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%

^

Sonderdienst

^

25. Juni 1987

DER MARSHALL-PLAN:

POLITIK DER VISION

Rede des amerikanischen Botschafters Richard R. Burt in Berlin

SPERRFRIST:

25. Juni 1987, 16.00 Uhr (MESZ)

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�BERLIN - (AD) - In seiner Rede aus Anlaß des 40. Jahrestages der Verkündung des Marshall-Plans erklärte Botschafter Burt am 25. Juni 1987 in Berlin,
der Westen müsse "zu einer gemeinsamen Bewertung der anstehenden Probleme gelangen", um sich die Möglichkeiten zunutze zu machen, die Glasnost für die
Teilung Europas eröffnen kann.
Burt verwies ferner darauf, daß sich angesichts einer bevorstehenden Rüstungskontrollvereinbarung und heraufziehender Verhandlungen über konventionelle Waffen besonders die Ost-West Beziehungen an einem Scheideweg befänden.
Es sei deshalb "von vorrangiger Bedeutung, daß wir uns auf gemeinsame, diesem
neuen Zeitalter angemessene sicherheitspolitische Maßnahmen einigen und Abrüstungenverhandlungen jeglicher Art gemeinsam angehen".
Die Rede des Botschafters hat folgenden Wortlaut:

Herr
Regierender
Bürgermeister
Diepgen,
Herr
Minister
Bangemann,
Herr
Bundestagsvizepräsident
Cronenberg,
Frau
staatssekretärin
Berger, meine Damen und Herren.
Jahrestage bieten eine gute Gelegenheit,
die
Errungenschaften
der
Vergangenheit zu feiern. Wir sollten
solche Augenblicke nutzen, um uns zu
vergegenwärtigen, wie wir uns den
Herausforderungen der Gegenwart und
der Zukunft stellen können.
Es ist
ganz einfach unsere Pflicht, aus der
Geschichte jede nur mögliche Lehre zu

ziehen, so
sein mag.

riskant

diese Übung

auch

Die Welt von 1947 war das Produkt
eines
Viertel Jahrhunderts,
in
dem
Kirchturmpolitik, wechselweise in Gestalt von fanatischem Nationalismus,
Imperialismus,
Isolationismus
oder
grenzenlosem Protektionismus das internationale Staatengefüge zerrüttete. Jahre der Aggression, Beschwichtigungspolitik, der engstirnigen und
eigennützigen
politischen
Entscheidungsfindung und der Wirtschaftspolitik des einseitigen Vorteils gipfel-

�ten in sinnlosem Gemetzel und Zerstörung.
Amerika war
verhältnismäßig
unversehrt
daraus
hervorgegangen,
seine Selbstherrlichkeit war jedoch
schwer angeschlagen und die traditionelle
Politik
des
Isolationismus
zweifelhaft geworden.
Das zerstörte
und erschöpfte Europa sah einer Zukunft
wirtschaftlichen
und
politischen Zusammenbruchs, sozialer Zerrüttung und der scheinbar unweigerlichen Ausbreitung eines neuen totalitären Regimes entgegen.
Aber die Nationen der westlichen
Welt hatten doch etwas aus ihren Fehlern gelernt.
Ungeachtet der Verzweiflung
schuf diese außergewöhnliche Generation zum ersten Mal eine
funktionsfähige internationale Politik und ebensolche Institutionen
die Vereinten Nationen, Punkt Vier
des Abkommens von Bretton Woods und
als bemerkenswerteste
Leistung das
Programm
zum Wiederaufbau Europas,
das in diesem Monat vor 40 Jahren von
Außenminister George c. Marshall ins
Leben gerufen wurde.
Wie Außenminister Shultz es formulierte, liegt dem Marshall-Plan die
- im Jahre 1947 gewagte - Ansicht zugrunde, daß "wir nicht immer unsere
existentiellen
Eigeninteressen
auf
Kosten anderer Länder verfolgen sollten. Im Gegenteil besteht der effektivste
Weg
zur
Erlangung
unserer
grundlegenden Ziele darin, mit anderen an der Durchsetzung ihrer grundlegenden Ziele zusammenzuarbeiten".
Wir schweben heute meiner Ansicht
nach in Gefahr, diese einfache - zu
einem solch hohen Preis erfahrene Wahrheit zu vergessen.
Die Herausforderungen, denen wir uns im Jahre
1987
gegenübersehen,
unterscheiden
sich von denen des Jahres 1947. Aber
Kirchturmdenken
herrscht
nach
wie
vor, und damit sind unsere Probleme

heute so wenig zu lösen wie vor 40
Jahren. Es ist ungemein wichtig, daß
wir dieselbe Kreativität, großzügige
Gesinnung und denselben Weitblick an
den Tag legen, wie sie George C.
Marshall und seine Zeitgenossen bewiesen haben.
Ein kurzer Blick zurück mag uns
einigen Aufschluß darüber geben, wie
wir die Herausforderungen von heute
angehen könnten. Im Europa der Nachkriegszeit verfolgten Amerikaner und
Sowjets völlig unterschiedliche Ziele.
Die Amerikaner waren nicht an
einem eigenen Weltreich interessiert,
rüsteten schnell ab und zogen ihre
Streitkräfte nahezu vollständig aus
Europa zurück. Amerikanische Politiker hatten die Vorstellung von einem
Europa
der
unabhängigen,
demokratischen Nationen, das seine eigenen
Angelegenheiten untereinander und mit
dem Rest der Welt partnerschaftlich
bewältigt.
Die Vereinten Nationen
sollten dabei die Sicherheit der internationalen
Gemeinschaft
gewährleisten.
Ein freies
Handelssystem
sollte wieder für Wohlstand sorgen.
Genau
dieses
Denken
brachte
den
Marshall-Plan,
das
Abkommen
von
Bretton Woods und später die NATO und
die Europäische Gemeinschaft hervor.
Das ziel der Sowjets bestand darin, ein geschlossenes, stark zentralisiertes Weltreich zu schaffen, das
mit so weit wie möglich gezogenen
Grenzen die Sicherheit Rußlands garantieren würde.
Im Jahre 1945 erklärte Stalin dem jugoslawischen Kommunisten Milovan Djilas, daß "jeder
mit seinem System herrscht, soweit
seine Armee
reichen kann.
Anders
kann es nicht sein". Mit ihrem Streben nach absoluter Sicherheit für
sich selbst zwang die Sowjetunion ihren Nachbarn absolute Unsicherheit
auf.
Die sowjetischen Absichten in
Ost- und Südeuropa waren offensicht-

�lieh expansionistischer Art. Die Sowjetunion behielt ihr großes stehendes Heer bei und zwang damit die
Westeuropäer, die Gründung der NATO
und das erneute Engagement der Amerikaner in Europa voranzutreiben.
Der Gegensatz zwischen amerikanischer und sowjetischer Wirtschaftspolitik
ist
ebenso
bemerkenswert.
Der Plan von Marshall zielte, seinen
eigenen Worten zufolge, auf "die Wiederbelebung
einer
funktionierenden
Weltwirtschaft ab, damit die Entstehung politischer und sozialer Bedingungen ermöglicht wird, unter denen
freie Institutionen existieren können".
Die
amerikanische
Politik
trachtete
danach, die
europäischen
Volkswirtschaften
wiederaufzubauen,
ein offenes Handelssystem zu schaffen
sowie wirtschaftliche Gesundung und
allgemeinen Wohlstand zu fördern und
nicht etwa danach, der amerikanischen
Wirtschaft Vorteile
zu verschaffen
oder ein amerikanisches Imperium zu
errichten.
Ein offenes internationales Handelssystem war mit der sowjetischen
Politik
unvereinbar.
Die
Sowjets
hatten vielmehr bereits in den ersten
Monaten des Jahres 1945 damit begonnen, ihren osteuropäischen Satelliten
einschließlich der deutschen Ostzone
geschlossene, autark regierte Volkswirtschaften aufzuzwingen.
Die Sowjets verweigerten ihre Beteiligung
am Marshall-Plan und am Internationalen Währungsfonds und zogen es vor,
Osteuropa von der Weltwirtschaft zu
isolieren und ihm erhebliche Reparationen abzufordern.
Nichts
entspricht
weniger
der
Wahrheit als die weithin verbreitete
Ansicht, im Europa der Nachkriegszeit
hätten Amerika und die Sowjetunion
das gleiche
Ziel verfolgt
- die
Schaffung von Einflußbereichen.
Re-

visionistische Historiker können sicher auf Fehler und verpaßte Gelegenheiten verweisen. Aber die Tatsachen
sprechen für sich. Mit den amerikanischen, durch den Marshall-Plan belegten Verbindungen zum Europa der
Nachkriegszeit wurde nicht die Absicht verfolgt, ein Imperium oder
Einflußbereiche zu schaffen oder etwa
Europa zu teilen, sondern es sollte
eine offene, pluralistische und demokratische internationale Ordnung hervorgebracht werden.
Es war die Sowjetunion, die Europa und Deutschland teilte.
Es war
die sowjetische Politik, die amerikanische Truppen nach Westeuropa zurückbrachte, damit sie den Erhalt der
europäischen Selbstbestimmung unterstützen.
Sie werden abziehen, wenn
die Europäer ihre Anwesenheit nicht
länger wünschen.
Russische Truppen
werden Osteuropa dagegen nur dann
verlassen, wenn die Sowjets entscheiden, daß sie abziehen sollten.
Wie
durch die Breschnew-Doktrin und wiederholte militärische Interventionen
in Osteuropa verdeutlicht wird, besteht seit 40 Jahren das Ziel der Sowjetunion darin, ihr Weltreich mittels der Teilung Europas vollständig
zu erhalten.
Es ist das beständige
Ziel der amerikanischen Politik, diese Teilung Europas, Deutschlands und
Berlins zu überwinden.
Die Bedingungen, denen sich die
Europäer heute gegenübersehen - konkurrierende Bündnissysteme, die Präsenz amerikanischer Truppen in Europa, der Rüstungswettlauf - ergeben
sich aus der erzwungenen Teilung dieses Kontinents und dieses Landes.
Diejenigen, die Waffen als einzige
Bedrohung des Friedens betrachten und
den Rüstungswettlauf auf den Wettstreit der Supermächte in Europa zurückführen,
erliegen
dem
Trugbild
einer "Europäisierung Europas", die

- 3 -

�diesen Kontinent womöglich aus den
Klauen der Supermächte befreien könnte.
Weil Europa geteilt ist, besteht
das Problem der Sicherheit. Wie Präsident Reagan Anfang des Monats in
Berlin ausführte, liegt die Lösung
für dieses Problem in der Überwindung
der
Teilung
dieses
Kontinents.
Gorbatschows
neue
Glasnost-Politik
könnte Möglichkeiten für einen Aufbruch in die richtige Richtung bedeuten. Es ist kaum anzunehmen, daß er
versuchen wird, die Sowjetunion in
eine Demokratie nach westlichem Muster umzuformen. Henry Kissinger hat
sicherlich recht mit seinen Xußerungen, daß Gorbatschow danach strebt,
die sowjetische Gesellschaft stabiler
und leistungsfähiger zu machen, damit
die Sowjetunion eher mit dem Westen
konkurrieren kann. wir haben offensichtlich noch keinen Wandel in der
geopolitischen Strategie der Sowjets
wahrgenommen.
Dennoch ist es jetzt an der Zeit,
darüber nachzudenken, wie der Westen
die sich durch Glasnost eröffnenden
Möglichkeiten zur Beendigung der Teilung Europas am besten nutzen kann.
Um dies zu erreichen, müssen wir zu
einer gemeinsamen Bewertung der anstehenden
Probleme gelangen, einer
Bewertung, die sich auf das Verständnis der historischen Gegebenheiten
gründet.
Auf der Grundlage dieser
Bewertung
und
einer
zuverlässigen
Analyse westlicher Interessen müssen
wir eine gemeinsame Strategie entwikkeln. Wir sollten zu einer Einigung
über unsere Zielsetzungen und Taktiken gelangen und einen Konsens bezüglich ihrer Durchführung erarbeiten.
Aber bevor wir all dies in die Wege
leiten können, ist die Beilegung unserer Differenzen in Sicherheits- und
Wirtschaftspolitik
unbedingt
erforderlich, weil diese die westliche Zu-

sammenarbeit schwächen und untergraben. In einer zeit der Hoffnung können wir uns Kirchturmpolitik, Provinzialismus und Protektionismus nicht
leisten, wie sie auf beiden Seiten
des Atlantiks zunehmend in Mode kommen.
Das trifft besonders angesichts
der Diskussion über Mittelstreckenwaffen und Rüstungskontrolle zu. Wir
stehen jetzt kurz vor einem historischen Abkommen über diese umstrittene Waffenkategorie, und zu meiner
Überraschung
und
leichten
Enttäuschung betrachten manche Beobachter auf beiden Seiten des Atlantiks
dieses Abkommen bereits als eine Niederlage für das Bündnis und die militärische Strategie des Westens.
In
Wirklichkeit
wäre ein
INF-Abkommen
für den Westen ein entscheidender Erfolg mit Verstärkungsfunktion für das
Prinzip, daß Rüstungskontrolle
nur
durch die Solidarität des Bündnisses
und dessen entschlossene Bestrebungen
zur Aufrechterhaltung
des militärischen Gleichgewichts Erfolge zeitigen kann.
Sicher würde ein INF-Abkommen für
die Strategie und die militärische
Doktrin des Bündnisses wichtige Fragen aufwerfen.
Aber unbedachtes Gerede
über
"Entnuklearisierung"
und
"Abkopplung" dient nicht unseren gemeinsamen Interessen.
Wenn wir uns
nicht in acht nehmen, laufen wir Gefahr, uns selbst zu zermürben und die
Leistungen des Westens in einen sieg
für die Sowjetunion umzumünzen.
Wir dürfen daher die Grundregel
der Rüstungskontrolle im Bereich der
Mittelstreckenraketen nicht ignorieren: Solidarität im Bündnis und insbesondere deutsch-amerikanischer Zusammenhalt - und nicht die Vorschläge
von Herrn Gorbatschow - haben ein Abkommen möglich gemacht.

- 4 -

�Mit einer Rüstungskontrollvereinbarung vor Augen und heraufziehenden
neuen Verhandlungen über konventionelle Waffen stehen wir an einem
Scheideweg.
Es ist von vorrangiger
Bedeutung, daß wir uns auf gemeinsame, diesem neuen Zeitalter angemessene
sicherheitspolitische
Maßnahmen
einigen
und
Abrüstungsverhandlungen
jeglicher Art gemeinsam angehen. Die
Strategie des Bündnisses umfaßt fünf
wesentliche Prinzipien, auf die sich
jedwede von uns erarbeitete Politik
gründen muß:
Erstens muß amerikanische stärke
weiterhin mit einem Engagement auf
dem europäischen Kontinent verbunden
sein.
Die Strategie des Bündnisses
ist grundsätzlich vom Engagement der
amerikanischen Streitkräfte abhängig.
Zweitens
bleibt
nukleare
Abschreckung ein wesentlicher Bestandteil unserer Strategie. Dazu gehört
die andauernde Präsenz von Nuklearwaffen auf europäischem Boden ebenso
wie die Beibehaltung funktionsfähiger
Nuklearstreitkräfte
der
Vereinigten
Staaten.
Drittens werden die Vereinigten
Staaten wie auch die europäischen
Bündnispartner
weiterhin
an
einer
Verbesserung ihrer Fähigkeiten im Bereich der konventionellen Streitkräfte arbeiten müssen.
in einer Zeit,
in der wir zunehmend vom alleinigen
Vertrauen auf Nuklearwaffen abrücken,
muß unsere konventionelle Verteidigung gestärkt werden.
Viertens muß das Prinzip des gemeinsam getragenen Risikos erhalten
bleiben. Im Rahmen unserer Strategie
darf es nicht dazu kommen, daß irgendein
Bündnispartner
oder
eine
Gruppe von Verbündeten beträchtlich
größere Risiken auf sich nimmt als

die anderen tragen müssen. Die Vereinigten Staaten können von ihren europäischen Verbündeten nicht verlangen, einer Situation zuzustimmen, in
der ein nuklearer oder konventioneller Krieg allein auf ihrem Territorium ausgetragen würde.
Und fünftens müssen wir die besondere Bedeutung der Bundesrepublik
Deutschland innerhalb der Strategie
des Bündnisses erkennen.
In vieler
Hinsicht ist sie das verwundbarste
Land der NATO.
Durch ihre Lage an
der Trennungslinie zwischen Ost und
West ist die Bundesrepublik im geographischen Sinne direkt bedroht. Im
Gegensatz
zu
Großbritannien
und
Frankreich besitzt dieses Land keine
Nuklearwaffen.
Darüberhinaus ist es
ein geteiltes Land. Aus allen diesen
Gründen
ist
die
Bundesrepublik
Deutschland
für
Druck
von
sowjetischer Seite besonders anfällig und
daher vielleicht in stärkerem Maße
von ihren Freunden abhängig als jedes
andere Land innerhalb der NATO.
Heute
wird
die
Fähigkeit
des
Westens, einen Konsens über anwendbare politische Richtlinien in Bereichen von absolut vorrangiger Bedeutung zu erzielen, durch die wachsende
Neigung zu amerikanischem Alleingang
und europäischer Kirchturmpolitik bedroht.
Die Amerikaner
akzeptieren
die weltweiten Verpflichtungen ihres
Landes, sind jedoch häufig um schnelle Lösungen bemüht und vielfach ungeduldig angesichts der mit kooperativen
Vorgehensweisen
einhergehenden
Verzögerungen und komplexen zusammenhänge. Die Europäer arbeiten im Bereich des Handels und der Kultur untereinander und mit den anderen Nationen der Welt gut zusammen.
Sie
ziehen es jedoch vor, ihre Bestrebungen zur Bewältigung der sicherheitspolitischen Probleme auf Europa zu
beschränken und andernorts auftreten-

- 5 -

�de unangenehme Probleme anderen zu
überlassen - für gewöhnlich den Vereinigten Staaten.
Diese Tendenzen nähren sich gegenseitig.
Während
Europa
danach
trachtet, sich außenpolitischen Verpflichtungen zu entziehen, versucht
Amerika, Maßnahmen ohne angemessene
Konsultation und Kooperation zu ergreifen. Anstatt kreative neue politische Richtlinien und Programme hervorzubringen, verkümmerte unser Dialog zu amerikanischen Klagen über
"europäische Schwächlinge" und europäischer Verärgerung über amerikanische
"Rambomanie".
Die Neoneutralisten fordern die "Europäisierung"
und Entnuklearisierung Europas, während Amerikas Neoisolationisten endlose
Serien
außenpolitischer
Vorschläge entwickeln, die ebenso weit
von den Realitäten einer interdependenten Welt entfernt sind.
Verhaltensweisen wie diese gründen sich auf Unkenntnis der Geschichte und unzutreffende
Vorstellungen
von der Zukunft.
Wie ich versucht
habe auszuführen, können wir zu deren
Bekämpfung beitragen, indem wir zurückblicken, um herauszufinden, wie
unsere Vorgänger auf die damalige,
zugegebenermaßen andersartige, Krise
in der Geschichte der westlichen Welt
reagiert haben.
Der Marschall-Plan
und die anderen zu jener Zeit entworfenen
politischen
Richtlinen
und
Programme erkannten unser gemeinsames
Interesse
an
unserem
gemeinsamem
Wohlergehen. Ihr Ansatz war internationalistisch
im besten Sinne des
Wortes und gründete sich auf Partnerschaft statt auf Kirchturmpolitik, um
sowohl Europa als auch Amerika stark
und wohlhabend zu machen.

Amerika einen zentralen Platz ein.
Die
Nachkriegszeit
ist
vorüber.
Größtenteils dank des Marschall-Plans
hat sich Europa vollständig von der
Verwüstung
erholt, die der zweite
Weltkrieg für Menschen und Volkswirtschaften
brachte.
Die europäische
Wirtschaftsmacht ist wieder zu einer
führenden Kraft in der Welt geworden.
Die
europäische
Verteidigungsfähigkeit entspricht der einer Supermacht.
Europäische
Entscheidungen
haben
starken
Einfluß
auf
die
Menschen
überall in der Welt, nicht nur die
Europäer.
Wenn es also wirklich eine "reife
Partnerschaft"
zwischen
Amerikanern
und Europäern geben soll, müssen beide die Lektion neu lernen, daß sie
gemeinsam sehr viel mehr erreichen
können
als
allein.
Partnerschaft
zwischen den Vereinigten Staaten und
Europa muß sich auf einen Konsens
gründen - den Konsens darüber, wie
Sicherheit aufrechterhalten, die Beendigung der Teilung Europas herbeigeführt, wie ein offenes internationales Handelssystem im Zeitalter neuer Technologien und Konkurrenten beibehalten und ausgebaut und wie in der
Dritten Welt und überall auf der Erde
zusammengearbeitet werden kann.
Lassen sie uns ebenso kreative
Lösungen zur Bewältigung unserer Probleme suchen, wie sie unsere Vorfahren in der Nachkriegszeit fanden.
Lassen sie uns diese Lösungen gemeinsam suchen. Wenn uns dies gelingt,
werden sich vielleicht in 40 Jahren
unsere
Nachfahren,
die
Vertreter
eines wahrhaft geeinten Westens, hier
versammeln, in einem wiedervereinigten Berlin, im Herzen eines ungeteilten Europa, um dessen feierlich zu
gedenken, was wir erreicht haben.

Meine Vision der Zukunft - und
ich hoffe, auch die Ihre - räumt der
Partnerschaft
zwischen
Europa
und
- 6 -

+ + + + + +

�</text>
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'VON&#13;
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*&#13;
24. Juni&#13;
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23&#13;
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1987&#13;
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I N H A L T&#13;
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DOKUMENTATION&#13;
&#13;
Gute amerikanisch-deutsche Beziehungen bekräftigt&#13;
- Ansprache Präsident Reagans auf dem Köln-Bonner Flughafen -&#13;
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zunehmender Konsens über geringere staatliche Eingriffe&#13;
- Präsident Reagans Rede zum Abschluß des Gipfeltreffens in Venedig&#13;
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Zimmermann lobt Ergebnisse der NATO-Konferenz&#13;
- KSZE-Botschafter zur Sitzung des Nordatlantikrats -&#13;
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WISSENSCHAFT UND TECHNIK&#13;
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Supraleitfähigkeit - die Anwendung rückt näher&#13;
- Neue Materialien mit günstig hohen Sprungtemperaturen&#13;
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&#13;
GÜTE AMERIKANISCH-DEUTSCHE BEZIEHUNGEN BEKRÄFTIGT&#13;
Ansprache Präsident Reagans auf dem Köln-Bonner Flughafen -&#13;
&#13;
BONN - (AD) - In seiner Ansprache auf dem Köln-Bonner Flughafen vom 12.&#13;
Juni 1987 erklärte Präsident Reagan zum Abschluß des Weltwirtschaftsgipfels in&#13;
Venedig, es "sei allein schon damit viel ereicht, daß wir zusammenkommen und&#13;
miteinander sprechen - denn wir sind enge Freunde gev.ori.ieii".&#13;
Reagan wies ferner auf das mit Bundeskanzler Kohl erzielte Einvernehmen im&#13;
Bereich der Sicherheitspolitik hin und verlieh seiner Hoffnung Ausdruck, daß&#13;
noch vor Ende des Jahres ein Rüstungskontrollabkommen mit der Sowjetunion erzielt werden könnte.&#13;
Nachfolgend die Ansprache des Präsidenten im Wortlaut:&#13;
&#13;
Meine Gespräche mit Herrn Bundeskanzler Kohl und seinen Kollegen haben alle meine Erwartungen erfüllt.&#13;
Sie sind eine Bestätigung dafür, daß&#13;
die Beziehungen&#13;
zwischen den Vereinigten Staaten und der Bundesrepublik Deutschland so gestaltet sind&#13;
wie die zwischen engen Verbündeten&#13;
und Freunden.&#13;
Bundeskanzler Kohl und ich haben&#13;
zusammen mit den anderen Verbündeten&#13;
und Partnern in Venedig bereits die&#13;
Gelegenheit zur Erörterung der wichtigsten&#13;
Themenkomplexe gehabt, mit&#13;
&#13;
United States Information Service&#13;
Embassy of the United States of America&#13;
&#13;
denen die Welt sich heute konfrontiert sieht. In Venedig sind bedeutende Schritte in die Wege geleitet&#13;
worden, um anhaltenden wirtschaftlichen Fortschritt und die Freiheit&#13;
für unsere Nationen sicherzustellen.&#13;
Hier in Bonn haben wir insbesondere&#13;
über Fortschritte in der Abrüstung&#13;
und die Ost-West-Beziehungen gesprochen.&#13;
Herr Bundeskanzler Kohl und ich&#13;
befinden uns in völligem Einvernehmen&#13;
über die Notwendigkeit der Fortführung unserer engen Konsultationen bei&#13;
&#13;
Postfach 20 03 00&#13;
D 5300 Bonn 2&#13;
&#13;
Tel.: 0228-339 2035&#13;
Telex: 8-85432&#13;
&#13;
�I&#13;
&#13;
der Verfolgung&#13;
unseres gemeinsames&#13;
Ziels, die durch die Politik der Bedrohung und militärische Macht des&#13;
Warschauer&#13;
Pakts bestehende Gefahr&#13;
für Europa abzuwenden. wir empfinden&#13;
beide große Genugtuung über den NATODoppelbeschluß von 1979 bezüglich der&#13;
Mittelstreckenwaffen (INF).&#13;
Als das&#13;
Bündnis sich auf diesen Beschluß einigte, war er zunächst umstritten,&#13;
doch in der Zwischenzeit hat er eindeutigen Erfolg gezeitigt. wir hoffen, noch vor Ende des Jahres 1987&#13;
ein Abkommen mit der Sowjetunion erzielen zu können, durch das eine Kategorie&#13;
nuklearer&#13;
Waffen drastisch&#13;
reduziert&#13;
und möglicherweise&#13;
vollständig abgebaut werden könnte, die&#13;
für unsere Freunde und Verbündeten in&#13;
Europa und Asien eine besondere Bedrohung darstellt.&#13;
Bei unserem Streben nach einem&#13;
noch sichereren und stabileren Frieden sehe ich der weiteren engen Zusammenarbeit und den Konsultationen&#13;
mit Herrn Bundeskanzler Kohl und seiner Regierung gerne entgegen.&#13;
und ich möchte nier noch etwas&#13;
hinzufügen.&#13;
Über Weltwirtschaftsgipfel&#13;
und&#13;
die&#13;
Zusammenkünfte&#13;
der&#13;
Staats- und Regierungschefs der sieben Nationen wird in jedem Jahr viel&#13;
berichtet und die Frage gestellt, ob&#13;
damit tatsächlich etwas erreicht wird&#13;
oder nicht.&#13;
Ich darf Ihnen versichern, daß allein schon damit sehr&#13;
viel erreicht würde, wenn wir einfach&#13;
nur&#13;
zusammenkommen&#13;
und miteinander&#13;
sprechen - denn wir sind enge Freunde&#13;
geworden.&#13;
in der Öffentlichkeit gebrauchen wir unsere Titel, wie es das&#13;
Protokoll vorschreibt. Aber bei unseren Begegnungen reden wir uns mit&#13;
dem Vornamen an und versammeln uns&#13;
nicht so sehr als Staats- und Regierungschefs, sondern vielmehr als enge&#13;
persönlich Freunde, die einer Erneuerung ihrer Freundschaft dank dieser&#13;
&#13;
Treffen untereinander und gegebenenfalls mit anderen, sofern wir dies&#13;
ermöglichen können, gerne entgegensehen.&#13;
Die vergangenen Tage waren besonders schön für uns, zunächst in Venedig, heute vormittag in Berlin und&#13;
nun hier in Bonn - und dies in dem&#13;
Bewußtsein, daß man mit liebgewordenen Freunden zusammen ist. Daher sagen wir ihnen allen heute auf Wiedersehen und verabschieden uns ganz persönlich von unseren lieben Freunden,&#13;
Herrn Bundeskanzler&#13;
Kohl und Frau&#13;
Kohl und allen anderen, denen wir&#13;
hier begegnet sind.&#13;
Gott schütze Sie alle und hoffentlich sehen wir uns bald wieder.&#13;
Vielen Dank.&#13;
&#13;
�AMERIKA DIENST&#13;
4-7&#13;
&#13;
C$&#13;
&#13;
Dokumentation&#13;
24. Juni 1987&#13;
&#13;
23&#13;
&#13;
ZUNEHMENDER KONSENS ÜBER GERINGERE STAATLICHE EINGRIFFE&#13;
- Präsident Reagans Rede zum Abschluß des Gipfeltreffens von Venedig WASHINGTON - (AD) - In seiner landesweit übertragenen Fernsehansprache&#13;
erklärte Präsident Reagan am 15. Juni 1987 zum Abschluß des Weltwirtschaftsgipfels in Venedig, die offiziellen Gespräche hätten unter anderem die Förderung der wirtschaftlichen Entwicklung und die Hilfe für Millionen von Menschen&#13;
in den Entwicklungsländern zum Thema gehabt, damit diese zu einem höheren Lebensstandard und produktiveren Volkswirtschaften gelangen könnten.&#13;
Reagan wies ferner auf die "überwältigenden Anhaltspunkte" beim Gipfeltreffen in Venedig hin, die den Schluß zulassen, daß ein Konsens für geringere&#13;
staatliche Eingriffe und mehr persönliche Freiheit auf der ganzen Welt erzielt&#13;
werden kann.&#13;
Nachfolgend drucken wir die Rede Präsident Reagans im Wortlaut:&#13;
&#13;
Ich komme gerade aus Venedig zurück, wo ich mit den Staats- und Regierungchefs der anderen sechs demokratischen Industrieländer zu unserem&#13;
jährlich stattfindenden Wirtschaftsgipfel zusammengekommen bin. Sie haben Berichte gehört und gelesen, wonach bei diesem Gipfel keine wirklichen Ergebnisse erzielt wurden und&#13;
daß&#13;
insbesondere&#13;
die&#13;
Vereinigten&#13;
Staaten mit leeren Händen nach Hause&#13;
zurückgekehrt sind.&#13;
Dies war mein siebter Gipfel, und&#13;
zum siebten Mal höre ich jetzt diesen&#13;
Spruch.&#13;
Tatsache ist, daß wir von&#13;
&#13;
United States Information Service&#13;
Embassy of the United States of America&#13;
&#13;
diesem Gipfel nach Hause gekommen&#13;
sind mit all dem, was wir uns vorgenommen hatten, zu erreichen.&#13;
Und&#13;
heute abend möchte ich Ihnen von den&#13;
dort getroffenen Entscheidungen berichten, die Ihre wirtschaftliche Zukunft und die Ihrer Kinder direkt betreffen.&#13;
Ich habe auch eine besondere Botschaft, die unsere eigene Volkswirtschaft betrifft und auch die Handlungen, die sowohl die Art der von uns&#13;
in der vergangenen Woche in Venedig&#13;
erzielten&#13;
Fortschritte in Richtung&#13;
&#13;
Postfach 20 03 00&#13;
D 5300 Bonn 2&#13;
&#13;
Tel.: 0228-339 2035&#13;
Telex: 8-85432&#13;
&#13;
�auf&#13;
eine wirtschaftliche&#13;
Gesundung&#13;
als&#13;
auch&#13;
den&#13;
Wohlstand&#13;
gefährden&#13;
könnten, an dessen Erlangung wir alle&#13;
hier in Amerika in den vergangenen&#13;
sechs Jahren so hart gearbeitet haben.&#13;
Aber bevor ich beginne, möchte&#13;
ich eine persönliche Bemerkung über&#13;
etwas machen, das wir am letzten Tag&#13;
unserer Reise gesehen haben, als wir&#13;
uns in Berlin aufhielten, um den 750.&#13;
Jahrestag&#13;
dieser&#13;
großartigen&#13;
Stadt&#13;
mitzufeiern. Ich weiß, daß viele von&#13;
Ihnen über die Jahre hinweg Bilder&#13;
und Filmberichte über die Mauer gesehen haben, die Berlin teilt.&#13;
Aber&#13;
glauben Sie mir, daß kein Amerikaner,&#13;
der sie vor sich sieht - den Beton&#13;
und Zement, die Posten und Wachtürme,&#13;
die Hundelaufanlagen und den Stacheldraht - jemals wieder seine Freiheit&#13;
oder das wertvolle Geschenk, das Amerika heißt, als selbstverständlich&#13;
hinnehmen kann.&#13;
Das Geschenk der&#13;
Freiheit ist wirklich das Geburtsrecht der gesamten Menschheit - und&#13;
deshalb habe ich dort den sowjetischen Staatschef Herrn Gorbatschow&#13;
aufgefordert, der Welt ein neues Zeichen der Offenheit zu setzen, indem&#13;
er diese Mauer niederreißt.&#13;
ich kann Ihnen heute abend berichten, daß der diesjährige Weltwirtschaftsgipfel&#13;
in Venedig nicht&#13;
nur in einer Reihe von einzelnen Problembereichen&#13;
erfolgreich,&#13;
sondern&#13;
daß der von den führenden Politikern&#13;
der Welt bekundete Geist der Übereinstimmung besonders stark war. Sicher&#13;
werden Sie sich daran erinnern, daß&#13;
sich noch im Jahr 1981, als ich an&#13;
meinem ersten Gipfel teilnahm, unsere&#13;
eigene Volkswirtschaft wie auch die&#13;
Weltwirtschaft in ernster Gefahr befanden.&#13;
In den Industrieländern belief sich die Inflationsrate auf zehn&#13;
Prozent und mehr, ganz zu schweigen&#13;
von den hohen Zinssätzen, der überhöhten Steuerlast, zu vielen staat-&#13;
&#13;
lichen Reglementierungen und Eingriffen. Schlimmer als all dies wog, daß&#13;
es praktisch keine Übereinkünfte unter den Politikern der Welt gab, wie&#13;
man mit dieser drohenden Krise fertigwerden sollte.&#13;
Mittlerweile&#13;
haben&#13;
wir&#13;
jedoch&#13;
Fortschritte erzielt. Mit der amerikanischen&#13;
Volkswirtschaft&#13;
an&#13;
der&#13;
Spitze haben wir eine internationale&#13;
Bewegung&#13;
für mehr Wirtschaftswachstum, bessere Möglichkeiten für den&#13;
Einzelnen durch Steuersenkung und Abbau der staatlichen Reglementierung&#13;
eingeleitet. Wir haben die Zinssätze&#13;
gesenkt, der Inflation Einhalt geboten, die Arbeitslosigkeit&#13;
abgebaut&#13;
und Fachleute verblüfft, indem wir&#13;
gezeigt haben, daß das Wirtschaftswachstum nicht nur für ein oder zwei&#13;
Jahre, sondern dauernd aufrechterhalten werden kann - seit mehr als vier&#13;
Jahren.&#13;
in der vergangenen Woche habe ich&#13;
in Venedig überwältigende Anhaltspunkte dafür wahrgenommen, daß dieser&#13;
Konsens&#13;
über&#13;
geringere&#13;
staatliche&#13;
Einflußnahme und stärkere persönliche&#13;
Freiheit weiterhin auf der ganzen&#13;
Welt zunimmt.&#13;
Tatsächlich befaßten&#13;
sich unsere offiziellen Gespräche unter anderem mit der Förderung der&#13;
wirtschaftlichen Entwicklung in den&#13;
weniger wohlhabenden Ländern der Welt&#13;
und der Unterstützung der Millionen&#13;
Menschen in den Entwicklungsländern,&#13;
damit diese einen höheren Lebensstandard und produktivere Volkswirtschaften erlangen.&#13;
Erinnern wir uns daran, daß diese&#13;
internationale&#13;
Bewegung&#13;
zur&#13;
wirtschaftlichen Freiheit für das tägliche Leben eines jeden von uns hier&#13;
in Amerika einschneidend&#13;
verändert&#13;
hat. jeder von uns erinnert sich an&#13;
die Zeit vor einigen Jahren, als die&#13;
Steuern der Regierung genau zu dem&#13;
&#13;
�Zeitpunkt immer mehr vom Einkommen&#13;
der amerikanischen Arbeiter vereinnahmten, als eine zweistellige Inflationsrate die Ersparnisse aufzehrte&#13;
und so zu einer besonderen Bürde für&#13;
die armen und älteren Mitbürger wurde.&#13;
Im Gegensatz dazu befinden wir&#13;
uns heute in unserem 54. Monat des&#13;
wirtschaftlichen Wachstums, das Realeinkommen der Familien steigt, die&#13;
Armut ist auf dem Rückzug, und wir&#13;
haben in diesem Land die erstaunliche&#13;
Zahl von 250 000 Arbeitsplätzen pro&#13;
Monat geschaffen.&#13;
Das bedeutet mehr&#13;
als 13 Millionen Arbeitsplätze in etwas über vier Jahren.&#13;
&#13;
schaftlicher&#13;
Produkte&#13;
und&#13;
einen&#13;
schrumpfenden Markt für amerikanische&#13;
Güter&#13;
hervorbringen.&#13;
Unser&#13;
Ziel&#13;
sollte darin bestehen, Subventionen&#13;
für die Landwirtschaft bis zum Jahr&#13;
2000 abzuschaffen.&#13;
Und ich werde&#13;
weiterhin&#13;
auf&#13;
diese&#13;
Verpflichtung&#13;
dringen.&#13;
&#13;
Sicherlich hatte ich in Venedig&#13;
auch diese Art von Fortschritten bei&#13;
uns im Inland im Sinn. Deshalb habe&#13;
ich mich auch über viele der dort getroffenen&#13;
Entscheidungen&#13;
gefreut:&#13;
zusätzlich zur Bestätigung des allgemeinen Konsens über wirtschaftliches&#13;
Wachstum haben wir vereinbart, weiterhin gegen Handelsschranken wie etwa hohe Zölle anzutreten, die langfristig Weltmärkte schrumpfen lassen,&#13;
das Wachstum anhalten und die Anzahl&#13;
neuer Arbeitsplätze verringern.&#13;
&#13;
Aber es war bereits ein Schritt&#13;
nach vorn, dieses Problem beim Gipfel&#13;
auf den Tisch zu bringen, und ich&#13;
glaube, daß sich die Tatsache der Beachtung unserer Aufforderungen in den&#13;
Reaktionen zeigt, die unsere Gipfelpartner den amerikanischen Belangen&#13;
gegenüber bekundet haben.&#13;
Sie wissen, wie sehr wir aufeinander angewiesen sind und sind sich bewußt, wie&#13;
sehr ihre eigene Zukunft davon abhängt, was wir hier in den Vereinigten Staaten tun; wie wichtig es für&#13;
sie ist, Amerika wirtschaftlich gesund und stark zu erhalten. Sie wissen auch, daß der von uns gemeinsam&#13;
erzielte wirtschaftliche Fortschritt&#13;
die Demokratien in die Lage versetzt&#13;
hat, ihre Verteidigung wiederaufzubauen, den Frieden in der Welt zu erhalten und unser Bündnis zu stärken.&#13;
&#13;
Wir haben ebenfalls im Bereich&#13;
der Subventionen für die Landwirtschaft&#13;
erhebliche&#13;
Fortschritte erzielt, ich habe schon mehrfach darauf hingewiesen, aber jetzt ist es an&#13;
der Zeit, Spekulanten, die nur ihren&#13;
Vorteil aus den staatlichen Subventionen erzielen wollen, aus dem Geschäft mit der Landwirtschaft zu vertreiben - und die Landwirtschaft den&#13;
Landwirten zurückzugeben. Meiner Ansicht nach ist es bemerkenswert, daß&#13;
heute so viele amerikanische Landwirte die Landwirtschaft der Vereinigten&#13;
Staten und des Auslands gern wieder&#13;
auf die Grundlage freier Märkte stellen wollen.&#13;
Sie wissen, daß staatliche Subventionen in anderen Ländern&#13;
eine&#13;
weltweite&#13;
Schwemme&#13;
landwirt-&#13;
&#13;
Ich war zum Beispiel besonders&#13;
erfreut über die Unterstützung, die&#13;
unsere Verbündeten unserer Politik im&#13;
Persischen Golf erwiesen haben; sie&#13;
wurde ohne Zögern auch weiterhin gewährt.&#13;
Unsere Verbündeten wissen um&#13;
den strategischen Wert dieser Region&#13;
und arbeiten zu den gleichen Zwecken&#13;
wie wir daran. Tatsächlich hat Großbritannien einen größeren Teil seiner&#13;
Flotte in den Golf entsandt als wir&#13;
und gewährt seit Januar über 100 britischen Flaggschiffen Schutz. Frankreich hat ebenfalls die Stärke seiner&#13;
Marine im Golf zur Verfügung gestellt.&#13;
Die Bundesrepublik Deutschland und Japan können aufgrund ihrer&#13;
Verfassung keine Streitkräfte stationieren, arbeiten aber aktiv an ande-&#13;
&#13;
- 3 -&#13;
&#13;
�ren Mitteln zur Hilfeleistung.&#13;
Unsere eigene Rolle im Golf ist&#13;
von existentieller&#13;
Bedeutung.&#13;
Sie&#13;
besteht darin, unsere Interessen zu&#13;
schützen und unseren Freunden in der&#13;
Region dabei zu helfen, die ihren zu&#13;
bewahren. unsere unmittelbare Aufgabe im Golf ist eindeutig - und sollte&#13;
nicht übertrieben werden.&#13;
Sie besteht darin, amerikanischen&#13;
Flaggschiffe das Geleit zu gewähren, einer&#13;
traditionellen&#13;
Aufgabe der Marine;&#13;
eine Aufgabe, die sie sowohl im Golf&#13;
als auch in anderen Regionen ausgeübt&#13;
hat. in jüngster Zeit hat es einige&#13;
Kontroversen über elf neue amerikanische Flaggschiffe gegeben, die zu&#13;
unserer&#13;
Handelsflotte&#13;
hinzugekommen&#13;
sind.&#13;
Damit keine Mißverständnisse&#13;
aufkommen: wir werden unsere Verantwortung für diese Schiffe angesichts&#13;
von Bedrohungen durch den Iran oder&#13;
irgendjemand anders übernehmen. Wenn&#13;
wir dabei versagen - einfach, weil&#13;
diese Schiffe bisher unter kuwaitischer Flagge fuhren - würden wir&#13;
unsere Rolle als Seemacht aufgeben.&#13;
Und wir würden den Sowjets Möglichkeiten eröffnen, in diesen Engpaß des&#13;
ölflusses der freien Welt zu stoßen.&#13;
Kurz gesagt: Wenn wir diese Aufgabe&#13;
nicht übernehmen, werden das die Sowjets tun.&#13;
Und damit würde unsere&#13;
eigene nationale Sicherheit wie auch&#13;
die unserer verbündeten gefährdet.&#13;
In Venedig wurden auch unsere gegenwärtigen Verhandlungen mit der Sowjetunion besprochen - und ich glaube, jeder Amerikaner kann sich über&#13;
die&#13;
Einmütigkeit&#13;
und&#13;
Unterstützung&#13;
freuen, die unsere Verbündeten bekundet haben. Wie die meisten von Ihnen&#13;
wissen, befinden wir uns im Augenblick in äußerst heiklen Verhandlungen mit den Sowjets, die zu einem&#13;
historischen&#13;
Abrüstungsvertrag&#13;
über&#13;
den Abbau der&#13;
Mittelstreckenwaffen&#13;
(INF) führen könnten. über diese An-&#13;
&#13;
gelegenheit wurde in der vergangenen&#13;
Woche&#13;
ebenfalls&#13;
beim&#13;
Treffen&#13;
der&#13;
NATO-Außenminister in Island gesprochen, ich habe Außenminister Shultz1&#13;
Bericht über dieses NATO-Treffen erhalten, und ich freue mich, Ihnen&#13;
mitteilen zu können, daß wir und unsere Verbündeten zu unserer Verhandlungsposition&#13;
volle&#13;
Übereinstimmung&#13;
erzielt haben.&#13;
Vor sechs Jahren schlugen die&#13;
Vereinigten Staaten mit der sogenannten "Null-Lösung" eine Maßnahme vor,&#13;
die auf den vollständigen Abbau amerikanischer und sowjetischer landgestützter Mittelstreckenraketen längerer Reichweite (INF) abzielte. Viele&#13;
bezeichneten sie damals als lächerlich und wiesen darauf hin, daß die&#13;
Sowjets dieser Maßnahme niemals zustimmen würden. Wir sind jedoch fest&#13;
geblieben, und in diesem Jahr haben&#13;
die Sowjets eine vergleichbare Position eingenommen.&#13;
Heute abend kann&#13;
ich Ihnen daher mitteilen, daß die&#13;
Vereinigten Staaten, mit der Unterstützung ihrer Verbündeten, der Sowjetunion ebenfalls formell die weltweite Abschaffung aller amerikanischen und sowjetischen landgestützten&#13;
INF-Raketen kürzerer Reichweite vorschlagen wird&#13;
- bei&#13;
gleichzeitigen&#13;
einschneidenden Reduzierungen - und,&#13;
so hoffen wir, dem endgültigen Abbau&#13;
- der INF-Raketen längerer Reichweite,&#13;
ich habe unseren INF-Unterhändler angewiesen, der Sowjetunion diesen neuen Vorschlag als integralen&#13;
Bestandteil des INF-Vertrages zu unterbreiten, den die Vereinigten Staaten in Genf bereits auf den Verhandlungstisch gelegt haben.&#13;
Während wir und unsere Verbündeten&#13;
diese&#13;
historische&#13;
Gelegenheit&#13;
wahrnehmen, sollten wir uns an das&#13;
Lieblingswort eines großen Gesetzgebers und bedeutenden Mitglieds der&#13;
Demokratischen Partei, des verstürbe-&#13;
&#13;
�nen&#13;
&#13;
Senators Scoop Jackson, erinnern&#13;
an&#13;
das Wort&#13;
"Zweiparteientum".&#13;
Denn nur mit der Unterstützung des&#13;
Kongresses und der Hilfe unserer Verbündeten wird es uns gelingen, diese&#13;
historischen Abrüstungsbemühungen zu&#13;
vollenden.&#13;
In Venedig wurde auch vollständige Übereinstimmung über die Bedeutsamkeit erzielt, die Sowjetunion zu&#13;
Fortschritten bei anderen wichtigen&#13;
Rüstungsverhandlungen zu drängen, wie&#13;
zum Beispiel bei unseren Bestrebungen&#13;
um eine 50prozentigen Kürzung der&#13;
strategischen Waffen. Auch bezüglich&#13;
der Notwendigkeit sowjetischer Fortschritte im Bereich der Menschenrechte und bei regionalen Konflikten, vor&#13;
allem im Falle Afghanistans, waren&#13;
wir uns einig. Und während wir die&#13;
neuen Äußerungen der Offenheit von&#13;
sowjetischer Seite begrüßten, ist es&#13;
unserer Meinung nach an der Zeit, zu&#13;
sehen, ob ihre Taten ihren Worten gerecht werden.&#13;
Während ich ihnen heute abend berichten kann, daß unsere Arbeit an&#13;
diesen&#13;
Themenkomplexen&#13;
in&#13;
Venedig&#13;
fruchtbar war, sehe ich mich jedoch&#13;
aufrichtigerweise dazu verpflichtet,&#13;
Ihnen auch das eine beunruhigende&#13;
Thema unserer Gespräche mitzuteilen:&#13;
nämlich die anhaltende Bedrohung der&#13;
öffentlichen Verschuldung. Offen gesagt muß ich Sie auch wissen lassen,&#13;
daß ich bei den anderen sechs Gipfelteilnehmern ein Gefühl der Beunruhigung über Amerikas Verpflichtung zu&#13;
einem konsequenten, praktikablen Plan&#13;
zum Abbau&#13;
unseres Defizits spüren&#13;
konnte.&#13;
Diese Besorgnis wurde von&#13;
den Gipfelpartnern weder auf aufdringliche noch auf offensive Art und&#13;
Weise vorgebracht - sie sind sich nur&#13;
alle bewußt, wie wechselseitig abhängig unsere Wirtschaften sind - und&#13;
sie wissen, daß eine geschwächte amerikanische Wirtschaft eine Bedrohung&#13;
&#13;
ihres anhaltenden Wachstums darstellt.&#13;
Ich teile ihre Besorgnis.&#13;
Mißverstehen Sie mich nicht: Wir alle,&#13;
die wir voll Stolz auf unsere wirtschaftlichen&#13;
Errungenschaften&#13;
blikken, sind uns der Bemühungen bewußt,&#13;
die wir zur Eindämmung der öffentlichen Verschuldung unternommen haben, im Jahr 1983 machte die öffentliche Verschuldung insgesamt 6,3 Prozent&#13;
unseres&#13;
Bruttosozialprodukts&#13;
aus; heute beläuft sie sich auf 3,9&#13;
Prozent - ein nahezu 40prozentiger&#13;
Rückgang in nur vier Jahren. Auch in&#13;
diesem Jahr wird unser Defizit um&#13;
fast 48 Milliarden Dollar&#13;
gekürzt&#13;
werden, was einer Verringerung um&#13;
mehr als 20 Prozent entspricht. Dieser Rückgang ist das Ergebnis harter&#13;
Arbeit; harte Arbeit, die bereits vor&#13;
einigen Jahren verrichtet wurde, als&#13;
der Kongreß - angespornt von vielen&#13;
unter uns, die für eine zurückhaltende Steuerpolitik kämpften - zusammenkam und das sogenannte Gramm-RudmanHollings Gesetz verabschiedete, mit&#13;
dem ein Programm zur allmählichen&#13;
Verringerung unseres Defizits und zum&#13;
langfristigen Haushaltsausgleich eingeführt wurde.&#13;
Das alles sind gute Nachrichten.&#13;
Oder zumindest waren es gute Nachrichten. Sie sehen, daß wir in der&#13;
kritischen&#13;
Entscheidungsphase&#13;
zwischen denjenigen, die weiterhin Ihr&#13;
Geld ausgeben und Ihre Steuern erhöhen wollen und denen unter uns, die&#13;
einer Rückkehr zu der veralteten Politik des "Steuern über Steuern, Ausgaben&#13;
über&#13;
Ausgaben"&#13;
widerstehen,&#13;
jetzt die Zerreißgrenze erreicht haben. Daher habe ich eine persönliche&#13;
Entscheidung getroffen, etwas zu tun,&#13;
was jeder Präsident ohne zu Zögern&#13;
tun sollte, wenn er es tun muß. Und&#13;
das ist, sich an Sie, das amerikanische Volk, zu wenden und Ihnen die&#13;
Fakten vorzulegen.&#13;
&#13;
- 5 -&#13;
&#13;
�findet.&#13;
Das verfahren zur Verabschiedung&#13;
des Haushalts durch den Kongreß, das&#13;
angeblich im Jahr 1974 und nochmals&#13;
im Jahr&#13;
1985&#13;
überarbeitet&#13;
wurde,&#13;
funktioniert nicht. Vor Monaten habe&#13;
ich dem Kongreß einen soliden Haushalt unterbreitet, der die diesjährige Verschuldungsgrenze berücksichtigte und gleichzeitig unseren nationalen&#13;
Sicherheitsbedürfnissen&#13;
gerecht&#13;
wurde, ich habe zusätzliche Mittel&#13;
für entscheidende Probleme im Inland&#13;
wie zum Beispiel AIDS und die Sicherheit der Luftfahrt zur Verfügung gestellt und die Neigung zu weiteren&#13;
Bundesausgaben unter Kontrolle gehalten. Aber anstatt auf der Grundlage&#13;
dieses Haushaltsentwurfes vorzugehen,&#13;
verwarf der Kongreß den Vorschlag und&#13;
erwägt einen Plan, der, im Verhältnis&#13;
zu unserem Bruttosozialprodukt, die&#13;
Verteidigungsausgaben in den nächsten&#13;
Jahren drastisch bis auf das gefährliche Niveau der späten siebziger&#13;
Jahre reduziert, ein Plan, der auch&#13;
unsere Sicherheitsleistungen und Bestrebungen zur wirtschaftlichen Zusammenarbeit&#13;
im&#13;
Ausland&#13;
zunichte&#13;
macht. Und was ist aus dieser unter&#13;
dem Gramm-Rudman-Hollings Gesetz feierlich verkündeten Zurückhaltung bei&#13;
kostspieligen Inlandsausgaben geworden? Sie hat sich in Luft aufgelöst.&#13;
Und um diesen Abfall vom Glauben zu&#13;
bezahlen, wird Ihnen, den Steuerzahlern, in den nächsten vier Jahren&#13;
eine Rechnung von ungefähr 100 Milliarden Dollar aufgebürdet werden.&#13;
Wenn diese Tendenz nicht aufgehalten wird - und zwar jetzt - laufen&#13;
wir Gefahr, alle an der Wirtschaftsfront erzielten Fortschritte zu verlieren.&#13;
Wenn unsere Bemühungen um&#13;
eine Verringerung des Haushaltsdefizits nicht konsequent und glaubwürdig&#13;
sind, werden wir der Welt signalisieren, daß die amerikanische Wirtschaft&#13;
sich wieder in Schwierigkeiten be-&#13;
&#13;
Die Optionen sind auf folgende&#13;
Alternativen reduziert:&#13;
Mehr staatliche&#13;
Einflußnahme,&#13;
mehr&#13;
Steuern,&#13;
mehr Reglementierungen und ein Rückfall in die alten Zeiten der wirtschaftlichen&#13;
Inflation und Stagnation.&#13;
Oder, andererseits:&#13;
Zusätzliches Wachstum, mehr Chancen, angemessene nationale Sicherheit - und&#13;
mehr für das Familienbudget, nicht&#13;
für den Bundeshaushalt.&#13;
Die Entscheidung liegt bei uns wie ich bereits ausgeführt habe, ist&#13;
die Zerreißgrenze erreicht, die Zeit&#13;
für Entscheidungen gekommen.&#13;
Folgendes müssen wir also tun.&#13;
Erstens müssen wir zusammen mit dem&#13;
Kongreß das verfahren zur Verabschiedung des Haushalt erneuern und alle&#13;
diese&#13;
Verzögerungen&#13;
und&#13;
verpaßten&#13;
Termine und gebrochenen Versprechen&#13;
beenden. Wir können damit beginnen,&#13;
indem wir den Kongreß dazu bringen,&#13;
über einen Zusatzartikel zur Verfassung - mit ja oder nein, dafür oder&#13;
dagegen - abzustimmen, der die öffentliche Verschuldung jetzt und für&#13;
immer beendet, ein Zusatzartikel, der&#13;
per Gesetz einen ausgewogenen Haushalts herbeiführt.&#13;
Zweitens, benötige ich Ihre direkte Hilfe bei der Einflußnahme auf&#13;
Ihre Vertreter im Kongreß, einem Paket zum zuverlässigen Abbau des Defizits zuzustimmen und daran festzuhalten.&#13;
Ich verpflichte mich, von meinem Veto-Recht Gebrauch zu machen, um&#13;
große Ausgaben aufzuhalten, die über&#13;
die&#13;
im&#13;
Gramm-Rudman-Hollings&#13;
Plan&#13;
festgesetzten&#13;
Ziele&#13;
hinausgehen.&#13;
Aber wir müssen noch weiter gehen.&#13;
Sie können versichert sein, daß es&#13;
viele Kongreßmitglieder gibt, mit denen wir zusammenarbeiten können, und&#13;
wenn Sie diese wissen lassen, wie Sie&#13;
&#13;
�denken, können wir einen Konsens über&#13;
den Etat erarbeiten, um die Ausgaben&#13;
in diesem Jahr niedrig zu halten.&#13;
Einige sprechen sogar von einem Haushaltsgipfeltreffen - nun, wir sind&#13;
jederzeit zu Gesprächen und Konsultationen bereit, aber nicht, wenn das&#13;
Ziel&#13;
zusätzliche&#13;
Ausgaben,&#13;
höhere&#13;
Steuern und weniger Verteidigung ist.&#13;
Was wir wollen sind weniger Ausgaben,&#13;
Punkt. Und ich glaube, auch Sie wollen das.&#13;
Und drittens gibt es noch etwas,&#13;
das Sie hoffentlich fordern werden nämlich das selektive Veto. Der Präsident sollte die Möglichkeit haben,&#13;
von der die Gouverneure von 43 Staaten Gebrauch machen, um diese Art von&#13;
Steuerunfug zu beenden - die Möglichkeit, die ich in Kalifornien hatte,&#13;
als ich dort Gouverneur war:&#13;
Die&#13;
Möglichkeit, in diesen riesigen Ausgabentopf zu greifen und jegliche&#13;
Verschwendung&#13;
auszumerzen.&#13;
Es ist&#13;
Zeit für Taten, und ich beschwöre den&#13;
Kongreß nachdrücklich, Schritte zu&#13;
unternehmen und mit einem Reformpaket&#13;
aufzuwarten, das einige der himmelschreienden&#13;
Mängel&#13;
des derzeitigen&#13;
Haushaltsverfahrens beseitigt.&#13;
In der&#13;
Zwischenzeit werde ich&#13;
meine persönliche, öffentliche Verpflichtung&#13;
dieser&#13;
Sache&#13;
gegenüber&#13;
noch weiter ausbauen.&#13;
Ich werde Ihnen, dem amerikanischen Volk, den&#13;
Fall vorlegen.&#13;
Denn, glauben Sie&#13;
mir, wenn der Kongreß nicht in der&#13;
Lage ist, das Licht zu sehen, so bin&#13;
ich davon überzeugt, daß Sie ihn die&#13;
Hitze spüren lassen. Bei dieser ganzen Angelegenheit ist unser Einsatz&#13;
sehr hoch: Nichts Geringeres als unsere wirtschaftliche&#13;
Zukunft steht&#13;
auf dem Spiel.&#13;
&#13;
Meinung nach die Amerikaner zunehmend&#13;
der Tatsache bewußt werden, daß unser&#13;
in der Verfassung verbrieftes Recht&#13;
auf freie Wahlen, Versammlungsfreiheit, freie Meinungsäußerung und alle&#13;
anderen Formen politischer Freiheit&#13;
eine ebenso bedeutende wirtschaftliche Entsprechung haben. Das Recht,&#13;
nicht über Gebühr von zuviel staatlicher&#13;
Einflußnahme,&#13;
übermäßigen&#13;
Steuern, haushoher Inflation und hohen Zinssätzen belastet zu werden.&#13;
Das Recht auf eine Zukunft, in der&#13;
Sie und Ihre Kinder so weit gehen und&#13;
so hoch hinaufreichen können, wie Ihre jeweiligen Talente und Energien&#13;
Sie beflügeln werden - eine an Freiheit, Chancen und Wachstum reiche Zukunft - die Wirtschaft betreffende&#13;
Zusatzartikel&#13;
zur Verfassung.&#13;
Die&#13;
Einzelheiten werde ich in den nächsten Wochen ausführen.&#13;
Lassen Sie uns also weiter vorwärts gehen. Alle diese bedeutenden&#13;
Entwicklungen im Ausland, die ich bereits erwähnt habe, die neue Stärke&#13;
der demokratischen Verbündeten in der&#13;
Welt - eine Stärke, die Ihre und meine und die Zukunft unserer Kinder zu&#13;
einer sicheren und freien Zukunft machen wird. Diese Zukunft ist in Gefahr, solange wir hier zu Hause nicht&#13;
verantwortungsbewußt handeln.&#13;
Und dafür benötige ich Ihre Hilfe.&#13;
Lassen Sie uns in den vor uns&#13;
liegenden Wochen und Monaten gemeinsam daran arbeiten, Amerika wirtschaftlich stark zu erhalten, damit&#13;
es wie bisher siegreich für Frieden&#13;
und Freiheit in der Welt auftreten&#13;
kann.&#13;
&#13;
Daher bitte ich Sie heute abend&#13;
um Ihre Unterstützung.&#13;
Ich bitte um&#13;
Ihre Unterstützung, weil sich meiner&#13;
- 7 -&#13;
&#13;
* * * * * *&#13;
&#13;
�AMERIKA DIENST&#13;
&#13;
.*e° sr&#13;
&#13;
\GN&#13;
&#13;
Dokumentation&#13;
&#13;
4&#13;
&#13;
24. Juni 1987&#13;
&#13;
23&#13;
&#13;
ZIMMERMANN LOBT ERGEBNISSE DER NATO-KONFERENZ&#13;
- KSZE-Botschafter zur Sitzung des Nordatlantikrats WIEN - (AD) - Der amerikanische Botschafter bei der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) pries die Ergebnisse der Juni-Sitzung&#13;
der NATO in Island und erklärte "die Tagung hat entscheidend zu unserer Arbeit&#13;
in Wien beigetragen". Warren Zimmermann, Leiter der amerikanischen KSZE-Delegation, oetonte in einer Pressekonferenz am 16. Juni, daß die jüngste Sitzung&#13;
der NATO-Auuenminister des Nordatlantikrats (NAC) - die zweimal im Jahr zusammenkommen, um politische Richtlinien für die Organisation der 15 Mitglieder&#13;
auszuarbeiten - die Arbeit der KSZE in zwei bedeutenden Bereichen beeinflußt&#13;
habe. Laut Botschafter Zimmermann Detonte das Schlußkommunique des Nordatlantikrats insbesondere: - "ein stabiles Gefüge von Frieden und Sicherheit kann&#13;
nicht mit militärischen Mitteln allein geschaffen werden... wodurch dem KSZEProzeß außerordentliche Bedeutung zukommt".&#13;
N'achfolgena drucken wir die Pressekonferenz von Botschafter Zimmermann im&#13;
Wortlaut.&#13;
Ich möchte gleich zu Beginn einige Worte zu der Reykjavik-Sitzung sagen, da ich der Überzeugung bin, daß&#13;
diese Sitzung für unsere Arbeit in&#13;
Wien von besonderer Bedeutung war.&#13;
Diejenigen von Ihnen, die das Schlußdokument noch nicht gelesen haben,&#13;
möchte ich auffordern, dies zu tun.&#13;
Meiner Meinung nach enthält es zwei&#13;
Dedeutende Aspekte für den KSZE-Prozeß und das Treffen in Wien. Der erste Aspekt ist, daß es dem KSZE-Prozeß wirklich außerordentliche Bedeutung verleiht.&#13;
Das Dokument stellt&#13;
fest, daß ein stabiles Gefüge von&#13;
&#13;
United States Information Service&#13;
Embassy of the United States of America&#13;
&#13;
Frieden und Sicherheit nicht mit militärischen Mitteln allein geschaffen&#13;
werden kann. Und dies ist natürlich&#13;
die Feststellung, die wir hier in&#13;
Wien&#13;
stets besonders&#13;
unterstrichen&#13;
haoen.&#13;
Das Dokument weist weiterhin&#13;
darauf&#13;
hin, daß&#13;
die&#13;
vollständige&#13;
Durchführung&#13;
aller Verfügungen&#13;
des&#13;
Helsinki-Prozesses&#13;
erforderlich&#13;
ist&#13;
und bezieht sich hier im besonderen&#13;
auf die Menschenrechte und menschliche Kontakte, die - und ich möchte&#13;
hier ein Zitat anführen:&#13;
"...das&#13;
fundamentale&#13;
Ziel&#13;
des&#13;
Bündnisses&#13;
bleiben". Das Dokument fordert eben-&#13;
&#13;
Postfach 20 03 00&#13;
D 5300 Bonn 2&#13;
&#13;
Tel.: 0228-339 2035&#13;
Telex: 8-85432&#13;
&#13;
�falls ein substantielles und zeitgerechtes Ergebnis des Treffens von&#13;
Wien. Der zweite Aspekt, dem meiner&#13;
Meinung nach gleichrangige Bedeutung&#13;
zukommt, ist, daß das Dokument die&#13;
Übereinstimmung der NATO bei der Behandlung des komplexen Problems konventioneller&#13;
Waffen&#13;
widerspiegelt.&#13;
Es sind zwei Verhandlungsrunden auf&#13;
untergeordneter Ebene vorgesehen, mit&#13;
jeweils eigenem Mandat, und die im&#13;
Rahmen des KSZE-Prozesses stattfinden.&#13;
Die erste Verhandlungsrunde besteht aus einer Gruppe der 35 und bezieht die in Stockholm begonnene Arbeit&#13;
über&#13;
Vertrauens- und&#13;
Sicherheitsbildende&#13;
Maßnahmen&#13;
ein.&#13;
Die&#13;
zweite Verhandlungsrunde würde einen&#13;
StaDilitätsabbau&#13;
im&#13;
konventionellen&#13;
Bereich umfassen und aus der Gruppe&#13;
der 23 zusammengesetzt sein. Die 23&#13;
haben autonomen Status im Hinblick&#13;
auf die Themenkomplexe ihrer Verhandlungen, bezüglich der Teilnahme sowie&#13;
des Verhandlungsverfahrens. Die NATO&#13;
befaßt sich zur Zeit vordringlich mit&#13;
der Erarbeitung von Mandatsentwürfen,&#13;
die hier in Wien vorgelegt werden&#13;
können, und wir hoffen, daß dies so&#13;
bald wie möglich geschehen kann. Ich&#13;
bin jetzt gerne bereit, Ihre Fragen&#13;
&#13;
zu beantworten,&#13;
FRAGE:&#13;
Wie weit sind Sie genau&#13;
bei der Formulierung der westlichen&#13;
Vorschläge gekommen?&#13;
ANTWORT:&#13;
Diese Arbeit wird von&#13;
der aus hochrangigen Vertretern bestehenden Arbeitsgruppe bei der NATO&#13;
in Brüssel wahrgenommen, die sich mit&#13;
diesen Themen von Anfang an befaßt&#13;
hat.&#13;
Natürlich stützt sich die Arbeitsgruppe&#13;
auf Informationen, Empfehlungen und Eingaben, die hier von&#13;
'Wien aus zur Verfügung gestellt werden, aber die Hauptarbeit findet in&#13;
Brüssel statt.&#13;
FRAGE:&#13;
&#13;
Sie&#13;
&#13;
erwähnten,&#13;
&#13;
daß&#13;
&#13;
die&#13;
&#13;
23 Unterhändler im Hinblick auf die&#13;
Themenkomplexe, Teilnahme&#13;
und Verfahrensweisen autonomen Status haben&#13;
werden - worin besteht die Verbindung&#13;
zur KSZE?&#13;
Wie ist der Rahmen gesteckt?&#13;
ANTWORT:&#13;
Nun, ein Rahmen beinhaltet zweifelsohne die Anerkennung&#13;
seitens der NATO-Staaten, daß die Sicherheit aller 35 Teilnehmer im KSZEProzeß von Bedeutung ist. Ich möchte&#13;
zum Sinn des Wortes Rahmen nicht zu&#13;
sehr ins Detail gehen, da die Einzelheiten Bestandteil der beiden Mandate&#13;
sein werden, die gerade in Brüssel&#13;
erarbeitet werden.&#13;
ich kann jedoch&#13;
sagen, daß für die neutralen und&#13;
blockfreien Länder, also die Länder,&#13;
die&#13;
an&#13;
den&#13;
anderen&#13;
Verhandlungen&#13;
nicht teilnehmen, ausreichende Möglichkeiten zur Information über diese&#13;
Verhandlungen und Artikulierung ihrer&#13;
eigenen Ansichten gegeben sein wird.&#13;
Ein weiterer Aspekt des Arbeitsrahmens, der zusammenhänge, ist ein von&#13;
uns schon sehr lange vorgebrachtes&#13;
Argument, das auch von Außenminister&#13;
Schultz bei der letzten NATO-Sitzung&#13;
angeführt&#13;
wurde, die&#13;
im&#13;
Dezember&#13;
stattfand.&#13;
Das heißt, wir berücksichtigen, während das Mandat für die&#13;
Abrüstungsverhandlungen ausgearbeitet&#13;
wird auch die anderen Aspekte der Sicherheit mit größter Sorgfalt sowie&#13;
deren Einhaltung oder Nicht-Einhaltung seitens der Mitgliedsländer des&#13;
Warschauer Pakts. Dies wird bei der&#13;
Erarbeitung des Mandats über Reduzierungen ebenfalls eine Rolle spielen.&#13;
FRAGE:&#13;
Können Sie uns ein ungefähres Datum nennen, zu dem wir&#13;
konkrete Vorschläge in Brüssel erwarten können, und wie weit ist das Konferenzprogramm bereits in Verzug geraten?&#13;
ANTWORT:&#13;
Ich kann Ihnen nicht&#13;
genau sagen, wann die Vorschläge un-&#13;
&#13;
�terbreitet&#13;
werden;&#13;
sie werden in&#13;
Brüssel vordringlich behandelt.&#13;
Wir&#13;
hoffen, daß wir nicht sehr viel länger darauf warten müssen.&#13;
Bezüglich&#13;
Ihrer zweiten Frage, des allgemeinen&#13;
Zeitplans der Konferenz, würde ich&#13;
sagen, wenn wir den 31. Juli als Datum für die Fertigstellung annehmen,&#13;
dürfte es meiner Meinung nach schwierig sein, diesen Termin einzuhalten.&#13;
Andererseits habe ich nicht das Gefühl, daß wir mit unserer Arbeit tatsächlich so sehr im Verzug sind angesichts der enormen zahl von Vorschlägen, mit denen wir uns befassen müssen, nämlich nahezu doppelt so vielen&#13;
wie wir in Madrid zu bewältigen hatten. Ich finde also nicht, daß wir falls überhaupt - allzusehr im Rückstand sind.&#13;
Auf jeden Fall möchte&#13;
ich&#13;
die&#13;
von&#13;
Botschafter&#13;
Kaschlew&#13;
letzte Woche gemachte Andeutung zurückweisen, daß die NATO-Verbündeten&#13;
sich allzuviel zeit lassen. Das ist&#13;
absolut unrichtig.&#13;
FRAGE:&#13;
Besteht eventuell eine&#13;
Möglichkeit, daß die westlichen Vorschläge über Vertrauensbildende Maßnahmen zu einem früheren Zeitpunkt&#13;
vorgelegt werden als die über konventionelle Waffen?&#13;
ANTWORT:&#13;
Das&#13;
ist bisher noch&#13;
nicht besprochen worden, daher kann&#13;
ich Ihnen darauf keine Antwort geben.&#13;
FRAGE:&#13;
Wie sieht die NATO die&#13;
Konferenz über Vertrauens- und Sicherheitsoildende Maßnahmen und Abrüstung in Europa (KVAE)? Vielehe Themen werden behandelt?&#13;
Wo wird sie&#13;
stattfinden?&#13;
ANTWORT:&#13;
Ich nehme an, sie beziehen sich auf die Sitzung über Vertrauens- und sicherheitsbildende Maßnahmen der 35er-Gruppe.&#13;
Wir wissen&#13;
nicht, wo sie stattfinden wird; dies&#13;
muß noch entschieden werden. Natür-&#13;
&#13;
lich wird dies Thema der Verhandlungen in dieser Sitzung sein. Auch das&#13;
Thema bleibt noch zu entscheiden.&#13;
Der allgemeine Themenkomplex sollte&#13;
unserer Meinung nach jedoch die Vertrauens- und&#13;
Sicherheitsbildenden&#13;
Maßnahmen&#13;
behanaeln,&#13;
die&#13;
entweder&#13;
nicht umfassend in Stockholm diskutiert oder&#13;
in Stockholm&#13;
überhaupt&#13;
nicht vorgelegt wurden.&#13;
Wir haben&#13;
das Gefühl, daß die Arbeit in Stockholm nicht im voller. Umfang ausgeschöpft wurde, trotz der Tatsache,&#13;
daß in Stockholm ganz beträchtliche&#13;
Erfolge erzielt wurden.&#13;
In diesem&#13;
Bereich bleibt also noch einiges zu&#13;
tun und wir gehen von der Annahme&#13;
aus, daß die im Anschluß an die&#13;
Wiener Sitzung stattfindende Tagung&#13;
sich mit den Themen befassen wird,&#13;
die in Stockholm nicht abschließend&#13;
behandelt werden konnten.&#13;
FRAGE:&#13;
Glauben&#13;
Sie, daß&#13;
die&#13;
Meinungsverschiedenheiten&#13;
zwischen&#13;
Frankreich und der NATO nach Reyjavik&#13;
vollständig&#13;
ausgeräumt&#13;
sind?&#13;
Wenn&#13;
ja, warum?&#13;
ANTWORT:&#13;
Ja,&#13;
ich&#13;
bin&#13;
davon&#13;
überzeugt. Denn jetzt haben wir eine&#13;
NATO-Position.&#13;
Es bedurfte einiger&#13;
Zeit, sie zu erarbeiten; sie wurde&#13;
mit&#13;
größter&#13;
Sorgfalt&#13;
und&#13;
einigen&#13;
Schwierigkeiten ausgearbeitet.&#13;
Aber&#13;
wie gewöhnlich in solchen Situationen, in denen die NATO eine Position&#13;
bezieht, ist es eine Position, zu der&#13;
wir alle stehen. ich habe keinerlei&#13;
Zweifel, daß wir zu diesem Thema völlige Einigung erzielt haben und uns&#13;
weiterhin einig sein werden.&#13;
FRAGE:&#13;
Diese&#13;
Frage&#13;
bezieht&#13;
sich nur auf die Konferenz im allgemeinen. Ich habe gehört, daß die Sowjets und der warschauer Pakt in der&#13;
letzten Woche vorläufige Arbeitspapiere vorgelegt haben.&#13;
Könnten sie&#13;
dazu einige Ausführungen machen?&#13;
&#13;
- 3 -&#13;
&#13;
�ANTWORT:&#13;
Vorläufige&#13;
Arbeitspapiere sind informelle Papiere, die&#13;
auch in aen vorherigen KKSZE-Sitzungen aufgetaucht sind, normalerweise&#13;
zu einem sehr viel späteren Zeitpunkt&#13;
- dies war zum Beispiel in Madrid der&#13;
Fall. Vorläufige Arbeitspapiere sind&#13;
ein Instrumentarium zur informellen&#13;
Behandlung von Problemen.&#13;
Es gibt&#13;
natürlich noch viele andere Instrumentarien, um Probleme informell abzuhandeln, und wir haben diese gemeinsam&#13;
mit unsreren&#13;
Koordinatoren&#13;
aus den neutralen Ländern angewandt,&#13;
indem wir die Vorschläge auf gleiche&#13;
und unterschiedliche Elemente durchgesehen haben. unserer Meinung nach&#13;
hat sich dieses Vorgehen in der Vergangenheit&#13;
als produktiv erwiesen.&#13;
Und vor allem darauf konzentrieren&#13;
wir uns auch jetzt.&#13;
Vorläufige Arbeitspapiere könnten&#13;
eine Alternative hierzu darstellen.&#13;
Sie sind nicht das Manna vom Himmel,&#13;
wie sie von einigen Vertretern des&#13;
Ostblocks&#13;
bezeichnet&#13;
wurden.&#13;
sie&#13;
stellen vielmehr ein Instrumentarium&#13;
unter vielen dar, wie man sich auf&#13;
informelle Weise mit dem Problem befassen könnte. Ich erwarte, daß wir&#13;
zur gegebenen zeit selbst solche vorläufigen Arbeitspapiere haben werden.&#13;
Aber ich möchte sie davor warnen, der&#13;
Vermutung zu erliegen, daß das eine&#13;
oder andere Instrumentarium zwangsläufig alle Unklarheiten bei der Konferenz beseitigt&#13;
und ein Ergebnis&#13;
hervorbringt.&#13;
Dazu ist politischer&#13;
Wille und der Wunsch zur Lösung politischer Differenzen notwendig.&#13;
Dieser Wille ist nicht so offen zutage&#13;
getreten wie ich das gehofft hätte.&#13;
FRAGE:&#13;
Wird&#13;
die&#13;
Übereinkunft&#13;
von&#13;
Reykjavik&#13;
die&#13;
hiesigen&#13;
Fortschritte beschleunigen?&#13;
ANTWORT:&#13;
&#13;
Das denke ich doch.&#13;
&#13;
FRAGE:&#13;
Befürwortet&#13;
die&#13;
NATO,&#13;
daß beide Verhandlungen in derselben&#13;
Stadt angehalten werden?&#13;
ANTWORT:&#13;
Das ist die Frage und ein wichtiges Problem - aber es&#13;
handelt sich hier um eine Detailfrage, auf die beim Treffen zu einem&#13;
späteren Zeitpunkt eingegangen werden&#13;
wird. Ich kann dazu an diesem Punkt&#13;
nichts sagen.&#13;
FRAGE:&#13;
Überwiegt der Eindruck,&#13;
daß Vorschläge&#13;
nur langsam eingebracht wurden?&#13;
Wird sich das beschleunigen?&#13;
ANTWORT:&#13;
Ich habe die Ansicht,&#13;
daß nur sehr langsame Fortschritte&#13;
erzielt werden, nie geteilt. Es gibt&#13;
immer Zeitspannen bei KSZE-Treffen,&#13;
bei denen kein Fortschritt sichtbar&#13;
wird. Aber das trifft häufig zu, und&#13;
hier ist es der Fall, weil schwierige&#13;
und harte Arbeit am Text der Vorschläge geleistet wird. Ich haDe bereits darauf hingeweisen, daß dies&#13;
bei diesem Treffen komplizierter ist&#13;
als bei vorherigen Treffen, weil es&#13;
so viele Vorschläge gibt. Ich glaube&#13;
nicht, daß wir hier zeit verschwendet&#13;
haben, und ich trete den Anschuldigungen entgegen, die wir wiederholt&#13;
von Seiten des Ostblocks vernehmen&#13;
und die besagen, daß künstliche Erfolge&#13;
als Verzögerungstaktik&#13;
angewandt werden.&#13;
Ich glaube, daß es&#13;
sich hier nur um Bestrebungen handelt, die westliche Position als böse&#13;
Absicht hinzustellen, was sie ganz&#13;
sicher nicht ist. Das NATO-Kommunique zeigt eindeutig, daß wir das&#13;
Wiener Treffen erfolgreich und in angemessener zeit beenden wollten und&#13;
dies auch immer noch wünschen.&#13;
FRAGE:&#13;
Könnten Sie sich etwas&#13;
näher zu den Verfahrensweisen äußern?&#13;
Der Ostblock erwartet vom Westen ei-&#13;
&#13;
- 4 -&#13;
&#13;
�nen Vorschlag zum Bereich der militärischen Sicherheit. Kommt man hier&#13;
voran?&#13;
ANTWORT:&#13;
Es stimmt&#13;
natürlich,&#13;
was Botschafter Turovski (der österreichische Chefdelegierte) sagte, daß&#13;
das&#13;
Fehlen&#13;
eines&#13;
westlichen&#13;
Vorschlags zum Bereich der militärischen&#13;
Sicherheit Fortschritte in eben diesem Bereich schwierig gemacht hat.&#13;
Wir haben jedoch in diesem Bereich&#13;
einiges erreicht. Wir haben die Anwendung der sicherheitsoildenden Maßnahmen von Stockholm überprüft. Aber&#13;
wir hatten keinen eigenen Vorschlag.&#13;
Die Situation wird sich jedoch sehr&#13;
bald ändern, und wir werden in diesem&#13;
Bereich in der Lage sein, uns auf der&#13;
Basis eines westlichen und eines östlichen&#13;
Vorschlags&#13;
zu&#13;
engagieren.&#13;
Aber das ist nur die eine Hälfte des&#13;
Korbes bei diesem Treffen.&#13;
Es gibt&#13;
noch einen anderen Teil von Korb I,&#13;
der Grundsätzliches betrifft, es gibt&#13;
Korb II für wirtschaftliche Fragen,&#13;
und es gibt Korb III.&#13;
Es Desteht&#13;
überhaupt kein Grund, warum sich in&#13;
all diesen Bereichen keine Bewegung&#13;
zeigen sollte. Ich glaube, daß angesichts der Schwierigkeiten, über die&#13;
ich hier gesprochen habe, in all diesen Körben nützliche Arbeit geleistet&#13;
worden ist. und es bewies zweifelsohne eine starke westliche Haltung,&#13;
daß mit der Arbeit begonnen wurde,&#13;
als damit begonnen werden sollte, daß&#13;
diese fortgesetzt werden soll und daß&#13;
sie nicht an Probleme im Bereich der&#13;
militärischen&#13;
Sicherheit&#13;
geknüpft&#13;
werden sollte, die sich auf dem Weg&#13;
zu ihrer Lösung befinden.&#13;
&#13;
Mandat für die Gruppe zu Korb I, den&#13;
Vertrauens- und&#13;
Sicherheitsbildenden&#13;
Maßnahmen, darstellen, und das wird&#13;
in Brüssel erfolgen.&#13;
FRAGE:&#13;
Was denken Sie über die&#13;
gerade von Ihnen erwähnte Tatsache,&#13;
daß die Sowjetunion und die Länder&#13;
des Warschauer Paktes ihre Arbeit zu&#13;
den Körben I und II verlangsamen und&#13;
auf Vorschläge im militärischen Bereich warten?&#13;
ANTWORT:&#13;
Ich kann nicht sagen,&#13;
daß sie ihre Arbeit verlangsamen.&#13;
Was ich zu ihrer Tätigkeit&#13;
sagen&#13;
kann, ist, daß sie mit ihren vorläufigen Arbeitspapieren ihrerseits den&#13;
Anschein von Aktivität zu geben suchen, um den Westen zu beschuldigen,&#13;
daß er seine Arbeit verlangsamt. und&#13;
wie ich bereits sagte, weise ich diese Einschätzung voll und ganz zurück.&#13;
Der Westen arbeitet hart in allen&#13;
Körben und wird das auch weiterhin&#13;
tun.&#13;
Vielen Dank&#13;
keit.&#13;
&#13;
FRAGE:&#13;
Wird&#13;
dieser&#13;
Vorschlag&#13;
zur&#13;
militärischen&#13;
Sicherheit&#13;
hier&#13;
oder in Brüssel ausgearbeitet werden?&#13;
ANTWORT:&#13;
In&#13;
Brüssel.&#13;
Diese&#13;
Vorschläge werden Vorschläge für ein&#13;
Mandat an die Gruppe der 23 und ein&#13;
- 5 -&#13;
&#13;
für&#13;
&#13;
Ihre Aufmerksam-&#13;
&#13;
�AMERIKA DIENST&#13;
'VON&#13;
&#13;
*&#13;
&#13;
Wissenschaft und Technik&#13;
24. Juni 1987&#13;
&#13;
23&#13;
&#13;
SUPRALEITFÄHIGKEIT - DIE ANWENDUNG RÜCKT NÄHER&#13;
Neue Materialien mit günstig hohen Sprungtemperaturen -&#13;
&#13;
- (AD) - Noch bis vor etwa einem&#13;
Jahr&#13;
galt&#13;
Supraleitfähigkeit&#13;
zwar&#13;
nicht mehr als Kuriosum, aber als&#13;
viel zu teuer für eine breite technische Anwendung.&#13;
Denn die Temperaturen der verwendeten Metalle, bei&#13;
denen sie ihren elektrischen Widerstand verloren und Strom ohne jeden&#13;
Energieverlust leiteten ("Sprungtemperaturen"), lagen in der Nähe des&#13;
absoluten Nullpunktes.&#13;
Dieser entspricht minus 273 Grad Celsius bzw.&#13;
Null Grad Kelvin.&#13;
Eine Kühlung auf&#13;
so tiefe Temperaturen ist nur mit&#13;
flüssigem Helium möglich, das bei 4,2&#13;
&#13;
United States Information Service&#13;
Embassy of the United States of America&#13;
&#13;
Grad Kelvin (minus 269 Grad Celsius)&#13;
vom gasförmigen in den flüssigen zustand&#13;
übergeht.&#13;
Dieser&#13;
Kühlprozeß&#13;
ist ungemein kostspielig.&#13;
Seit 1911, dem Jahr der Entdekkung des Phänomens der Supraleitfähigkeit an Quecksilber durch den holländischen Physiker Heike Kammerlingh&#13;
Onnes,&#13;
waren&#13;
die&#13;
erforderlichen&#13;
"Weltraumtemperaturen"&#13;
die&#13;
größte&#13;
Hürde.&#13;
Einen gewissen&#13;
Fortschritt&#13;
gab es in den fünfziger Jahren durch&#13;
die Entwicklung einer Legierung aus&#13;
Niob und Titan, die nicht nur eine um&#13;
&#13;
Postfach 20 03 00&#13;
D 5300 Bonn 2&#13;
&#13;
Tel.: 0228-339 2035&#13;
Telex: 8-85432&#13;
&#13;
�ein paar Grad höhere Sprungtemperatur&#13;
aufwies, sondern auch, im Gegensatz&#13;
zu den bis dahin getesteten Metallen,&#13;
in Anwesenheit starker Magnetfelder&#13;
ihre Supraleitfähigkeit nicht verlor.&#13;
So war wenigstens ein Weg zur Entwicklung großer superleitender Magnete gefunden.&#13;
Diese sind seit Ende&#13;
der sechziger Jahre in Gebrauch - zu&#13;
Beginn fast nur in Speziallaboratorien der physikalischen Forschung,&#13;
neuerdings auch bei technischen Versuchsanlagen&#13;
und bei medizinischen&#13;
Großgeräten&#13;
wie&#13;
dem&#13;
Kernspintomographen. Anfang der siebziger Jahre&#13;
fand man eine Niob-Legierung, die&#13;
schon bei minus 251 Grad Celsius (23&#13;
Grad&#13;
Kelvin)&#13;
superleitend&#13;
wurde.&#13;
Aber damit kam man an die Verflüssigungstemperatur von Stickstoff (minus&#13;
194 Grad Celsius), dessen Verwenaung&#13;
die supraleittechnik ganz zerheblich&#13;
hätte verbilligen können, noch lange&#13;
nicht heran.&#13;
Die Einstellung&#13;
der&#13;
Ingenieure&#13;
und der technischen Fachwelt zu dem&#13;
gesamten Gebiet&#13;
änderte sich aber&#13;
grundlegend&#13;
im&#13;
letzten&#13;
Jahr.&#13;
K.&#13;
Müller und Mitarbeiter bei IBM in&#13;
Zürich hatten 1983 mit Metalloxyden&#13;
zu experimentieren begonnen und entdeckten unter Hunderten eine Probe,&#13;
die schon bei 35 Grad Kelvin (minus&#13;
238 Grad Celsius) superleitfähig wurde. Es handelte sich um eine Verbindung von Barium, Lanthan, Kupfer und&#13;
Sauerstoff.&#13;
Im April 1986 erschien&#13;
der Bericht der Forscher in der deutschen wissenschaftlichen Zeitschrift&#13;
"Zeitschrift für Physik". Nun begann&#13;
in den großen Laboratorien der Welt&#13;
ein regelrechter Wettlauf, um Materialien mit immer höheren Sprungtemperaturen nicht nur zu finden, sondern sogar&#13;
zu "konstruieren", die&#13;
elektrischen Strom, d.h. den Strom&#13;
von Elektronen, ohne Wärmeentwicklung&#13;
und damit ohne Energieverlust bei&#13;
möglichst hohen Temperaturen trans- 2&#13;
&#13;
portieren.&#13;
"Hohe Temperatur" ist angesichts&#13;
der tatsächlichen Kältegrade allerdings ein relativer Begriff.&#13;
immerhin ist in der jüngsten Meldung, die&#13;
von&#13;
der&#13;
Wayne&#13;
State&#13;
University&#13;
(Detroit, Michigan) kommt, bereits&#13;
von 240 Grad Kelvin die Rede.&#13;
Das&#13;
entspricht minus 33 Grad Celsius, was&#13;
in bezug auf das Kühlverfahren für&#13;
das Material weder in technischer&#13;
noch in finanzieller Hinsicht Probleme bedeutete.&#13;
Aber es geht ja auch um den Nutzeffekt des Stromtransports in Supraleitern.&#13;
Und dabei scheinen sich&#13;
ebenfalls&#13;
Fortschritte&#13;
anzubahnen.&#13;
So wurde kürzlich bei IBM (International Business Machines) in den USA&#13;
demonstriert, daß Dünnfilme aus einem&#13;
der neuen Materialien in der Lage&#13;
sind, hundertmal mehr Strom zu leiten&#13;
als früher gemessen wurde. Damit ist&#13;
eine wichtige technische Barriere für&#13;
die künftige Anwendung in der Elektronik-Industrie&#13;
aus dem Wege geräumt. Auf der jüngsten Jahrestagung&#13;
der Amerikanischen Physikalischen Gesellschaft in New York war u.a. zu&#13;
hören, daß das Ziel, Supraleiter zu&#13;
finden, die Elektrizität verlustfrei&#13;
bei praktisch jeder Temperatur transportieren, vielleicht schon sehr bald&#13;
realisiert werden könnte.&#13;
Dann wären die Anwendungsmöglichkeiten fast grenzenlos. Manches wird&#13;
bereits anvisiert: Die Pläne reichen&#13;
von kleineren, schnelleren Computern&#13;
bis zur Speicherung von Elektrizität&#13;
in riesigen Magnet-Zellen, von leistungsfähigen Elektromotoren, die nur&#13;
ein zehntel so groß sind wie die von&#13;
heute, bis zu magnetischen Schwebebahnen&#13;
und&#13;
selbst&#13;
zu Autos, die&#13;
schweben und ohne Reifen fahren.&#13;
Das&#13;
&#13;
Argonne&#13;
&#13;
National&#13;
&#13;
Laboratory,&#13;
&#13;
�ein großes Kernforschungszentrum in&#13;
der Nähe von Chicago, meldete kürzlich eine Verbesserung der Stromleitfähigkeit eines neuen superleitenden&#13;
Drahtmaterials um das Dreißigfache.&#13;
Entwicklung und Ausbau der Technik,&#13;
aus spröden superleitfähigen Keramikmassen elektrische Drähte zu formen,&#13;
verspricht zu ganz wichtigen technologischen Durchbrüchen zu führen, die&#13;
vielleicht&#13;
auch&#13;
den&#13;
verlustfreien&#13;
Stromtransport&#13;
in&#13;
Überlandleitungen&#13;
ermöglichen.&#13;
Technische&#13;
Daten für&#13;
die&#13;
jüngsten&#13;
Argonne-Versuche:&#13;
Stromstärke 191 Ampere pro Quadratzentimeter gegenüber sechs Ampere/qcm&#13;
bei der vorangegangenen Serie von Experimenten.&#13;
Der&#13;
Draht&#13;
hat&#13;
einen&#13;
Durchmesser von 0,18 mm und wird mit&#13;
flüssigem Stickstoff gekühlt.&#13;
Zwar&#13;
sei es noch ein weiter Weg bis zu&#13;
einer&#13;
sinnvollen Anwendung, meinte&#13;
Roger Poeppel von Argonne, aber die&#13;
bisherigen Ergebnisse zeigten deutlich, daß das&#13;
Material&#13;
zu einem&#13;
brauchbaren Draht verarbeitet werden&#13;
könne.&#13;
Möglicherweise&#13;
ließen sich&#13;
superleitende Kabel eines Tages auch&#13;
in Fusionsreaktoren einsetzen. Auch&#13;
dürften&#13;
sie die Entwicklung einer&#13;
neuen Generation&#13;
von medizinischen&#13;
Kernspintomographen begünstigen.&#13;
Viele Forscher sind zwar überzeugt, daß erste praktische Anwendungen der Supraleitfähigkeit, etwa in&#13;
der Elektronik für Stromkreise und&#13;
Verbindungen&#13;
zwischen Computer&#13;
und&#13;
Chip, schon in einem Jahr auf dem&#13;
Markt sein werden. Bis zu einer Anwendung in der Großtechnik aber, beispielsweise&#13;
bei&#13;
Überlandleitungen,&#13;
wird sehr viel mehr zeit vergehen.&#13;
Laut Praveen Chaudhari, einem der&#13;
Forschungsdirektoren von IBM, stehen&#13;
die technischen Probleme, aus sprödem&#13;
superleitendem Keramikmaterial Werkstoffe zu produzieren, die geschmeidige elektrische Drähte und Bauteile&#13;
&#13;
ersetzen, ein wesentliches Hindernis&#13;
für die kommerzielle Anwendung dar.&#13;
So dürfte es mindestens fünf Jahre,&#13;
vielleicht auch erheblich länger dauern, bis Keramik-Draht zur Verfügung&#13;
steht, der in superleitenden Magneten&#13;
zu verwenden wäre.&#13;
Zu Forschungszwecken bemüht man&#13;
sich bei IBM um die Herstellung von&#13;
Einkristallen aus dem neuen Material,&#13;
um dessen physikalische Eigenschaften&#13;
besser&#13;
studieren&#13;
zu können.&#13;
Beispielsweise ist die Festigkeit noch&#13;
ein Problem.&#13;
Mit wachsender stärke&#13;
der Magnetkraft nehmen nämlich auch&#13;
die Kräfte zu, die dem zusammenhält&#13;
des Magneten entgegenwirken. Deshalb&#13;
muß das superleitende Kabel sowohl&#13;
biegsam genug sein, um eine Spule damit zu wickeln, als auch fest genug,&#13;
um den Drücken sehr starker magnetischer Felder standzuhalten.&#13;
Die vom US-Kongreß ins Leben gerufene&#13;
Studienkonferenz&#13;
für Umwelt&#13;
und Energie, die die Öffentlichkeit&#13;
über einschlägige Fragen informiert,&#13;
spricht bereits davon, daß superleitende Elektromagnete&#13;
zum Bau sehr&#13;
kleiner, hochleistungsfähiger und weniger kostspieliger Elektromotren für&#13;
Autos und Schiffe führen könnten.&#13;
Die verbreitete Einführung von Elektrofahrzeugen&#13;
würde&#13;
riesige&#13;
neue&#13;
Märkte eröffnen und angesichts der&#13;
Tatsache, daß der Verkehrssektor in&#13;
den USA der größte Ölverbraucher ist,&#13;
die Abhängigkeit vom Öl wesentlich&#13;
verringern.&#13;
Als eine Reaktion auf die wachsende&#13;
internationale Konkurrenz&#13;
in&#13;
der&#13;
Entwicklung&#13;
von&#13;
Supraleitern&#13;
brachten Abgeordnete beider Parteien&#13;
im Repräsentantenhaus und Senat einen&#13;
Gesetzesentwurf über die Einsetzung&#13;
einer&#13;
Nationalen&#13;
Kommission&#13;
für&#13;
Supraleiter ein. Die Kommission, der&#13;
führende Persönlichkeiten aus Regie-&#13;
&#13;
- 3 -&#13;
&#13;
�rung, Industrie und von Universitäten&#13;
angehören würden, soll Wege zur beschleunigten Entwicklung von Supraleitern empfehlen. Außerdem soll sie&#13;
sich mit Möglichkeiten befassen, Privatfirmen wenigstens teilweise von&#13;
den Verpflichtungen der Antitrust-Gesetze zu entbinden, damit Forschung&#13;
und&#13;
Produktentwicklung&#13;
koordiniert&#13;
werden können. Die Nationale Akademie der Wissenschaften wurde vom USKongreß inzwischen gebeten, zu dem&#13;
Vorschlag Stellung zu nehmen, die&#13;
Verwendung von Forschungsgeldern des&#13;
Bundes in Höhe von 100 Millionen Dollar von einer einzigen Regierungsbehörde koordinieren anstatt, wie bisher, von mehreren Ministerien getrennt verwalten zu lassen.&#13;
&#13;
* * * * * *&#13;
&#13;
- 4&#13;
&#13;
�</text>
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                    <text>1 DOKUMENTATION&#13;
- Gute amerikanisch-deutsche Beziehungen bekräftigt&#13;
- Ansprache Präsident Reagans auf dem Köln-Bonner Flughafen &#13;
- zunehmender Konsens über geringere staatliche Eingriffe&#13;
- Präsident Reagans Rede zum Abschluß des Gipfeltreffens in Venedig&#13;
- Zimmermann lobt Ergebnisse der NATO-Konferenz&#13;
- KSZE-Botschafter zur Sitzung des Nordatlantikrats &#13;
&#13;
2 WISSENSCHAFT UND TECHNIK&#13;
- Supraleitfähigkeit - die Anwendung rückt näher&#13;
- Neue Materialien mit günstig hohen Sprungtemperaturen</text>
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                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Gute amerikanisch-deutsche Beziehungen bekräftigt&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Ansprache Präsident Reagans auf dem Köln-Bonner Flughafen -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Zunehmender Konsens über geringere staatliche Eingriffe&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Präsident Reagans Rede zum Abschluss des Gipfeltreffens in Venedig -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Zimmermann lobt Ergebnisse der NATO-Konferenz&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- KSZE-Botschaft zur Sitzung des Nordatlantikrats -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Supraleitfähigkeit - die Anwendung rückt näher&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Neue Materialien mit günstig hohen Sprungtemperaturen -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;</text>
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VION

AMERIKA DIENST
4

Sonderdienst

15. Juni 1987

BERLINER MAUER NIEDERREISSEN FÜR DIE SACHE DES FRIEDENS
- Ansprache Präsident Reagans vor dem Brandenburger Tor -

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�BERLIN - (AD) - In seiner am 12. Juni 1987 vor dem Brandenburger Tor in
Berlin gehaltenen Rede forderte Präsident Reagan den sowjetischen Generalsekretär Gorbatschow auf, dieses Tor zu öffnen und die Mauer niederzureißen.
Er erklärte: "Nur' Freiheit führt zu Wohlstand. Freiheit ersetzt den Völkerhaß durch Einvernehmen und Frieden".
Reagan schlug darüber hinaus vor, Berlin wieder zu einem Zentrum der Luftfahrt zu machen, in der Stadt verstärkt internationale Konferenzen abzuhalten
und beide Teile der Stadt als Veranstaltungsort für eine Olympiade in Betracht
zu ziehen.
Die Rede des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:

Herr Bundeskanzler Kohl, Herr Regierender Bürgermeister Diepgen, meine Damen und Herren.
Vor 24 Jahren hat Präsident John
F. Kennedy Berlin besucht und vor dem
Rathaus zu den Menschen dieser Stadt
und
der
ganzen
Welt
gesprochen.
Seitdem sind zwei Präsidenten in ihrer jeweiligen Amtszeit nach Berlin
gekommen. ich selbst unternehme heute meinen zweiten Besuch in diese
Stadt.
Wir

amerikanischen

Präsidenten

kommen nach Berlin, weil wir gerade
an diesem Ort von der Freiheit sprechen sollten. Aber ich muß gestehen,
daß es noch andere Dinge sind, die
uns hierhergeführt haben: das Gefühl
für Geschichte in dieser Stadt, die
mehr als 500 Jahre älter ist als unsere eigene Nation.
Die Schönheit
des Grunewalds und des Tiergartens.
Am meisten aber Ihr Mut und Ihre Entschlossenheit .
Vielleicht hat der Komponist Paul
Lincke die amerikanischen Präsidenten
richtig eingeschätzt.
Wissen Sie,

�ich komme heute hierher wie so viele
Präsidenten vor mir, weil, wo ich
auch hingehe und was ich auch tue:
"ich hab' noch einen Koffer in Berlin"
Unsere heutige Veranstaltung wird
in ganz Westeuropa und Nordamerika
ausgestrahlt.
ich denke, daß sie
auch im Ostblock zu hören und zu sehen sein wird.
ich möchte auch den Zuhörern in
Osteuropa
meine herzlichsten
Grüße
und die besten Wünsche des amerikanischen Volkes aussprechen. Denen,
die in Ost-Berlin zuhören, gebühren
einige besondere Worte.
Obwohl ich
nicht bei ihnen sein kann, richte ich
meine
Ansprache
selbstverständlich
ebenso an Sie wie an meine unmittelbaren Zuhörer. Ich stehe genauso zu
Ihnen wie zu ihren Landsleuten im Westen in dem festen, unerschütterlichen Glauben:
Es gibt nur ein
Berlin.
Hinter mir steht eine Mauer, die
die freien Sektoren dieser Stadt umschließt,
ein
Teil
der
massiven
Schranken, die den gesamten Kontinent
Europa spalten.
Südlich der Ostsee
schneiden
diese
Schranken
durch
Deutschland hindurch einen Riß aus
Stacheldraht, Beton, Hundelaufanlagen
und Wachtürmen. Weiter im Süden mag
es keine sichtbare, augenfällige Mauer geben.
Aber es bleiben trotzdem
noch die bewaffneten Wachposten und
Kontrolltürme - immer noch eine Einschränkung der Freizügigkeit, immer
noch ein Instrument, Menschen den
Willen eines totalitären Staates aufzuzwingen.
Es ist jedoch gerade in Berlin,
wo die Mauer am sichtbarsten aufragt;
sie spaltet die Stadt genau an der
Stelle, wo Zeitungsphotos und Fernsehschirme
diese
brutale
Teilung
eines Kontinents für das Bewußtsein

der Welt festhalten. Jeder Deutsche,
der vor dem Brandenburger Tor steht,
ist ein Mensch, der von seinen Landsleuten getrennt ist.
Jeder dieser
Menschen ist ein Berliner, der gezwungen ist, diese sichtbare Wunde zu
ertragen.
Präsident von Weizsäcker hat einmal gesagt:
Die deutsche Frage ist
so lange offen, wie das Brandenburger
Tor zu ist. Heute sage ich: solange
das Tor zu ist, solange wird diese
Mauer als Wunde forbestehen; es ist
nicht die deutsche Frage allein, die
offen bleibt, sondern die Frage der
Freiheit für die gesamte Menschheit.
ich komme jedoch nicht hierher,
um zu klagen.
Denn ich erkenne in
Berlin ein Signal der Hoffnung - im
Schatten dieser Mauer sogar ein Signal des Triumphes.
im Frühjahr 1945, als die Berliner aus ihren Luftschutzbunkern heraustraten, fanden sie Verwüstung vor.
Tausende von Kilometern entfernt bot
das Volk der Vereinigten Staaten seine Hilfe an; und im Jahr 1947 verkündete
Außenminister
George
Marshall
die
Schaffung
dessen,
was
als
Marshall-Plan bekannt werden sollte.
In diesem Monat vor genau vierzig
Jahren erklärte er: "Unsere Politik
richtet sich nicht gegen irgendein
Land oder irgendeine Doktrin, sondern
gegen Hunger, Armut, Verzweiflung und
Chaos".
Gerade sah ich im Reichstag eine
Tafel, die an diesen 40. Jahrestag
des
Marshall-Plans erinnerte.
Ich
war beeindruckt von diesem Schild auf
einem alten, verfallenen Gebäudeteil,
der
gerade
wiederaufgebaut
wurde.
Ich weiß, daß Berliner meiner Generation sich daran erinnern können, solche Schilder im gesamten Westsektor
der Stadt gesehen zu haben.
Auf dem

- 2 -

�Schild
steht
ganz
einfach:
hilft der Marshall-Plan.
Zur
kung der freien Welt".

"Hier
Stär-

Eine starke und freie Welt - im
Westen ist dieser Traum Wirklichkeit
geworden.
Japan erhob sich aus den
Trümmern zu einer gigantischen Wirtschaftsmacht.
Frankreich,
Italien,
Belgien - nahezu jede Nation Westeuropas erlebte eine politische und
wirtschaftliche
Wiedergeburt.
Die
Europäische
Gemeinschaft wurde gegründet.
Im Westen Deutschlands und hier
in Berlin wurden Wunder vollbracht,
das "Wirtschaftswunder" fand statt.
Adenauer, Erhard, Reuter und andere
Politiker wußten um die praktische
Bedeutung der Freiheit - daß nur,
wenn
dem Journalisten
Redefreiheit
eingeräumt wird, die Wahrheit gedeihen kann, nur wenn Landwirte und Geschäftsleute wirtschaftliche Freiheit
genießen, kann Wohlstand entstehen.
Die deutschen Politiker setzten die
Zölle herab, entwickelten den freien
Handel und senkten die Steuern. Allein in den Jahren 1950 bis 1960 verdoppelte sich der Lebensstandard in
der
Bundesrepublik
Deutschland
und
Berlin.

Aus der Zerstörung - aus bloßen
Ruinen - haben Sie, die Berliner, in
Freiheit eine Stadt wiederaufgebaut,
die wiederum als eine der großartigsten der Erde einzuordnen ist.
Die
Sowjets mögen andere Pläne gehabt haben. Aber meine Freunde, es gab einige Dinge, die die Sowjets nicht berücksichtigten: Berliner Herz, Berliner Humor und Berliner Schnauze.
In den fünfziger Jahren prophezeite
Chruschtschow:
"Wir
werden
Euch begraben". Aber heute erblicken
wir im Westen eine freie Welt, die
ein Niveau an Wohlstand und Wohlergehen erlangt hat, die in der Geschichte ihresgleichen suchen.
Die kommunistische Welt leidet unter Fehlschlägen,
technologischer
Rückständigkeit, einer Verschlechterung des
allgemeinen
Gesundheitszustandes.
Sogar eines der wichtigsten Grundbedürfnisse wird nicht befriedigt - Lebensmittel. Noch heute kann sich die
Sowjetunion nicht selbst ernähren.
Nach vier Jahrzehnten ist nun für
die
gesamte
Welt
klar:
Freiheit
führt zu Wohlstand. Freiheit ersetzt
den Völkerhaß durch Einvernehmen und
Frieden.
Freiheit siegt.

Wo vor vier Jahrzehnten nur Trümmer lagen, haben jetzt die Westsektoren Berlins die umfangreichste industrielle Produktion aller Städte in
Deutschland; Bürotürme, schöne Wohnanlagen
und
Siedlungen;
prächtige
Straßen und ausgedehnten Parks.
Wo
die Kultur einer Stadt zerstört zu
sein schien, gibt es heute zwei große
Universitäten,
Orchester
und
eine
Oper, zahllose Theater und Museen.
Wo einst Bedarf bestand, herrscht
heute Fülle - Lebensmittel, Kleider,
Autos, die wunderbare Warenwelt des
Ku'dämm.

Jetzt wird den Sowjets auch allmählich die Bedeutung der Freiheit
klar. Aus Moskau ist viel von einer
neuen Politik der Reform und Offenheit zu vernehmen. Einige politische
Gefangene sind freigelassen worden.
Bestimmte
ausländische
Nachrichtensendungen werden nicht länger gestört. Manche Wirtschaftsunternehmen
können jetzt freier von staatlicher
Kontrolle operieren.
Sind dies die Anfänge tiefgreifender Veränderungen im Sowjetstaat?
Oder sind es Scheingesten, die im

- 3 -

�Westen falsche Hoffnungen wecken oder
das sowjetische System festigen sollen, ohne es zu verändern? Wir sind
der Ansicht, daß Freiheit und Sicherheit zusammengehen - daß das Vorrükken der Menschenrechte die Sache des
Friedens nur vorantreiben kann. Die
Sowjets würden damit ein unmißverständliches Zeichen setzen, das die
Sache von Freiheit und Frieden dramatisch vorantreiben würde.
Generalsekretär Gorbatschow, wenn
Sie nach Frieden streben - wenn Sie
Wohlstand für die Sowjetunion und für
Osteuropa wünschen - wenn Sie die Liberalisierung wollen, dann kommen Sie
hierher zu diesem Tor.
Herr Gorbatschow, öffnen Sie dieses Tor.
Herr Gorbatschow, reißen Sie diese Mauer nieder.
Ich weiß um die Angst vor einem
Krieg und das Leid der Teilung, die
diesen Kontinent heimsuchen - und ich
verbürge mich für die Bemühungen meines Landes zur Überwindung dieser
Bürde.
Freilich bleibt es weiterhin
notwendig, uns der sowjetischen Expansion zu widersetzen.
Das heißt,
wir im Westen müssen eine starke Verteidigung aufrechterhalten.
Dennoch
streben wir nach Frieden.
Deshalb
werden wir darum ringen, die Waffen
auf beiden Seiten zu reduzieren.
Vor zehn Jahren begannen die Sowjets, das westliche Bündnis mit einer neuerlichen schwerwiegenden Bedrohung
herauszufordern:
zahllose
neue und gefährliche Nuklearraketen
des Typs SS-20, die in der Lage sind,
jede Hauptstadt in Europa zu treffen.
Das westliche Bündnis reagierte, indem es sich für eine Gegenstationierung einsetzte, bis daß die Sowjets
Verhandlungen über eine bessere Lö-

sung zustimmten - besonders der Abschaffung solcher Waffen auf beiden
Seiten. Viele Monate lang haben sich
die Sowjets geweigert, ernsthaft zu
verhandeln.
Als das Bündnis sich
darauf vorbereitete, seine Gegenstationierung
fortzuführen,
gab
es
schwierige Augenblicke - Augenblicke
heftiger Proteste wie die anläßlich
meines Besuches in dieser Stadt im
Jahr 1982 - und später zogen sich die
Sowjets vom Verhandlungstisch zurück.
Aber das Bündnis stand fest zusammen.
Und ich fordere diejenigen,
die damals protestierten - und die
heutigen Demonstranten - auf, sich
diese Tatsache zu merken:
Weil wir
stark blieben, sind die Sowjets an
den Verhandlungstisch zurückgekehrt.
Weil wir stark geblieben sind, besteht heute die Möglichkeit, nicht
nur die Zunahme der Waffen einzuschränken, sondern zum ersten Mal
eine gesamte Klasse nuklearer Waffen
von der Erdoberfläche zu beseitigen.
Gerade treffen sich die NATO-Minister in Island, um die jüngsten
Fortschritte zu überprüfen, die unsere Vorschläge hervorgebracht haben.
Ferner haben wir bei den Verhandlungen in Genf einschneidende Reduzierungen
strategische
Offensivwaffen
vorgeschlagen.
Und die westlichen
Verbündeten
haben
ihrerseits weitreichende Vorschläge zum Abbau der
Gefahr eines konventionellen Krieges
und vollständigen Abschaffung aller
chemischen Waffen unterbreitet.
Als
Teil
dieser
Anstrengungen
verbürge ich mich für die Aufrechterhaltung unserer
Fähigkeit zur Abschreckung
einer
möglichen
sowjetischen Aggression, auf welchem Niveau sie auch stattfinden mag.
Und
in Zusammenarbeit mit einigen unserer
Verbündeten betreiben die Vereinigten
Staaten
weiterhin die
Strategische

- 4 -

�Verteidigungsinitiative
- ein Forschungsprojekt,
das
Abschreckung
nicht auf die Androhung einer offensiven Vergeltung stützt, sondern auf
eine Verteidigung, die wahrhaft abwehrt; kurz gesagt, auf Systeme, die
die Bevölkerung nicht angreifen, sondern sie schützen.
Auf diesem Weg versuchen wir die
Sicherheit
Europas und der ganzen
Welt zu erhöhen.
Aber eins dürfen
wir nicht vergessen:
Ost und West
mißtrauen sich nicht, weil wir bewaffnet sind. Wir sind vielmehr bewaffnet, weil wir einander mißtrauen.
Und unsere Differenzen beziehen sich
nicht auf Waffen, sondern auf Weltanschauung. Als Präsident Kennedy vor
24 Jahren seine Ansprache vor dem
Rathaus hielt, war das freie Berlin
bedroht und belagert. Trotzdem kann
Berlin heute seiner Freiheit sicher
sein, trotz all des Drucks, der auf
dieser Stadt lastet.
Und die Idee
dieser Freiheit verwandelt die Erde.
Auf den Philippinen sowie in Südund Mittelamerika hat es eine Wiedergeburt der Demokratie gegeben.
Der
gesamte pazifische Raum bringt mit
Hilfe seiner Märkte ein Wunderwerk
nach dem anderen an wirtschaftlichem
Wachstum hervor. In den Industrienationen findet eine technologische Revolution statt - eine Revolution, die
von
schnellen,
dramatischen
Fortschritten im Bereich der Computertechnik und Telekommunikation geprägt
ist.
In Europa verweigert nur eine Nation den Beitritt zur freien Welt.
Der Weg ist auch anderen Ostblockstaaten versperrt...
Aber in diesem
Zeitalter des doppelten Wirtschaftswachstums, der Informationen und Innovation hat die Sowjetunion immer
noch die Wahl. Sie muß grundlegende
Veränderungen vornehmen oder sie wird

sich überleben.
Daher
besteht
heute
Hoffnung.
Wir im Westen sind bereit, gemeinsam
mit dem Osten an einer wahren Offenheit zu arbeiten - die Schranken niederzureißen, die die Menschen trennen, eine sicherere und freiere Welt
zu schaffen. Und sicherlich gibt es
keinen besseren Ort als Berlin, den
Angelpunkt von Ost und West, um damit
anzufangen.
Freie Berliner:
Heute vertreten
die Vereinigten Staaten wie in der
Vergangenheit die strikte Einhaltung
und volle Anwendung aller Teile des
Viermächte-Abkommens von 1971.
Lassen Sie uns diese Gelegenheit, den
750. Jahrestag dieser Stadt, zum Anlaß nehmen, um in ein neues Zeitalter
aufzubrechen - um nach einem noch
ausgefüllteren, reicheren Leben für
das Berlin der Zukunft zu streben.
Lassen Sie uns gemeinsam die Bindungen
zwischen
der
Bundesrepublik
Deutschland
und
den
Westsektoren
Berlins aufrechterhalten und entwikkeln, wie dies im Abkommen von 1971
vorgesehen ist.
Und ich unterbreite Herrn Gorbatschow folgenden Vorschlag:
Bringen
wir die Ost- und Westteile der Stadt
enger zusammen.
Alle Bewohner der
gesamten Stadt Berlin sollen die Vorzüge genießen, die das Leben in einer
der größten Städte der Welt mit sich
bringt.
öffnen wir Berlin dem gesamten
Europa, Ost und West, gegenüber noch
weiter.
Durch eine Erweiterung des
lebenswichtigen
Zugangs
zu
dieser
Stadt auf dem Luftweg finden wir Wege,
den
kommerziellen
Luftverkehr
nach Berlin bequemer, vorteilhafter
und wirtschaftlicher zu machen. Wir
sehen dem Tag entgegen, an dem WestBerlin eines der wichtigsten Zentren

- 5 -

�der Luftfahrt im gesamten Mitteleuropa werden kann.
Gemeinsam mit ihren französischen
und britischen Partnern möchten die
Vereinigten Staaten es ermöglichen,
zusätzliche internationale Konferenzen in Berlin abzuhalten.
Es wäre
für Berlin nur angemessen, als Veranstaltungsort für die Konferenzen der
Vereinten Nationen zu dienen, oder
für Konferenzen über Menschenrechte
und
Rüstungskontrolle
oder
andere
Problemkreise, die eine internationale Zusammenarbeit verlangen.
Wenn wir den Horizont junger Menschen erweitern, dienen wir auch der
Stärkung der Hoffnung für die Zukunft.
Zur Erlangung dieses Ziels
möchten wir Sommeraustauschprogramme,
kulturelle Veranstaltungen und Programme für junge Berliner aus dem
Osten fördern.
Ich bin sicher, daß
unsere französischen und britischen
Freunde dasselbe tun werden. Und ich
hege die Hoffnung, daß in Ost-Berlin
eine entsprechende
Stelle gefunden
werden kann, die Besuche junger Menschen aus den Westsektoren ausweitet.
Und nun zu einem letzten Vorschlag, der mir sehr am Herzen liegt.
Der Sport stellt eine Quelle der
Freude und Weiterentwicklung dar, und
Sie werden bemerkt haben, daß die Republik Korea - Südkorea - ihre Zustimmung erteilt hat, daß einige Veranstaltungen der Olympiade von 1988
im Norden des Landes stattfinden können. Warum können nicht internationale sportliche Wettbewerbe verschiedenster Art in beiden Teilen dieser
Stadt abgehalten werden?
Und wie
könnte man besser die Offenheit dieser Stadt dokumentieren als durch das
Angebot, in naher Zukunft die Olympischen Spiele hier in Berlin, im Osten
und im Westen, abzuhalten?

Wie ich bereits erwähnt habe, haben Sie, die Berliner, in diesen vier
Jahrzehnten
eine
großartige
Stadt
wiederaufgebaut. Sie haben das trotz
vieler Bedrohungen getan:
Die Sowjets versuchten, zum Beispiel bei
Ihnen die Ostmark als Währung einzuführen. Es gab die Blockade. Trotz
der Herausforderungen der Mauer blüht
diese Stadt heute.
Was hält Sie hier?
Sicherlich läßt sich viel über
Ihre Stärke und Ihre Entschlossenheit
sagen.
Aber
ich glaube, dahinter
steht noch etwas anderes. Der gesamte Charakter Berlins, sein Lebensgefühl und seine Lebensart. Nicht nur
Idealismus - niemand könnte lange in
Berlin leben, ohne seiner Illusionen
völlig beraubt zu werden. Sie haben
die Schwierigkeiten
des Lebens in
Berlin erkannt, aber dennoch die Entscheidung getroffen, sie zu akzeptieren.
Dadurch wird diese großartige
und stolze Stadt ständig weiterentwickelt. Welch ein Gegensatz zu einer totalitären Umgebung, die keine
menschlichen Kräfte oder Hoffnungen
freisetzt.
Sie sprechen mit einer
mächtigen Stimme der Zustimmung - die
diese Stadt und ihre Zukunft bejaht,
ein "ja" zur Freiheit.
Das heißt,
das, was Sie in Berlin hält, ist die
Liebe - eine tiefe und aufrichtige
Liebe.
Hier treffen wir den Kern der Sache, den grundlegendsten Unterschied
zwischen Ost und West. Die totalitäre Welt bringt Rückständigkeit hervor, weil sie dem Geist Gewalt antut,
dem menschlichen Drang zuwiderläuft,
zu schaffen, zu genießen und zu verehren.
Für die totalitäre Welt stellen
sogar die Symbole der Liebe und des
Glaubens eine Herausforderung dar.

- 6 -

�Bevor die Ost-Berliner ihre Kirchen
wiederaufbauten, haben sie ein weitliches Monument errichtet, das die
Stadt dominiert - den Fernsehturm am
Alexanderplatz.
Seither haben die
Behörden daran gearbeitet, um das zu
korrigieren, was sie als den wesentlichsten Mangel des Turms ansagen;
sie behandelten den oberen Glasbereich mit verschiedenen Farben und
Chemikalien.
Dennoch erstrahlt dieser Bereich - der sich über das gesamte Berlin erhebt - auch heute noch
beim Sonneneinfall
im Zeichen des
Kreuzes. Dort in Berlin können Symbole der Liebe und des Glaubens genauso wie die Stadt selbst nicht unterdrückt werden.
Als ich gerade aus dem Reichstag
blickte
- dieser Verkörperung der
deutschen Einheit - fielen mir diese
an die Mauer gesprühten Worte auf,
die vielleicht von einem jungen Berliner stammen und eine Antwort auf
die deutsche Frage darstellen: "Diese Mauer wird fallen.
Glaube wird
Wirklichkeit".
Ja, quer durch Europa wird die
Mauer fallen.
Denn sie kann dem
Glauben nicht standhalten. Sie kann
der Wahrheit nicht standhalten.
Die Mauer wird der Freiheit nicht
standhalten können.
Vielen Dank.

* * * * * *
- 7 -

�</text>
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                <text>Berliner Mauer niederreißen für die Sache des Friedens&lt;br /&gt;- Ansprache Präsident Reagans vor dem Brandenburger Tor -&amp;nbsp;</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST

1 0 . J u n i 1987

22

I N H A L T

DOKUMENTATION
Der Marshall-Plan leitete 'Zeitalter der Freiheit* ein
- Präsident Reagans Ansprache an die Jugend Europas Niedrigeres Rüstungsniveau zur Stabilisierung der Ost-WestBeziehungen angestrebt
- Erklärung der Gipfelpartner Öltransport muB im Golf fortgesetzt werden können
- Erklärung der Gipfelpartner Gipfelpartner erzielen Einigung über Sanktionen zur
Terror ismusbekämpfung
- Erklärung zum Terrorismus Schlußkommunique des Weltwirtschaftsgipfels in Venedig
- Wortlaut der Erklärung -

WIRTSCHAFT
Teilweise Aufhebung der Handelssanktionen gegen Japan
- Erklärung Präsident Reagans in Venedig -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Neuer Starttermin für nächsten Raumtransporter-Flug

* * * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�AMERIKA DIENST
Dokumentation
10. Juni 1987

22
DER MARSHALL-PLAN LEITETE "ZEITALTER DER FREIHEIT" EIN
- Präsident Reagans Ansprache an die Jugend Europas -

VENEDIG - (AD) - In seiner am 5. Juni im "Worldnet", dem per Satellit übertragenen Programm des US-Informationsamtes (USIA), gehaltenen Rede an die Jugend
Europas bezeichnete Präsident Reagan den Marshall-Plan als Beginn eines "neuen
Zeitalters der Freiheit, eines neuen Zeitalters der Hoffnung und des Wohlstandes, die in der Geschichte der Menschheit ihresgleichen suchen - für die
ganze Welt ein Vorbild dessen, was der freie Mensch erreichen kann". Reagan
wies darauf hin, daß die durch das schnelle Entstehen moderner Technologien
beeinflußte Weltwirtschaft gegenwärtig tiefgreifenden Umwandlungen ausgesetzt
ist, die "nach Freiheit verlangen".
Der Präsident erklärte ferner, daß die vom 8. bis 10. Juni am Weltwirtschaftsgipfel in Venedig teilnehmenden sieben wichtigsten Industrienationen
ihren Beitrag zur Stärkung von Freiheit und wirtschaftlichem Wohlstand leisten
können, indem sie gemeinsame Maßnahmen anwenden, die neue Möglichkeiten und
Wachstum für die Wirtschaft hervorbringen.
Die Rede Präsident Reagans hat folgenden Wortlaut:
Guten Tag. Ich spreche heute aus
Venedig über das Satellitenprogramm
"Worldnet" zu Ihnen.
Ich bin hierhergekommen, um anläßlich des 13.
Weltwirtschaftsgipfels
mit
den
Staats- und Regierungschefs von Japan,
Frankreich,
Kanada,
Italien,
Großbritannien und der Bundesrepublik
Deutschland zusammenzutreffen.
Unsere Aufgabe wird darin bestehen, festzustellen, wie wir uns als Gemeinschaft auf die Herausforderung eines
neuen Jahrhunderts vorbereiten können.
Wir richten unseren Blick in die

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Zukunft - und aus diesem Grunde möchte ich in den nächsten Minuten meine
Ausführungen besonders an die Jugend
Europas richten.
Gestatten Sie mir
als einem Menschen, dessen Leben den
größten Teil dieses Jahrhunderts umspannt, einige Beobachtungen über das
nächste Jahrhundert - über eine Zukunft der wachsenden Hoffnungen und
Möglichkeiten, in der Träume Wirklichkeit werden können, wenn wir nur
den Mut haben, sie weiterzuverfolgen.
Vor nicht allzulanger Zeit, im
vergangenen Jahrzehnt, war es Mode,

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�über das Zeitalter der Grenzen zu
sprechen.
Es wurde behauptet, die
Ressourcen der Welt gingen zu Ende,
die Welt stehe kurz vor dem Untergang, würde immer ärmer. Es war eine
Zeit der zurückgehenden Erwartungen,
in der die Menschen lernen mußten,
mit weniger auszukommen.

kann, wenn die totalitären Länder
keine Reformen durchführen - der einzige Kurs, den die Welt beim Eintritt
in das 21. Jahrhundert einschlagen
kann, besteht in der Wahl von Freiheit und freien Gesellschaften, die
das gesamte Potential der Menschheit
freisetzen.

In jenen Jahren machte die westliche Welt etwas durch, das nur als
Krise des Vertrauens in unsere Grundwerte beschrieben werden kann.
Es
waren zunehmend stimmen über die sogenannte "Annäherung" der freien Welt
und der kommunistischen Länder zu
vernehmen. Es wurde behauptet, Freiheit sei ein Luxus, den wir uns nicht
länger leisten könnten.
Angesichts
der Zwangslage einer kleiner werdenden Welt müßten die freien Nationen
immer mehr von ihren wirtschaftlichen
und politischen
Freiheiten abgeben
und
zunehmend staatliche
Kontrolle
akzeptieren.

Die Welt und ihre Wirtschaft befinden sich inmitten einer tiefgreifenden Umwandlung.
Manchmal vollzieht sich dieser Wandel so schnell,
daß man ihm kaum folgen kann, aber
lassen Sie mich Ihnen nur einige Beispiele für die technologische Revolution anführen.
Diese Beispiele sollen als Maß dafür dienen, wie weit
wir gekommen sind, sowie als Richtschnur, die uns den Weg weist.

Ich möchte Ihnen heute darlegen,
wie und warum das Gegenteil eingetreten ist, wie das "Zeitalter der Grenzen" durch eine Wiederbelebung politischer und wirtschaftlicher Freiheit
hinweggefegt wurde, wie unsere Volkswirtschaften in ein neues Zeitalter
eintraten, in dem sie die Grenzen der
materiellen Ressourcen überschritten.
Gegenwärtig ist nicht die "Annäherung", sondern der Unterschied zwischen den freien und unfreien Ländern
deutlicher geworden - während die totalitären Staaten zunehmend von "Offenheit" und "Liberalisierung" sprechen, sollten sie in Anerkenntnis
dessen, und sei es nur zum überleben,
ihren Gesellschaften
mehr
Freiheit
einräumen.
Und ich möchte heute zu Ihnen
darüber sprechen, wie dieser Unterschied
zwischen demokratischen und
totalitären Staaten nur noch zunehmen

Angesichts der Anstrengungen der
Zeitungen,
mit
den
offensichtlich
täglichen Durchbrüchen in den Labors
Schritt zu halten, ging in jüngster
Zeit oft der Begriff "Supraleitfähigkeit" durch die Schlagzeilen.
Erst
vor einem halben Jahr galt Supraleitfähigkeit
als
wissenschaftliches
Randgebiet, als Phänomen von geringem
praktischen Nutzen.
Jetzt vertreten
Wissenschaftler die Ansicht, es könne
unser Leben verändern.
"Es zeigt,
daß all die von uns gehegten Träume
Wirklichkeit werden können", erklärte
ein Forscher.
"Der Himmel ist die
Grenze".
Wissenschaftler
sprechen
von
Hochgeschwindigkeitszügen,
die
über
Gleise schweben. Autohersteller planen bereits elektrische Autos. Manche sind der Ansicht, Sonnenenergie
könnte konkurrenzfähig werden.
Alles, was mit Strom funktioniert, wie
etwa Motoren, Generatoren, Kabel und
Magnete, könnte auf verblüffende Art
und Weise
leistungsfähiger
werden.
Das bedeutet eine geringere Abhängigkeit von ausländischem öl, weniger

- 2 -

�Umweltverschmutzung und eine sauberere Umwelt - es würde wie eine Adrenalinstoß auf die Weltwirtschaft wirken, das Wachstum und die Schaffung
von Arbeitsplätzen vorantreiben und
die Lebensqualität aller verbessern.
Durch
Supraleitfähigkeit
wird
eine andere Revolution beschleunigt die täglich in der Computerindustrie
stattfindende Revolution.
Ein jüngster Vorstoß ist der neue HalbleiterChip. Bei bestimmten Aufgaben könnte
eine Handvoll dieser Chips, die pro
Stück etwa zwei Dollar kosten, Supercomputern im Wert von Abermillionen
Dollar überlegen sein. Der folgende
Vergleich stammt von einem Wissenschaftler.
Wenn die Technologie im
Automobilbereich so schnell fortgeschritten wäre wie die HalbleiterTechnologie
in den vergangenen 20
Jahren, so kostete diesem Wissenschaftler
zufolge ein Rolls Royce
jetzt weniger als drei Dollar, mit
einer Gallone Treibstoff könnte man
drei Millionen
Meilen zurücklegen,
genug Strom erzeugen, um einen Ozeandampfer anzutreiben, und sechs solcher Chips wären nur so groß wie ein
Stecknadelkopf.
Dies ist jedoch mehr als eine explosionsartige Entwicklung der Produktivität.
Die heutigen Computer
werden in der geheimnisvollen Welt
der Quantenphysik betrieben und signalisieren einen Quantensprung in der
Weltwirtschaft. Wir bewegen uns von
der Wirtschaft der industriellen Revolution - einer Wirtschaft, die sich
aus den materiellen Ressourcen und
Bodenschätzen der Erde versorgt und
an diese gebunden ist - zu einer
"Wirtschaft des Verstandes", wie das
Buch
eines
Wirtschaftswissenschaftlers betitelt ist, in der menschliche
Phantasie, Kreativität und Mut die
wertvollsten Grundstoffe bilden.

Denken Sie nur an diesen kleinen
Computerchip.
Solche Chips sind die
treibende Kraft der modernen Wirtschaft, aber sie werden aus dem Silikon des Sandes, einem der gewöhnlichsten Stoffe der Erde, gewonnen. Ihr
Wert besteht nicht in dem Material,
aus dem sie hergestellt werden, sondern in dem mikroskopischen Aufbau,
zu dem sie vom genialen menschlichen
Verstand zusammengefügt werden. Oder
nehmen
sie
dieses
"Worldnet"-Programm, das durch eine Satellitenschaltung
übertragen wird.
Dieser
Satellit
- Produktion
menschlichen
Erfindergeistes
- ersetzt
Tausende
von Tonnen aus der Erde gegrabenen
und zu Kabeln gedrehten Kupfers. Wir
bewegen uns von einem Zeitalter der
Objekte in ein Zeitalter der Gedanken, des Triumphes von Geist über Materie. Es ist der Verstand des Menschen - frei für Erfindungen, Experimente, Träume - der die Wirtschaft
und die Welt der Zukunft gestalten
wird.
Das
sind
allerdings
schlechte
Nachrichten für dirigistische Systeme.
Der zentral gelenkte Staat kann
aus dem Boden Metalle oder öl fördern.
Obwohl weniger produktiv als
eine freie Wirtschaft, kann er riesige Fabriken und Fließbänder betreiben.
Aber er kann nicht den Geist
des
Unternehmertums
hervorbringen.
Er kann nicht die Wagnisse freier
Märkte imitieren oder das innovative
Element von Experimenten, die Wissen
und Fortschritt mit sich bringen.
Keine Regierung kann den Unternehmer
schaffen, oder diesen Funken der Erfindung entzünden. Alles was sie tun
können, ist ihre Menschen freizugeben
- ihnen die Freiheit des Geistes und
der Seele zu gewähren.
Einige vertreten die Ansicht, daß
staatliche
Planung
wirkungsvoller
ist, da man sich auf Steuervergünsti-

- 3 -

�gungen und andere Subventionen für
Unternehmen verlassen kann.
Schätzungsweise 70 Prozent der nahezu 14
Millionen neu geschaffenen Arbeitsplätze sind aus neuen, kleinen und
wachsenden Firmen entstanden.
Eines
der
erfolgreichsten
Computer-Unternehmen in Amerika wurde von zwei
College-Studenten in der Garage hinter ihrem Haus gegründet.
Der fruchtbarste und am schnellsten wachsende Sektor einer
jeden
Wirtschaft ist der Bereich, der bis
jetzt erst als Traum in einem Kopf
oder als Eingebung in einem Herzen
besteht. Niemand kann jemals vorhersagen, wo der Wandel seinen Ursprung
haben wird oder etwa die Industrien
der Zukunft vorhersehen.
Keine Regierung würde je diese beiden jungen
Männer als Zielgruppe angesehen haben, die Tag und Nacht arbeiteten, um
ihren Traum in einer Garage zu verwirklichen.
Beim
diesjährigen
Wirtschaftsgipfel in Venedig sehen wir um uns
herum eine Weltwirtschaft, die von
raschen Veränderungen gekennzeichnet
ist - und es sind Veränderungen, die
nach Freiheit verlangen. Was können
die Regierungen tun? Sie können das
tun, was unsere Gipfelpartner in die
Wege geleitet haben, angefangen von
politischen Maßnahmen, die neue Möglichkeiten und Wachstum für die Wirtschaft fördern - niedrige Steuersätze, Privatisierung und Aufhebung der
Kontrolle.
Sie
sollten
ferner
Schritte zum Abbau der handelsverzerrenden Subventionen und eines Arbeitsrechts unternehmen, das Arbeitslosigkeit fördert.
Ganz oben auf unserer Tagesordnung werden auch die Maßnahmen stehen, mit denen wir die Zusammenarbeit
zwischen unseren Ländern verbessern
können.
AgrarSubventionen waren zum

Beispiel eine der schlimmsten Missetaten, die für unsere zunehmenden
Handelsspannungen verantwortlich waren.
Laßt
uns
gemeinsam
diesen
kostenintensiven Agrarwettlauf abbrechen, indem wir uns für das Jahr 2000
das ziel einer Welt setzen, in der es
keine Subventionen mehr gibt. In der
Zwischenzeit müssen wir unsere Verpflichtung zum Abbau der Wechselkursschwankungen und zur Ankurbelung des
Wirtschaftswachstums
einhalten.
In
Deutschland
verlangsamt
sich
das
Wirtschaftswachstum
und damit verlangsamt sich das Wachstum in ganz
Westeuropa.
Es ist von vordringlicher Bedeutung, daß die Bundesrepublik
Deutschland der Verpflichtung
zur Wiederbelebung ihrer stagnierenden Wirtschaft nachkommt. Auch Japan
könnte dazu beitragen, das Ungleichgewicht der Weltwirtschaft zu beheben, indem es das Ungleichgewicht
seiner
eigenen Wirtschaft zurechtrückt. Es ist an der Zeit, daß Japan
dem Nachholbedarf der Verbrauchernachfrage im eigenen Land freien Lauf
läßt.
Gestattet
dem
japanischen
Volk, mehr von dieser beachtlichen
Wirtschaft zu profitieren, an deren
Aufbau es so hart gearbeitet hat.
ich
weiß,
daß
Premierminister
Nakasone dies erkannt und dem japanischen Unterhaus kürzlich ein Maßnahmenprogramm
vorgelegt hat.
Das
japanische Versprechen, den Entwicklungsländern zur Erleichterung ihrer
enormen Schuldenlast mehr als 20 Milliarden Dollar Finanzhilfe zu gewähren,
ist
ebenfalls
ein
positiver
Schritt in diese Richtung.
Wenn wir das amerikanische Haushaltsdefizit betrachten, so können
wir wahrhafte Fortschritte verzeichnen. Aber wir müsssen noch mehr tun.
In den vor uns liegenden Monaten werde ich mich, wie ich es bei der Steuerreform getan habe, direkt an das
amerikanische Volk wenden. Ich werde

- 4 -

�erklären, daß wir jegliche Sonderrechte in unserem Steuersystem abgeschafft haben - und jetzt ist es an
der Zeit, unseren Haushalt davon zu
befreien. Es ist Zeit für eine echte
Haushaltsreform.
Und nicht zuletzt müssen alle Nationen dem Ruf nach Protektionismus
widerstehen.
Der sogenannte Protektionismus ist so schädlich wie eine
Droge.
Er wird zur Zerstörung all
derer führen, die ihn anwenden. Und
deshalb nenne ich ihn "destruktivistisch", denn das einzige, was er hervorbringt
ist,
Verlangsamung
des
Wachstums, Vernichtung von Arbeitsplätzen und Behinderung des Fortschritts. Während wir dem Beginn eines neuen Jahrhunderts entgegengehen,
wiegen jedoch die Möglichkeiten bei
weitem die Probleme auf, mit denen
wir uns konfrontiert sehen. Wenn wir
die Welt betrachten, sehen wir ein
zunehmendes Maß an Freiheit. Während
freie Märkte Asien beleben, finden in
Mittel- und Südamerika immer häufiger
freie Wahlen statt.
In Afrika sind
sich viele der politisch Verantwortlichen
einig,
daß
Freiheit
den
Schlüssel für die Entwicklung darstellt.
In China bedeuten Reformen
für mehr als eine Milliarde Menschen
einen ersten Geschmack von Freiheit.
Dennoch dürfen wir darüber nicht vergessen, daß dieser Woge der Freiheit
heute eine unversöhnliche Realität
entgegensteht.
Nächste Woche werde
ich mich an die Menschen in WestBerlin wenden.
ich werde vor der
Mauer stehen, die wie eine offene
Wunde im Herzen Europas klafft - die
Mauer, die all das verkörpert, was
unseren
demokratischen
Werten
der
Freiheit und Menschenrechte am feindseligsten gegenübersteht.
Ein
Regime,
das
von
solcher
Furcht vor seinem eigenen Volk beseelt ist, daß es dieses Volk hinter

einer Mauer einsperren muß, ist ein
Regime, das stets eine Quelle der
Spannungen in Europa darstellen wird.
Es wird sich immer mit den freien
Menschen überall auf der Welt in Widerstreit befinden.
wie der Zufall
es will, ist der heutige 5. Juni der
40. Jahrestag der feierlichen Einführung des Marshall-Plans.
Jene Tage
waren von erheblicher Großzügigkeit
und überragendem Mut gekennzeichnet als sich die Länder Europas aus der
Asche des Krieges erhoben, ihre jahrhundertealten
Feindseligkeiten
beilegten und sich gemeinsam mit Amerika
an den Aufbau eines neuen Zeitalters
der Freiheit und des Wohlstands begaben.
Im Geiste jener Zeit bot Amerika
allen europäischen Nationen die Vergünstigungen des Marshall-Plans an:
Ost und West, einschließlich der Sowjetunion.
Die Grundregeln lauteten
einfach: Offenheit und guter Wille alle Länder mußten ihre Bücher offenlegen und keinem Land wurde gestattet, den Plan zugunsten politischem
Profits zu manipulieren. Einige Länder
unter
sowjetischer
Herrschaft
hatten gehofft, an dem Plan teilhaben
zu können - aber Stalin befahl deren
Vertreter nach Hause zurück. Die Sowjets erlaubten ihnen nicht, ihre Bücher - oder ihre Länder - dem frischen Wind der Freiheit und des Unternehmertums zu öffnen.
Wir haben viel über den sowjetischen Wunsch nach einer Beteiligung
an der Weltwirtschaft gehört - und
nicht mehr länger das fünfte Rad am
Wagen sein zu wollen.
Die Grundregeln bleiben die gleichen wie vor 40
Jahren.
Kein Spielverderber
sein.
Keine Manipulation der Weltorganisationen für politische Vorteile. öffnet die Wirtschaft, öffnet das politische System.
öffnet die Grenzen.
Laßt die Menschen gehen.
Laßt sie

- 5 -

�reisen, wohin sie wollen, und leben,
wo sie wollen.
Laßt sie ins Licht
der Freiheit eintauchen.
Und
noch
ein
weiterer
Punkt:
Laßt die Waffen zu Hause. Gebt Afghanistan auf - sie haben dort nichts
zu suchen. Baut die auf Europa gerichteten Waffen ab. Dann werden wir
sie gerne als konstruktiven Partner
bei unseren Projekten für das 21.
Jahrhundert willkommen heißen.
Als ich das letzte Mal an einem
Wirtschaftsgipfel in Europa teilnahm,
gingen viele junge Menschen auf die
Straße, um zu demonstrieren.
Sie
forderten das Ende der Atomwaffen.
Wie gerne wollte ich sie wissen lassen, daß ich im Herzen mit Ihnen
fühlte, daß auch ich den Tag herbeisehnte, an dem die Menschheit frei
vom Schrecken der nuklearen Vernichtung leben könnte.
Aber die Aufgabe war nicht so
leicht, wie einfach einen Vertrag zu
unterzeichnen. Die Mauer, die Europa
teilt - die unter Mißachtung der sowjetischen Versprechungen und jeden
menschlichen Anstandes errichtet wurde - hat uns dies bewiesen.
Wir
konnten unsere Freiheit und unser Leben nicht für eine so fadenscheinige
Sicherheit verpfänden. Wenn ein Vertrag überhaupt etwas wert sein soll,
muß er durch Inspektionen vor Ort verifizierbar sein. Er muß die Gesamtzahl der Waffen auf beiden Seiten
entscheidend
verringern, und nicht
einfach die Aufrüstung kodifizieren,
wie dies Verträge in der Vergangenheit so häufig getan haben. Am wichtigsten ist, daß keine Seite überlegen oder verwundbar sein darf.
Unsere Beharrlichkeit und Standhaftigkeit könnte sich jetzt in einem
Abkommen bezahlt machen, das sehr in
unserem Interesse liegt und unsere
- 6

Bedingungen erfüllt.
Wir
Ziel natürlich noch nicht
einige entscheidende Fragen
offen. Aber die Aussichten

haben das
erreicht;
sind noch
sind gut.

Es ist wichtig zu betonen, daß
der jetzt von uns ausgehandelte Vertrag über Mittelstreckenwaffen nicht
das Ende, sondern den Anfang von Abrüstungsbemühungen darstellt.
Unsere
höchste
Priorität bleibt weiterhin
der einschneidende, gerechte und verifizierbare Abbau der interkontinentalen nuklearen Waffensysteme.
Und
so lange die Sowjetunion chemische
Waffen hortet und umfassende konventionelle Streitkräfte unterhält, die
auf ihrem eigenen Territorium und in
Ost-Europa in Angriffsposition stehen, müssen die freien Nationen Europas stark und bereit bleiben, in Anbetracht der sowjetischen Überlegenheit bei diesen Streitkräften müssen
wir sogar unsere konventionelle Verteidigungsfähikeit
verbessern,
so
schwierig und teuer das auch sein
mag.
Die Vereinigten Staaten werden
ihre Verpflichtung zur Verteidigung
Europas nicht aufgeben.
Wir werden
die Glaubwürdigkeit der NATO-Strategie der flexiblen Reaktion aufrechterhalten, die uns gut gedient hat und
weiterhin das Kernstück der Strategie
des Bündnisses bildet.
Gleichzeitig liegt unser höchstes
Ziel auch weiterhin nicht nur darin,
nukleare Waffen zu reduzieren und zu
beschränken, sondern darin, diese für
immer überflüssig zu machen, und eine
auf Hochtechnologie basierende Verteidigung zu schaffen, die nukleare
Waffen zerstört, bevor diese den Menschen zerstören können. Die technologischen Durchbrüche, auf die ich
zuvor hingewiesen hatte - Supraleitfähigkeit und Großcomputer auf einem
Chip - könnten uns sehr schnell dem
Tag näherbringen, an dem die Menschheit nicht mehr länger vor den vom

�Himmel kommenden Schrecken Angst haben muß, wenn wir frei, zuversichtlich, sicher und friedlich atmen können.
Wenn ich den jungen Leuten Europas eine Botschaft vermitteln kann,
dann diese:
Die Geschichte ist auf
Seiten der Freien. Hoffnung und unerschütterlicher
Glaube
an
unsere
grundsätzlichen
Werte der
Freiheit
und Menschenrechte - dies sind die
einzigen Leitlinien, die wir brauchen, um nicht nur ins 21. Jahrhundert, sondern ins dritte Jahrtausend
zu reisen.
Die in der westlichen
Welt noch vor einem Jahrzehnt bestehende Krise des Vertrauens ist durch
Stärke und Zuversicht ersetzt worden.
Nun spricht der Osten von Offenheit,
von "Glasnost". Wir hoffen, daß die
ersten wenigen Anzeichen eines Wandels in der Sowjetunion auf einen
wirklichen
Wunsch hindeuten, diese
geschlossene Gesellschaft zu öffnen.

des Marshall-Plans feiern, können wir
stolz auf das sein, was wir gemeinsam
geschaffen haben:
Ein neues Zeitalter der Freiheit, ein neues Zeitalter
der Hoffnung und des Wohlstandes, die
in der Geschichte der Menschheit ihresgleichen suchen - für die ganze
Welt ein Vorbild dessen, was der
freie Mensch leisten kann.
Dies ist eine andere Welt als vor
40 Jahren.
Die jüngere Generation
Europas, also diejenigen von ihnen,
die nach dem Zweiten Weltkrieg geboren wurden, mußten nicht die Zerstörung und den Kummer aus der Zeit Ihrer Eltern erleiden. Aber Ihre Herausforderung ist nicht weniger groß sie besteht in nichts Geringerem, als
das Versprechen an die Zukunft anzunehmen und die Lehren unserer Freiheit an eine wartende Welt weiterzugeben.

Die Wahl liegt bei ihnen:
Sie
können entweder am Fortschritt der
Geschichte teilhaben, oder aber immer
weiter in die wirtschaftliche Bedeutungslosigkeit
zurückfallen.
Wir
können uns auf den Tag freuen, an dem
die Technologie die Bedrohung des gegenseitigen nuklearen Schreckens abschafft - wenn nicht mehr lediglich
eine Ansammlung
gewaltiger
Vorräte
von Nuklearwaffen eine Nation zur Supermacht werden läßt, dann wird die
Sowjetunion als das erscheinen, was
sie wirklich ist: Ein Land, das individuelle
Freiheiten
einer
antiquierten
materialistischen
Philosophie des 19. Jahrhunderts geopfert
hat - ein Beispiel für die Welt, wie
man ein Land nicht regieren sollte.
Der Gegensatz zwischen Totalitarismus
und Freiheit wird sogar noch deutlicher werden.
Wenn wir heute den 40. Jahrestag
- 7 -

Vielen Dank und Gott schütze Sie.

�AMERIKA DIENST
Dokumentation

'VoN^

10. Juni 1987

22
NIEDRIGERES RÜSTUNGSNIVEAU ZUR STABILISIERUNG
DER OST-WEST-BEZIEHUNGEN ANGESTREBT
- Erklärung der Gipfelpartner -

VENEDIG - (AD) Die Staats- und Regierungschefs der sieben führenden
westlichen Industrienationen bekundeten in ihrer am 9. Juni in Venedig abgegebenen Stellungnahme die Absicht, "den militärischen Wettlauf zwischen Ost und
West auf niedrigerem Rüstungsniveau zu stabilisieren".
Die Gipfelpartner erklärten ferner, sie verfolgten "mit aufmerksamem Interesse die jüngsten innen- und außenpolitischen Entwicklungen in der Sowjetunion" und drückten die Hoffnung aus, daß diese sich zur "Verbesserung der politischen, wirtschaftlichen und sicherheitspolitischen Beziehungen zwischen
den Ländern in Ost und West als sehr bedeutsam erweisen werden".
Die Erklärung hat folgenden Wortlaut:
1.
Wir, die Staats- und Regierungschefs der sieben großen Industriestaaten und die Vertreter der
Europäischen Gemeinschaft, haben die
Ost-West-Beziehungen
erörtert.
Wir
bekräftigen unsere gemeinsamen Grundsätze und Ziele sowie unser gemeinsames Bekenntnis zur Wahrung und Stärkung des Friedens.
2.
Mit Stolz erkennen wir, daß
die Dynamik und der Wohlstand der Gesellschaft unserer Länder in unseren
gemeinsamen Werten der Freiheit, der
Demokratie und der Achtung der Men-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

schenrechte
ihren
Ursprung
haben.
Wir bekennen uns erneut zu der Verpflichtung, nach einer freien, demokratischeren und humaneren Welt zu
streben.
3.
Innerhalb
der
bestehenden
Bündnisse ist jeder von uns entschlossen, eine starke und glaubwürdige Verteidigung aufrechtzuerhalten,
welche die Sicherheit keines Staates
bedroht, die Freiheit schützt, Aggression durch Abschreckung verhindert und den Frieden wahrt. Wir werden uns weiterhin über alle unsere

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Telex: 8-85432

�gemeinsamen Belange betreffenden Angelegenheiten eingehend konsultieren.
Von den Grundsätzen, die uns alle
leiten, werden wir nicht abgehen.
4. Seit unserem letzten Treffen
haben sich neue Chancen für Fortschritte in den Ost-West-Beziehungen
ergeben. Wir fühlen uns durch diese
Entwicklung ermutigt. Sie bestätigen
die Solidität der Politik, die jeder
von uns in seiner Entschlossenheit,
eine freiere und sicherere Welt zu
schaffen, verfolgt hat.
5. Wir verfolgen mit aufmerksamem Interesse die jüngsten innen- und
außenpolitischen Entwicklungen in der
Sowjetunion.
Wir hoffen, daß sie
sich für die Verbesserung der politischen, wirtschaftlichen und sicherheitspolitischen Beziehungen zwischen
den Ländern in Ost und West als sehr
bedeutsam erweisen werden.
Gleichzeitig bleiben tiefgreifende Unterschiede bestehen; jeder von uns muß
auf jedweden Aspekt der sowjetischen
Politik weiterhin wachsam und umsichtig reagieren.
6.
Wir bekräftigen unser Bekenntnis zum Frieden und zu höherer
Sicherheit auf niedrigerem Rüstungsniveau, wir streben nach umfassenden
Bemühungen zum Abbau der Spannungen
und zur Herbeiführung nachprüfbarer
Rüstungsreduzierungen.
Wir bekräftigen die anhaltende Bedeutung der nuklearen Abschreckung für die Wahrung
des Friedens, stellen aber gleichzeitig mit Befriedigung fest, daß der
Rüstungskontrolldialog vertieft worden ist und sich günstigere Aussichten auf einen Abbau der nuklearen
Streitkräfte abzeichnen.
Wir würdigen die Bemühungen der Vereinigten
Staten,
ausgewogene,
substantielle
und
nachprüfbare
Kernwaffenreduzierungen auszuhandeln. Wir betonen unsere Entschlossenheit, konventionelle

Stabilität
auf niedrigerem Streitkräfteniveau zu verbessern und die
völlige Beseitigung chemischer Waffen
zu erreichen. Wir glauben, daß diese
Ziele aktiv verfolgt und in konkrete
Vereinbarungen umgesetzt werden sollten.
Wir
fordern die Sowjetunion
nachdrücklich auf, positiv und konstruktiv zu verhandeln. Eine wirksame Lösung dieser Fragen ist eine wesentliche Voraussetzung für echte und
dauerhafte Stabilität in der Welt.
7.
Wir werden nicht nur sowjetischen Erklärungen, sondern auch sowjetischen Taten in Angelegenheiten,
die
uns
ein
gemeinsames
Anliegen
sind, große Aufmerksamkeit
widmen;
insbesondere
- fordern wir bedeutende und dauerhafte Fortschritte bei den Menschenrechten, denn dies ist für
die
Vertrauensbildung
zwischen
unseren
Nationen
wesentlich.
Noch immer bleibt viel zu tun, um
den in der Schlußakte von Helsinki vereinbarten und seitdem bekräftigten Grundsätzen und eingegangenen Verpflichtungen gerecht
zu werden.
- wünschen wir eine schnelle und
friedliche Lösung von regionalen
Konflikten und insbesondere den
raschen und vollständigen Abzug
der sowjetischen Streitkräfte aus
Afghanistan,
damit
das
afghanische Volk über seine eigene Zukunft frei bestimmen kann.
- fördern wir verstärkte Kontakte,
einen
freien
Gedankenaustausch
und intensiveren Dialog zwischen
unseren Bürgern und den Bürgern
der Sowjetunion und Osteuropas.
8. So strebt jeder von uns danach, den militärischen Wettlauf zwischen Ost und West auf niedrigerem

- 2 -

�Rüstungsniveau zu stabilisieren; stabile politische Lösungen von regionalen Konflikten zu fördern; dauerhafte
Verbesserungen bei den Menschenrechten sicherzustellen; und Kontakte und
Vertrauen
zwischen Regierungen und
Völker in einer humaneren Welt zu
schaffen.
In allen Bereichen sind
Fortschritte
erforderlich, um eine
dauerhafte Grundlage für stabile und
konstruktive Beziehungen zwischen den
Ländern in Ost und West zu errichten.

* * * * * *
- 3 -

�AMERIKA DIENST
% ^

Dokumentation

a

10. Juni 1987

22

ÖLTRANSPORT MÜSS IM GOLF FORTGESETZT WERDEN KÖNNEN
- Erklärung der Gipfelpartner -

Venedig - (AD) - Die sieben großen Demokratien mahnten in einer gemeinsamen Erklärung, daß sich der Öltransport durch die Straße von Hormus "weiterhin frei und ungehindert" bewegen muß. Sie waren sich in ihrer gemeinsamen
Erklärung vom 9. Juni dahingehend einig, daß "neue und abgestimmte internationale Bemühungen erforderlich sind", um zu einer Beendigung des Krieges zwischen Iran und Irak beizutragen.

Nachstehend drucken wir den Text der Erklärung im Wortlaut:
Wir waren uns dahingehend einig,
daß neue und abgestimmte internationale Bemühungen dringend erforderlich
sind, um zu einer Beendigung des
Krieges zwischen Iran und dem Irak
beizutragen.
Wir sind für ein möglichst frühes, auf dem Verhandlungswege erreichtes Ende des Krieges, das
die territoriale Unversehrtheit und
Unabhängigkeit des Irak und Iran unangetastet läßt. Beide Länder haben
unter diesem langen und tragischen
Krieg sehr gelitten.
Die Nachbarstaaten sind von einer möglichen Ausweitung des Konflikts bedroht.
Wir

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Embassy of the United States of America

fordern beide Parteien erneut auf,
ein sofortiges Ende des Krieges auszuhandeln.
Wir unterstützen
nachdrücklich die Vermittlungsbemühungen
des Generalsekretärs der Vereinten
Nationen und drängen auf die Verabschiedung
gerechter
und
wirksamer
Maßnahmen
durch den
Sicherheitsrat
der Vereinten Nationen.
Mit dieser
Zielsetzung bekräftigen wir, daß der
Grundsatz der freien Schiffahrt im
Golf für uns und für andere von ausschlaggebender Bedeutung ist und aufrechterhalten werden muß.
Der Öltransport und der sonstige Verkehr

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�muß sich weiterhin frei und ungehindert durch die Straße von Hormus bewegen können.

Die
Staats- und
Regierungschefs
fordern andere Regierungen nachdrücklich auf, sich dieser Verpflichtung
anzuschließen.

Anlage
* * * * * *
Die
Staats- und
Regierungschefs
erinnern daran, daß sie in ihrer Erklärung von Tokio zum internationalen
Terrorismus vereinbarten, der Bonner
Erklärung von 1978 bei der Bewältigung aller die zivile Luftfahrt bedrohenden Formen des Terrorismus zu
größerer
Wirksamkeit
zu verhelfen.
In Fällen, in denen ein Land die Auslieferung oder gerichtliche Verfolgung derjenigen, die in dem Übereinkommen von Montreal zur Bekämpfung
widerrechtlicher Handlungen gegen die
Sicherheit der Zivilluftfahrt genannte strafbare Handlungen begangen haben, verweigert beziehungsweise das
betroffene Flugzeug nicht zurückgibt,
sind die Staats- und Regierungschefs
daher gemeinsam entschlossen, durch
die Regierungen sofort dafür zu sorgen, daß gemäß der Bonner Erklärung
sämtliche Flüge in ein solches Land
eingestellt werden.
Gleichzeitig werden ihre Regierungen Schritte einleiten, damit gemäß der Bonner Erklärung sämtliche
Einflüge
durch
Luftfahrtunternehmen
dieses Landes aus ihm oder aus jedem
anderen Land unterbunden werden.
Die
Staats- und
Regierungschefs
beabsichtigen ferner, die Bonner Erklärung zu gegebener Zeit zu erweitern, so daß sie künftige einschlägige Änderungen des genannten Übereinkommens oder anderer Luftfahrtübereinkommen in bezug auf die Auslieferung oder gerichtliche Verfolgung der
Täter abdeckt.
- 2 -

�AMERIKA DIENST
Dokumentation

'VON**

10. Juni 1987

22
GIPFELPARTNER ERZIELEN EINIGUNG ÜBER SANKTIONEN
ZUR

TERRORISMUSBEKXMPÜNG

- Erklärung zum Terrorismus VENEDIG - (AD) - Die sieben großen Demokratien kamen sich in ihrer Erklärung vom 9. Juni überein, daß alle Formen des Terrorismus den gleichen Sanktionen unterliegen, wie sie in der Bonner Erklärung zu Flugzeugentführungen
vereinbart worden sind.
Die Gipfelpartner bekräftigten in der in Venedig verabschiedeten Erklärung
zum Terrorismus ihre Verpflichtung, "gegenüber Terroristen keinerlei Zugeständnisse zu machen" und forderten zu verstärkter internationaler Zusammenarbeit "zwischen uns und mit anderen Staaten... in allen geeigneten Gremien"
zur Bekämpfung des Terrorismus auf.
Nachfolgend drucken wir die Erklärung und die Anlage im Wortlaut.

Wir, die Staats- und Regierungschefs von sieben großen Demokratien
und die Vertreter der Europäischen
Gemeinschaft, die wir uns hier in Venedig versammelt haben, sind uns der
Sorge unserer Völker über die Bedrohung durch den Terrorismus zutiefst
bewußt;

Formen
des
Terrorismus
einschließlich
Flugzeugentführungen
und Geiselnahmen und bekunden erneut unsere Auffassung, daß es
für den Terrorismus, gleich welche
Motive
er hat, keinerlei
Rechtfertigung gibt;

- wir bekräftigen die in früheren
Gipfelkonferenzen in Bonn, Venedig, Ottawa, London und Tokio
ausgesprochenen Verpflichtungen;

wir bekräftigen unser aller Bekenntnis zu dem Grundsatz, gegenüber Terroristen und ihren Helfern keinerlei Zugeständnisse zu
machen;

- wir verurteilen

wir sind nach wie vor entschlos-

entschieden

alle

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�sen, gegenüber jedem Staat, der
offenkundig an der Finanzierung
oder Unterstützung des internationalen
Terrorismus
beteiligt
ist, im Rahmen des Völkerechts
innerhalb
unseres
eigenen
Hoheitsgebiets
wirksame
Maßnahmen
anzuwenden;

führten Maßnahmen beschlossen, um
der Bonner Erklärung von 1978 bei
der Bewältigung aller die zivile
Luftfahrt bedrohenden Formen des
Terrorismus zu größerer Wirksamkeit zu verhelfen;
- wir verpflichten uns, Terroristen
nach rechtsstaatlichen Grundsätzen vor Gericht zu bringen. Jeder von uns sagt eine verstärkte
Mitarbeit
in den einschlägigen
Gremien und im Rahmen der innerstaatlichen
Rechtsvorschriften
und des Völkerrechts bei Ermittlungs-, Verhaftungs- und gerichtlichen Verfolgungsmaßnahmen gegen
Terroristen zu. Insbesondere bekräftigen wir den in einschlägigen internationalen Übereinkünften
niedergelegten
Grundsatz,
diejenigen,
die
terroristische
Gewalttaten verübt haben, im Einklang
mit
innerstaatlichen
Rechtsvorschriften und jenen internationalen Übereinkünften vor
Gericht zu stellen oder auszuliefern.

- wir begrüßen die Fortschritte,
die seit unserer letzten Zusammenkunft im Mai 1986 in Tokio bei
der
internationalen
Zusammenarbeit gegen den Terrorismus erzielt worden sind, und insbesondere die Initiative Frankreichs
und Deutschlands, im Mai in Paris
eine Tagung der für die Terrorismusbekämpfung
zuständigen
Minister einzuberufen;
- wir bekräftigen unsere Entschlossenheit, sowohl durch nationale
Maßnahmen als auch durch internationale
Zusammenarbeit
zwischen
uns und gegebenenfalls mit anderen Staaten den Terrorismus zu
bekämpfen und erneuern daher unseren Appell an alle gleichgesinnten Länder, die internationale Zusammenarbeit in allen geeigneten Gremien zu festigen und
auszubauen;

* * *

Anlage
- wir werden unsere Bemühungen zur
Erhöhung der Sicherheit von Reisenden fortsetzen.
Wir begrüßen
die Sicherheitsverbesserungen auf
Flughäfen und im Schiffsverkehr
und fördern die Arbeit der internationalen Zivilluftfahrt-Organisation
und der
internationalen
Seeschiffahrts-Organisation
auf
diesem Gebiet.
Jeder von uns
wird weiterhin die Tätigkeit von
Luftfahrtunternehmen, die Sicherheitsprobleme
aufwerfen,
genau
überwachen.
Die Staats- und Regierungschefs haben die in der
Anlage dieser
Erklärung aufge-

Die
Staats- und
Regierungschefs
erinnern daran, daß sie in ihrer Erklärung von Tokio zum internationalen
Terrorismus vereinbarten, der Bonner
Erklärung von 1978 bei der Bewältigung aller die zivile Luftfahrt bedrohenden Formen des Terrorismus zu
größerer
Wirksamkeit
zu verhelfen.
In Fällen, in denen ein Land die Auslieferung oder gerichtliche Verfolgung derjenigen, die in dem Übereinkommen von Montreal zur Bekämpfung
widerrechtlicher Handlungen gegen die
Sicherheit der Zivilluftfahrt genann-

- 2 -

�te strafbare Handlungen begangen haben/ verweigert beziehungsweise das
betroffene Flugzeug nicht zurückgibt,
sind die Staats- und Regierungschefs
daher gemeinsam entschlossen, durch
die Regierungen sofort dafür zu sorgen, daß gemäß der Bonner Erklärung
sämtliche Flüge in ein solches Land
eingestellt werden.
Gleichzeitig werden ihre Regierungen Schritte einleiten, damit gemäß der Bonner Erklärung sämtliche
Einflüge
durch
Luftfahrtunternehmen
dieses Landes aus ihm oder aus jedem
anderen Land unterbunden werden.
Die
Staats- und
Regierungschefs
beabsichtigen ferner, die Bonner Erklärung zu gegebener Zeit zu erweitern, so daß sie künftige einschlägige Änderungen des genannten Übereinkommens oder anderer Luftfahrtübereinkommen in bezug auf die Auslieferung oder gerichtliche Verfolgung der
Täter abdeckt.
Die
Staats- und
Regierungschefs
fordern andere Regierungen nachdrücklich auf, sich dieser Verpflichtung
anzuschließen.

* * * * * *

�J&gt;^

AMERIKA DIENST
Dokumentation
10. Juni 1987

22

SCHLUSSKOMMDNIQÜE DES WELTWIRTSCHAFTSGIPFELS
IN VENEDIG
- Wortlaut der Erklärung -

VENEDIG - (AD) - Nachfolgend drucken wir den Wortlaut des Schlußkommuniques der Staats- und Regierungschefs der sieben größten Industriestaaten bei
ihrem Gipfeltreffen in Venedig.

Wirtschaftserklärung von Venedig
Wir, die Staats- und Regierungschefs der sieben großen Industriestaaten und die Vertreter der Europäischen Gemeinschaft, sind vom 8.
bis 10. Juni 1987 in Venedig zusammengekommen, um die Fortschritte zu
überprüfen, die unsere Länder einzeln
und gemeinsam bei der Durchführung
der Politik erzielt haben, zu der wir
uns auf früheren Gipfeln verpflichtet
haben.
Wir sind nach wie vor entschlossen, die Wachstums-, Stabilitäts-,
Beschäftigungs- und
Wohl-

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Embassy of the United States of America

standspolitik für unsere Länder und
für die Weltwirtschaft zu verfolgen.
Wir können seit unserer Zusammenkunft im letzten Jahr auf eine Reihe
positiver
Entwicklungen
zurückblikken. Das Wachstum setzt sich nunmehr
im fünften Jahr fort, wenn auch mit
niedrigeren Raten. Die durchschnittlichen
Inflationsraten
haben
sich
verringert.
Die Zinsen sind allgemein zurückgegangen.
Unter den führenden Währungen ist es zu Wechselkursänderungen gekommen, die mit der
Zeit zu einer dauerhaften Struktur

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�der Leistungsbilanzpositionen beitragen werden und die Währungen in Zonen
gebracht haben, die im Großen und
Ganzen den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen entsprechen.
Volumenmäßig
hat eine Anpassung der Handelsströme
bereits eingesetzt, auch wenn die Ungleichgewichte wertmäßig nach wie vor
zu groß sind.

Makroökonomische Politik und Wechselkurse
Seit Tokio haben die Gipfelländer
die Koordinierung ihrer Wirtschaftspolitik mit dem Ziel verstärkt, die
Vereinbarkeit
der
einzelstaatlichen
Maßnahmen untereinander und auf internationaler Ebene zu gewährleisten.
Dies ist für ein größeres und anhaltendes weltweites Wachstum, verringerte außenwirtschaftliche Ungleichgewichte und stabilere Wechselkursverhältnisse wesentlich.
Angesichts
der im Louvre und in Washington erreichten wirtschaftspolitischen Vereinbarungen könnten weitere substantielle Verschiebungen in den Wechselkursen Bemühungen um eine Steigerung
des Wachstums und der Erleichterung
der Anpassungen vereiteln.
Wir bekräftigen
unsere Verpflichtung
zur
raschen und vollständigen Durchführung dieser Vereinbarungen.
Nun müssen wir die Probleme lösen, die trotzdem noch in einigen unserer
Länder bestehen;
außenwirtschaftliche
Ungleichgewichte,
die
noch immer groß sind;
unverändert
hohe Arbeitslosigkeit;
große staatliche Defizite;
hohe reale Zinsen.
Desgleichen gibt es fortgesetzt Handelsbeschränkungen
und
verstärkten
protektionistischen Druck, anhaltende
Schwäche vieler
Rohstoffmärkte und
geringere
Aussichten
für
Entwicklungsländer, Wachstum zu erreichen,
die nötigen Absatzmärkte zu finden
- 2

und ihre
nen.

Auslandsschulden

zu

bedie-

Die Beseitigung außenwirtschaftlicher Ungleichgewichte wird ein langer und schwieriger Prozeß sein. Das
Problem, diese Ungleichgewichte
zu
beheben und gleichzeitig das Wachstum
aufrechtzuerhalten, wird durch Wechselkursänderungen allein nicht gelöst
werden.
Uberschußländer werden ihre
Politik so ausrichten, daß die Binnennachfrage gestärkt und außenwirtschaftliche Überschüsse abgebaut werden, zwar eine Politik verfolgen, die
ein stetiges Wachstum bei niedriger
Inflation fördert, aber gleichzeitig
ihre
fiskalischen
und
außenwirtschaftlichen Ungleichgewichte verringern.
Wir fordern andere Industriestaaten auf, sich an den Bemühungen zur
Stützung der Weltkonjunktur zu beteiligen. Wir fordern auch die Schwellenländer mit schnellem Wachstum und
großen
außenwirtschaftlichen
Überschüssen zur Übernahme größerer Verantwortung auf, wenn es darum geht,
durch den Abbau von Handelsschranken
sowie durch die Verfolgung einer Politik, dank deren ihre Währungen die
wirtschaftlichen
Rahmenbedingungen
vollständiger
widerspiegeln
können,
ein offenes Welthandelssystem
aufrechtzuerhalten.
Unter
den Gipfelländern
bleibt
Haushaltsdisziplin ein wichtiges mittelfristiges Ziel, und eine Reihe von
ihnen müssen weiterhin den Abbau bestehender Ungleichgewichte im staatlichen Sektor anstreben.
Diejenigen
Gipfelländer, die bei der Haushaltskonsolidierung bedeutende Fortschritte erzielt
haben
und
über
große
außenwirtschaftliche Überschüsse verfügen, sind nach wie vor verpflichtet, innerhalb eines Rahmens mittelfristiger
fiskalischer
Ziele
eine

�Fiskal- und Geldpolitik zu verfolgen,
die
auf
die
Stärkung
binnenwirtschaftlicher Wachstumskräfte abzielt.
Die Geldpolitik sollte zudem inflationsfreies Wachstum unterstützen und
die Stabilität der Wechselkurse fördern. Angesichts der in vielen Ländern zu erwartenden niedrigen Inflation wäre eine weitere marktorientierte Senkung der Zinsen hilfreich.

der Entwicklung und Durchführung verstärkter Abmachungen für die im vergangenen Jahr
in Tokyo geforderte
multilaterale Überwachung und wirtschaftspolitische Abstimmung erzielten Fortschritte.
Der neue Koordinierungsprozeß, zu dem auch die Verwendung wirtschaftlicher
Indikatoren
gehört, wird die Bemühungen um mehr
Kohärenz und gegenseitige Vereinbarkeit der Politik unserer Länder stärken.

Strukturpolitik
Einig sind wir uns auch über die
Notwendigkeit einer wirksamen Strukturpolitik mit dem besonderen Ziel
der Arbeitsplatzbeschaffung.
Zu diesem Zweck werden wir
- den Wettbewerb fördern, um
industrielle
Anpassung
zu
schleunigen;

die
be-

- große
Ungleichgewichte
zwischen
Angebot
und
Nachfrage
in der
Landwirtschaft verringern;
- arbeitsplatzbeschaffende
tionen erleichtern;

Investi-

- das Funktionieren
märkte verbessern;

Arbeits-

- die weitere Öffnung
märkte fördern;

der

der

Binnen-

- für die Beseitigung von Unzulänglichkeiten und Beschränkungen der
Kapitalmärkte sowie für die Verbeserung des Funktionierens der
internationalen Finanzmärkte Anreize schaffen.

Die
Staats- und
Regierungschefs
bekräftigen die unter anderem in bezug auf Wechselkurse und auf den Tagungen
der
Gruppe der
Sieben
im
Louvre und in Washington verabschiedeten Strategien und Verpflichtungen.
Sie sind sich einig, daß - falls das
weltwirtschaftliche Wachstum in Zukunft unzureichend ist - zusätzliche
Maßnahmen geboten sind, damit ihre
gemeinsamen
Ziele
erreicht
werden
können.
Demgemäß fordern sie ihre
Minister
auf,
erforderlichenfalls
weitere geeignete politische Maßnahmen zu entwickeln und zur Förderung
der
Wechselkursstabilität
weiterhin
eng zusammenzuarbeiten.
Die
Koordinierung
der
Wirtschaftspolitik
ist ein kontinuierlicher Prozeß, der sich im Laufe der
Zeit herausbilden und wirksamer werden wird.
Die Staats- und Regierungschefs bestätigen
die von der
Gruppe der sieben Finanzminister erreichten Vereinbarungen, wonach mit
Hilfe des Internationalen Währungsfonds
(IWF) die Überwachung
ihrer
Volkswirtschaften
anhand von Wirtschaftsindikatoren,
einschließlich
der
Wechselkurse,
gestärkt
werden
soll, und zwar insbesondere durch

Multilaterale Überwachung und wirtschaftspolitische Abstimmung
Wir begrüßen sehr die von
Gruppe der sieben Finanzminister

der
bei
- 3 -

- die Verpflichtung jedes Landes,
für seine Wirtschaft mittelfristige Ziele und Prognosen aufzustellen, und der Gruppe als sol-

�eher, sowohl einzelstaatlich als
auch gemeinsam in sich geschlossene Ziele und Prognosen zu erarbeiten; und
- die Verwendung von Leistungsindikatoren, anhand derer die aktuellen wirtschaftlichen Trends geprüft und beurteilt werden können
und mit denen sich feststellen
läßt, ob erhebliche Abweichungen
von
einem
beabsichtigten
Kurs
eingetreten sind, so daß Abhilfemaßnahmen
in
Erwägung
gezogen
werden müssen.
Die
Staats- und
Regierungschefs
erachten diese Maßnahmen als wichtige
Schritte für die Förderung eines anhaltenden, inflationsfreien globalen
Wachstums und größerer Währungsstabilität.
Sie fordern die Gruppe der
sieben Finanzminister und Notenbankpräsidenten auf
- ihre
Koordinierungsanstrengungen
im Hinblick auf eine rasche und
wirksame Durchführund der vereinbarten Strategien und Verpflichtungen zu intensivieren;
- die Wirtschaftsentwicklung in Zusammenarbeit
mit dem Leitenden
Direktor des IWF genau zu überwachen; und
- weitere, für eine wirksame Gestaltung des Abstimmungsprozesses
geeignete Verbesserungen zu prüfen.

Handel
Wir beobachten mit großer Sorge
den
zunehmenden
protektionistischen
Druck.
Die Uruguay-Runde kann zur
Aufrechterhaltung
und Stärkung des
multilateralen Handelssystems und zur
Erreichung einer für alle Länder vor-

teilhaften verstärkten Handelsliberalisierung eine wichtige Rolle spielen.
Angesichts der Verzahnung von
Wachstum, Handel und Entwicklung ist
es wesentlich, das multilaterale System auf der Grundlage der Prinzipien
und Regeln des Allgemeinen Zoll- und
Handelsabkommens (GATT) zu verbessern
und immer mehr Bereiche des Welthandels einer vereinbarten wirksamen und
durchsetzbaren
multilateralen
Disziplin zu unterstellen.
Protektionistische Vorgehensweisen wären diesem Ziel abträglich, würden die Gefahr weiterer Wechselkursinstabilität
erhöhen
und
die
Entwicklungs- und
Verschuldungsprobleme verschärfen.
Wir bekennen unsn uneingeschränkt
zu der Verpflichtung, unter Einhaltung der in der Ministererklärung zur
Uruguay-Runde bekräftigten Grundsätze
des "Standstill" und des "Rollback"
geeignete Maßnahmen zu ergreifen. Es
ist wichtig, im GATT ein multilaterales System von Grundsätzen und Regeln
für den Handel mit Dienstleistungen,
für handelsbezogene Investitionsmaßnahmen und für gewerbliche Schutzrechte einzurichten.
Die Ausweitung
des
multilateralen
Handelssystems
wird bei der Förderung des Wachstums
und der Verstärkung des Handels, der
Investitionen
und des Technologietransfers auch den Entwicklungsländern Nutzen bringen.
Auf der Grundlage der Ministererklärung zur Uruguay-Runde und der
Prinzipien des GATT fordern wir alle
Vertragsparteien auf, zur Gewährleistung
gegenseitiger
Vorteile
und
größeren Nutzens für alle Teilnehmerstaaten in gutem Glauben und mit aller gebotenen Eile umfassende Verhandlungen
durchzuführen.
Kanada,
Japan, die Vereinigten Staaten und
die Europäische Gemeinschaft werden
in den kommenden Monaten in Genf einen
breitgefächerten
Katalog
sub-

�stantieller
Vorschläge
vorlegen.
Fortschritte
in
der
Uruguay-Runde
werden stets einer sorgfältigen politischen
Überprüfung
unterliegen.
In diesem Zusammenhang sollten die
Einleitung, die Abwicklung und die
Durchführung der Ergebnisse der Verhandlungen als Teil eines Ganzen behandelt werden; in einem frühren Stadium erreichte Vereinbarungen könnten
jedoch auf vorläufiger oder endgültiger Basis durch eine Übereinkunft
noch vor dem förmlichen Abschluß der
Verhandlungen verwirklicht und sollten bei der Bewertung der allgemeinen
Verhandlungsergebnisse berücksichtigt
werden.
Ein starkes, glaubwürdiges
und
funktionstüchtiges GATT ist für das
Wohlergehen aller Handelsländer wesentlich und das beste Bollwerk gegen
zunehmenden
bilateralen
protektionistischen Druck.
Das Funktionieren
des GATT sollte durch eine Stärkung
seiner Rolle bei der Aufrechterhaltung eines offenen multilateralen Systems und seiner Fähigkeit zur Beilegung von Streitigkeiten sowie durch
eine bessere Koordinierung zwischen
dem GATT, dem IWF und der Weltbank
verbessert werden. Wir sind der Ansicht, daß gegebenenfalls im Verlauf
der Verhandlungen eine Zusammenkunft
des
Ausschusses
für
multilaterale
Handelsverhandlungen
auf
Ministerebene nützlich wäre.

Landwirtschaft
Auf dem Gipfel in Tokio haben wir
den Ernst der Agrarproblematik festgestellt.
Wir stimmten darin überein, daß die landwirtschaftliche Produktionsstruktur im Lichte der Weltnachfrage angepaßt werden muß, und
brachten unsere Entschlossenheit zum
Ausdruck, die Arbeit der OECD auf
diesem Gebiet voll und ganz zu unter-

stützen.
Dabei erkannten wir alle
die Bedeutung der Landwirtschaft für
das Wohlergehen unserer ländlichen
Gemeinden. Im vergangenen Jahr haben
wir die in Tokio entworfene Strategie
aktiv verfolgt, und wir nehmen mit
Befriedigung die in der Ministererklärung von Punta del Este angenommene Vereinbarung über die Ziele der
Landwirtschaftsverhandlungen
in der
Uruguay-Runde zur Kenntnis.
Wir bekräftigen unser Bekenntnis
zu der wichtigen, im Ministerkommunique der OECD vom 13. Mai 1987 niedergelegten
Vereinbarung
über
die
Landwirtschaft; hierzu gehören insbesondere die Darstellung des Ausmaßes
und der Dringlichkeit des Problems,
die einen ausgewogene und flexible
Durchführung
abgestimmter
Reformen
der Agrarpolitik erforderlich machen;
die Beurteilung der schwerwiegenden
Auswirkungen
der
zunehmenden
Ungleichgewichte von Angebot und Nachfrage bei den wichtigsten Agrarprodukten sowohl auf Industrie- als auch
auf
Entwicklungsländer;
Anerkennung
der
gmemeinsamen Verantwortung
für
die Probleme sowie deren ausgewogene,
wirksame und dauerhafte Lösung; die
Reformgrundsätze
und
die erforderlichen Maßnahmen.
Langfristig besteht
das
Ziel darin, durch
den
schrittweisen,
konzertierten
Abbau
der Hilfen für die Landwirtschaft wie
auch durch alle sonstigen geeigneten
Mittel die Voraussetzungen dafür zu
schaffen, daß die Marktsignale die
Ausrichtung der Agrarproduktion beeinflussen können, wobei soziale und
andere Anliegen wie zum Beispiel Ernährungssicherheit, Umweltschutz und
generell
die Beschäftigungslage
zu
berücksichtigen sind.
Wir
unterstreichen
unsere Verpflichtungen zu abgestimmten Vorgehen
mit dem Ziel, im eigenen Land und
durch umfassende Verhandlungen in der

- 5 -

�Uruguay-Runde die erforderlichen agrarpolitischen Anpassungen zu vollziehen.
Wie auf anderen Gebieten
werden wir auch hierzu umfassende
Vorschläge vorlegen, damit die Verhandlungen in den kommenden Monaten
im Einklang mit dem Mandat der Ministererklärung
durchgeführt
werden
können, und wir beabsichtigen, bei
unserer nächsten Tagung die erzielten
Fortschritte sowie die noch zu lösenden Aufgaben zu überprüfen.
Um inzwischen ein Klima größeren
Vertrauens zu schaffen, das die Aussichten auf schnelle Fortschritte in
der Uruguay-Runde insgesamt verbessern und einen Schritt auf dem Wege
zu den von diesen Verhandlungen zu
erwartenden langfristigen Ergebnissen
darstellen würde, fordern wir andere
Länder auf, unserer Übereinkunft zuzustimmen, wonach wir auf Maßnahmen
verzichten, die - indem sie die landwirtschaftliche
überschußproduktion
weiter anregen, den Schutz erhöhen
oder die Weltmärkte destabilisieren das Verhandlungsklima verschlechtern
und generell die Handelsbeziehungen
schädigen würden.

Entwicklungsländer und Verschuldung
Wir messen der Förderung solider
wirtschaftlicher Fortschritte in den
Entwicklungsländern
mit
all
ihren
verschiedenartigen Gegebenheiten und
Bedürfnissen besondere Bedeutung bei.
Die Probleme vieler hochverschuldeter
Entwicklungsländer
geben
Anlaß
zu
wirtschaftlicher und politischer Besorgnis und können in Ländern mit demokratischen Systemen eine Bedrohung
für die politische Stabilität darstellen.
Wir würdigen die mutigen
Bemühungen vieler dieser Länder zur
Erlangung von Wirtschaftswachstum und
Stabilität.

- 6

Wir unterstreichen die anhaltende
Bedeutung der öffentlichen Entwicklungshilfe und begrüßen die verstärkten
Anstrengungen
einiger
unserer
Länder auf diesem Gebiet. Wir erinnern an das von internationalen Organisationen festgelegte Ziel (0,7 Prozent) für die künftige Höhe der öffentlichen
Entwicklungshilfe;
desgleichen stellen wir fest, daß die
Finanzströme insgesamt für die Entwicklung wichtig sind.
Wir unterstützen
tatkräftig die Tätigkeiten
der internationalen Finanzinstitutionen, einschließlich jener regionalen
Entwicklungsbanken, die Zielsetzungsreformen der Anleihenehmer begünstigen und deren Strukturanpassungsprogramme finanzieren, insbesondere
- unterstützen
wir
die
aufgrund
seiner
Beratungs- und
Finanzierungsaufgaben zentrale Rolle des
IWF und fördern eine engere Zusammenarbeit zwischen dem IWF und
der Weltbank, vor allem bei ihren
Strukturanpassungskrediten;
- nehmen wir mit Befriedigung den
Beitrag der achten Wiederauffüllung der Internationalen Entwicklungsorganisation
(IDA)
zur
Kenntnis;
- unterstützen wir eine allgemeine
Aufstockung
des
Kapitals
der
Weltbank, wenn dies durch eine
erhöhte Nachfrage nach Qualitätsausleihungen, durch ihre erweiterte Rolle in der Schuldenstrategie und durch die Notwendigkeit
einer Aufrechterhaltung der finanziellen Stabilität der Institution gerechtfertigt ist;
- begrüßen wir im Lichte der verschiedenen Beiträge unserer Länder
zur
öffentlichen
Entwicklungshilfe die jüngste Initiative
der
japanischen Regierung, die

�ein neues System vorgelegt hat,
demzufolge
Japan
den
Entwicklungsländern zusätzliche Ressourcen bereitstellen wird.

zur Gewährleistung fortgesetzter Unterstützung für die Schuldnerländer
zu entwickeln.
Vor allem Schuldnerländer sollten
Maßnahmen ergreifen, um schuldenneutrale Kapitalströme, insbesondere Direktinvestitionen,
zu
erleichtern.
In diesem
Zusammenhang sollte die
"Multilateral
Investment
Guarantee
Agency" (MIGA) möglichst bald ihre
Aufgaben zu erfüllen beginnen.
Es
kommt darauf an, daß die Exportkreditanstalten bei der schnellen Wiederaufnahme oder Verstärkung der Dekkung für Länder, die umfassende Anpassungsprogramme verwirklichen, flexibel bleiben.

Im Hinblick auf die Hauptschuldnerländer mit mittleren Einkommen unterstützen wir weiterhin die gegenwärtige
Wachstums- und
einzelfallorientierte Strategie. Drei Elemente
sind zur Stärkung der Wachstumsaussichten der Schuldnerländer erforderlich: Verabschiedung umfassender Reformen makroökonomischer und struktureller Art durch die Schuldnerstaaten selbst; verstärkte Kreditgewährung durch internationale Finanzinstitutionen, insbesondere durch die
Weltbank; und angemessene Kreditvergabe der Geschäftsbanken zur Unterstützung der Reformen in Schuldnerländern. Wir werden unseren Teil dadurch beisteuern, daß wir einen Beitrag zur Erhaltung des Wachstums und
zur Ausweitung des Handels leisten.
Eine Reihe von UmschuldungsVereinbarungen haben in einem gewissen Ausmaß
erneutes
Wachstum, die Beseitigung
von Ungleichgewichten und bedeutsame
Fortschritte bei der Wiederherstellung
der
Kreditwürdigkeit
mancher
Länder ermöglicht. In einigen Fällen
fehlt es jedoch noch immer an einer
geeigneten
Strukturanpassungs- und
Wachstumspolitik, die darauf abzielt,
für die effiziente Nutzung inländischer
Ersparnisse, die Rückführung
von Fluchtkapital, einen verstärkten
Zustrom
von
Auslands-Direktinvestitionen und insbesondere für Reformen
der Finanzmärkte Anreize zu schaffen.

Wir sind uns der Probleme der
Entwicklungsländer
bewußt,
deren
Volkswirtschaften ausschließlich oder
überwiegend von der Ausfuhr von Rohstoffen
mit
anhaltend
niedrigem
Preisniveau abhängig sind.
Es geht
darum, das Funktionieren der Rohstoffmärkte,
beispielsweise
durch
bessere
Information
und
größere
Transparenz,
zu
verbessern.
Eine
weitere
Diversifizierung
dieser
Volkswirtschaften
sollte
gefördert
werden mit Hilfe der internationalen
Finanzinstitutionen, durch eine Politik, die darauf abzielt, die Bemühungen dieser Staaten um eine verbesserte Verarbeitung ihrer Erzeugnisse zu
unterstützen, die Chancen durch eine
Liberalisierung des Zugangs zu den
Märkten zu erhöhen und ein für den
Strukturwandel
günstigeres
internationales Klima zu schaffen.

Desgleichen ist es notwendig, die
Kreditvergabe
durch
Geschäftsbanken
in rechtzeitiger und wirksamer Weise
zu mobilisieren. In diesem Zusammenhang unterstützen wir Bemühungen von
Geschäftsbanken und Schuldnerländern,
ein Auswahlangebot alternativer Verhandlungs- und Finanzierungsverfahren

Wir erkennen an, daß die Probleme
einiger der ärmsten Länder, vor allem
südlich
der
Sahara,
beispiellos
schwierig sind und einer besonderen
Behandlung
bedürfen.
Diese Länder
sind
unter
anderem
gekennzeichnet
durch akute Armut, begrenzte Investitionsmittel für ihre eigene Entwick-

- 7 -

�lung, unüberschaubare Schuldenlasten
und eine starke Abhängigkeit von einem oder zwei Produkten sowie dadurch, daß sie größtenteils bei Regierungen
von Industriestaten oder
bei internationalen Finanzinstitutionen verschuldet sind. Für diejenigen
der ärmsten Länder, die Anpassungsbemühungen ergreifen, sollte die Möglichkeit
der Anwendung
niedrigerer
Zinsen auf ihre vorhandenen Schulden
erwogen werden, und insbesondere im
Pariser Club sollten Vereinbarungen
über längere Tilgungsfristen und tilgungsfreie Zeiten erreicht werden, um
die Schuldendienstlast
zu mildern.
Wir begrüßen die von einigen von uns
eingebrachten Vorschläge sowie den
Vorschlag des Leitenden Direktors des
IWF für eine erhebliche Aufstockung
der
Mittel der Strukturanpassungsfazilität ab 1. Januar 1988 für die
Dauer von drei Jahren. Wir dringen
auf einen Abschluß der Gespräche über
diese Vorschläge in diesem Jahr. Wir
dringen auf einen Abschluß der Gespräche über diese Vorschläge in diesem Jahr.
Wir halten fest, daß UNCTAD VII
eine Gelegenheit bietet, mit den Entwicklungsländern Gespräche zu führen,
um zu einer gemeinsamen Sicht der
großen weltwirtschaftlichen Probleme
und Strategien zu gelangen.

sation für Normung (ISO) und dem Internationalen Rat wissenschaftlicher
Vereinigungen (ICSU) sowie mit der
Unterstützung anderer interessierter
internationaler
Organisationen
und
Länder ein Forum für den Informationsaustausch und für Konsultationen
einzurichten, so daß auf diesem wichtigen Gebiet kontinuierliche
Fortschritte sichergestellt werden können.
Den von den Umweltsachverständigen in ihrem Bericht als vorrangig
bezeichneten
Umweltproblemen
sollte
ungeteilte
Aufmerksamkeit
gewidmet
werden.
Wir unterstreichen unsere eigene
Verantwortung bei der Förderung von
Bemühungen mit dem Ziel einer wirksamen
Bekämpfung von
Umweltproblemen
mit weltweiten Auswirkungen, so zum
Beispiel Abnahme des Ozongehalts in
der Stratosphäre, Klimaveränderungen,
saurer Regen, gefährdete Arten, gefährliche Stoffe, Luft- und Wasserverschmutzung
sowie die
Zerstörung
der tropischen Wälder. Wir beabsichtigen auch, andere Umweltthemen zu
untersuchen, wie zum Beispiel strenge
Umweltschutzauflagen als Anreiz für
Innovationen und für die Entwicklung
sauberer, kostengünstiger
und verbrauchsarmer Technologien sowie die
Förderung des Welthandels mit umweltfreundlichen
Erzeugnissen,
umweltfreundlichen Industrieanlagen und anderen Umweltschutztechnologien.

Umwelt
Im Nachgang zu unseren früheren
Verpflichtungen, eine gesunde Umwelt
zu erhalten und künftigen Generationen weiterzugeben, begrüßen wir den
Bericht
der
Umweltsachverständigen
über die Verbesserung und Harmonisierung von Umweltmeßtechniken und -verfahren.
Dementsprechend
jermutigen
wir das Umweltprogramm der Vereinten
Nationen (UNEP) dazu, in Zusammenarbeit mit der Internationalen Organi- 8

Wir begrüßen die insbesondere in
der internationalen Atomenergie-Organisation seit Tokio gemachten Fortschritte
bei
der
Verstärkung
der
wirksamen internationalen Zusammenarbeit in bezug auf die Sicherheit bei
der Handhabung der Kernenergie.

Sonstige Fragen
Wir

begrüßen

die

Initiative

Ja-

�pans
für ein
Wissenschaftsprogramm
für Vorstöße in neue Bereiche der Humanbiologie,
die
darauf
abzielt,
durch
internationale
Zusammenarbeit
die Grundlagenforschung
im Bereich
biologischer Funktionen zu fördern.
Wir sind dankbar, daß unseren Wissenschaftlern
informelle
Gelegenheiten
geboten wurden, an einigen Erörterungen
der
japanischen
Durchführbarkeitsstudie teilzunehmen. Wir nehmen
zur Kenntnis, daß diese Studie fortgesetzt wird, und würden gerne auch
in Zukunft von den Fortschritten unterrichtet werden.
Wir begrüßen den positiven Beitrag der im Januar 1987 in Kyote
veranstalteten Konferenz hochrangiger
Sachverständiger über die zukünftige
Rolle der Bildung in unserer Gesellschaft .

über die Gesundheitsprobleme (mündliche Erklärung der Londoner Vorsitzenden über Krebs und mündliche Erklärung des Bonner Vorsitzenden über
Drogen) stellen die Staats- und Regierungschefs und die Vertreter der
Europäischen Gemeinschaft fest, daß
AIDS eines der größten potentiellen
Gesundheitsprobleme in der Welt darstellt.
Die nationalen Anstrengungen
müssen verstärkt und durch internationale Zusammenarbeit und abgestimmte Kampagnen
in ihrer Wirksamkeit
verbessert werden, um der weiteren
Ausbreitung von AIDS Einhalt zu gebieten.
Es muß sichergestellt sein,
daß die ergriffenen Maßnahmen im Einklang
mit den Grundsätzen der Menschenrechte stehen. In diesem Zusammenhang haben sie sich darauf geeinigt, daß

Wir werden auch in Zukunft die
ethischen
Folgen
biowissenschaftlicher
Entwicklungen
einer
Prüfung
unterziehen. Nach den von den Regierungen der Gipfelländer - 1984 von
Japan, 1985 von Frankreich, 1986 von
der
Bundesrepublik
Deutschland
und
1987 von Kanada - veranstalteten Konferenzen begrüßen wir das Angebot der
italienischen
Regierung,
im
April
1988 in Italien die nächste Konferenz
über Bioethik auszurichten.

Nächster Wirtschaftsgipfel
Wir
haben
vereinbart,
uns
im
nächsten Jahr wieder zu treffen, und
haben die Einladung des kanadischen
Ministerpräsidenten nach Kanada angenommen .

Erklärung zu AIDS
Aufgrund
ihrer bereits in der
Vergangenheit
geäußerten
Besorgnis
- 9 -

- Doppelarbeit
die
internationale
Zusammenarbeit nicht verbessert.
Einer Stärkung bestehender Organisationen
durch die Gewährung
uneingeschränkter politischer Unterstützung sowie durch die Bereitstellung
der
erforderlichen
finanziellen, personellen und administrativen Ressourcen ist Vorrang einzuräumen.
Um die weltweiten
Bemühungen
zur AIDS-Bekämpfung auf internationaler Ebene zusammenzufassen, eignet sich
als Forum die Weltgesundheitsorganisation (WHO) am besten, und
alle Länder sollten zur vollen
Zusammenarbeit mit der WHO sowie
zur Unterstützung ihres AIDS-SonderProgramms aufgerufen werden;
- mangels eines Impfstoffes
oder
einer Therapie die aussichtsreichste AIDS-Bekämpfung und -Verhütung
in einer Strategie besteht, bei der die Öffentlichkeit
über den Ernst der AIDS-Epidemie,
die Art und Weise der Übertragung
des AIDS-Virus sowie über prakti-

�sehe Maßnahmen aufgeklärt wird,
die jeder einzelne zur Vermeidung
einer Infektion oder Weiterverbreitung ergreifen kann.
Geeignete Gelegenheiten zum Austausch
von Informationen über nationale
Aufklärungskampagnen
und
innerstaatliche Maßnahmen sollten genutzt werden.
Die Staats- und
Regierungschefs und die Vertreter
der Europäischen Gemeinschaft begrüßen den Vorschlag der britischen Regierung, zusammen mit der
WHO eine internationale Konferenz
auf Ministerebene über die AIDSAufklärung
der
Öffentlichkeit
auszurichten;
sie bei der Grundlagenforschung
und bei klinischen Untersuchungen
zur Verhütung und Behandlung von
AIDS sowie beim Informationsaustausch
weitere
Zusammenarbeit
fördern werden (wie zum Fall des
EG-Programms).
Die
Staats- und
Regierungschefs und die Vertreter
der Europäischen Gemeinschaft begrüßen und unterstützen gemeinsames Vorgehen von Forschern in den
sieben Ländern (wie beim gemeinsamen Programm französischer und
amerikanischer Forscher, das zur
Zeit erweitert wird, und ähnlichen Programmen) und überall in
der Welt mit dem Ziel, eine Therapie für die Krankheit zu finden, Bestandteile des Virus klinisch zu testen und einen wirksamen Impfstoff zu entwickeln. Die
Staats- und
Regierungschefs
und
die Vertreter der
Europäischen
Gemeinschaft
begrüßen den Vorschlag des Präsidenten der Französischen
Republik,
der
die
Schaffung
eines
internationalen
Ausschusses über die durch AIDS
aufgeworfenen
ethischen
Fragen
zum Ziele hat.

Erklärung über Drogen
Die
Staats- und
Regierungschefs
haben
das
Problem
des
Drogenmißbrauchs
untersucht,
das
tragische
Verluste an Menschenleben verursacht
und nun die Menschen überall in der
Welt und insbesondere junge Menschen
und ihre Familien bedroht. Sie betonen, wie wichtig eine Strategie zur
Unterstützung nationaler, regionaler
und
multilateraler
Kampagnen
zur
Überwindung dieses Problems ist. Sie
beabsichtigen, ihren Kampf gegen die
illegale Herstellung und Vermarktung
von Drogen fortzusetzen und alle erforderlichen Voraussetzungen für eine
wirksamere internationale Zusammenarbeit zu schaffen. Desgleichen werden
sie darauf hinwirken, daß der illegale Anbau natürlicher Drogen unterbunden und durch den Anbau anderer Erzeugnisse ersetzt wird, die der gesellschaftlichen
und
wirtschaftlichen
Entwicklung
förderlich sind.
Die Staats- und Regierungschefs begrüßen die bilateral und multilateral
bereits erreichten Vereinbarungen und
erwarten, daß die von den Vereinten
Nationen in der nächstern Woche nach
Wien einberufene Internationale Konferenz über Drogenmißbrauch und illegalen Drogenhandel von Erfolg gekrönt
sein wird.

- 10 -

* * * * * *

�J&gt;^'®

'VON

AMERIKA DIENST
Wirtschaft

e

*

10. Juni 1987

22
TEILWEISE AUFHEBUNG DER HANDELSSANKTIONEN GEGEN JAPAN
- Erklärung Präsident Reagans in Venedig -

VENEDIG - (AD) - In Anerkennung der Fortschritte Japans bei der Drosselung
der Verkäufe von modernen Halbleiter-Chips zu Preisen unterhalb der Produktionskosten auf Drittmärkten hat Präsident Reagan die teilweise Aufhebung der
amerikanischen Handelssanktionen gegen Japan angekündigt. Im Anschluß an bilaterale Verhandlungen mit dem japanischen Ministerpräsidenten Nakasone am 8.
Juni 1987 erklärte der Präsident, er halte es in Anbetracht der noch nicht
völligen Einhaltung des Halbleiterabkommens für angemessen, eine "Lockerung
der Sanktionen" von nur 51 Millionen Dollar zu verfügen, was ungefähr 17 Prozent des Gesamtwerts der jährlichen japanischen Verkäufe von Halbleitern an
die Vereinigten Staaten entspricht.
Nachstehend folgt die Erklärung Präsident Reagans im Wortlaut:

Eines unserer Hauptanliegen anläßlich
der
Eröffnung
des Wirtschaftsgipfels muß die Beseitigung
von Handelshemmnissen sein, die darauf ausgerichtet sind, das Ungleichgewicht des Handels aufrechtzuerhalten und die zum Protektionismus führen. Wir sollten uns zu freiem Wettbewerb bei einer fairen Marktlage
verpflichten.
Vor fast sechs Wochen habe ich
eine Anordnung zur Verhängung von
Sanktionen
auf japanische
Produkte
unterschrieben, als Reaktion auf die

United States Information Service
Embassy of the United States of America

japanische
Nichteinhaltung
unserer
Abkommen über Anti-Dumping und den
Marktzugang
von
Halbleitern.
Die
eindeutige Botschaft brachte unsere
Absicht zum Ausdruck, den fairen Handel ernst zu nehmen. Ebenso deutlich
war unser Wunsch, diese Sanktionen
aufzuheben, sobald die Fakten einen
"eindeutigen und anhaltenden Beweis"
der Einhaltung anzeigen.
Japan ist
sowohl ein führender Wirtschaftspartner wie auch ein zuverlässiger Freund
und Verbündeter, und wir wollen jede
Anstrengung
unternehmen, um unsere
Meinungsverschiedenheiten so schnell

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�wie möglich zu beseitigen.
Bedauerlicherweise ist mir eine
erste Überprüfung der Fakten über die
Halbleiter nicht hinreichend genug,
um die verhängten Sanktionen im Gesamtumfang aufzuheben.
Es gibt jedoch auf einem Gebiet nachdrückliche
Hinweise darauf, daß das Dumping von
Halbleiter-Chips mit dynamischem RAMSpeicher
(DRAMs)
auf
Drittmärkten
nachgelassen hat. Es ist ganz offensichtlich, daß eine merkliche Verbesserung auf diesem einen Gebiet stattgefunden hat.
Ich bin mir der Besorgnis im
Kongreß bewußt, ob konsequent und positiv auf die Einhaltung vorgegangen
ist.
Ich habe daher heute eine entsprechende Antwort angeordnet. DRAMs
machen 60 Prozent der 135 Millionen
Dollar an Sanktionen aus, die im Zusammenhang mit dem Dumping verhängt
wurden.
Die Angaben zu DRAMs verzeichnen einen Anstieg von einer 59prozentigen
zu einer
85prozentigen
Einhaltung des angemessenen Marktwertes, womit mehr als die Hälfte des
Weges zu einem annehmbaren ziel zurückgelegt ist. Ich ordne eine Aufhebung von Sanktionen in Höhe von 51
Millionen Dollar an, was einer 17prozentigen
Kürzung
des
Gesamtwertes
entspricht. Diese Aufhebung steht im
genauen Verhältnis zum bis heute erreichten Fortschritt.
Die japanische Regierung hat mir
die Zusicherung gegeben, daß dieses
positive Gesamtbild beim Dumping auf
Drittmärkten
anhalten
wird.
Wenn
sich herausstellen sollte, daß dies
nicht der Fall ist, werde ich nicht
zögern, die jetzt aufgehobenen Teilsanktionen wieder zu verhängen.

+ + + + + +

- 2

�AMERIKA DIENST
Wissenschaft und Technik
10. Juni 1987

22
NEUER STARTTERMIN FÜR NÄCHSTEN RAUMTRANSPORTER-FLUG

WASHINGTON - (AD) - Für den ersten Start eines amerikanischen Raumtransporters nach der CHALLENGER-Katastrophe vom 28. Januar 1986 wurde jetzt der
Monat Juni 1988 ins Auge gefaßt. Der genaue Termin soll später bekanntgegeben
werden. In einer am 20. Mai 1987 herausgegebenen Presseverlautbarung erklärte
Dr. James C. Fletcher, Administrator der US-Behörde für Luft- und Raumfahrt
(NASA), daß diese Änderung zusätzliche Bodentests vor dem Start ermögliche.
Ursprünglich war der 18. Februar 1988 als Termin vorgesehen. Sicherheit des
"Space Shuttle"-Fluges ist jedoch, Fletcher zufolge, für die NASA oberstes Gebot. Die revidierten Pläne, nach denen der Raumtransporter wieder flugbereit
gemacht werde, seien ehrgeizig und setzten voraus, daß die Test- und Vorbereitungsziele voll erreicht werden.
Die
NASA
gab
ferner
bekannt,
statt der für 1988 vorgesehenen sechs
Flüge würden nur drei durchgeführt.
Im Augenblick plane die Behörde sieben
Raumtransportermissionen
für
1989, eine weniger als im Manifest
vom Oktober 1986 angegeben.
Welche
Nutzlasten für die einzelnen Missionen an Bord genommen werden sollen,
werde später bekannt gegeben.
Dem
jüngsten Zeitplan zufolge sollte beim
ersten
Flug ein TDRS-Satellit der
NASA abgesetzt werden, der für Bahnbeobachtungen
und
Datenübermittlung
benötigt wird.

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Beim zusätzlichen Erprobungsprogramm für den Raumtransporter DISCOVERY, mit dem der erste Flug unternommen werden soll, geht es vor allem um
Brenntests der drei Haupttriebwerke
und
einen simulierten Start-Countdown, bei dem der große Außentank mit
Treibstoff gefüllt wird. Beide Tests
sind ca. sechs Wochen vor dem Start
vorgesehen. An den Feststoffraketen,
die in der ersten Aufstiegsphase hohe
zusätzliche Schubkraft liefern, hat
man nicht nur an der Verbindung der
Segmente, sondern auch an anderen

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Teilen
Verbesserungen
vorgenommen.
Ein Leck in einer der Segmentverbindungen hatte im vergangenen Jahr das
Unglück ausgelöst, bei dem die sieben
Astronauten den Tod fanden.

* * * * * *

�</text>
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                <text>Amerikadienst 10.06.1987</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Der Marshall-Plan leitete "Zeitalter der Freiheit" ein&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Präsident Reagans an die Jugend Europas -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Niedrigeres Rüstungsniveau zur Stabilisierung der Ost-West-Beziehungen angestrebt&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärung der Gipfelpartner -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Öltransport muss im Golf fortgesetzt werden können&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärung der Gipfelpartner -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gipfelpartner erzielen Einigung über Sanktionen zur Terrorismusbekämpfung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärung zum Terrorismus -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Schlusskommunique des Weltwirtschaftsgipfels in Venedig&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut der Erklärung -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Teilweise Aufhebung der Handelssanktionen gegen Japan&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärung Präsident Reagans in Venedig -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Neuer Starttermin für nächsten Raumtransporter-Flug</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST
'VON

*

3. Juni

21

1987

I N H A L T
DOKUMENTATION

Persischer Golf sollte nicht von Iran und UdSSR beherrscht werden
- Präsident Reagan zur Situation im Persischen Golf Marshall-Plan auch heute noch inspirativ
- Präsident Reagans Proklamation zum Gedenkmonat für George C.
Marshall Reagan fordert "routinemäßigen" AIDS-Test
- Rede vor der amerikanischen Stiftung für AIDS-Forschung -

INFORMATION
Greenspan bringt reiche Erfahrungen bei der amerikanischen Bundesbank
ein
- Kurzbiographie des neuen Vorsitzenden der Bundesbank NIDA verzeichnet Erfolge bei Drogenbekämpfungskampagne
- Artikel über die Drogenkonferenz in Honolulu 9

Eltern kommt Schlusselrolle bei Bekämpfung des Drogenmißbrauchs zu
- Artikel über die Drogenkonferenz in Honolulu -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Verkehrsflugzeug mit fünffacher Schallgeschwindigkeit
- Vorreiter für das amerikanische Weltraumflugzeug -

* * * * * *

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�AMERIKA DIENST
VON

&amp;

Dokumentation

21

3. Juni 1987

PERSISCHER GOLF SOLLTE NICHT VON IRAN UND UDSSR BEHERRSCHT WERDEN
- Präsident Reagan zur Situation im Persischen Golf -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Reagan gelobte in seiner am 29. Mai 1987
gehaltenen Ansprache, die "Benutzung der wichtigen Schiffahrtswege des Persischen Golfs wird nicht von den Iranern gelenkt werden" und "sollen nicht unter die Oberaufsicht der Sowjetunion gelangen".
Der Präsident bezeichnete es als seine Pflicht, sicherzustellen, daß zur
angemessenen Abschreckung Streitkräfte in dem Gebiet unterhalten werden, falls notwendig - auch zur Verteidigung gegen jedweden zufälligen oder beabsichtigten Angriff.
Nachfolgend drucken wir die Rede des Präsidenten im Wortlaut.
Ich möchte heute nachmittag direkt über die lebenswichtigen Interessen des amerikanischen Volkes sprechen, lebenswichtige Interessen, die
im Gebiet des Persischen Golfes auf
dem Spiel stehen. Es mag nach einer
wirtschaftlichen
Erholung
in einer
Rekordzeit von 54 Monaten leichtfallen, zu vergessen, wie wichtig der
Persische Golf für unsere nationale
Sicherheit ist.
Aber ich glaube, daß sich jeder
Anwesende und jeder meiner Zuhörer an
die schmerzlichen Auswirkungen der

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Ölkrise im Mittleren Osten vor einigen Jahren erinnern kann - an die
endlosen, demoralisierenden Schlangen
an den Tankstellen, die Verknappung,
Rationierung, die steigenden Energiepreise, die zweistelligen Inflationsraten und die ungeheure Verwirrung,
die unsere Wirtschaft in ihren Grundfesten erschütterte.
Dieselbe wirtschaftliche Verwirrung durchdrang alle Teile der Welt,
beeinträchtigte
ausländische Volkswirtschaften, verschärfte internationale Spannungen und erhöhte in ge-

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�fährlichem Ausmaß die Möglichkeiten
für regionale Konflikte und weitreichende Kriege.
Die grundlegende Kraft für den
Frieden in der Welt - die Vereinigten
Staaten
und
andere
demokratische
Staaten - wurden als erheblich geschwächt angesehen.
Unsere Volkswirtschaften und unser Volk wurden
als Sklaven der ölproduzierenden Länder der Welt betrachtet. Das könnte
sich wiederholen, wenn es dem Iran
und
der
Sowjetunion
gelingt, den
friedlichen
arabischen Staaten des
Persischen Golfs ihren Willen aufzuzwingen und wenn es dem Iran erlaubt
würde, das freie Passieren neutraler
Schiffe zu blockieren.
Aber dies wird sich nicht wiederholen, nicht während der Amtszeit
dieses Präsidenten.
Ich bin entschlossen,
daß
unsere
nationale
Volkswirtschaft
niemals
wieder
zu
einer Sklavin wird; daß wir nicht zu
den Tagen der Schlangen an den Tankstellen, der Verknappung, Inflation,
wirtschaftlichen Verwirrung und internationalen Erniedrigungen zurückkehren werden.
Lassen Sie es mich
Ihnen deutlich sagen - die Benutzung
der lebenswichtigen Schiffahrtwege im
Persischen Golf wird nicht von den
Iranern
diktiert
werden.
Diese
Durchfahrten sollen nicht unter die
Oberaufsicht der Sowjetunion gelangen. Der Persische Golf wird für die
Schiffahrt aller Länder der Welt offen bleiben. Ich werde es nicht zulassen, daß der Mittlere Osten ein
Engpaß für die Freiheit oder ein Pulverfaß für internationale Konflikte
wird.
Freiheit der Schiffahrt ist im
Völkerrecht keine leere Klausel. Sie
ist für die Gesundheit und Sicherheit
Amerikas und die Stärke unseres Bündnisses lebenswichtig.

Unsere Präsenz im Persischen Golf
ist ebenso wichtig, wenn es um die
Verhinderung
größerer
Konflikte im
Mittleren Osten geht, und sie bildet
eine Voraussetzung für die Beendigung
des brutalen und gewalttätigen, jetzt
sechseinhalb Jahre währenden Krieges
zwischen Iran und Irak. Auf diplomatischer Ebene tun wir, was wir können, um diesen Krieg zu seinem Ende
zu führen, und diese Bemühungen werden anhalten.
Zusammengenommen halten die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten
ihre Präsenz im Golf aufrecht, um den
ungehinderten Umschlag des Öls zu unterstützen, um unsere Freunde und
Verbündeten in der Region unseres Engagements für ihren Frieden und ihr
Wohlergehen zu versichern, um sicherzustellen,
daß
die
Freiheit
der
Schiffahrt und andere international
vereinbarte
Grundsätze
respektiert
und beachtet werden. Kurz gesagt, um
die Sache des Friedens zu unterstützen.
Bis
zur
Wiederherstellung
des
Friedens und bis für die Schiffahrt
in der Region - besonders für die
Schiffahrt
unter
amerikanischem
Schutz - keine Risiken mehr bestehen,
müssen wir eine angemessene Präsenz
zum Zwecke der Abschreckung aufrechterhalten, und um uns, falls notwendig, gegen jedweden zufälligen oder
jeden beabsichtigen Angriff zu verteidigen.
Als Oberbefehlshaber ist
es meine Pflicht, sicherzustellen,
daß Streitkräfte in diesem Gebiet unterhalten werden, die diesem zweck
angemessen dienen.
Unser ziel ist das Streben nach
Frieden und nicht die Provokation.
Aber unsere Interessen und die unserer Freunde müssen gewahrt werden.
Wir sind im Persischen Golf, um unse-

- 2 -

�re nationalen, und zusammen mit unseren Verbündeten, die Interessen der
gesamten westlichen Welt zu schützen.
Der Frieden steht auf dem Spiel. Unsere nationalen Interessen stehen auf
dem Spiel. Und wir werden die Fehler
der Vergangenheit nicht wiederholen.
Schwäche und ein Mangel an Entschlossenheit und Stärke werden nur
diejenigen ermutigen, die den ölfluß
als Mittel zu nutzen suchen, als Waffe, um dem amerikanischen Volk im Inland Schwierigkeiten zu bereiten, uns
im Ausland zu behindern und um im gesamten Mittleren Osten und der Welt
Konflikte und Gewalt zu fördern.

- 3 -

�AMERIKA DIENST
Dokumentation
21

3. Juni 1987

MARSHALL-PLAN AUCH HEUTE NOCH INSPIRATIV
- Präsident Reagans Proklamation zum Gedenkmonat für George C. Marshall -

WASHINGTON - (AD) - In seiner Proklamation vom 1. Juni 1987 erklärte Präsident Reagan den Juni 1987 zum Gedenkmonat für George C. Marshall und nannte
dessen Plan zum Wiederaufbau des vom Krieg zerstörten Europa "ein stolzes Monument der Geschichte unserer Nation".
Wie Präsident Reagan ausführte, ist der Marshall-Plan "auch heute noch inspirativ, weil er aufzeigt, welche Möglichkeiten bestehen, wenn Nationen ihre
Differenzen beilegen, um sich einer gemeinsmen Herausforderung zu stellen".
Die Proklamation hat folgenden Wortlaut:

Am 5. Juni vor 40 Jahren legte
der
damalige
Außenminister
George
Catlett Marshall Jr. in seiner Rede
bei einer Examensfeier der Universität Harvard seinen Plan zum Wiederaufbau des durch den Krieg zerstörten
Europa vor. Es ist wahrhaft angemessen, daß wir zum 40. Jahrestag dieses
Plans, der als Marshall-Plan bekannt
wurde,
eine
Gedenkfeier
abhalten,
weil er die Grundlage für das bemerkenswerteste
Zeitalter
von Frieden
und Wohlstand in der Geschichte bildet.
Der Plan verkörperte in höchstem Maße das amerikanische Engagement für Frieden und Freiheit in Eu-

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ropa und trug angemessenerweise den
Namen George Marshalls.
Als Stabschef der Armee im Zweiten Weltkrieg
trug er entscheidend zur Befreiung
Europas
bei; nachdem
Frieden geschlossen worden war, arbeitete er
ebenso tatkräftig als Außenminister
daran, Europa auf einem neuen Niveau
der Stärke und Vitalität wiederhergestellt zu sehen.
Der Marshall-Plan ist ein stolzes
Monument der Geschichte unserer Nation, weil sein Ursprung in unserem
großen und hochherzigen Geist liegt

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�wie auch in unserem Einsatz für die
Prinzipien der wechselseitigen Abhängigkeit, Selbstbestimmung und Offenheit gegenüber einer positiven Zusammenarbeit.
Der Plan war über die
kühnsten Erwartungen hinaus erfolgreich und bleibt heute noch inspirativ, weil er aufzeigt, welche Möglichkeiten
bestehen, wenn Nationen
ihre Differenzen beilegen, um sich
einer gemeinsamen Herausforderung zu
stellen.
Wir nehmen diese Gelegenheit auch
zum Anlaß, um George C. Marshall für
seine lebenslange Hingabe an die Vereinigten Staaten von Amerika zu ehren. Er bekleidete bei unserer härtesten Waffenprobe in der Armee eine
Führungsposition, diente als Außenund Verteidigungsminister
und wurde
der erste Berufssoldat, dem der Friedensnobelpreis verliehen wurde.
Er
wird uns immer als Inbegriff des Bürgers in Uniform in Erinnerung bleiben.

Aus diesem Grunde erkläre ich,
Ronald Reagan, Präsident der Vereinigten Staaten
von Amerika, den
Juni 1987 zum Gedenkmonat für George
C. Marshall, ich fordere alle Amerikaner auf, diesen Monat mit entsprechenden
Programmen, Feierlichkeiten
und anderen Veranstaltungen zu begehen.
Dies zu bezeugen, habe ich an
diesem ersten Tag des Juni, im Jahre
des Herrn
neunzehnhundertsiebenundachtzig und im zweihundertelften Jahr
der Unabhängigkeit
der Vereinigten
Staaten
von Amerika
meine Unterschrift geleistet.

gez.
Ronald Reagan

Der Kongreß hat durch Senatsbeschluß 70 den Monat Juni zum "Gedenkmonat für George C. Marshall" erklärt
und den Präsidenten ermächtigt und
aufgefordert, zu diesem Anlaß eine
Proklamation zu unterzeichnen.

- 2 -

�AMERIKA DIENST
Dokumentation

'VON**

3. Juni 1987

21

REAGAN FORDERT "ROUTINEM&amp;SSIGEN" AIDS-TEST
- Rede vor der amerikanischen Stiftung für AIDS-Forschung -

WASHINGTON - (AD) - In seinen Ausführungen vor der Amerikanischen Stiftung
für AIDS Forschung (American Foundation for AIDS Research) forderte Präsident
Reagan am 31. Mai 1987 "routinemäßige" AIDS-Tests für alle Insassen in Bundes-, Landes- und Regionalgefängnissen, für diejenigen, die um eine Heiratsurkunde nachsuchen sowie für alle, die Kliniken zur Behandlung von Geschlechtskrankheiten oder Drogenabhängigkeit aufsuchen.
Reagan hielt seine Rede anläßlich der von der Weltgesundheitsorganisation
und zahlreichen amerikanischen Regierungsbehörden veranstalteten Dritten Internationalen Konferenz über AIDS, zu der Tausende von Wissenschaftlern und
Forschern zusammengekommen waren.
Die Rede Präsident Reagans hat folgenden Wortlaut:
Ich möchte Ihnen allen meinen
Dank dafür aussprechen, daß Sie sich
dem Kampf gegen AIDS verschrieben haben,
und ich möchte ebenfalls der
amerikanischen Stiftung für AIDS-Forschung und den Empfängern der Auszeichnungen für ihre Beiträge danken.
Es erfüllt mich mit besonderer Freude, daß sich unter den heute abend
Geehrten auch ein Mitglied der Administration befindet.
Dr. Koop verkörpert das, was man von jedem Generalarzt erwartet - er ist ein ehrenwerter Mensch, ein guter Arzt und ein
Verfechter des öffentlichen Gesund-

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heitswesens. Auch den anderen Ärzten
und Forschern, die heute abend nicht
hier anwesend sein können, möchte ich
meinen Dank aussprechen.
Sie alle
haben in den frühen Tagen der Krankheit wahrhaften Mut an den Tag gelegt, als wir uns noch nicht bewußt
waren, wie todbringend AIDS ist. Sie
haben ein persönliches Risiko für medizinische Erkenntnisse und für das
Wohlergehen ihrer Patienten auf sich
genommen.
Und dies verdient unsere
aufrichtige Dankbarkeit und Anerkennung.

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�Ich möchte heute abend über die
Krankheit sprechen, die uns alle hier
zusammengeführt
hat.
Der
Dichter
W.H. Auden hat gesagt, daß die wahren
Männer der Tat in diesen Zeiten nicht
die Politiker oder Staatsmänner sind,
sondern
die
Wissenschaftler.
ich
glaube, diese Aussage hat besondere
Gültigkeit, wenn wir uns mit der
AIDS-Epidemie auseinandersetzen.
Diejenigen unter uns, die der Regierung angehören, können unsere Bürger über die Gefahren aufklären; wir
können sicheres Verhalten ermutigen;
Tests zur Bestimmung der Verbreitung
des Virus durchführen; wir können alle
möglichen
Maßnahmen
ergreifen.
Aber nur die medizinische Wissenschaft kann jemals AIDS wirklich bekämpfen.
Und wir haben bereits beachtliche Fortschritte erzielt.
Wenn man bedenkt, daß wir von der
Existenz dieser Krankheit nicht einmal wußten, bis im Juni 1981 fünf
Fälle
in
Kalifornien
auftauchten.
Das eigentliche AIDS-Virus wurde 1984
entdeckt. Die Bluttests standen 1985
zur Verfügung.
Ein Medikament zur
Behandlung, AZT, wurde in Rekordzeit
auf den Markt gebracht, und andere
werden folgen. In zahlreichen Labors
wird an einem Impfstoff gearbeitet.
Zusätzlich zu den privaten und
gemeinschaftlichen
Forschungen, die
in unserem Land und überall auf der
Welt durchgeführt werden, hat die
Bundesregierung in diesem Haushaltsjahr 317 Millionen Dollar für die
AIDS-Forschung und insgesamt 766 Millionen Dollar vorgesehen.
Im nächsten Jahr beabsichtigen wir 30 Prozent mehr für die Forschung aufzuwenden - 413 Millionen Dollar von insgesamt 1 Milliarde Dollar. Die Ausgaben für AIDS bilden einen der Bereiche, die im Budget am schnellsten
wachsen, und, meine Damen und Herren,

sie verdienen es.
Wir reißen auch die Schranken der
Vorschriften nieder, damit die AIDSMedikamente von den pharmazeutischen
Labors so schnell wie möglich auf den
Markt kommen. Es ergibt keinen Sinn
- und es ist in der Tat sogar grausam
- sterbenden Patienten die Hoffnung
auf neue Medikamente vorzuenthalten.
Und ich verurteile nicht diejenigen,
die für die Freigabe der AIDS-Medikamente auf die Straße gingen und protestierten, bevor der letzte Federstrich gezogen war.
ich habe Verständnis für sie, und wir werden Hilfe - und Hoffnung - zur Verfügung
stellen, und zwar so schnell wir können.
Die Wissenschaft ist eindeutig zu
atemberaubenden Fortschritten fähig,
aber sie kann keine Wunder vollbringen.
Aufgrund der langen Inkubationszeit von AIDS wird es Jahre dauern, die Wirkung eines Impfstofs herauszufinden.
Die
Tests
erfordern
Zeit, und das ist ein Problem, das
nicht mit Geld gelöst werden kann.
Wir werden frühestens gegen Mitte bis
Ende der neunziger Jahre einen Impfstoff auf dem Markt haben.
Da wir keine Heilung
für die
Krankheit und keinen Impfstoff gegen
sie haben, lautet die Frage, wie wir
uns in der Zwischenzeit angesichts
dieser
Krankheit verhalten
sollen?
Wie schützen wir die Bürger unserer
Nation?
Und wo fangen wir an?
Zum
einen ist es absolut notwendig, daß
das amerikanische Volk Wesen und Ausmaß des AIDS-Problems erkennt.
Und
es ist wichtig, daß die Bundes- und
Landesregierungen dies ebenfalls tun.
Ich habe kürzlich meine Absicht
verkündet, wegen
der
Konsequenzen
dieser Krankheit für unsere Gesellschaft eine nationale AIDS-Kommission

- 2 -

�ins Leben zu rufen.
Wir benötigen
umfassende Antworten. Was können wir
zum Schutz der Amerikaner tun, die
nicht mit dem Virus infiziert sind?
Wie können wir am besten für diejenigen sorgen, die krank sind und im
Sterben liegen?
Wie bewältigen wir
eine Krankheit, die unser Gesundheitsfürsorgesystem
überschwemmen
könnte? Die AIDS-Kommission wird dazu beitragen, die besten Ideen Amerikas zur Bewältigung der AIDS-Krise
herauszukristallisieren.
Einige Dinge sind uns bereits bekannt - die
kalten Statistiken.
Aber ich werde
Ihnen nicht die grausamen Fakten darüber aufzählen, wie viele bereits gestorben sind oder höchstwahrscheinlich sterben werden. Ich werde nicht
die Zahlen und Gruppen derjenigen
aufschlüsseln, die wir verloren haben, denn ich möchte nicht, daß die
Amerikaner denken, AIDS beträfe nur
bestimmte Gruppen. AIDS betrifft uns
alle.
Unsere
Bürger
müssen
folgendes
wissen: Amerika sieht sich mit einer
Krankheit konfrontiert, die tödlich
ist und die sich ausbreitet.
Dies
erforderdert Eile, nicht Panik.
Es
erfordert Mitgefühl, nicht Verurteilung. Und es erfordert Verständnis,
nicht
Ignoranz.
Es
ist
außerdem
wichtig, daß die Amerikaner diejenigen nicht zurückstoßen, die von der
Krankheit
infiziert
sind,
sondern
würde- und liebevoll für sie sorgen.
Das letzte Urteil liegt bei Gott; es
liegt bei uns, das Leiden zu mildern
und Heilung zu finden. Wir befinden
uns in einem Kampf gegen Krankheit,
nicht
gegen
unsere
amerikanischen
Mitbürger.
Wir dürfen diejenigen, die mit
dem AIDS-Virus infiziert sind, nicht
der Diskriminierung aussetzen.
Ich
stimme mit dem Minister für Bildung
und Gesundheit Bennett überein - wir

müssen uns standhaft gegen jede Diskriminierung der mit AIDS Infizierten
zur Wehr setzen. Wir müssen die Verfolgung
unserer Mitbürger, sei es
durch
Ignoranz oder Böswilligkeit,
verhindern.
So gefährlich und tödlich AIDS
auch ist, viele der mit dieser Krankheit verbundenen Ängste sind unbegründet.
Diese Ängste gründen sich
auf Ignoranz.
Mir wurde von einem
Zeitungsfoto berichtet, auf dem ein
Baby in einem Krankenhausbettchen mit
einem Schild darüber gezeigt wurde,
auf dem zu lesen stand:
"AIDS
nicht
berühren".
Glücklicherweise
war dieses Foto vor einigen Jahren
aufgenommen worden, und wir wissen
heute, daß es für solche Ängste keinen Grund gibt.
Aber ähnliche Vorfälle ereignen
sich immer noch überall in diesem
Land. Ich habe über einen AIDS-infizierten Mann gelesen, der an seinen
Arbeitsplatz zurückkehrte und anonyme
Zettel auf seinem Schreibtisch fand
mit solchen Sätzen wie:
"Benutzung
unseres WasserSpenders verboten".
Mir wurde von einem Vorfall in
Florida berichtet, bei dem drei Brüder im Alter von 10, 9 und 7 Jahren,
alle Bluter und AIDS-Träger, beteiligt waren. Der Pastor forderte die
ganze Familie auf, nicht mehr in die
Kirche zu kommen.
Meine Damen und
Herren - dies sind altmodische Ängste, die im "Home of the Brave" keinen Platz haben.
Der öffentliche Gesundheitsdienst
hat festgestellt, daß kein medizinischer Grund dafür vorliegt, eine mit
dem Virus infizierte Person von regelmäßigem Schulbesuch oder der Arbeit
abzuhalten.
Es gibt
keinen
Grund für diejenigen, die AIDS-Träger
sind, ein scharlachrotes A zu tragen.

- 3 -

�AIDS ist nicht eine zufällig ansteckende Krankheit. Wir sind immer
noch dabei, zu lernen, wie AIDS übertragen wird, aber die Experten sagen
uns, daß man es nicht von Telephonen,
in Schwimmbädern oder von Wasserspendern
bekommt.
Wir
bekommen
AIDS
nicht, wenn wir jemandem die Hand
schütteln oder im Bus oder sonst irgendwo sitzen. Und am allerwichtigsten ist, man bekommt AIDS nicht, indem man Blut spendet.
Zum Abbau der Ängste ist Erziehung entscheidend. Und Erziehung ist
ebenfalls der entscheidende Faktor,
um die Weiterverbreitung der Krankheit zu stoppen. Da wir bisher noch
keine Heilung und keinen Impfstoff
zur Behandlung haben, ist das einzige, was die Verbreitung von AIDS im
Augenblick eindämmen kann, ein Wandel
im Verhalten derjenigen Amerikaner,
die davon bedroht sind.
Wie ich bereits ausgeführt habe,
ist es Aufgabe der Regierung, wissenschaftliche und sachdienliche Informationen zur Verfügung zu stellen.
Organisationen können dazu beitragen,
diese Informationen
zu verbreiten,
ebenso wie Gemeinden und religiöse
Gruppierungen.
und natürlich können
dies auch die Schulen - unter Anleitung der Eltern und mit der Verpflichtung, so hoffe ich, daß die
AIDS-Erziehung oder jeder Aspekt der
Sexualerziehung nicht wertneutral gehandhabt werden.
Ein Dekan der st. Pauls Kathedrale in London hat einmal gesagt: "Das
Ziel der Erziehung ist nicht die
Kenntnis der Fakten, sondern der Werte".
Und das ist von der Wahrheit
nicht allzuweit entfernt.
Erziehung
ist das Wissen, sich anzupassen, erwachsen zu werden, sich selbst und
die Welt um uns herum zu verstehen.

Und Werte sind es, die uns bei den
Entscheidungen
des
Lebens
leiten.
Eine dieser Entscheidungen betrifft
unser Sexualverhalten.
Wie Generalarzt Dr. Koop ausgeführt hat, können wir von Kindern,
denen
Selbstwertgefühl
vermittelt
worden ist, erwarten, daß sie sich
selbst und anderen mit größerem Respekt entgegentreten.
Und wo immer
Selbstrespekt und gegenseitiger Respekt vorherrschen, gibt es keinen
Dogenmißbrauch und sexuelle Promiskuität - die natürlich die beiden
Hauptursachen für AIDS sind.
Auch
Nancy hat bei ihrer Arbeit herausgefunden, daß Selbstachtung die beste
Verteidigung
gegen
Drogenmißbrauch
darstellt.
Wir wissen, daß es diejenigen geben wird, die trotzdem weitermachen.
Nachdem eine moralische Grundlage definiert worden ist, kann man präventive und andere spezifische Maßnahmen
diskutieren.
Und es gibt einen weiteren Aspekt
bei der Vermittlung von Werten, der
hier erwähnt werden muß. Als Einzelpersonen haben wir eine moralische
Verpflichtung, andere nicht in Gefahr
zu bringen - und das kann heißen, andere mit einer Pistole, einem Auto
oder mit einem Virus in Gefahr zu
bringen. Wenn eine Person Grund zu
der Annahme hat, er oder sie sei
AIDS-Träger, dann hat diese Person
die moralische Pflicht, sich einem
Test zu unterziehen. Der menschliche
Anstand gebietet dies. Und der Grund
dafür ist sehr einfach - unschuldige
Menschen werden durch das Virus infiziert, und einige von ihnen werden
AIDS bekommen und sterben.
Lassen Sie mich Ihnen eine Geschichte über junge, unwissende Menschen erzählen.
Ein Arzt in einem

- 4 -

�Landkreis in Kentucky behandelte eine
Frau, die das AIDS-Virus von ihrem
Ehemann erworben hatte, der sich Drogen intravenös spritzte. Später wurden sie geschieden, und keiner der
beiden wußte, daß sie infiziert waren. Sie heirateten wieder einen anderen Partner, und heute hat bereits
einer von ihnen die Krankheit an den
neuen Ehepartner weitergegeben.

Darüber hinaus habe ich um eine
Überprüfung anderer Verantwortungsbereiche des Bundes nachgesucht, wie
etwa der Krankenhäuser für Kriegsveteranen, um herauszufinden, ob in
diesen Bereichen Tests angemessen wären. Diese Untersuchungen finden zusätzlich zu den bei den Streitkräften
und
im Auswärtigen Dienst bereits
durchgeführten Tests statt.

Ebensowenig, wie die meisten Menschen wissen, ob sie Träger des Virus
sind, wissen wir, in welchem Maße das
Virus unsere gesamte Gesellschaft bereits infiziert hat. AIDS verbreitet
sich heimtückisch unter unserer Bevölkerung, und dennoch haben wir noch
keine präzise Vorstellung über das
Ausmaß der Verbreitung.
Es ist an
der Zeit, daß wir genau wissen, womit
wir
uns
auseinandersetzen
müssen.
Und aus diesem Grund unterstütze ich
routinemäßige Tests.

Ich möchte mich jetzt dem zuwenden, was die Einzelstaaten tun können. Einige haben die Arbeit bereits
aufgenommen.
Ich berücksichtige die
freie Entscheidung des einzelnen, ermutige aber die Staaten, denjenigen,
die sich um eine Heiratsurkunde bemühen oder Patienten von Kliniken für
Geschlechtskrankheiten
oder
Drogenentzug Routineuntersuchungen anzubieten.
Und ich ermutige die Einzelstaaten, in Staats- oder Regionalgefängnissen
Routineuntersuchungen
zu
verlangen.

Ich habe das Ministerium für Gesundheits- und
Sozialwesen
um eine
baldmögliche Feststellung des Ausmaßes gebeten, in dem das AIDS-Virus
unsere Gesellschaft bereits durchsetzt hat sowie um eine Vorhersage
der zukünftigen Dimensionen
Ich habe ferner das Ministerium
für das Gesundheits- und Sozialwesen
gebeten, das AIDS-Virus in die Liste
der ansteckenden Krankheiten aufzunehmen, aufgrund derer Einwanderern
und Personen, die um ständigen Wohnsitz in den Vereinigten Staaten nachsuchen, die Einreise verwehrt werden
kann.
Ich habe das Justizministerium
ersucht, Tests bei allen in Bundesgefängnissen
einsitzenden
Häftlingen
vorzusehen und Wege aufzuzeigen, um
nicht infizierte Insassen und ihre
Familien zu schützen.

Tests werden uns nicht nur mehr
Informationen als Entscheidungsgrundlage liefern, sondern auch im Falle
der Heiratsurkunden wenigstens einigen Babys ersparen, mit AIDS geboren
zu werden. Und jeder, der weiß, wie
schrecklich AIDS den Körper angreift,
kann sich dieser menschlichen Betrachtungsweise nicht entziehen. Ich
würde annehmen, daß sich jeder Heiratswillige testen lassen möchte.
Sie wissen, daß es ein Sprichwort
gibt, das besagt, wo die Nacht am
dunkelsten ist, leuchten die Sterne
am hellsten. Und bei dieser schrecklichen
AIDS-Seuche
gab
es
einige
lichte Momente. Ich spreche von all
den Freiwilligen im ganzen Land, die
sich um die Kranken und Hilflosen gekümmert haben.

Jahr
- 5 -

Zum Beispiel haben im vergangenen
etwa 450 Freiwillige im Rahmen

�des Shanti-Projekts 87 Prozent der
AIDS-Patienten San Franciscos 130 000
Stunden an seelischem Rückhalt und
praktischer
Unterstützung
gegeben.
Diese Art des Mitgefühls hat sich
über das ganze Land ausgebreitet und
symbolisiert die beste Tradition der
Fürsorge. Und ich ermutige die Amerikaner, diesem Beispiel zu folgen
und freiwillig ihren an AIDS erkrankten Mitbürgern zu helfen.
Abschließend möchte ich Ihnen etwas aus der Zeitung vorlesen, das
ebenfalls den amerikanische Geist widerspiegelt. Ein junger an AIDS erkrankter Mann hat gesagt:
"Obwohl
ich den Tod akzeptiere, ist der Kampf
um das Leben wichtig, und ich werde
diese Krankheit mit jedem Atemzug bekämpfen, der mir bleibt".

* * * * * *

- 6

�^£°s7&lt;

VOM

AMERIKA DIENST
Information

&amp;

3. Juni 1987

21

GREENSPAN BRINGT REICHE ERFAHRUNGEN BEI DER
AMERIKANISCHEN BUNDESBANK EIN
- Kurzbiographie des neuen Vorsitzenden der Bundesbank -

WASHINGTON - (AD) - Viele Wirtschaftswissenschaftler
haben
darauf
hingewiesen, daß es schwierig wäre,
jemanden
mit
der
Kompetenz
Paul
Volckers zu finden, der ihm als Vorsitzenden der Bundesbank folgen könnte.
Aber am 2. Juni hat Präsident
Reagan einen Kandidaten für die Nachfolge
Volckers
vorgeschlagen,
der
nach übereinstimmender Auffassung umfangreiche
Fachkenntnisse
und eine
gesunde
Handhabung
der
Geldpolitik
für den Posten mitbringt.

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Der
Volkswirtschaftler
Alan
Greenspan, früherer Berater der Präsidenten Nixon und Ford, trat häufig
als Zeuge vor Ausschüssen des Kongresses auf. Er wird Volcker innerhalb der nächsten Monate ablösen,
wenn er vom Senat bestätigt wird.
Nach der Ankündigung berichtete
Volcker einigen Journalisten im Weißen Haus, er kenne Greenspan seit 30
Jahren.
Er sagte wörtlich:
"Ich
kenne einige seiner Begabungen, seine
Erfahrung, seine Fähigkeiten und sei-

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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�ne Hingabe. Und ich bin erfreut, daß
der Präsident ihn gebeten hat, das
Amt anzutreten und daß er zugestimmt
hat."

Greenspans "eine ausgezeichnete Wahl"
und fuhr fort:
"Ich glaube nicht,
daß
der
Präsident
einen
besseren
Nachfolger hätte finden können."

Bei einem anderen Informationsgespräch sagte der amerikanische Finanzminister James Baker: "Ich glaube, daß die Qualifikationen von Dr.
Greenspan absolut hervorragend sind,
und ich erwarte nicht, daß es bei
seiner
Bestätigung
Probleme
geben
wird.
ich glaube, wir haben während
der
vergangenen Tage Spekulationen
darüber erlebt, ob es eine negative
Reaktion (auf den Märkten) geben würde.
Aber ich glaube wirklich, daß
wir eine Fortsetzung dieser Art von
Aktivitäten für einen längeren Zeitabschnitt nicht erleben werden, wenn
der Markt sein Augenmerk auf die Qualifikationen des Nachfolgers von Paul
Volcker richtet."

Der Vorsitzende des Bankausschusses, William Proxmire, dessen Auschuß
dafür verantwortlich ist, dem gesamten Senat zu empfehlen, ob dieser die
Berufung Greenspans unterstützen oder
ablehnen soll, sagte jedoch am 2. Juni im Senat, daß er über die Entscheidung
der Regierung
enttäuscht
sei und nicht verstünde, warum diese
getroffen worden wäre.

Die
Nominierung
von
Greenspan
stieß im Kongreß auf überwiegend positive Reaktionen beider Parteien.
Der
Mehrheitsführer
im
Senat,
Robert Byrd, nannte Greenspan "einen
Mann mit bemerkenswerter Erfahrung";
der "Einpeitscher" der Mehrheit im
Senat, Alan cranston, beschrieb ihn
als "einen sehr geachteten konservativen Volkswirtschaftler" und fuhr
fort:
"Möglicherweise
verfolgt
Greenspan
die
gleiche
Linie
wie
Volcker, aber er hat nicht volckers
gradlinigen Lebenslauf."
Der demokratische Senator Donald
Riegle, Mitglied sowohl des Finanzwie des Bankausschusses, erklärte,
Greenspan sei "ein Mann der Vernunft
und besitze außergewöhnliches berufliches Geschick."
Der Senator Jake Garn, ranghöchstes Mitglied der Minderheit im Bankausschuß
nannte
die
Nominierung

Finanzielle Kreise äußerten große
Unterstützung für Greenspan.
Der Präsident der Chase Manhattan
Bank, Thomas G. LeBrecque, erklärte
in einer Stellungnahme nach Reagans
Ankündigung:
"Ich
würde
von
Greenspan erwarten, daß er ein weiterer starker und erfolgreicher Chef
der Bundesbank sein wird, der die
Tradition einer gesunden Finanzpolitik fortsetzt."
Robert Dederick, der wichtigste
Volkswirtschaftler der Northern Trust
Company
in
Chicago,
erklärte:
"Greenspan ist ganz sicher ein besonders
fähiger
Nachfolger
für
Paul
Volcker.
Er ist ein pragmatischer,
solider
Konservativer.
Er ist in
sehr starkem Maße ein Mensch, der um
die Inflation besorgt ist, was eine
hervorragende Eigenschaft für einen
Leiter der Bundesbank ist."
Wie Volcker ist Greenspan der Ansicht, daß der Abbau des Haushaltsdefizits der Schlüssel zu einer langfristigen Stabilisierung der amerikanischen Wirtschaft ist. Vor einigen Jahren sagte er, daß "die Bundesbankpolitik durch die sie umgebenden
fiskalischen
Gegebenheiten
eingeschränkt" sei.

�in den vergangenen Jahren hat
Greenspan auch an der Wirksamkeit der
Wechselkurs-Interventionen zur Stabilisierung der Währungen einige Zweifel geäußert.
Die Berufung Greenspans erfolgte
nicht als völlige Überraschung. Wann
immer in den vergangenen Jahren Gerüchte über einen möglichen Rücktritt
Volckers aufkamen, stand Greenspans
Name als wahrscheinlicher
Kandidat
bei jedem ganz oben auf der Liste.
Er
ist derzeit
Präsident
bei
Townsend-Greenspan and Company, einer
anerkannten New Yorker Beratungs- und
Planungsfirma, der er seit 1954 angehört.

von beiden Parteien getragenes Paket
über Steuererhöhungen und einen Abbau
der Zuwendungen vorschlug, um das
kränkelnde System zu unterstützen.
Greenspan hat zahllose Auszeichnungen erhalten und war der letzte
Präsident und ein Mitglied der Nationalen Gesellschaft der Wirtschaftswissenschaftler. Er ist Mitglied des
Rates für Auswärtige Beziehungen.
Er hat an der New York University
Wirtschaftswissenschaften
studiert
und anschließend
darin promoviert.
Er hat ferner an der Colombia University studiert.
Greenspan wurde am 6.
in New York City geboren.

Eine seiner Hauptfähigkeiten bestand darin, aufgrund wirtschaftlicher Zahlen ein Bild für die weitere
Entwicklung der Wirtschaft im allgemeinen oder eines bestimmten Teiles
hieraus zu entwickeln.
Greenspan war Berater im Sachverständigenrat des Präsidenten (CEA),
im amerikanischen
Finanzministerium
und von 1970 bis 1974 bei der Bundesbank.
Während dieser Zeit trat er
gegen die von Präsident Nixon eingeführten
Lohn- und
Preiskontrollen
ein.
Von 1974 bis 1977 war er der
Vorsitzende des Sachverständigenrates
von Präsident Ford.
Während der Amtszeit von Präsident Carter war er Berater im Haushaltsbüro des Kongresses, und seit
1981 ist er Mitglied in Präsident
Reagans Beirat für Wirtschaftspolitik.
Von 1981 bis 1983 war er Vorsitzender von Präsident Reagans Konsultativkommission über die Reform des
Sozialversicherungssystems,
die
ein
- 3 -

März

1926

�AMERIKA DIENST
Information

"VoN^

3. Juni 1987

21

NIDA VERZEICHNET ERFOLGE BEI

DROGENBEKXMPFUNGSKAMPAGNE

- Artikel über die Drogenkonferenz in Honolulu -

HONOLULU - (AD) - Das Nationale Institut für Drogenmißbrauch (National Institute on Drug Abuse - NIDA) hat vor kurzem bei einer Sonderkonferenz im OstWest-Zentrum das Geheimnis seiner Erfolge gelüftet, die es gemeinsam mit einer
Gruppe von internationalen Führungskräften beim Kampf gegen Drogenmißbrauch
mit den beiden Kampagnen "Sag einfach nein" und "Kokain: die große Lüge" erzielt hat.

Laut Elaine Johnson, der Stellvertretenden Direktorin von NIDA, ist
die Erkenntnis des Problems der erste
Schritt, wenn man einen wirksamen
Werbefeldzug zur Verhütung des Drogenmißbrauchs in Angriff nehmen will.
NIDA ist als führende Bundesbehörde verantwortlich für die Verringerung der Nachfrage nach illegalen
Drogen in den Vereinigten Staaten und
wird in diesem Jahr 25 Millionen Dollar für Forschungsprojekte über illegale Drogen und die Auswirkungen ihres Gebrauchs aufwenden.

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Johnson stellte fest, daß 14 Millionen Dollar für die Erforschung von
Kokain und anderen Aufputschmitteln
vorgesehen sind.
Elf Millionen Dollar sind für die Marihuana-Forschung
bestimmt, denn Marihuana ist, laut
Johnson,
"die
am
häufigsten
mißbrauchte Droge
in den Vereinigten
Staaten.
Ihre Ausführungen konzentrierten sich jedoch im wesentlichen
auf die Entwicklung von NIDAs Kokainbekämpfungskampagne.
Zusätzlich

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D 5300 Bonn 2

zu

einer

umfassenden

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Kenntnis des Problems, mit dem wir
uns konfrontiert sehen, ist Johnson
zufolge seitens der Planer von Werbefeldzügen auch eine umfassende Kenntnis wirksamer Interventions- und Präventionstechniken notwendig; sie müssen sicherstellen, daß nur beruflich
qualifizierte Werbeproduktionsgesellschaften beschäftigt werden, damit
der Produkttyp entwickelt wird, der
öffentliche Aufmerksamkeit und Wertschätzung erfährt; und sie müssen die
Unterstützung des Hauptkerns der Interessengruppen gewinnen, die für die
Kampagne eintreten wollen.
Johnson vermittelte ihr hart erarbeitetes Wissen und ihre Erfahrung
an 46 Vertreter aus Regierung und
Privatindustrie, die an der einwöchigen, vom Ost-West-Zentrum und dem USInformationsamt (USIA) veranstalteten
Konferenz (25. - 29. Mai) mit dem
Thema:
"Mobilisierung
der Öffentlichkeit gegen Drogenmißbrauch" teilnahmen.
Johnson betonte, daß "der scheinbare Erfolg bei der Verbreitung unserer Botschaft zum Teil sicherlich der
Qualität der staatlichen Aufklärungskampagne
(PSA) zu verdanken ist".
Sie stellte fest, daß die Fernsehspots für die "Kokain: die große Lüge"
Kampagne
beim
amerikanischen
Film- und Videofestival Preise gewonnen haben und auch für andere Wettbewerbe eingereicht worden sind.
Um ein so ausgereiftes Produkt zu
erzielen, schloß NIDA einen Vertrag
mit dem Werberat, einer freiwilligen
Gruppe von Werbeagenturen und Mediengesellschaften,
die
Organisationen
des öffentlichen
Dienstes bei der
Produktion und Verbreitung nationaler
Medienkampagnen behilflich sind. Für
ihre Kunden stellt die Gruppe die
freiwilligen kreativen Dienste einer
führenden Werbeagentur zur Verfügung.

Im Falle von NIDA hieß die Werbeagentur Needham Harper Worldwide.
NIDA hatte jedoch selbst ihre Arbeit getan, bevor die Kampagne in die
Wege geleitet wurde. Johnson stellte
fest, daß aufgrund einer von NIDA
durchgeführten
nationalen
Untersuchung der Haushalte seit 1982 schätzungsweise 20 bis 24 Millionen Amerikaner zumindest einmal in ihrem Leben
Kokain probiert hatten.
"Junge Erwachsene", erklärte sie,
"im Alter zwischen 18 und 25 Jahren,
machten den höchsten Prozentsatz beim
Kokaingebrauch aus: 28 Prozent hatten die Droge mindestens einmal im
Leben probiert".
Schenkt man den medizinischen Experten Glauben, so steht Kokain bei
den Abhängikeitsziffern an führender
Stelle. Bestimmte Formen von Kokain,
wie zum Beispiel Crack, haben Srzten
zufolge eine Abhängigkeitsziffer von
schätzungsweise
70 Prozent
bereits
nach dem ersten Experiment mit der
Droge.
Johnson erläuterte Studien, aus
denen hervorgeht, daß die Wirkung von
Kokain auf die Lustzentren des Gehirns eine hochgradige Abhängigkeit
herbeiführt, ganz abgesehen davon,
daß es die Voraussetzung für Schlaganfälle
und
Herzinfarkte
schafft.
Bisher herrschte der weitverbreitete,
aber abwegige Glaube, so Johnson, Kokain mache nicht süchtig und sei
nicht gefährlich.
"NIDAs
Kommunikationsstrategie
für
die Verhütung
des
Drogenmißbrauchs war darauf ausgerichtet, das
Bewußtsein der Öffentlichkeit zunehmend auf die ernsthaften sozialen und
gesundheitlichen Konsequenzen des Kokaingebrauchs zu lenken, wobei besondere Betonung auf die Bekämpfung be-

�stehender
Gerüchte
erklärte Johnson.

gelenkt

wurde",

"Die kreative Strategie", erläutete sie, "bestand einfach darin,
folgende
Botschaft
zu
vermitteln:
Kokain macht hochgradig süchtig und
verursacht ernsthafte soziale, medizinische
und
psychische
Probleme.
Der Spruch 'Kokain: die große Lüge1
fordert die im allgemeinen vorherrschenden
Überzeugungen
und Verhaltensweisen gegenüber Kokain und seinen Versprechungen heraus".

West-Zentrum
ist Bestandteil
eines
einmonatigen
Programms,
in
dessen
Verlauf die Teilnehmer elf Städte in
den Vereinigten Staten besuchen werden, um erste Bemühungen bei der Bekämpfung des Drogenmißbrauchs zu beobachten.
Das
Programm
wird
in
Washington, D.C., mit der Begutachtung der von der amerikanischen Regierung und dem Privatsektor in die
Wege geleiteten initiativen zum Ende
kommen.

13 staatliche Aufklärungskampagnen wurden produziert und im amerikanischen
Fernsehen gesendet.
Die
Häufigkeit, mit der sie auf den lokalen Fernsehkanälen gezeigt wurden,
wurde
aufgezeichnet,
erklärte
Johnson, und die Ergebnisse waren
hervorragend: die Zahl der Sendungen
beläuft sich auf 1 500 bis 2 500 pro
Monat.
NIDA gewann daraufhin die Unterstützung von First Lady Nancy Reagan,
bekannten
Sportgrößen,
Mitgliedern
der Nationalen Elternbewegung und anderen, die sich der Verhütung des
Drogenmißbrauchs unter den Jugendlichen des Landes verschrieben hatten,
führte Johnson aus.
Zusätzlich zu allen diesen Maßnahmen, "unterhält NIDA 24 Stunden am
Tag einen gebührenfreien Telephon-Ansagedienst, der
Informationen
über
die Wirkung von Kokain gibt und an
den man sich um Hilfe bei der Bewältigung des Abhängigkeitsproblems wenden kann".
Mehr als 7 000 Anrufe werden pro
Monat beantwortet, erklärte Johnson,
und dies ist ein guter Hinweis auf
den Erfolg der Kampagne.
Die einwöchige Konferenz

im Ost- 3 -

* * * * *

�AMERIKA DIENST
%

"""""

Information

A&lt;

3. Juni 1987

21

ELTERN KOMMT SCHLÜSSELROLLE BEI

BEKSMPFÜNG

DES DROGENMISSBRAÜCHS ZU

- Artikel Über die Drogenkonferenz in Honolulu -

HONOLULU - (AD) - Die Eltern sind es, die Thomas Gleaton, dem Geschäftsführer und Mitbegründer von PRIDE zufolge, den wichtigsten Bestandteil einer
wirkungsvollen Kampagne zur Drogenbekämpfung darstellen.
"In jeder Gesellschaftsform, sei sie
städtische Ordnung, gibt es keine bessere
Macht der kriminellen Drogenhändler als
Gleaton einer Gruppe von 46 internationalen
gen Drogen beteiligt sind.

nun ein Stammesgefüge oder eine
Waffe gegen die außergewöhnliche
die Mütter und Väter", erklärte
Führungskräften, die am Kampf ge-

PRIDE, eine Abkürzung für Parent's Resource Institute for Drug
Education Inc. (Elternhilfe-institut
zur Aufklärung über Drogen) wurde
1977 an der Georgia State University
gegründet, um Eltern aufzuklären und
zu informieren, die der kommerziellen
Drogenkultur den Kampf ansagen wollen. Seit seiner Gründung hat PRIDE
seinen Einfluß ausgeweitet, um Eltern
auf der ganzen Welt zu helfen.

Gleaton hielt seine Rede am 28.
Mai 1987 anläßlich der einwöchigen
internationalen Konferenz zur "Mobilisierung
der Öffentlichkeit
gegen
den Drogenmißbrauch", die im OstWest-Zentrum abgehalten wurde.

"Die internationale PRIDE-Initiative soll Eltern und Jugendliche auf
der ganzen Welt in einem Geflecht

Die vom US-Informationsamt (USIA)
unterstützte Konferenz soll Vertreter
der Regierung und des Privatsektors

United States Information Service
Embassy of the United States of America

verbinden, das die weltweiten Tendenzen des sich ausbreitenden Drogenmißbrauchs
abwenden
kann",
erklärte
Gleaton.

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Telex: 8-85432

�aus der ganzen Welt zu einem Gedankenaustausch über Methoden der Kontrolle des Betäubungsmittelmißbrauchs
zusammenführen. Die Konferenz bildet
nur einen Teil eines einmonatigen
Programms, im Rahmen dessen die Teilnehmer
11
Städte
der
Vereinigten
Staaten besuchen werden, um vor Ort
Bemühungen zur Bekämpfung des Drogenmißbrauchs zu studieren.
Gleaton beschrieb den Konferenzteilnehmern die Arbeit von PRIDE und
forderte sie auf, in ihren Heimatländern ähnliche Organisationen ins Leben zu rufen.
Gleaton
erklärte
der
Gruppe,
"PRIDE ist der Ansicht, langfristige
Planung und Kontakte zwischen Elterngruppen und Schulsystemen bieten das
beste Mittel zur
Aufrechterhaltung
der Kontinuität von Projekten zur
Vorbeugung".
Gleaton wies darauf hin, PRIDE
und verwandte Organisationen, bei denen Eltern und Schulbehörden zusammenarbeiten,
seien
in
der
Lage,
•praktische Strategien zur Aufklärung
der
Eltern, gemeinsame Verhaltensrichtlinien und soziale Alternativen
für die Jugendlichen" zu entwickeln,
durch die Probleme von jugendlichen
mit Drogen, Alkohol und Disziplin erheblich abgebaut werden können.
Gleaton beschrieb die von PRIDE
zur Verfügung gestellten Hilfsmittel,
zu denen Broschüren, Filme, Videokassetten und Tonbänder für verschiedene
Altersstufen und lokale Interessengruppen zählen, die mit Programmen
zur Verhütung des Drogenmißbrauchs
befaßt
sind;
ferner
bestehen
per
Computer
erfaßte Kontakte
zwischen
den Eltern, mittels derer die freiwilligen PRIDE-Mitarbeiter in jedem
Staat den neu hinzugekommenen ihre
Hilfe anbieten können; es gibt einen
- 2

Koordinator
von Elterngruppen, der
bei
organisatorischen
Fragen hilft
und auf Probleme eingeht; es besteht
ferner ein gebührenfreier TelephonAnsagedienst, der laufend neueste Informationen
über
Betäubungsmittel
liefert.
Darüber hinaus stellt PRIDE eine
Fülle von Material als Teil seiner
Leistungen auf internationaler Ebene
bereit.
Gleaton zufolge haben die Vereinigten Staaten nur langsam auf die
steigenden Zahlen der Drogenabhängigen reagiert.
"PRIDE ist der Ansicht, daß die Vereinigten Staaten
den Eltern und Jugendlichen auf der
ganzen Welt gegenüber eine Gewissensschuld abzutragen haben".
Gleaton widersprach dem allgemein
vorgebrachten
Argument,
Drogenmißbrauch sei ein Verbrechen, bei dem es
keine Opfer gäbe.
Er erklärte, Benutzer von Drogen unterstützten "ein
ungeheures
Kartell von Drogenhändlern".
Er wandte sich ebenfalls gegen
das Argument, der Gebrauch von Betäubungsmitteln ließe sich mit Alkoholmißbrauch oder Tabakkonsum vergleichen. Ihm zufolge liegt die Zahl der
Alkoholabhängigen in den Vereinigten
Staaten bei etwa 10 Prozent aller Alkoholkonsumenten,
im Gegensatz dazu
werden 18 Prozent aller Raucher von
Marihuana zu Drogenabhängigen.
Bei der Konferenz im Ost-West
Zentrum sprach ferner Anne Meyer, die
stellvertretende Vorsitzende der Nationalen Elternvereinigung für eine
drogenfreie Jugend, einer freiwillige
Hilfsorganisation
für
Elterngruppen
zur Aufklärung und Verhütung des Drogenmißbrauchs.
Diese nationale Vereinigung koordiniert die Organisation

�der Teilnehmer, die in verschiedenen
Staaten an Programmen zur Verhütung
des Drogenmißbrauchs arbeiten.
Meyer berichtete ihren Zuhörern,
sie habe an ihre perfekte Familie geglaubt, bis sie eine Marihuana-Pfeife
in der Jackentasche eines ihrer fünf
Kinder gefunden hätte.
An diesem
Punkt habe sie Schritte unternommen,
um sich und ihre Kindern über Betäubungsmittel
und die Verhütung des
Drogenmißbrauchs aufzuklären.
Meyer zufolge besteht unter Eltern die Tendenz, zu leugnen, daß ein
Drogenproblem ihre eigenen Kinder betreffen könnte.
Als Ergebnis ihrer
eigenen Erfahrungen arbeitete sie aktiv bei verschiedenen Programmen zur
Verhütung
des
Betäubungsmittelmißbrauchs mit und war an der Gründung
der
Initiative
"Citizens for Drug
Awareness" (Bürger schärfen ihr Bewußtsein für Drogen) in Deerfield,
Illinois beteiligt.
Meyer betonte die Bedeutung der
Belehrung junger Menschen über die
Gefahren des Drogenmißbrauchs.
Das
wirkungsvollste
Verhütungsprogramm
bestehe
darin,
ausgebildete
junge
Menschen zu anderen Jugendlichen über
den Einfluß von Drogen sprechen zu
lassen.

* * * * *

- 3 -

�AMERIKA DIENST
VON

**

Wissenschaft und Technik

3. Juni 1987

21

VERKEHRSFLUGZEUG MIT FÜNFFACHER SCHALLGESCHWINDIGKEIT
- Vorreiter für das amerikanische Weltraumflugzeug -

WASHINGTON - (AD) - Im Rahmen einer vom US-Informationsamt (USIA) veranstalteten WORLDNET-Diskussion via Fernsehsatelliten-Schaltung mit Teilnehmern
in Paris, London, Madrid, Montreal und Den Haag wurden u.a. amerikanische Projekte zur Entwicklung eines kommerziellen Überschallflugzeuges erörtert. Dieses soll fünffache Schallgeschwindigkeit erreichen, also mehr als doppelt so
schnell wie die CONCORDE fliegen. Bis zum Jahr 2000 könnte es einsatzbereit
sein. Das Flugzeug soll bis zu 300 Passagiere aufnehmen und Strecken z.B.
zwischen Washington bzw. New York und Tokio oder L O S Angeles und sidney in
zwei bis drei Stunden zurücklegen.
Infolge seiner
großen Flughöhe
von 32 000 m sei der Überschallknall
am Boden kaum zu hören, meinte Donald
Fuqua, der Präsident des Verbandes
der
amerikanischen
Luft- und Raumfahrtindustrie.
Gemeinsam
mit
Crawford
Bubaker, der im amerikanischen Handelsministerium für kommerzielle Luft- und Raumfahrt zuständig ist, beantwortete Fuqua Fragen
von Vertretern der europäischen Luftund
Raumfahrtindustrie
sowie
von
Journalisten.
Auf dem 37. Pariser
Aero-Salon, der am 11. Juni 1987 eröffnet wird, sind Modelle des neuen

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Verkehrsflugzeuges
sowie
des
als
"Orient-Express" bezeichneten amerikanischen Weltraumflugzeuges zu besichtigen.
Für die Entwicklung des "Nationalen Raumflugzeuges", wie "Orient-Express" offiziell heißt, befürwortete
Präsident Reagan in seiner Botschaft
zur Lage der Nation vom Februar 1986.
Es handelt sich dabei um ein Hyperschallflugzeug, das Geschwindigkeiten
bis zum 25fachen der Schallgeschwindigkeit erreichen soll.
Es könnte
von Flugplatz-Rollbahnen starten und

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�beim Steigflug Beschleunigungen erzielen, die ihm sogar den Eintritt in
eine niedrige Erdumlaufbahn
ermöglichten.
Und das bedeutet, daß es
auch geeignet wäre, eines Tages den
Raumtransporter abzulösen.
Es ließe
sich zum Absetzen von Nutzlasten im
Weltraum, zum Einholen von Satelliten
und für Rendezvous-Manöver mit einer
Raumstation
verwenden.
Die
Forschungs- und Entwicklungskosten, einschließlich der Kosten für Flugtests,
werden auf ca. drei Milliarden Dollar
beziffert.
Die
Antriebsenergie
erhält
es
nicht, wie die jetzigen Raumfluggeräte, von Raketen mit mehreren Antriebsstufen, sondern von SCRAMJETTriebwerken.
Diese arbeiten im unteren
atmosphärischen
Bereich
als
"luftatmende" Motoren, so daß vom
Start bis zum Eintritt in eine Erdumlaufbahn nur eine einzige Antriebsstufe erforderlich wäre. Der vertikale Start, für den Raketen bestimmte
Vorrichtungen benötigen, fällt fort,
eine Rollbahn genügt.
Durch diese
Technik werden hohe Kosteneinsparungen möglich.
(Man strebt derzeit
eine Reduzierung der Kosten um 90
Prozent an.)
Luftatmende Triebwerke
für Raumfluggeräte befinden sich noch
in der Entwicklung.
Versuchstriebwerke wurden bereits im Windkanal erprobt. Bisher erzielte man Leistungen
bis
zur
achtfachen
Schallgeschwindigkeit.
Zum
Uberschall-Passagierflugzeug
erklärte Fuqua, dieses gefährde infolge seiner großen Flughöhe (mehr
als 30 000 Meter) die Ozonschicht in
der Erdatmosphäre weniger als andere
Uberschallfluggeräte, die sich in geringeren Höhen bewegen.
Wegen solcher Bedenken hatten die USA vor eineinhalb Jahrzehnten auf die Weiterentwicklung eines Uberschallverkehrsflugzeugs,
das
zweieinhalbfache

Schallgeschwindigkeit
te, verzichtet.

erreichen

soll-

Das neue Verkehrsflugzeug
soll
den nordamerikanischen Kontinent den
Staaten entlang der Pazifikküste und
anderen Teilen der Welt näherbringen,
wie dies schon durch das Düsenflugzeug in bezug auf Nordamerika und Europa geschah. Nach Ansicht der Industrie werde sich der Flugverkehr zwischen den Vereinigten Staaten und den
Anliegerstaaten des Stillen Ozeans im
Fernen Osten jährlich um fast das
Fünffache ausweiten, so daß um das
Jahr 2000 mehr als 30 Millionen Passagiere pro Jahr zu befördern wären.
In der Bedienung anderer Städte, die
mehr als 10 000 km auseinanderliegen,
müsse zur gleichen Zeit mit etwa 50
Millionen Passagieren pro Jahr gerechnet werden.
Trotz
der
Rückschläge
in der
Raumfahrt, die die USA und Europa in
letzter zeit hinnehmen mußten, werden
die Raumfahrtprogramme energisch vorangetrieben.
Dies werde auch, so
sagten die beiden Interviewpartner in
Washington, auf dem Aero-Salon in
Paris deutlich. Mehr als 1200 internationale Aussteller informieren die
Öffentlichkeit über modernste Ausrüstungen und neueste Dienstleistungen
in der Luftfahrt. Im amerikanischen
Pavillon sind u.a. eine Ausstellung
der amerikanischen Behörde für Luftund Raumfahrt (NASA) über neue flugtechnische Entwicklungen sowie erstmals eine Ausstellung der amerikanischen Luftstreitkräfte zu sehen.

- 2 -

* * * * * *

)

j

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                <text>Amerikadienst 03.06.1987</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Persischer Golf sollte nicht von Iran und UdSSR beherrscht werden&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Präsident Reagan zur Situation im Persischen Golf -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Marshall-Plan auch heute noch inspirativ&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Präsident Reagans Proklamation zum Gedenkmonat für George C. Marshall -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Reagan fordert "rountinemäßigen" AIDS-Test&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rede vor der amerikanischen Stiftung für AIDS-Forschung -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Greenspan bringt reiche Erfahrungen bei der amerikanischen Bundesbank ein&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Kurzbiographie des neuen Vorsitzenden der Bundesbank -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;NIDA verzeichnet Erfolge bei Drogenbekämpfungskampagne&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Artikel über die Drogenkonferenz in Honolulu -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Eltern kommt Schlüsselrolle bei Bekämpfung des Drogenmissbrauchs zu&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Artikel über die Drogenkonferenz in Honolulu -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Verkehrsflugzeug mit fünffacher Schnellgeschwindigkeit&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Vorreiter für das amerikanische Weltraumflugzeug -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST
^r,DN ^

27.

20

Mai 1 9 8 7

I N H A L T

DOKUMENTATION

Adelman:

Fortschritte bei Rüstungskontrolle nicht durch Besorgnisse

aufhalten
- Rede vor der Gesellschaft für Verteidigungsbereitschaft -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK

Der Kampf gegen Drogen
- UN-Konferenz soll Weg zu weltweiter Koordinierung ebnen

* * * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�AMERIKA DIENST
Dokumentation
27. Mai 1987

20

ADELMAN:

FORTSCHRITTE BEI RÜSTUNGSKONTROLLE NICHT
DURCH BESORGNISSE AUFHALTEN

Rede vor der Gesellschaft für Verteidiqungsbereitschaft

WASHINGTON - (AD) - Der Leiter der amerikanischen Rüstunqskontrollbehörde,
Kenneth Adelman, hat bei einem Treffen der amerikanischer. Gesellschaft für
Verteidiqungsbereitschaft (American Defense Preparedness Association) am 21.
Mai 1987 erklärt, die Verhandlungen über die Verrinqerung der Mittelstreckenraketen (INF) in Europa sollten trotz der Besorgnis über die Erqebnisse eines
diesbezüglichen Abkommens vorankommen. Man stehe "nahe vor dem Abschluß des
ersten Abkommens im Nuklearzeitalter, das zu echten Reduzierungen bei den offensiven Atomwaffen führen wird".
Die Rede Adelmans hat folgenden Wortlaut:

Die Reagan-Administration befindet sich heute in einer sehr merkwürdigen Situation.
In den vergangenen
sechs Jahren stand diese Administration wegen ihres angeblichen Versagens, schnell genug Ergebnisse in den
Rüstungskontrollverhandlungen zu erzielen, unter ständigem Beschuß. In
den vergangenen sechs Jahren haben
die Kritiker im Kongreß Änderung auf
Änderung vorgeschlagen und Resolution
auf Resolution eingebracht, um dem
Präsidenten die Hände zu binden und
ihn dazu zu drängen, irgendein neues
Rüstungsabkommen mit dem Kreml abzu-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

schließen, in den vergangenen sechs
Jahren hat sich der Ruf des Kongresses, der Medien und der Rüstungskontrollgemeinde kaum abgeschwächt, der
da lautet:
"Verschafft und ein Abkommen.
Verschafft uns ein Abkommen." Bisweilen schienen unsere Kritiker zu sagen:
"Verschafft uns ein
Abkommen fast jeder Art, nur, damit
wir eines haben."
Trotz aller Kritik hat Präsident
Reagan
unbeirrt seine Tagesordnung
verfolgt.
Trotz aller Ablenkungsmanöver und Versuchungen und des Lärms

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�im Hinterqrund sind die Administration und das Bündnis ihren Grundsätzen treu geblieben, die standhafte
Verhandlungen ü'ber einschneidende Reduzierungen bei den offensiven Atomwaffen mit der Sowjetunion vorsehen.
Heute jedoch, wo ein Abkommen
ü'ber Mittelstreckenwaffen
(INF) in
Sicht ist, singen viele unserer Kritiker plötzlich ein neues Lied. Nun,
da wir nahe vor einem lang ersehnten
Abkommen stehen - und nicht vor irgendeinem Abkommen, sondern in vieler
Hinsicht vor einem besseren Rüstungskontrollabkommen als wir in der Vergangenheit je erreicht haben - werden
viele
unserer
Kritiker
plötzlich
nachdenklich und bekommen kalte Füße.
In den letzten Wochen scheinen einige
der energischsten Befürworter von Rüstungskontrolle plötzlich zu wiedergeborenen Kritikern der Rüstungskontrolle geworden zu sein. Und einige
derselben Leute, die sechs Jahre lang
Druck auf uns ausgeübt haben, damit
wir uns kopfüber in ein Abkommen mit
den Sowjets stürzen, warnen jetzt davor, daß die
Reagan-Administration
nicht Hals über Kopf ein kosmetisches
Abrüstungsabkommen eingehen dürfe.
Was geschieht hier eigentlich?
Ich sehe unter unseren
eine Menge Verwirrung.

Kritikern

Heute möchte ich auf diese Verwirrung eingehen und zu klären versuchen, wo wir in bezug auf das INFAbkommen stehen und was wir allgemein
bei der Rüstungskontrolle
erreicht
haben.
Dabei habe ich drei Feststellungen zu treffen:
1. Heute haben wir es mit einem
INF-Abkommen zu tun, das nach herkömmlichen Maßstäben in der Rüstungs-

kontrolle in vieler Hinsicht ein besseres Abkommen darstellt als wir es
in der Vergangenheit bei offensiven
Atomwaffen erzielt haben.
2. Ich bestreite die Ansichten
der Kritiker dieses Abkommens in allen Punkten. Ich glaube, daß sie unrecht haben.
3. Ich setze mich aber auch mit
einigen Verfechtern dieses Abkommens
auseinander.
ich
denke, daß
sie
ebenfalls unrecht haben - ironischerweise aus denselben Gründen, wegen
denen die Kritiker unrecht haben.
In der Tat bin ich der Meinung,
daß beide Extreme in dieser Debatte
zum Teil die gleichen Fehler machen.
Es ist wichtig, diese Fehler zu klären, wenn die Rüstungskontrolle unserer nationalen Sicherheit dienen soll.
Zunächst - was ist meiner Meinung
nach bei diesem Abkommen besser?
Drei Punkte.
Erstens wird es zu einschneidenden Reduzierungen der Atomwaffen führen, ich weiß nicht, ob die Menschen
sich
klarmachen, wie bemerkenswert
diese Tatsache ist. Wir haben mehr
als 25 Jahre hart an der Rüstungskontrolle gearbeitet - eigentlich seit
dem Anbruch des Atomzeitalters. Bis
jetzt ist es uns noch in keinem früher abgeschlossenen Vertrag mit den
Sowjets gelungen, sie zur Annahme bedeutender Reduzierungen der offensiven Atomwaffen zu bewegen.
Die SALT-Abkommen der siebziger
Jahre, die viele einst als Juwel in
der Krone der Rüstungskontrolle verehrten, hat praktisch ein enormes
Wachstum der nuklearen Arsenale zugelassen.
Heute besitzt die Sowjetunion ein strategisches Atomwaffenpo-

- 2 -

�tential, das viermal so groß ist wie
das, welches sie zahlenmäßig besaß,
als wir gemeinsam den SALT I-Vertrag
im Jahr 1972 unterzeichneten.
Und
seit Unterzeichnung von SALT II hat
sie die Zahl ihrer strategischen Wieder ein trittst lugkör per
verdoppelt.
Wenn den Senatoren, die die Ratifizierung von SALT I beschlossen haben,
im Jahr 1972 erklärt worden wäre, daß
SALT schließlich zur Erhöhung des sowjetischen Arsenals auf etwa 10 000
strategische
Waffen
führen
würde,
dann wäre dieses Abkommen, da bin ich
sicher, nicht annähernd so populär
qewesen.
Wenn wir also beim Abschluß eines
INF-Abkommens Erfolg haben, dann wird
dies das erste Mal im Atomzeitalter
sein, daß wir echte Reduzierungen der
offensiven Atomwaffen durch Rüstungskontrolle erreichen.
Und nicht nur
echte, sondern auch
einschneidende
Reduzierungen in den betroffenen Waffenkategorien. Wir werden nicht nur
zu dem Niveau der sowjetischen INFGefechtsköpfe zurückkehren, das bestand, als die Sowjets im Jahr 1977
mit
ihrer
nichtprovozierten Aufrüstung mit SS-20 Raketen begannen die Stationierungen, durch die dieser
gesamte Prozeß ins Rollen kam. Wir
werden unter dieses Niveau zurückkehren, da die sowjetischen Mittelstrekkenraketen der Typen SS-4 und SS-5,
die zu jener Zeit stationiert waren,
ebenfalls nicht mehr existieren. Es
wird das seit den frühen sechziger
Jahren niedrigste Niveau an INF längerer Reichweite sein - Null in Europa .
Dies ist wirklich der Hartnäckigkeit Präsident Reagans zu verdanken,
denn, als der Präsident im Jahr 1981
die "Null-Lösung" für Mittelstreckenraketen vorschlug, bestand unter den
Zeitungskolumnisten und Abrüstungsexperten
die vorherrschende Meinung,

dies sei unmöglich, weil es nicht
"verhandlungsfähig" sei - die Sowjets
würden dies in keiner Weise annehmen.
Zweitens
wird das
INF-Abkommen
besser sein, weil es zu ungleichen
Reduzierungen auf gleiche Obergrenzen
führen wird.
Mit anderen Worten:
die Sowjets werden wesentlich mehr
dieser Systeme abbauen müssen als wir
- etwa sechsmal mehr, wenn man die
INF-Gefechtsköpfe auf Raketen längerer Reichweite berücksichtigt.
Die
Sowjets
haben
heute
über
1 400
INF-Gefechtsköpfe
länqerer
Reichweite auf ihren SS-20 und SS-4
stationiert.
Wir besitzen 316 Gefechtsköpfe auf Pershing LI und landgestützten Marschflugkörpern.
Beide
Seiten werden auf 100 zurückgehen:
100 in den Vereinigten Staaten und
100 im asiatischen Teil der Sowjetunion.
Rein zahlenmäßig ausgedrückt
ist der Handel zu unseren Gunsten ungleich .
Schließlich
wird
das
Abkommen
einschneidendere
Verifizierungsmaßnahmen beinhalten als in der Vergangenheit. Es wird echte und ständige
lnspektionen vor Ort auf sowjetischem
Territorium
vorsehen.
ich
möchte
nicht den Eindruck erwecken, Inspektionen vor Ort seien ein Allheilmittel für die Verifizierung der Rüstungskontrolle.
Sie sind es nicht.
Aber sie sind unerläßlich für dieses
Abkommen.
Und, wie Reduzierungen,
sind sie etwas, was wir von den Sowjets seit langem bekommen wollten tatsächlich
während
des
gesamten
Atomzeitalters -, jedoch ohne jeden
Erfolg.
Wir befinden uns also in dieser
eigentümlichen
Situation
und qehen
davon aus, daß die Sowjets bereit
sind, unsere Bedingungen im Hinblick
auf Verifizierung und Kurzstreckensy-

- 3 -

�steme zu erfüllen. Wir befinden uns
also hier dicht vor dem ersten Abkommen im Atomzeitalter, das echte Reduzierungen bei nuklearen Offensivwaffen hervorbringen will.
Wir stehen
kurz vor einem Abkommen, das die Sowjets veranlassen würde, mehr Waffen
abzubauen als es uns dazu veranlassen
würde.
Wir stehen dicht vor einem
Abkommen, das die erste lnspektion
vor Ort zur Rüstungskontrolle auf sowjetischem Territorium mit sich bringen würde - was wir seit vier Jahrzehnten zu erreichen versuchten.
Und statt allgemeiner Zustimmung
herrscht Furcht. Statt Erleichterung
Besorgnis.
Statt Sicherheit Ambivalenz - und das häufig unter denselben
Leuten, die seit Jahren behaupten,
ein Rüstungskontrollabkommen bedeute
die Lösung all unserer Probleme.
Was sagen nun diese Kritiker und
warum glaube ich, daß sie sich irren?
Ich möchte im einzelnen auf vier
häufige Kritikpunkte eingehen.
Erstens weisen zahlreiche Kritiker darauf hin, daß das Abkommen
durch den Abzug amerikanischer Mittelstreckenwaffen
die
Vereinigten
Staaten
von Westeuropa
"abkoppeln"
will. Dies ist auch das Thema vieler
Strategie-"Gurus",
wie
etwa
Brent
Scowcroft
und
Jim
Woolsey, Henry
Kissinger und in jüngster Zeit sogar
Richard Nixon. ich glaube, diese Gurus haben unrecht.
Scowcroft, der Nationale Sicherheitsberater
unter
Präsident Ford,
schreibt, daß
der
Abzug
amerikanischer Mittelstreckenraketen mittels
eines
Abkommens
"einen
psychologischen Effekt der Abkopplung haben
muß, der dem ursprünglichen Zweck der
Aufstellung
widerspricht
unsere
Verbündeten zu abzusichern".
Nixon
- 4

und
Kissinger
gehen
noch
weiter.
Ihnen zufolge könnte das zukünftige
Abkommen "die tiefgreifendste Krise
des NATO-Bündnisses in seiner 40jährigen Geschichte hervorrufen".
Das ist eine sehr dramatische Behauptung.
Warum nehme ich Abstand
davon?
Im Grunde überschätzt es die
Leistung eines INF-Abkommens erheblich, sie sollten daran denken, daß
auf westlicher Seite nur eine Waffenkategorie betroffen ist, etwa 160 Abschußvorrichtungen oder 316 Gefechtsköpfe. Die strittigen westlichen Systeme gab es vor 1983 in Europa überhaupt noch nicht.
Es ist etwas lächerlich, sich im
Jahre 1987 dahingehend zu äußern,
als ob die amerikanische Garantie der
Sicherheit Westeuropas ausschließlich
von erst im Dezember 1983 begonnenen
Stationierungen
abhängt,
besonders
angesichts der Tatsache, daß die sowjetischen Systeme - SS-20 - die zu
solchen Stationierungen geführt haben, dann
fast völlig abgeschafft
würden.
Wir sollten zwei Dinge bedenken.
Erstens lag der wichtigste Grund für
die
ursprüngliche Entscheidung
der
NATO, zu verhandeln, und dann in Ermangelung
eines Abkommens für den
Stand Null, amerikanische Pershing II
und
bodengestützte
Marschflugkörper
zu stationieren, in der nicht provozierten
sowjetischen
Stationierung
neuer, mit drei Gefechtsköpfen ausgestatteter SS-20 im Jahre 1977. Nixon
und Kissinger sagen jetzt, es sei
"bedauerlich", daß die westliche Stationierung von INF auf dieser Grundlage gerechtfertigt war.
Aber die
Tatsache bleibt bestehen, daß es in
den späten siebziger und frühen achtziger Jahren die SS-20 waren, die in
Europa Angst auslösten. Es waren die
SS-20, die jedermann beunruhigten.

�Jetzt, da die Ausicht einer
fast
vollständigen Beseitigung dieser Raketen besteht, sind Kritiker plötzlich angesichts dieser Gefahr fast
gleichgültig geworden. Aber die Tatsache bleibt bestehen, daß mit der
Abschaffung
des
Löwenanteils
der
SS-20 der wichtigste Grund beseitigt
wird, aus dem wir die Stationierung
amer ikanischer
Mi ttelstreckenraketen
zunächst einmal benötigten.
Zweitens
sollten wir bedenken,
daß die größte Anzahl nuklearer Systeme der NATO von einem INF-Abkommen
nicht betroffen wäre. Die Sicherheit
der NATO ist weiterhin an die der
Vereinigten Staten "gekoppelt", wie
dies seit 35 Jahren der Fall ist und
nicht nur auf amerikanische luft-,
see- und bodengestützte Nuklearwaffen
- insgesamt mehr als 4 000 Nuklearwaffen in Europa - zutrifft, sondern
auch auf die 300 000 in Europa stationierten Soldaten.
Dieser Schutz
hat nicht erst vor vier Jahren mit
der
Stationierung
unserer
Mittelstreckenraketen im Dezember 1983 begonnen. Er wird nicht beendet sein,
wenn diese INF-Rakten abgezogen werden.
Im Grunde ist dieses Argument der
"Kopplung" ein theologischer streit,
und wie eine Reihe theologischer Dispute in der Rüstungskontrolle zeitigt
er
geringen
praktischen
Nutzen.
Manchmal denke ich, daß die "Theologie" in diesem Geschäft dem guten,
vernünftigen Denken über Politik und
Strategie im Wege steht.
Ich finde es zum Beispiel interessant, daß die lautstärksten Gegner
des
INF-Abkommens
Scowcroft,
Woolsey, Les Aspin, Lawrence Eagleburger, um nur einige zu nennen
gleichzeitig
große
Freunde
der
Midgetman-Raketc sind.
Diese beiden
Ideen passen zusammen; sie sind beide

das Produkt
Denkweise.

einer

sehr

abstrakten

ich möchte in dieser Diskussion
die "Sicherheitstheologen" den "Sicherheitspraktikern" gegenüberstellen.
Die Puristen oder "Theologen" wie Scowcroft und seine Anhänger
befürworten
die
kleine,
mobile
Midgetman-Rakete mit nur einem Gefechtskopf, weil sie den technischen
Ideen der Stabilität perfekt zu entsprechen
scheint.
Ihre
Mobilität
macht sie weniger
verwundbar; ihr
einzelner Gefechtskopf macht sie angeblich
weniger
"provokativ".
So
lautet zumindest die Theorie.
Die "Praktiker" betonen andererseits die politische Schwierigkeit,
in einem Land wie den Vereinigten
Staaten mobile Interkontinentalraketen (iCBMs) zu unterhalten, und sie
weisen auf die Kosten hin: 500 Gefechtsköpfe auf Midgetman werden 50
Milliarden Dollar kosten, während 500
Gefechtsköpfe auf 50 MX-Raketen 2
Milliarden Dollar kosten würden. Die
Praktiker würden es vorziehen, die
Ersparnis von 48 Milliarden Dollar
für bessere Verteidigungsausgaben zu
verwenden. 48 Milliarden Dollar sind
ein hoher Preis, um den abstrakten
Erfordnissen einer Theorie gerecht zu
werden, wenn es dringenden Bedarf an
anderer stelle und andere Methoden
zur Lösung des Problems gibt.
In bezug auf INF gefällt den
"Theologen" ebenso die bloße Idee der
"Ankoppelung", bei der Abschreckung
auf jeder stufe einer imginären "Leiter" der Eskalation verwirklicht wird
(trotzdem
seltsamerweise
ihrer Ansicht nach eine wichtige Sprosse auf
westlicher Seite bis vor vier Jahren
fehlte, als wir mit der Stationierung
von LRINF begonnen haben) . Auf der
anderer. Seite betrachten die "Prakti-

- 5 -

�ker" die politische Realtität - das
heißt, die Stationierunq von SRINF
wäre schwierig für Westeuropa, und
selbst, wenn sie politisch und finanziell machbar wäre, wäre sie nicht
den politischen Preis wert. Darüber
hinaus hat das Bündnis in den vergangenen 35 Jahren gut funktioniert, ohne daß es jede Sprosse der Eskalationsleiter gegeben hätte. insgesamt
- und praktisch - gesehen, neigen die
"Praktiker" dazu, das
INF-Abkommen
als gutes Geschäft zu betrachten.
Zusätzlich zu dem Streit über die
"Ankoppelung" gibt es weitere Kritikpunkte.
Manche Kritiker argumentieren, daß das INF-Abkommen wiederum
ein "Aufgeben" Europas mit sich bringen würde. Ich glaube auch, daß dies
eine Fehleinschätzung ist.
Bei
dieser
Meinung
ist
Henry
Kissinger führend. Kissinger zufolge
setzt das bevorstehende INF-Abkommen
"einen Prozeß fort, bei dem aufeinanderfolgende amerikanische Administrationen seit drei Jahrzehnten europäische Politiker verlassen haben, die
ihre politischen Haltungen von amerikanischen Vorschlägen für die atomare
Verteidigung Europas abhängig machten. Aus Italien und der Türkei wurden innerhalb von drei Jahren nach
deren
Stationierung
durch
die
Kennedy-Administration nach der KubaKrise Thor- und Jupiter-Raketen abgezogen.
Die Neutronenbombe wurde von
der Carter-Administration zwei Jahre
nach deren Annahme durch die NATO
aufgegeben. Jetzt mögen hier die INF
hinzukommen. Hier haben wir also ein
weiteres hartes urteil.
Was ist daran falsch?
Nun, es
wird hier keine Unterscheidung getroffen
zwischen
bilateralen
Rüstungskontrollabkommen und einseitiger Abrüstung.
Die Thor- und Jupiter-Raketen wurden einseitig von der

Kennedy-Administration
abgezogen.
Die Carter-Administration hat als Reaktion auf den Druck der Anti-Atombewegung des Westens einseitig Pläne
zur Stationierung der Neutronenbombe
aufgegeben.
Im Gegensatz dazu hat
die
Reagan-Administration
zusammen
mit den amerikanischen
Verbündeten
einem enormen
Druck gegen unseren
INF-Stationierungen widerstanden und
trotz dieses Drucks im Jahr 1983 mit
der Stationierung begonnen.
Deshalb sind wir heute in der Lage, einen Abbau und Abzug unserer
INF-Systeme gegen eine sechsmal größere Reduzierung sowjetischer INF-Gefechtsköpfe
einzuhandeln.
Mir
scheint, daß es einen eindeutigen Unterschied
zwischen der
einseitigen
Einstellung
eines Systems auf der
einen Seite und dem Kampf um dessen
Erhaltung und Benutzung als Unterpfand bei Verhandlungen auf der anderen Seite gibt. Die von Kennedy und
Carter
ergriffenen
Maßnahmen waren
einseitige Gesten.
Dies wird ein
beiderseitiges Abkommen werden, das
durch
westliche Entschlußkraft zustande
kommt.
Erst
recht
Henry
Kissinger sollte diesen Unterschied
verstehen.
Drittens
weisen
Kritiker
wie
Nixon und Kissinger darauf hin, daß
ein
INF-Abkommen
nicht
ausreicht.
Erstens, so sagen sie, sollten wir
auf einem echten stand von Null auf
beiden Seiten bestehen, das heißt,
die Sowjets sollten die 33 SS-20 Raketen aus Asien abziehen.
zweitens
sollten wir nicht dem vollständigen
Abzug unserer INF-Raketen zustimmen,
bis sich die Sowjets zu einem Gleichstand bei den konventionellen Streitkräften bereiterklären.
Zum ersten Punkt:
Wir stimmen
zu, daß die vollständige Beseitigung
der INF längerer Reichweite auf bei-

�den Seiton der Beibehaltung von 33
SS-20 Raketen in Asien durch die Sowjets
vorzuziehen
wäre.
Außenminister shultz hat sich für diese Lösung in Moskau eingesetzt.
Die Sowjets sagten "nein".
unsere Unterhändler in Genf setzen sich weiter
dafür ein. in jedem Fall ist das Abkommen meiner Meinung nach der Mühewert. Vom Standpunkt unserer Verbündeten und Freunde in Asien betrachtet, bedeutet es immer noch eine erhebliche Verbesserung, da die Zahl
der auf sie gerichteten SS-20 Raketen
von ca. 170 auf 33 reduziert würde,
zumal dieses Abkommen erreicht wird,
ohne den Preis einer Stationierung
amerikanischer INF-Raketen in Asien
zu zahlen.
Der
zweite,
von
Nixon
und
Kissinger angeführte Punkt ist jedoch
völlig unpraktikabel. Es ergibt einfach keinen Sinn, jetzt ein Junktim
zwischen einem INF-Abkommen und neuen
Verhandlungen über ein koventionelles
Gleichgewicht in Europa aufzustellen.
Erstens haben wir uns konsequent sowjetischen
Bemühungen
widersetzt,
eine Rüstungskontrollverhandlung mit
einer anderen zu verbinden, indem wir
darauf bestanden, daß Fortschritte in
unabhängigen Verhandlungen zu START,
INF sowie Verteidigungs- und Weltraumwaffen möglich sind. Würden wir
dem Rat von Nixon und Kissinger folgen, dann würden wir uns genau dieser
Praxis des Junktims bedienen.
Zweitens wäre die Nixon-Kissinger-Lösung
ein tödlicher Zusatz. Als diejenigen, die vor 13 Jahren die Gespräche
über
Beiderseitige
und Ausgewogene
Truppenverminderungen
in Europa in
die Wege leiteten, sollten sie sich
der Tatsache bewußt sein, daß in diesen 13 Jahren in der konventionellen
Rüstungskontrolle
nichts
erreicht
wurde und daß dabei auch wenig Aussicht auf Änderung besteht. Drittens
ist es unvernünftig, zu fordern, daß

dieser INF-Vertrag Abhilfe für alle
Probleme der westeuropäischen Sicherheit schafft. Es reicht, daß es uns
gelungen ist, das Problem der SS-20
zu lösen. Es reicht, so scheint mir,
daß wir zahlenmäßig bei den Verringerungen der Gefechtsköpfe auf Raketen
längerer Reichweite einen Vorteil von
sechs-zu-eins bekommen.
Damit komme ich zum vierten Argument der Kritiker.
Viele Kritiker
behaupten
heute,
das
INF-Abkommen
führe uns unweigerlich auf den Pfad
der Denuklearisierung Europas - eine
Denuklcarisierung, die aufqrund der
klaren Überlegenheit des Warschauer
Pakts über die NATO bei konventionellen und chemischen Waffen extrem gefährlich, ja katastrophal, sein wird.
Ich glaube, dies ist eine legitime
Sorge, aber ich bin überzeugt, daß
dieses Problem nicht aus solch einem
Abkommen resultieren würde.
Der scheidende Befehlshaber der
NATO, General Bernard Rogers, hat der
Zeitschrift 'Newsweek' gegenüber unlängst zu Recht erklärt:
"Wenn wir
letztlich alle Atomwaffen loswerden
und kein Gleichgewicht zwischen ihren
konventionellen Streitkräften und unseren erreicht haben, dann werden wir
eines Tages aufwachen und nach der
Pfeife der Sowjets tanzen."
Ich hege großen Respekt für General Rogers, und ich glaube, daß die
Gefahr, von der er spricht, real ist,
wenn seine Befürchtungen jemals wahr
würden.
Aber wir sind noch weit,
weit von einem denuklearisierten Europa entfernt. Wir werden auch nach
einem INF-Abkommen noch 4 000 Atomwaffen in Europa besitzen.
Und in
Abwesenheit konkreter Entwicklungen,
die das konventionelle und chemische
Ungleichgewicht beheben, besteht für
den Westen kein Grund, diesen Weg
einzuschlagen.

- 7 -

�Wo liegt das Problem bei dieser
Kritik? Es wird angenommen, daß wir
nach Unterzeichnung eines Abkommens
machtlos sein werden, um den Zug anzuhalten und auszusteigen.
Es wird
angenommen, daß wir dann gezwungen
sein werden, weitere Abkommen zu unterzeichnen.
Das INF-Abkommen könnte einen gefährlichen Weg zu einem gefährlich
denuklearisierten Europa darstellen,
wenn wir das zulassen. Aber es muß
kein gefährlicher Weg sein, wenn wir
bei der Rüstungskontrolle vernünftig
vorgehen.
Das bedeutet jedoch, daß wir als
Nation und als Bündnis beginnen müssen, bereitwilliger zwischen irgendeinem alten Rüstungsabkommen und einem guten Rüstungsabkommen zu differenzieren.
Wir müssen in der Lage
sein, Vereinbarungen, die in unserem
Interesse liegen, von Vereinbarungen
zu unterscheiden, die nicht in unserem Interesse liegen.
Es bedeutet,
daß wir in der Rüstungskontrolle lernen müssen "nein" zu sagen, wenn es
sich um ein schlechtes Geschäft handelt.
Dem Kongreß
fällt jedoch eine
Schlüsselrolle zu.
Der Kongreß der
Vereinigten Staaten muß lernen, im
Bereich
der
Rüstungskontrolle
ein
"nein" als Antwort zu akzeptieren,
wenn es in unserem nationalen Interesse liegt, dies auszusprechen.
Aus diesem Grund habe ich wenig
Geduld bei einem Teil der Kritiken,
die wir zum INF-Abkommen gehört haben
- zum Beispiel von Personen wie dem
Vorsitzenden
des
Streitkräfte-Ausschusses im Repräsentantenhaus, dem
Abgeordneten Les Aspin. Wenn man ihn
nach seinen jüngsten Äußerungen beurteilt, dann scheint der Abgeordnete

Aspin ebenso wie Ralph Waldo Emerson
zu
glauben,
daß
Konsequenz
das
Schreckgespenst der Popanz ist - weil
er selber alles andere als konsequent
gewesen ist.
in den vergangenen Monaten hat
der Abgeordnete Aspin seinen Photokopierer etwas zu sehr in Anspruch
genommen, um Woche für Woche Presseerklärungen herauszugeben, in denen
er
die
Reagan-Administration
angreift, da sie es, seinen Worten
nach, versäumt hat, bei der Rüstungskontrolle "den Speck nach Hause zu
bringen".
Nun, was meinen sie, geschah vor
zwei Wochen, als wir vor der Tür
standen und den Speck praktisch in
der Hand hielten, in Form eines möglichen Abkommens zu INF?
Der Kongreßabgeordnete Aspin wollte ihn zurückschicken.
Es stellte sich heraus, daß er doch nicht ein solch großer Liebhaber von "Speck" ist.
Nachdem er mit der Mehrheit des
Repräsentantenhauses
dafür
gestimmt
hatte, die Null-Lösung des Präsidenten für Mittelstreckenraketen im Jahr
1981 energisch zu unterstützen, beschloß Les Aspin urplötzlich, daß es
vielleicht doch nicht so eine gute
Idee ist. Nun, da der Speck für uns
in Reichweite liegt, mag er ihn nicht
mehr.
Les Aspin hatte sechs Jahre Zeit,
um zu entscheiden, ob er den Speck
mochte oder nicht. Heute ist es etwas spät, um sich für die koschere
Küche zu entscheiden.
Wenn eine Bedrohung besteht, daß
Europa auf westlicher Seite "denuklearisiert" wird, während die sowjetischen Vorteile bei konventionellen
und chemischen Waffen unverändert bestehen
bleiben,
dann
liegt
dies
8 -

�hauptsächlich an dem Druck für ein
Abkommen um eines Abkommens willen die Mentalität des "bringt den Speck
nach Hause" in der Rüstungskontrolle,
die vom Repräsentantenhaus, vom Büro
des Les Aspin und von anderswo in den
vergangenen sechs Jahren ausging.
Und das bemerkenswerte ist, daß
sogar - während diese Administration
von einigen im Kongreß dafür gescholten wird, daß sie bei INF zuviele
Fortschritte macht, während wir glauben, ein gutes Geschäft erzielt zu
haben und während die Sowjets auf unsere Vorschläge eingegangen sind einige Vertreter im Repräsentantenhaus genau in diesem Moment auf Zusätze drängen, die dazu angetan sind,
die Administration
für zu geringe
Fortschritte in anderen Bereichen zu
strafen.
Wenn wir sagen "aufwärts",
wollen scheinbar
viele im Kongreß
"abwärts" sagen. Wenn wir "abwärts"
sagen", scheinen viele "aufwärts" sagen zu wollen.
Vom Standpunkt des Erlangens einer guten Rüstungskontrolle sind diese sogenannten
"Rüstungskontrollzusätze" des Kongresses schlechter als
wertlos:
sie schädigen unsere Verhandlungsposition ernsthaft , indem
sie unseren Unterhändlern den Boden
unter den Füßen wegziehen. sie stellen heute die größte Bedrohung am Horizont
der
Rüstungskontrolle
dar.
Sie
institutionalisieren
einseitige
Rüstungskontrolle.
Um es einfacher
auszudrücken:
sie verfügen einseitige Abrüstung.
Sie erklären sowjetische
Rüstungskontrollvor seh läge
praktisch zum Gesetz für die Vereinigten Staaten.
Ein solcher Zusatz würde zum Beispiel die Erprobung eines amerikanischen
Anti-Satellitensystems
im
Weltraum verbieten, obwohl die Sowjets
bereits ein
funktionsfähiges

Anti-Satellitensystem
haben.
Damit
bekräftigt er ein sowjetisches Monopol in diesem Bereich.
Ein anderer
Zusatz würde die Herstellung binärer
chemischer Waffen beschränken, obwohl
die Vereinigten Staaten seit 17 Jahren keine chemischen Waffen mehr produziert haben, während die Sowjets
deren Produktion niemals eingestellt
haben.
Durch einen weiteren Zusatz
würden die Vereinigten Staaten gezwungen, Teile von SALT II einzuhalten, sogar obwohl es den Sowjets
freisteht, wichtige Bestimmungen dieses Vertrages zu verletzen, wie sie
es jetzt auf eine ernsthafte Art und
Weise tun. Wiederum ein anderer beschränkt unseren wichtigen Bedarf für
SDI-Mittel, obwohl die Sowjets weiterhin sehr viel für ihre strategische Verteidigung ausgeben und uns
im Bereich der strategischen Verteidigung in den vergangenen zehn Jahren
bei den Ausgaben um das fünfzehnfache
übertroffen haben. Ein weiterer Zusatz würde ein amerikanisches Moratorium über Atomtests von mehr als einer Kilotonne erzwingen. Das ist die
Formel des Kongresses: Wenn kein Abkommen zu erzielen ist, das die Waffen auf beiden Seiten beschränkt,
bauen wir nur die Waffen auf unserer
Seite ab, ungeachtet der Gefahr.
Und wissen Sie, worin die Ironie
liegt?
Der eine Bereich der Rüstungskontrolle, in dem wir eindeutige Fortschritte erzielt haben - der
eine Bereich, in dem wir bereit sind
"den Speck nach Hause zu bringen" ist genau das Feld der Rüstungskontrolle, in dem uns der Kongreß allein
läßt.
Im großen und ganzen hat der
Kongreß bei INF unsere Verhandlungsposition und die amerikanischen Stationierungen
unterstützt.
Und wir
erzielen Ergebnisse.
Ich habe gesagt, warum die Kritiker dieses Abkommens meines Erachtens

- 9 -

�unrecht haben. Jetzt möchte ich ausführen, warum manche Befürworter unrecht haben.
In der David Brinkley Show der
vergangenen Woche hat der Sprecher
des Repräsentantenhauses Jim Wright
erklärt, daß in den amerikanisch-sowjetischen
Beziehungen
dies
"die
beste Möglichkeit ist, die wir seit
Ende des Zweiten Weltkrieges hatten".
An anderer Stelle wurde er mit dem
Ausspruch zitiert, es sei die beste
Gelegenheit seit der Oktoberrevolution von 1917.

revolution gehabt haben.
In vieler Hinsicht machen die besorgten Kritiker und die wilden Verfechter
dieses Abkommens
dieselben
Fehler;
- Erstens erwarten sie mehr von
diesem
Rüstungskontrollabkommen
(oder vielleicht von jedem durch
Verhandlungen
zustandegekommenen
Abkommen) - ob positiv oder negativ - als ein solches leisten
könnte.
- Zweitens unterscheiden sie nicht
zwischen
Rüstungskontrolle
auf
der einen und einseitiger Abrüstung auf der anderen Seite.

Dies sind kühne Erklärungen. sie
gehen viel weiter als alle Mitglieder
der Administration, die über dieses
Abkommen verhandeln, jemals gegangen
sind.
Der Sprecher des Repräsentantenhauses scheint ebenfalls dem Eindruck
zu unterliegen, daß dieses Abkommen
über INF-Raketen uns eine Menge Geld
sparen wird. Er sprach darüber, Mittel
anzuweisen,
um
"Kinder
aufs
College zu schicken" und die Gesundheitsfürsorge auszubauen.
Ich wäre glücklich, wenn mehr
Kinder aufs College gehen könnten,
und ich wäre ebenfalls froh, wenn
mehr Menschen eine bessere Gesundheitsfürsorge
erhielten.
Das wäre
wohl jeder Amerikaner.
Aber ich glaube nicht, daß ein
Abkommen mit der Sowjetunion über
Mittelstreckenwaffen
diese
Zauberei
hervorbringen
kann.
ich
glaube
nicht, daß dieses Abkommen uns Geld
sparen wird. Es könnte uns Geld kosten, besonders insofern, als daß wir
unsere
konventionelle
Verteidigung
verstärken müßten. Ich glaube nicht,
daß dies unbedingt die beste Möglichkeit ist, die wir seit dem Ende des
Zweiten Weltkrieges oder der Oktober-

- schließlich gehen sie davon aus,
daß
kein
Rüstungsabkommen
in
Sicht ist, dem wir angemessenerweise und selbstbewußt ein schallenden
"nein"
entgegenstellen
können.
Es sind genau diese Fehlannahmen,
die wir hinter uns lassen müssen, um
sicherzustellen, daß Rüstungskontrolle wirklich dem nationalen Interesse
dient und wahrhaft unsere Sicherheit
stärkt.
Das sind genau die Fehlannahmen, denen wir abschwören müssen,
wenn die westliche Sicherheit sich
nicht unter der Flut der Abrüstungspropaganda - sowohl alten als auch
neuen Stils - verschlechtern soll,
die gegenwärtig aus der Sowjetunion
zu vernehmen ist.
Anders als der Kongreßabgeordnete
Wright sehe ich nicht das Paradies
auf Erden in den nächsten Jahren vor
Augen, wenn wir auf der gepunkteten
Linie gemeinsam mit den Sowjets ein
Abkommen über INF unterzeichnen. ich
sehe nicht den Frieden ausbrechen.

- 10 -

Und dennoch befürworte ich dieses

�Abkommen.
ich befürworte dieses Abkommen nicht, weil es das Paradies
einläutet oder große Geldsummen einspart oder das Problem der amerikanisch-sowjetischen Beziehungen löst.
Ich bin dafür, weil es das besondere
Problem lösen würde, das sich die
NATO zu lösen vornahm, als die im
Jahr 1979 ihren berühmten Doppelbeschluß faßte: das Problem der sowjetischen SS-20.
Im Jahr 1979 entschied die NATO, daß sie entweder die
SS-20 mit westlichen Stationierungen
übertreffen oder ein Abkommen erlangen mußte, um die SS-20 loszuwerden.
Dieses Abkommen ist der Abschaffung
der SS-20 sehr nahe. Wir üben weiterhin Druck auf die Sowjets aus, um
die völlige Abschaffung von Mittelstreckenraketen
längerer
Reichweite
herbeizuführen. In jedem Falle würde
das Abkommen, über das wir sprechen,
im Grunde das wichtige Problem lösen,
zu dessen Lösung es erarbeitet wurde.
Nicht mehr und nicht weniger.
Deshalb denke ich, solch ein Abkommen
wäre ein sieg für das westliche Bündnis, ein Sieg der festen Haltung, ein
Sieg der Entschlußkraft des Westens.
Es ist ein Sieg, aber wir müssen ihn
in der richtigen Perspektive sehen.
Das zugrundliegende Problem der sowjetischen Aggression, die zugrundeliegende Aufgabe der Stärkung der Abschreckung und Aufrechterhaltung der
Sicherheit des Westens bleiben besteh er..

* * * * * *

�^°J^&lt;

V,DN

AMERIKA DIENST

^

Wissenschaft und Technik
27. Mai 1987

20

DER KAMPF GEGEN DROGEN
UN-Konferenz soll Weg zu weltweiter Koordinierung ebnen

VEREINTE NATIONEN, NEW YORK - (AD) - Die bevorstehende internationale Konferenz der Vereinten Nationen über Drogenmißbrauch und illegalen Drogenhandel,
die für die Zeit vom 17. - 26. Juni 1987 nach Wien einberufen ist und zum ersten Mal auf Ministerebene stattfinden, wird von den Vereinigten Staaten als
"ein wichtiger Meilenstein im Kampf gegen Rauschgifte" betrachtet. Aber schon
im UN-Wirtschafts- und Sozialrat (ECOSOC), dessen 54 Mitgliedstaaten seit dem
4. Mai (bis Ende des Monats) in New York tagen, werden wichtige Punkte dazu
erörtert.
Allerdings machte die amerikanische Botschafterin Patricia Byrne
bei der ECOSOC-Tagung darauf aufmerksam, daß die Welt-Drogenkonferenz nur erfolgreich sein könne, "wenn aus ihr eine starke Verpflichtung der Nationen
hervorgeht, für die Eliminierung von Suchtstoffen als einer Bedrohung der
Weltbevölkerung unermüdlich zu arbeiten".

Patricia Byrne hält Konsens unter
den Partnerstaaten für dringend erforderlich, um den Kampf gegen illegale Drogen ausgewogen und an allen
Fronten gleich energisch zu führen.
Hauptziele seien die Verminderung von
Angebot und Nachfrage, die Ausschaltung des Drogenhandels sowie Fortschritte
in bezug auf Aufklärung,
Vorbeugung, Therapie und Rehabilitation.
Gelinge es jedoch den beteiligten Regierungen nicht, sich auf
einheitliche, ausgewogene und umfassende Maßnahmen zu einigen, oder ließen sich Delegierte einzelner Länder

United States Information Service
Embassy of the United States of America

in Verfolgung
eigensüchtiger
Ziele
von den Kernproblemen ablenken, könnten nur die Händler und jene, die unter ihren Einfluß geraten sind, den
Sieg davontragen.
Um das zu verhindern, müßten alle
Kon fer en z te iIn ehmer
en tschloss en
sein, "unsere Kinder und künftige Generationen vor den zerstörenden oder
gar tödlichen Auswirkungen des Drogenhandels zu retten", sagte die Botschafterin.
Eine solche Entschlossenheit berührt viele wesentliche Bereiche - Produktion, Handel, Konsum,

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�aber
auch wirtschaftliche, gesellschaftliche und kulturelle Faktoren.
Darauf verwies der mexikanische Botschafter Mario Moya Palencia. Er erklärte, lateinamerikanische und karibische Länder hätten ebenso wie andere Entwicklungsländer gefordert, in
dem auszuarbeitenden Deklarationsentwurf
die Notwendigkeit
praktischer
Maßnahmen hervorzuheben, um "das Problem an seinen Wurzeln und nicht nur
an seinen Symptomen anzugehen".

frage, Drogenangebot, illegalen Handel und Therapie betreffen.
Darauf
verwies auf der ECOSOC-Tagung Tamar
Oppenheimer,
die
Generalsekretär in
der Weltdrogenkonferenz.

Drogenmißbrauch - Pest unserer Zeit

Zur Bekämpfung des Drogenhandels
ist die Ausarbeitung einer Konvention
vorgesehen.
Die
Fortschritte
zur
Realisierung dieses Planes soll eine
noch einzusetzende Expertenkommission
überprüfen.
Diese hätte sich außerdem um Resolutionen zu kümmern, die
die
Regierungen
verpflichten, mehr
für Erziehungs- und Informationsprogramme zu tun, die die negativen und
schädlichen Konsequenzen des Drogenmißbrauchs deutlich machen.
Weitere
Resolutionen
hätten
der
besseren
Überwachung des Exports von psychotropen Substanzen, von Optiatprodukten
für
medizinische
und
wissenschaftliche Zwecke sowie einer Neuordnung der für die UN-Programme zur
Suchtstoffkontrolle verfügbaren Geldmittel
und
der
Unterstützung
des
Fonds für Pläne zur Suchtstoffkontrolle im Rahmen von Länder Programmen
zu gelten.

Die für das Programm zuständigen
UN-Beamten ließen keinen Zweifel daran, daß sich Drogenmißbrauch in allen
sozialen Schichten und in allen Teilen der Welt ausbreitet - "die Pest
unserer Zeit", wie Tamar Oppenheimer
sagte. Es sei nach wie vor schwierig, das Drogenproblem zu quantifizieren. Jedoch seien auf dem illegalen Markt weiterhin die gleichen Mengen verfügbar wie in den vorangegangenen
Jahren.
Entwicklungsländer
seien nicht gegen das Händlerproblem
gefeit. Außerdem mache sich in Osteuropa, das bisher so stolz war, gegen illegalen Drogenkonsum immun zu
sein, das
Problem
des Drogenmißbrauchs
ebenfalls bemerkbar.
Auch
Afrika, wo bis in die jüngste Zeit
der Drogengenuß durch Traditionen unter gewisser Kontrolle gehalten wurde, falle immer mehr dem Drogenmißbrauch zum Opfer.
Da Entwicklungsländer nicht über angemessene Ressourcen zur Bekämpfung des Problems
verfügten, seien sie besonders anfällig.

Hauptdokument der Konferenz wird
ein
"umfassender
multidisziplinärer
Maßnahmenkatalog"
sein
(nach einer
englischen Bezeichnung "Comprehensive
Multidisciplinary Outline" CMO abgekürzt).
Der im Februar in Wien von
der
UN-Suchtstoffkommission
(CND)
fertiggestellte und den Regierungen
zugeleitete Textentwurf, umfaßt ein
ganzes Spektrum praktischer Maßnahmen, die auf nationaler, fachlicher,
akademischer
und lokaler Ebene ergriffen werden können und Drogennach-

Der Beginn der ECOSOC-Tagung in
New York fiel zeitlich mit einer vom
amerikanischen Außenministerium einberufenen
Drogenkonferenz
zusammen,
die die zuständigen Attaches bzw. Referenten aus 47 amerikanischen Botschaften mit hochrangigen Mitarbeitern der amerikanischen Bundesbehörde
für Drogenbekämpfung (DEA) zusammenführte.
Die
"Narcotics
Attaches"
sind auf ihren Auslandsposten für die
Koordination der Bemühungen um Suchtstoffkontrolle
und
entsprechender

- 2 -

*

�Maßnahmen verantwortlich.
in seiner
Ansprache
bezeichnete der amerikanische Außenminister
George
shultz
den Drogenhandel
als eine moderne
Form der Piraterie. Diese nehme noch
schlimmere Formen an, wenn "gewissenlose Drogenhändler versuchen, ganze
Länder als Geiseln zu nehmen.
sie
machen mit Terroristen und Guerilleros gemeinsame Sache, um die Bevölkerung
auszuplündern,
überkommene
Werte und Institutionen anständiger
Menschen zu zerstören...
Aber die
angegriffenen Länder schlagen zurück.
Das internationale Recht wird umgeschrieben, um die Händler festzusetzen und ihnen ihre Beute abzunehmen",
sagte Shultz. "Wir machen uns keine
Illusionen.
Der wirkliche Kampf gegen
Drogen,
ein
internationaler
Kampf, fängt gerade erst an... Das
Recht und ebenso realistische Anstrengungen sind jedoch auf unserer
Seite."

Regionale Zusammenarbeit
Zwar seien viele in Regierungsdiensten
stehende Personen
korrumpiert. Aber Millionen ehrlicher Menschen überall in der Welt lehnten
sich gegen sie auf. Zur Zeit führten
20 Länder Vernichtungsaktionen
von
Drogenanpflanzungen durch.
Die USA
unterstützten über eine Abteilung des
amerikanischen
Außenministeriums
14
dieser Länder mit Geld, Ausrüstungen
und Personal.
Regionale Zusammenarbeit, etwa der Andenländer oder in
Asien (Burma und Thailand, Indien und
Pakistan), auch der Vereinigten Staaten mit Mexiko, beginne Früchte zu
tragen.
Die Vereinten Nationen, die
Organisation
Amerikanischer
Staaten
(OAS), der ASEAN-Bund, SAARC und die
Europäische Wirtschaftsgemeinschaft sie alle haben die Drogenbekämpfung
als eine ernste internationale Aufgabe er kannt.

in den USA selbst werden die Aktivitäten von ca. 20 Bundesbehörden
sowie ihren einzelstaatlichen und lokalen Pendants, unterstützt vom Militär mit Helikoptern, Flugzeugen und
Radarballons, eng koordiniert.
Die
verstärkten
Anstrengungen
brachten
beachtliche Erfolge, wie DEA-Administrator John Lawn berichtete.
Zum
Beispiel
beschlagnahmten
DEA-Organe
allein im Jahr 1986 mehr als 27 000
kg Kokain, 800 000 kg Marihuana und
46 Millionen Dosen legaler, aber illegal verkaufter Suchtstoffe oder illegal
hergestellter
synthetischer
Rauschgifte.
Der letztgenannte Posten bedeutet im Vergleich zum Vorjahr eine Steigerung um mehr als 75
Prozent - "ein Problem, das uns große
Sorge bereitet", sagte Lawn.
Denn
die Quellen seien im eigenen Land zu
suchen.
Dem jüngsten DEA-Bericht ist zu
entnehmen, daß 1986 in den USA 4,7
Millionen Marihuana-Pflanzen auf illegalen Anbauflächen vernichtet wurden.
Bei 1,8 Millionen handelte es
sich um die Sinesmilla-pf lanze, die
einen
besonders
hohen
Gehalt
von
Tetrahydrocannabinol
besitzt.
Dazu
kamen 125 Millionen geringerwertige
Cannabis-Pflanzen.
in Verbindung mit
diesen Aktionen wurden 5537 Personen
verhaftet, 1646 Waffen eingezogen und
Vermögenswerte in Höhe von 13,5 Millionen Dollar beschlagnahmt.
Manche
Bundesstaaten benutzen für die Pflanzenvernichtung Herbizide.
Dies ist
der DEA bis zur Fertigstellung von
zwei, im Jahr 1983 gerichtlich verfügten Umweltgutachten verwehrt; allerdings konnten aufgrund bestimmter
Ergebnisse des ersten Gutachtens 1985
auf bundeseigenem Land Sprühaktionen
mit Glyphosat
(nicht aber mit Paraquat und 2,4-D) wiederaufgenommen
werden.

- 3 -

�Aufklärung in Schulen zeigt Wirkung
Daß
Information
und Aufklärung
junger Menschen, wie sie vor allem
durch Nancy Reagan initiiert und in
den letzten Jahren auf breiter Front
gefördert wurde, ihre Wirkung nicht
verfehlen, zeigen Umfragen in amerikanischen Schulen. Kinder sind sich
der Gefahren, die aus Drogen, aber
auch aus Zigaretten und Alkohol erwachsen, heute weitaus stärker bewußt
als noch vor zwei oder drei Jahren.
Auch widerstehen sie sehr viel mehr
dem Druck von Altersgenossen, z.B.
Marihuana einmal zu probieren.
Das
von
Nancy
Reagan
geprägte
Motto:
"Einfach Nein sagen" zu Drogen, trägt
offensichtlich Früchte.
Schwerpunkt
zahlreicher
Aufklärungsaktionen sind in zunehmendem Maße Warnungen vor Zigaretten und Alkohol, die als Einstiegsdrogen betrach^
tet werden. "Wir müssen allen Drogen
den Glorienschein nehmen", erklärte
Dr. Donald ian MacDonald, der Direktor der Abteilung im Weißen Haus für
Bekämpfung
des
Drogenmißbrauchs.
"Kindern
klarzumachen, daß Alkohol
und
Zigaretten
süchtig machen und
deshalb 'Drogen' genannt werden sollten, ist der erste Schritt." im Gegensatz zu den Umfrageergebnissen von
1983 stehen heutzutage Schulen an erster
Stelle als
Informationsquelle
über die Gefahren der Drogen, während
das Fernsehen noch immer die Führungsrolle darin hat, Rauschmittel
und Trinken als besonderen Spaß anzupreisen .
Drogen bedeuten für jeden Sektor
der Gesellschaft eine Bedrohung
letztlich
auch,
wie
Außenminister
Shultz erklärte, für die Demokratie
und die nationale Sicherheit.
Die
Vereinigten Staaten hätten sich ehrgeizige Ziele gesetzt:
Schule, Ar-

beitsplatz, Verkehrsmittel, Wohnungen, das ganze Land soll drogenfrei
werden. Dr. MacDonald zufolge sei es
ungemein wichtig, den "Markt" auszutrocknen - die Nachfrage nach Drogen
und die zahl der Menschen, die Drogen
nehmen, immer
mehr zu reduzieren.
Einer der Schwerpunkte der Drogenbekämpfung sei heute auch der Arbeitsplatz. Die kleine Anzahl berufstätiger Personen, die Drogen nehmen, gefährden in bezug auf Sicherheit und
Leistung die große Mehrheit der arbeitenden Mitmenschen, die drogenfrei
sind.
Eine erst kürzlich gemachte
Erhebung zeigt, daß im vergangenen
Monat 23 Millionen Amerikaner aller
Altersgruppen über 12 Jahre, und die
meisten davon am Arbeitsplatz, Drogen
nahmen. Für das vergangene Jahr wurden 38 Millionen Personen ermittelt und wieder in der Hauptsache am Arbeitsplatz. "Wenn wir dem nicht beikommen", meinte MacDonald, "gibt es
wenig Hoffnung, Drogenkonsum in den
Vereinigten Staaten zu verringern."

Therapie
Der Direktor des Nationalen Instituts zur Bekämpfung des Drogenmißbrauches, Dr. Charles Schuster, berichtete von einem Rückgang des Konsums von Marihuana, PCP und einiger
anderer Drogen seit dem Jahr 1979.
Dagegen sei bei Kokain ein weiterer
Anstieg zu verzeichnen, der Verbrauch
von Heroin sei unverändert.
In der
Therapie
Süchtiger
zeichneten
sich
Fortschritte ab.
Nach sechsjähriger
Behandlung
seien
etwa
60
Prozent
vollkommen
drogenfrei.
Dies gelte
jedoch nicht für Heroin- und Kokainabhängigkeit.
Bei
Heroinsüchtigen
habe man ständig mit Rückfällen zu
rechnen, so daß eine Behandlung bis
zum Lebensende notwendig sei.
Die
Sucht könne nicht geheilt, aber doch
wirksam unter Kontrolle gebracht wer-

�den. So gut seien Behandlungsverfahren
für Kokainsüchtige noch nicht
entwickelt, jedoch mache man bemerkenswerte
Fortschritte,
sagte
Dr.
Schuster. Die Behandlung konzentriere sich derzeit nach der Entgiftung
auf die Zufuhr chemischer Stoffe, die
durch Kokainmißbrauch dem Gehirn entzogen wurden.
Geschehe dies rechtzeitig, sei die Gefahr gebannt, das
der Betreffende erneut beginne, Kokain zu nehmen. Allerdings sei noch
keine
endgültige
Bewertung
dieser
Therapiemethode möglich.

Zusätzliches Risiko
Fixer, d.h.
Rauschgiftsüchtige,
die sich Drogen intravenös spritzen,
riskieren
zudem
sehr
leicht
eine
AIDS-Infektion, weil häufig Spritzen
gemeinsam benutzt werden. Diese Beobachtung wird in zahlreichen Ländern
gemacht.
Dr.
C.
Everett
Koop,
"Surgeon
General"
der
Vereinigten
Staaten, warnte Anfang Mai in einer
Rede vor der Weltgesundheitsbehörde
(WHO) vor der Gefahr, daß in einem
Land der Beginn des Drogenmißbrauchs
in Form von Fixen gleichzeitig bedeute, daß dieses Land nun auch mit der
Ausbreitung von AIDS zu rechnen habe.

* * * * * *
- 5 -

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Adelman: Fortschritte bei Rüstungskontrolle nicht durch Besorgnisse aufhalten&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rede vor der Gesellschaft für Verteidigungsbereitschaft -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Der Kampf gegen Drogen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- UN-Konferenz soll Weg zu weltweiter Koordinierung ebnen -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST
V,oN ^

20.

19

Mai 1 9 8 7

•

I N H A L T

DOKUMENTATION

Glasnost und das Bündnis
- Rede von Botschafter Burt vor der Deutschen Gesellschaft für
Auswärtiqe Politik -

HINTERGRUNDMATERIAL

Studie des US-Außenministeriums befürwortet weite Interpretation
des ABM-Vertrages
- Artikel über Informationsqespräche mit Sofaer und Nitze -

* * * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�;e° ST&gt;

AMERIKA DIENST
Dokumentation

20. Mai 1087

19
GLASNOST UND DAS BÜNDNIS

Rede von Botschafter Burt vor der Deutschen Gesellschaft
für Auswärtiqe Politik -

BONN - (AD) - In einer am 20. April 1987 vor der Deutschen Gesellschaft
für Auswärtiqe Politik in Bonn qehaltenen Rede hat der amerikanische Botschafter in der Bundesrepublik Deutschland, Richard R. Burt, die Sowjetunion aufqefordert, der Breschnew-Doktrin eine Absaqe zu erteilen. "Wenn die Sowjetunion
am Erfolq von Glasnost interessiert ist, muß sie die Breschnc-wDok tr in aufqeben. Die Teilunq Europas kann solanqe nicht erleichtert oder abqeschafft werden, wie sie von der Roten Armee aufrechterhalten wird, und dazu würde eine
Abkehr von der Breschnew-Doktrin neue Horizonte für Buropa und auch für die
Sowjetunion eröffnen."
Nachfolgend bringen wir die Rede des amerikanischen Botschafters im Wortlaut.
Vielleicht weht ein neuer Wind
aus der Sowjetunion.
Eine Gesellschaft, die so erstarrt, so unglaubwürdiq zu sein schien, scheint heute
Zeichen des Wandels zu zeiqen. Russische Wörter - "Glasnost" (Offenheit)
und "perestroika"
(Umgestaltung) - werden im qesamten Westen
vernommen.
Die Folqen sowjetischen
Verhaltens werden in der qanzen Welt
gespürt. Es gibt vielleicht kein anderes Volk, das diese Entwicklunq so
aufmerksam verfolgt, wie die Deutschen .

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Hier wie auch in meinem Land ist
die Hoffnung weitverbreitet« daß der
Wandel in cier Sowjetunion eine Veränderung zum Resseren mit sich bringt,
und zwar nicht nur für das sowjetische Volk, sondern auch für die sowjetischen
Beziehungen
zur übrigen
Welt.
Es besteht ein Gefühl neuer
Chancen werden in den Ost-West-Reziehunqen, insbesondere im Bereich der
Rüstunqskontrolle.
Die
Hoffnunqen
sind besonders hochgespannt im Hinblick auf den Abschluß eines Abkommens über Mittelstreckenwaffen - um
diese gesamte Kategorie von Waffen in

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Europa gemäß dem von Präsident Reagan
vor sechs Jahren unterbreiteten Vorschlag abzuschaffen.
Die
Reqierung
der
Vereinigten
Staaten teilt diese Hoffnungen auf
konkrete Fortschritte voll und ganz
und tut ihr möglichstes, um sie zu
erfüllen.
Die Vereinigten
Staaten
sind
besonders befriedigt darüber,
daß die Sowjetunion jetzt den Vorschlag des Bündnisses über IMF-Systeme aufgegriffen hat.
Der Abschluß
eines Abkommens über diese Kategorie
von Waffen würde einen wertvollen
Beitrag zur europäischen Sicherheit
leisten.

kontroll vorschlagen und, noch bedenklicher, Europa bilde einfach die Arena für den Wettstreit und die Vorherrschaft der Supermächte.
Das dagegen verordnete politische
Rezept heißt
"Europäisierung Europas".
Dieser Ansicht zufolge sollte
Europa aus den Klauen der Supermächte
befreit werden. In seiner extremeren
Form führt dieser Gedanke logischerweise zur sowjetischen Idee des Hauses Europa - der Befreiung Europas
von der nichteuropäischen Supermacht
- den Vereinigten Staaten.

Das Problem der europäischen Teilung
Das europäische
Sicherheitsprohlem liegt jedoch wesentlich tiefer
als das Problem der Rüstungsniveaus.
Der Rüstungswettlauf in Europa ist
sogar eher das Symptom des Problems
als dessen Ursache, und wenn wir uns
dieser Ursache zuwenden, müssen wir
die historischen Wurzeln des Problems
untersuchen.
Mit
Ihrer
Erlaubnis
möchte ich dies heute abend tun.
Es
gibt
zwei
weitverbreitete,
miteinander konkurrierende Meinungen
zum Wesen des europäischen Sicherheitsproblems.
Die eine besagt, daß
der Rüstungswettlauf das Grundproblem
ist und führt diesen wiederum auf den
Wettstreit der Supermächte in Europa
zurück.
Jüngste
Meinungsumfragen,
von denen ich Kenntnis erlangt habe,
besagen, daß solches Gedankengut allgemein verbreitet ist.
Laut einer
vom "Stern" im März veröffentlichten
Meinungsumfrage glaubten 49 Prozent
der
Befragten, daß Generalsekretär
Gorbatschow größere Anstrengungen für
Frieden
und
Abrüstung
unternimmt,
während nur 9 Prozent das gleiche von
Präsident Reagan annahmen. Ich finde
dies beunruhigend, da sich darin die
Meinung widerspiegelt, der Friede in
Europa sei das Produkt von Rüstungs- 2

Der zweite und produktivere Ansatz einer Betrachtungsweise des Problems der europäischen Sicherheit besteht darin, es als Ergebnis der Teilung Europas anzusehen.
Die europäische Teilung ist die Quelle des Problems, nicht das Wettrüsten oder der
Wettstreit der Supermächte an sich.
Und die Lösung des europäischen Sicherheitsproblems
besteht
in
der
Überwindung der Teilung des Kontinents.
Um Fortschritte bei der Überwindung der Teilung Europas zu machen,
müssen wir zunächst verstehen, warum
Europa geteilt ist. Und gerade hier
begeben sich viele auf Irrwege. Ich
persönlich bin tief davon berührt,
daß es hier in der Bundesrepublik
Deutschland wie auch in den Vereinigten Staaten jungen Leuten im Hinblick
auf die Teilung Europas oft an historischem
Bewußtsein
fehlt.
Dieser
allzu verbreitete unhistorische Ansatz führt oft zu der vereinfachenden
Diagnose des "Wettstreits der Supermächte" und zu ähnlich schlichten und
irreführenden Lösungen.
Die

Teilung

Europas

nach

dem

�Zweiten
Weltkrieq
veranschaulichte
ein in der Geschichte immer wiederkehrendes Phänomen. Wenn ein historisches Problem qelöst ist, taucht
ein
neues
auf.
Die
Niederlaqe
Deutschlands im Zweiten Weltkrieq bereitete
der katastrophalen
Politik
von Adolf Hitler und der Ausbreitunq
deutscher
Macht ein Ende.
Leider
brachte der Krieq jedoch auch die Rote Armee nach Mitteleuropa. Die Sowjetunion war nicht länger eine von
mehreren
europäischen
Großmächten.
Sie wurde zur dominierenden Macht Europas.
Die
Resetzunq
Osteuropas
durch die Rote Armee wurde zum grundleqenden europäischen Sicherheitsproblem der verqanqenen vier Jahrzehnte,
und dies ist auch heute noch der Fall.
Die daraus folqende Teilunq Europas kann deshalb aus den grundverschiedenen amerikanischen und sowjetischen Vorstellunqen von der Nachkrieqswelt heraus verstanden werden.
Die amerikanische Vorstellunq war von
Offenheit
qepräqt
- von
demokratischen Institutionen und einem freien
internationalen
Handelssystem.
Dazu qehörte die Erwartunq, daß die
Europäer unter dem Schutz eines überqeordneten, durch die Vereinten Nationen gewährleisteten
internationalen Sicherheitssystems ihre eigenen
Angelegenheiten
bewältigen
würden.
Die sowjetische Vorstellung, soweit
wir sie ermitteln können, sah ein geschlossenes System vor - die Grenzen
des sowjetischen Reiches würden nach
außen verschoben und sicherer v/erden.
In einem Essay über den kalten Krieg
hat
der
amerikanische
Historiker
Arthur Schlesinger diese gegensätzlichen Ansätze als den "universalistischen" und den der "Einflußsphäre"
beschrieben.
Um aufzuzeigen, wie Europa geteilt wurde, möchte ich fünf Thesen
zum amerikanischen und sowjetischen

Verhalten in der unmittelbaren Nachkriegszeit vortragen und zur Diskussion stellen.
ich hoffe, daß diese
detaillierte Untersuchung der historischen Tatsachen manche Fehlschlüsse
über diesen Zeitraum zerstreuen und
einige Hinweise darauf qeben wird,
wie das europäische Sicherheitsproblem heute wirksam anqegangen werden
kann.

1.

Erstens: die Ziele der Vereinigten Staaten und der Sowjetunion
im Nachkriegseuropa waren grundverschieden.

Die Vereinigten Staaten befürworteten Demokratie und nationale Unabhängigkeit, in seinem Ruch "The Cold
War as History" beschrieb Louis Halle
die amerikanische Vorstellung folgendermaßen: eine weltweite internationale Gemeinschaft, die in einer Art
von Parlament der Nationen demokratisch orqanisiert sein sollte und in
der alle Mitglieder Selbstbestimmung
durch freie Wahlen nach westlichem
Modell qenießen würden.
Diese Vorstellunq wurde recht problemlos in
ganz Westeuropa verwirklicht.
Daqegen
waren die
sowjetischen
Absichten in Osteuropa offen expansionistisch.
Zu Reqinn des Jahres
1945 erklärte Stalin dem jugoslawischen Kommunisten Milovan Djilas, was
dieser in seinem Ruch "Gespräche mit
Stalin" ber ichtet:
"Dieser Krieg ist nicht wie die
vergangenen; wer ein Territorium besetzt, zwingt diesem auch sein eigenes Gesellschaftssystem auf.
Jeder
setzt sein eigenes System durch, soweit eine Armee reichen kann.
Es
kann nicht anders sein."
Der stellvertretende sowjetische
Außenminister, Maxim Litwinow, er-

- 3 -

�klärte
1946:

in

einem

Interview

im

Jahr
2.

"In Rußland hat eine Rückkehr zum
veralteten Konzept von Sicherheit in
Form von Territorium stattgefunden je mehr man davon hat, desto sicherer
ist man."
Bei Krieqsende hatten die Sowjets
Teile von Finnland, die drei baltischen Staaten, einen Teil von Ostpreußen,
Ostpolen
und
Teile
der
Tschechoslowakei und Rumäniens direkt
annektiert. Der Großteil Osteuropas,
der nicht unmittelbar der Sowjetunion
einverleibt wurde, qelangte unter die
zunehmend straffe und repressive sowjetische Kontrolle.
Die
Forderung
der
Sowjetunion
nach absoluter Sicherheit für sich
selbst bedeutete absolute Unsicherheit für ihre Nachbarstaaten - Verlust von Gebieten, Entzug der nationalen Unabhängigkeit und Aufnötigung
harter totalitärer Regime.
Die Sowjets hatten ihr Sicherheitsproblem
gelöst - aber ein neues für all ihre
europäischen Machbarn geschaffen.
Noch alarmierender für den Westen
war Stalins offensichtlicher Wunsch
nach Expansion über Osteuropa hinaus.
Schon im Jahr 1945 übte er Druck auf
die Türkei aus, um diese zu veranlassen, zwei Provinzen im Nordosten abzutreten und den Sowjets Stützpunkte
in der Ägäis und an den Meerengen
einzuräumen - Forderungen, die bis zu
seinem Tod Bestand hatten.
Im Jahr
1946 etablierte das sowjetische Militär ein Marionettenregime im Norden
Irans.
Der vertraglich vereinbarte
Truppenabzug fand erst unter internationalem
Druck
statt.
Das sowjetische Verhalten war noch besorgniserregender, als für die Sicherheit
der Sowjetunion keine aktuelle Bedrohung bestand.

Damit komme ich zu meiner zweiten
These» Sie besagt, daß im Gegensatz zur Sowjetunion die Vereinigten Staaten abrüsteten und
sich in den ersten Jahren nach
dem Zweiten Weltkrieg militärisch
weitgehend aus Europa zurückzogen.

Stalin gegenüber erklärte Präsident Roosevelt im Februar 194 5 in
jalta,
daß
amerikanische
Truppen
nicht viel, länger als zwei Jahre nach
Krieqsende in Europa verbleiben würden.
Er blieb seinen Worten treu:
die amerikanischen Truppen wurden von
3 Millionen Mann im Jahr 1945 auf
391 000 im Jahr 1947 abgebaut.
Das
amerikanische
Verteidigungsbudget
fiel von 81 Milliarden Dollar im Jahr
1945 auf 13 Milliarden Dollar im Jahr
1947.
Die Wehrpflicht wurde in den
Vereinigten
Staaten
wieder
abgeschafft.
Die amerikanischen Verteidigungsbemühunqen
blieben nach
Kriegsende
fünf Jahre lang auf diesem niedrigen
Niveau,
während
der
sowjetischen
Machtübernahme in der Tschechoslowakei, der Blockade Berlins, des Falls
von China an kommunistische Kräfte
und der Explosion der ersten sowjetischen Atombombe im Jahr 1949. Amerikanische
Militärberater
warnten
Präsident Truman, daß alles, was über
einen
kleinen
Konflikt
im Ausland
hinausging,
eine
Teilmobilisierung
von Reserven erforden würde.
Erst
nach der nordkoreanischen Invasion in
Südkorea im Jahr 1950 begann schließlich der Ausbau der amerikanischen
militärischen Fähigkeiten.
Darüber hinaus besaßen die Vereinigten Staaten in den Jahren unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg weder ein bedeutendes Atomwaffenarsenal

�noch die erforderlichen Trägersysteme. Noch im Frühjahr 1047 wurde Präsident Truman von seinen Reratern informiert, daß lediqlich eine Handvoll
atomarer
Gefechtsköpfe
existierten
und keiner davon einsatzbereit war.
naqeqen
unterhielt die Sowjetunion in den Nachkriegsjähren ein umfangreiches stehendes Heer. nie meisten europäischen und amerikanischen
Beobachter schätzten die Gesamtstärke
der sowjetischen Truppen im Jahr 1948
auf vier bis fünf Millionen Mann qeqenüber einer amerikanischen Truppenstärke von 1,5 Millionen Mann weltweit. Der RAND-Forscher Thomas Wolfe
schätzt, daß mindestens dreißiq sowjetische Divisionen in Europa weniqer als
zehn locker
koordinierten
britischen, französischen und amerikanischen Divisionen qeqenüberstanden.
Die Europäer betrachteten dieses
militärische Unqleichqewicht als qefährlich, lanqe bevor viele Amerikaner zu der qleichen Einschätzunq qelanqten, und sie unternahmen im Jahr
1948 selbst den ersten Schritt zu einer qemeinsamen Verteidiqunq, indem
sie den Brüsseler Vertraq unterzeichneten, der ein Bündnis zwischen Großbritannien, Frankreich und den Benelux-Staaten ins Leben rief.
Lothar
Ruehl hat die militärische Laqe folgendermaßen charakterisiert:
"Nachdem Deutschland als Militärmacht ausqeschaltet worden war, konnten weder die volle Wiedererstarkunq
Frankreichs noch die fortqesetzte Mobilisierung
britischer
Streitkräfte
im Kräfteverhältnis zur Sowjetunion
auch nur ein annäherndes Gleichgewicht in den Konfliktoptionen aufrechterhalten;
denn
keines
dieser
westlichen Länder hätte die Mobilisierung seiner Streitkräfte und seiner Wirtschaft auf dem in Kriegszeiten erreichten Stand halten können."

Deshalb drängten die verantwortlichen
europäischen
Politiker
die
Amerikaner, ihr Engagement in Europa
wiederaufzunehmen.
Raymond Aron bemerkte dazu:
"... es geschah auf Verlangen der
Europäer, daß der Nordatlantikvertraq
unterzeichnet wurde, und es geschah
auf Verlangen der Europäer
ebenso
sehr wie auf Vorschlaq der Amerikaner, daß der Mann, der den Kreuzzuq
qeqen das Dritte Reich befehliqt hatte, als Befehlshaber der Streitkräfte
der Orqanisation des Nordatlantikvertrages nach Europa zurückkehrte."

3.

Meine dritte These besagt, daß
das Engagement der Vereinigten
Staaten in Europa in den frühen
Nachkriegsjahren hauptsächlich
dazu diente, die europäische
Wirtschaft wiederaufzubauen und
ein offenes Handelssystem zu
schaffen.

In einem Beitrag für die Zeitschrift
"Diplomatie
History"
beschrieb Robert Pollard die amerikanische Wirtschaftspolitik folgendermaßen :
"Die
politisch
Verantwortlichen
in den Vereinigten Staaten nahmen an,
daß ein Umfeld des freien Handels ohne Diskriminierung - die "offene Tür"
- durch das Prinzip der vergleichbaren Ausgangslage die Vorteile des
friedlichen Wettbewerbs, des gleichen
Zugangs zu Rohstoffen und der höchsten Effizienz bieten und gleichzeitig stabile und demokratische Gesellschaftssysteme
im
Ausland
stärken
würde."
Pollard bemerkt, daß die
Nachkr iegsgeneration verantwortlicher
amerikanischer
Politiker
durch
die
Große Depression und die Ereignisse,
die zum Zweiten Weltkrieg führten,

- 5 -

�grundleqend beeinflußt worden waren.
Sie waren davon überzeugt, daß nationalistische
Handelspolitik,
Protektionismus und wirtschaftliche Rivalitäten eine Hauptursache des Krieges
bildeten.
Sie waren entschlossen,
ein System ins Leben zu rufen, das
diese Gefahren vermeiden würde.
Die amerikanische Wirtschaftspolitik war auf eine allgemeine wirtschaftliche
Erholung
ausgerichtet,
nicht
darauf,
der
amerikanischen
Wirtschaft besondere Vorteile zu verschaffen.
Amerikanische
Investoren
zögerten, in Übersee zu investieren.
Im Jahr 1950, wie im Jahr 1940, investierten die Europäer vie] mehr in
den Vereinigten Staaten als Amerikaner in Europa. überdies waren wichtige
Bereiche
der
amerikanischen
Wirtschaft gegen den Abbau von Zöllen
und anderen Handelsschranken, der ein
zentrales Element der amerikanischen
Politik zur Förderung einer gesunden
Weltwirtschaft darstellte.
Die Vereinbarungen
von Bretton
Woods und der Marshall-Plan waren
ebenfalls dazu gedacht, den allgemeinen Wohlstand zu fördern.
Pollard
erinnert uns daran, daß das System
von Bretton Woods politisch neutral
sein und sowohl den kapitalistischen
wie auch den sozialistischen Ländern
dienen sollte.
Um sowjetische Unterstützung zu
gewinnen, wurde den Sowjets zum Beispiel ein Stimmrecht im internationalen
Währungsfonds
eingeräumt, das
viel bedeutender war, als aufgrund
ihrer wirtschaftlichen Rolle angemessen gewesen wäre. Dem IWF sollte jedes Recht verwehrt werden, den Wert
des Rubel zu regulieren.
Wie Pollard
bemerkte, entstand
der Marshall-Plan aus einem wachsenden Gefühl der Furcht amerikanischer

Regierungsbeamter, daß Westeuropa auf
einen
politischen
und
wirtschaftlichen Zusammenbruch zusteuerte. Der
Plan wurde unterschiedslos der Sowjetunion und den Staaten Europas angeboten.
Insgesamt lagen während des Zeitraums von 1946 bis 1949 die Wirtschaftsbeihilfen und Kredite der Vereinigten Staaten an das Ausland bei
mehr als fünf .Milliarden Dollar jährlich. Die von der Marshall-Plan-Hilfe angekurbelte industrielle Produktion Westeuropas wuchs von 1947 bis
1951 um ein Drittel.
nie Sowjetunion
lehnte das in
Bretton Woods entworfene offene internationale
Handelssystem
schließlich ab. Stattdessen hatte sie schon
Anfang
1945 damit begonnen, ihren
osteuropäischen Satelliten geschlossene und autark gelenkte Wirtschaftsformen
aufzuzwingen.
Umfangreiche
Reparationszahlungen wurden von der
sowjetischen
Zone Deutschlands und
von Osteuropa verlangt. Nachdem die
sowjetischen Vertreter zunächst Interesse
am
Marshall-Plan
bekundet
hatten, nahmen sie eine ablehnende
Haltung ein und zwangen die Tschechoslowakei und Polen ebenfalls zur
Absage, obwohl diese sich gerne beteiligt hätten. Außerdem zwangen die
Sowjets die Polen und die Tchechoslowaken, ihre Beziehungen zum IWF abzubrechen .

4.

Meine vierte These lautet:
Die
sowjetische Politik, die zur Teilung Europas führte, zog auch die
Teilung Deutschlands nach sich.

Die Sowjetunion begann bald mit
der Errichtung eines gesonderten Systems in der Ostzone Deutschlands.
Grundbesitz
wurde
konfisziert
und
kollektiviert.
Die Industrie wurde

- 6 -

�verstaatlicht.
Im Jahr 1946 wurde
die SPD der Ostzone und Ost-Berlins
zum Zusammenschluß
mit der Kommunistischen
Partei gezwungen.
Ostdeutschland wurde zum integralen Bestandteil
des
sowjetischen
Herrschaftsgebiets.
Zu
dieser
Zeit
schlössen
die
grundlegenden sowjetischen Interessen
aus der Sicht der Sowjets selbst ein
freies und vereintes Deutschland aus.
Das vorrangige sowjetische Interesse
lag in der Bewahrung ihres Reichs.
Es gibt einige historische Beweise für die sowjetischen Absichten bezüglich
der
Einheit
Deutschlands.
Djilas berichtet uns, daß Stalin und
andere sowjetische Regierungsvertreter im Jahr 1946 darauf bestanden,
daß ganz Deutschland
kommunistisch
sein sollte, und er führt diese optimistischen
Stellunqnahmen
darauf
zurück, daß die Sowjets vom Rausch
des Sieges und der Hoffnung auf die
wirtschaftliche und politische Auflösung Westeuropas erfaßt worden waren.
Im Jahr 1948 vermerkt Djilas jedoch
einen Wandel: Stalin sagte nun, daß
Deutschland in ein westlich orientiertes Westdeutschland und ein kommunistisches
Ostdeutschland
geteilt
werden würde. Der zentrale Bestandteil sowjetischer Politik war der Erhalt und, wenn möglich, die Erweiterung
der
sowjetischen
Macht
in
Deutschland:
entweder Wiedervereinigung
unter
kommunistischem
Regime
oder fortdauernde Teilung und Kontrolle des Ostens.
Die Niederschlagung der Arbeiterrevolte in der DDR im Jahr 1953, der
ungarische Aufstand im Jahr 1956 und
der Prager Frühling von 1968 lieferten nachdrückliche Beweise für den
vorrangigen Wunsch der Sowjets, ihr
Reich unbeschadet zu erhalten.
Der
frühere
hohe
sowjetische
Diplomat

Arkadij Schewtschenko hat berichtet,
daß sich die sowjetischen Hauptzielsetzungen früherer Jahrzehnte bis zum
Jahr 1970 nicht geändert hatten. In
jenem Jahr entschied das Politbüro,
daß Verhandlungen über die Wiedervereinigung Deutschlands nur stattfinden
könnten,
wenn
die
Bundesrepublik
Deutschland aus der NATO austräte und
ein kommunistischer Staat werden würde.
Die Stalin-Note von 1952 schien
eine
Wiedervereinigung
anzubieten.
Tatsächlich war dies jedoch nicht der
Fall, denn die grundsätzlichen Interessen hatten sich überhaupt nicht
geändert.
Der historische Zusammenhang verdeutlicht diesen Widerspruch.
Die
ursprüngliche
Stalin-Note
deutete nur vage an, wie eine Wiedervereinigung erreicht werden sollte,
und sie versprach keine freien Wahlen.
Die Verhandlungen wären wahrscheinlich in jene endlosen Streitereien ausgeartet, die auch die vorherigen Debatten zwischen den Sowjets
und den Alliierten über Deutschland
gelähmt hatten. Selbst wenn die Sowjets theoretisch freien Wahlen zustimmten, so hatten sie doch in der
Praxis die Institution der
freien
Wahlen in ganz Osteuropa zerstört.
Der einzig ernsthafte Versuch des
Ostens zu einer Wiedervereinigung war
die nordkoreanische Invasion in Südkorea im Jahr 1950.
Für die Westdeutschen schien eine wiederbelebte
Vier-Mächte-Kontrolle
überdies
die
schwer errungene Unabhängigkeit und
Freiheit der Bundesrepublik zu gefährden.
Es war kein Wunder, daß
westliche Staatschefs, einschließlich
Adenauer, die Stalin-Note nicht als
eine echte Chance betrachteten, obwohl sie die sowjetischen Absichten
mit einer Reihe von Noten sondierten.
Raymond Aron erläutert die westlichen
Zweifel:

- 7 -

�"Obwohl es zwischen 1953 und 1954
Anzeichen einer Bereitschaft zu Verhandlungen
über
Deutschland
gab,
sucht man verqeblich nach Beweisen
für eine sowjetische Billigung der
Zugeständnisse, die nötig gewesen wären, um irgendeiner dieser Verhandlungen zum Erfolg zu verhelfen. Hätten Stalins Nachfolger wirklich freie
Wahlen in einer demokratischen Republik zugelassen, auf die Gefahr hin,
das Gesicht zu verlieren und ihr Imperium zu schwächen?"
Seine Antwort
ist ein nachdrückliches Nein.

5.

Meine fünfte und abschließende
These lautet: Die Vereinigten
Staaten unternahmen nach dem Ende
des Zweiten Weltkrieges beträchtliche Anstrengungen zur Fortsetzung der kooperativen Beziehungen
mit der Sowjetunion, während die
Sowjetunion den Konflikt schon
für unvermeidbar hielt.

Arthur Schlesinger hat die Situation wie folgt beschrieben: "Im Jahr
1945 lag der Unterschied
zwischen
Amerika und Rußland darin, daß einige
Amerikaner grundsätzlich langfristig
an einen möglichen modus vivendi mit
Rußland glaubten;
während die Russen, so weit man dies sagen kann,
höchstens einen kurzfristigen modus
vivendi mit den Vereinigten Staaten
für möglich
hielten."
Schlesinger
vermerkt, daß der amerikanische Außenminister Byrnes von 1945 bis 1946
"seinen langen und fruchtlosen Werbefeldzug durchführte, um die Russen
davon zu überzeugen, daß Amerika nur
solche Regierungen in Osteuropa anstrebte, die sowohl freundschaftliche
Beziehungen zur Sowjetunion unterhalten als auch alle demokratischen Elemente des Landes repräsentieren sollten". Entsprechend stellten die Vereinigten Staaten der Sowjetunion im

Jahr 1946 285 Killionen Dollar als
besondere
Entlastungszahlungen
zur
Verfügung, und 45 Millionen Dollar
sogar noch im Jahr 1947, als sich der
kalte Krieg verschärfte.
Amerikanische Nachkriegs-Anleihen
für die
Sowjetunion im Umfang von einer bis
sechs Milliarden
Dollar wurden zu
verschiedenen Zeiten angeboten.
Die
Vereinigten
Staaten
legten
den
Baruch-Plan zur Abschaffung der Kernwaffen und die gemeinsame friedliche
Nutzung der Atomenergie vor. Im Verlauf der Jahre 1945 und 1946 schlugen
die Vereinigten Staaten eine Folge
von Austauschprogrammen mit der Sowjetunion mit so ungleichen Teilnehmern wie dem Chor der Roten Armee und
der Princeton Universität vor.
Schlesinger nennt als Gründe dafür, warum die Sowjetunion auf die
amerikanischen Gesten nicht im Geist
der Zusammenarbeit antworteten, die
sowjetische Ideologie, Stalins paranoide Persönlichkeit und die nationalen
sowjetischen
Interessen.
Er
zieht die Schlußfolgerung, daß sich
die Sowjetunion im Oktober 1945 für
den isolationistischen Weg entschieden hatte. nies bedeutete natürlich
ebenso die Isolierung des osteuropäischen Vorfelds der Sowjetunion.
Warum habe ich die unmittelbare
Nachkriegsgeschichte
so
detailliert
wiederaufgerollt?
Ich wollte damit
nicht andeuten, daß Gorbatschows Initiativen unbedeutend seien oder die
sowjetische Politik sich nicht ändern
könne. Ich wollte vielmehr hervorheben, wie und warum das grundlegende
Sicherheitsproblem Europas entstanden
ist.
Die wesentlichen Tatsachen des
heutigen europäischen Lebens - die
Existenz zweier Bündnissysteme, die
amerikanische militärische Präsenz in
Europa, der Rüstungswettlauf - haben
ihren Ursprung
in der erzwungenen
Teilung des Kontinents und der er-

�zwunqenen Teilung Deutschlands.
Die amerikanischen Truppen kamen
nach Europa als Reaktion auf die Teilunq Europas, nicht als deren Ursache.
Sie kamen, weil die politisch
Verantwortlichen
Westeuropas
sie
wollten, und weil sie qemeinsamen Sicherheitsinteressen
dienten.
Sie
bleiben in Europa, nicht um die Teilunq fortbestehen zu lassen, sondern
um das Selbstbestimmunqsrecht auf dem
qesamten Kontinent am Leben zu erhalten. Die amerikanischen Truppen werden gehen, wann immer ihre Anwesenheit hier nicht länqer erwünscht ist.
Dies ist der fundamentale Unterschied
zwischen der amerikanischen und der
sowjetischen Truppenpräsenz in Europa. Und wenn Sie mir qestatten, etwas provozierend zu sein - dies ist
ein Unterschied, den Sie als führende
Vertreter der deutschen Außenpolitik
der
jüngeren Generation
in diesem
Lande nicht hinreichend vermitteln.
Diejenigen, die zu einer "Europäisierunq Europas" auffordern, müssen
Sorge tragen, daß ihr Ruf nach einer
Abkopplunq der Supermächte von Europa
- insbesondere der Vereinigten Staaten - nicht die Rückkehr zu der unmittelbaren Nachkriegssituation herbeiführt:
ein Europa, in dem ein
Land - die Sowjetunion - die unangefochtene Herrschaft hat.
Ohne die
amerikanische Präsenz in Europa wären
die sowjetischen Streitkräfte denjenigen
Westeuropas
weit
überlegen.
Die Schranken, die Europa teilen,
würden nicht fallen - sie würden sogar noch höher werden. Eine einseitige westliche Abrüstung oder eine
Abkopplung von Europa könnte sehr qut
jene Kräfte in Bewequng setzen, die
sowjetische Expansion und politische
Einschüchterung
nach
dem
Zweiten
Weltkrieg in die vorderste Front gebracht haben.

Es ist daher offensichtlich, daß
die "Europäisierung Europas" eher ein
Schlagwort
als
eine
Antwort
ist.
Aber um echte Lösungen zu finden, ist
es wichtig, daß Westeuropa und die
Vereinigten Staaten zunächst zu einer
gemeinsamen
Einschätzung
der Natur
des Problems qelanqen;
beide müssen
sich zweitens auf eine wirksame Strateqie einiqen.
Wie ich angedeutet
habe, lieqt der Kern des europäischen
Sicherheitsproblems
in der Teilunq
Europas, und der Westen muß auf eine
allmähliche Verrinqerunq und schließliche Überwindung des Problems hinarbeiten.
Dies sollte das Hauptziel
westlicher Politik gegenüber der Sowjetunion und Osteuropa sein.

Glasnost und das Bündnis
Wie ich bereits angedeutet habe,
gibt es Anzeichen für einen Wandel in
der sowjetischen Haltung. "Glasnost"
wird von der Sowjetunion als ein bedeutender Schritt zur Offenheit innerhalb der Sowjetunion beschrieben.
Es ist jedoch angebracht, nach der
Bedeutung von Glasnost für Europa im
weiteren Sinne zu fraqen.
Für eine endgültige Beurteilung
ist es noch zu früh, aber wir schätzen
Gorbatschows
Initiative
als
ernsthaft und bedeutsam ein.
Innenpolitisch sind in der Sowjetunion
einige
wenige
konkrete
Schritte unternommen worden und es
gibt Hinweise darauf, was noch folgen
könnte. Einige wenige politische Gefangene wurden freigelassen, und die
Medien sind etwas offener geworden.
Es ist jedoch insgesamt gesehen noch
nicht klar, wie die Worte in Taten
umgesetzt werden oder ob sie dauerhafte Ergebnisse zeitigen werden.
Wir

- 0

können

davon

ausgehen,

daß

�Gorbatschow seine eigene politische
Tagesordnung verfolgt und nicht die
des Westens. Wie Henry Kissinger bemerkt hat, könnte Gorbatschows Hauptmotivation einzig darin liegen, eine
wirtschaftlich stärkere, leistungsfähigere und militärisch mächtigere Sowjetunion zu schaffen.
Für den Westen ist dies nicht unbedingt eine
günstige Entwicklung.
nie Westeuropäer
begreifen nur undeutlich die
verschlungene
innere
Dynamik,
die
diesem Prozeß zugrunde liegt. Direkte westliche Bemühungen zur Einflußnahme auf Entwicklungen im Innern der
Sowjetunion
könnten
unwirksam
sein
oder sogar eine gegenläufige Wirkung
haben. Die Außenpolitik des Westens
muß sich weiterhin auf eine solide
Analyse
der
westlichen
Interessen
gründen und nicht auf die Hoffnung,
den bevorzugten Gruppierungen innerhalb der sowjetischen Führung in irgendeiner
Form behilflich sein zu
können.
Insbesondere sollten keine
Konzessionen
gemacht
werden,
die
sachlich nicht gerechtfertigt sind.
Zusätzlich
zu einer
Auswertung
der Veränderungen, die im inneren der
Sowjetunion stattfinden, müssen wir
auch die Auswirkungen von Glasnost
auf die Außenpolitik der Sowjetunion
untersuchen.
Hier sollten wir mehr
tun als Gorbatschow beim Wort nehmen
- wir sollten Glasnost auf die Probe
stellen.
Insbesondere
sollten wir
die Sowjetunion auffordern, Glasnost
auf Osteuropa anzuwenden - ein solcher Wandel könnte die Teilung Europas mildern und schließlich beenden.
Nachdem Gorbatschow Glasnost in
der Sowjetunion in die Wege geleitet
hat, sieht er sich jedoch in Osteuropa mit einem Dilemma konfrontiert.
Die Ausdehnung von Glasnost auf Osteuropa wird in Moskau wahrscheinlich
dahingehend
interpretiert, daß man
die Kontrolle der westlichsten Pro- 1

vinzen des sowjetischen Reichs aufs
Spiel
setzen
würde.
Andererseits
würde Unterdrückung in Osteuropa angesichts der fortschreitenden Reformen in der Sowjetunion einen Widerspruch schaffen, der auf lange Sicht
nicht aufrechterhalten werden könnte.
Was ist die Lösung für Gorbatschows Dilemma?
Es wäre vielleicht
an der Zeit für die sowjetischen Regierungsvertreter, sorgfältig zu erwägen, ob die historische Entscheidung der Sowjets nach dem Zweiten
Weltkrieg, ein geschlossenes, imperiales System zu gründen, wirklich
von Vorteil war. Der relative Wohlstand des Westens und die Rückständigkeit des Ostens legen die Vermutung nahe, daß dies nicht der Fall
war.
Ebenso wie Chruschtschows Entstalinisierung in den fünfziger Jahren wird Gorbatschows Glasnost-Politik neue Strömungen in Osteuropa auslösen.
Die Sowjetunion ist vor die
Wahl gestellt, die Initiative zu ergreifen und die Ausweitung von Glasnost auf Osteuropa zu gestatten oder
von der ansteigenden Welle der Unzufriedenheit dort mitgerissen zu werden.
Die Ausweitung von Glasnost auf
Osteuropa würde die Ost-West Spannungen beträchtlich verringern. Die sowjetische Beherrschung ihrer aufsässigen Nachbarn war eine Hauptursache
der Instabilität im Europa der Nachkriegszeit.
Seit dem zweiten Weltkrieg
wurden
sowjetische
Truppen
dreimal zur Unterdrückung spontaner
Aufstände in Osteuropa in Bewegung
gesetzt.
Wenn den
osteuropäischen
Staaten mehr Freiheit zur Verwaltung
ihrer eigenen Angelegenheiten gewährt
würde, könnte diese unbeständige Lage
entspannt werden.

Glasnost und die Breschnew-Doktrin

�Mir scheint, daß sich die sowjetische Führunq dem grundlegenden Konflikt zwischen der Aufrechterhaltung
eines Reiches in Osteuropa und den
Erfordernissen
von
Glasnost
noch
stellen muß. Stattdessen besteht zur
Zeit eine unsichere und sogar gefährliche Situation, in der die sowjetische Führung die Vorzüge von Glasnost hochlobt, aber mit Gewalt reagieren könnte, wenn Glasnost tatsächlich auf Osteuropa ausgedehnt würde.
Die Zukunft der Breschnew-Doktrin
ist daher meines Erachtens die entscheidende Feuerprobe für die neue
sowjetische Politik.
Diese Doktrin
ist die Verkörperung der langfristigen sowjetischen Politik, sich die
Kontrolle über Osteuropa zu sichern
- mit Gewalt, wenn notwendiq.
Elementare
Bestandteile
von
Glasnost
sind Offenheit, Innovation und Aufhebung der Kontrolle. Eine von Moskau
gesteuerte und eingeschränkte Glasnost-Politik für Osteuropa wäre überhaupt
keine Glasnost-Politik.
Und
die durch Glasnost geweckten Erwartungen können auch nicht unterdrückt
werden. Die Sowjetunion muß sich daher zwischen diesen beiden unvereinbaren Spielarten ihrer Politik entscheiden:
der Breschnew-Doktrin und
wahrhafter Glasnost-Politik.
Das hinter der Einführung von
Glasnost stehende Eingeständnis der
Sowjets bedeutet, daß die Politik der
vergangenen
vier Jahrzehnte, deren
zentraler Bestandteil die BreschnewDoktrin
ist, schlecht
funktioniert
hat.
Die logische
Schlußfolgerung
ist, daß die alte Politik zugunsten
der neuen weichen sollte.
Diese These ist einfach aufgestellt:
Wenn die Sowjetunion am Erfolg von Glasnost interessiert ist,
muß sie die Breschnew-Doktrin aufge-

ben.
Sie muß in der Theorie wie in
der Praxis, im öffentlichen wie im
privaten Bereich abgeschafft werden.
Die Osteuropäer können keine offeneren Gesellschaften schaffen oder normale Beziehungen mit dem Westen gestalten, wenn sie militärischen Druck
oder eine Intervention der Sowjetunion fürchten müssen, sobald sie die
Grenzen
der von Moskau diktierten
Orthodoxie überschreiten.
Die Teilung Europas kann solange
nicht
erleichtert oder
abgeschafft
werden, wie sie von der Roten Armee
aufrechterhalten wird.
Im Gegensatz
dazu
würde
eine
Abkehr
von
der
Breschnew-Doktrin neue Horizonte für
Europa und auch für die Sowjetunion
eröffnen.
Natürlich sollten wir nicht nur
die Hände in den Schoß legen und auf
sowjetische Initiativen warten.
Der
Westen sollte zu einer gemeinsamen
Beurteilung des Problems kommen - der
Teilung Europas und ihrer Konsequenzen. Wir sollten unser eigenes Programm zur Förderung der Offenheit aktiv verfolgen.
Glasnost sollte in
Osteuropa auf die Probe gestellt werden.
Die Liberalisierung sollte auf
bilateraler
wie auf
multilateraler
Ebene ermutigt werden. Mehr Raum für
freies Unternehmertum
und offenere
politische
Systeme sollten
begrüßt
werden.
Das
KSZE-Instrumentarium
sollte
dazu verwendet werden, den Osten für
die Wahrunq der Menschenrechte in der
Form verantwortlich zu machen, wie
sie in der Schlußakte von Helsinki
verabschiedet
wurde.
Der
Westen
sollte mit Nachdruck die umfassende
Einhaltung der Verfügungen von Helsinki
über
Familienzusammenführung
und Besuche, freien Informationsfluß
und die Wahrung der Grundfreiheiten
verfolgen.
Die
Verfügungen
der

- 11 -

�Schlußakte
über Tourismus, Jugendtreffen
und
Kultur- und
Bildunqsaustauschproqramme sollten nachdrücklich
zur Förderung echter menschlicher Kontakte eingesetzt werden.

Deutschland und Berlin
Glasnost sollte vor allem dort
auf die Probe gestellt werden, wo das
Problem der Teilunq Europas am gravierendsten ist - in Deutschland und
Berlin.
Zu Recht unterstützt der
Westen weiterhin die Bemühungen der
Bundesrepublik
Deutschland,
die
menschlichen Bürden der Teilung zu
erleichtern.
Im Zeitalter Gorbatschows scheint die sowjetische Politik in diesem Bereich jedoch bisher
eher von der Sucht nach Kontrolle als
von irgendeinem Anzeichen von Offenheit geleitet zu sein.
Die Sowjetunion wacht mit besonders strenger Hand über die innerdeutschen Beziehungen.
Aufgrund offensichtlicher sowjetischer Einwände
sind Gespräche
auf höchster Ebene
zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der DDR vereitelt worden.
Zu diesem und anderen innerdeutschen
Themen ist der sowjetische Ansatz von
altmodischem Mißtrauen und einer Verkrustung geprägt, die eher an die
Stalin-Sra erinnern als an den derzeitigen Reformeifer.
Nirgendwo ist die Realität der
Teilung
Europas
unmittelbarer
und
schmerzlicher als in Berlin. Die Sowjetunion hat eine anerkannte Rolle
als eine der vier Mächte, die für die
Stadt verantwortlich sind.
Die sowjetischen
Behörden
könnten
ihre
Macht
in Berlin zur Erleichterung
vieler Probleme der Stadt einsetzen.
Doch auch hier widersetzt sich das
sowjetische Verhalten in vieler Hinsicht hartnäckig einem konstruktiven

Wandel - also die Antithese zu Glasnost.
In ihren Bestrebungen zur Überwindung dieser Probleme, pflegt die
Bundesrepublik
ihre Beziehungen mit
der DDR mit einem hohen Maß an Geschicklichkeit
und einigem Erfolg.
Hier ist dem Gedanken der humanitären
Zusammenarbeit zwischen Ost und West
der Weg bereitet worden.
Die halbe
Million Bürger der DDR, denen im
letzten Jahr der Besuch im Westen bewilligt wurde, sind eine Anerkennung
der geduldigen Bemühungen der Bundesrepublik in den vergangenen Jahren.

)

k

Es könnte jedoch noch sehr viel
mehr getan werden, wenn die Sowjets
eine
positivere
Haltung
einnehmen
würden.
Der
innerdeutsche
Reiseverkehr
ist noch weit von einer Aufhebung der
Beschränkungen
entfernt.
Vielen
Deutschen im Osten sind alle Kontakte
oder Verbindungen mit dem Westen untersagt.
Die Berliner können zwischen den
beiden Teilen der Stadt nicht einfach
hin und her reisen. Dies sollte ihnen jedoch nicht nur in diesem 750.
Jubiläumsjahr, sondern auch in allen
anderen
Jahren
ermöglicht
werden.
Die Sowjetunion vereitelt die fortschrittlichen
Errungenschaften
des
Viermächteabkommens,
wie
die
Aufrechterhaltung
und Entwicklung
der
Bindungen Berlins an die Bundesrepublik Deutschland, während sie darauf
besteht, jede mögliche Restriktion zu
erzwingen.
sie boykottiert internationale Treffen in oder über Berlin.
Sie hat Abkommen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und den Ländern
des Warschauer Pakts behindert, indem
sie die wirksame Einbeziehung Berlins
zu blockieren versuchte.

I

�Das Traqischste für die Berliner
ist, daß der Schießbefehl und die
Berliner
Mauer
fortbestehen.
Eine
sowjetische Parteiführung, die sich
so meisterhaft auf Public Relations
versteht, müßte sich bewußt sein, wie
schädiqend diese Schrecken für ihr
Image in der Welt sind.
Die Sowjetunion
ist nicht der
Drahtzieher hinter allen derzeitigen,
die
innerdeutschen
Beziehungen
und
Berlin betreffenden Problemen, aber
ich bin der Überzeugung, daß diese
ohne ihre Zustimmung nicht fortbestehen könnten.
Viele dieser Probleme
sind den Konzeptionen der inneren Sicherheit zu verdanken, die von den
sowjetischen Lehrern gepredigt werden.
Die Situation Berlins und der
innerdeutschen Beziehungen würde sich
ändern, und vielleicht dramatisch ändern, wenn die Sowjetunion den Geist
von Glasnost in diesen Bereich einbringen würde.
Als eine der Schutzmächte Berlins
halten sich die Vereinigten Staaten
bereit, Bemühungen, der Stadt zu helfen, zu unterstützen.
Eine unserer
vordringlichsten Aufqaben ist dabei
die Aufrechterhaltung des Berlin-Status. Der Status ist nicht eine Angelegenheit
anachronistischer
Rechtsfragen. Er bildet die Grundlage für
die fortdauernde stabile Existenz und
Lebensfähigkeit der Stadt.
Er begründet das unbestrittene Recht der
Alliierten zum Schutz der Stadt und
der Freiheiten der Berliner. Er sichert die Lebensader des garantierten
Zugangs zur Stadt. Es ist die nachdrückliche Geltendmachung des besonderen Status Berlins, die die Stadt
davor bewahrt, der Willkür des Ostens
ausgeliefert zu sein.
Das Verhältnis zwischen Berlin
und der Bundesrepublik
Deutschland
ist ein zentraler Aspekt des Berlin-

Status, ein Aspekt, der weiterhin vom
Osten in Frage gestellt wird.
Das
Viermächteabkommen sieht vor, daß die
Bundesrepublik Deutschland die Interessen der Westsektoren Berlins international
in
allen
Angelegenheiten
vertritt, die den Status und die Sicherheit der Stadt nicht berühren,
und daß die Bindungen zwischen den
Westsektoren und der Bundesrepublik
aufrechterhalten und weiterentwickelt
werden sollen. Die Sowjetunion sowie
die übrigen Staaten des Warschauer
Pakts widersetzen sich der Anwendung
dieser
Bestimmungen
und behaupten,
die Westsektoren seien ein getrenntes
politisches Gebilde.
Diese Haltung
des Ostens schafft Spannungen zwischen dem Wunsch nach Fortschritten
mit dem Osten und den Erfordernissen
des Berlin-Status.
Die Vereinigten Staaten erwarten
weiterhin, daß die Sowjetunion und
die DDR Fortschritte mit der Bundesrepublik Deutschland auch auf Berlin
ausdehnen werden. Die Aufrechterhaltung einer positiven Lage in und um
Berlin erfordert es, daß die Westsektoren voll und qanz an den Vorteilen
verstärkter
Ost-West-Zusammenarbeit
teilhaben.
Wie der Regierende Bürgermeister Diepgen zu Recht ausgeführt hat, sind solche Fortschritte
nicht nur durch das Viermächteabkommen geboten. Sie sind auch zentraler
Bestandteil der in der Schlußakte von
Helsinki enthaltenen Vereinbarungen.
Es gibt jedoch einen entscheidenden Unterschied bei der Art und Weise, in der wir diese Ziele für Berlin
verfolgen können. Niemand stellt die
Vertretung
Bayerns,
Baden-Württemberqs oder Nordrhein-Westfalens durch
die Bundesrepublik in Frage. Niemand
bezweifelt ihre Bindungen an die Bundesrepublik, in Berlin jedoch werden
diese
grundlegenden
Prinzipien Tag
für Tag umstritten und müssen ebenso

- 13 -

�oft erneut geltend gemacht werden.
Andernfalls riskiert die Stadt, ankerlos
in der
Mitte Europas
und
Deutschlands zu treiben.
Das Ziel
des Westens muß weiterhin
in der
Stärkung der Bindungen zwischen den
Westsektoren und der Bundesrepublik
und der Beziehungen zwischen Berlin
und den Alliierten bestehen.
Die
Berliner
sollten
gleichermaßen
an
Fortschritten zwischen Ost und West
teilhaben.
Aber beim Streben nach
Chancen mit dem Osten müssen wir
sicherstellen, daß unsere Bemühungen
nicht die langfristige politische und
wirtschaftliche
Lebensfähigkeit
der
Stadt schwächen und die der alliierten
Schutz- und
Unterstützungsfunktion
zugrundeliegende
rechtliche
Grundlage sowie die volle Teilnahme
der Bürger Berlins am Leben der Bundesrepublik Deutschland.
Für uns ist es jedoch am wichtigsten im Gedächtnis zu behalten,
daß der Status nicht eine Behinderung
beim Abbau von Barrieren in der Stadt
ist, sondern ein Mittel, um sicherzustellen, daß diese Barrieren eines
Tages entfernt werden. Dies gilt besonders für den Anspruch des Ostens,
daß Ost-Berlin die Hauptstadt der DDR
ist und damit von den Rechten und der
Verantwortung
der vier Mächte für
Berlin als Ganzes nicht länger betroffen ist. Ost-Berlin als Teil der
DDR und als ihre Hauptstadt anzuerkennen bedeutet, die Dauerhaftigkeit
und Rechtmäßigkeit der Teilung der
Stadt einzugestehen. Die Aufrechterhaltung des Viermächtestatus Berlins
ist im Gegensatz dazu die Bekräftigung des Ziels eines wiedervereinigten Berlin und eines wiedervereinigten Deutschland.
Es ist vor allem
die
Präsenz
der
Verbündeten
in
Berlin, die weiterhin als Symbol für
die Welt steht, daß die deutsche Fra-'
ge offen und die gegenwärtige Teilung
des Landes unannehmbar bleibt.

Was ist über die Zukunft zu sagen?
Der Westen sollte den Osten
stets an die Unannehmbarkeit der andauernden
Teilung
von
Berlin,
Deutschland und Europa erinnern. Wir
sollten wahrhafte Offenheit mit Nachdruck verfolgen. Der Sowjetunion muß
die Erkenntnis näher gebracht werden,
und wir müssen sicherstellen, daß
auch unsere Jugendlichen dies erkennen, daß die Teilung Europas die Wurzel der Unsicherheit auf diesem Kontinent ist, daß sie die Hauptursache
des Rüstungswettlaufs und der Kriegsbedrohung hier darstellt, ebenso wie
sie unzähligen menschlichen Tragödien
zugrundeliegt.
Wie
der
griechische
Philosoph
Heraklit zutreffend feststellte, ist
es unmöglich, zweimal in den gleichen
Fluß zu steigen - das Vergangene ist
unwiederbringlich
verloren.
Aber
Arthur Schlesinger lenkt unsere Aufmerksamkeit auch zu Recht auf die
Zyklen der Geschichte. Nationen können sich mehr als einmal mit gleichartigen Situationen konfrontiert sehen.
Sie können gut, schlecht oder
ganz einfach anders reagieren.
Es
ist unmöglich festzustellen, ob die
heutige Zeit für die Sowjetunion eine
solche
Zeit der Entscheidung
ist.
Aber dennoch ist es unbedingt erforderlich, daß der Westen die sich möglicherweise ergebenden neuen Chancen
mit der Sowjetunion klar erkennt und
daß wir unsere Vorbereitungen treffen, um darauf reagieren zu können.
Wir
müssen
die
Sowjetunion
auch
furchtlos
dazu auffordern, bessere
Denk- und
Verhaltensmuster
anzuwenden. Vor allem ist es wichtig, nicht
der Vermutung zu erliegen, daß mit
dem Senken des Eisernen Vorhangs vor
mehr als vierzig Jahren das europäische Drama zum Ende gebracht wurde.
Im Gegenteil, ich bin davon
überzeugt, daß glücklichere Akte fol-

- 14 -

�qen werden, wenn sich dieser Vorhang
eines Tages - und das muß er - wieder hebt.

* * * *

- 15

�AMERIKA DIENST
4

^r

6

VION *

Hintergrundmaterial
20. Mai 1987

19

STUDIE DES US-AUSSENMINISTERIUMS BEFÜRWORTET WEITE INTERPRETATION
DES ABM-VERTRAGES
- Artikel über Informationsgespräche mit Sofaer und Nitze -

WASHINGTON - (AD) - Die Reaqan Administration qab am 13. Mai 1987 bekannt,
daß aus zwei Teilen einer Studie des Außenministeriums über den ARM-Vertraq
hervorqeht, daß eine "weite Interpretation" des Vertraqes seinem Wortlaut und
der Geschichte seiner Verhandlungen zufolge gerechtfertigt ist.

Der
Rechtsberater
im Außenministerium, Richter
Abraham Sofaer,
wies ebenfalls darauf hin, daß "keine
während des Prozesses der Ratifizierung
unternommenen Handlunqen
oder
abgegebenen
Stellungnahmen
die von
den
Sov/jets während
der
ABM- und
SALT I-Verhandlunqen für sich selbst
beibehaltene
Flexibilität
wirkungsvoll eingeschränkt haben".
Anläßlich
eines
Informationsgesprächs zur Vorlage der beiden Berichtsteile erklärte er, "die Sowjets
widersetzten
sich
unnachgiebig der

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Bestimmung, die unbekannte, auf zukünftiger Technologie basierende Teile betrifft und stimmten letztendlich
nur einer Beschränkung von deren Stationierung zu".
Sofaer zufolqe kommt die Studie
des Außenministeriums außerdem zu dem
Schluß, daß die Ratifizierung des
ABM-Vertraqes den Präsidenten im Sinne des Gesetzes nicht auf die enqe
Interpretation des Vertraqes festlegt.
Er betonte, daß die Reaqan-Administration ihre engen Konsultatio-

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�nen mit dem Kongreß und den Verbündeten darüber weiter fortführen wird,
"ob wir das Programm der Strategischen
Verteidigungsinitiative
umstrukturieren sollen, um uns die weite Interpretation zunutze zu machen".
Sofaer erklärte, mit dem Abschluß
eines dritten Teils der Studie, der
sich mit späteren Abkommen und Praktiken der Vertragsparteien befassen
wird, könne zum 1. Juni gerechnet
werden.
Bei
dem
Informationsgespräch
sprach auch der Sonderberater
des
Präsidenten für Rüstungskontrollfragen und Teilnehmer an den Verhandlungen zum ABM-Vertrag, Botschafter Paul
Nitze. Nitze erklärte, die Untersuchung der Verhandlungspapiere "stützt
in erheblichem Maße die Annahme, daß
sich die Sowjets nicht an die enge
Sichtweise gebunden haben, wenn man
die Maßstäbe anlegt, die sie bei der
Festlegung ihrer eigenen rechtlichen
Verpflichtungen gelten lassen".
Nitze wies darauf hin, daß die
Sowjets die von den Amerikanern vorgeschlagene Sprachregelung zurückgewiesen hätten, durch die sie "eindeutig an die enge Sichtweise gebunden
worden wären".
Botschafter Nitze betonte ferner,
daß "der Lauf der Verhandlungen für
eine weite Interpretation
spricht.
Der Präsident unterzieht diese Angelegenheit einer Prüfung. Er hat sich
verpflichtet, nicht die weite Interpretation anzuwenden, bevor nicht all
unsere Studien fertiggestellt und die
Angelegenheit nicht vollständig mit
dem Kongreß und unseren Verbündeten
besprochen worden ist" .
Sofaer verwies darauf, daß sein
Büro nach Fertigstellung der dritten
Studie über den Prozeß des ABM-Ver-

trages einen Bericht darüber vorlegen
wird, welches "Gewicht jedem Teil des
Beweismaterials" beigemessen
werden
soll.
Er erklärte, es stelle nach dem
Völkerrecht eine "Verpflichtung" dar,
einen Vertragstext in gutem Glauben
"im Hinblick auf den Zweck des Vertrages hin" zu interpretieren.
Sofaer wies darauf hin, Reagan
habe das Problem einer Interpretation
des ABM-Vertrages angeschnitten und
"wir erklären jetzt, daß die weite
Interpretation völlig rechtmäßig ist".
Angesichts
der
Einzigartigkeit
dieser Situation - des Wandels in der
Interpretation des Vertrages - bemerkte er, der Präsident sähe es als
notwendig an, dem Kongreß diese Veränderung zu erklären.
Sofaer wies darauf hin, daß die
Sowjetunion jetzt zu denjenigen gehöre, die behaupten, die Regierung habe
keine solide Grundlage für ihre Forderung, während die Reagan-Administration "nicht behauptet, daß die
Dinge eindeutig lägen - ein Weg wie
der andere...
wir haben behauptet,
daß die Dinge so vieldeutig sind, daß
an sie nicht der sowjetiche Maßstab
anzulegen
sei, wie sie
ihn sich
selbst in der Geschichte auferlegt
haben - der strikte Maßstab der Konstruktion".
"Die Unterlagen sind so unterschiedlich und so vieldeutig, daß sie
sich dadurch nicht gebunden haben",
erklärte Sofaer und fügte hinzu, "es
gibt eine solide Grundlage für das,
was wir getan haben".
"Wir meinen nicht, daß es darin
keine Tatsachen gibt, die sich nicht
zur Unterstützung einer engen Interpretation benutzen ließen", bemerkte

- 2 -

\

*

�Sofaer.
"Wir sagen, es gibt eindeutige Beweise, die das unterstützen,
was uns als eine sehr vernünftige
Leseart des Vertrages erscheint".

f

'

Sofaer erklärte, er würde nach
Durchsicht der Verhandlungsprotokolle
Reagan darauf hinweisen, "daß die Sowjetunion, wenn ihr diese Protokolle
vorlägen, in der Lage wäre - ihre
Praxis vorausgesetzt - zu sagen, daß
sie nicht an die enge Interpretation
gebunden ist".
Nitze erklärte, die Sowjets hätten in den vergangenen Jahren "eine
Haltung eingenommen, die meiner Ansicht
nach
vollständig
von
der
Sprachregelung des Vertrages und von
dessen
Verhandlungsprotokollen
abweicht" .

- 3 -

�</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST

1 3 . Mai 1987

18

I N H A L T

DOKUMENTATION

Reagan sieht "9olide Basis" für START-Abkommen
- Erklärunq des Präsidenten zum amerikanischen Vertraqsentwurf -

Weinberger:

Amerika "optimistisch" über Abschluß eines INF-Abkommens

- Rede bei Seminar der Euroqroup -

Amerikanischer Vertragsentwurf fordert einschneidenden Abbau von
Offensivwaffen
- Pressekonferenz mit Botschafter Lehman -

WIRTSCHAFT

USA erneuern Forderung nach wirtschaftlichen Impulsen durch Japan und
die Bundesrepublik Deutschland
- Rede von Finanzminister Baker bei OECD-Ministertreffen -

* * * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�AMERIKA DIENST
Dokumentation

V O N **

13. Mai 1987

18

REAGAN SIEHT "SOLIDE BASIS" FÜR START-ABKOMMEN
Erklärung des Präsidenten zum amerikanischen Vertragsentwurf -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Reagan zufolge liefert der am 8. Mai 1987
bei den Verhandlungen über die Verringerung strategischer Rüstungen (START) in
Genf vorgelegte amerikanische Vertragsentwurf "eine solide Grundlage für die
Schaffung eines fairen und dauerhaften Abkommens". In seiner schriftlichen
Erklärung teilte der Präsident außerdem mit, er werde keine Beschränkungen für
das SDI-Programm gegen ein Abkommen zu den strategischen Waffen eintauschen;
SDI sei "lebenswichtig für die künftige Sicherheit" der Vereinigten Staaten
und ihrer Verbündeten.
Die Erklärung des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:

Ich
habe
den
amerikanischen
START-Unterhändler
bei
den Genfer
Verhandlungen
über
Kern- und Weltraumwaffen (NST) angewiesen, bei dem
heutigen Treffen der START-Verhandlungsgruppe
einen
Vertragsentwurf
vorzulegen, der eine 50prozentige Reduzierung der amerikanischen und sowjetischen
strategischen
offensiven
Atomwaffen vorsieht.
Der Text des
amerikanischen Vertragsentwurfs spiegelt die grundlegenden Bereiche der
Übereinstimmung bezüglich der Reduzierung strategischer Waffen wider,
die von Generalsekretär Gorbatschow

United States Information Service
Embassy of the United States of America

und mir während unseres Treffens in
Reykjavik
im
vergangenen
Oktober
festgelegt wurden.
Unser Vertragsentwurf sieht vor,
daß beide Seiten über einen Zeitraum
von sieben Jahren nach Inkrafttreten
eines solchen Vertrags Reduzierungen
bis auf 1 600 strategische Trägerwaffen und 6 000 Gefechtsköpfe vornehmen, mit angemessenen Untergrenzen.
Er liefert eine solide Grundlage für
die Schaffung eines fairen und dauerhaften Abkommens.

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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Zusätzlich zu allgemeinen Obergrenzen
gewährleistet der
amerikanische Vorschlag besondere Beschränkungen
bezüglich der
destabilisierendsten und gefährlichsten nuklearen
Systeme,
insbesondere der schnellfliegenden ballistischen Raketen. Er
beinhaltet
detaillierte
Regelungen
mit dem Ziel, jedwede Unklarheit über
das Vereinbarte auszuschließen sowie
umfangreiche Verifizierungsbestimmungen, um sicherzustellen, daß jede
Seite darauf vertrauen kann, daß die
andere Seite das Abkommen vollständig
einhält. Der Vertrag ist das Ergebnis intensiver Bemühungen aller zuständigen Behörden der amerikanischen
Regierung, ich habe den Vertrag eingehend überprüft, und er hat meine
Zustimmung.
Mit der Vorlage dieses Textes
streben die Vereinigten Staaten danach, auf den bedeutenden bei START
erzielten
Fortschritten
aufzubauen
und ein Mittel bereitzustellen, um
die
verbleibenden
Meinungsverschiedenheiten beizulegen.
Wenn die Sowjets bereit sind, mit uns bei den
noch ausstehenden Problemen zusammenzuarbeiten, insbesondere bei der Notwendigkeit - um die strategische Stabilität zu gewährleisten - von Untergrenzen bei den Gefechtsköpfen auf
ballistischen
Raketen, dann werden
wir in der Lage sein, einen wichtigen
Schritt in Richtung auf eine sicherere und stabilere Welt zu unternehmen.

Maßnahmen, die im Falle ihrer Akzeptierung durch die Vereinigten Staaten
SDI
ernstlich
beschränken
würde.
Dies ist unannehmbar.
ich kann und
werde
keine Maßnahmen
akzeptieren,
die
unser
SDI-Programm
verstümmeln
oder beseitigen würden.
Angesichts
der andauernden sowjetischen offensiven Aufrüstung, die mit den seit langem bestehenden sowjetischen Aktivitäten zur strategischen Verteidigung
einhergeht, ist das SDI-Programm lebenswichtig für die künftige Sicherheit der Vereinigten Staaten und unserer Verbündeten.
Wenn wir nun in detaillierte Gespräche mit den Sowjets über unseren
Vertragsvorschlag eintreten, sind wir
dazu entschlossen, unseren Teil dazu
beizutragen, um zum ersten Mal in der
Geschichte
echte Reduzierungen
bei
den strategischen Offensivwaffen zu
erreichen.
Ich hoffe, die Sowjets
werden eine ähnliche Entschlossenheit
zeigen und mit uns auf der Grundlage
unseres Vertragsentwurfs zusammenarbeiten, um die in Reykjavik erzielten
Bereiche der Übereinstimmung in konkrete Reduzierungen umzusetzen.

Obwohl
die Präsentation
dieses
Vertrags ein bedeutsamer Hinweis auf
unseren Wunsch nach möglichst baldiger Erreichung weitgehender, gleichgewichtiger und verifizierbarer Reduzierungen bei den strategischen Waffen ist, möchte ich die noch der Lösung bedürfenden schwierigen Probleme
nicht verharmlosen, insbesondere das
sowjetische Beharren auf einem Junktim zwischen einem START-Abkommen und
- 2 -

�AMERIKA DIENST
r

^7

"""""

Dokumentation

C&amp;

13. Mai 1987

18

WEINBERGER: AMERIKA "OPTIMISTISCH" ÜBER ABSCHLUSS EINES INF-ABKOMMENS
- Rede bei Seminar der Eurogroup -

WASHINGTON - (AD) - Verteidigungsminister Weinberger ging in seiner Rede
anläßlich eines Seminars der Eurogroup am 7. 1987 Mai auf die Besorgnis vieler
Europäer ein, ein Abkommen über Mittelstreckenraketen (INF) verstärke das Problem des konventionellen Ungleichgewichts in Europa. Weinberger bemerkte, er
sei "optimistisch" daß die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion ein "gutes
Abkommen" über INF erzielen könnten, das den "Sicherheitserfordernissen" des
NATO-Bündnisses gerecht wird.
Nachfolgend drucken wir den Redetext im Wortlaut:

Wie Sie wissen, treffen wir hier
an einem für unser NATO-Bündnis einmaligen
Augenblick
zusammen.
Und
ironischerweise ist es unser Erfolg nicht etwa Versagen -, der einige
traditionelle
Probleme
der
NATO
schärfer
hervortreten
läßt.
Ich
möchte zu Beginn auf unsere Fortschritte in Richtung auf ein INF-Abkommen eingehen und Ihnen meine Ansicht zu dessen Bedeutung für das
NATO-Bündnis darlegen.
Diese Frage
leitet direkt zu Überlegungen bezüglich der Abschreckung im Bündnis über
und der bemerkenswert schlecht vor-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

stellbaren Auffassung, Amerika solle
seine Truppenstärke in Europa abbauen.
Zum Schluß werde ich gern auf
Ihre Fragen antworten.
Seit der Amtsübernahme Präsident
Reagans haben wir versucht, unsere
Denkweise über Rüstungskontrolle zu
verändern.
Eine Art und Weise zum
Verständnis dieses Wandels besteht im
einfachen Ersetzen des Wortes "Kontrolle" durch "Abbau". Der Präsident
hat darauf bestanden - und wenn ich
das hinzufügen darf: gegen erheblichen Widerstand darauf bestanden -,

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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�daß wir nicht lediglich eine Obergrenze akzeptieren, die zahlenmäßig
über dem heutigen Niveau liegt, uns
dabei keine Gedanken um wirkungsvolle
Verifizierung machen und dies dann
wahrhafte
Rüstungskontrolle
nennen.
Dies ist bei SALT I und II geschehen.
Dieses Abkommen vermittelte uns das
"Gefühl" des Fortschritts, aber dadurch wurden
lediglich
dramatische
Zunahmen im Arsenal der sowjetischen
Offensivraketen
vertraglich
festgelegt.
Allein nach SALT II haben die
Sowjets die Anzahl der Wiedereintrittsflugkörper in ihrem Arsenal von
Offensivraketen verdoppelt. Anstelle
einer
Pseudo-Rüstungskontrolle
hat
sich dieser unser Präsident für wirkliche Reduzierungen ausgesprochen.
Nach nunmehr sechs Jahren kontrovers geführter Verhandlungen, die die
Sowjets einmal verließen und der Drohung einer dauernden Einstellung der
START-Gespräche, stehen wir nun vor
einem Abkommen über die Abschaffung
einer gesamten Kategorie von Nuklearwaffen in Europa - eine wahrhaft
historische Leistung, wenn es dazu
kommt. Und es wäre ein noch besseres
Abkommen, wenn dadurch alle sowjetischen SS-20 in Europa und Asien abgeschafft würden.
unser Ziel waren
immer echte und umfassend verifizierbare Abkommen, die einschneidende Reduzierungen
hervorbringen
sollten,
bis hin zum Gleichstand auf beiden
Seiten, und wir stehen möglicherweise
vor dem Abschluß eines solchen Abkommens. Schließlich gibt es keine geringere Größe als Null.
Dies bedeutet also ebenso wie die
Art von Reduzierungen, für die wir
uns aussprechen, einen wirklichen Abbau des Niveaus der strategischen
Waffen.
Wenn es zum Abschluß eines
INF-Abkommens kommt, werden wir mehr
tun als zum vormaligen Status quo zurückzukehren, als Moskau im Jahr 1977

unnötigerweise und rücksichtslos mit
der Stationierung der SS-20 begann.
Wir werden uns unter dem Niveau der
sowjetischen Bedrohung in der Kategorie der Mittelstreckenraketen längerer Reichweite (LRINF) vom Jahr 1977
befinden, weil die sowjetischen SS-4
mit
dem
Abschluß
eines
Abkommens
ebenfalls
abgeschafft würden.
Wir
hoffen, mittels dieses Abkommens die
Abschaffung von mehr als 1 400 sowjetischen Gefechtsköpfen auf LRINF
zu erreichen wie auch die Sicherung
eines weltweiten Gleichstandes bei
den Gefechtsköpfen auf Mittelstrekkenraketen
kürzerer
Reichweite
(SRINF). Im Austausch dazu wird der
Westen von seiner vorgesehenen Stationierung von 572 Mittelstreckenwaffen absehen. Dies ist trotz der Einwände unserer Kritiker potentiell ein
sehr gutes Abkommen - ich sage "potentiell", weil wir es noch nicht abgeschlossen haben.
Es steht außer Frage, daß es noch
schwierige Verhandlungen geben wird,
sowie wir wichtige Aspekte dieses Abkommens wie etwa die Verifizierung
angehen.
wir werden kein Abkommen
unterzeichnen, das unseren sehr klar
umrissenen Erfordernissen im Bereich
der Verifizierung nicht gerecht wird.
Dies zu tun, wäre nicht nur unklug,
sondern vielleicht sogar selbstmörderisch.
Wir sind jedoch optimistisch, daß ein gutes Abkommen - das
den
Sicherheitserfordernissen
des
Bündnisses entspricht - erzielt werden kann.
Eine der ersten Reaktionen auf
die Möglichkeit eines INF-Abkommens
bestand in einer größeren Sorge um
das Ungleichgewicht der konventionellen Streitkräfte in Europa.
Manche
Kritiker
erheben den Vorwurf, ein
INF-Abkommen
würde
das
wichtigste
Standbein
unserer
Abschreckung
Nuklearwaffen - beseitigen und Stabi-

�lität nur auf konventionelle Streitkräfte stützen, bei denen wir erheblich übertroffen werden.
Ich nehme an, daß so etwas dramatisches wie die Aussicht auf ein
wichtiges Abkommen zum Rüstungsabbau
notwendig ist, damit einige das anerkennen, was die meisten von uns seit
den Anfängen des Bündnisses wissen.
Denjenigen, die sich zum ersten Mal
um das Ungleichgewicht bei den konventionellen Streitkräften in Europa
sorgen, kann ich nur entgegenhalten,
daß es gut ist, Sie hier zu haben.
Es ist müßig, dies zu sagen, aber das
Gleichgewicht
der
Streitkräfte
in
Europa war immer ein Problem.
Den
einzigen Wandel, den ein mögliches
INF-Abkommen im konventionellen Bereich hervorgebracht hat, ist die Sicherung eines geschärften Bewußtseins.
Tatsache ist, daß das Gleichgewicht der konventionellen Streitkräfte in Europa mit oder ohne INF-Abkommen ein wirkliches Problem darstellt.
Wir müssen die konventionelle Verteidigung der NATO verbessern - mit oder
ohne Abkommen, und wir müssen unser
Ziel der dreiprozentigen Zuwachsrate
im Verteidigungshaushalt aufrechterhalten - mit oder ohne INF-Abkommen.
Trotzdem stimme ich zu, daß das Ungleichgewicht im konventionellen Bereich angesichts der sich vor uns eröffnenden Aussichten einer Reduzierung von Nuklearwaffen größere Bedeutung
erlangt hat.
Dies
ist ein
Grund, warum wir so fest an das Programm der NATO zur Verbesserung der
konventionellen Verteidigung glauben,
warum wir so hart am Aufbau eines Munitionsvorrates
arbeiten und warum
wir andere Schritte zur Verbesserung
unseres Durchhaltevermögens unternehmen und warum wir uns die Unterstützung des Kongresses erhoffen, anstatt
daß dieser einen einseitigen Abbau
von Nuklearwaffen
fordert und uns

gleichzeitig
angemessene
Finanzierungsmittel für die notwendige Modernisierung und unsere Stärke im konventionellen Bereich verweigert.
Unsere
europäischen
Verbündeten
können an diesem Punkt einen besonders wichtigen Beitrag zur Sicherheit
im Bündnis leisten, wenn sie ihre erhöhte Besorgnis um ein Ungleichgewicht im konventionellen Bereich zum
Anlaß für neue Schritte nehmen, um
dies zu beheben.
Es scheint notwendig zu sein,
manche Leute kontinuierlich daran zu
erinnern, daß sich die harte Wirklichkeit der sowjetischen Macht nicht
verändert hat. Moskaus Zielsetzungen
und seine militärische Stärke, wie
sie in jüngster Zeit ihren Niederschlg in der von uns herausgegebenen
Veröffentlichung "Die sowjetiche Militärmacht 1987" fanden, bleiben als
vordringlichste Bedrohung für Frieden
und Freiheit in der Welt bestehen.
Zusammen mit unseren NATO-Verbündeten hat die Reagan-Administration
große Anstrengungen zur Stärkung der
konventionellen Abschreckung in Europa unternommen. Einhergehend mit der
konventionellen Stärke gibt es jedoch
noch andere unerläßliche Maßnahmen,
die von uns vorgenommen werden müssen, um sicherzustellen, daß die Abschreckung stark bleibt.
Und auch
hier müssen diese Schritte mit oder
ohne Abkommen unternommen werden.
Ein solcher Schritt besteht in
weiteren, energischen Bemühungen bei
der strategischen Verteidigung.
Es
wird häufig außer acht gelassen, daß
seit Beginn unseres SDI-Programms die
Verteidigung unserer Verbündeten ein
grundlegender Gesichtspunkt der gesamten Bemühungen gewesen sind. Unser
strategisches
Verteidigungsprogramm ist immer darauf angelegt gewe-

- 3 -

�sen, Verteidigung gegen Mittelstrekken- wie auch gegen Interkontinentalraketen zu gewährleisten. Die Gründe
für eine Verteidigung gegen strategische Nuklearwaffen - daß sie die
Abschreckung stärken wird, daß sie
eine Sicherung gegen sowjetischen Betrug bei Rüstungskontrollvereinbarungen bildet - können ja gerade auf die
Raketenbedrohung Europas vollständig
angewendet werden.
Wenn wir ein INF-Abkommen schließen, dann müssen wir uns vergegenwärtigen, daß Europa und die Vereinigten
Staaten weiterhin gegen Atomraketen
verwundbar bleiben. Was wir mit SDI
zu erreichen versuchen, ist die Entdeckung eines Weges, um diese Verwundbarkeit zu überwinden und damit
die Abschreckung zu stärken. Die erfolgreiche Stationierung selbst eines
nur teilweise wirksamen ATBM-Systems
zu irgendeinem Zeitpunkt in der Zukunft, das mit der stufenweisen Stationierung eines strategischen Verteidigungssystems einhergeht, könnte
einen unschätzbaren Beitrag zur Abschreckung in Europa leisten.
Trotzdem bin ich mir dessen bewußt, daß die Möglichkeit einer INFUbereinkunft hier und in Europa Fragen nach dem grundsätzlichen Engagement der Vereinigten Staaten für
das Bündnis hervorgerufen hat. Subtilere Kritiker
scheinen sogar zu
glauben, daß ein INF-Abkommen einen
Abkoppelungseffekt
für das Bündnis
haben könnte.
Wir sollten uns daran erinnern,
daß das amerikanische Engagement für
die NATO schon fast 40 Jahre vor der
Stationierung
von
Pershing II
und
Marschflugkörpern
überdauert
hat.
Und diese Stationierung bildete lediglich ein Gegengewicht gegen 1 400
Gefechtsköpfe auf sowjetischen SS 20Raketen. Weshalb sollte die Beseiti-

gung der Pershings und Marschflugkörper dieses Engagement verändern, insbesondere, wenn die Masse gerade der
Waffen, die zur Stationierung führten
- der sowjetischen SS 20-Raketen
ebenfalls beseitigt würde?
Mit der
Abschreckungspolitik der NATO, vielmehr mit der Strategie der flexiblen
Reaktion, wurde nicht erst im Jahr
1983 begonnen, und beide werden sicherlich auch nach Erzielung einer
INF-Vereinbarung Bestand haben.
Die Beseitigung der Mittelstrekkenraketen
längerer
Reichweite auf
beiden Seiten würde Amerika mitnichten von der Verteidigung Europas abkoppeln. Die Anbindung der Vereinigten Staaten an die Sicherheit Europas
würde weiterhin von unseren umfangreichen
konventionellen
Streitkräften, unseren verbleibenden Atomwaffen
und dem Engagement unserer strategischen Atomstreitkräfte gemäß unserer Strategie der flexiblen Reaktion
gewährleistet werden. Vor allem aber
sind wir mit der europäischen Sicherheit durch die einfache aber unabweisbare Tatsache verbunden, daß die
Vereinigten Staaten nicht in einer
Welt leben könnten, in der Europa von
den Sowjets überrannt und in Besitz
genommen wäre.
Wenn wir eine Übereinkunft zu INF
verwirklichen, sollten wir uns nicht
vor
einer
"Abkoppelung"
fürchten,
sondern wir sollten weiterhin genau
wie Europa aktiv und wirksam daran
arbeiten, unsere Verteidigung und Abschreckung stark, modern und leistungsfähig zu erhalten. Wir müssen
gegenüber den Bedrohungen, denen wir
ausgesetzt sind und gegenüber den Erfordernissen zur Bewältigung dieser
Bedrohungen vor oder nach Rüstungskontrollvereinbarungen eine realistische Einstellung bewahren.
Es

ist

deshalb

höchst

bedauer-

�lieh, daß wir zu einer Zeit, in der
wir ein neuerwachtes Interesse an einem realen konventionellen Gleichgewicht
in Europa festellen können,
ebenfalls zunehmend Unterstützung unter den Isolationisten in den Vereinigten Staaten für den Abzug amerikanischer Truppen aus Europa sichtbar
wird. Es werden eine Menge von Gründen dafür angeführt - die Europäer
sollten einen höheren Beitrag zu ihrer eigenen Verteidigung leisten, unsere Truppen in Europa kosten uns zu
viel Geld, es gibt andere Regionen in
der Welt, in denen unsere Truppen
dringender benötigt werden usw.
In Reden, Aussagen und Artikeln
habe ich unzählige Male auf diese
Kritik geantwortet, und ich brauche
mich dieser Gruppe gegenüber, die im
Bereich der Öffentlichkeitsarbeit so
viel unternommen hat, kaum zu wiederholen.
Lassen Sie mich lediglich
feststellen, daß diese hübsche Behauptung, die Vereinigten Staaten gäben zuviel für die Verteidigung Europas aus, nicht nur falsch, sondern
auf gefährliche Weise falsch ist. In
den siebziger Jahren erhöhten sich
zum Beispiel die Militärausgaben unserer NATO-Partner jährlich real um
zwei Prozent.
Im gleichen Zeitraum
verringerten sich die Militärausgaben
der Vereinigten Staaten real um 20
Prozent. Ich könnte viele Tatsachen
anführen, die das Ausmaß der NATOBeiträge seitens unserer Verbündeten
aufzeigen. Wir sehen uns in den Vereinigten
Staaten
jedoch mit einem
neo-isolationistischen Eifer konfrontiert, dessen Argumentation auf angestaubten Vorstellungen über überzogene Militärausgaben unsererseits in
Europa und auf politisch begründeten
Forderungen beruht, daß wir mehr für
politisch populäre Programme ausgeben
sollten. Ich weiß nicht, welche Bedeutung Fakten für diese Isolationisten besitzen. Vielfach suchen sie

nur nach einer Entschuldigung, um weniger für die nationale Sicherheit
auszugeben oder um einen Hebel für
Steuererhöhungen zu finden. Und warum Politiker
die Steuern erhöhen
wollen, ist nur eine der bizarren
Fragen, die der Kongreß uns zu stellen zwingt.
Weit davon entfernt, Truppen aus
der NATO abziehen zu wollen, hat Präsident Reagan den Kongreß gebeten,
die vom Kongreß eingeführte Obergrenze für die Truppenstärke in Europa
abzuschaffen. Wir sind nicht nur der
Überzeugung, daß die wachsende militärische Stärke des Warschauer Pakts
eine angemessene Reaktion der NATO
erfordert, sondern wir glauben auch,
daß der Präsident die Flexibilität
zur Anpassung der Truppenniveaus benötigt.
Und
wir
müssen
unsere
Streitkräfte vorne stationieren, wo
sie die Vereinigten Staaten am besten
verteidigen können.
Vergessen Sie nicht, daß selbst
die Andeutung, wir würden einen größeren einseitigen Truppenabzug
aus
Europa in Erwägung ziehen, der amerikanischen Führungsrolle in Europa und
sogar in der gesamten Welt Schaden
zufügt.
Es ist jetzt an der Zeit,
unsere Entschlossenheit
zur Unterstützung unserer Verbündeten zu bekräftigen und nicht, unsere grundsätzliche Verpflichtung für die Zukunft
Europas
zu
schwächen,
die
schließlich
auch
eine
feste Verpflichtung für die Zukunft der Vereinigten Staaten ist.
Lassen Sie mich schließen, indem
ich noch einmal wiederhole, was meiner Überzeugung nach die grundlegende
Wahrheit über das westliche Bündnis
ist. Es sind nicht einfach Territorium oder wirtschaftliches Wohlergehen, die durch unsere Verteidigungsaufwendungen erhalten werden sollen,

- 5 -

�sondern es ist die Freiheit für uns
und die westliche Zivilisation. Wir
sollten uns fragen, warum die NATO
geschaffen wurde.
Würden wir nicht
im Ausland
durch
die
sowjetische
Ideologie herausgefordert, die die
Idee der Freiheit an sich als Täuschung und Bedrohung betrachtet, dann
hätten wir den heutigen Tag mit anderen Dingen verbringen können, als
über das NATO-Bündnis zu diskutieren.
Wenn wir nicht im Inland von den
Kräften der Vergeßlichkeit, Unwissenheit
und Demagogie
herausgefordert
würden, dann könnten wir uns alle den
Luxus des Ausspannens gönnen.
Aber
diese Bedrohungen existieren, und sie
weisen mich darauf hin, daß der einzige Weg zur Bewahrung all dessen,
was die westliche Zivilisation uns
gegeben hat, in der Bereitschaft zur
Verteidigung dieser Ideen der Freiheit und der Gleichheit bestehen muß,
welche die Demokratie möglich machen,
genauso wie diese von all unseren
Vorfahren verteidigt wurden - die uns
das hinterließen, was viele zerstören
würden.
Verteidigung ist in einer Demokratie niemals populär, und sie ist
sicherlich nicht billig.
Aber wenn
Sie der Meinung sind, die Verteidigung sei teuer, dann denken sie einen
Augenblick lang an die Kosten einer
Niederlage.
Verteidigung wird von
uns verlangt, und ich danke Ihnen allen für Ihren Beitrag dazu, daß die
Freiheit in dieser gefährlichen Welt
überlebt.

* * * * *

�^° s ^

AMERIKA DIENST
Dokumentation
13. Mai 1987

18

AMERIKANISCHER VERTRAGSENTWURF FORDERT EINSCHNEIDENDEN ABBAU
VON OFFENSIVWAFFEN
- Pressekonferenz mit Botschafter Lehman GENF - (AD) - Nach der Vorlage des amerikanischen Vertragsentwurfs bei
den Verhandlungen über die Verringerung strategischer Rüstungen (START) am 8.
Mai 1987 erklärte der amerikanische Chefunterhändler, Botschafter Ronald
Lehman, die Vereinigten Staaten wünschten, gemeinsam mit der Sowjetunion Anstrengungen zu unternehmen, um einen endgültigen Vertrag "auszuarbeiten und
dann abzuschließen", der bis Ende des Jahres zu einer SOprozentigen Reduzierung strategischer Offensivwaffen führen würde. Der Vertrag umfaßt Botschafter Lehman zufolge "die verschiedenen, bereits bekannten Bereiche, in denen
entweder Übereinstimmung oder Uneinigkeit besteht, befaßt sich jedoch ausführlich mit Regeln für eine Zählweise, mit Definitionen, Verifizierung und zusätzlichen Beschränkungen".
Nachfolgend drucken wir den Text der Eingangserklärung Botschafter Lehmans
sowie die darauffolgende Pressekonferenz im Wortlaut:
LEHMAN: Wie Präsident Reagan am
Montag betonte, räumen die Vereinigten Staaten der Erlangung bedeutender
und stabilisierender Reduzierungen in
den Arsenalen nuklearer Offensivwaffen sowohl der Vereinigten Staaten
als auch
der
Sowjetunion
höchste
Priorität ein. Sie werden sich daran
erinnern, daß die Vereinigten Staaten
kürzlich einen Vertragsentwurf vorgelegt haben, der sich mit nuklearen
Mittelstreckenraketen
beschäftigte.
Wir haben jetzt gemäß den Anweisungen
des Präsidenten hier und heute in
Genf einen Vertragsentwurf vorgelegt,

United States Information Service
Embassy of the United States of America

der eine 50prozentige Reduzierung der
strategischen
Offensivwaffen
beider
Seiten vorsieht. Die Vorlage dieses
Vertragsentwurfs zur Reduzierung und
Beschränkung von Nuklearwaffen interkontinentaler Reichweite bedeutet für
die Verhandlungen über die Verringerung
strategischer
Rüstungen
einen
wichtigen Schritt nach vorn.
Im Verlauf der letzten Runde der
START-Verhandlungen
haben die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion
erfolgreich damit begonnen, für die
Schlüsselelemente
eines
zukünftigen

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Telex: 8-85432

�START-Vertrages
eine
gemeinsame
Sprachregelung
zu
entwerfen.
Die
Grundzüge eines START-Vertrages sind
beiden Seiten klar.
Jetzt ist die
Zeit gekommen, um den Vertrag selbst
auszuhandeln, wir haben bereits viel
erreicht.
Wir
unterschätzen nicht
die noch bestehenden Schwierigkeiten
oder die zu überwindenden Hindernisse.
Sie liefern uns umso mehr einen
Grund zur Verdopplung unserer Bemühungen um eine Beilegung der verbleibenden Differenzen.
Das wichtigste dieser noch bestehenden Probleme ist das der besonderen Beschränkungen für Gefechtsköpfe
auf ballistischen Raketen, die notwendig sind, damit einschneidende Reduzierungen auf sichere Art und Weise
stattfinden können.
Die Vereinigten
Staaten haben eine Reihe solcher Beschränkungen vorgeschlagen, die den
von der Sowjetunion bei diesen Verhandlungen unterbreiteten ähneln, von
ihr aber im vergangenen Herbst wieder
zurückgezogen wurden.
Ein Vertrag,
der solche besonderen Beschränkungen
für Gefechtsköpfe ballistischer Raketen vorsähe, läge im Interesse beider
Seiten.
Die Vereinigten Staaten sind der
Ansicht, daß ein START-Vertrag zur
Verbesserung der Sicherheit der gesamten Menschheit noch vor Ende dieses Jahres ausgehandelt werden könnte. Wir blicken auf die Sowjetunion,
daß sie jetzt gemeinsam mit uns einen
endgültigen START-Vertrag ausarbeitet
und dann abschließt, der bis Ende des
Jahres zu einer wirkungsvoll verifizierbaren
50prozentigen
Reduzierung
strategischer
Offensivwaffen
führen
würde.
FRAGE:
Wenn es noch vor Ende
des Jahres zu einem Vertrag kommt,
was wird dann mit der Strategischen
Verteidigungsinitiative (SDI) gesche-

hen?
ANTWORT:
Wie Sie wissen, werden die mit SDI im Zusammenhang stehenden Fragen von Botschafter Kampelman und seinem Vertreter, Botschafter
Cooper, im Rahmen der Gespräche über
Verteidigungs- und
Weltraumwaffen
verhandelt. Bei diesen Verhandlungen
haben wir neue Vorschläge unterbreitet und versucht, auf sowjetische Anliegen einzugehen.
Aber, wie Sie
wissen, sind wir der Ansicht, daß
diese wichtigen und stabilisierenden
Reduzierungen strategischer Offensivwaffen nicht als Geisel für andere
Verhandlungen dienen sollten.
FRAGE:
Aber die Sowjets koppeln weiterhin die beiden Bereiche,
Verhandlungen über strategische Waffen und SDI.
ANTWORT:
Und
daraus
erwuchs
ein Hindernis.
Aber wir versuchen,
auf ihre Anliegen einzugehen.
Botschafter Kampelman hat einen neuen
Vorschlag eingebracht, aber wir glauben, daß es einen umfangreichen Komplex von internationalen und von Vertragsgesetzen gibt, die sich mit Verteidigungssystemen befassen. Aber wo
sind die bestehenden Verträge, die
sich mit Offensivwaffen beschäftigen?
Wir brauchen einschneidende Reduzierungen bei Offensivwaffen - das ist
unsere höchste Priorität. Wir glauben, daß die sowjetische Besorgnis
ungerechtfertigt
ist,
bemühen
uns
aber trotzdem, auf ihre Anliegen einzugehen.
FRAGE:
Haben die Sowjets heute
irgendeine Reaktion gezeigt, nachdem
Sie den Entwurf vorgelegt haben?
ANTWORT:
Sie haben eine Stellungnahme abgegeben.
Ich glaube, es
wäre nicht angebracht, meinerseits
einen Kommentar zu ihrer Stellungnah-

- 2 -

�me abzugeben. Aber es war eine sehr
konstruktive
und
produktive
erste
formelle Zusammenkunft unserer Gruppe.

FRAGE:
In
welche
Kategorie
fallen nun die SS-18 und SS-19?

FRAGE:
Die
Zahlen
in
Ihrem
Vertrag - stimmen sie mit den von
Präsident Reagan in seiner Erklärung
von Montag erwähnten überein?

ANTWORT:
Sie fallen unter die
Zahl der 1 650, jedenfalls die SS-18;
die SS-19 fällt unter die 3 300,
nicht unter die 1 650.

ANTWORT:
Ja, das tun sie. Der
Vertrag umfaBt die verschiedenen, bereits bekannten Bereiche, in denen
entweder Übereinstimmung oder Uneinigkeit besteht, befaßt sich jedoch
ausführlich mit Regeln für eine Zählweise, mit Definitionen, Verifizierung und zusätzlichen Beschränkungen.
Grundsätzlich ist vorgesehen, daß es
nicht mehr als 1 600 Trägersysteme
für strategische Waffen und nicht
mehr als 6 000 Gefechtsköpfe der betreffenden
Kategorie geben sollte.
Und wir haben vorgeschlagen, daß es
Untergrenzen geben sollte von 4 800
Gefechtsköpfen auf ballistischen Raketen, 3 300 Gefechtsköpfen auf Interkontinentalraketen
(ICBM)
und
1 650
Gefechtsköpfen
auf
schweren
ICBMs und anderen gefährlichen und
mit
Mehrfachgefechtsköpfen
ausgerüsteten ICBMs.

FRAGE:
Wie sieht
der Vereinigten Staaten
Abschaffung aus?

FRAGE:
Könnten Sie die untergrenzen, besonders bei der letzten
Kategorie, erklären?
ANTWORT:
Es
sind
die
klassischen Untergrenzen, wie sie allgemein bekannt sind;
sie wurden, wie
Sie sich erinnern werden, im SALT IIVertrag auf Trägersysteme angewandt.
Das heißt hier, es gibt eine Anzahl
von 6 000, von denen nicht mehr als
4 800 auf Gefechtsköpfe ballistischer
Raketen, nicht mehr als 3 300 auf
ICBMs und nicht mehr als 1 650 auf
diese gefährlichen
ICBMs entfallen
dürfen. So sieht der Prozeß aus. Er
ist dem von SALT II und auch dem in
SALT I vereinbarten Prozeß ähnlich.

die Haltung
zur völligen

ANTWORT:
Beide
Seiten
haben
als Ergebnis unseres Treffens in Moskau vereinbart, jetzt im Moment die
Frage von Reduzierungen beiseite zu
stellen, die höher als 50 Prozent
liegen und sich vielmehr auf Reduzierungen von 50 Prozent zu konzentrieren,
ich möchte bemerken, daß ein
Abbau von 50 Prozent eine beträchtliche Leistung ist, und ich glaube,
daß dies ein Bereich ist, über den
wir sicher vor Ende des Jahres verhandeln könnten.
FRAGE:
Wie viele Seiten umfaßt
der amerikanische Vertragsentwurf?
ANTWORT:
Das hängt vom Format
ab, aber es sind ungefähr 40 Seiten.
In der Form, wie wir ihn übergeben
haben, vielleicht etwas weniger.
FRAGE:
Es tut mir leid, daß
ich nochmals auf diesen Punkt zurückkomme, aber wie können Sie angesichts
der festen sowjetischen Haltung zu
SDI optimistisch darüber sein, daß
sie diese bis Ende des Jahres überwinden werden?
Ziehen sie die Möglichkeit in Betracht, diesen Bereich
möglicherweise
mit
den
Gesprächen
über Verteidigungs- und Weltraumwaffen in Zusammenhang zu bringen?
ANTWORT:
Nein, ich glaube, wir
wären dafür, daß ein Abkommen, wenn
es in einem Bereich erzielt wird, an-

- 3 -

�gewandt werden sollte; wenn es in
zwei Bereichen erzielt wird, sollte
es angewandt werden, und wenn es in
drei Bereichen von beiden Seiten Zustimmung findet, sollte es dort angewandt werden.
Aber wir sind nicht
der Ansicht, daß eine Gruppe als Geisel für eine andere benutzt werden
sollte.
Ich würde vorschlagen, daß
Sie beim nächsten Mal, wenn Sie mit
Botschafter
Kampelman
oder
seinem
Stellvertreter, Botschafter
Cooper,
zusammentreffen,
sprechen
sollten.
Aber im Bereich der Verteidigungsund Weltraumwaffen wurden beträchtliche Fortschritte erzielt. Wir sind
von der wesentlichen Frage aber noch
weit entfernt, die lautet, ob ein lebensfähiges, erfolgreiches und dynamisches
SDI-Programm
weiterbestehen
kann oder nicht. Wie Sie wissen, hat
die Sowjetunion einen Vorschlag unterbreitet, der im wesentlichen die
gesamte Forschung im Bereich des SDIProgramms abwürgen würde, d.h., im
wesentlichen die gesamte Forschung,
die im Rahmen des SDI-Programms Erfolg zeitigt.
Das geht über alles
weit hinaus, was im ABM-Vertrag vereinbart wurde, nach jedweder Definition.
FRAGE:
Sind Sie zu
chen Konzessionen bereit?

irgendwel-

ANTWORT:
Ich denke, Sie sollten mit Botschafter
Kampelman und
Botschafter Cooper sprechen. Ich bin
bereit, auf einige dieser Bereiche
einzugehen, aber ich würde es vorziehen, unseren Schwerpunkt auf die Gespräche über strategische Waffen zu
legen, weil dies mein Gebiet ist.
FRAGE:
Haben Sie
irgendwelche
Hinweise von sowjetischer Seite, daß
sie
einen
eigenen
Vertragsentwurf
vorlegen werden?
ANTWORT:

Wir

haben

sie

aufge- 4

fordert, gemeinsam mit uns beim Prozeß der Ausarbeitung eines Vertragsentwurfs zu arbeiten, und sie standen
dem nicht negativ gegenüber.
FRAGE:
Ist der Entwurf vollständig oder gibt es noch Lücken?
ANTWORT:
Wie immer gibt es einige Bestimmungen, bei denen man mit
der
anderen
Seite
zusammenarbeiten
möchte, als Teil des Verhandlungsprozesses. Das war immer in allen bisher
niedergelegten
Verträgen
der
Fall. Es gibt Dinge - zum Beispiel
die Nachfolgedokumente, wie etwa Protokolle - die wir noch nicht in Angriff genommen haben. Wie Sie wissen, haben wir bei den Verhandlungen
über
Mittelstreckenwaffen
erst
in
jüngster Zeit die zu diesem Vertrag
gehörenden Protokolle und Memoranda
vorgestellt.
FRAGE:
Hier
in dieser
Übersicht heißt es, daß die 50prozentigen
Reduzierungen
bis Ende 1991 abgeschlossen sein sollten.
Sie haben
gesagt, dies würde im Zeitraum von
sieben Jahren geschehen; die Sowjets
sagen, innerhalb von fünf Jahren.
Wenn ich bei 1987 anfange zu zählen,
komme ich auf vier Jahre. Können Sie
das erklären?
ANTWORT:
Sie haben Recht.
Der
ursprüngliche amerikanische Vorschlag
für den Zeitabschnitt der Reduzierung
wurde vor einigen Jahren unterbreitet
- als er acht Jahre umfaßte. Aber
danach hielten wir Verhandlungen ab,
bei denen beide Seiten über die Möglichkeit von zwei Phasen sprachen:
einem ersten Zeitabschnitt von fünf
Jahren und einer zweiten Phase von
fünf Jahren.
Wir haben vorgeschlagen, daß wir uns auf die ersten fünf
Jahre konzentrieren sollten und, daß
wir, um es beiden Seiten einfacher zu
machen, diesen Zeitabschnitt der Re-

�duzierung auf sieben Jahre ausdehnen
sollten. Wie Sie wissen, ist einer
der beide Seiten entzweienden Schlüsselbereiche das Problem der Untergrenzen von Gefechtsköpfen auf ballistischen
Raketen.
Offen
gesagt
glauben wir, daß sie ihre Vorschläge
aus taktischen Gründen zurückgezogen
haben. Trotzdem versichern sie, daß
unsere untergrenzen, obwohl sie den
vorherigen
sowjetischen
Vorschlagen
sehr ähnlich sind, bei ihnen Probleme
der Strukturierung aufwerfen.
Wenn
dadurch
innerhalb von fünf Jahren
Probleme in der Strukturierung entstehen, sollte es innerhalb von sieben Jahren für sie einfacher sein,
diese beizulegen.
Ich glaube, daß
dies nützlich für beide Seiten ist.
Natürlich haben uns die Sowjets, als
wir vor einiger Zeit acht Jahre vorschlugen, bedeutet, daß dies sehr zufriedenstellend sei.
FRAGE:
Es tut mir leid, wenn
ich diese Zahlen nur schwer verstehe...
Die schweren
landgestützten
Interkontinentalraketen, die die Vereinigten Staaten als einen der gefährlichsten Bestandteile der sowjetischen Streitkräfte ansehen - meinen
Sie die, wenn sie von Untergrenzen
sprechen; bilden sie das Kernstück
des Problems?
ANTWORT:
Im
Augenblick
haben
wir Fortschritte in diesem Bereich
erzielt. Die Sowjetunion hat der untergrenze bei Gefechtsköpfen auf ballistischen Raketen bei den Gefechtsköpfen auf schweren ICBMs nicht zugestimmt, aber sie war grundsätzlich
einverstanden, ihre schweren ICBMs um
die Hälfte abzubauen.
Daraus würden
sich unserer Ansicht nach 1 500 Gefechtsköpfe auf schweren ICBMs ergeben. Wir sind bereit, ihnen mehr zuzugestehen - 1 650. Aber diese Untergrenze würde nicht nur ihre derzeitigen schweren ICBMs, die SS-18,

betreffen, sondern auch
ihre, mit
zehn
Gefechtsköpfen
ausgestatteten
neuen SS-X-24, wenn diese stationiert
sind. Aber unsere Untergrenze würde
auch
die amerikanische
PEACEKEEPER
oder MX-Rakete betreffen.
Ihre Untergrenze wäre also etwas niedriger,
beträfe aber nur den einen Typ der
SS-18; unsere träfe sowohl auf ihre
SS-18 und SS-X-24, aber auch auf unsere
eigenen
MX-Raketen
vom
Typ
PEACEKEEPER zu.
FRAGE:
erwähnt?

Wird

die

Verifizierung

ANTWORT:
Sicher.
Wenn Sie den
letzten Satz anschauen, heißt es dort
"wirkungsvoll
verifizierbar".
Und
lassen Sie mich sagen, daß sich ein
wichtiger Teil des Vertrages mit wirkungsvoller
Verifizierung
beschäftigt, und zahlreiche Dokumente, zu
denen es Fragen gab und die später
vorqelegt werden - die weniger unerläßlichen, aber immer noch sehr wichtigen Dokumente, wie Protokolle und
Vereinbarungen - gehen ebenfalls auf
Einzelheiten der Verifizierung ein.
FRAGE:
Verifizierung
auf
selbe Art und Weise wie bei INF?

die-

ANTWORT:
Das
ist nicht
ganz
dasselbe, aber es gibt Ähnlichkeiten.
In unserem Vertrag gibt es viele Ähnlichkeiten mit dem INF-Vertrag.
Ich
würde annehmen, daß INF und START
sich in nächster zeit in ungefähr
demselben
fortgeschrittenen
Stadium
befinden werden.
FRAGE:
U-Boote
und Verifizierung - ist dies nicht eher schwieriger?
ANTWORT:
Ja, das stimmt, obwohl wir über die Jahre hinweg Verfahren entwickelt haben, mit denen
wir U-Boote in ihren Häfen beobach-

- 5 -

�ten.
Wenn sie sich einmal auf See
befinden, dann sehen wir - beide Seiten - sie natürlich nicht mehr. Wir
versuchen aber, die U-Boote in ihren
Häfen zu beobachten.
Sie haben jedoch Recht damit, daß wichtige Verifizierungsprobleme
bestehen,
die
nicht nur U-Boote sondern auch andere
Fragen betreffen, und wir haben mit
diesem Vertragsentwurf einige innovative Vorschläge unterbreitet.
FRAGE:
Erlaubt Ihr Vertrag unangekündigte Inspektionen vor Ort zur
Vermeidung jeglichen Betrugs?
ANTWORT:

Ja.

FRAGE:
Nach
Reykjavik
haben
die Vereinigten Staaten in Wien die
Sowjetunion beschuldigt, ihre Zustimmung bei den Untergrenzen zurückzunehmen. Sind Sie heute der Meinung,
daß die Russen sich auf dem Weg zurück zu den Vereinbarungen von Reykjavik befinden, oder hat das letzte
Zusammentreffen
in Moskau gezeigt,
daß sie immer noch ihre Positionen
von Wien vertreten?
ANTWORT:
Sie haben ihre Position etwas verdeutlicht. Lassen Sie
mich dies erklären.
In den ersten
Wochen nach Reykjavik war keine Rede
von einer Absage an die untergrenzen;
erst am 7. November 1986 erfuhren wir
durch ihren neuen Vorschlag, daß sie
ihre beiden hauptsächlichen Vorschläge zu den untergrenzen fallengelassen
hatten. Erst dann erfuhren wir - eigentlich zwei Tage davor -, daß sie
während
des
Shultz-SchewardnadseTreffens in Wien behaupteten, wir
hätten diese Untergrenzen in Reykjavik fallengelassen. Und selbstverständlich
erklärten wir, daß dies
nicht stimmt; diese Behauptung kam
für uns völlig überraschend. In Moskau behaupteten sie, daß wir sie tatsächlich
nicht
nur
fallengelassen

hätten, sondern auch, daß wir dies
deshalb getan hätten, um die Zählweise von Bombern durchzusetzen, wie sie
in Reykjavik vereinbart wurde. Nun,
dies ist eine neue Variante des Arguments, die gleichermaßen falsch ist.
Wir haben unseren Vorschlag von Untergrenzen in Reykjavik nicht fallengelassen; es war ja gerade der Fortschritt bei den Untergrenzen, der zu
Reykjavik führte. Und wir haben sie
nicht einseitig oder als Teil eines
Kompromisses oder Tauschhandels fallengelassen.
Meiner
Meinung
nach
weiß die Sowjetunion, was sie zur Erreichung eines START-Abkommens zu tun
hat.
FRAGE:
Sie
haben
früher
gesagt, daß die Möglichkeit bestünde,
einen Vertrag in diesem Jahr auszuhandeln.
Könnten Sie das etwas genauer ausführen - worauf gründet sich
Ihr Gefühl, daß Sie bis zum Ende des
Jahres 1987 einen Vertrag aushandeln
könnten?
ANTWORT:
Die zentralen noch zu
lösenden Probleme, wie etwa die Untergrenzen, sind nicht so zahlreich.
Was die letzte Runde und unsere Erfahrungen bei der gemeinsamen Arbeit
am Entwurf angeht, so muß ich meinen
sowjetischen Kollegen ein Kompliment
aussprechen. Gerade in dieser Runde
haben , sie
eine
sehr
nüchtern-geschäftsmäßige
Haltung gezeigt, und
wir waren in der Lage, eine Reihe der
bei einem solchen Entwurf auftretenden
Schwierigkeiten
auf geschäftsmäßige und effiziente Weise zu lösen.
Das hat uns davon überzeugt, daß die
Zeit für den Entwurf eines Vertrages
gekommen war; es war der logische
nächste Schritt. Das heißt, daß wir
jetzt noch eine Reihe großer Probleme
und vieles die Sprachregelung des
Vertrags
Betreffende lösen müssen,
aber wir sind davon überzeugt, daß
dies sowohl bei INF wie auch bei

�START möglich ist. Und obwohl tatsächlich einige wichtige Unterschiede
zwischen INF und START bestehen, gibt
es auch sehr viele Ähnlichkeiten.
Und deshalb werden Fortschritte in
einem auch Fortschritte im anderen
Bereich nach sich ziehen. Wenn wir
einen INF-Vertrag zuerst abschließen
- schön. Wenn wir einen START-Vertrag zuerst fertigstellen - schön.
Wenn wir beide zugleich fertigstellen
- auch schön. Das ist unsere Politik.
FRAGE:
Glauben
Sie, daß auch
nur die Möglichkeit besteht, einen
START-Vertrag vor einem INF-Vertrag
auszuhandeln?
ANTWORT:
Das hängt davon ab wir sollten anerkennen, daß mein Kollege, Botschafter Glitman, einige Wochen länger an diesem Prozeß arbeitet
und und daran erinnern, daß seine
Verhandlungen etwa sechs oder acht
Monate eher begonnen haben. Trotzdem
haben sich die Unterschiede enorm
verringert und könnten in den kommenden Wochen und Monaten weiter reduziert werden. Am Ende könnte es meiner Meinung nach von den speziellen
Problemen abhängen, wodurch jede dieser Verhandlungen
verzögert werden
könnte.
FRAGE:
Könnten
Sie irgendwelche Probleme nennen, die Ihrer Meinung nach beim Vertragsentwurf für
START, wie gegenwärtig bei INF, zu
Kontroversen
mit
den
europäischen
NATO-Verbündeten führen werden?
Ich
denke dabei speziell an die Frage, ob
den Russen Raum für eine Einbeziehung
der britischen und französischen Abschreckungspotentiale
und
ihre Anrechnung
bei
den
Gesprächen
über
strategische Waffen gegeben wird?
ANTWORT:
Ich glaube, bei START
haben wir die Frage der britischen
und französischen Streitkräfte ein-

deutig hinter uns gelassen. ich unterschätze aber nicht Talent und Fähigkeiten
der
sowjetischen
Seite,
Probleme erneut aufzuwerfen und Keile
zwischen uns und unsere Verbündeten
zu treiben. Lassen Sie mich aber erklären, daß ich gegenwärtig keinerlei
Probleme beim START-Vertrag sehe, die
speziell
bei
unseren
europäischen
Verbündeten große Sorgen hervorrufen
könnten.
Aber vergessen Sie nicht,
daß insgesamt die Debatte über INF
mit der Frage der Koppelung zusammenhängt. Und die Menschen sollten sich
fragen: Woran sind Sie angekoppelt?
Und die Antwort lautet: Sie sind an
den amerikanischen nuklearen Schutzschild angekoppelt, und bei START
verhandeln
wir
über
den
amerikanischen nuklearen Schutzschild. Deshalb glaube ich, daß unsere Verbündeten wünschen, daß wir ein gutes, solides
START-Abkommen
erzielen, und
ich habe von all unseren NATO-Verbündeten, mit denen wir gesprochen haben, nur die stärkste Unterstützung
erhalten.
FRAGE:
Wenn Sie so optimistisch über den START-Vertrag denken,
warum haben Sie dann mit den Verhandlungen nicht früher begonnen, am 23.
April, wie dies die Sowjets wollten?
Warum haben Sie erst am 5. Mai angefangen?
ANTWORT:
Dafür
gab
es
eine
Reihe von Gründen, von denen nicht
alle inhaltlicher Art sind.
Zu den
Gründen gehörte, daß wir am STARTVertrag arbeiteten und dann mittendrin plötzlich nach Moskau reisen
mußten.
Und dann treffen Sie die
Wahl: Sollte ich nach Moskau reisen
oder zuhause bleiben und an meinem
START-Vertrag
arbeiten?
ich
entschied mich dafür, nach Moskau zu
fahren.
* * * * * *

�reo s&gt;

VON

AMERIKA DIENST
Wirtschaft

*

13. Mai 1987

18
USA ERNEUERN FORDERUNG NACH WIRTSCHAFTLICHEN IMPULSEN
DURCH JAPAN UND DIE BUNDESREPUBLIK DEUTSCHLAND

Rede von Finanzminister Baker bei OECD-Ministertreffen -

PARIS - (AD) - Dem amerikanischen Finanzminister James Baker zufolqe könnten Japan und die Bundesrepublik Deutschland mehr tun, um der Weltwirtschaft
Impulse zu geben.
In einer Rede beim Min ister treffen der Organisation für
wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) in Paris erklärte Baker
am 12. Mai 1987, daß "Länder mit geringer oder gar keiner Inflation und niedrigen privaten Investitionsraten vielleicht ihre Geldpolitik lockern sollten,
um das Binnenwachstum anzukurbeln". Industrieländer, die das Gleichgewicht im
Haushaltsbereich wiederhergestellt haben, insbesondere Japan und die Bundesrepublik, "sollten ihre Sparpolitik einer Überprüfung unterziehen".
Bakers Rede hat folgenden Wortlaut:

Herr Vorsitzender, Generalsekretär Paye, verehrte Kollegen:
Beurteilung der Fortschritte
Als ich vor zwei Jahren zum ersten Mal die Ehre hatte, vor dieser
Gruppe zu sprechen, schlug ich eine
Partnerschaft
des
Wachstums
vor.
Heute, so glaube ich, kann diese
Partnerschaft schon auf mehrere Leistungen
zurückblicken.
Sicherlich
bleibt uns noch mehr zu tun - und ich
werde mich mit diesen Punkten gleich
auseinandersetzen -, aber lassen Sie
uns zuerst eine Bestandsaufnahme dessen vornehmen, was wir erreicht haben.

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Das Wichtigste zuerst: Die OECDLänder befinden sich heute im fünften
Jahr des wirtschaftlichen Wachstums und damit ist dies eine der längsten
wirtschaftlichen Erholungsphasen der
Nachkriegszeit. Wir sollten uns auch
dadurch ermutigt fühlen, daß die Entwicklungsländer, insbesondere diejenigen, die kein öl exportieren, nun
ebenfalls an diesem Wachstum teilhaben,
im vorigen Jahr entwickelten
sich diese Entwicklungsländer durch-

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�schnxttlich um 50 Prozent schneller
als der OECD-Durchschnitt, und die
Aussichten
sind
weiterhin vielversprechend.
Ebenfalls haben wir unsere Fortschritte gegenüber der Inflation konsolidiert.
Im vergangenen Jahr war
die Inflationsrate in den OECD-Staaten die niedrigste seit den sechziger
Jahren - und den Prognosen zufolge
werden die Preise in diesem und dem
nächsten Jahr nur zwischen 3 und 3,5
Prozent steigen. Wir dürfen uns jedoch nicht auf unseren Lorbeeren ausruhen. Wir können es uns nicht leisten, unsere hart erkämpften Fortschritte wieder
preiszugeben.
Ich
meine aber, daß noch vor einigen Jahren nur wenige unter uns daran geglaubt haben, daß wir solch große
Fortschritte gegen die Inflation erzielen würden, wie dies der Fall war.
Weiterhin sehen wir heute handfeste Beweise dafür, daß wir begonnen
haben, die außenwirtschaftlichen Ungleichgewichte zwischen den wichtigsten Industrieländer zu beseitigen.
Wir alle haben die Schlagzeilen vor
Augen, die sich mit nominellen Handelszahlen
beschäftigen.
Und doch
zeigen die Zahlen des tatsächlichen
Handelsvolumens, daß die Importe der
Bundesrepublik Deutschlands und Japans im vergangenen Jahr wesentlich
schneller wuchsen als ihre Exporte,
und daß ihre gegenwärtigen Leistungsbilanzüberschüsse real gesunken sind.
Was die Vereinigten Staaten angeht, so sind unsere Außenhandelsdefizite langsamer zurückgegangen als
wir erhofft hatten, aber das Handelsbilanzdefizit scheint sich im Verlauf
des vergangenen Jahres stabilisiert
zu haben, wenn man den Wert zugrundelegt.
Beim Handelsvolumen haben wir
bereits einen Umschwung festgestellt.

Auch beim Abbau des Haushaltsdefizits
machen
wir
Fortschritte
mehr, wenn ich das sagen darf, als
andere Länder dies bei der Förderung
des Wachstums tun. Unser Bundesdefizit betrug im Haushaltsjahr 1983 6,3
Prozent des Bruttosozialprodukts. Im
jetzigen Haushaltsjahr wird es voraussichtlich
3,9
Prozent betragen,
mit einem Rückgang von 40 Milliarden
Dollar
gegenüber
dem
vergangenen
Jahr.
Und im nächsten Jahr werden
wir voraussichtlich weitere Einsparungen vornehmen - Einsparungen von
mindestens
20
Milliarden
Dollar,
selbst wenn wir die Ausgabenkomponente der von den Demokraten unterbreiteten Haushaltsvorschläge zugrundelegen.
(Ich sage Ausgabenkomponente,
weil unserer Meinung nach Steuererhebungen kein Weg zur Verringerung unseres Defizits sind.) Und dies gilt
nur für den schlimmsten Fall.
Ich möchte außerdem darauf verweisen, daß unser allgemeines Staatsdefizit - einschließlich der Überschüsse
für die
Sozialversicherung
sowie die Regierungen der Bundesstaaten und Gemeinden - schon heute noch
niedriger liegen, als diese Zahlen
für das Bundesdefizit andeuten.
Das
allgemeine Defizit wird dieses Jahr
voraussichtlich
auf
lediglich
2,5
Prozent
des
Bruttosozialproduktes
fallen, eine Summe, die unter dem
OECD-Durchschnitt liegt.
Diese Kombination aus Defizitabbau und solidem Binnenwachstum steht
in scharfem Gegensatz zu den Vorgängen
in
den
Hauptüberschußländern,
Diese Staaten haben ebenfalls ihre
Haushaltsdefizite
verringert,
aber
sie haben währenddessen bei Binnenproduktion und Beschäftigun nur ein
träges Wachstum aufrechterhalten. Das
OECD-Sekretariat und der Internationale Währungsfonds (IWF) haben übereinstimmend
errechnet, daß während
die
amerikanische
Haushaltspolitik

�amerikanische
Haushaltspolitik
das
Binnenwachstum anqekurbelt hat, der
Abbau der Defizite in der Bundesrepublik Deutschland und Japan das Wachstum in den vergangenen vier bis fünf
Jahren behinderte.
Lassen Sie mich also erklären,
daß die Vereinigten Staaten eine umfassende Steuerreform sowie Reduzierungen der Spitzensteuersätze eingeführt haben, wodurch die Anreize, zu
arbeiten, sparen und investieren, gewachsen sind.
Obwohl einige wenige
unter den hier Anwesenden ebenfalls
Steuerabbau oder -reform in Erwägung
gezogen haben, ist es eindeutig, daß
auf der Angebotsseite ebenfalls noch
viel mehr getan werden kann und sollte.
Lassen Sie mich schließlich noch
die Fortschritte erwähnen, die wir
bei der internationalen wirtschaftlichen Zusammenarbeit erzielt haben.
In den vergangenen zwei Jahren haben
sich die Wechselkursrelationen zwischen den wichtigsten Währungen so
verschoben, daß sie heute die wirtschaftlichen Grunddaten besser widerspiegeln - und wir erwarten, daß diese Veränderungen zu unseren gemeinsamen Bemühungen zum Abbau der außenwirtschaftlichen
Ungleichgewichte
beitragen werden.
(Lassen Sie mich
ebenso erklären, was ich schon früher
gesagt habe:
Alle der in der G-7Gruppe
zusammengeschlossenen
Länder
sind der Überzeugung, daß ein weiterer Fall des Dollar gegenüber den
wichtigsten anderen Währungen kontraproduktiv sein könnte.)
Wir haben
uns ebenfalls dafür eingesetzt, unsere Vorkehrungen zur besseren Koordinierung
unserer
Wirtschaftspolitik
weiter zu entwickeln. Das Louvre-Abkommen
bedeutete
einen
wichtigen
Fortschritt in diesem Prozeß.
Tatsächlich

werden

auf

dem

noch

in diesem Frühjahr in Venedig stattfindenden Wirtschaftsgipfel die Finanzminister der G-7 den Staatschefs
über
ihre übereinstimmende
Haltung
bezüglich eines Prozesses zur Durchführung der politischen Koordinierung
Bericht erstatten.
Der Bericht wird
die mittelfristigen Ziele und Einschätzungen umreißen und damit als
Grundlage für die Bewertung von Politik und Leistung dienen. Er wird Indikatoren, einschließlich der Wechselkurse, vorleqen, die angewendet
werden sollen, um zu bestimmen, ob
die
gegenwärtigen
wirtschaftlichen
Entwicklungen im Einklang mit diesen
Zielen stehen, und der Bericht wird
grundlegende Regeln fixieren, um zu
entscheiden, wann Konsultationen zur
Absprache von Abhilfemaßnahmen notwendig sind.

Anstehende Aufgaben
Die von uns weiterhin zu bestehenden
Herausforderungen
müssen
im
gleichen Geist der Zusammenarbeit angegangen werden. Unsere Tagesordnung
ist eindeutig: Beschleunigung unserer
Fortschritte bei der Korrektur außenwirtschaftlicher
Ungleichgewichte,
weitere Behandlung der Schuldenprobleme der Entwicklungsländer und Widerstand
gegen
protektionistischen
Druck. Ich werde jeden dieser Punkte
für sich ansprechen.
Ich glaube, wir sind alle der
Meinung, daß die Vereinigten Staaten
nicht länger der übrigen Welt wirtschaftliche Impulse geben können, indem sie immer qrößere Leistungsbilanzdefizite
auftürmen.
Der
nun
schon seit 54 Monaten anhaltende Aufschwung in den Vereinigten Staaten
geht auf die Binnennachfrage zurück.
Dieses Jahr erwarten wir ein langsameres Wachstum der Nachfrage aus binnenwirtschaftlichen
Quellen.
Das

- 3 -

�amerikanische
Wirtschaftswachstum
wird sich zunehmend auf ein verstärktes Nettowachstum der Exporte gründen
müssen.
Für die Weltwirtschaft lautet die
Fraqe: Wenn die Vereinigten Staaten
nicht weiterhin den Löwenanteil am
Weltwachstum tragen können, wer wird
dann an ihre Stelle treten? Mein eigenes Denken in dieser Frage wird von
mehreren Gesichtspunkten geleitet.
Länder mit geringer oder gar keiner Inflation und niedrigen privaten
Investitionsraten sollten vielleicht
ihre Geldpolitik lockern, um das Binnenwachstum anzukurbeln.
Ich meine,
daß dies getan werden kann, ohne der
Inflation neuen Auftrieb zu verleihen. Industrieländer, die das Gleichgewicht im Haushaltsbereich wiederhergestellt haben, sollten ihre Sparpolitik einer Überprüfung unterziehen. Insbesondere Japan und die Bundesrepublik Deutschland haben erhebliche Fortschritte beim Abbau der
Haushaltsdefizite erzielt und besitzen jetzt breiten Raum zur Expansion.
Ich werde von den unlängst erfolgten
Erklärungen Japans ermutigt, wonach
dieses Land beabsichtigt, seine Wirtschaft anzukurbeln und größere Verantwortung bei der Aufrechterhaltung
des Wachstums der Weltwirtschaft zu
übernehmen.
Eine Reform der wirtschaftlichen
Struktur - auf die ich später näher
eingehen werde - kann ebenfalls dazu
beitragen,
indem
sie
künstliche
Schranken
zum
Wachstum
abbaut.
Steuerreformen sowie die Liberalisierung des Arbeits- und des Finanzmarktes sind drei Bereiche, in denen dies
angebracht wäre.
Die neuen Industrieländer (newly
industrialized
countries
NICs)
Asiens sind jetzt ebenfalls bereit,

mehr
Verantwortung
für
das Wirtschaftswachstum und das Handelssystem
zu übernehmen.
Sie sollten dafür
sorgen, daß ihre Währungen besser die
Grundzüqe der Wirtschaft widerspiegeln, und sie sollten ihren Verbrauchern einen größeren Anteil an ihrem
wirtschaftliche Erfolg zukommen lassen, indem sie ihre Märkte dem Außenhandel und Investitionen öffnen.
Der
Definition
nach
erfordert
eine Partnerschaft in Richtung auf
ein Wachstum gemeinsames Handeln und
gemeinsame Verantwortung. Keiner von
uns kann diese Dinge allein leisten.
Indem wir die Last der Anpassung auf
internationaler Ebene teilen, können
wir unsere Aufgabe auf politischer
Ebene
im Inland erleichtern.
Als
Mitglieder der Industrienationen haben wir alle die Pflicht, einen Beitrag zu leisten. Es gibt, um es offen zu sagen, keinen Ersatz für unsere Führungsrolle und unsere Zusammenarbeit .

Das internationale Schuldenproblem
Ich glaube, daß wir in den vergangenen Jahren auch erhebliche Fortschritte gemacht haben, was die Erleichterung
der
internationalen
Schuldenlast angeht. Sicherlich müssen wir noch mehr tun, und ich verstehe die Anstöße von manchen für
allumfassende
Lösungen.
Aber
ich
glaube, daß es eine solche allumfassende Lösunq nicht gibt.
Ein Problem, das sich über viele Jahre hinweg entwickelt hat, kann nur in vielen Jahren gelöst werden - und dies
nur mit Geduld und unter beständigen
Anstrengungen.
Das Programm für ein anhaltendes
Wachstum
bleibt die beste und am
besten anwendbare Strategie zur Erleichterung der Schuldenlast, und ich

�glaube, daß hier bereits beträchtliche
Fortschritte
erzielt
worden
sind. Am meisten fällt auf, daß die
Schuldnerländer
selbst eine marktorientierte
Reformpolitik
anwenden,
staatliche Unternehmen dem Wettbewerb
aussetzen, Preiskontrollen aufheben,
ihre Rücklaqen erhöhen und ein Umfeld
schaffen, in dem die Kapitalflucht
eingedämmt wird.
Tm vergangenen Jahr belief sich
das Wachstum in den Hauptschuldnerländern durchschnittlich auf 3,5 Prozent, die beste Rate der
letzten
sechs Jahre. Die Inflation ist seit
1985 um mehr als die Hälfte gefallen.
Die Kapitalflucht ist in vielen Ländern entweder zurückgegangen oder hat
sich umgekehrt.
Neun der 15 Hauptschuldnerländer erhielten oder verbesserten im Jahr 1986 ihr Verhältnis
der Schulden zum Bruttosozialprodukt.
Dies ist ein guter Anfang, aber
es bleibt noch mehr zu tun. Und ich
kann nicht genug auf die Reformen
hinweisen, die die
Schuldnerländer
selbst durchführen müssen. Diese Reformen bilden die unerläßliche Grundlage des zukünftigen Wachstums. Nur
Länder, die Möglichkeiten im Inland
schaffen, werden in der Lage sein,
Investitionen und Kapital zu gewinnen, die für ein Wachstum unerläßlich
sind.
Wir glauben, daß die Industrienationen weiter wachsen und ihre Märkte
offen halten müssen.
Der erhebliche
Rückgang der Zinssätze seit 1984 hat
in großem Maße dazu beigetragen, aber
die verhaltenen Aussichten für das
Wachstum der OECD und der steigende
Druck
des
Protektionismus
liefern
Grund zur Sorge. Ein stärkeres Wachstum der OECD bildet einen Schlüssel
für weitere Fortschritte, und nur,
indem wir offene Märkte erhalten,
können wir den Schuldnern helfen, ih-

re Schulden zu begleichen.
Der Internationale Währungsfonds
und die Weltbank leisten ebenfalls
den Regierungen, die eine Reformpolitik durchführen wollen, wichtige Hilfe.
Auch der Pariser Club und die
Handelsbanken haben in den vergangenen 18 Monaten Mittel zur Finanzierung bereitgestellt.
Ich erkenne natürlich, daß das
Tempo der Finanzierung durch die Geschäftsbanken Anlaß zu Kritik gegeben
hat.
Und im letzten Jahr waren die
Kredite
der
Banken
enttäuschend.
Aber der Fortschritt der letzten Wochen gibt uns erneut das Vertrauen,
daß wir auf dem richtigen Weg sind,
mit der Aussicht, den Hauptschuldnern
in diesem Jahr erhebliche neue Finanzierungsmittel
gewähren
zu können.
Jüngste Abkommen umfaßten neue Finanzierunqsmechanismen,
die
verdeutlichen, daß alle Seiten die Fähiqkeit
zu Innovation und Flexibilität besitzen.
Wir glauben, daß die Geschäftsbanken sich auf diese neuen Mechanismen
stützen
können.
Insbesondere
möchten wir sie ermutigen, bei den
Mitteln eine Liste alternativer Optionen
auszuarbeiten, aus der sie
wählen können, um die weitere finanzielle Unterstützung der Reformen in
den Schulderländern sicherstellen zu
helfen.

Protektionismus
Ich denke, wir alle wissen, daß
sich der protektionistische Druck in
den
Vereinigten
Staaten
verstärkt
hat.
Ein solcher Druck bedroht das
Welthandelssystem mehr, als dies in
den vergangenen 40 Jahren der Fall
war.
Wir haben diesem Druck widerstanden - und wir werden ihm auch

- 5 -

�weiterhin widerstehen - trotz des hohen politischen Preises.
Aber unsere Aufgabe wird sicherlich leichter, wenn wir Fortschritte
beim Abbau von Handelsschranken auf
internationaler Ebene erzielen können.
Wir können nicht den freien
Handel verteidigen, wenn andere Nationen darauf bestehen, ihre eigenen
Handelsschranken aufrecht zu erhalten. Das GATT-System - und die neue
Uruguay-Runde der Handelsgespräche bieten die beste Gelegenheit zur Lösung von Konflikten in Wirtschaft und
Handel. Die Stärkung von GATT sollte
bei uns allen einen hohen Stellenwert
haben.
Um uns dem Protektionismus in den
Vereinigten Staaten zu widersetzen,
brauchen wir auch auf internationaler
Ebene Fortschritte beim Abbau des Ungleichgewichts im Handel und in der
Leistungsbilanz.
Änderungen
der
Wechselkurse können dazu einen Beitrag
leisten, aber
sie
erfordern
Zeit, um sich auf Handelsstrukturen
auszuwirken, und
wir
wissen, daß
Wechselkurse allein das nicht leisten
können. Wir müssen ebenfalls gemeinsam - und frühzeitig - etwas unternehmen, um in anderen Ländern das
Wachstum zu stimulieren und Schranken
zu beseitigen.
Ich sollte hinzufügen, daß angesichts der Politik des Protektionismus eine Strategie, die sich des
langsamen Wachstums oder einer Rezession in den Vereinigten Staaten bedient, um das amerikanische Handelsbilanzdefizit abzubauen, ganz einfach
nicht funktionieren wird.
Ebensowenig würden wir dies als annehmebare
Handlungsweise betrachten.
Die Lösung liegt in stärkerem Wirtschaftswachstum, nicht
in weiteren wirtschaftlichen Opfern.

Zusammenfassung
Lassen Sie mich zusammenfassend
sagen, daß mir der Tenor dieser Diskussionen Mut macht. Ich glaube, daß
wir bereits Fortschritte erzielt haben, und ich denke, daß wir an einem
Konsens arbeiten, um weiter gehen zu
können.
Jeder von uns muß dabei eine
Funktion übernehmen.
Die Uberschußländer müssen eine Politik verfolgen,
die das Wachstum im Inland stimuliert.
Den NICs mit großen Überschüssen in Asien fällt eine neue
Verantwortung
zur
Erhaltung
eines
freien und offenen Handelssystems zu.
Die Hauptschuldnerländer sehen sich
der Herausforderung gegenüber, weiterhin eine Reformpolitik zu verfolgen, die ihre Länder zu Anziehungspunkten für Investitionen und Möglichkeiten machen. Und die Vereinigten Staaten müssen - und wollen weiterhin Fortschritte dabei erzielen, ihr Haushaltsdefizit abzubauen.
Es gibt wirklich keinen Ersatz für
unsere gemeinsame Führungsrolle.
Vielen Dank.

* * * * * *

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Reagan sieht "solide Basis" für START-Abkommen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärung des Präsidenten zum amerikanischen Vertragsentwurf -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Weinberger: Amerika "optimistisch" über Anschluss eines INF-Abkommens&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rede bei Seminar der Euroqgroup -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Amerikanischer Vertragsentwurf fordert einschneidenden Abbau von Offensivwaffen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Pressekonferenz mit Botschafter Lehman -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA erneuern Forderung nach wirtschaftlichen Impulsen durch Japan und die Bundesrepublik Deutschland&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rede von Finanzminister Baker bei OECD-Ministertreffen -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST
"'V

"""""

A&lt;

6. Mai 1987

17

I N H A L T

DOKUMENTATION
Reagan verspricht Unterstützung von Verhandlungen in Mittelamerika
- Ansprache vor dem Verband der amerikanischen Zeitungsverleger Reagan kritisiert Handelsgesetze des Kongresses
- Rundfunkansprache des Präsidenten Reagan; Rüstungskontrollabkommen in Reichweite
- Erklärung zu den START-Verhandlungen -

WIRTSCHAFT
Maßnahmen der Bundesbank zur Einschränkung der Geldmenge bestätigt
- Kommentare des Bundesbankpräsidenten Paul Volcker -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Internationale Zusammenarbeit lebensnotwendig
- Die wichtigste Lehre aus Tschernobyl -

* * * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�AMERIKA DIENST
"4~

"**""

c&amp;

Dokumentation

6. Mai 1987

17

REAGAN VERSPRICHT UNTERSTÜTZUNG VON VERHANDLUNGEN IN MITTELAMERIKA
- Ansprache vor dem Verband der amerikanischen Zeitungsverleger -

NEW YORK - (AD) - In einer Ansprache vor dem Verband der amerikanischen
Zeitungsverleger auf Ellis Island hat Präsident Reagan am 3. Mai 1987 seine
"volle Unterstützung für jede Art von Verhandlungen, die in ganz Mittelamerika
zum Aufbau der Demokratie ohne weiteres Blutvergießen beitragen können" zum
Ausdruck gebracht. Gleichzeitig gab Reagan aber auch zu verstehen, daß die
Hilfe seiner Administration für die nicaraguanischen Freiheitskämpfer "nicht
eingestellt wird", bis das Regime der Sandinisten die demokratischen Bestrebungen des Volkes von Nicaragua erfüllt.
Die Rede des amerikanischen Präsidenten hat folgenden Wortlaut:

Der Traum der Freiheit hat am
heutigen Tag, da wir uns hier auf
Ellis Island unter dem Blick der
Freiheitsstatue versammelt haben, für
uns eine besondere Bedeutung. Es wäre ein leichtes, hierher zu kommen
und wiederum die Geschichte derer zu
erzählen, die durch diese Tore gegangen sind, um einfach noch einmal die
Freiheiten zu feiern, die wir Amerikaner genießen.
Aber mein Auftrag ist heute ein
schwierigerer,
und
meine
Aufgaben
sind
dringlicher
- sie
betreffen

United States Information Service
Embassy of the United States of America

nicht diejenigen, die in dieses Land
kamen sondern den Traum, der sie
hierhin führte. Heute sind noch andere Menschen auf der Suche nach diesem Traum, und sie haben uns ebenfalls eine erleuchtende Geschichte zu
bieten - eine Geschichte, die all denen aus dem Herzen sprechen muß, die
auf diese Insel gelangten und diese
großartige Dame hier im Hafen verehren. Ich spreche von der Bevölkerung
Mittelamerikas.
Lassen Sie mich mit dem Jahr 1981
beginnen. Ich frage mich, wie viele

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�unter ihnen sich daran erinnern, daß
wir auf eine fast fatalistische Anerkennung des kommunistischen Sieges in
diesem Land - wenn nicht sogar in der
ganzen Region - stießen, als wir das
erste Mal die Aufmerksamkeit auf die
Krise in El Salvador richteten.
Die Demokratie, so wurde behauptet, könne in El Salvador nicht funktionieren: das Volk sei zu arm; es
habe keine demokratische Tradition;
es lehne die von uns angebotene Chance der Demokratie ab; ja, seine Sympathie liege auf Seiten der kommunistischen Guerrilla.
Aber dann erhielt das schweigende, leidende Volk von El Salvador eines Tages die Möglichkeit, selbst zu
wählen, und trotz der Gewehrkugeln,
Bomben und Todesdrohungen der Kommunisten beteiligte sich das Volk von
El Salvador in Rekordzahlen und wartete stundenlang in Menschenschlangen, um zu wählen - um für die Demokratie zu stimmen,
Beobachter des Kongresses berichteten mir von einer Frau, die auf dem
Weg zur Wahlurne durch Gewehrfeuer
verwundet wurde. Sie weigerte sich,
die Schlange zu verlassen und ihre
Wunde versorgen zu lassen bis sie gewählt hatte.
Eine Großmutter, die
von den Guerrillas gewarnt worden
war, daß sie getötet werde, wenn sie
von der Wahlurne zurückkehre, erklärte diesen:
"Ihr könnt mich töten,
ihr könnt meine Familie töten, ihr
könnt meine Nachbarn töten, aber ihr
könnt uns nicht alle töten." Das war
die Stimme Mittelamerikas - das Zeugnis eines Volkes, das zur Freiheit
entschlossen war.
Viel ist seit 1981 erreicht worden,
in einer Region, in der Militärdiktaturen
die Gesellschaft beherrschten, schlägt die Demokratie

Wurzeln. Vor einem Jahrzehnt war nur
Costa Rica eine Demokratie.
Heute
sind zu Costa Rica gewählte Zivilregierungen in El Salvador, Guatemala
und Honduras hinzugekommen - nur Nicaragua bleibt eine Diktatur.
Aber
während der Trend zur Demokratie in
Mittelamerika unmißverständlich ist,
bleibt aufgrund des sandinistischen
Totalitärismus in Nicaragua eine gewaltige Bedrohung von Freiheit und
Demokratie in Mittelamerika bestehen.
Das Streben von Millionen Menschen
nach Freiheit ist weiterhin unerfüllt.
Die gewählten Führer der benachbarten
mittelamerikanischen
Staaten
verstehen dies; sie wissen, daß das
nicaraguanische Regime ihre Zukunft
und die Stabilität der Hemisphäre bedroht.
Sie wissen, daß die Errichtung
eines wahrhaft
demokratischen
Systems in Nicaragua - mit den vollständig garantierten Rechten der versammlungs-, Rede- und Pressefreiheit
- auf lange Sicht die einzig wirkliche Hoffnung für Frieden und Sicherheit der Region bietet. Sie wissen, daß ein solches System eine Kontrollinstanz für jede Art von Regierung bedeutet, den Militarismus entmutigt und das Recht des Volkes auf
die Wahl seines eigenen Schicksals
sicherstellt.
Aus diesem Grund sind die Ansichten
unserer
mittelamerikanischen
Freunde und die Bestrebungen des nicaraguanischen Volkes ein und dasselbe - die Schaffung einer umfassenden,
vom Volk gewählten und legitimen demokratischen Herrschaft in Nicaragua.
Was wir also für Nicaragua anstreben,
ist
denkbar
einfach:
Selbstbestimmung
durch das nicaraguanische Volk - das Recht, seine
Führer in freien, fairen und regelmäßigen Wahlen mit verschiedenen Parteien zu wählen.

- 2 -

�Die Mehrheit der Mittelamerikaner
hat diese Wahl getroffen - für Freiheit und Demokratie.
Und ich bin
heute hierher gekommen, um Ihnen zu
sagen, daß die Contras, die Freiheitskämpfer
Nicaraguas,
für
die
gleiche Sache kämpfen, für die diese
mutige Frau in El Salvador ihr Leben
riskiert hat - die Demokratie. Eine
wahrhafte Demokratie, die in gesunden, stabilen, demokratischen Institutionen verwurzelt ist und die volle
Bandbreite der politischen Freiheiten
und
Menschenrechte
gewährleistet.
Und ich bin hierher gekommen, um zu
erklären, daß die Regierung der Vereinigten Staaten dem amerikanischen
Volk das gleiche gelobt hat, das die
Freiheitskämpfer ihrem Volk gelobten
- daß unser Ziel in Nicaragua eindeutig ist: freie Wahlen.
Andererseits
haben Sowjets und
Sandinisten ebenfalls eine Wahl getroffen, nicht für die Demokratie,
nicht für eine freie Presse und nicht
für freie Wahlen, sondern für Kontrolle durch Gewalt.
Allein im Jahr 1986 betrug die
gesamte Hilfe des Ostblocks an die
Sandinisten über 1 Milliarde Dollar.
Diese sowjetischen Lieferungen haben
das kleine Land Nicaragua zu einer
aggressiven Nation mit der größten
Militärmacht Mittelamerikas gemacht,
die die Sicherheit der ganzen Region
bedroht.
Täuschen Sie sich nicht:
Die Sowjets stellen die Vereinigten
Staaten auf eine Willensprobe, was
die Zukunft dieser Hemisphäre anbelangt.
Die von ihr angebotene Zukunft besteht in ständig wachsender
kommunistischer Ausdehnung und Kontrolle.
Und dies ist die Wahl, vor der
der Kongreß und unser Volk stehen:
eigentlich
eine grundlegende Wahl:
- 3

zwischen Demokratie und Kommunismus
in Nicaragua, zwischen Freiheit und
sowjetisch unterstützter Tyrannei.
Was mich selbst angeht, so bin
ich entschlossen, mich dieser sowjetischen Herausforderung zu stellen
und zu gewährleisten, daß die Zukunft
dieser Hemisphäre von ihrer Bevölkerung gewählt und nicht von kommunistischen Aggressoren aufgezwungen wird.
Ich könnte stundenlang über unsere Verhandlungen mit den Sandinisten
erzählen: den CONTADORA-Prozeß
und
die Missionen meines diplomatischen
Unterhändlers
Philip
Habib.
Aber
seit den ersten Verhandlungen im Jahr
1979, als die Sandinisten eine demokratische,
pluralistische
Gesellschaft versprachen, haben wir erlebt,
daß diese Marxisten-Leninisten niemals beabsichtigten, diese Versprechungen einzuhalten; wir haben erlebt, daß sie immer wieder Verhandlungen benutzten, um zu verzögern und
um die Weltmeinung zu manipulieren.
Deshalb bleibt die Wahl immer noch
dieselbe: Demokratie oder Kommunismus, Wahlen oder Diktatur, Freiheit
oder Tyrannei.
Die Debatte über die Mittelamerikapolitik in diesem Land ist direkt
und hart gewesen - und bisweilen sogar hitzig.
Obwohl solche Debatten
gesund sind, wissen wir alle, daß ein
geteiltes Amerika nicht die Führungskraft stellen kann, die für die Gewährung von Unterstützung und Vertrauen für die entstehenden Demokratien in Mittelamerika notwendig sind.
Ich glaube nicht, daß es im Kongreß
irgend jemanden gibt, der die Errichtung einer weiteren Basis der sowjetischen Subversion, eines weiteren
Kuba, an den Küsten Amerikas erleben
möchte -' aber das ist genau das, was
gegenwärtig geschieht. Dies ist heute ein Problem, bei dem alle Amerika-

�ner sich einig sein müssen; es ist
einfach zu wichtig, um in den nächsten Wahlen Gegenstand von Auseinandersetzungen zwischen den Parteien zu
sein. Wenn wir die Freiheitskämpfer
fallen lassen, geben wir den Sowjets
freie Hand in Mittelamerika und bereiten
ihnen
einen
ihrer
größten
außenpolitischen
Erfolge
seit
dem
Zweiten Weltkrieg.
Ohne den Druck seitens der mittelamerikanischen Demokratien und der
Freiheitskämpfer würden die Sowjets
schon bald ihren Stützpunkt in Nicaragua festigen und die Subversion in
El Salvador würde Wiederaufleben.
Nicaragua hat sogar schon Costa
Rica mit seinen Agenten infiltriert sie warten nur auf das Startzeichen.
Bald könnte die Voraussage der Kommunisten von einem über Mittelamerika
hinwegfegenden "revolutionären Feuer"
Wirklichkeit werden.
Wir sollten uns keinen Illusionen
über das letzte Ziel des Milliarden
Dollar teuren Kriegs der Sowjets in
Nicaragua hingeben. Ich beabsichtige
nicht, dem nächsten
amerikanischen
Präsidenten eine solche Krise zu hinterlassen.
Fast vierzig Jahre hindurch haben die Vereinigten Staaten
einen
überparteilichen Konsens zur
Außenpolitik bewahrt. Die Demokratische Partei - die Partei von Franklin
Roosevelt, Harry
Truman
und
John
Kennedy - hat die Demokratie und unsere nationale Sicherheit fest unterstützt. Dies ist nicht die Zeit für
eine der beiden Parteien, sich von
dieser Tradition oder der Sache der
Freiheit zu entfernen - insbesondere,
wenn die Bedrohung geographisch so
nahe liegt. Das Überleben der Demokratie in unserer Hemisphäre erfordert eine Politik der Vereinigten
Staaten, die mit dieser überparteilichen Tradition im Einklang steht.

Ich möchte deshalb heute den Rahmen dieser Politik beschreiben, einer
Politik, die mit der Unterstützung
der stabilen, seit langem bestehenden
Demokratie in Costa Rica und der Verwurzelung der Demokratie in El Salvador, Guatemala und Honduras beginnt.
Viele Mitglieder des Kongresses haben
die Bedeutung der Aufrechterhaltung
ausreichender Niveaus an Wirtschaftshilfe betont, um diesen Demokratien
beizustehen. Meine Zustimmung hierzu
könnte nicht stärker sein. Aus diesem
Grund
muß
zusätzliche
Wirtschaftshilfe an die vier mittelamerikanischen Demokratien genehmigt werden.
Zweitens ist enge Zusammenarbeit
mit
unseren
demokratischen
Freunden in Mittelamerika ebenfalls
unerläßlich, und unsere Politik besteht heute wie schon in der Vergangenheit darin, die diplomatischen Bemühungen zur Erzielung eines dauerhaften Friedens weiterzuführen.
Präsident Arias von Costa Rica
hat dieses Jahr schon einen Vorschlag
vorgelegt, der auf die Erreichung einer friedlichen Lösung des Konflikts
in Nicaragua abzielt. Der Kern seines Vorschlags ist das Beharren auf
Demokratie in Nicaragua. Meine Administration hat regionale diplomatische Initiativen mit dem Ziel von
Frieden und Demokratie immer unterstützt, sei es durch CONTADORA, durch
persönliche Treffen mit der in Nicaragua herrschenden Partei oder durch
die
aktuellen
Mittelamerikainitiativen.
Lassen Sie mich dazu heute erklären, daß ich jeder Art von Verhandlungen meine volle Unterstützung gewähre, die in Mittelamerika zum Aufbau
der
Demokratie
ohne
weiteres
Blutvergießen beitragen können. Wie
Sie wissen, erhielt ich unlängst ein
von 111 Mitgliedern des Repräsentan-

�tenhauses unterzeichnetes Schreiben,
in dem intensive diplomatische Bemühungen gefordert werden, "um Frieden,
Sicherheitsgarantien für alle mittelamerikanischen Staaten, die Förderung
demokratischer Institutionen und den
Abzug sowjetischen und nicaraguanischen Militärpersonals aus Nicaragua
zu erreichen".
Obwohl ich nicht mit dem gesamten
Inhalt des Schreibens übereinstimme,
schließe ich mich gewiß den Kongreßabgeordneten bei der Forderung nach
Wiedereinführung von Presse-, Religions-, Versammlungs- und
Redefreiheit sowie von freien Wahlen an, die
samt und sonders von der Regierung
Nicaraguas verweigert werden. Unser
Senat hat mit 97 zu einer stimme eine
Resolution
verabschiedet,
aus
der
hervorgeht,
daß
ein
"dauerhafter
Frieden sich nur im Kontext demokratischer
Systeme
verwirklichen
läßt..., die der Abschaffung großer
Armut verpflichtet sind, der Schaffung von wirksamen Mitteln, mit denen
allen
Elementen
der
Gesellschaft
gleiche Möglichkeiten zur Verfügung
stehen ... und freien und regelmäßig
stattfindende Wahlen ...".
Obwohl ich keine Einwände gegen
die vom Kongreß angestrebte Herbeiführung einer friedlichen Lösung auf
diplomatischem Wege in Nicaragua erheben werde, können Sie feststellen,
daß die Demokratie der Schlüssel ist
und daß dies im Kongreß mehrheitlich
anerkannt wird.
Aus diesem Grunde
glaube ich fest daran, daß es eine
solide Grundlage gibt, auf der wir
gemeinsam mit dem Kongreß Anstrengungen zur Lösung dieses Konflikts in
Mittelamerika
unternehmen
können.
Ich möchte alle Bemühungen unternehmen, um auf diese Ziele hinzuarbeiten, und ich hoffe, daß sich der Kongreß mir dabei anschließt.

Das ist der Ansatzpunkt für das
dritte Element unserer Politik - unser Engagement und unsere Unterstützung für die Freiheitskämpfer, die
einem freien Nicaragua ihr Leben und
ihre Ehre geweiht haben. Die Unterstützung, die diese Regierung den nicaraguanischen
Freiheitskämpfern
in
ihrem Kampf für Frieden und eine demokratische Regierung leistet, wird
unverändert bleiben, bis das Regime
in Nicaragua den Hoffnungen des nicaraguanischen Volkes auf
Demokratie
Rechnung trägt.
Mit jedem Tag zeigt das nicaraguanische Volk mehr Empörung angesichts der Unterdrückung durch die
kommunistischen Machthaber.
Der demokratische Widerstand Nicaraguas, zu
dem die Freiheitskämpfer zählen, bietet heute die einzige Alternative zur
Diktatur der Vergangenheit und zum
Kommunismus der Gegenwart. Diese Alternative heißt Demokratie und sie
gewinnt zunehmend die Unterstützung
des nicaraguanischen Volkes.
Solange ich Präsident bin, habe
ich nicht die Absicht, diesen Bemühungen des Volkes von Nicaragua, das
seine Freiheit und das Recht auf die
Wahl seiner eigenen nationalen Zukunft erlangen will, unsere Unterstützung zu versagen.
In den nächsten Monaten werde ich den Kongreß
bitten, wiederum Mittel für die Freiheitskämpfer zu bewilligen.
Hierbei
möchte ich nochmals die Gefahr des
von einigen Kongreßmitgliedern verfolgten
Kurses
betonen:
daß
der
schnellste Weg zum Frieden in Mittelamerika in der Aufgabe unseres Einsatzes für die nicaraguanischen Freiheitskämpfer liegt.
Verzögerungen und mangelnde Entscheidungskraft im Inland können nur
zu unnötigem Leid in Nicaragua beitragen, das Vertrauen der in dieser

- 5 -

�Region entstehenden Demokratien erschüttern und unsere eigene Sicherheit gefährden. Wir haben in diesen
vergangenen sieben Jahren einen langen Weg zurückgelegt, um den Charakter des sandinistischen Regimes und
seine aggressiven Ziele gegen das eigene Volk
und
die
demokratischen
Nachbarn in Mittel- und Südamerika zu
verstehen. Es bildet sich ein neuer
Konsens beider Parteien heraus, der
all die alten Entschuldigungen außer
acht läßt.
Im vergangenen Jahr erhob die New
York Times in einem Kommentar mit der
Überschrift "The Road to Stalinism"
den Vorwurf, die von den Sandinisten
versprochene "pluralistische Revolution" werde "hoffnungslos verraten".
In dem Artikel heißt es: "Nur der
Leichtgläubige kann die jetzt hervortretenden Wurzeln des Polizeistaates
übersehen".
Sogar mein alter Freund
Tip O'Neill erklärte im Anschluß an
einen der offensichtlichsten Aggressionsakte der Sandinisten, daß Daniel
Ortega genau das sei, wofür er ihn
immer gehalten habe, ganz einfach ein
"marxistisch-leninistischer
Kommunist", der
eine
"Revolution
ohne
Grenzen" heraufbeschwören wolle.
Die Frage, die sich dem amerikanischen Volk und dem Kongreß der Vereinigten Staaten stellen muß, lautet:
"Was tun wir, um dem abzuhelfen?"
Obwohl die brutalen, totalitären
und subversiven Intentionen des sandinistischen Regimes fast überall anerkannt sind, steht die Antwort auf
die Frage der weiteren Hilfe an die
Freiheitskämpfer noch aus.
Aber ich glaube, es wird zunehmend erkannt, daß die Freiheitskämpfer die einzigen sind, die zwischen
den Sandinisten und ihren expansio-

-6

nistischen Zielen stehen; daß sie das
größte Hindernis darstellen, um das
gesamte Mittelamerika davor zu bewahren, vom "revolutionären Feuer" der
Kommunisten erfaßt zu werden; daß die
Freiheitskämpfer die einzigen sind,
die dem Volk von Nicaragua die Hoffnung auf Freiheit und dem stabilen
und dauerhaften Frieden in Lateinamerika eine Chance bieten.
Sie verdienen unsere Unterstützung. Deshalb wird die bevorstehende
Abstimmung im Kongreß darüber, ob wir
weiterhin die Freiheitskämpfer in Nicaragua unterstützen wollen, wohl die
wichtigste von unseren Abgeordneten
1987 getroffene Wahl und möglicherweise auch eine der wichtigsten in
ihrer Laufbahn in einem öffentlichen
Amt werden.
Für die Presse und die Medien ist
dies eine ebenso wichtige Frage. Ich
muß bemerken, daß in der neuen Demokratie von El Salvador kommunistisch
unterstützte Guerillas versuchen, die
demokratische Herrschaft zu Fall zu
bringen, und dies findet in den Medien kaum oder gar keine Aufmerksamkeit. Und doch kämpfen nur jenseits
einer Grenze in Nicaragua die Freiheitskämpfer
gegen ein
totalitäres
kommunistisches
Regime
und
werden
weit und breit als gesetzlose Terroristen oder noch Schlimmeres angegriffen.
Sie müssen entschuldigen, aber
diese Geschichte muß in den Zusammenhang gestellt werden. Dieser Zusammenhang wird vom aggressiven Charakter des Kommunismus der Sandinisten
geliefert.
Heute kennt das nicaraguanische Volk die Realität des sandinistischen Kommunismus: die Brutalität, die Armut und Unterdrückung,
und aus diesem Grund wissen sie, was
wir nur zu oft vergessen: daß es sich
für die Freiheit zu kämpfen lohnt.

�Es ist dieselbe genaue Kenntnis der
Unterdrückung und das Streben nach
Freiheit, das die tapferen afghanischen Widerstandskämpfer stärkt und
ihnen den Mut gibt, ihre Waffen gegen
die überwältigende Macht der sowjetischen Militärmaschinerie zu erheben;
dasselbe Wissen veranlaßt die tapferen Angolaner und Kambodschaner, in
langen Befreiungskriegen gegen ihre
von sowjetischer Seite unterstützten
Unterdrücker
zu
kämpfen;
dasselbe
Wissen veranlaßte das Volk von Grenada, amerikanische Soldaten, die ihr
Land befreiten, zu umarmen und Blumen
auf ihren Weg zu streuen.
Und war es nicht erhebend, auf
den Mauern nicht Graffiti von der Art
"Yankee
Go
Home",
sondern
"Gott
schütze Amerika" zu lesen. Sie haben
alle auf den Ruf nach Freiheit geantwortet - ein Ruf, der besondere Bedeutung erlangt in diesen Gebäuden,
auf dieser Insel, wo so viele unserer
Vorfahren
die
Freiheitsstatue
mit
Freudentränen begrüßten.

Dieser Wahl sehen wir uns gegenüber; zwischen dem Licht der Freiheit
und der Dunkelheit der Unterdrückung.
Als unsere Vorfahren nach schrecklichen Reisen, bei denen Krankheiten
und Leid überwunden werden mußten,
zuerst die Fackel der Freiheitsstatue
erblickten, wußten sie, daß ihnen ein
Licht
leuchtete
"those
huddled
masses, yearning to breathe free".
Für diejenigen, die nur die Bitterkeit des Verlangens und der Unterdrückung kennen, leuchtet diese Fakkel besonders hell. Heute ist Freiheit unser heiliges Gut, das Versprechen Amerikas an die gesamte Menschheit.
Wir sollten diese Flamme immer
hoch halten, damit sie die Welt erleuchtet, ein Leuchtfeuer, das über
diesen Hafen hinaus reicht, in die
Dschungelberge Nicaraguas, wo junge
Männer heute für dieselben Freiheiten
kämpfen und sterben, die uns teuer
sind, in die Herzen der Menschen, die
überall für Freiheit kämpfen.

Wir vernehmen den Ruf nach Freiheit in der Arbeit, der Sie Ihr Leben
verschrieben haben, und er ist klar
und stolz jeden Morgen und jeden
Abend auf den Seiten der freien Presse zu vernehmen. Obwohl in Nicaragua
dieser Ruf durch die Schließung von
"La Prensa" auf tragische Weise zum
Schweigen gebracht worden ist, vernehmen wir
immer noch die mutige
Stimme ihrer Herausgeber in, Violeta
Chamorro, die
klarmacht, daß
die
Presse zum Thema Freiheit niemals ihre Augen verschließen kann: "... Ohne
Pressefreiheit",
so
Chamorro,
"gibt es weder eine repräsentative
Demokratie noch die Freiheit des Einzelnen noch soziale Gerechtigkeit...
nur Dunkelheit, Rechtlosigkeit, Mißbrauch, Mittelmäßigkeit
und Unterdrückung" .

- 7 -

�AMERIKA DIENST
Dokumentation

'VON**

6. Mai 1987

17

REAGAN KRITISIERT HANDELSGESETZE DES KONGRESSES
- Rundfunkansprache des Präsidenten -

WASHINGTON - (AD) - Am 2. Mai 1987 hielt Präsident Reagan seine wöchentliche Rundfunkansprache an das amerikanische Volk, die wir nachfolgend im
Wortlaut veröffentlichen.
Meine lieben Mitbürger! Hier in
Washington liegt eine arbeitsreiche
Woche hinter uns, wobei die Frage des
internationalen
Handels
im Vordergrund stand.
Das
Repräsentantenhaus
verabschiedete ein Gesetz, durch das eine
neue Handelsschranke errichtet würde,
und hier im Weißen Haus führte ich
ausführliche Gespräche über Handelsfragen mit Premierminister Nakasone
aus Japan, einem der wichtigsten Handelspartner der Vereinigten Staaten.

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Diese Entwicklungen sind für uns
alle bedeutsam, weil eine der schwerwiegendsten Bedrohungen für den wirtschaftlichen Aufschwung und amerikanische Arbeitsplätze
in protektionistischen
Gesetzen besteht, durch
die Handelsschranken
errichtet und
höhere Zölle verhängt werden.
Indem eine solche Haltung die
Vergeltung ausländischer Regierungen
bewirkt, leitet sie letztlich einen
Handelskrieg
ein, schließt ausländische Märkte und macht Wirtschaftswachstum in unserem eigenen Land zu-

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Telex: 8-85432

�Nakasone und
chen haben.

nichte.
Leider hat sich das Repräsentantenhaus entschlossen, diesen Weg zu
verfolgen, aber die Abstimmung hat
auch einen positiven Aspekt.
Sehen
Sie, dadurch, daß sie eine überparteiliche
Haltung
ermutigte,
haben
sich eine ganze Reihe von Demokraten
den Republikanern bei der Ablehnung
eines besonders schlechten Zusatzes
angeschlossen.
Die Abstimmung im Repräsentantenhaus diese Woche zeigt an, daß wir
uns in einer starken Position befinden, um die Verabschiedung schlechter
Vorschläge wie diesem im Kongreß zu
verhindern.
Glauben Sie mir, ich
würde gern vernünftige Handelsgesetze
unterzeichnen, aber ich werde meine
Unterschrift
nicht
unter
Vorlagen
setzen, durch die Märkte geschlossen
und die Schaffung weiterer Arbeitsplätze verhindert werden.
Was nun meine Gespräche über Handelsfragen
mit
Premierminister
Nakasone angeht, so sind die Nachrichten positiver.
ich habe schon
betont, daß wir gegen Protektionismus
und für freien Handel sind, aber es
gibt dabei noch eine andere Seite.
Freier Handel bedeutet auch fairen Handel.
Und das heißt, daß es
anderen Staaten nicht gestattet wird,
unsere
Handelspolitik
ihrerseits
durch die Errichtung von Handelsschranken auszunutzen.
Ich habe kürzlich höhere Zölle
für die Einfuhr bestimmter japanischer Produkte verhängt und damit auf
die Unfähigkeit Japans reagiert, unsere Vereinbarung über den Handel mit
Halbleitern » durchzusetzen.
Dieses
Vorgehen sowie unsere gesamten Handelsbeziehungen mit Japan waren eines
der
Themen,
die
Premierminister

ich ausführlich

bespro-

Wir sind uns in der Ablehnung
protektionistischer
Maßnahmen
auf
beiden Seiten des Pazifiks einig.
Ich
habe
meiner
Hoffnung
darüber
deutlich Ausdruck verliehen, daß unsere fortdauernde Überprüfung von Daten im Hinblick auf das Halbleiterabkommen Beweise für dessen Befolgung
erbringen und es uns gestatten wird,
die unlängst gegen japanische Produkte verhängten
Beschränkungen
einer
Revision zu unterziehen.
Der Premierminister brachte erneut das Engagement seiner Regierung
für die Erfüllung unserer Handelsvereinbarungen
und die
Zusammenarbeit
für den freien Handel im Pazifik und
in der ganzen Welt zum Ausdruck.
Premierminister Nakasone stimmte
überdies einer Ankurbelung der japanischen Wirtschaft zu, wodurch die
Nachfrage nach amerikanischen Produkten in Japan zunehmen sollte.
Ich möchte mich nun einer anderen, in dieser Woche behandelten Frage zuwenden, einer Frage, die den
Handel, den Haushalt und übermäßige
Ausgaben betrifft.
Unser Handelsdefizit spiegelt die
Tatsache wider, daß unser Land mehr
ausgibt als es einnimmt, und der
Schlüssel
zu diesem Problem liegt
darin, die Defizite der Bundesregierung unter Kontrolle zu bringen.
Vor zwei Jahren haben wir einen
bedeutenden Schritt in diese Richtung
unternommen, als
der
Kongreß
dem
Gramm-Rudman-Hollings-Gesetz
zustimmte, durch das nach und nach die Defizite reduziert und schließlich ein
ausgewogener Haushalt erzielt werden.

- 2 -

�Im Gegensatz zum Problem des Handels waren jedoch die Entwicklungen
dieser Woche an dieser Front nicht
ermutigend.
Zum Beispiel verabschiedete der Senat gewisse Verfahrensweisen, die eine Überschreitung der Ausgabenziele von Gramm-Rudman-Hollings
wesentlich leichter machen, von Zielen, die erst vor 17 Wochen vereinbart wurden.
Ihre unmittelbare
Reaktion
ist
die gleiche wie meine: Es ist doch
immer wieder dasselbe.
Der Kongreß verabschiedet weiter
Gesetze mit immer höheren Ausgaben
und ignoriert dabei fortwährend seine
Versprechungen an das amerikanische
Volk nach Gramm-Rudman-Hollings - das
Versprechen, aufzuhören, einen Mischmasch an überzogenen Ausgabengesetzen
zu verabschieden und stattdessen mit
einem umfassenden Haushalt aufzuwarten, der die Defizite unter Kontrolle
bekommt.
Wie ich schon immer gesagt habe,
besteht das Problem im Haushaltsverfahren des Kongresses selbst.
Der
Kongreß weigert sich schlichtweg, irgendeine
Haushaltsdisziplin
auszuüben. Aus diesem Grunde ist es unerläßlich, dem Präsidenten die Befugnis
zu verleihen, zu intervenieren und
der Verschwendung ein Ende zu machen.

schrieben würde.
Wenn der Kongreß
sich nicht selbst zur Disziplin anhalten kann, dann muß das amerikanische Volk nein sagen.
Glauben sie mir, die Ereignisse
der vergangenen Woche haben mir wieder gezeigt, wie wichtig diese beiden
Initiativen sind.
Das sind also die Neuigkeiten
dieser Woche.
Lassen Sie mich noch
einen Augenblick über die nächste Woche
und
einen
weiteren
wichtigen
Punkt unserer Tagesordnung, das Drogenproblem, sprechen.
Wir werden eine Konferenz im Weißen Haus für ein drogenfreies Amerika
ankündigen.
Dadurch wird uns die
Chance eröffnet werden, die bis jetzt
auf diesem Kreuzzug erreichten Fortschritte zu prüfen und danach eine
Plan für die Zukunft zu entwerfen.
Und das sind gute Neuigkeiten.
Bis nächste Woche, danke fürs Zuhören und Gott schütze Sie.

Um dies zu erreichen, benötige
ich dasselbe Instrument, das den Gouverneuren von 43 Staaten zur Verfügung steht: ein selektives Veto, ein
Instrument, um bei diesen massiven
Ausgabengesetzen
des Kongresses zu
intervenieren
und
verschwenderische
Haushaltsposten auszumerzen.
Und natürlich beweist der Kongreß
ebenfalls, daß wir wirklich eine Verfassungsänderung benötigen, durch die
ein
ausgewogener
Haushalt
vorge- 3 -

�AMERIKA DIENST
Dokumentation

^r,oN^

6. Mai 1987

17
REAGAN:

RÜSTUNGSKONTROLLABKOMMEN IN REICHWEITE

- Erklärung zu den START-Verhandlungen WASHINGTON - (AD) - Einen Tag vor der Eröffnung der achten Runde der Genfer Verhandlungen über die Reduzierung strategischer Waffen (START) veröffentlichte Präsident Reagan am 4. Mai 1987 eine Stellungnahme, in der er erklärte,
die Vereinigten Staaten blieben "der Erlangung einschneidender, beiderseitig
verifizierbarer und stabilisierender Reduzierungen in den nuklearen Arsenalen
der Vereinigten Staten und der Sowjetunion voll und ganz verpflichtet". Reagan
bemerkte weiterhin, er sei "fest davon überzeugt, daß ein Abkommen über die
Reduzierung strategischer Waffen sogar noch in diesem Jahr in Reichweite ist,
wenn die Sowjets bereit sind, die verbliebenen noch ausstehenden Probleme zu
lösen".
Nachfolgend drucken wir den Text der Erklärung im Wortlaut:

Seit Anbeginn meiner Regierungszeit bestand das allererste Ziel im
Bereich der Rüstungskontrolle in der
Erlangung bedeutsamer und verifizierbarer Reduzierungen nuklearer Offensivwaffen - besonders der am meisten
destabilisierenden
schnellfliegenden
ballistischen Raketen.
Ich habe unseren amerikanischen
Unterhändler
bei START angewiesen,
die Bemühungen zur Erlangung eines
Abkommens zum Abbau strategischer Offensivwaffen um 50 Prozent zu intensivieren.
Im Hinblick darauf werden

United States Information Service
Embassy of the United States of America

die Vereinigten Staaten in Kürze bei
START den Entwurf für einen Vertragstext vorlegen. Dieser Text wird die
grundlegenden
Übereinkünfte
widerspiegeln, die Generalsekretär Gorbatschow und ich bei unserem Zusammentreffen in Reykjavik im vergangenen Oktober erzielt haben.
Er wird
auch auf von sowjetischer Seite nach
Reykjavik
vorgebrachte Anliegen
in
Betracht
ziehen
und
eine
breite
Grundlage
für die Schaffung eines
fairen und dauerhaften START-Abkommen
liefern.

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�sieben Jahre nach Inkrafttreten
eines START-Abkommens.

Morgen wird in Genf die achte
Runde unserer Verhandlungen mit der
Sowjetunion
über
eine
Reduzierung
strategischer Waffen und zu Fragen
der strategischen Verteidigung eröffnet.
Zusammen mit den am 23. April
wiederaufgenommenen
Verhandlungen
über
nukleare
Mittelstreckenwaffen
finden jetzt auf allen drei Ebenen
der
Verhandlungen
über
Kern- und
Weltraumwaffen Gespräche statt.
Wir haben bei START erhebliche
Fortschritte erzielt.
Ich bin fest
davon überzeugt, daß ein START-Abkommen sogar noch in diesem Jahr in
Reichweite ist, wenn die Sowjets bereit sind, die noch ausstehenden Probleme zu lösen. Das wichtigste dieser Probleme betrifft die Notwendigkeit, zum Zweck der Sicherung strategischer Stabilität bei Gefechtsköpfen
auf ballistischen Raketen Untergrenzen festzusetzen.
Wir werden ebenfalls Bewegung in
den Bereich der Verteidigung im Weltraum
bringen.
Unsere Unterhändler
kehren mit der Bereitschaft nach Genf
zurück, einen neuen
amerikanischen
Vorschlag auf den Verhandlungstisch
zu legen, den Außenminister Shultz
bei seinen Treffen in Moskau besprochen hat. Dieser neue Vorschlag umfaßt folgende Bestandteile:
- Sowohl die Vereinigten
Staaten
als auch die Sowjetunion verpflichten sich, bis zum Jahr 1994
nicht vom ABM-Vertrag zurückzutreten.
- Diese Verpflichtung würde von der
Anwendung der im Rahmen von START
verhandelten Reduzierungen abhängen, d.h. von einer SOprozentigen
Verringerung auf gleiche Niveaus
von 1 600 nuklearen Trägersystemen und 6 000 Gefechtsköpfen, mit
angemessenen
Untergrenzen
über

- Das Abkommen würde nicht die souveränen Rechte der Parteien nach
internationalem
Gewohnheitsrecht
verletzen, sich im Falle einer
erheblichen Verletzung des Abkommens oder bei Gefährdung ihrer
wichtigsten Interessen davon zurückzuziehen.
- Nach 1994 könnte jede Seite Verteidigungssysteme
nach
eigener
Wahl
stationieren,
wenn
dazu
nicht auf beiden Seiten anderslautende Vereinbarungen getroffen
werden.
Um auf beiden Seiten Vertrauen zu
schaffen, indem wir im Bereich der
strategischen Verteidigung
die Berechenbarkeit weiter verbessern und
als Reaktion auf vorgebrachte Besorgnisse der Sowjets schlagen wir weiterhin vor, daß die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion jährlich Zahlenmaterial über ihre geplanten Aktivitäten austauschen.
Wir versuchen
ferner, für die Vereinigten Staaten
und
die Sowjetunion
wechselseitige
Informationsgespräche über ihre jeweiligen Bemühungen im Bereich der
strategischen Verteidigung und Besuche von damit in Zusammenhang stehenden Forschungseinrichtungen zu vereinbaren, wie wir dies auch bereits
mit unserer Initiative der offenen
Labors getan haben.
Darüber hinaus
haben wir Vorschläge zur Vereinbarung
beiderseitig anerkannter Verfahrensweisen für die gegenseitige Beobachtung der Tests von strategischen Verteidigungssystemen unterbreitet.
Seit der Eröffnung der Genfer
Verhandlungen über Mittelstreckenraketen (INF) gab es bei diesen Verhandlungen einige neue Entwicklungen.
Vergangene Woche unterbreiteten die

- 2 -

�Sowjets einen detaillierten INF-Vertragsentwurf, der nun zusammen mit
unserem eigenen Text auf dem Verhandlungstisch
liegt.
Wir
untersuchen
den sowjetischen Vorschlag genau und
bitten die Sowjets um Klärung einiger
wichtiger Punkte in ihrem Text.
Der sowjetische Vorschlag scheint
die von Generalsekretär Gorbatschow
und mir in Reykjavik erzielten Übereinkünfte über Obergrenzen bei Mittelstreckenraketen längerer Reichweite (LRINF) und den Grundsatz über ein
weltweites Gleichgewicht zwischen unseren beiden Ländern bei Raketensystemen
kürzerer
Reichweite
(SRINF)
widerzuspiegeln.
Trotzdem gilt es noch wichtige
Probleme zu lösen, bevor ein INF-Abkommen abgeschlossen werden kann; dazu zählen die Verifizierung und die
SRINF. Verifizierung ist ein besonders wichtiger Problemkreis.
Obwohl
der sowjetische Entwurf darauf hindeutet, daß sie sich darum bemühen,
in einigen grundlegenden Bereichen,
die zur wirksamen Verifizierung erforderlich sind, ein Abkommen herbeizuführen, müssen sie jedoch noch die
wichtigsten
Einzelheiten
mitteilen,
die zur Erarbeitung eines wirksamen
Systems der Verifizierung erforderlich sind.
Darüber hinaus sind sie
unseren
Bedingungen
zur
Inspektion
von Testgeländen nicht nachgekommen,
auf denen wir Verletzungen des INFAbkommens vermuteten.
Ein anderer
wichtiger
Problemkreis
betrifft
Kurzstreckensysteme.
Wir und unsere Verbündeten bestehen
auch weiterhin darauf, daß ein Abkommen zu diesen Systemen bilateraler
Art, dabei dem Umfang nach weltweit
gültig, im Einklang mit einem ersten
INF-Vertrag und wirksam verifizierbar
sein muß.
Darüber hinaus sind sowjetische Anstrengungen, Raketen an-

derer
Länder
als
der
Vereinigten
Staaten und der Sowjetunion mit zu
berücksichtigen, offensichtlich nicht
akzeptabel. Wir setzen unsere engen
Konsultationen mit unseren Verbündeten in Europa und Asien über SRINF
und andere INF betreffende Fragen
fort.
Unsere Genfer Unterhändler - angeführt
von
den
Botschaftern
Max
Kampelman,
Mike
Glitman
und
Ron
Lehman - haben ausgezeichnete Arbeit
geleistet und noch viel zu tun. Wir
sind zu harten Verhandlungen bereit
und entschlossen, unseren Teil dazu
beizutragen, um - zum ersten Mal in
der Geschichte - wirkliche Reduzierungen bei Nuklearwaffen herbeizuführen.
Es ist jetzt an den Sowjets,
Entschlossenheit zu demonstrieren und
Bewegung in diese wichtigen Fragen zu
bringen.
Trotz all der in Genf erzielten
Fortschritte gibt es Ereignisse hier
im Inland, die das von uns so sorgfältig
gelegte Fundament
zerstören
könnten, das die Sowjets an den Verhandlungstisch zurückgeführt und sie
dazu bewogen hat, zum ersten Mal
ernsthaft über unsere jeweiligen nuklearen Arsenale zu verhandeln. Von
einigen Mitgliedern des Repräsentantenhauses wurden Anstrengungen unternommen, dem Verteidigungshaushalt Zusätze über Rüstungskontrolle beizufügen, die unseren Unterhändlern den
Boden unter den Füßen wegziehen und
unsere lebensfähigsten Verteidigungsprogramme untergraben würden - wie
etwa
unsere Strategische Verteidigungsinitiative.
Und jetzt sieht es
so aus, als ob einige Senatoren die
gleiche Richtung einschlagen wollten.
Damit keine Mißverständnisse aufkommen:
Ich werde mein Veto gegen
jedes Gesetz einlegen, das unsere Fähigkeit beschneidet, uns zu verteidi-

- 3 -

�gen und es den Sowjets freistellt,
ihre militärische Aufrüstung fortzuführen.
Die Vereinigten Staaten bleiben
der
Erlangung von einschneidenden,
beiderseitig verifizierbaren und stabilisierenden
Reduzierungen
in den
nuklearen Arsenalen der Vereinigten
Staten und der Sowjetunion voll und
ganz verpflichtet.

* * * * *

�AMERIKA DIENST
Wirtschaft

"V,ow *

6. Mai 1987

17

MASSNAHMEN DER BUNDESBANK ZUR EINSCHRÄNKUNG DER GELDMENGE BESTÄTIGT
- Kommentare des Bundesbankpräsidenten Paul Volcker -

WASHINGTON - (AD) Der Präsident der amerikanischen Bundesbank, Paul
Volcker, hat bei einer Anhörung vor einem Unterausschuß für das Bankwesen im
Repräsentantenhaus am 30. April 1987 bestätigt, daß die amerikanische Bundesbank in den letzten Tagen die Geldmenge verringert hat, damit die Zinssätze
anziehen und um den Dollar zu stützen.

"Wir waren etwas vorsichtiger damit, ... dem Markt Reserven zur Verfügung zu stellen" und haben eine
"weniger entgegenkommende Politik angewandt, die teilweise die Dollarschwäche widerspiegelt", so Volcker.
Ihm zufolge kann diese Politik als
eine "sachte und solide Methode" bezeichnet werden.
Volcker fügte hinzu, daß gleichzeitig mit der Verringerung der Geldmenge durch die amerikanische Zentralbank es "ganz und gar vernünftig
wäre, wenn im Ausland ergänzende Maß-

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Embassy of the United States of America

nahmen in umgekehrtem Sinne getroffen
würden", besonders in Japan.
Angesichts dieser von Volcker abgebenen Stellungnahme berichteten Beamte des Weißen Hauses, der japanische Premierminister
Nakasone habe
Präsident Reagan zu Beginn der zwei
Tage dauernden Gespräche in Washington erklärt, sein Land unternehme genau diese Schritte: er sagte, er habe japanische Banken angewiesen, ihre
kurzfristigen Zinssätze herabzusetzen.
In

einer

Pause

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der Anhörung be-

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Telex: 8-85432

�tonte Volcker
Reportern gegenüber,
die Maßnahmen der Bundesbank "seien
im Hinblick auf eine Korrektur der
Politik sehr beschränkt". Das Eingeständnis einer Verschiebung in der
Politik
ist
ungewöhnlich.
Solche
Maßnahmen werden in der Regel nicht
eher bestätigt, als bis sie vollständig durchgeführt worden sind.
Volcker
bemerkte, er habe die
Haltung der Bundesbank erwähnt, weil
"ich jegliche Verwirrung aus dem Weg
räumen möchte, die darüber eventuell
bestehen könnte".
Er bemerkte zur
herrschenden inflationären Marktpsychologie, "es sei gut für die Zinssätze, sie niedriger zu halten als
sie sonst sein würden" um zu vermitteln, "daß sich jemand um das Geschäft kümmert".
Der Bundesbankpräsident erwähnte
einige Faktoren, die zu dem beitragen, was er "psychologische Empfindsamkeit"
der
Finanzmärkte
nannte.
Dazu zählt, so Volcker, auch die gegenwärtige Debatte im Repräsentantenhaus über Vorschläge zu schärferer
Handelsgesetzgebung.
Die Besorgnis über die langsamen
Fortschritte der Regierung bei der
Bewältigung
des schwer
defizitären
Bundeshaushalts sei ein weiterer Faktor.
"Die Zeit ist gekommen, um bei
diesen ewig währenden Haushaltsüberlegungen
energisch vorzugehen", so
der Bundesbankpräsident.
"Was diese
Märkte wirklich brauchen, ... sind
Maßnahmen beim Haushalt und das Vertrauen darauf, daß diese Maßnahmen
auch durchgeführt werden.
Das gibt
es einfach nicht".
Auf die Frage eines Reporters, ob
der jüngste Rückgang des Dollars die
Anpassung "absolut und grundsätzlich"
weit genug vorangetrieben habe, antwortete Volcker, "absolut und grund-

sätzlich, so wahr ich hier stehe".
Auf die Frage, ob Beamte der
Zentralbank immer noch an bisherigen
Prognosen festhielten, daß die amerikanische Wirtschaft in diesem Jahr
Zuwachsraten von etwa 2,5 bis 3 Prozent
verzeichnen
werde,
erwiderte
Volcker, "Ich glaube nicht, daß irgendetwas geschehen ist, das einen
bedeutenden
Wandel
herbeiführen
wird", zumindest nicht in dieser Hinsicht.
Den angekündigten Schwerpunkt der
Anhörung des Unterausschusses bildeten Fortschritte der amerikanischen
und britischen Bankenaufsicht bei der
Errichtung eines gemeinsamen Systems
von Anforderungen im Hinblick auf Risikokapital
bei Institutionen, die
ihrer Aufsicht unterstehen.
Volcker
bemerkte,
diese
Aufsichtsbeamten
sollten
in der Lage
sein, bis zu diesem Sommer ein System
anzuwenden, das "einen Rahmen zur erheblichen Stärkung unserer gegenwärtigen Aufsichtsverfahren, um zu beurteilen, ob das Kapital ausreicht"
bilde. Das System würde weitere besondere Anforderungen ergänzen, die
bereits im Inland Anwendung finden
und die von den Banken verlangen, ein
Kapital zu halten, das bestimmten
Prozentsätzen
ihrer
Vermögenswerte
entspricht.
Volcker berichtete dem Ausschuß
von seinen Hoffnungen, daß Japan und
andere Länder gemeinsam mit den vereinigten Staaten und Großbritannien
später an einem Ansatz auf internationaler Ebene arbeiten werden. "Die
Globalisierung der Märkte hat zu einem erheblichen Anstieg des internationalen Wettbewerbs geführt und zu
einem Bewußtsein, daß Unterschiede im
Führungsstil der überwachenden Stellen rund um die Welt zu Verzerrungen

- 2 -

�im Wettbewerb führen können" und fügte hinzu, daß "die Gefahr in einem
internationalen Wettbewerb der Nachlässigkeit besteht".

* * * * * *
3 -

�AMERIKA DIENST
^

^

c&amp;

Wissenschaft und Technik

6. Mai 1987

17
INTERNATIONALE ZUSAMMENARBEIT LEBENSNOTWENDIG
- Die wichtigste Lehre aus Tschernobyl -

WASHINGTON - (AD) - Was die "lebensnotwendige Zusammenarbeit" unter den
Nationen bedeutet, wie sie in der Schlußakte von Helsinki vorgesehen ist, werde durch die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vom 26. April 1986 demonstriert.
Zum ersten Jahrestag jenes Ereignisses wiesen Mitglieder der USKommission für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE), Steny Hoyer und
Dennis DeConcini (als Vertreter des Repräsentantenhauses und des Senats des
US-Kongresses) auf die engen Zusammenhänge zwischen Umweltproblemen und anderen, im Helsinki-Abkommen angesprochenen Fragen hin, zu denen auch der freie
Informationsaustausch und die Ausweitung menschlicher Kontakte gehörten.
Die Erklärung der Kommissionsmitglieder hat folgenden Wortlaut:
"Der 26. April ist der erste Jahrestag des Nuklearunfalls im Kernkraftwerk Tschernobyl in der Sowjetunion. Dieses Ereignis demonstriert,
wie andere in den letzten Jahren
auch, die große Bedeutung von Zusammenarbeit zwischen den Nationen, wie
sie in der Schlußakte von Helsinki
vorgesehen ist. Dazu gehört auch das
Niederreißen der Mauern von Geheimhaltung, die zwischen ihnen bestehen,
damit wir für unsere Bevölkerung und
unsere Umwelt das Höchstmaß an Schutz
gewährleisten können. Es macht mehr
als alles andere zuvor klar, welch
enger
Zusammenhang
zwischen Umwelt

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Embassy of the United States of America

und anderen Helsinki-Fragen, etwa dem
freien Fluß von Informationen und der
Ausweitung menschlicher Kontakte, besteht.
Wir ehren jene, die bei der Bekämpfung der Brände im Werk Tschernobyl ihr Leben riskierten und von
denen manche es auch verloren.
Sie
handelten in vieler Hinsicht wahrlich
heldenhaft. Den Angehörigen der Menschen, die als Folge des Unfalls ihr
Leben verloren, gilt unser tiefstes
Mitgefühl.

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�Wir geben unserer Sorge um die
Tausende Ausdruck, die in den durch
Tschernobyl
am meisten
betroffenen
Gebieten lebten und arbeiteten. Die
Ängste und Schwierigkeiten, denen sie
sich im vergangenen Jahr ausgesetzt
sahen, waren in der Tat gewaltig.
Wir teilen auch die Enttäuschung derjenigen, die - ohne Erfolg - versuchten, Kontakte zu knüpfen, Care-Pakete
zu schicken oder auf andere Weise ihren in den betroffenen Gebieten lebenden Verwandten und Freunden zu
helfen.
Schließlich hoffen wir, daß unsere Anstrengungen im Rahmen des Helsinki-Prozesses, auch der Wiener-Folgekonferenz, zu einer Welt führen mögen, in der sich menschliche Tragödien wie diejenigen, die aus dem Unfall von Tschernobyl erwuchsen, nicht
wiederholen."
In einem Artikel vom 23. April
1987 auf der Titelseite der Zeitung
"The Washington Times" befaßte sich
Martin Sieff mit den Auswirkungen des
Unfalls auf Europa.
"In Osteuropa
verstärkte das Unglück vom 26.April
1986 die wachsenden Spannungen zwischen Moskau und seinen Satelliten im
COMECON, die schon durch die sowjetischen Maßnahmen zur Anhebung der ölpreise über das Niveau der Weltmarktpreise
belastet
waren",
schreibt
Sieff. "Die Westeuropäer waren total
verärgert,
daß
das
Unglück
von
Tschernobyl nicht rechtzeitig gemeldet worden war, um Maßnahmen zum
Schutz gegen Strahlenverseuchung von
landwirtschaftlichen
Produkten
und
Vieh ergreifen zu können.
Das anfängliche Schweigen des Kreml wurde
als Beweis gewertet, daß die 'Glasnost'-Politik von Michael Gorbatschow
eindeutige Grenzen hat.

von

Tiere, Gemüse und Milch im Wert
Millionen Dollar auf dem ganzen

Kontinent wurden vernichtet. Die Europäische Gemeinschaft verhängte für
Frischnahrungsmittel aus dem COMECONBlock einen zeitweiligen Einfuhrstop,
der die Satelliten Moskaus schätzungsweise 975 Millionen Dollar kostete.
In Polen, das von der radioaktiven Wolke am stärksten betroffen war,
gab die Untergrundorganisation
KOS
bekannt, daß die Radioaktivität im
Zentrum von Warschau um das 150fache
über der normalen Hintergrundstrahlung lag. In Nordskandinavien mußten
die Lappen unzählige Rentiere wegen
Strahlenverseuchung schlachten und so
wahrscheinlich für Generationen ihre
Lebensgrundlage vernichten.
Und in
einigen Teilen Bayerns war der radioaktive Niederschlag 30 bis 40 mal höher als bei allen vorangegangenen
Kernwaffentests. Sogar im englischen
Lake-Distrikt wurde das Hundertfache
des krebsverursachenden Radioisotops
Cäsium-137 gegenüber dem Normalwert
gemessen.
Dem Unfall folgte im November eine enorme Vergiftung des Rheins mit
Chemikalien.
Die beiden Ereignisse
verhalfen der Partei der Grünen in
der Bundesrepublik bei den Wahlen im
Januar zu dem eindrucksvollen Ergebnis von acht Prozent. Dies wiederum
veranlaßte die größte Oppositionspartei, die SPD, sich stärker nach links
zu orientieren - damit wurde ironischerweise die sowjetische Kampagne, Europa zu neutralisieren und der
Nuklearverteidigung der NATO die Zähne zu zeigen, noch verstärkt. Ebenso
gewannen in Österreich die Grünen im
November ihre ersten Sitze im Parlament. ..
Das von Soziologen so bezeichnete
'Tschernobyl-Syndrom' wirkt sich so
aus, daß in der Öffentlichkeit jeder
nukleare Unfall weithin
Bestürzung

- 2 -

�und fingste auslöst.
Verlautbarungen
der Regierungen, in denen die Gesundheitsbedrohungen überhaupt nicht angesprochen oder heruntergespielt werden, begegnet man mit Skepsis... In
Belgien mußte beispielsweise die Regierung auf Verlangen der Niederlande
Reaktoren eines Kraftwerks nahe der
holländischen Grenze abschalten, weil
die
Mehrzahl
der
Arbeiterschaft
streikte.
Die Regierung der Niederlande bezweifelte die Behauptung des
Nachbarlandes und engen Verbündeten,
daß die Sicherheit der Anlage von den
Auseinandersetzungen nicht betroffen
sei - eine Entwicklung, die zeigte,
daß Tschernobyl der erste Nuklearunfall mit Auswirkungen auf andere Länder war.

Nuklearprogramm ein größerer Unfall
ereignen, brächte dies umgehend Stimmen für die Labor-Partei.
Obgleich Tschernobyl die Europäer
erschauern ließ, hat die Verwendung
von Kernenergie auf dem Kontinent sogar zugenommen.
EUROSTAT, das Statistische Amt der Europäischen Gemeinschaft, berichtet, daß die Produktion von Kernenergie im vergangenen Jahr um 8,6 Prozent angestiegen
sei.
Führend auf diesem Gebiet ist
Frankreich, das nach der Ölkrise von
1973 den Bau von Kernkraftwerken forcierte.
Gegenwärtig
liefern
diese
dem Land 70 Prozent des elektischen
Stromes."

Das westdeutsche Nachrichtenmagazin 'Der Spiegel' warf der IAEO vor,
250 Geheimberichte über schwerere Unfälle und Pannen in Kernreaktoren in
den Mitgliedstaaten zurückzuhalten...
Am 17. April erklärte die IAEO, seit
1983, als zur Verbesserung der nuklearen Sicherheit ein Meldesystem für
Störfälle
eingerichtet worden war,
etwa 260 Berichte über Störfälle erhalten zu haben.
In
Großbritannien
erregte
das
Syndrom Ängste wegen der kontroversen
nuklearen
Wiederaufbereitungsanlage
von Sellafield, dem früheren Windscale bei Cumbria.
Bis Tschernobyl
stand es in dem Ruf, die gefährlichste und am schlechtesten betriebenen
zivile Nuklearanlage
der
Welt
zu
sein. Im vergangenen Jahr hieß es in
einem
britischen
Parlamentsbericht,
daß
infolge
ständiger
Lecks
von
Sellafield die Irische See zu dem am
stärksten radioaktiv verseuchten Meer
der Erde geworden sei... Die oppositionelle
Labor-Partei
verpflichtete
sich, Großbritannien als Nuklearmacht
auszuschalten. Sollte sich in Sellafield oder andernorts im britischen
- 3 -

�</text>
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                <text>Amerikadienst 06.05.1987</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Reagan verspricht Unterstützung von Verhandlungen in Mittelamerika&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Ansprache vor dem Verband der amerikanischen Zeitungsverleger -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Reagan kritisiert Handelsgesetze des Kongresses&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rundfunkansprache des Präsidenten -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Reagan: Rüstungskontrollabkommen in Reichweite&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärung zu den START-Verhandlungen -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Maßnahmen der Bundesbank zur Einschränkung der Geldmenge bestätigt&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Kommentare des Bundesbankpräsidenten Paul Volcker -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Internationale Zusammenarbeit lebensnotwendig&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Die wichtigste Lehre aus Tschernobyl -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST
'VON

*

2 9 . A p r i l 1987

16

I N H A L T

DOKUMENTATION
Reagan drängt auf sowjetische Antwort zu Verifizierungsvorschlägen
- Stellungnahme zum Auftakt der neuen Verhandlungsrunde -

WIRTSCHAFT
Reagan erörtert Handel zwischen USA und Japan

HINTERGRUNDMATERIAL
Die Null-Lösung ist keine "Erbsenzählerei"
- von Paul Nitze -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Konfrontiert mit AIDS-Gefahr
- Ein Virus fordert verantwortliches Denken und Handeln bei jedem
einzelnen heraus * * * * * *

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�AMERIKA DIENST
VON

Dokumentation

4

29. April 1987

16
REAGAN DRÄNGT AUF SOWJETISCHE ANTWORT
ZU VERIFIZIERUNGSVORSCHLÄGEN

Stellungnahme zum Auftakt der neuen Verhandlungsrunde -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Reagan hat die Sowjetunion am 23. April 1987
dazu aufgerufen, durch eine Antwort auf die amerikanischen Vorschläge zur Verifizierung zu Fortschritten bei den Verhandlungen über die Mittelstreckenwaffen (INF) zu kommen. In einer schriftlichen Stellungnahme zum Auftakt einer
neuen Runde der Genfer INF-Gespräche betonte der Präsident, daß "eine weltweite Null-Lösung" das bevorzugte Ergebnis für die Vereinigten Staaten und seine
Verbündeten bleibt.
Nachstehend geben wir den Text der Verlautbarung des Präsidenten wieder:

Heute beginnt die neue Verhandlungsrunde zwischen den Vereinigten
Staaten und der Sowjetunion über INF,
eines der drei Elemente der Genfer
Verhandlungen
über
Kern- und Weltraumwaffen.
Die Vereinigten Staaten
kehren zu diesen Verhandlungen mit
der Entschlossenheit zurück, auf den
Fortschritten aufzubauen, die im Verlauf der Begegnungen von Außenminister Shultz in der vergangenen Woche
in Moskau erreicht worden sind. Obwohl noch eine Anzahl von zentralen
Problemen gelöst werden müssen und
noch vieles zu verhandeln bleibt,

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sind die Aussichten
kommen gestiegen.

auf ein

INF-Ab-

Generalsekretär
Gorbatschow und
ich haben uns über den grundsätzlichen Aufbau eines INF-Abkommens,
also über das Wesen und das Niveau
des Abbaus von INF-Raketen längerer
Reichweite, in Reykjavik
geeinigt,
und dies spiegelt sich in dem Vertragsentwurf wider, den die amerikanischen
Unterhändler
letzte
Woche
vorgelegt
haben.
Dieser
Entwurf
schlägt eine Verringerung auf eine
vorläufige weltweite Obergrenze von

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�je 100
Sprengköpfen
auf
amerikanischen und sowjetischen landgestützten INF-Raketen längerer Reichweite
im nicht europäischem Raum vor, bei
gleichzeitigen
weltweiten
Beschränkungen
von
INF-Raketen
kürzerer
Reichweite auf gleiche Niveaus, sowie
Bestimmungen für eine wirksame Verifikation.
Die Vereinigten
Staaten
und ihre NATO-Verbündeten bevorzugen
jedoch weiterhin bei INF längerer
Reichweite eine Null-Lösung - die
Vernichtung dieser gesamten Kategorie
von Raketen.

Es ist die Entschlossenheit der
Vereinigten Staaten und der Verbündeten
zur Aufrechterhaltung
unserer,
meines Erachtens weiterhin unteilbaren Sicherheit, die uns diese Gelegenheit gegeben hat, ein historisches
Abkommen zu erreichen, durch welches
zum ersten Mal atomare Waffen tatsächlich
verringert
würden.
Botschafter Glitman und die Mitglieder
der amerikanischen Delegation haben
bei diesen Bemühungen gute Arbeit geleistet, und sie genießen auch weiter
meine vollste Unterstützung.

Eines der zentralen Probleme, das
noch gelöst werden muß, ist das der
INF-Raketensysteme kürzerer Reichweite. Wir und unsere Verbündeten streben seit
langem nach angemessenen
weltweiten
Beschränkungen
bei
INF
kürzerer Reichweite innerhalb eines
ersten
INF-Abkommens.
Die Sowjets
haben früher einer Einbeziehung von
Beschränkungen
für
INF
kürzerer
Reichweite in ein erstes INF-Abkommen
zugestimmt, aber
nun scheinen sie
sich mit INF kürzerer Reichweite sowohl im Rahmen eines INF-Abkommens
als auch in separaten Verhandlungen
befassen zu wollen.

Die Verifikation ist ein weiteres
zentrales Problem, das gelöst werden
muß.
Wir können bei diesem grundsätzlichen Thema solange keine Fortschritte erzielen, bis die Sowjets
auf die umfassenden Vorschläge zur
Verifikation detailliert geantwortet
haben, die von den Vereinigten Staaten in Genf schon unterbreitet wurden. Die Verifikation würde erleichtert, wenn die Sowjets eine weltweite
Null-Lösung für INF längerer Reichweite akzeptieren würden.
Dies ist
das bevorzugte Ergebnis der Vereinigten Staaten und unserer Verbündeten,
und wir werden weiter nach der sowjetischen Zustimmung zu diesem Vorschlag streben.

Während der kürzlichen Begegnungen
von
Außenminister
shultz
in
Moskau haben die Sowjets deutlich gemacht, daß ihre Position in den getrennten Verhandlungen über INF kürzerer Reichweite eine Null-Lösung zum
Ziel haben würde, und sie schlugen
eine weltweite Lösung vor.
Die sowjetische Position bleibt jedoch in
ihren wesentlichen Teilen noch auszuarbeiten, und wir hoffen, daß dies
während der kommenden Runde geschehen
wird. Mittlerweile finden schon enge
Konsultationen mit unseren Verbündeten über dieses Problem statt, und
wir stehen ebenfalls mit den Führern
des Kongresses in Verbindung.

Wir
kehren hoffnungsvoll, aber
auch realistisch, zu diesen Gesprächen zurück. wir wissen, daß es eine
Anzahl von Problemen gibt, deren Lösung ein besonders hartes Verhandeln
erfordert. Aber in enger Zusammenarbeit mit unseren Verbündeten in Europa und Asien sind wir bereit, unseren
Teil zu tun, und wir hoffen, daß die
Sowjets mit einer vergleichbaren Entschlossenheit
an den Verhandlungstisch zurückkehren.

- 2 -

+ +++++

�AMERIKA DIENST
Wirtschaft

29. April 1987

16

REAGAN ERÖRTERT HANDEL ZWISCHEN USA UND JAPAN

WASHINGTON - (AD) - Am 25. April 1987 hielt Präsident Reagan seine wöchentliche Rundfunkansprache aus Camp David, Maryland. Im nachfolgenden geben
wir den Wortlaut der Ansprache wieder.

Meine lieben Mitbürger! Der japanische
Premierminister
Nakasone
wird mir nächste Woche im Weißen Haus
einen Besuch abstatten.
Ich messe
diesem
Besuch
besondere
Bedeutung
bei, da ich erwartungsgemäß das Thema
der Beziehungen mit unserem guten
Freund Japan wiederaufnehmen werde die im Großen und Ganzen ausgezeichnet sind - gleichzeitig jedoch auch
die jüngsten Unstimmigkeiten zwischen
unseren beiden Ländern über die Handelsprobleme ganz oben auf unserer
Tagesordnung stehen werden.

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Wie Sie vielleicht bereits gehört
haben werden, habe ich in der vergangenen Woche einige japanische Produkte mit neuen Zöllen belegt, als Reaktion auf die Nichteinhaltung der Abkommen, die die Japaner mit uns über
elektronische Geräte, die sogenannten
Halbleiter, geschlossen haben.
Solche Zölle, Handelsschranken oder Restriktionen jeglicher Art zu verhängen sind Schritte, die ich ungerne
unternehme.
Und als nächstes werde
ich Ihnen die folgerichtigen wirtschaftliche Gründe dafür benennen daß solche Handelshemmnisse langfri-

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�stig gesehen jeden amerikanischen Arbeitnehmer
und
jeden
Konsumenten
treffen.
Aber bei den japanischen Halbleitern liegt der Fall etwas anders.
Uns lagen klare Beweise vor, daß japanische Unternehmen unfaire Handelspraktiken anwendeten, die eine Verletzung des Abkommens zwischen Japan
und den Vereinigten Staaten darstellten.
Wir erwarten von unseren Handelspartnern die Einhaltung ihrer Abkommen. Wie ich immer wieder betont
habe, ist unsere Verpflichtung
zu
freiem Handel auch eine Verpflichtung
zu fairem Handel.
Sie sollten jedoch wissen, daß
wir mit der Verhängung dieser Zölle
nur versuchten, ein spezielles Problem in den Griff zu bekommen und
nicht, einen Handelskrieg auszulösen.
Ich
werde
also
Premierminister
Nakasone in der nächsten Woche eben
diese Botschaft übermitteln: Daß wir
bei den Handelsproblemen sehr gerne
zur Zusammenarbeit bereit sind und
diese
Handelsbeschränkungen
sobald
wie möglich gerne wieder
aufheben
werden.
Wir wollen dies tun, weil
unseres Erachtens sowohl Japan als
auch die Vereinigten Staaten die Verpflichtung zur Förderung des Wohlstands und der wirtschaftlichen Entwicklung haben, die nur durch den
freien
Handel herbeigeführt werden
können.
Diese Botschaft des freien Handels habe ich vor einigen Wochen führenden kanadischen Regierungsvertretern übermittelt und mir wurde dort
ein warmer Empfang bereitet. In der
Tat wird man sich überall auf der
Welt zunehmend der Tatsache bewußt,
daß der Weg zu Wohlstand für alle Nationen in der Ablehnung protektionistischer Gesetzgebung und in der
Förderung des fairen und freien Han-

dels besteht.
Hierfür gibt es natürlich gute
historische Gründe.
Diejenigen von
uns, die die Große Depression miterlebt haben, sind von den Erinnerungen
an die durch sie verursachten Leiden
tief gebrandmarkt.
Und heute argumentieren zahlreiche Wirtschaftsanalytiker und Historiker dahingehend,
daß die zu jener Zeit verabschiedete
Gesetzgebung der hohen Zölle, der sogenannte Smooth-Hawley-Zoll, die Depression noch gravierend verschärfte
und
die
wirtschaftliche
Gesundung
verhinderte.
Dies beweist Ihnen, daß es zunächst aussieht, als würde man die
patriotische Sache verfolgen, indem
man amerikanische Produkte und Arbeitsplätze schützt, wenn man sagt:
"Wir verhängen Zölle für ausländische
Produkte". Und manchmal kann man sogar kurzfristige Erfolge verzeichnen
- jedoch nur kurzfristige.
Was
schließlich
geschieht, ist
folgendes: Zuerst verlassen sich die
im Inland gewachsenen Industrien zunehmend auf den Schutz der Regierung
in Form von hohen Zöllen. Sie beenden den Konkurrenzkampf und verfolgen
nicht länger einen innovativen Führungsstil und technologischen Wandel,
die für den Erfolg auf Weltmärkten
unerläßlich sind.
Und während all
dies vonstatten geht, geschieht noch
etwas viel schlimmeres, da hohe Zölle
unweigerlich zu Vergeltungsmaßnahmen
des Auslands führen und heftige Handelskriege
auslösen.
Das Ergebnis
sind immer mehr Zölle, immer höhere
Handelsschranken
und
immer weniger
Wettbewerb.
Aufgrund der durch die
Zölle künstlich hochgehaltenen Preise, die einen Ausgleich für mangelnde
Leistungsfähigkeit und schlechtes Management schaffen sollen, hören die
Leute bald auf zu kaufen. Und dann

�kommt es zum Schlimmsten: Die Märkte
schrumpfen und brechen zusammen, Geschäfte und Industrien müssen schließen - und Millionen von Menschen verlieren ihren Arbeitsplatz.
Die Erinnerung an diese Ereignisse der dreißiger Jahre hat mich, als
ich nach Washington kam, in dem Entschluß bestärkt, dem amerikanischen
Volk die protektionistische Gesetzgebung zu ersparen, die den Wohlstand
zerstört.
Dies war natürlich nicht
immer
leicht.
Ebenso wie in den
dreißiger Jahren gibt es auch heute
diejenigen im Kongreß, die auf den
schnellen
politischen
Vorteil
aus
sind;
die Amerikas Wohlstand zugunsten der kurzfristigen Anziehungskraft, die dies für einige spezielle
Interessengruppen besitzt, aufs Spiel
setzen wollen;
die vergessen, daß
mehr als fünf Millionen amerikanische
Arbeitsplätze direkt mit dem ausländischen Exportgeschäft und zusätzliche
Millionen mit Importen verknüpft sind.

über diese gefährliche Gesetzgebung
auf dem laufenden halten, denn sie
stellt nur eine andere Form des Protektionismus dar und um sie abzuschaffen, könnte ich Ihre Hilfe benötigen. Vergessen Sie nicht: Amerikas Arbeitsplätze und Wachstum stehen
auf dem Spiel.
Bis nächste Woche. Ich danke für
Ihre Aufmerksamkeit und Gott schütze
Sie.

Nun, diese Arbeitsplätze habe ich
nie aus dem Blick verloren. Und insgesamt gesehen, haben wir im Handelsbereich gut abgeschnitten.
In einigen ausgesuchten Fällen, wie bei den
japanischen
Halbleitern, haben wir
Schritte
zur
Beendigung
unfairer
Praktiken gegen amerikanische Produkte unternommen, aber wir haben stets
unsere
grundsätzliche,
langfristige
Verpflichtung zu freiem Handel und
Wirtschaftswachstum aufrechterhalten.
Für mein Treffen mit Premierminister Nakasone und angesichts des
bevorstehenden Wirtschaftsgipfels in
Venedig ist es daher von vordringlicher Bedeutung, Optionen des Präsidenten in diesen Handelsangelegenheiten
mit
ausländischen
Regierungen
nicht einzuschränken.
Bedauerlicherweise versuchen einige Mitglieder des
Kongresses genau das. Ich werde Sie
- 3 -

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'VON

Hintergrundmaterial

4

16

29. April 1987

DIE NULL-LÖSUNG IST KEINE "ERBSENZÄHLEREI'
- Von Paul Nitze -

Der folgende Artikel erschien zuerst am 24. April 1987 in der Washington Post.
Der Autor ist Sonderberater des Präsidenten und des Außenministers für Rüstungskontrollangelegenheiten.

Brent Scowcroft kritisiert mehrere der Argumente, die ich an dieser
Stelle am 30. März vorgebracht habe,
um die Position der Reagan-Administration
zur
Rüstungskontrolle
zu
verteidigen. Ich bleibe jedoch meinen Ansichten treu.
Scowcroft fährt mit seiner Kritik
an der Null-Lösung für Mittelstrekkenraketen fort und fragt, warum wir
uns überhaupt dazu entschlossen haben, Pershing II-Raketen und Marschflugkörper zu stationieren, wenn andere in Europa stationierte nukleare

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Systeme ausreichen, um
nische Verteidigung an
koppeln.

die
die

amerikaNATO zu

Die Antwort ist zweifach und wurde im Doppelbeschluß der NATO von
1979 deutlich niedergelegt.
Erstens
entschied das Bündnis, daß es kriegsschauplatzgebundene Raketen mit der
Fähigkeit,
Ziele
auf
sowjetischem
Territorium
zu bedrohen, brauchte,
weil die Sowjets Raketen unterhalb
der
interkontinentalen
Reichweite,
also die SS-20, stationierten, wodurch die NATO-Länder von Sowjet-

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�ischem Territorium aus bedroht wurden.
Zweitens beschloß das Bündnis,
daß die Abschaffung der SS-20 und anderer sowjetischer Raketen dieser Kategorie die Notwendigkeit
für die
Stationierungen seitens der NATO aufheben würde. Mit anderen Worten: die
amerikanischen
INF-Systeme
dienten
dazu, die Verbündeten nochmals der
fortbestehenden Wirksamkeit der Abschreckungsstrategie der NATO angesichts der SS 20-Raketen zu versichern.
Wie die Verbündeten selbst
deutlich machten, wäre eine solche
Versicherung in Anbetracht der anderen Beiträge der Vereinigten Staaten
zur Verteidigung der NATO unnötig,
wenn die SS 20-Raketen beseitigt würden, wie dies die Null-Lösung vorsieht.

ten heißt, ist der dritte. Daß die
NATO über 4 000 nukleare Gefechtsköpfe in Europa behalten würde, um ihre
Doktrin der
flexiblen Reaktion zu
stützen und die Ankopplung zu sichern, ist ein vierter.
(Ich möchte
anmerken, daß die Administration frühere sowjetische Vorschläge für asymmetrische Reduzierungen bei den INFRaketen zurückgewiesen hat, weil das
Ergebnis ungleich gewesen wäre und
nicht in unserem Interesse lag.)
überdies würden asymmetrische Reduzierungen bei INF einen guten Präzedenzfall für die asymmetrischen Reduzierungen bedeuten, die wir für akzeptable Abkommen über konventionelle
Streitkräfte und chemische Waffen benötigen würden.

Scowcroft
betrachtet
außerdem
mein Lob für die Null-Lösung als einer guten asymmetrischen Reduzierung
mit Geringschätzung
und behauptet,
dies sei Ausdruck eines unwürdigen,
unkonzeptionellen
"erbsenzählerischen"
Ansatzes
zur
Rüstungskontrolle.

Im strategischen Bereich kritisiert Scowcroft die Administration
wegen des in Reykjavik unterbreiteten
Angebots eines zehnjährigen Zeitraums
des Nichtrückzugs vom ABM-Vertrag,
was seiner Meinung nach SDI gefährden
würde, im Austausch für Reduzierungen
der offensiven Systeme, die seiner
Meinung
nach
lediglich
symmetrisch
erfolgen würden.

Würde man sein Urteil über ein
Rüstungskontrollabkommen
einzig
und
allein auf die Anzahl der abgebauten
Waffen gründen, so wäre dies in der
Tat
gedankenlose
"Erbsenzählerei".
Andererseits sind die in Frage stehenden Zahlen ein Faktor, der zusammen mit anderen militärischen und politischen Gesichtspunkten zu berücksichtigen ist, die unsere und die Sicherheit unserer Verbündeten tangieren. Im Fall der INF-Systeme längerer Reichweite, bei denen ein Ungleichgewicht von fünf zu eins besteht, sind asymmetrische Reduzierungen zu unseren Gunsten bedeutsam.
Daß das Ergebnis einen Gleichstand
bei dieser Waffenkategorie bedeutet,
ist ein weiterer bedeutsamer Faktor.
Daß es Null in Europa für beide Sei-

Keine dieser Behauptungen
hält
einer
Überprüfung
stand.
Die
in
Reykjavik
vorgelegte
amerikanische
Offerte zu SDI war von der Beseitigung offensiver ballistischer Raketen
abhängig und hätte die Weiterführung
eines
umfassenden
Forschungs- und
Entwicklungsprogramms mit einem klaren Ziel zugelassen - Stationierung
nach 1996, falls die Verteidigungssysteme die von uns gesetzten Kriterien
erfüllen.
Die
Unterstützung
des
Kongresses für SDI wird durch die von
uns gemachten Angebote nicht gefährdet; sie wäre durch die unnachgiebige
Weigerung
der Vereinigten
Staaten,
die Angelegenheit zu diskutieren, gefährdet.

- 2 -

�Im offensiven Bereich würden die
von den Vereinigten Staaten vorgeschlagenen Untergrenzen im Zuge des
von beiden Seiten vorgenommenen 50prozentigen
Abbaus
zwangsläufig
zu
asymmetrischen Reduzierungen führen,
und zwar bei den Waffen, die wir für
die destabilisierendsten halten - für
Gefechtsköpfe ballistischer Raketen,
insbesondere
auf denjenigen ICBMs,
bei denen die Sowjets gegenwärtig im
Vorteil sind.
Dabei haben die Sowjets doch gerade zugestimmt, ihre
Gefechtsköpfe auf schweren ICBMs, den
bedrohlichsten von allen, um 50 Prozent zu reduzieren, wobei sie heute
davon 3 000 besitzen und wir Null.
Scowcroft erklärt, daß weniger Atomwaffen nicht ipso facto die strategische Stabilität erhöhen.
Dies ist
wahr, aber
für
unseren
Vorschlag
nicht zweckdienlich.
Schließlich
zieht Scowcroft es
vor, Henry Kissingers Forderung nach
einer
sofortigen
Stationierungsentscheidung für SDI zu ignorieren - die
ich als bis zu dem Zeitpunkt verfrüht
kritisiert habe, an dem wir entscheiden, ob Verteidigungssysteme überlebensfähig und kosteneffektiv und damit stabilisierend wären - und verteidigt Kissinger mit dem allgemein
gehaltenen Argument, daß wir SDI von
der amerikanisch-sowjetischen Tagesordnung absetzen sollten.
Mehr
als
die
meisten
anderen
sollte Scowcroft erkennen, daß dieser
Vorschlag
unrealistisch
ist.
Eine
Weigerung, SDI mit den Sowjets zu
diskutieren,
würde
sicherlich
der
Möglichkeit stabilisierender Reduzierungen der strategischen Offensivwaffen ein Ende bereiten und das SDIProgramm selbst im Kongreß ernsthaft
gefährden.

* * * * * *
- 3 -

�AMERIKA DIENST
Wissenschaft und Technik

29. April 1987

16

KONFRONTIERT MIT AIDS-GEFAHR
Ein Virus fordert verantwortliches Denken und Handeln bei jedem
einzelnen heraus -

WASHINGTON - (AD) - Der Direktor des "Nationalen Instituts für Allergie
und Infektionskrankheiten" der Medizinischen Bundesforschungsanstalten (NIH)
der Vereinigten Staaten, Dr. Anthony Fauci, erörterte in einer Fernsehsatellitendiskussion mit Wissenschaftlern in Europa die Problematik der Immunschwächekrankheit AIDS. Die Gespräche zwischen Dr. Fauci in einem Studio in
Washington und den Teilnehmern in Lissabon, Rom, Mailand, Bonn, Den Haag und
Istanbul zum gegenwärtigen Stand von Forschung, Vorbeugung und Therapie wurden
über das WORLDNET-System des US-Informationsamtes (USIA) ermöglicht.

Mit
beispiellosen
Anstrengungen
versuchen Mediziner aus Forschung und
Praxis, Epidemiologen, Mikrobiologen,
Pharmazeuten
sowie Mitarbeiter
von
Gesundheitsbehörden, national wie international, auf vielen Ebenen gegen
diese Krankheit anzugehen. Was Studien und wissenschaftliche Informationen anbelangt, hat die Zusammenarbeit selten so rasch und engagiert
eingesetzt wie angesichts der Aufgaben, die sich durch AIDS als Krankheit und gesellschaftliches Problem
stellen. Ein Erfolg in medizinischer
Sicht bei der Bekämpfung dieser erst

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seit wenig mehr als fünf Jahren bekannten Infektionskrankheit ist noch
kaum
erkennbar,
ihre
Ausbreitung
alarmierend.
Ein
Hoffnungsschimmer
für die Betroffenen: Das erste Medikament gegen AIDS, AZT (Handelsname
"Retrovir"), wurde in den USA im März
1987 freigegeben.
Mit diesem Präparat lassen sich
Symptome
bestimmter
Begleit- bzw.
Folgeerkankungen
von AIDS abschwächen. AIDS ist eine Virusinfektion,
die natürliche Abwehrmechanismen des
menschlichen
Körpers
lahmlegt
und

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�deshalb andere Krankheitserreger sowie bestimmte Arten von Krebs begünstigen. Eine Behandlung mit AZT kann
die Grunderkrankung AIDS nicht heilen, aber das Fortschreiten des körperlichen und geistigen Verfalls verlangsamen.
Wenn
mehr
Erfahrungen
über den günstigsten Modus für die
Dosierung undn mögliche zusätzliche
Medikationen
vorliegen,
hofft man
auch die unerwünschten Nebenwirkungen
besser in den Griff zu bekommen.
Der Erreger der erworbenen Immunschwächekrankheit AIDS ist ein überaus komplexes Virus aus der Gruppe
der Retroviren. Seit Jahrzehnten war
bekannt, daß Retroviren Tierkrankheiten auslösen.
Ende der siebziger
Jahre wurde ein Retrovirus, HTLV-I,
als Erreger einer seltenen Form von
Leukämie beim Menschen ermittelt. Im
Jahr 1982 wurde bei Dr. Robert Gallo
(NIH) ein weiteres HTLV-I ähnliches
Retrovirus gefunden, das mit der sogenannten Haarzell-Leukämie in Zusammenhang steht.
Es erhielt die Bezeichnung HTLV-II.
Ein Jahr später
schließlich entdeckte eine Forschergruppe vom Pasteur-lnstitut in Paris
unter Leitung von Luc Montagnier den
AIDS-Erreger, der damals den Namen
LAV
("Lymphadenopathie-assoziiertes
Virus") erhielt. Dr. Gallo und Mitarbeiter fanden wenig später, Anfang
1984, ebenfalls ein AIDS-erzeugendes
Retrovirus.
Sie nannten es HTLV-III
("Human T-Lymphotrophic Virus", Typ
III).
Als sich die Gleichartigkeit
von LAV und HTLV-III herausstellte,
einigte man sich auf die Umbenennung
beider
in HIV ("Human Immunodeficiency Virus").
Zwei Jahre später,
1986, wurde noch ein AIDS-verursachendes Retrovirus gefunden, bei dem
die Inkubationszeit bis zum Ausbruch
der Krankheit aber offenbar länger
ist.
Beide AIDS-Viren werden jetzt
mit
den
Bezeichnungen
HIV-I
und
HIV-II unterschieden.
Zu der letzt-

genannten Retrovirusgruppe zählt auch
das 1986 entdeckte HTLV-IV. Ob dieses ebenfalls AIDS auslösen kann,
weiß man noch nicht sicher zu sagen.

Ubertragungswege
Die Erkenntnisse über die Übertragungswege
für AIDS-Viren
durch
sexuelle Kontakte und Blut wurden in
letzter
Zeit
erheblich
erweitert.
Die frühere Meinung, daß insbesondere
Homosexuelle,
Rauschgiftsüchtige
(durch
das
Benutzen
infizierter
Spritzen) und Bluter (auch gelegentliche Empfänger von Bluttransfusionen) durch Blut und Blutprodukte von
infizierten Spendern gefährdet seien
bzw. bis zur Entwicklung von Verfahren zur Keimfreimachung von Spenderblut gefährdet waren, mußte revidiert
werden.
Heute steht fest, daß auch
bisexuelle und heterosexuelle Personen (durch Sperma und Vaginalflüssigkeit) die Infektion weitergeben. Babies erkranken an AIDS, wenn sie vor
und während der Geburt über das Blut
der
infizierten
Mutter
angesteckt
wurden.
In den Vereinigten Staaten
kennt man Dr. Fauci zufolge Hunderte
solcher
Fälle; in manchen afrikanischen Ländern dürften sogar bis zu
20 Prozent der Neugeborenen infiziert
sein.
Vor allem bei Rauschgiftsüchtigen
ist immer deutlicher eine "Rückübertragung" von Frauen auf Männern zu
erkennen. Dies war Dr. Fauci zufolge
auch bei Infizierten durch Blutkonserven und bei den weiblichen Sexualpartnern von Blutern zu beobachten.
Die umfangreichsten
"harten Daten"
zur
heterosexuellen
Ubertragbarkeit
von AIDS dürften aus Zentralafrika
kommen, wo es zweifellos eine primäre, sekundäre und tertiäre Ausweitung
gebe - von Männern auf Frauen, von
Frauen auf Männer, durch Anal- eben-

- 2 -

�so wie durch vaginalverkehr.
Die Anfang der achtziger Jahre
als risikofrei angesehenen Bevölkerungsgruppen werden, so Dr. Fauci,
immer kleiner, und es sei anzunehmen,
daß sich jetzt schon in jeder Bevölkerungsgruppe
infizierte
Personen
fänden.
Infektionen
bei
Heterosexuellen nähmen besonders rasch zu.
(Dr. C. Everett Koop, "Surgeon General" der USA, befürchtet, daß die
Seuche unter heterosexuellen Personen
eine
ähnliche
Ausbreitungsgeschwindigkeit erreicht wie dies Anfang der
achtziger Jahre unter Homosexuellen
der
Fall
war.)
Laut
Dr.
Fauci
schätzt man in den USA die Zahl der
Infizierten auf ein bis zwei Millionen, von denen in fünf Jahren 29 bis
30 Prozent das Bild der Vollerkrankung zeigen dürften. Das bedeute um
1991 etwa 270 000 AIDS-Kranke in den
Vereinigten Staaten.
Millionen - wahrscheinlich Millionen in zweistelliger Zahl - seien
in
Zentralafrika
infiziert.
Dort
dürfte der Prozentsatz der "Konversion",
d.h.
des
Übergangs
einer
asymptomatischen
Infektion
in
die
Vollerkrankung,
sehr
wahrscheinlich
genau so sein wie in den Vereinigten
Staaten. Deshalb sei mit einer enormen Zunahme von AIDS-Fällen in den
nächsten fünf Jahren zu rechnen. Ob
sich HIV-II bzw. LAV-II, die gegenwärtig in Westafrika
(Guinea-Bissau
und Kap Verde) vorherrschende Infektion, auch auf andere Teile Afrikas
oder auf die übrige Welt ausweiten
werde, könne man heute noch nicht sagen. Aber es gebe keinen Grund für
die Annahme, daß dies nicht geschieht.
Denn auch HIV-II wird auf
sexuellem Wege und durch infiziertes
Blut übertragen.
"Es hat ganz den
Anschein, daß wir künftig mehr von
diesen anderen Retroviren sehen werden", meinte Dr. Fauci.

Einige
Wissenschaftler
fragten
bei der WORLDNET-Ubertragung nach der
Bedeutung von Hautkontakten und dem
Austausch von Speichel beim Küssen
für eine Übertragung von HIV.
Dr.
Fauci
schließt eine Infektionsmöglichkeit durch Speichel nicht ganz
aus, obgleich bisher ungefähr nur bei
jedem 40. HlV-Infizierten Viren im
Speichel
festgestellt wurden.
Aus
diesem Grund empfehle man im Zusammenhang mit "safe sex", den Austausch
von Speichel zu vermeiden.
Was die
Langhans-zellen
und
Kerationozyten
(bestimmte Zellgruppen in Hautgewebe)
angeht, habe man, so Dr. Fauci, zwar
klare Beweise für die Möglichkeit einer
Infektion der Langhans-Zellen,
nicht aber der Keratinozyten mit HIV.
Es lägen keine überzeugenden Anzeichen dafür vor, daß HIV-Viren durch
Hautkontakt
übertragen
würden.
Hauptquellen
der
Ansteckung
seien
nach wie vor Sexualkontakt, Blut oder
Blutprodukte oder die Virusübertragung von der Mutter auf das Kind.

Lebensweise und Eigenverantwortung
Das Thema "Sexualverhalten" habe
deshalb eine ganz außerordentliche
Bedeutung.
Aufklärung und Information der Bevölkerung stünden, solange
es weder Impfstoffe noch Heilungsmöglichkeiten gebe, absolut im Vordergrund, sagte Dr. Fauci. Dabei müßten
die Aktionen auf jede einzelne Bevölkerungsgruppe
zugeschnitten
werden,
wenn das, was sie vermitteln sollen,
auch wirklich verstanden werden und
überzeugen
soll.
Jedem
einzelnen
müsse klar gemacht werden, wie wichtig sein persönliches Verhalten für
den eigenen Schutz und den des Partners, darüber hinaus für den Schutz
der nachfolgenden Generation tatsächlich ist.

- 3 -

�Aufklärungsaktionen
sei
es
zu
verdanken, daß man in den USA in
letzter Zeit unter Homosexuellen einen Rückgang neuer AIDS-Erkrankungen
und neuer Fälle von Rektalgonorrhoe
um mindestens 90 Prozent verzeichnen
könne.
Auf diese Risikogruppe konzentrierten sich in erster Linie die
Appelle, Kondome zu benutzen und den
Partnerwechsel
einzuschränken.
Mit
wesentlich mehr Problemen habe man
aber bei Drogensüchtigen zu kämpfen,
von denen viele - männlich wie weiblich - sich zur Beschaffung von Drogen prostituieren.
Der Masse der Bevölkerung müsse,
so Dr. Fauci, klar gemacht werden,
welcher Art die Risiken sind und welches Ausmaß diese haben.
Obgleich
Verhaltensweisen sehr schwer zu beeinflussen seien, hoffe man doch, die
richtigen Ansätze dafür zu finden.
Denn gegenwärtig seien dies der einzige Weg und die einzige "Waffe", um
der Weiterverbreitung der AIDS-Infektion entgegenzuwirken.
Deshalb halte, er, Dr. Fauci, neben Aufklärungsaktionen öffentlicher Stellen von der
kommunalen bis zur Bundesebene z.B.
auch
umfangreiche
Pressekampagnen,
Informationen über Funk und Fernsehen
für eine gute Sache, sofern sie qualifiziert sind. Sie können viel dazu
beitragen, Klarheit darüber zu schaffen, wo die Risiken liegen und wo sie
nicht
liegen.
Ebenso
können
und
sollten sie unnötige und irrationale
Ängste abbauen. Verantwortungsbewußter Journalismus sei hier ganz besonders gefordert.

Kinder als Opfer von AIDS
Bei Babies äußert sich eine AIDSErkrankung anders als bei Erwachsenen
und wird deshalb häufig erst spät erkannt. Während bei Erwachsenen eine
Lungenentzündung vom Typ Pneumocystis
- 4

carinii und das Kaposi-Sarkom Hinweise auf eine AIDS-Infektion geben, beobachtet man bei Kindern
zunächst
wiederholte, bakterielle, virale und
bestimmte
Pilzinfektionen, Enzephalitis, Lymphozytose in Verbindung mit
interstitieller Pneumonie.
Ähnliche
Erkrankungen gibt es aber auch bei
nicht mit HIV infizierten Kindern.
Deshalb ist bei geringstem Verdacht
in dieser Altersgruppe ein Test auf
HIV-Antikörper ungemein wichtig.
An
AIDS erkrankte Kinder bleiben in ihrer körperlichen Entwicklung in der
Regel stark zurück.
Es kommt zu
Krampfanfällen, Erblindung, abnormen
Bewegungen, Gehirnatrophie und Gefäßsklerosen im Gehirn. Für die geistige Entwicklung gibt es kaum eine
Chance - die fortschreitende Demenz
zeigt
einen
besonders
auffälligen
klinischen Verlauf.
Dennoch heißt auch bei Säuglingen
und Kleinkindern, ähnlich wie bei Erwachsenen, eine Infektion mit AIDSViren nach dem gegenwärtigen Wissensstand nicht, daß die Krankheit in
Vorstadien
oder als Vollerkrankung
tatsächlich zum Ausbruch kommen müsse, obgleich eine Infektion mit Retroviren niemals rückgängig zu machen
ist. Vielmehr scheinen bei einem gewissen
Prozentsatz der
Infizierten
immunologische Prozesse einzusetzen,
die es nicht zu den katastrophalen
Auswirkungen kommen lassen.
Der Situation infizierter Kinder
galten denn auch immer wieder Fragen
an Dr. Fauci, insbesondere im Hinblick auf einen Impfstoff gegen AIDS
und auf die Probleme AIDS-kranker
Kinder
in
wissenschaftlicher
und
ethischer Sicht.
Mit dem letztgenannten Fragenkomplex, zu dem auch
die gesellschaftlichen Probleme gehören, befasse man sich, so Dr. Fauci,
gegenwärtig sehr intensiv. Was Vakzine angehe, so bemühten sich in den

�USA derzeit mehrere Gruppen bei der
FDA (US-Bundesbehörde für Lebens- und
Arzneimittelkontrolle) um die Genehmigung
zu einer Erprobung
("Erste
Phase") verschiedener Impfstoffe am
Menschen.

Impfstoff und Medikamente
Dabei handle es sich in erster
Linie
um rekombinante
DNS-Proteine
des AIDS-Virus.
Tests an kleinen
Versuchstieren sowie an Affen, etwa
an Schimpansen, seien schon vorgenommen
worden
und
würden
weiterhin
durchgeführt.
Dabei achte man sehr
viel mehr auf Sicherheit als auf
Wirksamkeit, weil es keine strikte
Analogie zwischen dem Tiermodell und
dem menschlichen Organismus gebe. In
der Testfolge sei ratsam, die Vakzinmodelle mit rekombinanter DNS, dann
die rekombinanten Hüllenproteine oder
den wirksamen Vakzinanteil einzusetzen. An einen Totimpfstoff wage man
sich deshalb nicht heran, weil die
Gefahr bestehe, daß Nukleinsäuren des
Virus schädliche Gene in die Wirtszelle einbringen.
Die erste Phase der Erprobung am
Menschen dürfte Ende 1987 oder Anfang
1988 beginnen. Aber selbst wenn die
Entwicklung mit Erfolg weitergeführt
werden könne, sei im Hinblick auf die
Natur des Virus und der AIDS-Erkrankung kaum vor Mitte der neunziger
Jahre mit einem für die allgemeine
Bevölkerung einsatzfähigen Impfstoff
zu rechnen.
Im Hinblick auf Kinder
seien die Probleme besonders groß,
weil insbesondere Impfverfahren erst
einmal an Erwachsenen eingehend getestet werden müßten, ehe man daran
denken könne, sie bei Kindern anzuwenden.
Bei Medikamenten
anderes.
Dr. Fauci

sei dies etwas
berichtete, daß

z.B. in die laufenden Studien mit
"Retrovir"
(AZT
Azidothymidin)
jetzt auch Kinder einbezogen wurden.
Dieses Präparat könne den klinischen
Status von Patienten mit einer Enzephalopathie (nichtentzündliche Hirnschäden, z.B. mit Bewußtseinsstörungen, Psychosen, unter Umständen Koma)
verbessern. AZT kann die Blut-HirnSchranke passieren und die Vermehrung
von AIDS-Viren in den Gehirnzellen
blockieren.
Das Passieren der BlutHirn-Schranke sei ein ganz wichtiger
Gesichtspunkt auch bei allen anderen
Medikamenten
(z.B. DDC, Peptid T,
AL7-21) , die sich aber zumeist noch
im Frühstadium der Entwicklung befinden .
Die Wirksamkeit von AZT sei bei
erwachsenen AIDS-Patienten mit "Pneumocystis
carinii"-Lungenentzündung
(PCP) beobachtet worden. Jetzt liefen Studien an Patienten mit KaposiSarkom,
weitere
Testprogramme
bei
Kindern und bei neuro-psychiatrischen
Krankheitsbildern.
Untersuchungen
über den Einsatz von AZT bei fortschreitender allgemeinen Lymphadenopathie und bei asymptomatischen Virusträgern beginnen in Kürze.
DDC ist eine dem AZT analoge Verbindung. Nach Dr .Fauci habe man gewisse begründete Hoffnungen, daß DDC
niedriger
dosiert als AZT gegeben
werden könne und vielleicht weniger
toxisch sei. Mit AL7-21 habe man gerade eine erste Studie in vitro (d.h.
an Zellkulturen) in Angriff genommen.
Es scheint das Einnisten der Viren zu
blockieren.
Ob dies auch in vivo
(d.h. im lebenden Organismus) der
Fall sein werde, bleibe abzuwarten.
Peptid T schließlich erfordere weitere Studien, um eine frühere Beobachtung, daß es die Bindung des Virus an
die Zelle zu blockieren vermag, bestätigen zu können.
Erst wenn dies
nachgewiesen sei, denke man an eine

- 5 -

�Erprobung am Menschen.
Wegen der noch sehr beschränkten
Verfügbarkeit von Retrovir (AZT) werde in den Vereinigten Staaten das
Präparat im Verkauf derzeit nur für
Patienten mit symptomgesicherter HIVInfektion (AIDS) oder bei ARC (Symptomenkomplex in Verbindung mit HIVInfektion) und PCP oder bei einer
sehr niedrigen Zahl von T-4-Lymphozyten im Blut (200 pro cbmm und weniger) abgegeben.
Der niedrige T-4Lymphzytenspiegel mache deutlich, daß
das körpereigene Abwehrsystem zur Bekämpfung von Krankheitserregern nicht
mehr fähig sei.
Man hoffe von den
Ergebnissen der Studien weitere Kriterien zu erhalten, um AZT für mehr
Patientengruppen freigeben zu können
und die Anwendung flexibler zu gestalten - sofern nicht aus einer unzureichenden Verfügbarkeit des Medikaments Engpässe erwachsen.
Dr. Fauci hatte bereits in einer
vorangegangenen
WORLDNET-Diskussion
darauf aufmerksam gemacht, daß in den
Vereinigten Staaten immer mehr Arten
von Krebs in Verbindung mit einer
AIDS-Infektion
beobachtet
würden.
Sie beschränkten sich nicht mehr auf
das
Kaposi-Sarkom
und
B-ZellenLymphome. Vielmehr eobachte man z.B.
eine besorgniserregende Zunahme von
gewissen
soliden
Tumoren,
Bauchspeicheldrüsenkrebs,
von
T-ZellenLeukämie und Lymphdrüsengeschwülsten
bei einer Doppelinfektion mit HTLV-I
und
HIV.
Vermutlich
bekomme
man
künftig noch andere Neoplasmen zu sehen, deren Entstehung mit der Unterdrückung der immunologischen Abwehrreaktionen
durch die HIV-Infektion
zusammenhängt.
Auf die Frage, ob er in speziellen Impfprogrammen gegen die sogenannten opportunistischen Infektionen
bei AIDS-Patienten einen Sinn oder
- 6

eine Chance sehe, meinte Dr. Fauci,
daß man sich in der Praxis davon kaum
etwas versprechen
könne.
Denn es
handle sich bei den meisten Infektionen um nichts anderes als um Re-Infektionen.
Ein gutes Beispiel sei
das Cytomegalovirus, mit dem aller
Wahrscheinlichkeit nach ein AIDS-Patient nicht primär infiziert werde.
Viel eher dürfte eine alte Infektion
neu aufflammen. Dasselbe gelte z.B.
für Infektionen mit dem Epstein-BarrVirus und für Toxoplasmose. Auch gegen die anderen opportunistischen Infektionen (Parasiten bei PCP, M y k o bakterien) dürfte in der Praxis bei
AIDS-Kranken kein Impfschutz möglich
sein.
Zur
Inkubationszeit
für
AIDS,
d.h. der Zeit von der Infektion bis
zum Auftreten
von
einem
zunächst
vielleicht untypischen Krankheitsbild
und schließlich der Vollerkrankung,
könne man nur bedingt Aussagen machen, meinte Dr. Fauci, weil der Beobachtungszeitraum
einfach noch zu
kurz sei. Bisher sei z.B. bekannt,
daß eine HIV-Infektion sieben Jahre
und länger zurückliegen könne, ehe es
zu einer Vollerkrankung komme.
Und
von dieser wisse man ohnehin erst
seit Ende der siebziger Jahre. Für
exaktere und definitive Angaben seien
weitere Jahre der Beobachtung erforderlich. Allem Anschein nach gebe es
Faktoren, durch die aus einer latenten, gewissermaßen schlummernden Infektion plötzlich ein aktiver Prozeß
werde, wobei sich die Viren geradezu
explosionsartig vermehrten.

Pflege
Viele beschäftigte die Frage der
Pflege AIDS-kranker Menschen. In den
USA werde Dr. Fauci zufolge großer
Werte darauf gelegt, Pflegepersonal
und Angehörige medizinischer Berufe

�fortlaufend
über
die neuesten Erkenntnisse
zur Über tragbar keit und
anderen Aspekten einer HIV-Infektion
zu
unterrichten.
Krankenschwestern
seien angewiesen, die gleichen strikten Vorsichtsmaßnahmen wie bei Patienten mit Hepatitis-B anzuwenden d.h.
bei
Kontakt
mit
Blut
oder
Schleimhaut des Kranken Handschuhe zu
tragen.
"Astronautenkleidung"
sei
jedoch nicht erforderlich.
in Umsicht, Vorsicht und gesundem Menschenverstand sehe man die beste Garantie, um zu vermeiden, beispielsweise über eine eigene Hautverletzung
Keime aus dem Blut von HIV-Kranken,
etwa aus einer Spritze, aufzunehmen.
Dennoch käme zur Verhütung solcher
Infektionen, auch durch Sexualkontakt
mit einem infizierten, einem noch in
der Entwicklung befindlichen Verfahren zur Anwendung von menschlichem
Immunoglobulin (zur verstärkten Neutralisierung bestimmter, mit der Infektion
in
Zusammenhang
stehender
Prozesse) sehr große Bedeutung zu.

gen
ausgelöst
werden.
Die
Grüne
Meerkatze erkrankt selbst nicht. Das
könnte bedeuten, daß diese Spezies
über viele, vielleicht unzählige Generationen Anpassungsmechanismen entwickelt hat, so daß ihr die immunopathologischen Auswirkungen des Virus
nichts mehr anhaben. Andere Tierarten, z.B. Rhesusaffen, seien jedoch
nicht angepaßt, so daß für sie die
Infektion den Tod bedeute.

Nicht minder wichtig sei die Weiterentwicklung
der
Testverfahren.
Dr. Fauci verwies auf ein neues Verfahren, das zuerst an Serien afrikanischer
Patienten
getestet
worden
sei.
Es sei sehr billig, leicht
durchzuführen und bringe schon nach
wenigen Minuten das Resultat. Dagegen seien die üblichen Tests - ELISA
und "Western Blot" - sehr zeitaufwendig und relativ kostspielig.

Die Tatsache, daß sich AIDS in
manchen Ländern, wie etwa den USA und
neuerdings in Europa so rasch ausbreitete, in arabischen Ländern dagegen nicht, hänge wohl nicht zuletzt
mit den Sozialstrukturen, dem kulturellen Erbe und der Lebensweise zusammen, meinte Dr. Fauci. Die immer
wieder geäußerte Frage, ob vielleicht
bestimmte
Insekten
(z.B. Moskitos,
Mücken) als Überträger zu vermuten
seien, konnte
Dr. Fauci
aufgrund
zahlreicher
Studien
eindeutig
mit
"Nein" beantworten.

Quelle der HIV-Erreger

Wann Menschen erstmals von HIV
infiziert wurden, wisse man nicht.
Das klinische Syndrom kenne man seit
etwa zehn bis 15 Jahren. Jedoch existiere ein Blutserum aus Zaire aus
dem Jahr 1959, das sich beim ELISAund Western Blot-Test eindeutig als
HIV-positiv
erwies.
Möglicherweise
existierten, so Dr. Fauci, schon lange
Zeit unerkannt
Infektionsherde,
vielleicht in Zentralafrika. Ob auch
in anderen Teilen der Erde, entziehe
sich noch der Kenntnis der Wissenschaftler .

Die Wissenschaftler
sind
jetzt
überzeugt, daß AIDS aus Afrika kommt.
Als Quelle komme wahrscheinlich eine
Affenart, die Grüne Meerkatze, in
Frage.
Tierversuche hätten gezeigt,
berichtete Dr. Fauci, daß durch Viren
des Typs STLV-III von Grünen Meerkatzen bei Rhesus-Affen AIDS-Erkrankun- 7 -

�Glossar:
AIDS

"acquired immune deficiency Syndrome",
erworbene Immunschwäche

ARC

"AIDS related complex",
AIDS-assoziierter Symptomkomplex mit bestimmten
chronischen Krankheitsbildern

AZT

Azidothymidin ("Retrovir"),
Medikament in der AIDS-Therapie

Cytomegalovirus

Virus aus der Gruppe der Herpesviren, das bei
einer Infektion in der Schwangerschaft schwere
Mißbildungen verursacht, bei gesunden Erwachsenen nur ganz selten zu einer Erkrankung
führt. In AIDS-Patienten dagegen kann die Infektion Lungenentzündung, Entzündung der Netzhaut, der Leber, der Nieren und des Darmes
hervorrufen.

DNS

Desoxyribonukleinsäure,
Träger des Erbgutes zur Weitergabe von Erbmerkmalen.

ELISA

"enzyme-linked immunosorbent assay" ,
Test zum Nachweis von AIDS-Antikörpern im Blut

Epstein-Barr-Virus

vermutlich die Ursache für den "Burkitt-Tumor"
der Lymphknoten. Im tropischen Afrika, in
Lateinamerika und Neuguinea tritt die Erkrankung epidemieartig bei Kindern und Jugendlichen auf.

HIV

"human immunodeficiency virus",
Erreger der Immunschwächekrankheit beim
Menschen

HTLV

"human T-cell lymphotrophic virus",
befällt T-Lumphozyten, die für immunologische
Reaktionen eine Schlüsselfunktion haben.
Vier Typen von HTLV-Viren sind bisher bekannt.

Kaposi-Sarkom

Tumor der Blut- und Lymphgefäßwandung.

LAV

"lymphadenopathy-associated virus" ,
so bezeichnet von französischen Forschern in
ersten Berichten über den Erreger der AIDSKrankheit.

- 8-

�PCP

"Pneumocystis carinii pneumonia",
bei AIDS-Kranken besonders häufige, gefährliche
Infektion. Sie gilt als eine der opportunistischen Infektionen, die infolge des Fehlens
körpereigener Immunreaktionen auftreten, und
wird durch Parasiten des Typs Pneumocystis
carinii verursacht.

Western Blot-Verfahren

Nachweistest für eine Infektion mit AIDSErregern, der die Identifizierung von Antikörpern gegen spezifische Eiweißmoleküle ermöglicht. Er gilt als genauer für die Erfassung von Antikörpern gegen HIV in Blutproben
als ELISA, ist allerdings sehr zeit- und
kostenaufwendig.

* * * * * *

- 9-

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