Behauptung angeht,
so ist das auffallendste Faktum in
bezug
auf westliche
Intellektuelle
nicht der Rückgang an überzeugten
Marxisten unter ihnen.
Es ist das
hartnäckige Weiterbestehen einer unverbesserlichen Tendenz, sich diesem
Rückgang zum Trotz im Zweifelsfalle
für kommunistische Regime und kommunistische Revolten auszusprechen.
Auf die Sowjets angewendet, tritt
diese Tendenz heute normalerweise so
auf, daß für ihr aggressives Verhalten immer amerikanische Provokationen
verantwortlich
gemacht werden oder
daß man die Existenz von expansionistischen Absichten bei ihnen grundsätzlich
verneint.
Angewendet
auf

�die Dritte Welt nimmt sie eine etwas
kompliziertere Gestalt an, deren Konturen in einer berühmten Rede der
Schriftstellerin Susan Sontag aus dem
Jahre 1982 eindringlich verdeutlicht
werden.
Obwohl
niemals Kommunistin
und
immer eine Gegnerin des Stalinismus
in Europa, war Frau Sontag eine enthusiastische Bewunder in anderer kommunistischer Regime, insbesondere Cubas und Nord-Vietnams.
Nun, so gab
sie zu, könne sie den Fehler des Versuchs
sehen,
eine
Unterscheidung
"zwischen Kommunismen" zu versuchen.
Schließlich erkannte sie "die äußerste Niederträchtigkeit des kommunistischen Systems" überall.
Hat sie nun daraus den Schluß gezogen, daß ihre Sympathien richtig
den Contras in Nicaragua und der Regierung in El Salvador gehören müßten, die sich beide zu eben diesem
Zeitpunkt im Krieg gegen diese "äußerste Niederträchtigkeit" befanden?
Nicht im geringsten.
Zu den Contras
sagt sie nichts.
Den kommunistisch
gesteuerten Rebellen in El Salvador
bot sie später ihre "leidenschaftliche Unterstützung" in ihrem "Kampf
gegen die von der amerikanischen Regierung unterstützte Tyrannei" an.

schlecht, oder
die Antikommunisten
seien viel schlimmer, oder die Ausbreitung des Kommunismus sei für uns
keine Bedrohung.
Und nachdem sie dann alles in ihrer Macht Stehende getan haben, um
irgendein
Land
dem Kommunismus zu
übergeben, während noch eine kämpferische Chance zu seiner Rettung bestand, werden dieselben Intellektuellen bittere Tränen um die Menschen
vergießen, die dazu verurteilt wurden, unter einem Regime zu leben, auf
das sie einst in New York, London und
Paris solch hohe Hoffnungen gesetzt
hatten.
Sie werden ihre Solidarität
mit der Gewerkschaft Solidarität und
allen
anderen
Dissidentenbewegungen
in kommunistischen Regimen bekunden außer, wenn solche Bewegungen aussehen, als ob sie mit ein wenig Hilfe
die Oberhand gewinnen könnten.
Falls diese Intellektuellen und
Politiker
ihre Haltung
durchsetzen
können, werden sie in wenigen Jahren
Tränen
über
Nicaragua
vergießen.
Aber dann wird es zu spät sein. So
wie es heute zu spät ist für die Cubaner, die Vietnamesen, die Polen und
all die anderen Völker in der ganzen
Welt, die noch nicht die Intelligenz
hatten zu sehen, daß der Kommunismus
keine Zugkraft mehr hat.

Dieser
bizarre Widerspruch
ist
typisch für die Denkweise unter Intellektuellen in der gesamten westlichen Welt. In jedem Kampf zwischen
Kommunisten und Antikommunisten werden sie entweder für die Kommunisten
Stellung beziehen oder den Antikommunisten entgegentreten oder irgendeine
nichtexistente
Alternative
bevorzugen, insbesondere dann, wenn die Kommunisten siegen werden.
Diejenigen, die eine dieser Haltungen wählen, werden argumentieren,
die
Kommunisten
seien
nicht
so
- 3 -

�«fc°s&gt;«

r

AMERIKA DIENST
Wissenschaft und Technik

% r ^

14. Januar 1987

SCHWERPUNKTE:

RAUMTRANSPORTER UND FORSCHUNG

- NASA-Budgetvorschlag für Haushaltjahr 1988 -

WASHINGTON - (AD) - Dem von Präsident
Reagan
vorgschlagenen
neuen
NASA-Budget zufolge werden die Wiederaufnahme der Raumtransporterflüge
(der erste ist für Februar 1988 geplant) sowie die Schaffung einer bemannten Raumstation bis Anfang der
neunziger Jahre die vorrangigen Projekte der US-Behörde für Luft- und
Raumfahrt
(NASA)
im
Haushaltsjahr
1988 sein.
Insgesamt belaufen sich
die geforderten Mittel - der Etatvorschlag wurde dem US-Kongreß am 5. Januar 1987
zugeleitet - auf 9,481
Milliarden
Dollar
(inf lationsberei-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

nigt). Der für 1987 genehmigte NASAHaushalt
umfaßte
10,508 Milliarden
Dollar, einschließlich einer einmaligen gewährten Summe von 2,1 Milliarden Dollar für den Bau eines Ersatzgeräts für die am 28. Januar 1986
zerstörte Raumfähre CHALLENGER.
NASA-Administrator
Dr.
James
Fletcher beurteilt den vorgeschlagenen Finanzierungsmodus sehr positiv.
"Er ermöglicht ein gesundes Raumfahrtprogramm und wird gleichzeitig
den Bemühungen gerecht, das Defizit
des Bundeshaushalts zu reduzieren",

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�sagte e c .
Im NASA-Budget für
1988
sind 3,7 M i l l i a r d e n Dollar für
das
Raumtransporterprogramm
vorgesehen.
In d i e s e Summe e i n g e s c h l o s s e n
sind
Aufwendungen für d i e B e s e i t i g u n g der
technischen
Defekte
bei
den
Fests t o f f t r ä g e r r a k e t e n , d i e den CHALLENGER-Unfall v e r u r s a c h t e n , sowie für d i e
Beschaffung
von
Oberstufen-Raketen
für den S t a r t unbemannter Sonden zu
den P l a n e t e n J u p i t e r
und Venus und
zur Sonne.
Diese P r o j e k t e wurden i n folge des CHALLENGER-Unglücks v e r z ö g e r t und s o l l e n nun so rasch wie mögl i c h a u s g e f ü h r t werden.
Wie d i e NASA k ü r z l i c h bekanntgab,
werden d i e GALILEO-Sonde zur
Erforschung des J u p i t e r ,
einigen
seiner
Monde und s e i n e r dünnen Ringe sowie
die
Venus-Kartierungssonde
MAGELLAN
1988 bzw. 1990 von Bord e i n e s Raumtransporters
mit
einer
neuen
Ant r i e b s o b e r s t u f e auf den Weg g e b r a c h t .
A n s t e l l e der u r s p r ü n g l i c h v o r g e s e h e nen CENTAUR-Oberstufe, d i e mit F l ü s s i g w a s s e r s t o f f a r b e i t e t , wird aus S i cherheitsgründen
ein
Feststofftriebwerk verwendet.
Für d i e Sonnensonde
ULYSSES b e a b s i c h t i g t man d i e TITAN-4
a l s T r ä g e r r a k e t e zu b e n u t z e n .
Dies
ist
eine
Neuentwicklung,
die
nach
1989 verfügbar sein soll.
Der Start des Hubble-Weltraumteleskops,
laut
Fletcher
"eine der
wichtigsten
wissenschaftlichen
Missionen im Zeitalter der Raumfahrt",
ist im neuen NASA-Etat für 1988 berücksichtigt. Der für die Astronomie
und
Astrophysik
so wichtige
Forschungssatellit
soll
beim
dritten
Raumtransporterflug im kommenden Jahr
von Bord des Shuttle gestartet werden.
Ein neues
gemeinsames
Forschungsprojekt von NASA, ESA (Europäische Weltraumagentur) und Japan zur
Untersuchung des Energieflusses von
der Sonne zur Erde wird 1988 mit zunächst 25 Millionen Dollar ausgestat- 2

tet.
Die aktive Phase beginnt 1992
mit dem Start einer Anzahl von Sonden
und dauert ca. acht Jahre.
Für
das
Entwicklungsprogramm
"Raumstation" werden für das nächste
Haushaltjahr 767 Millionen Dollar angefordert. Allerdings könne das Programm, so Fletcher, erst in ein paar
Wochen nach Abschluß der Überprüfung
und der Abstimmung des Fortgangs der
Entwicklung mit den Finanzierungsplä- *
nen wieder weitergeführt werden.
Der Wissenschaftsberater Präsi- *
dent Reagans, Dr. William Graham, gab
am 5. Januar 1987 vor Journalisten
den Etat der Bundesregierung für Forschung und Entwicklung mit 62,4 Milliarden Dollar an. Das bedeute gegenüber den im laufenden Haushaltjahr
verfügbaren Mitteln eine Steigerung
um acht Prozent.
Vo
Gesamtbudget
seien 20,4 Milliarden Dollar für Forschungen außerhalb der Aufgaben des
Verteidigungsministeriums
sowie
9,7
Milliarden Dollar für Grundlagenforschung vorgesehen. Der letztgenannte
Posten läßt erkennen, welch große Bedeutung die amerikanische Regierung
der Grundlagenforschung beimißt, was
sich
auch
im Etat der
"National
Science Foundation"
(Nationale Wissenschaftsstiftung - NSF) widerspiegelt.
NSF-Direktor Erich Bloch berichtete, daß für das Budget seines
Hauses im Jahr 1988 eine Steigerung
um 17 Prozent vorgeschlagen wurde.
In den nächsten Jahren sei eine jährliche Anhebung um 14 Prozent vorgesehen, so daß im Finanzjahr 1992 mehr ,
als 3,2 Milliarden Dollar zur Verfügung stünden.
Die Schwerpunkte liegen bei der Grundlagenforschung sowie *
bei der Ausbildung für Berufe in Wissenschaft und Technik.

+ + + + ++

�</text>
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'VON

4

7 . J a n u a r 1987

I N H A L T

HINTERGRUNDMATERIAL

Chronologie der Ereignisse in Afghanistan
- Mai bis Dezember 1986 -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK

Aufgezwungenes Risiko
- "Passivrauchen" für Kinder besonders gefährlich

Themenindex AMERIKA DIENST (1986)

* * * * * *

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Telex: 8-85432

�AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

VION &amp;

7. Januar L987

CHRONOLOGIE DER EREIGNISSE IN AFGHANISTAN
- Mai bis Dezember 1986 -

WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend finden Sie eine Chronologie der Ereignisse
im Zusammenhang mit der Besetzung Afghanistans durch Streitkräfte der Sowjetunion; abgedeckt ist dabei der Zeitraum vom Mai bis Mitte Dezember 1986.

8. Mai
Generalmajor Najibullah, der am
4. Mai Babrak Karmal in der politischen Führung Afghanistans abgelöst
hatte, hält erste Treffen mit den militärischen
und
regierungsamtlichen
Spitzen des Landes ab. Radio Kabul
berichtet von seinem Versprechen, die
Beziehungen zur Sowjetunion noch weiter zu stärken.
Najibullah trifft sich auch mit
etwa 400 Stammesältesten der Paschtun-Stämme aus den Grenzregionen des

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Landes und sichert ihnen zu, daß die
farsisprachigen
Volksgruppen
der
nördlichen Gebiete "wie Brüder" behandelt würden.
Diplomatischen
Quellen
zufolge
kommt es bei Studentendemonstrationen
für Babrak Karmal und gegen Najibullah und die Sowjetunion zu Zusammenstößen mit der Polizei.

9. Mai
Vier

afghanische

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Kampfflugzeuge

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�verletzen pakistanischen Luftraum und
zerstörten, wie Radio Pakistan meldete, den Militärposten Kotri in der
Kurrum-Region mit zwei Bomben.
Mujahedin greifen mit raketengetriebenen Granaten und rückstoßfreien
Gewehren
eine
kleine
Panzereinheit
der Sowjets in der Nähe des LalandarTals südwestlich des Kabuler Stadtteils Darulaman an. Drei Panzer werden in Brand gesetzt und zwei Sowjets
in Zivil gefangengenommen.
Zwei Mujahedin werden getötet, vier weitere
verwundet.

10. Mai
Mujahedin
beschießen
die Stadt
Jalalabad mit Raketen, töten dabei
sechs sowjetische Soldaten und zerstören vier Hubschrauber. Den Aussagen der Mujahedin zufolge wurden auch
eine Radarstation sowie drei Panzer
zerstört.

Radio Kabul meldet, daß "kürzlich" 1800 bewaffnete "Rebellen" der
Mujahedin-Gruppierungen
Harakat-eInquilab-e-Islami und Nejat-e-Milli,
einschließlich ihrer Führer Kamaluddin, Hadschi Abdul Raschid und Mullah
Azim, in der Provinz Farjab übergelaufen seien.

13. Mai
Afghanische Artillerie beschießt
das Marktgebiet von Teri Mangal in
der pakistanischen Kurrum-Provinz, wo
14 Menschen umkommen und weitere 20
verwundet werden. Unter den Getöteten sind 13 afghanische Flüchtlinge
und ein Pakistani.

14. Mai
Afghanische
Flugzeuge
greifen
T e r i Mangal e r n e u t an und t ö t e n w i e der zwei Menschen.
Ferner z e r s t ö r e n
d r e i a f g h a n i s c h e Flugzeuge den Grenzposten Bala Hissar im P a r a s c h i n a r - G e b i e t , doch s o l l es d o r t keine Toten
gegeben haben.
Die neuen Angriffe f a l l e n mit dem
E i n t r e f f e n von Truppen zusammen, d i e
von Gardez in das J a j i - G e b i e t v e r l e g t
wurden, wo dann auch d i e Angriffe a n d a u e r t e n , d i e v i e l l e i c h t das V o r s p i e l
einer
neuen
sowjetisch-afghanischen
Offensive in diesem Gebiet s e i n könnten.
B e r i c h t e n zufolge nahmen Mujahedin a c h t S i c h e r h e i t s p o s t e n
gefangen,
nachdem s i e das B a t a i l l o n s h a u p t q u a r tier
der
sowjetisch-afghanischen
S t r e i t k r ä f t e in der Takhar-Provinz in
Nordafghanistan a n g e g r i f f e n h a t t e n .
Zwei führende
Mujahedin-Befehlshaber der P a k t i a - P r o v i n z werden durch
sowjetisch-afghanische
Truppen
im
J a j i - G e b i e t g e t ö t e t : Shams a l - D i n und
Abdul Hayee waren enge
Mitarbeiter
von P r o f e s s o r Abdur Rasool Siyyaf von
der i s l a m i s c h e n E i n h e i t der Afghanischen Mujahedin.

15. Mai
Najibullah
trifft
mit usbekischen,
turkmenischen
und
anderen
Stammesführern aus dem nördlichen Afghanistan zusammen.
Radio Kabul zufolge erklärte er, daß usbekisch- und
turkmenischsprachige Schulen errichtet worden seien, um das Analphabetentum zu bekämpfen.

17. Mai

�Ein sowjetisch-afghanisches Flugzeug, ein wahrscheinlich von einem
Sowjet gesteuerter Typ SU-22, wird
von einer pakistanischen F-16 abgeschossen, nachdem es 20 Meilen in pakistanischen
Luftraum
eingedrungen
war.
Eine weitere SU-22 wurde getroffen und ging wahrscheinlich auf
afghanischem Gebiet westlich von Parachinar nieder. Dies ist der erste
offizielle Bericht vom Abschuß eines
sowjetisch-afghanischen Flugzeugs in
Pakistan.
Berichten
zufolge schössen afghanische Mujahedin in der PaktiaProvinz
drei
sowjetisch-afghanische
Flugzeuge ab, ein weiteres in der
Takhar-Provinz. In der Farah-Provinz
wurden eben diesen Berichten zufolge
auch
33 Mitglieder
der Kommunistischen Partei Afghanistans getötet.

Die siebente Runde der indirekten
und von den Vereinten Nationen unterstützten Gespräche zwischen Pakistan
und dem Kabuler Regime werden in Genf
wiederaufgenommen. Beide Seiten kommen überein, angesichts des nur geringen Fortschritts der ersten beiden
Wochen die Gespräche noch um eine
Woche zu verlängern.

23. Mai
Ein hochrangiges Mitglied der afghanischen Geheimpolizei (KHAD), Berichten zufolge ein stellvertretender
Minister namens Nabi Mohammed, wird
in der Nähe von Kandahar getötet, als
sein Geländewagen auf eine von den
Mujahedin
gelegte
Mine
auffährt.
Drei der vier ihn begleitenden Geheimdienstbeamte werden ebenfalls getötet.

18. Mai
24. Mai

Mujahedin g r e i f e n zwei M i l i t ä r posten in der Parwan-Provinz a n , t ö ten acht afghanische und einen s o wjetischen
Soldaten
und
zerstören
vier M i l i t ä r f a h r z e u g e .

In Genf geht eine weitere Etappe
der siebenten Runde der von den Vereinten Nationen unterstützten Gespräche über Afghanistan zu Ende, die nun
am 30. Juli wieder aufgenommen werden
soll.

19. Mai
Berichten zufolge lockten Mujahedin in der Nähe von Kabul einen Bus
mit Mitgliedern der Kommunistischen
Partei Afghanistans in einen Hinterhalt und töteten 30 von ihnen.

21. Mai
Mujahedin von Gulbaddins Hisb-eIslami-Gruppierung
greifen
tagsüber
einen afghanischen Posten in der Nähe
von Ghazni an und töten alle zehn Bewacher .

25 Mai
Mujahedin überfallen einen großen
sowjetischen Militärkonvoi in der Nähe von Maidanshahr in der Provinz
Wardak.
Im Verlauf des sechsstündigen Gefechts wurden Berichten zufolge
18 Militärfahrzeuge zerstört oder zurückgelassen.
Die Mujahedin konnten
den Angriff durchführen, da es zu
keiner Luftunterstützung kam.
Doch
kamen am darauffolgenden Tag sowjetisch-afghanische Hubschrauber in das
Gebiet zurück und bombardierten Dör-

- 3 -

�fer in der Nähe.
Mujahedin g r e i f e n auf dem Flughafen von J a l a l a b a d
sowjetisch-afghanische Truppen an; dabei werden zwei
Hubschrauber z e r s t ö r t , d r e i w e i t e r e
beschädigt.
Berichten zufolge wurden
auch a c h t Soldaten g e t ö t e t .

geschlagen, dabei elf Soldaten getötet und eine große Menge Waffen und
Munition erbeutet.
Berichten zufolge legten Mujahedin Minen in einem Hotel in Ghazni;
vier Menschen wurden getötet, drei
verletzt.

26. Mai

7. Juni

Mujahedin schießen mit einer Rakete einen sowjetischen Hubschrauber
des Typs MI-8 kurz nach dessen Abheben vom Flugplatz Kandahar ab.

27. Mai

In dreitägigen Kämpfen in der Nähe von Sanglok und Maidanshahr in der
Provinz Wardak töten Mujahedin mindestens 47 afghanische Soldaten und
verwundeten weitere 60.
Es heißt,
auch mehrere Hubschrauber seien abgeschossen worden.

Berichten der Mujahedin zufolge
gelang es ihnen, Teile der Provinz
Paktia zu besetzen, nachdem sie dortige
sowjetisch-afghanische
Truppen
zum Rückzug zwangen.

Unter dem Flugabwehrfeuer der Mujahedin stürzen in Kandahar zwei sowjetische MIG-Kampfflugzeuge ab, die
Verstecke der Mujahedin in der Nähe
der Stadt angegriffen hatten.

Mujahedin
überfallen einen sowjetisch-afghanischen
Militärkonvoi
auf der Landstraße in der Nähe von
Qalat in der Provinz Zabol. Ein Reisender berichtete von zwei brennenden
gepanzerten Mannschaftswagen und den
Leichen von sieben oder acht afghanischen Soldaten. Sowjetische Truppen
in Kampfausrüstung kontrollierten den
Verkehr in dem Gebiet.

8. Juni
Berichten zufolge schössen Mujahedin 20 Meilen nördlich von Kabul
ein großes sowjetisches Transportflugzeug vom Typ IL-76 ab, das, wie
es hieß, zwei Panzerwagen mitgeführt
hatte.

12. Juni
28. Mai
Sowjetisch-afghanische
Truppen
beschießen und zerstören viele Gebäude im Marktbereich von Kandahar. Berichten zufolge wurden 40 Zivilisten
getötet; als Zeichen des Protestes
blieben alle Geschäfte der Stadt geschlossen.
Zuvor hatten Mujahedin einen sowjetisch-afghanischen Angriff zurück-

Najibullah besucht ein Rekrutierungszentrum der Armee in Kabul und
drang darauf, die vom Problem der
Fahnenflucht heimgesuchte afghanische
Armee wieder zu stärken.
In einer
Reihe von Reden kommt er immer wieder
auf das Thema der Verbesserung von
Kampfgeist und Erfolg der Armee zu
sprechen.
Mujahedin

greifen

einen

kleinen

�Militärposten der afghanischen Armee
im Westen Kabuls nahe der alten Kandahar-Landstraße an und töten fünf
Regierungssoldaten.

13. Juni
Mujahedin schössen B e r i c h t e n zufolge zwei Hubschrauber ab und z e r s t ö r t e n fünf Panzer; s i e t ö t e t e n 40
sowjetisch-afghanische
Truppenangehör ige und verwundeten 100 w e i t e r e b e i
Angriffen gegen M i l i t ä r p o s t e n in der
Logar-Provinz.

15. Juni
Mujahedin
töten oder
verwunden
über 200 Soldaten und nehmen 40 sowjetisch-afghanische Truppenangehör ige in der Nähe der Stadt Herat gefangen. Außerdem nehmen sie mehr als 30
militärische Stellungen und auch Teile der Stadt ein, wobei 16 Panzer
zerstört werden.

16. Juni
Vier
Anführer
der
Islamischen
Einheit Afghanischer Freiheitskämpfer
aus Peschawar
in Pakistan
treffen
beim ersten offiziellen Besuch einer
Mujahedin-Gruppe in den Vereinigten
Staaten mit Präsident Reagan zusammen.
Professor Burhanuddin Rabbani,
Vorsitzender der Siebenparteien-Allianz, erklärt, Ziel des Besuches sei
die diplomatische Anerkennung durch
die Vereinigten Staaten.
Präsident
Reagan betont, die Vereinigten Staaten unterstützten das Ziel der Mujahedin, Afghanistan wieder die Freiheit zu bringen, und das amerikanische Volk stünde
ihnen in ihrem
Kampf um die Wiedererlangung der Unabhängigkeit ihres Landes bei. Er
gibt ferner der Hoffnung der Verei- 5

nigten Staaten Ausdruck, durch Verhandlungen könne es zu einem Ende des
Krieges sowie zu einem umfassenden
und raschen Abzug der sowjetischen
Truppen und der Selbstbestimmung für
das afghanische Volk kommen. Auf diplomatische Anerkennung ging er zu
diesem Zeitpunkt nicht ein.

20. Juni
Mujahedin
greifen
das
Gouverneurshaus und das Büro der r e g i e r e n den Kommunistischen P a r t e i in C h a r i k a r , der H a u p t s t a d t der Parwan-Provinz a n ; dabei wurden fünf M i t g l i e d e r
der Wachmannschaft und s i e b e n Angehör i g e der Parcham-Fraktion der Demokratischen
Volkspartei
Afghanistans
getötet.

21. Juni
Mujahedin töten in der Nähe der
Stadt Ghazni zehn bis 14 Sowjets.
Einem Reisenden
zufolge wurde die
ganze Umgebung von Ghazni verwüstet,
damit
ein
unbehindertes
Schußfeld
entstand.

23. Juni
In der Nacht schießen Mujahedin
Raketen auf Kabul; dabei werden viele
öffentliche
Gebäude beschädigt und
mindestens 26 Menschen getötet.

24. Juni
Berichten zufolge war aller Handel zwischen Herat und Kabul unterbrochen; dadurch kam praktisch alle
Geschäftstätigkeit zum Stillstand, da
80 Prozent dieses Handels über Kabul
abgewickelt wird, aber nur der Rest
über Iran.
Seit Anfang Juni halten

�Mujahedin einen Großteil der Stadt
besetzt, während die Regierungstruppen nur im Ostteil dominieren.
Berichten zufolge wurden Mujahedin, die in Grenznähe operierten, vom
Iran angewiesen, keinerlei Operationen mehr innerhalb von 60 Kilometern
entlang
der
Grenze
durchzuführen.
Der Iran ließ Berichten zufolge aber
dem Mujahedin-Führer Gulbuddin Hekmatyar wissen, er dürfe wieder auf
iranischem Gebiet eine Basis errichten.

Afghanische Truppen feuern einige
Granaten
und Raketen nördlich von
Landi Kotal in Pakistans Kheiber-Region ab und verwunden einen Soldaten
des Grenzkorps.

2. Juli
Mujahedin töten acht afghanische
Soldaten in einem Angriff auf Verwaltungsgebäude von Kandahar; dabei erbeuten sie auch Waffen und Munition,
die von den Wachmannschaften zurückgelassen wurden.

25. Juni
Berichten zufolge schießen Mujahedin eine
Militärmaschine
ab, in
der
sich 100 afghanische Soldaten
auf dem Weg von Kabul nach Kandahar
befinden.

Najibullah spricht vor der 19.
Vollversammlung
des
Zentralkomitees
der
Demokratischen Volkspartei Afghanistans und legt die Regierungspolitik dar.

11. Juli
26. Juni
Berichten zufolge wurden afganische Truppen entlang dem pakistanischen Grenzgebiet Balutschistan zusammengezogen,
wo
mindestens
vier
Menschen, darunter drei pakistanische
Soldaten, seit dem 24. Juni durch afghanische Artillerie getötet worden
waren.

27. Juni
Mujahedin vereiteln eine sowjetisch-afghanische Großoffensive in der
Nähe von Urgun in der Provinz Paktika. Die kommunistischen Truppen ziehen ab; zurück bleiben mehrere Tote
und zwei zerstörte Militärfahrzeuge.
Die Mujahedin nehmen 19 Regierungssoldaten gefangen.

1. Juli

Mujahedin nehmen zwei sowjetische
Offiziere in ihrem Geländewagen in
der Nähe der Stadt Ghazni gefangen.
Eine Bombenexplosion in einem Hotel im Basar von Teri Mangal in der
Nähe von Parachinar in der pakistanischen Provinz Kurrum tötete neun afghanische Flüchtlinge und verwundet
15
Menschen.
Vermutungen
zufolge
wurde die Bombe von Agenten des afghanisch-kommunistischen
Geheimdienstes gelegt und beschädigte darüber
hinaus rund 40 Geschäfte.

12. Juli
Afghanische
Regierungstruppen
schießen acht Meilen nordwestlich von
Nawagai in Pakistans Bezirk Mohmand
drei Runden Artilleriefeuer und 20
Raketen ab; dabei wird ein Soldat der
Mohmand-Schützen getötet.

�16. Juli
Sechs Soldaten des afghanischen
Regimes werden in Ghazni getötet, als
Mujahedin einen Geländewagen auf eine
Bombe auffahren lassen.

14. Juli
Kabuler Zeitungen berichten von
Sitzungen eines revolutionären Sondertribunals, das einen der wichtigsten Widerstandsführer des PanjsherTals, Ahmad
Schah
Mahsud,
seinen
Stellvertreter
Mohammad
Panah
und
Mullah Malang
(Aka Saleh Mohammad)
"in absentia" zum Tode verurteilte.
Mujahedin dringen in Paghman in
eine Veranstaltung ein und entführen
vier afghanische Soldaten.
Berichten zufolge töteten Mujahedin 120 Soldaten des afghanischen Regimes, als sie einen großen Militärkonvoi überfielen, der von Kabul in
die Provinz Zabul unterwegs war. Außerdem schössen sie zwei Hubschrauber
ab und zerstörten 14 Panzer und Panzerfahrzeuge .

15. Juli
Mujahedin starten einen zweistündigen, koordinierten Angriff auf die
sowjetische Botschaft, die Wohnsiedlung der sowjetischen Diplomaten, die
KGB-Büros und das sowjetische Kulturzentrum.
Westliche Diplomaten berichteten zudem von einem zweistündigen Gewehr feuer in der Nähe einer Anlage der Sowjetarmee in Darul Aman.
In der Umgebung gab es 25 laute Explosionen und auch kleinere bewaffnete Zwischenfälle in der Nähe vom afghanischen Außenministerium und dem
Büro des Ministerpräsidenten.

Präsident Reagan erklärt gegenüber seinem Besucher, dem pakistanischen
Ministerpräsidenten
Junejo,
Pakistan
gebe dadurch den historischen Traditionen islamischer Gastfreundschaft neue Bedeutung, daß es
fast drei Millionen Afghanen Schutz
gewähre, die gezwungen wurden, vor
der sowjetischen Aggression aus ihrem
Land zu fliehen.
Berichten zufolge gab es schwere
Kämpfe zwischen Sowjets und Mujahedin
in Kandahar. Die Sowjets setzten im
zentralen Basarbereich Panzer und Artillerie ein und töteten 25 Menschen
Dennoch beschränkte sich die sowjetisch-afghanische
Kontrolle
auf den
Flugplatz von Kandahar und auf die 26
Kilometer lange Straße von der Stadt
bis zum Flugplatz, sowie auf einen
kleinen Bereich der Stadt unmittelbar
neben der Herat-Kandahar-Landstraße.

17. Juli
Mujahedin in Ghazni töten sieben
afghanische
Regierungssoldaten.
In
Paktia töten oder verwunden sie mehr
als 70 sowjetisch-afghanische Soldaten und schießen im Logar-Tal südlich
von Kabul ein Flugzeug ab.

19. Juli
Das
Kabuler
Regime
verurteilt
Sayyed Padshah - auch unter dem Namen
Sayyed
Mansur
bekannt,
Sohn
von
Sayyed Mortaza - aus dem Doshi-Distrikt in der Provinz Baghlan, einen
Anhänger Gulbuddins von der Hisb-eIslamic-Bewegung, "in absentia" zum
Tode.

20. Juli
- 7 -

�den acht Soldaten.
Das
Kabuler
Regime
verurteilt
Muhammad Esmail - auch unter dem Namen Turan Esmail bekannt, Sohn von
Mir Muhammad Asiam - aus Miabad im
Shindand-Distrikt in der Provinz Herat, ein Mitglied der Jamiat-e-Islami-Bewegung, "in absentia" zum Tode.

22. Juli
Die
Sieben-Parteien-Allianz
der
afghanischen Mujahedin mit Stützpunkt
in Peshawar in Pakistan kündigt die
Eröffnung von Büros in New York und
Dschidda als Teil ihres Plans an, internationale
Anerkennung
zu erreichen.
Das New Yorker Büro soll dem
Zweck dienen, die Sache der Mujahedin
bei den Vereinigten Staaten voranzutreiben, während das Büro in SaudiArabien darauf abzielt, enge Kontakte
zur Organisation der Islamischen Konferenz herzustellen, der 45 Staaten
angehören.

23. Juli
Die afghanische Armee gibt 30
Runden Artilleriefeuer
in Richtung
Pakistans Bajaur-Provinz ab und verwundet einen Pakistani.

Drei usbekisch-sowjetische Soldaten ergeben sich Berichten zufolge
den Mujahedin in Ghazni.

26. Juli
Mujahedin zerstören bei einem Raketenangriff auf den Militärflugplatz
Bagram im Norden Kabuls drei sowjetische Hubschrauber. Berichten zufolge wurde im Verlauf dieses Angriffs
auch ein sowjetischer Soldat gefangengenommen .

27. Juli
Sechs
afghanische
Flüchtlinge
kommen um, drei weitere werden verwundet, als der Wagen, in dem sie unterwegs waren, bei einem Flüchtlingslager in der Nähe von Sadda in der
pakistanischen Provinz Kurrum auf eine Mine fuhr .
Bei anhaltenden Kämpfen in Kandahar nehmen Mujahedin fünf sowjetische
Soldaten gefangen und überrennen mehrere
kleine
sowjetisch-afghanische
Posten, von denen die zu einem Großteil von Mujahedin beherrschte Stadt
umgeben ist.

25. Juli
28. Juli
Eine Gruppe von 200 afghanischen
Kindern wird in die Sowjetunion geschickt; dadurch steigt die Gesamtzahl seit 1980 auf 6500.
Radio Pakistan
zufolge
zielt das Programm
darauf ab, aus den Kindern Sympathisanten der Sowjetunion zu machen.
Afghanische
Truppen
feuern
40
Mörserrunden in einen Posten des pakistanischen Grenzkorps in Charaan in
der Provinz Belutschistan und verwun-

Generalsekretär
Michail
Gorbatschow kündigt den Rückzug sechs sowjetischer Regimenter aus Afghanistan
zum Jahresende an.
Larry Speakes,
der Sprecher des Weißen Hauses, betont, nur ein sofortiger und vollständiger Abzug aus Afghanistan biete
eine Lösung der sowjetischen Invasion
dieses Landes.
Der

Rückzug

betrifft

rund

6000

�Mann, zum größten Teil Luftabwehreinheiten, die ohnehin in Afghanistan
nicht
erforderlich
sind.
Speakes
verweist auch darauf, daß ähnliche
Ankündigungen
in der
Vergangenheit
nichts
anderes als
Truppenrotation
bzw. Truppenaustausch bedeutet hätten.

29. Juli
Afghanische
Einheiten, von sowjetischen Truppen unterstützt, starten eine neue Offensive im Süden und
Südwesten
Afghanistans.
Westlichen
Diplomaten zufolge kam es dabei zu
großen Verlusten unter der Zivilbevölkerung. Schwere Kämpfe gibt es im
südlichen Logar-Tal, wo die Sowjets
Standorte der
Mujahedin mit einem
neuen Panzertyp, wahrscheinlich einer
verbesserten Version des T-72, angreifen .
Die Mujahedin ihrerseits greifen
einen aus 75 Fahrzeugen bestehenden
sowjetisch-afghanische
Konvoi
an,
der von Kabul nach Pol-e-Alam unterwegs ist.
Dabei zerstören sie vier
oder fünf Panzer und beschädigen andere
Militärfahrzeuge;
Der
Konvoi
wird dadurch zur Umkehr gezwungen.
In Ghazni
überfallen
Mujahedin
einen Konvoi und töten mehrere Soldaten. In einer fünfstündigen Schlacht
in der nahegelegenen Provinz Zabul
töten oder verwunden sie über 100 afghanische Soldaten.

31. Juli
Die von den Vereinten Nationen
unterstützten Gespräche über Afghanistan werden in Genf einen Tag nach
dem vereinbarten Termin fortgesetzt.

nen
sowjetisch-afghanischen
Konvoi;
es gibt eine große Zahl Tote und Verwundete .

1. August

Tausende
sowjetischer
Soldaten
beginnen,
unterstützt
von
schwerer
A r t i l l e r i e , einen Großangriff
gegen
die Mujahedin in Paghman im Westen
Kabuls. Dies geschieht in Vergeltung
zu einem Mujahedin-Angriff auf einen
M i l i t ä r p o s t e n in d i e s e r Gegend, b e i
dem d r e i Soldaten umkamen.
Sowjetische SU-25 und möglicherweise auch
andere
sowjetische
Flugzeugtypen
f l i e g e n Bombeneinsätze, bei denen es
Augenzeugen zufolge zu 300 Meter hohen Staubfahnen kam. Westliche Diplomaten in dem Erholungsgebiet beim
Kharga-See b e r i c h t e t e n , wie e i n e Rak e t e , möglicherweise eine SAM-7, nur
knapp e i n e SU-25 v e r f e h l t e .
Ein f r a n z ö s i s c h e r H e l f e r , der von
seiner
Arbeit
als
Agrarspezialist
beim
Afghanischen
Internationalen
Büro h e i m k e h r t e , b e r i c h t e t e von etwa
150 afghanischen Dorfbewohnern,
die
im vergangenen A p r i l g e t ö t e t wurden,
als
Regierungstruppen,
von
Sowjets
u n t e r s t ü t z t , e i n e Offensive gegen e i n
von den Mujahedin
g e h a l t e n e s Dorf
rund 100 Kilometer n o r d ö s t l i c h von
Jalalabad
einleiteten.
Das
ganze
Ausmaß der Verwüstung wurde e r s t im
vergangenen Monat durch die v e r s c h i e denen
Erklärungen
von
Flüchtlingen
bekannt, die vor den Kämpfen b e i S o l tan geflohen waren, a l s s o w j e t i s c h afghanische Truppen v e r s u c h t e n , das
Darreh-ye-Nur-Tal zu e r o b e r n , das für
d i e Mujahedin e i n e w i c h t i g e V e r s o r gungsroute d a r s t e l l t .

5 . August
Mujahedin
überfallen
auf
der
Landstraße von Kabul nach Ghazni ei-

i

Bei schweren

Kämpfen

in Urgun in

�der Provinz Paktika verloren Berichten zufolge die Mujahedin Anfang Augast in diesem Gebiet 20 Prozent ihrer Streitmacht.

6. August
Mujahedin greifen in der Nähe der
Landstraße von Jalalabad nach Kabul
einen
sowjetisch-afghanischen
Truppenkonvoi an, zerstören vier Panzer
und töten deren Besatzung.

8. August
Pakistan und Afghanistan unterbrechen die achte Runde ihrer von den
Vereinten Nationen unterstützten indirekten Verhandlungen in Genf, ohne
zu einer Vereinbarung
zu gelangen
oder einen Zeitpunkt für weitere Runden festzulegen.
Man befindet sich
in einer Sackgasse, da kein definitiver Zeitplan über einen sowjetischen
Truppenabzug oder eine Vereinbarung
über eine Überwachung der Einhaltung
eines Abkommens zustandegekommen war.
Pakistan fordert einen vollständigen
Abzug
über
mehrere Monate hinweg,
während die Sowjets einen schrittweisen Rückzug über mehrere Jahre verlangen .
Mujahedin feuern Raketen auf Kabul ab und zerstören das Kommunikationszentrum
der
polnischen
Botschaft. Von den 20 bis 30 Raketen,
die auf verschiedene Teile der Hauptstadt niedergehen, trifft eine auch
die sowjetische Botschaft.

10. August
über 60 sowjetische Hubschrauber
fliegen eine Angriffsmission zum Logar-Tal in Unterstützung eines großen
sowjetischen Militärkonvois, der Ka-

bul in Richtung Süden verließ. Zuvor
hatte es Berichten zufolge am 29. Juli eine schwere Schlacht mit den Mujahedin gegeben, in der 20 afghanische Soldaten getötet wurden.
Doch
behielten
die sowjetischen
Truppen
die Oberhand und feuerten, wie ein
Augenzeuge berichtete, auf alles, was
sich in den Bergen bewegte.

LI. August
Mujahedin legen im Flughafen von
Jalalabad eine Bombe; mindestens 15
Personen wurden getötet, etwa 30 verwundet.
Die Bombe explodiert kurz
vor dem Start eines Flugzeugs nach
Kabul in der Abflughalle. Es heißt,
einer der
für die Sicherheit des
Flughafens Zuständigen - ein Anhänger
der Mujahedin - habe die Bombe gelegt.
In den Bergen von Zentrallogar
kommt es zu Kämpfen zwischen Mujahedin und sowjetischen Einheiten; die
Sowjets müssen sich aus dem Gebiet
zurückziehen. Von den Mujahedin gelegte Minen zerstören vier sowjetische Panzer.

12. August
Etwa 150 afghanische Jugendliche
im Alter zwischen 15 und 17 Jahren
werden beim Abflug vom Kabuler Flughafen in Richtung Sowjetunion beobachtet. Zuvor hatte eine Zeitung davon berichtet, daß Kabul und Moskau
ein Protokoll unterzeichnet hatten,
das die Ausbildung 1800 junger Afghanen in sowjetischen Bildungsstätten
unterschiedlichen Niveaus im akademischen Jahr 1986/87 vorsah.
Schätzungen zufolge gingen rund 1200-1400
Schüler bzw. Studenten im akademischen Jahr 1985/86 in die Sowjetunion. Es gibt jedoch auch Berichte,
denen zufolge ein Studium in der So-

- 10 -

�wjetunion bei den afghanischen Jugendlichen
immer
unbeliebter
wird,
weil ihre Bewegungsfreiheit in der
Sowjetunion
immer
mehr
beschränkt
wird und die sowjetischen Behörden
den ankommenden afghanischen Studenten
wilLkürLiche
Änderungen
ihres
Lehrplans auferlegen.

13. August

Mujahedin z e r s t ö r e n in Logar 16
sowjetisch-afghanische
Panzerfahrzeuge mit Minen und schießen bei Kämpfen
zwei S t a r r f l ü g l e r - F l u g z e u g e a b .

Farkhar
in den Bergen der Provinz
Takhar.
O r g a n i s i e r t von Ahmad Shah
Mahsud, der vor kurzem aus dem P a n j s her-Tal
in d i e s e s Gebiet gekommen
war, t ö t e n Mujahedin der J a m i a t - e - I s lami-Bewegung 110 afghanische S o l d a ten und nehmen 210 gefangen.
Die
V e r l u s t e auf e i g e n e r S e i t e belaufen
sich auf fünf Tote und acht V e r l e t z te.
Erbeutet wird e i n e 76-mm-Kanone
sowie 70 Tonnen Munition und V e r s o r gungsgüter.
Ein vorangegangener Ang r i f f d r e i Tage früher war e r f o l g l o s
geblieben.

2 1 . August
Afghanische Truppen geben im Ber e i c h von Shilman in der p a k i s t a n ischen Khyber-Provinz 79 Runden Art i l l e r i e f e u e r ab und verwunden dabei
einen p a k i s t a n i s c h e n Z i v i l i s t e n sowie
zwei afghanische F l ü c h t l i n g e .

Afghanische Artillerie beschießt
ein Dorf in der Nähe des Nawa-Passes
im pakistanischen Bezirk Mohmand; dabei wird ein Pakistani getötet und
ein weiterer verwundet.

14. August

22. August

Mujahedin töten bei Kämpfen in
der Nähe von Asmar in der Provinz
Kunar 42 sowjetisch-afghanische Soldaten.
Außerdem
zerstören sie 13
Panzerfahrzeuge,
zwei
Kanonen
und
treffen drei Panzer.

Bei erneuten
Kämpfen
in Logar
zerstören Mujahedin sechs Armeefahrzeuge und nehmen einen sowjetischen
Offizier sowie sechs afghanische Soldaten gefangen.

23. August
17. August
Mujahedin jagen ein Munitionsdepot des Luftwaffenstützpunktes Bagram
mit Zeitbomben in die Luft.
Dabei
werden
drei
Hubschrauber
auf der
Landebahn beschädigt.

20. August
Mujahedin
überrennen
in
einem
einstündigen Überraschungsangriff am
Morgen eine mit 320 Soldaten belegte
Kaserne
der
afghanischen Armee in

Nach einem Angriff auf
sowjeti s c h - a f g h a n i s c h e Truppen in der P r o vinz
Badakhshan
und
einwöchigem
Kampf, bei dem 14 zumeist von Sowjets
bemannte M i l i t ä r p o s t e n z e r s t ö r t werden, erobern d i e Mujahedin eigenen
Aussagen zufolge d i e K o n t r o l l e des
Wadaruj-Passes zurück, der zum PamirTal f ü h r t .
Sie t ö t e n dabei über 80
sowjetische S o l d a t e n , nehmen 92 gefangen und erobeen e i n e große Menge
an Waffen und Munition.

- 11 -

�Berichten zufolge 50 bis 100 Menschen
durch die Explosion getötet.

24. August
Einem unbestätigten Bericht aus
Kabul zufoLge ist eine Eisenbahnlinie
zwischen
dem sowjetischen
Grenzort
Hayratan und Mazar-I-Sharif geplant,
bzw. bereits begonnen, wobei bereits
Pläne
einer
späteren
Weiterführung
der Linie bis nach Kabul bestehen
sollen.

25. August
Zwei Offiziere der pakistanischen
Armee, ein Major und ein Hauptmann,
werden von afghanischer Miliz gefangengenommen, als sie sich unbewaffnet
und in Trainingsanzügen außerhalb eines Grenzpostens
in der pakistanischen Provinz Baluchistan bewegten.
Sie werden ergriffen, in einen Geländewagen
gesteckt
und
über
die
Grenze gebracht. Dies ist das erste
Mal, daß ein Offizier oder Soldat der
pakistanischen
Armee auf pakistanischem Boden selbst von afghanischen
Armeeangehör igen
gefangengenommen
wird.

26. August
Eine gewaltige Explosion zerstört
ein Munitionslager im Hauptquartier
der 8. Division der afghanischen Armee in der Nähe des Kharga-Sees, 8
Kilometer westlich von Kabul.
Die
fünfstündige "vulkanartige" Explosion
zerstört im Zentrum Kabuls die Fensterscheiben. Obwohl das Kabuler Regime die Explosion als einen Unfall
bezeichnet, wird angenommen, daß das
Lager nach einem Raketenangriff der
Mujahedin in die Luft ging. Bis dahin
hatten
die
Mujahedin
bereits
mehrmals Raketen auf das Lager abgefeuert, doch ohne das Munitionslager
zu treffen. Trotz gegenteiliger Behauptungen des Kabuler Regimes wurden

Abdul Haq, dem Kommandeurs der
Hisb-e-Islami zufolge waren es deren
Raketen, die das Lager trafen. Haqs
Gruppe von 600 Mujahedin feuert 107mm-Raketen auf mehrere militärische
Ziele um Kharga und das nahegelegene
Paghman.
Drei der Raketen treffen
Waffendepots und verursachen Explosionen. Haq und seine Männer erklären, die Explosionen hätten die Kasernen der 8. afghanischen Ärmeedivision schwer beschädigt und zu erheblichen Verlusten bei den Soldaten geführt.
Sie filmen außerdem den Angriff und kehren zu ihrem eigenen Lager zurück ohne unter Feuer gekommen
zu sein.
Westlichen Diplomaten zufolge wurden rund 20 Häuser um Kharga
beschädigt.

31. August
In Kabul wird unter der Leitung
Najibullahs der Pashtunistan-Tag begangen. Von den 5000 zur offiziellen
Feier
erschienenen
Personen
sollen
Berichten zufolge rund 1000 pakistanische Studenten gewesen sein, die übrigen hauptsächlich Stammesangehörige
der afghanisch-pakistanischen Grenzgebiete.
Jüngsten Berichten ist zu
entnehmen, daß eine immer
größere
Zahl pakistanischer Pashtun-Studenten
zur "kostenlosen" Ausbildung nach Kabul - und von dort in die Sowjetunion
geht.

2. September
Das Regime in Kabul gibt ein Programm bekannt, demzufolge fast 30 000
afghanische
Familien
"aus
wirtschaftspolitischen Gründen" aus den
östlichen Provinzen Paktia, Kunar und
Laghman in die südwestlichen Provin-

- 12 -

�zen Farah, Jelmand und Nimroz umgesiedelt werden sollen.
Obwohl das
Regime behauptet, es stelle den Umgesiedelten besseres Land zur Verfügung, so scheint doch der wahre Grund
in der absichtlichen Entvölkerung der
drei Ostprovinzen zu liegen, damit
dann
afghanisch-sowjetische
Streitkräfte in einem Gebiet voller Mujahedin-Stellungen frei operieren können
und leichten Zugriff auf den aus Pakistan
kommenden Nachschub
haben.
Darüber hinaus handelt es sich bei
den drei südwestlichen Provinzen an
der
iranisch-pakistanischen
Grenze
weitgehend um Wüste, in der erhebliche Bewässerungsprogramme notwendig
wären, um sie so fruchtbar zu machen
wie die Ostprovinzen. Dem Regime in
Kabul zufolge ist die Umsiedlung jedoch "freiwillig" und Bestandteil einer langfristigen Entwicklungsstrategie.
Dem augenblicklichen Fünfjahresplan des Regimes zufolge, der im
vergangenen März in Kraft trat, werden
voraussichtlich
45 000
Hektar
Land in Helmand und Nimroz bewässert
werden, so daß dort bis zu 15 000 Familien leben können.

3. September
Mujahedin unternehmen eine Reihe
von Angriffen auf die Truppenunterkunft Jaji in der Provinz Paktia mit
Boden-Boden Flugkörpern, Raketen und
Granatwerfern, mit denen Berichten
zufolge eine Kaserne dem Erdboden
gleichgemacht wird.
Die Mujahedin greifen ferner das
Hauptquartier des Geheimdienstes KHAD
und die Militärbasis in der Stadt
Kandahar an.

4. bis 20. September
Unbestätigte Berichte weisen dar-

auf hin, daß acht sowjetische und 15
afghanische Soldaten in der Nähe des
Kargha-Sees gefangengenommen wurden,
als
afghanisch-sowjetische
Truppen
eine ihrer größten Offensiven in der
Gegend von Paghnam nordwestlich von
Kabul starteten.
Die Offensive beginnt am 4. September, dauert bis zu
einem vorläufigen Stillstand drei Tage und wird dann am 12. September
wieder aufgenommen.
Berichten zufolge wurden von 38
Hubschraubern Truppen in dem Gebiet
abgesetzt und die Berge um die Stadt
Paghman von Flugzeugen des Typs SU-25
bombardiert.
Eine Batterie Artillerie auf Selbstfahrlafetten wurde südlich des Kargha-Sees in Stellung gebracht, um den Widerstand in diesem
Gebiet zu ersticken.
Mujahedin bombardieren
von
ihren Stellungen in
Paghman aus den für Kabul wichtigen
Stützpunkt Kargha und andere wichtige
Punkte in der Stadt; als ein Höhepunkt ist die spektakuläre Explosion
des Munitionsdepots der 8. afghanischen Armee im August anzusehen.
Weiterhin haben die Mujahedin Berichten
zufolge südlich der Stadt
Paghman einen Hubschrauber abgeschossen und in der Stadt selbst zwei Offiziere der afghanischen Armee und
drei Soldaten getötet.
Verschiedene
Berichte schätzen, daß 10 bis 15 Soldaten des Kabuler Regimes täglich bei
in Kämpfen um Paghman umkommen und
daß das Kabuler 400-Betten-Hospital
Wazir Akbar Khan die Verwundeten bereits auf den Fluren von wenigstens
zwei Etagen unterbringen muß.

8. September
Die Mujahedin behaupten, sie hätten eine militärische Stellung in der
Umgebung
von Kandahar
angegriffen,
ein Munitionsdepot und ein Lager für

- 13 -

�militärischen Nachschub gesprengt und
ferner 50 afghanisch-sowjetische Soldaten verwundet oder getötet.

9. September
Der
Presse
in
Kabul
zufolge
trifft der Vorsitzende von Pakistans
nationaler Awami-Partei, Abdul Wali
Khan, mit Abdurrahim Hatef, dem Vorsitzenden des Zentralrates der Nationalen Vaterlandsfront der Demokratischen Republik Afghanistan zusammen,
der ihm die Medaille der Nationalen
Vaterlandsfront verleiht. Später besucht Wali Khan den Bezirk Paghman in
der Provinz Kabul, wo er an einer Gedenkstätte Kränze niederlegt. Er wird
dabei von Najibullah, Premierminister
Sultan Ali Keshtmand und Parteisekretär Nur Ahmad Nur begleitet.

11. bis 24. September
Mujahedin töten in dem strategisch wichtigen, im Norden Kabuls gelegenen Pajnsher-Tal bei etwa 12 Angriffen 115 sowjetische und afghanische Soldaten. Bei einem dieser Angriffe sprengen sie mit Hilfe einer
Zeitbombe, die sie in einem LKW des
Kabuler Regimes plaziert hatten, 70
Militärfahrzeuge, darunter auch Panzer.
Bei
einem
weiteren
Angriff
schössen
sie einen Kampfhubschrauber
ab und zerstören einen Panzer.
Die
Zunahme von Operationen der Mujahedin
ist wahrscheinlich eine Reaktion auf
einen Aufruf von Burhanuddin Rabbani,
dem Führer der afghanischen Jamiate-Islami-Gruppe, die das Tal kontrolliert.
Die
Angriffe
werden
durchgeführt, um den wachsenden Druck
auf Stellungen der Widerstandskämpfer
in der westlichen Provinz Herat zu
vermindern.

12. September
Mujahedin haben Berichten zufolge
mehr als 100 afghanisch-sowjetische
Soldaten getötet, 19 Panzer und Militärfahrzeuge zerstört und ein
sowjetisches Kampflugzeug vom Typ MIG
abgeschossen, als afghanisch-sowjetische Soldaten einen von den Mujahedin kontrollierten Teil Herats angriffen.
Bei
einer
Pressekonferenz
in
Washington D.C. beschreibt Mohammad
Zalmy, ein afghanischer Wissenschaftler und ehemaliger
Richter, viele
Fälle
von
sowjetischen
Menschenrechtsverletzungen
in
Afghanistan.
Zalmy, der Präsident des Nationalen
Komitees für Menschenrechte in Afghanistan mit Sitz in Peshawar (Pakistan), berichtet, daß 2 000 bis
2 500 Kinder im Alter von vier bis
elf Jahren gewaltsam in die Sowjetunion gebracht werden, um sie dort zu
indoktrinieren.
Er zieht ferner die
jüngste Zerstörung der Großen Moschee
in Herat als Beispiel dafür heran,
wie die Sowjets versuchen, den Islam
in Afgfhanistan auszulöschen.
Das afghanische
Regime hat 35
Meilen
von
Peshawar
entfernt
bei
Torkham am Khyber-Paß seine Grenze zu
Pakistan geöffnet, um den Pakistanis,
die den von einer einwöchigen Reise
in die Sowjetunion und Afghanistan
zurückkehrenden pakistanischen Politiker Abul Wali Khan begrüßen wollten, freien Zugang zu schaffen. Hunderte von Mitgliedern seiner AwaiPartei begeben sich drei Meilen ins
afghanische
Landesinnere,
während
Stammeskrieger
aus dem Grenzgebiet
mit Kalaschnikows in die Luft schießen und "Nieder mit Amerika" rufen.
Der in einer Wagenkolonne in Peshawar
einfahrende Wali Khan hält eine Kundgebung ab, bei der er die Vereinigten
Staaten beschuldigt, mit Hilfe Pa-

�kistans in Afghanistan zu intervenieren. Ihm zufolge kann der Frieden in
der Region nur wiederhergestellt werden, wenn die afghanischen Flüchtlinge in ihr Land zurückgeschickt werden, um an den Wahlen teilzunehmen,
von denen Wali Khan berichtet, daß
sie im Augenblick in verschiedenen
afghanischen
Provinzen
abgehalten
werden.

13. September
Mujahedin
zerstören
mindestens
ein Flugzeug
und beschädigen drei
weitere in jüngsten Raketenangriffen
auf den Flughafen Jalalabad. Sie berichten, daß sie etwa 37 Raketen auf
Abstellplätze für militärische Transportflugzeuge und Hubschrauber abgefeuert hätten und daß bei den Explosionen wenigstens zehn Soldaten des
afghanischen Regimes umgekommen oder
verwundet worden seien.
Die Mujahedin durchkreuzen ferner
einen Versuch der afghanisch-sowjetischen Streitkräfte, sie aus Stellungen rund um die belagerte Garnisonsstadt Urgun in der Provinz Paktia zu
verdrängen.
Sie behaupten, der Konvoi sei gezwungen gewesen, auf Ghazni
auszuweichen, nachdem er nicht genau
bestimmbare Verluste an Soldaten und
Ausrüstung hinnehmen mußte.
Drei Fahrzeuge, davon eins vom
Internationalen
Roten Kreuz
(ICRC)
und zwei vom High Commissioner for
Refugees (UNHCR) wurden in Alizai, im
Bezirk Kurrum, entweder von unzufriedenen
ortansässigen
Stammeskriegern
oder von Saboteuren des Kabuler Regimes schwer beschädigt.

gigen Gegend um Dakka, sieben Meilen
im
Inland
von
Afghanistan,
fest.
Diese werden getötet, als man bei
ihnen belastende Sabotagepläne, die
in Pakistan durchgeführt werden sollen sowie Sprengmittel findet.

16. September
Zwei afghanisch-sowjetische Flugzeuge
verletzen den
pakistanischen
Luftraum über Teri Mangal und werfen
Bomben ab, durch die zwei afghanische
Flüchtlinge getötet und ein weiterer
verletzt werden. Später werfen sechs
afghanische Flugzeuge dreizehn Bomben
ab und feuern vierzig Raketen auf das
Gebiet von Peiwar Kotal im Bezirk
Kurram.
Vier Mitglieder der Miliz
von Kurrum werden verletzt.

17. September
Zwei afghanisch-sowjetische Flugzeuge
verletzen den
pakistanischen
Luftraum, indem sie im Gebiet acht
Meilen nordwestlich von Miranshah im
nördlichen Bezirk von Waziristan Bomben abwerfen.
Bei diesem Angriff
wird ein Zivilist getötet und ein
weiterer verletzt.
Ein US-Vertreter bei der Konferenz
über
amerikanisch-sowjetische
Beziehungen
in
Riga
(Lettland),
Helmut Sonnenfeldt, sagt, die Vereinigten Staaten hätten kein besonderes Interesse an Afghanistan, außer
daß sie es gern blockfrei und mit
sich selbst und seinen unmittelbaren
Nachbarn im Frieden sehen würden.

19. September
Afghanische Mujahedin nehmen fünf
Agenten des Geheimdienstes KHAD des
Kabuler Regimes auf der Straße von
Jalalabad nach Torkham, in der gebir-

Afghanische
Streitkräfte
feuern
15 Artilleriegranaten in die Stadt
Chaman in der Provinz Belutschistan

- 15 -

�Berichten zufolge haben Mujahedin
im Gebiet von Gardez in Paktia 150
afghanische Soldaten verwundet oder
getötet.
Sie behaupten ferner, zwei
Panzer zerstört und zwei "Kommandeure" gefangengenommen zu haben.

bern sowjetischer Bauart, die bei ihrem Anflug auf den Flughafen von Jalalabad explodierten. Die Islamische
Afghanische Presse, die die Meldung
veröffentlichte, berichtet, daß von
Mujahedin abgefeuerte Boden-Luft-Raketen den Absturz der Hubschrauber
verursachten.
Die Nachrichtenagentur
der Mujahedin mit Sitz in Peshawar
berichtet,
daß
afghanische-sowjetische Flugzeuge nach dem Zwischenfall
in der Gegend von Jalalabad Vergeltungsbombardements durchführten.

20. September

28. September

Aus der Provins Wardak wird von
der Meuterei einer Einheit der afghanische Armee berichtet. Berichten
zufolge
weigerten
sich
afghanische
Soldaten, für ihren Angriff auf eine
Stellung der Mujahedin ein Minenfeld
zu durchqueren.
Statt dessen hätten
sie das Feuer auf ihre sowjetischen
Kameraden eröffnet, die von ihnen
verlangt hatten, bei dem Angriff die
Spitze zu übernehmen.
Es wird berichtet, daß sich die Mujahedin mit
den Rebellen zusammengeschlossen haben. Einige der Meuterer sollen später zusammengetrieben und von sowjetischen
Soldaten
erschossen
worden
sein.

Beim sowjetischen Handelszentrum
in der Nähe der sowjetischen Botschaft
explodiert
eine
Autobombe.
Radio Kabul zufolge werden bei der
Explosion drei Menschen getötet und
eine Person verletzt. Ferner werden
dadurch Mitglieder einer sowjetischen
Besuchsdelegation aufgeschreckt, die
vom Ersten Stellvertretenden Vorsitzenden des sowjetischen Ministerrates, vsevewlod Serafimovitsch Murakowsky angeführt wird wie auch der
afghanische Spitzenpolitiker Najibullah und Premierminister Sultan Ali
Keshtmand.
Die sowjetische Delegation nimmt in Kabul am 6. Treffen der
Afghanisch-Sowjetischen
Ständigen
Zwischenstaatlichen
Kommission
für
Wirtschaftliche Kooperation teil.

(Pakistan) an der Grenze zur Provinz
Kanadahar. Dabei werden zwei Frauen
und neun Kinder verletzt.

19./20. September

23. September
r

Afghanisch-sowjetische
Flugzeuge
verletzen pakistanischen Luftraum und
feuern 31 Raketen auf das Gebiet von
Teri Mangal im Bezirk Kurrum. Dabei
werden drei pakistanische Bürger und
zwei afghanische Flüchtlinge verletzt.

Westlichen Diplomaten zufolge war
bei der Berichtigung der beiden für
den öffentlichen Verkehr freigegebenen Seiten des sowjetischen Komplexes
keine Beschädigung der Fassaden zu
erkennen.

8. Oktober
25. September
In Peshawar eintreffende Augenzeugen berichten von zwei Hubschrau-

Der amerikanische Verteidigungsminister Weinberger nennt den Abzug
einiger sowjetischer Truppen aus Af16 -

�ghanistan "eine List". Bei einem Interview mit der Fernsehgesellschaft
ABC, das Weinberger in Peking während
einer Chinareise führte, sagte er,
die Sowjets hätten erst vor einigen
Wochen neue Truppen nach Afghanistan
verbracht, so daß sie eine gleichgroße Zahl von Soldaten abziehen und
trotzdem ihre bisherige Truppenstärke
aufrechterhalten könnten.

9. Oktober
Amerikanische
und
pakistanische
Afghanistan-Experten
weisen
darauf
hin, daß die Zunahme terroristischer
Bombenanschläge
in
pakistanischen
Städten an der Grenze zu Afghanistan
neuerlich Anlaß zu der Befürchtung
gäben, der
"starke Mann" Afghanistans, Najibullah, könnte in Pakistan
eine Sabotageaktion planen. Ein pakistanischer Experte hält dem entgegen, Najibullah könne angesichts seiner früheren Beziehungen zu
Peshawar, wo er seine Jugend verbrachte,
eher dazu neigen, ethnische Probleme
in Pakistan schaffen.
Dem amerikanischen Außenministerium zufolge wurden in der ersten
Hälfte des Jahres 1986 mehr pakistanische
und
afghanische
Flüchtlinge
durch terroristische Bombenanschläge,
Artilleriebeschuß
über die Grenzen
hinweg und Luftraumverletzungen durch
sowjetische und afghanische Flugzeuge
getötet als im gesamten Jahr 1985.

10. Oktober
50 bewaffnete afghanische Soldaten haben sich Berichten zufolge in
der Nähe von Kandahar ergeben.
Es
gibt ferner einen unbestätigten Bericht, wonach der Gouverneur der Provinz Kandahar
ausgewechselt wurde,
weil die Mujahedin in der Stadt an

Boden gewonnen hatten.

1. Oktober
Einem Kommentar
der
"Voice of
America" zufolge hat das afghanische
Regime in Shaka Darra nahe Kabul eine
Kapitulation
von
Mujahedin
inszeniert. Wie afghanische Bewohner umliegender
Dörfer
berichten, holten
Soldaten des Regimes alle Männer der
Dorfes zusammen und stellten sie für
ein Photo auf, das 500 Mujahedin
zeigt, die ihre Waffen niederlegen.

13. bis 19. Oktober
Der angekündigte Abzug von sechs
sowjetischen Regimentern aus Afghanistan gibt Anlaß zu Kontroversen.
Westlichen
und anderen Journalisten, die eingeladen worden waren,
um über den sowjetischen Abzug von
sechs Regimentern aus Afghanistan zu
berichten, wurden eng gefasste Sicherheitsbeschränkungen
auferlegt,
und sie hatten sich einem genau festgelegten Ablauf zu unterwerfen.
Die
meisten der 140 Journalisten, darunter 14 aus westlichen Ländern, werden
vom 13. bis zum 19. Oktober in Kabul
festgehalten, und bekommen nur kurze
Ausflüge nach Shindand und Kunduz genehmigt.
In Kabul sahen die Journalisten
ganz kurz ein abziehendes Flugabwehrregiment bei seiner Parade durch die
Stadt zur Salang-Tunnel-Autobahn, die
in die Sowjetunion führt. Die Fahrzeuge des Konvois schienen neu zu
sein und zeigten kaum Anzeichen von
Einsätzen im Kampf.
In Sindand interviewten die Journalisten Soldaten eines Panzerregiments, die angaben, bei ihrem Einsatz

- 17 -

�in Afghanistan noch nie Kampfhandlungen odec Mujahedin begegnet zu sein.

ten abgeschossen haben.

In Kunduz wurden sie am 17. Oktober Augenzeugen des Abzugs eines motorisierten Schützenregiments und bemerkten, daß die meisten Fahrzeuge
LKWs waren und keine Kettenfahrzeuge,
wie sie normalerweise zu einem solchen Regiment gehören.
Aus diesem
Grund wurde angenommen, daß die Einheit nur in geringem Maß einsatzbereit oder möglicherweise
überhaupt
nicht echt, sondern speziell zum Vorzeigen zusammengestellt worden sei.

23. Oktober

Am 15. Oktober sagte der pakistanische Präsident Zia-ul-Haq, daß
Schätzungen
des pakistanischen Geheimdienstes zufolge in den vergangenen Monaten 15 000 neue sowjetische
Soldaten nach Afghanistan geschickt
worden seien.

16. Oktober
Der amerikanische Verteidigungsminister Weinberger äußert bei seinem
Besuch in Pakistan, er schließe angesichts
der
afghanisch-sowjetischen
Verletzungen des pakistanischen Luftraumes die Bereitstellung von AWACS
für Pakistan nicht aus.

19. Oktober
Einheiten der Mujahedin greifen
nahe der Südseite des Salang-Tunnels
die Fahrzeugkolonne eines der abziehenden
Flugabwehrregimenter
an und
töten Berichten zufolge 30 bis 35 sowjetische Soldaten, nachdem sie zunächst die Spitzen- und Schlußfahrzeuge zerstört hatten.
Westliche
Diplomaten
bestätigen
Berichte, daß Mujahedin in der Gegend
von Kabul zwei Hubschrauber mit Rake-

Der afghanische Pilot eines sowjetischen
Kampfflugzeuges
vom Typ
MIG-21 desertiert nach Pakistan und
landet auf dem Flufhafen Kohat in der
nordwestlich gelegenen Provinz an der
Grenze
zu Afghanistan.
Der Pilot
bittet um politisches Asyl, was ihm
auch gewährt wird.
Vier
afghanische Flugzeuge sowjetischer Bauart verletzen pakistanischen Luftraum und feuern Raketen
auf den Bezirk von Nord-Waziristan.
Dabei findet ein Dorfbewohner den Tod.

27. Oktober
Ein Kommandeur der Mujahedin von
Kandahar, der sich sich zu Besuch in
Peshawar aufhielt, entwarf das düstere Bild einer Stadt, die in den vergangenen sechs Jahren ununterbrochene
Kampfhandlungen erlebt hat.
Mullah
Malang berichtet, von 11 000 Geschäften einer einstmals blühenden Stadt
gäbe es nur noch 2 000 und Elektrizität sei nur aus kleinen benzinbetriebenen Generatoren und ausschließlich
für den Flughafen
und andere Einrichtungen der Regierung erhältlich.
Kanadahars Radiostation und das Telefonnetz seien zerstört.
Der Kommandeur berichet weiter,
daß
es
afghanisch-sowjetischen
Streitkräften im September nicht gelungen sei, Soldaten der Mujahedin
aus der Stadt zu vertreiben.
Radio Kabul berichtet von der
Teilnahme des afghanischen Machthabers Najibullah und anderer hoher Beamter an der Beerdigungszeremonie für
ihren getöteten Genossen Mahammad Ali

- 18 -

�Samim, Mitglied des Zentralkomitees
der PDPA und Sekretär des Parteikomitees der Provinz Herat. Angaben zufolge reiste er mit dem Auto in ein
abgelegenes Dorf
in der Gegend von
Golran in der Provinz Herat, als eine
von Mujahedin gelegte Mine hochging.
Anderen
Berichten
zufolge
könnte
Samim von gegnerischen Parteimitgliedern oder vom Regime für seine Verbindungen zu den Mujahedin erschossen
worden sein.
Eine möglicherweise von Agenten
des afghanischen Geheimdienstes KHAD
gelegte Bombe geht in Zahidan, im
Osten
Irans,
vor
dem
ehemaligen
Hauptquartier einer afghanischen Oppositionspartei hoch. Bei der Explosion werden neun Menschen verletzt
und die Fensterscheiben aller Häuser
und Geschäfte im Umkreis von 100 Metern gehen zu Bruch.
Mujahedin
schießen
einen
Hubschrauber in der Provinz Wardak ab.
Dieser in der Nähe von Maidanshahr
abgeschossene
Kampfhubschrauber
vom
Typ MI-24 wurde Berichten zufolge in
zwei Hälften zerrissen, als ihn eine
Rakete der Mujahedin traf. Augenzeugen berichten später, daß ein anderer
MI-24 den vorderen Rumpf des abgeschossenen Hubschraubers zurück nach
Kabul transportiert hätte.

28. Oktober
Eine
möglicherweise
von
KHADAgenten gelegte Bombe, die in einem
Basar von Peshawar explodiert, tötet
sechs Menschen und verletzt 20, einige von ihnen schwer.
Demonstranten,
die meisten von ihnen Studenten und
Geschäftsleute, randalieren bei ihrem
Marsch zum Haus des Gouverneurs, wo
sie gegen die Afghanistan-Politik der
Regierung und die Anwesenheit afghanischer Flüchtlinge protestieren.
Da

der Marsch zum Haus des Gouverneurs
verhindert wird, halten sie eine Protestkundgebung ab, bei der vorwiegend
Sprecher der linken Nationalen AwamiPartei, angeführt vom
moskaufreundlichen Abdul Wali Khan, die Regierung
auffordern, das Problem Afghanistan
durch Einleitung direkter Verhandlungen mit dem Regime in Kabul zu lösen.
In Sprechchören fordern sie die Rückführung afghanischer Flüchtlinge.
Genau vor der Explosion im großen
Basar Qissa Khawani nahm die Polizei
drei Personen fest, die offensichtlich geplant hatten, das Haus von
Burhanuddin Rabbani, dem Führer der
Jamiat-e-Islami-Partei, in die Luft
zu sprengen.
Afghanischen, von der
Jamiat-e-Islami
veröffentlichten
Nachrichtemeldungen
zufolge
wurden
drei mutmaßliche KHAD-Agenten festgenommen, als sie sich dem Haus Rabbanis mit einer sechs Kilo schweren
Bombe näherten, die mit einer Fernzündung versehen war.
Am selben Tag stirbt eine Person
in Swat, bei dem Versuch, eine auf
einem Feld liegende Bombe zu entschärfen.
Berichten von "Freedom House" zufolge (eine New Yorker Gruppe, die
weltweit die Unterdrückung der Freiheit beobachtet,) sagen fünf in Afghanistan interviewte Deserteure der
Sowjetarmee, sie seien zu den Mujahedin übergelaufen, weil sie nicht zu
einer Armee gehören wollten, die absichtlich Zivilisten töte.

30. Oktober
Bei
einer
Pressekonferenz
im
Pentagon
äußert
der
Direktor
des
Nachrichtendienstes für die Verteidigung (DIA), die Vereinigten Staaten
hätten eindeutige
und
überzeugende

- 19 -

�Beweise, daß sowjetische Behauptungen
über einen Abzug von sechs Regimentern als Farce und Täuschmanöver anzusehen seien.
Der DIA zufolge ist die sowjetische
Truppenstärke
um
lediglich
2 000 Mann reduziert worden und nicht
etwa um 8 000, wie dies vom sowjetischen Parteichef Gorbatschow behauptet worden war.
Der Gesamtabbau um
2 000 Soldaten wurde einzig und allein durch den Abzug von drei Regimentern
der
Luftverteidigung erreicht, die nicht mehr benötigt wurden, weil der afghanische Widerstand
keine Flugzeuge besitzt. Die sowjetische Truppenstärke wird jetzt auf
116 000 bis 118 000 Mann beziffert
gegenüber 118 000 bis 120 000 Mann
vor dem Truppenabzug. Bei den beiden
angeblich
abgezogenen
motorisierten
Schätzenregimentern handelt es sich
um "neue" Regimenter, die speziell
für den Abzug im September extra zusammengezogen worden waren.

Frontieres' gearbeitet haben, hatten
Landstriche vorgefunden, die einmal
fruchtbares Ackerland gewesen, aber
von den Sowjets durch ihre Taktik der
verbrannten Erde in Wüste verwandelt
worden seien.
Sie berichteten ferner, das afghanische Regime sperre
den Zulauf zu einem Damm, mit dessen
Hilfe die Gegend bisher bewässert
wurde.
Bei ihren Reisen durch die
Provinz Paktia vernahmen sie dauernde
Granateinschläge und passierten viele
Dörfer, die durch jüngst erfolgte
Luft- oder
Artillerieangriffe
zerstört worden waren.
Großbritannien schließt sich der
skeptischen
amerikanischen
Haltung
über
den sowjetischen
Truppenabzug
an, nennt ihn "Kosmetik" und mißt ihm
begrenzte militärische Bedeutung zu.
Großbritannien äußert den Verdacht,
daß in Afghanistan immer noch genauso
viele sowjetische Regimenter stünden
wie zuvor.

4. November
31. Oktober
Präsident Reagan beschuldigt die
Sowjetunion, durch ihr Verhalten in
Afghanistan Vertrauensbruch zu begehen. In einem Kommentar zum sowjetischen Truppenabzug äußert er, mit
falscher Buchführung sei der Krieg
nicht zu beenden.
In der letzten Oktoberwoche haben
in der Gegend von Jalalabad operierende Mujahedin wahrscheinlich sechs
Hubschrauber abgeschossen.

3. November
VOA berichtet,
und ein belgischer
gangenen September
der Provinz Ghazni

ein französischer
Arzt, die im verfür drei Wochen in
für 'Medicine Sans

Während der achten Jahresdebatte
der
Vollversammlungg
der
Vereinten
Nationen über Afghanistan fordert der
amerikanische
Botschafter
Herbert
Okun
die
internationale
Staatengemeinschaft auf, sich nicht durch sowjetische Hinweise auf eine flexible
Haltung in der Frage der Besetzung
Afghanistans zur Untätigkeit verleiten zu lassen. Okun bezieht sich auf
den
Ermacora-Bericht
der Vereinten
Nationen, der zu dem Ergebnis gelangt, daß eine Fortsetzung des Versuchs, in Afghanistan eine militärischen Lösung herbeizuführen, unweigerlich
zu einer Situation
führen
würde, die auf Völkermord hinausliefe. Der Abzug von sechs Regimentern
sei erfolgt, um die anhaltende sowjetische Weigerung zur Ausarbeitung
eines Zeitplanes für einen umfassen-

- 20 -

�den Abzug aller L20 000 sowjetischen
Soldaten in Afghanistan zu verschleiern .

5. November
Die Vollversammlung der Vereinten
Nationen spricht sich mit 122 zu 20
Stimmen bei 11 Enthaltungen für eine
Resolution aus, die den sofortigen
und vollständigen Abzug der ausländischen Truppen und die Wiederherstellung 3er politischen Unabhängigkeit Afghanistans fordert.
Sie unterstreicht
das Recht des afghanischen Volkes, seine eigene Regierungsform zu bestimmen und sein eigenes wirtschaftliches, politisches und
soziales System unabhängig von jeglicher Einmischung oder Unterminierung und jedwedem Zwang oder jeglicher Gewalt frei wählen zu können.
Die Resolution fordert die Schaffung
von Bedingungen, die alle fünf Millionen
afghanische
Flüchtlinge
weltweit die größte Zahl von Flüchtlingen einer Volksgruppe - in die Lage versetzt, sicher und ehrenhaft in
ihre Heimat zurückkehren zu können.
Sie bestätigt weiterhin die Unterstützung der jetzt in der siebenten
Runde befindlichen Annäherungsgespräche in Genf, die unter der Schirmherrschaft
der
Vereinten
Nationen
stattfinden, und fordert bis zur endgültigen Regelung der Situation unausgesetzte humanitäre Hilfe für die
Flüchtlinge.
Bei der ersten Abstimmung während
einer Sondersitzung im Januar 1980
war mit 104 zu 18 Stimmen bei 30 Enthaltungen gestimmt worden.

6. November
Zwei bekannte Führer der Mujahedin, die die Vereinten Nationen be-

suchen, werden von drei afghanischen
Diplomaten, Beamten bei der ständigen Delegation des Kabuler Regimes,
angerempelt,
geschlagen
und
beschimpft.
Sie versuchten, die Mujahedin von einer anstehenden Pressekonferenz mit bei den Vereinten Nationen akkreditierten amerikanischen
Journalisten fernzuhalten.
Die Führer der Mujahedin befanden
sich als Gäste der saudiarabischen
und pakistanischen Delegationen bei
den Vereinten Nationen.
Sie repräsentieren die Islamische
Einheit der Vereinigung Afghanischer
Mujahedin, die sieben führende Widerstandsparteien
umfasst,
die
ihren
Sitz in Peshawar haben. Sie hielten
sich in New York auf, um ihre Situation und ihre Probleme bei den Vereinten Nationen vorzubringen und die
Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf
die innere Situation Afghanistans zu
lenken.

8. November
Afghanisch-sowjetische
Truppen
leiten ihre zweite gegen Stellungen
der Mujahedin im Südwesten der Provinz Kandahar
gerichtete
Offensive
innerhalb von drei Monaten ein. Dieser am Winteranfang durchgeführte Angriff zielte Berichten zufolge auf
die Gebiete Pashmul und Malajat ab,
wo sich zwischen 3 000 und 4 000 Mujahedin aus 16 Gruppen
verschanzt
hatten.

9. November
Westliche
Diplomaten
berichten
von
unbestätigten
Meldungen, denen
zufolge der berühmte Kommandeur des
Pansher-Tals, Ahma Shah Mahsud, in
der nördlichen Provinz Takhar, wo er

- 21 -

�zusammen mit den dortigen Kommandeuren
operiert,
einer
Gefangennahme
durch afghanisch-sowjetische Truppen
nur knapp entging.

10. November
Die Mujahedin melden, daß in den
westafghanischen Provinzen Herat und
Farah mehr als 100 Soldaten des Kabuler Regimes übergelaufen seien.
Artilleriefeuer der Truppen des
Kabuler Regimes tötet im Gebiet von
Teri Mangal in Pakistan fünf afghanische Flüchtlinge.

kistan.
In seinen Gesprächen mit vielen
afghanischen Flüchtlingen, die verwundet wurden, hat Ermacora erfahren,
daß sich die Situation in Afghanistan
erheblich
verschlechtert
hat, seit
Najibullah
an die Macht kam.
Er
weist besonders auf eine Zunahme der
Bombardements an der pakistanischen
Grenze hin.
Der Bericht empfiehlt mehr Unterstützung für das Kinderhilfswerk der
Vereinten
Nationen
(UNICEF), damit
dieses sein Impfprogramm für alle afghanischen Kinder in den Städten und
in ländlichen Gebieten
durchführen
kann.

11. November
Der UN-Sonderberichterstatter für
Menschenrechtskommission der Vereinten Nationen zieht den Schluß, daß
die Menschenrechtslage in Afghanistan
weiterhin Anlaß zu tiefer Besorgnis
gibt, und zwar wegen der ernsten und
leidvollen Situation, der die afghanische
Zivilbevölkerung,
besonders
Frauen und Kinder, ausgesetzt ist und
auch wegen des Umfangs der wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Probleme, denen sich Millionen
von Flüchtlingen, deren Anzahl ständig steigt, gegenübersehen.
Dem Bericht zufolge gibt es zunehmend Hinweise auf Versuche, Stammeskonflikte anzuheizen und pakistanische Stammesführer in Operationen zu
verwickeln, bei denen sowohl Afghanen
als auch Ausländer getötet werden.
Der Autor des Berichts, Felix Ermacora, berichtet ferner von einem
Anstieg der Flüchtlingszahlen wegen
zunehmender
militärischer
Operationen.
Schätzungen der pakistanischen
Regierung zufolge kommen jeden Monat
6 000 bis 8 000 Flüchtlinge nach Pa-

Der Bericht spricht weiterhin die
Empfehlung aus, daß die Vollversammlung der Vereinten Nationen einen
dringenden Appell an alle Länder der
Welt richten soll, ihren Beitrag zu
den Hilfsleistungen zu erhöhen, und
zwar insbesondere die Hilfe für das
Büro des UN-Flüchtlingshochkommissars
(UNHCR).
Etwa 300 Mujahedin, Anhänger der
Jamiat-e-Islami-Partei, greifen überraschend
Nähr in
in
der
Provinz
Baghlan im Norden Afghanistans an,
überwältigen die Garnison und töten
oder verwunden 300 Soldaten des afghanischen Regimes, von denen 3ie einige auch gefangennehmen. Nähr in im
Osten der Stadt Baghlan dient der 20.
Division der afghanischen Armee als
Hauptquartier.
Die Mujahedin erbeuten eine große Menge an Waffen und
Ausrüstungsgegenständen,
darunter
drei Panzer, vier 122-mm-Artilleriegeschütze, fünf Lkws und umfangreiches Fernmeldegerät.
Die Verluste
der Mujahedin werden mit 19 Toten und
26 Verletzten angegeben.

�14. November
Westliche
Diplomaten
berichten,
daß
afghanisch-sowjetische
Streitkräfte in Kandahar nur den Flughafen
und eine Garnison in der Stadt kontrollieren und daß die Mujahedin die
wichtigste, 20 km lange Straße, die
den Flughafen mit der Stadt verbindet, gesperrt haben.
Etwa 150 afghanische Regierungssoldaten und fünf
Offiziere wurden Berichten zufolge zu
Beginn der Kampfhandlungen getötet,
und es gibt unbestätigte Berichte,
denen
zufolge mindestens zwei und
möglicherweise mehr als sieben sowjetische Hubschrauber von Mujahedin
abgeschossen
wurden.
Die Verluste
auf Seiten der Sowjets und der Mujahedin sind nicht bekannt.

15./16. November
Afghanisch-sowjetische
Streitkräfte mit Panzerunterstützung gehen
an der
pakistanischen Grenze nahe
Torkham beim Khyber-Paß in Stellung,
während Stellungen der Mujahedin in
dem Gebiet mit Bomben und Artilleriefeuer belegt werden.
Vier afghanisch-sowjetische
Kampfflugzeuge
vom
Typ
MIG
verletzen
pakistanischen
Luftraum über dem Basar von Landikotal, während Panzergranaten einen pakistanischen
Milizionär
töten
und
mehrere Zivilisten und Militärangehörige
im Shilman-Gebiet des Passes
verletzen.

18. November
Die
internationale
Menschenrechtsorganisation
Amnesty
international veröffentlicht einen Bericht,
demzufolge
politische Gefangene
in
Afghanistan, oft im Beisein sowjetischer Beobachter, regelmäßig gefoltert werden.
In einem detaillierten

Bericht über die Behandlung politischer Gefangener und Häftlinge in Afghanistan gibt Amnesty International
an,
Folterungen
würden
regelmäßig
vorgenommen.
Die Organisation berichtet, daß Angaben von Gefangenen
zufolge in vielen Fällen sowjetische
Mitarbeiter bei den Folterungen anwesend
seien
und
auch
die
Verhöre
durchführten.

19. November
In einem Kommentar der New York
Times wurde infrage gestellt, ob da3
Regime in Kabul bei der Vollversammlung der Vereinten Nationen noch länger für das gesamte Afghanistan sprechen könne.
In dem Artikel heißt es, man könne überaus überzeugungskräftige logische und juristische Gründe wie auch
Präzedenzfälle
anführen, die dafür
sprächen, dem afghanischen Widerstand
Sitze einzuräumen, da dieser mehr
Menschen vertritt und einen größeren
Teil des afghanischen
Territoriums
kontrolliert als das Regime in Kabul.
Berichten
zufolge
wurde
der
Stützpunkt
der
Mujahedin
in
Kama
Dakka im Gebiet des Khyber-Passes,
nur 18 Meilen von der pakistanischen
Stadt Peshawar entfernt von afghanischen Truppen mit sowjetischer Unterstützung gestürmt und wahrscheinlich besetzt. Die Einwohner von Peshawar hörten Berichten zufolge heftiges Artilleriefeuer der afghanischsowjetischen
Streitkräfte, und pakistanische
Korrespondenten
an der
Grenze zählten wenigstens 15 Krankenwagen, die verwundete Mujahedin abtransportierten.

20. November

- 23 -

�Radio Kabul verkündet, daß der
frühere afghanische Machthaber Babrak
Karmal von seinem Amt als Präsident
Afghanistans und als Mitglied des Politbüros zurücktrat.
Eine Delegation afghanischer Mujahedin, die sich besuchsweise in
Washington
aufhält, bezeichnet die
letztlich erfolgte Enthebung Karmals
aus all seinen Xmtern als "unbedeutend".
Ihnen zufolge bedeutet der
Rücktritt Karmals lediglich, daß die
Sowjets einen Bauern vom Schachbrett
genommen haben, ein Schicksal, das
eines
Tages
auch
dem
derzeitigen
Spitzenmann, Najibullah, widerfahren
werde.

zufolge, der
Krieg
in Afghanistan
koste Moskau nichts, weil die Afghanen Erdgas und andere Produkte an die
Sowjetunion lieferten.
Die von dem
Afghanistan-Experten
Yuri
Gankowsky
abgegebene Erklärung ist die erste,
mit der jemals ein sowjetischer Beamter zugegeben hat, der Krieg in Afghanistan
koste
den
Kreml
keinen
Pfennig.
Bisher hatte Moskau immer
den Eindruck erweckt, der Krieg sei
ein Opfer sowjetischer Bürger, die
hiermit ihrer "internationalistischen
Pflicht" nachkämen, dem Regime in Kabul zu helfen, das die sowjetischen
Truppen 1979 um deren Einmarsch "gebeten" hätte.

28. November
22. November
Eine
schwere
Bombe
explodiert
hinter dem Gebäude des Erziehungsministeriums in Kabul und tötet eine
bislang unbekannte Anzahl von Menschen. Die Kabuler Medien bezeichnen
den Bombenanschlag als Werk der Mujahedin, während andere Quellen sie Anhängern
des gestürzten
Machthabers
Babrak Karmal zuschreiben.
Die Explosion fand Berichten zufolge in der
Nähe des Ortes statt, an dem der afghanische Staatschef Najibullah eine
Pressekonferenz abhalten sollte.
Kanadische
Zeitungen
berichten,
daß fünf Deserteure der sowjetischen
Armee aus Afghanistan in Kanada eingetroffen seien.
Sie planten, sich
dort niederzulassen und hätten Angebote sowjetischer Diplomaten auf eine
Rückführung in die Sowjetunion abgelehnt.

25. November
Ein höherer sowjetischer Beamter
äußert Berichten der Washington Times

Ein
amerikanischer
Delegierter
bei der Wiener Konferenz über Sicherheit und
Zusammenarbeit
in Europa
(KSZE) äußert, das Verhalten der Sowjetunion in Afghanistan stelle deren
Verpflichtung auf jede einzelne der
mit der Unterzeichnung der Schlußakte
von Helsinki abgegebenen Versprechen
in Frage. Der stellvertretende Leiter der amerikanischen Delegation bei
der
Konferenz,
Botschafter
Samuel
Wise, sagte weiter, die sowjetische
Brutalität in Afghanistan zöge deren
Respekt vor Menschenleben und vor
menschlicher
Würde
schlechthin
in
Zweifel.
Er fordert die Sowjetunion
auf, die Morde an afghanischen Männern, Frauen und Kindern einzustellen.

29. November
Afghanische Mujahedin greifen gemeinsam von vier verschiedenen Punkten aus nachts mit Raketen Kabul an.
Mehr als 20 Raketen gingen Berichten
zufolge im Gebiet von Darulaman nieder;
andere
explodierten
in
Khai
Khana, dem Standort der sowjetischen

- 24 -

�Botschaft und der Büros des Kabuler
Regimes.
Westlichen Diplomaten zufolge ist dies in den letzten Monaten
einer der schwersten Angriffe der Mujahedin auf die Stadt.
Der
afghanischen
islamischen
Nachrichtenagentur
zufolge
schössen
Mujahedin
ein viermotoriges Transportflugzeug sowjetischer Bauart etwa
30 Meilen östlich von Kabul ab. Berichten zufolge hatte die Maschine
afghanische Soldaten und sowjetische
Berater an Bord, und bei der Abschußstelle wurden die Leichen von mindestens 25 Personen gefunden.

4. Dezember
Die Vollversammlung der Vereinten
Nationen verabschiedet eine Resolution, die sich zum zweiten Mal in
zwei aufeinanderfolgenden Jahren im
einzelnen mit der Menschenrechtssituation
in
Afghanistan
beschäftigt.
Die Resolution ruft mit 89 zu 24
Stimmen bei 36 Enthaltungen zu mehr
Unterstützung
in diesem Jahr auf.
Das Abstimmungsergebnis im vergangenen Jahr war 80 zu 22 Stimmen bei 40
Enthaltungen. Die Handlungsweise der
Vereinten Nationen ist das Ergebnis
des Berichts von Felix Ermacora.
Afghanistans Machthaber Najibullah tauscht in einer größeren Kabinettsumbildung seinen Verteidigungsund seinen Außenminister aus. Über
eine Auswechselung des Verteidigungsministers waren seit längerer Zeit
Gerüchte im Umlauf.
Diese Maßnahme
spiegelte offensichtlich die sowjetische Unzufriedenheit über den mangelnden Einsatz afghanischer Truppen
bei den Operationen in Kandahar wie
auch über die Zerstörung eines Reservemunitionslagers im August durch Mujahedin wider.
Der in der Sowjetunion
ausgebildete
Brigadegeneral

Mohammed Rafi, der gute Beziehungen
zu den Sowjets unterhält, ersetzt Generalleutnant Nazar Mohammad im Amt
des
Verteidigungsministers.
Abdul
Wakil, ein Cousin des abgesetzten
Präsidenten
Karmal, löst Shah Dot
Mohammad als Außenminister ab.
Westliche
Diplomaten
berichten
ferner, es bestünde die Möglichkeit,
daß der abgesetzte Babrak Karmal als
Botschafter nach Prag geschickt werden könnte, wo er bereits Dienst tat,
bevor er im Dezember 1979 afghanischer Parteichef wurde.
Es laufen
jedoch auch Gerüchte um, daß er den
Posten nicht annehmen, sondern in Kabul einen passenden Augenblick abwarten werde.
Es sind auch weiterhin
Berichte
in Umlauf, daß Verwandte
Karmals, u.a. zwei Schwestern und ein
Neffe, mit ihren Familien nach Pakistan geflohen sind.

6. Dezember
Die Kabuler Presse berichtet, daß
die afghanischen Streitkräfte eines
der größten Nachschublager der Mujahedin im Gebiet von Nazian in der
Provinz Nangarhar an der Grenze zu
Pakistan zerstört haben.

9. Dezember
Westliche Diplomaten in Islamabad
berichten, daß mit modernsten Flugabwehrwaffen ausgerüstete Mujahedin in
der
vergangenen
Woche
mindestens
sechs Kampfflugzeuge und Hubschrauber
sowjetischer Bauart abgeschossen haben.
Dabei wurden mehr als 40 afghanisch-sowjetische Soldaten getötet.

11. Dezember

- 25 -

Westlichen

Diplomaten

in

Kabul

�zufolge verbrannte eine Gruppe von
fünf oder sechs afghanischen Männern
im Alter von etwa 20 Jahren die sowjetische Flagge vor dem sowjetischen
Militärhospital in Bezirk Shahr-e-Nau
in Kabul. Das ist die erste in Kabul
öffentlich gegen die Sowjetunion gerichtete Demonstration seit Monaten.

de Außenminister John Whitehead und
der Unterstaatssekretär Robert Peck berichten weiter, afghanisch-sowjetische Verletzungen des pakistanischen
Luftraumes seien 1986 im Vergleich
zum Jahr 1985 um etwa das Dreifache
angestiegen, während Artilleriefeuer
über die Grenze hinweg um etwa 500
Prozent zugenommen hätten.

12. Dezember
Der
Sekretär
der
italienischen
Liberalen Partei fordert Zusammenarbeit zwischen den Vereinigten Staaten
und ihren europäischen Verbündeten,
um den Mujahedin in ihrem Kampf gegen
die Sowjetunion beizustehen. Vor der
Presse
in Washington sagte Renato
Altissimo, daß eine militärische Entscheidung, zwar nicht abzusehen sei,
die Mujahedin aber dennoch Unterstützung erhalten sollten, um weiterhin
Druck auf die Sowjetunion ausüben und
so eine politische Lösung herbeiführen zu können.
Der
afghanische
Parteichef
Najibullah
trifft den
sowjetischen
Parteichef Gorbatschow in Moskau und
bekundet seine Bereitschaft, eine Regierung der nationalen Einheit zu
bilden, die auch im Exil lebende Afghanen einschließen würde.

16. Dezember
Amerikanische
Beamte
bestätigen
bei
einem
Informationsgespräch
im
amerikanischen Außenministerium, daß
die Mujahedin in den vergangenen drei
Monaten nahezu täglich ein afghanisches oder sowjetisches Flugzeug abgeschossen haben und somit seit Beginn des Krieges vor sieben Jahren
1 000 kommunistische Flugzeuge abgeschossen worden seien.
Die Beamten - der stellvertreten-

26

* * * * * *

�AMERIKA DIENST
VON

4

Wissenschaft und Technik
7. Januar 1987

AUFGEZWUNGENES RISIKO
- "Passivrauchen" für Kinder besonders gefährlich

WASHINGTON - (AD) - Niemand weiß,
wie genau passives Rauchen, d.h. das
Einatmen tabakverqualmter Luft in geschlossenen Räumen, bei Nichtrauchern
zu Lungenkrebs führt.
Aber die Ergebnisse einer Reihe von Studien, die
in den Vereinigten Staaten und einigen europäischen Ländern durchgeführt
wurden, lassen keinen Zweifel mehr
daran, daß diese
Gefährdung
existiert.
Angesichts
beunruhigender
Beobachtungen und Erkenntnisse in den
letzten Jahren widmete deshalb Dr. C.
Everett Koop, der Leiter des öffentlichen Gsundheitsdienstes der Verei-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

nigten Staaten, den im Dezember 1986
veröffentlichten neuen Jahresbericht
seines Amtes über Rauchen ausschließlich dem Thema "Passivrauchen". Auf
einer Pressekonferenz in Washington
verwies Dr. Koop auf Kommentare von
Vertretern der Amerikanischen Krebsgesellschaft, der Gesellschaft für
Herz- und Kreislauferkrankungen
und
der Gesellschaft für Lungenerkrankungen, denen zufolge Thematik und Inhalt dieser Publikation in Fachkreisen als ähnlich wichtig
angesehen
werden wie der allererste Bericht des
öffentlichen Gesundheitsdienstes über

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Rauchen aus dem Jahr 1964. Seinerzeit wurden zum ersten Mal Zusammenhänge zwischen Rauchen und Lungenkrebs aufgezeigt.
Die Ergebnisse systematischer Untersuchungen zwingen Koop zufolge dazu, endlich zu handeln, um Nichtraucher und Öffentlichkeit vor Tabakrauch und den hierdurch verursachten
Gesundheitsrisiken besser als bisher
zu schützen. Kinder seien durch Zigarettenqualm ganz besonders gefährdet, heißt es in dem Bericht. Bei
Kindern, deren Eltern Raucher sind,
käme es häufiger als bei Kindern von
Nichtrauchern
zu
Infektionen
der
Atemwege
und
der
Atmungsorgane.
Säuglinge und Kleinkinder aus Raucherfamilien müßten häufiger als Kinder gleicher Altersgruppe aus Nichtraucherfamilien wegen schwerer Bronchitis oder Lungenentzündung stationär behandelt werden.
Bei Todesfällen infolge Lungenkrebs
(in den Vereinigten
Staaten
weit über 100 000 pro Jahr) sind zu
etwa 85 Prozent Raucher betroffen.
Die Nationale Akademie der Wissenschaften, die kürzlich ebenfalls einen Bericht über "Rauchen und Gesundheit"
veröffentlichte,
bezifferte
darin aufgrund statistischer Erhebungen die jährliche Anzahl von Sterbefällen durch
Lungenkrebs, die mit
großer Wahrscheinlichkeit auf Passivrauchen zurückzuführen sind, auf ca.
2400.
Das
Risiko
eines
gesunden
Nichtrauchers, der einen Raucher zum
Partner hat, an Lungenkrebs zu erkranken, sei um mindestens 30 Prozent
erhöht. Es könne noch erheblich größer sein, wenn der Partner ein sehr
starker Raucher ist. Was für Kinder
das
ständige
Einatmen
verqualmter
Luft in bezug auf chronische Erkrankungen und Funktionsschwäche der Atmungsorgane im späteren Lebensalter
bedeuten könne, sei noch nicht abseh- 2

bar und sollte auf jeden Fall untersucht werden.
Dr. Stuart Seides (Amerikanische
Gesellschaft für Herz- und Kreislauferkrankungen) macht darauf aufmerksam, daß Passivrauchen selbst in gut
belüfteten Räumen bei Nichtrauchern
zu erhöhtem Blutdruck führen könne.
Außerdem habe man im Blut von Nichtrauchern, die tabakrauchhaltige Luft
einatmen müßten, erhöhte Werte von
Kohlenmonoxyd gefunden. Und das bedeute eine Verringerung des SauerStoffangebots für das Herz.
Erneut appellierte Dr. Koop an
die Arbeitgeber, für "saubere Luft am
Areitsplatz" zu sorgen. "Die in diesem Bericht enthaltenen Daten lassen
für mich die Schlußfolgerung zu, daß
der einfachste, billigste und wirksamste Weg, diesen Schutz zu erreichen, darin besteht, tabakrauchfreie
Arbeitsplätze zu schaffen", sagte er
auf der Pressekonferenz.
"Das Recht
der Raucher, zu rauchen, hört dort
auf, wo der oder die Betreffende damit das Krankheitsrisiko der Menschen
erhöht, die sich in seiner Umgebung
befinden."
Die bloße Trennung von
Rauchern und Nichtrauchern innerhalb
eines Raumes mag zwar bewirken, daß
Nichtraucher dem Tabakqualm weniger
direkt ausgesetzt werden, ein wirklicher Schutz aber sei dies nicht.
Arbeitgeber und Arbeitnehmer müßten
jedenfalls
zusammenarbeiten,
um
rauchfreie
Büros, Fabrikhallen
und
andere
Arbeitsstätten
zu schaffen.
Man wolle nicht den Raucher strafen
oder schikanieren, sondern die Gesundheit des Nichtrauchers schützen.
Dieses Ziel werde am besten dadurch
erreicht, daß man den Raucher unterstützt und bestärkt, die Sucht Rauchen zu überwinden. Koop setzte sich
dafür ein, Rauchen z.B. im Flugzeug
und anderen der Öffentlichkeit zugänglichen Einrichtungen zu verbie-

�ten.
"Rauchen wird gesellschaftlich
immer weniger akzeptabel", sagte er.
Dr. Lois Ellison
(Amerikanische
Gesellschaft
für
Lungenkrankheiten)
forderte den amerikanischen Kongreß
auf, strengere Einschränkungen
für
das Rauchen in öffentlichen Gebäuden
zu verfügen. Angesichts der Beweislage müßten unbedingt gesetzliche Regelungen für die Einschränkung des
Rauchens in allen öffentlichen Gebäuden,
Verkehrsmitteln,
in
Schulen,
Krankenhäusern und Arbeitsstätten getroffen werden. Ellison empfahl ferner mehr Aufklärung der Nichtraucher
über
die Gesundheitsgefahren
durch
Passivrauchen. Vor allem sollten Eltern über die Risiken informiert werden, die sie Säuglingen und kleinen
Kindern zumuten, wenn im Hause geraucht wird.
Der
Abgeordnete
James
Scheuer
(New York) beabsichtigt, noch einmal
zwei
Gesetzesvorlagen
zum
Thema
Nichtrauchen einzubringen, die in der
letzten
Legislaturperiode
bereits
viel Unterstützung im Kongreß fanden.
Die
amerikanische
Bundesregierung
ordnete Anfang Dezember an, daß in
den Büros der Behörden das Rauchen
einzuschränken sei.
In 40 amerikanischen Bundesstaaten und in mehr als
80 großen Städten ist Rauchen in öffentlichen Einrichtungen oder am Arbeitsplatz untersagt bzw. so eingeschränkt, daß sich Raucher in besonders gekennzeichnete Räume zurückziehen müssen.

- 3 -

�THEMENINDEX AMERIKA DIENST (1986)

Nachstehend eine Liste der Themen, die 1986 im Amerika Dienst erschienen sind. Sie gibt einen Überblick über die wichtigsten Themenkreise, Angegeben ist jeweils die Nummer der Ausgabe, in der das betreffende
Thema behandelt wird.

THEMENKREIS

NUMMERN DER AUSGABEN

1.

Afghanistan

I, 4, 15, 22, 37

2.

Mittelamerika und
Nicaragua

II, 26, 29, 30, 31, 32, 38

3.

Libyen

1, 2, 14, 14, 15, 16

4.

Iran

39, 40

5.

Syrien

41

6.

Sowjetunion
SS-25
Menschenrechte
Anatoli Schtscharanskij
Juri Orlow

4, 38, 41
6
33

7. Afrika

27

8.

Südafrika

24, 27

Nelson Mandela

4, 24

- 1 -

�NUMMERN DER AUSGABEN

THEMENKREIS

9.

Vereinigte Staaten
Botschaft zur Lage der Nation
Energiepolitik
Friedenspolitik und Fragen der
Nationalen Sicherheit
Haushaltspolitik
Nominierungen
Verteidigunghaushalt
Thanksgiving Day Proklamation

5
13
9, 29, 41
6
11, 41, 42
9, 22, 26
40

10. Beziehungen der USA zu
Europa

14

11. Beziehungen der USA zur
Bundesrepublik Deutschland
25. Jahrestag der Berliner Mauer
RIAS
Jugendaustausch

25
36
37

12. Ost-West-Beziehungen
und
Rüstungspolitische Themen
Gipfeltreffen Reagan-Gorbatschow
Reykjavik-Treffen ReaganGorbatschow
Abrüstung/Rüstungskontrolle
Chemische Waffen
SDI
SALT
Genfer Abrüstungsverhandlungen
MBFR
KVAE
KSZE

- 2 -

14,
32, 33, 35, 36, 37, 39
8, 15, 17, 20, 21, 23, 25,
27, 31, 33, 34, 35, 38, 41
13, 27
9, 12, 17, 32
12, 20
16, 18, 39
36
4, 9, 19, 26, 27
9, 24, 25, 28, 30, 34, 36, 37

�NUMMERN DER AUSGABEN

THEMENKREIS

Internationale Probleme
Tschernobyl und seine Folgen
Terror ismus
Drogenprobleme
Menschenrechte
Hunger
Weltwirtschaft u. Finanzen
Wirtschaftsgipfel in Tokio
Vereinte Nationen
Medien

17, 19, 21, 23
7, 10, 17, 18, 19, 24, 42
7, 5, 12, 20, 30, 36
7, 13, 43
31
5, 23, 26, 33, 35, 39, 40,
41, 43
13, 16, 17, 18
37
42

Martin Luther King

1, 3

Daniloff

29

Weltraum
CHALLENGER-Unfall und Folgen

4, 5, 7, 8, 16, 18, 19, 22
24, 27, 35, 39
4, 19, 22
28

Weltraumforschung
Satelliten-Kommunikation

Wissenschaft und Technik
AIDS
Gentechnologie
Komet Halley
Medizin, allgemein
Rauchen
Umweltschutz
Wetter

14, 32, 43
2, 13
11
15, 18
1
10, 42
2,

- 3 -

�REDEN UND ERKLÄRUNGEN DES AMERIKANISCHEN BOTSCHAFTERS
RICHARD R. BURT

Januar 1986
Erklärung des amerikanischen Botschafters in Bonn zu den Maßnahmen
der Vereinigten Staaten gegen Libyen
Februar 1986
Demokratie und Kultur
(Universität Heidelberg)
Februar 1986
Ein offenes Handelssystem - unser aller Verantwortung
(Adolf-Weber-Stiftung)
Februar 1986
Europa und das Bündnis - Rückkehr zum Zwei-Säulen-Konzept
(Uberseeclub in Hamburg)
März 1986
Das Fulbright-Programm - Aufbruch in eine offene Welt
(Berlin-Woche der Fulbright-Kommission)
April 1986
Der Handel als Instrument der Außenpolitik
(Amerikanische Handelskammer München)
Juni 1986
Freiheit, Sicherheit und Frieden in einer offenen Welt
(Konrad-Adenauer-Stiftung, Berliner Reichstagsgebäude)
August 1986
Botschafter Burt fordert junge Generation zur Schaffung einer offenen
Welt auf
(Ansprache anläßlich des 25. Jahrestags der Berliner Mauer)
September 1986
Botschafter Burt zu aktuellen politischen Themen
(Interview mit dem Südwestfunk)
September 1986
Das deutsch-amerikanische Verhältnis: die Bedeutung visionären Denkens
(Ansprache zum 40. Jahrestag der "Rede der Hoffnung" des
amerikanischen Außenministers James F. Byrnes in Stuttgart)
- 4 -

�SONDERDIENSTE

22. Januar L986
Besuch des Stellvertretenden US-Außenminister John C. Whitehead in
Bonn

2.

April 1986
Die sowjetische Militärmacht 1986
- Fünfte Dokumentation des US-Verteidigunsministeriums -

16. Juli 1986
Die sowjetische Nichteinhaltung bestehender Rüstungskontrollabkommen
- Veröffentlichung des amerikanischen Außenministeriums - Dez. 1985

2.

Oktober 1986
Die sowjetische Propagandakampagne gegen SDI
(Auszüge aus einem Papier der US-Abrüstungsbehörde)

- 5 -

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Chronologie der Ereignisse in Afghanistan&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Mai bis Dezember 1986 -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Aufgezwungenes Risiko&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- "Passivrauchen" für Kinder besonders gefährlich -&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST
'VON

4

42

10. Dezember 1986

I N H A L T

INFORMATION

Präsident Reagans neuer Sicherheitsberater
- Ein Kurzporträt von Frank Carlucci -

DOKUMENTATION

Weiterhin feste Haltung der Vereinigten Staaten gegen Terrorismus
- ."hultz-Aussage vor Auswärtigem Ausschuß -

Wise rügt sowjetische Beschränkungen für die Presse
- Erklärung zum Austausch von Informationen -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK

Ozonschicht - Schutzschild für das Leben
- US" dringen auf weltweite VorsorgemaBnahmen - Emission schädlicher
Stoffe soll verringert werden -

* * * * * * *

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�AMERIKA DIENST
VON

Information

*

10. Dezember 1986

PrXSIDENT REAGANS NEUER SICHERHEITSBERATER
- Ein Kurzporträt von Frank Carlucci -

versität Harvard durch.

WASHINGTON - (AD) - Der neue Sicherheitsberater
des
Präsidenten,
Frank
Carlucci,
wurde
1930
in
Scranton,
Pennsylvania,
geboren.
Nach dem besuch der Wyoming Seminary
College
Preparatory
school
in
Kingston, Pennsylvania, ging er zur
Universität Princeton, wo er im Jahr
1952 den Grad eines Bachelor in Business Administration erwarb.

Nach seinem Eintritt in den auswärtigen Dienst der Vereinigten Staaten im Jahr 1956 diente er bis 1969
in verschiedenen Funktionen in Johannesburg, Südafrika, in Zaire (damals
noch
Demokratische
Republik
Kongo), Tansania, Rio de Janeiro sowie in der Washingtoner Zentrale.

Nach dem Dienst als Geschützoffizier bei der Marine führte er im Jahr
1956 weiterführende Studien im Fach
Business Administration and der Uni-

Während
seiner
diplomatischen
Laufbahn wurde er mit der Superior
Service Award ausgezeichnet - der
höchsten Auszeichung des auswärtigen

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�Dienstes.
Auf Initiative des damaligen Direktors des Büros für wirtschaftliche
Chancengleichheit
(OEO),
Donald
Rumsfeld, beschäftigte sich Carlucci
mit dem Kampf gegen die Armut.
In
den Jahren 1969 und 1970 wurde er
Carluccis Nachfolger als Direktor des
OEO.
1971 wucde Carlucci von Präsident
Nixon zum stellvertretenden Direktor
des Amtes für Haushaltsplanung berufen. Von 1972 bis 1974 war er Unterstaatssekretär für Gesundheit, Bildung und Sozialwesen.
Von
1975
bis
1978
vertrat
Carlucci die Vereinigten Staaten als
Botschafter
in Portugal.
im Jahr
1978 wurde er zum stellvertretenden
Direktor
der
Central
Intelligence
Agency ernannt. Er übte diese Punktion bis zum Jahr 1981 aus, als er
nach der Wahl Reagans zum Stellvertretenden Verteidigungsminister unter
Caspar Weinberger berufen wurde.
Im Jahr 1983 wechselte er in die
Privatwirtschaft über und wurde Präsident von Sears World Trade Inc.
Im vergangenen Sommer wurde er
von Präsident Reagan als Mitglied in
den
Beraterausschuß
der
amerikanischen Rüstungskontrollbehörde berufen und als Vorsitzender dieses Gremiums designiert.

* * * * *
- 2

*

�AMERIKA DIENST
VON

Dokumentation

e&lt;

10. Dezember 1986

42

WEITERHIN FESTE HALTUNG DER VEREINIGTEN STAATEN GEGEN TERRORISMUS
- Shultz-Aussage vor Auswärtigem Ausschuß WASHINGTON - (AD) - In seiner Aussage vor dem Auswärtigen Ausschuß des Repräsentantenhauses hat Außenminister Shultz am 8. Dezember 1986 erklärt, daß
Präsident Reagan in bezug auf die Waffenverkäufe an den Iran "klargemacht hat,
daß es weder seine Absicht noch seine Politik war, Waffen gegen Geiseln auszutauschen oder unsere Haltung gegen den Terrorismus zu konterkarieren". Jeglicher Terrorismus, gleich ob gegen Amerikaner oder andere gerichtet, sei unannehmbar und müsse beseitigt werden.
Die Aussage des Außenministers hat folgenden Wortlaut:

Herr Vorsitzender, dies ist das
erste Mal in zehnjähriger Tätigkeit
als Kabinettsmitglied, daß ich gebeten worden bin, einen Eid vor dem
Kongreß zu schwören.
Ich tue dies guten Mutes, in voller Anerkennung Ihrer Autorität, einen
Eid
zu verlangen
und
Ihrer
Pflicht,
sicherzustellen,
daß die
Aufzeichnungen dieses Verfahrens so
umfassend
und
wahrheitsgetreu
wie
möglich sind.
Jeden Tag werden von
Amerikanern Eide abgelegt.
Ich betrachte diesen Akt als Erfüllung mei-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

ner Pflicht als Staatsbürger, unsere
Gesetze und Institutionen zu respektieren.
Ich möchte Ihnen allerdings sagen, daß ich, als ich meinen Eid als
Außenminister ablegte, geschworen habe, "die Verfassung der Vereinigten
Staaten zu unterstützen und zu verteidigen". Ich habe jenes feierliche
Versprechen immer so verstanden, daß
es mir als Außenminister die ständige
Pflicht auferlegt, dem Präsidenten,
dem Kongreß, den Gerichten und, was
das Wichtigste
ist, dem amerikan-

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Tel.: 0228-339 2035
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�ischen Volk qegenüber immer die Wahrheit zu sagen. Zusätzlich zu meiner
Eigenschaft als Staatsbürger bin ich
gegenwärtig ein Staatsdiener.
Wenn
ein Staatsbürger nicht bereit ist,
die Wahrheit zu sagen, hat er, ob mit
oder ohne Eid, im Staatsdienst nichts
zu suchen. Dies ist eine ganz einfache Tatsache.
Herr Vorsitzender, die von Ihnen
veranstalteten Anhörungen finden zu
einem entscheidenden
Zeitpunkt für
die Nation statt. Der Präsident hat
erkannt, daß in der Ausführung unserer Außenpolitik durch die Art und
Weise, in der einige Personen unsere
Bemühungen
zur
Schaffung
besserer
Kontakte zum Iran umgesetzt haben und
durch die Umleitung von Geldern aus
Waffenverkäufen an den demokratischen
Widerstand Nicaraguas ernste Probleme
geschaffen wurden.
Er hat bei der
Korrektur etwa bestehender Probleme
die Führung übernommen.
- Der Präsident hat Frank Carlucci,
einen respektierten Außenpolitiker mit außergewöhnlich breitgefächerter Erfahrung und von höchster Integrität, ernannt, um den
Nationalen
Sicherheitsrat
mit
neuem Leben zu erfüllen und zu
führen.
- Er hat ein aus erfahrenen Politikern bestehendes spezielles Untersuchungskomitee
eingesetzt,
das
von
dem
ehrenwerten
John
Tower geleitet wird, um die Rolle
des Nationalen
Sicherheitsrates
und
die
Funktionsweise
seines
Mitarbeiterstabes zu überprüfen.
- Er hat die Berufung eines unabhängigen Sonderanwalts empfohlen,
um die Möglichkeit von Vergehen
in bezug auf das Iran-Projekt zu
untersuchen.

- Er hat eine einheitliche Haltung
des Kongresses im Hinblick auf
dessen
Uberwachungsfunktion
bei
diesen
Angelegenheiten
begrüßt
und hat seine volle Kooperation
bei diesen Untersuchungen zugesagt.
- Er hat mich beauftragt, eine behördenübergreifende Studie unserer
Beziehungen
mit
dem
Iran
durchzuführen.
Unter der erfahrenen Leitung von Unterstaatssekretär Armacost ist dieser Prozeß
gegenwärtig im Gange.
- Und er hat seine Kabinettsmitglieder angewiesen, dem Kongreß
und dem amerikanischen Volk alles
mitzuteilen, was sie über diese
jüngste Initiative gegenüber dem
Iran wissen - und deshalb bin ich
ja heute moren bei Ihnen.
Herr Vorsitzender, wie Sie wissen, bin ich bereit, Ihnen alles mitzuteilen, was ich zu jenem Zeitpunkt
über unsere Waffenverkäufe an den
Iran wußte.
Der Präsident hat die
Freigabe dieser Informationen an den
Kongreß gebilligt. Es steht mir jedoch nicht frei, die Gesetze der Vereinigten Staaten zu verletzen. Vieles von dem, was ich zu jenem Zeitpunkt wußte, unterliegt noch der Geheimhaltung. Ich bin mir bewußt, daß
einiges davon an die Öffentlichkeit
gelangt ist. Dies gestattet es mir
jedoch nicht, einige Dinge, die bis
heute ohne behördliche Genehmigung
veröffentlicht wurden, als Tatsachen
zu bestätigen.
Und,
obwohl
dies
schwer zu glauben sein mag, ist einiges von dem, was ich Ihnen mitzuteilen bereit bin, der Öffentlichkeit
noch nicht bekannt.
Zusätzlich zu
dem Problem nicht-offenen Materials
könnte es schließlich, wenn ich in
der
öffentlichen
Anhörung
alles
preisgebe, was ich weiß, zu einer

�Kollision
mit strafrechtlichen Ermittlungen kommen, würden nachrichtendienstliche Quellen und Methoden
bloßgestellt und privilegierte Kommunikationswege aufgedeckt.
All dies bereitet mir großes Unbehagen. Ich habe geschworen, Ihnen
die volle Wahrheit zu sagen und bin
bereit, dies auf eine Art und Weise
zu tun, die mit meiner rechtlichen
und ethischen Verantwortung im Einklang steht. Dies kann am besten in
einer geschlossenen Sitzung geschehen, in der all meine Verpflichtungen
getreulich
erfüllt
werden
können.
Ich möchte nun allen Zweifeln an meiner Bereitschaft ein Ende machen, auf
Fragen über mein früheres Wissen und
frühere Handlungen zu antworten. Ich
habe bereits alle mir zugänglichen
Informationen
dem
FBI
mitgeteilt.
Ich bin vom Justizministerium befragt
worden.
In dieser offenen Sitzung
bin ich bereit, alles Material vorzubringen, das
ich
angemessenerweise
vorbringen kann.
Und zu jedem von
Ihnen bestimmten angemessenen Zeitpunkt bin ich bereit, in einer nichtöffentlichen Sitzung eine Erklärung
abzugeben und auf Fragen zu antworten
und
dabei
geheime
Details
meiner
Kenntnisse und Handlungen zu enthüllen.
Nachdem
ich dies gesagt habe,
Herr Vorsitzender, möchte ich Ihnen
mitteilen, daß Sie nach meiner vollen
Überzeugung richtig gehandelt haben,
als Sie für den Anfang eine offene
Sitzung anberaumt und erklärt haben,
daß gerade diese Sitzung den Blick in
die Zukunft richten sollte. Ich unterstütze dieses
Ziel von Herzen.
Wir brauchen diesen Blick nach vorn
sehr.
Und ich werde das in meiner
Aussage auch tun.
Ich möchte mit einem Blick auf
unsere zukünftigen Beziehungen zu den

Staaten am Persischen Golf beginnen.
Dieses Thema ist von entscheidender
Bedeutung für unser Land und verdient
sicherlich die knappe Zeit, die uns
heute morgen
zur Verfügung steht.
Erlauben Sie mir also, mich diesem
Thema zuzuwenden. Ich hoffe, daß genug Zeit für Ihre Kommentare und Fragen bleibt.

Die Bedeutung des Iran und des
Persischen Golfs
Der Persische f^olf ist wichtig
für die Vereinigten Staaten - und
dies trifft auch für die meisten unserer wichtigsten Freunde und Verbündeten zu.
Ein Viertel des Öls der
freien Welt fließt durch diese Region
und ein sogar noch höherer Prozentsatz hält die Volkswirtschaften unserer Verbündeten in Europa und Japans
aufrecht. Es ist lebenswichtig, daß
der Westen den Zugang zu diesem öl
behält. Die Region ist ein strategischer Brennpunkt - ein Punkt, an dem
die Sowjetunion seit langem versucht,
ihre Präsenz und Kontrolle auszudehnen.
Wir haben ein bedeutendes Interesse daran, ihnen eine solche Ausdehnung
zu verweigern.
Wir haben
wichtige politische Interessen in bezug auf einzelne Golfstaaten - und
dieses Interesse gilt sowohl den einzelnen Staaten selbst, als auch ihrem
Einfluß auf Ereignisse im Mittleren
Osten, in Afghanistan oder anderen
Bereichen.
Deshalb
möchten
wir,
daß
die
Staaten am Golf Frieden und politische Stabilität ohne Bedrohung durch
sowjetische
Einschüchterung,
äußere
Aggression oder innere Subversion genießen.
Wir möchten produktive Beziehungen mit den Staaten dieser Region aufrechterhalten, und dies auch,
um sicherzustellen, daß der ölzufluß
in den Westen ohne Unterbrechung an-

- 3 -

�dauern kann.
Aber unsere strategischen, wirtschaftlichen und politischen Interessen am Golf waren und werden weiterhin von verschiedenen Seiten bedroht
- durch Krieg und politische Instabilität in der Region, durch die brutale Besetzung Afghanistans durch die
Sowjets und deren hartnäckige Bemühungen, ihren Einfluß auszubauen sowie durch den Terror ismus.
Und der
Iran ist bei all diesen Fragen ein
besonders wichtiges Element geworden.
Der Krieg zwischen Iran und Irak,
der sich jetzt schon im siebten Jahr
befindet, zeigt nur allzu deutlich,
wie das Andauern eines regionalen
Konflikts und von Instabilität nicht
nur unsere Interessen bedrohen kann,
sondern auch diejenigen von vielen
mit uns befreundeten Staaten.
Und aus diesem Grund haben sich
die Vereinigten Staaten immer wieder
um ein frühes Ende dieses Konflikts
bemüht - und dies zu Bedingungen, die
die territoriale Integrität und Unabhängigkeit beider kriegführenden Parteien garantieren.
Wenn wir uns der Drohung eines
eskalierenden
Terrorismus
stellen
wollen, so müssen wir uns auch mit
dem Problem Iran beschäftigen.
Die
gegenwärtige iranische Regierung ist
noch immer der Überzeugung, daß Terrorismus ein legitimes Instrument der
Außenpolitik ist. Sie war stets bereit, dieses Instrument einzusetzen,
wann und wo immer es ihren Bedürfnissen entgegenkam. Es liegt in unserem
Interesse, dem ein Ende zu bereiten.
Wie der Präsident sagte, genehmigte er den Transfer einiger Waffen
nach Iran, um damit ein Signal zu geben, daß die Vereinigten Staaten bereit seien, die Feindseligkeiten zwi-

schen uns durch eine neue Beziehung
zu ersetzen. Dieses Signal ist gegeben worden. Die Vereinigten Staaten
werden keine weiteren Waffen in den
Iran liefern, und wir werden unseren
ganzen Einfluß darauf verwenden, daß
es
auch
nicht
zu
Waffenverkäufen
durch andere kommt.
Grund hierfür
ist die Tatsache, daß gerade der Iran
sich immer wieder gegen eine Beendigung des Golfkrieges stellt und daß
es die iranische Fähigkeit zur Fortsetzung dieses Krieges ist, mit der
wir
uns beschäftigen müssen.
Der
Iran kann auf keine besseren Beziehungen zu uns hoffen, solange er keine Schritte zur Beendigung des Krieges unternimmt, seine Unterstützung
des Terrorismus einstellt und seinen
Einfluß für eine Freilassung bei jenen geltend macht, die unsere Geiseln
festhalten.
Unsere Beziehungen zum Iran sind
durch ein strategisches Dilemma gekennzeichnet. Wir haben eine "nördliche" Sorge - den Iran von sowjetischem Einfluß fernzuhalten - und eine "südliche" Sorge - den Iran davon
abzuhalten, seine Nachbarn am Golf zu
dominieren. Da der Iran zwar weiterhin sowjetischem Einfluß widersteht,
aber den Golf bedroht, muß unsere
kurzfristige Priorität die sein, den
arabischen Golfstaaten unsere Unterstützung zuzusichern und fest zu unserer Antiterrorismus- und Waffenembargopolitik zu stehen. Daneben müssen wir alternative Kanäle benützen,
um den iranischen Widerstand gegen
sowjetischen Einfluß zu stärken und
auf gemeinsame Interessen wie etwa
Afghanistan hinzuweisen.
Desgleichen
beeinflußt Stabilität am Golf unsere
Anstrengungen, zu sinnvoller Bewegung
bei
einem
Friedensprozeß
zwischen
Israel und seinen arabischen Nachbarn
zu ermutigen.
Deshalb

haben

wir

ein

legitimes

�Interesse an besseren Beziehungen zum
Iran, und der Präsident entschied im
vergangenen Jahr, daß wir auf Signale
bestimmter Gruppen im Iran reagieren
sollten, um herauszufinden, ob die
iranische Führung bereit sei, ihre
Politik in eine positivere Richtung
zu steuern. Vergangenen Samstag verwies der Präsident erneut auf diese
Zielsetzung, "den Krieg im Mittleren
Osten zu beenden, einen sowjetischen
Expansionismus
zu
verhindern,
den
Terrorismus zu stoppen und zu einer
Freilassung der amerikanischen Geiseln beizutragen."
Herr Vorsitzender, ich unterstütze mit Nachdruck jede einzelne dieser
Zielsetzungen.
Ich bin sicher, daß
Sie und dieser Ausschuß sie gleichermaßen unterstützen.
Die Probleme, die sich durch die
jüngsten Ereignisse ergaben, wurden
nicht durch diese Zielsetzungen hervorgerufen, sondern durch die Art und
Weise, wie sie in diesem einen Fall
und durch bestimmte nichtautorisierte
Handlungen
von
Beamten
realisiert
wurden, auf die sich der Präsident
bei der Verwirklichung seiner Politik
verlassen hatte. Tatsachen, die enthüllt wurden, haben deutlich gemacht,
daß, wie der Präsident zurecht erklärte, "die Durchführung dieser Politik mangelhaft war und Fehler begangen wurden."
Die Politik, dies hat der Präsi
dent noch einmal bekräftigt, ist seine eigene. Er hat deutlich gemacht,
daß es weder seine Absicht, noch seine Politik war, Waffen gegen Geiseln
auszutauschen oder unsere Haltung gegen den Terrorismus zu konterkarieren.
Ich unterstütze ihn und seine Politik mit Nachdruck. Als Nation müssen wir uns auch weiterhin gegen den
Terrorismus
in
all
seinen
Formen

stellen.
Aller Terrorismus, gleich
ob gegen Amerikaner oder andere gerichtet, ist unannehmbar und muß beseitigt
werden.
Dieser
Grundsatz
steht im Mittelpunkt unserer Bemühungen, zu einer breiteren internationalen
Zusammenarbeit
gegen
staatlich
unterstützten Terrorismus zu ermutigen.
Deshalb müssen wir auch weiterhin
unsere Stimme erheben und Schritte
gegen alle Akte des Terrorismus unternehmen.
Und wie sehr wir auch die Angst
der betroffenen Familien teilen, so
müssen wir uns doch gegen Konzessionen oder Zahlung von Lösegeldern für
eine Freilassung der Geiseln stellen.
Andernfalls würden wir nur zu weiteren Geiselnahmen ermutigen und in den
Augen der Geiselnehmer den Tauschwert
jener noch heraufsetzen, die bereits
gefangengehalten
werden.
Außerdem
müssen wir auch unsere Bemühungen mit
Freunden und Verbündeten in den Bereichen Nachrichtenaustausch und Sicherheitsmaßnahmen intensivieren, um
den Terrorismus und die damit verbundene Gewalt zu vereiteln und die
Staaten zu isolieren, die den Terrorismus finanzieren und unterstützen.
Was den Iran anbelangt, so hat
der Präsident gesagt: "Die iranische
Revolution
ist eine
geschichtliche
Tatsache; aber zwischen den grundlegenden nationalen Interessen der Vereinigten Staaten und des Iran muß es
keinen permanenten Konflikt geben."
Er hat auch wiederholt betont, daß es
nicht seine Absicht war, Geschäfte
mit dem Khomeini-Regime zu machen,
solange dessen Politik Frieden und
Stabilität der Region bedroht. Auch
hier bin ich ganz seiner Meinung.
Wir müssen auch weiterhin zur Beendigung der regionalen Feindselig-

- 5 -

�keiten und zu friedlichen Beziehungen
zwischen allen Golfstaaten ermutigen.
Wir
wollen eine Verhandlungslösung
des Krieges zwischen dem Iran und dem
Irak, der die Souveränität und territoriale Integrität aller Staaten dieser Region respektiert. Durch unser
Bemühen um Stabilität der Golfregion
werden wir auch weiterhin die gemeinsamen Bestrebungen gemäßigter und befreundeter Staaten der Region unterstützen, damit deren eigene Sicherheit
und
Stabilität
gewährleistet
werden. Wir werden uns sowjetischem
Vordringen in der Region widersetzen
und weiterhin ein baldiges Ende der
Besetzung Afghanistans anstreben.
Schließlich müssen wir die jüngsten Ereignisse in ihre angemessene
historische Perspektive bringen. Der
Präsident ist jetzt sechs Jahre lang
in seinem Amt. Als er es übernahm,
war die Nation weder so sicher, noch
so zuversichtlich, wie sie hätte sein
sollen.
Wo stehen wir nach sechs Jahren
der Führung durch Präsident Reagan in
der Außenpolitik?
In Zusammenarbeit mit dem Kongreß
und mit der breiten Unterstützung des
amerikanischen Volkes hat uns die Politik von Präsident Reagan an die
Schwelle einer neuen und bemerkenswert anderen Welt gebracht - eine
Welt, in der Amerikas Interessen,
Amerikas Stolz und Amerikas Ideale
gedeihen.
Wie sieht diese andere Welt aus?
Warum gibt es Grund für neuerliche
Zuversicht und Hoffnung auf die Zukunft?

Weil
- wir

jetzt, zum

ersten

Mal, eine

Welt erkennen können, in der die
unaufhörliche und überall herrschende Angst vor nuklearer Zerstörung
geringer
geworden
ist.
Die Drohung eines nuklearen Konflikts kann nie gänzlich gebannt
werden, aber sie kann durch sorgfältige und drastische Verringerungen der offensiven Nukleararsenale sowie durch die Schaffung
einer
Verteidigungsmöglichkeit
gegen sie ganz erheblich abgebaut
werden. Und genau solche Verringerungen - nicht Begrenzungen bei
noch stärkerer Ausweitung, sondern Verringerungen - und genau
eine solche Verteidigung sind die
Vision, die Präsident Reagan zu
einer Realität machen will;
- vor nur ein paar Jahren noch die
Demokratien der Welt den Eindruck
hatten, eine umkämpfte, schrumpfende Handvoll von Nationen zu
sein. Heute können die Menschen,
die sich gegen die unterdrückerischen
Regime
von
links
und
rechts wehren, die Demokratie als
vitale Kraft der Zukunft erkennen. Kraftvolle und doch gewaltlose Bewegungen in Richtung auf
offene Gesellschaften waren erfolgreich.
Das
Versagen
geschlossener und staatlich gelenkter Volkswirtschaften
wird mit
jedem Tag deutlicher. Ein neuer
Wind des Wandels weht;
- Völker, die jetzt bereit sind,
sich für die Freiheit einzusetzen
und die keine andere Wahl haben,
als für ihre Rechte zu kämpfen,
nun wissen, daß der Vormarsch des
Kommunismus
nicht
unabwendbar
ist.
Präsident Reagan ist ein
Freiheitskämpfer - und die Welt
weiß es. Und ich stehe zu Ronald
Reagan.
Eine

starke Verteidigung,

solide

�Bündnisse und Unterstützung für die
wirtschaftliche und politische Entwicklung von Völkern überall - dafür
steht Präsident Reagan. Seine Politik ist nicht die Politik einer Partei.
Es ist die Politik des ganzen
amerikanischen Volkes.
Sie ist die
einzig richtige Politik, wenn unser
Land auch weiterhin das beste und
größte auf Erden wie auch die Hoffnung der ganzen Menschheit
bleiben
soll. Zeigen wir die Stärke unserer
freien Institutionen durch die umfassende Untersuchung aller Einzelheiten
dieser Iran-Episode.
Laßt uns dadurch
zusammenstehen,
zusammengehen
und das Land auch weiter voranbringen, um uns den Gefahren und Möglichkeiten dieses Augenblicks zu stellen.

* * * * *

�AMERIKA DIENST
Dokumentation

"VON'^

10. Dezember 1986

42
WISE RÜGT SOWJETISCHE

BESCHRXNKUNGEN

FÜR DIE PRESSE

- Erklärung zum Austausch von Informationen -

WIEN - (AD) - Nach Angaben des stellvertretenden Leiters der amerikanischen Delegation bei der wiener KSZE-Folgekonferenz, Samuel Wise, sind die
Arbeitsbedingungen für westliche Journalisten in der Sowjetunion und den anderen Staaten Osteuropas weiterhin mangelhaft.
In einer Erklärung vor einer
KSZE-Arbeitsgruppe am 5. Dezember 1986 rügte Wise die Sowjets wegen dieser
Verletzung der Schlußakte von Helsinki.
Die Erklärung hat folgenden Wortlaut:

Ich möchte heute zu Ihnen über
die Arbeitsbedingungen
für Journalisten, Zugang zu Medien und kooperativen Austausch sprechen.
All dies
sind Bereiche des Informationsaustauschs, in denen trotz der von uns
allen in Helsinki und Madrid eingegangenen Verpflichtungen noch viele
Mängel herrschen.
Was die Journalisten angeht, ist
die Lage am schlechtesten in der Sowjetunion, wo die Schikanen
seit
Madrid sogar noch zugenommen haben.
Die sowjetischen Behörden wenden eine

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Vielzahl von Techniken an, um ausländische Journalisten
einzuschüchtern.
Erstens arbeiten fast alle
ausländischen Journalisten in streng
bewachten Quartieren für Ausländer,
die ihnen von der Regierung zugewiesen werden. Viele werden ins Außenministerium zitiert, wo sie für Berichte verwarnt werden, die von den
Sowjets
nicht
gebilligt
werden.
Journalisten,
die
versuchen,
mit
nichtstaatlichen Stellen in Kontakt
zu kommen oder über Ereignisse zu berichten, die den Behörden unangenehm
sind, wurde von Milizionären der Zu-

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Telex: 8-85432

�gang verwehrt oder sind Befragungen,
Verhaftungen oder Schlimmerem ausgesetzt gewesen.
Einzelne
Korrespondenten
wurden
mit Strafverfolgung
und Gefängnisstrafen aufgrund erfundener Beschuldigungen bedroht, auf der Straße angepöbelt, Opfer von primitiven Akten
des Vandalismus, die klar von den Behörden
inszeniert
waren,
wurden
scharf in der Presse wegen tendenziöser
Berichterstattung
angegriffen
oder zum Ziel von Fallen.ausgewählt.
Mit einem Wort, sie werden enorm unter Druck gesetzt, um sich dem Gesetz
und den zwängen zu beugen, die von
den Behörden geschaffen werden, damit
sie ihren Posten aufgeben und nach
Hause zurückkehren.
Zwei amerikanische Korrespondenten, denen eine solche Behandlung zuteil wurde, Andrew Nagorski von Newsweek und Anne Garreis von der American Broadcasting Corporation, waren
hier in Wien, um über den Beginn unserer Konferenz zu berichten. im August 1982, während des Madrider Treffens, wurde Nagorski aus der Sowjetunion ausgewiesen, weil seine Berichterstattung nicht nach dem Geschmack
der
sowjetischen
Behörden
war.
Später beschrieb Nagorski das
Umfeld, in dem ausländische Korrespondenten in der UdSSR leben müssen,
als psychologische Kriegführung.
Anne Garreis, die von 1979 bis
1982 in Moskau arbeitete, beschrieb
ihre "psychologischen Qualen", denen
sie ausgesetzt war, als man gegen sie
wegen Totschlages ermittelte, nachdem
sie mit dem Auto einen Fußgänger
überfahren hatte.
In einem Artikel
für die New York Times mit der Überschrift "Ich war ein Opfer" schrieb
Garreis:
"Schließlich wurde ich von
jedem Verbrechen entlastet und bald
darauf ausgewiesen. In der Zwischen-

zeit jedoch befand ich mich mitten in
einer politischen Wildnis ohne Gesetze, das Opfer von Hinweisen und versteckten Andeutungen....
Der Druck
in Moskau wurde durch Warnungen in
Washington noch verstärkt, wo sowjetische Diplomaten drohten, die Zukunft
des ABC-Studios in Moskau sei gefährdet, wenn ABC mich nicht zurückbeordere. Ganz einfache Erpressung."
Ein weiterer Fall, der einen amerikanischen Journalisten betraf, ereignete sich in Zusammenhang mit dem
10. Jahrestag der Unterzeichnung der
Schlußakte in Helsinki. Der Reporter
des Christian Science Monitor, Gary
Thatcher, wurde von Grenzbeamten in
Leningrad mehrere Stunden lang festgehalten, als er sich auf dem Rückweg
z\i
seinem Moskauer Posten befand,
nachdem er über das Treffen aus Anlaß
des Jahrestags berichtet hatte. Seine Aufzeichnungen und andere Materialien, einschließlich einer Kopie der
Schlußakte,
wurden
beschlagnahmt.
Schließlich hatten wir kürzlich den
Fall Nicholas Daniloff, dessen Behandlung durch die sowjetischen Behörden nur das letzte Beispiel der
sowjetischen Nichtbeachtung ihrer in
Helsinki eingegangenen Versprechungen
in bezug auf Journalisten darstellt.
Bevor ich dieses Thema verlasse,
möchte ich noch erklären, daß meine
Delegation mit Interesse den Versuch
des ehrenwerten sowjetischen Vertreters vom Mittwoch zur Kenntnis genommen hat, die sowjetische Behandlung
ausländischer Journalisten zu verteidigen.
Er teilte uns mit, die sowjetischen Behörden hätten es dem aus
400 Mitgliedern bestehenden Corps der
ausländischen Journalisten im vergangenen Jahr gestattet, 857 Einzelreisen in der Sowjetunion zu unternehmen.
Als unser britischer Kollege
darauf hinwies, daß dies nicht sehr
viele Reisen seien, versuchte er sich

o

�darauf zurückzuziehen, daß nur für
gewisse Reisen eine Erlaubnis notwendig sei.

«

*

Nun, der ehrenwerte sowjetische
Vertreter hat ganz recht.
Eine Erlaubnis wird nur für gewisse Reisen
in der Sowjetunion benötigt.
Dies
sind Reisen außerhalb eines 25-Meilen-Radius um den Kreml.
Wenn ein
Journalist
diesen
25-Meilen-Radius
verlassen möchte, muß er den zuständigen sowjetischen Behörden eine Anfrage unterbreiten. Wenn wir unserem
sowjetischen Kollegen glauben sollen,
dann wurden voriges Jahr nur 857 solcher Reisen gestattet, was nur etwas
über zwei Reisen pro Journalist bedeutet. Dies ist für uns ein Beweis
der restriktiven sowjetischen Politik
in bezug auf Journalisten, die mit
der Schlußakte unvereinbar ist.
Ich sollte darauf hinweisen, daß
auch
meine
Regierung
sowjetischen
Journalisten Reisebeschränkungen auferlegt. Diese Reisekontrollen wurden
aus einem einzigen Grunde und nur aus
diesem Grund eingeführt.
Sie waren
eine Reaktion auf sowjetische Handlungen.
Die sowjetischen Behörden
führten solche Kontrollen ein und wir
haben uns dafür revanchiert.

i

0

Nur noch ein Wort zu den Bemerkungen unseres sowjetischen Kollegen
vom Mittwoch.
Lassen Sie mich dem
ehrenwerten
sowjetischen
Vertreter
versichern,
daß
westliche Journalisten,
anstatt
in
organisierten
Gruppenbesuchen zusammengefaßt, mehr
als glücklich wären, die Rechnung für
Einzelreisen in das sowjetische Hinterland zu bezahlen. Dies würde ein
kleiner Preis für etwas sein, was sie
heute definitiv nicht besitzen - echten Zugang zur Sowjetunion und ihrer
Bevölkerung.
Nachdem

ich einige schwerwiegende

Punkte in diesem Bereich erwähnt habe, möchte ich nun auf einige hoffnungsvolle Schritte beim Medienzugang
und kooperativen Austausch zu sprechen kommen.
Das Abkommen zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion
über Kontakte, Austausch und Zusammenarbeit in den Bereichen Wissenschaft, Technik, Bildung, Kultur und
anderen, das 1985 im Rahmen des Genfer Gipfels unterzeichnet wurde, bezog sich speziell auf die Schlußakte
und
beinhaltete Verpflichtungen
in
bezug auf Information in Bild und
Ton, gedruckte Informationen
sowie
verlegerische und kooperative Bemühungen wie etwa Austausch und Treffen
von Journalisten, Herausgebern und
Verlegern.
Seit 1982 haben es die
Fortschritte in der Kommunikationstechnik Teilnehmern in Ost und West
ermöglicht, sich an Live-Diskussionen
über Satellit
zu beteiligen.
Unlängst haben sich selbst sowjetische
Beamte der sowjetischen und ausländischen Presse
zugänglicher gezeigt,
indem sie über frühere Tabu-Themen in
einer Weise gesprochen haben, wie man
sich das noch vor ein paar Jahren
nicht vorstellen konnte.
Beiderseitige Fortschritte im Bereich der Information waren auch die
in den letzten Jahren unternommenen
Initiativen
im
Privatsektor.
Zum
Beispiel haben sich die New England
Society of Newspaper Editors und die
American Society of Newspaper Editors
an gegenseitigen Austauschprogrammen
mit sowjetischen Medienvertretern beteiligt.
Das Chatauqua-Treffen von
Jurmala in Lettland im vergangenen
September, das als "eine Reise in offener Diplomatie" firmierte, war das
erste Mal, daß unzensierte Diskussion
und Meinungsaustausch zwischen hochrangigen amerikanischen und sowjetischen Vertretern vor einer großen

�sowjetischen Zuhörerschaft stattfand.
Nach Angaben des Teilnehmers John
Wallach, früherer Chefredakteur für
Auslandsnachrichten bei der Zeitungsgruppe Hearst, erhielten zum ersten
Mal amerikanische Vertreter "gleich
viel Zeit im sowjetischen Fernsehen,
auch wenn die Berichterstattung nicht
ganz so objektiv war, wie einige unter den Amerikanern es sich gewünscht
hätten."
Leider muß aber auch daran
erinnert werden, daß Chatauqua in einer Atmosphäre ausgeklügelter Polizeimaßnahmen vor und nach dem Treffen
stattfand, um unerwünschte Kontakte
zwischen
amerikanischen
Teilnehmern
und gewöhnlichen Bürgern zu reduzieren.
Nach Berichten war dies Teil
einer
ausgefeilten
List
nach
dem
Muster der Potemkinschen Dörfer, um
die Amerikaner zu täuschen.
In Osteuropa gibt es positive wie
negative Erfahrungen.
Schon andere
Delegationen stellten fest, daß die
Verweigerung von Einreisevisen, Verwehrung oder Verzögerung von Akkreditierung
in vielen der Länder des
Ostens nur allzu oft vorkommen. Auch
hier findet sich die gleiche restriktive Haltung bei Erstellung und Vermittlung von Information.
Die sowjetische wie auch die rumänische Regierung haben sogar Gesetze verabschiedet, die dem Zweck dienen, den
Zugang von Ausländern zu inoffiziellen privaten Quellen im eigenem Land
noch weiter einzuschränken, während
Bulgarien, die Tschechoslowakei und
die DDR nur mit den bestehenden Praktiken der Behinderung solcher Kontakte fortfahren.
Die
DDR
gewährt
ausländischen
Journalisten
korrekte
Behandlung.
Allerdings wird deren Möglichkeit,
über Ereignisse zu berichten, durch nicht immer angewandte - Gesetze eingeschränkt, die dazu dienen, freies
nmherreisen ohne vorherige Genehmi-

gung, Termine ohne offizielle Erlaubnis oder den Empfang gedruckter Informationen einzugrenzen.
Die Arbeitsbedingungen für Journalisten in der Tschechoslowakei sind
nicht so gefährlich wie andernorts,
aber der Zugang zu offiziellen Stellen und zu Informationen, die des Berichtens wert sind, ist scharf begrenzt. Noch immer ist es für ausländische
Journalisten
schwierig,
persönliche Kontakte und Kommunikation mit ihren Quellen herzustellen
und aufrechtzuerhalten.
In den Jahren nach Madrid wurde zwar kein amerikanischer
Journalist
augewiesen,
aber ein VOA-Korrespondent wurde während des Begräbnisses von Nobelpreisträger Jaroslaw Seifert
im Januar
1986 zwei Stunden lang festgehalten
und der Film eines weiteren Korrespondenten
beschlagnahmt.
Heute
schließt sich jedoch meine Delegation
den anderen an und begrüßt die gestrige Erklärung des verehrten Vertreters der Tschechoslowakei, daß von
Januar an ein Jahr lang gültige Visa
für Journalisten gewährt werden.
Die Arbeitsbedingungen für Korrespondenten in Bulgarien sind noch
immer unzureichend und Journalisten
werden auch weiterhin
eingeschüchtert. Dennoch wurde ein VOA-Korrespondent akkreditiert, auch wenn er
nicht ständig im Lande leben wird.
Theoretisch sind alle Landesteile für
Journalisten
zugänglich, auch wenn
dem in der Praxis nicht so ist. Es
wurden jedoch Journalisten, die Informationen zu veröffentlichen suchten, die der Regierung unangenehm waren, verhaftet oder ihr Visum aufgehoben. Die Verweigerung eines Visums
ist nicht selten in Fällen, in denen
die Berichterstattung eines Journalisten als peinlich angesehen wird.
Erst vergangenen Freitag wurde einem
amerikanischen
Journalisten,
Thomas

�Goltz von Readers Digest, ein Visum
für
Bulgarien
verwehrt.
Goltz
schreibt einen Artikel über die türkische Minderheit. Man erklärte ihm,
bis zum nächsten Jahr dürfe kein ausländischer Journalist ins Land kommen. Gleichzeitig begrüßen wir aber
einige kleine Schritte, die Bulgarien
ergriffen hat - wie etwa die jüngste
Veröffentlichung
von
unredigierten
Erklärungen Präsident Reagans und anderer
amerikanischer
Regierungsvertreter.
Westliche Journalisten
beklagen
sich immer wieder über bürokratische
Frustration,
Verschleierung
und
Falschdarstellung in Rumänien.
Alle
ankommenden
ausländischen
Journalisten werden routinemäßig mit einer
Erklärung der nationalen Presseagentur Rumäniens, Agerpress, über die
Notwendigkeit objektiverer Berichterstattung vertraut gemacht.
Während
die einen nur geringe Schwierigkeiten
beim Erhalt ihres Einreisevisums haben, werden andere Journalisten aufgefordert, Exemplare früherer Berichte vorzulegen und müssen mitunter
lange auf ihr Visum warten. 1985 erfuhr der Vertreter einer der größten
amerikanischen Tageszeitungen von den
rumänischen Behörden, er sei aufgrund
"antirumänischer"
Berichterstattung
persona non grata. Positiv zu vermerken ist die Tatsache, daß Rumänien
während des Besuchs von Außenminister
Shultz im Dezember 1985 ein Heer von
ausländischen Pressevertretern zuließ
und bei einer schon lange geltenden
Regel eine Ausnahme machte, indem sie
einem Korrespondenten von Radio Freies Europa ein Visum ausstellte.
In Polen haben sich die Bedingungen für Journalisten seit den ersten
Jahren nach der Ausrufung des Kriegsrechts, als westliche und vor allem
amerikanische Journalisten bei ihrem
Bemühen um Berichterstattung über die

öffentlichen Demonstrationen und andere Schritte der Opposition, in heftigen
Pressekampagnen
angegriffen,
verhaftet und bedroht wurden, verbessert. Seit 1983, als UPI-Korrespondentin Ruth Gruber 23 Stunden lang in
Einzelhaft gehalten wurde, gab es
keine Ausweisung mehr. Amerikanische
Journalisten
berichten
selten
von
Schwierigkeiten beim Zugang zu wichtigen Quellen und stellen Polen in
dieser Hinsicht in der Liste der osteuropäischen Länder ganz oben.
Allerdings hat die polnische Regierung
sich wiederholt geweigert, dem Wiener
VOA-Korrespondenten ein Visum auszustellen.
Amerikanische Journalisten kommen
oft nach Ungarn und erhalten ohne
Schwierigkeiten ein Visum.
Ausländische Journalisten, die persönliche
Kontakte und Kommunikation mit offiziellen
und
inoffiziellen
Quellen
aufbauen und aufrechterhalten wollen,
haben selten Schwierigkeiten.
Während des Budapester KSZE-Kulturforums
von 1985 wurde über die Parallelkonferenz der Internationalen Helsinkiföderation in großem Umfang in der
westlichen Presse - einschließlich
von VOA- und
RFE-Korrespondenten
berichtet, ohne daß Eingriffe erfolgten, obwohl das Treffen nicht an einem
öffentlichen Platz
stattfinden
durfte.
Insgesamt gesehen ist das Bild
des Informationsaustauschs in der Sowjetunion und Osteuropa - im Vergleich zu den Praktiken im Westen
oder gemessen an unseren Verpflichtungen aus der Schlußakte von Helsinki - noch immer nicht gerade leuchtend.
Zensur ist weit verbreitet,
Strafen sind noch immer hoch für jene
Bürger, die unerlaubt Kontakte zu
Ausländern aufnehmen oder Inoffizielles
veröffentlichen.
Nicht
ohne
Grund sprechen Journalisten bei ihren

- 5 -

�Reisen davon, aus der UdSSR und aus
Osteuropa
"herauszukommen",
während
man von Prankreich, Italien oder einem
anderen
westeuropäischen
Land
einfach "kommt".
Grund hierfür ist
die Tatsache, daß die östlichen Gesellschaften grundsätzlich noch immer
geschlossene
Gesellschaften
sind,
während die westlichen Gesellschaften
grundsätzlich offen sind. Verbesserungen, die es gegeben hat, sind
meist zu selten, als daß man sie
schon an und für sich als wichtige
Neuigkeiten
betrachten
könnte.
An
diesem Tag und in dieser Zeit ist es
sowohl bemerkenswert, als auch traurig, daß die Menschen in der einen
Hälfte Europas eher Genaueres über
das tägliche Leben und die Ereignisse
in Asien, Afrika und Südamerika erfahren, als sie wissen können, was in
der anderen Hälfte Europas nur ein
paar Kilometer weiter östlich vorgeht.

* * * * *

6

�AMERIKA DIENST
VON

4

Wissenschaft und Technik

10. Dezember 1986

42

OZONSCHICHT - SCHÜTZSCHILD FÜR DAS LEBEN
- USA dringen auf weltweite Vorsorgemaßnahmen Emission schädlicher Stoffe soll verringert werden

GENF/WASHINGTON - (AD) - "Eine
baldige und konzertierte Aktion" auf
internationaler Ebene, mit der einer
weiteren Schädigung, d.h. Verdünnung
der Ozonschicht in der Erdatmosphäre
weltweit entgegengewirkt werden soll,
forderte Botschafter Richard Benedick
aus den Vereinigten Staaten. Auf der
UN-Konferenz
für
Umweltprogramme
(UNEP), die in Genf am 1. Dezember
1986 begann, schlug der amerikanische
Chefedelegierte vor, die Verwendung
bestimmter
Substnzen,
insbesondere
von
Fluorchlorkohlenwasserstoffen,
baldmöglichst auf dem gegenwärtigen

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Stand einzufrieren und künftig immer
weiter zu vermindern. Längerfristig,
in etwa 15 Jahren, sollten die Emissionen 95 Prozent unter denen von
heute liegen. Die Chemikalien dürften dann nur noch dort verwendet werden, wo der Markt keine geeigneten
Ersatzstoffe verfügbar machen könne.
über eine "Rahmenkonvention" zum
Schutz der Ozonschicht hatten sich 24
Länder, dazu die Europäische Gemeinschaft und zwei Sowjetrepubliken, bereits im März 1985 in Wien geeinigt.
Auf der Dezember-Konferenz von UNEP

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�mit 40 Teilnehmerstaaten und einer
für Februar 1987 vorgesehenen nächsten Tagung geht es darum, ein wirksameres Sicherheitssystem zu schaffen. Die Regierungen müßten "kluge
Schritte unternehmen, um gegenwärtig
und spätere Generationen" vor einer
Schädigung der Ozonschicht samt den
ökologischen
Auswirkungen
solcher
Prozesse
in der Stratosphäre zu
schützen, sagte Benedick.
Der von
den USA vorgelegte Plan sei darauf
abgestellt, Fortschritte zur Verringerung der Emission ozongefährdender
Substanzen regelmäßig zu überprüfen.
Das gelte ebenso für die Termine von
Aktionsplänen und die Einbeziehung
oder Herausnahme von Chemikalien aus
der Liste der als schädlich angesehenen Stoffe.
Die Basis für entsprechende Entscheidungen
sollten
neue
wissenschaftliche Erkenntnisse und wirtschaftliche Faktoren abgeben.
Die
Forschung über die Prozesse, die zu
Ozonabbau führen, müsse auf jeden
Fall weitergehen. Ein solches Vorgehen würde auch der industriellen Planung helfen, um die Kosten der allmählichen Umstellung auf andere Chemikalien auf einem Minimum zu halten
und der Wirtschaft Zeit für die notwendige Anpassung einzuräumen.
Pluorchlorkohlenwasserstoffe
(in
den USA übliche Abkürzung: CFC) werden in ursächlichen Zusammenhang mit
der immer deutlicher erkennbaren negativen Bilanz für die Menge der
Ozonmoleküle gebracht, die in Höhen
zwischen 10 und 50 km in der Stratosphäre angereichert sind. Diese Moleküle aus dreiatomigem Sauerstoff
entstehen unter der Einwirkung der
energiereichen
Ultraviolettstrahlung
von der Sonne, werden allerdings
durch sie auch wieder aufgespalten.
Aber weltweit gesehen steht der natürliche Prozeß des Auf- und Abbaues

von Ozon in der Stratosphäre im
Gleichgewicht, auch wenn je nach Jahreszeit und geographischer Breite Unterschiede in der Ozondichte auftreten.
Die Erhaltung der Ozonschicht ist
wichtig für alles Leben auf der Erde.
Denn sie absorbiert normalerweise
mehr als 99 Prozent der einfallenden
UV-strahlung und erfüllt so die Funktion eines Schutzschildes. Wird sie
geschwächt, dringt mehr ultraviolettes Licht in die tieferen Luftschichten und zur Erdoberfläche vor. Das
bedeutet zusätzliche gesundheitliche
Gefahren - z.B. würde die Häufigkeit
von Hautkrebs und grauem Star ansteigen. Das pflanzliche und tierische
Leben würde beeinträchtigt. Die Folgen wären u.a. niedrigere Ernteerträge und
geringere Ausbeuten beim
Fischfang. Peter Usher, der dem Wissenschaftlerstab von UNEP angehört,
berichtete auf einer Pressekonferenz
in Genf, daß bei einem Rückgang der
Ozondichte um nur ein Prozent mit einer verstärkten Durchlässigkeit für
ultraviolette Strahlung um zwei Prozent zu rechnen sei. Und das wiederum könne sechs Prozent mehr Fälle von
Hautkrebs bedeuten.
Anfang der siebziger Jahre hatten
die beiden amerikanischen Wissenschaftler Rowland und Molina (Kalifornien) die Hypothese aufgestellt,
daß für Ozonabbau neben atmosphärischen Spurengasen natürlicher Herkunft, etwa aus Vulkanausbrüchen, sowie verstärkter Sonnenaktivität auch
Partikel von Abgasen hoch fliegender
Flugzeuge und von Stickstoffdünger,
ganz massiv aber die Fluorchlorkohlenwasserstoffe verantwortlich zu machen seien. Die Anwendung der letztgenannten Substanzen als Treibgas in
Spuhflaschen, als Kühlmittel oder zur
Produktion von Schaum- und Isolierstoffen hatte sich geradezu explo-

�sionsartig ausgeweitet, da sie für
den Menschen im direkten Umgang nicht
giftig sind, sie waren zu einem ganz
wichtigen Wirtschaftsfaktor geworden.
über die Richtigkeit der Hypothese von Rowland und Molina wird noch
immer gestritten, denn der wissenschaftliche Beweis ist schwer zu führen. Messungen der Ozondichte in den
letzten zehn Jahren - um den gesamten
Erdball mittels Satelliten, lokal und
regional mittels Sonden - machen jedoch eine Verdünnung deutlich.
Ein
besonders krasses Beispiel ist das
"Ozonloch" über der Antarktis.
Es
tritt von Mitte September bis Mitte
Oktober auf, wenn für die südhalbkugel der Frühling beginnt. Von Satelliten seit 1978 regelmäßig beobachtet, ist es bis 1985 jedes Jahr größer geworden.
Im August 1986 wurde
unter
der Leitung
von Dr. Susan
Solomon (Boulder, Colorado) eine Expedition amerikanischer Wissenschaftler in die Antarktis entsandt, um von
verschiedenen Bodenstationen aus Messungen vorzunehmen.
Erste Ergebnisse, Ende Oktober übermittelt, besagen, daß sich dieses Mal die Ozonkonzentration in einem Bereich, der fast
der Größe Nordamerikas entspricht,
sogar um ca. 40 Prozent verringert
habe. Und dies innerhalb von nur 20
bis 30 Tagen, vor allem in Höhen zwischen 11 500 und 20 000 Metern.
Einen weiteren, jedoch nur ein
Drittel so großen Bereich verdünnten
Ozons, glaubt der NASA-Wissenschaftler Don Heath in der Arktis über
Spitzbergen
ausgemacht
zu
haben.
Seinen seit sechs Jahraen vorgenommenen Messungen zufolge nimmt dort die
Ozondichte jährlich um 1,5 Prozent
ab.
Das entspreche, so Heath, dem
Abbaumodell, wie es für CFC-Verbindungen erstellt wurde.
Immer mehr
neigen Forscher zu der Ansicht, daß
eine Vielfalt von Faktoren zusammen-

wirken - in erster Linie äußerst komplexe und auch ungewöhnliche chemische Reaktionen von Gasen in der hohen Atmosphäre, dazu Sonnenaktivität,
Luftströmungen,
Aufblähen
und
Schrumpfen der Lufthülle, großräumige
Verfrachtung von Luftmassen. Mit Modellen wird versucht, die inzwischen
bekannt gewordenen Phänomene zu erklären.
Zu diesen zählt auch das
Schrumpfen
der
schützenden
Ozonschicht in den Wintermonaten über den
dichtbesiedelten Gebieten der Nordhalbkugel,
was
Forscher
der
ETH
Zürich in langjährigen Untersuchungen
herausfanden. Auch die tatsächlichen
Auswirkungen
der wachsenden
Mengen
von Fremdstoffen auf die Ozonschicht,
die durch menschliche Aktivitäten in
die Atmosphäre eingebracht werden,
hofft man so besser untersuchen zu
können.
Seit kurzem wird vermutet, daß
nicht nur Fluor und Chlor aus CFCChemikalien wie Freon 11 und 12 oder
CFC-113, sondern auch Bromverbindungen aus Feuerlöschschaum am Ozonabbau
beteiligt sind - und dies in noch
viel stärkerem Ausmaß als bei den
erstgenannten
Stoffen.
Chemikalien
mit Elementen aus der Gruppe der sog.
Halogene und gewisse andere Substanzen bereiten, wie kürzlich der stellvertretende Administrator der US-Umweltschutzbehörde EPA, Bill Long, in
einem Interview mit USIA (US-Informationsamt),
erklärte,
wegen
ihrer
Langlebigkeit große Sorgen. Sind sie
erst einmal in die höhere Atmosphäre
vorgedrungen, könnten manche von ihnen bis zu 150 Jahre an der Zerstörung des Ozons mitwirken, bis sie
schließlich anderweitig gebunden werden.

Vorsorge, die jeden angeht

- 3 -

Ungeachtet aller noch vorhandenen

�Unsicherheiten hinsichtlich der Wirkungssweise von CFC-Verbindungen sei
jedoch Vorsorge ein ganz dringendes
Gebot, so Long. Deshalb wurde in den
Vereinigten Staaten die Verwendung
von CFC-haltigen Treibgasen bei nicht
lebensnotwendigen
Aerosolen
schon
1978 verboten. Kanada und die skandinavischen Länder folgten dem amerikanischen Beispiel.
Die Europäische
Gemeinschaft
dagegen
befürwortete
1985 nur die Einführung einer allgemeinen Höchstgrenze.
Diese ist noch
nicht erreicht und erlaubt ein weiteres Produktions- bzw. Emissionswachstum um 50 Prozent.
Wieder andere
Vorstellungen äußerten die Japaner.
(Derzeit
gelangen
jährlich
ca.
700 000 Tonnen CFC-haltiger Stoffe in
die Atmosphäre.) In Kreisen der amerikanischen Industrie sei man, wie
Long erwähnte, der Ansicht, daß die
Emissionen weltweit gesehen um 50
Prozent gesenkt würden, wenn sich
auch die europäischen Länder und Japan bereit fänden, Fluorchlorkohlenwasserstoffe in Aerosolen durch andere Stoffe zu ersetzen.
Die Bereitschaft zur Kooperation sei, so Long,
heute unter den Teilnehmerländer jedenfalls wesentlich größer als vor
eineinhalb Jahren. Man könne darauf
hoffen, daß ein weiterer sinnvoller
Schritt in Richtung auf ein ökologisches Sicherheitssystem getan werde.
Für die Vereinigten Staaten ist
jetzt das wichtigste Ziel die weltweite Eindämmung des Wachstums chemischer Emissionen, obgleich es noch
keine endgültige Antwort auf die Frage gibt, ob das "atmosphärische System*
solche Emissionen
verkraften
kann oder nicht. "Wir möchten Alternativen entwickelt sehen", sagte EPAChef Lee Thomas in Genf, "und für eine Ausschaltung solcher Chemikalien
sorgen, die die Ozonschicht unbrauchbar machen könnten". Der Prozeß der
Entwicklung von Alternativen für CFC-

Verbindungen sei in den USA seit geraumer Zeit in Gang.
In drei bis
fünf Jahren sei zumindest ein neuer
chemischer Stoff auf dem Markt verfügbar, vielleicht könnten auch bereits
zwei
Ersatzstoffe
angeboten
werden.
Long unterstrich, daß es für alle
Volkswirtschaften schwierig sei, die
CFC-Verbindungen - mit Ausnahme ganz
weniger unverzichtbarer Stoffe - allmählich aus dem Markt zu nehmen.
Auch werfe das UNEP-Vorhaben Handelsprobleme
zwischen
Teilnehmerländern
und solchen Staaten auf, die sich
UNEP noch nicht angeschlossen haben.
Auch hier müßten Wege zur Lösung gefunden werden. Die amerikanische Industrie unterstütze
die Bemühungen
der amerikanischen Regierung um internationale
Vorsorgemaßnahmen
zum
Schutz der Ozonschicht - trotz der
noch bestehenden Ungewißheiten seitens der Forschung.
(übrigens nahm
auch eine Gruppe von Wissenschaftlern
aus
Industrielaboratorien
an
der
jüngsten Antarktisexpedition teil.)
Sie sei bereit, mit aller Energie an
Ersatzstoffen
zu
arbeiten.
Industriegiganten wie Du Pont und die
"Chlorofluorocarbon
Alliance", eine
große Gruppe von Produzenten und Anwendern, hätten bereits Schritte zur
Begrenzung
des ständigen Wachstums
von CFC-Emissionen zugestimmt, hielten aber die Forderung, Produktion
und Anwendung solcher Stoffe nach und
nach ganz einzustellen, für verfrüht.
Jedenfalls wolle und dürfe die Industrie angesichts ihrer eigenen Anstrengungen
nicht
allein
gelassen
werden. sie müsse der Kooperationsbereitschaft der anderen Länder, auch
im Hinblick auf den Erlaß von Einschränkungsmaßnahmen, sicher sein.

+ + + + +

�</text>
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                <text>Amerikadienst 10.12.1986</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Präsident Reagans neuer Sicherheitsberater&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Ein Kurzporträt von Frank Carlucci -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Weiterhin feste Haltung der Vereinigten Staaten gegen Terrorismus&lt;br /&gt;- Shultz-Aussage vor Auswärtigem Ausschuss -&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wiese rügt sowjetische Beschränkungen für die Presse&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärung zum Austausch von Informationen -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ozonschicht - Schutzschild für das Leben&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- US dringen auf weltweite Vorsorgemaßnahmen - Emission schädlicher Stoffe soll verringert werden -&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST
VON

*

39

20. November 1986

I N H A L T

DOKUMENTATION
Reagan enthüllt geheime diplomatische initiative- im Iran
- Präsident Reagans Ansprache an die Nation Reagan sieht Fortschritte in Genf
- Erklärung zum Abschluß der 6. Runde der NST-Verhandlungen Freier Handel mit Agrarprodukten: Gebot für ein gesundes Welthandels
System
- Ansprache von Botschafter Richard R. Burt vor dem waren-verein der
Hamburger 3örse e.V. -

HINTERGRUNDMATERIAL
Rüstungskontrolle nach Reykjavik
- Von Paul Nitze -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Künftige Raumfahrtpläne der USA
- NASA-Chef Dr. C. Fletcher zu Fragen europäischer Wissenschaftler
und Journalisten -

* * * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�AMERIKA DIENST
'VON

4

Dokumentation
20. November 1986

39

REAGAN ENTHÜLLT GEHEIME DIPLOMATISCHE INITIATIVE IM IRAN
- Präsident Reagans Ansprache an die Nation WASHINGTON - (AD) - In einer landesweit ausgestrahlten Ansprache an die
Nation erklärte Präsident Reagan am 13. November 1986, die Vereinigten Staaten
hätten eine geheime diplomatische Initiative im Iran unternommen, um die Beziehungen zu diesem Land wieder herzustellen und die sichere Rückkehr aller
Geiseln zu erreichen.
Als zwei weitere Ziele der Initiative nannte der Präsident, daß der iranisch-irakische Konflikt zu einem ehrenvollen Ende geführt und der staatlich
geförderte Terrorismus und die Subversion abgeschafft werden sollten.
Reagan betonte, die von ihm "autorisierten Schritte standen in vollem Einklang mit den Bundesgesetzen und tun dies auch weiterhin"; die Regierung der
Vereinigten Staaten "verfolgt eine klare politische Linie, die darin besteht,
sich nicht den Forderungen von Terroristen zu beugen".
Nachfolgend drucken wir den Text der Ansprache im Wortlaut:
Ich weiß, daß Sie in den vergangenen Tagen viel von dem gehört, gesehen und gelesen haben, was dänischen Matrosen, ungenannten Beobachtern in italienischen und spanischen
Häfen und besonders auch anonymen
Mitgliedern meiner Administration zugeschrieben wird.
Jetzt werden Sie
die Tatsache aus einer Quelle des
Weißen Hauses hören - ich denke, Sie
kennen mich.
Ich möchte heute über eine ausgesprochen delikate und sehr wichtige
außenpolitische Angelegenheit zu Ih-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

nen sprechen.
Seit achtzehn Monaten haben wir
im Iran eine geheime diplomatische
Initiative durchgeführt.
Diese Initiative wurde aus den einfachsten und
besten Gründen durchgeführt:
um wieder Beziehungen
aufzunehmen,

zum

Iran

um den blutigen, sechs Jahre währenden Krieg zwischen Iran und
Irak zu einem ehrenvollen Ende zu
führen,

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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�- um staatlich geförderten Terrorismus und Subversion zu beseitigen; und um die sichere Rückkehr
aller Geiseln zu erreichen.
Ohne Mitarbeit des Iran können
wir den Krieg am Persischen Golf
nicht zu einem Ende bringen; ohne die
Beteiligung des Iran kann es im Mittleren Osten keinen dauerhaften Frieden geben.
Seit nunmehr zehn Tagen ist die
Presse Amerikas und der gesamten Welt
voll von Berichten und Gerüchten über
diese Initiative und ihre Ziele.
Nun, liebe Mitbürger, es gibt ein
altes Sprichwort, das besagt: nichts
verbreitet sich so rasch wie ein Gerücht. Deshalb schien es mir an der
Zeit, direkt zu Ihnen zu sprechen und sie aus erster Hand über unsere
Beziehungen zum Iran zu informieren.
Will Rogers sagte einmal: "Gerüchte
sind schneller, aber sie halten der
Wahrheit nicht stand."
Halten wir
uns also an die Tatsachen.
Die Behauptung wurde aufgestellt,
die Vereinigten Staaten hätten Waffen
an den Iran geliefert - als Lösegeldzahlung für die Freilassung amerikanischer Geiseln im Libanon -, die
Vereinigten Staaten hätten ihre Verbündeten hintergangen und heimlich
die amerikanische Politik verletzt,
wonach es keine Geschäftsbeziehungen
zu Terroristen geben soll.
Diese Behauptungen
men falsch.

sind vollkom-

Die Vereinigten Staaten haben
keine Zugeständnisse an jene gemacht,
die unsere Landsleute im Libanon gefangenhalten.
Und wir werden das
auch nicht tun.
Die Vereinigten
Staaten haben weder Schiffsladungen
- 2

noch Flugzeugladungen voller amerikanischer Waffen gegen amerikanische
Geiseln ausgetauscht. Und wir werden
das auch nicht tun.
Es tauchten auch Berichte über
eine angebliche amerikanische Verwikklung auf. Berichte über einen Seetransport in Richtung Iran unter Verwendung dänischer Schiffe, mit amerikanischen
Waffen
beladen.
über
Schiffe in spanischen Häfen zwecks
geheimer amerikanischer Waffentransporte, über italienische Häfen, die
angelaufen wurden, darüber, daß die
Vereinigten Staaten, die angeblich
Ersatzteile und Waffen für Kampfflugzeuge lieferten. All diese Berichte
sind ganz schön aufregend; aber was
uns angeht, so ist nicht ein einziger
von ihnen wahr.
Im Verlauf unserer vertraulichen
Diskussionen stimmte ich dem Transfer
geringer Mengen von Verteidigungswaffen und Ersatzteilen für Defensivsysteme an den Iran zu. Meine Absicht
bestand darin, Teheran davon zu überzeugen, daß unsere Unterhändler mit
meiner Erlaubnis handelten, ein Signal zu senden, daß die Vereinigten
Staaten bereit seien, die Feindseligkeit zwischen uns durch neue Beziehungen zu ersetzen. Diese bescheidenen Lieferungen könnten, zusammengenommen, leicht in einem einzigen
Transportflugzeug Platz finden. Sie
könnten, zusammengenommen, weder den
Ausgang des sechs Jahre alten Krieges
zwischen dem Iran und dem Irak beeinflussen - noch könnten sie in irgendeiner Weise Wirkung auf das militärische Gleichgewicht zwischen den beiden Ländern haben.
Jene, mit denen wir in Kontakt
stehen, gingen erhebliche Risiken ein
und bedurften eines Signals unserer
ernsthaften Absicht, sollten sie ihr
Wirken fortsetzen und den Dialog aus-

�weiten.

schaft.

Als wir diese Initiative ergriffen, machten wir dem Iran aber auch
klar, daß er sich als Vorbedingung
für Portschritte in unseren Beziehungen allen Formen des internationalen
Terrorismus
entgegenstellen
müsse.
Wir deuteten an, daß der wesentlichste schritt, den der Iran unternehmen
könnte, darin bestünde, seinen Einfluß im Libanon zu verwenden, um die
Freilassung aller dort festgehaltenen
Geiseln zu erwirken.

Aus diesen Gründen liegt es in
unserem
nationalen
Interesse, nach
Veränderungen
im Iran Ausschau zu
halten, der Hoffnung auf verbesserte
Beziehungen bietet. Bis zum vergangenen Jahr gab es nur wenig, was derlei Hoffnung rechtfertigt hätte.

Aber warum, so mögen Sie fragen,
sind Beziehungen zum Iran überhaupt
für die Vereinigten Staaten wichtig?

Vielmehr gibt es noch immer bittere und tiefe Meinungsverschiedenheiten, die noch heute andauern. Im
Zentrum unseres Disputs steht die Unterstützung des internationalen Terrorismus durch den Iran. Es ist bislang die Politik des Iran gewesen,
jeglichen westlichen Einfluß aus dem
Mittleren Osten zu verdrängen. Damit
können wir uns nicht abfinden, denn
unsere Interessen im Mittleren Osten
sind grundlegender Art. Dabei streben wir im Iran weder territoriale
Gewinne, noch eine spezielle Position
an. Die iranische Revolution ist eine geschichtliche Tatsache; aber zwischen den grundlegenden
nationalen
Interessen
der Vereinigten Staaten
und des Iran braucht es keinen permanenten Konflikt zu geben.

Der Iran hat eine der bedeutsamsten geopolitischen Lagen der Welt.
Er liegt zwischen der Sowjetunion und
dem Zugang zu den Gewässern des Indischen Ozeans.
Die Geographie erklärt, warum die Sowjetunion eine Armee nach Afghanistan geschickt hat,
um das Land - und, wenn möglich - den
Iran und Pakistan zu beherrschen.

Seit
1983
haben
verschiedene
Staaten mit dem Versuch begonnen, direkte Kontakte zwischen den Vereinigten Staaten und dem Iran herzustellen.
Europäische, nahöstliche und
fernöstliche Länder versuchten, als
Mittler aufzutreten.
Trotz amerikanischer Bereitschaft zu mehr Bewegung
trug keine dieser Bemühungen Früchte.

Die geographische Lage verleiht
dem Iran eine ganz entscheidende Position, von wo aus Gegner in die ölströme aus den arabischen Staaten
eingreifen könnten, die Anrainer des
Persischen Golfs sind. Von der Geographie abgesehen sind die Erdölvorräte des Iran wichtig für das langfristige Wohlergehen der Weltwirt-

Vor diesem Hintergrund reagierten
wir im vergangenen Jahr, als wir auf
die Möglichkeit hingewiesen wurden,
einen direkten Dialog mit iranischen
RegierungsVertretern einzurichten.

Einiger Fortschritt wurde bereits
erzielt.
Seit Beginn der Kontakte
zwischen der amerikanischen Regierung
und dem Iran gab es keine Beweise für
Komplizenschaft der iranischen Regierung bei Terrorakten gegen die Vereinigten Staaten. Einige Geiseln sind
nach Hause zurückgekehrt - und wir
begrüßen die Bemühungen, die die Regierung des Iran in Vergangenheit unternommen hat und derzeit unternimmt.

Lassen Sie es mich noch einmal
wiederholen.
Amerikas Ziele in der
Region sind seit langem:
Hilfe bei

- 3 -

�der Bewahrung der Unabhängigkeit des
Iran vor sowjetischer Domination;
Herbeiführung eines ehrenhaften Endes
des blutigen Krieges zwischen dem
Iran und dem Irak; Beendigung der
Verbreitung von Subversion und Terrorismus in der Region. Ein Haupthindernis bei diesen zielen war der
fehlende Dialog, die abgeschnittene
Verbindung zwischen uns.
Unserem Versuch
der Schaffung
besserer Beziehungen zwischen unseren
beiden Ländern liegt die strategische
Bedeutung des Iran und sein Einfluß
in der islamischen Welt zugrunde.
Unsere Gespräche wurden bis ins
Frühjahr dieses Jahres fortgesetzt.
Angesichts des unserer Meinung nach
bis
dahin
erzielten
Fortschritts
dachten wir daran, das Niveau der
diplomatischen
Kontakte
anzuheben.
Ein Treffen in Teheran wurde arrangiert. Ich ersuchte meinen ehemaligen Sicherheitsberater, Robert McFarlane, eine Geheimmission zu unternehmen und gab ihm ausführliche Instruktionen.
Ich ersuchte ihn, in
den Iran zu gehen, um dort einen Dialog zu eröffnen, wobei ich klar und
deutlich auf unsere Grundziele und
Meinungsunterschiede hinwies.
Die viertägigen Gespräche wurden
in zivilisierter weise geführt; amerikanisches Personal wurde nicht mißhandelt. Seither wurde der Dialog
fortgeführt und schrittweiser Fortschritt wird auch weiterhin erzielt.
Lassen Sie mich wiederholen: unseren Interessen wird eindeutig durch
die Eröffnung eines Dialogs mit dem
Iran gedient und dadurch zu einer Beendigung des Krieges zwischen dem
Iran und Irak beigetragen.
Dieser
Krieg zieht sich nun schon seit über
sechs Jahren hin, Aussicht auf eine
Verhandlungslösung
besteht
nicht.

Die Opfer auf beiden Seiten sind gewaltig; die nachteiligen wirtschaftlichen und politischen Folgen für
diese so wichtige Weltregion werden
immer größer. Wir haben versucht, in
diesem sinnlosen Kampf Verbindung mit
beiden Seiten aufzunehmen, um dabei
behilflich zu sein, eine Waffenruhe
und letztlich einen Frieden auszuhandeln. Wir sind dabei um Ausgewogenheit bemüht, indem wir mit beiden
Seiten wie auch mit anderen interessierten Staaten zusammenarbeiten, um
eine Ausweitung des Krieges zu verhindern.
Dieses heikle Unterfangen birgt
für die Beteiligten große Risiken.
Es steht außer Frage, daß wir diesen
Dialog nie hätten beginnen oder fortführen können, wäre die Initiative
eher aufgedeckt worden.
Wegen der
Publizität der vergangenen Woche ist
heute die gesamte Initiative in großer Gefahr.
Unsere Geschichte ist voll anderer Beispiele für diese Art Geheimdiplomatie. 1971 sandte der damalige
Präsident Nixon seinen nationalen Sicherheitsberater auf geheime Mission
nach China. In jenem Fall bestand,
wie heute, ein entscheidendes Bedürfnis nach Diskretion und nach gutem
Gespür für die Situation, in der sich
das Land befand, mit dem wir in den
Dialog einzutreten versuchen.
Seit der sicheren Rückkehr von
David Jacobsen, der als Geisel festgehalten worden war, gab es eine Unzahl an Spekulationen und Berichten,
die nicht nur falsch waren, sondern
auch für die Geisel potentiell gefährlich und sich zerstörerisch auf
die Chancen auswirken, die wir noch
haben.
Die Bemühungen so mutiger
Leute wie Terry Waite wurden gefährdet. Aber die falschen Gerüchte und
die irrigen Berichte nahmen so zu,

�daß das Risiko weiteren Schweigens
jetzt die Gefahren eines offenen Wortes überwiegen.
Und deshalb entschloß ich mich, heute abend zu Ihnen
zu sprechen.
Beispielsweise wurde viel darüber
berichtet,
daß
der
Kongreß
sowie
höchstrangige Angehörige der Administration u :igang&lt;jn worden wären. Obwohl die /on uns unternommenen Anstrengunger überaus heikel waren und
die Zahl &lt; er darin einbezogenen Regierungsmitgliecer auf diejenigen begrenzt
war,
3ie
unbedingt
davon
Kenntnis ru ben mußten, waren alle betioffenen ;abin?ttsangehörigen umfassend konsu .tier:. nie von mir autorisierten ichri^te standen in vollem
Einklang n it den Bundesgesetzen und
tun dies a ich weiterhin; auch die rel'Vinten K&gt;ngre3ausschüsse wurden und
w&lt; rien umf; ssenr informiert.

den Forderungen von Terroristen zu
beugen.
Diese Politik des "keine
Konzessionen" ist auch weiterhin gültig - trotz der wilden Spekulationen
und falschen Berichte über Waffen für
Geiseln und vermeintliche Lösegeldzahlungen.
Wir haben nicht - ich
wiederhole: nicht - Waffen oder dergleichen gegen Geiseln eingetauscht
und werden dies auch nicht tun. Jene, die glauben, wir seien gegenüber
dem
Terrorismus
"weich
geworden",
sollten über diese Frage mit Oberst
Gadhafi sprechen.
Wir haben nicht vor Terroristen
kapituliert - und werden dies auch
nicht tun.
Wir werden jedoch auch
weiterhin die lebenswichtigen Interessen unserer großen Nation fördern trotz Terroristen und Radikaler, die
versuchen, unsere Bemühungen zu untergraben und die Vereinigten Staaten
lahmzulegen.

Eine
veite:e Unterstellung bes eht darii, wir hätten uns im Golfkrieg auf die Seite des Iran gestellt.
?uch dies ist unbegründet.
W^r haben immer wieder die Gewalt auf
beiden Sei;en verurteilt. Wir haben
UMS immer wieder am eine Verhandlungslösun' bemüht, die die territoriale Integrität beider Staaten bewahrt.
Die Annäherungsversuche, die
w r beim Iran unternommen haben, sind
k ;i&gt;ie Verschiebung der Unterstützung
v &gt;n einer Seit? zur anderen. Vielmehr handelt es sich hierbei um eine
diplomatische Initiative, um im Iran
- wie auch im Irak - ein gewisses Maß
ai Zugang jnd Einfluß zu erhalten und
UM diesen blutigen Konflikt zu einem
ehrenvolle.i
Ende
zu
bringen.
Es
l\egt im Interesse aller Parteien in
der Golfrejion, diesen Krieg so bald
w e möglic i zu beenden.

Als Präsident habe ich immer in
der Überzeugung gehandelt, daß das
amerikanische Volk, mit den Tatsachen
vertraut, die richtige Entscheidung
treffen wird. Ich bin überzeugt, daß
dies auch jetzt richtig ist.

Ich fasse ?usammen: unsere Regier mg verfolgt eine klare politische
Linie, die d a r n besteht, sich nicht

Ich kann kein Ergebnis garantieren.
Aber wie in der Vergangenheit
erbitte ich Ihre Unterstützung, weil

Unsere Ziele waren und bleiben:
- Wiederherstellung
zum Iran,

der Beziehungen

- Herbeiführung
eines
ehrenvollen
Endes des Golfkrieges,
- Beendigung des staatlich unterstützten
Terrors
im
Mittleren
Osten und schließlich
- die sichere Heimkehr
seln aus dem Libanon.

- 5-

aller

Gei-

�ich glaube, daß Sie die Hoffnung auf
Frieden im Mittleren Osten teilen,
auf Freiheit für alle Geiseln und auf
eine Welt, die frei von Terrorismus
ist. Sicherlich gibt es bei der Verfolgung dieser ziele Risiken, aber
die Risiken sind noch größer, wenn
wir nicht unermüdlich weitermachen.
Es wird der Geduld und der Einsicht bedürfen; es wird des anhaltenden Widerstands gegon jene bedürfen,
die terroristische Handlungen begehen; und es wird der Zusammenarbeit
mit all jenen bedürfen, die die Welt
von dieser ?lage befreien wollen.

- 6

�AMERIKA DIENST
'VON

Dokumentation

4

20. November 1986

39

REAGAN SIEHT FORTSCHRITTE IN GENF
Erklärung zum Abschluß der 6. Runde der NST-Verhandlungen -

WASHINGTON - (AD) - Den Abschluß der sechsten Runde der Verhandlungen über
Kern- und Weltraumwaffen (NST) in Genf nahm Präsident Reagan am 12. November
1984 zum Anlaß einer schriftlichen Erklärung, in der er darauf hinwies, daß
diese neue Runde "vielleicht die bislang produktivste" gewesen ist, obwohl die
Sowjets durch ihr Beharren auf einer Verknüpfung aller Elemente der nuklearen
Gleichung einen "großen Schritt rückwärts" taten.
Die Erklärung des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:

Da der heutige Tag den Abschluß
der sechsten Runde der Verhandlungen
über Kern- und Weltraumwaffen (NST)
zwischen den Vereinigten Staaten und
der Sowjetunion signalisiert, möchte
ich diese Gelegenheit ergreifen, erneut unsere Verpflichtung zu bekräftigen, umfassende, ausgewogene und
verifizierbare
Verringerungen
der
amerikanischen und sowjetischen Nukleararsenale zu erreichen.
Solche
Verringerungen würden die Gefahr eines Atomkriegs mindern und eine weit
sicherere Welt schaffen.

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Als diese Runde vor acht Wochen
eröffnet wurde, zeigte sich darin die
Chance auf bedeutsame Fortschritte in
unserem Bemühen, die Zustimmung der
Sowjets zu umfassenden Verringerungen
der Kernwaffen
zu
erhalten.
Die
Hoffnung hierauf verstärkte sich noch
durch den Fortschritt, der im Verlauf
meines Treffens mit Generalsekretär
Gorbatschow in Reykjavik im vergangenen Monat erzielt wurde. Wir sprachen dort über die gesamte Bandbreite
der Themen, die unsere beiden Länder
betreffen - einschließlich der Men-

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�schenrechte, der regionalen Konflikte, der Rüstungsverringerung
sowie
der erweiterten bilateralen Kontakte
und der Kommunikation.
Insbesondere
hinsichtlich
der
Rüstungskontrolle
erzielten der Generalsekretär und ich
erhebliche Fortschritte bei der Annäherung der amerikanischen und sowjetischen Standpunkte bei mehreren zentralen Fragen:
Wir stimmten einer 50prozentigen
Verringerung der strategischen Offensivwaffen
im Verlauf der nächsten
fünf Jahre zu, die durch die Verringerung auf 1 600 strategische Trägersysteme und 6 000 Gefechtsköpfe bei
diesen Trägersystemen ergänzt werden
sollten.
- Wir
betonten die Notwendigkeit
erheblicher Einschnitte bei den
schweren
Interkontinentalraketen
der Sowjetunion, von denen die
destabilisierendste Wirkung ausgeht.
- Wir stimmten einer weltweiten Beschränkung auf 100 Gefechtsköpfe
bei den nuklearen Mittelstreckensystemen größerer Reichweite zu;
in Europa sollten keinerlei solche Raketen verbleiben.
Die Vereinigten Staaten schlugen
vor, weder sie selbst noch die UdSSR
sollten in den nächsten zehn Jahren
eine moderne strategische Verteidigung dislozieren, während Forschung,
Entwicklung und Erprobung, die der
ABM-Vertrag zuläßt, durchgeführt werden. Dies würde mit der Vereinbarung
gekoppelt, wonach während der ersten
fünf Jahre dieses Zeitraums die strategischen Offensivwaffen um 50 Prozent verringert und während der zweiten fünf Jahre alle verbleibenden offensiven ballistischen Raketen der
Vereinigten Staaten und der Sowjetunion vollständig abgeschafft würden.

Wir verwiesen darauf, daß am Ende
dieser Zehnjahres-Frist
jede Seite
eine derartige Verteidigung dislozieren könnte, falls sie sich dazu entscheiden würde, es sei denn, die Vertragsparteien kämen zu einer anderen
Übereinkunft.
Herr Gorbatschow akzeptierte diesen Vorschlag nicht und
bestand stattdessen darauf, den ABMVertrag
restriktiver
zu gestalten,
indem er unsere Forschung ausschließlich auf das Labor begrenzt wissen
wollte, womit er letztlich die amerikanische Strategische Verteidigungsinitiative abwürgen würde.
Während dieser Runde legten unsere Unterhändler in Genf in aller Form
neue amerikanische Vorschläge, die
die
Bereiche
der
zwischen
Herrn
Gorbatschow und mir in Reykjavik erzielten
Übereinstimmung
widerspiegeln, sowie unsere anderen Vorschläge
auf den Tisch. Am 7. November unternahm auch die Sowjetunion durch Unterbreitung
von
Vorschlägen,
die
teilweise den in Reykjavik erzielten
Fortschritt
widerspiegeln,
einige
neue schritte.
Diese Bereiche der
Übereinstimmung können als Ausgangspunkt dienen, von dem aus die amerikanischen und sowjetischen Unterhändler
bedeutsame
Rüstungskontrollverträge schmieden könnten.
Dies ist
aber bislang noch nicht der Fall gewesen.
Obwohl dies vielleicht die
bislang produktivste Verhandlungsrunde gewesen ist, haben die sowjetischen
Unterhändler
bislang
noch
nicht entsprechend reagiert, um auf
dem
in Reykjavik
erzielten
Fortschritt
aufzubauen.
Stattdessen
schienen die Sowjets bisweilen mehr
an der Durchführung einer Öffentlichkeitskampagne
interessiert
als
am
Verfolg eines ernsthaften Gebens und
Nehmens am Verhandlungstisch.

der

- 2 -

Dies gilt vor allem für die Frage
Verringerung bei den nuklearen

�Mittelstreckensystemen.
Bei unserem
Gipfeltreffen vor einem Jahr in Genf
kamen Herr Gorbatschow und ich überein, dort weiterzumachen, wo es Bereiche der Übereinstimmung gibt, einschließlich eines INF-Zwischenabkommens. Die Sowjets bekräftigten diese
Position noch einmal durch Vorschläge, die sie zu Beginn dieses Jahres
unterbreiteten.
Und
sie verwiesen
nur wenige Tage vor unserem Treffen
in Island erneut auf das ziel eines
separaten INF-Abkommens. Jetzt aber
sind die Sowjets einen großen Schritt
rückwärts gegangen, indem sie darauf
bestehen, daß Fortschritt in allen
Bereichen der Rüstungskontrolle bei
den Kernwaffen in einem einzigen Paket verschnürt sein müsse. Diese Bemühung, Fortschritte in anderen Bereichen
der
Rüstungskontrolle
zur
Geisel einer Hinnahme des sowjetischen Versuchs zu machen, unser SDIProgramm zu vereiteln, ist für uns
ganz offenkundig unannehmbar.
Angesichts der anhaltenden sowjetischen Aufrüstung im Offensivbereich, der seit langer Zeit bestehenden und intensiven sowjetischen Programme bei der strategischen Verteidigung und angesichts der andauernden
sowjetischen
Nichteinhaltung
bestehender RüstungskontrollVereinbarungen
ist SDI für die künftige Sicherheit
der Vereinigten Staaten und ihrer
Verbündeten
von größter Bedeutung.
Amerika weiß, daß SDI das entscheidende Mittel war, um die Sowjets zur
Rückkehr zum Verhandlungstisch zu bewegen - und auch entscheidend für unsere Aussichten auf Abschluß eines
Abkommens mit den Sowjets zur Verringerung der Kernwaffen. Eine wirksame
strategische Verteidigung wäre eine
Versicherung gegen Betrug oder Aufhebung eines solchen Abkommens seitens
der Sowjets.
Außerdem wäre sie für
die Sowjets ein fortwährender Anreiz,
bei den Offensivwaffen auf weitere

Verringerungen
hinzuarbeiten.
SDI
ist daher eine lebenswichtige Versicherungspolice, die wir nicht wegverhandeln können und nicht wegverhandeln werden. Dies ist eine Verpflichtung, die ich gegenüber dem amerikanischen Volk eingegangen bin und dazu
stehe ich.
Die
amerikanischen
Unterhändler
haben schwer daran gearbeitet, den in
Reykjavik
erzielten Fortschritt
in
konkrete,
neue
Abrüstungsvorschläge
umzusetzen.
Diese
neuen amerikanischen Vorschläge liegen nun zusammen
mit einigen neuen sowjetischen Vorschlägen in Genf auf dem Verhandlungstisch. Hoffen wir, daß die Sowjets, wenn die Verhandlungen, wie
bereits vereinbart, am 15. Januar
wieder aufgenommen werden, mit uns
zusammen darangehen werden, zum erstenmal in der Geschichte bedeutende
Verringerungen bei den Kernwaffen zu
erreichen.
Solche
Verringerungen
sind
jetzt
in unserer Reichweite,
wenn die Sowjets sich uns in dem
ernsthaften Bemühen um Abkommen anschließen, die für beide Seiten ausgewogen und stabilisierend sind und
im Interesse der ganzen Welt liegen.
Wir sind dazu bereit. Wir warten auf
die
sowjetische
Bereitschaft
zum
Schritt nach vorn.

- 3 -

* * * * *

�AMERIKA DIENST
'VON

Dokumentation

**

39

20. November 1986

FREIER HANDEL MIT AGRARPRODOKTEN: GEBOT
FÜR EIN GESUNDES WELTHANDELSSYSTEM
- Ansprache von Botschafter Burt in Hamburg HAMBURG - (AD) - In einer Ansprache vor dem Waren-Verein der Hamburger
Börse e.V. hat Botschafter Richard R. Burt am 18. November 1986 davor gewarnt,
daß die Vereinigten Staaten und Europa sich im Bereich der Agrarpolitik auf
Kollisionskurs befinden. Er betonte, daß ein freier Agrarhandel für die Aufrechterhaltung eines offenen Welthandelssystems unerläßlich ist. Burt erklärte, "wenn es uns nicht gelingt, anstehende Probleme der Landwirtschaft in den
Griff zu bekommen, wird es in den Vereinigten Staaten als Gegenreaktion protektionistischen Druck geben". Dies würde sich auch auf die transatlantischen
Beziehungen in der Sicherheitspolitik auswirken.
Die Äußerungen des Botschafters haben folgenden Wortlaut:
Verehrter Herr Freytag, Dr. Graf
Lambsdorff, meine Damen und Herren*.
Wir sind hier in Hamburg zusammengekommen, der Stadt, die vor Hunderten von Jahren in der Hanse, einem
der großen Handelsbündnisse der Weltgeschichte, zu gewaltigem Wohlstand
gelangte. Ein zentrales Anliegen für
die Hanse war der Handel mit landwirtschaftlichen Erzeugnissen.
Heute
hat sich nicht viel verändert: Die
Bundesrepublik Deutschland nimmt nach
wie vor eine Schlüsselstellung im
wichtigsten
Handelssystem
der Welt

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ein, und der Handel mit landwirtschaftlichen Produkten bleibt lebenswichtiger Bestandteil dieses Handelssystems, in dem wir alle zu Wohlstand
gelangt sind.
Ich möchte daher zu Ihnen ein wenig über den Handel mit landwirtschaftlichen Gütern sprechen,
- über seine Bedeutung für Deutsche
und Amerikaner gleichermaßen,
- über die Probleme, die er uns bereitet
- und über Lösungen, die wir zusam-

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�men erarbeiten müssen.

wohl mit Offenheit als auch mit politischem Mut angehen.

Seit meiner Ankunft in Deutschland im vergangenen Jahr habe ich
wiederholt gesagt, daß sich die Beziehung
zwischen
den
Vereinigten
Staaten und der Bundesrepublik zu einer "reifen Partnerschaft" entwikkelt.
In vielen Bereichen gibt es
eine bemerkenswerte Übereinstimmung
unserer Ansichten.
Auf geopolitischer Ebene sehen sich Europa und die
Vereinigten Staaten derselben Bedrohung gegenüber und stehen in der NATO
für unsere gemeinsame Verteidigung
fest zusammen. Wir arbeiten darüber
hinaus bei einer großen Bandbreite
außenpolitischer Themenkreise zusammen, wie etwa beim Terrorismus, bei
Südafrika und dem Mittleren Osten.
Ein Aspekt dieser "reifen Partnerschaft" ist unsere Fähigkeit, miteinander über die Punkte zu sprechen,
bei denen unsere Ansichten auseinandergehen. Einer dieser Punkte ist im
Augenblick der Handel mit landwirtschaftlichen Produkten. Manche mögen
diesen Bereich als nicht so wichtig
einschätzen wie etwa die Beziehungen
auf
sicherheitspolitischer
Ebene;
trotzdem glaube ich, daß der Handel
an erster und zentraler stelle stehen
muß.
Das offen und ehrlich geführte
Gespräch unter Freunden ist ein wesentlicher Bestandteil einer reifen
Partnerschaft, und gerade Offenheit
ist bei diesem Thema notwendig. Wenn
es uns nicht gelingt, anstehende Probleme der Landwirtschaft in den Griff
zu bekommen, wird es in den Vereinigten Staaten als Gegenreaktion protektionistischen Druck geben. Ein größerer Ruck zum Protektionismus würde
sich unweigerlich auf die transatlantischen Beziehungen in der Sicherheitspolitik auswirken.
Aus diesem
Grund müssen wir das Thema Handel so-

Das Dilemma, dem wir uns heute in
der
Landwirtschaft
gegenübersehen,
geht weit über den Handel selbst hinaus. Wir sprechen über die Notwendigkeit der Umstrukturierung eines
wesentlichen Elements unserer Volkswirtschaften. Solch radikaler Wandel
muß besonders durch die Art und Weise, wie wir ihn beeinflussen, sowohl
politische als auch wirtschaftliche
Auswirkungen haben. Im Bereich des
Handels könnten wir heute sehr wohl
an dem Punkt angelangt sein, wo es um
die Zukunft des Multilateralismus, um
die Stärke der westlichen Volkswirtschaften und die Lebensfähigkeit der
Volkswirtschaften
in den Entwicklungsländern geht.
Vor etwas über 20 Jahren erklärte
Indonesiens Präsident Sukarno, um
seine Wähler auf gewisse politische
und wirtschaftliche Schwierigkeiten
vorzubereiten:
"Dieses Jahr leben
wir gefährlich".
Heute leben auch
die Vereinigten Staaten und die Europäische Gemeinschaft "gefährlich" und
werden dies weiterhin tun, wenn sie
nicht mit ihren Handelsproblemen fertigwerden.
Sie als Mitglieder des Waren-Vereins kennen und schätzen die Vorzüge
eines Klimas des freien Handels. Sie
kennen ferner die Nachteile und Verzerrungen für den Handel, die auftreten können, wenn Institutionen und
Regierungen in solchem Umfeld intervenieren. Wir können es uns nicht
leisten, zu vergessen, wie alle Länder - auch meines - in den dreißiger
Jahren zugelassen haben, daß der Protektionismus den Handel erstickt und
damit die weltweite wirtschaftliche
Not hervorgerufen hat, die zum Aufstieg der Diktatur und zum Zusammenbruch einer friedlichen Weltordnung

- 2 -

�beitrug.
Die
kostspieligen
Auswirkungen
einer über das natürliche Maß hinausgehenden Unterstützung unserer Landwirte werden für uns alle sichtbar.
Erstens belasten wir die öffentliche
Hand
und
fügen unseren Volkswirtschaften
erheblichen
Schaden
zu.
Zweitens bereiten wir uns selbst und
einander ernsthafte Schwierigkeiten,
die zu einer Belastung der Grundstruktur unserer Beziehungen zu werden drohen. Drittens schaden wir anderen Exporteuren, die nicht subventionieren und von denen viele unsere
engen Verbündeten sind.
Schließlich
richten wir großen Schaden bei den
Entwicklungsländern an, indem wir sie
bei
ihrem Bemühen behindern, sich
ausreichend
mit Nahrungsmitteln
zu
versorgen und selbst Agrarexporte zu
exportieren, um auf diese Weise ihre
Schuldenprobleme zu lösen.
Ich möchte Ihnen einige unserer
sehr realen Sorgen über die Politik
der Gemeinschaft vortragen und auch
darüber sprechen, warum wir unsere
europäischen Freunde so sehr drängen,
die
augenblicklich
unbefriedigende
Struktur mit Nachdruck zu reformieren. In den letzten fünf Jahren haben die Vereinigten Staaten in ihrer
Handelsbilanz mit der EG einen dramatischen
Umschwung
wahrgenommen.
Vor 1984 verzeichneten die Vereinigten Staaten durchgängig Zahlungsbilanzüberschüsse gegenüber der Gemeinschaft. 1980 belief sich unser Überschuß im Handel auf 18 Milliarden
Dollar. Für 1986 prognostizieren wir
hingegen ein Handelsbilanzdefizit von
23 Milliarden Dollar.
Das bedeutet
einen Umschwung im Handel zugunsten
der Gemeinschaft von über 40 Milliarden Dollar in sechs Jahren.
Einer der
hinter
dieser

wesentlichen
Entwicklung

Handel mit landwirtschaftlichen Erzeugnissen. Seit 1980 ist der Absatz
von amerikanischen Agrarprodukten in
der EG um 40 Prozent zurückgegangen.
Unser Überschuß im Agrarhandel ist um
über fünf Milliarden Dollar gesunken.
Ende des Jahres 1985 hatte dieser
Handelsüberschuß
im
landwirtschaftlichen
Sektor
seinen
niedrigsten
Stand erreicht und könnte in Zukunft
völlig verschwinden.
Diese Entwicklungen stehen im Gegensatz zum Aufstieg der Europäischen Gemeinschaft
zum zweitgrößten Exporteur von Agrarprodukten in der Welt im selben Zeitraum. Unseren Beobachtungen nach ist
es den gegenwärtigen Trends zufolge
wahrscheinlich, daß die EG 1986 die
Vereinigten Staaten als den größten
Exporteur von Agrarprodukten überrunden wird - ein Faktum, das vor einigen Jahren niemand auch nur im entferntesten für möglich gehalten hätte.
Dies wäre gerecht und durchaus
zum Vorteil der Welt, wenn Europa Agrarprodukte billiger als die Vereinigten Staaten produzieren könnte.
Aber diese Verschiebung in der Struktur des Handels ist das Ergebnis von
Subventionen und Handelsbeschränkungen, die die Weltmärkte zu unser aller Nachteil verzerren.
Heute ist die EG der Welt größter
Exporteur von Butter, Geflügel, Rindfleisch und Weißzucker.
In keinem
dieser
Bereiche
produziert
Europa
vergleichsweise billiger als andere
Anbieter. Aufgrund hoher Stützpreise
stieg die Produktion dieser und anderer
Erzeugnisse
in
einer
Periode
weltweit stagnierender Nachfrage weiter an.
Die EG wiederum hat versucht, ihre Überschußproduktion auf
den Weltmärkten abzusetzen, indem sie
Exportsubventionen benutzte, um die
Anhäufung lästiger Vorräte auf ein
Mindestmaß zu beschränken.

Faktoren
ist der
- 3 -

Die wurzeln für diese Entwicklung

�liegen in der Agrarpolitik der Europäischen Gemeinschaft. Die Grundsätze dieser gemeinsamen
Agrarpolitik
von 1962 - garantierte Versorgung mit
Nahrungsmitteln in Zeiten der Knappheit und faire Erträge für die Bauern
- entsprangen sicherlich guten Motiven. Wir alle möchten, daß die Landbevölkerung einen gerechten Anteil am
Wohlstand unserer Länder erhält. Ein
freierer Handel mit landwirtschaftlichen Erzeugnissen innerhalb der Gemeinschaft war wirtschaftlich zweifellos sinnvoll.
Gleichzeitig mußten die amerikanischen Bauern jedoch relativ hilflos
mit ansehen, wie die EG von einem bedeutenden
Importeur
amerikanischer
Agrarprodukte bei vielen dieser Produkte zum Konkurrenten wurde. Diese
Verlagerung beim Handel hatte deutlich sichtbare Auswirkungen auf die
amerikanische Wirtschaft.
Die Deutschen und andere Europäer sollten
verstehen, daß die Amerikaner einen
starken und florierenden Agrarsektor
als einen der wichtigsten Bestandteile der amerikanischen Wirtschaft ansehen. Wegen des Oberflusses an äußerst ertragreichem Boden waren wir
in der Lage, auf eine steigende inländische und internationale Nachfrage nach Nahrungsmitteln zu reagieren
und damit die Devisen zur Ankurbelung
unseres Importmarktes zu verdienen eines Marktes, der Dreh- und Angelpunkt
weltweiter
wirtschaftlicher
Prosperität gewesen ist.
Als Reaktion auf die neue europäische Rolle im Agrarhandel haben
wir ebenfalls damit begonnen, auf die
von der EG angewandten Praktiken zurückzugreifen.
Wir nähern uns deshalb einem massiven Subventionskrieg zwischen der
Europäischen
Gemeinschaft
und
den
Vereinigten Staaten, und die ausge-

dehnte Anwendung von Exportsubventionen kommt beiden Seiten immer teurer
zu stehen. Zum Beispiel hat die EG
vor kurzem ein Geschäft mit der Sowjetunion abgeschlossen, bei dem sie
Weizen, für den sie selbst 210 Dollar
pro Tonne bezahlt hatte, für 75 Dollar verkaufte. Die Vereinigten Staaten haben kürzlich gefrorenes Geflügel für 875 Dollar pro Tonne an Ägypten verkauft, gewährten den Exporteuren aber einen "Ausfuhrbonus" im Wert
von 1 210 Dollar pro Tonne.
Dies
sind lediglich zwei Beispiele für den
wirtschaftlichen Unsinn, der heute im
landwirtschaftlichen
Bereich
vorherrscht.
Das Interesse des Kongresses am
Schutz der amerikanischen Landwirtschaft in einem feindlichen Handelsumfeld hat die Kosten der Unterstützungsprogramme für die Bauern drastisch in die Höhe getrieben. In diesem Jahr werden die Ausgaben aller
Bundesprogramme
für
die
Landwirtschaft
in den Vereinigten Staaten
über 30 Milliarden Dollar betragen.
Dieser Betrag ist größer als die Nettoerträge aller amerikanischen Farmen
zusammengenommen.
Im Jahr 1981 hatten diese Ausgaben noch bei vier Milliarden Dollar gelegen. All dies muß
vom Steuerzahler getragen werden.
Auf der europäischen Seite des
Atlantik sind die Kosten für die
Stützung der Landwirtschaft ebenfalls
gewaltig.
Die EG verwendet heute
über zwei Drittel ihres Haushalts für
diesen Zweck.
Die Agrarpolitik der
EG wird in diesem Jahr den Haushalt
der Gemeinschaft mit gut 20 Milliarden Dollar belasten, und darin sind
eine Reihe von Subventionsprogrammen
der
einzelnen Mitgliedstaaten
noch
nicht berücksichtigt. Auch die höheren Nahrungsmittelpreise, die der europäische Verbraucher auf Grund dieser Programme zahlen muß, sind in

�dieser Summe nicht enthalten.

unsere Kongreßabgeordneten über
Entwicklungen im Handel sind.

Beim Drängen auf Reformen in der
Agrarpolitik der EG, darunter Maßnahmen zur Verringerung der Uberschußproduktion, stand die Bundesrepublik
Deutschland sicherlich an vorderster
Front. Gleichzeitig hat die Bundesrepublik jedoch im Rahmen der gemeinsamen
Agrarpolitik
eine
interne
Preispolitik unterstützt, die einer
Befürwortung von Maßnahmen zur Produkt ionseinschränkung
zuwiderläuft.
Nach dem heutigen stand genießen die
deutschen Bauern bei vielen Produkten
garantierte Mindestpreise.
Sie können fast alle ihre Produkte unabhängig von Angebot und Nachfrage absetzen.
"Butterberge" sind für Europa
noch immer ein fast ebenso vertrautes
Bild wie die Alpen, trotz der Bemühungen,
die
Milchproduktion
unter
Kontrolle zu bringen.
In Anbetracht der vielen widersprüchlichen Zwänge im Bereich der
Landwirtschaft machen die Amerikaner
sich Sorgen über das Tempo, in dem
sinnvolle Reformen möglich sind.
Wegen unserer Befürchtungen über
die Möglichkeit sinnvoller Veränderungen hierzulande wächst in den Vereinigten Staaten der Druck, einseitige Maßnahmen als Vergeltung für unfaire Handelspraktiken
einzuführen.
Präsident Reagan, ein energischer Befürworter des freien Handels und zuverlässiger Freund Europas sah sich
dieses
Jahr
einem
amerikanischen
Kongreß gegenüber, der entschlossen
war, mit der EG zu wetteifern. Nach
Jahren des Spiels "auf abschüssigem
Terrain" war der Kongreß der Meinung,
es sei an der Zeit, sich die Spielregeln der Europäer zu eigen zu machen.
Dazu
gehören
Subventionen.
Man
braucht nur einige unserer Kongreßanhörungen zu studieren, um ein Gefühl
dafür zu entwickeln, wie frustriert

die

In der soeben beendeten Sitzungsperiode des Kongresses wurden 67 Gesetzentwürfe protektionistischen Inhalts eingebracht. Nicht alle diese
Maßnahmen wurden Gesetz.
Die Zahl
vermittelt jedoch einen Eindruck von
dem Gefühl der Dringlichkeit, ja des
Zorns, das im Kongreß herrscht, wenn
der Schutz unserer Handelsinteressen
zur Debatte steht.
Vertreter
der neuen Mehrheitsfraktion der Demokraten im Kongreß
haben erklärt, daß die Handelsgesetzgebung im Jahr 1987 für sie oberste
Priorität haben wird.
Man braucht
sich nur einmal das Parteiprogramm
der
Demokratischen
Partei
anzuschauen, um zu wissen, daß derartige
Gesetze
nicht
im Interesse
eines
freien und offenen Welthandelssystems
liegen.
Das vom vorigen Kongreß verabschiedete Landwirtschaftsgesetz gibt
ein Bild zukünftiger Trends. Gerade
dieses Gesetz markiert eine scharfe
Abwendung von der Politik des freien
Handels, wie sie in den vergangenen
40 Jahren von den Vereinigten Staaten
verfolgt wurde. Ein ganzer Abschnitt
dieses Gesetzes ist dem internationalen Handel mit Agrarprodukten gewidmet. Es schreibt eine neue aggressive Exportpolitik vor, einschließlich
der Anwendung von Ausfuhrsubventionen, um der EG auf Drittmärkten energisch entgegenzutreten.
Wir glauben nicht, daß Subventionen als Mittel des Wettbewerbs eine
langfristige Lösung für das Problem
des
Agrarhandels
darstellen.
Es
sollte
vielmehr
allen
Beteiligten
klar sein, daß eine langfristige Lösung nur dann möglich ist, wenn wir
unsere Produktion auf ein realist-

- 5 -

�isches Niveau absenken. Mit unserem
Landwirtschaftsgesetz tun wir dies;
unter hohen Kosten für den Steuerzahler und auch unter hohen Kosten für
diejenigen
im
landwirtschaftlichen
Bereich, die in der Vergangenheit von
der
Uberschußproduktion
profitiert
haben.
Ziel der Vereinigten Staaten ist
es, eine marktorientierte Landwirtschaftspolitik einzuführen, durch die
Produktionsentscheidungen an Marktpreise gebunden und Hilfsprogramme
für die Einkommen der Bauern von den
? roduktionsentscheidungen abgekoppelt
werden. Dies ist das längerfristige
Ziel des Landwirtschaftsgesetzes von
1985. Auch deshalb drängt die Administration auf eine Reform des weltweiten Agrarhandelssystems und der
Agrarpolitik der Europäischen Gemeinschaft.
Zusätzlich zu den Exportsubventionen der EG stehen wir derzeit auch
noch vor einigen sehr beunruhigenden
Entwicklungen beim amerikanischen Zugang zu den Märkten der Europäischen
Gemeinschaft.
Wir unterstützen eine größere und
stärkere EG. Wir haben mit Nachdruck
die jüngste Erweiterung der Gemeinschaft beim Beitritt Spaniens und
Portugals unterstützt. Wir sehen jedoch keinen Grund dafür, warum eine
größere EG zu Lasten der amerikanischen Bauern gehen sollte. Sie sehen im Moment mehr als eine halbe
Milliarde Dollar an Exporten zur
Iberischen Halbinsel in Gefahr.
Auch die nichttarifären Handelsschranken bleiben ein Grund des Ärgernisses. Eine davon bedroht derzeit unsere Fleischexporte in die Gemeinschaft. Wir halten unser System
der Fleischkontrolle für hervorragend, garantiert es doch Fleisch von

höchster
und
sicherster Qualität.
Wir beobachten daher mit Argwohn, wie
unbegründete Befürchtungen wegen Kontrollverfahren
und Verwendung von
Hormonen als Mittel verwendet werden,
um den Verkauf unserer Produkte hier
zu verbieten.
Kürzlich haben wir ein Problem
beim Hopfenhandel zwischen den Vereinigten Staaten und der Bundesrepublik
Deutschland durch wissenschaftliche
Mittel und offenen Informationsaustausch erfolgreich gelöst. Ich hoffe, daß wir diese gerade von mir angesprochenen Probleme auf ähnliche
Weise aus der Welt schaffen können.
Wir wissen, daß wir Probleme haben, aber Amerikaner wollen auch Lösungen anstreben. In dieser Hinsicht
sind wir davon überzeugt, daß dauerhafte Lösungen nicht einseitig, sondern kooperativ sind, gegründet auf
bilaterale und multilaterale Vereinbarungen. Ich denke, im Prinzip teilen wir alle diese Verpflichtung.
Beim OECD-Ministertreffen im April und auf dem Weltwirtschaftsgipfel
in Tokio im vergangenen Mai kamen die
führenden Persönlichkeiten der Industriestaaten überein, daß die Landwirtschaft jetzt an die Spitze der
internationalen
Wirtschaftstagesordnung gehört. Wir haben kürzlich die
Vorarbeiten beendet, die zur 8. Runde
der GATT-Verhandlungen, der UruguayRunde, führen werden. In Punta del
Este kamen die Spitzen der wichtigsten Staaten überein, daß die Landwirtschaft als Thema höchster Priorität behandelt werden muß. Sie erkannten, daß ein Scheitern bei der
Vereinbarung einer neuen Runde ernsthafte Gefahren für das internationale
Handelssystem bedeuten und zu einem
scharfen Anstieg des Protektionismus
in allen Bereichen des Handels führen
würde.
_

�Es ist an der Zeit, das Chaos im
Handel mit landwirtschaftlichen Produkten zu beenden und von einseitigen
zu kooperativen Lösungen unserer gemeinsamen
Probleme
zu
gelangen.
Durch den Versuch, auf die Landwirtschaft andere Regeln anzuwenden als
auf den Handel mit Industriegütern,
haben wir den Landwirten in den Vereinigten Staaten und auf der ganzen
Welt Unruhe, Ungerechtigkeiten
und
gewaltige Sorgen bereitet.
In Punta
del Este wurden alle Probleme des Agrarhandels
auf den Verhandlungstisch
gelegt, da die Beteiligten sich der
dringenden Notwendigkeit bewußt waren, dieses schwierige Problem anzugehen. Ganz oben auf der Liste stehen dabei die
landwirtschaftlichen
Subventionen,
die
den
effizienten
Landwirt schädigen und die Budgets
der Länder sprengen, die sie einsetzen.
Wir haben uns auch entschlossen, uns mit der ganzen Bandbreite
der Beschränkungen des Marktzugangs
auseinanderzusetzen, die den Handel
betreffen - einschließlich der gesundheitspolitischen
Maßstäbe.
Bei
entsprechender Zusammenarbeit können
wir dieses ministerielle Mandat bald
in konkrete Ergebnisse umsetzen.

Viele amerikanische Bürger sind
skeptisch über die Aussichten multilateraler Verhandlungen.
Die Vereinigten Staaten brauchen ein multilaterales Abkommen, um die Öffentlichkeit davon
zu überzeugen, daß
auch die anderen willens sind, Änderungen im eigenen Land durchzuführen.
Für kurze Zeit ist eine günstige Gelegenheit hierzu gegeben, und wir
brauchen
den
politischen
Mut, um
jetzt in positivem Geist zu handeln.
Es besteht für uns die dringliche
Notwendigkeit, all die Fragen, die
den
Agrarhandel
betreffen,
einer
strengeren und wirksameren GATT-Regelung zu unterwerfen.
Auch wir sind
voll und ganz bereit, unsere Agrarhandelspolitik zu überprüfen und, wo
notwendig, zu berichtigen.
Ich bin überzeugt, daß das Welthandelssystem bewahrt und ein besseres Umfeld für den Handel erreicht
werden kann, wenn wir bereit sind,
drei wesentliche Schritte zu unternehmen.

Die Durchführung der Uruguay-Runde ist ein wichtiger Schritt vorwärts
in Richtung auf die Verwirklichung
unseres Ziels der Handelsliberalisierung, aber es ist nur ein erster
Schritt. Wir können keine unmittelbaren Resultate erwarten; aber andererseits dürfen sie auch nicht zu
lang auf sich warten lassen. In der
Zwischenzeit werden die Vereinigten
Staaten auch weiterhin eine Politik
zur Erhöhung der Handelschancen verfolgen, einschließlich der konsequenten Anwendung von Gesetzen, die die
Probleme der unfairen Handelspraktiken anderer Staaten angehen.

- 7 -

- Erstens müssen wir durch Abbau
der Zollschranken, denen sich der
Handel gegenübersieht, den Zugang
zum
Markt
verbessern.
Diese
Hemmnisse können die Gestalt von
Abgaben,
Importquoten,
Zöllen
oder speziellen Steuern annehmen.
Es gibt sie sowohl in den Vereinigten Staaten als auch in der
EG; die meisten wurden errichtet,
um bestimmte Sektoren zu schützen, die für den Handel des jeweiligen
Landes von besonderem
Interesse sind. Der Abbau dieser
Zollschranken wird den Handelsfluß und das Wohlergehen aller
erleichtern.
- Zweitens müssen wir wettbewerbsmäßig durch eine diszipliniertere

�Verwendung von Subventionen das
Umfeld
verbessern.
Leider
scheint es so, als seien Subventionen in der heutigen Landwirtschaft endemisch.
Subventionen
sind vielleicht der am meisten
verzerrende Faktor im Welthandel.
Durch ihre allmähliche Beseitigung können wir wieder in einem
freien Handelsumfeld agieren.
Drittens müssen wir die nachteiligen Auswirkungen der nichttarifären Handelsschranken auf ein
Minimum beschränken. Viele davon
treten in Gestalt unrealistischer
Vorschriften für Zweigniederlassungen von Firmen und Gesundheitsbestimmungen bei Tieren auf.
Sowohl die EG als auch die Vereinigten Staaten wollen ihren inund
ausländischen
Verbrauchern
ein sicheres, gesundes Nahrungsmittelangebot garantieren.
Aber
wenn diese Vorschriften mehr zum
Zweck der Behinderung von Importen als zum Schutz der Gesundheit
erlassen werden, dann muß man sie
abschaffen.
Ob auf bilateraler oder multilateraler Ebene: die Verbesserung der
Regeln für den Welthandel ist eine
absolute Notwendigkeit, um das für
unsere Volkswirtschaft so lebenswichtige Umfeld des freien Handels zu
schützen und zu fördern. Ein im Fundament freier und offener Märkte verwurzeltes
Handelssystem
ist
der
Schlüssel zu wirtschaftlichem Wohlergehen.
Die transatlantische Zusammenarbeit bei einer marktorientierten
Politik im internationalen Handel sowie eine Verringerung der Handelsschranken und anderer unfairer Handelspraktiken wird
wesentlich zur
Verbesserung der Handelsaussichten und damit zu Wohlstand für jedermann
- beitragen.

Über Nacht wird sich nichts ändern. Aber wir müssen die Resultate
der neuen Uruguay-Runde als Fundament
benutzen, das ein dem weltweiten
Wohlstand förderliches Umfeld für den
Welthandel schafft. Die Alternative
- der Protektionismus - existiert.
Ich muß es wiederholen: "Wir leben
gefährlich".
Lassen Sie uns alles
tun, um wirklich sicher sein zu können, daß die Gefahr nicht zur Realität wird. Lassen Sie uns alles tun,
um sicherzustellen, daß eine Politik
des freien Handels, die unserer Generation so viel Reichtum und so viele
Vorteile beschert hat, dasselbe auch
den
nachfolgenden
Generationen
bringt. Die Hanse des Mittelalters
ging unter, weil sie sich dem Wandel
nicht anpassen konnte.
Ich denke,
wir im 20. Jahrhundert sind klug und
weitsichtig genug, um es besser zu
machen.

* * * * * *

�AMERIKA DIENST
^7

^

Hintergrundmaterial

C&amp;

20. November 1986

39

RÜSTUNGSKONTROLLE NACH REYKJAVIK
- Von Paul Nitze -

WASHINGTON - (AD) - Der Autor des nachfolgend abgedruckten Artikels ist
Sonderberater in Rüstungskontrollfragen für Präsident Reagan und Außenminister
Shultz. Der Artikel erschien in der hier abgedruckten Passung erstmals in der
Washington Post vom 9. November 1986.

Beim Gipfel in Reykjavik entstanden zwischen den Vereinigten Staatne
und der Sowjetunion grundlegende Meinungsverschiedenheiten über die von
den Sowjets vorgeschlagenen Beschränkungen
der strategischen Verteidigungsinitiative. Diese über den ABMVertrag von 1972 hinausgehenden Vorschläge zur Beschränkung gehörten zu
den Punkten der Uneinigkeit, die einen umfassenden Rahmen für ein vorhersehbares und stabiles Management
bei der Rüstungskontrolle blockiert
haben.

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Die Vereinigten Staaten glauben,
daß sich beide Seiten strikt an den
ABM-Vertrag in seiner jetzigen Fassung halten sollten. Die Vereinigten
Staaten sollten keine über den Vertrag
hinausgehenden
Beschränkungen
bei Entwicklung und Erprobung hinnehmen. Wir müssen ferner sowohl unsere Besorgnis über die sowjetischen
Aktivitäten im ABM-Bereich zur Sprache bringen, die der Vermutung Raum
geben, daß sie auf ihrem eigenen Territorium ein Raktenabwehrsystem vorbereiten, als auch unsere Überzeugung, daß die Sowjets die Radaranlage

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�von Krasnojarsk abbauen sollten, deren Errichtung den ABM-Vertrag direkt
verletzt.
Im Gegensatz zur Haltung der Vereinigten Staaten haben die Sowjets in
Island vorgeschlagen, daß der ABMVertrag geändert werden sollte, um
Forschung und Erprobung aller weltraumgestützten Elemente oder Komponenten einer ABM-Verteidigung auf das
Labor zu beshränken. Die Sowjets beabsichtigten damit, uns bei unserem
SDI-Forschungsprogramm strengere Beschränkungen aufzuerlegen, als dies
durch den ABM-Vertrag geschieht. Solche zusätzlichen Beschränkungen wären
das Ende des SDI-Programms.
Die Vereinigten Staaten glauben,
daß die Art der durch den ABM-Vertrag
gestatteten und verbotenen Aktivitäten, wie sie aus Vetragstext und Verhandlungspapieren hervorgehen, klar
ist.
Die sowjetische Seite möchte
jedoch unter dem Vorwand, den ABMVertrag "stärken" zu wollen, den Vertrag so ergänzen, daß er nunmehr Aktivitäten verbietet, die ursprünglich
nicht verboten werden sollten.
Präsident Reagan konnte das nicht
akzeptieren.
Er hat statt dessen
vorgeschlagen, daß sich beide Seiten
strikt an die Beschränkungen des ABMVertrages halten sollten.
Wenn wir diese Themenkreise näher
untersuchen, sollten wir damit beginnen, zwischen Forschung und Entwicklung zu unterschieden. Der ABM-Vertrag verwendet das Wort "Forschung"
nicht. Bei den SALT I-Verhandlungen
haben weder die Delegation der Vereinigten Staaten noch die der Sowjetunion daran geglaubt, daß es möglich
wäre, Beschränkungen bei der Forschung zu verifizieren. Keine Seite
möchte eine Beschränkung der Forschung, und der ABM-Vertrag versucht

auch keine solche Beschränkung.
Die Vereinigten Staaten haben in
der Vergangenheit bereits in dem von
Harold Brown in einer Erklärung vor
der
sowjetischen
Delegation
bei
SALT I beschriebenen Sachverhalt immer "Forschung" von "Entwicklung" unterschieden.
Forschung
beinhaltet
die Erstellung einer Konzeption und
deren Tests, die sowohl innerhalb wie
auch außerhalb des Labors durchgeführt werden. Die Entwicklung folgt
auf die Forschung und liegt noch vor
den in großem Stil durchgeführten
Tests von Systemen und Teilen, die
für die eigentliche Stationierung bestimmt sind. Die Entwicklung eines
Waffensystems beginnt mit Konstruktion und Erprobung eines oder mehrerer Prototypen des Systems oder seiner wichtigsten Bestandteile.
Die
grundlegenden
Bestimmungen
des ABM-Vertrages sind wohlbekannt.
Artikel I verbietet die Stationierung
von Raketenabwehrsystemen zur Verteidigung des gesamten Territoriums einer Nation. Er beschäftigt sich mit
Systemen, nicht mit deren Bestandteilen, und er verbietet die Stationierung, nicht die Tests.
Artikel V
verbietet die Entwicklung, Erprobung
und Stationierung
see-, luft- und
weltraumgestützter wie auch mobiler
landgestützter
Raketenabwehrsysteme
und deren Bestandteile und nimmt die
1972

niederlegten

physikalischen

Prinzipien als Grundlage.
Auf der anderen Seite erlaubt der
ABM-Vertrag vier allgemeine Bereiche
der Entwicklungs- und Erprobungstätigkeit.
Eine entscheidende Frage zur Definition eines solchen Bereichs erlaubter Aktivität hängt mit einem Kodizill zusammen, das als Übereinkunft
D bekannt ist. Diese Erklärung be2 -

�schäftigt sich mit der Möglichkeit,
daß in Zukunft ABM-Systeme oder deren
Bestandteile entwickelt werden könnten, die "andere physikalische Prinzipien" als Grundlage haben. Solche
hochmodernen Verteidigungssysteme und
deren Bestandteile werden vom Vertrag
anders behandelt als diejenigen, die
in Artikel II näher definiert sind
und denen Technologien von 1972 zugrunde liegen. Übereinkunft D sieht
vor,
daß
die Stationierung
solch
hochmoderner Systeme, nicht
jedoch
deren Entwicklung oder deren Erprobung, von Diskussionen und Übereinkünften abhängig gemacht werden müssen. Deshalb sind die Beschränkungen
von Artikel V nicht auf die Entwicklung und Erprobung moderner Verteidigungsysteme oder deren Bestandteile
anzuwenden.
Diese Auslegung der Übereinkunft
D, die auch als die "weitere" Interpretation
beschrieben
wurde,
ist
durch den Vertragstext und die Verhandlungsdokumente völlig gerechtfertigt.
Der Präsident hat trotzdem
entschieden,
daß
die
Vereinigten
Staaten
das
ursprünglich
geplante
SDI-Programm
nicht
umstrukturieren
werden,
solange
die
Überzeugung
herrscht, daß die Ziele dieses Programms
eingehalten
werden
können.
Deshalb brauchen Sie auch nicht ihre
SDI betreffenden Aktivitäten entsprechend dieser "weiteren" Interpretation des Vertrages durchzuführen, um
die Ziele der SDI-Forschung zu erlangen.

über hinaus erlaubt er Tests von Systemteilen, die im Sinne von ABM keine Fähigkeit zur Raketenabwehr (z.B.
gegen Satelliten)
haben
und
auch
nicht haben können. Eine ABM-Abfangrakete wird als "zur Raketenabwehr
getestet" betrachtet, wenn sie versucht hat, eine Interkontinental-Rakete auf ihrer Flugbahn abzufangen.
Dazu gehören aber keine Tests gegen
Ziele auf Erdumlaufbahn. Schließlich
erlaubt der Vertrag die Entwicklung
und Erprobung von stationären, landgestützen ABM-Radaranlagen und Trägersystemen
auf
zugelassenen
Versuchsgeländen, wie auch Entwicklung
und Erprobung von ABM-Abfangraketen,
die von ABM-Trägersystemen gestartet
und im Weltraum erprobt werden.
Die Sowjetunion muß einsehen, daß
die Vereinigten Staaten gegen Beschränkungen bei Entwicklung und Erprobung sind, die über das hinausgehen, was im Rahmen des ABM-Vertrages
ausgehandelt, vereinbart und kodifiziert wurde. Wenn sie dies tut, können wir uns auf ein umfassendes, stabilisierendes Abkommen über ein zukünftiges Rüstungskontroll-Management
hinbewegen, das eine defensiv angelegte Forschung und Erprobung, den
Abbau von strategischen Offensivwaffen und eine gemeinsam vorgenommene
Umorientierung zu mehr Vertrauen auf
Verteidigungssysteme vorsieht.

Drei andere Bereiche der Entwicklung und Erprobung werden vom ABMVertrag zugelassen.
Der Vertrag beschränkt zum Beispiel nicht die Entwicklung und Erprobung von Vorrichtungen, die weder Bestandteile eines
ABM-Systems sind, wie es im Vertrag
definiert wird, noch einen Ersatz
solcher Komponenten darstellen. Dar- 3 -

* * * * *

�AMERIKA DIENST
VON

e

Wissenschaft und Technik
20. November 1986

39

KÜNFTIGE R A U M F A H R T P L X N E

DER

USA

NASA-Chef Dr. C. Pletcher zu Fragen europäischer Wissenschaftler
und Journalisten -

WASHINGTON - (AD) - Die Umorganisation des Managements für das amerikanische Raumtransporterprogramm und die damit zusammenhängenden Aufgabengebiete
ist in vollem Gange. Sie werde, so berichtete Richard Truly, der beigeordnete
NASA-A'iministrator für Raumflug, auf einer Pressekonferenz am 5. November
1986, lach den Empfehlungen der Rogers-Kommission durchgeführt. Diese war von
Präsident Reagan eingesetzt worden, um das CHALLENGER-Unglück vom 28. Januar
1986 za untersuchen. Die sieben Astronauten an Bord der Raumfähre CHALLENGER
fanden damals den Tod.

Im Rahmen des neuen organisatorischen Aufbaues wird Arnold Aldrich,
derzei': Manager des Shuttle-Programms
am Johnson-Raumfahrtzentrum in Houston (Texas), die Leitung des gesamten
Shuttle-Programms in der NASA-Zentrale in Washington übernehmen und Truly
direkt unterstellt sein.
Als neuer
Direktor trägt er "die volle Verantwortung und ist mit allen Kompetenzen
ausgestattet", um das Programm durchzuführen.
Zu seinem Stellvertreter
wurde Astronaut Robert Crippen ernannt, der bereits viermal mit dem
Shuttle
im Weltraum war.
Crippen

United States Information Service
Embassy of the United States of America

wird Direktor für den 9etrieb der
Raumtransporter.
zu seinen Aufgaben
zählen beispielsweise die Überwachung
der Flugvorbereitungen in der letzten
Phase vor dem Start, die Durchführung
der Mission und die Rückführung des
Space Shuttle zur Inspektion und Ausrüstung für den nächsten Flug.
Um
Tagesaufgaben und die Prozeduren im
Detail kümmert sich Richard Kohrs,
stellvertretender
Programmdirektor
für den Bereich "Raumtransporter".
Das neue Management-Konzept verlangt außerdem die Einsetzung eines

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Führungsrates, dem u.a. der beigeordnete NASA-Administrator für Raumflug
(Truly) und die Direktoren sämtlicher
NASA-Zentren im Lande angehören sollen.
Dale Myers, stellvertretender
NASA-Administrator, verwies darauf,
daß man erwarte, über den neuen Führungsrat zu einer besonders guten
Kommunikation und Zusammenarbeit zwischen der NASA-Zentralbehörde und den
Direktoren der einzelnen Zentren im
Lande zu kommen. Die starke Position
des in Washington tätigen Programmdirektors und die Einsetzung des Führungsrates hätten, wie Myers sagte,
eine gewisse Ähnlichkeit mit der
Struktur des erfolgreichen APOLLOProgramms.
Die Zeit wird intensiv für die
technische Verbesserung
der Feststoff raketei-Zusatzträger
des Space
Shuttle und auch des Orbiters selbst
genutzt. Dies erklärte NASA-Chef Dr.
James C. Fletcher (Washington) in einer
Worldnet-Fernsehsatellitenkonferenz, die am 4. November 1986 vom USInformationsamt
(USIA) veranstaltet
wurde.
Gesprächspartner
Fletchers
via

Satellit

waren

MAGELLAN (Meßstation zur Untersuchung
der Venus-Oberfläche mit hochauflösendem Radarstrahl), ULYSSES (erste
Sondierung der Nordregionen des Sonnenkörpers), GALILEO (erste umfassende Sondierung des Planeten Jupiter
und seiner Monde) sowie das Mars-Observatorium.
Da es sich in jedem Fall um große
und schwere Satelliten handelt, war
von Anfang an vorgesehen, sie mit einem Raumtransporter zunächst in eine
Erdumlaufbahn zu bringen und von dort
aus auf die Reise zu ihrem ziel zu
schicken. Der Faktor "Gewicht" macht
auch beim Hubble-Weltraumteleskop mit
seinem umfangreichen Instrumentarium
den Start von einem Raumtransporter
aus erforderlich. Das für Beobachtungen aus einer Position jenseits
der Erdatmosphäre konzipierte Gerät
erweitert die Möglichkeiten der Wissenschaftler für eine Sicht in die
Tiefen des Universums um das Siebenfache.

Grundlagenforschung

Wissenschaftler

und Journalisten in Bern, Bonn, Brüssel, London, Paris und Rom, die den
Leiter der US-Behörde für Luft- und
Raumfahrt ?:u den Plänen der USA für
die bemannte Raumfahrt und für Missionen mit Forschungssatelliten befragten. Denn angesichts der Verzögerung
von Raumtransporterstarts als Folge
des CHALLENGER-Unglücks und möglicher
vorrangiger eigener Projekte der Vereinigten Staaten steht auch für Europa viel auf dem Spiel.
Die wichtigen wissenschaftlichen
Missionen können laut Fletcher nunmehr erst :jwei bis fünf Jahre später
als ursprünglich vorgesehen durchgeführt werden. Davon seien u.a. Vorhaben zur weiteren Erforschung der
Planeten und der Sonne betroffen - so

Professor Wolfgang Priester, Direktor des Instituts für Astrophysik
und extraterrestrische Forschung der
Universität Bonn, hob die besondere
Bedeutung des Hubble-Teleskops für
die Grundlagenforschung hervor und
äußerte die Befürchtung,daß diese
durch eine Bevorzugung anderer Programme erheblich ins Hintertreffen
geraten könnte. Aufgrund neuer Beobachtungen und Erkenntnisse sei gerade
in den letzten paar Monaten klargeworden, daß vom Weltraumteleskop (es
wurde in über zehnjähriger Arbeit
entwickelt) Ergebnisse zu erwarten
seien, die einschneidende Umwälzungen
in der Physik und Astronomie herbeiführen dürften. Und zwar gehe es um
neue Ideen zu der Frage, woher die
Energie komme, die die Expansion des

�Weltalls bewirkt. Die nunmehr angestellten Überlegungen könnten unsere
grundlegenden Theorien zur modernen
Elementarteilchen-Physik in bezug auf
alle Quantenfelder
bei Ruheenergie
revolutionieren.
Das wiederum
sei
mit der Frage verknüpft, wodurch denn
beim Urknall vor etwa 20 Milliarden
Jahren die Materie im Universum erzeugt worden sei. Somit seien nicht
nur
tiefgreifende Auswirkungen auf
die Physik, sondern, über die Philosophie, auf alle Bereiche zu erwarten.
In seiner Antwort unterstrich Dr.
Fletcher, daß sich die NASA der Bedeutung gerade dieses internationalen
Projekts für die Grundlagenforschung
sehr wohl bewußt sei und dem Weltraumteleskop unter den wissenschaftlichen Nutzlasten höchste Priorität
eingeräumt habe.
Es sei beabsichtigt, es
nach
Wiederaufnahme
der
Raumtransporterflüge
(voraussichtlich
im Februar 1988) beim dritten Einsatz, d.h. etwa im November 1988, in
den Weltraum zu transportieren.
Es
solle unmittelbar nach dem Start der
beiden
TDRS-Nachrichtensatelliten
folgen, die für die Bahnbeobachtungen
und Datenübertragung einer ganzen Anzahl von Satelliten gleichzeitig und
rund um die Uhr so wichtig sind.
Für eir.e Anzahl weiterer wissenschaftlicher Nutzlasten aus den Vereinigten Staaten und dem Ausland, deren Start vor dem Unglück bereits
vereinbart war, suche die NASA, so
Fletcher, gegenwärtig nach anderweitigen
Traisportmöglichkeiten.
Man
werde auf sogenannte Verlustraketen
wie DELTA, ATLAS und TITAN zurückgreifen, die im Gegensatz zum Raumtransporter nicht wiederverwendungsfähig sind. Auch die europäische Rakete ARIANE zählt dazu. Es sei beispielsweise vorgesehen, mit ihr eine
Anzahl
amerikanischer
kommerzieller
Nachrichtensatelliten in den Weltraum

zu befördern.
Allerdings seien die
Kapazitäten und auch die Startfrequenz dieser Trägergeräte begrenzt, so
daß Verzögerungen für manche wissenschaftlichen und kommerziellen Nutzlasten dennoch in Kauf genommen werden müßten.

'Gemischte* Trägerkapazität
Die Vereinigten Staaten seien bestrebt, erklärte Dr. Fletcher, eine
"gemischte" Trägerkapazität aus wiederverwendungsfähigen und nicht wiederverwendbaren
Startgeräten
aufzubauen, obgleich der Raumtransporter
das kostengünstigste Beförderungsmittel darstelle.
Irgendwann
dürften
weitere technische Fortschritte auch
Verlustraketen
verbilligen
helfen.
Entsprechende Vorschläge zu Neuentwicklungen
werden bereits gemacht.
Aber bis zur Realisierung
solcher
Projekte würden mindestens fünf und
mehr Jahre vergehen. Und erfahrungsgemäß könne man nie vorhersagen, wie
sich die Kosten tatsächlich entwikkelten. Wie die "gemischte" Kapazität aussehen solle, werde gegenwärtig
in einer Studie untersucht, die Anfang kommenden Jahres fertiggestellt
sein dürfte.

Mehr Zuverlässigkeit
Das CHALLENGER-Unglück habe bewirkt, daß die Struktur der amerikanischen Weltraumbehörde
ebenso wie
die des Mitarbeiterstabs
gestrafft
würde, und daß auch vom Space Shuttle
selbst eine erheblich bessere Qualität und Zuverlässigkeit zu erwarten
sei. Die Frage nach dem Einbau eines
Rettungssystems in der Startphase für
die Bordmannschaft in alle Orbiter
konnte Fletcher angesichts der damit
verbundenen technischen Schwierigkeiten und des Gewichtsproblems nicht

- 3 -

�endgültig
benatworten.
Auch
eine
Verlängerung der einzelnen Raumtransportermissionen bereite wegen der dafür erforderlichen zusätzlichen Energiequellen Probleme. Langzeitexperimente in der Schwerelosigkeit sollten
deshalb besser in der in den neunziger Jahren zu errichtenden Raumstation durchgeführt werden.

COLUMBOS - wichtiger Beitrag
zur Raumstation

Europas

Arbeitsprogramme für die Raumstation müssen schon jetzt formuliert
werden. In den ersten Phasen werden
es Dr. Flet.cher zufolge vor allem Experimente aus dem Gebiet der Mikrogravitation sein. Die NASA ermutige
die Privatwirtschaft zu entsprechenden Projekten.
Es gebe eine Reihe
von Aktivitäten, bei denen sich eine
kommerzielle Nutzung der Schwerelosigkeit lohnen könne - für biologische Substanzen, für Legierungen, für
neues Halb".eitermaterial, um nur einige zu nennen. Ist die Station weiter ausgebaut, werde man auch zunehmend mehr wissenschaftliche Experimente durchführen können. Zusätzlich
zu den auf der Station untergebrachten Nutzlasten werde es auch frei
fliegende Plattformen geben, die neben der Raumstation ihre Bahn ziehen.
Wenigstens eine davon werde bemannt
sein.
COLUMBU3 als der von europäischen
Ländern bereitgestellte Beitrag zur
amerikanischen Raumstation werde eine
wichtige und sehr willkommene Rolle
spielen. Fs handle sich, ähnlich dem
SPACELAB, um eine Labor- und Wohneinheit, die zunächst mit der Raumstation verbunden werde, später aber als
ein von Astronauten betreutes Modul
auch frei fliegen könne.
COLUMBÜS
werde dann immer wieder an der Raumstation anlegen, um Treibstoff und

Nachschub zu übernehmen und um die
Besatzung auszuwechseln.
Allerdings
steht die Ausarbeitung der eigentlichen Betriebspläne mit entsprechenden Verhandlungen zwischen den Partnern noch bevor.
Hinsichtlich
der
sogenannten
funktionellen Aufteilung der Aufgaben
sähen sich die Europäer, worauf einer
der Interviewer hinwies, noch mancherlei Ungewißheiten gegenüber. Dr.
Fletcher räumte ein, daß in Verhandlungen der NASA mit der Europäischen
Weltraumbehörde über die Aufgabenteilung in der Entwicklung der Raumstation Einvernehmen erzielt worden sei,
daß jedoch in bezug auf den Betrieb
noch kein Konzept existiere.
Erst
jetzt beginne man in den USA, sich
mit dem Problem zu befassen.
"wir
haben einen beigeordneten Administrator für die Raumstation bestellt, der
sich ausschließlich mit Betriebsaufgaben befaßt, mit der Frage, wie die
Raumstation betrieben werden soll."
Dies
sei keineswegs nebensächlich, denn die Tätigkeit der Personen
in der Raumstation, in der Europäer
und wahrscheinlich Kanadier, Japaner
und Amerikaner arbeiten werden, verlange klare Konzepte, zwar werde die
Gruppe an Bord mit etwa sechs Personen relativ klein sein. Aber für die
Planung und die Vorbereitungen am Boden sei doch eine wesentlich größere
Gruppe von Mitarbeitern erforderlich,
die entscheiden, was in jeder Arbeitsperiode von 90 Tagen bis zur Ablösung vorzunehmen sei, welcher Art
die Experimente sein sollen.
über
Gebühren, die etwaige internationale
Partner oder private Investoren für
die Benutzung der Raumstation zu entrichten hätten, sei innerhalb der
NASA noch nichts beschlossen worden.
Jedoch könne zunächst einmal die vor
dem CHALLENGER-Unglück erwähnte Gebühr von 75 Millionen Dollar als

�Richtwert angenommen werden.
Alles
in allem sei es aber zu früh, endgültige Aussagen zu machen, solange die
Betriebsstudie noch nicht vorliege.
Inzwischen plane man aber nicht
nur für die nächsten sieben oder acht
Jahre, sondern auch schon für die
Zeit nach der Raumstation, die voraussichtlich ab 1994 ständig besetzt
sein werde.
Eine Gruppe unter der
Leitung vor Dr. Sally Ride, der ersten Amerikanerin im Weltraum, habe
begonnen,
künftige
Aktivitäten
zu
sondieren.
Gemeinsame amerikanischsowjetische bemannte Raumfahrtprojekte, etwa (ine Expedition zum Mars,
seien
nicht
beabsichtigt.
Jedoch
wurden
künftige
wissenschaftliche
Austauschprogramme erörtert. Es gebe
ohnehin genügend Forschungsaufgaben,
die im internationalen Rahmen weltweit durchgeführt werden müßten
u.a. die Untersuchung von Klimaveränderungen uni der Ozonschicht.
nie von Präsident Reagan angekündigte Entwicklung eines Weltraumflugzeugs fall« sowohl in Aufgabenbereiche der ;&gt;JASA als auch des amerikanischen Verteidigungsministeriums, erklärte Fletcher auf eine Frage. Aber
die ersten Flugexperimente mit dem
Versuchsgerit, die für Anfang der
neunziger
Jahre
vorgesehen
seien,
stünden unter der Leitung des Verteidigungsministeriums.
Der
Fortgang
der Entwicklung werde dann davon bestimmt, welche Ergebnisse die Versuchsflüge bringen.

- 5 -

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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Reagan enthüllt geheime diplomatische Initiative im Iran&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Präsident Reagans Ansprache an die Nation -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Reagan sieht Fortschritte in Genf&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärung zum Abschluss der 6. Runde der NST-Verhandlungen -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Freier Handel mit Agrarprodukten: Gebot für ein gesundes Welthandelssystem&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Ansprache von Botschafter Richard R. Burt vor dem Waren-Verein der Hamburger Börse e.V. -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Rüstungskontrolle nach Reykjavik&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von Paul Nitze -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Künftige Raumfahrtspläne der USA&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- NASA-Chef Dr. C. Fletcher zu Fragen europäischer Wissenschaftler und Journalisten -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST
'VON

4

1 2 . November 1986

38

I N H A L T

DOKUMENTATION

Shultz kritisiert Osteuropa in der Menschenrechtsfrage
- Rede von Außenminister shultz vor dem wiener KSZE-Folgetreffen

Shultz enttäuscht von Rüsturgsgesprächen
- Erklärung zu Beginn der Pressekonferenz vom 6. November 1986

HINTERGRDNDMATERIAL

Nicaragua - Revolution in der Familie
- Von shirley Christian (Copyright (c): Shirley Christian)

* * * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�AMERIKA DIENST
Dokumentation
12. November 1986

38

SHÜLTZ KRITISIERT OSTEUROPA IN DER MENSCHENRECHTSFRAGE
- Rede von Außenminister Shultz vor dem Wiener KSZE-Folgetreffen WIEN - (AD) - Außenminister Shultz sprach am 5. November
Vertretern der 35 Teilnehmerstaaten beim Wiener Folgetreffen
über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) und traf im
ges mit dem sowjetischen Außenminister Schewardnadse zu einem
persönlichen Gespräch zusammen.

1986 vor den
der Konferenz
Laufe des Tadreistündigen

In seiner Rede wies Shultz besonders darauf hin, daß bei Überprüfung der
Einhaltung der Schlußakte von Helsinki nicht nur Fragen der Rüstungskontrolle,
sondern insbesondere auch der Bereich der Menschenrechte behandelt würden.
"Wenn die Gerechtigkeit verletzt und die Freiheit verwehrt wird, erhöhen sich
die Möglichkeiten für Konflikte unweigerlich", so Shultz.
Nachfolgend drucken wir den Redetext im Wortlaut:

Wir danken der österreichischen
Bevölkerung als Gastgeber dieser Konferenz
für
ihre
großzügige Gastfreundschaft.
Wir freuen uns über
die besondere Herzlichkeit und Höflichkeit, mit der wir begrüßt wurden.
Wir - die 35 Nationen vielfältiger und unterschiedlicher politischer
Systeme - sind hier in dem gemeinsamen Bestreben zusammengekommen, eine
dauerhaftere Grundlage
für Frieden
und Versöhnung zwischen den Völkern
des Osten und des Westens zu schaf-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

fen.
Die Schlußakte von Helsinki
liefert uns die Richtlinien für unsere Arbeit. Sie gibt das Versprechen
für einen sichereren Frieden und für
mehr Zusammenarbeit zwischen unseren
Völkern - ein Versprechen, das nur
durch eine stärkere Wahrung der Menschenrechte
und
der
grundlegenden
Freiheiten für jeden einzelnen Menschen eingelöst werden kann.
Es sollte unsere gemeinsame Aufgabe sein, dieses Versprechen zu erfüllen und den in der Schlußakte von
Helsinki niedergelegten Verpflichtun-

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�gen nachzukommen.
Um das zu tun,
müssen wir Vergangenheit und Gegenwart
betrachten, aber
auch
einen
Blick in die Zukunft werfen.
Wir
können und sollten nicht leichtfertig
über unsere Erfahrungen und Enttäuschungen des vergangenen Jahrzehnts
hinweggehen. Wir müssen uns mit den
Fällen beschäftigen, da es die Regierungen versäumt haben, die Prinzipien
durchzusetzen,
zu deren Einhaltung
sie sich in der Schlußakte freiwillig
verpflichtet haben.
Eine
solch kritische Rückschau
ist notwendig, wenn die Konferenz
beim Abbau des Mißtrauens und beim
Aufbau
von Vertrauen
echte Fortschritte erzielen soll. Gleichzeitig
bietet uns die Konferenz aber auch
eine wichtige Möglichkeit der Vorausschau. Sie gibt uns die Chance, eine
Zukunft zu prägen, die die schöpferischen Energien all unserer Völker
freisetzt.
Die Welt bewegt sich auf eine
Zeit
dramatischer
technologischer
Veränderungen zu, auf eine Zeit, in
der die alten Denk- und Verhaltensmuster der Vergangenheit für die neue
Wirklichkeit
zunehmend
unzureichend
werden. Die traditionellen Schranken
von Zeit und Raum werden von Tag zu
Tag mehr von modernen Transport- und
elektronischen Kommunikationsmöglichkeiten unterhöhlt; die von Regierungen errichteten Schranken
zwischen
Völkern aber bleiben bestehen.
Mit
den althergebrachten Maßnahmen industrieller Entwicklung - und im umfassenderen Sinne auch der militärischen
und politischen Stärke - gelingt es
immer seltener, zu den echten Quellen
sozialer
Vitalität
vorzudringen.
Statt der überkommenen Methoden zentralisiert getroffener Entscheidungen
im Management macht die Informationstechnologie größere Dezentralisierung
und mehr Initiative des einzelnen

möglich und notwendig.
Dieser Trend kann für all jene,
die menschliche Kreativität schätzen,
nur eine Quelle der Hoffnung sein.
In Zukunft wird sich der wahre Maßstab für die Dynamik einer Gesellschaft - und einer Staatengemeinschaft - darin zeigen, wie freimütig
sie Wissen und schöpferische Leistung
des Menschen fördert, nützt und anderen zugänglich macht, und wie sie
selbst Nutzen aus dieser Kreativität
des Individuums zieht. Es sind genau
diese - für den Fortschritt dieses
anbrechenden neuen Zeitalters so notwendigen - Ziele der Freiheit und Offenheit, die bereits in der Schlußakte verankert sind.
In dem Bemühen,
die überkommenen Teilungen zu überwinden, liefert uns die Schlußakte
Richtlinien und Verpflichtungen für
die Zukunft. In den vergangenen vier
Jahrzehnten ist Europa wieder aufgebaut worden. Für die Zukunft setzen
wir unsere Hoffnung auf ein wiedervereinigtes Europa.
Die Grundsätze
der Schlußakte sind - wenn sie von
allen
Teilnehmerstaaten
der
KSZE
vollständig in die Tat umgesetzt werden - das Versprechen auf ein Europa
voller Vitalität, Zuversicht und Fähigkeit zum Fortschritt, eines Europa, für dessen Völker Unabhängigkeit
und Freiheit gesichert sind.
In der Schlußakte wurde erkannt,
daß Frieden nicht nur die Abwesenheit
von Krieg bedeutet.
Wirklich konstruktive
europäische
Beziehungen
sind mehr als nur das Faktum des diplomatischen Dialogs. Um mit den Worten von Präsident Reaganzu sprechen:
"Wahrer Frieden gründet sich auf die
Säulen der Freiheit des einzelnen,
der Menschenrechte, der
nationalen
Selbstbestimmung und des Respekts für
die Regeln des Gesetzes."

- 2 -

�Die Bedeutung Europas für Amerika
Ich bin nach Wien gekommen, um
erneut die Entschlossenheit der Vereinigten Staaten zu bekräftigen, entschieden
- gemeinsam
mit
unseren
Freunden - für die Unterstützung der
vollständigen Anwendung der Prinzipien
der
Schlußakte
einzutreten.
Diese Prinzipien
liefern auch die
Grundlage für unsere eigene Politik.
Das amerikanische Volk
unterstützt
voll und ganz das Ziel einer wiedervereinten, freien und
unabhängigen
Gemeinschaft
der
Staaten
Ost- und
Westeuropas.
Diesem Ziel sind wir,
und nicht etwa als Außenseiter, verpflichtet. Als Erben und Kinder Europas teilen wir die Hoffnungen und
beteiligen uns an den Verpflichtungen
für Europa. Europa und Amerika sind
durch die Bande der Geschichte, der
Familien, der breitgestreuten gemeinsamen
Interessen
und
gemeinsamer
Wertvorstellungen
eng
miteinander
verbunden; nur auf unsere eigene Gefahr hin können wir die Bedeutung und
Stärke dieser Bande außer Acht lassen.
Sicherheit und Wohlstand unserer
Völker sind eng miteinander verbunden. Wir haben - durch die Zeit nach
dem Ersten Weltkrieg - aus unseren
bitteren
Erfahrungen
gelernt,
daß
sich die Vereinigten Staaten nicht
von Europa abwenden können. Der Isolationismus war ein Kurs, der uns ins
Unglück gestürzt hat, und wir sind
entschlossen, ihn nicht zu wiederholen. In den Jahren nach dem zweiten
Weltkrieg hat sich Amerika wieder mit
den Staaten Europas zusammengeschlossen - einmal, um die Geisel der Tyrannei zu besiegen und dann, um Europa dabei zu helfen, seine Stärke mit
Hilfe des genau vor vierzig Jahren
begonnen Marshall-Planes wiederzuerlangen.
Heute

drücken

die

Vereinigten

Staaten ihren Einsatz für Europa auf
vielfältige Art und Weise aus. Unsere aktive Teilnahme an der KSZE ist
nur eine davon. Wir glauben, daß wir
bei der Verwirklichung der Zielsetzungen der KSZE eine positive und
wichtige Rolle spielen müssen. Diese
Rolle werden wir weder aufgeben noch
verringern.
Das amerikanische Volk glaubt an
die in der Schlußakte niedergelegten
Grundsätze von Freiheit und Offenheit. Wir vertrauen auf die Lebensfähigkeit unserer demokratischen Werte, und wir sind stolz darauf, sie in
einem offenen und friedlichen Wettbewerb mit anderen Werten zu prüfen.
Aber wir versuchen weder, anderen unsere Werte aufzuzwingen, noch können
wir akzeptieren, daß einige Regierungen den Anspruch auf ein vermeintlich
verbrieftes Recht erheben, ihre eigene Ideologie durch Gewalt oder subversive Mittel zu exportieren.
Wir
respektieren, daß andere Gesellschaften anderen Normen folgen, aber wir
können nicht die Taten solcher Regierungen ignorieren, die ihrer Bevölkerung die grundlegenden Menschenrechte
verweigern. Wir fordern keine militärische
Überlegenheit
für
uns
selbst, aber wir können auch nicht
den Anspruch anderer auf ein Recht
sogenannter "gleicher Sicherheit" akzeptieren, das für die jeweiligen
Nachbarstaaten Unsicherheit mit sich
bringt.
Wir haben versucht, die Staaten
Osteuropas und die Sowjetunion zu einer konstruktiven Diskussion über all
die Themenkreise zu bewegen, die uns
trennen. wir machen uns keine Illusionen darüber, daß unsere - auf so
ganz anderer Vorstellung von Individuum und Staat beruhenden - Verschiedenheit auf einfache Art und Weise
gelöst werden kann.
Aber wir glauben, daß es möglich ist, in den Ost-

- 3 -

�West-Beziehungen ein größeres gegenseitiges Verständnis und Vertrauen
aufzubauen.
Im Bereich der nuklearen Rüstungskontrolle könnten wir bei unseren jüngsten Diskussionen mit den Sowjets eine Wasserscheide erreicht haben.
Bei anderen Themenkreisen
Menschenrechte und regionale Konflikte - fehlt auch weiterhin jede positive Bewegung. Um den Portschritt in
all diesen Bereichen zu fördern, hat
sich Präsident Reagan im vergangenen
Monat mit Generalsekretär Gorbatschow
in Reykjavik getroffen.
Sie haben
ihre - vor einem Jahr in Genf begonnene - Diskussion über die gesamte
Bandbreite der zwischen Ost und West
anstehenden Themen fortgeführt. Ihr
zweitägiges Treffen hat ein neues Kapitel in unserem Dialog auf höchster
Ebene eingeleitet. Grundlegende Differenzen bestehen weiterhin; dennoch
haben der Präsident und der Generalsekretär ihr früheres Abkommen darüber bestätigt, daß es wünschenswert
ist, die Beziehungen weiter auszubauen und nach Übereinstimmungen zu
streben, wo immer das möglich ist.

Möglichkeiten für Fortschritte bei
der Rüstungskontrolle
Wenden wir uns zunächst der Rüstungskontrolle zu.
Dort gibt es
jetzt viel zu tun. Die in Reykjavik
erzielten Fortschritte müssen energisch weiterverfolgt werden. Was uns
angeht, so sind die amerikanischen
Verhandlungsführer bereit, dies auf
schöpferische Art und Weise und ohne
Verzug zu tun. Ich werde heute noch
und auch morgen den sowjetischen Außenminister Schewardnadse treffen, um
unseren Meinungsaustausch fortzusetzen. Ich möchte noch sagen, daß wir
eine hochkarätige Delegation mitgebracht haben, zu der unsere drei maß-

geblichen Unterhändler in Genf gehören.
Die Vereinigten Staaten suchen
seit langem nicht nur Begrenzungen
für das künftige Wachstum bei den sowjetischen und amerikanischen Atomwaffen, sondern deren substantielle
Verringerung.
Deshalb fühlten wir
uns ermutigt, als der Präsident und
Generalsekretär
Gorbatschow
sich
grundsätzlich darauf einigten, als
ersten Schritt eine 50prozentige Verringerung der sowjetischen und amerikanischen strategischen atomaren Offensivwaffen in einem Fünfjahreszeitraum vorzunehmen. In bezug auf atomare Mittelstreckenraketen erzielten
wir eine Einigung über noch drastischere Einschnitte, von heute 1 300
Gefechtsköpfen auf seiten der Sowjets
auf lediglich 100 Gefechtsköpfe für
jede Seite weltweit bei INF-Systemen
mit längerer Reichweite.
Außerdem
sollte eine Obergrenze für INF-Systeme kürzerer Reichweite festgelegt und
auch Verhandlungen über ihre Verringerung abgehalten werden.
Unsere beiden Staaten haben heute
eine historische Chance, schnell zu
einer formellen Einigung über diese
Reduzierungen bei offensiven Atomwaffen zu kommen. Wir bauen darauf, daß
die Sowjetunion sich uns dabei anschließt. Der Präsident und der Generalsekretär haben den Grundstein
für eine Verbesserung der Verifikation bestehender Vereinbarungen zur
Begrenzung
von
Atomtests
gelegt.
Beide Seiten haben vorgeschlagen,
Verhandlungen zur Testfrage auf den
Weg zu bringen, und sie haben eine
Tagesordnung diskutiert, die den Anliegen beider Seiten gerecht würde.
Wichtige
Meinungsunterschiede
zur
Frage der strategischen Verteidigung
bleiben bestehen. Der Präsident reagierte auf sowjetische Besorgnisse,
indem er vorschlug, daß beide Seiten

�in einem Zeitraum von zehn Jahren ihre
strategischen
Verteidigungsprogramme auf Forschung, Entwicklung und
Testaktivitäten beschränken, die im
Rahmen des ABM-Vertrages zulässig
sind. Dies würde in einem Zusammenhang mit ständigen Verringerungen bei
den amerikanischen und sowjetischen
Offensivkräften stattfinden und im
Verlauf dieses Jahrzehnts zur Abschaffung
der
offensiven ballistischen Raketen führen, und zwar in
beiderseitigem
Einverständnis, daß
jede Seite danach das Recht hätte,
moderne Vereidigungssysteme zu stationieren, falls keine anderen Vereinbarungen getroffen werden.
In Reykjavik wollte die Sowjetunion jedoch noch weiter gehen - sie
wollte über die bestehenden Regelungen des ABM-Vertrages hinaus unsere
Forschungsarbeiten derart beschränken, daß das amerikanische SDI-Programm außer Funktion gesetzt würde.
Dies

können

wir

nicht

akzeptieren.

Der Westen benötigt ein energisches
SDI-Programm, wie es gemäß ABM-Vertrag zulässig ist - als Investition
und Rückversicherung für ein sichereres
und
stabileres
strategisches
Gleichgewicht, ein Gleichgewicht, das
nicht mehr nur auf der Androhung gegenseitiger Vernichtung beruht. Verteidigungssysteme können sogar den
Weg zu noch ehrgeizigeren Verringerungen der offensiven Atomwaffen eröffnen als jene, die ich schon erwähnt
habe.
Solche Reduzierungen
können jedoch nur dann realisiert
werden, wenn wir die Fortschritte in
der Behandlung der Gründe erzielen,
aus denen die westliche Abschreckung
heute auf Atomwaffen gegründet sein
muß. Dazu gehören die Unsicherheit
und Ungewißheit, die der Warschauer
Pakt durch die Stationierung massiver
konventioneller Kräfte, einschließlich des großen Potentials an chemischen Waffen hervorgerufen hat. Zu-

sammen mit unseren NATO-Verbündeten
haben wir versucht, dieses Ungleichgewicht
bei
den
konventionellen
Streitkräften innerhalb der andauernden MBFR-Gespräche zu behandeln. Gegen Ende vorigen Jahres hat die westliche Seite bei den MBFR-Verhandlungen einen wichtigen neuen Vorschlag
auf den Tisch gelegt, der darauf angelegt
war, die Besorgnisse des
Ostens zu berücksichtigen und den Weg
zu einer Einigung zu bereiten. Der
Osten hat darauf noch nicht konstruktiv reagiert.
Die Vereinigten Staaten sind dem
Ziel einer Stärkung der Stabilität
und Sicherheit in ganz Europa verpflichtet. Wir glauben, daß dieses
Ziel durch vermehrte Offenheit und
die Schaffung eines überprüfbaren,
umfassenden und stabilen Gleichgewichts der konventionellen Streitkräfte auf niedrigerem Niveau gefördert werden kann. Im vergangenen Mai
haben

die

Außenminister

der

NATO-

Staaten die Bedeutung dieser Aufgabe
anerkannt. Zusammen mit unseren Verbündeten untersuchen wir gegenwärtig,
wie die ziele, die in unserer Erklärung von Halifax zur konventionellen
Rüstungskontrolle formuliert wurden,
am besten zu verwirklichen sind.

Die Bedeutung der Menschenrechte
Rüstungskontrolle
kann
jedoch
als Prozeß nicht losgelöst von anderen Quellen der Spannungen in den
Ost-West-Beziehungen
existieren.
Wenn Rüstungskontrollmaßnahmen einen
bedeutsamen Beitrag zur Stabilität
leisten sollen, dann können sie nur
Bemühungen zur Beseitigung grundlegenderer Ursachen von Verdächtigungen
und politischer Konfrontration verstärken, nicht ersetzen.
Nirgends
hat das Problem des Mißtrauens und
der Spaltung zwischen Ost und West

- 5-

�eine größere Bedeutung als im europäischen Kontext.
Seit 1945 werden
dieser Kontinent und seine Bewohner
von einer künstlichen Barriere geteilt. Diese Barriere ist nicht vom
Westen errichtet worden.
Die Mitglieder des atlantischen Bündnisses
und die verschiedenen neutralen und
blockfreien Staaten Europas haben weder die Trennung von Familien erzwungen, noch haben sie unseren Bürgern
das Recht auf Bewegungsfreiheit verweigert. Wir haben nicht danach gestrebt,
unsere
Gesellschaften
von
konkurrierenden Ideen abzuschotten durch Pressezensur, Störung von Radiosendungen oder andere Mittel. Wir
haben keine Drohungen oder bewaffnete
Interventionen benutzt, um einzelne
Länder zur Blockdisziplin zu zwingen.
Die Schlußakte von Helsinki und das
Schlußdokument von Madrid gehen umfassend auf das Dilemma des geteilten
Europa ein. Sie erkennen an, daß die
Freiheit einzelner Männer und Frauen
ein grundlegendes Element von Stabilität und Sicherheit in Europa sein
muß. Wenn die Gerechtigkeit verletzt
und die Freiheit verwehrt wird, dann
wächst unvermeidlich das Konfliktpotential zwischen den Staaten.
Der
delikate Prozeß der Bildung von Vertrauen, Zusammenarbeit und Sicherheit
wird untergraben.
Präsident Reagan
hat dies am besten ausgedrückt als er
erklärte:
"Einer Regierung, die das
Vertrauen ihrer eigenen Bevölkerung
bricht, kann man nicht trauen, wenn
es darum geht, Vereinbarungen mit
ausländischen Mächten zu halten....
Wir messen Worten, die bei Treffen
ausgesprochen werden, weniger Bedeutung bei als den Taten, die darauf
folgen."
Die Verpflichtungen der Schlußakte stellen ein notwendiges Gleichgewicht
her
zwischen den verwandten
Problemen der militärischen Sicherheit, des politischen Vertrauens, der
- 6

wirtschaftlichen Zusammenarbeit, der
grundlegenden
Menschenrechte
und
Freiheiten
sowie
der
zwischenmenschlichen Kontakte. Es ist wichtig,
daß wir dieses Gleichgewicht
aufrechterhalten.
Wir
sollten
Fortschritte in all diesen Bereichen begrüßen und ermutigen.
Wir sollten
jedoch nicht glauben, irgendein einzelnes Element allein könne ausreichend sein, um das Ganze zu tragen.
Das Versäumnis unsererseits, die volle Anwendung der Schlußakte anzustreben - unsere Duldung einer selektiven
Einhaltung dieser Verpflichtungen würde weitere Bemühungen einer stabileren Friedenssicherung untergraben.
Ungeduld bei den Schwierigkeiten zur
Sicherstellung der Einhaltung sollte
uns nicht dazu veranlassen, an weiteren Verhandlungen
um ihrer selbst
willen teilzunehmen. Wir müssen der
Vorstellung widerstehen, daß die Herbeiführung eines Konsenses Kompromisse verlangt, die von der Schlußakte
versprochene
Rechte verändern
oder
verweigern. Ein Ausweg aus der Verletzung
bestehender
Verpflichtungen
kann nicht dadurch gefunden werden,
daß wir uns in neue Verpflichtungen
flüchten.
Bei einer Rückschau auf die Anwendung der in der Schlußakte enthaltenen Verpflichtungen können wir einige bedeutende Ergebnisse feststellen.
Während des vergangenen Jahrzehnts hat unter dem Schirm der KSZE
eine
bemerkenswerte Ausweitung
der
menschlichen
Kontakte
zwischen Ost
und West stattgefunden. Sie hat den
gegenseitigen Austausch von einfachen
Menschen über die Grenzen eines immer
noch geteilten Europa hinweg gefördert.
Aufbauend auf der Schlußakte
hat das Schlußdokument
von Madrid
wichtige neue Verpflichtungen im Hinblick
auf
Menschenrechte,
gewerkschaftliche und religiöse Freiheiten
und
Familienzusammenführung
hinzu-

�gefügt.
Das Madrider Schlußdokument hat
außerdem
die Unannehmbarkeit
einer
direkten oder indirekten Unterstützung des Terrorismus als Grundprinzip
niedergelegt. Es forderte verstärkte
internationale
Zusammenarbeit
beim
Kampf gegen diese Bedrohung. Traurigerweise haben die Ereignisse der
vergangenen Monate die dringende Notwendigkeit einer solchen Zusammenarbeit noch unterstrichen.
In Stockholm haben unsere Staaten
eine Übereinkunft zu vertrauensbildenden Maßnahmen im militärischen Bereich angenommen.
Wenn sie getreulich angewandt wird, dann ist diese
Übereinkunft dazu angetan, das Risiko
eines Konflikts in Europa zu vermindern, indem militärische Aktivitäten
berechenbarer und Möglichkeiten politischer
Einschüchterung
verhindert
werden.
Aber der Erfolg beim Stockholmer
Treffen in diesem Herbst wirft nur
ein umso deutlicheres Licht auf den
enttäuschenden Mangel an Fortschritt
bei anderen Aspekten der Konferenz
über Sicherheit und Zusammenarbeit in
Europa.
Insbesondere sind wir noch
immer bei den Ostblockstaaten Zeuge
einer tragischen Situation im Bereich
der Menschenrechte.
Die Liste der
ständigen
MenschenrechtsVerletzungen
ist erschreckend lang.
In der Sowjetunion
schmachten
41 Mitglieder
der zur Überwachung der Verwirklichung der Schlußakte von Helsinki gegründeten Bürgerrechtsgruppe - unter
ihnen Anatoli Martschenko und Anatoli
Korijagin - in der Verbannung. Noch
viele andere Sowjetbürger sind wegen
des
Versuchs
eingekerkert,
ihre
Grundrechte auszuüben.
Dazu gehören
Russen, Ukrainer, Balten, Juden sowie
Männer und Frauen anderer Nationalitäten.
Einer der
herausragendsten

Bürger
des
Landes,
Dr.
Andrej
Sacharow, lebt noch immer in der Verbannung, in der Ausländern nicht zugänglichen Stadt Gorki von der Außenwelt abgeschlossen.
Die Schlußakte
von Helsinki und die Universelle Erklärung der Menschenrechte sind feierliche Übereinkommen, auch von der
Sowjetunion freiwillig unterzeichnet,
in denen das Recht auf Auswanderung
festgehalten
ist.
Diese
Abkommen
sind ebenso ernst, durch ihre Unterzeichnung ebenso bindend wie jede Rüstungskontrollvereinbarung, die sich
denken läßt. Deshalb sind auch hier
Verifikation
und Einhaltung
gefordert. Und doch wird Eheleuten amerikanischer Bürger
das Ausreisevisum
verweigert, wird Hunderttausenden von
jüdischen Bürgern der Sowjetunion genau wie armenischen, deutschen und
anderen - die Erlaubnis zur Auswanderung verwehrt. Dies ist eine direkte
Verletzung - klar, eindeutig, unmißverständlich - dessen, wozu sich das
Land mit seiner Unterschrift verpflichtet hat.
Andernorts im Osten wurden Mitglieder der Charta 77, der Katholischen Kirche und der Jazzmusikerabteilung der Musikergewerkschaft entweder belästigt oder verhaftet - etwa
in der Tschechoslowakei. Die mutigen
Mitglieder von Solidarnosc mußten in
Polen Xhnliches erleiden. Das Recht
zur Ausübung der Religion und zur
Wahrnehmung kultureller und nationaler Rechte wird auch weiterhin vielen
Männern und Frauen in vielen Ostblockstaaten ungehindert beschränkt.
Dies gilt insbesondere für religiöse,
kulturelle oder ethnische Minderheiten - wie sich dies jüngst erst wieder in dem Programm der forcierten
kulturellen Assimilierung der türkischen Bürger Bulgariens zeigte.
Obwohl sich die schwerwiegendsten
Verletzungen der in Helsinki einge-

- 7 -

�gangenen Verpflichtungen im Bereich
der Menschenrechte zutragen, streben
die Vereinigten Staatgen doch ausgewogenen Fortschritt bei allen Aspekten des KSZE-Prozesses an. Beim Wiener Treffen werden wir mit allen interessierten Staaten auf eine umfassende Verwirklichung der Verpflichtungen hinarbeiten, wie sie in der
Schlußakte von Helsinki, dem Madrider
Abschlußdokument und im Stockholmer
Dokument enthalten sind.
Im
Bereich
der
Menschenrechte
werden wir uns um die vollständige
Einhaltung der Verpflichtungen bemühen, wie sie bereits von all den Unterzeichnerstaaten
der
Schlußakte
eingegangen wurden. Wir bemühen ums
um Schritte, die uns der Verwirklichung der ziele näherbringen, wie sie
unter Prinzip VII und Korb III formuliert wurden.
Im Bereich der Wirtschaftsbeziehungen sind wir bereit, entsprechend
der Bestimmungen der Schlußakte neue
Möglichkeiten zur Zusammenarbeit zu
erkunden.
Im Bereich der Information werden
wir uns um eine Stärkung und Ausweitung der Verpflichtungen bemühen, die
Hindernisse bei der Kommunikation abzubauen,
insbesondere, die Störung
von Rundfunksendungen - eine Verletzung einer internationalen Übereinkunft, wie dies auch von den Vereinten Nationen dokumentiert ist. Derlei muß aufhören.
Im Bereich der Sicherheit begrüßen wir das positive Ergebnis von
Stockholm.
Die Vereinigten Staaten
werden den Wortlaut der Stockholmer
Vereinbarung rasch und vollständig in
die Tat umsetzen.
Wir drängen darauf, daß alle anderen Gleiches tun.
Die vollständige Einhaltung durch die
Sowjetunion, insbesondere der Verifi-

zierungsbestimmungen des Stockholmer
Dokumentes, wird ein wichtiger Gradmesser für die Möglichkeiten weiteren
Fortschritts im Bereich der konventionellen Rüstungskontrolle sei.
Die Details der Stockholmer Vereinbarung zeigen, daß es noch immer
erhebliche Möglichkeiten für Verbesserungen im Bereich der Vertrauensund
Sicherheitsbildung
gibt.
Das
Konzept der Offenheit, das im Mittelpunkt aller Versuche zur Verringerung
der
Gefahr
eines
Überraschungsangriffs steht, muß erst noch gänzlich
verwirklicht
werden.
Daher
liegt
noch immer eine wichtige Aufgabe vor
der KSZE - Förderung der umfassenden
Verwirklichung der KVAE und Untersuchung der Möglichkeiten, wie die in
Stockholm begonnene Arbeit zur Verstärkung der Vertrauensbildung fortgeführt werden kann.
Die
Intensität
unserer
eigenen
Verpflichtung zum Erfolg dieses Folgetreffens kam in dem außergewöhnlichen Maß an Zusammenarbeit zwischen
unserer Regierung und dem Kongreß bei
der Vorbereitung dieses Treffens zum
Ausdruck, unsere Delegation wird von
einem unserer erfahrensten Leute der
KSZE-Diplomatie, Botschafter
Warren
Zimmermann, geleitet. Er hat eng mit
der
amerikanischen
KSZE-Kommission,
unter der fähigen Führung von Senator
Alfonse D* Amato und des Kongreßabgeordneten steny Hoyer, zusammengearbeitet.
Zu seiner Delegation gehört
eine ganze Reihe hervorragender Privatleute. Sie hat eine ganze Reihe
amerikanischer nichtstaatlicher Organisationen konsultiert.
Diese Delegation
repräsentiert
die
Vielfalt
Amerikas und die europäischen Wurzeln
Amerikas.
Ihre Stimme ist ein Echo
der Hoffnungen und Anliegen des amerikanischen Volkes.

- 8 -

�Die Zukunft
Herr Vorsitzender, ich habe vorhin
von der Vergangenheit - ihren überkommenen Teilungen - und von der Zukunft - ihren Verheißungen eines wiedervereinten Europa - gesprochen.
Die noch immer bestehende Teilung Europas ist eine Quelle der Spannung,
die zeitweilig uns alle bedrohte.
Was aber am wichtigsten ist, sie bedeutet eine tödliche Unterdrückung
von Pluralismus, Offenheit und ungehinderter Erkenntnissuche für Menschen und Gesellschaften einiger der
hier vertretenen Staaten.
Da wir
nicht versucht haben, vor unseren eigenen Völkern Barrieren zu errichten,
haben die Nationen Westeuropas, Nordamerikas und Ostasiens wie auch anderer Weltgegenden die Wiederversöhnung
ehemaliger Feinde und eine dramatische Zunahme von Wohlstand und schöpferischen Leistungen erlebt.
Ihre
Erfolge, der Antrieb für diese Portschritte gründen sich auf die Ideen
und Werte, wie sie in der Schlußakte
enthalten sind, einschließlich des
Glaubens an
- menschlichen Fortschritt,
- geistige Freiheit,
- politische und religiöse Toleranz
und
- die demokratischen Rechte und den
schöpferischen Genius des Individuums.

ist unsere gemeinsame Verpflichtung,
alles zu tun, damit dieses Versprechen erfüllt wird,

Wir in Amerika warten auf eine
Zeit, da alle Menschen in der Gemeinschaft der KSZE Teil an diesem Geist
der Offenheit und der Kreativität haben und an einer ähnlichen Freisetzung der geistigen und sozialen Energie teilhaben können. Unser ziel ist
eine Zukunft, in der alle Völker der
hier vertretenen Staaten, der kleinen
wie der großen, gedeihen und dadurch
zu einem sichereren Frieden und größerer Freiheit beitragen können. Das
ist das Versprechen von Helsinki. Es
- 9 -

*****

�reo STV

AMERIKA DIENST
Dokumentation

VDN^

12. November 1986

38
SHULTZ ENTTXüSCHT VON

RÜSTUNGSGESPRXCHEN

- Erklärung zu Beginn der Pressekonferenz vom 6. November 1986 WIEN - (AD) - In einer einführenden Erklärung zu Beginn seiner Pressekonferenz in Wien hat Außenminister Shultz am 6. November 1986 erklärt, daß seine
soeben beendeten Gespräche mit dem sowjetischen Außenminister Schewardnadse
keine bedeutenden Fortschritte bei Rüstungskontrollfragen gebracht hätten.
"Ich kann nicht behaupten, daß diese Treffen irgendeine wichtige Bewegung in
Sachen Rüstungskontrolle gebracht haben, und ich bedauere dies", sagte Shultz.
Nachfolgend bringen wir die Erklärung des amerikanischen Außenministers im
Wortlaut:

Wir sind mit der festen Absicht
hierher gekommen, auf den Ergebnissen
von Reykjavik aufzubauen.
Außerdem
waren wir bereit, dies mit Geduld zu
tun, was auch der Fall sein muß, da
der Rhytmus und das Tempo dieser Verhandlung von keiner Seite der anderen
aufgezwungen werden kann.
Ich kann
nicht
von Fortschritten
berichten,
wie wir sie gern erzielt hätten. Wir
werden aber weiterhin auf Fortschritte in allen Bereichen unserer breitgefächerten Tagesordnung mit der Sowjetunion hinarbeiten.
Ich habe gerade

fünfstündige Ge-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

spräche
mit
Außenminister
Schewardnadse,
darunter
ca.
drei
Stunden unter vier Augen, abgeschlossen.
Die Treffen befaßten sich mit
allen vier Bereichen unserer Tagesordnung. Die amerikanische Seite ist
hierher gekommen, um die Ergebnisse
von Reykjavik festzuklopfen und auf
ihnen aufzubauen.
Wir haben unsere
führenden
Experten mitgebracht, um
hier die Art intensiver Gespräche
durchführen zu können, die während
der letzten Monate zu Fortschritten
geführt hat.
Die Experten tagten
gestern über drei Stunden lang. Ich

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�kann nicht behaupten, daß diese Treffen irgendeine wichtige 3ewegung in
Sachen Rüstungskontrolle gebracht haben, und ich bedauere dies. Es gab
Bewegung in anderen Sereichen, und
ich werde Ihnen darüber nun berichten.

genwärtig studieren sie diesen Vorschlag und ich erwarte, daß wir sie
zu gegebener zeit in Angriff nehmen
werden.

Zu bilateralen Angelegenheiten.
Zunächst zu den Menschenrechten
Ich benutzte unser Vieraugengespräch dazu, in eingehender und offener Weise unsere dringendsten Anliegen zu den Menschenrechten und humanitären Fragen zur Sprache zu bringen. Im Verlauf der Gespräche drängten wir die Sowjets, einen regelmäßigen Prozeß zur Überprüfung solcher
Anliegen ins Leben zu rufen.
Wir
glauben, sie stimmen mit uns jetzt
überein, daß diese Fragen Teil der
regelmäßigen Überprüfungen zu bilateralen Themen sein sollen, und wir
werden sie dabei zur Sprache bringen.
Ich werde selbstverständlich weiterhin diese Probleme auf meiner Ebene
aufgreifen, so wie wir dies bei allen
Treffen mit den Sowjets tun werden.
Es ist wichtig, daß es den Sowjets
bewußt wird, welch große Bedeutung
wir im Westen sowjetischen Menschenrechtsverletzungen
beimessen
und
welch ernstes Hindernis sie für langfristige Fortschritte in unseren Beziehungen darstellen.

zu regionalen Problemen
Es hat eine Ausweitung des Dialogs stattgefunden.
Wir haben 1985
eine Serie von Expertentreffen abgehalten, und wir haben diese Serie
dieses Jahr wiederholt.
Im August
haben wir ein neues, breitgefächertes
Treffen auf Unterstaatssekretärsebene
eingeführt.
Wir haben den Sowjets
gegenüber vorgeschlagen, daß wir mit
der Planung einer neuen Serie derartiger Treffen beginnen sollten. Ge-

In Reykjavik haben wir uns auf
ein ziemlich ehrgeiziges Programm bilateraler Aktivitäten geeinigt. Diese Arbeit ist seitdem weitergegangen
und hat zu Ergebnissen geführt.
In
der vorigen Woche haben wir uns beispielsweise auf grundlegende Elemente
der Zusammenarbeit beim zivilen Raumfahrprogramm
verständigt.
Es
gab
auch in anderen Bereichen - wie etwa
Kernfusion, Verkehrswesen und Energie
gute
Gespräche.
Außenminister
Schewardnadse und ich waren darüber
einig, daß dieses bilaterale Arbeitsprogramm weitergeführt werden sollte.
Wir haben ausführlich über die
Kontrolle von Atomwaffen gesprochen.
Seit Reykjavik war es unser ziel, auf
den dort erreichten Ergebnissen aufzubauen und sie bei den Genfer Verhandlungen in Taten umzusetzen. Und
tatsächlich
haben . die
Vereinigten
Staaten dies getan, indem sie die Ergebnisse von Reykjavik zum Bestandteil unserer Verhandlungsposition in
Genf gemacht haben.
Wir sind deshalb nach Wien gekommen, um den in Reykjavik erzielten
Fortschritt zu bestätigen.
zusätzlich gibt es noch einige sehr wichtige Bereiche bei allen drei Verhandlungsgebieten von Genf, in denen Meinungsverschiedenheiten
bestehen
START, INF und Weltraumverteidigung.
Wir sind in der Hoffnung hierher gekommen, diese unterschiedlichen Haltungen diskutieren, klarstellen und,
wenn möglich, verringern zu können.
Mit anderen Worten: Wir sind hierher
gekommen, um Fortschritte zu errei-

- 2 -

�chen. Wir haben unsere Rüstungskontrollexperten mitgebracht, und wir
hatten Papiere zu jedem der wichtigen
Themen hinsichtlich der Kontrolle von
Atomwaffen erstellt.
Diese Papiere
enthielten sowohl Gebiete der Übereinstimmung wie auch solche mit unterschiedlichen Haltungen. Wir haben
darin unsere Positionen sowie unsere
Einschätzung der sowjetischen Positionen klar zum Ausdruck gebracht.
Leider
war
es
nicht
möglich,
Fortschritte
zu erzielen, wie wir
dies erhofft hatten.
Diese Fragen
werden von unseren Unterhändlern in
Genf weiterverfolgt werden, indem sie
weiterhin die neuen Vorschläge der
Vereinigten Staaten erläutern, die
den
in Reykjavik
erzielten
Fortschritt
widerspiegeln.
Um
den
Schwung nicht erlahmen zu lassen, haben wir außerdem vorgeschlagen, daß
die amerikanischen und sowjetischen
Experten sich zwischen den Runden der
Nuklearund Weltraumgespräche treffen
- die gegenwärtig laufende wird Anfang nächster Woche zu Ende gehen und
die nächste wird erst im Januar beginnen.
Wir haben also vorgeschlagen, daß die Experten sich treffen,
wie sie dies vergangenen Sommer getan
haben und sich darüber Gedanken machen, ob Fortschritte möglich sind,
wie sie dies im vergangenen Sommer
taten. Dieses Angebot liegt auf dem
Tisch. Wir haben eine Sprachregelung
vorgeschlagen, die es erlauben würde,
mit Verhandlungen zur Atomtestfrage
zu beginnen.
Die Sowjets schienen
kein Interesse daran zu haben.
Der
Außenminister und ich haben uns über
Rüstungskontrolle im konventionellen
Bereich und über chemische Waffen unterhalten.
Ich habe dabei betont,
daß Fortschritte auf diesen Gebieten
notwendigerweise Fortschritte bei der
Verringerung von Atomwaffen begleiten
müßten. Ich führte außerdem aus, daß
in beiden Fällen die Verifikation ein

Schlüsselfunktion
hat.
Wir
warten
weiterhin auf ernsthafte sowjetische
Bemühungen,
auf
unsere
diesbezüglichen Vorschläge einzugehen.
Wir haben den Sowjets ein Paket
vorgelegt, in dem das enthalten war,
worüber
unserer
Meinung
nach
in
Reykjavik Einigung erzielt wurde und
wo Unterschiede bestehen. wir haben
darin unsere Position und unsere Einschätzung ihrer Position dargelegt.
Lassen sie mich auf
Gebiete eingehen.

jedes dieser

Zu START
Den Ausgangspunkt bildet die Einigung von Reykjavik auf 1 600 Interkontinentalraketen,
U-bootgestützte
ballistische Raketen und schwere Bomber. Zu diesen Systemen würden maximal
6 000
Gefechtsköpfe
gehören.
Darin herrschte Übereinstimmung. Wir
haben die in Reykjavik erarbeitete
Zählregelung für Bomber wiederholt.
Der nächste von uns vorgeschlagene Schritt sieht vor, innerhalb dieses Rahmens untergrenzen hinzuzufügen.
Wir
haben Untergrenzen
von
4 800
Gefechtsköpfen
auf
ballistischen Raketen, 3 300 ICBM-Gefechtsköpfen sowie 1 650 Gefechtsköpfen auf
erlaubten ICBM, außer den auf leichten und mittleren silogestützten ICBM
mit sechs oder weniger Gefechtsköpfen
montierten,
vorgeschlagen.
Diese
Zahlen stellen eine substantielle Bewegung in Richtung auf die sowjetische Position dar. Diese Verringerungen würden phasenweise durchgeführt und bis Ende 1991 beendet.
Wir haben außerdem Verifikationsvorschläge
gemacht,
über
die
im
Grundsatz in Reykjavik gesprochen und
Einigung erzielt worden war.
Diese

- 3 -

�sehen umfassenden Datenaustausch, Beobachtungen vor Ort der Reduzierung
auf vereinbarte Stärken, eine wirksame Überwachung verbleibender Bestände
und damit verbundener Einrichtungen,
einschließlich Inspektionen vor Ort,
vor.
Dies ist im Grundsatz unsere Position bei START.
Dort ist unserer
Meinung nach in Reykjavik Übereinstimmung erzielt worden und es ist
wichtig, dort weiterzumachen.

in Reykjavik geeinigt hatten.
Diese
Obergrenzen würden in Kraft bleiben,
bis sie durch eine Vereinbarung über
weitere Verringerungen ersetzt werden.
Anschlußverhandlungen mit dem
Ziel einer weltweiten Abschaffung von
INF-Raketen längerer Reichweite auf
beiden Seiten würden zu einem bestimmten Termin beginnen. Diese würden auch die Frage der INF-Raketen
kürzerer Reichweite einbeziehen.

Zur Weltraumverteidigung
2U INP
Unser Vortrag zu INF begann mit
der Lösung, zu der in Reykjavik Einigung erzielt worden war - die Beschränkung
auf
100
Gefechtsköpfe
weltweit auf jeder Seite bei den Mittelstreckenraketen längerer Reichweite.
Die 100 Gefechtsköpfe der sowjetischen Seite würden im asiatischen Teil der Sowjetunion stationiert werden, die 100 amerikanischen
in den Vereinigten Staaten.
Keine
Seite würde solche Raketen in Europa
stationieren. Grundsätzlich war dies
die Einigung von Reykjavik.
Diese
Reduzierungen
würden
phasenweise
durchgeführt und bis Ende 1991 abgeschlossen werden.
Wir haben unsere
Position
zu den Raketen
kürzerer
Reichweite erklärt, wonach deren Anzahl auf oder unter das gegenwärtige
sowjetische Niveau beschränkt werden
sollte und daß die Vereinigten Staaten selbstverständlich das Recht auf
die gleiche Anzahl besäßen. Wir sehen, daß die Sowjets der Überzeugung
sind, ihr heutiges Monopol bei diesen
Waffen solle eingefroren werden. Wir
können dies nicht akzeptieren.
In bezug auf INF haben wir dieselben Verifikationsgedanken
vorgebracht, die ich soeben für START
nannte und auf die wir uns im Prinzip

Wir
haben
unsere
Bereitschaft
wiederholt, zehn Jahre lang auf unser
Recht zur Kündigung des ABM-Vertrages
zu verzichten.
In diesem Zeitraum
würden beide Seiten alle Vorschriften
des ABM-Vertrages strikt einhalten.
Innerhalb der ersten fünf Jahre dieser ZehnJahresfrist würden die strategischen Offensivwaffen beider Seiten um 50 Prozent verringert, wie ich
soeben erklärte.
In den folgenden
fünf Jahren würden nach unserer Position die verbleibenden ballistischen
Offensivraketen beider Seiten beseitigt. Nach der sowjetischen Position
würden alle strategischen Offensivwaffen abgeschafft.
Am Ende dieses
Zehnjahreszeitraums würde es unserer
Ansicht nach jeder der Seiten freigestellt
sein,
moderne
strategische
Verteidigungssysteme zu stationieren,
falls beide Seiten sich nicht anderweitig einigen würden. Wiederum würden die Verifikationsprinzipien, die
ich eben erwähnte, auch auf dieses
Abkommen anzuwenden sein.

Zum Bereich der Verifizierung
Da es in Reykjavik zwischen den
beiden führenden Männern ein erhebliches Maß an Diskussion gab und sie
einander
bestätigten,
daß
umfangreiche und detaillierte Verifizierung

�Abkommen dieses Umfang zu begleiten
hätte, gaben wir zu diesem Thema noch
einige
gesonderte
Erklärungen
ab.
Wir machten im einzelnen unsere Sicht
von der zentralen Rolle der Verifizierung bei diesem Prozeß wie auch
die Notwendigkeit deutlich, parallel
wirksame Maßnahmen auszuhandeln, die
beiden Seiten Vertrauen in die Einhaltung
der
Verpflichtungen
geben
sollten, die übernommen werden.

und, wo möglich, eine Annäherung der
Standpunkte zu erreichen. Der einzig
wirkliche Fortschritt, von dem ich
berichten kann, besteht darin, daß
wir wieder
einmal unsere Position
verdeutlicht haben und unsere Bereitschaft bekräftigten, bei der Beantwortung dieser wichtigen Fragen fortzufahren.

Zur Frage der Atomversuche

* * * * *

Wir umrissen die Basis, auf der
wir bereit sind, Verhandlungen über
die Einstellung von Atomversuchen zu
beginnen.
Bei diesen Verhandlungen
würde es zunächst darum gehen, die
Verifizierungsfragen im Zusammenahng
mit bestehenden Verträgen zu beantworten.
Sobald
es hier
Klarheit
gibt, könnten beide Seiten sofort parallel mit der Verringerung und Beseitigung
von Kernwaffen beginnen,
was letztlich zu einer Einstellung
der Atomversuche führen würde.
Sie können also sehen, daß wir
unsere Sicht der Dinge, wo wir nach
Reykjavik stehen, in einiger Deutlichkeit dargelegt haben.
Die von
uns vorgeschlagenen Abkommen sind für
beide Seiten fair und wären ein dramatischer Schritt vorwärts. Und ich
bin immer noch davon überzeugt, daß
wir in vier oder fünf Jahren beim
Blick zurück auf Reykjavik von einem
ganz entscheidenden Treffen sprechen
werden, wenn Rhythmus und Geschwindigkeit
dieses Prozesses zunehmen.
Wir haben unsere Formulierungen zu
dem vorgelegt, worüber Übereinkunft
erzielt wurde und wo noch Meinungsverschiedenheiten
verblieben
sind,
haben wir unsere Positon und auch unser Verständnis der sowjetischen Position verdeutlicht. Unser Ziel war
es,
unsere
Position
klarzustellen
- 5 -

�^£°s7&lt;

AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial
12. November 1986

38

NICARAGUA - REVOLUTION IN DER FAMILIE
- Von Shirley Christian Der folgende Text dient der Information
unserer Leser und repräsentiert nicht
die offizielle Politik der Regierung
der Vereinigten Staaten.
Shirley Christian, Trägerin des Pulitzer-Preises für ihre Arbeiten über
Lateinamerika, ist Autorin des Bestsellers "Nicaragua - Revolution in der
Familie". In einem neuen Kapitel der Paperback-Ausgabe dieses Buches,
"Epilog" überschrieben und nachstehend abgedruckt, bringt sie ihre ungeschminkte Darstellung von Nicaraguas Vergangenheit und Zukunft auf den
neuesten Stand.
(Copyright (C): Shirley Christian)
Zu Beginn des Jahres 1986 schien
es für die Lage in Nicaragua keinen
befriedigenden Ausweg zu geben. Auf
der einen Seite gab es ein gut gerüstetes, wegen seiner Außenpolitik
für die Vereinigten Staaten und für
viele andere Länder der Region unannehmbares marxistisches Regime - unannehmbar auch wegen seiner Innenpolitik für jene Nicaraguaner, die politischen
Pluralismus
anstrebten.
Auf der anderen Seite warf die umfangreiche antisandinistische Streitmacht für die Vereinigten Staaten moralische und ethische Fragen auf; zudem fehlte ihren Aktionen die emotio-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

nale Unterstützung der internationalen Staatenwelt, die in den Jahren
1978 und 1979 zur Rechtfertigung der
bewaffneten Opposition gegen Somoza
beigetragen hatte.
Die Sandinistische Front wäre
wahrscheinlich zu einer Fußnote der
Geschichte geworden, wäre vor Ende
1978 ein gemäßigtes Regime in der Lage gewesen, in Nicaragua die Macht zu
ergreifen.
Aber der Carter-Administration gelang es nicht, die Entscheidung zu treffen, die hierfür
notwendig war; sie konnte aber auch

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�nicht die Entscheidung treffen, die
militärische und politische Unterstützung Somozas wieder aufzunehmen,
die gleichermaßen den Aufstieg der
Sandinisten verhindert hätte - obgleich aller Wahrscheinlichkeit nach
mit anderen unerwünschten Folgen.
Die Vereinigten Staaten ignorierten
die Bedeutung, die sie selbst für die
Geschichte Nicaraguas hatten, indem
sie sich weigerten, ihre Macht dafür
einzusetzen, Nicaragua beim Aufbau
einer politisch offenen Gesellschaft
zu helfen. Die Carter-Administration
tat keins von beidem: weder stützte
sie Somoza, noch machte sie ihm deutlich, daß er zu gehen habe. Somoza
selbst war zum Ausharren entschlossen
und glaubte angesichts der Unentschlossenheit im Weißen Haus, die
Vereinigten Staaten wieder auf seine
Seite ziehep zu können, um die Guerilla doch noch militärisch zu besiegen.
Der Aufstieg der Somoza-Dynastie
und die Tatsache, daß sie sich fast
ein halbes Jahrhundert an der Macht
gehalten hat, ist eine Last, die beide - die amerikanische wie auch die
nicaraguanische Geschichte - zu tragen haben. Der Kampf der Sandinisten
um die Macht wiederum wurde durch die
Weigerung der Somoza-Seite gefördert,
das politische System all jenen zu
öffnen, die sich an ihm beteiligen
wollten. Aber die These, wonach Diktatur der Rechten Diktatur der Linken
zeugt, ist hier nicht völlig anwendbar. In der Tat erlaubte die SomozaDynastie ein größeres Maß an politischer, sozialer und wirtschaftlicher
Freiheit als die meisten Regime dieser Art, und in diesem Umfeld entwickelten sich auch gemäßigte politische Alternativen zu Somoza. Zum
Teil ergab sich dies aus Nicaraguas
eigener politischer Geschichte. Außerdem trugen die Vereinigten Staaten
über zwei Jahrzehnte hinweg ihr Teil

zur Entwicklung solcher Alternativen
bei: sie gewährten ihre Hilfsprogramme staatlichen wie auch nichtstaatlichen Institutionen, sie unterstützten den Gemeinsamen Markt Mittelamerikas wie auch unabhängige Gewerkschaftsgruppierungen und sie unterhielten Kontakt mit oppositionellen
Politikern. Als das Ganze sich jedoch zuspitzte, fehlte es jedoch an
der Entschlossenheit Somozas wie auch
der
Carter-Administration,
einen
friedlichen Übergang zu gewährleisten. Wegen des Wunsches, das Prinzip der Nichteinmischung hochzuhalten, konnte die Carter-Administration
Somoza nicht zu dem Zeitpunkt zum Abdanken bringen, als eine gemäßigte
Regierungsumbildung möglich gewesen
wäre.
Die Führung der Sandinistischen
Front beabsichtigte die Errichtung
eines leninistischen Systems vom Tag
ihres Einmarsches in Managua an
gleich, ob sie es so nannten oder
nicht.
Ihr Ziel war es, sich die
Mittel zu verschaffen, fast alle Aspekte des nicaraguanischen Lebens zu
kontrollieren - von Bohnen und Reis
bis hin zur Religion. Dies zeigte
sich in Dingen wie etwa der Schaffung
von Blockkomitees und anderen Organisationen unter dem FSLN-B anner, dem
Druck auf die Medien zwecks Unterstützung der FSLN, in der Bedeutung,
die man dem Unterfangen beimaß, die
Kirche der FSLN gegenüber freundlich
zu

stimmen,

im

politischen

Einsatz

der Armee, in der raschen Entwicklung
und Ausweitung des Staatssicherheitsapparats und in den unterschiedlichsten Erklärungen und Dokumenten über
künftige Pläne der FSLN. All dies
tat sich bereits vor Ende 1979, zu
einer Zeit, als die wesentliche Zielsetzung
der
Carter-Administration
hinsichtlich der Sandinisten darin
bestand, nichts zu tun, was den Anschein hätte erwecken können, die
2 -

�Vereinigten Staaten seien dafür verantwortlich, wenn Nicaragua die Richtung Kubas einschlüge. Auch war dies
vor dem Zeitpunkt, als die Republikaner Ronald Reagan zum erstenmal nominiert hatten. Dies zur Wiederlegung
der Argumente, wonach der Antagonismus seitens der Vereinigten Staaten
Nicaragua erst auf den totalitären
Weg gebracht habe. Alle Signale seitens der sandinistischen Führung, irgend etwas anderes als ein leninistisches System in Nicaragua zu beabsichtigen, wurden - wie sie dies auch
mehrere Male eingestand - aus taktischen oder strategischen Überlegungen
gesetzt, nicht aber aus Überzeugung.
Man kann nicht behaupten, die
Sandinistische Front sei von Moskau
oder Havanna ins Leben gerufen worden, aber sicher ist, daß die Sandinisten vom Tag der Schaffung der FSLN
im Jahr 1961 an enge Beziehungen zu
diesen Ländern dachten.
Die Beziehungen zu Kuba wurden durch militärische Ausbildung, Beratung und durch
die Unterstützung ausgebaut, die die
Kubaner den Sandinisten vor und während ihres Aufstand gewährten. Diese
Unterstützung war mit der Verpflichtung verbunden, auch anderen Guerillaorganisationen zu helfen. Nach ihrer Machtergreifung wandten sich die
Sandinisten rasch und gern Moskau zu
- indem sie erst bulgarische Wirtschaftsberater
akzeptierten,
dann
Verbindung zu den Sowjets im militärischen Bereich suchten und sich dann
schließlich den Sowjets im Austausch
für immer mehr Waffen sogar selbst
anboten. In gewissem Sinn verkauften
sie sich selbst, um dadurch die Möglichkeit zu haben, sich angesichts
einer verfehlten Politik und weitverbreitetem Unglück an der Macht zu
halten.
Aber diese Verbindung war
auch Folge des Glaubens der Sandinisten an ihre eigenen Prinzipien,
Folge der ideologischen Überzeugung,

die sie hatten und für die sie den
Zorn der Vereinigten Staaten zu riskieren bereit waren.
Wenn auch das Argument etwas für
sich hat, daß diese militärische Abhängigkeit vom Sowjetblock hätte verhindert werden können, wären die Vereinigten Staaten in den ersten Monaten des neuen Regimes bereit gewesen,
der Sandinistischen
Armee militärische Ausrüstung anzubieten, so ist
es doch sehr wahrscheinlich, daß die
ideologische Loyalität der sandinistischen Führung gegenüber den Marxismus-Leninismus wie auch die Tatsache,
daß die Vereinigten Staaten nie bereit gewesen wären, Waffen in dem Umfang zur Verfügung zu stellen, wie es
die Sandinisten
zur Konsolidierung
ihrer Macht im Innern für notwendig
erachteten, jede derartige Vereinbarung zunichte gemacht hätten.
Die Innenpolitik der Sandinisten
säte den Samen für den Aufstieg der
Contras.
Es waren die gebrochenen
Versprechen und die Ausübung totaler
Macht seitens der FSLN, die viele
derjenigen, die vormals die Opposition gegen Somoza angeführt hatten, danach zur bewaffneten Opposition gegen
die Sandinisten brachten und die dabei Grund zur gemeinsamen Sache mit
den Nationalgardisten des alten Regimes fanden.
Es ist auch wahr, daß
die Reagan-Administration vor allem
durch Gewährung von CIA-Geldern einige jener Leute dazu ermutigte, die
friedliche Opposition im Land selbst
aufzugeben und ins Exil zu gehen.
Angesichts all dessen, was sich in
Nicaragua im ersten Jahr etwa nach
dem Sturz Somozas zutrug, war bewaffnete Opposition gegen die FSLN unvermeidlich, obwohl die Dimensionen, die
sie
erreichte,
Ergebnis
amerikanischer Unterstützung waren.

- 3 -

Zwei grundlegende Einwände wurden

�gegen die Contras erhoben - sogar bei
vielen amerikanischen und ausländischen Kritikern der Sandinisten. Einer stellte die Moral der Entscheidung der Vereinigten Staaten in Frage, eine paramilitärische Streitmacht
mit Mitteln zu versehen und zu beraten, Häfen zu verminen und - in einem
Ausbildungshandbuch der Contra - die
Ermordung sandinistischer Gefolgsleute im ländlichen Bereich zu sanktionieren. Es gab guten Grund für diese
Einwände - zumindest hinsichtlich der
konkreten Maßnahmen -, aber es war
nicht so leicht, gegen das Grundprinzip einer Unterstützung der Contras
zu argumentieren. Dies war vielmehr
im Licht dessen zu sehen, welchen
Wert die Sache selbst hatte, welchen
Umfang die Streitkräfte hatten, denen
sich die Antisandinisten gegenübersahen und ob noch andere Mittel zur
Verfügung standen.
Der zweite Einwand geht dahin,
daß die Contras nichts erreichten,
sondern nur zu Tod und Zerstörung,
einschließlich der Tötung von Zivilisten, beitrugen und daß sie den
Sandinisten erst den Grund für deren
repressive Politik lieferten. Dies
unterstellt, die Sandinisten hätten
eine solche Politik nicht betrieben,
wenn es keine Contras gegeben hätte
und ignoriert dabei die ganze Abfolge
von Ereignissen der Jahre 1979 und
1980. Hätte es keine Contras gegeben, so hätten die Sandinisten keine
Rechtfertigung für die Einlagerung
von Nahrungsmitteln, für die Einführung des Wehrdienstes und für den
Druck auf die Bevölkerung gehabt,
sich der Miliz anzuschließen.
Das
Fehlen der Contras und anderen Drucks
von außen hätte es aber auch der Sandinistischen Front leichter gemacht,
gegen die Presse, die Kirche und die
Oppositionsgruppen vorzugehen, ohne
internationale Kritik auf sich zu
ziehen. So ist es zum Beispiel rich-

tig, daß der Ausnahmezustand im März
1982 in Reaktion auf den ersten größeren Angriff der Contras ausgerufen
wurde; richtig ist aber auch, daß die
Erklärung
des
Ausnahmezustandes
letztlich die Einschränkungen formalisierte, die de facto bereits erlassen und verwirklicht worden waren.
Es mag richtig sein, daß die Operationen der Contras den Umfang der
Kaffeernten 1983 und 1984 verringerten, aber die Contras zwangen die
FSLN auch dazu, sich bei ihrer Agrarpolitik umzuorientieren - von Staatsgütern weg und hin zu individuellem
Eigentum.
Kurz: wenn es auch stimmt, daß
die Umstände in Nicaragua ohne die
Contras vielleicht
in wirtschaftlicher Hinsicht marginal besser gewesen wären, so stellte ihre Existenz neben all dem anderen äußeren und inneren Druck - doch das dar, was es an
geringer Hoffnung gab, um die Sandinistische Front dazu zu zwingen,
strukturelle Veränderungen größeren
Umfangs in Richtung auf ein offenes
politisches System zu akzeptieren.
Unter jenen, die Mittelamerika im
Randbereich
amerikanischer
Politik
debattierten und analysierten - Akademiker, Gelehrte, Autoren von Zeitungskommentaren, Mitglieder früherer
Administrationen und Kritiker innerhalb der Reagan-Administration -,
wurde oft argumentiert, eine Verhandlungslösung zwischen den Vereinigten
Staaten und der FSLN sei möglich.
Solch eine Lösung, so wurde behauptet, könne einen Tauschhandel beinhalten: Beibehaltung der Macht durch
die Sandinisten im Gegenzug zu einer
Beendigung ihrer Unterstützung marxistischer
Guerillagruppen
andernorts. Dies war eine Version des Vorschlags, den der ehemalige stellvertretende
Außenminister
Thomas
0.
Enders der FSLN im August 1981 ge-

- 4-

�macht hatte. Idee des Arguments war,
daß die Sandinisten Anfang 1986 nach
Jahren des Guerillakriegs vielleicht
eher geneigt seien, den Sicherheitsbedenken
der
Vereinigten
Staaten
Rechnung zu tragen.
Allerdings beinhaltete ein solches Abkommen für die Vereinigten
Staaten praktisch das Ende der Contras. Dies wiederum hätte im Innern
zu einer Konsolidierung des sandinistischen Regimes wie auch zu einem
stillschweigenden amerikanischen Einverständnis mit einer Politik geführt, die niemals zu dem politischen
Pluralismus führen würde, der das
Ziel so vieler Nicaraguaner war - zunächst, als sie sich gegen Somoza
stellten und später, als sie sie gegen die Sandinistische Front wandten.
Es wäre ein Frieden ohne echte Lösungen gewesen, ein Frieden, der die
meisten der ausstehenden Probleme
nicht gelöst hätte.
Diese Frage des internen politischen Pluralismus sowie das Ausmaß,
bis zu dem die Vereinigten Staaten
intervenieren können oder sollten, um
ihn herbeizuführen, ist das eigentliche Dilemma für die Vereinigten
Staaten bei einem Großteil ihrer außenpolitischen Beziehungen und insbesondere in Mittelamerika und in der
Karibik.
Intervention
bedeutet
hierbei
nicht
nur
direkte
militärische
Schritte, sondern auch umfassendere
Versuche, die Innenpolitik eines Landes durch all die Methoden zu beeinflussen, die den Vereinigten Staaten
zur Verfügung stehen. Sollten wir
mit einem Einmarsch in Nicaragua nur
dann drohen, wenn dort MiGs eingeführt werden, oder könnten wir eine
Intervention oder andere Formen des
Drucks im Interesse internen Wandels
rechtfertigen?
Selbst wenn zu den

Taktiken, die in Frage kämen, eine
Invasion nicht gehören würde - könnte
man sie rechtfertigen?
Genau wie die Frage der Intervention die Carter-Administration verfolgt hatte, so verfolgte sie auch
die Reagan-Administration, die - bei
aller unterschiedlichen Formulierung
ihrer Lösung auch nie näherkam.
Ein Großteil der Verwirrung über die
Ziele und die Funktion der Contras
bezog sich auf diese Diskussion.
Die
Reagan-Administration,
die
zögerte, eine offen interventionistische Politik zu verfolgen, hatte
sich zunächst geweigert, den legitimsten Teil der nicaraguanischen Frage
direkt anzugehen: die Innenpolitik
der FSLN.
Stattdessen erfand das
Weiße Haus andere Gründe für Ausbildung und Finanzierung der Contras.
Es behauptete öffentlich, die ContraKräfte existierten, um die Waffenlieferungen von Nicaragua an die Guerilla der Nationalen Befreiungsfront
Farabundo Marti in El Salvador zu unterbrechen,
obgleich
CIA-Vertreter
die militanten Contras in dem Glauben
belassen durften, .sie kämpften für
die Rettung ihres eigenen Landes.
Obgleich die Beweise logistischer und
beratender Verbindungen zwischen den
Sandinisten und den Salvadorianern
erheblich waren - wozu auch die Anwesenheit hochrangiger Vertreter der
salvadorianischen Guerilla in Managua
gehört -, wurden verhältnismäßig wenig Waffentransporte aufgebracht, wobei dies offiziellen honduranischen
oder costaricanischen Stellen gelang
nicht aber den nicaraguanischen
Freiheitskämpfern. Infolgedessen attackierten die Kritiker der Politik
Reagans die Unterstützung der Contras
mit diesen Argumenten, was in den Augen der Weltöffentlichkeit zu einer
Schwächung der Sache der Contras und
der gesamten nicaraguanischen Opposi-

- 5 -

�tion führte. Eine der wesentlichen
ethischen Fragen hinsichtlich der
amerikanischen Rolle bei der Aufstellung der Contras war, ob die Vereinigten Staaten Menschen manipulieren
sollten, die für ihr Land nur das anstrebten, wozu die Vereinigten Staaten sie schon seit langem ermutigt
hatten - in Opposition zu Somoza die
Chance zu erhalten, die Probe auf politischen Pluralismus als Mittel zu
machen, die Probleme des Landes in
den Griff zu bekommen. Für diejenigen, die sich gegen die Sandinisten
gestellt hatten, war stets innerer
Wandel in Nicaragua das Ziel - ganz
unabhängig von ihren eigenen Meinungsverschiedenheiten und persönlichen Zwisten. Und doch wurden sie
bisweilen wegen der Art und Weise ihres Einsatzes als Söldner angesehen.
Im September 1983 wurde die Rechtfertigung für eine Unterstützung der
Contras auf eine breitere Grundlage
gestellt, doch basierte sie noch immer auf der Außenpolitik der Sandinisten. Erst als der Kongreß 1984
die Unterstützung des CIA einstellte,
begann die Reagan-Administration, die
Existenz der Contras auf der Grundlage der sandinistischen Innenpolitik
zu rechtfertigen.
Selbst dann war jedoch nicht eindeutig klar, ob der eigentliche Zweck
der Contras in den Überlegungen der
Reagan-Administration darin bestand,
die Sandinisten zu stürzen (oder einen grundlegenden strukturellen Wandel innerhalb des Regimes zu erzwingen), oder lediglich darin, einen
Bauern auf das Schachbrett zu stellen, der wieder weggenommen werden
konnte, um etwas anderes dadurch zu
gewinnen - seien es Konzessionen bei
der Guerilla-Frage in El Salvador,
sei es ein Rückzug der Ostblock-Berater in Nicaragua.
Wäre es der
Reagan-Administration
zum Beispiel
ernst mit dem Versuch gewesen, die

FSLN zu stürzen, so hätte sie die Bemühungen
der Contras unterstützt,
Aufstandsbewegungen
in
städtischen
Gebieten zu intensivieren, wie dies
die FSLN selbst 1978-1979 getan hatte. Stattdessen wurde dieser Gedanke
Anfang 1983 fallengelassen, weil dem
CIA zufolge in den Medien das Argument auftauchte, die Contras versuchten, etwas ganz anderes zu tun, als
die Waffenlieferungen für die Guerilla in El Salvador zu unterbinden.
Allmählich änderte sich jedoch
die Einstellung im Kongreß und erlaubte es der Administration, ihre
Politik unmittelbarer auf innenpolitische Fragen in Nicaragua zu konzentrieren. Mitte 1985 hatte die Mehrheit des Kongresses die Argumente des
Außenministeriums zu zwei wesentlichen Punkten übernommen: der grundsätzlich repressiven Natur des FLSNRegimes und seiner Munitionslieferungen wie auch anderer Unterstützung
der Guerilla in El Salvador. Obwohl
es in der Öffentlichkeit auch weiterhin viele Stimmen gab, die entweder
die Innenpolitik der Sandinisten verteidigten oder aber die 3edeutung der
Waffenfrage herunterspielten - sie
gehörten hauptsächlich zu kirchlichen
Gruppen, Solidaritätsbewegungen und
Akademikern -, hatten sich die Meinungen derjenigen, die direkt mit der
politischen Entscheidungsfindung beschäftigt waren, erheblich einander
angenähert. Kongreß und Administration teilten Schritt für Schritt ihre
Bedenken über die Sandinisten und sahen gemeinsame Ziele in Mittelamerika, auch wenn es noch immer Meinungsverschiedenheiten
bei
konkreten
Schritten und Verfahrensweisen gab.
Diese Verschiebung führte dazu, daß
der Kongreß für eine Wiederaufnahme
der Hilfe für die Rebellen stimmte.
Dafür verlangte der Kongreß, daß alles öffentlich zu tun sei und zwang
die Administration, ihr Vorgehen un-

- 6-

�ter menschenrechtlichen und politischen Erwägungen zu konzipieren und
zu rechtfertigen. Der Kongreß selbst
wurde in die Verantwortung miteinbezogen, eine politisch und militärisch
verläßliche Kraft zu schaffen, um den
Sandinisten zu begegnen. Doch gab es
viele, die auch weiterhin daran zweifelten, ob die Contras die Sandinistische Front je würden besiegen können
oder ob Druck überhaupt Konzessionen
seitens der FSLN ermöglichen würde.
Jene, die ohnehin die Rebellen mit
Nachdruck unterstützten, gingen davon
aus, daß es notwendig sei, über eine
lange Zeit hinweg auszuharren und abzuwarten, bis sich eine Möglichkeit
ergeben würde - wie dies Castro bei
den von ihm unterstützten Gruppen sah.
Mit dem Vorschlag eines mittelamerikanischen Friedensvertrags, bekannt unter dem Namen "CONTADORA" nach der panamaischen Insel, wo man
im Januar 1983 mit einem Entwurf begann -, wurde der Versuch unternommen, sich mit der Vielzahl der Probleme Mittelamerikas auseinanderzusetzen, indem die Unterzeichnerstaaten zu Demokratisierung im Innern, zu
Rüstungsabbau und zum Abzug ausländischer Militärberater verpflichtet
wurden. Die FSLN signalisierte ihre
Bereitschaft zur Unterzeichnung des
ersten Vertragsentwurfs, als dieser
Mitte 1984 erstellt wurde, doch zog
sich die sandinistische Regierung
nach einem Jahr der Verhandlungen, im
Verlauf derer die Bedenken der vier
anderen mittelamerikanischen Länder
und der Vereinigten Staaten zur Sprache gebracht werden sollten, zurück,
als ein neuer Entwurf fertiggestellt
war und erklärte, daß der eigentliche
Disput zwischen ihr und den Vereinigten Staaten bestehe, nicht zwischen
den
mittelamerikanischen
Staaten.
Die zentrale Frage, so die Sandinistische Front, sei, daß die Vereinigten
Staaten die antisandinistischen Re-

belllen unterstützten und darüber auf
bilateraler Basis verhandelt werden
müsse. Die Vereinigten Staaten bestanden jedoch weiterhin darauf, keine weiteren
bilateralen Gespräche
mehr mit Nicaragua zu führen, solange
die Sandinisten nicht einen "Dialog"
mit Vertretern der bewaffneten Rebellen und anderen Oppositionsgruppen
eröffneten.
Gegen Ende 1985 schien sich der
CONTADORA-Prozeß totgelaufen zu haben, aber Anfang 1986 machten die
vier Staaten, die sich für den Vertragsentwurf eingesetzt hatten - Venezuela, Mexiko, Kolumbien und Panama
-, eine Anstrengung, ihn wieder mit
Leben zu erfüllen. Sowohl die Sandinisten als auch die Vereinigten Staaten
signalisierten
Unterstützung.
Doch das Haupthindernis, der streit
über das politische Prinzip, bestand
weiter.
Hierbei ging es nicht um
Waffen, sondern um Politik. Die Sandinisten einerseits, die vier anderen
mittelamerikanischen Regierungen wie
auch die nicaraguanischen Freiheitskämpfer und die Vereinigten Staaten
andererseits, standen sich in ihren
Ansichten hinsichtlich der Art der
wünschenswerten politischen Systeme
diametral
gegegenüber.
Letztlich
ging es um die Frage, ob es möglich
war, eine Einigung zwischen jenen
herbeizuführen, die grundsätzlich an
eine
leninistische
Regierungsform
glaubten, und den anderen, die den wenn auch bisweilen höchst schwierigen - Versuch machten, im wesentlichen liberale Systeme einzuführen.
Obwohl es einige Meinungsverschiedenheiten unter den vier anderen mittelamerikanischen Ländern wie auch gegenüber den Vereinigten Staaten gab,
wie die Fragen angegangen werden
könnten, so gab es doch prinzipielles
Einverständnis darüber, daß die wirklich großen Probleme der Region mit
der Existenz des sandinistischen Re-

- 7-

�gimes
in Nicaragua
zusammenhingen.
Selbst wenn die Sandinisten schließlich
einen
Vertrag
unterschreiben
würden: die Erfahrung hatte gezeigt,
daß es zu einer wirklich grundsätzlichen Änderung ihrer Politik nur angesichts wirklicher oder vermuteter
militärischer Gewalt oder irgendeines
anderen unüberwindbaren Drucks kommen
würde.
In den Vereinigten Staaten und in
den westlichen Industriestaaten gibt
es eine Tendenz, die Krisen Mittelamerikas allgemein entweder als Folge
kubanischer und sowjetischer Unterstützung von Aufständen oder sozialer
Mißstände zu sehen.
All diese Elemente waren in Nicarauga bei dem Aufstand gegen Somoza vorhanden, wenn
auch an den Wurzeln des Disputs die
Frage stand, wie und von wem die öffentliche Politik
gestaltet
werden
sollte, welches die philosophischen
Grundlagen
der
Entscheidungsfindung
sein sollten, die die Nicaraguaner
nach eineinhalb Jahrhunderten der Unabhängigkeit noch immer zu bestimmen
versuchten.
Hieran entzündete sich
der Aufstand
gegen Somoza, obwohl
schließlich auch andere Elemente Unterstützung der Aufstände von außen
sowie
wirtschaftliche
und
soziale
Fragen - dazu beitrugen. Desgleichen
war der Versuch töricht, den Wert der
sandinistischen
Regierung
auf
der
Grundlage ihrer Wirtschaftsund Sozialpolitik zu bestimmen, solange die
Frage danach, wer ein Recht zum Regieren hatte und wie die Regierung
gewählt werden sollte, noch nicht beantwortet war. Wäre man die politische Problematik zuerst angegangen gleich, ob gegenüber Somoza oder später den Sandinisten -, so hätte es
dies den Vereinigten Staaten ermöglicht, auch ihre anderen Bedenken zu
behandeln - die nationale Sicherheit
und das ganze Spektrum menschen- und
bürgerrechtlicher Fragen. Es ist un-

wahrscheinlich, daß eine politische
Demokratie im Sinne der Vereinigten
Staaten
oder
Europas
militärische
Bündnisse schmiedet und Waffenarsenale aufhäuft, die amerikanischen Interessen zuwiderlaufen.
Gleichzeitig
schafft dies die Möglichkeit, politische Unterdrückung zu beenden, sich
mit der sozialen und wirtschaftlichen
Ungerechtigkeit
auseinanderzusetzen
und die Herrschaft des Rechts einzusetzen, bei der die Gerichte eine
Kontrollfunktion gegenüber Auswüchsen
von Militär und Exekutive ausüben.
Um dies zu verwirklichen, bedarf
es jedoch eines stärkeren Maßes der
Intervention,
als
die
Vereinigten
Staaten in ihrer jüngeren Geschichte
einzugehen bereit waren - von Situationen abgesehen, da die Entwicklung
den
Punkt
konkreter
militärischer
Operationen
erreichte.
Sogar
als
Präsident Hoover Anfang 1933 die amerikanischen
Marineeinheiten
abzog,
tat er dies hauptsächlich in Reaktion
auf den Aufschrei in der Öffentlichkeit gegen eine Intervention.
Teil
des Problemes ist der negative Beigeschmack, den das Wort Intervention
hat. Grundlegende Aspekte der internationalen Beziehungen seit dem Zweiten Weltkrieg sind Nichteinmischung
und Selbstbestimmung,
obgleich die
meisten Regierungen der Dritten Welt
sich mehr damit beschäftigten, sich
vom Podium internationaler Foren für
Nichteinmischung stark zu machen, als
Selbstbestimmung im eigenen Land zu
praktizieren.
Kuba und die Sowjetunion
vermeiden
diesen
schlechten
Beigeschmack, den das Wort Intervention hat, indem sie ein anderes - Internationalismus nämlich - verwenden,
um ihre Bemühungen zu umschreiben,
die Entwicklung anderer Länder in dirigistischer, totalitärer Richtung zu
beeinflussen.

- 8 -

Man

kann

sicher

argumentieren,

�daß die Vereinigten Staaten nicht immer dort intervenieren können, wo es
auf der Welt eine Regierung gibt, die
ihnen nicht gefällt und daß sie nicht
den Weltpolizisten spielen können.
Aber Außenpolitik muß in Reaktion auf
die Dynamik
konkreter Situationen
formuliert werden und die innenpolitische Situation, die geographische
Lage eines Landes und die Geschichte
seiner Beziehungen zu den Vereinigten
Staaten mit in Rechnung stellen. Nur
wenn die Vereinigten Staaten die demokratische Entwicklung auf langfristiger Grundlage fördern, können sie
hoffen, die unangenehme Alternative
zu vermeiden, entweder Truppen zu
senden oder mit unerträglichen Situationen leben zu müssen.

wurden. Die Errichtung eines totalitären Regimes wurde tragischerweise
als sekundär erachtet. Wie so oft in
der Vergangenheit mußte Nicaragua die
bittere Erkenntnis machen, daß seine
eigenen Bedürfnisse und Träume zum
Faustpfand von Streitfragen jenseits
seiner Grenzen geworden sind.

Die bittere Lektion für die Vereinigten Staaten besteht darin, daß
eine Demokratie - insbesondere eine,
die eine weitgespannte Beteiligung an
der Ausformulierung und Verwirklichung ihrer Außenpolitik erlaubt die Entwicklung nicht zu einem Punkt
treiben lassen darf, der nur die harte Wahl zwischen nationaler Sicherheit und nationalem Gewissen zuläßt.
Die Vereinigten Staaten sollten nicht
zulassen, daß sie in die Notlage geraten, in einem Bereich wie Mittelamerika, mit dem sie so viel verbindet,
entweder
eine
represssive
Rechtsdiktatur akzeptieren zu müssen,
weil diese keine Bedrohung der nationalen
Sicherheit
der
Vereinigten
Staaten darstellt - oder aber eine
repressive Linksdiktatur im Austausch
zu deren Zugeständnis, die Regierung
eines Nachbarstaates nicht zu stürzen
oder sich keine MiGs zu beschaffen.
Es hat lang gedauert, bis man aus
dieser Lektion in Nicaragua gelernt
hat. Jene, die dort Demokratie wollten, standen zwischen allen Fronten
und mußten zusehen, wie ihre Ziele
zur Geisel der Prioritäten anderer
- 9-

* * * * *

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                    <text>AMERIKA DIENST

15. Oktober 1986

34

I N H A L T

DOKUMENTATION

Reagan;

Optimismus über eine mögliche Lösung bei Nuklearwaffen

- Präsident Reagans Ansprache an die Nation -

Vereinigte Staaten mit KSZE-Vorbereitungstreffen 'zufrieden*
- Pressekonferenz von Botschafter Zimmermann in Wien -

HINTERGRUNDMATERIAL

Chronologie amerikanischer und sowjetischer
Rüstungskontrollvorschläge
- Vom 16. November 1985 bis heute -

* * * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�v^° S ^

AMERIKA DIENST
Dokumentation

15. Oktober 1986

34

REAGAN: OPTIMISMUS ÜBER EINE MÖGLICHE LÖSUNG BEI NUKLEARWAFFEN
- Präsident Reagans Ansprache an die Nation -

WASHINGTON -(AD)In einer landesweit übertragenen Fernsehansprache erklärte Präsident Reagan am 13. Oktober, er sei "optimistisch, daß sich ein Weg
finden" werde, um die amerikanischen und sowjetischen Meinungsverschiedenheiten über einen Abbau nuklearer Waffen zu klären.
Der Präsident betonte, er betrachte die geplante Strategische Verteidigungsinitiative (SDI) als "Amerikas Versicherungspolice dafür, daß die Sowjets
ihre in Reykjavik eingegangenen Verpflichtungen einhalten werden".
Reagan
wiederholte auch seine Einladung an den sowjetischen Generalsekretär Gorbatschow, die Vereinigten Staaten zu besuchen.
Nachfolgend drucken wir den Text der Ansprache im Wortlaut:

Guten Abend. Wie die meisten von
Ihnen wissen, bin ich gerade vom
Treffen mit dem ersten Mann der Sowjetunion,
Generalsekretär
Gorbatschow, in Island zurückgekehrt. Wie
im vergangenen Jahr bei meiner Rückkehr von der Genfer Gipfelkonferenz,
möchte ich Sie auch heute abend kurz
über den Ablauf dieser Gespräche informieren.
Diese Gespräche sind von enormer
Tragweite, die erst jetzt in ihren
Ansätzen verstanden wird. Wir haben
die radikalsten und großzügigsten Rü-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

stungskontrollvorschläge
der
Geschichte unterbreitet. Wir haben die
völlige Abschaffung aller - sowohl
amerikanischen als auch sowjetischen
- ballistischen Raketen von der Erdoberfläche bis 1996 angeboten.
Da
bei unserem Auseinandergehen dieses
amerikanische Angebot immer noch vorlag, sind Abkommen, die zu einer sichereren Welt ohne Nuklearwaffen führen könnten, jetzt greifbarer als jemals zuvor.
Aber lassen Sie mich Ihnen zuerst
sagen, daß ich sie, das amerikanische

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Volk, seit Beginn meines Treffens mit
Herrn Gorbatschow als
vollwertigen
Teilnehmer betrachtet habe. Glauben
Sie mir, daß ohne Ihre Unterstützung
keines dieser Treffen hätte stattfinden können und daß sich keines der
endgültigen Ziele der amerikanischen
Außenpolitik - Frieden und Freiheit
auf der Welt - verfolgen ließe. Genau für diese Ziele habe ich auch den
Schritt nach Island getan.

nuklearen Gefechtsköpfen aufeinander
gerichtet, die in der Lage sind, unsere
beiden
Länder
auszuradieren.
Die Sowjets haben, dem Vertrag entsprechend, eine Raketenabwehr um Moskau in Stellung gebracht. Unser Land
hat
nichts Derartiges
stationiert,
weil die Gefahr einer landesweiten
Vernichtung
solch ein
beschränktes
Verteidigungssystem nutzlos erscheinen ließ.

Erlauben Sie mir, daß ich Ihnen
vor der Erörterung dieser Gespräche
einige Hintergrundinformationen gebe
und Ihnen zwei Dinge erkläre, die in
erheblichem Maße Eingang in unsere
Gespräche gefunden haben: zum einen
ein Vertrag, zum anderen eine Verteidigungsmaßnahme gegen Nuklearraketen,
die
wir
zu
erarbeiten
versuchen.
Ihre Namen haben Sie schon oft gehört
- es handelt sich um den ABM-Vertrag
und um SDI. Diese Buchstaben stehen
für Raketenabwehr und für die Strategische Verteidigungsinitiative.

Seit einigen Jahren haben wir den
Eindruck, daß die Sowjets ein landesweites Verteidigungssystem entwikkeln könnten. Sie haben eine große,
moderne Radaranlage
in Krasnojarsk
errichtet, von der wir glauben, daß
sie einen wichtigen Teil des Radarsystems darstellt, das dazu dient, Abwehrraketen
zum Schutz des ganzen
Landes durch Radar zu steuern.
Das
aber bedeutet eine Verletzung
des
ABM-Vertrages.

Vor einigen Jahren sind die Vereinigten Staten und die Sowjetunion
übereingekommen,
jegliche Verteidigung gegen nukleare Angriffsraketen
dahingehend zu beschränken, daß in
jedem Land eine geringe Anzahl von
Raketen in Stellung gebracht wird,
die in der Lage sind, eindringende
Nuklearraketen abzufangen und abzuschießen.
So überließen wir unsere
eigentliche Verteidigung einer Politik
der
Gegenseitigen
Gesicherten
Zerstörung (Mutual Assured Destruction - MAD), die beinhaltet, daß auf
den von einer Seite begonnenen Nuklearangriff die Vergeltung der anderen Seite folgen könnte. Von dieser
gegenseitigen Zerstörungsdrohung nahm
man an, sie würde eine Abschreckung
gegen den Erstschlag einer Seite darstellen.
Jetzt haben wir also Tausende von

Davon überzeugt, daß eine Politik
der gegenseitigen gesicherten Zerstörung und des Mordes an ihren und unseren
Bürgern
geradezu
barbarisch
ist, habe ich unsere Streitkräfte vor
einigen Jahren
um Erforschung der
Frage gebeten, ob es einen praktischen Weg gibt, Nuklearraketen nach
ihrem Start und vor Erreichung ihres
Ziels zu zerstören, damit keine Menschen getötet werden.
Das ist das
Ziel dessen, was wir SDI nennen, und
die an der Forschung beteiligten Wissenschaftler
sind davon überzeugt,
daß es praktikabel sei und wir in einigen Jahren solch ein System stationieren
könnten.
Nebenbei
bemerkt
verletzen wir damit nicht den ABMVertrag, der solch eine Forschung zuläßt. Sollten wir SDI stationieren,
gestattet der Vertrag außerdem einen
Rücktritt innerhalb von sechs Monaten. Um es noch einmal klar hervorzuheben: SDI ist eine nicht-nukleare
Verteidigung.

�Damit wären wir also in Island
bei unserem zweiten Treffen. Bei der
ersten Zusammenkunft und in den dazwischenliegenden Monaten haben wir
Möglichkeiten
zur Verringerung
und
sogar zum Abbau aller Kernwaffen besprochen.
Die Sowjets und auch wir
hatten Gruppen von Unterhändlern in
Genf, die ein gemeinsames Abkommen
über einen möglichen Abbau oder eine
Abschaffung von Nuklearwaffen auszuarbeiten versuchten. 3is jetzt waren
sie nicht erfolgreich.
Am Samstag und Sonntag habe ich
mich mit Generalsekretär Gorbatschow,
seinem
Außenminister
Schewardnadse
und Außenminister Shultz etwa zehn
Stunden lang getroffen.
Wir haben
dabei nicht nur über die Verringerung
der strategischen Rüstungen gesprochen.
Wir haben auch darüber gesprochen, was wir als Verletzung der
Menschenrechte
seitens der Sowjets
bezeichnen; die Weigerung, Menschen
aus Rußland ausreisen zu lassen, damit sie ihre Religion ausüben können,
ohne verfolgt zu werden, oder Menschen aufgrund einer Familienzusammenführung gehen zu lassen, oder es
den
durch Staatsgrenzen
getrennten
Ehepartnern zu erlauben, zusammenzuleben.
In vielen von diesen Punkten verletzen die Sowjets ein weiteres Abkommen - die von ihnen 1975 unterzeichnete Schlußakte von Helsinki.
Jurij Orlow, der gerade seine Freiheit wiedererlangt hat, wurde dafür
eingesperrt, daß er seine Regierung
auf die Verletzung dieses Abkommens
aufmerksam machte und auf deren Weigerung, Bürgern die Aus- oder Rückreise zu gestatten.
Wir haben ebenfalls über regionale Angelegenheiten, wie etwa Afghanistan, Angola, Nicaragua und Kambo-

dscha gesprochen.
Die andere Seite
wählte jedoch die Rüstungskontrolle
zu ihrem Hauptthema.
Wir haben über die Stationierung
von Mittelstreckenraketen in Europa
und Asien diskutiert und schienen uns
darüber einig zu sein, daß ihre Anzahl
drastisch
verringert
werden
könnte. Beide Seiten schienen bereit
zu sein, einen Weg zu finden, um sogar aufeinander gerichtete strategische Raketen vollständig abzubauen.
Damit wären wir bei SDI angelangt.
Ich habe einen Vorschlag unterbreitet, daß wir unsere gegenwärtige
Forschung fortsetzen sollten; bei Erreichen des abschließenden Teststadiums würden wir einen Vertrag unterzeichnen, der die sowjetische Beobachtung von Tests erlaubt. Wenn sich
das Programm als praktikabel erweist,
würden wir sowohl unsere Offensivraketen abschaffen, als auch in den Genuß einer modernen Verteidigung kommen. Ich habe erklärt, daß uns auch
bei Abschaffung unserer Offensivraketen eine solche Verteidigung gegen
Betrug
oder auch dagegen schützen
würde, daß sich einmal ein Verrückter
womöglich dazu entschließt, Atomraketen zu bauen. Schließlich kennt man
ja die Methode ihrer Herstellung.
Ich verglich es damit, daß wir auch
unsere Gasmasken weiterhin behalten,
obwohl die Nationen der Welt Giftgas
nach dem Ersten Weltkrieg für ungesetzlich erklärten.
Wir
schienen Fortschritte
beim
Abbau von Waffensystemen zu machen,
obwohl der Generalsekretär gegen SDI
opponierte und gegen Abend vorschlug,
wir sollten uns noch auf eine Reihe
von Jahren hinaus zur weiteren Einhaltung des ABM-Vertrages verpflichten.

- 3 -

Außenminister

Shultz

schlug

vor,

�die Protokolle der Gespräche unseren
jeweiligen Arbeitsgruppen zu übergeben,
die
diese
nachts
daraufhin
durcharbeiten sollten, wo es Übereinstimmungen gäbe und welche Meinungsverschiedenheiten uns trennten.
Mit
Respekt
und
Dankbarkeit
kann
ich
Ihnen sagen, daß sie die Nacht hindurch bis 6.3o morgens gearbeitet haben.
Gestern, am Sonntag morgen, sind
Herr Gorbatschow, unsere Außenminister und ich wiederum zusammengetroffen und haben die Berichte unserer
beiden Arbeitsgruppen entgegengenommen, die sehr vielversprechend waren.
Die Sowjets forderten einen
zehnjährigen Aufschub bei der Verwirklichung des SDI-Programms.
In dem Bemühen, auf ihre Belange
einzugehen
und gleichzeitig
unsere
Prinzipien und unsere Sicherheit zu
schützen, haben wir den Zeitraum von
zehn Jahren vorgeschlagen, in dem wir
mit dem Abbau aller
strategischen
Nuklearwaffen, Bomber, luftgestützten
Marschflugkörper, Interkontinentalraketen, unterseebootgestützten ballistischen Raketen und deren Waffen beginnen würden.
Diese würden in den
ersten fünf Jahren um fünfzig Prozent
abgebaut.
In
den
darauffolgenden
fünf Jahren würden wir damit fortfahren, die verbleibenden ballistischen
Raketen aller Typen abzuschaffen. In
dieser Zeit würden wir die Forschung,
Entwicklung
und Erprobung von SDI
weiterbetreiben.
All dies befände
sich im Einklang mit den Bestimmungen
des ABM-Vertrages.
Nach Ablauf der
zehn Jahre und der erfolgten Abschaffung
aller
ballistischen
Raketen
könnten wir ein modernes Verteidigungssystem stationieren und gleichzeitig zulassen, daß die Sowjets das
Gleiche tun.
Hier setzte die Diskussion ein.

Der Generalsekretär strebte nach Formulierungen, die uns letztlich davon
abgehalten hätten, SDI weiterzuentwickeln, und wenn ich dem zugestimmt
hätte, wären alle Bemühungen zur Abschaffung von Kernwaffen vergeblich
gewesen - null und nichtig.
Ich habe ihm erklärt, daß ich dem
amerikanischen
Volk
versprochen
hätte, SDI nicht wegzuverhandeln; es
gäbe keine Möglichkeit, unserem Volk
zu sagen, seine Regierung könnte es
nicht vor einer nuklearen Zerstörung
bewahren. Ich bin in der Überzeugung
nach Reykjavik
gefahren, daß über
alles zu verhandeln sei, außer über
zwei Dinge, unsere Freiheit und unsere Zukunft.
Ich bin immer noch optimistisch,
daß sich ein Weg finden lassen wird.
Die Tür ist offen und die Möglichkeit, mit einer Beseitigung der nuklearen Bedrohung
zu beginnen, ist
greifbar nahe.
Sie sehen also, daß wir in Island
Fortschritt erzielt haben.
Und wir
werden weiterhin Fortschritte machen,
wenn wir gemeinsam mit den Sowjets
einen
vorsichtigen, abwägenden
und
vor allem realistischen Ansatz verfolgen. Seit den ersten Tagen unserer Regierung war dies unser Ziel.
Wir haben klargemacht, daß wir über
die Sowjets oder ihre endgültigen
Ziele keine Illusionen hegen.
Wir
waren
in der
Öffentlichkeit
sehr
freimütig über die entscheidenden moralischen Unterschiede zwischen dem
totalitaristischen und dem demokratischen System.
Wir haben erklärt,
daß das Hauptziel der amerikanischen
Außenpolitik nicht nur in einer Verhinderung des Krieges besteht, sondern in der Erweiterung der Freiheit. Und wir haben unseren Einsatz
für die Ausbreitung der demokratischen Regierungsform und demokrati-

�scher Institutionen auf der ganzen
Welt betont. Darum unterstützen wir
Freiheitskämpfer, die sich gegen die
Auferlegung totalitaristischer Reglementierungen zur Wehr setzen, in Afghanistan, Nicaragua, Angola, Kambodscha und anderswo. Und letztendlich
haben wir begonnen, daran zu arbeiten, was die Sowjets in erster Linie
dazu veranlaßte, ernsthaft zu verhandeln - dem Aufbau unserer militärischen Stärke, dem Wiederaufbau unserer
strategischen Abschreckung
und
darüber hinaus an der Aufnahme der
Arbeit an der Strategischen Verteidigungsinitiative.
Und doch haben wir gleichzeitig
mit der Aufstellung dieser außenpolitischen Zielsetzungen und dem Beginn
der Arbeit daran ein anderes unserer
Hauptziele verfolgt: die Suche nach
Wegen für einen Abbau der Spannungen
mit den Sowjets und nach Mitteln zur
Vermeidung eines Krieges und Erhaltung des Friedens.
Jetzt trägt diese Politik Früchte
- ein Zeichen dafür war in Island der
Fortschritt bei der Frage der Rüstungskontrolle.
Zum erstenmal seit
langer Zeit ist Bewegung in die sowjetisch-amerikanischen Verhandlungen
im Bereich der Rüstungsverringerung
gekommen - und zwar Bewegung in die
richtige Richtung: nicht nur in Richtung auf Rüstungskontrolle, sondern
auf Verringerung der Rüstung.

mal so: "Ist Frieden
letztendlich
nicht zuallererst eine Frage der Menschenrechte. ..?"
Ich machte deutlich, daß die Vereinigten Staaten kein Interesse daran
haben, Verbesserungen in diesen Fragen
zu Propagandazwecken
auszunützen.
Aber ich machte auch erneut
deutlich, daß eine Verbesserung im
Bereich der Menschenrechte innerhalb
der Sowjetunion für eine Verbesserung
der bilateralen Beziehungen zu den
Vereinigten Staaten unabdingbar ist.
Denn einer Regierung, die ihrem eigenen Volk gegenüber nicht Wort hält,
kann man auch nicht abnehmen, daß sie
einem anderen Staat gegenüber Wort
hält.
Daher sagte ich Herrn Gorbatschow - in Reykjavik genauso wie in
Genf -, daß wir Amerikaner dem bei
solchen
Treffen
gesprochenen
Wort
weit weniger Gewicht beimessen als
den Taten, die darauf folgen.
Wenn
es zu den Menschenrechten und zur Beurteilung der sowjetischen Absichten
kommt, sind wir gewissermaßen alle
aus Missouri - wir wollen Beweise.

Aber bei allem Fortschritt, den
wir bei der Rüstungsverringerung gemacht haben, dürfen wir nicht vergessen, daß in Island auch noch andere
Themen auf dem Verhandlungstisch lagen - Themen von grundlegender Bedeutung.

Ein weiteres Thema, das wir in
Island ansprachen, steht gleichfalls
im Zentrum der Meinungsunterschiede
zwischen der Sowjetunion und Amerika. Es geht um das Thema der regionalen Konflikte.
Gipfeltreffen lassen das amerikanische Volk nicht vergessen, was die Handlungsweise der
Sowjetunion für die Menschen in Afghanistan, in Mittelamerika, in Afrika und in Südostasien bedeutet. Solange die Sowjetunion nicht ihre Politik ändert, werden wir sicherstellen, daß unsere Freunde in diesen
Ländern -jene, die für Frieden und
Unabhängigkeit kämpfen - die Unterstützung bekommen, derer sie bedürfen.

Wie ich bereits sagte, waren die
Menschenrechte eines dieser Themen.
Präsident Kennedy formulierte es ein-

Schließlich gab es ein viertes
Thema. Es betraf den Bereich der bilateralen Beziehungen, die Kontakte

- 5 -

�von Mensch zu Mensch. Im vergangenen
Jahr in Genf begrüßten wir mehrere
Abkommen über Kulturaustausch; in Island fanden wir Hinweise darauf, daß
es in diesen Bereichen doch schon Bewegung gibt.
Aber lassen Sie mich
hier sagen: die Vereinigten Staaten
sind auch weiterhin Programmen von
Mensch zu Mensch verpflichtet, die zu
einem Austausch nicht nur zwischen
einer kleinen Elite, sondern zwischen
Tausenden ganz normaler Bürger beider
Länder führen.
Ich glaube also, Sie können sehen, daß wir in Island bei einer ganzen Reihe von Fragen Fortschritte
machten. Wir bekräftigten erneut unser 4-Punkte-Programm; wir entdeckten
zahlreiche neue Bereiche der Übereinstimmung; wir unterzogen erneut einige der alten Themenkreise einer Prüfung, bei denen Uneinigkeit besteht.
Lassen Sie mich noch einmal zur
Frage SDI zurückkommen.
Ich weiß,
daß es Mitbürger gibt, die heute
nacht fragen: Warum akzeptieren wir
Herrn
Gorbatschows
Forderungen
nicht?
Warum geben wir SDI nicht
auf, um dieses Abkommen zu erreichen?
Die Antwort, meine Freunde, ist
einfach. SDI ist Amerikas Versicherungspolice dafür, daß die Sowjets ihre in Reykjavik eingegangenen Verpflichtungen einhalten werden.
SDI
ist
Amerikas
Sicherheitsgarantie,
falls die Sowjets sich nicht an ihre
förmlich eingegangenen Verpflichtungen halten sollten - wie sie dies in
der Vergangenheit schon zu oft getan
haben.
Es war SDI, das die Sowjets
in Genf und Island wieder an den Verhandlungstisch
zurückbrachte.
SDI
ist der Schlüssel zu einer Welt ohne
Atomwaffen.
Die Sowjets begreifen das.
Sie
haben bereits über eine längere Zeit

hinweg weit mehr Mittel in ihr eigenes SDI-Programm investiert als wir
in unseres. Die einzige einsatzfähige Raketenverteidigung umgibt heute
Moskau, die Hauptstadt der Sowjetunion.
Herr
Gorbatschow
verlangte
in
Reykjavik von den Vereinigten Staaten, der neuen Version eines 14 Jahre
alten A3M-Vertrags zuzustimmen, den
die
Sowjetunion
bereits
verletzt
hat.
Ich sagte ihm, bei uns in den
Vereinigten Staaten
gäbe es keine
solche Art von Handel.
Und das amerikanische Volk sollte
über diese so wichtigen Fragen nachdenken.
Wie bedroht eine Verteidigung der
Vereinigten Staaten die Sowjetunion
oder ein anderes Land?
Warum bestehen die Sowjets so hartnäckig darauf,
daß Amerika für immer sowjetischen
Raketenangriffen gegenüber verwundbar
bleiben soll?
Bis auf den heutigen
Tag sind alle freien Nationen letztlich ohne jegliche Verteidigung gegen
sowjetische Raketen - gleich, ob diese aus Versehen oder Absicht abgefeuert werden.
Warum besteht die Sowjetunion darauf, daß dies für immer
so bleiben soll?
Deshalb, liebe Mitbürger, kann
weder ich noch irgendein anderer Präsident versprechen, daß die Gespräche
in Island oder andere künftige Diskussionen mit Herrn Gorbatschow notgedrungen zu großen Durchbrüchen oder
bedeutenden
VertragsunterZeichnungen
führen.
Wir werden die Leitlinien, mit
denen wir nach Reykjavik kamen, nicht
aufgeben. Wir wollen lieber kein Abkommen, als mit einem schlechten Abkommen in die Vereinigten Staaten zurückzukehren.

�Ich weiß, daß Sie in diesem Zusammenhang auch an der Frage interessiert sind, ob es einen neuen Gipfel
geben wird.
Herr Gorbatschow gab
keinen Hinweis darauf, wann oder ob
er plane, in die Vereinigten Staaten
zu kommen, wie wir es im vergangenen
Jahr in Genf vereinbart hatten. Ich
wiederhole heute abend, daß unsere
Einladung noch immer gilt und daß wir
auch weiterhin der Meinung sind, weitere Treffen seien nützlich.
Aber
dies ist eine Entscheidung, die die
Sowjets fällen müssen.
Wie immer auch die kurzfristigen
Aussichten sein mögen: ich kann Ihnen
sagen, daß ich letztlich voller Hoffnung über die Chancen für Fortschritte bei einem Gipfeltreffen und für
Frieden und Freiheit in der Welt
bin. Wie Sie sehen, ist das derzeitige Prozedere beim Gipfel ganz anders als das der letzten Jahrzehnte;
es ist anders, weil die Welt anders
ist; und die Welt ist anders wegen
der harten Arbeit und wegen der Opfer
des amerikanischen Volkes während der
vergangenen 5 1/2 Jahre. Ihre Energie hat unsere Wirtschaftsmacht wiederhergestellt und ausgeweitet; Ihre
Unterstützung hat unsere militärische
Stärke wiederhergestellt.
Ihr Mut
und Ihr Gefühl für die nationale Einheit in Zeiten der Krise hat unsere
Gegner innehalten, unsere Freunde Mut
fassen lassen und die Welt inspiriert.
Die westlichen
Demokratien
und das NATO-Sündnis sind neu belebt
und überall auf der Welt wenden sich
Staaten den demokratischen Ideen und
den Prinzipien des freien Marktes
zu.
Weil das amerikanische Volk in
entscheidender
Stunde Wache stand,
hat die Freiheit ihre Kraft und Stärke wiedererlangt und befindet sich
auf dem Vormarsch.
Wenn ich denn einen Eindruck von

diesen Oktober-Gesprächen mit zurücknehme, so ist es der, daß wir jetzt anders als in der Vergangenheit - aus
einer Position der Stärke heraus verhandeln und daß es uns aus diesem
Grund möglich ist, mit den Sowjets
bald noch mehr Durchbrüche zu erzielen.
Unsere Vorstellungen liegen auf
dem Verhandlungstisch.
Sie werden
nicht verschwinden. Wir sind bereit,
dort weiterzumachen, wo wir aufhörten. Unsere Unterhändler gehen nach
Genf zurück, und wir sind bereit,
weitere Schritte zu unternehmen, wo
und wann immer die Sowjets dazu bereit sind. Es gibt also Grund, guten
Grund, zur Hoffnung.
Ich habe Beweise hierfür im Fortschritt gesehen, den es bei den Gesprächen mit Herrn Gorbatschow gab.
Und ich habe Beweise gesehen, als ich
gestern Island verließ und zu den
jungen Männern und Frauen unseres Marinestützpunktes in Keflavik sprach ein Stützpunkt von größter Bedeutung,
von dem aus es nicht so weit zu den
sowjetischen Marineeinrichtungen ist
wie bis zu unserer eigenen Küste.
Wie immer war ich stolz, einige
Augenblicke mit ihnen zu verbringen
und ihnen für ihr Opfer und ihre Hingabe für unser Land zu danken. Sie
repräsentieren
Amerika
aufs Schönste:
verpflichtet zur Verteidigung
nicht nur unserer eigenen Freiheit,
sondern der Freiheit anderer, die in
einer
furchterregenden
Welt
leben
müßten, gäbe es nicht die Stärke und
die Entschlossenheit der Vereinigten
Staaten.
"Wo immer die Maßstäbe von Freiheit
und
Unabhängigkeit...gesetzt
werden, wird Amerikas Herz sein, seine Segenswünsche und seine Gebete,"
sagte John Quincy Adams einmal. Er

- 7 -

�fand die richtigen Worte für unser
Schicksal als Nation. Liebe Mitbürger, die Geschichte ehrt uns und das
Schicksal betraut uns mit dem ältesten Traum der Menschheit - dem Traum
dauerhaften Friedens und menschlicher
Freiheit.
Ein anderer Präsident, Harry Truman, verwies darauf, daß unser Jahrhundert Zeuge zweier der schrecklichsten Kriege der Geschichte war und
daß "es für die Menschen unserer zeit
nichts Wichtigeres gibt als zu lernen, in Frieden und Harmonie miteinander zu leben."
Im Gedenken an dieses Ideal ging
ich vor einem Jahr nach Genf und
letzte Woche nach Island. Und im Gedenken an dieses Ideal danke ich
Ihnen jetzt für all die Unterstützung, die Sie mir haben zuteil werden
lassen. Und erneut bitte ich Sie um
Ihre Hilfe und Ihre Gebete, wenn wir
unsere Reise in Richtung auf eine
Welt
fortsetzen,
wo
der
Frieden
herrscht und die Freiheit verehrt
wird.
Ich danke Ihnen und Gott

schütze

Sie.

* * * * *
- 8 -

�AMERIKA DIENST
VoN

Dokumentation

4

15. Oktober 1986

34

VEREINIGTE STAATEN MIT KSZE-VORBEREITUNGSTREPPEN "ZUFRIEDEN"
- Pressekonferenz von Botschafter Zimmermann in Wien -

WIHN - (AD) - Botschafter Warren Zimmermann gab am 7. Oktober 1986 eine
Pressekonferenz zum Abschluß des Vorbereitungstreffens zur Folgekonferenz der
Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE), die am 4. November in Wien beginnen wird.
Zimmermann sagte, die Delegation der Vereinigten Staaten sei "sehr zufrieden" mit der erzielten Übereinkunft, die "alle Interessen der 35 Nationen ausgewogen darstellt".
Nachfolgend bringen wir die Pressekonferenz im Wortlaut:

Zimmermann: Wir von der Delegation der Vereinigten Staten sind sehr
zufrieden mit der gestern abend erzielten Übereinkunft.
Es ist eine
gute Vereinbarung.
Ich glaube, daß
es alle Interessen der 35 Nationen
ausgewogen darstellt. Ich persönlich
freue mich sehr, daß das Ergebnis um
acht Uhr abends erzielt wurde und
nicht um Mitternacht oder um drei Uhr
morgens, wie es im Verlauf der KSZE
oft der Fall ist.

Das

Abkommen

geht

auf

die Ver-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

handlungspunkte von Madrid zurück, wo
es eine gute Tagesordnung gab.
Es
verbessert sie, glaube ich, in zwei
Punkten. Einmal, indem sie mehr Zeit
für die Überprüfung der Durchführung
vorsieht, was uns alle in die Lage
versetzen wird, sehr genau zu beobachten, wie gut alle Staaten ihre in
Helsinki
eingegangenen
und
im
Madrider
Dokument
enthaltenen Verpflichtungen
erfüllt
haben.
Und
zweitens übernimmt die Übereinkunft
eine einzigartige Funktion im KSZEProzeß: sie liefert eine fortlaufende
Reihe offener Treffen.
Zum letzten

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�Treffen jeder Runde und zum ersten
Treffen jeder neuen Runde - der Plenarsitzung - sind Presse und Öffentlichkeit zugelassen. Das wird es dem
Wiener Treffen erlauben, einen dauernden Dialog mit der Presse und der
Öffentlichkeit
eines
jeden
Landes
aufrechtzuerhalten, und
ich denke,
daß das ein bedeutender Schritt ist,
obwohl wir glücklicher gewesen wären
über etwas mehr Offenheit beim Treffen selbst.
Lassen Sie mich Ihnen noch etwas
sagen, bevor ich mich Ihren Fragen
stelle:
Ich glaube, daß der Hauptgrund für unseren Erfolg beim rechtzeitigen Zustandekommen dieser ausgewogenen und guten Tagesordnung in der
außergewöhnlichen Rolle bestand, die
die neutralen und blockfreien Staaten
hier gespielt haben.
Ich habe mit
vielen von Ihnen in den vergangenen
Wochen gesprochen und Sie haben mich
über meine Ansicht zur Rolle der neutralen und blockfreien Länder befragt. Ich habe immer wieder gesagt,
daß ich glaube, sie spielten eine
sehr wichtige Rolle im KSZE-Prozess.
nie Bedeutung dieser Rolle ist niemals offenkundiger und sichtbarer geworden als in diesem gerade zu Ende
geführten Treffen, gerade weil die
kreative Arbeit
der neutralen und
blockfreien Länder ein Dokument geschaffen hat, das uns als Basis dienen konnte, und so war es in erheblichem Maße auf ihre Bemühungen zurückzuführen, daß wir zu diesem erfolgreichen
Ergebnis gelangt sind.
Ich werde jetzt gern ihre Fragen beantworten.
FRAGE: Wenn Sie sagen "die Presse
ist zugelassen", was meinen Sie damit?
ANTWORT:
Wir haben noch keine
eingehende
Definition
dafür;
es
heißt, daß es eine offene Plenarsitzung geben wird.
Wir werden noch
- 2

herausfinden müssen, was das in der
Praxis
bedeutet.
Natürlich
würden
wir es gern so offen wie möglich gestalten. Wir führen diesen gegenseitigen Austausch durch (nicht hörbar).
Sie wird in der Lage sein, öfter zu
den Treffen zu erscheinen und der Debatte zuzuhören, als das bisher der
Fall war.
FRAGE: Gab es das traditionelle
Problem, daß der Westen stärker die
Frage der Menschenrechte diskutieren
wollte, während
der
Ostblock
das
Schwergewicht auf Sicherheit und Rüstung legte?
ANTWORT:
Ich glaube, daß das so
gut ausgedrückt ist. Die Haltung des
Ostblocks bestand darin, daß die Betonung im Dokument stärker auf dem
Treffen von Stockholm liegen sollte.
Wir glaubten, daß es in der von
Madrid übernommenen Tagesordnung genug Platz für eine eingehende Diskussion des Stockholmer Treffens geben
würde und meinten daher nicht, daß
Zusätze notwendig sein würden.
Wir
schlössen einen Kompromiß und nahmen
in unser Dokument Punkte aus dem Abschlußdokument von Madrid auf, die
besagten, welche Verpflichtungen wir
in bezug auf die Bewertung des Stockholmer Treffens eingehen würden. Sie
haben mit ihrer Auffassung recht, daß
der Ostblock besorgt war über unseren
Wunsch nach einer besseren Überprüfung der Durchführung und größerer
Offenheit.
FRAGE: Seit der Eröffnung dieser
Treffen ist das ein ziemlich ungewöhnlicher Schritt. Warum haben die
Sowjets ihn akzeptiert?
ANTWORT:
Nun, unsere Argumentation bei der Förderung dieser Idee
war,
daß
die
sowjetische
Führung
selbst in der Öffentlichkeit erheblich
die Offenheit
betont:
Herr

�Gorbatschow hat das Wort "glasnost"
(Offenheit) benutzt, als er die Politik in der Führung der sowjetischen
Partei seit seinem Amtsantritt beschrieb. In unseren Diskussionen mit
den Sowjets haben wir gesagt: Wenn
Sie für Offenheit sind, so wie Sie es
sagen, warum
sind Sie
dann
beim
KSZE-Treffen nicht offener?
Offensichtlich haben Sie uns zugehört und
so haben wir in dieser Hinsicht Ergebnisse erzielt.
FRAGE:
Der österreichische Botschafter (bei der KSZE) hat uns gestern abend erklärt, daß nicht alle
Staaten zur Eröffnung auf Ministerebene vertreten
sein würden.
Sie
scheinen mit dem Dokument zufrieden
zu sein.
Warum wird Herr Shultz
nicht an der Eröffnung teilnehmen?
ANTWORT:
Herr Shultz hat noch
nicht entschieden, ob er kommen wird
oder nicht.
Wir
fühlen uns verpflichtet, daran auf politischer Ebene teilzunehmen, und diese Verpflichtung findet sich genauso im Dokument
des gestrigen Abends wie auch im
NATO-Kommunique
vom Frühjahr.
Zum
jetzigen Zeitpunkt wissen wir jedoch
nicht, wer genau uns dabei vertreten
wird.
FRAGE: Können Sie uns etwas über
die Entscheidung
von Herrn Shultz
hinsichtlich seiner Teilnahme sagen?
ANTWORT:
Nun, sie wird eng mit
seinem Terminkalender verknüpft sein,
da, wie Sie wissen, am 4. November dem Tag der Konferenzeröffnung - in
den Vereinigten Staaten Wahlen stattfinden. Ich kann nicht mehr dazu sagen, da ich keine Kenntnis der Details besitze.
FRAGE: Wie würden Sie die Atmosphäre der Vorbereitungskonferenz im
Vergleich zu anderen ähnlichen Veran-

staltungen beschreiben?
Ist die Atmosphäre zwischen Ost und West hier
besser?
ANTWORT:
Persönliche
Erfahrung
habe ich in diesem Bereich nur in
Madrid sammeln können, einem gleichgearteten Treffen, denn es war ein
Vorläufer des Wiener Treffens.
Und
die Atmosphäre ist hier wirklich wesentlich besser gewesen.
Wir waren
in der Lage, das Vorbereitungstreffen
zum
verabredeten
Zeitpunkt
abzuschließen.
In Madrid dauerte das Vorbereitungstreffen, wenn ich mich recht erinnere, insgesamt neun Wochen und war
noch nicht einmal beendet, als das
Haupttreffen begann.
Es gab dabei
Momente voller Spannungen und Streit.
Ich glaube, daß die Gesamtatmosphäre
zwischen Ost und West eine Rolle dabei
gespielt
hat, dieses
Treffen
leichter zu einem erfolgreichen Ende
zu führen. Und ich hoffe, daß dies
ein gutes Omen für das Haupttreffen
ist.
Leider muß ich hinzufügen, daß
die Probleme, denen
das
Madrider
Treffen konfrontiert sah - die Probleme der Nichteinhaltung von Abkommen durch die Sowjets und einige ihrer Verbündeten - heute genauso wichtig und schwerwiegend sind wie damals. Im Zuge des Haupttreffens werden wir nicht damit hinter dem Berg
halten, daß wir äußerst offen über
diese Nichteinhaltung sprechen müssen, da unserer Überzeugung nach der
KSZE-Prozeß
grundlegend
davon
abhängt, daß die beteiligten Staaten
die Verpflichtungen erfüllen, die sie
in Helsinki und Madrid
freiwillig
eingegangen sind.
Dies ist bei der
Sowjetunion nicht der Fall und wir
sind deshalb der festen Überzeugung,
daß es sehr schwierig sein wird, dem
Prozeß weiterhin dasselbe Ausmaß von

- 3 -

�Unterstützung zu verschaffen und innerhalb
dieses
Prozesses
weitere
Fortschritte in bezug auf menschliche
Kontakte zu erzielen wie in der Vergangenheit, falls diese ernste Situation der Nichteinhaltung fortbesteht.
FRAGE:

Werden Sie Namen nennen?

ANTWORT:
Ja, das werden wir.
Wir haben bei allen Folgetreffen Namen genannt, beim 3elgrader Treffen,
beim Madrider Treffen. Wir gedenken,
auch in Wien Namen zu nennen, nicht
in einem Geist der Polemik, sondern
weil die Probleme der Nichteinhaltung
hauptsachlich Probleme sind, die Einzelpersonen, Menschen betreffen; und
unserer Meinung nach ist es nötig,
einige dieser Leute beim Namen zu
nennen, und dies werden wir in einem
symbolischen sowie menschlichen Sinne
tun; damit mein»; ich einige der Leute, die unter der Nichteinhaltung
leiden.
FRAGE:
symbolisch?

Was

verstehen

Sie

unter

ANTWORT:
Es gibt beispielsweise
bestimmte Kategorien von Menschen etwa die jüdischen Verweigerer, die
Zahl der Juden, die die Sowjetunion
verlassen möchten, wird auf bis zu
400 000 geschätzt - und da werden wir
natürlich
nicht
die
Namen
aller
400 000
nennen, sondern
sicherlich
nur einige.
FRAGE: Ist ein Abschlußdatum für
das Treffen vereinbart worden?
Oder
ist das Ende offen?
ANTWORT:
Es wurde kein Datum
festgesetzt.
Im Dokument
ist ein
Zieldatum enthalten; ich glaube der
31. Juli.
Aber ein Zieldatum ist
nicht dasselbe wie ein Abschlußdatum,
da es der Zustimmung aller 35 Staaten
bedarf, das Treffen zu diesem Termin

abzuschließen.
Unserer Meinung nach
sollte es möglich sein, das Treffen
in diesem zeitlichen Rahmen zu beenden und ich denke, daß es auch möglich sein sollte, einen Abschluß in
der zweiten Hälfte des Jahres 1987 zu
erreichen, wenn alle
teilnehmenden
Delegationen sich von Anfang an auf
das Wesentliche konzentrieren.
FRAGE: Gibt es Zielvorgaben für
einzelne Fragen, zum Beispiel für die
Überprüfung der Durchführung?
ANTWORT: Ja, die gibt es. Dies
geht eigentlich schon über Zieldaten
hinaus, dies sind festgelegte Termine. Die Überprüfung der Durchführung
wird sieben Wochen dauern, von der
zweiten bis zur achten Konferenzwoche.
Die letzten beiden dieser Wochen sind gemischt, da in diesen Wochen auch neue Vorschläge eingebracht
und diskutiert werden können;
diese
Phase wird also dann beginnen. Danach wird die Periode, in der neue
Vorschläge eingebracht werden können,
abgeschlossen, und die echten Verhandlungen werden beginnen. All dies
ist im Dokument ausgeführt und die
Daten sind festgelegt.
FRAGE: Welches sind die Aussichten für einen Konsens am Ende des
Haupttreffens?
ANTWORT: Nun, es gab in 3elgrad
wie auch in Madrid einen Konsens auch wenn es nicht immer die gleiche
Art von Konsens war.
In Belgrad
herrschte Übereinstimmung
über ein
relativ kurzes Dokument; in Madrid
hingegen
hinsichtlich
eines
langen
Dokuments mit einer ganzen Reihe zusätzlicher
Verpflichtungen.
Ich
glaube, es wird in Wien nicht schwierig sein, zu einem Konsens über ein
Dokument zu gelangen, das Zeitpunkt
und Ort für ein neues Folgetreffen
festlegt - zumindest sind wir der

�Meinung, daß es dabei keine Probleme
geben dürfte. Was sonst noch Eingang
in das Dokument finden wird, hängt in
großem Maß davon ab, wie die Dinge
sich im Lauf der nächsten Monate entwickeln.

beschäftigt es sich nicht sehr mit
den wirklichen Menschenrechten; aber
es könnte durchaus so kommen, wie Sie
sagen - ein weiterer Versuch, uns zu
imitieren, auch wenn ich dafür keine
Beweis bekommen habe.

Seitens der Vereinigten Staaten
herrscht der Eindruck, man sollte
hinsichtlich
neuer
Verpflichtungen
und neier Formulierungen in einem Dokument sehr skeptisch sein, solange
sich nicht alle an die bestehenden
Verpflichtungen halten. Es liegt daher meiner Meinung nach zu einem
Großteil an der Sowjetunion und an
einigen der sowjetischen Verbündeten,
für die eingegangenen Verpflichtungen
noch etwas mehr zu tun. Wenn sich
hier etwas tut, dann werden wir auch
klarer sehen, walch eine Art von Dokument machbar ist.
Was aber den
Konsens im allgemeinen angeht, mit
dem Treffen zu einem Ende zu kommen
und ein anderes Treffen anzuberaumen,
so glaube ich, daß dies möglich ist.

FRAGE: Was dürfte Ihrer Meinung
nach die Sowjetunion dem Westen im
Bereich der Menschenrechte vorzuwerfen versuchen?

FRAGE: Die Sowjetunion hat kürzlich eine Abteilung für humanitäre
Angelegenheiten eingerichtet. Bedeutet das, daß auch ihre eigenen nichtstaatlichen Organisationen hier vertreten sein werden?
ANTWORT: Das ist ein interessanter Aspekt.
Ich war vor rund zwei
Wochen in Moskau und traf dort zwar
den Leiter dieser Abteilung nicht,
kam aber mit einigen der Leute zusammen, die damit zu tun haben. Dabei
war hiervon nicht die Rede, aber es
ist meiner Meinung nach durchaus möglich, denn etwas ist mir bei dieser
Abteilung für humanitäre Angelegenheiten aufgefallen: es scheint ein
Versuch zu sein, hier so etwas wie
unser eigenes Büro für Menschenrechte
und
humanitäre
Angelegenheiten
zu
imitieren.
Natürlich ist es nicht
dasselbe, denn unserem Eindruck nach

ANTWORT:
Ich glaube, wir werden
einen sehr konzentrierten Versuch der
Sowjets sehen, die Vereinigten Staaten und eine ganze Reihe weiterer
Länder
wegen angeblicher
Menschenrechtsverletzungen
zu
kritiseren.
Die neue sowjetische Führung hat eindeutig klargestellt, daß sie bereit
ist, die Menschenrechtsproblematik zu
diskutieren und daß sie auch bereit
ist, auf die Streitpunkte einzugehen.
Das begrüßen wir durchaus, weil es
den Prozeß nur fördert, wenn es eine
ganz offene Debatte über Fragen wie
die Menschenrechte gibt.
Wenn sie
Kritik an uns üben, dann können wir
auch an ihnen Kritik üben, wo dies
unserer Meinung nach notwendig ist.
Das kann die Qualität der Debatte
beim Wiener Treffen nur verbessern.
FRAGE:
Sehen Sie die
rechte als Streitfrage?

Menschen-

ANTWORT: Es wird eine ganze Reihe von Themen geben, die viel Aufmerksamkeit
auf
sich
ziehen,
ja
Streitigkeiten
hervorrufen
werden.
So ist die Sicherheit bestimmt ein
Hauptthema, das in Wien genauso diskutiert werden wird wie in Madrid.
Es gibt da einen bedeutsamen Vorschlag des Ostens, den der Westen
derzeit analysiert, und eine Sondergruppe der NATO beschäftigt sich mit
der Zukunft der Verringerung bei den
konventionellen Waffen.
Wir wissen
noch nicht, wie das Ergebnis aussehen

- 5 -

�wird, aber sicher ist, daß die sowjetische Seite einen intensiven Versuch unternimmt, in den KSZE-Prozeß
ein neues Element militärischer Sicherheit
einzubringen.
Auch
dies
wird also ein wichtiger Bereich sein.
Natürlich auch die Menschenrechte
- daran gibt er, meiner Meinung nach
keinen Zweifel.
Und auch Probleme
aus anderen Beireichen werden umfassend diskutiert werden: so die Frage
der Familienzusammenführung, die Frage der Informationsfreiheit, der Störung westlicher Rundfunksendungen all dies sind wichtige Themen für
uns. Vielleicht wird sich auch die
Aufmerksamkeit verstärkt auf den sogenannten Korb Zwei, die wirtschaftlichen Fragen, richten. Die Sowjetunion sagte uns, Korb Zwei sollte ihrer Meinung nach mehr Aufmerksamkeit
erhalten. Wir antworteten, wir seien
durchaus bereit, die Möglichkeit zu
erörtern, wie den Wirtschaftselementen des KSZE-Prozesses mehr Leben
eingehaucht werden kann. Ich stimme
Ihnen also zu: die Menschenrechte
werden
sicherlich ein Hauptelement
der Diskussion «ein, aber andere werden noch hinzukommen.
FRAGE:
Welche Wirkung wird das
Treffen
zwischen
Reagan
und
Gorbatschow auf das KSZE-Treffen haben?
ANTWORT:
Nun, wir hoffen, es
wird die Aussichten auf bessere Atmosphäre erhöhen und - wichtiger noch
als die Stimmung - die verstärkte
Einhaltung der Verpflichtungen verbessern.
Als der Präsident sich im
vergangenen
November
mit
Herrn
Gorbatschow in Genf traf, wurde bei
einem
etwa
einstündigen
Privatgespräch auch über Menschenrechtsfragen
gesprochen. Ich bin sicher, daß der
Präsident die Menschenrechte auf seinem Programm ganz oben sehen will,

wenn er Herrn Gorbatschow in Reykjavik trifft, und ich hoffe, daß dies
zu
einigen
konkreten
sowjetischen
Schritten zur Verbesserung ihrer Haltung bei den Menschenrechten führen
wird. Dies wäre meiner Meinung nach
ein mögliches Ergebnis.

* * * * *

�AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

15. Oktober 1986

34

CHRONOLOGIE AMERIKANISCHER UND SOWJETISCHER RÖSTÜNGSKONTROLLVORSCHLXGE
- Vom 16. November 1985 bis heute -

In Genf wurde nach zweitägigen,
intensiven
Verhandlungen
zwischen
Präsident Reagan und Generalsekretär
Gorbatschow eine gemeinsame Erklärung
veröffentlicht.
Im Bereich der Rüstungskontrolle stimmen beide darin
überein:

dabei besonders auf Bereiche gemeinsamen Interesses zu konzentrieren: das "Prinzip einer 50prozentigen, zweckdienlich durchgeführten Verringerung der Kernwaffen
der Vereinigten Staaten
und der UdSSR" sowie auf den "Gedanken
eines
Interimsabkommens
bei den nuklearen Mittelstreckensystemen";

- ihre Staaten zu baldigen Fortschritten bei den Genfer Verhandlungen über Kern- und Weltraumwaffen zu veranlassen und sich

die Bemühungen für den Abschluß
eines wirksamen und überprüfbaren
Verbots chemischer Waffen zu intensivieren und einen Dialog über

21.
Gipfel

November

1985:

Der

Genfer

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�die Aufschiebung der vom Westen
verlangten Vereinbarung über die
von beiden Seiten im Verringerungsgebiet stationierten Truppen;

die Verhinderung der Weiterverbreitung chemischer Waffen in die
Wege zu leiten;
einen baldigen und erfolgreichen
Abschluß der Arbeit der Stockholmer Konferenz über Vertrauensbildende Maßnahmen und Abrüstung in
Europa (KVAE) zu erleichtern. Sie
bekräftigen
die
"Notwendigkeit
eines Dokuments, das beiderseitig
annehmbare
Vertrauens- und
sicherheitsbildende Maßnahmen enthalten
und
dem
Grundsatz
der
Nichtanwendung von Gewalt konkreten Ausdruck und konkrete Wirkung
verleihen würde;"

das Angebot, "auf eine zeitlich
begrenzte, für eine erste Phase
geltende Vereinbarung hinzuarbeiten", die auf dem im Februar von
der Sowjetunion und ihren Verbündeten vorgelegten Rahmen aufbaut;
ein Vorschlag, wonach die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion zu Beginn ihre Landstreitkräfte um 5 000 bzw. um 11 500
Mann verringern sollen;

die Bedeutung zu betonen, die sie
den Wiener Verhandlungen über einen beiderseitigen und ausgewogenen Truppenabbau in Mitteleuropa
(MBFR) beimessen;

eine Verifizierungsregelung, einschließlich
eines
detaillierten
Austauschs von Daten und 30 Inspektionen pro Jahr, um die Truppenstärken auf beiden Seiten zu
überprüfen und die Einhaltung aller Bestimmungen der Vereinbarung
zu bestätigen.

auf Expertenebene die Frage von
"Zentren zur Risikoverringerung"
zu untersuchen.

5. Dezember 1985:
Vorschläge bei MBFR

Neue westliche

Im Bemühen, einen Ausweg aus der
Sackgasse bei den Wiener MBFR-Gesprächen zu finden, legen die Vertreter
der Vereinigten Staaten und ihrer
NATO-Verbündeten
einen
neuen Vorschlag auf den Tisch und bieten an,
"unverzüglich
über
eine gemeinsame
Verringerung
amerikanisch-sowjetischer Truppenstärken in Mitteleuropa
und
eine
anschließende
kollektive
Verpflichtung,
die
Truppenstärken
nicht
zu erhöhen", zu verhandeln.
Diese Verpflichtung sollte für Truppen in Ost und West drei Jahre gelten.
Wesentliche Punkte des westlichen
Vorschlags sind:

6. Dezember 1985:
Amerikanischbritisches Memorandum über SDI
Eine formelle Regierungsvereinbarung über die Bedingungen der britischen Beteiligung am Forschungsprogramm für die Strategische Verteidigungsinitiative der Vereinigten Staaten wird von den Vereinigten Staaten
und dem Vereinigten Königreich unterzeichnet.

19. Dezember 1985: Erklärung des
Weißen Hauses zu einem umfassenden
Atomteststopp
In einer Erklärung
stellt das
Weiße Haus fest, daß "ein umfassender
Teststopp ... ein langfristiges Ziel
der Vereinigten Staaten ist, und zwar
in Zusammenhang
mit der Erzielung
2 -

�breitgefächerter, tiefer und verifizierbarer
Abrüstungsmaßnahmen,
substantiell
verbesserter
Verifizierungsfähigkeiten,
erweiterter
vertrauensbildender Maßnahmen und größerer Ausgewogenheit bei den konventionellen Truppen sowie zu einem Zeitpunkt, an dem die atomare Abschrekkung nicht mehr ein solch grundlegendes Element der internationalen Sicherheit
und Stabilität darstellt,
wie dies heute der Fall ist."

23. Dezember 1985:
Reagan berichtet dem Kongreß über sowjetische
Nichteinhaltung
In einem Bericht an den Kongreß
zeigt Präsident Reagan ein seit langem bestehendes Muster sowjetischer
Nichteinhaltung bestehender Rüstungskontrollvereinbarungen auf, durch das
die Sowjetunion in die Lage versetzt
wurde,
militärische
Vorteile
bei
strategischen Offensivwaffen sowie in
den Bereichen
chemischer, biologischer und toxikologischer Waffen zu
erzielen.
Der
Bericht
erklärt:
"Diese Verletzungen rechtlich bindender oder politischer Verpflichtungen
führen zu erheblichen Zweifeln an der
sowjetischen Ernsthaftigkeit in bezug
auf
Rüstungskontrolle.
Sie
überschatten weiterhin die Atmosphäre, in
der gegenwärtig Verhandlungen in Genf
und an anderen Orten geführt werden."

15. Januar
1986:
Sowjetischer
Rüstungskontrollvorschlag
Der
sowjetische
Generalsekretär
Gorbatschow verkündet einen Rüstungskontrollvorschlag, der die gänzliche
Abschaffung von Atomwaffen in einem
Zeitraum von 15 Jahren sowie die Abschaffung amerikanischer und sowjetischer Mittelstreckenraketen (INF) in
Europa in den nächsten fünf bis acht

Jahren vorsieht.
Die britischen und
französischen Atomwaffenarsenale würden den amerikanischen Waffen in Europa
nicht
hinzugerechnet
werden,
wohl aber würden sie auf gegenwärtigem Niveau eingefroren.
Amerikanische Atomwaffensysteme könnten nicht
auf dritte Parteien verlagert werden.
Präsident
Reagan
erklärt,
die
Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten würden den Vorschlag sorgfältig
untersuchen.
Er
verleiht
seiner
Hoffnung Ausdruck, daß "dieser Vorschlag
einen
hilfreichen
weiteren
Schritt in diesem Prozeß darstellt".
Nach Ansicht von Vertretern der amerikanischen
Regierung
sind
einige
Teile des Gorbatschow-Plans Wiederholungen alter, gänzlich unannehmbarer
sowjetischer Positionen, während einige Aspekte es wert seien, weiter
untersucht zu werden.

28. Januar 1986:

Chemische Waffen

Die Vereinigten Staaten und die
Sowjetunion nehmen in Genf die erster
Runde intensivierter Gespräche über
ein
umfassendes
Verbot
chemischer
Waffen auf.

4.
Februar
1986:
Reagan-Botschaft zur Lage der Nation
In seiner
jährlichen
Ansprache
vor dem Kongreß erklärte der Präsident:
"Unsere Genfer Verhandlungsführer haben eine radikale Beschneidung der Offensivwaffen auf jeder
Seite
vorgeschlagen,
ohne
Betrug.
Sie haben klargemacht, daß die Erfüllung von Geist und Buchstaben jeden
Abkommens
durch
die Sowjets
eine
Grundbedingung darstellt.
Wenn die
sowjetische Regierung
ein Abkommen
wünscht, das die Zahl der Atomwaffen
wirklich
reduziert,
dann
wird
es

- 3 -

�solch ein Abkommen geben."

20. Februar 1986: Vorschlag des
Warschauer Pakts bei den M3FR-Gesprächen
Bei
den Wiener
MBFR-Gesprächen
legt der Warschauer Pakt einen neuen
Vertragsentwurf vor.
Der Vorschlag
beinhaltet eine anfängliche Reduzierung um 11 000 Mann auf Seiten der
Sowjets und 6 500 Mann amerikanischer
Soldaten zusammen mit der Verpflichtung, in den drei Jahren danach die
Truppen nicht
zu verstärken.
Der
östliche Plan fordert außerdem permanente Beobachtungsposten für Ein- und
Ausreise, um die Nichterhöhung
in
diesem Zeitraum zu überwachen.
In einer Erklärung für alle westlichen Teilnehmer verwies der Vorsitzende der niederländischen Delegation, Botschafter Jan Hein L. Van De
Mörtel, darauf, daß der östliche Vorschlag "nicht als adäquate Antwort
auf den weitreichenden Schritt der
NATO vom vorigen Dezember betrachtet
werden kann". Weiter sagte er: Anstatt die vom Westen vorgebrachten
Gedanken zu untersuchen und beantworten, ist der Osten wieder einmal auf
seine unangebrachten Vorschläge vergangener Jahre verfallen und hat es
versäumt, sich bei irgendeiner der
bedeutenden Fragen, die beide Seiten
trennen, substantiell
zu bewegen".
Nach Angaben
offizieller Vertreter
bildet die Frage der Verifizierung
weiterhin eines der Hauptprobleme in
bezug auf die Position des Warschauer
Pakts.

24.
Februar
1986:
Erklärung
Reagans zur Rüstungskontrolle

von

Nach einer Analyse des im Januar
den Sowjets
verkündeten Vor-

schlags zur Abschaffung aller Atomwaffen bis zum Ende des Jahrhunderts
veröffentlicht Präsident Reagan eine
Erklärung, wonach die "Sowjetunion im
Prinzip unserem Endziel, der Hinwendung
zur - wenn möglich - totalen
Abschaffung
nuklearer Waffen
zuzustimmen scheint".
Reagan erklärt seine Unterstützung eines Prozesses, "durch den die
Vereinigten Staaten und die Sowjetunion die ersten Schritte unternehmen
würden, indem sie auf beiden Seiten
das Prinzip der Verringerung von nuklearen Offensivwaffen um 50 Prozent
verwirklichen und entsprechend anwenden sowie über ein Abkommen bei Mittelstreckenwaffen
verhandeln."
Er
stellt fest, daß die Sowjetunion "unsere seit langem eingenommene Haltung, daß die Verifizierbarkeit der
verhandelten Abkommen den wichtigsten
Punkt
darstellt", öffentlich anerkannt hat. Gorbatschows öffentliches
Angebot zur Lösung aller notwendigen
Verifizierungsprobleme würde am Verhandlungstisch
konkret
untersucht
werden.
Laut Reagan sind es einige Teile
des sowjetischen Plans zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht wert, in Erwägung gezogen zu werden. Er erklärt,
daß die völlige Abschaffung nuklearer
Waffen "gleichzeitig die Berichtigung
des Ungleichgewichts bei konventionellen und anderen Waffen erfordern
(wird) und die völlige Erfüllung gegenwärtiger und zukünftiger vertraglicher Verpflichtungen, die friedliche Lösung regionaler Konflikte auf
eine Art und Weise, die Wahlfreiheit
ohne Einmischung von außen erlaubt
sowie ein von der Sowjetunion gezeigtes Engagement für friedlichen Wettbewerb."
Reagan drückt seine Hoffnung
unmittelbare
Fortschritte
bei

auf
den

�Verhandlungen über nukleare Mittelstreckensysteme
aus.
"Heute haben
unsere Unterhändler
in Genf einen
konkreten Plan vorgelegt, der die Abschaffung
von
amerikanischen
Pershing-II-Raketen,
bodengestützten
Marschflugkörper und sowjetischen SS20-Raketen nicht nur in Europa, sondern auch in Asien fordert und mit
dessen Hilfe alle Raketen dieser Art
bis zum Ende des Jahrzehnts von der
Erdoberfläche entfernt werden sollen."

26. Februar 1986: Reagan nimmt Stellung zur nationalen Sicherheit
In einer Fernsehansprache sagte
Präsident
Reagan,
"es wäre
reine
Dummheit
seitens
der
Vereinigten
Staaten, SDI nicht weiterzuverfolgen,
wenn die Sowjets ihrerseits schon
seit mehr als zwanzig Jahren in ihr
eigenes Programm
investiert haben.
Wir sollten nicht vergessen, daß heute die einzige einsatzbereite Raketenverteidigung der Welt die Hauptstadt der Sowjetunion schützt - nicht
die der Vereinigten Staaten."
Reagan sagte:
"Aber während SDI
Hoffnung für die Zukunft bietet, müssen wir die Welt von heute in Betracht ziehen. Allzu lange haben wir
und
unsere Verbündeten
zugelassen,
daß Atomwaffen eine Art Krücke bilden, einen Weg, um zu vermeiden, den
wirklichen Notwendigkeiten der Verteidigung ins Auge zu sehen.
Wir
müssen uns von dieser Krücke befreien.
Unser Ziel sollte darin bestehen,
eine Aggression
abzuschrecken
und, wenn nötig, zurückzuschlagen,
ohne zu Atomwaffen greifen zu müssen."

2. März 1986:

Mittelstreckenwaffen

Der Sonderberater für Rüstungskontrollfragen, Paul Nitze, sagt in

München, der sowjetische Plan, die
Mittelstreckenwaffen größerer Reichweite (LRINF) in Europa abzuschaffen,
würde die Anzahl französischer und
britischer
Abschreckungswaffen
zunächst einfrieren und dann abschaffen.
Ihm zufolge würde eine Transferverbotsklausel in diesem sowjetischen Plan bereits bestehende Programme der amerikanischen Zusammenarbeit mit den Verbündeten behindern.
Er betonte, der sowjetische Plan beschäftige sich weder mit der Stationierung von SS-20-Raketen in Asien,
noch mit Beschränkungen über Mittelstreckenraketen
kürzerer
Reichweite
(SRINF),
die
dazu
benutzt
werden
könnten, die Abschaffung der LRINFWaffen zu umgehen.
Nitze sagte, daß die Vereinigten
Staaten jedwede sowjetische Verfügung
über
französische
und
britische
Nuklearwaffen zurückweisen. Der Vorschlag der Vereinigten Staaten fordert weltweit die gleichen Beschränkungen für LRINF-Waf fen, um den sicherheitspolitischen Bedürfnissen der
asiatischen und europäischen Verbündeten
und Freunde gerechtzuwerden,
wie auch die Einbeziehung von Beschränkungen über SRINF. Er fordert
ferner von beiden Seiten den anfänglichen Abbau auf 140 LRINF-Abschußvorrichtungen und einen proportionalen Abbau in Asien. Die Vereinigten
Staaten würden dann ihre LRINF-Raketen parallel zu gleichwertigen sowjetischen Verringerungen abbauen.

5. bis 6. März 1986:

Chemische Waffen

In Bern sprechen die Vereinigten
Staaten und die Sowjetunion über eine
Verhinderung
der
Weiterverbreitung
chemischer Waffen, wie es beim Gipfeltreffen
im
November
vereinbart
wurde.

5 -

�14. März 1986:

Atomtests

Präsident Reagan
kündigt
einen
neuen Vorschlag für die Beobachtung
von Atomtests vor Ort an, der sofort
durchführbar wäre und die Verifikationsbestimmungen
des Schwellenvertrags (TT3T) und des Vertrages über
Atomexplosionen zu friedlichen Zwekken (PNET) festigen könnte.
Reagan
dazu: "Was einzigartig an dieser neuen Initiative ist, ist ihr präziser
und konkreter Charakter, wie auch die
detaillierten neuen technischen Informationen, die wir der Sowjetunion
in dem Versuch zur Verfügung gestellt
haben, um diese Unsicherheiten über
die Verifizierung aus der Welt zu
schaffen."
Reagan beschreibt eine neue Methode der hydrodynamischen Druckmeßtechnik, CORRTEX, die eine Verifizierung der Einhaltung der Maßgabe von
150
Kilotonnen
bei
unterirdischen
Tests verbessern könnte. CORRTEX benutzt ein Koaxialkabel, das in ein
Loch parallel zu dem der Versuchsvorrichtung gelegt wird, um die Schwingungen der sich bei der Atomexplosion
ausbreitenden
unterirdischen
Druckwelle zu messen.
Reagan lädt auch sowjetische Wissenschaftler ein, in der dritten Aprilwoche 1986 das CORRTEX-System auf
dein amerikanischen Testgelände in Nevada zu untersuchen und einen zu diesem Zeitpunkt geplanten Kernwaffentest zu beobachten.

wjetunion und ihre Verbündeten haben
auf
jüngste westliche
Initiativen,
die darauf abzielten, bei diesen Verhandlungen einen grundlegenden Erfolg
zu erzielen, nicht konstruktiv geantwortet. Die NATO hat dem Warschauer
Pakt klar zu verstehen gegeben, daß
die Handlungsweise des Ostblocks während dieser Verhandlungsrunde nicht
den westlichen Erfordernissen
entsprach und daß wir immer noch auf eine Antwort des Ostblocks warten, die
den im Dezember vom Westen unternommenen bedeutsamen Schritten gleichkommt. Wenn die Sowjetunion und ihre
Verbündeten den gleichen politischen
Willen wie der Westen zeigen, besteht
Hoffnung, daß die M3FR-Verhandlungen
in ein wirkungsvolles und faires Abkommen münden. Der Präsident hat die
Delegation
der Vereinigten Staaten
angewiesen, weiter an einem solchen
Ergebnis zu arbeiten."

27. März 1986: Die Vereinigten Staaten und die Bundesrepublik Deutschland unterzeichnen ein Forschungsabkommen über SDI
Verteidigungsminister
Caspar
Weinberger
und
Bundeswirtchaftsminister Martin Bangemann unterzeichnen
eine Regierungsvereinbarung über die
Beteiligung
deutscher
Firmen, Forschungsinstitute und anderer Organisationen
am Forschungsprogramm
der
Strategischen Verteidigungsinitiative
(SDI).

29. März 1986: Reagan antwortet auf
sowjetische Vorschläge
20. März 1986:

MBFR-Verhandlungen

Die 38. Runde der Gespräche über
beiderseitige und ausgewogene Truppenverminderungen
in
Mitteleuropa
geht in Wien zuende. Dazu eine Stellungnahme des Weißen Hauses: "Die So-

Reagan
weist
die
Forderung
Gorbatschows vom 14. März nach einem
Atomtestmoratorium zurück und fordert
ihn auf, auf den amerikanischen Vorschlag zur Verbesserung der Verifikation bei Atomtests einzugehen. Reagan

�weist
ebenfalls
Gorbatschows Vorschlag
für ein Gipfeltreffen über
Atomtests ab, das in Europa stattfinden soll.
Reagan sagt, ein Gipfel
sollte sich "mit der gesamten Bandbreite amerikanisch-sowjetischer Beziehungen beschäftigen."

3. April 1986:
Vereinigte Staaten
halten Vor-Ort-Inspektionen für ein
Verbot chemischer Waffen für unerläßlich
Botschafter Donald Lowitz erklärt
auf der Genfer Abrüstungskonferenz,
daß obligatorische Vor-Ort-Inspektionen für die Verifizierung des Verbots
chemischer Waffen unerläßlich seien.

18. bis 23. April 1986: Gorbatschows
Vorschlag und die Reaktion der Vereinigten Staaten
In einer Ansprache vor dem SEDParteitag in Ost-Berlin am 18. April
schlägt
der
sowjetische Parteichef
Gorbatschow einen Abbau bei den konventionellen Streitkräften
und den
taktischen Kernwaffen auf dem gesamten europäischen Kontinent vom Atlantik bis zum Ural vor.
Gorbatschow
fordert Einschnitte bei den Landstreitkräften
und
taktischen Luftstreitkräften
europäischer
Staaten
sowie bei den in Europa stationierten
amerikanischen
und
kanadischen
Streitkräften. Auf Einzelheiten geht
er nicht ein. Zu den chemischen Waffen sagt Gorbatschow, daß die Sowjetunion den Abschluß eines entsprechenden internationalen Abkommens herbeiführen möchte und bei der Abrüstungskonferenz "innerhalb der nächsten Tage eine Reihe von neuen Vorschlägen
vorlegen wird, die es möglich machen,
die
noch
bestehenden
Meinungsverschiedenheiten aus dem Weg zu räumen".
Am
21.
April
schlägt

Gorbatschow, der sich zu diesem Zeitpunkt immer noch in Ost-Berlin aufhält, vor, sowohl Warschauer Pakt als
auch NATO abzuschaffen.
Am 23. April erklärt der Stellvertretende Sprecher des Weißen Hauses, Larry Speakes, Gorbatschows Vorschlag zur Abschaffung des Warschauer
Paktes und der NATO sei "nichts Neues".
Die NATO, so Speakes, ist ein
Verteidigungsbündnis, das dazu dient,
Aggression
abzuwehren.
"Der Grund
der Spannungen in Europa ist nicht
das Bestehen der NATO, sondern die
Bedrohung, die von umfangreichen, gut
ausgerüsteten
und
vornedislozierten
sowjetischen Truppen ausgeht wie auch
die sowjetische Aufrüstung, die weit
über alle berechtigten Erfordernisse
einer Verteidigung hinausgeht.
Wir
sind davon überzeugt, daß der Schlüssel für einen Abbau der Spannungen,
für sinnvolle Rüstungskontrollvereinbarungen und für stabilere Ost-WestBeziehungen bei ernsthaften Vorschlägen liegt, die vertraulich und nicht
durch
öffentliche
Presseerklärungen
verhandelt werden."

5. bis 6. Mai 1986: Zentren zur Verringerung eines nuklearen Risikos
Amerikanische und sowjetische Unterhändler treffen sich in Genf, um
die
Errichtung
von
Zentren
in
Washington und Moskau zu besprechen,
die - jeweils mit sowjetischen und
amerikanischen
Experten besetzt
-,
der Möglichkeit eines unabsichtlich
verursachten Nuklearkrieges vorbeugen
sollen.

27. März 1986: Reagan über SALT II
und vorläufige Zurückhaltung

die

- 7 -

Präsident Reagan verkündet, daß
Vereinigten Staaten in Zukunft

�Entscheidungen über den Aufbau ihrer
strategischen Streitkräfte
von der
Art und dem Umfang der von den sowjetischen strategischen Streitkräften ausgehenden Bedrohung
abhängig
machen werden, nicht von den Standards, die der Vertrag über die Begrenzung
strategischer
Rüstungen
(SALT) festlegt, den er als fehlerhaft bezeichnet und der erheblich
durch die sowjetische Nichteinhaltung
untergraben sei. Der Präsident verwies darauf, wie unangebracht es sei,
auch weiterhin eine Politik der Einhaltung
der Bestimmungen des SALT
II-Vertrags - eines Vertrages, der
nie ratifiziert worden sei - zu verfolgen, Bestimmungen zudem, die von
der Sowjetunion kontinuierlich verletzt worden seien.
Reagan sagte,
die Vereinigten Staaten würden weiterhin
größtmögliche
Zurückhaltung
üben und dabei versuchen, angesichts
der sowjetische Aufrüstung den strategischen Erfordernissen der Vereinigten Staaten gerechtzuwerden und
das durch Maßnahmen, die Anreize für
ein weiteres Wachstum
sowjetischer
Offensivstreitkräfte auf ein Minimum
beschränken. Keine Politik der vorläufigen Zurückhaltung sei jedoch Ersatz für ein Abkommen über einschneidende und ausgewogene Verringerungen
offensiver Kernwaffen, vorausgesetzt,
die Vereinigten Staaten können sich
auf die sowjetische Einhaltung verlassen.

26. Juni 1986:
Verhandlungen
Kern- und Weltraumwaffen

über

Die fünfte Runde der Verhandlungen
über
Kern- und
Weltraumwaffen
geht in Genf zuende.
In einer vom
Weißen Haus herausgegebenen Presseerklärung
bemerkt
Präsident
Reagan:
"Das ziel der Vereinigten Staaten bei
diesen Verhandlungen besteht darin,
die sowjetische Zustimmung zu einem
- 8

einschneidenden,
ausgewogenen
und
wirksam
verifizierbaren
Abbau
der
Kernwaffenarsenale
der
Sowjetunion
und der Vereinigten Staaten zu erlangen, und zwar auf eine Weise, die die
strategische
Stabilität
stärkt".
Präsident Reagan sagt, er hoffe, daß
die von der Sowjetunion vorgebrachten
Vorschläge "den Anfang von ernsthaften sowjetischen Bemühungen einleiten
könnten, mit uns gemeinsam am Abbau
offensiver Nuklearwaffen zu arbeiten."

30. Juni 1986:

KVAE-Verhandlungen

In dem Bemühen, bei der Konferenz
über Vertrauensbildende Maßnahmen und
Abrüstung in Europa die Erstellung
eines Vertragsentwurfs
voranzutreiben, unterbreitet der Westen eine umfassende
Fünf-Punkte-Initiative
und
umreißt die Bereiche westlicher Flexibilität hinsichtlich so zentraler
Themen wie Benachrichtigung, Beobachtung und Verifizierung.

3. Juli 19865:

Die M3FR-Verhandlungen

Die 39. Runde der Verhandlungen
über
beiderseitige
und
ausgewogene
Truppenverminderungen in Mitteleuropa
geht in Wien zu Ende.
Botschafter
Robert Blackwill bringt sein Bedauern
darüber zum Ausdruck, daß "den Forderungen
sowjetischer Vertreter
nach
verläßlicher Verifizierung auf allen
Stufen des Kontrollprozesses bei den
konventionellen Waffen nicht auch die
sowjetischen Vorschläge am Verhandlungstisch entsprachen."

16. Juli 1986:

KVAE-Gespräche

Bei der KVAE-Arbeitsgruppe, die
sich mit dem Thema Benachrichtigung
beschäftigt, wird eine Formulierung
erarbeitet, die festlegt, daß Aktivi-

�täten der Bodenstreitkräfte zu der
Art von militärischer Aktivität gehören, bei der eine Benachrichtigung
erfolgt.
Die Formulierung signalisiert außerdem, daß Aktivitäten der
Luftwaffe nur in dem Maß einbezogen
sind, in dem sie Teil der Aktivitäten
der Bodenstreitkräfte sind.

5. August 1986:
Reagan informiert
den Kongreß über die amerikanische
Politik der vorläufigen Zurückhaltung
In seinem "Bericht an den Kongreß
über die amerikanische Politik der
vorläufigen
Zurückhaltung
und
über
die entsprechenden sowjetischen und
amerikanischen Streitkräfte mit und
ohne SALT I und SALT II" erklärt Präsident Reagan, es bleibe auch weiterhin Ziel der amerikanischen Politik,
"eine gemeinsame Grundlage zur Aushandlung
umfassender,
ausgewogener
und
verifizierbarer
Verringerungen
der Nukleararsenale des strategischen
wie
des
Mittelstreckenbereichs
zu
finden." Trotz der wiederholten amerikanischen Forderung nach korrektiven Schritten seitens der Sowjetunion
haben, so der Präsident, die fortgesetzten
sowjetischen
Verletzungen
über mehrere Jahre hinweg die Bestimmungen von SALT II ausgehöhlt.
Der
Bericht ist die freigegebene Version
eines klassifizierten Berichts, den
der Präsident dem Kongreß am 19. Juni
zur Verfügung stellte.

einbart.

24. bis 25. August 1986: Zentren zur
Verringerung eines nuklearen Risikos
Amerikanische und sowjetische Unterhändler treffen in Genf zusammen,
um die Errichtung
von Zentren in
Washington und Moskau zu besprechen,
die - jeweils von sowjetischen bzw.
amerikanischen Experten besetzt - der
Möglichkeit eines durch Zufall ausgelösten Atomkriegs vorbeugen sollen.

4. bis 5. September
Waffen

1986:

Fachleute im Bereich chemischer
Waffen treffen sich in Bern - zum
zweitenmal in diesem Jahr. ziel der
Gespräche
ist es, der Ausbreitung
chemischer Waffen Einhalt zu gebieten.

5. bis 6. September 1986:
Treffen
amerikanischer und sowjetischer Rüstungskon trollexperten
Amerikanische und sowjetische Rüstungskontrollexperten
treffen
sich
im amerikanischen Außenministerium in
Washington zur Fortsetzung der vom
11. bis 12. August in Moskau geführten Verhandlungen.

17.
September
1986:
Weltraumgespräche
11. bis 12. August 1986:
Treffen
amerikanischer und sowjetischer Rüstungskontrollexperten
Amerikanische und sowjetische Rüstungskontrollexperten
treffen
sich
in Moskau.
Einzelheiten über ihre
Gespräche werden nicht bekanntgegeben, doch werden für Anfang September
weitere Gespräche in Washington ver-

Chemische

Nuklear- und

Botschafter Max Kampelman, amerikanischer
Chefunterhändler
bei den
Verhandlungen
über Kern- und Weltraumwaffen (NST) in Genf, erklärt in
einer Rede vor der Belgisch-Amerikanischen Gesellschaft in Brüssel, die
Vereinigten Staaten
strebten
einen
50prozentigen Abbau der ballistischen
Raketen
sowie die Beseitigung der

- 9 -

�Mittelstreckensysteme an, wären jedoch zunächst bereit, auch mit einer
geringfügigeren Beschneidung zu beginnen, solange diese ausgewogen und
stabilisierend sei.

18. September 1986:
der NST-Verhandlungen

Wiederaufnahme

In Genf wird die sechste Runde
der
Verhandlungen
über
Kern- und
Weltraumwaffen in Genf wieder aufgenommen. Ziel der Vereinigten Staaten
bleibt es auch weiterhin, einschneidende, ausgewogene und verifizierbare
Verringerungen bei den amerikanischen
und sowjetischen Nukleararsenalen zu
erreichen. In einer vom Weißen Haus
veröffentlichten Erklärung sagt Präsident
Reagan:
"Die Vereinigten
Staaten sind dem Ziel echter - und
baldiger
Rüstungsverringerungen
voll verpflichtet. Wenn die Sowjets
genauso entschlossen sind wie wir,
gibt es eine echte Chance für solche
Verringerungen." Reagan weist darauf
hin, er habe im Juli an den sowjetischen Parteichef Michail Gorbatschow
geschrieben, "um unsere Positionen
bei der ganzen Bandbreite der Rüstungskontrollthemen noch weiter zu
erläutern."

18. September 1986: Atomversuche
Technische Experten der Vereinigten Staaten
und
der Sowjetunion
schließen in Genf eine zweite Runde
von Gesprächen über Fragen von Atomversuchen ab und unterstreichen die
Erwartung, erneut im November zusammenzutreffen.

19. September 1986: SDI
Die Vereinigten Staaten und Italien unterzeichnen eine Regierungs- 10

Vereinbarung zur Beteiligung Italiens
an der Forschung im Bereich der Strategischen
Verteidigungsinitiative
(SDI)

19. bis 20. September 1986: Treffen
zwischen Shultz und Schewardnadse in
Washington
Außenminister Shultz und sein sowjetischer Amtskollege Schewardnadse
treffen sich im amerikanischen Außenministerium zu Gesprächen über ein
nächstes Gipfeltreffen zwischen Präsident Reagan
und Generalsekretär
Gorbatschow.
Schewardnadse übergibt
Präsident
Reagan
ein
Schreiben
Gorbatschows.

»

22. September 1986: Reagan spricht
vor den Vereinten Nationen
Präsident Reagan erklärt vor der
Vollversammlung der Vereinten Nationen, die Vereinigten Staaten seien
bereit, mit der Sowjetunion ein Abkommen "über Forschung, Entwicklung,
Erprobung
und
Dislozierung
einer
strategischen
Verteidigung"
abzuschließen. Im Rahmen dieses Abkommens, so Präsident Reagan, "würden
(beide Seiten) ihre Bereitschaft erklären, sich bis 1991 auf die laut
ABM-Vertrag zulässige Forschung, Entwicklung und Erprobung zu beschränken, um zu entscheiden, ob moderne
Systeme für eine strategische Verteidigung technisch machbar sind." Und
er fuhr fort: "Ein neuer, heute unterzeichneter Vertrag würde Folgendes
feststellen: falls sich nach 1991 eine der beiden Seiten zur Stationierung eines solchen Systems entschließen sollte, wäre diese Seite dazu
verpflichtet, einen Plan zur beiderseitigen Nutzung der Vorteile der
strategischen Verteidigung und zur
Abschaffung offensiver ballistischer

,
*

�Raketen zu unterbreiten. Dieser Plan
würde dann in einem Zweijahreszeitraum
ausgehandelt
werden."
(...)
"Wenn beide Seiten sich nach zweijährigen Verhandlungen nicht einigen
können, würde es jeder Seite nach
sechsmonatiger
Vorankündigung
freistehen, ein modernes
strategisches
Verteidigungssystem zu stationieren."

22. September 1986:
nigung

KVAE erzielt Ei-

Die Konferenz über Vertrauensbildende Maßnahmen und Abrüstung in Europa (KVAE) erzielt eine Einigung bezüglich
der
Verringerung
einer
Kriegsgefahr in Europa.
Das Forum
von 35 Staaten einigt sich auf ein
Bündel militärisch bedeutsamer
und
verifizierbarer Maßnahmen, die - bei
entsprechender Einhaltung - militärische Aktivitäten vorhersagbarer machen und die Möglichkeiten zu politischer Einschüchterung verbieten. In
einer vom Weißen Haus veröffentlichten
Erklärung
betont
Präsident
Reagan, das Abkommen "wird zu mehr
Sicherheit in Europa und zur Verbesserung der Beziehungen zwischen Ost
und West beitragen."
Durch dieses
Abkommen haben die Verhandlungsparteien von NATO und Warschauer Pakt
einander Vorwarnzeiten bei allen bedeutsamen militärischen Manövern und
ähnlichen Aktivitäten
vom Atlantik
bis zum Ural eingeräumt, die in bestimmten Fällen bis zu zwei Jahren
beträgt.
Das Abkommen erlaubt eine
ausländische Inspektion der Streitkräfte beider Seiten, um klarzustellen, daß keine Überraschungsangriffe
vorbereitet werden.

25. September
40. M3FR-Runde

1986:

Eröffnung

beiderseitige und ausgewogene Truppenverminderungen
in
Mitteleuropa
(MBFR) beginnt in Wien. In einer vom
Weißen Haus veröffentlichten Erklärung
heißt
es:
"Die Vereinigten
Staaten und ihre Verbündeten hegen
auch weiterhin die Hoffnung, daß am
Verhandlungstisch in Wien Erfolge erzielt werden können.
wir erwarten
von der Sowjetunion, daß sie ernsthaft auf den wichtigen Kompromiß reagiert, den der Westen im vergangenen
Dezember unterbreitet hat."

30. September 1986: Ankündigung
Treffens
zwischen
Reagan
Gorbatschow auf Island

des
und

Die Vereinigten Staaten und die
Sowjetunion kündigen an, daß Präsident
Reagan
und
Generalsekretär
Gorbatschow sich vom 11. bis 12. Oktober in Reykjavik auf Island treffen
werden.
Präsident
Reagan
unterstreicht vor Reportern, das Treffen
"werde im Rahmen der in Genf im November 1985 vereinbarten Vorbereitungen zum Besuch des Generalsekretärs
in den Vereinigten Staaten abgehalten" .

der

Die 40. Runde der Gespräche über
- 11 -

* * * * *

�</text>
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                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
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                <text>Amerikadienst 15.10.1986</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Reagan: Optimismus über eine mögliche Lösung bei Nuklearwaffen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Präsident Reagans Ansprache an die Nation -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Vereinigte Staaten mit KSZE-Vorbereitungstreffen "zufrieden"&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Pressekonferenz von Botschafter Zimmermann in Wien -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Chronologie amerikanischer und sowjetischer Rüstungskontrollvorschläge&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Vom 16. November 1985 bis heute -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST
'VON

4

1. O k t o b e r 1986

32

I N H A L T

DOKUMENTATION
Zusammentreffen Reagan-Gorbatschow bereitet den Weg zum Gipfel
- Äußerungen Präsident Reagans Botschafter Burt würdigt Verdienste von Care
- Ansprache zum vierzigsten Jahrestag Weinberger: SDI steht für Reagan nicht zur Disposition
- Rede vor dem Zentrum für Ethik und Öffentliche Politik Barry lobt KVAE-Öbereinkunft
- Rede von Botschafter Barry in London -

HINTERGRUNDMATERIAL
Die Herausforderung an die Demokratie in Mittelamerika
- Dokumentation in vier Teilen - Teil IV -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Neue Entwicklungen an der AIDS-Front
- Hoffnung auf therapeutische Möglichkeiten

ANMERKUNG: Die Redaktion hat sich entschlossen, den AMERIKA DIENST ab
vorliegender Nummer durch ein neues Layout optisch ansprechender und
leichter lesbar zu machen.
* * * * * *

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�v^° S ^

AMERIKA DIENST
Dokumentation
1. Oktober 1986

32

ZUSAMMENTREFFEN REAGAN-GORBATSCHOW BEREITET DEN WEG ZUM GIPFEL
- Äußerungen Präsident Reagans -

WASHINGTON - (AD) - Einen Tag nach der Freilassung des amerikanischen
Journalisten Nicholas Daniloff kündigte Präsident Reagan an, daß am 11. und
12. Oktober in Reykjavik ein Treffen zwischen Generalsekretär Gorbatschow und
Reagan stattfinden wird, das darauf abzielt, den Weg für ein möglicherweise
Ende des Jahres stattfindendes formelles Gipfeltreffen zu ebnen.
Nachfolgend drucken wir die Stellungnahme Präsident Reagans sowie Auszüge
aus der anschließenden Pressekonferenz.

Präsident Reagan: Ich freue mich,
Ihnen mitzuteilen, daß Generalsekretär Gorbatschow und ich uns am 11.
und 12. Oktober in Reykjavik, Island
treffen werden. Dieses Treffen wurde
von Herrn Gorbatschow vorgeschlagen,
und ich habe zugesagt. Es wird im
Zusammenhang mit Vorbereitungen für
den Besuch des Generalsekretärs in
den Vereinigten Staaten stehen, über
den wir im November 1985 in Genf
übereingekommen sind.
Ich möchte hinzufügen, daß die
Vereinigten Staaten und die Sowjet-

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union die Bereitschaft der isländischen Regierung akzeptieren, dieses
Treffen in Reykjavik zu ermöglichen.
Jetzt könnte ich mir vorstellen, daß
sie eine ganze Menge Fragen stellen
möchten.
FRAGE:
Glauben Sie, daß durch
die Tatsache Ihres Treffens mit Herrn
Gorbatschow, bevor er in die Vereinigten Staaten kommt, die Möglichkeiten eines Rüstungsabkommens erhöht
werden? Bedeutet es, daß Sie unterschriftsreife Dokumente bei sich haben, wenn Sie ihn dann treffen?

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�ANTWORT:
Das glaube
haupt nicht. Ich denke
dies lediglich ein Treffen
zeichnung von Dokumenten
ich kann nicht sagen, was
nis sein wird.

ich übernicht, daß
zur Unterist. Und
das Ergeb-

FRAGE: Was glauben Sie, wird das
Ergebnis sein?
ANTWORT: Ich habe bereits mehrmals gesagt, daß ich denke, die Chancen zur Erzielung eines Abkommens
über
Rüstungsverringerung
stünden
besser als noch vor Jahren.
FRAGE: Warum haben Sie Ihre Meinung darüber geändert?
Das ganze
Jahr schienen Sie die Idee eines
Treffens in einem neutralen Land von
sich zu weisen und forderten, daß es
an Generalsekretär Gorbatschow sei,
in die Vereinigten Staaten zu kommen.
Gibt es bereits Besprechungspunkte
für das Treffen? Werden Sie Abkommen
über Mittelstreckenraketen oder Zentren für eine Risikoverringerung beschließen?
ANTWORT:
Nein.
Bedenken Sie,
dies ist kein Gipfeltreffen. Es war
ein Vorschlag von ihm, daß wir uns
vorher allein in einem neutralen Land
treffen, weil wir uns zu einem Gipfel
entschlossen haben, von dem einer
hier und der nächste in ihrem Land
stattfinden würde.

eine Art von Rüstungskontrollvereinbarung beschlossen wird?
ANTWORT:
Ich habe bei unserem
letzten Treffen meine Hoffnungen darauf gesetzt und ich hoffe auch weiterhin darauf. Und unsere Unterhändler für Rüstungskontrolle haben sich
weiterhin getroffen.
Beide Seiten
haben Vorschläge gemacht und es gab
Differenzen. Diese Differenzen sind
noch nicht beigelegt.
FRAGE: Würden Sie sagen, daß der
Fall Daniloff den Grundstein für dieses Treffen gelegt oder eher ein Hindernis dargestellt hat? Wie beurteilen Sie diesen Fall?
ANTWORT:
Die Freilassung von
Daniloff hat das Treffen ermöglicht.
Ich hätte das Treffen nicht akzeptieren und abhalten können, wenn er
festgehalten worden wäre.
FRAGE: zum gleichen Thema, Herr
Präsident: Unserer Meinung nach haben die Sowjets Daniloff wegen unserer Verhaftung von Sacharow festgenommen. Sie wollten Sacharow freibekommen.
Nun werden sie Sacharow
freibekommen. Was sagen Sie denen,
die behaupten, daß Sie bei diesem
Handel der Verlierer sind und daß sie
(die Sowjets) bekommen haben, was sie
wollten?

ANTWORT:
Das weiß ich nicht.
Alles, was wir festgelegt haben, ist,
daß wir ein Treffen abhalten werden.

ANTWORT: Nein, das ist überhaupt
nicht wahr. Es bestand zwischen diesen beiden Freilassungen kein Zusammenhang, und ich weiß auch nicht, was
über diesen Fall bis jetzt alles behauptet wurde. Es gab in bezug auf
Sacharow andere Arrangements, die zu
seiner Freilassung führten.

FRAGE: Besteht diese Verpflichtung weiter fort, daß der Generalsekretär zu einem Gipfel in die Vereinigten Staaten kommt, bei dem irgend-

FRAGE:
Herr Präsident, meinen
Sie, die Welt wird glauben, daß kein
Zusammenhang bestand, wenn es tatsächlich so ist, daß Daniloff an ei-

FRAGE: Keine Übereinkünfte beim
Treffen nächste Woche?

- 2 -

�nem Tag freigelassen wird und am
nächsten Tag Sacharow im Nu sein Gerichtsverfahren durchläuft und freikommt?
ANTWORT: Darf ich Sie vielleicht
daran erinnern, daß wir in den vergangenen Jahren eine Reihe von Spionagefällen hatten, in denen Spione
hier in diesem Land festgenommen und
verurteilt wurden. Und in jedem dieser Fälle kam es am Ende dazu, daß
wir, anstatt ihnen hier ein Zimmer
mit Vollpension
zur Verfügung
zu
stellen, sie gegen Dissidenten und
andere Leute austauschten, die die
Sowjetunion verlassen wollten.
FRAGE: Bekommen wir mehr als nur
Orlow, oder sind noch andere Dissidenten im Spiel?
ANTWORT:
Ich werde dazu nicht
Stellung nehmen. Das hat bereits jemand anders getan.
FRAGE: Sie sagten, Daniloff sei
eine Geisel gewesen.
Welche Botschaft haben Sie denn heute für andere amerikanische Geiseln, beispielsweise die im Libanon, die von diesen
Verhandlungen nicht profitiert haben?

Leid und den Kummer der Familien dieser Geiseln, die in Beirut festgehalten werden - wir nehmen an, daß sie
in Beirut
gefangengehalten
werden,
denn dies entspricht der gegenwärtigen Geiselsituation. Es hat zwischen
uns und den Geiselnehmern nie direkten Kontakt gegeben - mit diesen Entführern.
Seit
ihrer Gefangennahme
ist jedoch kein Tag vergangen, ohne
daß wir uns bemüht hätten, sie freizubekommen.
Und ich kann nur dies
hinzufügen:
daß wir bisweilen dachten, wir seien im Begriff, dies zu
erreichen und es dann zu einer großen
Enttäuschung kam. Wenn ich also sage, daß ich die Familien verstehen
kann - wenn man den Einzelfall betrachtet. Bedenken Sie aber auch den
Unterschied: in dem einen Fall haben
wir es mit einer Regierung zu tun,
mit der wir diplomatische Beziehungen
unterhalten.
In dem anderen Fall
sind wir mit gesichtslosen Terroristen konfrontiert, die unerfüllbare
Forderungen lediglich durch Mittelsmänner stellen. Wie ich sagte, vergeht bei uns jedoch kein Tag, an dem
wir nicht alles Erdenkliche unternehmen, um diese Leute nach Hause zurückzubringen.

ANTWORT:
Ich bin froh darüber,
daß gerade dies die letzte Frage ist,
und ich habe mich darauf gefreut, sie
zu beantworten.
Ich weiß, daß ich
bald
eine Pressekonferenz
abhalten
werde und werde mir all meine Munition dafür aufsparen - also auf bald.
FRAGE:

Wann wird das sein?

ANTWORT:
Sie wird zu gegebenem
Zeitpunkt angekündigt werden.
FRAGE:

zu

Sagten Sie nicht gerade...

ANTWORT:
Um
beantworten:

jedoch diese Frage
Ich verstehe das
- 3 -

* * * * * *

�AMERIKA DIENST
Dokumentation

'VON**

1. Oktober 1986

32

BOTSCHAFTER BURT WÜRDIGT VERDIENSTE VON CARE
- Ansprache in Bonn zum vierzigsten Jahrestag -

BONN - (AD) - In einer kurzen Ansprache hat der amerikanische Botschafter
in Bonn, Richard R. Burt, am 30. September die Arbeit von CARE und CARE International gewürdigt. Dabei betonte er besonders die Tatsache, daß die Bundesrepublik als "einstiger Empfänger von CARE jetzt selbst eine der größten
CARE-Organisationen hervorgebracht hat."
Die Äußerungen von Botschafter Burt haben folgenden Wortlaut:
Herr Minister Genscher, Frau Renger, Mr. Campbell, Herr Dr. Nöldner,
meine Damen und Herren*.
Erfolg
ist
eine
gefährliche
Sache.
Er verführt zu Selbstgefälligkeit. Nur zu oft versäumen es erfolgreiche Persönlichkeiten und Institutionen, den Zeitpunkt zu erkennen, an dem die von ihnen geleistete
Arbeit in einer veränderten Welt an
Bedeutung verloren hat. Sie werden
überflüssig und belanglos.
Am

heutigen

40. Jahrestag

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von

CARE ist die Ehre, die Ihnen, Mr.
Campbell, durch Außenminister Genscher zuteil geworden ist, gewiß angebracht
und
reichlich
verdient.
Aber obwohl Sie zu den Mitbegründern
von CARE gehören, sind wir heute
nicht nur wegen der Ereignisse zusammengekommen, die nun vierzig Jahre
zurückliegen - und ist dies nicht der
einzige
Grund
warum
Ihnen
das
Bundesverdienstkreuz verliehen wird.
Das wirklich Bemerkenswerte in
bezug auf CARE besteht in der Tatsache, daß diese Organisation nie

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D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�selbstgefällig geworden ist.
CARE begann als eine amerikanische Hilfsorganisation, die die Verschickung von Lebensmittelpaketen an
die Menschen in einem Europa in die
Wege leitete, das vom schrecklichsten
Krieg in der Geschichte der Menschheit verwüstet worden war. Ihre Leistungen werden niemals vergessen werden.
Angeführt von der Bundesrepublik
Deutschland machte das europäische
Wirtschaftswunder die Nahrungsmittelhilfe für diesen Kontinent binnen
weniger Jahre nach dem Krieg überflüssig.
CARE jedoch wurde nicht
überflüssig. Ihr Augenmerk richtete
sich zusehends auf die Entwicklungsländer, deren Probleme zu jener Zeit
begannen, stark in das Bewußtsein des
Westens zu rücken.
Man sagte mir, das letzte der berühmten CARE-Pakete wurde 1967 verschickt.
Heute unterhält CARE ein
vielfältiges, ausgeklügeltes Programm
der Entwicklungshilfe in rund drei
Dutzend
Entwicklungsländern.
Die
Partnerschaftliehen
Selbsthilfeprogramme von CARE, bei denen die Kosten
auf viele Schultern verteilt sind,
stellen genau das war, was wir Amerikaner - und viele andere - als jenen
riesenhaften Programmen weit überlegen ansehen, die ausschließlich von
staatlichen
Bürokratien
verwaltet
werden.
CARE reagiert auf eine sich verändernde Welt auch durch die Erkenntnis, daß es mit der Ausbreitung des
Wohlstands überall fürsorgliche Menschen gibt, die sich an ihrer Arbeit
beteiligen wollen. Seit der Gründung
von CARE International im Jahr 1982
sind die CARE-Organisationen in den
führenden westlichen Staaten in der
Lage, bei wichtigen Projekten auf der

ganzen Welt eng zusammenzuarbeiten.
CARE Deutschland, jetzt fünf Jahre
alt, gehört bei dieser Arbeit zu den
aktivsten und wirksamsten.
Ich kann mir kein großartigeres
Symbol für die Ereignisse der vergangenen vierzig Jahre in der Bundesrepublik vorstellen, als daß der einstige Empfänger von CARE jetzt selbst
eine der größten CARE-Organisationen hervorgebracht hat. Es ist ein
Beweis für die Intensität der staatsbürgerlichen Kultur, die in den späten vierziger Jahren geschaffen wurde, daß die Bundesrepublik Deutschland heute die Mittel und das Mitgefühl hat, eine deutsche CARE-Organisation zu unterhalten, die den Ländern der Dritten Welt so viel Hilfe
leistet.
Mr. Campbell, es ist mir eine Ehre, bei dieser Gelegenheit zusammen
mit Minister Genscher Ihnen und CARE
International sowie all den nationalen CARE-Organisationen für den Beitrag zu danken, den sie für eine bessere, friedlichere und offenere weit
leisten. CARE ist nicht überflüssig. Sie ist nicht irrelevant. Sie
ist heute so lebenskräftig und wichtig wie je in ihrer Geschichte.
Und Herr Minister Genscher
durch die Ehre, die Sie Mr. Campbell
und CARE erweisen, demonstrieren Sie
erneut, daß die tagtägliche Zusammenarbeit zwischen unseren beiden Regierungen schlicht ein Spiegelbild der
engen Bindungen ist, die zwischen dem
amerikanischen und dem deutschen Volk
bestehen.

- 2 -

Ich danke Ihnen.

* * * * *

�AMERIKA DIENST
Dokumentation

'VON**

1. Oktober 1986

32

WEINBERGER: SDI STEHT FÜR REAGAN NICHT ZUR DISPOSITION
Rede vor dem Zentrum für Ethik und Öffentliche Politik -

WASHINGTON - (AD) - Laut Verteidigungsminister Weinberger steht SDI für
Präsident Reagan in einer Verhandlungslösung mit den Sowjets auf keinen Fall
zur Disposition. In einer Ansprache vor dem Zentrum für Ethik und öffentliche
Politik erklärte Weinberger am 26. September 1986 im Nationalen Presseclub:
"SDI ist kein Verhandlungsgegenstand."
Die Ansprache Weinbergers hat folgenden Wortlaut:
DIE NOTWENDIGKEIT EINER
STRATEGISCHEN PERSPEKTIVE
Eine der größten Merkwürdigkeiten
in der Debatte über die neuen Technologien von SDI besteht in der Tatsache, wie alt die Argumente sind.
Man kann nicht umhin, das Gefühl eines echten Deja-vu-Erlebnisses zu empfinden. Ernie Lefevers Verteidigung
des schützenden ABM-Systems, in dem
hervorragenden,
soeben vom Zentrum
für Ethik und Öffentliche Politik publizierten Werk über SDI abgedruckt,
ist für den heute geführten Dialog

United States Information Service
Embassy of the United States of America

genauso angebracht wie Churchills Argumente für das Radar in den dreißiger Jahren.
In den dreißiger und
siebziger Jahren wie auch heute legen
die westlichen Demokratien ein sehr
merkwürdiges Widerstreben an den Tag,
etwas für ihre eigene Sicherheit zu
tun.
Gute Argumente müssen wiederholt werden, weil weiterhin schlimme
Fehler gemacht werden.
Am bemerkenswertesten ist da natürlich die Tatsache, daß die Demokratien weiterhin dieselben alten und
schlimmen Fehler machen.
Und diese

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Fehler scheinen sich in einem vorherrschenden Mangel an strategischer
Perspektive
darzustellen.
Solange
diese Perspektive fehlt - damit meine
ich das Fehlen eines umfassenden Verständnisses von der Natur unserer
Gegner, der Natur der Weltpolitik und
besonders das fehlende Verständnis
für die Schranken, die demokratischen
Systemen auferlegt sind -, werden wir
weiterhin in Naivität gegenüber der
Welt verfallen.
Was ist denn nun
wirklich der Unterschied zwischen dem
Eingeständnis Stanley Baldwins im
Jahr 1935, daß Churchill tatsächlich
recht gehabt hätte und Hitler wirklich die Luftüberlegenheit erzielt
habe und der Entdeckung der Liberalen
in den siebziger Jahren, daß die Sowjetunion nicht an Entspannung interessiert sei? Beide Irrtümer entstammen einer Abgeneigtheit, den Charakter totalitärer Politik richtig einzuschätzen und dem Wunschdenken, daß
alle Staaten und politischen Systeme
im Grundsatz identisch seien.

union wirklich "zwei Skorpione in einer Flasche" oder, wie es ein früherer Rüstungsunterhändler einmal bildhaft formulierte, "Affen in einer
Tretmühle".
Danach sind Washington
und Moskau zwei gleichwertige Mächte,
die, von einer besessenen Angst über
ihre Sicherheit getrieben, ziemlich
kopflos auf die Rüstungsprogramme des
jeweils anderen reagieren. Überdies
verfolgen beide die gleichen militärischen Doktrinen, bauen grundsätzlich
die gleichen Waffen und bedrohen beide in gleicher Weise den Weltfrieden.

Aber diejenigen, die keine strategische Perspektive besitzen, lassen
sich durch alles überraschen. Sie
sind überrascht
über Afghanistan.
Sie sind überrascht über den Abschuß
des koreanischen Passagierflugzeuges.
Und sie sind überrascht, wenn die Sowjets einen Journalisten als Geisel
festhalten.
Die Vorteile einer sichtweise,
die die amerikanisch-sowjetischen Beziehungen in ihren strategischen Zusammenhang einordnet, sind immens,
denn damit ist es möglich, einige besonders grobe Fehler zu vermeiden.

Das wichtigste amerikanische ziel
bei diesen Verhandlungen bestand darin, die strategische Doktrin der gegenseitigen Verwundbarkeit für immer
festzuschreiben. Dadurch, daß jeder
Seite bei den strategischen Atomwaffenarsenalen
Obergrenzen, auferlegt
wurden und die Stationierung
fast
aller ABM-Systeme - von ganz wenigen
Ausnahmen abgesehen - durch den Vertrag ausgeschlossen wurde, sollte die
strategische Stabilität gestärkt werden. SALT I und ABM-Vertrag sollten
signalisieren, daß Moskau unsere Vorstellung von einer stabilen Abschrekkung akzeptiert hatte.

Beispielsweise bezieht sich einer
der hartnäckigsten Mythen bezüglich
unserer Beziehungen zu Moskau auf das
sogenannte
"Rüstungswettlauf"-Syndrom. Nach dieser Ansicht sind die
Vereinigten Staaten und die Sowjet-

Diese Sichtweise bestand natürlich darin, daß die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion sich solange
ganz sicher fühlen könnten, wie die
Einwohner beider Länder völlig verwundbar blieben. Und es war offen-

Der Fehler einer solchen Denkweise besteht darin, daß diese Idee von
der
politischen
und
moralischen
Gleichwertigkeit ständig mit der Realität kollidiert.
SALT I und der
ABM-Vertrag sowie das, was auf beide
folgte, ist ein Beispiel dafür, wie
die Realität sich zu Wort meldet.

SALT I UND DER ABM-VERTRAG

- 2 -

�kundig, da für die Schaffung von Stabilität mit Hilfe dieser Doktrin unerläßlich, daß beide Seiten ihr auch
zuzustimmen hatten.
Einer unserer
Verhandlungsführer hat ja sogar festgestellt: "Wenn SALT erfolgreich sein
soll,... müßten beide Seiten in gewissem Maß eine ähnliche strategische
Doktrin verfolgen".
Natürlich ist nicht alles nach
Plan verlaufen: nicht nur, daß sich
die Sowjets geweigert haben, unser
Konzept einer stabilen Abschreckung
durch
beiderseitige
Verwundbarkeit
anzunehmen; sie betreiben eine der
dramatischsten
Aufrüstungsmaßnahmen
der Geschichte.
Tatsächlich haben
die Sowjets seit der Unterzeichnung
der SALT I - und ABM-Verträge im Jahr
1972 ihre Arsenale strategischer Raketen-Gefechtsköpfe um ein Vierfaches
aufgestockt. Obwohl wir meinen, daß
diese Verträge den unvermeidlichen
Übergang von offensiven zu defensiven
Waffensystemen eindämmen würden, haben die Sowjets uns klargemacht, das
sie keineswegs dieser Ansicht sind.
Die Sowjets halten auch weiterhin
an
ihrer
dialektischen
Denkweise
fest, was in diesem Fall einen durch
die Geschichte hinweg anhaltenden Umschwung zwischen offensiven und defensiven Formen der Kriegführung bedeutet. Im Gegensatz zu den Vereinigten Staaten verfolgt der Kreml
hartnäckige Anstrengungen zu einer
sehr kostspieligen zivilen Verteidigung. Einem sowjetischen Beobachter
zufolge entspricht diese zivile Verteidigung dem gesunden Menschenverstand. "Ein Prozent der sowjetischen
Bevölkerung zu retten bedeutet, drei
Millionen Menschen zu retten. Niemand in diesem Land würde es verstehen, wenn sich die Regierung nicht
dafür einsetzen würde". Die Sowjetunion legt auch weiterhin das Schwergewicht auf ihre Luftverteidigung und

auf die Raketenabwehr.
Tatsächlich hat der damalige sowjetische
Verteidigungsminister
Gretschko dem Obersten Sowjet in der
Geburtsstunde der SALT- und ABM-Verträge zugesichert, daß der ABM-Vertrag "einer Durchführung von Forschung und Experimenten, die sich mit
der Lösung von Problemen zur Verteidigung des Landes gegen einen Angriff
nuklearer Raketen beschäftigen, keine
Beschränkung auferlegt".
Darüber hinaus mutet das entscheidende Tauschgeschäft in SALT I
gegenüber dem, was uns heute abverlangt wird, altmodisch an. Wir haben
unsere Sicherheit in die Waagschale
geworfen und dafür zahlenmäßige Beschränkungen bei sowjetischen Großraketen erhalten. Aber die Sowjets haben sich geweigert, einer Defintion
von Großraketen zuzustimmen und uns
gesagt, dies sei nicht notwendig, da
beide Seiten wüßten, was Großraketen
seien. Trotzdem schreitet die Modernisierung - sowohl offensiver als
auch defensiver - sowjetischer Waffensysteme stetig voran. Im Verlauf
des folgenden Jahrzehnts haben die
Sowjets Hunderte neuer Raketen genau
desjenigen Typs stationiert, von dem
wir glauben, daß wir ihn verboten haben. Kurz gesagt hat der Vertrag die
Sowjets ihrer Sorge über das Potential unserer ABM-Fähigkeit enthoben
und er hat unser Problem der Uberlebensfähigkeit der Minuteman-Raketen
nicht gelöst.
Dieser sogenannte Handel sollte
uns bekannt vorkommen. Er stellt das
Modell für den vielzitierten "großen
Kompromiß" dar, den die Kritiker von
SDI gern von der Administration angewandt sehen möchten. Aber SDI steht
nicht zur Disposition, und dies wird
unter Präsident Reagan auch nie der
Fall sein.

- 3-

�Was diese Erfahrung mit SALT uns
gelehrt haben sollte, ist die Tatsache, daß es kein Phänomen von der
Art Aktion/Reaktion gibt und daß die
Sowjets und die Vereinigten Staaten
sehr unterschiedliche Ansichten über
die Rolle von Nuklearwaffen haben.
Und doch bestehen diese Mythen weiter
und trüben klare Gedanken über Strategie und Politik.
Diese Administration
hat versucht, eine strategische Perspektive
anzunehmen, die das gesamte Gebiet
der amerikanisch-sowjetischen Beziehungen betreffen. Wir betrachten die
Verteidigung unseres Landes und die
unserer Verbündeten gegen ballistische Raketen nicht als etwas, das
durch Verhandlungen aus der Welt geschafft werden kann.
Wir möchten
nicht unsere Arsenale einfrieren und
dann diesen Vorgang Rüstungskontrolle
nennen.
Wir haben aus unserer breiten
strategischen Perspektive heraus die
Notwendigkeit für besser organisierte
und dauerhafte strategische Verteidigungsanstrengungen erkannt. Und SDI
ist offensichtlich wohlüberlegt, denn
es ist klar, daß die Sowjets versuchen, durch massive Investitionen in
Offensiv- und
Defensivtechnologien
eine eindeutige militärische Überlegenheit zu erlangen. Aber wir wollen
auch einen besseren und dauerhafteren
Weg finden, um den nuklearen Krieg
abzuschrecken.
Wir glauben nicht,
daß eine demokratische Nation wie unsere mit einer Abschreckungspolitik
zufrieden sein kann, die im wesentlichen einem gegenseitigen Selbstmordpakt gleichkommt.
Aus diesem Grunde hat Präsident
Reagan seine weitreichenden Vorstellungen von SDI entwickelt. Die Abschreckung muß eines Tages auf dem

Schutz unserer Bevölkerung und dem
unserer Verbündeten vor der Bedrohung
ballistisher Raketen beruhen. Diese
Hoffnung aufzugeben und denen nachzugeben, die lediglich die Abschreckung
durch Vergeltung bis ins nächste
Jahrhundert ausdehnen wollen, indem
sie nur militärische Einrichtungen
schützen, würde auf keinen Fall die
moralischen
und
sicherheitspolitischen Verpflichtungen
befriedigen,
die wir gegenüber unseren Bürgern haben.
Heute glaubt eine Mehrheit des
amerikanischen Volkes, daß die Regierung bereits die Fähigkeit besitzt,
sie
vor
einem Nuklearangriff
zu
schützen. Aber wir haben keine Verteidigung, und die Annahme einer Politik, die solch eine Verteidigung
niemals bereitstellen würde, wäre unerhört. Darüber hinaus könnten wir
herausfinden, daß ein erhebliches Maß
der gegenwärtigen Unterstützung einer
Verteidigung lediglich militärischer
Anlagen in den überwältigenden Wunsch
nach Rüstungskontrollabkommen münden
würde, in den überwältigenden Wunsch,
die Geschichte von SALT I zu wiederholen.
Das Ziel von SDI muß die Entdekkung einer durch und durch verläßlichen Verteidigung für unser Land und
unsere Verbündenten sein. Alles, was
diesem Ziel nicht gerecht wird, wird
auch weiterhin unserem gegenseitigen
Selbstmordpakt Vorschub leisten.

Und ich muß Ihnen sagen, daß die
SDI-Forschung erhebliche Fortschritte
macht. Ich denke aber, daß die Frage
in Kürze nicht mehr lauten wird, ob
wir eine strategiche Verteidigung haben können oder ob wir eine solche
haben sollten, sondern wann wir eine
strategische Veteidigung haben werden.

- 4-

Und doch habe ich den Verdacht,

�wir werden auch weiterhin dieselben
Argumente gegen die Verteidigung hören, wie dies Anfang der siebziger
Jahre der Fall war - daß die Verteidigung nie funktionieren wird, daß
sie destabilisierend sein wird, zu
teuer und leicht überwindbar.
Ich
bin immer wieder versucht zu sagen,
daß es zwei Hauptargumente gegen SDI
gibt. Entweder: es funktioniert oder:
es funktioniert nicht.
Auch hier scheint unseren Kritikern jede strategische Perspektive zu
fehlen, sie sehen SDI in einem Vakuum ohne Verständnis für die sowjetische Politik und die Geschichte der
Rüstungskontrolle.
Ihre
größte
Schwäche besteht darin, daß sie nicht
bereit sind, die Bemühungen der Sowjetunion im Bereich der strategischen Verteidigung ernstzunehmen.
Ein schlagender Beweis hierfür
findet sich
in dem Artikel von
McGeorge Bundy, George Kennan, Robert
McNamara und Gerard Smith - die sogenannte "Viererbande" -, der mittlerweile Berühmtheit erlangt hat. Für
diese Architekten und Verteidiger gegenseitiger Verwundbarkeit ist das
sowjetische
RaketenVerteidigungsprogramm buchstäblich eine Fußnote. Obwohl sie eingestehen, daß Moskaus Radaranlage bei Krasnojarsk zur Ortung
und Verfolgung von Raketen wahrscheinlich eine Verletzung des ABMVertrags darstellt, bringt sie diese
Tatsache nicht dazu, sich ernsthaft
mit der sowjetischen Strategie oder
Doktrin
auseinanderzusetzen.
Sie
wälzen vielmehr die Last produktiver
Verhandlung auf die Vereinigten Staaten ab. sie glauben, die Verhandlungen steckten in einer Sackgasse, weil
wir SDI nicht zum Verhandlunggegenstand bei der Rüstungskontrolle machen. Die "Viererbande" würde uns am
liebsten mit uns selbst verhandeln
lassen, da sie nicht einmal die Exi-

stenz des Moskauer Verteidigungsprogramms eingesteht - von dessen Bedeutung ganz zu schweigen.
Diese klugen Köpfe ignorieren die
umfangreichen sowjetischen Investitionen bei praktisch allen Formen der
strategischen Verteidigung wie auch
die massiven Investitionen des Kreml
bei zielgenauen, landgestützten Raketen. Dies ist genau die Art von Analyse, die zu den mangelhaften Rüstungskon troll Vereinbarungen
führte.
Gerade diese Analyse aber wurde von
der Reagan-Administration abgelehnt.
Ein weiterer Hinweis auf den Mangel an strategischem Denken bei unseren Kritikern ist ihre immer wieder
vorgebrachte Behauptung, das Ziel,
ballistische Raketen überflüssig zu
machen, sei unmöglich, und deshalb
sollte das Programm aufgegeben werden. Tatsache ist, daß unsere strategische Verteidigung nicht hundertprozentig wasserdicht sein muß, um
ein ganz außergewöhnliches Maß an Abschreckung zu bieten.
Sogar eine
teilweise wirksame Verteidigung würde
Moskau davon überzeugen, daß ein
Erstschlag sinnlos ist. Und wenn wir
erst einmal einen sowjetischen Erstschlag überflüssig und undenkbar gemacht haben, werden wir die Stabilität dramatisch erhöht und die Abschreckung
auf
eine
felsenfeste
Grundlage gestellt haben. Man sollte
jedoch immer daran denken, daß unser
Ziel auch weiterhin bleibt, ballistische Raketen - die destabilisierendsten und gefährlichsten Waffen,
die der Mensch kennt - überflüssig zu
machen.
In vielen Fällen schieben unsere
Kritiker nur ganze Armeen von Strohmännern vor, in anderen Fällen ignorieren sie ganz einfach, was die Sowjets tun. In beiden Fällen ist die
Debatte kaum vorangekommen.

- 5-

�Heute besteht die größte Herausforderung
für
unsere
strategische
Verteidigungsinitiative jedoch in dem
Versuch des Kongresses, das Programm
schon in seinem Anfangsstadium abzuwürgen, indem SDI die angemessenen
Mittel
verweigert werden.
Anstatt
das Problem direkt anzugehen, haben
viele im Kongreß sich zu einer indirekten Strategie entschlossen.
Ja,
die Gegner im Kongreß haben zugegeben, daß sie es nicht schaffen, das
Programm gänzlich abzuwürgen.
Daher
geht ihre Taktik dahin, jedes Jahr
die Mittel zurückzuschneiden, bis das
Programm völlig deformiert ist.

SCHLÜSSFOLGERUNG

Vorteile mit der gesamten Welt teilen; das heißt, wir können eine Zukunft anbieten, die frei von Atomraketen ist. Oder wir können warten,
bis nur die Sowjetunion
beschützt
ist. Wenn wir wollen, kann es also
für uns eine Zukunft geben, in der
die Existenz der Freiheit einzig von
der Laune eines Regimes abhängig ist,
das sowohl über die offensive Überlegenheit als auch über das defensive
Monopol verfügt.
Ich glaube nicht, daß dies unsere
Zukunft sein wird, denn ich denke
nicht, daß das amerikanische Volk die
ständige Verwundbarkeit unserer Nation gegenüber sowjetischen Raketen
zulassen wird. Wir können nichts Besseres tun, als uns von der Klugheit
unserer Bürger leiten zu lassen.

Wenn der Westen es nicht schafft,
eine Verteidigung gegen sowjetische
Raketen zu dislozieren, so wird dieses Versagen wahrscheinlich nicht auf
Wissenschaft oder Technologie zurückzuführen sein. Wir verfügen über genügend Talent und innovative Fähigkeiten, um die Probleme der Raketenverteidigung zu überwinden. Wir haben Interesse am Wissen, Vertrauen in
die Forschung und Willen zum Risiko.
Und wir sind stark genug, einen Fehlschlag zu ertragen und einen neuen
Versuch zu wagen.
Nicht die Wissenschaft, sondern
die Politik kann uns daran hindern,
das zu tun, was wir tun sollten, um
uns selbst und unsere Werte zu schützen. Wenn wir auch weiterhin an den
engstirnigsten und naivsten Auffassungen über die Sowjetunion festhalten, werden wir uns sicherlich niemals
gänzlich
über
die Bedrohung
klar, vor der wir stehen.
Die eigentliche Frage ist: wer
wird verteidigt? Wir können entweder
Defensivsysteme
entwickeln und die
- 6 -

* * * * *

�AMERIKA DIENST
Dokumentation

'VON'^

1. Oktober 1986

32

BARRY LOBT KVAE-ÜBEREINKUNFT
- Rede von Botschafter Barry in London -

LONDON - (AD) - In einer Rede vor dem Royal Institute for International
Affair.j in London hat Botschafter Robert L. 3arry am 25. September 1986 die
Vereinbarungen der Stockholmer Konferenz über Vertrauensbildende Maßnahmen und
Abrüstung in Europa (KVAE) als "einen wichtigen Schritt zu einer berechenbareren und sichereren militärischen Lage in Europa und zur Schaffung einer Atmosphäre größeren Vertrauens, wie sie zur möglichen Behandlung weiterreichender
Rüstungskontrollmaßnahmen unabdingbar ist" bezeichnet.
Nachfolgend bringen wir die Ansprache im vollen Wortlaut:

DI3 STOCKHOLMER KONFERENZ UND
DIE SICHERHEIT IN EUROPA
Die Stockholmer
Konferenz über
Vertraaensbildende Maßnahmen und Abrüstung in Europa hat ihre Arbeit gerade erfolgreich abgeschlossen. Ich
kann mir keinen angemesseneren Ort
als London vorstellen, um über diese
Konferenz, ihre Ergebnisse und Auswirkungen zu sprechen. Die Regierung
Ihrer Majestät hat bei der Formulierung und Aufrechterhaltung der westlichen Position eine führende Rolle
gespielt. Unter der Leitung von Bot-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

schafter Michael Edes bildete die
britische Delegation bei dieser Konferenz eine starke Kraft für das Zustandekommen eines positiven Ergebnisses.
Die Vereinigten Staaten sind über
dieses
Ergebnis
befriedigt;
das
Stockholmer Dokument stellt eine gute
Übereinkunft dar, einen Beitrag zur
Stabilität und eine Hilfe zur Verminderung des Risikos einer militärischen Konfrontation in Europa.
Das
verabschiedete vertrauensbildende Regelwerk dehnt das Konzept der Offen-

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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�heit in militärischen Angelegenheiten
aus und fördert das weitergefaßte, in
der Schlußakte von Helsinki enthaltene Prinzip, gemäß dem die Beziehungen zwischen Staaten - zwischen
Ost und West - auf Zusammenarbeit und
Dialog und nicht auf Konfrontation
beruhen sollten.
Das Regelwerk von Stockholm ist
nicht perfekt, und es kann im Bereich
vertrauensbildender
Maßnahmen
noch
mehr Nützliches getan werden. Aber
Stockholm bedeutet einen wichtigen
Schritt zu einer berechenbareren und
sichereren militärischen Lage in Europa und zur Schaffung einer Atmosphäre größeren Vertrauens, wie sie
zur möglichen Behandlung weiterreichender Rüstungskontrollmaßnahmen unabdingbar ist.

DIB LEISTUNGEN VON STOCKHOLM
Als die Stockholmer Konferenz im
Januar 1984 begann, besaß der Westen
eine klare Vorstellung von dem, was
erreicht werden sollte: insbesondere
strebten wir konkrete Maßnahmen an,
die das gemeinsame Verständnis hinsichtlich zweck und Umfang aller
wichtigen in Europa stattfindenden
militärischen Aktivitäten vergrößern
sollten; wir strebten also danach,
das Risiko zu vermindern, daß Fehleinschätzung
oder
-Interpretation
über die Natur solcher Aktivitäten
eine Eskalationskette in Gang setzen
könnte, die, unkontrolliert, zu einem
Krieg führen könnte. Um dieses Ziel
zu erreichen, haben wir spezifische
Maßnahmen vorgeschlagen, wie etwa den
Austausch militärischer Informationen, die Vorschau auf, Vorankündigung
und Beobachtung von Manövern und Inspektionen zur Verifikation. In großem Ausmaß enthält das Stockholmer
Dokument genau diese Maßnahmen, die
auch den von den neutralen und block-

freien Staaten getragenen Ansatz repräsentieren.
Andererseits hatten die östlichen
Staaten in Stockholm anfangs versucht, die Diskussion auf rein deklaratorische Vorschläge zu konzentrieren, mit denen sie die politische Tagesordnung mit Zielrichtung auf Westeuropa gefüllt hatten, und dies in
einigen Fällen seit mehreren Jahren.
Ihre Taktik schien mehr dazu bestimmt, das westliche Bündnis zu
spalten, wie etwa bei der Frage der
Mittelstreckenraketen, als dazu, zu
ernsthaften Verhandlungen zu kommen.
Obwohl der Ansatz des Ostens im Rahmen der Konferenz keine Unterstützung
fand und seine Vorschläge nach und
nach fallengelassen wurden, kostete
diese zu Beginn angewendete Ablenkungstaktik viele Monate. Ein Ergebnis davon besteht darin, daß wir erst
letzten Freitag zu einer Einigung gelangt sind, anstatt vor einem Jahr,
wie der Westen zu jener Zeit erhofft
hatte. Wir haben die verabschiedeten
Maßnahmen noch nicht wirklich durchgeführt; wir haben damit noch keine
praktischen
Erfahrungen
gesammelt,
die uns für die nächsten Schritte
hilfreich sein könnten.
Trotzdem ist das bei der Stockholmer Konferenz Erreichte beträchtlich. 35 Staaten haben sich politisch bindend verpflichtet, weit im
voraus Zeitpläne und andere Informationen über zweck, Umfang und Ort
ihrer militärischen Aktivitäten bekanntzugeben. Dies verankert in den
internationalen Prinzipien fest den
Grundsatz, daß Staaten Kenntnis davon
haben sollten, was andere Staaten auf
militärischem Gebiet unternehmen und
planen. In der Praxis sollte dadurch
ebenso eine Norm, ein allseits anerkanntes Niveau an routinemäßiger Ausbildungs- und Ubungstätigkeit festgeschrieben werden, wodurch ein sta-

- 2 -

�bilisierender Effekt in den Beziehungen zwischen potentiellen Gegnern
erzielt werden könnte. Durch einen
Kalender von Ereignissen, der in einigen Fällen zwei Jahre im voraus
festgelegt wird, werden die militärischen Befehlshaber
eine bessere
Vorstellung davon bekommen, was sie
von der anderen Seite erwarten können; es wird leicht sein, zwischen
großen, vorausgeplanten Manövern, für
die keine besondere Reaktion notwendig ist, und unangekündigten Aktivitäten, für die Gegenmaßnahmen erforderlich sein könnten, zu unterscheiden. Wenn beispielsweise ein Staat
seine Truppen zwecks politischer Einschüchterung an den Grenzen eines anderen Staates konzentrieren würde,
würde dies eine klare Verletzung der
Stockholmer Vereinbarungen darstellen, wofür ein hoher politischer
Preis zu bezahlen wäre.
Die in Stockholm verabschiedeten
vertrauensbildenden Maßnahmen werden
eine entschlossene Aggression nicht
verhindern oder die Anwendung von Gewalt zur politischen Einschüchterung
ausschließen.
Aber sie werden die
Möglichkeit eines "ungewollten" oder
zufälligen Krieges stark vermindern
sowie den politischen Preis enorm
steigern, den ein Staat für den Versuch bezahlen müßte, einen anderen
mit politischen Mitteln einzuschüchtern.

STOCKHOLM FÖRDERT HELSINKI
Bei der Bewertung der mit den
Stockholmer vertrauensbildenden Maßnahmen erzielten Leistungen gewinnt
man eine gute Perspektive, wenn man
sie mit den bescheidenen vertrauensbildenden Maßnahmen der Schlußakte
von Helsinki des Jahres 1975 vergleicht.
Die in Stockholm verabschiedeten Maßnahmen bedeuten in der

Tat qualitative und quantitative Verbesserungen der Maßnahmen von Helsinki.
- Erstens sind sie obligatorisch
und politisch bindend, während die
Maßnahmen von Helsinki freiwillig waren; deshalb bedeuten die Stockholmer
Maßnahmen eine konkrete Verpflichtung
zu Handlungen und keine symbolischen
Gesten.
- Zweitens beziehen sich die in
Stockholm getroffenen Maßnahmen auf
ganz Europa und behandeln zum ersten
Mal die gesamte Region als Einheit
mit verbundenen Sicherheitsanliegen;
Helsinki klammerte den Großteil sowjetischen Territoriums in Europa aus.
- Drittens sind die Stockholmer
Maßnahmen verifizierbar, eine Voraussetzung
echter
Vertrauensbildung;
aufgrund ihres freiwilligen Charakters enthielt die Schlußakte von Helsinki keinerlei Regelungen zur Verifikation.
- Viertens schließlich erstrecken
sich die Stockholmer Maßnahmen auf
sämtliche bedeutsamen militärischen
Aktivitäten in ganz Europa; Helsinki
betraf lediglich "größere Manöver".
Das Ausmaß vertrauensbildender Aktivitäten nach Stockholm wird wesentlich weitergefaßt und dies wird sich
wahrscheinlich auch auf das Ausmaß
des Vertrauens auswirken.
In Kürze:
Die Maßnahmen von
Stockholm haben das in der Schlußakte
enthaltene Konzept vertrauensbildender Maßnahmen
in ein praktisches
System verwandelt, mit dem in der
realen Welt militärischer Angelegenheiten gehandelt werden kann.

- 3-

�ADSWIRKONGEN
Der nächste Schritt wird natürlich in der Durchführung bestehen.
Wir hoffen, daß die Durchführung des
Stockholmer Regelwerks den in ihm
enthaltenen
Möglichkeiten
gerecht
werden und Verdächtigungen reduzieren
sowie Vertrauen bilden wird; es ist
nun die Aufgabe aller Parteien, ihre
neuen Verpflichtungen voll anzuwenden. Dies ist keine Frage des von
allen Teilnehmern bei der Annahme
dieser Verpflichtungen gezeigten guten Glaubens; wir betreten hierbei
Neuland, und selbstverständlich werden wir alle - die neutralen und
blockfreien Staaten genauso wie Ost
und West - sorgfältig beobachten, wie
die beschlossenen Maßnahmen sich in
der Praxis bewähren.
Wenn die Durchführung glatt verläuft, sollten wir Wege ausfindig
machen, um die vertrauensbildenden
Maßnahmen weiterzuentwickeln und ihre
stabilisierende Wirkung zu verstärken.
Aus der Sicht von Stockholm
gibt es mehrere wichtige Bereiche, in
denen Verbesserungen
möglich sein
sollten. Als erstes und wichtigstes
sollten wir daran arbeiten, die Verpflichtung zum Austausch von Informationen über Streitkräftestrukturen
und Stationierungsorte in Europa zu
erweitern. Stockholm war in dieser
Hinsicht eine Enttäuschung; der Osten
weigerte sich sogar, die Verpflichtung zur Lieferung von der Art Informationen einzugehen, die der Westen
routinemäßig in seine Notifizierungsaktivitäten gemäß der Schlußakte von
Helsinki seit 1975 einbezogen hat die Bezeichnung von Einheiten, die an
Manövern teilnehmen. Fragen darüber,
welche Truppen wirklich in Europa
stehen und wo - das berüchtigte
"Datenproblem" -, haben die Wiener
Verhandlungen über einen Abbau konventioneller Streitkräfte seit drei-

zehn Jahren auf der stelle treten
lassen.
Bei jeder weiteren Fortsetzung
der Stockholmer Konferenz
scheinen uns Fortschritte bei dieser
Frage unabdingbar, wenn der Vertrauensbildungsprozeß voranschreiten und,
sicherlich, wenn wir neue Bemühungen
bei der Verminderung konventioneller
Waffen in Betracht ziehen sollen.
Der Jahreskalender, der die militärischen Aktivitäten des nächsten
bzw. übernächsten Jahres ausweist,
könnte die wichtigste aller in Stockholm vereinbarten
Maßnahmen sein.
Wir sollten insbesondere versuchen,
die stabilisierende Wirkung dieses
Kalendariums zu erhöhen, indem wir
ihm durch die Ankündigung des Geplanten nicht nur erläuternden, sondern
Gebotscharakter geben, indem wir das
beschränken, was stattfinden darf.
Ich glaube, daß der Wert eines Verbots militärischer Aktivitäten, die
nicht zwei Jahre im voraus angekündigt worden sind - dies die logische
Folge eines westlichen Vorschlags in
Stockholm -, offenkundig ist. Das
Bündnis wird auch weiterhin das gesamte Beziehungsfeld der Beschränkungen, Obergrenzen und Einschränkungen hinsichtlich des gesamten Umfangs militärischer Aktivitäten analysieren. Wir haben keine Beschränkung gesehen, die alle Vertragsparteien in gleichem Maße betrifft und
die die defensive Seite nicht stärker
bestraft als einen Aggressor. Aber
wir erkennen den potentiellen Wert
solcher Maßnahmen und setzen unsere
Analyse fort.
Die Konferenz von Stockholm bedeutet daher einen wichtigen ersten
Schritt in Richtung auf Erstellung
und
Lebensfähigkeit
Vertrauensund
sicherheitsbildender
Maßnahmen
als
RüstungskontrollInstrumentarium;
sie
hat einen Prozeß eröffnet, der potentiell ebenso wichtig ist wie die Be-

- 4-

�mühungen im Rüstungskontrollbereich,
die er ergänzen und unterstützen
soll. Aber Stockholm mahnt gleichzeitig zur Vorsicht.
Der anhaltende östliche Widerstand gegenüber einem Austausch militärischer Informationen und Schaffung
einer Datengrundlage bei den Streitkräften ist ein offenkundiges und
ernsthaftes Hindernis in Richtung auf
noch ehrgeizigere Bemühungen.
Ein
zweiter Punkt ist die gesamte Problematik der Verifikation, die ja mit
dem Konzept der Offenheit in Beziehung steht. In Stockholm gelang ein
historischer Durchbruch, weil Inspektion akzeptiert und das Prinzip anerkannt wurde, daß ein Staat, der
Zweifel hinsichtlich der Intentionen
militärischer
Aktivitäten
eines
anderen Staates hat, in diesen anderen Staat gehen und selbst sehen
kann, was vorgeht. Wir haben eine
Chance, die konkrete Wirksamkeit solcher Inspektionen in der Praxis zu
prüfen.
Aber
dieses Inspektionssystem von Stockholm ist relativ bescheiden und nicht zudringlich. Inspektionsmaßnahmen, die ein Rüstungskontrollabkommen angemessen verifizieren sollen, müßten viel anspruchsvoller sein. Dazu müßte der Zugang
von
Inspektoren
zu
sicherheitsempfindlichen Einrichtungen wie Verteidigungsanlagen, Kasernen und Waffendepots gehören, nicht nur zu Aktivitäten, die außerhalb stattfinden.
Die Verhandlungen über Inspektionen
waren in Stockholm sehr, sehr schwierig, aber sie waren noch nichts im
Vergleich zu Verhandlungen über Maßnahmen, die zur Verifizierung der
Rüstungsverringerung notwendig sind.
Ein weiterer Grund zur Vorsicht
nach Stockholm liegt in dem, was ich
vielleicht
das "neutrale Dilemma"
nennen möchte.
Die Sicherheitsbedürfnisse neutraler Staaten, die von

der Mobilisierung von Zivilisten abhängig sind, sehen ganz anders aus
als jene von Bündnissen mit stehenden
Armeen. Die Aushandlung von Abkommen, die Staaten mit einer derart unterschiedlichen
Sicherheitsorganisation,
-bedürfnissen
und
-Verpflichtungen
betreffen,
ist
eine
äußerst komplexe Aufgabe. Ein Grund
dafür, daß Stockholm zu einem Erfolg
dabei wurde, diese unterschiedlichen
Bedürfnisse von 35 Staaten auf einen
Nenner zu bringen, lag darin, daß das
Mandat der Konferenz begrenzt und
klar umrissen ist. Alle künftigen
Anstrengungen auf europaweiter Grundlage müssen sorgfältig darum bemüht
sein, von Anfang an mit Instruktionen
vorzugehen, die gleichermaßen klar,
konkret und durchführbar sind und die
auch die speziellen Sicherheitsbedürfnisse jener in Rechnung stellen,
die keinem Bündnis angehören.
während wir die Stockholmer Maßnahmen durchführen und nach Möglichkeiten suchen, sie zu stärken und
auszuweiten, bemühen wir uns gleichzeitig darum, die Lehren von Stockholm auf die Fragen der Verringerung
der konventionellen Streitkräfte in
Europa anzuwenden. Wie Sie wissen,
untersucht die von der NATO eingerichtete
hochrangige
Arbeitsgruppe
die gesamte Problematik der Verringerung der konventionellen Rüstung.
Die Vereinigten Staaten unterstützen
mit Nachdruck die Ziele einer Verringerung der konventionellen Waffen,
wie wir dies ja auch durch unsere Beteiligung zusammen mit Großbritannien
und anderen Staaten an den Wiener
MBFR-Gesprächen
demonstrieren.
Letztlich stehen all diese Sicherheitsfragen miteinander in Beziehung;
Fortschritt in einem Bereich kann zur
Ebnung des Weges in einem anderen
beitragen.
Da
Gespräche
über
Rüstungsverringerung für ihren Fortgang ein stabiles Umfeld benötigen,

- 5-

�sollten Vertrauens- und sicherheitsbildende Maßnahmen, die zu größerer
Offenheit und Verständnis zwischen
den beteiligten Staaten - und somit
zu größerer Stabilität - führen, eine
entscheidende Rolle spielen.
Die
Lehren von Stockholm könnten bei der
Entscheidung darüber, welchen Weg wir
als nächstes verfolgen sollen, von
größtem Wert sein.

JENSEITS DER MILITXRISCHEN
SICHERHEIT
Der Erfolg von Stockholm kommt zu
einer Zeit, da die sowjetische Führung,
insbesondere
Generalsekretär
Gorbatschow, sich für mehr Offenheit
in der eigenen Innenpolitik wie auch
bei den internationalen Beziehungen
starkmacht.
Sollte Stockholm den
Beginn echten Wandels im sowjetischen
Denken bedeuten - eine "strategische
Verschiebung", wie es ein Kollege
kürzlich nannte -, könnten wir vor
einer seit vielen Jahrzehnten nicht
mehr gegebemen Möglichkeit zur Verbesserung des Ost-West-Verhältnisses
und schließlich vielleicht der Wiederherstellung einer neuen, konstruktiveren Arbeitsgrundlage stehen.
Dieses umfassendere Ziel hat ja
letztlich die fundamentale Basis für
die Beteiligung der Vereinigten Staaten an der Stockholmer Konferenz und
am KSZE-Prozeß von Helsinki bereitgestellt, dessen Teil sie ist. Aussenminister Shultz formulierte es in
seiner Rede bei der Eröffnung der
Konferenz so: "Der Helsinki-Prozeß
ist eine historische, friedliche Anstrengung, die Teilung Europas zu erleichtern und einst zu beenden; Vertrauensbildung bedeutet im weiteren
Sinne, die Arbeit von Helsinki fortzusetzen - durch praktische Schritte,
die
die
Hindernisse
beseitigen,
menschliche Kontakte und geistigen

Austausch erweitern, zu größerer Offenheit führen und die Grenzen des
menschlichen Geistes weiter stekken."
Wenn die Sowjetunion beabsichtigt, eine neue Politik des glasnost, der Offenheit, zu betreiben, so
könnte Stockholm dem gesamten Helsinki-Prozeß einen wichtigen Impuls verleihen.
Dies ist sicherlich die
Hoffnung der Vereinigten Staaten; als
die Ergebnisse von Stockholm bekanntgegeben wurden, gab Präsident Reagan
eine Erklärung ab, in der er sagte:
"Ich begrüße dieses positive Ergebnis
der KVAE.
Es wird
zu größerer
Sicherheit in Europa und zu verbesserten
Ost-West-Beziehungen
beitragen.
Es übermittelt eine Botschaft, die von den Menschen in aller
Welt
begrüßt werden
sollte.
Es
zeigt, daß Ost und West bei ernsthafter Zielsetzung und harter Arbeit eine gemeinsame Grundlage schaffen können, um darauf eine sicherere Zukunft
zu errichten."
In dieser Erklärung unterstrich
der Präsident erneut die notwendige
Verbindung zwischen der Stockholmer
Konferenz und ihrer Vorgängerin, dem
KSZE-Prozeß von Helsinki.
"Dieses
KVAE-Ubereinkommen kann auch zu Portschritt im umfassenderen KSZE-Prozeß
beitragen," erklärte er. "Das Übereinkommen, das in Stockholm über
Sicherheitsfragen
erzielt
wurde,
macht ausgewogenen Fortschritt bei
den Menschenrechten und den Grundfreiheiten nur noch um so zwingender. Beim Wiener KSZE-Folgetreffen,
das im November beginnt, wird die Delegation der Vereinigten Staaten auf
die Verwirklichung aller KSZE-Verpflichtungen
und auf ausgewogenen
Fortschritt bei der ganzen Bandbreite
der KSZE-Tagesordnung drängen."
Die Konferenz von Stockholm hat
den Sicherheitsbereich des HelsinkiProzesses
um
einen
bedeutsamen

- 6-

�Schritt vorangebracht.
Die Stockholmer Maßnahmen sind in sich selbst
wertvoll, und sie werden verwirklicht
werden.
Die anderen Bereiche des
Helsinki-Prozesses haben keinen Portschritt erlebt; bei einigen, insbesondere den Menschenrechten, gab es
Rückschritte.
Bei der Wiener KSZE-Folgekonferenz werden die Vereinigten Staaten
die Stockholmer Leistung im Kontext
des östlichen Versäumnisses prüfen,
allen
Verpflichtungen
gemäß
der
Schlußakte von Helsinki, einschließlich der Menschenrechte, gerecht zu
werden. Die Frage der Ausgewogenheit
zwischen allen zehn Grundsätzen der
Schlußakte wird bei unserem Urteil
schwer ins Gewicht fallen, wenn wir
darüber befinden, wie der KSZE-Prozeß
nach Wien fortgeführt werden soll.
Dabei geht es nicht darum, immer mehr
Treffen zu vereinbaren, bei denen es
in gleichem Maß um diejenigen Themen
geht, die den einzelnen Teilnehmern
von Bedeutung sind. Es geht darum,
die Glaubwürdigkeit
des KSZE-Prozesses als organisches Ganzes aufrechtzuerhalten.
Das
System
von
Stockholm mag funktionieren, aber die
Lebensfähigkeit einer auf Offenheit und wechselseitiges Vertrauen - gestützten
Sicherheitsvereinbarung
bleibt unvollkommen, wenn es Beteiligte gibt, die sich auch weiterhin
gegen Offenheit, menschliche Kontakte, Reisen und Kommunikation zwischen
Bürgern der Teilnehmerstaaten stellen.

werfen, die Verpflichtungen von Helsinki - und die Verpflichtungen von
Stockholm - ernst zu nehmen.
Die Vereinigten Staaten haben die
Konferenz von Stockholm von Anfang
bis Ende unterstützt. Wir haben mit
unseren Verbündeten auf einen erfolgreichen Abschluß hingearbeitet und
wir blicken mit Befriedigung auf das
Ergebnis - nicht zuletzt, weil es
eine Leistung des Bündnisses, nicht
nur einzelner Staaten war. Die NATO
hatte von Beginn an konkret und klar
umrissene Zielsetzungen und wir arbeiteten konsequent daran, sie in die
Tat umzusetzen. Auch in dieser Hinsicht erteilt Stockholm uns für die
Zukunft eine Lehre: eine kohärente,
einige Bündnisposition, vor Verhandlungsbeginn festgelegt und beibehalten, kann sogar bei hochkomplexen,
multilateralen Sicherheitsfragen zu
Erfolg führen. Ich bin ganz einfach
davon überzeugt, daß Stockholm ohne
eine so gute Zusammenarbeit im Bündnis nie ein so positives Ergebnis gezeitigt hätte.
Die Beendigung der Stockholmer
Konferenz bedeutet deshalb kein Ende. Es ist ein Schritt nach vorn,
der neue Möglichkeiten für die OstWest-Beziehungen eröffnet.
Alle 35
Staaten haben weitere Verpflichtungen
übernommen; wir alle müssen ihnen gerechtwerden.
Aber wir haben auch
neue Möglichkeiten geschaffen; jetzt
müssen wir uns alle darum bemühen,
Vorteil daraus zu ziehen.

Ich möchte in dieser Hinsicht auf
die Bedeutung verweisen, die die Vereinigten Staaten der Verhaftung des
amerikanischen Journalisten Nicholas
Daniloff aufgrund erfundener Anschuldigungen beimessen. Dieser eine Akt,
der eine Ohrfeige für alles ist, wofür der Helsinki-Prozeß steht, muß
Zweifel bei uns allen hinsichtlich
der sowjetischen Bereitschaft auf- 7-

* * * * *

�AMERIKA DIENST
'V,oN ^

Hintergrundmaterial
1. Oktober 1986

32

Nachfolgend finden Sie den vierten und letzten Teil der Serie "Die
Herausforderung an die Demokratie in Mittelamerika", von denen die
ersten drei Teile bereits in den Amerika Dienst-Ausgaben Nr. 29, 30 und
31 erschienen sind.
Die vollständige Serie kommt Ende des Jahres als illustrierte Broschüre heraus.

DIE HERAUSFORDERUNG AN DIE DEMOKRATIE IN MITTELAMERIKA

Die politisch-militärische Situation 1986
Die salvadorianische Armee hat ihre offensiven Operationen gegen
Guerilla-Stützpunkte fortgesetzt. Aus diesem Grunde ist die Stärke der
FMLN, die in den Jahren 1982/83 ein Ausmaß von 9 000-12 000 erreicht
hatte, jetzt auf 5 000-7 000 Mann(107) zurückgegangen. Dieser Rückgang
ist auf die von den erheblich verbesserten salvadorianischen Streitkräften beigebrachten Verluste auf dem Schlachtfeld zurückzuführen, ferner auf Deserteure der Guerilla und auch auf die Unfähigkeit der FMLN,
die salvadorianische Jugend für die Sache der Guerilla zu gewinnen.
Die Streitkräfte

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Die Streitkräfte haben die Guerilla auf dem Land stark unter Druck
gesetzt und gleichzeitig mit Unterstützung der Vereinigten Staaten ihre
Fähigkeit ausgebaut, dem Terrorismus in den Städten und Angriffen auf die
wirtschaftliche Infrastruktur zu begegnen. Moral und Vertrauen innerhalb
der Streitkräfte gelten weiterhin als hoch. Im Laufe des Jahres 1985 bis
Anfang 1986 hat die salvadorianische Armee ihren militärischen Vorsprung
vergrößert und ihre Einhaltung der Menschenrechte verbessert. Durch eine
Mischung von Operationen größerer Einheiten und kleineren taktischen Manövern mit Patrouillen hindern sie die Guerillas daran, ihre Einheiten
auf größere Angriffe zu konzentrieren.
Um auf diese in hohem Maße veränderte Situation zu reagieren, hat die
FMLN sich eine Strategie zu eigen gemacht, die sich konzentriert auf (1)
fortgesetzte Bemühungen zur Zerstörung der Wirtschaft des Landes, (2) Intensivierung des Terrorismus in den Städten und (3) Kriegführung mit
Minen in ländlichen Gebieten. Dieses dritte Element hat den Leiden El
Salvadors einen besonders grausamen Aspekt hinzugefügt. Die wahllose
Plazierung von Landminen hat Hunderte von Zivilisten in ländlichen Gebieten verwundet und getötet, hauptsächlich Kinder unter 15 Jahren. Die
FMLN zeigt darüber wenig Reue und benutzt geheime Radiosender, um ihr Bestreben zu verkünden, weiterhin Landminen dazu zu benutzen, um die
Kaffee-Ernte zu erschweret 108). Trotz Kritik am Gebrauch von Landminen
seitens der katholischen Kirche, lassen die Guerillas keine Anzeichen erkennen, von dieser Taktik abzugehen.
Obwohl sie gegenüber den Guerillas militärisch aufholt, hat die salvadorianische Regierung die Tür zum Dialog aufgehalten, was den Guerillas
erlauben würde, ihre Sache an das Volk heranzutragen, indem sie am demokratischen Prozeß teilnehmen. Im März 1986 verkündete Präsident Duarte
eine größere Friedensinitiative. Er schlug dem nicaraguanischen Präsidenten Ortega einen Plan vor, der gleichzeitig ablaufende Gespräche zwischen der salvadorianischen Regierung und der FMLN einerseits und der Regierung Nicaraguas und der UNO andererseits forderte. Solche Verhandlungen würden automatisch Gespräche zwischen den Vereinigten Staaten und
Nicaragua in Gang setzen. Duarte schlug ferner einen fortlaufenden Dialog
auf regionaler Ebene vor, der in einem mittelamerikanischen Parlament
stattfinden sollte. Die Sandinisten wiesen den gesamten Vorschlag kategorisch zurück, wobei es Comandante Bayardo Arce war, der als erster während eines Staatsbesuchs in Moskau seine Ablehnung zum Ausdruck brachte.
Die salvadorianischen Guerillas lagen auf der sandinistischen Linie. Die
anderen Länder Mittelamerikas billigten jedoch den Plan Duartes einstimmigt 109).

Die Rolle der katholischen Kirche
1979 und 1980 ging die Forderung nach sozialen, wirtschaftlichen und
politischen Reformen vor allem von der salvadorianischen katholischen
Kirche aus.
Der Führer der katholischen Kirche El Salvadors, Erzbischof Oscar Romero, wurde ermordet, als er die Messe las. Die Guerilla
versuchte den Eindruck zu erwecken, daß die Kirche mit ihr gemeinsame
Sache mache. In Wirklichkeit sah die Kirche die Guerilla als das an, was
sie war, als eine zunehmend der Errichtung einer kommunistischen Regie- 2 -

�kommunistischen Regierung verschriebene Organisation. Auf der anderen
Seite sah die Kirche, daß die Regierung zwar die besten Absichten hatte,
sich aber relativ unfähig zeigte bei der Kontrolle der Aktivitäten von
Todesschwadronen und anderen Greueltaten, wie etwa beim Mord an vier
amerikanischen Nonnen im Dezember 1980 durch Mitglieder der salvadorianischen Sicherheitskräfte. Die Guerilla versuchte, aus den Spannungen in
der Staatskirche Kapital zu schlagen indem sie sagte, daß "die salvadorianische Kirche den Kampf der Guerilla gegen das Regime Präsident
Duartes unterstützt"(110), eine Behauptung, der das Büro des Erzbischofs
sofort widerspräche 111). Berichten zufolge fälschte die Guerilla zu
einem späteren Zeitpunkt die Unterschrift von Romeros Nachfolger, Erzbischof Arturo Rivera y Damas, auf gegen die Regierung gerichteten
Pamphleten, die im Ausland verbreitet wurden, um Geld für die FMLN aufzubringen, und erregte damit den Zorn der Kirche(112).
Die salvadorianische Kirche ist oft mit der Aussage zitiert worden,
sie sei gegen militärische Hilfe der Vereinigten Staaten an die Armee.
Die offizielle Zeitung der Diözese Salvador hat jedoch kürzlich von einem
Druck berichtet, der von amerikanischen Staatsbürgern auf die Regierung
der Vereinigten Staaten ausgeübt würde, um eine solche militärische Unterstützung El Salvadors einzustellen. Ein Leitartikel in "Orientacion"
berichtet:
Obwohl der Krieg grausam ist und wir uns nach Frieden sehnen, ist es
nicht mehr so einfach, die Waffenlieferungen der Vereinigten Staaten
zu verurteilen. Das Entwaffnen der salvadorianischen Armee würde
logischerweise eine Förderung des Sieges der Guerilla bedeuten. Wir
denken, daß das nicht richtig wäre, wenn man sieht, wie viele Menschen bereits ihren Willen bekundet haben. Dies ist die Wahrheit,
und wir verstehen nicht, warum andere Völker, Organisationen oder
Einzelpersonen über unser Schicksal entscheiden wollen. Niemand will
den Krieg. Wir wollen alle den Frieden. Das Vernünftigste wäre
daher, die Einstellung der Waffenlieferungen sowohl an die Armee als
auch an die Guerilla zu fordern. Es wäre richtig, nach menschlichen
und vernünftigen Mechanismen zu suchen, mit deren Hilfe ein Frieden
zu erreichen ist, ohne daß man zu den Waffen greifen muß(113).
Die katholische Kirche in El Salvador fordert unausgesetzt den Dialog
und verurteilt Gewalt von beiden Seiten. Sie bleibt ein Vertrauens- und
glaubwürdiger Mittler zwischen Regierung und Guerilla. Sie hat die Reformen unterstützt, von denen sie glaubt, daß sie El Salvador von der unruhigen Phase der Jahre 1979-80 in die hoffnungsvollere gegenwärtige Zeit
gebracht haben. Im Hinblick auf die politischen Bindungen ihres Landes
im Jahre 1985 erklärten die Bischöfe am 8. August in einem Hirtenbrief:
Wir haben auf der einen Seite eine konstitutionelle Regierung, die
durch das überragende Ergebnis an den Wahlurnen in vier aufeinanderfolgenden Wahlen bestätigt worden ist, die praktisch ein wiederholtes
"Referendum" für die Demokratie waren, und auf der anderen Seite haben wir die FDR/FMLN, die für sich in Anspruch nehmen, das Volk zu
vertreten - eine Behauptung, die sie nicht belegen können - und die
darüber hinaus auf Gewalt und Sabotage als grundlegender Komponente
ihres Kampfes zurückgreifen und sich somit in eine Lage bringen, der
wir nicht zustimmen können(114).
Die nahe Zukunft

- 3 -

�Die nahe Zukunft
Trotz der Fortschritte in den letzten sechs Jahren ist die Zukunft El
Salvadors prekär. Sowjets und Kubaner sind entschlossen, Nicaragua dabei
zu unterstützen, den Zustrom von Waffen, Munition, Landminen und Sprengstoff an die salvadorianische Guerilla aufrechtzuerhalten. Trotz der
Tatsache, daß ihre Erfolge in den letzten zwei Jahren nachließen, hat die
Guerilla auch weiterhin die Fähigkeit, Sabotageakte im großen Stil durchzuführen und größere Angriffe auf salvadorianische militärische Einrichtungen auszuführen. Sprengstoffexperten sprengen noch immer Elektromaste, die das Land mit Strom versorgen. ' In den letzten Monaten des
Jahres 1985 haben sie sich auf die Zerstörung der Kaffee-Ernte konzentriert. Der Gebrauch von Landminen ist eine bekannte Taktik der
Guerilla, um die Kaffee-Ernte zu erschweren, von der El Salvador so sehr
abhängt. Diese Form des Wirtschaftskrieges fordert einen hohen Preis.
Die Arbeitslosigkeit beträgt über 40 Prozent und ist in hohem Maße auf
die unerbittliche Zerstörung der Wirtschaft durch die Guerilla zurückzuführen. Die Inflation liegt augenblicklich bei über 30 Prozent im
Jahr. Ironischerweise sind viele Probleme der Duarte-Administration Ergebnisse des Erfolgs der letzten Jahre. Gewerkschaften sind jetzt zunehmend rastlos, teilweise auch, weil die Kommunisten hier infiltrieren und
agitieren. In den letzten Jahren wären die Aktivitäten der Gewerkschaften von autoritären Militärregierungen scharf unterbunden worden. Die
politische Öffnung, die zu El Salvadors Erfolg beitrug, hat die Menschen
natürlich dazu veranlasst, von ihrer politischen Führung mehr zu verlangen. In gleichem Maße hat der Erfolg der Streitkräfte seit Beginn des
Jahres 1984 die Guerilla dazu gezwungen, sich auf den Terrorismus in den
Städten zu verlegen, mehr Entführungen durchzuführen (zu denen auch
solche von gewählten Regierungsmitgliedern und die der Tochter Präsident
Duartes gehörten), ferner Bombenanschläge und andere Aktionen, die darauf
abzielten, die Bevölkerung zu terrorisieren und das Vertrauen in die Regierung zu untergraben. Diese Aktionen der Guerilla symbolisieren deren
Entschlossenheit, den Krieg gegen die gewählte Regierung weiterzuführen,
mit welchen Mitteln auch immer. Die salvadorianische Armee, die eine
Guerillatruppe auf dem Schlachtfeld besiegen könnte, weiß, daß sie nur
unzureichend in der Lage ist, sich der neuen Bedrohung in den Städten
entgegenzustellen, obwohl sie sich an diese neue Herausforderung anpaßt.
Die Taktik der FMLN ist darauf ausgerichtet, das Militär zu einer Wiederaufnahme der repressiven Taktiken vergangener Jahre zu provozieren.
Trotz der Gewaltakte und wirtschaftlichen Probleme, denen sich El
Salvador gegenübersieht, steht das Land doch im Jahr 1986 auf einer solideren Grundlage als noch vor etwa drei Jahren, und es geht ihm sicher
besser als in der brisanten Zeitspanne von 1979-80. Auf El Salvador
richtet sich das Hauptaugenmerk der kubanisch-sowjetischen Verbindungen
in dieser Region; Nicaragua ist sicherlich der Angelpunkt kommunistischer
Strategie in Mittelamerika. Die sowjetisch-kubanisch-nicaraguanische Offensive beschränkt sich jedoch nicht nur auf El Salvador, vielmehr ist
ganz Mittelamerika ihr Ziel.

GUATEMALA, HONDDRAS

- 4-

�GUATEMALA, HONDURAS UND COSTA RICA:
ERLANGUNG UND ERHALTUNG DER DEMOKRATIE

Der Weg zu Frieden und Demokratie
Obwohl sich die Hauptlast der sowjetisch-kubanisch-nicaraguanischen
Aggression gegen El Salvador richtete, blieben die anderen mittelamerikanischen Länder nicht von Angriffen verschont. Guatemala, Honduras und
sogar Costa Rica, das keine Armee zu seiner Verteidigung hat, mußten alle
Verletzungen ihrer Souveräntitätsrechte hinnehmen. All diese drei Länder
hatten 1985 und Anfang 1986 erfolgreiche Präsidentschaftswahlen, die gezeigt haben, daß die Völker Mittelamerikas ihre eigene Führung wählen und
sie nicht etwa von rechten oder linken Extremisten aufgezwungen bekommen
wollen
Die Ereignisse in Guatemala, Honduras, Costa Rica und El Salvador
zeigen, daß die wahre, in Mittelamerika stattfindende Revolution demokratischer Natur ist, in der die Menschen sich Gehör verschaffen wollen
und auch gehört werden. In Nicaragua sind jedoch einem erheblichen Teil
der Bevölkerung die bürgerlichen Rechte durch eine Minderheit aberkannt
worden und die Geißel Mittelamerikas, die Militarisierung, ist zu einem
neuen Höhepunkt gelangt.
Die Menschen der Region sind sich sehr wohl der antidemokratischen,
expansionistischen Natur der Marxisten und Leninisten in Managua bewußt.
Das zeigte sich eindeutig in Meinungsumfragen, die von "Interdisciplinary
Consultants on Development", einer in Costa Rica arbeitenden Tochter des
Meinungsforschungsinstitutes Gallup International durchgeführt wurden.
Die Erhebungen wurden 1983 und 1985 in El Salvador, Guatemala, Honduras
und Costa Rica gemacht. (Solche unabhängigen Meinungsumfragen sind in
Nicaragua verboten; auf Anordnung der sandinistischen Regierung sind Meinungsumfragen zum Staatsmonopol erklärt worden). Diese Untersuchungen
von 1983 und 1985, die sich der üblichen, von Gallup angewandten Methoden
bedienten, haben herausgefunden, daß die überwältigende Mehrheit der Befragten (1) Nicaragua fürchten, (2) Kuba als sowjetischen Agenten betrachten, (3) Nicaragua als Agenten Kubas und der Sowjetunion ansehen,
und (4) der militärischen Hilfe der Vereinigten Staaten an ihre Länder
und an die anti-sandinistische Widerstandsbewegung zustimmen. In Honduras und Costa Rica hat die militärische Anwesenheit der Vereinigten
Staaten die überwältigende Zustimmung der Befragten dieser Länder(115).
Indem sie die Ansichten ihrer Bürger berücksichtigen, haben die demokratischen Regierungen Mittelamerikas positiv auf Präsident Duartes Friedensvorschlag reagiert. Im März 1986 haben die kürzlich eingesetzten
Präsidenten von Guatemala und Honduras sowie der gewählte Präsident Costa
Ricas die nicaraguanische Regierung gebeten, mit ihrer Opposition in
einen Dialog zu treten, der eine ähnliche Gesprächsbereitschaft in El
Salvador sowie Diskussionen zwischen Nicaragua und den Vereinigten Staaten einleiten würde. In ihrer Erklärung beschreiben die drei Staatsmänner ihren Vorschlag:
Wir unterstützen

- 5 -

�Wir unterstützen den Vorschlag und sind davon überzeugt, daß es notwendig ist, gemeinsam ausgedehnte und sehr ernsthafte Anstrengungen
zu unternehmen, um die nicaraguanische Regierung zu veranlassen, die
Dringlichkeit der Eröffnung eines Dialogs anzuerkennen und somit
günstige Umstände zu schaffen, um den Frieden im Isthmus zu erreichen
und die Demokratie zu festigen(116).
Ein Austausch von Telegrammen zwischen dem nicaraguanischen Präsidenten Ortega und dem costaricanischen Präsidenten Luis Alberto Monge haben
klar die unterschiedlichen Reaktionen der kommunistischen Regierung Nicaraguas und der demokratischen Regierung Costa Ricas auf die Initiative
Duartes gezeigt. In seiner Mitteilung vom 14. März schrieb Ortega:
Ich muß der jüngsten, in Honduras am 13. März unterzeichneten Erklärung, die die Initiative Präsident Duartes unterstützt, klar und kategorisch widersprechen. Sie verwickelt seine Regierung in einen
Akt, der der Moral, dem Völkerrecht und bestehenden Verträgen zuwiderläuft und die Manipulation der Regierung von El Salvador durch
die Vereinigten Staaten fördert. Der Vorschlag Präsident Duartes
zielt auf die Einmischung in die inneren Angelegenheiten Nicaraguas
ab und wirbt um Unterstützung der für eine ausländische Macht operierenden Söldner, die versuchen, eine absurde und amoralische Verbindung zwischen dem Bürgerkrieg in unserem Bruderland El Salvador,
der von strukturellen und wirtschaftlichen Ungerechtigkeiten herrührt, herzustellen und einem Aggressionskrieg, der von der Regierung
der Vereinigten Staaten dem Volk von Nicaragua aufgezwungen und von
der internationalen Staatengemeinschaft verurteilt wird(117).
In seiner Antwort auf Ortega vom 26. März sagt Präsident Monge:
Was Ihre Ansicht betrifft, daß Costa Rica eine amoralische und illegale Handlung begangen habe, indem es Präsident Duartes Initiative
unterstützt, so möchte ich betonen, daß der Plan im Geiste der Verhandlungen der CONTADORA-Gruppe steht, das heißt, er dient dem Prozeß
der nationalen Aussöhnung in Mittelamerika. Ich verstehe, daß es für
die gegenwärtige Regierung Nicaraguas unannehmbar sein mag, sich
einem solchen Prozeß anzuschließen, aber ich kann deshalb nicht Ihre
Kriterien für die Art und Weise akzeptieren, in der Costa Rica seine
Außenpolitik

durchführen sollte und möchte aus diesem Grund diese

Kriterien energisch ablehnen und darauf hinweisen, daß wir immer
daran geglaubt haben, daß ein Dialoig das Mittel zur Lösung politischer Probleme bietet. Wir haben ferner festgestellt, daß dies
auch die Richtung sei, die El Salvador verfolgen sollte und denken
auch, daß sie genauso unverzichtbar für Nicaragua sein sollte(118).
Nicaraguas mangelnde Bereitschaft zu einer friedlichen Lösung hat
sich seit dem Einmarsch der Sandinisten in Managua 1979 nicht geändert.
In Wirklichkeit hat sich seit den Tagen Somozas, der auch in den Jahren
1978-79 eine militärische und nicht etwa politische Lösung für die Probleme seines Landes suchte, ohnehin nicht viel geändert. Aber für die
anderen Demokratien Mittelamerikas ist es der friedliche und demokratische Weg, den diese in den achtziger Jahren eingeschlagen haben.
Guatemala

�Guatemala
Guatemala ist das bevölkerungsreichste Land Mittelamerikas und dasjenige mit den günstigsten wirtschaftlichen Voraussetzungen. Ein wirtschaftlich gesundes und demokratisches Guatemala hätte einen positiven
Einfluß auf alle Länder Mittelamerikas. Am 14. Januar 1986 wurde Vinicio
Cerezo als Präsident von Guatemala eingesetzt, nach einem Wahlvorgang,
der mit den Wahlen zur verfassunggebenden Versammlung im Juli 1984 seinen
Anfang nahm. In Cerezos Wahl zum Präsidenten spiegelt sich der ganze
Wandel der guatemaltekischen Politik seit 1980 wider.
Als Führer der um Reformen bestrebten Christdemokraten wurde Cerezo
von den Militärregierungen, die Guatemala bis dahin regierten, als deren
Feind angesehen, besonders jedoch von Präsident Romero Lucas Garcia
(1978-82).

Gerade während der Amtszeit Lucas Garcias war Cerezo Ziel

dreier Mordanschläge. Cerezo war ein offener Kritiker der Menschenrechtsverletzungen und der von der Regierung geschürten Kampagne der Gewalt. Im März 1982 setzte eine Gruppe junger Offiziere Präsident Lucas
Garcia ab, bevor er die Macht an seinen Nachfolger übergeben konnte, der
die betrügerischen Wahlen "gewonnen" hatte. Diese Offiziere baten den
pensionierten General Efrain Rios Montt, eine neue Regierung zu leiten.
Er setzte eine starke und erfolgreiche Kampagne gegen Aufstände in Gang,
aber sein exzentrischer persönlicher Stil führte schließlich 1983 zu
einem militärischen Coup seitens seines Verteidigungsministers, General
Oscar Humberto Mejia Vitores. Unter der neuen Militärregierung begann
sich die politische Atmosphäre zu wandeln. Mejia arbeitete einen Zeitplan für Wahlen aus und hielt sich auch daran, wobei die Wahlen zur verfassunggebenden Versammlung im Juli 1984 den Prozeß einleiteten. Als die
Kampagne für die Präsidentschaftswahlen begann, führte Cerezo einen offenen Wahlkampf, in dem sicheren Glauben, daß das Militär die Absicht
hatte, den politischen Prozeß zu öffnen, freie und ehrliche Wahlen zu
überwachen und dann in die Kasernen zurückzukehren.
Viele Kritiker in Guatemala sagten, ein so gemäßigter Politiker wie
Cerezo würde nie gewählt werden. Sie argumentieren, daß das Land zu sehr
durch soziale und wirtschaftliche üngleichkeiten polarisiert sei, als daß
eine Lösung der Mitte erreicht werden könnte. Man glaubte allgemein, daß
Gewalt, nicht Ausgleich, weiterhin das politische Leben in Guatemala bestimmen würden, zumal bestimmte Elitegruppen der Militärs und Landbesitzer Reformisten als Kommunisten betrachteten. Die Ergebnisse der Wahlen
von 1985 zeigten, daß die Kritiker sich geirrt hatten: Die Bevölkerung
Guatemalas lehnte den Extremismus ab, als sie ihre Stimme abgab. Sie
wählte einen Mann und eine Partei, die sich der Durchführung von Reformen
zum Vorteil der Armen und der indianischen Mehrheit verschrieben hatten.
Die Zukunft der Zivilregierung und die Problem der Verwirklichung der
Demokratie in Guatemala liegen auf den Schultern von Präsident Cerezo und
seiner Regierung. Die von Cerezo in der Präsidentschaftswahl von Dezember erzielte deutliche Mehrheit bietet ihm die große Gelegenheit, ein
neues Zeitalter der guatemaltekischen Politik einzuleiten, wenn er sich
bei der Behandlung der Probleme Guatemalas erfolgreich zeigt, wird die
Demokratie möglicherweise feste Wurzeln schlagen; wenn er scheitert, wird
ihn vielleicht eine autoritäre Regierung der Rechten oder eine totali-

- 7-

�eine totalitaristische der Linken ersetzen. Die Fallen, denen sich die
neue Regierung gegenübersieht, sind tief und zahlreich. Die Schwierigkeiten, die es zu bestehen gilt, umfassen die Verbesserung der Menschenrechtssituation, ferner muß das Militär davon überzeugt werden, daß es
seine direkte politische Rolle aufgeben und die möglicherweise erneute
Guerillabewegung unter Kontrolle behalten muß. Es gilt auch, die notwendigen wirtschaftlichen und politischen Reformen durchzuführen.
Die von der Regierung Cerezo übernommene wirtschaftliche Situation
ist instabil und trägt zu einer erheblichen Bedrohung durch aufständische
Gruppen bei. Fidel Castro gewährt ihnen zwar Unterstützung, war jedoch
nie dabei erfolgreich, die verstreuten Elemente der extremen Linken in
Guatemala so zu vereinen wie in El Salvador, obwohl die guatemaltekischen
Linken ihre Einheit formell in einem Treffen mit kubanischen und sandinistischen Führern 1980 in Managua bekundeten. Sollten Castro und die
Sandinisten sich dafür entscheiden, der Guerilla in Guatemala zusätzliche
Hilfe zu gewähren, so könnte eine leistungsfähigere und vereinte Guerilla-Bewegung für die neue guatemaltekische Regierung wirklich eine ernsthafte Bedrohung darstellen. Wie gut der Präsident und andere Bereiche
der Gesellschaft zusammenarbeiten, um dieser Herausforderung zu begegnen,
wird in hohem Maße dazu beitragen, die Zukunft Mittelamerikas zu formen.

Honduras
In den letzten sechs Jahren befand sich Honduras im Vorfeld der Ereignisse in Mittelamerika. Als ein Land mit langer Geschichte der Militärherrschaft, hielt Honduras 1980 Wahlen zur verfassunggebenden Versammlung ab und führte 1981 und 1985 Präsidentschaftswahlen durch. Jose
Azcona Hoyos Nachfolge des Präsidenten Roberto Suazo Cordoba war das
erste Mal in fünfzig Jahren, daß ein gewählter Zivilist einen anderen gewählten Zivilisten im Amt des Präsidenten ablöste. Wie seine Amtskollegen in El Salvador, Guatemala und Costa Rica, sieht sich auch Präsident
Azcona einem wechselvollen Berg wirtschaftlicher und politischer Probleme
gegenüber, von denen viele auf das Konto der aggressiven und expansionistischen Politik der sandinistischen Nachbarn gehen. Honduras hat mit
Nicaragua eine gemeinsame Grenze von 508 Meilen und mit El Salvador eine
von 226 Meilen. Diese geographischen Faktoren haben Honduras zu einem
zentralen Element bei Nicaraguas Bemühungen gemacht, die Regierung El
Salvadors zu stürzen. Das Territorium von Honduras wurde seit mindestens
1980 von den Sandinisten als Transportweg für Waffen, Munition und Nachschub an die salvadorianische Guerilla benutzt.
Kuba und Nicaragua haben ferner honduranische Guerillas in Honduras
ausgebildet und bewaffnet und sie nach Honduras eingeschleust, um die
honduranische Regierung zu schwächen. Im Juli 1983 ist eine 96 Mann
starke Guerilla-Einheit in das Gebiet Olancho in Honduras eingedrungen,
um eine Operationsbasis zu errichten. Diese jungen Honduraner wurden Anfang 1981 rekrutiert, in Kuba militärisch ausgebildet und Mitte 1983 in
Nicaragua unter dem Kommando sandinistischer Offiziere in den Kampf geschickt. Die Honduraner wurden dann mit Waffen, Munition und Ausrüstung
versehen und nach Honduras zurückgeschickt, um den Guerillakrieg in ihrem
eigenen Land zu entfachen. Die Gruppe bekam praktisch keinerlei Unter-

- 8-

�keinerlei Unterstützung durch die Bewohner des Gebietes und viele Mitglieder litten bald an Hunger, den Unbilden der Witterung und Krankheiten. Das honduranische Militär fing die Gruppe ab und tötete oder verwundete die Guerillas.
Im Juli 1984 wurde eine andere Gruppe, die dieses Mal aus nur 19
ebenfalls in Kuba ausgebildeten und in Nicaragua kampferprobten Männern
bestand, in die Provinz El Paraiso eingeschleust. Wiederum reagierten
die honduranischen Sicherheitskräfte schnell und kesselten die Gruppe im
Oktober 1984 ein. Diejenigen, die desertierten oder gefangengenommen
wurden, erzählten das Gleiche wie die Olancho-Gruppe: Kuba und Nicaragua
hätten gemeinsam die Aggression gegen die honduranische Regierung unterstützt.
Bevor er sein Amt aufgab, hielt Präsident Suazo Cordoba eine Rede, in
der er auf die Leistungen seiner Administration zurückblickte. Er beschrieb den doppelbödigen Maßstab derjenigen, die Nicaragua unterstützen
und gleichzeitig behaupten, Honduras wäre zu einem "Waffenlager" der Vereinigten Staaten geworden, weil die US-Streitkräfte mit den honduranischen Truppen Übungen durchführen:
Jene, die normalerweise die Regime des gottlosen Totalitarismus lobpreisen, sagen von Honduras, es sei ein besetztes Land. Sie erwähnen
jedoch nicht, daß eines unserer Nachbarländer von Beratern aller
marxistischen Länder der Welt besetzt ist. Ich glaube, daß die ideologische Subversion zunimmt. Wir in Honduras wissen, aus welcher
Richtung sie kommen wird. Ich habe bereits an anderer stelle gesagt,
daß selbst, wenn wir genug Mittel hätten, um 100, 200 oder 300 Millionen für die Ausrüstung unserer Streitkräfte auszugeben - und wir
haben trotz allem bereits viel für deren Ausrüstung getan - wäre das
ein unbedeutender Betrag für die Ruhe und den Frieden in unserem
Land. Es ist traurig, das Land in Furcht vor dem Terror jener zu
sehen, die dem internationalen Kommunismus zustimmen(119).
Präsident Suazos Worte zeigen die Besorgnis vieler Menschen in Mittelamerika über den sich ausbreitenden Militarismus in Nicaragua. Diese
Besorgnis tritt vielleicht nirgendwo offener zutage als in Costa Rica,
dem anderen Land, das an die Sandinisten grenzt.

Costa Rica
Costa Rica schaffte seine Armee im Jahre 1948 ab und unterstellte
sich dem sicheren Schutzschirm der OAS. In den achtziger Jahren fürchtet
Costa Rica jedoch wegen der überwältigenden militärischen Überlegenheit
und aggressiven politischen Philosophie des benachbarten marxistischleninistischen Nicaragua für die Sicherheit seines Landes. Der Präsident
Costa Ricas, Luis Albert Monge, ein langjähriger erbitterter und offener
Feind Somozas, sprach für die große Mehrheit der Costaricaner, als er
1983 sagte: "In den vierzig Jahren der Herrschaft Somozas standen wir
niemals vor der gleichen Bedrohung wie in der vierjährigen Herrschaft der
Sandinisten"(120).
Aus den vier

- 9 -

�Aus den vier Jahren sind inzwischen sieben geworden und die Haltung
der Costaricaner ist noch abweisender gegenüber der Aggressivität der
Sandinisten. Mehr als 90 Prozent der in Costa Rica bei der Gallup-Umfrage im Juli 1985 Befragten gaben an, daß sie Nicaragua als die größte
militärische Bedrohung ihres Landes betrachtetet 121).
Das war nicht immer so. Im letzten Jahr der Herrschaft Somozas in
Nicaragua bewunderten die Costaricaner die jungen sandinistischen Guerillas, die gegen den verhaßten Diktator kämpften. Anfang des Jahres 1979
erlaubten die Costaricaner unter großen Risiken für ihre eigene Sicherheit, daß ihr Land als Durchgangsstation für Waffen und Nachschub der
Sandinisten in ihrem Kampf gegen Somoza benutzt wurde. Die von Panama
und Venezuela zur Verfügung gestellten Waffen gingen ganz offen über
Costa Rica an die Sandinisten und Somoza drohte sogar damit, sandinistische Unterschlüpfe in Costa Rica zu bombardieren.
Auch Castro gewährte seinen langjährigen sandinistischen Freunden Unterstützung auf dem Weg durch Costa Rica, aber nicht so offen. Mit Hilfe
korrupter costaricanischer Beamter baute Castro einen geheimen Transportweg an die Sandinisten auf. Er tat das heimlich, um eine offene Verbindung zwischen Kuba und den Sandinisten zu vermeiden, die das demokratische Bild beeinträchtigt haben würde, mit dem sich die Sandinisten im
In- und Ausland Unterstützung verschafften.
Die Umstände dieser geheimen Waffenlieferungen wurden von einer im
Juni 1980 von der costaricanischen Legislative eingesetzten Sonderkommission festgestellt, die zu jener Zeit kursierenden Gerüchten nachging,
denen zufolge sich nach dem nicaraguanischen Bürgerkrieg ein Schwarzmarkt
mit in Costa Rica zurückgelassenem Kriegsmaterial entwickelt hätte(122).
Im Verlauf dieser Untersuchungen entdeckte die Kommission das verdeckte
Nachschubnetz der Waffenlieferungen aus Kuba. Die Kommission stellte
fest, daß es mindestens 21 Flüge zwischen Kuba und kleineren Flughäfen in
Costa Rica gegeben hatte, wobei wenigstens 500 Tonnen Waffen geliefert
wurden. Rodrigo Carazo, der Präsident Costa Ricas, leugnete zunächst,
daß die Flüge stattgefunden hatten, als er am 4. November 1980 von der
Kommission befragt wurde, gab sie später jedoch zu. Am 25. März 1981
gaben fünf costaricanische Piloten offen ihre Beteiligung an den Waffenlieferungen aus Kuba zu und gaben Einzelheiten der Operationen und die
Namen costaricanischer und kubanischer Beamter an, die in die Überwachung
der geheimen Flüge verwickelt waren. Sie erinnerten sich, daß auf einem
der Flüge nach Kuba, Manuel Pineiro Losada, der Chef der amerikanischen
Abteilung der kubanischen kommunistischen Partei, gefragt habe, ob sie
bereit seien, Waffen nach El Salvador zu fliegen(123).
Nicaragua hat seine demokratischen Nachbarn fortgesetzt belästigt und
die Bestrebungen costaricanischer Kommunisten unterstützt, das Land zu
schwächen. Costa Rica ist sich heute darüber im klaren, daß es militärisch nicht in der Lage wäre, sich gegen eine Invasion aus Nicaragua zu
verteidigen, weiß aber auch, daß solch eine offene Aggression unwahrscheinlich ist, weil sie voraussichtlich eine Reaktion der Vereinigten
Staaten hervorrufen würde. Die wahre, in San Jose bestehende Besorgnis
geht dahin, daß die Sandinisten versuchen, das soziale Gefüge des Landes
zu stören, um Costa Ricas starke demokratische Tradition zu untermi-

- 10 -

�zu unterminieren. Die Regierung mußte an der Grenze zu Nicaragua wegen
wiederholter Grenzverletzungen durch die Sandinisten Posten aufstellen,
wodurch weniger Sicherheitsbeamte in San Jose und anderen Städten eingesetzt werden können. Deshalb hat die Kriminalitätsrate drastisch zugenommen, hauptsächlich im Drogenbereich. Costa Rica bleibt der Neutralität verpflichtet. Das heißt aber nicht, daß es angesichts einer Aggression passiv bleiben oder in seiner Verteidigung der Demokratie weniger
leidenschaftlich vorgehen wird. Ein nordamerikanischer Kenner Costa
Ricas mit Wohnsitz in San Jose schrieb:
Für Costa Rica bedeutet Neutralität im wesentlichen, daß die Regierung sich nicht militärisch mit oder gegen irgendeine Gruppe verbünden wird, die in einen Krieg verwickelt ist. Das heißt aber nicht,
daß Costa Rica keine politischen Bündnisse eingehen oder nicht sein
Recht zur Verteidigung seines Territoriums wahrnehmen wird. Die
costaricanische Regierung hat klar gestellt, daß sie die politischen
Ideale der Vereinigten Staten und anderer westlicher Demokratien unterstützt und daß sie auf die entwickelten Demokratien baut, wenn es
um wirtschaftliche Hilfe in seiner Wirtschaftskrise geht. Gleichzeitig verbessert die Regierung Costa Ricas ihre Verteidigungsfähigkeit, ohne jedoch die Aktivitäten als "Aufbau einer Armee" zu bezeichnet 124).
Die Costaricaner gingen am 2. Februar 1986 zu den Wahlen und wählten
Oscar Arias als Nachfolger seines Parteifreundes in der Nationalen Befreiungspartei, Monge, zum Präsidenten der am meisten gefestigten Demokratie in Mittelamerika. Diese Wahlen zeigten wieder einmal, daß Costa
Ricas Bevölkerung an die Demokratie glaubt und ihre friedliche Lebensweise beibehalten möchte. Costa Rica bleibt ein Land, das im völligen
Gegensatz zum Marxismus-Leninismus, zum militaristischen Nicaragua,
steht. Es ist vielmehr eine Demokratie mit allen Grundrechten, wo die
Herrschaft des Rechts die Oberhand über die Herrschaft der Gewehre behält.

DIE ZUKUNFT

Wir sind in der Überzeugung ans Ende dieser Untersuchung gelangt, daß
Mittelamerika zwar lebensfähig, aber auch verletzbar ist und daß es sich
die Vereinigten Staaten trotz aller möglichen bevorstehenden Krisen, die
die Aufmerksamkeit unserer Nation fordern, nicht leisten können, sich von
dieser bedrohten Region abzuwenden. Die Krise in Mittelamerika ist auch
unsere Krise.
Nationale überparteiliche Mittelamerika Kommission, Januar
1984
Mit Nicaragua

- 11 -

�Mit Nicaragua als Stützpunkt können die Sowjets und Kubaner in dem
wichtigen Korridor zwischen Nord- und Südamerika zur vorherrschenden
Macht werden. Haben sie erst einmal dort Fuß gefaßt, werden sie in der
Lage sein, den Panama-Kanal zu bedrohen, unsere lebenswichtigen Seewege
in der Karibik zu behindern und sich schließlich gegen Mexiko zu wenden.
Sollte das eintreten, würden verzweifelte Lateinamerikaner zu Millionen
nach Norden in die Städte der südlichen Vereinigten Staaten fliehen, oder
dorthin, wo es noch ein bißchen Hoffnung auf Freiheit gibt.
Präsident Ronald
Reagans Ansprache an die
Nation 16. März
1986

Mögliche Konsequenzen eines sowjetisch orientierten Mittelamerika
Die Sowjetunion, Kuba und und Nicaragua haben wirkungsvoll und unaufhörlich auf das Ziel der Errichtung zusätzlicher marxistisch-leninistischer Regime in Mittelamerika und im Karibischen Raum hingearbeitet.
Obwohl Castro in der Verbreitung von Gewalt und der Ausbeutung der Armut
berechenbarer geworden ist, bleiben seine anti-demokratischen Ziele doch
die gleichen wie in den sechziger Jahren. Er verkündete in der Verfassung von 1976 öffentlich das Recht und die Pflicht Kubas, "revolutionäre"
und "nationale Befreiungsbewegungen" zu unterstützen. Die Sowjetunion
ihrerseits hat ihre Bemühungen fortgesetzt, die Aufmerksamkeit und die
Mittel der Vereinigten Staaten von sowjetischen Herausforderungen in anderen wichtigen Teilen der Welt fernzuhalten. Die Tatsache, daß die Sowjets die Regierung der Vereinigten Staaten bei der Wirtschafts- und Militärhilfe um fast das Fünffache in der Region seit 1980 überrundet haben, ist ein Maßstab ihres Interesses. Nicaragua ist der Hauptmittler
für die Bestrebungen der Sowjets und Kubaner in Mittelamerika geworden,
die Schwachstellen der Region auszubeuten und die Stabilität zu unterhöhlen.
Wie bereits bemerkt, sind die Bedingungen, die zur mangelnden Stabilität geführt haben, nicht von der Sowjetunion oder Kuba geschaffen worden. Das seit langem nagende Ungleichgewicht der Armut, des Analphabetismus und des Mangels an repräsentativen politischen Institutionen
können die Menschen schließlich zu gewaltsamen Handlungen verleiten.
Moskau, Havanna und Managua beuten diese ursächliche Problematik aus, um
die Frustrationen des Volkes zu verschärfen. Mit dem Guerillakrieg zielen die Sowjets und ihre Klientel nicht auf eine Verbesserung der sozialen Umgebung ab, sondern sie versuchen - um alles noch schlimmer zu
machen -, das Vertrauen der Menschen in ihre Regierungen zu unterminieren. Sollte daraus ein politisches Vakuum entstehen, sind die Sowjets
bereit, an der Schaffung und Festigung marxistisch-leninistischer Regierungen mitzuwirken.
In Nicaragua beabsichtigen die Sandinisten, ihre Kontrolle zu verstärken. Sollte ihnen das gelingen, wird es wahrhaftig ein "zweites
Kuba" in der Hemisphäre geben - dieses Mal genau im Zentrum Mittelameri-

- 12 -

�Zentrum Mittelamerikas. Ein möglicher sowjetischer Stützpunkt auf dem
amerikanischen Kontinent würde zusammen mit einem Waffenlager der
Guerilla, Ausbildungsstätten und einem Sanktuarium für Terroristen eine
größere Gefahr für die Sicherheit der Hemisphäre darstellen als die relativ abgelegene Insel Kuba. Vor dem Hintergrund des selbstauferlegten
Einsatzes für den "revolutionären Internationalismus" würden die
Comandantes zweifellos ihre Bemühungen intensivieren, gleichgesinnte
Guerillas in El Salvador und in anderen Ländern Mittelamerikas an die
Macht zu bringen. Die Unterstützung der sandinisten für subversive Elemente ist bereits eine Quelle der großen Besorgnis für die Nachbarn Nicaraguas. Die Nationale überparteiliche Kommission des Präsidenten bemerkte in ihrem Bericht von Januar 1984:
Die Konsolidierung eines marxistisch-leninistischen Regimes in
Managua würde von dessen Nachbarn als permanente Bedrohung ihrer
Sicherheit betrachtet werden. Wegen ihrer Verschlossenheit würde die
Existenz einer politischen Ordnung nach kubanischem Modell eine große
Schwierigkeit darstellen, wenn es darum geht, irgendeine Verpflichtung der Sandinisten, sich von der Unterstützung des Aufstandes und
der Subversion in anderen Ländern abzuwenden, zu diskutieren, zu erfüllen oder zu verifizieren. In diesem Sinne würde die Entwicklung
eines offenen politischen Systems in Nicaragua, mit freier Presse und
aktiver Opposition, eine wichtige Sicherheitsgarantie für die anderen
Länder der Region darstellen und ein Schlüsselelement in jedwedem
verhandelten Abkommen bilden(125).
Wenn es den Sandinisten gelingt, eine solche Verhandlungslösung zu
vermeiden und wenn sie in der Lage sind, ihre militarisierte und expansionistisch orientierte Regierung zu konsolidieren, hätte das Konsequenzen über Nicaragua hinaus. Die daraus folgende Fähigkeit der Sowjetunion, ihren Einfluß in der Region auszudehnen, könnte die Vereinigten
Staten dazu veranlassen, ihre globalen Prioritäten neu zu überdenken.
Zum Schutz ihrer Sicherheit und ihres wirtschaftlichen Wohlergehens könnten die Vereinigten Staaten gezwungen sein, militärische Streitkräfte näher zu ihrem Land zu verlegen, zusätzliche Streitkräfte aufzustellen und
somit ihren Verteidigungshaushalt stärker zu strapazieren. Sollte eine
Reihe von Regierungen wie die der Sandinisten an die Macht kommen - kommunistische Diktaturen, die durch militärische Streitkräfte und sowjetisch-kubanische Unterstützung an der Macht gehalten werden -, würden die
Vereinigten Staaten sich wahrscheinlich einer Flut von politischen
Flüchtlingen gegenübersehen. Millionen von Menschen sind aus den kommunistischen Polizeistaaten geflohen, die seit dem zweiten Weltkrieg entstanden sind. Die Regime Osteuropas, Kubas, Vietnams, Xthiopiens, Afghanistans und jetzt Nicaraguas haben diese menschlichen Tragödien hervorgebracht. Diese Menschen haben die großen Härten eines Lebens als
Flüchtlinge vorgezogen, um den Verletzungen der Menschenrechte und der
Unterdrückung ihrer Freiheit zu entgehen, die für marxistisch-leninistische Regierungen charakteristisch sind. Ein Flüchtlingsstrom von Millionen von Menschen in die Vereinigten Staaten - in einem sowjetisch
orientierten Mittelamerika mit daraus folgendem Druck auf Mexiko eine
vorhersehbare Größe - könnte die Reserven des Südens und Südwestens der
Vereinigten Staaten stark strapazieren.
Der CONTADORA-ProzeB

- 13 -

�Der CONTADORA-P rozeß
Das naheliegendste Mittel zur Verhinderung einer solchen Krise und
zur Verbesserung der Sicherheit Mittelamerikas und der Vereinigten Staaten ist der CONTADORA-Prozeß, in dessen Rahmen Kolumbien, Mexiko, Panama
und Venezuela versuchen, zu einer friedlichen Lösung zu finden. Grundthese der CONTADORA-Gruppe ist - so wird es in dem 21-Punkte-Dokument
ihrer Zielsetzungen vom September 1983 erläutert -, daß ein dauerhafter
Frieden in der Region nur dadurch erreicht werden kann, daß man sich den
eigentlichen Ursachen des Konfliktes zuwendet. In diesem Dokument verpflichten sich die Beteiligten zu Verhandlungszielen politischer, wirtschaftlicher und sicherheitspolitischer Natur, die in einem endgültigen
Vertrag ihren Niederschlag finden sollen(126).
Im Sicherheitsbereich fordert dieses Dokument der Zielsetzungen verifizierbare Schritte zur Beendigung der Unterstützung einer Subversion von
außen, Verringerungen bei der Anzahl ausländischer Militär- und Sicherheitsberater, Einstellung des illegalen Waffentransports und Kontrolle
bei Waffen- und Truppenumfang. Es betont die Notwendigkeit verstärkter
regionaler Zusammenarbeit bei sozialen und wirtschaftlichen Fragen und
bei der Flüchtlingshilfe. Demokratisierung, nationale Wiederversöhnung
und Achtung der Menschenrechte waren zentrale Elemente der politischen
Zielsetzungen, die zur Errichtung demokratischer, repräsentativer und
pluralistischer Systeme in der gesamten Region auffordern, um so gerechte
und regelmäßige Wahlen zu ermöglichen.
Die Ziele der CONTADORA-Gruppe stehen im Einklang mit der amerikanischen Politik gegenüber Nicaragua, die ein Ende der Aufrüstung, die Beseitigung sowjetischen, kubanischen und anderen ausländischen Militärpersonals, eine Beendigung der sandinistischen Unterstützung des Aufstandes in El Salvador und in anderen Staaten sowie die Förderung des politischen Pluralismus fordert, wie er im Einklang mit den Versprechungen
der sandinisten stünde, die diese der OAS gegenüber zum Zeitpunkt der Revolution im Jahr 1979 abgegeben hatten. Der CONTADORA-Prozeß will eine
friedliche Lösung für die Unruhen in Mittelamerika finden, indem er ein
Forum für sinnvolle Verhandlungen zwischen allen Parteien schafft.
Es ist außerdem klar, daß Nicaragua den CONTADORA-Prozeß "wegen dessen internationalem propagandistischem Wert" ausgenutzt hat, wie es Präsident Arias von Costa Rica formulierte. Zu den CONTADORA-Friedensgesprächen vom 5.-9. April schrieb Arias am 9. April 1986 weiter:
In Panama wurde die wahre Lage ganz deutlich, zwölf lateinamerikanische Außenminister, darunter die Außenminister der vier mittelamerikanischen Staaten, unterstützten die sofortige Unterzeichnung
der (CONTADORA-)Akte in Obereinstimmung mit der internationalen Meinung. Nur Nicaragua opponierte und demonstrierte damit erneut, daß
es weder eine wahres Interesse an Frieden in Mittelamerika, noch den
Willen dazu hat(127).
Die Vereinigten Staaten ermutigen zu einem direkten Dialog zwischen
den Sandinisten und ihrer bewaffneten Opposition, die durch die UNO repräsentiert wird. Bislang haben die Sandinisten wiederholt eine jede

- 14 -

�eine jede solche Diskussion abgelehnt, obgleich sie Verhandlungen mit den
Vereinigten Staaten fordern. Die Regierung der Vereinigten Staaten
glaubt jedoch nicht, daß sie das Recht hat, einseitig über das Schicksal
des nicaraguanischen Volkes zu entscheiden. Es ist dies eine Angelegenheit, die unter Nicaraguanern selbst entschieden werden muß. Die sandinistische Weigerung, mit ihrer Opposition zu reden, steht in deutlichem
Widerspruch zu Präsident Duartes wiederholten Angeboten an die Aufständischen in El Salvador.

Ein wachsender Konsens
In den Vereinigten Staaten wächst der Konsens darüber, daß die Sowjetunion in Mittelamerika keine marxistisch-leninistischen Staaten oder
Militärbasen entwickeln dürfe und daß die Region nicht als Sprungbrett
für Terroristen dienen sollte. Dies wurde einstimmig sogar von Kongreßmitgliedern zum Ausdruck gebracht, die sich der Politik der Administration widersetzen. Zudem gibt es derzeit wenig Sympathie für die Sandinisten, die ihre "wahren politischen Farben" gezeigt haben, wie es die
New York Times im Oktober 1985 formuliertet 128). Die Sandinisten werden
jetzt von objektiven Beobachtern als das gesehen, was sie immer waren aggressive Kommunisten, die beabsichtigen, ihre unterdrückerische Regierungsform mit Waffengewalt in andere Länder Südamerikas zu exportieren.
Dieser wachsende Konsens könnte zur Triebfeder einer wirksamen überparteilichen Politik in dieser Region werden, einer Politik, die sich dazu
verpflichtet, ihren nationalen Willen und ihre nationalen Ressourcen ins
Spiel zu bringen. Es wäre kostengünstiger, dieser Verpflichtung jetzt
nachzukommen, als sie aufzuschieben und später aufgrund einer noch größeren Bedrohung der Sicherheit durch verstärkte sowjetische Präsenz vor
noch schwierigeren Alternativen zu stehen.
Die Vereinigten Staaten haben sowohl das moralische, wie auch das
strategische Interesse an der Entwicklung repräsentativer Demokratien in
dieser Region und an einem Stillstand der Ausbreitung des Kommunismus.
Sollte es den Sandinisten gelingen, ein von den Sowjets unterstütztes,
totalitäres und expansionistisches Regime in Nicaragua zu konsolidieren,
so wäre es unwahrscheinlich, daß es in Mittelamerika zu Frieden und Demokratie kommen kann. Die Sandinisten haben einen Polizeistaat hervorgebracht, der von der Sowjetunion bewaffnet und von Kuba ausgebildet und
durch ein gewaltiges Ausmaß an Einschüchterung des nicaraguanischen Volkes an der Macht gehalten wird. Der in den vergangenen Jahren in der Region erzielte Fortschritt wird gefährdet, wenn die nicaraguanische, kubanische und von der Sowjetunion geförderte Aggression gegen die Demokratien Mittelamerikas ungehindert andauert. Die Sowjetunion hat große Investitionen vorgenommen und hofft auf strategische und politische Zinsen.
Kuba bleibt auch weiterhin der Hauptstellvertreter der Sowjets, aber die
Bedrohung der Stabilität der westlichen Hemisphäre ist durch den Zugang
Nicaraguas zum sowjetischen Lager noch verstärkt worden. Die Sandinisten
spielen eine entscheidende Rolle bei den Bemühungen zur Ausdehnung des
sowjetischen Einflusses in ganz Mittelamerika.
Präsident Reagan lenkte die Aufmerksamkeit am 13. März 1986 auf diese
Tatsache, als er eine Ausstellung erbeuteter Waffen und Dokumente eröff-

- 15 -

�Dokumente eröffnete, die die Unterstützung Kubas und Nicaraguas für subversive Elemente in Mittelamerika demonstrierte. Der Präsident illustrierte den systematischen Charakter dieses von Nicaragua aus gespannten
Netzes, als er sagte:
Man braucht keiner bestimmten Partei anzugehören oder über geheime
Informationen zu verfügen, um zu sehen, was in Mittelamerika geschieht. Klar ist: nicaraguanische Kommunisten benützen ihr Land als
Aufmarschgebiet für eine Aggression gegen ihre Nachbarn, während sie
ihr eigenes Volk total unterdrücken. Ihre Kampagne der internen Unterdrückung und der externen Aggression wird unterstützt und ermutigt
durch die Sowjetunion, Kuba, Ostdeutschland, Bulgarien, Iran,
Vietnam, Libyen und andere radikale Staaten, Bewegungen und Organisationen 129).
Die Sowjetunion und ihre Verbündeten bilden in der Tat eine gewaltige
Herausforderung der Demokratie in Mittelamerika. Wenn es ihnen gelingt,
die Instabilität zu schüren und womöglich weitere kommunistische Regierungen in der Region zu schaffen, dann werden die Folgen für die Vereinigten Staaten von tiefgreifender Natur sein. Ober Jahre hinweg wurde
Mittelamerika als ein Gebiet angesehen, das relativ immun gegenüber den
Problemen zu sein schien, die mit dem Ost-West-Gegensatz zusammenhängen.
Fidel Castros Übergang in das sowjetische Lager in den sechziger Jahren
änderte jedoch die Gleichung der Ost-West-Beziehungen und hat Moskau das
Mittel an die Hand gegeben, eine Strategie zu verwirklichen, deren Absicht es ist, für die Vereinigten Staaten entlang deren südlichen Flanken
Unruhe zu stiften. Dieser Strategie darf kein Erfolg beschieden sein.
Die Vereinigten Staaten müssen ihren nationalen Willen und ihre nationalen Ressourcen ins Spiel bringen, um die demokratischen Staaten Mittelamerikas in die Lage zu versetzen, den von ihren Völkern gewählten Weg
weiterzugehen. Durch eine solche Verpflichtung werden die Vereinigten
Staaten der Herausforderung an die Demokratie begegnen und ihre eigene
Sicherheit erhöhen.

FUSSNOTEN

107. U.S. Department of S t a t e : "The Situation in El Salvador", 1. April
1986, S. 5. Dieser Bericht wurde dem Kongreß von der Regierung gemäß der
Verpflichtung vorgelegt, diesem über F o r t s c h r i t t e bei der Demokratisierung El Salvadors Bericht zu e r s t a t t e n .
108. Ibid.
109. Ibid.
110. Radio Acan, Panama City, 30. Januar 1981. zitiert in Kerry Ptacek:
"Misconceptions About the Role of the Church" in: "Crisis and Opportunity: U.S. Policy in Central America and the Caribbean", Mark Falcoff und

-

16 -

�Mark Falcoff und Robert Royal, Hrsg. (Washington, D.C.: E t h i c s and P u b l i c
P o l i c y C e n t e r , 1984), S . 2 6 6 .
111. Ibid.
112. National Catholic Register, 14. Juni 1981.
113. Orientacion, San Salvador, 8. Dezember 1981.
114. Dieser Hirtenbrief beschäftigte sich mit der Möglichkeit effektiver
Verhandlungen. Der Brief war von allen Bischöfen El Salvadors unterzeichnet und wurde am 8. August 1985 veröffentlicht.
115. Wegen der Resultate der Umfrage von 1983 siehe "La Nacion Internacional", San Jose, Costa Rica, 20.-24. November 1983. Wegen der Resultate der Umfrage von 1985 siehe "Congressional Record", No. 16, 20.
Februar 1986.
116. U.S. Department of State: "The Situation in El Salvador", S. 12.
117. Ibid.
118. Ibid.
119. "Foreign Broadcast Information Service" (FBIS), Lateinamerika, 22.
Januar 1986, S. 11-12.
120. Georgie Anne Geyer: "Taking the Sandinistas at their Word", Wall
Street Journal, 23. August 1985.
121. Meinungsumfrage, "Congressional Record", No. 16, 20. Februar 1986.
122. Die costaricanische Legislativkommission veröffentlichte ihren Bericht am 14. Mai 1981, wie vom "Foreign Broadcast Information Service"
(FBIS) am 2. Juni 1981 berichtet. Siehe auch New York Times: "Arms
Scandal is Charged in Costa Rica", 21. Mai 1981.
123. Ibid.
124. Jennie K. Lincoln: "Neutrality Costa Rican Style", Current History,
März 1985, S. 136.
125. "Report of the National Bipartisan Commission on Central America",
erstellt für den Präsidenten. Henry A. Kissinger, Vorsitzender.
(Washington, D.C.: U.S. Government Printing Office, Januar 1984), s. 114.
126. United Nations Document S/16041, 18. Oktober 1983.
127. Oscar Arias: "Nicaragua Fears Democracy", La Nacion, San Jose, Costa
Rica, 9. April 1986.
128. "Nicaragua Bares the Nightstick", New York Times, 18. Oktober 1985.
129. "Weekly Compilation

- 17 -

�129. "Weekly Compilation of Presidential Documents", 17. März 1986.
Office of the Federal Register, National Archives and Records Service,
General Services Administration.

* * * * *

- 18 -

�AMERIKA DIENST
VON

Wissenschaft und Technik

&amp;

1. Oktober 1986

32

NEUE ENTWICKLUNGEN AN DER AIDS-FRONT
Hoffnung auf therapeutische Möglichkeiten -

WASHINGTON - (AD) - Nicht Heilung, aber wenigstens eine Möglichkeit zur Therapie bestimmter Erkrankungen, die nach AIDS-Infektionen
auftreten, verspricht vielleicht das
Medikament AZT (Azidothymidin). Jedenfalls lassen die Ergebnisse der
beiden ersten Doppelblindstudien mit
AZT hoffen, daß das Leben von AIDSPatienten
länger
erhalten
werden
kann, als dies unter den bisherigen
Gegebenheiten möglich ist.

An

der erworbenen

Immunschwäche

United States Information Service
Embassy of the United States of America

AIDS, die durch die Infektion mit
HTLV-III-Viren (neuerdings auch als
HIV-Viren bezeichnet) in Gang gesetzt
wird, starben allein in den Vereinigten Staaten in den letzten sechs Jahren mindestens 12 000 Menschen. Das
sind etwa 50 Prozent der erkrankten
Personen.
Da durch die Infektion
wichtige Komponenten für Abwehrreaktionen des Immunsystems wie z.B. die
thymusabängigen
T-Zellen
zerstört
werden, haben Krankheitserreger und
bestimmte
Arten
von
Tumorzellen
leichtes Spiel. So kommt es, daß eine normalerweise seltene Krebsart wie

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�das Kaposi-Sarkom (eine schmerzhafte
Geschwulstkrankheit der Haut mit Metastasenbildung in inneren Organen)
für ca. 20 Prozent, eine durch Protozoen verursachte Form von Lungenentzündung ("Pneumocystis carinii") sogar für mehr als 50 Prozent der
AIDS-Todesfälle verantwortlich ist.
Auch Hirn-Toxoplasmose nimmt unter
AIDS-Kranken erschreckende Ausmaße an.
Seit Februar 1986 liefen in den
USA klinische Tests mit dem experimentellen Wirkstoffen AZT im Rahmen
einer Studie, die im Dezember abgeschlossen werden sollte.
Etwa die
Hälfte der 282, unter dem Gesichtspunkt bestimmter Begleiterkrankungen
sorgfältig ausgewählten AIDS-Patienten erhielt ein Placebo-Präparat.
Die tatsächliche Verteilung kannten
weder die Patienten noch ihre Xrzte,
sondern nur einige Wissenschaftler in
der Herstellerfirma Burroughs-Wellcome Co. Die aus den beteiligten Kliniken im Land eingehenden Zwischenberichte führten jetzt zu einem ungewöhnlichen Schritt: Mitte September
wurde die Studie vorläufig gestoppt,
um der mit dem Placebo-Präparat versorgten Kontrollgruppe ebenfalls die
Möglichkeit zu einer Therapie zu geben. Es hatte sich nämlich gezeigt,
daß in dieser aus 137 Patienten bestehenden Gruppe 16 Personen während
der letzten sieben Monate verstarben,
während bei der 145 Personen starken
Gruppe der Versuchspatienten für AZT
nur ein einziger Todesfall zu verzeichnen war.
Angesichts dieses krassen Unterschiedes sei es, wie Dr. Robert
Windom
vom amerikanischen Gesundheitsministerium auf einer Pressekonferenz in Washington erklärte, nicht
zu verantworten gewesen, der Placebo-Gruppe AZT länger vorzuenthalten.
Aufgrund der bisherigen Ergebnisse
der Studie habe er die Bundesbehörde
- 2

für Nahrungs- und Arzneimittel (FDA Food and Drug Administration) ersucht, das Zulassungsverfahren für
AZT zu beschleunigen, um das Präparat
Tausenden
anderer
AIDS-Patienten
ebenfalls zugänglich zu machen. Allerdings müßten diese nach bestimmten
Kriterien in bezug auf Begleiterkrankungen ausgewählt werden. Denn nicht
bei allen Symptomen einer AIDS-Erkrankung sei nach bisherigen Erfahrungen das Präparat wirksam. Es solle zunächst nur solchen Patienten
verabreicht werden, die in den letzten drei Monaten vor Beginn der Behandlung an Lungenentzündung des Typs
Pneumocystis carinii erkrankten.
Diese Patienten hatten auch die
Hauptgruppe für die klinische Studie
vom Februar dieses Jahres gebildet.
Unter AZT-Medikation kam es bei ihnen
weniger häufig zu den AIDS-typischen
Zusatzinfektionen. Sie nahmen wieder
an Gewicht zu, und die zahl der TZellen im Blut stieg sogar langsam
wieder an. Dies wird darauf zurückgeführt, daß der Wirkstoff AZT den
Mechanismus zur Vermehrung von AIDSViren in den T-Zellen, der deren Zerstörung und damit den Zusammenbruch
des Immunsystems verursacht, zu blokkieren vermag.
Dr. Windom machte jedoch deutlich, daß es noch zahlreiche Ungewißheiten gebe. So wisse man noch viel
zu wenig über mögliche toxische Wirkungen von AZT. Beispielsweise habe
man bei der ersten Studie an 19 Personen beobachtet, daß bei hoher Dosierung offenbar die Bildung weißer
und roter Blutzellen beeinträchtigt
werde.
Langzeitbeobachtungen seien
ohnehin noch nicht möglich gewesen.
Und: "Wir wollen den Tausenden von
Menschen, die an AIDS erkrankt sind,
nicht zu viel versprechen."
Aus den Resultaten der jetzt ge-

�stoppten Doppelblindstudie
ergäben
sich, wie Windom weiter erklärt, keine Anhaltspunkte dafür, ob sich AZT
auch zu einer Behandlung von Kindern,
von Patienten mit Kaposi-Sarkom oder
mit symptomfreien Infektionen bzw.
solchen unklarer Symptomatik eigne.
Andererseits sei der Wirkstoff anscheinend in der Lage, die BlutHirn-Schranke zu überwinden. Das wäre ein ganz wichtiger Schritt, um einer Enzephalopathie als Folge einer
AIDS-Virus-Infektion vorzubeugen.
Den Wirkstoff AZT gibt es schon
seit 1964. Er war damals von Jerome
Horwitz, einem jungen Chemiker in
Detroit, auf der Suche nach neuen
Mitteln zur Krebsbekämpfung entwikkelt worden. Für diesen Zweck erwies
er sich jedoch als nutzlos und geriet
in Vergessenheit. Erst 20 Jahre später begannen sich Wissenschaftler der
Arzneimittelfirma
Burroughs-Wellcome
wieder damit zu befassen, als sie
sich um die Entwicklung von Präparaten gegen Virusinfektionen bemühten.

sind, sie an sich ebenfalls auszuprobieren. Der Verlauf bzw. die Ergebnisse sollen dann wissenschaftlich
ausgewertet werden.
Aus
dem
Nationalen
Krebsforschungsinstitut der USA (Bethesda,
Maryland) wurde bekannt, daß man dort
eine Variante des AIDS-Virus entwikkelt habe, die nicht zu den katastrophalen Folgen nach einer Infektion
führe wie bei einer HIV-Infektion und
vielleicht helfen könne, eine geeignete Therapie oder einen Impfstoff zu
finden. zwar habe die gentechnisch
abgeschwächte Variante keinen Einfluß
auf das HIV-Virus und könne es nicht
zerstören. Aber sie könne mit ihm
insofern in Konkurrenz treten, als
sie die gleichen Zellen des Immun-Systems aufsuche, ohne jedoch deren Absterben zu bewirken. Allerdings sei
es zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch
viel zu früh, um etwas über mögliche
negative Auswirkungen des veränderten
AIDS-Virus aussagen zu können. Zunächst einmal müßten die Ergebnisse
der Tierversuche abgewartet werden.

Wie kürzlich Dr. Cory SerVaas,
die
medizinische
Direktorin
der
"Benjamin Franklin Society" auf einer
Pressekonferenz berichtete, scheine
nach den Erfahrungen mancher Srzte
die Aminosäure Lysin eine gewisse infektionsverhütende Wirkung nicht nur
gegen Herpes-Viren, sondern auch gegen AIDS-Viren zu haben. In der Kombination mit
zwei verschreibungspflichtigen Medikamenten, die als
"Tagamet" und "Acyclovir" auf dem
amerikanischen Markt sind, eigne sich
Lysin sogar zur Therapie von AIDS-Infektionen.
Zwei an AIDS erkrankte
Srzte hätten an sich selbst eine ganz
bemerkenswerte Besserung ihres Zustandes
erfahren.
Die
"Benjamin
Franklin Society" stellt gegenwärtig
Listen von Personen zusammen, die an
der von diesen Ärzten erprobten Behandlung
interessiert
und
bereit
- 3 -

�</text>
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          <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;Zusammentreffen Reagan-Gorbatschow bereitet den Weg zum Gipfel&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Äußerungen Präsident Reagans&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;Botschafter Burt würdigt Verdienste von Care&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Ansprache zum vierzigsten Jahrestag&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;Weinberger: SDI steht für Reagan nicht zur Disposition&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede vor dem Zentrum für Ethik und Öffentliche Politik&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;Barry lobt KVAE-Übereinkunft&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Botschafter Barry in London&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;Die Herausforderung an die Demokratie in Mittelamerika&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Dokumentation in vier Teilen - Teil IV&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;Neue Entwicklungen an der AIDS-Front&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Hoffnung auf therapeutische Möglichkeiten&lt;/em&gt;</text>
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