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                    <text>AMERIKA DIENST

2 2 . A p r i l 1907

I N H A L T

DOKUMENTATION
Reagan: Shultz-Besuch ein Beitrag zur Förderung des amerikanischsowjetischen Dialogs
- Erklärung des Präsidenten zu Shultz-Gesprächen in Moskau -

Shultz: "Ziemliche Fortschritte" bei INF erzielt
- Pressekonferenz des amerikanischen Außenministers in Moskau

Shultz; Die Verbündeten werden die sowjetischen Abrüstungsvorschläge sorgfältig abwägen
- Erklärung des Außenministers zu den Gesprächen in Moskau -

WIRTSCHAFT
WeiBes Haus legt Gründe für Handelsbeschränkungen gegen Japan dar
- Faktenübersicht zur Erhebung von Zöllen -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Pläne für Raumstation revidiert

* * * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�AMERIKA DIENST
'Sw^

Dokumentation
22. April 1987

15

REAGAN:

SHULTZ-BESUCH EIN BEITRAG ZUR FORDERUNG DES
AMERIKANISCH-SOWJETISCHEN DIALOGS

- Erklärung des Präsidenten zu Shultz-Gesprächen in Moskau -

SANTA BARBARA - (AD) - Präsident Reagan erklärte am 16. April 1987 auf
seiner Ranch bei Santa Barbara, bei den Gesprächen von Außenminister shultz in
Moskau, die "sehr zur Förderung des Dialogs zwischen unseren Ländern auf einer
Reihe von Gebieten beigetragen haben", seien "wichtige Fortschritte bei der
Rüstungskontrolle" erzielt worden.
Die Erklärung des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:

Ich habe soeben von Außenminister
Shultz einen vollständigen
Bericht
über seine Gespräche in Moskau und
die Konsultationen mit unseren Verbündeten erhalten. Und wie das normalerweise bei ihm der Fall ist, hat
George unsere Positionen in Moskau
mit Festigkeit und großer Geschicklichkeit vertreten. Es ist mir klar,
daß der Besuch sehr hilfreich bei der
Förderung des Dialogs zwischen unseren Ländern auf .iner Reihe von Gebieten war - Menschenrechte, bilaterale Beziehungen, regionale Probleme
und Rüstungskontrolle.

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Die Kontakte des Außenministers
mit
auseinandergerissenen
Familien,
religiösen Gruppen und Privatpersonen
waren
eine öffentliche Anerkennung
für den Mut derjenigen, die in der
Sowjetunion
für die Menschenrechte
kämpfen. Er verdeutlichte dem ersten
Politiker
der
Sowjetunion,
daß
Selbstbestimmung für Afghanistan und
ein sowjetischer Truppenabzug grundlegende Voraussetzungen für den Frieden sind. Wichtige Fortschritte hat
es bei der Rüstungskontrolle gegeben.
Bei den Mittelstreckenraketen haben

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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�wir den Abstand zwischen uns etwas
verringert.
Nach weiteren Konsultationen mit unseren Verbündeten werden
wir vielleicht neue Ideen anzubieten
haben.
Was ein Abkommen noch in diesem
Jahr angeht, so bleibe ich optimistisch.
Es gab Bewegung bei den Gesprächen über Atomwaffentests und dem
Verbot chemischer Waffen. Beim Abbau
des
strategischen
Potentials
und
Weltraumverteidigung
waren die Gespräche
detailliert
und
nützlich.
Sie werden an Intensität noch zunehmen.
Nach
meiner
Rückkehr
nach
Washington werde ich mit beiden Parteien des Kongresses zusammentreffen,
um den in dieser Woche erzielten
Fortschritt einer Überprüfung zu unterziehen, ich hoffe, daß der gegenwärtig
stattfindende Prozeß weiter
fortschreitet und daß Herr Gorbatschow und ich im Rahmen eines Gipfeltreffens ein historisches Abkommen
für
die
Ost-West-Beziehungen
abschließen können. Und in diesem Zusammenhang werde ich persönlich unsere NATO-Verbündeten zu den weiteren
Verhandlungen und Plänen konsultieren.
Ich möchte noch einmal sagen, daß
ich dem Außenminister sehr dankbar
bin.

Nach Abgabe seiner Erklärung beantwortete der Präsidente einige Fragen anwesender Journalisten:
Frage:
Möchten
Sie
unbedingt
ein
Gipfeltreffen
noch
in
diesem
Jahr, Herr Präsident, unabhängig davon, ob ein Abkommen über INF unterschriftsreif ist?

ein

Präsident:
Ich hoffe,
Gipfeltreffen abhalten

daß wir
können.

Es muß jedoch sorgfältig geplant und
vorbereitet sein und es muß etwas geben, das wir dabei erreichen können.
Frage:
Muß ein Rüstungsabkommen dabei auf dem Tisch liegen?
Präsident:
Es muß einige substantielle Vereinbarungen geben, die
es wert sind, ein Gipfeltreffen abzuhalten.
Frage:
Herr
Präsident,
haben
Sie gerade angedeutet, daß es kein
weiteres Gipfeltreffen geben wird,
außer, wenn eine Vereinbarung über
irgendeine Form der Rüstungskontrolle
praktisch feststeht?
Präsident:
Nein, ich sage nur,
daß es sorgfältig vorbereitet werden
muß und daß Aussichten auf substantielle Vereinbarungen bestehen sollten.

�AMERIKA DIENST
VON

Dokumentation

&amp;

22. April 1987

15

SHULTZ:

"ZIEMLICHE FORTSCHRITTE" BEI INF ERZIELT

Pressekonferenz des amerikanischen Außenministers in Moskau

BONN - (AD) - In einer Pressekonferenz nach seinen besprächen mit sowjetischen Politikern hat Außenminister shultz am 15. April 1987 in Moskau erklärt, daß in der Frage der INF-Verhandlungen "ziemliche Fortschritte" erzielt
worden seien.
Nachfolgend bringen wir die Pressekonferenz des Außenministers im Wortlaut:

SHULTZ: Ich hatte drei volle und
produktive Arbeitstage hier in der
Sowjetunion, und ich möchte meinen
Gastgebern für ihre Gastfreundschaft
danken. unmittelbar nach meiner Ankunft traf ich bereits Außenminister
Schewardnadse.
nie Treffen mit ihm
dauerten den ganzen Montag über an.
Ich hatte das große Privileg, am Montag abend in der Residenz des amerikanischen Botschafters an einem seder
teilzunehmen. Danach standen weitere
Verhandlungen mit Herrn Schewardnadse
auf dem Programm.

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Am Dienstag hatte ich ein besonders interessantes Gespräch mit Ministerpräsident Ryschkow, bei dem wir
vornehmlich Wirtschaftsfragen behandelten. Am Nachmittag fand dann ein
langes Gespräch mit Generalsekretär
Gorbatschow statt, innerhalb dessen
wir ein breites Spektrum von Themengebieten diskutierten und wir meiner
Ansicht nach bei einigen wichtigen
Fragen Fortschritte erzielten.
Außenminister
Schewardnadse
und
ich
trafen
uns dann
nochmals
gestern
abend. nnsere Gespräche konzentrierten sich dabei auf regionale Probleme.

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Heute morgen hatte ich die Ehre,
eine außergewöhnliche orthodoxe Kirche in Peredelkino zu besuchen und
kurz an einer Messe in Zusammenhang
mit der Karwoche teilzunehmen.
Außerdem hatte
ich Gelegenheit, das
Grab
des
Schriftstellers
Boris
Pasternak zu besuchen und, dank der
Gastfreundschaft von Frau Bogoslawskaja, eine zweistündige
Diskussion
mit sechs Einzelpersonen - Dichtern,
Schriftstellern und einem Bildhauer zu führen.
Für mich war dies eine
besonders interessante Diskussion, da
sie der Konzeption von Glasnost einen
realen Rahmen verlieh.
Heute nachmittag hielten wir dann noch einige
letzte Treffen allgemeiner Natur mit
Außenminister
Schewardnadse ab und
beendeten unsere Gespräche mit der
Unterzeichnung einer ... (unverständlich, anderen Informationen zufolqe
handelte es sich dabei um die Unterzeichnung
"einer Vereinbarung über
die Zusammenarbeit
bei der Erforschung und Nutzung des Weltraums zu
friedlichen Zwecken") Diese Übereinkunft war schon vor einigen Monaten
ausgearbeitet worden, und wir haben
die Gelegenheit dieser Treffen benutzt, um sie zu unterzeichnen.
Im
Verlauf
dieser
Treffen
haben
wir
praktisch alle Fraqen und möglichen
Chancen angesprochen, mit denen sich
unsere beiden Länder konfrontiert sehen. Wir haben die besorgniserregenden nachrichtendienstlichen Probleme
besprochen, die unlängst so viel öffentliche Aufmerksamkeit erregt haben
und die uns sehr stark beschäftigen,
was ich auch ausgedrückt habe. Wie
ich schon sagte, hatte ich einige gute Gespräche über Wirtschaftsfragen
und das neue Denken, über das ich informiert
wurde.
Perestroika
(Umstrukturierung) ist, glaube ich, das
Wort dafür.
Unsere

Gespräche

über

viele

der
- 2

bilateralen Fragen verliefen im Großen und Ganzen recht erfolgreich.
Ich hatte gute und lebhafte Gespräche über Themen in Zusammenhang
mit den Menschenrechten.
und natürlich ergab sich eine weitere Gelegenheit, eine Reihe von Leuten zu treffen, die in dieser Hinsicht auf die
eine oder andere Weise unmittelbar
von der sowjetischen Politik betroffen sind.
Ich war erfreut, heute
nachmittag
von Herrn
Schewardnadse
Informationen
über eine Reihe von
Fällen zu erhalten, die positiv gelöst wurden.
Wir haben über regionale Probleme
gesprochen, wie ich schon erwähnte,
sowie natürlich über eine Reihe von
Fragen in Verbindung mit Rüstungskontrolle.
Lassen Sie mich kurz rekapitulieren, wo wir im Hinblick auf die wichtigsten Fragen der Rüstungskontrolle
heute stehen. zunächst zum Thema der
INF-Verhandlungen, was von den Sowjets als Raketen mittlerer Reichweite betrachtet wird.
Meiner Meinung
nach haben wir ziemliche Fortschritte
erzielt und vielleicht können wir mit
einigen noch vor uns liegenden harten
Verhandlungen Aussichten für die Zukunft feststellen, Aussichten auf einen nahen Abschluß eines Abkommens in
diesem Bereich
Die Grundstruktur dieser Vereinbarung würde zunächst in der Formel
von Reykjavik bestehen, wonach je 100
Gefechtsköpfe auf Mittelstreckenraketen längerer Reichweite auf sowjetischer Seite in Asien und auf amerikanischer Seite in den Vereinigten
Staaten
stationiert
würden.
Ich
sollte sagen, daß wir weiterhin die
völlige Abschaffung dieser Waffen befürworten.
Wenn jedoch die sowjetische Seite darauf nicht eingeht, so

�werden wir auch
100 zustimmen.

der

Obergrenze

von

Wir haben den zeitlichen Rahmen
für diese Reduzierung auf ungefähr
vier bis fünf Jahre begrenzt.
Wir
stimmen beide überein, daß diese Vereinbarungen
Bestimmungen über
eine
sehr strenge und peinlich genaue Verifizierung enthalten müssen.
Die amerikanische Seite hat in
Form
eines Vertragsentwurfs
unsere
Gedanken zu dieser Frage in Genf auf
den Tisch gelegt. Und es wurde uns
dort mitgeteilt, daß die Sowjets der
Bedeutung einer strengen Verifizierung zustimmen und daß sie uns ihre
Gedanken vorlegen werden, wenn wir am
21. »pril die INF-Verhandlungen in
Genf wiederaufnehmen.
Ein bedeutendes Problem, das bis heute ungelöst
ist, bei dem wir aber meiner Meinung
nach beträchtliche Fortschritte gemacht haben, betrifft die INF-Raketen
kürzerer Reichweite - die beiden da
bei betroffenen Waffensysteme.
Wir
sind uns einig, daß für die Anzahl
dieser Waffen eine Obergrenze festgelegt wird. Wir stimmen überein, daß
unabhängig von dieser Obergrenze das
einzig
funktionsfähige Konzept ein
weltweites sein muß, da diese Waffen
sehr beweglich sind und leicht transportiert werden können - also muß man
sie in eine globalen Maßstab einordnen.
"nser Verhältnis wird vom Prinzip
der Gleichheit beherrscht, und unserer Meinung nach muß dieser Grundsatz
auch in diesem Bereich Anwendu^q finden. Wenn wir alle Probleme in den
gegenwärtigen
Verhandlungen
lösen
können, schön und gut. Wir gedenken
dieser Frage erste Priorität einzuräumen, wenn wir am 23. April zu den
Genfer Gesprächen zurückkehren.
Die
sowjetische Seite hat uns gegenüber
erklärt, daß sie nach Unterzeichnung

eines
INF-Abkommens
beabsichtigen,
die heute in der DDR und der Tschechoslowakei stationierten Raketen abzuziehen und zu zerstören und daß sie
in den Verhandlungen über die übrigen
Raketen die Position einnehmen werden, daß ein Gleichstand auf Null
richtig wäre.
Dies ist ein neuer
Vorschlag, und heute nachmittag haben
sie noch hinzugefügt, daß Null in einem Jahr erreicht werden sollte.
Wir sind Mitglied eines starken
Bündnisses und antworten auf Fragen
dieser Bedeutung natürlich nicht sofort. Wir konsultieren eingehend unsere Verbündeten, und ich werde diesen Prozeß morgen in Brüssel einleiten. Insgesamt glaube ich jedoch sagen zu können, daß sehr beträchtliche
Fortschritte erzielt wurden und daß
es möglich sein sollte, mit harter
Arbeit und kreativen Bemühungen eine
Vereinbarung in diesem Bereich zustande zu bringen.
Das gleiche kann ich nicht über
Fortschritte in den Bereichen strategische Waffen und Weltraum behaupten.
Es ist aber doch wichtig, festzustellen, wo wir
im Hinblick auf die
grundlegenden Ideen stehen. Wir sind
uns einig über die allgemeine Idee
einer 50prozentigen Reduzierung der
strategischen Waffen.
Wir sind uns
über die dabei zugrundeliegenden Zahlen einig.
Sie sind in der Formel
von Reykjavik einhalten - nicht mehr
als 6 000 Gefechtsköpfe und 1 600 Abschußvorrichtungen.
Wir
stimmten
überein, daß wir nach beiderseits be
friediqenden Wpqen suchen werda"
auch die seegestützten Marschflugkörper einzuschließen. Wir sind uns einig über die Zählweise für schwere
Bomber. Wir sind uns einig, daß die
Verifikationsregelung
zwingend
und
peinlich genau sein muß.

- 3 -

Ich bin sicher, daß unsere Erfah-

�rungen aus den INF-Verhandlungen uns
für die Frage der Verifizierung im
strategischen Bereich eine wichtiger
Leitfaden sein wird.
Und wir sind
uns
darin
einig, die
sogenannten
schweren ICBMs auf die Hälfte - 1 500
- zu reduzieren. Es gibt aber noch
eine Reihe von Gebieten, auf denen
Übereinstimmung noch erreicht werden
muß. Die amerikanische Seite ist der
Überzeugung, daß neben diesen Gesamtzahlen noch eine Reihe von Untergrenzen bestehen, die wir ständig in die
Diskussion einbrachten.
Wir werden
weiterhin
auf diesen verschiedenen
Untergrenzen bestehen, da sie notwendig sind, um diesem Vertrag reale Bedeutung zu verleihen.
Es gibt noch viele weitere The
men, die man ansprechen könnte, aber
dies sind meiner Meinung nach die
wichtigsten.

könnten. Wir haben die als CORRTEX
bekannte Methode vorgeschlagen.
Die
Sowjets
beziehungsweise
Herr
Schewardnadse - sagten, daß ihres Erachtens
die
sogenannte
seismische
Methode besser sei.
Wie Ihnen sicherlich bekannt ist, haben wir auf
dem Gebiet der Atomtests Gespräche
geführt und uns geeinigt, diese Gespräche fortzuführen und die Experten
dahingehend zu informieren, daß sie
die Gespräche, die Herr Schewardnadse
und ich über diese unterschiedlichen
möglichen Wege der verbesserten Verifikation hatten, wieder aufnehmen und
weitere Möglichkeiten für zusätzliche
Verifikationsmaßnahmen
ausarbeiten.
Wir erachten dies als eine konstruktive Vorgehensweise.

Im Weltraumbereich haben wir keine großen Fortschritte erzielt. Andererseits finden sehr substantielle
und
entgegenkommende
Verhandlungen
statt. Ich denke, daß eine der Grundideen dabei die allgemeine Ansicht
ist- daß man sich für eine gewisse
Zeit nicht vom ABM-Vertrag zurückziehen
sollte.
Was
die
Vereinigten
Staaten
angeht, so
ist
Präsident
Reagan der Überzeugung, daß die von
uns durchgeführten Forschungsarbeiten
für strategische Verteidigungssysteme
selbstverständlich
im Einklang mit
dem »BM-Vertrag stehen und wir nicht
auf eine Änderung dieses Vertrags aus
sind. Wir glauben, daß Forschung in
voller Übereinstimmung mit dem Vertraq durchgeführt werden kann.

Auch auf dem Gebiet der chemischen Waffen haben wir Gespräche geführt. Wir sind uns über die Bedeutung der Erarbeitung eines verifizierbaren
und
umfassenden
Verbots
chemischer Waffen einig. In der Angelegenheit
der Verifizierung, die
zwingend sein muß, haben wir unterschiedliche Meinungen. Wir haben Gespräche daüber geführt, daß die Vereinigten Staaten eine Vernichtungsanlage für chemische Waffen haben und
die Erwähnung einer solchen Anlage in
der Rede von Generalsekretär Gorbatschow vom vergangenen Freitag zur
Kenntnis
genommen.
Außenminister
Schewardnadse und ich haben uns daher
auf die Entsendung von Experten zur
Besichtigung unserer jeweiligen Anlagen und die Beobachtung des Vernichtungsprozesses als einen Schritt nach
vorne in dieser Angelegenheit geeinigt.

Auf dem Gebiet der Atomtests haben wir einige interessante Diskussionen
über
die
unterschiedlichen
Mittel geführt, mit denen der Test
selbst sowie das Testausmaß besser
eingeschätzt und verifiziert werden

Ein anderer Bereich, den ich erwähnen möchte, sind die Zentren zur
Verringerung des nuklearen Risikos,
nieser Themenkomplex ist bereits seit
einiger Zeit erörtert worden und beinhaltet Vereinbarungen, dank derer

�wir bei der Verringerung des Risikos
in diesem wichtigen Bereich zusammenarbeiten können. Hier haben wir echte Fortschritte erzielt.
In Kürze
werden wir eine weitere Gesprächsrunde abhalten und wir glauben, daß es
insgesamt
wahrscheinlich
ist, bei
diesem Treffen zu einer Einigung zu
kommen.
Sie sehen also, daß unsere Gespräche ein breites Spektrum abgedeckt haben, daß in einigen bedeutenden Bereichen Fortschritte
erzielt
wurden, wenn auch nicht in allen, und
natürlich werden wir diese Bereiche
weiter vorantreiben und in den einzelnen Foren, in denen wir regelmäßig
zusammenkommen, daran weiterarbeiten.
Sollten Sie jetzt Fraqen haben,
bin ich gerne bereit, diese zu beantworten.
FRAGE:
Herr
Außenminister,
können Sie uns sagen, wo die beiden
Seiten im Hinblick auf ein Mittel
streckenabkommen noch geteilter Meinung sind? Was muß noch getan werden?
ANTWORT:
Wir müssen das Thema
der Kurzstreckenraketen noch endgültig behandeln, und ich habe ausgeführt, wie weit wir dabei gekommen
sind. Wir haben ziemlich große Fortschritte gemacht, aber wir müssen
noch weitere erzielen. Wir haben eine
zwingende
Verifizierungsregelung
im Detail in Form eines Vertrags"
wurfes vorgelegt, und die Sowjets
müssen darauf noch reagieren- und
zwar nachdrücklicher, als nur mit der
Feststellung ihrer Zustimmung, daß es
sich um eine zwingende Verifizierungsregelung handeln muß. Sie haben
uns jedoch ihre Antwort zum Beginn
der Verhandlungen in Genf zugesagt.
Ob dieses Thema zu Meinungsverschiedenheiten
führen wird oder nicht,
kann ich nicht sagen. Es gibt eine

Vielzahl von Aspekten, die in vieler
Hinsicht sehr technischer Natur sind
- zum Beispiel, wenn man von einem
Ungleichgewicht ausgehend über einen
bestimmten begrenzten Zeitraum hinweg
reduziert, wie werden dann die einzelnen Reduzierungsphasen und die Art
und Weise der Durchführung definiert?
Ich möchte versuchen, hier nicht allzusehr ins Detail zu gehen, da dies
von den Unterhändlern ausgearbeitet
werden soll. Natürlich sind wir weiterhin davon überzeugt, daß es aus
vielfältigen Gründen besser wäre, bei
Mittelstreckenraketen längerer Reichweite den Weg ganz bis zum Punkte
Null zu gehen - also diese Klasse von
Raketen einfach ganz abzubauen - und
die Sowjets ziehen es vor. bei 100 zu
bleiben, wo wir auch enden werden,
wenn wir zu keiner anderen Lösung
kommen.
NITZE:
Wir wollen verhandeln,
müssen jedoch erkennen...(unverständlich) .
ANTWORT:
Ja, Herr
Botschafter
Nitze erinnert mich natürlich daran,
daß - wie ich bereits erwähnt habe die Sowjets während unseres Treffens
einen neuen Vorschlag zum Thema Mittelstreckenraketen kürzerer Reichweite vorgelegt haben, der so gestaltet
ist, daß ich naheliegenderweise unsere
Verbündeten
dazu
konsultieren
möchte und ich werde morgen früh in
Brüssel sein.
FRAGE:
Herr Außenminister, als
Frau Thatcher hier war und zweifelsohne seit dieser Zeit, hat sie öffentlich wie auch privat sehr deutlich gemacht, daß die Briten kein von
Atomwaffen freies Europa wünschen und
daß die Briten die Null-Lösung nicht
auf
Mittelstreckensysteme
kürzerer
Reichweite ausgedehnt sehen wollen.
Die Franzosen stimmen mit ihr sowohl
öffentlich als auch privat überein.

- 5 -

�Erwarten Sie ein Abweichen von diesem
Kurs bei Ihren Gesprächen mit Ihren
Verbündeten in der NATO zu diesem
Thema oder konnten Sie eine gewisse
Flexibilität in Ihren Gesprächen über
den neuen Vorschlag der Sowjets feststellen - daß sie bereit wären, Begrenzungen bei den Mittelstreckensystemen
kürzerer
Reichweite
(SRINF)
zuzustimmen?
ANTWORT:
Nun, natürlich werden
die Sowjets für sich selbst sprechen
müssen. Ich berichte Ihnen über die
Ergebnisse unserer Treffen. Und ich
werde Konsultationen mit den Verbün
deten führen, bei denen wir dieses
neue Angebot berücksichtigen werden.
Und ich kann Ihnen das Erqebnis noch
nicht mitteilen, da wir die Konsultationen noch nicht geführt haben. Es
ist offensichtlich, daß es hier eine
Vielzahl von Meinungen gibt, aber wir
werden einander konsultieren und sicherlich zu einem guten Ergebnis kommen.
FRAGE:
Hat
die
Sowjetunion
Gründe dafür angeführt, warum sie auf
100
Gefechtsköpfen
im
asiatischen
Teil der Sowjetunion besteht?
ANTWORT:
Nun,
das
ist
eine
Frage, die Sie ihnen stellen müssen warum sie sie behalten wollten? wir
würden sie gerne abgebaut sehen, und
wir denken dies aus einer Vielzahl
von Gründen, nicht zuletzt aus der
Sorge um die Länder, auf die sie gerichtet sind und nicht zuletzt aufgrund der äußerst beträchtlichen Auswirkungen auf die Qualität der Verifizierung, die sich daraus ergibt,
wenn man sich mit Null im Vergleich
zu 100 auseinandersetzt. Hier können
sehr
starke
Argumente
vorgebracht
werden. Dennoch haben wir in Reykjavik um diese Themen gerungen und haben eine Einigung erzielt, an die wir
uns halten werden, obwohl wir unserer
- 6

Ansicht
wären.

nach

mit

Null

besser

daran

FRAGE:
(Auf Russisch gestellte
Frage dahingehend, ein Gebiet Mitteleuropas zu einer atomwaffenfreien Zone zu erklären).
ANTWORT:
Ihre Frage bezog sich
auf eine atomwaffenfreie Zone in Mitteleuropa.
Dieses Thema wurde nicht
angeschnitten oder diskutiert.
Wir
vertreten den Standpunkt, daß das
Thema, auf das wir uns konzentrieren
müssen, der Abbau dieser Nuklearwaffen und die Erlangung des richtigen
Gleichgewichts ist. Und das Problem
ist natürlich nicht, wo sie stationiert sind, sondern wo sie treffen.
Und nach Ansicht des Präsidenten, und
ich gehe davon aus, auch nach Ansicht
des Generalsekretärs, ist der Hauptpunkt, daß es zuviele davon gibt und
daß wir den Prozeß in Gang setzen
müssen, die zahl der Nuklearwaffen zu
reduzieren. Und genau das tun wir.
FRAGE:
Herr
Außenminister,
gibt es Umstände, unter denen Sie
sich im Rahmen des neuen sowjetischen
Vorschlags, den Sie heute und gestern
gehört haben, die Fortführung der
flexiblen Reaktion in Europa vorstellen können, während die Sowjetunion
ihre Mittelstreckenraketen
kürzerer
Reichweite auf Null reduziert, ohne
daß
das
NATO-Bündnis
irgendwelche
seiner Mittel- oder Langstreckenraketen in Kurzstreckensysteme umwandelt?
Können Sie sich solche Umstände vorstellen?
ANTWORT:
Nun, die NATO-Strategie der flexiblen Reaktion gibt es
schon seit langem, schon vor der Dislozierung
der
sogenannten
Mittelstreckenraketen, also wird sie auch
weiterbestehen
"s ist eine gute
Strategie.

�FRAGE:
Herr Außenminister, haben Sie, abgesehen davon, daß Sie
Herrn Gorbatschow einen Brief des
Präsidenten
überreicht
haben, die
Aussichten für ein Gipfeltreffen besprochen, oder ist Ihre Position immer noch die, daß der Willkommensteppich ausgelegt und es an den Sowjets
ist, darauf zu reagieren?
ANTWORT:
Nein,
diese
"^ema
wurde zwischen Ihnen und dem Generalsekretär mehr diskutiert als sonstwo
im Stil Washingtoner Pressekon'"
renzen, daß man ihm mit Fragen zurief. Ich sagte ihm, daß er nicht zu
antworten brauche, aber er tat es
trotzdem.
Das Thema wurde kurz angerissen,
aber wie Sie ja sehen können, konzentrierten sich unsere Gespräche mehr
auf die Substanz als auf das Treffen.
Ich glaube, man kann fairerweise sagen, daß sowohl wir als auch die Sowjets die Ansicht teilen, daß ein
solches Treffen mit einem bedeutenden
Inhalt in Verbindung gebracht und daß
es ein gut vorbereitetes Treffen sein
sollte. Und so gehen wir es an.
FRAGE:
Herr Außenminister, die
Stellungnahme der Nachrichtenagentur
TASS über die gestrigen Bemerkungen
Gorbatschows Ihnen gegenüber ließen
auf eine etwas klarere und deutlichere sowjetische Haltung zu der Frage
schließen, welche Forschung für das
SDI Programm akzeptiert werden kann,
interpretieren
Sie
dies
als
eine
vielversprechende Neuformulierung der
sowjetischen Haltung und glauben Sie,
daß sich die sowjetische Haltung zu
SDI im Verlauf ihrer dreitägigen Gespräche geändert hat?
ANTWORT:
Wir haben ein wenig
darüber gesprochen.
Ich kann nicht
sagen, daß sich unsere Position als
Ergebnis der Diskussion sehr verän-

dert hat. Es ist unser Standpunkt,
daß der ABM-Vertrag bestimmte Arten
von Aktivitäten festlegt, die beide
Seiten unternehmen können
und wir
sehen keine Notwendigkeit, den ABMVertrag zu ändern.
unser Programm
ist so ausgelegt, daß es in vollem
Einklang
damit
steht.
Natürlich
überprüfen wir den Vertrag sorgfältig
im Hinblick darauf, was dieser erlaubt. Auf jeden Fall aber sind wir
damit zufrieden, am ABM-Vertrag festzuhalten .
Ich bin mit einigen neuen Vorschlägen auf dem Gebiet der Weltraumwaffen hierher gekommen, aber, wie
gesagt, wir haben dies nicht im größeren Umfang diskutiert.
Wie Sie
wissen, hat der Präsident in Reykjavik einen Zeitraum von zehn Jahren
vorgeschlagen, in dem wir vom ABMVertrag nicht abrücken und während
dem
alle
ballistischen
Flugkörper
vernichtet würden, so daß am Ende des
ZehnJahreszeitraums das, woqegen man
sich zu verteidigen sucht, vernichtet
worden wäre- und daher eine wesentlich verminderte Absicherung
nötig
wäre.
Dieser Vorschlag wurde zurückgewiesen. Also haben wir es noch einmal versucht und trugen einen anderen
Vorschlag vor, diesmal in Verbindung
mit der
50prozentigen
Reduzierung,
die wir bei den START Verhandlungen,
bei den strategischen Waffen, anstreben; und wir haben diesen Vorschlag
mit einer Reihe anderer Fragen verbunden, um eine berechenbares Umfeld
zu schaffen. Tch glaube, daß die Sowjetunion sagte, dies zu wünschen.
Dann haben wir einen Zeitraum von
sieben Jahren vorgeschlagen
in dem
wir vom ABM-Vertrag nicht abrückenalso bis 1994, und haben eine Reihe
weiterer
Dinge
vorgetragen.
Wir
schlugen einen jährlichen Austausch

- 7 -

�von Daten und von Plänen über die
Forschungsvorhaben
für das jeweils
kommende Jahr vor. Wir haben unseren
Vorschlag wiederholt, offene Labors
zu unterhalten, so daß jeder weiß,
was im allgemeinen gerade geschieht.
Und wir haben ebenfalls unseren Vorschlag wiederholt, daß sämtliche Versuche, die in Verbindung mit der Erforschung der strategischen Verteidigung durchgeführt werden, Versuche
wären, die wir beide im jeweils anderen Land beobachten können.
Wir haben uns also mit der sowjetischen
Ansicht
auseinandergesetzt, wonach diese ein berechenbares
Umfeld erwünschten, und dies sind einige der Inhalte dessen, was wir vorgeschlagen haben. Aber, wie gesagt,
wir sind bei der Erörterung dieser
Punkte wirklich nicht sehr weit gekommen. Natürlich stimmen wir darin
überein, daß dies sehr wichtige Punkte sind.
Wir haben ganz besonders
kompetente Unterhändler in Genf, und
wir werden diese Angelegenheit ganz
energisch vorantreiben.
FRAGE:
Herr Außenminister, haben
Sie
die
Handelsbeschränkungen
zwischen den vereinigten Staaten und
der Sowjetunion erörtert, und ist die
derzeitige Regierung dazu bereit, in
der Zukunft einige dieser Beschränkungen aufzuheben, während sich
hoffentlich - die Beziehungen verbessern?
ANTWORT:
Auf
die
Frage
der
Handelsbeschränkungen
wurde
verwiesen, aber sie wurde nicht im Detail
diskutiert. Wie Sie wissen, gehören
zu diesen Beschränkungen Vorbehalte
aufgrund
der
Auswanderungsproblematik, und genau deshalb floß die Angelegenheit in unsere Gesetzgebung ein.
•
t pi" leuchtend, *»" wir die in
allen
Teilbereichen
stattfindenden
interessanten Entwicklungen bei der

Neustrukturierung
der
sowjetischen
Gesellschaft auf vielen Ebenen sehr
genau beobachten, die Herr Gorbatschow angeregt und beschrieben hat.
Und bei den Auswanderungen sehen wir
Beweise für eine Zunahme, zu denen
sich die Sowjets entschlossen haben.
Wir begrüßen diese Schritte und wir
werden sie beobachten.
Die Diskussionen, die ich mit Herrn Ryschkow
geführt habe, gingen mehr auf das Wesen der Veränderungen und deren Art
hier ein, Ihrer Art hier, wie Sie Ihre Wirtschaft organisieren, und ich
fand es sehr interessant, etwas darüber zu erfahren. Wir haben eine Art
Gedankenaustausch über die Aussichten
der Weltwirtschaft gehabt und konnten
diesen Punkt ein wenig erörtern, aber
wir hatten keine Gelegenheit, uns in
diese Materie so detalliert zu vertiefen, wie wir beide es gewünscht
hätten.
FRAGE:
Können
Sie
erklären,
warum die Vereinigten Staaten angesichts der sowjetischen Bereitschaft
zur völligen Vernichtung dieses Typs
von
Mittelstreckenwaffen
kürzerer
Reichweite
darauf
bestehen,
diese
Waffen kontinuierlich weiter zu vermehren?
ANTWORT:
Die Antwort ist sehr
einfach und sehr wichtig.
Die Vereinigten
Staaten
sind
Teil
eines
Bündnisses mit einer Anzahl von Ländern, die unsere engen Freunde sind,
die unsere Werte teilen und mit denen
wir zusammenarbeiten, um jede Aggression gegen uns abzuschrecken.
Wir
nehmen dieses Bündnis sehr ernst.
Wenn immer also ein Vorschlag unterbreitet wird, ein neuer Vorschlag und dies ist ein neuer Vorschlag dann reagieren wir nicht einfach darauf; wir versuchen, diesen zu verstehen, und dann gehen wir zurück und
sprechen uns mit unseren Verbündeten
ab, und wir entwickeln gemeinsam eine

�Betrachtungsweise darüber, was zu tun
ist. Wir glauben, daß dies die richtige Art ist, wie man sich unter Verbündeten verhalten sollte. Und dies
ist der Grund, warum wir nicht Hals
über Kopf antworten. Dies ist eine dies hier beinhaltet schwerwiegende
Probleme, und wir möchten diese mit
unseren Verbündeten
sorgfältig betrachten.
Wir sprechen über Themen
von
außerordentlicher
Wichtigkeit,
und wenn wir etwas unternehmen, werden wir es durchdacht haben und uns
daran halten.
FRAGE:
Sie sagten, daß Sie Ihre Ansichten über das Thema Spionage
energisch vorgetragen haben.
Können
Sie uns etwas über diese Diskussion
sagen?
Gab es auf irgendeiner von
beiden Seiten - entweder auf Seiten
der Vereinigten Staaten oder der Sowjetunion - eine Übereinkunft, vielleicht nicht so aggressiv zu sein''
Wie verlief die Diskussion?
ANTWORT:
Es
gab
eine
harte
Diskussion in beide Richtungen. Ich
habe unsere Standpunkte vorgetragen,
wie der Präsident sie dargelegt hat.
Sie haben einige Standpunkte vorgetragen.
Es gibt keine Übereinstimmung irgendwelcher Art. Wie der Präsident erklärt hat, ist natürlich eines ziemlich klar:
bevor wir das
neue derzeit im Bau befindliche Gebäude fertigstellen und beziehen können, müssen wir uns mit den sowjetischerseits zur Verfügung gestellten
Materialien befassen, von denen wir
jetzt wissen, daß sie mit Abhörgeräten gespickt sind. Wir stellen einfach Betrachtungen darüber an, wie
wir damit umgehen sollen. Aber dies
wird ganz offensichtlich einige Zeit
in Anspruch nehmen, und es kann sein,
daß wir gezwungen sind, einige bauliche Veränderungen in dem Gebäude
vorzunehmen. Ich kann dies nicht beantworten.

Natürlich wird es dabei bleiben,
daß wir den Sowjets solange den Einzug
in
deren
neues
Gebäude
in
Washington
nicht gestatten werden,
bis wir in der Lage sind, in eine gesicherte Anlage einzuziehen.
Hier
muß es Gleichheit und Gegenseitigkeit
geben, wie in allen Angelegenheiten.
Da dies die letzte Frage ist,
lassen Sie mich noch eine weitere und
allgemeine
Betrachtung
anschließen.
Dies war eine sehr interessante Reise
für mich. E S ist recht deutlich geworden, daß einige wichtige Veränderungen in der Sowjetunion ablaufen.
Sämtliche politischen Führer und andere Personen, mit denen ich gesprochen habe, haben mir diese Veränderungen beschrieben, und ich war froh,
diese direkte Information bekommen zu
haben.
Wir haben viele Schwierigkeiten,
unsere beiden Länder, aber wir haben
auch eine große Verantwortung.
Es
ist selbstverständlich unsere Verantwortung, diese Schwierigkeiten
auf
eine realistische und direkte Art zu
behandeln, aber es ist auch unsere
Verantwortung, die Bedeutung der kontinuierlichen Suche nach einer konstruktiveren und dauerhafteren Beziehung im Interesse des Friedens in der
Welt im Auge zu behalten.

- 9 -

�«e-VJ5*

1-7

AMERIKA DIENST
Dokumentation

A«

22. April

15

1987

SHULTZ: DIE VERBÜNDETEN WERDEN DIE SOWJETISCHEN
ABRÜSTUNGSVORSCHLXGE SORGFÄLTIG ABWÄGEN
- Erklärung des Außenministers zu den Gesprächen in Moskau SANTA BARBARA - (AD) - Im Anschluß an sein Treffen mit Präsident Reagan,
bei dem Außenminister shultz ihm über seine Moskau-Reise berichtete, erklärte
er am 16. April 1987 vor Reportern, daß das Nordatlantische Bündnis die Vorschläge der Sowjetunion zum Abbau der Atomraketen in Europa trotz der Sorge
über die "überlegene Stärke" der konventionellen Streitkräfte des Warschauer
Pakts sorgfältig in Erwägung ziehen werde. Shultz nahm Berichte zur Kenntnis,
denen zufolge die Vorschläge von Parteichef Gorbatschow zu Raketensystemen
kürzerer Reichweite darauf ausgerichtet seien, die NATO in eine schwache politische und militärische Position zu "boxen".
Nachfolgend bringen wir die Erklärung des Außenministers im Wortlaut:

Ich habe gerade ein außerordentlich fruchtbares Treffen mit dem Präsidenten hinter mir, bei dem ich ihm
über meine Gespräche in Moskau und
über die Reaktionen unserer Verbündeten bei unserem Treffen in Brüssel
berichtet habe.
Ich war erfreut, daß ich dem Präsidenten einen sehr positiven Bericht
geben konnte und verständlicherweise
hatte der Präsident eine Vielzahl von
Fragen, die wir in einer tiefgreifenden Diskussion der Ereignisse erörterten.

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Embassy of the United States of America

Lassen Sie mich kurz die größeren
Zusammenhänge
umreißen.
Vor sechs
Jahren entschied der Präsident, daß
wir mit Entschlossenheit und Bereitschaft zu verantwortungsvollem
und
kreativem Fortschritt die Möglichkeiten für eine stabilere, sichere und
offene Welt schaffen könnten.
Auf
diesem Weg sind wir in einem Bereich
nach dem anderen weit voran gekommen
und ich bin davon überzeugt, daß die
Entwicklungen, die wir in dieser vergangenen Woche beobachten konnten, zu
neuen Hoffnungen Raum geben, daß wir

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�uns in unseren Beziehungen mit der
Sowjetunion auf dem Weg zu dieser sichereren und besseren Zukunft näher
kommen könnten.
Amerikas Zielsetzungen sind auf
eine Welt ausgerichtet, in der die
Menschenrechte nicht nur bewahrt sondern auch geschützt werden, in der
Aggressionen, wie wir sie in Afghanistan beobachten
konnten, beendet
sein werden und auf eine Welt, in der
die Menschheit aus dem Schatten eines
Atomkrieges heraustreten kann.
Unsere Gedanken und unsere Entschlossenheit zu allen diesen Themen
kamen in der vergangenen Woche in
Moskau mit einem Höchstmaß an aufzubietender Klarheit und Entschiedenheit zum Ausdruck, denen zudem der
außerordentlich gründliche Vorbereitungsprozeß
unter
der
Schirmherrschaft des Präsidenten zugute kam.
Ich
hatte
Gelegenheit,
viele
Stunden mit Generalsekretär Gorbatschow und Premierminister Ryschkow zu
verbringen und natürlich zu mehreren
Treffen mit Außenminister Schewardnadse.
Und die von uns behandelten
Themenkomplexe
deckten das gesamte
Spektrum der Bereiche ab, die erwartungsgemäß besprochen werden sollten.
Darüber hinaus traf ich während
meines Aufenthalts mit Angehörigen
von
auseinandergerissenen
Familien
zusammen, die auf eine Zusammenführung in Amerika hoffen und konnte an
einem Seder
anläßlich des PassahFestes mit sowjetischen Juden teilnehmen, die in den Westen auswandern
möchten.
Ich
lernte
sowjetische
Schriftsteller kennen, die mir gegenüber
ihre Ambitionen zum Ausdruck
brachten und ich muß sagen, daß ihre
Freude darüber, nun endlich die Dinge
veröffentlichen zu können, die sie
geschrieben hatten, mich wirklich be-

eindruckt hat. Es war für mich ein
höchst
interessanter
Zeitpunkt für
ein Treffen mit ihnen. Ich ging zur
Messe in einer kleinen russisch-orthodoxen Kirche in dem Dorf, in dem
ich auch Blumen auf das Grab von
Boris Paternak legen konnte.
Bei
allen diesen
Gelegenheiten
war ich, glaube ich, von dem Gefühl
geleitet, daß ich dem sowjetischen
Volk und den Hoffnungen für die Zukunft, die es mit uns teilt, Ehrerbietung erweisen könnte.
Zum entscheidenden Themenkomplex
der Rüstungskontrolle hat unsere Bereitschaft zu neuen Ideen im Verlauf
des vergangenen Jahres neue Aussichten auf Fortschritte eröffnet.
Das
Treffen zwischen dem Präsidenten und
Generalsekretär Gorbatschow in Reykjavik war insofern dramatisch, als
hier bedeutende neue Positionen auf
den Tisch kamen, über die beide Seiten eine generelle Einigung erzielten.
Daher haben wir versucht, die
Ergebnisse von Reykjavik weiterzuverfolgen und zu konsolidieren und den
dort gewonnenen Boden vorteilhaft zu
nutzen.
Bei den Treffen in Moskau wurde
das Thema strategische Waffen besprochen - und wir haben kleine Fortschritte gemacht, wenn auch keine
großen. Wir haben das Thema Weltraum
behandelt.
Auch dies war nützlich.
Gerechterweise kann man jedoch sagen
- glaube ich - daß wir im Bereich der
Mittelstreckensysteme jetzt klare Anzeichen eines Fortschritts ausmachen
können, die Kluft allmählich überwunden wird und die Möglichkeit eines
Abkommens für eine einschneidende Reduzierung der Nuklearwaffen in Sicht
ist.
Im Bereich der
Atomwaffentests
konnten
wird
etliche
interessante

- 2 -

�Entwicklungen
beobachten
und vielleicht können wir hier einen Weg zur
Verbesserung
der
Verifizierungsverfahren finden.
Sehr wahrscheinlich
werden wir auch Vereinbarungen ausarbeiten können, dank derer die Sowjets
unsere Vernichtungsanlagen für chemisehe Waffen und unsere Experten ihre
Einrichtungen dieser Art besichtigen
können.
•

»

daß der Präsident - sehr bald zu einer Antwort bereit sein wird.

Insgesamt gesehen war es also eine Reise mit einem breiten Spektrum
und einer Vielzahl von Kontakten. Es
war auch eine sehr interessante Erfahrung, eine halbe Stunde lang im
sowjetischen Fernsehen interviewt zu
werden.
Heute morgen hatte ich die Gelegenheit zu einem Zusammentreffen mit
unseren Verbündeten in Brüssel und
sie waren sich in ihrer Anerkennung
der Ergebnisse der Moskau-Reise einig
und begrüßten die von uns eingenommene Position, als Herr Gorbatschow
während meines Treffens mit ihm einen
neuen Vorschlag über INF-Systeme kürzerer Reichweite auf den Tisch legte,
der als Ergebnis unserer Gespräche
beim Treffen mit Schewardnadse weiterentwickelt wurde.
Dieser Vorschlag steht also jetzt
als sowjetisches Angebot, diese Klasse von Waffen innerhalb eines Jahres
nach Unterzeichnung des INF-Abkommens
weltweit abzubauen.
Wir haben dies
zumindest diskutiert und mehrere mögliche Alternativen und Optionen beleuchtet.
Ich bin der Überzeugung,
daß unsere Verbündeten an diesen Vorschlägen in höchstem Maße interessiert sind und unsere Haltung der
sorgfältigen Konsultationen mit ihnen
sehr positiv einschätzen, sowohl vor
als auch unmittelbar nach dem Treffen
in Moskau. Und natürlich werden wir
sehr gründliche Konsultationen durchführen und ich bin sicher, daß wir - 3 -

* * * * * *

�AMERIKA DIENST
Wirtschaft
22. April 1987

15

WEISSES HAUS LEGT GRÜNDE FÜR HANDELSBESCHRÄNKUNGEN
GEGEN JAPAN DAR
- Faktenübersicht zur Erhebung von Zöllen -

Washington - (AD) - Die Faktenübersicht des Weißen Hauses begründet die
Erhebung neuer Zölle auf einige japanische Güter durch Präsident Reagan damit,
daß eine Vereinbarung zur Förderung der freien Handels mit Halbleitern nicht
ordnungsgemäß erfüllt worden ist.
Nachstehend geben wir den Text der am 17. April 1987 veröffentlichten Faktenübersicht wieder.

Hintergrund
Am 2. September 198*1 unterschrieben die Vereinigten Staaten und Japan
eine Vereinbarung über den Handel mit
Halbleitern, die zur Förderung des
freien Handels mit Halbleitern nach
marktwirtschaftlichen Prinzipien bestimmt war.
Tn dieser Vereinbarung
verpflichtete sich die japanische Regierung, den Verkauf von in Japan unter den Herstellungskosten produzierten Halbleitern auf Drittmärkten zu
Verhinderung und die Verkaufsmöglichkeiten
für ausländische
Hersteller

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auf dem japanischen Markt zu steigern. Außerdem erklärte sich die japanische Regierung dazu bereit, ein
Dumping in den Vereinigten Staaten zu
verhindern.
Der Teil der Vereinbarung, der
das Dumping in den Vereinigten Staaten betrifft, scheint zufriedenstellend erfüllt worden 2u sein, doch die
Pestimmungen
über
das Dumping
in
Drittländern und über den Zugang zu
Japans Märkten sind nicht ordnungsgemäß eingehalten worden.

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�Im Oktober, November und Dezember
sind Vertreter der amerikanischen Regierung mit ihren japanischen Amtskollegen
zusammengetroffen, um die
Hauptprobleme dieser Vereinbarung anzusprechen. Am 28. Januar 1987 fanden darüber hinaus Dr inglichkeitskonsultationen in Japan statt, bei denen
Beweise für die japanische Nichteinhaltung der Vereinbarung über das
Dumping in Drittländern und die Bestimmungen über den Marktzugang angesprochen wurden.
VJährend der Konsultationen am 28.
Januar haben Vertreter der amerikanischen Regierung die japanische Regierung darüber in Kenntnis gesetzt, daß
die
Vereinigten
Staaten
geeignete
Schritte zur Durchsetzung der Vereinbarung unternehmen würden, wenn das
Dumping in Drittländern nicht innerhalb von 30 Tagen beendet und der
Verkauf von ausländischen Halbleitern
in Japan nicht binnen 60 Tagen ansteigen würde.
Eine vom Handelsministerium erstellte umfassende Analyse der japanischen Preispolitik auf Drittmärkten
beweist endgültig, daß am Stichtag
des 28. Februar immer noch ein beträchtliches Dumping vorgenommen wurde.
Zu diesem Zeitpunkt wurden die
von Japan produzierten DRAMS
(ein
weiter entwickelter Typ von Halbleitern) für durchschnittlich 59,4 Prozent ihres üblichen Marktwertes verkauft, während EPROMS
(ein anderer
weiter entwickelter Halbleiter) für
63,6 Prozent des üblichen Markwertes
verkauft wurden.
Falls das Dumping
in dieser Größenordnung
fortgesetzt
würde, hätten amerikanische Halbleiter-Firmen keine oder nur eine geringe Chancen, auf überseeischen Märkten
zu konkurrieren.
Der Stichtag zur Verbesserung des
Zugangs zu Japans Märkten für aus-

ländische
Halbleiter
war
der
28.
März.
Die Regierung der Vereinigten
Staaten hat die einschlägigen Daten
analysiert und erkannt, daß sich der
Marktzugang seit Unterzeichnung der
Vereinbarung nicht verbessert hat.

Maßnahmen des Präsidenten
Der
Präsident hat entschieden,
Sanktionen gegen bestimmte japanische
Exporte in die Vereinigten Staaten zu
erheben. Diese Sanktionen bleiben in
Kraft, bis die Vereinbarung über die
Halbleiter ordnungsgemäß erfüllt ist.
Am Montag, dem 30. März wurde im Bundesregister eine Eintragung der möglichen Produkte vorgenommen, gegen
die Sanktionen erhoben werden können.
Nach Ablauf des Zeitraums von 14 Tagen
für öffentliche
Stellungnahmen
und den zwei Tage dauernden öffentlichen Anhörungen am 13. und 14. April, hat die Regierung die Produkte
aus der Liste ausgewählt, gegen die
Vergeltungsmaßnahmen
ergriffen
werden. Mit dem heutigen Datum wird ein
Zollsatz von hundert Prozent auf japanische Produkte im Gesamtumfang von
ungefähr 300 Millionen Dollar wirksam, der die Absatzverluste der amerikanischen
Industrie
ausgleichen
soll.
Durch diese Sanktionen werden den
amerikanischen Konsumenten die Produkte nicht vorenthalten, gegen die
Vergeltungsmaßnahmen
ergriffen
wurden.
Alle Produkte auf der Liste
können von inländischen oder anderen
ausländischen
Herstellern
geliefert
werden.
Die höheren Zölle, die nur
gegen japanische Importe dieser Produkte erhoben werden, werden aufgehoben, sobald eine vollständige Erfüllung der Vereinbarung
festgestellt
wurde.
* * * * * *

,

\

�AMERIKA DIENST
Wissenschaft und Technik

15

22. April 1987

PLÄNE FÜR RAUMSTATION REVIDIERT

WASHINGTON - (AD) - Die von der US-Behörde für Luft- und Raumfahrt (NASA)
ausgearbeiteten neuen Pläne für den Bau einer bemannten Raumstation wurden von
Präsident Reagan gebilligt. Sie sehen den Aufbau in zwei Phasen vor. In der
ersten Phase soll ein vollfunktionsfähiges, aber kleineres System errichtet
werden, als ursprünglich vorgesehen war. Der Kostenaufwand wird auf 10,9 Milliarden Dollar geschätzt. Von 1996 an könnte die Station ständig mit Astronauten besetzt werden. (Der erste Kostenvoranschlag aus dem Jahr 1984 für eine Weltraumbasis ging von acht Milliarden Dollar aus.) Die Station in der
neuen Version ist erweiterungsfähig. Die Vergrößerung wäre Aufgabe der zweiten Aufbauphase, über die jedoch erst später entschieden v/erden soll.

Die
Zustimmung
des Präsidenten
bezeichnete Andrew Stofan, einer der
Projektdirektoren
für die amerikanische Raumstation, als "sehr bedeutsam". Die NASA habe während der vergangenen Monate versucht, ein Programm zusammenzustellen, das in wissenschaftlicher und technischer Hinsicht
den
Ansprüchen
genüge
und
trotzdem der finanziellen Situation
in der angespannten Haushaltslage gerecht werde.
Jetzt hoffe die NASA
auf Zustimmung vom Kongreß, auch hinsichtlich der Aufforderung an die Industrie, Vorschläge zu beiden Phasen

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Embassy of the United States of America

des
revidierten
Projekts
"Raumstation" einzureichen.
Der Nationale
Forschungsrat werde, unabhängig von
den NASA-Berechnungen, bis zum 1.
September 1987 eine eigene Analyse
der Kosten und der technischen Auslegung unterbreiten.
Nach Ansicht Stofans gibt der revidierte Plan der NASA die Basis, um
"alles zu tun, was wir künftig zu tun
beabsichtigen...
auch Missionen zum
Mond oder zum Mars'
Pläne für eine
eingehende Erforschung '"es Planeten
Mars mit Hilfe einer Kombination von

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�Robotern gegen Ende dieses Jahrhunderts v/erden innerhalb der NASA mit
einiger
Zeit erörtert.
Vorgesehen
ist u.a. ein Rover-Fahrzeug, das automatisch Bodenproben nimmt und sammelt, sowie ein Gerät, das die Proben
zur Erde zurückbringt.
Sie könnten
vielleicht Aufschluß darüber geben,
ob es auf dem Mars jemals Leben gegeben hat.
Berichten zufolge planen
die Sowjets Ende der neunziger Jahre
eine ähnliche Mission.
in einer NASA-Verlautbarung von
Anfang April wird darauf verwiesen,
daß in der ersten Aufbauphase für die
kleinere Version der Raumstation Labors und Wohnmöglichkeiten für die
Astronauten
vorgesehen
seien,
"um
wissenschaftliches
Arbeiten,
insbesondere
in der
Werkstoff-Forschung
und auf biologisch-medizinischen Gebieten, in Astronomie und Erdbeobachtung zu ermöglichen und Missionen in
größere Tiefen des Weltraums vorzubereiten" .
Von anderen Ländern beigesteuerte
Elemente sind in die neue Planung
einbezogen.
So wird die Europäische
Weltraumbehörde (ESA) ebenso wie Japan je eines der vier Laboratorien
bereitstellen, die ständig mit der
Raumstation verbunden bleiben.
Außerdem kommt von der ESA eine freifliegende Plattform mit Instrumenten
zur Erdbeobachtung auf polarer Umlaufbahn.
Die europäische
Behörde
befaßt sich ferner mit dem Projekt
eines bemannten Labors, das von der
Raumstation abgekoppelt werden kann
und im Formationsflug mit ihr um die
Erde kreist.
Kanada wird eine weiterentwickelte Ausführung des Robotarms zur Verfügung stellen, der an
Bord des Raumtransporters verwendet
wird.
Für
von der

das Haushaltjahr 1988 sind
amerikanischen Regierung 767

Millionen
Dollar
für
das
Projekt
"Raumstation" angefordert; bis zum
Jahr 1990 sollen sich die Mittel für
diesen Posten im Rahmen der üblichen
Vorausschätzungen halten.
Nach den
Berechnungen der NASA könnte so der
Zeitplan für eine Inbetriebnahme der
Weltraumbasis im Jahr 1996 eingehalten werden.
I

* * * * * *

�</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST
"VON**

15. April

14

1987

I N H A L T

DOKUMENTATION
Reagan;

Amerikanisch-sowjetische Beziehungen kommen voran

- Ansprache vor dem Los Angeles World Affairs Council -

Kommission zur Untersuchung der Sicherheit in Moskauer Botschaft
eingesetzt
- Stellungnahme Präsident Reagans -

Glasnost und der Konsens im Westen
- Ansprache des amerikanischen Botschafters in Berlin -

WIRTSCHAFT
Amerikanisch-japanische Gespräche über Halbleiter ohne Ergebnis
- Erklärung des Büros des amerikanischen Handelsbeauftragten -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Hautkrebsrisiko wächst
- Vorsorgliche Maßnahmen gegen Ozonabbau dringendes Gebot

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V,oN^

Dokumentation

15. April 1087

14

REAGAN: AMERIKANISCH-SOWJETISCHE BEZIEHUNGEN KOMMEN VORAN
- Ansprache vor dem Los Angeles World Affairs Council LOS ANGELES - (AD) - Präsident Reagan zufolge kommen die amerikanischsowjetischen Beziehungen voran "ohne Grund für große Begeisterung oder für
große Besorgnis" zu bieten.
In einer Ansprache vor dem Los Angeles World
Affairs Council erklärte der Präsident am 10. April 1987, er habe Außenminister Shultz beauftragt, im Rahmen seines Besuchs in Moskau "ein breites
Spektrum von Problemen zwischen unseren beiden Ländern" anzusprechen.
Dazu
gehörten der Abzug der sowjetischen Truppen aus Afghanistan, Fortschritte für
ein Abkommen über Mittelstreckenraketen, ein beiderseitiger 50prozentiger Abbau der strategischen Atomwaffenarsenale, das Streben nach einem sichereren
strategischen Gleichgewicht durch verstärktes Vertrauen auf defensive Systeme
sowie die Lösung der Auswanderungsfrage.
Nachfolgend bringen wir die Rede des Präsidenten im Wortlaut:

Ich freue mich, heute hier vor
Ihnen über den gegenwärtigen Stand
der sowjetisch-amerikanischen Beziehungen sprechen zu können. Bevor ich
dies tue, möchte ich jedoch zu den
jüngsten
Enthüllungen
über sowjetische Spionageaktivitäten gegen die
amerikanische
Botschaft
in
Moskau
Stellung nehmen.
Es gibt keinerlei
Entschuldigung für das, was die Sowjets getan haben oder für die Art
und Weise, in der das Sicherheitsproblem in Moskau behandelt wurde.
Nun, denjenigen, die meinen, daß

United States Information Service
Embassy of the United States of America

diese jüngsten Ereignisse ein neues
Licht auf die sowjetisch-amerikanischen Beziehungen werfen, sage ich:
'Wo sind Sie denn gewesen?1
Jeder,
der mit dem Charakter des sowjetischen Regimes, seiner Ideologie und
seiner Absichten vertraut ist, weiß,
daß solche Handlungen der Sowjets
keine Überraschung darstellen.
Seit den frühesten Tagen dieser
Administration habe ich darauf bestanden, daß unsere Beziehungen mit
den Sowjets auf Realismus anstatt Illusionen
beruhen müssen.
Ja, die

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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Grundlage unserer Außenpolitik hat ja
seit Anbeginn gerade darin bestanden,
bei der Beschreibung der amerikanisch-sowjetischen
Beziehungen
kein
Blatt vor den Mund zu nehmen - und
klar zu verstehen zu geben, wofür unserer Ansicht nach die Sowjets eintreten und wofür wir selbst eintreten.
Das
mag
einleuchtend
klingen,
aber als wir im Jahr 1981 die Regierungsgeschäfte
übernahmen,
bestand
die klare Notwendigkeit, dies erneut
zu erklären.
Lassen Sie mich heute
diese Ansichten darlegen und die Beziehungen
zwischen
unseren
Ländern
einer Überprüfung unterziehen.
Wir haben einen Rahmen für die
Auseinandersetzung
mit den
Sowjets
geschaffen; wir haben darauf bestanden, daß Fortschritte in vier entscheidenden Bereichen vorangetrieben
werden müssen:
Erstens, das Streben nach verifizierbarer
und stabilisierender
Rüstungskontrolle mit Betonung auf verifizierbar; zweitens, auf dem Verhandlungsweg
erzielte Lösungen
für
regionale
Konflikte; drittens, die
Förderung
der Menschenrechte
sowie
viertens, erweiterte Kontakte zwischen unseren Völkern.
Diese Tagesordnung verkörpert eine konsequente und langfristig angelegte Politik, in der sich unsere moralischen Werte, unsere strategischen
Interessen und unsere Verpflichtungen
gegenüber unseren Freunden und Verbündeten widerspiegeln.
Sie beruht
nicht auf falschen Hoffnungen oder
Wunschdenken bezüglich der Sowjets;
sie beruht auf einer freimütigen Einschätzung sowjetischer Handlungen und
einem langfristigen Verständnis ihrer
Absichten.

in
einigen
Bereichen
dieser
vier
Punkte Bewegung und Fortschritte erlebt haben. Nehmen Sie zum Beispiel
die Rüstungskontrolle.
Im Verlauf
unserer beiden Treffen - unserem Kamin-Gipfel in Genf und unseren Gesprächen im Hofdi-Haus in Reykjavik haben Herr Gorbatschow und ich bedeutende Schritte nach vorn unternommen.
Wir haben Hindernisse aus dem Weg geräumt und uns historischen Abkommen
zur
Reduzierung
der
strategischen
Atomwaffen und der atomaren Mittelstreckenraketen angenähert.
In den
Monaten
nach
Reykjavik
waren
die
Fortschritte langsamer als ich erhofft hatte, aber in den letzten Wochen haben die Sowjets eine neue
Ernsthaftigkeit gezeigt.
Es besteht
jetzt die klare Möglichkeit für einen
Durchbruch
in den Gesprächen über
Mittelstreckenraketen.
Nun zur Frage der Menschenrechte.
Auch hier haben wir einige positive
Entwicklungen festgestellt. Die Verbannung von Andrej Sacharow wurde
aufgehoben und er darf jetzt seine
Meinung frei äußern. Einige politische Gefangene wurden entlassen. Die
Auswanderungszahlen für März und April sind bis jetzt gestiegen.
Es
wird über Änderungen sowjetischer Gesetze gesprochen.
Ein weniger zentralistischer Ansatz für die sowjetische Wirtschaft ist im Gespräch, wodurch der Initiative des Einzelnen
mehr Raum gegeben würde. Wir werden
sehen, ob diese Diskussionen zu irgendetwas führen werden.
Im Bereich des bilateralen Austauschs, haben wir Einigung über erweiterte
sowjetisch-amerikanische
Kontakte erzielt. Austauschprogramme
in den Bereichen Kultur und Wissenschaft sowie zwischen den Bürgern
beider Länder sind seit Genf drastisch vermehrt worden.

Ich kann Ihnen berichten, daß wir
- 2 -

�Aber all dies aufzuzählen heißt
nicht, da3 man unrealistisch sein
oder die weiteren Zusammenhänge außer
acht lassen soll. Weiterhin bestehen
ernsthafte Probleme.
Bei den Rüstungsverhandlungen
zum
Beispiel
bleibt die Verifizierung wegen der
ungenügenden Einhaltung früherer Abkommen durch die Sowjets ein entscheidendes Problem.
Die
Sowjets
haben
auch
ihre
grundsätzliche Strategie nicht aufgegeben, diese Verhandlungen
zu dem
Versuch zu benutzen, unsere Verbündeten und Freunde in Europa und Asien
und die Vereinigten Staaten zu entzweien. Die Sorgen unserer Verbündeten sind von zentraler Bedeutung.
Wir können es beispielsweise nicht
zulassen, daß der Gewinn der Reduzierung von Mittelstreckenraketen längerer Reichweite durch ein weiterbestehendes Ungleichgewicht bei den Mittelstreckenraketen kürzerer Reichweite untergraben oder umgangen wird,
bei denen die Sowjets einen enormen
Vorteil besitzen.
Lassen Sie mich
noch einmal erklären: die Vereinigten
Staaten werden weiterhin enge Konsultationen mit ihren Verbündeten vornehmen und wir werden ihre vitalen
Interessen nicht preisgeben, nur um
ein Abkommen zu unterzeichnen.
Leider versuchen die Sowjets auch
weiterhin, die Strategische Verteidigungsinitiative zunichte zu machen.
Ich habe einige sehr entgegenkommende
Vorschläge
dergestalt
unterbreitet,
daß für eine gewisse Zeitspanne keine
strategischen
VerteidigungsSysteme
stationiert würden - während wir und
die Sowjets Verhandlungen über einen
kooperativen tibergang zu einer neuen
Art strategischen Gleichgewichts führen, bei denen die Abschreckung auf
dem Schutz von Menschenleben anstatt
ihrer Bedrohung beruht.

Herr Gorbatschow selbst hat unlängst das "Gleichgewicht des Schrekkens" als Strategie der Friedenserhaltung kritisiert und gefordert, die
Nukleardoktrinen wahrhaft defensiv zu
gestallten. Nun, ich stimme ihm zu.
Ein Friede, der auf strategischen
Verteidigungssystemen beruht, die einen Angriff abfangen und neutralisieren können - einhergehend mit radikalen Reduzierungen der Offensivraketen
-, dies ist der sicherste Weg von allen .
Wie ich schon nach dem Genfer
Gipfeltreffen
sagte, sind
Treffen
zwischen unseren höchsten politischen
Vertretern kein Gefallen, den eine
Seite der anderen tut.
Sie können
aber hilfreich sein. Und in diesem
Zusammenhang erkläre ich, daß meine
Einladung an Herrn Gorbatschow zu einem Besuch in den Vereinigten Staaten
weiterhin Bestand hat. Der Willkommensteppich bleibt ausgerollt.
Im
Bereich
der
Menschenrechte
sind unsere Sorgen ebenfalls grundlegender Natur. obwohl wir die Lösung
einiger weithin bekannter Einzelfälle
begrüßen, suchen wir nach Anzeichen,
daß die Sowjetunion beabsichtigt, ihren Verpflichtungen gegenüber allen
ihren Bürgern gemäß ihren eigenen Gesetzen und gemäß den Vereinbarungen
von Helsinki gerecht zu werden. Ein
System, das Europa
in künstlicher
Teilung beläßt, die Religion und religiöse Kontakte unterdrückt, weiterhin Radiosendungen stört und amerikanische Journalisten unter erlogenen
Anschuldigungen
verhaftet, bedeutet
ein Problem für andere Staaten. Keine Nation wird mit ihren Nachbarn in
Frieden leben, wenn sie nicht auch
Frieden mit ihren eigenen Bürgern
schließt.
Die
Menschenrechte
sind
also
nicht nur eine "innere" Angelegen-

- 3 -

�heit. Sie sind in Wirklichkeit eine
Frage des Friedens. Andrej Sacharow
hat dies sehr gut zum Ausdruck gebracht als er erklärte: "Ich bin davon
überzeugt, daß
internationales
Vertrauen, gegenseitiges Verständnis,
Abrüstung und internationale Sicherheit undenkbar sind ohne eine offene
Gesellschaft
mit
Informations- und
Gewissensfreiheit, der Freiheit zu
veröffentlichen und dem Recht zu reisen und das Land zu wählen, in dem
man leben möchte".
Leider sind die Nachrichten über
den noch verbleibenden Punkt auf unserer Tagesordnung nicht gut.
Ich
spreche von dem Problem der militärischen Konflikte in Regionen der Dritten Welt - wo die Tatsachen sowjetischen Vorgehens brutal, eine Gefahr
für den Frieden und unsere zukünftigen Beziehungen sind. Trotz des angeblichen Wunschs nach
friedlicher
Beilegung dieser Konflikte, trotz Ankündigungen
von
Waffenstillständen
und Reden über
"nationale Versöhnung",
führen
sowjetische
Truppen
weiterhin einen schrecklichen Krieg
gegen das Volk von Afghanistan.
Die militärische Bedrohung
des
mit uns befreundeten Pakistan eskaliert in einem Maße, daß sie das Risiko einer größeren Konfrontation in
sich birgt. In Äthiopien, Angola und
Kampuchea unterstützt die Sowjetunion
weiterhin die brutalen Kriege leninistischer Regime gegen ihre eigenen
Völker. In Nicaragua können wir eine
ebensolche Kampagne an unseren eigenen Küsten beobachten, mit der drohenden Destabilisierung ganz Mittelamerikas und der Verweigerung des
Rechts des nicaraguanischen Volkes
auf die Bestimmung seiner eigenen Zukunft.
Die Welt wird diese Politik des
globalen Expansionismus nicht länger

hinnehmen.
In den vergangen Jahren
konnten wir eine neue Tendenz beobachten - die Ausbreitung der Demokratie von Lateinamerika bis hin zu den
Philippinen, die von einer weltweiten
Revolutionierung des Wirtschaftsdenkens begleitet wurde - die Tendenz zu
politischer
und
wirtschaftlicher
Freiheit als Mittel, Wirtschaftswachstum und menschlichen Fortschritt in
der sich entwickelnden Welt zu fördern. Die Vereinigten Staaten stehen
zu ihrer Verpflichtung, diese Entwicklung
zu
größerer
persönlicher
Freiheit und nationaler Selbstbestimmung weiterhin zu unterstützen - und
jeglicher Versuchung nach einer Umkehrung derselben zu widerstehen.
In
der
jüngsten
Vergangenheit
machten sich Anzeichen bemerkbar, daß
die Sowjetunion nach diplomatischen
Wegen zu einer Beendigung ihres Krieges mit Afghanistan suchen könnte.
Die Sowjetunion sollte wissen, daß
die Vereinigten Staaten keinen strategischen vorteil in Afghanistan suchen.
Sie sollte aber auch wissen,
daß eine politische Beilegung des
Konflikts solange nicht durchführbar
sein wird, bis die Sowjetunion ihre
Truppen unverzüglich und vollständig
abzieht und dem afghanischen Volk
echte Selbstbestimmung gewährt.
Das
Widerstandsbündnis nimmt eine zunehmend bedeutendere Rolle ein und wir
werden
es
weiterhin
unterstützen.
Wir werden jede gerechte Beilegung
unterstützen, die ein wahrhaft unabhängiges
und neutrales Afghanistan
schaffen wird, das den Bedürfnissen
des freien afghanischen Volkes gerecht wird.
Desgleichen erreichte die Militär- und Wirtschaftshilfe des sowjetischen Blocks an das sandinistische
Regime in Nicaragua im vergangenen
Jahr noch nie dagewesene Summen in
Milliardenhöhe; Anzahl und Entwick-

�lungsstand der Waffenlieferungen haben ein gefährliches Ausmaß erreicht.
Wir haben das Recht und in der Tat
auch die Pflicht, unsere Freunde in
dieser Hemisphäre gegen eine solche
eklatante Intervention zu unterstützen.
Das sowjetische Verhalten wird
hier die Feuerprobe unserer Beziehung
bestehen müssen.
Auch in Angola können wir eine
Eskalation des sowjetischen und kubanischen
militärischen
Engagements
in dem vergeblichen Streben nach einem militärischen
Sieg beobachten.
Hier fordern wir eine politische Lösung und den raschen Abzug von Fidel
Castros 35 000 kubanischen Söldnern
aus Angola.
Kampuchea ist ein weiteres tragisches Beispiel der von Vietnam auferzwungenen und von der UdSSR unterstützten
Aggression
und Besetzung.
Das Volk von Kampuchea hat genug gelitten; es ist Zeit für wahrhafte
Selbstbestimmung
und
Frieden
in
Kampuchea.
Was steht also heute auf unserer
Tagesordnung?
Lassen Sie mich dies
im einzelnen ausführen.
Erstens muß die blutende Wunde
Afghanistan
geheilt
werden.
Ich
möchte die Aufforderung an die UdSSR
richten, noch im Verlauf dieses Kalenderjahres ein Datum festzusetzen,
an dem sie mit dem zügigen Abzug der
sowjetischen Truppen beginnt.
Zweitens fordere ich die Sowjets
auf, mit uns gemeinsam ein Abkommen
über
Raketen
mittlerer
Reichweite
voranzutreiben, das die Sicherheit
insgesamt und die militärische Stabilität verbessert. Die Themenkomplexe
der Verifizierung
und der flittelstreckensysteme
kürzerer
Reichweite
müssen auf eine Weise gelöst werden,

daß
die
Sicherheitsinteressen
Verbündeten gewahrt bleiben.

der

Drittens fordere ich die Sowjets
auf, mit uns gemeinsam eine 50prozentige Kürzung
unserer
strategischen
nuklearen Arsenale in der Form vorzunehmen, daß sie zu einer Stärkung der
Stabilität beiträgt.
Unser SDI-Programm sollte einer solchen Kürzung
nicht im Wege stehen - ebensowenig
wie die seit langem bestehenden sowjetischen
strategischen
Verteidigungsprogramme dieser Kürzung im Wege
stehen.
Viertens fordere ich die Sowjets
auf, mit uns gemeinsam ein sicheres
strategisches Gleichgewicht anzustreben, indem man sich weniger auf gegenseitige offensive Bedrohungen und
mehr auf defensive Systeme verläßt,
die niemanden bedrohen.
Und schließlich ist es an der
Zeit, das Thema Auswanderung zu lösen
- und zwar endgültig.
Es ist Zeit
für eine entschieden liberalisierte
Auswanderungspolitik
und
größere
Freiheiten
für
diejenigen
Juden,
Christen und Völker anderen Glaubens,
die in der Sowjetunion bleiben möchten. Wenn dies geschieht, werden wir
darauf antworten.
Wenn
ich
die
amerikanisch-sowjetischen Beziehungen mit einem Wort
umreißen müßte, so würde ich sagen,
sie kommen voran. Dies ist weder ein
Grund für große Begeisterung, noch
für große Besorgnis. Und vielleicht
sollte man die Beziehungen mit seinen
Gegnern auf diese Weise charakterisieren.
Wir haben Hoffnungen, und
wir sind entschlossen, und wir kommen
voran. Um diesen Prozeß in Gang zu
halten, habe ich Außenminister George
Shultz beauftragt, nach Moskau zu
reisen und ein breites Spektrum von
Themen zu besprechen, die unsere bei-

- 5 -

�den Länder betreffen.
Wenn ich mir die sowjetisch-amerikanischen Beziehungen der vergangenen sechs Jahre betrachte, sollten
Sie wissen, daß ich dabei an die Antwort erinnert werde, die Harry Truman
gab, als jemand zu ihm sagte: "Mach
ihnen die Hölle heiß, Harry" und er
erwiderte:
"Ich habe niemals absichtlich
irgendjemandem
die Hölle
heiß gemacht. Ich sage ihnen nur die
Wahrheit...und sie denken, das ist
die Hölle".
Als die Vereinigten Staaten ihre
Bündnisse
und
militärische
Stärke
wiederaufbauten und den Sowjets gegenüber eine feste Haltung einnahmen,
erachteten einige dies als provokativ. Als die Vereinigten Staaten umfassende Vorschläge zum Abbau von
Waffen machten, sagten andere, unsere
Weigerung, sie sofort aufzugeben zeige Kompromißlosigkeit. Als die Vereinigten Staaten sich für die Freiheit aussprachen und an das Gewissen
der Menschheit angesichts totalitärer
Aggression oder Menschenrechtsverletzungen appellierten, kritisierten einige diese Beteuerungen als Gefährdung der heiklen Verhandlungen. Als
wir unsere Haltung zu SDI klarmachten
und in Reykjavik an ihr festhielten,
gab es wieder andere, die das Ende
der Abrüstungsbemühungen befürchteten.
Ich denke, was uns die letzten
sechs Jahre gelehrt haben - und daran
müssen wir uns jetzt erinnern, denke
ich - ist, daß die Schaffung eines an
Spannungen ärmeren Umfelds Realismus
und die Bereitschaft erfordert, im
Angesicht von Bedrohungen, Protesten
und sorgenvollen Vorhersagen für unsere Werte und Verpflichtungen einzutreten.
Wir müssen uns auch daran
erinnern, daß die Stimmen der Panikmacher oder der Beschwichtiger das
sorgsame Streben nach Frieden stören,

wenn sie in ihrer Hast, ein Abkommen
zu unterzeichnen oder einen Vertrag
in die Wege zu leiten, Gerechtigkeit
und weltweite Freiheit als Ziele der
amerikanischen Außenpolitik aus den
Augen verlieren.
Ich bin daher davon überzeugt,
daß der von uns in Verhandlungen erzielte Fortschritt darauf zurückgeführt werden kann, daß wir in unseren
öffentlichen
Erklärungen
aufrichtig
waren. Bei meinem Amtsantritt und im
weiteren
Verlauf
der
vergangenen
sechs Jahre habe ich meine Meinung
über die sowjetische Ideologie und
deren Absichten stets freimütig zum
Ausdruck gebracht.
Ich wollte nicht
unnötig
antagonistisch
sein,
ich
wollte mich nur zu einer der schwerwiegendsten Lektionen der Geschichte
bekennen: daß das erste Ziel aggressiver Mächte darin liegt, den Willen
der möglichen Gegner zu brechen - und
so die freien Nationen zu dem Gedanken zu verleiten, daß öffentliche Äußerungen der Wahrheit oder moralische
Proteste gegen Aggressionen in sich
selbst Akte kriegerischer Handlungen
sind.
Und die Geschichte lehrt, daß,
wenn - im Namen des Friedens - freie
Nationen solche subtilen Einschüchterungen
stillschweigend
hinnehmen,
dies den Zusammenbruch ihrer eigenen
Selbstachtung und Freiheit unmittelbar nach sich zieht. Die Geschichte
zeigt immer wieder, daß Konflikte aus
den
Fehleinschätzungen
aggressiver
Mächte entstehen, die den Willen demokratischer Nationen zum Widerstand
falsch einschätzen.
Freimut und Realismus gegenüber
den Sowjets haben dem Friedensprozeß
geholfen -i denn sie sind nicht nur
die unerläßliche Bestätigung unserer
eigenen moralischen Stärke, sondern
auch ein Signal an unsere Sowjet-

�ischen Gegenspieler, daß man jeglicher Versuchung der Ausbeutung westlicher
Illusionen widerstehen muß,
weil solche Illusionen nicht länger
existieren.
Heine Damen und Herren, ich habe
von der Zukunft oft als dem frischen
und stärker werdenden Wind der Zukunft gesprochen. In diesem Bild zu
sprechen bedeutet nicht, ein Volk
oder eine Nation zu bedrohen, sondern
nur, die heiligste Hoffnung und den
ältesten Traum der Menschheit zu erneuern: Fine Welt, in der materielle
Wünsche erfüllt und menschliche Freiheit bewahrt werden und Frieden und
Brüderlichkeit unter den Völkern vorherrschen.
Diese Ziele sollten gefeiert und diese Wahrheiten sollten
ohne Entschuldigungen gegenüber irgendjemandem verfolgt werden.
Abschließend möchte ich Ihnen von
einer kleinen Begebenheit berichten,
die ich gestern den Jugendlichen in
Purdue erzählt habe. Ich erhielt einen Brief, in dem ein Mann sagte, daß
man nach Japan gehen und dort leben
könne und nicht Japaner werden könne.
Daß man in die Türkei gehen und dort
leben könne und nicht Türke werde,
oder
nach
Griechenland
und
nicht
Grieche v/erde, oder nach Frankreich
und nicht Franzose werde.

Teil
men
ist
alle

Aber jeder, gleich von welchem
der Welt, kann nach Amerika komund Amerikaner werden.
und es
vielleicht an der Zeit, daß wir
dies begreifen.

- 7 -

�AMERIKA DIENST
Dokumentation
15. April 1987

14
KOMMISSION ZUR UNTERSUCHUNG DER SICHERHEIT
IN MOSKAUER BOTSCHAFT EINGESETZT
- Stellungnahme Präsident Reagans -

WASHINGTON - (AD) - In einer Stellungnahme vor Journalisten hat Präsident
Reagan am 7. April 1987 seiner Besorgnis "über die Verletzung der Sicherheit
in unserer Moskauer Botschaft" Ausdruck verliehen.
Er kündigte die Einsetzung von Arbeitsgruppen der Regierung an, die innerhalb von 90 Tagen einen Bericht über die Hintergründe der Affäre vorlegen sollen. Gleichzeitig erklärte er, daß die Vereinigten Staaten ihr neues Botschaftsgebäude in Moskau nur dann beziehen werden, wenn sie von seiner Sicherheit überzeugt sind.
Nachstehend drucken wir die Erklärung des Präsidenten im Wortlaut:

Ich bin heute hierher gekommen,
um Ihnen mitzuteilen, daß ich über
die Verletzung der Sicherheit in unserer Moskauer Botschaft äußerst besorgt bin. Obwohl uns noch nicht alle Fakten bekannt sind, ist deutlich
erkennbar,
daß
die
Angelegenheit
weitreichende
Konsequenzen
für die
Sicherheit haben wird und daß ein
schnelles Handeln erforderlich ist,
um weiteren Schaden für unsere nationale Sicherheit abzuwenden.

Lage

Als vor zwei Wochen der Ernst der
klar wurde, habe ich eine Sit-

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zung meiner nationalen Sicherheitsberater einberufen und Frank Carlucci
aufgefordert, unverzüglich mit einer
internen Bewertung des Schadens zu
beginnen. Und heute möchte ich einige zusätzliche Maßnahmen ankündigen.
Die Vereinigten
Staaten werden
ihr neues Botschaftsgebäude in Moskau
nur beziehen, wenn ich mich vergewissert habe, daß wir gefahrlos in ein
abgesichertes Botschaftsgebäude einziehen können.
Ebenso wird es der
Sowjetunion solange nicht gestattet
sein, ihre neuen Einrichtungen in

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�Washington zu beziehen, bis ein Umzug
beider Länder zur gleichen Zeit möglich ist.

wiederum
umfassende Emfehlungen zu
Spionageabwehr und Sicherheitsmaßnahmen, Vorgehensweisen und Verantwortlichkeiten vorlegen soll.

Ich habe den Außenminister angewiesen, die Sicherheit von Botschaften zum einem Haupttagesordnungspunkt
seiner
bevorstehenden Gespräche in
Moskau zu machen, und ich habe den
ehemaligen Verteidigungsminister Mel
Laird gebeten, den Vorsitz über eine
Arbeitsgruppe zu übernehmen, die im
Verantwortungsbereich
des
Außenministers steht und zur Überprüfung und
Bewertung der Lage dienen soll. Außerdem habe ich die Vorsitzende meines Beirates für die Auswertung von
Auslandsnachrichten
(PFIAB),
Botschafterin Anne Armstrong, damit beauftragt, die Abläufe und Maßnahmen
zu überprüfen, die weltweit in unseren Botschaften angewandt werden, um
amerikanische Einrichtungen zu schützen. Ich habe darum gebeten, daß mir
diese beiden Berichte vom Außenminister und vom PFIAB innerhalb von 90
Tagen übergeben werden.
Insbesondere sind sowohl der Außenminister wie auch der PFIAB damit
beauftragt worden, den derzeitigen
Zustand unseres neuen Gebäudes zu beurteilen und gleichzeitig festzustellen, ob das Gebäude jemals wieder sicher sein wird, oder ob ein vollständiger Abriß und Wiederaufbau nötig
ist.
Schließlich habe ich den Außenminister und den Verteidigungsminister
beauftragt, mir Empfehlungen auszuarbeiten, wie man in Zukunft das Sicherheitspersonal an der amerikanischen Botschaft in der Sowjetunion
und in anderen Ländern im Hinblick
auf die Dauer der Dienstzeiten, die
Auswahl der Mitarbeiter und deren Beaufsichtigung handhaben soll.
Diese
Berichte werden mit dem Nationalen
Sicherheitsrat
abgestimmt, der mir
- 2 -

* * * * * *

�AMERIKA DIENST
r

1*

^

ckS

Dokumentation
15. April 1987

14
GLASNOST UND DER KONSENS IM WESTEN

- Ansprache des amerikanischen Botschafters in Berlin BERLIN - (AD) - In seiner Ansprache anläßlich der 14. Deutsch-Amerikanischen Konferenz der Atlantik Brücke in Berlin hat Botschafter Richard R. Burt
am 11. April 1987 erklärt, der Westen müsse sich sowjetischen Bestrebungen widersetzen, ein von Atomwaffen freies Europa zu schaffen. "Insbesondere müssen
wir Einigung darüber erzielen, daß es eine Grenze gibt, jenseits derer das
Bündnis der Erweiterung der Null-Lösung in der nuklearen Rüstungskontrolle ein
klares 'Nein' entgegenstellen wird." Es müßten "deutliche Verbindungen zwischen den konventionellen und nuklearen Verhandlungen in Europa" hergestellt
werden und weitere Reduzierungen bei den Atomwaffen könnten "nur im Kontext
neuer Fortschritte in Richtung auf ein Gleichgewicht bei den konventionellen
Streitkräften erfolgen".
Die Ansprache von Botschafter Burt hat folgenden Wortlaut:
Ein gutes Mittagessen bietet jedem Redner
eine Herausforderung
insbesondere die, jedermann wachzuhalten. Es ist ebenso eine Gelegenheit, Dinge zu äußern, die ohne eine
Grundlage von gutem Essen und gutem
Wein etwas schwer verdaulich wären.
Meiner Ansicht nach gibt es einige
wichtige Dinge, die gerade jetzt zu
den deutsch-amerikanischen und europäisch-amerikanischen Beziehungen gesagt werden sollten, und ich möchte
Richard Perle versichern, daß ich dabei nicht um den heißen Brei herumreden werde.

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Embassy of the United States of America

Ich
könnte
meine
Ausführungen
kaum an eine geeignetere Zuhörerschaft richten. Sie nehmen als Hüter
der deutsch-amerikanischen Beziehungen an dieser 14. Jahreskonferenz der
Atlantik Brücke teil. Sie sind diejenigen, die in oder außerhalb der
Regierung entscheidenden Einfluß darauf ausüben, was zwischen unseren
beiden Ländern vorgeht.

Ein neues Zeitalter für die OstWest-Beziehungen

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�Wir treten in einen neuen Zeitabschnitt der Ost-West-Beziehungen ein,
mit dem sich eine Reihe wichtiger
Herausforderungen und Chancen eröffnen.
Herrn Gorbatschows "Glasnost"Politik weist auf die Möglichkeit
wichtiger Entwicklungen innerhalb der
sowjetischen
Gesellschaft
hin.
Gleichzeitig haben die Sowjets positiv auf eine seit langem bestehende
Rüstungskontrollinitiative
des
Westens reagiert.
Es besteht jedoch kein Grund zu
der Annahme, daß Gorbatschow versucht, die Sowjetunion in eine Demokratie nach" westlichem Muster umzuwandeln. Es gibt keinen Beweis für
einen Wandel in der geopolitischen
Strategie der Sowjets, keinen Abbau
der
sowjetischen Unterstützung
für
die Diktaturen in Kuba, Nicaragua und
Vietnam, keine Lockerung der Besetzung Afghanistans, keine Auflösung
des osteuropäischen Reiches. Gorbatschow schafft seinem Volk neue Anreize und etwas mehr Preiraum, um die
sowjetische Gesellschaft gefestigter,
effizienter und produktiver zu machen
- so daß die Sowjetunion wirkungsvoller mit dem Westen konkurrieren kann.

die der Westen nutzen kann, wenn wir
uns in den kommenden Monaten über unsere Ziele und Taktiken einigen und
einen
Konsens darüber
herbeiführen
können, wie diese durchzuführen sind.
Meiner Ansicht nach werden wir jedoch
neue Möglichkeiten zur Schaffung einer
sichereren
und
kooperativeren
Grundlage für die Ost-West-Reziehungen
verschenken,
wenn
wir
nicht
schädliche Differenzen bei der Sicherheitsund
Wirtschaftspolitik
ausräumen, die die Zusammenarbeit im
Westen untergraben.
Heute möchte ich über drei Bereiche sprechen, in denen der westliche
und besonders der deutsch-amerikanische Konsens unerläßlich ist, wenn
wir uns die sich durch das neue Zeitalter der Ost-West-Beziehungen bietende Gelegenheit zunutze machen wollen. In solch einem vielversprechenden Moment
können wir
uns
keine
Kirchturmpolitik,
keinen
Provinzialismus
und
keinen
Protektionismus
leisten, wie sie auf beiden Seiten
des Atlantiks zunehmend in Mode kommen.

Wenn "Glasnost" bedeutet, daß der
Wettbewerb zwischen Ost und West auf
eine zivilisiertere Art und Weise
durchgeführt wird als in der Vergangenheit, sollten wir Gorbatschows Bemühungen begrüßen. Aber wie zivilisiert der Wettbewerb auch betrieben
werden mag, es wird dabei dennoch um
Grundsätzliches gehen.
Veränderungen in der Sowjetunion
zwingen westlichen Regierungen eine
Reihe neuer
Dilemmas und Probleme
auf, zu denen Entscheidungen getroffen werden müssen. Die gegenwärtigen
Veränderungen
in
der
Sowjetunion
scheinen eine Gelegenheit zu bieten,
- 2 -

- Erstens müssen wir uns dem Drängen
für
ein
atomwaffenfreies
Westeuropa
widersetzen
und uns
Rüstungskontrollabkommen
entgegenstellen, deren Ergebnis es wäre, Europa de facto in eine atomwaffenfreie Zone umzuwandeln.
- Zweitens müssen wir
uns gegen
mangelhaft durchdachte Vorschläge
für einen erheblichen Abbau amerikanischer Kampftruppen auf europäischem
Boden
wenden
und
gleichzeitig
romantische
Ideen
zurückweisen,
westeuropäische
Streitkräfte rein defensiv umzurüsten.
- Drittens müssen wir auch dem zunehmenden Druck für einen wirt-

�schaftlichen Protektionismus entgegentreten, der verheerende Auswirkungen auf den Welthandel hätte
und
ernstliche
politische
Spannungen hervorbringen würde.

Jenseits der Null-Lösung; Ein
sicherheitspolitisches Konzept für
Europa

Ich persönlich glaube und habe
auch schon an anderer Stelle darauf
hingewiesen, daß die Abschaffung aller
SS-20,
Pershing-Raketen
und
Marschflugkörper in Europa sowie die
Reduzierung der SS-20 in Asien westlichen Interessen entgegenkommen würde:

Lassen Sie mich zunächst auf das
Problem
der
Atomwaffen
eingehen.
Zwei Generationen von Amerikanern und
Europäern haben ein System der Sicherheit
errichtet und verbessert,
das Westeuropa seit vierzig Jahren
Stabilität und Freiheit geboten hat.
Es hat viele Umwälzungen gegeben,
aber die Grundlage dieses Systems ist
immer noch das anhaltende Engagement
der amerikanischen atomaren und konventionellen Macht in Europa.
Diese Grundlage könnte durch eine
kluge sowjetische Rüstungskontrollpolitik sowie durch mangelnde Einheitlichkeit im strategischen Denken des
Westens untergraben werden.
Wie jede Rüstungskontrollverhandlung und wie auch jeder Handel mit
einem Gegner waren die Verhandlungen
über Mittelstreckenwaffen umstritten
und sind dies umso mehr, je näher sie
ihrem Abschluß entgegen gehen.
Als Präsident Reagan im November
1981
die
"Null-Lösung"
vorschlug,
wurde dies von manchen als kluger Eröffnungszug zu komplexen Verhandlungen bejubelt und von anderen als Behinderung des Fortschritts verdammt.
Nur dadurch, daß die Sowjets dieses
Konzept als Grundlage für ein Abkommen akzeptiert haben, hat die NullLösung als Basis einer neuen strategischen Realität in der Öffentlichkeit zu Diskussionen Anlaß gegeben.

- 3 -

- Solch ein Abkommen wird, wenn
auch in geringem Maße, die Gefahr
eines Atomkrieges abbauen, Spannungen zwischen Ost und West lindern und die Aussichten auf einen
zukünftigen Rüstungsabbau verbes-'
sern.
- Der mit solch einem Handel einhergehende Austausch ist für den
Westen günstig.
Die NATO würde
572 noch nicht vollständig stationierte Pershings und Marschflugkörper im Austausch für die
Zerstörung von 1224 gegenwärtig
stationierten Gefechtsköpfen auf
SS-20 Raketen aufgeben. Bei einem
fehlenden Abkommen
könnten
die
Sowjets
ihre Stationierung
von SS-20 und deren Nachfolgesystemen verstärkt fortsetzen.
- Eine "Null-Lösung" wird wirkungsvoll die Fähigkeit der Sowjets
beschneiden, Europa mit atomarer
Zerstörung von einem sowjetischen
Sanktuarium aus zu bedrohen. Die
Sowjetunion
wird eine wichtige
militärische Option und ein politisches Instrument verlieren - es
wird ihr das Ziel verweigert werden, für das sie die SS-20 zunächst gebaut und stationiert hat.
- Schließlich wird der Abschluß einer solchen Übereinkunft das Vertrauen der Öffentlichkeit in die
Fähigkeiten
des Bündnisses zur
Handhabung der Ost-West Beziehungen erheblich stärken.
Er wird
die Unterstützung für die atlan-

�tischen Beziehungen erhöhen. Er
wird
diejenigen
rechtfertigen,
die sich, wie Präsident Reagan,
Bundeskanzler Kohl und Premierministerin Thatcher ernsthaft für
die europäisch-amerikanische Zusammenarbeit einsetzen und die in
den schwierigen frühen achtziger
Jahren für das Bündnis einstanden. Er wird den Beweis erbringen, daß wir nur ein Gleichgewicht durch Rüstungskontrolle erlangen können, wenn wir uns auch
- falls erforderlich - dazu bereit finden, ohne Rüstungskontrolle auszukommen. Das alte Paradoxon, daß wir "rüsten müssen,
um abzurüsten" wird sich als berechtigte Politik bestätigen.
Die Null-Lösung beinhaltet jedoch
auch Risiken.
Die NATO gibt damit
sowohl Waffen als auch militärische
Optionen auf - Waffen und Optionen,
bei denen wir bedeutende finanzielle
und erhebliche politische Investitionen vorgenommen haben.
Gleichzeitig
erhöht jedes Rüstungskontrollabkommen
mit seinem Abschluß die Bedeutung
dessen, was keiner Kontrolle unterliegt. Im Falle eines INF-Abkommens
erlangt das bestehende Ungleichgewicht bei den
Kurzstreckensystemen
sowie den konventionellen Streitkräften und chemischen Waffen zunehmende
Bedeutung. Aus diesem Grunde hat der
auf der Null-Lösung basierende Ansatz
für ein INF-Abkommen zu einer Reihe
von Einwänden
seitens aufmerksamer
und besorgter Beobachter Anlaß gegeben.
- Erstens besteht die Befürchtung,
der Abzug amerikanischer Pershing
II und Marschflugkörper aus Europa könnte die Verknüpfung zwischen
amerikanischer
strategischer Abschreckung und der Verteidigung Europas schwächen.

- Zweitens wurde die Sorge geäußert, die Strategie der flexiblen
Reaktion des Bündnisses sei ohne
die durch amerikanische Raketen
gebotene Fähigkeit zur Eskalation
nicht mehr realisierbar.
- Drittens besteht weitverbreitete
Besorgnis darüber - und dies ist
vielleicht der wichtigste Punkt
-, daß die Erlangung einer NullLösung bei Mittelstreckenraketen
längerer Reichweite in Europa unweigerlich zu einer Null-Lösung
bei allen Atomwaffen in Europa
führen könnte.
Durch die atomwaffenfeindliche Haltung zu beiden Seiten des Atlantiks könnten
westliche
Regierungen
so unter
Druck gesetzt werden, daß sie
weitere Abkommen schließen, die
Europa
gänzlich ohne nukleares
Abschreckungspotential
beließen.
Und die Sowjets könnten sehr wohl
bereit sein, ihre Kurzstreckensysteme aufzugeben und sich auf ihre Überlegenheit im konventionellen Bereich zu verlassen, um einen atomwaffenfreien Kontinent zu
beherrschen.
Diese Sorgen sind berechtigt und
ich teile sie. Aber ich glaube, daß
ein Abkommen über eine Null-Lösung
bei den INF-Raketen längerer Reichweite ein Risiko darstellt, das einzugehen sich lohnt. Gleichzeitig ist
es ein Risiko, das sorgfältige Überlegung und vorausschauende Vorbereitung
unsererseits
erfordert.
Wir
könnten uns bald einer neuen strategischen und politischen Situation gegenübersehen, die durch den Abzug
amerikanischer und sowjetischer Raketen längerer Reichweite aus Europa
hervorgerufen würde. Bevor diese Situation eintritt, müssen wir im Bündnis ein gemeinsames Konzept erarbeitet haben, wie wir diesen veränderten
Umständen gerecht werden und was wir

�als nächstes tun sollen.
Bevor wir
uns von der öffentlichen Meinung und
dem Druck seitens der Sowjetunion zur
Schaffung eines atomwaffenfreien Europa hinreißen lassen, müssen wir uns
auf eine alternative Strategie und
die Sicherung öffentlicher Unterstützung für diese sowie auf eine Reihe
alternativer
Zielsetzungen
für die
RüstungskontrollVerhandlungen einigen.
Bei Inangriffnahme dieser Aufgabe
sollten wir uns fragen, warum Gorbatschow die Null-Lösung bei INF überhaupt akzeptiert hat.
Die Antwort
besteht zum Teil darin, daß das Bündnis
angesichts
des
sowjetischen
Drucks und des öffentlichen Protests
Entschlossenheit gezeigt hat, als es
darum ging, die Stationierung von Raketen voranzutreiben.
Die sowjetische Kampagne der Angst, die das
Bündnis von der Stationierung der
INF-Systeme
abbringen
sollte, hat
nicht funktioniert. Aber wir sollten
uns nichts vormachen.
Wie ich bereits angedeutet habe, könnte Gorbatschows Entscheidung auch den bewußten
ersten Schritt
in einer
Strategie
darstellen, der NATO ihre nukleare
Abschreckung zu entziehen und somit
Europa den überlegenen konventionellen Streitkräften der Sowjets als
Geisel zu überlassen.
Das Bündnis
braucht daher nicht nur eine eigene
Strategie für zukünftige Verhandlungen, sondern auch politischen Mut Mut, um der unvermeidlichen Euphorie
zu widerstehen, die mit einem neuerlichen INF-Abkommen einhergehen wird.
Soweit ich das für die Zukunft
beurteilen kann, wird sich die Sicherheit des Westens auf nukleare Abschreckung
verlassen
müssen.
Das
wird bestimmt solange der Fall sein,
wie die Sowjets eine überwältigende
Überlegenheit bei den konventionellen
Streitkräften und chemischen Waffen
haben und solange, wie die sowjet-

ische Regierung weiterhin Gewalt und
die Androhung von Gewalt als Instrumente internationaler Politik anwendet.
Wenn der Westen sich weiterhin
auf Abschreckung verlassen muß, muß
Europa - und hier besonders die Bundesrepublik Deutschland - weiterhin
seine Sicherheitspolitik auf die erweiterte
Abschreckung
stützen, das
heißt, auf den nuklearen Schirm der
Vereinigten Staaten.
Meiner Ansicht nach hängt die
Glaubwürdigkeit
der
amerikanischen
nuklearen
Garantie
letztlich
immer
noch von der Stationierung umfangreicher
konventioneller
und strategischer
Streitkräfte der Vereinigten
Staaten in Europa ab.
Insbesondere
kann nur die Stationierung einer bedeutenden Anzahl und Vielfalt amerikanischer Atomwaffen in Europa die
unerläßliche Verbindung zwischen den
konventionellen Fähigkeiten des Bündnisses auf der einen und dem amerikanischen strategischen Abschreckungspotential
auf
der
anderen
Seite
schaffen. Und wenn wir nicht den politischen Willen besitzen, diese Waffen auf dem Territorium in Stellung
zu bringen, das zu verteidigen sie
bestimmt sind, wie könnte dann irgend
jemand glauben, daß wir entschlossen
sind, sie auch zu benutzen? Wir müssen George Shultz' Konzeption von einer "weniger nuklearen Welt" im Licht
dieser grundlegenden Prinzipien verstehen - sie ist keine Formel für ein
von Atomwaffen freies Europa.
In der Welt nach der Null-Lösung
werden eine erweiterte Abschreckung
und die flexible Reaktion weiterhin
ihre Gültigkeit als strategische Konzeptionen besitzen. Wir können diese
Konzeptionen mit einer geringeren Anzahl von Atomwaffen anwenden als wir
zur Zeit besitzen - dies ist aber nur

- 5 -

�dann möglich, wenn die strategische
Verpflichtung Amerikas in einer anhaltenden nuklearen Präsenz der Vereinigten Staaten in Europa verankert
bleibt.
Die Haltung des Westens bei den
RüstungskontrollVerhandlungen
muß
auch nach der Erreichung der "NullLösung" in den Verhandlungen über
Mittelstreckenraketen von der Notwendigkeit einer Aufrechterhaltung der
erweiterten
Abschreckung
bestimmt
sein.
Das Bündnis muß umgehend zu
einem Konsens über die Führung dieser
Anschlußverhandlungen kommen und einen
konzeptionellen
Rahmen entwikkeln, der es uns gestatten wird, alle
möglichen
Ergebnisse
auszuwerten.
Insbesondere müssen wir Einigung darüber erzielen, daß es eine Grenze
gibt, jenseits derer das Bündnis der
Erweiterung der Null-Lösung in der
nuklearen Rüstungskontrolle ein klares "Nein" entgegenstellen wird.
Zusätzlich müssen wir die Beziehung zwischen Verhandlungen über nukleare Streitkräfte in Europa und Bemühungen untersuchen, auf dem Verhandlungswege Reduzierungen der konventionellen Streitkräfte zu erreichen.
Diese Gespräche sollten sich
auf die Streitkräftekategorien
mit
offensiven Fähigkeiten konzentrieren,
besonders auf gepanzerte Kräfte und
Artillerie.
Wir
sollten deutliche
Verbindungen zwischen den konventionellen und nuklearen Verhandlungen in
Europa in Betracht ziehen und klarstellen, daß es einen Punkt gibt, an
dem wir nicht zu weiteren Reduzierungen der nuklearen Kräfte der NATO bereit sind, außer im Kontext neuer
Fortschritte
in
Richtung
auf
ein
Gleichgewicht bei den konventionellen
Streitkräften.

Die Herausforderung der konven-

tionellen Verteidigung
Damit komme ich zu der zweiten
Gruppe von Herausforderungen, denen
wir uns stellen müssen. Das Engagement der amerikanischen Nuklearmacht
ist nur eine Dimension der westlichen
Strategie. Das Engagement amerikanischer
konventioneller
Streitkräfte
ist ebenso unverzichtbar - und mit
der Annäherung an eine weniger nukleare Welt wird es noch wichtiger werden.
Es ist deshalb beunruhigend, das
Entstehen
einer
unheiligen Allianz
zwischen Elementen der europäischen
Linken
und
einigen
amerikanischen
Konservativen zu beobachten, die den
Abbau der amerikanischen Truppenpräsenz in Europa zum Ziel hat.
Auf
der
amerikanischen
Seite
gründet sich die Argumentation für
einen erheblichen oder totalen Abzug
amerikanischer Truppen aus Europa auf
drei schwerwiegende Trugschlüsse:
Erstens, daß wir dadurch enorme
Finanzmittel einsparen würden. Einige behaupten, die amerikanische Verpflichtung für die NATO koste uns bis
zu 150 Milliarden Dollar jährlich.
Sie meinen, wir könnten dieses Geld
einfach durch den Abzug aus Europa
einsparen - ein leichter und politisch schmerzloser Ausweg aus unseren
Haushalts- und Handelsbilanzdefiziten.
Nun, dies ist wirklich ökonomischer Voodoo-Zauber . Wir würden diese Einsparungen nicht vornehmen können, wenn aus Europa abgezogene Truppen in die Vereinigten Staaten oder
andere Regionen verlegt würden. Ja,
eine Verlegung würde letzten Endes
wahrscheinlich mehr kosten als wir
heute ausgeben.
Die

- 6

Vereinigten

Staaten

werden

�nur dann beträchtliche Einsparungen
erzielen, wenn die aus Europa abgezogenen Truppen demobilisiert werden.
Wenn dies der dahinterstehende Gedanke ist, dann sollten diejenigen, die
ihn unterstützen, offen kundtun, daß
sie einen ungeheuren Schritt einseitiger Abrüstung anstreben.
Der zweite Trugschluß kommt in
der
Behauptung
zum Ausdruck, die
strategische Bedeutung Westeuropas im
Vergleich zu anderen Regionen sei im
Schwinden
begriffen.
Zbigniew
Brzezinski
hat darauf hingewiesen,
daß die amerikanischen Interessen in
Regionen wie dem Persischen Golf,
Südwestasien und Mittelamerika direkt
bedroht sind.
Er argumentiert, daß
eine Truppenverminderung
in Europa
uns besser in die Lage versetzt, auf
Krisen in diesen und anderen Regionen
zu reagieren.
Leider teilen die Sowjets Zbigs
Einschätzung nicht.
Sie betrachten
Europa weiterhin als den entscheidenden strategischen Gewinn.
Die meisten, am besten ausgerüsteten und
ausgebildeten
sowjetischen
Streitkräfte sind gegen Westeuropa aufgestellt.
Diese
Streitkräfte
sind
ständig
stärker
geworden,
nicht
schwächer. In dem Ausmaß, in dem wir
Bedrohungen in anderen Regionen ausgesetzt sind, müssen wir uns diesen
stellen. Aber wenn wir dies nur dadurch versuchen, daß wir Truppen aus
Europa abziehen, machen wir es lediglich wahrscheinlicher, daß Konflikte
andernorts auf Europa überspringen,
wo wir nach einem Truppenabzug ernstlich im Nachteil wären.
Der dritte Trugschluß bezüglich
eines Truppenabzugs ist der schlimmste von allen. Er manifestiert sich
in dem Argument, daß sich die Europäer zusammenreißen und mehr für sich
selbst tun würden, wenn die Amerika-

ner weniger für Europa täten.
In
dieser Idee zeigt sich ein grundsätzliches Mißverständnis der
heutigen
Realitäten in Europa.
Teilweise ist gerade durch die
von der amerikanischen Truppenpräsenz
in Europa gewährte Stabilität die
allmähliche Annäherung Westeuropas an
wirtschaftliche und politische Einheit ermöglicht worden.
Die Befürworter eines amerikanischen Rückzugs
können nicht erklären, wie ihre Politik einen Antrieb für die noch stärkere Einheit bilden könnte, die für
die Entwicklung
eines
integrierten
westeuropäischen VerteidigungsSystems
notwendig ist. Selbst die Franzosen
erklären, daß die amerikanische Militärpräsenz
noch
unersetzlich
ist.
Sie sagen offen, daß sie nicht in der
Lage wären, die amerikanische Sicherheitsgarantie für die Bundesrepublik
Deutschland durch eine eigene zu ersetzen .
Natürlich
leisten die Europäer
schon jetzt eine großen Beitrag zur
Verteidigung der NATO.
Die meisten
unter Ihnen wissen zum Beispiel, daß
in Mitteleuropa über die Hälfte der
NATO-Truppen, 60 Prozent ihrer Kampfpanzer und 30 Prozent ihrer Kampfflugzeuge von den Deutschen gestellt
werden.
Die
Bundesrepublik
zahlt
über ein Viertel des NATO-Infrastrukturprogramms , fast so viel wie die
Vereinigten Staaten. Sie leistet bedeutende Militärhilfe
an Griechenland, die Türkei und Portugal. Ein
erweiterter
Blick auf das Bündnis
zeigt, daß die Europäer 90 Prozent
der Landstreitkräfte, 75 Prozent der
Seestreitkräfte und 50 Prozent der
Luftstreitkräfte der NATO in Westeuropa stellen.
Die "unaufrichtigen"
europäischen Verbündeten stationieren
Hunderte von amerikanischen mobilen
Raketen auf ihrem Boden während wir
Amerikaner noch nicht einmal eine

- 7 -

�einzige landgestützte mobile
in Stellung gebracht haben.

Rakete

Bei
Berücksichtigung
des
proKopf-Beitrags stellen die Amerikaner
mehr Geld, die Europäer mehr menschliches Potential für die gemeinsame
Verteidigung zur Verfügung. In einer
idealen Welt würde man sich vielleicht ein größeres europäisches Verteidigungsbudget und die Wehrpflicht
in Amerika wünschen, aber die heutige
Realität ist das Produkt einer historischen Entwicklung, die nur allmählich überwunden werden kann.
insgesamt gibt es keinen Grund
anzunehmen, daß eine Verminderung der
amerikanischen
Bemühungen hier
die
Europäer stimulieren würde, mehr für
die Verteidigung auszugeben, genausowenig wie man annehmen könnte, daß
Kürzungen in den europäischen Verteidigungshaushalten
die
Vereinigten
Staaten
zur
Wiedereinführung
der
Wehrpflicht veranlassen würden.
Ich
bin davon überzeugt, daß eine Verminderung der amerikanischen Truppenpräsenz genau den gegenteiligen Effekt
hätte.
Amerikanische Truppenverminderungen
würden
gerade
diejenigen
entmutigen, die sich für verstärkte
europäische
Verteidigungsbemühungen
einsetzen. Ein Abzug würde die Linken in Europa stärken, die behaupten,
die Vereinigten Staaten seien ein unzuverlässiger Verbündeter und die einer einseitigen Abrüstung als Mittel
zur Erzielung einer Verständigung mit
der Sowjetunion das Wort reden.
Somit spielen konservative Kritiker des Bündnisses in den Vereinigten
Staaten den linken Gegnern der NATO
in Europa in die Hände. Hier entspringt das Gerede von einer "Europäisierung
Europas" einer Neigung,
die Präsenz und Haltung der amerikanischen
und
sowjetischen
Truppen
gleichzusetzen und diese Präsenz als

Ursache anstatt als Symptom der Teilung Europas anzusehen. Entgegen allen historischen Erfahrungen besteht
Sympathie für die Ansicht, die Sowjets seien in Osteuropa verblieben,
weil die Amerikaner im Westen geblieben seien und daß sie abziehen würden, wenn wir das gleiche täten.
Die Endziele der amerikanischen
Unilateralisten und der europäischen
Linken sind einander entgegengesetzt.
Dies bedeutet aber nicht, daß sie bei
der Erreichung ihres Nahziels erfolglos sein werden - der Schwächung der
amerikanischen Verpflichtung für Europa.
Diejenigen unter uns, die an
die fortdauernde Bedeutung der atlantischen Bindung glauben - und ich
hoffe, daß dazu alle der heute hier
Versammelten gehören - sollten diese
Möglichkeit besser erkennen.
Die von mir angebotenen Rezepte
sind leichter auszusprechen als zu
verwirklichen.
Während wir uns auf
eine weniger nukleare Welt zubewegen,
muß Europa mehr, nicht weniger, für
seine
konventionelle
Verteidigung
tun.
Es muß sicherlich einäugigen
Vorschlägen
widerstehen, durch die
die europäischen Streitkräfte jeglicher Fähigkeit zur Durchführung offensiver Operationen beraubt würden.
In der Zwischenzeit muß der Kongreß
davon überzeugt werden, daß der langsame aber in den vergangenen beiden
Jahrzehnten stetige Aufwärtstrend bei
den
europäischen
Verteidigungsanstrengungen nur dann aufrechtzuerhalten ist, wenn die Vereinigten Staaten
weiterhin ihren Beitrag leisten.
Das Bündnis muß auch zu einem
besseren Verständnis der Sicherheitszusammenarbeit außerhalb Europas gelangen, wodurch die Vereinigten Staaten in die Lage versetzt werden, ihre
hier stationierten Streitkräfte wirkungsvoller für mögliche Einsätze au-

�ßerhalb ihres eigentlichen Stationierungsgebiets zu verwenden. Die Europäer selbst sollten mehr Verantwortung für den Schutz und die Förderung
westlicher Interessen in Gebieten der
Dritten Welt von entscheidender Bedeutung übernehmen. Wenn Europa dies
tut, sollten die Vereinigten Staaten
bereit
sein, engere
Konsultationen
durchzuführen und einseitige Lösungen
zu vermeiden.
Letzten Endes läuft alles auf das
folgende hinaus: zu einer Zeit, in
der wir
unser nukleares Abschrekkungspotential
reduzieren und über
gegenseitige Reduzierungen der konventionellen Streitkräfte verhandeln,
wäre ein einseitiger Abzug amerikanischer Truppen aus Europa bestenfalls
ein Hasardspiel.
Leider scheint es auf beiden Seiten des Atlantiks zu viele Möchtegernspieler
zu
geben.
Wir
haben
jetzt eine bedeutende Chance, unsere
Zusammenarbeit im Bereich der konventionellen Verteidigung zu festigen.
Es wäre eine Schande, wenn sich die
zu erwartenden politischen Dividenden
eines historischen Rüstungskontrollabkommens im nuklearen Bereich in gegenseitigen Beschuldigungen oder in
der Zurückweisung romantischer Phantasien auflösen würden anstatt dafür
verwendet zu werden, die Unterstützung der Öffentlichkeit für die Erfordernisse unserer gemeinsamen Verteidigung zu gewinnen.

Die wirtschaftliche Dimension der
westlichen Sicherheit
Ebenso wäre es eine Schande, wenn
wir wirtschaftliche Differenzen ausufern ließen.
Wir neigen dazu, die wirtschaftliche Dimension der Sicherheit außer

acht zu lassen oder zumindest herunterzuspielen.
Nach vier Jahrzehnten
des Wohlstands haben wir vergessen,
daß Wirtschaftspolitik ein integraler
Bestandteil
der
Sicherheitspolitik
ist. In einem neuen Buch mit dem Titel "Economic Security and the Origins of the cold War" weist Robert
Pollard, der gegenwärtig Mitarbeiter
in unserem Münchner
Konsulat ist,
darauf hin, daß "die politisch Verantwortlichen
in
den
Vereinigten
Staaten die Wirtschaftspolitik gegenüber dem Ausland von 1945 bis zum
Vorabend des Korea-Krieges als Hauptinstrument der amerikanischen Sicherheit benutzten" und daß "die wirtschaftliche Zusammenarbeit der wichtigsten
nichtkommunistischen
Mächte
nach dem Zweiten Weltkrieg die Aussichten für eine politische und militärische
Partnerschaft
grundlegend
verbesserte".
Heute, genau wie in der unmittelbaren Nachkriegszeit gilt, daß die
wirtschaftliche, politische und militärische
Partnerschaft
Teil
eines
Ganzen sind und daß, wie Pollard
feststellt, "wirtschaftliche Spannungen dem Bündnis irreparablen Schaden
zufügen könnten, wenn sie nicht eingedämmt werden".
Lassen Sie mich betonen, daß ich
damit nicht ein "Junktim" von sicherheitspolitischen und wirtschaftlichen
Themen in manipulativer Weise andeuten möchte.
Es wäre unverantwortlich, den amerikanischen
nuklearen
Schutzschild oder die amerikanischen
Truppen
in Europa als Druckmittel
einzusetzen, um unseren Verbündeten
wirtschaftliche Konzessionen abzugewinnen.
Es steht jedoch eine der herausragendsten Errungenschaften der Nachkriegszeit, die Schaffung eines offenen westlichen
Handelssystems, auf

- 9 -

�dem Spiel. Auf beiden Seiten des Atlantiks können wir ein Wiederaufleben
Protektion istischer
Einstellungen,
wirtschaftlicher Kirchturmpolitik und
wirtschaftlicher Alleingänge beobachten.
Es ist das gewaltige amerikanische Handelsbilanzdefizit, das zur
Zeit
zur
größten
Besorgnis
Anlaß
gibt.
Das amerikanische Handelsbilanzdefizit
würde
natürlich
stark
verringert, wenn wir eine wirtschaftliche Rezession oder einen Sturz des
Dollars erleben würden. Entwicklungen dieser Art, die den Vereinigten
Staaten kurzfristig zu einer etwas
ansehnlicheren Handelsbilanz verhelfen könnten, würden jedoch alle treffen - nicht nur die Amerikaner, sondern auch die Europäer.
Die
Reagan-Administration
beabsichtigt, ihre Bemühungen zur Reduzierung des Haushalts- und Handelsbilanzdefizits
fortzuführen
und eine
solide Wirtschaftspolitik zu verfolgen, die auf die Aufrechterhaltung
eines vernünftigen Maßes an nichtinflationärem
Wachstum
ausgerichtet
ist.
Dies wird nur möglich sein,
wenn die freien Industrienationen bei
der weiteren Öffnung der Weltwirtschaft zusammenarbeiten können.
Schnelleres
Wachstum
außerhalb
der Vereinigten Staaten bildet einen
wesentlichen Bestandteil dieser Öffnung. Politische Maßnahmen, die eine
Verlangsamung
des
Wirtschaftswachstums und Unterdrückung der Gesamtnachfrage zur Folge haben, verhindern
Importe beinahe ebenso wirksam wie
Zölle und Quoten. In den vergangenen
Jahren hat Amerika die gesamte Weltwirtschaft mit sich gezogen.
Zwischen 1980 und 1982 belief sich das
Weltwirtschaftswachstum
im
Durchschnitt auf weniger als 1,5 Prozent
und verdoppelte sich in den nächsten

drei Jahren hauptsächlich weil sich
die Importe der Vereinigten Staaten
aufgrund der schnell wachsenden amerikanischen Wirtschaft um nahezu 40
Prozent
erhöhten.
Die Vereinigten
Staaten nahmen vom Zuwachs der Exporte der Entwicklungsländer mehr auf
als die gesamte übrige Welt.
Die Industrieländer profitierten
ebenfalls enorm von der wachsenden
amerikanischen Nachfrage.
Von 1983
bis 1986 wurden die Exporte der Bundesrepublik in die Vereinigten Staaten nahezu verdoppelt.
Da die Inlandsnachfrage in der Bundesrepublik
jedoch sehr viel langsamer anstieg
als in den Vereinigten Staaten, hielten die Importe nicht Schritt. Der
Überschuß
der
Bundesrepublik
beim
Handel mit den Vereinigten Staaten
belief sich auf mehr als 800 Prozent
und im vergangenen Jahr machte dieser
Überschuß mehr als ein Viertel des
gesamten deutschen Handelsüberschusses aus.
In dem Maße, in dem es den Vereinigten Staaten gelingt, ihr Handelsbilanzdefizit zu verringern, sehen sich die Exportländer gezwungen,
einen Ausgleich für die durch das
amerikanische Handelsbilanzdefizit in
der Vergangenheit bedingte Nachfrage
zu schaffen - oder sie sehen sich
ernsthaften
Schwierigkeiten
gegenüber.
Weltwirtschaftswachstum
ist
der einzige Weg, diese Nachfrage zu
wecken. Daher ist die Förderung des
ausgewogenen
und
anhaltenden,
auf
stabile währungs-, Steuer- und strukturpolitische
Maßnahmen
gegründeten
Wachstums durch die jeweiligen Länder
unerläßlich.
Wachsende Märkte haben jedoch nur
für diejenigen einen Wert, die Zugang
zu diesen Märkten haben. Der Marktzugang
ist elementarer
Bestandteil
eines offenen
internationalen Han-

- 10 -

�delssystems
- und
einer
wirksamen
wirtschaftlichen
Partnerschaft
zwischen den westlichen Staaten.
Inzwischen sollten bereits jedem
Kind die Folgen des Protektionismus
bekannt sein. Dem freien Handel entgegengestellte
Hemmnisse
- einschließlich künstlicher Exportsubventionen
- führen
zu
einer
unwirtschaftlichen
Nutzung
knapper Wirtschaftsressourcen
und
verlangsamen
damit das Wirtschaftswachstum, hemmen
Innovationen und behindern die Verbreitung neuer Technologien. Protektionismus verringert die Produktivität.
Durch Protektionismus werden
mehr Arbeitsplätze zerstört als neue
geschaffen.
Er führt zu einer Verzerrung der Märkte, Wechselkurse und
Kapitalflüsse.
Eine protektionistische Politik ist selten nützlich für
das Land als Ganzes, sondern nur für
einzelne
Interessengruppen.
Und
selbst "geschützte" Produzenten verlieren
häufig mehr Verkaufsanteile
auf ausländischen Märkten als sie auf
heimischen Märkten gewinnen.

Politischer Druck zur Bewältigung von
Inflation und Arbeitslosigkeit, die
sich wandelnde internationale Wettbewerbsstruktur
und
die
Forderungen
einzelner Interessengruppen drohen zu
einer immer protektionistischeren Politik auf beiden Seiten des Atlantiks
zu führen.
In
den
Vereinigten
Staaten
herrscht die weitverbreitete Ansicht,
daß die anderen Länder amerikanische
Exporte nicht so sehr nach den Regeln
des redlichen Wettbewerbs behandeln,
wie dies mit deren Exporten in die
Vereinigten
Staaten der Fall ist.
Das
hohe
Handelsbilanzdefizit
der
Vereinigten Staaten wird von den Amerikanern als ein Beweis dieses Arguments angesehen.

Um die möglichen Folgen des Protektionismus
in
seiner
extremsten
Form auszumachen, brauchen wir uns
nur die sowjetische Wirtschaft anzusehen.
Parteichef Gorbatschow ringt
wie jeder sowjetische Parteiführer in
den vergangenen 30 Jahren mit einem
Wirtschaftssystem, das - abgeschirmt
von der Konkurrenz von außen - nicht
in der Lage ist, genügend Wohlstand
zu erzeugen, um dem sowjetischen Volk
einen annehmbaren Lebensstandard zu
geben.

Der Präsident hat bis heute dem
Ruf nach mehr Protektionismus mit
großem politischem Mut widerstanden.
Im vergangenen Jahr verhinderte er
neue Bestrebungen nach Schutzzöllen
für die Produkte der Textil-, Druckund der heimischen Schuhindustrie.
Es wird schwieriger werden, diesen
Grundsatz in diesem Jahr beizubehalten. Viele der neuen Kongreßmitglieder haben in ihren Wahlkreisen Unterstützung für von Importen verdrängte
Arbeitnehmer und Industrien versprochen.
Und jetzt, da die Wahlkampfvorbereitungen
für
die
Präsidentschaftswahl im Jahr 1988 getroffen
werden, ergreifen einige Kandidaten
schon Partei für eine protektionistische Gesetzgebung
als ein Mittel,
sich die Unterstützung der Öffentlichkeit zu sichern.

Wir in der westlichen Welt legen
Lippenbekenntnisse für die Vorteile
des freien Handels ab. Aber wir alle
scheinen
unsere eigenen nationalen
Entschuldigungen für einmal getroffene Entscheidungen zu haben, die das
offene Welthandelssystem untergraben.

Protektionismus - und, als Spiegelbild
dessen,
Exportsubventionen
und Ausfuhrkredite - sind nicht die
einzigen Ursachen des amerikanischen
Handelsbilanzdefizits.
Wie ich bereits ausgeführt habe, spielt das
schnelle
amerikanische
Wirtschafts-

- 11 -

�kaum weiterbestehen könnten.

Wachstum eine große Rolle.
Und es
trifft ebenfalls zu, daß die mit einem sehr großen heimischen Absatzmarkt gesegneten amerikanischen Firmen
ihre Exportmöglichkeiten
nicht
entsprechend oder schnell genug entwickelt haben. Es ist jedoch unehrlich, wenn Deutsche behaupten, daß
die amerikanische Wirtschaft nicht
wettbewerbsfähig sei und dies zu einem Zeitpunkt, zu dem sie die Schutzmaßnahmen der Bundesrepublik für Kohle und Stahl, Schiffswerften, Fluglinien und Flugzeugindustrie, Telekommunikations- und
Rüstungsindustrie
und die Bauern vehement verteidigen.
Dem Verkauf amerikanischer Produkte
werden in Europa zunehmend Hemmnisse
in den Weg gelegt und zwar genau in
den Bereichen, in denen sie am wettbewerbsfähigsten sind.
Lassen Sie mich einige Beispiele
hierzu anführen.
- Die gemeinsame Agrarpolitik fördert den subventionierten Wettbewerb mit den amerikanischen Bauern sowohl auf den heimischen europäischen als auch auf den ausländischen Märkten und dies mit
einem
gewaltigen
Kostenaufwand
für den europäischen Steuerzahler.
- Umfangreiche und strikte Zulassungs- und Wettbewerbsregeln verhindern den Verkauf von ausländischem Telekommunikationsgerät und
den damit verbundenen Dienstleistungen in Europa. Regierungseigene
Telekommunikationsmonopole
kaufen
überwiegend
inländische
Produkte.
- Die europäischen Regierungen haben Millarden von D-Mark, Francs
und Pfund in Programme zum Bau
von
zivilen
Transportflugzeugen
investiert, die ohne diese Subventionen
höchstwahrscheinlich

- In weiten Bereichen der Rüstungsindustrie werden mit kostenintensiven europäischen Entwicklungsprogrammen
Fähigkeiten
erneut
entwickelt, die bereits von Anbietern in den Vereinigten Staaten geliefert werden.
Ich bin
ein Befürworter der deutsch-französische Zusammenarbeit auf dem
Gebiet der Sicherheit. Aber ist
es wirklich sinnvoll, wenn diese
beiden Länder Milliarden für die
Entwicklung eines neuen Angriffshubschraubers ausgeben, der nicht
vor Ende des nächsten Jahrzehnts
einsatzbereit sein wird, wenn ein
vergleichbares amerikanisches System bereits jetzt zur Verfügung
steht?
Wenn die Handelspartner der Vereinigten Staaten den Fluß der amerikanischen Handelsgüter genau dort umleiten, wo sie am wettbewerbsfähigsten sind, müssen sie sich nicht wundern, wenn der Ruf lauter wird, dasselbe mit ihren Handelsgütern vorzunehmen, ich bin kein Verfechter dieses Kurses. Ebensowenig ist der Präsident ein Verfechter dieses Kurses.
Es bedarf jedoch nicht viel Phantasie, sich seine Anziehungskraft für
eine Wählerschaft vorzustellen, die
davon überzeugt ist, ungerecht behandelt zu werden.

Auf dem Weg zu einer neuen internationalen Zusammenarbeit
Die Aufrechterhaltung eines lebensfähigen nuklearen Abschreckungspotentials, das anhaltende Engagement
amerikanischer
konventioneller
Streitkräfte in Europa, der Schutz
des offenen Handelssystems - dies alles ist von vorrangiger Bedeutung für
unsere Sicherheit.
Wie ich heute

- 12 -

�schon betont habe, sieht sich jedoch
unsere Fähigkeit, einen Konsens über
eine durchführbare Politik auf diesen
Gebieten zu erzielen, von der wachsenden Neigung zu amerikanischem Alleingang und europäischer Kirchturmpolitik bedroht.
Wie die diesjährige Veröffentlichung der jährlich vom Chicagoer Rat
für Auswärtige Beziehungen durchgeführten Meinungsumfrage über die amerikanische Außenpolitik belegt, ist
sich die Mehrzahl der Amerikaner der
weltweiten Verantwortung ihres Landes
bewußt und versteht die Notwendigkeit
von Konsultationen. Aber die Amerikaner hören nicht immer auf ihre
Freunde. Wir neigen dazu, ungeduldig
und nach schnellen Lösungen bestrebt
und nicht bereit zu sein, die Verzögerungen und Vielschichtigkeiten hinzunehmen, die ein gemeinsames Vorgehen mit sich bringt.
Die Europäer messen den engen Beziehungen, die sie im Bereich des
Handels und der Kultur untereinander
und mit den anderen Ländern der Welt
haben, einen hohen Wert bei.
Sie
ziehen es jedoch vor, ihre Bemühungen
bei der Bewältigung politischer und
sicherheitsrelevanter
Probleme
auf
Europa zu beschränken und unangenehme
Probleme andernorts anderen zu überlassen - gewöhnlich den Vereinigten
Staaten. Diese Tendenzen nähren und
verschärfen sich gegenseitig.
Während Europa versucht, sich von äußeren Bedrohungen zu isolieren, versucht Amerika, sie ohne angemessene
Beratung und Zusammenarbeit mit anderen zu bewältigen.
Der amerikanische Alleingang und
die europäische Kirchturmpolitik werden in den Vorschlägen sichtbar, Europa durch die Abkoppelung vom amerikanischen nuklearen Abschreckungspotential "atomwaffenfrei" zu machen.

Diese Einstellungen liegen auch den
Vorschlägen beider Seiten über einen
Abzug amerikanischer Truppen aus Europa zugrunde. Es ist diese Denkweise, die wir hinter den amerikanischen
Klagen über "europäische Schwächlinge" und die europäische Besorgnis
über die "Rambomanie" ausmachen können. Und natürlich führen sowohl Alleingänge als auch diese Kirchturmpolitik zu einem sehnsüchtigen Verlangen nach wirtschaftlicher Autarkie dünn verschleiert mit dem Argument,
daß protektionistische Lösungen die
unmittelbar anstehenden Wirtschaftsprobleme bewältigen könnten.
Meine Vision der Zukunft - und
auch Ihre, hoffe ich - räumt der
Partnerschaft
zwischen
Europa
und
Amerika einen zentralen Platz ein.
Die Nachkriegszeit ist vorüber. Europa hat sich vollständig von der
Verwüstung
erholt, die der Zweite
Weltkrieg für Menschen und Volkswirtschaften
brachte.
Die europäische
Wirtschaftsmacht hat wieder an Bedeutung in der Welt gewonnen. Die europäischen
Verteidigungsfähigkeiten
entsprechen denen einer Supermacht.
Europäische Entscheidungen haben einschneidende Auswirkungen auf die Menschen überall auf der Welt, nicht nur
die Europäer.
Dies alles bedeutet, daß Amerikaner wie Europäer lernen müssen, ihre
Beziehung neu zu überdenken und über
neue Formen der Zusammenarbeit nachzudenken, mit denen sie den Herausforderungen einer neuen Welt begegnen
können.
Es reicht nicht mehr aus,
daß wir unsere Beziehung "verwalten"
- nur die Äußerlichkeiten zurechtbasteln, während alles Wesentliche unverändert bleibt.
Wenn
es wirklich
eine
"reife
Partnerschaft" zwischen den Vereinigten Staaten und Europa geben soll,

- 13 -

�muß sie auf einen Konsens gegründet
sein - den Konsens darüber, wie die
Sicherheit in einer weniger nuklearen
Welt aufrechterhalten
werden kann,
wie die Abkoppelung
amerikanischer
Stärke von Europa verhindert werden
kann, wie ein offenes internationales
Handelssystem angesichts neuer Technologien und neuer Konkurrenten beibehalten und erweitert werden kann.
Eine sich wandelnde Welt eröffnet
neue Möglichkeiten, aber sie unterzieht unsere Beziehung auch neuen
Prüfungen.
Ob wir diese Prüfungen
erfolgreich bestehen werden, wird in hohem Mäße - von den heute hier
Anwesenden abhängen.
Ich danke Ihnen.

* * * * * *
- 14 -

�AMERIKA DIENST
Wirtschaft

^rION

15. April 1987

14

AMERIKANISCH-JAPANISCHE GESPRÄCHE ÜBER HALBLEITER OHNE ERGEBNIS
- Erklärung des Büros des amerikanischen Handelsbeauftragten WASHINGTON - (AD) - Das Büro des amerikanischen Handelsbeauftragten (USTR)
hat am 10. April 1987 eine Erklärung veröffentlicht, wonach die zweitägigen
Gespräche zwischen Handelsexperten der Vereinigten Staaten und Japans die Vereinigten Staaten nicht dazu bewegen konnten, die Anhebung der Zölle für japanische Halbleiter-Produkte auszusetzen. Die lOOprozentige Anhebung der Zölle
für eine Reihe japanischer Halbleiter-Produkte soll am 17. April 1987 in Kraft
treten, da Japan sich nicht an die Vereinbarung gehalten hat, Halbleiter auf
Drittmärkten nicht unter den Herstellungskosten zu verkaufen. Ein weiterer
Teil der Vereinbarung, der den verbesserten Zugang amerikanischer HalbleiterProdukte zum japanischen Markt vorsah, ist amerikanischen Vertretern zufolge
ebenfalls nicht erfüllt worden.
Die Erklärung hat folgenden Wortlaut:

Die
Vereinigten
Staaten
haben
zweitägige Konsultationen mit Vertretern der japanischen Regierung über
das amerikanisch-japanische Halbleiter-Abkommen beendet.
Diese Gespräche waren von der japanischen Regierung gemäß den Bestimmungen dieses
Abkommens erbeten worden, die schnelle Konsultationen in besonderen Situationen vorsehen.
Im Verlauf dieser Konsultationen brachte die amerikanische Delegation erneut die Überzeugung der Vereinigten Staaten zum
Ausdruck, daß die Vereinbarung nicht
erfüllt worden ist.
Die amerikani-

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sche Delegation
erklärte
außerdem,
daß konkrete Beweise für die Tatsache
benötigt werden, daß Halbleiter auf
Drittmärkten nicht
länger
zu Dumping-Preisen verkauft werden und daß
der japanische Markt für amerikanische Exporte geöffnet wird, bevor die
Delegation Präsident Reagan empfehlen
würde, seine Absicht zur Verhängung
von Sanktionen gegen japanische Exporte
zu ändern.
Unserer
Ansicht
nach haben die Konsultationen keine
Grundlage geliefert, um die Korrektheit der Daten bezüglich des Marktzugangs oder des Dumpings in Drittlän-

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�d e m in Frage zu stellen, auf denen
die Entscheidung des Präsidenten vom
27. März 1987 beruhte. Wie von der
Administration
wiederholt
erklärt
wurde, sind die Vereinigten Staaten
davon überzeugt, daß das Abkommen zur
Sicherstellung des fairen Handels mit
Halbleitern notwendig ist. Die Vereinigten Staaten möchten das Abkommen
nicht
kündigen.
Wir
werden
von
jüngst getroffenen Maßnahmen Japans
ermutigt, die eine Änderung der Handelspraktiken
im
Halbleiterbereich
zum Ziel haben und hoffen, daß dies
zur Einhaltung des Abkommens durch
japanische "nternehmen führen wird.

* * * * * *

�AMERIKA DIENST
r/

^7

^

&lt;£

Wissenschaft und Technik
15. April 198 7

14

HAUTKREBSRISIKO WÄCHST
- Vorsorgliche Maßnahmen gegen Ozonabbau dringendes Gebot -

- (AD) - über die Zunahme von Hautkrebs in "nahezu epidemieartigem Ausmaß"
in den Vereinigten Staaten berichtete kürzlich Dr. D. Rigel (Klinikum der Universität New York) einem Unterausschuß des amerikanischen Repräsentantenhauses.
Das Komitee hatte für Anhörungen zum Problem "Gefährdung der Ozonschicht" Vertreter von Regierung und Industrie sowie Wissenschaftler verschiedener Fachrichtungen geladen.

Dr. Darrel Rigel äußerte angesichts der Entwicklungen in den letzten Jahren u.a. die Vermutung, daß
wohl jeder siebente Amerikaner früher
oder später von Hautkrebs befallen
werde.
Zwar gehe es dabei zunächst
noch in begrenztem Umfang um die gefährlichste Form, das "maligne Melanom".
Dieser von den pigmentbildenden Zellen der Haut ausgehende Tumor
kann, wenn nicht rechtzeitig eingegriffen wird, Metastasen im ganzen
Körper
herbeiführen.
Die
meisten
Hautkrebsarten seien glücklicherweise
leichter in den Griff zu bekommen und

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führten selten zum Tode,
rechtzeitig
erkannt
und
werden.

wenn sie
behandelt

Dr. Rigel zufolge nehmen aber gerade Erkrankungen an malignem Melanom
erschreckend zu - allein in den letzten sieben Jahren um 83 Prozent.
Noch vor fünf Jahren wurde angenommen, daß das Risiko bei 1:250 läge
und vielleicht bis zum Jahr 2000 auf
1:150 ansteigen werde. Dieser letztgenannte Schätzwert mußte inzwischen
jedoch auf 1:90 korrigiert werden.
Für mindestens 75 Prozent der Todes-

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�fälle an Hautkrebs sei, so Dr. Rigel,
das maligne Melanom verantwortlich zu
machen, das sich immer rascher ausbreite.
Derzeit
sei
eine
noch
schnellere Häufigkeitszunahme nur für
Lungenkrebs bei Frauen zu erkennen.
Noch vor fünf Jahren wurde Hautkrebs bei Personen unter 40 Jahren
selten diagnostiziert. Heute dagegen
erkrankten, wie Rigel berichtete, immer häufiger Zwanzig- bis Dreißigjährige. Viele Mediziner schrieben dies
u.a. der Tatsache zu, daß ungeachtet
der Warnungen von ärztlicher Seite
immer mehr Menschen, und gerade junge
Leute, ihren Körper mehr als früher
intensiver Sonnenbestrahlung aussetzten.
Solche Warnungen hätten aber
umso mehr Gewicht, als inzwischen so
gut wie erwiesen ist, daß die Ozonschicht in der Lufthülle unseres Planeten durchlässiger für ultraviolette
Strahlung geworden ist.
Bei normaler Dichte wird die für
alles Leben auf der Erde gefährliche
Ultraviolettstrahlung von der Sonne
durch die Ozonschicht zu mehr als 90
Prozent
zurückgehalten.
Die
als
"Ozon" bezeichneten dreiatomigen Sauerstoffmoleküle natürlichen Ursprungs
sind in der Stratosphäre in Höhen
zwischen etwa 12 und 50 km in unterschiedlichen
Konzentrationen
verteilt.
Die Gesamtmenge ist jedoch
gering.
Sie ergäbe, würde man das
Gas sammeln können, nur eine wenige
Millimeter dicke Schicht.
Aufgrund
der
Daten
von
Forschungssatelliten und vom Boden aufgelassenen Meßsonden wurde die Anfang
der siebziger Jahre von zwei amerikanischen Wissenschaftlern aufgestellte
Theorie, daß bestimmte Chemikalien,
vor allem Fluorchlorkohlenwasserstoffe (FKW), an dieser lebenswichtigen
Schutzhülle in der Erdatmosphäre nagten, zumindest in bezug auf die "Ver-

dünnung" des Ozons bestätigt.
Wissenschaftler in den Vereinigten Staaten und in Europa befaßten sich eingehend damit, die dabei wirksamen
chemischen und physikalischen Prozesse aufzuklären und zu berechnen. Es
wurden Modelle erarbeitet, denenzufolge jetzt mindestens vier denkbare
Mechanismen
zur Diskussion stehen.
Aber die Materie erweist sich als so
komplex, daß man von schlüssigen Antworten noch weit entfernt ist.
Nach
Ansicht
von
Dr.
Robert
Watson, Chefwissenschaftler der NASA
für das Projekt "Lebensraum Erde"
("Global
Habitability
Project") ,
dürfte keiner der vier angenommenen
Hauptfaktoren allein für den Ozonabbau verantwortlich sein. Sicherlich
spielen anthropogene, also vom Menschen verursachte Einflüsse, eine wesentliche
Rolle, ebenso meteorologische Vorgänge, wahrscheinlich auch
die Sonnenaktivität.
Material
von
Vulkanausbrüchen und in die Lufthülle
einsickerndes Methan aus natürlichen
Quellen komplizieren zusätzlich Berechnungen für chemische Prozesse in
der
Atmosphäre, die
speziell
der
Stickstoff- und
Chlorchemie
gelten.
Man weiß z.B. inzwischen, daß ein
einziges FKW-Molekül, das in die Atmosphäre gelangt, etwa 10 000 Ozonmoleküle zerstören kann.
Neue Fragen werfen jüngste Forschungsergebnisse aus der Antarktis
auf, wo amerikanischen Wissenschaftlergruppen von August bis Oktober
1986 das berüchtigte "Ozonloch" studierten,
(über der Antarktis kommt
es, bisher sehr viel massiver als
über Skandinavien, im Frühjahr zu einer auffallenden Ausdünnung des stratosphärischen Ozons.)
Forscher von
der Universität Wyoming fanden nämlich bei Messungen* bis 30 km Höhe
heraus, daß u.a. zwischen 12 und 20
km der Ozonverlust insgesamt 35 Pro-

�zent betrug. Gleichzeitig waren aber
im Bereich zwischen 14 und 18 km mehr
als 70 Prozent und in einer weiteren
1 bis 5 km dicken Luftschicht sogar
90 Prozent gegenüber den Anfangswerten im August verloren gegangen. Für
die relativ enge "Schichtung" mit
ganz unterschiedlichen Ozonkonzentrationen gibt es noch keine Erklärung.
Interessanterweise
enthält
aber
das Ozonloch über der Antarktis, wie
Dr. Susan Solomon mit Kollegen von
der Bundesbehörde für Meeres- und Atmosphärenforschung
(NOAA) entdeckte,
das 20- bis SOfache der erwarteten
Werte für ein bestimmtes Chlormolekül
(0 Cl 0 ) . Dieses Molekül wird mit
den in der Atmosphäre außerordentlich
langlebigen FKW-Verbindungen in Zusammenhang gebracht.

&gt;

«

Aber nicht nur der Abbau von Ozon
in der Stratosphäre, sondern auch die
Anreicherung von Ozon in der Troposphäre schafft Probleme. Dieses unterste Stockwerk der Lufthülle reicht
von der Erdoberfläche bis etwa 12 km
Höhe
(Mittelwert).
Hier wird die
Ozonbildung unter Mitwirkung von Sonnenenergie in erster Linie durch photochemische Umsetzungen von Abgasen
und andere, durch menschliche Aktivitäten in die Luft eingebrachte Stoffe
ausgelöst bzw. gefördert.
Auch bestimmte natürliche Gase sind an den
Prozessen
beteiligt.
Dieser
eher
"künstliche" Ozon in der Troposphäre
ist Gift im Lebensraum der pflanzenund Tierwelt wie des Menschen. Mittel und Wege, ihn zu vermindern, sind
ebenso wenig bekannt wie eine Möglichkeit, Ozon in der Stratosphäre
anzureichern, um so die Erdoberfläche
besser gegen ultraviolette Sonneneinstrahlung (UV-Strahlung) zu schützen.

auf
auf

Die Auswirkungen von UV-Strahlung
die menschliche Gesundheit und
natürliche Ökosysteme zu Lande

wie im Wasser waren und sind Gegenstand zahlreicher Studien. So konnte
in den Vereinigten Staaten z.B. die
Hautkrebshäufigkeit unter dem Einfluß
von UV-Strahlung als eine Funktion
sowohl der geographischen Breite als
auch der Höhe über dem Meeresspiegel
recht gut dokumentiert werden.
Und
neuerdings scheint manches dafür zu
sprechen, daß Komponenten des UVLichtes auch das menschliche Autoimmunsystem hemmen. Dies erwähnte Botschafter Richard Benedick, der die
Vereinigten Staaten auf der jüngsten
Verhandlungsrunde der Partnerstaaten
des UN-Umweltprogramms in Wien vertrat, gegenüber europäischen Wissenschaftlern und Journalisten auf einer
Fernseh-Pressekonferenz.
Die Wiener Tagung im Februar 1987
brachte die Bemühungen vor allem der
Vereinigten Staaten um das Zustandekommen eines Protokolls zur "Konvention über den Schutz der Ozonschicht"
nun doch ein gutes Stück näher. Dabei geht es um die Einschränkung der
Produktion
und Emission ozonschädlicher Chemikalien, die bis in die
Stratosphäre gelangten. Entsprechende erste Maßnahmen haben die USA und
die skandinavischen Länder mit dem
Verbot von Treibgasen in Sprühflaschen schon vor Jahren getroffen.
Europäische Länder, Japan und die Sowjetunion
weigerten
sich
jedoch,
gleichzuziehen,
solange
nicht
die
wissenschaftlichen Fragen im Zusammenhang mit dem Ozonabbau
in der
Stratosphäre geklärt sind. Der Verlust beträgt inzwischen, weltweit gesehen, ca. drei Prozent. Somit wäre
Vorsorge auch ohne ausreichende wissenschaftliche Belege angebracht.
Eine weitere Verminderung der gegensätzlichen Meinungen insbesondere
von
Produktion
und Anwendung
von
FluorchlorkohlenwasserStoffen
erhofft
man sich nun von der Wiederaufnahme

�der Gespräche über das Ozonprotokoll
in Wien am 22. April. Diesen Gesprächen soll eine große diplomatische
Konferenz in Montreal vom 14. - 18.
September
folgen.
Botschafter
Benedick zeigte sich außerordentlich
beeindruckt von der Haltung einiger
Entwicklungsländer wie Ägypten, Argentinien, Brasilien oder Kenia, die
das Protokoll - und damit erhebliche
Einschränkungen für FKW-Stoffe in ein
paar Jahren - unterstützen. Denn die
Anwendung von Ersatzstoffen ist auch
eine wirtschaftliche Fragen.

* * * * * *

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Reagan: Amerikanisch-sowjetische Beziehungen kommen voran&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Ansprache vor dem Los Angeles World Affairs Council -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Kommission zur Untersuchung der Sicherheit in Moskauer Botschaft eingesetzt&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Stellungnahme Präsident Reagans -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Glasnost und der Konsens im Westen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Ansprache des amerikanischen Botschafters in Berlin -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Amerikanisch-japanische Gespräche über Halbleiter ohne Ergebnis&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärung des Büros des amerikanischen Handelsbeauftragten -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Hautkrebsrisiko wächst&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Vorsorgliche Maßnahmen gegen Ozonabbau dringendes Gebot -&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST
'VON

4

8. April

13

1987

I N H A L T

DOKUMENTATION

Reagan verspricht Unterstützung beim Kampf gegen AIDS
- Rede Präsident Reagans vor dem College of Physicians
of Philadelphia -

Nitze:

ABM-Vertrag verbietet lediglich Stationierung von SDI

- Rede über den Vertrag und die Verhandlungen -

HINTERGRUNDMATERIAL

Warum amerikanische Truppen in Europa bleiben sollten
- Von Richard R. Burt -

Die Interpretation des ABM-Vertrages
- Kommentar der "Stimme Amerikas "

* * * * * *

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�^^°s^&lt;

VON

AMERIKA DIENST
Dokumentation

&amp;

8. April 1987

13
REAGAN VERSPRICHT UNTERSTÜTZUNG BEIM KAMPF GEGEN AIDS

- Rede Präsident Reagans vor dem College of Physicians of Philadelphia -

WASHINGTON - (AD) - In seiner Ansprache vom 1. April 1987 vor dem College
of Physicians of Philadelphia betonte Präsident Reagan die erzielten Fortschritte beim Kampf gegen AIDS (acquired immune deficiency Syndrome = erworbene Immunschwäche). Der Präsident rief die Errungenschaften der letzten
sechs Jahre in Erinnerung, nämlich die Entdeckung des AIDS-Virus, die Entwicklung eines Bluttests zur Überwachung von Bluttransfusionen und die behördliche
Genehmigung eines Medikaments, mit dem AIDS-Patienten geholfen werden kann.
Er fügte wörtlich hinzu, daß "alle Spritzen und Medikamente der Welt nichts an
Tatsache ändern werden, daß Vorbeugung besser ist als Heilung." Er stellte in
Aussicht, daß die Regierung im laufenden Haushaltsjahr insgesamt 416 Millionen
Dollar für die AIDS-Forschung und -Aufklärung ausgeben will.
Nachstehend geben wir die Rede im Wortlaut:
Ganz Amerika
blickt in diesem
Jahr nach Philadelphia, denn wir Amerikaner erinnern uns, daß vor 200
Jahren in dieser Stadt eine kleine
Gruppe von Menschen die Selbstverwaltung als das größte Experiment in der
Geschichte der Menschheit erarbeitete:
die Verfassung der Vereinigten
Staaten von Amerika. Jene Gründungsväter waren die Vertreter des Volkes
dieser Nation, und sie legten ihr
Werk der Nation zur Ratifizierung
vor. Dies war ein Wendepunkt in der
Geschichte.
Denn niemals zuvor hat
sich ein ganzes Volk so friedlich und
erfolgreich zusammengefunden, um sich

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selbst zu regieren.
Die Verfassung sah eine Beschränkung staatlicher Eingriffe vor, und
in den seither vergangenen zwei Jahrhunderten haben sich viele Menschen
in der ganzen Welt gefragt, wie es
möglich ist, daß Selbstverwaltung und
begrenzte staatliche Einflußnahme in
Amerika so gut nebeneinander funktionieren. Die Antwort ist einfach und
Sie sind ein Teil dieser Antwort.
Wie bereits de Tocqueville erkannte,
warten wir Amerikaner nicht darauf,
bis die Regierung etwas tut, wenn wir

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�etwas in Bewegung bringen wollen.
Wir tun uns zusammen und nehmen es
selbst in Angriff. Und es gibt kein
besseres
Beispiel von Amerikanern,
die sich das Gemeinwohl zum Anliegen
machten - ebenfalls vor 200 Jahren
und ebenfalls -in dieser Stadt - als
die Gründungsväter einer der herausragendsten Akademien Amerikas zur Erörterung
von medizinischen Themen,
des College of Physicians.
Im Januar des Jahres 1787 kamen
unter Leitung von Dr. Benjamin Rush
24 Srzte zusammen, um "die medizinische
Wissenschaft
voranzutreiben
und...
das menschliche Leiden zu
verringern". Und seit 200 Jahren hat
das College genau das getan.
Seine
Führungsrolle
bei der
öffentlichen
Gesundheitsfürsorge
begann mit der
Bekämpfung der Gelbfieberepidemie in
Philadelphia im Jahr 1793 und dauert
bis heute an.
Dank seiner Vorrangstellung in der medizinischen Wissenschaft kann sich das College damit
rühmen, eine der ausgezeichnesten und
am häufigsten benutzten Bibliotheken
der Welt zu unterhalten, eine der besten Bibliotheken zur Geschichte der
Medizin, eine der wenigen medizinischen Museen Amerikas und eine Sammlung von Totenschädeln, die Hamlet
wahnsinnig gemacht hätte.
Seit zwei Jahrhunderten hat das
College of Physicians stets seinen
Wahlspruch "Nicht für sich selbst,
sondern für alle" verwirklicht und so
dazu beigetragen, die gesamte amerikanische Medizin zu dem zu machen,
was sie heute ist - die beste der
Welt.
Während wir in diesem Jahr der
Zweihundertjahrfeier
zurückblicken,
müssen wir meines Erachtens auch den
Blick nach vorne richten. Wir müssen
uns fragen: wie bereiten wir Amerika
auf die bevorstehende Reise vor? Wie

bereiten wir Amerika für das 21.
Jahrhundert vor?
Was für ein Land
werden wir unseren Kindern hinterlassen?
Werden unsere Kinder für die
Aufgaben und Möglichkeiten der Zukunft Amerikas bereit sein?
Diese Herausforderung - Amerika
auf das 21. Jahrhundert vorzubereiten
- bedeutet auch, Mittel und Wege zur
besten Nutzung unserer Wissenschaft
und Technik zu finden. Dies beinhaltet die Schaffung einer fairen, offenen
und wachsenden Weltwirtschaft,
aus der viele Berufe der Zukunft hervorgehen. Dazu gehört die Vergewisserung, daß das amerikanische Bildungswesen das beste der Welt ist,
das in unser menschliches und geistiges Kapital investiert, so daß unsere
Kinder für diese Berufe bereit sind.
Dies beinhaltet, die Bedingungen
für die Unternehmerleistungen und das
Wachstum bei uns zu Hause zu verbessern, so daß die einzigen Grenzen
dessen, was unsere Kinder erreichen
können, die
Grenzen
ihrer
Träume
sind. Der Schlüssel hierzu ist eine
Senkung der Steuersätze und weniger
nutzlose Vorschriften. Wir haben auf
diesen beiden Gebieten schon große
Fortschritte erzielt.
Aber die Arbeit ist erst dann getan, wie wir die
Ausgaben des Bundes unter Kontrolle
gebracht haben und die Steuern nicht
wieder ansteigen.
Darum ist es an
der Zeit, daß der Kongreß den Bundeshaushalt kürzt und das Familienbudget
unangetastet bleibt.
Und schließlich gehört zu dieser
Herausforderung - und dies ist der
Grund, warum ich heute hier bin - die
amerikanische Medizin auf das 21.
Jahrhundert vorzubereiten.
Wie ich
bereits sagte, ist die amerikanische
Medizin die beste der Welt.
Hierzu
brauchen wir
keine zweite Meinung
einzuholen, denn dies ist eine unbe-

t

;

�streitbare Tatsache.
Unser Wettbewerbssystem hat die beste medizinische Versorgung hervorgebracht, die
es jemals gab. Und mit jedem Jahr,
das vergeht, werden mehr Leben gerettet, werden Behandlungsmöglichkeiten
für mehr Krankheiten gefunden und das
Leben für mehr Menschen als zuvor
verbessert.
Die
ärztliche
Wissenschaft
in
Amerika ist in der Tat hochentwikkelt, und dehalb hat sich die Lebenserwartung des Menschen erhöht.
Die
früher üblichen Krankheiten wie Tuberkulose, Diphterie und Polio sind
heute fast vergessen.
Die Kindersterblichkeit sinkt, und die Anzahl
der
Amerikaner, die
aufgrund
von
Herzproblemen sterben, geht Jahr für
Jahr zurück.
immer häufiger werden
Krebserkrankungen
früh erkannt und
mit vollem Erfolg behandelt, und ich
selbst
habe
allen
Grund, hierfür
dankbar zu s.ein.
Operationen am grauen Star, die
einst sehr schwierig waren und von
denen man sich nur langsm erholte,
sind heute einfache Routinevorgänge
geworden.
Und für diejenigen, die
sich heute ins Krankenhaus begeben,
hat sich in den letzten zwei Jahren
die
durchschnittliche
Verweildauer
erheblich verringert.
Eine häufige Szene in Kinofilmen
zeigt einen Vater, der sein schwer
verletztes Kind auf dem schnellsten
Weg ins Krankenhaus bringt. Heutzutage wird er bei seinem Eintreffen
dort jedoch feststellen, daß die Arzte besser als jemals zuvor auf die
Situation vorbereitet sind. Die Einrichtung
von Intensivstationen
ist
heute nicht mehr die Ausnahme sondern
die Regel, was genauso auf Unfallstationen zutrifft, die rund um die Uhr
mit Chirurgen besetzt sind. Dies ist
ein wichtiger Grund, warum die Zahl

der Autounfälle mit Todesfolge in den
letzten
zehn Jahren
zurückgegangen
ist.
Unfallopfer
haben eine viel
bessere Uberlebenschance, wenn sie in
jener ersten kritischen Stunde behandelt werden, und dies trifft auf immer mehr von ihnen zu.
Fast alle heute bekannten Krankheiten können schnell diagnostiziert
und behandelt werden.
Die offenkundigste und beunruhigenste Ausnahme
ist AIDS.
Doch auch hier kommt die
Medizin voran. Vor sechs Jahren hatte die Welt noch nie etwas von AIDS
gehört.
Seither ist das AIDS-Virus
isoliert und identifiziert. Man hat
einen AIDS-Test entwickelt, der dazu
beiträgt sicherzustellen, daß Bluttransfusionen
frei von Verseuchung
sind.
Außerdem ist ein Medikament,
das AZT, entwickelt worden, welches
AIDS-Patienten helfen könnte. Gerade
vor zwei Wochen hat dieses Medikament
die Zulassung der Kontrollbehörde für
Nahrungs- und Arzneimittel (FDA) erhalten.
Weitere Medikamente werden
folgen.
Und amerikanische Forscher
werden bald mit der Erprobung von
Impfstoffen beginnen.
Dies ist ein beispielloser Fortschritt im Kampf gegen ein schlimmes
Virus. 40 Jahre Studium waren nötig,
um genau so viel über Polio herauszufinden. Und es dauerte 19 Jahre, um
einen Impfstoff gegen Hepatitis B zu
entwickeln.
Doch unser Kampf gegen
AIDS glich eher einer Notoperation.
Wir haben alles dagegen eingesetzt,
was uns zur Verfügung steht.
Wir haben AIDS zum schlimmsten
Feind unserer öffentlichen Gesundheit
erklärt. Während des laufenden Haushaltsjahres planen wir die Bereitstellung von 416 Millionen Dollar für
die AIDS-Forschung und
-Aufklärung,
und für das Gesamtprogramm 766 Millionen. Im nächsten Jahr wollen wir

- 3 -

�unsere Ausgaben
für Forschung und
Aufklärung um 28 Prozent steigern, so
daß der Gesamtumfang des AIDS-Programms 1 Milliarde Dollar beträgt.
Dem steht die Summe von 8 Millionen
Dollar vor nur fünf Jahren gegenüber.
Die Ausgaben für AIDS sind einer der
am
schnellsten wachsenden
Bereiche
unseres Haushaltes.
Und das ist nicht alles. Kürzlich haben Premierminister Chirac und
ich ein Abkommen angekündigt, mit dem
der Weg für eine Zusammenarbeit von
Forschern in Frankreich und den Vereinigten Staaten geebnet wird.
Wir
sind außerdem dabei, hinderliche Beschränkungen abzubauen, damit AIDSMedikamente
problemloser
vom Labor
des Pharmazeuten auf den Markt gelangen können.
Das AZT hat die Genehmigung der
FDA in nur 4 Monaten erhalten, also
in einem Fünftel der durchschnittlichen Uberprüfungsdauer von Medikamenten.
Die Grenzen der heutigen
AIDS-Forschung sind nicht finanzieller
Natur
oder
mangelnder
Wille.
Vielmehr sind die Kapazitäten bestehender
Forschungseinrichtungen
und
die Anzahl der Personen mit den nötigen
fachlichen Qualifikationen begrenzt.
Aber alle Impfstoffe und Medikamente dieser Welt können eine grundsätzliche Tatsache nicht ändern, nämlich, daß Vorbeugung besser ist als
Heilung.
Dies trifft besonders auf
AIDS zu, für das es derzeit keine
Heilungsmöglichkeit gibt. An diesem
Punkt setzt die Aufklärung ein. Der
öffentliche Gesundheitsdienst hat ein
"Informationsund Aufklärungsprogramm"
zur
AIDS-Bekämpfung
vorgestellt.
Die Rolle der Bundesregierung muß darin bestehen, den im Erziehungswesen Tätigen möglichst genaue Informationen über die Erkran-

kung zu geben. Aber wie diese Informationen genutzt werden, ist Sache
der Schulen und Eltern, nicht der Regierung.
Doch wir müssen auch ehrlich gegenüber uns selbst sein. Information über AIDS kann nicht "wertneutral" sein, wie es manche nennen.
Denn ist es bei der Verhütung von
AIDS nicht so, daß uns Medizin und
Moral die gleiche Lehre erteilen?
Die amerikanische Medizin macht
aus
Wundern
Alltäglichkeiten,
und
dies ist eine gute Nachricht, da Amerika sich eben jetzt auf das 21.
Jahrhundert vorbereitet.
Doch nicht
nur unsere Qualität ist die höchste
in der Welt.
Dies trifft ebenfalls
auf unsere Kosten zu. Im vergangenen
Jahr kletterten die Kosten im Gesundheitswesen sieben mal schneller als
die allgemeine Inflationsrate.
Wir
sind an einem Punkt angekommen, wo
viele Patienten den Eindruck haben,
daß ihr Krankenbett direkt neben der
Kasse stehen müßte.
Ob nun Arzte,
Patienten oder Versicherer - alle haben angesichts der steigenden Kosten
im Gesundheitswesen ein sehr schlechtes Gefühl.
Betrachtet
man
den
Anteil
am
Bruttosozialprodukt, geben wir annähernd doppelt so viel für das Gesundheitswesen aus wie unsere bedeutenden
Handelspartner Japan, Großbritannien
und Kanada. Eine der größten Herausforderungen bei der Vorbereitung auf
das 21. Jahrhundert liegt darin, diese Kostenexplosion im Gesundheitswesen unter Kontrolle zu bringen.
Am schlimmsten sind die NichtVersicherten und die alten Mitbürger betroffen, die im Rahmen von Medicare
versichert sind, wenn sie von einer
schweren Erkrankung betroffen werden.
Unser Vorschlag zur finanziellen Entlastung bei einer solchen schwerwiegenden Erkrankung wird diesen Medi-

�care-Versicherten zugute kommen. Ein
Teil dieses Gesamtpakets sieht vor,
die Einzelstaaten zu ermutigen, ihre
Befugnisse so anzuwenden, daß schwere
Erkrankungen im Rahmen des Krankenversicherungsschutzes durch Arbeitgeber abgedeckt werden. Das Ziel hierbei ist es, eine Krankenversicherung
anzubieten, die auch den Tankwart
oder den Angestellten im Geschäft um
die Ecke einschließt.
Aber in dem gleichen Maße, wie
wir die Verwundbarsten unter uns absichern, müssen wir auch etwas tun,
um die Kosten niedrig zu halten. Wir
wollen ruhig das Kind beim Namen nennen:
die Regierung hat eine große
Rolle bei der Kostenexplosion im Gesundheitswesen gespielt.
Wie schon
der Chefarzt eines Vorstadt-Krankenhauses vor nicht allzu langer Zeit
gegenüber
einem Reporter
bemerkte,
"haben Anreize bestanden, die Patienten in den Krankenhäusern zu halten,
mehr Tests und Verfahren anzuwenden
und die Kosten zu steigern". Als wir
die Regierung übernahmen, stand Medicare kurz vor der Pleite und die
Schuldzuweisungen durch die Öffentlichkeit trafen auch die Arzte. Die
Berichte über steigende Kosten und
übertriebene Rechnungen schadeten dem
Ansehen des gesamten Berufsstandes.
Vor vier Jahren änderten wir das
Zahlungssystem für Medicare-Krankenhäuser.
Ebenso haben wir Organisationen auf dem Gebiet der Gesundheitsfürsorge und wettbewerbsfähigen
medizinischen Programmen erlaubt, auf
Vertragsbasis Gesundheitsfürsorge zu
leisten.
Die Ergebnisse waren erstaunlich. Die Inflation im Gesundheitswesen wurde um die Hälfte reduziert. Die Leistungsfähigkeit stieg.
Ebenso der Umfang an Dienstleistungen.
Und der Medicare Trust Fund
wurde vor dem Sturz in den Abgrund
bewahrt. Um sicherzustellen, daß der

Fund auch bis ins Jahr 2000 stark
bleibt, müssen wir dennoch mehr tun.
Dies ist der Grund, warum ich ein
neues Paket mit Vorschlägen an den
Kongreß geleitet habe.
In diesem Paket sind eine Menge
von
Vorschlägen
verschnürt:
eine
größere Auswahl für die Begünstigten
von Medicare, mehr Anreize zur Steigerung
der
Leistungsfähigkeit
von
Ärzten sowie mehr Anreize für die
Einzelstaaten,
den
Medicaid-Versicherten
umfangreichere
Wahlmöglichkeiten anzubieten.
Aber lassen Sie
mich hier einen Punkt nennen, der
nicht in irgendeinem zukünftigen Paket meiner Regierung enthalten sein
wird:
ein obligatorisches Kostendämpfungssystem. Ich weiß, daß einige diesen Weg gehen wollen, doch ein
obligatorisches System würde Innovationen
behindern,
Dienstleistungen
einschränken, und einen Schritt zu
mehr Regierungskontrolle über die gesamte Ärzteschaft bedeuten. Das amerikanische Gesundheitswesen ist das
beste in der Welt, weil es privat
ist, und dabei muß es bleiben.
Lassen Sie mich nun zu einem der
wichtigsten Punkte bei der Kostenentwicklung kommen, die sich heute im
Gesundheitswesen und in vielen anderen Bereichen
stellen:
die Haftpflichtversicherung
und die Reform
des Schadenersatzrechts.
Im vergangenen Jahr hat ein Gericht einer Frau
einen Schadensersatzanspruch in Höhe
von einer Million Dollar zuerkannt.
Sie machte geltend, daß eine Computer-Tomographie
ihre
psychischen
Kräfte zerstört hätte. Kürzlich ist
in diesem Fall ein neues Verfahren
eröffnet worden, aber die Exzesse der
Gerichte haben ihren Tribut gefordert.
In der
Konsequenz
war
es
schwangeren Frauen in einigen Landesteilen unmöglich, einen Arzt für ihre
Entbindung zu finden, andere medizi-

- 5 -

�nische Dienstleistungen
und teurer geworden.

sind

rarer

Dies ist sowohl eine Angelegenheit des Bundes wie auch der Einzelstaaten. Als Minister Bowen Gouverneur war, reformierte Indiana sein
Gesetz
zur
Haftpflichtversicherung.
Zwei Drittel der Staaten, einschließlich Pennsylvania, haben sich seit
Anfang 1986 angeschlossen. Es ist an
der Zeit, daß daraus 50 werden und
sich auch der Kongreß anschließt.
Wir können über die Details debattieren, aber es ist wenig sinnvoll, die Juristen einen "hippokratischen Eid" schwören zu lassen, so daß
sie gemäß der Formel "niemandem in
Ausübung ihres Berufes Schaden zufügen". Ich glaube, daß für einige Juristen Schaden eine
Zwangshandlung
ist.
Ich habe heute über einige Herausforderungen gesprochen, mit denen
das
amerikanische
Gesundheitswesen
beim Eintritt in das 21. Jahrhundert
konfrontiert wird.
Manchmal ist es
einfach, sich bei der Suche nach den
Antworten an die Regierung zu wenden,
besonders wenn es um die Kostenproblematik geht. Es stimmt, die Regierung hat hier eine Verantwortung,
doch im Prinzip sind die Arzte für
diese Angelegenheit zuständig.
Und genau wie ein Chirurg entscheiden muß, wann er während einer
Operation
nach
dem
Skalpell, der
Klammer und dem Faden greift, müssen
Sie entscheiden, wann Sie nach den
Werkzeugen greifen, die Ihnen helfen,
die wachsenden Kosten im Gesundheitswesen zu bewältigen.
Einige wenige
fahrlässige Arzte können die Kosten
für die Gesundheitsfürsorge und die
Haftpflichtversicherung
zum
Schaden
aller in die Höhe treiben. Sie müssen entscheiden, ob ärztliche Ver-

einigungen gegen diejenigen vorgehen
sollen, die sich der Fahrlässigkeit
schuldig gemacht haben oder nicht den
ethischen Normen der Medizin genügen.
Da die Patienten mehr von der Medizin erwarten und mehr dafür bezahlen, möchten Sie auch mehr über ihre
Auswahlmöglichkeiten
erfahren.
Sie
müssen entscheiden, wie Sie den Patienten
die Information
vermitteln
wollen. Mit der zunehmenden Verfügbarkeit preiswerterer und einfacherer
Praktiken, müssen Sie entscheiden,
wann diese angewandt werden sollen.
Die große Tradition des amerikanischen
Gesundheitswesens
mit
ihrer
Heilung aller Bedürftiger unabhängig
von deren Wohlstand liegt in Ihrer
Hand.
Und lassen Sie mich noch einen
anderen Punkt hinzufügen, der für die
Zukunft unseres Landes entscheidend
ist und der in vielerlei Hinsicht
ebenfalls in Ihren Händen liegt: unser Kampf gegen den Drogenmißbrauch.
Sie können Ihre Patienten über die
gesundheitlichen Gefahren durch Drogen informieren.
sie können ihnen,
besonders den jüngeren Patienten zeigen, warum es wichtig für sie, ihre
Familien und ihr Umfeld ist, zu Drogen "einfach nein" zu sagen.
Ihre Hände werden die Zukunft des
amerikanischen Gesundheitswesens formen. Aber ich glaube, das ist ganz
einfach so, also ob man sagt, daß das
amerikanische Gesundheitswesen in den
besten Händen der Welt liegt. Vergleichen Sie einfach Ihre Kraft zu
heilen mit der in irgendeinem anderen
Land der Welt. Nehmen Sie zum Beispiel die Sowjetunion, die so viel
über die hervorragende Qualität Ihrer
Medizin spricht, aber wo die Hygiene
so schlecht ist, daß vor noch nicht
einmal zwei Jahren zwei Drittel aller
Operationen mit post-operativen In-

�fektionen endeten;
wo ein Drittel
aller Krankenhäuser nicht über ausreichende Anlagen für Bluttransfusionen verfügen;
wo, teilweise wegen
der schlechten medizinischen Versorgung, die Lebenserwartung
gefallen
ist
und
die
Kindersterblichkeit
steigt. Weder dort noch irgendwo anders müssen Sie sich einem Wettbewerb
stellen. Sie sind die besten.
,

i

'

Ich sage das im vollen Vertrauen,
denn ich kenne die Qualität und das
Engagement amerikanischer Arzte nicht
nur aus erster Hand, sondern auch
durch meine Familie. Mein Schwiegervater war Arzt.
Ich konnte seine
Hingabe zur Medizin beobachten. Ich
sah seine Hingabe für seine Patienten
und seine Studenten. Ich beobachtete
seine enorme Würde. Ich beobachtete
seine Hingabe an die Perfektion, wie
er dauernd nach besseren Möglichkeiten der Diagnose und Heilung suchte.
Und ich sah, wie er Menschen geholfen
hat, ganz gleich ob diese zahlen
konnten oder nicht, und wie er alle
Patienten mit der gleichen Höflichkeit und dem gleichen Respekt behandelte.
Während sich unsere Nation für
das 21. Jahrhundert vorbereitet, bin
ich beruhigt, daß sich das amerikanische Gesundheitswesen in guten Händen
wie den Ihren befindet.
Darum sage
ich Ihnen, die Sie zu den ausgezeichnetsten Ärzten dieses Landes gehören,
laße uns jetzt damit anfangen, uns
vorzubereiten, damit das amerikanisehe Gesundheitswesen im Jahr 2000
immer noch das beste und weitverzweigteste in der ganzen Welt ist,
und die Arzte in unserem Land sollen
immer noch voll Stolz sagen:
"Nicht
für uns selbst, sondern für alle".

+ + + + + +

- 7

�AMERIKA DIENST
r

%

""*"

Dokumentation

Ä&lt;

8. April 1987

13

NITZE:

ABM-VERTRAG VERBIETET LEDIGLICH STATIONIERUNG VON SDI
- Rede über den Vertrag und die Verhandlungen -

WASHINGTON - (AD) - Als Teilnehmer an den Verhandlungen zum ABM-Vertrag
von 1972 und heutiger Berater von Präsident Reagan und Außenminister Shultz in
Fragen der Rüstungskontrolle hat Paul Nitze am 1. April 1987 in einer Rede bei
der Johns Hopkins University School of Advanced International Studies seiner
Überzeugung Ausdruck verliehen, daß dieser Vertrag lediglich die Stationierung, nicht aber die Entwicklung und Erprobung neuer Raketenabwehrsysteme wie
der Strategischen verteidigungsinitiative untersagt.
Paul Nitzes Ansprache hat folgenden Wortlaut:

Die zentrale Frage in der gegenwärtigen außenpolitischen Debatte zum
Thema Rüstungskontrolle besteht darin, in welchem Ausmaß die Beschränkungen des ABM-Vertrages auf Entwicklung und Erprobung der strategischen
Verteidigung
(SDI) anzuwenden sind.
Diese Debatte hat sich auf zwei alternative Interpretationen der vertraglichen
Verpflichtungen
konzentriert, die sogenannte weite und die
enge Auslegung. Das Problem der Interpretation ergibt sich aus den Formulierungen
des ABM-Vertrages, die
bei der Behandlung gewisser moderner

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Technologien, die sowohl im Rahmen
des amerikanischen SDI-Programms (etwa Laser, Teilchenstrahlen und wuchtabhängige Geräte sowie passive Sensoren) als auch von der Sowjetunion erforscht werden, vieldeutig ist.
Wenn die Sprache eines Vertrages
vieldeutig ist, so sagen Standardwerke des Völkerrechts, dann können bei
der Interpretation des Vertrages die
Verhandlungsprotokolle sowie die von
den Vertragsparteien in der Vergangenheit geübte Praxis in bezug auf
diesen Vertrag zu Hilfe genommen wer-

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�den.
Auch das Ratifizierungsverfahren im Senat hat Einfluß auf diese
Angelegenheit.
Eine
von
der
Administration
durchgeführte
Analyse der Verhandlungsprotokolle, zum ABM-Vertrag wurde
dem Senat übermittelt. Aufgrund dieser Analyse ist Präsident Reagan zu
dem Schluß gelangt, daß die weite
Auslegung völlig gerechtfertigt ist.
Wir unterstützen diesen Schluß weiterhin.
Vor sechs Wochen ordnete der Präsident an, daß auch bezüglich der
beiden anderen Materialkomplexe, die
auf die korrekte Auslegung des Vertrages Einfluß haben können, Analysen
angefertigt werden - die von den Vertragsparteien geübte Praxis sowie die
Unterlagen zum Ratifizierungsverfahren in den Vereinigten Staaten. Diese Studien sollten bis 30. April fertiggestellt sein. Die Administration
wird den Kongreß eingehend zu den Ergebnissen der Studien und zu den Auswirkungen aller drei Analysen auf die
zukünftige Durchführung des SDI-Programms konzultieren.
In der andauernden Debatte über
die Interpretation des ABM-Vertrages
ist es wichtig, die Parameter des
Problems zu verdeutlichen. Ich werde
versuchen, dies zu tun sowie auch
deutlich zu machen, warum meine Rückschau auf die Verhandlungen mich zu
der Überzeugung veranlaßt, daß die
sowjetischen Verhandlungsführer, was
die Sowjetunion selbst angeht, nur
den von einer weiten Auslegung des
Vertrages
gesetzten
Beschränkungen
verbindlich zugestimmt haben.

Der Charakter des Disputs
Zum überwiegenden Teil ist der
ABK-Vertrag, was seine Auswirkungen
- 2

auf das SDI-Programm betrifft, nicht
umstritten.
Das Problem der weiten
oder engen Auslegung bezieht sich auf
die Tatsache, daß zu der Zeit, als
der Vertrag ausgehandelt wurde, alle
damals stationierten oder zur Stationierung vorgesehenen ABM-Systeme auf
einer Kombination von ABM-Abwehrflugkörpern,
Abschußvorrichtungen
für
diese Flugkörper und ABM-Radarsystemen beruhten. Das Problem der weiten
und engen Auslegung betrifft lediglich die Entwicklung und Erprobung
von Systemen, die auf anderen physikalischen Prinzipien beruhen als diejenigen, die bei den genannten ABMAbwehrf lugkör per n , Abschußvorrichtungen und Radarsystemen sowie deren
Komponenten eine Rolle spielen.
Die
gegenwärtige
Debatte
hat
nichts mit der Frage einer Stationierung von Komponenten oder Systemen zu
tun, die auf anderen physikalischen
Prinzipien beruhen; es herrscht Übereinstimmung, daß die
Stationierung
solcher
Komponenten
oder
Systeme
nicht ohne vorhergehende Konsultation
und Änderung des Vertrages erlaubt
ist. Deshalb steht das Grundprinzip
des Vertrages - daß ohne Änderung des
Vertrages keine Seite Systeme oder
Komponenten stationieren darf, ausgenommen der in Artikel III vorgesehenen - außer Frage.
Auch gibt es kein Problem in bezug auf Forschung;
das Wort "Forschung" wird nirgendwo im Vertrag erwähnt.
Bei der Frage der Erprobung betrifft das Problem nicht die Erprobung stationärer, landgestützter ABMSysteme in vertraglich vereinbarten
Test- oder
Stationierungsgebieten,
unabhängig davon, ob ein Abwehrvorgang im Weltraum oder in der Atmosphäre
stattfindet.
Solche
Tests
sind gemäß Artikel IV erlaubt.
Das

�Problem betrifft auch nicht die Erprobung von auf anderen physikalischen Prinzipien beruhenden Systemen,
die stationär und landgestützt sind.
Das Problem betrifft nur die Erprobung von mobilen
(darunter auch
weltraumgestützten) Systemen und ihren Komponenten, die auf anderen physikalischen Prinzipien beruhen und an
die Stelle von 1. ABM-Abwehrflugkörpern, 2. AEM-Abschußvorrichtungen und
3. ABM-RadarSystemen treten können.
Der engen Auslegung zufolge wären
solche Tests nicht erlaubt, da laut
dieser Interpretation die Ersatzkomponente stationär, landgestützt und
in
einem
vereinbarten
Erprobungsoder Stationierungsgebiet disloziert
sein müßte. Der weiteren Interpretation zufolge würden sie jedoch allgemein zulässig sein, selbst wenn sie
mobil (auch weltraumgestützt) wären.

Vertragsbestimmungen
Um zum Verständnis des Interpretationsproblems beizutragen, ist es
nützlich, die einschlägigen Vertragsbestimmungen im Kopf zu haben, die
ich nun in gekürzter Fassung auflisten möchte.
Der volle Text ist
selbstverständlich
erhältlich,
für
diejenigen, die sich dessen bedienen
möchten.
Artikel l des Vertrages untersagt
die Stationierung
von ABM-Systemen
zur territorialen Verteidigung sowie
die Bereitstellung einer Basis für
eine solche Verteidigung. Er untersagt außerdem die Stationierung von
AB^-Systemen zur Verteidigung eines
Gebietes mit Ausnahme der Regelung
des Artikels III.
Artikel I beschränkt
also
die
Stationierung,
nicht die Erprobung, und begrenzt
ABT'-Systeme, nicht ABM-Komponenten.

Artikel II definiert ein ABM-System als "ein System zur Abwehr strategischer ballistischer Raketen oder
deren Bestandteile im Flug, das gegenwärtig besteht aus: "ABM-Abwehrflugkörpern, also Flugkörpern, die
für eine ABM-Rolle konstruiert und
stationiert
sind
oder
Flugkörpern
eines Typs, der für eine ABM-Funktion
erprobt wurde; ABM-Abschußvorrichtungen zum Abschießen von ABM-Abwehrflugkörpern; ABM-Radarsystemen, also
Radarsystemen, die für eine ABM-Rolle
konstruiert
und stationiert wurden
oder Radarsystemen eines Typs, der in
ABM-Funktion erprobt wurde.
Artikel III legt fest, daß keine
ABM-Systeme stationiert werden dürfen
mit Ausnahme derjenigen ABM-Flugkörper, Abschußvorrichtungen und Radarsysteme, die vertraglich zugelassen
sind. Der Artikel benennt anschließend die Gebiete, in denen ABM-Systeme oder deren Komponenten stationiert
werden dürfen und spezifiziert die
Anzahl, die in jenen Gebieten stationiert werden darf.
Artikel IV nimmt solche AEM-Systeme oder deren Komponenten, die zur
Entwicklung oder Erprobung benötigt
werden und sich innerhalb der vereinbarten Testreihen befinden, von den
in Artikel
III niedergelegten Beschränkungen aus.
Artikel V untersagt die Entwicklung, Erprobung und Stationierung von
see- , luft- und
weltraumgestützten
sowie mobilen landgestützten ABM-Systemen und ABM-Komponenten.
Artikel VI, Absatz (a) verbietet
die Ausrüstung von Raketen ohne ABMFähigkeit, Abschußvorrichtungen oder
Radaranlagen mit ABM-Fähigkeit oder
deren Erprobung auf eine mit ABM in
Zusammenhang stehende Art und Weise.

- 3 -

�Übereinkunft D - der Ausschluß
jeder Stationierung von ABM, es sei
denn, sie ist ausdrücklich nach Artikel III genehmigt - sieht folgendes
vor: wenn in Zukunft ABM-Systeme geschaffen werden, die sich auf andere
physikalische Prinzipien stützen als
solche, die für ABM-Komponenten im
Jahr
1972 angewandt
wurden, einschließlich der Komponenten, die in
der Lage sind, einen Ersatz für ABMAbwehrflugkörper,
Abschußvorrichtungen oder Radaranlagen zu bieten, müßten besondere Beschränkungen zu solchen Systemen und Komponenten im Einklang mit Artikel XIII diskutiert und
im Einklang mit Artikel XIV ausgehandelt werden.
Der Streit um die Auslegung dreht
sich um die Frage, welche dieser Bestimmungen auf mobile Systeme zutreffen, die sich auf andere physikalische Gesetze stützen, einschließlich
mobiler Komponenten, mit deren Hilfe
ABM-Komponenten ersetzt werden können.
Die enge Interpretation geht davon aus, daß Artikel V sich auf alle
mobilen ABM-Systeme und Komponenten
bezieht, auch wenn es sich nicht um
die in Artikel II definierte Komponenten handelt und ungeachtet der beteiligten physikalischen Komponenten.
Mobile Systeme, die sich auf andere
physikalische Prinzipien stützen und
deren Komponenten, die in der Lage
sind, konventionelle ABM-Komponenten
zu ersetzen, fielen somit unter das
in Artikel V ausgesprochene Verbot
über die Entwicklung und Erprobung.
Die weite Interpretation besagt,
daß Übereinkunft D den einzigen Teil
des Vertrages bildet, der sich mit
Systemen befasst, die sich auf andere
physikalische
Prinzipien
und deren
Komponenten stützen, und daß Übereinkunft D beiden Parteien gestattet,

solche Systeme zu "schaffen", d.h.
sie bis zum Augenblick der "Schaffung" zu entwickeln und zu erproben,
nicht aber, sie zu stationieren.
Ich bin weiterhin davon überzeugt, daß die amerikanischen Unterhändler, mich eingeschlossen, trotz
ihrer Versuche, ein Verbot über die
Entwicklung und Erprobung von weltraumgestützen
und
anderen
mobilen
Einrichtungen zu erzielen, die in der
Lage sind, ABM-Komponenten zu ersetzen, hier nicht das Maß an Sicherheit
haben walten lassen, das für wichtige
internationale
Abkommen
notwendig
ist. Alles, was wir auf eine Weise
erreicht haben, die die Sowjets als
für sich bindend betrachtet haben,
war ein Verbot zur Stationierung,
nicht aber zur Schaffung solcher Systeme und Komponenten.

Die Verhandlungsprotokolle
Das
Verhandlungsprotokoll
des
ABM-Vertrags
unterliegt,
wie
dies
auch bei anderen Verträgen üblich
ist, der Geheimhaltung.
Aus diesem
Grunde kann ich darauf auch in meinen
Ausführungen
nicht näher
eingehen.
Ich möchte vielmehr auf meine eigenen
Erinnerungen an die Vertragsverhandlungen, mit denen ich näher befaßt
war, zurückgreifen, die durch meine
jüngst erfolgte Einsichtnahme wieder
aufgefrischt wurden.
Die Vereinigten Staaten haben ohne Zweifel vesucht, nicht nur für die
drei in Artikel II definierten Komponenten Regelungen zu treffen - das
heißt, für ABM-Abwehrflugkörper, Abschußvorrichtungen und Radaranlagen sondern für alle Vorrichtungen, die
solche Komponenten ersetzen könnten.
Mit der Bestimmung, die schließlich
zu Artikel V wurde, haben wir versucht, die Entwicklung, Erprobung und

�Stationierung weltraumgestützter oder
anderer mobiler
(1) ABM-Flugkörper,
(2) Abschußvorrichtungen, (3) Radaranlagen und (4) anderer Vorrichtungen
zu verbieten, die die Funktion dieser
Komponenten übernehmen könnten.
Der
sowjetische
Vertragsentwurf
enthielt ebenfalls ein absolutes Verbot der Entwicklung, Erprobung oder
Stationierung im Weltraum, aber die
Sowjets haben seine Anwendung ausdrücklich
auf Raketen, Abschußvorrichtung und Radaranlagen beschränkt
und sich wiederholt dagegen ausgesprochen, daß der Vertrag sich auf
Vorrichtungen außer diesen Komponenten bezieht. Sie wiesen darauf hin,
daß es unmöglich sei, zu wissen, wie
die Komponenten eines Systems aussähen, das auf noch nicht angewendeten
Tecnnologien basiert, wie sie zu definieren und welche Regelungen für
sie zu treffen seien.
Nach längerem Hin und Her zu dieser Frage haben die Sowjets eine Änderung zu Artikel V vorgeschlagen und
den amerikanischen Unterhändlern versichert, daß die neue Sprachregelung
alle Arten von zukünftigen Komponenten betreffen würde. Wir haben dieser Änderung zugestimmt.
Die
sowjetische
Zusicherung
schien insofern einen Teil der amerikanischen Zielsetzung in die Tat umzusetzen, als daß sie sich auch auf
zukünftige
ABM-Raketen, Abschußvorrichtungen
und Radaranlagen
bezog.
Aber die von uns bei dieser Bestimmung akzeptierte Änderung führte aufgrund
sowjetischen
Drängens
zur
Streichung der amerikanischen Formulierungen, die sich auch auf Ersatzvorcichtungen solcher Komponenten bezogen.
Gleichzeitig lag den Sowjets ein
Entwurf von Artikel II vor, der einem

ABM-System drei konventionelle Komponenten zuordnete, und zwar ABM-Abwehrflugkörper,
Abschußvorrichtungen
und Radaranlagen. Darüber hinaus argumentierten die Sowjets weiterhin im
Hinblick auf amerikanische Bestrebungen um eine Regelung für Ersatz-"vorrichtungen", daß sie grundsätzlich
dagegen seien, Regelungen für Unbekanntes zu treffen.
Obwohl dieses Argument wiederholt
vorgebracht wurde und bei den Verhandlungen ein zentrales Thema blieb,
versuchten wir US-Unterhänder nicht
zu bestätigen, daß die Sowjets tatsächlich in Artikel V ihre Zustimmung
zu Regelungen über unbekannte Vorrichtungen gegeben hatten. Wenn wir
das getan hätten, wäre dies im Einklang mit der sowjetischen Haltung
geschehen. Sie hätten uns daran erinnert, daß die sich auf "Vorrichtungen" beziehenden Formulierungen aus
Artikel V entfernt worden seien, und
daß sie zugestimmt hätten, nur Regelungen über zukünftige "Komponenten"
zu treffen, wie sie in ihrem Entwurf
von Artikel II definiert sind, d.h.
ABM-Raketen, Abschußvorrichtungen und
Radaranlagen. Angesichts der darauffolgenden Ereignisse wäre jedes andere Ergebnis unglaubwürdig.
Mit dem Fortschreiten der Verhandlungen haben die Sowjets einen
von amerikanischer Seite vorgeschlagenen Kompromiß zu Artikel II akzeptiert, der die Formulierung "gegenwärtig bestehend aus" vor die Aufzählung der ABM-Komponenten stellt. Es
wurde argumentiert, daß der reviderte
Artikel II so betrachtet werden kann,
daß er die in Artikel V eingegangene
sowjetische Verpflichtung
zum Einschluß von Ersatzvorrichtungen erweitert hat. Dieser Forderung steht jedoch die Tatsache entgegen, daß die
Sowjets die revidierte Fassung nur
akzeptierten, nachdem wir ihnen aus-

- 5 -

�drücklich versichert hatten, daß der
Einschluß von Ersatzvorrichtungen an
anderer Stelle in Artikel II Eingang
fände.

daß sie sie davon abhält, nicht fest
stationierte
Komponenten
zu schaffen?
Auf diese Frage wurde in der
Erklärung nicht eingegangen.

Nach den Verhandlungen zu Artikel
II haben sich, die Sowjets weiterhin
Versuchen entgegengesetllt, Regelungen über Ersatzvorrichtungen zu treffen. Sie schlugen vor, daß wir für
möglicherweise in Zukunft geschaffene
Systeme und Komponenten, die sich auf
andere physikalische Prinzipien stützen, Diskussionen im Ständigen Konsul tativaussschuß
abhalten
werden,
dessen Einrichtung in Artikel XIII
vorgesehen ist.
Wir haben sie gefragt, was geschehen würde, falls
eine Einigung unmöglich sei.
Ihrer
Auffassung nach könnte dann jede Seite vom Vertrag zurücktreten. Ebenso
wie einige andere vertrat ich die
Meinung, daß dies ein zu extremer
Schritt sei. Das führte dann schließlich zu Übereinkunft D, in der die
Sowjets
zustimmten, daß
nach
der
"Schaffung" solcher Vorrichtungen deren
Stationierung, wenn überhaupt,
nur nach Diskussionen und Abkommen
erlaubt werden wird.

An einem Punkt der Verhandlungen
stimmten die Sowjets einem Aspekt der
amerikanischen Haltung bezüglich der
zukünftigen
Ersatzkomponenten
zu.
Ihre Zustimmung
folgte jedoch dem
Wortlaut einer von der amerikanischen
Seite sorgfältig vorbereiteten Stellungnahme, die nur den Vorschlag enthielt, daß die Vertragsparteien sich
auf
ein
Stationierungsverbot
und
nicht auf die Entwicklung oder Erprobung solcher zukünftigen Systeme oder
Komponenten einigen. In dem Dokument
wurde weiterhin an keiner Stelle zwischen stationären, landgestützten Ersatzsystemen und solchen unterschieden, die im Weltraum oder an einem
anderen Ort stationiert werden. Auch
Übereinkunft D enthält diese Unterscheidung nicht.

Einige Befürworter der engen Interpretation erinnern sich daran, daß
ein sowjetischer Unterhändler im Januar 1972 eine mündliche Erklärung
abgab, der zufolge Übereinkunft D den
einzelnen Parteien ausdrücklich erlaubt, feststehende futuristische Systeme zu entwickeln und erproben aber
nicht, sie
zu
stationieren.
Wenn eine solche mündliche Erklärung
abgegeben wurde, würde sie bestätigen, daß Übereinkunft D die "Schaffung" von Komponenten
in Betracht
zieht, die auf anderen physikalichen
Prinzipien basieren und daß "Schaffung" auch Entwicklung und Erprobung
einschließt.
Aber würde solch eine
unbestätigte mündliche Erklärung von
den Sowjets als so bindend angesehen,
- 6

Solange
keine
Definition
vorliegt, mit
der
eine
"Komponente"
eines auf anderen physikalischen Gesetzen beruhenden Systems von einem
"Element" oder nicht integrierten Bestandteil eines solchen Systems unterschieden werden kann, wäre eine
Begrenzung der Entwicklung oder Erprobung solcher Komponenten schwierig, wenn nicht sogar unmöglich in
durchgreifender, konsequenter und verifizierbarer Form anzuwenden.
Mit
diesem Problem sehen wir uns heute
konfrontiert.
Die sowjetischen Wissenschaftler
berichten uns von der Planung einer
Weltraumsonde, die sowohl einen ziemlich starken Laser als auch ein Teilchenstrahlgerät an Bord haben wird.
Sie haben vor, diese Erfindung an
einem der Marsmonde, dem phoebus, zu
erproben.
Nach ihren Aussagen ist
der Zweck dieses Versuchs, Stücke der

�Mondoberfläche
abzuschlagen, anhand
derer die spezifischen Eigenschaften
der
Mondoberfläche
bestimmt
werden
können.
Es wäre schwierig zu beweisen,
daß die Kraft, und Helligkeit sowie
die Verfolgungs- und Zieleigenschaften dieser Geräte für den Nachweis
ausgelegt sind, die Geräte hätten die
Fähigkeit, als Ersatzsystem für ABMKomponenten zu gelten. Ein ähnliches
Problem stellt sich mit Spiegeln, die
Laser- oder andere gebündelte Energiestrahlen reflektieren oder konzentrieren können. Unter welchen Bedingungen würde ein solcher Spiegel die
Definition erfüllen, nach der er die
"Fähigkeit besitzt, Ersatz für" ABMAbwehrflugkörper, ABM-Abschußvorrichtungen oder ABM-Radaranlagen zu sein?
Die Vertragssprache bietet wenig
Hilfe bei der Beantwortung dieser
Fragen. Übereinkunft D enthält keine
Definitionen der Komponenten, die fähig sind, ABM-Abwehrflugkörper, Abschußvorrichtungen oder Radaranlagen
zu ersetzen.
Sie enthält nur die
Feststellung, daß, falls solche Komponenten oder auf sie gestützte Systeme in Zukunft entwickelt werden,
sie im Ständigen Konsultativausschuß
diskutiert werden müssen und erst
nach einer entsprechenden Vertragsänderung disloziert werden können.
Für Raketen, Abschußvorrichtungen
und Radaranlagen ohne ABM-Fähigkeit
sieht Artikel VI, Absatz (a) vor, daß
sie nicht die Fähigkeit zum Abfangen
von strategischen ballistischen Raketen oder Teilen derselben während des
Fluges haben und nicht ABM-erprobt
werden dürfen. Dieser Artikel findet
natürlich keine Anwendung auf Geräte,
die nicht als Raketen, Abschußvorrichtungen
oder
Radaranlagen definiert sind.

- 7

Aufgrund meiner Erinnerungen an
den verhandlungsverlauf bin ich zu
der Überzeugung gelangt, daß die Sowjets verbindlich nur dem verbot der
Stationierung und nicht der Schaffung
(d.h. der Entwicklung und Erprobung)
von Systemen zugestimmt haben, die
sich auf andere physikalische Gesetze
gründen sowie deren Komponenten, die
gemäß Artikel II unabhängig von der
Art ihrer Stationierung in der Lage
sind, konventionelle Teile zu ersetzen.

Die sowjetische
Vertrages

Interpretation

des

Die Sowjets sind einerseits gegen
eine zu weite Auslegung des ABM-Vertrages,
legen
andererseits
jedoch
große Betonung auf Artikel I des Vertrages und auf die Auswirkungen, die
dieser Artikels ihrer Ansicht nach
auf SDI hat.
Die
sowjetische
Seite
stellt
fest, daß Artikel I sowohl die Dislozierung von ABM-Systemen zur Verteidigung des Staatsgebietes eines Landes als auch die Schaffung einer Basis für eine solche Verteidigung verbietet. Sie behaupten, daß SDI, insbesondere im Hinblick auf weltraumgestützte ABM-Systeme, eine Basis für
nationale territoriale Verteidigungssysteme beinhaltet und daß SDI daher
Artikel I verletzt.
Dieses Argument steht im Widerspruch zu den bisher von der sowjetischen Seite gemachten Aussagen.
In einer Grundsatzrede vor dem
Präsidium des Obersten Sowjet im Jahr
1972 sagte der damalige sowjetische
Verteidigungsminister Gretschko kurz
nach der Unterzeichnung des ABM-Vertrages, "der Vertrag legt den auf die
Lösung
der
Verteidigungsprobleme

�eines Landes gegen einen nuklearen
Raketenangriff
ausgerichteten
Forschungsvorhaben und Versuchen keine
Beschränkungen auf".
Gretschkos Ansicht zieht daher eindeutig die Möglichkeit in Betracht, daß beiden Seiten die Durchführung eines strategischen
Verteidigungsprogramms
frei
steht, wie SDI und ein vergleichbares
sowjetisches Programm es beinhalten.
Gretschos
Erklärung
ist jedoch
keine eindeutige Ablehnung des engen
Auslegungsrahmens.
Meine Schlußfolgerung, daß die Sowjets nicht bereit
waren, der engen Auslegung zuzustimmen, gründet sich auf unsere erfolglosen Bemühungen, die Zustimmung der
Sowjets
während
der
Verhandlungen
über die Sprachregelung sicherzustellen, die diese Auslegung verdeutlicht
hätten.

Schlußfolgerung
Als die Regierung im Oktober 1985
die Ergebnisse der Überprüfung der
Verhandlungsprotokolle
bekanntgab,
brachten wir unsere Absicht zum Ausdruck, daß wir - obwohl wir die weite
Auslegung für absolut gerechtfertigt
hielten - aus politischen Erwägungen
mit der Durchführung des SDI-Programms in seiner ursprünglichen Form
fortfahren würden, was mit der engen
Auslegung
im Einklang steht.
Das
Programm hat bis heute diese Form
beibehalten.
Es trifft jedoch auch zu, daß die
beim
SDI-Programm
gemachten
Fortschritte so umfangreich waren, daß
die Kosten der Beibehaltung der engen
Auslegung im Hinblick auf den Zeitund Ausgabenaufwand im Anstieg begriffen sind.
Die für das Programm
Verantwortlichen möchten es im Rahmen
unserer
Vertragsverpflichtungen
so
wirksam wie möglich durchführen.

Wir sind uns jedoch bewußt, daß
alle drei der für die Beweisführung
relevanten Materialkomplexe gegeneinander abgewogen werden müssen.
Das
ist das Verfahren, für das wir uns
entschieden haben.
Wie ich bereits ausgeführt habe,
werden wir unsere Analysen der Protokolle über die nachfolgende Anwendungspraxis und des Ratifizierungsverfahrens, sobald sie fertiggestellt
sind, dem Kongreß übermitteln, ebenso
wie wir es mit unserer Analyse der
Verhandlungsprotokolle
getan
haben.
Wir werden dann eine Reihe von Konsultationen in die Wege leiten, die
auf ein besseres Verständnis der Fragen bezüglich der Auslegung des Vertrages ausgerichtet sind und Richtlinien für die Entwicklungen im Bereich
von SDI und der damit verbundenen Erprobung erarbeiten, die auch weiterhin die Unterstützung des Kongresses,
der Verbündeten und der Bevölkerung
verdienen.

* * * * *

�AMERIKA DIENST
'1,

•"""

Hintergrundmaterial

ck

8. April 1987

13

WARUM AMERIKANISCHE TRUPPEN IN EUROPA BLEIBEN SOLLTEN
- Von Richard R. Burt -

(Der folgende Artikel
Tribüne)

erschien am 25.

WASHINGTON - (AD) - Seit Jahren
gilt die Idee eines amerikanischen
Truppenabzugs aus Europa als Lieblingsthema der Linken
in Amerika.
Dieser Vorschlag erfährt heute auch
zunehmend Unterstützung aus dem konservativen Lager.
Er bleibt jedoch
eine schlechte Idee.
Einige,
unter
ihnen
Henry
Kissinger, haben generell über den
Abbau amerikanischer Truppen in Europa
als
Teil
eines
weitergehenden
Plans zur Reform der NATO gesprochen.
Andere, wie etwa Zbigniew Brzezinski,

United States Information Service
Embassy of the United States of America

März 1987 in der International Herald

präzisierten dies und forderten den
Abzug von 100 000 Soldaten.
Wieder
andere, darunter der neokonservative
Wirtschaftswissenschaftler und Autor
des Buches "How NATO weakens the
West",
Melvin
Krauss,
befürworten
einen vollständigen Rückzug der Amerikaner aus Europa und die Preisgabe
der NATO.
Sie haben unrecht. Die Erhaltung
eines freien, unabhängigen und demokratischen Westeuropa liegt weiterhin
vordringlich im strategischen Interesse der Vereinigten Staaten.
im

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�weltpolitischen
Rahmen
betrachtet,
käme
dem Verlust
Westeuropas
die
gleiche Bedeutung zu wie dem Bruch
zwischen China und der Sowjetunion und der Verlierer hieße Amerika.
In dieser Erkenntnis haben zwei
Generationen von Amerikanern und Europäern ein System der Sicherheit errichtet und verbessert, das auf dem
Engagement
amerikanischer
Macht in
Europa basiert - sowohl einer nuklearen Garantie als auch einer erheblichen Kampfpräsenz.
Dieses System
der
Sicherheit
mit
seinen
beiden
wichtigen
amerikanischen
Elementen
war über alle Erwartungen hinaus erfolgreich.
Seit vierzig Jahren ist
Westeuropa gefestigt und frei geblieben.
Die Argumentation für einen Abzug
der amerikanischen Truppen geht von
drei Trugschlüssen aus:
- Man
würde
damit
Geld
sparen.
Melvin Krauss weist darauf hin,
daß das Engagement in der NATO
die Amerikaner mehr als 130 Milliarden Dollar im Jahr kostet und
schlägt vor, das Geld könnte ganz
einfach durch einen Rückzug aus
Europa eingespart werden.
Aber
diese Einsparungen würden nicht
erzielt, wenn die aus Europa abgezogenen Truppen in die vereinigten Staaten oder anderswohin
verlegt würden.
Mehrere Untersuchungen aus jüngster Zeit weisen darauf hin, daß eine Verlegung wahrscheinlich mehr kosten
würde als der Status quo. In der
Bundesrepublik Deutschland stehen
den amerikanischen
Truppen zum
Beispiel mehr als 2 000 Einrichtungen mietfrei zur Verfügung.
Wenn die abgezogenen Truppen bei
ihrer Ankunft zuhause demobilisiert
würden, sollten wir einen solchen Ab-

bau als das betrachten, was er ist:
ein ungeheurer Schritt hin zu einer
einseitigen Abrüstung.
Damit würde
den Vereinigten Staaten eine Armee
von einer halben Million
Soldaten
verbleiben und sie würden von einer
Supermacht in einen militärischen und
politischen Zwerg verwandelt.
- Die Bedeutung Europas nimmt ab.
Zbigniew Brzezinski hat auf die
militärischen Probleme hingewiesen, denen sich Amerika in anderen Teilen der Welt ausgesetzt
sieht, insbesondere am Golf und
in Südwestasien, wo Energieprobleme und religiöser Fundamentalismus weiterhin westliche Interessen bedrohen.
Seiner Argumentation
zufolge würde es durch
eine Reduzierung in Europa leichter, auf Eventualfälle in anderen
Regionen, insbesondere in Mittelamerika, zu reagieren.
Für die Sowjets bleiben die Staaten Westeuropas jedoch der attraktivste Gewinn.
Von allen sowjetischen
Truppen sind die meisten, die fähigsten und die am besten ausgebildeten
gegen Westeuropa
aufgestellt.
Die
Europa
bedrohenden
konventionellen
und nuklearen Streitkräfte der Sowjets sind immer stärker geworden.
Bedrohungen bestehen auch in anderen Regionen, und Amerika muß sich
mit ihnen auseinandersetzen. Aber es
ist eine schlechte Strategie, seine
Fähigkeiten auf dem absolut wichtigsten Schauplatz zu schwächen, nur um
sie andernorts
zu stärken.
Damit
würde es wahrscheinlicher, daß Konflikte anderer Regionen auf Europa
überspringen, wo Amerika nach Abzug
wesentlicher Truppenteile im Nachteil
wäre.
- Ein
amerikanischer
Truppenabzug
würde die Entschlossenheit Euro-

�pas stärken.
In diesem Argument
liegt ein grundlegendes Mißverständnis bezüglich der europäischen Realitäten. Seit 1945 hat
Westeuropa sich allmählich wirtschaftlicher und politischer Einheit angenähert, aber dies war
nur aufgrund der Stabilität möglich, die durch die amerikanische
Truppenpräsenz gewährleistet wurde.
Die Europäer selbst geben zu, daß
sie von militärischer Selbständigkeit
weit entfernt sind. sogar die Franzosen, die größten Verfechter europäischer
Unabhängigkeit
und eigenständiger Verteidigung erklären, die
amerikanische Militärpräsenz sei gegenwärtig unersetzlich. So haben sie
zum Beispiel klargestellt, daß sie
nicht in der Lage wären, die amerikanische
Sicherheitsverpflichtung
gegenüber der Bundesrepublik Deutschland durch eine eigene Garantie zu
ersetzen.
Entgegen
einer
weitverbreiteten
Meinung stellen die Europäer heute
den
Großteil
der
NATO-Streitkräfte
für die Verteidigung Europas.
Sie
stellen 90 Prozent der Landstreitkräfte, 75 Prozent der Seestreitkräfte und 50 Prozent der Luftstreitkräfte in Westeuropa.
Die stärksten Befürworter
verstärkter europäischer Verteidigungsanstrengungen
sind
zufälligerweise
auch die energischsten Anhänger der
amerikanischen Militärpräsenz in Europa. Sie wissen, daß ein amerikanischer Rückzug diejenigen in Europa
stärken würde, die einseitige Abrüstung als Weg für eine Verständigung
mit Moskau bevorzugen. Deshalb würde
ein amerikanischer Truppenabzug gerade diejenigen entmutigen, die sich um
eine stärkere europäische Identität
im Verteidigungsbereich bemühen.
- 3

Die wahre Bedrohung für das Bündnis besteht in der unheiligen Allianz, die sich zwischen linken Kritikern des Bündnisses in Europa und
rechten Kritikern in den Vereinigten
Staaten abzeichnet. Es mag sich ein
perverses
Spiegelbild-Phänomen
entwickeln. Amerikaner, die mehr Unilateralismus
der Vereinigten
Staaten
fordern, werden diejenigen Kräfte in
Europa ermutigen, die eine Politik
der Beschwichtigung befürworten.
Die nächsten Jahre werden für die
NATO entscheidend sein.
Auf beiden
Seiten des Atlantiks wächst der Konsens darüber, daß die Verteidigung
Europas eine Verbesserung der konventionellen
NATO-Streitkräfte
erfordert. Außerdem besteht zunehmend die
in Reykjavik unter Beweis gestellte
Erkenntnis, daß ein geringeres Vertrauen auf Atomwaffen wünschenswert
ist.
Die Vereinigten Staaten könnten
zum Beispiel schon bald ein Abkommen
mit Moskau über die Abschaffung aller
amerikanischen und sowjetischen Mittelstreckenraketen in Europa erreichen. Wie würde sich ein erheblicher
Truppenabzug in die westliche Strategie zur Verbesserung der konventionellen Verteidigung, zum Abbau des
Vertrauens auf Atomwaffen und zur
Schaffung eines stabileren Truppengleichgewichts einfügen? Die Antwort
darauf ist klar: er würde all diese
Bemühungen untergraben.

* * * * *

�AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

8. April 1987

13

DIE INTERPRETATION DES ABM-VERTRAGES
- Kommentar der "Stimme Amerikas" -

WASHINGTON - (AD) - Nachstehend veröffentlichen wir einen Kommentar der
"Stimme Amerikas", der am 5. April 1987 ausgestrahlt wurde, Der Kommentar
gibt die Ansichten der amerikanischen Regierung wieder.

Die außerordentlich vielschichtige Herausforderung, mit der das Forschungsprogramm
einer
Strategischen
Verteidigung im Weltraum (SDI) seit
nunmehr
fünf
Jahren
konfrontiert
wird, ist die Suche nach einer Verteidigung gegen einen Angriff mit
nuklearen Raketen.
In dem gleichen Maße, wie die SDI
Forschung fortschreitet, sind Abrüstungsexperten
und
internationale
Rechtsgelehrte - innerhalb wie außerhalb der amerikanischen Regierung in eine gleichermaßen vielschichtige

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Debatte verwickelt. Es geht um die
Bedeutung des Vertrages zur Raketenabwehr (ABM-Vertrag) von 1972, und um
die Art von Raketenabwehrprojekten,
die der Vertrag zuläßt. Auch die Sowjetunion hat sich dieser Debatte angeschlossen, aber mit dem Ziel, den
ABM-Vertrag so auszulegen, daß dem
amerikanischen
SDI-Programm
die
größtmöglichen Beschränkungen auferlegt werden.
Einige zentrale Fragen in der Debatte über den ABM-Vertrag sind nicht
strittig.
Die Stationierung
eines

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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�landesweiten Verteidigungssystems zur
Raketenabwehr, ob landgestützt oder
im All, ist nach den Bestimmungen des
Vertrages verboten. Andererseits ist
die Erforschung einer Raketenabwehr
weiter erlaubt. Für die Abrüstungsexperten liegt das Problem in den im
Bereich zwischen Forschung und Stationierung angesiedelten Arbeiten an
Raketenabwehrsystemen.
Viele
der
Technologien, die im Rahmen von SDI
studiert werden, gab es zur Zeit des
ABM-Vertrages noch gar nicht. Welche
Art der Erprobung und Entwicklung
dieser Technologien ist nach dem Vertrag erlaubt?

des obersten Sowjet mit der Bemerkung, daß der Vertrag "den auf die
Lösung
der
Verteidigungsprobleme
eines Landes gegen einen nuklearen
Raketenangriff
ausgerichteten
Forschungsvorhaben und Versuchen keine
Beschränkung auferlegt". Die Sowjetunion glaubte, ihre vor Unterzeichnung des ABM-Vertrages begonnenen Raketenabwehrprojekte
weiterhin
ungehindert fortsetzen zu können, einschließlich eines ehrgeizigen Laserwaffen-Programms.
Dieses
fortschrittliche
Raketenabwehrprogramm
wird heute noch fortgesetzt, obwohl
die Sowjets dies bestreiten.

Die Antwort liegt in den Aufzeichnungen über die Vertragsverhandlungen, die Verhandlungen im amerikanischen Senat - der die Macht hat,
Verträge zu ratifizieren oder zurückzuweisen - und in der Art, wie die
Sowjets
den ABM-Vertrag
auf
sich
selbst angewandt wissen wollen. Der
amerikanische
Botschafter
und
Rüstungskontrollberater Paul Nitze erklärt, was der ABM-Vertrag für SDI
bedeutet.
Nach seiner Meinung erlaubt der Vertrag von 1972 eine umfangreiche Erprobung und Entwicklung
der Art von Systemen, die im Rahmen
von SDI studiert werden, verbietet
jedoch deren Stationierung.

Im Gegensatz zu der Geheimhaltung, die die sowjetische strategische Verteidigung
umgibt, ist die
Diskussion in den Vereinigten Staaten
offen und dauert an - ein Zeichen,
daß die Vereinigten Staaten sowohl
SDI wie auch ihre vertraglichen Verpflichtungen ernst nehmen. Wie auch
immer man sich in dieser Diskussion
schließlich einigen wird, wird eine
allgemeine Richtlinie bei der Auslegung sicher angewandt:
der ABM-Vertrag muß für die Vereinigten Staaten
das gleiche bedeuten wie für die Sowjetunion.

Die derzeitigen sowjetischen Behauptungen, daß SDI mit dem ABM-Vertrag unvereinbar sei, entbehren nicht
einer gewissen Ironie. Wie Botschafter Nitze in Erinnerung ruft, waren
es bei Vertragsabschluß im Jahr 1972
die vereinigten Staaten, die danach
strebten, die Entwicklung und Erprobung von weltraumgestützten und anderen mobilen Systemen zu verbieten,
und es waren die Sowjets, die sich
weigerten, dies zu tun. Kurz nachdem
das Abkommen unterzeichnet war, erschien der sowjetische Verteidigungsminister Gretschko vor dem Präsidium
- 2 -

�</text>
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AMERIKA DIENS

1 . A p r i l 1987

12

I N H A L T

DOKUMENTATION
Reagan fordert Sowjets zur Einhaltung ihrer INF-Verpflichtung auf
- Stellungnahme Präsident Reagans -

HINTERGRUNDMATERIAL
Die wiedergeborene Null-Lösung
- Von Richard Burt(Der Artikel wurde am 18. März 1987 in der New York Times
veröffentlicht)

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Erleichterung durch AIDS-Medikament - vielleicht
- Chef des öffentlichen Gesundheitsdienstes fordert organisatorische
Vorsorge für Behandlung und Pflege der Seuchenopfer -

* * * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

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Tel.: 0228-339 2035
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�AMERIKA DIENST
Dokumentation

12

1 . April 1987
REAGAN FORDERT SOWJETS ZUR EINHALTUNG IHRER INF-VERPFLICHTUNGEN AUF
- Stellungnahme Präsident Reagans -

WASHINGTON - (AD) - In seiner Ansprache vom 27. März 1987 erinnerte Präsident Reagan an die wiederholte Bestätigung des sowjetischen Parteiführers Gorbatschow in Reykjavik, daß "ein Interimabkommen zu den Mittelstreckenwaffen
längerer
Reichweite
(LRINF) auch
Beschränkungen
über
Kurzstreckenwaffen
(SRINF) enthalten sollte, um 'die Existenzfähigkeit und Wirksamkeit einer
Übereinkunft über INF sicherzustellen1".
Reagan zufolge sind die Sowjets "in den vergangenen Wochen von dieser Haltung abgewichen und sagen nun, das Problem der SRINF müsse aus den gegenwärtigen INF-Verhandlungen ausgenommen und statt dessen in getrennten Verhandlungen
behandelt werden". Der Präsident gab zu verstehen, dies "liege sicher nicht
in unserem Interesse oder in dem unserer Verbündeten".
Die Stellungnahme hat folgenden Wortlaut:

Gestern ging die besonders verlängerte Sitzung bei den Verhandlungen zwischen den Vereinigten Staaten
und der Sowjetunion über Mittelstrekkenwaffen (INF), die Teil der Verhandlungen über Kern- und Weltraumwaffen (NST) bilden, zuende. Wir haben diese Runde über den Schluß der
NST-Verhandlungen in anderen Gruppen
am 6. März hinaus verlängert, um weitere Fortschritte für unser langgehegtes Ziel der einschneidenden, beiderseitigen und wirksam verifizierbaren Reduzierungen amerikanischer und
sowjetischer LRINF zu erlangen, mit

United States Information Service
Embassy of the United States of America

dem Endziel , diese
schaffen.

vollständig

abzu-

Am 4. März legten unsere amerikanischen Unterhändler auf meine Weisung hin den Entwurf eines INF-Abkommens vor, der sich auf die von Generalsekretär Gorbatschow und mir bei
unserem Treffen in Island im Oktober
1986
vereinbarten
Formeln
stützt.
Wir haben inzwischen den Sowjets den
Text unseres Vertragsentwurfs im einzelnen
unterbreitet
und erläutert.
Der Entwurf fordert den Abbau auf
eine zwischenzeitliche Obergrenze von

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�100 Gefechtsköpfen auf amerikanischen
und sowjetischen Mittelstreckenraketen größerer Reichweite weltweit, von
denen keine in Europa disloziert sein
sollen, Einschränkungen bei den Mittelstreckenwaffen kürzerer Reichweite
sowie Bestimmungen zur wirkungsvollen
Verifizierung.
Amerikanische und sowjetische Unterhändler haben Arbeitsgruppen gebildet, die Gespräche über den von
uns vorgelegten Vertragsentwurf erleichtern sollen und arbeiten einen
gemeinsamen Text aus. Diese Gespräche mit den Sowjets waren sachlich
und produktiv.
Ich möchte betonen, daß sich unsere Haltung bei diesen Verhandlungen
auf enge Konsultationen mit unseren
Freunden und Verbündeten in Europa
und Asien stützt, deren Sicherheit
von der sowjetischen INF-AufStockung
sehr direkt betroffen ist.
Unsere
Verbündeten
haben
darüber
hinaus
einen umfangreichen Beitrag zu unseren Vorschlägen geleistet.
Wir haben zusammen mit unseren
Bündnispartnern den Sowjets gegenüber
klar zum Ausdruck gebracht, daß ein
INF-Abkommen wirkungsvoll verifizierbar sein muß. Wie ich bereits dargelegt habe, gibt es kein wichtigeres
anstehendes Problem als die Verifizierung. Der Text unseres Vertragsentwurfs enthält daher einen umfassenden Teil zur Verifizierung, um die
Einhaltung
des Vertrages sicherzustellen.
Wir verfolgen bei unseren Bestrebungen um Verifizierungsbestimmungen
drei Hauptzielsetzungen:
- Verbesserung
des Vertrauens
in
ein Abkommen, das als solches zu
größerer Sicherheit und Stabilität in Europa und Asien beitragen

wird;
- Abschreckung von Vertragsverletzungen durch Erhöhung des Entdekkungsrisikos und
- Ermöglichung einer schnellen Aufdeckung aller störenden Aktivitäten
und dadurch
Gewährleistung
einer zeitgerechten Warnung vor
der möglichen oder realen Bedrohung der Sicherheit aller Bündnispartner.
Inspektionen vor Ort werden einen
wesentlichen Bestandteil jeder wirkungsvollen Bestimmung zur Verifizierung ausmachen.
Solche Inspektionen
werden hilfreich sein, wenn es darum
geht, den anfänglichen Austausch von
Daten über INF-Systeme und die nachfolgende
Zerstörung, Demontage und
Umrüstung von LRINF-Systemen zu verifizieren, und sie werden eine wichtige Rolle bei der Sicherstellung der
fortdauernden Einhaltung von vertraglich
niederlegten
Beschränkungen
spielen.
Eine weitere Schlüsselbestimmung
unseres Entwurfs betrifft Kurzstrekkenraketen. Wir haben seit 1981 gemeinsam mit unseren Verbündeten klar
zum Ausdruck gebracht, daß Einschränkungen bei SRINF in einem ersten INFAbkommen wesentlich sind, so daß die
Sowjetunion nicht die Beschränkungen
für LRINF durch eine Aufstockung der
Kurzstreckenraketen unterlaufen kann.
Diese Einschränkungen müssen den Vereinigten Staaten das Recht auf einen
Gleichstand mit der Anzahl weltweit
stationierter sowjetischer INF-Systeme einräumen.
In Reykjavik haben Generalsekretär Gorbatschow und ich den wichtigen
Grundsatz bestätigt, der von unseren
Unterhändlern in den INF-Verhandlungen von 1981-1983 vereinbart wurde;

�danach muß ein Interimabkommen zu INF
Beschränkungen
über
Kurzstreckensysteme enthalten, um "die Existenzfähigkeit und Wirksamkeit eines Abkommens über INF sicherzustellen".
In
den vergangenen Wochen sind die Sowjets jedoch von dieser Haltung abgewichen und sagen nun, das Problem der
SRINF müsse aus den gegenwärtigen
INF-Verhandlungen
ausgeklammert
und
statt dessen in getrennten Verhandlungen behandelt werden.
Diese neue sowjetische Position
zu Kurzstreckensystemen würde der Sowjetunion ein dauerhaftes Monopol auf
diese Systeme sowie auch die Freiheit
einräumen, ihre bestehenden Streitkräfte zu erhöhen. Das liegt sicher
nicht in unserem Interesse oder in
dem unserer Verbündeten.
Das wichtigste Problem liegt nun
darin, ob die Sowjets bereit sind,
beiderseitige
Beschränkungen
bei
SRINF-Raketen
im
Zusammenhang
mit
einem ersten INF-Abkommen hinzunehmen
oder ob sie darauf bestehen werden,
in
diesem
wichtigen
Bereich
ihre
Überlegenheit über uns zu bewahren
und damit ein jegliches INF-Abkommen
zu unterlaufen.
Da die Vereinigten
Staaten solch ein Resultat nicht erlauben können, werden wir weiterhin
darauf
bestehen, daß beiderseitige
Beschränkungen bei den Kurzstreckenrakten
ein
integraler
Bestandteil
eines ersten INF-Abkommen werden.
Ich bleibe weiterhin der Erlangung eines ausgewogenen und verifizierbaren Abkommens zur Reduzierung
von INF verpflichtet.
Aus diesem
Grunde habe ich die jüngst erfolgte
Stellungnahme Herrn Gorbatschows zu
INF begrüßt, mit der ein von den Sowjets in Reykjavik aufgeworfenes Hindernis
für
Fortschritte
beseitigt
wurde. Die Vereinigten Staaten haben
nun den Sowjets einen umfassenden und

realistischen Vertragsentwurf zur Begutachtung vorgelegt.
Daher ist es
jezt an der Zeit, daß die Sowjetunion
ihren früheren Verpflichtungen zu INF
nachkommt und eine positive Haltung
für ein ausgewogenes Abkommen einnimmt.
Lassen Sie mich zum Schluß noch
ein Wort über die Stärke und Einheit
unseres Bündnisses sagen. Es war zunächst einmal der Zusammenhalt der
NATO bei der Durchführung ihrer Entscheidung zum Doppelbeschluß von 1979
über INF, der dazu beigetragen hat,
die Sowjets wieder an den Verhandlungstisch
zu bringen und sie zu
ernsthaften Verhandlungen zu bewegen.
Unser eigenes Engagement für die Sicherheit unserer Freunde und Verbündeten sowohl in Europa als auch in
Asien, die alle durch die Stationierung sowjetischer INF bedroht sind,
bleibt so stark wie bisher. Wir werden weiterhin eng mit ihnen zusammenarbeiten, um die sowjetische Zustimmung zu ausgewogenen und verifizierbaren Reduzierungen von INF zu erlangen.
Die Vereinigten Staten und die
Sowjetunion sind übereingekommen, die
VIII. Runde der Verhandlungen über
Kern- und Weltraumwaffen am 23. April
aufzunehmen. Das heißt, die Verhandlungsgruppe zu INF wie auch die Verhandlungsgruppen
über
strategische
Waffen und Verteidigung im Weltraum
werden zu diesem Zeitpunkt ihre Arbeit
wiederaufnehmen.
Gleichzeitig
sind die Vereinigten Staaten und die
Sowjetunion
jedoch
übereingekommen,
daß dieses Datum neu abgestimmt werden kann, wenn Außenminister Shultz
und
der
sowjetische
Außenminister
Schewardnadse vom 13. bis 15. April
in Moskau zusammentreffen, um diese
und andere Probleme der weitgesteckten amerikanisch-sowjetisch Tagesordnung zu besprechen.

+ + + + ++

�AMERIKA DIENST
'^7

"""

Hintergrundmaterial

Ä&lt;

1. April 1987

12

DIE WIEDERGEBORENE NULL-LDSUNG
Von Richard Burt

Der
nachfolgende
Artikel
wurde
am
18. März 1987 in
der New York Times
veröffentlicht.
- (AD) - Michail Gorbatschows Bereitschaft, dem Abbau von Mittelstreckenraketen in Europa - der sogenannten Null-Lösung - endlich zuzustimmen, hat eine Diskussion darüber
ausgelöst, ob ein solches Abkommen im
Interesse der westlichen Nationen läge. Dies wäre zweifelsohne der Fall.
Die Administration und die verbündeten
Regierungen gelangten vor
mehr als fünf Jahren zu der Schlußfolgerung, daß ein Abkommen über den
Abbau aller auf Europa gerichteten
SS-20 sowie der vor kurzem in Europa

United States Information Service
Embassy of the United States of America

stationierten amerikanischen Pershing
2 und Marschflugkörper zu einer militärischen
und politischen
Stärkung
des Atlantischen Bündnisses beitragen
würde.
Im militärischen Bereich sind die
Vorteile für den Westen offensichtlich.
Moskau hat bisher 270 SS-20
Raketen innerhalb der Reichweite Europas stationiert, die mit je drei
Gefechtsköpfen bestückt sind und damit die Fähigkeit zum Angriff auf 810
Ziele in Europa haben. Die Vereinigten Staaten dislozieren zur Zeit je-

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Telex: 8-85432

�doch nur Systeme, die maximal über
572 Gefechtsköpfe verfügen. Ein Abkommen würde daher den Abbau einer
sehr viel größeren Anzahl von Raketen
seitens der Sowjetunion als bei uns
zum Ergebnis haben.
Das Argument, daß die Null-Lösung
vielleicht kein gutes Geschäft ist,
scheint tatsächlich nahezu absonderlich.
Im Jahr 1981, als er zum ersten Mal von Präsident Reagan unterbreitet wurde, lautete die Hauptkritik an dem Vorschlag (dem ich einiges
abgewinnen konnte), er bevorzuge den
Westen so eindeutig, daß Moskau niemals zustimmen würde und er daher
einzig als eine werbewirksame Masche
angesehen werden könnte.
Jedes Rüstungsbegrenzungsabkommen
muß natürlich nach Kriterien beurteilt werden, die über seine militärischen Auswirkungen hinausgehen. Einige
europäische
und
amerikanische
Beobachter brachten das Argument vor,
daß durch den Abzug der amerikanischen Raketen die Verteidigung Europas vom amerikanischen strategischen
Abschreckungspotential
"abgekoppelt"
würde - in anderen Worten, Europa
würde nicht länger von dem amerikanischen nuklearen Schutzschild profitieren.
Dies ist ein sehr wichtiges, aber
aus drei Gründen falsches Argument.
Erstens sollte die Befürwortung
der Null-Lösung nicht als eine Lockerung der amerikanischen Verpflichtung
gegenüber Europa verstanden werden.
Diese Verpflichtung ist und bleibt
ein
wesentlicher
Bestandteil
der
westlichen
Strategie.
Wir
würden
weiterhin eine beträchtliche Zahl von
Atomwaffen in Europa stationieren und
die Vereinigten Staaten würden natürlich auch weiterhin über ein umfassendes strategisches Arsenal an In-

terkontinentalraketen verfügen.
Die "Ankoppelung" kommt zweitens
nicht nur durch die Präsenz amerikanischer Nuklearstreitkräfte in Europa
zustande, sondern auch aufgrund der
starken Präsenz amerikanischer Kampftruppen. Diese Präsenz bliebe bestehen.
Drittens
ist die "Ankoppelung"
sowohl ein psychologisches als auch
ein militärisches Phänomen.
Ein Rüstungsbegrenzungsabkommen mit Moskau
über Mittelstreckensysteme würde von
der Bevölkerung in Europa in hohem
Maße unterstüzt und die amerikanischen Beziehungen zu Europa langfristig stärken. Die europäische Bevölkerung würde größeres Vertrauen in
die amerikanischen Fähigkeiten setzen, die Beziehungen zu Moskau in
konstruktiverer
Weise
zu handhaben
und dies würde wiederum unsere Möglichkeiten bei der Bewältigung anderer transatlantischer Probleme verbessern .
Die Null-Lösung wird jedoch sicherlich nicht alle Sicherheitsprobleme Westeuropas lösen.
Auch ein
Rüstungsbegrenzungsabkommen
alleine
würde dazu nicht ausreichen.
Auch bei einem Abbau von Mittelstreckenraketen
bliebe
Westeuropa
weiterhin ungeschützt gegen sowjetische Paketensysteme kürzerer Reichweite und umfangreiche konventionelle
und chemische Kampftruppen.
Zur Bewältigung dieser Probleme wird das
westliche Bündnis Schritte zur Verbesserung des militärischen Gleichgewichts in Europa unternehmen müssen
und zwar sowohl durch Verbesserung
der Truppenstruktur als auch durch
Rüstungsbegrenzung.
Das vielleicht stärkste Argument
für die Null-Lösung in Europa ist ein

- 2 -

�politisches. Als sich die Allianz im
Jahr 1979 zum ersten Mal für eine
Antwort auf die Dislozierung der sowjetischen
SS-20
entschied
und
gleichzeitig
die
Bereitschaft
zu
einem Rüstungsbegrenzungsabkommen ankündigte, wurde diese Entscheidung
von der Linken und Friedensgruppen in
Europa
als
zynischer Trick kritisiert, der nur der Aufrüstung diene.
Einige der engagiertesten Verfechter des Bündnisses wie Bundeskanzler Helmut Kohl und Premierministerin Margaret Thatcher sahen sich
daher starkem Druck ausgesetzt, die
Stationierung weiterzuführen.
Sobald
die ersten amerikanischen Raketen im
Jahr 1983 disloziert wurden, drängten
dieselben Kritiker ihre Regierungen
zum einseitigen Abzug dieser Raketen.
Die Voraussagen dieser Kritiker
haben sich als falsch erwiesen. Die
Null-Lösung würde nicht nur die logische Entscheidung der Allianz für
die
Raketenstationierung
von
1979
rechtfertigen, sondern auch zu einer
Stärkung der politischen Handlungsweise derjenigen in Westeuropa beitragen, die in einer für das Bündnis
kritischen Zeit fest zu dieser Entscheidung gestanden haben.
Zusammenfassend kann man sagen,
daß eine der positivsten langfristigen Auswirkungen
eines Rüstungsbegrenzungsabkommens darin liegen könnte, der Bevölkerung in Europa und den
Vereinigten Staaten zu beweisen, daß
einseitige Abrüstung
zum Scheitern
verurteilt ist.

- 3 -

�v^° S ^

AMERIKA DIENST

VION ^

Wissenschaft und Technik

1. April 1987

12

ERLEICHTERUNG DURCH AIDS-MEDIKAMENT - VIELLEICHT
Chef des öffentlichen Gesundheitsdienstes fordert organisatorische
Vorsorge für Behandlung und Pflege der Seuchenopfer -

WASHINGTON - (AD) - In einem beschleunigten Verfahren hat jetzt die
amerikanische
Kontrollbehörde
für
Nahrungs- und Arzneimittel (FDA) die
Zulassung
für
das
Medikament
AZT
(Azidothymidin)
zur Behandlung
von
Patienten erteilt, die an der Immunschwächekrankheit AIDS erkrankt sind.
Seit dem 20. März 1987 darf es in den
USA auf Rezept und Sondergenehmigung
für den Arzt von Apotheken abgegeben
werden.
Trotz der Bedenken wegen
möglicher
schwerwiegender
Nebenwirkungen hat man sich zur Freigabe entschlossen, weil das Präparat unter

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Umständen
das rasche
Fortschreiten
des körperlichen und geistigen Verfalls verzögern kann.
Die Symptome
bestimmter Begleiterkrankungen treten
weniger
ausgeprägt
in Erscheinung.
Allerdings vermag AZT die Grundkrankheit nicht zu heilen.
In klinischen Versuchen wurde AZT
seit Februar 1986 an AIDS-Kranken erprobt und zuletzt im Rahmen eines
Therapie-Sonderplanes bei etwa 4500
Patienten mit Zustimmung der FDA angewandt. Es kommt unter der Handelsbezeichnung "Retrovir" auf den Markt.

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Telex: 8-85432

�Wie Dr. Robert Windom vom amerikanischen Gesundheitsministerium erklärte, müsse die Abgabe von Retrovir zunächst auf Patienten mit den schwersten
Symptomen
beschränkt
werden,
weil es noch nicht in ausreichenden
Mengen zur Verfügung steht. In Ä'rzteinformationen wird darauf hingewiesen, daß es vor allem bei AIDS-Patienten eingesetzt werden sollte, bei
denen die normalerweise seltene, nach
Infektion mit dem AIDS-Virus
(HIV)
jedoch häufig auftretende Lungenentzündung des Typs "pneumosystis carinii"
(PCP)
diagnostiziert
wurde.
Auch bei Krankheitsbildern, die dem
"AIDS-related complex" (ARC) zuzuordnen sind, sei es angebracht.
Dabei
handelt es sich um eine Kombination
von Symptomen, die für eine erworbene
Unfähigkeit des Organismus zur Abwehr
von Infektionen und zur Unterdrückung
bestimmter Arten von Krebs typisch
sind. In solchen Fällen ist anzunehmen, daß bei dem Patienten die AIDSErkrankung in absehbarer Zeit voll
zum Ausbruch kommt.
Die
Herstellerfirma
von
AZT,
Burroughs Wellcome Co. (New York),
hofft, die Produktion des Medikaments
in Kürze so ausweiten zu können, daß
das Präparat bis zum Jahresende für
alle AIDS-Kranken in den Vereinigten
Staaten verfügbar ist.
In England
soll es ab Mai auf den Markt kommen.
Nach Angaben des Unternehmens dürfte
die Behandlung pro Patient und Jahr
etwa 7000 bis 10 000 Dollar erfordern.
Das ist nur einer von vielen
Kostenfaktoren
im Zusammenhang
mit
der Seuche AIDS.
Dr. C. Everett
Koop, der ärztliche Chef des öffentlichen
Gesundheitsdiestes der USA,
äußerte bei einem Vortrag im Nationalen Presseclub in Washington große
Besorgnis darüber, wie künftig angesichts der Schwere der Krankheit die
notwendige und von den Umständen her

mögliche Versorgung der AIDS-Patienten finanziert werden soll. Er forderte dringend, daß sich Vertreter
von Bund, Einzelstaaten, Kommunen und
Privatsektor zusammensetzen und gemeinsam nach Wegen suchen, das Problem anzupacken.
Laut Dr. Koop sind in den Vereinigten Staaten bisher fast 33 000
Personen an AIDS erkrankt.
Bis zum
Jahresende dürfte sich diese Zahl um
weitere 23 000 erhöhen. Dem Seuchenüberwachungszentrum in Atlanta (Georgia) waren bis Mitte März 16 900 Todesfälle als Folge der Immunschwächekrankheit AIDS gemeldet worden. Davon waren 683 auf Bluttransfusionen
zurückzuführen, die in der Zeit vorgenommen wurden, als es noch keine
speziellen AIDS-Tests für Spenderblut
gab. Die Zahl der durch Transfusionen möglicherweise infizierten Personen wird auf ca.
12 000 geschätzt.
Bei den meisten haben sich jedoch
keine Symptome gezeigt.
"Wir alle mußten der langsamen,
aber unerbittlichen Ausbreitung dieser
Krankheit
in den
vergangenen
sechs Jahren zusehen", sagte Koop.
"Sie greift immer weiter in unsere
Gesellschaft ein - und wir sind einfach noch nicht in der Lage, dieses
Vordringen zu verlangsamen, geschweige denn zum Stillstand zu bringen."
Gegenwärtig erreichten die Kosten für
Forschung und Pflege bereits Hunderte
von Millionen
Dollar.
Vor Ablauf
eines weiteren Jahrzehnts könnten sie
leicht
Milliarden
in
zweistelliger
Zahl erfordern.
wie, so fragte Dr.
Koop, soll dieses Geld aufgebracht
werden?
Die
wenigsten
rungspläne sähen
Kosten
für eine
übernehmen.
Das
umso bedrückender,

Krankenversichederzeit vor, die
AZT-Behandlung zu
Kostenproblem
sei
wenn man die Ver-

�zweiflung der Menschen sehe, die aus
der Existenz eines Medikaments wie
AZT Hoffnung schöpften, es aber nicht
bekommen
könnten.
Es sei höchste
Zeit, Entscheidungen zu treffen, wie
eine solche Therapie, aber auch vieles andere im Zusammenhang mit der
Betreuung AIDS-kranker Personen finanziert
werden
soll.
"Angesichts
dieser Krankheit mit ihrem enormen
Potential,
das
Gesundheitsversorgungssystem
eines Gemeinwesens aus
den Angeln zu heben, müssen wir auch
darüber sprechen, welche Rolle die
Versicherungen übernehmen sollten."
Gleichzeitig besteht nach Ansicht
Koops die Gefahr, daß es künftig gar
nicht mehr möglich sein könnte, für
die wachsende Zahl von AIDS-Patienten
im letzten Krankheitsstadium Betten
in den allgemeinen Krankenhäusern bereit zu halten. Die Kosten sowohl in
bezug auf die Behandlung als auch das
erforderliche Personal "werden unser
Krankenhaussystem
einfach
zermalmen... Wir müssen ermitteln, welche
Art und welches Ausmaß von Pflege
notwendig
ist und wie wir dieser
Pflege in Hinwendung zum Patienten,
in fachlicher Hinsicht und, im Rahmen
der Ressourcen, auch effektiv gerecht
werden können".
Dr. Koop verwies ebenfalls darauf, daß AZT lediglich Symptome lindern könne, in erster Linie bei PCP
als Begleiterkrankung. Nach bisherigen Erfahrungen sei das Leben mancher
solcher AIDS-Patienten um einige Monate, vielleicht sogar um ein paar
Jahre zu verlängern.
Eine Heilung
von der eigentlichen
Krankheit,die
infolge der Infektion und Zerstörung
immunologisch wichtiger Zellen, insbesondere der T-Lymphozyten, die körpereigenen
Abwehrmechanismen
lahmlegt, sei mit dem Medikament jedoch
nicht möglich.
Von mehr als der
Hälfte
von
schätzungsweise
14 000

AIDS-Patienten
im
fortgeschrittenen
Stadium wisse man, daß bei ihnen diese besondere Form von Lungenentzündung aufgetreten sei.
Als weitere
Gruppe kämen Patienten mit ARC-Symptomen in Frage, bei denen sich weniger als 200 T-4-Zellen pro Kubikmillimeter Blut zeigen.
Normal wären
1000 bis 3000 T-4-Zellen.
Deshalb
zählten sie zu jenen Patienten, die
vorrangig mit AZT behandelt werden
sollten.
Ein paar weitere Medikamente, gegenwärtig
noch
im Forschungs- oder
ersten Erprobungsstadium, dürften Dr.
Koop zufolge, dasselbe bewirken: Sie
ermöglichten vielleicht die Behandlung von Symptomen einer in Verbindung mit AIDS auftretenden Krankheit,
aber
kaum
eine Therapie
für
die
Grunderkrankung.
Und mit einem sicheren und wirksamen AIDS-Impfstoff,
der allgemein verfügbar ist, sei wohl
erst Ende der neunziger Jahre zu
rechnen. Wohl gebe es schon experimentelle Vakzine - so haben Forscher
aus Frankreich und Zaire erste Versuche am Menschen aufgenommen, und in
den USA hofft man in der zweiten
Hälfte des Jahres so weit zu sein.
Aber wie schon die Entwicklung des
Hepatitis-B-Vakzins gezeigt habe, die
19 Jahre dauerte, müsse mit langen
Fristen gerechnet werden, sagte Koop.
Im Vergleich zum Hepatitis-B-Virus,
das relativ leicht zu verstehen war,
habe das AIDS-Virus eine viel komplexere genetische
Struktur, die den
Forschern
immer wieder neue Überraschungen bringe.
Der "Surgeon General", wie der
offizielle Titel Dr. Koops lautet,
machte darauf aufmerksam, daß zwar
nach wie vor Homosexuelle, bisexuelle
Männer
und Rauschgiftsüchtige, die
sich Drogen spritzen, den Hauptanteil
unter
den AIDS-Kranken
ausmachten.
Jedoch steige die Zahl der AIDS-Fälle

- 3 -

�unter
heterosexuellen
Männern
und
Frauen
außerhalb
der
Drogenszene
ständig an. "Es sieht sogar so aus,
daß allein ihre heterosexuelle Aktivität ihr eigentlicher Pisikofaktor
ist. Gegenwärtig betreffen vier Prozent aller gemeldeten AIDS-Fälle heterosexuelle Männer und Frauen. Während aber im Verlauf der nächsten
fünf Jahre die Zahl der AIDS-Erkrankungen
insgesamt
um das Neunfache
steigen dürfte, ist in der Gruppe heterosexueller Personen eine Zunahme
um das 20fache zu erwarten."
Auch die Schwerpunkte der AIDSHäufigkeit änderten sich, was zu weiteren Besorgnissen Anlaß gebe. Zwar
sei AIDS unter den sogenannten Risikogruppen von Städten wie San Francisco, Los Angeles und New York am
stärksten verbreitet. inzwischen berichteten aber auch weitere Städte
und
Bundesstaaten
über
zunehmende
Zahlen von AIDS-Fällen:
15 amerikanische Städte hätten jeweils mehr als
300 Erkrankungen
gemeldet, seitdem
1981 AIDS-Statistiken eingeführt wurden.

* * * * * *

�</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST
VON

4

1 8 . März 198 7

11

I N H A L T

DOKUMENTATION
Reagan nimmt Weinberger und Shultz in Schutz
- Präsident Reagans Rundfunkansprache -

Wick; Sowjetischer "Glasnosf-Kampagne mit Vorsicht begegnen
- Auszüge aus einer Ansprache vor dem Verband der amerikanischen
Werbewirtschaft -

HINTERGRUNDMATERIAL
An Erprobung und Stationierung von SDI festhalten
- Von Henry Kissinger -

Positive Einschätzung von Amerikas Rolle in der Welt - Unterstützung
für NATO
- Meinungsumfrage des Chicago Council on Foreign Relations -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Resistenzentwicklung bei chemischer Krebstherapie

* * * * * *

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�AMERIKA DIENST
Dokumentation

'V,oN **

1 8 . März 1987

11

REAGAN NIMMT WEINBERGER UND SHULTZ IN SCHUTZ
- Präsident Reagans Rundfunkansprache -

WASHINGTON - (AD) - In seiner landesweit übertragenen wöchentlichen Rundfunkansprache erklärte Präsident Reagan am 14. März 1987, daß sowohl Verteidigungsminister Weinberger als auch Außenminister Shultz ihm eindringlich geraten hätten, keine Waffenverkäuf^ an den Iran zu unternehmen.
"Sie hatten
recht und ich unrecht" gestand der Präsident.
Präsident Reagans Ansprache hat folgenden Wortlaut:

Meine
amerikanischen
Mitbürger,
heute nachmittag möchte ich Sie von
den
wichtigen Veränderungen
unterrichten, die in jüngster Zeit in unserer
Administration
stattgefunden
haben und auch unser Programm für die
kommenden Monate beeinflussen werden.

Baker
als meinem Stabschef, Frank
Carlucci als Nationalem Sicherheitsberater und der Nominierung von Richter William Webster als neuem Direktor
des Geheimdienstes
ist meine
Gruppe für die nationale Sicherheit
wieder vollständig.

Zunächst einmal hat jede Regierung ihre eigene Arbeitsgruppe für
die nationale Sicherheit, eine Gruppe
von Beamten, die den Präsidenten bei
der Gestaltung der Außenpolitik unserer Nation
unterstützen.
Mit der
jüngsten Ergänzung von Senator Howard

Außenminister Shultz und Verteidigungsminister Weinberger sind seit
längerer Zeit Mitglieder dieser Arbeitsgruppe, und ich möchte hierbei
betonen, daß nie zwei Männer einem
Präsidenten in seinem Nationalen Sicherheitsrat besser gedient haben.

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�Sie haben dieser Nation in langen
Jahren in verschiedenen wichtigen Regierungsämtern treu gedient. Die Nation kann ihnen genau wie ich dankbar
sein für ihre Intelligenz, ihre Hingabe und Integrität. Sie haben eine
feste Überzeugung und zögerten niemals, mir ihre unverblümten Ansichten
über anstehende Fragen der nationalen
Sicherheit mitzuteilen. Sie sind bereit, ihre Meinung zu äußern, ungeachtet der Stärke des Widerstandes in
der naturgemäßen Tendenz der Bürokratie, Kompromisse einzugehen oder denselben Weg einzuschlagen.
Deshalb
schätze ich sie so sehr.
Im Falle
der Waffenverkäufe an den Iran rieten
mir sowohl Außenminister Shultz als
auch Verteidigungsminister Weinberger
entschieden davon ab, diese Initiative weiter zu verfolgen. Ich habe ihren Rat überdacht, bin aber zu dem
Schluß gekommen, daß die Initiatve
das Risiko wert war und habe sie
fortgeführt.
Wie wir jetzt wissen,
hat
sich
herausgestellt, daß
sie
recht hatten und ich unrecht. Aber
sie haben ihre Pflicht als meine Berater und als meine Mitarbeiter erfüllt, und ich bin sehr dankbar dafür, daß sie mir in den nächsten Monaten weiterhin mit ihren Ansichten
zu unserem anstehenden Programm zur
Seite stehen werden.

Zur Außenpolitik möchte ich bemerken, daß Amerika sich in der Welt
großen Problemen, aber noch größeren
Möglichkeiten
gegenübersieht.
Wir
sehen
eine
Chance
für
bedeutsame
Fortschritte
bei den Verhandlungen
mit der Sowjetunion über einen Rüstungsabbau, wenn wir einen klaren
Kurs verfolgen und hart verhandeln.
Gleichzeitig müssen wir mit dem sowjetischen
Abenteurertum
fertigwerden.
Besonders Mittelamerika bleibt
für die Vereinigten Staaten von entscheidender Bedeutung.
Und hier muß
unser Kongreß wesentliche Entscheidungen darüber treffen, ob unsere Nation die Demokratie und den Widerstand gegen die Diktatur in einer Region ernsthaft unterstützen will, die
so nah an unsere grenzt. Mein Engagement
bleibt
felsenfest bestehen.
Ich werde jede Bemühung bekämpfen,
die eine Unterstützung für die nicaraguanischen
Freiheitskämpfer
beschneiden und sie dem Tod oder der
Niederlage preisgeben will.

In den kommenden Monaten wird das
Wort "Programm" Bedeutung erlangen.
Ich habe hier im Weißen Haus diese
wichtigen Veränderungen vorgenommen,
um dafür zu sorgen, daß wir wieder
das Steuer in der Hand haben und mit
dem fortfahren, zu dessen Vollendung
Sie mich gewählt haben.
Im Inland
wird unser Programm Veränderungen im
Bereich des Haushalts und auch weitreichende Reformen bei der Wohlfahrt
beinhalten, die den Kreis der Armut,
in den so viele bedürftige Amerikaner
geraten sind, durchbrechen sollen.

Bitte erlauben Sie mir, daß ich
mich nun anderen Fragen von erheblicher Bedeutung zuwende.
Zunächst
einmal bedeutete die Steuerreform vom
vergangenen Jahr, daß Millionen von
Amerikanern in diesem Jahr Formulare
(W-4) ausfüllen mußten, die sehr verwirrend waren.
Ich weiß das, weil
ich selbst ein solches auszufüllen
hatte.
Wir haben Ihre Beschwerden
vermerkt und zusammen mit der Steuerbehörde IRS (Internal Revenue Service) ein neues einfacheres Formular
erarbeitet, das in etwa einem Monat
erhältlich sein wird.
Das amerika-

- 2

Sowohl in der Innen- wie auch in
der Außenpolitik dreht sich alles um
denselben Kern. Wir haben eine Aufgabe, und wir werden diese in den
kommenden beiden Jahren mit Ihrer
Hilfe und Unterstützung auch ausführen.

�nische Volk ist also gegen den Fiskus
angetreten und hat gewonnen.
Dann hat unsere Administration
Anfang dieser Woche Reformen bei der
Bundesprüfstelle
für
Nahrungsmittel
und pharmazeutische Präparate angekündigt, die es Opfern von AIDS und
anderen lebensbedrohenden Krankheiten
leichter machen, neue Arzneimittel zu
erhalten, die sich noch im Versuchsstadium
befinden.
Dieser Schritt,
durch den der Regierungsapparat noch
weiter
zurückgedrängt wird, könnte
weniger Leid und Schmerz für Tausende
von schwer erkrankten Amerikanern bedeuten. Das wäre eine Maßnahme, die
im wahrsten Sinne des Wortes human zu
nennen wäre.
Wenn Sie mir erlauben, möchte ich
noch ein letztes Wort zu einem Thema
sagen, daß meine irische Seele betrifft, zum St. Patrick-Gedenktag.
Seit der Hundersnot in der Mitte des
vergangenen Jahrhunderts sind Millionen der Söhne und Töchter Er ins nach
Amerika gekommen, um hier ein besseres Leben zu finden. Aber ob irisch
oder nicht, fast alle Amerikaner verfolgen ihre Ahnenlinie bis hin zu
Vorfahren aus fernen Ländern, Männern
und Frauen, die mit dem festen Entschluß nach Amerika gekommen sind, zu
arbeiten und die nur Freiheit forderten.
Ich glaube daher, daß wir am
kommenden Dienstag als Amerikaner alle berechtigt sind, zu feiern.
Bis nächste Woche und vielen Dank
fürs Zuhören. Gott schütze Sie.

* * * * *
- 3 -

�AMERIKA DIENST
Dokumentation

11

18. März 1987
WICK:

SOWJETISCHER "GLASNOST"-KAMPAGNE MIT VORSICHT BEGEGNEN
- Auszüge aus einer Ansprache vor dem Verband der
amerikanischen Werbewirtschaft -

WASHINGTON - (AD) - Der Direktor des US-Informationsamts (USIA), Charles
Z. Wick, hat am 13. März 1987 in einer Rede vor dem Verband der amerikanischen
Werbewirtschaft die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten dazu aufgerufen,
der neuen Kampagne der Offenheit oder "Glasnost" seitens der Sowjetunion mit
"Vorsicht und Wachsamkeit" zu begegnen. Das Ziel der neuen sowjetischen Strategie bestehe darin, "die Regierungen der Freien Welt - insbesondere diejenigen in Westeuropa, Japan und den Vereinigten Staaten - dazu zu drängen, im
Sinne der sowjetischen Interessen zu handeln".
Nachfolgend bringen wir die Ansprache von Direktor wick
lichen Auszügen:

Seit
1945 ist die Welt das
Schlachtfeld eines "Krieges der Ideen" gewesen - eines Krieges, in dem
die großen Traditionen der westlichen
Demokratien, wie etwa
die Philosophien von Jefferson, Madison und
Lincoln sich im Kampf gegen die Ideologien von Marx, Lenin, Stalin und
Mao befanden.
In jüngster Zeit ist dieser Wettbewerb jedoch immer subtiler geworden. Die Machtübernahme von Generalsekretär Gorbatschow hat einen neuen
und dynamischeren Führungsstil ermu-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

in ihren wesent-

tigt.
Die Sowjets vermarkten ein
neues Image der Offenheit gegenüber
der Welt.
Sie nennen ihr Produkt
"Glasnost". Aber "Glasnost" ist mehr
als ein Produkt. Es ist eine Kampagne der Öffentlichkeitsarbeit.
Die
Sowjets versuchen, den Krieg der Symbole zu gewinnen. Wenn sie ihn gewinnen, dann haben sie auch den Krieg
der öffentlichen Diplomatie gewonnen.
Was würden
verlieren?

wir

in

diesem

Fall

Am schlimmsten wäre, daß wir un-

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�sere Sicherheit
verlieren könnten.
Wir müssen nicht eigens daran erinnert werden, daß es im Falle eines
Krieges keinen Gewinner geben wird.
Der Verlierer wird ebenso wie der Gewinner verlieren. Dies wird die endgültige
Bestrafung
einer
Fehleinschätzung sein.

- die Abkoppelung von SDI von
INF-Verhandlungen in Genf;

Längerfristig könnten wir, falls
wir den "Krieg der Ideen" verlieren,
die Seele der Freien Welt in Gefahr
bringen, ihre heutige Existenz und
ihr Versprechen für die Sicherheit
von morgen.

- die Enthüllungen in der sowjetischen Presse zu Katastrophen wie
Tschernobyl,
Schiffsunglücken,
dem Untergang eines Atom-U-Bootes
und
selbst
zu
innenpolitischen
Unruhen in der Sowjetunion;

Deshalb ist folgende Frage von
einem in unserer gesamten Geschichte
vielleicht niemals dagewesenen Ernst.
Kündigt dieses neue Image einen Wandel in den sowjetischen Zielen an,
oder hüllen sich die Sowjets lediglich in einen Deckmantel falscher Gerechtigkeit, falscher Wirtschaftspolitik, falscher Brüderlichkeit und
falscher Versprechungen?

- eine verstärkte Bereitschaft, auf
die westliche Kultur zuzugehen,
einschließlich
der Bildung von
Gemeinschaftsunternehmen.

Wie Sie es vielleicht ausdrücken
würden, entspricht bei "Glasnost" der
Inhalt der Verpackung oder handelt es
sich um eine Mogelpackung?
Dies ist heute die zentrale Frage. Und die Antwort darauf ist entscheidend
für all diejenigen, die
einen dauerhaften Frieden wollen.
Bis heute ist die Antwort unklar.
Aber wir beobachten täglich eine positive
und vielleicht vielversprechende Litanei sowjetischer Handlungen.
Sie verkaufen ein Image von
"Glasnost" und Fortschritt zu einer
besseren Welt.
Sie nehmen die Aufmerksamkeit von Menschen in der ganzen Welt gefangen, besonders dort, wo
die
Frontlinien
des
Ost-West-Konflikts verlaufen.
Denken Sie einen
Moment nach.
Wie reagieren Sie auf
das folgende:
- 2

- die Freilassung Andrei Sacharows,
Juri
Orlows, Anatoli
Schtscharanskis und anderer politischer
Gefangener;
den

Diese
Marketing-Bemühungen
sind
auf die Völker der Welt ausgerichtet.
Ihr strategisches Ziel besteht darin,
eine sowjetisch-informierte Weltmeinung zu schaffen, die Regierungen der
Freien Welt - insbesondere diejenigen
in Westeuropa, Japan und den Vereinigten Staaten - zu drängen, im
Sinne der sowjetischen Interessen zu
handeln.
Um
dieser
Bedrohung
energisch
entgegenzutreten, haben wir von USIA
unsere eigenen
Initiativen
entwikkelt, um den amerikanischen Wettbewerbsvorteil
in
diesem
weltweiten
"Krieg der Ideen" zu bewahren.
Zum Glück können wir dabei von
einer Position der Stärke ausgehen.
Jede gute Werbekampagne hofft auf
ein gutes Produkt. Wir besitzen ein
großartiges Produkt - die Wahrheit
über diese große Nation, ihr Volk,
ihr Leben und ihre Vision von der Zukunft .
Wer

ist dabei

unser Publikum und

�welches unser Markt?
Ich kann dies
kurz beantworten: die ganze Welt
besonders
aber
diejenigen,
denen
glaubwürdige Nachrichten und Informationen vorenthalten werden und die in
ihren stillen Kämpfen von besseren
Tagen träumen.
Warum aber die ganze Welt?
Erstens hängt unsere Sicherheit
von einer Welt ab, in der unsere
grundlegendsten politischen und wirtschaftlichen
Prinzipien
aufrechterhalten werden - die Prinzipien der
Selbstbestimmung und des freien Handels. Eine Welt, die diesen Prinzipien gegenüber feindselig eingestellt
ist, ist eine Welt, in der wir nicht
überleben können.
Es gibt aber etwas noch grundlegenderes - eine Verpflichtung gegenüber anderen Menschen.
Die Botschaft
unseres Produkts
ist umfassender als jede Gesellschaft
und jede Regierung. Sie ist im Grunde die Botschaft der Freiheit selbst,
und sie lebt in der Seele jedes Menschen als ein "inneres Maß" seines
höchsten und ehrenwertesten Trachtens.
Darin liegt die Grundlage unserer
Stärke.
Aber, mehr als das, die Freiheit
- und ihre Vorzüge - dient als Grundlage für die Einstufung von Regierungen und Völkern.
In der Werbung ist ein Markenzeichen das Merkmal zur Identifizierung
einer Ware, ein Symbol, daß gewisse
Merkmale des Produkts anzeigt, wie
etwa seine Qualität und Zusammensetzung und auch sein Prestige.
In der öffentlichen
Diplomatie
benutzen wir ebenfalls Identifizie- 3

rungsmerkmale
- ein Markenzeichen,
das die Lebensqualität eines Landes
sowie die Qualität seiner Institutionen und seiner Regierung symbolisiert.
Stellen Sie die Markenzeichen der
Bundesrepublik
Deutschland
und der
DDR, Nord- und Südkoreas, Nicaraguas
und
Costa
Ricas, Kambodschas
und
Singapurs gegenüber.
Jedes Länderpaar besitzt vergleichbare Kulturen,
Traditionen
und eine ähnliche Geschichte.
Und doch sind z. B. die
Bundesrepublik
Deutschland
und die
DDR Länder verschiedener Güteklassen
mit
verschiedenartigen
Identifizierungsmerkmalen.
In jedem Fall sind
die "Markenzeichen" der Freiheit
die Bundesrepublik Deutschland, Südkorea, Costa Rica und Singapur - in
ihrem wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und politischen Leben dynamisch.
Die anderen "Markenzeichen",
die sich unter Repression und Kontrolle abmühen - die DDR, Nordkorea,
Nicaragua und Kambodscha - entbehren
des Wachstums, der Hoffnung und Lebenskraft, die zum Markenzeichen ihrer Nachbarn gehören.
Wenn man dies unter dem Gesichtspunkt des Marketing betrachtet, dann
bedeuten diese Unterschiede an sich
schon ein bedeutendes Marketing-Mittel.
Aber, genau wie Sie, benutzen wir
eine Mischung von Techniken und Mitteln - einige alte, einige neue -, um
unsere Produkte zu verkaufen.
Die
unseren sind: Worldnet, ein neues
weltweites
Satelliten fernsehnetz...
die
Stimme Amerikas... ein
neuer
Dienst
für
Kuba, Radio Marti....
Eine
weltweite
Nachrichtenagentur,
die schon bald über Satellit direkt
mit den Nachrichtenzentren der Medien
der Welt verbunden werden soll...
Magazine...
Austauschprogramme
für
die Menschen...
kulturelle Darbie-

�tungen...
159 Bibliotheken...
200
Kulturzentren in 100 Ländern... drei
Auslandspressezentren
in
den
Vereinigten Staaten für 3 000 Auslandskorrespondenten...
sowie ein Vortragsprogramm in Übersee... Ausstellungen... Botschafter aus den Bereichen Sport und Kunst...
und unser
eigenes engagiertes Korps von Diplomaten in 206 Posten in 127 Ländern.
Alle diese Ressourcen werden täglich angewendet und ebenso wie bei
Ihnen im Geschäftsleben, erhalten wir
ein wichtiges "Echo" über die Auswirkungen, die sie auf unser Publikum
haben. Zuhörer und Zuschauer überall
auf der Welt schreiben uns ihre Reaktionen und Vorschläge. Unsere weltweiten
Dienststellen
beliefern
uns
mit Post unserer Hörer und den Stellungnahmen der ausländischen Medien
sowie von offizieller Seite.
Verschiedene Regierungsbehörden vermitteln uns Auswertungen unserer Schwerpunkte und Programme. Wir geben Projekte über ausländische Standpunkte
und Meinungen in Auftrag. Diese kontinuierliche und andauernde Auswertung - die sowohl eine informelle als
auch
eine
formelle
Meinungsumfrage
darstellt - ist uns bei der Bewertung
des Erfolges unserer Kampagnen und
bei der noch effektiveren Planung für
die Zukunft behilflich.
Dieses "Echo" ist die Grundlage
für meine allmorgendlichen Besprechungen
mit dem Außenminister und
seinen wichtigsten Vertretern, bei
denen ich sie über die Stellungnahmen
in der ausländischen Presse und über
gegenwärtige politische Tendenzen und
Themenkomplexe informiere. Die ganze
Nacht über treffen Fernschreiben allen Ländern der Welt in unserem Führungszentrum ein, werden zusammengefaßt und rechtzeitig vor meinem Morgentermin mit dem Außenminister zu
mir nach Hause geschickt.

Als Werbefachleute sind Sie sich
sicherlich bewußt, daß "Publikumsecho
und Auswertung" die entscheidenen Bestandteile jeder erfolgreichen Strategie sind. Dies hat heute ganz besondere Gültigkeit.
Die Einstellungen eines Volkes beeinflussen heute
mehr denn je die Handlungen, Politik
und in manchen Fällen sogar das Überleben eines Regimes.
Internationale
Rundfunksendungen
der Freien Welt haben zum Beispiel
dazu beigetragen, daß das polnische
Volk in Solidarnosc - Solidarität mit einer gemeinsamen Stimme sprechen
konnte.
In El Salvador, Haiti und
auf den Philippinen erlangten die demokratischen Kräfte aufgrund von Ideen ihren Sieg - Ideen, die in der
ganzen Welt durch die modernen Telekommunikationsmittel in den Wohnzimmern unterstützt
und dadurch noch
mächtiger wurden.
Wir werden niemals vergessen, daß
für unseren Kunden - Amerika - ein
Rückschlag im "Krieg der Ideen" eine
potentielle Bedrohung der nationalen
Sicherheit unseres Landes darstellen
würe.
Es ist daher nicht überrraschend,
daß die USIA-Bilanz im Verlauf der
letzten drei Jahrzehnte positiv war.
Von USIA durchgeführte Meinungsumfragen haben gezeigt, daß die Vereinigten Staaten und unsere demokratische
Lebensweise sich weiterhin einer hohen Wertschätzung erfreuen.
Die Beweise dafür sehen wir täglich.
Die Bürger der sogenannten sozialistischen
Demokratien
stimmen
weiterhin auf die einzige ihnen mögliche Art und Weise ab - mit ihren
Füßen. Wir haben noch nie davon gehört, daß jemand in die andere Richtung über die Berliner Mauer geklet-

�tert ist.

Prozent der Erwachsenen die "Stimme".

Seit 1979 ist die Welle der Demokratie sogar über zehn Länder Lateinamerikas hinweggerollt.

In Berlin beherrscht RIAS (Radio
im amerikanischen Sektor) mehr als 50
Prozent der Marktanteile und ist damit zweifelsohne der beliebteste Radiosender in der geteilten Stadt.

Wie effektiv ist die USIA-Strategie jedoch im einzelnen auf dem Markt
der Ideen?
Lassen Sie mich einige
Beispiele anführen.
In den ersten drei Jahren seit
seiner
Inbetriebnahme hat Worldnet
insgesamt vier Milliarden Zuschauer
erreicht. In diesem kurzen Zeitraum
haben wir weltweit mehr Medien erfaßt
als dieses Amt in den vergangenen 30
Jahren erreichen konnte.
Worldnet
genießt
bei
führenden
Journalisten und ausländischen Regierungsoberhäuptern hohes Ansehen und
viele von ihnen bitten regelmäßig um
Tonbandaufzeichnungen und Kopien von
Worldnet-Programmen.
In der Anfangszeit von Worldnet schrieb eine führende
belgische
Zeitschrift,
die
"Westliche Welt": "Langfristig könnte
sich dieses Kommunikationsbindeglied
zwischen Westeuropa und den Vereinigten Staaten als wichtiger für das
Bündnis erweisen als die 'Ankoppelung' der Verteidigung der beiden
Kontinente
durch die
Stationierung
amerikanischem
Pershing
II
und
Marschflugkörper in Europa".
Während das Fernsehen dramatische
Ereignisse in der Freien Welt verbreitet, ist der Rundfunk das einzig
wirkungsvolle
Mittel, um Millionen
von Menschen hinter dem Eisernen Vorhang und anderen unterdrückten Gebieten zu erreichen.
Unsere
treuesten
Zuhörer
haben
wir in Osteuropa, wo die Zuhörerschaft - oder der Marktanteil - weiterhin im Ansteigen begriffen ist,
vor allem in Polen.
Dort hören 45
- 5

Zusammenfassend möchte ich nochmals auf die eingangs von mir gestellte Frage zurückkommen: Ist dieses neue Image ein Anzeichen
für
einen Wandel der sowjetischen Ziele?
Oder hüllen sie sich nur in den messianischen Mantel falscher Gerechtigkeit,
falscher
Wirtschaftspolitik,
falscher Brüderlichkeit und falscher
Versprechungen?
Entspricht
bei
"Glasnost" der Inhalt der Verpackung
oder ist es eine Mogelpackung?
Wir vermuten letzteres.
Warum? - wird Ihre Frage lauten.
Können Sie uns diese Frage beantworten?
Ist es "Glasnost", wenn die Sowjets ständig die "Stimme Amerikas"
stören und dafür auf ihrem Staatsgebiet soviel ausgeben wie das gesamte
Budget der "Stimme Amerikas" weltweit?
Ist es "Glasnost", wenn die Sowjets den CIA fälschlicherweise des
Jim Jones Massakers in Guyana beschuldigen oder, wenn sie die US-Armee öffentlich der Erzeugung und Verbreitung des AIDS-Virus in Afrika beschuldigen, aber insgeheim zugeben,
daß dies nicht richtig ist?
Ist es "Glasnost" , wenn die Sowjets Dokumente fälschen und absichtlich Natur und Zweck unserer Strategischen Verteidigungsinitiative verzerren und dabei zynisch mit den Gefühlen unschuldiger Männer und Frauen
spielen, die auf eine bessere und
friedlichere Welt hoffen und für sie

�beten.
Ist es "Glasnost", wenn die Sowjets amerikanische Buchhandlungen in
der Sowjetunion nicht erlauben, wohingegen sowjetische Buchläden hier
überall zu finden sind?
Ist es "Glasnost", wenn unsere
für Rußland bestimmte Musik, unsere
Filme und Literatur zensiert, durchleuchtet und wegen des politischen
Inhalts abgelehnt wird?
Ist es "Glasnost", wenn die Sowjets hochrangigen Amerikanern das
Auftreten im sowjetischen Fernsehen
verweigern - mit Ausnahme einiger weniger Amerikaner bei feierlichen Anlässen - wogegen 43 hochgestellte Sowjets in den vergangenen Jahren ungehindert 200 mal im amerikanischen
Fernsehen erscheinen konnten?
Ist es "Glasnost", wenn die Freilassung einiger weniger sowjetischer
politischer
Gefangener
weltweit
Schlagzeilen macht, aber Hundertausende noch unter unerträglichen und
menschenunwürdigen Bedingungen gefangengehalten werden?
Lenin hat einmal gesagt: "Gedanken sind sehr viel tödlicher als Gewehre".
Die Sowjets haben zwar die
Macht der Gedanken längst erkannt,
haben aber Stil, Image, Öffentlichkeitsarbeit
und Werbung erst seit
kurzem Bedeutung beigemessen.
Langfrisitg gesehen erhebt sich
folgende Frage: Wird ihr "Glasnost"Produkt über den Zustand einer Erscheinungsform
hinausgehen
und
zu
einer wirklichen Öffnung werden und
damit Ausdruck des elementaren Wunsches des Menschen nach Freiheit und
Frieden?
Wird "Glasnost" den Deckmantel der Täuschung ablegen und anstelle
dessen wahre Gerechtigkeit,
- 6

wahre Wirtschaft, wahre Brüderlichkeit, wahre Abkehr von sowjetischer
Unterdrückung und Agression und das
wahre Versprechen zukünftigen Friedens schaffen?
Oder wird es "glossover-nost" sein, das Weitermachen wie
bisher, wobei die Täuschung und das
Verbreiten von Lügen über Amerika im
Mittelpunkt
stehen und wie jemand
einmal sagte:
"Wir werden Euch begraben" .
Die Antwort der Sowjets auf diese
Fragen wird letzlich über den Erfolg
der Marketingstrategie
der Sowjets
auf dem Markt konkurrierender Gedanken entscheiden.
Wenn ihr Produkt
echt ist - wenn es ein Waffenstillstand für Offenheit und Gerechtigkeit
ist, der nach innen auf das Streben
des Einzelnen nach größerer Freiheit
reagiert und nach außen den Wunsch
aller Menschen nach Frieden und Stabilität wiederspiegelt - dann wird es
ein erfolgreiches Produkt für eine
bessere Welt sein.
Ist dies nicht
der Fall, dann zeichnet sich zum wiederholten Male ein anhaltender Konflikt mit endlosen Spannungen ab.
Im Moment sind wir zwar unsicher,
aber dennoch voller Hoffnung, daß die
Sowjets bei der Entwicklung
eines
neuen Führungsstils und eines neuen
Image von dessen Annahme durch die
Freie Welt geleitet sind.
Kurzfristig gesehen soll "Glasnost" andauern
und dies ist eine positive Entwicklung. Wenn wir die Entwicklung jedoch vor dem geschichtlichen und philosophischen
Hintergrund
betrachen,
müssen wir wachsam und vorsichtig
bleiben.
Wie immer die Dinge sich auch
weiterentwickeln, USIA muß und will
ihre Arbeit fortführen und gute Arbeit leisten.
Im Wettkampf um den
"Krieg der Gedanken" dürfen wir nicht
selbstgefällig werden. Es steht zu-

�viel auf dem Spiel.
USIA, das auf die Bedürfnisse unseres Kunden - die Vereinigten Staaten zugeschnittene Amt, muß erfolgreich sein. Und ich darf Ihnen
allen versichern, daß wir nicht vorhaben, dieses Ansehen zu verlieren.
Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit und wünsche Ihnen weiterhin
alles Gute.

- 7

�^^°s^&lt;

'^7

"""

AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

A&lt;

1 8 . März 1987

11

AN ERPROBUNG UND STATIONIERUNG VON SDI FESTHALTEN
- Von Henry Kissinger -

- (AD) - Das US-Informationsamt (USIS) druckt diesen Artikel mit freundlicher Genehmigung des Los Angeles Times Syndicate, wo dieser ursprünglich erschien.
Copyright (c) 1987, Los Angeles Times Syndicate.

Es ist bemerkenswert, wie bereits
geringfügige Veränderungen im Inland
das Grundmuster der Außenpolitik von
Supermächten
beeinflussen.
In den
Vereinigten
Staaten
verfolgt
eine
konservative Administration, die vor
sechs Jahren noch
leidenschaftlich
einen neuen Ansatz bei den Ost-WestBeziehungen
propagierte, heute das
traditionelle Programm der vergangenen zwei Jahrzehnte mit lediglich geringen Veränderungen. in der Sowjetunion sucht eine eindrucksvolle neue
Führungspersönlichkeit die heimische
Wirtschaft zu reformieren, aber im

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Bereich der Außenpolitik verfolgt er
die von seinem Vorgänger übernommene
Grundlinie, wenn auch mit erheblich
verbesserten Fähigkeiten bei der Öffentlichkeitsarbeit.
Grundeinstellungen
halten
sich
noch hartnäckiger.
Die Vereinigten
Staaten wurden über alle Regierungswechsel
hinweg von der nationalen
Überzeugung geleitet, daß Frieden den
Normalzustand darstellt und daß Spannungen
durch Mißverständnisse
oder
böswillig hervorgerufen werden. Jeder neue sowjetische Führer wurde mit

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�der Erwartung begrüßt, daß jetzt ein
neues und besseres Zeitalter heranbricht; wir haben das in den vergangenen Jahren dreimal beobachten können. Die amerikanische Hoffnung, daß
eine sowjetische Hinwendung zu westlichen Werten ein Ende der Spannungen
bedeuten könnte, hatte zu mangelnder
Übereinstimmung geführt, wodurch ein
leidenschaftliches Engagement für den
Frieden sich kaum in ein vollständiges Programm umwandeln ließ.
Als Leninisten
engagieren sich
die sowjetischen Politiker nicht für
die abstrakte Idee des Friedens. Für
sie ergibt sich Frieden - wie auch
jeder andere Aspekt der Außenpolitik
nicht als Ergebnis persönlicher
Präferenzen, sondern aus der richtigen
Beurteilung
eines
ausgewogenen
Machtverhältnisses.
Sowjetische Unterhändler kümmern sich nicht - wie
ihre amerikanischen Kollegen - um
Kompromisse oder persönliches Wohlwollen, sondern um das schrittweise
Vorantreiben von Verhandlungen, mit
deren
Hilfe
sich
die
sowjetische
Macht ausbauen läßt.
Wenn die Sowjets
zahlenmäßig
unterlegen
sind,
fordern sie gleiche Zahlen; in den
Kategorien, in denen sie uns voraus
sind, fordern sie beiderseitige Reduzierungen, die ihren verhältnismäßigen Vorteil verbessern.
Jeder Gipfel zwischen Politikern
aus Ost und West hat diesen unterschiedlichen Ansatz offengelegt. Das
jüngste Beispiel für diese "Personalisierung" der Außenpolitik waren die
beiden
Treffen
zwischen
Präsident
Reagan und dem sowjetischen Vorsitzenden Gorbatschow. Reagan als alter
Gegner des Kommunismus kam nach dem
ersten Treffen in Genf offensichtlich
zu der Überzeugung, daß er ein besonderes persönliches Verhältnis erlangt
hatte, das er bei zukünftigen Treffen
nutzen konnte, um auf diplomatischer
- 2

Ebene Durchbrüche zu erzielen. Daher
seine Bereitschaft, zu einem im wesentlichen unvorbereiteten Gipfel in
Reykjavik zu fahren und dort über ein
sowjetisches Papier
zu verhandeln,
das er nie zuvor gesehen hatte.
Gorbatschows Einstellung zu Genf
war eine ganz andere. Er betrachtete
es als eine Plattform, auf der er
sich selbst der öffentlichen Meinung
des Westens als versöhnlich präsentieren konnte; er muß damit gerechnet haben, daß er mit der Zusage für
zwei weitere Gipfel - in Washington
und Moskau - den Termindruck auf
einen Präsidenten verstärken konnte,
zu dessen Stärken nicht die Beherrschung von Detail fragen zählt. Aber
der Preis, den er dafür bezahlt hat Reagans
in Genf erworbene beherrschende Stellung in der Öffentlichkeit - war offensichtlich zu viel für
seine weniger phantasiebegabten Kollegen.
Das muß seine Entscheidung
herbeigeführt
haben, aus Reykjavik
faßbarere Ergebnisse mit nach Moskau
zu bringen; praktisch gesehen, ein
Dokument, daß sich in eine Verbesserung des "Kräfteverhältnisses" aus
sowjetischer Sicht umarbeiten läßt.
Die Sackgasse in Reykjavik spiegelt einen grundlegenden Unterschied
im Ansatz beider Gesellschaftssysteme
wider - einen Unterschied, der mir
während eines kürzlichen Besuchs in
Moskau wiederum bewußt wurde. Reformen im Inland haben es noch nicht
fertiggebracht, die enorme, von sowjetischen Gesprächspartnern errichtete Front aufzubrechen.
Hinweise
auf mehr Flexibilität werden sorgfältig gesteuert. Wenn ein sowjetischer
Wissenschaftler ein technisches Argument vorbringt, das geringfügig von
der
offiziellen
Linie
abweicht,
stellt sich in der Regel als Versuchsballon auf dem nächsten diplomatischen Schlachtfeld heraus.

�Amerikaner
hingegen
betrachten
Verhandlungen weniger als ein Mittel
zur Erlangung einer Zielsetzung, sondern vielmehr als Instrument zur Problemlösung.
In jeder amerikanischen
Delegation - auch in den offiziellen
- gibt es aufrichtige Unterhändler,
die ernsthaft daran glauben, daß sie
und die Sowjets nicht etwa als Gegner, sondern als Kollegen ein gemeinsames Problem behandeln.
Sie versuchen sich an möglichen Kompromissen, als ob sie an einem Seminar an
der Universität teilnähmen und geben
so den Sowjets wenigstens einen Überblick über mögliche Veränderungen in
der amerikanischen Position. Als ich
noch der Regierung angehörte, gab es
verschiedene Gelegenheiten, bei denen
unsere Beamten eine mögliche sowjetische Meinung als das wiedergaben,
was sie selbst dem sowjetischen Vertreter zugeschoben hatten.
Eine Reihe hochgeschätzter amerikanischer Prinzipien verleihen diesem
Prozeß Dynamik. Die meisten Amerikaner sind davon überzeugt, daß ein
Kompromiß der Mitte gefunden werden
sollte, wenn zwei Parteien sich nicht
einig sind. Aber bei diplomatischen
Verhandlungen
fördert
eine
solche
Maxime Unnachgiebigkeit.
Amerikanische Unterhändler verhandeln fast immer aus ihrer Position des Zurückweichens. Und die Sowjets bekommen zwei
Möglichkeiten, dies zu ändern: wenn
die Vereinigten Staten ihre Position
des Zurückweichens aufgeben und wenn
sie versuchen, Sackgassen durch einen
erneuten Kompromiß aufzustoßen.
Die
gegenwärtigen
Verhandlungen
zur
Strategischen
Verteidigungsinitiative liefern ein gutes Beispiel
für diese selbstauferlegten Hindernisse.
Zum Vor- oder zum Nachteil das von Reagan vorgeschlagene Verteidigungssystem ist zur Stationierung

im Weltraum gedacht. Der sowjetische
Vorschlag - daß jegliche Erprobung
von SDI nur in Labors stattfinden
sollte - zielte offenkundig darauf
ab, SDI zunichte zu machen. Seit der
Niederlage von Reykjavik haben die
Sowjets anklingen lassen, daß "Labor"
weitgehender definiert werden könnte,
und sie haben die Vereinigten Staaten
ermutigt, qualitative Einschränkungen
bei
der
Erprobung
vorzuschlagen.
Wenn diese Beschränkungen vorgelegt
werden, ist es vorauszusehen, daß die
Sowjets sie dazu nutzen werden, um
praktische
Einschränkungen
auszuarbeiten, mit deren Hilfe die Entwicklung von SDI so gut wie unmöglich
wird.
Und doch ist solch ein gänzlich
formaler Kompromiß genau das, was auf
breiter Front sowohl in den Vereinigten Staaten als auch bei den Verbündeten propagiert wird. All dies verdeckt die Realität, daß kein Kompromiß zwischen
der sowjetischen Absicht, SDI zunichte zu machen und dem
Engagement der Regierung möglich ist,
es aufrechtzuerhalten. Westliche Unterhändler sind vielmehr verpflichtet, an zwei Fronten zu verhandeln:
mit ihren sowjetischen Gegnern und
ihrer eigenen öffentlichen Meinung.
Diese zweite Debatte schließt zwei
unausgesprochene Annahmen ein.
Befürworter von SDI glauben, daß eine
Strategie, die sich auf die Massenvernichtung
einer
Zivilbevölkerung
stützt, Demokratien am Ende zum Pazifizmus führen wird. Gegner von SDI
sehen sie als Hindernis für ihre geliebte Rüstungskontrolle: sie wollen
die Bedrohung der Apokalypse nicht
abmildern, aus Angst, damit die Versuchung
für einen Nuklearkrieg zu
steigern.
Seit wenigstens zwei Jahrzehnten
wurden jeder neuen strategischen Waffe
von
leidenschaftlichen
Gegnern

- 3 -

�zwei widersprüchliche Argumente entgegengestellt: daß bestehende Waffen
zur Massenvernichtung ausreichen und
daß jede Superwaffe dieses Maß überschreite.
Die gestrigen Gegner der
MX-Raketen sind heute die Gegner von
SDI.
Die Sowjets unterliegen der Versuchung, das Ende dieser Kontroversen
abzuwarten, um festzustellen, ob sie
ihre Ziele ohne Gegenleistungen erlangen können.
Die
amerikanischen
Verbündeten
verstärken das Problem noch.
Zahlreiche Politiker
fördern den Eindruck, daß sie als Mittler zwischen
einem
unversöhnlichen
Amerika
und
einer nachgebenden Sowjetunion handeln. So sehr sie aber vom amerikanischen Schutz abhängig sind und an
amerikanischer Technologie teilhaben
wollen, so zurückhaltend sind sie,
wenn es darum geht, die Verantwortung
für eine Vereitelung amerikanischer
strategischer Programme zu übernehmen.
Sie neigen daher dazu, sich
hinter
Durchführbarkeitsuntersuchungen zu verbergen, die sich unendlich
verlängern lassen wie auch hinter Unterscheidungen zwischen Forschung und
Stationierung, was das Problem nicht
trifft.
Das Ergebnis
ist Wunschdenken.
Die
Reagan-Administration
engagiert
sich für SDI, Gegner im Inland versuchen eine Verlangsamung des Prozesses, indem sie Mittel abbauen und
eine Erprobung einschränken; die Verbündeten unterstützen die Erprobung,
aber behindern eine Anwendung, weil
sie einen Kompromiß herbeiführen wollen.
Die Vereinigten Staaten haben
einem Zehnjahresmoratorium über SDI
zugestimmt, das auf eine zweijährige
Verhandlungsphase folgen soll.
Der im Augenblick gepriesene Kom-

promiß will die Sackgasse bei den Rüstungskontrollverhandlungen
öffnen,
indem er die Erprobung von SDI im
Weltraum gestattet, aber deren Qualität einschränkt. Wie ich in Moskau
vernommen habe, sind Sensoren - Aufklärungssatelliten - für die Sowjetunion
möglicherweise
akzeptabel.
Aber die Erprobung von Geräten zur
Zerstörung von Raketen ist untersagt,
ebenso wie alle Systeme, die Zerstörungsmittel mit Sensoren in Verbindung bringen.
Das würde die Sowjets in die Lage
versetzen, die
Aufklärungsfähigkeit
ihres landgestützten Verteidigungssystems zur Raketenabwehr zu verbessern.
Zusammen mit einem Stationierungsmoratorium würde damit auch SDI
zunichte gemacht. Wenn die Sowjets wie auch einige amerikanische Beamte
- ihren Willen bekämen, wäre das Ergebnis eine in ihrem verheerensten
Zustand eingefrorene Nuklearstrategie.
Die größte Herausforderung
für
die Ost-West-Verhandlungen liegt damit in den Demokratien selbst. Rüstungskontrollverhandlungen, wie sie
im Augenblick
durchgeführt werden,
räumen den Sowjets fast ein Vetorecht
für
jegliche
neuen
Programme
des
Westens ein. Eine jüngste Stellungnahme der bundesdeutschen Regierung
verdeutlicht diese Position: "Für die
Bundesregierung ist es ein wesentliches
Kriterium,
ob
Entscheidungen
über das SDI-Programm und den ABMVertrag für die Genfer Verhandlungen
von Vor- oder von Nachteil sind".
Kein neues sowjetisches Waffenprogramm ist jemals durch westliche Bemühungen
herausgefordert
oder
zum
Stillstand gebracht worden. Aber von
der Neutronenwaffe über Mittelstrekkenraketen in Europa hin zu SDI hat
die Sowjetunion versucht, neue westliche Technologien dadurch zu behindern - es ist ihr bereits gelungen,

�diese zu verlangsamen - daß sie sie
als "Hindernis" für den "Rüstungskontrollprozeß"
bezeichnet
hat.
Es
bleibt die wesentliche Frage zu stellen: Für welche nützliche Rüstungskontrollmaßnahme genau stellt SDI ein
Hindernis dar? Ich fürchte, die Antwort dient der psychologischen Erleichterung über die bloße Tatsache
eines Abkommens.
Dies ist ebenso der einzige Vorteil der Abschaffung von sowjetichen
und amerikanischen Mittelstreckenraketen aus Europa, wie es jüngst auch
von Gorbatschow in einem separaten
Paket vorgebracht wurde.
Die sogenannte Nullösung baut auf keine bedeutende Art und Weise die sowjetische nukleare Bedrohung für Europa
ab.
Sie schafft das amerikanische
Instrument für eine Vergeltung von
Europa vollständig aus ab.
Sie ist
für die Rüstungskontrolle von geringem Nutzen; sie stellt ferner einen
wichtigen Schritt bei der politischen
Abkopplung Europas von den Vereinigten Staaten dar. Die nächste Herausforderung an die westlichen Demokratien wird die Frage sein, ob mit SDI
fortzufahren ist.
Dieser
Entscheidung
kann nicht
durch Durchführbarkeitsstudien ausgewichen werden; für zahlreiche Gegner
von SDI sind Durchführbarkeitsstudien
eine List, mit deren Hilfe das Prinzip angegriffen werden kann. Es kann
aber auch nicht durch eine juristische Auslegung von Abkommen verwirklicht werden, die vor 15 Jahren geschlossen wurden, als Weltraumverteidigung noch dem Bereich der Science
Fiction zuzurechnen war. Ich persönlich glaube, daß die weite Auslegung
des ABM-Vertrages eher korrekt ist
als die enge Interpretation.
Aber
ein
wichtiges
Programm
läßt
sich
nicht dadurch rechtfertigen, was manche als juristische Finessen bezeich- 5

nen. Es wäre besser, eine eindeutige
Stellungnahme darüber zu veröffentlichen, was die Vereinigten Staaten
wollen und diese dann in ein neues,
mit den Sowjets auszuhandelndes Abkommen einzuarbeiten.
und wenn sie
es blockieren
sollten, können die
Vereinigten Staaten immer noch, sollte dies notwendig werden, damit drohen, den ABM-Vertrag außer Kraft zu
setzen.
Wenigstens wird diese Verfahrensweise allen die Zielsetzungen
der Vereinigten
Staaten vor Augen
führen.
Dieser Ansatz ist auch für das
weitere Feld der Verhandlungen mit
den Sowjets relevant. Seit allzulanger Zeit war die amerikanische Haltung zur Rüstungskontrolle das Produkt von Verhandlungen zwischen gegnerischen Lagern innerhalb der Administration und deren Ergebnis ein widersprüchliches Paket, das Punkte zur
Beschwichtigung jeder Partei enthielt.
Der Präsident muß von seinen Beratern eine Verhandlungsposition fordern, die in sich geschlossen ist und
eine langfristige nationale Strategie
widerspiegelt. Er hat das Recht, zu
erwarten, daß die amerikanischen Verbündeten dies als Teil einer gemeinsamen Strategie betrachten und nicht
als Innenpolitik.
Die sich aus diesem Prozeß ergebende Haltung der Vereinigten Staaten
sollte folgende Elemente umfassen:
a) eine Stellungnahme
Strategie,

zur

gesamten

b)

eine Verpflichtung auf die Fortführung der Erprobung und Stationierung von SDI,

c)

ein Angebot an die Sowjets, quantitative Einschränkungen bei der
Stationierung und Erprobung von

�SDI vorzunehmen, die auf den Bestand der Offensivwaffen gerichtet sind (allerdings keine qualitativen Beschränkungen) ,
d)

ein Angebot zum Abbau strategischer Waffen auf eine Weise, die
die Fähigkeit für einen Überraschungsangriff auf beiden Seiten
beschränkt,

e)

ein erstes
Interimabkommen zur
Reduzierung strategischer Streitkräfte, einschließlich der Mittelstreckenraketen,
um
einen
festgesetzten Prozentsatz innerhalb von drei Jahren (etwa um 30
Prozent) , zusammen mit einer Erweiterung der Außerkraftsetzungsklausel für den ABM-Vertrag um
zwei Jahre.

Ein Programm, das diese Bestandteile umfaßt, würde zeigen, ob ein
mit westlichen Sicherheitsinteressen
zu vereinbarendes Abkommen zu erlangen
ist.
Die
Demokratien
können
nicht garantieren, daß Gorbatschow
ein ernsthaftes Programm akzeptieren
wird.
Aber sie sind sich selbst
Ernsthaftigkeit schuldig.

* * * * *

�AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial
1 8 . März 1987

11

POSITIVE EINSCHÄTZUNG VON AMERIKAS ROLLE IN DER WELT - UNTERSTÜTZUNG
FÜR DIE NATO
- Meinungsumfrage des Chicago Council on Foreign Relations -

WASHINGTON - (AD) - In seinem Bericht über eine im Jahr 1986 durchgeführte
Meinungsumfrage kommt der Chicago Council on Foreign Relations, eine gemeinnützige Organisation, die sich die Schaffung eines verstärkten öffentlichen
Bewußtseins für die Außenpolitik der Vereinigten Staaten zum Ziel gesetzt hat,
zu dem Schluß, daß die Amerikaner "eine aktivere Rolle der Vereinigten Staaten
in der Welt zunehmend unterstützen". Damit stehen die Ergebnisse dieser Umfrage im Gegensatz zu ähnlichen, in den Jahren 1974, 1978 und 1982 durchgeführten Befragungen.
Nachfolgend bringen wir eine Zusammenfassung des Berichts:

Während die in den siebziger Jahren vom Chicago Council on Foreign
Relations (CCFR) in Auftrag gegebenen
Meinungsumfragen zum Ergebnis gekommen waren, daß sich die Amerikaner
vordringlich mit Fragen wie Inflation, Arbeitslosigkeit und Energieproblemen beschäftigten und eher dazu
tendierten, sich aus der internationalen
Verantwortung
zurückzuziehen
und sich ein Gefühl
militärischer
Schwäche und Unsicherheit breit gemacht hatte, ist die Besorgnis über
solche Probleme heute zurückgegangen.
Ein wachsendes Verständnis für die

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Bedeutung auswärtiger Beziehungen ist
offensichtlich und steht in Zusammenhang mit dem Wunsch nach einer größeren Rolle der Vereinigten Staaten in
der Welt.
Sowohl die amerikanische
Bevölkerung allgemein wie auch die
Führungskräfte sind heute davon überzeugt, daß ein befriedigendes Gleichgewicht mit der Sowjetunion wiederhergestellt wurde und daß die Vereinigten
Staaten
eine bedeutendere
Rolle in der Welt spielen. Aber obwohl die Amerikaner sich jetzt sicherer fühlen, läßt ihre Unterstützung
für
höhere
Verteidigungsausgaben

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�nach.
Die meisten Amerikaner sind
aber bereit, die Verteidigungsbemühungen auf dem jetzigen Niveau aufrechtzuerhalten.
Eine Konsequenz dieser Einschätzungen und Gefühle ist die andauernde
Unterstützung
der
Rüstungskontrolle
und eine geringfügig stärkere Befürwortung von Maßnahmen, die mit der
Entspannungspolitik gegenüber der Sowjetunion zusammenhängen.
Im Gegensatz zu ihrer Unterstützung der Wiederherstellung
des
militärischen
Gleichgewichts durch die Reagan-Administration
befürworten
die meisten
Amerikaner jedoch nicht einige der
aggressiveren Elemente ihrer Außenpolitik, darunter militärische Interventionen im Ausland, die aktive Förderung der Demokratie und die Anwendung der Reagan-Doktrin durch verdeckte Operationen gegen kommunistisch ausgerichtete Regime in Afghanistan, Angola und Nicaragua.
Trotz
wachsender
Meinungsverschiedenheiten über Handels- und Finanzfragen zwischen den Vereinigten
Staaten und ihren wichtigsten Partnern in der Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), bleibt die Haltung
der Bevölkerung insgesamt gegenüber
Westeuropa und Japan weiterhin sehr
positiv; im Falle Japans ist sie etwas überraschend sogar noch positiver
geworden.
Dagegen ist seit Beginn
dieses Jahrzehnts das amerikanische
Interesse am Mittleren Osten zurückgegangen.
Die Bereitschaft der Bevölkerung zum Einsatz von Truppen in
Westeuropa
oder
Japan
betreffenden
Krisen ist größer denn je, während
das Widerstreben, Truppen in anderen
Regionen der Welt, wie etwa Mittelamerika, zum Einsatz zu bringen, unverändert anhält.
Die

Amerikaner

stellen

ihr Eigeninteresse
in den Vordergrund, und der Wunsch nach Schutz
amerikanischer Arbeitsplätze oder Sicherung des Zugangs zu Energie hat
weiterhin Priorität über solch altruistische Ziele wie Förderung der Demokratie, Verteidigung der Menschenrechte oder Verbesserung des Lebensstandards in anderen Ländern.
Es besteht weiterhin eine tiefe
Kluft zwischen den Haltungen der Bevölkerung allgemein und der Führungskräfte und, bei vielen Fragen, zwischen den Ansichten der Bevölkerung
und denen von Vertretern der ReaganAdministration.
Die Haltungen von
ausländischen Politikern und Regierungsvertretern stehen einander näher
als der Bevölkerung allgemein. Eine
interessante Entwicklung besteht jedoch
in der Herausbildung
starker
Meinungsunterschiede zwischen den Ansichten von Regierungsvertretern und
Vertretern
von Gewerkschaften, Medien, Bildungswesen und Kirchen.
Dies sind einige der wichtigsten
Schlußfolgerungen dieses Berichts des
Chicago Council on Foreign Relations
zur amerikanischen öffentlichen Meinung und der amerikanischen Außenpolitik. Die Studie baut auf folgenden
Grundlagen auf:

weiterhin
- 2 -

1.
Persönliche
Interviews
mit
einer repräsentativen Auswahl von
1 585
erwachsenen
Männern
und
Frauen in den Vereinigten Staaten, die von Ende Oktober bis
Mitte November von Gallup durchgeführt wurde.
2. Persönlichen und telefonischen
Interviews mit einer Auswahl von
343
führenden
Persönlichkeiten
aus Regierung, Wirtschaft, Gewerkschaften,
Universitätswesen,
Massenmedien, religiösen Institutionen, privaten außenpolitischen

�Organisationen und besonderen Interessengruppen,
die
von
Ende
September bis Ende November ebenfalls durch Gallup durchgeführt
wurde.
3. Aufgrund der Iran-Krise wurde
Gallup Mitte Januar vom Chicago
Council
beauftragt,
bestimmte
Fragen noch einmal zu stellen.
Bei diesen Fragen ergaben sich
keine
bedeutenden
Abweichungen,
mit Ausnahme eines Rückgangs in
der öffentlichen Einschätzung von
Ronald
Reagans Außenpolitik
im
allgemeinen und seinem Umgang mit
dem Problem des Terrorismus im
besonderen.

Wirtschaftliche Sorgen und Eigeninteresse
Die relative Bedeutung von Sorgen
über allgemeine wirtschaftliche Probleme, darunter Arbeitslosigkeit und
Inflation,
hat
abgenommen.
Eine
Mehrheit
der Amerikaner
betrachtet
die Außenwirtschaftspolitik weiterhin
unter dem Gesichtspunkt des Eigeninteresses, jedoch hat das Verständnis
für die Bedeutung und Interdependenz
von amerikanischer Wirtschaftsund
Außenpolitik in den vergangenen vier
Jahren
nachgelassen.
Obwohl
eine
Mehrheit
von Amerikanern
weiterhin
erkennt, daß die Außenpolitik bedeutende Auswirkungen auf den Benzinpreis, den Wert des Dollars im Ausland und die Arbeitslosigkeit hat,
ist die Anteilnahme an diesen Fragen
stark
zurückgegangen.
Trotz
des
weltweiten Überangebots von öl bleibt
der Zugang zu Energievorräten weiterhin wichtig.
Saudi Arabien wird von
der Bevölkerung allgemein weiterhin
als eines der für die amerikanischen
Interessen wichtigsten Länder angesehen. Unter den Führungskräften wurde
weiterhin Besorgnis über das hohe De-

fizit im Bundeshaushalt, die Staatsverschuldung und übertriebene Staatsausgaben geäußert.
57 Prozent der
Befragten äußerten sich besorgt über
diese Probleme, was einen Anstieg von
45 Prozent gegenüber der letzten Umfrage unter Führungskräften im Jahr
1982 darstellt.
Trotz des massiven Handelsdefizits hat sich in den vergangenen vier
Jahren gleichwohl die öffentliche Unterstützung
für
protektionistische
Maßnahmen meßbar abgeschwächt, während sich der Rückhalt
für Wirtschaftshilfe an andere Länder geringfügig verstärkte. Die Führungskräfte
befürworteten weiterhin energisch den
freien Handel - zwei Drittel der Befragten waren für die Abschaffung von
Zöllen auf Importwaren und weniger
als 30 Prozent glaubten an die Notwendigkeit von Zöllen.
Wie in der
Vergangenheit steht die öffentliche
Meinung dazu in scharfem Gegensatz;
53 Prozent waren davon überzeugt, daß
Zölle und Handelsbeschränkungen notwendig seien, und nur 20 Prozent befürworteten
ihre
Abschaffung.
Im
Verlauf des letzten Jahrzehnts haben
sich diese beiden Meinungstrends einander jedoch angenähert.
Die Führungskräfte sind etwas protektionistischer und die Bevölkerung etwas weniger
protektionistisch
geworden.
Die Kluft hat sich in den vergangenen
acht Jahren um 15 Prozent verringert.
Ein
weiteres
außenpolitisches
Thema
mit starken
wirtschaftlichen
Untertönen sind die Beziehungen zur
Regierung von Südafrika.
insgesamt
57 Prozent der Öffentlichkeit und 79
Prozent der Führungskräfte befürworteten
begrenzte
oder
harte Wirtschaftssanktionen gegen Südafrika.

Internationalismus

- 3 -

�Die "nach innen gerichtete" Haltung, die in den siebziger Jahren
charakteristisch für die meisten Amerikaner war, ist ebenfalls auf dem
Rückzug.
Die Gruppe der Führungskräfte ist innerhalb des vergangenen
Jahrzehnts praktisch der Meinung treu
geblieben, daß die Vereinigten Staaten eine aktive Rolle in der Welt
spielen sollten. In der Bevölkerung
ist die Anzahl derer, die sagten, daß
die Vereinigten Staaten eine "aktivere Rolle in der Welt" spielen sollten, von 54 Prozent im Jahr 1982 auf
64 Prozent im Jahr 1986 gestiegen.
Der Anteil der Bevölkerung, der ein
großes Interesse an Nachrichten über
fremde Länder oder die Beziehungen
der Vereinigten Staaten zu anderen
Ländern besitzt, ist ebenfalls stetig
größer
geworden.
Die
Nachrichten
über die Beziehungen der Vereinigten
Staaten zu anderen Ländern nehmen in
der Bedeutungsskala heute sogar den
zweiten Platz hinter den Lokalnachrichten, aber noch vor den nationalen
Nachrichten ein.
Ein weiteres bemerkenswertes Ergebnis der jetzigen Studie war der
erheblich größere Prozentsatz unter
der Bevölkerung und den Führungskräften mit der Meinung, daß die Vereinigten Staaten heute eine "bedeutendere" Rolle in der Welt spielten
als vor zehn Jahren. 41 Prozent der
Bevölkerung glaubten, daß die Vereinigten Staaten heute eine wichtigere Rolle spielen, im Vergleich zu 27
Prozent im Jahr 1982. 26 Prozent der
Bevölkerung und 27 Prozent der Führungskräfte glaubten, die Vereinigten
Staaten seien weniger bedeutend, im
Vergleich zu 44 und 52 Prozent vor
vier Jahren. Im Einklang mit diesem
Trend zu einer Höherbewertung der internationalen Rolle ist der geringfügig
stärkere
Rückhalt
für
Wirtschafts- und Militärhilfe an andere
Länder in der Öffentlichkeit.

Regionen von entscheidender Bedeutung
Wie
in früheren Untersuchungen
anerkannten die Bevölkerung insgesamt
wie auch die Führungskräfte, daß die
Vereinigten Staaten in vielen verschiedenen Landern vitale Interessen
besitzen.
Die Haltungen
gegenüber
verschiedenen Ländern sind immer bemerkenswert konstant geblieben, insbesondere im Hinblick auf Westeuropa,
Japan und unsere Nachbarländer, wo
eine hohe Einschätzung der vitalen
Interessen
registriert wurde.
Ein
hoher Prozentsatz der Führungskräfte
und der Bevölkerung insgesamt sehen
vitale Interessen in Westeuropa und
der westlichen
Hemisphäre, wo die
Vereinigten Staaten starke kulturelle, politische, wirtschaftliche wie
auch sicherheitspolitische Bindungen
unterhalten. Im Fall von Kanada und
Lateinamerika ist die geographische
Nähe ebenfalls ein wichtiger Faktor.
Japan
bleibt
Amerikas
wichtigster
Handels- und
Sicherheitspartner
in
Asien sowie ein wirtschaftlicher Konkurrent
auf
den
Industriemärkten.
Vitale
Interessen
werden
auch
im
Mittleren Osten angenommen, besonders
in Zusammenhang mit Israel, Ägypten
und Saudi Arabien.
Die Führungskräfte besitzen eine
umfassendere Sichtweise vitaler nationaler
Interessen,
obwohl
ihre
Prioritäten in den meisten Fällen die
gleichen sind.
Trotz scharfer Meinungsverschiedenheiten
zwischen
den
Vereinigten Staaten und Verbündeten
in Europa und Japan während der vergangenen vier Jahre werden diese Bereiche zusammen mit Kanada und Mexiko
weiterhin am höchsten bewertet.
In
all den Jahren sind die wichtigsten
Länder im Hinblick auf die von der
Bevölkerung und den Führungskräften

�angenommenen vitalen Interessen insgesamt gleich geblieben.
Im Jahr
1986 waren diese Länder für die Bevölkerung
insgesamt
Großbritannien,
Kanada,
Japan,
die
Bundesrepublik
Deutschland, Saudi Arabien und Israel.
Für die Führungskräfte waren
die sechs wichtigsten Länder im Jahr
1986 die Bundesrepublik Deutschland,
Japan, Mexiko, Kanada, Großbritannien
und die Volksrepublik China. Länder,
die seit 1982 zunehmend als wichtig
betrachtet werden, sind für die Bevölkerung allgemein Indien, Italien,
Südafrika, Südkorea und Syrien und
für die Führungskräfte Südafrika und
Südkorea.
Bei der Bitte an die Befragten
aus der Bevölkerung, die verschiedenen Länder auf einer Temperaturskala
der Gefühle einzustufen, wurden meist
dieselben Länder genannt.
Die führenden Staaten waren: Kanada, Großbritannien,
die
Bundesrepublik
Deutschland, Japan, Mexiko und Israel. Mit einer "mittleren Temperatur" von 61 Grad hatte Japan in den
letzten vier Jahren einen Zuwachs von
acht Grad, ein überraschendes Ergebnis, wenn man die bedeutenden Spannungen zwischen den Vereinigten Staaten und Japan sowie die harte Kritik
amerikanischer Führungskräfte aus Politik und Regierung, Wirtschaft und
Gewerkschaften
berücksichtigt.
Die
Philippinen wurden 1986 zum ersten
Mal einbezogen und erreichten in der
Bevölkerung den siebten Platz mit 59
Grad.

Europa
Die hohe Priorität, die den Beziehungen mit Westeuropa zugebilligt
wird, schlägt sich deutlich in der
andauernden
starken
Unterstützung
seitens der amerikanischen Bevölkerung und Führungskräfte für das Mili-

tärbündnis mit diesen Staaten und Kanada nieder, der NATO. Auf gleichem
Niveau wie vor vier Jahren meinen 70
Prozent der Bevölkerung und 85 Prozent der Führungskräfte, daß wir entweder
ein
verstärktes
oder
ein
gleichbleibendes militärisches Engagement in der NATO unterstützen sollten. Als die Führungskräfte vor die
Wahl gestellt wurden, die amerikanischen Truppen einstweilen in Europa
zu belassen oder sie in den nächsten
fünf Jahren abzuziehen und Europa
selbst für seine atomare und konventionelle Verteidigung sorgen zu lassen, sprachen sich 82 Prozent für den
Status Quo und gegen Veränderungen
aus.
Dies ist bemerkenswert, wenn
man die anhaltende Diskussion in den
Vereinigten Staaten über die Ratsamkeit unserer konventionellen militärischen Präsenz auf dem europäischen
Kontinent betrachtet.
Eine Reihe weiterer an die Auswahl von Führungskräften gerichteter
Fragen deutete keine bedeutende Verlagerung von Prioritäten nach Asien
auf Kosten Europas an. Auf die Frage, welche Region für die Vereinigten
Staaten wichtiger
sei, entschieden
sich 46 Prozent der Führungskräfte
für Europa und 18 Prozent für Asien,
während 34 Prozent meinten, beide Regionen seien gleich wichtig.
Die
amerikanischen Führungskräfte stimmten mit 69 zu 15 Prozent deutlich für
Europa und gegen Asien bei der Frage
nach der bevorzugten Region zur Vervollständigung ihrer Universitätsbildung für ihre Söhne und Töchter.
Eine ähnliche Frage nach bevorzugten
Fremdsprachen zeigte eine starke Tendenz zum Spanischen (34 Prozent) und
Französischen (22 Prozent) gegenüber
Japanisch (16 Prozent) und Chinesisch
(12 Prozent) . Es zeigte sich, daß
innerhalb der Gruppe der Führungskräfte diejenigen im Kongreß etwas
stärker als die Regierungsvertreter

- 5 -

�die weitere Stationierung von Truppen
in Europa und weiterführende Studien
in Europa bevorzugten, obwohl die
Auswahl von Personen hier sehr klein
war.

Der Mittlere Osten
Ein
weiterer
Themenkomplex von
vorrangiger Bedeutung in den vergangenen Jahren, der Mittlere Osten, hat
für die Außenpolitik der Vereinigten
Staaten etwas von der ihm beigemessenen
Dringlichkeit
verloren.
Dies
wurde offensichtlich, als die wichtigsten
Probleme der Außenpolitik,
mit denen sich das Land konfrontiert
sieht, oder die Bedeutung der öllieferungen und der damit verbundenen
Energieprobleme
behandelt
wurden.
Gleichzeitig hat sich im Verlauf der
letzten vier Jahre die bevorzugte
Einstufung Israels in der Öffentlichkeit weiter vergrößert; Israel und
Saudi Arabien werden als Länder von
vitalem Interesse für die Vereinigten
Staaten angesehen.
Wenig überrraschend befand sich der Iran an unterster Stelle des Thermometers mit 23
Grad, noch unterhalb der Sowjetunion
mit 32 und Syrien mit 34 Grad.

Militärische Angelegenheiten
Die deutlichste Verlagerung in
der Meinung der Bevölkerung und der
Führungskräfte, die sich im Verlauf
der vier von dem Chicagoer Rat für
Auswärtige Beziehungen durchgeführten
Umfragen abzeichnete, fand bei den
auf Verteidigungsausgaben
bezogenen
Themen statt. Zwischen 1974 und 1978
nahm die Unterstützung für wachsende
Verteidigungssausgaben
beträchtlich
zu. Die Umfrage des Rats deutet zusammen mit anderen Meinungsumfragen
darauf hin, daß in dem Zeitraum von
Ende der siebziger Jahre bis Anfang
- 6

1981 eine ausgeprägte Verlagerung in
der amerikanischen öffentlichen Meinung zugunsten zusätzlicher Verteidigungsausgaben beobachtet werden konnte. Im Jahr 1974 überwog die Befürwortung von Kürzungen gegenüber einer
Aufstockung des Verteidigungshaushaltes im Verhältnis von drei zu eins.
Bis 1978 gab es doppelt soviele Befürworter der Aufstockung als Anhänger einer Reduzierung des Verteidigungshaushaltes.
Die
Umfrage
von
1982 zeigte eine Umkehrung dieser
Tendenz mit großer Übereinstimmung der Mehrheit der Bevölkerung - bezüglich der Aufrechterhaltung des gegenwärtigen Umfangs der Verteidigungsausgaben im Gegensatz zu einer Aufstockung oder Kürzung. Im Jahr 1986
befürworteten sowohl die Bevölkerung
als auch die Führungskräfte die Beibehaltung des Status Quo und lehnten
zusätzliche Verteidigungausgaben ab.
Dies ist zwar keine Ermutigung der
Bemühungen der Reagan-Administration
um eine Erweiterung des PentagonEtats, aber die Bevölkerung ist auch
nicht für eine Kürzung des gegenwärtigen Umfangs der Verteidigungsausgaben.
Dieser
Mangel
an Unterstützung
für zusätzliche Verteidigungsausgaben
muß vor dem Hintergrund der Einschätzung der nationalen Stärke und der
vor allem in der Bevölkerung verbreiteten Meinung gesehen werden, daß die
Vereinigten Staaten der Sowjetunion
jetzt in militärischer Hinsicht ebenbürtig oder überlegen sind.
Frühere
Meinungsumfragen ergaben ein Gefühl
der Unterlegenheit gegenüber der anderen Supermacht.
Eine der bedeutendsten Errungenschaften der ReaganAdministration ist dieser Prozeß der
Meinungsbildung
in den Vereinigten
Staaten.
Mehr
als
in anderen Bereichen
scheint die Einstellung zu Verteidi-

�gungsausgaben vornehmlich von parteipolitischer Zugehörigkeit geprägt zu
sein. Es besteht ein enger Zusammenhang zwischen der Zugehörigkeit zur
Demokratischen Partei mit der Unterstützung einer Kürzung der Verteidigungsausgaben und der Zugehörigkeit
zur Republikanischen Partei mit dem
Wunsch nach
einer Aufstockung des
Verteidigungshaushaltes.
Diese sich
bereits
im Jahr
1982 abzeichnende
Verbindung hat sich in den vergangenen vier Jahren verstärkt.
Die Ergebnisse
früherer
Meinungsumfragen
belegen, daß die parteipolitische Zugehörigkeit
in der gesamten Nachkriegszeit scheinbar eng mit der Einstellung gegenüber Verteidigungsausgaben verflochten ist.
In früheren
Jahren, besonders in den fünfziger
und Anfang der sechziger Jahre, war
das Verhältnis jedoch umgekehrt - die
Demokraten tendierten mehr zugunsten
von Verteidigungausgaben und die Republikaner waren weniger dafür.

Die Beziehungen zur Sowjetunion
Ebenso wie im Jahr 1982 waren die
Bevölkerung und die Führungskräfte im
Jahr 1986 über die Gefahren eines
Krieges und Fortschritte bei den Rüstungskontrollbemühungen mit der Sowjetunion besorgt. 1986 nannten zehn
Prozent der repräsentativ befragten
Personen einen Atomkrieg und damit
zusammenhängende Themen auf die Frage
nach zwei oder drei der gravierendsten Probleme, mit denen sich das
Land heute konfrontiert sieht.
Im
Gegensatz dazu nannten 1978 so wenige
der Befragten Krieg oder einen Atomkrieg als die größte Sorge, daß die
Antwort
nicht gesondert
aufgeführt
wurde. 17 Prozent der 1986 befragten
Führungskräfte sahen in der Rüstungskontrolle oder dem Mangel an Rüstungsbegrenzungsabkommen die schwierigsten Probleme des Landes. In den

Jahren 1982 und 1978 wurden dagegen
nur ein Prozent in dieser Spalte aufgeführt.
22 Prozent der befragten
Bevölkerung gaben die Beziehungen mit
der Sowjetunion als eines der außenpolitischen Probleme an, das für sie
am besorgniserregendsten ist, im Vergleich zu 15 Prozent, die dieses Thema im Jahr 1982 erwähnten.
Rüstungskontrolle und damit verbundene gemeinsame Maßnahmen mit der
Sowjetunion finden sowohl von der Bevölkerung insgesamt als auch von den
Führungskräften weiterhin starke Unterstützung.
Insgesamt 80 Prozent
der Bevölkerung und 95 Prozent der
Führungskräfte befürworteten Verhandlungen über Rüstungsbegrenzungsabkommen zwischen den beiden Supermächten.
78 Prozent der Bevölkerung und 98
Prozent der Führungskräfte sind für
die Wiederaufnahme
kultureller
und
bildungspolitischer Austauschprogramme.
57 Prozent der Bevölkerung und
82 Prozent der Führungskräfte möchten
einen Zuwachs der Getreideverkäufe an
die Sowjetunion und nur 37 Prozent
der Bevölkerung und 24 Prozent der
Führungskräfte
sind
für eine Einschränkung
des
amerikanisch-sowjetischen Handels.
Starker Widerspruch
gegen gemeinsame Unternehmungen zeigte sich einzig in so sicherheitsempfindlichen Bereichen wie dem Verkauf
moderner Computer und der Beteiligung
der Sowjets an technischen Informationen über die Verteidigung gegen
Raketenangriffe und - eine Frage, die
nur an die Führungskräfte gestellt
wurde - Subventionierung der Getreideverkäufe an die Sowjetunion. Diese
umfassende Unterstützung gemeinsamer
Unternehmungen
mit der
Sowjetunion
hielt über einen langen Zeitraum hinweg an.
Die gegenwärtige Einschätzung, daß die Vereinigten
Staaten
stärker im Vergleich zur Sowjetunion
sind, hat in gewissem Umfang die bereits beträchtliche Unterstützung der

- 7 -

�Entspannung noch verstärkt.
Insbesondere
im
Hinblick
auf
Atomwaffen ist die Bevölkerung insgesamt sowie vor allem die Gruppe der
Führungskräfte weiterhin der Ansicht,
daß die Vereinigten Staaten den Bau
von Atomwaffen nur dann einstellen
sollten, wenn die Sowjetunion das
Gleiche
tut..
Diese
Einstellung
herrscht bei 58 Prozent der Bevölkerung und 79 Prozent der Führungskräfte vor.
Bei den Befürwortern der
Einstellung,
daß
die
Vereinigten
Staaten den Bau von Atomwaffen einstellen sollte, selbst wenn die Sowjetunion ihrerseits nicht dazu bereit ist, war eine leichte Abnahme zu
verzeichnen.
Ein beiderseitiges Einfrieren der
Atomwaffen fand wie im Jahr 1982 große Unterstützung. 67 Prozent der Bevölkerung und 77 Prozent der Führungskräfte würden ein beiderseitiges
sofortiges Einfrieren, vorbehaltlich
der sowjetischen Zustimmung, befürworten. Nur 14 Prozent der Bevölkerung und acht Prozent der Führungskräfte waren der Meinung, daß ein
Einfrieren nur dann erfolgen sollte,
nachdem die Vereinigten Staaten ihre
Atomwaffen aufgestockt haben.

Interventionismus
Bei
der
langfristigen
Tendenz
einer allmählich ansteigenden Bereitschaft der Bevölkerung, amerikanische
Truppen unter bestimmten Umständen in
Übersee einzusetzen, zeichnete sich
weiterhin Kontinuität ab. Die Mehrheit der Bevölkerung und der Führungskräfte wären bereit, amerikanische Truppen zu entsenden, wenn sich
entweder Japan oder Westeuropa einer
Invasion durch die Sowjetunion ausgesetzt
sähen.
Zurückhaltung
zeigte
sich jedoch bei der Entsendung von

amerikanischen Truppen unter anderen
Umständen. Die Mehrheit der Bevölkerung war gegen den Einsatz von Truppen eingestellt, falls Nordkorea in
Südkorea
einmarschieren würde, die
Araber ihre öllieferungen an die Vereinigten Staaten einstellen würden,
Nicaragua in Honduras einmarschieren
würde, um die Stützpunkte der Contras
zu zerstören, die Regierung von El
Salvador von den Guerillas besiegt
würde oder falls arabische Streitkräfte in Israel einmarschieren würden.
Die Gruppe der Führungskräfte
war ebenso wie in früheren Umfragen
dem Einsatz von Truppen gegenüber
sehr viel positiver eingestellt. Die
Mehrzahl befürwortete einen Truppeneinsatz nicht nur in den bereits genannten Fällen Westeuropa und Japan,
sondern auch im Falle einer arabischen Invasion in Israel, eines nordkoreanischen Einmarschs in Südkorea
oder falls die nicaraguanische Regierung der Sowjetunion den Aufbau von
Raketenstützpunkten in ihrem Land gestatten würde. Die Reaktion der Bevölkerung auf die Frage der Raketenstützpunkte in Nicaragua war gleichmäßig aufgeteilt.
Die Mehrheit von
45 Prozent befürworteten den Truppeneinsatz, 42 Prozent waren dagegen.
Insgesamt kann man sagen, daß die Bereitschaft zum Einsatz von Truppen in
Übersee eng mit der Einschätzung der
vitalen Interessen verbunden ist.

Die Rolle des Kongresses und des CIA
Sowohl die Bevölkerung als auch
die Führungskräfte waren im großen
und ganzen für eine Unterstützung der
Administration im Herbst des Jahres
1986, vor allem im Vergleich zu 1982,
bezüglich der dem Kongreß bei außenpolitischen Belangen zufallenden Rolle. Bei beiden Gruppen nahm die Zahl
derer, die von einer zu schwachen
Rolle des Kongresses überzeugt waren,

�beträchtlich ab.
Innerhalb der Bevölkerung nahm die Zahl derjenigen
leicht zu, die den Kongreß als zu
mächtig einschätzten, wohingegen sie
sich bei der Gruppe der Führungskräfte bedeutend erhöhte.
Die Umfrage
vom Januar 1987 zeigte einen leichten
Anstieg der öffentlichen Unterstützung zugunsten einer stärkeren Rolle
des Kongresses. Eine ähnliche Verlagerung zeichnete sich sowohl bei der
Meinung der Bevölkerung als auch der
Führungskräfte
bezüglich der
Frage
ab, ob der CIA zu verdeckten Aktivitäten zum Sturz eines der Regierung
der
Vereinigten
Staaten
gegenüber
feindlich eingestellten Regimes ermutigt werden sollte. Ein beträchtlicher Meinungsumschwung von 13 Punkten
zeigte sich bei den Führungskräften
in bezug auf größere Unterstützung
der verdeckten Rolle des CIA und eine
ebenso krasse Abnahme zeigte sich auf
der Gegenseite. Innerhalb der Bevölkerung insgesamt war der Umschwung
weniger gravierend.

Die Kluft zwischen der Administration, der Bevölkerung und den Führungskräften
Zwischen den Meinungen der Führungskräfte und der Bevölkerung insgesamt herrscht eine tiefe Kluft bezüglich einer Vielzahl von außenpolitischen Themenkomplexen.
In einigen
Bereichen befinden sich die Ansichten
dieser beiden Gruppen im Widerspruch
zu der Politik und dem Vorgehen der
Reagan Administration. Die Führungskräfte befürworten weiterhin eine aktivere Rolle der Vereinigten Staaten
in der Welt, sind generell eher interventionistisch eingestellt und für
eine Unterstützung der "Reagan-Doktrin" der Hilfe für antikommunistische Guerrillas in einigen Ländern
der Welt.
Die Führungskräfte sind
auch weiterhin internationalistischer

eingestellt, vor allem bei der Unterstützung der freien Marktwirtschaft,
sowie bei Militär und Wirtschaftshilfe.
Die Führungskräfte messen der
Verteidigung der Sicherheit der Alliierten als Ziel der Außenpolitik hohe
Priorität bei und legen geringere Betonung auf die Stärkung der Vereinten
Nationen.
Insgesamt sind sie über
den
Schutz amerikanischer Arbeitsplätze im Inland und die Förderung
der amerikanischen Geschäftsinteressen im Ausland weniger besorgt. Die
Führungskräfte
zeigen geringe Neigung, dem Ziel der "Eindämmung des
Kommunismus" beizupflichten, sondern
sind mehr geneigt, die Machtübernahme
durch eine kommunistische Regierung
in Ländern wie Mexiko, Saudi Arabien
oder Frankreich als eine "große Bedrohung" anzusehen.
Ein hoher Prozentsatz von 42 Prozent der Führungskräfte unterstützt
Militärhilfe an
andere Länder und ist entschieden weniger besorgt über die Hilfe für Mittelamerika, die zu dem militärischen
Engagement
der Vereinigten
Staaten
dort führte. Ebenso wie die Bevölkerung insgesamt sind die Führungskräfte in überwältigender Zahl gegen Verhandlungen mit Terroristen.
Im Gegensatz zur Bevölkerung befürworten
sie eher einen militärischen Einsatz
zur Bekämpfung terroristischer Gruppen, aber neigen weniger zu einer Ermordung terroristischer Anführer.
Im Hinblick auf die Beziehungen
mit der Sowjetunion räumen sowohl die
Führungskräfte als auch die Bevölkerung insgesamt gemeinsamen Unternehmungen höhere Priorität ein als die
Reagan-Administration und stehen der
Handhabung der Beziehungen mit der
Sowjetunion durch die Administration
kritisch
gegenüber.
Beide Gruppen
nehmen ebenfalls zu dem Vorgehen der
Administration im Mittleren Osten und
auf Gebieten wie internationaler Handelspolitik, Menschenrechten und Ter-

- 9 -

�rorismus eine kritische Haltung ein.
Spürbare Differenzen zeigten sich
auch
innerhalb des
representativen
Querschnitts der Führungskräfte bezüglich
dem
Verteidigungshaushalt,
der "Reagan-Doktrin", der verdeckten
Rolle des CIA und einigen anderen
Themen.
Zwischen den Vertretern der
Administration und den Vertretern anderer Führungsschichten, insbesondere
der Bereiche Arbeitsfragen, Medien,
Erziehungswesen
und
Religion,
herrschten
außerordentlich
unterschiedliche Meinungen über eine Unterstützung der Invasion in Grenada,
der Bemühungen zum Sturz der Regierung von Nicaragua, der Bombardierung
Libyens und erhöhter Verteidigungsausgaben.
Ein
bedeutendes
Gesamtergebnis
dieser Umfrage ist, daß die Unterstützung durch die Bevölkerung für
eine aktivere Rolle der Vereinigten
Staaten in der Welt zugenommen hat.
Dies stellt einen Meinungsumschwung
verglichen mit früheren Umfragen dar
und spiegelt zweifelsohne die Einschätzung eines günstigen Wandels in
dem sowjetisch-amerikanischen Kräfteverhältnis wieder sowie die hohe Anerkennung der von den Vereinigten
Staaten zur Zeit in der Welt gespielten Rolle und der Rolle, die das Land
spielen sollte. Zusammenfassend kann
man sagen, daß es bezüglich spezieller politischer Themenbereiche starke
Meinungsverschiedenheiten
mit
der
Reagan-Administration gibt, aber die
Bemühungen
der
Administration
zur
Wiederherstellung
des
militärischen
Gleichgewichts - und größeres Vertrauen in die Rolle der Vereinigten
Staaten als Weltmacht - in hohem Maße
unterstützt werden.

+ + + + +
- 10

�AMERIKA DIENST
'VON

4

Wissenschaft und Technik
1 8 . März 1987

11

RESISTENZENTWICKLUNG BEI CHEMISCHER KREBSTHERAPIE

- (AD) - Nach anfänglichem Erfolg
bereitet die Chemotherapie von Krebs
jetzt
zunehmend
Schwierigkeiten.
Präparate, die während der ersten Wochen und Monate ihrer Anwendung gut
geeignet erschienen, Krebszellen und
Geschwülste abzubauen oder zumindest
an der Ausbreitung zu hindern, zeigen
plötzlich keine Wirkung mehr.
Der
Krebs kommt zurück und ist nun viel
hartnäckiger als zuvor.
Mit der Frage, was dieser "erworbenen
Resistenz"
zugrunde
liegen
könnte,
befaßt
sich
Dr.
Robert

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Schimke, Professor der Biologie an
der amerikanischen Stanford-Universität, seit fast zwei Jahrzehnten. Ein
erstes wichtiges Ergebnis seiner Untersuchungen war 1977 die Beobachtung, daß zum Beispiel Zellen aus
Mäusetumoren unter der Einwirkung von
Methotrexat entscheidende Veränderungen auf Gen-Ebene erfahren.
Dieses
Zytostatikum, seit 1948 bekannt und
in der Chemotherapie bestimmter Formen von Krebs auch recht gut bewährt,
wirkt krebshemmend, weil es ein Enzym
blockiert, das für die DNS-Synthese
wichtig ist.

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Bei diesem Enzym handelt es sich
um Dihydrofolat-Reduktase (DHFR). Es
wird benötigt, um am Aufbau einer
identischen
Kopie
des
Desoxyribonucleinsäuremoleküls
(DNS) mitzuwirken, ehe sich die Zelle teilt. Mit
dieser Kopie werden sämtliche genetischen Informationen der Mutterzelle
an die Tochterzelle weitergegeben.
Die DHFR-Produktion wird durch
Gene gesteuert, die in ganz bestimmter Zahl vorhanden sind. Unter Methotrexat-Behandlung
beginnen
jedoch
manche Krebszellen
sehr viel mehr
solcher Gene hervorzubringen - ein
Phänomen, das der Biologe als "GenVerstärkung" bezeichnet.
Zellen mit
verstärktem DHFR-Gen produzieren das
Enzym in so großer Menge, daß therapeutische Dosen von Methotrexat die
Folsäurereduktase nicht völlig zu unterdrücken vermögen, um so die DNSSynthese zu blockieren.
Das bedeutet, daß die Zellteilung trotz Chemotherapie
weitergeht.
Krebszellen
vermehren sich wieder, bösartige Tumore wachsen erneut.
Zusammen
mit
dem
Krebsspezialisten Richard Horns fand Schimke vor
drei Jahren den gleichen Effekt bei
menschlichen Krebszellen, und zwar an
Blutzellen einer Patientin mit Leukämie:
Vor der Methotrexat-Behandlung
enthielten
die leukämischen
Zellen
nur ein einziges aktives DHFR-Gen,
nach Einsetzen der Resistenz gegen
das Chemotherapeutikum
drei Monate
später dagegen eine stark erhöhte Anzahl.
Auch bei Patienten mit Ovarial- und Lungenkrebs wurde dies inzwischen beobachtet. Andere Forscher
seien, so Schimke, zu ähnlichen Resultaten gekommen.
Bei seinen jüngsten Untersuchungen zur Klärung der Frage, auf welchem Wege
das
DHFR-Gen
verstärkt
- 2

wird, wies Schimke u.a. nach, daß es
keineswegs nur bei Anwendung des Zytostatikums Methotrexat zu einer GenVerstärkung kommen könne. Sie trete
auch bei Sauerstoffmangel, bei Einwirkung von ultraviolettem Licht und
von sogenannten karzinogenen Stoffen
bzw. Faktoren auf, die erfahrungsgemäß Krebs erzeugen können.
So verschiedenartig die genannten
"Ursachen" sind, eines haben sie doch
gemeinsam:
Wie Methotrexat hemmen
auch sie die DNS-Synthese. Nach Meinung Schimkes führt dies bei manchen
Zellen zu einer Fehlsteuerung in der
Weise, daß sie nun vor der Teilung zu
viele
Kopien einzelner
Komponenten
des DNS=Moleküls produzieren.
Zwar
gehe
die
Mehrzahl
solcher
Zellen
durch die Methotrexat-Behandlung zugrunde. Jene Zellen aber, die - mit
verstärktem
DHFR-Gen
überleben,
seien von nun an gegen das Zytostatikum resistent.
"Wir studieren einen
der fundamentalen Zellprozesse - die
Reduplikation des DNS-Moleküls", sagt
Prof. Schimke.
Die Wissenschaftler
müßten zunächst einmal im Detail verstehen, wie die normale DNS-Reduplikation funktioniere, ehe sie die GenVerstärkung und damit auch die Resistenzentwicklung von Krebszellen gegen Chemotherapeutika verstehen und
erklären könnten.

•

�</text>
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                <text>Amerikadienst 18.03.1987</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Reagan nimmt Weinberger und Shultz in Schutz&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Präsident Reagans Rundfunkansprache -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wick: Sowjetischer "Glasnost"-Kampagne mit Vorsicht begegnen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Auszüge aus einer Ansprache vor dem Verband der amerikanischen Werbewirtschaft -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;An Erprobung und Stationierung von SDI festhalten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von Henry Kissinger -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Positive Einschätzung von Amerikas Rolle in der Welt - Unterstützung für NATO&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Meinungsumfrage des Chicago Council on Foreign Relations -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Resistenzentwicklung bei chemischer Krebstherapie&amp;nbsp;</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST
'VoN^
1 1 . März 1987

10

I N H A L T

DOKUMENTATION
Reagan; Veränderung der sowjetischen Position zur Rüstungskontrolle
ein "großer Durchbruch"
- Ansprache vor der National Newspaper Association Weinberger; Sowjetischer Vorschlag zu Mittelstreckenraketen
"begrüßenswerte Entwicklung"
- Verteidigungsminister Weinberger in Boston

INFORMATION
Reagans Mann an der Spitze des CIA geht der Ruf der Integrität voraus
- Kurzbiographie von William Webster -

WIRTSCHAFT
Studie des Kongresses bezeichnet Erholung der Wirtschaft als instabil
- Artikel zum Jahresbericht des Gemeinsamen Wirtschaftsausschusses -

HINTERGRUNDMATERIAL
Reagan; Sowjets verletzen wahrscheinlich ABM-Vertrag
- Die sowjetische Nichteinhaltung von Rüstungskontrollabkommen
Andauernde Menschenrechtsverletzungen in Kuba
- Worldnet mit Walters und Valladares -

* * * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

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�AMERIKA DIENST
'VON**

Dokumentation
11. März 1987

10

REAGAN: VERÄNDERUNG DER SOWJETISCHEN POSITION ZUR RÜSTUNGSKONTROLLE EIN
"GROSSER DURCHBRUCH"
- Ansprache vor der National Newspaper Association -

WASHINGTON - (AD) - In einer Ansprache vor der National Newspaper Association bezeichnete Präsident Reaqan am 5. März 1987 die Veränderunq der sowjetischen Position bei den Rü'stunqskontrollqesprächen als "qroßen Durchbruch",
der zeiqe, "daß sich bei den Bemühunqen um die Sache des Friedens Bereitschaft, Geduld und Festigkeit auszahlen". Er begrüße die sowjetische Zustimmunq, über Mittelstreckenraketen (INF) zu verhandeln ohne weiter auf der
Preisqabe der Strateqischen Verteidiqunqsinitiative als Voraussetzunq für ein
Abkommen über INF zu bestehen.
Die Ansprache des Präsidenten hat folqenden Wortlaut:

Wie Sie wissen, habe ich qestern
abend in meiner Ansprache an das amerikanische Volk zur Iran-Initiative
Stellunq
qenommen.
Eine Tatsache,
die unsere Republik so qroßartiq qemacht hat, besteht darin, daß wir uns
nicht vor unseren Fehlern verstecken.
Wir lernen aus ihnen.
Dann machen
wir weiter und tun unsere Arbeit besser als vorher.
Wir haben in den letzten Monaten
qenuq Zeit mit Insider-Informationen
über
politische
Vorqänqe
in
Washinqton verbracht.
Wer oben und

United States Information Service
Embassy of the United States of America

wer unten durch sei. Wer dazu qehört
und wer nicht. Die Ermittlunqen werden und sollten weiterqehen. Und die
zuständiqen
Ausschüsse
werden
und
sollten weiter zusammentreten.
Ich
habe zuqesaqt, daß die Administration
ihnen
jede
Unterstützunq
qewähren
wird, und dies wird sie auch tun.
Was mich jedoch anqeht, so hat
das amerikanische Volk mich hierhin
qeschickt, um meine Arbeit zu tun,
und es bleiben dafür nur noch zwei
Jahre.
Und ein Teil meiner Arbeit
besteht darin, die Grundlage für den

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Frieden in der Welt zu stärken. Nie
war ich in bezuq auf die Erfolgsaussichten in diesem Bereich optimistischer als heute. Und das rührt daher, daß wir in der vergangenen Woche
einen bedeutenden Durchbruch auf dem
Weq zu einem Abkommen über gegenseitige und verifizierbare Waffenreduzierungen zwischen uns und der Sowjetunion erlebt haben.

Zunächst wurde uns erklärt, daß
wir ein Rüstungskontrollabkommen unwahrscheinlicher
machten, wenn wir
die Verteidigung Amerikas wiederherstellen und wenn wir die Bereitschaft
unserer
Bündnisse
erhöhen
würden.
Die Sowjets erklärten, sie würden
sich von den Genfer Abrüstungsgesprächen zurückziehen, wenn wir unsere INF-Raketen stationierten.

Wie ich schon zu Beginn der Woche
verkündet habe, haben sich die Sowjets
endlich
bereiter klärt,
über
eine weltweite Reduzierung der amerikanischen
und sowjetischen Mittelstreckensysteme
längerer
Reichweite
oder, wie wir sie nennen, INF-Flugkörper zu verhandeln.
Das Reduzierungsabkommen, daß als Ergebnis der
sowjetischen
Erklärung
jetzt
in
Reichweite ist, leitet sich von meinem Vorschlag einer "Null-Lösung" aus
dem Jahr 1981 ab.
Dieser Vorschlag
fordert den Abbau aller INF-Flugkörper. Diese Verhandlungen werden ohne
Vorbedingungen geführt.
Die Sowjets
haben ihre Forderung nach Aufgabe der
Strategischen Verteidigungsinitiative
als Vorbedingung für eine Einigung zu
INF fallengelassen, und ich begrüße
diese Entwicklung.

Aber wir und unsere Verbündeten
wußten, daß, während der Westen untätig geblieben war, die Sowjets ihre
eigenen
INF-Systeme
mehrere
Jahre
lang mit einer Rate von einem System
pro Woche stationierten und damit
eine neue und grundlose Bedrohung unserer Freunde und Verbündeten in Europa und Asien geschaffen haben.

Diese Veränderung in der sowjetischen Position ist ein großer Durchbruch, und sie zeigt, daß sich bei
den Bemühungen um die Sache des Friedens Bereitschaft, Geduld und Festigkeit auszahlen.
Nun, dies sollten die drei Binsenwahrheiten sein - daß sowohl Bereitschaft wie auch Geduld und Festigkeit sich auszahlen.
Doch im
Verlauf der letzten Jahre mußte ich
diese Binsenwahrheiten ständig verteidigen, um die Politik zu schützen,
die uns zu diesem Augenblick der
Hoffnung geführt hat.

Wir wußten, daß dies den Frieden
nicht
sicherer, sondern
unsicherer
machen würde. Und wir waren uns darüber im klaren, daß wenn wir jemals
über ein Abkommen zur Reduzierung der
sowjetischen
INF-Systeme
verhandeln
wollten, wir etwas Substantielles besitzen mußten, das wir als Gegenleistung aufgeben müßten. wir und unsere Verbündeten beschlossen deshalb,
zum Ausgleich für die neue Bedrohung
durch die sowjetische Aufrüstung in
diesem Bereich in vernünftigem Maß
selbst INF-Systeme zu stationieren.
Nachdem die Sowjets sich geweigert
hatten, darauf am Verhandlungstisch
konstruktiv
zu reagieren, begannen
wir mit der Stationierung.
Wir waren bereit und zudem geduldig. Ja, die Sowjets verließen den
Verhandlungstisch.
Dies
war
Teil
eines ausgeklügelten Schauspiels, das
auf die öffentliche Meinung hier und
in Europa abzielte. Aber trotz einiger abweichenden Meinungen auf beiden
Seiten des Atlantiks blieben das amerikanische Volk und die Bevölkerung
Europas auf unserer Seite.

�Gemeinsam
hatte
das
westliche
Bündnis einen ebenso lanqen Atem wie
die Sowjets. Und als es schließlich
klar qeworden war, daß nicht nur die
politisch
Verantwortlichen,
sondern
auch die Bevölkerung der Bündnisstaaten warten konnten und würden und daß
weder die Menschen noch ihre Politiker klein beiqeben würden, kehrten
die Sowjets an den Verhandlungstisch
zurück. Geduld.
Sie wissen, was danach geschah zwei Jahre der Treffen, Hoffnunqen,
Erfolge
wie
auch
Enttäuschungen.
Nachdem sie bereits das Gegenteil erklärt hatten, verbanden die Sowjets
die INF-Frage mit anderen Bereichen,
wozu auch ihre Bemühungen zur Erledigung unseres SDI-Programm gehörten.
Aber wiederum blieben wir und unsere
Verbündeten fest. Wir bewahrten unsere Festigkeit, weil SDI auf dem Weq
zu einer sichereren Welt für alle
eine
entscheidende
Rolle
spielen
wird. Durch SDI wird unser Ziel einschneidender, gleichgewichtiger
und
veri fizierbarer
waffenreduzierunqen
unterstützt.
Es verringert das Kriegsrisiko
und die Bedrohunq durch ballistische
Fluqkörper.
Ich
habe
jedenfalls
nicht die Absicht, den Traum des Menschen von einer sichereren Welt zur
Verhandlunq zu stellen.
Und wir sind noch auf andere Weise fest qeblieben.
Wir haben erklärt, daß unser ziel in einem weltweiten Verbot aller INF-Systeme länqerer
Reichweite
bestehen
sollte.
Als ich dies vor sechs Jahren zu unserem
Ziel
erklärte, wurde
diese
Null-Lösunq mit großer Skepsis aufgenommen. Einige behaupteten, ich könne es nicht ernst meinen, ich schlüge
die Null-Lösung nur deshalb vor, weil
ich wüßte, daß die Sowjets ihr nie-

mals zustimmen würden oder weil ich
so einfältig sei, daß ich es nicht
besser wüßte.
Nun, nach mehreren
Jahrzehnten in Hollywood war es ein
ganz neues Gefühl für mich, als einfältig bezeichnet zu werden.
Ich war und bin entschlossen, daß
das Vermächtnis dieses Jahrzehnts für
den Weltfrieden besser sein wird als
lediglich ein weiter Haltepunkt bei
der Regelung des Wettrüstens.
Das
amerikanische Volk und die Völker der
Welt wollen keine Arsenale, die nur
einen Bruchteil so schnell wachsen
wie zuvor.
Sie wollen einen Abbau
der Arsenale, und vielleicht befinden
wir uns bei einer entscheidenden Waffenkategorie zur Zeit an der schwelle
zur Erreichung genau dieses Ziels weil wir fest geblieben sind.
Ja, Bereitschaft, Geduld und Festigkeit zahlen sich nun aus.
Und
deshalb sind sie zur rechten Zeit gekommen.
Morgen werde ich die Botschafter Max Kampelman, Ron Lehman
und Mike Glitman treffen, die ich aus
Genf einberufen habe. Ich werde mit
ihnen die amerikanische Reaktion auf
die sowjetische Erklärung besprechen.
Ich habe unser Verhandlungsteam
schon damit beauftragt, unseren Entwurf für ein Abkommen auf den Verhandlungstisch zu legen.
Dies ist
ein großer Augenblick der Hoffnung
für die Menschheit - Hoffnung, ja,
für diese Übereinkunft, Hoffnunq auch
auf andere Abkommen, Abkommen, durch
die unsere Sicherheit erhöht und die
Grundlaqen des Friedens qestärkt werden.
Die Flamme
dieser
Hoffnung
brennt heute, weil wir bei den ersten
Anzeichen der sowjetischen Kampagne
in der Öffentlichkeit nicht nachgegeben haben.
Dies ist die Lehre der
vergangenen Jahre: wir und
unsere
Verbündeten
haben
und
werden
uns
nicht zu einem Abkommen drängen las-

- 3 -

�sen.
Ich werde die Hoffnung auf
einen echten Frieden nicht vorbeigehen lassen.
Manchmal nehmen uns die Ereignisse der Tagespolitik so sehr gefangen,
daß wir das große Versprechen verqessen, das von unserer Nation und unserer Zukunft verkörpert wird. Wir leben in einem Zeitalter der Hoffnung,
in einer Zeit, in der die Träume der
Menschheit von einem Ende der großen
Kriege und der Ausdehnung der Freiheit auf alle Länder und Völker endlich
verwirklicht
werden
können,
einer Zeit, in der wir einer neuen
Epoche der Möglichkeiten entgegensehen.
Dies heißt aber nicht, daß alle
Probleme qelöst wären. Bei den INFGesprächen bleiben noch einige wichtige Fragen ungeklärt.
Wir müssen
uns auf gleichgewichtige Beschränkungen für INF-Systeme kürzerer Reichweite verständigen. Dies ist notwendig, damit den Sowjets keine Möglichkeit zur Umgehung eines Abkommens zu
INF längerer Reichweite durch die
Aufrüstunq mit INF kürzerer Reichweite erhalten bleibt. Um außerdem sicherzugehen, daß die Sowjets Wort
halten, müssen wir weiterhin darauf
bestehen, daß alle Abkommen wirksam
verifizierbar sind. Ich bin eigentlich kein Linguist, aber bei dem
Treffen von Reykjavik gab es ein russisches Sprichwort, das ich Herrn
Gorbatschow
in
russischer
Sprache
übermitteln konnte, was ich auch tat:
"Dowerial no prowerial" - vertraue,
aber prüfe nach.
Er lächelte und
wechselte das Thema.
Schließlich bleiben drei wichtige
Bereiche des Ungleichgewichts, nämlich bei den Kurzstreckenwaffen, den
chemischen Waffen und den konventionellen Streitkräften in Europa. Wir
und unsere Verbündeten beschäftigen

uns mit all diesen Problemen.
Und während wir uns mit ihnen beschäftigen, können wir heute zu träumen beginnen, was vor nur weniqen
Jahren die Menschheit kaum zu träumen
wagte, vom wirklichen Ende des nuklearen Terrors.
Wir
können
von
einer Welt dauerhaften Friedens träumen.
Wir können von Hoffnung und
Möglichkeiten sowie von Freiheit für
die ganze Menschheit träumen.
Niemand sollte denken, daß unsere
Bestrebungen für eine sicherere Welt
sich in einem Augenblick oder nur
aufgrund des Wunsches verwirklichen
lassen. wir sind so weit gekommen,
weil wir stark, geduldig und fest waren. Und wir benötigen diese Eigenschaften auch während des Rests der
Wegstrecke zu echtem Frieden.
wir
wissen heute jedoch, daß diese Reise
einmal ein Ende haben wird.
Wir haben den Anfang dieses Endes
noch
nicht
erreicht.
Aber,
wie
Churchill
bei
anderer
Gelegenheit
sagte, stehen wir vielleicht am Ende
des Anfangs. wir sind einen langen
und schwierigen Weg gegangen.
Aber
unser Volk besitzt eine große Stärke.
In den Beziehungen zwischen Amerika
und seinen Verbündeten besteht eine
große Stärke in bezug auf das gemeinsame Ziel.
Laßt uns also zusammen
auf dem Weg zu unserem gemeinsamen
Traum voranschreiten.
Ich kann nicht daran glauben, daß
die Sicherheit
der Welt
und der
Menschheit weiterhin auf einer Politik beruhen soll, die als MAD (Mutual
Assured
Destruction),
beiderseitig
gesicherte
Vernichtung,
bezeichnet
wird, auf einer Idee, die besagt,
daß, wenn wir genug Raketen besitzen,
um die anderen von der Erde zu blasen
und die anderen genug besitzen, um
uns von der Welt zu blasen, wir hier

�ruhig mit dem Wissen sitzen können,
daß
irqendwann
irqendjemand
einen
Knopf drücken könnte, was den Anfanq
der Zerstörung der Welt bedeuten würde. Das ist nicht meine Vorstellunq
von einer Garantie des Friedens, wenn
ich mir so die Geschichte der Welt
anschaue. Und ich bin der Uberzeuqung, daß die von uns entwickelte
Antwort zur Beseitiqunq dieser furchbaren
Waffen
führen
wird.
und
qleichzeitiq können wir eine Verteidiqunq qeqen solche Waffen aufrechterhalten.
Da wir wissen, daß wir
diese Waffen irqendwo und irqendwann
herstellen können, könnte ja ein Verrückter kommen und anfanqen, solche
Waffen wieder zu produzieren.
Als wir nach dem Ersten Weltkrieq
versprachen, Gas als Waffe abzuschaffen, hat trotzdem jeder seine Gasmasken behalten. Und das ist alles, was
wir vorschlaqen.
und wir qlauben,
daß die Möqlichkeit zur Erreichunq
eines solchen Abkommens besteht.

- 5

�AMERIKA DIENST
Dokumentation
11. März 1987

10

WEINBERGER:

SOWJETISCHER VORSCHLAG ZU MITTELSTRECKENRAKETEN
"BEGRÜSSENSWERTE ENTWICKLUNG"

- Verteidiqunqsminister Weinberqer in Boston -

BOSTON - (AD) - Im Verlauf einer Pressekonferenz erklärte der amerikanische Verteidiqunqsminister Caspar Weinberqer am 5. März 1987 in Boston, der
sowjetische Vorschlaq zu einem Abkommen über Mittelstreckensysteme länqerer
Reichweite sei eine "beqrüßenswerte Entwicklunq". Zuqleich betonte er jedoch
auch die Notwendigkeit der Verifizierunq und Inspektionen vor Ort für die Verwirklichunq eines wirksamen Abkommens zur Reduzierunq dieser Waffen.
Nachfolqend brinqen wir die wichtiqsten Auszüqe aus Weinberqers Pressekonferenz:

Frage:
Würden Sie den Bericht
von den Genfer Verhandlungen kommentieren, wonach die Sowjetunion in den
INF-Gesprächen Inspektionen vor Ort
zuqestimmt hat?
Antwort:
wahr ist.

Ich

hoffe,

daß

dies

Frage:
Und
daß
sie
bereit
sind, auch die Besorqnisse der WestEuropäer über die Kurzstreckensysteme
ernst zu nehmen?
Antwort:

Wir

hoffen,

daß

das

United States Information Service
Embassy of the United States of America

stimmt. Ich habe bis jetzt noch keinen formell unterbreiteten Vorschlaq
der Sowjetunion
für einen Vertraq
oder
eine
Sprachreqelunq
qesehen,
aber ich hoffe sehr, daß dies wahr
ist.
Wir bemühen uns seit lanqem,
einschneidende Reduzierunqen bei Waffen aller Art zu erzielen, bei Atomraketen mittlerer Reichweite und bei
Lanqstreckenraketen.
Damit
meinen
wir einschneidende Reduzierunqen, die
uns auf beiden Seiten zu Parität verhelfen würden und umfassend zu verifizieren wären. Und ohne Inspektionen vor Ort kann man solche Abkommen

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Telex: 8-85432

�einfach
nicht
verifizieren.
Und
selbst dann kann man sich nicht völliq sicher sein.
Inspektionen vor
Ort sind jedoch für jede Art von
nützlicher
Verifizierunq
notwendig.
Ich hoffe also, daß der Bericht der
Wahrheit entspricht.
Fraqe:
Könnten
Sie
etwas
zu
den Aussichten saqen.
Könnten sie
einem zeitlichen Rahmen von sechs Monaten bei INF zustimmen?
Antwort:
Es ist schwer, qenau
abzuschätzen, wieviel Zeit dafür benötiqt wird. Wenn beide Seiten ein
Abkommen erreichen wollen, und wir
wollen dies sicherlich, dann qlaube
ich nicht, daß es sehr lanqe dauern
wird. Sechs Monate scheinen mir mehr
als qenuq, um in der Laqe zu sein,
ein Abkommen zusammenzustellen, nachdem die Sowjets einmal ihren echten
Wunsch nach Abschluß eines solchen
Abkommens zum Ausdruck qebracht haben. Wenn dies existiert, wenn dies
anhält, wenn es mehr ist als nur der
Versuch, die Weltmeinunq
für sich
einzunehmen, dann sollten wir in der
Laqe sein, ein solches Abkommen ziemlich bald zu erreichen.
Fraqe: (unverständlich)
Antwort:
Nein,
ich
denke
nicht, daß dies etwas damit zu tun
hat.
Es ist immer schwieriq auszumachen, welche Ideen die Sowjets qerade verfolqen.
Es ist mit schon
seit lanqem klarqewesen, daß sie ein
Rüstungskontrollabkommen
wollen
und
brauchen.
Ich war mir darüber im
klaren, daß sie ihr Möglichstes tun
würden, um uns zur Einstellunq der
Arbeiten an der strateqischen Verteidiqunq zu veranlassen, um ihre eiqenen Bemühunqen verfolqen zu können
und das Monopol aufrechtzuerhalten,
das sie in diesem Bereich besaßen.
Ich qlaube, daß mit dem zunehmenden
- 2

Bewußtsein darüber, daß sie den Präsidenten nicht zur Aufqabe der strateqischen
Verteidiqunq
überreden
konnten,
sie
dann
ihren
zweiten
Wunsch weiterverfolgten, nämlich die
Erzielunq
eines
Rüstunqskontrollabkommens. Ich denke, ihr Hauptwunsch
besteht darin, die Pershinq-Raketen
aus Europa zu entfernen. Um dies zu
erreichen, erklären sie jetzt, sie
seien bereit, bei ihren Mittelstrekkenraketen einschneidende Reduzierunqen vorzunehmen, in Europa bis auf
Null, und Arranqements zu erarbeiten,
die ein höheres Maß an Parität und
eine weit stärkere Abschreckunqsfähiqkeit bei den Kurzstreckenraketen
erlauben werden.
Ich hoffe, daß dies stimmt. Ich
bin sicher, man kann mit zehn Leuten
sprechen und zehn verschiedene Theorien darüber erhalten, warum die Sowjets zu irgendeiner Zeit irgendetwas
tun.
Ich hoffe, sie werden dabei
bleiben. Ich hoffe, daß sie bei diesem Abkommen angemessenen und wirksamen Inspektionen vor Ort zustimmen
werden. Man kann solch ein Abkommen
nicht ohne dies unterzeichnen.
Meiner Meinung nach sollte dies das erste sein, worüber wir verhandeln müssen.
Frage:
Was
ist Ihrer Meinung
nach das größte Hindernis bei (unverständlich) ....
Antwort:
Das Bestehen der Sowjets auf der Tatsache, daß sie in
einer qroßen Anzahl von Kategorien
die Überlegenheit haben müssen, haben
wollen und auch tatsächlich haben.
Und daß sie niemals bereit waren,
eine angemessene Verifizierung zuzulassen, die angesichts ihrer Täuschungsmanöver in der Vergangenheit
absolut unerläßlich ist. Wir wollen
Abkommen und zwar solche, die einschneidende Reduzierunqen qewährlei-

�sten. Wir wollen Abkommen, die beiden Seiten wieder einen Gleichstand
verschaffen. Wir müssen Übereinkünfte erzielen, die
vollständig
und
gründlich verifizierbar sind.
Wenn
diese drei Bedingungen erfüllt werden, werden wir dem Abschluß von Abkommen mit Freude entgegensehen. Es
ist die Unfähigkeit, solch eine Art
von Abkommen herbeizuführen, die den
Prozeß verlangsamt hat.
Es ist immer wieder überraschend,
zu lesen, daß der Präsident dafür
kritisiert wird, daß er kein Rüstungskontrollabkommen
erzielt.
Er
möchte und wird auch kein Abkommen
bekommen, das für unser Land ein
schlechtes Abkommen wäre. Er möchte
kein Abkommen, das nicht wirkungsvoll
verifizierbar ist. Was er drinqend
möchte und auch bereits seit seiner
Amtseinführung zu bekommen versucht
hat, sind Abkommen, die einschneidende Reduzierungen vorsehen, uns wieder
auf einen Gleichstand bringen und verifizierbar sind.
Frage:
Premierminister in
Thatcher hat erklärt, daß ein INF-Abkommen an ein Abkommen über Kurzstreckenwaffen gekoppelt sein sollte.
Stimmen Sie dem zu?
Antwort:
Ja, das tue ich.
Es
muß nicht qekoppelt oder verknüpft
sein.
Was wir brauchen, sind Reduzierungen in allen Bereichen.
Man
kann keine Reduzierung vornehmen, die
den Vereinigten Staaten, den NATOVerbündeten
oder
dem
Westen
eine
wirksame
Abschreckung
entziehen.
Gleichzeitig zu den vorgenommenen Reduzierungen muß entweder eine ausreichend
wirkungsvolle
Abschreckung
erhalten oder sichergestellt werden,
daß
sowjetische
Reduzierungen
in
gleichem Umfang vorqenommen werden.
Die Abschreckung muß aufrechterhalten
bleiben.

Frau Thatchers Hinweis ist sehr
wertvoll, es gibt eine große Anzahl
von sowjetischen Mittelstreckenraketen
kürzerer
Reichweite, es
gibt
LRINF und SRINF.
Wenn es gelingt,
die SS-20 als LRINF abzuschaffen,
bietet das große Ungleichgewicht zugunsten der Sowjets immer noch Anlaß
zur Besorgnis im Bereich der Mittelstreckenraketen kürzerer Reichweite,
der SCALEBOARD-Raketen und der SS-23.
Es ist daher wichtig, auch daran zu
denken.
Es geht nicht darum, eine
Waffenkategorie abzuschaffen und Europa gegenüber einer anderen verwundbar zu machen.
Frage:
Wenn
es
uns
gelingt,
Abkommen zum Abbau der Mittelstrekkenwaffen zu erlangen, was können wir
bei den konventionellen Streitkräften
tun?
Dort gibt es ein Ungleichgewicht,
(unverständlich) unsere militärische Präsenz?
Antwort:
Diesen Punkt habe ich
gerade versucht zu beantworten. Wir
können eine wirkungsvolle Abschrekkung nicht aufgeben. Es ist genauso
wichtig, einen
konventionellen Anqriff abzuschrecken wie einen Nuklearanqriff. Konventionelle Waffen haben eine schreckliche Wirkung und
können mit allen möglichen verbesserten
Sprenqstoffen
enormen
Schaden
hervorrufen, so daß auch dieses Problem angegangen werden muß. Es ist
notwendig, ebenso wie im strategischen auch im konventionellen Bereich
ein abschreckendes Gleichgewicht herzustellen.
Es ist sehr wichtig, daß es sich
um kein sehr gutes Abkomen handeln
kann, wenn es uns erlaubt, unsere
Streitkräfte zu erweitern.
Die Sowjets stellen unseren 14 000 Panzern
etwa 44 000 geqenüber. Es wäre kein
gutes Abkommen, das es uns erlauben

- 3 -

�würde, unseren Bestand ebenfalls auf
44 000 zu erhöhen. Es wäre aus dem
Grund kein gutes Abkommen, weil es
den Waffenbestand
erweitern würde.
Es wäre ein besonders schlechtes Abkommen, weil die Sowjets sehr wohl
wissen, wie leicht es für sie ist,
ihre Militärausqaben zu erhöhen und
wie schwieriq für uns.
In der Sowjetunion qibt es keine
öffentliche Meinung. Ihre Lebensqualität, die niemand von uns auch nur
mehr als ein oder zwei stunden ertragen wollte, spielt dabei überhaupt
keine Rolle. Und sie können soviel
sie wollen in ihre Verteidigung investieren, weil dort das System anders
ist. Einzelne Männer im Kreml können
solche
Entscheidungen
über
Nacht
treffen und diese können zehn bis
zwölf Jahre gültig sein. Für uns ist
das wesentlich schwieriger. Die Sowjets wissen genau, was sie in sechs
oder sieben Jahren ausgeben werden.
Ich kann das nicht für zwei oder drei
Jahre im voraus bestimmen.
Das ist
der Unterschied zwischen den Systemen, und daran sollten wir denken,
wenn wir über Abkommen sprechen, die
uns zu einer Aufrüstung führen können.
Das Abkommen erlaubt uns die
Aufrüstung, aber es stellt keine Mittel dafür bereit. Es ist daher unerläßlich, Abkommen zu erlangen, die
Reduzierungen bis auf einen Gleichstand zulassen und die durchweg verifizierbar sind, und genau das versuchen wir.

* * * *

�AMERIKA DIENST
^7

^

Information

C$-

11. März 198 7

10

REAGANS MANN AN DER SPITZE DES CIA GEHT DER RUF DER INTEGRITÄT VORAUS
- Kurzbioqraphie von William Webster -

WASHINGTON
(AD)
William
Websters Jahre im öffentlichen Dienst
haben ihm den Ruf absoluter und kompromißloser
Inteqrität
einqetraqen,
die sich als unschätzbar
erweisen
wird, wenn er erwartunqsqemäß Direktor des CIA wird und damit zu einer
Belebunq
der Reaqan Administration
beiträqt.
Webster war seit 1978 Direktor
des Federal Bureau of Investiqation,
aber am 3. März 1987 ersuchte ihn
Präsident Reaqan, seinen Posten beim
FBI aufzuqeben und die Central Intel-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

liqence Aqency zu übernehmen.
Die Wahl fiel auf ihn, nachdem
der
amtierende
Direktor
des
CIA,
Robert Gates, seine Kandidatur als
der von Reaqan nominierte Nachfolqer
des ehemaliqen Leiters des Nachrichtendienstes, William Casey, zurü'ckzoq, der nach einer Operation weqen
eines Gehirntumors aus dem Amt ausschied.
Als Reaqan die Nominierunq bekanntqab, nannte er Webster "einen
Mann von Ehre und Inteqrität, der

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�sich
der
Rechtsstaatlichkeit
pflichtet fühlt".

ver-

Am 4. März im Weißen Haus kommentierte Webster seine Besprechunq mit
dem Präsidenten mit der Bemerkunq,
Präsident Reaqan habe ihm "keinen besonderen Auftraq" erteilt, ihm jedoch
"sein Vertrauen in meine Fähiqkeit
zur Ausübunq des Amtes" ausqesprochen.
Auf die Fraqe, wie er seine zukünftige Rolle und Verantwortunq beim
CIA sehe, antwortete Webster: "Eine
Sache, die ich machen muß, ist sicherzustellen, daß die Orqanisation
hinter mit steht und wir alle zusammenarbeiten" .
Webster wurde qebeten, den Schaden einzuschätzen, den die Rüstunqskontroverse
um
den
Iran und
die
Contras der Glaubwürdiqkeit der Reqierunq und der des Präsidenten zuqefüqt hat.
"Ich bin kein Meinunqsforscher",
saqte er, füqte jedoch hinzu, daß es
unkluq von ihm wäre, das durch sie
auf
nationaler
und
internationaler
Ebene ausqelöste Problem zu verleuqnen.
"Aber wir haben sehr viel schwieriqere Probleme bewältiqt", betonte
er. "Und ich bin der Uberzeuqung, daß
es sich hierbei um ein lösbares Problem handelt" .
Auf die Fraqe, ob er besorqt über
die Vorqänqe beim CIA im Zusammenhanq
mit der Iran-Contra-Affäre sei, saqte
Webster: "Ich qlaube, ich muß noch
sehr viel mehr darüber in Erfahrunq
brinqen".
Webster antwortete einem Fraqensteller, daß Gates seines Wissens als
stellvertretender Direktor des CIA im
Amt bleiben würde.
"Ich heqe qroße
- 2

Bewunderunq für Mr. Gates und hoffe,
daß dies der Fall sein wird", saqte
er.
Nach seinem Nachfolqer beim FBI
befraqt, brachte Webster seine Hoffnunq zum Ausdruck, daß es jemand sein
wird, "der das Prinzip der fachlichen
Qualifikation im FBI und die Unabhänqiqkeit von parteipolitischer
Einflußnahme fortführen wird - und der
Rechtsstaatlichkeit tief erqeben ist.
Ich qlaube, das ist das Wichtiqste".
Auf die Fraqe nach den zukünftiqen Beziehunqen zwischen FBI und CIA
antwortete Webster: "Meiner Meinunq
nach sollten es eiqenständiqe Behörden sein. Sie werden weiterhin eiqenständiq sein, aber sie werden auch
weiterhin zusammenarbeiten".
Vor der Abstimmunq durch den qanzen Senat wird Websters Nominierunq
vom Geheimdienstausschuß des Senats
qeprüft.
Der Vorsitzende des Ausschusses, der Demokrat David Boren,
und William Cohen, der ranqälteste
Republikaner, qaben am 4. März eine
qemeinsame Erklärunq ab.
"Die
Entscheidunq
für
Richter
Webster als Direktor der Central Intelliqence Aqency ist eine qute Entscheidunq", stellten sie fest.
"Er
wird in weiten Kreisen weqen seines
hohen Maßes an persönlicher Inteqrität und weqen seiner beruflichen Fähiqkeiten respektiert.
Seine Erfahrunqen als Bundesrichter haben ihn
mit den Feinheiten der Gesetzqebunq
und der entsprechenden Rolle der Reqierunqsbehörden
vertraut
qemacht.
Für dieses Amt brinqt er außerdem Erfahrunq und Wissen auf dem Gebiet des
Nachrichtenwesens
mit,
insbesondere
in bezuq auf Terrorismus und Spionaqeabwehr".
"Der

Geheimdienstausschuß

wird

�über seine Nominierunq so schnell wie
möqlich beraten, unter Berücksichtiqunq unserer Verpf1ichtunq, sorqfältiq und qründlich vorzuqehen.
Die
öffentliche Anhörunq über die Nominierunq wird stattfinden, sobald das
qesamte Hinterqrundmaterial über den
Kandidaten
zusammenqestellt und an
den Ausschuß weiterqeleitet worden
ist".
Cohen füqte hinzu: "Vorbehaltlich
irqendwelcher unvorherqesehener Enthüllunqen,
erwarte
ich...
eine
schnelle Bestätiqunq" .
Der
Vorsitzende
der
demokratischen Fraktion
im Senat, Robert
Byrd, nannte Webster "einen hochqeschätzten Experten, der dem CIA die
drinqend
erforderliche
Glaubwürdiqkeit verschaffen wird".
Die Wahl William Websters bedeutet, daß ein wirklicher Experte das
Amt beim CIA innehaben wird" , saqte
saqte der Vorsitzende der Republikaner im Senat, Robert Dole. Er füqte
hinzu, daß Webster "die Materie des
Geheimdienstes in allen seinen Feinheiten beherrscht und die Behörde mit
sicherer
und
starker
Hand
leiten
wird".

zirksqericht und beförderte ihn später an ein Schwurqericht der Vereiniqten Staaten.
Im Jahr
1978 wählte Präsident
Carter Webster an die Spitze des FBI.
Webster lehnte die Ernennunq zunächst
ab, nahm sie jedoch an, als Reqierunqsbeamte ihn ersuchten, seine Entscheidunq aufqrund "patriotischer Erwägunqen" zu überdenken. Das FBI war
durch die Enthüllunq unzulässiqer Aktivitäten seiner Aqenten erschüttert
worden und Webster qelanq es, den quten Ruf des FBI schnell wiederherzustellen und es in den Bereich der modernen Anwendunq des Gesetzes zurückzuführen.
Als seine Frau Drusilla im Jahr
1984 starb, kursierten Berichte, daß
Webster vor der Beendiqunq seiner 10jähriqen Amtszeit aus dem FBI ausscheiden wollte.
Die Gerüchte verstummten jedoch, als er anküniqte,
daß er bis zum Abschluß der Untersuchungen über das Waffenqeschäft mit
dem Iran im Amt bleiben würde.
Webster hat einen Sohn, William,
Jr.r und zwei Töchter, Drusilla und
Kather ine.

Webster wurde im Jahr 1924 in St.
Louis, Missouri, qeboren.
Während
des Zweiten Weltkrieqs und der Auseinander setzunq um Korea diente er in
der U.S. Marine. Im Jahr 1947 beendete er sein Studium am Amherst Colleqe und leqte 1949 sein Jura-Examen
an der Washington Universität in St.
Louis ab. Bis 1960 war er als Jurist
tätiq und wurde dann zum Staatsanwalt
für den Bezirk Ost-Missouri benannt.
1961 kehrte er in seine private Kanzlei zurück, wurde jedoch im Jahr 1964
Mitqlied der Rechtsprüfunqskommission
von Missouri. Präsident Nixon berief
ihn 1971 an ein amerikanisches Be- 3 -

�AMERIKA DIENST
•"^ION

Wirtschaft

*

11. März 1987

10

STUDIE DES KONGRESSES BEZEICHNET ERHOLUNG DER WIRTSCHAFT ALS INSTABIL
- Artikel zum Jahresbericht des Gemeinsamen Wirtschaftsausschusses -

WASHINGTON - (AD) - Dem Gemeinsamen Wirtschaftsausschuß beider Häuser
des Konqresses zufolqe qelten sowohl
die Volkswirtschaft der Vereiniqten
Staaten wie auch die internationale
Wirtschaftslaqe als entspannt, aber
dahinter verberqen sich eine Reihe
von ernstlichen Bedrohunqen für eine
anhaltende Stabilität.
Der von den Demokraten kontrollierte Ausschuß verleiht in seinem
Bericht vom 5. März 1987 der Uberzeuqunq Ausdruck, daß den Vereiniqten
Staaten nur in beschränktem Umfanq

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Steuern und Geldmittel zur Verfüqunq
stehen, derer sie sich bei einer aufkommenden Rezession bedienen könnten.
"Eine einqehende überprüfunq der
Volkswirtschaft zeiqt, daß die qeqenwärtiq stattfindende Gesundunq, obwohl sie lanq andauert, instabil ist
und wir uns auf einer dünnen Eisdecke
beweqen", so heißt es in der von dem
Vorsitzenden, Senator Paul Sarbanes,
einem Demokraten aus Maryland, verfaßten Einleitunq zu dem Bericht.
Die dem Ausschuß anqehörenden Re-

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�publikaner verfolgen eine in ihren
Ansätzen optimistischere Haltunq in
einem kleineren Bericht, in dem sie
einiqe Unsicherheitsfaktoren in der
Volkswirtschaft
anerkennen,
aber
qleichzeitiq erklären, diese befinde
sich auf dem "Weq hin zu einem stabilen Wachstum.
"Wir sind mit der qeqenwärtiq
niedriqen
Inflationsrate
zufrieden
und hoffen, daß die Zinssätze weiter
fallen werden. Ferner sind wir optimistisch, daß sich die Möglichkeiten
bei den Arbeitsplätzen weiter verbessern werden und haben Vertrauen in
die unverwüstliche, innovative und
vielfältiqe
Wirtschaft
dieser
Nation", so der Bericht der Republikaner .
Im
internationalen
Zusammenhanq
betrachtet der Bericht das RekordHandelsbilanzdefizit der Vereiniqten
Staaten im verqanqenen Jahr als "ein
drinqliches Zeichen ernsthafter Probleme in der amerikanischen Volkswirtschaft
und
Wirtschaftspolitik,
das nicht außer acht qelassen werden
sollte".
Als
besondere
Problembereiche
qelten die starke Abhänqiqkeit der
Vereiniqten Staaten von importiertem
öl, die drohende Preisschocks und Inflation für die Zukunft in sich birqt
wie auch die erheblichen Schulden von
Ländern der Dritten Welt.
Maßnahmen der Reqierunq zur Förderunq des Wachstums in den Entwicklungsländern seien zwar ein Schritt
in die richtiqe Richtung, hätten sich
aber als unanqemessen erwiesen, wie
dem Bericht der Mehrheit zu entnehmen
ist.
Da eine ordentliche Anpassunq
an ein rückläufiqes Handelsbilanzdefizit der Vereiniqten Staaten die Zunahme einer starken Auslandsnachfraqe
erfordert "müssen Maßnahmen entwik-

kelt werden, die sowohl den Abfluß
von Mitteln aus den Entwicklunqsländern abbauen wie auch den Zufluß von
Kapital
steiqern.
Ferner
sollten
neue Maßnahmen erarbeitet werden, um
den Bedürfnissen der Gläubiqer und
Schuldner in qleichem Maße qerecht zu
werden und um die Rolle der Länder,
die Überschüsse erwirtschaften, bei
der Finanzierunq der Entwicklunq in
der Welt zu erweitern.
Der Ausschuß unterbreitet folqende
Vorschläqe
auf
internationaler
Ebene:
- Das amerikanische Handelsqesetz,
das "von einer sich schnell wandelnden
und
zunehmend
wettbewerbsstarken Weltwirtschaft einqeholt
wurde",
muß
qründlich
überarbeitet werden, um ausländische Märkte zu öffnen, den Welthandel auszuweiten und die Wettbewerbsfähiqkeit der Vereiniqten
Staaten zu erhöhen.
- Die Administration
sollte verstärkt ihr Auqenmerk auf die momentan
stattfindende
Verhandlunqsrunde des Allqemeinen Zollund Handelsabkommens (GATT), das
zentrale internationale Forum zur
Erarbeitunq
von Reqelunqen
für
den Handel, richten. GATT sollte
zu einem "wichtigen Garanten für
die "Öffnung von Märkten und die
Ausweitunq des Welthandels werden" .
- Bis James Baker
Finanzminister
wurde und sich mit dieser Frage
beschäftiqte, hat sich die Reqierunq nur
unzureichend mit dem
Wechselkurs
des Dollar
befaßt.
Jetzt soll sie dem Konqreß halbjährliche Berichte über ihre Währunqspolitik auf internationaler
Ebene vorleqen.

�- Bemühunqen
sollten
stattfinden
zur Koordination der inländischen
Steuer- und
Währungspolitik
der
Haupthandelsländer, um zur Stabilisierung
der
internationalen
Wechselkurse beizutragen.
- Die Administration
sollte
die
Sammlung von Daten über den internationalen Kapitalfluß verbessern, der als äußerst wichtig anzusehen ist, wenn es um die Bestimmung von Währungswerten und
den Einfluß auf den bilateralen
Handel geht.
Der Ausschuß hat seinen Jahresbericht erstellt, nachdem er den Wirtschaftsbericht des Präsidenten durchgesehen und bei verschiedenen Anhörungen die Aussagen einer Reihe von
Wirtschaftswissenschaftlern
der
Regierung und des Privatsektors geprüft
hat.
Der Gemeinsame Wirtschaftsausschuß spielt bei der Gesetzqebung
keine Rolle, stellt aber seine Analysen anderen Ausschüssen des Kongresses zur Verfügung.

stum, wenn sie nicht angeaangen werden, die Aussichten auf eine gesunde
und wettbewerbsfähige Wirtschaft trüben und die Aussichten auf einen
niedrigeren
Lebensstandard
in
den
Vereinigten Staaten erhöhen", so der
Bericht.
Sarbanes und der Ausschuß sehen
besonderen Grund zur Besorgnis in der
Tatsache,
daß
das
jüngste
Wirtschaf tswachtum
fast
ausschließlich
abhängig war vom Konsum, der wiederum
in erheblichem Maße durch Schulden
getragen wurde.
"Sarbanes schreibt
in seiner Einleitung, "der rapide Zuwachs bei der Schuldenaufnahme aller
Sektoren hat deren finanzielle Verwundbarkeit bei einem möqlichen zukünftigen
Konjunkturrückgang
erheblich erhöht".

Die demokratische Mehrheit nennt
sowohl die von der Reagan-Administration
prognostizierten
kurzfristigen
als auch die weitgehend von den Republikanern angenommenen langfristige
Aussichten für das Wirtschaftswachstum unrealistisch und "erheblich optimistischer als diejenigen privater
Prognosen".
Der Bericht des Gemeinsamen Wirtschaftsausschusses bezeichnet das gegenwärtig langsame Wachstum des nun
in sein fünftes Jahr gehenden Aufschwungs als "eine verpaßte Gelegenheit für die Wirtschaft der Vereinigten Staaten", die besonders die Armen
und die Arbeitslosen hart trifft.
"Mittelfristig werden die Ursachen für das träge gegenwärtige Wach- 3 -

* * * * *

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VION

Hintergrundmaterial

4

11. März 1987

10
REAGAN:

SOWJETS VERLETZEN WAHRSCHEINLICH ABM-VERTRAG

Die sowjetische Nichteinhaltung von Rüstunqskontrollabkommen -

WASHINGTON - (AD) - In seinem dem Konqreß am 10. März 1987 vorqeleqten Bericht über Moskaus Nichteinhaltunq von Rüstunqskontrollabkommen erklärte Präsident Reaqan, die Sowjetunion "könnte ein Verteidiqunqssystem zur Raketenabwehr auf ihrem Territorium errichten" und somit die Bestimmunqen des ABM-Vertraqes verletzen.
Reaqan wies weiter darauf hin, daß der "unausqesetzte Aufbau und fehlende
qlaubwürdiqe alternative Erklärunqen" seine Schlußfolqerunq aus dem Jahre 1985
bestätiqten, wonach die qroße Radaranlaqe mit phasenqesteuerter Abtastunq in
Krasnojarsk "eine Verletzunq" des ABM-Vertraqes von 1972 darstelle, da "sie in
ihrer Verbindunq von ort der Stationierunq, Orientierunq und Fähigkeit durch
diesen Vertraq verboten ist".
Nachfolqend drucken wir den vollen Text
Nichteinhaltunq von Rüstunqskontrollabkommen".
Auf Wunsch des Konqresses habe
ich ihm in den verqanqenen drei Jahren vier Berichte über die sowjetische Nichteinhaltunq von Rüstunqskontrollabkommen vorqeleqt.
Zu diesen Berichten zählen die Berichte der
Administration von Januar 1984, Februar und Dezember 1985 wie auch der
für mich vom unabhänqiqen Beratunqsausschuß über Rüstunqskontrolle und
Abrüstunq erstellte Bericht über die
sowjetische
Nichteinhaltunq.
Jeder
dieser Berichte hat detailliert die
Probleme der sowjetischen Nichteinhaltunq aufqelistet und dokumentiert,

United States Information Service
Embassy of the United States of America

des Berichts

"Die sowjetische

deren qeqenteiliqe Auswirkunqen auf
unsere nationale Sicherheit und unsere Versuche zur Lösunq dieser Probleme.
Zusammenqenommen
erqibt
diese
Berichtsreihe
ein klares Bild des
fortqesetzten
Musters
der
sowjetischen Verletzunqen und die Grundlaqe
unserer anhaltenden Besorqnis.
In meinem Bericht
1985 habe ich erklärt:

von

Dezember

Die jünqsten Studien der Administration unterstützen die hier darqeleqte Schlußfolqerunq, daß es ein

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�Verhaltensmuster sowjetischer Nichteinhaltunq qibt. Wie in diesem und
in bisheriqen Berichten dokumentiert
wird, hat die Sowjetunion ihre rechtlichen und politischen Verpflichtungen verletzt, und zwar beim SALT I
ABM-Vertraq
und
Zwischenabkommen,
beim SALT II Abkommen, dem Vertraq
über
ein beqrenztes Versuchsverbot
von 1963, der Konvention über bioloqische und toxische Waffen, dem Genfer Protokoll über chemische Waffen
und
der
Schlußakte
von Helsinki.
Darüber hinaus hat die Sowjetunion
wahrscheinlich
Bestimmunqen
des
Schwellenvertraqes verletzt.
Ich habe weiterhin ausqeführt:
Während die Administration ihre
Sorqen und Erkenntnisse dem Konqreß
vortruq, hatten die Vereiniqten Staaten
qleichzeitiq
einen
intensiven
Austausch mit der Sowjetunion bezüqlich der sowjetischen Nichteinhaltunq
im Rahmen des Ständiqen Konsultativausschusses (SCC) , in dem SALT-relevante Probleme (einschließlich Problemen mit ABM) diskutiert werden,
sowie durch andere qeeiqnete diplomatische Kanäle.
Ich habe außerdem Generalsekretär
Gorbatschow während meiner
Treffen
mit ihm sowohl 1985 in Genf und dann
noch einmal im verqanqenen Oktober in
Reykjavik
persönlich
meine
Sorqen
vorqetraqen.
Ein weiteres Jahr ist verqanqen
und trotz all dieser intensiven Bemühunqen hat es die Sowjetunion versäumt, Handlungen zur Korrektur bestehender
Verletzunqen
vorzunehmen
und sie hat auch nichts unternommen,
um ausreichende Erklärunqen zu liefern, um unsere Besorqnis bei anderen
Problemen der Nichteinhaltunq auszuräumen.

Die Einhaltunq ist ein Grundpfeiler des Völkerrechts; alle Staaten
müssen die von ihnen freiwilliq einqeqanqenen
Verpflichtunqen
beachten
und einhalten.
Im Dezember 1985 hat die Generalversammlunq
der Vereinten Nationen
die Bedeutunq der Einhaltunq von Verträqen für eine zukünftiqe Rüstunqskontrolle anerkannt und mit 131 zu 0
Stimmen (bei 16 Enthaltunqen) eine
Resolution verabschiedet.
Die Resolution
- dränqt
alle
Parteien
der
Rüstunqsbeqrenzunqs- und
Abrüstunqsabkommen, sich an die Bestimmunqen zu halten;
- fordert all diese Parteien auf,
die Auswirkunqen einer Nichteinhaltunq
auf die
internationale
Sicherheit und Stabilität und auf
die Aussichten für weiteren Fortschritt im Bereich der Abrüstunq
in Betracht zu ziehen;
- appelliert an alle Mitqlieder der
Vereinten Nationen, Probleme der
Nichteinhaltunq zu lösen "im Hinblick auf die Förderunq einer
strikten Beachtunq der einqeqanqenen
Verpflichtungen
und
die
Aufrechterhaltunq oder Wiederherstellunq der Inteqrität von Abkommen
zur
Rüstunqsbeqrenzunq
oder Abrüstunq".
Der Konqreß hat wiederholt seiner
Besorqnis über die sowjetische Nichteinhaltunq Ausdruck verliehen.
Der
amerikanische Senat verabschiedete am
17. Februar 1987 mit 93 zu 2 Stimmen
eine Resolution (No. 94), die... erklärt, daß ein wichtiqes Hindernis
für die Erlanqunq akzeptabler Rüstunqskontrollabkomen mit der Sowjetunion in deren Verletzunq bestehender
Abkommen
bestand,
sie
auffordert,

�Schritte zu unternehmen, um ihre Verletzunq solcher Abkommen einzustellen
und
besonders
die
in Krasnojarsk
(UdSSR) neu aufgestellte Radaranlaqe
abzubauen, da diese eine eindeutige
Verletzung der Bestimmungen des ABMVertrages darstellt...
Eine Einhaltung von in der Vergangenheit
eingegangenen
Verpflichtungen im Bereich der Rüstungskontrolle ist eine unerläßliche Voraussetzung für zukünftige Rüstungskontrollabkommen.
Wie ich bereits erklärt habe:
Um

der Rüstungskontrolle Bedeutung
zu verleihen
und damit
sie
glaubwürdig zur nationalen Sicherheit
und weltweiter oder regionaler Stabilität beitragen kann, ist es unerläßlich, daß alle ein entsprechendes Abkommen
schließende
Parteien
sich
vollständig daran halten. Die strikte Einhaltung aller Bestimmungen der
Rüstungskontrollabkommen ist unerläßlich, und die Administration wird
hier keine Kompromisse akzeptieren.
Ich habe weiterhin erklärt:
Die
sowjetische
Nichteinhaltung
ist eine ernste Angelegenheit.
Sie
stellt wichtige aus der Rüstungskontrolle erwachsende Vorteile für die
Sicherheit in Frage und könnte neue
Sicherheitsrisiken
schaffen.
Sie
höhlt das für einen wirkungsvollen
Rüstungskontrollprozeß in der Zukunft
wichtige Vertrauen aus. Die Regierung der Vereinigten Staaten hat in
der Vergangenheit auf diplomatischem
Wege bei der Sowjetunion diese Fragen
der Einhaltung mit Nachdruck verfolgt
und wird dies auch in Zukunft tun.

Der ABM-Vertrag
Heute muß

ich berichten, daß wir

weiterhin tiefgreifend und anhaltend
über die sowjetische Nichteinhaltung
des ABM-Vertrages besorgt sind.
Aus
verschiedenen
Gründen bereitet
uns
das Radar
von Krasnojarsk Sorgen,
dessen Außenanlagen
allem Anschein
nach 1986 fertiggestellt wurde. Die
Radaranlage zeigt, daß es die Sowjets
auf eine künftige Verletzung des ABMVertrages angelegt und diese geplant
haben, auch wenn sie gleichzeitig mit
den Vereinigten Staaten ein neues Abkommen über strategische Offensivwaffen aushandelten.
Die
einzig
erlaubte
Funktion
einer großen Radaranlage mit phasengesteuerter
Abtastunq
(LPAR) , mit
einer
Art
der
Stationierung
und
Orientierung, wie sie das Radar von
Krasnojarsk besitzt, wäre die Verfolgung von Objekten im Weltraum und
Nutzung
als nationales
technisches
Mittel (NTM) zur Verifizierung.
Der
eindeutigen Beweislage nach sind wir
der Ansicht, daß dieses Radar vordringlich zur Zielauffindung und Verfolgung
ballistischer
Raketen
und
nicht zur Verfolgung von Objekten im
Weltraum und NTM verwandt wird, wie
die Sowjets behaupten.
Darüber hinaus schließt das Radar von Krasnojarsk die verbliebene Lücke im sowjetischen Schirm der Zielauffindung
und Verfolgung, sein Standort erlaubt
es ihm, Datenmaterial zur Beschreibung eines Angriffs zu sammeln, mit
dessen Hilfe die Kampfführunq sowjetischer Verteidigungsstreitkräfte geplant und über eine zeitgerechte offensive Reaktion entschieden werden
kann - eine Standardrolle solcher Radaranlagen.
Alle LPARs haben genau wie das
Radar von Krasnojarsk die Fähigkeit,
eine große Anzahl von Objekten zielgenau zu verfolgen. Daher können sie
nicht zur Zielauffindung und Verfolgung ballistischer Flugkörper einge-

- 3 -

�setzt werden, sondern haben auch, je
nach
Ort
oder
Stationierung
und
Orientierunq, die Fähigkeit, zur Führunq einer Raketenabwehr beizutragen.
LPARs wurden immer als die Bestandteile betrachtet, die die notwendige Vorbereitunqszeit
für eine
möqliche
territoriale
Verteidiqunq
sicherstellen.
Zusammengenommen geben uns das Radar von Krasnojarsk und
andere sowjetische, mit ABM in Zusammenhang
stehende Aktivitäten Anlaß
zur Besorgnis, daß die Sowjetunion
eine ABM-Verteidiqunq
ihres eiqenen
Territoriums errichten könnte. Einiqe der Aktivitäten, wie etwa die Errichtunq neuer LPARs in den Randqebieten der Sowjetunion und die Modernisierunq des Raketenabwehrsystems um
Moskau scheinen im Einklanq mit dem
ABM-Vertraq zu stehen. Die Konstruktion
des
Radars
von
Krasnojarsk
stellt jedoch eindeutiq eine Verletzung des ABM-Vertrages dar, während
andere sowjetische, mit ABM in Zusammenhanq stehende Aktivitäten möqliche
oder wahrscheinliche sowjetische Verletzungen
oder
andere
zweifelhafte
Aktivitäten umfassen. Andere Probleme, die im Verlauf des Berichts eingehender behandelt werden, sind:
- die Erprobunq und Entwicklunq von
Komponenten, wie sie für ein ABMSystem erforderlich sind, das innerhalb von Monaten anstatt von
Jahren aufqestellt werden könnte;
- der
qleichzeitiqe
Betrieb
von
Luftverteidiqunqs- und ABM-Komponenten;
- die Entwicklunq
eines
modernen
Luftverteidiqungsystems,
das
eventuell
ABM-Fähigkeiten
besitzt; und
- die Demonstration der Fähigkeit,
ABM-Abschußeinrichtungen
nachzu-

laden und die Abwehrflugkörper in
kürzerer
Zeit abzuschießen
als
man bisher annahm.
Die im verqangenen Jahr unternommenen sowjetischen Aktivitäten haben
zu
unserer
Besorgnis
beigetragen.
Die Sowjets haben mit der Konstruktion dreier zusätzlicher LPARs begonnen, die dem Radar von Krasnojarsk
ähnlich sind. Diese neuen Radaranlagen sind im Einklang mit den Bestimmungen des ABM-Vertraqes über Frühwarnradars für ballistische Fluqkörper stationiert und orientiert, aber
durch sie würde die Anzahl sowjetischer LPARs um 50 Prozent erhöht.
Der durch diese neuen Radaranlaqen
qewährleistete Überfluß an Abdeckunq
weist darauf hin, daß es ihre primäre
Aufqabe ist, ballistische Fluqkörper
aufzufinden und zu verfolqen.
Die in diesem Jahr erfolqte Uberprüfunq sowjetischer, mit ABM in Zusammenhang
stehender
Aktivitäten
zeigt, daß die Sowjets bei ihrer hervor Stechenster
Vertragsverletzung,
dem Radar von Krasnojarsk, keine Korrekturen vorqenommen haben.
Es ist
die Gesamtheit dieser sowjetischen,
mit ABM in Zusammenhanq stehenden Aktivitäten im Jahr 1986 wie auch in
früheren Jahren, die uns Anlaß zu anhaltender Besorqnis qibt, daß die
UdSSR eine ABM-Verteidiqunq ihres nationalen
Territoriums
plant.
Der
ABM-Vertraq verbietet die Stationierunq eines ABM-Systenms zur Verteidigung des nationalen Teritoriums der
Parteien und untersaqt ihnen, eine
Grundlaqe für solch eine Verteidiqunq
zur Verfüqunq zu stellen. Wie ich in
meinem Bericht vom verqanqenen Dezember ausgeführt habe:
Dies hätte grundlegende Auswirkungen für das Gleichgewicht zwischen
Ost und West. Eine einseitiqe, den
ABM-Vertraq verletzende Fähiqkeit der

�Sowjets, Raketen von ihrem Territorium abzuwehren, könnte die Abschrekkunq unterhöhlen und Zweifel über ihre Glaubwürdiqkeit aufkommen lassen.

Chemische,
Waffen

biologische

und

toxische

Die Integrität des Rüstunqskontrollprozesses wird ebenfalls qeschädiqt durch sowjetische Verletzungen
des Genfer Protokolls über chemische
Waffen von 1925 und der Konvention
über bioloqische und toxische Waffen
von 1972. Im verqanqenen Jahr erworbene Informationen bestätiqen unsere
Besorqnis über die sowjetische Nichteinhaltunq dieser wichtiqen Abkommen.
Fortschritte bei einem Abkommen zum
Verbot chemischer Waffen werden durch
die sowjetische Nichteinhaltunq der
Konvention über bioloqische und toxische Waffen beeinträchtiqt.
Weqen
der anhaltenden sowjetischen Nichteinhaltunq
bisheriqer
Rüstunqskontrollabkommen sind wir der Ansicht,
daß Bestimmunqen
zur Verifizierunq
von erheblicher Bedeutunq für unsere
Bemühungen sind, diese abscheulichen
Waffen aus der Welt zu schaffen - dem
Völkerrecht zufolqe sind dies Massenvernichtunqswaffen.
Die
Sowjets erhalten
weiterhin
eine verbotene Fähiqkeit der offensiven bioloqischen Krieqführunq
aufrecht.
Wir sind in besonderem Maße
besorqt, weil dies moderne bioloqische Stoffe umfassen könnte, über die
wir weniq wissen und qeqen die wir
uns nicht verteidiqen können.
Die
Sowjets
erweitern
ihre Fähigkeiten
zur chemischen und toxischen Krieqführunq.
Weder
Verqeltunqs- noch
Verteidiqunqsproqramme der NATO können mit diesen sowjetischen Bemühunqen gleichziehen. obwohl es seit Anfang 1984 keine bestätigten Berichte
über
tödliche Angriffe qab, haben

voraufqeqanqene Aktivitäten den Sowjets wertvolle Erkentnisse über die
Erprobunq, Entwicklunq und Handhabunq
qeliefert.
Die
sowjetische
Nichteinhaltunq
der Verträqe über Atomtests qibt zu
Besorqnis im rechtlichem und militärischen Bereich Anlaß. Seit Abschluß
des Vertrages
zur
Begrenzunq
von
Atomtests (LTBT) vor über 20 Jahren
hat die Sowjetunion ihr Testproqramm
von Nuklearwaffen auf eine Art und
Weise durchgeführt, die mit den in
dem
Vertrag
niederqeleqten
Zielen
nicht vereinbar ist und reqelmäßiq
über die Grenzen der Sowjetunion hinaus zur Abgabe nuklearer Rückstände
in der Atmosphäre führt. Trotz der
Tatsache, daß die Rückstände dieser
sowjetischen Tests keine berechenbaren Risiken für die Gesundheit, Sicherheit oder die Umwelt bedeuten und
auch keine militärische Bedeutunq haben, wurden unsere wiederholten Versuche, diese Vorkommnisse mit den Sowjets zu besprechen, dauernd zurückqewiesen. Die sowjetische Weigerung,
diese Angeleqenehit
zu besprechen,
hat ihre Aufrichtiqkeit im qesamten
Bereich der Rüstunqskontrollabkommen
in Fraqe qestellt.
Während ihres Testmoratoriums haben die Sowjets zweifellos ihr Versuchsqelände weiter betrieben, weil
die Sowjets sofort nach Ankündigung
eines Tests einen solchen auch durchgeführt haben. Darüber hinaus qab es
in diesem Zeitraum eine Reihe ehrgeiziqer Projekte, die weder mit beobachteten sowjetischen Aktivitäten zu
Atomtests in Verbindung qebracht noch
können davon ausqenommen werden können.
Sowjetische
Tests
mit
Detonationswerten
oberhalb
der
150
Kt
Schwelle würden die Entwicklunq moderner
Atomwaffen
erlauben,
deren

- 5 -

�Sprenqkreft unqleich höher wäre als
die derjenigen Waffen, welche die
Vereiniqten Staaten nach diesem Vertraq entwickeln könnten.
Die Vereiniqten Staaten und die
Sowjetunion haben im verqanqenen Jahr
vier Expertentreffen zur Besprechunq
des breiten Spektrums von Fraqen abqehalten, die mit den Atomtests im
Zusammenhanq stehen. Bei diesen Ge»wj-V-j. ••;, sprächen war es stets unser Ziel,
jSvW
eine Übereinkunft zur wirksamen Verifizierunq von TTBT und PNET zu erreichen.
Ich hoffe weiterhin, daß wir
dieses Ziel verwirklichen können.

Die Schlußakte von Helsinki
Im Jahr 1981 hielt die Sowjetunion ein militärisches Großmanöver
ab, ohne den Zweck des Manövers oder
die Anzahl der teilnehmenden Truppen
vorher anzukündiqen.
Dies stand im
Widerspruch zu den von ihr eingeganqenen
politischen
Verpflichtungen,
die
Verfü'qunqen
von
Korb I
der
Schlußakte von Helsinki einzuhalten.

gänglich gemacht.
Es wurde jedoch
entschieden, daß aufgrund dieser Daten keine Änderung der hier vorgestellten
Erkenntnissen
erforderlich
sei.
Dies rührte teilweise daher,
daß diese Informationen zu jener Zeit
noch nicht endgültig feststanden und
daß sie nicht ganz eindeutig waren.
Zudem nahm die Sowjetunion am 26.
Februar
1987
ihre
unterirdischen
Atomtests wieder auf.

SALT II und das Zwischenabkommen zu
SALT I
Die
Sowjetunion
hat wiederholt
den SALT II-Vertrag verletzt und weitere
Handlungen
vorgenommen,
die
nicht im Einklang mit den Bestimmungen dieses Vertrages standen.
In
keinem Fall der von uns festgestellten Vertragsverletzungen hat die Sowjetunion irgendetwas unternommen, um
dies zu korrigieren. In den vergangenen drei Jahren haben wir diese
Fragen im Ständigen Konsultativausschuß und über diplomatische Kanäle
zur Sprache qebracht.

Im Verlauf des verqanqenen Jahres
haben wir bei der Stockholmer Konferenz
über
Vertrauens- und
Sicherheitsbildende Maßnahmen eine Übereinkunft erzielt, die neue Normen für
Notifizierunq, Beobachtunq und Verifizierunq
militärischer
Aktivitäten
enthält, darunter auch Inspektionen
vor ort. Wir werden die sowjetische
Einhaltung dieser neuen Normen, die
am 1. Januar 1987 in Kraft traten,
einqehend überprüfen.

Die Sowjets haben ihre politische
Verpflichtung
zur
Einhaltung
von
SALT II auf vierfache Weise wie folgt
verletzt:

Jünqste Entwicklungen

Verschleierung
der
Verbindung
zwischen einer Rakete und der dazugehörigen Abschußvorrichtung bei Tests
sowie

Ende 1986 und in den ersten Wochen des Jahres 1987 wurden uns neue
Informationen über einiqe der in diesem Bericht angesprochenen Fragen zu-

Entwicklung und Stationierung der
SS-25 Rakete, eines verbotenen zweiten Typs von ICBM;
umfassende Verschlüsselung telemetrischer Daten im Verlauf von Testflügen
strategischer
ballistischer
Raketen;

Überschreitung

der zulässigen An-

�' $ärc* ^ u k ü h f t i c ^ P &amp; E ^ t s ^ e i ö t f m k h
n ^ r
v e r e i n i g t e n slS&amp;*en ^ # ^ ? - a H l I « a i « | Q P l l
•ynfnrj'sa v.&gt;nu, t-j,
i.iiaa wii-sw^i n\^ 'Lictft^ri'de§
so*-j*tl«Ühen9^rha*WM»s
:
e'n tscHiÄ3eÄ i - wgt'&amp;gn. &lt; ^s&amp;MA? £&amp;!*#** n
' e i n e mit" u r i s e ^ f - U i y e r i ^ H ' PMUfclW^UÖtqleidhbäre
Z u r ü c k h a l t u n g ; v , £ i n 3 Tstofcwahrscheinlich
das
Verbot
der
1
r e k t u r i h r e r Nic'hte'i-nharturtqs ! p^*iPÄ&gt;k t
Stationierunq der Interkontinentalrad i e Abkehr' •••v©n?'uiHreY'-f-'itttli«t&lt;Stfi'BfcHen
kete SS-16 verletzt;
- J . . ' 1 •.
.'•'.•
Auf rüstüriq 1 ;ur/ö*&gt;la'ä's^%rri&gt;s»thaPefe'fM £ t e « ; ben nach q lefl&amp;ftf^^t-iiffchV jfldrltMkfcpLHandlunaen n vorqenommen, die im
;
f izierbaren
l^fctüricfeköheroll'v4l*'*^HWfe_ Gegensatz zu ihrer politischen Verr
u
n
q
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"pflichtunq standen, dem BACKFIRE-Bom• i :&lt;i Ü R d l
,be'r keine Fähiqkeit zu Interkontinennirli,
.
. , , . . .
Der B e r i c h t vom- 2 3 . Dez^Vnb^ni¥gaB5
taloperationen durch Stationierunq in
z e i q t e S daß d i e S o w j e t s
riichtS^^r
arktischen Stutzpunkten zu verschaffen „und
Korrektur
ihrer
NichteinhaH*jn*P d A*bn
-01098 i
Rüstunqskontrollvereinbarunqen
unter-sbn'&amp;iiV
•:.,,.,
nommen h a t t e n .
Im Mai s w 19Ö3 o E q^4anqte
. ._ offensichtlich
die
vereinbarten
-ßßid
Hill
• . .
ich zu dem S c h l u ß , - daß 1 ä S ^ ^ f o W ^ s
_v^O(iiiktionßquoten
überschritten,
ink e i n e r l e i w i r k l i c h e ^ '^fttg6Hi*4f£ n i £\ir
.dem , s i e ' b i s ' 1984 e t w a s über der zuBerücksichtiqunq
u n t r e r *fclSorcft^n m ß i n
n s l ^ l q e n n ' Q u o t e v o n 3 0 BACKFIRE-Bombezuq auf
i h r e N i cH£#F#i a F t t e f t J " g e ,bern pro j'ahr l a q e n .
9D1UW
toDB,:L',
macht h a t t e n , insbesonfl6'?^%4 v { s d ^ j ^ noinuJerwcf. ,ai
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n i q e n H a n d l u n q e n , r dre? E SSß , * , a II I I anWA$en
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P o l i t i k der Zurückhalich d i e S c h l u ß f o l q e r u n q , daß d i e S o saiHßS, 39b
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w j e t s s e i t dem i Ö{pfe d l i ¥l:e &lt; r , "f!fi B ^n No- n e i a l l o v n i r i i a j h i , d-- . . ,
vember 1985 d i e von G e n e r ^ f c S ^ t Y ä r
,
Am I ß . J u n i 1985 h a b e ich meine
m9b ne, , ixhuali
...
f?
,
G o r b a t s c h o w und mir e i n q e q a n q e n e V e r -Besorgnis darüber
zum Ausdruck
qetiuT l a d m o a , n &gt; i u .
,
,
. ,
p f l i c h t u n g nichV i 'fc:'Sn9 , AflWte&amp; n t f e i t e r . b r a c h t , daß d i e a n d a u e r n d e N i c h t e i n -ripsSßM l e j s . t i ' i
v e r f o l q t hatteh•, r , '-aü¥ i : %eft 1 4fei ns^fißöön. h a l t j n q , durch d i e Sowjets u n s e r e na9 x d . . ri9h itM .n-.t w ,.
,
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fer
Verhandluri4*rl'^fel^itellt^Vi'S^e„tionale
Sicherheit
zunehmend
beein. 8S ./iiß , Biddmoä . , ,'
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irit^re^s'i'err^^ilffn 9Jl§?j!ut r a c h t i g t . , i c h habe der S o wJ j e t u n i o n
-nÄ 9 l I o v 3 i b c j . •:
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bauen, einsch l i e M i c ^ C ^ ^ e r n ^ s c f l f ^ u d a m a l s mehr Z e i t a n g e b o t e n , um d i e s
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s c h i e d l i c h e n Ptii&amp;P8Sä&amp;n\in3$i$t
Wi7 -

�den Länder zu Fragen der Rüstungskontrolle stark einander anqena*hert.
Aber
die
Sowjets
machten
einen
Schritt zurück, indem sie auf einer
Verbindung von Fortschritten auf allen Gebieten der atomaren Rüstungskontrolle in einem Gesamtpaket bestanden« dessen Hauptziel in der Beseitigung der amerikanischen Strategischen Verteidigungsinitiative lag.
Außerdem wurde deutlich, daß die Sowjets beabsichtigten, den ABM-Vertraq
restriktiver
zu qestalten, als er
•einen Bestimmungen nach ist, um unsere SDI-Forschungsarbeiten auf das
Labor su beschränken.
Jedoch war das von mir oben beschriebene Muster sowjetischer Nichteinhaltung der Hauptqrund, warum ich
am 27. Mai 1986 beschloß, die amerikanische Beachtunq der Bestimmungen
des Zwischenabkommens zu SALT I und
SALT II einzustellen.
Der Entschluß
zur Beendiqunq der amerikanischen Politik einer Beachtunq der Bestimmunqen des Zwischenabkommens (das abgelaufen war) und des SALT II-Vertraqes
(der niemals ratifiziert wurde und am
31. Dezember 1985 abgelaufen wäre)
wurde nicht leichten Herzens getroffen. Die Vereinigten Staaten können
und werden keine doppelte Moral bei
der Einhaltung von Rüstungskontrollabkommen hinnehmen.
Deshalb habe ich am 27. Mai 1986
verkündet:
In Zukunft müssen die Vereinigten
Staaten ihre Entscheidungen über die
Struktur ihrer strategischen Streitkräfte auf Art und Größenordnung der
von
den sowjetischen
strategischen
Streitkräften
ausgehenden
Bedrohung
gründen, nicht aber auf die Maßstäbe,
wie sie in der SALT-Struktur enthalten sind, die durch die sowjetische
Nichteinhaltung unterqraben wurde und hier insbesondere durch den feh- 8

lerhaften SALT n-vertraq, der niemals ratifiziert wurde und der mittlerweile selbst bei einer Ratifizierung abqelaufen wäre und der von der
Sowjetunion verletzt worden ist.
Aufqrund einer sowjetischen Bitte
erklärten sich die Vereinigten Staaten bereit, im Juli 1986 eine Sondersitzung des ständigen Konsultativausschusses abzuhalten, um meine Entscheidung zu diskutieren. Im Verlauf
dieser Sitzung stellten die Vereinigten Staaten klar, daß wir weiterhin
äußerste Zurückhaltung üben würden.
Wir erklärten weiterhin, daß, falls
sich bei der uns betreffenden Bedrohung keine einschneidenden Veränderungen ergäben, die Vereinigten Staaten nicht mehr strategische Trägersysteme oder Gefechtsköpfe auf ballistischen
Raketen stationieren würden
als die Sowjetunion. Außerdem wurde
meine Einladung an die Sowjetunion
vom 27. Mai wiederholt, zusammen mit
den Vereinigten Staaten bis zum Abschluß eines verifizierbaren Abkommens über tiefe und gleichgewichtige
Reduzierungen atomarer Offensivwaffen
bei der Schaffung eines Zwischenrahmens echter gegenseitiger Zurückhaltung zusammenzuarbeiten. Die sowjetische Reaktion war negativ.
In meiner Erklärung vom 27. Mai
sagte ich, die Vereinigten Staaten
würden bis gegen Ende des Jahres
SALT II technisch weiterhin vollständig einhalten, dem Zeitpunkt, an dem
wir unseren 131. schweren Bomber für
den Transport luftgestützter Marschflugkörper stationieren würden.
Die
Stationierung dieses Bombers am 28.
November 1986 bedeutete die volle Anwendung dieser Politik.
Nachdem wir nun das Zwischenabkommen und den SALT II-Vertrag hinter
uns gelassen haben, werden die sowjetischen Handlungen in bezug auf

�diese Vereinbarunqen, die in der Verqanqenheit
in
detaillierter
Form
überprüft und dem Kongreß berichtet
wurden, in dem vorliegenden Bericht
nicht weiter erörtert werden.
Das
heißt nicht, daß die Bedeutunq der
sowjetischen Vertraasverletzunqen in
irgendeiner Weise abqenommen hätte.
Wir sind weiterhin über die zunehmende militärische Bedrohunq durch die
Sowjets besorqt.
Eine Reihe von Aktivitäten in bezuq auf SALT II bedeuteten Verletzungen des Kernstücks oder zentraler Bestimmungen dieses Vertraqes, die von
den Befürwortern von SALT II qerne
als Hauptqründe für die Unterstützunq
dieses Abkommens anqeführt werden.
Diese Verletzungen betreffen sowohl
die
wesentlichen
Bestimmungen
wie
auch
die entscheidenden Verifizierungsregelungen des Vertrages. Durch
Verletzung der von SALT II festgesetzten
Begrenzung
auf
den
einen
"neuen Typ" von ICBM sind die Sowjets
im Begriff, vertragswidrige Ergänzungen ihrer Streitmacht in Stellung zu
bringen, die ihnen noch größere strategische Fähigkeiten verleihen.
Die
sowjetischen
Verschlüsselungs- und
Verschleierungshandlungen
haben sich in der Vergangenheit als
besondere Hindernisse für die Verifizierung der Einhaltung von Rüstungskontrollabkommen erwiesen.
Die umfangreiche Verschlüsselung telemetrischer
Daten
ballistischer
Raketen
durch die Sowjets hat die amerikanische Fähiqkeit zur Verifizierunq von
Schlüsselbestimmunqen
des
SALT IIVertraqes behindert. Was ebenso bedeutend ist: diese sowjetischen Aktivitäten
unterqraben
das
politische
Vertrauen, das für den Abschluß neuer
Verträqe erforderlich ist und unterstreichen
die
Notwendiqkeit
einer
wirksamen Verifizierunq jedes neuen
Abkommens.

Die sowjetische Nichteinhaltung
neue Rüstungskontrollabkommen

und

Die sowjetische Nichteinhaltung,
wie sie in dem vorliegenden und früheren Berichten dieser Administration
dokumentiert ist, hat Verifizierung
und Einhaltung zu den bestimmenden
Elementen der Rüstungskontrolle von
heute gemacht. Seit den ersten Tagen
meiner Administration habe ich mich
um einschneidende und verifizierbare
Reduzierungen der atomaren Offensivpotentiale
der Vereinigten
Staaten
und der Sowjetunion bemüht und habe
bei meinen Treffen mit Generalsekretär Gorbatschow persönlich Wege vorgeschlagen, um dies zu erreichen.
Wenn wir Vereinbarungen dieser Traqweite und Bedeutunq einqehen sollen,
dann ist die wirksame Verifizierung
unverzichtbar und Betrug einfach unannehmbar .
Ich erwarte weitere enge Konsultationen mit dem Kongreß, während wir
uns darum bemühen, Fortschritte bei
der Lösung der Fragen der Vertragseinhaltung und bei der Aushandlung
solider
Rüstungskon trollVereinbarungen zu erreichen.
Nachfolgend werden die Erkenntnisse zur sowjetischen Nichteinhaltung
von
Rüstungskontrollabkommen
dargestellt.

DIE ERKENNTNISSE

Der ABM-Vertrag
Vertragsstatus
Der ABM-Vertrag von 1972 und dessen Protokoll untersagen die Stationierunq von ABM-Systemen, ausqenommen

- 9 -

�ein ABM-System um die Landeshauptstadt
jedes Vertragspartners
oder,
alternativ dazu, um ein Stationierunqsqebiet von ICBMs. Der ABM-Vertraq ist in Kraft und von unbegrenzter Dauer. Sowjetische Handlungen im
Widerspruch zum ABM-Vertraq stellen
deshalb Verletzungen einer rechtlichen Verpflichtung dar.

1. Das Radar von Krasnojarsk
Verpflichtung:
Um die Entwicklung einer territorialen Verteidigung
oder die Schaffung einer Basis für
eine
territoriale
ABM-Verteidigung
auszuschließen, bestimmt der ABM-Vertrag, daß Radar Systeme für die Frühwarnung vor Angriffen mit ballistischen Raketen nur an der Peripherie
des Staatsgebietes einer jeden Vertragspartei aufgestellt werden dürfen
und daß sie nach außerhalb orientiert
sein müssen. Der Vertrag erlaubt die
Stationierung (ohne Ansehen der Lage
oder Orientierung) großer Radarsysteme mit phasengesteuerter
Abtastung
zum Zwecke der Verfolgung von Objekten im Weltraum oder zur Nutzung als
technisches Mittel zur Verifizierung
der Einhaltgung von Rüstungskontrollvereinbar unqen.
Fragestellung:
Der Bericht vom
Dezember 1985 untersuchte die Frage,
ob das Radar von Krasnojarsk den Best immunqen des ABM-Vertrags über Radarsysteme mit phasenqesteuerter Abtastung entspricht. Wir haben diese
Frage erneut untersucht.
Erqebnis:
Die amerikanische Reqierunq bestätiqt den Schluß des Berichts vom Dezember 1985, wonach das
neue, sich in Krasnojarsk im Bau befindliche Radarsystem zur phasenqesteuerten Abtastung eine Verletzung
der
rechtlichen Verpflichtungen
im
Rahmen des ABM-Vertrages von 1972
- 10

darstellt.
Dies
ist
deshalb
der
Fall, weil es in seiner Verbindung
von Ort der Stationierung, Orientierung und Fähigkeit durch diesen Vertrag verboten ist,
Die anhaltende
Bautätigkeit
und
die
Abwesenheit
qlaubwürdiqer anderweitiqer Erklärunqen haben unsere Beurteilunq seines
Zwecks erhärtet.
Trotz amerikanischer Aufforderunqen sind keinerlei
Korrekturmaßnahmen qetroffen worden.
Diese und andere sowjetische Aktivitäten bezüglich ABM deuten an, daß
die UdSSR mit Arbeiten an einer ABMVerteidigung ihres nationalen Territoriums beschäftigt sein könnte.

2. Mobilität
ten

von

ABM-Systemkomponen-

Verpflichtung:
Paragraph 1 von
Artikel V des ABM-Vertrages untersaqt
die Entwicklunq, Erprobunq oder Stationierunq von mobilen, landgestützten ABM-Systemen oder Komponenten.
Fraqestellunq:
Der Bericht vom
Dezember 1985 untersuchte die Fraqe,
ob die Sowjetunion in Verletzunq ihrer rechtlichen Verpflichtunqen aus
dem ABM-Vertrag ein mobiles, landgestütztes ABM-System oder Komponenten
für ein solches System entwickelt
hat.
Wir haben diese Frage erneut
untersucht.
Ergebnis: Die Reqierung der Vereinigten Staaten bestätigt das Urteil
des Berichts vom Dezember 1985, wonach die Beweislage hinsichtlich sowjetischer Aktivitäten in bezug auf
die
Mobilität
von
ABM-Komponenten
verschwommen ist, daß jedoch Entwicklung und Erprobung von Komponenten
eines ABM-Systems durch die Sowjetunion, die anscheinend zur Stationierung in Stellungen ausgelegt sind,
für die relativ geringfügige Vorbereitungen benötiqt werden, eine po-

�tentielle Verletzunq ihrer rechtlichen Verpflichtungen qemäs dem ABMVertraq darstellen. Dies, sowie weitere ABM-relevante sowjetische Aktivitäten deuten darauf hin, daß die
UdSSR
mit Arbeiten
zur
Schaffunq
einer
landesweiten
ABM-Verteidiqunq
beschäftigt sein könnte.

3. Gleichzeitige Erprobung von ABMund Luftverteidigunqskomponenten
Verpflichtung:
Durch den ABMVertraq und dessen Protokoll wird den
Parteien eine Begrenzung auf je ein
ABM-Stationierungsqebiet
auferlegt.
Zusätzlich zu den ABM-Systemen und
-Komponenten in diesem einen stationierunqsqebiet
können die Parteien
ABM-Systeme und -Komponenten für Entwicklungs- und
Erprobungszwecke
besitzen, wenn diese sich in den verabredeten Erprobungsqebieten befinden.
Der Vertraq untersagt außerdem, Komponenten, die nicht zum ABM-System
qehören, die Fähiqkeit zu verleihen,
"strateqische
ballistische
Raketen
oder ihre Elemente im Flug abzuwehren" und verbietet es den Parteien,
sie in "einer ABM-Form" zu erproben.
Die Parteien kamen überein, daß die
gleichzeitiqe Erprobung von SAM- (Boden-Luft-Rakete) und ABM-Systemkomponenten verboten ist.
Fraqestellunq:
Der Bericht vom
Dezember 1985"über die Einhaltung untersuchte die Frage, ob die Sowjetunion gleichzeitig Elemente der SAM
und ABM-Systeme getestet hat, was
eine Verletzunq ihrer geqenteiliqen
rechtlichen Verpflichtung
von 1978
darstellt. Diese Verpflichtung hatte
zum Ziel, die Erprobunq von Luftverteidigungssystemen in ABM-Form weiter
zu begrenzen. Wir haben diese Fragestellung erneut überprüft.
Ergebnis:

Die Regierung der Ver-

einigten Staaten bestätiqt die Erkenntnis des Berichts vom Dezember
1985, daß die Beweise für sowjetische
Aktivitäten auf dem Gebiet gleichzeitiger Operationen unzureichend sind,
um die Einhaltung der sowjetischen
Verpflichtungen im Rahmen des ABMVertrages umfassend bewerten zu können. Die Sowjetunion hat jedoch Versuche unter Einbeziehung von Luftverteidigungs-Radarsystemen bei ABM-relevanten
Aktivitäten
durchgeführt.
Die zahlreichen und anhaltenden Vorfälle gleichzeitiqer Operationen von
ABM- und
SAM-Komponenten
sowie die
mangelnde
sowjetische
Berücksichtigung
der
amerikanischen
Besorgnis
sind ein Zeichen dafür, daß die Sowjetunion das Verbot der Erprobung
von SAM-Komponenten in ABM-Form wahrscheinlich verletzt hat. In mehreren
Fällen scheint dies sehr wahrscheinlich. Diese und andere ABM-relevante
Aktivitäten deuten darauf hin, daß
die UdSSR mit der Vorbereitung einer
landesweiten
ABM-Verteidigung befaßt
sein könnte.

4. ABM-Fähiqkeit moderner SAM-Systeme
Verpflichtunq: Gemäß Artikel VI,
Absatz
(a) des ABM-Vertraqes verpflichtet sich jede Partei, nicht im
ABM-Vertraq definierte Abfanqraketen,
Abschußvorrichtunqen oder Radarsysteme auch nicht mit "Fähiqkeiten auszustatten, um strateqische ballistische
Raketen oder deren Elemente im Fluq
abzuwehren, und diese nicht in ABMForm zu testen..."
Fraqestellunq:
Der Bericht vom
Dezember 1985 untersuchte die Fraqe,
ob die Sowjetunion in Verletzunq ihrer
rechtlichen Verpflichtunqen
im
Rahmen des ABM-Vertraqes ein SAM-Svstem oder eine Komponente in ABM-Form
getestet oder
sie mit Fähiqkeiten

- 11 -

�ausgestattet hat, strategische ballistische Raketen oder deren Elemente
im Flug abzuwehren.
Dieser Bericht
untersucht eneut diese Frage.
Ergebnis: Die Regierung der Vereinigten Staaten bestätigt die Erkenntnis des Berichts vom Dezember
1985, wonach die Beweise für sowjetische Handlungen zur Verbesserung von
SAM unzureichend sind, um die Einhaltung der sowjetischen Verpflichtung
im Rahmen des ABM-Vertrages zu bewerten. Diese und andere ABM-relevante
Aktivitäten der Sowjets deuten jedoch
darauf hin, daß die UdSSR mit Arbeiten zur Schaffung einer landesweiten
ABM-Verteidigung befaßt sein könnte.

5. Schnelles Nachladen von ABM-Abschußvorrichtungen
Verpflichtung:
Der
ABM-Vertrag
beschränkt die Anzahl von dislozierten ABM-Abschußvorrichtungen für Abfangraketen und von dislozierten Abfangrakten auf 100.
Er beschränkt
nicht die Anzahl der Abfangraketen,
die gebaut und gelagert werden können. Paragraph 2, Artikel V des Vertrages verbietet die Entwicklung, Erprobung oder Stationierung von "automatischen oder halbautomatischen oder
anderen
ähnlichen
Systemen
zum
schnellen Nachladen" der
erlaubten
AbschußVorrichtungen.
Fragestellung:
Der Bericht vom
Dezember 1985 untersuchte die Frage,
ob die Sowjetunion in Verletzung ihrer rechtlichen Verpflichtungen aus
dem ABM-Vertrag automatische, halbautomatische oder ähnliche Systeme zum
schnellen Nachladen von ABM-Abschußvorrichtungen
entwickelt,
erprobt
oder disloziert hat. Dieser Bericht
untersucht erneut diese Frage.
Ergebnis:

Die Regierung der Ver-

einigten Staaten ist der Überzeugung,
daß auf der Grundlage des zur Verfügung
stehenden Beweismaterials
die
Handlungen der UdSSR in bezug auf das
schnelle Nachladen von ABM-Abschußvorrichtungen gemäß ihrer rechtlichen
Verpflichtungen aus dem ABM-Vertrag
zu verschiedenen Deutungen Anlaß geben.
Die Nachladefähigkeit der Sowjetunion erfüllt uns mit ernster Besorgnis. Diese und andere ABM-relevante Handlungen deuten darauf hin,
daß die UdSSR mit der Vorbereitung
einer
landesweiten
ABM-Verteidigung
befaßt sein könnte.

6.

Territoriale ABM-Verteidigung

Verpflichtung:
Der
ABM-Vertrag
und das Protokoll erlauben jeder Partei eine einzige operative Stellung.
Ausdrücklich erlaubt sind die Modernisierung und Ersetzung von ABM-Systemen oder deren Komponenten, und
ausdrücklich anerkannt ist die Existenz von ABM-Erprobunqsgebieten zur
Entwicklung und Erprobung von ABMKomponenten. Der ABM-Vertrag verbietet jedoch
die Dislozierung
eines
ABM-Systems zur Verteidigung des nationalen Territoriums der
Parteien
und untersagt ihnen, einen Stützpunkt
für solch eine Verteidigung zur Verfügung zu stellen..
Fragestellung:
Der Bericht vom
Dezember 1985 untersuchte die Frage,
ob die Sowjets ein ABM-System zur
Verteidigung
ihres
Staatsgebietes
disloziert oder einen Stützpunkt für
eine solche Verteidigung zur Verfügung gestellt haben. Dieser Bericht
untersucht erneut diese Frage.
Ergebnis: Die Regierung der Vereinigten Staaten bestätigt die Erkenntnisse des Berichts vom Dezember
1985, daß im Ganzen gesehen die Handlungen der Sowjetunion im Hinblick

- 12 -

�auf ABM und ABM-relevante Aktivitäten
(z.B. Bau von Radaranlaqen, gleichzeitiqe Erprobunq, Modernisierung von
SAM, schnelles Nachladen von ABM und
ABM-Mobilität) darauf hindeuten, daß
die UdSSR mit Arbeiten zur Schaffunq
einer
landesweiten
ABM-Verteidiqunq
befaßt sein könnte. Unsere Besorqnis
dauert an.

Die Konvention über biologische Waffen und das Genfer Protokoll von 1925
Chemische, biologische und toxische Waffen
Vertraqsstatus:
Die
Konvention
über bioloqische und toxische Waffen
aus dem Jahr 1972 (BWC) sowie das
Genfer Protokoll von 1925 sind multilaterale Verträqe, bei denen sowohl
die Vereiniqten Staaten als auch die
Sowjetunion
Vertraqsparteien
sind.
Sowjetische Handlunqen, die nicht im
Einklanq mit diesen Verträqen und dem
völkerrechtlichen
Brauch qemäß dem
Genfer
Protokoll
von 1925 stehen,
sind Verletzungen
rechtlicher Verpf lichtunqen.
Verpflichtunqen:
Die BWC-Konvention verbietet die Entwicklunq, Produktion, Lagerunq oder den Besitz und
Transfer von mikrobischen oder anderen bioloqischen Mitteln oder Giften
außer in kleinen Menqen zu prophylaktischen, Verteidiqunqs- oder anderen
friedlichen Zwecken.
sie verbietet
auch Waffen, Ausrüstung oder Mittel
zur Verbreitung
solcher
Wirkstoffe
oder Gifte. Das Genfer Protokoll von
1925 sowie die damit im Zusammenhanq
stehenden
Regeln
des
völkerrechtlichen Brauchs verbieten den Ersteinsatz von erstickenden, giftigen oder
anderen Gasen im Krieq sowie von allen entsprechenden Flüssiqkeiten, Materialien oder Vorrichtungen und verbietet die Verwendung bakterioloqi-

scher Methoden der Krieqführunq.
Fraqestellunq:
Der Bericht vom
Dezember 1985 untersuchte, ob die Sowjets Bestimmunqen
verletzt haben,
die Entwicklunq, Produktion, Tansfer,
Besitz
und Verwendunq
biologischer
und toxischer Waffen verbieten und ob
sie für die Verwendung tödlicher Chemikalien verantwortlich waren.
Dieser Bericht untersucht erneut diese
Frage.
Ergebnis: Die Regierunq der Vereiniqten Staaten ist zu dem Schluß
gekommen, daß anhaltende Aktivitäten
im Verlauf des Jahres 1986 in vermuteten Einrichtungen für bioloqische
und toxische Waffen in der Sowjetunion und Berichte, daß ein sowjetisches BW-Proqramm jetzt die Prüfunq
neuer Arten von Wirkstoffen zur bioloqischen
Verteidiqunq
beinhalten
könnte, die Schlußfolgerung des Berichts vom Dezember 1985 bestätigen,
wonach die Sowjetunion! in Verletzung
ihrer rechtlichen Verpflichtung gemäß
der Konvention über biologische und
toxische Waffen aus dem Jahr 1972 ein
offensives Programm sowie eine Kapazität der bioloqischen Krieqführunq
aufrechterhält.
Beschuldiqunqen hinsichtlich des
Einsatzes tödlicher Chemikalien oder
Gifte in Kamputschea, Laos oder Afqhanistan im Jahr 1986 konnten qemäß
der strenqen Richtlinien unserer Beweisführunq nicht bestätiqt werden.
Obwohl in der Verqanqenheit mehrere
Analysen der Berichte über ihren Einsatz vorqenommen wurden, haben diese
Studien bisher keine positiven Erqebnisse aezeitiqt. Daher gibt es keine
Grundlage für eine Erweiterung der
Schlußfolgerung
vom Dezember
1985,
wonach die Sowjetunion in Verletzung
ihrer rechtlichen Verpflichtung gemäß
dem Völkerrecht, wie dies im Genfer
Protokoll von 1925 und in der Konven-

- 13 -

�tion über bioloqische und toxische
Waffen aus dem Jahr 1972 kodifiziert
ist, Produktion, Transfer und Einsatz
von Trichothezen-Mykotoxinen zu militärischen Zwecken in Laos, Kamputschea und Afghanistan betrieben hat.

Schwellenvertraq
Atomversuche
nen-Grenze

und die 150-Kiloton-

Vertraqsstatus:
Der
Schwellenvertraq wurde im Jahr 1974 unterzeichnet.
Der Vertrag wurde nicht
ratifiziert, aber keine Vertragspartei hat die Absicht bekundet, ihn
nicht zu ratifizieren.
Deshalb unterliegen beide Vertragsparteien der
Verpflichtung, gemäß dem Völkerrecht
Akte zu unterlassen, die zu Ziel und
Zweck dieses Vertrags im Widerspruch
stünden.
Maßnahmen, die Ziel und
Zweck
des
Vertrags
zuwiderliefen,
wären daher Verletzungen der rechtlichen
Verpflichtungen.
Die Vereinigten Staaten sind bemüht, für den
Vertrag verbesserte Verifizierungsbedingungen auszuhandeln.
Beide Vertragsparteien haben unabhängig voneinander erklärt, die 150-KilotonnenSchwelle des Vertrags einzuhalten.
Verpflichtung:
Der Vertrag verbietet alle unteriridischen Atomwaffenversuche über 150 Kilotonnen hinaus an jedem der Gesetzgebung oder
Kontrolle der Vertragsparteien unterliegenden Ort und dies ab dem 31.
März 1976.
Angesichts der technischen Ungenauigkeiten bei der exakten
Einschätzung
der
Sprengkraft
von
Atomwaffenversuchen kamen beide Seiten überein, daß ein oder zwei kleine
unbeabsichtigte
Vertragsbrüche
im
Jahr nicht als Verletzung des Vertrages angesehen würden.
Fragestellunq:

Der

Bericht

vom
- 14

Dezember 1985 untersuchte die Fraqe,
ob die Sowjets Atomversuche über 150
Kilotonnen hinaus durchqeführt haben.
Dieser Bericht überprüft erneut diese
Fraqe.
Erqebnis:
Im verqanqenen Jahr
hat die Reqierunq der Vereiniqten
Staaten die Atomversuche der Sowjetunion vor dem selbstauferleqen Moratorium vom 6. Auqust 1985 überprüft
und die amerikanischen Methoden zur
Einschätzung der Sprengkraft von sowjetischen
Atomversuchen
überarbeitet. Diese Arbeit ist noch nicht beendet. Im Dezember 1985 stellte die
Regierung
der
Vereinigten
Staaten
fest, daß: "sowjetische Atomversuche
bei eine Reihe von Versuchen wahrscheinlich eine Verletzung der rechtlichen
Verpflichtungen
gemäß
dem
Schwellenvertrag darstellen".
Diese
Erkenntnis behält angesichts unseres
umfassenden Wissens über diesen Themenkomplex
seine Gültiqkeit.
Wenn
die derzeit in Arbeit befindlichen
Studien abqeschlossen sind, wird sie
auf den neuesten Stand qebracht werden.
Die Studien sollten eine verbesserte Grundlaqe für die Einschätzunq der bisheriqen sowjetischen Einhaltung enthalten. Die Ungenauigkeiten bei der Einschätzung von Art und
Umfang
der bisherigen
sowjetischen
Versuche und beträchtliche Schwierigkeiten bei der Verifizierung werden
fortbestehen und auf diesem technisch
schwierigen Gebiet bleibt noch viel
zu tun. Diese Unqenauiqkieten machen
die Notwendigkeit wirksamer Verifizierungsmaßnahmen deutlich, mit denen
die Unzulänglichkeiten bei der Verifizierung gemäß dem schwellenvertrag
und der ihn begleitenden Vereinbarung, dem Vertrag über Atomexplosionen zu friedlichen Zwecken, ausgeglichen werden sollen.

Vertrag über ein begrenztes Ver-

�Suchsverbot
Abgabe nuklearer Rückstände an
die Umwelt nach unterirdischen Atomversuchen
Vertraqsstatus: Der Vertraq über
ein beqrenztes Verbot von Atomversuchen in der Atmosphäre, im Weltraum
und unter Wasser ist ein multilateraler Vertraq, der für die Vereinigten
Staaten und die Sowjetunion im Jahr
1963
in Kraft
trat.
Sowjetische
Schritte, die nicht mit diesem Vertraq in Einklanq stehen, sind Verletzunqen einer rechtlichen Verpflichtunq.
Verpflichtunq:
Dieser
Vertraq
verbietet speziell Atomexolosionen in
der Atmosphäre, im Weltraum und unter
Wasser. Er verbietet auch Atomexplosionen
in jeder anderen Umqebunq,
"wenn solche Explosionen dazu führen,
daß radioaktive Rückstände außerhalb
der Landesqrenzen des Staates anfallen, unter dessen Gesetzqebunq oder
Kontrolle
eine
solche
Explosion
durchqeführt wird".
Fraqestellunq:
Der Bericht vom
Dezember 1985 untersuchte, ob die unterirdischen Atomversuche der UdSSR
dazu führten, daß radioaktive Rückstände außerhalb ihrer Landesqrenze
anfielen.
Dieser Bericht untersucht
erneut diese Fraqe.
Die
Reqierunq
der
Vereiniqten
Staaten
bestätiqt die Erkenntnisse
des Berichts vom Dezember 1985, nach
denen die sowjetischen Praktiken bei
unterirdischen
Atomversuchen
dazu
führten, daß bei zahlreichen Geleqenheiten radioaktive Stoffe frei wurden
und radioaktive Rückstände in Verletzunq der rechtlichen Verpflichtunqen
qemäß des beqrenzten Teststoppvertraqes auch außerhalb des Territoriums
der Sowjetunion qelanqten.
Die So-

wjetunion traf nicht die notwendiqen
Vorkehrunqen, um die Verseuchunq der
Umwelt durch radioaktive Substanzen
so qerinq wie möqlich zu halten und
dies trotz zahlreicher amerikanischer
Schritte und Forderunqen nach Korrektivmaßnahmen .

Die Schlußakte von Helsinki
Benachrichtigung bei Manövern gemäß der Schlußakte von Helsinki
Rechtlicher Status:
Die Schlußakte der Konferenz über Sicherheit
und Zusammenarbeit in Europa wurde im
Jahr 1975 in Helsinki unterzeichnet.
Dieses Dokument stellt eine politische Verpflichtung dar und wurde von
den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion
zusammen mit 33 anderen
Staaten
unterzeichnet.
Sowjetische
Aktivitäten, die nicht im Einklanq
mit diesem Dokument stehen, sind Verletzungen
ihrer
politischen
Verpf lichtunq.
Verpflichtung:
Alle Unterzeichnerstaaten der Schlußakte von Helsinki sind verpflichtet, im voraus Informationen über anstehende größere
Manöver - als Manöver definiert, an
denen mehr als 25.000 Soldaten teilnehmen - sowie diesbezügliche Einzelheiten zur Verfügunq zu stellen.
Fraqestellunq:
Der Bericht vom
Dezember 1985 untersuchte die Fraqe,
ob die Benachrichtiqunq bezüqlich des
sowjetischen Manövers "ZAPAD-81" unzureichend und deshalb eine Verletzunq der
politischen Verpflichtung
der Sowjetunion qemäß der Schlußakte
von Helsinki war. Dieser Bericht untersucht erneut diese Fraqe.
Erqebnis: Die Reqierunq der Vereiniqten Staaten kam bereits zu dem
Urteil und ist auch weiterhin der An-

- 15 -

�Sicht, daß die Sowjetunion im Jahr
1981
ihre politische Verpflichtung
verletzte,
die
Bestimmungen
von
Korb I der Schlußakte von Helsinki
einzuhalten, indem sie keine Vorausbenachrichtiqunq
des
Manövers
"ZAPAD-81" vornahm.
Seit 1981 haben
die
Sowjets
die
Verfüqunqen
der
Schlußakte
von
Helsinki
zwar
den
Buchstaben, aber
selten dem Geist
nach befolqt. Die Sowjetunion nimmt
eine sehr restriktive Interpretation
ihrer Verpflichtungen im Rahmen der
Schlußakte von Helsinki vor und die
Anwendunq freiwilliqer vertrauensbildender Maßnahmen durch die Sowjetunion war bisher eher die Ausnahme
als die Reqel. Die Sowjets haben alle Ubunqen anqekündiqt, bei denen die
vorheriqe Benachrichtiqunq erforderlich ist (z.B. diejeniqen mit 25 000
oder mehr Soldaten), haben jedoch
keine
freiwilliqe
Benachrichtiqunq
vorqenommen (z.B. bei Ubunqen mit weniqer als 25 000 Soldaten). Ihre Benachr ichtiqunqen enthielten nur ein
Minimum an Informationen.
Weiterhin
haben sie die freiwilliqen Verfüqunqen nur im qerinqstmöqlichen Umfanq
einqehalten, nach denen Beobachter zu
den Manövern einqeladen werden sollen
und Beobachter nur zu 5 0 Prozent der
anqekündiqten Ubunqen einqeladen.

* * * * * *
- 16

�AMERIKA DIENST
VON

Hintergrundmaterial

**

11. März 1987

10

ANDAUERNDE MENSCHENRECHTSVERLETZUNGEN IN KUBA
- Worldnet mit Walters und Valladares -

WASHINGTON - (AD) - In einem am 6. März 1987 über Worldnet ausqestrahlten
Interview mit Journalisten in fünf europäischen Ländern leqten der amerikanische UN-Botschafter Vernon Walters und der kubanische Schriftsteller Armando
Valladares, der 22 Jahre in kubanischen Gefänqnissen verbrachte, ihre Beweqqründe dafür dar, daß sie die UN-Menschenrechtskommission zur Überprüfung der
Zustände auf der Karibikinsel zu beweqen suchen.

Die Vereiniqten Staaten brachten
in der verqanqenen Woche eine Resolution mit diesem Ziel ein. Im Falle
ihrer Annahme wird Kuba den Beweis
für die Respektierunq der Rechte seiner Bürqer
erbringen müssen.
Die
Kommission könnte eine unparteiische
Untersuchunq
durchführen
und
ihren
Bericht
während der
nächstjährigen
Sitzungsperiode vorleqen.

"Nach Castro", saqte Valladares,
"ist die politische Zukunft meines
Landes die Freiheit.
Das Abtreten
Castros wird ein enormes Vakuum hinterlassen. Er wird von niemandem ersetzt werden. Es qibt in Kuba keine
Persönlichkeit,
die
diese
Lücke
schließen könnte. Castro ist in Kuba
allmächtiq."

"Die
politischen
Gefänqnisse
Kubas...
sind, wie wir alle wissen,
Orte
des
Schreckens,"
erklärte
Walters auf eine Fraqe.

Beide äußerten Spekulationen, wonach Castro der Liberalisierunqspolitik des sowjetischen Generalsekretärs
Gorbatschow folqen könnte.

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Walters verqlich Castros Kuba mit
der
Laqe
in Chile
unter
General
Pinochet.
Beide Länder hätten eine
Bevölkerunq von etwa elf Millionen,
aber "es qibt 3 800 Chilenen im politischen Exil, während die Zahl der
Zolitischen
Flüchtlinqe
aus
Kuba
1 400 000 beträqt.
Ich denke, das
spricht für sich selbst, wenn man
darüber spricht, ob es in Kuba ein
Problem qibt oder nicht."
Walters erklärte, die Probleme im
Zusammenhanq
mit
Rechtsdiktaturen
seien nicht so schwer zu bewältiqen
wie die Probleme in bezuq auf Linksdiktaturen:
"Der qroße Unterschied
besteht wirklich in der Tatsache, daß
man es in Chile und Paraguay mit autoritären Staaten zu tun hat.
In
Kuba und Nicaragua hat man es mit totalitären Staaten zu tun."
Walters
fügte hinzu, daß Menschenrechtsgruppen
in Chile
Zuqanq
qewährt worden sei, während Kuba dem
Internationalen Roten Kreuz Besuche
in den Gefänqnissen verweiqert habe.
Dabei bezeichnete er die Menschenrechtssituation in Kuba als eine
Fraqe, die "man wahrscheinlich schon
vor lanqer Zeit hätte aufwerfen sollen.
In all den Jahren haben wir
einen konstanten Zustrom kubanischer
Flüchtlinqe erlebt.
Und eqal, wie
qefährlich die Flucht aus Kuba auch
sein maq, kommen immer noch weitere
hinzu. Die jüngsten Flüchtlinqe haben uns erzählt, daß die von Armando
Valladares in seinem außergewöhnlichen Buch beschriebenen Zustände dort
immer noch herrschen."
"Ich hoffe, daß diejeniqen Menschen, die die Freiheit lieben, mit
ihrer stimme Castros stillen Gefangenen ein Zeichen der Hoffnunq geben,"
erklärte er. "Die von uns verfolgte

grundlegende Politik, diese Resolution bei der Menschenrechtskommission
der Vereinten Nationen einzubringen,
(bedeutet), den Menschen die Möglichkeit zu geben, sich selbst ein Bild
zu machen".
"Wir haben hier eine Reihe von
Zeugen geladen", berichtete Walters,
"es handelt sich dabei um Menschen,
die in Castros Gefängnissen verstümmelt und gefoltert wurden, Menschen,
die für ihr Leben verkrüppelt sind
und Menschen, die jede nur mögliche
menschliche Demütigunq erfahren haben".
In Beantwortung einer Frage zu
Nicaragua
kritisierte
Walters
die
Sandinisten dafür, daß sie Grundrechte wie etwa die Rede-, Presse- und
Religionsfreiheit außer Kraft setzen.
Er wies ferner auf die frühe Militarisierung der Sandinisten hin. "Nicaragua hatte bereits 250 gepanzerte
Kampffahrzeuge
erworben, bevor
die
ersten Contras einen Fuß auf nicaraquanischen Boden qesetzt hatten".
Valladares erklärte, er habe sein
Buch qeschrieben, um seine Erfahrunqen
als
Gefanqener
weiterzugeben.
Vor der Kommission der Vereinten Nationen könne er "die Missetaten Kubas
im Bereich der Menschenrechte mit Namen und Daten beleqen". "wir können
zweifellos Beweise liefern, die nicht
einmal die kubanische Delegation widerlegen konnte, daß in den vergangenen 29 Jahren in Kuba Folter und Verletzung der Menschenrechte an der Tagesordnung waren", so Valladares.
Er beschrieb "Zwanqsarbeit, Isolation, Lebensmittelentzuq,
Dunkelheit, verwehrten Kontakt zu den Familien, Schläqe und alle Arten von physischem und psychischem Druck" als
Hauptcharakteristika kubanischer Gefänqnisse.

�"Wir haben in unseren Gefänqnissen Experten
für Repressalien und
Folter aus den sowjetischen Ländern"
behauptet Valladares. "Wir haben Sowjets qesehen.
Wir haben Tschechen
qesehen. Wir haben Ostdeutsche beobachtet und Mitqlieder der sowjetischen Polizei, die sogar ihre Uniformen truqen".

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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Reagan: Veränderung der sowjetischen Position zur Rüstungskontrolle ein "großer Durchbruch"&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Ansprache vor der National Newspaper Association -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Weinberger: Sowjetischer Vorschlag zu Mittelstreckenraketen "begrüßenswerte Entwicklung"&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Verteidigungsminister Weinberger in Boston -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Reagans Mann an der Spitze des CIA geht der Ruf der Integrität voraus&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Kurzbiographie von William Webster -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Studie des Kongresses bezeichnet Erholung der Wirtschaft als instabil&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Artikel zum Jahresbericht des Gemeinsamen Wirtschaftsausschusses -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Reagan: Sowjets verletzen wahrscheinlich ABM-Vertrag&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Die sowjetische Nichteinhaltung von Rüstungskontrollabkommen -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Andauernde Menschenrechtsverletzungen in Kuba&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Worldnet mit Walters und Valladares -&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST

4 . Mä'rz 198 7

I N H A L T

DOKUMENTATION
Reagan; Austausch von Waffen gegen Geiseln war ein Fehler
- Fernsehansprache Präsident Reagans Hindernis für Fortschritte bei INF beseitigt
- Erklärung Präsident Reagans Freie Kommunikation "mächtige Kraft" für die Demokratie
- Reagan-Botschaft zum Jubiläum der "stimme Amerikas " Glückwünsche zum 45. Jahrestag der "Stimme Amerikas"
- Die Ansprachen von Präsident Reagan, USIA-Direktor Charles Wick und
VOA-Direktor Richard Carlson -

HINTERGRUNDMATERIAL
Die Erkenntnisse und Empfehlungen der Tower-Kommission
- Auszüge aus dem Kommissionsbericht -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Ja zum Leben - Nein zu Drogen
- UN-suchtstoffkommission: Alle Länder sind bedroht

* * * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�AMERIKA DIENST
Dokumentation

"VoN^

4. März 1987

REAGAN: AUSTAUSCH VON WAFFEN GEGEN GEISELN WAR EIN FEHLER
- Fernsehansprache Präsident Reagans -

WASHINGTON - In seiner landesweit übertragenen Ansprache zur Iran/Nicaragua-Affäre erklärte der Präsident am 4. März 1987, "ich übernehme die volle
Verantwortung für meine eigene Handlungsweise und die meiner Administration".
Reagan ging auf den Bericht der Tower-Kommission ein, die diese Angelegenheit
näher untersucht hatte und erläuterte von ihm unternommene korrektive Maßnahmen.
Den Versuch, eine Öffnung mit dem Iran durch einen Austausch von Waffen
gegen Geiseln herbeizuführen, bezeichnete Reagan als "einen Fehler".
Die Erklärung Präsident Reagans hat folgenden Wortlaut:

Meine
amerikanischen
Mitbürger,
ich habe bei zahlreichen Anlässen und
zu vielen Themen von diesem historischen Amtszimmer aus zu ihnen gesprochen. Die Macht des Präsidentenamtes wird oft mit diesem "Oval Office" in Verbindung gebracht.
Sie
liegt aber nicht hier, sondern bei
ihnen, dem amerikanischen Volk, in
Ihrem Vertrauen.
Ihr Vertrauen gibt dem Präsidenten seine Führungskraft wie auch seine persönliche Stärke, und genau darüber möchte ich heute abend zu Ihnen

United States Information Service
Embassy of the United States of America

sprechen.
In den vergangenen drei Monaten
habe ich zu den Enthüllungen über den
Iran geschwiegen.
Sie mögen gedacht
haben: "Warum sagt er uns nicht, was
geschehen
ist?
Warum
spricht er
nicht zu uns, wie er es in der Vergangenheit getan hat, wenn wir uns
Schwierigkeiten oder Tragödien gegenübersahen?" Andere von Ihnen werden
vielleicht gedacht haben: "Warum versteckt er sich im Weißen Haus?"
Der Grund, warum

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

ich nicht

eher

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�zu Ihnen gesprochen habe, liegt auf
der Hand: Sie haben die Wahrheit verdient. Und so frustrierend das Warten auch gewesen sein mag, so hätte
ich es unangemessen gefunden, ihnen
mit
unvollständigen Berichten
oder
sogar mit fehlerhaften Erklärungen,
die im Nachhinein einer Korrektur bedürft hätten, entgegenzutreten
und
damit noch mehr Zweifel und Verwirrung zu stiften.
Davon hat es bereits genug gegeben.
Ich habe im Hinblick auf Ihr Vertrauen
und
Ihre
Zuversicht
einen
Preis für mein Schweigen bezahlt.
Aber ich mußte, genau wie sie, auf
die vollständige Geschichte warten.
Aus diesem Grunde habe ich Botschafter David Abshire zu meinen besonderen Berater ernannt, mit dessen Hilfe
Tausende von Dokumenten für die verschiedenen Untersuchungen zur Verfügung gestellt werden. Und ich habe
einen
besonderen
Untersuchungsausschuß, die Tower-Kommission, ernannt,
die es sich zur Aufgabe gemacht hat,
für mich die Wahrheit herauszufinden
und den Dingen auf den Grund zu gehen. Ihre Ergebnisse sind jetzt veröffentlicht worden.
Ich werde oft als Optimist bezeichnet, und es ist wahr, daß ich
sehr genau nachforschen mußte, um in
dem Bericht der Kommission gute Nachrichten zu finden. Wie sie wissen,
spart er nicht an Kritik, auf die ich
gleich eingehen werde, aber ich war
erleichtert, den Satz zu lesen: "Die
Kommission vom Wunsch des Präsidenten
überzeugt, die Wahrheit ans Licht zu
bringen".
Und
genau
diese
Bitte
richte ich an sie bei der Weiterführung der Untersuchungen.
Ich möchte den Mitgliedern der
Kommission danken - dem früheren Senator John Tower, dem früheren Außenminister Edmund Muskie und dem ehema- 2

ligen Nationalen
Sicherheitsberater
Brent Scowcroft.
Sie haben der Nation wie auch mir persönlich einen
großen Dienst erwiesen, indem sie
einen so ausgewogenen und gründlichen
Bericht vorgelegt haben.
Ihnen gebührt mein aufrichtiger Dank.
Ich habe den Bericht der Kommission geprüft. Seine Ergebnisse sind
aufrichtig,
überzeugend
wie
auch
überaus kritisch, und ich akzeptiere
sie.
Heute abend möchte ich Ihnen
meine Ansichten zu diesen Ergebnissen
mitteilen und ihnen die Maßnahmen bekanntgeben, die ich unternehmen werde, um die Empfehlungen der Kommission durchzuführen.
Lassen Sie mich Ihnen zunächst
sagen, daß ich die volle Verantwortung für meine eigene Handlungsweise
und
für die meiner Administration
übernehmen werde.
So verärgert ich
auch über die ohne mein Wissen unternommenen
Aktivitäten
gewesen
sein
mag, so bin ich doch für diese Aktivitäten verantwortlich.
Und so enttäuscht ich auch sein mag über manche
meiner Mitarbeiter, so bin ich derjenige, der über dieses Verhalten vor
dem amerikanischen Volk Rechenschaft
ablegen muß.
So geschmacklos ich
auch geheime Bankkonten und umgeleitete Gelder finde, so ist dies aber,
wie es bei der Marine heißt, "während
meiner Wache geschehen".
Lassen Sie mich mit dem umstrittensten Teil beginnen. Vor wenigen
Monaten habe ich dem amerikanischen
Volk gegenüber erklärt, daß ich keine
Waffen gegen Geiseln getauscht habe.
Mein Gefühl und meine besten Absichten bedeuten mir immer noch, daß dies
stimmt, aber die Tatsachen und das
Beweismaterial sprechen dagegen.
Dem Bericht der Tower-Kommission
zufolge ist das, was als strategische

�Öffnung
zum
Iran begann, in der
Durchführung zu einem Handel von Waffen gegen Geiseln ausgeartet.
Dies
widerspricht meinen eiqenen Überzeugungen, der Politik der Administration und der ursprünglich von uns geplanten Strategie.
Es gibt Gründe
dafür, warum es so gekommen ist, aber
keine Entschuldigung.
Es war ein
Fehler.

ausschüssen des Kongresses überlassen
bleiben, die Tatsachen festzustellen.
Ich bin zuversichtlich, daß auch in
dieser Angelegenheit die Wahrheit ans
Licht kommen wird. Wie ich schon der
Tower-Kommission
mitgeteilt
habe,
hatte ich keine Kenntnis von einer
Umleitung von Geldern an die Contras.
Als Präsident kann ich jedoch der
Verantwortung nicht entgehen.

Ich habe ursprünglich die IranInitiative unternommen, um Beziehungen zu denjenigen zu entwickeln, die
in einer Regierung nach Khomeini die
Führung übernehmen könnten. Dem Bericht der Kommission ist jedoch eindeutig zu entnehmen, daß ich meine
persönliche Sorge um die Geiseln mit
der geopolitischen
Strategie einer
Annäherung an den Iran vermengt habe.
Ich habe so viele Fragen zum Wohlergehen der Geiseln gestellt, daß ich
nicht genug Fragen zu den Einzelheiten des gesamten Iran-Plans aufgeworfen habe.

Es ist viel über meinen Führungsstil gesagt worden, einen Stil, der
in den acht Jahren meiner Tätigkeit
als Gouverneur von Kalifornien und
während des Großteils meiner Präsidentschaft gut funktioniert hat. Ich
gehe so vor, daß ich das Problem
identifiziere, die richtigen Persönlichkeiten zur Durchführung der Arbeit ausfindig mache und sie dann an
die Arbeit gehen lasse.
Ich habe
herausgefunden, daß dies in den Menschen unweigerlich die besten Qualitäten weckt. Sie scheinen dabei ihre
Fähigkeiten vollständig zu entfalten,
und langfristig wird dadurch mehr geleistet.

Lassen sie mich den Familien der
Geiseln sagen, daß wir nicht aufgegeben haben. Wir werden dies niemals
tun.
Und ich verspreche Ihnen, daß
wir jedes legitime Mitteln benutzen
werden, um Ihre Angehörigen aus der
Gefangenschaft zu befreien. Ich muß
jedoch auch die Warnung aussprechen,
daß diejenigen Amerikaner, die sich
freiwillig in solch gefährlichen Gebieten aufhalten, wissen müssen, daß
sie selbst für ihre Sicherheit verantwortlich sind.
Ein weiterer bedeutender Aspekt
in den Erkenntnissen der Kommission
betrifft die Umleitung von Geldern an
die Contras in Nicaragua. Die TowerKommission war
nicht imstande, zu
klären, was mit diesen Geldern geschah. Deshalb wird es weiterhin dem
gerichtlich
eingesetzten
Sonderermittler und den zwei Untersuchungs-

Was nun die Führung der Mitarbeiter
des Nationalen
Sicherheitsrats
anbelangt, so muß man zugeben, daß
mein Stil nicht meinen Leistungen der
Vergangenheit
entsprach.
Ich habe
schon begonnen, dies zu berichtigen.
Der Anfang wurde gestern gemacht, als
ich mit dem gesamten Arbeitsstab des
Nationalen Sicherheitsrats zusammentraf. Ich habe dabei die Werte erläutert, die ich als Richtlinie für
die Politik der nationalen Sicherheit
dieses Landes angewandt sehen möchte.
Ich habe erklärt, daß ich eine Politik wünsche, die in der Öffentlichkeit genauso vertretbar und vpcständlich ist wie im Geheimen, aaß ich
eine Politik wünsche, die den Willen
des Kongresses wie auch den des Weißen Hauses widerspiegelt.
Und ich
sagte den Mitarbeitern, daß es kei-

- 3 -

�nerlei freie Mitarbeit von Einzelpersonen geben werde, wenn unsere nationale Sicherheit davon betroffen ist.
Sie haben in den vergangenen Monaten eine Menge über die Mitarbeiter
des Nationalen Sicherheitsrats gehört. Ich kann Ihnen mitteilen, daß
sie gute und engagierte Regierungsbeamte sind, die viele Stunden Arbeit
für das Wohl der Nation geleistet haben. Sie sind eifrig bestrebt, ihrem
Land zu dienen.
Etwas, was mich immer noch verstimmt, ist die Tatsache, daß niemand
ordnungsgemäße Aufzeichnungen von Zusammenkünften oder Entscheidungen angefertigt hat.
Dies hat dazu geführt, daß ich mich nicht mehr daran
erinnern konnte, ob ich eine Waffenlieferung vor oder nach bestimmten
Ereignissen genehmigt habe. Ich habe
sie genehmigt, aber ich kann nicht
mehr genau sagen, wann.
Seien Sie
versichert, daß inzwischen an der
Pennsylvania Avenue 1600 eine Menge
Aufzeichnungen gemacht werden.
Fast eine Woche lang habe ich
jetzt den Bericht der Kommission studiert.
Das amerikanische Volk soll
wissen, daß diese schwere Prüfung der
letzten Monate nicht vergebens war.
Ich unterstütze alle von der TowerKommission gemachten Vorschläge. Ich
gehe sogar über diese Empfehlungen
hinaus, um das Haus noch besser in
Ordnung zu bringen.
Ich werde in drei grundlegenden
Bereichen handeln: beim Personalwesen, der nationalen Sicherheitspolitik und den Verfahrensweisen, um sicherzustellen, Haß das System funktioniert.
Erstens zum Personalwesen.
Ich
habe hier im Weißen Haus ein erfahrenes und weithin respektiertes neues

Team
eingeführt.
Diese
Personen
bringen frisches Blut, neue Energie
sowie neue Glaubwürdigkeit und Erfahrung mit.
Mein neuer Stabschef, der ehemalige Senator Howard Baker, verfügt
über außerordentlich großes Geschick
in rechtlichen und auswärtigen Angelegenheiten,
das
seinesgleichen
sucht. Ich bin voller Hoffnung, daß
seine Erfahrung als Anführer der Minderheit und der Mehrheit im Senat dazu beitragen wird, eine neue Partnerschaft mit dem Kongreß zu schaffen,
vor allem auf dem Gebiet der auswärtigen und nationalen Sicherheitspolitik. Ich fühle mich wirklich geehrt,
daß er seine eigene Anwartschaft auf
das Amt des Präsidenten zurückgezogen
hat, um dem Land als mein Stabschef
zu dienen.
Frank Carlucci, mein neuer Nationaler
Sicherheitsberater, ist aufgrund
seiner
Regierungserfahrung
hochgeschätzt und in sein Urteil und
seinen Rat wird großes Vertrauen gesetzt. Unter seiner Leitung wird die
Mitarbeiterstruktur
des
Nationalen
Sicherheitsrates neu und straff organisiert. Bereits jetzt ist die Hälfte der festen Mitarbeiter des Nationalen
Sicherheitsrates
durch
neue
Leute ersetzt worden.
Gestern habe ich William Webster,
einen Mann von integrem Ruf, zum Direktor
der
Central
intelligence
Agency nominiert. Mr. Webster hatte
vorher das Amt als Direktor des FBI
inne und war Richter an einem amerikanischen Bezirksgericht.
Er kennt
die Bedeutung
des Wortes "Rechtsstaatlichkeit" .
Damit mir seine Kenntnisse in Angelegenheiten der nationalen Sicherheit ständig zur Verfügung stehen,
werde ich auch John Tower zum Mitar-

�beiter meiner Beratergruppe für Auswärtige Nachrichtendienste benannt.
Ich erwäge in den kommenden Wochen und Monaten noch weitere, mir
angemessen
erscheinende
personelle
und organisatorische Veränderungen.
Zweitens habe ich im Bereich der
nationalen
Sicherheitspolitik
eine
umfassende Überprüfung aller verdeckter Operationen durch den Nationalen
Sicherheitsrat angeordnet.
Ich habe
weiterhin verfügt, daß alle geheimen
Aktivitäten
eindeutige
politische
Zielsetzungen
unterstützen
und
im
Einklang mit den amerikanischen Wertvorstellungen
stehen
müssen.
Von
einer geheimhaltungsbedürftigen Politik erwarte ich, daß die Amerikaner
im Falle einer Veröffentlichung auf
der Titelseite ihrer Zeitung sagen
würden: "Das ist eine sinnvolle Politik".
Ich habe verfügt, daß den Mitarbeitern des Nationalen Sicherheitsrates selbst geheime Operationen verboten werden - ohne wenn und aber.
Ich habe Vizepräsident Bush gebeten, sein Expertenteam zur Terrorismusbekämpfung einzuberufen, um unsere
Politik der Terrorismusbekämpfung im
Licht
der
jüngsten
Ereignisse
zu
überprüfen.
Was die Entscheidungsfindung im
Bereich der Nationalen Sicherheit anbetrifft, werde ich drittens das im
Tower-Bericht vorgeschlagene Modell,
wie das Verfahren und die Mitarbeiter
des Nationalen Sicherheitsrates arbeiten sollten, insgesamt annehmen.
Ich werde Mr. Carlucci mit der Veranlassung der notwendigen Schritte beauftragen. Er wird mir über weitere,
möglicherweise erforderliche Reformen
Bericht erstatten.

Ich habe die Stelle des Rechtsberaters beim Nationalen Sicherheitsrat
geschaffen, um eine größere Sensibilität gegenüber Rechtsfragen sicherzustellen.
Ich bin weiterhin entschlossen,
das Verfahren, dem zufolge der Kongreß seine Aufsicht ausübt, funktionsfähig zu gestalten. Angemessene Verfahrensweisen für Konsultationen mit
dem Kongreß werden nicht nur theoretisch, sondern praktisch angewandt
werden. Vor Ende März werde ich den
Kongreß von allen Schritten unterrichten, die ich im Zusammenhang mit
den Schlußfolgerungen der Tower-Kommission unternommen habe.
Wenn man einen Fehler begangen
hat, sollte man folgendes tun:
Man
steckt den Tiefschlag ein, bekommt
seine Lektion und macht dann weiter.
Das ist die gesündeste Art und Weise,
um ein Problem anzugehen.
Das verringert nicht die Bedeutung der anderen
laufenden Untersuchungen, aber
das Leben muß für unser Land und unser Volk weitergehen. Dies haben mir
Republikaner und Demokraten im Kongreß wie auch die Verbündeten auf der
ganzen Welt zu verstehen gegeben und wenn wir die Zeichen richtig deuten, auch die Sowjets. Und nun habe
ich natürlich diese Botschaft auch
von Ihnen, dem amerikanischen Volk,
vernommen.
Sie wissen, daß Sie, wenn sie in
mein Alter kommen, viele Fehler gemacht haben werden, wenn Sie Ihr Leben wirklich gelebt haben.
Dadurch
lernt man. Man betrachtet die Dinge
im Zusammenhang.
Man
konzentriert
all seine Energie. Man ändert sich
und man macht weiter.
Meine
amerikanischen
Mitbürger,
es bleibt noch so vieles, was ich mit
Ihnen und für sie in den nächsten

- 5 -

�AMERIKA DIENST
VON

Dokumentation

**

4. März 1987

HINDERNIS FÜR FORTSCHRITTE BEI INF BESEITIGT
- Erklärung Präsident Reagans -

WASHINGTON - (AD) - In seiner am 3. März 1987 im Weißen Haus abgegebenen
Stellungnahme zu den Vorschlägen des sowjetischen Generalsekretärs Gorbatschow
erklärte Präsident Reagan, daß Moskau nicht länger auf einer Verbindung von
Abkommen zu Mittelstreckenwaffen längerer Reichweite (INF) und solchen in anderen Bereichen bestehe und daß dies "ein ernstliches Hindernis für den Fortschritt beseitige".
Reagan wies darauf hin, daß er die amerikanischen Unterhändler bei den Rüstungskontrollverhandlungen in Genf angewiesen habe, mit "der Vorlage unseres
Entwurfs für ein INF-Ankommen" zu beginnen. Er erklärte ferner, daß die Vereinigten Staaten bei INF weiterhin enge Konsultatinoen zu den Verbündeten in
Europa und Asien pflegen werden.
Die Erklärung des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:
In enger Zusammenarbeit mit unseren Freunden und Verbündeten in Europa und Asien haben die Vereinigten
Staaten - seit meinem ersten Vorschlag im November 1981 - einschneidende, ausgewogene und verifizierbare
Reduzierungen von landgestützten amerikanischen und sowjetischen Mittelstreckenwaffen
längerer
Reichweite
verfolgt, mit dem Ziel, diese weltweit vollständig abzuschaffen.
In jüngster Zeit haben wir einen
detaillierten
Vertragstext
erarbeitet, um diese vereinbarten Zielset-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

zungen anzuwenden und der speziellen
Maßgabe
zu
folgen,
der
Herr
Gorbatschow und ich bei unserem Treffen in Island im vergangenen Oktober
zugestimmt
hatten.
Dies erfordert
Reduzierungen bis zu einer vorläufigen weltweiten Obergrenze von 100 Gefechtsköpfen auf amerikanischen und
sowjetischen INF-Raketen, von denen
sich keine in Europa befinden sollten
sowie Beschränkungen bei den Mittelstreckenraketen
kürzerer
Reichweite
und Bestimmungen für eine wirkungsvolle Verifizierung. Für diese Zielsetzungen setze ich mich weiterhin

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�voll ein.
Ich habe in diesem Bereich seit
langem Fortschritte
angestrebt
und
begrüße daher die Erklärung des sowjetischen
Generalsekretärs
Gorbatschow vom vergangenen Samstag,
daß die Sowjetunion nicht weiter auf
einer Verbindung
von Reduzierungen
bei INF zu Abkommen in anderen Bereichen
besteht.
Dadurch
wird
ein
ernstliches Hindernis für den Fortschritt beseitigt und ein Einklang
mit der Vereinbarung
erzielt, die
Herr Gorbatschow und ich bei unserem
1985 abgehaltenen Gipfeltreffen
in
Genf getroffen haben - daß wir nach
einem einzelnen Abkommen in diesem
wichtigen
Bereich
streben
würden.
Ich möchte unseren Verbündeten zu ihrer festen Haltung bei dieser Frage
gratulieren.
offensichtlich hat unsere Entschlossenheit zu Fortschritten geführt.
Um diese neue Möglichkeit voll
auszuschöpfen, habe ich unsere Unterhändler angewiesen, morgen mit der
Vorlage unseres Entwurfs zu einem
INF-Abkommen zu beginnen. Ich hoffe,
daß die Sowjets dann gemeinsam mit
uns ernsthafte Diskussionen über die
Einzelheiten
aufnehmen werden, die
unerläßlich
für die Umsetzung der
einzelnen Bereiche einer grundsätzlichen Übereinkunft in ein konkretes
Abkommen sind. Und ich möchte betonen, daß die Frage der Verifizierung
die wichtigste der noch zu lösenden
wichtigen Fragen ist. Weil wir einem
wahren und dauerhaften Rüstungsabbau
verpflicht sind und die völlige Einhaltung sicherstellen wollen, werden
wir weiterhin darauf bestehen, daß
jedes Abkommen wirksam verifizierbar
ist.
Um
die
Implikationern
dieser
jüngsten Entwicklungen eingehender zu
erforschen, habe ich unsere Unter- 2

händler
in Genf, die
Botschafter
Kampelman, Glitman und Lehman gebeten, Ende dieser Woche mit mir in
Washington
zusammenzutreffen.
Nach
diesen Gesprächen in Washington werde
ich eine Gruppe nach Genf zurückschicken, um die eingehenden Verhandlungen für ein Abkommen zum Abbau von
INF wiederaufzunehmen.
Wir
werden gleichzeitig
unsere
engen Konsultationen über INF mit unseren Freunden und Verbündenten in
Europa und Asien fortführen. Es war
schließlich die Festigkeit und Einigkeit der Verbündeten bei der Durchführung
des
NATO-Doppelbeschlusses
von 1979, die dazu beigetragen haben,
die Sowjets wieder an den Verhandlungstisch zurückzubringen und diese
Möglichkeit zu einem Abkommen über
die Reduzierung zu erarbeiten, das
von beiderseitigem Nutzen für Ost und
West ist. Bei unserem weiteren Vorgehen solten wir uns daran erinnern,
daß nichts für die Sache des Friedens
wichtiger ist als die Glaubwürdigkeit
unserer Verpflichtung auf die NATO
und unsere anderen Verbündeten und
nichts ist bedeutsamer für die Lebensfähigkeit dieser Bündnisse freier
Nationen.

* * * * *

�AMERIKA DIENST
Dokumentation
4. März 1987

FREIE KOMMUNIKATION "MÄCHTIGE KRAFT" FÜR DIE DEMOKRATIE
- Reagan-Botschaft zum Jubiläum der "Stimme Amerikas"-

WASHINGTON - (AD) - In einer Botschaft aus Anlaß des 45jährigen Bestehens
der "Stimme Amerikas" hat Präsident Reagan am 24. Februar 1987 eine freie
Presse, einen freien Rundfunk und freie, moderne Kommunikationsmittel als
"mächtige Kraft für die Demokratie" bezeichnet. Die "Stimme Amerikas", die im
Namen der Wahrheit sende, müsse "weiterhin denen ein starkes Zeichen geben,
die andernfalls keinen Zugang zu unzensierten Informationen hätten".
Die Botschaft des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:

Erlauben Sie mir, Ihnen allen,
die Sie hier versammelt sind, um 45
Jahre internationaler Sendungen der
"Stimme Amerikas" zu feiern, zu gratulieren. Als früherer Rundfunksprecher habe ich immensen Respekt vor
Ihnen. Ihre täglichen Sendungen werden für eine wachsende Zahl internationaler Zuhörer im Namen des amerikanischen Volkes gemacht - und im Namen der Wahrheit. Das Angebot zuverlässiger, unzensierter Informationen
ist ein wichtiger Bestandteil unserer
Diplomatie.

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Als die "Stimme" vor 45 Jahren
zum ersten Mal erklang, sagte der
Sprecher: "Die Nachrichten mögen gut
oder schlecht sein. Wir werden Ihnen
die Wahrheit sagen."
Für Millionen
Menschen, die in geschlossenen Gesellschaftssystemen
leben, bedeuten
Ihre Sendungen genau dies - die Stimme der Wahrheit. Für andere sind Sie
eine
alternative
Nachrichtenquelle,
die zuverlässige Informationen über
amerikanische Ansichten und Institutionen liefert. Und für wieder andere stellen Ihre Sondersendungen in
leicht verständlichem Englisch
ein

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�Mittel zur Erlernung oder zum besseren Verständnis der englischen Sprache dar.
ihre täglichen Kommentare
bilden außerdem eine wichtige Quelle
für diejenigen, die die Ansichten unserer Regierung verstehen möchten.

tionsmittel - all dies ist auf die
Würde des Menschen und auf das unveräußerliche Recht des Einzelnen auf
Freiheit gegründet; all dies stellt
eine mächtige Kraft für die Demokratie dar.

Wir in Amerika glauben, daß jeder
Mann, jede Frau und jedes Kind das
Recht auf frei zugängliche Informationsquellen
besitzen.
Wir
sind
nicht der Meinung, daß der Geist eingesperrt werden
kann oder sollte.
Leider gibt es Regierungen, denen die
Wahrheit eine Bedrohung ist. sie unternehmen
enorme Anstrengungen, um
ihre Bürger von Informationen fernzuhalten, die nicht der "offiziellen
Parteilinie"
entsprechen.
Während
wir also heute hier feiern, sollten
wir uns auch der vielen Zuhörer erinnern - Zuhörer in diesen geschlossenen Gesellschaftssystemen -, die die
Sendungen der Stimme Amerikas mit
großem persönlichem Risiko einschalten.

Für diese
ich Ihnen.

Vor einigen Jahren habe ich erklärt, daß ich der Modernisierung der
"Stimme" die gleiche Bedeutung beimesse,
die
Präsident
Kennedy
dem
Raumfahrtprogramm
einräumte.
Ich
möchte dieses Versprechen erneuern.
Wir müssen weiterhin denen ein starkes Zeichen geben, die andernfalls
keinen Zugang zu unzensierten Informationen hätten.
Ich denke, Alexander Solschenizyn
hat die Stärke internationaler Sendungen am besten beschrieben.
Er
sagte, sie seien "die mächtige nichtmilitärische Kraft, die den Funkwellen innewohnt und deren erleuchtende
Macht inmitten kommunistischer Dunkelheit man sich im Westen noch nicht
einmal vorstellen kann".
Eine
freie Presse, ein freier
Rundfunk und freie, moderne Komunika- 2 -

wichtige

* * * *

Arbeit

danke

�AMERIKA DIENST
Dokumentation
4. März 1987

GLÜCKWÜNSCHE ZUM 45. JAHRESTAG DER "STIMME AMERIKAS"
Die Ansprachen von Präsident Reagan, USIA-Direktor Charles Wick
und VOA-Direktor Richard Carlson -

WASHINGTON - (AD) Präsident
Reagan würdigte in einer Rede am 24.
Februar die 45 Sendejahre der "stimme
Amerikas" (Voice of America - VOA)
und wies darauf hin, das "Angebot zuverlässiger, unzensierter Informationen (sei) ein wichtiger Bestandteil
unserer Diplomatie".
Der Präsident
nannte VOA die 'Stimme der Wahrheit'
und wiederholte seine Zusage einer
Modernisierung von VOA.
"Wir müssen weiterhin denen ein
starkes Zeichen geben, die andernfalls keinen Zugang zu unzensierten

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Informationen
hätten",
erklärte
Reagan in der Videoaufzeichnung seiner Rede an die Mitarbeiter von VOA,
die in der Zentrale der "Stimme Amerikas" in Washington an der Jubiläumsfeier teilnahmen.
Der Präsident führte weiter aus,
daß eine freie Presse, ein freier
Rundfunk und freie, moderne Kommunikationsmittel alle "auf die Würde des
Menschen und auf das unveräußerliche
Recht des Einzelnen auf Freiheit" gegründet seien und "dies alles eine
mächtige Kraft
für die Demokratie

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�darstelle". Reagan schloß seine Ansprache mit den Worten: "Für diese
wichtige Arbeit danke ich ihnen".
Der Direktor des US-Informationsamtes (USIA) , Charles Z. Wick, erklärte: "Die Welt braucht den Rundfunk, und die Welt braucht die "Stimme Amerikas".
In seiner Ansprache
betonte Wick die Bedeutung, die der
"kreativen
und guten" Nutzung von
amerikanischen
Rundfunkeinrichtungen
im Ausland zukommt. "VOA hat nicht
nur eine stolze Geschichte, sondern
auch
eine
aufregende
Gegenwart".
Wick nannte die "VOA-Gemeinschaft ein
Abbild
der
Vereinigten
Staaten...
eine Art von "Nation in einer Nation"
- Menschen vieler Kulturkreise, die
Seite an Seite arbeiten" und die
durch ihren stolz auf und ihre Liebe
zu den Vereinigten Staaten verbunden
s ind.
"Die ungebrochene Kraft des Rundfunks leitet sich aus seiner einzigartigen Fähigkeit ab, die Phantasie
anzufachen und zu informieren", erklärte Wick.
"Der Rundfunk kann die
menschlichen
Gedanken
und
seinen
Geist beflügeln, solche Orte zu besuchen, von denen das Fernsehen nicht
einmal träumt" und "er kann Ideen
eingehender erforschen, weil er nicht
gezwungen ist, sie in laufenden Bildern abzubilden".
Der Direktor der "stimme Amerikas", Richard Carlson, bezeichnete
das Jubiläum als "eine Zeit, in der
wir alle, die wir den Glauben an die
Bedeutung
der
Sendeleistung
der
"Stimme Amerikas" teilen, die nunmehr
eine der größten und bedeutendsten
Nachrichtenorganisationen
der
Welt
ist, auf die erste 15minütige Sendung
vor 45 Jahren zurückblicken" als sich
die Welt im Krieg befand. Diese Sendung versprach, die Wahrheit zu sagen, so erklärte Carlson in seiner

Rede anläßlich
lichkeiten.

der

Jubiläumsfeier-

Die ersten Sendungen der "Stimme
Amerikas" im Krieg "bewiesen den Hörern auf der ganzen Welt, daß sie dem
vertrauen konnten, was die
'Stimme
Amerikas' ihnen über Amerika berichtete...
Und dieses Vertrauen wie
auch
unsere
Glaubwürdigkeit
haben
sich in den vergangenen 45 Jahren
noch gefestigt".
VOA hat "ihr Bestes getan, um
sich den Herausforderungen
unseres
modernen Zeitalters zu stellen", erklärte Carlson und wies darauf hin,
daß inzwischen mehr als 1 200 stunden
wöchentlich gesendet werden, und dies
in 42 Sprachen an mehr als 130 Millionen Hörer auf fünf Kontinenten.
"Unsere vielen Sprachen und Sendestunden sind meiner Ansicht nach
ein Maßstab für unser Engagement; unsere wachsende Hörerschaft ist ein
Maßstab für den Erfolg der 'Stimme
Amerikas' wie auch gleichzeitig ein
Maß unserer Verantwortung".
Carlson
bemerkte: "Diese Verantwortung
ist
mit jeder neuen Sendestunde und mit
jedem neuen Hörer gewachsen".
Die Zuhörer von VOA hören "die
neuesten
Nachrichten
aus
Amerika,
über Amerika und aus der ganzen Welt:
ausgewogen, ehrlich, genau - was sie
auch bleiben werden, wofür das Gesetz
wie auch unsere Berufsethik sorgen".
"Sie hören die Geschichte Amerikas die Gewohnheiten und die Lebensweise
des
Volkes,
seiner
Institutionen,
seiner Ideen und seiner Auffassungen".
Und sie hören von der "Vielfalt,
die in jeder Demokratie herrscht und
deren Merkmal die Gedankenfreiheit
ist", bemerkte Carlson.
"Die Hörer

der

'Stimme Amerikas'

�schalten uns ein, weil sie nach Informationen dürsten".
"Seit 45 Jahren hat ihnen die 'Stimme Amerikas'
das gegeben, was Amerikaner am meisten schätzen: die Möglichkeit, sich
selbst ihre Meinung zu bilden".

* * * * *

�AMERIKA DIENST
r/

U

^

Hintergrundmaterial

Ä«

4. März 1987

DIE ERKENNTNISSE UND EMPFEHLUNGEN DER TOWER-KOMMISSION
- Auszüge aus dem Kommissionsbericht -

WASHINGTON - (AD) - Die folgenden Auszüge aus dem Bericht der Tower-Kommission, der am 26. Februar 1987 veröffentlicht wurde, beschäftigen sich mit
den in der Iran-Affäre begangenen Fehlern und geben Empfehlungen für die zukünftige Vorgehensweise.

WAS WURDE FALSCH
des Berichts)

GEMACHT

(Teil

IV

Die Iran-Initiative stand der Politik der Administration in bezug auf
den Terrorismus, den Krieg zwischen
Iran und Irak und die militärische
Unterstützung für Iran diametral entgegen. Dieser innere Widerspruch ist
nie gelöst worden. Weder wurden die
Konsequenzen daraus jemals in ihrer
ganzen Tragweite erwogen noch wurde
irgendeine Vorsorge getroffen.
Das
Gesamtergebnis bestand in einer amerikanischen Politik, die gegen sich

United States Information Service
Embassy of the United States of America

selbst gerichtet war.
Die Kommission ist der Überzeugung, daß das Versäumnis einer angemessenen Behandlung dieser Widersprüche größtenteils aus Fehlern im Entscheidungsfindungsprozeß
herrührte.
Die bestehenden Verfahren zur Fällung
nationaler
Sicherheitsentscheidungen
wurden außer acht gelassen. Überprüfungen
der Initiative
durch
alle
ständigen Mitglieder des Nationalen
Sicherheitsrats
fanden
zu
selten
statt. Die Initiativen wurden unterhalb der Kabinettsebene nicht aus-

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�reichend geprüft. Nachrichtendienstliche Mittel wurden unzureichend genutzt.
Geltende
rechtliche
Einschränkungen wurden nicht ausreichend
berücksichtigt.
Die gesamte Angelegenheit wurde zu informell und ohne
ausreichende schriftliche Unterlagen
über das, was erwogen, diskutiert und
entschieden worden war, behandelt.
Dieses Muster blieb während der
gesamten Durchführung der Iran-Initiative bestehen. Die Mitglieder des
Nationalen Sicherheitsrats übernahmen
die unmittelbare operative Kontrolle.
Die Initiative fiel traditionell in
den Geschäftsbereich des Außenministeriums, des Verteidigungsministeriums und des CIA. Diese Dienststellen wurden aber weitgehend ausgeschlossen. Großes Vertrauen wurde in
das Netz aus privaten Handlungsträgern und Mittelsmännern gesetzt. Die
Art und Weise der Durchführung dieser
Initiative erhielt von den ständigen
Mitgliedern
des Nationalen
Sicherheitsrats niemals die gebührende Aufmerksamkeit und wurde niemals auf Arbeitsebene eingehend überprüft. Eine
regelmäßige
Auswertung
der
Fortschritte der Initiative wurde nicht
durchgeführt. Das Ergebnis war eine
unprofessionelle und großenteils unbefriedigende Operation.
Während des gesamten Verfahrens
wurde der Kongreß niemals unterrichtet.
A.

Ein fehlerhaftes Verfahren

1. Es wurde eine widersprüchliche Politik verfolgt.
Die Waffenverkäufe an den Iran und die Unterstützung der Contras durch den Nationalen Sicherheitsrat zeigen die Risiken auf, die dann bestehen, wenn
hochkontroverse Initiativen insgeheim
verfolgt werden.

Waffenlieferungen
an den
Iran.
Die Initiative in Richtung Iran war
eine
verdeckte
Operation, die
zu
wichtigen und öffentlich verbreiteten
politischen Richtlinien der Regierung
unmittelbar
im
Widerspruch
stand.
Aber auch die Initiative selbst beinhaltete
einen grundlegenden Widerspruch. Zwei Ziele waren von Anfang
an offensichtlich: eine strategische
Öffnung zum Iran und die Freilassung
der amerikanischen Geiseln
im Libanon. Der Verkauf von Waffen an den
Iran schien ein Mittel zu sein, um
beide Ziele zu erreichen. Er spielte
aber auch denjenigen in die Hände,
die bei der Verstrickung der Vereinigten
Staaten
in ein Waffengeschäft mit dem Iran andere Interessen
verfolgten
einige
unter
ihnen
strebten nach persönlichem finanziellen Gewinn.
Tatsächlich war der Verkauf von
Waffen nicht beiden Zielen gleichermaßen zuträglich.
Der Iran wollte
Waffen.
Wenn alles, was die Vereinigten
Staaten
anstrebten,
die
Freilassung
der Geiseln war, dann
konnte ein Geschäft, bei dem Waffen
gegen Geiseln
ausgetauscht wurden,
den unmittelbaren Zielen beider Seiten dienen. Wenn aber das amerikanische Ziel in einem breiter angelegten strategischen Verhältnis bestand,
dann hätte der Verkauf von Waffen
erst dann erfolgen dürfen, nachdem
die
Elemente
dieses
Verhältnisses
konsolidiert
waren.
Ein Austausch
von Waffen gegen Geiseln konnte in
diesem Zusammenhang für die Erzielung
dieses
weitergefaßten
strategischen
Ziels kontraproduktiv wirken.
Was auch immer beabsichtigt war,
fast von Anfang an wurde die Initiative zu einer Serie von Tauschgeschäften Waffen gegen Geiseln.
Die
Waffenlieferung an den Iran von November 1985 war unmittelbar mit der

- 2 -

�Freilassung
von Geiseln
verbunden.
Ja, auch die Lieferung von August/September war möglicherweise nichts
anderes als ein Handel von Waffen gegen Geiseln. Bis zum 14. Juli 1985
war ein spezifischer Vorschlag für
den Verkauf von 100 TOW an den Iran
im Austausch gegen iranische Bemühungen zur Sicherstellung der Freilassung aller Geiseln dem Weißen Haus
übermittelt und mit dem Präsidenten
diskutiert worden. Was wirklich geschah, zumindest was die SeptemberLieferung
betraf, beinhaltete
eine
direkte Verbindung zwischen den Waffen und einer Geisel.

heitsrats.
Die
Aktivitäten
von
Mitarbeitern des Nationalen Sicherheitsrats
zur
Unterstützung
der
Contras waren darauf ausgerichtet,
ein wichtiges außenpolitisches Ziel
der Administration zu erreichen. Der
Präsident hatte seiner Unterstützung
des nicaraguanischen Widerstandes öffentlich und nachdrücklich Ausdruck
verliehen. Dies brachte seine Politik in direkten Konflikt mit der des
Kongresses, zumindest in dem Zeitraum, in dem die direkte oder indirekte
Unterstützung
militärischer
Operationen
in Nicaragua
untersagt
war.

Es stimmt, daß, genaugenommen,
keine Waffen gegen die Geiseln getauscht wurden.
Die Waffen wurden
für Geld verkauft, und zwar an den
Iran, und nicht an die Terroristen,
in deren Gewalt sich die Geiseln befanden. Es war jedoch klar, daß der
Iran die Waffen kaufen wollte und daß
die amerikanische Bereitschaft zu ihrem Verkauf
immer wieder von der
Freilassung der Geiseln abhängig gemacht wurde.

Obwohl der Kommission nur beschränktes Beweismaterial zur Verfügung steht, scheinen keinerlei ernsthafte Anstrengungen gemacht worden zu
sein, um die mit einer direkten Unterstützung an die Contras angesichts
dieser Beschränkungen durch den Kongreß für den Präsidenten bestehenden
Risiken in den Griff zu bekommen.
Selbst wenn man argumentieren könnte,
daß diese Beschränkungen
technisch
die Mitarbeiter des Nationalen Sicherheitsrats nicht betrafen, bedeuteten diese Aktivitäten ein großes
politisches Risiko für den Präsidenten.
Der Anschein, daß die persönlichen Mitarbeiter
des Präsidenten
etwas taten, was der Kongreß anderen
Behörden zu tun verboten hatte, konnte, wenn diese Aktivitäten einmal an
die Öffentlichkeit gelangt waren, im
Kongreß einen Brand entfachen und die
gesamte Politik der Administration in
bezug auf die Contras bedrohen.

Die Kommission ist der Meinung,
daß eine strategische Öffnung zum
Iran möglicherweise im nationalen Interesse lag, daß aber die Vereinigten
Staaten sich niemals an Waffenlieferungen hätten beteiligen dürfen. Als
Tauschhandel
Waffen
gegen
Geiseln
konnten sie nur zur Schaffung eines
Anreizes
für
weitere
Geiselnahmen
beitragen. Als Verletzung des amerikanischen Waffenembargos mußten sie
die Hemmungen anderer Staaten, Waffen
an den Iran zu verkaufen, beseitigen.
Die Geschäfte Waffen gegen Geiseln
belohnten ein Regime, daß eindeutig
den Terrorismus und Geiselnahmen unterstützte.
Unterstützung
Mitarbeiter
des

der Contras durch
Nationalen
Sicher-

2.
Der
EntscheidungsfindungsprozeB war fehlerhaft.
Da die Waffenverkäufe an den Iran und die Unterstützung der Contras durch den Nationalen Sicherheitsrat sich vor einem
solch kontroversen
Hintergrund
abspielten, würde man erwarten, daß
die Entscheidungen zur Durchführung

- 3 -

�dieser Aktivitäten nur nach intensiven und gründlichen Erwägungen getroffen worden wären.
Tatsächlich
sieht das Bild ganz anders aus.
Waffenlieferungen
an den Iran.
Die Iran-Initiative wurde fast beiläufig und über informelle Kanäle behandelt, anscheinend immer mit der
Erwartung, daß das Vefahren durch den
nächsten Austausch von Waffen gegen
Geiseln sein Ende finden würde. Sie
wurde weder den allgemeinen Verfahren
für behördenübergreifende Angelegenheiten und die Überprüfung politischer Fragen noch den in der Nationalen Sicherheitsdirektive 159 enthaltenen restriktiveren Verfahrensweisen
zur Behandlung verdeckter Operationen
unterworfen.
Daraus
resultierten
mehrere Konsequenzen:
(i) Es bestand keine ausreichende Gelegenheit für eine vollständige
Anhörung vor dem Präsidenten.
Bei
jedem für die Iran-Initiative bedeutsamen Schritt hätten Beratungen zwischen den ständigen Mitgliedern des
Nationalen Sicherheitsrats in Anwesenheit des Präsidenten praktisch automatisch
erfolgen
müssen.
Dies
durfte keine formale, gesetzlich vorgeschriebene Bedingung sein. Stattdessen hätte dies von den ständigen
Mitgliedern
des Nationalen Sicherheitsrats erwünscht sein müssen als
ein Mittel, um ein optimales Umfeld
für das Urteil des Präsidenten sicherzustellen.
Den
Zusammenkünften
hätten Treffen der ständigen Mitglieder zur Prüfung von Studien vorausgehen müssen, die von ihren Mitarbeitern gemäß den im Falle von verdeckten Operationen anzuwendenden Verfahren zu erarbeiten waren. Diese Studien hätten die Vorgeschichte dieser
Initiative überprüfen, die anstehenden Probleme analysieren, eine Palette realistischer Optionen entwickeln
und Fragen der Umsetzung und Ausfüh-

rung behandeln sollen. Wäre dies geschehen, dann wären vielleicht die
Ziele
der
Iran-Initiative
klargestellt und Alternativen zum Verkauf
von Waffen erkannt worden.
(ii) Die Initiative wurde niemals einer rigorosen Überprüfung unterhalb der Kabinettsebene unterzogen.
Wegen der Geheimhaltungsbesessenheit wurde die behördenübergreifende Überprüfung der Initiative auf
die Kabinettsebene beschränkt.
Mit
Ausnahme der Mitarbeiter des Nationalen Sicherheitsrats und, nach dem 17.
Januar 1986, einer Handvoll CIA Mitarbeiter wurden die anderen Regierungsbehörden
großenteils
ausgeschlossen.
Dies führte dazu, daß die Initiative niemals auf der nachgeordneten
Ebene untersucht wurde. Dadurch wurden denjenigen, die für die Operation
verantwortlich
waren,
erhebliche
Sachkenntnis vorenthalten - zur Situation im Iran, zu den Schwierigkeiten von Verhandlungen mit Terroristen, von den Verfahrensweisen bei
der Durchführung einer diplomatischen
Öffnung.
Außerdem
wurde der Plan
deshalb nie einer harten, kritischen
Überprüfung unterzogen.
überdies
fand keine politische
Überprüfung der Initiative unterhalb
der Kabinettsebene statt. Eine sorgfältige Untersuchung auf Staatssekretär/Unter Staats Sekretär ebene
hätte
vielleicht das Durcheinander in den
Zielen der Vereinigten Staaten enthüllen und die Risiken einer Benutzung von Waffen als Instrument der
Politik in diesem Fall verdeutlichen
können.
Die einzige vom Präsidenten im
Zusammenhang mit der Iran-Initiative
offensichlich
eingesehenen
Arbeiten
von Mitarbeitern waren von Mitarbei-

�tern des Nationalen Sicherheitsrats
unter der Leitung des Nationalen Sicherheitsberaters
verfaßt
worden.
Diese waren aber die Hauptverfechter
der Initiative. Ein Teil dieser Studien nachgeordneter Mitarbeiter sind
von dieser Kommission geprüft worden.
Das auffälligste Ergebnis war dabei
das Versäumnis, die Bilanz vergangener Bemühungen zu präsentieren - insbesondere die Bilanz von Fehlschlägen.
Alternativvorschläge
für die
Erreichung der amerikanischen Ziele,
die keine Tauschgeschäfte von Waffen
gegen Geiseln vorsahen, wurden nicht
diskutiert. Oft wurden weder die bei
einer Weiterverfolgung der Initiative
bestehenden Risiken noch die volle
Tragweite abweichender Meinungen von
anderen
ständigen Mitarbeitern des
Nationalen Sicherheitsrats angemessen
vorgetragen.
Insgesamt
wurde
dem
Präsidenten kein guter Dienst erwiesen.
(iii) Das Verfahren war zu informell.
Der gesamte Entscheidungsprozeß war zu informell. Selbst wenn
Zusammenkünfte der ständigen Mitglieder
des Nationalen
Sicherheitsrats
stattfanden, wurde die Tagesordnung
meist nicht vorher
bekanntgegeben.
Anscheinend
wurden
keine
formellen
Sitzungsprotokolle
erstellt.
Vom
Präsidenten
nachfolgend
getroffene
Entscheidungen wurden nicht formell
aufgezeichnet.
Eine Ausnahme bildet
die Entscheidung vom 17. Januar, aber
selbst diese wurde anscheinend nicht
allen
wichtigen
Regierungsbeamten
mitgeteilt.
Das Ergebnis dieser Formlosigkeit
bestand darin, daß es der Initiative
an
formellen
institutionellen Aufzeichnungen mangelte.
Damit wurden
die Beteiligten daran gehindert, die
eingehenderen Analysen und Betrachtungen
durchzuführen,
die
durch
schriftliche
Aufzeichnungen
ermög-

licht werden, anstatt sich auf das
bloße Erinnerungsvermögen zu verlassen.
Es wurde dadurch erschwert,
festzustellen, was die Initiative erreicht hatte und Lektionen aus der
Vergangenheit zu lernen, die künftige
Handlungen
hätten
leiten
können.
Dieses Fehlen formeller Aufzeichnungen führte dazu, daß spezifische Vorschläge für Tauschgeschäfte von Waffen gegen Geiseln in einem Vakuum und
ohne Bezug auf frühere Vorschläge unterbreitet werden konnten. Hätte zur
irghendeinem
Zeitpunkt eine Untersuchung
und eingehende Überprüfung
der
Iran-Initiative
stattgefunden,
dann wäre es sehr schwierig gewesen,
sie durchzuführen.
Die Kommission
kann aus erster Hand bezeugen, wie
schwierig es ist, bei Fehlen solcher
Aufzeichnungen
eine
Überprüfung
durchzuführen.
Unterstützung der Contras durch
Mitarbeiter
des Nationalen
Sicherheitsrats.
Es ist unklar, wie die
Beteiligung von Oberstleutnant North
an Aktivitäten zur direkten Unterstützung der Contras in der Zeit des
vom Kongreß erlassenen Verbots ihren
Anfang nahm.
Zu diesem Punkt stand
der Kommission nur wenig Beweismaterial zur Verfügung.
In dem erhältlichen
Beweismaterial
findet
sich
nirgends eine Andeutung, daß Oberstleutnant Norths Aktivitäten in irgendeinem Forum mit dem Präsidenten
diskutiert worden wären. Es scheint
auch keinerlei behördenübergreifende
Überprüfung
der
Aktivitäten
des
Oberstleutnant North stattgefunden zu
haben.
Wenn diese Aktivitäten ungesetzlich waren, dann hätten sie natürlich
nicht
durchgeführt
werden
dürfen.
Wenn irgendwelche Zweifel dazu bestanden, dann hätte man sich zunächst
systematisch rechtskundig machen sollen.
Die politischen Kosten einer

- 5 -

�ungesetzlichen Handlungsweise des Nationalen Sicherheitsrats für den Präsidenten waren besonders hoch, weil
die Mitarbeiter des Nationalen Sicherheitsrats sowohl persönliche Mitarbeiter
des Präsidenten sind wie
auch aufgrund der Tatsache, daß in
der Vergangenheit
mit dem Kongreß
ernste Konflikte in bezug auf die Unterstützung
der Contras bestanden.
Aus diesen Gründen hätte man den Präsidenten über eine Untersuchung der
Rechtmäßigkeit
von
Oberstleutnant
Norths Aktivitäten informieren müssen.
3. Die Durchführung war unprofessionell.
Die Art und Weise, in
der die Iran-Initiative durchgeführt
wurde und Oberstleutnant North die
Unterstützung der Contras umsetzte,
glichen sich sehr. Dies rührt weitgehend daher, daß dieselben Personen
daran beteiligt waren.
In beiden
Fällen waren die Operationen unprofessionell, obwohl die Kommission in
bezug auf Oberstleutnant Norths Aktivitäten nur wenig Beweismaterial besitzt.
Waffenlieferungen
an den Iran.
Mit Unter zeichung der Entscheidung
vom 17. Januar wurde die Iran-Initiative eine von Mitarbeitern des Nationalen Sicherheitsrats gesteuerte Operation der Vereinigten Staaten. Die
meisten bedeutsamen operativen Entscheidungen wurden von Oberstleutnant
North getroffen. Er führte die Operation mit Hilfe von Mr. Secord und
dessen Partnern durch, einem Netz von
Privatpersonen, die
schon
an der
Nachschuboperation
für die Contras
beteiligt waren. Dazu kamen noch eine Handvoll ausgewählter Mitarbeiter
des CIA.
Da nur wenige Personen von den
verschiedenen Ministerien und Behörden von der Initiative informiert waren, schottete Oberstleutnant North
- 6

sich von innerhalb der Regierung vorhandenen Ressourcen und Sachkenntnissen ab. Stattdessen verließ er sich
auf eine Reihe privater Mittelsmänner, Geschäftsleute und Finanzmakler,
auf private Handlungsträger und Iraner,
die
den Vereinigten
Staaten
feindlich
gesonnen
waren.
Einige
dieser Personen hatten einen zweifelhaften Ruf und besaßen an den Transaktionen
möglicherweise ein großes
finanzielles Interesse. Dadurch wurden die Transaktionen unnötigerweise
kompliziert und verleiteten zur Zahlung von Schmiergeldern und Provisionen.
Dieses Arrangement führte außerdem zu einem drastischen Anstieg
der Risiken, daß etwas von dieser
Initiative durchsickern könnte. Und
trotzdem wurde für diesen möglichen
Fall keine Vorsorge getroffen.
Die
Benutzung von Mr. Secords privatem
Netz in der Iran-Initiative führte
dazu, daß die daran Beteiligten mit
dem Nachschub für die Contras verbunden wurden und beinhaltete die Drohung einer Preisgabe beider Operationen, falls eine davon an die Öffentlichkeit drang.

Das Ergebnis war eine sehr unprofessionelle Operation.
Die Durchführung der Initiative
wurde niemals einer eingehenden Überprüfung unterzogen.
Anscheinend hat
Oberstleutnant
North
Vize-Admiral
Poindexter
über
seine
Aktivitäten
voll in Kenntnis gesetzt.
Außerdem
scheinen
Vize-Admiral
Poindexter,
Oberstleutnant North und die beteiligten CIA-Mitarbeiter Direktor Casey
über viele der operativen Einzelheiten
informiert
zu
haben.
Aber
Oberstleutnant North und seine Operation scheinen sich weitgehend außerhalb der Kreise der amerikanischen
Regierung bewegt zu haben. Ihre Aktivitäten wurden keinerlei kritischen

�Überprüfungen unterzogen.
Nach der ersten Geiselfreilassung
im September 1985 dauerte es über 10
Monate bis zur Freilassung der nächsten Geisel. Und dies trotz wiederholter Versprechen der
Freilassung
aller Gefangenen und vier dazwischenliegender
Waffenlieferungen.
Seit
der Lieferung vom November bemächtigten sich die Vereinigten Staaten zunehmend der Leitung dieser Operation.
Im Januar 1987 beschlossen sie, Waffen direkt an den Iran zu liefern.
Jede dieser Entwicklungen hätte
ein nützlicher Anlaß sein können, um
die Initiative einer nochmaligen systematischen Prüfung zu unterwerfen.
Zumindest einer der Pläne beinhaltete
eine
Vorkehrung
zur
Überprüfung,
falls sich die anfänglichen Annahmen
als ungültig herausstellen sollten.
Es lag in der Verantwortung des Nationalen Sicherheitsberaters und der
verantwortlichen Mitarbeiter des Nationalen Sicherheitsrats, eine solche
Überprüfung anzuordnen.
Diese waren
jedoch als Befürworter und Ausführende selbst zu sehr an der Initiative
beteiligt.
Dadurch war es unwahrscheinlich, daß sie die Art von Überprüfung initiieren würden, wie sie
hätte unternommen werden sollen.
Unterstützung der Contras durch
Mitarbeiter
des Nationalen
Sicherheitsrats.
Wie schon
festgestellt
wurde, waren die Aktivitäten des Nationalen Sicherheitsrats zur Unterstützung der Contras und seine Rolle
in der Iran-Initiative eng miteinander verwoben.
Im ersten Fall ergab
sich noch ein zusätzliches Element
durch die Intervention Oberstleutnant
Norths in die zollamtlichen Ermittlungen nach dem Absturz des SAT-Flugzeuges.
Auch in diesem Fall waren
ausgewählte CIA-Mitarbeiter
Oberstleutnant North direkt unterstellt.

Das der Kommission vorgelegte begrenzte Beweismaterial machte deutlich, daß die Maßnahmen zur Unterstützung der Contras nahezu ebenso
unsachgemäß gehandhabt worden waren
wie die Geschäfte mit dem Iran.
(iv)
Der Kongreß wurde überhaupt nicht informiert. - Der Kongreß
wurde weder von der Iran-Initiative
noch von den Aktivitäten der Mitarbeiter des Nationalen Sicherheitsrats
zur
Unterstützung
der
Contras
in
Kenntnis gesetzt.
Da die Freilassung der Geiseln
unmittelbar nach der Lieferung des
Kriegsgeräts erwartet wurde und die
Informierung der Öffentlichkeit die
Operation gestört und die Geiseln
eventuell gefährdet hätte, konnte man
in der Iran-Affäre dahin gehend argumentieren, daß es gerechtfertigt war,
die Benachrichtigung des Kongresses
bis nach der ersten Waffenlieferung
an den Iran zu verschieben. Es war
offensichtlich geplant, den Kongreß
zu informieren, unmittelbar nachdem
die Geiseln sicher in den Händen der
Amerikaner waren. Nachem jedoch mit
der ersten Lieferung nicht alle Geiseln freigekauft werden konnten und
jeder Plan zur Befreiung der Geiseln
immer wieder durch einen anderen ersetzt wurde, hätte der Kongreß auf
jeden Fall informiert werden müssen.
(v)
Rechtliche Probleme. - Der
Verkauf von Waffen an den Iran, der
im Widerspruch
zu den politischen
Prinzipien
der Vereinigten
Staaten
stand, warf ebenfalls weitreichende
rechtliche Fragen auf. Deren Behandlung ist wesentlich für eine Auswertung der Iran-Initiative.
Waffenlieferungen an den Iran. Die Anfangsphase der Waffenlieferungen in der Iran-Initiative umfaßte

- 7 -

�den Verkauf und die Verschiffung von
Raketen amerikanischer Herkunft durch
Israel.
Eine solche internationale
Weitergabe von Waffen, die nach der
amerikanischen Gesetzgebung genehmigt
werden muß, ist Bestandteil des Gesetzes über die Kontrolle von Waffenexporten.
Dieses Gesetz erfordert
die Zustimmung des Präsidenten zu jedem Transfer von gemäß diesem Gesetz
exportierten Waffen durch ein anderes
Land und legt drei Voraussetzungen
fest, die vor der Zustimmung des Präsidenten erfüllt sein müssen:
a) die Vereinigten Staaten werden
die fraglichen Waffen selbst in das
Empfängerland transferieren;
b) eine schriftliche Verpflichtungserklärung vom Empfängerland gegen die nicht genehmigten Weitergabe
von bedeutenden Waffensystemen, wie
zum Beispiel Raketen, liegt vor; und
c) dem Kongreß wird eine vorherige schriftliche Bestätigung in bezug
auf die Weitergabe vorgelegt, wenn
der Anschaffungswert von Verteidigungsgerät wie Raketen 14 Millionen
Dollar übersteigt.
Das Gesetz erlegt zusätzlich allgemeine
Beschränkungen
bezüglich
der Länder auf, die als Empfänger
amerikanischer Waffen in Frage kommen
sowie über den Zweck der Waffenverkäufe. Ein weiterer möglicher Kanal,
über
den Waffenlieferungen an den
Iran vom Gesetz gedeckt sein könnten,
bestünde im Zusammenhang mit nachrichtendienstlichen
Operationen
im
Rahmen des Gesetzes zur Nationalen
Sicherheit.
Ob die Beteiligung der Vereinigten Staaten an den Waffenlieferungen
durch die Israelis mit dem Gesetz in
Einklang stand, hängt im wesentlichen
davon ab, ob der Präsident seine Zu-

stimmung zu den Transaktionen gegeben
hatte, bevor diese stattfanden. Lag
die Zustimmung des Präsidenten nicht
vor, haben die Vereinigten Staaten
keine Genehmigung zu einer Beteiligung an einem Waffentransfer oder einer
Einwilligung
zu dem
Transfer
durch ein anderes Land gegeben. Die
Waffenlieferungen an den Iran im Jahr
1985 und die daraus resultierende
Iran-Initiative selbst standen damit
im Widerspruch zur Gesetzgebung der
Vereinigten Staaten.
Der Kommission gelang es nicht,
ein schlüssiges Urteil darüber zu
fällen, ob die Waffenlieferungen an
den Iran von 1985 vorher vom Präsidenten genehmigt worden waren. Unter
Berücksichtigung aller Faktoren kam
die Kommission jedoch zu dem Schluß,
daß die vorherige Zustimmung des Präsidenten glaubhaft erscheint.
Selbst wenn der Präsident in gewisser Weise seine Einwilligung oder
Zustimmung zu dem Geschäft gegeben
hat,
bleibt
eine
schwerwiegende
Rechtsfrage noch offen. Es ist nicht
geklärt, ob die Form der Genehmigung
für die Zwecke des Gesetzes über die
Kontrolle von Waffenexporten oder des
Hughes-Ryan Zusatzartikels ausreichte.
Die Einwilligung erfüllte die
Bedingungen
des Gesetzes über die
Kontrolle von Waffenexporten nicht,
insbesondere
angesichts
der
nicht
vorliegenden vorherigen schriftlichen
Verpflichtungserklärung
det
Iraner
über die nicht genehmigte Weitergabe.
Das Gesetz zur Nationalen Sicherheit klärt nicht zweifelsfrei, ob die
nur mündliche Genehmigung des Präsidenten als Entscheidung des Präsidenten dafür angesehen werden darf, daß
die Initiative für die nationalen Sicherheitsinteressen
der
Vereinigten
Staaten unabdingbar war. Die Genehmigung wurde zu keiner Zeit schrift-

�lieh verfügt.
Sie scheint auch nur
an eine Person übermittelt worden zu
sein. Der Präsident selbst kann sich
nicht daran erinnern. Und die Berater des Präsidenten machten widersprüchliche Aussagen über die Reaktion des Präsidenten, als er von den
Waffenlieferungen in Kenntnis gesetzt
wurde, die sich auf diese Genehmigung
stützten.
Darüber hinaus wurde die
erforderliche
Benachrichtigung
des
Kongresses
außer
acht
gelassen.
Selbst wenn der Präsident das Geschäft genehmigt hatte, ist es angesichts dieser Umstände schwierig, zu
der Schlußfolgerung zu kommen, daß
sein
Handeln
eine
entsprechende
Rechtsbefugnis begründete.
In der Entscheidung des Präsidenten vom 17. Januar 1986 wurde die
Iran-Initiative gemäß dem Gesetz zur
Nationalen
Sicherheit
formell
als
eine verdeckte Operation des Nachrichtendienstes
genehmigt.
Damit
wurde
die
Unsicherheit
über
den
Rechtsstatus der Initiative beseitigt
und die Rechtsgrundlage für die Vereinigten Staaten geschaffen, um Waffen direkt an den Iran zu liefern.
Das Gesetz zur Nationalen Sicherheit erfordert auch die Benachrichtigung des Kongresses über verdeckte
nachrichtendienstliche
Aktivitäten.
Erfolgt
die Benachrichtigung
nicht
vorher, dann zumindest "zu einem angemessenen Zeitpunkt".
In der Entscheidung des Präsidenten vom 17. Januar wurde verfügt, daß die Benachrichtigung des Kongresses aufgeschoben werden sollte und diese Entscheidung scheint zu keinem Zeitpunkt neu
überdacht worden zu sein.
Während
die zeitweilige Aufhebung der Benachrichtigung des Kongresses vor besonderen, mit der Befreiung von Geiseln
in Zusammenhang stehenden Verhandlungen
sicherlich
gerechtfertigt war,
sollte das Gesetz jedoch eine Offen-

barung in Fällen vorsehen, bei denen
über einen längeren Zeitraum ein gewisser stillstand der Ereignisse, wie
in der Iran-Affäre, eingetreten ist.
Eine andere Verhaltensweise würde den
Kongreß von der Wahrnehmung seiner
wirklichen Aufsichtsbefugnis abhalten.
Unterstützung der Contras durch
Mitarbeiter
des Nationalen
Sicherheitsrates. - Die Unternehmungen von
Mitarbeitern des Nationalen Sicherheitsrates
zur
Unterstützung
der
Contras waren von derselben Unsicherheit bezüglich der Rechtsbefugnis und
demselben Mangel an Rechtsempfinden
gekennzeichnet, die auch in der IranInitiative vorherrschten.
Die Doppeldeutigkeit der Gesetzgebung, mit
der die Maßnahmen zur Unterstützung
der Contras geregelt wurden, stellten
eine größere Herausforderung dar als
selbst das komplexe Gefüge der Gesetze, die den Waffentransfer regeln.
Umfassende und genaue Überprüfung der
von Mitarbeitern des Nationalen Sicherheitsrates für die Contras vorgenommenen
Unterstützungsmaßnahmen
durch den Kongreß trieben die potentiellen Kosten der Unternehmungen zusätzlich in die Höhe, die bereits die
Schranken des Gesetzes über Gebühr
strapazierten.
Angesichts dieser Umstände hätten
die Angehörigen des nationalen Sicherheitsrates
besonders
vorsichtig
vorgehen sollen, jegliche Operationen
auf
diesem
Gebiet
verhindern
und
Rechtsbeistand
suchen müssen.
Die
Kommission konnte keinerlei Anzeichen
einer solchen zurückhaltenden Vorgehensweise erkennen.
B.
Scheitern der Verantwortung.
Der Führungsstil des Präsidenten
ist dadurch gekennzeichnet, daß er
die Hauptverantwortung für die Überarbeitung und Durchführung der politischen Richtlinien seinen Beratern

- 9 -

�•

überträgt. Angesichts einer so komplexen, mit hohen Risiken verbundenen
Operation, bei der so viel auf dem
Spiel stand, hätte der Präsident jedoch sicherstellen müssen, daß das
System des Nationalen Sicherheitsrates nicht versagte. Er richtete seine Politik nicht darauf aus, die außerordentlich
kritische
Überprüfung
vorzunehmen, zu der die Beteiligten
vom Nationalen Sicherheitsrat und das
Verahren an sich fähig waren. Er bestand zu keinem Zeitpunkt auf einer
Offenlegung der Fakten und einer Leistungsanalyse.
Wäre der Präsident
anhand des Systems des Nationalen Sicherheitsrates vorgegangen, hätte das
Ergebnis sicherlich ganz anders ausgesehen.
So wie die Dinge lagen,
wurden jedoch die bedeutendsten Kriterien des Systems des Nationalen Sicherheitsrates - Erstellen umfassender Analysen, Alternativen und Nachprüfungen - nicht in Anspruch genommen.
Die Kommission stellte die nahezu
einhellige Meinung der Beteiligten
aus
dem
Nationalen
Sicherheitsrat
darüber fest, daß die Priorität des
Präsidenten
in der
Iran-Initiative
auf der Freilassung der amerikanischen Geiseln lag.
Prioritäten zu
setzen ist jedoch nicht genug bei der
Abwicklung
sicherheitsempfindlicher
und
risikoreicher
initiativen, die
unmittelbare Auswirkungen auf die nationale Sicherheit der Vereinigten
Staaten haben. Der Präsident muß dafür Sorge tragen, daß Inhalt und Taktik einer Initiative sich mit seinen
Prioritäten und Zielsetzungen decken.
Er muß auf der Offenlegung der Fakten
bestehen. Denn der Präsident muß die
Verantwortung für das System des Nationalen Sicherheitsrates übernehmen
und sich mit den Konsequenzen auseinandersetzen.
Die ständigen Mitglieder

des Na-

tionalen Sicherheitsrates und der Nationale
Sicherheitsberater
müssen
sich zusammen mit dem Präsidenten die
Verantwortung für das System des Nationalen Sicherheitsrates teilen.
Präsident
Reagans
persönlicher
Führungsstil überträgt seinen wichtigsten Beratern eine besonders große
Verantwortung.
Da sie mit seinem
Führungsstil vertraut waren, hätten
sie die Art und Weise, in der sich
die Initiative für den Waffenverkauf
entwickelte und ihren Fortgang nahm,
besonders berücksichtigen und ihr gezielte Aufmerksamkeit widmen müssen.
Bei dieser Angelegenheit haben weder
der Nationale Sicherheitsberater noch
die wichtigsten Beauftragten des Nationalen
Sicherheitsrates
besonders
gut abgeschnitten.
Als Angehörige und Berater des
Rates ist es ihre Aufgabe, sicherzustellen, daß dem Präsidenten diese
Dienste erschöpfend zur Verfügung gestellt werden.
Die wichtigsten Untergebenen
des
Präsidenten
dürfen
nicht davon abgehalten werden, den
Präsidenten zu drängen, einen höchst
fragwürdigen Kurs nicht einzuschlagen, selbst wenn er persönlich absolut vom Gegenteil überzeugt ist.
Im Fall der Iran-Initiative war
das Verahren des Nationalen Sicherheitsrates nicht zum Scheitern verurteilt, sondern er wurde im großen und
ganzen ignoriert. Der Nationale Sicherheitsberater
und die ständigen
Mitglieder
des
Nationalen
Sicherheitsrates hatten gleichermaßen die
Aufgabe, dieses Thema zur Sprache zu
bringen und auf der Anordnung eines
ordentlichen Verfahrens zu bestehen.
Keiner von ihnen tat dies.
Mr. Reagan teilt diese Verantwortung. Mehr als fast jeder Stabschef
in der jüngeren Geschichte, übte er

- 10 -

�persönliche Kontrolle über die Mitarbeiter des Weißen Hauses aus und versuchte, diese Kontrolle auf den Nationalen Sicherheitsberater auszudehnen. Er spielte eine aktive Rolle in
Angelegenheiten
der
nationalen Sicherheit und nahm an fast allen wichtigen Sitzungen über die Iran-initiative teil. Er hätte ebenso wie jeder
andere darauf bestehen müssen, daß
ein
ordentlicher
Verfahrensablauf
eingehalten wird. Vor allem er hätte
darüber hinaus sicherstellen müssen,
daß Pläne für den Fall einer öffentlichen Enthüllung der Initiative gemacht wurden. Er muß die Hauptverantwortung für das im Weißen Haus
durch
diese Enthüllung
entstandene
Chaos übernehmen.
Mr.
McFarlane
schien
zwischen
einem die Initiative unterstützenden
Präsidenten und Kabinettsmitgliedern
zu stehen, die sie energisch ablehnten. Obwohl er versuchte, diese Kabinettsmitglieder auf dem laufenden
zu halten, haben einige davon der
Kommission mitgeteilt, daß ihm dies
nicht immer gelungen sei. Vizeadmiral Poindexter hat bei einigen Gelegenheiten anscheinend versucht, den
ständigen Mitgliedern des Nationalen
Sicherheitsrats,
mit
Ausnahme
des
Präsidenten, Informationen über die
Initiative vorzuenthalten.
In einem
oder mehreren Fällen ist Außenminister shultz von Vizeadmiral Poindexter vielleicht sogar absichtlich in
die Irre geführt worden.
Vizeadmiral Poindexter hat außerdem bei der Umleitung von Geldern an
die Contras gravierende Fehler begangen. Die Beweise deuten darauf hin,
daß Poindexter über die Umleitung Bescheid wußte und trotzdem nicht die
angesichts der schwerwiegenden Natur
dieses Schritts erforderlichen Maßnahmen ergriff.
Offensichtlich hat
er die ernsten rechtlichen und poli-

tischen Risiken nicht berücksichtigt
oder völlig ignoriert. Seine Pflicht
bestand eindeutig darin, die Angelegenheit entweder zu untersuchen oder
sie dem Präsidenten
vorzutragen
oder beides. Er tat nichts dergleichen.
Direktor Casey teilte diese
Pflicht.
Die Beweise deuten darauf
hin, daß er fast einen Monat bevor
die Geschichte an die öffentlichkeit
drang über die mögliche Umleitung von
Geldern an die Contras informiert
wurde. Auch er unternahm nichts, um
den Präsidenten unverzüglich hiervon
in Kenntnis zu setzen. Und doch war
es eindeutig seine Pflicht, dies zu
tun.
Für die ständigen Mitglieder des
Nationalen Sicherheitsrates neben dem
Präsidenten mag man die Entschuldigung gelten lassen, daß der Nationale
Sicherheitsberater der Notwendigkeit
nicht genügend Aufmerksamkeit widmete, alle ständigen Mitglieder in vollem Umfang zu informieren.
Angesichts der Bedeutung dieses Themenkomplexes und der damit verbundenen
eklatanten
politischen
Differenzen,
distanzierten sich jedoch Außenminister shultz und insbesondere Verteidigungsminister Weinberger vom Verlauf der Ereignisse.
Außenminister
Shultz hatte ausdrücklich nur um Informationen gebeten, die für die Ausübung
seiner Tätigkeit
unerläßlich
waren.
Verteidigungsminister
Weinberger hatte über die Informationskanäle der Nachrichtendienste Zugang zu
Einzelheiten über die Operation. Ihre Aufgabe lag in der vollen Unterstützung und ständigen Beratung des
Präsidenten über das Programm oder
darin,
den
Präsidenten
davon
in
Kenntnis zu setzen, wenn sie dies
nicht mit ihrem Gewissen vereinbaren
konnten.
stattdessen
distanzierten
sie sich schlicht von dem Programm.
Was ihre eigene Position zu diesem
Thema anging, waren sie bestrebt, ihr

- 11 -

�Gesicht zu wahren.
Sie versuchten
nicht energisch, den Präsidenten vor
den Folgen seines persönlichen Engagements zur Befreiung der Geiseln zu
bewahren.
Direktor Casey scheint in beträchtlichem Umfang über die Einzelheiten des Irangeschäftes informiert
gewesen zu sein. Er hat anscheinend
seine Einwilligung zur Ausübung direkter operativer Kontrolle über das
Geschäft
durch
North
gegeben
und
scheint diese noch ermutigt zu haben.
Aufgrund der Nähe der Angehörigen des
Nationalen Sicherheitsrates zum Präsidenten und der absoluten Identifizierung mit ihm, erhöhte sich das Risiko für den Präsidenten, falls die
Initiative öffentlich bekannt oder
das Geschäft scheitern würde.
Es gibt jedoch keinerlei Beweise
dafür, daß Direktor Casey dem Präsidenten dieses Risiko erläuterte oder
ihm verdeutlichte, daß Oberstleutnant
North und nicht der CIA das Geschäft
leitete.
Der Präsident kann sich
nicht erinnern, je über diese Tatsache informiert worden zu sein. Direktor Casey hätte in Wirklichkeit
noch weitergehen und auf der Übergabe
der Verantwortung an den CIA bestehen
müssen.
C.
Die Rolle der Israelis. Selbst wenn die israelische Regierung
aktiv an dem Beginn der Initiative
und deren Fortdauer mitgewirkt hat,
ist die Regierung der Vereinigten
Staaten für ihre eigenen Entscheidungen verantwortlich.
Die wichtigsten
Teilnehmer an den amerikanischen Beratungen führten das Argument an, daß
die israelischen Interessen und Zielsetzungen von denen der Vereinigten
Staaten abwichen und zum Teil im Widerspruch dazu standen.
obwohl Israel mit Angehörigen der amerikanischen Regierung verhandelte, von de-

nen man annehmen konnte, daß sie der
Initiative positiv gegenüberstanden,
beinhaltet diese Tatsache an sich
nichts Ungehöriges.
Die Entscheidungsträger der amerikanischen Politik treffen ihre eigenen Entscheidungen und müssen die Verantwortung für
die Konsequenzen tragen.
D. Das Nachspiel - Die Bemühungen, die Geschichte zu veröffentlichen
Nach den ersten Andeutungen Ende
Oktober 1986 darüber, daß die Reise
von McFarlane bald öffentlich bekannt
würde, überstürzten sich die Informationen in der Presse über die IranInitiative und das Geschäft mit den
Contras. Die verschleierte Andeutung
geheimer
Aktivitäten,
willkürliche
und wahllose Enthüllungen von Informationen aus einer Vielzahl gutunterrichteter und anderer Quellen sowie
die widersprüchlichen Aussagen hochrangiger
Beamter
vermittelten
der
amerikanischen
öffentlichkeit
ein
verwirrendes
Bild.
Die Kommission
erkannte, daß Widersprüche in den aktuellen Dokumenten und Aussagen Beunruhigung daüber hervorrief, wie die
öffentlichen
Darlegung
der
Fakten
über die Iran-Initiative gehandhabt
werden sollte, obwohl die Kommission
einige Beweismittel für die Ereignisse nach deren Bekanntgabe überprüfte,
bleiben unsere Möglichkeiten zur Kommentierung dieser Ereignisse begrenzt.
Die Kommission fand Beweise dafür, daß der Präsident unmittelbar
nach der Veröffentlichung die Bekanntgabe allzu vieler Besonderheiten
oder Einzelheiten aus Sorge um die
noch
im Libanon
gefangengehaltenen
Geiseln und die Iraner, die zur Unterstützung der Initiative beigetragen hatten, verhindern wollte.
Wir
sind der Überzeugung, daß er damit
nicht die Absicht hatte, die amerikanische öffentlichkeit irrezuführen

- 12 -

�oder
gesetzeswidriges Verhalten zu
beschönigen.
Spätestens am 20. November
unternahm
der
Präsident
Schritte, um sicherzustellen, daß alle Pakten bekannt würden. Angefangen
mit dem Auftrag des Präsidenten an
Mr. Meese, den Hintergrund der Initiative zu erforschen bis hin zu der
Benennung der Kommission durch ihn,
seiner Bitte um einen unabhängigen
Berater und seiner Bereitschaft, diese Angelegenheit in vollem Umfang zu
besprechen und seine persönlichen Notizen mit uns durchzusehen, ist die
Kommission davon überzeugt, daß der
Präsident tatsächlich die ganze Geschichte veröffentlicht sehen möchte.
Diejenigen, die das Hintergrundmaterial für den Präsidenten zusammenstellten, schienen, zumindest anfänglich, den höchsten Wunsch des
Präsidenten
nicht
zu teilen.
Mr.
McFarlane beschrieb für die Kommission das von den Angehörigen des Nationalen Sicherheitsrates angewandte
Verfahren, um eine Chronologie zu erstellen, die entscheidenden Tatsachen
verschleierte.
Mr. McFarlane wirkte
an dieser Chronologie mit, die, wie
er sagte, nicht "eine umfassende und
völlig genaue Wiedergabe" der Ereignisse darstellte und die Rolle des
Präsidenten
doppeldeutig
erscheinen
ließ.
Nach den Aussagen von Mr.
McFarlane war dies gemacht worden, um
den Präsidenten von dem Zeitpunkt und
Inhalt der Genehmigung durch den Präsidenten zu distanzieren. Er teilte
der Kommission mit, daß er am 18. November
ein
Memorandum
geschrieben
hatte, das, in seinen Worten, versuchte, "die Motive des Präsidenten
zu beschönigen". Diese Version wurde
in der Chronologie festgehalten. Mr.
McFarlane sagte der Kommission, daß
der Bericht seines Wissens nach "mindestens irreführend und schlimmstenfalls falsch" sei.
Mr. McFarlane
teilte der Kommission weiterhin mit,

daß er dem Justizminister einen genauen Bericht über die Rolle des Präsidenten gegeben hatte.
Die Kommission hatte ausreichend
Grund, die Handlungen von Oberstleutnant North im Anschluß an die Veröffentlichung in Frage zu stellen. Die
Kommission
hat keine bestätigenden
oder widerlegenden Beweismittel, daß
Oberstleutnant North die Dokumente
über die Initiative in dem Bestreben
zerstörte, die Tatsachen vor dem angedrohten
Ermittlungsverfahren
zu
verheimlichen.
Die Kommission fand
Anzeichen dafür, daß Oberstleutnant
North über einen bestimmten Zeitraum
hinweg bestrebt war, wichtige Informationen zu verheimlichen oder vorzuenthalten. Die Akten von Oberstleutnant North enthielten einen Großteil
der historischen Dokumentation, auf
die sich die Darstellung der Kommission
gründet.
Darüberhinaus
war
Oberstleutnant North der wichtigste
Beamte der amerikanischen Regierung,
der mit den Einzelheiten der Operation vertraut war.
Die von ihm erstellte Übersicht
weist zahlreiche Ungenauigkeiten auf.
Diese "Unterlagen" sollten als Grundlage der "ganzen" Geschichte über die
Iran-Initiative dienen. Die Ungenauigkeiten liefern einige Beweise für
die Annahme, daß Oberstleutnant North
entweder von sich aus oder auf Geheiß
anderer Personen aktiv danach strebte, wichtige Informationen zu verbergen.
Aus Sorge um den Schutz vertraulicher Dokumente sollten (CIA-)Direktor Casey und Vizeadmiral Pointdexter
nur
die
Geheimdienstausschüsse
im
Kongreß von der "ganzen" Geschichte
unterrichten; Casey vor den Ausschüssen selbst und Poindexter in Einzelgesprächen mit dem Vorsitzenden und
dem stellvertretenden Vorsitzenden.

- 13 -

�Das geschah am 21. November 1986.
Aus der Kopie der Aussagen Caseys und
der Notizen der Zusammenkünfte Poindexters geht hervor, daß sie nicht
voll und ganz die Ereignisse, so wie
sie abgelaufen sind, wiedergegeben
haben.
Das Ergebnis ist der verständliche Eindruck, daß sie nicht
sehr entgegenkommend waren.
Die Kommission ist ferner über
verschiedene augenscheinlich fehlende
Notizen besorgt. Poindexter war der
offizielle Protokollführer bei Zusammenkünften, denen eine Schlüsselfunktion zukam, und dennoch gibt es von
diesen Treffen
keine Mitschriften.
Wenn sie geschrieben wurden, könnten
sie sehr wichtige Informationen enthalten. Wir können jedoch nicht herausfinden, ob sie existieren.

EMPFEHLUNGEN

(Teil V des Berichts)

Während letztlich die Macht zur
Formulierung
der Innenpolitik
beim
Kongreß liegt, kommt dem Präsidenten
primär die Pflicht der Formulierung
und Anwendung der Politik zur nationalen Sicherheit zu.
Es ist der Präsident, von dem in
diesem Bereich normalerweise Innovationen und Anregungen ausgehen. Die
Ministerien und Behörden - die Bürokratien von Verteidigungsministerium,
Außenminister iura und CIA - neigen dazu, sich einem Wandel in der Politik
entgegenzustellen. Jede hat ihre eigene Sichtweise, die sich auf lange
Erfahrung gründet. Es ist eine Herausforderung
für
den
Präsidenten,
diesen Behörden seine Perspektive näherzubringen, weil sie seine Instrumente zur Durchführung der Politik
zur nationalen Sicherheit sind und er
mit ihnen zusammenarbeiten muß. Er
muß die Führungsrolle übernehmen und
ihnen die Richtung weisen.

Das Gesetz zur nationalen Sicherheit (National Security Act) von 1974
und das unter ihm gewachsene System
geben dem Präsidenten wichtige Instrumente an die Hand, mit deren Hilfe er seine wichtige Rolle wahrnehmen
kann. Diese Instrumente sind der Nationale Sicherheitsrat (NSC), der Nationale
Sicherheitsberater
und die
Mitarbeiter des NSC. Mit deren Hilfe
üben die vom Präsidenten ausgehenden
kreativen Impulse Einfluß auf die Regierung aus. Das Gesetz zur nationalen Sicherheit und das Gewohnheitsrecht geben dem Präsidenten
einen
breiten Spielraum, um zu bestimmen,
wie diese Mittel eingesetzt werden
sollten.
Organisation der nationalen Sicherheit.
Wegen des im Gesetz zur
nationalen Sicherheit gewährten breiten Spielraums trägt der Präsident
eine besondere Verantwortung für die
wirkungsvolle
Leistung
des NSC-Systems.
Der Präsident muß zunächst
einmal für die Mitglieder des Nationalen
Sicherheitsrates, seinen Sicherheitsberater und das Personal des
NSC
Leitlinien
aufstellen.
Diese
Richtlinien müssen, wenn sie wirkungsvoll sein sollen, Einzelheiten
darüber enthalten, in welchem Zusammenhang sie stehen, welche Verfahrensweisen angewandt werden und was
der Präsident von ihnen erwartet.
Wenn seine Berater nicht das leisten,
was von ihnen verlangt wird, kann nur
der Präsident eingreifen.
Die ständigen Mitglieder im Nationalen
Sicherheitsrat
außer
dem
Präsidenten haben im Rat eine einzigartige Funktion.
(N.B.:
Laut Satzung sind die
ständigen Mitglieder des Nationalen
Sicherheitsrates der Präsident, der
Vizepräsident, der Außenminister und

�der Verteidigungsminister.
Mit dem
Terminus "ständige Mitglieder im Nationalen
Sicherheitsrat"
bezeichnet
der Rat in der Regel diese vier satzungsgemäßen
Mitglieder
sowie
den
Direktor des Geheimdienstes und den
Vorsitzenden der Vereinigten Stabschefs.)
Obwohl sie aufgrund ihrer offiziellen Stellung einen sitz in der
Regierung innehaben, sind sie im Rat
nicht
als
Regierungsmitglied
oder
Chef des Ministeriums vertreten, sondern als Berater des Präsidenten.
Sie sollen nicht einfach die jeweilige Haltung ihres Ministeriums oder
ihrer Behörde vorbringen oder verteidigen, sondern dem Präsidenten den
bestmöglichen Rat erteilen.
Es ist
ihre Aufgabe - und ihre Herausforderung - Angelegenheiten aus dieser
Perspektive heraus zu betrachten und
nicht nach der enger gesteckten Interessenlage ihrer jeweiligen Behörde.
Der Nationale Sicherheitsrat hat
lediglich Beraterfunktion.
Der Präsident allein trifft die Entscheidungen.
Wenn die ständigen Mitglieder
des NSC diese Entscheidungen erhalten, dann tun sie das als Chefs ihrer
jeweiligen Ministerien oder Behörden.
Sie sind dann verpflichtet, sich dafür einzusetzen, daß die Entscheidungen des Präsidenten von ihren Organisationen genau und wirksam ausgeführt
werden.
Das
ist ein
wichtiger
Punkt.
Neue Maßnahmen und Kreativität seitens des Präsidenten treffen naturgemäß auf Widerstände der ausführenden
Ministerien.
obwohl dieser Widerstand
für
jeden
Präsidenten
eine
Quelle der Frustration bedeutet, ist
er dennoch in der struktur der Regierung vorgesehen. Es ist Aufgabe der
auf politischem Wege eingesetzten Behördenchefs, sicherzustellen, daß die

Ziele, Pläne und politischer. Maßnahmen des Präsidenten auf diese dauerhaften
strukturen
Einfluß
haben.
Eine Umgehung der Ministerien, zum
Beispiel durch Nutzung des Sicherheitsberaters oder des NSC-Personals
beraubt den Präsidenten der Erfahrung
und Kapazitäten, die den Ministerien
eigen sind. Der Präsident muß weitgehend
mit ihnen
zusammenarbeiten,
aber die Chefs der Behörden müssen
sicherstellen, daß sie die Politik
des Präsidenten auf eine prompte und
wirkungsvolle Art und Weise ausführen. Es ist nicht nur die Verpflichtung des Sicherheitsberaters, sich
darum zu kümmern, daß Vorgehensweisen
im Bereich der der nationalen Sicherheit auch genutzt werden. Alle ständigen Mitglieder des NSC - wie auch
der Präsident - teilen diese Verpflichtung.
Diese Spannung zwischen dem Präsidenten und den ausführenden Behörden kommt in den Methoden, wie sie
eingangs in diesem Bericht behandelt
werden, zum Vorschein.
Durch genau
diesen Prozeß erhält unser Land sowohl die bestmögliche Kreativität des
Präsidenten wie auch die Erfahrung
und Sachkenntnis der an der nationalen Sicherheit beteiligten Ministerien und Behörden.
Der
Nationale
Sicherheitsberater.
Der Sicherheitsberater ist in
erster Linie dafür
verantwortlich,
sich bei diesem Prozeß um die Tagesgeschäfte zu kümmern.
Diese Arbeit
erfordert
Können, Sensibilität
und
Integrität.
Ihm kommt die Pflicht
zu, sicherzustellen, daß alle vom Rat
zur Beurteilung vorgelegten Angelegenheiten die gesamte Bandbreite der
zur Überprüfung anstehenden
Fragen
wiederspiegeln, daß all diese Fragen
umfassend analysiert werden, daß eine
Reihe möglicher Lösungen in Betracht
gezogen wird, die Aussichten und Ri-

- 15 -

�siken jeder einzelnen Möglichkeit näher geprüft werden, daß alle relevanten nachrichtendienstlichen und anderen Informationen den ständigen Mitgliedern zugänglich sind, daß rechtliche Fragen behandelt werden und
Schwierigkeiten der Realisierung angegangen werden.
in der Regel kann
all dies am besten durch eine Beteiligung aller Behörden an der Analyse
der Fragen erzielt werden wie auch
durch eine vorbereitende Bearbeitung
der Maßnahmen auf Abteilungsleiterebene.
Um dem Präsidenten gut zu dienen,
muß der Nationale Sicherheitsberater
seine eigenen Ansichten vortragen,
aber gleichzeitig dem Präsidenten die
Meinungen
anderer
vollständig
und
glaubwürdig vermitteln.
Das System
wird
nicht
wirkungsvoll
arbeiten,
wenn der Sicherheitsberater nicht das
Vertrauen
der
ständigen Mitglieder
des NSC genießt. Er darf daher nicht
seine Nähe zum Präsidenten nutzen, um
ein Verfahren nach seiner
eigenen
Haltung
zu manipulieren.
Er darf
sich nicht zwischen den Präsidenten
und die ständigen Mitglieder des NSC
stellen.
Er darf nicht versuchen,
die ständigen NSC-Mitglieder vom Entscheidungsprozeß auszuschließen. Die
Ausübung
dieser beiden Rollen ist
eine unerläßliche, wenn auch nicht
einfache Aufgabe.
Im Idealfall sollte der Sicherheitsberater nicht allzu sehr die öffentlichkeit suchen. Er sollte nicht
versuchen, mit dem Außenminister oder
dem Verteidigungsminister als Sprachrohr von Politik
zu konkurrieren.
Diese sollten vielmehr zusammen mit
dem Präsidenten die Sprecher für die
Politik der Regierung sein.
Obwohl
"Begeisterung
für
die Anonymität"
hier zu stark formuliert wäre, sollte
sich der Sicherheitsberater doch im
allgemeinen
fernab vom Rampenlicht

bewegen.
Die ständigen Mitglieder des NSC
müssen direkten Zugang zum Präsidenten haben und dies sooft, wie der
Präsident dies als angemessen empfindet.
Aber
diese
Einzelgespräche
sollten nicht von den ständigen Mitgliedern dazu benutzt werden, Entscheidungen
herbeiführen
zu wollen
oder auf anderem Wege das System in
Abwesenheit der anderen Mitglieder zu
umgehen.
Gleichermaßen
sollte der
Sicherheitsberater nicht seine regelmäßigen nachrichtendienstlichen oder
anderen täglichen Vorträge beim Präsidenten benutzen, um bei wichtigen
Fragen eine Entscheidung des Präsidenten herbeiführen zu wollen.
Schließlich sollte sich der Sicherheitsberater auf Beratung und Organisation
konzentrieren
und nicht
auf Anwendung und Durchführung. Anwendung ist die Pflicht und die Stärke der Ministerien und Behörden. Dem
Nationalen Sicherheitsberater und dem
Personal des NSC stehen dazu nicht in
entsprechendem Umfang Mittel für die
Durchführung von Operationen zur Verfügung. Darüber hinaus riskieren sie
mit der Übernahme von Verantwortung
für die Durchführung eine Kompromitierung
ihrer
Zielsetzungen.
Sie
können nicht mehr unparteiische Uberwacher einer Realisierung sein und
sicherstellen, daß die Leitlinien des
Präsidenten befolgt werden, politische Maßnahmen regelmäßig überarbeitet werden und daß die Ergebnisse der
Politik des Präsidenten und dem nationalen Interesse dienen.
Das Personal des Nationalen Sicherheitsrates.
Das
NSC-Personal
sollte gering an Zahl sein, in hohem
Maße kompetent und erfahren in der
Ausarbeitung von Politik. Die Mitarbeiter sollten sowohl von außerhalb
wie auch von innerhalb der Regierung

- 16 -

�stammen.
Diejenigen aus der Regierung solten aus verschiedenen Ministerien und Behörden kommen, die mit
Fragen der nationalen Sicherheit befaßt sind. Kein Ministerium und keine Behörde sollten dabei die Vormachtstellung
innehaben.
Zwischen
Mitarbeitern von innerhalb und außerhalb der Regierung sollte ein angemessenes
Gleichgewicht
beibehalten
werden. Generell sollten die Mitarbeiter nach dem Rotationsprinzip ausgewechselt werden und mehr als vier
Jahre Tätigkeit sollten die Ausnahme
sein.

Die wichtigste Empfehlung
Das von uns hier dargestellte Modell für das System des Nationalen
Sicherheitsrates stellt unsere vordringlichste und wichtigste Empfehlung dar. Es umfaßt Richtlinien, die
praktisch alle Schwächen im Verlauf
und bei der Durchführung der Affäre
Iran/Contras angehen, mit denen sich
der Rat auseinandersetzen mußte wie
auch andere beispielhafte Fälle dieser und früherer Regierungen.
Der Rat empfiehlt, daß das vorgeschlagene Modell von den Präsidenten bei ihrer Leitung des Systems der nationalen Sicherheit
angewandt wird.

Besondere Empfehlungen
Zusätzlich zu seiner wichtigsten
Empfehlung zur Leitung und Funktionsweise des NSC-Systems und der Rolle
der dabei Beteiligten, gibt der Rat
eine Reihe besonderer Empfehlungen.
Generell sollte sich das Personal
des NSC nicht an der Durchführung politischer Maßnahmen oder Operationen
beteiligen. Dadurch wird ihre Rolle

der Beaufsichtigung in Frage gestellt
und der Verantwortungsbereich von Ministerien
und
Behörden
verletzt.
Aber die mangelnde Flexibilität einer
gesetzlichen
Einschränkung
sollte
vermieden werden. Solche Termini wie
"Operation" und "Durchführung" sind
schwer zu definieren und ein gesetzliches Verbot mag einen zukünftigen
Präsidenten davon abhalten, das Personal des NSC konstruktiv einzusetzen.
Die Tendenz beim Umfang des Personals sollte eher ab- als zunehmend
verlaufen. Aber eine gesetzliche Beschränkung kann die Erfordernisse zukünftiger Präsidenten nicht vorhersehen.
Der Personalbestand wird am
besten der Entscheidung des Präsidenten überlassen, mit der Mahnung, daß
es die Rolle des NSC-Personals ist,
die Arbeit der Ministerien und Behörden zu überprüfen, und nicht, ihnen
diese abzunehmen.
Wir empfehlen, daß bei den Bestimmungen des Gesetzes zur Nationalen Sicherheit, die sich mit
der Struktur und den Verfahrensweisen des NSC-Systems befassen,
keine weitreichenden
Änderungen
vorgenommen werden.

Der
Sicherheitsberater
sollte
jetzt und in Zukunft nur einem Herrn
dienen - dem Präsidenten.
Darüber
hinaus ist jegliche Bestätigung nicht
konform der Rolle, die der Sicherheitsberater spielen soll. Er sollte
nicht entscheiden, sondern nur beraten. Er sollte nicht mit der Durchführung oder den Verfahrensweisen von
politischen
Maßnahmen befaßt sein.
Er sollte dem Präsidenten dienen, ohne seine Loyalität möglicherweise auf
andere Dinge zu richten.

- 17 -

Wir
fordern
den
Kongreß
auf,
nicht die Bestätigung des Natio-

�nalen
Sicherheitsberaters
den Senat zu verlangen.

durch

3. Verfahrensweisen zwischen den
Behörden.
Es ist der Nationale Sicherheitsberater, dessen größtes Interesse darin liegt, den Prozeß der
Nationalen Sicherheit in Gang zu setzen, denn durch diesen Prozeß erhält
der Präsident die Informationen, den
Hintergrund und die Analysen, die er
benötigt, um Entscheidungen zu treffen und Unterstützung für seine Programme zu gewinnen.
Unsere Überprüfung der Operation
des bestehenden Systems und desjenigen anderer
Regierungen, in denen
Ausschußvorsitzende aus den Ministerien kamen, hat uns zu der Schlußfolgerung gelangen lassen, daß das System in der Regel besser funktioniert, wenn die Ausschüsse von demjenigen geleitet werden, der das größte
Interesse am Funktionieren des NSCSystems hat.
Wir empfehlen, daß der Nationale
Sicherheitsberater den übergeordneten Ausschüssen des NSC-Systems
vorsitzt.
4. Vedeckte
Aktionen.
Formulierung und Durchführung politischer
Maßnahmen werden in der Regel von Expertengruppen
vorgenommen, die von
politischen Fachleuten geleitet werden. Die Erfordernisse verdeckter Aktionen unterscheiden sich nicht hiervon, aber es besteht die Notwendigkeit, die Anzahl der beteiligten Personen - manchmal drastisch - zu beschränken. Das Leben vieler Menschen
könnte auf dem Spiel stehen, wie es
im Fall des Versuchs einer Rettung
von Geiseln aus dem Iran der Fall
war. Vorzeitige Enthüllungen könnten
das Projekt in seinen Anfängen zunichte machen, wie es im Falle der
Aufnahme von Beziehungen
zu China

hätte geschehen können.
In solchen
Fällen besteht die Tendenz, die Zahl
der Beteiligten auf eine geringe Anzahl hochrangiger Beamter zu begrenzen. Diese Verfahrensweise birgt die
Gefahr in sich, daß die Sachkenntnis
bei der Behandlung von Problemen erheblich eingeschränkt wird und sollte
daher nur sehr vereinzelt angewandt
werden.
Die Besessenheit mit Geheimhaltung und Sorge um Indiskretionen drohen die Regierung bei ihrer Handhabung verdeckter Aktionen zu lähmen.
Leider ist die Sorge nicht unbegründet.
Die gezielte Indiskretion ist
zu einem wichtigen Mittel der bürokratischen
Kriegführung
geworden.
Gegner einer Operation machen sie mit
einer Indiskretion zunichte, Befürworter versuchen, Unterstützung mit
denselben Mitteln herbeizuführen.
Die meisten der jüngeren Regierungen besaßen sorgfältig ausgearbeitete Verfahrensweisen zur Behandlung
verdeckter Aktionen.
Die Reagan-Administration hat solche Verfahrensweisen im Januar 1985 festgelegt und
sie dann bei ihrer Behandlung der
Iran-Initiative bald außer acht gelassen.
Wir empfehlen, daß jede Administration exakte Verfahrensweisen
für die restriktive Behandlung
verdeckter
Aktionen
formuliert
und daß diese einmal formulierten
Verfahrensweisen strikt eingehalten werden.

5. Die Rolle des CIA.
Einige
Aspekte der Waffenverkäufe an den
Iran werfen bei den Mitgliedern des
Rates weitergehende Fragen über die
Rolle des CIA auf. Die erste bezieht
sich auf nachrichtendienstliche Informationen.

- 18 -

�Das Personal des Nationalen Sicherheitsrates war aktiv an der Überarbeitung des Besonderen Berichts des
Nationalen
Nachrichtendienstes
über
Iran beteiligt. Es ist ein Anlaß zur
Besorgnis, wenn diese Beteiligung und
die Meinungen der Mitarbeiter des NSC
in die nachrichtendienstlichen Beurteilungen der überarbeiteten Fassung
eingeflossen wären. Wir sind weiterhin besorgt darüber, daß die überarbeitete Fassung den Hinweis enthielt,
daß die Vereinigten Staaten ihre bestehende Politik ändern und ihre Verbündeten dazu ermutigen sollte, Waffen an den Iran zu liefern. Es ist
wichtig, daß
eine
Linie
zwischen
Nachrichtendienst
und
Befürwortung
einer
bestimmten
Politik
gezogen
bleibt, wenn der
Nachrichtendienst
seine Integrität behalten und seine
angemessene Funktion erfüllen soll.
In diesem Fall ist der CIA dieser Linie nah genug gekommen, um Besorgnis
zu rechtfertigen.
Wir betonen sowohl für die Mitarbeiter des Geheimdienstes wie
auch für Politiker die Bedeutung,
die
bei
nachrichtendienstlichen
Verfahrensweisen der Aufrechterhaltung von Integrität und Objektivität zukommt.

Der Rat empfieht, daß die Stelle
des Rechtsberaters des NSC an
Format wie auch an Bedeutung innerhalb des Mitarbeiterstabs des
NSC gewinnt.

Wir empfehlen, daß der Kongreß in
Betracht zieht, die bestehenden
nachrichtendienstlichen Ausschüsse der jeweiligen Kammer durch
einen neuen gemeinsamen Ausschuß
zu ersetzen,
in dem
ein beschränkter Stab die Mitarbeiter

des
Nachrichtendienstes
überwacht.
Dieser Ausschuß
sollte
dem Muster des Gemeinsamen Atomenergie-Ausschusses
entsprechen,
wie er bis Mitte der siebziger
Jahre bestand.
Wir sprechen uns gegen eine von
Vermittlern
dominierte
Durchführung
und Aufsicht politischer
Maßnahmen
aus.
Wir empfehlen, Privatpersonen
in beschränktem Maße zuzulassen, wenn
es darum geht, die Vereinigten Staaten bei diplomatischen
Initiativen
oder vedeckten Aktionen zu unterstützen.
Wir warnen vor der Verwendung
solcher Personen, außer in sehr beschränktem Umfang und unter genauer
Beobachtung und Aufsicht.

Epilog
Wenn nur einer der hier von uns
untersuchten
wichtigen
politischen
Fehler vermieden worden wäre, trüge
die Geschichte unserer Nation eine
Narbe weniger, gäbe es eine Verlegenheit weniger, eine Möglichkeit weniger für unsere Gegner, die Prinzipien
zu verkehren, die dieses Land in der
Welt erhalten und vorantreiben will.
Zusammengenommen bieten sich diese Empfehlungen für all jene an, die
sich in ähnlichen Situationen befinden wie den von uns untersuchten; unter Druck, vor hohen Ansprüchen, mit
wenig Zeit, unvollständigen Informationen und von vorzeitigen Enthüllungen geplagt.
In einem solchen Zustand könnten bescheidenene Verbesserungen überraschende Gewinne hervorbringen. Darin liegt unsere Hoffnung.

- 19 -

* * * * *

�AMERIKA DIENST
Wissenschaft und Technik
4. März 1978

JA ZUM LEBEN - NEIN ZU DROGEN
UN-Suchtstoffkommission:

WASHINGTON - (AD) - Trotz erheblicher Meinungsverschiedenheiten unter einigen Delegierten der 40 regulären Mitgliedstaaten gelang es der
UN-Suchtstoffkommission
(UNCND)
am
Ende ihrer achttägigen Februar-Konferenz in Wien, sich auf eine wichtige
Resolution zu einigen.
Diese bestimmt die Einsetzung eines Expertengremiums, das die Details einer Konvention über enge und weltweite Zusammenarbeit im Kampf gegen den Drogenhandel ausarbeiten soll.
Gegenwärtig existieren auf diesem Gebiet
fast nur bilaterale Übereinkünfte.

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Alle Länder sind bedroht -

So war es auch von Bedeutung, daß
weitere 40 Länder und Organisationen
Beobachter nach Wien entsandt hatten.
Die amerikanische Chefdelegierte
Ann Wrobleski beschwor die Tagungsteilnehmer, alles zu tun, damit die
neue Konvention 1988 in Kraft gesetzt
werden
und
den
Kampf
gegen
den
Rauschgifthandel
wirksamer
machen
könne.
"Wir müssen gegen ein weltweites
Verbrechernetz
zum
Angriff
übergehen und es besiegen", forderte
sie, "gegen Verbrecher, die rund um
die Erde die Gesundheit von Menschen

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D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�und in einigen Fällen sogar die bare
Existenz
von
Gesellschaften
aufs
schlimmste gefährden".
Die nächste UNCND-Konferenz vom
17. - 26. Juni 1987 in Wien wird unter dem Motto stehen: "Ja zum Leben
- Nein zu Drogen".
Damit ist auch
schon ihr erweiterter Arbeitsbereich
angedeutet.
Tamar oppenheimer, die
Direktorin des Konferenzsekretariats,
bezeichnet als Hauptziel der Tagung,
das Drogenproblem
in allen seinen
Formen auf nationaler, regionaler und
internationaler
Ebene
anzugehen.
Deshalb
solle
die
Konferenz
auch
erstmals auf Ministerebene abgehalten
werden.
Künftige Aktivitäten
wolle man
umfassend und unter Einbeziehung aller einschlägigen Fachgebiete behandeln.
Dazu zählten auch Aufklärung,
vor allem der Jugend, sowie Therapie
und
Rehabilitation
Drogensüchtiger.
Eine Verlagerung
der
gegenwärtigen
Schwerpunkte sei notwendig. Bekämpfung des illegalen Handels und der
illegalen Produktion reiche nicht aus
- jetzt gehe es auch um die Suchtgefährdeten und um die Suchtprobleme.
Nachfrage und Konsum müßten energisch
attackiert werden.
Deshalb sei es
wichtig, daß parallel zur Ministerkonferenz auch nichtstaatliche Organisationen (NGO) der Vereinten Nationen in Wien tagen werden, die sich
jeweils mit ganz speziellen Fragenkomplexen befassen.
Die Verhandlungsführung bei der
UN-Suchtstoffkommission
erfordert
viel diplomatisches Geschick. Leicht
sehen manche Delegierte in dem einen
oder anderen Vorschlag, z.B. zur Aufnahme bestimmter Stoffe in die Verbotsliste, eine Verletzung von Traditionen ihres Kulturkreises. Auch mit
der Definition suchterzeugender Substanzen gibt es noch Schwierigkeiten.
- 2

So betrachten z.B. einige Länder Marihuana und Haschisch, die beide aus
der Cannabis-Pflanze stammen, nicht
als schädlich und dulden sie stillschweigend,
über eine allgemeingültige
internationale
Definition
von
Marihuana
haben
sich
die Wissenschaftler noch nicht einigen können.
Ein ganz anders geartetes und
gleichzeitig noch schwierigeres Problem schaffen die Mixturen der sog.
Designer Drugs.
Diese sind nicht
minder wirksam und gefährlich wie die
mit ihnen eng verwandten Rauschgifte.
Aber weil sie nicht die gleiche chemische
Zusammensetzung
haben, sind
der Polizei und den Gerichten die
Hände gebunden. Gelingt es dennoch,
sie auf die Verbotsliste zu bringen,
ist es den Herstellern ein Leichtes,
die Rezeptur geringfügig zu ändern
und so das Produkt erneut dem Zugriff
der Justiz zu entziehen.
Als eine zweischneidige und politisch heikle Sache erweist sich die
Resolution der UNCND, die die Unterstützung von Ländern der Dritten Welt
mit mehr Geld
zur Bekämpfung der
mächtigen Drogenbosse durch die "Konsumentenländer"
fordert.
Aber
die
Nachricht von der Festnahme des berüchtigten Drogenkönigs Carlos Leder
Rivas in Kolumbien und seiner Auslieferung an die USA stärkte zweifellos
die Entschlossenheit der CND-Delegierten, den Kampf gegen die Rauschgiftkartelle zu koordinieren.

Die Opfer
Rivas und seine Kumpane dürften
für 80 Prozent der Kokainmengen verantwortlich sein, die in der ganzen
Welt konsumiert werden.
Bis zu 15
Tonnen werden Monat für Monat nach
Nordamerika
und
Westeuropa
eingeschleust.
Die Zahl der Verbraucher

�in den Vereinigten Staaten wird auf
mindestens sechs Millionen geschätzt;
in Europa steigt sie sprunghaft an.
Wrobleski zufolge kamen die 1986
in den USA konsumierten Rauschgifte ein
10 0-Milliarden-Dollar-Geschäft
für die Händler - zu 90 Prozent aus
dem Ausland. Es handelte sich um etwa 12 Tonnen Heroin, 65 Tonnen Marihuana, 150 Tonnen Kokain, von suchterzeugenden Aufputschmitteln und Psychopharmaka einmal abgesehen. Kokain
stamme zu 100 Prozent aus den Andenstaaten, Opium (100 Prozent) hauptsächlich
aus
Südost- und
Südwestasien, und zwar aus dem "Goldenen
Dreieck" mit den Ländern Laos, Burma
und Thailand sowie den Ländern des
"Goldenen Halbmonds" mit Afghanistan,
Iran und Pakistan, der Rest aus Mexiko. Das besonders minderwertige mexikanische Heroin habe verheerende
Wirkungen.
Obgleich der Marihuanakonsum unter Schülern merklich zurückgegangen
ist, dürften laut Ann Wrobleski in
den USA ca. 20 Millionen Menschen
diese Rauschdroge regelmäßig nehmen.
Sie als harmlos zu betrachten habe
sich als ganz großer Irrtum erwiesen.
Mit der Zeit führten Marihuana und
Haschisch immer häufiger zu Kreislaufstörungen und anderen physischen,
vor allem aber zu psychischen Schäden, die kaum mehr rückgängig zu machen seien.
Begabungen verkümmern,
weil die Motivation verloren gehe,
etwas zu tun, zu lernen und im Leben
voranzukommen.
Die Betroffenen werden zu Außenseitern der Gesellschaft,
Familien und Freundschaften zerbrechen, Verzweiflung führt zu Selbstmordversuchen und Selbstmord.
Die Zahl der Heroinsüchtigen in
den USA werde, so berichtet Wrobleski, auf 500 000 geschätzt. Die Zahl
der Todesfälle, die Ende der siebzi-

ger Jahre und noch einmal 1982 und 83
rückläufig war, steigt, wie die Unterlagen des Nationalen Instituts zur
Bekämpfung von Drogenmißbrauch (NIDA)
ausweisen, wieder an (1985: 1 263 Tote) . Eine weitere schreckliche Begleiterscheinung der Sucht sei die
Tatsache, daß Heroinabhängige
eine
ziemlich große Gruppe unter Virusträgern der Immunschwächekrankheit AIDS
stellen.
So seien
z.B. von den
30 000 in New York erfaßten AIDS-Virusträgern etwa 25 Prozent heroinsüchtig. Durch die gemeinsame Benutzung von Spritzen werde die Infektion
auch heterosexuell weiterverbreitet ein alarmierendes Problem für die Gesundheitsämter
und das öffentliche
Gesundheitswesen in allen Ländern.
Allmählich rundet sich auch das
Bild
ab von
den
gesundheitlichen
Schäden und Gefahren durch den Konsum
von Kokain in den verschiedenen heute
verfügbaren Formen der Droge.
Die
Todesfälle
steigen
laut NIDA-Statistik rapide an (1975: 42, 1980: 96,
1985: 613). Herzattacken und Herzinfarkt, noch dazu in Verbindung mit
Rauchen
oder anderen Aufputschmitteln, werden bei jungen Menschen immer häufiger beobachtet. Herzrhythmusstörungen, plötzlicher Blutdruckanstieg, Embolien im Gehirn und Lungenfunktionsstörungen sind schon seit
längerem bekannt.
Auf einer von der "Amerikanischen
Gesellschaft
für Pharmakologie und
exper imenteile
Therapiever fahren"
Mitte Januar 1987 in Washington veranstalteten
Konferenz
diskutierten
mehr als 30 Spezialisten - Mediziner,
Biochemiker, Psychiater - zwei Tage
lang wichtige Ergebnisse ihrer Erfahrungen mit kokainsüchtigen Patienten.
Demnach sehe man parallel zu dem
wachsenden Konsum und zu neuen Wegen
zur Aufnahme
der
Droge
(Rauchen,
Schnupfen,
Injektionen)
seit
1981

- 3 -

�e i n e Verdreifachung von medizinischen
Problemen, d i e in einem B e r i c h t zusammengefaßt
wurden.
Dr.
Charles
S c h u s t e r , der Direktor von NIDA, b e r i c h t e t e auf der abschließenden P r e s sekonferenz u . a . von einem a u f f ä l l i gen Ansteigen der Notaufnahmen
in
Krankenhaus-Intensivstationen
im Zusammenhang mit Kokain, mehr Aufnahmen
von Süchtigen in Behandlungszentren,
s t a r k erhöhter z a h l der T o d e s f ä l l e
durch Kokain.

Dr. H e r b e r t Kleber, P r o f . für P s y c h i a t r i e an der Y a l e - U n i v e r s i t ä t ,
berichtete.
Zu
diesen
Medikamenten
zähle z . B . Desipramin, s e i t zehn J a h ren auf dem Markt.
Bei Doppelblinds t u d i e n habe man b e o b a c h t e t , daß d i e
Medikation nach zwei b i s d r e i Wochen
zu einem " r e l a t i v großen Abbau" des
Kokainkonsums f ü h r t e .
Nach der achten Woche s e i e n 70 Prozent der Desip r a m i n - P a t i e n t e n von Kokain f r e i g e wesen (gegenüber 0 b i s 45 Prozent der
P a t i e n t e n der Placebo-Gruppe).
Beide
Gruppen e r h i e l t e n z u s ä t z l i c h e Beratungen.
Kleber warnte jedoch vor
falschen Hoffnungen, denn d i e Ergebnisse
der
noch b i s Ende Februar
durchgeführten Studie s e i e n e r s t v o r läufiger Natur.

Auch habe s i c h der Konsumentenkreis erheblich geändert.
"Personen,
d i e wir früher n i e mit R a u s c h m i t t e l konsum in Zusammenhang g e b r a c h t h ä t t e n , scheinen p l ö t z l i c h zur Szene zu
gehören", s a g t e S c h u s t e r .
Es seien
F a m i l i e n v ä t e r , Ä r z t e , Bank- und Börs e n l e u t e - Personen a l s o , durch deren
drogenbedingte
Fehlhandlungen
sich
schwerwiegende g e s e l l s c h a f t l i c h e Konsequenzen ergeben können.

Generalangriff auf den i l l e g a l e n
Handel
Die Länder der Welt müssen s i c h
auf gemeinsame Linien zur s y s t e m a t i schen Bekämpfung des i l l e g a l e n Drogenhandels e i n i g e n , der a l l e s t u t , um
der krankmachenden und t ö d l i c h e n Ware
immer neue Märkte zu
erschließen.
Das z e i g t s i c h neuerdings in A f r i k a :
In M a u r i t i u s und Nigeria war Heroin
unbekannt. J e t z t benutzen die i n t e r n a t i o n a l e n Händlerringe d i e s e Länder
für den T r a n s i t aus Asien nach Westeuropa und Nordamerika - schon g i b t
e s , wie der j ü n g s t e UNCND-Jahresber i c h t b e s a g t , auch d o r t H e r o i n s ü c h t i ge.
Anderen Durchgangsländern
wie
E l f e n b e i n k ü s t e und Ghana drohe das
gleiche Schicksal.
Auch Kokain b e ginne s i c h e n t l a n g der Schmuggelrouten durch Afrika a u s z u b r e i t e n .
Ähnl i c h e Entwicklungen s e i e n in I n d i e n ,
P a k i s t a n und Osteuropa zubeobachten.

Was noch vor wenigen Jahren abgestritten
wurde,
zeige
sich
immer
deutlicher:
Die Droge b e s i t z t
ein
ungewöhnlich
hohes
Suchtpotential,
weil s i e d i r e k t auf w i c h t i g e H i r n zentren wirke.
Häufiger Konsum und
hohe Dosen könnten zu
zahlreichen
Problemen, u . a . zu Depressionen und
"Kokain-Psychosen" führen.
Weshalb e p i l e p t i s c h e Anfälle und
Herzschäden durch Kokain v e r u r s a c h t
würden,
sei
erst
ungenügend
erforscht;
häufig seien davon j u n g e ,
zuvor
gesunde
Menschen
betroffen.
Kokain während der
Schwangerschaft
schädige den F ö t u s . Frühgeburten mit
den
verschiedensten
Komplikationen
für das Kind - f a l l s es überhaupt l e bensfähig i s t - seien häufig die F o l ge.

Der
Transport
heißer
Drogenschmuggelware auf Schiffen s e i 1986
eskaliert.
Dies a l l e s e r f o r d e r e , so
d i e UN-Suchtstoffkommission, dringend

Bei der Entzugsbehandlung Kokainsüchtiger zeigten einige Antidepress i v a v e r h e i ß u n g s v o l l e E r g e b n i s s e , wie
-

4

�eine "sehr enge Zusammenarbeit aller
Länder".
Nur dann sei eine Lösung
für das Problem Rauschgift denkbar,
wenn sich der Rauschgifthandel nicht
mehr lohne.
Wrobleski forderte als
erste wichtige Maßnahmen:
- gemeinsame Gesetze, um die "Geldwäsche" als Verbrechen zu behandeln;
- mehr Zusammenarbeit von Vollzugsbehörden über Ländergrenzen;
- Verbotsbestimmungen für wichtige
Chemikalien zur Drogenherstellung;
- strengeren Vollzug bei Schmuggel
im internationalen Luftraum und
in internationalen Gewässern;
- wirksame
internationale
Rechtshilfe bei Rauschgiftkriminalität;
- Aufdeckung und Kontrolle der Produktion des Rohmaterials für die
Herstellung bestimmter Suchtstoffe; und
- Ausweitung der Auslieferungsverfahren auf alle Drogenhändler.

* * * * * *
- 5

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Reagan: Austausch von Waffen gegen Geiseln war ein Fehler&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Fernsehansprache Präsident Reagans -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Hindernis für Fortschritte bei INF beseitigt&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärung Präsident Reagans -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Freie Kommunikation "mächtige Kraft" für die Demokratie&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Reagan-Botschaft zum Jubiläum der "Stimme Amerikas" -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Glückwünsche zum 45. Jahrestag der "Stimme Amerikas"&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Die Ansprachen von Präsident Reagan, USIA-Direktor Charles Wick und VOA-Direktor Richard Carlson -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Erkenntnisse und Empfehlungen der Tower-Kommission&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Auszüge aus dem Kommissionsbericht -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ja zum Leben - Nein zu Drogen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- UN-Suchtstoffkommission: Alle Länder sind bedroht -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST
'VoN ^

2 5 . F e b r u a r 1987

I N H A L T

DOKUMENTATION
"Beunruhigende" Menschenrechtssituation in Südafrika
- Schifter zum neuen Menschenrechtsbericht der amerikanischen
Reqierung -

HINTERGRUNDMATERIAL
Strategie zur Nationalen Sicherheit der Vereinigten Staaten
- Bericht der Reagan-Administration an den Kongreß Teil V und VI
Das Gesetz über Handel, Beschäftigung und Produktivität von 1987
- Übersicht zur Gesetzesvorlage vom 19. Februar 1987, herausgegeben
vom Weißen Haus -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Donald Ian Macdonald - neuer Sonderberater in Drogenfragen
- Präsident Reagan beruft Experten aus dem Gesundheitsministerium
ins Weiße Haus -

* * * * * *

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�AMERIKA DIENST
Dokumentation

'VON**

8

25. Februar 1987
"BEUNRUHIGENDE" MENSCHENRECHTSSITUATION IN SÜDAFRIKA
- Schifter zum neuen Menschenrechtsbericht der amerikanischen Regierung -

WASHINGTON - (AD) - Im Rahmen eines Pressegesprächs am 19. Februar 1987
hat der Abteilungsleiter für Menschenrechtsfragen und humanitäre Angelegenheiten im amerikanischen Außenministerium, Richard Schifter, die "sich zuspitzende Verschlechterung der Menschenrechtsbedingungen in Südafrika" als die "beunruhigendste Entwicklung" im Bereich der Menschenrechte im Jahr 1986 bezeichnet. Dieser Bericht, der am 19. Februar 1987 veröffentlicht wurde, behandelt
die Lage der Menschenrechte in 167 Staaten.
In seiner Eingangserklärung betonte Schifter, daß die frühzeitige Entlassung einiger politischer Gefangener in der Sowjetunion aus "rein humanitären
Gründen" begrüßenswert sei. Jedoch seien dieser und andere Schritte innerhalb
der neuen Politik der Offenheit "bei weitem noch nicht die Freiheit".
Schifters Eingangserklärung hat folgenden Wortlaut:

Als ich aus Anlaß der Veröffentlichung des Berichts zur Situation
der Menschenrechte 1985 das letzte
Mal hier erschienen bin, konzentrierten sich viele der gestellten Fragen
auf die Philippinen. Dort hatten gerade die Wahlen stattgefunden, die
Stimmen wurden ausgezählt, und Präsident Marcos war noch an der Macht.
Ich war damals der Meinung, daß wir
unser Vertrauen in das philippinische
Volk setzen sollten. Die Ereignisse
des vergangenen Jahres haben gezeigt,
daß das Volk der Philippinen sich

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durchgesetzt hat.
Vor
ihm liegen
noch eine Menge Probleme, aber die
Demokratie und die Achtung der Menschenrechte haben in den Philippinen
neue und starke Wurzeln geschlagen.
Auch der Diktatur in Haiti wurde
im Jahr 1986 ein Ende bereitet. Zwar
hat sich dort noch keine demokratisch
gewählte
Regierung etabliert, aber
der Nationale Regierungsrat hat die
Meinungs- und Assoziationsfreiheit in
Haiti
effektiv
gewährleistet.
Es
werden dort Schritte unternommen, um
demokratische Institutionen in einem

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�Land aufzubauen, das noch nie solche
gekannt hat. Dem gegenwärtigen Zeitplan zufolge erwarten wir, daß bis
Februar 1988 eine gewählte Regierung
gebildet wird.
Dies heißt aber nicht, daß die
Probleme
der künftigen Regierungsstruktur
Haitis
einzige
Probleme
sind.
Das schwierigste Problem besteht in der Armut und der schwachen
Wirtschaft, die in diesem Lande herrschen. Es bleibt noch viel zu tun,
um die Demokratie in Haiti auf eine
solide Grundlage zu stellen.
Ein weiteres Land, in dem im Jahr
1986 bedeutende Fortschritte bei den
Menschenrechten erzielt wurden, ist
Guatemala.
In ordnungsgemäßem Übergang von einem Militärregime zur ersten demokratisch gewählten Zivilregierung seit 20 Jahren traten nach
den Wahlen des Jahres 1985 Präsident
Cerezo, ein nationales Parlament und
330 Bürgermeister am 14. Januar 1986
ihre Ämter an. Obwohl auch Guatemala
aufgrund von wirtschaftlichen Schwierigkeiten, willkürlichen Gewaltakten
und Nachwirkungen von Menschenrechtsverletzungen mit Problemen zu kämpfen
hat, verdient die neue Demokratie Respekt und Anerkennung.
Andernorts in der westlichen Hemisphäre sind wir weiterhin besorgt
über
die Menschenrechtsprobleme
in
Chile, Cuba, Nicaragua, Paraguay und
Surinam.
Die
beunruhigendste
Entwicklung
im Bereich der Menschenrechte im Jahr
1986 bestand natürlich in der scharfen Verschlechterung
der Menschenrechtsbedingungen in Südafrika in der
zweiten Jahreshälfte.
Zum seit langem bestehenden Problem der Apartheid
kam der am 12. Juni 1986 verhängte
Ausnahmezustand
hinzu, der
seitdem
noch ständig verschärft worden ist.
- 2

Schätzungen zufolge wurden unter dem
Ausnahmezustand 20 000 Personen festgenommen, von denen 10 000 am Jahresende immer noch in Haft waren. Eine
große Zahl der Verhafteten sind unter
18, einige davon sogar unter 15 Jahre
alt.
Wir sind weiterhin tief besorgt
darüber, daß Südafrika der Mehrheit
seiner Staatsbürger die grundlegenden
Menschenrechte verweigert. Wir sehen
weiterhin den Dialog zwischen allen
Südafrikanern als einzigen Weg an, um
einen positiven Wandel herbeizuführen.
Die Erfahrung des vergangenen
Jahres hat, wie wir glauben, gezeigt,
daß Gewalt zu Gegengewalt und Unterdrückung führt, welche wiederum noch
mehr Gewalt und Unterdrückung hervorrufen - all dies zu einem erschrekkenden Preis an Menschenleben.
Wir
sind von der tiefen Hoffnung erfüllt,
daß sich die Südafrikaner von dem
selbstzerstörerischen Kurs abwenden,
auf dem sie sich zu befinden scheinen, um sich wieder der Suche nach
einer friedlichen Lösung zu widmen.
In Europa haben wir mit Befriedigung die Freilassung der politischen
Gefangenen in Polen zur Kenntnis genommen. Wir werden Ihnen später noch
ausführlich zu diesem Problem Bericht
erstatten.
Obwohl unser umfassender Bericht
sich auf das Jahr 1986 erstreckt,
können wir jedoch heute nicht die
Entwicklungen bei den Menschenrechten
außer acht lassen, die sich seit Beginn dieses Jahres ergeben haben.
Lassen Sie mich deshalb kurz zu den
jüngsten Ereignissen in der Volksrepublik China und in der Sowjetunion
Stellung nehmen.
Die Regierung der Volksrepublik
China hat vor einigen Jahren gewisse
grundsätzliche Entscheidungen getrof-

�fen, um die Effizienz und Produktivität ihrer Volkswirtschaft zu steigern.
Sie faßte den richtigen Entschluß, daß ein weniger zentralisiertes und offeneres System, ein System,
das auf Anreizen basiert, zur Erhöhung der Produktion notwendig ist.
Politische Offenheit wurde mit dieser
neuen
wirtschaftlichen
Offenheit
nicht verbunden. Diese hat sich jedoch schrittweise als unvermeidliche
Konsequenz aus der Lockerung der Kontrollen entwickelt.
Sie hat verständlicherweise auch einer Reihe von
insbesondere jungen Leute Appetit gemacht, die neuen Geschmack an der
Freiheit des Ausdrucks gefunden haben. Dies drückte sich ganz klar in
den
jüngsten
Demonstrationen
aus.
Wir bedauern die Schritte, die dagegen unternommen wurden.
Dies sind
Rückschritte und wir hoffen ernstlich, daß mit der Zeit der Trend zu
mehr Offenheit und größerer Freiheit
wieder sichtbar werden wird.
Wir hegen die gleiche Hoffnung in
bezug auf die Sowjetunion. Wir glauben nicht, daß die Geschichte irgendein Volk zu ewig autoritärer Herrschaft verdammt hat. Die natürliche
Sehnsucht des Menschen nach Freiheit
muß sich unvermeidlich durchsetzen,
wie auch immer die Weltanschauung der
Regierung oder kulturelle Hemmnisse
beschaffen sein mögen. Hierzu möchte
ich auch betonen, daß es enorm wichtig ist, die jüngsten Initiativen von
Generalsekretär
Gorbatschow
richtig
einzuschätzen. Wir sollten das, was
geschehen
ist,
weder
unter- noch
überschätzen.
Die Haftentlassung von Personen
vor Ablauf der regulären Haftzeit muß
aus rein humanitären Gründen begrüßt
werden.
Sie beendet die Leiden der
unmittelbar Betroffenen, ihrer Familien und Freunde.
Die Politik des
Glasnost hat ebenso das Spektrum kul-

turellen Ausdrucks etwas
erweitert
und eine etwas größere Bandbreite der
Informationen über Ereignisse innerhalb der Sowjetunion geschaffen sowie
für einen Großteil normaler Sowjetbürger etwas mehr Spielraum zugelassen. Aber dies ist bei weitem noch
nicht die Freiheit.
Wir stellen überdies fest, daß
die entlassenen Gefangenen dazu gezwungen wurden, Schuldeingeständnisse
und Versprechen
zu unterschreiben,
daß sie sich nicht an regierungsfeindlichen
Handlungen
beteiligen
würden. Viele politische und religiöse Gefangene bleiben weiter in Haft.
Da die Sowjetunion noch kein Programm wirtschaftlicher Reformen ähnlich der gegenwärtig in China stattfindenden, eingeleitet hat, können
wir im Fall der Sowjetunion auch noch
nicht von politischen Veränderungen
sprechen, die unvermeidlich ein Nachlassen der poltischen Kontrolle begleiten werden.
Es wird sicherlich
über einen neuen Ansatz in bezug auf
wirtschaftliche Unternehmungen, über
eine neue Prüfung des ungarischen Modells diskutiert. Aber bis heute ist
dies nur Gerede.
Es gab Erwartungen - und bisweilen fielen vage Hinweise darauf -,
daß eine Verbesserung bei den Auswandererzahlen in Aussicht sei. In den
vergangenen 15 Monaten sind die Auswandererzahlen jedoch Monat für Monat
auf außergewöhnlich niedrigem Niveau
stehen geblieben und
überschritten
kaum einmal die Zahl von 100. Die
Zahl für Januar 1987 betrug zum Beispiel 98. Wir müssen anmerken, daß
ein neues, im Jahr 1986 verkündetes
sowjetisches Gesetz in Verletzung der
Schlußakte von Helsinki den Kreis von
Personen, die für die Auswanderung in
Betracht kommen, auf solche mit Ehegatten, Kindern, Elternteilen
oder

- 3 -

�Geschwistern im Ausland beschränkt.
Aber selbst innerhalb dieser kleinen
Gruppe wurde bis jetzt nur wenigen die Ausreise erlaubt.

* * * * * *

- 4-

�AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

25. Februar 1987

STRATEGIE ZUR NATIONALEN SICHERHEIT DER VEREINIGTEN STAATEN
- Bericht der Reagan-Administration an den Kongreß Teil V und VI

V.

Die Durchführung der Strategie

Dieser Teil des Berichts behandelt die amerikanischen Fähigkeiten
zur Durchführung der Strategie zur
Nationalen Sicherheit, wie sie in den
vorhergehenden Kapiteln erörtert worden ist, und zwar mit besonderer Betonung der Bereiche, in denen ein
Mangel an Ressourcen die effektive
Erreichung wichtiger Ziele der nationalen Sicherheit behindert.

Außenpolitische Fähigkeiten

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Die Vereinigten Staaten benötigen
Programme für Auslandshilfe und andere außenpolitische Operationen, um
ihre nationale Sicherheit zu schützen, ihre Interessen zu fördern und
ihre Werte und Prinzipien in der ganzen Welt zu verbreiten.
Unser Programm für Operationen im Ausland beinhaltet Wirtschafts- und Militärhilfe,
Nahrungsmittelhilfe,
Entwicklungshilfe,
internationale
Ausbildungs- und
Kommunikationsprogramme,
Operationen des Außenministeriums in
Übersee sowie viele weitere wichtige

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Funktionen.
Durch diese Programme wird unsere
Außenpolitik in positive, sichtbare
Handlungen umgesetzt, mit denen Menschen geholfen wird, die sich ernsthaft in wirtschaftlicher Not befinden
und die wirtschaftliche und politische Entwicklung gefördert wird, die
für die Unterstützung freier und demokratischer
Gesellschaften
so bedeutsam ist.
Die Programme stellen
auch denjenigen Regierungen Hilfe zur
Verfügung, die versuchen, sich gegen
innere und äußere Bedrohungen zur
Wehr zu setzen.
Indem wir unsere
Freunde bei der Stärkung ihrer Sicherheit unterstützen, können wir dabei helfen, die notwendigen Voraussetzungen für wirtschaftliche und politische Entwicklung zu schaffen.
Was ebenso wichtig ist: unsere
Programme künden den Menschen von
amerikanischen
Idealen und Werten.
Indem wir mehr Verständnis für das
aufbauen, wofür die Vereinigten Staaten stehen, können wir ein Wachstum
in die richtige Richtung beeinflussen.
Das übergeordnete Ziel unserer
Bemühungen besteht in der Schaffung
einer stabileren Welt, in der humane
gesellschaftliche und politische Ordnungen gedeihen und die ein ausgewogenes
Wirtschaftswachstum
stützen
können. Kurzum, unsere Programme für
Operationen im Ausland sind dazu bestimmt, die Arten von positivem Wandel zu unterstützen, die langfristig
unsere nationalen Interessen schützen
werden.
Eine stabile Welt, deren
Staaten die wirtschaftlichen Bedürfnisse ihrer Bürger erfüllen können
und die Rechte des Einzelnen respektieren, ist eine Welt, die für die
Vereinigten Staaten und ihre Freunde
sicherer ist.
Wir geben nur zwei Prozent unseres Bundeshaushalts jährlich für die
- 2

verschiedenen
Auslandshilfeprogramme
aus.
Zweifellos sind diese Gelder
gut angelegt. Das Gute, das wir tun,
die Probleme, zu deren Lösung wir
beitragen und die Drohungen, denen
wir mit unseren Hilfsprogrammen entgegentreten, wiegen die Kosten bei
weitem auf. Sie bilden eine Investition mit großer Hebelwirkung. Trotzdem erhalten unsere Auslandshilfeprogramme vom Kongreß nicht die Unterstützung, die sie verdienen. In den
letzten Jahren sind die Anforderungen
der Administration für das Auslandshilfebudget vom Kongreß drastisch beschnitten worden.
Obwohl die durch
die Reduzierung des Haushaltsdefizits
verursachten Lasten auf alle Programme verteilt werden müssen, sind die
Kürzungen bei der Auslandshilfe im
Vergleich zu anderen Programmen oft
überproportional hoch gewesen.
Hier wird am falschen Ende gespart. Wir können die Auslandshilfe
nicht als ein Programm von "Almosen"
abtun, mit dem Geld vergeudet wird,
das besser für Amerikaner ausgegeben
würde. Erstens entspricht eine solche Charakterisierung nicht den Tatsachen. Ein Großteil der Gelder, die
wir für Auslandshilfeprogramme ausgeben, wird für den Kauf von Gütern und
Dienstleistungen verwendet, die hier
in den Vereinigten Staaten produziert
werden.
Unsere
Nahrungsmittelhilfe
ist eines der besten Beispiele dafür,
aber auch andere Programme, wie etwa
Verkäufe von Rüstungsgütern ins Ausland, erhöhen unmittelbar die amerikanischen Exporte.
Weiterhin tragen unsere Hilfsprogramme dazu bei, Probleme zu lösen,
Härtefälle
abzubauen
und Konflikte
abzumildern, die sich zu Krisen ausweiten und amerikanischen Interessen
Schaden
zufügen könnten, wenn sie
vernachlässigt werden. Wenn wir keine aktive Rolle bei der Ermutigung

�grundlegende
durchgeführt
und Senegal.

einer Weltordnung spielen können, wie
wir sie uns wünschen, dann könnten
wir in die Lage versetzt werden, daß
wir unsere Interessen mit direkteren,
teueren
und
schmerzhaften
Mitteln
verteidigen müssen.

- Alle anderen Länderprogramme zusammen
machten
lediglich
drei
Prozent unserer Gesamtanforderung
für Auslandshilfe
aus.
Einige
darunter gehören zu den ärmsten
afrikanischen Staaten, an die wir
unsere humanitären
und technischen
Hilfsprogramme
richten.
Andere, wie Burma, sind unsere
aktiven Partner beim Kampf gegen
den internationalen Drogenhandel.

Dem vom Kongreß für das Haushaltsjahr 1987 verabschiedeten Budget
zufolge sind wir bei der Auslandshilfe mit einer Finanzierungskrise konfrontiert. In diesem Budget forderten wir 16,2 Milliarden Dollar für
Wirtschafts- und Finanzhilfe im Ausland an.
Der Umfang dieser Hilfe
wurde sorgfältig berechnet, um ein
breites Spektrum wichtiger amerikanischer Sicherheitsziele zu unterstützen.

- Die verbleibenden
neun
Prozent
unserer
Hilfsleistungen
sollten
an internationale Organisationen
vergeben werden, an multilaterale
Entwicklungsbanken,
das
Peace
Corps, die Flüchtlingshilfe, Bemühungen zur Bekämpfung des Drogenhandels und nicht-ländergebundene Programme der Internationalen
Entwicklungshilfebehörde
(AID) .

Insbesondere galt:
- 34 Prozent dieses Budgets sollten
an Israel und Ägypten vergeben
werden und unsere lebenswichtige
Bestrebungen für einen dauerhaften Frieden in dieser Region verstärken.
- 26 Prozent waren für Staaten gedacht, die uns Zugang zu militärischen Einrichtungen gewähren und
für Länder, die
amerikanischen
Truppen Gastrecht einräumen, wie
etwa
die
Republik
Korea, die
Philippinen, Griechenland und die
Türkei.
- elf Prozent wären nach Mittelamerika und die Karibik gegangen.
- 17 Prozent waren für Länder gedacht, die unsere demokratischen
Werte teilen und unsere Hilfe benötigen, um Fortschritte zu machen, wie etwa Thailand und Kolumbien, ferner für Länder, in
denen sich neue Demokratien entwickelt haben, wie Bolivien und
Uruguay und für Staaten, in denen

Wirtschaftsreformen
werden, wie Ecuador

Der Kongreß hat die von uns beantragten Mittel auf 13,6 Milliarden
Dollar gekürzt. Das Resultat dieser
Kürzungen war verheerend.
Nachdem
wir unsere Verpflichtungen für den
Friedensprozeß im Mittleren Osten erfüllt haben, bleiben uns nur völlig
unzureichende
Mittel zur Erfüllung
der weiteren Erfordernisse.
Deshalb
ist es uns unmöglich, unsere Verpflichtungen für Länder zu erfüllen,
die uns strategisch wichtige Stützpunkt- und
Zugangsrechte
gewähren.
Einige Programme werden dieses Jahr
sogar um über 50 Prozent beschnitten
werden müssen. Wir sind in Gefahr,
bei denjenigen Programmen ins Hintertreffen zu geraten, die dazu bestimmt
sind, Schlüsselregionen mit ernsthaften wirtschaftlichen und Sicherheitsproblemen Hilfe zu leisten. Außerdem
können wir wenig dazu beitragen, daß

- 3 -

�Schuldner aus der Dritten Welt wieder
auf die Beine kommen.

Staaten weit
schrecken.

Die Kürzungen signalisieren eine
Politik des Rückzuges. In den kommenden Monaten müssen der Kongreß und
die Regierung unbedingt zusammenarbeiten, um Lösungen dieser Finanzierungsprobleme
zu erarbeiten, damit
wir unsere positive Rolle wiederaufnehmen können. Diese Programme sind
ein Hauptbestandteil unserer ersten
Verteidigungslinie zum Schutz amerikanischer Freiheiten und müssen die
volle Unterstützung
aller
Parteien
genießen, um wirksam zu sein.
Ich
erbitte diese Unterstützung für den
Nachtragshaushalt
zum
Budget
für
1987, der dem Kongreß zugeleitet wurde.

Praktisch heißt dies, daß die Administration keine Strategien übernehmen darf, die sich unser Land
nicht leisten kann und daß unsere
verantwortlichen Militärs ihre Pläne
nicht auf Ressourcen gründen können
und dürfen, zu deren Bereitstellung
die Nation nicht fähig ist. Es bedeutet weiterhin, daß der Kongreß,
der von einem gemeinsamen Standpunkt
in bezug auf die nationalen Interessen der Vereinigten Staaten und die
ihnen
zugrundeliegenden
Ziele ausgeht, die Exekutive mit den Mitteln
ausstatten muß, die zur Durchführung
einer realistischen, klugen und effektiven Strategie benötigt werden.

Verteidigungsfähigkeiten
Verteidigungsressourcen:
Die erfolgreiche Durchführung einer Strategie der nationalen Sicherheit hängt
von der Verfügbarkeit
angemessener
Mittel ab.
Strategien, die auf unrealistischen oder unerreichbaren Annahmen zur Verfügbarkeit von Ressourcen beruhen, sind zum Scheitern verurteilt.
Die
jüngere
Geschichte
lehrt uns aber auch, daß die Zeit
zwischen Ausbruch einer Krise und der
Notwendigkeit einer Reaktion der nationalen Sicherheit mit den Jahren
abgenommen hat. Die Zeiten, in denen
die Staaten auf Krisen mit der Aushebung, Ausbildung und Ausrüstung neuer
Streitkräfte reagieren konnten, sind
vorbei. Diese Grundtatsache in Verbindung mit der ernüchternden Erkenntnis, daß Krisensituationen mit
bestürzender
Unvermitteltheit
über
die Welt hereinbrechen können, bedeutet, daß wir in der Lage sein müssen,
Aggressionen
und
Beeinträchtigungen
unserer vitalen Interessen jederzeit
und an Orten, die von den Vereinigten

entfernt

sind,

abzu-

Die Bereitstellung der gemeinsamen Verteidigung ist die wichtigste
Pflicht der Bundesregierung, die von
Exekutive und Legislative zu gleichen
Teilen erfüllt wird.
Partnerschaft
ist der Schlüssel zu ihrer erfolgreichen
Durchführung.
In
diesem
Geist haben sich der Kongreß und die
Exekutive
in den frühen achtziger
Jahre - zum dritten Mal seit dem
Zweiten Weltkrieg - in einer gemeinsamen
Anstrengung
zusammengeschlossen, um unsere militärischen Fähigkeiten
wiederherzustellen
und
zu
stärken.
Im Gegensatz zu früheren
Verstärkungen, die von hohen Verbrauchsraten
zur Unterstützung
von
Kampfoperationen in asiatischen Konflikten geprägt waren, haben wir uns
dieses Mal auf Investitionen konzentriert.
Außerdem waren
bedeutende
Personal- und
Bereitschaftsprobleme
zu überwinden, aber es war klar, daß
nur eine Zunahme der Investitionen
die notwendigen positiven und dauerhaften Auswirkungen auf das militärische
Gleichgewicht
hervorbringen
würden.

�Diese Handlungsweise war unbedingt erforderlich, um die ernsten
Ungleichgewichte zwischen den Fähigkeiten der Vereinigten Staaten und
der Sowjetunion zu beheben, die sich
in den siebziger Jahren eingestellt
hatten - in einem Zeitraum beispielloser
militärischer
Investitionen
durch die Sowjets, die auf eine entscheidende Verlagerung der weltweiten
"Korrelation
der Kräfte" zu ihrem
Vorteil abzielten. Hätten wir diesem
gefährlichen Trend kein Ende bereitet, dann wäre unseren grundlegendsten
nationalen
Interessen
großer
Schaden
zugefügt
worden.
Glücklicherweise haben der Kongreß und das
amerikanische Volk erkannt, daß die
Wiederherstellung der Landesverteidigung absolut unentbehrlich war. Deshalb haben wir große Fortschritte gemacht.
Unser Investitionsniveau ist
heute dem der Sowjets ungefähr ebenbürtig. Es besteht jedoch immer noch
die Erblast eines Jahrzehnts, in dem
die Investitionen der Sowjets unsere
bei weitem übertrafen, und dies muß
korrigiert werden.
Urteile über die Angemessenheit
unserer
Verteidigungsaufwendungen
konzentrieren sich letztlich auf Fragen nach dem Risiko.
Wenn man es
ganz deutlich ausdrückt, dann ist die
Frage: ein wie hohes Risiko für das
Überleben dieses Landes und seiner
freien Institutionen sind wir einzugehen bereit?
Streitkräfte, die zur
Abschreckung eines größeren Krieges
nicht in der Lage sind, bestehen den
ersten Test für die Angemessenheit
nicht.
Wir und unsere Verbündeten
müssen glaubwürdige militärische Reaktionsmechanismen
besitzen,
deren
Aussichten unsere Feinde davon überzeugen, daß eine Aggression ihnen
einen unannehmbar hohen Preis abverlangen würde.
Wieviel militärische
Macht für die Abschreckung benötigt
wird ist unvermeidlich ein subjekti-

ves Problem, das mit unserem Gefühl
dafür zusammenhängt, wie andere unsere militärischen Fähigkeiten und unseren politischen Willen einschätzen,
diese, wenn notwendig, zu benutzen.
In
dieser
Hinsicht
müssen
unsere
Streitkräfte
nicht
nur
angemessen
sein, sondern sie müssen unmißverständlich als angemessen für die Verteidigung
unserer
Interessen,
die
Durchführung
unserer Strategie und
die Erhaltung unserer Bündnisbeziehungen eingeschätzt werden.
Fraglos können wir uns das zur
Unterstützung unserer Strategie notwendige Programm leisten.
Tatsächlich haben die Amerikaner in den vergangenen sieben Jahren durchschnittlich nur 6,1 Prozent des BSP für die
Verteidigung ausgegeben - was erheblich
unter
den
Prozentsätzen
der
fünfziger und sechziger Jahre liegt,
die zwischen 7 und 9,2 Prozent lagen.
Und mit 27 Prozent der Bundesausgaben
bleiben die Verteidigungsaufwendungen
auch erheblich unter dem Friedensdurchschnitt von 38 Prozent der Nachkriegszeit.
In beiden Fällen erscheinen die Erhöhungen der frühen
achtziger Jahre nur deshalb so hoch,
weil die Ausgaben in den späten siebziger Jahren so niedrig waren.
Im Verteidigungshaushalt der Fiskaljahre 1988-89 habe ich den Kongreß
nicht um Zustimmung zu Erhöhungen im
gleichen Ausmaß wie in den frühen
achtziger Jahren gebeten. Der Kongreß muß aber auch positive Schritte
unternehmen, um die von uns gemeinsam
erreichten Zunahmen zu schützen. Wir
dürfen den Weg der realen Reduzierung
der
Verteidigungsinvestitionen
der
vergangenen beiden Jahre nicht weiterverfolgen.
Es ist an der Zeit,
daß wir uns zusammenschließen, um bescheidene,
realistische
Erhöhungen
unseres Verteidigungshaushalts zu unterstützen, die mit dem von uns für

- 5 -

�die Nation insgesamt erwarteten Wirtschaftswachstum und mit der langfristigen Herausforderung der Sowjetunion an die freie Welt im Einklang
stehen. Als Nation müssen wir zusammen das Muster teurer und ineffizienter Schwankungen bei den Verteidigungsausgaben
durchbrechen
und den
Weg
dauerhaften
und
vernünftigen
Wachstums in einem Tempo unterstützen, das uns die stetige Modernisierung unserer strategischen und konventionellen Streitkräfte und gleichzeitig die Aufrechterhaltung angemessener Niveaus bei militärischer Bereitschaft,
Durchhaltevermögen
und
Streitkräftestruktur erlauben wird.
Streitkräfte: An früherer Stelle
dieses Berichts habe ich unsere Strategie zur Aufrechterhaltung der Abschreckung gegen einen strategischen
nuklearen
oder konventionellen Angriff gegen die Vereinigten Staaten
oder ihre Verbündeten dargelegt.
Die Ausführung unserer Strategie
zur Aufrechterhaltung eines glaubwürdigen
atomaren
Abschreckungspotentials durch die Modernisierung unserer
strategischen
Streitkräfte
ist
bis
heute
erfolgreich
verlaufen.
Wichtige Elemente des Strategischen
Modernisierungsprogramms
sind
vom
Kongreß gebilligt worden, und unsere
strategischen Streitkräfte werden mit
jedem Tag überlebensfähiger und effektiver. Wir verbessern die Fähigkeiten und die Glaubwürdigkeit unserer
diversifizierten
Mischung
von
Streitkräften
und werden
bis
ins
nächste Jahrhundert damit fortfahren.
Im Hinblick auf die Zukunft untersuchen wir zur Zeit Optionen, die
es uns gestatten werden, aus den bei
der
Strategischen
Verteidigungsinitiative erzielten Fortschritten Nutzen zu ziehen, um ballistische Raketen überflüssig zu machen und die Ab- 6

schreckung langfristig auf ein stabileres Fundament
zu stellen.
Eine
starke
Unterstützung
dieses
Programms, daß unsere Stärken im Bereich
moderner Technologien nutzt, fördert
sowohl unsere Abschreckung wie auch
unsere
Rüstungskontrollziele.
Die
volle Gewährung der für 1988-89 beantragten Mittel für SDI ist unabdingbar, um die bis heute erzielten wichtigen Fortschritte aufrechtzuerhalten
und zu gewährleisten, daß das Programm in angemessenem Tempo weitergeführt wird.
Die Uberlebensfähigkeit
unserer
landgestützten
ICBM-Kräfte wird in
den kommenden Jahren mit der Aufgabe
alter ortsfester Stationierungsmodalitäten und Hinwendung zu neuen mobilen Methoden drastisch zunehmen, die
durch erhöhte Überlebensfähigkeit zur
Stabilität beitragen. Die neuen Konzeptionen für die mobile Stationierung der Peacekeeper und der kleinen
ICBM wird den ICBM-Bereich der strategischen Triade neu beleben, die Abschreckung bedeutend erhöhen und die
Durchführung
von
Empfehlungen
der
Scowcroft-Kommission auf eine Weise
ermöglichen, die mit früheren Empfehlungen des Kongresses im Einklang
steht.
Im Zuge unserer stetigen Verbesserung der strategischen Abschrekkungsstreitkräfte
müssen
wir
aber
gleichzeitig die Tatsache berücksichtigen,
daß
unsere
konventionellen
Streitkräfte die erste Verteidigungslinie und ein grundlegendes Instrument zur Unterstützung amerikanischer
Interessen in Krisenzeiten unterhalb
der Schwelle eines allgemeinen Krieges darstellen. Mit der Herstellung
einer
ungefähren
atomaren
Parität
zwischen den Vereinigten Staaten und
der Sowjetunion sind die konventionellen Streitkräfte für die Aufrechterhaltung
eines sicheren Abschrek-

�higkeit zu stärken, unsere konventionellen
Streitkräfte
bestmöglich einzusetzen.

kungspotentials noch wichtiger geworden.
Unser
gegenwärtiges Programm
zur Modernisierung der konventionellen Streitkräfte trägt zu einer starken, nach vorne orientierten Verteidigungshaltung bei.

- Neue bewegliche Kräfte mit kurzer
und langer Reichweite verbessern
unsere
Fähigkeit,
unser
vorne
stationierten Einheiten zu befördern und zu unterstützen, und im
Ernstfall auch Streitkräfte
zu
stationieren.
Die Fähigkeit zum
schnellen Aufbau einer Militärmacht
in strategisch
wichtigen
Gebieten an der eurasischen Periphierie ist für die Abschreckung
und zur Neutralisierung des geographischen Vorteils der Sowjetunion unerläßlich.

Zu den wichtigsten Elementen zählen:
Das Modernisierungsprogramm
für
die Streitkräfte, das auf der
neuen Air Land Battle Konzeption
und der Fähigkeit zum Karpf mit
verbundenen Waffen basiert, die
unsere Divisionen
in die Lage
versetzen,
einen
qualitativen
Vorteil über die viel größeren
sowjetischen Streitkräfte zu erhalten.
Fortgesetzte
Modernisierungsprogramme
für
unsere
taktischen
Luftstreitkräfte
unterstützen
dieses Programm der Landstreitkräfte.
Die Fähigkeit
unserer
taktischen Luftstreitkräfte, auf
unserem Territorium Überlegenheit
in der Luft
aufrechtzuerhalten
und die Landstreitkräfte zu unterstützen,
erfordert
stetige
Verbesserungen.
Das Programm zur Wiederbelebung
unserer Streitkräfte für Spezialoperationen wird als eine unserer
höchsten Prioritäten vollständig
durchgeführt werden. Dieses Programm wird sicherstellen, daß wir
in
höchstem
Maße
ausgebildete
Streitkräfte sofort verfügbar haben, um auf eine Vielzahl verschiedener Krisen und Konflikte
geringerer Intensität zu reagieren, wenn unsere Interessen dies
erfordern sollten.
Verbesserungen
bei Führung
und
Kommunikation (C3I) haben weiterhin höchste Priorität, um die Fä-

- Die Fähigkeit unserer Marine zur
Kriegführung verbessert sich bemerkenswert mit der Zunahme der
Quantität und Qualität von Schiffen und Flugzeugen. Dieses langfristige Programm zur Sicherung
unserser
Fähigkeit zur Nutzung
der Ozeane
im Frieden
und im
Krieg erfordert unausgesetzte Unterstützung .
Die
vollständigen
Auswirkungen
dieser wichtigen Modernisierungsprogramme werden im vor uns liegenden
Jahrzehnt spürbar sein.
Die Erlangung unserer Ziele wird unsere konventionelle
Abschreckungsfähigkeit
erheblich steigern.
Die wirklichen
Verbesserungen bei unserer Verteidigungshaltung
werden
nicht
gering
sein; sie werden fundamentale Ausmaße
erreichen.
Vollständige
Unterstützung dieser Programme ist unerläßlich
zur Vermeidung einer Verschlechterung
im Gleichgewicht der amerikanischen
und
sowjetischen
konventionellen
Streitkräfte und um sicherzustellen,
daß wir konventionelle Streitkräfte
haben, die in der Lage sind, eine
Vorneverteidigung unserer Interessen
durchzuführen, ohne auf Nuklearwaffen

- 7 -

�•

zurückgreifen zu müssen.
So wie wir die qualitative Erweiterung unserer Streitkräfte verfolgen, müssen wir weiterhin unsere Pläne wie auch unsere Strategien zu deren Anwendung verbessern. Unsere militärische
Strategie
ist
komplex.
Zur Erfüllung ihrer Aufgaben haben
die
Streitkräfte
angemessene
Führungs- und Einsatzgrundsätze, Organisationen
und
Taktiken
entwickelt.
Die Sicherstellung, daß diese in eine
einheitliche
Nationale
Militärische
Strategie
umgesetzt werden, bietet
angesichts der sich ständig wandelnden
internationalen
Situation
eine
Herausforderung. Dieses Problem wird
noch verstärkt durch die Vielgestaltigkeit möglicher Krisenfälle innerhalb des Spektrums
konventioneller
Konflikte. Auf verschiedenem Kriegsschauplatzniveau haben die Vereinigten Befehlshaber regionale Strategien
entwickelt.
Diese Strategien sind
zusammen mit anderen eher globalen
Überlegungen oder solchen, die nicht
mehr in den Zuständigkeitsbereich der
Oberbefehlshaber fallen, in die Nationale Militärische Strategie eingebettet.
Diese Strategie bietet eine
wirkungsvolle Grundlage für die Anwendung unserer militärischen Fähigkeiten auf koordinierte und beiderseitig stützende Art und Weise weltweit. Die Strategie wird in bestimmten
Zeitabständen
überarbeitet, um
ihre wesentlichen Elemente neu zu
ordnen und sie auf den neuesten Stand
zu bringen.
Die Ergebnisse werden
nicht nur unsere Fähigkeit zur Verwendung
militärischer
Streitkräfte
verbessern, sondern stärkeren theoretischen Unterbau für Forschung und
Entwicklung in bezug auf unsere konventionellen Streitkräfte und die Beschaffungsprogramme
unserer
konventionellen Streitkräfte bieten. Dabei
lassen wir niemals das Verhältnis
zwischen nuklearer und konventionel-

ler Abschreckung außer acht.
Unser
langfristiges ziel des Abbaus unseres
Vertrauens auf nukleare Waffen fordert, wenn es erfolgreich sein soll,
unsere besondere Aufmerksamkeit, um
die Wirksamkeit unserer konventionellen Abschreckung und enge Bündnisbeziehungen aufrechtzuerhalten.
Verbesserung der Effizienz:
Ein
wichtiger Teil unserer Aktivitäten,
die darauf abzielen, unsere Strategie
zur Nationalen Sicherheit zu stützen,
umfaßt eine Reihe von anhaltenden Bemühungen zur Verbesserung der Leitung
und operativen Wirksamkeit
unserer
Verteidigungsbehörden.
Unsere Aufmerksamkeit war auf die Verbesserung
der Effizienz im Verteidigungsministerium gerichtet, und wir haben in
den vergangenen
sechs Jahren eine
Reihe beachtlicher Erfolge erlangt.
Zu diesen Erfolgen zählten in jüngster Zeit der Bericht der Blue Ribbon
Commission zur Führung der Verteidigungsbereiche, unter dem Vorsitz von
David Packard, wie auch Maßnahmen des
Kongresses
zur Reorganisierung der
Verteidigung.
Als Ergebnis dieser
Aktivitäten sind bei der Geschäftstätigkeit des Verteidigungsministeriums
wichtige Veränderungen erzielt worden.
Die vorrangigen Zielsetzungen
dieser
vereinten Bemühungen
dienen
der Verbesserung der Qualität unserer
Strategieplanung und Förderung enger
Verbindungen zwischen Strategie, militärischen Erfordernissen und unseren Beschaffungsprogrammen; sie stellen ferner sicher, daß wir für jeden
Dollar, der für die Verteidigung ausgegeben wird, den größtmöglichen militärischen Nutzen erhalten.
Wichtige organisatorische Veränderungen haben stattgefunden; andere
stehen noch an. Die neuen Vereinigten Kommandos für Transportwesen und
Sonderoperationen
werden
in diesem
Jahr ihre Arbeit aufnehmen und wir

�werden in Kürze die neu genehmigte
Position des Staatssekretärs für Sonderoperationen und Konflikte geringerer Intensität schaffen wie auch den
vom Kongreß ermächtigten Ausschuß für
Konflikte geringer Intensität innerhalb der Organisation des Nationalen
Sicherheitsrates.
Die Autorität des
Vorsitzenden der Vereinigten Stabschefs und der Vereinigten Befehlshaber ist erweitert und die neue Position des Stellvertretenden Vorsitzenden der Vereinigten Stabschefs geschaffen worden.
Im Jahr 1986 hat der Kongreß meinem Vorschlag zugestimmt, die Stelle
eines
Unterstaatssekretärsfür
Beschaffung im Verteidigungsministerium
ins Leben zu rufen. Diese Ernennung
hat zu einer Reorganisation der Beschaffung im Verteidigungsministerium
geführt.
Diese Veränderungen zielen
darauf ab, in wichtigem Umfang bei
der Anwendung neuer Technologien und
Ausrüstungen Zeit zu sparen, das professionelle
Urteil der Vereinigten
Stabschefs
stärker
einzubeziehen,
wenn es um die Auswahl und Bewertung
militärischer Erfordernisse geht und
auch die Effizienz des Beschaffungsprozesses
generell
zu
verbessern.
Zur Förderung von Innovationen im
technologischen Bereich ist die Rolle
der Behörde für moderne Forschungsprojekte im Verteidigungsbereich bei
der Herstellung von Prototypen wie
auch bei anderen Entwicklungsarbeiten
im Rahmen gemeinsamer Programme erweitert worden.
Um
unseren
zukünftigen
Bedarf
besser einschätzen zu können, haben
wir im vergangenen Herbst eine überparteiliche Kommission für eine integrierte Langzeitstrategie ins Leben
gerufen.
Diese Gruppe bemerkenswerter Persönlichkeiten arbeitet daran,
dem Verteidigungsminister und meinem
Sicherheitsberater Einblicke in die

Rolle und die strategischen Auswirkungen neuer militärischer Technologien in den nächsten 20 Jahren zu gewähren.
Die Kommission wird sich
ferner mit Möglichkeiten beschäftigen, wie die Einführung der vielversprechensten
neuen Technologien
in
unsere militärischen Streitkräfte beschleunigt werden kann. Ebenso werden mögliche neue Bedrohungen durch
anhaltende sowjetische Forschungsprogramme überprüft werden.
Gegenwärtig stattfindende Veränderungen beim Verteidigungsplanungsverfahren werden das Verhältnis zwischen den Haushaltsplänen
für die
Verteidigung und dem Gesamthaushalt
der Bundesregierung stärken. Mit Unterstützung des Kongresses unterbreiten wir nunmehr zum ersten Mal einen
zweijährigen
Verteidigungshashalt.
In beiden Fällen ist unser Ziel größere Stabilität
für das Verteidigungsprogramm. Während wir weiterhin
nach größerer Kostenkontrolle und Ersparnissen auf Programmebene streben,
ist die Blue Ribbon Commission on Defense Management zu dem Schluß gekommen, daß in Zukunft erhebliche Verbesserungen im Verteidigungshaushalt
eher durch erhöhte Stabilität der
Programme als durch besondere Aktivitäten bei der Durchführung erzielt
werden.
Größere Stabilität kann nur durch
enge Zusammenarbeit zwischen der Exekutive und dem Kongreß wirkungsvoll
erreicht werden.
Unsere gemeinsamen
Interessen zur Verbesserung der Leitung des Verteidigungsbereiches hat
eine Reihe von miteinander in Zusammenhang stehenden Reformen bei der
Organisation und Beschaffung hervorgebracht, die heute verwirklicht werden.
Wir müssen nun das Verteidigungsministerium
diese
Reformen
durchführen lassen und ihre Wirksamkeit ohne ungebührliche Einmischung

- 9 -

�beurteilen.
Wahrscheinlich
werden
einige Korrekturen notwendig sein.
Nach angemessener Erfahrung mit der
neuen Struktur und den Verfahrensweisen werden wir dem Kongreß angemessene Empfehlungen unterbreiten.

Die Integration von Fähigkeiten zur
nationalen Sicherheit
Wie ich bereits an früherer Stelle ausgeführt habe, erfordert die effektive Verwirklichung unserer Strategie zur Nationalen Sicherheit die
sorgfältig
eingebettete
Verwendung
aller Facetten nationaler Macht. Im
größtmöglichen Ausmaß versuchen wir,
unsere Zielsetzungen durch Anwendung
gewaltloser Elemente nationaler Macht
zu erreichen. Diese Methode wird unterstützt, wenn wir in der Lage sind,
Probleme frühzeitig zu erkennen, sie
gründlich zu untersuchen und die Erkenntnisse und das Wissen meiner Berater zusammengenommen zu ihrer Lösung beizusteuern.
Die wichtigsten
Instrumente zur Verwirklichung dieser
unerläßlichen integrierenden Funktion
sind
der
Nationale
Sicherheitsrat
(National Security Council - NSC) und
die
behördenübergreifenden
Gruppen,
die unter seiner Oberaufsicht arbeiten.
Der NSC hilft uns dabei, unsere
weitgesteckten Ziele auf einzelne Situationen anzuwenden und solche Zielsetzungen in detaillierte Maßnahmen
und Strategien umzusetzen. Die übergreifende Aufgabe des NSC ist es, dazu beizutragen, daß meine Entscheidungen termingerecht getroffen werden
und klare Äußerungen über alternative
Vorgehensweisen, deren Stärken und
Schwächen und jeweiligen Konsequenzen
berücksichtgt werden können.
Die Ergebnisse dieses Prozesses
werden formell als Entscheidungsdi-

rektiven
zur Nationalen
Sicherheit
(National
Security Decision Directives - NSDD) bezeichnet. Diese Direktiven
liefern als Ganzes einen
breiten Leitfaden für die Vorbereitung der Außen- und Verteidigungspolitik, die militärische Planung und
die Entwicklung von Einzelstrategien
zur Unterstützung der Zielsetzungen
der Strategie zur Nationalen Sicherheit. Im Laufe der vergangenen sechs
Jahre haben wir 250 solcher Direktiven erstellt. Davon sind nicht mehr
alle in Kraft und auch nicht alle behandeln Themen mit weltweiten Auswirkungen, aber der Prozeß erweist sich
als sehr wirksam bei der Förderung
der integrierten Nutzung der weitgesteckten und vielfältigen Mittel, die
zur Erlangung unserer Zielsetzungen
zur Nationalen Sicherheit verfügbar
sind.
Die fortgesetzte Entwicklung und
erfolgreiche Anwendung der Strategie
zur Nationalen Sicherheit der Vereinigten Staaten ist eine der wichtigsten
Pflichten
der
Exekutive.
Aber die Regierung kann dies nicht
allein ereichen. Die Entwicklung und
Unterstützung einer Strategie zur Nationalen Sicherheit für die Vereinigten Staaten, die einen gesunden Ausblick auf die Zukunft zuläßt und
einen realistischen Leitfaden bietet,
muß ein gemeinsames Unternehmen des
Kongresses und der Regierung sein.
Ich freue mich darauf, mit dem
Kongreß überparteilich dabei zusammenzuarbeiten,
um
ein
erweitertes
Verständnis
für mehr
Unterstützung
unserer Strategie zur Nationalen Sicherheit und ihrer Zielsetzungen zu
erlangen.
Es kann kein wichtigeres
Unternehmen
für
das
langfristige
Wohlergehen des amerikanischen Volkes
geben, und ich erbitte die bestmögliche Zusammenarbeit des Kongresses
für die Erlangung dieses Ziels.

- 10 -

�VI. Ausblick auf die neunziger
Jahre
Vor sechs Jahren, als das amerikanische Volk mich zum Präsidenten
wählte, war ich entschlossen, kurzfristig vier unbedingt erforderliche
Ziele im Bereich der Strategie zur
Nationalen Sicherheit zu erreichen:
- Erstens, den Aufbau der militärischen Stärke unserer Nation nach
einem Jahrzehnt der Vernachlässigung, in dem es den Sowjets möglich war, uns in vielen wichtigen
Bereichen
der
Militärmacht
zu
überholen,
- Zweitens, den Wiederaufbau
der
wirtschaftlichen
Stärke
unserer
Nation und die Wiederbelebung des
Weltwirtschaftssystems angesichts
der Energiekrise und der weltweiten Rezession,
- Drittens, den Aufbau des internationalen Ansehens unserer Nation
als Führer
in der Welt, nach
einigen Jahren, in denen das Bild
von uns getrübt war und unsere
Gegner glaubten, daß die Vereinigten Staaten sich von ihren
internationalen
Verpflichtungen
zurückgezogen hätten, und
- Viertens, den Aufbau der persönlichen Motivation aller Amerikaner, die unsere Botschaft in die
Welt hinaus tragen sollten, daß
der Einzelne und nicht Regierungen ihr wirtschaftliches, geistiges und politisches Schicksal bestimmen sollte.
Nach sechs Jahren kann ich nun
berichten, daß dieser Prozeß des Wiederaufbaus in vollem Gange ist. Das
Staatsschiff
segelt
langfristig
in

eine neue Richtung, die auch in den
verbleibenden Jahren dieses Jahrhunderts
eingeschlagen werden sollte.
Ich glaube, daß unser wichtigster Antrieb im Bereich der Strategie zur
Nationalen Sicherheit darin bestand,
das Bild der Vereinigten Staaten als
Licht der Freiheit in der ganzen Welt
wiederherzustellen.
Wir
haben
in den
vergangenen
sechs Jahren beobachten können, daß
sich Völker und Regierungen auf der
ganzen Welt unsere Botschaft zu Herzen genommen haben. Wir haben gesehen, daß Länder ihr Denken im wirtschaftlichen
Bereich verändern und
stärkere Betonung auf den Wert und
die Arbeit des Einzelnen legen als
darauf, die Interessen des Staates
befriedigen
zu wollen.
Wir haben
Tausende freiheitsliebender Menschen
gesehen, die Waffen gegen solche Regime erheben, die versuchen, nach
Frieden und wirtschaftlicher Stabilität strebenden Bevölkerungen
ihren
Willen aufzuzwingen. Wir haben beobachtet, daß sich der Widerstand gegen
solche Kräfte in der Welt bildet, die
auf aggressive Art und Weise militärische Macht und Zwang anwenden, um
ihre Ziele zu erreichen.
Dies alles hat mir persönliche
Stärke verliehen, um in schweren Zeiten der Kritik, in Zeiten großer Risiken und möglicher Niederlagen weiterzumachen.
Ich habe festgestellt,
daß die Zeit auf unserer Seite ist
gegenüber den Kräften in der Welt,
die sich der Auslöschung von Freiheit, Gerechtigkeit und demokratischer Lebensweise verschrieben haben.
Die Zeit läuft für all diese Systeme
ab, weil Menschen auf der ganzen Welt
feststellen, daß die von diesen Kräften
propagierte
Lebensweise
den
Grundwerten des Menschen entgegenstehen.
Menschen auf der ganzen Welt
sehen nun, daß wir eine Vision für

- 11 -

�die Zukunft anbieten. Unsere Gegner
bieten die durch Herrschaft militärischer
Macht,
lähmender
Planwirtschaft und politischer Unterdrückung
verdunkelten Wege einer unerfüllten
Vergangenheit.
Ich habe in den vergangenen sechs
Jahren jede Möglichkeit genutzt, um
dieses Thema im In- und Ausland zu
behandeln.
Dies ist auch das vorherrschende Thema unserer Strategie
zur Nationalen Sicherheit - das Leben
unserer Nation, das in die Zukunft
getragen werden muß, um sicherzustellen, daß wir stark und innovativ, dynamisch und frei bleiben.
Wir dürfen niemals vergessen, daß
Freiheit immer etwas kostet - es ist
das teuerste Gut der Welt. Und Freiheit wird niemals mit einer einmaligen Summe abgegolten; jede Generation
muß ihre Raten dazu beitragen. Alles, was wir tun können, ist, der
nachfolgenden Generation die Möglichkeit der Freiheit zu bieten.
Ich bitte darum, daß wir in den
letzten beiden Jahren meiner Amtszeit
als ihr Präsident zusammenstehen, um
sicherzustellen, daß wir weiterhin am
Aufbau einer Strategie arbeiten, die
uns sicher ins 21. Jahrhundert trägt.

* * * * *

- 12 -

�AMERIKA DIENST
^7

^

Hintergrundmaterial

A&lt;

25. Februar 1987

DAS GESETZ ÜBER HANDEL, BESCHÄFTIGUNG UND PRODUKTIVITÄT VON 1987
- Übersicht zur Gesetzesvorlage vom 19. Februar 1987,
herausgegeben vom Weißen Haus -

WASHINGTON - (AD) - In seinem sechsten Bericht zur Lage der Nation erklärte der Präsident die sicherstellung des Wettbewerbsvorteils der Vereinigten
Staaten bis in 21. Jahrhundert zum nationalen Ziel. "Jetzt ist es Zeit," sagte der Präsident, "zu entscheiden, daß wir auf einem so außergewöhnlichen Leistungsniveau in das nächste Jahrhundert eintreten sollten, wie es in der Geschichte niemals zuvor erreicht worden ist."

Das Gesetz über Handel, Beschäftigung und Produktivität von 1987 ist
gesetzlicher
Hauptbestandteil
der
Initiative des Präsidenten zur Verbesserung
der
Wettbewerbsfähigkeit.
Zusammen mit dem Haushaltsentwurf des
Präsidenten für das Fiskaljahr 1988
und anderen Vorlagen, umfaßt dieses
Gesetzespaket ein sechsteiliges Programm, das auf die folgenden Ziele
ausgerichtet ist:
1. Zusätzliche
menschliches
tal;

Investitionen
in
und geistiges Kapi-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

2. Förderung der wissenschaftlichen
und technologischen Entwicklungen;
3. Verbesserter Schutz des geistigen
Eigentums;
4. Verabschiedung
wesentlicher
Rechts- und Gesetzesreformen;
5. Einflußnahme auf das internationale wirtschaftliche Umfeld; und
6. Beseitigung des Haushaltsdefizits.
Das Gesetz über Handel, Beschäftigung
und Produktivität von 1987

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�enthält fünf Titel, die der Verantwortung der Bundesregierung gerecht
werden, alles nur Mögliche zur Förderung der amerikanischen Wettbewerbsfähigkeit zu unternehmen.

Ausarbeitung
und
Durchführung
von
Programmen, die auf die besonderen
Bildungsbedürfnisse derjenigen Schüler ausgerichtet sind, die nur über
begrenzte Englischkenntnisse verfügen.

Titel I - Gesetz über Investitionen in menschliches und geistiges
Kapital von 1987 (Investment in
Human and Intellectual Capital
Act of 1987)

C.
Gesetz über die Wiedereingliederung
von Arbeitnehmern
(Work
Readjustment
Act).
Bewilligt
ein
neues, 980 Millionen Dollar Programm
zur Wiedereingliederung von Arbeitnehmern, das die nachfolgenden Punkte
beinhaltet:

Der Präsident ist der Überzeugung, daß unsere Gesellschaft ein außergewöhnlich
hohes
Bildungsniveau
anstreben muß, um einen Wettbewerbsvorteil erreichen zu können. Weiterhin müssen wir umgesetzten Arbeitskräften bei der Anpassung an den
wirtschaftlichen
Wandel
behilflich
sein und wirtschaftlich benachteiligten Jugendlichen Möglichkeiten eröffnen,
produktive Mitglieder
unserer
Gesellschaft zu werden. Titel I des
Gesetzes über Handel, Beschäftigung
und Produktivität umfaßt:

- Unterstützung von voraussichtlich
700 000 zusätzlichen umgesetzten
Arbeitskräften pro Jahr
(nahezu
das dreifache der mit den bestehenden Programmen abgedeckten Anzahl) .
Das Programm erstreckt
sich auf alle umgesetzten Arbeitnehmer, einschließlich der Bauern, und nicht nur auf diejenigen, die von den Importen besonders stark betroffen sind;
- Beratungsangebote,
Unterstützung
bei der Arbeitssuche, Grundausbildung und berufliche Weiterbildung zur gelernten Arbeitskraft;

A. Das Gesetz und die Gesetzesänderungen über die Verbesserung des
Erziehungswesens von 1987 (Education
Consolidation and Improvement Amendments Act of 1987). In Kapitel 1 und
2 diese Gesetzes wird die Zuwendung
von Mitteln
für die bedürftigsten
Schulen und Jugendlichen bewilligt,
werden Neuerungen, Experimente und
das Mitspracherecht der Eltern gefördert, die Verpflichtung
zur Rechnungslegung des Programmes verankert,
Anreiz und Belobigungen für erfolgreiche Leistungen angeboten.
B.
Die
Gesetzesänderung
zum
zweisprachigen
Erziehungswesen
von
1987 (Bilingual Education Act Amendments of 1987). Verbessert die Bundesstipendien für zweisprachige Erziehung und verleiht den Schulbezirken somit mehr Flexibilität bei der

- Angebot von Ausbildungs- und Eingliederungsmöglichkeiten
für Arbeitnehmer zu einem frühen Zeitpunkt - lange bevor sie die Arbeitslosenunterstützung voll ausgeschöpft haben; und
- Erneuerung
der Programme
unter
Titel III des Gesetzes über die
Unterstützung
der
Handelsanpassung und Partnerschaft bei der
Berufsausbildung
(Trade Adjustment Assistance and Job Training
Partnership Act).
D.
Unterstützungsprogramm
für
Familien
mit
unterhaltspflichtigen
Kindern, Beschäftigung
Jugendlicher
während der Sommermonate und Ausbil-

- 2 -

�dungsänderung von 198 7 (AFDC and Summer Youth Employment and Training Amendments of 1987) . Mit dem Gesetz
über die Partnerschaft bei der Berufsausbildung (JTPA) wurde ein 800
Millionen Dollar Programm ins Leben
gerufen, das dazu beitragen soll,
wirtschaftlich benachteiligte Jugendliche zu produktiven Erwachsenen zu
machen, die den von Amerika gebotenen
Möglichkeiten
aufgeschlossen
gegenüberstehen und die entscheidend benötigten Talente wieder in die Gesellschaft
einbringen.
Mit diesem
Programm
haben
die Gemeinden
die
Wahl, die jetzt verfügbaren JTPA Mittel für Sonderschulunterricht während
der Sommermonate zu verwenden oder
zur beruflichen Weiterbildung junger
Leute, die aus dem Hilfsprogramm für
Familien
mit
unterhaltspflichtigen
Kindern (AFDC) finanzielle Unterstützung erhalten.
E.
Das Gesetz über Arbeitsbeschaffungsprogramme zur Verbesserung
der Möglichkeiten (Greater Opportunities Through Work Programs Act of
1987) . Mit dem AFDC Programm werden
neue Beschäftigungs- und Ausbildungsmöglichkeiten
geschaffen: Verbesserung der Möglichkeiten durch Arbeit
(Greater Opportunities through Work GROW).
Das Ziel dieses neuen Programms ist es, junge Eltern im Teenageralter und Jugendliche zu ermutigen, die AFDC-Unterstützung erhalten
und die keine weiterführende Schulbildung erhalten haben, nicht von der
Schule abzugehen oder an die Schule
zurückzukehren.
Die älteren AFDCEmpfanger nehmen an einer Vielzahl
von Beschäftigungs- und Ausbildungsaktivitäten, einschließlich
Sonderschulunterricht, teil, die von dem
jeweiligen
Bundesstaat
festgelegt
werden.

rung

plätzen von 1987 (Employment Security
Administrative Financing Act of 1987)
und
G.
Das Gesetz über Stellenvermittlung von 1987 (Employment Services Act of 1987) bieten größere Flexibilität bei der Erarbeitung eines
umfassenden Ansatzes, mit dem die
Probleme der Arbeitslosen angegangen
werden können, z. B. durch dezentralisierte Behörden, Finanzierung und
die Zuständigkeit für die Vergabe der
Arbeitslosenversicherung
sowie
die
SteilenVermittlungsprogramme.

Titel II - Gesetz über die Gründung
eines
nationalen
Wissenschaf tsprogrammes
(National
Science Foundation Authorization
Act)
Die Förderung von Wissenschaft
und Technologie ist unerläßlich für
die
Wettbewerbsfähigkeit
der
Vereinigten
Staaten.
Die politischen
Richtlinien des Bundes müssen drei
generelle Zielsetzungen haben:
- Schaffung neuer Kenntnisse
dernen Technologien;

in mo-

- schneller
Transfer
der
neuen
Technologien auf den Markt; und
- Erweiterung
des
wissenschaftlichen und technologischen Grundstocks der Nation.
Zur Erreichung dieser Ziele sieht
das Gesetz über Handel, Beschäftigung
und Produktivität von 1987 die Zuwendung von Mitteln an die Stiftung Nationale Wissenschaft vor und damit
eine Verdoppelung der Etatverpflichtungen für diese Programme über einen
Zeitraum von fünf Jahren.

F. Das Gesetz über die Finanzieder Sicherstellung von Arbeits- 3 -

�Titel III - Gesetz zur Verbesserung der Rechte zur Wahrung des
geistigen Eigentums von 1987 (Omnibus
Intellectual
Property
Rights improvement Act of 1987)

zenzvergabe
für
technologische
Güter zuständig sind, durch Kodifizierung und Verdeutlichung der
Entscheidung des Obersten Bundesgerichtes in Lear v. Adkins;

Der Präsident ist der Überzeugung, daß es von vorrangiger Bedeutung ist, angemessenen Schutz sowohl
auf nationaler als auch auf internationaler Ebene
für diejenigen zur
Verfügung zu stellen, die neue Gedanken entwickeln und neue Produkte und
Dienstleistungen erfinden. Titel III
des Gesetzes über Handel, Beschäftigung und Produktivität von 1987 umfaßt folgende Maßnahmen:

- Wiederherstellung der Patentdauer
für agro-chemische und tiermedizinische Produkte bis zu einer
Höchstdauer von fünf Jahren, um
den Zeitverlust bei der Dauer des
Patents auszugleichen, der sich
durch die von der Bundesregierung
vor der Vermarktung vorgeschriebene Standardkontrolle und Überprüfung ergibt;

A. Reform des Gesetzes über geistiges Eigentum von 1987 (Intellectual Property Reform Act of 1987).
Satzungsgemäße Änderung in folgenden
Wortlaut:
- Anreiz der Lizenzvergabe für patentierte Technologien durch Einschränkung der "Verordnung über
Patent-Mißbrauch" auf tatsächlich
wettbewerbsbeschränkendes Verhalten;
- verbesserter Schutz von unter Patentverfahren
entwickelten
Produkten, entsprechend dem Schutz,
der diesen Produkten von unseren
wichtigsten Handelspartnern eingeräumt wird;
- Bereitstellung einer flexibleren
Uberprüfungsnorm für die Lizenzvergabe für geistiges Eigentum im
Rahmen
der
Kartellgesetzgebung
und Beseitigung der Regelung über
Schadenersatz in dreifacher Höhe
für wettbewerbsbeschränkende Lizenzvereinbarungen;
- Wiederherstellung
der
Verhandlungsposition der vertragschließenden Parteien, die für die Li-

- Kostenreduzierung bei der Verteidigung von Patentrechten durch:
(1.) Erlassung der Anwaltskosten
für die überlegene Partei in Fällen
von Leichtfertigkeit
oder willkürlicher Rechtsverletzung, und 2.) daß
Anfechtungen eines Patents aufgrund
von Publikationen zunächst in einem
Verwaltungsverfahren
berücksichtigt
werden, bevor das Verfahren bei Gericht anhängig gemacht wird, es sei
denn, dies läge nicht im öffentlichen
Interesse.
B.
Änderung des Gesetzes über
Informationsfreiheit von 1987 (Freedom of Information Act Amendments of
1987).
Erweiterung
der
gesetzlich
verankerten Definition von Geschäftsgeheimnissen und vertraulichen Wirtschaftsinformationen gemäß dem Gesetz
über Informationsfreiheit (FOIA), das
Behörden die Vorenthaltung von Informationen getattet, wenn deren Veröffentlichung dem Geschäftsablauf oder
den Wirtschaftsinteressen dieser Behörden zuwiderlaufen würde. Die Gesetzesänderung
sieht
außerdem
die
neugeschaffene Befreiung von dem Gesetz über Informationsfreiheit
für
technische Daten vor, die ohne vorherige Genehmigung nicht aus den Ver-

�einigten
dürfen.

Staaten

exportiert

bundenen Haftungsnorm;

werden

- Abbau der Gemeinschafts- und Einzelhaftung mit Ausnahme der Fälle, in denen die beklagten Parteien gemeinschaftlich gehandelt
haben;

C.
Handelsverordnung im Gesetz
über digitale Aufnahmegeräte von 1987
(Regulation of Commerce in Digital
Audio Recording Devices Act of 1987).
Sieht die technische Lösung des potentiellen Problems nicht genehmigter
Kopien von urheberrechtlich geschütztem Material mit digitalen Tonbandgeräten vor. Es wird verfügt, daß digitale
Aufnahmegeräte
einen
Entschlüsselungsmechanismus
haben, der
die Aufnahme von urheberrechtlich geschützten, mit einem unhörbarem Signal
verschlüsselten
Digitalbändern
verhindert.

- Begrenzung der Entschädigung für
nicht-wirtschaftliche Schäden in
einer
gerechten
und zumutbaren
Höhe;
- Bereitstellung periodischer Zahlungen anstelle von Abschlagszahlungen für aus zukünftiger medizinischer Versorgung oder Einkommensverlusten resultierende Schäden;

Titel IV - Gesetz über Rechtsund
Gesetzesreformen
von
1987
(Legal and Regulatory Reforms Act
of 1987)
Aufgrund von veralteten Verordnungen und Vorschriften und selbst
auferlegten anreizhemmenden Faktoren
befinden sich die Vereinigten Staaten
in einer nachteiligen Position auf
dem Weltmarkt. Das Gesetz über Handel, Beschäftigung und Produktivität
von
1987
umfaßt
eine
Reihe
von
Rechts- und
Gesetzesreformen,
die
darauf ausgerichtet sind, diese Wettbewerbshindernisse abzubauen.
A. Reform des Gesetzes über Produkthaftung von 1987 (Product Liability Reform Act of 1987). Verringert
die Kosten der Produkthaftungs- und
Versicherungsspirale, die einen Kostenzuwachs für amerikanische Produkte verursacht und der Entwicklung und
Vermarktung
neuer
und
innovativer
Produkte durch amerikanische Hersteller zuwiderläuft. Der Titel beinhaltet:
- Aufrechterhaltung

der

- Minderung von Schadenersatz
in
solchen Fällen, in denen der Kläger auch aus anderen Quellen, wie
etwa über Zuwendungen der Regierung entschädigt wird,
- Verringerung
der
Kosten
bei
Transaktionen durch Einschränkung
des Erfolgshonorars der Anwälte
mittels Staffelsätzen, und
- Ermutigung
der
prozeßführenden
Parteien
zur
außergerichtlichen
Einigung,
B.
Verfassungszusätze von 1987
gegen
die Bildung
von
Kartellen.
Diese umfassenden Veränderungen zielen darauf ab, die Dynamik amerikanischer Unternehmen zu verbessern und
gleichzeitig Verbraucher und Firmen
vor
Monopolbildung,
Kartellen
und
Preisabsprachen zu schützen. Zu diesen Vorschlägen zählen:

fehlerge- 5 -

- Ergänzung
von
Teil
i
des
Clayton-Gesetzes zur besseren Unterscheidung
zwischen
wettbewerbsfreundlichen
Fusionen
und
solchen, die für den Verbraucher

�höchstwahrscheinlich
zu
Preise führen würden,

höheren

- Einschränkung privater und staatlicher Aktivitäten gegen Kartelle
auf tatsächliche Schäden (statt
solchen in dreifacher Höhe), außer denjenigen, die durch überhöhte Forderungen oder Unterbezahlung hervorgerufen werden,
- Beseitigung
ungerechtfertigter
und lästiger Beschränkungen für
eine Personalunion bei Verwaltungen verschiedener Gesellschaften.
- Klärung der Anwendung von amerikanischen Gesetzen gegen Kartellbildung auf private Fälle, die
mit dem internationalen Handel in
Zusammenhang stehen und
- Bedingung, daß bei Kartellbildungen alle Forderungen, die nach
der Teilregulierung eines Falles
gegen andere Beklagte bestehen,
in angemessenem Umfang reduziert
werden.
C.
Das "Sunset Act" der zwischenstaatlichen
Handelskommission
von 1987 schafft die wirtschaftlichen
Beschränkungen für Beförderungsunternehmen im Land- und Binnenwasserverkehr (außer auf der Schiene) ab und
läßt die zwischenstaatliche Handelskommission am 1. Oktober 1987 erlöschen.
D. Das Gesetz zur Reform der Bestimmungen bei ölpipelines (Oil Pipeline Regulatory Reform Act) von 1987
hebt Bestimmungen der Bundesstaaten
für solche ölpipelines auf, die nach
Kriterien des freien Wettbewerbs geführt werden.
E.
Der Zusatz zum Gesetz über
Maßnahmen beim Erdgas (Natural Gas
Policy Act Amendment) von 1987 regelt
- 6

den
Zugang zu Beförderungssystemen
für Erdgas, schafft die Preisbindung
für Erdgasquellen ab und hebt Bestimmungen des Gesetzes zur Verwendung
von Kraftstoff (Fuel Use Act) auf,
die die Nachfrage nach Erdgas einschränken.
F.
Das Gesetz zur Information
über motorisierte Fahrzeuge und Kostenersparnis (Motor Vehicle Information and Cost Savings Act) von 1987
hebt die für Autos bestehenden einheitlichen Maßstäbe für den durchschnittlichen Kraftstoffverbrauch aller von einem Autohersteller produzierten Modelle auf, die einen Wettbewerbsnachteil für die amerikanische
Automobilindustrie bedeuten und Verzerrungen in der Wirtschaft hervorrufen.

^

G.
Zusätze zum Gesetz zur Regelung des Exports (Export Administration Act - EAA) von 1987.
- Sie autorisieren die Lizenzvergabe
bei
Mehrfachausfuhren
nach
China und machen so die amerikanischen
Exporte
nach
China
wettbewerbsfähiger,
- Sie spezifizieren die Befugnis,
in den Vereinigten Staaten Verkäufe von im Interesse der nationalen
Sicherheit
kontrollierten
Waren an Geschäftspartner aus bestimmten Ländern zu beschneiden,
- Sie legen eine Zeitspanne von 120
Tagen fest, um abzuschätzen, welche Waren auf dem ausländischen
Markt verfügbar
sind wie auch
eine zusätzliche Frist für Konsultationen vor der Freigabe.
- Sie unterstellen die voraussichtliche Lizenzerteilung an ein Land
der freien Welt für ein Produkt,
das zum Zwecke der nationalen Si-

,

»

�cherheit
Kontrollen
unterliegt,
wenn dieses Produkt ohne effektive Einschränkungen für das Land
erhältlich ist.
Der
Regierung
der
Vereinigten
Staaten wird vor Erteilung der Lizenz
eine Frist von 20 Tagen (die um 15
weitere verlängert werden kann) gewährt, wenn die Lizenz nicht vorher
wegen des unannehmbaren Risikos eines
illegalen Transfers versagt wird.
- Sie bestimmen die Zielsetzungen
der Vereinigten Staaten bei den
Verhandlungen mit den Regierungen
des COCOM und auch die Streichung
von Posten aus der Internationalen Kontroll-Liste (ICL) dort, wo
Kontrollen unwirksam oder unnötig
sind,

dere wichtige
umstrukturiert.

Reformen

grundlegend

Titel V - Gesetz zur Verbesserung
des
internationalen
wirtschaftlichen
Umfeldes
(International
Economic Environment Improvement
Act) von 1987
Die Regierung kann eine Schlüsselrolle bei der Verbesserung der
Wettbewerbsfähigkeit der Nation spielen, indem sie das internationale Umfeld für die Wirtschaft so gestaltet,
daß darin das Wissen, das Talent und
der Unternehmensgeist Amerikas gedeihen kann.
A. Das Gesetz zur Wettbewerbsfähigkeit im Handel von 1987

- Sie befugen den Handelsminister,
solchen Körperschaften
(und den
ihnen angegliederten Gesellschaften) Ausfuhrlizenzen zu verweigern, die bereits wegen Verletzungen der Exportkontrollgesetze
verurteilt worden sind und
- sie erlauben es dem Handelsminister,
Ausfuhrvergünstigungen
für einen Zeitraum von 180 Tagen
zu verweigern, um eine bevorstehende Verletzung zu verhindern,
oder, wo
immer
das
notwendig
wird, die Anwendung des EAA zu
erleichtern.
H.
Das Gesetz zur Regelung finanzieller
Dienstleistungen
(Financial Services Regulatory Efficiency
Act) von 1987 erfüllt die Empfehlungen der Arbeitsgruppe unter Vizepräsident Bush über die Regelung finanzieller
Dienstleistungen, indem es
den Rahmen zur Regelung finanzieller
Dienstleistungen
auf
Bundesebene
durch die Schaffung einer neuen Bundesbehörde für das Bankwesen und an- 7 -

- Es autorisiert Verhandlungen innerhalb
der
Uruguay-Runde
der
Handelsgespräche.
Dazu
gehört
auch
ein erheblich
erweiterter
Bedarf an Konsultationen mit dem
Kongreß und dem Privatsektor,
- es unterstützt das AntidumpingGesetz durch die Schaffung einer
neuen, berechenbaren Abhilfe bei
der Preisfestsetzung für Produkte
aus
nicht-marktwirtschaftlich
orientierten Ländern und festigt
die Gesetze gegen Dumping und
Ausgleichszölle durch neue, nicht
umgehbare Bestimmungen zur Verhinderung einer Umgehung von Zöllen ,
- es verschärft Abschnitt 301 des
Handelsgesetzes
von
1974
(über
unfaire Handelspraktiken)
durch
die Festsetzung einer 24mrnatigen
Frist bei Streitfällen ui.d durch
die Notwendigkeit einer Zusammenarbeit mit dem Kongreß durch Berichte
über
die
kommerziellen
Auswirkungen der Fälle, die unter

�Abschnitt 301 fallen.
- Das Gesetz unterstützt den beiderseitigen Zugang zu ausländischen Märkten als einen zusätzlichen Faktor, der bei Fällen,
die unter Abschnitt 301 fallen,
in Betracht zu ziehen ist.
- Es ergänzt Abschnitt 201 des Handelsgesetzes von 1974 (der sich
auf Abhilfe bei durch Importen
verursachte Schäden bezieht) folgendermaßen: es werden beschleunigte Erleichterungen
für verderbliche Agrarprodukte gewährt,
zusätzliche Optionen für eine Unterstützung geschaffen, zu denen
multilaterale Verhandlungen
und
eine Reform von Vorschriften zählen und es wird klargestellt, daß
Erleichterungen während einer Rezession gewährt werden können.
- Es macht die in Abschnitt 337 des
Zollgesetzes von 1930 (der sich
auf bestimmte unfaire Handelspraktiken bezieht) beschriebenen
Verfahrensweisen der Internationalen Handelskommission wirkungsvoller, indem es die heute bestehende
Erfordernis
abschafft,
einer
inländischen
Firma
eine
Verletzung nachweisen zu müssen,
wenn ein Verstoß gegen den Schutz
geistigen Eigentums vorliegt,
- es verbessert das Gesetz für Gesellschaften im Exporthandel (Export Trading Company Act) und erstellt eine Statistik zur Exportförderung und
- es beschließt
Zollgebühren
für
die Abfertigung von Frachtgut, um
die Kosten der Bereitstellung von
Dienstleistungen der Zollbehörde
genauer widerspiegeln zu können
und diese Gebühren über das vorhergesehene Auslaufdatum
hinaus

zu erheben.
B.
Das Gesetz über Geschäftspraktiken und Buchführung
(Business
Practices and Records Act) von 1987.
Obwohl sie bereits Bestechung zur der
Erzielung von Verkäufen im Ausland
durch gerichtliche Strafen abschrekken, werden die vorgeschlagenen gesetzlichen Änderungen Unsicherheiten
ausräumen und Zweifels fälle im Gesetz
über korrupte Praktiken im Ausland
(Foreign Corrupt
Practices
Act
FCPA) klären. Zu den besonderen Reformen zählen:
- 'reason to know' wird durch eine
objektivere
Formulierung,
wie
'directs or authorizes' ersetzt,
- es wird näher ausgeführt, welche
Arten der Zahlung aus dem Gesetz
ausgenommen werden sollten und
- es werden die Erfordernisse für
eine Buchführung gemäß dem FCPA
spezifiziert.

Unterstützung für private Pensionsfonds
Abgesehen vom Gesetz über Handel,
Beschäftigung und Produktivität von
1987 schlägt der Präsident gesetzgebende Maßnahmen vor, um die Sicherheit für Arbeitnehmer mit privaten
Rentenversicherungen zu erhöhen, indem es den Unternehmern erlaubt wird,
überschüssige Einlagen aus der Altersversorgung abzuziehen, ohne diese
aufzulösen und indem für mit zu geringem Mitteln ausgestattete Rentenfonds erhöhte Zahlungen der Unternehmer gefordert werden.

Zusammen fassung
Das Gesetz über Handel, Beschäf-

,

»

�tigung und Produktivität von 1987 erfüllt die Aufgabe der Bundesregierung
zur
Förderung
der
amerikanischen
Wettbewerbsfähigkeit.
Jedoch müssen
sich alle Amerikaner die Verantwortung zur Förderung unserer Wettbewerbsfähigkeit teilen;

schem Geist und einfach
amerikanischen Mumm".

- das Geschäftsleben muß leistungsfähiger arbeiten und hohe Qualitätsmaßstäbe setzen, Verfahrensweisen rationalisieren, altmodische Strukturen und Führungsstile
außer Kraft setzen, sich dem Wandel anpassen und auf der Tradition des amerikanischen Unternehmertums aufbauen;
- Arbeitnehmer müssen in die Lage
versetzt werden, ihre Möglichkeiten durch die Anwendung neuer
Technologien,
Investitionen
in
ihre
Ausbildung,
Weiterbildung
und die Verbesserung ihrer Fähigkeiten
auszuschöpfen,
und
sie
sollten stolz auf ihre Arbeit
sein können.
- Familien, die durch
staatliche
oder städtische Behörden unterstützt werden, tragen die größte
Verantwortung - sie müssen ein
pädagogisches Umfeld schaffen, in
dem unsere jungen Menschen leistungsfähige Bürger werden können
und in die Lage versetzt werden,
sowohl geistig wie auch materiell
das Beste
zu
erreichen.
Wir
sollten nach einem ausgezeichneten Bildungswesen streben.
Wie der Präsident in seiner Botschaft zur Lage der Nation ausführte:
"(...) jeder einzelne muß nach
außergewöhnlichen Leistungen streben,
die sich nicht in neuen Vorschlägen
oder Milliarden
neuer öffentlicher
Mittel ausdrücken.
Stattdessen gehört dazu ein Aufwand an amerikani- 9 -

* * * * * *

geradlinigem

�AMERIKA DIENST
Wissenschaft und Technik
25. Februar 1987

Nr. 8

DONALD IAN MACDONALD - NEUER SONDERBERATER IN DROGENFRAGEN
Präsident Reagan beruft Experten aus dem Gesundheitsministerium
ins Weiße Haus -

WASHINGTON - (AD) - Als Nachfolger für Dr. Carlton Turner, der Ende
Januar 1987 aus dem Staatsdienst ausschied
ernannte
Präsident
Reagan
Donald Ian Macdonald zum Sonderberater und Leiter des Präsidialamtes für
Programme zur Bekämpfung des Drogenmißbrauchs.
Die Probleme sind für
Macdonald keineswegs neu. Seit 1984
leitet er die Abteilung "Alkohol,
Drogenmißbrauch und Geistige Gesundheit" (ADAMHA) im Bundesministerium
für Gesundheit und Soziale Dienste.
Diese Funktion wird er beibehalten,
bis ein geeigneter Nachfolger gefun-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

den ist. ADAMHA ist für die Durchführung und Koordinierung von Aktivitäten und Maßnahmen auf Bundesebene zur
besseren Aufklärung der Bevölkerung
im Zusammenhang mit Suchtstoffen, zur
Verbesserung der Vorbeugung und Behandlung bei Drogenproblemen und Störungen der geistigen Gesundheit zuständig.
Im
öffentlichen
Gesundheitsdienst der Vereinigten Staaten
nimmt Macdonald eine der höchsten Positionen ein.
Vor
seinem
Eintritt
in
den
Staatsdienst hatte sich der neue Son-

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�derberater
Präsident
Reagans
als
praktizierender Kinderarzt (mit Lehrauftrag an der Universität Südflorida) wegen seines Engagements für landesweite Elterninitiativen zur Suchtstoffbekämpfung in der Öffentlichkeit
wie in der Ärzteschaft einen Namen
gemacht.
Seit Jahren ist er in den
Spitzengremien berufsständischer Organisationen und von Laienvereinigungen für Eltern- und Abhängigenberatung bei Drogenmißbrauch aktiv. Auch
seine
wissenschaftliche
Tätigkeit
fand in einer Vielzahl von Veröffentlichungen ihren Niederschlag.
Darin
werden in erster Linie die pathologischen Auswirkungen bestimmter Inhaltsstoffe von Drogen aus Pflanzen
und von synthetischen Präparaten behandelt.
Die für die Allgemeinheit
gedachten Informationen zeichnen sich
durch
eine
ideale Verbindung
von
fachlich präziser
mit leicht verständlicher Darstellung aus.
Macdonald, am 15. April 1931 in
New
York
geboren,
studierte
am
Williams College (Williamstown, Massachusetts) und an der Temple University in Philadelphia. Er ist verheiratet und hat vier Kinder.

* * * * * *
- 2

�</text>
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                <text>Amerikadienst 25.02.1987</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;"Beunruhigende" Menschenrechtssituation in Südafrika&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Schifter zum neuen Menschenrechtsbericht der amerikanischen Regierung -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Strategie zur Nationalen Sicherheit der Vereinigten Staaten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Bericht der Reagan-Administration an den Kongress - Teil V und VI&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Donald Ian Macdonald - neuer Sonderberater in Drogenfragen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Präsident Reagan beruft Experten aus dem Gesundheitsministerium ins Weiße Haus -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST
V,DN

4

1 8 . F e b r u a r 1987

I N H A L T

HINTERGRUNDMATERIAL
Strategie zur Nationalen Sicherheit der Vereinigten Staaten
- Bericht der Reagan-Administration an den Kongreß Teil IV

Ein Sieg der Demokratie in Nicaragua liegt auch im
Interesse Europas
- Von Elliott Abrams, Stellvertretender Außenminister der
Vereinigten Staaten -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Leistungsfähig fürs 21. Jahrhundert
- Forscher als Partner der Industrie

Reform des naturwissen-

schaftlichen Unterrichts -

* * * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial
18. Februar 1987

V

STRATEGIE ZUR NATIONALEN SICHERHEIT DER VEREINIGTEN STAATEN
- Bericht der Reagan-Adminstration an den Kongreß Teil IV

IV. Die Verteidigungspolitik der
Vereinigten Staaten

Einleitung
Die Verteidigungspolitik der Vereinigten
Staaten erfordert Streitkräfte, deren Organisation, Zusammensetzung, Ausbildung
und Ausrüstung
auf Abschreckung
und, wenn nötig,
auch darauf ausgerichtet ist, in der
gesamten
Bandbreite möglicher Konflikte eine Aggression niederzuschlagen. Unsere Strategie zur nationalen

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Sicherheit, unsere weltweiten Zielsetzungen und die Art der Bedrohung
erfordern
die Bereitschaft, unsere
Interessen in einem so weiten Umkreis
wie möglich um Nordamerika zu verteidigen.
Demgemäß stützt sich unsere
Strategie erheblich auf die weitere
Stationierung einsatzbereiter Truppen
und wird von engen Beziehungen im
Bündnis
zusätzlich gefestigt.
Zur
Unterstützung dieser Beziehungen werden wir in Friedenszeiten auch weiterhin wichtige Vorne-Stationierungen
bei den Land- , See- und Luftstreitkräften in Europa, im Atlantik und im

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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Pazifik vornehmen wie auch andere
Stationierungen in der westlichen Hemisphäre und im Indischen Ozean. Der
Gesamtumfang und die Zusammensetzung
unserer
Streitkräfte
werden
durch
diese Erfordernisse stark beeinflusst.
Wir sehen uns hier einer dynamischen und komplexen Herausforderung
gegenüber.
Bei
den
Streitkräften
bleibt ein erhebliches Ungleichgewicht in einigen wichtigen Bereichen
zugunsten der Sowjets bestehen. Darüber hinaus sind Staaten der Dritten
Welt zunehmend mit moderner und hochentwickelter militärischer Ausrüstung
bewaffnet.
Zum Abbau von Risiken für unsere
nationale Sicherheit ist ein umfassender
und phantasievoller Verbund
militärischer Fähigkeiten der Vereinigten Staaten und der Verbündeten
erforderlich.
Da unser politisches
und soziales Erbe gegen die Aufstellung und Unterstützung umfangreicher
Truppen in Friedenszeiten sprechen,
sind wir genötigt, mit Hilfe von Amerikas nationalem Talent für technologische Innovationen, dem Umfang und
der Vielfalt unserer heimischen Wirtschaft
und
der
Zusammenarbeit
im
Bündnis nach Sicherheit zu streben.
Die Vereinigten Staaten müssen Strategien für einen Wettbewerb mit den
Sowjets verfolgen, die unseren vergleichbaren Vorteil in diesen Bereichen betonen.
Das
gesamte
Spektrum
militärischer
Fähigkeiten der Vereinigten
Staaten sollte durch ein angemessenes
Gleichgewicht von Kampf- und Unterst ützungselelernenten
gekennzeichnet
sein und eine geeignete Mischung zwischen aktivem Dienst und Reserve darstellen.
Die
Vereinigten
Staaten
müssen
spezialisierte
Streitkräfte
unterhalten - von solchen, die zur
nuklearen
Abschreckung
erforderlich

sind bis hin zu Einheiten, die zur
Bekämpfung des Terrorismus zusammengestellt werden, und wir sollten ferner Streitkräfte für allgemeine Zwekke haben, die in der Lage sind, Konflikte von hoher Intensität durchzustehen und gleichzeitig wirksame Fähigkeiten für kleinere Auseinandersetzungen und Spezialoperati^rien aufrechterhalten.
Gleichzeitig
müssen
wir unsere Prioritäten bei der Verteidigung unter den konkurrierenden
Bedürfnissen nach Bereitschaft, Erhaltung, Modernisierung sowie Erweiterung
der
Streitkräfte
in
ein
Gleichgewicht bringen.
Die Streitkräfte der Vereinigten
Staaten müssen ferner durch Pläne,
Führungs- und Einsatzgrundsätze
und
Unterstellungsverhältnisse
unterstützt werden, die eine wirkungsvolle
Integration
und die Einbeziehungen
aller Elemente unserer militärischen
Macht bieten.
obwohl der mögliche
Gebrauch von Kernwaffen ein Bestandteil unserer gesamten militärischen
Strategie bleiben muß, sollten nukleare Streitkräfte niemals
lediglich
als
kostengünstige
Alternative
zu
konventionellen
Streitkräften
betrachtet werden.
Die Streitkräfte
der
Vereinigten
Staaten
sollten
schnell eingreifen können und größere
Krisen oder Konflikte abzuschrecken
in der Lage sein. Sie müssen ferner
im Falle eines Versagens der Abschreckung
die Fähigkeit besitzen,
den Umfang und die Intensität von
Kampfoperationen zu erhöhen und wenn
nötig, den Konflikt zu für die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten
günstigen Bedingungen zu beenden.
Die Vereinigten
Staaten müssen
effektive und robuste Kräfte der Reserve und der Nationalgarde unterhalten, deren Ausbildungs- und Ausrüstungsniveau
ihren
Aufträgen
im
Kriegsfall angemessen sind, wie auch

�eine Küstenwache und andere Einheiten, die die Aufrechterhaltung der
nationalen
Sicherheit
unterstützen.
Die Vereinigten Staaten müssen ferner
ihre Fähigkeiten verbessern, Arbeitskräfte oder industrielle Ressourcen,
denen eine Schlüsselfunktion zukommt,
zu erhöhen oder zu mobilisieren, um
im Fall von Krisen oder Krieg den
wirkungsvollsten Einsatz verfügbarer
strategischer Warnsysteme zu planen.

Ausnutzung amerikanischer
und sowjetischer Schwäche

Stärke

Einer der wichtigsten Grundsätze
unserer Verteidigungspolitik besteht
darin, daß die Vereinigten Staaten
mit der Sowjetunion keinen Gleichstand bei den Waffen anstreben. Wir
werden vielmehr daran arbeiten, die
zahlenmäßige
Überlegenheit der Sowjetunion zu überwinden, indem wir
die den Bündnissen, die sich aus demokratischen, industrialisierten Länder mit freier Marktwirtschaft zusammensetzen, immanente Stärke maximal
ausnutzen.
Technologie:
Die
Vereinigten
Staaten und Ihre Verbündeten genießen
gegenüber der Sowjetunion in den meisten Bereichen der militärischen Anwendung anhaltende Überlegenheit auf
technologischem Gebiet. Dieser technologische Vorteil ergibt sich aus
der grundlegenden Natur unserer beiden Gesellschaftssysteme.
Der den
Westen charakterisierende Geist der
Forschung und der freie Informationsfluß
bringen
es unweigerlich
mit
sich, daß Technologie und Innovation
in größerem Umfang blühen als sie
dies in einer geschlossenen Gesellschaft tun würden.
Die Vereinigten
Staaten und ihre Verbündeten genießen
einen
einzigartigen Vorteil, nicht
nur bei der Erfindung, sondern auch
bei der praktischen Nutzung moderner

Technologien.
Gesellschaften
mit
wettbewerbsfähigen, freien Unternehmen sind immer leistungsfähiger als
Volkswirtschaften mit zentraler Planung, wenn es darum geht, Innovation,
Wachstum
und die Anwendung
neuer
Technologien in einer ganzen Reihe
von Bereichen zu fördern.
Die Technologie hat eine zweifache Auswirkung auf unsere nationale
Sicherheit. Erstens trägt die Fähigkeit zur Nutzung und Anwendung von
Technologie
zur
allgemeinen
wirtschaftlichen Gesundheit der Vereinigten Staaten
und ihrer Verbündeten
bei, die ihrerseits ein Schlüsselelement für nationale Macht ist. Zweitens
fördert die Ausnutzung eines
technologischen Vorteils direkt die
Verteidigung.
Präzisionsgesteuerte
Munition hilft uns zum Beispiel dabei, den großen sowjetischen Vorteil
bei den Panzereinheiten wettzumachen.
Unsere
zur
Tarnung
entwickelte
("stealth") Technologie hilft uns bei
der Bekämpfung massiver sowjetischer
Investitionen
in die Luftverteidigung.
Fortschritte bei Technologien
zur Bekämpfung von U-Booten und solche für geräuscharme U-Boote helfen
uns bei der Erhaltung der maritimen
Überlegenheit trotz einer zahlenmäßigen Überlegenheit
der sowjetischen
Marine.
Die vielleicht bedeutungsvollste Tatsache ist, daß der amerikanischen
Durchbruch
bei ComputerTechnologie und Software für das gesamte Spektrum der Kriegführung militärisch bedeutsam ist.
Die Sowjets sind sich natürlich
des westlichen Vorteils im Bereich
der Technologie bewußt und haben massive Bemühungen unternommen, um westliche Technologie zu erwerben und zu
nutzen.
Es ist daher ein unerläßlicher Bestandteil unserer Verteidigungspolitik, den Technologietransfer
zu kontrollieren und der Geheimhal-

- 3 -

�tung unterliegende Informationen, die
sich auf militärisch nutzbare Technologie beziehen, zu schützen.
Unter
Berücksichtigung dieser Kriterien haben wir erhebliche Anstrengungen unternommen, um unsere Pläne und Fähigkeiten in den Bereichen der Nationalen Abschirmung und Gegenmaßnahmen zu
verbessern, wie ich bereits in meinem
Bericht an den Kongreß von November
1986 dargelegt habe.
Wettbewerbsstrategien:
Wettbewerbsstrategien zielen darauf ab, unseren
technologischen
Vorteil
auf
eine überlegte und systematische Art
und Weise zu nutzen, mit dem Ziel,
daß die Sowjets in Bereichen militärischer Anwendung weniger leistungsfähig und weniger wirkungsvoll konkurrieren.
Mittels solcher Strategien
wird versucht, Teile der gewaltigen
sowjetischen
Militärmaschinerie
schneller veralten zu lassen und die
Sowjets zu zwingen, ihre Ressourcen
auf eine ihnen nicht weniger angenehme Art und Weise anzuwenden wie
auch auf eine Art, die nicht notwendigerweise unsere eigenen Streitkräfte
bedroht.
Die
Tarntechnologie
z.B., kann einen erheblichen Teil des
Luftverteidigungspotentials
veralten
lassen und macht es notwendig, daß
die Sowjets ihre Mittel von Offensivwaffen auf Defensivwaffen umverteilen. Der Beitrag, den neue Technologien für unsere Wettbewerbsstrategien
leisten können, muß bei Beschaffungsentscheidungen
im
Verteidigungsbereich ausdrücklich in Betracht gezogen werden.
Bündnisse: Einen dritten Bereich
amerikanischer
Stärke
und
sowjetischer Schwäche stellen die Bündnisbeziehungen dar. Während die Sowjetunion ein Reich regiert, das in den
vergangenen vierzig Jahren mehrmals
Schauplatz bewaffneter Aufstände geworden
ist, sind
die Vereinigten
- 4

Staaten Führungsmacht eines freiwilligen Zusammenschlusses gleichwertiger Staaten.
Die Verbündeten der
Vereinigten Staaten, besonders unsere
NATO-Partner,
tragen
einen
großen
Teil zur gesamten militärischen Stärke des Westens bei. In Anerkennung
dieses Beitrags gründet sich unsere
Verteidigungspolitik auf die grundlegende Annahme, daß wir nicht im Alleingang, sondern zusammen mit unseren Verbündeten rund um den Erdball
auf der Basis ausgewogener Lastenteilung, danach streben, die sowjetische
Macht auszugleichen.
Innerhalb der NATO heißt das, daß
wir unsere erhebliche Unterstützung
der Bemühungen im Bündnis fortsetzen
müssen, mit deren Hilfe das gesamte
konventionelle
Gleichgewicht
im
Westen verbessert werden kann. Dazu
gehören auch angemessene wirtschaftliche und militärische Hilfe für die
Verbündeten an der wichtigen Südflanke der NATO.
Das bedeutet ferner,
wir müssen den Beitrag der NATO-Partner in unsere Strategie integrieren die Vereinigten Staaten haben ja keine separate militärische
Strategie
zur Verteidigung Europas, sondern sie
sind ein Partner in der Abschreckungund Verteidigungsstrategie des NATOBündnisses.
Außerhalb Europas streben die Vereinigten Staaten nach engen Beziehungen mit Ländern rund um
den Erdball, helfen befreundeten und
verbündeten Ländern dabei, ihre militärischen Fähigkeiten zu verbessern
und ermutigen sie gleichzeitig dazu,
bei ihrer eigenen Verteidigung eine
größere Rolle zu spielen.
Die Stärke des Einzelnen: Einer
unserer größten Vorteile im Wettbewerb mit der Sowjetunion liegt in unserem Volkscharakter begründet. Westliche Gesellschaften mit ihrer Betonung der Bedeutung des Einzelnen stehen dem repressiven System des so-

�wjetischen staatens diametral entgegen.
Die Initiative, der Unternehmungsgeist und die Motivation freier
Völker bilden eine Quelle erheblicher
Stärke, wenn Individuen im Kampf der
höchsten Prüfung unterworfen werden.
Obwohl es sich hier um immaterielle
Werte handelt, stellen diese Qualitäten einen wichtigen Vorzug dar, mit
dem es die Sowjets nicht aufnehmen
können.
Die
Verteidigungspolitik
geht darauf ein, indem sie Wert legt
auf Integration der Einheiten und auf
Führung, während
unsere Ausbildung
und Taktik der Initiative des Einzelnen und der aggressiven Nutzung von
Chancen großen Wert beimißt.

Grundlage durch unsere strategischen
Streitkräfte und die sie unterstützende Doktrin. Nukleare Abschreckung
verlangt wie jede andere Art der Abschreckung auch von uns, nicht zu bedenken, was uns abschrecken würde,
sondern was die Sowjets abschrecken
könnte, weil deren Vorstellung von
der Welt wie auch ihr Wertesystem von
den
unseren grundverschieden
sind.
Da wir niemals völlige Sicherheit
über die sowjetischen Vorstellungen
gewinnen
können, ist es ungeheuer
wichtig, daß die Wirksamkeit unserer
strategischen Fähigkeiten - und unser
Wille, auch von ihnen Gebrauch zu
machen - niemals in Zweifel gezogen
werden.

Aufrechterhaltung der strategischen Abschreckung

Im Interesse einer
gesicherten
Abschreckung
unterhalten
die Vereinigten Staaten ein breites Spektrum
strategischer Waffen, um einen entwaffnenden Erstschlag zu umgehen, sowjetische Angriffspläne zu erschweren
und sich gegen technologosche Überraschungen zu wappnen, die einen Teil
unserer
strategischen
Streitkräfte
bedrohen könnten.
Deshalb unterhalten wir eine Anzahl von Stationierungsformen, Abschußrampen
und Angriffsträgern. Durch eine Triade von
SLBMs, ICBMs und Bombern gewährleisten wir Vielfalt.
Angemessene und
über lebensfähige
Führungseinrichtungen sind ein grundlegendes Element
der
Struktur
unserer
strategischen
Streitkräfte und entscheidend für die
Glaubwürdigkeit unserer strategischen
Abschreckung.

Abschreckung
ist
der
grundlegendste Bestandteil unserer Verteidigungspolitik und Grundpfeiler unserer
Beziehungen im Bündnis. Mittels Abschreckung sollen nicht nur konventionelle und nukleare Angriffe auf
die Vereinigten Staaten verhindert,
sondern ein solcher Schutz muß auch
für unsere Verbündeten gelten. Abschreckung kann am besten erreicht
werden, wenn durch unsere Verteidigungshaltung die Sowjets oder ein anderer Gegner das Ergebnis eines Krieges als so gefährlich und unsicher
einschätzen, daß dadurch jeder mögliche Anreiz zum Beginn eines Konflikts genommen wird.
Abschreckung
hängt sowohl von nuklearen als auch
von konventionellen Fähigkeiten ab,
ferner vom Beweis eines starken Willens, wenn es notwendig sein sollte,
militärische Macht zur Verteidigung
unserer
lebenswichtigen
Interessen
einzusetzen.
Obwohl Abschreckung
Fähigkeiten
für das gesamte Konfliktspektrum erfordert, so erhält sie ihre wichtige

Unsere strategischen Streitkräfte
und die damit verbundene Zielplanung
müssen einer jeglichen Berechnung zufolge so aufgefaßt werden, daß dadurch nukleare Kriegführung zu einer
unannehmbaren und wenig einträglichen
Aussicht für die sowjetische Führung
wird. Demgemäß muß unsere Strategie:

- 5 -

�- den Sowjets die Fähigkeit verwehren, wichtige militärische Zielsetzungen zu erlangen, indem wir
die
sowjetische
Fähigkeit
der
Kriegführung einem Risiko unterwerfen. Das schließt die gesamte
Bandbreite sowjetischer militärischer Kräfte ein wie auch die
Industriezweige, die Kriegsmaterial liefern, so den Grundstein
für die sowjetische Militärmacht
legen und dadurch die sowjetische
Fähigkeit zur Durchführung eines
langwierigen Konflikts unterstützen.
- diejenigen
politischen
Gebilde
gefährden, die die wichtigsten
Stützen der sowjetischen Führung
sind: den Mechanismen zur Sicherung der Uberlebensfähigkeit der
kommunistischen Partei und ihrer
Führungskader und zur Erhaltung
der Kontrolle über die sowjetischen Völker und die des Sowjetsblocks seitens der Partei.
Diese grundlegende Strategie, die
auf solche Bereiche abzielt, die für
die sowjetische Fähigkeit der Kriegführung wie auch zur politischen Kontrolle
unerläßlich
sind,
bestimmt
seit mehreren Jahren die Politik der
Vereinigten Staaten. Bei der Anwendung dieser Strategie stellt für die
Vereinigten Staaten nicht die Bevölkerung
das
eigentliche
Ziel dar;
vielmehr ist sie darauf ausgerichtet,
Begleitschäden
durch
zielgenauere
Waffen mit geringerem Detonationswert
so klein wie möglich zu halten.
Wir können es nicht zulassen, daß
sich irgendein Präsident einer Situation gegenübersieht, in der die einzig mögliche Reaktion auf einen Angriff in Kapitulation oder massiver
Zerstörung besteht.
Deshalb

müssen

die

Vereinigten

Staaten zusätzlich zur Verunsicherung
in den für die sowjetische Führung
wichtigen Bereichen bei der Verwendung ihrer strategischen Streitkräfte
flexibel sein. Es ist wichtig, daß
uns bei einer Reaktion Optionen offenstehen, die der ganzen Bandbreite
möglicher
Situationen
angemessen
sind. Diese Fähigkeit zur flexiblen
Reaktion unterstützt die Glaubwürdigkeit unserer Abschreckung, indem sie
den Sowjets klar vor Augen führt, daß
die Vereinigten Staaten eine Reihe
militärischer Optionen haben, mit deren Hilfe sie auf einen Angriff reagieren könnten.
Schließlich
brauchen
die Vereinigten Staaten auch eine genügend
starke Restfähigkeit, um Einfluß auf
die baldige Beendigung eines Krieges
nehmen zu können und Unterwerfung in
einer Welt nach einem solchen Konflikt zu vermeiden. Aus diesem Grunde unterhalten wir eine nukleare Reserve als integralen Bestandteil unserer
strategischen
Streitkräfte.
Wir unterhalten ferner Programme, die
Kontinuität
der
Regierungsgeschäfte
sichern, als wesentlichen Bestandteil
der
Abschreckung, um
den
Sowjets
klarzumachen, daß sie nicht nach einem schnellen "Enthauptungs"-Angriff,
der darauf abzielt, die politische
und militärische Führung der Vereinigten Staaten zu lähmen, der Vergeltung entgehen können.
Diese Fähigkeiten implizieren jedoch nicht, daß die Bereitschaft der
Vereinigten Staaten darauf aus sind,
in einem Nuklearkrieg zu kämpfen.
Ich habe wiederholt betont, daß ein
Nuklearkrieg
nicht gewonnen werden
kann
und
niemals
gekämpft
werden
darf. Aber wir streben danach, einen
Gegner mit einer ganz anderen Einstellung als unserer abzuschrecken einer Einstellung, die der Fähigkeit
zur Führung eines Nuklearkrieges gro-

�ße Bedeutung beimißt.
Es ist unerläßlich, daß die Sowjets verstehen,
daß sie unter keinen vorstellbaren
Umständen
ihre Zielsetzungen durch
eine nukleare Kriegführung verwirklichen können. Um dies zu erreichen,
müssen wir
sicherstellen, daß man
dort klar einsieht, daß die Vereinigten Staaten die Fähigkeit besitzen,
auf jedweden sowjetischen Versuch zur
Führung eines Nuklearkriegs angemessen zu reagieren, und daß wir die
Mittel besitzen, dies auf eine Weise
zu tun, die den sowjetischen Zielsetzungen eine Niederlage beibringt, ohne notwendigerweise massive Schläge
mit Nuklearwaffen herbeizuführen.
Strategische Verteidigung: Unsere Politik der flexiblen Reaktion und
der Abschreckung durch Androhung offensiver Vergeltung hat die Sicherheit der Vereinigten Staaten und ihrer Verbündeten seit Jahrzehnten bewahrt. Gleichzeitig hat die sowjetische
strategische
Aufrüstung
das
Fundament bedroht, auf dem die Abschreckung seit langem ruht. Für die
Zukunft bietet die Strategische Verteidigungsinitiative der Vereinigten
Staaten
eine Möglichkeit, die Abschreckung durch ein größeres Vertrauen in eine strategische Verteidigung auf eine sicherere und stabilere
Basis zu stellen.
Eine solche Verteidigung,
die
niemanden
bedroht,
könnte
die
Abschreckung
erheblich
verbessern, indem sie die sowjetische
Einschätzung der Fähigkeit zur Erlangung wesentlicher militärischer Zielsetzungen bei einem Erstschlag wesentlich
unsicherer
macht.
Eine
"lückenlose" Verteidigung wäre zu Anfang nicht erforderlich, um den Sowjets ihr Vertrauen auf die Erziehung
bedeutsamer
militärischer
Ziele zu
nehmen.
Sogar weniger perfekte Verteidigungssysteme könnten die Stabilität erheblich erhöhen, indem sie
überzeugende Anreize für einen so-

wjetischen Erstschlag ausschalteten.
Bei der Beurteilung der Eignung des
Systems für eine baldige Stationierung werden wir uns auch weiterhin
von den Kriterien der militärischen
Wirksamkeit, überlebensfähigkeit und
am Rande auch von der Kosten-Nutzenrechnung leiten lassen.
Indem wir den militärischen Wert
ballistischer
Raketen
abbauen
und
diese letztendlich überflüssig werden
lassen, würden die strategischen Verteidigungssysteme
Anreize
dafür
schaffen, daß die Sowjets bedeutungsvolle Rüstungskontrollabkommen akzeptieren. In einer Welt ohne ballistische Raketen wäre jedoch der Anreiz
für einen Betrug seitens der Sowjets
größer.
Strategische Verteidigungssysteme können diese Anreize wirkungsvoll zunichte machen, indem sie
die militärische Verwendbarkeit heimlich angehäufter Raketen ausschließen. Dadurch bieten sie die Aussicht
auf eine sicherere, stabilere Welt,
in der einschneidende Reduzierungen
bei strategischen Offensivwaffen sowohl verhandelbar als auch durchführbar werden.
Kurz gesagt ist es bei weiterer
Beschäftigung mit strategischen Verteidigungssystemen möglich, den bedeutungsvollsten Wandel in der Strategie zur Nationalen Sicherheit der
Vereinigten
Staaten seit Ende des
Zweiten
Weltkriegs
herbeizuführen.
Strategische
Verteidigungssysteme
würden, indem sie es uns gestatten,
von der Androhung massiver Zerstörung
zur Abschreckung einer Aggression abzurücken, das gesamte amerikanischsowjetische
strategische
Verhältnis
auf positive Art und Weise verändern
und somit die Sicherheit der Völker
beider Nationen wie auch ihrer Verbündeten erhöhen. Wir werden weiterhin versuchen, die Sowjets zu überzeugen, gemeinsam mit uns einen sta-

- 7 -

�bilen Übergang zu diesem vernünftigen
und erreichbaren Ziel zu erarbeiten.
Strategische
Modernisierungsprogramme der Vereinigten Staaten: Die
Fortsetzung einer Modernisierung des
strategischen Potentials ist unerläßlich zur Sicherung von verläßlicher
Abschreckung, Verbesserung der Stabilität und Schaffung einer sowjetischen Motivation, die notwendig ist,
um über einschneidende, beiderseitige
und verifizierbare Reduzierungen bei
strategischen Offensivwaffen zu verhandeln.
Obwohl wir der Anwendung
von Rüstungskontrolle als einem Bestandteil unserer Politik und einer
Verbesserung der Sicherheit der Vereinigten Staaten und ihrer Verbündeten verpflichtet sind, wäre es doch
sehr gefährlich, einen Erfolg bei der
Rüstungskontrolle
vorwegzunehmen.
Die Vernachlässigung einer Modernisierung des strategischen Potentials
in Erwartung von Abkommen zum Rüstungsabbau hätte den umgekehrten Effekt einer geringeren Wahrscheinlichkeit solcher Abkommen, weil sie einen
der wichtigsten sowjetischen Anreize
für ein Abkommen verringern würden.
Die Geschichte zeigt, daß der demonstrierte Wille, ein militärisches
Gleichgewicht mit den Sowjets aufrechtzuerhalten und ihnen nicht zu
gestatten,
einen
bedeutungsvollen
strategischen Vorteil
zu erlangen,
die wesentliche Grundlage für ernsthafte
Rüstungskontrollabkommen
bildet. Es waren die Vereinigten Staaten, die das Ungleichgewicht korrigiert und so die Sowjets dazu gebracht haben, die wichtigen in Reykjavik diskutierten Verringerungen in
Betracht zu ziehen.
Auch wenn wir
bei der Erlangung der von uns angestrebten Abkommen Erfolg haben, werden die Vereinigten Staaten dennoch
weiterhin
modernisierte,
operativ
wirkungsvolle
und
überlebensfähige
- 8

Nuklearwaffen brauchen, um eine Abschreckung zu schaffen, Stabilität zu
fördern und sich während eines Übergangs zu neuen, geringeren Waffenniveaus gegen einen sowjetischen Betrug
oder deren Ablehnung abzusichern.
Die Sowjets
investieren
ihrerseits weiterhin heftig in ihre strategische Modernisierung und betonen
dabei
zielgenaue,
schnellfliegende
ballistische Flugkörper, die harte
Ziele zerstören können. Ihr Ziel ist
und bleibt die Erzielung einer wirkungsvollen entwaffnenden Erstschlagfähigkeit.
Sie haben immer danach
gestrebt, die Verbesserung der Uberlebensfähigkeit
ihrer
ICBMs
durch
Härtung
der
Silos
zu
verbessern.
Kürzlich haben sie dasselbe durch Mobilität zu erzielen versucht, einschließlich einer fortgesetzten Stationierung ihrer mobilen SS-2 5 und
der Vorbereitung
zur Stationierung
der schienengestützten SS-X-24.
Gleichzeitig investieren die Sowjets weiterhin fast denselben Betrag
in ihre strategischen Verteidigungsprogramme wie in die Modernisierung
ihrer Offensivwaffen.
Sie erweitern
und verbessern das einzige auf der
Welt stationierte ABM-System.
Sie
verletzen auch weiterhin den ABM-Vertrag durch ihren Radar in Krasnojarsk
und verbessern ihre Fähigkeit, durch
schnelle Stationierung eines landesweiten Raketenabwehrsystems aus dem
ABM-Vertrag auszubrechen.
Zu ihren
umfangreichen zivilen Verteidigungsprogrammen gehört ein ausgedehntes
und wachsendes Netz von unterirdischen Führungszentralen, die darauf
abzielen, im Falle eines Krieges die
überlebensfähigkeit
der
Kontrolle
seitens der kommunistischen
Partei
über den sowjetischen Staat, seine
Wirtschaft und seine Streitkräfte sicherzustellen.
Ihre
strategischen
Kommunikationssysteme sind in höch-

�schließlich
Stationierung
des
B-lB und die Nutzung der wichtigen Führungsrolle der Vereinigten
Staaten bei Technologien zur Tarnung durch Entwicklung moderner
Bomber und Marschflugkörper.

stem Maße widerstandsfähig, überlebensfähig
und
gegen
Auswirkungen
durch Nuklearwaffen resistent.
Ihre
aktiven und passiven Verteidigungssysteme, ihre hartnäckige Aufrüstung
bei den Offensivwaffen und ihre veröffentlichte
Militärdoktrin
liefern
Beweise für die sowjetischen Auffassung zur nuklearen Kriegführung und
unterstreichen die unbedingte Bedeutung, die Effektivität der amerikanischen
strategischen
Abschreckung
aufrecht zu erhalten.
Aus diesem Grunde haben wir 1981
das Strategische Modernisierungsprogramm aufgenommen, um die unbedingt
notwendige
Überlebensfähigkeit
und
Effektivität unserer eigenen Streitkräfte angesichts des fortgesetzten
qualitativen und quantitativen Steigerung
der
sowjetischen
Bedrohung
aufrechtzuerhalten.
Heutige Bestandteile dieses Programms, das im Rahmen
der Verteidigung unsere höchste Priorität bleibt, umfassen:

- Strategische
Verteidigungsprogramme, einschließlich SDI und
der
Luftverteidigungsinitiative,
um die seit langem bestehende
Vernachlässigung
von
Verteidigungsprogrammen
im
allgemeinen
wettzumachen und das Potential zu
nutzen, das uns die moderne Technologie zur radikalen Umgestaltung der Grundlage für die Abschreckung
bietet
und
um
den
Grundstein für ein sichereres und
stabileres strategisches Verhältnis mit der Sowjetunion zu legen.

Rüstungskontrolle

- Modernisierung
der
SLBM,
einschließlich Stationierung des UBoots vom Typ Trident sowie Entwicklung
und Stationierung der
Trident II-Rakete.

Rüstungskontrolle ist kein Ziel
an sich, sondern ein integraler Bestandteil unserer gesamten Strategie
zur Nationalen Sicherheit. Es sollte
als lediglich eines von mehreren Mitteln zur Verbesserung unserer nationalen Sicherheit und zur Förderung
unseres grundlegenden nationalen Interesses an einem überleben der Vereinigten Staaten als freie und unabhängige
Nation
betrachtet
werden.
Unsere Zielsetzungen im Bereich der
Rüstungskontrolle sind in unsere Außen- und Verteidigungspolitik
vollständig integriert und dienen gemeinsam
der Verbesserung
unserer
Abschreckung, dem Risikoabbau, der Unterstützung unserer Bündnisbeziehungen wie auch dazu, sicherzustellen,
daß die Sowjets keinen wesentlichen
einseitigen Vorteil über die Vereinigten Staaten erlangen.

- Kampfwertsteigerung
von
Bombern
und
Marschflugkörpern,
ein-

Auf dieser Auffassung
stungskontrolle als Beitrag

- Verbessertes
strategisches
Führungs- und
Kommunikationswesen,
um die rechtzeitige Warnung vor
einem Angriff und ein sicheres
Mittel zur Übermittlung von Befehlen zu einer Vergeltung an unsere
strategischen
Streitkräfte
sicherzustellen.
- Modernisierung der ICBMs, hauptsächlich
des
Typs
Peacekeeper
(MX) und kleiner ICBMs, die beide
eine verbesserte überlebensfähigkeit durch Mobilität haben werden.

- 9 -

von Rüzu einer

�starken nationalen Verteidigungshaltung basierend, wurde die Rüstungskontrollpolitik der Vereinigten Staaten seit Beginn dieser Regierung von
verschiedenen
grundlegenden
Prinzipien geleitet:
- Die Vereinigten Staaten streben
nur solche Abkommen an, die zu
ihrer Sicherheit und der ihrer
Verbündeten beitragen.
- Die Vereinigten
Staaten
wollen
Abkommen erzielen, mit deren Hilfe Waffen reduziert und nicht deren Zuwachs kodifiziert wird.
- Eine Erlangung von Abkommen über
einen weitgesteckten, einschneidenden und beiderseitigen Abbau
nuklearer
Offensivwaffen
stellt
im Bereich der Rüstungskontrolle
die höchste Priorität der Vereinigten Staaten dar.
- Innerhalb der Kategorie nuklearer
Offensivwaffen
räumen die Vereinigten Staaten dem Abbau der am
meisten destabilisierenden Waffen
Priorität ein: der schnell fliegenden, nicht-rückrufbaren
ballistischen Rakete.
- Die Vereinigten Staaten bestehen
auf Abkommen, die wirksam verifiziert und vollständig eingehalten
werden.
Rüstungskontrollabkommen
ohne wirksame Maßnahmen zur Verifizierung
sind
schlechter
als
überhaupt
keine Abkommen, weil
sie der Möglichkeit eines einseitigen sowjetischen Vorteils Vorschub leisten und bei der Planung
der Vereinigten Staaten und ihrer
Verbündeten ein falsches Gefühl
des Vertrauens hervorrufen könnten.
Diese Prinzipien stehen in krassem Gegensatz zum sowjetischen Ansatz

zur Rüstungskontrolle.
Die Sowjets
haben durch ihre Geschichte hinweg
danach
gestrebt,
den
Rüstungskontrollprozeß
dazu
zu nutzen, sich
durch Verschiebung des militärischen
Gleichgewichts zu ihren Gunsten einen
einseitigen Vorteil zu verschaffen.
Gleichzeitig strebten sie nach zusätzlichen Vorteilen, indem sie wichtige
Bestimmungen
bestehender
Rüstungskontrollabkommen
nicht
eingehalten haben und gleichzeitig sicher
sein konnten, daß die Vereinigten
Staaten sie nicht betrügen und sie
sich auf deren völlige Einhaltung
rechtskräftiger
Abkommen
verlassen
können.
Dieser Ansatz hat sich für die
Sowjets in der Vergangenheit wenigstens zum Teil als erfolgreich erwiesen.
Die
Rüstungskontrollabkommen
der 70er Jahre haben die planvolle
strategische Aufrüstung der Sowjets
größtenteils legitimiert, während sie
gleichzeitig die Modernisierung unserer eigenen Systeme eingeschränkt haben indem uns die öffentliche Unterstützung wichtiger strategischer Programme versagt blieb.
Typisch für
die Fehler der Vergangenheit ist der
SALT II-Vertrag, ein grundlegend mangelhaftes Abkommen, das nie ratifiziert wurde. Dieser in seinen wichtigen Bestimmungen unausgewogene und
nicht verifizierbare Vertrag war den
den Sicherheitsinteressen
der Vereinigten Staaten und ihrer Verbündeten wie auch der Stabilität des strategischen Verhältnisses zwischen den
Vereinigten Staaten und der Sowjetunion abträglich.
So unzulänglich diese frühen Rüstungskontrollabkommen auch waren, so
wurden ihre Mängel durch die sowjetische Nicht-Einhaltung wichtiger Bestimmungen auf die Spitze getrieben ein Versagen, das auch heute noch besteht.
Sie verschlüsseln die mit

- 10 -

�ballistischen Raketen in Zusammenhang
stehenden
telemetrischen
Daten so,
daß
eine
Verifizierung
unmöglich
wird. Sie haben ferner einen verbotenen zweiten neuen Typ von ICBM, die
SS-25, geschaffen, wie auch die zahlenmäßige Beschränkung
bei strategischen Trägersystemen überschritten.
Die Sowjets haben ferner das SALT I
Interimabkommen verletzt, und im Hinblick auf den ABM-Vertrag stellt der
Radar von Krasnojarsk weiterhin eine
eindeutige Verletzung dar.

gen strategischer Offensivwaffen ein
Hauptziel
der
Vereinigten
Staaten
bilden, so engagieren wir uns auch
bei einer Reihe von Verhandlungen und
Diskussionen über andere Themen, wir
streben nur nach solchen Übereinkünften, die beiderseitig verifizierbar
sind und unsere Sicherheit wie auch
die unserer Verbündeten verbessern.

Als ein Ergebnis sowohl der Besorgnis der Vereinigten Staaten über
die Struktur von SALT als auch auf
Grund der mangelhaften Dokumentation
einer
sowjetischen Einhaltung habe
ich mich im Mai 1986 entschlossen,
daß die Vereinigten Staaten in Zukunft ihre Entscheidungen über den
Aufbau
ihrer
strategischen Streitkräfte von Art und Umfang der Bedrohung abhängig machen werden, die von
sowjetischen
strategischen
Streitkräften ausgeht und nicht von den Niveaus, die in einem mangelhaften,
nicht-ratifizierten und abgelaufenen
Vertrag niedergelegt sind, der von
den Sowjets wiederholt verletzt wurde.
Gleichzeitig
habe ich darauf
hingewiesen,
daß
die
Vereinigten
Staaten - wenn bei der Bedrohung, der
wir uns gegenübersehen, kein bedeutender Wandel eintritt - nicht mehr
strategische Trägersysteme oder nukleare
Gefechtsköpfe
stationieren
werden als die Sowjetunion.
Deshalb
werden sich die Vereinigten Staaten,
obwohl sie weiterhin eine angemessene
strategische Abschreckung sicherstellen, die größtmögliche Beschränkung
auferlegen, um die notwendige Atmosphäre für eine sowjetische Zustimmung zu einem bedeutsamen Abbau herbeizuführen.
Obwohl im Bereich der Rüstungskontrolle einschneidende Verringerun- 11 -

Insbesondere heißt das:
- Im Bereich nuklearer Mittelstrekkenwaffen (INF) streben wir nach
vollständiger
Abschaffung
einer
gesamten Waffenklasse: der landgestützten
Raketen
längerer
Reichweite
(LRINF).
Als Ubergangsziel wollen wir ein globales
Abkommen erzielen, bei dem sich
die Vereinigten Staaten und die
Sowjetunion
auf
jeweils
100
LRINF-Gefechtsköpfe
beschränken,
die im asiatischen Teil der Sowjetunion wie auch in den vereinigten Staaten stationiert werden sollen. Von keiner der beiden Seiten werden solche Stationierungen in Europa vorgenommen.
- Im Einklang mit unserer Überzeugung, daß die strategische Verteidigung eine sicherere, stabilere Grundlage für die Abschrekkung schaffen kann, wollen wir
die sowjetische
Zustimmung
für
einen ordnungsgemäßen Übergang zu
einer Welt erhalten, die verstärkt auf Verteidigung vertraut.
- Wir haben ein effektiv verifizierbares weltweites Verbot chemischer Waffen vorgeschlagen.
- Wir
streben nach Verhandlungen
zwischen den Bündnissen, um bei
den konventionellen Streitkräften
vom Atlantik bis zum Ural ein
stabileres Gleichgewicht zu erlangen. Solch ein Abbau muß ef-

�fektiv verifizierbar sein und die
geographischen
Ungleichheiten
zwischen
beiden Seiten berücksichtigen.
- Bei den Atomtests streben wir
nach wesentlichen Verbesserungen
bei der Verifizierung, die eine
Ratifizierung bestehender Verträge, wie des Schwellenvertrags und
des Vertrags über Atomexplosionen
zu friedlichen Zwecken erlauben.
Sobald unsere Besorgnisse ausgeräumt und der Ratifizierungsprozeß abgeschlossen ist, wären wir
umgehend dazu bereit, mit den Sowjets
in Verhandlungen darüber
einzutreten, wie ein schrittweise
durchgeführtes Programm zur Begrenzung und letztendlich zur Abschaffung von Atomtests angewandt
werden kann, in Zusammenhang mit
einem
Programm
zum Abbau
und
letztendlich zur Abschaffung aller Nuklearwaffen.
- Schließlich streben wir auch nach
einer Verbesserung der Stabilität
mittels
effektiverer
Maßnahmen,
die in Krisenzeiten Mißverständnisse vermeiden könnten. Wir haben bei solchen Maßnahmen Fortschritte bei der jüngst beendeten
Konferenz in Stockholm erzielt.

ben werden, die ich dem Kongreß über
die sowjetische Nicht-Einhaltung vorgelegt habe.
Bei meinem Treffen mit Generalsekretär Gorbatschow im Oktober 1986
in Island wurde ein solider Fortschritt erzielt, um im Bereich der
Rüstungskontrolle die Ziele der Vereinigten Staaten zu erreichen.
Bei
unserem Zusammentreffen einigten wir
uns in etwa auf einen 50prozentigen
Abbau
strategischer
Offensivwaffen
und auf einen drastischen weltweiten
Abbau von Mittelstreckenrakten (INF).
Mittelfristig werden wir unsere Aufmerksamkeit auf die Erarbeitung einer
Übereinkunft in diesen Bereichen konzentrieren.
Im Einklang mit unserer
Priorität des radikalen Abbaus der am
meisten
destabilisierend
wirkenden
strategischen Systeme - als Reaktion
auf den sowjetischen Wunsch nach einer 10jährigen Verpflichtung auf den
ABM-Vertrag - schlugen wir vor, solch
eine Verpflichtung bis 1996 zu akzeptieren. In dieser Zeit würde die im
ABM-Vertrag
genehmigte
Forschung,
Entwicklung
und
Erprobung
fortgesetzt.
Die vorgeschlagene Übereinkunft sieht ferner vor:

In all diesen Bereichen sind wir
der
Überzeugung, daß wirkungsvolle
Verifizierung ebenso wichtig ist wie
speziell
ausgehandelte
Obergrenzen;
über beide sollte gleichzeitig verhandelt werden.
Wir können keine
Verpflichtungen akzeptieren, die unsere militärischen Programme begrenzen, bis wir nicht die sowjetische
Einhaltung ebendieser Verpflichtungen
wirkungsvoll
verifizieren
können.
Das ist besonders wichtig angesichts
des
fortgesetzten
Musters
sowjetischer Vertragsverletzungen, wie sie
in verschiedenen Berichten beschrie- 12 -

- einen 50prozentigen Abbau strategischer Offensivwaffen der Vereinigten Staaten und der Sowjetunion in den ersten fünf Jahren
des Zehnjahreszeitraumes
- die Abschaffung aller amerikanischen und sowjetischen ballistischen Offensivraketen jeglicher
Reichweite in den nächsten fünf
Jahren.
- das Abkommen, daß jede Seite nach
Ablauf
des
ZehnJahreszeitraumes
moderne
strategische
Verteidigungssysteme stationieren könnte,
wenn
nichts
Gegenteiliges
von
beiden Seiten vereinbart wird.

�Es ist noch zu früh, um den zukünftigen Kurs der Rüstungskontrolle
nach Reykjavik vorherzusehen. Vieles
hängt von der Einstellung der Sowjetunion ab. Die Vereinigten Staaten haben bei den Genfer Verhandlungen Vorschläge unterbreitet, die in
Reykjavik erzielte Übereinkünfte widerspiegeln, während die Sowjetunion
Vorschläge einbrachte, die die Errungenschaften von Reykjavik nur teilweise
reflektierten.
Wenn die Sowjets bei ihrer momentanen Haltung
bleiben und alle Fortschritte davon
abhängig machen, daß die Vereinigten
Staaten ihre Strategische Verteidigungsinitiative einstellen, sind die
Aussichten auf Fortschritte düster.
Wenn sie jedoch bereit sind, die in
Reykjavik
erzielten
Übereinkünfte
durchzuführen, könnten wir uns auf
die Erlangung größerer Stabilität und
einer
sichereren
Welt
hinbewegen.
Bei der Hinwendung zu dieser Welt
werde ich mein Engagement für umfassende, einschneidende, beiderseitige
und
verifizierbare
Reduzierungen
aufrechterhalten, die besonders auf
den Bereich ballistischer Raketen abzielen, wie auch mein Engagement für
die Strategische Verteidigungsinitiative als Basis für die Hinwendung zu
einer sichereren, stabileren Form der
Abschreckung.
Schließlich sollte ich betonen,
daß sich Erfolg bei der Rüstungskontrolle nicht an der zahl der abgehaltenen Treffen oder der unterzeichneten Abkommen messen läßt.
Deshalb
werden die Vereinigten Staaten, obwohl sie weiterhin kreativ und geduldig bleiben werden, weiterhin Forderungen nach solchen Abkommen zurückweisen, die nicht die Sicherheit der
Vereinigten Staaten und ihrer Verbündeten verbessern und zur weltweiten
Stabilität beitragen.

Aufrechterhaltung eines konventionellen Abschreckungspotentials
Vorne stationierte konventionelle
Verteidigungsfähigkeit:
Strategische
Fähigkeiten sind für die Abschreckung
unerläßlich,
reichen
aber
allein
nicht aus.
Die Vereinigten Staaten
und ihre Verbündeten brauchen widerstandsfähige
konventionelle
Streitkräfte als integralen Bestandteil unserer
gesamten
Abschreckung.
Die
Strategie zur Nationalen Sicherheit
der Vereinigten Staaten baut auf der
Konzeption der Vorneverteidigung und
der Solidarität im Bündnis auf.
Im
Einklang mit dieser Strategie unterhalten wir in Friedenszeiten große,
vorne stationierte Streitkräfte auf
See und auf dem Territorium unserer
Verbündeten in der NATO und in Asien.
Der Gesamtumfang und die Fähigkeiten
der amerikanischen Streitkräfte werden erheblich von dem Bedarf der Aufrechterhaltung einer solchen Präsenz
beeinflußt, die wiederum notwendig
ist zur Abschreckung einer Aggression.
Die
anspruchsvollste
Bedrohung,
mit der diese Streitkräfte fertigwerden müssen, ist die Bedrohung durch
die
Sowjets.
Die
sowjetischen
Streitkräfte
werden
unseren
wahrscheinlich immer zahlenmäßig überlegen sein - sogar wenn die Streitkräfte unserer Verbündeten mit hinzugezählt werden. Aus diesem Grunde müssen wir sorgfältig darauf achten, daß
wir die qualitative Überlegenheit unserer
Streitkräfte auf dem Niveau
halten, das notwendig ist, um ihren
Auftrag
der
Abschreckung
und
im
Kriegsfall zu verwirklichen.
Eine weitere Grundlage amerikanischer Verteidigungspolitik besagt,
daß die Vereinigten Staaten nicht
versuchen, der von der Sowjetunion
ausgehenden Bedrohung ohne Hilfe zu

- 13 -

�begegnen.
Ein
System
dynamischer
Bündnisse ist die einzig wirkungsvolle Art und Weise zur Abschreckung der
Sowjets. Das wichtigste dieser Bündnisse ist die NATO, die seit über einer Generation Frieden und Sicherheit
in Europa bewahrt hat.
Obwohl es
kein einzelner NATO-Partner mit den
starken konventionellen Streitkräften
der Sowjetunion aufnehmen kann, so
sind wir doch gemeinsam in der Lage,
ein mächtiges Abschreckungspotential
aufzustellen.
Der Beitrag der Vereinigten Staaten zur NATO: Die Vereinigten Staaten tragen zu dieser NATO-Abschrekkung auf verschiedene Art und Weise
bei.
Die offensichtlichste ist die
in Friedenszeiten stationierte Zahl
von
300 000 Militärangehörigen
auf
dem europäischen Schauplatz.
Obwohl
unsere Verbündeten die Mehrheit der
konventionellen Streitkräfte in Europa stellen und dies auch in Krisenzeiten und im Fall einer Mobilisierung tun würden, weist jedoch die
Präsenz
der amerikanischen Streitkräfte darauf hin, daß es nicht möglich ist, einen NATO-Partner anzugreifen, ohne gleichzeitig die gesamte militärische Macht der vereinigten
Staaten miteinzubeziehen.
Über die direkte Bereitstellung
von Truppen hinaus gewähren die Vereinigten Staaten denjenigen NATO-Verbündeten Militärhilfe, deren Volkswirtschaften es ihnen nicht gestatten, einen solch großen Beitrag zur
gemeinsamen Verteidigung zu leisten,
wie sie oder wir es für wünschenswert
halten. Eine solche Hilfe dient als
kostengünstiger
Kräftemultiplikator
und erhöht sowohl die politische Solidarität wie auch die militärische
Effektivität der NATO.
Schließlich
leisten die Vereinigten Staaten den
Hauptbeitrag
zum
nuklearen
Schirm
über der NATO, der seit Jahrzehnten
- 14

eine
ist.

der

Säulen

der

NATO-Strategie

Die Strategie der Flexiblen Reaktion: Die Abschreckungsstrategie der
NATO verlangt eine Fähigkeit zur flexiblen Reaktion, die einer sowjetischen Provokation
angemessen
ist.
Zusätzlich
zu
widerstandsfähigen
Streitkräften der Vereinigten Staaten
und ihrer Verbündeten und mit Unterstützung der strategischen Fähigkeit
der Vereinigten Staaten, muß diese
Strategie
auch durch
wirkungsvolle
und substantielle nicht-strategische
nukleare
Streitkräfte
unterstützt
werden. Die Vereinigten Staaten tragen zu allen Teilen der "NATO-Triade"
bei: den konventionellen Streitkräften, den nicht-strategischen nuklearen Streitkräften
und den strategischen Streitkräften. Die Entscheidung der NATO von 1979, ihre nuklearen Streitkräfte durch Stationierung
der
landgestützten
Marschflugkörper
und Pershing II-Raketen zu modernisieren, hat zur Beseitigung des Ungleichgewichts geführt, das durch die
sowjetische Stationierung der SS-20Raketen, die gegen NATO-Territorium
gerichtet sind, hervorgerufen wurde.
Sie hat ferner dem Entschluß der NATO
Ausdruck verliehen, die Wirksamkeit
und Integrität ihrer Fähigkeit zur Abschreckung
aufrechtzuerhalten
und
hat dazu beigetragen, die Grundlage
für wirksame Rüstungskontrollverhandlungen zu legen, die darauf abzielen,
die gegen die NATO gerichtete Bedrohung durch ballistische Raketen abzubauen.
Im klaren Gegensatz zur Sowjetunion besteht die Politik der NATO
darin,
nichtstrategische
Nuklearstreitkräfte auf dem niedrigsten Niveau zu unterhalten, das zur Abschreckung der Bedrohung durch den
Warschauer Pakt ausreicht.
In Verfolgung dieser Politik beschloß das

�Bündnis im Oktober 1983, die Anzahl
der Gefechtsköpfe in Europa - zusätzlich zum 1980 beendeten Abbau um
1 000 Gefechtsköpfe - um 1 400 zu
verringern. Diese unabhängig von Rüstungskontrollabkommen
vorgenommenen
Reduzierungen werden das nukleare Arsenal der NATO in Europa auf das
niedrigste Niveau seit über 20 Jahren
verringern.
Daher ist es unabdingbar, daß der verbleibende Bestand
über lebensfähig, reaktionsfähig
und
wirksam ist.
Abschreckung chemischer Kampfführung: Obwohl weder die NATO noch die
Vereinigten Staaten danach streben,
mit der Sowjetunion Waffe für Waffe
gleichzuziehen, würde die Abschrekkung geschwächt, wenn man es der Sowjetunion gestattete, eine Fähigkeit
aufzubauen, der keinerlei vergleichbare Fähigkeit der NATO entgegenstünde. Diese Prämisse, die dem Beschluß
der NATO zur Modernisierung
ihrer
kriegsschauplatzgebundenen
Nuklear streitkräfte
zugrundeliegt,
gilt
ebenso für unsere eigene Entschlossenheit, die amerikanischen Fähigkeiten bei den chemischen Waffen durch
die Entwicklung moderner, sicherer
binärer
Munition zu modernisieren.
Diese Modernisierung wird uns befähigen, einen Erstgebrauch
chemischer
Waffen durch die Sowjets abzuschrekken.
In Ermangelung einer solchen
Fähigkeit werden wir zur Abschreckung
einer Anwendung durch die Sowjets
weiterhin von einem veralteten Arsenal unitärer, für moderne Trägersysteme schlecht geeigneter chemischer
Waffen sowie von den atomaren Fähigkeiten des Bündnisses abhängig sein zweifellos eine unerwünschte und risikoträchtige Situation.
Ausmaß und Intensität eines Konflikts: unsere Strategie erkennt die
Tatsache an, daß die Sowjetunion zusammen mit ihren verbündeten Streit-

kräften zu gleichzeitigen Aggressionen in mehr als einer Region der Welt
fähig ist. Im Falle einer Aggression
in
mehreren
Regionen
gleichzeitig
würden die militärischen Reaktionen
der Vereinigten Staaten von bestehenden Verpflichtungen, allgemein strategischen
Prioritäten,
den
spezifischen Umständen und der Verfügbarkeit von Streitkräften bestimmt sein.
Diese Reaktionsfähigkeit würde durch
die in unseren Streitkräften eingeführte Flexibilität verstärkt.
Dazu
gehören unsere Fähigkeiten zu strategischer Mobilität und Einsatz von
Macht in globalem Maßstab. Diese Fähigkeit zu wirksamer Reaktion auf
entfernten Kriegsschauplätzen vermindert unser Risiko, jemals wirklich
auf solche Angriffe antworten zu müssen.
Wenn wir auf einen solchen Angriff reagieren müssen, würde unser
übergeordnetes Ziel darin bestehen,
den Krieg so schnell wie möglich zu
beenden, und zwar auf dem niedrigstmöglichen Niveau von Gewaltanwendung,
das eine Wiederherstellung des Friedens zu Bedingungen ermöglicht, die
für die Vereinigten Staaten und ihre
Verbündeten
günstig sind.
Sollten
jedoch unsere anfänglichen Versuche
zur Niederschlagung einer Aggression
fehlschlagen, so ermöglicht die amerikanische Strategie die flexible und
ausreichende
Anwendung
von
Gewalt
während der Gesamtdauer der Kampfhandlungen, um sicherzustellen, daß
kein Gebiet von vitalem Interesse
verloren wird.
Sollte es zu einer
Eskalation kommen, würden wir versuchen, unsere Kräfte so einzusetzen,
um den Gegner von einer weiteren Eskalation abzuschrecken und unsere nationalen Ziele zu erreichen.

von
und

- 15 -

Deshalb geht unsere Strategie daaus, daß Charakter, Schauplätze
Intensität unserer militärischen

�Handlungen in einem Konflikt mit der
Sowjetunion von einer Reihe unterschiedlicher Faktoren beeinflußt werden. Unsere Strategie besteht darin,
nicht zu versuchen "überall gleichzeitig" zu kämpfen. Wir würden das
unter
den herrschenden
Bedingungen
strategisch Vernünftige und operativ
Erreichbare tun. Aber wir benötigen
die Fähigkeit weltweiter glaubwürdiger Reaktionen auf schwerwiegende Bedrohungen, um sicherzustellen, daß
unsere
Gegner
nicht
durch
unsere
Schwäche in Versuchung geführt werden.
Andere Verpflichtungen der Vereinigten Staaten: Die NATO ist nicht
unser einziges Bündnis.
Die Vereinigten Staaten unterhalten mit 43
Nationen in der ganzen Welt bilaterale oder multilaterale Sicherheitsverpflichtungen.
Zur
Unterstützung
dieser
Verpflichtungen und zur Abschreckung des
von der Sowjetunion und ihren Vasallenstaaten ausgehenden Abenteurertums
unterhalten
die
Vereinigten
Staaten in vielen strategisch wichtigen
Regionen
vorne
stationierte
Streitkräfte.
Zusätzlich
zu ihrer
Mittelmeerflotte unterhalten die Vereinigten Staaten eine umfassende Militärpräsenz
im Westpazifik.
Eine
geringere Präsenz im Indischen Ozean
dient der Unterstützung unserer Interessen in Südwestasien.
Im gesamten
pazifischen
Raum
stationierte
amerikanische
Luftstreitkräfte
leisten Hilfe bei der Erfüllung unserer
Sicherheitsverpflichtungen in Staaten
wie Japan und den Philippinen. Erhebliche
Land- und
Luftstreitkräfte
sind in Korea stationiert, um die
Streitkräfte der Republik Korea bei
der Abschreckung einer Aggression aus
dem Norden zu ergänzen.
Unsere
Streitkräfte

vorne
in der

stationierten
ganzen Welt er-

füllen mehrere Funktionen.
Sie sind
unentbehrlich für die Schaffung regionaler Kräftegleichgewichte, durch
welche die Sowjets von Aggressionen
abgeschreckt und die allgemeine regionale Stabilität gefördert werden;
sie unterstützen die politische Unabhängigkeit von Nationen an der sowjetischen
Peripherie und besitzen
deshalb
eine Schlüsselfunktion
für
das grundsätzliche strategische Ziel
der Vereinigten Staaten, die Vermeidung sowjetischer Hegemonie über die
eurasische
Landmasse;
schließlich
liefern sie eine unmittelbar verfügbare Fähigkeit zur Bewältigung von
Krisen geringeren Ausmaßes.
Obwohl die Sowjetunion die größte
Bedrohung für die Vereinigten Staaten
und ihre Verbündeten darstellt, ist
sie, wie bereits erwähnt, nicht die
einzige Bedrohung. Vorne stationierte Truppen können auch lokal begrenzte Aggressionen verhindern, zur regionalen Stabilität beitragen und als
sichtbare Symbole des Willens und der
Fähigkeit
der
Vereinigten
Staaten
dienen, ihre Interessen zu schützen.
Im Falle von militärischen Krisen ohne Beteiligung der Sowjetunion sind
die Vereinigten Staaten jedoch primär
daran interessiert, daß die daran beteiligten Staaten
für ihre eigene
Verteidigung sorgen.
Das direkte Engagement amerikanischer Truppen ist ein letztes Mittel, das nur dann angewendet werden
sollte, nachdem klare politische Ziele definiert worden sind, unser politischer Wille eindeutig feststeht und
angemessene militärische Fähigkeiten
verfügbar sind. Beim Einsatz amerikanischer
Kampftruppen
würden
die
Vereinigten Staaten danach trachten,
Ausmaß und Schärfe des Konflikts zu
begrenzen, eine Beteiligung der Sowjetunion zu vermeiden und die amerikanischen
Zielsetzungen so schnell

�wie möglich zu erreichen.
Wir
haben
in
den
vergangenen
sechs Jahren bedeutende Fortschritte
bei der Verbesserung der Fähigkeiten
unserer vorne stationierten Streitkräfte in bezug auf den Schutz amerikanischer Interessen, die Durchführung unserer nationalen Strategie und
die Unterstützung unserer Bündnisverpflichtungen erzielt. Wir sind weiterhin der stetigen Verbesserung unserer stationierten Kräfte verpflichtet, um unsere auf Vorneverteidigung
und Bündnisse gegründete Strategie zu
unterstützen.
In den folgenden Abschnitten werden ausgewählte Fähigkeiten behandelt, die grundlegende
Elemente für diese Strategie bereitstellen.
Aufrechterhaltung von Fähigkeiten
zur weltweiten Unterstützung und Mobilität: Die Fähigkeit, vorne stationierte Truppen zu verstärken und mit
Nachschub zu versorgen, ist für die
Durchführung der amerikanischen Strategie der Vorneverteidigung und Bündnissolidarität
unverzichtbar.
Die
schnelle Verstärkung
der
NATO
in
Spannungszeiten
ist
beispielsweise
entscheidend für eine wirksame Abschreckung .
Im Hinblick auf die Länder der
eurasischen Randgebiete besitzen die
Sowjets einen natürlichen geographischen Vorteil sowie die wachsende Fähigkeit, Offensiven gleichzeitig in
Europa, Südwestasien und dem Fernen
Osten zu starten.
Unter Ausnutzung
der inneren Verkehrswege können sie
Truppen über weite Gebiete verlegen
und mit Nachschub versorgen. Mit ihren Bemühungenen haben die Sowjets in
den letzten Jahren den militärischen
Zugang zu strategisch wichtigen Gebieten entlang der sowjetischen Südgrenze auf Schiene und Straße erheblich verbessert.
- 17

Unsere Fähigkeit
zu weltweiter
Unterstützung und Mobilität, darunter
Luft- und Seetransport sowie Voreinlagerung von Ausrüstung sind deshalb
unbedingt erforderlich, damit wir militärischen Herausforderungen an der
Peripherie
des
eurasischen
Kontinents, der weiterhin im Mittelpunkt
sowjetischer
expansionistischer
Interessen steht, entgegentreten können.
Durch Voreinlagerung zu Land
oder auf See können unsere Reaktionszeiten bedeutend verringert werden.
In den meisten Krisenfällen würden
anfängliche Verstärkungen durch Luftbrücken, das schnellste und flexibelste unserer mobilen Instrumente,
transportiert
werden.
Zwangsläufig
wird jedoch die Masse unserer Verstärkungen
und
unseres
Nachschubs
über See transportiert werden, wie
dies auch in Krisen der Vergangenheit
der Fall war. Um die Reaktionszeiten
zu verkürzen, verbinden die Vereinigten Staaten auf integrierte Weise die
Voreinlagerung
mit
Luft- und
Seetransport.
Mobilität ist besonders
entscheidend
für
unsere Strategien
zur Bewältigung von Krisensituationen
in Südwestasien, wo wir keinerlei militärische Stützpunkte oder dauernd
stationierte Truppen unterhalten.
Im Einklang mit unserem Bündnisansatz zu Fragen der Sicherheit leisten die Verbündeten der Vereinigten
Staaten entscheidende Beiträge zu unseren mobilen Fähigkeiten. Sie stellen nicht nur Flugplätze und Seehäfen
zur Verfügung. Sie verstärken außerdem
unsere
Lufttransportfähigkeiten
und stellen den Großteil unserer Seetransportkapazitäten bereit. Schließlich ist Zusammenarbeit mit den Verbündeten eine einleuchtende Voraussetzung für die Voreinlagerung.
Zu Beginn dieses Jahrzehnts standen wir vor ernsten Schwierigkeiten,

�wenn wir größere Streitkräftekontingente schnell genug heranführen wollten, um eine sowjetische Aggression
abzuschrecken, wenn wir Truppen zu
zwei
oder
mehr
Kriegsschauplätzen
gleichzeitig verlegen oder Gerät effektiv in weniger entwickelte Regionen schaffen wollten. Mit Unterstützung des Kongresses haben wir seit
1981 große Fortschritte bei der Behebung dieser Schwächen gemacht und unsere Luft- und Seetransportfähigkeiten erheblich erweitert sowie zusätzliche große Mengen an Gerät im Ausland stationiert. Nicht alle unsere
Ziele sind jedoch erreicht worden.
Insbesondere ist die stetige Abnahme
der amerikanischen Handelsmarine und
des Bestandes an privaten Schiffen
unter amerikanischer Flagge eine besorgniserregende Angelegenheit.
Dieses Problem wird noch verschlimmert
durch den Niedergang der Flotte unter
amerikanischer Flagge insgesamt, wodurch es zu einer Verringerung der
Seebesatzungen zur Bemannung unseres
gesamten Schiffsbestandes unter amerikanischer Flagge kommt - und dies
gilt auch für die Schiffe der Einsatzreserve, der Reserveflotte
zur
nationalen Verteidigung und allen unter effektiver
amerikanischer
Kontrolle stehenden Schiffe, die neu bemannt werden müßten.
Der Mangel an
Seeleuten aus der Handelsmarine könnte kurzfristig unsere Fähigkeit untergraben, Truppen durch strategischen Seetransport in ausreichendem
Maß zu verlegen und unterhalten.
Aufrechterhaltung einer angemessenen Logistikbasis: Zur Unterhaltung
eines
starken
konventionellen
Abschreckungspotentials ist es lebenswichtig, daß wir den amerikanischen
Streitkräften eine ausreichende logistische
Unterstützung
bereitstellen. Eine solide logistische Infrastruktur stärkt die Abschreckung, indem sie unsere Vorbereitungen auf

Feindseligkeiten jeder Intensität und
für die Zeitspanne, die zur Verteidigung amerikanischer Interessen notwendig
ist, demonstriert.
Ausreichende und anhaltende Unterstützung
leistet einen Beitrag zur Anhebung
der nuklearen Schwelle, stärkt die
Abschreckung und verbessert die Aussichten auf einen frühzeitigen Erfolg
im Konfliktfall. Gegner dürfen nicht
zu dem Schluß gelangen, daß die Fähigkeiten der Vereinigten Staaten und
ihrer Verbündeten im Falle einer Konfrontation mit einem komplexen oder
lang andauernden militärischen Feldzug allmählich abnehmen würden.
In den vergangenen sechs Jahren
haben wir erhebliche Fortschritte bei
der
Verbesserung
unserer
militärischen Logistikbasis erzielt und dadurch im Lauf der Zeit die Unterstützung
unserer
Abschreckungsstrategie
verstärkt.
Mit
Unterstützung
des
Kongresses werden wir dauerhafte Verbesserungen bei dieser unspektakulären, aber notwendigen Komponente der
Militärmacht anstreben.
Gleichzeitig
werden wir gegenüber unseren Verbündeten weiterhin die Bedeutung einer
Verbesserung der logistischen Grundlage ihrer eigenen Streitkräfte betonen, um sicherzustellen, daß ihre
Ausdauer im Kampf der unserer Truppen
ebenbürtig ist.
Aufrechterhaltung
ausreichender
aktiver Streitkräfte: Die Unterstützung
unseres
konventionellen
Abschreckungspotentials
bedingt
die
Aufrechterhaltung
ausgewogener
und
wirkungsvoller aktiver Streitkräfte,
die in Quantität und Qualität dazu
ausreichen, unsere nationale militärische Strategie glaubwürdig zu gestalten.
Im
Kontext
mit
unseren
Bündnisbeziehungen verlangt die Abschreckung und, falls notwendig, die
Niederwerfung der sowjetischen Bedrohung
eine sorgfältig
strukturierte

- 18 -

�Mischung aus amerikanischen und verbündeten Land- und Seestreitkräften,
die in der Lage sind, die vereinbarte
Strategie so lange durchzuführen, bis
sie durch Mobilisierung in den entsprechenden Ländern verstärkt werden.
Im Fall der NATO sprechen die Nähe
der Land- , Luft- und Seestreitkräfte des Warschauer Pakts zum Bündnisgebiet, die Geschwindigkeit, mit der
sich ein moderner Konflikt entfalten
kann, die bedeutenden zahlenmäßigen
Vorteile des Warschauer Pakts und die
starke Betonung des Überraschungsmoments in der sowjetischen Militärdoktrin für starke, qualitativ moderne und
flexible amerikanische und
verbündete konventionelle Streitkräfte.
Die primäre Verantwortung für die
Abwehr
eines sowjetischen Angriffs
und die Verteidigung des Bündnisgebiets sowie die gleichzeitige Bekämpfung und Vernichtung der Folgestaffeln, auf die sich die sowjetische
Strategie zur Ausnutzung von Anfangserfolgen
stützt, fällt
den
Landstreitkräften der Vereinigten Staaten
und ihrer Verbündeten zu. Die amerikanischen und verbündeten Landstreitkräfte müssen mit taktischer Luftunterstützung in der Lage sein, einen
Angriff des Warschauer Pakts zum Stehen zu bringen und die Integrität des
Bündnisgebiets
wiederherzustellen,
wenn die politischen und militärischen Ziele der NATO verwirklicht
werden
sollen.
Bei
Nichtbestehen
dieser Fähigkeit muß sich die Strategie des Bündnisses stark auf die Drohung mit atomaren Waffen stützen, um
die grundlegenden Abschreckungs- und
Kriegsziele zu erreichen.
Seit
Jahrzehnten
ist
es
ein
grundsätzliches Ziel der Vereinigten
Staaten, das Risiko eines Nuklearkrieges durch eine möglichst hoch angesetzte nukleare Schwelle zu verrin-

gern.
Um dieses Ziel zu erreichen,
ist es notwendig, daß die Streitkräfte der Vereinigten Staaten und ihrer
Verbündeten die Fähigkeit besitzen,
ihren
Auftrag
mit
konventionellen
Waffen zu erfüllen. Im Fall unserer
in Europa eingesetzten
Landstreitkräfte verlangt dies eine stetige
Kampfwertsteigerung
und
Modernisierung, um angesichts des zahlenmäßig
überlegenen
Warschauer
Pakts einen
qualitativen Vorsprung zu erhalten.
Obwohl die Erfordernisse der NATO
zu Recht einen Großteil der Aufmerksamkeit unserer Landstreitkräfte einnehmen, bedingt der weltweite Charakter der potentiellen Bedrohung amerikanischer Interessen die Aufrechterhaltung
flexibler
und vielfältiger
Landstreitkräfte, die schnell in Gebiete
von
strategischer
Bedeutung
verlegt werden und dort wirkungsvoll
operieren können. Dies hat das Heer
dazu veranlaßt, fünf schnell zu verlegende leichte Divisionen aufzubauen. Während dessen wurden die Bemühungen zur Verstärkung der Fähigkeiten des Marine Corps fortgesetzt.
Diese Landstreitkräfte stellen zusammen mit angemessener taktischer Luftunterstützung
grundlegende
Elemente
unserer
Fähigkeit,
mit
weltweiten
Krisenerfordernissen fertig zu werden.
Taktische Luftunterstützung dient
der Erreichung von Zielen der Landstreitkräfte durch die Aufrechterhaltung von Luftüberlegenheit auf dem
Gefechtsfeld, die Bereitstellung reaktionsfähiger und wirksamer Feuerkraft für bewegliche Einheiten des
Heeres und die Durchführung von Abriegelungsoperationen
gegen
feindliche Truppen in der Tiefe sowie Führungsmittel und Quellen logistischer
Unterstützung.
Zusätzlich spielt sie
eine entscheidende Rolle bei der Sicherstellung
von Verstärkungen
und
Nachschub für unsere vorne eingesetz-

- 19 -

�ten Truppen durch Schutz unserer Seeund Flughäfen sowie der Verkehrswege
vor Angriffen und Zerstörung.
Die
Befähigung der Luftstreitkräfte zur
schnellen Verlegung von Einheiten in
Krisenfällen trägt zu unserer Fähigkeit bei, Bedrohungen unserer Interessen in weit entfernten Gebieten abzuschrecken und im Fall eines Versagens der Abschreckung
militärische
Macht wirksam einzusetzen.
Die Seestreitkräfte spielen bei
der Unterstützung
unserer militärischen
Strategie eine einzigartige
Rolle. Berücksichtigt man die Realitäten unserer geostrategischen Lage
an zwei Weltmeeren, so ist die Überlegenheit zur See ein entscheidender
Faktor für die Unterstützung unserer
Bündnisbeziehungen und unserer vorne
stationierten Truppen.
Obwohl die
Seeüberlegenheit vornehmlich von den
Fähigkeiten
unserer
Seestreitkräfte
abhängt, leisten die zu Lande stationierten
Luftstreitkräfte
ebenfalls
einen bedeutenden Beitrag zu ihrer
Aufrechterhaltung, darunter die Frühwarnung vor feindlicher Bedrohung aus
der Luft, Unterstützung seegestützter
taktischer Flugzeuge durch Luftbetankung und das Verlegen von Minen gegen
U-Boote.
Die Seeüberlegenheit befähigt uns
dazu, sowjetische, auf geographischen
Gegebenheiten
beruhende
verwundbare
Stellen auszunutzen und den sowjetischen Interessen eine globale Bedrohung entgegenzusetzen.
Dies spielt
eine Schlüsselrolle bei den Plänen
zur Verteidigung der NATO-Verbündeten
an den europäischen Flanken. Es erlaubt außerdem den Vereinigten Staaten, die sowjetischen Seestreitkräfte
in einer Verteidigungshaltung zu binden, um die sowjetischen U-Boote mit
ballistischen Raketen und die Seezugänge zum sowjetischen Festland zu
schützen.
Dadurch
wird
die
in
- 20

Kriegszeiten zu erwartende Bedrohung
der Seewege für die Heranführung von
Verstärkungen und Nachschub nach Europa verringert.
Der mobile Charakter der Seestreitkräfte erlaubt es diesen, Feldzüge zu Lande durch die Anwendung
seegestützter taktischer Luftstreitkräfte direkt zu beeinflussen und mit
amphibischen
Kräften
strategisch
wichtige Gebiete in Besitz zu nehmen,
über See erreichbare Verbündete zu
verstärken oder die maritimen Flanken
gegnerischer Landstreitkräfte zu bedrohen.
Diese Fähigkeit zur Verlagerung
militärischer Macht in Gebiete, die
weit
von
unseren Küsten
entfernt
sind, ist besonders wichtig, wenn man
die zentrale Lage der Sowjetunion innerhalb der eurasischen Landmasse,
die Tatsache, daß viele der wichtigsten
Verbündeten
der
Vereinigten
Staaten sich an der Peripherie Eurasiens und auf vorgelagerten Inseln
befinden und die Gefährdung vieler
Gebiete in der Dritten Welt ohne amerikanische Militärpräsenz berücksichtigt. Unsere Fähigkeiten zur Verlagerung militärischer Macht zur See
würde eine grundlegende Rolle bei jeder potentiellen Krise in Südwestasien spielen.
Unentbehrlich für unsere Strategie in Kriegszeiten, spielt die Überlegenheit zur See eine ebenso entscheidende Rolle im Frieden. Mobile
Seestreitkräfte, die in Krisenzeiten
leicht disloziert werden können, sind
ein traditionelles
Symbol für den
Willen und die Fähigkeit unserer Nation, ihre vitalen Interessen zu verteidigen.
Für jeden amerikanischen
Präsidenten seit dem Zweiten Weltkrieg haben sie sich als ein unverzichtbares Instrument des Krisenmanagements erwiesen.
Dadurch, daß sie

�den schnellen Einsatz amerikanischer
Macht ermöglicht, trägt die Seeüberlegenheit schließlich auch zu regionaler Stabilität bei, sei es im Indischen Ozean, in Mittelamerika, dem
Mittleren Osten oder anderen Gebieten
von strategischer Bedeutung.
Im maritimen
Bereich
ist der
Trend im allgemeinen günstig.
Wir
sind stetig dabei, wieder auf unser
Ziel einer aus 600 Schiffen und 15
Trägerkampfverbänden bestehenden Marine hinzuarbeiten. Mit andauernder,
energischer Unterstützung durch den
Kongreß werden die Vorhaben dieser
Administration
unsere
grundlegende
Überlegenheit zur See für den Rest
dieses Jahrhunderts sicherstellen.
Aufrechterhaltung effektiver Reservestreitkräfte und nationale Mobilisierungsgrundlage:
Die
effektive
Mobilisierung von Menschen und industriellen Ressourcen im Falle eines
Konflikts würde die unabdingbare Unterstützung für unsere militärischen
Fähigkeiten liefern.
Da etwa sechs
Prozent des BSP für die Verteidigung
verwendet werden, konzentriert sich
unsere Wirtschaft in Friedenszeiten
vornehmlich auf die Bedürfnisse des
zivilen Marktes und nicht auf die militärischen Bedürfnisse unseres Landes. Wir verlassen uns auf die der
amerikanischen Wirtschaft innewohnende Größe und Stärke als letzter Verteidigungslinie und entnehmen der zivilen Produktion nur soviel, wie es
die jeweilige Situation verlangt.
Deshalb benötigen wir die Fähigkeit,
unsere
industrielle
Basis
schnell zu erweitern, um das in einem
Konflikt benötigte Kriegsmaterial zu
produzieren.
Die Gesundheit der industriellen
Basis
besitzt
deshalb
eine klare militärische und strategische Bedeutung. Demgemäß wird die
Regierung
der
Vereinigten
Staaten

weiterhin Initiativen fördern, durch
die Verbesserungen
bei
der
industriellen Produktivität und Modernisierung unterstützt werden.
Zusätzlich
versucht
der
Staat
durch seine Beschaffungsverfahren Anreize zu verbesserter Produktivität
sowie zu besseren Herstellungsverfahren zu bieten und die amerikanische
Wettbewerbsfähigkeit
auf dem Weltmarkt zu verbessern.
Zur Ergänzung unserer industriellen
Mobilisierungsprogrammen
haben
die Vereinigten Staaten seit über 30
Jahren ein Bevorratungsprogramm aufrechterhalten, um den Nachschub an
entscheidend wichtigen Rohstoffen zur
Unterstützung
militärischer
und
grundlegender ziviler Bedürfnisse im
Krisenfall sicherzustellen.
Es ist
wichtig, daß wir unser Bevorratungsprogramm weiterführen, um mit aktuellen Entwicklungen, Veränderungen der
industriellen Leistungsfähigkeit und
neuen Entwicklungen bei Herstellung
und Technologie Schritt zu halten.
Da mit dem Kongreß fundamentale Meinungsverschiedenheiten
in bezug auf
die Bevorratung bestehen, müssen wir
unsere Anstrengungen zur Beseitigung
von Differenzen verstärken sowie realistische Ziele und politische Verfahren entwickeln, wodurch ein modernisierter Lagerbestand für die Zukunft geschaffen wird.
Was den Personalaspekt angeht, so
hat die in den frühen siebziger Jahren eingeführte Gesamtstreitkräftepolitik ("Total Force policy") die Verantwortung der Reservekomponente der
amerikanischen
Streitkräfte
vergrößert. Heute werden volle 50 Prozent
der Kampfeinheiten für die Landkriegführung von Reserveeinheiten bereitgestellt.
Reserveeinheiten
nehmen
wichtige Aufgaben war und leisten
ständig
Unters tutzungsfunktionen.

- 21 -

�Ihre Prioritäten in bezug auf Personal, Ausbildung
und Modernisierung
von Ausrüstung beruhen nicht auf ihrem Friedensstatus als Streitkräfte
"in Reserve", sondern auf ihrer unmittelbaren Integration in operative
Planung und Aufträge. Vielfach würden Reservekomponenten im Konfliktfall Seite an Seite mit und bisweilen
noch vor den aktiven Streitkräften
disloziert werden.
Um die Kostenrentabilität der Gesamtstreitkräftepolitik
zu maximieren, müssen wir weiterhin die Kampfund
Unterstützungselemente
unserer
Struktur von aktiven und Reservestreitkräften, deren Kosten und die
mit
ihnen verbundenen
Risikoebenen
ausgewogen gestalten. Obwohl es bestimmte Auftragsbereiche gibt, in denen die Rolle der Reservekomponenten
erweitert werden kann, müssen wir
sorgfältig
vermeiden, Anforderungen
an unser Personal zu stellen, die den
Charakter des Reservedienstes grundlegend verändern würden. Unser Einsatztempo im Frieden, unsere vorne
stationierten
Verbände
und
unsere
Strategie der Abschreckung im allgemeinen machen substantielle, ausgewogene
und
einsatzbereite
aktive
Streitkräfte notwendig.

Unterstützung der nationalen
Sicherheit aus dem Weltraum
Die Vereinigten Staaten benutzen
weltraumgestützte
Systeme, um eine
Reihe von Unternehmungen durchzuführen, die für unsere nationale Sicherheit von essentieller Bedeutung sind.
Dazu gehören Führung und Kommunikation, Navigation, Umweltbeobachtung,
Warnung, Aufklärung und Überwachung
von
Verträgen.
Zur
Unterstützung
dieser wichtigen Aufgaben benötigen
die Vereinigten Staaten den gesicherten Zugang zum Weltraum, der durch

eine effiziente und berechenbare Trägerfähigkeit unterstützt wird.
Deshalb habe ich gegen Ende des vergangenen Jahres verfügt, daß die nationale Trägerfähigkeit auf einer ausgewogenen Mischung von TrägerSystemen,
und zwar aus Weltraumtransportersystem und Verlustraketen (ELV), beruhen muß.
Die Elemente dieser Mischung dienen der Unterstützung von
Aufträgen für die nationale Sicherheit, zivile Regierungsaufgaben und
kommerzielle
Sektoren der amerikanischen Raumfahrt.
Zur Unterstützung dieses Ansatzes
hat das Verteidigungsministerium Bemühungen
unternommen, um
ein
ELV
mittlerer Größe zu entwickeln und beschaffen. Damit werden die Raumfähre
sowie die heutigen kleinen und großen
ELV ergänzt werden.
Zusätzlich werden ausgewählte Satelliten der Regierung auf Kompatibilität mit Raumfähre
oder ELV ausgelegt sein.
In
Anbetracht
des
zunehmenden
Vertrauens amerikanischer und verbündeter Streitkräfte auf Unterstützung
aus dem Weltraum müssen wir darauf
vorbereitet sein, unsere Weltraumsysteme gegen feindliche Eingriffe zu
schützen. Demzufolge gehören zu den
weiteren Facetten
des Weltraumprogramms zur nationalen Sicherheit die
Entwicklung von Konzepten und Techniken, die solchen Systemen das Überleben in Krisen erlauben sowie die Entwicklung einer Anti-Satelliten-Fähigkeit, um Bedrohungen amerikanischer
Weltraumsysteme abzuschrecken und dem
Gegner die Nutzung seiner weltraumgestützten Ressourcen im Verteidigungsfall zu verwehren, womit ein ernstes
Ungleichgewicht in den Weltraumfähigkeiten der Vereinigten Staaten und
der
Sowjetunion
korrigiert
würde.
Die Sowjets haben ihr Anti-Satelliten-System
(ASAT) vor
über
einem
Jahrzehnt eingeführt.
Heute ist es

�das einzige operative ASAT-System der
Welt. Das vom Kongreß verhängte Verbot von Tests unseres in der Entwicklung befindlichen ASAT-Systems gegen
Ziele im Weltraum beläßt den Sowjets
ein Monopol bei der ASAT-Fähigkeit
und sollte aufgehoben werden.
Im großen und ganzen sind die
Weltraumprogramme der Sowjets umfangreich und wachsen weiter an.
Ihre
von breiter Öffentlichkeitsarbeit begleiteten bemannten Raumfahrprogramme, ihre ehrgeizigen Programme zur
wissenschaftlichen
Erforschung
des
Weltraums und ihre fast erreichten
Fähigkeiten
zum Transport schwerer
Lasten in den Weltraum werden in naher Zukunft bedeutende Herausforderungen der amerikanischen Führungsrolle im Weltraum aufwerfen. Zusätzlich liefern diese Fähigkeiten die
Grundlage für die schnelle Entwicklung und Dislozierung militärischer
Mittel im Weltraum in Krisen oder
Krieg.
Eine aufkommende Technologie mit
bedeutenden
Anwendungsmöglichkeiten
im Bereich der Sicherheit wie auch im
zivilen und kommerziellen Bereich ist
das Raumflugzeug ("National Aerospace
Plane"). Der Entwurf dieses Flugzeuges verbindet moderne Luft- und Raumfahr ttechnologien , um ein Flugzeug
hervorzubringen, das sowohl in der
Erdatmosphäre als auch im Vakuum des
Weltalls
funktioniert.
Der
erste
Flug eines experimentellen Raumflugzeuges, das aus bedeutenden amerikanischen Vorteilen im technologischen
Bereich Nutzen zieht, könnte um die
Mitte der neunziger Jahre erfolgen.

Nachrichtendienstliche Unterstützung der nationalen Sicherheit
Zur Entwicklung und Durchführung
einer soliden Strategie der nationa-

len Sicherheit werden wirksame nachrichtendienstliche Fähigkeiten benötigt, um gründliche und genaue Bewertungen der bestehenden oder potentiellen Bedrohungen unserer nationalen Sicherheit zu liefern. Frühwarnung vor Entwicklungen, die Risiken
für entscheidende amerikanische Interessen darstellen könnten, ist lebenswichtig, wenn wir die geeigneten
Elemente nationaler Macht zeitgerecht
einsetzen und Bedrohungen entgegentreten sollen, bevor sie nicht mehr
zu bewältigen sind oder das Risiko
eines großen Konflikts nach sich ziehen.
Unsere
Abschreckungsstrategie
baut wesentlich auf verläßliche Informationen über Strategien, Streitkräfte, Führungs- und
Einsatzgrundsätze, Stärken, Schwächen und mögliche Handlungsabläufe beim potentiellen
Gegner.
Nachrichtendienstliche Informationen liefern außerdem
grundlegende Einsichten darüber, wie
wir selbst von diesen Gegnern eingeschätzt werden. Eine Beurteilung ihrer Vorstellungen von unseren Fähigkeiten, unserem politischen Willen,
den nationalen Interessen und unserer
wahrscheinlichen Reaktion auf feindselige Provokationen
liefert einen
wichtigen Maßstab für die Effektivität unserer Abschreckung. Mit nachr ichtendienstlichen
Informationen
wird außerdem unsere Fähigkeit verbessert, Verletzungen von Rüstungskontrollabkommen
und
potentielle
technologische Durchbrüche zu entdekken, die negative Auswirkungen auf
die Stärke unseres strategischen oder
konventionellen
AbsehreckungsPotentials haben
könnten.
Nachrichtendienstliche
Informationen
gestatten
es uns, unsere Strategien und Streitkräfte so zu planen, daß wir die
Schwächen unserer Gegner ausnutzen,
unsere eigenen Schwächen korrigieren
und mehr Nutzen aus Bereichen ziehen,

- 23 -

�in denen wir vergleichsweise
teil sind.

im VorKonflikte geringer Intensität

Die Fähigkeit zur
Durchführung
verdeckter Operationen ist ein grundlegendes Attribut unserer nachrichtendienstlichen Fähigkeiten und gestattet es uns, heraufziehenden Bedrohungen unserer Sicherheit entgegenzutreten, noch bevor sie die Anwendung
amerikanischer
Militärmacht
oder andere Handlungen erfordern, die
höhere Kosten oder Risiken verursachen.
Die Fähigkeit, der Bedrohung der
Vereinigten Staaten durch gegnerische
Nachrichtendienste
entgegenzutreten,
liefert ebenfalls eine wichtige Unterstützung unserer Strategie der nationalen
Sicherheit.
Die außergewöhnlich
umfangreichen
und aktiven
Nachrichtendienste
der
Sowjetunion,
ihrer
Vasallen
und
Stellvertreter
führen sehr subtile Operationen zur
Sammlung und Auswertung von Nachrichten durch, die gegen uns, unsere Verbündeten und Freunde gerichtet sind.
Die Sowjets stützen sich stark auf
Spionage und die illegale Beschaffung
westlicher
militärisch
nutzbarer
Technologie, um weitgesteckte strategische Ziele zu erreichen und materielle Hilfe bei der Verschiebung der
weltweiten
"Kräftekorrelation"
zum
sowjetischen Vorteil zu leisten. Die
in den letzten Jahren erfolgten Festnahmen von Agenten, die an besonders
schädigenden Spionageoperationen gegen die Vereinigten Staaten beteiligt
waren, hat die Schärfe dieser Bedrohung dramatisch unterstrichen.
Als
Teil unserer nachrichtendienstlichen
Strategie haben wir in den vergangenen Jahren eine Reihe von Schritten
unternommen, um unsere Sicherheit und
unsere Spionageabwehr zu verstärken.
Diese Bemühungen werden als eine Angelegenheit
von
hoher
nationaler
Priorität weitergehen.
- 2

Konflikte
in der Dritten Welt
können zu ernsten Bedrohungen der
amerikanischen
Sicherheitsinteressen
führen.
Konflikte geringer Intensität, die auf Niveaus unterhalb eines
konventionellen Krieges, jedoch oberhalb des normalen, friedlichen Wettstreits zwischen den Staaten stattfinden, können besonders unangenehm
sein.
Mit ihnen geht oft ein lang
andauernder Kampf zwischen konkurrierenden Prinzipien und Ideologien einher.
Konflikte niedriger Intensität
können
mit
verschiedenen
Mitteln
gleichzeitig
ausgefochten
werden,
darunter die Nutzung von Instrumenten
aus
den
Bereichen
Politik, Wirtschaft, Informationswesen und Militär.
Oft sind sie lokal begrenzt;
sie können jedoch bedeutende Auswirkungen auf die regionale und weltweite Sicherheit haben.
Hauptursachen von Konflikten geringer Intensität sind Instabilität
und ein Mangel an politischer und
wirtschaftlicher Entwicklung in der
Dritten Welt (obwohl solche Konflikte
auch in Regionen außerhalb der Dritten Welt auftreten können).
Diese
Bedingungen bilden einen fruchtbaren
Boden für Unruhen sowie für Gruppen
oder Nationen, die Unruhen für ihre
eigenen Zwecke ausnutzen wollen. Die
hieraus entstehenden Konflikte sind
dann für die Vereinigten Staaten von
Belang, wenn sie die nationalen Interessen und die Sicherheit, Werte
oder politischen Grundlagen der Vereinigten Staaten, unserer Freunde und
Verbündeten angreifen. Konflikte geringer Intensität können nach und
nach zur Isolierung der Vereinigten
Staaten, ihrer Verbündeten und wichtigen Handelspartner von der Dritten
Welt und voneinander führen.
Diese

�Isolierung
politisch
stieren.

kann
und

sich wirtschaftlich,
militärisch
manife-

- Maßnahmen ergreifen, um befreundete Staaten, die sich inneren
oder
äußeren Bedrohungen
ihrer
Unabhängigkeit
und
Stabilität
ausgesetzt sehen, zu stärken, indem
sie
in
Koordination
mit
Freunden und Verbündeten systematisch das ganze Spektrum politischer, wirtschaftlicher, informatorischer
und
militärischer
Machtinstrumente
anwenden.
Wo
immer dies möglich ist, werden
Maßnahmen
ergriffen, bevor
die
Instabilität zu Gewalt führt.

Auswirkungen von Konflikten geringer Intensität können insbesondere
sein:
- Unterbrechung westlichen Zugangs
zu lebenswichtigen Naturschätzen.
- Stufenweiser
Verlust amerikanischer
Stützpunkt- und
Zugangsrechte.
- Erweiterte Bedrohung entscheidender Seeverbindungswege.

- daran arbeiten, die Ursachen, die
Instabilität
und
Konflikten
in
der Dritten Welt zugrundeliegen,
auszuräumen, indem sie Auslandshilfe, Handels- und Investitionsprogramme
verfolgen, mit denen
wirtschaftliche
Entwicklung
und
das Heranwachsen
demokratischer
sozialer und politischer Ordnungen gefördert werden.

- Stufenweise Abwendung von Verbündeten und Handelspartnern von den
Vereinigten Staaten und Hinwendung zu Positionen der Anpassung
an gegnerische Interessen.
- Erweiterte Chancen für politische
und militärische Gewinne der Sowjets .

- möglicherweise
bestimmte
Widerstandsbewegungen
unterstützen,
die in Opposition zu den amerikanischen Interessen abträglichen
Regimen stehen. Eine solche Unterstützung wird mit Freunden und
Verbündeten koordiniert und kann
politische,
informatorische,
wirtschaftliche und militärische
Elemente enthalten.

Eine wirksame amerikanische Antwort auf diese Art der Kriegführung
erfordert den nationalen Willen zur
Aufrechterhaltung langfristiger Verpflichtungen.
Die Vereinigten Staaten sind gegen die Ausdrucksformen
von Konflikten geringer
Intensität
mit einer harten Linie gegen den Terrorismus,
Unterstützung
demokratischer Widerstandsbewegungen und politischer, wirtschaftlicher sowie militärischer Hilfe für Entwicklungsländer vorgegangen, um diesen dabei zu
helfen, derartige
Herausforderungen
zu verhindern oder zu bekämpfen.
Die amerikanische Politik zur Behandlung von Konfliktsituationen geringer Intensität läßt sich folgendermaßen zusammenfassen: Wenn es im
amerikanischen Interesse liegt, werden die Vereinigten Staaten

- Schritte unternehmen, um die Sowjets und andere von staatlich
gefördertem Abenteurertum
abzuhalten und den Preis für diejenigen zu erhöhen, die Stellvertreter oder terroristische und umstürzlerische Kräfte benutzen, um
in der Dritten Welt bestehende
Instabilität auszunutzen.
Die Strategien für Konflikte geringer Intensität, die zur Unterstüt-

- 25 -

�zung dieser Politik dienen, müssen
die Anwendung einer Reihe von Instrumenten zu deren Durchführung zwischen
verschiedenen
amerikanischen
Regierungsbehörden wie auch international
koordinieren. Zur Behandlung solcher
Konflikte können Instrumente aus den
Bereichen Wirtschaft, Politik und Informationswesen
sowie
Militärhilfe
genutzt werden.
Wirtschaftspolitik und Konflikte
geringer
Intensität:
Die
amerikanische Politik in bezug auf Konflikte
geringer Intensität erkennt die Tatsache an, daß langfristige politische
und wirtschaftliche Entwicklung die
der Instabilität in der Dritten Welt
zugrundeliegenden
Ursachen
abschwächen, zur Schädigung der Anziehungskraft
totalitärer Regime beitragen
und schließlich zu Bedingungen führen
wird, die
den
amerikanischen
und
westlichen
Interessen
förderlich
sind. Deshalb werden wir die Ausweitung des freien Handels, die Entwicklung privaten Unternehmertums sowie
die Erweiterung
und Unabhängigkeit
der lokalen Volkswirtschaften ermutigen. Diese Politik wird durch amerikanische
Entwicklungsund
Wirtschaf tshilfeprogramme
erleichtert.
Außerdem werden wir private Investitionen in der Dritten weit ermutigen,
wenn solche Investitionen ein ausgewogenes
Wirtschaftswachstum
unterstützen .
Informationspolitik und Konflikte
geringer Intensität: Konflikte geringer Intensität sind politische Kämpfe, in denen Ideen genau so wichtig
sein können wie Waffen.
In diesem
Bereich besitzen wir bedeutende Vorteile gegenüber unseren Gegnern. Im
Gegensatz zu diesen besitzen wir ein
offenes politisches System, das auf
Grund von Kommunikation und Wahrheit
gedeiht.
Wir müssen jedoch sicherstellen, daß zutreffende Informatio- 2

nen über die amerikanischen Ideale
und Ziele in der gesamten Dritten
Welt erhältlich sind und daß die dafür notwendigen Mittel zur Verfügung
gestellt werden.
Politische Instrumente und Konflikte geringer Intensität: Wir sind
uns der Tatsache bewußt, daß andere
Staaten nicht notwendigerweise
die
gleiche
demokratische
Entwicklung
nehmen wie wir. Trotzdem streben wir
danach, die Entwicklung politischer
Systeme zu ermutigen, die die Rechte
des Einzelnen schützen und für repräsentative Regierungen, freie Institutionen und ein Umfeld sorgen, in dem
die Menschenwürde gedeihen kann, wir
tun dies teilweise durch unser eigenes Beispiel und durch die Verteidigung unserer ideale, wenn diese herausgefordert werden. Wir können die
Entwicklung humaner Gesellschaftsordnungen auch dadurch fördern, daß wir
Hilfe bei der Beseitigung von Bedrohungen der Sicherheit und von Ursachen leisten, die Unruhen und Instabilität zugrundeliegen.
Militärische Instrumente und Konflikte geringer Intensität: Der wichtigste Grundsatz
für die amerikanische Strategie bei der Behandlung
von Konflikten geringer Intensität,
die sich gegen unsere Freunde und
Verbündeten richten, besteht darin,
daß die militärischen Institutionen
in bedrohten Staaten dazu befähigt
werden müssen, die Sicherheit ihrer
Bürger
und Regierungen zu gewährleisten.
Die amerikanische Politik
in bezug auf solche Konflikte erkennt
deshalb die Tatsache an, daß die indirekte - eher als direkte - Anwendung
amerikanischer
militärischer
Macht der geeignetste und kostenwirksamste Weg zur Erreichung nationaler
Ziele ist.
Das wichtigste militärische Instrument bei Konflikten geringer Intensität ist deshalb die Mi-

�litärhilfe.
Die primäre Rolle der amerikanischen
Streitkräfte
in Konflikten
geringer Intensität besteht deshalb
in der Unterstützung und Begünstigung
des
Militärhilfeprogramms.
Die
Streitkräfte müssen auch dafür bereitstehen, direktere Formen der Militärhilfe zur Verfügung zu stellen,
wenn dies gewünscht wird. Meist besteht diese Hilfe in technischer Ausbildung und logistischer Unterstützung.
Die Teilstreitkräfte und gemeinsamen Kommandos müssen außerdem
bereit sein für die Durchführung von
Krisen- und
Befriedungsoperationen,
wenn
solche
Operationen
für
den
Schutz nationaler
Interessen nötig
sind.
Amerikanische
Kampftruppen
werden in Konflikte geringer Intensität nur als letztes Mittel eingreifen
und wenn vitale nationale Interessen
nicht auf andere Weise geschützt werden können.
Drogenhandel und Konflikte geringer
Intensität:
Der
Drogenhandel
kann, wo immer er auftritt, Gewalt
hervorbringen, Instabilität anheizen
und die Regierungsinstitutionen bedrohen. Die gigantischen Summen, die
durch den illegalen Verkauf von Drogen verdient werden und die damit
einhergehende Benutzung der internationalen Finanzwelt als Waschanlage
für die Erträge aus diesen Transaktionen können zu einer Art von Instabilität führen, die den Boden für
Konflikte geringer Intensität bereitet. Deshalb liefern unsere Maßnahmen zur Bekämpfung des Drogenhandels
eine wichtige Unterstützung unserer
Bemühungen bei der Behandlung von
Konflikten geringer Intensität.

ringer Intensität darstellen.
Diese
Administration hat bedeutende Schritte unternommen, um politische Schritte zur Bekämpfung des internationalen
Terrorismus zu definieren und anzuwenden.
Diese Maßnahmen konzentrieren sich auf Abschreckung, Prävention
und wirksame Reaktion auf internationale terroristische Anschläge. Unsere Politik in bezug auf Konflikte geringer Intensität geht jedoch darüber
hinaus und widmet sich dem umfangreicheren Problem der Unterstützung
von Gruppen und Regierungen, gegen
die der Terrorismus als subversive
Waffe benutzt wird.
Wir müssen erkennen, daß Konflikte geringer Intensität oft Kämpfe von
langer Dauer sind.
Außerdem haben
die meisten Machtmittel, mit denen
wir sie beeinflussen können, eine indirekte und sehr langfristig angelegte Wirkung.
Deshalb müssen wir bei
solchen
Auseinandersetzungen
Geduld
haben. Es ist wichtig, daß wir uns
behaupten, aber
es
ist
besonders
wichtig für uns, zu erkennen, daß
dies oft nicht so leicht oder schnell
möglich ist.
Andererseits besitzen
wir bedeutende Vorteile. Wir vertreten ein Modell politischer und wirtschaftlicher Freiheit, das Freiheit
von politischer Dominanz und wirtschaftlichem Mangel verspricht. Wenn
es uns gelingt, unsere eigene Sicherheit zu schützen und ein Umfeld von
vernünftiger Stabilität, offenem Handel und offener Kommunikation in der
gesamten Dritten Welt aufrechtzuerhalten, dann werden die politischen,
wirtschaftlichen
und
gesellschaftlichen Kräfte schließlich zu unseren
Gunsten arbeiten.

Terrorismus und Konflikte geringer Intensität: Unter gewissen Umständen kann der Terrorismus einen
wichtigen Aspekt bei Konflikten ge- 27 -

* * * * *

�AMERIKA DIENST
'VON

4

Hintergrundmaterial

18. Februar 1987

EIN SIEG DER DEMOKRATIE IN NICARAGUA LIEGT AUCH IM INTERESSE EUROPAS
- Von Elliott Abrams, Stellvertretender Außenminister
der Vereinigten Staaten -

Die amerikanische Politik zu Nicaragua war im Jahr 1986 von Diskussionen
und Entscheidungen geprägt.
Im Frühjahr
und Sommer
fanden im
Kongreß
Debatten
zu
dieser
Frage
statt, woraufhin der Kongreß dem Vorschlag Präsident Reagans zustimmte,
dem nicaraguanischen Widerstand 100
Milionen Dollar an Hilfe zur Verfügung zu stellen. Gegen Ende des Jahres begannen die demokratischen Kräfte Hilfsleistungen zu erhalten, die
nach der Beendigung von Militärhilfe
durch den Kongreß um die Mitte des
Jahres 1984 nur noch unregelmäßig von

United States Information Service
Embassy of the United States of America

privaten
ren.

Quellen

weitergeflossen

wa-

Die Sowjets diskutierten 1986 nicht über Nicaragua. Sie hatten ihre
Entscheidungen zu Nicaragua ja schon
getroffen, als die Sandinisten noch
gar nicht an der Macht waren.
Für
sie war 1986 ein Jahr der Aktio- nen,
um dem Regime der Sandinisten bei der
Konsolidierung
seiner
Macht
zu
helfen.
Nach heutigen
Schätzungen
haben die Sowjets in den ersten elf
Monaten des Jahres 1986 mehr militärische Ausrüstung geliefert - 18 800

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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Tonnen im Wert von 280 Millionen Dollar - als in irgendeinem Jahr davor.
Diese Lieferungen bestanden aus Waffen und Material für den Krieg der
Sandinisten gegen den demokratischen
Widerstand,
darunter
sechs
neue
Kampfhubschrauber vom Typ MI-24 HIND,
die von den Sowjets auch bei der Bekämpfung des Widerstandes in Afghanistan eingesetzt werden.
Die Sowjets sind weiterhin der einzige Lieferant der Sandinisten für Rohöl, so
wie der kommunistische Block insgesamt die einzige Quelle der Sandinisten für die Ausbildung von Militärs und inneren Sicherheitsdiensten
ist.
Die Sandinisten selbst haben im
Jahr 1986 nur wenig Diskussion zugelassen. Die Unterdrückung, unter der
die politische Opposition Nicaraguas
seit 1979
leidet, erreichte einen
symbolischen Höhepunkt, als die Zeitung La Prensa, das letzte Überbleibsel freier öffentlicher Meinungsäußerung, im Juni geschlossen wurde. (Die
Medien der Katholischen Kirche, Radio
Catolica und die Zeitschrift Iglesia,
waren schon vorher zum Schweigen gebracht worden.)
An der militärischen Front fuhren
die Sandinisten mit dem Bau des Luftwaffenstützpunktes Punta Hueta fort,
einer
Einrichtung, die
für
jedes
Kampf-, Transport- oder
Bombenflugzeug des sowjetischen Arsenals geeignet ist.
(Diese Basis würde es sowjetischen
Langstreckenüberwachungsmaschinen
gestatten,
entlang
der
Westküste der Vereinigten Staaten zu
patrouillieren, so wie durch sowjetische Einsätze von Cuba aus heute die
Atlantikküste der Vereinigten Staaten
überwacht wird.) Die Sandinisten haben die Grenzen ihrer Nachbarstaaten
Hunderte
von
Malen
überschritten,
aber
zwei
größere
Einfälle
nach
Honduras im März und Dezember haben

erregten weithin Aufsehen. Im Dezember waren nicht nur die Widerstandskräfte das Ziel der Sandinisten, sondern die honduranische Armee selbst.
All diese Aktivitäten in einem
Land, das so klein wie Nicaragua ist,
weist auf die große Bedeutung hin,
die dem Ausgang dieses Konflikts beizumessen ist, bietet Nicaragua den
Sowjets doch die Möglichkeit, eine
zweite große Basis im karibischen
Raum zu konsolidieren.
Die Sowjets
bezeichnen seit langem dieses Gebiet
als den "strategischen Rücken" der
Vereinigten Staaten - ein Gebiet, in
dem politische, wirtschaftliche und
militärische Konflikte amerikanische
Aufmerksamkeit
von anderen strategischen Interessen ablenken und Amerikas
Fähigkeit
zur
Verteidigung
westlicher Interessen in anderen Teilen der Welt begrenzen können. Dies
erklärt, warum die Sowjets und ihre
Verbündeten seit 1979 so viel in die
Sandinisten investiert haben.
Für
die
Sandinisten
ist
die
Festigung ihrer Macht nach innen lebensnotwendig für die Erfüllung ihrer
ideologischen Mission:
als "Avantgarde" nach
innen die "sozialistische" Umgestaltung
der nicaraguanischen Gesellschaft anzuführen und
als "Internationalisten" im Ausland
kommunistischen
Revolutionären
in
Nachbarstaaten Hilfe zu leisten, wie
etwa den Guerillas in El Salvador und
der M-19 in Kolumbien. Diese Rollen
werden als untrennbar angesehen. Wie
einer der sandinistischen Commandantes einmal sagte: "Wir können nicht
aufhören, Internationalisten zu sein,
wenn wir nicht aufhören, Revolutionäre zu sein."
Das Schicksal Nicaraguas ist für
die westlichen Demokratien sowohl aus
strategischen als auch aus moralischen Gründen von Bedeutung.
Eine

�neue sowjetische Machtbasis in der
Karibik wird eine neue Bedrohung für
die lebenswichtigen Seewege darstellen, die für 60% des amerikanischen
per Schiff transportierten Nachschubs
an die NATO-Verbündeten in einer Krise benutzt würden. Die Festigung der
Macht der Sandinisten würde für die
benachbarten Demokratien eine dauernde Bedrohung darstellen und für die
demokratischen Hoffnungen in Nicaragua selbst den Tod bedeuten. An einem einst von Diktaturen geprägten
Isthmus bildet Nicaragua eine traurige,
bedrohliche
Anomalie, während
sonst allgemein ein Prozeß der Demokratisierung stattfindet.
Als im Jahr 1986 der Kongreß seine
Debatte
zu Nicaragua
abhielt,
herrschte zwischen dem Kongreß und
der Administration schon seit langem
Einverständnis über die grundlegenden
Ziele der Vereinigten Staaten in Mittelamerika:
die
Errichtung
neuer
Stützpunkte der Sowjetmacht zu verhindern,
Nicaraguas
Nachbarn
zu
schützen und die Demokratie in der
gesamten Region zu fördern. Die Natur und die Absichten der Sandinisten
konnten
nicht
länger
angezweifelt
werden.
Jahrelange
innenpolitische
Unterdrückung, Beweise für Subversion
und ihre diplomatische Unnachgiebigkeit in der Vergangenheit hatten alle
Illusionen zerstört, die Sandinisten
seien
Sozialdemokraten,
die
ein
blockfreies, demokratisches und nationalistisches
revolutionäres
Programm durchführten.
Zum ersten Mal
beschäftigte die Debatte sich nicht
damit, wer die Sandinisten sind, sondern damit, welche Schritte die Vereinigten Staaten unternehmen sollten,
um auf die Bedrohung zu reagieren,
die sie für die westlichen Interessen
darstellen.
Und
zum
ersten
Mal
stimmte der Kongreß mit der Einschätzung Präsident Reagans überein, daß
bedeutende Militärhilfe für die Kräf-

te der Demokratie in Nicaragua für
die Sache von Frieden und Gerechtigkeit in Mittelamerika unabdingbar sei.
Das Mittel der Militärhilfe an
den demokratischen Widerstand Nicaraguas war weder für den Kongreß noch
für
die Administration
die
erste
Wahl. Sie wurde jedoch in einer Atmosphäre als unentbehrlich angesehen,
in der die Sandinisten alle Möglichkeiten
für eine Verhandlungslösung
des inneren Konflikts in Nicaragua
zunichte gemacht hatten.
Im Juni
1986 verkündete Präsident Ortega, daß
jeder
Nicaraguaner, der
es wagen
sollte, die nicaraguanische Krise als
inneren Konflikt zwischen Nicaraguanern zu bezeichnen, "als Komplize der
terroristischen
Politik der amerikanischen Regierung handelt" und dafür "zur Verantwortung gezogen" würde.
Auf
diplomatischen
Kanälen
stellten die Sandinisten ihre Absicht
klar, jede Friedensregelung abzulehnen, die das politische System in Nicaragua öffnen und ihr Machtmonopol
bedrohen könnte. (Gleichzeitig betonten sie weiterhin ihre Unterstützung
des CONTADORA-Prozesses, obwohl die
Ziele der CONTADORA-Gruppe Vereinbarungen fordern, die sowohl Frieden
wie auch Demokratie garantieren.)
Tatsächlich bildete das Machtmonopol der Sandinisten die Wurzel des
nicaraguanischen Konflikts, und dies
ist auch weiterhin der Fall.
Nach
einem harten Freiheitskampf im Jahr
1979 ersetzten die Sandinisten Somoza
durch eine Regierung, die Demokratie
und Pluralismus versprach. Nach sieben Jahren der Herrschaft durch die
Sandinisten sieht das nicaraguanische
Volk, daß seine Revolution verraten
wurde. Eine Diktatur wurde mit einer
noch schlimmeren vertauscht, die die
Zukunft ihres Landes an die Sowjetunion verkauft hat. Sie haben ihre
Hoffnung auf Demokratie nicht aufge-

- 3 -

�geben, und sie sind mehr denn je dazu
bereit, für die Freiheit zu kämpfen,
die ihnen im Jahr 1979 greifbar nahe
war. Wie Präsident Jose Azcona Hoyo
von Honduras beobachtete:
"Es kann
keinen Frieden geben, selbst wenn die
Sandinisten ihre gesamte Artillerie
und ihre Kampfhubschrauber in den Managua-See werfen, wenn in Nicaragua
keine demokratische Öffnung stattfindet.
Das nicaraguanische Volk, sowohl im Innern wie auch im Ausland,
wird weiterhin
für seine Freiheit
kämpfen..."
Die Lösung liegt also in der Demokratisierung Nicaraguas.
Eine demokratische
Regierung
in Nicaragua
wird Frieden und Gerechtigkeit bringen, wird das ursprüngliche Versprechen der Revolution von 1979 erfüllen
und gleichzeitig den moralischen und
strategischen Interessen des Wetens
dienen. Die Rechte der Nicaraguaner
würden geschützt und die Bedrohung
für die Sicherheit der benachbarten
Demokratien
würde
beendet
werden.
Der Gefahr neuer Stützpunkte zur Verlagerung
der
sowjetischen Militärmacht in eine Region, die lebenswichtig für die Sicherheit des Westens
ist, würde ebenfalls ein Ende bereitet.
Solange die Sandinisten ein militärisches Machtmonopol besitzen, werden sie einer unbewaffneten Opposition, die ihre totalitäre Ausrichtung
ablehnt, keine politische Freiheit
zugestehen.
Die
Entscheidung
der
amerikanischen Regierung, den bewaffneten
Widerstand
zu
unterstützen,
wird dieses Monopol brechen und dem
Widerstand dabei helfen, die Sandinisten dazu zu zwingen, eine Wahl zu
treffen: ihre Versprechen einzuhalten
und volle demokratische Freiheiten zu
gewähren
oder
einer
Volksbewegung
nachzugeben, die sie dazu zwingt, die
Macht aufzugeben.

Kann sich der Widerstand durchsetzen?
Beim Widerstand gegen die Tyrannei der Sandinisten haben die Nicaraguaner großen Mut und Entschlossenheit gezeigt.
Die freien Gewerkschaften und politischen Parteien haben ihre Arbeit fortgesetzt obwohl
die
Sandinisten
ihre
Mitglieder
zwecks Einschüchterung ins Gefängnis
werfen.
Die Sandinisten haben die
Katholische
Kirche behindert
indem
sie
ihre Vermögen
beschlagnahmten,
Seminaristen zum Wehrdienst einzogen
und Mitglieder des Klerus auswiesen.
Aber die Kirche setzt ihre Arbeit unerschrocken
fort.
Die Sandinisten
strangulieren
die
Privatwirtschaft
durch
staatliche Kontrollen.
Aber
die Unternehmer verteidigen weiterhin
ihr Recht auf wirtschaftliche Freiheit, über 20 000 Nicaraguaner haben
zu den Waffen gegriffen in der größten aufständischen Bewegung in der
Geschichte Lateinamerikas, einer demokratischen Revolte, die größer ist
als alle kommunistischen Untergrundbewegungen im heutigen Lateinamerika
zusammengenommen.
Die Frage ist nicht, ob sich das
Volk von Nicaragua durchsetzen kann,
sondern ob die freie Welt die Geduld
und Beharrlichkeit besitzt, sie während dieses langen Weges zu unterstützen.
Der nicaraguanische Widerstand braucht Zeit. Sein Gegner ist
eine
kommunistische
Regierung, die
sieben Jahre Zeit hatte, um ihre Kontrolle durch Geheimpolizei, Blockkomitees, die volle Kontrolle der inländischen Informationsmedien und die
größte Militärmacht in Mittelamerika
zu konsolidieren.
Durch diese totalitäre Kontrolle bieten die Sandinisten ein wesentlich schwierigeres
Ziel als dies bei Somoza im Jahr 1979

�der Fall war.
Die
Sandinisten
sind
jedoch
grundsätzlich verletzbar. Ihre Armee
ist keine nationale Armee sondern die
Parteiarmee der Sandinisten - sie ist
auf Zwangsrekrutierung aufgebaut und
wird
von
Desertionen
heimgesucht.
Das nicaraguanische Volk ist nicht
loyal gegenüber einer Revolution, die
ihren Glauben und ihre Werte mit den
Füßen tritt, den Nationalismus durch
die Einladung zu ausländischer Okkupation
pervertiert, die Wirtschaft
ruiniert, die benachbarten Demokratien unterwandert und im eigenen Land
einen
Bürgerkrieg
schafft.
Diese
Faktoren sind für das schnelle Anwachsen des Widerstandes verantwortlich und gewähren Unterstützung von
Seiten des Volkes, um viele Monate
tief innerhalb Nicaraguas operieren
zu können. Effektive politische Arbeit und verstärkte militärische Aktivität wird noch mehr Nicaraguaner
für diesen Kampf gewinnen.
Der Sieg der Demokratie in Nicaragua wird mehr als dem Eigeninteresse der Nicaraguaner dienen, die die
Freiheit wünschen - er wird weitergespannten wstlichen Interessen der Sicherheit
und
der
Ausbreitung
der
Freiheit
dienen.
Die Nicaraguaner
sind bereit, den Kampf auf sich zu
nehmen und bitten lediglich um Material von ihren Freunden.
Sicherlich
können wir es uns leisten, ihnen dies
sowie Verläßlichkeit und Geduld zu
gewähren. Wenn wir uns nicht in der
Zukunft einer schwereren Krise zu höheren Kosten aussetzen wollen, dann
können es sich die Vereinigten Staaten in der Tat nicht leisten, diese
Hilfe nicht zu gewähren.
So wie die Niederlage einer Demokratie die Gemeinschaft der Demokratien verkleinert, werden alle freien
Völker vom Erfolg neuer Demokratien

bereichert.
Die Ausdehnung demokratischer Freiheit über ganz Lateinamerika ist ein Erfolg, über den sich
alle Demokraten freuen sollten. Sie
ist eine historische Entwicklung, in
der sich für Lateinamerikaner die Erfüllung
eigener
Ideale
ausdrückt,
aber in einigen Fällen hat internationale Unterstützung beim Umschwung
zu einer gewählten Regierung mitgewirkt.

El Salvador ist ein gutes Beispiel
Das Jahr 1979 bezeichnete den Beginn der Hinwendung El Salvadors zur
Demokratie.
In den ersten Jahren
dieses
Experiments
glaubten
viele
gutinformierte und erfahrene Beobachter, daß die salvadoranische Demokratie nicht überleben würde. Die sozialen, politischen und wirtschaftlichen
Spannungen
seien
zu
groß.
Trotz der Anstrengungen ziviler Reformer
forderte
der
heimtückische
Krieg
der kommunistischen
Guerilla
einen hohen Zoll.
Die
Demokratie
hatte
mächtige
Feinde. Aber die Demokratie hatte in
El Salvador
auch Verbündete.
Das
salvadoranische Volk
selbst
zeigte
immensen Mut und Hartnäckigkeit. Demokraten in der gesamten Hemisphäre
halfen der Salvadoranern beim Aufbau
der Wirtschaft, dem Schutz ihrer Demokratie und Verteidigung gegen die
Kommunisten.
Heute halten die Kämpfe in Teilen
von El Salvador an, aber Präsident
Duarte und seine zivile christdemokratische
Regierung hat bedeutende
Fortschritte erzielt. Seit 1982 hat
das Land eine Reihe freier und geplanter Wahlen abgehalten, von denen
eine jede die schon erreichten demokratischen
Fortschritte
verstärkte.
Die zivilen Institutionen nehmen an

- 5 -

�Stärke zu.
Die politische Gewalt
wurde stark zurückgedrängt und nimmt
weiter ab.
Der politischen Opposition wird die freie Meinungsäußerung
gestattet - im Parlament, in der
Presse, in Gewerkschaften und Demonstrationen auf der Straße.
Das
vielleicht
hoffnungsvollste
Zeichen für den Erfolg der Demokratie
ist die Rückkehr von Exilanten. Salvadoraner, die ihre Heimat verlassen
hatten, weil freie Meinungsäußerung
ihr Leben gefährdete, sind in das
Land zurückgekehrt, um ihre Zukunft
innerhalb des demokratischen Prozesses abzustecken.
Einige von ihnen
waren einst der Überzeugung gewesen,
daß die gewaltsame Revolution die
einzige Antwort sei.
Der Erfolg der Demokratie in El
Salvador birgt in sich eine Lehre:
wenn Demokraten ihre Werte verteidigen, sich zusammenschließen und geduldig daran arbeiten, können sie Ergebnisse erzielen.
Heute besteht die größte Herausforderung für die Freiheit in Mittelamerika in Nicaragua - eine gänzlich
andere Situation als in El Salvador
in den Jahren 1980-1982 und ein Fall,
auf den die Lehre der demokratischen
Solidarität erst noch angewendet werden muß.

Das erste Problem - die direkte
Herausforderung
für die Sicherheit
der Vereinigten Staaten - ist nichts,
wo die Europäer sehr viel tun könnten.
Mittelamerika und die Karibik
sind weit von Europa entfernt und den
Vereinigten Staaten nah.
Sichelich
muß die Hauptverantwortung für die
militärische
Sicherheit
im Karibischen
Becken
bei
den
Vereinigten
Staaten liegen. Daß die Vereinigten
Staaten andere Mittel als eine militärische Intervention gewählt haben,
um den sowjetischen Versuch, dort die
beherrschende Macht zu werden, zu
durchkreuzen mag für einige beruhigend sein, aber bei dem besonderen
militärischen Problemann Europa verständlicherweise keine wichtige direkte Rolle spielen.
Das zweite Problem - die Zukunft
der Demokratie in Nicaragua und seinen Nachbarstaaten - ist jedoch derart, daß Europa eine entscheidende
Verantwortung trägt. Und es ist eine
Herausforderung, von der Europa sich
nur abwenden kann mit dem Risiko, die
ideelle Kraft hinter der atlantischen
Zusammenarbeit
aufzugeben.
Es ist
die Demokratie, die unserem gemeinsamen Kampf gegen Faschismus und totalitäre Übergriffe den Sinn verliehen
hat.
Es ist Zeit zu erkennen, daß
Demokratie
kein westliches Monopol
ist, daß nur von guten bürgerlichen
Würdenträgern genossen werden soll.

Was hat all dies mit Europa zu tun?
Eine ganze Menge.
Der Ausgang
des Freiheitskampfes in Nicaragua betrifft zwei grundlegende europäische
Interessen. Das erste ist die nationale Sicherheit der Vereinigten Staaten, Europas wichtigstem Partner im
atlantischen Bündnis. Das zweite ist
die Zukunft der Demokratie, was Impetus und bindende Kraft für das atlantische Bündnis selbst darstellt.

Amerikanern ist es oft schwergefallen zu verstehen, warum einige Europäer Nicaragua so viel Hilfe gewährt haben lange nachdem der Verrat
der demokratischen Werte durch die
Sandinisten
der
Welt
klargeworden
ist. Im Jahr 1985 ging zum Beispiel
über die Hälfte der von der Europäischen Gemeinschaft an Mittelamerika
gewährten Hilfe an das totalitäre Nicaragua, nicht an die Demokratien.

�Die mittelamerikanischen Demokratien
werden durch Zeichen ermutigt, daß
dieses Verhaltensmuster nun umgekehrt
wird.
Der Siegeszug der Demokratie in
ganz Lateinamerika ist eine dramatische historische Entwicklung
und
eine mächtige Kraft, die die verbleibenden Diktaturen in der Region bedrängt,
ihrem Volk
die
Regierung
selbst zu überlassen.
Umgeben von
Demokratien,
darunter
drei
neuen,
fühlen
die
Sandinisten
Nicaraguas
diesen Druck jeden Tag.
Ihre demokratische Maske hat das nicaraguanische Volk
nicht getäuscht.
Wie
Violeta de Chamorro, die Besitzerin
von La Prensa, Präsident Ortega in
einem Schreiben kurz nach der Schließung ihrer Zeitung durch die Sandinisten mitteilte: "....Das nicaraguanische Volk
verliert seinen Freiheitsgeist nicht und wird in selbst
in den schlimmsten Gulags, die Sie
sich ausdenken mögen, niemals verlieren."
Amerikaner und Europäer haben
allen
Grund,
dem
nicaraguanischen
Volk beizustehen, ihm zu helfen, seine Freiheit zu erringen und sich seinen Nachbarn in einer neuen Ära der
demokratischen Entwicklung in Mittelamerika anzuschließen.

* * * * * *
- 7 -

�AMERIKA DIENST
Wissenschaft und Technik
18. Februar 1987

LEISTUNGSFÄHIG FÜRS 21. JAHRHUNDERT
Forscher als Partner der Industrie - Reform des naturwissenschaftlichen Unterrichts -

WASHINGTON - (AD) - Im Zusammenhang mit Präsident Reagans "Botschaft
zur Lage der Nation" veröffentlichte
das Weiße Haus Informationsmaterial
über einen dem US-Kongreß zugeleiteten Katalog von Maßnahmen und Vorschlägen zur Niveauverbesserung auf
wichtigen
Gebieten
des wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und kulturellen Lebens. Sie sind darauf abgestellt, für die Herausforderungen
des 21. Jahrhunderts besser gewappnet
zu sein und Chancen besser zu nutzen.
Die
überlegene
Wettbewerbsfähigkeit
Amerikas in der Weltwirtschaft sei

United States Information Service
Embassy of the United States of America

von größter Bedeutung für den Lebensstandard und die nationale Sicherheit, heißt es in der Faktensammlung.
Der Präsident strebe mit Regierungsmitteln ein Sechs-Pnkte-Programm an,
das helfen solle, ein hohes Leistungsniveau bis weit in das nächste
Jahrhundert hinein zu halten.
Vor
allem in die menschlichen Ressourcen
müsse mehr als bisher investiert werden.
Deshalb sei es u.a. erforderlich,
die Schul- und Bildungsreform fortzusetzen, Flexibilität am Arbeitsplatz

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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�durch Umschulungsmaßnahmen, aber auch
die Mobilität der Arbeitskräfte zu
fördern. Desgleichen müsse die Weiterentwicklung von Naturwissenschaften und Technik unterstützt werden.
Dies geschehe nicht nur durch Verdoppelung des Budgets der Nationalen
Wissenschaftsstiftung
("National
Science Foundation"-NSF) im Verlauf
der nächsten fünf Jahre, sondern auch
durch die Schaffung neuer Wissenschafts- und Technologiezentren unter
gemeinsamer Regie von Staat und Privatwirtschaft, durch die Förderung
universitärer und industrieller Austauschprogramme
für
Wissenschaftler
und Ingenieure aus der Industrie und
deren zeitweilige Mitarbeit in Nationalen
Forschungslaboratorien.
Die
Zentren sollen an Universitäten eingerichtet werden und interdisziplinären Charakter haben.
Man wird sich
dort auf Grundlagenforschung konzentrieren, die direkte Beiträge zur
wirtschaftlichen Wettbewerbsfähigkeit
liefern
kann.
Insbesondere sollen
langfristige
naturwissenschaftlichtechnische Projekte auf Gebieten wie
Robotertechnik für die automatisierte
Fertigung
und die Mikroelektronik,
zur Verarbeitung
neuer
Materialien
und auf dem weiten Feld der Biotechnologie durchgeführt werden.
Durch
Regierungserlaß wird
die
Industrie
Zugang
zu
bundeseigenen
Wissenschafts- und
Technologieentwicklungen erhalten. Damit wird auch
der Informationsfluß von der Forschung
zur Industrie beschleunigt.
Wissenschaftler in bundeseigenen Laboratorien werden ermutigt, sich über
Patentrechte und Lizenzvergabe um die
Kommerzialisierung
ihrer Arbeit zu
bemühen, damit auch der private Sektor und die Masse der Konsumenten davon profitieren können. Die Beratertätigkeit
für die Wirtschaft soll
ausgebaut werden.

- 2

über
"Wissenschaftsunternehmer"
mit Verbindungen zu Laboratorien und
Wirtschaft, zu Wagniskapital und Universitäten will man den Technologietransfer und die Nutzbarmachung von
Spin-off-Produkten und Verfahren aus
Forschungs- und
Entwicklungsprogrammen von Bundeslaboratorien fördern.
Auf Weisung des Präsidenten werden
außerdem die amerikanischen Bundesministerien für Landwirtschaft, Handel,
Energie, Gesundheit und soziale Dienste, ferner die US-Behörde für Luftund Raumfahrt (NASA) ein "Technologie"-Teilhabeprogramm"
in
Angriff
nehmen.
Es beinhaltet
mehrjährige
gemeinsame Projekte aus der reinen
und angewandten Forschung durch Konsortien
amerikanischer
Firmen
und
Universitäten.
Damit die Industrie und die akademische Welt in den USA auch von
ausländischer Forschung und Technologie profitieren können, werden das
Außen- und
Handelsministerium
sowie
die NSF einen geeigneten Mechanismus
entwickeln, der gewährleistet, daß
entsprechende
Informationen
sofort
und effizient verfügbar werden. Auch
wird das Außenministerium für Wissenschaftler und Ingenieure aus Bundesbehörden, von Universitäten und aus
der Industrie Möglichkeiten schaffen,
um an amerikanischen Botschaften im
Ausland tätig zu sein.
Präsident Reagan schlägt vor, die
Grundlagenforschung, die seit 1981
bereits eine zusätzliche Förderung um
47 Prozent erfuhr, mit Regierungsgeldern künftig noch mehr zu unterstützen.
Im Haushaltjahr 1988 sind in
den um 12 Prozent angehobenen Mitteln
für Forschung und Entwicklung vier
Prozent für Grundlagenforschung vorgesehen.
Als Schwerpunkte von Forschungsund Entwicklungstätigkeit gelten:

�- Konstruktion
station;

und Bau einer

- Lithiumbatterien, die im Volumenoder Gewichtsvergleich eine fünfbis zehnfache Kapazität zum Speichern von Energie haben;

Raum-

- Entwicklung eines Raumflugzeuges;
- Radar
höchster
Zuverlässigkeit
für Kontrollsysteme der Luftfahrt
und für kommerzielle Flugzeuge;

- Weiterentwicklung von Raumfahrttechniken
für
nichtmilitärische
Zwecke auf der Basis bereits existierender Technologie im Interesse der amerikanischen Führungsrolle im Weltraum;
- weltweites
geowissenschaftliches
Forschungsprogramm, bei dem von
vornherein unser Planet samt Meeren und Atmosphäre als Ganzes
verstanden wird;
- Pflanzenforschungsprogramm,
das
auf die Verbesserung der Qualität
landwirtschaftlicher Produkte abzielt;
- verbesserte Fertigungstechniken;
- superschnelle
kreise;

integrierte Schalt-

- detaillierte Entschlüsselung und
Sequenzbestimmung
des
menschlichen Erbmaterials DNS.
Vom
US-Verteidigungsministerium,
dem in diesem Jahr etwa 17 Prozent
mehr Mittel für Forschung und Entwicklung,
Erprobung
und
Bewertung
(mehr als das Doppelte seit 1982) zur
Verfügung stehen sollen, fordert Präsident Reagan mehr Anstrengungen zu
einer beschleunigten Umsetzung seiner
Entwicklungen in "Spin-off"-Produkte
für die nichtmilitärische Anwendung.
Es werden folgende Schwerpunkte genannt:
- keramische Verbundmaterialien
leistungsfähigere Automotoren
Turbinen;

für
und

- Enzyme für bessere Verfahren zur
Beseitigung toxischer Abfälle und
zur Dekontaminierung.
Auch aus dem SDI-Programm dürften
sich wichtige Nebenprodukte für die
allgemeine Forschung und Entwicklung
ergeben, wie es schon beim APOLLO—
und Raumtransporterprogramm der Fall
war.

Appell an die Jugend
Zum ersten Jahrestag des CHALLENGER-Unglücks, bei dem am 28. Januar 1986 sieben amerikanische Astronauten ihr Leben verloren, kündigten
die Familien der Toten an, zum Gedächtnis ihrer Angehörigen ein "CHALLENGER-Zentrum" in Houston mit Zweigstellen im ganzen Land einrichten zu
wollen. Diese Zentren sollen der Jugend Ansporn geben und Informationen
über die vielfältigen Gebiete von
Raumfahrttechnik und Weltraumwissenschaften
vermitteln.
Schulkinder
sollen gemeinsam mit ihren Lehrern
mit Geräten arbeiten, selbst Experimente durchführen und sich mit Raumfahrttechnik vertraut machen können.
Präsident Reagan griff die Anregung auf und erklärte in einer Proklamation zum CHALLENGER-Jahr: "...Eines der Ziele der CHALLENGER-Mission
ist
es
gewesen,
wissenschaftliche
Aufgaben im Weltraum direkt ins Klassenzimmer zu bringen."
Die Jugend
solle motiviert werden, sich für Naturwissenschaften zu begeistern und

- 3 -

�Hervorragendes
zu leisten.

in

deren

Disziplinen

Inzwischen gab die Nationale Wissenschaftsstiftung bekannt, mit einem
großangelegten Programm zur Verbesserung der Lehrpläne in den Elementarund Sekundärschulen beizutragen und
naturwissenschaftlich
interessierte
Jugendliche in den höheren Klassen
der Oberschulen besonders zu fördern.
Die
frühzeitige
Ermutigung
aller
Schüler für Kernfächer durch logisch
aufgebaute Lehrpläne sei dabei ein
ganz kritischer Punkt.
Den einzelstaatlichen und lokalen Schulbehörden
sollen baldmöglichst Vorschläge zur
Reform der Lehrpläne für die ersten
Schuljahre gemacht werden, damit die
Schüler - für die Mehrzahl sei dies
erforderlich - in der Oberschule den
Anforderungen der naturwissenschaftlichen Fächer auch wirklich gewachsen
seien.
Schulbuch- und Lehrmittelverlage seien besonders gefordert, Material anzubieten, das Lehrer und Schüler
gleichermaßen
in
seinen
Bann
zieht.
Begabten Oberschülern werde
u.a. die Möglichkeit geboten, an einigen von der Bundesregierung mitfinanzierten Forschungslaboratorien zu
hospitieren.

* * * * * *

�</text>
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                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
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                <text>Amerikadienst 18.02.1987</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Strategie zur Nationalen Sicherheit der Vereinigten Staaten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Bericht der Reagan Administration an den Kongress - Teil IV&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ein Sieg der Demokratie in Nicaragua liegt auch im Interesse Europas&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von Elliot Abrams, Stellvertretender Außenminister der Vereinigten Staaten -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Leistungsfähig fürs 21. Jahrhundert&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Forscher als Partner der Industrie - Reform des naturwissenschaftlichen Unterrichts -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST
VON

**

1 1 . F e b r u a r 1987

I N H A L T

DOKUMENTATION

Die Amerikanisch-europäischen Wirtschaftsbeziehungen:

Mythen und

Verpflichtungen
- Rede von Botschafter Burt vor dem Industrie-Club in Düsseldorf -

HINTERGRUNDMATERIAL

Strategie zur Nationalen Sicherheit der Vereinigten Staaten
- Bericht der Reagan-Administration an den Kongreß Teil III

* * * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�AMERIKA DIENST
'%7-oN^

Dokumentation

11. Februar 1987

DIE AMERIKANISCH-EUROPÄISCHEN WIRTSCHAFTSBEZIEHUNGEN:
MYTHEN UND VERPFLICHTUNGEN
- Rede von Botschafter Burt vor dem Industrie-Club in Düsseldorf DÜSSELDORF - (AD) - In seiner Rede vor dem Industrie-Club in Düsseldorf
erklärte der amerikanische Botschafter, Richard Burt, am 11. Februar 1987, daß
es ein tragischer Fehler wäre, "wenn die Vereinigten Staaten jemals mit der
Lockerung ihrer Sicherheitsbindungen an Europa drohen würden, um wirtschaftliche Vorteile zu erlangen." Obwohl erkannt werden müsse, daß zwischen amerikanisch-europäischen Wirtschaftsbeziehungen und der Sicherheit des Bündnisses
ein wichtiger Zusammenhang besteht, verfolge die Reagan-Administration aber
"kein Junktim zwischen Handlsproblemen und amerikanischer Militärpräsenz in
Europa".
Die Ansprache des Botschafters hat folgenden Wortlaut:
Herr Dr. Henkel, Herr Dr. von
Buelow, Freiherr von Teuffei, meine
Damen und Herren I
Ich freue mich, heute abend hier
bei Ihnen zu sein. Die regelmäßigen
Veranstaltungen
des
Industrie-Clubs
werden allgemein geschätzt und tragen
erheblich zum Verständnis wirtschaftlicher und sozialer Probleme bei.
Ich möchte weiterhin den Mitgliedern
des
Industrie-Clubs,
der
Deutsch-Amerikanischen
SteubenSchurz-Gesellschaft und des Harvard

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Clubs Rhein-Ruhr dafür danken, daß
sie mich heute abend nach Düsseldorf
eingeladen haben.
Ihre zahlreichen
Aktivitäten liefern den Beweis der
vitalen und engen Bande, die die Vereinigten Staaten und die Bundesrepublik Deutschland verbinden.
Ich begrüße Sie und danke Ihnen für Ihren
bedeutenden Anteil an der Förderung
von Freundschaft
und Verständigung
zwischen Deutschen und Amerikanern.
Ich freue mich immer über einen
Besuch in Düsseldorf, das als ein
Mittelpunkt von Handel und Industrie

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�so wohlbekannt und geachtet ist. Die
wichtige Rolle, die Düsseldorf in
Wirtschaft und Handel zufällt, läßt
es besonders angemessen erscheinen,
daß ich heute abend vor diesem verehrten Publikum über die Wirtschaftsbeziehungen zwischen den Vereinigten
Staaten und Europa spreche. Nach Beendigung
meiner Ausführungen
werde
ich gern mit Ihnen über die von mir
angeschnittenen
Probleme oder
über
andere für Sie wichtige Fragen diskutieren.

Mythen der Ökonomie
In jüngster Zeit ist viel zum
Thema der Wirtschaftsbeziehungen zwischen
Europa
und
den
Vereinigten
Staaten gesagt und geschrieben worden. Kommentatoren auf beiden Seiten
des Atlantiks haben uns täglich Berichte über Schwierigkeiten bei unseren Beziehungen in Handel und Finanzwesen geliefert.
Wir haben mit Besorgnis und später mit Erleichterung
beobachtet, wie unsere Unterhändler
eine Reihe verhängnisvoller Vergeltungszölle auf Agrarprodukte abwendeten.
Ich bin besonders dankbar für
die konstruktive Rolle, die die Bundesrepublik Deutschland bei der Beilegung
dieses Streitfalls
gespielt
hat, und ich möchte diese Gelegenheit
ergreifen, um Bundeskanzler Kohl, Außenminister Genscher und Wirtschaftsminister Bangemann für ihre Bemühungen zu danken, mit denen sie eine gerechte und ausgewogene Lösung unterstützt haben. Wir können äußerst zufrieden sein, daß es möglich war, eine Übereinkunft herbeizuführen.
Das
ist ein willkommener Hinweis darauf,
daß wir die Fähigkeit und den Willen
zur Zusammenarbeit bei der Lösung vor
uns liegender Probleme besitzen.
Gleichzeitig wäre es aber unverantwortlich, die zwischen uns stehen-

den Unterschiede leugnen oder bagatellisieren zu wollen. Tatsache ist,
daß wir in einer Debatte über eine
Reihe von Problemen stehen, die in
unseren
Wirtschaftsbeziehungen
auftreten.
Wir
haben eine bestimmte
Meinung über Modalitäten zur Förderung des Wachstums und Wohlergehens
in der Weltwirtschaft, und andere haben dazu eine abweichende Meinung.
Wir glauben daran, daß die Kräfte des
Marktes am besten in der Lage sind,
Kreativität
und Leistung
hervorzubringen.
Andere sind der Ansicht,
Regierungen sollten den Markt Regelungen unterwerfen und lenken.
Die
Vereinigten Staaten haben ein riesiges Defizit im Außenhandel, und die
Bundesrepublik wie auch Japan verzeichnen
riesige Überschüsse.
Das
Ungleichgewicht beunruhigt uns alle,
aber wir können uns nur schwer darüber einigen, wer welche Schritte zu
dessen Abbau unternehmen sollte.
Es handelt sich hierbei um reale
Probleme und reale Meinungsverschiedenheiten, die in einer leidenschaftlich geführten Debatte zur Sprache
kommen.
Im Zuge dieses Austauschs von Argumenten streben wir einen breiter
gesteckten Rahmen an, um von uns beobachtete Fakten zu erklären und die
von
uns
vertretenen
Ansichten
zu
rechtfertigen.
Wir entwerfen ganze
Theorien über die jeweils andere Gesellschaft
und
Wirtschaft.
Diese
Theorien
bergen genug Wahrheit in
sich, um unsere Phantasie anzuregen
und erlangen manchmal hohe Popularität.
Auf diese Weise schaffen wir Mythen, und diese Mythen können die Phantasie
der Öffentlichkeit
erregen
und beherrschen. Sie helfen uns aber
nicht
notwendigerweise
weiter
zum
Verständnis der Welt in der wir le-

- 2 -

�ben. Vielmehr können sie uns manchmal irreführen und eher verwirren.
Leider hat solch eine irrige Argumentation in den europäisch-amerikanischen Beziehungen eine lange Geschichte. Von Zeit zu Zeit erliegen
wir der Versuchung, Schwierigkeiten
und Probleme als Beweis für allgemein
bestehende Mängel in unseren sozialen
und wirtschaftlichen Systemen zu betrachten. Am Ende könnten gegenseitig bestehende Mythen und Klischees
unseren Dialog beherrschen.
In den letzten Jahren sahen wir
uns zwei widersprechenden Mythen über
die transatlantischen Wirtschaftsbeziehungen gegenüber.
Sie haben sich
als gemeinhin
anerkannte Erklärung
der Dynamik dieses Verhältsnisses abgewechselt. In einem nahezu gleichmäßigen Turnus ist der Mythos einer
amerikanischen Dominierung Europas in
den Bereichen Wirtschaft und Technologie vom Mythos der Unordnung und
des Desinteresses
in Amerika verdrängt worden, auf den dann wiederum
der Mythos der amerikanischen Vormachtstellung folgte.
Vor etwa 20 Jahren brachte der
französische Politiker und Journalist
Jean-Jacques Servan-Schreiber seinen
Bestseller "Die amerikanische Herausforderung" heraus.
Servan-Schreiber
war
vom Erfolg der Zusammenarbeit
zwischen
amerikanischer
Industrie,
Regierung und Bildungswesen geblendet
- aber auch beunruhigt. Er schrieb,
daß die Vereinigten Staaten den "außergewöhnlichsten
technologischen
Durchbruch
in
der
Weltgeschichte"
vollbracht hätten.
Seiner
Ansicht
nach sollte Europa sich amerikanische
Management-Methoden zu eigen machen,
bevor es zu spät sei.
Aber die Zeiten ändern sich und
gegen Ende der siebziger Jahre ver-

blaßte die Sorge über eine amerikanische Vorherrschaft im Bereich der
Technologie. Sie wurde durch Sorgen
über die Schwäche der amerikanischen
Wirtschaft abgelöst. Die Aufmerksamkeit richtete sich auf das nachlassende Wachstum und steigende Preise
in den Vereinigten Staaten.
In der
Amtszeit Präsident Carters galt der
Dollar als krank und die industrielle
Grundlage der Vereinigten Staaten als
schwindend.
Nur wenige Jahre später begann nach
der Regierungsübernahme
durch
die Reagan-Administration - eine neue
Runde.
Wieder einmal gab es einen
Meinungsumschwung.
Die
Vereinigten
Staaten waren nicht länger der Verlierer im Rennen um die Vorherrschaft
in Wirtschaft und Technologie. Silicon Valley war ins Blickfeld der Welt
gerückt, und man war wieder pessimistisch über Europa. "Eurosklerose"
war in aller Munde.
Diesem Blickwinkel zufolge waren
die Gesellschafts- und Wirtschaftssysteme Europas
zunehmend
verkrustet
und Vorrechte bestimmter Interessengruppen tief verwurzelt. Aus diesen
Gründen war Europa unweigerlich dazu
verurteilt, bei der Entwicklung und
Anwendung von Hochtechnologie hinter
die Vereinigten Staaten und Japan zurückzufallen. Europa wurde im weltwirtschaftlichen
Rennen
auf
einen
hinteren Rang verwiesen.
Diese Theorie war allgemein anerkannt.
Bruce Nussbaum, ein amerikanischer
Autor, der über Wissenschaft
und
Gesellschaft
schreibt,
sagte sogar voraus, die Bundesrepublik würde im Bereich der Technologie
zur japanischen Kolonie werden.
Heute ist der Mythos der Eurosklerose natürlich aus der Mode gekommen; ein neuer Mythos bewegt die

- 3 -

�europäische Phantasie, und zwar der
Mythos, die Wirtschaft der Vereinigten Staaten habe grundlegende Mängel.
Die
einstmals mächtigen amerikanischen Industriezweige seien Überflüssig und unfähig, sich zu erneuern.
Amerikanische Manager seien besessen
von
ihren Aktienkursen und davon,
Übernahmen durch die Konkurrenz abzuwehren.
Das Finanzsystem sei durch
eine Schuldenanhäufung bedroht, die
sowohl Produzenten als auch Verbraucher
gleichermaßen
zu verschlingen
drohe.
Die vieldiskutierte Umwandlung der Vereinigten Staaten in eine
Dienstleistungsindustrie schaffe eine
Nation von Hamburger-Bäckern.
Ich bedaure, daß dieser Mythos
jüngst von Teilen der bundesdeutschen
Medien ziemlich enthusiastisch aufgegriffen wurde. In einem kürzlich im
'Spiegel'
erschienenen Artikel benutzte der Verfasser das Handelsbilanzdefizit der Vereinigten Staaten
als Aufhänger und arbeitete sich so
von vorn nach hinten. Das Defizit im
Handel zeige, so schrieb er, daß amerikanische Produkte nicht mehr so gut
seien wie europäische oder asiatische
Produkte.
Die Amerikaner, die nie
sehr gut darin gewesen seien, langfristig zu denken, seien auf dem
Weltmarkt nicht mehr wettbewerbsfähig, weil die Produktivität stagniere
und
das
amerikanische
Schulsystem
versagt habe. Die Vereinigten Staaten wendeten sich daher als letzter
Zuflucht der "brutalen Lösung" des
Protektionismus zu.
Quatsch!
sie verstehen sicher,
was ich meine, wenn ich sage, daß
vielfach ein Problem aus seinem Kontext herausgelöst und dann eine eigenständige Theorie darum aufgebaut
wird. Tatsache ist, daß das Defizit
im Handel der Vereinigten Staaten zum
großen Teil von einem zu starken Dollar herrührt wie auch von einem Wirt- 4

schaftswachstum, das in den Vereinigten Staaten schneller verlief als in
anderen
Ländern.
Natürlich beeinträchtigte das unsere Wettbewerbsfähigkeit.
Dazu haben auch Schulden
und eine zurückgehende Nachfrage der
Entwicklungsländer
unseren
Exporten
einen schweren Schlag versetzt.
Das
daraus entstandene Handelsbilanzdefizit kann nicht aufrechterhalten werden, und wir tun alles, um es abzubauen.
Die
allgemeine
Behauptung
über die Qualität amerikanischer Produkte ist barer Unsinn und die Auffassung über industrielle Produktivität schlicht falsch.
Tatsache ist, daß trotz des Defizits die Einkommen, Beschäftigungsrate und industrielle Produktion in den
Vereinigten Staaten stetig steigen.
Dr. Georg Koopman vom Hamburger Institut
für
Wirtschaftsforschung
(HWWA) veröffentlichte kürzlich eine
Studie über die Auswirkungen des Handesbilanzdefizits
auf
die
amerikanische Wirtschaft.
Er kam zu dem
Ergebnis, daß die Produktion in der
verarbeitenden Industrie im Zeitraum
des steigenden Handelsbilanzdefizits
die gleichen Zuwachsraten verzeichnete wie das BSP. Die Fertigung hält
immer noch denselben Anteil am BSP
wie zu der Zeit des Überschusses im
Außenhandel. Dr. Koopman hat ferner
herausgefunden, daß eine größere ausländische Konkurrenz in den Vereinigten Staaten erheblich zu höherer Leistungsfähigkeit
im
Fertigungssektor
wie auch zur Produktqualität beigetragen hat.
Schließlich
berichtet
er, daß die Umsätze im amerikanischen
Fertigungssektor in den Jahren 198085 um 17 Prozent gestiegen sind, im
Vergleich zu 4 Prozent in der Bundesrepublik .
Ich erwähne diese Punkte, um aufzuzeigen, daß Mythen und Klischees
uns nicht bei der Behandlung von an-

�stehenden
Problemen
helfen.
Wir
sollten von voreiligen Schlußfolgerungen
Abstand
nehmen, die
nicht
durch
aktuelle
Pakten
untermauert
werden.
Lassen Sie uns der Versuchung widerstehen, Ereignisse zu interpretieren, um damit
bestehenden
Auffassungen darüber, welche Gesellschaft besser oder schlechter ist,
Vorschub zu leisten.
Wir sollten
vielmehr
gemeinsam
die Fakten betrachten und uns darum bemühen, gemeinsam Schlußfolgerungen für gemeinsame Handlungen zu ziehen.

Die wahre Herausforderung
In den vergangenen 40 Jahren waren wir im Westen bemerkenswert erfolgreich.
Wir haben Institutionen
geschaffen, die dem industrialisierten Westen wirtschaftliche Stärke und
einen Lebensstandard verschafft haben,
der
in
der
Geschichte
der
Menschheit
seinesgleichen
suchen.
Die entspannte Situation, das materielle Niveau und die Gesundheit, die
wir heute genießen, gingen zu Beginn
dieses Jahrhunderts noch über das
Vorstellungsvermögen unserer Vorväter
hinaus.
Am Ende des Zweiten Weltkriegs
sahen sich westliche Politiker ungeheuren Aufgaben und schwierigen Herausforderungen
gegenübergestellt.
Diese Herausforderungen waren offenkundig:
durch den Krieg zerstörte
Städte und Fabriken mußten wiederaufgebaut werden, das Finanzsystem der
Welt wiederhergestellt, der Handel
geöffnet und die Europäische Einheit
so gefördert werden, daß Konfliktanreize beseitigt wurden. Die von ihnen geschaffenen Institutionen sind
uns allen bekannt: der Marshall-Plan
und die Weltbank zur Finanzierung des
Wiederaufbaus,
der
Internationale
Währungsfonds (IWF) als Rahmen für

die internationalen Währungsbeziehungen wie auch das Allgemeine Zoll- und
Handelsabkommen (GATT) zur Errichtung
eines
neuen offenen
Welthandelssystems.
In Europa wurde die Europäische Gemeinschaft mit ihrer Vision
der wirtschaftlichen Integration ins
Leben gerufen, die das gemeinsame
Handeln
für
gemeinsame
politische
Ziele untermauern sollte.
40 Jahre später sehen wir uns
wiederum einer Herausforderung gegenüber, die in mancher Hinsicht so groß
ist wie die Herausforderung des Wiederaufbaus
in
der
Nachkriegszeit.
Aber wir befinden uns heute in einer
anderen Situation.
Damals war die
Aufgabe klar; heute jedoch sind wir
uns über den Ursprung unserer Probleme
nicht
so
sicher.
wir
haben
Schwierigkeiten, die jetzt anstehende
Herausforderung
zu
definieren
und
noch mehr, klug auf sie zu reagieren.
Meiner Ansicht nach besteht die
Herausforderung, der wir - Industrieund Entwicklungsländer
gleichermaßen
- uns gegenübersehen, in der Herausforderung, die sich durch den massiven
und
schnellen
technologischen
Wandel stellt.
Die Welt macht eine
technologische Revolution durch, die
in beträchtlichem Umfang zu Verwirrung und zu Umwälzungen führt. Ferner werden unsere Volkswirtschaften,
Gesellschaften
und
internationalen
Institutionen massivem Druck ausgesetzt, den wir nur schemenhaft nachvollziehen können.
Dasselbe ist auch in der Vergangenheit geschehen. Wirtschaftshistoriker weisen uns darauf hin, daß die
technologischen
Grundlagen
unseres
Lebens
in den letzten
zweieinhalb
Jahrhunderten fast regelmäßig alle 50
Jahre ausgetauscht worden sind. Seit
der Industriellen Revolution habe es
drei Innovationswellen gegeben.
Die

- 5 -

�erste Welle wird der Erfindung der
Dampfmaschine
zugeschrieben,
die
nächste wurde von der Mechanisierung
der Produktion bestimmt.
Zu Beginn
des 20. Jahrhunderts bildeten elektrische Energie, Chemie und der Verbrennungsmotor
die Grundlage einer
neuen Welle. Wir befinden uns im Augenblick inmitten einer vierten Welle
grundlegenden
technologischen
Wandels, deren Grundlage die Elektronik
ist. Eine fünfte Woge der Biotechnologie hat vielleicht schon begonnen.
Diese aufeinanderfolgenden - und
sich beschleunigenden - Wellen des
Wandels lassen uns kein Gleichgewicht
finden.
Der Managementexperte Peter
Drucker sagt dazu, wir lebten in einem
Zeitalter
der
Diskontinuität.
Mit den ständig aufkommenden neuen
Technologien nimmt die Verwirrung zu,
da althergebrachte Methoden abgelöst
werden und wir uns um die Erforschung
neuer Möglichkeiten bemühen müssen.
Wir werden gezwungen, einige Aktivitäten einzustellen und andere aufzunehmen.
Die Explosion im Informationswesen und die Computer-Revolution bedeuten, daß junge - wie auch
ältere - Menschen neue Fähigkeiten
erlernen müssen, um einen Arbeitsplatz zu bekommen und ihn zu behalten. Unsere landwirtschaftlichen Betriebe liefern uns mehr Nahrungsmittel, als wir essen können, und wir
werfen den Rest fort oder lagern ihn
zu enorm hohen Kosten.
Welche
Herausforderung
ergibt
sich nun aus all diesem für unsere
Volkswirtschaften und Gesellschaften?
Offensichtlich ziehen wir alle aus
den Möglichkeiten Vorteile, die das
Leben sicherer, einfacher und lohnender machen.
Aber viele von Ihnen
wissen besser als ich, wie sehr uns
das Voranschreiten
der Technologie
auch
vor
schwierige Entscheidungen
stellt. Wir stellen neue Materialien

künstlich her und benötigen weniger
Stahl als früher. stillgelegte Werke
und Arbeitslose sind das Ergebnis.
Unser Bedarf an anderen Rohstoffen
geht zurück - Kupfer und Zinn liefern
hier ein gutes Beispiel -, und Entwicklungsländer
leiden
unter
einer
zurückgehenden Nachfrage und geringerem Einkommen.
Gleichzeitig setzen
Firmen in Industrieländern ungeheure
Summen wie auch das Schicksal von
Millionen Menschen für ihre besten
Vermutungen aufs Spiel, welche Richtung die Technologie wohl nehmen wird.
Mit wechselndem Erfolg und wechselnden Fähigkeiten versuchen wir uns
dem Wandel anzupassen.
Oft neigen
wir dazu, eine Anpassung zu vermeiden. Statt dessen suchen wir Schutz
vor den Kräften des Wandels. Überalterte Industriezweige setzen bei der
Regierung Subventionen durch. In der
Landwirtschaft wenden wir uns von der
Tatsache ab, daß wir mehr Landwirte
haben, als wir brauchen.
Im internationalen Umfeld macht
der Wandel unsere Beziehungen miteinander noch komplizierter. Arbeitnehmer und Produzenten verlangen Schutz
vor
ausländischem Wettbewerb.
Die
Entwicklungsländer
drängen auf Anstrengungen
zur Verbesserung
ihrer
Situation, und wir versuchen, ihnen
zu helfen, wo wir können.
Das ist nicht immer leicht. Die
Bedürfnisse der jetzt im industriellen Aufbaustadium befindlichen Länder
- wie etwa Brasilien, Korea und Mexiko - unterscheiden sich von denen anderer Länder, die beim Streben nach
wirtschaflicher
Entwicklung
zurückbleiben.
Neue Industrieländer stellen für unsere eigenen Produzenten
eine Herausforderung dar, und doch
wissen wir, daß sie für ihren Erfolg
unsere Märkte brauchen. Die ärmeren
Länder benötigen oft Mittel, die wir

�ihnen zur Verfügung stellen können,
aber sie brauchen auch die Möglichkeit und den Anreiz, ihre eigenen
Ressourcen wirkungsvoller zu nutzen.

ter, wofür der niedrigste Flugpreis
für einen einfachen Flug 341 DM beträgt.
Die Reise von Chicago nach
Kansas City ist 650 Kilometer lang
und der billigste Einfachflug kostet
98 DM.

Die amerikanische Antwort
Wie gehen die Vereinigten Staaten
auf die Herausforderungen ein, die
ich hier beschrieben habe?
Unter
der
Leitung
Präsident
Reagans befinden sich die Vereinigten
Staaten nun in ihrem 50. fortlaufenden
Monat
eines
positiven
Wirtschaftswachstums.
Das Wachstum betrug zwischen 1983 und 1986 durchschnittlich
3,7 Prozent pro Jahr.
Die Inflation ist weiter zurückgegangen und länger auf niedrigem Niveau
geblieben als dies vor
fünf oder
sechs Jahren möglich schien. Wichtige Zinssätze sind um ganze 12 Punkte
gesenkt worden.
In den letzten Jahren haben Entscheidungen und Taten aller Zweige
der amerikanischen Regierung Veränderungen unserer Gesetze und Bestimmungen in historischem Ausmaß herbeigeführt.
Diese haben die Arbeitsweise
der amerikanischen Wirtschaft grundlegend verändert.
Die Freigabe der
Luftfahrt liefert hier ein Beispiel.
Die Brookings Institution hat kürzlich eine Studie über die Auswirkung
der Freigabe des Luftverkehrs in den
Vereinigten
Staaten
veröffentlicht.
Sie kam zu dem Schluß, daß Reisende
in den Vereinigten Staaten durch die
Freigabe wenigstens 6 Milliarden Dollar im Jahr einsparen konnten und daß
die Industrie mit wenigstens 2,5 Milliarden Dollar jährlich davon profitierte. Wettbewerb und nicht Regierungsbestimmungen bestimmen nun den
Umfang des Flugpreises in den Vereinigten Staaten.
Die Reise von München nach Hamburg beträgt 620 Kilome-

Wir haben unser nationales Telefonsystem von einschränkenden Bestimmungen befreit und dem Wettbewerb geöffnet.
Dadurch wurden die Vielfalt
der Dienstleistungen des amerikanischen Fernmeldesystems enorm gesteigert und gleichzeitig die Kosten gesenkt. Schon für 14 DM kann man zehn
Minuten von Denver nach Düsseldorf
telefonieren, wohingegen
ein Anruf
von hier nach Denver über 36 DM kostet.
Durch
die
Steuerreform
wurde
jetzt der Spitzensteuersatz für private Einkommen auf 28 Prozent gesenkt
und somit neue Anreize für Arbeit und
Unternehmergeist geschaffen. Gleichzeitig hat sich der Dienstleistungssektor zu einer neuen, starken Quelle
von Einkommen und Beschäftigung entwickelt.
Die
Dienstleistungsindustrie - Transportwesen, Handel, Banken, Finanz- und
Versicherungswesen
sowie persönliche Dienstleistungen hat seit 1981 zwölf Millionen neue
Arbeitsplätze geschaffen.
Im gleichen Zeitraum ging die Beschäftigung
in Europa zurück.
Hätte Europa im
gleichen
Ausmaß neue Arbeitsplätze
geschaffen wie die Vereinigten Staaten, dann gäbe es heute in Europa
zwei Millionen Arbeitslose statt 15
Millionen.
Im dem Maße, wie die amerikanische Wirtschaft Dampf aufmachte, zog
sie die gesamte Weltwirtschaft nach.
Nachdem das Wachstum der Weltwirtschaft in den Jahren von 1980-82
durchschnittlich weniger als 1,5 Prozent betragen hatte, verdoppelte es
sich in den folgenden drei Jahren,

�was zum größten Teil auf den amerikanischen
Aufschwung
zurückzuführen
ist.
In denselben drei Jahren wuchsen
die Importe der Vereinigten Staaten
um über 40 Prozent.
Die Entwicklungsländer
erhöhten
ihre Exporte,
und wir nahmen von diesem Zuwachs erheblich mehr auf als die gesamte übrige Welt. Im Jahr 1985 absorbierten
die Vereinigten
Staaten über zwei
Drittel der von den Entwicklungsländern
exportierten
Industriewaren.
Die Europäische Gemeinschaft nahm ein
Viertel und Japan weniger als ein
Zehntel ab.
Und die Industriestaaten profitierten
ebenfalls davon.
Zwischen
1983 und 1986 haben sich die Exporte
der Bundesrepublik Deutschland in die
Vereinigten Staaten mehr als verdoppelt.
Der Überschuß der Bundesrepublik im Handel mit uns stieg um über
800 Prozent.
Wir alle kennen ein weiteres Ergebnis dieser enormen Zunahme der Importe - in der amerikanischen Handelsbilanz ist ein riesiges Defizit
aufgetaucht.
Es muß nicht eigens erwähnt werden, daß dieses Handelsdefizit den
politisch Verantwortlichen in Amerika
große Sorgen bereitet.
Wir wissen,
daß ein Defizit dieses Ausmaßes nicht
andauern kann. Wir sind sehr darum
bemüht, es zu verringern. Die Frage,
wie dies bewerkstelligt werden soll,
bleibt offen.
Es gibt mehrere Möglichkeiten.
Eine Rezession in den Vereinigten
Staaten
würde
die
Importnachfrage
dämpfen und zur Wiederherstellung des
Gleichgewichts in unserer Handelsbilanz beitragen. Aber dies ist eine
Lösung, die niemandem helfen und al-

len schaden würde.
Der
Rückgang
des
Dollarkurses
sollte unseren Exporten neue Impulse
geben und die Importe verringern. Es
hat länger gedauert als ursprünglich
erhofft, bis die Anpassung der Wechselkurse
zur
Verbesserung
unserer
Handelsbilanz beigetragen hat, aber
es scheint nun, daß die verbesserte
Wettbewerbsfähigkeit
amerikanischer
Waren bei der Anpassung eine positive
Rolle zu spielen beginnt.
Aber je höher das Wachstum außerhalb der Vereinigten Staaten, desto
geringer wird die nötige Anpassung
ausfallen, die von Veränderungen der
Wechselkurse getragen werden muß. Es
ist liegt nämlich auf der Hand, daß
sich die exportierenden Länder im Zuge einer
erfolgreichen
Reduzierung
unseres Handelsdefizits anderswo die
Nachfrage erschließen müssen, die in
der Vergangenheit durch das amerikanische Defizit bereitgestellt wurde.
Ein Wachstum in der Weltwirtschaft wird dieser Nachfrage Auftrieb
geben. Aus diesem Grunde betrachten
wir es als notwendigen Bestandteil
der Anpassung, daß jedes Land seinen
Teil dazu beiträgt, um kräftiges und
ausgewogenes Wachstum zu fördern.
Lassen Sie mich dies deutlich sagen: ich meine hiermit nicht Staaten
mit Lokomotivfunktion, die sich in
verschwenderische
Staatsausgaben
stürzen sollen, um die Weltwirtschaft
anzuheizen.
Ich meine hiermit vielmehr ein ausgewogenes Wachstum, das
auf soliden währungs- , haushaltsund strukturpolitischen Maßnahmen basiert und der Weltwirtschaft die Stabilität und Stärke verleiht, die nur
die
Hauptindustrieländer
bereitzustellen in der Lage sind.
Gegenwärtig ist man in der Bundesrepublik dabei, eine einschneiden-

�de Steuerreform auf den Weg zu bringen. Wir in den Vereinigten Staaten
hoffen, daß diese Bemühungen erfolgreich sein werden. Wie Bundeskanzler
Kohl vor einer Woche bei der LudwigErhard-Stiftung
erklärte,
werden
niedrigere Subventionen sowie niedrigere und gerechtere Steuern die Anreize zur Arbeit verstärken und der
deutschen
Wirtschaft
neue
Dynamik
verleihen.

Schutz und Wettbewerb
Wie Sie alle wissen, hat die Besorgnis über das Handelsdefizit in
den Vereinigten Staaten zu verstärktem Druck geführt, um Maßnahmen zum
Schutz amerikanischer Produzenten vor
der
Importkonkurrenz
einzuführen.
Gegenwärtig ist eine lebhafte Diskussion darüber im Gange, die von unseren Freunden in Europa und Asien genau beobachtet wird.
Tatsache
ist,
daß
Präsident
Reagan - mit großem politischen Mut Schutzmaßnahmen im Handel entgegengetreten ist. Im vergangenen Jahr legte er sein Veto gegen ein protektionistisches Textilgesetz ein und weigerte sich, der heimischen Schuhindustrie bei den Einfuhren entgegenzukommen.
Im vorigen Kongreß war die
Administration maßgeblich daran beteiligt, die Wiedereinführung eines
Gesetzes zu verhindern, durch das die
Verlage geschützt wurden. Ein wichtiger protektionistischer Gesetzentwurf wurde vom vorigen Kongreß angesichts eines wahrscheinlichen Vetos
aufgegeben.
Die Aufgabe, vor der die Administration heute steht, wird unter dem
neugewählten
Kongreß
wahrscheinlich
noch schwieriger werden. Viele seiner
Mitglieder
haben
während
des
Wahlkampfes den von Importen ver-

drängten Arbeitnehmern und Industrien
Unterstützung zugesagt.
Die Administration kann den Protektionismus nicht zurückhalten, wenn
der Eindruck besteht, daß andere Länder amerikanische Exporte weniger gerecht behandeln, als ihre Exporte in
den
Vereinigten
Staaten
behandelt
werden.
Es ist eine einfache Tatsache, daß viele Amerikaner und viele
Kongreßabgeordnete der Meinung sind,
amerikanische
Exporte würden nicht
fair behandelt.
Wenn es Präsident
Reagan gelingen soll, weiterhin protektionistische
Gesetze
abzuwehren,
muß er in der Lage sein, eindeutig
und konkret zu beweisen, daß ausländische Märkte
für
amerikanische
Exporte offen sind.
Es ist in jüngster Zeit in Mode
gekommen, die Schwierigkeiten, denen
sich Amerika auf den Exportmärkten
gegenübersieht,
einem
angeblichen
Mangel an Wettbewerbsfähigkeit zuzuschreiben. Ich bin auch der Meinung,
daß der große amerikanische Binnenmarkt ein hemmender Faktor bei der
Entwicklung von Exportfähigkeiten gewesen
ist.
In
der
Vergangenheit
spielte der Außenhandel eine relativ
untergeordnete Rolle in unserer Wirtschaft. Dies hat uns relativ mangelhaft auf die heutige Welt hoher wirtschaftlicher
Verflechtung
vorbereitet. Wir haben auf die Herausforderung
durch ausländische
Konkurrenz
nicht energisch genug reagiert. Ein
teurer Dollar hat unseren Exporteuren
sehr geschadet. Wir sind jedoch entschlossen, es besser zu machen, und
wir haben die Verbesserung unserer
Wettbewerbsfähigkeit
zur
nationalen
Priorität erklärt.
In seiner Botschaft zur Lage der Nation hat Präsident Reagan ein Programm zur Verbesserung
unserer
Wettbewerbsfähigkeit
verkündet. Wir beabsichtigen, unsere
nationalen Bemühungen im Bereich von

- 9 -

�Wissenschaft und Technologie zu intensivieren. Wir werden Gesetze reformieren, die unsere Exporte behindern. Und wir werden auf verstärkte
internationale
Zusammenarbeit
bei
Währungs- und
Handelsangelegenheiten
dringen, um Chancengleichheit für unsere Exporteure sicherzustellen.
Ja, wir machen uns Sorgen über
die
amerikanische
Wettbewerbsfähigkeit, und wir unternehmen etwas auf
diesem Gebiet.
Gleichzeitig bleiben
wir jedoch in einer Reihe von Bereichen
sehr
wettbewerbsfähig:
Luftfahrt, Computer
und Telekommunikationswesen sind Beispiele, an die man
in diesem Zusammenhang sofort denkt.
Und die amerikanische Landwirtschaft,
die lange Zeit die Grundlage unserer
Exportstärke bildete, bleibt ein Bereich, in dem wir im Wettbewerb erfolgreich bestehen können.
Ich kann aber nicht genug betonen, daß es ausgesprochen unaufrichtig
ist, wenn unsere europäischen
Kollegen behaupten, die amerikanische
Wirtschaft sei nicht wettbewerbsfähig
und
gleichzeitig
mit
Verve
ihre
Schranken
und
Behinderungen
gegen
amerikanische Produkte gerade auf den
Gebieten verteidigen, auf denen wir
besonders wettbewerbsfähig sind.
Ich denke dabei an die gemeinsame
Agrarpolitik, die, zu enormen Kosten
für
den europäischen
Steuerzahler,
einen subventionierten Wettbewerb mit
den amerikanischen
Landwirten
fördert, der nicht nur auf dem heimischen
europäischen
Markt,
sondern
auch auf den Märkten von Drittländern
stattfindet.
Ich denke dabei an Hochtechnologie wie auch das Telekommunikationswesen, wo komplexe und starre Zulassungs- und Wettbewerbsregeln den Verkauf von ausländischer Ausrüstung und

Dienstleistungen behindern.
Ich denke dabei an die Produktion
von Verkehrsflugzeugen, wo europäische Regierungen Milliarden von DM,
Francs und Pfund in Vorhaben gesteckt
haben, die ohne diese Subventionen in
keinem Fall fortgesetzt werden könnten.
Ich denke dabei an militärische
Ausrüstung und Technologien, bei denen durch teure Entwicklungsprogramme
Technologien
kopiert
werden,
die
schon bei amerikanischen Lieferanten
erhältlich sind.
Bei all diesen Beispielen besteht
das Problem nicht in der amerikanischen Konkurrenzfähigkeit, sondern in
Schranken gegen fairen Wettbewerb gerade auf den Gebieten, auf denen wir
besonders wettbewerbsfähig sind.
Damit komme ich zu einem weiteren
Punkt bei der Frage der Wettbewerbsfähigkeit.
Er hat etwas mit den
Schwierigkeiten
zu tun, denen wir
beim Protektionismus ausgesetzt sind.
Dieser Punkt ist folgender: wenn unsere Handelspartner
unseren Handel
gerade in den Bereichen abwehren, in
denen wir besonders wettbewerbsfähig
sind, sollten sie sich nicht wundern,
wenn die Unterstützung dafür wächst,
ihren Handel dort abzuwehren, wo sie
besonders wettbewerbsfähig sind. Ich
bin kein Verfechter dieses Kurses.
Der Präsident befürwortet diesen Kurs
nicht. Aber man benötigt nicht viel
Phantasie, um seinen Reiz für eine
Wählerschaft
zu
verstehen,
die
glaubt, daß sie unfair behandelt wird.

Unsere Pflichten in Angriff nehmen
Die kommenden Monate werden also
voller
Herausforderungen
sein.
In
Handel und Wirtschaft ist unsere Fä-

- 10 -

�higkeit zur Beilegung von Streitigkeiten und zur Zusammenarbeit für gemeinsame Ziele harten Prüfungen unterworfen.
Handelsschranken, Streitigkeiten und das Konfliktpotential
werden weiterhin unsere Handels- und
Wirtschaftsbeziehungen belasten. Ich
möchte nicht behaupten, daß die Vereinigten Staaten ohne Fehl und Tadel
sind.
Beide Seiten bedienen sich
Praktiken, die unserer Ideale nicht
würdig sind. Und wir sind auf beiden
Seiten dem Druck wichtiger Wählergruppen ausgesetzt, um die heimischen
Interessen besser zu fördern und zu
verteidigen. Aber der Dialog bietet
eine Alternative zum Protektionismus,
und zwar meiner Ansicht nach die einzige, die wir besitzen. Wenn wir einen Rückfall vermeiden wollen, dann
müssen wir freimütig und ernsthaft
über die verstärkte Öffnung unserer
Märkte für die Welt sprechen.
Es ist kürzlich von einer Konferenz in München berichtet worden, ich
und andere Amerikaner hätten angedeutet, daß der Kongreß möglicherweise
amerikanische Truppen aus Europa abziehen könnte, falls unsere Handelsprobleme nicht gelöst würden. Lassen
Sie mich eindeutig zu einer grundlegenden Tatsache Stellung nehmen. Es
wäre ein tragischer Fehler, wenn die
Vereinigten Staaten jemals mit der
Lockerung ihrer Sicherheitsbindungen
an Europa drohen würden, um wirtschaftliche
Vorteile
zu
erlangen.
Ich glaube, daß ein umfangreicherer
einseitiger
Rückzug
amerikanischer
Truppen ein großer politischer und
strategischer Fehler wäre, der den
Vereinigten Staaten ebenso wie Europa
schaden würde.
Es entspricht also
nicht der Politik der Reagan-Administration, ein Junktim zwischen Handelsproblemen und amerikanischer Militärpräsenz in Europa zu verfolgen.
Es ist jedoch unabdingbar, zu erkennen, daß zwischen den amerikanisch-

europäischen
Wirtschaftsbeziehungen
und der Sicherheit des Bündnisses ein
wichtiger
Zusammenhang
besteht.
Schutzmaßnahmen für den Handel untergraben auf beiden Seiten des Atlantiks unser Wirtschaftspotential und
führen letztlich zu einer Begrenzung
der Mittel, die wir für die Verteidigung aufwenden können.
Was ebenso
wichtig ist: ernste Spannungen in unseren Wirtschaftsbeziehungen könnten
auch
auf
den
politischen
Bereich
übergreifen und würden den Zusammenhalt des Bündnisses an einem möglicherweise bedeutenden Zeitpunkt in
den Ost-West-Beziehungen untergraben.
Deshalb ist ein andauernder Elan
bei der Liberalisierung des Handels
nicht nur der Schlüssel für weltweiten Wohlstand sondern auch für die
internationale Sicherheit.
Bei der
neuen Runde multilateraler Handelsgespräche in Uruguay begrüßen wir die
Aussicht auf weitreichende Verbesserungen im Welthandelssystem. Wir haben hier eine Gelegenheit, internationale Disziplin
beim Handel mit
Dienstleistungen
und
Investitionen
einzuführen, notwendige
Regeln
zum
Schutz geistigen Eigentums zu verabschieden und das Schlichtungsverfahren für Streitfälle zu stärken. Dies
ist der Weg, den wir einschlagen müssen, nicht der Unilateralismus. Wir
müssen der Welt insgesamt dynamisch
und
vertrauensvoll
gegenübertreten.
Wir sollten uns nicht ängstlich hinter
schützenden
nationalen Grenzen
verstecken.
Bei dieser Vision nimmt Europa
eine Schlüsselrolle ein, denn Europa
ist inzwischen erwachsen.
Nach der
menschlichen
und
wirtschaftlichen
Verwüstung des Krieges ist die europäische Wirtschaftsmacht wieder
zu
einer bedeutenden Kraft in der Welt
geworden.
Die Stärke der europäischen Wirtschaft ist zu einer sol-

- 11 -

�chen Dimension angewachsen, daß die
von Ihnen getroffenen Entscheidungen
nicht nur das Wohlergehen der Europäer, sondern das von Menschen in der
ganzen Welt betrifft.
Wir in den Vereinigten Staaten
begrüßen dies.
Seit den frühesten
Tagen
der
Nachkriegszeit
ist
ein
starkes und vereintes Europa Ziel
amerikanischer Politik gewesen. Wir
teilen den Stolz Europas auf die
enormen Fortschritte, die auf dem Weg
zu wirtschaftlicher Integration und
politischer
Zusammenarbeit
zunächst
von sechs und heute von zwölf freien
und nach vorn blickenden europäischen
Staaten erzielt wurden.
In den Vereinigten Staaten ist
heutzutage die Besorgnis weit verbreitet, daß die Handelspartner Amerikas die Offenheit des amerikanischen Marktes ausnutzen, während sie
gleichzeitig selbst Schranken gegen
den amerikanischen Handel aufrechterhalten.
Wie ich schon sagte, wird
die Reagan-Administration zunehmendem
Druck des Kongresses ausgesetzt sein,
um - auch protektionistische - Maßnahmen zur Verringerung des Ungleichgewichts im amerikanischen Außenhandel zu ergreifen. Wenn der Präsident
weiterhin in der Lage sein soll, den
freien Handel zu verteidigen und dem
Protektionismus
zu widerstehen, so
muß er zeigen können, daß unsere
Partner sein starkes Interesse an einer
offenen Weltwirtschaft
teilen.
Er muß zeigen können, daß diese die
schwierigen Schritte unternehmen, die
notwendig sind, um die Offenheit der
Weltwirtschaft zu erhalten und noch
weiter auszubauen.
Dies heißt, daß unsere Partner
dabei helfen können. Die Bundesrepublik kann dabei helfen. Durch Politik und Taten können unsere Partner
Präsident Reagan die Hilfe zur Verfü-

gung stellen, die für seine Fähigkeit
zur Verteidigung des freien Handels
in den Vereinigten Staaten entscheidend sein kann.
In früheren öffentlichen und vertraulichen Gesprächen mit führenden
Persönlichkeiten der Meinungsbildung
in Europa, wie Ihnen, habe ich oft
gesagt, das Verhältnis zwischen den
Vereinigten Staaten und der Bundesrepublik entwickle sich zu einer "reifen Partnerschaft". Damit meine ich,
daß bei den Deutschen ein neues, positives Bewußtsein in bezug auf die
wirtschaftliche
und
technologische
Stärke der Bundesrepublik
und die
Stabilität ihrer politischen Institutionen
herrscht.
Und
es
besteht
ebenfalls eine neue Bereitschaft bei
den Deutschen, der Bundesrepublik eine aktivere Rolle in den internationalen
Angelegenheiten
einzuräumen.
Auf amerikanischer Seite besteht eine
unmittelbarere Einsicht in die Tatsache, daß Freunde, wie jeder andere
auch, ihre eigenen Ansichten haben.
Die Vereinigten Staaten sind bereit
zu Konsultationen und zum Zuhören,
und sie sind ebenfalls bereit, Macht
und Verantwortung mit unseren engsten
Freunden und Verbündeten zu teilen.
Wir teilen mit der Bundesrepublik, die vom Außenhandel lebt, die
Wertschätzung für ein gesundes und
offenes Welthandelssystem.
Im Einklang mit unserer
reifen Partnerschaft fordern wir die Bundesrepublik
auf, ihre Wirtschaftskraft
in den
Dienst des Wachstums der Weltwirtschaft und der Anstrengungen zur Erhaltung und Förderung des freien Handels zu stellen.
Unsere beiden Länder sind durch
gemeinsame Werte und Ziele eng verbunden.
Seit über vier Jahrzehnten
arbeiten wir bei der Förderung von
Freiheit, Sicherheit und Wohlergehen

- 12 -

�der Völker unserer beiden Länder zusammen.
Heute wird unsere Partnerschaft
in einer sich verändernden
Welt einer neuerlichen Prüfung unterworfen.
Unilateralismus, Protektionismus
und Provinzialismus drohen,
unserem Marsch
zu einer offeneren
Weltwirtschaft Einhalt zu gebieten.
Wenn wir weise genug sind, um die vor
uns stehenden Gefahren zu erkennen,
dann bin ich zuversichtlich, daß wir
die Mittel finden können, um sie zu
überwinden.

- 13 -

�AMERIKA DIENST
V,o^

Hintergrundmaterial

11. Februar 1987

STRATEGIE ZUR NATIONALEN SICHERHEIT DER VEREINIGTEN STAATEN
- Bericht der Reagan-Administration an den Kongreß Teil III

III. Die Außenpolitik der Vereinigten Staaten

Kontinuität der grundlegenden
Ziele
Unsere Außenpolitik spiegelt die
grundlegende
Stoßrichtung
unserer
Strategie der Nationalen Sicherheit
wider - die Förderung unseres demokratischen
Lebensstils.
Die Geschichte hat uns wiederholt gezeigt,
daß die Respektierung von Freiheiten
und Rechten des Einzelnen nur den De-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

mokratien innewohnt. In der Welt der
Nachkriegszeit haben die Demokratien
auch
eine
außergewöhnliche
wirtschaftliche
Lebenskraft
bewiesen.
Mit ihren flexiblen Ökonomien haben
die Demokratien dauerhaft die Effizienz und Dynamik gezeigt, die nötig
ist,
um
in
einem
komplexen
und
schwierigen
internationalen
Wirtschaftsumfeld ihre Stärke zu erhalten.
Wenn wir solch eine Welt erreichen wollen, wie wir sie alle erhoffen, muß die Demokratie weiterhin gedeihen und sich ausbreiten.
Heute

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�ist die Stärke der Demokratie in einer Reihe von Ländern, die sich in
verschiedenen
Stadien
wirtschaftlicher Entwicklung befinden, im Wachsen begriffen. Die Vereinigten Staaten müssen ein Leuchtfeuer der Demokratie sein. Leider werden viele in
der
Welt
daran
gehindert, dieses
Leuchtfeuer zu sehen. Für noch mehr
Menschen
wird
es
verzerrt
dargestellt; und wieder andere, die es sehen können und von ihm geleitet werden, benötigen Hilfe in Form von
praktischem Beistand.
Wir haben früher schon Beistand
geleistet - nach dem Kriege in Westeuropa und Japan - und wir müssen
dies wieder tun. Was wir in diesen
Regionen zu erzielen halfen, bildet
eines der bemerkenswertesten, positiven
Kapitel
unserer
jüngeren Geschichte.
Unsere Unterstützung der
Demokratie
sollte
nicht
versteckt
werden; sie muß aktiv und sichtbar
geleistet werden. In den vergangenen
beiden Jahrzehnten hat die aktive Unterstützung demokratischer Kräfte den
Wert dieser legitimen und wichtigen
Tätigkeit bewiesen.
Die erhebliche
Unterstützung, die von demokratischen
Parteien in Westeuropa geleistet wurde, hat zu den erfolgreichen Bemühungen der demokratischen Bewegungen in
Spanien und Portugal einen bedeutenden Beitrag geleistet.
Wir
sind an der Unterstützung
konstruktiver Veränderungen interessiert, die zu mehr politischer Stabilität,
sozialer
Gerechtigkeit
und
wirtschaftlichen Fortschritten führen
können.
Solche Veränderungen müssen
von innen kommen und einen Weg beschreiten, der durch nationale und
lokale Traditionen
vorgegeben
ist.
In einigen Fällen ist es besser, wenn
Beistand oder Orientierung von anderen Demokratien oder multilateral gewährt
werden.
Geduld, Anerkennung

anderer Kulturen und die Erkenntnis
unserer eigenen Grenzen müssen unsere
Bemühungen leiten.

Instrumente der Außenpolitik
Die Vereinigten Staaten besitzen
ein
außergewöhnlich
vielfältiges
Spektrum von Instrumenten, um ihre
internationalen Interessen zu schützen und den weltweiten Trend zur Demokratie zu unterstützen. Vielleicht
ist keine Nation
jemals mit vergleichbaren Instrumenten ausgestattet
gewesen.
Diese
Instrumente
sind
meist dann besonders wirksam, wenn
sie im Verbund mit anderen angewendet
werden.
Sie alle müssen veränderten
Situationen
angepaßt
werden.
Die
Wiedergeburt unserer nationalen Stärke in diesem Jahrzehnt beruhte auf
einer breiten Grundlage.
Sie wird
nur dann bis ins nächste Jahrzehnt
anhalten, wenn wir diese Grundlage
schützen und sicherstellen, daß die
uns zur Verfügung stehenden Instrumente angemessen bewahrt und wirksam
angewendet werden.
Die getrennten,
aber untereinander
zusammenhängenden
Instrumente, von denen der Erfolg unserer Außenpolitik abhängt, sind:
Das
moralische
und
politische
Vorbild:
amerikanischer
Geist
und
Wohlstand und unsere in der Vergangenheit erbrachten Leistungen bedeuten eine entscheidende Herausforderung für die Ideologie unserer Gegner:
freie, pluralistische Gesellschaften funktionieren.
Diese Macht
des Vorbilds verkörpert einen bedeutenden Vorteil der amerikanischen Gesellschaft, aber wir sollten seine
Ausprägung nicht dem Zufall überlassen. Es liegt in unserem Interesse,
diese Botschaft auf organisierte Weise zu verbreiten.

- 2 -

Militärische

Stärke

und

wirt-

�schaftliche Vitalität: Starke militärische Fähigkeiten der Vereinigten
Staaten sind unabdingbar, um das stabile, sichere Umfeld sicherzustellen,
in dem die Diplomatie eine wirksame
Rolle spielen kann und unsere Gegner
abgeschreckt
werden.
Die
Wirtschaftskraft
Amerikas
unterstützt
diese Stärke und kräftigt unsere Beziehungen zu anderen Ländern, die unser Interesse an einer freien und offenen internationalen Ordnung teilen.

zehnten seit dem Zweiten Weltkrieg
hat Amerika fast 200 Milliarden Dollar zur wirtschaftlichen Entwicklung
anderer
Länder
beigetragen.
Diese
Mittel haben eine herausragende Rolle
gespielt,
um
sicherzustellen,
daß
entscheidende Ziele der Vereinigten
Staaten erreicht werden.
Ein gut
strukturiertes
Wirtschaftshilfeprogramm bildet eine unabdingbare Unterstützung unserer führenden Stellung
in der weit.

Bündnisbeziehungen:
Die Verfolgung amerikanischer Ziele hängt von
der Zusammenarbeit mit gleichgesinnten Partnern ab.
Diese Beziehungen
steigern unsere Stärke und mildern
die verständliche Abneigung des amerikanischen Volkes, Lasten für die
Sicherheit
allein
zu tragen.
Die
vorhersehbaren
Schwierigkeiten, die
von Zeit zu Zeit in allen Bündnisbeziehungen entstehen, müssen an den
enormen Vorteilen
gemessen werden,
die diese Bindungen für uns und unsere Freunde bedeuten.

Handelspolitik: Die Wirkung der
Wirtschaftshilfe wird maximiert, wenn
sie von einer soliden Handelspolitik
begleitet ist, die eine bestmögliche
Nutzung
unserer Hilfe erleichtert.
Darüber hinaus wird eine Handelspolitik, die wirtschaftliche Schwierigkeiten anderer noch verstärkt, den
Bedarf für zukünftige amerikanische
Wirtschaftshilfe
nur noch erhöhen.
Das Festhalten an den Prinzipien einer offenen und freien Welthandelsordnung stellt sicher, daß die Staaten die wirtschaftliche Stärke erlangen, um auf eigenen Füßen zu stehen
und leistet durch einen gegenseitig
vorteilhaften Handel einen Beitrag zu
unserem eigenen Wohlergehen. Sicherheitserwägungen werden bisweilen Zurückhaltung beim Handel und Zusammenarbeit mit Verbündeten erfordern, um
zu verhindern, daß unsere Gegner ihre
militärischen Fähigkeiten ausbauen.

Militärhilfe: Indem wir unseren
Freunden, Verbündeten und denjenigen,
die von unseren Gegner als Ziele ausgewählt wurden, helfen, sich die Mittel zu ihrer Verteidigung verschaffen, begrenzen wir unsere mögliche
eigene
Verwicklung
in
gefährliche
Konflikte.
Militärhilfe an ausländische Staaten ist eine produktive Investition für unsere eigene Sicherheit.
Sie unterstützt die Abschrekkung, fördert regionale Stabilität,
hilft dabei, den Zugang zu lebenswichtigen militärischen Einrichtungen
in Übersee zu gewährleisten und vermindert unsere eigenen militärischen
Pflichten. Die entschlossene Nutzung
dieses
wertvollen
außenpolitischen
Instruments fördert direkt unsere Sicher he its in ter essen.
Wirtschaftshilfe:

In

den

Jahr-

Zusammenarbeit
bei
Wissenschaft
und Technologie:
Für die meisten
Länder ist der Zugang zu modernen
wissenschaftlichen
und
technologischen
Ressourcen
entscheidend
für
Wohlstand
und
langfristiges
Wirtschaftswachstum.
Die weltweite Führungsrolle und die enormen Ressourcen
der Vereinigten Staaten bei Wissenschaft und Technologie sind bedeutende strategische Aktivposten, um die
bestehenden
Bindungen mit Freunden
und Verbündeten zu stärken und posi-

- 3 -

�tive Beziehungen mit
Nationen zu fördern.

aufsteigenden

Private
Investitionen
in
die
Wirtschaft
von
Entwicklungsländern:
Der freie Fluß internationaler Investitionen
ist für das weltweite
Wirtschaftswachstum von ebenso zentraler Bedeutung wie für eine offene
Welthandelsordnung.
Private amerikanische Investitionen in weniger entwickelten Ländern tragen erheblich zu
deren
Wirtschaftswachstum
bei
und
fördern die soziale Stabilität.
Zu
einer Zeit, in der sich Entwicklungsländer bemühen, ihre Schuldendienstverpflichtungen zu erfüllen und die
Mittel ihrer nationalen Budgets unter
Druck stehen, ist der Beitrag von Investitionen des privaten Sektors von
zunehmender Bedeutung.
Diplomatische Vermittlung: In Regionen, in denen unsere Interessen
und die unserer Freunde durch Konflikte bedroht werden, sind politische Anstrengungen unverzichtbar, um
Gewalt zu beenden, Freiheit und nationale Selbstbestimmung zu fördern
und das Fundament zukünftiger Stabilität zu legen. Die Initiativen der
amerikanischen Diplomatie leiten ihre
Stärke aus der wirksamen und integrierten Nutzung der anderen bereits
erwähnten Instrumente ab sowie von
der Fähigkeit der amerikanischen Vertreter, in Streitfällen glaubwürdig
als Vermittler zu agieren. Indem wir
die Festigkeit unserer Verpflichtungen für Freunde und Verbündete klarstellen, werden wir tatsächlich für
deren Gegner die Anreize für Verhandlungen verstärken.
Internationale
Organisationen:
Multilaterale Diplomatie und Beteiligung an internationalen Organisationen bieten eine Möglichkeit, um weltweit bestehende, gemeinsame Probleme
zu behandeln und die Aufgabe, sie zu
- 4

lösen, gemeinsam
anzugehen.
Durch
geschickte
amerikanische
Diplomatie
innerhalb dieser Organisationen haben
wir insgesamt unseren Zielen bei Fragen wie der Erhaltung des Friedens,
der Förderung der Menschenrechte und
der Ermutigung zur Entwicklung freier
wirtschaftlicher und politischer Systeme Nachdruck verliehen.
Unterstützung von Freiheitskämpfern: Das Instrumentarium der Außenpolitik muß auch die besonderen Bedürfnisse derer einbeziehen, die den
in den siebziger und achtziger Jahren
in der Dritten Welt errichteten, sowjetisch geprägten Regimen Widerstand
leisten. Amerika hat eine lange Geschichte privater und staatlicher Unterstützung von Gruppen, die nach nationaler Unabhängigkeit und Freiheit
streben. Dies ist ein grundlegendes
und wichtiges Bemühen, da aggressive
marxistisch-leninistische Regime eindeutig
internationalen
Frieden
und
Stabilität bedrohen. wir möchten die
Sache von Freiheit
und Demokratie
vorantreiben und den Sowjets demonstrieren, daß ihnen ihre Handlungen,
die auf die Ausbreitung des marxistisch-leninistischen
Totalitärismus
abzielen, keinen dauerhaften Gewinn
bringen werden.

Internationale Wirtschaftspolitik
Die Vereinigten
Staaten unterstützen eine marktorientierte Politik, durch die das Wirtschaftswachstum
im In- und Ausland gefördert
wird.
Das Wirtschaftswachstum
der
Vereinigten Staaten ist der Eckpfeiler, der unsere Stärke sichert und
die Entfaltung des menschlichen Potentials gestattet.
Unsere Politik
des Wirtschaftswachstums hat in den
vergangenen sechs Jahren die Grundlagen zur Stützung des wichtigsten Ele-

�ments unserer nationalen Sicherheitsstrategie geliefert - der Wiederherstellung der amerikanischen Militärmacht.
In weiten Teilen der Welt
werden wir um das dynamische Wachstum
der amerikanischen Wirtschaft beneidet. Wir sind in diesem Land gerade
damit beschäftigt, die amerikanische
Produktivität wiederherzustellen, unsere Führung
auf wissenschaftlichtechnischem
Gebiet
aufrechtzuerhalten,
unser
Potential
an
Menschen
bestmöglich zu verwenden und mit einer noch effizienteren, leistungsund
wettbewerbsfähigeren
amerikanischen Wirtschaft in das 21. Jahrhundert zu gehen.
Unsere Nation wird
diese Ziele durch harte Arbeit, Entschlossenheit und Engagement für die
Wiederbelebung der amerikanischen Industrie erreichen.
Die Vereinigten Staaten verlassen
sich dabei auf privaten Unternehmungsgeist
und
Initiative.
Diese
Philosophie führt zu einem höheren
Lebensstandard und zu Anteilnahme am
wirtschaftlichen
Weiterkommen
des
Einzelnen.
Im internationalen wirtschaftlichen Bereich zielt unsere nationale
Sicherheitsstrategie
darauf
ab,
eine
marktorientierte
Wirtschaftspolitik zu fördern, durch die
ein
Höchstmaß
an
wirtschaftlichen
Chancen und Wohlergehen des Einzelnen
erreicht wird.
Es ist wichtig, zu verstehen, warum
wir
die
Privatinitiative
als
Grundlage
unserer
internationalen
Wirtschaftspolitik betonen. Dies ist
eines der Hauptgebiete, auf denen
sich die Vereinigten Staaten - und
die freie Welt allgemein - von der
kommunistischen Welt in jeder Hinsicht unterscheiden. Das sowjetische
Wirtschaftsmodell wird von der Ineffizienz der zentral gesteuerten Wirtschaft gekennzeichnet, dem Scheitern
kollektiver Unternehmen und der Unfä-

higkeit, der Masse der sowjetischen
Bürger
einen
angemessenen
Lebensstandard
bereitzustellen.
Das sowjetische
Modell der
Organisierung
der Wirtschaft funktioniert nicht und
wird nie funktionieren.
Unter der Führung von Generalsekretär Gorbatschow hat die Sowjetunion
angekündigt, daß sie grundsätzliche
Reformen bei der Durchführung der
Wirtschaftspolitik in Angriff nehmen
möchte. Kürzlich lud Gorbatschow den
westlichen Privatsektor und insbesondere Führungskräfte der amerikanischen Wirtschaft dazu ein, sich in
Zukunft langfristig in der sowjetischen Wirtschaft zu engagieren.
Im
Licht dieser sowjetischen Initiative
müssen wir uns fragen, welche Art von
Sowjetunion wir in den nächsten 20
oder 30 Jahren sehen möchten.
Sicherlich können wir das Resultat nur
am Rande beeinflussen.
Wir sollten
jedoch nicht die neuen Möglichkeiten
zur Vergrößerung des wirtschaftlichen
Austauschs
zwischen
unseren
beiden
Gesellschaften
außer
acht
lassen.
Mehr wirtschaftliche Freiheit für das
sowjetische Volk liegt im Interesse
des Westens, solange sie nicht zu
verstärkten sowjetischen Investitionen in militärische Fähigkeiten führt.
Wir müssen solch einen Austausch
jedoch realistisch angehen. Es gibt
einige Bereiche, in denen er sicherlich nicht konstruktiven Zielen dienen würde. Gegenwärtig wäre zum Beispiel eine sowjetische Mitgliedschaft
im Allgemeinen Zoll- und Handelsabkommen (GATT) nicht im besten Interesse des Westens. Zusätzlich zur Gefahr einer Politisierung des GATT ist
das staatlich gesteuerte Handelssystem der UdSSR unvereinbar mit der
Orientierung
des
internationalen
GATT-Handelssystems auf freie Märkte.
Vorschläge
sowjetischer
Regierungsvertreter in bezug auf eine mögliche

- 5 -

�Mitgliedschaft der UdSSR in der Weltbank oder dem Internationalen Währungsfonds
sollten
aus
ähnlichen
Gründen zurückhaltend behandelt werden. Unter den gegenwärtigen Umständen würden wir eine solche Mitgliedschaft ablehnen.
Die Bemühungen der UdSSR, ihre
Außenwirtschaftsbeziehungen zu erweitern, bilden einen integralen Bestandteil der nationalen Sicherheitsstrategie der Sowjets. Neben der Unterstützung
der sowjetischen Wirtschaft sind sie darauf ausgerichtet,
die Abhängigkeit von Handelspartnern
auszunutzen und allgemein Macht und
Einfluß der Sowjets zu stärken. Der
Handel mit dem Westen kann daneben
Zugang zu moderner Technologie verschaffen,
wodurch
die
sowjetische
Aufrüstung unterstützt wird. Nichtkommunistische Regierungen müssen eine größere Disziplin bei der Berücksichtigung von Sicherheitsinteressen
in den Wirtschaftsbeziehungen
zwischen Ost und West einbringen.
Insbesondere bedeutet dies:
- Wie in den Vereinbarungen
von
Helsinki dargelegt, sollte zwischenstaatliche Zusammenarbeit im
Bereich der Wirtschaft von Fortschritten
in anderen Bereichen
der Ost-West-Beziehungen abhängig
gemacht
werden,
einschließlich
der Respektierung der Menschenrechte durch den Osten.
- Die COCOM-Kontrollen in bezug auf
strategische Technologien sollten
aufrechterhalten, gestrafft
und
durchgesetzt werden, um die Fähigkeit der Sowjetunion und ihrer
Verbündeten zu zügeln, mit dem
Westen bei den militärischen Fähigkeiten gleichzuziehen oder ihn
zu überholen.

- 6

- Die Internationale Atomenergieorganisation (IAEO) sollte ihre Bemühungen fortführen, die Abhängigkeit
ihrer
Mitgliedsstaaten
von unsicheren Energiequellen zu
verringern.
In den frühen Tagen unserer Administration haben wir das internationale wirtschaftliche Fundament
für
verstärkte Zusammenarbeit mit unseren
Verbündeten gelegt.
Wir haben versucht, den Standpunkt zu fördern, daß
die Zukunft denjenigen gehört, die es
dem freien Unternehmertum gestatten,
wirtschaftliche
Entscheidungen
zu
leiten und nicht den Regimen, die es
bürokratischen Funktionären erlauben,
den Kurs der wirtschaftlichen Entwicklung zu bestimmen. Während dieser sechs Jahre sind wir Zeugen geworden, wie diese Prinzipien von der
Theorie in die Praxis umgesetzt wurden. In Frankreich schreitet die Liberalisierung der Wirtschaft stetig
voran.
in Japan werden Handel und
Kapitalmärkte langsam aber sicher geöffnet.
In
der
Bundesrepublik
Deutschland und Großbritannien wird
ein neuer Wirtschaftskurs festgelegt,
um Wachstum mit geringer Inflation
aufrechtzuerhalten.
Wir glauben, daß langfristig eine
marktorientierte Politik den Schlüssel zu mehr Wachstum in Amerika und
in der ganzen Welt darstellt.
Wir
haben uns sorgfältig darum bemüht,
protektionistischen Tendenzen im Inund Ausland zu widerstehen, da der
Protektionismus allen freien Nationen
schaden wird.
Die sofortigen wie
auch die langfristigen Kosten würden
jegliche kurzfristigen Vorteile, die
vielleicht gewonnen werden könnten,
mehr als zunichte machen. wir haben
eine auf den Marktkräften beruhende
Energiepolitik
und einen
offeneren
Handel mit Energie innerhalb der IAEO
ermutigt. Wir sind die Haupttriebfe-

�der bei der Schaffung einer Grundlage
für die neue Verhandlungsrunde innerhalb des GATT gewesen, durch die
Märkte für unsere Exporte von Gütern
und
Dienstleistungen
geöffnet
und
mehr
Wachstum,
Effizienz
und
die
weltweite Zunahme von Arbeitsplätzen
stimuliert werden.
Wir haben die
Bindungen
mit
unseren
asiatischen
Partnern gestärkt, indem wir die zukünftige Rolle der Wirtschaftsbeziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und dem Pazifik betont haben.
Die Industriestaaten des Westens
sind zunehmend voneinander abhängig
geworden.
Keines dieser Länder kann
auf sich allein gestellt die langfristigen
wirtschaftlichen
Probleme
wirksam lösen. Die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten müssen zusammenarbeiten, wenn wir und die Welt
insgesam wachsent und gedeihen sollen.
Die weltweite Stärkung des Wirtschaftswachstums,
die
Öffnung
der
Märkte
und
die
Verbesserung
der
Schuldenlage
der
Entwicklungsländer
sind
langfristige
Ziele, die nur
durch für die Aufrechterhaltung andauerndem Wohlstandes benötigte Faktoren, wie gesunde Wirtschaftspolitik, umsichtige Kreditvergabe sowie
direkte Investitionen und wachsende
Märkte erreicht werden können. Bedeutende
Beiträge
an
Kapital
und
Know-How mittels Hilfeleistung, Investitionen, Technologietransfer und
Ausbildung sind ebenso wichtige Bestandteile
regionalen Friedens und
kollektiver Sicherheit wie Abschrekkungsstreitkräfte und Verteidigungsbündnisse.
Diese Neudefinition des
traditionellen Konzepts der "Lastenverteilung" steht im Einklang mit den
Fähigkeiten der Vereinigten Staaten
und unserer Verbündeten und mit den
sich herausbildenden Pflichten einer
gemeinsamen Führung.

Kurz gesagt: unsere internationale Wirtschaftspolitik entspringt der
Überzeugung,
daß
wirtschaftliche
Freiheit nicht den alleinigen Besitz
einiger
Auserwählter,
sondern
das
universelle Recht aller Menschen darstellt.
Wir
werden
unsere wirtschaftliche Macht und unseren politischen Willen benutzen, um unsere Vision
einer
weltweiten
wirtschaftlichen Zukunft zu erhalten und zu
nähren, die freien Menschen, freien
Regierungen
und
freier wirtschaftlicher Tä'tigkeit gehört.

Elemente nationaler Stärke in
Politik und Informationswesen
Im politische Bereich sind wir
einer
grundlegenden
Herausforderung
unserer nationalen Sicherheit ausgesetzt. Diese Herausforderung besteht
darin, den Krieg der Ideen auszufechten und die politische Infrastruktur
der Demokratien in der Welt unterstützen zu helfen. Um dies zu erreichen, müssen wir der Aufrechterhaltung unserer politischen Verteidigung
ebenso verpflichtet sein wie unserer
militärischen Verteidigung.
Meinungsumfragen finden regelmäßig heraus, daß zwei Drittel der amerikanischen Wählerschaft normalerweise kein Interese an auswärtiger Politik haben. überdies glaubt heute nur
eine knappe Mehrheit, daß unser Land
eine aktive Rolle in der Weltpolitik
spielen sollte - und diese Mehrheit
ist im Schwinden begriffen. Es gibt
keine natürliche heimische Wählerschaft für die Außenpolitik - wir
müssen eine schaffen.
Zu den Instrumenten zur Verwirklichung eines solchen Ansatzes gehören eine Reihe traditioneller außenpolitischer Institutionen, wie etwa
das Außenministerium, das Amt für In-

- 7 -

�ternationale Entwicklung
(AID) , das
US-Informationsamt (USIA) sowie mehrere traditionell weniger Beteiligte,
darunter die Ministerien für Wirtschaft und Finanzen sowie der US-Handelsbeauftragte (USTR).
Ein weiterer Akteur im Bereich
von Politik, Informations- und Kommunikationswesen ist der Privatsektor.
In den vergangenen sechs Jahren ist
der Privatsektor als Schlüsselelement
bei der Entwicklung der außenpolitischen Ziele der Vereinigten Staaten
gestärkt worden. Führende Privatleute und -gruppen unternehmen Schritte,
um die vielen lokalen Kräfte in den
Vereinigten Staaten zu indentifizieren und organisieren, die ein direktes Interesse an den Beziehungen unseres Landes zur übrigen Welt haben.
Die auf freiwilliger Basis im außenpolitischen Bereich arbeitenden Privatorganisationen leisten einen unverzichtbaren Beitrag bei der Aufklärung der Öffentlichkeit.
Sie genießen unsere besondere Förderung und
Unterstützung .
Wenn wir uns auf die Erfordernisse einer wirksamen politischen und
Informationspolitik
konzentrieren,
müssen wir im Auge behalten, daß die
Sowjetunion ein äußerst aggressives
Propagandaprogramm zur Täuschung der
Öffentlichkeit besitzt, das sich eines breiten Spektrums an Techniken
bedient, die nicht nur auf die Dritte
Welt, sondern auch auf unsere Bündnispartner gerichtet sind.
Das gegenwärtige sowjetische Regime hat die
Bandbreite
und
Intensität
sowjetischer Anstrengungen im Bereich der
öffentlichen Diplomatie und Propaganda erweitert.
Wir müssen sowjetischer Propaganda und aktiven Maßnahmen entgegentreten, indem wir das
ganze Instrumentarium amerikanischer
Informationsprogramme nutzen.

Unsere Strategie in Politik und
Informationswesen muß auch die Völker
erreichen, denen der Zugang zu Informationen verweigert wird, insbesondere in der UdSSR und Osteuropa - um
Hoffnung auf Wandel zu ermutigen und
die Öffentlichkeit dort über die Vorzüge freier Institutionen zu unterrichten.
Dies wird erreicht durch
die elektronischen Medien, durch Publikationen
sowie
durch
verstärkte
Kontakte und den Gedankenaustausch,
der aus solchen Kontakten erwächst.
Der Prozeß des schrittweisen Wandels
wird im Innern stattfinden, aber der
Antrieb und die Vision, "wie alles
sein könnte", müssen in einer geschlossenen
Gesellschaft von außen
kommen.
Dies ist die Vision einer
Nation, die glaubt, daß eine Welt der
Demokratien eine sicherere Welt ist,
eine Welt, in der die Achtung der
Menschenwürde eine bessere Chance auf
Verwirklichung erhält.

Regionalpolitik
Westliche Hemisphäre:
Die Verteidigung
Nordamerikas
bildet
das
grundlegendste
Sicherheitsanliegen
der Nation.
Seit dem Zweiten Weltkrieg hat dies in dieser Hemisphäre
zu einem Sicherheitssystem geführt,
das aus einem starken nuklearen Abschreckungspotential der Vereinigten
Staaten, verstärkter
Zusammenarbeit
mit Kanada und der Förderung kollektiver Sicherheitsvorkehrungen mit Lateinamerika besteht.
Neue Bedrohungen und neue Chancen für die Demokratie in der westlichen Hemisphäre machen es notwendig, daß dieser traditionelle Ansatz mit neuem Leben erfüllt wird, indem wir auf den gemeinsamen Interessen mit unseren demokratischen Nachbarn in der Karibik, in
Nord-, Mittel- und Südamerika aufbauen.

�Aggressive marxistische Regime in
Kuba und Nicaragua haben die westliche Hemisphäre, die einst unbestritten als sicher für die Vereinigten Staaten galt, in ein Gebiet strategischer Chancen für die Sowjetunion
verwandelt.
Die Labilität sozialer
und politischer Arrangements in Lateinamerika und die Präsenz dieser
beiden
sowjetischen
Klientelstaaten
mit ihrer Unterstützung von GuerillaBewegungen in anderen lateinamerikanischen Staaten und ihren Verbindungen zum internationalen Terrorismus
lassen
andauernde Instabilität und
Konflikte
in der Region erwarten.
Diese Lage wird noch verschlimmert
durch
anhaltende
Wirtschaftsnd
Schuldendienstprobleme, das weiterbestehende Problem
des Drogenhandels
und der wachsenden politischen Stärke
der Drogenhändler, die - oft in Zusammenarbeit mit örtlichen Guerillagruppen - begonnen haben, eine ernsthafte Herausforderung für die wiedergeborenen lateinamerikanischen Demokratien zu bilden.
Die nationale Sicherheitspolitik
der Vereinigten Staaten für die westliche Hemisphäre
zielt darauf ab,
diese Probleme innerhalb eines weiter
gespannten Rahmens zur Förderung der
Demokratie, Unterstützung wirtschaftlicher Entwicklung, Stärkung von Dialog und Diplomatie innerhalb und zwischen den Ländern dieser Region sowie
durch einen Beitrag zu defensiven Fähigkeiten
zu behandeln, die Fortschritte ohne schwächende Einmischung
von außen erlauben. Viele gegenwärtig bestehende Herausforderungen, denen sich die Vereinigten Staaten gegenübersehen, fallen aus den formalen
kollektiven SicherheitsVereinbarungen
heraus, die in vergangenen Jahrzehnten geschaffen wurden. Unsere nationale Sicherheit erfordert die Betonung politischer und wirtschaftlicher
Unterstützung
für
die
Demokratien

dieser Hemisphäre
Initiativen
zur
Bündnisse.

und diplomatische
Stärkung
unserer

Westeuropa: Die Sicherheit Westeuropas ist für die Vereinigten Staaten von lebenswichtigem
Interesse.
Gemeinsame Werte, die sowjetische Bedrohung und die gegenseitige wirtschaftliche Abhängigkeit zwischen den
Vereinigten Staaten und Europa unterstreichen die Bedeutung der gemeinsamen, von der NATO verkörperten Verteidigung.
Die beiden größten Gefahren für
die Sicherheit Westeuropas bestehen
gegenwärtig in der geographischen Nähe massiver sowjetischer konventioneller und nuklearer Streitkräfte sowie in der Verwundbarkeit des ölnachschubs für Westeuropa, von dem 60
Prozent auf dem Seeweg vom Persischen
Golf transportiert wird.
Der Zusammenhalt im NATO-Bündnis
ist angesichts dieser Herausforderungen weiterhin stark und wird noch
verstärkt durch einen intensiven Konsultationsprozeß in bezug auf das gesamte Spektrum von Sicherheitsfragen.
In den vergangenen 12 Monaten fanden
im NATO-Rahmen ungefähr 30 Konsultationen auf hoher Ebene statt. Dieser
intensive Prozeß, dem wir weiterhin
ohne Abstriche verpflichtet bleiben,
hat zum grundsätzlichen Konsens innerhalb des Bündnisses bezüglich der
Behandlung
der
Ost-West-Beziehungen
bei Fragen von der Rüstungskontrolle
bis hin zu den Menschenrechten beigetragen.
Der
in den jüngsten Ministerkommuniques der NATO dargelegte
gemeinsame Ansatz des Bündnisses verknüpft die Verpflichtung zur Erhaltung der für die Verteidigung unserer
lebenswichtigen Interessen notwendigen
Stärke
mit
der
Bereitschaft,
durch einen realistischen Dialog mit
der Sowjetunion auf verbesserte Be-

- 9 -

�Ziehungen hinzuarbeiten.
Das Bündnis ist in den letzten
Jahren meßbar gestärkt worden.
Die
Vereinigten Staaten haben dem Wiederaufbau ihrer atlantischen Beziehungen
besondere
Aufmerksamkeit
gewidmet,
und unsere Bemühungen zur Wiederbelebung der amerikanischen
Wirtschaft
haben einen wesentlichen Impuls für
das Wachstum in Westeuropa geliefert.
Weitere Meilensteine waren der Beitritt Spaniens zur NATO im Jahr 1982
und das spanische Referendum für die
andauernde Mitgliedschaft im vergangenen Jahr.
Durch die im Jahr 1983
begonnene Stationierung neuer Mittelstreckenraketen (INF) hat das Bündnis
seine
Entschlossenheit
zum
Schutz
seiner grundlegenden Interessen angesichts
sowjetischer
Einschüchterung
demonstriert. Im Jahr 1984 haben die
Verbündeten ein Programm zur Verbesserung der konventionellen Verteidigung auf den Weg gebracht und danach
der Rüstungszusammenarbeit verstärkte
Aufmerksamkeit
geschenkt.
In
den
Jahren 1985-86 hat die Festigkeit und
Solidarität der Verbündeten dazu beigetragen, die Sowjets an den Genfer
Verhandlungstisch zurückzubringen und
in den Gesprächen selbst Fortschritte
zu fördern.
Trotz der grundsätzlich bestehenden Vitalität und Stärke des atlantischen Bündnisses sind die Beziehungen mit den NATO-Staaten verschiedenartigen Belastungen ausgesetzt.
Zu
den Herausforderungen
gehören beispielsweise Protektionismus und Handelsdefizite, unterschiedliche Methoden bei der Behandlung des Terrorismus, der Lastenverteilung wie auch
bisweilen unterschiedliche Einschätzungen
der
sowjetischen
Bedrohung.
Überdies decken sich die außenpolitischen
Prioritäten der westeuropäischen Regierungen in bezug auf Entwicklungen
in Asien, Afrika, dem

Mittleren
Osten
und
Lateinamerika
nicht immer mit den Prioritäten der
Vereinigten Staaten. Dies ist teilweise deshalb der Fall, weil die Vereinigten Staaten eine globale Zielsetzung verfolgen müssen.
Bisweilen
sind
insbesondere in
den späten siebziger Jahren Zweifel
in bezug auf die weitere Aufrechterhaltung der amerikanischen Verpflichtungen für die Verteidigung Europas
laut
geworden.
Die
erfolgreiche
Durchführung des NATO-Doppelbeschlusses von 1979 vereitelte den jüngsten
Versuch der Sowjets, die amerikanische Sicherheitsgarantie von der Verteidigung Europas abzukoppeln und hat
für die Sowjets einen wesentlichen
Anreiz dargestellt, um sich an ernsthaften Verhandlungen über echte Reduzierungen der Mittelstreckenwaffen zu
beteiligen. Was auch immer das Ergebnis
der
INF-Verhandlungen
sein
mag, die Strategie der flexiblen Reaktion wird die weitere Präsenz amerikanischer Atomwaffen in Europa bedingen.
Trotzdem hat sich die NATO
konsequent
dafür
eingesetzt,
ihr
Atomwaffenarsenal
auf das zur Abschreckung nötige Mindestmaß zu beschränken und führt die durch den
Montebello-Beschluß von 1983 festgelegten Reduzierungen ihrer Bestände
fort.
Die vor uns liegende Herausforderung besteht darin, den von uns erzeugten
Impetus
aufrechtzuerhalten
und die unvermeidlichen Belastungen
in unseren Bündnisbeziehungen zu bewältigen. Mit gemeinsamem Engagement
für die Werte und Interessen, die das
Fundament des Bündnisses bilden, mit
Phantasie und politischem Mut werden
die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten erfolgreich ein noch stärkeres Bollwerk gegen sowjetische Aggression und Einschüchterung errichten.

�Ostasien und der Pazifik:
Die
Vereinigten Staaten sind eine pazifische Macht und stolz darauf, zu derjenigen Region der Welt zu gehören,
die führend beim Wachstum der Weltwirtschaft ist. Die sowjetische Militärmacht in Asien und dem Pazifik
hat dramatisch zugenommen, aber die
amerikanische
Reaktion
geht
über
technische
Probleme der
jeweiligen
militärischen Macht weit hinaus. Das
Ziel besteht darin, unsere natürlichen
politischen
und wirtschaftlichen Verbindungen zu stärken und
gleichzeitig stetig mit der notwendigen Modernisierung unserer in dieser
Region
stationierten
Streitkräfte
fortzufahren.
Die Zusammenarbeit mit Japan ist
grundlegend
für die amerikanischen
Beziehungen mit dieser Region.
Der
Gegenseitige Sicherheitsvertrag zwischen den Vereinigten Staaten und Japan gibt unseren verteidigungspolitischen Bindungen einen formellen Rahmen und liefert eine sicherheitspolitische Grundlage für das breite Spektrum wirtschaftlicher, sozialer und
politischer
Zusammenschlüsse,
die
sich uns anschließen.
Im Bereich der Sicherheit ist die
kürzlich seitens Japans erfolgte Neudefinition
der
Selbstverteidigungsziele dieses Landes - insbesondere,
soweit sich diese auf den Schutz der
Seewege beziehen - von besonderer Bedeutung. Die japanischen Streitkräfte entwickeln Fähigkeiten, die einen
wichtigen
Beitrag
zur Abschreckung
leisten können. Gleichzeitig bleiben
die japanischen Verteidigungsausgaben
gering, wenn man die mächtige Wirtschaft dieses Landes betrachtet. Für
die Erlangung der japanischen Verteidigungsziele
ist
ein
schnellerer
Fortschritt
notwendig.
Jedoch
ist
das stetige und beträchtliche Wachstum dieser Ausgaben in den vergange-

nen 15 Jahren, insbesondere während
der letzten fünf Jahre, bedeutsam.
Die jüngste Entscheidung Japans, mehr
als ein Prozent seines BSP für die
Verteidigung aufzuwenden, ist besonders beachtenswert.
Japan ist heute die zweitgrößte
Wirtschaftsmacht
der
Welt.
Diese
Entwicklung spiegelt sich in den gestiegenen Ausgaben Japans
für die
Auslandshilfe wider, die das Land
weiterhin auf bestimmte Länder von
besonderer
strategischer
Bedeutung
konzentriert.
Gleichzeitig sind die
Wirtschaftsbeziehungen
Japans
eine
Quelle politischer Spannungen geworden. Der japanische Handelsüberschuß
ist der größte in der Geschichte.
Dieser Überschuß kann nicht aufrechterhalten und muß in ein besseres
Gleichgewicht gebracht werden.
Wir
arbeiten an vielen Fronten zusammen,
um dies zu erreichen.
Unser Bündnis mit der Republik
Korea bleibt außergewöhnlich wichtig.
Nordkorea unterhält weiterhin Streitkräfte, die an Quantität die des Südens bei weitem übertreffen, durch
zusätzliche
sowjetische Waffen neu
gestärkt und in den Händen einer Regierung sind, deren aggressives Verhalten und deren Neigung zu Uberraschungshandlungen wohlbekannt sind.
Unsere eigene militärische Präsenz in
der Republik Korea ist sowohl für die
regionale Stabilität als auch für die
lokale Sicherheit von Bedeutung, die
für die bemerkenswerte Wirtschaftsentwicklung dieses Landes unabdingbar
ist.
Dieses Land befindet sich zur
Zeit in einer entscheidenden Phase
der politischen Entwicklung, da es
sich zum ersten Mal in seiner Geschichte
einem
friedlichen
Regierungswechsel nähert, wenn Präsident
Chuns Amtszeit im Jahr 1988 ausläuft.
In diesem Prozeß hoffen die Vereinigten Staaten ihren Einfluß zu nutzen,

- 11 -

�um die Koreaner bei diesem demokratischen Wandel zu ermutigen. Wir tun
dies jedoch in vorsichtiger Weise,
die den koreanische Traditionen und
den politischen Realitäten Rechnung
trägt und behalten die ständige Bedrohung der Sicherheit im Auge.
Die Bedeutung Chinas spricht für
sich selbst.
Die Erreichung eines
schnellen Wirtschaftswachstums unter
gleichzeitiger Durchführung grundlegender wirtschaftlicher, sozialer und
politischer
Veränderungen
ist eine
weitere große Leistung in der bemerkenswerten Geschichte dieses Landes.
Die Vereinigten Staaten möchten ein
enges, freundschaftliches und auf Kooperation gegründetes Verhältnis zur
Volksrepublik
China,
jedoch
kein
Bündnis, und wir haben keine Illusionen darüber, daß der eine für den anderen etwa eine strategische "Karte"
bedeutet. Einfach ausgedrückt erkennen wir beide die Bedeutung des jeweils anderen in den vielen Gebieten
der Übereinstimmung, selbst wenn wir
die Verschiedenheit unserer politischen Systeme zugrundelegen.
Auf den Philippinen steht die
neue Regierung vor großen, ererbten
politischen, militärischen und wirtschaftlichen Herausforderungen.
Wir
sind entschlossen, mit all den uns
zur Verfügung stehenden Mitteln diesem äußerst wichtigen Verbündeten im
Pazifik bei der Überwindung seiner
Probleme zu helfen, um aufs neue zu
Wirtschaftswachstum zu gelangen, der
ernsten Bedrohung durch Aufständische
entgegenzuwirken und um die demokratische Regierung zu stärken.
Unser zweiter vertraglicher Verbündeter
in Südostasien, Thailand,
ist der ASEAN-Frontstaat an der Grenze zu Kambodscha, das gegenwärtig von
den Vietnamesen besetzt und Gebiet
einer aktiven kambodschanischen Wi-

derstandskoalition ist, die für die
Selbstbestimmung
des
Khmer-Volkes
kämpft.
Mit der Unterstützung Thailands, das auch die Hauptlast der
Flüchtlinge
in
Südostasien
trägt,
werden wir unsere enge Zusammenarbeit
im Bereich der Sicherheit fortführen,
um jede potentielle Aggression abzuschrecken
und unsere Unterstützung
anerkannter Flüchtlinge aufrechtzuerhalten.
Wir werden außerdem unsere
kooperativen Bemühungen mit Thailand
fortsetzen, um den Drogenhandel bekämpfen.
Die Vereinigten Staaten betrachten die andauernde Besetzung Kambodschas durch vietnamesische
Truppen
als unannehmbar, da sie regionale Bemühungen für Entwicklung, Frieden und
Stabilität untergräbt. Ebenso lehnen
wir die Rückkehr der Roten Khmer an
die Macht in Kambodscha ab. Wir werden unsere energische Unterstützung
für die von ASEAN angestrebte friedliche politische Lösung und für die
nichtkommunistischen Elemente der Widerstandskoalition
fortsetzen.
Im
Rahmen unserer UN-Initiative zu regionalen Problemen sind wir bereit,
eine konstruktive Rolle bei einer Regelung für Kambodscha zu spielen.
Trotz scharfer und ernster Differenzen mit Vietnam haben wir in bilateralen Gesprächen in den vergangenen
zwei Jahren mehr Fortschritte bei der
Suche nach vermißten amerikanischen
Soldaten erzielt als jemals seit dem
Ende des Krieges. Auch unsere bilateralen
Gespräche
zur
humanitären
Frage der Flüchtlinge, Umerziehung
von Internierten und über Kinder mit
einem amerikanischen Elternteil werden mit dem Ziel weitergehen, eine
humane Lösung dieser komplexen Fragen
herbeizuführen.
Wir werden
jedoch
unsere Beziehungen zu Vietnam nicht
normalisieren, bevor Hanoi nicht einer Regelung für Kambodscha zustimmt,

- 12 -

�die den Rückzug
truppen vorsieht.

seiner

Besatzungs-

In den Beziehungen zwischen Laos
und den Vereinigten Staaten haben wir
bescheidene
Fortschritte
festgestellt.
Unser Hauptmaßstab für die
in diesem Land bestehende Ernsthaftigkeit zur Verbesserung der Beziehungen besteht in weiteren beschleunigten und kooperativen Bemühungen,
um den Verbleib vermißter amerikanischer Soldaten festzustellen.
Im Südpazifik bleibt unser langjähriges Bündnis mit Australien unter
dem ANZUS-Vertiag
ein Grundpfeiler
unserer Außenpolitik in der Region.
Die Vereinigten
Staaten sind sich
insbesondere über die Bedürfnisse der
unabhängigen Länder des Südpazifik im
klaren. Wir haben kürzlich zu wichtigen Punkten eines historischen Fischereivertrages
eine
Übereinkunft
erzielt. Wir sind über dieses Abkommen
befriedigt,
das
eine
solide
Grundlage für zukünftige Freundschaft
und Zusammenarbeit legt. Wir glauben, daß der im Vertrag niedergelegte
Umfang amerikanischer Hilfe die Entwicklung der Wirtschaftssysteme auf
den Inseln fördern wird. Wir waren
ebenfalls kürzlich in der Lage, die
Gründung eines neuen amerikanischen
Commonwealth - die nördlichen Marianen-Inseln - zu feiern wie auch zwei
weitere Zusammenschlüsse, die Föderierten Staaten von Mikronesien und
die
Republik
der
Marshall-Inseln.
Wir heißen diese neuen Mitglieder in
der Gemeinschaft der Pazifikstaaten
willkommen.
Sowjetunion und Osteuropa:
Wie
bereits
ausgeführt,
bedeutet
die
weltweite Herausforderung durch die
Sowjetunion die wichtigste Bedrohung
für die Sicherheit und die nationalen
Interessen der Vereinigten Staaten.
Es qibt keinen Zweifel darüber, daß

Moskau die Umwandlung des bestehenden
internationalen Systems und die Errichtung weltweiter sowjetischer Hegemonie anstrebt.
Diese langfristigen Ziele der Sowjets werden durch
sowjetische Konzeptionen zur Außenund Verteidigungspolitik untermauert.
Unsere Politik zur Behandlung der Sowjetunion basiert auf drei Leitlinien:
- Realismus, was bedeutet, daß wir
den Charakter
des sowjetischen
Systems erkennen und Probleme in
unseren Beziehungen offen und geradlinig behandeln müssen.
- Stärke, die hier mehr bedeutet
als militärische Macht und politische
Entschlossenheit,
die
Stärke des Bündnisses und auch
eine
gesunde
Wirtschaft
einschließt.
Die Sowjetunion respektiert
Stärke und weiß aus
Schwächen ihren Vorteil zu ziehen.
- Dialog, der unsere Bereitschaft
umschreibt, alle uns trennenden
Probleme zu besprechen und auf
einer mit unseren grundlegenden
Interessen in Einklang stehenden
Basis praktische und gerechte Lösungen zu erarbeiten.
Diesem Ansatz zufolge sind wir
mit den Sowjets einen Dialog über
vier grundlegende Bestandteile unserer
Beziehungen
eingegangen:
Menschenrechte, Abbau regionaler
Konflikte, Bereiche der Zusammenarbeit
von beiderseitigem Nutzen
und Rüstungskontrolle.
In all diesen Bereichen nimmt der Fortschritt einen
langsamen Lauf.
Gleichzeitig versuchen wir durch
koordinierten Einsatz vieler Elemente
unserer nationalen Macht, direkte und
indirekte Aggression seitens der Sowjets abzuschrecken und die Sowjets
dazu zu veranlassen, weniger auf den

- 13 -

�Einsatz von Gewalt zu bauen.
Wir
werden auch weiterhin weltweit den
sowjetischen
Expansionismus
bekämpfen.
Seit 1981 ist kein weiteres
Land sowjetischer Aggression anheimgefallen, und die Sowjets waren in
den vergangenen Jahren vorsichtiger,
wenn
es darum
ging, militärische
Abenteuer zu unternehmen, obowohl sie
und ihre Stellvertreter in Gebieten
wie Afghanistan, Angola, Kambodscha
und Nicaragua aktiv bleiben.
Wir haben uns also eine Politik
zur langfristigen Gestaltung amerikanisch-sowjetischer Beziehungen angeeignet, um unsere Interessen ohne die
Fluktuationen oder Illusionen verfolgen zu können, die einige Abschnitte
der Vergangenkeit kennzeichneten. Es
ist eine Tatsache, daß das amerikanisch-sowjetische
Verhältnis
von
grundsätzlichen Gegensätzen bestimmt
wird und das auch in absehbarer Zukunft so bleiben wird.
Aber beide
Seiten sind sich über unsere Verantwortung einig, daß wir einen friedlichen Verlauf dieser Beziehungen sicherstellen müssen. Wir sind zu den
langwierigen Bemühungen und dem steten Kurs bereit, der notwendig ist,
um unsere nationalen Interessen in
dieser Weise weiter zuverfolgen.
Die Vereinigten Staaten verfolgen
wichtige politische und wirtschaftliche Interessen in Osteuropa.
Wir
haben niemals die Teilung Europas als
rechtmäßig oder etwa dauerhaft angesehen. Es gab in Jalta kein Abkommen, um Europa in "Einflußzonen" aufzugliedern.
Vielmehr
sicherte die
Sowjetunion Polen und anderen Staaten
Osteuropas die Garantie voller Unabhängigkeit und die Durchführung freier Wahlen zu.
Das sowjetische Versäumnis, solch einer
Verpflichtung
nachzukommen, stellt eine der primäre
Ursachen für Spannungen im Ost-WestVerhältnis dar.
Mit Hilfe unserer

Politik in Osteuropa versuchen wir,
den osteuropäischen Staaten eine positive Rolle einzuräumen, wenn es
darum geht, die Stabilität in Europa
zu erhalten und einen mäßigenden Einfluß auf die Sowjetunion auzuüben.
Unserer Ansicht nach sollten die
Vereinigten Staaten in den Ländern
Osteuropas ihre Politik von einer Beurteilung der Bedingungen in jedem
Land abhängig machen. Diesem Grundsatz zufolge differenzieren wir unsere Politik gegenüber Osteuropa, um
eine Reihe von Zielen zu erlangen.
Dazu gehört auch die Ermutigung innenpolitischer
Liberalisierung
und
einer autonomeren Außenpolitik, die
Förderung der Sicherheit durch verbesserte wirtschaftliche und politische Zusammenarbeit, die Unterstützung wahrer und langfristiger Verbesserungen
bei
den
Menschenrechten.
Gegenwärtig bemühen wir uns um diese
Förderung eines verbesserten Dialogs
durch Austauschprogramme auf kultureller und wissenschaftlicher Ebene,
durch internationale Begegnungen, Besuche auf höchster Ebene, bilaterale
Organisationen
und
zwischenmenschliche Kontakte.
Der Mittlere Osten und Südasien:
Zu unseren Hauptinteressen im Mittleren Osten zählt die Erhaltung regionaler
Stabilität, Beschränkung
und
Abbau sowjetischen Einflusses, Bewahrung der Sicherheit Israels und anderer Freunde in der Region, Aufrechterhaltung des Zugangs zum öl für
uns und unsere Verbündeten zu vernünftigen Bedingungen wie auch die
Eindämmung des internationalen Terrorismus.
Solche Interessen werden
durch die Fortdauer des iranisch-irakischen Konflikts bedroht und auch
durch die bestehenden tiefverwurzelten arabisch-israelischen Spannungen,
den Anstieg anti-westlicher politischer Bewegungen in der Region und

- 14 -

�die Verwendung des Terrorismus als
Instrument staatlicher Politik, besonders
durch
Libyen, Syrien
und
Iran. Unsere Strategie in der Region
zielt darauf ab, unsere Interessen
vor diesen Bedrohungen zu bewahren,
eine
durch
Verhandlungen
erzielte
Beilegung des palästinensischen Problems
und
des
iranisch-irakischen
Krieges zu beschleunigen, die Sicherheit und den wirtschaftlichen Wohlstand Israels und gemäßigter arabischer
Regime
zu
fördern,
unseren
Freunden in der Golfregion dabei zu
helfen, sich selbst und die internationalen Seewege zu schützen und die
Förderer des Terrorismus abzuschrekken.
Die Initlaitvie der Vereinigten
Staaten vom September
1982 bleibt
Grundlage unseres Ansatzes beim arabisch-israelischen
Fr iedensprozeß.
Unser unmittelbares Ziel sind direkte
Verhandlungen zwischen Israel und einer jordanisch-palästinensischen Delegation, als Teil einer umfassenden
Anstrengung
zur
Erweiterung
des
ägyptisch-israelischen
Friedens
und
Herbeiführung
einer
gerechten
und
dauerhaften Lösung der palästinensischen Problems.
Wir engagieren uns
auch weiterhin für die baldige und
ehrenvolle
Beilegung
des
iranischirakischen Krieges.
Das augenblickliche
iranische Verhalten
bedeutet
eine ernsthafte Bedrohung für unsere
und die Interessen unserer Freunde in
der Region. Bis der Iran seine Bemühungen zur Verlängerung des sinnlosen
Krieges mit dem Irak aufgibt, werden
wir aktiv daran arbeiten, den Transfer von Waffen und militärischem Material an den Iran zu blockieren.
Trotz ernsthafter Beschränkungen,
die uns durch den Haushalt auferlegt
weiden, bleibt Hilfe für Wirtschaft
un&lt;! die Sicherheit zusammen mit einer
voi .•-.; cht igen, aber effektiven Politik

von Waffenverkäufen innerhalb der Region ein wichtiger Bestandteil unserer Bemühungen, die Regierung Israels
zu unterstützen und die arabischen
Staaten zu bschwichtigen. Wir können
es uns nicht leisten, die wahren Bedürfnisse unserer Freunde zu vernachlässigen.
Gleichzeitig
werden wir
weiterhin versuchen, den Terrorismus
zu isolieren und den internationalen
Druck gegen staatlich unterstützten
Terrorismus zu erhöhen. Unsere jüngsten Aktionen gegen Libyen zielten
darauf ab, den politischen, militärischen und wirtschaftlichen Preis für
die Förderung des Terrorismus aufzuzeigen.
Obwohl wir uns über die
leichte
oder
schnelle
Auslöschung
dieses Wahnsinns keinen
Illusionen
hingegeben haben, bleiben wir doch
entschlossen, ihn in enger Zusammenarbeit mit unseren Freunden und Verbündeten entschieden zu bekämpfen.
Die Ziele der Vereinigten Staaten
in Südasien umfassen den Abbau regionaler Spannungen, die Entwicklung kooperativer Beziehungen zwischen den
südasiatischen Staaten, Verhinderung
einer Weiterverbreitung von Nuklearwaffen
und
Wiederherstellung
des
Freiheit des afghanischen Volkes.
Die Politik der Vereinigten Staaten will ferner eine allgemeine Verbesserung bilateraler Beziehungen zu
allen Ländern des Subkontinents herbeiführen.
Wichtige
Bestandteile
sind
hier
verbesserte
Beziehungen
zwischen Indien und den Vereinigten
Staaten und die Ermutigung eines besseren Verhältnisses zwischen Indien
und Pakistan.
Ein neues sechsjähriges Hilfsprogramm im Umfang von 4
Milliarden Dollar wurde von dieser
Regierung für Pakistan vorgeschlagen.
Es ist lebenswichtig für die Fähigkeit des Landes, sich dem von der sowjetischen Invasion Afghanistans ausgehenden Druck zu widersetzen.
Pa-

- 15 -

�kistan beherbergt etwa drei Millionen
afghanischer Flüchtlinge. Die Vereinigten Staaten
bleiben der größte
Spender von humanitärer Hilfe an diese Flüchtlinge.
Zum ersten Mal haben die Vereinigten Staaten erheblich verbesserte
Beziehungen sowohl zu Indien als auch
zu Pakistan hergestellt.
Das versetzt uns in die Lage, den regionalen
Wunsch nach Frieden trotz periodisch
auftretender
Krisen
im indisch-pakistanischen Verhältnis unterstützen
zu helfen.
Afrika:
Afrikanische Angelegenheiten verlangen gesteigerte Aufmerksamkeit wegen der erheblichen Bodenschätze der Region, seiner wachsenden
Rolle im internationalen Kontext, der
Bedrohung, die durch den eskalierenden Rassenkonflikt in Südafrika für
die regionale Sicherheit entsteht und
der sowjetischen, libyschen, osteuropäischen und kubanischen Abenteuerlust in der gesamten Region.
Die
Herausforderungen an die Demokratie
treten in Afrika besonders stark zutage und wir bleiben besorgt über die
weitverbreitete
Verweigerung
der
grundlegenden Menschenrechte, sei es
seitens
der
marxistischen-leninistischen Stellvertreter der Sowjetunion
oder seitens des Apartheid-Regimes in
Südafrika.
Es gibt in Afrika zahlreiche Konfliktherde: extreme Armut,
ein großes Ungleichgewicht bei der
Verteilung des Wohlstandes, ethnische
Spannungen, uneindeutige Grenzen und
die Religion.

steme. Wir müssen mit anderen Geberländern und multilateralen Institutionen
zusammenarbeiten,
um
diese
Hinwendung zu einer wirtschaftspolitischen Reform und die Entwicklung
des Privatsektors zu unterstützen.
Das Wirtschaftswachstum wird zur
politischen Stabilität beitragen, bedingt diese aber gleichzeitig.
Wir
müssen
weiterhin
eine
friedliche
Konfliktlösung
ohne
Interventionen
von
außen
ermutigen.
Sich
verschlechternde wirtschaftliche Bedingungen
und politische
Instabilität
haben die Intervention der Sowjets,
ihrer Stellvertreter, der Kubaner und
von einzelgängerischen Unruhestiftern
wie Libyen ermutigt.

(wird fortgesetzt)

Die Politik der Vereinigten Staaten muß danach streben, die wirtschaftliche Entwicklung und politische Stabilität in Afrika zu fördern.
Afrikanische
Politiker
erkennen
jetzt,
daß
dirigistische
Lösungen
keine Antwort sind und beginnen mit
der Reformierunq ihrer Wirtschaftssy- 16 -

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                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
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                <text>Amerikadienst 11.02.1987</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Amerikanisch-europäischen Wirtschaftsbeziehungen: Mythen und Verpflichtungen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rede von Botschafter Burt vor dem Industrie-Club in Düsseldorf -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Strategie zur Nationalen Sicherheit der Vereinigten Staaten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Bericht der Reagan-Administration an den Kongress - Teil III&amp;nbsp;&lt;/em&gt;</text>
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