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                    <text>Information
und
Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

7. August 1985

INHALT

DOKUMENTATION
Präsident Reagan:

Niemals wieder Einsatz von Atomwaffen

- Erklärung zum 40. Jahrestag des ersten Atombombenabwurfs Reagan b i e t e t ständiges Moratorium f ü r Kernwaffenversuche an
- Pressekonferenz des US-Präsidenten vom 5. August 1985 -

HINTERGRUNDMATERIAL
Kostendämpfung für den Raumflug
- SDI-Chef Abrahamson f o r d e r t "Nationale I n i t i a t i v e "

* * * * *

Um Ubcr/endung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel : 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�7. August 1985

32

PRÄSIDENT REAGAN: NIEMALS WIEDER EINSATZ VON ATOMWAFFEN
- Erklärung zum 40. Jahrestag des ersten Atombombenabwurfs -

WASHINGTON -

(AD) - Präsident Ronald Reagan hat i n einer

Erklärung

zum 40. Jahrestag des Abwurfs einer Atombombe auf Hiroshima b e t o n t , daß
a l l e Nationen der Welt dafür sorgen müssen, daß das Atom niemals wieder
a l s Waffe des Krieges Verwendung finden w i r d .

I n seiner Erklärung vom 6.

August 1985 hat der Präsident hervorgehoben, daß die Vereinigten Staaten
a l l e s tun werden, um eine f r i e d l i c h e r e Welt aufzubauen.

Reagan wies auch

darauf h i n , daß das Ende des Zweiten Weltkriegs den Beginn einer
spiellosen Freundschaft

bei-

zwischen den Vereinigten Staaten und Japan ge-

bracht habe.
Die Erklärung des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:
I n dieser Woche gedenken M i l l i o n e n von Menschen auf der ganzen Welt
des 40. Jahrestages der ersten und einzigen Einsätze von Kernwaffen - Geschehnisse, die einen langen und schrecklichen Krieg beendet haben.

Mit

dem Ende des Krieges entstand eine beispiellose Freundschaft zwischen den

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�zwischen den freien Völkern und demokratischen Regierungen der Vereinigten Staaten und Japans.

Wenn wir also über die Bedeutung der Ereignisse

vor 40 Jahren nachdenken, dann dürfen wir und die Bevölkerung Japans
stolz darauf sein, daß wir gezeigt haben, daß selbst zwischen früheren
Gegnern im Kriege eine dauerhafte Versöhnung möglich ist.

Wir dürfen niemals vergessen, was die Kernwaffen über Hiroshima und
Nagasaki gebracht haben.

Und doch dürfen wir auch nicht vergessen, daß

die Aufrechterhaltung unserer starken nuklearen Abschreckung vier Jahrzehnte lang die Sicherheit der Vereinigten Staaten und die Freiheit unserer Verbündeten in Asien und Europa gewährleistet hat.

In Europa bedeu-

ten diese Jahre die längste Friedensperiode seit Anfang des 19. Jahrhunderts.

Der Frieden hat uns nicht selbstgefällig gemacht, denn wir streben
weiterhin nach Hegen, um die Risiken eines Krieges noch mehr zu verringern.

Wie ich oft erklärt habe:

"Ein Atomkrieg kann nicht gewonnen wer-

den und darf niemals geführt werden."

Dieser Jahrestag ist daher nicht

nur Anlaß zur Erinnerung, sondern auch zum Handeln.

Die Vereinigten Staaten werden jeden vernünftigen Schritt tun, um eine friedlichere Welt aufzubauen.

Erst vorige Woche habe ich der sowjeti-

schen Führung eine Einladung zukommen lassen, ein Team sowjetischer Experten nach unserem Versuchsgelände in Nevada zu entsenden, um einen amerikanischen Atomversuch zu beobachten und seine Stärke zu messen.
Angebot gilt ohne Vorbedingungen.

Mein

Den sowjetischen Experten wurde frei-

gestellt, alle Instrumente und Einrichtungen mitzubringen, die sie für
notwendig erachteten, um die Stärke des Versuches zu messen.
war einfach und klar:

Unser Ziel

Einen Prozeß in Gang zu setzen, der hinsichtlich

der Begrenzung von Nuklearversuchen das Vertrauen und die Zusammenarbeit
zwischen unseren Nationen wesentlich erhöhen könnte.

Ich hoffe, daß die sowjetische Führung diese Einladung im Geiste des
guten Willens annehmen wird, in dem sie ergangen ist.

Ich möchte auch an

die Führung der Sowjetunion appellieren, mit uns zusammenzuarbeiten, um
- 2 -

�zusammenzuarbeiten, um einschneidende, v e r i f i z i e r b a r e
ringerungen der Nukleararsenale

und gerechte

zu erreichen; die Fragen bezüglich

Verder

Einhaltung bestehender Rüstungskontrollabkommen zu lösen und einen kons t r u k t i v e n Dialog über M i t t e l und toege zur Verringerung des Risikos eines
unbeabsichtigten Krieges i n Gang zu bringen.
Wir müssen auch wachsam sein i n unseren Bemühungen, die Ausbreitung
von Kernwaffen zu verhindern - und h i e r müssen a l l e

Nationen die

tragen h e l f e n .

Nukleartechnologie

Jene, die aus dem Transfer s e n s i t i v e r

Last

i n Unruhegebiete der Erde Gewinn schlagen möchten, s t e l l e n eine Bedrohung
des Weltfriedens dar.

Hier miß gehandelt werden, und wir ermutigen a l l e

Länder, sich uns i n der Forderung nach umfassenden Sicherheitsgarantien
a l s Vorbedingung für den Nuklearexport anzuschließen.
Wir sehen der d r i t t e n Uberprüfungskonferenz

für den Nichtweiterver-

b r e i t u n g s v e r t r a g , die i n diesem Monat beginnen w i r d , mit Interesse entgegen.

Die Vereinigten Staaten, die Sowjetunion und a l l e Länder der Welt

müssen das i h r i g e t u n , um zu gewährleisten, daß das Atom niemals wieder
als eine Waffe des Krieges, sondern nur noch a l s Instrument des Friedens
verwendet w i r d .

- 3 -

�Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

7. August 1985

32

REAGAN BIETET STÄNDIGES MORATORIUM FÜR KERNWAFFENVERSUCH AN
- Pressekonferenz des US-Präsidenten vom 5. August 1985 -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Ronald Reagan hat e i n ständiges Moratorium f ü r Kernwaffenversuche angeboten, wenn die Sowjets b e r e i t wären, i h r
z e i t l i c h begrenztes Moratorium f ü r Kernversuche nach dem 1 . Januar 1986
i n e i n ständiges Moratorium zu verwandeln oder wenn sie b e r e i t s e i e n , b i l a t e r a l e Inspektionen der Versuche der j e w e i l s anderen Seite zuzustimmen.
Auf einer vom amerikanischen Fernsehen übertragenen Pressekonferenz am 5.
August 1985 betonte der Präsident, daß dieses Angebot für den Zeitpunkt
nach dem Abschluß der gegenwärtigen amerikanischen Versuchsreihe

gelte.

Diese Versuche seien durch die massive sowjetische Aufrüstung notwendig
geworden.

Reagan wies darauf h i n , daß eine Lösung a l l dieser Fragen an

den Konferenztisch i n Genf gehöre, denn wenn man zu einer Einigung über
eine wesentliche Verringerung und schließliche Abschaffung a l l e r Kernwaffen kommen könne, dann gäbe es auch keine Notwendigkeit mehr f ü r Kernwaffenversuche.

Der

Stellvertretende

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D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 08-85432

�Der Stellvertretende Sprecher des Weißen Hauses Edward Djerejian erklärte später vor der Presse, der Präsident habe mit seinem Angebot "keine neue Initiative vorgeschlagen".

Die Vereinigten Staaten unterstützten

seit langem das Ziel von Verhandlungen über ein Versuchsverbot im Zusammenhang mit einschneidenden und verifizierbaren Verringerungen der Kernwaffen, wesentlich verbesserten Verifizierungsmethoden, verstärkten vertrauensbildenden Maßnahmen und der Aufrechterhaltung einer wirksamen Abschreckung.

Im wesentlichen, so betonte der Stellvertretende Sprecher

des Heißen Hauses, gehe es um das Verifizierungsproblem und um den Vorsprung der Sowjetunion in der Entwicklung und Modernisierung von Kernwaffen.

"Wir dürfen nicht vergessen", so betonte Djerejian, "daß die

grundsätzliche Notwendigkeit für unsere Versuche aus der massiven Aufrüstung der sowjetischen Offensivkraft herrührt".

Der Präsident eröffnete die Pressekonferenz, die sich zu einem großen
Teil mit Fragen des amerikanischen Haushalts und der Gesundheit des Präsidenten befaßte, mit einer einleitenden Erklärung, die folgenden Wortlaut hat:
Ich möchte zunächst eine Erklärung abgeben.

Ich möchte diese Gele-

genheit benutzen, einen Blick zurück zu tun und auch einen Blick in die
Zukunft auf unsere Erwartungen für diesen Herbst.
tet sich zu einem Jahr des Fortschritts.

Das Jahr 1985 gestal-

Die Wirtschaft erfreut sich gu-

ter Gesundheit, Amerika lebt in Frieden und trägt dazu bei, die Grenzen
der Freiheit zu erweitern.

Wir können Vertrauen aus der Tatsache schöpfen, daß die Zinssätze
noch immer nach unten neigen, daß die Inflationsrate noch immer unter
vier Prozent bleibt und daß in diesem Jahr fast 600 000 neue Arbeitsplätze geschaffen wurden.

Und jetzt, da die Batterien der Wirtschaft neu

aufgeladen sind, starten wir mit neuem Schwung.

Der Weg vor uns läßt ei-

nen starken Arbeitsmarkt erkennen, ohne neue Steuererhöhungen, die uns
bremsen würden und ohne dunkle Walken der Inflation am Horizont.

Aber es gibt
- 2 -

�Aber es gibt vieles, was wir tun können und müssen, um dieses Jahr zu
einem noch besseren Jahr zu machen.

Wir haben die Absicht, eine große

Herbstoffensive zu starten und uns an das Volk zu wenden und mit dem Kongreß zu arbeiten, um große und dringend erforderliche Reformen zu erreichen.

Wir werden unsere Bemühungen um eine Haushaltsreform, um ein Veto-

recht für Einzelposten - das A3 Gouverneure von Einzelstaaten bereits besitzen - und um einen ausgewogenen

Haushalt

intensivieren, um damit

schließlich dem Kongreß aufzuerlegen, daß er nicht mehr ausgibt, als er
einnimmt.

Wir können die chronischen Überausgaben des Kongresses nicht

mit dem Zuckerbrot freundlicher Appelle an gute Absichten verringern,
sondern wir müssen auch in der Lage sein, die Peitsche echter Disziplin
zu schwingen.

Wir werden auch den Gebieten der Landwirtschaft und des Handels besondere Aufmerksamkeit zuwenden, weil sie eine so große Auswirkung auf
den Haushalt und die Gesundheit unserer Wirtschaft haben.

Bis zum Tag

der Arbeit (2. September) werden wir alle Hindernisse für die Verabschiedung der Steuerreform aus dem Wege räumen.

Wir können uns nicht mit den

Ungerechtigkeiten und Erschwernissen der derzeitigen Steuersätze abfinden.

Wir müssen sie durch ein neues System ersetzen, das dem amerikani-

schen Volk niedrigere Hächststeuersätze und eine größere Fairness bietet.
Um unserer Zukunft willen gibt es keine höhere oder dringendere Priorität.

Von Seiten der Legislative erreichten wir nicht alle die Einsparungen, die wir angestrebt haben, aber wir haben an dem Prinzip festgehalten
- und es ist uns gelungen, daran festzuhalten, das ich als entscheidend
wichtig ansehe, wenn es um den Abbau des Haushaltsdefizits geht, daß wir
nicht das Einkommen der Menschen senken, sondern die Ausgaben der Regierung.

Es werden viele Bewilligungsgesetze anstehen, und ich bin ent-

schlossen, jedes von ihnen Zeile um Zeile genau zu prüfen, um, wenn notwendig, mein Veto einzulegen.

Was die Außenpolitik angeht, so haben wir die Woge der schrittweisen
sowjetischen Expansion, die vor fünf Jahren so deutlich zu erkennen war,
zurückgedrängt.

Unsere Bündnisse sind stärker und wir haben unsere Füh-

�unsere Führungsposition wiedergewonnen, wir arbeiten an der Lösung der
internationalen Schuldenlast, wir marschieren der Ausbreitung der Demokratie voran und wir suchen echte Fortschritte in entscheidenden globalen
Fragen von den Menschenrechten bis zur Nichtweiterverbreitung von Kernwaffen.

In Genf sind wir in der besten Position seit über einer Generation,
um echte Verringerungen der Kernwaffen zu erreichen.

Alles, was wir

brauchen, ist eine ernsthafte Einstellung der Sowjets.

Ich sehe meinem

Zusammentreffen mit Generalsekretär Gorbatschow in Genf im November dieses Jahres mit Erwartung entgegen.

Und auch dieses:
zubauen.

Wir haben begonnen, unsere Verteidigung wieder auf-

Unsere konventionellen Streitkräfte sind stärker.

Der Kongreß

hat unser strategisches Modernisierungsprogramm unterstützt und unsere
Abschreckung ist stärker.

Aber wir müssen weitermachen und dieses Pro-

gramm abschließen.

Wir setzen auch unsere Forschung auf dem Gebiet unserer nichtnuklearen strategischen Verteidigungsinitiative

fort, die die große hbffnung

bietet, daß wir vielleicht eines Tages die Menschen dieses Planeten vor
der Drohung eines nuklearen Angriffs schnützen können.

Und wir haben ei-

nen Durchbruch erzielt, als der Kongreß die Bedeutung Mittelamerikas für
unsere nationale Sicherheit erkannte und der Hilfe für die Freiheitskämpfer zustimmte.

Die Sache der Freiheit ist die Sache des Friedens und ich möchte all
jenen im Kongreß, die für die Unterstützung der Freiheitsbewegung in Nicaragua , Afghanistan und Kambodscha, und für die Aufhebung des Clark-Gesetzeszusatzes gestimmt haben - der die Hilfe für die Freiheitskämpfer in
Angola verbot -, mein Lob aussprechen.

Wir haben also, wie ich gesagt

habe, gut angefangen, aber es bleibt noch vieles zu tun.

Die außenpolitischen Fragen und Antworten der Pressekonferenz haben
folgenden Wortlaut:
FRAGE:

Herr Präsident,

�FRAGE:

l-terr Präsident, eine Frage zu Südafrika.

Beabsichtigen Sie

die Fortsetzung Ihrer Politik des konstruktiven Engagements oder sind Sie
der Ansicht, jetzt sei bald die Zeit gekommen, Schritte - wie etwa Sanktionen - zu unternehmen?

ANTWORT:

Ich bin der Meinung, daß die Ergebnisse, die dieses kon-

struktive Engagement mit Südafrika gezeitigt haben, ein Fortführen dieser
Politik rechtfertigt.
Sicherlich sind wir alle der Meinung - und wir haben dies auch deutlich gemacht -, daß die Apartheid abstoßend ist...

Man sollte aber auch

das Positive betrachten, das unser sogenanntes "konstruktives Engagement"
bislang mit sich gebracht hat - in immer größerem Maß vollständige zweirassige Eriehung; dann die Tatsache der über 100 Millionen Dollar, die
die dortige amerikanische Geschäftswelt im Lauf der vergangenen Jahre für
Ausbildung und Unterkunft der Schwarzen beigetragen hat; schließlich das
Faktum, daß das Verbot gemischtrassiger Ehen nicht länger existiert; daß
rund

vierzig Geschäftsbereiche

für Geschäfte

freigegeben wurden, die

Schwarzen gehören; Schwarze in der Gewerkschaftsbewegung; verstärkte Aufhebung der Rassentrennung in Hotels, Restaurants, Parks, Sportanlagen und
dergleichen.

Ich kann gar nicht alles aufzählen; aber alles trägt zur letztendlichen Antwort bei.

Und nimmt man die Worte von Buthelezi, des Führers der

Zulu, die ja rund ein Drittel der schwarzen Bevölkerung Südafrikas ausmachen, dann zeigt sich:

Er spricht gegen den Gedanken der Feindschaft,

der Sanktionen und sagt, was auch wir sagen, daß derlei nur den Menschen
schaden würde, denen wir zu helfen suchen.

FRAGE:

Sie werden also Ihr Veto einlegen?

ANTWORT:

... Im Prinzip bleibt es bei dem, was ich schon sagte: Mei-

ner Meinung nach ist die Fortführung unseres derzeitigen Programms der
beste Weg, auf dem wir eine Hilfe für die schwarze Bevölkerung Südafrikas
sein können.
FRAGE: Aber der

�FRAGE:
che.

Aber der Ausnahmezustand geht jetzt schon in seine dritte Wo-

Ihre Regierung hat seine Aufhebung gefordert und doch gab es keine

Reaktion hierauf.

Was werden Sie tun, um der südafrikanischen Regierung

dies stärker zu verdeutlichen?

ANTWORT:

Ich glaube, wir haben schon einigen Einfluß ausgeübt, und

sie selbst haben Fortschritt in diese Richtung versprochen.

Jetzt aller-

dings sprechen Sie von einer Regierungsreaktion auf Gewalt, die für alle
Menschen dort schädlich war.

Wir sahen Gewalt zwischen Schwarzen ebenso

wie seitens der Polizei gegen aufrührerisches Verhalten. Man muß bisweilen auch die Tatsache von Aktionen anerkennen, die in dem Bemühen ergriffen werden, Gewalt zu verhindern.

FRAGE:

Würden Sie Ihr Veto gegen ein Gesetz einlegen, das bereits

vom Repräsentantenhaus verabschiedet wurde und das, wie es den Anschein
hat, auch im Senat durchkommen wird?

ANTWORT:

Lassen Sie mich warten, bis ich sehe, was auf meinen

Schreibtisch kommt.

Ich weiß, daß es hier Dinge gibt, die gerade in der

Richtung nützlich sind, von der ich gesprochen habe.

Ich weiß allerdings

auch, daß die Sanktionen nicht nur für die Schwarzen dort Schaden anrichten würden, sondern daß sie auch schlecht für die angrenzenden Staaten
wären, deren Volkswirtschaften hinsichtlich Handel und Wirtschaftsbeziehungen von Südafrika abhängen.

FRAGE:

Könnte man also mit Recht sagen, daß es in der amerikani-

schen Politik keine Änderungen geben wird, daß man die Zügel nicht etwas
strafft?
ANTWORT:

Das hängt davon ab, was Sie unter Änderung verstehen; wenn

Sie damit Sanktionen und dergleichen meinen - nein.

Aber es kann natür-

lich Fluktuationen im Gespräch und in den Beziehungen zu einer anderen
Regierung geben.

FRAGE:
- 6 -

Was halten

�FRAGE:

Was halten Sie von den konservativen Attacken gegen Außenmi-

nister Shultz, er sei nicht antikommunistisch genug?

ANTWORT:

Sie entbehren jeglicher Grundlage und sie sind zutiefst

lächerlich.

Ich habe völliges Vertrauen in Außenminister Shultz und in

die Tatsache, daß er die Politik betreibt, an die ich glaube.

FRAGE:

Sie wissen, Gorbatschow sagte, wir seien Barbaren gewesen,

die Atombombe abzuwerfen.
ANTWORT:

Was halten Sie davon?

Ich dachte immer, es sei barbarisch von Stalin gewesen, 20

Millionen seiner eigenen Landleute umzubringen.

Wir hingegen warfen die Bombe in dem Bestreben ab, das zu beenden,
was der größte Krieg in der Geschichte der Menschheit war.

Der Wider-

stand des Feindes und die Inselkämpfe, die zur Invasion Japans führten,
bewiesen uns, daß wir auf Widerstand bis zum Tode treffen würden.

Man

schätzte die Verluste bei weiterem Vorrücekn auf mehr als eine Million.
Und ich glaube, jenen, die damals diese schreckliche Entscheidung zu
treffen hatten, jetzt etwas anderes unterstellen zu wollen, ist lächerlich.

Schrecklich wie es war, müssen wir meiner Meinung nach doch auch sagen, daß dadurch die Welt eine Vorstellung von dem Schrecken der Kernwaffen erhielt.

Und das hilft uns jetzt vielleicht dabei, uns eines Tages

von ihnen zu befreien.

Dies müssen wir erkennen - und auch die Tatsache ,

daß die Präsenz unserer Kernwaffen als ein Mittel der Abschreckung uns
die längste Periode des Friedens - 40 Jahre Frieden - gebracht hat, die
es jemals gab.

FRAGE:

Hierzu noch:

Warum greifen Sie nicht Gorbatschows Vorschlag

eines gemeinsamen Moratoriums bei Nuklearversuchen auf?

ANTWORT:

Die Sowjetunion ist uns bei der Entwicklung und der Moder-

nisierung der Kernwaffen voraus.

Sie hat eben ihre Versuche beendet, ein
- 7 -

�beendet, ein paar stehen vielleicht noch aus, die sie womöglich noch vor
dem 6. - dem vorgeschlagenen Beginn - dazwischenquetschen werden.

Aber

sie hatte ihre Versuche mit der SS-24, der SS-25 und der SS-18 beendet,
die unserer MX vergleichbar ist. Und wir haben mit den Versuchen bei einigen unserer Waffentypen, die mit den ihrigen Schritt halten sollen,
noch nicht einmal richtig begonnen, geschweige denn die Tests abgeschlossen.

Deshalb kommtihr Vorschlag für ein beiderseitiges - erst einseitiges
- Moratorium für mehrere Monate nach Abschluß ihrer Versuche.
chen nichts mehr zu tun.

Sie brau-

Ihr Drängen auf ein beiderseitiges Moratorium

bedeutet, daß wir dann nicht mehr in der Lage wären, mit ihnen Schritt zu
halten.

Und wir haben hierfür ein Beispiel aus der Zeit Kennedys.

Damals ging es um Versuche bei ABM und dergleichen.

Wir bemühten uns

um einen Vertrag, die Sowjetunion weigerte sich; sie brachte ihre Versuche zu einem Ende. Als dann der Kongreß für uns grünes Licht gab, sagten
die Sowjets sofort zu Präsident Kennedy:

"Oh ja, wir sind jetzt bereit,

über ein Moratorium bei Tests zu sprechen."

Und aus diesem Grund haben wird gesagt:
suche durchführen - genau dieselben wie ihr.

"Wir müssen noch unsere VerIhr könnt gern jemand her-

überschicken und alle unsere Versuche beobachten."

Und wir würden gern noch Folgendes hinzufügen:

Wenn sie nach dem be-

grenzten Moratorium, das etwa im Dezember zu Ende gehen sollte, bereit
sind, es zu einem ständigen Moratorium zu machen oder wenn sie bereit
sind, mit uns übereinzustimmen und bilaterale Inspektionen bei den Test
der jeweils anderen Seite zu haben, so sind wir hierzu auch bereit.

FRAGE:

Sie sagten, alle unsere Versuche zu beobachten?

Sie würden

bis zu einem totalen Moratorium gehen, einem ständigen Moratorium bei allen unterirdischen Tests? Allen Tests?

ANTWORT:
- 8 -

Ich weiß

�ANTWORT:

Ich weiß n i c h t , ob wir i n der Lage wären, unsere b i s zum

Jahresende zu beenden.

Vtenn wir unsere abgeschlossen haben und sie keine

neuen unternehmen FRAGE:

Nun, sie sagen, wir h ä t t e n . . .

ANTWORT:
FRAGE:
ANTWORT:

Ja, das wäre gut.
. . . unsere i n Nevada abgeschlossen.
Oh nein.

Wir sprechen noch immer vom Typ MIDGETMAN, um

i h r e SS-24 oder SS-25 aufzuwiegen.

Und wir haben bis j e t z t noch nicht

einmal damit angefangen.
FRAGE:
ANTWORT:

Vtenn könnte das sein?
Das weiß ich n i c h t .

kreten Fakten zurückkehren.

Innerhalb eines Jahres?
Lassen Sie uns inzwischen zu zwei kon-

I n Genf s o l l t e n die Entscheidungen g e t r o f f e n

werden und nicht mit Moratorien dieser A r t .

Vfenden wir uns dem Bemühen

z u , e i n f ü r a l l e Mal die Anzahl der Kernwaffen zu v e r r i n g e r n , was hoff e n t l i c h zu i h r e r v ö l l i g e n Beseitigung führen w i r d .
überhaupt keine Notwendigkeit mehr für Versuche.

* * * * *

- 9 -

Dann gäbe es nämlich

�7. August 1985

31

KOSTENDÄMPFUNG FÜR DEN RAUMFLUG
5DI-Chef Abrahamson f o r d e r t "Nationale I n i t i a t i v e " -

-

(AD) - Zu den sich j e t z t abzeichnenden und zukünftigen S t a r t e r f o r -

dernissen i n den neunziger Jahren äußerte sich während einer

dreitägigen

Anhörung Generalleutnant James Abrahamson, Direktor der Organisation für
die Strategische V e r t e i d i g u n g s i n i t i a t i v e
ses

für

Wissenschaft

amerikanischen

und Technologie

Repräsentantenhauses.

(SDI) vor Gremien des Ausschussowie des Militärausschusses

des

Seinen

die

Worten

zufolge

Stationierung einer Abschirmung gegen nukleare b a l l i s t i s c h e

würde

Raketen "den

Shuttle-Unternehmen vergleichbare Flüge" e r f o r d e r n , die sowohl der gegenwärtigen als auch der vorgesehenen

rationalen

S t a r t k a p a z i t ä t i n etwa e n t -

sprächen oder sogar merklich darüber lägen.

In einer Diskussion betonte

Abrahamson außerdem die Notwendigkeit einer

"nationalen I n i t i a t i v e "

Senkung der Kosten für den Transport i n den Waltraum.

Ebenso wie das ge-

samte SDI-Programm müsse die Beförderung eines Verteidigungssystems
Raketenabwehr i n den Erdorbit

"kosteneffektiv"

sein.

zur
zur

Wir bringen nach-

folgend den Wortlaut der Erklärung Abrahamsons:
Das Thema ' Transport

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Das Thema ' Transport i n den Weltraum'
teidigungsinitiative

des

Präsidenten

von

ist

für die Strategische

außerordentlicher

Ver-

Bedeutung.

Der Transport i n den Vteltraum wird i n unseren gegenwärtigen Untersuchungen a l s k r i t i s c h e Technologie und wichtigste Kategorie für den Kostenanstieg i d e n t i f i z i e r t .

Dies wird durch die Folgerungen b e s t ä t i g t , zu denen

das von Dr. Fletcher geführte Team zum Studium der Verteidigungstechnologien gekommen i s t .
den unsere

Die r e l a t i v hohen Kosten für unsere Startsysteme wer-

Fähigkeit,

eine

finanzierbare

strategische

Verteidigung

zu

d i s l o z i e r e n , wesentlich beeinflussen.

Es i s t unsere A b s i c h t , f ü r v i e l e unserer technologischen Forschungsprogramme

den Raumtransporter

Wir gehen davon aus,

als

das primäre

Startgerät

zu benutzen.

im Rahmen der Grundlagenforschungen während der

Haushaltsjahre 1987 bis 1991 den Raumtransporter i n einem Umfang zu nutzen, der i n etwa einem Flug pro Jahr e n t s p r i c h t .

Wir nehmen a n , diesem

Erfordernis am besten gerecht zu werden, wenn wir innerhalb dieser
j e w e i l s zweimal die Hälfte des Frachtraums belegen.
sich ändern.

Zeit

Diese Schätzung mag

So könnte beispielsweise für unseren ersten STS-Flug (Space

Transportation System) im Haushaltsjahr 1987 der gesamte Frachtraum benöt i g t werden.
spielsweise

Außerdem werden zahlreiche SDI-Sekundärexperimente wie b e i das

überaus

erfolgreiche

Hochpräzisions-Nachführexperiment,

das während eines der jüngsten Shuttle-Flüge durchgeführt wurde, i n Erwägung gezogen und bei künftigen Shuttle-Unternehmen m i t g e f ü h r t .

Wir

planen

die

SDI-Forschung

im

Hinblick

auf

ausreichenden

Fort-

s c h r i t t und technische R e i f e , so daß e i n k ü n f t i g e r Präsident ebenso wie
der Kongreß Anfang der neunziger Jahre entwicklungstechnische

Entschei-

dungen f ü r e i n Verteidigungssystem für die Vereinigten Staaten und unsere
Verbündeten

treffen

können.

Vfenn diese

Entscheidungen

zu

technischen

Entwicklungen führen s o l l e n , e r f o r d e r t dies zweifellos zusätzliche Transporte i n den Vteltraum.
die Erfordernisse

Es i s t schwierig, j e t z t schon zu sagen, wie groß

wären; grob geschätzt könnten s i e , beginnend mit dem

Haushaltsjahr 1992, fünf Raumtransporterflügen pro Jahr entsprechen. Diese Flugerfordernisse sind mit den Anforderungen vereinbar, die den L u f t s t r e i t k r ä f t e n f ü r die Zusammenstellung der Missionsmodelle auf nationaler

�auf nationaler Ebene und für das Verteidigungsministerium im Zusammenhang
mit STS-Einsätzen eingeräumt wurden.
derungen d e f i n i e r t

Je besser unsere Entwicklungsanfor-

werden können, desto e f f e k t i v e r

werden auch unsere

Fluganforderungen r e v i d i e r t und mit den verantwortlichen Organisation koordiniert.
Vorausschätzungen einer möglichen SDI-Dislozierung sind nur v o r l ä u f i ger Natur und ihrem Wssen nach äußerst dynamisch.
ren wir

viele

mögliche

Startanforderungen.

Schemata

mit

Gegenwärtig a n a l y s i e -

einem b r e i t e n Spektrum

denkbarer

Diese Schemata sind noch keineswegs ausgereift

und

machen es äußerst schwierig, zum gegenwärtigen Zeitpunkt e i n genaues Missionsmodell

aufzustellen.

Um jedoch auf

Ihre Fragen zu den möglichen

SDI-Startanforderungen für eine System-Dislozierung zurückzukommen, möchte ich eine Anzahl von shuttle-äguivalenten Flügen vorschlagen, die i h r e r
Natur nach der gegenwärtigen und k ü n f t i g vorgesehenen nationalen S t a r t k a pazität entsprächen oder sie sogar d e u t l i c h überstiegen.

Es steht kaum außer Z w e i f e l , daß auf längere Sicht der Umfang der nat i o n a l e n Startanforderungen die gegenwärtigen Startkapazitäten ü b e r s t e i gen w i r d .

Aus diesem Grund gab der Präsident k ü r z l i c h Anweisung f ü r die

Fertigstellung

einer

natonalen Studie

über

Transporte

in

den

Vfeltraum

e i n s c h l i e ß l i c h der e r f o r d e r l i c h e n I n f r a s t r u k t u r , die vom Verteidigungsministerium und dem Amt für L u f t - und Raumfahrt (NASA) gemeinsam ausgearbeitet wird.
gierung

für

Die Studie wird p o t e n t i e l l e Missionserfordernisse der Renationale und z i v i l e

Aufgaben im Vteltraum für die Z e i t ab

1995 ausweisen, die verschiedenen Möglichkeiten für die T r a n s p o r t - I n f r a struktur

zur aufgabengerechten Durchführung dieser Missionen d e f i n i e r e n ,

anwendbare Technologien für die Trägergeräte angeben und s c h l i e ß l i c h die
j e w e i l i g e n Aufgabenspektren benennen.

In der Studie wird man sich mit

a l l e n Aspekten von Startmöglichkeiten befassen, e i n s c h l i e ß l i c h der j e w e i l i g e n Operationen, der
auch am Boden.

Wartung und der L o g i s t i k

sowohl im Weltraum a l s

Die Regierung vertraut darauf, daß die mit der Studie ge-

gebenen Empfehlungen die USA i n die Lage versetzen werden, fortdauernden
Zugang zum Weltraum und die führende Rolle beim Transport i n den Weltraum
zu behalten.

Der endgültige Bericht

s o l l im Mai 1986 vorgelegt werden.

- 3 -

�vorgelegt werden.

Von diesem Bericht wird ein breit angelegtes Technolo-

gie-Investitionsprogramm

für künftige nationale Erfordernisse ausgehen.

Als potentieller Anwender für eine verbesserte nationale Startkapazität
in der Zukunft wird SDI in den nächsten Jahren Forschungsinvestitionen
vornehmen um, dazu beizutragen, daß dramatisch niedrigere Kosten und erhöhte Operationsflexibilität im Bedarfsfall verfügbar sind.

Unser besonderes Interesse gilt einem breiten Spektrum modernster
Technologien.

Diese Technologien könnten sowohl einem nach dem Shuttle-

Prinzip projektiertem Startvehikel als möglicherweise auch einem völlig
neuem System dienen.

Am Anfang steht die Forderung, daß wir unsere ge-

genwärtigen arbeitsintensiven Aufgaben wesentlich reduzieren müssen.

Um

dies zu erreichen, suchen wir nach Verbesserungen in unseren gegenwärtigen Operationen am Boden und im Waltraum, bei der Missionsplanung, in Fabrikation und Produktion, in der Ausarbeitung der Software und in der Logistik.

Da zum gegenwärtigen Zeitpunkt unsere künftigen Starterfordernisse
noch ziemlich unklar sind, ist Flexibilität jetzt eines unserer Hauptziele.

Ich bezweifle, daß ein einziger Typ von Startgerät diesen Anforde-

rungen gerecht werden könnte, und es ist wahrscheinlich, daß eine ganze
Familie von Trägergeräten gebraucht würde.

Meines Erachtens liegt auch

der Schlüssel zu künftigen leistungsfähigen Startoperationen für kommerzielle Zwecke in flexiblen Operationen.

Die Vereinigten Staaten und die

westliche Veit haben eine aufregende und lebendige Zukunft in Waltraumaktivitäten aller Art vor sich.

Der Schlüssel zu dieser Zukunft - seien

es Aktivitäten im Interesse der Sicherheit, der wissenschaftlichen Forschung oder der kommerziellen Nutzung - der Schlüssel also liegt in einem
flexiblen und rentablen Waltraumtransportsystem.

Die Vereinigten Staaten

müssen Menschen, Ideen, Geld und Führungskraft investieren, um diese Zukunft Wirklichkeit werden zu lassen.

- 4 -

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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Präsident Reagan: Niemals wieder Einsatz von Atomwaffen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärung zum 40. Jahrestag des ersten Atombombenabwurfs -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Reagan bietet ständiges Moratorium für Kernwaffenversuche an&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Pressekonferenz des US-Präsidenten vom 5. August 1985 -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Kostendämpfung für den Raumflug&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- SDI-Chef Abrahamson fordert "Nationale Initiative" -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;</text>
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und
Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

32

14. August 1985

INHAL

HINTERGRUNOMATERIAL
Keine amerikanischen Vorbedingungen für G i p f e l t r e f f e n
- Euronet-Pressekonferenz der US-Unteistaa:ssekretärin f ü r
europäische Angelegenheiten -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Raumflug für die Wissenschaft
- Jüngster CHALLENGER-Einsatz:

Großartiger E r f o l g -

* * * * *

Um Über/endung von
ßelegcKcmploren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�32

14. August 1985

KEINE AMERIKANISCHEN VORBEDINGUNGEN FÜR GIPFELTREFFEN
Euronet-Pressekonferenz der US-Unterstaatssekretärin für
europäische Angelegenheiten -

WASHINGTON - (AD) - Die Unterstaatssekretärin f ü r europäische Angelegenheiten im amerikanischen Außenministerium, Rozanne Ridgway,
i n einem Fernsehinterview

erklärte

am 7. August 1985, es gebe für das geplante

G i p f e l t r e f f e n zwischen Präsident Reagan und dem sowjetischen Generalsekr e t ä r Gorbatschow im November dieses Jahres von Seiten der
Staaten

keine

Vorbedingungen.

Rozanne

Ridgway,

die

Vereinigten

Botschafterin

der

Vereinigten Staaten i n Ostberlin war und j e t z t im amerikanischen Außenministerium die Nachfolge von Richard B u r t , dem neuen Botschafter der Vere i n i g t e n Staaten i n Bonn, angetreten h a t , betonte, zwar bestünden bezügl i c h der Menschenrechte Differenzen, die ausgeräumt werden müßten, aber
von Vorbedingungen könne man nicht

sprechen.

Die

Unterstaatssekretärin

nahm i n dem vom US-Informationsamt (USIA) über S a t e l l i t nach Europa ausgestrahlten Fernsehinterview unter anderem auch zu der Frage eines s t ä n digen

Moratoriums

für

Kernwaffenversuche,

zur

Strategischen

Verteidi-

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Strategischen Verteidigungsinitiative (SDI), zum Helsinki-Prozeß und zum
Ost-Wsst-Verhältnis generell Stellung.

Das Interview hat - in leicht gekürzter Form - folgenden Wortlaut:

FRAGE:

Wir wissen, daß Sie bei dem Treffen zwischen (US-Außenmini-

ster) Shultz und (dem sowjetischen Außenminister) Schewardnadse in Helsinki dabei waren.

Ich möchte Sie fragen, was Sie von dem fotogenen

Lächeln von Außenminister Schewardnadse halten, von dem so viele Ihrer
Kollegen eingenommen waren; oder haben Sie hinter dem Lächeln und hinter
dem, was der neue sowjetische Stil der 'Öffentlichkeitsarbeit zu sein
scheint, eine Veränderung in der Sache oder einen Wandel in der sowjetischen Außenpolitik festgestellt?

Darf man auf ein erfolgreiches Ergeb-

nis des Gipfeltreffens im November hoffen, nachdem man weiß, daß sich die
Sowjetunion geweigert hat, in Genf über Menschenrechte zu sprechen?

ANTWORT:

Das ist schon eine Frage, die Sie da gestellt haben.

enthält mehrere Elemente.

Lassen Sie mich von oben anfangen.

Sie

Das Zusam-

mentreffen in Helsinki war eine wichtige Zusammenkunft - die erste Zusammenkunft mit dem neuen sowjetischen Außenminister.

Und wir haben, wie

wir hinterher erklärten, festgestellt, daß die Entwicklung dieser Zusammenkunft es uns ermöglicht hat, einen sehr sachlichen Dialog zu führen.
Wir haben auch das Wort offen gebraucht, denn wir stellten fest, daß wir
in der Lage waren, einigermaßen tiefgehend einen ganzen Bereich von Fragen zu besprechen - einen Meinungsaustausch darüber zu führen, wo die
Vereinigten Staaten und die Sowjetunion sich in wichtigen Tagesfragen engagieren.

Wir haben uns sehr davor gehütet, zu versuchen, die an dem Treffen
beteiligten Personen zu beurteilen, so wie andere nicht versucht haben,
uns zu beurteilen.

Die Persönlichkeit spielt in diesem Geschäft natür-

lich eine sehr große Rolle, aber es ging um die Sache.

Außenminister

Shultz erklärte nach dem Treffen, er glaube, es sei ein guter Anfang gemacht worden, und ich glaube, wenn man nach etwas Ausschau hält, was, wie
man sagen könnte, Hoffnung bietet, dann darf man mit einer solchen Beur- 2 -

�solchen Eteurteilung als "guter Anfang" sicherlich zufrieden sein.

Es

liegen noch viele Wochen vor uns, bis es im November zu dem Treffen zwischen Präsident Reagan und Parteisekretär Gorbatschow kommt.

Es bleibt

noch viel zu tun. Das war nur ein erster Schritt.

FRAGE:

Ich glaube, ein Teil der Frage war auch, ob es in Helsinki

einen sachlichen Unterschied gab?

ANTWORT:

Es handelte sich nicht um eine Zusammenkunft, auf der man

einen Unterschied in der Sache zu vernehmen erwartet.

Es handelte sich,

wie ich sagte, um einen ersten Schritt auf dem Wag nach Genf.

Es war,

wenn Sie so wollen, eine Chance für uns, die Fragenkategorien aufzuzeigen, die uns interessieren.

Es geht hier um Rüstungskontrolle, regionale

Fragen, bilaterale Fragen, Menschenrechte.

Sie haben ganz recht, wir

werden mit der Zeit eine unterschiedliche Tagesordnung haben.

Auf unse-

rer stehen immer die Menschenrechte, aber wir versuchen nicht, uns auf
eine Tagesordnung zu einigen.
ge, die uns interessieren.

Wir sagen ganz einfach:

Das sind die Din-

Helsinki gab uns die Gelegenheit zu diesem

Zeitpunkt des ersten Schrittes, die Probleme darzulegen, über die gesprochen werden muß.

Keine Seite hat den Versuch gemacht, über die Sache

selbst zu sprechen; es war eine Vorbereitung.

FRAGE:

Als frühere Botschafterin in Ostberlin und jetzige Beraterin

von Außenminister Shultz in europäischen Angelegenheiten - welche Strategie gegenüber den Mitgliedern des l/ferschauer Paktes würden Sie vertreten?...

ANTWORT:

Die Administration hat natürlich von Anfang an eine sehr

klare Politik gegenüber Osteuropa eingeschlagen, und wir sind bereit, mit
den Ländern Osteuropas - den Mitgliedern des Warschauer Paktes, wie Sie
sagen - auf individueller Basis umzugehen, je nach dem Inhalt ihrer Politik und ihrem erkennbaren Wjnsch oder nicht erkennbaren Winsen, ein positives Verhältnis mit uns zu haben...

FRAGE:

Ich möchte

�FRAGE:

Ich möchte noch einmal auf Htelsinki zurückkommen.

Ich g l a u -

be, es wurde unter anderem a l s Anlaß für eine neue Entspannung benutzt.
Die Sowjetunion hat e i n fünfmonatiges Verbot bei Kernwaffenversuchen vorgeschlagen und die Vereinigten Staaten hatten einen anderen Vorschlag unt e r b r e i t e t , wonach die Sowjetunion Beobachter nach Nevada entsenden s o l l t e , um dort einen Versuch zu beobachten.

Kam der sowjetische

Vorschlag

für Sie überraschend?
ANTWORT:

Nein, wir waren überhaupt nicht überrascht.

Die Sowjetuni-

on hat s e i t v i e l e n , v i e l e n Jahren Vorschläge u n t e r b r e i t e t , die unter der
Bezeichnung 'Moratorium" l a u f e n , und es i s t eine ganze Sammlung solcher
Moratorien bekannt.

Wir sind von unserem Standpunkt aus, wie Sie wissen,

der Überzeugung, daß die

anstehenden Probleme nicht

durch d e r l e i

Vor-

schläge gelöst werden können, sondern i n Genf gelöst werden müssen, wo
die Aufgabe, die die Welt gelöst sehen möchte, d a r i n besteht, eine r a d i kale

Verringerung

rascht?

Nein'.

der

Kernwaffen

herbeizuführen.

Unvorbereitet,

über-

Wir sind es gewohnt, daß solche Vorschläge von Z e i t zu

Zeit auftauchen.
FRAGE:

Ifenn wir von dem sprechen, was die Helt möchte, was halten

Sie von einem Versuchsverbot oder einer Versuchsüberwachung?
ANTWORT:

Das Problem, um das es auf diesem enorm komplexen Gebiet

der Rüstungskontrolle geht, i s t

die V e r i f i z i e r u n g .

Beide Seiten müssen

w i r k l i c h e s Vertrauen d a r i n haben können, daß geschlossene Abkommen auch
eingehaltene
werden Sie

Abkommen sind.

Und wenn man dieser Frage nachgeht, dann

sehen, daß wir

durch Technologie, durch Expertenaustausch,

durch - wie im Falle unseres Vorschlags zur Beobachtung von Kernversuchen
- so ins einzelne gehende Dinge wie Vergleichsmessungen M i t t e l und Hege
finden müssen, um s i c h e r z u s t e l l e n , daß die Messungen auf beiden Seiten
die gleichen s i n d .
nicht so dramatisch.

Das i s t

alles

nicht

so a u g e n f ä l l i g und

Die Leute lesen das v i e l l e i c h t

nicht zu Ende, weil es ihnen zu technisch i s t .
zeugung i s t

vielleicht

i n der Zeitung gar

Aber nach unserer Über-

das der e i g e n t l i c h e Kern der Sache - V e r i f i z i e r u n g , V e r i f i -

z i e r b a r k e i t , V e r l ä ß l i c h k e i t , Vertrauen.

Und wir müssen diese Frage an-

�Frage anpacken.

Das war der Grund, warum Präsident Reagan im September

1984 seinen Vorschlag unterbreitet und erst kürzlich näher dargelegt hat.

FRAGE:

Ja schon, aber die Vorschläge der Sowjetunion schienen Aus-

druck dieses neuen Stils zu sein.

Der alte Stil - wie sie beispielsweise

zum "Krieg der Sterne" stehen - schien doch das Haupthindernis in Genf zu
sein,

Warum glauben Sie, daß die Sowjets so sehr dagegen sind?

ANTWORT:

Der Grund ist, wie ich meine, ganz einfach.

Es ist erwie-

sen, daß die Sowjetunion sich seit vielen, vielen Jahren mit solcher Forschung beschäftigt.

Sie hat, wenn man auf die Einzelheiten blickt, auf

diesem Gebiet wahrscheinlich einen großen Vorsprung gegenüber den Vereinigten Staaten und ihren Verbündeten.

Wir sind uns endlich über die Not-

wendigkeit klar geworden, eine solche Forschung zu betreiben, in die Zukunft zu blicken, unsere strategische Position bis Ende dieses Jahrhunderts zu verbessern.
sich natürlich

Und wenn man einen Vorsprung hat, dann gewöhnt man

daran, sich dieses Vorsprungs

zu erfreuen und möchte

nicht, daß andere aufholen.

Der erste Schritt ist also, daß man sich der amerikanischen Strategischen Verteidigungsinitiative widersetzt als einer Sache, die angeblich
der Rüstungskontrolle im Wage steht.
Wage.

Dabei steht sie überhaupt nicht im

Der nächste Schritt ist der, daß man dafür sorgt, daß sie mißver-

standen wird und als etwas gesehen wird, was sie gar nicht ist.

Um was

es in WirklLchkeit geht, ist - wie jeder, der die Sache kennt, weiß - ein
außerordentlich kluger Schritt, um die Forschung zu betreiben, die notwendig ist, um herauszufinden, ob es im Sinne der Technologie, der Kosten, der Überlebensfähigkeit usw. wirklich möglich ist, die Elemente einer neuen Position auf der Basis der Verteidigung herauszufinden.

FRAGE:

SDI fand in Europa eine sehr kühle Aufnahme.

Warum glauben

Sie, daß das so war?

ANTWORT:

Manchmal glaube ich, daß wir sagen können, was wir wollen

und zunächst cbch eine kühle Aufnahme finden.

Und dann beginnen die Leu-

�die Leute nachzudenken und es sich zu überlegen und stellen dann schließlich fest, daß der Vorschlag gar nicht so schlecht ist.

Selbstverständ-

lich hat keiner, der die Sache kennt, gesagt, man solle diese Forschung
nicht betreiben.

Und wenn dann schließlich das Verständnis dem unsrigen

gleichkommt, dann haben wir trotzdem noch unter Etiketten zu leiden, und
der Begriff "Krieg der Sterne" hat sich sicherlich als sehr eingängig erwiesen.

Und niemand, der bei der Formulierung einer Schlagzeile, bei der

es um "Krieg der Sterne" oder um eine "Untersuchung der Möglichkeiten für
eine neue strategische Position" geht, die Kahl hat, wird sich für die
längere Formulierung entscheiden.

Und so stehen wir, wenn Sie so wollen,

einem Unterschied zwischen dem, um was es in dem Dialog zwischen den Vereinigten Staaten und Europa eigentlich geht, und dem, wie es in den
Medien dargestellt wird.

FRAGE:

Es gibt in Europa ein Gegenprojekt, Eureka.

Sehen Sie eine

Art Konkurrenz zwischen beiden Projekten?

ANTWORT:

Nein.

Ich weiß natürlich, daß das ein sehr populäres Thema

ist, aber diese ganze neue Welt der Wissenschaft und Technologie, mit der
sich Wissenschaftler, Techniker und Strategen in Nordamerika und in Europa befassen, hat Platz für alle, und wir sind der Überzeugung, daß SDI
und Eureka miteinander vereinbar sind und bleiben werden...

FRAGE:

Darf ich Sie fragen, ob Sie irgendwie hoffen, eine einheit-

liche westliche Linie im Zusammenhang mit dem kommenden Treffen zwischen
Präsident Reagan und Parteisekretär Gorbatschow aufrechterhalten zu können?

Und zwar in dem Sinne, in dem die Erklärungen und Reden in Helsinki

abgefaßt waren, wo alle westeuropäischen Länder, wie Sie auch, die Menschenrechtsfrage hervorgehoben haben, obgleich es doch einen Unterschied
gab, denn Sie haben sich deutlicher ausgesprochen:
redet und vielleicht ein bißchen aggressiver.

Sie haben offener ge-

Glauben Sie, daß die West-

europäer bei der Stange bleiben und grundsätzlich die gleiche Linie verfolgen wie Sie, oder sehen Sie eine wachsende Kluft zwischen Europa und
den Vereinigten Staaten?
ANTWORT:
- 6 -

Ich sehe

�ANTWORT:

Ich sehe keine echte Kluft.

im Stil gehabt.

Wir haben immer Unterschiede

Niemand würde sich doch wohlfühlen, wenn alle Erklärun-

gen in Helsinki über einen Leisten geschlagen worden wären oder genau die
gleichen Dinge hervorgehoben hätten.

Ich möchte in diesem Zusammenhang

nur an die Zusammenarbeit erinnern, die wir in Madrid zur Zeit der Madrider Folgekonferenz erlebt haben...
anbetrifft.

gerade was auch die Menschenrechte

Daß wir es vorgezogen haben, diese Anliegen in Helsinki auf

verschiedene Waise zum Ausdruck zu bringen, ist einfach ein Ausdruck der
Tatsache, daß wir verschiedene Länder sind.
Auftreten von Differenzen.

Ich rechne nicht mit dem

Wir rechnen vielmehr damit, uns durch einen

Konsultationsprozeß über die Auffassungen unserer Verbündeten und anderer
in Europa auf dem laufenden zu halten; zu wissen, was ihre Anliegen sind,
Bescheid zu wissen, was sie über das denken, was wir in den kommenden Wochen und Monaten zu tun gedenken und diese ihre Gedanken in unser eigenes
Denken einzubeziehen.

Ich rechne also nicht damit, daß Differenzen ent-

stehen, denn es hat auch in der Vergangenheit keine gegeben; ich rechne
vielmehr mit einer Ära der weiteren Zusammenarbeit und der sehr, sehr engen Konsultation...

FRAGE:

Können Sie uns eine genauere Vorstellung davon geben, wie

nach Ihrer Auffassung die Tagesordnung in Genf aussehen sollte - vor allem, was das Thema Nummer eins sein sollte?

ANTWORT:

Es gibt natürlich keine festgelegte Tagesordnung - in dem

Sinne, wie wir diesen Begriff "feste Tagesordnung" verstehen.

Aber die

anstehenden Fragen ordnen sich nach unserer Auffassung ohnehin in etwa
vier Kategorien ein - Rüstungskontrolle, die regionalen Fragen, die bilateralen Fragen und, wie schon gesagt, die Menschenrechte.

Und es ist

kein Zufall, daß ich die Liste mit Rüstungskontrolle begonnen habe; ich
habe auch keinen Zweifel daran, daß zwar alle Themen wichtig sind und alle Chancen und Möglichkeiten bieten, daß aber der Hauptschwerpunkt für
alle Menschen auf der Rüstungskontrolle liegt.

Das soll nicht heißen,

daß alles zu schaffen ist. Man muß aber einfach zugeben, daß, wer immer
die Liste der Themen aufstellt, die in Genf erörtert werden sollten, das
Thema Rüstungskontrolle am Anfang steht.
FRAGE:

Eines der

�FRAGE:

Eines der anderen Themen, die Sie genannt haben, sind regio-

nale Probleme. An welche Regionen müßten wir da denken?

ANTWORT:

Natürlich steht Afghanistan weiterhin im Mittelpunkt des

Interesses.

Wir haben in den letzten Monaten die Möglichkeit gehabt, auf

Expertenebene mit der Sowjetunion einen Meinungsaustausch - wenn man das
so bezeichnen kann - über den Nahen und Mittleren Osten, über das südliche Afrika und solche Art von Fragen zu führen.

FRAGE: Mittelamerika?

ANTWORT:

Natürlich , Mittelamerika nicht ausgeschlossen.

FRAGE:

Noch eine Frage zu SDI.

Die Einladung an die europäischen

Staaten zur Teilnahme an dem Forschungsprogramm erging an die europäischen Länder jeweils separat,

Was halten Sie von den europäischen Versu-

chen, im Rahmen der Westeuropäischen Union eine gemeinsame Antwort hierauf zu geben?

ANTWORT:

Diese Frage ist mir im Moment nicht allzu vertraut.

habe mich erst noch einzugewöhnen.

Ich

Das wird Ihnen sicher nicht immer als

Antwort ausreichen, aber lassen Sie mich hier nur so viel sagen: Hie die
Europäer sich organisieren, ist natürlich ganz allein ihre Sache.

Der-

zeit verhandeln wir auf individueller Basis, weil die Europäer selbst auf
diese Heise auf uns reagiert haben.

Bei anderer Entwicklung werden wir

natürlich entsprechend handeln.

FRAGE:

Gibt es für eine europäische Antwort, was Sie betrifft, noch

immer einen zeitlichen Rahmen?

ANTWORT:

Meinen Sie, so viele Tage für dieses und so viele Tage für

jenes?
FRAGE:

Verteidigungsminister Wsinberger hatte einmal einen Zeitplan

von zwei Monaten.
ANTWORT:

Nun, davon

�ANTWORT:

Nun, davon kam man schon vor einiger Zeit ab; Zeitpläne in

dieser Art von Geschäft werden eher durch das Tempo bestimmt, mit der
sich die Technologie entwickelt.

Für mich gibt es jetzt nur den Zeit-

plan, der sich aus dem natürlichen Lauf der Dinge ergibt.

FRAGE:

Auch wenn Sie nun schon fast alle Fragen beantwortet haben,

möchte ich noch einmal auf die Frage des Moratoriums zurückkommen.

Prä-

sident Reagan stimmte am Montag in seiner Pressekonferenz der Möglichkeit
eines Moratoriums zu, sobald die Vereinigten Staaten ihre eigenen Nukleartests beendet hätten. Muß man dies als eine radikale Änderung der amerikanischen Position ansehen?

FRAGE:

Nein, ich glaube, man sollte dies überhaupt nicht so sehen.

Was der Präsident sagen wollte, war wirklich nichts Neues.

Es war die

Bestätigung einer Politik, die wir seit vielen, vielen Jahren verfolgen.
Natürlich möchte man - mit einem Blick nach vorn in der Geschichte - hoffen, daß man einmal in einer Walt anlangt, in der es solche Tests nicht
mehr geben wird.

Aber die Erklärung des Präsidenten vom Montag verdeut-

lichte sehr genau den Kontext, in dem er ein Moratorium sieht, all die
noch zu erledigende Arbeit, die Verifizierung, das Bemühen um vertrauensbildende Maßnahmen, um Verringerung der offensiven Arsenale.
gehört zu jeder Diskussion um ein Moratorium.
Gedanken des Präsidenten.

All dies

All dies lag hinter dem

Es war dies keine radikale Abkehr; wir haben

nichts Neues gesagt.

FRAGE:

Der Präsident sprach von der Möglichkeit eines Moratoriums

nach Abschluß der amerikanischen Versuche.

Wissen Sie, wann das sein

könnte?

ANTWORT:

Für uns ist es ein Gebot der Stunde, die Lücke zu schlie-

ßen, die zwischen der Sowjetunion und den Vereinigten Staaten hinsichtlich der bereits getanen Arbeit existiert.

Wir liegen hier weit zurück

- ich glaube, der Präsident erwähnte das. Er verwies auf die sowjetische
Raketenentwicklung und nannte zwei oder drei der sowjetischen Raketen,
die aufgrund beschleunigter und umfassender Testprogramme entwickelt und

�entwickelt und einsatzfähig gemacht wurden.
getan.

Wir haben nichts dergleichen

Ich kann wirklich nichts über einen Zeitplan sagen.

Ich kann nur

sagen, daß die Vereinigten Staaten entschlossen sind, eine Haltung einzunehmen, die auf unsere Erfordernisse Rücksicht nimmt; gleichzeitig will
ich hinzufügen, daß das eigentliche Thema nicht Moratorien sind - es geht
nicht um schnelle Antworten. Das Thema ist Genf, wo wir sagen:

Wir sind

flexibel, wir sind da, um radikale Verringerungen bei den strategischen
Cffensivarsenalen zu erreichen.

Und um genau das geht es.

Ist erst das

einmal getan, kann man weitersehen - kann noch mehr bei den Testverboten
und ähnlichem tun.

Es handelt sich um ein umfangreiches Programm.

Es

sträubt sich wirklich gegen einen Zeitplan.

FRAGE:

Sie sagten, das zentrale Thema ist die Frage der Verifizier-

barkeit?

ANTWORT: Absolut.

FRAGE:

Ohne ins Detail zu gehen: Könnten Sie uns sagen, was genau

die Vereinigten Staaten hinsichtlich der sowjetischen Experimente wissen
wollen? Und zweitens: Was ist mit der Einladung sowjetischer Experten zu
Ihren Versuchen?

ANTWORT:

Im Zentrum des Vorschlags, den der Präsident im September

1984 vor den Vereinten Nationen darlegte und den er einige Tage vor dem
Helsinki-Treffen wiederholte, steht die Verifizierbarkeit.

Und es ging

hier um ein sehr einfaches Problem, die Kalibrierung von Instrumenten
durch Experten beider Seiten. Als der Vorschlag zum erstenmal unterbreitet wurde, schlugen wir den Austausch von Experten beider Seiten vor; ein
Expertenteam von uns sollte in die Sowjetunion kommen, um die Kalibrierungsapparatur bei ihren Testanlagen zu überprüfen, eine Gruppe von ihnen, um bei uns dasselbe zu tun.

Hierauf kam nie eine Reaktion; deshalb

tat der Präsident den Schritt einer einseitigen Einladung:

"Iftenn ihr

nicht wollt, daß wir zu euch kommen, gut, dann laden wir euch zu uns ein.
Kommt nach Nevada, bringt eure Meßinstrumente mit..."

Ich glaube, darum

ging der Vorschlag des Präsidenten, Vertreter sollten zum Ort der Versu- 10 -

�der Versuche kommen und mit unseren Experten zusammenarbeiten.

Jemand hat schon darauf hingewiesen:

Wenn Wissenschaftler und Exper-

ten zusammenkommen, gibt es keine Geheimnisse.

Hier kann sich schon ein

gewisses Maß an Vertrauen durch das Wissen aufbauen, das man von dem hat,
was die andere Seite in diesem Bereich tut.
union zustimmt; bislang ist dem nicht so.

Wir hoffen, daß die SowjetAber wir werden weiter hof-

fen ...

FRAGE (Ansager):
stellen.

Bevor wir weitermachen, möchte ich gern eine Frage

Ganz offensichtlich wird das Treffen im November zwischen Prä-

sident Reagan und Generalsekretär Gorbatschow der Höhepunkt des diplomatischen Jahres sein.

Können Sie uns etwas darüber sagen, wie wir hier in

Washington oder Ihre Abteilung eine Vorstellung von Michail Gorbatschow
erarbeitet? Ist er der neue Junge der alten Truppe?...

ANTWORT:

Man sollte davon ausgehen, daß alle Staaten unabhängig von

ihrem sozialen System von einer Reihe durchgängiger nationaler Interessen
ausgehen, die über alle Veränderungen an der Spitze fortdauern. Man muß
allerdings auch sagen, daß die jeweilige Führung diesen Fragen eine unterschiedliche Bedeutung beimißt, eine unterschiedliche Wahl dahingehend
trifft, wie die Ressourcen eingesetzt werden sollen, in welche Richtung
man seine Leute einsetzt, wie man am besten dem Ganzen dienen will.

Wir

können nunmehr sagen, daß wir einige Veränderungen bei der Akzentuierung
sehen, und sicherlich sehen wir erhebliche Tatkraft, wenn es darum geht,
Probleme auf neue Weise anzugehen.

Aber ich glaube, es ist noch zu früh,

darüber hinauszugehen und positive Ergebnisse oder größere Veränderungen
vorherzusagen - sicherlich keine Umstellung der sowjetischen Interessen,
wie sie die Sowjetunion versteht.

FRAGE (Ansager):

Wir können nicht behaupten, es gäbe schon eine kon-

krete Veränderung in der Ideologie?

ANTWORT:

Und wenn ich zurückblicke, so sehe ich auch nichts, was un-

terstellen könnte, daß Sie damit recht hätten, eine solche zu erwarten.
FRAGE:
- 11 -

Die Sowjetunion

�FRAGE:

Die Sowjetunion hat in den vergangenen zehn, fünfzehn Jahren

mit einer sehr geschickten Tradition begonnen:

Jedesmal vor einem wich-

tigen Treffen zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion ließ
die

sowjetische

Regierung

einige

bekannte

politische Gefangene

frei.

Glauben Sie, dies wird auch vor Genf so sein, oder sind Sie unter allen
Umständen dazu bereit, nach Genf zu gehen?

ANTWORT:

Wir haben keine Vorbedingungen für Genf gestellt, wie dies

Ihre Frage unterstellt.

Wie Sie durch die Rede in Helsinki wissen, haben

wir eine Liste von Personen, die für uns repräsentativ hinsichtlich der
verschiedenen Menschenrechtsverletzungen sind, die es in der Sowjetunion
gibt.

Wir würden uns über jeden Freigelassenen freuen.

Aber wir haben

keine Vorbedingungen gestellt.

FRAGE:

Ich habe eine Frage, die sich aus einer Pressekonferenz von

Botschafter Mandelewitsch in Kopenhagen ergibt, der alle Unterstellungen
zurückwies, wonach die Sowjets an einer
oder daß sie überhaupt
bauen.

Weltraumverteidigung arbeiten

irgendwelche Angriffs- oder Verteidigungswaffen

Jetzt hören wir von der amerikanischen Regierung, daß sie an sol-

chen Waffen bauen.

ANTWORT:

Wem sollen wir in Europa glauben?

Ich würde sagen, Sie glauben den Vereinigten Staaten.

Was

die Wahrheit anbelangt, haben wir die besseren Karten.

FRAGE: Können Sie Beweise dafür bringen?
ANTWORT:

Das würde ich sehr gern, nur ist dies hier nicht die rich-

tige Gelegenheit.

Ich meine, die Beweise liegen vor, die Informationen

stehen zur Verfügung; und ich glaube, es gibt aus den ernstzunehmenden
Kreisen unserer Verbündeten kein Argument, das darauf hindeuten würde,
daß wir keine Forschung betreiben sollten, weil etwa die Sowjets dies
nicht täten. Das stimmt ganz einfach nicht - sie betreiben Forschung.

FRAGE:

Die Russen haben damit gedroht, die Genfer Konferenz zu ver-

lassen, wenn Sie mit dem SDI-Programm beginnen.
- 12 -

Was werden Sie in dieser

�in dieser Hinsicht tun?

ANTWORT:

Ich kann mir nicht vorstellen, daß die Sowjets ernsthaft

hieran denken...

Die Genfer Verhandlungen zu verlassen bedeutet, die

zentralen Verhandlungen zu verlassen, die sich mit einem Themenkreis beschäftigen, von dem unsere Völker, von dem die Öffentlichkeit erwartet,
daß er auf eine Waise gelöst wird, die weiterhin Sicherheit gewährleistet, aber auch die Drohung eines Atomkrieges verringert.

Und ich kann

mir nicht vorstellen, daß eine verantwortungsbewußte Führung sich von einem solchen Forum zurückzieht.

FRAGE:

Eine Frage zu den Menschenrechten.

Bisweilen wird nach Hel-

sinki argumentiert, die Frage der Menschenrechte blockiere jede Art von
Gespräch zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion und vergifte die Beziehungen.

Glauben Sie nicht, daß Sie es durch den Druck, wie

ihn etwa Außenminister Shultz in seiner Rede in Helsinki ausübte , den Sowjets unmöglich machen, einen Wag aus ihrer Lage herauszufinden?

ANTWORT:

Nun, es gibt einen sehr einfachen Wag, den die Sowjets ein-

schlagen können, um aus ihrer Lage herauszukommen.

Sie könnten die Per-

sonen freilassen, deren Namen von der Liste des Außenministers verlesen
wurden.

Mir wurde diese Frage genau wie den anderen Mitgliedern unserer

Delegation in Helsinki gestellt:

"Warum habt ihr das getan? Glaubt ihr,

es hilft?" Ich glaube, es ist absolut notwendig, daß die Vereinigten
Staaten unter Beweis stellen, daß sie noch immer daran glauben, daß die
Menschenrechte und die Rechte des einzelnen der wichtigste Aspekt unserer
Gesellschaft sind. Darum geht es für uns. Und es wäre sicherlich falsch,
wenn wir uns still verhielten und Reden hielten, die ganz andere Prioritäten signalisieren.

Das werden wir nicht tun.

Menschen bedeuten uns

etwas, und unsere Reden spiegeln dies wider.

FRAGE:

Auch die Sowjets haben ja eine öffentliche Meinung, der sie

sich stellen müssen.

Wie könnten die Sowjets Ihrer Vorstellung nach vor-

gehen bei der Ankündigung, Sacharow, Schtscharanski, Orlow und einige andere Systemkritiker freizulassen?
ANTWORT:
- 13 -

Ich glaube

�ANTWORT:

Ich glaube nicht, daß die Sowjets dabei, wie Sie es sehen,

viele Probleme mit ihrer öffentlichen Meinung haben, wenn es überhaupt in
der Sowjetunion eine öffentliche Meinung gibt. Und ich glaube auch nicht,
daß die öffentliche Meinung dort von einem solchen Akt beleidigt wäre.
Manche mögen das für einen falschen politischen Kurs halten, aber die öf
fentliche Meinung ist für die Sowjetunion sicher kein Problem.

FRAGE:

Besteht die Möglichkeit, die Hoffnung, daß die Sowjets die

Freilassung einiger der bekannteren Dissidenten - ich denke an Sacharow,
Schtscharanski - vor dem Treffen im November einleiten?

ANTWORT:

Wir hoffen jeden Tag, daß man diesen oder jenen aus dieser

Gruppe freiläßt, und wir würden jeden Zeitpunkt hierfür begrüßen.

FRAGE:

Noch eine Frage zum Thema Testverbot.

Sind die Vereinigten

Staaten angesichts der Einwände gegen ein einseitiges Moratorium und angesichts der Bedeutung der Verifizierbarkeit noch immer für einen umfassenden Teststoppvertrag?

ANTWORT:
langem.

Die Vereinigten Staaten überprüfen diese Frage schon seit

Dies ist alles Teil eines langen, langen Weges, den es noch zu

gehen gilt.
FRAGE:

lauben Sie, daß das Sowjetsystem so, wie es nun einmal ist,

die Verwirklichung der Menschenrechte, wie wir sie verstehen, überleben
könnte?

Und wenn nein:

Wären die Vereinigten Staaten bereit, in Genf

oder an einem andren Ort zu einer Vereinbarung zu gelangen, ohne darauf
zu bestehen, hinsichtlich dieser Rechte ganz konsequent zu sein?

ANTWORT:

Wir haben immer wieder gesagt, daß das sowjetische Verhal-

ten im Bereich der Menschenrechte die Haltung der Öffentlichkeit hinsichtlich der amerikanisch-sowjetischen Beziehungen beeinflußt.
man gar nicht leugnen.

Das kann

So sehen es meine Landsleute; und so werden sie

es immer sehen.
Und wir haben
- 14 -

�Und wir haben gesagt, daß der KSZE-Prozeß ein ausgewogener Prozeß
sein muß, daß die Schlußakte nicht lediglich ein Sicherheitsdokument ist.
Sie ist ein Dokument, das eine Reaktion bei einer ganzen Bandbreite von
Themen erforderlich macht, zu denen auch die zwischenmenschlichen Kontakte und die Menschenrechte gehören.

Aber man muß sehr genau aufpassen, daß man aus der Notwendigkeit
heraus, zwischen uns anstehende Fragen anzupacken, nicht Verhältnisse
schafft, die als Bedingungen oder Vorbedingungen interpretiert werden
könnten.
System.

Man muß die Welt nehmen, wie sie ist.
Wir haben das unsrige.

Die Sowjets haben ihr

Wir haben eine Vorstellung davon, was

die grundlegenden Menschenrechte sind, sie haben die ihre.

Es gibt Un-

terschiede. Daran muß, wenn Sie so wollen, über ganze Menschenalter hinweg gearbeitet werden; inzwischen sollten wir uns auch auf anderes konzentrieren...

Wir sollten versuchen, Vorbedingungen zu vermeiden, denn wir sind bereit, uns der Welt so zu stellen, wie sie ist...

* * * * *

- 15 -

�32

14. August 1985

RAUMFLUG FÜR DIE WISSENS:hAFT
Jüngster CmLLENGER-Einsatz:

Großartiger E r f o l g -

- (AD) Nach einem achttägigen Flug mit 127 Erdumkreisungen kehrte der
US-Raumtran:?porter

Ct-ALLENGER am 6.

Raumfähre, die am 29. J u l i
landete

in

der

Mojave-WJ'ste

August

L985 zur Erde zurück.

am Kap Canaveral i n Florida
in

Kalifornien

auf

gestartet

einem

Die
war,

ausgetrockneten

Salzsee innerhalb des Areals von Edwards A i r Force Base.

Eine wissen-

schaftliche Mission mit überaus komplexen und schwierigen Aufgaben, auf
die sich zwei der N u t z l a s t s p e z i a l i s t e n an Bord sieben Jahre lang vorbereitet

h a t t e n , war zu Ende.

Die Auswertung der Meß- und Aufnahmedaten

aus Gebieten der Sonnen-, Atmosphären- und Plasmaphysik, der
U l t r a v i o l e t t - und

Röntgenastronomie,

der

Biologie,

Infrarot-,

Physiologie

und der

technologischen Forschung wird Monate , t e i l w e i s e sogar Jahre i n Anspruch
nehmen.

Es war der 50. bemannte Raumflug der US-Behörde f ü r L u f t - und

Raumfahrt

(NASA),

gleichzeitig

der

achte

Flug

des

Raumtransporters

Challenger.
Die Panne

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Die Panne während der Startphase, in der sich eines der drei Haupttriebwerke wahrscheinlich infolge der Fehlmessung eines Hitzesensors automatisch abschaltete, konnte durch längere Brenndauer der beiden anderen
Triebwerke und Ablassen von Treibstoff insoweit wettgemacht werden, als
auf diese totise der drohende Abbruch des Fluges mit Notlandung in Spanien
vermieden wurde.

Die ursprünglich vorgesehene Umlaufhöhe von 300 km wur-

de allerdings nicht erreicht.

CWLLENGER umkreiste die Erde ca. 60 km

tiefer, was aber, wie sich inzwischen herausstellte, die vorgesehenen
Messungen und Beoachtungen weitaus weniger beeinträchtigte als zunächst
befürchtet.

Das Programm wurde zumindestens 80 bis 85 Prozent erfüllt.

Eugene Urban, der wissenschaftliche Direktor für den 19. Einsatz eines
amerikanischen
Vtorten:

Raumtransporters, kommentierte

das Unternehmen mit den

"Eine großartige, erfolgreiche Mission".

Gemeint war die Ausbeute an neuen und überaus interessanten Forschungsdaten, die mit Hilfe von 13 Meß- und Experimentierinstrumenten
(Gesamtgewicht:

ca. 15 Tonnen) gewonnen wurde.

Die Mehrzahl von ihnen

war auf drei im Nutzlastraum hintereinander aufgereihten Paletten montiert.

Diese Instrumententräger sind Bestandteil des von der Europä-

ischen Heltraumorganisation ESA beigesteuerten und unter deutscher Leitung entwickelten Vfeltraumlabors SPACELAB.

Die Arbeitsräume für Astro-

nauten, als Druckkabinen konstruiert, waren jedoch dieses Mal nicht dabei, sondern nur das "Iglu".

Dabei handelt es sich um einen kleineren

Druckbehälter zur Aufnahme von Untersystemen für den Betrieb der Computer , für die Datenübertragung und die Temperaturregelung der einzelnen
Forschungsinstrumente.

Die Aktivierung des unter Leitung der Firma Dornier (Friedrichshafen)
gebauten, ca. eine Tonne schweren IPS-Geräts machte anfangs Schwierigkeiten und gelang erst nach mehreren Versuchen.

Es war eine wichtige Kompo-

nente im Programm, denn IPS ("Instrument Pointing System") erlaubt die
Feineinstellung und präzise automatische Nachführung von Teleskopen, Kameras oder Spektrometern zur Beobachtung kosmischer Objekte.

Dies ge-

schieht mit einer möglichen Abweichung von weniger als einer Bogensekunde, wenn die Raumfähre mit rundum abgeschalteten Steuerungsdüsen fliegt,
- 2-

�Steuerungsdüsen f l i e g t , und die Genauigkeit l i e g t immerhin noch bei zehn
Bogensekunden, wenn die

Triebwerke

zu Manövrierzwecken gezündet

werden

müssen.
Ein besonderer E r f o l g sind die Tausende von Aufnahmen von der Sonne,
die unter IPS-Ausrichtung mit v i e r

leistungsstarken Teleskopen von Mag-

n e t f e l d e r n , Eruptionen und r i e s i g e n , aus dem Sonneninneren aufsteigenden
"Blasen" gemacht und zur Erde ü b e r m i t t e l t wurden.
hatten einen Durchmesser von mehr als 100 000 km.
das "System zur Messung solarer Magnet-

Manche dieser Blasen
Eines der Instrumente,

und Bewegungsfelder", diente da-

z u , Stärke, Struktur und Entwicklung von Magnetfeldern i n der Sonnenatmosphäre zu beobachten und mögliche Beziehungen zu anderen solaren Phänomenen und Magnetfeldern auf der Sonne ausfindig zu machen.

Das Korona-He-

lium-Experiment, von Großbritannien beigesteuert, hatte zum Z i e l , die auf
der Sonne vorhandenen heliummengen zu messen.

Dabei wurde i n Verbindung

mit der Emission von U l t r a v i o l e t t s t r a h l u n g das Korona-Gas auf Temperatur e n , Dichte und Zusammensetzung a n a l y s i e r t .

Mit dem vom Forschungsinstitut
laren Ultraviolett-Teleskop
besonders

hohem

(Strahlenkorona)
werden.

der US-Marine (NRL) entwickelten "So-

und UV-Spektrographen" - e i n Instrument

Auflösungsvermögen

-

sollten

Chromosphäre,

und der Übergang zwischen beiden Schichten

mit

Korona

beobachtet

Die von stationären Observatorien nur bei t o t a l e r Sonnenfinster-

nis und dann nur für sehr kurze Zeit sichtbare Chromosphäre, l i e g t

zwi-

schen der Photosphäre, der wenige Hindert Kilometer dicken, leuchtenden
Schicht der Sonnenoberfläche, und der äußersten Schicht der Sonnenatmosphäre, der Korona.

Bisherigen Ergebnissen der Sonnenforschung

zufolge

hat die stark turbulente Chromosphäre eine Ausdehnung von mehreren Tausend Kilometern.
falls

Das v i e r t e

vom NRL eingesetzter

erfaßte Kurz-

Instrument, e i n beim CHALLENGER-Flug eben'Monitor

für

solares

Ultraviolettspektrum",

und Langzeitschwankungen innerhalb des Gesamtspektrums der

von der Sonne e m i t t i e r t e n u l t r a v i o l e t t e n Strahlung.

Schon auf

den ersten B i l d e r n

vom Magnet- und

Bewegungsfeldteleskop

war, wie N u t z l a s t s p e z i a l i s t Dr. Loren Acton von Bord der ChALLENGER den

�CHALLENGER den Projektwissenschaftlern in der Missionszentrale Houston
berichtete, jede kleine Granule zu erkennen.

Als "Granulation" bezeich-

net man die Struktur der nicht gleichmäßig hellen, sondern eher "körnigen" Photosphäre, in der sich helle, in ständigem Wechsel befindliche
Körnchen ("Granula") in runder oder ovaler Ausbildung von dunkler erscheinender Umgebung deutlich abheben.

Sie haben eine "Lebensdauer" von

wenigen Minuten und zeigen Turbulenzvorgänge an.

Das Magnetteleskop gibt der Forschung Gelegenheit, mehr über die Magnetfelder zu erfahren, die schichtweise in der gesamten Sonnenatmosphäre
vorhanden sind.

Diese Magnetfelder spielen eine Schlüsselrolle für die

Struktur und Dynamik der Sonnenatmosphäre.

Manche von ihnen sind viel-

tausendfach stärker als das Magnetfeld unserer Erde.

Jedoch sind sie in

ihren Details von stationären Observatorien aus nicht zu beobachten, weil
die Turbulenzen in der Erdatmosphäre eine Erfassung kurzfristiger Veränderungen unmöglich machen.

Die Wissenschaftler untersuchen auch die Beziehung zwischen Magnetfeldern, Granulen und sog. Supergranulen.

Bei den "normalen" Granulen,

die Durchmesser von etwa 800 - 1000 km haben, handelt es sich um "Blasen"
aufgrund von Konvektionsprozessen.

Sie wirken als riesige "Fahrstühle"

für den Transport von Wärme aus dem "Ofen" im Sonneninnern zur Oberfläche.

Sie dürften bei der Aufheizung der äußeren Sonnenatmosphäre eine

ganz wichtige Rolle spielen.
als die üblichen Granulen.

"Supergranulen" sind etwa 400 Mal größer

Während sich die letztgenannten in etwa 1000

km Tiefe bilden, kommen die Supergranulen aus Bereichen von ca. 15 000 km
unterhalb der Oberfläche.

Das Magnetteleskop übermittelt auch äußerst fein gezeichnete Bilder
von dunklen, sog. Sonnenflecken zur Erde.

Diese treten auf, wenn sich

Magnetfelder unterhalb der Sonnenoberfläche verknaueln und eruptionsartig
durch die Photosphäre, die hell leuchtende Sonnenoberfläche, nach oben
dringen. Man nimmt heute an., daß Sonnenfackeln, d.h. gewaltige Explosionen , mit denen Sonnenmaterie in den Raum hinaus geschleudert wird, eine
Folge des Zusammenbruchs von Magnetfeldern sind, die zwischen den Sonnen-

�den Sonnenflecken bogenförmig über der Sonnenoberfläche

liegen.

Diese

Felder wandern und verändern ihre Form. Sie können sich über Gebiete z w i schen Regionen von Sonnenaktivität mit Materieabstrahlung e r s t r e c k e n , die
in

ihrer

Ausdehnung etwa der

Entfernung Erde-Mond

(mittlerer

Abstand:

384 000 km) entsprechen.
Nach Meinung Urbans schaffen die koordinierten Messungen eine Mögl i c h k e i t , mehr darüber zu erfahren, wie die Sonne t a t s ä c h l i c h

"funktio-

n i e r t " , wie Energie aus t i e f e n Regionen zu weit entfernten anderen Bereichen t r a n s p o r t i e r t

wird und wie Gase auf ihrem toeg vom Sonneninneren

nach außen von e i n paar Tausend Grad Temperatur auf mehr als eine M i l l i o n
Grad aufgeheizt werden.
"Die Sonne, einer

von v i e l e n M i l l i a r d e n Sternen im Universum, kann

uns nicht nur h e l f e n , mehr E i n b l i c k i n die kosmische E v o l u t i o n , sondern
auch i n thermonukleare Prozesse zu bekommen, die Energie
sagt Urban.
nen P r o j e k t ,

produzieren",

Dies diene auch dem inzwischen weltweit i n A n g r i f f genommethermonukleare Prozesse für

die Stromerzeugung nutzbar

zu

machen.
M i t einem f ü r kosmische Röntgenstrahlung empfindlichen Teleskop, das
auf der zweiten SPACELAB-Palette montiert war, versuchte man, extrem h e i ße Objekte zu beobachten, die sehr kurzwellige Strahlung aussenden.

Zu

diesen gehören beispielsweise die r i e s i g e n Hsißgas-Walken, von denen Galaxienhaufen umgeben s i n d .

Man vermutet, daß sie die Entwicklung einer

Galaxis, d . h . eines unserer Milchstraße ähnlichen Systems, beeinflussen.
G l e i c h z e i t i g erfaßte e i n kleines I n f r a r o t t e l e s k o p

"kühlere" Objekte wie

Planeten, aber auch Itolken, aus denen sich e r s t Sterne b i l d e n , sowie f e r ne Galaxien und die sogenannte Hintergrundstrahlung vom Unviersum.

So-

bald nämlich e i n Objekt nicht heiß genug i s t , um Strahlung a l s sichtbares
Licht

auszusenden, e m i t t i e r t

es

langwelligeren Infrarotspektrums.

Energie

hauptsächlich

im Bereich

Vom I n f r a r o t t e l e s k o p erhoffen sich die

Wissenschaftler weitere Erkenntnisse zu den v i e l e n Entdeckungen, die
den l e t z t e n

zwei Jahren mit

werden konnten.

des

IRAS ( I n f r a r o t - A s t r o n o m i e s a t e l l i t )

in

gemacht

M i t H i l f e dieses Forschungssatelliten wurden neue Korne-

�neue Kometen, Materieschwaden um Sterne als mögliche "Brutstätten" für
die Entwicklung von Planetenbegleitern einer anderen Sonne und noch völlig mysteriöse Objekte am Rand des von uns beobachtbaren Universums gefunden.

Zu den Technologieprojekten zählte u.a. die Beobachtung des Verhaltens von supraflüssigem Helium in der Schwerelosigkeit.

Unter irdischen

Bedingungen wird Helium dann superflüssig, wenn es auf eine Temperatur
abgekühlt wird, die nur geringfügig über dem absoluten Nullpunkt von minus 273,15 Grad Celsius liegt.

Es bleibt nicht als Flüssigkeit am Boden

liegen, sondern steigt die Gefäßwand empor.

j

Das Experiment an Bord der

ChALLENGER Könnte helfen, Unterschiede zwischen normal flüssigem Helium
und superflüssigem Helium zu ermitteln und die Eignung der Superflüssigkeit als Kühlmittel besser zu beurteilen.

Auch die biologischen Experimente dürften manche neuen Erkenntnisse
bringen:

Bei einem ging es um Veränderungen des Knochenstoffwechsels un-

ter Schwerelosigkeit (Astronaut Dr. Musgrave, ein Arzt, entnahm allen Besatzungsmitgliedern in bestimmten Abständen während des Fluges Blutproben, die nun auf ihren Mineralgehalt analysiert werden).

Ein weiteres

Experiment sollte Untersuchungen zum Einfluß der Schwerelosigkeit auf die
Ligninbildung in Pflanzen ermöglichen.
fer-, Kiefern-, Bohnen-

und

Dazu wurde das Wachstum von Ha-

Sonnenblumensetzlingen

beobachtet.

"Wenn

wir mehr darüber wissen, wie Lignin in einer Pflanze gebildet wird, könnten wir vielleicht Pflanzen züchten, die weniger aufwendig vom Stoffwechsel her Energie zum Wachstum produzieren", sagte Urban.

Dann ergäbe sich

eine Möglichkeit, größere Mengen von Pflanzenmaterial für Nahrung, Papierherstellung oder andere Zwecke zu bekommen.

Lignin ist ein Polymer,

das zahlreichen Pflanzen die Steifheit verleiht, um gegen die Schwerkraft
aufrecht zu stehen.

- 6 -

f

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mIER

Information
und
Dokumentation

11 t1^

Dl Ell

United States Information Service
Embassy of the United States of America

33

21.

August

1985

I N H A L T

WIRTSCHAFT
USA rechnen mit Entscheidungen über Reform des
Internationalen Währungsfonds im kommenden Jahr
- USIA-Interview mit IWF-Direktor Dallara HINTERGRUNDMATERIAL
Zusammenarbeit in der Atompolitik
- Sonderbotschafter Richard T. Kennedy erläutert
Prinzipien der amerikanischen Regierung WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Neue Gebührenordnung für Raumtransporterflüge
- Inanspruchnahme des Frachtraums soll Kosten decken

+ + + + +

Um Übef/cndung von
ßelegexemplcwen
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�2 1 . August 1985

33

USA RECHNEN MIT ENTSCHEIDUNGEN ÜBER REFORM DES INTERNATIONALEN
WÄHRUNGSFONDS M KOMMENDEN JAHR
- USIA-Interview mit IV\F-Direktor Dallara -

WASHINGTON -(AD) - Die Vereinigten Staaten rechnen im Frühjahr nächsten Jahres mit Entscheidungen über eine Reform des I n t e r n a t i o n a l e n Währungsfonds (IMF), die der Organisation mehr Einfluß auf die P o l i t i k
großen Industrienationen geben w i r d .

Dadurch s o l l t e n rasche Schwankungen

der Wechselkurse v e r r i n g e r t und das i n t e r n a t i o n a l e
samt verbessert werden.
US-Informationsamtes
Direktor

der

Währungssystem insge-

In einem Interview mit dem Korrespondenten des

(USIA) Jon Schaffer e r k l ä r t e der amerikanische IW^-

Charles Dallara

die Entscheidungen der Finanzminister

Ländern i n Tokio am 2 1 . Juni seien zwar nicht

von e l f

" w e l t e r s c h ü t t e r n d " , aber

sie gingen " s i c h e r l i c h i n die r i c h t i g e Richtung".

Das amerikanische M i t g l i e d des IW^-Direktoriums rechnet auf der Jahrestagung des Internationalen Währungsfonds im Oktober nur mit einer

all-

gemeinen Diskussion über die Reformvorschläge; die e i g e n t l i c h e n Entschei-

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�eigentlichen Entscheidungen durften nach seiner Ansicht im Frühjahr 1986
fallen.

Die Vereinigten Staaten haben in Tokio noch schärfere Maßnahmen

für die "Aufsicht" über die Tätigkeit des IWF vorgeschlagen, die Gruppe
konnte sich jedoch nicht auf all diese Vorschläge einigen.

Dallara be-

tonte in dem Interview, die Vereinigten Staaten würden jedoch auf jeden
Fall an der Forderung nach größerer Publizität der Empfehlungen der einzelnen Mitgliedsländer festhalten.

Dallara bezeichnete das Europäische Währungssystem

(EWS) als nütz-

liche Einrichtung, jedoch sei es nicht ohne weiteres auf außereuropäische
Regionen übertragbar.

Auch ein System fester Wechselkurse lehnte Dallara

ab, weil es keine gesunde wirtschaftliche Entwicklung fördern könne.

Die Fragen und Antworten zur Reform des IWF haben folgenden Wortlaut:

FRAGE:

Die Zehnergruppe hat kürzlich eine Studie über Mittel und We-

ge zur Verbesserung des internationalen Währungssystems abgeschlossen.
Diese wird Anfang Oktober dem IWF vorgelegt werden.

Die darin enthalte-

nen Empfehlungen scheinen die gegenwärtige Situation nicht wesentlich zu
verändern.

Ist dem so, weil die Experten und Minister der elf damit be-

fai3ten Staaten mit der heutigen Arbeitsweise des Systems voll und ganz
zufrieden waren, oder weil sie in unterschiedliche Richtungen gingen und
sich nicht einigen konnten?

ANTWORT:

Ich glaube, weder das eine noch das andere ist richtig.

Sicherlich bestand kein überwältigendes Maß an Zufriedenheit mit dem gegenwärtigen System.

Aber auf der anderen Seite entstammen die Probleme

im System nicht einfach dem System selbst, sondern den Unzulänglichkeiten
der Politik und des Verhaltens einzelner Länder. Man muß Verbesserungen
des Systems zustandebringen, die politisch realistisch sind.

Ich meine,

die Empfehlungen, die sich aus der Studie ergeben, sind zwar nicht welterschütternd, aber sie gehen sicherlich in die richtige Richtung.

FRAGE:

In welcher Hinsicht ist das Ganze bedeutsam?
ANTWORT:

Es ist

�ANTWORT:

Es ist erstens bedeutsam, weil es seit 1976 die erste um-

fassende Überprüfung

des Funktionierens des Systems auf breiter Basis

darstellt.

Daher ist doch recht erhellend, was der Bericht über das Sy-

stem sagt.

Der Bericht läßt beispielsweise erkennen, daß das System in

sich die Flexibilität bewiesen hat, auf Schocks und Belastungen und Divergenzen der Wirtschaftstätigkeit zu reagieren, die das System der Währungsparität nicht gezeigt hat.

Auf der anderen Seite räumt der Bericht

ein, daß das System eine Reihe von Schwächen hat - daß die Schwankungen
der Wechselkurse beträchtlich waren und sich negativ ausgewirkt haben.

Auch wenn die Empfehlungen, mit diesen Schwächen fertig zu werden,
nicht immer den Problemen gerecht erscheinen mögen, so verkörpern sie
doch das, was wirtschaftlich erwünscht ist, und Vorschläge, über die tatsächlich ein Konsens erzielt werden könnte.
Der Bericht macht deutlich, daß größere Stabilität in den Wechselkursen unweigerlich eine stärkere Konvergenz der Wirtschaftstätigkeit und
der wirtschaftlichen Aussichten erfordern wird.

Ob diese Konvergenz der

Wirtschaftstätigkeit genügen wird, um eine größere Stabilität der Wechselkurse zu erreichen oder nicht, ist eine andere Frage. Aber es herrscht
sicherlich ein Konsens, daß eine größere Konvergenz der Wirtschaftstätigkeit der wichtigen Industrieländer wesentlich ist.

Nach meiner Auffas-

sung ist eines der wichtigsten Ergebnisse des Berichtes, daß er die Ansicht bestärkt, daß der wichtigste Beitrag, den viele Länder zu einer
größeren

internationalen

Währungsstabilität

leisten

können, darin be-

steht, dafür zu sorgen, daß ihre eigene nationale Wirtschaftspolitik gesund ist und ein nichtinflationäres Wachstum fördert.

FRAGE:

Inwieweit

sind

die

heutigen Probleme

der

internationalen

Wirtschaft, und vor allem inwieweit sind die Probleme, die die Entwicklungsländer heute durchmachen, auf zu starke Fluktuation der Wechselkurse
zurückzu führen?

ANTWORT:

Ich bin sicherlich nicht der Ansicht, daß die Probleme, vor

denen die Entwicklungsländer heute stehen, weitgehend oder auch nur we-

�nur wesentlich von den Schwankungen oder Fluktuationen der Wechselkurse
herrühren.

Und ich glaube auch nicht, daß die großen Probleme, vor denen

die Industrieländer stehen, aus solchen Schwankungen oder Fluktuationen
herrühren.

Ich bin jedoch der Überzeugung, daß die Divergenz in der

Wirtschaftstätigkeit in den letzten Jahren und die Unterschiede in den
wirtschaftlichen Aussichten, die der Markt unter den großen Industrieländern gezeigt hat, einen wichtigen Faktor dargestellt haben, der zu den
Wechselkursbewegungen geführt hat, die jetzt zu den ernsten Problemen der
einzelnen Volkswirtschaften beigetragen haben.

FRAGE:

Bedarf es einer verstärkten Intervention, um diese Instabili-

tät einigermaßen zu korrigieren?

ANTWORT:

Ich glaube nicht; sicherlich nicht isoliert von grundlegen-

den Änderungen der Politik.

Intervention - vor allem die sogenannte ste-

rilisierte Intervention - stellt keine Änderung der Währungspolitik dar,
sondern wird vor allem ausgeübt, um den Devisenmarkt durch Marktmanipulation zu beeinflußen - und das ist nur von begrenztem Nutzen.

Aber ich

möchte rasch hinzufügen, daß Interventionen eine Rolle gespielt haben und weiterhin spielen könnten - wenn es gilt, Marktturbulenzen zu begegnen, oder wenn sie im Zusammenhang mit grundlegenden Änderungen der Politik ausgeübt werden.

Aber Intervention an und für sich kann genau das

Gegenteil von dem bewirken, was man will.

FRAGE:

Ich glaube,- wie Sie selbst gesagt haben - ,daß die meisten

der wichtigen Länder sich darauf einigen könnten, daß eine gesunde Wirtschaftspolitik der wichtigste Schritt zur Stabilität der Wechselkurse wäre.

Aber wie bringen Sie das zustande?

Die Vereinigten Staaten haben

eine verstärkte Aufsicht des IWF vorgeschlagen.

Aber manche Leute würden

argumentieren, daß der IWF keine Exekutivmacht besitzt, während in dem
Fall, in dem man die Regierungen zur Aufrechterhaltung fester Wechselkurse verpflichten würde, eine automatische Disziplin ins Spiel käme.

Hat

dieses Argument etwas für sich?

ANTWORT:

Natürlich

�ANTWORT:

Natürlich ist da etwas dran, aber nicht viel.

Ich glaube,

wir haben erlebt, daß feste Wechselkurse sicherlich zu einer bestimmten
Form der Disziplin führen können, aber nach meiner Ansicht ist das eine
falsche Form der Disziplin, eine sehr willkürliche Form der Disziplin,
die in Wirklichkeit keine großen Aussichten in sich birgt, wirksam eine
gesunde Politik unter den großen Industrieländern zu fördern.

Auf der

anderen Seite muß man auch erkennen, daß das System, das wir gegenwärtig
haben, nicht immer eine sehr große Disziplin erkennen läßt.

Und so haben

wir Verständnis für die Auffassung, daß die Aufsicht des IWF Länder stärker ermutigen kann, die notwendigen Änderungen der Politik vorzunehmen,
die die internationale Gemeinschaft und hoffentlich auch das Land selbst
für unerläßlich halten.

Der Bericht des Zehnergruppe enthält viele Vorschläge für eine Stärkung der IWF-Aufsieht, und ich persönlich glaube, daß sie aussichtsreich
sind, obwohl viele Leute sie für grundsätzlich unzureichend halten angesichts der Probleme, mit denen das gegenwärtige System zu kämpfen hat.
Aber ich bin der Meinung, daß letztlich ein System, das eine stufenweise,
vernünftige , verbesserte Form der Ermutigung enthält und Länder dazu veranlaßt und drängt, das in ihrem Interesse und im Interesse der internationalen Gemeinschaft stehende zu tun, ein System ist, das wahrscheinlich
besser

funktionieren wird als ein System mit willkürlich eingebauten

Starrheiten der Wechselkurse.

FRAGE:

Wie sehen Sie in diesem Zusammenhang das Europäische Wäh-

rungssystem (EWS)?

Würde nicht dadurch ein Maß an Stabilität erreicht,

wie es sie außerhalb des EWS nicht gibt?

ANTWORT:

Ich glaube wirklich nicht, daß man das EWS einfach auf den

breiteren globalen Kontext projizieren kann.

Das EWS ist offensichtlich

Teil eines breiterangelegten Bestrebens, letztlich zu wirtschaftlicher
und politischer Integration zu gelangen.

Das EWS ist ein währungstechni-

sches und monetäres Arrangement, das Hand in Hand mit den Handelsvereinbarungen geht, die es zwischen den Mitgliedstaaten gibt.

Ich möchte

nicht abstreiten, daß das europäische Währungsarrangement für seine Mit-

�seine Mitgliedstaaten gewisse positive Wirkungen hat; aber wenn man auf
die rund sechs Jahre zurückblickt, seit es nun das EWS gibt, so glaube
ich doch, daß man einige ernste Zweifel hegen darf, in wieweit es wirklich eine Konvergenz der einzelnen Wirtschaftspolitiken gefördert hat.
Die jüngste Anpassung des Europäischen Währungs Systems mit seiner Abwertung der Lira und der Aufwertung aller anderen Währungen im EWS ist doch,
wie ich meine, ein Hinweis auf die Probleme, die von Zeit zu Zeit auftreten.

Es war dies zwar die erste Neuanpassung in mehr als zwei Jahren,

und in der Zwischenzeit gab es auch eine merkliche Konvergenz der Politik
der wichtigsten Mitglieder des EW5; aber einige Mitglieder - insbesondere
Italien - verfolgen doch auch weiterhin eine Politik, die meiner Meinung
nach von dem Verhalten und der Politik der anderen Länder abweicht - und
zwar in einem Ausmaß, das von Zeit zu Zeit zu Spannungen beiträgt.

Ich

glaube, ein System der festen Wechselkurse zwischen den Währungen der
Mitgliedstaaten kann in einem gewissen Umfang eine solide Politik zwischen den Neuanpassungen fördern; aber ich glaube nicht, daß das EWS in
dieser Hinsicht in der Vergangenheit nur einseitig Vorteile brachte, und
ich glaube eigentlich auch nicht, daß es sich aus dem Kontext herausnehmen und transferieren läßt.

FRAGE:

Es ist doch letztlich die Politik der großen Staaten, die das

Funktionieren des Internationalen Währungssystems entscheidet.

Kann die

Kontrolle durch den IWF wirklich die Politik von Ländern wie den Vereinigten Staaten beeinflussen?

ANTWORT:
gar direkter.

Ich glaube ja. Derzeit indirekt, in Zukunft vielleicht soDie einzelnen Länder reagieren im Kontext ihrer Konsulta-

tionen mit dem IWF unterschiedlich; aber aus meiner Teilnahme an den
jüngsten Artikel IV-Konsultationen zwischen den Vereinigten Staaten und
dem IWF kann ich beurteilen, daß dies ein gesunder Prozeß ist.

Es ist

ein Geben und Nehmen, wobei der IWF seine Sicht von dem vorträgt, was
richtig und falsch ist, und die Vereinigten Staaten wiederum ihre Politik
darlegen.

Wenn einige der Vorschläge, die wir zur Stärkung der Kontrolle

gemacht haben, verwirklicht werden, so wird die Wirkung nicht nur auf die
Vereinigten Staaten, sondern auch auf andere Länder noch signifikanter
sein.
FRAGE: Lassen Sie

�FRAGE:

Lassen Sie mich genauer sein.

Nehmen wir an, die Vereinigten

Staaten würden einen inflationären Kurs einschlagen:

Wäre die Kontrolle

durch den IVvF in der Lage, diese Tendenzen zu dämpfen?

ANTWORT:

Lassen Sie mich ein Beispiel anführen, das nicht nur Ihre

spezielle Frage bezüglich der Vereinigten Staaten beantwortet, sondern
bezüglich jedes anderen großen Industriestaates, falls er einen inflationären Kurs einschlagen sollte.

In einem solchen Fall verfügt der IWF

derzeit über Bestimmungen für spezielle ad_ hoc-Konsultationen mit Mitgliedstaaten - oder "ergänzende" Konsultationen, wie sie in bestimmten
Teilen der IWF-Entscheidungen genannt werden -, wenn der Eindruck vorhanden ist, es gäbe einen Grund zur Beunruhigung darüber, daß die Politik
oder das Wirtschaftsverhalten eines Landes ein beträchtliches Risiko für
das Mitglied oder für die internationale Gemeinschaft im Ganzen darstelle.

Diese Bestimmungen für Sonderkonsultationen wurden allerdings bis-

lang nur sehr unregelmäßig genützt.

Wir haben eine regelmäßigere Nutzung dieser Bestimmungen vorgeschlagen - und der G-10-Bericht hat diesen Vorschlag auch angenommen.

Wenn

zum Beispiel die Vereinigten Staaten oder Großbritannien oder Frankreich
eine Politik beginnen würden, die aus der Sicht des IWF oder der internationalen Gemeinschaft

insgesamt grundsätzlich in die falsche Richtung

weisen und potentiell größte Probleme nicht nur für das betreffende Land,
sondern für die internationale Gemeinschaft insgesamt aufwerfen würde, so
könnte der IWF versuchen, in eine spezielle Konsultation mit dem betreffenden Land gemäß Artikel IV der IWF-Satzung einzutreten, um die Aufmerksamkeit auf die fragliche Politik zu lenken und zu veranlassen, daß das
Direktorium des IWF sich speziell mit der Politik dieses Landes beschäftigt und sie eingehend diskutiert.

Ich selbst glaube, daß dies poten-

tiell von Bedeutung sein könnte.

FRAGE:

Stimmt es, daß dieser Prozeß gegenüber den großen Staaten

eigentlich nur die Hebelwirkung hat, daß die Politik, mit der der IWF
nicht übereinstimmt, der 'Öffentlichkeit mitgeteilt wird?

Und sogar das

Ausmaß, in dem der IWF diese Gespräche publik machen kann, ist sehr begrenzt.
ANTWORT:

Ich würde

�ANTWORT:

Ich würde nicht sagen, daß es keinerlei Hsbelwirkung hat.

Ich meine, die Hebelwirkung ist derzeit nicht ausreichend und könnte verstärkt werden. Ein weiterer unserer Vorschläge geht dahin, daß eine ausgewählte Anzahl von Staaten - vielleicht 20 oder 25 Industrie- und Entwicklungsländer , die für das Funktionieren des Systems von besonderer Bedeutung sind - aufgefordert wird, dem IWF sechs Monate nach Beendigung
einer Konsultation gemäß Artikel IV einen Bericht vorzulegen, in dem die
Maßnahmen dargelegt werden, die in Reaktion auf den Konsultationsprozeß
ergriffen wurden oder in dem festgehalten wird, wo man den einzelnen Vorschlägen, mit denen man nicht übereinstimmte, nicht nachging.

Die Aus-

formulierung eines solchen Berichtes könnte hilfreich sein und zu Veränderungen in der jeweiligen Politik führen, wenn solche erforderlich sein
sollten.

Die Frage der Publizität ist etwas, für das sich die Vereinigten
Staaten intensiv und energisch eingesetzt haben, aber nur wenige Staaten
haben dies bislang unterstützt.

Dies ist recht enttäuschend, denn wir

sind der Ansicht, daß die öffentliche Meinung hinsichtlich der Haltung
des IWF gegenüber einem Mitgliedstaat von Bedeutung sein und dessen Politik ändern könnte.

Andere Staaten zögerten in dieser Hinsicht, weil sie

Bedenken in bezug auf die Vertraulichkeit des Prozesses haben; aber wir
sind nur zu gern bereit, es zu versuchen, wenn auch die andern hierzu bereit sind. Bislang war dem nicht so.

FRAGE:

Bedeutet dies, daß Sie beim Treffen des Interimsausschusses

im Oktober nicht auf mehr Offenlegung drängen werden?
ANTWORT:

Nein.

Es bedeutet, daß wir hoffen, noch mehr Staaten wür-

den es sich noch einmal überlegen; und soviel ich weiß, wird auch weiterhin hierauf gedrängt.

Es ist leicht zu sagen:

"Wir hätten gern mehr Pu-

blizität bei den Vereinigten Staaten, aber wir wollen nicht mehr Publizität bei uns." Und man unterschätzt auch leicht den potentiellen Effekt,
den derlei auf ein Land haben kann.
FRAGE:

Der Sechsmonatsbericht für ausgewählte Staaten - glauben Sie,

da3 es hierzu im Oktober kommt?
ANTWORT:

Nein, wir

�ANTWORT:

Nein, wir glauben nicht, daß diese Vorschläge schon im Ok-

tober angenommen werden.

Im Oktober in Seoul wird eine erste Diskussion

der Minister und Nötenbankprasidenten stattfinden; sie werden die Sache
dann dem IWF für weitere und eingehendere Analyse vorlegen.

Vielleicht

nächstes Frühjahr dürfte dann der Interimsausschuß auf der Entscheidungsebene auf diese Fragen zurückkommen.

- 9 -

�2 ] . August 1985

33

ZUSAMMENARBEIT IN DER ATCMPOLITIK
Sonderbotschafter Richard T. Kennedy e r l ä u t e r t P r i n z i p i e n der
amerikanischen Regierung -

WASHINGTON - (AD) - Mehr a l s 125 Länder sind inzwischen Partner des
Vertrages über die Nichtweiterverbreitung von Kernwaffen - Non-Prolifera»»
t i o n Treaty

(NPT).

Er s t e l l t

Rüstungskontrollverträge

somit einen der am weitesten

der Geschichte

dar.

von 1978 über die Nichtweiterverbreitung

verbreiteten

Dem amerikanischen Gesetz

von Kernwaffen zufolge müssen

Staaten, die keine Kernwaffen besitzen und sich um Exporte oder Zusammena r b e i t mit den Vereinigten Staaten auf nuklearem Gebiet bemühen, die S i cherungsbestimmungen der

IAEA

(Internationale

Atomenergie-Behörde)

hin-

s i c h t l i c h a l l e r A k t i v i t ä t e n mit Nuklearmaterial und Ausrüstung zu f r i e d »
liehen Zwecken akzeptieren.

Die Mitgliedstaaten des NPT-Vertrages h a l t e n

sich an diese Bestimmungen.
Präsident Reagan b e k r ä f t i g t e mehrmals, daß die Unterstützung des NPT
und des Vertrages von Tlatelolco über eine Kernwaffen f r e i e Zone i n La-

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�i n Lateinamerika die wichtigsten Elemente der amerikanischen N o n - P r o l i f e rationspolitik

seien.

Gleichzeitig

forderte

er

alle

Lieferländer

auf,

bei a l l e n bedeutsamen neuen L i e f e r v e r p f l i c h t u n g e n die Einhaltung umfassender IAEA-Sicherungsmaßnahmen zur Bedingung zu machen.

Diese Sicherun-

gen s o l l e n das Abzweigen von Nuklearmaterial für Atomsprengsätze v e r h i n dern.

Ihre Anerkennung s o l l Nachbarstaaten d e u t l i c h machen, daß das be-

treffende Land keine Nuklearwaffen haben w i l l .

Die IAEA-Maßnahmen schaf-

fen somit e i n Sicherungssystem, das die Verwendung von nuklearen Material i e n und Ausrüstungen f ü r ausschließlich f r i e d l i c h e Zwecke gewährleistet.
Für September 1985 wird eine d r i t t e Konferenz zur Überprüfung des N i c h t weiterverbreitungsvertrages v o r b e r e i t e t .

Gemeinsam mit anderen Vertrags-

partnern werden sich die Vereinigten Staaten darum bemühen, den so l e benswichtigen Beitrag
Notwendigkeit

einer

dieses Abkommens zur Sicherung der
noch weitergehenden Einhaltung

seiner

Vtelt und die
Bestimmungen

erneut zu b e k r ä f t i g e n .

Dies bedeute n i c h t , wie Sonderbotschafter Richard T. Kennedy vor e i nem f ü r

Nichtweiterverbreitung

von Kernwaffen zuständigen Unterausschuß

des amerikanischen Kongresses e r k l ä r t e , daß sich die USA der z i v i l e n Anwendung von Plutonium i n Ländern mit hochentwickelten Atomenergieprogrammen widersetzten,
eingehalten

sofern

werden.

bestimmte

Kennedy,

strenge

Bedingungen und

Sonderberater

von

Kontrollen

Außenminister

George

Shultz i n Fragen der N o n - P r o l i f e r a t i o n s p o l i t i k und der Kernenergie, verwies darauf, daß die USA heute nicht mehr das Monopol f ü r Kerntechnik besäßen.

So sei eine r e a l i s t i s c h e P o l i t i k angebracht, die auf Kooperation

mit anderen Ländern, jedoch nicht auf Konfrontation ausgerichtet

ist.

I n Kennedys Anhörung vor dem Ausschuß ging es. u.a. um Zusammenarbeit
der Vereinigten Staaten mit anderen Ländern h i n s i c h t l i c h einer

WLederauf-

arbeitung abgebrannten Uranmaterials und die Verwendung von daraus gewonnenem Plutonium i n z i v i l e n Atomenergieprogrammen.

Die amerikanische Re-

gierung bemühe sich b e h a r r l i c h darum, daß die von i h r v e r f o l g t e
die

v o l l e Übereinstimmung mit

der Nichtweiterverbreitung

den Zielen der

Politik

"Non-Proliferation",

also

von Kernwaffen, gewährleiste, sagte Kennedy.

Präsident Reagan habe e r k l ä r t , daß die Verhinderung einer Nichtweiterver- 2 -

�einer

Nichtweiterverbreitung

von nuklearen Sprengsätzen eine der

"kri-

t i s c h s t e n Herausforderungen unserer Nation i n i n t e r n a t i o n a l e n Angelegenheiten" sei.

Eine weitere P r o l i f e r a t i o n würde eine ernste Bedrohung des

i n t e r n a t i o n a l e n Friedens, regionaler und globaler S t a b i l i t ä t und der S i cherheitsinteressen der USA ebenso wie anderer Länder bedeuten.
rikanische

Regierung

werde

Nichtweiterverbreitung
tischen V o r t e i l e

niemals

ihre

Grundsätze

zugunsten irgendwelcher

aufgeben.

Und sie

Die ame-

hinsichtlich

kommerziellen oder

sei der Meinung, daQ diese

der
poli-

Richt-

schnur eine allgemeine Norm für a l l e Länder sein s o l l t e .
Jedoch
Kennedy.

sei

es

mit

Proklamationen

nicht

getan,

sagte

Botschafter

Eine solche P o l i t i k müsse auch zu konkreten Ergebnissen führen,

was die Unterstützung der anderen Nuklear-Lieferländer der Wslt i n bezug
auf k r i t i s c h e M a t e r i a l i e n und Ausrüstungen, Sicherungsmaßnahmen und andere NPT-Fragen e r f o r d e r e .

So s t e l l e die Zusammenarbeit mit anderen Län-

dern i n der f r i e d l i c h e n Nutzung der Atomenergie unter angemessenen Sicherungen und Kontrollen eine notwendige Ergänzung der von den USA mit Entschiedenheit: vertretenen N o n p r o l i f e r a t i o n s p o l i t i k dar.

Autarkieprobleme i n der Energieversorgung
Viele

Länder

verfügen nicht

mit

etablierter

und im Aufbau b e f i n d l i c h e r

über eigene Vorkommen f o s s i l e r

auf organischer Basis.

oder anderer

Industrie
Brennstoffe

Sie betrachten die Erschließung von Kernenergie

für i h r nationales Wohlergehen und i h r e Energiesicherheit als lebenswichtig.

Und zur v o l l e n Ausnutzung des Kernenergiepotentials

haben einige

von ihnen - bestimmte westeuropäische Länder und Japan - Pläne zur Wiederaufarbeitung abgebrannter Brennstoffe
wie

zur

Verwendung

des

daraus

aus Atomkraftwerksreaktoren

abgetrennten

Plutoniums

Brennstoff zur zusätzlichen Stromerzeugung ausgearbeitet.

als

so-

nuklearen

Ihre Pläne um-

fassen auch die Entwicklung von Brütern und anderen modernen Reaktortypen
sowie die Verwendung von Mischoxyden aus Plutonium und Uran a l s Brenns t o f f für Leichtwasserreaktoren ("thermische Rückführung").
Inwieweit diese

�Inwieweit diese Programme wirtschaftlich gerechtfertigt sind, sei dahingestellt, sagte Botschafter Kennedy.

Jedoch sei für diese Länder we-

niger die Rentabilität als die Entschlossenheit ausschlaggebend, einen
höchstmöglichen Grad von Unabhängigkeit in ihrer Fähigkeit zur Energieproduktion zu erzielen.

Die Ölschocks der siebziger Jahre, aber auch die

Ende der siebziger Jahre sich ständig ändernden gesetzlichen und politischen Gegebenheiten in den Vereinigten Staaten bei Nuklearexporten bewirkten erhebliche Ungewißheiten in den Energieplänen anderer Länder.
Deshalb halten sie die Entwicklung einer weniger von ausländischen Lieferungen abhängigen und damit weniger gegen Störungen von außen anfälligen
eigenen Energie-Infrastruktur für wichtig.

Es gebe selbstverständlich auch andere Motive, meinte Botschafter
Kennedy.

Einige Länder mit fortschrittlichen Nuklearprogrammen sähen in

der Wiederaufarbeitung eine denkbare wichtige Möglichkeit zur Beseitigung
von Atommüll - nicht nur in technischer Hinsicht, sondern auch zur Lösung
politischer Probleme.

Denn in manchen Staaten könnten die Regierungen

die Opposition gegen ihre Atomenergieprogramme aufgrund der Furcht vor
Umweltschäden nur mit dem Versprechen überwinden, die Abfälle wieder aufzuarbeiten, anstatt sie einem Endlager zuzuführen.

In diesen Ländern

würde Widerstand oder Einmischung seitens der USA in der Frage der Wiederaufarbeitung als Gefährdung der Nuklearprogramme angesehen.

Dies bereite den USA ernste Sorgen, aber das gelte auch hinsichtlich
der Möglichkeit, Plutonium für Atomwaffen zu verwenden.

"Wir sehen uns

der Notwendigkeit gegenüber", so Kennedy, "eine realistische Politik zu
entwickeln, die beides berücksichtigt."
brand-Wiederaufarbeitung

und

Dabei solle keinesfalls die Ab-

die Verwendung

von Plutonium

für zivile

Zwecke in Ländern mit hochentwickelten Atomkraftprogrammen, wo die Gefahr
der Proliferation nicht gegeben sei, verhindert oder reduziert werden
- vorausgesetzt, daß bestimmte strenge Bedingungen und Kontrollen beibehielten würden.

Die Reagan-Administration sei sich der Gefährlichkeit von Plutonium,
dessen Verwendung sorgfältige Kontrollen und Sicherungen verlange, voll- 4 -

�verlange, v o l l a u f

bewußt, e r k l ä r t e Kennedy.

So habe der Präsident auch

die Verpflichtung der USA kategorisch b e k r ä f t i g t , den Transfer von s e n s i tivem Nuklearmaterial zu verhindern, wo die Gefahr der P r o l i f e r a t i o n Zurückhaltung e r f o r d e r e .

Die Vereinigten Staaten drangen wiederholt

a u f , diese Ansicht als i n t e r n a t i o n a l e Norm zu akzeptieren.

Sie

dar-

initiier-

ten und b e t e i l i g t e n sich an zahlreichen m u l t i l a t e r a l e n Anstrengungen, die
Sicherheitsvorkehrungen bei Plutonium zu verbessern und das Risiko seiner
Anwendung zu n i c h t f r i e d l i c h e n Zwecken zu v e r r i n g e r n .

Dazu gehörten auch

die Überprüfung und stärkere Absicherung der vom Zangger-Ausschuß aufges t e l l t e n Liste

für

nukleare Exporte und

Wiederaufbereitungsausrüstungen

sowie enge Zusammenarbeit mit der IAEA und anderen Nationen i n der Entwicklung wirksamerer Maßnahmen zum Schutz von

Wiederaufarbeitungsbetrie-

ben und Anlagen, wo Plutonium vorhanden i s t .
Die Vereinigten Staaten könnten jedoch Industrieländern mit hochentwickelten Nuklearprogrammen keine P o l i t i k

hinsichtlich

der

Wiederaufar-

beitung und der Anwendung von Plutonium, die möglicherweise einem k ü n f t i gen Energiebedarf Rechnung tragen s o l l , d i k t i e r e n oder vorschreiben.

Es

sei f a l s c h , anzunehmen, daß die USA die Kontrolle über das i n der Welt
vorhandene

Plutonium

besäßen.

Vielmehr

hätten

sie,

wie

Botschafter

Kennedy e r k l ä r t e , derzeit die Kontrolle über 50 Prozent der i n der Welt
vorhandenen Kernbrennstoffe, mit denen Plutonium produziert werden könnte.

Die Vereinigten Staaten k o n t r o l l i e r t e n einen T e i l dieses M a t e r i a l s ,

weil es i n den USA produziert und gelagert werde.

Bei anders gelagerten

Fällen l i e f e r n die USA i n andere Länder Kernbrennstoff aufgrund von Vereinbarungen,

die

u.a.

besagen,

daß

Amerika

den Verwendungszweck

Brennstoffs und der Abbrandelemente genehmigen muß.
von EURATOM (Europäische Atomenergie-Gemeinschaft)

des

Ein großer T e i l des
genutzten

amerikani-

schen Kernbrennstoffs unterliege aufgrund früher abgeschlossener Verträge
jedoch

nicht

der

direkten

Kennedys werde der A n t e i l

amerikanischen

Kontrolle.

der unter amerikanischer

Nach

Kontrolle

Ansicht
stehenden

Kernbrennstoffe der Welt bis zum Jahr 2000 sogar auf ca. 20 Prozent zurückgehen.

Im Bereich von

�Im Bereich von EURATOM, wo v i e l im Zusammenhang mit der Brutreaktor—
Entwicklung

und der

"thermischen Rückführung" geplant

werde,

verfügten

die USA gegenwärtig nicht über Zustimmungsrechte bei der Wiederaufarbeitung von Abbrandelementen amerikanischer Herkunft.

Einer k ü r z l i c h veröf-

f e n t l i c h t e n Studie zufolge dürften die EURATOM -Länder bis zum Jahr 2000
i n Abbrandlementen sowie i n e x t r a h i e r t e r Form mehr a l s 330 Tonnen s p a l t baren Plutoniums angesammelt haben, wobei weder Abbrand noch Plutonium
amerikanischen

Wiederaufarbeitungskontrollen

unterliege.

Von der Menge

kämen - neue oder r e v i d i e r t e Vereinbarungen über Zusammenarbeit vorausgesetzt - höchstens 40 Tonnen i n Frage, da das übrige Material nicht amerikanischer Herkunft s e i .

Dies seien vorsichtige Schätzungen.

In anderen Ländern mit hochentwickelten Nuklearprogrammen gelten die
Zustimmungsrechte der USA l e d i g l i c h für einen T e i l des gegenwärtig vorhandenen oder

zu

erwartenden M a t e r i a l s .

Der

gleichen

Studie

zufolge

dürften sich bis zum Jahr 2000 i n Japan 11,3 Tonnen spaltbaren P l u t o n i ums, das nicht
I n Spanien l i e g t

amerikanischer

Kontrolle

u n t e r l i e g t , angesammelt haben.

die Menge bei 18,9 Tonnen, i n Schweden bei 2,4 Tonnen

und i n der Schweiz bei 4,2 Tonnen.

Die EURATQM-Länder und Japan hätten

wiederholt klargemacht, daß sie Plutonium für

i h r e z i v i l e n Energiepläne

als wesentlich, ja sogar lebenswichtig betrachteten.

Gelegentlich werde damit argumentiert, so Kennedy, daß die

Wiederauf-

aröeitung von Abbrand und die Verwendung von Plutonium i n z i v i l e n Atomkraftprogrammen der Industrieländer aneren Ländern mit e r s t im Aufbau beg r i f f e n e n Nuklearprogrammen e i n "schlechtes B e i s p i e l " gebe.

Jedoch sei

zum einen keineswegs k l a r , daß h i n t e r einem Nuklearprogramm i n der D r i t ten Walt überhaupt der Wünsch zur Nachahmung de r i n d u s t r i a l i s i e r t e n

Walt

stehe, und zum anderen gebe es keinen Beweis d a f ü r , daß Selbstbeschränkung, ja

Selbstverleugnung auf Seiten der Industrieländer

zu ähnlicher

Enthaltsamkeit bei den Ländern der D r i t t e n Vtelt führen werde.
Ein weiteres Argument
Politik

von Gegnern der gegenwärtigen

amerikanischen

zur Wiederaufarbeitung von Abbrand und der Verwendung von P l u t o -

nium gehe Kennedy zufolge dahin, daß durch eine Ermutigung oder zumindest
- 6 -

�oder zumindest eine Duldung solcher Aktivitäten der Tag noch früher kommen werde, an dem Plutonium als "Routineware" betrachtet und somit auch
leichter für Mißbräuche abgezweigt oder für Terroristen eher zugänglich
werden könnte.

Diese Art Gefahren seien jedoch in den Griff zu bekommen

und die Vereinigten Staaten führten in der Entwicklung verbesserter technischer Schutzmaßnahmen.

Nuklearer Terrorismus werde von der amerikani-

schen Regierung als potentielle, äußerst ernste Bedrohung der nationalen
Sicherheit betrachtet.

Entsprechende und angemessene Schritte zu seiner

Verhinderung würden bereits unternommen und werden auch künftig unternommen werden.

Auf Anregung der Exekutive habe der Kongreß im Jahr 1982

entsprechende Strafgesetze verabschiedet.

Auf internationaler Basis habe

sich die Regierung sehr um Vereinbarungen zwischen den großen Nuklearlieferanten bemüht.

Angemessene

technische Sicherungsmaßnahmen seien als

Bedingung für nukleare Exporte gefordert worden.

Verbesserte Kooperationsabkommen angestrebt

Im Rahmen der Bemühungen um neue oder verbesserte Kooperationsabkommen, die strengere Nonproliferationsbestimmungen berücksichtigen, und um
eine Wiederherstellung des Vertrauens zu den Vereinigten Staaten als zuverlässigem Lieferanten habe die Regierung mit Japan und den EURATOI-Ländern gewisse langfristige Arrangements zur Wiederaufarbeitung von Material, das amerikanischer Kontrolle unterliege, und zur Verwendung des daraus abgetrennten Plutoniums erörtert.

Kennedy verwies darauf, daß Ab-

sicherungen gegen eine Beeinträchtigung von Verteidigung und Sicherheit
der USA eingearbeitet seien und die Vereinbarungen nicht zu einer bedeutsamen Erhöhung des Risikos der Proliferation führen würden.

Auch bei anderen Ländern, mit denen Kooperationsabkommen bestehen,
seien die USA bereit, bei Vorliegen bestimmter Voraussetzungen den Transfer von Material amerikanischer Herkunft in französische und britische
Wiederaufarbeitungsanlagen

im Vorhinein

zu genehmigen.

Beispielsweise

enthielten die 1984 in Kraft getretenen neuen Kooperationsabkommen mit
Norwegen und Schweden und das neue Abkommen mit Finnland, das z.Zt. dem

�z. Zt. dem Kongreß vorliege, die im Voraus gegebene Zustimmung der Vereinigten Staaten, daß diese Länder Material, das unter die Vereinbarungen
fällt, ohne vorherige Rückfrage bei den USA zu bestimmten Wiederaufarbeitungsanlagen

in Großbritannien oder Frankreich

transferieren könnten.

Norwegen, Schweden und Finnland seien ihrerseits gehalten, über solche
Transfers Buch zu führen und die USA von jeder einzelnen Materialüberstellung zu unterrichten.

Sie seien außerdem verpflichtet, im Voraus von

EURATOM die Bestätigung einzuholen, daß das Material innerhalb EURATOM
entsprechend dem US-EURATGM-Kooperationsabkommen behandelt werde, um die
juristische Kontrolle über das gesamte, im Rahmen des Transfers abgetrennten Plutonium zu behalten, und von den USA im Voraus die Zustimmung zu einem späteren Transfer in ein anderes Land oder für eine Verwendung von Plutonium zu erlangen.

Die von den USA verfolgte Politik müsse realistisch sein und Realitäten berücksichtigen.

Japan und mehrere EURATCM-Länder bauten inzwischen

eigene Anlagen - mit und ohne von den USA bereitgestellter sensitiver
Technologie bzw. mit und ohne Vorbild amerikanischer Ausrüstungen.

So

sei jetzt das vordringliche Ziel der USA, die stärksten Sicherungsmaßnahmen und den stärksten physischen Schutz sicherzustellen.

Ein Beitrag da-

zu könne sich aus der unmittelbaren Beteiligung der Vereinigten Staaten
am Entwurf und an der Ausrüstung für die betreffenden Anlagen ergeben.

Die Vereinigten Staaten seien dabei, wieder ein abschätzbarer und zuverlässiger Partner für friedliche nukleare Zusammenarbeit im Rahmen angemessener Sicherungen und Kontrollen zu werden.

Ihre Politik treffe

vernünftige Unterscheidungen zwischen engen Verbündeten und Freunden zum
einen, die fortschrttliche nukleare Programme, dazu die gleichen Ziele
der Nichtweiterverbreitung haben und die kein Proliferationsrisiko darstellen, und solchen Staaten zum andern, die ein derartiges Risiko darstellen oder darstellen könnten.

Die USA verfolgten eine sorgfältig definierte, abgewogene und zurückhaltende Politik.

Sie könnte nach Kennedys Meinung die Fähigkeit der

Vereinigten Staaten erheblich steigern, auf ausländische Nuklearprogramme
- 8 -

�ausländische Nuklearprogramme in einer Vteise Einfluß zu nehmen, die die
eigenen Nonproliferationsziele erreichen hilft.

Diese Politik entspreche

jener Kanadas und Australiens - von Ländern, die selbst eine starke Nbnproliferationspolitik
vereinbarten
Eine

betreiben und, wie die Vereinigten Staaten, auf

Rechten als Teil

erfolgreiche

ihrer nuklearen Exportpolitik

Nuklearpolitik

müsse

gegenseitigem Vertrauen basieren.

&gt;

* * * * #

auf

bestehen.

gegenseitiger Achtung

und

�33

21. August 1985

NEUE GEBÜHRENORDNUNG FÜR RRIJMTRANSPORTERFLÜGE
Inanspruchnahme des Frachtraums soll Kosten (decken -

WASHINGTON - (AD) - Die Abgabe von Nutzlastraum im amerikanischen
Raumtransporter an ausländische und kommerzielle Benutzer per Auktionsgebot ist mit Beginn des US-Haushaltsjahres 1989 vorgesehen.

Präsident

Reagan forderte eine Preispolitik, die bei Beteiligung des genannten Benutzerkreises eine volle Kostendeckung ermöglicht.

Als Mindestgebot für

den gesamten Nutzlastraum werden 74 Millionen Dollar pro Flug genannt (in
Dollar von 1982).

Allerdings teilen sich jeweils mehrere Benutzer in

diese Gebühr, weil für keine der Nutzlasten ausländischer und kommerzieller Auftraggeber der gesamte Frachtraum benötigt wird.

Gegenwärtig gilt

noch die 1977 festgesetzte "Einführungsgebühr" von 38 Millionen Dollar
für den gesamten Frachtraum.

Das Waiße Haus gab zur Neuordnung ein In-

formationsblatt mit folgendem Wortlaut heraus:

"Der Präsident hat folgende Maßnahmen zu Raumtransportergebühren für
ausländische und kommerzielle Benutzer angeordnet:

Die Nationale Raumfahrtstrategie erfordert die Entwicklung eines Pia-

Postfach 20 03 00 Tel.:0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�eines Planes zur Einführung der vollen Kostenerstattung bei ausländischen
und kommerziellen Raumtransporterflügen nach dem 1. Oktober 1988.

Mit Beginn des Haushaltjahres 1989 wird die Raumtransporterkapazität
nach dem Auktionsverfahren an ausländische und kommerzielle Benutzer vergeben.

Der Administrator der NASA wird Auktionsrichtlinien festsetzen,

um eine maximale Entschädigung für die Regierung und gleiche Behandlung
aller potentiellen Startkunden zu gewährleisten.

Als Mindestsumme für ein komplettes Nutzlastraum-Gebot pro Flug werden 74 Millionen Dollar (nach dem Dollarwert von 1982) festgesetzt. Drei
komplette Nutzlastkapazitäten pro Jahr stehen dem ausländischen und kommerziellen Markt bis zur Frist von zwei Jahren vor dem Startjahr zur Verfügung.

Von diesem Zeitpunkt an kann die NASA noch offene Kapazitätsan-

teile anbieten.

Die NASA ist befugt, im Rahmen der oben genannten Quoten

Gebote für mehrere Nutzlasten zum Auktionspreis zu akzeptieren.

Die oben

genannten Quoten gelten nicht für Flüge mit neuartiger und innovativer
Nutzung des Iteltraums.

Die NASA wird die Erfahrungen mit Raumtransporterkosten und die erwartete künftige Effektivität dieser Preispolitik im Hinblick auf die
Anwendung der Nationalen Raumfahrtpolitik unter veränderlichen Marktbedingungen jährlich neu überprüfen.

Die NASA wird ihren Jahresbericht

zusammen mit jeder Art von Empfehlungen zu Veränderungen des

Auktions-

mindestpreises oder anderer Aspekte dieser Preispolitik dem Präsidialreferenten für Angelegenheiten der Nationalen Sicherheit und dem Direktor
des Amtes für Management und Budget vorlegen.

Jegliche Art politischer

Fragen, die sich aus diesem Jahresbericht ergeben, können dem interministeriellen Ältestenrat für Raumfahrtangelegenheiten unterbreitet werden.

Die vom amerikanischen Verteidigungsministerium (DOD) für Raumtransporterflüge erhobene Gebühr wird unabhängig von der bei ausländischen und
kommerziellen Kunden angewandten Preispolitik berechnet. Sie gründet sich
auf die Startstrategie im Interesse der Nationalen Sicherheit und auf eine angemessene Entschädigung für DOD-Dienstleistungen in Verbindung mit
Raumtransporterflügen."
• * * * *

- 2-

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA rechnen mit Entscheidungen über Reform des Internationalen Währungsfonds im kommenden Jahr&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- USIA-Interview mit IWF-Direktor Dallara -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Zusammenarbeit in der Atompolitik&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Sonderbotschafter Richard T. Kennedy erläutert Prinzipien der amerikanischen Regierung -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Neue Gebührenordnung für Raumtransporterflüge&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Inanspruchnahme des Frachtraums soll Kosten decken -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;</text>
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                    <text>^H

^P^^^H

nrormouon
und
Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

28. August 1985

34

INHALT

DOKUMENTATION
Reagan : 5DI soll Leben retten
- Auszüge aus der Ansprache des Präsidenten in Los Angeles Fortschritt in der Rüstungskontrolle hängt vom Verhalten der Soviets
ab_
- Ausführungen von US-Sicherheitsberater McFarlane -

HINTERGRUND
Großeinsatz gegen Cannbis-Anpflanzungen
- "Operation Delta-9" vernichtet Marihuana-Ernte WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Elektrowerkstatt im freien Weltraum
- DISCOVERY-Astronauten bemühen sich um Reparatur eines
Nachrichtensatelliten * * * * *

Um Über/endung von
ßelegexemplcwen
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

T e l . : 0 2 2 8 - 3 3 9 2035
Telex: 8-85432

�Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

28. August 1985

34

REAGAN:

SDI SOli LE3EN FETTEN

- Auszüge aus der Ansprache des Präsidenten in Los; Angeles -

LOG ANGFXiES - (AD) - Präsident Ronald Reagan hat in einer Ansprache
in Los Ange3.es am 22. August 1985 betont, die /on ihm 1983 in die Wege
geleitete Strategische Verteidigungsinitiative (SDI) solle dazu dienen,
"Leben zu retten". Auf einem Essen, das die Republikanische Partei Kaliforniens veranstaltete, um Mittel für die Wahlcampf&lt;asse zu sammeln, wies
Reagan darauf hin, daß SDI einen Weg aus dem nakleacen Dilemra biete und
der Erfolg des Programms daran gemessen werde, wieviel Kenschenleben es
retten statt vernichten könne.

Zu seinen wichtigsten politischen Aufgaben in seiner zwe:.ten Amtszelt
sagte Präsident Reagan:

Wir sind stolz auf das, was wir erreicht haben, aber es bleibt noch
viel zu tun.

Diesen Herbst werden

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 08-85432

�Diesen Herbst werden wir uns um die unfassendste Steuerreform bemühen, die dieses Land seit den zwanziger Jahren erlebt hat. Sie wird die
Steuersätze senken und die Maschen der Gesetzgebung schließen; sie wird
fair sein; und wenn sie erst einmal durchgeführt ist, wird sie unserer
Wirtschaft neue Kraft geben und die Investitionstätigkeit und die Unternehmen anregen. Die Menschen werden einen Anreiz haben, ihre Mittel in
Arbeitsplätze schaffende Geschäfts- und Handelsunternehmungen anzulegen,
statt sie unproduktiv in Sicherheit zu bringen oder die Steuer zu umgehen. Wir werden das alles dem Volk direkt vortragen. Es geht um die
Wahl zwischen dem Einzelinteresse und dem Gesamtinteresse. Das ist eine
große Sache, und mit Ihrer Hilfe werden wir sie für Amerika gewinnen.

Mit Blick in die Zukunft führen wir ein Forschungsprogramm weiter,
das uns einen Ausweg aus dem nuklearen Dilemma bietet, unter dem die
Menschheit seit vier Jahrzehnten leidet. Das Forschungsprogramm der
Strategischen Verteidigungsinitiative (SDI) bietet uns die Hoffnung, uns
selbst und unsere Verbündeten vor einem Angriff mit Atomraketen zu
schützen. Dies wird es uns ermöglichen, uns darauf zu konzentrieren,
Menschenleben zu retten, statt auf ihre Vernichtung zu zählen. Wir suchen
einen Schild gegen Kernwaffen - wir wollen die Technologie benutzen, um
mehr Sicherheit für uns zu erreichen. Unser Erfolg wird an der Zahl der
Menschenleben gemessen werden, die wir retten können - nicht vernichten.

Wir hören von unseren selbsternannten Experten immer wieder, unser
SDI-Konzept sei undurchführbar und eine Geldverschwendung. Nun, wenn das
wahr wäre, warum regen sich die Sowjets so sehr darüber auf? Warum investieren sie denn dann so viele Rubel in die gleichen Technologien?

Einer der Gründe, warum die Amerikaner uns gewählt haben, ist der,
daß wir nicht vor unserer Verpflichtung zurückschrecken, alles Notwendige
zu tun, um die Sicherheit unseres Landes zu erhalten und unseren Kindern
und Kindeskindern die Segnungen der Freiheit zu erhalten.
Dies wird nirgendwo deutlicher als in Mittelamerika. Wir haben in den
letzten viereinhalb Jahren eine verzweifelte Lage gewendet. Langsam und

�Langsam und still und ohne großes Aufsehen wurde eine der stolzesten
Leistungen dieser Administration vollbracht. Als wir die Regierung in
Washington übernahmen, war die Frage, die auf jedermanns Lippen lag:
"Wird El Salvador an die Kommunisten fallen?" Heute ist die Frage: "Wird
die Demokratie in Nicaragua siegen?" Und morgen wird die Frage lauten:
"Wie bald?"

Wir sind standhaft geblieben. Wir werden weiterhin alles Notwendige
tun, um die Sicherheit unseres Landes zu schützen und den Völkern Mittelamerikas zu helfen, freie, blühende und demokratische Länder aufzubauen.

- 3 -

�28. August 1985

34

FORTSCHRITT IN DER RÜSTUNGSKONTROLLE
HÄNGT VOM VERHALTEN DER SOWJETS AB
- Ausführungen von US-Sicherheitsberater McFarlane -

SANTA BARBARA, KALIFORNIEN - (AD) - Ohne eine radikale Änderung der
E i n s t e l l u n g der Sowjets

i n Sicherheitsfragen wird es schwer s e i n , auch

nur minimale F o r t s c h r i t t e

i n der Rüstungskontrolle und i n der Verbesse-

rung der Beziehungen zu Moskau zu e r z i e l e n .

Dies e r k l ä r t e der Berater

Präsident Reagans f ü r Fragen der nationalen S i c h e r h e i t , Robert McFarlane,
am 19. August

1985 vor

privaten Bürgervereinigungen

i n Santa

Barbara.

Der Präsident, so betonte McFarlane, sei nach wie vor b e r e i t , der Sowjetunion auf halbem Wege entgegenzukommen.
Der Sicherheitsberater

wies darauf h i n , daß die sowjetische

Haltung

i n regionalen Fragen, wie die sowjetische Invasion Afghanistans, die Unterstützung t e r r o r i s t i s c h e r
als S t e l l v e r t r e t e r
kleine

Fortschritte

Staaten wie Libyen oder die Benutzung Kubas

die Motivation der Sowjets
in

fragwürdig mache.

den amerikanisch-sowjetischen

Selbst

Beziehungen wären

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 08-85432

�Beziehungen wären nur mit größten Schwierigkeiten zu erzielen.

Die Ausführungen von McFarlane haben folgenden Wortlaut:

Präsident Reagan wird bald in Genf mit dem Generalsekretär der KPdSU,
Gorbatschow, zusammentreffen.

Das Treffen findet in einem historischen Moment statt, wenn man bedenkt, wie gewaltig der Wandel im Westen war und wie groß das augenscheinliche Potential für einen Wandel im Osten ist.

In den letzten vier

Jahren haben wir hier in den Vereinigten Staaten und ganz allgemein im
Westen eine politische, wirtschaftliche und soziale Erneuerung von historischem Ausmaß erlebt.

Vor vier Jahren schienen wir durch die moralischen und institutionellen Nachwehen von Vietnam und Watergate gelähmt zu sein.

Unsere wirt-

schaftlichen Probleme schienen überdimensional zu sein und es waren keine
Lösungen in Sicht.

Das militärische Kräfteverhältnis hatte sich in dra-

matischer Weise zu unserem Nachteil verlagert, und die Auswirkungen dieses Zustandes waren in dem wachsenden Einfluß der Sowjets von Angola bis
Äthiopien und von Indochina über Afghanistan bis Nicaragua zu erkennen.
Unsere Bündnisse waren schwer erschüttert und die führenden Persönlichkeiten von London über Paris bis Moskau fragten sich, ob die Vereinigten
Staaten vom Iteg abgekommen seien und ob wir überhaupt noch in der Lage
wären, unsere Fähigkeit wiederzugewinnen, eine positive Führungsrolle in
der Weltpolitik zu spielen.

Heute sieht das Bild augenfällig anders aus.
unsere

Präsident Reagan hat

Wirtschaft auf einen soliden Weg zum Aufschwung gebracht.

Grundlage unserer Stärke ist wiederhergestellt worden.

Die

Der sowjetischen

Expansion ist Einhalt geboten worden, ja sie ist auf einer kleinen Insel
in der Karibik sogar zurückgedrängt worden.

Alles in allem, Amerika hat

wieder zu sich selbst gefunden; es übt eine Führungsrolle aus und der
Frieden ist sicherer geworden.
Auf der sowjetischen
- 2 -

�Auf der sowjetischen Seite der Bilanz ist das Bild weniger klar. Aber
es existiert sicherlich die Möglichkeit für eine vielversprechende Zukunft.

Die Sowjetunion hat einen neuen Führer - einen Mann, der nicht

mit den Vfechselfällen von Vorwahlen und Ifehlkämpfen zu ringen braucht;
einen Mann also, der vielleicht bis zur Jahrhundertwende im Amt bleiben
kann.

Hier in den Vereinigten Staaten - einem Land der Optimisten mit dem
größten Optimisten unserer Geschichte an der Spitze Beste.

hoffen wir auf das

Natürlich sind wir nüchtern genug zu wissen, daß unser Optimismus

nicht immer gerechtfertigt ist; doch wir geben ihn nicht auf.

Wenn wir

uns auf den heg machen in eine, wie wir hoffen, vielversprechende Zukunft, dann sollten wir offen und ehrlich vorgehen und unsere Ziele und
Zwecke wie auch unsere Zweifel deutlich machen und weder mit unseren
Hoffnungen noch mit unseren Befürchtungen hinter dem Berge halten.

Wir erleben eine Zeit, in der die Dinge im Kreml ziemlich im Fluß
sind und man sich Gedanken über sich selbst macht.

Die Sowjets haben ein

Recht zu wissen, wo wir stehen, wenn sie kohärente Entscheidungen treffen
sollen.

Wenn wir ihnen einige unserer Besorgnisse mitteilen, können wir

vielleicht ihre Überlegungen beeinflussen.

Und genau das will ich heute

tun.

Es wird oft gesagt, daß die Rivalität zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjtunion unveränderlich und es unsere Aufgabe sei, sie
nicht zu beenden, sondern sie lediglich unter Kontrolle zu halten. Manche Leute sagen, daß es seit 1945 nur einen toeg gebe, sie zu beenden, und
der sei zu schrecklich, als daß man auch nur daran denken könne.

Aber

für viele andere wird die Unausweichlichkeit dieser Konkurrenz nicht allein durch die harten Tatsachen des Atomzeitalters hervorgerufen.

Sie

hat sehr viel tiefere, ältere - und wie manche Leute sagen - unauslöschlichere Ursachen.

Für manche Leute haben die berühmten Vorhersagen von

Tocqueville vor 150 Jahren eine volkstümliche, wenn nicht gar intellektuelle Gültigkeit angenommen.
Jeder, der mit
- 3 -

�Jeder, der mit den konkreten Problemen zu tun h a t , die diese Länder
trennen, weiß, daß praktische Entscheidungen der P o l i t i k niemals von der
Annahme ausgehen, v i e l l e i c h t

sei eine grundlegende Änderung der

isch-amerikanischen Beziehungen i n S i c h t .

sowjet-

Im Gegenteil, wir müssen die

Konkurrenz a l s eine gegebene Tatsache hinnehmen und das Beste daraus machen.

Aber das darf nicht zur Ausrede dafür werden, daß wir etwa n i c h t

an das dächten, was den Kern unserer Meinungsverschiedenheiten ausmacht.
Seit v i e l e n Jahren beschäftige ich mich mit den Problemen der

Vfeltpoli-

t i k ; aber niemand konnte mich bislang von der Existenz eines Naturgesetzes überzeugen, das von zwei bevölkerungsreichen und mächtigen Ländern
der

Erde

Vtenn sie

verlangt,

in

ständiger

sich f e i n d s e l i g

Feindseligkeit

verhaftet

gegenüberstehen, dann hat dies

zu

bleiben.

wahrscheinlich

andere Gründe a l s nur die Tatsache i h r e r Gegensätzlichkeit, i h r e r großen
Bevölkerung, i h r e r Macht oder i h r e r Entfernung voneinander.

Ich glaube, die

e i g e n t l i c h e n Kräfte

sich ändern können - und ändern.
militärische

Rivalität

des K o n f l i k t s

sind Dinge, die

Vtenn zwischen zwei großen Ländern eine

besteht, dann wird sie weniger durch die

Steffen

selbst hervorgerufen, als durch die Art und Vfeise, wie beide Seiten über
militärische

Sicherheit

denken.

Vtenn es eine

geopolitische

Rivalität

g i b t , dann wird diese nicht durch die Gegebenheiten der Geographie verursacht , sondern durch die A r t und Vteise, wie beide Seiten i h r e p o l i t i s c h e
Sicherheit und ihre anderen Interessen d e f i n i e r e n .

Vtenn es zu einem Zu-

sammenprall der Ideen kommt - nun, dann kann man sagen, daß selbst Ideologien nicht ewig dauern.

Manche p o l i t i s c h e n Ideologien sind die Quelle

f a s t grenzenloser Energie und K r e a t i v i t ä t , aber andere sind wahre Gefängn i s s e , die nicht

nur jene einsperren, die an sie glauben, sondern auch

die v i e l e n anderen, die nicht daran glauben.

Nichts kann die menschliche

Energie und K r e a t i v i t ä t mehr einschränken a l s eine schlechte Idee.

Aber

Ideen s i n d , wie i c h gesagt habe, Gott sei Dank nicht u n s t e r b l i c h .

Sie

sind e i n e r , wie man es gelegentlich nennt, "Therapie der R e a l i t ä t " u n t e r worfen - sie müssen vor der Z e i t und der Erfahrung bestehen.
kann man sie mit etwas Glück abwerfen.
ses stürzen gelegentlich e i n .

Manchmal

Vvände eines g e i s t i g e n Gefängnis-

Und so selten es i n diesem Jahrhundert des

i n s t i t u t i o n a l i s i e r t e n Fanatismus auch vorkommen mag - Menschen ändern i h -

�ändern i h r e Meinung.
Wir wissen aus den Erklärungen der sowjetischen Führer, daß dieser
Tage

viele

der

bestehenden

überprüfen werden.
war

sicherlich

politischen

Die Bewährungsprobe

hart.

Generalsekretär

Vorstellungen

besonders

genau

vor der Z e i t und der Erfahrung
Gorbatschow

selbst

hat

kürzlich

"eine neue Einstellung zu a l l den Mängeln, negativen Entscheidungen und
zu a l l e n Arten von Schlamperei" g e f o r d e r t .

Er machte d e u t l i c h , daß die

Neubewertung lange hinausgeschoben worden s e i .

I n Zukunft, so seine Wor-

t e , "wird mehr Ordnung gefordert werden, mehr wissenschaftliches Streben,
mehr wichtige Entscheidungen, usw.

A l l e s i n allem wird es einer M o b i l i -

sierung der schöpferischen Kräfte und der Fähigkeit bedürfen, die Dinge
i n unserem Lande neu zu ordnen und neu i n A n g r i f f zu nehmen - nicht nur
i n der Wirtschaft, sondern auch im g e s e l l s c h a f t l i c h e n Bereich, im Bereich
der K u l t u r , der Ideologie und i n a l l e n anderen Bereichen."

Das scheinen hoffnungsvolle Worte zu s e i n , aber v i e l l e i c h t werden Sie
mir

zustimmen, daß wir h i e r

im Westen es von außen sehr schwer haben,

diese Worte r i c h t i g zu i n t e r p r e t i e r e n .
Prozeß des t i e f g r e i f e n d e n

Wir können nicht wissen, ob e i n

Wandels im Gange i s t oder n i c h t .

I n der Ver-

gangenheit war der Eindruck des Wandels nicht mehr a l s eine Maske, h i n t e r
der die starren Formen des Systems weiterbestanden.

Jeder neue Führer

- so stark er auch einen toöndel befürwortet haben mag - mußte erkennen,
daß die Tatsache, daß er durch die Befolgung der Regeln des Systems an
die Macht gekommen war, i h n auch zum Gefangenen dieser

Regeln machte.

Wenn e i n solcher Prozeß i n Gang kommen s o l l t e , dann wird das schwer f e s t zustellen s e i n ; wir wissen n i c h t , ob wir einen Beitrag zu diesem Prozeß
l e i s t e n können oder nicht und wir können nicht voraussagen, wie er ausgehen w i r d .

Aber da er uns sehr stark b e r ü h r t , i s t

es s i c h e r l i c h ange-

bracht , daß wir die Art von Fragen vorschlagen, die wir i n dieser

Hin-

s i c h t s t e l l e n werden - die Fragen, deren Antwort einen wesentlichen E i n fluß auf unsere eigene P o l i t i k haben werden.

Ich gehe davon aus, daß die

sowjetischen Führer ebenfalls gerne wissen möchten, wie w i r darüber denken, welche A r t von Änderung am meisten dazu beitragen könnte, das amerikanisch-sowjetische Verhältnis s t a b i l e r zu g e s t a l t e n .

Manchmal vernehmen

�Manchmal vernehmen wir Klagen der Sowjets, sie wüßten nicht, worauf wir
hinauswollten - lassen Sie mich also offen darüber sprechen.

Ich möchte mit militärischen Fragen beginnen.

Ich habe gesagt, daß

die Räder der militärischen Rivalität nicht durch die Waffen selbst in
Bewegung gesetzt werden, sondern durch das Denken, das die Waffen beherrscht, durch die politischen Doktrinen, Entscheidungen und Interessen,
wie sie durch die Organisation, den Aufbau und den Umfang einer Militärmaschinerie zum Ausdruck kommen.

In den letzten Jahren waren einige so-

wjetische Entscheidungen sehr beunruhigend für uns, da sie eine Einstellung zu Sicherheitsfragen erkennen ließen, die sich von der unsrigen völlig unterscheidet.

Damit meine ich nicht nur, daß die sowjetischen Mili-

tärausgaben so hoch sind - obwohl sie wirklich hoch sind.
möchte ich nicht hinaus.

Aber darauf

Ich möchte Ihre Aufmerksamkeit auf etwas ganz

anderes lenken - auf Entscheidungen, die die Konkurrenz auf einem Gebiet
neu beleben oder in Gang setzen, wo es bisher überhaupt keine Konkurrenz
gab.

Nehmen Sie die chemischen Waffen.

In diesem Jahrhundert haben diese

Waffen bei der Öffentlichkeit im Westen eine Abscheu und einen Schrecken
hervorgerufen wie nur die Kernwaffen. Es war ein Schrecken, der es unseren Regierungen sogar ermöglichte, recht erfolgreich zu handeln.

Das

Genfer Protokoll von 1925 war viele Jahre lang das Rüstungskontrollabkommen, das am meisten Unterstützung und Einhaltung fand.

Als Ergebnis nah-

men unsere eigenen Kapazitäten, Vorräte und unsere Ausbildung stetig ab.
Leider verlief die Entwicklung in der Sowjetunion nicht parallel dazu,
deren große Anstrengungen auf diesem Gebiet von uns nicht länger ignoriert werden konnten.

Aus diesem Grunde haben wir jetzt vorgeschlagen,

unser eigenes Programm für chemische Waffen zu modernisieren.

Wir würden

das lieber nicht tun; der Kongreß würde das auch lieber nicht tun; und
wir haben versucht, daran vorbei zu kommen.

Im April 1984 hat Präsident

Reagan Vizepräsident Bush mit Vorschlägen nach Genf gesandt, über ein
völliges Verbot chemischer Waffen zu verhandeln - aber seitdem haben die
Verhandlungen keine Fortschritte gebracht.
Durch diese

�Durch diese Entwicklung drängt sich zwangsläufig eine Frage auf: Väs
hat die Sowjetunion aus der Wiederbelebung dieses Wettstreits gewonnen?
Ist es vor allem heute, da chemische Waffen von kleinen Ländern billig
hergestellt und tödlich eingesetzt werden, nicht zwingend notwendig, daß
wir verifizierbare Kontrollen finden?

Ich wünschte, das wäre ein völlig isolierter Fall.

Aber wir können

das gleiche Prinzip in der Frage erkennen, die die sowjetisch-amerikanischen Rüstungskontrollverhandlungen - wie auch die Kontroverse in der Öffentlichkeit - während der ersten Amtszeit des Präsidenten beherrschte:
Die nuklearen Mittelstreckensysteme (INF).
storischer Rückblick ganz nützlich.

Auch hier ist ein kleiner hi-

Sie wissen sicherlich, daß die Ver-

einigten Staaten viele Jahre ihre Kapazitäten bei den Mittelstreckenraketen in Europa immer weiter abgebaut haben.
getan.

Die Sowjets haben das nicht

In den fünfziger und sechziger Jahren wurden im westlichen Bünd-

nis viele Pläne entwickelt, um den sowjetischen Vorsprung auszugleichen,
aber einer nach dem anderen wurde aus einer ganzen Reihe unterschiedlicher Gründe wieder aufgegeben.

Mit dem Aufkommen der Entspannung Ende

der sechziger Jahre begann das Gefühl der Dringlichkeit dieser Angelegenheit zu schwinden.

Und vor allem die militärischen Besorgnisse, die

durch den steigenden Raketenvorsprung der Sowjets hervorgerufen wurden,
nahmen mit der Zeit ab:

Die Sowjetunion schien ihre großen Mittelstrek-

kenraketen veralten zu lassen.

Aber dann geschah etwas Merkwürdiges. Die Sowjets begannen stattdessen, mit der SS-20, einer der schrecklichsten Waffen, die der Osten je
eingeführt hat, ihre Streitmacht zu verstärken.

Um mich kurz zu fassen:

Das Ergebnis war ein NATO-Beschluß, daß diesen neuen sowjetischen Dislozierungen etwas entgegengesetzt werden müsse.

Im Jahr 1983, nachdem wir

uns zwei Jahre vergeblich bemüht hatten, eine Lösung des INF-Problems
auszuhandeln, begann der Westen seine eigenen Raketen aufzustellen.

Die nuklearen Mittelstreckensysteme machen dieser Tage keine Schlagzeilen mehr, und dies mag einen analytischen Vorteil haben.

Wir haben

heute zu dem Ablauf dieser Ereignisse einen gewissen Abstand gewonnen und

�gewonnen und haben die Pflicht, sie kritisch zu beurteilen, tos geschah?
Es war ein Streit zwischen Ost und West über eine Frage entstanden, die
manche längst erledigt geglaubt hatten.

Dies führt zu zwei Fragen, die

meinern Meinung nach noch immer schwer zu beantworten sind: tos glaubte
die Sowjetunion aus der Neubelebung dieser Konkurrenz zu gewinnen?

tos

hat sie aus jahrelangen einseitigen Verhandlungspositionen gewonnen, die
von der Erwartung westlicher Uneinigkeit ausgingen?

Und lassen Sie mich schließlich eine militärische Frage aufgreifen,
die Schlagzeilen macht:

das Verhältnis zwischen offensiven und defensi-

ven strategischen Systemen.

Wie Sie wissen, kamen die Vereinigten Staa-

ten und die Sowjetunion im Jahr 1972 überein, wonach keine Seite eine Abwehr gegen ballistische Flugkörper aufbauen solle.

Die Sowjetunion un-

terhält seither um ihre Hauptstadt ein Verteidigungssystem, das durch den
Vertrag gestattet ist.
getan.

Die Vereinigten Staaten haben nichts dergleichen

Beide Seiten haben Forschung betrieben, wie der Vertrag das ge-

stattet. Die sowjetische Forschungsanstrengung war außerordentlich stark.

Nun hat Präsident Reagan völlig im Einklang mit den Begrenzungen des
ABM-Vertrages die Strategische Verteidigungsinitiative (SDI) vorgeschlagen, um die Möglichkeiten einer Verteidigung neu zu prüfen.
vor allem waren es, die zu dieser Entscheidung führten:

Zwei Gründe

Erstens die ge-

waltige offensive Aufrüstung der Sowjets im vergangenen Jahrzehnt, die
die Überlebensfähigkeit unserer Streitkräfte in Frage gestellt hat; und
zweitens der Wjnsch des Präsidenten, wirklich herauszufinden, ob die Zerbrechlichkeit des nuklearen Gleichgewichts verringert werden kann, indem
man sich von der moriisch unbefriedigenden Doktrin der nuklearen Vergeltung entfernt.

Wie der Präsident oft gesagt hat, handelt es sich hier um

die hoffnungsvollste Chance unserer Zeit.

Wir sind überzeugt, daß sie

zur Sicherheit beider Seiten beitragen könnte, vor allem, wenn wir bei
den Genfer Abrüstungsverhandlungen Fortschritte erzielen.

Wir hoffen, in

diesen Verhandlungen herausfinden zu können, wie beide Seiten die strategische Stabilität gestärkt wissen wollen. Aber wie haben die Sowjets reagiert?

Öffentliche Erklärungen der Sowjets, mit denen viele von Ihnen

vertraut sein werden, schlagen einfach etwas vor, worüber unserer Auffas-

�unserer Auffassung nach überhaupt nicht verhandelt werden und was auch
nicht verfiziert werden kann:

Ein Verbot der Forschung - zu einem Zeit-

punkt, da sie, die Sowjets, selbst das größte Forschungsprogramm auf Erden betreiben.

Und als ein Meisterwerk von Unverfrorenheit behaupten sie

immer wieder, unser Programm ziele darauf ab, eine Erstschlagkapazität zu
erwerben.

Kurzum, wir haben mit der Aufnahme eines wirklichen Dialogs eine ganze Menge Schwierigkeiten.

Und angesichts der anderen, von mir erwähnten

Beispiele haben wir uns einige beunruhigende Fragen zu stellen.

Wird die

Sowjetunion diese Probleme potentiell kooperativ angehen oder wird sie
alles unter einem Nullsummen-Aspekt betrachten?

Die anderen Beispiele

- chemische Waffen und INF - lassen den Schliß zu, daß diese Taktik des
Alles oder Nichts den Sowjets nicht wirklich dienlich ist.

Offensichtlich hängt viel von der Beantwortung dieser Fragen ab.

Der

Präsident ist die Verpflichtung eingegangen, der Sowjetunion bei der Ausarbeitung verantwortungsbewußter Lösungen für die anstehenden Probleme
auf halbem Vtege entgegenzukommen.
te wiederholen.

Ich kann diese Verpflichtung auch heu-

Aber ohne eine gewisse Änderung in der Haltung der So-

wjets bei Sicherheitsfragen und bei dem ihr zugrundeliegenden Denkansatz
fürchte ich, daß selbst schrittweise Verbesserungen nur sehr schwer zu
erreichen sein werden; und selbst diese werden nur mit Mühe an Schwungkraft gewinnen und sich gegenseitig bestärken.

Die Probleme sowjetisch-amerikanischer Rivalität gehen natürlich über
das Militärische hinaus.

Da gibt es die überaus wichtige Frage, wie jede

Seite ihre Interessen in der toelt definiert.

Viele Menschen im Westen

halten nach Zeichen des Wandels Ausschau, was die Vorstellungen anbelangt , die die Sowjetunion von den Problemenm der internationalen Politik
hat.

Manche Leute, die sich mit dieser Frage auseinandersetzen, argumen-

tieren, die UdSSR sei nunmehr das, was man eine "reife" Nation nennt; sie
werde nicht mehr von Lenins alter Doktrin - "Je schlimmer, desto besser"
- geleitet; sie werde nicht mehr so stark von ihrer ideologischen Abneigung gegenüber dem Westen angetrieben; und sie habe es nicht mehr nötig,
- 9 -

�mehr nötig, jede sich bietende Gelegenheit zu ergreifen, um zu ihrem eigenen Vorteil die Politik Amerikas zu lähmen.

Das währen sicherlich wichtige Veränderungen.
finden, ob sie echt sind?
men.

Wie können wir heraus-

Offensichtlich nur durch praktische Maßnah-

Wenn es in Moskau um die Diskussion dieser Fragen geht, sollte sich

die sowjetische Führung der Tatsache bewußt sein, daß wir an praktische
Dinge, wie Afghanistan, Kuba und Libyen, denken.

Nehmen wir Afghanistan.

Heute führen 120 000 sowjetische Soldaten

den brutalsten Krieg, den es derzeit auf der Erde gibt.

WDZU?

Das läßt

sich nicht leicht sagen. Manche Leute im Westen glauben, die Sowjetunion
habe zu dem kommunistischen Staatsstreich im Jahr 1978 aufgehetzt, der
der Invasion des Jahres 1979 vorausging.

Wie Sie wissen, haben sich die

staatlichen Stellen wie die Kommentatoren in der Sowjetunion stets hiervon distanziert und erklären, sie hätten damit nichts zu tun.

Uns fehlen

die entsprechenden Erkenntnisse, aber wir können uns Fragen über die sowjetische Politik stellen, um uns über deren Ziele Klarheit zu verschaffen.

Wenn die Sowjets sich wirklich von allem distanzieren wollen, wenn
sie wirklich zeigen wollen, daß sie kein Interesse daran haben, derlei
Ereignisse zu schüren - warum stehen dann 120 000 Soldaten in Afghanistan
und beschützen die paar Leute, die diesen Staatsstreich gegen das afghanische Volk unternahmen?
zen ein

ihnen

Die Sowjets sagen, sie brauchten an ihren Gren-

freundlich

gesonnenes Afghanistan.

Wir können diesen

Wjnsch womöglich verstehen, aber wie kann man diese Freundschaft denn
verwirklichen?

Wir sagen der sowjetische Führung:

Eure derzeitige Poli-

tik verstärkt nur den Haß des afghanischen Volkes.

Haben die Sowjets ei-

ne nichtmilitärische Strategie, um mit diesem Problem

fertigzuwerden?

Wenn dem so ist, werden sie uns bereit finden, ihnen dabei zu helfen, sie
zu verwirklichen.

Oder nehmen Sie Libyen.

Es gibt heute nur wenige Regierungen, wenn

überhaupt welche, deren Politik insgesamt mit dem Ausdruck umschrieben
- 10 -

�Ausdruck

umschrieben

werden

könnte:

"Je schlechter, desto besser."

Oberst Ghaddafi steht im Gefolge dieser Tradition, die versucht, Unruhe
und Instabilität zu provozieren oder von ihr zu profitieren.

Angesichts

dieser Tatsache müssen wir Amerikaner einige ernste Fragen hinsichtlich
seiner Unterstützung durch die Sowjetunion stellen.
wird genügen:

Ein kleines Beispiel

Vtelchen Nutzen hat angesichts all der Terrorismus-Probleme

in diesem Teil der Vfelt die Tatsache, daß die Sowjetunion Ghaddafi Unterseeboote zur Verfügung stellt?

Oder wem dient es angesichts des Krieges

im Persischen Golf, der sich endlos hinzuziehen scheint, wenn sie Oberst
Ghaddafi Raketen gibt, die ihren Iteg in den Iran finden und schließlich
mitten in Bagdad landen, der Hauptstadt eines Landes, das einen Freundschaf tsvertrag mit der Sowjetunion hat?
Freundschaftsverträgen sein?
stem Ernst zu fragen:

Soll das die Bedeutung von

Wir Amerikaner haben das Recht, mit voll-

Vfenn dieses "Je schlechter, desto besser" nicht

sowjetische Politik sein sollte - sollte dann das Verhältnis zwischen der
Sowjetunion und Oberst Ghaddafi nicht ganz anders sein?

Nehmen Sie schließlich Kuba.

Auf dem Preisschild der sowjetischen

Unterstützung Kubas stehen nach Berechnungen unserer Experten etwa 5 Milliarden Dollar im Jahr.

Zum Vergleich:

Das ist in etwa so viel wie wir

für Ägypten und Israel zusammen zur Verfügung stellen - wobei beide Länder zusammengenommen eine fünfmal größere Bevölkerung haben als Kuba.
Kuba muß also für die sowjetische Politik eine Verpflichtung von ganz erheblicher

Bedeutung

darstellen.

Eine

Verpflichtung

aber

wozu?

Uns

scheint, um ganz offen zu sein, der Hauptvorteil für die Sowjetunion darin zu liegen, daß Kuba - die kubanischen Truppen, die kubanischen Berater und die kubanischen Basen - zu offensiven Zwecken genutzt werden kann.

Die kubanische Politik der letzten zehn Jahre ist wirklich außergewöhnlich, und sie ist umso außergewöhnlicher, weil sie gar nicht so hätte
zu sein brauchen.

Rund die ersten zehn Jahre nach der Raketenkrise von

1962 war Kuba für die sowjetisch-amerikanischen Beziehungen kein entscheidendes Reizthema.

Jetzt ist es eines.

Kubas Soldaten sind in Krie-

ge auf zwei Kontinenten verwickelt und trotz des internationalen Drucks
aus vielen Richtungen gibt es kein Zeichen für ihren Rückzug in die Hsi- 11 -

�die Heimat.

Das Muster ist in etwa das gleiche wie bei den chemischen

Waffen oder bei den Raketen in Europa, das ich bereits skizziert habe.
Die Sowjetunion hat eine Konfliktquelle erneut offengelegt.
aus Vorteile gezogen?

Hat sie dar-

Wir hoffen, daß man sich diese Frage in Moskau

stellen wird.

Es sollte keinerlei Zweifel hinsichtlich der Fähigkeit der Vereinigten Staaten geben, mit diesen Schwierigkeiten fertigzuwerden, wenn sie
sich uns in den Weg stellen. Aber darum geht es nicht. Sicher, wir müssen der Sicherheit Pakistans mehr Aufmerksamkeit schenken, als dies vor
einigen Jahren der Fall war - aber das kann getan werden.
müssen wir heute der Sicherheit

Desgleichen

von El Salvador mehr Aufmerksamkeit

schenken als vorher, aber auch das können wir in den Griff bekommen. Und
nicht anders betrachten wir die Probleme, die Libyen für seine Nachbarstaaten, zu denen einige gute Freunde der Vereinigten Staaten gehören,
schafft.

Die verbleibende Frage betrifft die umfassendere

Wirkung, die all

dies auf die sowjetisch-amerikanischen Beziehungen sowie darauf hat, ob
dies wirklich die Wirkung ist, die die sowjetische Seite wünscht.

Sie

schickt uns sicherlich laute und unüberhörbare Botschaften über die Motivationen sowjetischer Politik.
reichen nur schwieriger.

Das macht Verbesserungen in anderen Be-

Es ist nur eine Garantie dafür, daß jedweder

kleine Schritt vorwärts , den wir möglicherweise machen könnten, isoliert
bleiben wird und nur mühsam gesichert werden kann - von einer Würdigung
im vorhinein durch beide Seiten ganz abgesehen.

Hinzuzufügen wäre, daß sich an all dem nichts ändert, wenn man sowjetischerseits von Moskaus Verantwortung zur Hilfe für andere "sozialistische" Staaten hört.

Das reduziert sich für uns natürlich darauf,

daß anderen Regierungen dabei geholfen wird, ihre Völker zu unterdrükken.

Wir sind der Meinung, daß der Sozialismus sowjetischen Stils vielen

großen Nationen Leid gebracht und deren Fähigkeiten nur eingeschränkt
hat.

Hiervon sind wir absolut überzeugt.

Zweifellos ist die sowjetische

Führung anderer Meinung, aber damit ist es nicht getan.
- 12 -

Ich hoffe viel-

�hoffe vielmehr, sie werden schließlich doch einmal eine andere Frage
überdenken.

Ob nämlich eine derartige sowjetische Verwicklung überhaupt

aus ihrer eigenen Interpretation heraus gerechtfertigt ist.

So erinnern

wir uns hier im Westen zum Beispiel an die Bemerkung von Generalsekretär
Andropow über den Unterschied zwischen dem Aufbau des Sozialismus einerseits und seiner bloßen Proklamierung andererseits.

Wir hoffen, daß solch eine Skepsis Quelle des Zweifels darüber sein
kann, ob die von mir beschriebene Politik der Sowjetunion wirklich deren
Interessen gedient hat.

Bisher habe ich von den politisch-militärischen Fragen gesprochen,
die unsere Beziehungen trüben.

Sie dominieren fast immer die Tagesord-

nung der zwischen uns bestehenden Probleme.
unsere Unterhändler.

Auf sie konzentrieren sich

Es gibt noch weit mehr Themen, die ich aufgreifen

könnte - von Polen bis zur Weiterverbreitung von Kernwaffen.

Wie wichtig

sie auch sein mögen, so gehören sie doch nicht zu dem Bereich, in dem die
Veränderungen von größter Tragweite stattfinden könnten.

Offen gesagt,

die dauerhafteste und weitreichendste Verbesserung der sowjetisch-amerikanischen Beziehungen - und wahrscheinlich der sowjetischen Beziehungen
mit fast allen Ländern der Erdekönnte sich durch Ereignisse innerhalb der
Sowjetunion vollziehen.

Wenn Amerikaner gegenüber sowjetischen Regierungsvertretern die Frage
der Menschenrechte aufwerfen, wissen sie, was auf sie wartet.

Der so-

wjetischen Haltung zufolge mischen wir uns in "inner Angelegenheiten"
ein.

Die sowjetische Seite hat sich mittlerweile auch an das gewöhnt,

was wir normalerweise darauf antwortetn - daß nämlich viele dieser Fragen
Verpflichtungen beinhalten, die durch die Schlußakte von Helsinki eingegangen wurden.

Wir sprechen von Verpflichtungen, die die Sowjetunion

freiwillig eingegangen ist.

Dies ist ein wichtiger Punkt.
genommen werden.

Unterzeichnete Verträge müssen ernst-

Aber dies ist nicht der Hauptgrund dafür, daß Amerika-

ner ein Interesse an den Menschenrechten und an der Demokratie bekunden.
- 13 -

�Demokratie bekunden.

Und es geht auch nicht allein darum, daß wir an Mo-

ral in der Politik glauben, oder daß unser Herz bei den sowjetischen Juden ist, die emigrieren wollen, dies aber nicht können.
gentliche Grund

ist, daß echter Fortschritt

Nein, der ei-

in dieser Richtung eine

grundlegende Wirkung auf das internationale System und auf die Art und
Weise haben würde, wie wir miteinander verkehren.

Als Präsident Reagan im April 1984 in China war, hielt er eine Rede,
die sicherlich eine der freimütigsten war, die jemals von einem führenden
Politiker gehalten wurde, der ein Land mit anderem politischem System besucht.

Seine Botschaft war einfach:

"Vertraut dem Volk."

Für uns ist

die Bedeutung eines solchen Satzes offensichtlich, aber viele der Ideologien des 20. Jahrhunderts gründen sich auf Argwohn gegenüber dem Volk,
auf der Überzeugung, daß es zu selbständigem Handeln nicht fähig sei.
Deshalb lassen Sie mich kurz darlegen, was es, ganz praktisch gesehen,
bedeutet, dem Volk zu vertrauen.
wir ganz konkret.

Erstens:

Lassen wir Gefühle beiseite und seien

Was kann ein Volk tun, wenn man ihm vertraut?

Nur das Volk kann die landwirtschaftliche Produktivität re-

volutionieren.

Alle anderen Versuche gehen hoffnungslos in die Irre.

Vor über 20 Jahren beschuldigte die Kommunistische Partei der Sowjetunion
die Chinesische Partei des Glaubens "Wenn ein Volk Sandalen trägt und aus
einer einzigen großen Schüssel Wassersuppe ißt - das ist Kommunismus."
Heute könnte man eine derartige sarkastische Unterstellung nicht mehr machen.

In den vergangenen sieben Jahren hat sich die landwirtschaftliche

Produktivität in China verdoppelt.

Und während seines jüngsten Besuchs

hier bei uns sprach der indische Ministerpräsident Gandhi von den Fortschritten, die Indiens Landwirtschaft aufgrund verstärkter Anreize gemacht habe,
dies?

heute ist Indien bei Weizen ein Nettoexporteur.

Wie kommt

Das Volk schaffte es.

Zweitens:

Nur das Volk kann die wissenschaftlich-technologische Re-

volution schaffen.

Und sie wird in jenen Ländern geschafft, die sich

heute des raschesten Wirtschaftswachstums erfreuen.
zentralen Planwirtschaft kann das schaffen.
- 14 -

Kein Ministerium der

In den Vereinigten Staaten

'

�Vereinigten Staaten i s t das Schlagwort f ü r Itendel i n der Struktur unserer
Volkswirtschaft die Dezentralisierung - und schon schießen Firmen aus dem
Boden, die neue Produkte etwa im Bereich der Informationstechnologie a n bieten.
dent

In seiner Rede i n China, die ich gerade erwähnte, sagte P r ä s i -

Reagan:

"Täuschen wir

uns n i c h t :

Jene, die diese

lebenswichtige

Hahrheit mißachten, werden i h r e Länder dazu verdammen, immer weiter z u rückzufallen.. ."
Schließlich:
neu beleben...

Nur das Volk kann seine nationale Kultur immer wieder
Kein Ministerium der Kultur kann das.

Sicher wird jedes Volk diese Aufgaben auf seine eigene Vfeise b e w ä l t i gen.

Jede Kultur hat ihre Besonderheiten.

Bei allem Handel b l e i b t China

eindeutig chinesisch und erkennbar s o z i a l i s t i s c h .
erwähnten Aufgaben zu bewältigen, g i l t

Aber um diese von mir

für a l l e Menschen dasselbe:

Sie

müssen i h r e Entscheidungen selbst f ä l l e n , sie müssen i h r e Fähigkeiten zum
Tragen bringen, sie müssen i n der Lage s e i n , von anderen zu lernen und
sie müssen Kenntnis von den entscheidenden Faktoren des w i r t s c h a f t l i c h e n
und sozialen Lebens haben.

Es g i l t , die i n s t i t u t i o n a l i s i e r t e

Geheimnis-

krämerei abzuschütteln, die die übrige Vtelt nur absurd und s e l b s t z e r s t ö rerisch findet.

Es g i l t , über die ganz einfachen Dinge Bescheid zu wis-

sen - etwa den Umfang der Vteizenernte des vergangenen Jahreswie über die
größeren
geht.

Zusammenhänge

- etwa

das, was draußen

in

der

Vfelt

vor

sich

Menschen müssen i h r Land verlassen d ü r f e n , wenn sie dies w o l l e n .

Wird ihnen a l l das verweigert, b l e i b t ihnen nicht v i e l zu tun ü b r i g .

Der sowjetischen Führung würde ich sagen, daß dies nicht etwa unsere
romantischen

Ideale

sind.

auch i h r e r eigenen Z i e l e .

Sie

sind

vielmehr

praktische

Erfordernisse

Und sie sind praktische Erfordernisse von Z i e -

l e n , die auch wir selbst haben, denn sie sind der Schlüssel zur Veränderung der Ost-Vfest-Beziehungen.
Lassen Sie mich zum Abschluß zu den praktischen Perspektiven zurückkehren, mit denen i c h begonnen habe:
Erwartung

der

Veränderung

des

Wir planen unsere P o l i t i k nicht

Ost-Vfest-Verhältnisses.

- 15 -

Wir

in

streben

�Wir streben schrittweise Verbesserungen an und wir betrachten deren Wart
nicht als unerheblich.

Die sowjetische Führung sollte wissen, daß Präsi-

dent Reagan bereit ist, geduldig und methodisch kleine Schritte vorwärts
zu tun und daß wir nach Maßgabe dessen reagieren, was wir von ihr bekommen.

Es scheint mir, daß wir zu diesem Zeitpunkt des Nachdenkens in der
Sowjetunion von uns wie von der sowjetischen Seite mehr fordern sollten.
Wir sollten erkennen, daß jene, die nur kleine Verbesserungen anstreben,
am Ende oft überhaupt keine erreichen.

Wir erkennen kosmetische Verbes-

serungen , wenn wir sie sehen, und wir kennen die Bedeutung und den Wart
großen Wandels.

Wir sollten uns jene Fragen stellen und auf den Antwor-

ten beharren, die wegweisend sind.

* * * * *

- 16 -

�28. August 1985

34

GROSSEINSATZ IN DEN USA GEGEN CANNABIS-ANPFLANZUNGEN
- "Operation Delta-9" vernichtet Marihusna-Ernte -

- (AD) -- Dank der Zusammenarbeit mit einigen Anfaulendem und wirksamer juristischer Maßnahmen im Inland gelang es den Vereinigten Staaten,
das Einschleusen von Marihuana (Haschisch* aus Mittsl- und Südamerika
merklich einzudämmen. Dies veranlaßt die Drahtzieher hinter der Drogenszene, den illegalen Cannabis-Anbau (indischer Hanf) in den Vereinigten
Staaten selbst zu forcieren.
Die Frühernte war Anfang Ajgust zu erwarten. Dagegen lie"? nun fünf
Tage lang die "Operation Delta-9". Die Bezeichnung ist in Kurzform von
der chemischen Formel für den aktiven Bestandteil in Marihuana abgeleitet. Mehr als 2200 Beamte und Mitarbeiter von Hundes-, Staats- und Kommunalbehörden, vom Bundesforstdienst bis zur Küstenwacht, waren landesweit
im Einsatz. Koordiniert wurden die in allen 50 Bundesstaaten gleichzeitig
durchgeführten Aktionen von 150 Mitarbeitern der DEA (Bundesbehörde für
Rauschgiftbekämpfung). Bill Deac, der Sprecher der DEA, bezeichnete sie
als den "größten Einsatz gegen Marihuana in dec Geschichte".
Schon am ersten

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Schon am ersten Tag wurden 336 Anpflanzungen ausgemacht und, in 30
Bundesstaaten, weit über 100 000 Cannabis-Pflanzen vernichtet. Rund 55
Personen karren in Haft, Waffen aller ^rt wurden beschlagnahmt. Die Pflanzer greifen immer mehr zur Gewalt, um ihre Cannabis-Felder zu schützen mit Fallen, Schrotflinten, Dynamit, Wachhunden und anderen Mitteln gehen
sie gegen Eindringlinge vor. In Arkansas wurde ein Polizeihubschrauber
beschossen, jedoch gab es keine Verletzten.

Wie DEA-Administrator Jack C. Lawn, der zusammen mit Justizminister
Edwin Meese III von einem Hubschrauber aus einen Teil der Einsätze beobachtete, in einer Pressekonferenz berichtete, seien im vergangenen Jahr
in den Vereinigten Staaten etwa 12 Prozent des konsumierten Marihuana im
Lande selbst angebaut worden. Während der Kampagnen gegen den Cannabis-Anbau im Jahr 1984 wurden Felder mit mehr als 13 Millionen Pflanzen zerstört, 4941 Personen wurden in Haft genommen.

Die Strafen für jene, die in diesem Jahr wegen Drogenkriminalität
festgenommen werden, fallen aufgrund einer Gesetzesänderung vom vergangenen Jahr erheblich härter aus: Wer Cannabis-Pflanzen anbaut, hat mit bis
zu 15 Jahren Gefängnis und bis zu 250 000 Dollar Geldstrafe zu rechnen.
Das Land, auf dem der indische Hanf steht, wird konfisziert. Das Gleiche
geschieht mit allen anderen persönlichen Gegenständen, die zum Anbau benutzt oder mit Einkünften aus dem Verkauf von Marihuana angschafft wurden. Die drastischen Strafen sollen vor dem Anbau, der Herstellung und
der Weitergabe von Haschisch abschrecken. Dem neuen Gesetz zufolge werden
bei Händlern mit Heroin, Kokain und anderen Suchtstoffen Bankguthaben,
Eigenheime, Autos und anderes, mit ihren Gewinnen angeschafftes Eigentum
eingezogen. Sie haben mit 20 Jahren Zuchthaus und 250 000 Dollar Geldstrafe zu rechnen. Übrigens wurden auch die Strafen für privaten Drogenmißbrauch verschärft.

Appelle an die Weltöffentlichkeit
- 2 -

�Appelle an die Weltöffentlichkeit

Der Schutz von Jugend und Familien vor Drogenmißbrauch und den damit
verbundenen katastrophalen Folgewirkungen ist ein besonderes Anliegen von
Nancy Reagan, der Frau des amerikanischen Präsidenten. Im April dieses
Jahres hatte sie zum ersten Mal Frauen von Staats- und Regierungschefs zu
Gesprächen über Drogenprobleme eingeladen, zu denen die "First Ladies"
von 17 Ländern nach Washington kamen. Anschließend nahm die Gruppe noch
für zwei Tage an der überaus erfolgreichen diesjährigen PRIDE-Konferenz
teil. (PRIDE ist die Abkürzung von "Parents' Resource Institute on Drug
Education" - einer privaten Organisation für Familienhilfe und Elternberatung bei Drogenproblemen.) Im Rahmen der PRIDE-Bewegung, die sich die
Arbeit an der Basis zum Ziel gesetzt hat, bildeten sich in den Vereinigten Staaten in den letzten paar Jahren mehr als 4 000 Elternkreise als
sehr aktive Arbeitsgruppen in sämtlichen 50 Bundesstaaten. Mancherorts
sind auch Schulen und Jugendorganisationen in die PRIDE-Tätigkeiten einbezogen.

Nancy Reagan beabsichtigt, die Feierlichkeiten anläßlich des 40jährigen Bestehens der Vereinten Nationen im Oktober 1985 zum Anlaß zu nehmen, zu einer wesentlich erweiterten Konferenz über das Drogenproblem die
Frauen der Staats- und Regierungschefs einzuladen, die sich zur UN-Tagung
in New York einfinden. Vorbeugung, Information und Erziehung zur Immunität gegen die Verlockungen von Suchtstoffen aller Art werden als die
wichtigsten Punkte erörtert. Fast alle Teilnehmerinnen sind ja selbst
Mütter und somit auch persönlich daran interessiert, daß ihre Kinder oder
Enkel und deren Freunde nicht in den Rauschgiftstrudel gezogen werden.
Manche der First Ladies setzen sich in ihren Ländern bereits aktiv für
den Schutz der Jugend vor Drogen ein. Die Frau des amerikanischen Präsidenten hofft, durch die bevorstehende Tagung im Rahmen der Vereinten Nationen die Weltöffentlichkeit stärker als bisher für den Kampf gegen
Rauschgift und Suchtstoffe zu mobilisieren.
* * * * *

- 3-

�34

28. August 1985

ELEKTROWERKSTATT IM FREIEN WELTRAUM
Discovery-Astronauten bemühen sich um Reparatur
eines Nachrichtensatelliten -

- (AD) - Deram 27. August 1985 gestartete amerikanische Raumtransporter
DISCOVERY soll bei seiner sechsten Mission im All mit fünf Astronauten an
Bord acht Tage lang die Erde umkreisen. Aber zunächst waren es widrige
Wetterbedingungen am Kap Canaveral, dann Probleme mit dem Hauptcomputer,
die eine Verschiebung des ursprünglich für den 24. August geplanten
Starts der Raumfähre notwendig machten.

Der 20. Einsatz eines amerikanischen Raumtransporters steht unter der
Führung von Astronaut Joe Engle, Kopilot beim zweiten Flug der COLUMBIA
und, in den sechziger Jahren, Pilot des inzwischen legendären Raketenflugzeuges X-15, mit dem er in großen Höhen operierte. Zur jetzigen
DISCOVERY-Besatzung gehören außerdem Richard Covey als Kopilot, John
Lounge als Missionspezialist und Dr. William Fisher sowie James van
Höften als Nutzlastspezialisten.
Van Höften wird

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Van Höften wird seine Erfahrungen beim Einfangen und bei der Reparatur des Sonnenforschungssatelliten SOLARMAX im vergangenen Jahr gut gebrauchen könne. Denn ihm und Fisher steht die schwierigste Aufgabe der
neuen Mission bevor - nämlich das Einholen und die Reparatur des Nachrichtensatelliten SYNCOM IV-3 (auch als LEASAT bezeichnet). Er blieb
stumm, reagierte auf keinerlei Funkbefehle, zündete nicht die Feststofftriebwerke zur Weiterbeförderung auf die Äquatorbahn in 36 000 km Höhe,
nachdem er am 14. April 1985 aus dem Nutzlastraum der DISCOVERY bei ihrem
damaligen vierten Einsatz abgesetzte worden war. Zwar gaben sich drei
Astronauten zwei Tage später in einem improvisierten Außenbordmanöver und
mit improvisierten Hilfsmitteln jede nur erdenkliche Mühe, die Elektrik
des 4,25 mal 4,25 m großen Kolosses doch noch funktionsfähig zu bekommen
und den Aktivierungsmechanismus in Gang zu setzen - aber vergeblich. Die
NASA entschied dann, daß zunächst die Ursache der Panne ausfindig gemacht
werden müße. SYNCOM wurde erst einmal seinem Schicksal überlassen.

Inzwischen ergaben Untersuchungen bei der Herstellerfirma Hughes Communications Inc., die den Satelliten an die amerikanische Marine für deren weltweites Nachrichtennetz vermieten sollte, daß mit großer Wahrscheinlichkeit der Zeitgeber für den gesagten Ablauf der Aktivierung der
SYNCOM-Systeme von der Stromzuführung abgeschnitten und damit funktionsunfähig geworden war. Dies könnte auch die Erklärung dafür sein, daß ein
Hebel an der Außenseite des Satelliten, der sich beim Absetzen aus dem
Raumtransporter automatisch hätte umlegen und die Systemaktivierung in
Gang setzen sollen, auf die von den Astronauten damals vorgenommen Manipulationen absolut nicht reagierte. Denn auch für diesen Hebel war ein
Signal vom Zeitgeber erforderlich.

In Laboratorien und Werkstätten der Fa. Hughes wie der NASA hat man
inzwischen Verfahren und Hilfsgeräte entwickelt, um z. B. durch das Anbringen von Griffen auf beiden Seiten des riesigen Satelliten Greifmöglichkeiten und eine Halterung für den 17 m langen "Robotkran" an Bord
der DISCOVERY zu schaffen und den defekten Zeitgeber durch die Montage
von Überbrückungsleitungen zu ersetzen.
Gut sechs Stunden

�Gut sechs Stunden Arbeitszeit im Weltraum werden die Astronauten
Fisher und Van Höften benötigen, wenn erst einmal das Rendevous mit dem
defekten Nachrichtensatelliten und die Annäherung des Raumtransporters
auf ca. 12 m Abstand gelungen ist. Auf der Arbeitsplattform an der Spitze
des Kranes "verankert", wird Van Höften nach dem Anbringen des ersten
Griffes in einem bestimmten Bereich der SYNCOM-Seitenwand zunächst versuchen, den langsam rotierenden Satelliten (er dreht sich vermutlich pro
Minute einmal um die eigene Achse) immer wieder an diesem Griff zu fassen
zu bekommen und wenigstens ein paar Sekunden zu halten. "Halten" bedeutet
allmähliches Abbremsen. Das dürfte angesichts der Masse des Objekts (fast
sieben Tonnen) und der daraus resultierenden Trägheitskraft zur Fortsetzung der Eigenbewegung nicht ganz einfach sein. Zumindest erfordert es
viel Geschick, Geduld und wohl doch erheblich viel Zeit.

Erst wenn SYNCOM zum Stillstand gekommen ist, kann Fisher, im offenen
Nützlastraum an einer Leine gesichert, den zweiten Griff an der gegenüberliegenden Seite des Außenwand und die Halterung für den Kran anbringen. Dies ist die Voraussetzung dafür, daß der vom Cockpit der DISCOVERY
aus ferngesteuerte Robotarm den Satelliten greift, fest zu halten bekommt
und in den Nutzlastraum absenkt, wo die Reparatur vorgenommen werden soll.

Jetzt beginnt die eigentliche Arbeit - ein Vorhaben unter Begleitumständen, für die es noch keinen Präzedenzfall gibt. Denn SYNCOM ist, mit
3350 kg Treibstoff für seine Feststofftriebwerke und 2212 kg flüssigem
Treibstoff beladen, ein brisantes Objekt. Die NASA und die Astronauten
versichern, daß alle erdenklichen Vorsichtsmaßnahmen bedacht worden seien
und keine Gefahr bestünde. Auch dürfte allein schon die Weltraumkälte,
der SYNCOM während der vergangenen viereinhalb Monate ausgeliefert war,
bewirkt haben, daß die Zündfähigkeit des Treibstoffes noch eine Zeitlang
beeinträchtigt sein wird. Denn die auch für die Zündung wichtige Temperaturregelung für die einzelnen Systeme kann überhaupt erst in Gang kommen,
wenn die Elektronik wieder funktioniert.

Van Höften und Fisher umgehen den nicht funktionsfähigen Zeitgeber
- 3 -

�funktionsfähigen Zeitgeber durch Verlegen neuer Leitungen und vorübergehendes Neuschalten von Ver- bindungen. Sie öffnen die Seitenwand, montieren zwei neue Acht-Stunden-Zeitgeber, benutzen zur Prüfung und Aktivierung bestimmter Systeme Buchsen, die sonst nur dem Hersteller zum Durchprüfen des Satelliten in der Werkstatt dienen, und montieren vorübergehend ein Schaltsystem, damit endlich die Rundstrahlantenne ausgefahren
werden kann. Auch sie hatte sich im April einfach nicht gerührt. Sie wird
dringend gebraucht, um die Funkbefehle der Kontrollstation auf der Erde
für SYNCOM aufzunehmen und ständige Verbindung zum Satelliten zu halten.
Während der ganzen Zeit können die Astronauten mit beiden Händen am Satelliten arbeiten - der Robotkran hält ihn in Position. Ist die Reparatur
beendet, wird SYNCOM wieder freigegeben, wobei van Höften versuchen wird,
ihn erneut in Rotation zu versetzen. Wünschenswert wären zwei Umdrehungen
pro Minute. Die DISCOVERY kann sich nun absetzen. Die zuständige Bodenstation für SYNCOM übernimmt mittels Funkbefehl die Aktivierung und künftige Steuerung. Bis zur Zündung der Feststoffraketen, die SYNCOM IV-3 in
knapp 36 000 km Hohe katapultieren sollen, können allerdings noch zwei
Monate vergehen. Und erst dann ist zu beurteilen, ob der Reparaturversuch
tatsächlich erfolgreich war.

Nicht vor dem sechsten Flugtag soll die Rettungsaktion beginnen. In
den ersten drei Tagen steht das Absetzen von drei Nachrichtensatelliten
auf dem Programm. Einer davon ist, mit einiger Veränderung, vom gleichen
Typ wie SYNCOM IV-3. Beim zweiten Nachrichtensatelliten handelt es sich
um AUSSAT-1, der im Auftrag der australischen Regierung abgesetzt wird
und abgelegene Gebiete an das Fernmelde- und Fernsehnetz anschließen
soll. Auftraggeber für den dritten Nachrichtensatelliten ist das Unternehmen "American Satellite Corporation". Außerdem hat die Firma "3M" mit
der NASA die Fortsetzung der Experimente zur Züchtung von Kristallen aus
organischen Lösungen vereinbart, die bei einem DISCOVERY-Flug im November
1984 in speziellen Reaktoren an Bord des Raumtransporters zum ersten Mal
in der Schwerelosigkeit durchgeführt wurden. Die Kristalle sollen der
Elektronik, Optik und Filmtechnik neue Möglichkeiten eröffnen.
* * * * *

- 4-

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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Reagan: SDI soll Leben retten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Auszüge aus der Ansprache des Präsidenten in Los Angeles -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Fortschritt in der Rüstungskontrolle hängt vom Verhalten der Sowjets ab&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Ausführungen von US-Sicherheitsberater McFarlane -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrund&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Großeinsatz gegen Cannabis-Anpflanzungen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- "Operation Delta-9" vernichtet Marihuana-Ernte -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Elektrowerkstatt im freien Weltraum&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- DISCOVERY-Astronauten bemühen sich um Reperatur eines Nachrichtensatelliten -&lt;/em&gt;</text>
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und
Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

4 . September 1985

35

INHALT

INFORMATION
Reagan will Gorbatschow auf halbem Wege entgegenkommen
- Zugang zu sowjetischen Medien würde den Dialog verbessern -

DOKUMENTATION
Reagan würdigt Atomsperrvertrag als historische Leistung
- Ansprache des US-Abrüstungsbeauftragten in Genf -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Zugang zu US-Nachrichtensatelliten soll allen Nationen offenstehen
- Flexibilität - Schlüssel zu wirtschaftlichem Betrieb -

* * * * *

Um Übei/cndung von
Belegexemplaren
uiird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�4. September 1985

,35

REAGAN WILL GORBATSCHOW AUF HALBEM WEGE ENTGEGENKOMMEN
Zugang zu sowjetischen Medien würde den Dialog verbessern -

WASHINGTON

-

(AD) - Präsident Ronald

Reagan hat

in einer

Erklärung

des Weißen Hauses vom 3. September 1985 erneut betont, er sei bereit, den
Sowjets auf halbem Wege entgegenzukommen.
Wie der Stellvertretende Pressesprecher des Weißen Hauses, Larry
Speakes, mitteilte, hat der Präsident die von Generalsekretär Gorbatschow
in seinem Interview mit dem amerikanischen Nachrichtenmagazin TIME geäußerte Ansicht, begrüßt, bei dem Gipfeltreffen im November "ernsthafte
Vorschläge zu unterbreiten". Wenn Präsident Reagan sich in ähnlicher Weise durch sowjetische Medien an die Bevölkerung der Sowjetunion wenden
könnte, so Speakes, "dann würde das ohne Frage unseren Dialog erleichtern" .
Speakes

wies

in

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Speakes wies in diesem Zusammenhang darauf hin, daß der Direktor des
US-Informationsamtes, Charles

Z. Wick, bereits

im Januar

dieses

Jahres

Leonid Samjatin, der in der UdSSR für internationale Information zuständig

ist, den Vorschlag

für wechselseitige Erklärungen

im Fernsehen ge-

macht, jedoch bisher keine Antwort auf diesen Vorschlag erhalten habe. Es
gehe nicht um eine öffentliche Debatte, sondern darum, der jeweils anderen Seite die eigene Auffassung zu vermitteln.
Bezüglich der Vorbereitungen das Treffens im November in Genf erklär-"
te der Sprecher des Weißen Hauses, diese fänden am besten "über vertrauliche, diplomatische Kanäle" statt, und nicht in den Medien. Auf die Er-*
klärung Gorbatschows in dem TIMi;-lnt erview angesprochen, die amerikanisch-sowjetischen
Beziehungen hätten sich ernsthaft verschlechtert,
antwortete Speakes, der Präsident habe immer die Auffassung vertreten,
"dass wir mit der Sowjetunion in realistischer Weise verhandelt haben.
Wenn wir Schwierigkeiten, Meinungsverschiedenheiten in dieser Beziehung
sehen, d a m werden wir nicht zögern, auf sie hinzuweisen." Die Administration sei sich im klaren, daß es "ernsthafte Meinungsverschiedenheiten
zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion gebe, aber das ist
umso mehr ein Grund, daß wir in einer Atmosphäre zusammenkommen, die
einem Ergebnis förderlich ist, das zu Mitteln und Wegen führt, um mit
diesen Problemen fertigzuwerden . "
Wenn oeide Seiten mit einer konstruktiven Einstellung zu dem Gipfeltreffen im November kämen, so betonte der Sprecher des Weißen Hauses,
dann gebe es keinen Grund, warum nicht ein Maß an Erfolg bezüglich von
Vereinbarungen erzielt werden könne, wie man die Meinungsverschiedenheit
ten beilegen könne. Die Vereinigten Staaten meinten es ernst mit ihrer
Gesprächsbereitschaft. "Wir sind bereit", so unterstrich Speakes, "mit.
den Sowjets bei diesem Treffen auf einer realistischen Basis zu verhandeln, auf der Basis der Bereitschaft, ernsthafte Gespräche zu führen und
ihnen in einer Reihe von Fragen auf halbem Wege entgegenzukommen. Das
Wichtige ist, daß dieses Treffen zustandekommt, daß die beiden Männer

�die beiden Männer sich Auge in Auge gegenüberstehen, sich gegenseitig abschätzen können, ihre Meinung zu den verschiedenen Themen äußern können
und dann

in der Lage sind, eine Tagesordnung aufzustellen, um mit diesen

Problemen in Zukunft fertigzuwerden."
Die Erklärung

von Speakes

zu Beginn

seiner

Presseunterrichtung

hat

folgenden Wortlaut:
Wir begrüßen die Erklärung von Generalsekretär Gorbatschow, wonach er
bereit ist, bei dem Treffen mit Präsident Reagan im November ernsthafte
Vorschläge auf den Tisch zu legen.
Was die Vereinigten Staaten anbelangt, so sieht der Präsident diese
Beziehungen in ihrer ganzen Bedeutsamkeit und ist bereit, den Sowjets in
dem Bemühen um eine Lösung der Probleme auf halbem Wege entgegenzukommen.
Der Präsident hofft, daß das Treffen in Genf die Grundlage dafür schaffen
wird, die Probleme zu lösen, vor denen unsere beiden Nationen stehen.
Unsere Vorstellung von den Ursachen der derzeitigen amerikanisch-sowjetischen Spannungen unterscheiden sich beträchtlich von denen, die Herr
Gorbatschow dafür angibt. Aber wir beabsichtigen nicht, darüber in den
Medien zu diskutieren. Die Vorbereitungen für das Treffen in Genf werden
am besten über vertrauliche diplomatische Kanäle geführt.
Wir

freuen uns über die Tatsache, daß Herr Gorbatschow

in der Lage

war, seine Ansichten der amerikanischen Öffentlichkeit darzulegen. Das
Interview ist ein erstklassiges Beispiel für die Offenheit des amerikanischen Systems und für den Zugang zu den amerikanischen Medien, dessen
sich die Sowjets erfreuen. Wenn Präsident Reagan eine vergleichbare
Möglichkeit hätte, über die sowjetischen Medien seine Ansichten dem sowjetischen Volk darzulegen, so würde dies ohne Zweifel unseren Dialog verbessern und Zeichen der sowjetischen Bereitschaft sein, in einem wichtigen Aspekt der Verbesserung unserer Beziehungen eine gewisse Gegenseitigkeit zu akzeptieren.
Hätte

Präsident

Reagan

�Hätte
Präsident
Reagan
direkten
Zugang
zur
sowjetischen
Öffentlichkeit, so wäre dies ein großer Schritt in Richtung auf eine
Verbesserung des Verständnisses zwischen unseren beiden Völkern. Ziel
eines solchen Austausches wäre nicht die Debatte, sondern eine Darlegung
der Ansichten beider Seiten.

* * * * *

�4. September 1985

35

REAGAN WÜRDIGT ATOMSPERRVERTRAG ALS HISTORISCHE LEISTUNG
- Ansprache des US-Abrüstungsbeauffragten in Genf -

GENF -(AD)- Der Direktor des amerikanischen Amtes für Rüstungskontrolle und Abrüstung (ACDA), Kenneth Adelmann, hat der Überprüfungskonferenz für den Atomsperrvertrag (Non-Proliferation Treaty - NPT) in Genf am
28. August eine Botschaft von Präsident Reagan überbracht, in der dieser
den Vertrag als eine historische Leistung und als wichtigen Eckpfeiler in
den Bemühungen um die Verhinderung der weiteren Ausbreitung der Kernwaffen bezeichnet. In seinen eigenen Ausführungen betonte Adelmann, der Vertrag, den 125 Länder unterzeichnet haben, habe die Welt sicherer gemacht.

Die Ausführungen Adelmanns, die die Botschaft des Präsidenten einschließen, haben folgenden Wortlaut:

Vor 40 Jahren erlebte die Welt die Geburt einer neuen Art von Waffe
von nie dagewesener und bisher unvorstellbarer Zerstörungskraft. Seither
mußten sich alle Länder und Völker der Erde den Versprechungen und den
Gefahren des Atoms stellen.
Während der nächsten

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Während der nächsten vier Wochen werden die hie.: versammelten hervorragenden Delegierten die feierliche Verpflichtung haben, Ubei das wichtigste Thema unserer Zeit zu sprechen - d:e nukleare Herausforderung. Zusammen werden wir den Beitrag werten, den der vertrag über d:e Nichtweiterverbreitung von Kernwaffen geleistet hat. Präsident Reagan hat die
Vorstellung meines Landes von der vor uns liegenden Aufgabe in einer Botschaft formuliert, die ich Ihnen nicht vorenthalten möchte:

"Es ist mir ein großes Vergnügen, diese Botschaft an die Delegierten
der Dritten Überprüfungskonferenz für den Nichtweiterverbreitungsvertrag
zu richten - einem Ereignis, das auch mit dem 15. Jahrestag der Unterzeichnung dieses Vertrages zusammenfällt. Der Nichtweiterverbreitungsvertrag ist eine historische Leistung. Er ist ein entscheidender Eckpfeiler
unserer gemeinsamen Bemühungen, die weitere Ausbreitung von Kernwaffen zu
verhindern und gleichzeitig den Vertragspartnern einen geeigneten Rahmen
zu bieten, um die Segnungen des friedlichen Atoms genießen zu können. Indem wir die Gefahr der weiteren Ausbreitung der Kernwaffen und das Risiko
eines Atomkrieges verringern, tragen wir ::ur Sicherheit und dem Wohlergehen aller Länder und Völker bei.

Mein zentrales Anliegen der Rüstungskontrolle ist die wesentliche Reduzierung und schließlich Abschaffung der Kernwaffen und die Befreiung
der Welt von der nuklearen Bedrohung. Zu diesem Zweck haben die Vereinigten Staaten in Genf radikale Verringerungen der Zahl der vorhandenen
Kernwaffen vorgeschlagen. Das ist nach meiner Überzeugung der direkteste
und beste Weg, wenn wir die Gefahr eines Atomkrieges beseitigen wollen.

Gleichzeitig bin ich der Überzeugung, daß verifizierbare Begrenzungen
der Nuklearversuche eine nützliche, wenn auch bescheidene Rolle spielen
können. Aus diesem Grunde habe ich am 29. Juli erneut meinen Wunsch geäußert, einen Prozeß in Gang zu setzen, der es den Vereinigten Staaten
und der Sowjetunion erlauben wird, die Basis für wirksam verifizierbare
Begrenzungen für unterirdische Versuche zu schaffen. Wir haben die Sowjetunion eingeladen, Beobachter mit allen Instrumenten ihrer Wahl zu ent-

�zu entsenden, um einen Nuklearversuch auf unserem Gelände zu messen. Diese Einladung ist an keine Vorbedingungen gebunden.

Ein weiteres wesentliches Ziel der Vereinigten Staaten ist der Aufbau
einer stabilen, kooperativen Beziehung zur Sowjetunion. Von den gemeinsamen Interessen unserer beiden Länder gehören die Vermeidung eines Krieges
und der Abbau des RüstungsStandes zu den wichtigsten. Wie ich bereits
früher erklärt habe, beginnt die Kooperation mit der Kommunikation, und
ich freue mich, im November mit Generalsekretär Gorbatschow zusammenzutreffen.

Alle Vertragsparteien des NPT tragen heute mit an der Verpflichtung,
eine Bestandsaufnahme zu machen, auf faire und ausgewogene Weise zu begutachten, wie die lebenswichtigen Ziele der Vertrages eingehalten werden
und sich zu überlegen, wie wir es noch besser machen könnten.
Wenn das Funktionieren des wichtigen Vertrages überprüft wird, dann
sollte die Konferenz auch die Tatsache feiern, daß er ein großer Erfolg
ist. Die Vereinigten Staaten bleiben feierlich den in dem Vertrag niedergelegten Zielen und seiner Vision einer stabileren und sichereren Welt
für alle Nationen verpflichtet."

Wie Präsident Reagan sagt, obliegt uns jetzt die Verantwortung, Bestandsaufnahmen für den NPT zu machen. Diese Aufgabe ist heute besonders
nützlich, da wir auf etwas mehr als der halben Strecke zwischen dem Inkrafttreten des Vertrages und der Frage seiner Verlängerung im Jahre 1995
angekommen sind.

Sicherlich gibt es eine Vielfalt von Meinungen, wie man die nukleare
Herausforderung bewältigen kann, und diese werden hier in diesem Saal in
den nächsten vier Wochen zum Ausdruck kommen.

Und so soll es auch sein.

Als freie Menschen verstehen und respektieren wir Amerikaner die Be-

�Amerikaner die Bedeutung der Meinungsvielfalt. Das konkrete Ergebnis dieser Konferenz sei es eine Schlußerklärung oder etwas anderes - ist weit
weniger wichtig als daß wir eine ehrliche und ausgewogene Überprüfung abhalten - mit ei- ner, wie ich sage, kompletten Vielfalt der Meinungen.
Ich bin mir ganz sicher, daß eine solche Überprüfung zutage bringen wird,
daß wir alle ein großes gemeinsames Interesse c.m NPT haben und daß dieser
Vertrag den Sicherheitsinteressen aller Lander dient.

Warum? Weil er unsere Welt sicherer gemacht: hat. Man kann von keinem
Vertrag verlangen, daß er mehr leistet. Wie einer unserer Gründerväter,
John Jay, in den Pörderalistischen Dokumenten erklärt hat: 'Von den vielen Zielen, denen ein kluges und freies Vok seine Aufmerksamkeit zuwendet, kommt die Vorsorge für seine Sicherheit an erster Stelle."

Der NPT wurde abgeschlossen, um drei Zielen und Zwecken zu dienen:
der Ausbreitung der Kernwaffen Einhalt zu gebieten, den Mitgliedsländern
zu helfen, friedliche nukleare Kapazitäten zu entwickeln und zu einem
weiteren Fortschritt in umfassenden Rüstungskontroll- und Abrüstungsmaßnahmen zu führen. Wie weit hat er diese Ziel erreicht?
Am besten sicherlich das erste Ziel, das zentrale Element des Vertrages, das allen Ländern zugute kommt. Ende der fünfziger und Anfang der
sechziger Jahre befürchtete man, daß der weiteren Ausbreitung der Kernwaffen kein Einhalt geboten werden könne. Ein Sonderausschuß der Nationalen Planungsvereinigung der Vereinigten Staaten sagte beispielsweise 1958
voraus, daß "bis 1970 alle Länder mit einer ins Gewicht fallenden militärischen Stärke ihr Arsenal an Kernwaffen besitzen werden - strategischen,
taktischen oder beiden." Ähnliche Befürchtungen führten z. T. zu einer
von Irland eingebrachten Resolution der Vollversammlung der Vereinten Nationen, die die Aufmerksamkeit auf die Gefahren der Weiterverbreitung und
die Notwendigkeit, ihr entgegenzutreten, lenkte. Präsident John F. Kennedy warnte zwei Jahre später vor einer Welt, die bis 1975 15 bis 20 Länder
mit Kernwaffen haben könnte.

Solche ängstlichen Erwartungen hätten zu einem diplomatischen Fata- 4 -

�diplomatischen Fatalismus und zur politischen Stagnation führen können.
Aber dem war nicht so. Die Führer der Welt waren klug genug, positive
Maßnahmen zu ergreifen, um der drohenden Gefahr zu begegnen. Das Ergebnis
war der Nichtweiterverbreitungsvertrag. Und seit seinem Inkrafttreten im
Jahre 1970 hat er eine wahrhaft entscheidende Rolle gespielt, der Weiterverbreitung der Bombe Einhalt zu gebieten. Wer hätte geglaubt, daß in den
folgenden 15 Jahren nur ein Land - Indien - einen nuklearen Sprengkörper
zünden würde? Es waren nur wenige Leute, aber es war doch so.

Als Ergebnis leben wir alle heute sicherer. Das ist zum Teil darauf
zurückzuführen, daß der Vertrag weitgehend eingehalten wurde, daß über
125 Länder bereit waren, auf den Erwerb von nuklearen Sprengsätzen zu
verzichten und für all ihre nuklearen Tätigkeiten die Sicherheitsbestimmungen der IAEA zu akzeptieren. Diese Schritte haben dazu beigetragen,
sowohl den innenpolitischen Druck als auch die internationalen Besorgnisse zu mildern, die sonst vielleicht einen Run auf Kernwaffen hätten auslösen können. Die Nichtweiterverbreitungs- wie auch die Sicherheitsbestimmungen des Vertrages haben beide als Grundlage für eine vernünftige
Politik der Versorgung mit nuklearem Material geführt.

Und was noch wichtiger ist, der Vertrag spiegelt mit seiner wachsenden Zahl der Parteien - allein seit der letzten Überprüfungskonferenz
sind 16 neue Länder dazugekommen - eine immer breitere universale Norm
für die Nichtweiterverbreitung wieder. Eine Welt mit vielen Nuklearmächten ist vermeidbar und muß vermieden werden. Wenn sich ein Staat auf den
Weg zum Erwerb dieser Waffen machen würde, dann würde ihm internationale
Besorgnis und nicht stillschweigendes Einverständis entgegenschlagen. Die
Beschaffung dieser Waffen würde auf internationale Verurteilung stoßen
und nicht auf Zustimmung. Diese zum Zeitpunkt der Schaffung des NPT aufgestellten Normen sind seither jedes Jahr verstärkt worden.

Alle Länder haben ein Interesse, die weitere Ausbreitung von Kernwaffen zu verhindern. Wir in den Vereinigten Staaten wissen, daß eine Welt
mit vielen Nuklearmächten unsere Sicherheit und die unserer Verbündeten
bedrohen würde. Aber die Ausbreitung von Kernwaffen würde in gleicher

�in gleicher Weise - wenn nicht noch mehr - die Nachbarn der neuen Waffen^
Staaten bedrohen und früher oder später die Sicherheit der neuen Besitzer
selbst untergraben. Alter Argwohn und Spannungen würden verschärft. Das
Risiko eines Konfliktes würde steigen. Das Ergebnis wäre weniger Sicherheit für jeden von uns und damit für uns alle.

Diese einfache Tatsache wird, wie ich sagte, weitgehend anerkannt.
Diese Anerkennung ist die Grundlage der Kooperation unter uns, um den NPT
und andere Vorkehrungen gegen die weitere Ausbreitung der Bombe aufrechtzuerhalten und zu stärken. Sie kommt in den Bemühungen vieler von uns in
Ost und West, blockgebunden oder blockfrei, zum Ausdruck, noch mehr Länder zu überzeugen, dem Vertrag beizutreten. Sie kommt im übrigen in der
Einhaltung des Vertrages durch jedes unserer Lander zum Ausdruck - was
ihn zu demtesteingehaltenenRüstungskontrollvertrag macht, den es je
gegeben hat,

Aber die Zusagen zur Einhaltung des Vertrages sind noch nicht genug.
Wir müssen unseren Worten Taten folgen lassen. Die Vereinigten Staaten
haben das getan, wie es in den Informationen dokumentiert wird, die wir
dem Vorbereitungsausschuß zugeleitet haben, ich möchte das kurz zusammenfassen:

Erstens, seit der Überprüfungskonferenz von 1980 haben wir unsere Exportbestimmungen verschärft, um es noch unwahrscheinlicher zu machen, daß
amerikanische Exporte zum Risiko einer Weiterverbreitung beitragen könnten. Wir haben uns mit anderen NPT-LieferStaaten verständigt, die sogenannten "Alarm-Listen" zu verbessern, die geschaffen wurden, um den Vertragspartnern zu helfen, ihre Verpflichtungen gemäß Artikel III einzuhalten.
Zweitens, haben wir alle Nuklearliefecländer aufgefordert, sich uns
in der Forderung nach umfassenden oder vollständigen Sicherheitsbestimmungen für die friedliche nukleare Tätigkeit eines Nichtwaffenstaates als
Voraussetzung für wesentliche neue Lieferzusagen anzuschließen. Vertragsparteien des NPT akzeptieren bereits solche umfassenden oder vollständi-

�oder vollständigen Sicherheitsbestimmungen für ihre friedlichen Tätigkeiten. Wenn von nicht dem Vertrag angehörigen Ländern die Annahme dieser
Sicherheitsbestimmungen als Voraussetzung für Lieferungen gefordert wird,
dann würde dies einer Gleichbehandlung entsprechen. Ferner würde die Aufgabe der IAEA erleichert, und es bestünde größere Gewähr für die friedlichen Absichten eines Landes auf nuklearem Gebiet. Wir sind weiter der
Überzeugung, daß alle Lieferländer eine solche Haltung einnehmen sollten.

Drittens, ebenfalls seit der letzten Überprüfungskonferenz ist das
Sicherheitsabkommen, das die Routineinspektion von friedlichen Nukleareinrichtungen in den Vereinigten Staaten erlaubt, verwirklicht

worden.

Die IAEA hat jetzt das Recht, ihre Sicherheitsbestimmungen auf über 230
private oder in Regierungsbesitz befindliche Nukklearanlagen anzuwenden.
Wir begrüßen Inspektionen jener Anlagen, die von der IAEA ausgesucht werden, als ein Mittel, um die Unterstützung der Vereinigten Staaten für
wirksame Sicherheitsbestimmungen zu demonstrieren, und wir werden das
weiterhin tun.

Wir appellieren an andere, diesem Beispiel zu folgen. Wir sind erfreut über den kürzlichen Abschluß eines sowjetischen freiwilligen
Sicherheitsabkommen mit der IAEA, und wir hoffen, daß die Sowjets zusätzliche Typen und Zahlen von Anlagen für Sicherheitsbestimmungen zugänglich
machen werden. Wir hoffen, daß auch China für einige seiner Nukleareinrichtungen IAEA-Sicherheitsbestimmungen akzeptieren wird.

Viertens, die Vereinigten Staaten haben im Jahre 1981 das Protokoll I
des Vertrages von Tlatelolco ratifiziert, das eine kernwaffenfreie Zone
in Lateinamerika schafft. Durch diesen Akt haben wir uns verpflichtet,
keine Kernwaffen in amerikanischen Territorien in dieser Zone zu lagern
oder zu dislozieren. Wir hatten zuvor Protokoll II des Vertrages ratifiziert, wodurch sich die Vereinigten Staaten verpflichtet haben, gegen
Vertragsparteien des Vertrages von Tlatelolco keine Kernwaffen einzusetzen oder ihren Einsatz anzudrohen. Vor einigen Wochen wurde eine weitere
Initiative bekanntgegeben: der Entwurf für eine kernwaffenfreie Zone im
Südpazifik. Wir sind bereit, diesen neuen Vertragsentwurf mit Interesse

�mit Interesse und vorurteilslos zu prüfen.

Der NPT ist also ein großer Erfolg, wenn es darum geht, das erste
Ziel zu erreichen, nämlich der Ausbreitung der Kernwaffen Einhalt zu gebieten. Und, wie es in einem der berühmten Parkinsonschen Gesetze heißt:
Der Erfolg einer Politik kann an den Katastrophen gemessen werden, die
nicht eintreten. Die Weiterverbreitung, mit der man vor Jahrzehnten gerechnet hatte - diese Katastrophe - ist nicht eingetreten.

Wie sieht es nun in bezug auf das zweite Ziel des Vertrages, die Förderung der friedlichen Nutzung der Kernenergie aus? Hier ist das Bild
sehr gut.

Seit den ersten Tagen des Programmes "Atome für den Frieden" haben
die Vereinigten Staaten anderen Ländern dabei geholfen, friedlichen Nutzen aus der Kernenergie zu ziehen - um ihren Energiebedarf zu befriedigen, ihren Bedarf im Bereich der Medizin und der Gesundheitsvorsorge, in
der Wissenschaft, in der Industrie und in der Landwirtschaft. Wir waren
damals der Überzeugung - und sind es noch heute -, daß alle dem NPT angehörigen Staaten - insbesondere die Entwicklungsländer - eine legitimes
Recht haben, diese friedlichen Anwendungen zu betreiben und daß die Vertragsparteien besondere Vorteile erhalten sollten.

Während der gesamten bisherigen Laufzeit des Vertrags hat sich die
friedliche nukleare Zusammenarbeit zwischen den NPT-Vertragsparteien
ständig verstärkt. Die Nichtweiterverbreitungsverpflichtungen der Vertragsparteien schufen das Vertrauen, daß friedliche nukleare Hilfe und
Exporte nicht zur Herstellung von Kernwaffen mißbraucht würden. Dieses
Vertrauen hat überhaupt erst die Versorgung im Nuklearbereich ermöglicht.

Die Vergangenheit zeigt das Maß, in dem sich die Hilfe für die Vertragsparteien gesteigert hat. In den vergangenen 15 Jahren wurden zehntausende von Studenten aus den Entwicklungsländern in den Nuklearwissenschaften und in verwandten Bereichen ausgebildet, und diese Zahl nimmt
ständig zu. Fast 20 Entwicklungsländer besitzen jetzt eigene Forschungs-

�eigene Forschungsreaktoren. Und seit 1980 hat die IAEA fast 150 Millionen
Dollar an technischer Hilfe bereitgestellt - und damit die Mittel des
vorhergehenden Jahrzehnts mehr als verdoppelt, wobei der größte Teil dieser Gelder an NPT-Vertragsparteien ging.

Dies ist auch mit der Grund dafür, daß die Republik Korea nunmehr einen beträchtlichen Teil ihrer Elektrizität aus Kernenergie gewinnt. Mexiko, die Philippinen und Ägypten sind dabei, Kernkraftanlagen zu errichten. Andere dürften diesem Beispiel in den kommenden Jahren folgen.
Auch hier haben die Vereinigten Staaten erhebliche Hilfe geleistet,
wie ein paar Beispiele aus unseren Aktivitäten seit 1980 deutlich belegen:

— Praktisch die gesamte amerikanische Exportfinanzierung im Nuklearbereich - insgesamt über 1 Milliarde Dollar - ging an NPT-Vertragsstaaten.
— Es wurden spezielle Ausbildungsvereinbarungen getroffen, um Technologietransfer nur mit solchen Staaten ZJ fördern, die dem NPT oder dem
Vertrag von Tlatelolco angehören.
— Wir haben Hunderte von Stipendien für technische Ausbildung unter
der IAEA fast ausschließlich für NPT-Vertragssstaaten gewährt.

— Alle zusätzlichen amerikanischen Haushaltsmittel für Projekte
technischer Hilfe, die nicht durch die IAEA bereitgestellt wurden, gingen
an NPT-Vertragsparteien.

—Wir haben unsere Regeln und Vorschriften modifiziert, um die Lizensierung von Exporten in NPT-Vertragsparteien zu erleichtern.

—Und wir haben fast 22 Millionen Dollar für das technische Hilfsprogramm der IAEA ausgewiesen.

Zusammengefaßt: Was dieses zweite Ziel des NPT angeht, so haben wir
viele konkrete Maßnahmen ergriffen und erhebliche Mittel aufgewandt, um
- 9 -

�aufgewandt um friedliche Nuklearprogramnie zu fördern, die den Entwicklungsländern von echtem Nutzen sind. Wie stets kann auch hier mehr getan
werden. Wir werden auch weiterhin mit anderen zusammenarbeiten, um dazu
beizutragen, daß sichergestellt wird, daß uns allen der ganze Vorteil der
friedlichen Mög- lichkeiten des Atoms zuteil werden kann.

Das dritte - aber gewiß nicht das geringste - Ziel des NPT wird in
der Forderung von Artikel VI zum Ausdruck gebracht, nämlich nach "Verhandlungen in gutem Glauben über wirksame Maßnahmen in bezug auf die Beendigung des nuklearen Wettrüstens..." Genau zu diesem Zweck stehen die
Vereinigten Staaten mitten in einer ganzen Bandbreite von Rüstungskontrollverhandlungen. Wir sind unseren Verpflichtungen gemäß Artikel VI gerecht geworden - und werden dies auch weiterhin tun. Dennoch teilen wir
voll und ganz den Eindruck, der diesen Saal beherrscht und der sicherlich
hier noch seinen Ausdruck finden wird - daß nämlich die Ergebnisse dieser
Verhandlungen bislang enttäuschend gewesen sind.

Dieses Ziel beträchtlicher Rüstungskontrolle existiert unabhängig vom
NPT, obgleich dieser es eindeutig verstärkt. Keine andere Nation bzw.
Gruppe von Nationen hat eine stärkere Motivation hinsichtlich konkreter
Schritte zur Beendigung und Reversion des nuklearen Wettlaufs als wir.
Keine andere Nation bzw. Gruppe von Nationen wünscht mehr einen Fortschritt gemäß Artikel VI.

Ich würde sogar noch weiter gehen: Keine Nation bzw. Gruppe von Nationen wünscht Fortschritte in der Rüstungskontrolle mehr als die Vereinigten Staaten von Amerika. Verhinderung eines Atomkrieges und Bewegung in
Richtung auf das Ziel der Beseitigung der Kernwaffen sind Präsident Reagans oberste Prioritäten. Er hat es so oft gesagt: Ein Atomkrieg kann nie
gewonnen und darf nie geführt werden.

Viele von Ihnen werden im Lauf des kommenden Monats darauf verweißen,
wie dürftig der Fortschritt in Richtung auf das Ziel der Beseitigung der
Kernwaffen gewesen ist, seit der Vertrag in Kraft trat. Wir können dieser
Argumentation nur zustimmen, wenn vielleicht auch nicht mit den entspre-

-10-

�mit den entsprechenden Erklärungen.

Und dennoch sollten wir nicht außer acht lassen, daß einiger Fortschritt erzielt worden ist. Der ABM-Vertrag setzt Begrenzungen bei der
Dislozierung von Raketenverteidigungen; die SALT-Verträge begrenzten das
Anwachsen der strategischen Offensivkräfte - wenn sie sie leider auch
nicht verringerten.

Niemand kann leugnen, daß es heute schlicht und einfach zu viele
Kernwaffen auf der Welt gibt. Niemand kann leugnen, daß wir mit der
dringlichsten aller Aufgaben vorangehen müssen, diese Waffen zu verringern und schließlich zu beseitigen. Niemand kann leugnen, daß es hierzu
der Taten - und nicht der Worte - bedarf.

Die Vereinigten Staaten haben sich dieser Aufgabe voll und ganz verpflichtet. Wir verhandeln nicht nur intensiv und flexibel, sondern wir
haben auch zur Verringerung der Kernwaffen einseitige Schritte und Maßnahmen zusammen mit unseren Verbündeten unternommen. Seit der NPT in den
sechziger Jahren ausgehandelt wurde, haben die Vereinigten Staaten einseitig ihr totales Nukleararsenal um ein Viertel verringert. Seit Aushandlung des NPT haben wir, erneut einseitig, die Gesamtzerstörungskraft
unseres nuklearen Arsenals um gut über die Hälfte verringert. Und seit
der letzten Überprüfungskonferenz haben die Vereinigten Staaten gemeinsam
mit ihren NATO-Verbü'ndeten 1000 nukleare Gefechtsköpfe aus Europa abgezogen und danach noch einmal im Jahr 1983 den Entschluß gefaßt, weitere
1400 abzuziehen.

Seit der letzten Uberprüfungskonferenz - und erneut heute - schlagen
die Vereinigten Staaten der Sowjetunion vor, Beobachter, ausgerüstet mit
jeder Art von Instrument, die sie mitzubringen wünschen, zu einem unserer
Atomtests zu schicken. Wenn die Sowjets zustimmen - was wir hoffen -, so
kann dadurch ein Prozeß in Gang kommen, der wirksam dazu beiträgt, Begrenzungen bei unterirdischen Nuklearversuchen zu verifizieren.

Was uns anbelangt, so bleiben wir als langfristigem Ziel auch wei-

�Ziel auch weiterhin einem vollständigen Verbot von Nuklearversuchen verpflichtet. Aber wir sind nicht der Meinung, daß dies der nächste Schritt
bei unserem Bemühungen um einen Abbau der nuklearen Bedrohung sein sollte. Ein Verbot von Atomversuchen würde nicht die Anzahl der Kernwaffen
verringern. Und unsere dringlichste Aufgabe muß eine erhebliche Verringerung der bestehenden nuklearen Arsenale sein.

Aus diesem Grund haben die Vereinigten Staaten seit der letzten Überprüfungskonferenz - erst bei den START- und INF-Verhandlungen sowie nunmehr bei den Genfer Nuklear- und Weltraumverhandlungen - weitreichende
Vorschläge zur radikalen Verringerung der Anzahl strategischer ballistischer Raketen, ihrer Gefechtsköpfe sowie ihres Zerstörungspotentials auf
den Tisch gelegt. Es sind diese Systeme, die heute die ernsteste Bedrohung darstellen. Zusätzliche Vorschläge der Vereinigten Staaten würden
eine ganze Kategorie von Kernwaffen abschaffen - die sogenannten nuklearen Mittelstreckensysteme. Unser Ziel ist es, in die Rüstungskontrolle
Bewegung zu bringen: konkrete Abkommen auszuhandeln, die wirksam, verifizierbar und ausgewogen bei der Behandlung beider Seiten sind.

In wenigen Wochen wird in dieser Stadt die nächste Runde der Nuklearund Weltraumverhandlungen aufgenommen. Wir wissen, daß es dabei um viel
geht. Wir sind auch weiterhin davon überzeugt, daß Abkommen erzielt werden können, die die Stabilität stärken und der Sicherheit aller Länder
dienen würden.
Wie sieht es also 15 Jahre nach Inkrafttreten des Vertrags damit aus,
was in Verfolg dieser drei Ziele geleistet worden ist? Eine gute Note
gilt es für das erste Ziel der Einhaltung der Nichtweiterverbreitung von
Kernwaffen auszustellen; ein eindeutig positives Ergebnis auch bei der
Förderung der friedlichen Nutzung der Kernenergie; aber trotz fortgesetzter Verhandlungen weniger Fortschritt als erwartet beim Erreichen solider
Rüstungskontrollabkommen. Wie sieht die Gesamtwertung aus? Hat der NPT
unter dem Strich den Interessen seiner Vertragsparteien erfolgreich gedient?

Schauen wir - 12 -

�Schauen wir - bevor wir zu dieser abschließenden Bewertung gelangen noch einmal auf die vier Jahrzehnte seit Anbruch des Atomzeitalters zurück. Seither wurden die Kernwaffen glücklicherweise nicht als eben nur
hypergewaltige konventionelle Waffen betrachtet. Sie wurden in über vier
Jahrzehnten nicht eingesetzt.

Gleichzeitig erlebte man in den vier Jahrzehnten des nuklearen Friedens vier Jahrzehnte der unzähligen kleineren Kriege, die Hunderttausenden das Leben kosteten. Die Liste der Länder, nuklear oder nichtnuklear,
die in solche Konflikte verwickelt waren, würde viele Seiten füllen.
Stellen wir uns nur einen Augenblick lang die Folgen für all unsere Mitbürger und für die Welt vor, wenn auch nu: in einem dieser Konflikte
Kernwaffen eingesetzt worden wären.

Hierin liegt die abschließende Bewertung des Atomsperrvertrags. Er
war ein sehr guter Eckpfeiler für den Erfolg, dessen wir uns bislang erfreut haben, wenn es darum ging, eine weitere Verbreitung dec Kernwaffen
zu verhindern. Er war - und ist auch weiterhin - ein moralischer und politischer Imperativ für die derzeitigen Kernwaffenstaaten, zusätzliche
Maßnahmen auszuhandeln, um die Drohung durch einen Atomkrieg zu verringern und letztlich zu beseitigen. Beide Aspekte dienen der Sicherheit eines jeden, in diesem Saale vertretenen Landes und liegen auch im Interesse jener, die nicht Mitglied sind. Wir sollten außerdem auch nicht den
Beitrag vergessen, den der Vertrag dabei leistet, die Vorzüge der friedlichen Nutzung des Atoms verfügbar zu machen.

Deshalb war der NPT aus der Sicht der Vereinigten Staaten und als
Ganzes gesehen, bislang sehr erfolgreich. Ohne ihn wäre die Welt ganz
einfach ein weit gefährlicherer Ort. Dies ist ein entscheidender Punkt,
den wir nie außer Acht lassen dürfen, auch wenn wir von dem Fortschritt
in dem einen oder anderen speziellen Bereich enttäuscht sind.

Wollen wir deshalb in den kommenden Wochen hier die Erfolge des Vertrags anerkennen, während wir zugleich den Blick dafür behalten, wo es
noch des weiteren Fortschritts bedarf. Die Vereinigten Staaten werden ih- 13 -

�Staaten werden ihre Vorstellungen offen darlegen und sie werden ihren
Aussichten aufmerksam zuhören.

Am wichtigsten aber ist, daß wir uns erneut den Prinzipien und Zielsetzungen des Vertrages verpflichten. Sie waren solide, als der Vertrag
geboren wurde. Und sie sind auch heute noch solide. Wir werden bei dieser
erneuten Verpflichtung an Ihrer Seite stehen. Und wir werden auch an Ihrer Seite stehen, wenn es darum geht, daß unsere Taten auch in Zukunft
diese Prinzipien verwirklichen. Und wir werden an Ihrer Seite stehen, um
weiter auf den Erfolgen des Vertrages aufzubauen.

Das erwartet die Welt von uns. Und wir können es uns nicht leisten,
hinter diesem Anspruch zurückzubleiben.

* * * * *

- 14

�4

Wi//cn/chcift
und Technik

II M \ UV

• i\ I d i; Li ri

United States Information Service
Embassy ot tne United States of America

4. September 1385

35

ZUGANG ZJ US-NACHRICHTENSATELLITEN SOLL ALLEN NATIONEN OFFENSTEHEN
- Flexibilität - Schlüssel zu wirtschaftlichem Betrieb -

- (AD) •- Delegierte aus mehr als 120 Ländern, die dem Verband der Internationalen Fernmeldeunion

(ITU) (mit insgesamt 159 Mitgliedsstaaten)

angehören, erörtern derzeit in Genf Fragen der weiteren Stationierung von
Nachrichtensatelliten im Weltraum. Allen Nationen soll der Zugang offenstehen, gleichzeitig

soll er den

jeweiligen Erfordernissen angemessen

sein.

Auf dieser "World Administrative Radio Conference on the Use of the
Geostationary Orbit and the Planning of Space Services Utilizing It" (abgekürzt "Space WARC", für "Internationale Verwaltungskonferenz über die
Benutzung geostationärer Bahnen und die Planung von Dienstleistungen")
stehen u.a. die Zuteilung und Ausnutzung von Frequenzen, aber auch eine
mögliche Reservierung von Frequenzen für eine spätere Verwendung zur Diskussion. Letzteres ist vor allem für Entwicklungsländer von Interesse,
die heute nicht über Fernmeldesatelliten verfügen, jedoch irgendwann eigene Satelliten betreiben wollen.

"Space WARC" ist in zwei Sitzungsperioden unterteilt. Die gegenwärti-

Postfach 20 03 00
D 5300 B o n n 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Die gegenwärtige erste Periode (8. August bis 14. September 1985) gilt
der Planung. In der für 1988 vorgesehenen zweiten Sitzungsperiode will
man sich auf die Durchführung jener Pläne von 1985 konzentrieren, die
sich in der Zwischenzeit als erfolgreich erwiesen haben.

Science Fiction wurde Wirklichkeit

Künstliche Erdsatelliten und ihre Stationierung in einem "erdsynchronen" Orbit, von Arthur C. Clarke im Februar 1945 vorgeschlagen, galt damals als eine Utopie, wurde bestenfalls als Science Fiction akzeptiert.
Heute, 40 Jahre später, ist beides Realität. Mindestens 138 Nachrichtensatelliten befinden sich gegenwärtig auf dieser Umlaufbahn in ca. 35 680
km Höhe über dem Äquator. Dort ist die Umlaufgeschwindigkeit eines Satelliten um unsere Erde gerade so groß wie deren Umdrehungsgeschwindigkeit,
so daß er in Relation zu Stationen auf der Erdoberfläche am Himmel stillzustehen scheint. Das bedeutet, daß er ständig als Relaisstation verfügbar ist. Im Gegensatz zu den ersten Nachrichtensatelliten, die die Erde
in geringeren Höhen umkreisten, verschwindet er nicht nach gewisser Zeit
hinter dem Horizont.

Die modernen Nachrichtensatelliten ermöglichen Verbindungen von Punkt
zu Punkt, aber ebenso von einem Punkt ;:u zahlreichen anderen Stationen
gleichzeitig. Sie übermitteln Funk- und Fernsehsendungen, Wetterberichte
und Vorhersagen, Daten jeder Art und Vielfalt, Telefongespräche zwischen
Kontinenten und rund um die Erde. Manche werden von einzelnen Ländern,
andere von regionalen und internationalen Organisationen betrieben. Der
Einsatz von rund 160 weiteren Nachrichtensatelliten ist vorgesehen.

Aber der geostationäre Orbit ist eine nicht veränderbare Größe. Und
das bedeutet, daß er nur eine bestimmte Zahl von Satelliten aufnehmen
kann. Sich Gedanken darüber zu machen, wie man seine ÜberfüLlung und eine
Schmälerung der übertragungsqualitat durch Interfrequenzen vermeiden oder
zumindest eingrenzen kann, ist eine der Hauptaufgaben der gegenwärtigen
Konferenz.
Die

Industrieländer

�Die Industrieländer halten eine Neuformulierung der ITU-Abmachungen
nicht für notwendig. Nach ihrer Meinung ermöglicht der Fortschritt der
Technik eine ständige Ausweitung der Kapazitäten des Funkspektrums, womit
man dem wachsenden Bedarf noch immer voraus sei. Dem halten vor allem
Entwicklungsländer

entgegen, daß es für sie keine Orbitalposition und

keine Frequenzen mehr geben werde, wenn sie später einmal in der Lage
seien, eigene Satelliten einzusetzen. Se.'.bst wenn ihnen durch technische
Fortschritte doch noch ein Zugang bliebe, würde dies so teuer, daß sie
ihn sich gar nicht leisten könnten. Deshalb solle für sie jetzt schon ein
Teil der weniger kostspieligen niedrigeren Frequenzbereiche des Funkspektrums bis zu dem Zeitpunkt reserviert werden, an dem sie die neue Technik
nutzen könnten.

Schlüssel: Flexibilität

Gegenwärtig werden Positionen im Orbit und Betriebsfrequenzen für alle geostationären Satelliten von der ITU zugeteilt. Sie tut dies jedoch
erst dann, wenn das betreffende Land nachweist, daß es einen Satelliten
innerhalb von fünf Jahren starten bzw. starten lassen kann. Die ITU, eine
Organisation der Vereinten Nationen, handhabt die Bestimmungen unbürokratisch und flexibel.

Die Vereinigten Staaten plädieren dafür, diese Flexibilität auch in
Bezug auf den Ausbau von Übertragunsfrequenzen zu erhalten. Sie verfügen
über die umfassendsten Erfahrungen und haben selbst viel in den Betrieb
und die Planung von Nachrichtensatellitennetzen investiert. Darüber hinaus spielten und spielen sie eine führende Rolle in technischen Verbesserungen zur Steigerung der Kapazität einzelner Satelliten wie zur Plazierung einer größeren Anzahl von Satelliten in bestimmten geostationären
Or b i ta1abschn i tten.
•

In einem am 1. März 1985 von der Bundeskommission für das Fernmeldewesen (FCC) vorgelegten Bericht heißt es u. a., die US-Regierung "bleibt
- 3 -

�US-Regierung "bleibt offen für ein breites Spektrum von Optionen, die 'in
der Praxis gleichbe rechtigten Zugang für alle' herbeiführen". Die notwendige Flexibilität, aber auch die gerechte Verteilung der Zugänge zum
Satellitenorbit werde durch eine langfristige Reservierung und damit die
Blockierung nicht genutzter Frequenzbänder nur beeinträchtigt. Für niemanden ergäte sich dadurch ein Vorteil.

Allerdings schlagen die Vereinigten Staaten vor, Entwicklungsländern
generell bestimmte Abschnitte des Funkwollenspektrums, und zwar im Bereich zwischen 3700 und 7075 Megahertz [im sog. C-Band mit 4 - 6

Giga-

hertz), vorzubehalten. Mit dem als ein "Expansionsband" definierten Bereich erhielten Entwicklungsländer die Gewähr für einen späteren Zugang
zum geostationären Orbit. Auf diesem Band könnten sie eine große Zahl von
Nachrichtenverbindungen

für

ihren Inlandsbedarf unterbringen, und zwar

auf relativ wirtschaftliche Weise. Demgegenüber lägen die Betriebskosten
bei Benutzung höherer Frequenzen, etwa bei 11 - 14 Gigahertz, um 40 Prozent höher.

Dem amerikanischen Vorschlag zufolge müßte ein Land der ITU bereits
15 Jahre im voraus jeden Plan zum Start eines Nachrichtensatelliten zur
Kenntnis bringen und innerhalb von fünf Cahren die auf den neuesten Stand
gebrachten technischen Details vorlegen, Die Vereinigten Staaten seien
dann ihrerseits bereit, für mindestens zehn Jahre auf die Benutzung dieser Expansionsbänder

im Inlandsfernmeldewesen freiwillig zu verzichten.

Sie appellieren an andere Industrieländer, sich diesem Schritt anzuschließen.

Die USA verweisen darauf, daß einem erhöhten Bedarf an Stationierungsplätzen im erdsynchronen Orbit und an Frequenzen durch allmähliche
Verringerung der Abstände zwischen den einzelnen Statelliten Rechnung getragen werden könne. Gegenwärtig sind diosem Näherrücken Grenzen gesetzt,
weil bei zu geringem Abstand zweier Satelliten voneinander die Gefahr besteht, daß sich die von beiden ausgestrahlten Signale überlagern, es zu
Interferenzen kommt. Diese Störungen lass;en sich durch technische Verbesserungen bei Satelliten wie Erdefunkstollen reduzieren oder ganz aus-

�oder ganz ausschalten, wie auf Grund vor. neuen Forschungsergebnissen zu
erwarten ist und wie es in geringem Umfang bereits praktiziert wird.

Auch durch neue Positionierungsverfahren ließen sich Verbesserungen
erzielen. So eruiert gegenwärtig die NASA (US-Bundesbehörde für Luft- und
Raumfahrt) Möglichkeiten zur Unterbringung einer Vielzahl von Satelliten
auf einer Weltraumplattform, mit der danr eine bestimmte Position im Orbit besetzt wird. Gegenwärtig

ist für jeden einzelnen Satelliten eine

spezielle Position erforderlich.

Zu den technischen Fortschritten zählen neben einer ständig mehr ausgeweiteten Nutzung von Mikrowellenfrequenzen, insbesondere in Richtung
noch kürzerer Wellen, die Mehrfachverwendung einer bestimmten Frequenz
durch mehr als nur eine Antenne mit Abstrahlung in geographisch getrennte
Gebiete. Dann werden polarisationstechni&lt;en angewandt, um die Kapazität
von Satelliten zu verdoppeln. Bei der Konstruktion von INTELSAT V wurde
die Frequenz-Mehrfachverwendung bereits berücksichtigt, und diese Verwendungsmöglichkeit wurde durch Polarisation noch verdoppelt. INTELSAT VI
ist nun so angelegt, daß, in Verbindung nit noch moderneren Technologien,
seine Kapazität doppelt so groß wie die von INTELSAT V sein wird. Im Rahmen der rasch voranschreitenden Modernisierung spielt auch die digitale
Modulation, durch die sich die Kapazität eines Kanals pro Satelliten-Transponder um das Drei- bis Zehnfache steigern läßt, eine wichtige
Rolle.

Gemeinsame Satellitennutzung
Eine gemeinsame Nutzung einzelner Satelliten trägt viel dazu bei, die
Kosten zu senken. Am bekanntesten ist wohl die Internationale Fernmeldesatelliten-Organisation (INTELSAT). Die von ihr betriebenen 15 Satelliten
im geostationären Orbit dienen 162 Mitgliedstaaten und Benutzern in aller
Welt. Sie bedient die stark in Anspruch genommen transatlantsichen und
traspazifischen Routen, ermöglicht aber ebenso nationale und internationale Verbindungen für "Kleinverbraucher" und in weniger frequentierten

�weniger

frequentierten

Regionen. Darüberhinaus

vermietet

sie Übertra-

gungskapazitäten an derzeit 24 Staaten, vor allem an Entwicklungsländer,
für deren Inlandsbedarf.

Daß regionaler Gemeinschaftsbetrieb die Systeme besser nutzt, stellen
Europa mit EÜTELSAT (mit 24 angeschlossenen Ländern), die PALAPA-Systeme
Indonesiens und ARABSAT unter Beweis. Indien erzielte durch seinen im August 1983 vom Raumtransporter CHALLENGER aus zum geostationären Orbit gestarteten

INSAT-Satelliten

spektakuläre Einsparungen: Mit Aufwendungen

von 130 Millionen Dollar waren Leistungen auf den Gebieten von Telefonund Wetterdienst, Fernsehübertragungen ind Funksendungen s:u den entlegendsten Dörfern zu erzielen, die beim Einsatz von erdgebundenen Systemen
schätzungsweise ein Siebentausendfaches gekostet hätten. Indische Wissenschaftler hatten gemeinsam mit Ford AEROSPACE den Satelliten entwickelt.

Die Bedienung der Fernmeldesatelliten erfordert Fachleute. Seit der
Gründung des USTTI

(U.S. Telecommunications Training Institute) im Jahr

1983 wurden dort 370 Manager und Techniker aus 71 Entwicklungsländern in
den einschlägigen Fachgebieten ausgebildet. Dazu zählen z.B. Hochfrequenz-Funktechnik, Satellitensysteme für die Bedienung ländlicher Gebiete
und der Betrieb von Rundfunk- uind FernsehSystemen. Für die Jahre 1985/86
sind bereits 400 Kandidaten für 27 weitere Kurse vorgemerkt.

* * * * *

�</text>
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                <text>Amerikadienst 04.09.1985</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Reagan will Gorbatschow auf halbem Wege entgegenkommen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Zugang zu sowjetischen Meiden würde den Dialog verbessern -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Reagan würdigt Atomsperrvertrag als historische Leistung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Ansprache des US-Abrüstungsbeauftragten in Genf -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Zugang zu US-Nachrichtensatelliten soll allen Nationen offenstehen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Flexibilität - Schlüssel zu wirtschaftlichem Betrieb -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>W^H

nrormotion
und
Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

11. September 1985

36

INHALT

INFORMATION
Regan kündigt Maßnahmen gegen Südafrika an
- Erklärung des Präsidenten und Schreiben an den Kongress DOKUMENTATION
Dokumentation des Weißen Hauses zur Südafrikapolitik der USA

HINTERGRUND
Die Sandinisten und die Radikalen im Nahen Osten
- Bericht des US-Außenministeriums -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Weltraumplattform für Industrie und Forschung
- Erste Außenstation soll 1989 gestartet werden -

* * * * *

Um Ubei/endung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel-: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�11. September L985

36

REAGAN KÜNDIGT MASSNAHMEN GEGEN SÜDAFRIKA AN
- Erklärung des Präsidenten und Schreiben an den Kongreß -

WASHINGTON -(AD) - Präsident Ronald Reagan hat am 9. September Maßnahmen gegen die Regierung von Südafrika angekündigt, die gegen die
Apartheid abzielen. Reagan unterzeichnete einen Präsidialerlaß, durch den
unter anderem die Lieferung von Computern, Nuklearexporte und Kredite an
die südafrikanische Regierung eingeschränkt werden. Auch die Einfuhr der
südafrikanischen Goldmünze Krügerrand
möglicherweise

in die Vereinigten Staaten soll

unterbunden werden. In einem Schreiben an den Kongreß

unterrichtete der Präsident diesen von den getroffenen Maßnahmen. Die
Politik der südafrikanischen Regierung, so heißt es in dem Schreiben,
"stellt

eine

außergewöhnliche

und

außerordentliche

Bedrohung

der

Außenpolitik und der Wirtschaft der Vereinigten Staaten dar".

Der Präsident betonte anläßlich der Unterzeichnung seines Erlasses,
daß er gegen ein Gesetz des Kongresses über Wirtschaftssanktionen - in
der vorliegenden Form - sein Veto einlegen würde, weil es genau den
Bevölkerungsgruppen

in Südafrika schaden würde, denen die Vereinigten

Staaten helfen wollten. Die von ihm angeordneten Maßnahmen dienten am
besten dem Ziel der Vereinigten Staaten, dort die Apartheid abzuschaffen

und zur Förderung

Hosttacn 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�und zur Förderung von Frieden und Gerechtigkeit im Lande beizutragen.
Die Erklärung des Präsidenten anläßlich der Unterzeichnung des Präsidialerlasses hat folgenden Wortlaut:

Ich möchte heute morgen über Südafrika sprechen - über das, was Amerika tun kann, um dazu beizutragen, Frieden und Gerechtigkeit in jenem so
von rassischen Konflikten geplagten und heimgesuchten Land zu fördern.

Das System der Apartheid bedeutet bewußte, systematische und institutionalisierte rassische Diskriminierung, die der schwarzen Mehrheit ihre
gottgegebenen Rechte verweigert. Die Einstellung Amerikas zur Apartheid
ist einfach und klar: Wir glauben, daß sie falsch ist. Wir verurteilen
sie. Wir sind vereint in der Hoffnung, daß der Tag kommen wird, an dem es
keine Apartheid mehr gibt.

Unser Einfluß auf die südafrikanische Gesellschaft ist begrenzt. Aber
wir haben einigen Einfluß, und die Frage ist, wie wir ihn nutzen. Viele
Mfinschen guten Willens in diesem Lande haben andere Ansichten. Nach meiner Auffassung müssen wir auf friedliche Entwicklung und Reform hinarbeiten. Unser Ziel kann nicht sein, Südafrika mit wirtschaftlichen Sanktionen zu strafen, die nur genau jene Menschen treffen würden, denen wir
helfen wollen.
Ich glaube, daß wir all jenen helfen müssen, die sich friedlich der
Apartheid widersetzen, und wir müssen uns darüber im klaren sein, daß
jene Gegner der Apartheid, die Terror und Gewalt anwenden, nicht Freiheit
und Rettung, sondern noch mehr Leiden und noch größere Chancen für einen
erweiterten sowjetischen Einfluß in Südafrika und in der ganzen Region
bringen werden.

Was wir in Südafrika erleben, ist der Anfang eines Wandlungsprozesses. Die bisherigen Änderungen in der Politk sind unzureichend - aber
ironischerweise genügten sie, um Erwartungen zu wecken und Forderungen
nach

weiterreichendem

sofortigen

Wandel

hervorzurufen.

Es

ist

die

�hervorzurufen. Es ist die wachsende wirtschaftliche Macht der schwarzen
Mehrheit, die sie in die Lage versetzt hat, auf politischem Wandel zu
bestehen.

Südafrika ist kein totalitärer Staat. Es gibt eine heftige Oppositionspresse. Jeden Tag erleben wir deutliche Proteste und Zugang zu den
internationalen Medien, der in vielen Teilen Afrikas - oder im übrigen
auch in der Sowjetunion - niemals möglich wäre. Aber es ist unser aktives
Engagement - unsere Bereitschaft, es zu versuchen -, die uns Einfluß verleiht.

Jawohl, wir in Amerika haben - aufgrund dessen, was wir sind und für
was wir einstehen - Einfluß, um Gutes J:U tun. Wir haben auch gewaltige
Möglichkeiten, die Dinge zu verschlechtern. Bevor wir schicksalsschwere
Schritte unternehmen, müssen wir gut über die entscheidende Frage nachdenken: Tragen wir zur Änderung des Systems bei? Oder strafen wir die
Schwarzen, denen wir helfen wollen?

Seit vielen Administrationen bestand die amerikanische Politik darin,
unseren Einfluß und Hebelkraft gegen die Apartheid und nicht gegen unschuldige Menschen zur Geltung zu bringen, die selbst Opfer der Apartheid
sind.

Wenn wir unserem Erbe treu bleiben wollen, dann dürfen wir nicht
aufgeben, sondern müssen zupacken; unsere Hilfe für das Bildungswesen der
Schwarzen und die Gemeinschaftsentwicklung, die den politischen Dialog
erfordert, ausweiten; die Südafrikaner aller Rassen aufrufen, die Chance
für eine friedliche Anpassung zu nutzen, ehe es zu spät ist.

Ich achte und teile die Ziele, die viele Mitglieder des Kongresses
bewogen
Apartheid

haben, eine Botschaft der
auszusenden. Aber

amerikanischen

wenn wir

das

Besorgnis über die

tun, dann dürfen

wir

das

wirtschaftliche Wohlergehen von Millionen von Menschen in Südafrika und
im südlichen Afrika nicht schädigen. Wenn wir wirklich - wie ich es tue eine

überparteiliche

Basis

des

Konsenses

in

der

Unterstützung

der

�Unterstützung der amerikanischen Politik schaffen wollen, dann ist dies
die Basis, auf der wir aufbauen können.

Deswegen unterzeichne ich heute einen Präsidialerlaß, der ein Paket
von Maßnahmen

aulösen wird, die gegen die Maschinerie der Apartheid

gerichtet sind und ein klares Ziel haben, ohne wahllos jene Menschen zu
bestrafen, die selbst Opfer dieses Systems sind - Maßnahmen, die die
Vereinigten Staaten von der Apartheid distanzieren und uns positiv mit
friedlichem Wandel verbinden werden.

Zu diesem Schreiben gehören:

- ein Verbot aller Computer-Exporte, die mit der Durchsetzung der
Apartheid zu tun haben und an die Sicherheitskräfte;

- ein Verbot des Exportes von nuklearen Gütern oder Nukleartechnologie an Südafrika, außer zur Gewährleistung der Durchführung von Sicherheitsbestimmungen

der

Internationalen

Weiterverbreitung

(von

Kernwaffen)

oder

Atomenergiebehörde
soweit

sie

gegen

die

aus: humanitären

Gründen notwendig sind, um Gesundheit und Sicherheit zu schützen;,

- ein Verbot von Anleihen an die südafrikanische Regierung, außer
bestimmten Krediten, die die wirtschaftlichen Chancen oder Bildungs-,
Wohnungs- und Gesundheitseinrichtungen betreffen, die Südafrikanern aller
Rassen zugänglich sind.

Ich werde ferner den Außenminister und den Vertreter der Vereinigten
Staaten für Handelsfragen anweisen, sich mit unseren wichtigen Handelspartnern bezüglich des Verbotes der Einfuhr von Krügerrands zu konsultieren. Ich werde auch den Finanzminister anweisen, mir innerhalb von 60
Tagen über die Durchführbarkeit der Prägung einer amerikanischen Goldmünze zu berichten, die

für unsere Münzsammler

eine Alternative zum

Krügerrand darstellen würden.

Ich

möchte

die

�Ich möchte die laufenden Tätigkeiten unserer Regierung und privater
amerikanischer Bürger ermutigen, den Lebensstandard der schwarzen Mehrheit in Südafrika zu heben. Der Sullivan-Kodex - von einem geachteten
schwarzen Geistlichen aus Philadelphia, Reverend Leon Sullivan, ausgearbeitet - hat die höchsten Normen für die Behandlung von Arbeitskräften
für fortschrittliche Arbeitgeber in ganz Südafrika aufgestellt. Ich rufe
alle amerikanischen Unternehmen auf, sich an diese Normen zu halten, und
ich habe den amerikanischen Botschafter in Südafrika angewiesen, alle nur
möglichen Anstrengungen zu unternehmen, die Unternehmen, die sie - die
Sullivan-Prinzipien - noch nicht eingeführt haben, dies zu tun.

Darüber

hinaus wird

mein

Präsidialerlaß jegliche Exporthilfe für

amerikanische Firmen in Südafrika verbieten, die mehr als 25 Personen
beschäftigen und sich nicht bis Ende dieses Jahres an die umfassenden
Prinzipien für die faire Behandlung von Arbeitskräften halten, die im
Erlaß dargelegt sind.
Ich habe weiter den Außenminister angewiesen, die Mittel wesentlich
zu erhöhen, die wir als Stipendien für Südafrikaner bereitstellen, die
durch die Apartheid benachteiligt sind, sowie der Mittel, die unsere
Botschaft einsetzt, um Menschenrechtsprogramme in Südafrika zu fördern.

Und schließlich habe ich Außenminister Shultz angewiesen, einen Beratungsausschuß prominenter

Amerikaner

einzusetzen, um Empfehlungen

für

Maßnahmen auszuarbeiten, um den friedlichen Wandel in Südafrika zu ermutigen. Der Beratungsausschuß soll seinen ersten Bericht innerhalb von
12 Monaten vorlegen.

Ich bin überzeugt, daß die heute von mir verkündeten Maßnahmen unsere
Ziele am besten fördern werden. Wenn der Kongreß mir die Gesetzesvorlage
in der vom Vermittlungsausschuß gebilligten Form zur Unterzeichnung vorlegen sollte, dann wäre ich gezwungen, mein Veto einzulegen. Das braucht
nicht zu geschehen, ich möchte mit dem Kongreß zusammenarbeiten, um die
überparteiliche Unterstützung der amerikanischen Politik gegenüber

�Politik gegenüber Südafrika zu fördern. Aus diesem Grunde habe ich heute
diesen Präsidialerlaß unterzeichnet.

Vor

drei

Monaten

habe

ich

unseren

Botschafter

in

Südafrika

zu

Konsultationen zurückberufen, damit er an der intensiven Überprüfung der
Lage im südlichen Afrika teilnehmen konnte, die wir durchgeführt haben.
Ich sende ihn jetzt wieder zurück mit einer Botschaft an Staatspräsident
Botha, in der unsere schweren Bedenken hinsichtlich der gegenwärtigen
Krise unterstrichen werden und die das enthält, was nach unserer Beurteilung notwendig ist, um das Vertrauen nach außen wiederherzustellen und im
eigenen Land von der Konfrontation zu Verhandlungen zu gelangen. Diese
Probleme Südafrikas sind nicht über Nacht entstanden, und sie werden
nicht über Nacht gelöst werden können, aber es ist keine Zeit zu verlieren. Sich aus diesem Drama zurückzuziehen - oder gar die Flammen zu
schüren -, wird weder unseren Interessen noch den Interessen des südafrikanischen Volkes dienen.

Wenn sich alle Amerikaner hinter ein gemeinsames Programm stellen,
dann können wir umso mehr Einfluß zum Guten iiusüben. Wollen wir also mit
klarer Sicht und offenem Herzen voranschreiten und für Gerechtigkeit und
Brüderlichkeit und Frieden arbeiten.

Das Schreiben des Präsidenten an den Kongreß hat folgenden Wortlaut:
Gemäß Artikel 204 (b) des Gesetzes über Vollmachten bei einem internationalen Wirtschaftsnotstand, 50 U.S.C. 1703 (b) informiere ich hiermit
den Kongreß darüber, daß ich meine gesetzliche Vollmacht zu der Erklärung
genützt habe, daß die Politik und die Handlungen der Regierung von Südafrika eine außergewöhnliche und außerordentliche Bedrohung der Außenpolitik und der Wirtschaft der Vereinigten Staaten darstellen sowie zu der
Ausrufung eines nationalen Notstandes, um dieser Bedrohung zu begegnen.

Gemäß dieser und anderer gesetzlicher Vollmachten habe ich bestimmte

�habe

ich

bestimmte

Transaktionen

-

einschließlich

der

folgenden

verboten:

(1) Gewährung

oder

Genehmigung

von Bankkrediten

an die

südafrika-

nische Regierung - mit bestimmten enggefaßten Ausnahmen;

(2) den Export von Computern und verwandten Gütern bzw. Technologien
an bestimmte Regierungsstellen und alle mit der Durchsetzung der Apartheid befaßten Dienststellen der südafrikanischen Regierung;

(3) alle Nuklearexporte sowie verwandte Transaktionen nach Südafrika
- mit bestimmten enggefaßten Ausnahmen;

(4) die Einfuhr von in Südafrika hergestellten Waffen, Munition oder
Militärfahrzeugen in die Vereinigten Staaten; und

(5) Verlängerung der Absatzhilfen an US-Unternehmen in Südafrika, die
mehr als 25 Beschäftigte haben und sich nicht an bestimmte faire Gewerkschaftsmaßstäbe halten.

Außerdem habe ich

(6)

den

Handelsfragen

Außenminister
angewiesen,

und
die

den

amerikanischen

Repräsentanten

anderen Vertragsparteien

des

für

Allgemeinen

Zoll- und Handelsabkommens in der Absicht zu konsultieren, den Import des
Krügerrand zu verbieten;

(7) den Finanzminister angewiesen, innerhalb von 60 Tagen eine Studie
hinsichtlich der Möglichkeit fertigzustellen, amerikanische Goldmünzen zu
prägen;

(8) den Außenminister angewiesen, die notwendigen Schritte zur Erhöhung der Mittel zu unternehmen, die als Stipendien für diejenigen in Südafrika zur Verfügung stehen, die durch das System der Apartheid benachteiligt sind und die Mittel zu erhöhen, die dem Menschenrechtsfonds für
Südafrika zugeteilt sind;

(9)

den

Außenmnister

�(9) den Außenmnister angewiesen, einen Beratungsausschuß ins Leben zu
rufen, der Empfehlungen hinsichtlich von Maßnahmen aussprechen soll, die
zu einem friedlichen Wandel in Südafrika ermutigen.

Schließlich belohnt dieser Erlass

(9) die Bemühungen jener amerikanischen Unternehmen in Südafrika, die
sich freiwillig an die Prinzipien gerechter Beziehungen zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer und der Nichtdiskriminierung halten und fordert
alle amerikanischen Unternehmen auf, ein Gleiches zu tun.

Ich füge eine Kopie des Präsidialerlasses bei, den ich mit Abgabe
dieser Erklärung und Ausübung meiner Amtsgewalt verkündet habe.

1. Ich habe diese Schritte in Reaktion auf die derzeitige Lage in
Südafrika verfügt. Es gehört zur Außenpolitik der Vereinigten Staaten,
friedlichen Wandel in Südafrika anzustreben und hierbei insbesondere ein
Ende der widerlichen Praxis und Politik der Apartheid sowie die Bildung
einer

Regierung, die sich auf Zustimmung der Regierten gründet. Die

jüngsten Entwicklungen in Südafrika haben schwerwiegende Auswirkungen auf
die Aussicht auf friedlichen Wandel und auf Stabilität in der Region als
Ganzes - einer Region von strategischer Bedeutung für die Vereinigten
Staaten. Die vor kurzem erfolgte Ausrufung des Notstandes in 36 Verwaltungsbezirken durch die Regierung von Südafrika, die Massenfestnahmen und
-Verhaftungen sowie die darauffolgende Finanzkrise sind für die Außenpolitik

und die Wirtschaft der Vereinigten Staaten von unmittelbarer

Besorgnis. Das Tempo der Reform in Südafrika hat weder die Erwartungen
der

Staatengemeinschaft

noch

der Menschen

in Südafrika erfüllt. Die

jüngsten Maßnahmen der Regierung hinsichtlich von Verhandlungen über die
Beteiligung aller Südafrikaner an der Regierung dieses Landes haben nicht
in ausreichendem Maß die Spannungen abgebaut und dürften sogar die Lage
noch verschärft haben.

Es ist meiner Meinung nach unter derlei Umständen für dieses Land

�für dieses Land notwendig, zu der Einsicht zu gelangen, daß unsere Außenpolitik, die einen Wandel durch friedliche Mittel anstrebt, ernsthaft
gefährdet ist. Damit dieses Land erfolgreich die Ereignisse in jenem Land
beeinflussen kann, ist es für die Vereinigten Staaten notwendig, mit
einer Stimme zu sprechen und dadurch unsere Opposition zur Apartheid zu
demonstrieren, daß wir bestimmte Maßnahmen ergreifen, die speziell auf
die wichtigsten Aspekte der Politik der Apartheit und der mit ihrer
Durchführung befaßten Regierungsstellen abzielen.

2. Die oben dargelegten Maßnahmen, von denen viele auch die Überlegungen des Kongresses widerspiegeln, werden der südafrikanischen Regierung rasch den Ernst unserer Besorgnisse hinsichtlich der Lage in diesem
Land klarmachen. Zudem mobilisiert diese Erklärung den Einfluß des Privatsektors

zur

Schaffung

von mehr wirtschaftlichem Wohlergehen, mehr

Freiheit und mehr politischem Einfluß der Schwarzen und der anderen
Nichtweißen in Südafrika.

1985(Gezeichnet) RONALD REAGAN

* * * * *

- 9-

�11. September 1985

36

DOKUMENTATION DES WEISSEN HAUSES ZUR SUDAFRIKAPOLITIK DER USA

WASHINGTON - (AD) - Die folgende Dokumentation, am 9. September 1985
vom Weißen Haus herausgegeben, beschreibt die von Präsident Reagan in
einem Präsidialerlaß angekündigten Maßnahmen gegen die Apartheid in Südafrika:

—

Der Präsident sendet der südafrikanischen Regierung ein deutliches

Signal: Die Apartheid muß verschwinden; jetzt ist die Zeit für mutige
Schritte gekommen; diese Schritte unterstreichen seine starke Führung in
dieser Frage.

—

Die amerikanische Politik umfaßt schon seit langem Maßnahmen, die

uns von der Apartheid distanzieren.
—

Die Aktionen stehen in Einklang mit der Absicht des Präsidenten,

beim Drängen auf Wandel in Südafrika aktiv Präsenz und Einfluß auf amerikanische Unternehmen, Kirchen, Lehrer und Diplomaten aufrechtzuerhalten.

—

Der

Präsident

Postfach 20 03 00 Tel.:0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�—

Der Präsident teilt die Sorge des amerikanischen Volkes über den

Rassismus; seine Maßnahmen haben den Zweck, für die ganze Nation zu sprechen und das amerikanische Volk bei dieser wichtigen Frage einig zu
wissen.

—

Die Maßnahmen des Präsidenten wurden nicht in der Absicht ge-

troffen, der südafrikanische Wirtschaft zu schaden und damit jenen, denen
wir

zu

helfen

suchen; sie

zielen

auf

ganz

bestimmte

Elemente

des

Regierungsapparates.

—

Der Präsident will mit dem Kongreß auf überparteilicher Basis zu-

sammenarbeiten, um positive und produktive Änderungen in der Politik der
südafrikanischen Regierung zu bewirken.

—

Der Präsidialerlaß verpflichtet die Vereinigten Staaten dazu, eine

starke Präsenz in Südafrika aufrechtzuerhalten, unterstützt faire Beschäftigungspraktiken amerikanischer Unternehmen, erhöht die Mittel der
amerikanischen Regierung für Stipendien und Aktivitäten im Bereich der
Menschenrechte.
—

Der Präsidialerlaß verbietet es

amerikanischen Banken, der süd-

afrikanischen Regierung Darlehen zu gewähren - mit der Ausnahme von Darlehen, die das Wohlergehen aller Südafrikaner fördern würden.

—

Der Präsidialerlaß verbietet alle Exporte von Computern an mili-

tärische, polizeiliche und andere, die Apartheid durchsetzende, behördliche Stellen.
—

Der

Präsidialerlaß verbietet amerikanische Nuklearexporte nach

Südafrika, mit der Ausnahme von Produkten, die für Gesundheit und Sicherheit sowie für Sicherheitsprogramme der Internationalen Atomenergiebehörde benötigt werden.

Der

Präsidialerlaß

�—

Der Präsidialerlaß verpflichtet die Unternehmen, sich an Prin-

zipien zu halten, die jenen des freiwilligen Sullivan-Programms ähnlich
sind; Ziel ist es, Freiwilligkeit zu ermöglichen, doch denen Handelshilfen der amerikanischen Regierung zu verweigern, die sich nicht hieran
halten.

—

Der Präsidialerlaß fordert von der amerikanischen Regierung Kon-

sultierung ihrer GMT-Partner bezüglich eines Verbotes des Krügerrand.

—

Der Präsidialerlaß fordert den Finanzminister auf, die Möglichkeit

der Prägung und Ausgabe von eigenen Goldmünzen zu untersuchen.

—

Der Präsidialerlaß weist den Außenminister an, einen Beratungsaus-

schuß prominenter amerikanischer Bürger ins Leben zu rufen, der Empfehlungen hinsichtlich Maßnahmen geben kann, durch die friedlicher Wandel in
Südafrika ermutigt wird.

—

Der Präsidialerlaß wird die von den Vereinigten Staaten unter-

stützte Resolution der Vereinten Nationen
südafrikanischer Waffen ausführen.

- 3 -

über ein Verbot von Importen

�11. September 1985

36

DIE SANDINISTEN UND DIE RADIKALEN IM NAHEN OSTEN
- Bericht des US-Außenministeriums -

WASHINGTON -(AD) - Die Untergrundverbindungen der Sandinisten in Nicaragua zu der Palästinensischen Befreiungsorganisaton PLO gehen bis auf
das Jahr 1969 - also zehn Jahre vor die Machtergreifung der Sandinisten
in Managua - zurück. Dies geht aus einem Bericht des amerikanischen Aussenministeriums hervor, der am 3. September 1985 veröffentlicht wurde.
Der Bericht stützt sich auf Presseveröffentlichungen von Experten sowie
auf Studien unabhängiger amerikanischer Stiftungen, die sich mit nahöstlichen und lateinamerikanischen Angelegenheiten befassen. Danach wurden
Mitglieder der Sandinistischen Nationalen Befreiungsfront (FSLN) bereits
1969 in Ausbildungslagern der PLO und Kubas im Libanon und in Libyen als
Terroristen geschult. V7eiter werden Verbindungen zu der baskischen Terrororganisation ETA, der Roten Armeefraktion und den italienischen Roten
Brigaden nachgewiesen. Nachdem sie in Nicaragua an die Macht gekommen waren, versorgten die Sandinisten Radikale und Terroristen aus dem Nahen
Osten, Lateinamerika und Europa mit falschen Pässen, um ihre Untergrund-

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D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�ihre Untergrundtätikgeit zu erleichtern.

Der Bericht des amerikanischen Außenministeriums hat folgenden Wortlaut: (Fußnoten am Ende)

EINLEITUNG

Analytiker der Außenpolitik und der Medien haben Beziehungen der Sandinisten zu den Kubanern und den Sowjets sowie eine Abhängigkeit der Sandinisten von Unterstützung, Waffen und Beratern aus dem Ostblock festgestellt. Dieses Beziehungen sind unbestreitbar den Interessen der Vereinigten Staaten und der westlichen Hemispäre abträglich. Dieser Bericht
geht jedoch auf einen anderen, allerdings damit in einem Zusammenhang
stehenden Aspekt der Politik der Sandinisten ein:

die Beziehungen zwischen den Sandinisten und radikalen Gruppen und
Staaten im Nahen Osten, einschließlich terroristischer Elemente, die von
diesen Gruppen und Staaten unterstützt werden. Ihre Verbindungen zur PLO
bestanden bereits über zehn Jahre vor der Revolution in Nicaragua. Libyen
hat den Sandinisten vor und nach der Revolution Unterstützung zukommen
lassen - zunächst mit der oder durch die PLO und später durch eigene Vereinbarungen mit der sandinistischen Regierung. In jüngerer Zeit haben die
Sandinisten engere Beziehungen zum Iran hergestellt.

Die Beziehungen zwischen den Sandinisten und Radikalen im Nahen Osten
sind das Ergebnis jahrelanger, sorgfältig ausgebauter Kontakte zwischen
radikalen Kräften in Mittelamerika und im Nahen Osten. Der Bericht beschreibt, wie die Verbindungen zustande kamen, die gegenseitige Unterstützung, die sich die PLO und die FSLN geleistet haben und die Beziehungen der Sandinisten zu Libyen und dem Iran.

ERSTE KONTAKTE:

�ERSTE KONTAKE: AUSBILDUNG UND WAFFEN

Das internationale Debüt der PLO fand 1966 in Havanna auf der Ersten
Konferenz der Organisation der Solidarität der Völker Asiens, Afrikas und
Lateinamerikas

statt

(auch

bekannt

als Drei-Kontinente-Konferenz).

Auf dieser Konferenz brachte Fidel Castro 500 Delegierte radikaler linker
Grupen aus der ganzen Welt zusammen, um eine Strategie für die sogenannte
(2)
globale revolutionäre Bewegung
zu entwickeln.

Die Ergebnisse dieser Konferenz begannen sich bald abzuzeichnen. In
den Monaten nach der Konferenz entstanden in verschiedenen Ländern Guerilla-Ausbildungslager, vor allem in Kuba, in der Sowjetunion, im Libanon
(3)
und in Libyen.
Zu den ersten, die in den kubanischen und sowjetischen Lagern ausgebildet wurden, gehörten dank der auf der Drei-Kontinen(4)
te-Konferenz entwicklten
engen Beziehungen auch Mitglieder der PLO.

Die Ausbildungskurse
Monate

und

schlössen

Sprengkörpern auch

in diesen Lagern dauerten

neben der

im allgemeinen sechs

praktischen Ausbildung mit Waffen und

ideologische Indoktrination ein. Diese Indoktrination

war nach den Theorien von Marx, Lenin und Stalin ausgerichtet. Zu den
vermittelten Themen gehörten "Die Beziehungen Rußlands zur Dritten Welt",
"Der Kampf gegen den Imperialismus", "Der Sowjetische Beitrag zur Befreiung der Palästinenser", "Die Verbindung des Zionismus zum Imperialismus"
und

"Die reaktionäre Natur Nordjemens und Saudi-Arabiens". Zur prakti-

schen Ausbildung gehörte unter anderem die Sprengung von Munitionslagern,
Brücken

und Fahrzeugen, das Verlegen von Landminen, Grundausbildung

biologischer

und

chemischer

Kriegsführung,

Scharfschießen

und

in

Tarnung,

taktischer Einsatz im Gelände sowie der Einsatz und die Wartung sowjeti(5)
sehen Geräts, wie Raketen und tragbare Raketenwerfer.

Nach bestandenen Lehrgängen gründeten die PLO-Terroristen eigene Ausbildungslager für Terroristen - zunächst im Libanon und später in Libyen.
Zu den

im Libanon ausgebildeten Nicaraguanern soll nach Berichten auch

Tomas Borge, der Innenminister und einer der neun Kommandanten des FSLN-Direktorats gehören.
Der Vertreter der

�Der Vertreter der Sandinisten, Benito Escobar, vereinbarte mit drei
Vertretern der PLO - auch schon 1969 - in Mexiko-Stadt eine gemeinsam von
der PLO und Kubanern durchgeführte Ausbildung im Libanon für ein Kontin(7)
gent von 50 bis 70 Sandinisten.
Später wurden weitere Grupen von
(8)
Sandinisten in PLO-Lager in Libyen geschickt.

Der derzeitige Stellvertretende Innenminister Rene Vivas, der verstorbene Minister

für das Fernmeldewesen, Enrique Schmidt, und Henry

Ruiz, Minister für Zusammenarbeit mit dem Ausland, wurden gleichfalls in
den Jahren 1969-70 von der PLO ausgebildet.

BETEILIGUNG DER SANDINISTEN AM TERRORISMUS DER SIEBZIGER JAHRE IM NAHEN
OSTEN
Die Investitionen in die Ausbildung von Nicaraguanern trugen für die
PLO unmittelbare Früchte. Als die PLO und ihre radikalen Gruppen, wie die
Volksfront für die Befreiung Palästinas (PFLP) im Jahre 1970 versuchten,
König

Hussein

von

Jordanien

zu

stürzen,

nahmen

auch

von

der

PLO

ausgebildete Sandinisten an dem Umsturzversuch teil.

Eine gemeinsame Operation der PLO und der Sandinisten wurde in einem
Interview des Sprechers der Sandinisten, Jorge Mandi, mit einer kuwaitischen Zeitung angesprochen: "Eine Gruppe von Sandinisten nahm an der Operation teil, um vier Flugzeuge zu entführen, die die PFLP erobert hatte
und auf einem WUstenflugplatz in Joradanien bereithielt. Einer unserer
Kameraden wurde bei einer weiteren EntfUhrungsaktion verwundet, an der
Leila Khaled teilnahm. Sie befehligte die Operation und unsere Kameraden
halfen ihr bei der Durchführung. Viele der Einheiten der Sandinistischen
Bewegung befanden sich auf Revolutionsstützpunkten der Palästinenser in
Jordanien.... Nicaraguanisches und palästinensisches Blut wurden bei den
Kämpfen des 'Schwarzen September' in Amman und anderswo gemeinsam vergossen"

. Bei der von Mandi angesprochenen "Entführungsoperation" han-

delte es sich um die Entführung eines Flugzeuges der Fluggesellschaft El

�Fluggesellschaft El AI auf dem Weg von Tel Aviv nach London am 6. September 1970.

Bei diesem Entführungsversuch wurde der Sandinist Patrick
(12)
Arguello getötet. Er war in einem PLO-Lager ausgebildet worden.
Arguello wird heute von den Sandinisten als Held verehrt und ein großer, im
Bau befindlicher Damm wird nach ihm benannt.

In diesem Zeitraum war nach Berichten Tomas Borge, einer der Gründer
der FSLN, der Hauptkontaktmann zwischen den Sandinisten und der PLO. Borge wurde in Damaskus und Beirut zu einer bekannten Figur, nicht nur, weil
er im Auftrag der Sandinisten reiste, sondern auch im Auftrag von Fidel
Castro. Borge war offensichtlich Anfang der siebziger Jahre so etwas wie
der Gesandte im Nahen Osten, weil er gute Beziehungen zur PLO hatte und
(13)
in diesem Gebiet ausgebildet worden war.

So begann die Symbiose zwischen den Sandinisten und der PLO. Von der
PLO erhielten die Sandinisten Ausbildung im Guerillakrieg sowie die Chance, ihre Fähigkeiten bei terroristischen Akten der PLO, wie etwa Flugzeugentführungen und im Kampf gegen König Hussein in Jordanien praktisch
zu erproben. Die PLO wurde von den Sandinisten bei Operationen unterstützt, die weltweit Schlagzeilen machten und zahllosen anderen Terroristen als Beispiel dienten.

DIE SANDINISTISCHE REVOLUTION UND DIE PLO-BETEILIGUNG IN DEN SIEBZIGER
JAHREN
Die in den PLO-Lagern im Nahen Osten ausgebildeten Sandinisten gewannen einen weiteren Vorteil, der genauso wertvoll war wie ihre Guerilla(14)
ausbildung: Kontakte zu Quellen an Hilfe und Waffen.
Auch hier war
Tomas Borge einer der Hauptvermittler, wenn es galt, Hilfe und Waffen zu
organisieren. In seiner doppelten Tätigkeit als Verbindungsmann zur PLO
und als Gesandter Castros konnte er eine Vielzahl von Kontakten im radikalen Nahen Osten herstellen, die ihm bei der Vorbereitung der sandinist ischen Revolution gute Dienste leisteten.

Borge

benutzte

�Borge benutzte die Hilfe der PLO, um Waffen aus Nordkorea und Vietnam
für die Sandinisten zu erlangen. Ein Teil dieser Waffen wurde mit liby(15)
schem Geld bezahlt.
. Nach Berichten kamen auch Nachschub- und Waffenlieferungen von der PLO selbst.
Im Juli 1979 wurde eine Flugzeugladung bei einer Zwischenlandung in Tunis abgefangen. Das von der PLO
gecharterte Flugzeug, das angeblich Medikamente aus Beirut für nicaraguanische Flüchtlinge transportierte, hatte in Wirklichkeit 50 Tonnen Waffen, darunter eine Flugabwehrkanone an Bord. Die tunesische Regierung
(17)
verweigerte den Weitertransport.

Gleichzeitig erhielten die Beziehungen der Sandinisten zu den radikalen Elementen der PLO formellere Gestalt. Benito Escobar, der früher Vereinbarungen mit der PLO für die Ausbildung von Sandinisten in PLO-Lagern
getroffen hatte, traf im Februar 1978 in Mexiko-Stadt mit Issam Ali, dem
Verbindungsmann der PLO in Lateinamerika und Mitglied der Demokratischen
Front für die Befreiung Palästinas (DFLP), zusammen. Die PLO und die Sandinisten veröffentlichten am 5. Februar 1978 ein gemeinsames Kommunique,
in dem sie "die Bande der Solidarität" bekräftigten, "die zwischen den
(18)
beiden revolutionären Organisationen bestehen".
Auf dieses Kommunique folgte am 6. März 1978 eine gemeinsame DFLP-FSLN-Erklärung, die eine
gemeinsame Kriegserklärung an "den Yankee-Imperialismus, das rassistische
(19)
Regime in Israel" und an die Regierung von Nicaragua enthielt.
Die Beziehungen zwischen der PLO und den Sandinsiten wurden im Jahre
1978 und Anfang 1979 immer enger, wobei eine wesentliche Unterstützung
von Libyen kam.

Im Jahre 1979 lud Ghaddafi die Führer der mittel-

amerikanischen Guerilla-Gruppen, einschließlich der Sandinisten, zu einem
Treffen in Bengasi ein, auf dem er ihnen finanzielle und politische Un(21)
terStützung zusicherte.

REVOLUTIONARE SOLIDARITÄT: MILITÄRISCHE UND WIRTSCHAFTLICHE BINDUNGEN
Kurz nach ihrer Machtübernahme belohnten die Sandinisten die PLO für
deren Hilfe bei ihrer Revolution durch Gewährung einer Beziehung "von Re-

�"von Regierung zu Regierung", wie es eine solche bis dahin noch nicht gegeben hatte. (22) In den meisten Ländern war der PLO bestenfalls die Eröffnung eines "Büros" gestattet worden; in Managua durfte sie eine "Botschaft" einrichten, deren oberster Repräsentant den Titel

"Botschafter"

trägt. Dem PLO-Botschafter

und seinem Mitarbeiterstab wurden die vollen
(23)
diplomatischen Privilegien zuerkannt.

Im Juli

1980 kam Jassir Arafat zu einem viertägigen

"Staatsbesuch"

nach Nicaragua, um die vollen diplomatischen Beziehungen zwischen der nicaraguanischen Regierung und der PLO auch formell zu bekräftigen. Am 22.
Juli pries Arafat auf einem Empfang, der ihm zu Ehren gegeben wurde, "die
strategischen

und militärischen

der palästinensischen

Bindungen

zwischen

den Sandinisten

Revolution." Innenminister Borge antwortete:

und
"Die

Bindungen zwischen uns sind nicht neu. Deine Genossen kamen nicht nur zur
Ausbildung in unser Land, sondern auch zum Kampf. Eure Feinde sind unsere
(24)
Feinde."
Arafat ging am gleichen Tag im Verlauf eines Interviews
mit Radio Sandino auf dieses Thema ein: "Der Sieg des nicaraguanischen
Volkes ist der Sieg der Palästinenser... Die Freiheit

in Nicaragua ist

die gleiche wie in Palästina... Deshalb ist der einzige Weg verstärkter
Kampf gegen Imperialismus, Kolonialismus und Zionismus." Er beschloß das
Interview mit der Wiederholung: "Gemeinsam gegen Imperialismus, Koloni(25)
alismus und Zionismus."
In einer Rede in der Cesar-Augusto-Silva-Halle

(gleichfalls am 22. Juli) erklärte Arafat, umgeben von Borge und

einigen der neun Komandanten: "Jeder, der Nicaragua bedroht, wird die palästinensischen Kämpfer gegen sich haben."v

Arafats

Hinweis

auf

"strategische

und

'

militärische

Bindungen"

war

nicht nur diplomatische Höflichkeit. Kurz nach seinem Besuch in Nicaragua
schickte er Hauptmann Mutglag Hamadan von der PLO als Chef eines Kontingents von 25 Militärtechnikern
brauch

von Waffen

zur Einweisung der Sandinisten beim Ge(27)
aus dem Ostblock.
im November 1980 stellte die

PLO den Sandinisten ein Darlehen von 12 Millionen Dollar zur VerfU(28)
gung.
Im Januar 1981 wurde eine Gruppe von PLO-Piloten nach Nicaragua geschickt, um den Sandinisten beim Einsatz von Hubschraubern und
(29)
Transportflugzeugen zu helfen.
Seit Mai 1981 war die PLO tief in
- 7 -

�PLO tief in Aktivitäten der Militär- und Guerillaausbildung in Nicaragua
verwickelt.

Berichte Mitte des Jahres 1982 signalisierten, daß PIX&gt;

-Offiziere an spezieller Guerillaausbildung in Nicaragua beteiligt wa-»
(31)
ren.v ' Obgleich der Zusammenbruch der Machtbasis der PLO im Libanon
im Jahr 1982 die Möglichkeiten der PLO verringerte, selbst aggressiv tätig zu sein und radikale Regime und Bewegungen in der ganzen Welt zu finanzieren, dauerten Präsenz, Ausbildung und andere Aktivitäten der PLO in
Nicaragua an.

Die antizionistische Rhetorik der Sandinisten, ihre engen Beziehungen
zu radikalen arabischen Gruppen sowie ihre Anstrengungen, Gesellschaft
und Wirtschaft Nicaraguas nach dem Muster marxistisch-leninistischer Rezepte zu organisieren, trugen dazu bei, daß fast die gesamte jüdische Gemeinschaft Nicaraguas bis 1981 das Land verlassen hatte.

DIE SANDINISTEN UND LIBYEN

Zwar hatte die PLO als Vermittler dabei geholfen, die ersten Beziehungen zwischen den Sandinisten und der libyschen Regierung zu entwikkeln, doch hatten diese zum Zeitpunkt ihrer Machtergreifung im Jahr 1979
schon enge direkte Beziehungen zu dem Regime Ghaddafis hergestellt. (33)
Bei der Zusammenarbeit mit Libyen waren Tomas Borge und Bauminister Moises Hassan die herausragenden Gestalten. Beide spielten eine entscheidende Rolle, als es darum ging, 1981 ein Darlehen in Höhe von 100 Millionen
Dollar zu erhalten. Borge unternahm Ende 1980 eine Reise nach Libyen, die
in der Öffentlichkeit nicht bekannt wurde, um die Vereinbarungen für ein
Darlehen abzuschließen und über das libysche Angebot zu sprechen, in Nicaragua gemeinsam in der Landwirtschaft tätig zu werden.

Am 20. Juni 1981 begingen die Sandinisten in Managua glanzvoll den
11. Jahrestag jenes Momentes, da Ghaddafi die Luftwaffenstützpunkte der
Vereinigten Staaten auf libyschem Territorium geschlossen hatte. Das JunT
tamitglied Sergio Ramirez erklärte während der öffentlichen Feier in seiner Rede: "Die Bindungen zwischen dem libyschen und dem nicaraguanischen

�dem nicaraguanischen Volk sind nicht neu, sondern wurden nur noch verstärkt, als die Sandinistische Front auf dem Schlachtfeld kämpfte, um die
Freiheit für unsere Heimat zu erringen. Die Solidarität mit dem libyschen
Volk, der libyschen Regierung und mit Genosse Muammar Ghaddafi zeigte
sich immer wieder auf das Deutlichste. Diese Solidarität wurde seit dem
Triumph unserer Revolution nur noch realer, noch wirksamer und noch brü(35)
derlicher."
Der Repräsentant des libyschen "Volksbüros" (wie ihre
Botschaften genannt werden), Ibrahim Mohammed Frahat, gab diese Komplimente bei seiner Antwort an Borge in Anspielung auf Libyens "besondere
Freundschaft" zurück.
Wie bei der PLO war auch Libyens Unterstützung der Sandinisten nicht
rein wirtschaftlich. Die Libyer haben auch Waffen an die Sandinisten geliefert. Eine große Waffenlieferung wurde im April 1983 in Brasilien aufgedeckt. Vier libysche Flugzeuge waren aus technischen Gründen in Brasilien zwischengelandet. Die Besatzung behauptete, die Flugzeuge transportierten medizinische Güter nach Kolumbien. Die Brasilianer wurden mißtrauisch, als die Piloten keine Ladepapiere vorweisen konnten. Die Flugzeuge wurden von mißtrauischen brasilianischen Behördenvertretern durchsucht; sie fanden rund 84 Tonnen Waffen, Munition und andere militärische
Ausrüstung. Berichten zufolge enthielten die Flugzeuge - drei davon sowjetischer Bauart -: zwei zerlegte Kampfflugzeuge, ferngesteuerte Raketen,
Gewehre, Maschinengewehre, Mörser, Panzerfäuste, 90 mm-Geschütze, acht
Raketenstartgeräte zum Mehrfacheinsatz, fünf Tonnen Bomben, acht Flugabwehrkanonen, 600 leichte Artillerieraketen sowie weitere Kisten mit nicht
(37)
spezifiziertem militärischem Gerät.
Dabei war dies nur eine aus
einer ganzen Reihe von Lieferungen militärischesr Güter an die Sandini(38)
sten.v
Die erste Reaktion der Sandinisten auf die Aufdeckung dieser Waffenlieferung war fast genauso erwähnenswert wie die Lieferung selbst. Der
nicaraguanische Botschafter

in Brasilien, Ernesto Gutierrez, erklärte:

"Es war ein Geschenk unserer libyschen Genossen, aber ich weiß nicht, was
„(39)
es war."

Später
- 9 -

gestand

�Später

gestand

Nationalrates und

Rafael

Solis, damals

Sekretär

des

Nicaraguanischen

inzwischen Abgeordneter der FSLN bei der Nationalver-

sammlung, daß die Waffen für die sandinistische Armee bestimmt waren. Er
fügte hinzu, man solle nicht überrascht darüber sein, daß die sandinistische Regierung Waffen aus Libyen und den Staaten des Sowjetblocks erhielt; außerdem betonte er, solche Beziehungen zum Zweck der Waffenversorgung würden in Managua offen diskutiert. Auf die Frage, warum die Lieferung unter dem Etikett "Medizinische Güter" lief, erklärte Solis, hierauf müßten die Libyer eine Antwort geben.

'Ghaddafis Antwort war, daß

die Flugzeuge tatsächlich Waffen nach Nicaragua transportiert hätten und
er sich für alle Probleme entschuldige, die dieser Vorfall den brasilianischen Behörden verursacht habe.

Berichten zufolge hatten libysche Piloten und Mechaniker auch mit der
(42)
Ausbildung von Sandinisten zu tun.

DIE ACHSE SANDINISTEN-IRAN-LIBYEN

In der letzten Zeit hat sich das Verhältnis zwischen Libyen und Nica(43)
ragua sowohl in Worten als auch in Taten verdichtet.
So vertrat zum
Beispiel Tomas Borge am 1. September 1984 die sandinistische Regierung
zum 15. Jahrestag des Sturzes des libyschen Königs Idris durch Ghaddafi
(ein Ereignis, das von prominenten gemäßigten arabischen Führern

igno-

riert wurde). Ghaddafi erklärte unter Hinweis auf die Anwesenheit Borges:

"Die Kämpfer, die Waffen und die Unterstützung Libyens für das nicaraguanische Volk kamen dorthin, weil man dort mit uns kämpft. Sie bekämpfen
(44)
Amerika auf eigenem Boden."'
Ghaddafis Anspielung auf die "Kämpfer"
kann wörtlich genommen werden, da es Berichte gibt, denen zufolge Libyer
die Sandinisten im Kampf gegen den bewaffneten demokratischen Widerstand
unterstützen und auch als Berater und Ausbilder von Piloten dienen.

Auch die Wirtschaftsbeziehungen

zwischen Libyen und der sandinisti-

schen Regierung bestehen fort. Am 16. Januar 1985 kündigten die Sandinisten ein Handelsabkommen über libysches Erdöl an. Dieses Abkommen beläuft
- 10 -

�Abkommen beläuft sich auf 15 Millionen Dollar.

Die Beziehungen Nicaraguas zum Iran bestehen schon seit Jahren, wie
etwa der Besuch Ernesto Cardenals im Iran im Mai 1983 zeigt. Cardenal,
Kultusminister der Sandinisten, wurde von Ayatollah Khomeini in Privataudienz empfangen - etwas, das Besuchern aus dem Westen nur selten gelingt.
Im März 1984 kam das Juntamitglied Sergio Ramirez in den Iran, um Han(47)
delsfragen und andere Themen zu besprechen.
Ergebnis dieses Besuchs
war ein Handelsabkommen zwischen Nicaragua und dem Iran in Höhe von 23
Millionen Dollar.v

'

1985 verstärkten sich die Kontakte auf hoher Ebene noch weiter. Mohammed Mirmehdi, Irans Stellvertretender Außenminister, traf am 14. Janu(49)
ar 1985 mit dem Sandinistenführer Präsident Daniel Ortega zusammen.
Obgleich das Treffen nach außen nur dem Zweck diente, Ortega zu seiner
Amtseinführung zu gratulieren (der nicaraguanische Rundfunk spricht von
ihm noch immer als "Comandante Ortega"), war Thema der Gespräche mit
größter Wahrscheinlichkeit auch die Planung des Besuches des iranischen
Ministerpräsidenten, der eine Woche später stattfand.

Am 23. Januar 1985 kam Ministerpräsident Mirhussein Musavi nach Nicaragua und traf dort (zum dritten Mal) mit Daniel Ortega und anderen Mitgliedern der sandinistischen Regierung zusammen. Die Berichte über den
Inhalt des Treffens zwischen Ortega und Musavi gehen auseinander; die
meisten Beobachter sind der Meinung, die Lieferung von Handfeuerwaffen
aus dem Iran sowie ein ölabkommen wurden besprochen.

'Einem Bericht

von ABC News zufolge soll Ministerpräsident Musavi die Terroroperationen
des Iran kontrollieren.

Die Sandinisten bestätigen, daß mit dem Iran über ein Erdölabkommen
gesprochen wurde, bestreiten indessen eine Übereinkunft hinsichtlich Waffenlieferungen. Dennoch gab es Berichte, denen zufolge am 25. Januar 1985
zwei Schiffsladungen mit Waffen vom Iran aus in Richtung Nicaragua abgingen, um auf ihrem Weg von nicaraguanisehen Schiffen übernommen zu werden;
auch soll der Iran Mittel für internationale Terroristen bereitstellen,

�Terroristen bereitstellen, die sich in Nicaragua aufhalten.

'

EIN ZUFLUCHTSORT FÜR SUBVERSIVE ELEMENTE

Die FSLN-Regierung hat Radikalen und Terroristen aus anderen Staaten,
einschließlich Radikalen aus dem Nahen Osten, aus Lateinamerika und aus
Europa nicaraguanische Pässe ausgestellt und sie so in die Lage versetzt,
in die Länder des Westens zu reisen, ohne daß ihre eigentliche Identität
(53)
bekannt wird.
Agenten der PLO, in Mittelamerika und Panama aktiv,
benützen Nicaragua als Operationsbasis. Die Bereitschaft der Sandinisten,
neue Dokumente zur Verfügung zu stellen und eine Basis zu bieten, von der
aus Aktionen unternommen werden können, ist zweifellos ein Grund dafür,
daß Nicaragua für Terroristen und Radikale aus Europa wie auch aus Lateinamerika eine Anlaufstelle geworden ist. Zu den Gruppierungen, die bekanntermaßen in Nicaragua präsent sind, gehören die baskische Untergrundorganisation ETA, die deutsche Baader-Meinhof-Gruppe sowie die Roten Bri(54) •
gaden Italiens.

'Wie im Falle der PLO benützen einige Mitglieder die-

ser Gruppen Nicaragua als Basis, um regionale Aktivitäten ihrer Organisationen durchzuführen. Andere wiederum befinden sich aus "revolutionärer
Solidarität" in Nicaragua und nehmen an dem Kampf gegen die bewaffneten
Gruppen des demokratischen antisandinistIschen Widerstandes teil. Wieder
andere - meist ausgebildete Leute, die aufgrund der Tatsache, daß sie in
ihrer Heimat von den Behörden gesucht werden, dort keine Arbeit mehr finden können - kamen nach Nicaragua, um dort einen Arbeitsplatz zu erhalten
und ersetzen damit die Techniker- und Managerschicht, die vor dem Kommunismus aus Nicaragua geflohen ist.

SCHLUSSFOLGERUNGEN

Die Beziehungen der Sandinisten zur PLO und zu radikalen Staaten des
Nahen Ostens sind nunmehr über eineinhalb Jahrzehnte alt. Sandinisten erhielten im Libanon und in Libyen Ausbildung durch die PLO und kämpften
neben der PLO gegen König Hussein von Jordanien noch vor der Zeit, da die
- 12 -

�2. David J. Kopilow, "Castro, Israel, and the PLO" (Washington, D.C:
The Cuban-American National Foundation, 1984), S.5.

3. Ciaire Sterling, "The Terror Network" (New York:

Holt, Rinehart

and Winston, 1981), S. 115; Center for International Security, "The Sandinista-PLO Axis: A Challenge

to the Free World"

(Washington, D.C:

Februar 1984), S. 2.
4. Eileen Skully, "The PLO's Growing Latin American Base," S. 2.

5. Ciaire Sterling, "The Terror Network", S. 279.

6. Center for International Security, "The Sandinista-PLO Axis", S. 2.
7. Ebenda, auch erwähnt in Anti-Defamation League, "PLO Activities in
Latin America" (New York: Mai 1982), S. 9.
8. Eileen Skully, "The PLO's Growing Latin American Base", S. 4.
9. Juan 0. Tamayo, "Sandinistas Attract a Who's Who of Terrorists",
The Miami Herald, 3. März 1985, S. 3.

10. Jorge Mandi, zitiert in "al-Watan" (Kuwait), 7. August 1979; zitiert von David Kopilow, "Castro, Israel, and the PLO", S. 11.

11. Israeli Defense Forces Spokesman, "The PLO and International Terror", (März 1981), S. 7.
12. Center for International Security, "The Sandinista-PLO Axis", S.
2, 15.

13. "The Arab-lsraeli Contest for Influence in Latin America", Business week, 3. Mai 1983, S. 52.
14.
- 13 -

Ebenda

�da die sandinistische Revolution begann. Beim Aufbau ihrer eigenen revolutionären Kapazitäten stützten sich die Sandinisten auf die PLO und auf
Libyen zwecks Waffen, zwecks Geld für Waffen und zwecks Hilfe beim Transport von Waffen.

Auch nach der Machtübernahme der Sandinisten bestanden diese Beziehungen fort. Die PLO schickte Gelder und militärische Ausbilder; die Libyer schickten Millionen Dollar an Finanzhilfe sowie Waffen, Piloten und
Militärberater. Die PLO erhielt vollen diplomatischen Status sowie die
Erlaubnis, an der Militär- und Guerillaausbildung in Lagern in Nicaragua
teilzunehmen. Die politischen Bindungen zwischen den Sandinisten und der
PLO sowie den Sandinisten und Libyen sind stark, und die politische Solidarität, die sich in Taten sowie bei Staatsbesuchen und Jahrestagen manifestiert, unterstreicht die Intensität dieser Beziehungen.

Zu der politischen, militärischen und wirtschaftlichen Zusammenarbeit
der Sandinisten mit den radikalen Staaten des Nahen Ostens und der PLO
kommt Nicaraguas Verstrickung

in den

internationalen Terrorismus. Die

Sandinisten konnten nicht die Tatsache verdecken, daß Nicaragua zu einem
sicheren Zufluchtsort für internationale Terroristengruppen wie die deutsche Baader-Meinhof-Bande, die italienischen Roten Brigaden und die baskische Untergrundsorganisation ETA geworden ist. Die Staaten und Gruppierungen des Nahen Ostens, mit denen Nicaragua in Beziehung steht - die
PLO, Libyen und der Iran - sind bekannt für ihre Beteiligung an Terroraktivitäten, einschließlich Planung, Ausbildung, Finanzierung und Durchführung von Terrorakten. Die Beziehungen der Sandinisten zu diesem Netz
stellen für die westliche Hemisphäre eine immer größere Gefahr dar.

FUSSNOTEN
1. Eileen Skully, "The PLO's Growing Latin American Base" (Washington, D.C.: The Heritage Foundation, 2. August 1983), S. 2
2.

- 14 -

David

J.

�14. Ebenda
15. Eileen Skully, "The PLO's Growing Latin American Base", S. 4.

16. John J. Tierney, Jr., "Somozas and Sandinistas:

The U.S. and Ni-

caragua in the Twentieth Century" (Washington, D.C.: Council for Inter-American Security, 1982), S. 62.

17. Christopher Dickey, "Palestinians Challenging Israel for Influence in Central America", The Washington Post, 29. Mai 1982, S. Al4? siehe auch U.S. News and World Report, 23. Juli 1979.

18. Melech Ben-Moshe, "Nicaraguan Status as Israel's Friend May Be
Jeopardized by Latin-PLO Tie", The Detroit Jewish News, 29. Dezember
1978, S. 18.
19. Ebenda; ADL, "PLO Activities in Latin America", S. 9.

20. Eileen Skully, "The PLO's Growing Latin American Base", S. 4.

21. Ciaire Sterling, "The Terror Network", S. 270.

22. Christopher

Dickey,

"Palestinians Challenging

Israel...", The

Washington Post, 29. Mai 1982, S. A14.

23. Center for International Security, "The Sandinista-PLO Axis", S.
3.

24. Ebenda

25. Niederschrift von Arafat-Interview, Managua Domestic News Service, 4:00 GMT, 22. Juli 1980, FBIS, Central America, 23. Juli 1980, S. P
7.

26.
- 15 -

San

Jose

�26. San Jose Radio Reloj, 17:30 GMT, 22. Juli 1980, FBIS, Central
America, 23. Juli 1980, S. P 8.

27. ADL,

"PLO Activities

in Latin America", S. 10; Christopher

Dickey, "Palestinians Challenging Israel...", The Washington Post, 29,
Mai 1982, S. A14.

28. Robert F. Lamberg, "The PLO in Latin America", Swiss Review of
World Affairs, Juni 1982, S. 12.

29. "The PLO on the Wing in Nicaragua", Newsweek, 15. März 1982, S.
19; Robert F. Lamberg, "The PLO in Latin America", S. 12; Rede von Arafat, 11. Januar 1982 Beirut Arab University gesendet über Voice of Palestine, 12. Janaur 1982, um 11:35 Uhr (Arafat unter "nom de guerre" "Abu
Ammar"), FBIS, Middle East, 13. Janaur 1982, S. A 1.

Siehe auch The Wall

Street Journal, 14. Januar 1982, S. 4.

30. Robert F. Lamberg, "The PLO in Latin America", S. 122; "The Arab-Israeli Contest for Influence in Latin America", Business Week, 3. Mai
1982, S. 52; Clifford A. Kiracofe, "The Soviet Network in Central America", Midstream, Mai 1981, S. 5.

31. "The Arab-lsraeli Contest for Influence in Latin America", Business Week, 3. Mai 1982; Robert F. Lamberg, "The PLO in Latin America",
Swiss Review of World Affairs, Juni 1982.
32. Innerhalb von 18 Monaten nach der Revolution vom 19. Juli hatten
die Sandinisten die Synagoge von Managua beschlagnahmt, und die meisten
Mitglieder der

kleinen jüdischen Gemeinde das Landes hatten Nicaragua

verlassen. Juden aus Nicaragua haben

im Exil über ihr Verfolgung durch

die Sandinisten berichtet. Die Sandinisten behaupten, sie seien nicht
antisemitisch, aber die Juden Nicaraguas hätten eine "bürgerlicht Einstellung", die es ihnen unmöglich mache sich an eine sozialistische Revolution anzupassen. Ob es nun Antisemitismus oder die marxistisch-leninistische Ideologie der Sandinisten war, das Ergebnis war das gleiche:
- 16 -

�das gleiche: Verfolgung der Juden, Beschlagnahme ihres Besitzes und der
Synagoge und schließlich Auszug der jüdischen Gemeinde aus Nicaragua. Wie
die Sandinisten

die Juden behandelten ist folgenden Quellen zu entneh-

men: "The Jews and the Nicaraguan Issue", Erklärung von Jaime Daremblum
im Weißen Haus am 13. März 1985; "Nicaraguan Jews feels the Sting of
Ouster", The Miami Herald, 2. Juli 1982, S. 16A; "NJC Statement on Nicaragua", herausgegeben von 'The National Jewish Coalition', Capitol Hill
Office, März 1985; "Religious Repression in Nicarauga", Erklärungen von
Rabbi Morton Rosenthal und Mr. isaac Stavisky, Congressional Record, 4.
August 1983, S. E4021.

33. David J. Kopilow, "Castro, Israel and the PLO", S. 3; Christopher
Dickey, "Palestinians Challenging Israel....", The Washington Post, 29.
Mai 1982, S. Al4.
34. ADL, "PLO Activities in Latin America", S. 9. Aus einem Bericht
der Washington Post geht hervor, daß dieses Investitionsangebot eine
Höchstgrenze von 3 Milliarden Dollar hatte. Siehe Christopher Dickey,
"Arab States Help Nicaragua Avoid Ties to Superpowers", The Washington
Post, 19. Juli 1981, S. A18.

35. Christopher Dickey, "Arab States Help Nicaragua...", The Washington Post, 19. Juli 1981, S. A 18.

36. Ebenda
37. Richard House, "Brazilians Study Libyan Arms Cargo:

Reports Vary

on Contents", The Washington Post, 26. April 1983, S. Al4; Richard House,
"Brazil Acts to Wind Down Planes Affair; Libya Seeks to Fly Out Arms",
The Washington Post, 27. April 1983, S. Al7.

"Italians to Return Arms to

Libya from Brazil", The Washington Post, 1. Mai 1983, S. A24.

38. James Gerstenzang, "Libyan Arms, Bound for Nicaragua, Called 'Tip
of the Iceberg'", Buffalo News, 26. April 1983, S. A6. (AP)

39. "Brazil To Seize Arms from Libyan Planes",
- 17 -

Buffalo News, 21.

�News, 21. April 1983, S. A4 (UPI).

40. "Nicaraguan Aide Says Libyan Air Shipment En Route to the Army",
The Washington Post, 23. April 1983, S. A21.

1. "Bogota Denies Capturing Libyan Arms", Buffalo News, 22. April
1983, S. A4; Richard House, "Brazilians, After Search, Confirm Libyan
Planes Carried Arms", The Washington Post, 24. April 1983, S. A28.

42.

Department

of

State,

"The

Sandinista

Military

Build-up"

(Washington, D.C.: Mai 1985), S. 32.

43. Judith Miller, "Qaddafi Says He Has Sent Troops To Help Nicaragua
Against U.S.", The New York Times, 2. September 1984, S. 11.

44. Ebenda

45. Ebenda; David Lamb, "Khadafy:
Miami

Herald,

2. September

Libyans Aid Sandinistas", The

1984, Information

Service

Latin

America

(ISLA), S. 117.
46.

"15-Million Dollar Trade Agreement Signed With Libya", Panama

City ACAN, 16. Januar 1985, 18:33 GMT, FBIS, Central America, 17. Januar,
1985, S. P 4.
47. John Lantigua, "Iran Denies It Gives Arms to Nicaragua", The Washington Post, 26. Januar 1985, S. A20.
48. Ebenda
49. "Ortega Receives OAS, Iranian, Zambian Officials", Managua Radio
Noticias, 14. Januar 1985, 12:00 GMT, FBIS, Central America, 15. Januar
1985, S. 8.
50. David Hoffman, "Reagan Calls Iran, Libya and PLO A 'New Danger'
- 18 -

�'New Danger' in Central America", The Washington Post, 25. Januar 1985,
S. AI; "Tehran Reports Arrival", Tehran Domestic News Service, 24. Januar
1985, 4:30 GMT, FBIS, Central America, 24. Januar 1985, S. P 20.

51. "World New Tonight with Peter Jennings", ABC News 24. Januar
1985, 7:25 EST.
52. "World News Tonight with Peter Jennings", ABC News, 25. Januar
1985, 7:10 EST.
53.Zeugenaussage des Exdiplomaten Antonio Farach aus Nicaragua vor
dem Untersuchungsausschuß für Alkoholismus und Drogenmißbrauch des Senatsausschusses

für Arbeit

und menschliche Ressourcen, 98. Kongress,

zweite Sitzungsperiode, am 2. August 1984. Farach erklärte, daß er von
seinen

Vorgesetzten

die

Anweisung

erhielt,

Nichtnicaraguanern,

ein-

schließlich Personen aus dem Nahen Osten, Pässe auszustellen. Siehe auch
Clifford A. Kiracofe, "The Soviet Network in Central America", Midstream,
S. 5.

54. Juan 0. Tamayo, "World's Leftists Find a Haven in Nicaragua", The
Miami Herald, 3. März 1985, S. 1.

* * * * *

- 19 -

�Uli/zen/chofl
und Technik
United States Information Service
Embassy of the United States of America

11. September 1985

36

WELTRAUMPLATTFORM FÜR INDUSTRIE UND FORSCHUNG
- Erste Außenstation soll 1989 gestartet werden -

- (AD) - Über den Start der ersten kommerziellen Weltraumplattform im
Jahr 1989 von Bord eines amerikanischen Raumtransporters unterzeichnete
die amerikanische Behörde für Luft- und Raumfahrt (NASA) eine Vereinbarung mit dem amerikanischen Privatunternehmen "Space Industries, Inc." in
Houston

(Texas). Die Außenstation soll für industrielle Zwecke und für

Aufgaben der Forschung verwendet werden. Es handelt sich, wie NASA-Administrator James Beggs auf einer Pressekonferenz erklärte, um die erste
von einem Privatunternehmen gebaute Einrichtung dieser Art, die eine bemannte Raumstation ergänzen und schließlich dem Aufbau eines "Industrieparks" im Weltraum dienen soll. Mitte der neunziger Jahre dürfte sie betriebsbereit sein.

Die Außenstation ist zwar nicht ständig besetzt, wird jedoch mit einem Druckmodul ausgestattet, in dem Astronauten wie auf der Erde wohnen
und arbeiten können. Dies wird dann erforderlich werden, wenn die Plattform an die benachbarte Raumstation angekoppelt ist oder wenn der Raum-

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�der Raumtransporter anlegt. Um die zentrale Druckeinheit sind Fabrikations- und Labormoduln, Dockvorrichtungen und, zu beiden Seiten, zwei
große Solarzellen-Flügel gruppiert. Zusätzliche Moduln können jeweils als
komplette Einheit angebaut und "wie Eisenbahnwaggons" aneinandergereiht
werden. Die Baukosten für die erste Außenstation werden auf 250 bis 500
Millionen Dollar geschätzt.

Die erste ISF ("Industrial Space Facility" - Industriestation) soll
Firmen, die an Fabrikationsprozessen im Weltraum interessiert sind, die
Möglichkeit geben, damit zu beginnen, noch ehe die erste Raumstation für
solche Zwecke zur Verfügung steht. Den Betrieb der ISF übernimmt das Unternehmen "Space Industries, Inc.", das verfügbare Arbeitsflächen verpachtet. Die Produktionsprozesse

der ersten

Interessenten werden von

Astronauten aus dem Raumtransporter betreut. Später soll dies von einer
Raumstation aus geschehen. "Besonders geeignete Kandidaten für die ISF
wären Firmen, die die Schwerelosigkeit für kontinuierliche Prozesse nutzen wollen", sagte Beggs. "In solchen Fällen wäre nur einige Male im Jahr
eine fachmännische Kontrolle oder menschliche Intervention erforderlich."
Beggs sieht Möglichkeiten vor allem zur Herstellung pharmazeutischer
und biotechnischer Produkte, von Kristallen besonderer Reinheit und in
"idealer" Ausbildung, was unter irdischen Bedingungen äußerst schwer oder
überhaupt nicht zu erzielen ist. Für die Gewinnung neuartiger Werkstoffe,
insbesondere neuer Metalle und Legierungen, ergäben sich sehr gute Chancen.

Nach Ansicht von Max Faget, Präsident von "Space Industries, Inc.",
dürften Firmen, die im Weltraum verarbeiten und produzieren, ab Mitte der
neunziger Jahre Einkünfte in Milliardenhöhe pro Jahr aus solchen Prozessen erwarten können. Zu den neuen Produkten zählten beispielsweise Medikamente zur Behandlung von Diabetes, Emphysem und verschiedenen Blutkrankheiten. Außerdem bestehe großes Interesse für spezielle Kristalle,
die in Hochgeschwindigkeitscomputern und anderen Elektronik-Ausrüstungen
modernster Bauart gebraucht werden. Die Außenstation diene ferner der
NASA und anderen Regierungsbehörden als "Teststation" zur Entwicklung von

�Entwicklung von Ausrüstungen für den Weltraum sowie zur Durchführung von
Forschungsprojekten auf den Gebieten Biologie und Medizin. Vorläufig sollen Astronauten mit dem Raumtransporter ca. alle drei Monate an der
Plattform anlegen, Ausgangsstoffe für Fabrikationsprozesse anliefern und
Fertigprodukte mitnehmen, außerdem Wartungs- und Reparaturarbeiten ausführen und, soweit erforderlich, neue Ausrüstungen installieren.

Wie Beggs berichtete, erkennen immer mehr Unternehmen die einzigartigen Chancen für Forschungen und für die Produkte unter den Bedingungen
der Schwerelosigkeit. Die NASA habe mit 20 Firmen der Luft- und Raunn
fahrtindustrie und anderen Branchen bereits Vereinbarungen getroffen und
stehe mit weiteren 24 Unternehmen wegen kommerzieller Weltraumprojekte in
Verhandlung. Das erste Produkt - winzige Kügelchen aus Polystyren - sei
bereits in Gebrauch: Das amerikanische Bundesamt für Materialprüfung und
technische Normen gab die Genehmigung

für ihre Verwendung, um wissen-

schaftliche Instrumente zu eichen und um ein Standardmaß für Kleinpartikel wie rote Blutkörperchen und industrielle Schadstoffe zu haben.

- 3 -

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                <text>&lt;p&gt;&lt;strong&gt;1. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Reagan kündigt Maßnahmen gegen Südafrika an&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärung des Präsidenten und Schreiben an den Kongress -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Dokumentation des Weißen Hauses zur Südafrikapolitik der USA&lt;/p&gt;&#13;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;3. Hintergrund&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Sandinisten und die Radikalen im Nahen Osten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Bericht des US-Außenministeriums -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Weltraumplattform für Industrie und Forschung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erste Außenstation soll 1989 gestartet werden -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;</text>
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und
Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

1 8 . September 1985

37

INHALT

INFORMATION
Interview von Botschafter Burt mit den Sender Freies Berlin

DOKUMENTATION
USA um Verhinderung eines Wettrüstens im Weltraum bemüht
- Anhörung von ACDA-Direktor Adelman -

HINTERGRUND
Bericht des US-Außenministeriums über Bekämpfung des Rauschgifthandels
- Außenpolitischer Senatsausschuß befaßt sich mit dem internationalen
Drogenproblem -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
"TITANIC" NACH 73 JAHREN GEFUNDEN
- US-Technologie hilft Objekte in der Tiefsee orten -

* * * * *

Um Über/endung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 2035
Telex: 8-85432

�18.September 1985

37

INTERVIEW VON BOTSCHAFTER BURT MIT DEM SENDER FREIES BERLIN

BERLIN -(AD) - Der neue amerikanische Botschafter in der Bundesrepublik Deutschland, Richard R. Burt, gab bei seinem ersten Besuch in Berlin
am 14. September dem Sender Freies Berlin ein Interview, das von der ARD
am 16. September in der Sendung "Kontraste" um 21.15 Uhr ausgestrahlt
wurde.
Das Interview mit dem SFB-Korrespondenten Joachim Braun hat folgenden
Wortlaut:
Frage: Herr Botschafter, am gleichen Tag, an dem Sie von Präsident
von Weizsäcker in Bonn Ihr Agreement als amerikanischer Botschafter erhielten, kamen Sie zu Ihrem ersten offiziellen Besuch nach Berlin. Ist
das Zufall, oder war es Ihre Absicht, eine politische Geste an den Anfang
zu setzen?
Antwort: Es war kein Zufall. Bei der Überreichung meines Beglaubigungsschreibens sagte ich zu Präsident von Weizsäcker, daß Berlin für die

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Berlin für die Vereinigten Staaten von besonderer Wichtigkeit ist. Wir
haben hier besondere Verantwortungen, und ich glaube, wir haben auch eine
enge Beziehung zu den Menschen dieser Stidt. Sie sind mutig und wir respektieren sie. Darum werde ich, als Botschafter in Deutschland, stets ein
besonderes Augenmerk auf Berlin richten.

Frage: Als Sie hier mit dem Regierenden Bürgermeister zusammentrafen,
erwähnten

Sie

auch

ein

geopolitisches

Interesse, das die Vereinigten

Staaten an Berlin nehmen. Könnten Sie sich näher darüber äußern?

Antwort: Ich finde, der erste Punkt, den man erwähnen muß, ist der,
daß die amerikanische Präsenz in Europa seit mehr als 30 Jahren einen
Konflikt auf diesem Kontinent verhindert hat. Das Engagement der Vereinigten Staaten in Europa ist ein unentbehrlicher Aspekt der europäischen
Sicherheit, und ich glaube, Berlin symbolisiert unsere Rolle in Europa.
Die Anwesenheit amerikanischer Truppen in der geteilten Stadt, in dieser
Inselstaat, ist, so meine ich, ein Symbol unserer geopolitischen Präsenz
in Europa als Mittel, um vor einem Koflikt abzuschrecken

Frage: Während der letzten Tage hatten wir in Berlin das Jahrestreffen des Internationalen

Instituts flir Strategische Studien, das seinen

Sitz in London hat. Sie haben vor dieser Konferenz eine wichtige Rede
Über den Zusammenhalt der Allianz gehalten. Wie sehen Sie persönlich die
augenblickliche Lage des atlantischen Bündnisses?

Antwort: Wie ich auf/Konferenz sagte, finde ich, daß die augenblickliche Situation des Bündnisses im wesentlichen sehr gesund ist. Ich glaube nicht, daß wir Krisen vor uns haben, obwohl fortwährend Über eine Krise im Westen geredet wird. Das Bündnis war in der Lage, Herausforderungen
erfolgreich zu begegnen und seine Einheit zu bewahren. Meiner Ansicht
nach war das beste Beispiel hierfUr die ganze Frage der Raketenstationierung in Europa und der Bundesrepublik. Es gab Befürchtungen, daß die
Stationierung eine Krise der Ost-West-Beziehungen herbeiführen würde. Das
war nicht der Fall. Tatsächlich glaube ich, die Stärke und Einigkeit der
Allianz ist der Grund, daß wir heute in Genf über Rüstungskontrolle ver- 2 -

�Rüstungskontrolle verhandeln, und daß Gorbatschow Reagan im November in
Genf treffen wird. Ich glaube also, daß das Bündnis stark ist, daß es Zusammenhalt hat, und dies ist, so meine :.ch, eine Vorbedingung für Fortschritt im amerikanisch-sowjetischen Verhältnis.
Frage: In ein paar Wochen werden wir das erste Treffen eines amerikanischen Präsidenten mit einem sowjetischen Parteichef nach sechs Jahren
haben. Erwarten Sie persönlich von diesem Gipfeltreffen eine Wende in den
sowjetisch-amerikanischen Beziehungen?
Antwort: Wir sind zu einer Verbesserung der amerikanisch-sowjetischen
Beziehungen bereit. Aber, wie man so sagt: zum Tango gehören zwei. Wir
hoffen, daß die Sowjetunion und Gorbatschow genauso bereit sind, und wir
hoffen auch, daß er konkrete Ideen hat, wie die Beziehungen verbessert
werden können. Wir sähen eine Verbesserung der Beziehungen sehr gerne.
Aber es muß eine wirkliche Verbesserung sein. Das heißt, sie muß auf die
Punkte, die wirklichen Streitfragen, eingehen, die uns trennen: die Probleme

des

Einsatzes

sowjetischer

Truppon

in verschiedenen

Teilen

der

Welt; die anhaltende sowjetische Aufrüstung und, natürlich, die Menschenrechtsprobleme innerhalb der Sowjetunion. Wie wir bereits gesagt haben:
Was dies Treffen bestenfalls zustandebringen kann, ist die Aufstellung
einer Tagesordnung für ein ernsthaftes Gsspräch zwischen den Vereinigten
Staaten und der Sowjetunion.

Ich danke Ihnen, Herr Botschafter.
Ich danke Ihnen.

* * * * *

- 3-

�18. September .985

37

USA UM VERHINDERUNG EINES WETTRÜSTENS IM WELTRAUM BE4UHT
- Anhörung von ACDA-Direktor Adelman -

WASHINGTON Amtes

(AD) - Kenneth Adelman, Direktor des amerikanischen

für Rüstungskontrolle

und Abrüstung

(ACDA), unterstrich am 11.

September 1985 in einer Erklärung vor den Unterausschuß des US-Repräsentantenhauses

für

Rüstungskontrolle

und

internationale

Sicherheit

die

ernsthafte Absicht der Vereinigten Staaten, zusammen mit der UdSSR zu
Rüstungskontrollvereinbarungen zu gelangen, um ein Wettrüsten im Weltraum
zu verhindern.

Hinsichtlich der Erprobung einer Antisatellitenwaffe durch die Vereinigten Staaten betonte Adelman: "Wir sind der Überzeugung, daß diese Erprobung für die Sowjetunion einen Anreiz dazu darstellen kann, zu Abkommen über eine ganze Bandbreite von Themen zu gelangen."

Die

Ausführungen

Adelmans

vor

dem Unterausschuß

haben

folgenden

Wortlaut:

Es

ist

mir

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 08-85432

�Es ist mir ein Vergnügen, vor dem Unterausschuß des Repräsentantenhauses für Rüstungskontrolle und internationale Sicherheit zu erscheinen,
um

die

Rüstungskontrolle

im Antisatellitenbereich

zur

Diskussion

zu

stellen. Meiner Meinung nach stellte die Bestätigung des Präsidenten, wie
sie

vom

Ausgabeermächtigungsgesetz

für

das

Verteidigungsministecium

gefordert wird, das bedeutsamste Ereignis der jüngsten Zeit in diesem
Bereich dar. Deshalb möchte ich mich heute in meiner Erklärung sowohl auf
den Fortschritt der Verhandlungen in Genf als auch auf diese Bestätigung
und ihre Auswirkungen für die Rüstungskontrolle konzentrieren. Zunächst
jedoch möchce ich einen Blick auf die Konzeption der Regierung in Sachen
Weltraumrüstungskontrolle werfen.

Der Hintergrund: Seit 28 Jahren haben die Vereinigten Staaten zu
friedlichen Zwecken Satelliten im Weltraum - einschließlich zur Unterstützung der nationalen Sicherheit und der Rüstungskontrolle. Satelliten
zur Früherkennung von Raketenstarts ermöglichen die Sofortwarnung bei
einem Angriff durch

Interkontinentalraketen. Nachrichten- und Naviga-

tionssatelliten dienen der Unterstützung des Befehls- und Leitsystems der
Streitkräfte der Vereinigten Staaten und ihrer Verbündeten. Andere Satelliten stellen die nationalen technischer Mittel der Vereinigten Staaten
bereit, um zur Verifizierung der Einhaltung bestehender Rüstungskontrollvereinbarungen beizutragen.

Die Vereinigten Staaten sind Mitwirkender und Vertragspartei einiger
der

wichtigsten

internationalen Abkommen, die die Weltraumaktivitäten

regeln - einschließlich der Charta der Vereinten Nationen, des Weltraumvertrags, des Begrenzten Teststoppabkommens und des ABM-Vertrags. Auf
amerikanische Initiative hin wurden in den Jahren 1978-79 mit der Sowjetunion

Gespräche

über

Rüstungskontrolle;

bei

den

Antisatellitenwaffen

geführt. Die Vereinigten Staaten unterstützten auch die kürzlich erfolgte
Bildung eines Ad-hoc-Ausschusses zur Diskussion der Rüstungskontrolle bei
Weltraumwaffen im Rahmen der von 40 Staaten beschickten Abrüstungskonferenz in Genf.

Die

Politik

der

�Die Politik der Vereinigten Staaten: Die nationale Weltraumpolitik
der Vereinigten

Staaten wurde am 4. Juli

1982 von Präsident Reagan

formuliert und am 31. März 1984 in seinem Bericht an den Kongreß über die
amerikanische Politik und ASAT-Rüstungskontrolle erneut bekräftigt: "Die
Vereinigten Staaten werden verifizierbaie und ausgewogene Rüstungskontrollmaßnahmen
spezieller

in Erwägung ziehen, die die Erprobung und Dislozierung

Waffensysteme

verbieten

oder

ansonsten

begrenzen

würden,

solange solche Maßnahmen im Einklang mi: der nationalen Sicherheit der
Vereinigten Staaten stehen."

Von diesen Kriterien geleitet haben die Vereinigten Staaten eine
Bandbreite möglicher Optionen
waffen

untersucht.

Zu

den

für die Rüstungskontrolle bei WeltraumFaktoren,

die

die

ASAT-Rüstungskontrolle

erschweren, gehören die unterschiedlichsten Bedrohungen der Satelliten
der Vereinigten

Staaten

und

ihrer Verbündeten

sowie Bedrohungen der

erdgebundene^n Streitkräfte der Vereinigten Staaten und ihrer Verbündeten,
wie

sie

von

den

Lenk-

und

BeobachtungssatelHten

der

Sowjetunion

ausgehen.

Je nach Umfang und Wirksamkeit eines Abkommens könnte ein verifizierbares Abkommen der Rüstungskontrolle bei Weltraumwaffen - wenn es eingehalten wird - spezielle Bedrohungen von Satelliten begrenzen und künftige
Bedrohungen

von

so

wichtigen

einschränken. Begrenzungen
könnten

bei

Satelliten
speziellen

wie

etwa

Frühwarnsatelliten

Bedrohungen

von

Satelliten

zusammen mit Maßnahmen der Überlebensfähigkeit von Satelliten

dazu beitragen, die Stabilität zu bewahren und zu verstärken. Abkommen
könnten auch die politische Schwelle für Angriffe auf Weltraumobjekte
anheben

und

einige

uneingeschränkten

der

internationalen

militärischen

Aktivität

Bedenken

hinsichtlich

im Weltraum

aus

der

der
Welt

schaffen.

Am 22. November 1984 kamen die Vereinigten Staaten und die UdSSR
überein, in neue Verhandlungen mit dem Ziel einzutreten, zu beiderseitig
akzeptablen Abkommen über die ganze Bandbreite der Probleme, die Kern-

�Probleme, die Kern- und Weltraumwaffen

betreffend,

zu gelangen. Das

Treffen zwischen den Außenministern Grcmyko und Shultz am 7. und 8.
Januar leitete diesen Prozeß ein, indem ein Grundsatzabkommen hinsichtlich des Themas und der Ziele der Verhandlungen erreicht wurde.

Man kam überein, daß das Ziel der Verhandlungen sein sollte, wirksame
Abkommen auszuarbeiten, die darauf abzielen, ein Wettrüsten im Weltraum
zu verhindern und es auf der Erde zu beer den, die Kernwaffen zu begrenzen
und zu reduzieren sowie die strategische Stabilität zu stärken. Die Verhandlungen werden von jeweils einer Delegation geführt, die in drei Gruppen aufgeteilt ist, von denen eine die Verteidigungs- und Weltraumfragen
behandelt.

Rüstungskontrollfragen: Die ASAT-Rüstungskontrollgespräche der Jahre
1978-79 brachten erhebliche amerikanisch-sowjetische Meinungsunterschiede
zutage, und die hierauf folgenden Bemühungen gaben den Rüstungskontrollfragen im Weltraumbereich schärfere Konturen. Die Rüstungskontrolle bei
Weltraumwaffen umfaßt Schwierigkeiten, zu denen die folgenden gehören:

Verifizierung: Die Probleme der Verifizierung erschweren sich für
Weltraumsysteme

noch,

weil

die

Satelliten,

die

der

amerikanischen

Sicherheit sowie der ihrer Verbündeten dienen, nur gering an Zahl sind;
ein Vertragsbruch würde daher selbst in kleinem Rahmen ein überproportionelles Risiko in sich bergen. So würde zum Beispiel ein Verbot aller
ASAT-Systeme die Beseitigung des gegenwärtigen sowjetischen ASAT-Abfangsystems erforderlich machen; bislang gibt es jedoch keine zufriedenstellenden Möglichkeiten, um die sowjetische Einhaltung eines solchen Schrittes wirksam verifizieren zu können. Der sowjetische AbfangElugkörper ist
relativ klein und wird durch eine Antriebsrakete von einer Startrampe aus
gestartet, wie sie auch für andere Weltraummissionen verwendet werden.
Wir wissen nicht, wie viele Abfangflugkörper bereits hergestellt wurden,
und die UdSSR könnte einen geheimen Vorrat beibehalten.

Auflösung: Zu den
- 4-

�Auflösung: Zu den Kriterien, die bei der Bewertung der Auswirkungen
einer

jeden

potentiellen

Rüstungskontrollmaßnahme

auf

die

nationale

Sicherheit verwendet werden müssen, gehört d:.e der "Auflösung". Das ist
die Gefahr, daß ein Staat einseitigen Verteil erlangen könnte, wenn das
Abkommen aus irgendeinem Grund nicht m^hr

in Kraft ist - etwa durch

plötzliche Aufkündigung - und er sich einen Vorsprung dadurch verschafft,
daß er einen Waffentyp baut bzw. disloziert, der bislang verboten bzw.
erheblich

begrenzt

worden war. Die Bedeutung

gewisser

entscheidender

amerikanischer Satelliten, die in ihrer ,\nzahl begrenzt sind, könnte für
die Sowjets einen Anreiz bilden, sich die Fähigkeit zu erhalten, aus
einem Vertrag auszubrechen.
Definition: Eine Weltraumwaffe zum Zwec'c der Rüstungskontrolle zu
definieren, ist sehr schwierig. Zu den Welt.aumwäffen könnten gehören:
Koorbitale und zum direkten Aufstieg befähigte Abfangflugkörper
modifizierte
aktive

ballistische

elektronische

und

ABM-Rake :en),

Gegemaßnahmen

sowie

Waffen

mit

Waffen,

die

(d.h.

Richtenergie,
in

bemannte

Weltraumstationen verbracht werden könnten. Das Problem wird dadurch noch
verschlimmert, daß unbewaffnete Weltraunsysteme, einschließlich ziviler
Systeme, über Eigenschaften verfügen, die nur schwer von Eigenschaften
von Waffen zu unterscheiden sind. Zudem haben viele Systene, die nicht
als ASAT-Waffen entworfen sind, ihrer &lt;\rt nach ASAT-Kapazitäten

(bzw.

Restkapazitäten).

Freigabe von Information: Informationen hinsichtlich gewisser amerikanischer Weltraumsysteme, die mit der nationalen Sicherheit verknüpft
sind, gehören zu den sensitivsten

Informationen

im Regierungsbereich.

Maßnahmen mit dem Ziel einer erhöhten Verifizierung eines ASAT-Rüstungskontrollabkommens, die gleich welche Form des Zugangs zu amerikanisehen
Weltraumsystemen erforderlich machen sollten, könnten ein unannehmbares
Risiko der Gefährdung des Schutzes dieser Informationen mit sich bringen.

Verwund'oarkeit
ASAT-Rüstungskontrolle

der
würde

Satelliten-Unterstützungssysteme.
nicht
- 5-

die

Uberlebensfähigkeit

Die
anderer

�Überlebensfähigkeit anderer Elemente in einem Weltraumsystem sicherstellen. Bodenstationen, Abschußanlagen und Nachrichtenverbindungen könnten
in manchen Fällen verletzbarer sein als die Satelliten selbst.

Die
keine

sowjetische militärische Weltraombedrohung
eigentlichen

sowjetische

Waffen

Weltraumsysteme

sind:
sollen

Bestimmte
-

auch

durch Systeme, die

laufende
wenn

und

sie

geplante

selbst

keine

eigentlichen Waffen sind - die erdgebundenen Streitkräfte der Sowjetunion
im Fall einer Krise oder eines Konflikts unterstützen. Diese Satelliten
haben den Zweck, sowjetischen Waffenplattformen Radardaten sowie durch
elektronische Aufklärung

erbrachte Zielinformationen

zur Verfügung

zu

stellen, um Flotten- und Heeresverbände der Vereinigten Staaten und ihrer
Verbündeten angreifen zu können. In Reaktion auf diese Bedrohung und als
Gegenmaßnahme zum sowjetischen ASAT-System haben die Vereinigten Staaten
das Miniature Vehicle-System

(Kleinflugk'jrper -System). Der Zweck dieses

Systems besteht darin, Bedrohungen von Weltraumsystemen der Vereinigten
Staaten

und

ihrer

Verbündeten

sowjetischen ASAT-Angriff

fernzuhalten,

indem

sie

auf

einen

auf gleiche Weise reagieren können und zur

Abschreckung vor einem konventionellen uid nuklearen Konflikt beitragen,
indem sie die sowjetischen Satelliten gefährden, die die feindlichen
Streitkräfte unterstützen.

Sowjetische

und

amerikanische

ASAT--Systeme:

Zu den

gegenwärtigen

sowjetischen ASAT-Kapazitäten gehört ein Abfcingflugkörpersystem, das das
einzig einsatzfähige ASAT-System der Welt darstellt; außerdem verfügen
die Sowjets über bodengestutzte Testlaser, wahrscheinlich mit ASAT-Kapazitäten, möglicherweise die nuklear bestückten GALOSH ABM-Abfangraketen,
die wahrscheinlich nur der Veränderung ihrer Software bedürfen, um in
einer ASAT-Rolle eingesetzt zu werden und die technologische Kapazität
hätten, um elektronische Kriegführung gegen Weltraumsysteme zu betreiben.
Es gab über ein Dutzend Versuche mit dem Abfangflugkörpersystem, das wir
als einsät;;fähig ansehen - einschließlich von Versuchen während eines
Manövers der strategischen Streitkräfte der Sowjetunion im Jahr 1982.

Die

sowjetische

�Die sowjetische Kapazität eines Orb;.tal-Abfangflugkörpers in großen
Höhen ist eine mögliche Bedrohung, jedoch haben wir noch keinen direkten
Beweis für ein solches Programm der Sowjets, und wir dürften solche
Beweise auch nicht vor dem Versuchsstadium erhalten. Vielleicht ziehen
die Sowjets auch andere Techniken vor, am dieses Ziel zu erreichen. So
könnten sie zum Beispiel auch ihre in der Entwicklung begriffenen Kapazitäten der elektronischen Kriegführung gegen Satelliten in großen Höhen
einsetzen. Wir können derzeit nicht sagen, welche -- wenn überhaupt welche
- derartige Extremhöhenkapazitäten von der UdSSR vielleicht schon entwickelt wurden oder entwickelt werden.

Weitere - bzw. in Zukunft mögliche - sowjetische Bemühungen, die zur
Herstellung von ASAT-Systemen führen könnten - beinhalten Entwicklungen
von Waffen mit Richtenergie. Wir haben Hinweise darauf, da3 die Sowjets
mit der Entwicklung von bodengestützten Lasern für die ASAT-Anwendung
fortfahren. Außerdem glauben wir, daß die Sowjets Forschung und Entwicklung im Bereich der raumgestutzten Iaser--ASAT-Systeme betreiben. Wir
haben bislang noch keine Beweise

für sowjetische Programme zur Ent-

wicklung von ASAT-Waffen, die auf Teilchenstrahltechnologie basieren.

Das amerikanische ASAT-System, das :sich derzeit in der Entwicklung
befindet, inesteht aus einem
zweistufigen

nichtnukle^aren MV-Gefechtskopf

SRAM/Altair-Treibsatz.

Dieser

wird

von

auf einem

einem

speziell

umgerüsteten F-18 Jäger emporgetragen und abgefeuert. Der MV-Flugkörper
wird in der Lage sein, Satelliten auf niedrigen Umlaufbahnen anzugreifen.
Das System wird derzeit erprobt. Es soll auf jeweils einer Luftwaffenbasis an beiden Küsten der Vereinigten Staaten disloziert werden.

Die Vereinigten Staaten führten am 13. November 1984 den zweiten Test
eines MV-Flugkörpers durch. Dabei ging es um kein Ziel; es ging lediglich
darum, die Sensorfähigkeit zum Auffinden und Verfolgen einer Infrarotquelle zu demonstrieren. Nach der jüngsten Erklärung des Präsidenten
gegenüber dem Kongreß planen die Vereinigten Staaten für diesen Monat die
Durchführung eines Test mit dem W

gegen ein Objekt im Weltraum. Die

�Weltraum. Die Vereinigten Staaten haben nicht die Absicht, die Höhenkapazität des NV ASAT-Systems auszuweiten, um Satelliten auf höheren Umlaufbahnen zu gefährden. Wir untersuchen jedoch Möglichkeiten, durch die die
amerikanische ASAT-Kapazität verbessert werden kann. Das amerikanische
ASAT-Progranm wird auf eine Art und We.se durchgeführt, die in vollem
Einklang mit allen amerikanischen Verpflichtungen - einschließlich den
ABM- und Weltraumverträgen - steht.
Die

Strategische

Verteidigungsinitiative

und

ASAT:

Die

Rede von

Präsident Reagan vom 23. März 1983 legte dio Richtung dessen fest, was
wir nunmehr die Strategische Verteidigungsinltiative

(SDI) nennen. Neue

Technologien werden verfügbar, die eine groß.ingelegte Forschungsanstrengung im Verteidigungsbereich gegen ballistischen Raketen rechtfertigen.
Das

SDI-Forschungsprogramm

einen

sowjetischen

ist zugleich

Austritt

aus

dem

eine kluge Absicherung gegen
ABM-Vertrag.

(Die

Sowjetunion

verbessert derzeit ihr einsatzbereites A3M-System um Moskau und betreibt
aggressive Forschungs- und Entwicklungsprogräume sowohl bei den herkömmlichen ABM-Systemen wie auch bei fortgeschrittenen ABM-Technologien wie
etwa den Hochenergielasern.) SDI ist ein Programm zur Forschung auf einer
ganzen Bandbreite von Technologien, die oin Verteidigungspotential sowohl
für die Vereinigten Staaten als auch fUr ihre Verbündeten haben. Ziel ist
die Untersuchung möglicher Mittel zur Erhöhung der Abschreckung. Die Vereinigten Staaten haben noch keine Entscheidung hinsichtlich der Entwikklung oder Dislozierung eines ABM-Systems getroffen. Das SDI-Programm
soll seiner Struktur nach begründete Entscheidungen unterstützen, die in
den

frühen neunziger

Jahren dahingehend getroffen werden, ob fortge-

schrittene Verteidigungssysteme entwickelt und disloziert werden sollen.

Die Forschung im Rahmen von SDI wird in Einklang mit allen laufenden
amerikanischen Vertragsverpflichtungen

stehen, einschließlich dem ABM-

Vertrag. SDI ist abschließender Baustein der amerikanischen Politik, die
beträchtliche Verringerungen bei den offensiven Nuklearwaffen fordert.
Dem

ist so, weil eine Verteidigung, deren Wirksamkeit zu geringeren

Kosten aufrechterhalten werden kann als notwendig wären, um immer neue

�immer neue Offensivwaffen zu beschaffen, das Potential in sich birgt, den
Wert einer ballistischen Raketenstreitmaoht zu verringern und daher die
Möglichkeit von ausgehandelten Verringerungen verstärkt. Sowohl SDI als
auch unser Antisatellitenprogramm zielen darauf ab, die Abschreckung zu
erhöhen unc die strategische Stabilität zu stärken - dies jedoch auf
unterschiedlichem Wege. Viele der Techrologien, die Teil der SDI-Forschung

und

des

ASAT-Programm

ASAT-Programms

sind,

sind

miteinander

verwandt. Das

ist jedoch eine kürzerfr stige Bemühung zur Entwicklung

einer Antisatellitenwaffe, die darauf abzielt, ein spezielles militärisches Ungleichgewicht aufzuheben, wie dies oben besprochen vnirde, und hat
keine ABM-Kapazität. SDI andererseits ist ein langfristiges Forschungsprogramm. Die amerikanische Position bei der ASAT-Waffenkontrolle sollte
weder die Ergebnisse der SDI-Forschung r.räjudizieren, noch die Forschung
selbst ausschließen.

Fortschritt bei den Verhandlungen: Bei den Verteidigungs- und Weltraumverhandlungen

konzentriert sich die amerikanische Haltung auf die

Notwendigkeit, die Instabilität anzugehen, die in der derzeitigen strategischen Situation besteht. Die Vereinigten Staaten haben betont, wie
wichtig es ist, der Erosion des ABM-Vertrags Systems Einhalt zu gebieten
sowie

andere

sowjetische

Rüstungskontrollabkommen

Maßnahmen

zu

korrigieren,

die

bestehende

verletzen. Die Vereinigten Staaten haben ihre

Sicht der Beziehung zwischen Offensiv- und Defensivstreitkräften sowie
den

potentiellen

Beitrag

der

Defensivkräfte

für

unsere

gegenseitige

Sicherheit dargelegt und aufgezeigt, wie beide Seiten allmählich einen
stabilen Übergang zu einer Situation bewerkstelligen könnten, in der man
sich in verstärktem Maß auf Defensivstreitkräfte stützt. In dem Bemühen,
das amerikanische SDI-Forschungsprogramm aufzuhalten, hat die Sowjetunion
ein umfassendes Verbot von Forschung, Entwicklung, Erprobung und Dislozierung dessen vorgeschlagen - und forciert dies noch immer -, was sie
"Waffen zu einem Schlag im Weltraum" nennt. Sie hat das amerikanische
Einverständnis zu einem solchen Verbot zu einer Vorbedingung für Fortschritte - ja, selbst einer detaillierten Diskussion - hinsichtlich Verringerungen

der

offensiven

Kernwaffen

gemacht,

hat

jedoch

die

�hat jedoch die Verifizierungsprobleme nicht angesprochen. Die Antwort der
Vereinigten Staaten lautet, daß Forschung nach dem ABM-Vertrag erlaubt
ist und daß ein Verbot der SDI-Forschung unannehmbar ist, da es weder
verifizierbar, noch wünschbar wäre, und daß derlei Vorbedingungen nur zu
Verzögerungen dabei führen, zu den Diskussionen zu kommen, die zu Fortschritt

en.in Richtung

auf Verringerungen

der

Nukleararr;enale

führen

können.

Die Bestätigung des Präsidenten:

Am 20. August bestätigte der Präsident dorn Kongreß, wie vom Kongreß
gefordert, folgendes:

1. Die Vereinigten Staaten bemühen sich in gutem Glauben darum, mit
der Sowjetunion ein beidereitiges und verifizierbares Abkommen mit den
engstmögliehen Begrenzungen

bei den Antisatellitenwaffen

auszuhandeln,

das im Einklang mit den nationalen Sicherheitsinteressen der Vereinigten
Staaten steht.

2. Solange ein Abkommen über derlei strikte Begrenzungen noch aussteht, ist die Erprobung des vom F-18 gestarteten MV-Antiatellitengefechtskopfes gegen Objekte

im Weltraum durch die Vereinigten Staaten

notwendig, um eindeutigen und nicht wieder gutzumachenden Schaden von der
nationalen Sicherheit abzuwenden.

3. Eine solche Erprobung würde keinen irreversiblen Schritt darstellen, der auf schwerwiegende Weise die Aussichten auf Verhandlungen über
Antisatellitenwaffen beeinträchtigen würde.

4. Eine solche Erprobung steht in vollem Einklang mit den Rechten und
Pflichten der Vereinigten Staaten gemäß dem ABM-Vertrag von 1972, da
solche Rechte

und Pflichten

zum

Zeitpunkt dieser

Erprobung bestehen

bleiben.
Ich möchte auf die Argumentation eingehen, die dieser Bestätigung
zugrunde liegen.
1.
- 10-

Bemühen

um

�1. Bemühungen um die Aushandlung der größtmöglichen Begrenzungen. Wie
Sie wissen, nehmen die Vereinigten Staat.en derzeit in Genf an Verhandlungen über eine ganze Bandbreite von Nuklear- und Weltraumfragen einschließlich der Verhinderung eines Wettrüstens im All - teil.

Wir waren bislang nicht in der Lage, einen speziellen ASAT-Vorschlag
auszuarbeiten, der den Anforderungen gerecht wird, wie sie der Kongreß im
Jahr 1984 gestellt hat - daß ein jegliches Abkommen verifizierbar sein
müsse und in Einklang mit der nationalen Sicherheit der Vereinigten Staaten zu stehen habe. Wir bemühen uns mit 3er UdSSR ernsthaft um Rüstungskontrollabkommen, die darauf abzielen, ein Wettrüsten im Weltraum zu verhindern. Wir werden auch weiterhin in gutem Glauben mögliche ASAT-Begrenzungen untersuchen, um herauszufinden, ob solche Begrenzungen in Einklang
mit den nationalen Sicherheitsinteressen der Vereinigten Staaten stehen,
und wir werden auch weiterhin mit den Sowjets deren Vorscnläge und die
damit verbundenen Probleme analysieren. Wir handeln damit in Einklang mit
dem ersten Erfordernis der Bestätigung.

2. Die Notwendigkeit einer MV-Erprobung. Hauptziel einer amerikanischen ASAT-Kapazität ist es, Bedrohungen der Weltraumsysteme der Vereinigten Staaten und ihrer Verbündeten abzuwehren und - im Rahmen der vom
Völkerrecht auferlegten Begrenzungen - einem jeglichen Widersacher Vorteile zu verwehren, die sich aus der offensiven Nutzung von weltraumgestützten Systemen ergeben, die die Abschr&lt;x:kung untergraben könnten.
Die UdSSR hat das einzige einsatzbereite ASAT-System der Welt, das
über die wirksame Kapazität verfügt, entscheidende amerikanische Weltraumsysteme

in erdnaher

Umlaufbahn

Weltraumsysteme gegenüber
sind - von elektronischer

aufzuspüren

und

zu

zerstören. Da

einer ganzen Reihe von Drohungen verwundbar
Kriegführung bis

zu nuklearen Effekten -,

könnte die Sowjetunion außerdem - ohne unser Wissen - eine Vielfalt
anderer Mittel zum Angriff auf unsere Satelliten entwickelt haben.

Eine

wachsende

�Eine wachsende

Bedrohung

stellen

auch vorhandene

und potentielle

sowjetische Satelliten dar, die - obgleich selbst keine Waffen - dazu
entworfen sind, im Fall eines Konfliktes die erdgebundenen Streitkräfte
der UdSSR direkt zu unterstützen. Dazu gehören Ozeanaufklärungssatelliten, die Radar und elektronische Nachrichtenübermittlung In dem Bemühen
verwenden, Zieldaten für einen Angriff auf Flotten der Vereinigten Staaten und ihrer Verbündeten zur Verfügung zu stellen. Dazu gehören auch
Foto- und elektronische Nachrichtensatelliten, die Zieldaten und andere
Informationen liefern, die zur Unterstützung der sowjetischen Landstreitkräfte nützlich

sind. Diese sowjetischen Weltraumobjekte stellen eine

eindeutige Bedrohung unserer nationalen Sicherheit und der unserer Verbündeten dar.

Die Vereinigten Staaten müssen die notwendigen Schritte ergreifen, um
eine Situation zu vermeiden, in der die Sowjetunion über die volle Freiheit verfügt, wirksame Angriffe auf unsere Weltraumsysteme in dem Wissen
durchzuführen,
Zieldaten

daß

ihre

zur Verfügung

Weltraumobjekte,
stellen, gegen

einschließlich

einen

jener,

amerikanischen

die

Angriff

unverletzlich sind. Die aus dieser Asymmetrie resultierende Instabilität
bringt die Gefahr nicht wiedergutzumachenden Schadens für die vereinigten
Staaten mit sich. Die Entwicklung eines glaubwürdigen Antisatellitensystems durch die Vereinigten Staaten ist ein notwendiger, integraler Bestandteil dar Maßnahmen, die notwendig sind, um diese Situation zu vermeiden. Daher

ist die Erprobung des MV-Flugkörpers

gegen Objekte im

Weltraum durch die Vereinigten Staaten notwendig, um einen eindeutigen
und nicht wiedergutzumachenden Schaden von der nationalen Sicherheit der
Vereinigten Staaten und ihrer Verbündeten abzuwenden.

3. Auswirkung

auf die Verhandlungen: Die ASAT-Erprobung, die wir

durchzuführen gedenken, folgt mit einem Abstand von über einem Jahrzehnt
dem Einstieg der UdSSR in die Erprobung eines koorbitalen ASAT-Systems,
das eine ganze Zeit lang das einzig einsatzfähige ASAT-System der Welt
gewesen

ist. Die Sowjets haben zudem, wie oben erwähnt, auch andere

Systeme erprobt - und in einigen Fällen disloziert -, denen ASAT-Kapazitäten innewohnen. Die Tatsache des Vorhandenseins solcher sowjetischer
- 12-

�solcher sowjetischer Kapazitäten sowie ihre Erprobung schließen effektiv
die Möglichkeit aus, daß die Erprobung der MV-ASAT durch die Vereinigten
Staaten einen irreversiblen Schritt darstellen.

Außerdem sind wir der Meinung, daß derlei Erprobung einen Anreiz für
die Sowjetunion darstellen kann, zu Abkcmmen über eine ganze Bandbreite
von Themen zu gelangen und sie daher die Aussichten auf einen erfolgreichen Abschluß der laufenden Verhandlungen nicht beeinträchtigen würde.

4. Vereinbarkeit mit dem ABM-Vertrac: Die Erprobung des amerikanischen F-18-MV-ASAT-Systems gegen Objekte im Weltraum durch die Vereinigten Staaten wird dem System nicht die Fäügkeit verleihen, gegen strategische Interkontinentalraketen oder deren Elemente auf ihrer Flugbahn
anzugehen und wird keinen Versuch nach ABM-Art sein. Daher

ist einer

solcher Versuch auch nicht durch den ABM-\'ertrag verboten.

Rüstungskontrolle bei Weltraumwaffen ist ein schwieriger Bereich; ich
hoffe, daß diese Darlegungen dazu beigetragen haben, die Haltung der
Administration hierzu zu erläutern.

- 13-

�37

18. September :,985

BERICHT DES US-AUSSENMINISTERIUMS ÜBER BEKÄMPFUNG DES RAUSCHGIFTHANDELS
- Außenpolitischer Senatsausschuß befaßt sich mit dem
internationalen Drogenproblem WASHINGTON -(AD) - Die Abteilung für internationale Rauschgiftfragen
im amerikanischen Außenministerium hat am 11. September 1983 dem Kongreß
der

Vereinigten Staaten

Jahresbericht

einen halbjährlichen

über die internationale

Ergänzungsbericht

zu dem

Bekämpfung des Rauschgifthandels

zugeleitet. In dem Bericht werden, nach Ländern geordnet, die Bemühungen
der Vereinigten Staaten im internationalen Rahmen dargelegt, mit dem Drogenproblem fertigzuwerden.

Der Außenpolitische Ausschuß des Senats befaßte sich im Zusammenhang
mit dem Bericht mit dem Thema Drogen. Der amerikanische Justizminister
Edwin Meese hob vor dem Ausschuß hervor, daß man den Drogenmißbrauch heute längst nicht mehr als ein amerikanisches Problem ansehen könne, vielmehr herrsche "die weltweite Erkenntnis, daß der Rauschgiftmißbrauch alle
unsere Gesellschaften bedroht". Daher beteiligten sich heute mehr Länder
- selbst Ursprungs- und Transit- sowie Vecbraucherländer - an der Bekämpfung des Rauschgifthandels.
Vor

dem

Ausschuß

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Vor dem Ausschuß nahm auch der Unterstaatssekretär für internationale
Rauschgiftfragen, Jon Thomas, dessen Abteilung den genannten Bericht erstellt hat, zu den Bemühungen um die Losung des Drogenproblems in den
Vereinigten Staaten selbst Stellung. Auch Thomas verwies auf die internationale Zusammenarbeit in diesem Zusammenahng und erklärte, die Reagan-Administration könne erste Erfolge in cer nationalen Strategie für die
Bekämpfung

des

Rauschgifthandels

verbuchen.

Allerdings

seien

weitere

große Anstrengungen auf nationaler und Internationaler Ebene notwendig,
um dem Drogenproblem beizukomen.
Nachfolgend geben wir den Zwischenbericht des amerikanischen Außenministeriums In wesentlichen Auszügen weiter:

LATEINMAMER1KA
Argentinien: Bundespolizei und Zollbehörden
hungen um die Bekämpfung des Rauschgifthandels
koordinierteren Anstrengung, dem einheimischen
genhandel zu begegnen, vor allem der Raffinerie
in den nördlichen Provinzen.

reorganisieien ihre Bemüim Rahmen einer neuen und
und internationalen Dround dem Handel mit Kokain

Belize: Die Vereinigten Staaten haben seit Dezember 1984 einen aktiven Dialog mit Ministerpräsident Esquivo gefünrt, in dem die Vereinigten
Staaten unterstrichen haben, daß die Ausrottung der Pflanzen aus der Luft
die entscheidende Bewährungsprobe für die Verpflichtung Belizes sei, dem
ständig steigenden Cannabisanbau Einhalt zu gebieten. Aber während die
Regierung von Belize wiederholt unterstrichen hat, daß sie sich zur Kontrolle des Rauschgifthandels verpflichtet, haba und die angeforderte amerikanische Anleitung für Ausrottungsmaßnahmen aus der Luft erhalten möchte, hat sie bisher (nach dem Stand vom 30. August) die Ausrottung der Marijuanapflanzen aus der Luft nicht wieder aufgenommen.
Bolivien: Die neue (seit August) Regierung von Präsident Paz Estens-

�Präsident Paz Estenssoro hat schwere wirtschaftliche Probleme und eine
chronische Instabilität geerbt, mit denen frühere Regierungen zu kämpfen
hatten., aber sie hat sich

verpflichtet, mit allem Nachdruck und vorran-

gig gegen den Rauschgifthandel vorzugehen. Bolivien ist weiterhin eines
der beiden Hauptlieferländer von Cocablättern (mit Peru) für den Weltmarkt für Kokain. Die Regierung kann sich auf einen wichtigen Erlaß vom
Mai 1985 stützen, der ein weitreichendes Mandat für die Einschränkung der
Produk- tion und der Vermarktung von illegalem Coca bietet. Damit werden
die Aktivitäten des Jahres 1985 gestärkt, zu denen wichtige Überraschungsunternehmen

und

Beschlagnahmen,

jedoch

nicht

die

Ausrottung

gehören

(Stand August). Die Bolivianer sind sich durchaus darüber iro klaren, daß
die

ame- rikanische Unterstützung

von bestimmten Bedingungen

abhängig

ist, vor allem von der Trennung der geschäftlichen Verknüpfungen.

Brasilien; Die neue zivile Regierung von Präsident Sarney mißt der
Bekämpfung ihrer gesellschaftlich-wirtschaftlichen Probleme überragenden
Vorrang bei, hat aber, trotz strenger Sparmaßnahmen der Entwicklung eines
umfassenden Programmes der Vorbeugung und Bekämpfung ebenfalls hohe Priorität eingeräumt, zu dem auch die Ausrottung der zunehmenden Coca- und
Marijuanaanpflanzungen

gehört. Im Juli

wurde ein neuer Bundesdrogenrat

ins Leben gerufen, um Empfehlungen für die Politik und neue Initativen
auszuarbeiten, und die brasilianische Bundespolizei setzt ihre aggressiven Bekämpfungs- und Ausrottungstätigkei :en fort, einschließlich starker
Unterstützungszusagen für die Operation "Fredrico III" (Coca) und "Operation Satellite" (Marijuana). Die brasilianische Polizei berichtet, daß
sie bis zum Ende der ersten Phase (bis 20. August) über 981 000 Cocabüsche vernichtet hat. Eine zweite Phase soll später in in diesem Monat
(September) anlaufen.

Kolumbien: Als Vorreiter in Lateinamerika setzt Kolumbien sein großes
Programm zur Vernichtung von Marijuana fort, durch das über die Hälfte
der Ernte von 1985 vernichtet werden könnte, während die Forschung auf
dem Gebiet der Herbizide fortgesetzt wird, die die Ausrottung von Cocabüschen aus der Luft erlauben. Die Kolumbianer konnten im Juli von ihrem
Rekordergebnis für einen Monat berichten •• sie sprühten 1 115 Hektar Ma- 3 -

�1 115 Hektar Marijuana. Jüngste Statistiken (Juli) zeigen, daß das höchst
wirksame Marijuana-Vernichtungsprogramm des Jahres 1984 in einigen traditionellen Ge- bieten vom Marijuanaanbau abgehalten hat und viele frühere
Felder aufgegeben wurden. Obwohl auch in anderen südamerikanischen Ländern neue Raffinerieanlagen für Kokain aufgetaucht sind, so bleibt Kolumbien doch die Hauptquelle für die Raffinerie von Kokain, das in die Vereinigten Staaten und auf die europäischen Märkte exportiert wird. Die
Staatspolizei hat ihre Razzien verstärkt, die auf Händler, ihre Boote und
Flugzeuge wie auf ihre Laboratorien abzielen, die zusammen mit zahlreichen Landebahnen zerstört wurden. Kolumbien hat sechs Personen unter der
Anklage von Rauschgifthandel an die Vereinigten Staaten ausgeliefert die Vereinigten

Staaten haben einen Amerikaner ausgeliefert, was eine

deutliche Demonstration ihrer Verpflichtungen unter der Betancur-Administration darstellt, den Rauschgifthandel unter Kontrolle zu bringen. Bis
Mitte des Jahres (1985) machte Kolumbien gute Fortschritte in seinem Parallelprogramm der Zusammenarbeit und Koordination mit seinen Nachbarländern; dazu gehören ein Auslieferungsabkonmen mit Venezuela, ein multinationales Funknetz für die Strafverfolgungsbehörden, ein gemeinsames Vernichtungsprogramm mit Ecuador und eine erfolgreiche Strafverfolgung über
die Grenzen hinweg mit Peru. Im Sommer erörterten kolumbianische und amerikanische Behörden mehrere mögliche neue Initativen, um die destabilisierenden Wirkungen dieser verschiedenen Druckmaßnahmen auf die Netze der
Hand- 1er auf ein Höchstmaß zu steigern.

Costa Rica: Die Kenntnisse von zunehmenden Kokaintransporten durch
Costa Rica, wie auch die Entdeckung großangelegter Marijuanapflanzungen
im Lande und die Publizität, die der kurzfristige Unterschlupf mexikanischer Rauschgifthändler in San Jose gefunden hat, haben die Empfindlichkeit der Öffentlichkeit und der Strafverfolgungsbehörden für die Notwendigkeit

der Kontrolle des Rauschgifthandies geschärft. In den letzten

sechs Monaten konnten 60 Hektar mit Marijuana vernichtet werden, die eine
Ernte von 120 Tonnen Marijuana geliefert hätten.

Ecuador: Das verstärkte Programm, das die Regierung Febres Corderos
in Angriff genommen hat, könnte für die Vernichtung und Beschlagnahme von
- 4 -

�Beschlagnahme von Rauschgift im Jahre 1985 neue Rekorde aufstellen. Im
Rahmen der Kampagne wurden in den ersten sechs Monaten des Jahres 1985
rund 230 Hektar Coca vernichtet, und das Programm schließt jetzt gemeinsame Maßmahmen mit Kolumbien ein. Durch diese gemeinsame Anstrengung wurden in den ersten Monaten seiner Durchführung bereits 66 Hektar Coca vernichtet und 13 Laboratorien zerstört.

Mexiko; Die Regierung hat wesentliche Veränderungen bei ihren Strafverfolgungs- und Sicherheitskräften vorgenommen, einschließlich von personellen Veränderungen an der Spitze des Justizministeriums, das in erster Linie für die Ausrottung des Drogenhandels und die Strafverfolgung
zuständig ist. Diese Veränderungen wurden zum Teil durch das harte Sparprogramm Mexikos, aber auch durch erneute Zusicherungen von Präsident de
la Madrid ausgelöst, die Einsatzbereitschaft und Wirksamkeit des mexikanischen Rauschgiftbekämpfungsprogramms zu stärken, nachdem im Februar der
Agent Camarana der Amerikanischen

Rauschgiftbekämpfungsbehörde DEA

(im

US-Justizministerium) getötet worden war und Beweise für Korruption in
amtlichen Kreisen offenkundig wurden, wie auch für die verstärkte Produktion von Opium und Marijuana. Aus Mexiko kommen weiterhin rund ein Dritte L der amerikanischen Heroineinfuhren und ein steigender Anteil der Mari.juanaimporte. Mexiko ist auch ein Hauptransitland für Kokain geworden.
Drei der wichtigsten Händler des Landes wurden im Zuge der Untersuchung
nach dem Tode Camarenas verhaftet, und zu der Reorganisation des Rauschgif tkontrollprogramms gehört auch die Zustimmung zu Überwachungen aus der
Luft und Beobachtungsprogrammen aus der Luft mit amerikanischer Hilfe,
die die Wirksamkeit der Kontrolle des Anbaus von Kapselmohn und Marijuana
wieder herstellen sollen. Der amerikanische Justizminister Meese, Unterstaatssektretär Thomas und der Leiter des Amtes für die Bekämpfung des
Rauschgifthandels (DEA) (im US-Justizministerium), Lawn, trafen im August
mit dem mexikanischen Justizminister und anderen Regierungsvertretern zusammen, um eine Verstärkung der Zusammenarbeit zu besprechen.

Panama; Die Regierung hat im September Sprühoperationen gegen Marijuanapflanzungen zugestimmt, die über bisherige Erwartungen hinausgehen
dürften. Panama ist auch in Verhandlungen mit den Vereinigten Staaten
- 5 -

�Vereinigten Staaten über ein gegenseitiges Rechtshilfeabkommen eingetreten, das zu den amerikanischen Anstrengungen zählt, der Geldwäsche von
Gewinnnen aus dem Rauschgifthandel Einhalt zu gebieten. Ferner fand eine
Zusammenarbeit bei Razzien statt, die zu einer Beschlagnahme von Rauschgift und chemischen Aufbereitungsmitteln führten.

Peru:

Die Operation Condor, eine erfolgreiche Anstrengung zusammen

mit kolumbianischen und amerikanischen Strafverfolgungsbehörden, ist das
erste Beispiel

für die Zusage des neuen peruanischen Präsidenten Alan

Garcia, der Herstellung von und dem Hancel mit Rauschgift in diesem Andenstaate - der zu den beiden Hauptlieferanten von Cocablättern gehört,
den Weltmarkt mit Kokain beliefern - Einhalt zu gebieten. Bis Ende August
wurden über 2 400 kg von Kokainbasis und Kokainpaste sowie Aufbereitungschemikalien und Geräte beschlagnahmt. Die neue Regierung hat 37 Generäle
der Polizei entlassen und dürfte über 200 Oberste und andere Offiziere
aus dem Dienst entfernen. Die Ausrottung von Coca ging in den letzten Monaten

der

Belaunde-Regierung

trotz erneuter

Gewalttätigkeiten

weiter,

aber die Beschlagnahmungen gingen wegen der Aktivitäten der Terroristen
stark zurück, nachdem die Regierung das Obere Huallaga-Tal zum Notstandsgebiet erklärt hatte und das peruanische Militär seinen Kampf gegen das
Rauschgift einschränkte.

Venezuela: Präsident Lusinchi hat seine führende Rolle im Kampf gegen
den Rauschgifthandel im internationalen Rahmen beibehalten, indem er sich
für Lösungen einsetzt, die zu Überlegungen für eine neue internationale
Konvention

gegen

den Rauschgifthandel

führen und in nationalem

Rahmen

durch eine verstärkte Kampagne gegen den Drogenhandel. Zu den Strafverfolgungsmaßnahmen gehören die Schaffung einer 100 Mann starken Drogenbekämpfungseinheit der Nationalgarde sowie die Reorganisation der Staatspolizei.

DIE KARIBIK
Bahamas;

Die

bedeutsamste

gemeinsame
- 6 -

Anstrengung

der

Vereinigten

�der Vereinigten Staaten und der Bahamas wurde in diesem Jahr unter der
Bezeichnung "Blauer Blitz" eingeleitet. Die Beschlagnahmungen von Kokain
beliefen sich in den ersten sechs Monaten auf insgesamt 4 332 Pfund. Die
Regierung Findling steht unter starkem Druck, wirksame Maßnahmen zu ergreifen, ein Druck, der aus monatelangsn Untersuchungen

über amtliche

Verbindungen sowie der zunehmenden Kokainsucht auf den Bahamas entstand.
Die von den Vereinigten Staaten unterstützte Operation auf den Bahamas
ist weiterhin erfolgreich und führte in diesem Jahr zur Beschlagnahme von
fast 130 Tonnen Marijuana und drei Tonnen Kokain.

Jamaica:: Die Regierung Seaga hat in cen ersten sechs Monaten des Jahres 1985 beträchtliche Fortschritte erzielt, den Marijuanaanbau und den
Drogenhandel zu bekämpfen. Die Berichte über Vernichtungen lassen erkennen, daG in den letzten sechs Monaten mehr Marijuana ausgerottet wurde
als im ganzen Jahr 1984. Eine Überprüfung aus der Luft hat ergeben, daß
beträchtlich weniger Marijuana angebaut wurde als erwartet. Die Schätzungen der Frühjahrsernste dürften zu hoch gewesen sein und das Ausrottungsprogramm beginnt Wirkung zu zeigen. Die Herbstvernichtungskampagne beginnt im September und die Vereinigten Staaten werden wieder bei der
Luftaufklärung

des Marijuanaanbaus

urter einer neuen Befehlsstruktur

behiLflich

sein. Die erst

reorganisierten Behörden von Jamaica

haben zwei große Gruppen von Rauschgifthändlern
weiter

kürzlich

festgenommen und haben

Landepisten von Rauschgifthändlern zerstört und große Beschlag-

nahmungen vorgenommen.

SÜDWESTASIEN

Indien: Es herrscht weiter Besorgnis über das potentiell gefährliche
Anwachsen der gesetzlich erlaubten Opiumvorräte im Lande wie auch über
den Transit von Heroin aus Pakistan und Burma sowie die Lieferungen von
Aufbereitungschemikalien an Heroinlaboratorien im Goldenen Dreieck. Als
Antwort darauf bildete die Regierung Gandhi eine neue Strafverfolgungsbehcrde und plant eine Verschärfung

der einschlägigen Gesetze. Die Be-

schlagnahmungen von Heroin sind im Jahre 1984 gestiegen und dürften neue
- 7 -

�dürften neue Höchststände erreichen.

Pakistan:

Wenn

die

Opiumproduktion

auch

unter

den

historischen

Höchstständen bleibt und die Regierung Zia ihr Verbot von Opium ausdehnt,
so bleibt Pakistan doch ein wichtiger Lieferant von Opium und ein wichtiges Herstellungs- und Exportland von Morphiumbasen und gereinigtem Heroin. Ein beträchtlicher Teil des Opiumhandels kommt aus Afghanistan. Pakistan, das in zunehmenden Maße unter Heroinsucht leidet, hat begonnen,
seine Maßnahmen zur Bekämpfung des Rauschgifthandels zu verschärfen. In
der ersten Hälfte des Jahres 1985 wurde \/on großen Beschlagnahmungen von
Opium und Heroin berichtet und auch einige wichtige Heroinlaboratorien
zerstört.

Syrien: Den amerikanischen Behörden ist keine Produktion von Rauschgift in Syrien bekannt, aber der Transithandel durch dieses Land hält unvermindert an. Die Regierung berichtet zwar von umfassenderen Bemühungen
zur Bekämpfung des Drogenhandels, aber das syrische Militär im Libanon
hat keine Verbindung mit der Rauschgiftpolizei und dürfte eher den Transithandel durch den Libanon erleichtern und fördern.

Türkei: Die Regierung geht weiterhin wirksam gegen die verbotene Abzweigung aus ihrer gesetzlich erlaubten Opiumerzeugung vor und hat ein
besonderes Polizeiprojekt

ausgearbeitet, um dem Rauschgiftschmuggel in

den bergigen Ostprovinzen Einhalt zu gebieten.

SUDOSTASIEN
Burma: Das Programm der Regierung, um die größte illegale Opiumproduktion der Welt einzudämmen, dürfte in diesem Herbst durch ein Programm
zur vollständigen Ausrottung neuen Auftrieb erfahren. Weil Gruppen von
Aufständischen, vor allem die Kommunistische Partei Burmas und die Vereinigte Shan-Armee, einen großen Teil des Gebietes kontrollieren, in dem
Opium hergestellt wird, plant die Regierung Vernichtungsmethoden aus der
Luft, durch die der Mohn ausgerottet wird. Die Produktion dürfte im Jahre
- 8 -

�im Jahre 1985 auch zurückgehen, weil in vielen Gebieten schlechtes Weter
herrschte. Die Regierung führt weiterhin militärische Razzien gegen die
Hauptquartiere und die Laboratorien der Händler durch.

Hongkong: Die Regierung von Hongkong setzt ihre Bemühungen zur Bekämpfung des Rauschgifthandels nachhaltig

fort. Der kürzliche Rückgang

des Preises von Heroin im Straßenhandel könnte bedeuten, da3 mehr Heroin
exportiert

wurde, aber Regierungsvertreter

aus Hongkong

weisen

darauf

hin, daß keine Eeweise dafür vorliegen, daß Heroin in bedeutsamen Mengen
exportiert Mjrde. Ein kürzliches Urteil des Obersten Gerichtshofes erlaubt es disr Regierung

von Hongkong, Pngeklagte in Rauschgiftdelikten

auszuliefern.

Indonesien: Die Regierung von Präsident Suharto, die sich offensichtlich zunehmende Sorgen über den Transithandel mit Drtgen, über die steigende Produktion von Marijuana im eigenen Lande und über die Heroinsucht
in Indonesien macht, behandelt den Drogenmißbrauch als langfristige Bedrohung der gesellschaftlchen Stabilität. Die Regierung gab im Mai die
Reorganisation der Leitung der Rauschgiftpolizei des Landes bekannt. Eine
Kampagne gegen Händler und sonstige Gesetzesbrecher führte zur Verhaftung
von Polzeibaamten, die im Rauschgifthandel steckten und es wurden harte
Urteile, vor allem gegen Heroinhändler, ausgesprochen.

Laos: Über die Rauschgiftherstellung in Laos ist wenig bekannt und
die Regierung des Landes behauptet, daß die illegale Produktion und der
illegale Verbrauch unter Kontrolle stünden.
Malaysia: Die Regierung betrachtet den Rauschgifthandel als eine Bedrohung der nationalen Sicherheit und fördert weiterhin Aktivitäten der
Vereinten Nationen und der anderen ASEAN-Mitglieder zur Drogenbekämpfung
und sucht gleichzeitig ihre eigenen Anstrengungen auf diesem Gebiet zu
intensivieren. Malaysia, das über den Mangel an politischem Willen seiner
Nachbarn zur Bekämpfung des Rauschgifthandels besorgt ist, hat eine diplomatische Initiative ins Leben gerufen, um auch die Führer anderer Länder der Region auf diese Gefahren hinzuweisen.
Philippinen:
- 9 -

Das

�Philippinen: Das Programm der Regierung zur Ausrottung von Marijuana
hatte im Jahre 1984 seinen bisher größten Erfolg, aber der Anbau ist noch
immer weit verbreitet und die Philippinen sind ein Marijuanalieferland
für Südostasien, Japan, Australien und die Vereinigten Staaten.
Thailand: Die jüngste Einschätzung der Opiumernte 1984-85 in Thailnad
zeigt, daß das Anbaugebiet größer geworden ist, daß aber aufgrund ungünstiger Wetterbedingungen sowie verstärkter Vernichtungsoperationen durch
thailändische Einheiten weniger Opium produziert wurde. Thailand will
sein Konzept des "kontrollierten Dorfes" weiter ausdehnen, in dessen Rahmen die Dorfbewohner sich verpflichten, kein Opium anzubauen und dafür
wirtschaftliche Unterstützung für das Do:f erhalten. Thailand setzt auch
seine Anstrengungen zur Ausrottung von Marijuana fort, in deren Rahmen in
drei Monaten bis Ende Januar 1985 über 1500 Tonnen Marijuanapflanzen vernichtet wurden. Sondereinheiten setzten ihre Operationen gegen Drogenhändler in den Grenzgebieten fort und haben große Lieferungen beschlagnahmt.

AFRIKA
ÄGYPTEN: Trotz verbesserter Überwachung durch die ägyptische Regierung werden weiterhin Opium und Haschisch aus dem Libanon und aus Pakistan nach 'Ägypten eingeführt. Ägypten bleibt ein Transitgebiet für Heroinlieferungen an Drittländer, und es besteht große Besorgnis, daß in
Ägypten selbst Heroinlaboratorien entstehen könnten.
Marokko: In einigen Gebieten ist de:? Anbau von Rauschgift - hauptsächlich Haschisch - für den Export nach Europa eine der Hauptwirtschaftstätigkeiten. Die Rauschgitftbekämpfungsanstrengungen der Regierung
konzentrieren sich auf die Exporte. Die Regierung scheut vor der direkten
Konfrontation mit den Anbauern in Gebieten zurück, in denen historisch
und noch heute die Regierung große Schwierigkeiten hatte und hat, ihre
volle Autorität geltend zu machen. Damit sieht es so aus, als ob der
- 10 -

�als ob der Stand des Anbaus und des Mißbrauchs für die nächste Zukunft
einigermaßen gleich bleiben wird.

SONSTIGE LÄNDER

Wie es in dem öffentlichen Gesetz Ni. 86-164 vorgesehen ist, befaßt
sich dieser Bericht hauptsächlich mit den Haupterzeugerländern, in denen
Rauschgift angebaut und gereinigt wird. Die amerikanische Regierung beteiligt sicn jedoch aktiv an Untersuchungen und unterstützt Bemühungen
vieler Transitländer, dem Schmuggel mit verbotenen Drogen Einhalt zu gebieten.

Die amerikanische Regierung steht in Verbindung mit mehreren Ländern,
die in diesem Bericht nicht aufgeführt sind, wie beispielsweise Haiti,
Paraguay, der Dominikanischen Republik, Honduras, Guatemala und anderen.
Die amerikansiche Regierung befaßt sich auch mit anderen Aspekten des
Rauschgifthandels, wie etwa der Untersuchung von Geldwäsche, und hat immer Abkommen über finanzielle Informationen angestrebt, wie etwa das vorjährige Abkommen mit den Cayman-Inseln.

Und die amerikanische Regierung beobachtet weiterhin verdächtige Tätigkeiten von Regierungsvertretern

in vsrschiedenen Ländern und selbst

von Regierungen wie in Kuba, Nicaragua und Bulgarien. Es hat in jüngster
Zeit

wichtige

Kontakte

von

Vertretern

des

Außenministeriums

und

der

Rauschgiftbehörde mit den Bulgaren gegeben, um Situationen zu beseitigen,
in denen amtliche Regierungsstellen und Regierungvertreter nach Berichten
in den Rauschgifthandel verwickelt waren.

Und das amerikanische Außenministerium verfolgt auf der ganzen Welt
Berichte über mögliche Verwicklungen terroristischer Gruppen und anderer
politische

Aufständischer, die den Rauschgifthandel

etwa benutzen, um

ihre Aktivitäten, einschließlich ihrer Waffenkäufe, zu finanzieren.
* * * * *

- 11 -

�18. September 1985

37

"TITANIC" NACH 73 JAHNEN GEFUNDEN
- US-Technologie hilft Objekte

-

n der Tiefsee orten -

(AD) - Die genaue Position des "T Ltanic"-Wracks, das ca. 400 See-

meilen südöstlich von Neufundland auf dem Grund des Nordatlantik liegt,
wollte Dr. Robert D. Ballard nicht preise eben. Der leitende Wissenschaftler für Tiefseeprojekte der "Woods Hole Oceanographic Institutions", Massachusetts, und seine Kollegen möchten vorhindern, daß der vor 73 Jahren
auf seiner Jungfernfahrt untergegangene Luxusdampfer jetzt von Souvenirjägern zur Geschäftemacherei ausgeschlachtet wird. Die Welt solle die Ruhe der mehr als 1500 Toten respektieren, meinte Ballard auf einer Pressekonferenz am 11. September 1985. Von den 2200 Passagieren, die sich damals an Bord der Schiffes befanden, waren nur knapp 700 gerettet worden.

Das Schicksal des als unsinkbar geltenden modernsten Schiffes seiner
Zeit, und das seiner vielen prominenten Passagiere hat seit dem Unglückstag, dem 10. April 1912, für Menschen in aller Welt eine besondere Faszination. Dokumentierte Funksprüche und Belichte von Überlebenden lieferten
immer wieder Stoff für realistische oder auch mehr oder weniger phanta-

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Telex: 8-85432

�weniger phantasievolle Schilderungen der Stunden und Minuten vor und nach
der Katastrophe. Der 353 m lange Ozeanriese war mit einem Eisberg kollidiert. Dabei wurde eine Seitenwand

aufgeschlitzt. Zweieinhalb Stunden

später versank die "TITANIC" in den kalten Fluten. Das Meer ist dort etwa
4 000 m tief.

Technisch gut vorbereitete, aber ebenso auch abenteuerliche Versuche,
das Wrack der "TITANIC" zu orten gab es in den vergangenen sieben Jahrzehnten zur Genüge, immer wieder ohne Efolg. Es gelang schließlich Anfangs September 1985, und zwar amerikanischen und französischen Wissenschaftlern in einer Zusammenarbeit von Bord der Forschungsschiffe "KNORR"
und "SUROIT". 13 Experten des amerikanischen Laboratoriums trafen im August in dem als Ort der Katastrophe vermuteten Seebereich mit ihren französischen Kollegen zusammen, die seit Wochen von der "SUROIT" aus das Gebiet sondiert hatten. Die "SUROIT" ist Expeditionsschiff eines Instituts
in Paris. Mit modernsten Spezialgeräten und Instrumenten suchten die Forscher nach Anhaltspunkten für Überreste der "TITANIC".

Wie John Lehman, Staatssekretär für die US-Marine, am 11. September
auf einer Pressekonferenz am Sitz der "National Geographie Society" in
Washington bemerkte, zeigte die Auffindung des Wracks, welche Bedeutung
die bis vor kurzem noch unzugängliche Tiefsee für Kultur- und Wirtschaf tsgüter der Welt besitze. Dank neuer Techniken würden Möglichkeiten
eröffnet, selbst Schiffswracks aus der Antike samt ihrer Ladung zu orten,
vielleicht sogar zu bergen. Mineralstoffe am Meeresgrund aufzufinden und
abzubauen zähle zu den wichtigen Industrieprojekten der Zukunft.

Der Meeresgeologe Dr. Ballard erläuterte den Journalisten die Techniken der Unterwassersondierungen mit Sonar-Echolot, Scheinwerfern und Kameras. Die Instrumente werden auf einem schlittenähnlichen Gerät, ARGO,
zum Meeresboden abgesenkt, das mit einem dicken Stahlkabel mit dem Schiff
verbunden bleibt. In dem Kabel befinden sich die Versorgungsleitungen zur
Fernsteuerung des Tiefseeschlittens und seiner Instrumente. ARGO, fast
fünf Meter lang und mehr als zwei Meter breit, wird normalerweise zur Ermittlung der Unterwasser-Topographie und zum Vermessen von Erhebungen und
Spalten benutzt. Sobald die Echolotdaten der seitlich ihre Signale aus-

�Signal aussendenden Sonar-Instrumente et^as Interessantes vermuten lassen, können die Fernsehkameras auf das Objekt eingestellt werden. Ihre
Aufnahmen erscheinen sofort auf Bildschicm an Bord der "KNORR"; gleichzeitig werden sie von Computern erfaßt unü, zur Verbesserung der Bildwerte, aufbereitet. Sei geben dem Wissenschaftler eine Möglichkeit zur direkten "Sicnt" auf den Meeresboden. ARGO kann bis in Bereiche von mehr
als 6 00 m unter dem Wasserspiegel operieren. Gerät samt Instrumente halten dem gewaltigen Druck in dieser Tiefe stand.

Die französischen Wissenschaftler hatten durch Eingrenzung des Katastrophenortes mit ihrem neuartigen Sonarsystem SAR ganz wichtige Vorarbeit geleistet. Nun konnte die "KNORR", so Ballard, sich mit ARGO auf einen bestimmten Bereich von Sanddünen in dar Nähe eines gigantischen Tiefseegrabens konzentrieren. Als schließlich die ARGO-Kameras die Aufnahme
von einem der Kessel der "TITANIC" nach oben schickten, wußte man an Bord
der "KNORR", daß das Unglücksschiff gefunden war.
Fünf Tage brauchten die Wissenschaftler, um die Videobänder mit den
Aufnahmen der Fernsehkameras fertigzustellen. Gleichzeitig wurde ein weiterer Unterwasser-Roboter, ANGUS, auf das Objekt angesetzt, um Farbaufnahmen auf 35 mm-Film zu machen.

Bei den Bildern handle es sich nicht um Nahaufnahmen, sagte Ballard.
Umso erstaunlicher sei, wieviele Einzelheiten sie erkennen ließen, ja daß
sie überhaupt in solcher Tiefe gemacht werden konnten. Sie zeigen in erster Linie den Bugbereich. Die "TITANIC" sei nicht gekippt, sondern liege
aufrecht auf dem Meeresgrund, auf einigen Bildern seien Teile des Hecks
erfaßt, das vom sinkenden Schiff losbrach.
Die Entwicklung des ARGO-Systems begann 1982, dürfte aber erst 1988
abgeschlossen sein. Kostenpunkt: ca. 2,8 Millionen Dollar. Wie Dr. Ballard erklärte, sei man bemüht, vorhandene Techniken optimal zu kombinieren, anstatt völlig neue Verfahren zu entwickeln. Im Dezember 1985 werde
man im Pazifik mit ARGO einen 190 km langen Abschnitt der viele Tausende
von Kilometern umfassenden Unterwasser-Bergketten der Weltmeere untersu-

�Weltmeere untersuchen. Sie bedecken, soweit man bisher weiß, 20 Prozent
der Erdoberfläche. Die bevorstehende Expedition sei der erste umfassende
Versuch, sich ein Bild vom Aussehen und der Beschaffenheit der Abhänge
eines Tiefseegebirges zu machen. Möglicherweise lassen sich mit ARGO auch
weitere Hinsweise auf Lebewesen finden, wie sie von heißen Quellen in der
Tiefsee entdeckt worden sind.

Im nächsten Jahr beabsichtigt Dr. Ballard, mit dem bemannten Tiefsee-Forschungs-Unterseeboot

"ALVIN" die

"TITANIC" noch einmal aufzusu-

chen, um das Wrack direkt zu inspizieren. Außerdem sollen weitere Aufnahmen mit Hilfe unbemannter Geräte gemacht werden, die sich im Meeresforschungslabor Woods Hole noch in der Entwicklung befinden.

* * * * *

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                <text>&lt;strong&gt;1. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Interview von Botschafter Burt mit dem Sender Freies Berlin&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA um Verhinderung eines Wettrüstens im Weltraum bemüht&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Anhörung von ACDA-Direktor Adelman -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Hintergrund&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Bericht des US-Außenministeriums über Bekämpfung des Rauschgifthandels&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Außenpolitischer Senatsausschuss befasst sich mit dem internationalen Drogenproblem -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;"TITANIC" nach 73 Jahren gefunden&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- US-Technologie hilft Objekte in der Tiefsee orten -&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>2 5 . September 1985

38

INHALT
INFORMATION
Gedanken zur Geschichte und Fortentwicklung der deutschamerikanischen Beziehungen
- Rede des Botschafters der Vereinigten Staaten von Amerika, Richard
Burt, anläßlich des 200. Jahrestages des ersten amerikanisch-preussischen Vertrages in der Staatsbibliothek Berlin am 25. Sept. 1985 DOKUMENTATION
Reagan umreißt Handelspolitik der USA
- Rede vor amerikanischen Unternehmern Reagan-Pressekonferenz vom 17. September
- Auszüge HINTERGRUND
UDSSR verstärkt um westliche Technologie bemüht
- Erklärung von US-Verteidigungsminister Weinberger WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Die erste Begegnung mit einem Kometen
- Amerikanische Raumsonde durchflog Schweif von "Giacobini-Zinner"

* * * * *

Um Über/endung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�25. S.eptember 1985

38

GEDANKEN ZUR GESCHICHTE UND FORTENTWICKLUNG
DER DEUTSCH-AMERIKANISCHEN BEZIEHUNGEN

- Rede des Botschafters der Vereinigten Staaten von Amerika,
RICHARD BURT,
anläßlich des 200. Jahrestages des ersten
amerikanisch-preußischen Vertrages in der Staatsbibliothek Berlin
am 25. September 1985 -

"Dies ist der liberalste Vertrag, den unabhängige Mächte jemals eingegangen sind...Er wird in vollerem Umfang dazu beitragen, eine allgemeine Befriedung herbeizuführen als irgendeine Maßnahme, die die Menschheit bisher versucht hat", so schrieb George Washington. Er meinte damit das damals gerade geschlossene Abkommen zwischen den Vereinigten Staaten von
Amerika und dem Königreich Preußen.

Auf beiden Seiten des Abkommens standen überragende Figuren der Aufklärung. Hier in dieser Stadt regierte Friedrich der Große, Freund der

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Freund der fortschrittlichsten Denker seiner Zeit, Förderer der Künste,
ein Soldatenkönig, aber auch ein Philosophenkönig. Einer der wichtigsten
Männer, die

auf

amerikanischer

Seite unterzeichnet

hatten

- Benjamin

Franklin - war ein universalgebildeter Philosoph und Staatsmann, eine der
größten geistigen Gestalten seiner, ja, jeder Zeit. Der abgeschlossene
Vertrag wurde von der Londoner Monthly Review als "die beste Lektion in
Humanität" bezeichnet, "die ein Philosophenkönig (Friedrich der Große),
in Übereinstimmung mit einem philosophischenen Patrioten (Franklin) handelnd, den Fürsten und Staatsmännern der Erde überhaupt erteilen konnte."

Selten hatte ein Abkommen bedeutsamere Gründerväter oder fand wärmere
Unterstützung. Dieser Vertrag war innovativ und selbst aus heutiger Sicht
bemerkenswert weitsichtig. Er betonte das Konzept der Handelsliberalisierung. Er machte das Wohlergehen und das Glück der Menschen zu seinem Ziel
und nicht die Macht und Vorrechte der vertragschließenden Staaten. Er
legte Regeln für die Behandlung Kriegsgefangener fest und nahm damit viel
von der späteren Genfer Konvention von 1929 vorweg. Es handelte sich hier
um ein weitblickendes Abkommen, das solche modernen Konzepte wie Freihandel, Menschenrechte und Rüstungskontrolle aufgriff.

Im Laufe der zwei Jahrhunderte, seit dieses Dokument unterzeichnet
wurde, haben sich unsere beiden Länder, Deutschland und Amerika, voneinander entfernt und gerieten schließlich zweimal in Konflikt miteinander,
nur um schließlich ein Band zu schmieden, dessen Festigkeit, Intensität
und Bedeutung in der menschlichen Geschichte wahrscheinlich nicht seinesgleichen hat. Auf einer Feier wie dieser hier ist es natürlich für einen
amerikanischen Botschafter in Deutschland verlockend, seine Ausführungen
ausschließlich auf diese letzten vierzig Jahre zu konzentrieren, in denen
die Geschichte der deutsch-amerikanischen Zusammenarbeit so positiv und
das Ausmaß unser gemeinsamen Leistungen so

eindrucksvoll waren.

Und doch hat uns die Geschichte durch die Tragödie ebenso viel zu
lehren wie durch den Triumph. Wir erleben hier in der Bundesrepublik
Deutschland ein erneutes Interesse an der deutschen Vergangenheit, vor
allem an der Geschichte jenes Staates, dessen Hauptstadt Berlin war, und
- 2-

�war und um die herum das moderne Deutschland aufgebaut wurde. Dieses Interesse wird durch das Gebäude symbolisiert, in dem wir jetzt zusammengekommen sind, die Staatsbibliothek Preußischer Kulturbesitz.

Wenn Sie mir erlauben, möchte ich deshalb einen Rückblick auf die
ganzen

zwei

Jahrhunderte

der

Beziehungen

zwischen

amerikanischen

und

deutschen Regierungen geben und nicht nur auf das anfängliche Versprechen, das dieser Vertrag im Sinne der geistigen wie auch kommerziellen
und politischen Übereinstimmung der Interessen gab, sondern auch auf die
tiefe Enttäuschung dieser Hoffnungen und schließlich auf ihre endgültige
Bewertung in der Schaffung einer besonderen Beziehung zwischen unseren
beiden Ländern in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Als dieser Vertrag vor 200 Jahren unterzeichnet wurde, befanden sich
die Vereinigten Staaten und Preußen in einer vergleichbaren internationalen Position. Sie waren beiden Außenseiter

im internationalen System.

Amerika war ein Außenseiter, weil es physisch isoliert war, weil seine
Bewohner oder deren Vorfahren beschlossen hatten, Europa zu verlassen,
weil sie als Amerikaner beschlossen hatten, ihre politische Unabhängigkeit von Europa zu bekräftigen, und weil sie ein einzigartiges politisches System eingeführt hatten, das die meisten europäischen Monarchien
zutiefst

beunruhigte. Preußen

Dreißigjährige
Deutschland

Krieg und

wiederum

war ein Außenseiter, weil der

der daraus resultierende Westfälische

Friede

für über zwei Jahrhunderte zur Spaltung und Machtlosigkeit

verurteilte.

Die relative Schwäche beider und das, was sie als Gefahr seitens
Großbritanniens und Frankreichs empfanden, trug in beiden Ländern zu der
weitverbreiteten Auffassung bei, daß sie etwas Besonderes seien und deshalb als Modell für die übrige Welt dienen könnten.

Aber es gab noch weitere Ähnlichkeiten zwischen beiden Staaten. Wie
Gräfin Dönhoff schrieb, hingen beide Staaten ursprünglich der Philosophie
der Aufklärung an. Das Preußen Friedrich des Großen war ein Zentrum der
religiösen Toleranz in Europa. Er gewährte vielen aus religiösen Gründen
- 3-

�religiösen Gründen Verfolgten Asyl, den Hugenotten aus Frankreich und anderen von andernorts. Er war der erste Herrscher in Europa, der die Folter abschaffte. Er gewährte den Jesuiten Zuflucht als der Papst ihren Orden auflöste. Er baute in dieser Stadt für seine katholischen Untertanen
die große St. Hedwigskirche.

Auch die Gründerväter Amerikas waren Söhne der Aufklärung. Die Verfassung, die sie entwarfen, und unsere vorausgegangene Revolution waren
Marksteine in der Verbreitung der Gedanken der Aufklärung. Und die Amerikaner haben sich lange Zeit Deutschland so wie Amerika vorgestellt. Einer
der größten amerikanischen Historiker, George Bancroft, der letzte amerikanische Gesandte in Preußen und erster Gesandter im Deutschen Reich,
schrieb 1870, daß "die deutschen Institutionen und die unserigen sich
stark ähneln."

Aber die beiden Länder begannen auseinanderzutreiben. Deutsche und
amerikanische Historiker - Golo Mann und Gordon Craig zählen sicherlich
zu den herausragendsten - sind sich hinsichtlich der Ursachen einig. Was
vielen berühmten Amerikanern ein aufgeklärtes Preußen zu sein schien,
wurde eben dies immer weniger. Der Rationalismus des 18. Jahrhunderts
hatte Amerika zu einer individualistischen, dezentralisierten Demokratie
geführt. In Preußen und später im Kaiserreich führte die Aufklärung jedoch zu einer Konzentration auf das persönliche Eigenleben und damit zu
einer Abneigung, am öffentlichen Leben und somit an der Politik teilzunehmen. Dies überließ die Regierung, und vor allem die Außenpolitik, den
Händen einiger weniger, fast allmächtiger Gegner der Demokratie: der Monarchie und einer Offizierskaste.

Der imperialistische Wettlauf beider Länder nach Kolonien wurde durch
die sang- und klanglose Entlassung des unersetzlichen Lotsen des Reiches,
Fürst Bismarck, durch den jungen Kaiser und dessen unüberlegten, gierigen
Griff nach Weltmacht verschärft. Und so kämpften Deutschland und die Vereinigten Staaten im Ersten Weltkrieg als Gegner. Amerikas Eintritt in den
Ersten Weltkrieg trug entscheidend zur Beendigung dieses Konflikts bei.
Aber sofort danach zog sich Amerika in eine unrühmliche Isolation zurück.
- 4-

�Isolation zurück. Es trug damit dazu bei, die Grundlagen einer neuen,
stabilen internationalen Ordnung zu zerstören, nachdem die Stützen der
alten Ordnung weggefegt worden waren.

Die sich abmühende Weimarer Demokratie brachte eine Neubelebung deutscher demokratischer Traditionen, die niemals zuvor zu vollem Erfolg gekommen, die aber auch nie ganz ausgestorben waren. Die Weimarer Verfassung spiegelte den gleichen Nachdruck auf religiöse Freiheit wider, wie
sie in der Verfassung des gescheiterten Frankfurter Parlamentes von 1348,
ja sogar in einem Artikel des preußisch-amerionischen Vertrages niedergelegt war, dessen 200. Jahrestag wir heute hier feiern. Im Bewußtsein
der Notwendigkeit eines wirtschaftlichen Wiederaufschwungs Deutschlands,
sollte die Weltwirtschaft wieder gedeihen, boten die Vereinigten Staaten
der Weimarer Republik beträchtliche wirtschaftliche Hilfe. Diese Politik
wurde nachdrücklich von dem damaligen Handelsminister und späteren Präsidenten Herbert Hoover vertreten.

Aber die finanzielle Unterstützung seitens Amerikas konnte kein Ersatz sein für die notwendigere amerikanische Verpflichtung zu Stabilität
und Frieden in Europa, wie sie vom Völkerbund vorgesehen worden war. Unter dem wachsenden inneren und äußeren Druck ürach die Weimarer Republik
schließlich zusammen; Nazismus und Faschismus triumphierten, und Europa
taumelte in einen schrecklichen Alptraum hinein.

Bundespräsident von Weizsäcker erklärte am 8. Mai 1985 vor dem Deutschen Bundestag: "Hitler wollte die Herrschaft über Europa und zwar durch
Krieg." Aus jüngeren Forschungen geht hervor, daß er tatsächlich auch die
Absicht hatte, schließlich die Vereinigten Staaten zu erobern. Er unterschätzte, wie der Kaiser, Macht und Willen Amerikas völlig. Aus dem eitlen Traum des Isolationismus aufgerüttelt, schloß sich Amerika mit seinen
Verbündeten zusammen, um Hitler und seinen Mitverbrechern die endgültige
Niederlage zu bereiten.

Bundespräsident

von

Weizsäcker

führte

in

der

gleichen

Rede aus:

"...wir haben allen Grund, den 8. Mai 1945 als das Ende eines Irrweges
- 5-

�eines Irrweges deutscher Geschichte zu erkennen, das den Keim der Hoffnung auf eine bessere Zukunft barg."

Danach standen die Deutschen, vor alLem in Berlin und die Berliner,
lange Krisen durch, widersetzten sich erfolgreich der Tyrannei und verteidigten ihre Freihsit und Sicherheit. Die Berliner, unterstützt durch
die Verbündeten, hielten die drei Westsektoren dieser Stadt als eine Insel der Freiheit aufrecht. Man darf niemals vergessen, daß die ersten Europäer, die gegen kommunistische Versuche ihrer Unterwerfung rebellierten, Berliner waren, die die gewaltsame Vereinigung von Sozialdemokraten
und Kommunisten

ablehnten, die Stalin

jnd Ulbricht in der Sowjetzone

durchsetzten.

Dafür, daß sie zu diesem Sieg der Freiheit inspirierten und hinführten, verdienen Ernst Reuter und Kurt Schumacher zu den Helden unserer
Zeit gerechnet zu werden. Der erste landesweite Aufstand gegen kommunistische und ausländische Herrschaft 195:&gt; begann in Berlin und breitete
sich über ganz Ostdeutschland aus.
In der zweiten Hälfte dieses Jahrhunderts haben unsere beiden Länder,
Deutschland und die Vereinigten Staaten, ihre Idee einer Sonderstellung,
ihr Sendungsbewußtsein und ihre gegenseitige Feindseligkeit aufgegeben.
Unter der überparteilichen außenpolitischen Führung von Truman, Vandenberg, Eisenhower und Acheson wandte sicn Amerika vom Isolationismus ab
und einem aktiven Engagement zu, das durch den Marshall-Plan, das Punkt-Vier-Programm und die Gründung der NATO symbolisiert wurde.

Die Bundesrepublik Deutschland wurde ein integraler Bestandteil des
Westens.

Ihre Führer errichteten

einen neuen

liberalen

demokratischen

Staat. Konrad Adenauer führte eine zweite politische Revolution in Westeuropa durch: die deutsch-französische Versöhnung, die Errichtung der Europäischen Gemeinschaft und den deutschen Beitritt zur NATO. Es war in
der Tat Adenauer, der zusammen mit Schuman, de Gasperi und Monnet Europa
aus einem Schlachtfeld in ein gemeinsames Unterfangen des Friedens und
der Stabilität durch Einheit verwandelte. Unter der Führung von Konrad
-6-

�von Konrad Adenauer gaben die Deutschen all das auf, was Professor Richard Löwenthal als 'Zwischenkultur1 bezeichnet hat - eine kulturelle Haltung, die besagt, daß Deutschland sich sowohl von Ost als auch von West
unterscheidet -, als auch die 'Schaukelstellung', eine Politik des Jonglierens zwischen Ost und West, gaben es auf zugunsten der Einigung Westeuropas mit Deutschland als vollem und gleichwertigem Partner.

Ein

ancerer

wichtiger

Mitbegründer

des

neuen

und

demokratischen

Deutschlands ist ein Mann, dessen Tod wir in dieser Woche betrauern, Axel
Springer. Er hatte in seiner Jugend erlebt, daß ein Tyrann als erstes die
Medien in seine Gewalt bringt, um die Information zu unterdrücken und die
Kritik zum Schweigen zu bringen. Nach dem Kriege macnte sich Springer
rasch und tatkräftig daran, dem deutschen Volke wieder eine freie und unabhängige

Fresse

zurückzubringen, jenen

Eckpfeiler

eines

unabhängigen

Landes. Darüber hinaus trat er für eine Vision eines Deutschlands ein,
gegründet auf der doppelten Idee von Demokratie und Einheit. Diese Vision
kommt vielleicht am besten durch die Örtlichkeit des Verlagshauses von
Axel Springer hier in Berlin zum Ausdruck.

Wenn man aus dem Jahr 1985 auf die Geschichte der Beziehungen zwischen unseren beiden Ländern zurückblickt, dann lassen sich meiner Meinung nach mehrere Schlußfolgerungen ziehen, die von dauernder Bedeutung
sind.

Erstens, das deutsch-amerikanische Verhältnis ist stets nur dann voll
zur Entfaltung gekommen, wenn beide Seiten sich einer Koinzidenz ihrer
strategischen Interessen und Werte erfreuten. Ende des 18. Jahrhunderts
und Anfang des 19. Jahrhunderts hatten die beiden Staaten, Amerika und
Preußen, ähnliche Positionen an der Peripherie inne und hatten ein gemeinsames Interesse daran, die Achtung der Rechte kleinerer Staaten zu
sichern.

Aber obwohl einige Amerikaner der Meinung waren, daß die Vereinigten
Staaten und Preußen ähnliche Gesellschaftssysteme hätten, war dies nicht
der Fall und dies wurde im Laufe des 19. Jahrhunderts immer deutlicher.

�immer deutlicher. Andererseits hatten

Amerika und Deutschland

in den

zwanziger und dreißiger Jahren ähnliche politische Systeme und soziale
Wertvorstellungen. Aber obgleich die Vereinigten Staaten in diesem Zeitraum der Weimarer Republik moralische und sogar finanzielle Unterstützung
zuteil werden ließsen, erkannten sie nicht das vitale geopolitische Interesse, das sie an der Sicherheit und wirtschaftlichen Stabilität der europäischen Demokratien, einschließlich der sich abmühenden deutschen Demokratie, hatten. Erst in der zweiten Hälfte dieses Jahrhunderts ist uns
eine echte Koinzidenz deutscher und amerikanischer Strategie und politischer Interessen gelungen, eine Koinzidenz, in der 'Realpolitik' und moralisches Gebot in Einklang wirken und unsere beiden Länder zur Zusammenarbeit zwingen.
Wenn diese Zusammenarbeit fortdauern soll, dann müssen wir ihre beiden Wurzeln pflegen. Die Hauptmotive der deutsch-amerikanischen Zusammenarbeit sind und bleiben gemeinsame Wirtschafts- und Sicherheitsanliegen.
Wir müssen dafür sorgen, daß neue Generationen die potentiellen Bedrohungen unserer gemeinsamen Interessen durch Engstirnigkeit und durch den
sowjetischen Expansionismus auch wirklich begreifen. Gleichzeitig dürfen
wir die Werce nicht vernachlässigen, die uns noch enger verbinden - unsere gemeinsamen Wertvorstellungen von der Rolle des einzelnen in der Gesellschaft, der Funktion des Staates und der Würde des Menschen.
Eine zweite Lehre unserer Geschichte, die mit der ersten eng zusammenhängt, ist die Notwendigkeit, unsere Werte aktiv zu verteidigen, für
unsere Ideale einzutreten und jene zu unterstützen, die unsere Vorstellungen teilen. Diese Lehre ist den Amerikanern schwergefallen. Wir haben
es aus unserer Tradition heraus vorgezogen, daß unsere Nation andere allein durch ihr Beispiel führen und als das ideale 'neue Jerusalem' wirken
solle, das andere Gesellschaften bewundern und nachahmen sollten. Aber
der Erste und der Zweite Weltkrieg haben gezeigt, daß es selbst für eine
Großmacht nicht genug ist, allein durch ihr Beispiel führen zu wollen.
In der Bundesrepublik Deutschland gibt es heute Spuren einer ähnlichen Auffassung - eine Überzeugung, daß Deutschland aufgrund seiner Geschichte und als derzeit geteilter Staat im Wesentlichen eine passive
- 8-

�eine passive Rolle in der internationalen Politik spielen sollte. Glücklicherweise ist dies nicht mehr die vorherrschende Auffassung in unseren
beiden Ländern. Damit hat die Bundesrepublik Deutschland einen großen und
innovativen Beitrag zur Praxis internationaler Angelegenheiten geleistet,
und zwar durch die Schaffung und Finanzierung von 'Stiftungen' politischer Parteien, die sich als eines ihrer Ziele die Ausbreitung demokratischer Werte gesetzt haben. Die Lebenskraft der neuen Demokratien in Portugal und Spanien ist nicht zuletzt dieser deutschen Hilfe zu verdanken.

Die dauerhafteste und wichtigste amerikanische Verpflichtung zur Verteidigung gemeinsamer Werte ist selbstverständlich das NATO-Bündnis. Aber
die

Anziehungskraft

der

Demokratie

und

der persönlichen

Freiheit

ist

weltweit, und die Fortschritte in Richtung auf dieses Ziel sind in letzter Zeit selbst in der Dritten Welt augenfällig geworden. Von Lateinamerika bis Süd- und Südostasien ist die Demokratie in wachsendem Maße nicht
nur die Woge der Zukunft, sondern eine Realität von heute. In Polen wie
in Südafrika, in Afghanistan wie in Nicaragua erleben wir täglich den Beweis, daß Freiheit eine weltweite Erwartung ist, die zwar zeitweilig unterdrückt, aber niemals ausgelöscht werden kann.

Die dritte Lektion der Geschichte ist, daß für die absehbare Zukunft
die Sicherheit Europas das aktive und nnh^ltpnHp—FnrpQgment amerikanischer Macht erfordert. Aber wenn die Sicherheit Europas von amerikanischer Macht abhängt, dann hängt sie noch viel mehr von europäischen Anstrengungen, und vor allem den Anstrengungen des bevölkerungsreichsten,
wohlhabendsten

Staat

Westeuropas, der

Bundesrepublik

Deutschland,

ab.

Diese Anstrengungen aufzugeben oder zu verringern und als Folge die Verringerung der Verpflichtung Amerikas herauszufordern, würde das Risiko
eines Krieges und damit die Sicherheit der Niederlage wesentlich erhöhen.
Jene, die durch die Schaffung kernwaffenfreier Zonen, durch den Abzug
amerikanischer

Streitkräfte

oder dadurch

"die Abschreckung überwinden"

wollen, daß sie den verbündeten Streitkräften die Fähigkeit zum Gegenangriff nehmen, überlassen an erster Stelle Berlin und schließlich ganz
Westeuropa auf Gnade oder Ungnade der Sowjetunion.

Wir

müssen

�Wir müssen also aus der Geschichte lernen und dürfen ihre Lehren
nicht in den Wind schlagen. Die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten
streben danach, das Gleichgewicht der Macht aufrechtzuerhalten, von dem
der Frieden abhängt, aber sie wollen das auf einem niedrigeren Stand des
Risikos und der Kosten tun. Wir wollen bedeutsame, aber ausgewogene Verringerungen

der

nuklearen

und

konventionellen

Streitkräfte

sowie

die

ganzliche Beseitigung chemischer Waffen aushandeln. Wir wollen die Abschreckung aufrechterhalten, während wir über eine beiderseits nützliche
Verringerung unserer Verteidigungsanstrengungen und einer erweiterten Zusammenarbeit auf anderen Gebieten gemeinsamen Interesses verhandeln. In
diesem Geiste sehen wir dem Genfer Treffen zwischen Präsident Reagan und
Generalsekretär Gorbatschow entgegen. Wir hoffen inbrünstig, daß dies der
erste Schritt in einem produktiven neuen Dialog auf höchster Ebene unserer beiden Regierungen sein wird.

Dies führt mich zu der vierten und letzten Schlußfolgerung hinsichtlich

der deutsch-amerikanischen

Beziehungen. Während

der letzten

vier

Jahrzehnte haben wir zusammen eine Sicherheitsstruktur in Europa und ein
internationales Handelssystem aufgebaut, das Europa die längste Periode
des Friedens und der Prosperität in seiner Geschichte beschert hat. Zusammen haben wir die Demokratie in Westeuropa gefestigt und den Funken in
andere Länder getragen. Zusammen haben wir mit dem Osten verhandelt und
Abkommen wie das Vier-Mächte-Abkommen über Berlin erreicht, die die Spannungen abgebaut, das Leben unserer Völker verbessert und die Aussichten
für noch grundlegendere Verbesserungen in der Zukunft geschaffen haben.

Auf der Grundlage dessen, was wir in der Vergangenheit geleistet haben, müssen wir deshalb zu dem Schluß kommen, daß die künftigen Chancen
und Möglichkeiten der deutsch-amerikanischen Zusammenarbeit eindrucksvoll
sind. Sicherlich sind die vor aus liegenden Probleme beachtlich. Wir müssen zusammen an bedeutsamen Rüstungsverringerungen arbeiten. Wir müssen
dem Protektivi^niig—widerstehen—und

ein offenes Handelssystem stärken.

Wir müssen unsere Gesellschaften dazu entwickeln, Vorteile aus den Möglichkeiten neuer Technologien zu ziehen. Wir müssen diese neuen Technologien auf die Lösung großer sozialer wie auch wirtschaftlicher Probleme
- 10-

�wirtschaftlicher Probleme und vor allem auf den Schutz der Umwelt ausrichten. Wenn wir zusammenarbeiten, dann können wir, dessen bin ich sicher, bei all diesen und anderen dringenden Aufgaben Erfolg haben.

Wenn

wir, Herr

Regierender

Bürgermeister, über

unser

bilaterales

Bündnis sprechen, dann wäre es ein Versäumnis, wenn wir uns nicht auch
den weitergefaßten transatlantischen Bindungen zuwenden würden. Die Vereinigten Staaten haban seit den Tagen von Monnet, Schuman und Adenauer
die europäische Einigung nachdrücklich unterstützt. Wir stimmen mit Bundeskanzler Kohl überein, daß die Aufgabe der Staatsmänner heute darin bestehen

muß, den

europäischen

Pfeiler

der transatlantischen

Brücke

zu

stärken. Kein amerikanischer Präsident ist in seiner Unterstützung dieses
Prozesses rückhaltloser als Präsident Reagan. Er erklärte im Sommer dieses Jahres vor dem Europaparlament: "Amerika bleibt, wie vor vierzig Jahren, der Einheit Europas verschrieben. Wir betrachten ein starkes und
vereintes Europa auch weiterhin nicht als einen Rivalen, sondern als einen um so stärkeren Partner."

Präsident Reagan teilt auch mit Bundeskanzler Kohl und anderen hier
eine weitergefaßte, längerfristige Vision von Europa, eines Europas, das
die derzeitigen Schranken überwindet, die diese Stadt, diese Nation und
diesen Kontinent teilen. Wir unterstützen also die Bemühungen des Bundeskanzlers und der Regierung, im Innern und kooperativ friedlich auf die
Schaffung eines größeren Europas hinzuarbeiten, eines Europas freier Völker, eines Eiuropas, in dem ein wiedervereintes Deutschland seinen ihm zustehenden Platz einnehmen kann.

Heute, nach 200 Jahren, treten die deutsch-amerikanischen Beziehungen
in das Stadium einer, wie ich es nennen möchte, reifen Partnerschaft ein.
Es ist eine Partnerschaft, weil wir in den Vereinigten Staaten deutschen
Anliegen, Hoffnungen

und Wünschen

gegenüber

sensitiver

geworden

sind,

weil die Deutschen zu recht als vollwertige Partner behandelt werden wollen. Es ist eine
Deutschland

als

reife Partnerschaft, weil sowohl die Bundesrepublik

auch

die

Vereinigten

Staaten

dazu

bereit

sind,

daß

Deutschland größere Verantwortung übernimmt und der internationalen Ge- 11-

�internationalen Gemeinschaft neue Führungsimpulse gibt.
Aufgrund des Einflusses unserer beider Länder, der Dynamik unserer
Gesellschaften und der Großzügigkeit unserer Völker bietet diese Partnerschaft großiB Möglichkeiten. Und so hat aas, was vor 200 Jahren begonnen
hat, schließlich Frucht getragen. Der Freundschafts- und Handelsvertrag
von 1785 zwischen seiner Majestät dem König von Preußen und den Vereinigten Staaten von Amerika hat zwei kleine Länder verbunden, aber er war das
Werk großer Männer, und er hat große Prinzipien zum Ausdruck gebracht.
Herr Regiereinder Bürgermeister, wir dürfen stolz sein.

* * * * *

- 12-

�38

25.September 1985

REAGAN UMREISST HANDELSPOLITIK DER USA
- Refle vor amerikanischen Unternehmern -

WASHINGTON -(AD) - Präsident Ronald Reagan hat am 23. September 1985
vor amerikanischen Unternehmern im Weißen Haus die Handelspolitik der
Vereinigten Staaten dargelegt, die auf freien Handel und offene Märkte
abzielt. Reagan forderte eine stärkere Öffnung ausländischer Märkte für
amerikanische Exporte und kündigte Gegenmaßnahmen an, wenn andere Länder
weiter unfaire Handelspraktiken betrieben. Er habe, so sagte der Präsident, seinen Sonderbeauftragten für Handelsfragen, Clayton Yeutter, angewiesen, den internationalen Handel genau zu beobachten und Verfahren zu
entwickeln, um unfairen Handelspraktiken begegnen zu können.

Die vom amerikanischen Fernsehen übertragene Ansprache des amerikanischen Präsidenten hat folgenden Wortlaut:
Ich freue mich über diese Gelegenheit, zu Ihnen über die drängenden
Fragen der Herausforderung Amerikas auf dem Gebiet des Handels in den
achtziger Jahren und darüber hinaus zu sprechen.

Lassen

Sie

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Lassen Sie mich zu Beginn sagen, daß unsere Handelspolitik fest auf
der Grundlage freier und offener Märkte - des freien Handels - steht. Ich
bin mir, wie Sie auch, der unausweichlichen Schlußfolgerung bewußt, die
uns die Geschichte gelehrt hat: Je freier der Fluß des Welthandels ist,
umso größer ist die Fülle des menschlichen Fortschrittes und der Frieden
unter den Nationen.

Ich brauche Ihnen sicherlich nicht die Vorteile freier und offener
Märkte zu erklären. Sie schaffen mehr Arbeitsplätze, eine produktivere
Nutzung der Ressourcen unseres Landes, eine raschere Innovation und einen
höheren Lebensstandard. Sie stärken unsere nationale Sicherheit, weil
dann unsere Wirtschaft, das Fundament unserer Verteidigung, stärker ist.

Ich freue mich, daß die Vereinigten Staaten seit dem Zweiten Weltkrieg die entscheidende Rolle dabei gespielt haben, ein offenes Handelssystem zu gewährleisten und zu fördern. Und ich weiß, daß dieses System
zum Nachteil aller zusammenbrechen wird, venn wir jemals in der Verteidigung und Förderung des weltweiten freien Handelssystems nachlassen.
Aber unsere Rolle kann unsere Handelspartner nicht von ihrer großen
Verantwortung befreien, uns in dem Streben nach einem offeneren Handelssystem zu unterstützen. Kein Land, selbst wenn es so groß und so stark
ist wie die Vereinigten Staaten, kann allein ein freies Handelssystem
sicherstellen. Alles, was wir und andere getan haben, um für den freien
Fluß von Gütern und Dienstleistungen und Kapital zu sorgen, basiert auf
Kooperation. Unsere Handelspartner müssen mit uns zusammen daran arbeiten, das Handelssystem zu verbessern, das so viel zum wirtschaftlichen
Wachstum und der Sicherheit unserer Verbündeter und uns selbst beigetragen hat.

Und lassen Sie mich Ihnen, den führenden Persönlichkeiten der Industrie, hier sagen, daß meine Bewunderung für die Geschäftswelt in den
Vereinigten Staaten größer ist denn je. Sie wissen, daß es in Washington
- 2 -

�in Washington Leute gibt, die gelegentlich zu vergessen scheinen, um was
es bei der Wirtschaft eigentlich geht. Sie überreichen mir Berichte, in
denen es heißt, die "Wirtschaft" tue dies und die "Wirtschaft" tue das aber sie reden nie vom Geschäft. Irgendwo auf ihrem Karriereweg haben
diese Leute in Washington vergessen, daß die Wirtschaft Geschäft ist. Das
Geschäft scnafft neue Produkte und neue Dienstleistungen. Das Geschäft
schafft Arbeitsplätze. Das Geschäft schafft Wohlstand für unsere Gemeinden und für unser ganzes Land. Und Geschäft besteht aus den Menschen, die
es betreibeii - von dem leitenden Direktor bis zum Arbeiter in unseren
Fabriken.

Ich wei3 auch, daß die amerikanische Geschäftswelt niemals vor der
Konkurrenz Angst gehabt hat. Ich weiß, daß die amerikanische Wirtschaft
so innovativ, so leistungsfähig und wettbswerbsfähig ist, wie jede andere
in der Welt, wenn gleiche Wettbewerbsbedingungen

herrschen. Ich weiß

auch, daß der amerikanische Arbeiter ebenso gut und produktiv ist wie
jeder andere in der Welt.

Und aus diesem Grunde müssen sich all? an die Regeln halten, wenn das
internationale Handelssystem funktionieren soll - alle müssen dafür sorgen, daß die Märkte offen sind. Und vo: allem, freier Handel ist per
definitionem fairer Handel.

Wenn Binnenmärkte für Exporte anderer geschlossen werden, dann ist
das kein freier Handel mehr.

Wenn Regierungen ihre Hersteller und Landwirte subventionieren, so
daß sie Güter zu Dumpingpreisen auf andere Märkte werfen können, dann ist
das kein freier Handel mehr.

Wenn Regierungen die Fälschung oder Nachahmung amerikanischer Erzeugnisse dulden, dann stehlen sie uns unsere Zukunft, und dann ist das kein
freier Handel mehr.

Wenn Regierungen

�Wenn Regierungen Industriezweige zum eigenen Handelsvorteil subventionieren und für die Kosten bürgen, dann legen sie dem Konkurrenten eine
unfaire Last auf, und das ist kein freier Handel mehr.

Ich habe vier Jahre lang in Versailles und Williamsburg, in London
und Bonn versucht, unsere Handelspartner dazu zu bewegen, ihre Handelsschranken abzubauen, ihre Subventionen und anderen unfairen Handelspraktiken aufzugeben, in Verhandlungen über eine noch weitere Öffnung der
Märkte einzutreten und das Allgemeine Zoll- und Handelsabkommen (GATT),
die internationale Übereinkunft, die den Welthandel bestimmt, zu stärken.
Ich werde diese 'Siele weiterverfolgen.

Aber ich möchte auch dem amerikanischen Volk und unseren Handelspartnern signalisieren, daß wir all die Maßnahmen ergreifen werden, die notwendig sind, um unsere Rechte und Interessen im internationalen Handel
gemäß unseren Gesetzen und des GATT zu vertreten, und dafür zu sorgen,
daß andere ebenfalls ihre Verpflichtungen und ihre Handelsabkommen mit
uns erfüllen.

Ich bin der Überzeugung, daß ein Handel, wenn er nicht allen gegenüber fair ist, nur dem Namen nach 'frei' ist.

Ich werde nicht die Hände in den Schoß legen und zusehen, wie die
amerikanische

Wirtschaft

wegen

unfairer

Handelspraktiken

im Ausland

untergeht. Ich werde nicht die Hände in den Schoß legen und zusehen, wie
amerikanische Arbeiter ihren Arbeitsplatz verlieren, weil andere Länder
sich nicht an die Regeln halten.
Wir haben unserer Wirtschaft Anreize gegeben, um ihr Wachstum zu
geben und Arbeitsplätze zu schaffen. Und, wie Sie wissen, die Wirtschaft
hat sich belebt. Wir haben in den letzten 33 Monaten über acht Millionen
neue Arbeitsplätze geschaffen. Allein seit 1980 ist die Gütererzeugung um
17 Prozent gestiegen.

Aber

ich

�Aber ich habe nicht vergessen, daß selbst im Rahmen dieser Prosperität einige Industriezweige und Arbeitnehmer vor Schwierigkeiten stehen.
Den Arbeitnehmern gegenüber, die durch industrielle Umstrukturierungen
ihren Arbeitsplatz verloren haben, sind v/ir zur Hilfe verpflichtet.
Jenen Industriezweigen gegenüber, die Opfer unfairen Handels geworden
sind, werden wir uns unermüdlich bemühen, für eine Beseitigung dieser
Praktiken ::u sorgen.
Erst vor einigen Wochen habe ich don Handelsbeauftragten der Vereinigten Staaten gebeten, eine Untersuchung über unfaire Handelspraktiken
durchzuführen - das erste Mal, daß ein Fräsident so etwas getan hat. Und,
wie Sie wissen, haben wir selbst drei Fälle aufgerollt, um ein koreanisches Gesetz, das einen fairen Wettbewerb amerikanischer Versicherungsgesellschaften verbietet, sowie ein brasilianisches Gesetz zu untersuchen, das den Verkauf von amerikanischen Hochtechnologieprodukten einschränkt sowie schließlich
amerikanischer

japanische Einschränkungen

Tabakerzeugnissse.

Ich

habe

ferner

für den Verkauf

den

amerikanischen

Handelsbeauftragten angewiesen, die laufenden Fälle von Restriktionen des
Gemeinsamen Marktes für Dosenobst und japanische Einschränkungen für die
Importe von Leder und Lederschuhbekleidung beschleunigt zu klären.

Aber ich meine, es muß noch mehr getan werden. Ich gebe daher heute
bekannt: Ich habe Botschafter Yeutter angewiesen, die Dinge ständig zu
beobachten und Maßnahmen in Fällen von unfairem Handel zu ergreifen, die
amerikanische Unternehmen und Arbeitnehmer benachteiligen. Ich habe den
Finanzminister angewiesen, mit dem Kongreß zusammenzuarbeiten, um einen
Fonds von 300 Millionen Dollar zu schaffen, der Mischanleihen-Kredite in
Höhe von einer Milliarde Dollar

absichern soll. Diese Mittel werden

unsere Verluste gegenüber Handelspartnern ausgleichen, die zu Mitteln
greifen, die praktisch als Subventionen zu bezeichnen sind, um amerikanischen Unternehmen den fairen Zugang zu den Weltmärkten zu verwehren.
- 5 -

�zu verwehren. Und ich habe die Anweisung erteilt, daß diese Initiativen
fortgesetzt werden, bis unfaire Kreditsubventionen unserer Handelspartner
durch Verhandlungen mit ihnen abgeschafft worden sind.
Ich habe des weiteren Finanzminister Jim Baker angewiesen, die Teilnehmer der Konferenzen des Internationalen Währungsfonds und der Weltbank
in Seoul darüber zu informieren, daß wir bei unseren Überlegungen und
Entscheidungen

die

Handelspraktiken

anderer

Staaten

mit

in Rechnung

stellen werden.

Ein

Hauptfaktor

Kombination

aus

des

unserer

Anwachsens
sehr

schwachen Wirtschaftstätigkeit

unseres

starken

Handelsdefizits

war

die

Wirtschaftstätigkeit

und

der

unserer Haupthandelspartner

während der

vergangenen vier Jahre. Das hat zu einer Verringerung unserer Exporte
geführt und zu der Schwäche der anderen Währungen gegenüber dem Dollar
beigetragen; dadurch wurden weitere Importe in die Vereinigten Staaten
begünstigt und unsere Exporte benachteiligt.

Gestern

habe

ich Finanzminister

Baker

angewiesen, gemeinsam

mit

seinen Kollegen der anderen großen Industriestaaten Maßnahmen zur Förderung eines stärkeren und ausgewogeneren Wachstums unserer Volkswirtschaften anzukündigen und dadurch die anderen Währungen zu stärken. Dies wird
den amerikanischen Produkten bessere Märkte schaffen und die Wettbewerbslage unserer Industrie, Landwirtschaft und Arbeitnehmer verbessern.
Ich habe den Außenminister angewiesen, zeitliche Begrenzungen bei den
laufenden Verhandlungen anzustreben, um Märkte bei speziellen Produktbereichen in Japan zu öffnen.
Ich habe den amerikanischen Sonderbeauftragten für Handelsverhandlungen angewiesen, die Verhandlungen mit allen Staaten zu beschleunigen, wo
Fälschung und Nachahmung amerikanischer Waren betrieben wird, damit diese
Praktiken

baldigst

eingestellt

werden.

Und

ich

hoffe

auf

die

�auf die Zusammenarbeit mit dem Kongreß, um die Bemühungen zum Schutz von
Patenten, von Urheberrechten, von Firmenzeichen und anderen Rechten an
geistigem Eigentum zu verstärken.
Und schließlich verfüge ich heute die Einsetzung einer speziellen
Kommission, zusammengesetzt aus den zuständigen Behörden unserer Regierung, deren Aufgabe darin bestehen wird, gegen uns gerichtete unfaire
Handelspraktiken

aufzudecken,

sowie

Strategien

und Programme

zu ent-

wickeln und durchzuführen, um jenen rasch zu begegnen und sie aus der
Walt zu schaffen.

Ich hoEfe auch auf die Zusammenarbeit mit dem Kongreß bei der Verwirklichung

der

notwendigen Gesetzgebung, die uns dabei helfen wird,

freien und fairen Handel zu fördern und die Arbeitsplätze amerikanischer
Arbeitnehmer zu sichern. Zu den Themen, die wir gemeinsam angehen sollten, gehören:
- Gesetze zur Unterstützung unserer neuen Initiativen im Bereich der
Handelsverhandlungen, die - neben annderem - die Zölle verringern und
darum bemüht sein sollten, alle anderen Handelshindernisse abzubauen.

- Schutz geistiger Eigentumsrechte, einschließlich des Schutzes gegen
Handel mit Waren, die amerikanische Patentrechte übertreten, längerfristige Kredite für landwirtschaftlich genutzte Chemikalien sowie Beseitigung des Mißbrauches des Gesetzes der Informationsfreiheit, womit unserer
Geschäftswelt geholfen würde, ihren Besitzstand zu halten.

- Verbesserung

unserer Antidumping- und Ausgleichsabgaben-Gesetze,

damit auch die Staatswirtschaftsländer einem vorhersehbaren Preisgefüge
unterliegen und dadurch unsere Unternehmen die Möglichkeit haben, sich
gegen unfaires Dumping durch solche Länder zu schützen. Wir sollten diese
Gesetze auch verbessern, damit die Geschäftswelt umfassenden und raschen
Schutz dabei erhält, wenn sie Hilfe gegen unfaire Importe braucht.

- Erweiterung unserer

�- Erweiterung unserer Handelsgesetze, um zu zeitlichen Begrenzungen
bei der Regelung von Streitigkeiten und zu einem beschleunigten Spezialverfahren bei verderblichen Gütern zu gelangen. Wir sollten keine Fälle
mehr zulassen, die 16 Jahre lang dauern und keine Schlichtungen mehr
tolerieren, die so kostspielig und zeitraubend sind, daß jede Hilfe unwirksam ist.

Ich weise auch den Arbeitsminister an, Möglichkeiten zu prüfen, um
Arbeitnehmern zu helfen, die ihren Arbeitsplatz verloren haben, damit sie
in einem neuen Industriezweig wieder eine Beschäftigung finden können.
Ich hoffe bei dieser Aufgabe, die von 30 entscheidender Bedeutung ist,
auf eine Zusammenarbeit mit dem Kongreß.

Zudem begrüße ich die Vorschläge von Mitgliedern des Kongresses bei
anderen anstehenden Gesetzen, die die Förderung eines freien und fairen
Handels zun Ziel haben. Ich werde mit ihnen zusammenarbeiten, damit es
zur Verabschiedung guter Gesetze kommt. Im Gegensatz hierzu werde ich
mich mit Nachdruck gegen alle Maßnahmen wenden - und gegebenenfalls mein
Veto einlegen -, die meiner Meinung nach das wirtschaftliche Wachstum
schädigen, Arbeitsplätze beseitigen und den Welthandel verringern.

Aber ich werde diese Diskussion nicht zu einem Ende kommen lassen,
ohne nicht alle an unser oberstes Ziel zu erinnern - die Ausweitung
freier und offener Märkte überall. Es gibt Leute, die aus guten Motiven
heraus Gesetze und Programme vorgeschlagen haben, die ihrer Natur nach
rein protektionistisch sind. Diese Vorschläge würden die Preise der Güter
und Dienstleistungen in die Höhe treiben, die die amerikanischen Verbraucher im ganzen Land zu zahlen haben würden. Sie würden zur Vergeltung
durch unsere ausländischen Handelspartner einladen, es käme umgekehrt zum
Verlust von Arbeitsplätzen für jene amerikanischen Arbeitnehmer, die in
Industrien tätig sind, die Opfer einer solchen Vergeltung sein würden,
und die Stabilität des internationalen Währungs- und Handelssystems käme
durcheinander.

Endergebnis
- 8 -

solch

�Endergebnis solch kontraproduktiver Vorschläge wäre nicht der Schutz
der Verbraucher, Farmer oder Geschäftsleute. Tatsächlich würde das Gegenteil eintreten. Wir würden Marktanteile, Arbeitsplätze und unseren Wohlstand verlieren.

Um die Hindernisse für die freien Märkte abzubauen, werden wir unsere
Bemühungen verstärken, eine neue GATT-Verhandlungsrunde mit unseren Handelspartnern einzuläuten und hoffen, daß die GATT-Mitglieder gleichfalls
der Ansicht sind, daß Handelsschranken für den Handel mit landwirtschaftlichen Produkten, mit Dienstleistungen, Technologien, Investitionen und
den klassischen Industriezweigen abgebaut werden müssen.

Aber wenn diese Verhandlungen nicht in Gang kommen oder wenn es nur
zu unzureichenden Fortschritten kommt, werde ich unsere Unterhändler anweisen, regionale und bilaterale Abkommen mit anderen Staaten zu sondieren.
Hier bei uns werden wir mit unseren Bemühungen fortfahren, übermäßige
öffentliche Augaben zu beschneiden und unseren Vorschlag der Steuerreform
voranzutreiben, der von entscheidender Bedeutung dafür ist, unsere eigene
Volkswirtschaft zu stärken und die amerikanische Geschäftswelt auf den
Weltmärkten wettbewerbsfähiger zu machen.

Des weiteren werden wir unsere Handelspartner dazu ermutigen - wie
dies auf dem Bonner Gipfel vereinbart wurde -, ihr eigenes wirtschaftliches Wachstum

durch

Überwindung

der Starrheit und Unausgewogenheiten

ihrer Volkswirtschaften zu beschleunigen. Und wir werden sie dazu drängen, eine solide Finanz- und Währungspolitik zu betreiben, um sich umfassend an dem Wachstumspotential zu beteiligen, das es für alle gibt.

Wir werden uns um Stärkung und Verbesserung der Wirkungsweise des
internationalen
weniger

Währungssystems

entwickelten

Staaten

bemühen und werden die verschuldeten,
der

Welt

dazu

ermutigen, Investitions-

�Investitionshindernisse abzubauen und zu beseitigen sowie die internen
Restriktionen aus der Welt zu schaffen, die ihr eigenes Wirtschaftswachstum blockieren.

Lassen Sie mich zusammenfassen. Unsere Verpflichtung zum Freihandel
gilt unvermindert. Wir werden tatkräftig unsere Politik der Förderung
freier und offener Märkte in diesem Land und in der ganzen Welt fortsetzen. Wir werden darauf bestehen, daß alle Länder sich ihrer Verantwortung stellen, den freien Handel überall zu bewahren und zu verbessern.
Möge

jedoch

niemand

an

unserer

Entschlossenheit

zweifeln, uns allen

unfairen Handelspraktiken entgegenzustellen. Es ist nicht richtig, daß
der amerikanische Arbeitnehmer und der -amerikanische Geschäftsmann auch
weiterhin die Lasten tragen, die ihnen durch jene auferlegt werden, die
das Welthandelssystem mißbrauchen.

Wir wollen keinen Handelskrieg mit anderen Staaten; wir wollen, daß
andere Staaten

sich uns dabei anschließen, das Welthandelssystem zum

Nutzen aller auszuweiten und zu verbessern.
Wir wollen andere Staaten nicht davon abhalten, Güter in den vereinigten Staaten zu verkaufen; wir wollen aber auch anderen Staaten mehr
von unseren Gütern verkaufen.

Wir haben nicht vor, Amerika vor dem Erfolg anderer zu schützen; wir
wollen alle in den Erfolg des amerikanischen Traums einbeziehen.

- 10 -

�25. September 1985

38

REAGAN-PRESSEKONFERENZ VOM 17. SEPTEMBER 1985
- Auszüge -

WASHINGTON -(AD) - Präsident Ronald Reagan gab auf einer vom amerikanischen Fernsehen übertragenen Pressekonferenz am 17. September 1985
seiner Hoffnung Ausdruck, daß sein Treffen mit dem sowjetischen Generalsekretär Gorbatschow im November in Genf zu einer Änderung der amerikanisch-sowjetischen Beziehungen im positiven Sinne führen werde. Gleichzeitig steckte Reagan den amerikanischen Standpunkt ab. Der Präsident
nahm auch in innen- und wirtschaftspolitischen Fragen Stellung und wandte
sich mit allem Nachdruck gegen prohibitionistische Maßnahmen.

Nachfolgend geben wir seine einleitende Erklärung und die Fragen und
Antworten im Zusammenhang mit dem amerikanisch-sowjetischen Verhältnis im
Wortlaut wieder:

Erklärung: Guten Abend, Bitte nehmen Sie Platz. Ich habe eine Erklärung abzugeben.

Wir

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

sind

Tel 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Wir sind erfreut, daß wir zunehmende Beweise für eine neue Stärke
unserer Wirtschaft

durch

unsere Politik

niedriger

Steuern

und eines

freien und fairen Handels feststellen können. Amerika nimmt hinsichtlich
seines Wachstums seit 33 aufeinander folgenden Monaten in der Welt eine
führende Position ein und hat über acht Millionen neue Arbeitsplätze
geschaffen. Die Inflation wurde unter vier Prozent gehalten, während es
Ländern, die an hohen Steuern und protektionistischer Politik festhalten,
nicht nur nicht gelungen ist, unsere Leistung zu erreichen, sondern es
auch zu einem Rückgang der Arbeitsplätze und einem Abfluß ihrer Investitionen in die Vereinigten Staaten kam.

Der Motor unseres Fortschrittes ist die Chance, die der einzelne hat.
Ich ersuche daher den Kongress, mit mir zusammen und nicht gegen mich zu
arbeiten, wenn es darum geht, die Bundesausgaben in Schranken zu halten,
unseren Plan für eine faire Besteuerung und weitere Senkung der Steuersätze zu verabschieden, geschlossene Märkte in Übersee zu öffnen und
andere Nationen zu drängen, ihre Steuern zu senken, um ihre Volkswirtschaften und ihre Fähigkeiten zu stärken, amerikanische Erzeugnisse zu
kaufen.
Wir brauchen ein stärkeres Wachstum - nicht nur im eigenen Lande,
sondern in der ganzen Welt. Und wir brauchen freien und fairen Handel für
alle. Das ist der Weg der Kooperation und des Erfolges, der unser Volk
noch produktiver macht und der zu einem Jahrzehnt des Wachstums und in
den nächsten vier Jahren zu zehn Millionen neuen Arbeitsplätze führen
kann.

Aber es gibt auch einen anderen Weg, der nur wegführen kann von
Chance und Fortschritt: Ein sinnloses Losstürmen auf dem Weg zum Protektionismus wird sich als eine Einbahnstraße zur wirtschaftlichen Katastrophe erweisen. Das ist die Lehre aus dem Smoot-Hawley-Steuergesetz von
1930, das dazu beitrug, einen weltweiten Handelskrieg auszulösen, der
sich ausbreitete, verschärfte und sich zu der schwersten Depression in
der Geschichte auswuchs. Ich weiß, wovon ich rede, denn ich habe es erlebt.

Ich

habe

�Ich habe die Agonie dieses Landes erlebt und gespUrt, was dieses
schreckliche Gesetz mit sich brachte. Wenn wir den gleichen Fehler noch
einmal begehen, dann werden wir diesen Preis erneut bezahlen müssen.
Amerikaner, deren Arbeitsplatz von Exporten von Maschinen, Flugzeugen,
hochtechnischer Elektronik und chemischer Erzeugnisse abhängt, wären die
ersten Opfer einer Vergeltung.

Landwirtschaft
befinden,

würden

und Industrie, die sich bereits in Schwierigkeiten
noch

verwundbarer

werden. Protektionistische

Zölle

würden zur Vergeltung einladen, die, wie ich bereits sagte, im wahrsten
Sinne des Wortes Zehntausenden amerikanischen Familienfarmen den wirtschaftlichen Todesstoß versetzen könnte.

Wir haben angefangen, in den letzten viereinhalb Jahren viele gute
Dinge für Amerika zu erreichen. Es bleibt noch viel zu tun, und es kann
noch getan werden. Lassen Sie uns daher nicht all diesen Fortschritt und
all unsere Hoffnung auf die Zukunft aufs Spiel setzen, indem wir beginnen, uns auf eine schiefe Ebene impulsiver Handlungen und unkluger Urteile zu begeben. Jetzt ist die Zeit fUr kühle Köpfe und klare Weitsicht.

Frage: Herr Präsident, wenn Sie jetzt dem Gipfeltreffen immer näher
rücken, ist eine der großen Fragen, ob Sie bereit wären, die Möglichkeiten zu sondieren, auf einen Handel mit den Weltraumwaffen oder großen
Verringerungen des sowjetischen Arsenals einzugehen.

Antwort: Nein, wir reden hier von der Strategischen Verteidigungsinitiative (SDI). Es tut mir leid, daß irgend jemand die Bezeichnung "Krieg
der Sterne" erfunden hat, denn um einen solchen handelt es sich nicht es geht lediglich darum, ob es uns gelingt, eine defensive Waffe zu
finden, damit wir mit dem Gedanken Schluß machen können, daß unsere
Abschreckung von der Androhung der Vergeltung abhängen sollte - gleich,
ob seitens der Sowjets oder ob von unserer Seite -, von dem Abschlachten
von Millionen von Menschen durch Nuklearwaffen. Und statt solcher Art

�statt solcher Art Verhandlungen sollten wir uns auf diesem Gipfeltreffen
mit der

Frage

beschäftigen, wie wir

uns als Alternative

zu dieser

blanken, nackten nuklearen Drohung jeder Seite - uns gegenseitig in die
Luft zu jagen - defensiven Waffen zuwenden könnten. Und ich hoffe, daß
wir, sollte sich eine solche Waffe als praktikabel erweisen, dann eine
echte Chance haben, schrecklichen Offensivwaffen - diese Kernwaffen völlig abschaffen zu können.

Und

ich möchte auch darauf hinweisen: In der Frage, ob das als

Trumpfkarte bei Verhandlungen benutzt werden sollte, bin ich der Meinung,
dies sollte keinesfalls so sein. Es ist eine Tatsache, daß die Sowjetunion uns in dieser Art von Forschung voraus Ist - sie betreibt das schon
sehr viel Länger - und ebenfalls nach einer Defensivwaffe sucht.

Frage: Her Präsident, Sie wollen damit also wirklich sagen, daß Sie
darüber nicht verhandeln werden, und daß Sie wirklich Versuche durchführen wollen, nur um herauszufinden, ob es durchführbar ist. Aber bereiten
Sie damit nicht den Weg für eine Militarisierung der Himmel vor, weil die
Sowjets praktisch gezwungen sind, eine Waffe zu bauen - eine Offensivwaffe, um dem Krieg der Sterne zu begegnen?

Antwort:

Nein,

die

strategische

Verteidigungsinitative,

die

wir

anstreben, ist etwas, das - wie früher etwa ein Flugabwehrgeschütz gegen
Bomber - gegen diese Offensivwaffen - diese Raketen - benutzt werden
könnte. Das bedeutet nicht, daß wir überhaupt nicht verhandeln wollen.
Praktisch war es doch so, daß die Seite, die

- in all den Monaten in

Genf und bei den Rüstungskontrollverhandlungen - nicht verhandeln wollte,
die Sowjetunion war.

Wir haben mindestens sechs Versionen möglicher Verringerungen und
sechs verschiedene Wege angeboten, um ihr Interesse an Verhandlungen mit
uns über eine Verringerung der Gefechtsköpfe zu wecken. Sie haben nichts
gebracht. Sie will einfach nicht reden oder verhandeln.

Aber bei dem ursprünglichen Gedanken von Waffen im Weltraum ging es

�ging es darum, zusätzlich zu den Raketen, die wir gegenwärtig haben, der
Fähigkeit, sie abzurufen und auf jedes Ziel nach Wahl in der ganzen Welt
einzusetzen, und da waren wir uns einig.

Das ist keineswegs das, worüber wir jetzt reden. Wir sprechen von
einer Waffe, die keine Menschen tötet - sie vernichtet Waffen. Und wie
ich bereits sagte, sie (die Sowjets) haben diesen Weg sondiert, aber hier
gibt es viel Verhandlungsspielraum. Man könnte darüber sprechen, sich für
den Fall, daß sich eine solche Waffe als praktikabel erweist, vor einer
Dislozierung mit anderen Ländern zuammenzusetzten und zu sagen: "Nun, ist
das nicht eine Antwort?"

Ich sehe das nicht als etwas an, was wir unserem Arsenal hinzufügen
würden, um unsere Kapazität ihnen (den Sowjets) gegenüber zu vergrößern.
Ich sehe das so, daß dann die Zeit kommen wird, wo wir sagen könnten:
"Ist das nicht für uns alle die Antwort auf die Frage, ob wir Kernwaffen
brauchen?"

Frage:

Herr

Präsident, warum

haben

die Vereinigten

Staaten

die

Erwartungen für das Gipfeltreffen, wenn Sie im November mit Gorbatschow
zusammenkommen, ständig so heruntergespielt? Selbst als die Sowjetunion
immer wieder behauptet hat, Gipfeltreffen seien für große und wichtige
Entscheidungen da und damit unsere Erwartungen erhöht hat.

Antwort: Es beunruhigt mich etws, daß sie alles Mögliche tun, um Erwartungen zu wecken - besonders angesichts von Gipfeltreffen der Vergangenheit und dessen, was sie da gebracht haben.

Vielleicht sind wir zu sehr besorgt. Aber wir machen uns Sorgen, daß
sie eine Euphorie wecken könnten und die Menschen von diesem Gipfeltreffen beinahe ein Wunder erwarten könnten. Aber ich scheue mich nicht, hier
ganz klar zu sagen, daß wir dieses Gipfeltreffen sehr ernst nehmen und
daß wir versuchen werden, echte

Gespräche zu führen, die zu einer Verän-

derung des Verhältnisses zwischen unseren beiden Ländern führen könnten;
nicht, daß wir

uns

lieben lernen werden

- das nicht -, aber eine

�aber eine Änderung, durch die wir diese Gefahr eines möglichen Krieges
oder eines nuklearen Angriffs zwischen uns ausräumen könnten und wir
schließlich zu der Einsicht gelangen, daß wir - obwohl wir ihr System
nicht schätzen und sie nicht das unsrige - in der Welt zusammenleben
müssen und wir in Frieden zusammenleben können. Und das werden wir sehr
ernst nehmen.

Frage: Das läßt darauf schließen, daß sie in der Lage sein werden,
irgend eine Art von Übereinkommen zu erreichen. Können Sie ein Übereinkommen erreichend- Oder glauben Sie, daß dieses Treffen hauptsächlich dazu
dient, sich kennenzulernen?

Antwort: Nein, das muß mehr sein als ein bloßes Kennenlernen - obwohl
auch das wichtig ist. Wie Sie wissen, he.be ich schon früher gesagt, man
beginnt nach meiner Ansicht Probleme zu lösen, wenn man anfängt, statt
übereinander miteinander zu reden. Und ich meine, es ist höchste Zeit,
daß wir miteinander reden.

Frage: Herr Präsident, wir haben dieser Tage einen Versuch mit einer
Antisatellitenwaffe

durchgeführt

und

die Sowjets haben erklärt, dies

zeige, daß Sie es mit einer Beschränkung des Wettrüstens im Weltraum
nicht ernst meinten und daß es das Gipfeltreffen erschwere. Warum mußten
diese Versuche jetzt durchgeführt werden? Hätten wir nicht bis nach dem
Gipfeltreffen warten können?

Antwort: Nein, ich glaube nicht, weil wir, wie ich gesagt habe, aufholen müssen - wir liegen zurück - und dies war der Zeitplan, den wir bezüglich der Entwicklung dieser Waffe einzuhalten hofften. Und die Versuche wurden nicht wegen oder aus Überlegungen bezüglich des Gipfeltreffens
durchgeführt. Der Versuch stand einfach an. Sie haben solche Versuche
durchgeführt, und wir haben sie deswegen nicht beschimpft.

Frage:

Zum

Gipfeltreffen,

Sir:

Die

britische

Premierminister in

Margaret Thatcher kam mit Gorbatschow zusammen und sagte: "Ich mag Herrn
Gorbatschow und wir können miteinander verhandeln." Ist es Ihrer Meinung
- 6 -

�Ihrer Meinung nach wichtig, daß Sie und Gorbatschow sich auf dem Gipfeltreffen mögen, um miteinander verhandeln ;:u können?

Antwort: Ich habe nicht die Absicht, ihm einen Freundschaftsring oder
so etwas zu verehren. Dieser Meinung bin ich ernsthaft. Ich glaube, sie
hat das so beobachtet, und es ist wahrscheinlich - wie unsere eigenen
Leute, die drüben waren, unsere Gruppe von Senatoren, die mit ihm zusammenkamen, festgestellt haben - daß er ein umgänglicher Mensch ist. Auch
ich werde das sicherlich sein. Es ist nicht notwendig, daß wir uns lieben
oder uns mögen. Es ist nur notwendig, daß wir bereit sind, einzusehen,
daß zum Wohle der Menschen, die wir vertreten auf dieser Seite des Ozeans
und dort drüben, daß jedermann besser daran sein wird, wenn wir bezüglich
der Kriegsgefahr

zu Entscheidungen kommen können. Wir sind die beiden

einzigen Länder der Welt, so glaube ich, die einen Weltkrieg beginnen
könnten. Und wir sind die beiden einigen, die ihn verhindern können. Und
ich glaube, das ist eine große Verantwortung gegenüber der ganzen Menschheit, und die sollten wir wirklich ernst nehmen.

Frage: Manche Leute glauben, daß die Sowjets den Propagandakrieg vor
dem Gipfeltreffen gewinnen; daß Gorbatschow in den letzten Tagen eine
Reihe von Vorschlägen für Versuchsmoratorien für eine C-Waffenfreie Zone
in Europa gemacht hat, während die Vereinigten Staaten eine Antisatellitenwaffe erproben und eine Komponente von SDI. Wenn sie (die Sowjets)
also von Frieden sprechen, während wir Waffen erproben, schlägt dann
Gorbatschow Sie nicht mit Ihren eigenen Waffen.
Antwort: Ich habe keinen Propagandakrieg angefangen. Ich bereite mich
darauf vor, zu diesem Treffen zu gehen und über etwas zu reden, über das
meiner Meinung nach geredet werden muß.

Ich glaube, was Sie erwähnten,

ist die Fortsetzung

einer alten

——-*

Propagandakampagne, die hauptsächlich auf unsere Verbündeten in Europa
"ab"zlelt und dem Bemühen dient, den Eindruck zu erwecken, wir seien die
Kriegstreiber und sie die lieben Menschen, ich glaube nicht, daß unsere

�daß unsere Verbündeten darauf hereinfallen, und ich nehme das überhaupt
nicht ernst. Gorbatschow kann jede Taktik anwenden, die er will. Wir
werden uns treffen, und wir werden ernsthaft über die Fragen sprechen,
die ich gerade erwähnt habe.

Frage:

Sie sind

als recht geschickter

Unterhändler bekannt, und

manche Leute glauben, daß Sie, selbst für den Fall Sie wären bereit, über
SDI zu verhandeln, uns das jetzt hier nicht sagen, sondern bis Genf
warten würden. Wollen Sie dem amerikanischen Volk heute abend mitteilen,
daß Sie jeden Handel mit den Sowjets zu diesem Zeitpunkt der Erprobung,
Dislozierung, Forschung oder Entwicklung von SDI ausschließen?

Antwort: Was ich sagen will, ist, daß die Forschung, ob eine solche
Waffe machbar ist, keinen Vertrag verletzt. Sie wird fortgesetzt werden.
Dabei wird es eines Tages, wenn dieser Punkt erreicht ist, um Versuche
gehen. Auf der anderen Seite werde ich kurz vor der Dislozierung anhalten, weil ich, wie ich bereits erklärt habe, bereit bin, mit unseren
Verbündeten darüber zu sprechen, und mit den Sowjets - überhaupt mit
jedem - darüber zu sprechen, welche Bedeutung es hätte, wenn es so benutzt werden könnte, daß es die Welt von der nuklearen Bedrohung befreien
würde.

Frage: Aber Entwicklung und Erprobung - Sie schließen einen Handel
darüber aus?
Antwort: Ich meine, es handelt sich hier um legitime Forschung, und,
jawohl, ich schließe einen Handel darüber aus. Es macht mir nichts aus und ich pflege, wie Sie schon sagten, normalerweise nicht über Verhandlungsstrategie zu sprechen -, das heute hier zu sagen. Aber das ist zu
wichtig für die Welt, als daß wir bereit wären, das als Gegenleistung für
eine andere Zahl von Nuklearraketen anzubieten, wenn ohnehin schon genug
vorhanden sind, um unsere beiden Länder in die Luft zu jagen.

- 8 -

�25. September 1985

38

UdSSR VERSTÄRKT UM WESTLICHE TECHNOLOGIE BEMÜHT
- Erklärung von US-Verteidigungsminister Weinberger -

WASHINGTON -

(AD) - Der amerikanische Verteidigungsminister Caspar

Weinberger gab im Zusammenhang mit der Veröffentlichung eines Berichtes
über "Die Beschaffung militärisch wichtiger westlicher Technologie durch
die Sowjetunion" am 18. September

1985 im US-Verteidigungsministerium

eine Erklärung ab, die folgenden Wortlaut hat:

Wir legen dem amerikanische Volk heute einen zutiefst ernüchternden
Bericht vor und veröffentlichen Einzelheiten darüber, auf welche Weise
sich die Sowjets in einer massiven und weltweiten Anstrengung darum bemühen, ihre Waffen zu verbessern, indem sie sich unsere westliche Technologie

beschaffen. Die

sensitiven

Informationen, die bislang geheim

waren und die wir jetzt preisgeben, konzentrieren sich auf legale wie
illegale Aktivitäten der Sowjetunion in den Vereinigten Staaten und stellen meiner Meinung nach ein weit ernsthafteres Problem dar, als wir dies
bislang vermutet hatten.

Enthüllungen

aus

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Enthüllungen aus jüngster Zeit in Europa machen gleichfalls deutlich,
daß ähnliche nachrichtendienstliche und damit verwandte Bemühungen des
Sowjetblocks auch weiterhin in mit uns verbündeten und befreundeten Ländern in größtem Umfang durchgeführt werden.

Der heutige Bericht ist das Ergebnis einer die gesamte Regierung
umfassenden Bemühung, an der rund 22 Behörden beteiligt waren. Da die
Einsicht

in das Ausmaß dieses Problems der Schlüssel dazu

Unterstützung
heute

ist, die

der Öffentlichkeit zu erlangen, veröffentlichen wir ihn

in dem Versuch, diesem gefährlichen Abfluß unserer wichtigsten

nationalen Mittel in diesem Bereich - d. h. natürlich unserer Hochtechnologie, unserer überlegenen Technologie - Einhalt zu gebieten, da dieser
Abfluß zu unseren potentiellen Gegnern schon zu lang andauert.

Dieser Bericht wirft ein Schlaglicht auf eine Statistik, die das erstaunliche Ausmaß der sowjetischen Übernahme westlicher Technologie enthüllt. Schätzungen sogar der Gegenseite zufolge profitieren mehr als
5 000 militärische Forschungsprojekte der Sowjetunion in beträchtlichem
Maß von der aus dem Westen beschafften Technologie. Daran läßt sich der
Umfang und das Ausmaß ihrer Programme ermessen, ich habe lediglich 5 000
Projekte ausgewählt. Leider gibt es noch viele andere. Bei 27 Prozent
handelt es sich um Projekte, wo das Forschungsstadium übersprungen wurde,
oder

die

Zeit

zur

Entwicklung

eines Waffensytems erheblich

verkürzt

wurde. Bei zwei Prozent wurde eine bestimmte Richtung eingeschlagen und
diese dann verfeinert oder geändert, als unsere Technologie erhältlich
wurde; bei fünf Prozent handelte es sich um Forschungsprojekte, die überhaupt erst dadurch aufgenommen wurden. Es ist dies hier kein Versuch, auf
die Be3eutung eines jeden dieser 5 000 Projekte einzugehen. Aber jedes
davon ist von Bedeutung und nimmt die Gestalt eines verbesserten Waffensytems an, mit dem wir uns auseinanderzusetzen haben.

Konkret bedeutet dies, daß wir die Aufrüstung der Sowjetunion subventionieren; die Kosten hierfür sind natürlich erschreckend. Dadurch, daß
sie sich systematisch westliche Geheimnisse beschaffen - von Herstellern

�von Herstellern von hochtechnologisehen Erzeugnissen, von Forschungszentren und Universitäten, von Auftragnehmern für den Verteidigungsbereich gewinnen die Sowjets bei manchen ihrer militärischen Programme bis zu
mehreren Jahren, sparen

jährlich

in der wissenschaftlichen

Forschung

gewaltige Summen und zwingen uns, für unsere eigene Verteidigung weit
mehr auszugeben, als dies sonst der Fall wäre.

Das Bild des sowjetischen Programms; ist meiner Meinung nach sehr
deutlich: Es werden Tausende von Geheimdienstoffizieren, Wissenschaftlern, Diplomaten sowie Militärpersonal und Spione eingesetzt und ohne
Skrupel auch Kollaborateure im Westen verwandt. Die Sowjets operieren an
zv/ei Fronten. Zum einen haben sie sich eine VieLzahl von Material bei
militärischer und exportkontrollierter Hardware des Westens beschaft; zum
andern haben sie auch viele - gleich, ob geheime, nicht geheime oder sich
im Eigentum von Firmen befindliche - Dokumente erlangt, derer sie sich
bedienen, um die Wirksamkeit ihrer Waffen und ihrer militärischen Ausrüstung zu verbessern.

An der Spitze dieser Aktivitäten steht der Direktor der sowjetischen
Militärisch-industriellen
risch-industrielle

Kominission

Instrumentarium

(VPK), die das mächtigste militäin der

Sowjetunion

darstellt. Sie

setzt sich aus den Direktoren der wichtigsten Industriezweige zusammen,
die militärische Güter produzieren; an ihrer Spitze steht ein Herr Smirnoff. Sie arbeitet sehr eng mit dem Staatsausschuß für Wissenschaft und
Technologie zusammen sowie mit dem KGB und der GHJ, dem militärischen
Gegenstück zum KGB. Sie beschaffen, was ihnen die sowjetische Verteidigungsindustrie als notwendig zeigt, und sie beschaffen es sich im Westen.
Es wird zur Stärkung und Modernisierung der sowjetischen Kriegsmaschinerie verwendet, wobei vieles hereingeholt wird, was auf den ersten Blick
seinen militärischen Wert nicht erkennen läßt. Dieser Tatbestand ist auch
das Argument, das häufig von Leuten ins Spiel gebracht wird, deren Interesse vor allem der Förderung des Handels gilt: Es gehe um Dinge, die keinen besonderen militärischen Wert hätten. In der Sowjetunion kann nahezu
alles militärisch verwertet werden und nahezu alles, was beschafft wird,
wird

als Ergebnis einer direkten Anforderung des Militärs beschafft,

�des Militärs beschafft, übersetzt und durch diese verschiedenen Organisationen wirksam eingesetzt. Es gibt eine Art von Prüfliste, in die alles
eingetragen wird, was man möchte; links wird dann niedergelegt, was man
erhalten hat und so kann man im Vergleich sehen, wie die Dinge stehen.

Ein anderer Teil der sowjetischen Beschaffung geht über das Außenhandelsministerium und die Geheimdienste; ihce Aufgabe ist es, an die Objekte selbst heranzukommen, Tausende von Objekten - Exportkontrollen unterliegende Mikroelektronik, Computer aller Art, an denen sie schon lange
Zeit interessiert sind sowie andere Güter aus dem Westen, die der Exportkontrolle unterliegen.

All diese Güter werden direkt in der sowjetischen Produktion benützt,
um ihre vecalteten Fabriken effizienter

zu machen; natürlich verletzt

Hardware, die auf diese Weise erlangt wocden ist, unsere Exportkontrollgesetze sowie die unserer Verbündeten.

Die Vereinigten Staaten haben bereits eine ganze Reihe von Schritten
unternommen, um den Sowjets ihre Beschaffung zu erschweren oder in manchen Fällen unmöglich zu machen. Die Administration hat ihr Exportkontrollsystem in den vergangenen fünf Jahren erheblich verstärkt und wir
haben ein glaubwürdiges Programm erarbeitet, das wirklich zu einer Kraft
geworden ist, mit der diejenigen rechnen müssen, die den Versuch unternehmen, unsere Technologien in die falschen Bahnen zu lenken. Wir drängen
unsere Verbündeten und andere befreundete Staaten darauf, sicherzustellen, daß die technologische Führung, die der Westen noch immer innehat,
nicht untergraben wird, damit unsere Soldaten sich nicht eines Tages auf
dem Schlachtfeld Waffen gegenübersehen, die durch unsere eigene Technologie entwickelt wurde - was in der Vergangenheit schon geschehen ist.
Wir hoffen, daß es in Zukunft nicht mehr geschehen wird.

Sicherheit im technologischen Bereich ist eine absolut lebenswichtige
Komponente unserer Verteidigung. Ohne die technologische Führungsposition
des Westens, die wir

innehaben, wäre unsere Fähigkeit, eine wirksame

�r
eine wirksame Abschreckung aufrechtzuerhalten, äußerst gefährdet, aber
viel mehr muß zu diesem ganzen Thema noch gezeigt, und viel mehr muß noch
gesagt und getan werden.

- 5-

�Wi//en/chaft
und Technik

Li

United States Information Service
Embassy of the United States of America

25.September 1985

38

DIE ERSTE BEGEGNUNG MIT EINEM KOMETEN
Amerikanische Raumsonde durchflog Schweif von "Giacobini-Zinner"

- (AD) - Das Rendezvous der ICE-Raumsonde mit einem Kometen, das erste in der Geschichte der Raumfahrt überhaupt, war weniger riskant als
von den Wissenschaftlern befürchtet. ICE

(Abkürzung f'ir "International

Cometary Explorer" - Internationale Kometensonde) durchflog am 11. September 1985 die 'Nahtstelle' zwischen Kopf und Schweif des Kometen Giacobini-Zinner etwa 8000 km hinter dem Kern des Kometenkopfes. Dabei stellte
sich heraus, daß der Schweif - zumindest in diesem Bereich - sehr viel
weniger Staubteilchen enthielt, als Theorien über seine Zusammensetzung
hatten vermuten lassen. Jedenfalls kam es weder zu einer Beschädigung der
Sensoren und Antennen noch wurde die Leistungsfähigkeit der Solarzellen
auf der Außenseite des trommeiförmigen Satelliten beeinträchtigt. Sie
versorgen ihn durch die Umwandlung von Sonnenlicht in Elektrizität mit
Strom für den Betrieb der Bordgeräte.

ICE - 1,5 m hoch, 1,7 m im Durchmesser, Antennenspannweite mehr als
90 m - übermittelte dem "Goddard Space Flight Center", einem Forschungs-

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

T e l . : 0 2 2 8 - 3 3 9 2035
Telex: 8-85432

�einem Forschungsinstitut der US-Behörde für Luft- und Raumfahrt (NASA) in
Greenbelt (Maryland), eine Fülle neuer und überaus wichtiger Daten. Der
Satellit wurde zum Vorreiter der fünf Kometensonden, die von der Sowjetunion, der europäischen Organisation für Weltraumforschung sowie Japan
auf den Wej geschickt wurden, um den Kometen Halley während der Phase
seiner größten Annäherung im März 1986 eingehend zu untersuchen.

Ursprünglich hatte ICE die Aufgabe, als eine von drei Sonden den Sonnenwind und dessen Auswirkungen auf das erdmagnetische Feld in einem ganz
bestimmten Bereich zwischen Sonne und E;:de zu beobachten. Im Jahr 1978
unter der Bezeichnung ISEE-3 ("International Sun-Earth Explorer") von den
USA als amerikanischer Beitrag zu einem r.nternationalen Forschungsprojekt
gestartet, wurde der Satellit (Masse: 422 kg) ab Mitte 1982 allmählich
umgelenkt mit dem Ziel, ihn zu einem Rendezvous mit dem Kometen Giacobini-Zinner zu führen. Im Gegensatz zum Halleyschen Kometen, der alle 76
Jahre seine größte Sonnennähe erreicht, beträgt die Umlaufzeit dieses
"Vagabunden" nur sechseinhalb Jahre. Als besonderer Vorteil war die Tatsache zu werten, daß Giacobini-Zinner

zum Rendevous-Zeitpunkt mit der

Sonde nur 70 Millionen km von der Erde entfernt war, während der Abstand
des Kometen Halley zur Erde in der Zeit der intensiven Beobachtungen im
nächsten Jahr fast 130 Millionen Kilometer betragen wird. Um die Meßdaten
gut zu empfangen, sind leistungsstärkere Sender erforderlich, als dieser
Forschungssatellit sie an Bord hat.
Ähnlich wie bei den interplanetaren VOYAGER-Sonden der Vereinigten
Staaten, die unter Ausnutzung der Gravitationskraft von Großplaneten auf
neue Bahnen katapultiert wurden, benutzte man zusätzlich die Gravitationskraft des Erdmondes, um die nun in ICE umbenannte Sonde auf einen Kurs
zu bringen, auf dem sie die Bahn des Kometen Giacobini-Zinner kreuzen
würde. Mit nur 120 km Abstand von der Mondoberfläche schwang sie im Dezember 1983 am Erdtrabanten vorbei. Die ihr dabei erteilte Beschleunigung
reichte aus, um die Flugrichtung für ein Zusammentreffen mit dem Kometen
einhalb Jahre später vorzugegeben. Allerdings wurden immer wieder Nachkorrekturen mit Hilfe der kleinen Bordtriebwerke erforderlich. Denn die
Bahn eines Kometen kann sich bei Annäherung an die Sonne sprunghaft an-

�sprunghaft ändern. Sie wird dadurch mitbestimmt, wieviel und wie rasch
Materie aus seinem Kern verdampft und wie sich auf Grund solcher Vorgänge
der Schweif auf der sonnenabgewandten Seite ausrichtet.

Von Erdobservatorien aus wurde die Gesamtlänge des Schweifes von Giacobini-Zinner mit ca. 750 000 km ermittelt. Die Dicke im Durchflugbereich
wurde mit ca. 5000 km angenommen. Aber ICE brauchte erheblich länger für
den "Durchgang", als man angesichts dieses Wertes erwartet hatte, nämlich
20 Minuten. Somit mußte die Schweifzone unittelbar hinter dem "Kopf"
22000 bis 24000 km breit sein. Es ist jener Bereich, wo sich Plasma aus
verdampften und ionisierten Molekülen zum Schweif formiert.

Die Sonde
Kohlenmonoyd

fand elektisch geladene Moleküle von Wasser

(HO) und

(CO). Dies sei, meinte der Leiter der Abteilung Astronomie

am Goddard-Institut, John Brandt, die eiste direkte Bestätigung der Annahme, daß ein Komet einem "schmutzigen Schneeball" ähnlich sei. Entgegen
den Schweif-Modellen erwies sich der Schweif von Giacobini-Zinner ("G-Z")
als ein nicht symmetrisches Gebilde. ICE registrierte, so wird jedenfalls
auf Grund der Messdaten vermutet, die "Schockwelle" auf der der Sonne zugekehrten Seite, die der dem Kometen entgegenströmende Sonnenwind verursacht. Bereiche starker

Turbulenz

folgten solcher

relativer Ruhe und

niedrigerer Plasmatemperaturen. Bestimmte Radiowellen

zeigten dann an,

daß sich die Sonde im SchweifZentrum befand, wo die Dichte der Materie am
größten ist. Aber erst nach Zurücklegen einer Gesamtstrecke von mehr als
300 000 km seit Erfassen der ersten "G-Z"-Meßdaten war anzunehmen, daß
die Sonde den Einflußberich des Kometen Giacobini-Zinner wieder verlasen
hatte. Auf ihrem Weiterflug ist im März 1986 ein Durchgang durch die Region zwischen unserer Erde und dem Halleyschen Kometen mit Messungen des
Sonnenwindes zu erwarten. Sie wird dann weitere Daten über den möglichen
Einfluß eines Kometen im Raum zwischen der Sonne und ihrem Trabanten
übermitteln.

Zur Zeit des ICE-Rendevous mit Giacobini-Zinner berieten in Washington Mitarbeiter internationaler Forschungseinrichtungen über die Koordinierung des Projekte ihrer Länder zum Studium von Kometen. Die Vertreter

�Die Vertreter der Sowjetunion, Westeuropas und Japans werteten die ICE-Mission als ungemein wertvolle Hilfe

für ihre eigenen Programme: Die

Sowjets wollen mit zwei Sonden, die europäischen Länder mit einer Sonde
im März des kommenden Jahres den Kern des; Halleyschen Kometen fotografieren, während zwei japanische Sonden Sonnenwindphänomene in Kometennähe
untersuchen sollen. Die Vereinigten Staaten beabsichtigen, zur gleichen
Zeit mit einem Raumtransporter ein Teleskop für Ultraviolett-Astronomie
und drei Kameras in eine Erdumlaufbahn zu bringen, um von dort aus sieben
bis zehn Tage lang den Halleyschen Kometen zu beobachten.

* * * * *

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Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

2. Oktober 1985

39

INHALT

INFORMATION
Neuer Leiter der US-Delegation auf der KVAE nominiert

WIRTSCHAFT

Amtliche Erklärung zur amerikanischen Handelspolitik
- Wortlaut -

HINTERGRUNDMATERIAL

ehester Crocker:

Vorsicht bei Sanktionen gegen Südafrika geboten

- WORLDNET-Interview mit US-Unterstaatssekretär für afrikanische
Angelegenheiten * * * * *

Um Über/endung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 B o n n 2

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Telex: 8-85432

�2. Oktober 1985

39

NEUER LEITER DER US-DELEGATION AUF DER KVAE NOMINIERT

WASHINGTON - (AD) - Präsident Ronald Reagan hat am 27. September
1985 den Karrierediplomaten Robert L. Barry zum Nachfolger von Botschafter James Goodby als neuen Leiter der amerikanischen Delegation auf der
Konferenz über Vertrauens- und Sicherheitsbildende Maßnahmen und Abrüstung in Europa nominiert.

Barry, dessen Ernennung noch der Bestätigung

durch den amerikanischen Senat bedarf, hat den Rang eines persönlichen
Gesandten und wird für die Zeit seiner Mission in Stockholm den Rang eines Botschafters erhalten.

In der PresseVerlautbarung des Weißen Hauses heißt es:

Der Präsident gab heute seine Absicht bekannt, Robert L. Barry aus
New

Hampshire, einen

Gesandten

aus dem Auswärtigen

Dienst

für seine

Dienstzeit als Vertreter der Vereinigten Staaten auf der Konferenz über
Vertrauens-

und Sicherheitsbildende

(KVAE) zum Botschafter zu ernennen.

Maßnahmen

und Abrüstung

in Europa

Er soll die Nachfolge von James E.

Goodby antreten.
Barry wurde am

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�Barry wurde am 28. August 1934 in Pr.ttsburgh in Pennsylvanien geboren.

Er studierte am Dartmouth College - 1956 B.A. - und an der Co-

lumbia-Universität - 1962 M.A.
von Oxford.

Von 1956-57 besuchte er die Universität

Seine Fremdsprachen

sind Russisch, Serbo-Kroatisch, Bul-

garisch und Französisch.

Von 1957-60 diente Barry als Leutnant in der amerikanischen Marine
und trat 1962 in den Auswärtigen Dienst der Vereinigten Staaten ein. Von
1963-65 war er Vizekonsul in Zagreb; von 1965-67 in der Abteilung für sowjetische Angelegenheiten im State Department; von 1967-68 studierte er
Russisch in München (Garniisch); von 1968-70 im Konsulat und dann in der
politischen Abteilung

an der amerikanischen Botschaft in Moskau; von

1970-71 in der politischen Abteilung der amerikanischen Mission bei den
Vereinten Nationen in New York; von 1971-73 Stellvertretender Leiter des
Generalkonsulats

in Leningrad; von 1973-75 beim

US-Informationsdienst

(USIA) als Leiter der Sowjetabteilung der Stimme Amerikas.

Im Jahr 1975 kehrte Barry als Stellvertretender Direktor der Abteilung für sowjetische Angelegenheiten in das amerikanische Außenministerium zurück; 1977 wurde er Direktor der Abteilung für Angelegenheiten der
Vereinten Nationen; 1978 Stellvertretender Unterstaatssekretär für internationale Organisationen und 1979 Stellvertretender Unterstaatssekretär
für europäische Angelegenheiten.

Im Jahr 1981 wurde er zum Botschafter

seines Landes in Bulgarien ernannt, ein Posten, den er innehatte, bis er
1984 bedeutende Forschungsaufgaben an der Columbia-Universität übernahm.

Barry ist verheiratet und hat zwei Kinder.

* * * * *

�2. Oktober 1985

39

PMTLICHE ERKLÄRUNG ZUR AMERIKANISCHEN HANDELSPOLITIK
- Wortlaut -

WASHINGTON - (AD) - Die amerikanische Regierung hat am 23. September
15»85 eine längere amtliche Erklärung zur Handelspolitik der Vereinigten
Staaten herausgegeben.
ten des Präsidenter

Die Erklärung, cie vom Büro des Senderbeauftrag-

für Handelsverhandlungen

ausgearbeitet wurde, hat

folgenden Wortlaut:

Die Grundprinzipien der Administration für den Handel

Eine Politik des freien und fairen Handels liegt im Interesse der
Bürger der Vereinigten Staaten und der ganzen Welt.

Eine solche Politik

schafft mehr Arbeitsplätze, bringt eine bessere Nutzung der Ressourcen
unseres Landes, bringt rascheres Wachstum und Innovation hervor und gewährleistet einen höheren Lebensstandard für Amerikaner.

Freier und fai-

rer Handel ist auch unseren nationalen Sicherheitsinteressen dienlich,
weil er das wirtschaftliche und politische System unserer Handelspartner
in den Industriestaaten und Entwicklungsländern stärkt.
Trotz dieser

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Telex: 8-85432

�Trotz dieser klaren Vorteile haben Forderungen nach Protektionismus
angehalten und in den letzten Jahren zugenommen.

Protektionismus ist

teuer und der wirtschaftlichen Prosperitat und den Sicherheitsinteressen
unseres Landes abträglich.

Protektionistische Vorschläge für Importab-

gaben oder Importquoten - ob sie zum Zwecke politischer Gewinne gemacht
werden oder nicht - sind unverantwortlich und gefährlich.

Die Vereinigten Staaten spielen die entscheidende Rolle bei der Gewährleistung und Förderung eines offenen weltweiten Handelssystems.

Wenn

die Vereinigten Staaten bei der Verteidigung und Förderung eines offeneren weltweiten Handelssystems versagen, dann ist das System in Gefahr zusammenzubrechen, was unser nationales Wohlergehen negativ beeinflussen
würde.

Das internationale Handelssystem basiert auf Zusammenarbeit.

Damit

haben auch unsere Handelspartner eine starke Verpflichtung, ein offeneres
Handelssystem zu unterstützen.

Zu dieser Verpflichtung gehören:

Abbau

der Handelsschranken, Abschaffung der Subventionen und anderer Formen unfairer Handelspraktiken und Eintritt in Verhandlungen über eine weitere
Liberalisierung des Handels im Rahmen des Allgemeinen Zoll- und Handelsabkommens (3ATT).

Seit dem Zweiten Weltkrieg haben wir bedeutsame Fort-

schritte in einem offenen weltweiten Handelssystem erreicht.
tionismus droht, dieses System

zu untergraben.

Der Protek-

Unsere Handelspartner

müssen sich mit uns zusammenschließen, um das Handelssystem weiter zu
verbessern, das zu dem wirtschaftlichen Wachstum und der Sicherheit der
Vereinigten Staaten und unserer Verbündeten beigetragen hat.

Amerika hat sich nie vor der Konkurrenz gefürchtet.

Wenn der Handel

den Regeln folgt und eine gleiche Wettbewerbschance besteht, dann ist die
amerikanische Wirtschaft so konkurrenzfähig wie jede andere.
fairer Handel und wir werden diesen nicht in Frage stellen.

Das ist

Wenn diese

Bedingungen nicht existieren, dann ist es unfairer Handel, und den werden
wir bekämpfen.

In der Erklärung

�In der Erklärung über die Handelspolitik von 1981 hat die Administration erkennen lassen, welche hohe Priorität sie dem internationalen Handel einräumt.

In der Erklärung wird das doppelte Ziel der Stärkung des

privaten Sektors durch das binnenwirtschaftliche Aufschwungprogramm des
Präsidenten und der internationalen Förderung eines offenen und fairen
Handels betont.

Seither sind die realen Privatinvestitionen rascher ge-

stiegen als das Bruttosozialprodukt, vor allem &lt;vas Dauergüter für die
Hersteller angeht, und heute machen Investitionen in Anlagen und Gerät
einen höheren Anteil am Gesamtaufkommen aus als zu irgend einem anderen
Zeitpunkt der Nachkriegsgeschichte.

Dies läßt erkennen, daß die ameri-

kanische Industrie Neuanschaffungen in den modernsten und produktivsten
Technologien vornimmt, die es gibt, und eine feste Grundlage aufbaut, um
ihre Wettbewerbsfähigkeit auf lange Sicht zu verbessern.

Die grundsätzliche Einstellung der Administration war und ist, den
Kräften des privaten Marktes so freien Lauf wie nur möglich zu lassen.
Das Ergebnis dieser Einstellung hat sich als sehr positiv erwiesen.
Warenproduktion stieg um 17 Prozent.

Die

Seit 1980 hat die Zahl der zivilen

Arbeitsplätze in der Privatindustrie um acht Millionen zugenommen.

Die

Preissteigerung ist von zweistelligen Zahlen - 12,4 Prozent im Jahr 1980
- auf weniger als vier Prozent zurückgegangen.

Laufende Bemühungen, un-

sere Binnenwirtschaft durch die Wiederherstellung eines nichtinflationären Wachstums zu stärken, werden weiter dazu beitragen, die Leistung unserer Wirtschaft in den kommenden Jahren zu steigern und unsere internationale Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern.

International gesehen hat die Administration ihre Bemühungen um ein
offeneres und faires System des Welthandels verstärkt, in dem sich die
Kräfte des Marktes frei von Regierungsreglementierungen und Subventionen
entwickeln

können.

Die Administration

hat

sich bemüht, ausländische

Schranken für amerikanische Exporte abzubauen, ausländischen Subventionen
und anderen unfairen Handelspraktiken im Ausland entgegenzuwirken und unsere gesetzliche Vollmacht zu nutzen, um unsere Handelspartner zu drängen, ihren Verpflichtungen nachzukommen.
Wir sind weiterhin
- 3 -

�Wir sind weiterhin der Ansicht, daß offene Märkte auf der Basis gegenseitig vereinbarter Regeln und gerechter Handelsbeziehungen in unserem
nationalen Interesse liegen.

Herausforderung eines expandierenden Welthandels

Die amerikanische Wirtschaft wird immer stärker in die Weltwirtschaft
integriert.

Arbeitgeber, Aroeitnehmer

und

Regierungsvertreter

unseres

Landes auf allen Ebenen müssen diese grundlegende Tatsache immer stärker
in Rechnung stellen.

Im Jahr 1985 werden die amerikanischen Exporte und

Importe von Waren und Dienstleistungen etwa 21 Prozent unseres Bruttosozialproduktes ausmachen.

Dem stehen 13 Prozent im Jahr 1970 und nur neun

Prozent im Jahr 1950 gegenüber.

Der Trend in unserer Wirtschaft zu einer größeren Rolle im internationalen Handel ist unumkehrbar.

Rasches Wachstum und rascher Wandel in

den Volkswirtschaften anderer Länder - sowohl der Industriestaaten als
auch der Entwicklungsländer - bieten neue und wachsende Märkte für unsere
Exporte und Quellen für unsere Importe.

Als Ergebnis werden die amerika-

nische Produktion und der amerikanische Verbrauch in immer stärkerem Maße
den entsprechenden Phänomenen im Ausland integriert.

Die wachsende Abhängigkeit unserer industriellen und landwirtschaftlichen Erzeuger von ausländischen Märkten und die große Herausforderung
ausländischer Konkurrenz auf unserem Binnenmarkt machen es für uns zwingend notwendig, auch weiterhin eine starke und wettbewwerbsfähige einheimische Wirtschaft und ein offeneres weltweites System des Handels und
der Kapitalflüsse zu fördern.

Diese Administration mißt politischen Maß-

nahmen, die diesen Zielen dienen, eine hohe Priorität bei.

Mit dieser wachsenden Bedeutung internationaler Märkte für unsere
Wirtschaft gehen wachsende Bedrohungen des offenen und marktorientierten
Handels einher.

Weitreichende

staatliche Eingriffe in die Volkswirt-

schaften unserer Handelspartner gefährden unsere Fähigkeit, international

- 4 -

�Fähigkeit, international Geschäfte zu machen.

Diese Administration wird

auch weiterhin mit allen Kräften nach Liberalisierung des Handels sowie
einer Politik auf den Gebieten der Industrie, der Landwirtschaft und des
geistigen Eigentums und der Investitionen im Ausland streben, die unsere
Erzeuger in die Lage versetzt, ihre Exporte zu steigern und Wachstum und
Arbeitsplätze in den Vereinigten Staaten zu erhöhen.

Wir müssen uns auch mit den protektlonistischen Forderungen im eigenen Lande befassen.

Befürworter von Einfuhrabgaben oder anderer Formen

des Protektionismus führen immer wieder unser großes Handelsdefizit als
Argument für eine Beschränkung der Einfuhren an.

Sie argumentieren, un-

ser Handelsdefizit hemme das Wirtschaftswachstum im eigenen Lande.

Aber

eine solche Analyse ist ebenso falsch wie die vorgeschlagene Abhilfe.
Protektionismus nützt nur einigen Industriezweigen auf Kosten der übrigen
Volkswirtschaft.

Weniger Einfuhren werden durch weniger Ausfuhren aufge-

hoben, und die Handelsbilanz wird höchstens temporär verbessert.

Protek-

tionismus treibt die Kosten für den Verbraucher in die Höhe und lenkt die
Mittel innerhalb der Wirtschaft in falsche Bahnen.

Und er setzt eine

Handelskriegspsychologie der Vergeltung und weiterer Marktbeschränkungen
in Gang.

Der beste Beweis, daß freie Märkte und freier Handel funktionieren,
ist unser eigenes Wachstum in letzter Zeit, verglichen mit dem langsameren der Volkswirtschaften unserer Handelspartner.

Unser Handelsdefizit

ist groß geworden, aber gleichzeitig sind seit 1980 rund acht Millionen
neue Arbeitsplätze geschaffen worden.

Unser kräftiges Wachstum in den

letzten Jahren hat die Nachfrage nach einheimischen wie nach ausländischen Erzeugnissen angeregt.

Wir müssen einsehen, daß es unser eigenes

starkes Wachstum nicht gegeben hätte, wenn wir nicht auch eine stärkere
Nachfrage nach Importen geschaffen hätten.

Die Verfügbarkeit von Impor-

ten hat unseren Interessen gedient, indem sie den Amerikanern eine größere Auswahl zu niedrigeren Preisen geboten und geholfen hat, befreundete
Länder wirtschaftlich stabil zu halten.

Im Gegensatz zu

- 5 -

�Im Gegensatz zu dem kräftigen wirtschaftlichen Wachstum und der steigenden Nachfrage in den Vereinigten Staaten während der letzten Jahre war
das Wachstum bei unseren Handelspartnern im allgemeinen niedriger.

Der

große Unterschied zwischen unserem Wachstum und dem unserer Handelspartner hat zusätzlich zu unserem Handelsdefizit - und dem Handelsüberschuß
unserer Partner - beigetragen.

Während der Zuwachs unserer industriellen

Produktion seit 1982 rund 19 Prozent betrug, war der Zuwachs in den wichtigsten Industriestaaten, die unsere Handelspartner sind, im allgemeinen
wesentlich geringer:

rund 17 Prozent in Kanada, 2,5 Prozent in Frank-

reich, acht Prozent in der Bundesrepublik Deutschland, neun Prozent in
Großbritannien und 1,4 Prozent in Italien.

Im Gegensatz zu den acht Mil-

lionen Arbeitsplätze, die seit 1980 in unserem Lande geschaffen wurden,
hat es in Europa seit über zehn Jahren keine Nettozunahme der Arbeitsplätze mehr gegeben.

Stärkere private Investitionen in diesen und an-

deren Ländern würden helfen, die Kluft zwischen ihrem Wachstum und ihrer
Beschäftigungslage und der unsrigen zu schließen.

Dies wiederum würde

dazu beitragen, unser Defizit abzubauen, weil die Auslandsnachfrage nach
unseren Erzeugnissen im Verhältnis zu unserer Nachfrage nach ihren Produkten steigen würde.

Das internationale Schuldenproblem vieler Entwicklungsländer hat deren Fähigkeit beschnitten, Importe aus den Vereinigten Staaten zu kaufen.
Die amerikanischen Exporte in die hochverschuldeten Entwicklungsländer
sind in einigen Fällen seit 1981 halbiert worden.

Wenn diese Schuldner-

länder eine Politik einführen, die eine Abkehr ihrer Volkswirtschaften
von regierungskontrollierten zu marktorientierten Entscheidungen bedeuten
und wenn sie das Vertrauen der internationalen Geschäfts- und Bankenwelt
zurückgewinnen würden, dann würde ihr Wachstumspotential wieder hergestellt und amerikanische Exporte in diese Länder würden wieder zunehmen.

Die Administration wird die verschuldeten Entwicklungsländer dazu ermutigen, die Behinderungen der Funktion der Marktkräfte in ihren Volkswirtschaften abzubauen, die Produktion durch Marktanreize für Unternehmen
und Beschäftigte zu steigern und Eigenkapital an die Stelle von Schulden
zu setzen, indem die eigene und ausländische Investition angeregt wird.

- 6 -

�angeregt wird.

Diese Maßnahmen werden das wirtschaftliche Wachstum för-

dern und damit die Fähigkeit zum Schuldendienst erhöhen und wieder Chancen für amerikanische Exporte schaffen.

Der Dollar auf den internationalen Märkten

Seit 19"?8 ist der Dollar im Verhältnis zum Wert der Währungen unserer
wichtigsten Handelspartner, die Industrieländer sind, wesentlich im Wert
gestiegen.

Der Kursanstieg wurde durch eine zusätzlicne weltweite Nach-

frage nach auf Dollar lautenden Papieren verstärkt - dies wiederum ist
Ausdruck dec großen Wachstumserwartungen und Sicherheit von Investitionen
in der amerikanischen Wirtschaft.

Diese Kapitalströme haben unsere Mit-

tel für die Produktion verstärkt und uns geholfen, die Inflation unter
Kontrolle zu halten.

Das Anwachsen des Dollarwertes hat zwar unsere Wirtschaft bereichert,
aber es hat auch unseren Exporten zusätzliche Hindernisse in den Weg gelegt und hat die Importe gefördert.

Die Administration macht sich Sorgen

über die Auswirkungen des Wertanstiegs des Dollar auf unsere internationale Wettbewerbsfähigkeit.

Viele amerikanische Produzenten sind heute im

Vergleich zu ihren Konkurrenten in Übersee relativ weniger wettbewerbsfähig geworden, weil der Dollar in den letzten sieben Jahren im Wert gestiegen ist.

Dieses Problem läßt sich jedoch nicht über Nacht lösen. Wir

sollten nicht versuchen, den Zustrom von Kapital abzublocken, das aus den
positiven

Aussichten

für

unser

wirtschaftliches

Wachstum

möchte und zu diesen positiven Aussichten beiträgt.

profitieren

Die Stärke des Dol-

lar reflektiert teilweise auch die relative Stärke unserer Wirtschaft.

Ein wichtiger Beitrag, um den Wertanstieg des Dollar zu dämpfen, würde darin bestehen, daß es unseren Handelspartnern gelingt, das Wachstum
ihrer eigenen Volkswirtschaften zu beschleunigen.

Dies würde wesentlich

zu einer Zunahme der amerikanischen Exporte beitragen, und zwar durch eine schrittweise Stärkung ihrer Währungen und die Auswirkung ihrer höheren
Einkommen auf den Kauf amerikanischer Erzeugnisse.
- 7 -

Die Administration

�Die Administration ermutigt unsere Handelspartner, eine Politik zu betreiben, die ihr wirtschaftliches Wachstum beschleunigt und sie wird die
Teilnehmer

am

Bonner Wirtschaftsgipfel

drängen, ihren Verpflichtungen

nachzukommen und die Starrheiten und UngLeichgewichte in ihren Volkswirtschaften zu beseitigen.

Wir wollen keine altmodischen "Lockvogel"-Erhö-

hungen der Regierungsausgaben und auch keine inflationäre Geldpolitik,
sondern vielmehr eine Änderung der Politik im Sinne der Senkung von

Aus-

gaben und Steuern, der Neuverteilung von Mitteln und der Liberalisierung
der Geldmärkte - Schritte, die die Wachstumschancen auf Dauer erhöhen
würden.

Bundesausgaben, Steuern und Verordnungen

Das Programm der Administration für den wirtschaftlichen Wiederaufschwung hat Anreize geboten, wieder zu investieren, die Produktivität zu
steigern und die Inflation von dem gefährlich hohen Stand der Jahre 1979
und 1980 herunterzudrücken.

Die daraus resultierende Verringerung der

Zinssätze hat, verbunden mit einer Senkung der Höchstsätze für die Einkommen- und Körperschaftssteuer, die Investitionstätigkeit angeregt und
einen starken Aufschwung mit niedriger Inflation ausgelöst.

Die Expansion von Investitionen in Anlagen und Ausrüstungen seit 1982
führte zu dem raschesten wirtschaftlichen Aufschwung der Nachkriegszeit.
Investitionen, die heute getätigt werden, werden auf lange Sicht die amerikanische Wettbewerbsfähigkeit auf unseren Auslands- und Binnenmärkten
stärken.
Es ist für unsere internationale Wettbewerbsfähigkeit wichtig, daß
wir im Rahmen unserer Steuerpolitik den Anreiz zur Spar- und Investitionstätigkeit aufrechterhalten.

Die Administration hat als Teil ihres

Steuerreformvorschlages jene Elemente unseres Steuertarifs beibehalten,
die die Spar- und Investitionstätigkeit des einzelnen und von Unternehmen
begünstigen - einschließlich

niedrigerer Einkommen- und Körperschafts-

steuersätze, indexierter Abschreibung von Anlagen und der Möglichkeit,

- 8 -

�der Möglichkeit, Ausgaben für Forschung und Entwicklung abzusetzen.

Der

Steuerreformvorschlag des Präsidenten ist wesentlich, um die Wirtschaft
zu stärken und amerikanische Unternehmen auf den internationalen Märkten
wettbewerbsfähig zu machen.

Eine weitere große Initiative der Administration zur Senkung der Bundesausgaben ist ebenfalls wichtig zur Verbesserung unserer internationalen Wettbewerbsfähigkeit:

Dämpfung des Dollarwertes und Abbau der An-

sprüche, den solche Ausgaben an die Ressourcen des Landes stellen.

Re-

gierungsausgaben ziehen - ob sie aus Steuern oder aus Anleihen finanziert
werden - Mittel vom privaten Sektor ab, führen zu der Notwendigkeit, viele Milliarcen an geliehenem Kapital einzuführen und tragen zur Steigerung
des Wertes des Dollar bei.

Der hohe Stand der öffentlichen Ausgaben hat noch andere negative
Auswirkungen auf die internationale Wettbewerbsfähigkeit unseres Landes.
Er hat die Senkung der Zinssätze verhindert.

Wenn die Regierungsausgaben

nicht wieder auf vernünftige Ausmaße zurückgeschraubt v/erden, dann werden
Mittel von expandierenden Investitionen auf dem Privatsektor abgezogen.
Die amerikanischen Unternehmer haben wiederholt angedeutet, daß die finanziellen Kosten des Kapitals ein großes Problem für amerikanische Firmen sind, die auf Weltmärkten konkurrieren.

Wir müssen die Zinssätze

weiter senken, indem wir die Regierungsausgaben abbauen.

Die Administration hat große Anstrengungen unternommen, um den Kongreß dazu zu bewegen, die Bundesausgaben wesentlich zu verringern.

Sol-

che Verringerungen würden nicht nur der Wirtschaft unseres Landes zugute
kommen, sondern auch unsere internationale Wettbewerbsfähigkeit wesentlich verbessern.

Die Zinssätze könnten weiter gesenkt werden, es würden

mehr Mittel für produktive Zwecke auf dem Privatsektor frei und, was sehr
wichtig ist, wir könnten mit einer Änderung des Dollarkurses rechnen, die
den amerikanischen Exporten und den mit Importen konkurrierenden amerikanischen Industrien zugute käme.

Wir müssen uns jedoch darüber im klaren

sein, daß ein Abbau des Defizits im Regierungshaushalt nicht unbedingt zu
einer raschen und starken Senkung des Dollarkurses führen muß, was posi-

- 9 -

�was positiv zu verzeichnen ist, weil es die Anziehungskraft amerikanischer Wertpapiere weiter erhöhen würde.

Auf jeden Fall würde aber eine

schärfere Kontrolle der Bundesausgaben und eine wirksamere Nutzung öffentlicher Mittel die Leistung der Wirtschaft und unsere internationale
Wettbewerbsfähigkeit verbessern.

Die Administration hat sich auch verpflichtet, die Last der Bundesverordnungen und Erlasse zu verringern, die das Wachstum, die Produktivität und die Exporte der amerikanischen Wirtschaft unnötig hemmen.

Auf

der Exportseite hat die Administration gesetzliche Regelungen in Form des
Gesetzes für Exporthandelsfirmen von 1982 angestrebt und erhalten, das es
Banken erlaubt, sich aktiv an der Gründung von Exporthandelsgesellschaften zu beteiligen, um den Export von amerikanischen Gütern und Dienstleistungen zu fördern.

Die Administration wird die Anwendung dieses Geset-

zes ständig überprüfen und falls sich dies als notwendig erweisen sollte,
weitere Änderungen vorschlagen.

Im Bereich der binnenwirtschaftlichen Verordnungen wird die Einführung von mehr Wettbewerb in bisher reglementierten Sektoren die Produktivität

und

unsere internationale Wettbewerbsfähigkeit

steigern.

Die

Administration wird ferner bei der Überprüfung vorgeschlagener Verordnungen und bei der Ausarbeitung weiterer Initiativen zur Aufhebung von Verordnungen an die Auswirkungen auf den Handel denken.

Wir werden prüfen,

wie weit der Prozeß der Aufhebung von Verordnungen als Hebel auf den Handel wirken kann, um Auslandsmärkte zu öffnen, wodurch das Problem ausländischer Lieferanten als Trittbrettfahrer so klein wie möglich gehalten
werden kann.

Die

internationale

Wettbewerbsfähigkeit

amerikanischer

Industrien

hängt auch vom Schutz des in den Vereinigten Staaten entstandenen geistigen Eigentums - Patente, Urheberrechte und Markenzeichen - ab.

Die Ad-

ministration wird ihre Anstrengungen verstärken, in den Vereinigten Staaten entstandenes geistiges Eigentum zu schützen.

Wir werden die laufen-

den Bemühungen auf diesem entscheidend wichtigen Gebiet dahingehend beschleunigen,

daß

die

Administration

- 10 -

legislative

und

administrative

�und administrative Schritte unternimmt.

Auf einem damit zusammenhängen-

den Gebiet führt die Administration ein wichtiges neues Programm durch,
das darauf abzielt, das Tempo der Kommerzialisierung von Produkten und
Verfahren zu beschleunigen, die durch Investitionen der Regierung in Forschung und Entwicklung entstanden sind.

Die Administration setzt mit

Nachdruck Gesetze durch, die Universitäten und kleinen Unternehmen Eigentum an Technologie überträgt, die mit Bundesmitteln entwickelt worden
sind.

Die Administration überprüft ferner die Antikartellgesetze oder Verordnungen, die

unsere internationale Wettbewerbsfähigkeit

hemmen, und

wird sie zu verändern suchen.

Internationale Finanz- und Entwicklungspolitik

Die Administration unterstützt ferner aktiv die amerikanischen Handelsinteressen, indem sie auf dem Gebiet der internationalen Finanz- und
Entwicklungspolitik Initiativen ergreift.

Auf dem jüngsten Wirtschafts-

glpfel und auf Ministertagungen haben wir unsere ausländischen Partner
aufgefordert, eine auf Wirtschaftswachstum ausgerichtete Politik einzuschlagen.

Das würde das amerikanische Handelsdefizit durch eine stärkere

Nachfrage nach unseren Exporten abbauen und würde auch den hochverschuldeten Entwicklungsländern zusätzliche Exportchancen bieten.

Die Administration unterstützt aktiv die Bemühungen, die vom Internationalen Währungsfonds und von der Weltbank koordiniert werden, um das
internationale Finanzsystem zu stärken und die wirtschaftliche Entwicklung zu fördern.

Zu diesem Zweck sind die Vereinigten Staaten bereit, den möglichen
Wert einer Einladung zu einem hochrangigen Treffen der Industrieländer zu
prüfen, um die verschiedenen Fragen zu analysieren, die mit der Umwandlung der Feststellungen der Zehnergruppe in geeignete Maßnahmen zusammenhängen.

Eine solche Konferenz könnte auf den Studien der Zehnergruppe
- 11 -

�der Zehnergruppe aufbauen und in kooperativer Weise über Politik und
Wirtschaftstätigkeit der wichtisten Industriestaaten sprechen und darüber
beraten, wie diese verbessert werden können, um eine Konvergenz zu nichtinflationärem Wachstum zu schaffen.

Die amerikanischen Exporte haben in den letzten Jahren aufgrund der
Auslandsschuldenkrise

in einer Reihe von Entwicklungsländern gelitten.

Mit Auflagen verbundene Finanzierungsprogramme des IWF können Schuldnerländern dabei helfen, den "Übergang zu einem anhaltenden Wachstum zu finden.

Zu diesem Zweck ist es wichtig, daß die Vereinigten Staaten die Be-

mühungen des IWF unterstützen, eine makro- und mikroökonomische Reform
der Wirtschaftspolitik im Rahmen der mit den Schuldnerländern ausgehandelten Hilfsprogramme zu erreichen.

Die Administration ist der Überzeugung, daß die Reform der Handelsund Investitionspolitik Teil der politischen Reformen sein sollte, über
die der IWF im Rahmen seiner konditionierten Finanzierungsprogramme verhandelt. Verringerte Exportsubventionen und ein

Abbau der Handelsschran-

ken werden den Bemühungen vieler Entwicklungsländer zugute kommen, ihre
wirtschaftliche Leistung zu verbessern und ihr wirtschaftliches Wachstum
zu beschleunigen.

Die Administration wird weiterhin in ihrer Einstellung

und Stimmabgabe im IWF auf diese Reformen drängen.

Solche Bemühungen

werden zu einem offeneren und gesünderen internationalen Umfeld für den
Handel und das Wachstum in den Vereinigten Staaten und in den Entwicklungsländern beitragen.

In ihren Beziehungen zur Weltbank hat die Administration auf eine
Ausweitung der Rolle des Privatsektors bei Förderung des langfristigen
wirtschaftlichen Wachstums in den Entwicklungsländern gedrängt.

Die Un-

terstützung der Administration hat wesentlich zur Aufstellung eines der
Interamerikanischen Entwicklungsbank übertragenen Programms für den Privatsektor in Höhe von 200 Millionen Dollar beigetragen.

Die Administration ist der Überzeugung, daß weniger staatliche Eingriffe in die Volkswirtschaft

der Entwicklungsländer
- 12 -

und weniger Be-

�weniger Beschränkungen der einheimischen und ausländischen Investitionen
sehr stark zu einer raschen Entwicklung und einem raschen Wachstum des
Welthandels beitragen werden.

Eine Liberalisierung der einschränkenden

Bestimmungen in den Entwicklungsländern bezüglich ausländischer Investitionen kann den Wettbewerb fördern und die schlechte Leistung verbessern,
die durch geschützte

einheimische Monopole entsteht, und

gleichzeitig

Mittel und produktive Fähigkeiten freisetzen, um den Erfordernissen des
Schuldendienstes dieser Länder nachkommen zu können.

Die Administration

unterstützt die Einrichtung des Amtes für Multilaterale Investitionsgarantien (MIGA), die kürzlich von der Weltbank beschlossen wurde, um den
internationalen Fluß der Investitionen

zu fördern.

Die Administration

ermutigt ferner die Entwicklungsländer, die Investitionen durch Aushandlung von Aokommen zu fördern, durch die ausländische Investitionen geschützt und wie eigene nationale Investitionen behandelt werden, sowie
durch Verstärkung des Schutzes von geistigem Eigentum.

Die Administration wird die Weltbank weiterhin drängen, eine marktorientierte Entwicklungspolitik zu unterstützen und zu fördern.

Preis-

kontrollen und Subventionen verzerren oft die Entwicklung und den Handel
und führen zu einer Vergeudung von Mitteln der Weltbank, und zur Entwicklung von Industrien, deren 'Überleben auf dem internationalen Markt von
anhaltender Unterstützung durch die Regierung abhängt.

Eine solche Poli-

tik kann amerikanischen Industriezweigen Schaden zufügen, die mit ausländischen Firmen in Konkurrenz stehen, die von ihren Regierungen unterstützt werden.

Wir haben eine Reihe von Anleihen der multilateralen Ent-

wicklungsbanken

unterstützt, die der Reform von Märkten und Handel in

Entwicklungsländern dienen.

Handelspolitik: Garantie verbesserten Marktzugangs und faireren Handels

Die

amerikanische

Handelspolitik

muß von einer

realistischen Ein-

schätzung der Wettbewerbssituation der Vereinigten Staaten innerhalb der
Weltwirtschaft ausgehen.

Sicherlich bleibt unsere Nation auch weiterhin

stark und lebensfrähig, bleibt sie der wirtschaftliche Führer der freien

- 13 -

�der freien Welt, deren politische Führungsrolle sich auf diese Stärke
stützt.

Aber zur Ausübung dieser Rolle müssen wir auch weiterhin unsere

Bemühungen auf die Schaffung der Bedingungen eines offenen und expandierenden Welthandels richten, der zu weltweiter Prosperität beiträgt.

Die Administration bekräftigt erneut ihre grundlegende handelspolitische Position, wie diese in ihrer Erklärung vom 8. Juli 1981 dargelegt
worden ist.

In Einklang mit dieser Position wird die Administration auch

weiterhin ungehinderteren Zugang für die amerikanischen Exporte zu den
ausländischen

Märkten

und

fairere

Handelsbedingungen

anstreben, sich

gleichzeitig aber sowohl im eigenen Land wie auch im Ausland Bestrebungen
entgegenstellen, die protektionistischer Natur sind.

Wir streben gegen-

über unseren Haupthandelspartnern, den großen und entwickelten Industriestaaten, eine substantielle Handelsliberalisierung an, durch die den amerikanischen Produkten mehr Märkte erschlossen werden.

Die Vereinigten

Staaten werden die notwendigen Initiativen ergreifen, damit bei einer
ganzen Reihe ausländischer Märkte - insbesondere Japan und den wichtigsten Entwicklungsländern - ein ausgewogenerer Zugang möglich wird.

Unsere Handelspolitik muß konzertierte Bemühungen mit unseren Handelspartnern zur langfristigen Schaffung offenerer Bedingungen im Welthandelssystem

mit einer Bereitschaft verbinden, je nach Notwendigkeit

kurzfristigere Schritte zu unternehmen, um faire Wettbewerbsbedingungen
für die amerikanische Wirtschaft sicherzustellen.

Die anderen Staaten müssen erkennen, daß es unmöglich ist, in den
Vereinigten Staaten politische Unterstützung für die Schaffung und Aufrechterhaltung eines offeneren Handelssystems zu erhalten, wenn es nicht
bald auch im Ausland zu Fortschritten bei der Erzielung offenerer und gerechterer Bedingungen für den Handel kommt.

Die Vereinigten Staaten wer-

den alle Fragen des Welthandels auf entschlossene, jedoch nicht auf Konfrontation abzielende Weise angehen.

Wir werden jedoch, falls notwendig,

Maßnahmen ergreifen, um im Ausland offenere Märkte zu erreichen und uns
selbst gegen unfaire Handelspraktiken anderer Staaten verteidigen.
Die Administration

- 14 -

�Die Administration wird verstärkt die ihr vom Kongreß gegebenen Möglichkeiten ausschöpfen, um gegen unfaire Handelspraktiken anderer Länder
anzugehen, die Handel und Investitionen der Vereinigten Staaten verzerren; sie wird nachdrücklich die Handelsinteressen und Rechte der Vereinigten Staaten gemäß amerikanischer und GATT-Bestimmungen verfolgen und
darauf drängen, daß auch die anderen Staaten ihre Verpflichtungen gegenüber den Vereinigten Staaten einhalten, wie sie sich aus ihren Handelsabkommen ergeben.
Des weiteren werden wir mit allem Nachdruck jene amerikanischen Gesetze in Anwendung bringen, die darauf abzielen, ausländischen Dumpingund Subventlonspraktiken entgegenzuwirken.

Am Wettbewerb im Welthandel sollten sich die Unternehmen der Wirtschaftswelt, nicht aber die Finanzministerien der Regierungen beteiligen.
Die sorgfältige Aushandlung verbesserter internationaler Regeln hinsichtlich Exportsubventionen ist für diese Administration ein Unterfangen von
höchster Priorität.

Wo derlei Regeln fehlen, unzureichend oder in ihrer

Anwendung nicht zufriedenstellend sind, werden die Vereinigten Staaten
ihre Exporteure

mit Nachdruck

gegen

die Subventionsprogramme

anderer

Staaten verteidigen.

Die Administration wird ihre Bemühungen verstärken, gegen die Probleme der Exportfinanzhilfe ausländischer Regierungen anzugehen, insbesondere dann, wenn es um Mischkredite geht; gleichzeitige wird sie auf ein
internationales Abkommen drängen, um subventionierte Exportfinanzierungen
aus der Welt zu schaffen.

Zu sogenannten "Mischkrediten" kommt es, wenn

Regierungen Exportkredite mit finanziellen Hilfsdarlehen kombinieren, um
die Kreditkosten der Exportverkäufe dadurch zu senken.

Mischkredite bil-

den im Welthandelssystem ein erhebliches und zunehmendes Subventionsproblem.

Die Export-Import-Bank wird mit einer konsequenten und zielgerich-

teten Politik beginnen, die auf die Mischkreditgewährungspolitik abhebt.
Gleichzeitig wird die Administration eine Bewilligung in Höhe von 300
Millionen Dollar für Zuschüsse anstreben, um bis zu 100 Milliarden Dollar
an Mischkreditdarlehen zu unterstützen.
In den vergangenen

- 15 -

�In den vergangenen zwei Jahren hat die Administration mit Erfolg Abkommen geschlossen, um Zinssubventionen oei Verkäufen von Großflugzeugen
und Kernkraftanlagen ins Ausland zu begrenzen.

Dieses Beispiel interna-

tionaler Zusammenarbeit muß auch auf das Problem der Mischkredite angewandt werden.

Die Administration wird auf Anträge amerikanischen Firmen und Einzelpersonen eingehen, bei denen es sich um gerechtfertigte Klagen über unfaire ausländische Handelspraktiken handelt.

Der Präsident hat kürzlich

angekündigt, daß fünf Fälle gemäß Absatz 301 des Handelsgesetzes von 1974
eingeleitet bzw. beschleunigt werden, um gegen unfaire ausländische Handelspraktiken anzugehen.

Es ist dies das erste Mal, daß ein Präsident

diesen wichtigen Schritt getan hat.

Die Administration wird außerdem

taktische Maßnahmen ergreifen, die auf die Beseitigung unfairer Praktiken
im Welthandel und auf die Öffnung ausländischer Märkte abzielen, sollten
sich Anstrengungen zur Lösung dieser Probleme durch Konsultationen als
vergeblich erweisen. Verweigerung bzw. Begrenzung des Zugangs zum amerikanischen Markt könnte im Verlauf dieses Prozesses eine notwendige Maßnahme darstellen.

Die Administration unterstützt die auf eine Öffnung des Marktes gerichtete Zielsetzung der Gesetzgebung

eines ausgewogenen Marktzugangs,

wird sich jedoch jeder Gesetzgebung widersetzen, die den Präsidenten
zwingen sollte, amerikanische Märkte auf der Grundlage sektoraler Reziprozität zu schließen.

Der richtige Weg besteht darin, der Administra-

tion die Handlungfreiheit
schranken auszuhandeln.

zu geben, den Abbau ausländischer Handels-

Des weiteren wird die Administration ihrem Be-

richt an den Kongreß bezüglich des Themas der Ausrichtung auf ausländische Industrien entsprechend fortfahren, indem sie auch weiterhin die potentiellen Probleme - und mögliche Lösungen - untersucht, die sich aus
dem gezielten ausländischen Maßnahmen ergeben.

Wir werden uns um die Beseitigung von Zollschranken und Verzerrungen
für den amerikanischen Handel mit Dienstleistungen und Hochtechnologiegütern (Bereichen, in denen wir einen beträchtlichen, weltweiten Wettbe-

- 16 -

�weltweiten Wettbewerbsvorteil haben) sowie für direkte amerikanische Investitionen im Ausland bemühen.

Eine wichtige neue Priorität im Bereich

des Handels wird es sein, Schranken und Verzerrrungen für den amerikanischen Handel zu verringern und schließlich zu beseitigen, die sich aus
dem unzureichenden Schutz amerikanischen geistigen Eigentums im Ausland
ergebem - Patenten, Urheberrechten und Markenzeichen.

Im Bereich des Handels mit landwirtschaftlichen Gütern wird die Administration auch weiterhin gegen ausländische Exportsubventionen ange;hen,
die unsere traditionellen Auslandsmärkte gefährden.

Die Administration

wird auch weiterhin die mögliche Anwendung des Programms eines Warentauschgeschäftes ausloten, um unsere Handelspartner, insbesondere in Europa, dazu zu ermutigen, sich zur Beseitigung der Agrarexportsubventionen
zu verpflichten.

Vereinzelte und temporäre Sicherungen und nationale Sicherheit
Die Bürger der Vereinigten Staaten haben größtes Interesse an freiem
und fairem Handel. Offener Handel schafft mehr Arbeitsplätze, produktivere Verwendung der Ressourcen des Landes, raschere Innovation und einen
höheren Lebensstandard.

Er fördert zudem unsere nationalen Sicherheits-

interessen, weil die wirtschaftlichen und politischen Systeme befreundeter Staaten gestärkt werden. Protektionismus - in Form von Zollerhöhungen
oder von Quoten - wäre kostspielig und stünde den wirtschaftlichen und
sicherheitspolitischen Interessen unseres Landes entgegen.

Es ist jedoch international anerkannt, daß es gelegentlich für Staaten notwendig ist, Industriezweige eine Zeitlang vor schwerwiegenden Folgen zu schützen, die sich hauptsächlich durch eine Flut von Importen ergeben.

Gelegentliche

Sicherungsmaßnahmen

der Vereinigten Staaten, in

Einklang mit unseren Handelsgesetzen ergriffen, widersprechen unseren internationalen Verpflichtungen nicht.

Sie müssen jedoch die übergreifen-

den wirtschaftlichen und sicherheitspolitischen Interessen unseres Landes
widerspiegeln.

Entsprechende Erleichterungen müssen im wirtschaftlichen

- 17 -

�im wirtschaftlichen

Interesse der Nation liegen; sie müssen temporär

sein, über ihre Laufzeit hinweg reduziert werden und Aussicht auf Anpassung dieses Teils der amerikanischen Industrie bieten, damit er nach Einstellung dieser Erleichterungen auch wieder wettbewerbsfähig ist.
Anstelle von Protektion wird die Administration Wege
Weiterbildung von Arbeitnehmern zu fördern.

prüfen, die

Die Administration wird be-

stehende Hilfprogramme für Arbeitnehmer einer Überprüfung unterziehen, um
sicherzustellen, daß dadurch eine wirksame und humane Anpassungspolitik
gefördert wird, die zu einem Maximum an Wandel und Mobilität sowie
- (a) Ausbildung und Umschulungsprogrammen - finanziert durch Regierung, Gewerkschaften und Arbeitgeber - auf umfassender und dauerhafter Grundlage; und
- (b) Unterstützung für entlassene Arbeitnehmer durch Stellendienste,
Arbeitsplatzbanken, Ausbildung und Umzugsbeihilfen beitragen.
Die Administration behält sich das Recht vor, auf wirtschaftliche Bedingungen im internationalen Rahmen sowie auf ein Maß an Importen zu reagieren, das inländische Industriezweige bedroht, die für unsere langfristige nationale Sicherheit von entscheidender Bedeutung sind. Außerdem
wird die Administration mit Nachdruck unsere Exportkontrollgesetze im Interesse unserer eigenen nationalen Sicherheit zur Anwendung bringen.
Gleichzeitig erkennt die Administration die Tatsache der Erfolgschancen
des Auslandes sowie die Bedeutung unserer Reputation als verläßlicher
Lieferant an. Wir sind uns aber auch der Tatsache bewußt, daß künftige
technische Fortschritte der amerikanischen Industrie von der Aufrechterhaltung des größtmöglichen Zugangs zu den internationalen Märkten sowie
von der Förderung des umfassendsten Austausches wissenschaftlicher Information abhängen.

Internationale Verhandlungen
- 18 -

�Internationale Verhandlungen zur Verbesserung des Zugangs zu den Märkten
und zur Erzielung eines gerechteren Handels

Es besteht ein großes Bedürfnis zur Stärkung des internationalen Handelssystems durch gemeinsame Anstrengungen der Vereinigten Staaten und
ihrer Handelspartner, um besseren Zugang zum und fairere Bedingungen im
Welthandel zu erhalten.

Es besteht die zwingende Notwendigkeit zur Über-

arbeitung d=s Allgemeinen Zoll- und Handelsabkommens (GATT), das seit 40
Jahren das internationale rechtliche Rahmenwerk für den Welthandel darstellt.

Die Wirksamkeit des GATT hat in den letzten Jahren nachgelassen,

hauptsächlich weil seine Maschinerie und seine Regeln nicht den neuen Bedürfnissen der internationalen Handelsgemeinschaft angepaßt wurden.

Das GATT muß in den folgenden Bereichen gestärkt werden:

- Beilegung von Streitigkeiten (gleich, ob in Form von Sicherheitsklauseln, bei Restriktionen für neue Industriezweige oder bei Zahlungsbilanzrestriktionen) sowie

- Regeln bei der Gewährung von Exportsubventionen.

Die GATT-Verhandlungen müssen außerdem ein erheblich verbessertes Umfeld für den Handel mit landwirtschaftlichen Produkten erbringen.

Ver-

handlungen sind notwendig, um den Kodex bei den nichttarifären Handelsschranken zu verbessern, der zuerst im Rahmen der Tokio-Runde entwickelt
wurde.

Und das GATT muß auch Problembereiche untersuchen und in Bereiche

hineinwirken, die in zunehmendem Maß für den Welthandel wichtig werden,
einschließlich

des _Schutzes des geistigen Eigentums, des Handels mit

Dienstleistungen und der handelsverzerrenden Investitionspraktiken.

Die Vereinigten Staaten haben ihre Handelspartner darauf gedrängt, in
eine neue Multilaterale Verhandlungsrunde einzutreten, um sich bald mit
diesen Fragen im Rahmen des GATT auseinanderzusetzen.

Eine solche Runde

wäre ein positives Zeichen dafür, daß die GATT-Mitglieder noch immer an
ein offenes Handelssystem sowie daran glauben, daß das GATT als Institu- 19 -

�als Institution fähig ist, sich den Bedingungen des Wandels anzupassen.
Diese Verhandlungen sollten Anfang 1986 beginnen.

Während für uns oberste Priorität die Verbesserung des Welthandelssystems durch eine neue Runde multilateraler Handelsverhandlungen ist, sind
die Vereinigten Staaten auch an der Möglichkeit interessiert, eine weitere Liberalisierung von Handel und Investitionen durch die Aushanrilung
bilateraler Freihandelsabkommen, wie das kürzlich mit Israel abgeschlossene, zu erzielen.

Wir sind der Überzeugung, daß bisweilen solche Abkom-

men unsere multilaterale Bemühungen vervollständigen sowie ein höheres und für beide Seiten vorteilhaftes - Maß an Liberalisierung ermöglichen
könnten, als dies innerhalb des multilateralen Kontext möglich wäre.

Die Vereinigten Staaten werden allen ernsthaften Vorschlägen zum Einstieg in die Aushandlung solcher Abkommen sorgfältige Überlegung angedeihen lassen.

Oberster Gesichtspunkt bei der Bewertung solcher Vorschläge

wird ihr wirtschaftlicher Wert für die Vereinigten Staaten sein; wir werden kein Abkommen verfolgen, das nicht deutlich in unserem wirtschaftlichen und kommerziellen Interesse liegt.

Schließlich werden die Aus-

sichten auf deutlichen Fortschritt in einer neuen Runde mulitlateraler
Handelsverhandlungen auch unsere Überlegungen hinsichtlich solch bilateraler Initiativen beeinflussen.

Die Administration wird sich eng mit dem Kongreß und den Vertretern
des Privatsektors konsultieren, bevor sie in formelle Verhandlungen eintritt, die darauf abzielen, irgendwelche bilaterale Freihandelsvereinbarungen zu erreichen und sie wird auch den Kongreß bezüglich ihrer Absichten in Einklang mit bestehendem amerikanischen Recht informieren.
Neben möglichen bilateralen Freihandelsvereinbarungen werden die Vereinigten Staaten andere bilaterale Bemühungen unternehmen, um den Zugang
für amerikanischen Handel und Investitionen zu verbessern.

Diese bilate-

ralen Anstrengungen könnten spezifische oder sektorale Handelsfragen angehen.

Erst kürzlich haben die Vereinigten Staaten sektorenspezifische

Diskussionen mit der japanischen Regierung begonnen, um den Zugang ameri-

- 20 -

�Zugang amerikanischer Hersteller von Telekommunikationsausrüstungen, medizinischen

und

pharmazeutischen

Produkten, elektronischen

Gütern und

forstwirtschaftlichen Produkten auf dem japanischen Markt zu verbessern.
Neue Sektoren werden hinzukommen, die Aussicht auf verstärkte amerikanische Exporte bieten.

Die Administration ist auch in Gespräche mit der japanischen Regierung eingetreten, um in Japan offenere Finanzmärkte zu bekommen und dem
Yen eine Rolle zuzuweisen, der stärker Japans erhöhte wirtschaftliche Bedeutung in der Weltwirtschaft widerspiegelt.

Wir werden auch nachfassen,

was die Verwirklichung von Verpflichtungen anbelangt, die Japan in diesem
Bereich eingegangen ist.

Andere

bilaterale

fortgeschrittenen

Initiativen

umfassen

Entwicklungsländern

Marktöffnungsgespräche

mit

(zum Beispiel Taiwan und Korea)

sowie Initiativen zur Aushandlung bilateraler Investitionsverträge mit
Entwicklungsländern.

Solche Verträge umfassen nichtdiskriminierende Be-

handlung, Schutz gegen Enteignung, das Recht des freien Transfers von
Mitteln, Schlichtung von Investitionsstreitigkeiten und Schutz des geistigen Eigentums amerikanischer Investoren.

Zusammenfassung der Handelspolitik der Administration

In dieser Zeit großer Herausforderung für die Zukunft des amerikanischen und internationalen Handels wird die Administration ein aktives
Programm durchführen, um die Hauptelemente ihrer Handelsstrategie zu verwirklichen - Aufrechterhaltung einer starken und wachsenden nationalen
wie internationalen Wirtschaft sowie offenere und gerechtere Bedingungen
für den amerikanischen Handel.

Zusammengefaßt: Die Administration wird Folgendes tun:

Nationale und internationale

21 -

�Nationale und internationale Wirtschaftspolitik

1. Die Administration wird zum Vorteil unseres Außenhandels wie auch
unseres gesamten Binnenhandels mit Nachdruck darauf hinarbeiten, die öffentlichen Ausgaben unter Kontrolle zu bringen.

Der Kongreß und die Öf-

fentlichkeit müssen sich klar der negativen Auswirkungen übermäßiger Regierungsausgaben und Haushaltsdefizite auf den Wert des Dollar und auf
den amerikanischen Handel bewußt sein.

Da der Kongreß zur Verringerung

des Handelsdefizits beitragen will, sollte er seine Energien auf die Beschneidung

übermäßiger

Ausgaben

und

Haushaltsdefizite

konzentrieren,

statt protektionistische Gesetze zu unterstützen.

2. Die Administration wird auch weiterhin darauf drängen, daß der
Steuerrefonnvorschlag des Präsidenten angenommen wird, der entscheidend
dafür ist, unsere Wirtschaft zu stärken und die amerikanische Geschäftswelt auf den Weltmärkten wettbewerbsfähiger zu machen.

3. Die Administration wird unsere eigenen Antikartellgesetze oder
Verordnungen in dem Maß überprüfen und eine Erweiterung herbeizuführen
suchen, in dem sie unsere internationale Wettbewerbsfähigkeit behindern.

4. Die Administration wird bei der Überprüfung vorgeschlagener Verordnungen und bei der Entwicklung weiterer Initiativen zur Aufhebung von
Verordnungen die Auswirkungen auf den Handel in Betracht ziehen.

Die Ad-

ministration wird die Hebelmöglichkeit in Anwendung bringen, die durch
ihren Prozeß der Aufhebung von Verordnungen geschaffen wurde, um den Versuch zu machen, ausländische Märkte zu öffnen und dadurch das Problem des
Wettbewerbsvorteils ausländische Anbieter zu verringern.

5. Die Administration wird ihre Bemühungen zum Schutz von geistigem
Eigentum verstärken

(Patente, Urheberrechte, Warenzeichen); wir werden

unsere Bemühungen in diesem Bereich mit dem Ziel möglicher Initiativen
der Administration im legislativen und administrativen Bereich.

6. Die Vereinigten
- 22 -

�6. Die Vereinigten Staaten werden ihre Handelspartner auffordern, eine Politik zu betreiben, die deren wirtschaftliches Wachstum beschleunigt
und damit unsere Exportmöglichkeiten erhöht.

Insbesondere werden wir die

Teilnehmer des Bonner Gipfels darauf drängen, ihren Verpflichtungen nachzukommen, Starrheiten und Unausgewogenheiten ihrer Volkswirtschaften zu
beseitigen.

Die Vereinigten Staaten werden außerdem auch weiterhin Ge-

spräche innerhalb des IWF und der OECD zum Verfolg dieser Strategie führen.
7. Die Administration wird die schuldenbeladenen Entwicklungsländer
dazu ermutigen, staatliche Hindernisse abzubauen, die dem Funktionieren
ihrer Märkte entgegenstehen; wir werden ihre Produktion durch Marktanreize für ihre Firmen und Mitarbeiter ermutigen und Schulden durch Eigenkapital ersetzen, indem wir sowohl zu inländischen als auch ausländischen
Investitionen anregen.
8. Die Anstrengungen des Jahres 1984 im Bereich Yen-Dollar zur Liberalisierung der Finanzmärkte Japans und zur Internationalisierung des Yen
werden fortgesetzt.

Freie und faire Handelspolitik

9. Da die Vereinigten Staaten für ihr Wohlergehen sowohl von Exporten
als auch Importen abhängig sind und weil Protektionismus kostspielig und
kontraproduktiv ist, bleibt es Ziel der Administration, auf ein freieres
und faires Handelssystem hinzuarbeiten.
10. Die Vereinigten Staaten werden mit Nachdruck ihre Rechte und Interessen im Welthandel gemäß amerikanischer und GATT-Bestimmungen verfolgen und werden darauf drängen, daß auch andere Staaten ihren Verpflichtungen und HandelsVereinbarungen mit den Vereinigten Staaten nachkommen.

11. Die Administration wird auch weiterhin mit Nachdruck die amerikanischen Antidumping- und Zollausgleichsgesetze anwenden.
12. In der Vergangenheit
- 23 -

�12. In der Vergangenheit haben die Vereinigten Staaten Untersuchungen
über unfairen Handel gemäß Absatz 301 lediglich als Antwort auf formelle
Anträge amerikanischer Industriezweige auf Maßnahmen in die Wege geleitet.

Die Administration wird im Maße, wie es ihr angemessen erscheint,

auch selbst solche Fälle aufgreifen, um unfaire Handelspraktiken des Auslands zu untersuchen.

13. Wo die Regeln für Exportsubventionen fehlen, unzureichend oder in
ihrer Durchführung unbefriedigend sind, werden die Vereinigten Staaten
mit Nachdruck ihre Exporteure gegen Subventionsprogramme anderer Staaten
verteidigen.

Außerdem wird die Export-Import-Bank eine aggressive und

gezielte Mischkreditpolitik in die Wege leiten.

Gleichzeitig wird sich

die Administration um eine Zuweisung in Höhe von 300 Millionen Dollar für
Darlehen bemühen, um damit bis zu 1 Milliarde Dollar an Mischkrediten zu
unterstützen.

14. Die Administration wird taktische Maßnahmen ergreifen, die auf
die Beseitigung unfairer Praktiken im Welthandel und die Öffnung ausländischer Märkte abzielen, sollten Bemühungen um die Lösung dieser Probleme
auf dem Weg von Konsultationen fehlschlagen.

Verweigerung oder Begren-

zung des Zugangs zum amerikanischen Markt könnte im Rahmen dieses Prozesses eine notwendige Maßnahme sein.

15. Die Administration wird die marktöffnenden Ziele der Gesetze über
fairen Marktzugang unterstützen; aber sie wird sich gegen Gesetze wehren,
die vom Präsidenten verlangen würden, amerikanische Märkte auf der Grundlage sektoraler Reziprozität zu schließen.

Der richtige Weg ist, der Ad-

ministration die Vollmacht zu gewähren, Abbau der Schranken im Außenhandel auszuhandeln.

16. Die Vereinigten Staaten werden auch weiterhin mit Japan marktorientierte, sektorselektive Gespräche führen.

Es werden jedoch bei den

laufenden Sektorgesprächen zeitliche Begrenzungen eingeführt werden, nach
deren Ablauf spezielle Verpflichtungen bewertet und Folgeverfahren eröffnet werden.

Neue Bereiche werden hinzugenommen, die vermehrte amerika-

nische Exporte versprechen.
17.
- 24 -

Die

Administration

�17. Die Administration wird ihre Belichte an den Kongreß zum Thema
gezielter Maßnahmen der ausländischen

Industrie fortsetzen, indem sie

auch weiterhin die potentiellen Probleme, die durch solch gezielte ausländische Maßnahmen geschaffen werden - und unter Umständen mögliche Gegenmittel - untersucht.

Politische Schritte zjr Förderung des amerikanischen Exports

18. Die Vereinigten Staaten werden si:h um eine Verringerung des Handelsdefizit unseres Landes bemühen, indem sie die Exporte ausweiten werden, statt Importe zu beschränken.

19. Die Administration wird mit Beratungsgruppen des Privatsektors
zusammenarbeiten (z.B.dem Exportrat des Präsidenten), um die Exportförderung zu verbessern und den amerikanischen Firmen aabei zu helfen, ihre
weltweiten Marktanstrengungen auszuweiten.

20. Die Administration wird die staatliche Exportförderung im Verlauf
der Budgetüberprüfung dieses Herbstes bewerten und diese Aktivitäten ändern, falls notwendig, um ihre Wirksamkeit zu erhöhen.

21. Die Administration wird sich erneut um Gesetze bemühen, um die
für den Export leistungshemmenden Faktoren des Gesetzes über korrupte
Praktiken im Außenhandel zu beseitigen.

Multilaterale und bilaterale Handelsverhandlungen für amerikanische
Exporte und fairen Handel

22. Es besteht ein großes Bedürfnis nach einem umfassenderen, disziplinierteren und wirksameren System von Regeln für den Welthandel.

Die

Administration wird ihre Bemühungen fortsetzen, eine neue GATT-Verhandlungsrunde in die Wege zu leiten.
23.
- 25 -

Die

Administration

�23. Die Administration wird mögliche bilaterale und multilaterale
Verhandlungsmöglichkeiten prüfen, um sowohl den Marktzugang zu verbessern
als auch die Fairness zu vergrößern und die umfassenderen Interessen des
multilateralen Verhandlungsprozesses zu fördern.

Sicherheitsklauseln und nationale Sicherheitspolitik

24. Die Administration ist sowohl im In- als auch im Ausland marktorientierten Lösungen der Handelsprobleme orientiert; aber gelegentliche
Ausnahmen könnten notwendig sein.

25. Importerleichterungen werden im Bedarfsfall transparent, temporär, zeitlich abgestimmt sein und über einen bestimmten Zeitraum hinweg
allmählich abgebaut werden und zu internationaler Wettbewerbsfähigkeit
führen.

26. Die Administration wird bestehende Hilfsprogramme für Arbeitnehmer überprüfen, um sicherzustellen, daß sie eine wirksame und humane Anpassungspolitik fördern.

27. Die Administration behält sich das Recht vor, auf bestimmte Wirtschaftsbedingungen im internationalen Rahmen zu reagieren; außerdem wird
sie auf die Auswirkungen jener Importe reagieren, die inländische Industriezweige bedrohen, die für unsere langfristige nationale Sicherheit
von entscheidender Bedeutung sind.
28. Die Administration wird im Interesse unserer eigenen nationalen
Sicherheit unsere Exportkontrollgesetze mit Nachdruck in Anwendung bringen.

Gleichzeitig ist sich die Administration der Tatsache bewußt, daß

unsere Güter im Ausland zur Verfügung stehen müssen und weiß um die Bedeutung unseres Rufes als verläßlicher Anbieter.

- 26 -

�United States Information Service
Embassy of the United States of America

2. Oktober 1985

39

CHESTER CROCKER: VORSICHT BEI SANKTIONEN GEGEN SÜDAFRIKA GEBOTEN

WORLDNET-Interview mit US-Unterstaatssekretär
für afrikanische Angelegenheiten
- Auszüge -

WASHINGTON - (AD) - ehester Crocker, Unterstaatssekretär für afrikanische Angelegenheiten, diskutierte am 27. September 1985 im Rahmen des
Satelliten-Fernsehprogramms des US-Infomationsamt.es, WORLDNET, mit Medienkorrespondenten in Bonn, Brüssel, Den Haag, Lissabon, London, Paris
und Rio de Janeiro die Südafrikapolitik dar amerikanischen Regierung.

Nachstehend

der

Wortlaut

der Korrespondentenfragen

aus

Bonn

und

Crockers Antworten:
FRAGE:

Mr. Crocker, Sie sagten, die Regierung in Pretoria sei eine

reformerische Regierung.

Wie können Sie das sagen, wenn alle Schwarzen

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�alle Schwarzen durch die Verfassung von der Beteiligung an der politischen Macht ausdrücklich ausgeschlossen sind?

Eine weitere Frage betrifft die Haltung der Reagan-Administration
hinsichtlich der südafrikanischen Homeland-Politik und der Umsiedlungsprogramme großen Stils. Was denken Sie hierüber?

ANTWORT:

Hinsichtlich de-s von Ihnen angesprochenen Reform-Aspektes

scheinen mir die Tatsachen für sich zu sprechen.

Es gab hinsichtlich der

Abkehr von der Apartheid sowoil in Theorie als auch in Praxis in den vergangenen vier oder -"ünf Jahren in Südafrika mehr Wandel a_\s in den vorausgegangenen vierzig Jahren.

Nimmt man zum Beispiel den Status der Ge-

werkschaften, so erkennt man, daß über die Hälfte der gewerkschaftlich
zusammengeschlossenen Arbeitnehmer in Südafrika Schwarze sind.
noch vor fünf Jahren nicht so.

Dem war

Es gibt Vohn- und Bodenrechte, das gesam-

te Konzept der Wohn- und Aufenthaltsproblematik in Südafrika wurde in
Überlegungen in Richtung auf Änderungen einbezogen und dann gab es auch
Wandel in einigen konkreten Bereichen der Politik.

Wir kennen die begrenzten Schritte, die unternommen wurden, um den
Mischlingen und Asiaten begrenzte politische Rechte zuzugestehen.
meinen daher, gewisse Maßnahmen wurden ergriffen.
sie nicht adäguat.

Wir

Offensichtlich sind

Sie gehen noch nicht das Problem der politischen

Rechte der Schwarzen an.

Aber es gab prinzipielle Erklärungen der Regie-

rung, wonach die Schwarzen politische Rechte erhalten müssen und sie politische Beteiligung auf höchster Ebene, also der nationalen Ebene, haben
sollten.

Was noch fehlt, sind konkrete Formeln oder überhaupt Verhand-

lungen, um zu diesem Ergebnis zu gelangen.

Was den zweiten Punkt, die Homeland-Politik anbelangt, so haben wir
immer wieder - unter jeder Administration bis zurück zu jener von Dwight
Eisenhower - die Homeland-Politik abgelehnt.

Sie löst keines der Proble-

me Südafrikas. Wir können die Entnationalisierung der schwarzen Mehrheit
nicht unterstützen und tun dies auch nicht.

Wie Sie wissen, wird die

zwangsweise Umsiedlung seit einiger Zer: schon einer Überprüfung unter- 2-

�Überprüfung unterzogen. Wir hoffen, daß mit dieser Politik endlich Schluß
gemacht wird.
FRAGE:

In welchem Maß herrscht in Ihrer Administration Zufriedenheit

über die jüngsten Druckmaßnahmen seitens der Europäer, um Wirtschaftssanktionen einzuführen?

Sind Sie hiermit zufrieden oder hätten Sie gern

mehr davon gehabt?

ANTWORT:

Es steht uns ratürlich nicht zu, darüber zu entscheiden,

was andere Staaten tun sollten; aber wir haben die Linie aufgezeigt, die
wir zu ziehen versuchen.
rika verhängt.

Wir haben keire Handelssanktionen gegen Südaf-

Wir haben aucn nicht die Absicht. Wir glauben nicht, daß

derlei Sinn hat.

Wenn sie also für die Vereinigten Staaten keinen Sinn

machen, dann dürfte unser Argument dahingehen, daß sie auch für die Bundesrepublik Deutschland keinen Sinn machen.

Ich nehme also an, daß die

beiden Regierungen das mehr oder minder auch ähnlich sehen.
andere Regierungen nicht, Sanktionen zu verhängen.

Wir drängen

Wir drängen sie viel-

mehr dazu, sehr sorgfältig auf die Wir&lt;ungen zu achten, die derlei in
Südafrika und im südlichen Afrika hat und sich bewußt zu sein, daß wir,
wenn wir nicht sehr vorsichtig sind, mit Streichhölzern spielen.

FRAGE:

Ich habe eine ähnliche Frage;.

Sind Sie mit dem Zustand und

der Art von Kooperation und Koordination zwischen den Vereinigten Staaten
und der Europäischen Gemeinschaft zufrieden, was Südafrika anbelangt?
ANTWORT:

Wir stehen mit unseren wichtigsten europäischen Partnern in

sehr regelmäßigem Dialog über diese Art Fragen, und wir wollen ihn aufrechterhalten und fortführen.

Es ist dies meiner Meinung nach eine sehr,

sehr nützliche Bemühung auf beiden Seiten des Atlantik.

Dabei geht es

nicht nur um Südafrika; es geht auch um die Lage im südlichen Afrika.
Hinsichtlich Namibia stehen die Westlichen Fünf in regelmäßigem Kontakt
miteinander.

Was Südafrika angeht, so meine ich, es ist nützlich, wenn

die westliche Welt mehr oder minder mit einer gemeinsamen Stimme spricht
- ebenso wie hinsichtlich der Notwendigkeit, die Anliegen der Schwarzen
zu fördern, die Apartheid abzuschaffen und nicht das zu zerstören, was es

�was es hier gibt: die vielversprechendste Volkswirtschaft auf dem gesamten Subkontinent.
FRAGE:

Mr. Crocker, was halten Sie von dem reuen Kompromiß der Bon-

ner Koalition hinsichtlich Südafrika?

[ch denke an das Kulturabkommen,

von dem Sie wahrscheinlich wissen, und an den Kompromiß, der besagt, das
Abkommen wird aufgehoben, man hat jedoch sechs Monate Zeit und in dieser
Zeit

auch die Gelegenheit

zu der Übereinkunft, daß jeder, auch die

Schwarzen, sich an den kulturellen Beziehungen zur Bundesrepublik beteiligen können?

ANTWORT:

Nun, Sie sprechen Themen an, die mir nicht so geläufig

sind, wie sie es vielleicht sein sollten.

Ich würde Folgendes sagen:

Wir sind nicht der Meinung, die Erschwerung der Kontakte, etwa der kulturellen

Kontakte,

staatsmännischen

stelle

in

sich

selbst

Akt dar - um es so zu

einen ungeheuer kreativen,
formulieren.

Was Südafrika

braucht, sind mehr Beziehungen zur westlichen Welt, nicht weniger. Aber
es geht nicht nur jm Beziehungen zur öffentlichen Meinung des Westens
oder Beziehungen zwischen westlichen Regierungen und der südafrikanischen
Regierung; es geht um Beziehungen für alle Menschen in Südafrika und in
diesem Sinn können wir uns voll mit den Geist Ihrer Frage identifizieren.

In unsrem eigenen Fall bezieht sich konstruktives Engagement nicht

nur auf die Regierung Südafrikas, sondern auf alle Südafrikaner.

Wir

bauen durch unsere Programme, die direkte Unterstützung für Fortschritt
der schwarzen Mehrheit umfassen, Brücken und Institutionen in ganz Südafrika.

Ich meine, darum geht es wirklich, und das ist etwas Positives.

Aber wir sollten Südafrika nicht noch weiter isolieren.

Das führt nur

dazu, daß es sich noch weiter in seine Wagenburg zurückzieht.

FRAGE:

Wie steht es um Tendenzen in den Vereinigten Staaten, die

RENAMO-Guerilla zu unterstützen?

Genauer:

Man sagt, Mitglieder des Par-

laments bereiteten einen Gesetzesvorschlag für massive Unterstützung der
RENAMO vor?
ANTWORT:

Ich

�ANTWORT:

Ich kenne keinerlei Vorschläge für massive Unterstützung.

Es gibt einige Mitglieder in unserem Kongreß, die die Klugheit und die
Brillianz der jetzigen amerikanischen Politik bezüglich dieses Teils der
Welt noch nicht recht erkannt haben.
beit betreiben.
werden.

Wir müssen da noch Aufklärungsar-

Ich glaube, daß wir im Lauf der Zeit damit Erfolg haben

Es ist nicht unsere Haltung, es ist nicht Haltung der Regierung,

daß Unterstützung vcn RENAMO einen Weg in Richtung auf Erfolg in Mozambique darstellt.

Wir versuchen, dort einen regionalen und internen Frie-

densprozeß zu unterstützen; u~id die gleiche Politik betreibt auch Präsident Machel.

Die RENAMO-Guerilla repräsentiert

demokratischen und christlichen Kräfte.

Ln unseren Augen keine

Wenn man auf die geschichtliche

Entwicklung blickt, ist es natürlich etwas komplizierter.

* * * * *

- 5-

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Neuer Leiter der US-Delegation auf der KVAE nominiert&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Amtliche Erklärung zur amerikanischen Handelspolitik&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Chester Crocker: Vorsicht bei Sanktionen gegen Südafrika geboten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- WORLDNET-Interview mit US-Unterstaatssekretär für afrikanische Angelegenheiten -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>und
Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

40

9. Oktober 1985

I N H A L T

DOKUMENTATION
Direktor Wick erläutert Arbeit des US-Informationsdienstes in
Deutschland
- Ansprache auf einer deutsch-amerikanischen Konferenz der
Stanford-Universität -

HINTERGRUNDMATERIAL
Drogenmißbrauch - ein internationales Problem
- Wichtige Programme des US-Außenministeriums bei der Suche nach
Lösungen -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Planet Uranus im Visier
- Intensive Beobachtungen durch Raumsonde VOYAGER 2 ab 4. November -

* * * * *

Um Übci/endun9 von
ßckgotcmploren
mi/d gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 B o n n 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�9. 0&lt;tober 1965

40

DIREKTOR WICK ERLÄUTERT ARBEIT DES US-INFORMATIONSDIENSTES
IN DEUTSCHLAND

- Ansprache auf einer deutsch-amerikanischen Konferenz der
Stanford-Universität -

WASHINGTON - (AD) - Im Rahmen einer von der Stanford-Universität veranstalteten Konferenz über deutsch-amerikanische kulturelle Beziehungen
erläuterte der Direktor des US-Informationsamtes (USIA), Charles Z. Wick,
am 20. September 1985 die Arbeit seines Amtes in der Bundesrepublik
Deutschland.

Er hob hervor, daß die Vereinigten Staaten und die Bundes-

republik Deutschland durch ihr gemeinsames kulturelles Erbe miteinander
verbunden seien und verwies auf eine ganze Reihe zwischenstaatlicher kultureller Bemühungen, bei denen gerade auch USIA eine herausragende Rolle
spielt.

Die Rede von Direktor Wick hat folgenden Wortlaut:
Es ist mir eine

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Es ist mir eine große Freude, vor dieser erlauchten Gruppe Deutscher
und Amerikaner zu einem Thema von so erheblicher Bedeutung zu sprechen den kulturellen Beziehungen zwischen unseren beiden Nationen.

Die Mitar-

beiter des US-Informationsamtes arbeiten mit großem Stolz und mit großer
Freude in diesem Bereich, und ich weiß, daß unsere Arbeit aus den Erkenntnissen und Impulsen Nutzen ziehen wird, die diese Konferenz mit sich
bringt.

Auf einer am Eingang der USIA-Zentrale in Washington angebrachten Tafel heißt es: "Telling America's Story To The World" - Die Darstellung
Amerikas in der Welt.
stark vereinfachend.

Dieser Satz ist schlicht und direkt, aber kaun zu
Nichts ist für unsere Freiheit und die unserer Ver-

bündeten wichtiger, als daß "unsere Geschichte" überall vollständig und
überzeugend erzählt wird.

Ein Teil dieser "Geschichte" umfaßt die Erklärung unserer Politik.
Ein zweiter Teil befaßt sich damit, wer wir als Volk sind, wie wir leben,
was wir geleistet haben, welches unsere rterte sind.
dessen ist eine sehr komplexe Aufgabe.

Die Vermittlung all

Es ist das, was wir "öffentliche

Diplomatie" nennen.

Ich möchte zu Beginn ganz allgemein etwas zur öffentlichen Diplomatie
sagen und dann einige der wichtigen kulturellen Bindungen zwischen unseren beiden Staaten beschreiben.

Zum Schluß würde ich gerne noch auf mei-

ne Überzeugung eingehen, daß unser Erfolg, unsere gemeinsamen Werte Deutschen wie Amerikanern zu vermitteln, für unser Überleben als freie Völker
und für die Sache des Weltfriedens von entscheidender Bedeutung ist.

Ich sagte, daß sich die öffentliche Diplomatie in zwei Kategorien
gliedern läßt: Vermittlung von Politik und Vermittlung von Werten.

Beide

Aufgaben sind eng miteinander verbunden, aber zwischen ihnen gibt es auch
eine ganz natürliche Trennung.

Im Auswärtigen Amt der Bundesrepublik Deutschland gibt es für "Information" und "Kultur" verschiedene Abteilungen.
- 2-

Bei USIA beschäftigen wir

�beschäftigen wir uns mit beidem, aber die meisten unserer Posten im Ausland sind in "Informations"- und "Kultur"-Abteilungen gegliedert.

Politik und aktuelle Nachrichten sind Aufgabengebiet der Presse- und
Informationsabteilung.

Zu ihren Instrumenten gehören Pressekonferenzen,

Presseveröffentlichungen,

Tageszeitungen,

die

elektronischen

Medi

Hier geht es um die Darstellung der Fakten und die Erklärung von Politik.

Gestatten Sie mir einige Beispiele für die Informationsbemühungen von
USIA.
Im Jahr 1983 gab es in Europa Kontroversen und Mißverständnisse bezüglich des sogenannten "Doppelbeschlusses", der aus der Besorgnis des
früheren Bundeskanzlers Helmut Schmidt hinsichtlich der sowjetischen Raketenaufrüstung erwachsen war.

Die Sowjets starteten einen umfassender.

Versuch der Einschüchterung und der Fehlinformationen.

Posten des US-Informationsdienstes (USIS) in Europa - und insbesondere in der Bundesrepublik Deutschland - bemühten sich intensiv darum, den
Europäern die Position und die Gründe der amerikanischen Regierung kl -&gt;rzumachen.

Wir legten dar, daß der NATO-Beschluß einer Modernisierung der

Nuklearstreitkräfte eine entscheidende Reaktion auf die massive sowjetische Aufrüstung mit auf Westeuropa gerichteten Raketen darstellte.

Es.

gab im Arsenal der NATO keine solchen Raketen, und trotz unserer langwierigen Verhandlungen mit ihnen weigerten sich die Sowjets, diesem Ungleichgewicht

ein

Ende

zu

bereiten.

Wie

Sie

wissen,

unterstützten

schließlich Deutsche wie Amerikaner die angemessenen Gegenmaßnahmen zur
Wiederherstellung des Gleichgewichts, das die NATO in die Lage versetzt,
den Frieden zu bewahren.

Derzeit gibt es viele Fehlinformationen und Mißverständnisse - und
sogar Desinformationen - hinsichtlich der Strategischen Verteidigungsinitiative des Präsidenten (SDI).

Auch hier scheut USIA keine Mühe, der

Wahrheit zum Durchbruch zu verhelfen.
Ich habe die

�Ich habe die Bedeutung der elektronischen Medien bei der Informationsarbeit genannt.
mühungen

Wir bei USIA sind stolz auf unsere bahnbrechenden Be-

in der Nutzung

des internationalen Satellitenfernsehens, um

'Amerika in der Welt darzustellen'.

Ich spreche von WORLDNET, womit wir

im November 1983 begonnen haben.
Über WORLDNET können Journalisten, in amerikanischen Botschaften oder
an anderen Orten in Europa versammelt, Vertreter der amerikanischen Regierung hören und sehen, wenn diese ihre Fragen beantworten.

Auch Ange-

hörige anderer Regierungen und Experten von außerhalb der Regierung nehmen teil, um die Nuancen amerikanischer Politik besser verstehen zu können.
An diesen Live-Interviews, die nicht geprobt werden und bei denen es
keinerlei Barrieren gibt, haben von amerikanischer Seite bereits Vizepräsident Bush, Außenminister Shultz und andere Kabinettsmitglieder sowie
viele unserer Chefunterhändler bei den internationalen Abrüstungsverhandlungen teilgenommen.
Am 5. Dezember 1983 führten wir mittels WORLDNET die erste 'extraterrestrische* internationale Pressekonferenz durch. Sie schuf die Verbindung zwischen den CHALLENGER-Astronauten, einschließlich Ulf Merbold,
Präsident Reagan in Washington sowie Bundeskanzler Kohl, der sich zu jener Zeit gerade in Athen aufhilet und über 70 europäischen Journalisten
aus acht Staaten, einschließlich der Bundesrepublik Deutschland. Präsident Reagan nannte die Sendung "eine tolle Konferenzschaltung" - und das
war sie wirklich.
Vergangenes Frühjahr expandierte WORLDNET zu einem täglich zweistündigen TV-Satellitenprogramm nach Europa und brachte die neuesten Entwicklungen der Wissenschaft, Kultur und Geschäftswelt Amerikas.

Hervorragen-

de Amerikaner, die nicht der Regierung angehören, nehmen an Interviews
mit Journalisten aus europäischen Hauptstädten teil.
Für jene unter

�Für jene unter Ihnen, die es nicht wissen, möchte ich auch noch erwähnen, daß wir unsere Sendungen der Stimme Amerikas nach Westeuropa nach
vielen Jahren der Stille wieder aufnehmen.

Wir sind uns -"twar nicht si-

cher, ob unsere Einschaltquoten mit "Dallas" zu vergleichen sind, aber
wir werden den Zuhörern ein Bild des amerikanischen Lebers bieten, wie
die meisten von uns es führen.

Bei all diesen Bemühungen leitet uns unsere unerschütterliche Verpflichtung zu offener Diskussion und freiem Informationsfluß.

Wir sind

der Ansicht, daß die Welt ein Recht darauf hat, die Fakten zu kennen.
Wir leiden nicht darunter, wenn amerikanische Regierungsvertreter sich
bereiterklären, die Fragen ausländischer Journalisten zu beantworten.

Im

Gegenteil - die Stärke unserer Argumente kann nur zunehmen, wenn sie dem
prüfenden Blick der Öffentlichkeit ausgesetzt ist.

Ich habe nun den "Informations"-Aspekt der öffentlichen Diplonatie
angesprochen; lassen Sie mich nun zum "kulturellen" Aspekt kommen.

Durch

ihn vermitteln wir, wer und was wir als Volk sind, wie wir leben, was wir
geleistet haben und was wir wertschätzen.

Als Arthur Bums amerikanischer Botschafter in Bonn war, hat er oft
darauf hingewiesen:

Wir haben eine Pflicht, auf die Unterschiede zwi-

schen unseren Demokratien und den gegen uns stehenden totalitären Staaten
hinzuweisen.

Botschafter Bums nannte diese Unterschiede in einer Rede,

die er in München hielt, in der für ihn typischen hellsichtigen Eloquenz
beim Namen.

Ich möchte Ihnen daher einen Absatz aus dieser Rede vorlesen.

"Das demokratische System macht es jungen Menschen möglich, alles zu
lesen und zu studieren, was sie nur wollen.

Es versetzt sie in die Lage,

sich selbständig zu machen oder für einen Arbeitgeber zu arbeiten, den
sie sich selbst aussuchen können.

Es erlaubt ihnen, das ihnen zur Verfü-

gung stehende Geld nach eigenem Gutdünken auszugeben, ob im eigenen Land
oder im Ausland.

Es gestattet ihnen ferner, eigene Gedanken zu politi-

schen, wirtschaftlichen, kulturellen und religiösen Fragen frei zu äußern, die sie für wichtig halten.

Und wenn sie mit irgendwelchen Aspek- 5-

�irgendwelchen Aspekten ihres Lebens unzufrieden sind, gestattet ihnen das
demokratische System - dieses, und nichts anderes -, ihrer Unzufriedenheit

durch Proteste, Demonstrationen

öffentlich Ausdruck zu geben.

oder andere Mißfallensäußerungen

Ein solches Privileg existiert in totali-

tären Gesellschaften mitnichten.

Wenn unsere jungen Menschen aber die

Vorrechte der Demokratie für selbstverständlich halten - so wie sie die
Luft als selbstverständlich ansehen, die sie atmen -, dann nur, weil sie
selbst niemals ohne das eine oder das andere leben mußten.

Ihre Brüder

in Osteuropa wissen es besser - insbesondere jene, die früher einmal
selbst in Freiheit gelebt haben.

Bedauerlicherweise vermochten wir diese grundlegende Wahrheit im Denken vieler junger Deutscher nicht hinreichend zu verankern - und leider
auch nicht im Denken vieler junger Amerikaner."

Botschafter Burns wies auch oft darauf hin, daß das enggespannte Netz
gemeinsamer Werte zwischen unseren beiden Völkern in den letzten Jahren
nachgegeben hat.

Das hängt teilweise damit zusammen, daß wir jetzt weni-

ger eng miteinander verbunden sind, als dies in den Jahrzehnten nach 1945
der Fall war.

Ich weiß, daß viele von Ihnen hier in diesem Saal an den Ereignissen
jener Periode beteiligt waren, als enge Zusammenarbeit und ein großes Maß
an harter Arbeit ein "Wirtschaftswunder" schufen, und aus dem politischen
Chaos des Jahres 1945 ein stabiler, demokratischer Staat erwuchs, in dem
die Rechte des einzelnen garantiert sind.

Der erstaunlichste Aspekt hieran war vielleicht die Tatsache, daß all
dies in einer Atmosphäre der Spannung geschafft wurde, die die ständige
Bedrohung durch den Osten hervorrief.

Jeder, der damals zwischen den

Ruinen des Jahres 1945 stand, wäre als kühnster Optimist angesehen worden, hätte er die erfolgreiche, freie und demokratische Bundesrepublik
Deutschland des Jahres 1985 vorhergesagt.
Und doch ist es

�Und doch ist es beunruhigend, daß einige der Jungeren unter uns Deutsche wie Amerikaner

- all dies

für selbstverständlich

zu halten

scheinen.

Wie Sie wissen, bemüht sich USIA zusammen mit der Regierung der Bundesrepublik Deutschland schon seit einigen Jahren darum, unter den jungen
Menschen in unseren Ländern wieder das Bewußtsein hinsichtlich der Werte
zu erneuern, die wir teilen.

Im Anschluß an vorausgegangene Bemühungen von Kollegen Ihres Auswärtigen Amtes und unseres State Departments wurde ich 1982 zum Vorsitzenden
eines interministeriellen

Lenkungsausschusses

für amerikanisch-dejtsche

Kontakte ernannt. Mein Pendant auf deutscher Seite ist Berndt von Steden.
Wir bemühen uns um verstärkte Kontakte auf allen Ebenen zwischen unseren
beiden Ländern, um dazu beizutragen, das "Informationsdefizit" wieder
auszugleichen, das zwischen uns entstanden war.

Bei USIA wurde eine Arbeitsgruppe eingesetzt, die si^h ständig um
diese Kontakte kümmert und die nun Teil unseres Büros für Ausbildungsund Kulturangelegenheiten

ist.

Es ist das einzige Büro innerhalb von

USIA, das sich der Förderung der Austauschaktivitäten mit einem einzelnen
Land widmet.

Eine der ersten größeren Aktivitäten der deutsch-amerikanischen Kontaktinitiative bezog sich auf die Feier des 300. Jahrestages deutscher
Einwanderung in die Vereinigten Staaten, die 1983 in unseren beiden Ländern abgehalten wurde.

Unter der Koordinierung durch USIA wurde in den

Vereinigten Staaten eine Präsidialkommission gebildet, um das Interesse
an diesem Ereignis zu fördern und zur Koordinierung der verschiedenen
Festlichkeiten beizutragen.

Ich war in dieser Kommission der persönliche

Vertreter des Präsidenten.

In der Bundesrepublik Deutschland

bereiteten USIS-Mitarbeiter mit

deutschen Kollegen auf Gemeinde-, Länder- und Bundesebene die Feiern zu
diesem 300. Jahrestag vor.

Ich selbst nahm an den Feierlichkeiten in

�Feierlichkeiten in Krefeld im Juni 1983 teil.

Dieser 300. Jahrestag erinnerte an ein bedeutendes Ereignis der amerikanischen Geschichte - an die mehr als sieben Millionen Deutsche, die
nach Amerika gekommen sind und die für unser Land Unschätzbares geleistet
haben.

Sie haben zusammen mit ihren Kindern und Kindeskindern - 60 Mil-

lionen Amerikaner sagen ja, sie seien deutschstämmig - dazu beigetragen,
jene Bande des gemeinsamen kulturellen Erbes zu knüpfen, die uns verbinden.

Die Feiern zu diesem 300. Jahrestag ermöglichten es uns, Aufmerk-

samkeit auf diese gemeinsamen kulturellen Werte zu lenken, und ich bin
stolz auf die Rolle, die USIA hierbei gespielt hat.

Als ein Ergebnis des Interesses, das der 300. Jahrestag hervorrief,
wird nunmehr an der Mall in Washington, ganz in der Nähe des WashingtonDenkmals, ein deutsch-amerikanischer Freundschaftsgarten angelegt.

Der

Garten wird durch über eine halbe Million Dollar an Privatspenden finanziert.

Er wird als lebendes Denkmal der Bindungen zwischen unseren bei-

den Völkern dienen.
Das Jahr der Dreihundertjahrfeier fiel mit dem ersten Jahr des internationalen Jugendaustauschprogramms

Präsident Reagans

zusammen.

Diese

Initiative schließt alle unsere Partnerländer des Wirtschaftsgipfels sowie einige weitere Länder ein, wobei das US-Informationsamt mehr Mittel
für den Jugendaustausch mit der Bundesrepublik Deutschland aufwendet als
für den Austausch mit allen anderen Ländern zusammen.

Das Kongreß-Bundestag-Programm ist gerade ein Jahr alt.

In diesem

Jahr haben 250 amerikanische und 334 deutsche Schüler im jeweils anderen
Land bei Gastfamilien verbracht und die Schule besucht.

Kann es einen

besseren Weg geben, ein anderes Land kennenzulernen - und anderen das eigene Land nahezubringen?

Unser Ziel ist, mit der Zeit rund 1000 junge

Menschen jährlich in das Kongreß-Bundestag-Programm aufzunehmen - 500 in
jede Richtung.
Im

vergangenen

Jahr

�Im vergangenen Jahr haben unsere gemeinsamen Jugendaustauschanstrengungen

sich

auch

auf

kurzfristige

Austauschorganisationen erstreckt.

Einzelprojekte

und

Zuwendungen an

Dies hat Aktivitäten wie den drei-

wöchigen Amerikabesuch von zwei deutschen Parteijugendgruppen zur Beobachtung der Wahlen in den Vereinigten Staaten ermöglicht.

Natürlich gedeihen auch die etablierten Austauschprogramme, wie das
Fulbright-Programm weiter, und ich freue mich, mitteilen zu können, daß
die amerikanischen Mittel für diese Aktivitäten erhöht worden sind.

Im

Jahr 1985 wird es über 700 deutsche und amerikanische FulbrLght-Stipendiaten geben. Der Beitrag der amerikanischen Regierung zu dieser Austauschtätigkeit beläuft sich auf 2,4 Millionen Dollar, und dieser Beitrag wird
von der deutschen Bundesregierung nicht nur in gleicher Höhe aufgewogen,
sondern sogar übertroffen.

USIA hat auch seit langem das Internationale Besucherprogramm durchgeführt, das einmonatige Besuche von deutschen Fachleuten aus Politik,
Journalismus, Wirtschaft und Bildungswesen vorsieht.

Im Rahmen dieses

Programms kommen jährlich über 60 Personen auf Einladung unserer USISStellen in Deutschland nach den Vereinigten Staaten.

Ich gehe davon aus,

daß einige von Ihnen hier in unserem Lande mit diesem ausgezeichneten
Programm in Berührung gekommen sind.

Ich habe in einiger Ausführlichkeit über unser Austauschprogramm gesprochen, weil ich überzeugt bin, daß es für sich genommen die wichtigste
Anstrengung in der öffentlichen Diplomatie ist, die wir in der Bundesrepublik Deutschland betreiben.

Es ist immer ein wahres Vergnügen, mit

Leuten zusammenzutreffen, die an solchen Austauschprogrammen teilgenommen
haben.

Sie kommen mit einem ganz anderen Verständnis für unser gemein-

sames kulturelles Erbe wieder und auch für Dinge, die uns als Völker
unterscheiden.

Auf jeden Fall wird ihr Einsatz für die deutsch-amerika-

nische Freundschaft größer.

Wenn wir uns den kulturellen Dimensionen der öffentlichen Diplomatie
zuwenden, dann möchte ich auch den Privatsektor erwähnen.
- 9-

Der Beitrag

�Der Beitrag von privater Seite ist wahrscheinlich kaum zu ermessen und
sicherlich größer als der der Regierung - und das ist auch richtig so.

USIA erleichtert viele Aktivitäten des Privatsektors.

So beantworten

beispielsweise unsere Stellen in der Bundesrepublik Deutschland fast 4000
Anfragen pro Monat von Deutschen, die an einem Studium in den Vereinigten
Staaten interessiert sind.

Im akademischen Jahr 1983/84 studierten über

3700 Deutsche an amerikanischen Colleges und Universitäten - die große
Mehrheit im Rahmen des privaten Austauschs oder aufgrund rein persönlicher Vereinbarungen.

In ähnlicher Weise reisen jedes Jahr die vielen Symphonieorchester,
Tanzgruppen und Kunstausstellungen über den Atlantik hin und her, ohne
daß die Regierung finanziell wesentlich dazu beiträgt.

Ich habe versucht, einen großen Überblick über die kulturelle Komponente der öffentlichen Diplomatie des US-Informationsamtes in der Bundesrepublik Deutschland zu geben.

Weltweit unterhält USIA 214 Posten in 129

Ländern mit einem Budget von 796 Millionen Dollar für 1985 - eine Steigerung um 75 Prozent seit 1981.

Kein Land, in dem wir tätig sind, ist wichtiger als die Bundesrepublik Deutschland.

Mit über 30 Amerikanern in neun Städten ist USIS-

Deutschland einer der größten Posten in der Welt.

Wir unterhalten weiterhin sieben Amerika-Häuser als Kulturzentren in
der Bundesrepublik Deutschland, von denen jedes über eine umfangreiche
Bücherei verfügt.

Wir entsenden einige unserer fähigsten höheren Beamten

zu USIS-Deutschland.
stand, hat

an

Tom Tuch, der von 1980 bis 1984 dort an der Spitze

dieser

Konferenz

hier

teilgenommen, und

ebenso Terry

Catherman, der im nächsten Monat als Botschaftsrat für öffentliche Angelegenheiten an unsere Botschaft nach Bonn gehen wird.

Ich darf hinzufügen, daß ich mit unserem neuen Botschafter in der
Bundesrepublik Deutschland, Richard Burt, kurz vor seiner Abreise nach
- 10-

�Abreise nach Bonn zusammentraf.

Ich weiß, er teilt meine Ansicht über

die Bedeutung des Kulturaustausches zwischen unseren beiden Ländern.

Unser Nachdruck auf Deutschland

ist durchaus gerechtfertigt.

Die

Bundesrepublik Deutschland ist heute einer unserer wichtigsten Verbündeten.

Sie hat die größte Bevölkerung aller unserer europäischen NATO-

Partner.

Sie führt die größte und bestausgerüstete Verteidigungsstreit-

macht in NATO-Europa ins Feld.
delspartner.

Sie ist unser größter europäischer Han-

Und vor allem teilt sie mit uns eine Überzeugung von der

Würde des Menschen und eine Achtung der Herrschaft des Rechts.

Die Erhaltung der Freiheit und des Friedens für uns selbst und unsere
Kinder hängt von der Lebenskraft der Partnerschaft unserer beiden großen
Länder ab.

Und echte Verständigung unter Regierungen hängt von dem Ver-

ständnis ab, das unter Völkern herrscht.

Dies gilt ganz besonders für

Demokratien, wo die Regierungen durch das Denken ihrer Bürger beeinflußt
werden, ja

dieses

widerspiegeln.

Ein einfühlsames Verständnis unter

Deutschen und Amerikanern für die Kultur des jeweils anderen herbeizuführen, muß unser gemeinsames Ziel sein.

Lassen Sie mich schließen mit einem Dank an das deutsche Auswärtige
Amt, an Botschafter Witte, an Botschafter van Well und Frau Dr. Linsmayer, wie auch an die Stanford-Universität, daß mich hierher eingeladen
wurde.

Ich weiß, daß die sorgfältige Analyse, die dieser Kongreß an-

stellt, dazu beiträgt, die Ziele zu erreichen, nach denen wir alle streben.

* * * * *

- 11-

�9. Oktober 1985

40

DROGENMISSBRAUCH - EIN INTERNATIONALES PROBLEM

- Wichtige Programme des US-Außenministeriums
bei der Suche nach Lösungen -

WASHINGTON - (AD) - Der Mißbrauch von Heroin, Kokain, Marihuana und
anderen gefährlichen Drogen verursacht

in den Vereinigten Staaten, in

Kanada, Westeuropa und zahlreichen weiteren Ländern schwerwiegende psychologische, soziale und gesundheitliche Probleme.

Außerdem machen sich

dort, wo diese Drogen produziert oder durchgeschleust werden, immer mehr
schädliche Auswirkungen bemerkbar.

Schätzungen aus dem Jahr 1984 zufolge

werden in den Vereinigten Staaten ca. 5,9 Tonnen an importiertem Heroin,
55 bis 76 Tonnen am importiertem Kokain und 7800 bis 9200 Tonnen - meist
importiertes - Marihuana konsumiert.

Aus den für 1984 verfügbaren Sta-

tistiken geht hervor, daß vor allem unter jungen Leuten der MarihuanaKonsum zurückgeht.
geringer.

Der Verbrauch von Heroin war im letzten Jahr etwas

Dagegen ist der Kokaingenuß weiterhin stark verbreitet, und

der Verbrauch anderer gefährlicher Drogen nimmt sogar zu.

Die illegale

Produktion von Opium, Heroin, Kokain und Marihuana übersteigt erheblich
den weltweit geschätzten Bedarf.
Quellen:

Opium

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Quellen:

Opium für die Verarbeitung zu Heroin für den Absatz auf den

Weltmärkten kommt vor allem aus drei Regionen - aus Mexiko, dem "Goldenen
Dreieck" mit Burma, Thailand und Laos, sowie aus dem "Goldenen Halbmond"
mit Iran, Afghanistan und Pakistan.

Der größte Teil des Opiums und neu-

erdings große Mengen des in Südost- und Südwestasien produzierten Heroins
werden von immer mehr Süchtigen in den Herkunftsregionen selbst konsumiert.

Kokain stammt in erster Linie von Cocastrauch-Blättern aus Anbau-

gebieten in Bolivien und Peru.

Kolumbien hat sich sowohl zum Raffinerie-

platz wie auch zum Durchgangsland für den Handel und zum Coca-Anbauland
entwickelt.

In weiteren südamerikanischen Ländern wird seit kurzem Coca

angebaut und Kokain raffiniert.

Auch Marihuana kommt aus vielen Quellen.

Als Folge einer Vernichtungskampagne bei Anpflanzungen kommt aus Kolumbien jetzt weniger als die Hälfte des in den USA konsumierten Marihuanas.
Auch der Hanfanbau in den USA selbst und die Produktion in Jamaika gingen
zurück.

Die restlichen Mengen stammen aus Mexiko, Belize und anderen

Quellen im Ausland.

Dank wirksamer Kontrolle an der Quelle ist auch das

Angebot an Methaqualon erheblich geringer geworden.

Rolle des amerikanischen Außeministeriums:
nationale Suchtstoffangelegenheiten"

Der "Abteilung für inter-

(Bureau of International Narcotics

Matters - INM), die von einem Unterstaatssekretär geleitet wird, obliegt
es,

die

internationalen

Maßnahmen

Rauschgiftkontrolle zu koordinieren.

der

amerikanischen

Regierung

zur

INM strebt eine Verstärkung der An-

strengungen auf diplomatischem Gebiet und im Rahmen der amerikanischen
Programme an, das Angebot an gefährlichen Drogen, die in die Vereinigten
Staaten gelangen, zu reduzieren.

Im Haushaltjähr 1985 hatte INM für bi-

laterale und multilaterale Suchtstoff-Kontrollprogramme 51 Millionen Dollar zur Verfügung.

Die Mittel werden verwendet für:

- Vernichtung von Anpflanzungen, Kontrollprogramme
- Unterstützung beim Rechtsvollzug
- Ausrüstungen und Material
- Aus- und Weiterbildung von ausländischem Personal aus dem Justizbereich
- Entwicklungshilfe
- 2 -

�- Entwicklungshilfe für den Aufbau wirtschaftlicher Alternativen zu
illegal produzierten Drogenpflanzen
- Technische Hilfe für Programme zur Eindämmung der Nachfrage nach
Drogen.

INM arbeitet mit den Koordinatoren für Suchtstoffangelegenheiten in
den Regionalreferaten des amerikanischen Außenministeriums und der amerikanischen Botschaften sowie mit dem Amt für Internationale Entwicklung
(AID) bei Projekten zusammen, die Entwicklungshilfe in Bolivien, Peru und
Pakistan mit Drogenkontrolle verbinden.

Gemeinsam mit dem "Bureau of In-

ternational Organization Affairs" innerhalb des amerikanischen Außenministeriums werden multilaterale Kontrollmaßnahmen mit Behörden der Vereinten Nationen koordiniert.
für Drogenbekämpfung

Mit dem Weißen Haus, dem amerikanischen Amt

(DEA), der amerikanischen Zollbehörde, der US-Kü-

stenwacht und anderen amerikanischen Behörden mit einschlägigen Aktivitäten im In- und Ausland besteht enge Zusammenarbeit.

Die Vereinigten Staaten sind der Ansicht, daß Drogenkontrolle, eine
im Rahmen von Verträgen wahrzunehmende Regierungsaufgabe, aLs internationale Verpflichtung behandelt werden sollte.

INM hebt hervor, daß Produk-

tions- und Transitländer aufgrund dieser Verträge die Hauptverantwortung
für die Kontrolle des Anbaus, der Produktion und Weitergabe illegaler
Suchtstoffe tragen.

Zur Unterstützung dieser Länder gibt INM den Pro-

grammen zur Kontrolle der Produktion und Unterbindung des Handels schon
am Herkunftsort höchste Priorität.

Programme:

Wenn einschneidende Blockierungen und selbst die Vernich-

tung von Anbauflächen in nur einem oder zwei Produktionsgebieten durchgesetzt werden, so bewirkt dies nicht mehr als einen vorübergehenden Rückgang des Angebots an Suchtstoffen.

Deshalb hat die Strategie von INM zum

Ziel, letztlich die Produktion in allen wichtigen Regionen gleichzeitig
zu kontrollieren, damit es zu einschneidender und dauerhafter Angebotsverminderung

kommt.

In wichtigen Ländern der Opiumproduktion

(Burma,

Thailand, Mexiko und Pakistan) und in Transitländern, wo Opium zu Heroin
verarbeitet

oder

durchgeschleust

wird, sind
- 3 -

INM-Drogenkontrollprojekte

�INM-Drogenkontrollprojekte eingerichtet.

INM unterstützt die Kontrolle

des Coca-Anbaus und Projekte zur Unterbindung der Kokainproduktion in Bolivien, Peru, Ekuador, Brasilien und Kolumbien sowie Projekte zur Kontrolle der Produktion und des Handels mit Marihuana in Mexiko, Jamaika,
Panama und Kolumbien.

Die Behörde unterstützt außerdem Gegenaktionen und

juristische Maßnahmen in anderen Produktions- und Transitländern in den
drei wichtigsten Regionen - Lateinamerika, Südost- und Südwestasien - und
hilft Dutzenden von Ländern durch die Finanzierung von Ausbildungsprogrammen für Angehörige der Justiz und des Zolls.
Multilaterale Bemühungen: Drogenmißbrauch ist nicht nur ein amerikanisches Problem. Betroffen sind alle Nationen, von den ärmsten bis zu
den reichsten - Länder, die Drogen produzieren und damit Handel treiben,
und Länder, in denen Drogen konsumiert werden. Die amerikanische Regierung hat von jeher den höchsten Kostenanteil für internationale Kontrollprogramme getragen. Ihre diplomatischen Anstrengungen samt wirtschaftlicher Unterstützung und multilateraler Aktivitäten, Produktionsländer zur
Mitarbeit zu gewinnen, zeigen immer größere Wirksamkeit. Im Jahr 1985
erkannten viele Regierungen, vor allem die der Herkunftsländer, im Drogenhandel eine starke Bedrohung sowohl ihrer nationalen Sicherheit als
auch ihres wirtschaftlichen und sozialen Wohlergehens. Die Auswirkung
der Gegenmaßnahmen gegen Drogenhandel bei den Produktions- und Verbraucherländern schafft neue Chancen für wirksamere bilaterale und multilaterale Programme. Die Regierung der Vereinigten Staaten verfolgt außerdem
Ziele der Suchtstoffkontrolle auf internationaler Ebene im Rahmen der
Vollversammlung der Vereinten Nationen, des UN-Wirtschafts- und Sozialrates und anderer UN-Behörden. Zu den UN-Behörden, die Kontrollmaßnahmen
für Handel und Gebrauch von Suchtstoffen und anderen psychotropen Substanzen anwenden und multilaterale Anstrengungen zur Unterbindung von
Produktion, Handel und Mißbrauch von Drogen unterstützen, zählen die
Suchtstoff-Kommission und deren Spezialabteilung für Suchtstoffe, das
internationale Direktorium für Suchtstoffkontrolle und der UN-Fonds zur
Bekämpfung von Drogenmißbrauch, der wichtige Projekte in der ganzen Welt
unterstützt.
* * * * *

�Wi/zen/chcift
und Technik
United States Information Service
Embassy of the United States of America

40

9. Oktober 1985

PLANET URANUS IM VISIER
- Intensive Beobachtungen durch Raumsonde VOYAGER 2 ab 4. November

- (AD) - Auf Uranus, den drittgrößten Planeten in unserem Sonnensystem, konzentriert sich während der kommenden Monate das Interesse vieler
Astronomen in der ganzen Welt.
schen Raumsonde VOYAGER 2.

Er ist das nächste Ziel der amerikani-

Im Jahr 1977 gestartet, passierte sie 1979

den Planeten Jupiter, 1981 den Saturn.

Über beide Großplaneten sowie

über deren Trabanten und das Ringsystem des Saturn lieferte sie, wie
schon zuvor VOYAGER 1, unschätzbar wertvolle Informationen, dazu aufsehenerregende Fernsehaufnahmen.

Unter der Einwirkung der Gravitationskraft des Saturn wurde VOYAGER 2
auf einen Kurs gebracht, der den für eine Vielzahl von Meßaufgaben programmierten

Roboter

jetzt zum Planeten Uranus führt.

tionskraft wiederum lenkt ihn in Richtung Neptun.

Diesen zweitletzten

Planeten unseres Sonnensystems wird er 1989 passieren.
von ihm Aufnahmen und Beobachtungsdaten zu bekommen.

Dessen Gravita-

Man hofft, auch
Pluto jedoch, der

vermutlich äußerste Trabant der Sonne, bleibt außerhalb des VOYAGER-Beob-

Postfach 20 03 00 Tel.:0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�VOYAGER-Beobachtungsbereichs.

Ihr

weiterer

Weg

führt die Sonde, wie

schon VOYAGER 1, in immer fernere Regionen, die nicht mehr zu unserem
Sonnensystem

gerechnet werden.

Aber solange die Bordinstrumente samt

Energieversorgung funktionsfähig bleiben, werden wir Meßdaten bekommen es sei denn, die Signale sind infolge der immer größeren Entfernung so
schwach, daß sie nicht mehr erfaßt werden können.

VOYAGER 2 wird am 24. Januar 1986 den Uranus im Abstand von weniger
als 100 000 km passieren.
Milliarden Kilometer.

Die Entfernung zur Erde beträgt dann fast 2,9

Das bedeutet, daß Funksignale, die die Sonde über-

mittelt, zwei Stunden und 45 Minuten zu den Empfangsstationen brauchen.
Da sie auf dem Weg durch den interplanetaren Raum abgeschwächt werden,
wurden Vorkehrungen getroffen, um sie verstärken und gut aufnehmen zu
können.

So hat man beispielsweise in Australien zwei große 63-m-Parabol-

antennen zusammengeschaltet, um ihre Empfindlichkeit zu verdoppeln.

Die Robotersonde hat offenbar ihren Flug durch den Raum jenseits des
Saturn gut überstanden.

Bereits seit Juli 1985 schickt sie Fotos von

Uranus zur Erde, allerdings noch in verhältnismäßig großen Zeitabständen.
Noch erscheint dieser Planet als kleiner, verschwommener Ball.

Die bläu-

lich-grüne Färbung ist auf den Methangehalt seiner Atmosphäre zurückzuführen.

Wenn am 4. November die intensive Beobachtungsphase beginnt, in

der sich VOYAGER 2 dem Uranus mit mehr als 65 000 km pro Stunde nähert,
funkt die Sonde für jeweils 36 Stunden alle fünf Minuten ein Foto.
schließend wird jede Aufnahmeserie noch einmal gesendet.

An-

Die Wissen-

schaftler hoffen, aus diesem Material einen Film herstellen zu können,
der Hinweise auf die atmosphärische Dynamik des Planeten zu geben vermag.

Sehr schwierig dürfte es werden, die fünf Monde des Uranus zu beobachten.

Der Grund dafür ist die Tatsache, daß die Rotationsachse dieses

Planeten der Ebene seines Umlaufs um die Sonne parallel ist, die Umlaufbahn seiner Monde also senkrecht dazu steht.

Dies ist ein ungewöhnliches

Phänomen und von keinem anderen Planeten bekannt.

(Über die Ausrichtung

der Achse von Pluto weiß man allerdings noch nichts.)

Da sich VOYAGER 2

aber dem Uranus in der Umlaufebene der Planeten nähert, hängt es von der

�von der jeweiligen Position der Uranus-Monde ab, ob sie überhaupt beobachtet werden können.

Denn das Trabanten- und Ringsystem wird ja mit ho-

her Geschwindigkeit in wenigen Stunden passiert.

Um dennoch möglichst

scharfe Aufnahmen zu erhalten, muß der Roboter mit seinen Kameras unter
Vorausberechnung

der Laufzeit der Signale während des Durchgangs durch

das Uranus-System sehr exakt gesteuert werden.

'Über diesen Planeten ist noch außerordentlich wenig bekannt.
wurde

er

schon

im

Jahr

1781

von

dem

britischen

Astronomen

William

Herschel entdeckt - aber erst 1977 brachten Fernrohrbeobachtungen
erste Hinweise darauf, daß Uranus von Ringen umgeben ist.
zu den Ringen des Saturn sind es dunkle Gebilde.

Zwar
z.B.

Im Gegensatz

Beobachtungen aus jüng-

ster Zeit lassen neben den bisher aufgefundenen Ringen die Existenz eines
weiteren Ringes zwischen den beiden inneren Monden vermuten.

Möglicher-

weise gibt es sogar mehr als die fünf Monde, von denen man heute weiß.

Aus der Dynamik der Atmosphäre hofft man auf die tatsächliche Rotationsgeschwindigkeit des Uranus Rückschlüsse ziehen zu können.

Der Pla-

net mit seinen 51 000 km Durchmesser - fast viermal mehr als der Durchmesser der Erde - könnte bisherigen Berechnungen zufolge eine Tageslänge
von 16, aber vielleicht auch von 24 Stunden haben.
relativ dicht.

Seine Atmosphäre ist

An Bestandteilen wurden die Elemente Wasserstoff, Stick-

stoff, Kohlenstoff und Sauerstoff festgestellt.

Es ist eine Art "kosmischen Billards", das VOYAGER 2 nach dem Durchgang am Uranus Kurs auf Neptun nehmen läßt.

Dreieinhalb Jahre später,

nach Überwindung von fast einer Milliarde weiterer Kilometer im interplanetaren Raum, wird die Sonde das System dieses Planeten in etwa 10 000 km
Abstand von seinem Innenmond Triton passieren.

* * * * *

- 3-

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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Direktor Wick erläutert Arbeit des US-Informationsdienstes in Deutschland&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Ansprache auf einer deutsch-amerikanischen Konferenz der Stanford-Universität -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Drogenmissbrauch - ein internationales Problem&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wichtige Programme des US-Außenministeriums bei der Suche nach Lösungen -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Planet Uranus im Visier&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Intensive Beobachtungen durch Raumsonde VOYAGER 2 ab 4. November -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;</text>
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