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                    <text>AMERIKA DIENST

09.

31

September

I N H A L T

Dokumentat ion

Reagan

gründet

- Ansprache

Privatisierungskommission

des Präsidenten

Reagan;
Wir werden unsere
nicht im Stich lassen
- Ansprache

vor

-

Freunde

in

Nicaragua

Regierungsbeauftragten

Hintergrundmaterial

Amerikanische

Öffentlichkeit

- Jüngste Analysen

unterstützt

und M e i n u n g s u m f r a g e n

NATO
-

* * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

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Tel.: 0228-339 2035
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1987

�AMERIKA DIENST
Dokumentation
9. September 1987

31

REAGAN GRÜNDET PRIVATISIERUNGSKOMMISSION
- Ansprache des Präsidenten -

Washington - (AD) - Präsident Reagan hat eine Kommission zur Privatisierung ernannt, die seinen Worten zufolge Empfehlungen erarbeiten wird, "wie wir
bestimmte hierfür geeignete Bundesaufgaben wieder in die Hände der Privatwirtschaft zurückführen können".
Reagan gab seine Absicht zur Ernennung des überparteilichen Gremiums am 3.
September bekannt und erklärte, dessen Aufgabe bestünde in der Überprüfung
sämtlicher Bundesaufgaben und der Vorlage eines Berichts darüber, "welche Regierungsprogramme, Initiativen und Dienstleistungen in zweckmäßigerer Weise
ein Teil der Privatwirtschaft sind".

Nachfolgend geben wir den Text der Verlautbarung wieder
Heute gebe ich meine Absicht zur
Ernennung der 13 Mitglieder meiner
Privatisierungskommission
bekannt.
Die Kommission wird zur Erfüllung der
Verpflichtung beitragen, die ich mit
meiner Vorlage eines Verfassungszusatzes zur Wirtschaftspolitik eingegangen bin, um den ungerechten Wettbewerb mit der Regierung zu beenden
und Regierungsprogramme und -guthaben
an das amerikanische Volk zurückzugeben.
Die Privatisierung folgt der
großen Tradition von freiem Unternehmertum und Privateigentum, die seit
langem ein Teil der amerikanischen

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Embassy of the United States of America

Geschichte ist - vom damaligen Verkauf von Regierungsland gemäß der
Nordwestlichen Verfügung bis hin zu
jenem
Parzellierungsprogramm
der
Grundstücke, durch das vor über 100
Jahren den Pionieren die Besiedlung
des amerikanischen Westens ermöglicht
wurde.
Es gibt zahlreiche Aktivitäten,
die bei der Bundesregierung
keine
passende Funktion haben und daher
einfach der Privatwirtschaft überlassen werden sollten.
Die amerikanischen Bürger wissen, daß die Regie-

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�rung bei der Erbringung bestimmter
Dienstleistungen in vielen Fällen weniger leistungsfähig ist als private
Firmen.
Regierungsbehörden
haben
nicht die gleichen Anreize und Interessen, die es der Privatwirtschaft
erlauben, Güter und Dienstleistungen
effektiver und wirtschaftlicher anzubieten.
Privatisierungsprogramme
bieten
die Gelegenheit, allen Teilen der Gesellschaft große Nutzen zu bringen Arbeiter können am Besitz neu geschaffener Privatfirmen teilweise beteiligt werden und erhalten häufig
Lohnerhöhungen,
die
Öffentlichkeit
erhält bessere Dienstleistungen, die
Firmenleitung kann auf eventuelle Anreize unabhängig reagieren, um ein
Geschäft erfolgreich aufbauen zu können, und der Wettbewerb in der freien
Wirtschaft gibt anderen die Möglichkeit, an dem Aufschwung teilzuhaben.
Wie die jüngste Erfahrung in Großbritannien zeigt, wächst durch die
Privatisierung auch die Teilnahme der
öffentlichen Hand am Marktgeschehen durch den Verkauf von regierungseigenen Firmen stieg die Zahl der Haushalte mit Aktienbesitz sprunghaft.
In den Vereinigten Staaten ist
die Privatisierung in den Einzelstaaten und Städten viel energischer als
auf Bundesebene verfolgt worden. Eine der vielen Erfolgsmeldungen kommt
gerade hier aus dem Süden Kaliforniens.
Die vom Bezirk Los Angeles
geleitete medizinische Fakultät der
Universität
von Südkalifornien
hat
die Nahrungsmittelversorgung an ein
Unternehmen außer Haus vergeben und
herausgefunden, daß sie über sechs
Millionen Dollar in vier Jahren einsparen konnte. Die meisten der von
dieser
Veränderung
betroffenen Arbeitnehmer des Bezirks wurden von dem
privaten Arbeitgeber übernommen, und
90 Prozent von ihnen erhielten eine

Lohnerhöhung, als die Dienstleistung
in Privathände überging.
Professor David Linowes von der
Universität Illinois wird den Vorsitz
der Kommission führen.
Die anderen
Mitglieder werden ein breites Spektrum von Fachkenntnissen in die Kommission einbringen.
Die
überparteiliche
Kommission
wird sämtliche Aufgaben der Bundesregierung überprüfen und einen Bericht
darüber vorlegen, welche Regierungsprogramme, Initiativen und Dienstleistungen in zweckmäßigerer Weise ein
Teil der Privatwirtschaft sind. Ausserdem wird von der Kommission erwartet, daß sie sich einen Überblick
über die wissenschaftlichen Arbeiten
zur Privatisierung verschafft und die
Errungenschaften anderer Länder sowie
der Staatsund Stadtregierungen prüft.
Auf der Grundlage ihrer Erkenntnisse
wird die Kommission Vorschläge unterbreiten, wie wir bestimmte hierfür
geeignete
Bundesaufgaben
wieder
in
die Hände der Privatwirtschaft zurückführen können - durch den Verkauf
von Regierungsanlagen
und -werten,
die Beteiligung von Privatfirmen an
Dienstleistungen für Regierungsbehörden, oder den Gebrauch von Gutscheinen, um der Öffentlichkeit Dienstleistungen durch die Privatwirtschaft
zukommen zu lassen.
Ich werde Privatisierungsinitiativen im Gesetzgebungsverfahren vorschlagen.
Bis dahin wird meine Regierung unsere derzeitigen
Privatisierungsinitiativen
weiter energisch verfolgen.
Ich habe die Hoffnung, daß meine
Kommission zur Privatisierung in der
Lage sein wird, die Politisierung aus
den Privatisierungsbemühungen herauszunehmen und eine nationale Politik
vorzuschlagen - eine Politik, die die
Lehren
aus unseren
zurückliegenden
Erfolgen
zieht, wie
beispielsweise

�aus
dem
Parzellierungsprogramm
im
Westen, das die amerikanische Wirtschaft in die größte und beste verwandelt hat, die es jemals auf der
Welt gegeben hat - und eine Politik,
die an die Genialität unseres Systems
des freien Unternehmertums zum Nutzen
aller Amerikaner appelliert.

* * * * *

- 3 -

4

�AMERIKA DIENST
Dokumentation

9. September 1987

31

REAGAN: WIR WERDEN UNSERE FREUNDE IN NICARAGUA NICHT IM STICH LASSEN
- Ansprache vor Regierungsbeauftragten WASHINGTON - (AD) - In seiner Ansprache vor hochrangigen Regierungsbeauftragten am 8. September im Weißen Haus erneuerte Präsident Reagan seine Zusage
für eine Unterstützung der nicaraguanischen Freiheitskämpfer und erklärte,
"wir werden unsere nicaraguanischen Freunde nicht im Stich lassen".
Reagan ging ferner auf die noch verbleibenden 16 Monate seiner Amtszeit
ein und verwies in diesem Zusammenhang darauf, daß die Probleme in Mittelamerika "manchmal verwirrend geworden sind", sich der Kernpunkt jedoch niemals
verändert hat. Dieser Kernpunkt besteht Reagan zufolge in "Frieden und Freiheit für Mittelamerika" und in der nationalen Sicherheit der Vereinigten Staaten".
Nachfolgend veröffentlichen wir die Ansprache im Wortlaut:
Vielen Dank.
Ich danke Ihnen,
denke aber, daß George (Bush) und ich
Ihnen applaudieren sollten.
Ich war
der Ansicht, es sei gut, nach den erholsamen Sommerferien hier zusammenzukommen - obwohl es stimmt, daß Sommerferien nicht immer erholsam sind und dazu gibt es eine Anekdote.

ihm hatte:
"Beruhigen Sie sich, es
ist kein so großer Verstoß", worauf
der Fahrer erwiderte:
"Es mag für
Sie kaum von Bedeutung sein, aber für
mich bedeutet es, daß ich den Anhänger, meine Frau und meine vier Kinder
verloren habe".

Ein Verkehrsteilnehmer wurde auf
seinem Weg zu seinem Ferienziel in
den Bergen von einem Polizisten gestoppt: "Wissen Sie, daß Sie ohne
Rücklicht fahren?" Der Fahrer sprang
aus dem Wagen.
Er war derart bestürzt, daß der Polizist Mitleid mit

Es ist gut, angesichts der bevorstehenden sechzehn Monate zusammenzukommen.
Es sind nur noch sechzehn
Monate.
Ab jetzt müssen wir jede
neue Aufgabe mit demselben Bewußtsein
für Dringlichkeit angehen, mit dem
wir 1981 nach Washington kamen. Die

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Embassy of the United States of America

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�Herausforderung
und die Ziele
Reichweite.

ist nicht geringer,
sind immer noch in

Hier möchte ich etwas einfügen.
Die Politik hat mich immer ein wenig
an meine frühere Karriere erinnert:
dort lautete das Motto: Eröffne eine
Show immer mit einem großartigen Auftakt. Jetzt ist es an der Zeit für
ein noch besseres Finale und einen
guten Vorhang.
Im Rahmen der Innenpolitik steht
uns noch eine wichtige Aufgabe bevor,
oder vielleicht sollte ich sagen,
keine geringere Aufgabe als die Bestätigung
des
Obersten
Richters
Robert Bork.
Richter Bork ist seit
seiner Nominierung in die Schußlinie
geraten, weil er ein rechtsgerichteter Ideologe sein soll. Wir wissen,
daß diese Vorwürfe nicht stimmen.
Richter Bork glaubt an juristisches Maßhalten.
Und das bedeutet,
Gesetze so zu interpretieren, wie gewählte Vertretern dies gewollt haben,
und sie auch so anzuerkennen, und
nicht etwa, sie nach juristischem
Gutdünken auszulegen. In den Fällen,
in denen Gesetze moralische Probleme
behandeln, hat Richter Bork erklärt,
und ich zitiere hier, "der moralische
Bestandteil von Gesetzen muß sich auf
die Moral seines Verfassers oder des
Gesetzgebers stützen, niemals auf die
Moral des Richters".
Bedenken Sie die folgende Ironie.
Es gibt Gesetzgeber, die sich einem
Richter widersetzen, der sich nach
ihnen richten will und der vertrauensvoll an der Zielsetzung der von
ihnen verabschiedeten Gesetze festhält.
Das Land will und verdient
einen Obersten Gerichtshof, der die
Gesetze nicht formuliert, sondern sie
auslegt.

- 2

Richter Bork bringt die besten
Qualifikationen mit - er ist einer
der
ausgezeichnetsten
Juristen des
Landes und ein Richter, wie er im Buche steht.
Er ist ebenfalls ein
Richter des Volkes, der voll und ganz
an die Verfassung glaubt, die die
Rechte der Menschen schützt, und an
die
Regierungsgewalt
des
Volkes
selbst. Ich bin davon überzeugt, daß
er schließlich bestätigt wird, aber
es ist nicht zu leugnen, daß es ein
harter Kampf werden wird.
Ich brauche die Hilfe jeder Person in diesem
Raum, besonders derjenigen, die regelmäßig mit dem Kongreß umgehen.
Ich wollte an dieser Stelle eine
Frage stellen, aber als ich seinen
Namen erwähnte, brauchte ich die Frage nicht mehr zu stellen. Ich möchte
Sie bitten, sich bereit zu halten:
wenn es zur Wiederherstellung des juristischen Maßes als dem Leitprinzip
amerikanischer Gerichte und zur wohlverdienten
Bestätigung
von Richter
Bork beim Obersten Gerichtshof kommt,
kann ich dann auf Sie zählen?
Sie
haben diese Frage bereits beantwortet.
Nun zum Haushaltsverfahren, oder
man sollte besser sagen, zum sogenannten Haushaltsverfahren.
Es gibt
eine Verzögerung nach der anderen,
einen überschrittenen Termin nach dem
anderen - das Verfahren ist also weder verläßlich noch glaubwürdig.
Und betrachten
sie, was dabei
herauskommt.
Im Rahmen des Bundesprogramms werden Millionen ausgegeben, um Luxushotels, Restaurants und
Wohneinheiten zu bauen. Vor kurzem
habe ich bereits in Indiana gesagt,
daß ich kaum Zeit hatte, herauszufinden, was 'Yuppies' waren, als der
Kongreß schon begann, sie zu unterstützen. Und da gibt es fragwürdige
Projekte für öffentliche Bauten; die
landwirtschaftlichen
Programme, die

�für den kleinen Farmer kaum etwas abwerfen, die vielmehr einem bereits
wohlhabenen Farmer mehr als 13 Millionen Dollar bereitgestellt haben;
die acht Millionen Dollar, die der
Kongreß in diesem Jahr zur Errichtung
eines Zentrums für - stellen Sie sich
vor - Unkrautforschung bewilligt hat.
Es wird Zeit, das alljährliche
Haushaltsfiasko zu beenden - es wird
Zeit, die Maßnahmen in Kraft treten
zu lassen, die wir im Rahmen unseres
Vorschlags eines Verfassungszusatzes
zur Wirtschaftspolitik vorgelegt haben. Und lassen Sie mich hinzufügen,
daß wir auf einigen Gebieten nicht
warten, bis der Kongreß handelt. Die
Privatisierung ist eine neue Initiative, die ich als Teil eines Verfassungszusatzes zur Wirtschaftspolitik
angekündigt habe.
Vergangene Woche
habe ich eine private - oder besser
überparteiliche - Kommission ernannt,
die mir über Möglichkeiten berichten
soll, wie wir den Umfang der Bundesregierung
dauerhaft
kürzen
können,
indem
wir
die
hierfür
geeigneten
Bundesaufgaben wieder in die Hände
der Privatwirtschaft zurückführen.
Der zentrale Punkt bei all unseren Bemühungen zur Erlangung eines
disziplinierten Haushalts, wird die
Verabschiedung eines selektiven Vetos
und des Zusatzartikels für einen ausgeglichenen Haushalt sein.
Ich möchte noch etwas hinzufügen,
was diesen
Zusatzartikel betrifft.
32 Bundesstaaten haben bereits eine
Resolution angenommen, die die Einsetzung
einer
verfassungsgebenden
Versammlung zum Zweck der Ausarbeitung eines Zusatzartikels für einen
ausgeglichenen Haushalt fordert. Das
sind 32 Bundesstaaten von insgesamt
34, die gebraucht werden, bevor eine
solche Versammlung tatsächlich einberufen werden kann. Und ich kann Ih-

nen versichern, daß jedesmal, wenn
ich draußen im Lande einen ausgeglichenen Haushalt erwähnt habe - in Ansprachen zu nicht weniger als 30 000
Menschen
während
einer
Versammlung
unter freien Himmel - erhalte ich
stürmischen Applaus, wenn
ich nur
diesen Begriff erwähne.
Und meines
Erachtens sollte hier in Washington
der Kongress die Disziplin an den Tag
legen, einen eigenen
Zusatzartikel
für einen ausgeglichenen Haushalt zu
verabschieden.
Wenn
der
Kongress
sich jedoch weigert, dies zu tun,
dann sollten wir meines Erachtens alle darin übereinstimmen, daß diese
Angelegenheit direkt den Gesetzgebern
in den Bundesstaaten übergeben werden
muß.
Sie wissen, daß ich es beinahe
genieße, darüber nochmals in Sakramento zu sprechen.
Am 12. August habe ich den Kongreß dazu aufgerufen, über unseren
Verfassungszusatz für einen ausgeglichenen Haushalt klar und deutlich abzustimmen. Dieses Angebot steht noch
immer.
Im Rahmen der Außenpolitik stehen
wir, wie Sie wissen, mit der Sowjetunion in engen Verhandlungen über Rüstungskontrolle.
Dies sind Verhandlungen, die die Hoffnung auf einen
wirklichen Abbau der beiderseitigen
nuklearen Arsenale in Aussicht stellen. Und in Nicaragua ist die dringenste und entscheidenste Aufgabe der
Aufbau der Demokratie.
In den vergangenen Wochen schien
das Thema Mittelamerika manchmal verwirrend geworden
zu sein.
Fragen
häuften sich auf:
wer schlug was
vor, und mit wie vielen möglichen
Stimmen kann für dies oder jenes auf
dem Kapitol gerechnet werden.
Der
Kernpunkt jedoch hat sich nie geändert.
Dieser Kernpunkt ist Frieden
und Demokratie in Mittelamerika und

- 3 -

�nationale
Staaten.

Sicherheit

der

Vereinigten

Wie schon der Präsident von Costa
Rica, Arias, erklärt hat, wird es
niemals Frieden in Mittelamerika geben, bis Nicaragua eine "echte Demokratie" hervorgebracht hat.
Wenn die andere Seite Frieden
will, gibt es keinen Grund zu zögern.
Laßt sie jetzt zu einer Demokratisierung kommen.
Die Demokratie erfordert einen sofortigen Waffenstillstand mit den Freiheitskämpfern, eine
Generalamnestie, und die ausgehandelte Freilassung von Tausenden politischer Gefangener aus den Gefängnissen der Sandinisten, ein festgelegtes
Datum für freie, faire und international überwachte nationale Wahlen,
und die sofortige Anerkennung der
elementarsten
Menschenrechte,
einschließlich
der Rede-, Presse- und
Religionsfreiheit.
Die Zeit ist gekommen, sich auf das Ziel zu konzentrieren, Frieden und Demokratie nach
ganz Mittelamerika und insbesondere
Nicaragua zu bringen.
Wir müssen uns über eines im klaren sein. Wir werden unsere Freunde
in Nicaragua nicht im Stich lassen.
Gott schütze sie. Wir teilen ihren
Wunsch nach Frieden, Wohlstand und
Demokratie.
Und wir werden sie in
ihrem Streben genauso unterstützen,
wie wir das in der Vergangenheit getan haben. Ein System, das einer Demokratie lediglich ähnlich ist, werden wir nicht akzeptieren.
Bis zu
diesem Punkt sind wir nur durch die
Bemühungen der über 15 000 Freiheitskämpfer gelangt, die für Freiheit in
ihrem Land kämpfen oder sogar, wie
manche von ihnen, dafür sterben. Es
ist ihr Land, ihre Zukunft. Und wenn
das
jüngste Friedensabkommen
seine
Aufgaben nicht erfüllt, sollen sie
sich weiter auf unsere Unterstützung

verlassen können, bis Nicaragua eine
echte Demokratie ist. Vielen Dank.
Sie haben klar gemacht, daß wir heute
wie stets jenen tapferen Männern und
Frauen beistehen, die für die Freiheit des Menschen arbeiten, beten und
sogar kämpfen.
Nun blicken wir auf mehr als
sechs Jahre zurück, und gerade noch
weitere 16 Monate liegen vor uns.
Ich möchte Sie wissen lassen, wie
sehr ich Ihnen für alles danke, was
jeder von Ihnen getan hat. Für all
ihre Zeugenaussagen auf dem Kapitol,
für all ihre Reisen, ihre Reden und
Interviews, für
ihre Unterstützung
und Hingabe.
Ich weiß, diese vergangenen Monate sind nicht einfach gewesen. Glauben Sie mir, ich weiß es. Und vielleicht war das schlimmste von allem
die Tatsache, daß es zeitweise so
aussah, als ob uns die Ereignisse
einfach überrollen.
Jemand hat die
Geschichte einmal so definiert, daß
er sagte, es passiert einfach eine
verdammte Sache nach der anderen.
Aber Geschichte geschieht nicht
einfach so - sie wird gemacht. Und
sogar in den schwierigsten Momenten
dieser zurückliegenden Monate haben
wir weiter Geschichte gemacht, haben
wir geradlinig danach gestrebt, unsere Vision von Amerika Wirklichkeit
werden zu lassen.
c

Und was wir tatsächlich sehen,
ist eine intensive Sorge für die Sache der Freiheit des Menschen in unserer eigenen Hemisphäre. Wir sehen
eine sich ausbreitende Demokratie vom
Rand des Pazifiks bis nach Südamerika
und darüber hinaus. Es gibt mehr beschäftigte Amerikaner in besseren Positionen als jemals zuvor. Das Volk
erhält mehr und Regierungsgewalt wird

»

�abgebaut.
Aber wir dürfen jetzt nicht damit
aufhören.
Es muß noch viel getan
werden, um an jenen Schutzmaßnahmen
zu arbeiten, die eine niedrige Inflation, niedrige Zinsen und steigende
Produktivität
bringen.
Wir
stehen
heute am Scheideweg, und das Land
wartet darauf zu sehen, welchen Weg
wir einschlagen.
Laßt uns in den verbleibenden 16
Monaten für unsere eigene Generation
und vor allem für unsere Kinder und
Enkel gemeinsam damit fortfahren, Geschichte zu machen.
Lassen Sie mich vielleicht mit
einem kleinen irischen Gebet zum Abschluß kommen, obwohl ich glaube, daß
manche es für einen Fluch halten.
Mögen jene uns lieben, die uns lieben. Und jenen, die uns nicht lieben, möge Gott die Herzen umkehren.
Und wenn Gott ihre Herzen nicht umkehrt, möge er ihnen ihre Knöchel
verrenken, damit wir sie an ihrem
Humpeln erkennen können.
Vielen Dank und Gott schütze Sie.
Ich weiß nicht, was Sie heute
noch vorhaben, aber George und ich
werden wohl an die Arbeit zurückkehren.

* * * * *

- 5 -

�AMERIKA DIENST
"4-

^

Hintergrundmaterial

Ä&lt;

9. September 1987

31

AMERIKANISCHE ÖFFENTLICHKEIT UNTERSTÜTZT NATO
- Jüngste Analysen und Meinungsumfragen -

WASHINGTON - (AD) - Untersuchungen der öffentlichen Meinung in den Vereinigten Staaten lassen einem hochrangigen Meinungsforscher der Regierung zufolge weiterhin ein starkes amerikanisches Engagement für die Verteidigung
Europas erkennen.
Der Meinungsforschungsexperte des US-Außenministeriums, Alvin Richman, erklärte, die Unterstützung der Öffentlichkeit für den Einsatz amerikanischer
Truppen zur Verteidigung Westeuropas sei gegen Ende der siebziger Jahre stark
gestiegen.
Richman wies insbesondere auf die
Dauerhaftigkeit
des
amerikanischen
Engagements in Europa hin und zitierte eine von Roper durchgeführte Umfrage, bei der 54 Prozent der Befragten auf die folgende Frage eine positive Antwort gaben:
"Würden sie es
unterstützen,
wenn
amerikanische
Truppen Europa gegen einen Angriff
der Sowjets verteidigten".
Richman
erklärte, die Antwort hätte nicht wesentlich unter ihrem im Jahre 1980 nach der sowjetischen Besetzung Afghanistans - erzielten Höhepunkt von
60 Prozent gelegen.

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Der
Meinungsforschungsexperte
verwies auf eine andere im Jahre 1986
durchgeführte Umfrage der G. Lawrence
Co. in Philadelphia, die auf dieselbe
Frage 59 Prozent zustimmender Antworten erhielt, auch wenn in ihrer Frage
die mangelnde Bereitschaft der europäischen Verbündeten zur Unterstützung
amerikanischer
Aktionen
gegen
Libyen erwähnt wurde.
Die Verteidigung Europas als anhaltendes
amerikanisches
Anliegen
zeigte
sich
Richman
zufolge
erst

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�kürzlich in den Ergebnissen einer vom
Chicagoer Rat für Auswärtige Beziehungen in Auftrag gegebenen Umfrage.
Der im Jahre 1922 gegründete Rat hat
sich der Förderung von Pflege und
besserem Verständnis
amerikanischer
Außenpolitik verschrieben.
Der von Gallup durchgeführten Umfrage des Rates von September 1986
zufolge glauben 70 Prozent der amerikanischen Öffentlichkeit und 85 Prozent der meinungsbildenden
Schicht
-prominente
außenpolitische
Experten-, die Vereinigten
Staaten
sollten entweder ihr Niveau militärischen Engagements für die NATO verstärken oder zumindest das derzeitige
aufrechterhalten.
Die im Jahre 1949 gegründete NATO
bildet das Bollwerk der westlichen
Verteidigung gegen einen sowjetischen
Expansionismus in Europa. Dem Bündnis gehören die Vereinigten Staaten,
Kanada und
14 weitere europäische
Staaten an.
Der
Meinungsforschungsexperte
ging auch auf die allgemeine Hinwendung zur internationalen Politik in
den Vereinigten Staaten ein und berichtete:
"Zum ersten Mal seit dem
Vietnamkrieg stellte die amerikanische Öffentlichkeit unsere Beziehungen zu anderen Ländern an die Spitze
ihrer Liste von 13 persönlichen Anliegen" .
Er verwies auf die Ergebnisse
jüngster Umfragen der Fernsehgesellschaft CBS und der New York Times,
denen zufolge im Jahre 1986 in der
Öffentlichkeit drei Hauptthemen vorherrschten:
Terror ismusbekämpfung,
Kontrolle über Nuklearwaffen und die
Iran-Contra-Affäre.
Trotz mancher regelmäßig wiederkehrender Forderungen, auch von Kon-

greßabgeordneten,
die
Truppenstarke
in Europa abzubauen - es sind gegenwärtig
über
325 000 Soldaten dort
stationiert - zeigt die Umfrage des
Chicagoer Rates ein überwältigendes
amerikanisches
Engagement
für
die
Beibehaltung amerikanischer nuklearer
und konventioneller Streitkräfte auf
den bestehenden Niveaus im Atlantischen Bündnis.
In einem Begleitbericht zu den
Ergebnissen der Umfrage weist der Rat
darauf hin, die Untersuchung "zeigt
bei der amerikanischen Öffentlichkeit
und der meinungsbildenden Schicht eine anhaltende Vorrangstellung für die
Beziehung der NATO zu den westeuropäischen Ländern".
Auf europäischer Seite lag eine
Hauptsorge in der Furcht vor einer
amerikanischen Abkopplung von der Politik der NATO, die ein Gegengewicht
zur sowjetischen Truppenstärke bildet, zum Beispiel durch einen einseitigen amerikanischen Abbau der Truppen oder der vollständigen Beseitigung der Nuklearwaffen in Europa.
Der Meinungsumfrage zufolge sind
für die Verbündeten sowohl in Europa
als auch im Fernen Osten die Ergebnisse von erheblicher Bedeutung, die
eine klare Mehrheit zugunsten eines
Kampfeinsatzes im Falle eines sowjetischen Angriffs auf Westeuropa oder
Japan aufweisen.
Die Gallup-Umfrage des Rates ging
mit ihrer Frage an amerikanische Meinungsführer auf dieses Problem ein:
"Glauben sie, die Vereinigten Staaten
sollten zum gegenwärtigen Zeitpunkt
die amerikanischen Truppen in Europa
belassen und die amerikanische Nukleargarantie
für
Westeuropa
aufrechterhalten?"
82 Prozent der meinungsbildenden
Schicht
antworteten
mit 'Ja'.

�Eine interessante Tatsache ist,
daß einer 1987 durchgeführten britischen Meinungsumfrage
zufolge beim
Vertrauen in die amerikanische nukleare Unterstützung des Bündnisses
eine Wechselbeziehung
besteht.
56
Prozent der Befragten erklärten ihre
Überzeugung, die Vereinigten Staaten
würden zur Verteidigung Westeuropas
gegen eine sowjetische Invasion von
Nuklearwaffen Gebrauch machen.
Von besonderer Bedeutung sollte
für Europäer, die etwa eine Tagesreise von den Truppen des Warschauer
Paktes entfernt leben und in sehr direktem Maße betroffen sind, das Wissen darum sein, daß der Umfrage des
Chicagoer Rates zufolge 68 Prozent
der amerikanischen Öffentlichkeit und
93
Prozent
der
meinungsbildenden
Schicht dem Kampfeinsatz amerikanischer Truppen im Falle einer sowjetischen Invasion Westeuropas positiv
gegenüberstünden.
Eine Anzahl von Kritikern des
Bündnisses haben den Abbau der Stärke
amerikanischer Truppen in Europa gefordert und sich auf die mangelnde
europäische Bereitschaft bezogen, ihren Anteil der zur Verbesserung konventioneller Streitkräfte notwendigen
Ausgaben zu übernehmen.
Trotz dieser Kritik erkennen die
Amerikaner in zunehmendem Maße die
von den Europäern im Bündnis geleisteten Beiträge an. Verteidigungsminister
Caspar
Weinberger
schrieb
kürzlich in einem Artikel: "Wir müssen erkennen, daß unsere Verbündeten,
einzeln
und
zusammengenommen
einen
größeren Beitrag zur allgemeinen Verteidigung leisten als sich das viele
Leute vorstellen".
Als Beispiel
führte Weinberger
an, daß die Mitglieder des Bündnisses

3,5 Millionen Soldaten unter Waffen
haben, verglichen mit ewa 2 Millionen
in
den
Vereinigten
Staaten.
Weinberger zufolge würden im Falle
eines Krieges 60 Prozent aller Bodenund
Luftstreitkräfte
von
nichtamerikanischen Mitgliedern des Bündnisses bereitgestellt.
Sogar zu einer Zeit der angespannten Haushaltslage in den Vereinigten Staten, wo Unterstützung für
die Beschneidung der Verteidigungsausgaben um sich greift, wollen 62
Prozent der Öffentlichkeit und 77
Prozent der meinungsbildenden Schicht
der Umfrage des Chicagoer Rates zufolge eine amerikanische Beteiligung
an der Verteidigung Europas "auf dem
gegenwärtigen Stand" fortsetzen.
Richman erklärte, die Statistik
beweise, daß "Truppen zu einem großen
Teil die amerikanischen Bindungen zu
Westeuropa symbolisieren und ein anhaltendes Engagement in der Region
dokumentieren".
Trotz der Kritik des Kongresses
fand die Umfrage des Chicagoer Rates
heraus, daß von den Vertretern der
meinungsbildenden Schicht 96 Prozent
der Kongreßabgeordneten mit 'Ja' auf
die Frage antworteten:
"Würden Sie
zum gegenwärtigen Zeitpunkt die Truppen in Europa belassen und die amerikanische Nukleargarantie
für Westeuropa aufrechterhalten?"
Im Bericht des Chicagoer Rates
heißt es:
"Obwohl die meinungsbildende Gruppe
in Amerika einzelnen
europäischen Maßnahmen oft kritisch
gegenübersteht und verschiedene Alternativen zu den gegenwärtigen Sicherheitsabsprachen
offen
erörtert,
bleibt der Konsens erhalten, daß die
Vereinigten Staaten sich nicht militärisch aus Europa zurückziehen sollten".

- 3 -

�In bezug auf kulturelle Gemeinsamkeiten zeigt die Umfrage des Rates, daß Europa weiterhin einen positiven Platz in der amerikanischen öffentlichen Meinung einnimmt. Auf die
Frage des Rates:
"Wenn Sie einen
Sohn oder eine Tochter hätten, und
ihn oder sie zu einem Studienaufenthalt ins Ausland schicken würden,
welchen Aufenthaltsort würden Sie ihm
oder ihr raten?" 70 Prozent antworteten 'Europa1.

* * * * *

- 4

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Reagan: gründet Privatisierungskommission&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Ansprache des Präsidenten&amp;nbsp;&lt;/em&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Reagan: wir werden unsere Freunde in Nicaragua nicht im Stich lassen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Ansprache vor Regierungsbeauftragten&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Amerikanische Öffentlichkeit unterstützt NATO &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Jüngste Analysen und Meinungsumfragen &lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST

30

2 . September 1987

i
I N H A L T

DOKUMENTATION

Reagan:

Unterstützung für demokratischen Widerstand in Nicaragua

- Ansprache Präsident Reagans in Radio Liberacion -

Reagan;

UdSSR muß sich zum Weltfrieden bekennen

- Rundfunkansprache Präsident Reagans -

Neuester Stand der amerikanisch-sowjetischen Beziehungen
- Rede von Fritz W. Ermarth vor der Chautauqua-Konferenz

* * * * * *

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�AMERIKA DIENST
Dokumentation

'V,oN^

2. September 1987

30

REAGAN:

UNTERSTÜTZUNG FÜR DEMOKRATISCHEN WIDERSTAND IN NICARAGUA
- Ansprache Präsident Reagans in Radio Liberacion -

SANTA BARBARA - (AD) - Präsident Reagan hat der demokratischen Widerstandsbewegung Nicaraguas gegenüber sein Versprechen der Unterstützung durch
die Vereinigten Staaten erneuert, da "wir das gleiche Ziel anstreben - die Demokratie" .
Der Präsident gab diese feste Zusage in einer von Radio Liberacion am 25.
August 1987 in Nicaragua gesendeten Rundfunkansprache. Die Anführer der Widerstandsbewegung hatten diese Botschaft bei ihrem Treffen mit dem Präsidenten
am 5. August gefordert.
Nachfolgend drucken wir die Ausführungen Präsident Reagans im Wortlaut.
Die vier Präsidenten der demokratisch regierten Länder Mittelamerikas
haben sich mit den kommunistischen
Herrschern Nicaraguas
in Guatemala
zusammengesetzt, um einen Friedensplan für Mittelamerika auszuhandeln.
Das Gipfeltreffen wurde mit einem vom
Versprechen der Demokratie getragenen
Abkommen für den regionalen Frieden
beendet. Dieser Friedensplan fordert
tiefgreifenden politischen und sozialen Wandel in Nicaragua.
In den vor uns liegenden Wochen
werden wir unsere Hoffenungen an der

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Realität messen, und Versprechen werden an Taten gemessen werden.
Die
Unterzeichnung des Friedensplans von
Guatemala war ein bedeutsamer Akt des
Vertrauens. Aber unser Vertrauen muß
durch
Realismus
gemäßigt
werden.
Denn Vertrauen ohne Realismus wird
nicht zu Frieden führen, sondern zu
Desillusionierung und der ständigen
kommunistischen Herrschaft, die eine
Bedrohung für die anderen, im Entstehen begriffenen, Demokratien in Mittelamerika darstellt.
Die

Sandinisten

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haben

ihr Ver-

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�sprechen zur Wahrung Ihrer Rechte gegeben, als Sie diesen Friedensplan
unterzeichnet haben - Rechte, die Sie
Ihnen in den vergangenen acht Jahren
verweigert haben.
Sie versprachen,
Ihr Recht auf freie Meinungsäußerung
und das Recht auf Versammlungfreiheit
zu wahren.
Sie versprachen politische und religiöse Freiheit und die
Pressefreiheit.
Sie versprachen den
Zugang aller politischen Parteien und
Meinungsträger zu den Kommunikationsmitteln. Sie versprachen freie Wahlen.
Die Sandinisten haben Ihnen jetzt
das Versprechen der Demokratie gegeben - und die Welt ist Zeuge. Ebenso
wie Sie hoffe ich, daß sie dieses
Versprechen halten werden. Aber wie
Sie weiß auch ich, daß der Bürgerkrieg in Nicaragua begann, als die
Sandinistas Ihnen Demokratie versprachen, diesem Versprechen jedoch nicht
nachgekommen sind. Dieser Kampf wird
ein Ende finden, wenn dieses Versprechen erfüllt worden ist.
Eine der im Plan von Guatemala
festgelegten Vorbedingungen für die
Beendigung
der Kampfhandlungen
ist
Demokratie für Nicaragua. Dies wird
als
"GLeichzeitigkeit"
bezeichnet.
Mit ihrer Zustimmung zum Plan von
Guatemala haben die Sandinistas ihre
Zustimmung zur Beendigung der Unterdrückung
gegeben, die gleichzeitig
mit dem Ende der Kampfhandlungen verwirklicht werden muß.
Die Sandinistas haben uns dies schon früher
versichert und daher schenkt ihnen
niemand mehr Glauben.
"Gleichzeitigkeit" muß
Freiheit
an
vorderster
Front bedeuten, oder es ist kein reeller Handel.
Wir werden die demokratischen Anführer
Mittelamerikas
und
unsere
Landsleute in Nicaragua bei ihrer Suche nach einer diplomatischen Lösung

des Krieges unterstützen, der Ihr
Land heimgesucht hat. Aber wir werden an unserer Politik festhalten.
Unsere Zielsetzungen sind unverändert
- Frieden und Demokratie für Nicaragua.
Unsere Verpflichtung zu Freiheit und Demokratie hat eine politische Bewegung und die Hoffnung auf
Befreiung
ausgelöst.
Aus
diesem
Grunde stehen das Volk Nicaraguas und
das Volk
Mittelamerikas
in
Ihrer
Schuld.
Ich weiß, es ist Ihr sehnlichster Wunsch, in ein befreites Nicaragua
heimzukehren.
Sie
können
sich der Unterstützung Ihres Kampfes
durch uns jetzt und in der Zukunft
gewiß sein, da wir das gleiche Ziel
anstreben - die Demokratie.
Bis dem nicaraguanischen Volk die
Grundfreiheiten gewährt worden sind,
werden Sie Ihren Kampf fortsetzen dessen bin ich mir bewußt. Und die
Vereinigten Staaten werden Ihnen zur
Seite stehen. Das Ziel der Reise ist
"Nicaragua libre". Wir dürfen nicht
rasten, bevor wir dieses Ziel erreicht haben.

* * * * *

�AMERIKA DIENST
Dokumentation
2. September 1987

30
REAGAN:

UdSSR MUSS SICH ZUM WELTFRIEDEN BEKENNEN

- Rundfunkansprache Präsident Reagans -

LOS ANGELES - (AD) - Die Sowjetunion "muß (ihre) imperialen Abenteuer aufgeben, wenn die Welt wahren Frieden erleben soll", erklärte Präsident Reagan
am 29. August. 1987
In seiner wöchentlichen Rundfunkansprache an die Nation appellierte der
Präsident erneut an die Sowjetunion, ihre Aufwendungen für militärische Zwecke
allgemein bekanntzugeben und die neuen Waffensysteme offen zu diskutieren. In
Anlehnung an einige der in seiner Ansprache vom 26. August über den Stand der
sowjetisch-amerikanischen Beziehungen zum Ausdruck gebrachten Gedankengänge
verwies Präsident Reagan darauf, daß Washington und Moskau Gegner seien, weil
der Kreml dies so gewollt habe.
Er forderte den sowjetischen Parteichef
Gorbatchow erneut auf, seine innenpolitische Kampagne der "Glasnost" oder Offenheit mit größerer Flexibilität bei der Außenpolitik einhergehen zu lassen.
Nachfolgend drucken wir die Ausführungen Präsident Reagans im Wortlaut.
Meine lieben Mitbürger, in diesem
Sommer würden wir alle am liebsten
die Arbeit vergessen, frei nehmen und
uns erholen.
Vielleicht ergeht es
Ihnen jedoch so wie mir, und Sie setzen sich während Ihres Urlaubs gedanklich mit größeren Problemen auseinander als den alltäglichen - zum
Beispiel dem Problem, welche Richtung
wir
langfristig
einschlagen
sollen
und wie wir dieses Ziel erreichen
wollen.

über eines der vordringlichsten Probleme zu sprechen:
Den Beziehungen
zwischen den Vereinigten Staaten und
der Sowjetunion.
Wie Ihnen sicherlich bekannt sein wird, hatte ich bereits vor einigen Tagen Gelegenheit,
vor einer Versammlung in Los Angeles
und über Satelliten-Übertragung vor
einer anderen Tagung in New York Ausführungen zu diesem Thema machen zu
können.
Ich möchte jedoch auch zu
Ihnen darüber sprechen.

Ich hoffe, Sie gestatten mir einige Minuten Ihrer Zeit, um zu Ihnen

Heute stehen sich Amerika und die
Sowjetunion als Gegner gegenüber, wie

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�bereits seit dem Ende des Zweiten
Weltkriegs.
Amerikaner haben diese
Feindschaft nicht gewollt. Vor seinem Tode sprach Präsident Franklin D.
Roseveit für alle Amerikaner, als er
seiner Hoffnung Ausdruck verlieh, daß
die Sowjets nach Beendigung des Krieges mit uns an der Gestaltung einer
Welt in Demokratie und Frieden zusammenarbeiten würden.
Von diesem Gedanken geleitet begab sich Roosevelt
im Jahr 1945 zur Konferenz von Jalta,
um mit Stalin zusammenzutreffen. Die
Sowjets nährten dort seine Hoffnungen
mit der Zustimmung, freie und unbehinderte Wahlen
in osteuropäischen
Ländern wie Polen abzuhalten, sobald
der Frieden eingetreten sei.
Innerhalb von zwei Jahren brachen
sie ihr Versprechen.
Dann begannen
sie, freie Länder wie Griechenland
und die Türkei zu unterwandern. Erst
danach gaben die Vereinigten Staaten
widerstrebend zu, daß die Sowjets ihre Gegner sind.
Die
Ziele
unserer
Außenpolitk
sind heute noch die gleichen wie in
den
vergangenen
vier
Jahrzehnten.
Wir lehnen Totalitärismus, insbesondere
imperialistisch-expansionistischen Totalitärismus ab. Wir treten
für Demokratie und Menschenrechte ein
und wir sind für weltweiten Wohlstand, der nur durch freie Volkswirtschaften entstehen kann und die Verwirklichung
menschlichen
Wohlergehens, das nur durch politische Freiheit hervorgebracht werden kann.
Als meine Regierung die Amtsgeschäfte vor sechseinhalb Jahren übernahm, mußten wir feststellen, daß die
amerikanische Politik diese vornehmsten Ziele in einigen entscheidenden
Bereichen aus dem Blick verloren hatte. Der massiven sowjetischen Aufrüstung im Verlauf der siebziger Jahre
stand Untätigkeit seitens der Ameri-

kaner gegenüber.
Die Sowjets hatten
einige Tausend Gefechtsköpfe hinzugefügt, moderne Mittelstreckenwaffen in
Europa eingeführt und ihre vierte Generation von Interkontinentalraketen
stationiert - während wir nur zusahen.
In der Zwischenzeit erstrecken
sich die sowjetischen Machenschaften
in der Dritten Welt bis auf Länder
wie Afghanistan, Kambodscha, Angola
und Nicaragua.
Vieles davon hat sich heute geändert. Wir haben unser Militär aufgerüstet, und die Sowjets haben mit einer neuen Bereitschaft zu ernsthaften
Gesprächen über Abrüstung auf unsere
neue Stärke reagiert. In der Vergangenheit haben Rüstungskontrollabkommen lediglich die Regeln dafür festgelegt, wie schnell unsere beiden
Länder die Anzahl ihrer Nuklearwaffen
steigern konnten.
Vor sechs Jahren haben wir erklärt,
Rüstungskontrollgespräche
müßten ein anderes Ziel verfolgen.
Wir sollten versuchen, die Zahl der
Nuklearwaffen zu verringern. Auf dem
Gebiet
der
bodengestützten Mittelstreckenraketen schlug ich vor, diese
einfach völlig abzuschaffen.
Heute stehen wir kurz vor einem
Vertragsabschluß mit den Sowjets, um
genau dies zu tun. Gleichzeitig haben wir mit der Entwicklung von Technologien begonnen, die der ganzen
Menschheit die Furcht vor Nuklearraketen nehmen könnte:
Eine strategische Verteidigung zur Abwehr nuklearer ballistischer Raketen.
In den vergangenen sechseinhalb
Jahren haben wir ferner einen neuen
Ansatz gegenüber den sowjetischen Machenschaften entwickelt.
Wir haben
erklärt, Amerika habe eine moralische
Verpflichtung,
denjenigen
beizustehen, die tapfer für die Freiheit und

�gegen die von den Sowjets geschürte
Unterdrückung in ihren Heimatländern
kämpfen. Wenn die Welt wahren Frieden erleben soll, müssen die Sowjets
diese imperialen Abenteuer aufgeben.

samkeit.

Gott schütze Sie.

* * * * *

,

\

'

Diese Woche schlug ich eine Reihe
von Maßnahmen vor, die von den Sowjets unternommen werden können, um
die Beziehungen zu den Vereinigten
Staaten zu verbessern.
Sie können
ihre Truppen aus Afghanistan abziehen, die Berliner Mauer niederreißen
und freie Wahlen in Osteuropa zulassen.
Und da in diesem Monat die
freie polnische Gewerkschaft "Solidarität" ihren siebten Jahrestag feiert
und dies gleichzeitig der 19. Jahrestag des Einmarschs der Sowjetunion in
die Tschechoslowakei ist, haben die
Sowjets eine besonders gute Gelegenheit, der Gewalt als einem Mittel zur
Verhinderung der Liberalisierung Osteuropas abzuschwören. Nach den gleichen
Prinzipien
könnten
sie
ihre
Hilfsmaßnahmen für das sandinistische
Regime in Nicaragua beenden, das dessen Nachbarn subversiv unterwandert.
Die Sowjets könnten ferner ihre
Verteidigungsausgaben offenlegen, damit die Weltöffentlichkeit eine Überprüfung vornehmen kann.
Sie können
einen gültigen und umfassenden Verteidigungshaushalt vorlegen und Stärke und Zusammensetzung ihrer Streitkräfte veröffentlichen.
Sie können
Diskussionen
über
die
wichtigsten
neuen militärischen Programme in ihrem Parlament, dem Obersten Sowjet,
gestatten.
Bei uns in der Heimat müssen wir
uns an die Lektion der vergangenen 40
Jahre erinnern:
Amerika muß stark
und entschlossen bleiben, wenn die
Welt echten Frieden erfahren will und
sich die Freiheit durchsetzen soll.
Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerk- 3 -

�AMERIKA DIENST
'VON

&lt;*

Dokumentation
2. September 1987

30

NEUESTER STAND DER AMERIKANISCH-SOWJETISCHEN

BEZIEHUNGEN

- Rede von Fritz W. Ermarth vor der Chautauqua-Konferenz -

CHAUTAUQUA, NEW YORK - (AD) - Im folgenden drucken wir den Wortlaut der
von Fritz w. Ermarth, Fachberater des Präsidenten und Leitender Direktor für
europäische und sowjetische Angelegenheiten im Nationalen Sicherheitsrat, am
25. August 1987 vor der III. Chautauqua-Konferenz über sowjetisch-amerikanische Beziehungen gehaltenen Rede.
Es ist mir eine besondere Ehre,
an dieser außergewöhnlichen Zusammenkunft teilnehmen zu dürfen.
Solche
Versammlungen stellen den Wunsch der
politisch Verantwortlichen und Völker
unserer beiden Länder unter Beweis,
einen Kurs des besseren Verständnisses zu verfolgen. Sie sind ein Ausdruck des guten Willens, der Hoffnung
auf die Zukunft unserer Länder und
der Menschheit an sich und des Vertrauens darauf, daß der offene Dialog
zwischen den Bürgern einen der Bestandteile bildet, die diese Zukunft
vielversprechender machen können.

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Embassy of the United States of America

Das Menschengeschlecht hat in der
Tat eine vielversprechende
Zukunft
vor sich.
Ungeachtet der Probleme,
die es häufig für uns birgt, der verblüffenden Fortschritte der Wissenschaft, der Verbreitung wirtschaftlicher
Eigendynamik, der Menschen,
Gedanken und Informationen, die um
die Welt reisen - ist die Menschheit
der Ursprung unseres großen Optimismus für eine gemeinsame Zukunft.
Wir
sehen uns mit zahlreichen
gleichgelagerten
Problemen
konfron-

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�tiert.
Aber
wir
sehen
uns auch
grundlegenden
Unterschieden
gegenüber, die die Vereinigten Staaten und
die Sowjetunion nun seit mehreren Generationen trennen.
Es sind politische Kontroversen darüber, wie die
menschliche Gemeinschaft sich verwalten und miteinander
in Verbindung
treten sollte.
Es sind die Themenkomplexe Krieg und Frieden, bei denen
der Rüstungswettlauf nur Symptom und
Wirkung ist.
Wir müssen diese Konflikte unvoreingenommen diskutieren, denn sonst
werden wir kein Einverständnis erzielen.
Eine
oberflächliche
Freundschaft birgt die Aussicht auf übertriebene Enttäuschung in sich - eine
Tatsache, die wir mehr als einmal in
der
Geschichte unserer
Beziehungen
beobachten konnten.
In meinem Ausführungen werde ich mich vorwiegend
auf Beschwerden konzentrieren.
Aber
der wahre Zweck dieser Bestandsaufnahme ist, die vielversprechenden Ansätze in unseren Beziehungen voranzutreiben. Obwohl überall auf der Welt
gefährliche Krisenherde bestehen, von
denen wir aufgesogen werden könnten,
scheinen die Vereinigten Staaten und
die Sowjetunion, insgesamt gesehen,
eher bestrebt, Konfrontationen vermeiden zu wollen, denn auf diese aus
zu sein.
Eines der wichtigsten Abkommen
über
nukleare
Abrüstung
scheint in greifbare Nähe gerückt zu
sein. Die ihm zugrundeliegenden Geschehnisse und Neuerungen können jedoch von niemandem unter uns in ihrem
vollen Umfang verstanden werden, ohne
eine Rückschau vorzunehmen.
Die Sowjetunion befindet sich in einem faszinierenden Prozeß der Selbstüberprüfung und Erneuerung, der tiefgreifende Auswirkungen auf uns alle haben
könnte.
Und schließlich möchte ich
noch hinzufügen, daß wir uns derzeit
nicht mit einem solchen Vorfall wie
der Verhaftung des Journalisten Nick

Daniloff konfrontiert sehen, der zu
einem
plötzlichen
Abbruch
unseres
Dialogs führen kann.
Im vergangenen Jahr hat mein Vorgänger,
der
jetzige
amerikanische
Botschafter in Moskau, Jack Matlock,
bei
der
amerikanisch-sowjetischen
Chautauqua-Konferenz in Latvia einen
umfassenen Bericht der amerikanischen
Sicht des großen politischen Wettstreits zwichen Ost und West vorgelegt, der einmal als der Kalte Krieg
bezeichnet worden war.
ich möchte
Ihnen diese Rede auch heute noch wegen ihrer Tragweite, Objektivität und
Gegewartsbezogenheit
empfehlen.
In
seinen Ausführungen erklärte Matlock,
wie die amerikanische Politik gegenüber der Sowjetunion als Reaktion auf
die fremdenfeindliche und hegemonistische Vorgehensweise der UdSSR in
der Stalin-Sra entstand - einer Ära,
deren Vermächtnis noch heute andauert.
Er beschrieb die vier Punkte
umfassende
Tagesordnung
Präsident
Reagans für die amerikanisch-sowjetischen Beziehungen: Abrüstung, Lösung
regionaler
Konflikte,
Fortschritte bei der Wahrung der Menschenrechte und Verbesserung unserer
bilateralen Verhandlungen.
Man muß sich hierbei vor Augen
halten, wir lebenswichtig diese Tagesordnung als Ganzes für die allgemeine Verbesserung
der
Beziehungen
zwischen unseren beiden Ländern ist.
Jeder Bereich dieser Tagesordnung ist
von wesentlicher Bedeutung. Mit jedem dieser Bereiche nimmt unsere Einschätzung des sowjetischen Verhaltens
und dessen Auswirkungen auf die von
uns geäußerte Besorgnis Gestalt an.
Daher ist es uns unmöglich, die vollständige politische und militärische
Bedeutung
eines
Rüstungskontrollabkommens zu beurteilen - vor allem,
wenn es sich um ein sehr ehrgeiziges
handelt - ohne einen Bezug zu den Er-

- 2 -

�eignissen in Afghanistan, zu den Büros, wo über die Schicksale der Verweigerer
und
Dissidenten
befunden
wird, und zu den Ereignissen um unsere Botschaft in Moskau herzustellen.
"An ihren Taten sollt Ihr sie erkennen." Mit diesem Gesetz müssen alle
Regierungen leben.

Afghanistan und andere regionale
Konflikte
Von all den Konflikten, die eine
Belastung für die amerikanisch-sowjetischen Beziehungen darstellen, ist
keiner schmerzlicher und gefährlicher
als der sowjetische Versuch der Eroberung
Afghanistans.
Dieser Krieg
dauert nun schon nahezu ein Jahrzehnt
an; die Verluste an Menschenleben
sind fast die höchsten, die seit dem
Zweiten Weltkrieg in einem Konflikt
je zu beklagen waren.
Die sowjetische Entschlossenheit, diesen Krieg
zu gewinnen, bringt mutwillige Zerstörung entlang der Grenzen zu Pakistan und Terrorismus im Lande mit
sich, der durch die vom Geheimdienst
des Regimes in Kabul begangenen Verbrechen noch verschärft wird.
Es
liegen bereits öffentliche Berichte
vor, wonach der Krieg auf sowjetisches Territorium
ausufert.
Die
sowjetische Strategie ist also eindeutig auf eine Ausweitung des Krieges ausgerichtet.
Was sollen wir zweieinhalb Jahre
nach Beginn des Zeitalters "der neuen
Denkweise" von diesem Beispiel sowjetischer Führungskraft halten?
Zweifelsohne können wir neue Taktiken beobachten, wir vernehmen neue Worte.
Aber was wir beobachten, ist nicht
neu:
das Bestreben, unter unterschiedlichsten Deckmänteln ein kommunistisch beherrschtes, Moskau gegenüber loyales Regime aufzuzwingen,
das offensichtlich den Willen des af- 3

ghanischen Volkes mißachtet.
In Privatunterhaltungen wird uns
versichert, daß das Najib Regime in
Kabul nicht kommunistisch sei. Nun,
ich überlasse es anderen, eine Charakterisierung vorzunehmen, aber ich
weiß, daß es nicht unabhängig oder
repräsentativ
für
das
afghanische
Volk ist. Uns wird versichert, eine
Koalitionsregierung sei möglich und
diese Koalition benötige keine kommunistische Mehrheit - natürlich so
lange das Heer und die Geheimpolizei
in den Händen der Machthaber verbleiben.
Wir werden aufgefordert, die
sogenannte
nationale Aussöhnung
zu
akzeptieren, Pakistan von einer Beendigung seiner Unterstützung und Offenheit
gegenüber
dem
afghanischen
Widerstand zu überzeugen und unsere
Unterstützung
beider
Gruppierungen
abzubrechen.
Damit würden wir den
Fremdmächten das Argument an die Hand
geben, den Besetzern politisch den
Sieg zu gewähren, den sie dem afghanischen Volk nicht mit Gewalt abringen können.
Die Vereinigten Staaten
und die ganze Welt können dem nicht
zustimmen.
Einige
der
sowjetischen Regierungssprecher äußern sich, ausnahmslos in privaten Kreisen, dahingehend,
daß das ganze Unternehmen ein großer
Fehlschlag war, in der Tat war...und
immer noch ist.
Das einzig angebrachte bei einem solchen gescheiterten Unterfangen ist, es aufzugeben.
Sobald die sowjetische Regierung eine
überzeugende Entscheidung trifft, Afghanistan ohne Vorbehalte bezüglich
der Kontrolle über das Land sich
selbst zu überlassen, sind Lösungen
möglich, mit denen die Würde des sowjetischen Staates und seiner legitimen Sicherheitsinteressen respektiert
werden.
Frieden und Freiheit für das Volk

�von Afghanistan sind Grund genug für
eine solche sowjetische Entscheidung.
Hinzu kommt eine Verringerung der
Möglichkeiten für einen Konflikt noch
größeren Ausmaßes in der Region. Vor
allem würde jedoch die sowjetische
Entscheidung zur Beendigung ihrer kolonialen
Machenschaften
in Afghanistan mehr bewirken, als irgendeine
Maßnahme die Welt - die muslemische
Welt, die westliche Welt, Sie und
mich - überzeugen könnte, daß die
UdSSR von Menschen regiert wird, die
die Rechte und Freiheiten anderer respektieren können.
Weiter westlich, in Südasien, waren wir bei der Erarbeitung gemeinsamer Standpunkte etwas erfolgreicher.
Wir haben gleichlaufende Interessen
an einer politischen Beendigung des
Krieges zwischen Iran und Irak festgestellt.
Auf diese gleichlaufenden
Interessen aufbauend haben wir gemeinsam mit allen anderen Mitgliedern
des Weltsicherheitsrates
über eine
Resolution abgestimmt, die einen Waffenstillstand und den Rückzug zu den
festgesetzten Grenzen fordert.
Bis
zu diesem Punkt sind wir einer Meinung.
Wir möchten jedoch noch weitergehende
Gemeinsamkeiten
erarbeiten.
Wir sind der Meinung, daß es
jetzt an der Zeit für eine zweite Resolution des UN-Sicherheitsrates ist,
eine Resolution, die Sanktionen in
Form eines Waffenembargos für jedwede
Partei in dem Konflikt verhängt, die
zur Zustimmung
zu einem gerechten
Frieden
nicht
gewillt
zu
sein
scheint.
Andere Nationen sind bereit, solch eine Resolution zu unterstützen.
Bedauerlicherweise scheint
die Sowjetunion
noch abgeneigt zu
sein, sich uns anzuschließen.
Statt
dessen benutzt sie ihren diplomatischen Einfluß in der Region - bis hin
zum Dialog mit dem Iran - um Feindseligkeiten gegen unsere außerordentlich gemäßigten Schritte zu schüren,

die wir zur Abwendung von Angriffen,
Beruhigung exponierter Regionalstaaten und zum Schutz lebenswichtiger
Seewege unter beträchtlichem Risiko
für uns selbst unternommen haben.
Bei dem Versuch, alle die komplexen
politischen und militärischen Nuancen
einzuordnen, stoßen wir auf eine beunruhigende Frage:
Ist die Sowjetunion wirklich an Frieden und Stabilität an ihrer südlichen Grenze interessiert?
Oder ist sie auf eine
neue
Runde
des
jahrhundertealten
Spiels um Südasien aus, das unweigerlich zu Instabilität, Spannung und
möglicher Konfrontation führen wird?
Können wir hier wirklich "neue Denkweisen" beobachten oder sind es eher
alte Gewohnheiten?
Die gleiche Frage stellt sich etwas umfassender im Mittleren Osten.
Im vergangenen Jahr konnten wir einige verhaltene Gesten Moskaus an Israel wahrnehmen.
Gleichzeitig
hat
Moskau seine Bestrebungen verdoppelt,
seine Rolle
im Friedensprozeß sicherzustellen.
Unserer Meinung nach
demonstriert Moskau mit der Sicherstellung
einer
solchen Rolle konstruktive Absichten, den Worten auch
Taten folgen zu lassen. Moskau sollte die israelische Besorgnis über die
diplomatischen
Beziehungen
und die
jüdische
Auswanderung
beschwichtigen.
Und ganz allgemein sollte
Moskau seine Verbündeten, die eine
ablehnende
Haltung
einnehmen,
zum
friedlichen Dialog bewegen.
Sowjetische Machthaber beanspruchen aufgrund der geographischen Nähe
häufig
Einflußnahme
im
Mittleren
Osten.
Gelegentlich beschweren sie
sich über die Vereinigten Staaten,
die nicht zur Anerkennung der UdSSR
als gleichberechtigte Supermacht in
diesem und anderen Gebieten bereit
sind.
Diese Behauptungen und Proteste sind unangebracht. Tatsache ist,

,

i

�daß echter und rechtmäßiger Einfluß
in einer vielschichtigen, aber zusammenwachsenden Welt sich nicht aus
geographischer Nähe und noch weniger
aus
militärischer
Macht
ableitet.
Letzten Endes leitet er sich aus konstruktivem Verhalten ab, das auf die
Erfüllung der legitimen Bestrebungen
der Völker in der fraglichen Region
ausgerichtet ist, ebenso wie auf die
Erstickung
ihrer
gefährlichen Konflikte.
In den seit dem Zweiten
Weltkrieg vergangenen Jahren konnten
wir feststellen, daß die sowjetische
Politik gegenüber der Dritten Welt
insgesamt gesehen eine eher destabilisierende als stabilisierende Wirkung hatte, revolutionären Autoritarismus eher förderte als demokratische Entwicklung
und unverantwortliche Akteure freigebig mit Waffen
versorgte.
offizielle
sowjetische
Ankündigungen der "neuen Denkweise"
und gemeinsames Sicherheitsdenken geben zu Hoffnungen Anlaß, daß dies ein
Wandel zum Besseren hin sein wird.
Aber wir warten noch immer auf konkrete Beweise hierfür.

zur Sicherstellung des Vertrauens bei
der Einhaltung
würden völlig neue
Formen
der
Vor-Ort-Inspektion
der
Einrichtungen
beider
Parteien einschließen.

Rüstungskontrolle

Die UdSSR hat dieses mögliche Abkommen jetzt grundlos und böswillig
über den Haufen geworfen, indem sie
plötzlich auf der Einbeziehung der
nuklearen Gefechtsköpfe beharrt, die
den Vereinigten Staaten gehören, ihrer Kontrolle unterliegen und für die
72 Pershing lA-Raketen zur Verfügung
gestellt werden, die sich im Besitz
der Bundesrepublik Deutschland befinden und von ihr betrieben werden.
Dieses Kooperationsprogramm mit einem
der wichtigsten Verbündeten ist mehr
als 20 Jahre alt und datiert aus der
Zeit lange vor den sowjetischen SS-20
und amerikanischen INF-Raketen, die
den Anlaß für diese Verhandlungen gegeben haben. Es stammt aus der Zeit
des
Nichtverbreitungsvertrages
von
1967 und entspricht ihm inhaltlich.
Wir haben seit langem eindeutig klar
gemacht, daß diese bestehenden Regeln
der Kooperation mit unseren Verbündeten nicht Bestandteil der amerikanisch-sowjetischen Verhandlungen sind.

In Genf ist ein wahrhaft historisches Abkommen über nukleare Abrüstung zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion in greifbare
Nähre gerückt. Die Vereinigten Staaten und ihre NATO-Partner haben in
der Vergangenheit ihre Nukleararsenale einseitig abgebaut, während die
Sowjetunion ihre kontinuierlich vergrößert hat.
In den 20 Jahren der
Verhandlungen
über
nukleare
Abrüstung haben wir jedoch noch nie eine
Reduzierung der Nuklearwaffen mittels
eines Abkommens zwischen den Supermächten erzielt. Dies wäre eine signifikante
Errungenschaft.
Ungefähr
1 000 amerikanische und sowjetische
Raketen würden abgebaut.
Maßnahmen

Sowjetische
Regierungsvertreter
versichern
uns, daß
die mit
den
Pershing lA-Raketen verbundenen Probleme militärisch irrelevant seien.
Die gleichen Regierungsvertreter bestehen jedoch darauf, daß sie von
politischer Bedeutung sind. Dies ist
zweifelsohne richtig. Aber sie sind
politisch
von entschieden
größerer
Bedeutung für die NATO als für die
UdSSR, es sei denn, die Sowjets hätten ein Interesse daran, die Abrüstungsverhandlungen eher dazu zu benutzen, der NATO politischen Schaden
zuzufügen, als vielmehr stabilisierende Abkommen zu erzielen. Je länger die sowjetische Seite an ihren
realitätsfernen
und
unannehmbaren

- 5 -

�Forderungen bezüglich der Pershing 1A
festhalten, desto zwingender ergibt
sich die Schlußfolgerung, daß sie Ärger und nicht Fortschritte machen
will.
Das Vorgehen bei den Rüstungskontrollverhandlungen
ist
einfach.
Erstens müßten wir ein INF-Abkommen
erfolgreich zu Ende bringen. Weiterhin sollten wir Fortschritte bei der
50prozentigen Kürzung der interkontinentalstrategischen Waffen bis hin zu
einem START-Abkommen mit wirksamer
Verifizierung und angemessenen Untergrenzen zur Sicherstellung des strategischen
Gleichgewichts
erzielen.
Die Vereinigten Staaten sind dazu bereit.
Wir
hoffen, die UdSSR ist
ebenso
bereit.
Es
besteht
kein
Grund, warum ein START-Abkommen eine
Überarbeitung des ABM-Vertrages zum
Abblocken unseres SDI-Programms erforderlich machen sollte, wie die Sowjets, die über den größten strategischen Verteidigungsapparat der Welt
verfügen, weiterhin fordern.
Obwohl
noch sehr viel getan werden muß, ist
ein wirksames weltweites Verbot chemischer Waffen erreichbar.
Dann, so
scheint mir, werden alle weiteren Bestrebungen, eine Reduzierung der Nuklearstreitkräfte auszuhandeln, nicht
nur theoretisch, sondern auch praktisch zweifelsohne äußerst sorgfältig
überprüft werden, während wir beobachten, wie die INFund START-Vereinbarungen ihrer Aufgaben gerecht werden und wir uns dem außerordentlich
schwierigen nächsten Thema auf der
umfassenden
strategischen
Tagesordnung der Rüstungskontrolle zuwenden:
der Reduzierung des Ungleichgewichts
bei den konventionellen Streitkräften
und dem Abbau der drohenden Aggression in Europa. Obwohl sie vage formuliert und leicht propagandistisch
sind, bekräftigen die jüngsten Ankündigungen des Warschauer Pakts die Bereitschaft zu einer Beseitigung des
- 6

Ungleichgewichts bei den konventionellen Streitkräften in Europa, das
den Warschauer Pakt eindeutig bevorzugt und eine der Hauptursachen des
gesamten strategischen Rüstungswettlaufs sind.
Lassen Sie mich dies
ganz klar sagen: Technisch und politisch wird diese Aufgabe sehr schwer
durchführbar sein, da die bedrohende
offensive Schlagkraft der Streitkräfte, auf deren Reduzierung solche Verhandlungen abzielen, in die komplexen
Zusammenhänge von Truppenstärke, Gerätebestand, Stationierung, Doktrin,
Führung sowie die geographischen Gegebenheiten zahlreicher Länder eingebettet sind. Guter Wille, Ernsthaftigkeit und das Vermeiden windiger
Ankündigungen werden für einen Erfolg
unabdingbar sein.
Und schließlich können wir Rüstungskontrolle nicht ohne die Notwendigkeit einer vollständigen Einhaltung
der
Abkommen
diskutieren.
Das Verhalten der sowjetischen Seite
in der Vergangenheit gibt hier zu
ernsthafter Besorgnis Anlaß. Die politisch
anspruchsvolle
Tagesordnung
der Rüstungskontrolle macht es erforderlich, daß der Verhandlungsprozeß von der Last bestehender Vertragsverletzungen befreit wird.
Um
eines der wichtigsten Beispiele zu
zitieren bedeutet dies, daß das Radar
von Krasnojarsk, das eine eindeutige
Verletzung
des
ABM-Vertrages
darstellt, abgebaut werden muß.

Menschenrechte
Das Thema Menschenrechte
steht
aus ganz offensichtlichen Gründen auf
der
Tagesordnung
der
amerikanischsowjetischen
Gespräche.
Es
geht
hierbei um eine moralische Verpflichtung.
Es ist ein politisches Thema
bei unserer eigenen Innenpolitik, und
dazu stehen wir. In den internatio-

�nalen Beziehungen befaßt man sich mit
der Frage der Menschenrechte im Rahmen der Charta der Vereinten Nationen
und der Abkommen von Helsinki.
Am
wichtigsten aber ist, daß es sich um
ein Thema der Friedens- und Sicherheitspolitik handelt, denn mächtige
Staaten wahren die Rechte ihrer Nachbarn fast genauso wie die Rechte ihrer eigenen Bürger.
Die sowjetische Führung hat sich
ganz klar dazu entschlossen, in bezug
auf Menschenrechte "aus der Defensive
herauszukommen", um es einmal so auszudrücken.
Und wir bergrüßen dies,
denn dadurch sind willkommene Verbesserungen zustande gekommen. Außerdem
fühlen wir uns durch die direkten und
offenen Angriffe von Sprechern der
Sowjetunion zur Situation der Menschenrechte in den Vereinigten Staaten nicht beleidigt. Kein Staat ruht
wie eine Insel in sich selbst. Auch
wenn wir die von allen als positiv
bewerteten Schritte der Sowjetunion
im einzelnen analysieren, muß dennoch
die Bedeutung
dessen
unterstrichen
werden, was noch vor uns liegt. Über
150 politische Gefangene sind freigelassen worden; doch viele Hunderte
bleiben inhaftiert, und ihre Freilassung ist von moralisch verwerflichen
Versprechungen des Häftlings abhängig
gemacht worden.
Religiös Andersdenkende erfahren auch weiterhin eine
außerordentlich
grobe
Behandlung.
Die Sowjetunion hat größere Bereitschaft zur Bewilligung von Auswanderungen gezeigt und könnte die Mehrzahl der zur Zeit inhaftierten jüdischen Minderheiten freilassen.
Aber
es werden auch weiterhin Anträge aufgrund
fälschlicher
Annahmen
abgelehnt, wie etwa Zugang des Anwärters
zu geheimen Unterlagen. Und man befürchtet, sobald diese Minderheiten
freigelassen sind, könnte neuen Anwärtern die Tür vor der Nase zugeschlagen werden. Zahlreiche getrenn-

te Familien müssen immer noch zusammengeführt werden; kein rechtmäßiges
Interesse des Staates oder des Gesetzes sollte einem solchen Vorgehen im
Wege stehen.
Es erübrigt sich, an dieser Stelle auf Verbesserungen der Menschenrechtssituation
hinzuweisen.
Aber
wir suchen nach Fortschritten beim
gesamten Klima der Menschenrechte und
nach
überzeugenden
Beweisen dafür,
daß der Ursprung dieser Verbesserungen nicht nur in diplomatischem Geschick, sondern im Streben nach Gerechtigkeit an sich liegt.
Letzten
Endes sind Menschenrechte politische
Rechte; dazu gehört das Recht, die
eigene politische Meinung auszudrükken, genauso wie das aktive Handeln
der Bürger, der ethnischen und religiösen Minderheiten, und ebenso das
Handeln abhängiger Staaten, und zwar
nach gerechten und demokratischen Gesetzen.

Bilaterale Fragen
Lassen Sie mich zwei wichtige bilaterale Fragen ansprechen. Erstens,
die diplomatische Vertretung.
Die
Vereinigten Staaten haben seit Jahren
unannehmbare
Bedingungen
toleriert,
unter denen unser Land in der Sowjetunion und die Sowjetunion in den Vereinigten Staaten diplomatisch vertreten war.
Diese Vertretung war dem
schamlosen Mißbrauch von Seiten der
Sowjets ausgesetzt und stand im Widerspruch zu unserer Sicherheit und
Selbstachtung.
wir haben auf eine
Beseitigung dieser Ungerechtigkeiten
hingearbeitet.
Mittlerweile sind anhaltende Bestrebungen der Sowjets zu Tage getreten, unsere diplomatischen Einrichtungen in der Sowjetunion lahm zu legen, bis hin zum tatsächlichen Ein-

- 7 -

�dringen in unser neues Botschaftsgebäude in Moskau. Dies sprengt jedes
Vorstellungsvermögen.
Solche
Entwicklungen werfen die Frage auf, mit
der wir uns überall konfrontiert sehen:
Was für ein Land ist die Sowjetunion, und ist sie bereit, internationale Beziehungen in zivilisierter Weise zu gestalten?
Die Regierung und der Kongreß der Vereinigten
Staaten
haben
sich
nachdrücklich
verpflichtet
sicherzustellen,
die
Voraussetzungen für unsere diplomatische Vertretung in der Sowjetunion
so sicher, erträglich, modern und
bequem zu gestalten wie die, welche
die Sowjetunion in unserem Land genießt - ungeachtet der deutlichen
Unterschiede
unserer
Gesellschaftsformen. Wir werden Phantasie, Arbeit
und Geld brauchen, um wirklich bequeme und nützliche Bedingungen für
eine kreative Diplomatie zu gewährleisten. Wir werden ferner ein ungewöhliches Maß an Geduld und Zusammenarbeit im Umgang mit der sowjetischen Seite brauchen, wenn wir zu
der
Verbesserung
der
Beziehungen
kommen wollen, die wir beide anstreben.
Das zweite bilaterale Thema, das
ich hier ansprechen möchte, hat mit
Informationspolitik
einschließlich
der Propaganda zu tun.
Es hat bereits positive Entwicklungen auf diesem Gebiet gegeben. Die Sowjetunion
hat ihre Störungen der in Landessprache
ausgestrahlten
Sendungen
der
"Stimme Amerikas" (VOA = Voice of
America) beendet. Sie hat ihre Störsender jedoch auf andere Sendeanstalten gerichtet, insbesondere auf "Radio Liberty". Wir drängen auf eine
Beendigung sämtlicher im Rahmen der
internationalen
Abkommen
illegalen
Störungen, Die Sowjetunion sendet in
beträchtlichem Umfang auf Kurzwellenfrequenzen in die Vereinigten Staaten, strebt aber nach einem Zugang zu
dem viel umfangreicheren Mittelwel- 8

lenbereich.
Im Einklang mit unseren
eigenen Rechtsvorschriften suchen wir
nach Wegen, dies zu ermöglichen. Bis
es soweit ist, warnen wir die Sowjetunion
und
ihren Verbündeten
Kuba
nachdrücklich vor der Benutzung kubanischer
Mittelwellensender
derart,
daß die legitimen kommerziellen Rechte amerikanischer Stationen verletzt
und diese im Ergebnis gestört werden.
Wir haben erlebt, wie gedeihlich sich
Austauschprogramme
zwischen
unseren
Ländern entwickelt haben, wofür dieses Treffen ein Beispiel ist.
Es
gibt wieder
mehr
wissenschaftliche
Austauschprogramme; ihr Nutzen liegt
in den menschlichen Kontakten sowie
in der wissenschaftlichen Zusammenarbeit.
Der Austausch von Ausstellungen und kulturellen Veranstaltungen
ist im Aufschwung. In unseren jeweiligen Medien werden viel wahrheitsgemäßere und interessantere Informationen über unsere beiden Länder vermittelt. Es kann noch viel mehr getan werden, aber man kann auf beiden
Seiten eine gesteigerte Handlungsbereitschaft beobachten.
Aus diesem Grund ist es besonders
bedauerlich, eine beachtliche Eskalation böswilliger offizieller Propaganda der Sowjetunion über die Vereinigten Staaten feststellen zu müssen.
In den vergangenen Monaten haben die
offiziellen sowjetischen Medien die
Vereinigten Staaten direkt oder unterschwellig beschuldigt,
- AIDS in amerikanischen militärischen Labors zu entwickeln;
- an sogenannten ethnischen Waffen
zu arbeiten, die alle Rassen mit
Ausnahme
der Weißen
vernichten
können;
- Friedensdemonstranten
in
Europa
gefährlicher Mikrowellen-Bestrah-

,

t

�lung auszusetzen;
- sich
an
dem
Joneston-Massaker
beteiligt zu haben;
- Olaf Palme ermordet zu haben;
Ein besonders widerliches Beispiel dieser Art von Propaganda ist
die Veröffentlichung von Falschmeldungen
in
der
"Prawda",
der
"Iswestia" und der "Sowjetskaja Kultura", wonach Amerikaner Kinder aus
Latein-Amerika unter dem Vorwand der
Adoption abgeholt und dann in Wirklichkeit als Organspender mißbraucht
und getötet haben.
Diese Art von Propagandaaktivitäten folgt einem generellen Muster.
Zunächst wird ein Gerücht in speziell
zu diesem Zweck betriebenen Medien in
die Welt gesetzt, um dann von offiziellen sowjetischen Organen aufgegriffen und von sowjetischen Nachrichtendiensten zur Weiterverbreitung
verarbeitet zu werden.

nen, wie ihr Land in unseren Medien
dargestellt wird.
Es handelt sich
hierbei um private kommerzielle Unternehmen, auf die von Seiten der
amerikanischen Regierung auf keinen
Fall Einfluß genommen werden darf.
Solchen
Darstellungen
stehen
zahlreiche Veröffentlichungen in sowjetischen Büchern und Filmen mit antiamerikanischen Themen gegenüber, in
einem Land, wo sämtliche Veröffentlichungen
in
Regierungshand
liegen.
Man muß jedoch sehr stark unterscheiden
zwischen ganz offensichtlicher
Fiktion, ob nun zu Unterhaltungszwekken oder zur Indoktr ination, ob geschmacklos oder künstlerisch, und einer blanken Lüge, die von Organen der
Regierung als Tatsache verkauft wird.
Die Autoren solchen Materials mögen
unsere
Beschwerden
beachten
oder
nicht. Aber sie sollen weder bei ihrer Arbeit anonym bleiben, noch soll
unser
politisches Verhältnis davon
unberührt bleiben.

Schlußbemerkungen
Amerikaner fühlen sich durch eine
derartige offizielle, wenngleich verdeckte,
sowjetische
Propaganda
zu
Recht beleidigt. Dies könnte uns sogar Schaden zufügen, insbesondere in
Teilen der Dritten Welt, obwohl das
schwer meßbar ist. Am bedeutendsten
ist hierbei nicht die Frage, was über
die Vereinigten Staaten gesagt oder
ihnen zugefügt wird, sondern was dies
über die Sowjetunion aussagt und daher ihr zufügt. Dieser offiziell abgesegnete Unfug stammt aus denselben
Büros, sogar von denselben hochrangigen Personen, die uns glauben machen
wollen, daß im Kreml eine neue Denkweise verbreitet sei. Was sollen wir
mit solchen Anschuldigungen anfangen?
Ich bin davon überzeugt, daß viele sowjetische Bürger die Art ableh-

Ich bezweifle nicht, daß unsere
sowjetischen Gäste viele der von mir
vorgebrachten Klagen zurückweisen und
ihrerseits
einige
Beschwerden
und
Einwände vortragen werden.
Und in
der anschließenden Debatte werden wir
zu einer korrekten Beurteilung des
derzeitigen
Stands der
sowjetischamerikanischen Beziehungen gelangen.
Beobachter auf beiden Seiten werden
behaupten, eine solche gegenseitige
Kritik würde die Stimmung verderben
und unsere Bemühungen um Verständnis
behindern. Doch ich möchte wiederholen, was ich bereits ausgeführt habe:
wir müssen offen ansprechen, was uns
beunruhigt und trennt, sonst werden
wir keine Verbesserung des Verständnisses erzielen.

- 9 -

�Der derzeitige Stand der amerikanisch-sowjetischen Beziehungen ist so
uneinheitlich, wie schon seit langem
- eine Mischung aus Konflikten und
unseren Bemühungen zur Vermeidung von
Konfrontationen;
dem
Streben
nach
Verständnis für die Unterschiede zwischen uns und dem Aufbau engerer Zusammenarbeit.
Was die amerikanische
Sicht der Tendenzen und zukünftiger
Entwicklungen
betrifft, möchte ich
auf den Präsidenten verweisen, der
morgen zu Ihnen sprechen wird, und
auf den stellvertretenden Außenminister Whitehead, der im Lauf der Woche
das Wort an Sie richtet.
Es erscheint mir angebracht, mit
einigen Bemerkungen über die bedeutsamen
Entwicklungen
innerhalb
der
Sowjetunion abzuschließen.
Sie können gelegentlich
lesen,
einige
amerikanische
Regierungsvertreter seien skeptisch über die innenpolitischen Entwicklungen in der
Sowjetunion,
über
"Glasnost"
und
"Perestroika". Lassen Sie mich Ihnen
versichern, sie zweifeln nicht daran,
daß etwas wichtiges und vielleicht
vielversprechendes
geschieht.
Aber
sie sind skeptisch darüber, was es
wirklich ist, wie weit es gehen wird,
und was es letztlich für das Verhalten der Sowjetnuion gegenüber der
Welt bedeuten wird. Rußland und die
Sowjetunion haben schon vorher Perioden der Reform erlebt, und diese
Epochen waren unmittelbar von Stagnation und Unterdrückung gefolgt. Gelegentlich waren die Phasen der Reform von gefährlichen Aktionen in der
Außenpolitik begleitet.
Ist "Perestroika" ein Prozeß, der
die Sowjetunion
zu neuen Anstrengungen ermutigt, die Kontrolle über
andere anzustreben?
Oder wird dies
zu einer neuen Aussöhnung und Freund- 10

schaft mit den Nachbarn führen? Wir
wissen es nicht, und soweit ich das
sagen kann, wissen auch die meisten
Sowjetbürger dies nicht.
Die wahre
Absicht
politisch
Verantwortlicher
kann nicht immer zwangsläufig aus dem
geschlossen werden, was sie sagen.
Außerdem liegen die Ergebnisse großer
historischer Entwicklungen nicht allein in den Händen der Politiker.
Generalsekretär
Gorbatschow
hat
vernünftigerweise
festgestellt, daß
echte "Perestroika", also eine andauernde Wiederbelebung
der sowjetischen Gesellschaft, Kraft von unten
benötigt, neue Wege des Denkens und
Handelns der Menschen.
Im Gegenzug
wird dies neue Formen der Toleranz
und des Antriebs von den politisch
Verantwortlichen erfordern.
Die daraus resultierende Unruhe, so wird
uns
versichert,
wird
für
viele
furchterregend und für alle ungewiß
sein. Das Ergebnis steht nicht fest.
Und die Außenpolitik der führenden
westlichen Nationen kann nicht auf
ein ganz bestimmtes Ergebnis setzen.
Die Politik muß von Skepsis und
Vorsicht geprägt sein. Aber sie muß
auch von Hoffnungen und Visionen inspiriert sein.
Damit ist die Hoffnung des amerikanischen Volkes und
seiner politisch Verantwortlichen gemeint, daß
"Perestroika"
bei
der
Schaffung
eines größeren Maßes an
Wohlstand und Freiheit in der Sowjetunion und in Osteuropa erfolgreich
sein wird. Erfüllt von unseren eigenen Werten und unserer langen Erfahrung glauben wir, daß die Sowjetunion
ein toleranteres und freieres Land
werden muß, wenn sie wohlhabender und
produktiver werden will.
Dann wird
sie auch ein umgänglicher Nachbar in
der Welt sein.
Es erfordert nicht allzu viel
Phantasie, sich eine Sowjetunion vor-

t

»
K

�zustellen, in der etwas erreicht wurde, das unserem Verständnis von Gerechtigkeit und Freiheit, von Toleranz zwischen Staat und Bürgern, zwischen Nationalitäten und religiösen
Gruppen
und
zwischen Nationen und
Nachbarn näher
kommt.
Auf dieser
Aussicht, so unsicher sie auch sein
mag, gründet sich die Vision eines
wahren und dauerhaften Friedens zwischen unseren Ländern, ein Friede getragen von Harmonie und Freundschaft.
Bis dahin arbeiten wir gemeinsam
an der schwierigen und widersprüchlichen Beziehung, die wir zueinander
haben.
Die Vereinigten Staaten sind
auf diese Arbeit mit der Sowjetunion
vorbereitet. Wir werden jedoch auch
weiter darauf bestehen, daß Frieden
und Freiheit Hand in Hand gehen müssen.

* * * * *

�</text>
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Sonderdienst
27. August 1987

REAGAN:

OFFENHEIT BEI SOWJETISCHEN MILITÄRANGELEGENHEITEN

- Rede Präsident Reagans zu Ost-West-Beziehungen -

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�LOS ANGELES - (AD) - Präsident Reagan hat die sowjetische Führung zu mehr
"Glasnost" im militärischen Bereich aufgefordert und auf Schritte gedrängt,
die zum guten Willen des Kreml bei "seinen eigenen Entscheidungen bezüglich
der schwerwiegenden Abrüstungsangelegenheiten und der militärischen Position"
wie auch zu größerem Verständnis der amerikanisch-sowjetischen Beziehungen
beitragen würden.
In seiner am 26. August 1987 in Los Angeles gehaltenen Ansprache drängte
der Präsident die Sowjets unter anderem, das sowjetische Volk und die Welt
insgesamt über Umfang und Zusammensetzung der sowjetischen Streitkräfte zu informieren und im Obersten Sowjet die Diskussion über Militärpolitik und Waffensysteme zu eröffnen.
Nachfolgend drucken wir die Rede Präsident Reagans im Wortlaut.

Es ist mir eine große Ehre und
ein Vergnügen heute abend bei Ihnen
zu sein. Ich danke Ihnen für diese
Gelegenheit, vor der Versammlung der
Town Hall of California sprechen zu
können, und es freut mich, daß meine
Ausführungen
gleichzeitig
bei
der
Chautauqua Konferenz in New York vernommen werden können, an der Bürger
der Vereinigten Staaten und der Sowjetunion teilnehmen.
Ostküste oder
Westküste - wir alle verfolgen das
gleiche Ziel:
Einen von mehr Freiheit und Offenheit gekennzeichneten
Dialog zwischen den Völkern aller Na-

tionen zu fördern und gemeinsam die
Sache des Friedens und der Freiheit
in der Welt voranzutreiben.
Im Februar 1945, bei seinen ersten Begegnungen mit Roosevelt und
Stalin
in
Jalta,
war
Winston
Churchill von eben diesen Beweggründen geleitet.
Er hatte das Gefühl,
daß die Zeit drängte und sagte zu
seiner Tochter:
"Ich kann mir nicht
vorstellen, daß zu irgendeinem Zeitpunkt in der Geschichte der Menschheit der Schmerz der Welt je so groß
und so weitverbreitet gewesen ist.

�Heute abend wird die Sonne über grösserem Leid untergehen als die Welt je
zuvor gesehen hat."
Es sei nicht nur das Elend des
Zweiten Weltkriegs, das ihn entsetze,
erklärte Churchill, sondern er hege
auch große Angst, daß "...neue Kämpfe
sich aus denen ergeben könnten, die
wir erfolgreich beenden".
in bezug
auf das Treffen der Großmächte in
Jalta fügte er hinzu:
"Wenn (wir)
streiten, werden unsere Kinder zugrunde gerichtet."
Heute wissen wir, daß die Großmächte in Jalta eine Einigung erzielten; schwierige Themenkomplexe wurden
aufgeworfen und gelöst; Abkommen wurden earbeitet; im engeren Sinne war
die Gipfelkonferenz erfolgreich und
die Treffen brachten greifbare diplomatische Ergebnisse hervor.
Eines
dieser Ergebnisse war die Durchsetzung der in der Atlantik-Charta verankerten Rechte, die "die Gewähr dafür bieten wird, daß alle Menschen in
allen Ländern
ihr Leben frei von
Furcht und Not führen können". Auch
das Recht auf Selbstbestimmung der
osteuropäischen Nationen wie zum Beispiel Polen wurde so - zumindest auf
dem Papier - garantiert.
Aber nur
wenige Monate später bewahrheiteten
sich Churchills schlimmste Befürchtungen: die in Jalta verabschiedeten
Garantien für Freiheit und Menschenrechte in Osteuropa wurden zunichte
gemacht, und mit dem Ende der Demokratie in Polen wurde auch die fira
der
Zusammenarbeit
der Verbündeten
beendet.
Was darauf folgte, ist uns als
die
Nachkriegszeit
bekannt.
Eine
Zeit der Spannungen und häufig gefährlichen
Konfrontationen
zwischen
Ost und West - unser "langer Kampf im
Zwielicht der Dämmerung", wie Präsident Kennedy es bezeichnete.

Und
so traten die Großmächte,
weit davon entfernt, den Hader und
das menschliche Leid auf der Welt zu
beenden, die so große Betroffenheit
bei Churchill verursacht hatten, vor
40 Jahren in das Zeitalter des Kalten
Krieges
ein.
in
Erkenntnis
der
ernsthaften Bedrohung unserer eigenen
Sicherheit und der Freiheit unserer
Verbündeten in Westeuropa entwarf das
Volk
der
Vereinigten
Staaten
die
Hauptbestandteile der amerikanischen
vom
Zweiparteiensystem
getragenen
Außenpolitik für die kommenden vier
Jahrzehnte.
Im Jahr 1947 wurde mit
dem Marshall-Plan der Wiederaufbau
Europas in die Wege geleitet; ebenfalls im Jahr 1947 wurde dank der
Truman-Doktrin
die
Unabhängigkeit
Griechenlands und der Türkei hergestellt und das Prinzip des Beistands
für Nationen geschaffen, die sich im
Kampf für die Demokratie und gegen
das Aufzwingen totalitärer Regime befinden.
In den seither vergangenen 40
Jahren war die Außenpolitik von acht
amerikanischen
Regierungen
und
20
Kongressen stets von einem Prinzip
geleitet: Ablehnung von Totalitarismus, Befürwortung demokratischer Reformen und der Menschenrechte sowie
der Förderung von weltweitem Wohlstand und Freiheit - und dies alles
gegründet auf eine starke Verteidigung und das entschiedene Eintreten
für unsere Verbündeten und Freunde.
Als diese Regierung ihr Amt antrat, waren wir uns dieser seit langem bestehenden ziele gewahr.
Aber
wir waren uns auch bewußt, daß sehr
viel getan werden mußte, um deren
Wirksamkeit und Resonanz wiederherzustellen.
Struktur und Zweck der
amerikanischen
Außenpolitik
waren
seit den siebziger Jahren in Auflösung begriffen.

- 2 -

�Aber während wir am Wiederaufbau
der
herkömmlichen
geradlinigen
und
mächtigen
Position der Vereinigten
Staaten in der Welt arbeiteten und
einer Außenpolitik, die mehr als 40
Jahre lang die Sicherheit der Verbündeten
gewährleistet
hatte, erneute
Wirksamkeit verleihen wollten, versuchten wir auch das Patt des Kalten
Krieges zu durchbrechen. Wir wollten
mit
neuen
Initiativen
Fortschritte
erzielen, die dazu beitragen könnten,
die Welt der Nachkriegszeit zu gestalten, wir suchten mehr als einen
unsicheren Weltfrieden auf der Spitze
des Vulkans potentieller
nuklearer
Zerstörung.
Wir suchten nach etwas
jenseits der anerkannten Einflußbereiche und spannungsgeladenen Distanz
zwischen der totalitären und der demokratischen Welt. Mit anderen Worten, wir suchten Mittel und Wege, um
die großen, die Nachkriegszeit verdunkelnden
Wolken
zu
vertreiben,
statt sie hinzunehmen:
der Gefahr
des nuklearen Holocaust und der Ausweitung der totalitären Herrschaft.
Bei der Auseinandersetzung
mit
der
nuklearen Bedrohung haben die
Vereinigten Staaten erklärt, sie verfolgten nicht länger reine Rüstungskontrolle - die Verwaltung, Begrenzung oder das kontrollierte Wachstum
bestehender Arsenale.
Anstelle dessen streben die Vereinigten Staaten
zusammen mit den NATO-Partnern einschneidende
verifizierbare
Reduzierungen dieser Arsenale an - also einen Abbau von Rüstungen und nicht nur
Rüstungskontrolle. Um dieses Ziel zu
erreichen, sind wir über den Status
quo hinausgegangen
- einen reinen
modus vivendi der Rüstungskontrolle.
Zusätzlich zur Eröffnung der Verhandlungen über den Abbau bestimmter
Waffenkategorien haben wir einen völlig neuen Weg zur Überwindung der

Angst vor einem Atomkrieg beschritten.
Wir haben ein neues Programm
verabschiedet,
um defensive
Mittel
der Abwehr eines ballistischen Raketenangriffs zu erforschen. Damit haben wir versucht, die Abschreckung
aufrechtzuerhalten, während wir uns
gleichzeitig von dem Konzept der gegenseitigen
versicherten
Zerstörung
hinwegbewegen wollten, die veraltet
ist. Wir wollten nicht länger einen
Vorteil daraus ziehen, immer mehr Offensivwaffen und immer mehr Gefechtsköpfe zu bauen, sondern die Welt von
dem Alptraum der militärischen Großmächte befreien, die sich gegenseitig
als Faustpfand nuklearer Vergeltung
in Schach halten.
Mit anderen Worten, wir haben versucht, einen Verteidigungsschild aufzubauen, der den
Einsatz
ballistischer
Raketen wirkungslos machen
soll.
Dies stand
hinter unserer Entscheidung, das SDIProgramm voranzutreiben, und ich bin
davon übereugt, es war die richtige
Entscheidung zur richtigen Zeit.
Aber bei unserem Streben nach Rüstungskontrolle
und defensiver Abschreckung haben wir niemals die Tatsache außer acht gelassen, daß Nationen nicht geteilter Meinung
sind,
weil sie bewaffnet sind; sie sind bewaffnet, weil sie bezüglich außerordentlich
wichtiger
Angelegenheiten
des menschlichen Lebens und der Freiheit geteilter
Meinung sind.
Die
grundlegenden
Unterschiede
zwischen
totalitärer und demokratischer Herrschaft sind bestehen geblieben. Wir
konnten sie weder beschönigen noch
konnten wir uns weiterhin mit den anerkannten Einflußsphären zufriedengeben, mit einer nur zur Hälfte freien
Welt.
Deshalb haben wir versucht,
die Sache der persönlichen Freiheit
bei jeder sich bietenden Gelegenheit
voranzutreiben.
Gelegentlich bedeutete dies Unterstützung der Liberalisierung, gelegentlich
Unterstützung

- 3 -

�der Befreiung.
Bei regionalen Konflikten haben
wir zum Beispiel eine neue Politik
der Unterstützung demokratischer Rebellen bei ihrem Kampf zur Durchsetzung der Selbstbestimmung und Menschenrechte in ihren Ländern ausgearbeitet - diese Theorie wurde erstmals
mit unserer Entscheidung in die Tat
umgesetzt, dem Volk von Afghanistan
bei seinem Kampf gegen die sowjetische Invasion
und Besetzung zur
Seite zu stehen.
Auf diese Theorie gründete sich
auch unsere Entscheidung, dem Volk
von Nicaragua bei seinem Kampf für
die Ziele der Revolution von 1979 zu
helfen und diese Regierung zur Einhaltung
ihres
Versprechens
zu
veranlassen,
eine
Demokratie
herbeizufüh- ren. Unsere derzeitigen
Bemühungen, die Freiheitskämpfer in
Angola zu un- terstützen, sind das
jüngste Beispiel dieser Politik.
Im Bereich der Menschenrechte haben wir direkt an die Sowjetunion appelliert.
Im Fall Andreij Sacharow
konnten wir beobachten, daß wahrer
Frieden auf der Welt nur geschaffen
werden kann, wenn die Regierungen die
Menschenrechte ihrer Bürger einhalten
und anerkennen.
In ähnlicher Weise
haben wir im Rahmen der bilateralen
Beziehungen - kulturellen und politischen Austauschprogrammen zum Beispiel - versucht, die Sowjets zu einer
Öffnung
dieser
Programme
für
größere und unterschiedlichere Gruppierungen zu bewegen.
Allen diesen Bestrebungen lag unsere Verpflichtung
gegenüber
einer
unvoreingenommenen
Bevölkerung
zum
Wesen der totalitären Herrschaft und
für das vornehmste Ziel der amerikanischen Außenpolitik zu Grunde: Frieden - ja - aber auch Weltfrieden.

Wir weigerten uns zu glauben, es käme
einer kriegerischen Handlung gleich,
den entscheidenden moralischen Unterschied zwischen Demokratie und Totalitarismus öffentlich zu verkünden.
Und in meiner Ansprache vor dem britischen Parlament im Jahr 1982, als
ich die friedliche Verbreitung der
menschlichen Freiheit zum vornehmsten
Ziel der amerikanischen Außenpolitik
erklärte, betonte ich auch, daß die
Geschichte ihre Impulse aus der Sache
der Demokratie und der Freiheit auf
der Welt herleitet. Und ich verlieh
meiner
Hoffnung Ausdruck, daß das
vermehrte
Scheitern
dirigistischer
Volkswirtschaften den Ruf nach politischen Wandel mit sich bringen würde. Mit anderen Worten, ich forderte
einen "Kreuzzug für die Freiheit",
der die Demokratie verbreiten und demokratische
Institutionen
auf
der
ganzen Welt fördern würde.
Wie ich bereits ausgeführt habe,
sind wir der Meinung, daß Bekräftigungen dieser Art in der Öffentlichkeit für die Wahrung und Verbreitung
des Friedens nicht nur vonnöten waren, sondern entscheidend zur Verringerung der Spannungen auf der Welt keineswegs deren Vergrößerung - und
der Verwirklichung des Friedens beitragen.
Unvoreingenommenheit
und
Realismus bezüglich der Sowjets haben
zum Friedensprozeß beigetragen; sie
dienten als Signal für unsere sowjetischen Gegenspieler, jeder Versuchung zur Ausnutzung westlicher Illusionen zu widerstehen, da solche Illusionen nicht länger vorhanden sind.
Unsere Außenpolitik ist also der
Versuch gewesen, sowohl die herkömmlichen Elemente der
amerikanischen
Nachkriegsstrategie erneut zu bekräftigen als auch die Theorien der gegenseitigen
versicherten
Zerstörung
oder Eindämmung zu überwinden - es
war unser Ziel, den toten Punkt, an

- 4 -

�dem wir angelangt waren, zu überwinden und eine Vorwärtsstrategie zu erarbeiten - eine Vorwärtsstrategie für
den Weltfrieden und für die Freiheit
auf der Welt.
Wir haben die Abschreckung oder
Eindämmung nicht aufgegeben - aber in
Zusammenarbeit mit unseren Verbündeten haben wir etwas gesucht, das noch
über diese Theorien hinausgeht. Wir
haben die Abschaffung der nuklearen
Bedrohung und das Ende der Bedrohung
durch den Totalitärismus angestrebt.
Heute können wir beobachten, wie
diese Strategie - eine Stratgie der
Hoffnung - in der Praxis Anwendung
findet. Die Reduzierung von Nuklearwaffen rückt in greifbare Nähe. Die
Strategische
Verteidigungsinitiative
(SDI) nimmt Gestalt an, und unser Angebot, den Nutzen der strategischen
Verteidigung zu teilen, bleibt für
alle bestehen, einschließlich der Sowjetunion. Bei regionalen Konflikten
wie in Afghanistan und Mittelamerika
haben die Sowjetunion und ihre Satellitenstaaten bisher allzuwenig echte
Bereitschaft zum Frieden mit wahrhafter Selbstbestimmung für ihre Völker
gezeigt.
Aber die Freiheitskräfte
nehmen beständig an Stärke zu und
üben immer größeren Druck auf die totalitären Kräfte aus. Der Weg zu einem von Freiheit getragenen Frieden
steht offen, wenn Moskau sich dazu
entschließt, anderen keine sogenannten Revolutionen mehr aufzuzwingen.
In einem anderen Bereich teilen
wir das Interesse der Sowjetunion an
einer politischen Beilegung des Krieges zwischen Iran und Irak; wir hoffen, daß wir trotz unserer Differenzen gemeinsam darauf aufbauen können.
Und schließlich können wir in der Sowjetunion
selbst
eine
Tendenz
zu
größerer Offenheit beobachten, vielleicht sogar zu Fortschritten bei der

Wahrung der Menschenrechte
wirtschaftlichen Reformen.

und

zu

All diese Entwicklungen beschäftigen uns; wir denken über Ihre Bedeutung nach; wir fragen uns, ob wir
tatsächlich in eine neue Phase der
Ost-West-Beziehungen eintreten.
Ist
eine
weitreichende
und
dauerhafte
Veränderung
der
spannungsgeladenen
Distanz der Nachkriegszeit jetzt möglich?
Haben wir endlich jene Gelegenheit zur Beendigung der Leiden des
20. Jahrhunderts, die Churchill stets
vor Augen hatte?
Dies
sind
zweifelsohne
unsere
Hoffnungen.
Ehrlicherweise
müssen
wir jedoch zuzugeben, daß wir auch
von Ängsten und tiefen Sorgen erfüllt
sind.
Und während wir die interessanten Veränderungen in der Sowjetunion anerkennen, wissen wir auch,
wie weit die Sowjets noch immer von
jedwedem westlichen Vorbild der Demokratie entfernt sind.
Wir wissen,
was eine echte Demokratie ausmacht;
wir verstehen deren eigentliche Bedeutung.
Demokratie beinhaltet das Prinzip
der Rechtsstaatlichkeit für die politisch Verantwortlichen ebenso wie für
die Bürger.
Hierzu gehört die Begrenzung der Macht des Staates über
das Volk. Unter Demokratie verstehen
wir geordnete Diskussionen und bedeutungsvolle Abstimmungen.
Demokratie bedeutet Befreiung für die Gefangenen aus der Leibeigenschaft einer herrschenden Elite, die von sich
behauptet, die Wünsche des Volkes
besser zu kennen als das Volk selbst.
Trotz
der
derzeit
bestehenden
Hoffnung gibt es immer noch Unsicherheiten. Daher sind wir uns der Tatsache bewußt, daß wir uns mit der
Sowjetunion auseinandersetzen müssen,
so wie sie war und wie sie heute ist,

- 5 -

�und nicht, wie wir sie uns wünschen.
Und dennoch können wir uns damit
nicht zufrieden geben. Die sich uns
bietende Gelegenheit ist zu großartig, um sie einfach verstreichen zu
lassen.
Darum haben wir im vergangenen Jahr unsere eigenen Erwartungen
zur Herausforderung für die Sowjets
gemacht - als Mittel, uns und der
Welt zu beweisen, wie ernst sie es
mit den grundlegenden Verbesserungen
meinen.
Aus diesem Grund haben wir
Wegweiser
und
Hinweisschilder
für
bessere Beziehungen mit der Sowjetunion aufgestellt.
Seit zwei Jahren haben wir die
Sowjets gedrängt, sich an Diskussionen über ein gemeinsames Vorgehen bei
der Umrüstung auf eine defensive Abschreckung zu beteiligen, die niemand
bedroht. Im April dieses Jahres haben wir dazu aufgerufen, einen Termin
für den raschen und vollständigen Abzug aus Afghanistan noch in diesem
Jahr festzusetzen; im Juni forderten
wir die Sowjets auf, gemeinsam mit
uns die Teilung Berlins erträglicher
zu machen und mit dem Abriß der Mauer
zu beginnen; im Juli drängten wir die
Sowjets,
die
Selbstbestimmung
der
Völker in Osteuropa anzustreben und
die
Breschnew-Doktrin
aufzuheben.
Dies sind natürlich bedeutsame demokratische
Schritte.
Aber
Schritte
wie diese sind für eine grundlegende
Verbesserung der Beziehungen zwischen
Ost und West unerläßlich.
Heute möchte ich der sowjetischen
Führung einen weiteren Schritt vorschlagen,
einen
realistischen
Schritt, der unseren Bemühungen um
einen Abbau der Rüstungen sehr förderlich wäre.
Wir stehen kurz vor
einem historischen Abkommen, das eine
ganze
Waffenkategorie
abschaffen
könnte. Wenn es unterzeichnet wird,
werden wir uns nicht auf Vertrauen

verlassen, sondern darauf, was wir
mit unseren eigenen Augen über dessen
Verwirklichung sehen können. Wie die
Russen sagen, "Dowerjai no Prowerjai"
- vertraue, aber prüfe. Und das werden wir tun.
Aber wirksame Verifikation erfordert mehr als ausschließlich technische Mittel.
Selbst Vor-Ort-Inspektionen sind kein Allheilmittel, besonders jetzt, da wir uns mit dem
ehrgeizigen Vorhaben der Rüstungskontrolle befassen. Wir müssen die Einhaltung bestehender Abkommen anstreben, die allzu häufig von der Sowjetunion verletzt werden. Wir benötigen
auch mehr Offenheit, eine Abkehr von
der Geheimniskrämerei, von der die
sowjetischen
Militärangelegenheiten
so lange gekennzeichnet waren.
Ich sage der sowjetischen Führung: Es ist an der Zeit, für etwas
"Glasnost" in Ihrem militärischen Bereich.
Veröffentlichen sie erstens
eine genaue Aufstellung Ihrer Militärausgaben, ebenso wie wir das tun.
Geben Sie zweitens dem sowjetischen
Volk und der Welt den Umfang und die
Zusammensetzung
der
sowjetischen
Streitkräfte
bekannt.
Stellen Sie
drittens im Obersten Sowjet die grossen Fragen der Militärpolitik
und
Waffensysteme zur Diskussion, genau
wir wir das tun. Diese Schritte würden
zu einem besseren Verständnis
zwischen uns beitragen, und auch zu
einer
positiven
Bewertung
unserer
Entscheidungen über die schwerwiegenden Abrüstungsangelegenheiten und der
militärischen Position führen.
Das
unmittelbare
Abrüstungsprogramm ist klar. Wir können eine Vereinbarung über Mittelstreckenraketen
zügig unter Dach und Fach bringen.
Es gibt Fragen, die noch geklärt werden müssen.
Unsere Delegation in
Genf hat bereits den Weg zur Verein-

- 6 -

�fachung der Verifikationsbestimmungen
geebnet, nachdem wir uns auf die
vollständige
Beseitigung
amerikanischer und sowjetischer Mittelstrekkenwaffen verständigt haben.
Wir
haben ebenfalls wiederholt
darauf hingewiesen, daß die in letzter Minute nachgeschobene Forderung
der Sowjets bezüglich der deutschen
Pershing lA-Raketen jeder Grundlage
entbehrten.
Bundeskanzler Kohl hat
heute sogar dieses künstliche Hindernis beseitigt. Wir haben deshalb die
Hoffnung, daß die Sowjetunion den Beweis antreten wird, ob hinter der in
letzter Zeit so oft wiederholten Rhetorik Substanz steckt - und sie wirklich eine stabilisierende Vereinbarung über Mittelstreckenwaffen will.
Falls dem so ist, wird sie auf unsere
Vorschläge
konstruktiv
antworten,
statt vor einer Vereinbarung zusätzliche Hindernisse in den Weg zu legen.
Wir müssen ferner zügig auf das
Ziel einer 50prozentigen Reduzierung
der strategischen Nuklearwaffen hinarbeiten, worauf Herr Gorbatschow und
ich uns im vergangenen Herbst in
Reykjavik geeinigt haben.
Das wäre
eine großartige Leistung.
Lassen Sie mich kurz auf etwas
eingehen, das die Sache all dieser
Verhandlungen voranbringt. Ich glaube, es ist von vorangiger Bedeutung,
daß sich westliche Berichterstatter
und Redakteure die wirkliche Leistung
dieser Verhandlungen vor Augen führen.
Ich möchte zum Beispiel darauf
hinweisen, daß das Wirtschaftsmagazin
"The Economist" kürzlich einen Artikel nach dem Motto "Ob Sie das glauben wollen oder nicht" veröffentlichte, in dem es seine Leser daran erinnerte, daß es ja die Vereinigten
Staaten waren, die als erste die
Null-Lösung
bei
den
Verhandlungen
- 7

über Mittelstreckenwaffen und den 50prozentigen Abbau der strategischen
Waffen vorschlugen.
Ich würde ganz
einfach sagen:
Je eher die Sowjets
begreifen, daß ihre Versuche, die Medien in bezug auf diese Verhandlungen
zu manipulieren, zum Scheitern verurteilt sind, umso größer sind die
Chancen, schließlich zu einer Unterzeichnung
der Vertragsdokumente
zu
kommen.
Wie den meisten von Ihnen bekannt
sein wird, stehen daher bei unseren
Verhandlungen mit den Sowjets vier
Punkte auf unserer Tagesordnung: Menschenrechte, Rüstungskontrolle, Lösung regionaler Konflikte, und bilaterale Themenkomplexe. Wir müssen in
allen Punkten Fortschritte erzielen,
wenn sich die Beziehungen insgesamt
fortschrittlich
entwickeln
sollen.
Lassen sie mich auf unsere ernste
Sorge über die sowjetischen Aktionen
in einem dieser Bereiche hinweisen:
regionale Konflikte.
Es ist eine
Tatsache, daß die sowjetischen Besatzungstruppen
in
Afghanistan
immer
noch einen Krieg der wahllosen Bombardierung und des Massakers an der
Zivilbevölkerung
gegen
ein
moslemisches Volk führen, dessen einziges
Verbrechen in der Liebe zu ihrem Land
und ihrem Glauben besteht.
In Mittelamerika wurden die Waffenlieferungen aus Ländern des Ostblocks im vergangenen Jahr rapide gesteigert, und
zwar um mehr als 100 Prozent.
Während also die Sowjetunion über
Reformen im eigenen Land spricht, hat
sie ihre Bemühungen verdoppelt, anderen ein zum Scheitern verurteiltes
System aufzuzwingen.
Ich möchte betonen, daß es eine Gewissensfrage gegenüber dem Westen ist, solche Aktionen klar und deutlich anzusprechen,
und daß die sowjetischen Aktionen in
diesem Bereichen der Politik mit der
allergrößten Sorge beobachtet werden.

�Ich kann diesen Punkt nicht genug betonen.
Aber lassen Sie mich nochmals unterstreichen, daß der Fortschritt,
den wir in den Ost-West-Beziehungen
beobachten konnten, von der neuen in
die amerikanische Außenpolitik eingebrachten Stärke und Entschlossenheit
sowie
der
Geradlinigkeit
unserer
Friedensinitiativen
herrührt.
Wir
beobachten
ferner
eine
sowjetische
Führung, die eher bereit zu sein
scheint, die Probleme anzusprechen,
die Ost und West seit so langer Zeit
getrennt haben, und die Abkommen zum
beiserseitigen Nutzen anstrebt.
Vielleicht ist das Wachstum der
Demokratien in der ganzen Welt das
endscheidende Maß
für diese neuen
Entschlossenheit.
Noch
vor
einem
Jahrzehnt wurde die Demokratie in
ganz Lateinamerika angegriffen - heute leben mehr als 90 Prozent der Lateinamerikaner in Staaten, die bereits demokratisch
sind oder sich
entschlossen darauf zubewegen.
Eine kürzliche Sitzung der Vollversammlung
der Vereinten Nationen
über Afrika rief zu mehr persönlicher
Freiheit und einer Verminderung der
Regierungsgewalt auf, um den wirtschaftlichen Fortschritt voranzutreiben. In den vergangenen Jahren konnten wir ebenfalls erhebliche Fortschritte in Richtung auf eine Demokratisierung
in Nationen
wie
den
Philippinen und Süd-Korea beobachten.
Sogar ein Land wie China hat Offenheit für wirtschaftliche Reformen gezeigt.
Vor allem sind die althergebrachten Lösungensvorschläge des 20. Jahrhunderts zur Minderung der Leiden in
der Welt - Lösungen, die nach immer
mehr Regierungsgewalt in den Händen
einer immer kleineren Elite rufen -

überall unter Beschuß geraten, besonders bei den Intellektuellen.
Die
neue Idee eines Zusammenhangs zwischen
wirtschaftlicher
und
politischer Freiheit als dem Hauptinstrument des sozialen Fortschritts findet
immer mehr Anklang.
Wenn
ich
auf
die
verangenen
sechseinhalb Jahre zurückblicke, muß
ich mir einfach die tiefgreifenste
Veränderung vor Augen führen, die ich
beobachten konnte:
die aufregenden
und neuen Aussichten für die Sache
der Demokratie. Es überwiegt ein Gefühl der Stärke und Hoffnung; die
Planwirtschaft hat bei den Intellektuellen
an Attraktivität verloren;
und überall streben die Nationen und
Völker nach der Erfüllung ihres jahrhundertealten Strebens nach Selbstverwaltung und Selbstbestimmung.
Vielleicht werden wir uns endlich
über das Stadium der spannungsgeladenen Distanz der Nachkriegszeit hinaus
entwickeln, und das in Jalta zwar
eingegangene aber nie gehaltene Versprechen erfüllen. Vielleicht ist es
nicht zu viel verlangt, einen ersten
Schritt hin zu demokratischer Herrschaft und freien Wahlen zu verlangen. Und ich hoffe, dieses Thema bei
der Vollversammlung der Vereinten Nationen noch ausführlicher vortragen
zu können.
Wir könnten dann den Augenblick
erleben, den Churchill damals vorhergesehen hat; den Augenblick, in dem
die Welt die Gelegenheit wahrnehmen
könnte, die sie vor vier Jahrzehnten
versäumt hat; die grenzenlose Freiheit zu erlangen; eine Gelegenheit,
die
schrecklichen
Leiden
des 20.
Jahrhunderts und die zweifache Bedrohung eines nuklearen Krieges und der
totalitären
Ideologie
zu
beenden.
Vor
allem
die
Gelegenheit,
die
Menschheit wachsen und gedeihen zu

- 8 -

�sehen in einer Regierungsform, die
Churchill von allen schlechten Regierungsformen als die beste bezeichnete: Demokratie.
Dies
ist die Gelegenheit, die
sich uns bietet; wir müssen sie jetzt
ergreifen, für uns und für zukünftige
Generationen.
Vielen Dank und Gott schütze Sie.

* * * * *

- 9 -

�</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST
^7

^

"&amp;

2 6 . A u g u s t 1987

29

I N H A L T

DOKUMENTATION

Nitze warnt:

Viele INF-Probleme noch ungelöst

- USA-Today Interview mit Botschafter Paul Nitze -

NATO Botschafter Keel fordert Bekenntnis zum Bündnis
- Interview mit "Avianews international"

HINTERGRUNDMATERIAL

Probleme der Rüstungskontrolle
- Von Edward L. Rowny -

Begrenzung der Regierungsgewalt das Hauptmerkmal der amerikanischen Verfassung
- Interview mit Richter Clifford Wallace -

* * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

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�AMERIKA DIENST
Dokumentation

\oN^

26. August 1987

29
NITZE WARNT:

VIELE INF-PROBLEME NOCH UNGELÖST

- USA-Today Interview mit Botschafter Paul Nitze WASHINGTON - (AD) - Die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion haben "beträchtliche Fortschritte" in Richtung auf ein Abkommen über Mittelstreckenraketen (INF) erzielt, "dennoch sind einige bedeutende Themenkomplexe noch nicht
gelöst", erklärte Botschafter Nitze.
In einem am 19. August 1987 mit USA Today gegebenen Interview warnte der
Sonderberater des Präsidenten und des Außenministers der Vereinigten Staaten
zu Fragen der Rüstungskontrolle: "Bei zahlreichen Themen sind wir noch sehr
weit voneinander entfernt".
Nitze verlieh seiner Überzeugung Ausdruck, daß gute Chancen für ein Abkommen über eine 50prozentige Kürzung der strategischen Waffen im Verlauf der
noch verbleibenden 17 Monate der Amtszeit Präsident Reagans bestünden.
Nachfolgend drucken wir das Interview im Wortlaut.
Frage:
Ein
Rüstungskontrollabkommen mit den Sowjets scheint in
greifbare Nähe gerückt zu sein, aber
es gibt noch ein Hindernis: Wie können wir sicherstellen, daß sie uns
nicht hintergehen?
Antwort:
Einige bestimmte Bereiche sind von der Verifizierung
ausgenommen - bestimmte Orte, die
nicht unter Vor-Ort-Inspektionen fallen.
Der springende Punkt bei der
Verifizierung ist, daß sie von beiden
Seiten sehr viel leichter akzeptiert
werden kann, wenn sie an bestimmten

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Orten und zu besonders abgestimmten
Zeiten
stattfindet.
Bestimmte gefährdete Orte hätte man hiervon gerne
ausgenommen.
Frage:
Wollen Sie damit andeuten, daß wir uns auch mit etwas weniger als der perfekten Verifizierung
zufriedengeben würden?
Antwort:
Ich denke, das trifft
zu.
Keine Verifizierung
ist perfekt. Aber der wichtigste Punkt ist,
eine von vollständigem Vertrauen getragene Verifizierung in den Berei-

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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�chen zu erreichen, die von Bedeutung
sind.
Frage:

Zum Beispiel?

Antwort:
Ich glaube nicht, daß
irgend jemand Ihnen garantieren kann,
daß niemand einfach eine Rakete hinter einem Baum mitten in Sibirien
versteckt hat. Aber falls sich eine
Rakete hinter einem Baum in Sibirien
befindet, wie wird man sie je einsetzen?
Man benötigt ausgebildetes
Personal, um sie zu bedienen; man benötigt
Unterbr ingungsmöglichkeiten
für dieses Personal. Man muß die Raketen erproben und man benötigt Ersatzteile.
Frage:
Und
zungseinrichtungen
gemacht werden?

diese
UnterStütkönnen
ausfindig

Antwort:
Wir
hoffen, daß das
Abkommen
über
Mittelstreckenraketen
zum vollständigen Abbau der amerikanischen
und
sowjetischen
Raketensysteme mittlerer und kürzerer Reichweite sowie der Lager- und Erprobungseinrichtungen in Europa führen
wird.
Sollte dies geschehen, dann
wäre jegliche Erprobung, Produktion
und Truppenausbildung zu diesem Zweck
- der verifizierbar wäre - eine Verletzung des Vertrages.
Frage:
Nehmen wir einmal an,
die Sowjets sagen, sie hätten einige
illegale Gefechtsköpfe in Belgien gesichtet.
Oder nehmen wir an, wir
hätten in einem Staat des Warschauer
Pakts Gefechtsköpfe geortet, die wir
inspizieren wollten.
Was wäre dann
zu tun?
Antwort:
über
genau
dieses
Problem diskutieren wir zur Zeit mit
unseren Verbündeten. Ähnlich gestaltete Vereinbarungen wie die zwischen
der Sowjetunion und den Vereinigten
- 2

Staaten könnten auch auf die Orte in
Ländern der NATO und des Warschauer
Pakts Anwendung finden, wo diese Waffensysteme zur Zeit stationiert sind.
Frage:
Sobald
der Vertrag
in
Kraft getreten ist, wird jede Seite
eine Inspektion vornehmen, um herauszufinden, wieviele Raketen vernichtet
werden müssen. Woher können sie wissen, daß ihre erste Inspektion alles
ausfindig macht?
Antwort:
Man
kann nie sicher
sein, daß alles ausfindig gemacht
wird, aber wir können uns heute auf
ein ziemlich ausgereiftes Nachrichtenwesen verlassen.
Jahrelang haben
wir immer wieder gesagt, die Sowjets
haben soundso viele SS-20 und soundso
viele SS-22, usw. Wir wissen ziemlich genau, wo sich diese Raketen befinden, wo die Wartungsdepots sind
und wo sie produziert werden.
Sie
werden uns eine Regierungsvereinbarung vorlegen müssen, in der in allen
Einzelheiten beschrieben ist, was sie
haben und wo es sich befindet. Dann
hätten wir das Recht zur Inspektion.

y

*

Frage:
Vor
kurzem
haben
die
Sowjets gesagt, daß sie sich zu VorOrt-Inspektionen
chemischer
Waffenfabriken bereit erklären würden. Sehen
Sie
darin
einen
ermutigenden
Fortschritt?
Antwort:
Ja, auf jeden Fall.
Aber damit wird das Problem nicht gelöst. Das Problem ist, daß chemische
Waffen in sehr kleinen Anlagen hergestellt werden können. Hier haben wir
also ein Problem, das zu berechtigter
Sorge darüber Anlaß gibt, wie man
wirklich vollständig darauf vertrauen
kann, daß
chemische
Waffen
nicht
heimlich hergestellt werden.
Frage:
Wenn
dieses
Abkommen
einmal in Kraft getreten ist, wieviel

t

�Zeit
benötigen
die
beiden
Seiten
dann, um alle betroffenen Raketensysteme zu vernichten?
Antwort:
Sie
können
relativ
schnell verschrottet werden. im Hinblick auf die Mittelstreckensysteme
glauben wir, daß dies binnen eines
Jahres geschehen könnte.
Frage:
Senator
Richard
Lugar
hat vor einigen Tagen gesagt, daß
seiner Meinung nach die Sowjets einen
Zeitraum von fünf Jahren anstreben,
während wir drei Jahre ins Auge gefaßt haben.
Antwort:
Ja, so sieht es zumindest derzeit aus. Aber Sie fragten nach der Zeitspanne, in der dies
meiner Auffassung nach erledigt werden könnte.
Frage:
Wie
greifbar
ist
ein
Abkommen über Mittelstreckenwaffen?
Antwort:
Bei
zahlreichen Themen sind wir noch sehr weit voneinander entfernt.
obwohl wir beträchtliche Fortschritte erzielen konnten,
sind einige bedeutende Themenkomplexe
noch nicht gelöst.
Frage:
Im
vergangenen
April
haben die Sowjets die Frage der amerikanischen
nuklearen
Gefechtsköpfe
auf den Pershing lA-Raketen aufgeworfen, die der Bundesrepublik Deutschland gehören. Wenn sie an einem Abkommen so sehr interessiert sind, warum haben sie dieses Thema kurz vor
Zwölf angesprochen?
Antwort:
Wenn sie geglaubt haben, mit diesem Thema, Uneinigkeit
zwischen den NATO-Ländern und den
Vereinigten Staaten zu stiften, könnten sie versuchen, dieses Thema geschickt dafür auszunutzen, daß man zu
der Aussage verleitet wird, der We-

sten wolle den Sowjets in dieser Frage nachgeben.
Ich glaube, es wäre
ein großer Fehler, dieses Thema dafür
zu benutzen.
Frage:

Warum?

Antwort:
Wir haben bei diesem
Thema seit Jahren auf dem Prinzip der
bilateralen
Verhandlungen
zwischen
den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion bestanden. wir werden über
die Systeme anderer Länder, wie der
britischen und französischen, die unabhängig
voneinander
über Nuklearstreitkräfte verfügen, nicht verhandeln, und wir werden die bestehenden
Regeln der Kooperation mit Verbündeten nicht durcheinanderbringen.
Die
Pershing lA-Raketen gehören den Deutschen, und die Gefechtsköpfe werden
entsprechend der seit langem bestehenden Regeln der Kooperation von uns
instand gehalten.
Frage:
Der
frühere NATO-Oberbefehlshaber General Bernard Rogers
hat gesagt, ein Mittelstreckenabkommen würde uns wegen der überlegenen
konventionelle Streitkräfte der Sowjets die Fähigkeit zur Abschreckung
nehmen.
Müssen wir daher in erheblichem
Umfang
konventionell
aufrüsten?
Antwort:
Wir haben immer schon
die Auffassung vertreten, daß eine
Verbesserung
des
konventionellen
Gleichgewichts erforderlich ist. Daran hat die NATO seit vielen, vielen
Jahren
gearbeitet.
Unsere Politik
war unbeirrbar auf dieses Ziel ausgerichtet, und dabei sollte es bleiben.
Ich glaube nicht, daß sich hieran
durch die jetzt angestrebten Abkommen
viel ändert.
Diese Abkommen werden
das nukleare Gleichgewicht und daher
auch die allgemeine Lage im Hinblick
auf die Sicherheit Europas verbessern.

- 3 -

�Frage:
Kommt es auf dieses Abkommen wirklich an? Die Sowjets können nun so viele Waffen größerer
Reichweite wie sie wollen hinzufügen,
und diese können auf Ziele in Europa
ausgerichtet sein.
Antwort:
Nun, das
ist wahr.
Aber wir arbeiten ebenfalls intensiv
an einem Abkommen, das nicht nur einen Zuwachs der interkontinentalstrategischen Waffen auf beiden Seiten
verhindern, sondern auch zu einer wesentlichen Verringerung
der Anzahl
der Systeme und der Gefechtsköpfe
führen würde.
Frage:
Besteht noch eine realistische Chance, in den verbleibenden 17 Monaten von Präsident Reagans
Amtszeit zu einem Abkommen über den
vorgesehenen
50prozentigen
Abbau
strategischer Waffen zu gelangen?
Antwort:

Wir glauben schon.

Frage:
Gibt es in Anbetracht
der Wahlen im kommenden Jahr einen
Stichtag, ab dem der Versuch zwecklos
wäre, ein Abkommen auszuhandeln?
Antwort:
Unserer
Auffassung
nach ist es wichtig zu versuchen, die
Verträge in eine endgültige Fassung
zu bringen, so daß sie dem Kongreß im
Februar oder März vorgelegt werden
können und noch genug Zeit für eine
Ratifizierung bleibt.
Im Jahr 1972
haben wir das SALT I-Abkommen im Mai
ausgehandelt, und es wurde noch vor
den Wahlen ratifiziert.
Frage:
Vor
kurzem legten die
Sowjets einen neuen Entwurf für ein
Abkommen über die strategischen Waffen vor. Unterschied es sich wesentlich von früheren Angeboten?

Vertragsform, und daher waren die Details in ihrer Meinung nach angemessenen
Formulierungen
ausgearbeitet.
Dies bietet uns die Gelegenheit, unseren seit einiger Zeit auf dem Verhandlungstisch liegenden Vertragsentwurf heranzuziehen und Arbeitsstäbe
damit zu beauftragen, die Formulierungen miteinander
zu vergleichen,
damit wir sehen, wo wir übereinstimmen und wo nicht. Daran arbeiten unsere Arbeitsstäbe derzeit.
Frage:
Die Sowjets
verknüpfen
SDI, also den "Krieg der Sterne", mit
jedem START Abkommen, also dem Abbau
strategischer Raketen. Kann das eine
ohne eine Übereinkunft über das andere erreicht werden?
Antwort:
Wir
hoffen
schon.
Wir würden es vorziehen, ausgereifte
Verträge sowohl in bezug auf die Verteidigung im Weltraum als auch auf
START vorzulegen. Diese sind um einiges schwieriger
auszuhandeln
als
ein Mittelstreckenabkommen.
Und sogar beim Mittelstreckenabkommen haben
wir noch immer Probleme.
Frage:

Was kann getan werden?

Antwort:
Außer
harter
Arbeit
und Arbeit mit einem gewissen Maß an
Optimismus im vollen Bewußtsein der
wirklichen Probleme, mit denen wir
uns
konfrontiert
sehen, weiß
ich
nicht, was zu tun ist, weil wir es
nämlich mit echten Problemen zu tun
haben.
Die Menschen neigen zu vorschnellem und übermäßigem Optimismus.
Sie glauben, daß alles schon erledigt
ist, wenn dies noch gar nicht der
Fall ist. Und es ist eben nicht der
Fall.

* * * * *
Antwort:

Nein.

Aber

es war

in

'

,

,

�v^°S?&lt;

AMERIKA DIENST
Dokumentation
26. August 1987

29

NATO BOTSCHAFTER KEEL FORDERT BEKENNTNIS ZUM BÜNDNIS
- Interview mit "Avianews International" BRÜSSEL - (AD) - Dem amerikanischen Botschafter bei der NATO, Alton G.
Keel, Jr., zufolge sollten die politisch Verantwortlichen in Europa und den
Vereinigten Staaten ihren Bürgern erneut versichern, daß die NATO Garant des
Friedens in Europa ist. In einem in der Juli/August-Ausgabe von "Avianews International" veröffentlichtem Interview bekräftigte Keel, "die Menschen müssen
Rückschau halten und aus dem Vermächtnis der Vergangenheit lernen... daß dieses Bündnis bei der Bewahrung des Friedens" und der Abschreckung von Aggression und Krieg "außerordentlich erfolgreich war". Im Lichte der derzeitigen
amerikanisch-sowjetischen Abrüstungsgespräche über die Reduzierung von Nuklearwaffen mittlerer Reichweite (INF), ist es für die Europäer wichtig zu begreifen, daß "die Vereinigten Staaten weder beabsichtigen, alle Nuklearwaffen
aus Europa abzuziehen noch ihre Verpflichtung gegenüber Europa nicht zu erfüllen oder irgendwelche Maßnahmen zu ergreifen, die als Abkoppelung oder eine
Lockerung ihrer Verpflichtung verstanden werden könnten", erklärte der amerikanische Botschafter und fügte hinzu "und die Sowjets müssen diese Botschaft
vernehmen".
Frage:
Jetzt, da die Nuklearwaffen mittlerer Reichweite in Europa
vollständig abgebaut werden, scheint
die NATO keine Pläne für erhöhte Rüstungsausgaben im konventionellen Bereich zu haben oder trotz jüngster
Eingaben auf Ministerebene Kürzungen
solcher Waffensysteme aushandeln zu
wollen. Haben Jahrzehnte der Abhängigkeit von Nuklearwaffen die NATO
unfähig zur Wahrung des Friedens gemacht?

ich

Antwort:
Diese Auffassung kann
in keiner Weise teilen.
Meiner

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Embassy of the United States of America

Meinung nach müssen wir uns als erstes daran erinnern, daß die Erweiterung
konventioneller
Rüstungen
nie
eine Voraussetzung unserer Rüstungskontrollabkommen über Mittelstreckensysteme war. Es erübrigt sich zu sagen, daß es stets in unserem Interesse gelegen hat, die konventionellen
Streitkräfte zu verbessern und wir
haben es sowohl in den Vereinigten
Staaten als auch in Europa öffentlich
immer wieder zu unserem Anliegen gemacht, daß für konventionelle Streitkräfte mehr ausgegeben werden muß.
Dies ist eine Tatsache, unabhängig

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�von einem Rüstungskontrollabkommen also einem Abkommen über Mittelstrekkensysteme (INF).
Wir
sind auf die Rüstungskontrollvorschläge für die sogenannten
INF eingegangen, da wir das Gefühl
hatten, daß es in unserem Sicherheitsinteresse lag. Wir, die Vereinigten Staaten, sind davon überzeugt
und wir, das Bündnis, sind davon
überzeugt. Das Bündnis hat natürlich
seit jeher den Abbau der SS-20 durch
die Sowjets und der älteren Generation der SS-40 ähnlicher Reichweite
befürwortet und von Anfang an angedeutet, daß wir zum Abbau der amerikanischen
Pershings
oder
GLCMs
(ground-launched
cruise missiles
landgestützte
Marschflugkörper)
bereit sind, wenn die Sowjets tatsächlich diese Streitkräfte mit ähnlichen
Fähigkeiten
abziehen
und
abbauen.
Schon lange vor der Stationierung haben wir diese Position vertreten, es
ist also eine seit langer Zeit bestehende Position des Bündnisses.
Aus
amerikanischer Sicht haben wir den
Abbau dieser Waffenkategorien vorgezogen.
Der in den vergangenen Monaten
erarbeitete neue Teil dieses Abkommens enthält nun den Konsens des
Bündnisses,
eine
Waffenkategorie,
nämlich die ausschließlich von den
Sowjets stationierten Mittelstreckensysteme kürzerer Reichweite - die sogenannten SRINF - abzubauen.
Diese
Ankoppelung an unsere bisherige Position bezüglich INF macht es unserer
Ansicht nach noch wichtiger für unsere Sicherheitsinteressen.
Ich möchte also nochmals betonen,
daß meiner Meinung nach zur Zeit
überhaupt keine Voraussetzungen für
eine
umfassende Modernisierung
der
konventionellen
Streitkräfte
bestehen. Ich denke, daß schon immer der

Wunsch und die Notwendigkeit zu einer
anhaltenden Verbesserung der konventionellen
wie
auch
der
nuklearen
Streitkräfte bestanden hat.
Dieses
Rüstungskontrollabkommen
beeinträchtigt dies in keiner Weise. Es macht
es aber auch nicht dringlicher oder
bedenklicher.
Frage:
Während
der
letzten
Sitzung
der
Verteidigungsplanungsgruppe hat General Altenburg, der
Vorsitzende
des
Militärausschusses
der NATO, die massive Modernisierung
konventioneller Rüstungen gefordert.
Er sagte, es sei dringend.
Glauben
Sie, daß er in seiner Eigenschaft als
echter
Militär
hierbei
übertrieben
hat und seine Bitte um mehr Geld nur
so effektvoll wie möglich vortragen
wollte?
Antwort:
Ich glaube nicht, daß
er massive Verbesserungen gefordert
hat. Meiner Meinung nach hat er gefordert, daß die NATO, dieses Bündnis, die westlichen Demokratien, die
Notwendigkeit
für
eine
anhaltende
Verbesserung
der
konventionellen
Streitkräfte erkennen müssen, ebenso
wie das krasse Ungleichgewicht, mit
dem wir uns in bezug auf die konventionellen
Streitkräfte der Sowjetunion und des Warschauer Pakts konfrontiert sehen.
Aus diesem Grund
müssen wir weiter modernisieren, müssen wir weiterhin für die Zuwendung
von Mitteln zur Modernisierung konventioneller Streitkräfte sorgen, und
wir müssen mehr als bisher tun. Die
Notwendigkeit
bestand
vor dem Rüstungskontrollabkommen und sie wird
auch nach dem Rüstungskontrollabkommen bestehen bleiben. Das Rüstungskontrollabkommen verbessert die Stabilität insgesamt.
Frage:
Ich möchte nochmals zur
Frage der Stabilität
zurückkommen.
Der
ehemalige Oberbefehlshaber
der

�NATO, General Rogers, hat kürzlich in
seiner letzten Pressekonferenz davor
gewarnt, die NATO-Partner würden im
Falle der Unterzeichnung eines INFAbkommens, wie er sich ausdrückte,
"den gefährlichen Weg der Entnuklearisierung einschlagen". Enthält dies
ein Körnchen Wahrheit, wo doch die
NATO also ihre einzige in Europa stationierte Rakete verschrotten wird,
die in der Lage ist, sowjetisches
Territorium zu erreichen?
Antwort:
Ich denke nicht, daß
wir mit diesem Abkommen den gefährlichen
Weg
der
Entnuklearisierung
oder
Abkoppelung
beschreiten.
Ich
meine jedoch, daß wir dieser Einschätzung gewahr sein sollten, sowohl
aus der Sicht der Europäer als auch
aus der Sicht der Sowjets, da solche
Einschätzungen aus der Sicht der Abschreckung
außerordentlich
wichtig
sind.
Wir müssen Maßnahmen vermeiden, die sich auf diese Einschätzung
gründen könnten.
Aus diesem Grund
sollten wir jetzt eine Verschnaufpause einlegen und nachdenken und entscheiden, welche Richtung wir einschlagen wollen, vor allem im nuklearen Bereich. Für die Europäer ist es
wichtig zu begreifen, daß die Vereinigten Staaten weder beabsichtigen,
alle Nuklearwaffen aus Europa abzuziehen noch ihre Verpflichtung gegenüber Europa nicht zu erfüllen oder
irgendwelche Maßnahmen zu ergreifen,
die als Abkoppelung oder eine Lockerung ihrer Verpflichtung verstanden
werden könnten. Und die Sowjets müssen diese Botschaft vernehmen.
Ich
glaube daher nicht, daß dieses INFAbkommen uns auf einen gefährlichen
Weg geführt hat.
Frage:
Herr
Botschafter,
um
nochmals auf die amerikanisch-europäischen
Sicherheitsbeziehungen
zurückzukommen:
Ich würde gerne von
Ihnen hören, wie sich diese Ihrer

Meinung nach entwickeln werden.
Ist
es nicht ein unvermeidliches Resultat
eines INF-Abkommens, daß die Westeuropäer mehr für ihre Verteidigung
ausgeben müssen? Ich würde auch gerne von Ihnen einige Bemerkungen über
die
jüngsten
Vorschläge
zu
einer
deutsch-französischen Brigade hören.
Antwort:
Auch hier denke ich
nicht, daß die Europäer als Ergebnis
eines
INF-Abkommens
mehr
ausgeben
müssen.
Ich glaube, die Europäer
müssen unabhängig von einem INF-Abkommen mehr ausgeben.
Und meiner
Meinung nach befindet sich die Welt
in einer Lage, in der die Vereinigten
Staaten, die offensichtlich eine Supermacht sind, weltweite Verpflichtungen haben, und die Kosten dieser
Verpflichtungen steigen mit der Zeit
und werden sicherlich nicht geringer.
Die sowjetische Bedrohung nimmt
in keiner Weise ab, und vor allem
nimmt
sie
nicht
in
Europa
ab.
Schlicht und einfach heißt dies alles:
Ja - die Europäer werden mehr
tun müssen, aber nicht wegen des INFAbkommens.
Sie werden aufgund der
sich wandelnden Gegebenheiten auf der
Welt mehr tun müssen.
Einen nicht
unerheblichen Bestandteil dieser Gegebenheiten
bildet die
sowjetische
militärische Bedrohung und insbesondere die Bedrohung Europas. Die Vereinigten Staaten müssen mehr tun und
offensichtlich ist dies die Absicht
Präsident Reagans, der während seiner
gesamten Amtszeit dieses Ziel verfolgt hat.
Und dabei wird es auch
bleiben.
Bezüglich des Vorschlags für eine
deutsch-französische Brigade wird jede Art der militärischen Zusammenarbeit
zwischen
der
Bundesrepublik
Deutschland
und
Frankreich
eine
deutsch-französische
Entscheidung
sein. Meiner Meinung nach wären die

- 3 -

�Sorgen des Bündnisses solche Befürchtungen, die bereits von den deutschen
und
französischen
Regierungsvertretern bei der Erörterung dieses Themenkomplexes
zum Ausdruck
gebracht
werden, oder zumindest dann, wenn sie
dieses zur Zeit nur in der Konzeption
bestehende Thema in der Öffentlichkeit diskutieren.
Diese Befürchtungen beziehen sich einerseits auf die
Tatsache, daß man aus der Sicht der
westlichen Sicherheit davon profitieren könnte, wenn sich die Franzosen
enger in das NATO-Bündnis einbeziehen
ließen. Dies ist nicht gleichbedeutend mit einer Integration in die
NATO-Struktur, da die Franzosen nicht
integriert sind und in jüngster Zeit
auch kein Interesse an einer Änderung
dieser seit langen bezogenen Position
gezeigt haben. Es erübrigt sich jedoch zu sagen, daß das Bündnis meiner
Meinung nach Verständnis dafür aufbringen würde, daß man von einer engeren Einbeziehung der französischen
Streitkräfte in diejenigen der NATO,
einschließlich der deutschen Streitkräfte, profitieren würde.
Frage:
Eines der von europäischer Seite gegen ein Mittelstrekkenabkommen
vorgetragenen
Argumente
besagt, es handele sich eigentlich
nicht um echte Abrüstung, wo doch
mehr als 4 000 amerikanische taktische Nuklearwaffen der Vereinigten
Staaten in Europa verbleiben werden.
Wie würden Sie hierauf antworten?
Antwort:
Wenn man eine offensichtlich im eigenen Sicherheitsinteresse
liegende
Initiative vorantreibt, denken einige, dies würde die
Sicherheit untergraben. und infolgedessen geht dies zu weit.
Auf der
anderen Seite gibt es die Denkrichtung, die besagt, dies ginge nicht
weit genug und sei keine echte Abrüstung. Meine Antwort an diese beiden
Denkrichtungen
lautet,
daß
Abrü- 4

stungsvorschläge letztlich am Schauplatz
der
Abrüstungsverhandlungen
formuliert, formell vorgeschlagen und
gebilligt werden und dort auch ihre
Zustimmung
erfahren.
Dies
trifft
insbesondere
auf die Nuklearwaffen
zu, weil hier Einigkeit darüber besteht, daß diese die Stabilität in
der Welt und die Aussichten auf Frieden verbessern und im Sicherheitsinteresse des Bündnisses insgesamt liegen. Dies gilt für die Mittelstrekkenwaffen.
Hier
wird
tatsächlich
über die Beseitigung von Waffensystemen aus Europa verhandelt, bei denen
das größte Ungleichgewicht herrscht nämlich die ballistischen Langstrekkenraketen für den unmittelbaren Vergeltungsschlag, die Westeuropa bedrohen.
Ein objektiver Beobachter muß
ganz einfach zu dem Schluß zu kommen,
daß dies die Stabilität festigt.
Frage:
Viele
Regierungen
in
Westeuropa
sind über die doppelte
Null-Lösung beunruhigt.
Vor kurzem
haben sie die Null-Lösung widerwillig
gebilligt, obwohl sie doch diejenigen
waren, die sie ursprünglich als eine
politisch ansprechende Idee willkommen hießen, die von den Sowjets nie
akzeptiert würde. Was sagt dies über
die Glaubwürdigkeit der NATO und die
Glaubwürdigkeit
ihrer
strategischen
Position aus?
Antwort:
Ich würde nicht behaupten, daß viele Regierungen über
die doppelte Null-Lösung beunruhigt
waren. Man muß fairerweise zugeben,
daß es einige qualvolle Debatten innerhalb
des
Bündnisses
gab,
die
schließlich in einer gemeinsamen Haltung zur sogenannten doppelten NullLösung mündeten, und es gab sicher
einen offenen Gedankenaustausch.
Im
Prinzip konzentrierte sich der Gedankenaustausch jedoch auf die Frage, ob
aus einer bestimmten Sicht von einer
Abkoppelung gesprochen werden konnte,

&lt;

»

�und ob es eine Bewegung oder einen
Trend gab, der nicht so sehr auf eine
Entnuklearisierung
Europas
hinauslief, als vielmehr auf einen Abbau
von amerikanischen Nuklearwaffen in
Europa.
Und die Europäer
sollten
hiervon durchaus auch betroffen sein.
Dies ist verständlich, weil wir uns
nicht nur vor solchen Betrachtungsweisen hüten müssen, sondern offensichtlich vor jedem derartigen Trend.
Man muß den Europäern zunächst
versichern, daß die Vereinigten Staaten kein Interesse - jedenfalls nicht
in absehbarer Zukunft - an einem Abzug ihrer Nuklearwaffen aus Europa
haben.
Ferner muß man ihnen versichern, daß dies von entscheidender
Bedeutung für unsere Strategie der
flexiblen Reaktion und besonders für
die nukleare Abschreckungsoption innerhalb dieser Strategie ist.
Ich
würde daher nicht sagen, die Europäer
hätten die doppelte Null-Lösung widerwillig akzeptiert.
Ich würde sagen, daß man die weitere Entwicklung
mit Sorge beobachtete, und das war
auch richtig so.
Darum müssen wir
jetzt Zeit für eine Verschnaufpause
einlegen und die Dinge noch einmal
überdenken.
Frage:
Um noch einmal auf diesen Punkt zurückzukommen, wollte ich
Sie fragen, ob Ihrer Meinung nach die
NATO durch Gorbatschow in die Defensive geraten ist? Während des Außenministertreffens im Juni in Reykjavik
sagte Lord Carrington, der Westen habe etwas besseres zu tun, als nur auf
die sowjetischen Vorschläge zu antworten. Und dennoch sieht es so aus,
als ob die NATO nach einer Strategie
sucht.
Sie ist auch mit Haushaltsengpässen konfrontiert.
Sehen Sie dies als eine beunruhigende Zeit für die NATO oder eine
Zeit, in der die Menschen - wie Sie

es ausdrückten - innehalten und die
Dinge noch einmal überdenken müssen?
Viele Leute glauben, die NATO sei
derzeit in keiner guten Verfassung.
Antwort:
Nun, diese Schlußfolgerung würde ich auf gar keinen Fall
ziehen. Ich würde sogar sagen, daß wenn Sie das einmal historisch betrachten - die NATO heute wahrscheinlich in einer besseren Position ist,
als im Verlauf ihrer Geschichte. Und
ich würde das keine beunruhigende
Zeit für das Bündnis nennen.
Ich
würde es eher als eine schwierige
Zeit für das Bündnis bezeichnen.
Die
Menschen
müssen
Rückschau
halten und aus dem Vermächtnis der
Vergangenheit lernen und sich selbst
und der Öffentlichkeit die Tatsache
vergegenwärtigen, daß dieses Bündnis
bei der Bewahrung des Friedens außerordentlich erfolgreich war, und daß
es Aggression und Krieg abschrecken
kann.
Daher müssen wir der Öffentlichkeit erneut versichern, wie die
amerikanischen Haltung aussieht. Die
Europäer müssen ferner zu erkennen
geben, daß sie die Bedeutung dieses
Bündnisses und die Bedeutung der amerikanischen Rolle in diesem Bündnis
verstehen.
Aus europäischer Sicht müssen die
Vereinigten
Staaten
den
Europäern
versichern, welche Bedeutung sie dem
Bündnis verleihen.
Ich glaube also
nicht, daß wir an einem kritischen
Punkt im Bündnis angelangt sind, wenn
man es unter dem Gesichtspunkt betrachtet, inwiefern die Frage ernsthaft in Erwägung gezogen wird, ob wir
eine Alternative zum Bündnis brauchen
oder nicht. Ich glaube, wir sind an
einem kritischen Punkt in der Geschichte angelangt, an dem unsere
Überzeugungen auf die Probe gestellt
werden.
Dies ist die beste Art, es
auszudrücken. Wir müssen für unsere

- 5 -

�Überzeugungen
eintreten.
Dieses
Bündnis hat seine Aufgaben erfüllt,
es hat den Frieden bewahrt und den
Krieg verhindert. Und wir, die politisch Verantwortlichen in Europa und
den Vereinigten Staaten, müssen die
Aufgabe
übernehmen, dieses Bündnis
unseren Bürgern gegenüber zu erklären, zu verteidigen und zu rechtfertigen.
Frage:
Eine letzte Frage, Herr
Botschafter.
Ich würde Ihnen gerne
eine grundsätzliche
Frage stellen,
die sich mit der sogenannten Zweibahnstraße
der
Rüstungskooperation
beschäftigt.
Es scheint, als ob es
während der vergangenen zwei Jahre
viel fruchtbarere Bemühungen innerhalb des Bündnisses gegeben hat, die
Produktion miteinander im Einklang zu
bringen.
Außerdem liegt die Gesetzesvorlage des Senators Nunn vor.
Sehen Sie auf diesem Gebiet raschen
Fortschritte oder glauben Sie, daß
die Westeuropäer immer noch wegen der
zweigleisigen
Produktion
und
ähnlichen Problemen dieser Art gelähmt
sind?
Antwort:
Ich
würde
nicht
so
weit gehen, von "raschen Fortschritten" zu sprechen, aber ich kann sagen, daß wir vorankommen, und hiervon
bin ich überzeugt.
Ich glaube, die
Europäer wissen die dringende Notwendigkeit einer engeren Zusammenarbeit
ebenso zu schätzen wie die Amerikaner, und zwar nicht nur bei der Forschung und Entwicklung sondern letztlich auch bei der Produktion von Waffensystemen.
Damit würde die Zweigleisigkeit durchgängig von der Forschungs- und
Entwicklungsphase
bis
hin
zur
Produktions- und
Beschaffungsphase nahezu vermieden.
Sollte
es uns tatsächlich gelingen, das Ungleichgewicht bei der konventionellen
Rüstung auszugleichen, über die wir
zuvor gesprochen haben, werden wir,
- 6

das Bündnis, die vorhandenen Mittel
wirkungsvoller
und
wirtschaftlicher
nutzen müssen.
Es ist derzeit ganz deutlich, daß
der Warschauer Pakt uns bedauerlicherweise
in der Produktion übertrifft.
Aber das sollte nicht der
Fall sein.
Technisch sind wir ganz
klar überlegen. Wir sind in der Fertigung überlegen. Wir sind personell
in bezug auf Ausbildung, Einsatzfreudigkeit
und
Engagement
überlegen.
Daher
sollten
sie
uns
eigentlich
nicht in der Produktion übertreffen.
Und der Grund hierfür ist das Fehlen
einer gemeinsamen Vorgehensweise, die
vorhanden sein könnte. In der Konsequenz kommt es zu unnötiger und unwirtschaftlicher
Doppelarbeit.
Ich
glaube, man hat das inzwischen erkannt.
Die NATO-Verbündeten
haben
dies akzeptiert.
Es ist jedoch schwierig, die Erkenntnis und Akzeptanz dessen in die
Tat umzusetzen, weil letztlich jeder
von uns mit seinem eigenen Verwaltungsapparat zu tun hat.
Wir sind
souveräne
Staaten.
Wir
verfolgen
ganz sicher individuelle Interessen,
und die wirtschaftlichen sind nicht
die unbedeutensten. Es gibt innenpolitische,
industrielle
und
wirtschaftliche
Zwänge, die von jedem
Einzelnen von uns getragen werden
müssen. Die Vereinigten Staaten sind
davor nicht gefeit.
Es ist daher
nicht einfach, diese Erkenntnis in
die Tat umzusetzen.
Aber es geschieht bereits und meiner Meinung
nach wird dies fortgesetzt, und ich
glaube, Sie werden zunehmend Beispiele für diese Zusammenarbeit sehen.
Frage:
Können Sie einige konkrete Beispiele nennen, wo Ihrer Meinung nach gute Fortschritte zu erwarten sind?

�Antwort:
Derzeit gibt es zwei
oder drei Forschungsprogramme.
Das
deutlichste Beispiel ist eine mögliche Luft-Boden Rakete, die in ein
Kooperationsprogramm
münden
könnte.
Ich glaube, die Entwicklung von Flugzeugen ist ein Gebiet, das man jetzt
beobachten muß. Wir haben ganz sicher eine Chance zu mehr Zusammenarbeit auf dem Gebiet des Flugzeugbaus.
Es
gibt
ungefähr
drei
Luft-LuftKampfflugzeuge, die derzeit von verschiedenen
europäischen
Regierungen
geprüft werden. Dies wird ein Gebiet
sein, wo - offen gesagt - der Zusammenarbeit
mehr
Aufmerksamkeit
geschenkt werden muß.

* * * * *

�AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

'VON**

26. August 1987

29

PROBLEME DER RÜSTUNGSKONTROLLE
- Von Edward L. Rowny -

WASHINGTON -(AD) - Im folgenden veröffentlichen wir eine Stellungnahme von
Edward L. Rowny zu Problemen der Rüstungskontrolle. Der Verfasser ist Sonderberater von Präsident Reagan und des Außenministers der Vereinigten Staaten zu
Fragen der Rüstungskontrolle.

Der Wirbel um die sowjetischen
Rüstungskontrollmaßnahmen der vergangenen Wochen ist ein Anzeichen für
Michail Gorbatschows scheinbare Bereitschaft zu Fortschritten beim Abbau nuklearer Mittelstreckensysteme.
Es bestehen jedoch noch immer Zweifel, ob er wirklich am Abschluß eines
Abkommens
zur Begrenzung
strategischer Offensivwaffen - also der Waffensysteme mit der höchsten Schlagkraft - interessiert ist.

wjetunion zu bestimmten obergrenzen
bei Gefechtsköpfen auf ballistischen
Raketen,
müssen
noch
ausgehandelt
werden.
Aber das größte Hindernis,
das einem Fortschritt in Richtung auf
einschneidende
Reduzierungen
bei
strategischen Offensivwaffen im Wege
steht, ist, daß die Sowjets auf einem
Junktim zwischen dem Abkommen und Begrenzungen bei der Strategischen Verteidigungsinitiative (SDI) der Vereinigten Staaten bestehen.

Zahlreiche
kritische
Themenbereiche, wie die Zustimmung der So-

Die Sowjets haben im vergangenen
Monat in Genf zwei Entwürfe zu einem

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Abkommen
auf den Verhandlungstisch
gelegt:
Zum einen ihre Antwort auf
den
amerikanischen
Vertragsentwurf
zur Begrenzung strategischer Rüstungen und zum anderen eine Erläuterung
der sowjetischen Position bei den Gesprächen über die Verteidigung
im
Weltraum.
Sollten die Sowjets einen
Vertragsentwurf zu Verhandlungen über
die Verringerung
strategischer
Rüstung (START) vorlegen, könnten Fortschritte
erzielt
werden.
Ob
die
START-Verhandlungen jedoch zu einem
Abkommen führen werden, hängt noch
davon ab, ob die Sowjets ihre starre
Position
aufrechterhalten,
wonach
einschneidenden
Reduzierungen
der
strategischen Nukleararsenale nur zugestimmt werden kann, wenn die amerikanische Seite sich zu entschieden
größeren Kürzungen bei SDI bereit erklärt, als diejenigen, die bereits im
ABM-Vertrag enthalten sind.

Die sowjetische Verzögerungstaktik
Warum verfolgen die Sowjets gerade bei dem Thema immer noch eine Hinhaltetaktik,
das
Herr
Gorbatschow
treffenderweise als die "Wurzel des
Problems"
der
amerikanisch-sowjetischen
Rüstungskontrollverhandlungen
bezeichnet hat? Warum setzen sie es
weiterhin als Pfand für ein amerikanischen Programm ein, das die Durchführbarkeit von Verteidigungssystemen
prüft, die bereits durch den ABM-Vertrag begrenzt sind?
Die Sowjets berufen sich gerne
darauf, daß das Problem die "Waffen
im Weltraum" sind.
Die Amerikaner
halten dem entgegen, daß das vordringlichste Problem darin besteht,
die strategische Stabilität wiederherzustellen und zwar durch die Reduzierung der ungeheueren Anzahl der
Nuklearwaffen mit der größten Durchschlagkraft, die heutzutage existie-

ren.
Es gibt keine Waffen im Weltraum,
in den Arsenalen der Supermächte befinden sich mehr als 20 000
Nuklearwaffen.
Es
liegt
auf
der
Hand, daß dieses Problem ohne weitere
Verzögerungen
angesprochen
werden
sollte.
Wenn die begründete Sorge der Sowjets der Entwicklungsrichtung
und
Geschwindigkeit zukünftiger Verteidigungstechnologien gilt, so haben die
Amerikaner bereits Schritte zur Berücksichtigung dieses Anliegens unternommen,
wir haben Maßnahmen zur
"Vorhersehbarkeit" vorgeschlagen, mit
denen sichergestellt würde, daß weder
die Vereinigten
Staaten
noch
die
UdSSR
vom
strategischen
Verteidigungsprogramm des anderen überrascht
wird.
Im Hinblick auf die sowjetische Sorge, daß die Vereinigten Staaten aus der Stationierung strategischer Verteidigungssysteme einen einseitigen Vorteil ziehen könnten, haben wir vorgeschlagen, daß die Ubergangsphase zu einer primär auf Verteidigung
beruhenden
strategischen
Beziehung gemeinsam verwaltet werden
soll.
Mit anderen Worten, die Vereinigten Staaten tun alles in ihrer Macht
stehende
zur
Berücksichtigung
der
sowjetischen Belange - das heißt alles, außer dem Verzicht auf SDI. Wir
werden aus einem höchst einfachen
Grund unsere Erprobung fortgeschrittener ballistischer Raketenabwehrsysteme nicht aufgeben: Eine wirksame
strategische Verteidigung könnte die
Vereinigten Staaten, unsere Verbündeten und die Welt sicherer machen.
Wenn das wahre Interesse der Sowjets darin besteht, das strategische
Verteidigungsprogramm der Vereinigten
Staaten zu durchkreuzen, so werden
wir ihnen diesen Gefallen nicht tun.
Präsident Reagan hat dies in Reykja-

- 2 -

�vik
klargemacht.
Obwohl sie sich
verhalten, als ob sie kein eigenes
strategisches
Verteidigungsprogramm
hätten, unternehmen die Sowjets umfassende Anstrengungen in diesem Bereich, die sich auf die gleichen
fortgeschrittenenen Technologien erstrecken, die im Rahmen von SDI erforscht werden. Das sowjetische Programm wurde lange vor unserem ins Leben gerufen und hat enorme Investitionen an Zeit und Geld verschlungen.
Offensichtlich gilt der sowjetische Einwand nicht der Verteidigung
an sich, sondern dem amerikanischen
strategischen Verteidigungsprogramm.
Die Sowjets fordern, daß die Vereinigten Staaten weiteren Kürzungen
der strategischen Verteidigungsaufgaben zustimmen, bevor jede Seite von
dem 50prozentigen Abbau der strategischen
Offensivwaffen
profitieren
kann, den Präsident Reagan und Generalsekretär Gorbatschow bereits bei
dem Gipfeltreffen in Genf im Jahr
1985 vorbehaltlos gebilligt haben.
Objektiv besteht kein Grund zur Unterstützung der sowjetischen Forderung nach einem Junktim dieser bedeutenden Reduzierungen mit größeren Begrenzungen bei der Verteidigung.
Die Vereinigten Staaten haben den
ABM-Vertrag
nicht der
Orwell'schen
Theorie
zufolge: "Verteidigung
ist
schlecht, Angriff
ist gut" unterschrieben.
Sie haben ihn vielmehr
aus dem Grund unterschrieben, weil
eine wirksame Verteidigung gegen ballistische Raketen zu jener Zeit technisch nicht durchführbar war und die
Stabilität verbessert werden könnte,
wenn beide Seiten drastische Kürzungen der Offensivwaffen vornehmen würden.
Die Vereinigten Staaten haben
den ABM-Vertrag in der Erwartung unterzeichnet, daß ein neuer Vertrag
mit einem wesentlichen Abbau der Offensivwaffen dieses "Ubergangsabkom-

men" von SALT I aufheben und
strategische Offensive umfassend
langfrisitig begrenzen würde.

die
und

Die
Vereinigten
Staaten
haben
dies damals mit dem Argument verdeutlicht, daß das NichtZustandekommen
eines solchen Abkommens im Verlauf
von fünf Jahren unsere höchsten nationalen Interessen gefährden und damit den Grund für einen Rücktritt vom
ABM-Vertrag liefern könnte. In Wirklichkeit hingen die im ABM-Vertrag
festgelegten Obergrenzen bei der Verteidigung von den obergrenzen bei der
strategischen
Offensive
ab
und
nicht umgekehrt.
Ein Vertrag zur Reduzierung von
Offensivwaffen wurde nie geschlossen
und somit sind die Erwartungen des
ABM-Vertrages in den vergangenen 15
Jahren nicht erfüllt worden.
Und
während die Vereinigten Staaten bei
ihren Offensiv- und Defensivprogrammen Zurückhaltung übten, begann die
UdSSR mit einem ungeheuerlichen Aufrüstungsprogramm
für
Offensivwaffen
und verfolgte eine aggressive strategische Verteidigung.
Heute
besitzt
die
Sowjetunion
grob geschätzt viermal so viele strategische Nuklearwaffen wie im Jahr
1972, als der ABM-Vertrag unterzeichnet wurde. Und dennoch bestehen die
Sowjets mit Blick auf SDI darauf, daß
sie diese Waffen nicht reduzieren
können, ohne den ABM-Vertrag zu "verstärken", was eine Beschönigung dafür
ist, den Vertrag noch restriktiver zu
machen, als er ohnehin schon ist.
Die Vereinigten Staaten halten den
ABM-Vertrag ein. Es ist das Verhalten der Sowjetunion - zum Beispiel
ihre offensive Aufrüstung
und die
Vertragsverletzung mit dem Radar von
Krasnojarsk - das den ABM-Vertrag unterläuft.

- 3 -

�SDI wird
im Einklang mit dem
ABM-Vertrag
durchgeführt.
Darüberhinaus haben die Vereinigten Staaten
den Vorschlag unterbreitet, daß im
Zusammenhang mit einer 50prozentigen
START-Kürzung bis zum Jahr 1994 keine
Seite vom ABM-Vertrag
zurücktreten
darf. Das amerikanische SDI-Programm
ist darauf ausgerichtet, festzustellen, ob eine Verbesserung der Stabilität durch eine wirksame Verteidigung gegen ballistische Raketen erzielt werden kann. Man kann sich nur
fragen, wieviele Offensivwaffen die
Sowjetunion benötigt, um sich gegen
das amerikanische Programm zu "verteidigen".
Obwohl wir über das sowjetische
strategische
Verteidigungsprogramm
besorgt sind, hält es die Vereinigten
Staaten nicht davon ab, in stabilisierender Weise einschneidende Reduzierungen bei strategischen Offensivwaffen anzustreben. Eine 50prozentige START-Kürzung kann sowohl den Interessen der Vereinigten Staaten als
auch der Sowjetunion dienen.
Die
Vereinigten Staaten messen diesen Reduzierungen vorrangige Bedeutung bei.

Kürzungen sollten jetzt vorgenommen
werden

men durchgeführt werden, das Vorhersehbarkeit und Vertrauen im Bereich
der strategischen Verteidigung schaffen würde.
Sie könnten vorgenommen
werden, ohne den potentiellen Beitrag
zu beschneiden, den strategische Verteidigung zur strategischen Stabilität leisten und somit zur Sicherheit
der Vereinigten Staaten, unserer Verbündeten und auch der UdSSR beitragen
könnte.
I
Sollte Herr Gorbatschow wirklich
die Absicht haben, die mit Präsident
Reagan ausgehandelten Abkommen über
Rüstungskontrolle mit einzubeziehen,
so steht ihm der Weg offen, nicht nur
in Richtung auf den Abbau der gesamten Kategorie nuklearer Mittelstrekkenraketen, sondern auch in Richtung
auf die Bewältigung des zentralen
Problems der
strategischen Waffen.
Um jedoch das Ziel der Reduzierung
strategischer
Waffen
erreichen
zu
können, wird er den Druck aufgeben
müssen, den er auf die Vereinigten
Staaten auszuüben versucht, um diese
zur Aufgabe ihres legitimen Anspruchs
auf Schutz vor einem ballistischen
Raketenangriff zu bewegen.

i

* * * * *

Es besteht eine Möglichkeit, das
Versprechen einschneidender Reduzierungen bei den strategischen Offensivwaffen beider Länder einzulösen.
Seit dem 8. Mai haben die Vereinigten
Staaten
einen
START-Vertragsentwurf
auf dem Verhandlungstisch liegen, der
auf die in Reykjavik gemachten Fortschritte aufbauen und Vorkehrungen
für die Halbierung der strategischen
Offensivwaffen
treffen würde.
Die
Kürzungen sollten jetzt vorgenommen
werden. Sollten sich die Sowjets bereit erklären, können die Reduzierungen im Zusammenhang mit einen Abkom- 4

i

�AMERIKA DIENST
VON

Hintergrundmaterial

4

26. August 1987

29

Begrenzung der Regierungsgewalt das Hauptmerkmal der amerikanischen Verfassung

interview mit Richter Clifford Wallace

WASHINGTON - (AD) - Dem amerikanischen Berufungsrichter Clifford Wallace
zufolge ist einer der Hauptgründe für die Beständigkeit der amerikanischen
Verfassung die Tatsache, daß sie der Regierungsgewalt Grenzen auferlegt.

In einem kürzlich veröffentlichten Interview bemerkte der amerikanische Bundesrichter:
"Die Verfassung,
die zur Förderung der Demokratie in
unserem Lande beigetragen hat, ist
ein
Dokument
der
Einschränkungen.
Dies ist eines ihrer Hauptgrundsätze. "
Wallace war fünfzehn Jahre lang
am Neunten Berufungsgericht
tätig.
In den Vereinigten Staaten gibt es
zwölf
regionale
Berufungsgerichte,
die auf einer Ebene der Gerichtsbarkeit liegen, über der nur noch das

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Oberste Bundesgericht als höchste Instanz steht.
"Sie werden bei der Betrachtung
zahlreicher
Verfassungen
der
Welt
feststellen," fuhr Wallace fort, "daß
diese mit bestimmten Rechten, wie dem
Recht auf Bildung oder Arbeit, überladen sind."
"Es gibt auch in der amerikanischen Verfassung mit ihren Zusatzartikeln bestimmte Rechte, aber unsere
Verfassung ist in erster Linie darauf
ausgerichtet,
die
Regierungsgewalt

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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�einzugrenzen, mit anderen Worten, die
Regierung zu kontrollieren und sie
nicht zum Instrument der Beherrschung
des Lebens der Menschen zu machen.
Gerade diese Begrenzungen sind besonders wichtig geworden."
Wallace verlieh seiner Überzeugung Ausdruck, daß die Gewaltenteilung zwischen der Legislative, Exekutive und Jurisdiktion bei der Eingrenzung
der
Regierungsgewalt
von
allergrößter Bedeutung war. Die Verfassung, fuhr er fort, "sorgt dafür,
daß keine dieser Gewalten zu mächtig
wird und somit diktatorisch über das
Leben der Menschen herrschen kann."
"Die Regierung erfüllt ihre Aufgaben immer dann am besten, wenn sie
genau überwacht wird, damit die Menschen mehr Macht haben, ihre Rechte
im demokratischen Prozeß auszuüben.
Dies scheint mir eine wichtige Lektion zu sein, die erlernt werden
muß. "
"Sobald die Exekutive übermächtig
wird, wie dies in vielen Nationen der
Fall ist, leidet der demokratische
Prozeß darunter," erklärte Wallace.
Wallace vertrat ferner die Auffassung, Gerichte sollten nicht Sozialpolitik machen, sondern die Gesetze
auslegen.
Er
fügte
hinzu:
"Ich bin etwas besorgt über Wissenschaftler, die glauben, daß auf Lebenszeit ernannte und dem Wähler gegenüber nicht verantwortliche Richter
einen Sozialplan entwickeln sollen."
Wallace betonte, daß der Föderalismus, also die Trennung von Macht
zwischen der Bundes -, Landes und der
kommunalen
Regierung, ein weiteres
besonderes Merkmal der amerikanischen
Demokratie
ist.
Der Richter
fuhr
fort: "Die ursprüngliche Theorie sah
die
Einschränkung
der
Regierungs- 2

gewalt auf Bundesebene und den Verbleib der größten Machtbefugnisse bei
den Einzelstaaten vor. In dem Maße,
in dem dies immer noch geschieht, haben wir wieder eine Kontrolle, eine
vorherrschende Macht aus jedem Bereich fernzuhalten."
Wallace hob hervor, daß es in der
Geschichte der Menschheit kein Dokument zur Regierungsbildung gibt, das
länger seine Gültigkeit bewahrt hat
als die amerikanische Verfassung. Er
verwies auf den Erfolg der Verfassung, die in der Einflußnahme auf den
Versuch anderer Regierungen, eine Demokratie zu schaffen, ihren Niederschlag gefunden hat.
Gleichzeitig
warnte er davor, das politische System irgendeines Landes als uneingeschränktes Vorbild für ein anderes
Land anzusehen.
Wallace fügte hinzu:
"Ich zögere, das Wort Vorbild zu benutzen, da
ich aus meiner Erfahrung von den Besuchen anderer Länder weiß, daß diese
tatsächlich
ganz anders
entstanden
sind als wir. Sie haben eine andere
Vorgeschichte
und Philosophie.
Es
ist sehr schwierig, eine Gesellschaft
vollständig zu einer anderen zu verlagern, oder das Regierungssystem der
einen Gesellschaft auf eine andere zu
übertragen."
Wallace verwies darauf, daß es
mehr als eines Stücks Papier bedarf,
um die Verfassung zur Anwendung zu
bringen. Er fuhr fort: "Es ist die
Art und Weise, wie die Menschen verfassungsmäßig
konstituiert
werden,
und wir konstituierten uns, um etwas
ganz bestimmtes zu tun, um eine bestimmte Aufgabe zu erfüllen. Wir waren von einer bestimmten Motivation
und einem Enthusiasmus geleitet, die
sich in über 200 Jahren nicht nennenswert
verringert
haben.
Diese
Motivation
und
Begeisterung
haben

&gt;

&lt;

�entscheidend zum Erfolg
fassung beigetragen."

unserer Ver-

"Dieses Dokument unserer Gründung
ist kein historisches Relikt geworden, sondern ist heute genauso lebendig bei der Leitung des Lebens unseres Volkes wie damals."
Wallace fügte hinzu, die Verfassung erfülle wegen der Beständigkeit
ihrer Ideen auch weiterhin ihre Aufgaben.
"Die Verfassung bildet als
Dokument ein Fundament von Prinzipien, und in dem Maße, wie wir uns
als
Land
verändern,
können
diese
Prinzipien auf neue faktische Gegebenheiten angewandt werden."
Der Richter äußerte die Auffassung, der demokratische Prozeß sei
keineswegs
ein amerikanisches oder
auch westliches Monopol, denn auf der
Basis
kultureller
und historischer
Vorbedingungen werde jedes Land seinen eigenen Weg bei der Konstituierung gehen. "Meiner Meinung nach ist
die Freiheit ein grundlegender Wert,"
fuhr Wallace fort. "Es ist eine Tatsache, daß in jedem Kulturkreis, wo
Menschen aus welchen Lebensumständen
und Überzeugungen auch immer eine Regierungsform entwickeln, eine bessere
Lebensqualität
erfahren,
wenn
sie
frei sind und wenn sie ein Interesse
an der Freiheit haben.
Es ist der
demokratische Prozeß, der dieses Ergebnis am besten gewährleistet."
"Es kommt nicht darauf an, ob eine andere Art von Verfassung ebenso
erfolgreich sein könnte. Ganz gleich
ob sie etwas auf die gleiche oder eine andere Art zustande bringen kann,
es kommt nur auf das Endresultat an,
nämlich die größtmögliche Summe von
Freiheiten für den Einzelnen durch
den demokratischen Prozeß."
+ + + + + +
- 3

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Nitze warnt: viele INF-Probleme noch ungelöst&lt;br /&gt; &lt;em&gt;USA-Today Interview mit Botschafter Paul Nitze&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;NATO Botschafter Keel fordert Bekenntnis zum Bündnis&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Interview mit "Avianews international" &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Probleme der Rüstungskontrolle&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Edward L. Rowny&amp;nbsp;&lt;/em&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Begrenzung der Regierungsgewalt das Hauptmerkmal der amerikanischen Verfassung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Interview mit Richter Clifford Wallace&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
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AMERIKA DIENST&#13;
Sonderdienst&#13;
&#13;
&#13;
14. August 1987&#13;
&#13;
REAGAN OPTIMISTISCH ÜBER ABSCHLUSS EINES ABRÜSTUNGSABKOMMENS&#13;
&#13;
- Fernsehansprache des Präsidenten -&#13;
&#13;
United States Information Service&#13;
Embassy of the United States of America&#13;
&#13;
Postfach 20 03 00&#13;
D 5300 Bonn 2&#13;
&#13;
Tel.: 0228-339 2035&#13;
Telex: 8-85432&#13;
&#13;
�WASHINGTON - (AD) - Präsident Reagan ist "optimistisch", daß die Welt&#13;
"bald Zeuge" der Vernichtung einiger amerikanischer und sowjetischer Kernwaffen sein wird.&#13;
In einet am 12. August 1987 landesweit übertragenenen Fernsehansprache&#13;
setzte der Präsident die Prioritäten für seine noch verbleibende Amtszeit und&#13;
erklärte, das bevorstehende Abkommen über den Abbau aller Mittelstreckenwaffen&#13;
unterscheide sich insofern erheblich von früheren Rüstungskontrollvereinbarungen, als bisher "lediglich obergrenzen für Waffensysteme festgelegt wurden".&#13;
Die Ansprache Präsident Reagans hat folgenden Wortlaut:&#13;
Liebe Mitbürger, ich habe bei&#13;
verschiedenen&#13;
Gelegenheiten&#13;
darauf&#13;
hingewiesen, daß ich vor Beendigung&#13;
der Anhörungen im Kongreß zur iranContra-Affäre keinen Kommentar dazu&#13;
abgeben würde. Diese Zeit ist jetzt&#13;
gekommen, und ich möchte heute abend&#13;
mit Ihnen über die Lehren sprechen,&#13;
die wir daraus gezogen haben.&#13;
&#13;
Diese vergangenen neun Monate waren&#13;
für&#13;
das Land&#13;
verwirrend&#13;
und&#13;
schmerzlich.&#13;
Ich weiß von ihren ureigensten Zweifeln an dem, was hier&#13;
geschehen ist. Ich hoffe jedoch, Sie&#13;
hegen keine Zweifel an meinem Engagement bei den Untersuchungen selbst.&#13;
&#13;
Seien Sie jedoch versichert, daß&#13;
dies heute abend nicht mein einziges&#13;
Thema sein wird. Ich möchte mit Ihnen auch über die Zukunft und unsere&#13;
Pläne sprechen, weil die Menschen&#13;
jetzt darauf warten.&#13;
&#13;
Bis jetzt hat es vier Untersuchungen gegeben - vom Justizministerium, der Tower-Kommission, der unabhängigen Beratergruppe und dem Kongreß. Ich habe drei dieser Untersuchungen gefordert, und die vierte -&#13;
&#13;
�die Anhörungen im Kongreß - voll und&#13;
ganz befürwortet und unterstützt, indem ich mehr als 250 000 Seiten der&#13;
Akten des Weißen Hauses zur Verfügung&#13;
gestellt habe, darunter meine eigenen&#13;
Terminkalender. Als mir bewußt wurde, daß ich nicht ausreichend informiert worden war, habe ich mich um&#13;
Aufklärung bemüht.&#13;
Einige&#13;
Antworten&#13;
gefallen&#13;
mir&#13;
nicht.&#13;
Berichten der Tower-Kommission und auch meinen Bemerkungen vom&#13;
vergangenen März zufolge hat sich unsere ursprüngliche Initiative mit den&#13;
Waffenverkäufen verkettet, und darauf&#13;
folgte die Verwicklung der Waffenverkäufe mit den Geiseln. Außenminister&#13;
Shultz&#13;
und&#13;
Verteidigungsminister&#13;
Weinberger haben beide vorausgesagt,&#13;
das amerikanische Volk würde sofort&#13;
annehmen, bei diesem gesamten Plan&#13;
handle es sich um ein Geschäft von&#13;
Waffen gegen Geiseln und um nichts&#13;
weiter. Leider sind ihre Vorhersagen&#13;
eingetroffen-.&#13;
Wie ich ihnen bereits im März&#13;
sagte, hat meine Sorge um die Geiseln&#13;
auf Bereiche übergegriffen, die davon&#13;
hätten unberührt bleiben sollen. Die&#13;
Vorstellung - das heißt, die Realität&#13;
- von gefangengehaltenen Amerikanern,&#13;
die ihrer Freiheit beraubt und ihren&#13;
Familien entrissen sind, hat meine&#13;
Gedanken belastet. Das war ein Fehler.&#13;
Liebe Mitbürger, ich habe lange&#13;
und oft darüber nachgedacht, wie ich&#13;
Ihnen erklären kann, welches Ziel ich&#13;
vor Augen hatte, aber ich habe zu&#13;
großen Respekt vor Ihnen, um Ausflüchte zu suchen. Tatsache ist, daß&#13;
ich nichts sagen kann, was die Situation zurechtrücken könnte.&#13;
Ich habe&#13;
eigensinnig&#13;
eine Politik verfolgt,&#13;
die fehlgeschlagen ist.&#13;
Das andere wichtige Thema der An-&#13;
&#13;
hörungen war natürlich die Umleitung&#13;
von Geldern für die Contras in Nicarauga.&#13;
Oberstleutnant North und Admiral&#13;
Poindexter glaubten, in meinem Sinne&#13;
zu handeln - und die demokratiche Widerstandsbewegung in Nicaragua am Leben zu erhalten. Ich war damals wie&#13;
heute der Überzeugung, daß die Sowjets daran gehindert werden müssen,&#13;
in Mittelamerika einen Brückenkopf zu&#13;
errichten.&#13;
Da ich mir die Sache der Contras&#13;
so sehr zu eigen gemacht hatte, war&#13;
die große Frage bei den Anhörungen,&#13;
ob ich von der Umleitung der Gelder&#13;
Kenntnis hatte.&#13;
Es war mir bewußt,&#13;
daß&#13;
die&#13;
Widerstandsbewegung&#13;
von&#13;
Drittländern und über Privatinitiativen direkt Gelder erhielt, und ich&#13;
befürwortete&#13;
diese&#13;
Bemühungen&#13;
von&#13;
ganzem Herzen, aber - und das möchte&#13;
ich ganz klar und deutlich sagen ich wußte nichts von der Umleitung&#13;
der Gelder.&#13;
Ich wußte noch nicht&#13;
einmal von der Existenz überschüssiger Gelder.&#13;
Aber&#13;
der&#13;
Schwarze&#13;
Peter&#13;
darf&#13;
nicht Admiral Poindexter zugeschoben&#13;
werden, wie er das in seiner Zeugenaussage vorschlug: er geht an mich.&#13;
Ich bin derjenige, der dem amerikanischen Volk gegenüber letztlich Rechenschaft ablegen muß. Der Admiral&#13;
hat bezeugt, mich schützen zu wollen,&#13;
aber kein Präsident sollte jemals vor&#13;
der Wahrheit geschützt werden.&#13;
Kein&#13;
Unternehmen ist so geheim, daß es dem&#13;
Obersten&#13;
Befehlshaber&#13;
vorenthalten&#13;
werden muß. Ich hatte das Recht und&#13;
die Pflicht, meine eigene Entscheidung zu treffen.&#13;
Kürzlich hat jemand gefragt, warum ich nicht entrüstet war. Manchmal war ich natürlich sehr verärgert.&#13;
Das wäre jeder - angesichts des ange-&#13;
&#13;
- 2 -&#13;
&#13;
�richteten Schadens und der verlorenen&#13;
Zeit.&#13;
Aber ich war immer der Ansicht, das beste Mittel gegen Wut und&#13;
Arger seien Taten.&#13;
Ich habe versucht, Maßnahmen zu&#13;
ergreifen, so daß sich diese Ereignisse weder in meiner noch in einer&#13;
zukünftigen Administration wiederholen können. Aber ich kann mich sehr&#13;
gut an den im vergangenen Februar&#13;
veröffentlichten Bericht der TowerKommission erinnern, demzufolge der&#13;
Fehler eher bei den Menschen als bei&#13;
den Verfahrensweisen lag.&#13;
Wir können jede der Welt bekannte&#13;
Vorsichtsmaßnahme ergreifen, das beste jemals von Menschen geschaffene&#13;
System aufbauen, aber am Ende sind es&#13;
die Menschen, die es in Betrieb nehmen müssen. Und wir werden nie frei&#13;
sein&#13;
von&#13;
Hoffnungen,&#13;
Eifer&#13;
und&#13;
menschlichen Schwächen.&#13;
Ich möchte Ihnen sagen, was ich&#13;
getan habe, um sowohl das System als&#13;
auch die damit arbeitenden Menschen&#13;
zu verändern.&#13;
Erstens habe ich eine neue erfahrene Arbeitsgruppe eingesetzt.&#13;
Ich&#13;
habe einen neuen Nationalen Sicherheitsberater, einen neuen CIA-Direktor und einen neuen Stabschef im&#13;
Weißen Haus.&#13;
Und diesen habe ich&#13;
mitgeteilt, daß&#13;
ich&#13;
informiert&#13;
vollständig informiert - werden muß.&#13;
Darüber hinaus habe ich das von&#13;
der&#13;
Tower-Kommission&#13;
vorgeschlagene&#13;
Modell übernommen, wie im Nationalen&#13;
Sicherheitsrat (NSC) die Organisation&#13;
ablaufen und das Personal arbeiten&#13;
soll, und ich habe jede aktive Beteiligung des NSC-Personals an verdeckten Aktivitäten untersagt.&#13;
Der von mir in Auftrag gegebene&#13;
Bericht über die geheimen Operationen&#13;
- 3&#13;
&#13;
unserer&#13;
Nation&#13;
ist&#13;
fertiggestellt&#13;
worden.&#13;
Es gab darin keine Überraschungen.&#13;
Einige Operationen werden weitergeführt und andere wegen&#13;
mangelder&#13;
Zweckdienlichkeit&#13;
eingestellt.&#13;
Ich&#13;
werde&#13;
ebenfalls&#13;
neue&#13;
und&#13;
strengere vorgehensweisen einführen,&#13;
wenn es um Beratungen mit dem Kongreß&#13;
und dessen Unterrichtung&#13;
über Erkenntnisse&#13;
künftiger&#13;
Geheimoperationen geht.&#13;
Wir werden, falls notwendig, weiterhin verdeckte Operationen durchführen, die jedoch alle legal und einem bestimmten politischen Ziel dienlich sein müssen.&#13;
Das Problem geht jedoch über Politik und Personalfragen hinaus. Die&#13;
wahrscheinlich&#13;
wichtigste&#13;
Lektion,&#13;
die wir aus den Anhörungen ziehen&#13;
können, besteht darin, daß Exekutive&#13;
und Legislative das gegenseitige Vertrauen aufbauen müssen.&#13;
Die Folgen&#13;
des Mißtrauens sind in Form von Lügen, Indiskretionen, Uneinigkeit und&#13;
Fehlern offen zutage getreten.&#13;
Wir&#13;
müssen Wege zur Zusammenarbeit finden&#13;
und uns darüber&#13;
klar werden, daß&#13;
Außenpolitik nicht in Ausschüssen gemacht werden kann.&#13;
Und meiner Ansicht nach kann man jetzt das zunehmende Bewußtsein beobachten, daß man&#13;
gemeinsam mehr erreichen kann.&#13;
Und darin könnte schließlich der&#13;
mögliche Segen der Iran-Contra-Verwicklungen bestehen.&#13;
Ich möchte mich jetzt jedoch dem&#13;
anderen Thema zuwenden, auf das ich&#13;
heute abend hier eingehen möchte die&#13;
Zukunft.&#13;
Diese Administration&#13;
hat noch 17 Monate vor sich, von denen ich möchte, daß es glückliche und&#13;
produktive Monate für das amerikanische Volk werden.&#13;
&#13;
�f&#13;
*&#13;
&#13;
Als Sie mich zum ersten Mal in&#13;
dieses Amt wählten, taten Sie das,&#13;
damit Amerika eine neue und andere&#13;
Richtung einschlagen sollte. Als Sie&#13;
mich zum zweiten Mal wählten, haben&#13;
Sie damit Ihren Wunsch nach einer&#13;
Fortsetzung dieses Kurses bestätigt.&#13;
Ich hege heute so leidenschaftliche&#13;
Hoffnungen für dieses Land wie 1981.&#13;
Bis zu dem Tag, an dem ich das Weiße&#13;
Haus verlasse, werde ich das tun, zu&#13;
dem Sie mich gewählt haben - die Nation zu den bei meiner Wahl vereinbarten Zielen zu führen.&#13;
Ich möchte Ihnen erklären, worauf&#13;
ich mich und meine Energie für den&#13;
Rest meiner Amtszeit konzentrieren&#13;
werde.&#13;
In meiner gesamten politischen&#13;
Laufbahn habe ich betont, wie notwendig es ist, daß der Oberste Gerichtshof das Gesetz interpretiert, nicht&#13;
aber das Gesetz macht. Während meiner Präsidentschaft habe ich mit&#13;
Stolz zwei neue Richter ernannt, die&#13;
diesen wichtigen Grundsatz verstehen,&#13;
Richterin Sandra Day O'Connor und&#13;
Richter Antonin Scalia.&#13;
Ich habe jetzt einen dritten&#13;
Richter ernannt - Robert Bork. Als&#13;
ich ihn für das Berufungsgericht der&#13;
Vereinigten Staaten benannt habe, hat&#13;
die amerikanische Anwaltskammer nur&#13;
die allerbesten Beurteilungen über&#13;
Richter Bork, einen hervorragenden&#13;
Wissenschaftler und Juristen, abgegeben.&#13;
Als Mitglied dieses Gerichts&#13;
hat Richter Bork mehr als 100 herrschende Meinungen begründet und an&#13;
weiteren 300 mitgewirkt. Der Oberste&#13;
Gerichtshof hat keiner einzigen dieser 400 Meinungen jemals widersprochen.&#13;
Es gibt einigen Widerstand gegen&#13;
seine Ernennung, da er juristische&#13;
&#13;
Zurückhaltung übt.&#13;
Das heißt, er&#13;
stellt weder eigene noch andere Meinungen über das Gesetz. Und so sollte es sein. Richter Bork wäre eine&#13;
bedeutende&#13;
intellektuelle Bereicherung für das Gericht, und ich werde&#13;
mich für ihn einsetzen, weil ich an&#13;
das glaube, was er vertritt.&#13;
Sobald der Senat im nächsten Monat aus der Sommerpause zurückkehrt,&#13;
sollte er Richter Borks Qualifikation&#13;
erwägen und dann über seine Bewerbung&#13;
abstimmen.&#13;
Diese Nation und ihre&#13;
Bürger verdienen eine mit neun Richtern vollbesetzte Richterbank, wenn&#13;
das Gericht sich im Oktober wieder&#13;
versammelt.&#13;
In den kommenden Monaten hoffe&#13;
ich ferner, ein umfassendes und verifizierbares Abkommen mit der Sowjetunion über die Reduzierung der Nuklearwaffen zu erreichen.&#13;
wir machen&#13;
echte Fortschritte beim weltweiten&#13;
Abbau einer ganzen Kategorie nuklearer Waffen - nämlich der amerikanischen und der sowjetischen Mittelstreckenraketen (INF).&#13;
Ich&#13;
habe&#13;
den&#13;
Sowjets&#13;
diese&#13;
Absicht erstmals im Jahr 1981 vorgetragen. Sie sind nicht weiter darauf&#13;
eingegangen und haben an einem Punkt&#13;
sogar den Verhandlungstisch verlassen. Aber wir haben uns nicht beirren lassen. Bis vor kurzem hat die&#13;
Sowjetunion darauf bestanden, einige&#13;
ihrer INF-Raketen zu behalten. Aber&#13;
Mitte Juli erklärte Generalsekretär&#13;
Gorbatschow seine Bereitschaft zum&#13;
Verzicht auf diese Forderung. Diese&#13;
Nachricht war uns in der Tat sehr&#13;
willkommen.&#13;
Wir sind so weit gekommen, weil&#13;
Sie mir im Jahr 1980 den Auftrag gegeben haben, unsere Streitkräfte wieder aufzubauen.&#13;
Ich habe dies getan. Heute sehen wir die Resultate.&#13;
&#13;
�Die Sowjets verhandeln jetzt mit uns,&#13;
weil wir aus einer Position der Stärke heraus verhandeln.&#13;
&#13;
r&#13;
&#13;
Dies wäre ein historisches Abkommen.&#13;
Bisherige&#13;
Rüstungskontrollabkommen haben nur eine Obergrenze für&#13;
Waffen festgelegt und sogar einen Zuwachs erlaubt; dieses Abkommen würde&#13;
die Anzahl nuklearer Waffen verrringern. Ich bin optimistisch, daß wir&#13;
bald Zeugen einer weltgeschichtlichen&#13;
Premiere werden - des Anblicks zweier&#13;
Länder, die tatsächlich Nuklearwaffen&#13;
in ihren Arsenalen zerstören.&#13;
Stellen sie sich vor, wohin das führen&#13;
könnte.&#13;
Wir sind auch bereit zu Fortschritten bei einem START-Abkommen,&#13;
das die interkontinentalen nuklearen&#13;
Streitkräfte um 50 Prozent reduzieren&#13;
und damit Tausende von Nuklearraketen&#13;
beseitigen würde.&#13;
Ich fordere die&#13;
Sowjets dringend auf, mit uns vorwärts zu gehen. Und ich sage zu Generalsekretär&#13;
Gorbatschow:&#13;
unsere&#13;
beiden Nationen könnten neue Beziehungen einleiten, indem sie umfassene&#13;
Abkommen über den Abbau nuklearer und&#13;
konventioneller Waffen unterzeichnen.&#13;
Was wir in unserem Verhältnis mit&#13;
der Sowjetunion suchen, sind Frieden&#13;
und Stabilität. Das ist es auch, was&#13;
wir im Persischen Golf und im Nahen&#13;
Osten insgesamt anstreben.&#13;
Stabilität in diese unruhige Region zu bringen, bleibt eines der wichtigsten&#13;
Ziele meiner Präsidentschaft.&#13;
&#13;
s&#13;
&#13;
In den vor uns liegenden 17 Monaten werde ich ferner eine verbindliche Gesetzgebung zur wirtschaftlichen&#13;
Gesundung empfehlen.&#13;
Meiner Meinung&#13;
nach hat das amerikanische Volk ein&#13;
Recht darauf, daß die Finanzen der&#13;
Nation verantwortungsbewußt verwaltet&#13;
werden.&#13;
Und dennoch herrscht bei&#13;
Vergabe&#13;
der&#13;
Haushaltshaltsmittel&#13;
&#13;
Chaos vor.&#13;
In den vergangenen Monaten gab es&#13;
zahlreiche Diskussionen darüber, daß&#13;
unsere Finanzen in Ordnung gebracht&#13;
werden müssen, aber gleichwohl war&#13;
das Ergebnis wie immer Untätigkeit.&#13;
Die Etatfestsetzung durch den Kongreß&#13;
ist weder zuverlässig noch glaubwürdig - mit anderen Worten - sie muß&#13;
korrigiert werden.&#13;
Wir müssen uns der Realität stellen - das einzige Mittel, diesen massiv defizitären Haushalt in den Griff&#13;
zu bekommen, ist die Verfassung. Nur&#13;
die Verfassung - das Dokument, aus&#13;
dem alle Regierungsgewalt entstammt,&#13;
das Dokument, das uns die moralische&#13;
Autorität als Nation verleiht - nur&#13;
die Verfassung kann Verantwortungsbewußtsein hervorbringen.&#13;
Wir benötigen dringend die Ermächtigung durch einen Zusatzartikel&#13;
zur Verfassung, der uns beim Ausgleich des Haushalts behilflich ist.&#13;
Mehr als 70 Prozent des amerikanischen Volkes wünschen diesen Zusatzartikel. Sie wollen damit der amerikanischen&#13;
Regierung&#13;
das verleihen,&#13;
was die 44 Regierungen der Bundesstaaten bereits besitzen - Disziplin.&#13;
Um geeignete Schritte in die Wege&#13;
leiten zu können, möchte ich Ihnen&#13;
heute abend folgenden Vorschlag unterbreiten:&#13;
Wenn der Kongreß einer&#13;
Abstimmung über unseren Haushaltsausgleich noch in diesem Jahr zustimmt,&#13;
erkläre ich mich bereit, jeden Punkt&#13;
auf der Liste der Ausgaben einzeln&#13;
auszuhandeln.&#13;
Wenn der Kongreß weiterhin den&#13;
Wünschen des Volkes zuwiderhandelt,&#13;
indem er eine Abstimmung über den Zusatzartikel&#13;
für&#13;
den&#13;
Haushaltsausgleich verhindert, dann wird der Ruf&#13;
nach&#13;
einer&#13;
verfassunggebenden&#13;
Ver-&#13;
&#13;
�Sammlung lauter werden. Für die Genehmigung zur Einberufung der verfassunggebenden Versammlung fehlen uns&#13;
nur noch die Stimmen zweier Staaten,&#13;
und in jedem Fall wird es der Wille&#13;
des Volkes sein, der ausschlaggebend&#13;
ist.&#13;
Und es gibt ein weiteres Gebiet,&#13;
dem ich mich und meine Zeit voll und&#13;
ganz widmen werde - die Sache der Demokratie.&#13;
Es gibt Amerikaner, die&#13;
immer&#13;
noch brennend nach Freiheit&#13;
verlangen&#13;
Mittelamerikaner,&#13;
das&#13;
Volk von Nicaragua. Seit zehn Jahren&#13;
sind überall auf der Welt Demokratien&#13;
im Entstehen begriffen.&#13;
Allein in&#13;
Mittel- und Südamerika sind zehn Länder hinzugekommen.&#13;
Die Frage ist wird Nicaragua je auf dieser Ehrenliste stehen?&#13;
Wie Sie wissen, bin ich dem demokratischen Widerstand - den Freiheitskämpfern&#13;
- und ihrem Streben&#13;
nach Demokratie in Nicaragua voll und&#13;
ganz verpflichtet.&#13;
Kürzlich hat es&#13;
wichtige Fortschritte an der diplomatischen Front gegeben - sowohl hier&#13;
in Washington als auch in der Region&#13;
selbst.&#13;
Meine Administration und die Vorsitzenden im Kongreß haben eine Initiative der beiden im Kongreß vertretenen Parteien vorgelegt, mit der&#13;
Schritte zur Beendigung des Konfliktes in dieser Region vorgeschlagen&#13;
werden. unser Hauptargument war, daß&#13;
das kommunistische Regime in Nicaragua endlich das tun sollte, zu dem es&#13;
sich im Jahr 1979 formell verpflichtet hatte - die Grundrechte des nicaraguanischen Volkes auf freie Meinungsäußerung, Pressefreiheit, freie&#13;
Wahlen und freie Wahl der Religionszugehörigkeit&#13;
zu&#13;
respektieren.&#13;
Stattdessen haben es die Machthaber&#13;
in Nicaragua vorgezogen, ihr Land der&#13;
Sowjetunion als Stützpunkt kommunist-&#13;
&#13;
ischer Expansion auf dem amerikanischen Festland zu überlassen.&#13;
Die Notwendigkeit für Demokratie&#13;
in Nicaragua wurde auch in dem Abkommen betont, das die fünf mittelamerikanischen Präsidenten am vergangenen&#13;
Freitag in Guatemala unterzeichneten.&#13;
Wir begrüßen diese Entwicklung und&#13;
versprechen der Demokratie und jenen,&#13;
die für diese Freiheit kämpfen, unsere Unterstützung.&#13;
Wir waren stets&#13;
bereit zu verhandeln - wir waren niemals bereit, jene im Stich zu lassen,&#13;
die für Demokratie und Freiheit kämpfen.&#13;
Es erfüllt mich mit besonderer&#13;
Freude, daß die diplomatische Initiative der Vereinigten Staaten wiederum&#13;
die Anfänge, gleich mit welchem Ausgang, einer auf zwei Parteien gegründeten&#13;
Außenpolitik&#13;
widerspiegelt.&#13;
Die jüngsten Anhörungen haben die&#13;
Notwendigkeit einer solchen Zweiparteienlandschaft&#13;
unterstrichen,&#13;
und&#13;
ich hoffe, daß dieser vorsichtige Anfang wachsen und gedeihen wird.&#13;
Dies sind einige der von mir gesteckten Ziele für meine noch verbleibende Amtsperiode als Präsident.&#13;
Ich bin der festen Überzeugung, daß&#13;
diese Zielsetzungen Sicherheit, Wohlstand und die Zukunft unseres Volkes&#13;
verbessern werden. Ich beschwöre den&#13;
Kongreß, bei der Verwirklichung dieser Ziele ebenso gründlich und energisch vorzugehen, wie er bei den&#13;
jüngsten&#13;
Untersuchungen&#13;
vorgegangen&#13;
ist.&#13;
Meine lieben Mitbürger, mir verbleiben noch anderthalb Jahre, bevor&#13;
ich diesen Schreibtisch räumen muß.&#13;
Ich werde nicht zulassen, daß sich&#13;
auf den Möbeln dieses Büros oder gar&#13;
an mir Staub und Spinnweben ausbreiten.&#13;
Es gibt noch viel zu tun, und&#13;
mit Ihrer Hilfe wird es uns gelingen.&#13;
&#13;
+ + + + +&#13;
&#13;
�</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST
V,oH *
1 2 . August

28

1987

I N H A L T

INFORMATION

Reagan ernennt Verity zum neuen Handelsminister
- Kurzbiographie von C. William Verity -

DOKUMENTATION

Reagan;

Sowjets sollen Berliner Mauer niederreißen

Demokratie als Ziel in Mittelamerika
- Erklärungen von Präsident Reagan und Außenminister Shultz -

* * * * * *

United States Information Service
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12. August 1987

28

REAGAN ERNENNT VERITY ZUM NEUEN HANDELSMINISTER
Kurzbiographie von C. William Verity

WASHINGTON - (AD) - Präsident Reagan hat den ehemaligen Geschäftsleiter
eines
Stahlunternehmens,
C.
William
Verity,
zum
Handelsminister
der
Vereinigten Staaten und damit Nachfolger von Malcolm Baldrige ernannt.
Bei Bekanntgabe der Nominierung am 10. August 1987 im Weißen Haus erklärte
der Präsident, Verity "teilt meine Verpflichtung zu freiem und fairem Handel"
und drängte auf eine schnelle Bestätigung durch den Senat, sobald der Kongreß
nach der Sommerpause wieder zusammenkommt.

"Seine reiche Erfahrung im Geschäftsleben und Überseehandel macht
ihn zu einem außerordentlich qualifizierten Anwärter für die Leitung des
Handelsministeriums in diesen schwierigen Zeiten", fügte Reagan hinzu.
Der Präsident verlieh seiner Erwartung Ausdruck, daß verity die von
Baldrige
gespielte
"entscheidende
Rolle als einer der führenden Gestalter der amerikanischen internationalen
Wirtschaftspolitik"
fortführen
und protektionistische Maßnahmen ablehnen werde.

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Veritys Ernennung beendete zweiwöchige Spekulationen über Baldriges
Nachfolge.
Vorbehaltlich der Bestätigung durch den Senat wird er die
Leitung des Handelsministeriums vom
Stellvertretenden
Handelsminister
Clarence Brown übernehmen.
"Ich freue mich besonders über
diese Gelegenheit zu einem, meiner
Meinung nach, historischen Zeitpunkt
im internationalen Handel, an dem ein
Handelsgesetz
die einzelnen
Häuser
durchläuft", erklärte Verity anläß-

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�lieh
seiner
Ernennung.
"Und
ich
möchte ganz klarstellen, Herr Präsident, daß
ich
Ihren
Ausführungen
vollständig beipflichte.
Ich freue
mich darauf, Ihnen bei der Aufgabe,
dieses
Land
wettbewerbsfähiger
zu
machen, behilflich sein zu können".
Ebenso wie Baldrige blickt der
siebzigjährige Verity auf eine Laufbahn in der Wirtschaft zurück.
In
Middletown, Ohio, gebürtig begann er
seinen Berufsweg 1940, ein Jahr nachdem er sein Studium an der Yale Universität mit dem Bachelor of Arts abgeschlossen hatte, bei Armco Incorporated, einem ortsansässigen Stahlunternehmen mit breitangelegtem Produktionsprogramm.
Im Anschluß an seinen Dienst bei
der US-Marine von 1942-46 nahm er
seine Tätigkeit bei Armco wieder auf,
um im Verlauf der Jahre 1965 zum Präsidenten und von 1971 bis 1982 zum
Vorstandsvorsitzenden
dieses
Unternehmens aufzusteigen.
Von 1980 bis 1981 hatte er das
Amt des Vorsitzenden der amerikanischen Handelskammer inne, das er aufgab, um die Leitung von Präsident
Reagans Beratergruppe für Initiativen
zur Belebung
des Privatsektors im
Jahr 1981 zu übernehmen.
Seit 1983
ist er Mitglied des Konsultativausschusses dieser Gruppe.
Im Jahr 1984 wurde Verity zum
Zweiten
Vorsitzenden
des
amerikanisch-sowjetischen Handels- und Wirtschaftsrates ernannt, einer von den
jeweiligen
Regierungsvertretern
zur
Ausweitung des Handels zwischen diesen beiden Ländern gegründeten Privatorganisation.
Seit jener Zeit hat
er seiner Besorgnis darüber Ausdruck
verliehen, daß amerikanische Firmen
aufgrund der strengen Exportkontrollen Millionen von Dollar bei mögli-

chen Verkäufen an die Sowjets verlieren könnten.
Als Vertreter der Stahlindustrie
kritisierte Verity die US-Regierung
dafür, diesem Industriezweig einerseits kostenintensive Umweltschutzgesetze aufgezwungen und andererseits
nicht stärkere Maßnahmen gegen ausländisches "Dumping" von Stahlprodukten auf amerikanischen Märkten und
unterhalb der Produktionskosten angesiedelte Preise ergriffen zu haben.

* * * * *

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Dokumentation

&amp;

12. August 1987

28

REAGAN:

SOWJETS SOLLEN BERLINER MAUER NIEDERREISSEN

WASHINGTON - (AD) In seiner wöchentlichen Rundfunkansprache forderte
Präsident Reagan am 8. August 1987 die Sowjets auf, im Geiste echter "Glasnost" die Berliner Mauer niederzureißen, freie Wahlen zuzulassen sowie alle
politischen Gefangenen zu befreien.
Reagan erklärte, diese Offenheit solle ferner ein Ende des sowjetischen
Imperialismus in Osteuropa, Afghanistan, Angola, Kuba und Nicaragua bedeuten.
Die Rede Präsident Reagans hat folgenden Wortlaut:

Meine
amerikanischen
Mitbürger,
in dieser Woche wird auf der Welt ein
düsterer Gedenktag begangen. Am Donnerstag vor 26 Jahren marschierten
eine Minute nach Mitternacht Tausende
von ostdeutschen Soldaten aus ihren
Kasernen und errichteten im Schutz
der Nacht und mit Unterstützung der
sowjetischen Truppen die Mauer in
Berlin.
Die heutige Berliner Mauer unterscheidet sich sehr von dem groben
Stacheldraht, den die Berliner vor 26
Jahren am Morgen des folgenden Tages

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Embassy of the United States of America

vor sich sahen. Zu den Veränderungen
zählen zusätzliche Wachtürme, Panzersperren, rasiermesserscharfe Metallzäune, Flutlicht, Gräben und Hundelaufanlagen.
Die Mauer selbst ist
nunmehr vier Meter hoch und besteht
aus weiß angestrichenem Beton, so daß
jeder, der an ihr hochklettern will,
eine gute Zielscheibe bietet.
Eins hat sich jedoch über die
Jahre hinweg nicht verändert: Obwohl
die Mauer West-Berlin umgibt, sind
nicht die Westberliner die Gefangenen.
Eine
westdeutsche
Zeitung

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�drückte es am Morgen nach der Errichtung der Mauer so aus, "gestern wurde
Ost-Berlin offiziell in ein riesiges
Konzentrationslager verwandelt".

echte
Offenheit, zu
sprechen, zu
schreiben, zu reisen oder etwa zu
kaufen und zu verkaufen?
Oder ist
das eher ein Werbefeldzug?

Es ist mehr nötig als Mauern und
Gewehre, um den menschlichen Geist
einzusperren.
In den vergangenen 26
Jahren haben fast 5 000 Menschen diese Barriere überwunden und sind in
die Freiheit geflüchtet.
Einige haben Tunnel unter der Mauer hindurch
gegraben, andere haben sie mit Hilfe
von Tauen und Seilwinden überwunden,
manche mit Lastwagen die Checkpoints
durchbrochen, andere sind einfach zu
Fuß über das gelaufen, was sowjetische Regierungsvertreter des Ostblocks als "moderne Grenze" und die
Menschen in Berlin als "Todesstreifen" bezeichnen. Bei diesem Wettlauf
um die Freiheit haben wenigstens 74
Männer und Frauen ihr Leben gelassen.

Wie ich im Juni in Berlin erklärt
habe, wäre das Niederreißen der Mauer
eine Möglichkeit, mit der die Sowjets
Engagement für echte Offenheit demonstrieren könnten.
Aber sie könnten
noch mehr tun. Am Ende des Zweiten
Weltkrieges haben die Sowjets Osteuropa freie Wahlen versprochen.
Offenheit sollte die Erfüllung dieses
Versprechens bedeuten.

Im Juni habe ich auf meiner Rückreise vom - Weltwirtschaftsgipfel
in
Venedig Berlin besucht und die Mauer
wiedergesehen.
Wie
früher
bereits
habe ich gesehen, daß die Menschen
auf die frei zugängliche Seite der
Mauer kleine Kreuze gezeichnet haben
- im Gedenken an jene, die beim Versuch, sie zu überwinden, ums Leben
kamen.
Auf der einen Seite Todesstreifen, auf der anderen Andenken an die
bei der Überwindung Getöteten.
An
keinem Ort der Erde ist der Gegensatz
zwischen dem Gefängnis, das der Kommunismus darstellt und dem Geist der
Freiheit, der in der gesamten Menschheit
verwurzelt
ist,
deutlicher
sichtbar.
In den vergangenen Monaten haben
wir aus dem sowjetischen Einflußbereich viel über "Glasnost" gehört.
Glasnost ist ein russisches Wort, das
"Offenheit" heißt.
Aber bedeutet es

Offenheit
sollte ebenfalls die
Befreiung von politischen Gefangenen,
Regimegegnern und anderen Gefangenen
aus Gewissensgründen
bedeuten.
Es
sollte ein Ende des sowjetischen Imperialismus sein, sei es in Osteuropa, Afghanistan, Angola, Kuba oder
Nicaragua, kurz gesagt, sollte es Offenheit für alle unter sowjetischer
Herrschaft stehenden Nationen geben.
Im Juni habe ich in Berlin erklärt, daß wir in den Vereinigten
Staaten bereit sind, gemeinsam mit
den Sowjets der geteilten Stadt echte
Offenheit zu bringen.
Ich habe Diskussionen über vier
Vorschläge angeregt. Erstens sollten
Wege erforscht werden, um den Zugang
der Zivilluftfahrt nach Berlin auszubauen, so daß die Stadt eines Tages
zu einem Luftkreuz für den Luftverkehr Mitteleuropas werden kann. Zweitens sollten mehr internationale Zusammenkünfte und Konferenzen in Berlin stattfinden, zum Beispiel die
Versammlungen der Vereinten Nationen.
Drittens habe ich ein Austauschprogramm angeregt, so daß junge Ost- und
Westberliner sich leichter besuchen
und kennenlernen können.
Und viertens habe ich vorgeschlagen, daß irgendwann in der Zukunft die Olymp-

- 2 -

�ischen Spiele
sollten.

in

Berlin

stattfinden

Zusammengenommen würden all diese
Vorschläge mehr Offenheit in das Leben nicht nur der Berliner, sondern
auch der Menschen in Osteuropa und
der Sowjetunion bringen.
Wir
sollten daran denken, wie
wichtig dies für jeden von uns als
Amerikaner ist, als ein Volk, das den
Frieden unter den Nationen anstrebt.
Aufgrund
unserer
wiedergewonnenen
Stärke haben wir in den vergangenen
Jahren große Fortschritte in Richtung
auf den Frieden erzielt, besonders im
Bereich der Rüstungskontrollgespräche
mit der Sowjetunion.
Aber so ermutigend dies auch sein
mag, sollten wir doch nicht die Warnung
des tschechischen
Dissidenten
und Schriftstellers Wazlaw Hawel vergessen, der uns vor einiger Zeit
mahnte, daß "Respektierung der Menschenrechte die grundlegende Bedingung und einzig echte Garantie des
wahren Friedens darstellt.
Ein dauerhaften Frieden kann nur das Werk
freier Menschen sein".
Lassen Sie uns an diesem 26. Gedenktag der Berliner Mauer den Entschluß fassen, alles uns Mögliche zu
tun, um den Tag herbeizuführen, an
dem die Mauer niedergerissen und Berlin nicht nur zu einem Sinnbild für
Konfrontation, sondern für Zusammenarbeit zwischen den Völkern Europas
und der ganzen Welt geworden ist.
Bis nächste Woche, danke fürs Zuhören und Gott segne Sie.

- 3

�^£°s^

VON

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Dokumentation

*

12. August 1987

28
DEMOKRATIE ALS ZIEL IN MITTELAMERIKA

- Erklärungen von Präsident Reagan und Außenminister Shultz -

WASHINGTON - (AD) - Am 5. August 1987 wurde von Präsident Reagan ein Plan
vorgelegt, der darauf abzielt, mit Hilfe erneuter diplomatischer Bemühungen
die Kämpfe zwischen der sandinistischen Regierung und den demokratischen Widerstandskämpfern in Nicaragua zu beenden.
Der Präsident erklärte in diesem Zusammenhang, die vereinigten Staaten
verfolgten
in Mittelamerika mit der "Errichtung wahrhaft demokratischer
Staatsformen" dasselbe Ziel wie auch die Staaten in der Region und die nicaraguanischen Widerstandskämpfer.
Nachfolgend drucken wir die Erklärung Präsident Reagans und die Pressekonferenz mit Außenminister Shultz im Wortlaut:

Präsident
Reagan:
Guten
Morgen.
Ich möchte hier eine kurze
Stellungnahme verlesen, nach der ich
mich verabschieden muß. Der Außenminister wird dann Fragen dazu beantworten.
Ich habe gerade eine Zusammenkunft mit den Vorsitzenden der beiden
Parteien des Kongresses beendet und
freue mich, Ihnen mitteilen zu können, daß wir Einigung über eine erneute
diplomatische
Initiative
in
Mittelamerika erzielt haben, die sich
im Einklang mit dem gemeinsam mit dem

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Sprecher und den Parteivorsitzenden
im Kongreß ausgearbeiteten Friedensplan befindet. Demgemäß habe ich den
Außenminister angewiesen, dieses Dokument
den Staats- und Regierungschefs der fünf Länder Mittelamerikas
zu übergeben, die morgen in Guatemala-Stadt
zusammenkommen, damit
sie
diese Ansichten bei ihren Überlegungen berücksichtigen.
Wie ich bereits vor einigen Monaten auf Ellis Island ausgeführt habe,
hat diese Administration immer auf
Frieden und Demokratie ausgerichtete

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�regionale
diplomatische
Initiativen
unterstützt:
Die Bestrebungen unserer Nachbarn in Mittelamerika, der
demokratischen Widerstandskämpfer in
Nicaragua
und des
nicaraguanischen
Volkes gleichen sich in einem Hoffnungen - der Errichtung wahrhaft demokratischer Staatsformen in der Region mit den verbrieften Rechten der
Versammlungs-, Rede- und Pressefreiheit und dem einfachen Prinzip der
Selbstbestimmung.
Ich begrüße diese Bemühungen beider Parteien im Kongreß und ich möchte meiner Hoffnung Ausdruck verleihen, daß damit eine friedliche Lösung
des Konfliktes in Nicaragua herbeigeführt wird. Ich fordere die anderen
Nationen der Welt auf, diese Bemühungen ebenfalls
zu unterstützen und
keine Aktivitäten zu unternehmen, die
sie gefährden würden.
Frage:
Haben Sie Ihre Meinung
über die Sandinisten geändert, Herr
Präsident?
Frage:
Herr
Präsident,
warum
sind Sie jetzt bereit, den Sandinisten zu vertrauen und sich mit Ihnen
an den Verhandlungstisch zu setzen?
Trauen Sie Ihnen zu, daß sie ihren
Verpflichtungen nachkommen werden?
Antwort:
George
(Shultz)
diese Frage beantworten.

wird

Shultz:
Der
Präsident
war
stets
bereit, sich
für
regionale
Friedensinitiativen
einzusetzen
und
stellt sich voll und ganz hinter diesen Plan, zumal morgen in Guatemala
Stadt die Präsidenten Mittelamerikas
zusammentreffen sowie angesichts der
interessanten Entwicklung der Diskussionen zwischen den beiden Parteivorsitzenden im Kongreß über das, was
wir glauben und was wir vertreten
sollten.
Dies ist also keine Mei-

nungsänderung, sondern
sitive Entwicklung.

eine

sehr po-

Frage:
In
diesem
Plan
haben
wir Änderungen zum Arias-Friedensplan
vorgeschlagen - was wird geschehen,
wenn die Staatschefs einschließlich
Nicaragua übereinkommen, daß sie dem
Arias-Friedensplan zustimmen können?
Würden wir ihn dann unterstützen?
Antwort:
Wir unterbreiten hier
Ideen, die sich in zahlreichen Diskussionen, unter anderem unter der
Leitung
des
Sprechers
des
Repräsentantenhauses, Jim Wright, entwikkelt haben, und woran wir arbeiten
werden, ist der Erfolg.
Mit Erfolg
ist hier die Möglichkeit eines echten
regionalen Friedensabkommen in Mittelamerika
gemeint.
Darauf
zielen
wir ab.
Frage:
Das war aber nicht meine Frage.
Könnten - oder würden wir den Arias-Plan unterstützen, wenn
die Staatschefs ihn voll akzeptieren?
Antwort:
Dieser
jetzt
vom
Sprecher vorgelegte und von uns allen
erarbeitete Plan enthält im wesentlichen dieselben Bestandteile wie der
Arias-Plan, so wie ich ihn verstehe,
nämlich die Absicht, in ganz Mittelamerika
demokratische
Regierungen
einzuführen. Bezüglich des Zeitplans
gibt es noch einige Probleme, die für
alle Beteiligten sehr wichtig sind.
Wir sollten jedoch zunächst abwarten,
was die Diskussionen ergeben.
Frage:
Herr Außenminister, besteht Grund zu der Annahme - die
Sandinisten haben solche Vorschläge
früher oft in Betracht gezogen und
dann abgelehnt.
Was hat sich jetzt
geändert? Warum sollten wir glauben,
daß sie jetzt mehr Interesse dafür
zeigen?

�Antwort:
Natürlich möchte
ich
nicht versuchen, für sie einzutreten,
aber das, was hier vorgelegt wird,
ist vernünftig - es ist von vielen
Leuten hier unter vielen verschiedenen Aspekten diskutiert worden.
Es
befindet sich im Einklang mit den in
der
Region diskutierten
Problemen,
und ich glaube, wir sollten jetzt
einfach sagen, wofür wir sind; die
anderen müssen ihre Meinung vertreten.
Die wirtschaftlichen Bedingungen in der Region und besonders in
Nicaragua sind schrecklich, so daß im
Namen der Menschen in der Region noch
viel getan werden muß.
Frage:
Herr
Außenminister,
seitens der Demokraten
im Kongreß
herrscht großes Mißtrauen, daß die
Administration dies in Erwartung der
ablehnenden Haltung der Sandinisten
tut, und daß Ihnen damit für den Rest
dieser Präsidentschaft weitere Hilfe
für die Contras zugesichert wird.
Antwort:
Sie haben hier
Erklärung abgegeben.
Gibt es
auch eine Frage?

eine
dazu

Frage:
Ich
sage, daß
dieses
Mißtrauen bei vielen Demokraten im
Kongreß besteht. Was sagen Sie dazu?
Antwort:
Bei vielen Leuten mit
sehr
unterschiedlichen
Meinungen
herrscht Mißtrauen demgegenüber, und
ich glaube, daß wir die Bemühungen
beider
Parteien als Basis unserer
starken diplomatischen Bemühungen zugrunde legen und alles daransetzen
müssen, um das Ergebnis hervorzubringen, daß meiner Meinung nach jeder
anstrebt.
Frage:
Aber ist das nicht nur
ein Schachzug, um mehr Hilfe für die
Contras zu bekommen?
Frage:

Warum

haben

Sie

die

Führer der Contras nicht gefragt?...
Antwort:
Es
ist kein Schachzug, es handelt sich hier um ernsthafte Bemühungen. Und der Präsident,
der Sprecher und auch andere Diskussionsteilnehmer glauben daran.
Sie
sind heute morgen hierher gekommen
und haben offen gesprochen. Sie hatten eine fruchtbare und ernsthafte
Diskussion. Und wir werden dazu erhebliche Bemühungen unternehmen.
Frage:
Können
Sie
sagen, ob
bereits seitens der nicaraguanischen
Regierung irgendeine Reaktion erfolgt
ist?
Der Sprecher, Mr. Wright, hat
uns einen Brief gezeigt, in dem der
Botschafter, auch wenn er dies nicht
unterschrieben
hat, wenigstens auf
einige positive Reaktionen
zu den
Vorschlägen hinwies. Können Sie uns
sagen, ob Sie dasselbe gehört haben?
Antwort:
Das Treffen des Präsidenten mit den Parteivorsitzenden
hat gerade erst stattgefunden, und
das Dokument wurde abgesegnet.
Es
wird gerade, so schnell es die Bürokratie
im Außenministerium
zuläßt,
verteilt, so daß jeder den Text vorliegen hat. Die Vorsitzenden werden
sich nach Guatemala-Stadt begeben und
sich dort auf ihre Umgebung einstellen. Aber wir haben weder eine Reaktion vorbereitet noch waren wir in
der Lage, mit ihnen darüber zu sprechen, weil es noch nichts gab, über
das man hätte sprechen können.
Frage:
Was denken die Contras
darüber?
Sie sind Ihnen böse, weil
Sie nicht bereits gestern zu ihnen
gesprochen haben.
Antwort:
Sie treffen gegenwärtig mit dem Präsidenten zusammen, und
ich möchte dabeisein.
Aber meiner
Ansicht nach werden sie so weitermachen wie bisher - sie werden Frie-

- 3 -

�den, Demokratie und Freiheit in Nicaragua anstreben.
Dafür kämpfen sie.
Und wenn es einen Weg gibt, der dorthin führt, werden sie ihn einschlagen.
Frage

Warum haben sie nicht ...

Antwort:
Sie werden für
selbst sprechen, und sie sind
wohl in der Lage, das zu tun.

sich
sehr

Frage:
Wäre der Präsident
einem Waffenstillstand
bereit,
Contra-Hilfe einzustellen?

bei
die

Antwort:
Ist
verteilt worden?
Frage:
Ja, wir
de bekommen.
Antwort:
hier...

der

Friedensplan

haben

Lesen

ihn gera-

Sie

bitte

Frage:
Aber es ist unklar, was
angesichts
eines
Waffenstillstandes
passieren würde.
Antwort:
Das, was
vorgesehen
ist.
Im Hinblick auf Ihre Frage ist
der wichtigste Absatz...
Frage:

Frage:
Was ist, wenn militärische Hilfe erneut gewährt wird ...
Antwort:
Dort steht - humanitäre Hilfe würde weiterhin gewährt.
Frage:
Herr Außenminister, wie
steht es mit erneuten Lieferungen an
die
Contras
in
diesem
Zeitraum?
Strebt die Regierung das Recht an,
mit erneuten Lieferungen fortzufahren?
Antwort:
Es
heißt
hier, daß
Militärhilfe unter diesen auszuarbeitenden
Bedingungen
eingestellt
und
humanitäre Hilfe weiterhin geleistet
würde.
Wenn dies funktioniert, und
wenn die Leute wirklich bereit sind,
sich dafür einzusetzen, sehen wir einen Prozeß voraus, der einen Wandel
im Sinne einer Steuerung hervorbringen wird, so daß es Offenheit, Freiheit und eine Wahlkommission geben
wird, die Empfehlungen ausspricht.
Das ist ist diesem Zusammenhang
vorgesehen. Es sind allgemeine Prinzipien. Ich muß jetzt zu dieser Besprechung gehen.

Punkt Eins.

Antwort:
Unter
Punkt
Eins
steht: "Wir schlagen folgendes vor",
und sie sehen, daß ein Waffenstillstand für alle beteiligten Parteien
annehmenbare Bedingungen haben muß.
Dazu gehört auch die nicaraguanische
Widerstandsbewegung.
Und es ist vorgesehen, daß eine Reihe von Dingen
gleichzeitig
ablaufen würde.
Eins
davon
- wenn
all dies
überhaupt
gleichzeitig erfolgen kann - ist ein
Waffenstillstand,
und dann erfolgt
die Einstellung militärischer Hilfe.
Frage:
Aber
humanitäre
würde weiterhin geleistet?

Hilfe

* * * * *

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                    <text>AMERIKA DIENST
"V

^

c$

29. J u l i 1987

27

I N H A L T

INFORMATION

Zum Tode von Handelsminister Malcolm Baldrige
- Erklärung von Präsident Reagan -

DOKUMENTATION

Vereinigte Staaten "befriedigt" über sowjetische Unterstützung für
Null-Lösung
- Präsident Reagan zum amerikanischen INF-Vorschlag -

HINTERGRUNDMATERIAL

Die Verhandlungen über nukleare Mittelstreckenraketen
- Sonderbericht des amerikanischen Außenministeriums -

Die INF-Verhandlungen - Eine Antwort an Moskau
- V o n Max Kampelman -

* * * * * *

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29. Juli 1987

27

ZUM TODE VON HANDELSMINISTER MALCOLM BALDRIGE
- Erklärung von Präsident Reagan -

WASHINGTON - (AD) - Zum Tode von Handelsminister Malcolm Baldrige, der am
25. Juli 1987 an den Folgen eines Unfalls verstarb, veröffentlichte das Weiße
Haus die folgende Erklärung des amerikanischen Präsidenten:

Die Nation hat durch den tragischen und viel zu frühen Tod von Minister Baldrige einen schweren Verlust erlitten.
Als erfahrener Geschäftsmann und
anerkannte Führungspersönlichkeit war
er ein begabter und engagierter Diener des Staates, dem nichts wichtiger
war als seinen Beitrag für Amerika zu
leisten, und genau das tat er auch.
Unter seiner Leitung spielte das Handelsministerium
eine
Schlüsselrolle
bei der Wiedergeburt unseres Wohlstandes, und wir alle schulden Mac
Baldrige dafür großen Dank.

Er war ein loyales Mitglied des
Kabinetts, dessen von gesundem Menschenverstand geprägte Erfahrung ich
oft vertraut und sehr geschätzt habe.
Mac und ich teilten eine besondere
Affinität für den Westen, und ich
werde seine Freundschaft sehr vermissen.
Nancy und ich sind ehrlich betrübt, und wir möchten Midge und der
Familie Baldrige unser tiefstes Beileid aussprechen. Sie werden in der
nächsten zeit in unseren Gedanken und
Gebeten bei uns weilen.

* * * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�AMERIKA DIENST
V,DN

*

Dokumentation

29. Juli 1987

27

VEREINIGTE STAATEN "BEFRIEDIGT" ÜBER SOWJETISCHE UNTERSTÜTZUNG
FÜR NULL-LÖSUNG
- Präsident Reagan zum amerikanischen INF-Vorschlag -

WASHINGTON - (AD) - Bei der Vorstellung des amerikanischen Vorschlages,
die Anzahl der Mittelstreckenraketen sowohl längerer als auch kürzerer Reichweite abzubauen, verlieh der amerikanische Präsident seiner Befriedigung darüber Ausdruck, daß "die Sowjets nun ihre Unterstützung für beide Konzepte bekundet haben".
Im Rahmen einer Ansprache in Washington führte der Präsident zu diesem
Vorschlag, der am 28. Juli 1987 bei den Genfer Verhandlungen eingebracht wurde, folgendes aus:

Heute unterbreitet unsere Delegation bei den Genfer Gesprächen über
nukleare Mittelstreckenraketen einen
formellen
amerikanischen
Vorschlag,
der zwei schon früher von den Vereinigten
Staaten gemachte Vorschläge
enthält.
Im November 1981 versprachen wir die Abschaffung der gesamten
Kategorie
von Mittelstreckenraketen
längerer Reichweite.
Am 15. Juni
schlugen wir dann formell vor, auch
die
Mittelstreckenraketen
kürzerer
Reichweite abzuschaffen.
Wie einige
unter Ihnen vielleicht wissen, hat
die Sowjetunion bis zur vergangenen

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Embassy of the United States of America

Woche auf einem möglicherweise wesentlichen Hindernis für unseren Vorschlag der doppelten Null-Lösung bestanden - auf dem Recht, einige ihrer
gegenwärtig
in Asien
stationierten
INF-Raketen zu behalten.
Vorigen Mittwoch verkündete Generalsekretär Gorbatschow jedoch, daß
er bereit sei, diese Forderung fallenzulassen.
Der von uns heute unterbreitete Vorschlag würde die Anzahl der Mittelstreckenraketen sowohl
längerer als auch kürzerer Reichweite
auf Null reduzieren, und wir sind be-

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D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�friedigt darüber, daß die Sowjets nun
ihre Unterstützung für beide Konzepte
bekundet haben.
Zwei lebenswichtige Elemente sind
ebenfalls darin eingeschlossen:
Die
Zerstörung der von diesem Vertrag erfaßten Raketen und Abschußvorrichtungen und das Verbot einer Umrüstung
dieser Systeme und Abschußvorrichtungen zu anderen Waffenarten.
In Genf bleibt noch vieles zu
tun, aber ich fühle mich durch die
Tatsache
ermutigt, daß
das
Klima
jetzt
für einen historischen Vorschlag dieser Art aufnahmefähig ist.
Die Vereinigten Staaten sind stolz
darauf, daß sie in der Lage sind,
diesen Vorschlag zu unterbreiten.
Ich kann nur noch hinzufügen, daß
auch noch andere Abrüstungsverhandlungen stattfinden, die strategische
und nukleare Langstreckenwaffen betreffen. Wir haben unseren Vorschlag
in Form eines Vertragsentwurfs zu
START auf den Verhandlungstisch gelegt.
Wir hoffen, daß die Sowjetunion desgleichen tun wird und ihre
Ansichten zu diesem Thema formell zum
Ausdruck bringt. Wie Sie sehen können, besteht unser Ziel nicht in Rüstungskontrolle, sondern in Rüstungsreduzierung,
und trotz der Skepsis,
auf die wir bei der Ankündigung dieser Pläne stießen, bewegen wir uns in
diese Richtung.

* * * * * *
- 2

�AMERIKA DIENST
'VoN

Hintergrundmaterial

4

29. Juli 1987

27

DIE VERHANDLUNGEN ÜBER NUKLEARE MITTELSTRECKENRAKETEN
- Sonderbericht des amerikanischen Außenministeriums -

WASHINGTON - (AD) - (Der folgende Sonderbericht zu den Verhandlungen über
nukleare Mittelstreckenraketen (INF) wurde im Juli 1987 vom amerikanischen
Außenministerium veröffentlicht.)

Abkürzungen
INF - Nukleare Mittelstreckenraketen
GLCM - Landgestützte Marschflugkörper
NST - Verhandlungen über Kernund Weltraumwaffen
LRINF - INF längerer Reichweite
SRINF - INF kürzerer Reichweite

Einleitung
Auf

dem

Weg

zu

einem

ameri-

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Embassy of the United States of America

kanisch-sowjetischen
INF-Abkommen,
das den Sicherheitskriterien der NATO
genügen würde, sind bedeutende Fortschritte erzielt worden. Ein solches
Abkommen würde - zum ersten Mal in
der Geschichte - ganze Kategorien nuklearer Raketensysteme drastisch reduzieren
oder gänzlich
abschaffen.
Trotz dieser Fortschritte bleiben jedoch noch mehrere schwierige Probleme
bestehen.
Die Lösung dieser Probleme, darunter das der Verifizierung,
wird noch sehr harte Verhandlungen
erfordern.
Die Vereinigten Staaten
werden weiterhin ihr Teil zur Lösung

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�dieser Probleme beitragen, jedoch muß
die Sowjetunion erst noch ein gleiches Maß an Engagement zeigen.

27. April 1987 ihren eigenen Vertragsentwurf vor, der viele gleichgeartete Elemente enthielt.

Diese Fortschritte sind durch die
energische und einheitliche Antwort
der NATO auf die im Jahr 1977 begonnene destabilisierende Stationierung
der SS 20-Raketen in Europa durch die
Sowjets ermöglicht worden.
im Jahr
1979 beschloß die NATO den "Doppelbeschluß" als Antwort auf das wachsende
Ungleichgewicht im INF-Bereich:
(1)
Stufenweise
Stationierung
amerikanischer LRINF-Raketen in Europa und
(2) gleichzeitige Verhandlungen mit
den Sowjets zur Schaffung eines weltweiten Gleichgewichts bei diesen Raketen auf dem niedrigstmöglichen Niveau. Trotz erheblicher sowjetischer
Anstrengungen
zur Aushölung
dieses
Beschlusses blieb die NATO standhaft.
Der Zusammenhalt und die Entschlossenheit der NATO haben entscheidend
dazu beigetragen, die Sowjets davon
zu überzeugen, ernsthaft über INF zu
verhandeln.

Mitte April 1987 traf Außenminister Shultz in Moskau mit Generalsekretär
Gorbatschow
und
Außenminister
Schewardnadse
zusammen.
Im
Verlauf dieser Treffen schlug Herr
Gorbatschow die weltweite Abschaffung
amerikanischer und sowjetischer INFRaketen
kürzerer
Reichweite
vor.
(Die Vereinigten Staaten haben keine
SRINF-Raketen
stationiert; die Sowjetunion besitzt über 100 dieser Raketen. )

Jüngste Entwicklungen
Im Anschluß an eine Ankündigung
von Präsident Reagan vom 3. März 1987
legten die Vereinigten Staaten bei
den Gesprächen über Kern- und Weltraumwaffen in Genf einen Vertragsentwurf zu INF vor.
Der amerikanische
Entwurf reflektierte die grundlegende
Struktur der Obereinkunft, die vom
Präsidenten
und
Generalsekretär
Gorbatschow während ihres Treffens in
Reykjavik vom Oktober 1986 erzielt
worden war - eine gleiche weltweite
Obergrenze von 100 Gefechtsköpfen auf
LRINF-Raketen
für
die
Vereinigten
Staaten und die UdSSR, wovon keine in
Europa stationiert sein dürften, sowie Beschränkungen für SRINF-Raketen
als integraler Bestandteil eines INFAbkommens.
Die Sowjetunion legte am

Die Vereinigten Staaten führten
daraufhin
intensive
Konsultationen
mit
ihren NATO-Verbündeten
zu den
möglichen Auswirkungen einer Null-Lösung bei den SRINF durch. im Rahmen
des Treffens des Nordatlantikrats vom
11. bis 12. Juni 1987 unterstützten
die Außenminister der NATO die verifizierbare, weltweite Abschaffung aller amerikanischen und sowjetischen
SRINF-Raketen,
vorausgesetzt,
diese
sei wirksam zu verifizieren, bilde
den integralen Bestandteil eines bilateralen INF-Abkommens und schlösse
die sowjetischen SS-12 und SS-23 Raketen ein.
Die Vereinigten Staaten
unterbreiteten diesen SRINF-Vorschlag
am 16. Juni bei NST in Genf und betonten darüberhinaus die weiterbestehende Präferenz der Vereinigten Staaten für die weltweite Abschaffung der
amerikanischen
und
sowjetischen
LRINF-Raketen.

Der amerikanische Vertragsentwurf
Der
Text dieses
amerikanischen
Vertragsentwurfs, den die Vereinigten
Staaten am 4. März 1987 den Sowjets
in Genf zu unterbreiten begannen,
sieht gegenwärtig vor:

- 2 -

�Die stufenweise Reduzierung der
LRINF-Raketensysteme
auf
eine
temporäre
weltweite
Obergrenze
von
jeweils
100 Gefechtsköpfen
auf LRINF-Raketen für die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion - wovon keine in Europa
stationiert sein dürfen - bis zum
Jahr
1991.
Die amerikanischen
LRINF-Gefechtsköpfe
wären
auf
amerikanischem Territorium, einschließlich Alaska, erlaubt, die
sowjetischen
LRINF-Gefechtsköpfe
wären im asiatischen Teil der Sowjetunion zulässig.

haben von Beginn der Verhandlungen an
betont, daß jedes INF-Abkommen wirksam verifizierbar sein muß, wenn es
die Stabilität
verbessern und das
Kriegsrisiko verringern soll.
Die
Vereinigten Staaten verfolgen in dieser Hinsicht drei Ziele:
- Stärkung des Vertrauens in das
Abkommen, das an sich schon zu
größerer Sicherheit und Stabilität in Europa und Asien beitragen
wird.
- Abschreckung
von
Verletzungen
durch erhöhte Wahrscheinlichkeit
ihrer Aufdeckung.

Die
weltweite
Abschaffung
der
amerikanischen
und
sowjetischen
LRINF-Raketen (einschließlich der
sowjetischen SS-23 und SS-12) als
integraler Bestandteil eines INFAbkommens.

- Die Möglichkeit einer schnellen
Entdeckung von Vertragsverletzungen, wodurch eine
zeitgerechte
Warnung
vor einer
potentiellen
oder realen Bedrohung der Sicherheit der Verbündeten ermöglicht
wird.

Eine umfassende Verifizierungsregelung. Die Vereinigten Staaten haben mit voller Unterstützung ihrer Verbündeten - seit Beginn der INF-Verhandlungen im Jahr 1981 betont, daß
sie die weltweite Abschaffung aller
amerikanischen
und
sowjetischen
LRINF-Raketen vorziehen würden. Dies
würde die Verifizierung eines INF-Abkommens sehr erleichtern. Zusätzlich
betonen die Vereinigten Staaten, daß
die INF-Verhandlungen bilateral sind
und keine Systeme von Drittländern
beinhalten oder die Kooperation der
Vereinigten Staaten mit ihren Verbündeten betreffen.

Um diese Ziele zu erreichen, haben die Vereinigten Staaten eine Verifizierung sregelung
vorgeschlagen,
durch die die Einhaltung der Vertragsbestimmungen gefördert ur1 die
verbotene Produktion, Lagerung oder
Stationierung
von
vertraglich
beschränkten Systemen und damit in Verbindung stehender Ausrüstung entdeckt
werden sollen. Diese Verifizierungsregelung besteht aus sechs Grundelementen:

Verifizierung
Eine Reihe wichtiger Fragen muß
vor dem Abschluß eines INF-Abkommens
gelöst werden. Eine der wichtigsten
betrifft die Verifizierung. Die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten
- 3 -

- Bestimmung von Gebieten und Einrichtungen, in denen durch den
Vertrag beschränkte Raketensysteme untergebracht sein müssen mit
einem Verbot, sie andernorts zu
stationieren.
(Dies ist zwingend
erforderlich, da die durch einen
INF-Vertrag zu beschränkenden Systeme mobil sind und sonst praktisch überall stationiert werden
könnten.)

�- Gegenseitiger Austausch von spezifiziertem, umfassendem Zahlenmaterial
über
vertraglich
begrenzte Systeme sowie der dazugehörigen Einrichtungen und Geräte
vor Inkrafttreten des Vertrages.
- Einvernehmliche
dieser Daten.

Fortschreibung

- Spezielle Verfahren zur Verifizierung
von Vernichtung, Abbau
und Umrüstung von LRINF Systemen,
einschließlich
Vor-Ort-Inspektionen.
- Vor-Ort-Inspektionen/Uberwachung.
Dieser Bestandteil beinhaltet 1.)
eine einmalige, umfassende Inspektion kurz nach Inkrafttreten
des Vertrages zur Bestätigung der
Grunddaten über vertraglich begrenzte Systeme; 2.) Inspektionen
zur Verifizierung des Abbaus von
Systemen, die gemäß der Verfügungen des Vertrages reduziert werden sollen; 3.) kurzfristig anberaumte Inspektionen entsprechend
"deklarierter"
Einrichtungen
in
den Vereinigten Staaten und der
Sowjetunion; 4.) kurzfristig anberaumte
Inspektionen
anderer
amerikanischer
und
sowjetischer
Einrichtungen; und 5.) kontinuierliche
Überwachung
bestimmter
kritischer Einrichtungen zur Produktion,
Endmontage,
Reparatur
und Lagerung von vertraglich begrenzten Systemen in den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion.
- Anwendung
und
Nichtbehinderung
von nationalen technischen Verifikationsmaßnahmen,
eine Bedingung zur Übertragung der technischen Meßdaten von Raketenflügen;
Verbot
der Verschlüsselung
und
das Verbot von Täuschungsmaßnah-

men, die der Verifizierung
derlaufen.

zuwi-

Die Vereinigten Staaten sind sich
bewußt, daß
Verifizierungsmaßnahmen
nie lOOprozentig sicher sind, glauben
jedoch,
daß
umfassende
Verifizierungsmaßnahmen
mit klar
umrissenen
und
zwingenden
Verifizierungsverpflichtungen - wie sie im amerikanischen
Vertragsentwurf
enthalten
sind - das beste Mittel der Gewährleistung dafür bilden, daß die Sowjets die Verfügungen des Vertrages
nicht verletzen.
Die Sowjetunion hat einigen der
von den Vereinigten Staaten geforderten grundsätzlichen Bestandteile des
Verifizierungspakets prinzipiell zugestimmt, einschließlich des Datenaustauschs,
der
Vor-Ort-Inspektion
bei Abbau und Vernichtung sowie VorOrt-Inspektionen
der
LRINF-Bestände
und dazugehörigen Einrichtungen. sie
muß jedoch noch zahlreiche wichtige
Einzeldaten zur Verfügung stellen sowie Vor-Ort-Inspektionen verdächtiger
Gelände zustimmen.

Die deutschen Pershing IA
Die Sowjets haben kürzlich zum
ersten Mal die Forderung aufgestellt,
daß amerikanische Gefechtsköpfe auf
deutschen Pershing IA-Raketensystemen
Bestandteil eines amerikanisch-sowjetischen Abkommens über den Abbau von
SRINF-Raketen sein müssen.
Die amerikanische
Position
ist eindeutig:
Die INF-Verhandlungen sind bilaterale
Verhandlungen und erstrecken sich daher ausschließlich auf amerikanische
und sowjetische Raketen und betreffen
nicht Systeme von Drittländern oder
bestehende Muster der Zusammenarbeit
mit den Verbündeten. Die NATO-Partner unterstützen diese Position voll
und ganz. Die Sowjets haben das The-

&gt;

�ma
der
deutschen
Pershing
bisher
nicht angeschnitten; zu einem solch
späten Zeitpunkt legen sie damit die
Vermutung nahe, sie versuchten, dem
erfolgreichen Abschluß der INF-Verhandlungen künstlich neue Hindernisse
in den Weg zu legen.

Vorausschau
Die Lösung dieser und anderer
ausstehender Probleme wird sich als
schwierig erweisen.
Die Vereinigten
Staaten werden weiterhin ihren Beitrag zur Lösung dieser Probleme leisten, aber die Sowjetunion muß noch
unter Beweis stellen, daß sie es
ebenso ernst meint.

Hintergrund

die sowjetische Entwicklung der SS-20
Raketen - trugen in den siebziger
Jahren zur Verlagerung der Situation
bei.
Die im Jahre 1977 begonnene Stationierung der SS-20 stellte sowohl
einen qualitativen und quantitativen
Wandel für die europäische Sicherheit
als auch eine Bedrohung für die Sicherheit unserer asiatischen Freunde
und Verbündeten dar.
Die SS-20 ist
zielgenauer als die SS-4 und die
SS-5. Ferner ist die SS-20 mobil und
kann schnell neu disloziert werden.
Schließlich trägt die SS-20 drei unabhängig steuerbare Gefechtsköpfe im
Gegensatz zu dem Einzelgefechtskopf
der Vormodelle, ihre Abschußeinrichtungen
können
schnell
nachgeladen
werden und zusätzliche Raketen abfeuern.
Bis Juli 1987 hatten die Sowjets weltweit 441 Raketen des Typs
SS-20 mit einer Gesamtzahl von 1 323
Gefechtsköpfen stationiert.
Darüber
hinaus haben die Sowjets weiterhin
112 Raketen des Typs SS-4 disloziert.

Nukleare Aufrüstung der Sowjetunion,
in den fünfziger und frühen
sechziger
Jahren
stationierte
die
UdSSR
gegen
Westeuropa
gerichtete
SS-4 und SS-5 Raketen. Bis Mitte des
Jahres 1977 waren ca. 575 in Stellung
gebracht.
Im Verlauf der fünfziger
Jahre dislozierten die Vereinigten
Staaten eine geringere Anzahl ungefähr entsprechender Raketen - Mace,
Thor und Jupiter - in Großbritannien,
Italien, der Bundesrepublik und der
Türkei.
Anfang der sechziger Jahre
zogen die Vereinigten Staaten diese
Systeme jedoch einseitig ab und motteten sie ein. Wir waren dazu aufgrund der überlegenen amerikanischen
strategischen Streitkräfte in der Lage, die eine angemessene Abschreckung
gegen
sowjetische Aggressionen und
Einschüchterung Westeuropas darstellte.

Mit dem Anwachsen der Zahl sowjetischer SS-20, denen keine in Europa
stationierten amerikanischen Raketen
gegenüberstanden, nahm die Besorgnis
der
europäischen
NATO-Staaten
zu,
Moskau könne - fälschlicherweise
glauben, die amerikanischen strategischen Streitkräfte könnten von der
Verteidigung des Bündnisses in Europa
abgekoppelt werden.
Solch ein Fehlschluß könnte die NATO-Strategie der
nuklearen Abschreckung und der flexiblen Reaktion in Frage stellen, die
seit vier jarhzehnten den Frieden in
Europa bewahrt hat.
Westeuropäische
Politiker betonten die Notwendigkeit
einer starken Reaktion der NATO.

Zwei
kritische
Entwicklungen
das Erlangen eines ungefähren strategischen
Gleichgewichts der Sowjetunion mit den Vereinigten Staaten und

Reaktion der NATO.
Nach intensiven Konsultationen mit dem gesamten
Bündnis entschied sich die NATO im
Dezember
1979
für
eine
simultan

- 5 -

�durchgeführte
"zweigleisige"
tion, den Doppeibschluß.

Reak-

- Ein "Gleis" bestand in der Umkehr
des bei INF bestehenden Ungleichgewichts durch die im Jahr 1983
einsetzende Stationierung von 572
amerikanischen
INF
längerer
Reichweite in Westeuropa - 108
Pershing II-Raketen und 464 bodengestützte
Marschflugkörper
(GLCM) - über einen Zeitraum von
fünf Jahren.
Obwohl diese Zahl
nicht genau der Anzahl der sowjetischen
Gefechtsköpfe
bei
den
SS-20 entspricht, wäre dies eine
Reaktion, die ausreicht, um eine
glaubwürdige
Abschreckung
aufrechtzuerhalten.
Im
Dezember
1986 hatten die Vereinigten Staaten 316 LRINF - 108 Pershing II
und 208 GLCM - stationiert.
- Das zweite "Gleis" verlangte von
den Vereinigten Staaten, mit den
Sowjets Verhandlungen zur Errichtung eines weltweiten Gleichgewichts bei den amerikanischen und
sowjetischen
LRINF
auf
dem
kleinstmöglichen
Stand
durchzuführen.
Ein jegliches Abkkommen
über LRINF müßte außerdem amerikanische
und sowjetische
SRINF
weltweit auf einem gleichen Stand
beschränken, um die Umgehung eines Abkommens über LRINF durch
Aufrüsten bei den Kurzstreckensystemen zu verhindern.
Die Vereinigten Staaten und die NATOVerbündeten betonten, sie seien
bereit, die Stationierungen amerikanischer LRINF einzuschränken,
zu ändern oder sogar umzukehren,
wenn das Ergebnis der Verhandlungen dies rechtfertigt.
Das
"Zweite
Gleis".
Die Sowjets weigerten sich anfangs, zu verhandeln und stellten die Bedingung,
die NATO müsse zunächst ihre Pläne

zur Stationierung der LRINF aufgeben.
Die Sowjets schlugen dann ein "Moratorium" zur Stationierung von INF in
Europa vor.
Damit wäre ihr Monopol
bei den LRINF bestätigt worden, das
die NATO gerade als unannehmbar zurückgewiesen hatte. Nur nachdem Moskau erkannt hatte, daß die NATO entschlossen war, in Ermangelung verhandelter Beschränkungen mit den Stationierungen fortzufahren, stimmten die
Sowjets schließlich
im Herbst des
Jahres 1981 Verhandlungen über INF zu.
Prinzipien
der
amerikanischen
Vorgehensweise bei den INF-Verhandlungen.
Die
amerikanische
Vorgehensweise bei den INF-Verhandlungen
hat sich auf der Grundlage weitreichender Konsultationen mit den Bündnispartnern
entwickelt
und
basiert
auf fünf grundlegenden Prinzipien:
- Ein Abkommen muß für den Gleichstand von Rechten und Begrenzungen
zwischen
den
Vereinigten
Staaten und der Sowjetunion sorgen.
- Das Abkommen darf nur amerikanische
und sowjetische
Systeme
betreffen.
- Begrenzungen müssen weltweit gelten und damit das Übergreifen der
Bedrohung von einer Region auf
eine andere verhindern.
- Die konventionelle Verteidigungsfähigkeit der NATO darf nicht geschwächt werden.
- Jedes Abkommen muß wirksam
fizierbar sein.

veri-

Verhandlungen.
Die
formellen
Gespräche mit der Sowjetunion wurden
im November
1981 aufgenommen.
Zu
diesem Zeitpunkt schlugen die Vereinigten Staaten vor, daß alle ameri-

�kanischen
und
sowjetischen
LRINF,
einschließlich
der
sowjetischen
SS-20, SS-4 und SS-5 sowie der amerikanischen Pershing II und GLCM verboten oder abgeschafft werden sollten.
Die Sowjets wiesen diesen Vorschlag
zurück.
Obwohl
diese
weltweite
"Null-Lösung" weiterhin das bevorzugte Ergebnis der Vereinigten Staaten
ist, haben wir im im März 1983 ein
Interimsabkommen für die beiderseitige weltweite Begrenzung aller Gefechtsköpfe auf LRINF vorgeschlagen,
die
unter
dem
geplanten
amerikanischen Dislozierungsniveau von 572
liegen.
Die Sowjets haben die INF-Verhandlungen im November 1983 verlassen
und damit gegen die Stationierung der
ersten
amerikanischen
LRINF-Raketen
in Europa protestiert, obwohl sie im
Verhandlungszeitraum
die
Stationierung ihrer SS-20 fortgesetzt hatten.
Vom Beginn der Verhandlungen bis zu
dem Punkt, an dem die Sowjets den
Verhandlungstisch verließen, zielten
die
sowjetischen Vorschläge darauf
ab, die Stationierung einer einzigen
amerikanischen Pershing II oder GLCM
zu verhindern und gleichzeitig den
Sowjets die Aufrechterhaltung eines
umfangreichen Arsenals von SS-20 im
westlichen
Militärgebiet der UdSSR
zuzugestehen und mit der Aufrüstung
bei den SS-20 in Asien fortzufahren.
Im Rahmen der sowjetischen Vorschläge
wären Hunderte amerikanischer Flugzeuge aus Europa abgezogen worden,
die für die konventionelle Verteidigung der NATO unerläßlich sind.
Als Vorwand für dieses unausgewogene Ergebnis behaupteten die Sowjets, ihre SS-20 schafften den Ausgleich für die unabhängigen Nuklearstreitkräfte
Großbritanniens
und
Frankreichs. Zusammen mit der sowjetischen Weigerung, die im asiatischen
Teil der Sowjetunion
stationierten

SS-20 in die Verhandlungen einzubeziehen, steigerte sich dies zur Berufung auf das Recht seitens der Sowjetunion, mit den gesamten Streitkräften
aller
anderen
Atomstaaten
gleichzuziehen und somit die nukleare
Überlegenheit über sie alle zu erlangen. Die NATO hat diese sowjetische
Forderung wiederholt zurückgewiesen.
Im Januar 1985 erklärten sich die
Sowjets zur Wiederaufnahme der Verhandlungen bereit.
Im März 1985 haben die Vereinigten Staaten und die
Sowjetunion mit einer neuen Serie von
Rüstungskontrollverhandlungen
- den
Verhandlungen
über Kern- und Weltraumwaffen - begonnen, zu denen auch
INF zählt.
Im November 1985 haben die Vereinigten Staaten angeboten, ihre in
Europa stationierten Pershing II und
GLCM auf 140 Abschußvorrichtungen der zum 31. Dezember 1985 stationierten Anzahl - zu begrenzen, wenn die
Sowjets die Zahl der in Reichweite
der europäischen NATO-Staaten stationierten Abschußvorrichtungen für die
SS-20 auf 140 begrenzen würden und
wenn
sie gleichzeitig
proportional
einen Abbau der in Asien stationierten SS-20 vornehmen würden.
Die Sowjets wiesen diesen Vorschlag zurück.
Beim Gipfeltreffen
im November
1985 in Genf kamen Präsident Reagan
und Generalsekretär Gorbatschow überein, die Erarbeitung eines Interimabkommens
für
INF zu beschleunigen.
Bei ihrer Zusammenkunft im Oktober
1986 in Reykjavik haben sich die beiden Staatschefs im Prinzip auf eine
beiderseitige
weltweite
Begrenzung
von 100 Gefechtsköpfen auf LRINF-Raketen für jede Seite geeinigt, von
denen keine
in Europa stationiert
sein
sollten.
Die
verbleibenden
LRINF-Raketen würden jeweils im asiatischen Teil der Sowjetunion und auf

- 7 -

�amerikanischem
Territorium
stationiert werden. Damit wäre Europa zum
ersten Mal seit den fünfziger Jahren
frei von LRINF-Raketen.
In Reykjavik gaben die Sowjets
ferner ausdrücklich ihr seit langem
bestehendes Ansinnen auf, daß britische und französische Streitkräfte in
ein
INF-Abkommen einbezogen werden
sollten. Darüber hinaus vereinbarten
die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion
grundsätzlich, Kurzstrekkensysteme als integralen Bestandteil
eines
INF-Abkommens
einzubeziehen.
Trotzdem
bestand
Generalsekretär
Gorbatschow in Reykjavik auf einem
"Pakef'-Abkommen, bei dem INF an den
Abbau strategischer Waffen sowie an
Bereiche der Verteidigung im Weltraum, besonders an die Strategische
Verteidigungsinitiative,
gekoppelt
wird.
im Nachgang zum Treffen in Reykjavik unterbreiteten die Vereinigten
Staaten in Genf einen Vorschlag, der
die in Reykjavik vereinbarte gemeinsame Basis zur Grundlage nahm.
Im
November 1986 unternahmen auch die
Sowjets weitere Schritte, indem sie
einen Vorschlag
vorlegten, der in
Teilen die in Reykjavik erzielten
Fortschritte widerspiegelt.
Dennoch
bestanden die Sowjets bis Ende Februar 1987 weiterhin darauf, daß es im
Bereich von INF kein einzelnes Abkommen geben könne. Am 28. Februar 1987
änderte Generalsekretär
Gorbatschow
den Kurs und verkündete, daß die Sowjetunion jetzt zu einem separaten
INF-Abkommen bereit sei - eine Abkehr
von der seit dem Treffen in Reykjavik
von Oktober 1986 gehaltenen sowjetischen Position.
Die Vereinigten
Staaten nutzten diese Entwicklung und
unterbreiteten im März in Genf einen
Vertragsentwurf zu INF.
Der amerikanische Vertragsentwurf spiegelt die
Grundstruktur eines INF-Abkommen wi-

der, wie es von den beiden Staatschefs in Reykjavik vereinbart wurde.
Die Sowjetunion legte ihren eigenen
Entwurf am 27. April vor. Auf der
Basis dieser beiden Texte erarbeiten
amerikanische und sowjetische Unterhändler in Genf gegenwärtig einen gemeinsamen Vertragsentwurf.

* * *

�Reichweiten von Raketen

Waffenkategorie

Reichweite
über 5 500 km

Strategische Nuklearstreitkräfte

500 - 5 500 km
1 000 - 5 500 km
500 - 1 000 km

Nukleare Mittelstreckenwaffen
INF-Raketen längerer Reichweite
INF-Raketen kürzerer Reichweite

unter 500 km

Nukleare Kurzstreckensysteme

Stationierte Mittelstreckenraketen
Stand: 31. Dezember 1986

System

Ungefähre
Reichweite

Abschußanlagen
(Raketen)

Gefechtsköpfe

SS-20
SS-4

5 000 km
2 000 km

441 (441)
112 (112)

1 323

Pershing II
GLCM

1 800 km
2 500 km

108 (108)
52 (208)

108
208

LRINF
UdSSR

USA

112

SRI NF
UdSSR

SS-12
SS-23

USA

keine

900 km
500 km

* * * * *

- 9 -

100 (mehr)
100 (mehr)
werden gegenwärtig stationiert

�AMERIKA DIENST
VON

Hintergrundmaterial

*

29. Juli 1987

27

DIE INF-VERHANDLUNGEN - EINE ANTWORT AN MOSKAU
- Von Max Kampelman -

Der Autor ist Berater des amerikanischen Außenministeriums und Leiter der
amerikanischen Delegation bei den Genfer Verhandlungen über Kernwaffen im
Weltraum. Der nachfolgende Artikel erschien erstmalig am 21. Juli in der "New
York Times".

WASHINGTON - (AD) - In jüngster
Zeit haben einige sowjetische Regierungsvertreter,
hauptsächlich
mein
sowjetischer Kollege Juli M. Woronzow
die Vereinigten Staaten beschuldigt,
sie würden kurz vor dem Abschluß eines Abkommens über Mittelstreckenwaffen (INF) immer wieder Hindernisse
aufwerfen. Es gibt neue Hindernisse,
aber sie sind nicht auf die amerikanische Haltung zurückzuführen. Unsere Haltung befindet sich im Einklang mit den von uns seit der Aufnahme der INF-Verhandlungen im Jahre
1981 vertretenen Grundsätzen, und sie

United States Information Service
Embassy of the United States of America

repräsentiert eine gerechte ur.J ausgewogene Behandlung der Rechte und
Interessen beider Seiten,
Das Problem ist vielmehr die unerklärliche
sowjetische Entscheidung, ein Abkommen zu verzögern.
Nach den 28 Monaten der andauernden Verhandlungen haben sich unsere
Differenzen
erheblich
verringert.
Wir haben Übereinstimmung über die
Grundlinie eines Abkommens erzielt einen beiderseitigen Abbau auf 100
Gefechtsköpfe auf LRINF, von denen
keine in Europa stationiert werden

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�sollen.
Amerika ist bereit, solch einem
ersten
Schritt
zuzustimmen, obwohl
wir es vorziehen würden, diese Raketen völlig abzuschaffen.
Wir haben
ferner dem Vorschlag von Generalsekretär Michael S. Gorbatschow zugestimmt, die amerikanischen und sowjetischen Kurzstreckenraketen weltweit
abzuschaffen.
Die jüngsten Anstrengungen um einen Aufbau auf dieser gemeinsamen Basis waren bis vor einigen Wochen produktiv.
Seitdem
sind
die
sowjetischen Bemühungen in Genf faktisch
zum Stillstand gekommen.
Das trifft
nicht nur auf INF zu, sondern auch
auf die Verhandlungen über die Verringerung
strategischer
Rüstungen
(START).
Herr Gorbatschow erklärte den Bereich der strategischen Waffen zur
"Wurzel des Problems", und wir stimmen dem zu. Herr Gorbatschow ist mit
Präsident Reagan bei den Gipfeltreffen in Genf und danach in Reykjavik
übereingekommen, daß ein Abbau von 50
Prozent erfolgen sollte. Obwohl wir
vor neun Wochen in Genf bei START einen Vertrag unterbreitet haben, müssen uns die Sowjets noch ihren eigenen Vertrag vorlegen, und wir fragen
uns, ob Herr Gorbatschow etwa seine
Meinung geändert hat oder erwartet,
daß die Welt sich mit seinen Worten
statt mit seinen Taten zufrieden gibt.
Das verbleibende Problem in allen
Bereichen unserer Verhandlungen kann
gelöst werden, nicht jedoch durch
Krittelei
oder
Schuldzuweisungen.
Die Sowjets sollten wieder zur Sache
kommen.
Ein von den Sowjets erwähntes
"Hindernis"
bei
INF
betrifft
die
Pershing 1A-Raketen der Bundesrepu-

blik Deutschland.
Seit fast zwei
Jahrzehnten
führen die Vereinigten
Staaten
ein
gemeinsames
Programm
durch, im Rahmen dessen die Deutsche
Luftwaffe 72 Pershing lA-Raketen stationiert, deren nukleare Gefechtsköpfe von amerikanischen Einheiten verwaltet werden.
Seit Anbeginn der INF-Verhandlungen vertraten die Vereinigten Staaten
die Ansicht (der die Sowjets nun im
Prinzip zustimmen), daß die Verhandlungen
aufgrund
ihres
bilateralen
Charakters keine Systeme von Drittländern abdecken können.
Sie können
offensichtlich auch keine mit unseren
Verbündeten
eingegangenen
Bereiche
der Kooperation betreffen. Die NATOVerbündeten haben diese Haltung voll
und ganz unterstützt.
Während der fünf Verhandlungsjahre haben die Sowjets niemals Begrenzungen
bei
den
bundesdeutschen
Pershing
lA-Raketen und deren Gefechtsköpfen vorgeschlagen.
Sie haben eine solche Forderung auch weder
1985 beim Gipfeltreffen in Genf noch
beim Treffen in Reykjavik 1986 oder
kürzlich im April beim Besuch von
Außenminister
George P. Shult 7. in
Moskau
erhoben.
Jetzt
plötzlich
stellen sie diese Forderung, fünf vor
zwölf. Man muß sich fragen, wer hier
Hindernisse gegen ein Abkommen in
letzter Minute aufbaut?
Ein weiteres sowjetisches "Hindernis" betrifft die Umrüstung - die
Umwandlung einer vertraglich begrenzten Rakete in einen anderen Raketentyp. Hierzu möchte ich zunächst bemerken, daß eine wichtige Art und
Weise der Umrüstung unmöglich wird,
wenn die Sowjets unserem Vorschlag
einer
weltweiten Abschaffung
aller
INF-Raketen
(längerer
und
kürzerer
Reichweite)
zustimmen:
die amerikanischen Pershing lB kürzerer Reich-

�weite, zu denen die Pershing II umgerüstet werden könnten, würden verboten.
Da die Sowjets diesem Vorschlag
noch nicht zugestimmt haben, sieht
unser Vertragsentwurf vor, daß die
zur Abschaffung vorgesehenen INF-Raketen zerstört oder umgerüstet werden
sollen.
Beide
Seiten
hätten
das
Recht, zu wählen, wie sie ihre Raketen abbauen würden. Dadurch würde es
keine Raketensysteme mehr geben und
die jeweils andere Seite könnte dies
durch Vor-Ort-Inspektionen verifizieren.
Umrüstung ist ein seit langem
anerkanntes Mittel
zur Verwirklung
von Rüstungskontrollbegrenzungen und
eines, das die Sowjets früher selbst
vorgeschlagen
und angewandt haben.
Aber wenn die Sowjets in diesem Fall
aus verschiedenen Gründen keine Umrüstung zulassen wollen, können wir das
Problem auch lösen, indem wir bis auf
Null gehen. .
Ein drittes "Hindernis" betrifft
den Standort, d.h. wo die Vereinigten
Staaten
nach Vertragsabschluß
ihre
verbleibenden 100 LRINF stationieren
würden (angenommen, wir gehen nicht
bis auf Null).
Die Sowjets wollen
die
amerikanische
Stationierung
in
Alaska verhindern, von wo aus die Raketen
sowjetisches Territorium erreichen
könnten.
Dieses
Problem
stellt sich natürlich nur, weil die
Sowjets darauf bestehen, daß beide
Seiten 100 Gefechtsköpfen auf ihren
Raketen behalten anstatt sie abzuschaffen, wie
es
die
Vereinigten
Staaten und praktisch jedes andere
Land außerhalb des Warschauer Paktes
vorziehen würde. Bei einer Null-Lösung würde das Problem verschwinden.
Wegen der Reichweite, Mobilität
und
Transportfähigkeit
der
sowjetischen SS-20 stellt die Stationierung dieser Raketen irgendwo im asia-

tischen Teil der Sowjetunion eine Bedrohung
für unsere Verbündeten in
Asien und Europa dar, die wir als
gleichbedeutend mit einer gegen uns
selbst gerichteten Bedrohung betrachten.
Wir können nicht akzeptieren,
daß die Vereinigten Staaten davon absehen
werden,
solch
einer
sowjetischen
Bedrohung
entgegenzutreten.
Herr Gorbatschow hat mit seinem in
Reykjavik
unterbreiteten
Vorschlag,
unsere 100 Gefechtsköpfe sollten sich
in den Vereinigten Staaten befinden,
Alaska überhaupt nicht erwähnt.
Es
stellt sich also wiederum die Frage,
wer hier Hindernisse in letzter Minute aufwirft.
Herr Gorbatschow hat kürzlich erklärt, daß die Sowjetunion tatsächlich bereit ist, die letzten 100 Gefechtsköpfe auf INF abzuschaffen und
die "Null-Lösung" zu verwirklichen,
aber nur, wenn die Vereinigten Staaten ihre Flugzeuge mit nuklearen Fähigkeiten aus dem Fernen Osten abziehen. Aber der Verhandlungsgegenstand
sind Mittelstreckenraketen, und die
Vereinigten Staaten haben keine Mittelstreckenraketen im Fernen Osten.
Die Flugzeuge mit nukleren Fähigkeiten, die wir seiner Ansicht nach abschaffen sollten, werden zahlenmäßig
von sowjetischen Flugzeugen mit nuklearen Fähigkeiten übertroffen, die
Herr Gorbatschow mit seinem Vorschlag
nicht begrenzen will.
Die Vereinigten Staaten bleiben bereit und würden
es vielmehr vorziehen, all ihre INFRaketen weltweit abzuschaffen, wenn
die Sowjets das auch tun würden.
Und schließlich behaupten die Sowjets, die NATO versuche ein INF-Abkommen in zweifacher Hinsicht zu untergraben - indem sie ihren verbleibenden Kernwaffenbestand modernisiere
und gleichzeitig ein Junktim von INF
mit nuklearen Gefechtsfeldwaffen und
konventionellen Streitkräften fordere.

- 3 -

�In bezug auf das erste Argument
entschied die NATO im Jahr 1983 ihren
Bestand an Nuklearwaffen in Europa
einseitig auf das seit Jahrzehnten
niedrigste Niveau von 4 600 zu reduzieren und das verbleibende Arsenal
zu modernisieren, um die Aufrechterhaltung einer wirksamen Verteidigung
der NATO sicherzustellen. Daher entschied sich die Nato nicht - wie die
Sowjets geltend machen - für die Aufrüstung, sondern die Abrüstung, wie
wir seit vier Jahren immer wieder betonen.
Was das Junktim anbetrifft, so
sind es die Sowjets, die mehrmals auf
dem Junktim eines INF-Abkommens mit
Übereinkünften in anderen Bereichen
bestanden haben und es war Amerika,
das für den Abschluß eines INF-Vertrages
ohne
irgendeine
Art
von
Junktim plädierte.
Und dies bleibt
auch weiterhin unsere Position.
Die Vereinigten Staaten sind immer wieder die Seite gewesen, die
diese
Verhandlungen
vorangetrieben
haben. wir waren es, die als erste
Verhandlungen
einberufen haben und
wir haben den ersten Vorschlag unterbreitet als die Verhandlungen im Jahr
1981 eröffnet wurden. Wir haben wiederum den ersten Vorschlag vorgelegt,
als die Verhandlungen im
Jahr 1985
wieder
aufgenommen wurden, nachdem
die Sowjets die Verhandlungstisch unter Protest verlassen hatten.
Wir
waren die Seite, die als erste einen
INF-Vertragsentwurf auf der Grundlage
der in Reykjavik erarbeiteten Richtlinien unterbreiteten, und wir werden
die Arbeit unserer beiden Seiten bei
der
endgültigen Formulierung
eines
gemeinsamen
Vertragstextes
weiter
vorantreiben.
Bedauerlicherweise
scheinen
Sowjets die Bremsen anzuziehen.

letzter Minute haben sie das Thema
der deutschen Pershings angeschnitten, sie haben entscheidende Einzelheiten über ihre Position zur Verifizierung zurückgehalten.
Und sie haben es nicht nur abgelehnt, sich den
wichtigsten noch verbleibenden Problemen bei INF zu stellen, sondern
sie behandeln auch weder die START
Reduzierungen noch die anderen zentralen Bestandteile unserer Beziehung
wie zum Beispiel die Menschenrechte
oder Probleme auf regionaler Ebene.
Wir stehen zu unserer Verpflichtung, in Genf so bald wie möglich verifizierbare Rüstungskontrollabkommen
auszuhandeln.
Wir sind bereit, die
verbleibenden Themenkomplexe in konstruktiver Weise anzusprechen.
Aber
wir müssen bei unserem Wunsch nach
Abkommen sicherstellen, daß wir nicht
den Taktiken der Sowjets der letzten
Minute erliegen, die darauf ausgerichtet sind, Abkommen hervorzubringen, die unseren sicherheitsinteressen zuwiderlaufen. Die Sowjets sollten
sich
keinen
Fehlkalkulationen
hingeben.
unsere Position gründet
sich auf wohlüberlegte und traditionelle Prinzipien. sie ist das Ergebnis enger Konsultationen mit unseren
Freunden und Verbündeten.
Trotz der
von den Sowjets in den Weg gelegten
neuen Hindernisse werden wir von unserem Ansatz nicht abweichen.
Es hat mich gefreut, daß mein sowjetischer
Kollege seine Ansichten
vor einem amerikanischen Publikum zur
Diskussion gestellt hat und daß unsere Presse seine Meinung gedruckt hat.
Ich habe vor, der sowjetischen Presse
meine Ansichten zur Veröffentlichung
anzubieten und hoffe, daß sie ebenso
verfahren wird.

die
in

* * * * *

4 -

�</text>
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                <text>Amerikadienst 29.07.1987</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Information&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Zum Tode von Handelsminister Malcolm Baldrige&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung von Präsident Reagan&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Vereinigte Staaten "befriedigt" über sowjetische Unterstützung für Null-Lösung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Präsident Reagan zum amerikanischen &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;INF-Vorschlag&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;&lt;strong&gt;3. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Verhandlungen über nukleare Mittelstreckenraketen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Sonderbericht des amerikanischen &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Außenministeriums&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die INF-Verhandlungen - eine Antwort an Moskau&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Max Kampelman&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
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AMERIKA DIENST

26

2 2 . J u l i 1987

I N H A L T

DOKUMENTATION

UN-Resolution für gerechten und dauerhaften Frieden am Golf
- US-Außenminister Shultz vor dem Weltsicherheitsrat -

Verifizierung grundlegend für Reform des Agrarhandels
- Worldnet mit dem US-Handelsbeauftragten Yeutter -

HINTERGRUNDMATERIAL

Wird Moskau die "echte Null-Lösung" akzeptieren?
•

- Von Kenneth L. Adelman -

HINWEIS: Wir bitten unsere Leser um Verständnis, wenn der
AMERIKA DIENST während der Urlaubszeit nicht immer mit der
gewohnten Regelmäßigkeit erscheinen wird.
Ihre Redaktion
* * * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

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�AMERIKA DIENST
Dokumentation

22. Juli 1987

26

UN-RESOLUTION FÜR GERECHTEN UND DAUERHAFTEN FRIEDEN AM GOLF
- US-Außenminister Shultz vor dem UN-Sicherheitsrat VEREINTE NATIONEN, NEW YORK - (AD) - Dem amerikanischen Außenminister
Shultz zufolge strebt die internationale Staatengemeinschaft nach einem gerechten und dauerhaften Frieden am Persischen Golf, "ohne Sieger und Besiegten, ohne Verlust nationalen Territoriums irgendeines Kriegsteilnehmers".
In seinen Ausführungen vor dem Sicherheitsrat der Vereinten Nationen zur
Erklärung der amerikanischen Haltung gegenüber der Resolution zum Konflikt
zwischen Iran und Irak erklärte Shultz am 20. Juli 1987 außerdem, daß der
Krieg "neue und ernste Gefahren für die regionale Stabilität, für das Wohlergehen der nicht am Krieg beteiligten Staaten und in der Tat für den Weltfrieden darstellt".
Die Erklärung des amerikanischen Außenministers hat folgenden Wortlaut:

Ich bin heute aus einem zwingenden Grund zum Sicherheitsrat der Vereinten Nationen gekommen: um mich an
seiner entschlossenen Aktion zur Beendigung
des
verheerenden
Krieges
zwischen Iran und Irak zu beteiligen.
Dieser Konflikt hätte niemals begonnen werden dürfen.
Sein Andauern
sollte nicht gestattet werden. Meine
Regierung kann einfach nicht erkennen, wie den Interessen des Irak oder
des Iran oder der internationalen
Staatengemeinschaft durch die Verlängerung dieses gefährlichen und zerstörerischen Konflikts gedient sein

United States Information Service
Embassy of the United States of America

könnte.
Im September wird dieser Krieg in
sein achtes Jahr gehen. Die blutigen
Kämpfe dauern nun schon länger als
der Erste oder der Zweite Weltkrieg.
Sie haben einen außergewöhnlich hohen
Tribut
an Menschenleben gefordert,
über eine Million Menschen - Zivilisten wie auch Soldaten - sind getötet oder verwundet worden.
Städte
sind durch Artillerie und Luftangriffe dem Erdboden gleichgemacht worden.
Chemische Waffen wurden benutzt, und
diese machen keinen Unterschied zwi-

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�sehen Kombattanten und Nichtkombattanten,
wodurch
dem
unendlichen
menschlichen Leid ein weiteres grauenhaftes Element hinzugefügt wird.
Die wirtschaftliche Infrastruktur
beider Länder wurde verwüstet.
Der
Konflikt hat das soziale und kulturelle Gefüge erschüttert, das die Lebensweise der Völker des Irak und des
Iran bestimmt. Dem reichen kulturellen Vermächtnis beider Nationen wurde
schwerer
Schaden
zugefügt.
Keiner
der Kriegführenden kann diesen Krieg
gewinnen, und beide Seiten zerstören
ihren wertvollsten Reichtum, ihre Jugend.
Trotz
jahrelangen
erbitterten
Kampfes kann keine Seite dieses zermürbende Patt durchbrechen. Sein Andauern und die Gefahr einer weiteren
Eskalation bedrohen auch die internationale Staatengemeinschaft im weiteren Sinne. . Der Konflikt stellt neue
und ernste Gefahren für die regionale
Stabilität, das Wohlergehen der nicht
am Krieg beteiligten Staaten und in
der Tat für den Weltfrieden dar.
Denken Sie nur an die zunehmende Zahl
von Angriffen auf die internationale
Schiffahrt im Golf.
Denken Sie an
die vermehrten Terrorangriffe und andere Formen der Aggression, die sich
gegen nichtkriegführende Staaten in
der Region richten.
Diese um sich
greifende Bedrohung darf nicht begünstigt werden.
Zu viele haben gelitten, und zu
viel steht auf dem Spiel. Im Namen
der Menschlichkeit, im Interesse der
kriegführenden und der nichtkriegführende Staaten der Region, im Namen
des Weltfriedens und der Sicherheit
hat sich die internationale Staatengemeinschaft
zusammengefunden,
um
Einhalt
zu gebieten.
Stoppt
den
Krieg jetzt.

- 2

Der Sicherheitsrat der Vereinten
Nationen wurde ins Leben gerufen, um
gerade diese Art von Konflikten zu
unterdrücken.
Die heute zur Verabschiedung
vorliegende
Resolution
stellt eine wirkungsvolle Aktion der
internationalen
Staatengemeinschaft
dar, um einen sofortigen Waffenstillstand zu bewirken und den Rahmen für
einen
Friedensschluß
zu
schaffen.
Der Generalsekretär hat bei der Beschleunigung des beispiellosen Prozesses, der zur Verabschiedung dieser
Resolution gemäß den Bestimmungen von
Kapitel VII der UN-Charta führte,
eine
entscheidende Rolle gespielt.
Er hat die ständigen Mitglieder des
Sicherheitsrates aufgefordert, ihrer
besonderen Verantwortung gerecht zu
werden.
Dies haben wir getan, und
der Rat als Ganzes hat in dem kollegialen Geist gearbeitet, wie er den
Vorstellungen der Begründer der Vereinten Nationen bei deren Schaffung
entsprach.
Mit dieser bindenden Resolution
strebt die internationale Staatengemeinschaft
danach,
einen
systematischen Rahmen für einen gerechten
und dauerhaften Frieden ohne Sieger
und Besiegten, ohne Verlust nationalen Territoriums irgendeines Kriegsteilnehmers zu schaffen. Die Resolution ist peinlich ausgewogen.
Deshalb fordere ich die Regierungen der
Republik Irak und der Islamischen Republik Iran auf, ihre Bestimmungen
vollständig und umgehend einzuhalten
- in ihrem eigenen Interesse und in
Erwiderung
des eindeutigen
Mandats
der
internationalen
Staatengemeinschaft.
Die Resolution verlangt einen sofortigen Waffenstillstand, die Einstellung aller militärischen Handlungen und den unverzüglichen Abzug aller Streitkräfte hinter die international anerkannten Grenzen. Die Re-

�Solution leitet außerdem einen Heilungsprozeß ein, indem sie den baldigen Austausch von Gefangenen und internationale
Bemühungen
zur Unterstützung des Wiederaufbaus nach dem
Krieg fordert. Die Resolution überträgt dem Generalsekretär eine besondere Verantwortung beim Zustandekommen des Waffenstillstandes und des
Truppenrückzuges, der Entsendung einer Beobachtergruppe zur Bestätigung
und Überwachung von Waffenstillstand
und Rückzug sowie zur Beaufsichtigung
der Durchführung anderer Bestimmungen
der Resolution.
Es ist bedeutsam,
daß die Resolution die Entscheidung
des Rats enthält, sich wieder zu
treffen, um weitere Schritte zur Sicherstellung ihrer Befolgung in Betracht zu ziehen.
Als Erstes und
Vornehmstes muß das Töten aufhören.
Sofort.
Die Resolution wird gemäß den
strengsten Verfügungen der Charta der
Vereinten Nationen - Kapitel VII, Artikel 39 und 40 - verabschiedet. Im
Rahmen des Völkerrechts ist ihre Einhaltung daher
bindend.
Schon die
Verabschiedung dieser rechtsverbindlichen Entschließung ist ein historischer Schritt an sich. Und dennoch
ist ihre Annahme erst der Beginn.
Die Verantwortung für die Einhaltung
liegt
grundsätzlich
bei
Irak
und
Iran.
Unterstützt von den Mitgliedern des Sicherheitsrates und allen
anderen Organen der Vereinten Nationen wird der Generalsekretär - dem
wir volles Vertrauen entgegenbringen
- wirksame Maßnahmen zur Erleichterung
ihrer Durchsetzung
ergreifen.
Präsident Reagan hat dem Generalsekretär
seinen persönlichen Beistand
für die vor uns liegenden entscheidenden Wochen zugesagt. Die amerikanische Regierung ist bereit, sich mit
anderen zur Unterstützung seiner Bemühungen zusammenzutun.

Meine Regierung ist entschlossen,
diese bindende Resolution nicht zu
einer inhaltslosen Hülle werden zu
lassen, die Zweifel an der Wirksamkeit der Vereinten Nationen als Organisation für den Frieden aufkommen
läßt.
Wir sind voller Hoffnung und
Vertrauen, daß die heutige Entscheidung respektiert wird.
Gleichzeitig
unterstützen wir jedoch auch die entschiedene Anwendung von Maßnahmen zur
Durchsetzung
dieser
Entscheidung,
sollte die eine oder andere Partei
der
Aufforderung
dieses
Gremiums
nicht Folge leisten.
Die Regierungen von Irak und Iran
sind es ihren Völkern, ihren Kindern
und der übrigen Welt eher schuldig,
einen Weg zur Annahme dieser umfassenden Verfügung zu finden als diese
abzulehnen. Wenn sie diese befürworten, ergeben sich vielfältige Möglichkeiten bis hin zur Rolle der Vereinten Nationen bei der Bewahrung des
Friedens in der Region. Meine Regierung
unterstützt
in vollem Umfang
diese mögliche Rolle der Vereinten
Nationen sowie andere internationale
Bestrebungen, die den Abbau von Gewalt und die Wiederherstellung von
Frieden, Stabilität und der gucen Beziehungen in dieser lebenswichtigen
Region der Welt zum Ziel haben.
Lassen Sie mich hier einige Worte
zur Haltung meiner Regierung gegenüber den sich im Konflikt befindlichen Parteien hinzufügen.
In der
Vergangenheit hatten wir sowohl mit
Irak als auch mit Iran gravierende
Meinungsverschiedenheiten.
Heute
pflegen wir gute Beziehungen mit dem
Irak.
über die von der iranischen
Regierung außerhalb ihrer Grenzen angewandte Politik und Praxis sind wir
ernsthaft besorgt. Zwar respektieren
wir das Recht des iranischen Volkes
zur Bestimmung
der eigenen Regierungsform, aber die Handlungsweise

- 3 -

�der Regierung in Teheran - bis hin
zur Unterstützung terroristischer Aktivitäten - läuft den Interessen unseres Landes und unserer Bürger ebenso zuwider wie den Interessen anderer
Länder und deren Bürger.
Wir sind
nach wie vor zur Diskussion mit dem
Iran über die gravierenden Probleme
bereit, die uns weiterhin trennen.
Eine positive Antwort des Iran auf
diese Resolution und eine Beendigung
der Aggressionen gegenüber
anderen
Staaten und deren Bürger würden viel
dazu beitragen, zukünftig bilaterale
Beziehungen zum gegenseitigen Nutzen
zu ermöglichen.

und für den Frieden.
beendet werden.
Der
muß beginnen,

Herr Präsident, mit der Verabschiedung dieser Resolution hat die
internationale
Gemeinschaft
einen
kühnen Schritt nach vorne getan. Gemeinsam müssen wir jetzt weitere entscheidende
Schritte
folgen lassen,
bis unsere Ziele - Frieden und Stabilität am Golf - erreicht worden sind.
Wenn je die Notwendigkeit für den Sicherheitsrat und die Vereinten Nationen bestand, Maßnahmen zu ergreifen,
so ist es jetzt an der Zeit. Wir haben die Möglichkeit, das vornehmste
Ziel zu verwirklichen, für das das
System der Vereinten Nationen geschaffen worden ist:
Einen schwerwiegenden
Friedensbruch
beizulegen,
der die Stabilität und das wirtschaftliche Wohlergehen unserer internationalen Völkergemeinschaft gefährden.
Abschließend möchte ich betonen,
Herr Präsident, daß wir die vorliegende Entschließung unterstützen, da
wir als Ständiges Mitglied des Sicherheitrates die Verantwortung dafür
tragen, eine friedliche Beilegung gewaltsamer Konflikte anzustreben. Wir
unterstützen die Resolution, da sie
die Interessen des Iran wie auch des
Irak gerecht und umfassend anspricht.
Diese Resolution ist gegen den Krieg
r

- 4 -

Der Krieg muß
Heilungsprozeß

Herr Präsident, ich danke Ihnen.

* * * * *

�AMERIKA DIENST
'VON

Dokumentation

4

22. Juli 1987

26

VERIFIZIERUNG GRUNDLEGEND FÜR REFORM DES AGRARHANDELS
- Worldnet mit dem US-Handelsbeauftragten Yeutter WASHINGTON - (AD) - Dem amerikanischen Handelsbeauftragten Clayton Yeutter
zufolge ist die Verifizierung des Abbaus von Produktionssubventionen ein
grundlegender Bestandteil der von Präsident Reagan vorgeschlagenen weltweiten
Reform des Agrarhandels.
In einer am 16. Juli 1987 über Worldnet ausgestrahlten Fernseh-Pressekonferenz mit europäischen Journalisten erklärte Yeutter: "Ich bin davon überzeugt, daß wir dazu eine zumindest ausreichend genaue Meßmethode entwickeln
können."
Wir veröffentlichen die Pressekonferenz des US-Handelsbeauftragten in Auszügen :

Auf eine einleitende Frage zur
Bedeutung des am 6. Juli bei den
GATT-Verhandlungen eingebrachten amerikanischen Vorschlags, der den totalen Abbau aller Subventionen und Handelsschranken im Agrarbereich bis zum
Jahr 2000 vorsieht, antwortete Botschafter Yeutter:
"Nun, er ist bedeutend, weil die
Welt des Agrarhandels heute völlig
aus den Fugen geraten ist. Das ist
bedauerlich, aber in einem evolutionären Prozeß hat sich dies in den
vergangenen 20 bis 30 Jahren so ent-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

wickelt.
In vielen Ländern, darunter den
Vereinigten Staaten, hat es sich ergeben, daß Subventionen und Einfuhrbeschränkungen sowie andere Arten von
Verzerrungen so weit in den Vordergrund getreten sind, daß bei den meisten Produkten auch nicht annähernd
ein freier und offener Handel besteht.
Dies ist nicht nur eine unglückliche Verzerrung der grundlegenden wirtschaftlichen Bedingungen sondern es fügt außerdem solchen Ländern
großen Schaden zu, die sich dies

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�wirklich nicht leisten können.
Wie Sie wissen, sind die meisten
weniger entwickelten Länder Agrargesellschaften, in denen die Landwirtschaft einen bedeutenden Stellenwert
einnimmt.
Diese Länder müssen landwirtschaftliche Produkte exportieren,
wenn
sie wirtschaftliches Wachstum
erzeugen wollen. Und sie können einfach nicht mit den Staatskassen der
Vereinigten Staaten, der Europäischen
Gemeinschaft und anderer konkurrieren, denen all diese enormen Subventionen zur Verfügung stehen. Von unserem Standpunkt aus betrachtet - dem
der Vereinigten Staaten, der EG und
anderer -, nehmen die Kosten dafür
astronomische Ausmaße an, und das ergibt keinen Sinn.
Zusätzlich zahlen
unsere Konsumenten die Zeche in vielfältiger Weise dadurch, daß Agrarprodukte viel teurer sind als sie sein
müßten, wenn wir einen freien und offenen Handel hätten."
Zum Thema des Abbaus von Unterstützungsmaßnahmen zur Erzielung von
Produktionseinschränkungen und deren
Folgen
für die Landwirte erklärte
Yeutter, daß relativ gesehen die Vereinigten Staaten in dieser Hinsicht
mehr unternehmen als die EG. Solche
Veränderungen seien auch nicht notwendigerweise schädlich für die Landwirte:
"Sie könnten kurzfristig gesehen nachteilig sein, aber ich bin
überzeugt, daß eine
durchgreifende
Reform landwirtschaftlicher Programme
nicht nur für die europäischen Steuerzahler und die europäischen Verbraucher, sondern
langfristig
auch
für viele europäische Landwirte gut
wären."
"Was die Vereinigten Staaten angeht, so werden wir im Jahr 1987 die
Anbauflächen erheblich einschränken weit mehr als in der EG an Anbauflächen eingespart wird.
Deshalb sage

ich, daß
die
Vereinigten
Staaten
schon jetzt einen erheblichen Beitrag
leisten."
Auf die Frage nach der Verifizierung von Subventionen, insbesondere
der versteckten, erklärte Yeutter:
'
"...dies wird
sicher eine der
großen
Herausforderungen
bei
der
Schaffung eines funktionsfähigen Systems
sein.
Mit
anderen
Worten:
Wenn wir eine durchgreifende Reform
der
landwirtschaftlichen
Produktion
in der weltweiten Handelspolitik erzielen wollen, dann bildet die Verifizierung oder die Meßmethode, wenn
Sie so wollen, einen wichtigen Teil
des Gesamtbildes."
Dabei habe die OECD schon einige
Meßmethoden entwickelt und die Regierungen Frankreichs und anderer Länder
befaßten
sich gegenwärtig
intensiv
mit diesem Problem.
Ferner beschäftigten sich das amerikanische Landwirtschaftsministerium
sowie
einige
akademische Institutionen in den Vereinigten Staaten eingehend mit der
Analyse dieser Frage.
"Ich
bin
überzeugt,
daß
wir
schließlich
zumindest eine hinreichend
genaue Meßmethode
entwickeln
können.
Zugegebenermaßen sind einige
Subventionen
schwierig
auszumachen
und zu quantifizieren.
Wir werden
eben das Beste in unserer Macht Stehende tun müssen.
Die Alternative
ist, gar nichts zu tun, und meiner
Meinung nach ist das einfach eine unannehmbare Lösung."
Auf die Frage, ob er eine Übereinkunft
zwischen
den
Vereinigten
Staaten und den Europäern über den
Abbau landwirtschaftlicher Subventionen für durchführbar halte, solange
die Preise garantiert blieben, antwortete Yeutter:

�sten kann."
"Nein. Diese Art von Lösung ist
über die Jahre hinweg immer wieder
vorgelegt worden, hat nie zu einem
Ergebnis geführt und wird dies auch
niemals tun.
Ich bin persönlich davon überzeugt, daß wir uns nicht nur mit den
Randgebieten dieses Problems beschäftigen können.
Das Problem ist zu
ernst und zu wichtig für die gesamte
Welt. Wie ich in einer Reihe von Reden gesagt habe, müssen wir bei der
Handhabung des Agrarhandels einen Quantensprung nach vorn machen.
Wenn wir also etwas tun, das lediglich marginale, nominelle oder geringfügige Auswirkungen auf die Lage
hat, dann ist das einfach nicht gut
genug. Ich kann verstehen, warum einige Besorgnis über die Auswirkungen
eines drastischeren Vorschlages bestehen, weil dies offensichtlich in
allen
Ländern,
einschließlich
der
Vereinigten Staaten, eine politisch
sensible Frage.ist. Tatsache ist jedoch, daß es an der Zeit ist, das
Problem am Schopf zu packen.
Und
deshalb ist unser Vorschlag so durchgreifend und revolutionär.
Unserer
Meinung nach ist das, was wir heute
in der Landwirtschaft benötigen."
"Diejenigen in Europa, die sich
heute über den von uns unterbreiteten
Vorschlag Sorgen machen werden noch
viel größere Sorgen wegen des Wirtschaftskrieges haben, der stattfinden
wird, falls wir diese Situation nicht
energisch in den Griff bekommen. Was
nämlich geschehen wird ist, daß wir
in einen Subventionskrieg
zwischen
den Vereinigten Staaten und der Europäischen Gemeinschaft und vielleicht
anderen
Ländern
eintreten
werden.
Ich glaube nicht, daß die Welt sich
eine Verschlechterung dieser Situation anstatt einer Verbesserung lei-

Auf die Frage nach der Bewertung
der EG-Entscheidung, die Sondersteuer
auf Fette und öle nicht einzuführen,
sowie nach möglichen Gegenleistungen
der Vereinigten Staaten erwiderte der
Handelsbeauftragte:
"Nun, sicherlich begrüßen wir die
Entscheidung...
weil dies zu einer
enormen Konfrontation
zwischen der
Europäischen
Gemeinschaft
und
den
Vereinigten
Staaten geführt hätte,
und eine solche Konfrontation liegt
in niemandes
Interesse.
Die Entscheidung, diesen Vorschlag auf den
Tisch zu legen, war also richtig richtig sowohl vom Standpunkt des europäischen Eigeninteresses betrachtet
als auch vom Standpunkt der Vereinigten Staaten.
Wir sollten diese Art von Programmen einfach nicht anwenden, um
die finanziellen Lasten unserer Agrarsysteme jemand anderem aufzuladen.
Ich wäre ebenso unglücklich, wenn die
Vereinigten Staaten versuchten, die
Last ihrer landwirtschaftlichen Programme auf den europäischen oder den
japanischen Steuerzahler oder ai ? jemand anderen abzuwälzen, wie ich es
über den Versuch der europäischen Regierungen bin, die Last den amerikanischen, brasilianischen oder argentinischen Exporteuren aufzuladen.
Dies ist einfach nicht der Weg,
die Agrarpolitik zu behandeln.
Es
ist ein Symbol für die in diesem gesamten Bereich bestehenden
krassen
Verzerrungen und ein klassisches Beispiel dafür, warum wir eine Agrarreform benötigen.
Die eigentliche Antwort besteht
für die EG darin, den Versuch zu unternehmen, ihren Finanzbedarf irgendwie aus ihren internen Ressourcen zu

- 3 -

�bestreiten bis wir mit Hilfe der Verhandlungen in der Uruguay-Runde zu
einer verbesserten weltweiten Agrarsituation gelangen können... Die EG
muß eine vorübergehende Lösung für
ihre Finanzprobleme finden, während
wir verhandeln.
Was wir tun sollten, ist, diese
Probleme langfristig am Verhandlungstisch zu lösen, so daß die Gemeinschaft es nicht mehr nötig hat, diese
Arten von Einnahmen zu erzielen, um
eine
Reihe
ungesunder
politischer
Maßnahmen zufrecht zu erhalten.
Niemand nimmt für sich in Anspruch, auf diesem Gebiet über jeden
Zweifel erhaben zu sein.
Ich meine
wahrhaftig nicht, daß unsere eigene
Agrarpolitik perfekt ist.
Ganz im
Gegenteil: Ich stehe dem, was in den
Vereinigten Staaten unternommen wird,
genauso kritisch gegenüber wie dem,
was in Europa getan wird. Ich möchte
Reformen überall erleben.
Das ist
die wahre Herausforderung, vor der
wir stehen."
Auf die Frage nach dem wachsenden
protektionistischen Druck in den Vereinigten Staaten antwortete Yeutter:

persönlich vorschlagen."
"Außerdem bin ich nicht so sicher,
daß
der
protektionistische
Druck wahrscheinlich zunehmen wird.
Dies hängt selbstverständlich zu einem erheblichen Ausmaß von den Handelszahlen ab.
Leider scheinen die
von uns vor zwei Tagen bekanntgegebenen Zahlen für den vergangenen Monat
anzudeuten, daß sich unsere Handelssituation wieder verschlechtert hat.
Ich messe monatlichen Zahlen jedoch
nicht allzu viel Bedeutung bei, weil
sie oft verzerrt sind."
"Das im Senat behandelte Handelsgesetz hat sicherlich eine Reihe von
Mängeln und, würde es in seiner jetzigen Form verabschiedet, würde der
Präsident dagegen sein Veto einlegen.
Ich muß aber sagen, daß ein ermutigender Aspekt des Gesamtbildes darin
besteht, daß die Teile des Gesetzes,
die den Handel betreffen - und dieses
Gesetz enthält eine Menge Vorschläge
von Ausschüssen, die relativ wenig
mit Handel zu tun haben - aufgrund
der Debatte im Senat sogar verbessert
worden sind, woraus ich entnehme, daß
der Protektionismus in den Vereinigten Staaten vielleicht doch nicht so
üppig wuchert, wie viele glauben."

"Man sollte den amerikanischen
Protektionismus nicht auf der Grundlage von Vorschlägen im Kongreß bewerten.
Diese Vorschläge sind noch
nicht Gesetz, und wir hoffen, daß
diejenigen,
die
protektionistisch
sind, niemals Gesetz werden."

Auf die Frage nach einer Reaktion
auf die mögliche Abschaffung aller
Subventionen und deren Substitution
durch
untragbare
Zollbeschränkungen
auf ausländische Produkte antwortete
Yeutter:

"Ich bin jedoch hoffnungsvoll,
daß wir jeglichem protektionistischem
Druck aus dem Kongreß widerstehen
können und daß sich letztlich eine
verantwortungsvolle Gesetzgebung herauskristallisiert.
Ist dies nicht
der Fall, dann hoffe ich, daß der
Präsident gegen solche Gesetze sein
Veto einlegen wird.
Ich werde dies

Unser Vorschlag behandelt Importbeschränkungen,
Exportsubventionen
und alle anderen Verzerrungen im Handel und zielt darauf ab, diese allmählich abzuschaffen. Was die Sicherung der Nahrungsmittel betrifft, so
haben daran offensichtlich alle Nationen
ein berechtigtes
Interesse.
Aber es stellt sich die Frage, an

- 4

�welchem Punkt man die Grenze zur unerläßlichen Sicherung der Nahrungsmittel ziehen soll und auf welche Art
und Weise diese erzielt werden soll.
Eine Methode besteht sicherlich
darin, alles im Inland zu produzieren
- auch wenn man dazu enorme Geldsummen in Form von Subventionen bereitstellen muß. Japan mit seinem Reis
liefert ein Beispiel für diese besondere Situation.
Die andere Methode
wäre, sie dort zu kaufen, wo sie rationeller
hergestellt, das Prinzip
des
verhältnismäßigen Vorteils genutzt und gelagert werden können.
Programme zur Lagerung können sicherlich ein Ersatz für die Produktion
sein, oder es wäre eine Verbindung
von Produktion und Lagerung möglich,
die durch langfristige vertragliche
Verpflichtungen ergänzt werden kann.
Die zentrale Frage in diesem Zusammenhang lautet aber auch: In welchem
Umfang sollte es einem Land gestattet
werden, auf internationaler Ebene die
Produktion und die Regeln des Handels
zu verzerren, um auf einem ihm angemessenen Niveau die Nahrungsmittel zu
sichern?
über dieses wichtige Thema
und darüber, wie und zu welchem Preis
die Sicherung der Nahrungsmittel erlangt werden kann, sollte auch bei
den Verhandlungen gesprochen werden.
Zu den von Botschafter Yeutter
hier angesprochenen Vorschlägen wurde
die Frage gestellt, ob amerikanische
Senatoren im Getreideanbaugebiet der
Vereinigten Staaten diese Vorschläge
so wohl akzeptieren oder ob sie ihre
Annahme ablehnen würden.
Es wurde
ferner die generelle Flexibilität der
Vorschläge angesprochen.
Botschafter
Yeutter
antwortete
darauf, für solche Prognosen sei es
zum jetzigen Zeitpunkt noch zu früh
und gab zu bedenken, die Verhandlungen nähmen eine beträchtliche Zeit-

spanne in Anspruch. "Wir hoffen, sie
in einigen Jahren abschließen zu können - je eher, desto besser.
Die
Welt braucht einen Abschluß bei dieser Art von Verhandlungen.
Je eher
wir auf internationaler Ebene ein Abkommen schließen und mit seiner Anwendung beginnen können, desto besser
für uns und speziell für die Entwicklungsländer, die Verbraucher auf der
ganzen Welt und natürlich für die
Steuerzahler in den Vereinigten Staaten und in Westeuropa".
"Wir wollen
ernsthafte, eingehende und umfassende
Verhandlungen abhalten. Aber ein Urteil können wir erst beim Abschluß
abgeben.
Der Senator
irgendwo in
Iowa wird auf der Grundlage entscheiden, was wir, die Vereinigten Staaten, als Gegenleistung für in diesem
Bereich erbrachte Konzessionen erhalten ."
Zur Flexibilität der Haltung der
Vereinigten Staaten erklärte Yeutter,
es sei zum gegenwärtigen Zeitpunkt
noch zu früh, um diesen Punkt vor der
Welt preiszugeben, die Position sei
jedoch realistisch.
"Wenn wir, das
heißt die ganze Welt, bereit sind,
viel weniger zu akzeptieren als ein
freies
und
offenes
Handelssystem,
können wir ebenso gut bei unserer
jetzigen Position bleiben. Es stellt
sich die Frage, welche Zwischenlösung
es gibt. Mir scheint, daß alle davon
profitieren, wenn wir uns im Bereich
der Landwirtschaft einem freieren und
offenerem
Handelssystem
annähern
könnten".
Botschafter Yeutter ging in seinen weiteren Ausführungen auf die
Rolle des Programms PL-480 ein; das
Programm
'Nahrungsmittel
für
den
Frieden', im Rahmen dessen den Entwicklungsländern
landwirtschaftliche
Produkte als humanitäre Hilfsleistung
zur Verfügung gestellt werden, entweder als Zuwendung - das heißt, sie

- 5 -

�werden kostenlos gewährt - oder als
langfristige Kredite mit sehr niedrigen Zinssätzen, die sicher als Subvention gelten können.

die Europäische Gemeinschaft und andere über die Einstellung ihrer jeweiligen Programme zu verhandeln bereit sind.

Yeutter erklärte hierzu, die Vereinigten Staaten seien nicht bereit,
dieses Programm aufzugeben, weil es
so wichtig für die Entwicklungsländer
ist.
"Wir ermutigen vielmehr andere
Länder dazu, ihre Programme auszubauen. Es heißt, daß einige europäische
Länder wie etwa Frankreich dies tun
wollen, und das würden wir ermutigen". Von den in Genf unterbreiteten
Vorschlägen sind bona fide Hilfsprogramme
ausgenommen.
"Wir glauben,
daß diese angesichts des heute in der
Welt herrschenden Hungers immer noch
einen wesentlichen Bestandteil des
Gesamtbildes ausmachen.
Man möchte
hoffen, daß sie in 20 oder 30 Jahren,
in einem halben oder einem ganzen
Jahrhundert überflüssig werden. sicherlich sind sie heute notwendig.
Sie sollten ermutigt, angemessen definiert und von dem von uns in Genf
ausgearbeiteten Programm ausgenommen
werden.
Wir sind natürlich bereit,
ähnliche Programme Japans, der Europäischen Gemeinschaft und anderer Industrienationen auszunehmen".

Zur Frage, ob die Vereinigten
Staaten
ihr erhebliches Handelsbilanzdefizit abbauen können, indem sie
nur auf der Exportseite etwas unternehmen, erklärte Yeutter, "der Aufwärtstrend bei den Importen kann meiner Ansicht nach nicht länger anhalten.
Ich glaube, wir werden letztlich eine Verbesserung auf der Importseite erfahren, das heißt, einen
Rückgang beim Dollar-Wert der Importe
in die Vereinigten Staaten.
In den
Statistiken dieses letzten Monats war
dies jedoch nicht der Fall. Die Zeit
wird die Antwort auf diese Frage
bringen..."

Yeutter wurde weiter befragt, ob
man bereit sei, Programme zur Exportförderung
subventionierter
Exporte
nach Nordafrika und Osteuropa aufzugeben, worauf er erwiderte, man sei
bereit, alle Programme, die in irgendeiner Weise den Handel mit landwirtschaftlichen Produkten verzerren,
aufzugeben, mit Ausnahme von Zahlungen, die nichts mit der Produktion zu
tun haben und die den Bauern ein Sicherheitsnetz bieten sollen sowie mit
Ausnahme
der bereits
beschriebenen
bona fide Hilfsprogramme.
Im Rahmen
der Verhandlungen über die Einstellung von Subventionsprogrammen wird
Yeutter zufolge erwartet, daß auch

Zum
Export
hingegen
erklärte
Yeutter, "im letzten Monat weisen die
Statistiken einen erheblichen Anstieg
der Exporte auf.
Hier zeigt sich,
daß es auf der Importseite noch erheblich mehr Verkrustungen gibt. Das
heißt, daß Japan und andere Hauptimporteure in die Vereinigten Staaten
die Wechselkursanpassung
absorbieren
und hartnäckig Marktanteile zu gewahren suchen". Zu den zusätzlichen Bemühungen
seitens
der
Vereinigten
Staaten gehören Botschafter Yeutter
zufolge der Abbau des Haushaltsdefizits, während die anderen Industrienationen in ihren jeweiligen Ländern
das Wirtschaftswachstum anfachen müssen. All diese Faktoren sind miteinander verknüpft.
Solange nicht wenigstens eine erhebliche Verbesserung
im
Handelsdefizit
hervorgebracht
wird, werden
sich die Vereinigten
Staaten, so Yeutter, ernsthaftem politischen Druck ausgesetzt sehen, der
eine protektionistische Richtung einnimmt. Man nehme in den nächsten Monaten eine Verbesserung an, die jedoch nicht sehr dramatisch sein wird.

- 6 -

�Auf die Frage, welche praktischen
Schritte zur Anwendung der Politik
Präsident Reagans unternommen werden
sollen, bis zum Ende dieses Jahrhunderts alle Kontrollen abzuschaffen,
verweist Yeutter auf die gegenwärtig
laufenden Verhandlungen, "wir sollten
das Programm in Genf bei den Verhandlungen der Uruguay-Runde auf den Verhandlungstisch
bringen.
Der
Vorschlag sieht definitive Auslauf-Pläne
für alle Teilnehmerstaaten vor, die
von Produkt zu Produkt oder von Land
zu
Land
unterschiedlich
ausfallen
können. Es gibt Flexibilität bei der
Organisation dessen in einem bestimmten europäischen Land, in Japan, den
Vereinigten Staaten, Kanada oder anderswo, und das muß durch Verhandlungen erzielt werden. Wenn jedoch ein
Abkommen erzielt wird, sollen dieses
Programm oder diese Verpflichtungen
für den Zeitraum einiger Jahre verbindlich sein.
Sie müßten dann dem
Kongreß zur Billigung vorgelegt werden, so daß sie dann etwa im nächsten
Jahrzehnt angewendet und ausgeführt
werden können. Natürlich müßte dies
dann auch bei den europäischen und
allen anderen sich daran beteiligenden Ländern der Welt der Fall sein.
Der Botschafter
wurde befragt,
wie die Vereinigten Staaten vorschlagen könnten, daß die Europäische Gemeinschaft ihre Subventionen an euopäischen
Bauern
einstellen sollte,
wenn der Betrag, den die Vereinigten
Staaten
investieren, um ihre zwei
Millionen Farmer zu subventionieren,
genau dem entspricht, den die EG zur
Finanzierung
ihrer
zehn
Millionen
Bauern ausgibt.
Yeutter bezeichnete
diesen Vergleich
als
bedeutungslos
und erklärte, das Problem bestehe
vielmehr darin, daß beide Seiten zuviel für landwirtschaftliche Programme ausgeben und damit den Welthandel
erheblich verzerren.
Die Korrektur

dessen müsse sich am Verhandlungstisch vollziehen, und beide Seiten
müßten diese Situation erheblich verbessern. Wenn sich eine dramatische
Bewegung
zur
Reformierung
dieser
Praktiken vollziehen soll, müsse diese herbeigeführt werden, weil es im
allseitigen Interesse liege.
Yeutter erklärte, "dies beinhaltet einen schmerzhaften Anpassungsprozeß.
Der Kern unseres Problems
weist darauf hin, daß wir bereits einen größeren Teil dieser Anpassung
vollzogen haben als Westeuropa. Wir
haben in den vergangenen Jahrzehnten
einen großen Teil unserer Farmer zur
Aufgabe ihrer Farmen und Annahme von
Beschäftigungsverhältnissen
in
der
Stadt bewegen können.
Unsere Farmen sind größer und rationeller
geworden.
In Westeuropa
und in einigen anderen Ländern hat
eine geringere Anpassung stattgefunden.
Aber diese Anpassung muß bei
uns allen stattfinden, wenn wir eine
ausreichend effiziente und rationelle
landwirtschaftliche Produktion haben
wollen. Wir erwarten nicht, daß sich
dies in Europa über Nacht vollzieht.
Aus diesem Grund sind wir bereit, den
entsprechenden Zeitrahmen zu diskutieren und darüber, wie das Ziel erreicht werden soll. Wir glauben ganz
einfach, daß es wenig Sinn hat, Millionen von Dollar für landwirtschaftliche Produkte auszugeben, die niemand kaufen will und Millionen Dollar, die die internationalen Handelspraktiken stark verzerren und unseren
weniger
entwickelten
Partnerländern
großen Schaden zufügen".
Der Botschafter wurde weiter befragt, ob die Verhandlungen im Bereich der Landwirtschaft mit anderen
Verhandlungen in anderen Bereichen zu
einem 'Paket' verbunden werden könnten. Yeutter äußerte sich dazu posi-

- 7 -

�tiv und erklärte, "wir würden im Verhandlungsprozeß nicht so viel erreichen, wie ich wünschte, daß wir erreichen würden, wenn die Landwirtschaft von allem anderen abgekoppelt
wird.
Als praktisches Verfahren bestünde der beste Weg und ein Weg, etwas wirklich historisches zu tun und
etwas wahrhaft bedeutungsvolles im
Bereich der Landwirtschaft herbeizuführen, darin, den Bereich mit anderen Bestandteilen der Verhandlungen
zu verbinden. Es wird möglich sein,
ein
Paket
zusammenzustellen,
das
drei, vier oder fünf dieser Verhandlungsgruppen beteiligt und ein bestimmtes Gleichgewicht
unter
allen
Hauptteilnehmern schafft.
Zur Frage der Kontrolle eines
vereinbarten Systems verwies Yeutter
darauf, daß eine solche Kontrolle im
Rahmen des Verhandlungsprozesses erarbeitet werden müsse und teilweise
vom Wohlwollen der Regierungen abhängt.
"Wir hoffen, daß alle von uns in
der entwickelten Welt über Gesellschaften mit ausreichend hohem Entwicklungsstand und Integrität verfügen und daß wir uns mit Hilfe von
Programmen dieser Art auf unsere Verpflichtungen vorbereiten.

könnte kompliziert und eventuell auch
schwierig werden, aber genau das ist
es ja, was den internationalen Handel
eigentlich
ausmacht.
Aus
diesem
Grunde haben wir ja Regierungen und
deshalb entwickeln wir internationale
Organisationen zur Erreichung dieser
Ziele. "
Der Frage, warum die Vereinigten
Staaten
im Textilbereich
Maßnahmen
ergriffen haben, die insbesondere die
Produktion der Europäischen Gemeinschaft und Italiens betreffen, wurde
mit dem Argument widersprochen, daß
die Vereinigten Staaten keine Maßnahmen verabschiedet haben, die Westeuropa Restriktionen auferlegen.
Für
diesen Bereich gebe es Vorschläge des
Kongresses
oder
andere
rechtliche
Verfügungen, von denen jedoch bisher
keine als Gesetz verabschiedet worden
sind.
"Das derzeitige Textilprogramm
betrifft Westeuropa oder die Nationen
der Europäischen Gemeinschaft überhaupt nicht, daher können hier im Moment auch keinerlei Probleme ausgemacht werden."

Aber
abgesehen davon
benötigen
wir eine Art offizieller Berichterstattung - vielleicht Berechnungen auf jährlicher Basis im Hinblick auf
die erzielten Resultate und darauf,
ob die ausgehandelten Abkommen die
Zielsetzungen Jahr für Jahr über einen Zeitraum von 10 oder 12 Jahren
hinweg erfüllen.

"In bezug auf die Halbleiter haben wir Sanktionen verhängt, da Japan
ein mit uns im letzten Herbst geschlossenes Abkommen nicht eingehalten hat.
Unserer Meinung nach ist
ein Abkommen ein Abkommen und wenn
unsere japanischen Freunde sich verpflichten, kein Dumping von Halbleitern gleichgültig auf welchen Märkten
vorzunehmen, dann sollten sie sich
auch daran halten.
Da sie aber das
Dumping von Halbleitern auf Drittmärkten fortgesetzt haben, sahen wir
uns zur Verhängung von Sanktionen gezwungen. "

Im Rahmen des GATT wird ein Mechanismus zur Überwachung dieses Prozesses in der Anpassungsphase erarbeitet werden müssen. Ich sehe hierin keinen beunruhigenden Aspekt. Es

Bezüglich der Maßnahmen zur Lösung des Exportproblems von Nudeln
erklärte Yeutter, daß sich diese noch
im
Verhandlungsstadium
befinden.
Nach dem Besuch seines Amtskollegen

�Kommissar Leclerq und des Landwirtschaf tsskommissars
bei der Gemeinschaft,
Kommissar
Andriesen,
in
Washington, hoffe er, die begonnenen
Verhandlungen sehr bald, das heißt im
Verlauf der nächsten Woche, wieder
aufnehmen und diesen Themenkomplex zu
einem befriedigenden Abschluß bringen
zu können.
"Bedauerlicherweise sind
wir noch sehr weit voneinander entfernt und ich kann zu diesem Zeitpunkt höchstens vorsichtig optimistisch sein."
Auf die Frage nach dem Stand der
amerikanischen
Produktivität
und
Wettbewerbsfähigkeit
erklärte
der
Botschafter:
"Sicherlich
ist
die
Wettbewerbsfähigkeit eine Herausforderung für die Vereinigten Staaten vor allem in bestimmten Produktbereichen". Einige der amerikanischen Industrien seien Ende der siebziger und
zu Beginn der achtziger Jahre, als
die Vereinigten Staaten einen großen
Handelsüberschuß hatten, doch etwas
selbstgefällig geworden.
"Der Dollar
war schwach und wir nahmen unsere internationale Wettbewerbsfähigkeit als
selbstverständlich hin."
"All dies hat sich in den vergangenen Jahren um 180 Grad gewendet.
Der Dollar stieg drastisch im Wert
und wir mußten sozusagen über Nacht
feststellen, daß wir
international
bei weitem nicht so konkurrenzfähig
waren, wie wir angenommen hatten zumindest nicht bei diesen Wechselkursen.
Natürlich
verschlechterte
sich unsere Handelssituation gravierend.
Nun stellt sich die Frage:
Können wir all dies rückgängig machen?
Und wenn ja, wie stellen wir
es an?
In gewissem Maße spielen
makroökonomische
Faktorn
wie
die
Steuer- und Währungspolitik eine Rolle"...
"und unsere Regierung oder
die europäischen Regierungen müssen
Antworten
zur
Verfügung
stellen.

Dies ist international gesehen Teil
des
wirtschaftlichen
Umfelds."...
"Wir alle müssen daran mitarbeiten,
zum Nutzen aller Geschäftsleute zusätzliche Stabilität in diesem Bereich zu schaffen...
Niemandem, der
mit internationalen Geschäften befaßt
ist,
gefallen
diese
gigantischen
Wechselkursfluktuationen,
die
Entscheidungen im Hinblick auf internationale Investitionen schwierig, wenn
nicht sogar unmöglich machen." Trotz
all dieser wichtigen Faktoren müsse
die langfristige Konkurrenzfähigkeit
gewährleistet sein.
"Meiner Meinung nach haben viele
amerikanische Unternehmen in den vergangenen drei oder vier Jahren auf
diese Herausforderung
reagiert und
ihre
Produktivität
enorm
gesteigert."...
"Meine Botschaft an Westeuropa und alle anderen Länder ist
daher: In der Zukunft werdet Ihr mit
sehr viel stärkerer Konkurrenz unserer
Geschäftsleute
rechnen müssen,
denn... wir in den Vereinigten Staaten sind heute sehr viel konkurrenzfähiger, als wir es noch vor zwei
oder drei Jahren waren. Wir in der
Regierung werden dabei so weit wie
möglich behilflich sein, ah r dies
ist eine Herausforderung für den Privatsektor, der meiner Meinung nach
bereits
auf
diese
Herausforderung
reagiert."
Die Frage, ob die Vereinigten
Staaten diese Vorschläge zu Agrarhandelsreformen aus der Überzeugung heraus vorgelegt haben, den Weltagrarhandel dadurch in einigen Bereichen
besser dominieren zu können, wurde
mit dem offenen Bekenntnis beantwortet, daß die Vereinigten Staaten sicherlich keine für sie nachteiligen
Vorschläge vorlegen würden. Alle Beteiligten müßten ihr Eigeninteresse
bei solchen Verhandlungen wahren, von
denen alle Länder in vielerlei Hin-

- 9 -

�Sicht profitieren könnten. Im Zusammenhang mit Agrarreformen solle man
nicht in schwarz-weiß Schemata denken
oder nur von Gewinnern und Verlierern
ausgehen. Von einer umfassenden Agrarreform
würden
Konsumenten
und
Steuerzahler sowie die international
konkurrenzfähigen Bauern - und auch
die Vereinigten Staaten in einigen
Bereichen - profitieren, "wenn unsere
Bauern auf die sich bietenden Möglichkeiten reagieren und sich auf das
Verhalten der Bauern in anderen Ländern der Welt einstellen." Der Markt
und die Bauern sollten die Entscheidungen, zum Beispiel über den Standort für Agrarerzeugnisse einer bestimmten
Produktkategorie,
treffen
und nicht die Regierungen, deren Beschlüsse zu der gegenwärtigen verzerrten Situation beigetragen haben.
Auf die Bemerkung, daß diese äussert überzeugende Begründung für eine
landwirtschaftliche
Null-Lösung
jedoch alle Handelsnationen und insbesondere die EG vor unüberwindliche
politische Probleme stellen würde und
die daran anschließende Frage, ob
dieser Vorschlag vor allem in Europa
nicht schlicht als Schachzug bei den
Verhandlungen angesehen werde, antwortete Botschafter Yeutter:
"Wenn
dieser Ansicht in Europa Glauben geschenkt würde, wäre es eine bedauerliche
Fehlinterpretation
unserer
Überzeugungen".
Er sei sich jedoch
dessen bewußt, wie brisant dieses
Thema überall, auch in den Vereinigten Staaten sei, da er selbst sein
ganzes Leben lang mit Landwirtschaft
befaßt gewesen sei und in den vergangenen 15 Jahren Tausende von Gesprächen mit Landwirtschafts- und Handelsministern sowie Agrarfirmen geführt und Europa häufig genug besucht
habe, um mit diesen politischen Problemen vertraut zu sein.
Daher unterschätze er die mit einer Reform
dieser
Größenordnung
einhergehenden

politischen Schwierigkeiten in keiner
Weise. Die Herausforderung liege daher darin, kreative und einfallsreiche Wege zur Überwindung dieser zweifelsohne bestehenden enormen Probleme
zu finden und sich nicht mit halben
Lösungen
zufrieden
zu geben.
Die
Probleme müßten mit Optimismus angegangen werden und es sei keine Zeit
für defätistische Einstellungen, da
in den vergangenen 30 Jahren am Agrarsektor
stets nur
herumgenörgelt
worden sei und die Situation sich
enorm verschlechtert habe. Wir alle,
die Vereinigten Staaten und die Europäische Gemeinschaft hätten uns dieser Herausforderung bereits vor mehr
als einem Jahrzehnt stellen müssen,
denn damals wäre es einfacher als
heute gewesen. "Dies ist umso bedauerlicher, da wir vor zehn Jahren dieselben Gründe anführten, weshalb wir
die Probleme nicht in Angriff nehmen
konnten - nämlich, daß es politisch
zu schwierig sei. Wenn wir uns jetzt
wieder drücken, dann werden wir in
zehn Jahren zu hören bekommen: 'Wie
sind wir in dieses Chaos geraten?
Warum hat nicht bereits vor einem
Jahrzehnt jemand etwas dagegen unternommen? ' "
Auf die in diesem Zusammenhang
gestellte Frage nach bestimmten Terminen antwortete der Botschafter, daß
definitiv in dieser Woche keine Sanktionen verhängt würden, da dem Verhandlungsprozeß zunächst jede mögliche Chance eingeräumt werden müsse.
Sanktionen würden erst dann verhängt,
wenn die Verhandlungen offensichtlich
aussichtslos erschienen.
Als Termin
sei zunächst der 1. Juli festgesetzt
worden, dann habe man gehofft, in der
vergangenen Woche zu einer Einigung
zu kommen, als die beiden EG-Kommissare in Washington waren, und jetzt
wolle man einen weiteren Versuch unternehmen.
Bezüglich
des
genauen
Termins wolle er keine Angaben ma-

- 10 -

�chen, da er dies persönlich mit Kommissar Leclerq besprechen wolle und
nicht wünsche, daß dies durch die Medien gehe.
Auf die Bemerkung, daß die Beendigung der Subventionen sich vorteilhaft für den Steuerzahler auswirken,
dagegen die mit dieser Politik einhergehenen
unvermeidbaren
Soziallasten den Steuerzahler belasten würden, verwies der Botschafter darauf,
daß man je nach Art der Soziallasten
unterscheiden
müsse,
jedoch
jede
Strukturanpassung soziale Kosten mit
sich bringe, die realistischerweise
in den politischen Entscheidungsprozeß eingebracht werden müßten.
"Unser Vorschlag bietet eine Möglichkeit, diese besonderen Soziallasten in den Verhandlungsprozeß einzubinden.
Daher wurde auch ein Sicherheitsnetz, das nicht an die Produktion gebunden
ist, von unserem
Vorschlag ausgenommen."
Die erforderliche Strukturanpassung "wird sich
nicht über Nacht vornehmen lassen und
sie wird Geld kosten. Wir werden dafür Sorge tragen, daß in allen Ländern ein Sicherheitsnetz geschaffen
wird, durch das die Soziallasten in
das System eingebracht werden."

* * * * * *
- 11

�AMERIKA DIENST
^7

Hintergrundmaterial

C*

22. Juli 1987

26

WIRD MOSKAU DIE "ECHTE NULL-LÖSUNG" AKZEPTIEREN?
- Von Kenneth L. Adelman -

(Der Autor dieses am 9. Juli 1987 in der New York Times veröffentlichten
Artikels ist Leiter des amerikanischen Amts für Rüstungskontrolle und Abrüstung. )

WASHINGTON - (AD) - Die Sowjetunion hat öffentlich vom Abschluß
eines Abkommens über atomare Mittelstreckenraketen
gesprochen,
das
rechtzeitig zu einem möglichen Gipfeltreffen im kommenden Herbst Zustandekommen solle. Wenn die Sowjets
es mit diesem Zeitplan ernst meinen,
können sie zu dessen Verwirklichung
insbesondere eines tun: mit uns zusammen auf die weltweite Beseitigung
sowjetischer SS-20 und SS-4 Raketen
und amerikanischer Pershing II und
landgestützter Marschflugkörper hinarbeiten.
Diese "echte Null-Lösung"

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Embassy of the United States of America

würde die Verhandlungen beträchtlich
beschleunigen und die Verifizierung
erheblich vereinfachen.
Wie die Dinge heute stehen, würde
es der INF-Vertrag, über den gegenwärtig verhandelt wird, den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion erlauben, 100 Gefechtsköpfe auf diesen
Raketen zu behalten - auf unseren Raketen in den Vereinigten Staaten und
denen der Sowjetunion im asiatischen
Teil
dieses Landes.
Darauf haben
sich Präsident Reagan und Generalsekretär Michail S. Gorbatschow in Reyk-

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�javik im vergangenen Herbst verstandigt.
Ein solches Resultat wäre gegenüber der heutigen Situation, insbesondere unter dem zahlenmäßigen Gesichtspunkt, eine erhebliche Verbesserung. Die Bedrohung durch die SS20 würde radikal vermindert, wobei
die Sowjetunion über 400 dieser Raketen mit über 1 200 Gefechtsköpfen
vernichten müßte, die gegenwärtig Europa und Asien bedrohen, sowie über
100 SS-4 (mit je einem Gefechtskopf).
Das ist mehr als das Sechsfache
der Gefechtsköpfe, die auf den von
uns zu beseitigenden Pershing II und
langestützten Marschflugkörpern stationiert sind. Es übertrifft die Anzahl der 572 Gefechtsköpfe, die wir
ursprünglich
nach Durchführung
des
NATO-Doppelbeschlusses zu stationieren geplant hatten, um mehr als das
Doppelte.
Außerdem wäre dies das erste Abkommen, durch das die offensiven Nuklearwaffen
beträchtlich
reduziert
würden.
Berücksichtigt man die Tatsache, daß noch vor sechs Jahren Reduzierungen
dieses
Ausmaßes
als
"nicht
verhandlungsfähig"
abgetan
wurden, dann ist der heutige Portschritt ein Verdienst westlicher Entschlossenheit.
"Fast Null" ist gut, und wir sind
bereit, dies als Zwischenschritt zu
akzeptieren. Aber die echte Null-Lösung - die totale weltweite Abschaffung der Raketen - wäre weit besser.
Warum?
Erstens wäre die echte Null-Lösung einfacher zu verifizieren und,
was ebenso wichtig
ist, einfacher
durchzusetzen.
Im allgemeinen

sind Verbote ein-

facher zu verifizieren als Begrenzungen.
Wenn Moskau also der totalen
Abschaffung
der
Raketen
zustimmt,
dann könnte die Verifizierung vereinfacht werden. Insbesondere wären einige der im Falle einer vertraglich
erlaubten Beibehaltung einer geringen
Anzahl von Raketen und Abschußvorrichtungen erforderlichen einschneidenderen
Verifizierungsbestimmungen
in unserem Vertragsentwurf unnötig,
wenn
Produktion, Stationierung
und
Lagerung verboten würden.
Ein totales Verbot würde außerdem
das Vertrauen erhöhen, indem es das
Problem der Vertragseinhaltung vereinfacht. Bei fast Null können immer
wieder Frage auftauchen, ob entdeckte
mobile Raketen zulässig oder unzulässig sind. Bei der echten Null-Lösung
läge jedoch eine eindeutige, jedem
Bürger einleuchtende Vertragsverletzung vor, wenn wir eine Mittelstrekkenrakete
entdecken
würde.
Dies
könnte uns dabei helfen, endlose Kontroversen über die Frage sowjetischer
Betrügereien zu vermeiden. Es sollte
ebenfalls weniger Druck geben - wie
den Druck, dem wir heute aus gewissen
Kreisen ausgesetzt
sind -, sowjetische Vertragsverletzungen zu ignorieren oder hinzunehmen.

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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;UN-Resolution für gerechten und dauerhaften Frieden am Golf&lt;br /&gt;&lt;em&gt;US-Außenminister Shultz vor &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;dem Weltsicherheitsrat&lt;/em&gt;&lt;br /&gt; &lt;br /&gt;Verifizierung grundlegend für Reform des Agrarhandels&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Worldnet mit dem US-Handelsbeauftragten Yeutter&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt; Wird Moskau die "echte Null-Lösung" akzeptieren?&lt;br /&gt; &lt;em&gt;von Kenneth L. Adelman&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST
1-7

^

C0

8. J u l i

25

1987

I N H A L T

WIRTSCHAFT
Reagan fordert Abschaffung von Handelsschranken in der Landwirtschaft
- Erklärung zur Reform des Handels mit Agrarprodukten -

HINTERGRUNDMATERIAL
Chronologie der Ereignisse in Afghanistan
- Dezember 1986 bis Mai 1987 -

Themenindex AMERIKA DIENST (1. Halbjahr 1987)

* * * * * *

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�AMERIKA DIENST
VON

Wirtschaft

*

8. Juli 1987

25

REAGAN FORDERT ABSCHAFFUNG VON HANDELSSCHRANKEN IN DER LANDWIRTSCHAFT
- Erklärung zur Reform des Handels mit Agrarprodukten -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Reagan zufolge besteht das zentrale Ziel der
von den Vereinigten Staaten in Genf vorgelegten Vorschläge zum Handel mit Agrarprodukten in der Abschaffung aller Subventionen, Zölle, Quoten und anderen
Beschränkungen des freien Welthandels im Agrarbereich innnerhalb der nächsten
zehn Jahre. Bei der Ankündigung der Vorschläge am 6. Juli 1987 räumte Reagan
ein, daß die Verwirklichung dieses Ziels in der Uruguay-Runde von Handelsgesprächen nicht leicht sein werde.
Die Erklärung des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:
Vorigen Monat habe ich zusammen
mit den Führern der anderen sechs
führenden Industrieländer in Venedig
eine durchgreifende Reform des Weltagrarhandels gefordert. Wir alle haben anerkannt, daß wir die jedes unserer Länder betreffenden Probleme in
der Landwirtschaft nur durch Zusammenarbeit lösen können.
In Genf werden die amerikanischen
Unterhändler
vom Landwirtschaftsministerium und vom Büro des amerikanischen
Handelsbeauftragten
heute
den ehrgeizigsten Vorschlag zur Re-

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form des Welthandels mit Agrarprodukten unterbreiten, der jemals vorgelegt wurde. Die Vereinigten Staaten
werden den totalen Abbau sämtlicher
Maßnahmen, die den Handel mit Agrarprodukten verzerren, bis zum Jahr
2000 fordern.
Es ist deutlich geworden, daß
letztlich niemand von den gegenwärtig
weltweit angewandten Praktiken in der
Landwirtschaft profitiert - nicht die
Landwirte, nicht die Verbraucher und
auch nicht die Steuerzahler. Es ist
ebenso klar, daß kein Land einseitig

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�die gegenwärtigen Maßnahmen abschaffen kann, ohne durch die Politik der
anderen Länder ruiniert zu werden.
Die einzige Hoffnung besteht in einem
durchgreifenden
internationalen
Abkommen, durch das alle Länder zu
gleichgerichteten
Handlungen
und
Zeitplänen verpflichtet werden.
Der Kern unseres Vorschlages besteht in der Abschaffung aller Exportsubventionen, aller Beschränkungen unserer Märkte
(einschließlich
Zöllen und Quoten) und aller Binnensubventionen, die sich auf den Handel
auswirken, innerhalb von zehn Jahren.
Maßnahmen im Agrarbereich, die Zahlungen an Landwirte vorsehen und keine Auswirkungen auf Preisgestaltung
oder Produktionsentscheidungen haben,
wären davon nicht betroffen. Schließlich fordert unser Vorschlag die Einführung einheitlicher Nahrungsmittelvorschriften in der ganzen Welt, um
nichttarifäre Hemmnisse im Agrarhandel zu verhindern.
Ich bin mir der Tatsache vollkommen bewußt, daß dieser Vorschlag ehrgeizig
ist, daß die Verhandlungen
nicht leicht sein werden und daß ein
jegliches Abkommen nicht schmerzlos
ein wird. Wenn wir jedoch Erfolg haben, dann wird die Landwirtschaft in
der ganzen Welt nach der Befreiung
vom Joch staatlicher Eingriffe blühen
und Landwirten und Verbrauchern aller
Länder Vorteile bringen.
Ich erneuere heute meine Verpflichtung, die
ich zusammen mit unseren Handelspartnern in Venedig eingegangen bin, nämlich das Ziel freier Agrarmärkte in
der ganzen Welt bis zum Jahr 2000 zu
verwirklichen.

+ + + + + +

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Hintergrundmaterial

'V,oN*&lt;

8. Juli 1987

25

CHRONOLOGIE DER EREIGNISSE IN AFGHANISTAN
- Dezember 1986 bis Mai 1987 -

WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir eine Chronologie der
Ereignisse in Zusammenhang mit der Besetzung Afghanistans durch Streitkräfte
der Sowjetunion; abgedeckt ist der Zeitraum vom Dezember 1986 bis Mitte Mai
1987.

8. Dezember

19. Dezember

Berichten
zufolge
werden
in
Kandahar etwa 600 Menschen - Zivilisten sowie Vertreter des Regimes
und der Miliz - getötet, als zwei sowjetisch-afghanische MiGs versehentlich einen Stadtteil bombardierten.
Der Überfall soll geschehen sein,
nachdem Mujahedin in Mahalajat, einer
kleinen
Stadt
45
Kilometer
von
Kandahar, aus einem Hinterhalt eine
sowjetische Panzerkolonne angriffen.

Sieben
Mitglieder
einer
Hochzeitsgesellschaft, unter ihnen drei
Frauen, werden getötet, als vier sowjetisch-afghanische
Kampfflugzeuge
zehn Meilen nördlich von parachinar
in der pakistanischen Provinz Kurram
zwei Dörfer bombardieren.
Die Toten
gehören dem Stamm der Mangal an, der
sich bis in die afghanische Provinz
Paktia erstreckt.

20. Dezember

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�In Kabul findet eine Trauerfeier
für einen bei Kämpfen in der Nähe von
Kandahar getöteten afghanischen General statt. Alle Straßen, die zum Ort
des Begräbnisses
führen, sind gesperrt.

23. Dezember
Berichten zufolge hat das Regime
in der Nähe von Sherkhana auf der
Straße von Kabul nach Jalalabad neue
militärische
Stützpunkte
errichtet.
Hierzu zählen auch zehn neue Posten
in der Nähe von Dakka.
Der zivile
Flugverkehr zwischen Kabul und Jalalabad bleibt weiterhin unterbrochen.

24. Dezember
Die afghanische Nachrichtenagentur Bakhtar berichtet, daß Najibullah
die Stammesältesten und Vertreter der
Provinzen Nangarhar, Kunar, Laghman,
Paktia und der Region Khost zur nationalen Aussöhnung und zu einem Ende
des Blutvergießens und Brudermordes
aufgerufen hat.

27. Dezember
Mujahedin
der
Hisb-e-Islami
(Gulbuddin Hekmatyar-Gruppierung) berichten von ihren Kämpfen gegen acht
militärische Stützpunkte, die sowjetisch-afghanische
Truppen
bei
der
strategisch wichtigen Garnison Barikot in der Provinz Kunar nur drei
Meilen von Pakistan entfernt halten.
Sie erklären, die Operation sei zum
Gedenken an den 7. Jahrestag der sowjetischen
Besetzung
Afghanistans
durchgeführt worden.

Berichten zufolge werden zwei sowjetisch-afghanische Hubschrauber bei
einem Raketenangriff der Mujahedin
auf den Flughafen von Jalalabad zerstört.
Etwa 4 000 von den Sowjets unterstützte afghanische Soldaten mit 600
Fahrzeugen
kämpfen gegen Mujahedin
der Jamiat-e-Islami-Gruppierung, die
im westlichen Teil der Stadt Herat
operieren.
Mitgliedern
der
Jamiat
zufolge halten die schweren Kämpfe
einige Tage an.

30. Dezember
Eine hochexplosive Autobombe zerstört eine Polizeistation in Peshawar
(Pakistan), dabei werden zwei Polizeibeamte getötet und einer verletzt,
als sie das in einem anderen Teil der
Stadt abgestellte Fahrzeug untersuchen. Für die Explosion werden Agenten des Kabuler Regimes verantwortlich gemacht.
Bei einer außerordentlichen Sitzung des Zentralkomitees der Demokratischen
Volkspartei
Afghanistans
(PDPA) erläutert Najibullah Einzelheiten des Programms zur nationalen
Aussöhnung, das eine ab 15. Januar in
Kraft tretende einseitige Waffenruhe
einschließt. Najibullah zufolge soll
die Feuerpause sechs Monate dauern,
und Streitkräfte des Regimes würden
nur als Reaktion auf "offene und direkte" Angriffe der Oppositionstruppen schießen. Er erklärt ferner die
Verhängung einer landesweiten Generalamnestie sowie die Verkündung des
Islam als Religion Afghanistans.

1. Januar
28. Dezember

Der amtierende

Sprecher

der Sie-

�ben-Parteien-Allianz
mit
Sitz
in
Peshawar
(Pakistan) lehnt die von
Najibullah vorgeschlagene einseitige
Feuerpause ab und nennt sie eine
"Falle".
Er betont, die Mujahedin
würden
weiterhin
kämpfen,
bis
Najibullah abgesetzt und eine islamische Regierung in Afghanistan eingesetzt ist.

2. Januar

gergebäude der Regierung beschädigt.

5. Januar
Der
Generalsekretär
der
PDPA,
Najibullah, empfängt den sowjetischen
Außenminister
Eduard
Schewardnadse
und den Generalsekretät des Zentralkomitees der KPdSU, Anatoli Dobrynin,
die auf Einladung der afghanischen
Regierung zu einem Arbeitsbesuch nach
Kabul gekommen sind.

In einer Worldnet-Videokonferenz
mit Journalisten in Kuwait erklärt
ein Vertreter des US-Außenministeriums, die Mujahedin würden trotz des
seit 1983 zunehmenden militärischen
und politischen Drucks der Sowjets
diese langfristig besiegen. Ein Mitglied des politischen Planungsstabes,
Zalmay Khalilzad, erklärt, die Mujahedin würden aufgrund ihrer "Ausdauer
und zunehmenden Stärke" gewinnen.

Die afghanische Nachrichtenagentur Bakhtar berichtet, daß 1 000 Mujahedin unter Leitung von Sayed Ahmad
in der Region Gozareh (Provinz Herat)
als Reaktion auf Najibullahs Aufruf
zur nationalen Aussöhnung ihre Waffen
niederlegen.

3. Januar

7. Januar

Die auf diese Sitzung folgende
Zusammenkunft
des
Revolutionsrates
des Kabuler Regimes verkündet eine
Erweiterung seines Programms zur nationalen Aussöhnung. Damit soll eine
offene Einladung an bewaffnete Oppositionsführer
außerhalb des Landes
einhergehen; diese sollen an Gesprächen mit der Regierung teilnehmen.
Das Regime garantiert den Oppositionsführern sicheres Geleit zu den
Gesprächen.

Der
sowjetische
Außenminister
Eduard Schewardnadse und der Generalsekretär
des Zentralkommittees der
KPdSU, Anatoli Dobrynin verlassen Kabul, um nach zweitägigen Gesprächen,
in deren Verlauf sie den Aufruf des
afghanischen
Staatschefs
Najibullah
zur nationalen Aussöhnung und das Angebot einer ab 15. Januar in Kraft
tretenden Feuerpause unterstützen.

6. Januar

8. Januar
Zehn sowjetisch-afghanische Flugzeuge verletzen pakistanischen Luftraum.
Sie überfliegen Pakistan etwa
zwei Kilometer weit und werfen 15
Bomben auf das Dorf Arandu in der Region Chitral. Dabei werden drei Männer und zwei Frauen getötet und 14
weitere
Personen verletzt.
Ferner
werden 30 Privathäuser und drei La- 3

Westliche
Diplomaten
berichten,
daß die an der pakistanischen Grenze
ansässigen Stämme für eine Kampagne
gegen die von ihrem Territorium aus
operierenden
Mujahedin
angeworben
wurden.
Der linke pakistanische Politiker Abdul Wali Khan vom Stamm der
Pashtun erklärte sich Berichten zu-

�folge bei seinem Besuch in Kabul im
vergangenen September bereit, solch
eine Mission zu den an der Grenze ansässigen Pashtun-Stämmen zu unternehmen.

Herbert Haggerty, wird im USIA-eigenen
Wordnet-Fernsehen
von
Journalisten in Caracas und Guatemala-Stadt
interviewt.

Das Regime behauptet, es habe in
den Provinzen Herat, Balkh, Paktia,
Badakhshan, Baghlan, Jowzjan, Faryab,
Nangarhar, Bamian und Samangan Kommissionen für die nationale Aussöhnung eingesetzt.
Es werden Einführungssitzungen abgehalten, bei denen
- nach Rezitiation von Koranversen Vertreter des Regimes und der Stämme
sowie Ulemas zur nationalen Aussöhnungspolitik sprechen.

15. Januar

11. Januar
Eine Gruppe von 50 prominenten,
nicht dem Regime zuzurechnenden Afghanen nimmt Berichten zufolge an dem
Treffen der Kommission zur nationalen
Aussöhnung in Kabul teil. Sie legen
ihre eigenen Bedingungen für eine
Aussöhnung vor, die den Abzug aller
sowjetischen Truppen umfassen sowie
die Freilassung aller politischen Gefangenen und ein Ende des Einsatzes
von Druck ausübenden Banden und des
erzwungenen Wehrdienstes. Najibullah
nimmt die Liste ihrer Bedingungen zur
Überprüfung entgegen.

Der stellvertretende Sprecher des
US-Außenministeriums, Charles Redman,
erklärt, das "Haupthindernis für eine
Regelung" in Afghanistan sei die andauernde Präsenz von 115 000 Soldaten
im Land.
Er beantwortete Fragen zu
der am 15. Januar in Kraft getretenen
einseitigen
Feuerpause des Kabuler
Regimes.
Der stellvertretende Pressesprecher
des
Weißen
Hauses,
Albert
Brashear, erklärt, die einzige Lösung
der Situation in Afghanistan bestehe
darin, daß die sowjetischen Truppen
vollständig abgezogen werden und das
afghanische
Volk
sein
Recht
auf
Selbstbestimmung ausüben kann.
Am ersten Tag des angeblichen
Waffenstillstands
wird eine sowjetische Panzerkolonne an einer schmalen Stelle der Salang-Paßstraße nördlich von Jabal-es-Seraj von Mujahedin
überfallen. Berichten zufolge werden
bei dem Angriff eine unbekannte Zahl
sowjetischer
Soldaten getötet oder
verwundet sowie mehrere Panzerfahrzeuge zerstört.

14. Januar
Ein Beamter des US-Außenministeriums bezeichnet die Forderung des
afghanischen Regimes nach einer einseitigen Feuerpause als "schlimmste
Art von Effekthascherei" und "Propagandageste", die nicht zur Wurzel des
Problems, dem sofortigen Abzug der
sowjetischen Truppen aus Afghanistan,
vordringt.
Der regionale Leiter der
Abteilung für den Nahen Osten und
Südasien
im
US-Außenministerium,

16* Januar
Der
amerikanische
Außenminister
George Shultz betont, eine kurzfristige Übereinkunft für den Abzug sowjetischer
Truppen aus Afghanistan
sei das fehlende "wesentliche Kriterium" für eine Regelung in Afghanistan, und wenn das geschehen sollte,
seien die Vereinigten Staaten "zu
einer Reaktion bereit".

�Westliche Journalisten - die einer Einladung nach Kabul folgten, um
die Feuerpause
und Veranstaltungen
zur nationalen Aussöhnung zu beobachten - bemerken das plötzliche Auftauchen einer großen Anzahl sowjetischer
Panzerfahrzeuge in den Straßen, was
zu Spekulationen darüber Anlaß gibt,
daß die Sowjets möglicherweise Angriffe von gegnerischen Gruppen im
Regime fürchten.
Gerüchten zufolge
wurde von Anhängern des entmachteten
Staatschefs Karmal ein Staatsstreich
gegen Najibullah versucht.
Bei
ihrer
streng
überwachten
Fahrt durch die Hauptstadt werden die
westlichen
Journalisten
wiederholt
daran
gehindert,
das
sowjetische
Kriegsgerät zu photographieren, und
bei einer Gelegenheit werden sie dabei von sowjetischen Soldaten beschossen.
Auf ihrem Flug nach Jalalabad erklären die Journalisten, sie hätten
eine große Anzahl sowjetischer Soldaten beobachtet, die zur Verteidigung
des Flughafens von Jalalabad eingesetzt worden seien.

werden, wenn sie unser Land verlassen, ohne Bedingungen zu stellen".
Die
Mujahedin-Führer
erklären
ferner
ihre
Übereinstimmung,
"daß
eine
Kommission
eingerichtet
wird,
die Rechte und Pflichten für eine
Ubergangsregierung ausarbeitet".
Das
Gremium will seine Arbeit am 1. Februar aufnehmen und der Führungsspitze
der Allianz innerhalb eines Monats
seine Vorschläge unterbreiten.
Die
Führer
verkünden,
daß
allgemeine
freie und gerechte Wahlen abgehalten
und unter Aufsicht der Ubergangsregierung ein Parlament eingesetzt würde. Eine Verfassung soll ausgearbeitet werden, um die Ausübung des Islam
in allen Lebensbereichen zu garantieren.

18. Januar
Westlichen Diplomaten liegen Berichte vor, daß die Polizeiakademie
des Regimes einige Afghanen heimlich
zu Agenten ausbildet. Sie werden bei
den von Pakistan aus operierenden
Mujahedin und in den Flüchtlingslagern einzugeschleust, um für der Plan
des Regimes zur nationalen Aussöhnung
werben.

17. Januar
Mujahedin-Führer der Sieben-Parteien-Allianz halten eine große öffentliche Zusammenkunft in Peshawar
ab, um formell mitzuteilen, daß sie
trotz der Aufforderung der Regierung
zur nationalen Aussöhnung und ihres
einseitigen Angebots einer am 15. Januar beginnenden Feuerpause den bewaffneten Kampf gegen das sowjetischafghanische Regime fortsetzen werden.
Sie weisen die Angebote als "Trick"
und "weiteres Komplott" zurück und
erklären, "der Vorschlag eines Waffenstillstands
mit
den
russischen
Streitkräften
kann
nur
diskutiert

Beim zweiten Kongreß der Bewegung
Nationales Vaterland (jetzt: Nationale Front) sollen Vertreter der linken
pakistanischen
Awami
Nationalpartei
des Wali Khan, der Ersten Kongreßpartei Rajiv Ghandis und der kommunistischen Tudeh-Partei Irans zu den
Teilnehmern gehört haben.

20. Januar
Der Erste Stellvertretende Außenminister
der
Sowjetunion,
Anatoli
Kowalew, trifft sich zu formellen Gesprächen über Afghanistan mit paki-

- 5 -

�stanischen
Politikern, unter
ihnen
Premierminister Mohammed Khan Junejo,
Außenminister
Sahibzada Yagub Khan
und der Staatssekretär im Außenministerium Abdus Sattar.
Er besucht
ferner Präsident Zia ul-Haq und übergibt diesem eine Botschaft des sowjetischen Generalsekretärs Gorbatschow.
Der stellvertretende sowjetische Minister unternimmt einen viertägigen
offiziellen Besuch.
Die Nachrichtenagentur des Regimes in Kabul, Bakhtar, berichtet, daß
eine 600 Mann starke Gruppe, unter
ihnen 200 bewaffnete Mujahedin, in
der Provinz Jowzjan den Aufruf zur
nationalen Aussöhnung begrüßten und
sich dort zur Zusammenarbeit mit den
Vertretungen des Regimes bereit erklärten.

21. Januar

kündet.
Die Anmestie soll auch Afghanen einschließen, die vor dem 15.
Januar in regierungsfeindliche Aktivitäten verwickelt waren und würde
auch bestimmte vom Regime inhaftierte
Gruppen von Gefangenen einbeziehen.

25. Januar
Nach
Informationen
westlicher
Diplomaten
fälscht
das
Regime
in
Kabul Berichte über
zurückkehrende
Mujahedin, die sich Beamten der Regierung als Reaktion auf deren Aufforderung zur nationalen Aussöhnung
ergeben haben sollen. Die Diplomaten
sprechen von verschiedenen Augenzeugenberichten, denen zufolge Angehörige der Dorfmiliz nach Kabul gebracht
wurden, um sich im staalichen Fernsehen "zu ergeben". Einem anderen Bericht zufolge handelte es sich bei
einer
Gruppe
von
im
regimetreuen
Fernsehen
gezeigten
"Bekehrten" um
genau dieselben Personen, die sich
bereits vor einigen Monaten ergeben
hatten.

Der Abteilungsleiter
für politische Angelegenheiten im US-Außenministerium, Michael Armacost, trifft
am 18. Januar in Pakistan ein, wo er
mit pakistanischen Politikern Gespräche über die Probleme Afghanistans
und die bilateralen Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und Pakistan führt. Ein Sprecher des pakistanischen Außenministeriums erklärt,
der Besuch bestätige die anhaltende
amerikanische Unterstützung der Bemühungen Pakistans, eine baldige Beilegung des Problems Afghanistan auf der
Basis vereinbarter Grundsätze zu erlangen.

Das Regime in Kabul behauptet,
Kontakt zu pakistanischen und iranischen Diplomaten in Kabul aufgenommen und deren Genehmigung für Charterflüge eingeholt zu haben, um rückkehrwillige Flüchtlinge nach Afghanistan
zurückzubringen.
Pakistan
vertritt jedoch die Auffassung, daß
sich
internationale
Organisationen
wie der Hohe Flüchtlingskommissar der
Vereinten Nationen um die Rückführung
etwaiger Flüchtlinge kümmert.

24. Januar

26. Januar

Auf einer außerordentlichen Sitzung des Präsidiums des DRA-Revolutionsrates wird als Bestandteil des
staatlichen Programms zur nationalen
Aussöhnung eine Generalamnestie ver-

Berichten der Nachrichtenagentur
Bakhtar zufolge behauptet das Regime
in Kabul, in Daulatabad in der Provinz Faryab hätte sich eine weitere
Gruppe von 186 bewaffneten Mujahedin

- 6

�ergeben. Insgesamt sollen sich damit
mehr als 4 000 bewaffnete Mujahedin
dem Regime zufolge seit dessen Aufruf
zu einer einseitigen Feuerpause ab
dem 15. Januar ergeben haben.

27. Januar
In der Provinz Parwan nehmen Mujahedin Berichten zufolge eine 14köpfige Delegation der Regierung gefangen, die sich dort zu einer Mission
der Versöhnung aufhält. Sie berichten, die Delegation des Komitees zur
Nationalen Aussöhnung sei von dem aus
der Region stammenden stellvertretenden
Minister
für
Fernmeldewesen,
Khalilullah Kohistani, angeführt gewesen. Wie verlautet, wurde die Delegation von einem lokalen Anführer
der Mujahedin, Farid, gefangengenommen.
Kohistani wird mit der Nachricht zurück nach Kabul gesandt, bis
die
Sowjets
Afghanistan
verlassen
hätten, könnten keine Vereinbarungen
mit dem Regime getroffen werden.

29. Januar
Ein hochrangiger Beamter des afghanischen Regimes in der Provinz
Kunduz wird von Mujahedin ermordet.
Abdul Ahad Arzbegi war ein Mitglied
des Vorstandes im Zentralrat der Nationalen Front des Regimes, Vorsitzender des Rates der Nationalen Front
für die Provinz Kunduz sowie Vorsitzender
des
Außerordentlichen
Ausschusses für die nationale Aussöhnung
in der Provinz Kunduz. Er wird bei
dem Versuch erschossen, mit den Mujahedin Bedingungen für eine nationale
Aussöhnung auszuhandeln.

30. Januar
Der

stellvertretende

UN-General-

sekretär Diego Cordovez verkündet in
seiner Eigenschaft als Hauptvermittler bei den unter der Schirmherrschaft der Vereinten Nationen stehenden Afghanistan-Gesprächen, die nächste Runde der Annäherungsgespräche in
Genf würde "im Interesse einer Verbesserung der Erfolgschancen" um zwei
Wochen verschoben - vom 11. auf den
25. Februar.

1. Februar
Eine Autobombe explodiert in der
Nähe eines Büros und Vernehmungszentrums des Ministeriums für Staatssicherheit
(KHAD) in Kabul.
Dabei
werden 28 Personen verletzt oder getötet.
Ferner entstehen Schäden an
der indischen Botschaft, einem großen
sowjetischen Militärhospital und den
etwa 30 Meter enfernten Residenzen
der indonesischen und amerikanischen
Geschäftsträger.
Im Umkreis von 500
Metern bersten die Fensterscheiben.
Dreizehn Personen werden, vermutlich auf der Straße, getötet und 15
weitere in der indischen Botschaft
verletzt.
Obwohl
der
afghanische
Staatschef Najibullah die Expiosion
als Werk der Mujahedin verurteilt,
die die engen Beziehungen des Regimes
zu Indien zerstören wollen, schließen
westliche Diplomaten die Möglichkeit
nicht aus, daß zunehmende Spannungen
innerhalb der Regierung für die Explosion verantwortlich sein könnten.
Andere Quellen behaupten, die Mujahedin hätten die Bombe in der Nähe
der indischen Botschaft gelegt, weil
sie keinen günstigeren Zugang zu den
Büros der afghanischen Geheimpolizei
(KHAD) hatten.
Zwei Bombenexplosionen unterbrechen die Gaszufuhr nach Quetta, der
Hauptstadt der Grenzprovinz Baluchi-

- 7 -

�stan im Südosten Afghanistans.
Die
Explosion zerstört eine 22 Kilometer
von der Stadt enfernte Rohrleitung.
Bei
einer
dritten
Bombenexplosion
werden Eisenbahnschienen im 80 Kilometer von Quetta gelegenen Qila Abdullah zerstört.
Pakistanische Behörden machen dem Regime in Kabul ergebene Saboteure für die Explosion
verantwortlich.

2. Februar
Mujahedin berichten, sie hätten
bei Kämpfen in der Provinz Paktia 100
Soldaten des Regimes getötet.
Vier
Panzer und mehrere gepanzerte Fahrzeuge werden beschädigt und eine erhebliche Menge Waffen erbeutet.
Mujahedin greifen den Flughafen
von Kandahar an und zerstören Berichten zufolge vier Militärhubschrauber.

3. Februar
Das
internationale Komitee des
Roten Kreuzes erhält zum ersten Mal
seit vier Jahren die Erlaubnis, nach
Afghanistan
zurückzukehren,
nachdem
Ende Januar eine Übereinkunft mit der
afghanischen Regierung erzielt worden
war. Die Einreise ist beschränkt auf
Besuche von Gefangenen; zunächst finden im Februar Besuche im Pul-i-Charki Gefängnis in Kabul statt. Ferner
wird mit dem afghanischen Roten Halbmond ein Abkommen zur Entwicklung
eines Programms
zur
orthopädischen
Versorgung für Kriegsversehrte unterzeichnet.

4. Februar
In Jalalabad explodiert eine Autobombe.
Westlichen Diplomaten zufolge berichten Augenzeugen, daß die
- 8

gegen
das
Rundfunk- und
Fernsehzentrum gerichtete Bombe mehr als 50
umliegende Geschäfte
und ein Kino
zerstörte und in einem weiten Umkreis
Fenster und Türen herausriß. Etwa 35
Personen werden dabei getötet und
mehr als 200 verletzt.

6. Februar
Im Kabuler Stadtteil Chehelsitoon
explodiert eine Bombe.
Dabei werden
drei Afghanen getötet sowie zwei militärische und ein ziviles Fahrzeug
zerstört.
Am 2. Februar wird eine
große Bombe im Shahr-e-Nau Park gefunden und entschärft; am 4. Februar
findet und entschärft man eine kleinere Bombe nahe der Residenz eines
Beamten der Vereinten Nationen im
Stadteil
Wazir
Akhbar
Khan.
Die
willkürliche
Plazierung der Bomben
sowie die Tatsache, daß damit keine
wichtigen
Einrichtungen des sowjetischen oder afghanischen Regimes getroffen wurden, veranlassen westliche
Diplomaten
zu der
Schlußfolgerung,
daß die Bombenserie möglicherwiese
das Ergebnis zunehmender Zersetzung
innerhalb des Regimes selbst sowie in
der Demokratischen Volkspartei Ai.ghanistans (PDPA) sei.
Zwei Bomben explodieren in zwei
Hotels in Quetta.
Dabei werden 28
Menschen verletzt, von denen einer
später seinen Verletzungen erliegt;
zehn weitere Personen befinden sich
in einem kritischen Zustand.

8. Februar
In einem belebten Bazar in Peshawar explodiert eine Paketbombe. Drei
Personen, darunter ein Polizeibeamter, werden getötet und 26 weitere
verletzt.
Nach
der
Explosion
im
Stadtteil Ghantaghar
Chawk
in der

�Altstadt bricht nach der
einer Gasleitung Feuer aus.

Explosion

9. Februar
Mujahedin schießen mit einer Rakete in der Region Khost ein militärisches Transportflugzeug ab. Berichten zufolge werden dabei 30 afghanische Soldaten getötet.
Das Regime
berichtet in allen Medien ausführlich
von dem Vorfall und behauptet, es habe sich um ein nicht-militärisches
Flugzeug mit Zivilisten an Bord gehandelt.

11. Februar
Soldaten des afghanischen Regimes
feuern im Bezirk Chaman in der pakistanischen
Provinz Baluchistan
150
Artillerie-Salven ab.
Dabei werden
drei Personen getötet und zwei weitere verletzt.

14. Februar
Zwei sowjetisch-afghanische Flugzeuge verletzen pakistanischen Luftraum und werfen sechs Bomben auf Dosh
im Bezirk Chitral ab. Dabei wird ein
Angehöriger der Grenzmannschaft getötet und sieben weitere, unter ihnen
zwei Zivilisten, verletzt.
Eine von Terroristen gelegte Bombe explodiert in einem Autobus in
Bannu, einer Provinz an der nordwestlichen Grenze Pakistans.
Ein Kind
wird getötet und sechs weitere Personen verletzt.

17. Februar

vor der gemeinsamen Afghanistan-Arbeitsgruppe im Kongreß, die jüngste
Friedensoffensive der Sowjetunion sei
ein "schwach verbrämter Täuschungsversuch", weil sie nicht auf das Problem eines baldigen Truppenabzugs aus
Afghanistan eingeht.

18. Februar
Der Abteilungsleiter
für politische Angelegenheiten im US-Außenministerium, Michael Armacost, erklärt bei einem von USIAs Worldnet
übertragenen interview mit europäischen Journalisten, nur ein schneller
Rückzug sowjetischer Truppen und die
Bildung einer für die afghanischen
Flüchtlinge
annehmbaren
Regierung
könne den Frieden in Afghanistan herbeiführen.

19. Februar
Vor einer Grundschule in der Nähe
von Peshawar in Pakistan explodiert
eine von Terroristen in einem Lastwagen gelegte Bombe. Dreizehn Personen
werden getötet und mehr als 50 verwundet. Die Opfer sind hauptsächlich
pakistanische Kinder.
Schüler eines
nahegelegenen
Gymnasiums
verwüsten
das Büro der Jamiat-e-lslami, einer
afghanischen
Widerstandsgruppe,
bei
deren Büro der Lkw abgestellt worden
war. Die Schüler rufen gegen die afghanischen Flüchtlinge gerichtete Parolen und stecken zwölf Fahrzeuge der
Gruppe in Brand.
Sie plündern ein
weiteres Jamiat-Büro, bevor sie von
den bedrängten afghanischen Flüchtlingen, die Warnschüsse in die Luft
feuern, zurückgetrieben werden.
Das
rechtzeitige Eintreffen der pakistanischen Polizei verhindert eine Eskalation der Situation.

Ein Beamter des US-Verteidigungsministeriums, Fred Ikle, berichtet
- 9 -

�21. Februar
In Peshawar in Pakistan werden
die Geschäfte geschlossen, als Schülergruppen gegen den Mord der bei dem
Bombenanschlag der Terroristen am 19.
Februar getöteten Schulkinder demonstrieren und auf die Straße gehen, um
die
Ausweisung
der
afghanischen
Flüchtlinge zu fordern. Die Zahl der
Toten bei dieser Explosion steigt auf
14.
70 weitere Personen, meist Kinder, befinden sich noch in stationärer Behandlung.
Der Zustand einiger
Kinder ist als ernst zu bezeichnen.
Obwohl die pakistanische Regierung den Familien der Opfer eine Entschädigung zusagt, ist die Stimmung
in der Stadt von Wut geprägt, und zu
ersten Mal in acht Jahren gibt es Zusammenstöße zwischen Pakistanis und
afghanischen
Flüchtlingen.
Zwei
Flüchtlinge werden bei einem Feuergefecht in der Nähe des Explosionsortes
verletzt.
Die Demonstranten fordern
die Rückkehr der Flüchtlinge und den
Rücktritt
der Provinzregierung, da
diese nicht imstande sei, Sicherheit
zu garantieren.
Alle Universitäten
und die ihnen angeschlossenen Fakultäten in peshawar sowie alle Bildungseinrichtungen
in
der
Region
Peshawar werden auf unbestimmte Zeit
geschlossen.

22. Februar
Das afghanische Regime und die
Sowjetunion
unterzeichnen
in Kabul
ein Abkommen über die Zusammenarbeit
bei
Bewässerungsprojekten
für
den
Zeitraum 1986 bis 1989. Die Sowjetunion wird bei der Errichtung eines
Staudamms am Fluß Kokcha, dem Bau eines Kanals und der Bohrung tiefer
Brunnen mitarbeiten.
Die

Sowjetunion

wird

ferner

die

Instandsetzung
des
Bewässerungssystems im Norden des Landes und den
Bau von Pumpstationen beim Fluß Kunduz unterstützen.

24. Februar
Berichten der Mujahedin zufolge
wurden in den vergangenen drei Wochen
insgesamt 20 Flugzeuge sowjetischer
Herkunft abgeschossen, während
die
Kampfhandlungen eskalierten, weil die
Mujahedin den von der Regierung einseitig
verhängten
Waffenstillstand,
der angeblich am 15. Januar in Kraft
getreten war, nicht eingehalten hatten.
Sie behaupten weiterhin, 1 400
sowjetisch-afghanische
Soldaten
in
diesem gleichen Zeitraum getötet oder
verletzt zu haben.

25. Februar
Bei einer Pressekonferenz unmittelbar vor Wiederaufnahme der Annäherungsgespräche
zwischen
Afghanistan
und Pakistan erklärt der Sonderbeauftragte des Generalsekretärs der Vereinten Nationen bei den Verhandlungen, Diego Cordovez, daß der Zeiuplan
für
den
Rückzug
der
sowjetischen
Truppen der einzige, noch anstehende
Themenkomplex sei.
Die Vereinten Nationen veröffentlichen ihren dritten Bericht über die
Menschenrechtssituation
in Afghanistan und kommen zu der Schlußfolgerung, daß nach dem Waffenstillstand
und dem im Januar von dem Regime in
Kabul
verkündeten
Amnestie-Programm
"keine
entscheidende
Änderung"
zu
verzeichnen ist.
Der 12 Seiten umfassende Bericht
wurde vom Sonderberichterstatter der
Kommission, Felix Ermacora, für die
Menschenrechtskommission der Verein-

- 10 -

�ten Nationen erstellt.
Dem Bericht
zufolge dauern die Kämpfe in den
Grenzgebieten an, und die Zahl der
nach Pakistan strömenden Flüchtlinge
nimmt ständig zu.
Das internationale Kommitee des
Roten Kreuzes
(ICRC) erklärt, daß
seine Vertreter vom 4. März an afghanische Gefängnisse besuchen werden.

26. Februar
Bei einem Bombenangriff sowjetisch-afghanischer Kampfflugzeuge auf
drei pakistanische Grenzdörfer in der
Nähe von Miranshah in der Provinz
Nord-Waziristan werden mindestens 58
Menschen getötet und 190 verletzt.
Dreißig Minuten lang bombardieren 16
Flugzeuge
in zwei Formationen das
Dorf Moza Qilli Ghulam Khan, als die
meisten der afghanischen Flüchtlinge
auf dem belebten Bazar einkaufen.

27. Februar
Mindestens 25 Menschen werden getötet oder verletzt, als sowjetischafghanische Flugzeuge Dörfer in der
Region
Parachinar
(Provinz Kurram)
bombardieren.
Die
Bomben
treffen
Menschen, die gerade nach dem Freitagmittagsgebet auseinandergehen sowie ein Krankenhaus für afghanische
Flüchtlinge.

3. März
Bei einem Bombenangriff von vier
sowjetisch-afghanischen
Flugzeugen
auf ein Flüchtlingslager in der Nähe
von Chitral in Nordwest-Pakistan sind
zwei Tote und fünf Schwerverletzte zu
beklagen.

4. März
In Quetta, Pakistan, wird durch
eine von Terroristen gelegte Bombe
eine Person getötet und drei weitere
verletzt.

9. März
Berichten der afghanisch-islamischen Nachrichtenagentur
zufolge
einer
für gewöhnlich
zuverlässigen
Quelle, die der Widerstandsbewegung
zugeneigt ist - haben die Mujahedin
im Januar und Februar insgesamt 130
sowjetisch-afghanische Flugzeuge und
Hubschrauber abgeschossen.
Wie verlautet, wurden davon 77 im Januar und
26 im Februar über dem Gebiet von Afganistan abgeschossen.
Die meisten
dieser Behauptungen können nicht belegt werden.
Den Agenturmeldungen zufolge wird
außerdem am 4. März in der Nähe des
sowjetisch-afghanischen
Luftwaffenstützpunktes in Bagram, westlich von
Kabul,
ein
viermotoriges
militärisches Transportflugzeug
von einer
Rakete der Mujahedin
abgeschossen.
In dem Flugzeug befinden sich L5 Angehörige des afghanischen und sowjetischen Militärs.
Der Strom afghanischer Flüchtlinge nach Pakistan hält weiterhin an
und beläuft sich auf ca. 8 000 pro
Monat, berichtet der Flüchtlingskommissar der nordwestlichen Grenzprovinz Pakistans in einer Fernsehansprache.
Die Mujahedin starten vom Gebiet
der Grenzstadt Emam Saheb in der Provinz Kunduz aus einen Raketenangriff
auf
sowjetisches Territorium.
Der
Angriff hat Vergeltungsmaßnahmen sowjetischer Truppen zur Folge, die direkt aus der zentralasiatischen Pro-

- 11 -

�vinz Tadzhikistan entsandt werden.

10. März
Der Sonderbeauftragte des Generalsekretärs der Vereinten Nationen
für die Annäherungsgespräche, Diego
Cordovez, berichtet Journalisten in
Genf, daß die letzte Runde der zweiwöchigen Gespräche im Hinblick auf
den
vorgeschlagenen
Zeitraum
des
Rückzugs eine "entscheidende Verringerung der Kluft" zwischen den beiden
Gesprächsteilnehmern
- Pakistan
und
Afghanistan
- erbrachte.
Er
führt
aus, daß der Zeitraum jetzt "weniger
als ein Jahr" beträgt.
Berichten zufolge werden mehr als
100 sowjetische und afghanische Soldaten getötet und zahlreiche Militärfahrzeuge zerstört, als die Mujahedin
eine sowjetisch-afghanische Offensive
in der Provinz Kandahar zurückschlagen.
Bei einer weiteren Operation in
der Provinz Herat töten die Mujahedin
angeblich 54 sowjetische und afghanische Soldaten und zerstören drei
Panzer.

Gründung einer mit Funkgeräten und
hochentwickelten Waffen ausgerüsteten
Sondereinheit zum Einsatz gegen Agenten der afghanischen
Geheimpolizei
(KHAD), die
in Pakistan Terroranschlägen mit Bomben verüben. Er berichtet von mehr als 150 Bombenexplosionen im Jahr 1986 zumeist in den
nördlichen
Gebieten Pakistans, vor
allem in Peshawar.
Die Mujahedin verüben einen Raketenanschlag
auf den Flughafen von
Kandahar, feuern aus kürzester Entfernung mehr als 100 Raketen ab und
bringen den sowjetischen Truppen, die
vor kurzem von ihren Stützpunkten in
Herat und Shindand zum Flughafen verlegt worden waren, schwere Verluste
bei. Diese sowjetischen Soldaten waren an Operationen im südlichen Teil
der Provinz an der pakistanischen
Grenze beteiligt.

13. März
Westliche Diplomaten bestätigen,
daß die Landwirtschafts- und Gesundheitsminister des Regimes in Kabul
entsprechend einem im vergangenen November
begonnenen
Entlassungssohema
auf Ministerebene ihres Amtes enthoben werden.

Raketen beschädigen drei Häuser
in der außerhalb von Peshawar an der
Straße nach Khyber gelegenen Gemeinde
Hayatabad.
Mindestens fünf Raketen,
die offensichtlich von den Bergen um
den Khyber Paß aus abgeschossen wurden, treffen die Gemeinde. Vor diesem Zwischenfall war die Gemeinde bereits zweimal Raketenangriffen ausgesetzt, dieses Mal verursachen die Raketen jedoch ernsthaften Schaden.

Nach Aussagen westlicher Diplomaten werden drei Hubschrauber von Mujahedin in der Provinz Nangarhar abgeschossen.
Unbestätigten Meldungen
zufolge greifen sie ebenfalls den
Flughafen von Jalalabad an.

12. März

18. März

Der
erklärt

pakistanische
Innenminister
der Nationalversammlung die

15. März

Medien des Regimes in Kabul berichten, daß die Sowjetunion und das

- 12 -

�Regime einen 21 Millionen Rubel Vertrag zur Erschließung des Yateem-Tao
Erdgasfeldes
unterzeichnet
haben.
Die Erschließungsarbeiten sollen im
Juni aufgenommen werden und binnen 14
Monaten abgeschlossen sein.
Die Sowjets steuern 15 Millionen Rubel bei,
der restliche Betrag wird aus dem
Haushalt des Regimes finanziert.

20. März
Bei einer im Weißen Haus abgehaltenen besonderen Feierstunde aus Anlaß des Afghanistan-Gedenktages erklärt Präsident Reagan: "Ein Waffenstillstand, der nicht mit dem Abzug
der sowjetischen Truppen einhergeht,
ist bedeutungslos". Er verweist ferner darauf, daß die weitere Unterstützung
der
afghanischen
Widerstandsbewegung durch die internationale Gemeinschaft von entscheidender
Bedeutung ist, da deren Erfolge die
Sowjets bereits veranlaßt haben, offensichtliches Interesse an einer politischen Lösung zu zeigen.
Charles Dunbar, der Sonderberater
für Afghanistan im US-Außenministerium, erklärt bei einer Pressekonferenz
im Foreign
Press Center
in
Washington, D.C. , daß sich der Krieg
in Afghanistan zu einer nationalen
Bewegung entwickelt hat, die von einer neuen Generation von Intellektuellen und politisch bewußten Führungskräften angeführt wird.

23. März
10 bis 12 sowjetisch-afghanische
Kampfflugzeuge verletzen den pakistanischen Luftraum
über der Provinz
Kurram und bombardieren Teri Mangal.
Bei diesem Zwischenfall werden mindestens 51 Menschen getötet und mehr
als 100 verletzt.
Ungefähr 60 Ge-

schäfte, einige Häuser und eine Schule werden beschädigt.
Sechs
sowjetisch-afghanische
Kampfflugzeuge verletzen den pakistanischen Luftraum
über der Provinz
Waziristan, und bei einem Bombenangriff auf Angur werden 22 Tote und 26
Verletzte gezählt.
Unter den Toten
sind elf Pakistani.
Am darauffolgenden Tag, dem 24.
März, verurteilt
der Sprecher des
Außenministeriums Charles Redman die
Angriffe und bezeichnet sie als "brutale Versuche, einen Wandel in der
Afhanistan-Politik Pakistans zu erzwingen" .

25. März
80 Menschen, die meisten von ihnen afghanische Mujahedin, finden bei
einem
Bombenanschlag
sowjetisch-afghanischer Kampfflugzeuge auf Dörfer
in der Region Rabat an der gemeinsamen Grenze von Iran, Pakistan und Afghanistan den Tod, und mehr als 60
Personen werden verletzt.
Die der
Widerstandsbewegung zugeneigte afghanische islamische Presse berichtet,
daß 12 Düsenjäger Bomben über dem Gebiet abgeworfen haben, die auf das
Territorium aller drei Länder fielen.
Iranische Truppen nehmen die Flugzeuge unter Beschuß, ohne sie jedoch zu
treffen.
Das vorwiegend von Mujahedin und Flüchtlingen bewohnte Rabat
wird als einer der wichtigsten Luftkorridore von Afghanistan nach Iran
und Pakistan angesehen.

26. März
Der stellvertretende Generalsekretär und offizielle Beauftragte der
Vereinten Nationen für die Durchführung der Annäherungsgespräche, Diego

- 13 -

�Cordovez, betont während einer Pressekonferenz in New York, daß die in
Genf abgehaltenen Gespräche nur bestimmte, zu einer Aussöhnung führende
Voraussetzungen schaffen können und,
daß alle Afghanen mit dem Entwurf einer "Pax Afghana" für eine innenpolitische Lösung beginnen müssen.
Sowjetisch-afghanische Kampfflugzeuge bombardieren Kotri in der Nähe
von Teri Mangal in der pakistanischen
Provinz Kurram, wobei fünf afghanische Flüchtlinge getötet und acht
verletzt werden

27. März
Richard Murphy, Staatssekretär im
US-AuBenministerium
für Nahost und
Südasiatische Angelegenheiten erklärt
in einem Worldnet-Interview mit europäischen Journalisten, daß die Gefahr
einer Ausweitung des Krieges in Afghanistan besteht und daß dieser zu
einer
direkten Bedrohung
Pakistans
werden könnte. •

31. März
Westliche
Diplomaten
berichten,
daß die Mujahedin in den vorausgegangenen zehn Tagen 14 sowjetisch-afghanische Kampfflugzeuge sowie am 23.
März in der Nähe von Khost in der
Provinz Paktia drei, und in der Nähe
von Kandahar vier Hubschrauber abgeschossen haben.

2. April
Ein sowjetisch-afghanischer Hubschrauber wird abgeschossen, und in
Kandahar werden 14 Soldaten und ein
Offizier des afghanischen Regimes getötet. Berichten zufolge kam es zum
Ausbruch der Kampfhandlungen, als die
Ortsbewohner sich weigerten, von den
Sowjets zur Verfügung gestellte Nahrungsmittel und andere Hilfsgüter anzunehmen.

7. April
30. März
Zwei F-16 Flugzeuge der pakistanischen Luftwaffe schießen ein afghanisches Aufklärungsflugzeug ab, das
zusammen mit anderen Flugzeugen den
pakistanischen Luftraum bis in eine
Tiefe von 10 Meilen verletzt hat. Es
wird beobachtet, wie das sowjetischafghanische Flugzeug an einem Berg im
Norden von Parachinar im Zentrum der
Provinz Kurram zerschellt.
Später behauptet das Regime in
Kabul, daß es sich um ein ziviles
AN-26 Flugzeug mit 40 Passagieren an
Bord auf dem Flug von Kabul nach
Khost handelte, aber Pakistan besteht
darauf, daß das Flugzeug eine militärische Kennung hatte.

Ein mit 70 Mann besetzter sowjetischer Posten wird in der Näh~ von
Khinjan an der Autostraße im Norden
des Salang Tunnels von einer gewaltigen Lawine verschüttet. Nach Aussagen westlicher Diplomaten wird die
gesamte
sowjetische
Besetzung
des
Stützpunktes getötet und sowjetische
Streitkräfte müssen
zum Freiräumen
der
von
Schneemassen
blockierten
Straße Artillerie einsetzen.

8. April
Mujahedin
greifen mit Brandanschlägen die Stadt Pyandzh im sowjetischen Tadzhikistan an, wobei den
sowjetischen Medien zufolge zahlreiche sowjetische Bürger den Tod finden

- 14 -

�oder verletzt werden.
Der Angriff
wird
angeblich
vom KGB-Grenzschutz
zurückgeschlagen.
In Logar wird eine im Hinterhalt
liegende Mujahedin-Truppe von sowjetisch-afghanischen
Einheiten
angegriffen. Während der darauf folgenden heftigen Kämpfe werden angeblich
50 bis 60 sowjetische und afghanische
Soldaten getötet und vier gepanzerte
Fahrzeuge
zerstört.
Die Mujahedin
verlieren 17 Mann.

9. April
Bei einem terroristischen Bombenanschlag auf den Kashmiri Bazar in
Rawalpindi in Pakistan finden acht
Menschen den Tod, und nahezu 40 werden verletzt, sechs von ihnen schwer.
Die Bombe war angeblich von Agenten
des Regimes in Kabul gelegt worden.

12. April
Vier
sowjetisch-afghanische
Düsenjäger verletzen den pakistanischen
Luftraum und bombardieren den Westen
der Provinz Bajaur.
Sie kehren um,
als zwei pakistanische F-16 auftauchen.
Die
afghanische
Artillerie
nimmt ferner ein Dorf dieser Provinz
mit Granatfeuer unter Beschuß, wobei
eine Person getötet und eine weitere
verletzt wird.

15. April
Die Medien in Kabul beschuldigen
die Mujahedin, 13 Raketen auf Gardez,
die Provinzhauptstadt von Paktia, abgeschossen zu haben.
Die Mujahedin
behaupten, mehr als 50 Soldatn des
afghanischen Regimes in der Umgebung
dieses Gebietes getötet zu haben.

19. April
In einer Ansprache vor Investoren
der Privatwirtschaft in Kabul betont
Staatschef Najibullah, daß er eine
Isolierung
der
afghanischen
Wirtschaft von den internationalen Handels- und
Kapitalmärkten
bedauern
würde. Er erklärt, auch er wolle vom
gesamten Nutzen der "internationalen
Arbeitsteilung" profitieren und hoffe, ausländische
Investitionen
ins
Land bringen zu können.
Er betont,
daß das außerordentliche Plenum des
PDPA-Zentralausschuses
besonderen
Wert auf die politische Bedeutung der
wirtschaftlichen Aspekte der nationalen Aussöhnung legt.

21. April
Bakhtar, die
Nachrichtenagentur
des Regimes in Kabul, berichtet von
der Aufdeckung einer Verschwörung zur
Ermordung von Najibullah, an der sowohl der pakistanische Geheimdienst
als auch "Feinde des nationalen Aussöhnungsprozesses in Afghanistan" beteiligt
sind.
Spekulationen westlicher Diplomaten zufolge könn en an
der angeblichen Verschwörung Anhänger
der Demokratischen Volkspartei Afghanistans (PDPA) oder des Regimes beteiligt gewesen sein, die gegen Najibullah und sein nationales Aussöhnungsprogramm sind.
Seit der Aufdeckung der Verschwörung trat Najibullah zweimal, von acht sowjetischen
Sicherheitskräften
umringt, in der
Öffentlichkeit auf.

22. April
Der Vorsitzende des Staatskommitees für Auswärtige Beziehungen der
UdSSR, K. F. Katuschew, beendet einen
offiziellen Besuch in Afghanistan.

- 15 -

�Während
seines Aufenthaltes unterzeichnet er ein Protokoll über afghanisch-sowjetische Zusammenarbeit bei
verschiedenen Projekten.
Technische
und
wirtschaftliche
Durchführbarkeitsstudien werden für 171 der von
Afghanistan vorgeschlagenen Projekte
erstellt werden, dazu zählen 38 Projekte im privaten und gemischtwirtschaftlichen Bereich sowie 12 gemeinsame afghanisch-sowjetische Projekte
für den Privatsektor.
Die pakistanische Polizei berichtet, daß sie in einem Dorf in der Nähe von Peshawar drei KHAD-Agenten ergriffen und verhaftet sowie fünf andere Verdächtige zur weiteren Ermittlung
in Gewahrsam genommen haben.
Die Polizei kann eine als Spielzeug
getarnte
Streubombe
sicherstellen.
Die Agenten geben zu, daß die Bombe
aus Afghanistan stammt und an einem
dicht
bevölkerten
Platz
deponiert
werden sollte. Die Verhafteten sagen
aus, ihnen seien hohe Belohnungen
versprochen worden, wenn durch die
Bombenexplosion so viele Menschen wie
möglich umkommen würden.

24. April
Mujahedin berichten, daß sie vom
14. bis 25. April 14 sowjetisch-afghanische Militärflugzeuge abgeschossen haben.
Westliche Diplomaten stellen anhaltende Vergeltungsschläge
in der
nördlichen Provinz Kunduz fest - vor
allem im Gebiet von Emam Sahib, wo
die sowjetische Artillerie vorsätzlich Dörfer zerstört - und schlagen
vor, daß die Bevölkerung aus dem an
die Sowjetrepublik Tadzhikistan angrenzenden
Gebiet evakuiert werden
sollte, wo die Mujahedin vor kurzem
erfolgreiche
Überfälle
durchgeführt
hat.

27. April
Das Regime in Kabul feiert den
neunten Jahrestag der kommunistischen
Machtübernahme in Afghanistan wie gewöhnlich
mit
Militärparaden
und
scharfen
SicherheitsVorkehrungen.
Die diesjährigen Gedenkfeier der Säur
Revolution steht im Zeichen von Najibullahs
nationalem
Aussöhnungsprogramm.
Es herrscht Unklarheit über die
Zahl der Flüchtlinge, die dem Aufruf
des Regimes zur nationalen Aussöhnung
Folge geleistet haben und nach Afghanistan
zurückgekehrt
sind.
Der
Außenminister
des
Regimes,
Abdul
Wakil, erklärt im Verlauf der Jubiläumsfeier, "nahezu 35 000" seien zurückgekehrt.
Im Gegensatz dazu berichtet die Kabul New Times in ihrer
Sonderbeilage zur Säur Revolution vom
26. April, "44 000 Flüchtlinge" seien
in ihre Heimat zurückgekommen, wohingegen in der Ausgabe vom 16. April
von "mehr als 52 000" Heimkehrern die
Rede war.
In einer Ansprache verkündet Najibullah, in 1 681 Dörfern seien nationale Aussöhnungskomitees gegründet
worden.
Die offiziellen, jährlich
vom Regime veröffentlichten Statistiken führen insgesamt 31 413 Dörfer in
Afghanistan mit dem Hinweis auf, daß
davon bisher erst 6 Prozent über solche Komitees verfügen.
Auf Einladung des Regimes besichtigen 25 in Moskau und drei in Neu
Dehli akkredidierte westliche Journalisten die Grenzstadt Khost, in der
schwere Kämpfe stattgefunden hatten.
Die offiziellen Vertreter des Regimes
zeigen ihnen das Wrack eines Transportflugzeuges, das ihren Aussagen
zufolge Zivilpersonen an Bord hatte,

- 16 -

�als es von einer STINGER-Rakete der
Mujahedin
abgeschossen wurde.
Die
Journalisten können deutlich die militärische Kennung auf dem Flugzeug
ausmachen.

28. April
Burhanuddin Rabbani, Anführer der
Jamiat-e-Islami
WiderStandsgruppe,
die der Sieben-Parteien-Allianz angehört, erklärt den in einer Moschee in
Peshawar versammelten Gläubigen, daß
die Sowjetunion das Thema von Ex-König Zahir erneuter Machtübernahme absichtlich zur Sprache gebracht habe,
um in den Reihen der afghanischen Mujahedin Zwietracht zu sähen.

29. April
Pakistan
berichtet vom Abschuß
eines pakistanischen Flugzeugs auf
Patrouillenflug
entlang der Grenze
durch eindringende sowjetisch-afghanische Düsenjäger.
Der Pilot kann
sich jedoch mit dem Schleudersitz in
der Nähe von Miranshah in der Provinz
Nord-Waziristan retten.

4. Mai
Der indische Minister für Auswärtige
Angelegenheiten,
Narain
Dutt
Tiwari, erklärt anläßlich eines offiziellen Besuches in Kabul, daß sein
Land eine vertraglich ausgehandelte
politische Beilegung des AfghanistanProblems fordert, damit dauerhafter
Frieden in Asien geschaffen werden
kann. Er führt aus, daß es keine militärische Lösung für dieses Problem
geben kann und verleiht seiner Hoffnung Ausdruck, daß die Initiative der
Vereinten Nationen in den kommenden
Monaten weitere Fortschritte machen
werde.

Unbestätigten diplomatischen Berichten zufolge gibt der Außenminister des Regimes, Abdul Wakil, seinem indischen Amtskollegen gegenüber
zu, daß seit der Erklärung des einseitigen Waffenstillstands durch das
Regime, der mit Datum vom 15. Januar
für sechs Monate in Kraft ist, vermehrte Aktivitäten der Mujahedin zu
beobachten sind.
Der Minister räumt
ein, daß die Mujahedin einen Großteil
des Landes kontrollieren, droht jedoch mit "massiven" Vergeltungsschlägen, falls dies bei Beendigung des
sogenannten Waffenstillstands am 15.
Juli immer noch der Fall sei.
Den Berichten zufolge gelingt es
Wakil ferner nicht, Tiwari zur Zustimmung zu einer Mittlerrolle zwischen dem Regime und Ex-König Zahir
Shah zu gewinnen, der sich im Exil in
Rom befindet.
Der
abgesetzte
afghanische
Staatschef Babrak Karmal begibt sich
auf Einladung der sowjetischen Regierung und auf Anraten seiner Arzte zur
medizinischen Behandlung und Erholung
nach Moskau.
Während des Frühgebets explodiert
in einer Moschee in der Stadt Miranshah in der pakistanischen Provinz
Nord-Waziristan eine Bombe, der sieben Tote und elf Verwundete zum Opfer
fallen.
Eine weitere Bombe explodiert im Büro des Verwalters der afghanischen Flüchtlinge; es wird jedoch niemand verletzt.
Eine dritte
Bombe kommt in einem nahegelegenen
Park
zur Explosion.
Dabei werden
zwei Menschen verletzt.
Mehr als ein Dutzend sowjetischafghanischer
Kampfflugzeuge
werfen
Bomben über drei pakistanischen Dörfern in der Provinz Nord-Waziristan
ab, in denen sich zahlreiche afgha-

- 17 -

�nische
Flüchtlingslager
befinden.
Die Bomben
zerstören acht Häuser,
auch das Haus des Flüchtlingsvertreters am Ort. Zwei pakistanische Kinder sterben, und sieben weitere werden ernsthaft verwundet.

8. Mai
Zalmay Khalilzad, ein Mitglied
des
politischen
Planungsrates
des
Außenministeriums für dieses Gebiet,
erklärt, daß die Vereinigten Staaten
Afghanistan bei der Behandlung anderer Ost-West Themen mit der Sowjetunion nicht aufgeben werden. Er betont, daß Afghanistan das bedeutendste der regionalen Probleme zwischen
den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion darstellt und eine Lösung
dieses Problems entscheidend zu einer
Verbesserung der Beziehungen zwischen
den
beiden
Supermächten
beitragen
würde.
Seine Ausführungen macht er
anläßlich eines von der "Stimme Amerikas"
und
der
Universität
von
Pennsylvania veranstalteten eintägigen
Afghanistan-Seminars
in
Washington, D.C.
Berichten
westlicher
Diplomaten
zufolge
demonstrieren
studentische
Anhänger
des
entmachteten
afghanischen Staatschefs Babrak Karmal der angeblich am 4. Mai nach Moskau
"ins Exil geschickt" wurde - vor dem
Innenministerium, bis sie von der Obrigkeit gewaltsam auseinandergetrieben werden. Ferner werden drei Bomben, die im Kabuler Stadtteil Microrayon
explodieren,
Karmal-Anhängern
zugeschrieben.
Andere Berichte deuten an, daß einige der Karmal-Anhänger verhaftet worden sein könnten.

9. Mai
Die

Kabul

New

Times

daß eine Delegation von Vertretern
der Parteien und des Staates aus
Balkh, Jauzjan und Samangan im Rahmen
der wachsenden wirtschaftlichen Verpflichtungen zwischen den nordafghanischen Provinzen und den angrenzenden
sowjetischen
zentralasiatischen
Republiken zu Gesprächen mit den Regionalbehörden von Surkhandarinskaya
Oblast, Samarkand, Tashkent und Ferghana in die Sowjetrepublik Uzbekistan
gereist ist.
Entsprechende Delegationen waren am 26. April von Uzbekistan nach Afghanistan gereist.

11. Mai
Dreiundsechzig Soldaten des afghanischen Regimes, die sich angeblich gegen ihre Offiziere auflehnten
und diese in ihren Kasernen ermordeten, entkamen nach Miranshah in der
Provinz Nord-Waziristan.

14. Mai
Vier Menschen finden bei der Explosion einer Paketbombe in einem Bus
im Busbahnhof in Peshawar den Tod,
und 32 weitere werden verletzt. Der
Bus fängt Feuer und brennt vollständig aus. Einige in der Nähe befindliche Busse werden beschädigt.
Der
Bombenanschlag
wird Saboteuren des
Regimes in Kabul zugeschrieben.

15. Mai
Die Mujahedin behaupten, in den
vorangegangenen 10 Tagen drei Hubschrauber über dem Gebiet von Kabul
abgeschossen
und damit die sowjetisch-afghanischen
Militärflugzeuge
zu verstärkten Nachtflügen veranlaßt
zu haben.

berichtet,
- 18 -

�16. Mai
Während der Kämpfe im Gebiet von
Charikar in der Provinz Parwan in den
vergangenen drei Tagen wird der strategisch wichtige Salang-Tunnel auf
der Hauptstraße zwischen Kabul und
der Sowjetunion für zwei Tage geschlossen.

21. Mai
Ein Beamter des US-Außenministeriums erklärt die Sowjetunion wegen
ihren Versuchen, in Kabul ein Vasallenregime zu gründen, zum Verursacher
der Menschenrechtsverletzungen in Afghanistan.
James Montgomery, stellvertretender Staatssekretär für Menschenrechte und humanitäre Angelegenheiten bezeugt bei der Anhörung des
Kongresses die Mißachtung der Menschenrechte in Afghanistan.
Seinen Aussagen nach können zunehmende Repressalien gegen Zivilisten beobachtet werden, einschließlich der "taktischen und strategischen Evakuierung von Gebieten" wie
zum Beispiel in den Provinzen NordKunduz und Takhar und "Vergeltungmaßnahmen sicherheitshalber" wie in den
Dörfern nördlich von Kabul und andernorts.
Montgomery erwähnt die Anwendung
"blinder Gewalt" entlang der Straßen,
die nicht nur die Zerstörung von
Wohnhäusern sondern sogar von Obstgärten und Weinbergen zum Ziel hat.
Laut Montgomery werden unbestätigten
Meldungen zufolge im Gebiet von Herat
chemische Waffen eingesetzt.
Der
Regierungsvertreter
beendet
seine Ausführungen mit der Schlußfolgerung, daß die einzige Lösung des
Menschenrechtsproblems im Rückzug der
Sowjets aus Afghanistan liegt.
- 19 -

�THEMENINDEX AMERIKA DIENST (1. Halbjahr 1987)
Nachstehend eine Liste der Themen, die im Amerika Dienst (1. Halbjahr 1987) erschienen sind. Sie gibt einen Überblick über die wichtigsten Themenkreise. Angegeben ist jeweils die Nummer der Ausgabe, in
der das betreffende Thema behandelt wird.

THEMENKREIS

NUMMERN DER AUSGABEN

Afghanistan

1

Mittelamerika

7, 17

Südafrika

8

Martin Luther King

2

Vereinigte Staaten
Haushalt 1987/88
Botschaft zur Lage der Nation
Reagans Jahreswirtschaftsbericht
Iran/Geiseln - Waffenaustausch
Tower-Kommission
45. Jahrestag "Stimme Amerikas"
Marshall-Plan
Nominierungen

2
4
5
9, 11
9
9
21, 22
10, 21

Ost-West-Beziehungen
und
Rüstungspolitische Themen
Abrüstung/Rüstungskontrolle

3, 5, 10, 11, 13, 15, 16, 17,
18, 20, 22
5, 6, 7, 8
14
16
11
11, 23
9, 12, 15, 18
10, 13, 19
18
23

Strategie zur Nat. Sicherheit
Spionage Moskauer Botschaft
Null-Lösung
SDI
NATO
INF
ABM
START
Reagan-Besuch in Bonn
- 1 -

�Internationale Probleme
Wirtschaft
Wirtschaftsgipfel Venedig
Sonderausgaben
Terrorismus
Kommunismus
Drogen
Menschenrechtsverletzungen
Tschernobyl
Persischer Golf

10, 14, 15, 16, 17, 18, 22
22, 23
21. Mai u. 1. Juni 1987
4,, 22
2
8, 9, 20, 21
10
17
21, 22

Wissenschaft und Technik
Rauchen
NASA
Weltraum allgemein
Forschung
AIDS
Krebs

2, 4, 15, 22
5, 21
3, 7, 23
12, 13, 16, 21
11, 14

- 2 -

�Reden und Erklärungen des amerikanischen Botschafters
Richard R. Burt
18. Januar 1987
Die Vereinigten Staaten und die Bundesrepublik Deutschland:
Moderne Gesellschaftssysteme und ihre Herausforderungen
(Tönnissteiner Kreis)

11. Februar 1987
Die amerikanisch-europäischen Wirtschaftsbeziehungen:
Mythen und Verpflichtungen
(Industrie-Club, Düsseldorf)

1. A p r i l 1987
Die wiedergeborene Null-Lösung
( A r t i k e l für New York Times, 18. März 1987)

8. April 1987
Warum amerikanische Truppen in Europa bleiben sollen
AD Nr. 13 - 8. April 1987

15. April 1987
Glasnost und der Konsens im Westen
- Ansprache in Berlin -

5. Mai 1987
Burt: Deutsch-amerikanische Zusammenarbeit Schlüssel zur
Rüstungskontrolle
- Rede in Ansbach -

20. Mai 1987
Glasnost und das Bündnis
- Rede vor der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik -

25. Juni 1987
Der Marshall-Plan: Politik der Vision
- Rede aus Anlaß des 40. Jahrestages der Verkündung des
Marshall-Plans in Berlin -

- 3 -

�Sonderdienste

März 1987
Die sowjetische Militärmacht 1987
(Sechste Dokumentation des US-Verteidigungsministeriums)

Juni 1987
Berliner Mauer niederreißen für die Sache des Friedens
- Ansprache Präsident Reagans vor dem Brandenburger Tor

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                <text>&lt;strong&gt;1. Wirtschaft&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Reagan fordert Abschaffung von Handelsschranken in der Landwirtschaft&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärung zur Reform des Handels mit Agrarprodukten -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Chronologie der Ereignisse&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Dezember 1986 bis Mai 1987 -&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST&#13;
^7&#13;
&#13;
C*&#13;
&#13;
24&#13;
&#13;
1 . J u l i 1987&#13;
&#13;
I N H A L T&#13;
&#13;
INFORMATION&#13;
&#13;
zum Tode von Arthur F, Burns&#13;
- Botschafter Burt würdigt seinen Vorgänger im Amt -&#13;
&#13;
DOKUMENTATION&#13;
&#13;
Amerikaner gedenken des höchsten Gutes der Freiheit&#13;
- Ansprache Präsident Reagans zum Unabhängigkeitstag Strafverfahren gegen Hamadei wird tatkräftig betrieben&#13;
- Pressekonferenz von Justizminister Meese in Hamburg -&#13;
&#13;
HINTERGRUNDMATERIAL&#13;
&#13;
Neuester Stand der amerikanischen Rflstungskontrollinitiativen&#13;
- Sonderveröffentlichung des US-Aussenministeriums -&#13;
&#13;
WISSENSCHAFT UND TECHNIK&#13;
&#13;
Neue Normen fOr Pestizidanwendung gesucht&#13;
- Es geht um Verringerung des Krebsrisikofaktors -&#13;
&#13;
* * * * *&#13;
&#13;
United States Information Service&#13;
Embassy of the United States of America&#13;
&#13;
Postfach 20 03 00&#13;
D 5300 Bonn 2&#13;
&#13;
Tel.: 0228-339 2035&#13;
Telex: 8-85432&#13;
&#13;
�AMERIKA DIENST&#13;
'VON&#13;
&#13;
Information&#13;
&#13;
4&#13;
&#13;
24&#13;
&#13;
1. Juli 1987&#13;
&#13;
ZUM TODE VON ARTHUR F. BURNS&#13;
- Botschafter Burt würdigt seinen Vorgänger im Amt -&#13;
&#13;
BONN - (AD) - Aus Anlaß des Todes von Arthur F. Burns am 26. Juni 1987,&#13;
dem ehemaligen Botschafter der Vereinigten Staaten in der Bundesrepublik&#13;
Deutschland, veröffentlichen wir im folgenden den Nachruf von Botschafter Burt.&#13;
&#13;
Gemeinsam mit Millionen Deutschen&#13;
und Amerikanern trauere ich um Arthur&#13;
F. Burns, den außergewöhnlichen Botschafter&#13;
in&#13;
der&#13;
Bundesrepublik&#13;
Deutschland&#13;
und großen Staatsmann.&#13;
Er war ein persönlicher Freund und&#13;
Mentor.&#13;
Als&#13;
kluger&#13;
Ratgeber&#13;
war&#13;
mir&#13;
Arthur Burns während meiner Dienstzeit als Unterstaatssekretär für Europäische&#13;
Angelegenheiten&#13;
in&#13;
Washington in hohem Maße behilflich.&#13;
Als ich zum Botschafter der Vereinigten Staaten in der Bundesrepublik er-&#13;
&#13;
United States Information Service&#13;
Embassy of the United States of America&#13;
&#13;
nannt wurde, habe ich ihn viele Male&#13;
um Rat ersucht.&#13;
Arthur Burns war in allem, was er&#13;
während seines langen und erfüllten&#13;
Lebens vollbrachte, stets ein herausragendes Vorbild. Am 27. April 1904&#13;
in Stanislau im damaligen Kaiserreich&#13;
Österreich-Ungarn geboren, emigrierte&#13;
er im Mai 1914 mit seinen Eltern in&#13;
die Vereinigten Staaten.&#13;
Er begann&#13;
bereits im Alter von zehn Jahren zu&#13;
arbeiten und im Verlauf seines Lebens&#13;
wurde er ein überragender Gelehrter,&#13;
Wirtschaftswissenschaftler, Präsiden-&#13;
&#13;
Postfach 20 03 00&#13;
D 5300 Bonn 2&#13;
&#13;
Tel.: 0228-339 2035&#13;
Telex: 8-85432&#13;
&#13;
�tenberater und Diplomat.&#13;
Kurz bevor er im Jahr 1985 seinen&#13;
Abschied von Bonn nahm, wurde Botschafter Burns in einem interview gefragt, ob er vorhabe, sich in den&#13;
Ruhestand zurückzuziehen. Er antwortete, daß er sich niemals zur Ruhe&#13;
setzen würde, daß er seit seinem&#13;
zehnten Lebensjahr&#13;
gearbeitet habe&#13;
und daß er sicherlich "mitten in der&#13;
Arbeit aus dem Leben gerissen" werde.&#13;
In der Tat sagte er häufig, daß seine&#13;
Arbeit ihm Kraft verleihe. Nicht zuletzt gelang ihm dies dank Helen&#13;
Burns Unterstützung und Ermutigung.&#13;
3ie war der wichtigste Mensch in seinem Leben.&#13;
Arthur Burns liebte die Deutschen&#13;
und ihr Land und er war ein großer&#13;
Bewunderer&#13;
ihres&#13;
Charakters,&#13;
der&#13;
Strebsamkeit&#13;
und des unermüdlichen&#13;
Fleißes der Deutschen. Und sie verehrten ihn.&#13;
Während&#13;
seiner Jahre als Botschafter in Bonn hat Arthur Burns&#13;
sich viele Male zu bedeutenden bilateralen und internationalen Themenkomplexen geäußert.&#13;
In einer Rede&#13;
vor der Gesellschaft für Auslandskunde in München im November 1983 sprach&#13;
Botschafter&#13;
Burns&#13;
einmal&#13;
von&#13;
den&#13;
"Herausforderungen der Demokratie in&#13;
Deutschland und Amerika".&#13;
&#13;
"die Bundesrepublik&#13;
Deutschland&#13;
in&#13;
den vergangenen 35 Jahren bewiesen&#13;
hat, daß ihre Bürger eine Gesellschaft zu würdigen wissen, die sich&#13;
fest auf das Prinzip der Demokratie&#13;
gründet". Er rief die Menschen ebenfalls dazu auf, die starke deutschamerikanische Partnerschaft zu pflegen. Er erklärte: "Ich betrachte sie&#13;
als entscheidend für das überleben&#13;
unserer jeweiligen Gesellschaften&#13;
für unser Leben als freie Menschen".&#13;
Diese weisen Worte sind ein bedeutendes Vermächtnis, das wir alle&#13;
im Gedächtnis bewahren sollten.&#13;
Er war ein enger Freund und Lehrmeister und Gahl und ich sind über&#13;
sein Dahinscheiden von tiefer Trauer&#13;
erfüllt. In dieser Zeit des schmerzlichen Verlustes möchten wir Helen&#13;
Burns&#13;
unser&#13;
aufrichtiges&#13;
Beileid&#13;
übermitteln. Wir alle haben den Verlust&#13;
eines&#13;
großen&#13;
amerikanischen&#13;
Staatsmannes und wahren Freundes der&#13;
Deutschen und ihres Landes zu beklagen.&#13;
&#13;
Er erklärte, daß "jede Generation&#13;
sich den Themen und Problemen, mit&#13;
denen sie sich in ihrer Zeit konfrontiert sieht, stellen muß... Eine der&#13;
Lektionen, die uns die Geschichte&#13;
lehrt, ist, daß in einer reifen Demokratie Extremismus dahin tendiert,&#13;
die Menschen abzustoßen". Er forderte die jungen Menschen in Amerika und&#13;
Deutschland&#13;
auf, den&#13;
Lehren, die&#13;
durch die Geschichte vermittelt werden können, mehr Aufmerksamkeit zu&#13;
widmen.&#13;
Und er verwies darauf, daß&#13;
- 2 -&#13;
&#13;
* * * * * *&#13;
&#13;
�AMERIKA DIENST&#13;
Dokumentation&#13;
1. Juli 1987&#13;
&#13;
24&#13;
&#13;
AMERIKANER GEDENKEN DES HÖCHSTEN GUTES DER FREIHEIT&#13;
Ansprache Präsident Reagans zum Unabhängigkeitstag •&#13;
&#13;
WASHINGTON - (AD) - Präsident Reagan erklärte, daß die Amerikaner am 4.&#13;
Juli "des höchsten Gutes der Freiheit gedenken werden - ein Gut, das unsere&#13;
Mitbürger stets verfochten und verteidigt haben.&#13;
"Dieses&#13;
Gut der Freiheit&#13;
ist eindrucksvoll&#13;
und weise&#13;
durch die&#13;
Unabhängigkeitserklärung und die Verfassung belegt, deren 200jähriges Bestehen&#13;
wir in diesem Jahr begehen" erläuterte der Präsident in seiner jährlichen&#13;
Ansprache zum Unabhängigkeitstag.&#13;
Nachfolgend drucken wir die am 29. Juni vom Weißen Haus veröffentlichte&#13;
Rede Präsident Reagans im Wortlaut:&#13;
&#13;
An diesem 4. Juli werden die Amerikaner wie in den vergangenen Jahren&#13;
die Unabhängigkeitserklärung und den&#13;
211. Jahrestag der Gründung unserer&#13;
Nation feiern. Aus diesem Anlaß werden Paraden im Stadtzentrum, Feiern&#13;
in den Rathäusern sowie Gedenkgottesdienste in Kirchen und Synagogen abgehalten, und unsere Bürger werden&#13;
ihre patriotische Gesinnung bei Picknicks, Feuerwerken und Baseballspielen unter Beweis stellen. Die Amerikaner im Ausland gedenken ihrer Heimat und dessen, was unser Land ihnen&#13;
bedeutet. wir alle sind von Staunen&#13;
&#13;
United States Information Service&#13;
Embassy of the United States of America&#13;
&#13;
erfüllt und erinnern uns voller Dankbarkeit, daß wir des höchsten Gutes&#13;
der Freiheit gedenken - ein Gut, das&#13;
unsere Mitbürger stets verfochten und&#13;
verteidigt haben.&#13;
Dieses Gut der Freiheit ist eindrucksvoll und weise durch die Unabhängigkeitserklärung und die Verfassung belegt, deren 200jähriges Bestehen wir in diesem Jahr begehen. Die&#13;
Unabhängigkeitserklärung&#13;
bestätigt&#13;
unseren feste Überzeugung, daß es die&#13;
vornehmste Pflicht einer jeden Regierung ist, uns das von Gott gegebene&#13;
&#13;
Postfach 20 03 00&#13;
D 5300 Bonn 2&#13;
&#13;
Tel.: 0228-339 2035&#13;
Telex: 8-85432&#13;
&#13;
�AMERIKA DIENST&#13;
'Sr,oN^&#13;
&#13;
Dokumentation&#13;
&#13;
24&#13;
&#13;
l.Juli 1987&#13;
STRAFVERFAHREN GEGEN HAMADEI WIRD TATKRÄFTIG BETRIEBEN&#13;
- Pressekonferenz von Justizminister Meese in Hamburg -&#13;
&#13;
HAMBURG - (AD) - Nach der Entscheidung der Bundesrepublik Deutschland,&#13;
Mohammed Hamadei statt seiner Auslieferung an die Vereinigten Staaten vor&#13;
deutschen Gerichten wegen Flugzeugentführung, Mordes und anderer Vergehen anzuklagen, gab der amerikanische Justizminister Meese am 24. Juni eine Pressekonferenz in Hamburg.&#13;
Meese erklärte, ihm sei von bundesdeutscher Seite versichert worden, Hamadei "würde im vollem Umfang und mit Nachdruck aller Punkte angeklagt, für die&#13;
er auch in den Vereinigten Staaten vor Gericht gestellt worden wäre". Der Justizminister&#13;
bemerkte&#13;
ferner,&#13;
"diese&#13;
Handlungsweise&#13;
der&#13;
Bundesrepublik&#13;
Deutschland verweist auf die bindende Verpflichtung dieser Regierung gegenüber&#13;
dem Prinzip der Rechtsstaatlichkeit und der internationalen Zusammenarbeit bei&#13;
der Terror ismusbekämpfung".&#13;
Nachfolgend drucken wir den Text der Pressekonferenz im Wortlaut:&#13;
&#13;
Justizminister Meese: Guten Tag,&#13;
meine Damen und Herren.&#13;
Nach einer&#13;
kurzen Stellungnahme werde ich gern&#13;
auf ihre Fragen eingehen.&#13;
Die Regierung der Bundesrepublik&#13;
Deutschland hat heute erklärt, daß&#13;
Mohammed Hamadei in der Bundesrepublik wegen Flugzeugentführung, Mordes&#13;
und anderer Vergehen vor Gericht gestellt werden wird. Mit dieser Entscheidung&#13;
nimmt die&#13;
Bundesrepublik&#13;
ihre gesetzmäßigen Rechte wahr, die&#13;
unter diesen Umständen verlangen, daß&#13;
ein Angeklagter entweder hier vor Ge-&#13;
&#13;
United States Information Service&#13;
Embassy of the United States of America&#13;
&#13;
richt gestellt oder an die Vereinigten Staaten ausgeliefert wird.&#13;
Von&#13;
der Bundesregierung wurde versichert,&#13;
Hamadei würde im vollem Umfang und&#13;
mit Nachdruck aller Punkte angeklagt,&#13;
für die er auch in den Vereinigten&#13;
Staaten vor Gericht gestellt worden&#13;
wäre, einschließlich&#13;
einer&#13;
Anklage&#13;
wegen Besitzes von Sprengstoff, die&#13;
nur&#13;
nach&#13;
deutscher&#13;
Rechtsprechung&#13;
möglich ist. Wir haben der Staatsanwaltschaft seitens der Regierung der&#13;
Vereinigten Staaten und besonders von&#13;
Seiten des Justizministeriums unsere&#13;
volle Unterstützung bei der Vorberei-&#13;
&#13;
Postfach 20 03 00&#13;
D 5300 Bonn 2&#13;
&#13;
Tel.: 0228-339 2035&#13;
Telex: 8-85432&#13;
&#13;
�tung&#13;
ihres Falles&#13;
zugesagt.&#13;
Die&#13;
Handlungsweise&#13;
der&#13;
Bundesrepublik&#13;
Deutschland verweist auf die bindende&#13;
Verpflichtung dieser Regierung gegenüber dem Prinzip der Rechtsstaatlichkeit und der internationalen Zusammenarbeit bei der Terrorismusbekämpfung.&#13;
Ich möchte&#13;
antworten.&#13;
&#13;
jetzt ihre Fragen be-&#13;
&#13;
Frage:&#13;
Sie&#13;
haben&#13;
gestern&#13;
in&#13;
Bonn erklärt, die amerikanische Regierung sei in der Lage, eindeutige&#13;
Beweise gegen Hamadei vorzulegen. Um&#13;
welche Art von Beweisen handelt es&#13;
sich, und wann würden Sie diese unterbreiten?&#13;
Antwort:&#13;
Wir&#13;
werden alle uns&#13;
vorliegenden&#13;
Beweise&#13;
zur Verfügung&#13;
stellen, einschließlich der&#13;
Zeugen&#13;
und aller Unterlagen, mit denen wir&#13;
einen Beitrag leisten können, und wir&#13;
werden diese dann unterbreiten, wenn&#13;
die Staatsanwaltschaft sie zur Vorbereitung und Verhandlung ihres Falles&#13;
benötigen.&#13;
Frage:&#13;
Sprechen Sie&#13;
gieren des TWA-Fluges?&#13;
&#13;
von&#13;
&#13;
Passa-&#13;
&#13;
Antwort:&#13;
Da es sich&#13;
um ein&#13;
schwebendes Verfahren handelt, möchte&#13;
ich über den spezifischen Charakter&#13;
der Beweise nichts sagen. Wir haben&#13;
unsere volle Unterstützung bei der&#13;
Beweisaufnahme zugesagt.&#13;
Frage:&#13;
Glauben Sie, daß dies&#13;
einen politischen Schatten auf die&#13;
Beziehungen&#13;
zwischen Bonn und Washington werfen wird?&#13;
Antwort:&#13;
Ganz und gar nicht.&#13;
Wie Präsident Reagan erklärte, sind&#13;
wir über die Tatsache erfreut, daß&#13;
die Bundesrepublik Deutschland sich&#13;
&#13;
durch&#13;
ihre Verpflichtung&#13;
auf&#13;
das&#13;
Recht ausgezeichnet hat; das Recht&#13;
stellt es in das Ermessen der Bundesrepublik, ob sie den Fall hier verhandeln oder den Angeklagten an die&#13;
Vereinigten Staaten übergeben will,&#13;
damit dort das Verfahren gegen ihn&#13;
eröffnet wird.&#13;
In diesem Fall hat&#13;
man entschlossen, ihn - wie ich bereits erwähnte - hier wegen all der&#13;
Anklagepunkte vor Gericht zu stellen,&#13;
wegen derer wir ihn auch in den Vereinigten Staaten hätten belangen können, einschließlich der zusätzlichen&#13;
Anklage hier in der Bundesrepublik&#13;
wegen des Besitzes von Sprengstoff.&#13;
Frage:&#13;
Herr&#13;
Justizminister,&#13;
wie würden die Vereinigten Staaten&#13;
reagieren, wenn Hamadei schon kurz&#13;
nach dem Prozeß freigelassen würde?&#13;
Es kursieren bereits Gerüchte, daß er&#13;
nur einen Teil seiner Strafe verbüssen könnte. Wie würden die Vereinigten Staaten dann reagieren?&#13;
Antwort:&#13;
Die Zusagen, die wir&#13;
von der Bundesrepublik Deuschland erhalten haben - und ich glaube auch&#13;
die im Rahmen der heute abgehaltenen&#13;
Pressekonferenz abgegebene Erklärung&#13;
- besagt, daß eine solche Situation&#13;
in keiner Weise in Erwägung gezogen&#13;
wird.&#13;
Frage: Sind Sie mit&#13;
gerung zufrieden?&#13;
&#13;
dieser&#13;
&#13;
Fol-&#13;
&#13;
Antwort:&#13;
Wir&#13;
sind&#13;
zufrieden,&#13;
daß von der Bundesregierung die Bestimmungen des Gesetzes vollständig&#13;
erfüllt und die Zusammenarbeit bei&#13;
der Terrorismusbekämpfung vollständig&#13;
verwirklicht worden ist.&#13;
Frage:&#13;
Können Sie die letzten&#13;
24 Stunde der Verhandlungen in Bonn&#13;
beschreiben?&#13;
&#13;
- ? -&#13;
&#13;
Antwort:&#13;
&#13;
Es&#13;
&#13;
handelte&#13;
&#13;
sich&#13;
&#13;
�nicht um Verhandlungen, sondern vielmehr um Diskussionen, die uns die in&#13;
Erwägung gezogene Absicht und inzwischen&#13;
getroffene&#13;
Entscheidung&#13;
der&#13;
Bundesrepublik Deutschland umfassend&#13;
erläutern&#13;
sollten.&#13;
Entsprechend&#13;
sollte ihr unsere Haltung verständlich gemacht werden und insbesondere&#13;
die Tatsache, daß wir auf jede nur&#13;
mögliche Art und Weise mit allen Beweisen zur Unterstützung bereit sind,&#13;
die sich in der Obhut der amerikanischen Behörden befinden.&#13;
Frage:&#13;
Was&#13;
ihr persönliches&#13;
gewinnen?&#13;
&#13;
hofften 3ie durch&#13;
Erscheinen hier zu&#13;
&#13;
Antwort:&#13;
Es&#13;
handelt&#13;
sich&#13;
um&#13;
eine&#13;
langfristig&#13;
geplante&#13;
Reise.&#13;
Seit einigen Wochen hatte ich hier&#13;
ein Gespräch mit Regierungsvertretern&#13;
vorgesehen. Zum ersten Mal hatte ich&#13;
die Gelegenheit, in Bonn mit meinem&#13;
Kollegen,&#13;
Innenminister&#13;
Zimmermann,&#13;
zusammenzutreffen und natürlich auch&#13;
mit Minister Engelhard, der in seinem&#13;
Amt als Justizminister noch relativ&#13;
neu ist.&#13;
Frage:&#13;
Bestand in diesen vergangenen Tagen Hoffnung auf eine Auslieferung?&#13;
Antwort:&#13;
Die&#13;
Absicht&#13;
bestand&#13;
darin, die von der Bundesregierung zu&#13;
treffende Entscheidung zu erörtern.&#13;
Mein Vorhaben bestand darin, sicherzustellen, daß - wie Präsident Reagan&#13;
es formulierte - Hamadei in allen&#13;
Punkten angeklagt wird. Ich bin der&#13;
Überzeugung, daß dies erfolgen wird,&#13;
und deshalb sind wir mit dem Ergebnis&#13;
sehr zufrieden.&#13;
Frage:&#13;
Herr&#13;
Justizminister,&#13;
haben sie von der Regierung in Bonn&#13;
irgendwelche Garantien erhalten, daß&#13;
Hamadei nicht kurz nach dem Gerichtsverfahren freigelassen wird? Gibt es&#13;
&#13;
irgendwelche Garantien, die Sie...&#13;
Antwort:&#13;
ich glaube, wir müssen hier einen Schritt nach dem anderen betrachten.&#13;
Er wird mit aller&#13;
Kraft&#13;
des&#13;
Gesetzes&#13;
strafrechtlich&#13;
verfolgt werden.&#13;
Ich bin der Überzeugung, daß Herr Schäuble dies zweifelsohne&#13;
heute&#13;
bereits&#13;
ausgeführt&#13;
hat, und es wurde uns wiederholt die&#13;
Zusage gegeben, daß in allen Punkten&#13;
und mit Nachdruck Anklage gegen ihn&#13;
erhoben wird.&#13;
Ich erwarte demnach&#13;
nicht, daß er zu irgendeinem Zeitpunkt&#13;
freigelassen&#13;
wird,&#13;
und&#13;
ich&#13;
glaube, daß ihm nach deutschem Recht&#13;
bei einer Verurteilung eine lebenslange&#13;
Freiheitsstrafe&#13;
bevorstünde.&#13;
Ich bin also nicht der Ansicht, daß&#13;
der von Ihnen angesprochene Fall eintreten wird.&#13;
Frage:&#13;
Ich&#13;
habe&#13;
gehört, Sie&#13;
haben an einer Konferenz der Polizeichefs hier in Hamburg teilgenommen.&#13;
Antwort:&#13;
&#13;
Ja.&#13;
&#13;
Frage:&#13;
Was&#13;
ist mit&#13;
der Abschreckung, über die Sie immer wieder&#13;
gesprochen haben, daß nur Abrchrekkung eine Waffe zur Bekämpfung der&#13;
Terroristen sein könnte.&#13;
Wenn Sie&#13;
diese Art von Handel eingehen...&#13;
Antwort:&#13;
Einen&#13;
Moment&#13;
mal.&#13;
Hier gibt es überhaupt keinen Handel.&#13;
Frage:&#13;
&#13;
Doch, es gibt einen...&#13;
&#13;
Antwort:&#13;
Nein, es gibt keinen&#13;
Handel, gleich welcher Art. Absolut&#13;
keinen Handel.&#13;
Frage:&#13;
Aber das heißt,&#13;
nicht ausgeliefert wird...&#13;
&#13;
daß&#13;
&#13;
er&#13;
&#13;
Antwort:&#13;
Das Gesetz sieht zwei&#13;
Alternativen vor. Und diese Alternative liegt einzig im Ermessen der Re-&#13;
&#13;
- 3 -&#13;
&#13;
�gierung, gleichgültig, um welche Regierung es sich handelt - in diesem&#13;
Fall ist es die Bundesrepublik Deutschland.&#13;
Der Regierung, in deren&#13;
Gewahrsam sich der Häftling befindet,&#13;
obliegt die Entscheidungsbefugnis darüber, wo ihm der Prozeß gemacht&#13;
wird. Hier, wenn die Regierung über&#13;
eine angemessene Rechtsprechung verfügt - was sie tut - oder ob das Verfahren gegen ihn in den Vereinigten&#13;
Staaten eröffnet wird. Es gibt hier&#13;
absolut keinen Handel.&#13;
In der Tat&#13;
wurde seitens der Bundesregierung die&#13;
bindende Zusage gegeben, daß es keinen Handel mit irgendjemandem geben&#13;
wird.&#13;
Frage:&#13;
Sie sind also nicht darüber besorgt, daß die Deutschen zu&#13;
irgendeinem Zeitpunkt Hamadei im Gegenzug für die Freilassung der deutschen Geiseln austauschen werden?&#13;
Antwort:&#13;
Ich mache mir keine&#13;
Sorgen.&#13;
Sie haben uns die bindende&#13;
Zusage gegeben, daß sie mit der Anklageerhebung beginnen werden.&#13;
Frage:&#13;
Verstehen Sie die&#13;
lungsweise der Bundesregierung?&#13;
Antwort:&#13;
Frage:&#13;
&#13;
Hand-&#13;
&#13;
Ob ich sie verstehe?&#13;
Politisch gesehen.&#13;
&#13;
Antwort:&#13;
Ich verstehe das Vorgehen, denn wenn wir in den Vereinigten Staaten&#13;
in derselben Position&#13;
wären, mit einem Häftling, der unserer&#13;
Gerichtsbarkeit&#13;
unterliegt und&#13;
gegen den wir tatsächlich in mehr&#13;
Punkten Anklage erheben könnten als&#13;
das andere Land, würden wir uns wahrscheinlich für ein Verfahren bei unseren Gerichten in den Vereinigten&#13;
Staaten entscheiden. Deswegen möchte&#13;
ich nochmals betonen, daß dieses Vorgehen in vollem Einklang mit den Bestimmungen des Gesetzes steht.&#13;
&#13;
Frage:&#13;
Erwarten&#13;
Sie&#13;
Problem&#13;
mit dem Kongreß wegen dieser Vorgehensweise&#13;
bei der Bewältigung&#13;
des&#13;
Problems?&#13;
Antwort:&#13;
Nun, der Kongreß hat&#13;
mit dieser Angelegenheit nichts zu&#13;
tun.&#13;
Dies ist ausschließlich eine&#13;
Regierungsangelegenheit, die im hochsten Ermessen des Präsidenten und der&#13;
offiziellen&#13;
Behörden der&#13;
Exekutive&#13;
liegt.&#13;
ich sehe also nicht, welche&#13;
Rolle der Kongreß hier spielen sollte.&#13;
Frage:&#13;
Wie Sie wissen, wurden&#13;
im Kongreß zahlreiche Stimmen laut,&#13;
daß Hamadei ausgeliefert werden sollte.&#13;
Antwort:&#13;
Das&#13;
entscheidende&#13;
Kriterium&#13;
für diejenigen, die mit&#13;
diesen Rechtsangelegenheiten vertraut&#13;
sind, ist offensichtlich, daß Anklage&#13;
gegen ihn erhoben und er verurteilt&#13;
werden muß, und das ist genau das,&#13;
was hier geschieht.&#13;
Frage:&#13;
Haben Sie bereits&#13;
Präsident Reagan gesprochen?&#13;
&#13;
mit&#13;
&#13;
Antwort:&#13;
Ich&#13;
habe&#13;
nicht&#13;
mit&#13;
Präsident Reagan gesprochen. Ich habe im Verlauf des heutigen Tages mit&#13;
anderen Vertretern im Weißen Haus gesprochen. Es ist noch ziemlich früh&#13;
in Washington...&#13;
Frage:&#13;
&#13;
Was haben sie gesagt?&#13;
&#13;
Antwort:&#13;
...und wir haben das&#13;
vollständige Einverständnis aller Regierungsvertreter, denen eine Verantwortung in dieser Angelegenheit zukommt, ja?&#13;
Frage:&#13;
Inwieweit&#13;
entsprechen&#13;
die Vermutungen der Wahrheit, daß die&#13;
Entführung von Charles Glass mit diesem Fall in Verbindung stehen könnte?&#13;
&#13;
l&#13;
&#13;
'&#13;
&#13;
�Antwort:&#13;
ich habe hierzu überhaupt keinen Kommentar abzugeben und&#13;
auch keinen Grund zu irgendwelchen&#13;
Vermutungen. Noch weitere Fragen?&#13;
&#13;
«&#13;
&#13;
Frage:&#13;
Ihrer Ansicht nach gibt&#13;
es also überhaupt keine Mißstimmungen&#13;
in den Beziehungen zwischen Bonn und&#13;
Washington soweit es diesen Fall betrifft?&#13;
Antwort:&#13;
Die Beziehungen&#13;
zwischen Bonn und Washington sind immer&#13;
gut gewesen, und ich bin davon überzeugt, daß die Offenheit und das&#13;
vollständige Vertrauen, von denen unser Meinungsaustausch gekennzeichnet&#13;
war, diesen Beziehungen im Verlauf&#13;
der vergangenen Tage nur zuträglich&#13;
gewesen&#13;
ist.&#13;
Und natürlich trägt&#13;
diese Vorgehensweise, die in vollem&#13;
Einklang mit dem Gesetz steht, noch&#13;
dazu bei. Vielen Dank.&#13;
&#13;
* * * * *&#13;
&#13;
�AMERIKA DIENST&#13;
'4-&#13;
&#13;
-""•&#13;
&#13;
ck&#13;
&#13;
Hintergrundmaterial&#13;
1. Juli 1987&#13;
&#13;
24&#13;
&#13;
NEUESTER STAND DER AMERIKANISCHEN RÜSTUNGSKONTROLLINITIATIVEN&#13;
- Sonderveröffentlichung des Außenministeriums -&#13;
&#13;
WASHINGTON - (AD) - Die folgende Sonderveröffentlichung "Neuester Stand&#13;
der amerikanischen Rüstungskontrollinitiativen" wurde jetzt vom amerikanischen&#13;
Außenministerium herausgegeben.&#13;
Nachfolgend drucken wir den Bericht im Wortlaut:&#13;
Generalsekretär Gorbatschow im vergangenen Oktober in Reykjavik ÜberStrategische Offensivwaffen&#13;
einstimmung erzielt hatten, sieht auf&#13;
beiden Seiten den 50prozentigen Abbau&#13;
Am 8. Mai 1987 legten die Verbis auf 1 600 strategische Trägersyeinigten Staaten bei den Verhandlunsteme und 6 000 Gefechtsköpfe vor,&#13;
gen über Kern- und Weltraumwaffen in&#13;
mit angemessenen Untergrenzen und in&#13;
Genf den Entwurf zu einem Vertragseinem Zeitraum von sieben Jahren nach&#13;
text für Verhandlungen über die VerInkrafttreten des Vertrages.&#13;
ringerung&#13;
strategischer&#13;
Rüstungen&#13;
(START) vor, der einen 50prozentigen&#13;
Der amerikanische Vertragsentwurf&#13;
Abbau amerikanischer und sowjetischer&#13;
setzt zusätzlich zu den Obergrenzen&#13;
strategischer&#13;
Offensivwaffen&#13;
vorbestimmte Beschränkungen bei den desieht.&#13;
Der&#13;
Vertragsentwurf, der&#13;
stabilisierendsten und gefährlichsten&#13;
grundsätzlich die Bereiche widerspieNuklearsystemen fest - den schnell&#13;
gelt, in denen Präsident Reagan und&#13;
&#13;
United States Information Service&#13;
Embassy of the United States of America&#13;
&#13;
Postfach 20 03 00&#13;
D 5300 Bonn 2&#13;
&#13;
Tel.: 0228-339 2035&#13;
Telex: 8-85432&#13;
&#13;
�fliegenden ballistischen Raketen, besonders den sowjetischen schweren Interkontinentalraketen&#13;
(ICBMs).&#13;
in&#13;
diesem Bereich haben wir Grenzen und&#13;
Untergrenzen für Gefechtsköpfe auf&#13;
ballistischen Raketen, Raketen-Wurfgewichte und schwere ICBMs vorgeschlagen. Unser Vorschlag umfaßt detaillierte Bestimmungen, die darauf&#13;
abzielen, jeden Zweifelsfall bei den&#13;
bereits vereinbarten Punkten auszuschalten sowie ausführliche Bestimmungen zur Verifizierung, einschließlich Inspektionen vor Ort, mit denen&#13;
sichergestellt werden soll, daß jede&#13;
Seite auf die vollständige Einhaltung&#13;
des Abkommens durch den Vertragspartner vertrauen kann.&#13;
Mit der Vorlage dieses Vertragsentwurfs versuchen die Vereinigten&#13;
Staaten auf den bei START bereits erzielten&#13;
erheblichen&#13;
Fortschritten&#13;
aufzubauen und die Lösung noch ausstehender Fragen, besonders zur Notwendigkeit - zum Zweck der Sicherung&#13;
strategischer Stabilität - von Untergrenzen bei Gefechtsköpfen auf ballistischen&#13;
Raketen&#13;
voranzutreiben.&#13;
Leider wurde der Fortschritt durch&#13;
die beharrliche sowjetische Haltung&#13;
verzögert, ein Abkommen bei START mit&#13;
Maßnahmen koppeln zu wollen, mit denen die Strategische Verteidigungsinitiative&#13;
(SDI) effektiv beendet&#13;
würde. Die Vereinigten Staaten werden keinerlei Maßnahmen akzeptieren,&#13;
die das SDI-Programm lähmen oder zunichte machen würden. Das SDI-Programm ist aufgrund der von ihm gebotenen Aussicht auf ein sichereres&#13;
Mittel zur Abschreckung lebenswichtig&#13;
für die zukünftige Sicherheit der&#13;
Vereinigten Staaten und ihrer Verbündeten.&#13;
Die Vereinigten Staaten sind der&#13;
Ansicht, daß der Vertragsentwurf für&#13;
START eine solide Grundlage für die&#13;
Schaffung eines gerechten und dauer- 2&#13;
&#13;
haften Abkommen bietet, das - zum&#13;
ersten Mal in der Geschichte - einschneidende Reduzierungen in den Arsenalen strategischer Waffen sowohl&#13;
der Vereinigten Staaten als auch der&#13;
Sowjetunion herbeiführen würde. Die&#13;
Vereinigten Staaten sind bereit, ihren Beitrag zur Erreichung eines solchen Abkommens zu leisten und hoffen,&#13;
daß die Sowjets die gleiche Entschlossenheit an den Tag legen.&#13;
&#13;
Mittelstreckenwaffen (INF)&#13;
Die Entschlossenheit des Westens,&#13;
zu dem als Reaktion auf die sowjetische Stationierung der SS-20 getroffenen "Doppelbeschluß" der NATO&#13;
von 1979 zu stehen, zahlt sich jetzt&#13;
aus. Der Entschluß der NATO, das bei&#13;
INF bestehende Ungleichgewicht durch&#13;
eine&#13;
Stationierung&#13;
amerikanischer&#13;
Mittelstreckenraketen längerer Reichweite&#13;
(LRINF)&#13;
zu beseitigen und&#13;
gleichzeitig zu versuchen, mit den&#13;
Sowjets Verhandlungen über die Erlangung eines Gleichgewichts bei INF auf&#13;
dem niedrigsten möglichen Niveau anzustreben, hat uns zu dem Punkt geführt, an dem gute Aussichten für ein&#13;
amerikanisch-sowjetisches&#13;
Abkommen&#13;
über bedeutende Reduzierungen von INF&#13;
bestehen.&#13;
Am 4. März 1987 haben die Vereinigten Staaten bei den Verhandlungen&#13;
über&#13;
Kern- und Weltraumwaffen&#13;
(NST) in Genf einen Entwurf für einen&#13;
Vertragstext über INF vorgelegt. Die&#13;
Grundstruktur eines INF-Abkommens&#13;
die Art und das Niveau der Reduzierungen bei LRINF - wurden von Präsident&#13;
Reagan&#13;
und&#13;
Generalsekretär&#13;
Gorbatschow im vergangenen Oktober in&#13;
Reykjavik vereinbart und findet auch&#13;
im amerikanischen Vertragstext ihren&#13;
Niederschlag.&#13;
Dieser fordert Reduzierungen auf eine vorläufige weltweite obergrenze von jeweils 100 Ge-&#13;
&#13;
�fechtsköpfen auf LRINF auf amerikanischem und sowjetischem Territorium&#13;
- wovon sich keine in Europa befinden&#13;
sollen. Die Vereinigten Staaten und&#13;
unsere NATO-Verbündeten ziehen jedoch&#13;
weiterhin eine Null-Lösung bei LRINF&#13;
vor - die weltweite Abschaffung dieser gesamten Kategorie von Raketen und werden weiterhin die Sowjetunion&#13;
zur Aufgabe ihrer beharrlichen Haltung bei der Beibehaltung der verbleibenden LRINF drängen.&#13;
Als Reaktion darauf legte die Sowjetunion am 27. April ihren Vertragsentwurf zu INF vor, der die in&#13;
Reykjavik&#13;
zur&#13;
LRINF&#13;
vereinbarten&#13;
Punkte grundsätzlich aufnimmt.&#13;
Eine&#13;
Reihe von Kernproblemen müssen noch&#13;
gelöst werden. Das wichtigste dieser&#13;
Probleme betrifft die Verifizierung.&#13;
Jedes INF-Abkommen muß wirksam verifizierbar sein, wenn es die Stabilität verbessern und die Sicherheit der&#13;
Vereinigten Staaten und ihrer Verbündeten erhöhen soll.&#13;
Die Vereinigten&#13;
Staaten haben umfassende Verifizierungsmaßnahmen zur Verbesserung der&#13;
Einhaltung&#13;
vorgeschlagen.&#13;
Die Sowjets haben angemerkt, daß sie in&#13;
einigen grundlegenden Bereichen eine&#13;
Verifizierung anstreben, in denen wir&#13;
eine solche gefordert haben und die&#13;
Herr Gorbatschow im Prinzip in Reykjavik akzeptiert hat.&#13;
Dazu zählen&#13;
zum Beispiel der Austausch von Zahlenmaterial, Vor-Ort-Beobachtung der&#13;
Zerstörung, wirkungsvolle Überwachung&#13;
der verbleibenden Bestände von LRINF&#13;
und der dafür erforderlichen Einrichtungen&#13;
sowie&#13;
Vor-Ort-Inspektionen.&#13;
Sie müssten jedoch noch die notwendigen Einzelheiten vorlegen.&#13;
&#13;
einem ersten INF-Abkommen stehen sowie wirksam verifizierbar sein muß&#13;
und einen weltweiten Gleichstand hervorbringen sollte.&#13;
Sowjetische Bestrebungen zur Einbeziehung der Systeme anderer Länder außer den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion&#13;
in ein INF-Abkommen sind nicht akzeptabel.&#13;
Die Lösung dieser&#13;
und anderer&#13;
noch ausstehender Probleme wird sehr&#13;
harte Verhandlungen erfordern.&#13;
Die&#13;
Vereinigten Staaten leisten auch weiterhin ihren Beitrag, um diese Probleme zu lösen und sich einem INF-Abkommen anzunähern.&#13;
Es ist jetzt an&#13;
der Sowjetunion, dasselbe Engagement&#13;
für wahrhafte Fortschritte zu demonstrieren.&#13;
&#13;
Verteidigung im Weltraum&#13;
Sowohl bei den im April abgehaltenen&#13;
Treffen&#13;
von&#13;
Außenminister&#13;
Shultz in Moskau als auch im Anschluß&#13;
daran&#13;
bei&#13;
den&#13;
Verhandlungen&#13;
über&#13;
Kern- und Weltraumwaffen in Genf legten die Vereinigten Staaten einen&#13;
neuen Vorschlag zu Problemen der Verteidigung im Weltraum vor.&#13;
Dieser&#13;
neue Vorschlag umfaßt folgende Bestandteile:&#13;
&#13;
Ein weiteres Problem betrifft die&#13;
Kurzstreckensysteme (3RINF). Wir beharren gemeinsam mit unseren Verbündeten auch weiterhin darauf, daß ein&#13;
Abkommen über diese Systeme bilateralen Charakter haben, im Einklang mit&#13;
- 3 -&#13;
&#13;
- die Vereinigten Staaten und die&#13;
Sowjetunion würden die Verpflichtung&#13;
eingehen, sich&#13;
bis&#13;
1994&#13;
nicht vom ABM-Vertrag zurückzuziehen.&#13;
- Diese Verpflichtung wäre abhängig&#13;
von der Anwendung der bei START&#13;
vereinbarten&#13;
Reduzierungen, das&#13;
heißt einem 50prozentigen Abbau&#13;
zum Gleichstand von 1 600 strategischen Trägersystemen und 6 000&#13;
Gefechtsköpfen&#13;
mit&#13;
angemessenen&#13;
Untergrenzen.&#13;
&#13;
�- Das Abkommen würde nicht die Souveränitätsrechte der Parteien abändern, wie sie nach internationalem Gewohnheitsrecht bestehen.&#13;
Die Vertragspartner könnten sich&#13;
im Falle eines erheblichen Bruchs&#13;
des Abkommens oder bei Gefährung&#13;
ihrer entscheidenden Interessen&#13;
zurückziehen.&#13;
- Nach 1994 könnte jede Seite Verteidigungssysteme&#13;
eigener&#13;
Wahl&#13;
stationieren, sofern nicht anders&#13;
vereinbart.&#13;
Um gegenseitiges Vertrauen durch&#13;
eine Verbesserung der Vorhersehbarkeit im Bereich der strategischen&#13;
Verteidigung aufzubauen und als Reaktion auf die vorgebrachten sowjetischen Anliegen schlugen die Vereinigten Staaten ferner vor, daß sie&#13;
selbst und die Sowjetunion jährlich&#13;
Zahlen über ihre geplanten Aktivitäten im Bereich der strategischen Verteidigung austauschen sollten. Darüber hinaus bemühen wir uns darum,&#13;
daß die Vereinigten Staaten und die&#13;
Sowjetunion&#13;
gegenseitige&#13;
Informationsgespräche über ihre jeweiligen&#13;
Bemühungen bei der strategischen Verteidigung und Besichtigungen der damit in Zusammenhang stehenden Einrichtungen durchführen, wie wir dies&#13;
bereits mit unserer Initiative der&#13;
offenen Labors vorgeschlagen haben.&#13;
Schließlich haben wir vorschlagen,&#13;
gemeinsam vereinbarte Verfahrensweisen für die gegenseitige Beobachtung&#13;
der Erprobung im Bereich der strategischen Verteidigung anzuwenden.&#13;
&#13;
wicklung, Herstellung, des Gebrauchs,&#13;
Transfers und der Lagerung chemischer&#13;
Waffen mit verschiedenen Mitteln zu&#13;
verifizieren sucht und damit sofortige und obligatorische Vor-Ort-Inspektionen in Zweifelsfällen verbindet.&#13;
Beim Genfer Gipfeltreffen vom November&#13;
1985&#13;
vereinbarten&#13;
Präsident&#13;
Reagan und Generalsekretär Gorbatschow die Intensivierung bilateraler&#13;
Gespräche über alle Aspekte eines umfassenden weltweiten Verbots chemischer Waffen und dessen Verifizierung. Seitdem haben wir fünf Runden&#13;
bilateraler Gespräche zu einem Vertrag über chemische Waffen abgehalten. Eine sechste Runde ist für den&#13;
Sommer 1987 vorgesehen.&#13;
&#13;
Chemische Waffen&#13;
&#13;
Obwohl die bilateralen Vertragsgespräche einige Meinungsverschiedenheiten&#13;
abgebaut&#13;
und die Sowjets&#13;
schließlich im März 1987 den Besitz&#13;
chemischer Waffen zugegeben haben,&#13;
bestehen bei einer Reihe von Kernproblemen noch große Differenzen. Zum&#13;
Beispiel haben die Vereinigten Staaten bei der wesentlichen Frage einer&#13;
Verifizierung der Einhaltung des Vertrages obligatorische "lnspektionen&#13;
in Zweifelsfällen" gefordert, um vermutete Verletzungen zu untersuchen.&#13;
Die Sowjets bestehen weiterhin darauf, daß die Zustimmung zu solchen&#13;
Inspektionen freiwillig erfolgen müßte.&#13;
Trotz ihres jüngst erfolgten&#13;
Hinweises, daß die Durchführung obligatorischer Inspektionen im Zweifelsfalle bei bestimmten Fällen zutreffen&#13;
könnte, bestehen sie weiterhin auf&#13;
einem Verweigerungsrecht, das eine&#13;
Konvention&#13;
über&#13;
chemische&#13;
Waffen&#13;
schwächen und die Möglichkeit zur Irreführung erhöhen würde.&#13;
&#13;
Im April 1984 haben die Vereinigten Staaten bei der Genfer Abrüstungskonferenz, an der 40 Nationen&#13;
teilnahmen, einen umfassenden Vertrag&#13;
vorgelegt, der das Verbot der Ent-&#13;
&#13;
Zusätzlich zu den Vertragsgesprächen arbeiten wir mit Verbündeten und&#13;
anderen befreundeten Nationen sowie&#13;
mit den Sowjets zusammen, um die Weiterverbreitung chemischer Waffen zu&#13;
&#13;
- 4&#13;
&#13;
�verhindern.&#13;
Besonders als Reaktion&#13;
auf die andauernde Verwendung chemischer Waffen im Krieg zwischen Iran&#13;
und Irak haben die Vereinigten Staaten und 17 andere westliche Industrienationen seit 1985 Konsultationen abgehalten, um Exportkontrollen&#13;
für mit chemischen Waffen in Verbindung zu bringenden Artikeln abzustimmen und andere Mechanismen zu entwikkeln, die der illegalen Verwendung&#13;
chemischer Waffen und deren gefährlicher Verbreitung in anderen Ländern&#13;
Einhalt zu gebieten. Wir haben ebenfalls in den beiden mit den Sowjets&#13;
im Jahr 1986 abgehaltenen bilateralen&#13;
Gesprächen Exportkontrollen und politische Schritte&#13;
überprüft, um die&#13;
Verbreitung chemischer Waffen einzuschränken.&#13;
&#13;
Atomtests&#13;
Die&#13;
Vereinigten&#13;
Staaten&#13;
verpflichten&#13;
sich weiterhin voll und&#13;
ganz zu Bestrebungen um wirkungsvolle&#13;
und verifizierbare Abkommen mit der&#13;
Sowjetunion&#13;
über die Einschränkung&#13;
von Atomtests.&#13;
Dazu hat der Präsident ein praktisches, Schritt für&#13;
Schritt durchführbares Verfahren vorgeschlagen.&#13;
Sein Vorschlag besagt,&#13;
daß die Vereinigten Staaten und die&#13;
Sowjetunion Verhandlungen über Atomtests aufnehmen sollten. Die Tagesordnung dieser Verhandlungen bestünde&#13;
zunächst&#13;
darin,&#13;
im&#13;
bestehenden&#13;
Schwellenvertrag (TTBT) und dem Vertrag über Atomexplosionen zu friedlichen&#13;
Zwecken&#13;
(PNET) Bestimmungen&#13;
zur Verifizierung zu verbessern. Sobald diesem Anliegen der Verifizierung entsprochen worden ist und die&#13;
Verträge ratifiziert sind, würden die&#13;
Vereinigten Staaten und die Sowjetunion sofort in Verhandlungen über&#13;
Möglichkeiten eintreten, um Schritt&#13;
für Schritt - in Zusammenhang mit&#13;
einem Programm zum Abbau und zur&#13;
&#13;
letztlichen Abschaffung aller Atomwaffen - ein parallel laufendes Programm anzuwenden, das auf die Begrenzung und letztlich die Beendigung von&#13;
Atomtests abzielt.&#13;
Die&#13;
Vereinigten&#13;
Staaten&#13;
haben&#13;
konkrete&#13;
und praktische Vorschläge&#13;
unterbreitet, um Fortschritte bei den&#13;
Begrenzungen von Atomtests zu erzielen.&#13;
Im Juli 1985 lud der Präsident&#13;
sowjetische Experten zu einem Besuch&#13;
amerikanischer Testgelände ein, damit&#13;
sie bei den dort durchgeführten Erprobungen&#13;
den&#13;
Detonationswert&#13;
mit&#13;
jeglichen, ihnen notwendig erscheinenden Geräten messen.&#13;
Im Dezember&#13;
1985 schlug er ein Treffen für offizielle amerikanische und sowjetische&#13;
Techniker vor, bei dem über Verifizierung gesprochen werden sollte. Im&#13;
März 1986 lud er sowjetische Experten&#13;
nach Nevada ein, um die CORRTEX-Methode (Continuous Reflectrometry for&#13;
Radius versus Time Experiment - hydrodynamische Meßmethode zur Bestimmung des atomaren Detonantionswertes,&#13;
der die Ausbreitung der unterirdischen&#13;
Druckwelle&#13;
einer&#13;
Explosion&#13;
mißt) zur Messung des Detonationswerts zu untersuchen, einer Präsentation des Systems CORRTEX beizuwohnen&#13;
und einen amerikanischen Test zu messen.&#13;
Schließlich haben die Sowjets im&#13;
Sommer 1986 zugestimmt, daß Experten&#13;
beider Seiten zu Diskussionen zusammenkommen&#13;
sollten, um&#13;
das&#13;
breite&#13;
Spektrum der sich im Bereich von&#13;
Atomtests ergebenden Fragen ohne Vorbedingungen zu besprechen.&#13;
Die Experten trafen sich im Juli, September&#13;
und November 1986 und im Januar und&#13;
Mai 1987 in Genf. Die Gespräche beschäftigten&#13;
sich hauptsächlich&#13;
mit&#13;
Verfahrensweisen der Verifizierung besonders bei CORRTEX - und auch mit&#13;
der Tagesordnung für formelle Verhandlungen über Atomtests.&#13;
Während&#13;
&#13;
- 5 -&#13;
&#13;
�des Besuchs von Außenminister Shultz&#13;
im April in Moskau vereinbarte er mit&#13;
dem&#13;
sowjetischen&#13;
Außenminister&#13;
Schewardnadse, daß die Experten gemeinsame Aktivitäten zur Verifizierung untersuchen sollten, die möglicherweise eine Bewertung der Wirksamkeit von Verfahrensweisen unterstützen könnten.&#13;
&#13;
samen Vertragsentwurf zur Errichtung&#13;
von Zentren zur nukleren Risikoverringerung in ihren jeweiligen Hauptstädten. Dieses Abkommen stellt als&#13;
direktes Ergebnis amerikanischer Initiative eine praktische Maßnahme zur&#13;
Stärkung der internationalen Sicherheit dar und baut gleichzeitig das&#13;
sich durch Zufälle, Fehlinterpretationen oder falsche Berechnung möglicherweise&#13;
ergebende Risiko eines&#13;
Konflikts&#13;
zwischen den Vereinigten&#13;
Staaten und der Sowjetunion ab. Die&#13;
Zentren würden beim Austausch von Informationen&#13;
und&#13;
Benachrichtigungen,&#13;
wie sie bestehende und in der Zukunft&#13;
mögliche Abkommen&#13;
zur Rüstungskontrolle&#13;
und&#13;
für&#13;
vertrauensbildende&#13;
Maßnahmen erfordern, eine Rolle spielen.&#13;
&#13;
Konferenz über Vertrauens- und&#13;
Sicherheitsbildende Maßnahmen und&#13;
Abrüstung in Europa (KVAE)&#13;
Die&#13;
Stockholmer&#13;
KVAE-Konferenz&#13;
mit&#13;
35&#13;
Teilnehmerstaaten&#13;
fand&#13;
schließlich&#13;
am 22. September&#13;
1986&#13;
statt. Es wurden eine Reihe konkreter Maßnahmen verabschiedet, die Offenheit&#13;
und Vorhersehbarkeit militärischer Aktivitäten in Europa verbessern sollten. Diese auf Vorschläge der NATO zurückgehenden Maßnahmen&#13;
sehen die vorherige Benachrichtigung&#13;
über alle militärischen Aktivitäten&#13;
oberhalb&#13;
einer&#13;
Größenordnung&#13;
von&#13;
13 000 Soldaten oder 300 Panzern vor,&#13;
sowie die Beobachtung militärischer&#13;
Aktivitäten oberhalb einer Grenze von&#13;
17 000 Soldaten und die jährliche&#13;
Vorhersage&#13;
bevorstehender&#13;
militärischer&#13;
Aktivitäten.&#13;
Das&#13;
Abkommen&#13;
enthält&#13;
ebenfalls Bestimmungen&#13;
für&#13;
Vor-Ort-Inspektionen in der Luft und&#13;
auf der Erde zwecks Verifizierung.&#13;
Trotz&#13;
ihres&#13;
bescheidenen&#13;
Umfangs&#13;
stimmen die Sowjets damit zum ersten&#13;
Mal einer Inspektion auf ihrem eigenen&#13;
Territorium&#13;
zur&#13;
Verifizierung&#13;
eines internationalen Sicherheitsabkommens zu.&#13;
&#13;
Bilaterale Vertrauensbildende Maßnahmen&#13;
Am 4. Mai 1987 erzielten amerikanische und sowjetische Unterhändler&#13;
eine Übereinkunft über einen gemein-&#13;
&#13;
Beiderseitige und Ausgewogene&#13;
penreduzierungen (MBFR)&#13;
&#13;
Trup-&#13;
&#13;
Am 5. Dezember 1985 legte die&#13;
NATO eine neue Initiative vor, die&#13;
auf Anliegen des Ostblocks eingeht.&#13;
Der Vorschlag stellt den Wunsch des&#13;
Westens nach einer Übereinkunft über&#13;
den&#13;
augenblicklichen&#13;
zahlenmäßigen&#13;
Stand der Streitkräfte noch vor Unterzeichnung&#13;
des Vertrages&#13;
zurück.&#13;
Die Sowjets hatten geltend gemacht,&#13;
daß diese westliche Forderung das&#13;
Haupthemmnis für ein Abkommen sei.&#13;
Der Vorschlag forderte ferner einen&#13;
zeitlich begrenzten, in einer ersten&#13;
Phase durchgeführten Abzug von 5 000&#13;
amerikanischen&#13;
und&#13;
11 000&#13;
sowjetischen Soldaten, dem eine dreijährige Verpflichtung aller dort Truppen&#13;
unterhaltenden Parteien folgen sollte, ihre Truppenstärke nicht zu erhöhen.&#13;
Im diesem Zeitraum würden die&#13;
Reststreitkräfte&#13;
durch&#13;
nationale&#13;
technische Maßnahmen verifiziert, sowie durch vereinbarte Ein- und Ausgangspunkte, den Austausch von Zahlen&#13;
und 20 jährliche Vor-Ort-Inspektio-&#13;
&#13;
- 6-&#13;
&#13;
�nen.&#13;
Bis jetzt haben die Sowjets&#13;
nicht konstruktiv auf die Initiative&#13;
des Westens reagiert.&#13;
&#13;
NATO-Arbeltsgruppe auf höchster&#13;
Ebene für konventionelle Rüstungskontrolle&#13;
Diese&#13;
Arbeitsgruppe&#13;
legte&#13;
dem&#13;
Nordatlantikrat am 11. Dezember 1986&#13;
ihren Bericht über Tendenzen der konventionellen&#13;
Rüstungskontrollpolitik&#13;
der NATO vor.&#13;
Bei dieser Sitzung&#13;
verabschiedeten die NATO-Minister die&#13;
"Erklärung von Brüssel", in der die&#13;
Bereitschaft der NATO zu neuen Verhandlungen mit dem Warschauer Pakt&#13;
dargelegt wird, die darauf ausgerichtet sind, ein "verifizierbares, umfassendes und stabiles Gleichgewicht&#13;
konventioneller&#13;
Streitkräfte&#13;
auf&#13;
niedrigerer Ebene" in ganz Europa vom&#13;
Atlantik bis zum Ural herzustellen.&#13;
Im Februar 1987 nahm die NATO Gespräche zur Erarbeitung eines Mandats für&#13;
neue Verhandlungen auf.&#13;
Die Erklärung von Brüssel fordert ebenfalls&#13;
getrennte Verhandlungen, die sich auf&#13;
die Ergebnisse der Konferenz über&#13;
Vertrauens- und&#13;
Sicherheitsbildende&#13;
Maßnahmen&#13;
und Abrüstung&#13;
in Europa&#13;
(KVAE) stützen und diese erweitern&#13;
sollen.&#13;
&#13;
Nichtverbreitungsvertrages sowie des&#13;
beiderseitigen Wunsches der Vereinigten Staaten und der UdSSR zur Stärkung der Internationalen Atomenergiebehörde.&#13;
Diese Konsultationen sind&#13;
keine Verhandlungen sondern eher Gespräche&#13;
zur&#13;
Überarbeitung&#13;
unterschiedlicher Themen, die zu gemeinsamer Besorgnis Anlaß geben. Die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion&#13;
sind beide außerordentlich daran interessiert, die gefährliche Verbreitung nuklearer Waffen zu verhindern&#13;
und haben sich darauf geeinigt, diese&#13;
Konsultationen als Forum für Gespräche und einen Meinungsaustausch zu&#13;
benutzen.&#13;
&#13;
Nichtverbreitungsvertrag&#13;
Vom 15. - 18. Dezember 1986 kamen&#13;
die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion in Washington zur achten&#13;
Runde einer&#13;
andauernden Serie von&#13;
Konsultationen über die Nichtverbreitung von Nuklearwaffen zusammen, die&#13;
im Dezember&#13;
1982 begonnen hatten.&#13;
Diese Konsultationen&#13;
umfassten ein&#13;
breites Spektrum von Themenkomplexen&#13;
einschließlich der vorgesehenen Förderung der internationalen Nichtverbreitungstheorie,&#13;
Unterstützung&#13;
des&#13;
- 7 -&#13;
&#13;
�Chronologie:&#13;
&#13;
1. Januar 1986 - 1. Juni 1987&#13;
&#13;
AMERIKANI3CH-30WJETI3CHE RÜ3TUNG3KONTROLLVERHANDUJNGEN&#13;
Verhandlungen über Kern- und Weltraumwaffen&#13;
Rande&#13;
Runde&#13;
Runde&#13;
Runde&#13;
&#13;
IV&#13;
V&#13;
VI&#13;
VII&#13;
&#13;
Runde VIII&#13;
&#13;
16. Januar - 4. März 1986&#13;
8. Mai - 26. Juni 1986&#13;
18. 3eptember - 13. November 1986&#13;
15. Januar - 6. März 1987&#13;
(INF dauerten bis 26. März)&#13;
Aufnahme am 23. April (INF) und 5. Mai 1987&#13;
(3TART und Gespräche über Verteidigung im&#13;
Weltraum)&#13;
&#13;
Konferenz über Vertrauens- und Sicherheitsbildende Maßnahmen&#13;
und Abrüstung in Europa (multilateral)&#13;
Runde&#13;
Runde&#13;
Runde&#13;
Runde&#13;
&#13;
IX:&#13;
X:&#13;
XI:&#13;
XII:&#13;
&#13;
28.&#13;
15.&#13;
10.&#13;
19.&#13;
ein&#13;
&#13;
Januar April Juni&#13;
August Abkommen&#13;
&#13;
15. März 1986&#13;
23. Mai 1986&#13;
18. Juli 1986&#13;
19. September 1986 wurde geschlossen&#13;
&#13;
Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa&#13;
Erste Runde der Nachfolgekonferenz:&#13;
4. November - 20. Dezember 1986&#13;
Zweite Runde der Nachfolgekonferenz:&#13;
27. Januar&#13;
- 11. April 1987&#13;
Dritte Runde der Nachfolgekonferenz:&#13;
4. Mai&#13;
- 23. Juli 1987&#13;
(vorgesehener Abschlußtermin)&#13;
&#13;
Abrüstungskonferenz&#13;
&#13;
(multilateral)&#13;
&#13;
Rumpfsitzung des Ausschusses für chemische Waffen:&#13;
13. - 31. Januar 1986&#13;
Frühjahrssitzung:&#13;
4. Februar - 25. April 1986&#13;
Sommersitzung:&#13;
10. Juni&#13;
- 29. August 1986&#13;
Konsultationen der Vorsitzenden des Ausschusses für&#13;
chemische Waffen:&#13;
24. November - 17. Dezember 1986&#13;
RumpfSitzung des Ausschusses für chemische Waffen:&#13;
6. - 30. Januar 1987&#13;
Frühjahrssitzung:&#13;
2. Februar - 30. April 1987&#13;
&#13;
- 8-&#13;
&#13;
�Beiderseitige und ausgewogene Truppenreduzierungen&#13;
Runde&#13;
Runde&#13;
Runde&#13;
Runde&#13;
Runde&#13;
&#13;
38&#13;
39&#13;
40&#13;
41&#13;
42&#13;
&#13;
30. Januar&#13;
15. Mai&#13;
25. September&#13;
29. Januar&#13;
14. Mai&#13;
(vorgesehener&#13;
&#13;
(multilateral)&#13;
&#13;
- 20. März 1986&#13;
- 3. Juli 1986&#13;
- 4. Dezember 1986&#13;
- 19. März 1987&#13;
- 2. Juli 1987&#13;
Abschlußterminj&#13;
&#13;
Zentren zur nuklearen Risikoverringerung&#13;
Runde I:&#13;
Runde II:&#13;
&#13;
13. Januar 1987&#13;
3. - 4. Mai 1987 ein Abkommen wurde ad referendum geschlossen&#13;
&#13;
AMERIKANISCH-SOWJETISCHE RUSTUNGSKONTROLLSITZUNGEN AUF&#13;
EXPERTENEBENE&#13;
Verhandlungen über Kern- und Weltraumwaffen&#13;
11. - 12. August 1986 in Moskau&#13;
5. - 6. September 1986 in Washington&#13;
2. - 5. Dezember 1986 in Genf auf Unterhändlerebene&#13;
&#13;
Gespräche über beiderseitige und ausgewogene Truppenreduzierungen&#13;
6. - 7. August 1986 in Moskau&#13;
10. - 11. September 1986 in Washington&#13;
&#13;
Konferenz über Vertrauens- und Sicherheitsbildende Maßnahmen und&#13;
Abrüstung in Europa&#13;
14. - 15. August 1986 in Stockholm&#13;
&#13;
Gespräche über den Vertrag über chemische Waffen&#13;
28.&#13;
15.&#13;
1.&#13;
28.&#13;
16.&#13;
&#13;
Januar - 3. Februar 1986 in Genf&#13;
- 25. April in Genf&#13;
- 18. Juli 1986 in Genf&#13;
Oktober - 18. November 1986 in New York&#13;
Februar - 5. März 1987 in Genf&#13;
&#13;
- 9 -&#13;
&#13;
�Konvention über biologische und toxische Waffen&#13;
Expertensitzung: 31. März - 15. April 1987 in Genf&#13;
&#13;
Gespräche über die Nichtverbreitung von chemischen Waffen&#13;
5. 4. -&#13;
&#13;
6. März 1986 in Bern&#13;
5. September 1986 in Bern&#13;
&#13;
Atomtests&#13;
Erste Sitzung:&#13;
Zweite Sitzung:&#13;
Dritte Sitzung:&#13;
Vierte Sitzung:&#13;
&#13;
Fünfte Sitzung:&#13;
&#13;
25. Juli - 1. August 1986 in Genf&#13;
4. - 18. September 1986 in Genf&#13;
13. - 25. November 1986 in Genf&#13;
22. Januar 1987, am 9. Februar unterbrochen,&#13;
am 16. März wieder aufgenommen, am 20. März&#13;
in Genf beendet&#13;
18. - 29. Mai 1987 in Genf&#13;
&#13;
Zentren zur nuklearen Risikoverringerung&#13;
5. - 6. Mai 1986 in Genf&#13;
25. August 1986 in Genf&#13;
&#13;
Gespräche über die Nichtverbreitung von Nuklearwaffen&#13;
15. - 18. Dezember 1986 in Washington&#13;
&#13;
* * * * * *&#13;
&#13;
- 10 -&#13;
&#13;
�«fc° s *&lt;&#13;
&#13;
%^ON&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST&#13;
^&#13;
&#13;
Wissenschaft und Technik&#13;
&#13;
1. Juli 1987&#13;
&#13;
24&#13;
&#13;
NEUE NORMEN FÜR PESTIZIDANWENDUNG GESUCHT&#13;
- Es geht um Verringerung des Krebsrisikofaktors -&#13;
&#13;
WASHINGTON - (AD) - Zur Ausschaltung&#13;
von durch&#13;
landwirtschaftliche&#13;
Pestizide in Nahrungsmitteln verursachte Krebsrisiken, sind einem Bericht des Nationalen Forschungsrates&#13;
(NRC) zufolge striktere Vorschriften&#13;
der&#13;
US-Bundesregierung&#13;
notwendig.&#13;
Zwar seien im Vergleich zu anderen&#13;
bekannten krebsverursachenden Faktoren diese Gefahren überaus gering.&#13;
Jedoch gebe es wegen der weitverbreiteten Anwendung von Insektiziden bei&#13;
Getreide und anderen agrarwirtschaftlichen Nutzpflanzen, von Herbiziden&#13;
zur Unkrautvernichtung und von Fungi-&#13;
&#13;
United States Information Service&#13;
Embassy of the United States of America&#13;
&#13;
ziden zur Bekämpfung von Pflanzenkrankheiten immer größere Bedenken.&#13;
In dem 270 Seiten umfassenden Bericht&#13;
an&#13;
die&#13;
US-Umweltschutzbehörde&#13;
EPA&#13;
wird die einheitliche Einführung einer Norm für einen "unerheblichen Risikofaktor" gefordert.&#13;
Dieser Risikofaktor soll bei Frisch- und Fertigprodukten sowie alten und neuen Pestiziden Anwendung finden, die bei der&#13;
Erzeugung&#13;
von&#13;
Nahrungsmitteln&#13;
und&#13;
Tierfutter benutzt werden.&#13;
&#13;
wird&#13;
&#13;
Der&#13;
"unerhebliche&#13;
Risikofaktor"&#13;
in der Weise definiert, daß un-&#13;
&#13;
Postfach 20 03 00&#13;
D 5300 Bonn 2&#13;
&#13;
Tel.: 0228-339 2035&#13;
Telex: 8-85432&#13;
&#13;
�ter je einer Million Menschen, die&#13;
der&#13;
chemischen&#13;
Substanz&#13;
ausgesetzt&#13;
sind, nicht mehr als ein zusätzlicher&#13;
Fall von Krebs auftreten dürfe. NRC&#13;
empfahl, jedes Pestizid zu verbieten,&#13;
durch dessen Anwendung bei Nahrungsmitteln&#13;
diese&#13;
Risikogrenze&#13;
überschritten werde.&#13;
Vor Journalisten erläuterte der&#13;
Präsident&#13;
der Universität Arkansas&#13;
und Vorsitzender des 17köpfigen NRCGremiums, Ray Thornton, das gegenwärtig gültige Gesetz. Dieses bewertet&#13;
Pestizidrückstände in Nahrungsmitteln&#13;
im Rohzustand nach weniger strengen&#13;
Maßstäben&#13;
als bei Fertigprodukten.&#13;
Jedoch sei seine praktische Anwendung&#13;
schwierig und biete nicht den besten&#13;
Schutz für die Gesundheit der Bevölkerung, erklärte Thornton.&#13;
Das Bundesgesetz vom Jahr 1954&#13;
für Nahrungs- und Arzneimittel&#13;
und&#13;
für kosmetische Präparate läßt onkogene (krebsverursachende) Rückstände&#13;
in Frischnahrungsmitteln nur zu, wenn&#13;
die Vorteile&#13;
der&#13;
Pestizidanwendung&#13;
schwerer&#13;
wiegen&#13;
als&#13;
die&#13;
Risiken.&#13;
Gleichzeitig&#13;
ist&#13;
es&#13;
aufgrund&#13;
der&#13;
"Delaney-Klausel" im Gesetz der Regierung untersagt, Toleranzwerte oder&#13;
zulässige&#13;
Höchstkonzentrationen&#13;
für&#13;
Pestizide festzusetzen, die sich in&#13;
verarbeiteten Nahrungsmitteln anreichern und bei Mensch und Tier krebsauslösend wirken können.&#13;
Thornton&#13;
zufolge gebe es aber&#13;
keinen wissenschaftlichen Grund, Pestizidrückstände&#13;
in&#13;
unverarbeiteten&#13;
Nahrungsmitteln rechtlich anders zu&#13;
behandeln&#13;
als&#13;
in&#13;
Fertigprodukten.&#13;
Hielte&#13;
man&#13;
sich&#13;
strikt&#13;
an&#13;
die&#13;
Delaney-Klausel, würde man nur etwa&#13;
die Hälfte der potentiellen onkogenen&#13;
Risiken ausschalten, die von den 28&#13;
von der Kommission untersuchten Pestiziden ausgehen könnten. Im Gegensatz dazu eliminierte man bei Anwen- 2&#13;
&#13;
dung einer einheitlichen "Norm für&#13;
den unerheblichen Risikofaktor" fast&#13;
alle potentiell krebsauslösenden Gefahren&#13;
durch&#13;
Pestizidrückstände&#13;
in&#13;
der Nahrung. Allerdings seien Fungizide (Präparate gegen Pilzbefall) ein&#13;
Sonderfall.&#13;
Wie Thornton erklärte,&#13;
erwiesen sich bei Tierversuchen im&#13;
Labor fast alle als onkogen. Jedoch&#13;
seien sie für eine wirtschaftliche&#13;
Erzeugung vieler Obst- und Gemüsearten von großer Bedeutung, und zur&#13;
Zeit würden nur wenige wirksame Alternativpräparate&#13;
entwickelt.&#13;
Die&#13;
NRC-Kommission empfiehlt, daß die EPA&#13;
über&#13;
Fungizide&#13;
als&#13;
Präparatgruppe&#13;
nach&#13;
Getreideart&#13;
entscheidet,&#13;
anstatt, wie bisher, von Fall zu Fall&#13;
Einzelpräparate&#13;
zu genehmigen oder&#13;
abzulehnen.&#13;
Alles in allem ist die Gefahr,&#13;
durch Pestizidrückstände in Nahrungsmitteln an Krebs zu erkranken, außerordentlich&#13;
gering.&#13;
Darauf verwies&#13;
das NRC-Mitglied Arthur Upton vom&#13;
Klinikum der Universität New York.&#13;
In den Vereinigten Staaten sterben&#13;
jährlich&#13;
etwa 450 000 Menschen an&#13;
Krebs, verursacht durch andere onkogene&#13;
Faktoren&#13;
- allein&#13;
mehr&#13;
als&#13;
100 000 an Krebs als Folge von Zigarettenrauchen.&#13;
Demgegenüber&#13;
ergebe&#13;
"eine grobe Schätzung des kumulativen&#13;
Risikos&#13;
durch&#13;
Pestizide&#13;
vielleicht&#13;
einen&#13;
Fall&#13;
auf&#13;
1000&#13;
als&#13;
obere&#13;
Grenze", meinte Upton. Ohnehin seien&#13;
die Schätzungen im Bericht zum Krebsrisiko wegen der vielen Unsicherheiten beim onkogenen Potential von Pestiziden, den Gewohnheiten beim Nahrungsmittelkonsum und der gegenwärtigen&#13;
Pestizidtoleranz&#13;
hypothetischer&#13;
Art. Jedoch gelte es, den Umfang der&#13;
Schädlingsbekämpfung mit nichtchemischen Mitteln immer mehr auszuweiten,&#13;
sofern sich dies als praktikabel erweise.&#13;
Mit dem Bericht wurde eine&#13;
&#13;
zwei-&#13;
&#13;
�jährige Studie abgeschlossen, an der&#13;
Toxikologen,&#13;
Juristen,&#13;
Mediziner,&#13;
Wirtschaftler und Agrarexperten mitarbeiteten.&#13;
&#13;
* * * * * *&#13;
- 3 -&#13;
&#13;
�</text>
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            <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
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                    <text>1 INFORMATION&#13;
- zum Tode von Arthur F, Burns&#13;
- Botschafter Burt würdigt seinen Vorgänger im Amt &#13;
&#13;
2 DOKUMENTATION&#13;
- Amerikaner gedenken des höchsten Gutes der Freiheit&#13;
- Ansprache Präsident Reagans zum Unabhängigkeitstag Strafverfahren gegen Hamadei wird tatkräftig betrieben&#13;
- Pressekonferenz von Justizminister Meese in Hamburg &#13;
&#13;
3 HINTERGRUNDMATERIAL&#13;
- Neuester Stand der amerikanischen Rüstungskontrollinitiativen&#13;
- Sonderveröffentlichung des US-Aussenministeriums&#13;
&#13;
4 WISSENSCHAFT UND TECHNIK&#13;
- Neue Normen for Pestizidanwendung gesucht&#13;
- Es geht um Verringerung des Krebsrisikofaktors </text>
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                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Zum Tode von Arthur P. Burns&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Botschafter Burt würdigt seinen Vorgänger im Amt -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Amerikaner gedenken des höchsten Gutes der Freiheit&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Ansprache Präsident Reagans zum Unabhängigkeitstag -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Strafverfahren gegen Hamadei wird tatkräftig betrieben&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Pressekonferenz von Justizminister Meese in Hamburg -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Neuester Stand der amerikanischen Rüstungskontrollinitiativen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Sonderveröffentlichung des US-Außenministeriums -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Neue Normen für Pestizidanwendung gesucht&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Es geht um Verringerung des Krebsrisikofaktors -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;</text>
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