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                    <text>AMERIKA DIENST
VON

4

20. Januar 1988

I N H A L T

DOKUMENTATION
Kampelman;

Vereinigte Staaten zu Halbierung strategischer Waffen

bereit
Erklärung zur Wiederaufnahme der NST-Gespräche -

HINTERGRUNDMATERIAL
Der INF-Vertrag:

Die richtigen Lehren ziehen

- Von Richard R. Burt -

Empfehlungen zur langfristigen Sicherheitsstrategie
- Bericht über "selektive Abschreckung " -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
NASA geht auf Sicherheit
- Shuttle-Start eventuell im August -

* * * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

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Dokumentation

**

20. Januar 1988

KAMPELMAN:

VEREINIGTE STAATEN ZU HALBIERUNG STRATEGISCHER WAFFEN BEREIT
- Erklärung zur Wiederaufnahme der NST-Gespräche -

GENF - (AD) - In der am 14. Januar 1988 begonnenen neunten Runde der Gespräche über Nuklear- und Weltraumwaffen (NST) haben die Vereinigten Staaten
ihre Bereitschaft erklärt, das Ziel des START-Vertrages - die Reduzierung
strategischer Waffen um 50 Prozent - weiterzuverfolgen. Dies erklärte Botschafter Max Kampelman kurz nach seiner Ankunft in Genf am 13. Januar. Die
Vereinigten Staaten arbeiteten auf die Fertigstellung eines START-Vertrages
"zum frühestmöglichen Zeitpunkt, möglichst rechtzeitig für eine Unterzeichnung
beim nächsten Gipfeltreffen in Moskau in der ersten Jahreshälfte" hin.
Die Erklärung Botschafter Kampelmans hat folgenden Wortlaut:

Die
amerikanische
Delegation
sieht erwartungsvoll dem Beginn der
neunten Runde der Gespräche über Nuklear- und Weltraumwaffen mit der Sowjetunion entgegen, die morgen, am
14. Januar, beginnt.
Unsere Verhandlungen, die vor 34
Monaten an diesem Ort begannen, waren
schwierig aber produktiv. Als Präsident Reagan und Generalsekretär Gorbatschow am 8. Dezember 1987 den 129
Seiten umfassenden INF-Vertrag unterzeichneten, wurde
ein bedeutender
Fortschritt erzielt. Die Beseitigung

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einer ganzen Kategorie sowjetischer
und amerikanischer Atomraketen mit
Reichweiten zwischen 500 und 5 500
Kilometern geht weit über jedes in
der Vergangenheit geschlossene Rüstungskontrollabkommen hinaus.
Der
Vertrag stellt eine dramatische Demonstration dafür dar, daß geduldiges, realistisches und ernsthaftes
Verhandeln zu einer Übereinkunft führen kann, die im Interesse beider
Seiten liegt und einen entscheidenden
Beitrag zur weltweiten Stabilität und
zum Weltfrieden leistet.

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�Die amerikanische Delegation ist
jedoch heute nicht deshalb nach Genf
zurückgekehrt, um über die Errungenschaften von gestern zu sprechen.
Dasselbe geduldige, realistische und
ernsthafte Verhandeln, das einen guten INF-Vertrag hervorgebracht hat,
hat ebenso zu bedeutenden Fortschritten in den anderen Bereichen dieser
Verhandlungen über Nuklear- und Weltraumwaffen geführt. Präsident Reagan
und Generalsekretär Gorbatschow haben
die beträchtlichen Fortschritte zur
Kenntnis genommen und auf ihnen aufgebaut, die hier in Genf in Richtung
auf den Abschluß eines START-Vertrages erzielt wurden, durch den die
strategischen Offensivwaffen um 50
Prozent reduziert würden. Die beiden
Politiker haben uns beauftragt, auf
den Abschluß eines START-Verträges
zum frühestmöglichen Zeitpunkt hinzuarbeiten, möglichst rechtzeitig für
eine Unterzeichnung während des nächsten Gipfeltreffens in Moskau in der
ersten Jahreshälfte.
Die amerikanische Delegation ist bereit, dieses
Ziel weiterzuverfolgen und ihren Teil
der Verantwortung zu übernehmen.
Dies wird keine leichte Aufgabe
sein. Trotzdem arbeiten beide Seiten
bereits auf der Grundlage eines gemeinsamen Vertragsentwurfs. Wir haben auf unserer Übereinkunft aufgebaut, unsere strategischen Waffen um
50 Prozent zu reduzieren, indem wir
dieser Übereinkunft wichtige Zahlen
hinzugefügt haben. Wir haben uns auf
gleiche Obergrenzen von 1 600 Trägersystemen mit nicht mehr als 6 000 Gefechtsköpfen, und innerhalb dieser
Obergrenze von 6 000 auf eine Begrenzung von 4 900 Gefechtsköpfen auf
ballistischen Raketen und eine Begrenzung auf 1 540 Gefechtsköpfe auf
den sogenannten schweren Raketen geeinigt.
Es wird eine 50prozentige
Reduzierung des Wurfgewichts geben.
Durch diese Zahlen werden unsere vi-

talen
Sicherheitsinteresses
geschützt, während wir zu bedeutenden
Reduzierungen übergehen.
Weiterhin
bestehen
erhebliche
Meinungsverschiedenheiten, die gelöst
werden müssen. Und wir sind uns auch
der enormen Herausforderung gewahr,
eine Übereinkunft über einschneidende
und wirksame Verifizierungsmaßnahmen
zu erzielen, die über die im INF-Vertrag vereinbarten hinausgehen müssen.
Ein zweites Ziel dieser Verhandlungen besteht darin, auf einen Vertrag im Bereich der strategischen
Verteidigung hinzuarbeiten.
Sowohl
die Vereinigten Staaten als auch die
Sowjetunion - wie von Generalsekretär
Gorbatschow unlängst bestätigt wurde
führen umfangreiche Forschungsarbeiten durch, um zu klären, ob mit
Hilfe moderner Technologien Verteidigungssysteme gegen ballistische Atomraketen entwickelt werden können.
Präsident Reagan und Generalsekretär
Gorbatschow haben sich darauf verständigt, daß keines unserer beiden
Länder sich innerhalb eines bestimmten, noch nicht definierten Zeitraums
vom ABM-Vertrag zurückziehen wird.
Unserer Meinung
nach bedeutet
dies, daß unsere grundlegenden Forschungs-, Entwicklungs- und
Erprobungsprogramme innerhalb dieses bestimmten Zeitraums andauern werden.
Vor Zustandekommen einer Gelegenheit
zu umfassenden Konsultationen zwischen uns wird keine Seite möglicherweise entwickelte moderne Verteidigungssysteme stationieren. Wir würden mit diesen Konsultationen gerne
schon heute beginnen. In jedem Fall
sind wir mit den Sowjets übereingekommen, damit spätestens drei Jahre
vor Ende des festgelegten Zeitraums
zu beginnen, nach dessen Ablauf es
jeder Seite freistehen wird, ihre
Handlungsweise selbst zu bestimmen,

- 2 -

�falls sich die Seiten bis dahin nicht
anderweitig verständigt haben.
Die Vereinigten Staaten sind voll
und ganz davon überzeugt, daß im Bereich der strategischen Verteidigung
die Stabilität zwischen unseren Ländern und in der Welt gestärkt würde,
wenn wir uns auf Maßnahmen verständigen könnten, um die Berechenbarkeit
im Bereich der strategischen Verteidigung zu verbessern. Wir werden die
sowjetische Delegation in eine Diskussion über die Frage einbinden, wie
diese Berechenbarkeit auf eine Art
und
Weise
gesichert
werden
kann,
durch die Abschreckung gestärkt, Vertrauen gebildet und damit das Atomkriegsrisiko verringert werden kann.

Konteradmiral Dean Sackett zur Seite
stehen wird, der als Delegierter der
Vereinigten Stabschefs das Amt des
Stellvertreters inne hat; und Henry
F. Cooper, der die Verhandlungsgruppe
über Nuklear- und Weltraumwaffen leiten wird und dessen Assistent William
Courtney bis vor kurzem Mitglied des
Arbeitsstabs des Nationalen Sicherheitsrats im Weißen Haus war.
Ich
werde weiterhin die Aufgabe als Leiter der amerikanischen Delegation bei
diesen Gesprächen wahrnehmen.

Die zu Beginn dieser entscheidenden Verhandlungsrunde vor uns liegenden Aufgaben sind eindeutig.
Wir
müssen
auf
den
bereits
erzielten
Fortschritten aufbauen und die noch
bestehenden
wichtigen
Meinungsverschiedenheiten ausräumen.
Die Vereinigten Staaten werden ernsthaft,
konstruktiv und in gutem Glauben verhandeln. Es gibt jedoch keine Garantien für einen Erfolg.
Wir streben
Rüstungskontrollabkommen mit der Sowjetunion an, die unsere beiderseitige Sicherheit sowie auch die Sicherheit der gesamten Welt verbessern.
Wir würden es begrüßen, wenn die Sowjetunion sich uns beim Streben nach
derartigen
Abkommen
anschlösse.
Solch
eine
gemeinsame
Anstrengung
birgt eine echte Erfolgschance.
Meine Damen und Herren, ich möchte meine Ausführungen beenden, indem
ich Ihnen hiermit formell die amerikanischen Botschafter vorstelle, die
für ihre jeweiligen Verhandlungsgegenstände in dieser Runde die primäre
Verantwortung tragen werden. Es sind
dies Read Hanmer, der die START-Verhandlungsgruppe leiten wird und dem

- 3 -

* * * * *

�AMERIKA DIENST
'VON

Hintergrundmaterial

^

20. Januar 1988

DER INF VERTRAG:

DIE RICHTIGEN LEHREN ZIEHEN

- Von Richard R. Burt -

(Der folgende Artikel des amerikanischen Botschafters in der Bundesrepublik Deutschland erschien am 7. Januar 1988 im Wall Street Journal)

Derzeit wird die Debatte über den
neuen amerikanisch-sowjetischen Vertrag zur Beseitigung der nuklearen
Mittelstreckenraketen auf allen Ebenen geführt. In den kommenden Monaten werden amerikanische Senatoren,
Regierungsvertreter, europäische Politiker und Experten auf beiden Seiten des Atlantiks eine Reihe von Themen erörtern, die das gesamte Spektrum der Auswirkungen des Abkommens
auf das militärische
Gleichgewicht
zwischen NATO und Warschauer Pakt bis
zu der Frage umspannen, ob der Vertrag ausreichend verifiziert werden

tion Service

üTfraiwn

kann.
Dies sind wichtige Aspekte und
sie verdienen die Aufmerksamkeit, die
ihnen zweifelsohne zuteil wird.
Es
ist jedoch von entscheidender Bedeutung, daß die Ratifizierungsdebatte
über die Frage hinausgeht, wie sich
der
INF-Vertrag
auf
die
amerikanischen
und
sowjetischen
nuklearen
Streitkräfte
auswirkt
und
darüber
hinaus auf einen weiteren wichtigen
Themenkomplex
eingeht:
die Frage,
welche Lehren Politiker und Öffentlichkeit im Westen aus dem Vertrag

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�und dem Prozeß seiner Verwirklichung
ziehen.
Die Erfahrung hat uns gelehrt,
daß sowohl in den Vereinigten Staaten
wie in Westeuropa eine beunruhigende
Tendenz besteht, aus Rüstungskontrollvereinbarungen
die
falschen
Schlüsse zu ziehen. Dies war vor 15
Jahren der Fall, als die Vereinigten
Staaten und die Sowjetunion Abkommen
zur Begrenzung der strategischen Offensivwaffen (das sogenannte SALT I
oder "Zwischenabkommen") sowie zur
drastischen Einschränkung der Stationierung antiballistischer Raketensysteme (ABM-Vertrag) abschlössen. Zu
jener Zeit haben zahlreiche Beobachter, unter Ihnen auch Vertreter der
Nixon-Administration, diese Verträge
als positiven Beweis dafür gepriesen,
daß die Sowjetunion sowohl das amerikanische Konzept von der ausreichenden Streitkräftezahl wie auch die nukleare Doktrin der Gesicherten Zerstörungsfähigkeit übernommen hätten.
Aber dem war nicht so. Als in
den siebziger Jahren amerikanische
Militärprogramme wie MX oder B-l vernachlässigt wurden, fuhr die Sowjetunion mit einer beispiellosen strategischen Aufrüstung fort, die den Sowjets die Fähigkeit verschaffen sollte, einen nuklearen Konflikt mit dem
Westen auszutragen und möglicherweise
zu gewinnen.
Sowohl linksgerichtete wie auch
konservative europäische Politiker,
zu denen gleichermaßen Befürworter
wie Kritiker des Vertrages zählen,
haben bereits damit begonnen, die
falschen Lehren aus dem neuen INFVertrag zu ziehen. Heißt das, es wäre es ein strategischer Fehler, fortzufahren und den INF-Vertrag zu ratifizieren? Keineswegs. Die doppelte
Null-Lösung, mit ihrem günstigen Verhältnis von 4:1 beim Abbau von Mit-

telstreckenraketen längerer und kürzerer Reichweite und ihren Bestimmungen für Vor-Ort-Inspektionen liegt im
westlichen Interesse. Es ist jedoch
wichtig, daß die Ratifizierungsdebatte der Öffentlichkeit auf beiden Seiten des Atlantiks dazu verhilft, falsche Lehren zu erkennen und die richtigen Schlüsse zu ziehen.
Auf der linken Seite des politischen Spektrums behaupten Vertreter
der Sozialisten in Nordeuropa jetzt,
der Vertrag sei das Produkt einer gemäßigten Linie der Sowjetunion und
des unnachgiebigen Drängens der Friedensbewegung auf einseitige nukleare
Abrüstung. Aber nichts wäre skandalöser und käme Orwellschen Visionen
politisch näher als die Bemühungen
der Friedensbewegungen, in letzter
Minute zumindest einen Teil des Verdienstes für den Vertrag zu beanspruchen. Mit ihrem erbitterten Widerstand gegen die beiden ursprünglichen
INF-Entscheidungen der NATO im Jahr
1979 und die tatsächliche Stationierung der Raketen im Jahr 1983 hat die
Friedensbewegung
gerade
jene Entscheidungen abgelehnt, durch die das
INF-Abkommen
erst
möglich
wurde.
Hätten die westlichen Regierungen in
den frühen achtziger Jahren auf die
Demonstranten in Europa oder deren
Freunde in Amerika gehört, wären die
Genfer Verhandlungen ins Stocken geraten, und die Sowjetunion besäße
heute noch ein totales Monopol bei
den INF-Raketen.
Es ist ebenfalls schwer zu verstehen, warum Moskau große Anerkennung für das Zustandekommen des Vertrages zuteil werden soll.
Herr
Gorbatschow hat Ronald Reagans Vorschlag von 1981 zur Vernichtung aller
Mittelstreckenraketen
schließlich
erst akzeptiert, nachdem die Sowjetunion
sämtliche
Alternativen
zu
ernsthaften Verhandlungen erschöpft

- 2 -

�hatte.
Vor der amerikanischen Stationierung im Jahr 1983 wollten die
Sowjets Westeuropa mit der Androhung
einer neuen "Eiszeit" in den OstWest-Beziehungen einschüchtern, während sie insgeheim die europäischen
Befürworter einer einseitigen nuklearen Abrüstung zu weiteren Anstrengungen ermutigten.
Nach der Stationierung verließen sie demonstrativ die
Genfer Verhandlungen.
In einem letzten verzweifelten Versuch, die NATO
einzuschüchtern und vom Kurs abzubringen, trafen sie "Gegenmaßnahmen",
beispielsweise durch die Stationierung von SS-22-Raketen in der DDR und
der Tschechoslowakei.
Erst nachdem
die Sowjets erkannt hatten, daß ihre
Drohungen ihr Ziel völlig verfehlt
hatten, sind die sowjetischen Unterhändler in Genf endlich zur Sache gekommen.
Das eigentliche Verdienst für das
INF-Abkommen kommt somit weder der
Friedensbewegung noch Herrn Gorbatschow zu;
es gebührt
stattdessen
Ronald Reagan und seinen Verbündeten
Margaret Thatcher, Helmut Kohl,
Bettino Craxi, Wilfried Martens und
Ruud Lubbers - jenen politisch Verantwortlichen, die sich den Sowjets
und den Befürwortern der einseitigen
Abrüstung
während
des
schwierigen
"Jahres der Rakete" 1983 gemeinsam
entgegenstellten.
Teile
der
europäischen
Linken
ziehen ebenfalls eine andere gefährliche militärische Lehre aus dem INFAbkommen:
Der Vertrag ebne den Weg
zur endgültigen "Entnuklearisierung"
Europas. Kaum daß die Tinte auf dem
Papier des Abkommens zur doppelten
Null-Lösung trocken ist, argumentieren
linksorientierte
sicherheitspolitische Sprecher in der Bundesrepublik und andernorts schon, Verhandlungen über nukleare Kurzstreckenraketen sollten bei den nächsten Abrü-

stungsschritten Vorrang haben, wobei
sie das Ziel einer dreifachen NullLösung verfolgen, also den Abbau amerikanischer und sowjetischer Raketen
mit Reichweiten unter 500 Kilometern.
Einige Mitglieder der oppositionellen
Sozialdemokraten in der Bundesrepublik
haben
den
INF-Vertrag
sogar
schon
dahingehend
interpretiert,
Westeuropa könne völlig ohne die hier
stationierten amerikanischen Atomwaffen auskommen.
Ein entnuklearisiertes Europa wäre für den Westen der Gipfel strategischer Torheit. Durch die Preisgabe
der nuklearen Abschreckung der NATO
wäre Westeuropa der vollen Wucht der
sowjetischen
konventionellen
Invasionsfähigkeit
ausgeliefert.
Durch
das INF-Abkommen mit dem daraus folgenden Abbau von ca. 400 amerikanischen nuklearen Gefechtsköpfen in
Europa wird die Strategie der flexiblen Reaktion des Bündnisses nicht
verändert. Dies war auch nicht beabsichtigt.
Die Vereinigten Staaten
werden auch nach der vollständigen
Durchführung
des INF-Vertrages die
Stationierung von 4 000 Nuklearwaffen
in ganz Europa aufrechterhalten.
So wie die Linke einige falsche
Vorstellungen über die Bedeutung des
Vertrages hat, trifft dies auch für
viele auf der konservativen Seite des
politischen Spektrums in Europa zu.
Einige bundesrepublikanische Konservative behaupten zum Beispiel gerne,
der
Vertrag
"singularisiere"
ihr
Land, weil nach dem Abbau der Mittelstreckenwaffen die sowjetischen Kurzstreckenraketen in der DDR immer noch
in der Lage wären, Ziele in der Bundesrepublik Deutschland zu treffen.
Es wird ebenfalls hervorgehoben, daß
dem Vertrag zufolge viele der verbleibenden amerikanischen Nuklearwaffen in der Bundesrepublik atomare Artilleriegranaten sein würden, die im

- 3 -

�Konfllktfall auf deutschem Boden eingesetzt werden könnten.
"Je kürzer
die Reichweite, umso toter die Deutschen,"
lautet
ein Ausspruch
von
Volker Rü'he, einem führenden deutschen Christdemokraten, um diese anscheinend ungerechte Situation zu beschreiben.
Aber die westdeutsche "Singularisierung" ist ein Hirngespinst.
Das
INF-Abkommen hat im wesentlichen den
Status quo in Europa wiederhergestellt, wie er Mitte der siebziger
Jahre vor der Stationierung der SS20-Raketen
bestand.
Gegenüber den
sowjetischen Kurzstreckenraketen, deren Anzahl sich in der Zwischenzeit
nicht wesentlich verändert hat, war
die Bundesrepublik damals genau so
verwundbar wie heute.
Und dennoch
hat früher niemand behauptet, die
Bundesrepublik sei als nukleares Ziel
ausgewählt worden.
In Wirklichkeit
werden durch das Argument der Singularisierung die Auswirkungen des INFVertrages höchstens dramatisiert. So
wie die Bundesrepublik nach der Vernichtung
von
Mittelstreckenraketen
auch weiterhin einem sowjetischen Nuklearangriff
gegenüber
verwundbar
ist, so trifft dies ebenso auf das
übrige Westeuropa und ganz bestimmt
auch auf die Vereinigten Staaten zu.
Die Vorstellung, daß die verbleibenden amerikanischen Nuklearwaffen in
Europa nur auf deutschem Boden eingesetzt werden könnten, ist ebenfalls
falsch.
Nach dem Abzug der Mittelstreckenraketen werden die Vereinigten Staaten weiterhin eine beträchtliche Anzahl nuklearer Kampfmittel in
Europa auf See und in den Vereinigten
Staaten selbst besitzen, mit denen
Ziele in ganz Osteuropa und in der
Sowjetunion bedroht werden können.
Es trifft zu, daß sich die Bundesrepublik
wegen ihrer geographischen
"Frontstellung"
und
ihres
- 4

nicht-nuklearen Status' in einer ausserordentlich exponierten Position in
Mitteleuropa befindet.
Die Präsenz
amerikanischer
Nuklearstreitkräfte
war ein wichtiges Mittel zur Verringerung dieser Gefährdung.
Wenn die
NATO nun in absehbarer Zukunft mit
dem Abbau dieser Präsenz beginnen
sollte, könnte sich die Bundesrepublik
tatsächlich
"singularisiert"
vorkommen.
Einige Europäer - vorwiegend die
Franzosen - haben eine andere, genauso irreführende Schlußfolgerung aus
dem Ergebnis des INF-Vertrages gezogen. Ihrer Auffassung nach würde damit der erste Schritt zu einem vielleicht unvermeidbaren Abbau amerikanischer Macht in Europa getan.
Mit
dem Hinweis auf Engpässe im Haushalt
in Washington und einem angeblich
neuen Unilateralismus in der amerikanischen
Politik
prophezeien sie,
dem Abbau
von Mittelstreckenwaffen
werde schon bald ein beträchtlicher
Rückzug amerikanischer Truppen folgen.
Nur ein Bruchteil der Erfahrungen
mit dem INF-Vertrag rechtfertigt die
Ängste der Rechten oder die Hoffnungen der Linken, die Argumente bezüglich des amerikanischen Rückzugs aus
Europa oder der Beseitigung des amerikanischen
nuklearen
Schutzschilds
nähren. Die Besorgnis über die europäische
Sicherheit
veranlaßte
die
Carter-Administration, die Stationierung von INF-Systemen zu billigen;
die Sorge um den Zusammenhalt der Allianz bewog die Reagan-Administration
dazu, diese bis zum Ende durchzustehen. Während dieser Phase haben beide Administrationen der Stärkung amerikanischer konventioneller wie auch
nuklearer Streitkräfte in Europa den
Vorrang gegeben.
Selbst heute, wo
sich Kürzungen bei den Verteidigungsausgaben abzeichnen, behalten ameri-

�kanische Streitkräfte in Europa auch
weiterhin
die höchste
militärische
Priorität. Das INF-Abkommen signalisiert also kein nachlassendes amerikanisches Interesse an Europa. Genau
das Gegenteil ist der Fall. Der Vertrag ist nicht, das Ergebnis amerikanischer Schwäche, sondern amerikanischer Stärke; nicht des Unilateralisraus, sondern der Führungskraft.
Insgesamt gesehen wird der Mittelstreckenvertrag
weder
zu
einer
Entnuklearisierung Europas oder Abkoppelung
der
Vereinigten
Staaten
führen, noch zu einer größeren Gefährdung der Bundesrepublik durch die
sowjetische Militärmacht.
100 Prozent der amerikanischen Truppen und
90 Prozent der derzeit in Europa stationierten Nuklearwaffen werden auch
nach Verwirklichung dieses Vertrages
hier verbleiben.
Die Bündnisstrategie der flexiblen Reaktion wird auch
weiterhin
gültig
und
glaubwürdig
sein.
Die Bundesrepublik wird von
einem nuklearen Angriff weniger stark
bedroht sein, als sie es heute ist.
Das westliche Bündnis wird unter Beweis gestellt haben, daß sich Einigkeit
und Entschlußkraft auszahlen.
Dies sind die richtigen Lehren aus
den Erfahrungen mit dem INF-Vertrag.
Dies sind die Lehren, die in der Debatte über die Ratifizierung des INFVertrages den Ausschlag geben sollten. Und dies sind die Lehren, die
den zukünftigen Ansatz zu Rüstungskontrolle und Verteidigung des Westens bestimmen sollten.

- 5 -

�AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

'VON**

3

20. Januar 1988
EMPFEHLUNGEN ZUR LANGFRISTIGEN SICHERHEITSSTRATEGIE
- Bericht über "selektive Abschreckung" -

WASHINGTON - (AD) - Ein unabhängiges Forum namhafter amerikanischer Experten zu Verteidigung und Außenpolitik hat der Reagan-Administration einen Bericht zur sogenannten langfristigen "integrierten Strategie" vorgelegt, die
den Sicherheitsbelangen der nächsten 20 Jahre Rechnung tragen soll.
Die kommenden Jahrzehnte werden voraussichtlich drastische Veränderungen
mit sich bringen, stellte die Kommission in ihrem Bericht vom 12. Januar 1988
fest, mit dem sie ihre Empfehlungen der Öffentlichkeit bekanntgibt.
Diesem
Bericht zufolge muß die von ihr entwickelte Strategie Truppenstruktur, neue
Technologien, Mobilität, Stützpunkte, konventionelle und Nuklearwaffen, extreme Bedrohungen sowie die Konfliktherde der Dritten Welt umfassen. Die aus 13
Mitgliedern bestehende Kommission zur Integrierten Langzeitstrategie wurde gegründet, um dem Verteidigungsminister und dem Nationalen Sicherheitsberater
des Präsidenten eine Strategie zur Gewährleistung einer glaubwürdigen Verteidigung bis ins 21. Jahrhundert an die Hand zu geben.
Nachfolgend bringen wir den Bericht in Auszügen.

HAUPTTHESEN DER KOMMISSION
Um Streitkräfteentwicklung, Waffenbeschaffung und Rüstungskontrollverhandlungen Rechnung tragen zu können, muß unsere Strategie langfristig
ausgelegt
sein.
Die vom Pentagon
heute ausgewählten Waffensysteme werden unseren Streitkräften bis weit
ins nächste Jahrhundert dienen. Rüstungsabkommen müssen über Jahre hinweg ausgehandelt werden und bleiben
jahrzehntelang in Kraft.

griert sein. Wir sollten keine isolierten Entscheidungen zu Fragen über
neue
Technologien,
militärische
Struktur, Mobilität und Stützpunkte,
konventionelle und Nuklearwaffen, extreme Bedrohungen und Konfliktherde
der Dritten Welt treffen. Wir müssen
unsere Pläne und Streitkräfte zu einer Vielzahl von Konflikten in Einklang bringen, von der niedrigsten
Intensität
bis zur höchsten Wahrscheinlichkeit und hin zur apokalyptischen und unwahrscheinlichsten Vision.

Ferner muß unsere Strategie inte-

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�Die nächsten zwei Jahrzehnte
Die vor uns liegenden Jahrzehnte
werden
voraussichtlich
drastische
Veränderungen
mit
sich
bringen:
China, vielleicht Japan und andere
Länder werden zu führenden Militärmächten. Militärisch schwächere Länder werden moderne Waffensysteme beschaffen und damit den relativen Vorteil der amerikanischen und sowjetischen Streitkräfte verringern. Rüstungskontrollabkommen könnten spürbare Auswirkungen auf nukleare und
konventionelle Streitkräfte zeitigen.
Die
vorrangigen
amerikanischen
Interessen sehen sich weiterhin einer
Bedrohung an Fronten ausgesetzt, die
in sehr viel geringerer Entfernung zu
unseren Gegnern liegen als zu den
Vereinigten Staaten.
Unsere Fähigkeit zur Abschreckung von Aggressionen auf diesen entfernten Schauplätzen wird noch durch die Unsicherheit
über Verbündete und Freunde beeinträchtigt, die uns Zugang zu Stützpunkten und Uberflugrechte gewähren
oder an unseren Verteidigungsvorbereitungen teilhaben, um auf doppeldeutige
Warnsignale
zu
reagieren.
Unsere Probleme des Zugangs können
sich als Resultat von Konflikten in
der Dritten Welt noch verschlechtern,
die zu einer Bedrohung amerikanischer
Stützpunkte oder einer sowjetischen
Expansion in Bereichen führen, die
zuvor frei von sowjetischen Truppen
waren.
Im Verlauf der nächsten zwanzig
Jahre wird die Militärtechnologie eine entscheidende Veränderung erfahren. Wir haben uns bei der Abschrekkung von Angriffen auf unsere Verbündeten auf nukleare und andere moderne
Waffen gestützt, selbst als die Sowjets
unseren
nuklearen
Vorsprung
aufhalten. Wenn die Sowjetunion weiterhin mehr in die militärische For-

schung im investiert als wir, wird
der qualitative Vorteil untergraben,
auf den wir uns so lange verlassen
haben.

Eine integrierte Langzeitstrategie
Die Strategie gründet sich auf
eine Vielzahl von Grundsätzen, von
denen
einige
radikale
Anpassungen
fordern, andere eine Bestätigung der
Kernelemente der derzeitigen Verteidigungsanstrengungen.
Wir sollten ein breiteres Spektrum von Eventualitäten in Betracht
ziehen als die beiden extremen Bedrohungen, die die Politik des Bündnisses und die Streitkräfteplanung seit
langem beherrschen:
Der massive Angriff des Warschauer Pakts auf Mitteleuropa und ein nuklearer Großangriff der Sowjetunion. Durch Konzentration auf diese beiden Extremfälle
tendieren unsere Planer zu einer Vernachlässigung der Angriffe, die selektive militärische Reaktionen erfordern und des Risikos, daß einige
Bündnispartner in einer solchen Situation abspringen.
Bei der Unterstützung der Verteidigung unserer Verbündeten und der
Verteidigung
unserer Interessen im
Ausland können wir uns nicht auf Bedrohungen stützen, die darauf ausgerichtet sind, unsere eigene Vernichtung zu provozieren, wenn sie verwirklicht werden.
In Friedenszeiten
würde eine auf solche Bedrohungen gegründete Strategie die Unterstützung
der nationalen Verteidigung unterminieren.
In Krisenzeiten könnte der
Rückgriff auf solche Bedrohungen aufgrund
mangelnder Unterstützung
der
Öffentlichkeit
katastrophal
scheitern. Wir müssen militärisch wirksame Antworten zur Verfügung haben, mit
denen die Vernichtung begrenzt werden

- 2 -

�kann, wenn wir nicht der Vernichtung
dessen die Tür öffnen wollen, was wir
verteidigen.
Wir müssen zu einer Diversifizierung und Stärkung unserer Fähigkeit
kommen,
selektive
nichtnukleare
Streitkräfte
dort
rechtzeitig
zum
Einsatz zu bringen, wo sie zur Abwendung von Aggressionen benötigt werden. Um dies zu erreichen müssen wir
und
unsere Verbündeten
entstehende
Technologien in bezug auf Präzision,
Kontrolle und Aufklä'rung ausschöpfen,
die unsere konventionellen Streitkräfte mit selektiveren und wirksameren Fähigkeiten zur Zerstörung militärischer Ziele versehen können.

kanische Truppen benötigen und um gegebenenfalls
eine massive
Invasion
aufzuhalten. Verbesserungen der britischen und französischen Nukklearstreitkräfte können zur gemeinsamen
Verteidigung beitragen.
Zur Wahrung der Interessen der
Vereinigten Staaten und der Bündnispartner in der Dritten Welt ist ein
größerer nationaler Konsens über Mittel und Ziele erforderlich.
Unsere
Maßnahmen sollten folgende Punkte beinhalten:
- Militärhilfe
auf höheren Ebene
und mit weniger Gesetzesvorbehalten, die seine Wirksamheit beeinträchtigen.

Sowohl unsere konventionelle als
auch unsere nukleare Kräfteverteilung
sollte sich auf ein Mischung offensiver und defensiver Systeme stützen.
Zur
Abschreckung
eines
Nuklearangriffs und um die Reduzierung von Offensivwaffen sicherer zu machen, ist
strategische
Verteidigung
erforderlich. Zur Abschreckung oder Reaktion
auf einen konventionellen Angriff benötigen wir die Fähigkeit zu einer
konventionellen Gegenoffensive in der
Tiefe des gegnerischen Territoriums.
Die Kontrolle des Weltraums in
Kriegszeiten gewinnt zunehmend an Bedeutung.
In einem
konventionellen
Krieg müssen unsere Fähigkeiten im
Weltraum
- die für Kommunikation,
Aufklärung und die Kontrolle unserer
Streitkräfte
entscheidend
sind
überlebensfähig
oder ersetzbar gemacht werden.
Der Gegner muß davon
abgehalten werden, den Weltraum ungehindert
zur
Zielerfassung
unserer
Streitkräfte zu nutzen.
Wir werden Fähigkeiten für einen
selektiven
Nuklearschlag
zur
Abschreckung eines begrenzten Nuklearangriffs auf verbündete oder ameri-

- Vielseitige, mobile Streitkräfte,
die minimal von Stützpunkten in
Übersee abhängig sind und einen
gezielten, kontrollierten Schlag
gegen entfernte militärische Ziele ausführen können.
- Verbündete, die uns bei der Verteidigung gemeinsamer Interessen
über die Grenzen der NATO hinaus
unterstützen.
- In
besonderen
Fällen
amerikanische
Unterstützung
antikommunistischer Rebellen, die sich
gegen ein von außen aufgezwungenes gegnerisches Regime oder ein
Regime auflehnen, das seine Nachbarn bedroht.
Die freie Welt
wird nicht frei bleiben, wenn ihre einzigen Optionen in Stillhalten oder Rückzug bestehen.
Unsere
Rüstungskontrollpolitik
sollte zunehmend Betonung auf Reduzierungen im konventionellen Bereich
legen.
Sorgfältig erarbeitete Reduzierungen der Nuklearwaffen könnten
zu einem sichereren Gleichgewicht bei
offensiven und defensiven Streitkräf-

- 3 -

�Umständen auf einen massiven Nuklearangriff
reagieren und
ihn
somit
abschrecken,
der
darauf
ausgerichtet ist, unsere Nuklearstreitkräfte und andere Ziele zu
vernichten.

ten führen. Abbau der großen Vorteile der sowjetischen Seite bei Panzern, Artillerie und anderem schwerem
Gerät würde sowohl zur Sicherheit der
NATO als auch zu einer Belebung der
sowjetischen Wirtschaft beitragen und
daher im Interesse beider Seiten liegen.
Zur Abschreckung von Vertragsverletzungen muß die Einhaltung von
Rüstungskontrollabkommen verfizierbar
und von der Mobilisierungskapazität
der Industrie sowie dem politischen
Willen getragen sein, im Falle eines
Scheiterns des Vertrages wirksam zu
reagieren.

Mehr noch als in den vergangenen
40 Jahren werden die Vereinigten
Staaten in Zukunft ihre Bündnispartner zur Verteilung der Risiken und Lasten der gemeinsamen
Verteidigung benötigen.
Wir streben die Begrenzung der
sowjetischen Expansion in jeder
Region der Welt an.

Angesichts der Risiken und Unwägbarkeiten, denen sich unsere Nation
und unsere Verbündeten in der Zukunft
gegenübersehen, sollten die Etats für
Verteidigung
und Militärhilfe
entsprechend unserem Wirtschaftswachstum
kontinuierlich angehoben werden. Der
Verteidigungshaushalt der Vereinigten
Staaten sollte in den kommenden Jahren von den hier umrissenen strategischen Prioritäten geleitet sein und
Einsparungen in einigen Bereichen sowie erforderliche Aufstockungen
in
anderen gestatten. In Zeiten, in denen das amerikanische Verteidigungsbudget keinen Zuwachs erfährt, müssen
wir die kontinuierliche Verbesserung
des Geräts unterstützen, das unsere
Schiffe, Flugzeuge und andere "Plattformen" wirksamer macht - wie zum
Beispiel moderne nichtnukleare Munition, konventionell
bestückte taktische Raketen, Sensoren und Kommunikationssysteme .
Die oben genannten Prinzipien implizieren Wandel. Aber unsere Strategie enthält auch viele Aspekte, die
sich nicht ändern werden:
- Wir müssen eine Mischung überlebensfähiger strategischer Offensivwaffen und Führungsfähigkeiten
aufrechterhalten, die unter allen

In einigen kritischen, bedrohten
Regionen müssen wir Truppen in
vorgeschobenen Stellungen stationieren.
Als Verstärkungsfähigkeit werden
wir mobile aktive und Reserveeinheiten in den Vereinigten Staaten
aufrechterhalten.
Mit zahlenmäßig den Sowjets unterlegenen
Streitkräften
müssen
wir nicht nur weiterhin besseres
Gerät einführen, sondern auch den
hohen Qualitätsstandard, hervorragende Ausbildung und die ausgezeichneten
Führungsqualifikationen der Männer und Frauen beibehalten, die in unseren Streitkräften dienen ...

KONFLIKTHERDE DER DRITTEN WELT UND
AMERIKANISCHE INTERESSEN
... Die amerikanischen Streitkräfte sind generell keine Kombattanten.
Die Rolle der amerikanischen
Streitkräfte als Kombattanten in Konflikten der Dritten Welt muß als Ausnahme betrachtet werden. Solche Aus-

- 4 -

�nahmen werden zweifelsohne vorkommen,
wie zum Beispiel im Jahr 1983 in Grenada und 1986 in Libyen, und es würde
genau das Gegenteil bewirken, wenn
die Vereinigten Staaten eine Doktrin
des
"Nichteinsatzes" ihrer Streitkräfte in der Dritten Welt verfolgen
würden.
Die
Hauptrolle
unserer
Streitkräfte dort liegt in der Ausweitung amerikanischer Programme der
Militärhilfe.
Vorrangig
bedeutet
dies,
militärische
und
technische
Ausbildung, Aufklärung und logistische Unterstützung zur Verfügung zu
stellen.
Die Vereinigten Staaten sollten
antikommunistische
Revolten
unterstützen.
In sorgfältig ausgewählten
Situationen,
in
denen
vorrangigen
amerikanischen
Zielen gedient
sein
und amerikanische Unterstützung das
Ergebnis begünstigen könnte, sollten
die
Vereinigten
Staaten
antikommunistischen
Rebellionen
Hilfestellung leisten, besonders denjenigen,
die gegen Nachbarländer
bedrohende
Regimes gerichtet sind ...
Militärhilfe erfordert eine neue
Gesetzgebung und zusätzliche Mittel.
Die Wirtschafts- und Militärhilfe der
Vereinigten Staaten - die Hilfsprograrame für das Ausland, mit denen
amerikanischen Freunden und Verbündeten geholfen werden soll, die Ursachen der Instabilität zu beheben haben sich als unzureichend und unflexibel erwiesen.
Für Forderungen
der Regierung hat der Kongreß wiederholt nicht genügend Mittel zur Verfügung gestellt und hat bis zu 86 Prozent der Militärhilfe für fünf Länder
vorgesehen.
Im Haushalt des Jahres
1987 hat der Kongreß zum Beispiel aus
einer Gesamtsumme von 5 Milliarden
Dollar für weltweite Militärhilfe 62
Prozent für Ägypten und Israel veranschlagt, 17 Prozent für Griechenland
und die Türkei und 6 Prozent für Pa-

kistan.
Angesichts der offensichtlichen Notwendigkeit, Mittel für El
Salavador, Honduras und die Philippinen
bereitzustellen, bleiben der
Regierung weniger als 10 Prozent für
die übrige Welt. Und selbst hier beschnitt der Kongreß den Spielraum des
Präsidenten bei der Behandlung von
Konflikten, durch die sich amerikanische Interessen bedroht sehen . . .
Die Vereinigten Staaten müssen
gemeinsam mit Ihren Verbündeten in
der Dritten Welt "Kooperativstreitkräfte" gründen.
Bedauerlicherweise
haben wir in dieser Hinsicht von der
Sowjetunion einiges zu lernen.
Die
sowjetischen Bestrebungen zur Förderung und Verteidigung ihrer Interessen in weniger entwickelten Ländern
werden typischerweise
von der uns
vertrauten Truppe von Gesinnungsgenossen aus dem Ostblock unterstützt Kubanern, Nicaraguanern, Vietnamesen,
Nordkoreanern,
Osteuropäern.
Diese
Kooperativstreitkräfte
werden
von
Moskau gelenkt und finanziert, auch
wenn sie von dort nicht streng kontrolliert
werden.
Unterstützung
könnte auch von quasi Verbündeten wie
Libyen oder der PLO gewährt werden,
deren
Interessen
gelegentlich
von
denen der Sowjetunion abweichen, die
jedoch bei anderen Anlässen für harten Dienst bereitstehen. Die gesamte
Operation birgt enorme Vorteile für
die Sowjetunion, sowohl bei der Minimierung
ihrer eigenen Risiken der
Konfrontation mit dem Westen als auch
bei der Bereitstellung von Truppen,
die sich hervorragend in diese Umgebung einfügen ...
Ebenso wie in den Industrienationen sollte die amerikanische Strategie auch in der Dritten Welt danach
trachten,
unseren
technologischen
Vorteil zu maximieren.
In einigen
Fällen werden sich die für den Kampf
mit den Sowjets entwickelten Techno-

- 5 -

�logien als enorm nützlich erweisen.
Auch hier werden wir dem Einsatz von
intelligenten Raketen den Vorzug geben, die selektiv wirken und den
zwangsläufig enstehenden Schaden für
die Zivilbevölkerung verhindern. Moderne Technologien im Ausbildungsbereich werden uns auch wirksamere Mittel an die Hand geben, unseren Freunden bei der Bekämpfung von Terrorismus und Rebellion zur Seite zu stehen. ..
Die Vereinigten Staaten müssen
Alternativen zu den Stützpunkten in
Übersee
entwickeln.
Zweifelsohne
werden
in einigen Bereichen die
Stützpunkte weiterhin von entscheidender Bedeutung sein - besonders,
wenn unser Problem darin besteht, uns
gegen eine mögliche sowjetische Aggression zu verteidigen. Wir sollten
jedoch normalerweise bei der Verteidigung unserer Interessen in der
Dritten Welt nicht von Stützpunkten
abhängig sein. Es hat sich als zunehmend schwierig und politisch kostspielig erwiesen, Stützpunkte dort
aufrechtzuerhalten.
Auch hier kann unsere Technologie
von Nutzen sein. Kostengünstige Satelliten im Weltraum können bis zu
einem gewissen Grad die Aufgaben der
Stützpunkte in Übersee im Kommunikationsbereich und bei der Nachrichtenerfassung ersetzen. Wir können für
die Aufklärung bemannte oder unbemannte Flugzeuge mit extrem großer
Reichweite bauen. Auch bei den Marinestreitkräften bieten sich einige
beeindruckende Optionen. In internationalen Gewässern oder in der Hoheitsgewässern unserer Verbündeten aber dennoch außer Sichtweite - können unsere Operationen sehr viel sicherer durchgeführt werden als von
Stützpunkten an Land aus. Einer der
interessantesten von uns untersuchten
Ansätze ist der Einsatz von gängigen

Container-Handelsschiffen zur Unterstützung besonders zusammengestellter
Einheiten, wobei in den Containern
das gesamte benötige militärische Gerät transportiert wird...

BEHERRSCHUNG DER TECHNOLOGIE
... Wir können jedoch bereits
jetzt die Entscheidung treffen, welchen Programmen die höchste Priorität
in der neuen Langzeitstrategie beigemessen werden sollte. Im allgemeinen
sind darin Programme enthalten, die
unsere Fähigkeit stärken, auf Aggression mit kontrolliertem, selektivem
Einsatz der Kräfte zu reagieren.
Weiterhin umfassen sie Programme, die
in unterschiedlicher Weise die Flexibilität steigern und die zukünftigen
Präsidenten zur Verfügung stehenden
Optionen erweitern.
Ferner sollten
wir - mehr als dies in den vergangenen Jahren der Fall war - der Aufstockung der Mittel für Grundlagenforschung und moderne Entwicklungen
höchste Priorität einräumen.
Von den diese Kriterien erfüllenden Programmen erscheinen vier von
besonderer Vordringlichkeit:

- 6 -

- Integration "getarnter" (Stealth)
Systeme in unsere Kräfteverteilung.
- "Intelligente" Waffen - präzisionsgelenkte Munition, die große
Reichweiten und hohe Genauigkeit
kombinieren.
- Ballistische Raketenabwehr und
- für Kriegsoperationen erforderliche Weltraumfähigkeiten...

�KOMBINATION DER EINZELELEMENTE DER
STRATEGIE
Die weiterhin gültigen Zielsetzungen der amerikanischen Politik.
Wir leben in einer Welt, deren Nationen zunehmend wirtschaftlich, kulturell und politisch miteinander verflochten sind - gelegentlich explosionsartig verflochten, wie in den
wiederholten
umfangreichen
Migrationsbewegungen von Flüchtlingen seit
dem Zweiten Weltkrieg, die politischer, religiöser und rassischer
Verfolgung entkommen wollten. Es ist
eine Welt, in der militärische wie
auch wirtschaftliche Macht sich immer
weiter ausdehnt und in der die Vereinigten Staaten auch in Zukunft mit
Nationen rechnen müssen, die ihren
Zielen gegenüber zutiefst feindlich
gesinnt sind.
Die Vereinigten Staaten streben
keine Expansion ihres Territoriums
auf Kosten der Sowjetunion oder irgendeines anderen Landes an.
Noch
birgt einer unserer Verbündeten die
Gefahr einer Invasion der Sowjetunion
oder der von ihr beherrschten Territorien. Dennoch bestehen die Sowjets
darauf, daß wir, unsere Verbündeten
und andere Länder - die schwachen
ebenso wie die starken - mit einem
Angriff drohen. Solche Verdächtigungen oder Vermutungen sind integraler
Bestandteil des sowjetischen Machtsystems:
Sie müssen eine feindliche
Welt postulieren, um die Legitimität
ihres Regimes zu rechtfertigen. Es
erübrigt sich zu sagen, daß wir einen
grundlegenden Wandel ihrer antagonistischen Haltung begrüßen würden.
Selbst
wenn
Perestroika
und
Glasnost die Absicht signalisieren
sollten, diesen Wandel herbeizuführen, wird er nicht leicht zu bewerkstelligen sein. Der Argwohn und die
feindselige Einstellung der Sowjet-

union haben ihre Wurzeln in 70 Jahren
sowjetischer und 400 Jahren zaristischer Geschichte.
Eine Lockerung
der Kontrolle über die von ihnen beherrschten Staaten an ihren Grenzen
kann die Kontrolle andersdenkender
Nationalitäten innerhalb ihrer Grenzen gefährden.
Wir sollten uns
nichts vormachen. Die westlichen Demokratien können den Fortschritt kaum
fördern, indem sie einfach die Sowjets davon überzeugen, daß wir sie
nicht angreifen wollen oder indem sie
versuchen, jegliche Fähigkeiten zur
Offensive - und damit zum Gegenangriff - abzubauen. Solche Bemühungen
würden lediglich ein Mißverständnis
bezüglich der innenpolitischen Rolle
widerspiegeln, die äußeren Bedrohungen unter sowjetischer Herrschaft zukommt, und könnten eine Aggression
ermutigen. Die Sowjets fühlen sich
durch die Selbständigkeit der freien
Länder an ihren Grenzen bedroht.
Die Vereinigten Staaten haben an
der fortdauernden Selbständigkeit einiger von uns sehr weit entfernt gelegener Verbündeter ein entscheidendes Interesse - In Europa und dem
Mittelmeerraum, im Mittleren Osten
und Südwestasien, in Ostasien und dem
Pazifik sowie in der westlichen Hemisphäre.
Stützpunkte, Häfen und
Luftraum werden von uns genutzt, um
diesen Verbündeten dabei zu helfen,
sich selbst und einander zu verteidigen. In einigen Fällen, in denen ihre Gefährdung durch einen benachbarten Gegner besonders groß ist, ist es
ein seit langem bewährtes Element der
amerikanischen
Strategie,
unsere
Truppen in vorgeschobenen Stellungen
zu stationieren. Wir tun dies jedoch
auf Einladung von Verbündeten, die
souverän und von uns unabhängig sind
sowie zu den von diesen genannten Bedingungen. Sie können uns jederzeit
zum Abzug auffordern.
In einigen
Fällen haben sie dies getan und, im

- 7 -

�Gegensatz zu aen Sowjets, haben wir
uns diesem Wunsch immer gefügt.
Die Tatsache, daß wir souveräne
Verbündete anführen, deren Interessen
unter gegebenen Umständen und am jeweiligen Ort von unseren abweichen
können, wirkt sich unmittelbar auf
die Verteidigung aus; sie bedeutet,
daß es selbst dort, wo sich verdichtende aber noch verschwommene Anzeichen für eine Gefährdung unserer gemeinsamen
Interessen
existieren,
schwierig sein könnte, eine einheitliche Antwort der Verbündeten zu erhalten und diese rechtzeitig zur Abwendung der Gefahr umzusetzen.
Für
einen Diktator oder eine von einer
Diktatur
beherrschte
unfreiwillige
Koalition ist es weniger schwierig,
sich auf die Durchführung militärischer
Operationen
vorzubereiten.
Dabei stellen die Sowjets jetzt und
auch in der Zukunft nicht die alleinige Gefahr für unsere Interessen dar.
Im sich wandelnden Umfeld der
kommenden 20 Jahre werden die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten
auf formeller und informeller Ebene
gezwungen sein, ihre Fähigkeit zur
wirksamen, selektiven und rechtzeitigen Entfaltung militärischer Stärke
zu verbessern, um jede einzelne eines
breiten Spektrums möglicher Aggressionen gegen ihre wichtigsten gemeinsamen Interessen zu vereiteln - und
dadurch
solche
Aggressionen
abzuschrecken.
Wir müssen den notwendigen tagespolitischen Entscheidungen bezüglich
der nationalen Sicherheit eine langfristige Perspektive hinzufügen.
In
den kommenden beiden Jahrzehnten werden voraussichtlich scharfe Zäsuren
wie auch schrittweise Veränderungen
eintreten, die in ihrer Gesamtwirkung
revolutionär
sind:
Neue
führende
Militärmächte,
neue
Technologien,

neue Konfliktherde und neue Chancen
zur Zusammenarbeit. Um diesen Veränderungen gerecht zu werden, werden
wir vielseitiger und anpassungsfähiger Streitkräfte bedürfen.
Eine integrierte Strategie.
Da
unsere Probleme in der realen Welt
nicht isoliert und die Haushalte immer mit Kompromissen verbunden sind,
müssen wir Strategien für ein breites
Spektrum
von Konflikten erstellen:
von extrem begrenzten, am wenigsten
intensiven und am ehesten wahrscheinlichen bis hin zu den umfassendsten,
apokalyptischen
and
am
wenigsten
wahrscheinlichen.
Wir streben an,
die
schlimmsten
Konflikte
weniger
wahrscheinlich zu machen, aber dies
kann nur dann geschehen, wenn nicht
unsere Schwäche auf einer höheren
Ebene - oder eine fehlende Reaktion
auf höherer Ebene, die die politisch
Verantwortlichen der Demokratien anzuwenden bereit wären - dazu einlädt,
den Einsatz zu erhöhen.
Um echte
Stabilität zu gewährleisten, müssen
wir unsere Gegner versichern, daß wir
militärischen Aggressionen auf jeder
Ebene der Gewaltanwendung gegen unsere vorrangigen Interessen mit militärischer Macht entgegentreten.
Größere
Kriege
entstehen
aus
kleineren, und eine lokal begrenzte
Aggression (z. B. eine sowjetische
Invasion am Persischen Golf) könnte
das Kräftegefüge drastisch verändern.
"Innere" und "äußere" Konflikte lassen sich nicht gänzlich voneinander
trennen.
Der Schatten einer sowjetischen Intervention könnte zum Beispiel das Ergebnis einer inneren Auseinandersetzung über die Machtnachfolge im Iran beeinflussen.
(In der
Vergangenheit benutzten die Sowjets
ein "freies Aserbeidschan" als Marionette, um ihre Vorbereitungen einer
Intervention im Iran und in der OstTürkei zu tarnen, die sie als strate-

- 8 -

�gische Einheit zu betrachten scheinen.) Selbst Terrorismus kann große
Auswirkungen auf unsere Fähigkeiten
zur Bewältigung größerer Gefahren haben, indem er verwundbare Verbündete
destabilisiert, Verbündete
entzweit
und im Innern die öffentliche Meinung
spaltet.
Politische
Erklärungen
zur Abschreckung und Bekämpfung von Aggressionen sollten aufeinander abgestimmt
sein.
Wir können einen Angreifer
nicht von seinem Plan abbringen, wenn
er der Überzeugung ist, daß wir weder
willens noch fähig sinu, zurückzuschlagen. Unser Wille wird durch häufig abgegebene Erklärungen über "gegenseitige Abschreckung" in Frage gestellt, die unseren Wunsch implizieren, daß die Sowjets zur Abschreckung
gegenüber den Vereinigten Staaten in
der Lage sein sollen, es sei denn,
die Vereinigten Staaten würden angegriffen.
Solche Erklärungen untergraben
die grundlegende
Verpflichtung, derzufolge wir in Beantwortung
einer ausschließlich gegen einen Verbündeten gerichteten sowjetischen Aggression konventionelle und, im Falle
ihres Versagens, atomare Waffen einsetzen werden. Ebenso könnte die sowjetische Führung durch in Europa zu
hörende Erklärungen fehlgeleitet werden, wonach selbst das Gewinnen eines
konventionellen Krieges "unannehmbar"
wäre. Wenn solche Erklärungen darauf
hinauslaufen, daß eine Auseinandersetzung mit Atomwaffen der Zivilbevölkerung weniger Schaden zufüge als
präzise gezielte konventionelle Waffen oder daß solche konventionellen
Waffen
"der
Zivilbevölkerung
mehr
Schaden als der Zweite Weltkrieg" zufügen würden, dann sind sie eindeutig
falsch.
Sollten sie bedeuten, daß
der Westen weder zur Anwendung nichtatomarer noch atomarer Waffen bereit
ist, dann legen sie nahe, daß wir
überhaupt nicht reagieren würden und

höhlen somit unsere Fähigkeit der Abschreckung aus. Das Problem besteht
darin, wie ein nichtatomarer oder
atomarer Angriff wirksam abgeschreckt
werden kann. Wir und unsere Verbündeten würden eine Aggression lieber
abschrecken als bekämpfen, ein Bluff
ist jedoch in einer Krise weniger
wirkungsvoll und gefährlicher als die
Fähigkeit und der Wille, konventionelle und - falls nötig - atomare
Waffen mit zumindest einer groben Abstufung einzusetzen, durch die die
von uns verteidigten Werte erhalten
werden.
Offensive
und
Defensive
(aktiv
wie auch passiv) ergänzen einander
auf jeder Konfliktebene. Wie unsere
offensiven Fähigkeiten einen Gegner
davon abhalten können, Streitkräfte
für den Durchbruch von Verteidigungsstellungen zu konzentrieren, so ergänzen aktive und passive Verteidigung (etwa Beweglichkeit und Tarnung)
einander.
Entscheidungen über militärische
Systeme bilden ein Ganzes und sollten
nicht
isoliert
behandelt
werden.
Dieses Gefüge muß in Rüstungskontrollverhandlungen,
in der Streitkräfteplanung und in der Definition
der
militärischen
"Erfordernisse"
während
des
Beschaffungsverfahrens
berücksichtigt werden.
Die
Notwendigkeit
der
Berücksichtigung eines breiteren Spektrums
wahrscheinlicherer
und
wichtigerer
Eventualfälle.
Die
Politik
des
Bündnisses und dessen Waffenmodernisierung hat sich, wie bereits erwähnt, im großen und ganzen auf die
zwei
extremen
Möglichkeiten
eines
massiven
Angriffs
des
Warschauer
Pakts mit konventionellen Waffen und
eines
uneingeschränkten
tödlichen
Atomwaffenangriffs
der
Sowjetunion
gegen verstreut liegende militärische

- 9 -

�Ziele konzentriert.
Die erste Möglichkeit lenkt das Augenmerk der Verbündeten von den Verpflichtungen ab,
die grundsätzliche Voraussetzung des
Bündnisses sind - daß ein Angriff auf
einen
möglicherweise
verwundbaren
Verbündeten ein Angriff auf alle ist
-, und läßt das sowjetische Interesse
außer acht, andere Verbündete zum
Ausstieg aus diesem Konzept zu veranlassen.
Die zweite Möglichkeit geht
davon aus, die Sowjets machten sich
kaum Sorgen über die Heraufbeschwörung ihrer eigenen Vernichtung, da
uns dies keinen Anreiz geben würde,
selektives Verhalten und Zurückhaltung zu üben.
Die
sowjetischen
Militärplaner
haben jedoch ein Bewußtsein dafür
entfaltet, daß das Politbüro im Falle
der Anwendung militärischer Gewalt
einen starken Anreiz besitzt, dies
selektiv zu tun und die Streitkräfte
unter politischer Kontrolle zu halten.
Es soll vermieden werden, daß
durch ihren Atomangriff ihren einmarschierenden Truppen der Weg verstellt
oder das in Besitz zu nehmende zerstört wird.
Insbesondere wollen sie
nicht die Zerstörung der Sowjetunion
riskieren. Als revolutionär für den
Charakter des Krieges schätzen sie
die gegenwärtig stattfindende Revolution in der Mikroelektronik ein, die
den strategischen Einsatz nichtatomarer Waffen zuläßt. Ihre in 40 Jahren
vorgenommenen
Investitionen
in den
Schutz ihres nationalen Führungssystems sowie ihre besondere Aufmerksamkeit in bezug auf die kriegsmäßige
Nutzung des Weltraums und anderer
Führungsraittel
zeigen, daß sie es
ernst damit meinen, Gewalt für politische Zwecke zuenken und unter Kontrolle zu halten. Wenn wir die extremen
Möglichkeiten
zur
primären
Grundlage
unserer
Planung
machen,
werden wir weniger rasen zu einer
vielseitigeren, selektiveren und kon-

trollierteren Fähigkeit gelangen.
Es wird immer möglich sein, blind
in solch eine Apokalypse hineinzuschlittern, und deshalb werden wir
stets auch Abschreckung für die extremen
Möglichkeiten
gewährleisten
müssen.
Es
bedarf
jedoch
keiner
großen
Atomstreitmacht,
um
die
menschliche Gesellschaft zu vernichten.
Wir müssen unsere Bemühungen
hauptsächlich einem breiten Spektrum
plausiblerer und wichtigerer Möglichkeiten widmen.
Veränderungen
in
sicherheitspolitischen
Umfeld.
Unsere
zentrale
Herausforderung
seit
dem
Zweiten
Weltkrieg
hat darin bestanden, in
formellen und informellen Bündnissen
mit anderen souveränen Staaten eine
Aggression gegen unsere vorrangigen
Interessen an Orten abzuwehren und
damit abzuschrecken, die unseren Gegnern geographisch näher liegen als
uns.
Das
"militärische
Gleichgewicht", d. h. vergleichbare Zahlen
von
Panzern, Geschützen, Panzerabwehrwaffen etc. auf Seiten des Warschauer Pakts und der NATO (selbst
nach Bereinigung aufgrund qualitativer
technologischer
Unterschiede)
kann das Problem nicht ausreichend
beschreiben.
Das
Problem
besteht
nicht einfach in der Entfernung, sondern in rechtzeitigem politischem Zugang auf dem Weg zu und innerhalb einer bedrohten Region sowie darin,
einheitliche vorbereitende Reaktionen
souveräner Verbündeter zu erhalten,
um mehrdeutige Anzeichen einer heraufziehenden Gefahr zu beantworten.
Für
das
Atlantische
Bündnis
stellt der Zusammenhalt ein Problem
dar. Bei der Behandlung von Ländern
wie Nicaragua und Libyen ist es vielleicht nicht überraschend, daß die
Verbündeten bei der Einschätzung Ihrer Interessen unterschiedlicher Mel-

- 10 -

�nung sind. Aber selbst an den Flanken der NATO und im Persischen Golf,
wo die lebenswichtigen Interessen unserer europäischen Verbündeten zur
Verhinderung
einer
sowjetischen
Machtübernahme unmittelbarer und massiver präsent sind als die unsrigen,
hat sich das Problem ständig verschärft. In den jüngsten Stützpunktverhandlungen haben Spanien und Portugal wenig Rücksichtnahme auf ihre
Rolle bei der Verstärkung der Türkei
oder verbündeter Streitkräfte im Golf
gezeigt. Und einige NATO-Länder an
der Nordflanke mit geringen eigenen
Streitkräften haben Maßnahmen abgelehnt, die ihrer eigenen rechtzeitigen Verstärkung dienen würden; sie
rechtfertigen diese Ablehnung mit der
weit hergeholten Begründung, die Sowjets benötigten die Versicherung,
daß sie nicht das Opfer eines unprovozierten Angriffs würden. Die wachsende Zahl europäischer Befürworter
der
"nichtoffensiven
Verteidigung"
würde diese Versicherung noch dadurch
verstärken, daß jegliche "offensiven"
Waffen abgebaut würden. Dies würde
nicht den feindlichen Angriff verhindern, sondern den Gegenangriff.
Während unsere Möglichkeiten des
rechtzeitigen Zugangs seit den fünfziger Jahren abgenommen haben, haben
die Sowjets ihre inneren Verbindungswege dazu benutzt, ihre Fähigkeit,
konventionelle Streitkräfte schnell
an Orten an ihrer Peripherie zum Einsatz zu bringen, auszubauen und ihren
Zugang zu Luftraum und Stützpunkten
an ihrer Peripherie systematisch verbessert.
Daraus ergibt sich eine
drastische Verbesserung ihrer Fähigkeit, Machtmittel an entscheidenden
Schauplätzen, wie etwa dem Persischen
Golf, zum Einsatz zu bringen, während
unsere sich absolut gesehen verringerte.
In den kommenden 20 Jahren
und an anderen Konfliktschauplätzen
werden
zunehmend
gut ausgerüstete

kleinere Mächte sowie auch neue führende Militärmächte uns wahrscheinlich einen noch stärkeren Anreiz bieten, eine vielseitigere und selektivere Streitmacht zu entwickeln.
Wir haben eine Vielfalt präziser
Waffen mit langen und kurzen Reichweiten
entwickelt
und
wichtige
Schritte unternommen, um die Robustheit und Wirksamkeit unserer Führungs-, Kommunikations- und Aufklärungsmittel sowie die Ausbildung unserer Streitkräfte
zu verbessern.
Erhebliche Fortschritte in der Mikroelektronik haben bereits revolutionäre Auswirkungen auf die Möglichkeit
gehabt, die Wirksamkeit von Angriffen
auf militärische Ziele zu erhöhen und
die Wirkung dabei weitgehend auf diese Ziele zu begrenzen. Diese Fortschritte haben die Möglichkeit der
breitangelegten Kampfführung und die
Aufrechterhaltung
der
politischen
Kontrolle enorm verbessert. In den
kommenden ein oder zwei Jahrzehnten
wird sich diese Entwicklung noch verstärken.
Am wichtigsten aber ist,
daß diese großen Veränderungen den
wirksamen Einsatz von einer oder einigen wenigen nichtatomaren Waffen
für viele Arten von Aufträgen ermöglichen, für die in der Vergangenheit
Tausende nichtatomarer Waffen oder
Atomwaffen benötigt wurden.
Wie schon an anderer Stelle des
vorliegenden Berichts erwähnt, wären
wir bei der Führung unserer für die
Niederschlagung
einer
sowjetischen
Invasion benötigten konventionellen
Streitkräfte in erheblichem Umfang
auf weltraumgestützte Systeme angewiesen, wie auch die Sowjets eigene
Satelliten als grundlegende Stütze
ihrer Invasion verwenden würden. Jede Seite hätte gute Gründe, ihr eigenes Weltraumsystem zu schützen und
das der anderen Seite zu schwächen.

- 11 -

�Die Dynamik unseres privaten Sektors verschafft uns einen speziellen
Vorteil bei der Verwertung der von
den neuen Technologien
angebotenen
Vorzüge.
Trotzdem haben wir und unsere Verbündeten häufig viel Zeit bei
der praktischen Einführung der Fähigkeiten vergeudet, die zur Bekämpfung
der
zunehmenden Gefahren notwendig
sind, die in der wachsenden Stärke
der Sowjets und anderer potentieller
Gegner zum Ausdruck kommen.
Kriege an der sowjetischen Peripherie und in der Dritten Welt.
Uns und den Sowjets werden starke Anreize geboten, die durch die neuen
Informationstechnologien
geschaffene
größere Wirksamkeit und die selektive
Fähigkeit konventioneller Waffen auszunutzen sowie die Zerstörungskraft
zu begrenzen, um damit bei der anderen Seite ein Interesse daran zu wekken, die Vernichtung ebenfalls in
Grenzen zu halten. Bei der Anwendung
von Kernwaffen besaßen beide Seiten
sogar einen noch stärkeren Anreiz,
sich auf Technologien zur Kontrolle
zu stützen, da der Verlust der Kontrolle in diesem Fall die katastrophalsten Auswirkungen hätte.
Beide
Seiten haben zunehmend Anstrengungen
investiert, um die Uberlebensfähigkeit
ihrer
Führungsmittel
unter
kriegsmäßigen Bedingungen zu sichern.
Ausrüstung,
Ausbildung,
Anwendungsweisen von Aufklärung und Operationsmethoden wurden von uns hauptsächlich für den Eventualfall eines
weltweiten massiven Angriffs der Sowjetunion entwickelt und stellen für
uns keine gute Vorbereitung auf Konflikte in der Dritten Welt dar. Bestandteile
solcher
Konflikte
sind
wahrscheinlich Terrorismus, Sabotage
und andere Arten "unterschwelliger"
Gewalt.
Die Unterstützung verbündeter Staaten bei der Reaktion auf solche Arten der Gewalt wird verstärkt

die Anwendung von Informationstechnologien erfordern, die auch für selektive Operationen in Konflikten höherer Intensität an Bedeutung gewinnen.
Die Notwendigkeit der Anwendung voti
Gewalt für politische Zwecke und der
Unterscheidung zwischen zivilen und
und legitimen Zielen wird hier noch
offensichtlicher.
Insbesondere werden wir optische und elektronische
Aufklärungsraittel
sowie
Kommütlikations- und Führungsmittel und präzise
Zielsteuerung der Waffen benötigen,
um die Schädigung von Nichtkombattanten so gering wie möglich zu halten.
Wir werden moderne Technologien für
die Ausbildung lokaler Streitkräfte
benötigen.
Diese werden sowohl für
die Erlangung politischer Unterstützung vor Ort wie auch für die Unterstützung in den Vereinigten Staaten
und in anderen Ländern des Westens
wichtig sein.
Die Nord- und Südflanke der NATO
besitzen eine schwächere Verteidigung
als die Mitte.
Von entscheidender
Bedeutung für die Verteidigung der
Mitte sind beide jedoch politischen
Problemen unterworfen, die die rechtzeitige Heranführung von Verstärkungen behindern.
Die Verteidigung der
Nordflanke hängt entscheidend von der
schnellen Verstärkung aus den Vereinigten
Staaten
und
den
anderen1
NATO-Ländern ab; zunehmende Beschränkungen von Aktivitäten der Vereinigten Staaten und der NATO insgesamt iri
Norwegen begrenzen unsere Fähigkeit
zur raschen Entfaltung militärischer
Macht zur Verteidigung der Region.
Im Süden besitzt die Türkei sowohl
für die Verteidigung amerikanischer
und
anderer
Marinestreitkräfte
im1
östlichen Mittelmeer wie auch für die
Verteidigung
unserer Interessen am
Persischen Golf eine Schlüsselfunktion.
Der entscheidenden Bedeutung
der Türkei sollte durch verstärkte
Militärhilfe seitens der Vereinigten

- 12 -

�Staaten und anderer NATO-Länder sowie
auch seitens Ländern wie Japan Rechnung getragen werden, die lebenswichtige Interessen in den Gebieten haben, zu deren Verteidigung die Türkei
beitragen würde.
Im Persischen Golf selbst müssen
die bei der Erlangung rechtzeitigen
Zugangs bestehenden großen Entfernungen und politischen Schwierigkeiten
überwunden werden, um eine glaubwürdige Verteidigung der Region aufzubauen.
Technologische Verbesserungen
sowie eine größere Bereitschaft der
Verbündeten, die politischen Risiken
bei der Erlangung dieses Zugangs zu
teilen, würden unsere Fähigkeiten zur
Abschreckung von Angriffen erheblich
stärken.
Südkorea und Japan werden zunehmend in der Lage sein, sich selbst
gegen eine konventionelle Invasion zu
verteidigen.
Die amerikanische Präsenz In beiden Staaten trägt nicht
zuletzt deshalb zur Abwendung möglicher Gefahren, wie etwa einer sowjetischen (oder chinesischen) Invasion
oder der Anwendung von Atomwaffen
bei, weil sie ebenfalls von großer
Bedeutung für die Stärkung unserer
Fähigkeit ist, rechtzeitig Bedrohungen in anderen Gegenden des Pazifiks
entgegenzutreten.
Seit langem entspricht es der Politik
des Atlantischen Bündnisses,
daß wir im Falle des Versagens nichtatomarer
Streitkräfte
bereit
sein
müssen, atomare Machtmittel einzusetzen, um eine konventionelle Invasion
aufzuhalten. Diese Machtmittel sollten jedoch wirksam und selektiv sein
- unter Kontrolle gehalten werden und
keinen selbstmörderischen Bluff darstellen. In jedem Fall benötigen wir
die Fähigkeit, mögliche Atomangriffe
auf die Streitkräfte der Vereinigten
Staaten und der Verbündeten abzu-

schrecken. Dies sollte eine stärkere
Rolle bei der Verteidigung gemeinsamer Interessen außerhalb nationaler
und
Bündnisgrenzen
einschließen,
wenn, wie im Persischen Golf, entscheidende Interessen der Verbünden
eindeutig mit den unsrigen übereinstimmen. Eine größere nukleare Rolle
bei der Verteidigung anderer europäischer Verbündeter, wie sie für
Briten
und
Franzosen
vorgeschlagen
wurde, wird wie In unserem Fall eine
wirksame
und
selektive
atomare
Streitmacht erfordern, die zur Niederwerfung einer sowjetischen Invasion in Bündnisterritorium einsetzbar
ist.
Franzosen und Briten besitzen
Optionen in dieser Richtung.
Die
einheitliche
Nutzung
von
Ressourcen für die Sicherheit.
Bei
der Einführung
von Waffensystemen,
die zur Bewältigung der zunehmend fähigen Streitkräfte
der Sowjetunion
und weniger starker Gegner in der
Dritten Welt benötigt werden, ergaben
sich in der Vergangenheit Verzögerungen.
Wie
die
Packard-Kommission
feststellte, hingen diese Verzögerungen mit der bürokratischen und sporadischen Bewilligung von Mitteln für
Beschaffung, Forschung und Entwicklung sowie unzulänglicher angemessener und frühzeitiger Erprobung zusammen. Um diese Verzögerungen zu überwinden, sollten wir die Prototypenentwicklung und die Erprobung von Systemen beschleunigen, durch die unsere Streitkräfte vielseitiger und selektiver gestaltet würden.
Ebenso wichtig werden jedoch klar
umrissene "Anforderungen" sein, die
mit
einer einheitlichen
nationalen
Strategie zusammenhängen.
Auf einer
Langzeitstrategie beruhende "Anforderungen" sind entscheidend, um einen
vorgegebenen Haushalt optimal zu nutzen.

- 13 -

�Die um sich greifenden latenten
Gefahren, die von uns und unseren
Verbündeten zu bewältigen sind, geben
keinen Anlaß zu der Annahme, daß wir
unser heutiges Niveau des Verteidigungsetats sicher halten, geschweige
denn reduzieren können. Wenn jedoch
knappere Budgets ein zunehmendes R i siko mit sich bringen, so sollten wir
kurzfristig bei den unwahrscheinlichen extremen Angriffen ein größeres
Risiko in Kauf nehmen, um das Risiko
von wahrscheinlicheren Konflikten in
Gegenwart und Zukunft zu verringern.
Statt der Beschaffung verschiedenartiger großer "Plattformen" Priorität
einzuräumen, sollten wir die stetige
Verbesserung von Sensoren sowie Führungs- und Aufklärungsmitteln anstreben, durch die die Effektivität unserer Schiffe und Flugzeuge vervielfacht werden kann.
Daneben müssen
wir die Ressourcen bereitstellen, die
zur
Aufrechterhaltung
von
Ausbildungsstand, Moral und den hervorragenden Führungsqualitäten der Männer
und Frauen in den Streitkräften benötigt werden.
Rüstungskontrollabkommen und das
weiterbestehende
Problem,
militärische Macht rechtzeitig und selektiv
gegen Aggressionen
zum Einsatz zu
bringen.
Sorgfältig
ausgearbeitete
und durchsetzbare Rüstungskontrollabkommen können zur Verminderung des
Kriegsrisikos
beitragen, indem sie
militärische
Bedrohungen
für
eine
Reihe von Eventualfällen verringern
und gleichzeitig unsere Fähigkeit zur
selektiven
und wirksamen Anwendung
von Gewalt erhalten oder verbessern.
Jüngste Vorschläge der Sowjets und
mancher im Westen, die Erprobung von
Raketen, atomaren Gefechtsköpfen, Satellitenabwehrsystemen
und
aktiven
Verteidigungssystemen
einzustellen,
gingen von der Voraussetzung aus,
dies würde den qualitativen Rüstungswettlauf bremsen, der angeblich wi-

derum den quantitativen Rüstungswettlauf antreibt. Solche Beschränkungen
würden jedoch gerade die gegenteilige
Wirkung der beabsichtigten haben; sie
würden die Schaffung eines glaubwürdigen
Abschreckungspotentials
erschweren. Wie schon an anderer Stelle des vorliegenden Berichts ausgeführt wurde, könnte ein sorgfältig
ausgearbeitetes Abkommen über Selbstverteidigungszonen
im Weltraum den
Schutz
weltraumgestützter
Sensoren
sowie Führungs- und Kommunikationssysteme
erleichtern.
Ein
Abkommen,
durch das der sowjetische Vorsprung
bei den nichtatomaren Streitkräften
drastisch reduziert würde, ist von
führenden
Persönlichkeiten
beider
amerikanischen Parteien und von vielen namhaften Europäern vorgeschlagen
worden.
Sein Zweck würde darin bestehen, die Fähigkeiten von NATO und
Warschauer Pakt zum rechtzeitigen und
wirksamen Einsatz von Streitkräften
an kritischen Gefahrenpunkten einander anzugleichen.
Damit würden die
auf geographischen Gegebenheiten und
den größeren Anstrengungen der Sowjets im konventionellen Bereich beruhenden
grundlegenden
Asymmetrien
zwischen Ost und West behandelt.
Die im vorliegenden Bericht empfohlene Strategie sollte als Leitlinie für Rüstungskontrollverhandlungen
sowie für nationale und Bündnisentscheidungen über Verteidigung dienen.
Eine solche Strategie der selektiven
Verteidigung scheint jedenfalls langfristig eher in der Lage zu sein, eine Gemeinsamkeit der Interessen mit
Gegnern aufzubauen als rücksichtslose
Drohungen mit der Auslöschung ihrer
Bevölkerung.
Unsere
Rüstungskontrollpolitik muß einheitlich mit einer lebensfähigen langfristigen Strategie des Bündnisses verbunden sein.

- 14 -

* * * * *

'

&lt;

*

�^e°s7&gt;

VON

AMERIKA DIENST
4

Wissenschaft und Technik
20. Januar 1988

NASA GEHT AUF SICHERHEIT
- Shuttle-Start eventuell Im August -

WASHINGTON - (AD) - Nach dem gegenwärtigen Stand der Unter.TUchungc i z.-.-a
Bruch eines Halterings am Schwenkmechanismus der Feststoff raketend.'ise kann
frühestens in etwa drei Wochen näheres zu den Startplänen für dt»n Riumtransporter DISCOVERY gesagt werden. Auf einer Pressekonferenz am 11. Januar 1988
erklärte Richard Truly, NASA-Direktor für den bemannten Raumflug, daß jetzt
günstigstenfalls ein Termin im August 1988 in Frage käme.

Wie die Auswertung des Brenntests
vom 23. Dezember 1987 inzwischen ergab, ist der Ring eine oder zwei Sekunden nach Beendigung des Tests gebrochen.
Er hält einen Hitzeschild
zum Schutz des Schwenkmechanismus für
die Düse, der zum Steuern der Trägerrakete während der ersten beiden Minuten nach dem Start dient. Wie Vertreter der US-Behörde für Luft- und
Raumfahrt (NASA) erklärten, würde ein
Vorfall dieser Art bei einem Start
den
Ablauf
nicht
beeinträchtigen.
Aber die Beschädigung des Ringes insbesondere
das Aufbrechen
seiner

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Schichtenstruktur infolge der extremen Hitze - erfordere technische Änderungen.
Truly zufolge konnte die NASA das
Haltering-Problem
verhältnismäßig
schnell klären, weil eine im August
letzten Jahres erfolgreich erprobte
Alternativ-Ausführung
zur
Verfügung
stand. Bei dem gebrochenen Ring habe
es sich um eine neuere Version gehandelt, von der man sich weitere Verbesserungen
versprochen hatte.
In
den kommenden Wochen müsse geklärt
werden, welche Ausführung zufrieden-

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�stellender funktioniere. Die im März
beginnenden weiteren Tests, so ein
NASA-Sprecher, dürften den Ingenieuren die Möglichkeit geben, alle noch
offenen Probleme zu lösen - ob sie
den Haltering oder andere Teile beträfen.
Mit der Ursache für die Explosion
der Raumfähre CHALLENGER im Januar
1986 hat die jetzt beobachtete Fehlfunktion des Halterings nichts zu
tun. Damals wurde durch einen undichten 0-Ring am Verbindungsteil
zwischen zwei Segmenten der Feststoffrakete die Katastrophe ausgelöst. Die NASA und ihre Vertragsfirmen haben seitdem daran gearbeitet,
dieses Problem auszuschalten und die
Konstruktionen insgesamt zu verbessern. Die bisherigen Testergebnisse,
das
Haltering-Problem
ausgenommen,
seien "ausgezeichnet", sagte Truly;
auch hätten alle Haupttriebwerke die
Zulassungstests
für
den
nächsten
Raumtransporter-Flug bereits bestanden. NASA-Administrator Dr. James C.
Fletcher wies auf der Pressekonferenz
Behauptungen zurück, der Starttermin
könne unter Umständen von politischen
Erwägungen im Zusammenhang mit den
Präsidentschaftswahlen
beeinflußt
werden.
Denn "Flugbereitschaft bedeutet, daß der Raumtransporter nur
dannfliegen wird, wenn er so sicher
ist, wie wir ihn machen können".
Sicherheit sei, wie die NASA auch
als Reaktion auf den von ihrer internen Ad-hoc-Kommission verfaßten Bericht feststellte, seit der Katastrophe vom 28. Januar 1986 oberstes
Gebot. Diese Kommission hatte sich
z.T. kritisch zu den Sicherheitsmaßnahmen der NASA geäußert und 72 Empfehlungen vorgelegt.
Ihr Bericht
gründete sich auf Informationen aus
der Zeit zwischen November 1986 und
Februar 1987.
Er wurde im August
1987 dem NASA-Management

Die Veröffentlichung am 5. Januar
1988 erfolgte, nachdem Auszüge aus
dem Bericht durch einen Artikel in
einer in Atlanta (Georgia) erscheinenden Zeitung publik geworden waren.
Auf alle in dem Bericht angesprochenen Fragen sei die NASA direkt
eingegangen, verlautete jetzt. Fast
alle empfohlenen Änderungen, auf die
übrigens auch die Rogers-Kommission
und Kongreß-Ausschüsse aufmerksam gemacht hatten, seien zur Zeit der Ausarbeitung des Berichts bereits im
Gang gewesen oder seien inzwischen
durchgeführt worden.
Mit einem speziellen Problem, das
mit der Montage zusammenhänge, werde
man sich jetzt noch eingehender befassen:
Eine geringe Menge heißen
Gases sickerte beim Brenntest im Dezember durch eine geklebte Sperre
zwischen zwei Isolierelementen und
drang bis zu einem Cummi-0-Ring im
Düsenteil vor. Der Ring hatte das
Gas abgeblockt und wies selbst keinerlei Beschädigungen auf.
Jedoch
sei es sehr wünschenswert, wurde bei
der NASA erklärt, daß die Konstruktion der Verbindung zwischen
Düse
und Mantel ein Durchsickern heißen
Gases zum O-Ring verhindere, selbst
wenn dieser O-Ring nicht die Funktion
einer Dichtung habe. Winzige Gas-Kanäle durch die Klebesperre bildeten
sich dann, wenn kleine Mengen Luft,
die während der Montageprozesse im
System eingeschlossen werden, freigesetzt würden. Um die Möglichkeit des
Lufteinschlusses zu verringern, werde
man nun die Arbeitsgänge bei der Montage weiter verbessern.

zugeleitet.

- 2 -

* * * * * *

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Kampelman: Vereinigte Staaten zu Halbierung strategischer Waffen bereit&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung zur Wiederaufnahme der NST-Gespräche&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Der INF-Vertrag: die richtigen Lehren ziehen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Richard R. Burt&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Empfehlungen zur langfristigen Sicherheitsstrategie&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Bericht über "selektive Abschreckung"&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;NASA geht auf Sicherheit&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Shuttle-Start eventuell im August&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST
'VON

^

13. Januar 1988

I N H A L T

DOKUMENTATION
Reagan;

Technologie schafft weltweite "Wirtschaft der Zukunft'

- Rede des Präsidenten vor dem City Club in Cleveland -

INFORMATION
Hoher Offizier und Abrüstungsexperte als Leiter der ACDA nominiert
- Kurzbiographie von William Burns -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Eldorado der biomedizinischen Forschung
- "National Institutes of Health" - Magnet für Wissenschaftler
aus aller Welt -

* * * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

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Telex: 8-85432

�AMERIKA DIENST
'VON

Dokumentation

4

2

13. Januar 1988
REAGAN:

TECHNOLOGIE SCHAFFT WELTWEITE "WIRTSCHAFT DER ZUKUNFT"

- Rede des Präsidenten vor dem City Club in Cleveland WASHINGTON - (AD) - Präsident Reagan ist der festen Überzeugung, daß eine
neue weltweite "Wirtschaft der Zukunft" im Entstehen begriffen ist, in der
"der Intellekt die Materie ersetzt" und "Erfindungen des Menschen Rohstoffe
überflüssig machen".
In einer Ansprache vor dem City Club in Cleveland erklärte Reagan am 11.
Januar 1988, diese neue Wirtschaft werde durch das explosionsartige Anwachsen
technologischer Erfindungen angetrieben, die durch ein weltweites Netz von Investitionen und Kommunikationsmitteln verbunden werden. Im neuen Zeitalter
des Informationswesens seien die weltweiten Investitionsströme dorthin gerichtet, wo die größte Stabilität und die meisten Chancen bestehen, und "in überwältigendem Maß fließen diese in die Vereinigten Staaten".
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede des Präsidenten in leicht gekürz
ter Fassung:

Ich möchte zu Ihnen über einen
Bereich sprechen, für den Freiheit
ebenso unabdingbar ist wie für die
Rede, einen Bereich, in dem sie mit
den Jahren ständig an Bedeutung gewinnen wird. Hiermit meine ich die
sich entwickelnde Wirtschaft der Zukunft, eine Wirtschaft voll großer
Herausforderungen und noch größerer
Chancen, wenn wir nur den Mut haben,
sie anzunehmen, die Vorurteile und
Engstirnigkeit der Vergangenheit über
Bord zu werfen und uns der wirtschaftlichen Freiheit in der ganzen
weit zu öffnen.

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Ich sprach soeben von der Wirtschaft der Zukunft, dabei nimmt diese
schon heute in Geist und Vorstellungen von Unternehmern rund um den Globus Gestalt an.
Sie entsteht in
kleinen und großen Unternehmen, in
Fabriken und Universitäten, in Forschungs- und
Entwicklungszentren.
Angetrieben vom explosionsartigen An
wachsen technologischer Erfindungen
und verbunden durch ein weltweites
Netz von Investitionen und Kommunika
tionsmitteln, verwandelt sie unser
Leben mit solch atemberaubender Ge
schwindigkeit, daß der sogenannte

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D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�"gesunde
Menschenverstand"
kaum
Schritt halten kann.
Die dramatischen Veränderungen, deren Zeugen
wir bisher geworden sind, stellen jedoch lediglich eine schwache Andeutung dessen dar, was noch folgen wird.
Ich werde sogleich auf die praktischen und unmittelbaren Auswirkungen auf unsere Wirtschaft zu sprechen
kommen, zunächst muß man jedoch verstehen, daß diese technologische Revolution in grundlegender Weise auch
eine moralische Revolution bedeutet.
Im Kern bedeutet sie eine Absage an
die Ratschläge der Verzweiflung, wie
wir sie in den siebziger Jahren so
häufig gehört haben.
Erinnern Sie sich noch an die
siebziger Jahre? Eine Zeit grassierender Inflation, exzessiver Besteuerung und wahnwitziger Zinsen, eines
Einbruchs beim Produktivitätswachstum
und stetiger Erosion der Investitionsanreize.
Aber noch übler als die Statistiken war eine Art Zusammenbruch des
Vertrauens.
In jenen Jahren machte
der Westen eine Erfahrung, die sich
nur als Vertrauenskrise im Hinblick
auf seine grundlegendsten Werte beschreiben läßt.
Zunehmend war von
einer sogenannten "Konvergenz" zwischen freier Welt und kommunistischem
Block die Rede. Manche behaupteten,
unsere Freiheiten seien ein Luxus,
den wir uns nicht mehr leisten könnten. Experten sprachen von begrenzten Ressourcen in einer schrumpfenden
Welt. In dieser Zukunft der Knappheit, so wurde uns gesagt, müßten die
freien Nationen einen zunehmenden
Teil ihrer wirtschaftlichen und politischen Freiheiten opfern und ein Anwachsen staatlicher Kontrolle hinnehmen.

Das amerikanische Volk erteilte
diesem Rat der Verzweiflung eine Abfuhr.
Es erkannte, daß die Krise
nicht die Werte betraf, sondern die
Führung, die nicht mehr an sie glaubte. Und es verlangte die Rückkehr zu
unseren Grundprinzipien - jenen Prinzipien der Freiheit und des Unternehmertums -, die dieses Land immer so
groß gemacht hatten.
Nun, der Weg zurück ist heute gut
dokumentiert: Wir senkten die Steuern, bezwangen die Inflation und befreiten unsere Wirtschaft von einschränkenden Vorschriften - und setzten dadurch die schöpferischen Energien des amerikanischen Volkes frei.
Das Ergebnis hätten sich die "Experten" vor acht Jahren niemals träumen
lassen:
etwa 14,5 Millionen neuer
Arbeitsplätze - mehr Arbeitsplätze
als in Europa und Japan zusammengenommen. Allein im vergangenen Jahr
wurden drei Millionen neuer Arbeitsplätze geschaffen.
Das Beschäftigungsniveau, der Prozentsatz aller
beschäftigten Amerikaner über 16 Jahre, befindet sich auf Rekordhöhe.
Gerade hier in Cleveland fiel unter
Bürgermeister Voinovich die Arbeitslosenrate von 15 Prozent im Jahr 1979
auf unter zehn Prozent. Landesweit
stieg
die
Beschäftigungsrate
der
Schwarzen seit November 1982 um 26
Prozent, mehr als das Doppelte der
Zunahme unter den Weißen. Der Wirtschaftskolumnist Warren Brookes betrachtete diese Bilanz und kam zu
folgendem Schluß: "An jeder Front Arbeitsplätze,
Einkommen,
selbst
Wohlstand der Haushalte - waren diese
Jahre 1981 bis 1986 wirtschaftlich
die besten fünf Jahre in der Geschichte der Schwarzen."
Die Gründung neuer Unternehmen
erlebt weiterhin einen starken Aufschwung.
Die Arbeitsproduktivität,
ein Maßstab für die Solidität der

- 2 -

�Wirtschaft, hat den Rückgang der
siebziger Jahre überwunden und erreicht jetzt historische Zuwächse:
durchschnittlich fünf Prozent jährlich seit 1982 - mehr als das Anderthalbfache des Durchschnitts der Nachkriegszeit.
So eindrucksvoll diese
Zahlen auch sein mögen, so tragen sie
doch mehr zur Vernebelung als zur Erhellung dessen bei, was den wahren
Charakter unserer Fortschritte ausmacht. Der Wandel, ist qualitativer,
nicht quantitativer Natur. Wir beschleunigen nicht lediglich die Prozesse der Industriellen Revolution wir gestalten sie grundlegend um.
Lassen Sie mich Ihnen nur ein
Beispiel nennen, den Halbleiter oder
Computer-Chip.
Ein Wissenschaftler
stellt den folgenden Vergleich an:
Wäre die Technologie im Automobilbau
in den vergangenen 20 Jahren so rasch
vorangeschritten wie die Halbleitertechnologie, so würde ein Rolls Royce
heute weniger als drei Dollar kosten,
mit einer Gallone Treibstoff drei
Millionen Meilen weit fahren, genügend Kraft entfalten, um einen Ozeandampfer anzutreiben, und sechs davon
fänden auf dem Kopf einer Stecknadel
Platz.
Dies ist mehr als ein explosionsartiges Anwachsen der Produktivität mit Operationen in der geheimnisvollen Welt der Quantenphysik signalisieren die Computer von heute einen
Quantensprung in der Weltwirtschaft.
Mit hoher Geschwindigkeit bewegen wir
uns von der Wirtschaft der Industriellen Revolution - einer Wirtschaft, die aus den Rohstoffen der
Erde gespeist wird und an diese gebunden ist - zur, wie es ein Wirtschaftswachswissenschaftler im Titel
seines Buches ausdrückte, Wirtschaft
des Geistes, in der menschliches Vorstellungsvermögen und schöpferische
Freiheit die kostbarsten Rohstoffe

sind.
Denken Sie noch einmal an diesen
kleinen Computer-Chip.
Jene Chips,
die treibende Kraft der modernen
Wirtschaft, werden aus dem in Sand
enthaltenen Silikon hergestellt, einer der weitverbreitetsten Substanzen
der Erde. Ihr Wert rührt nicht vom
Material her, aus dem sie bestehen,
sondern von der mikroskopisch kleinen
Architektur, zu der sie durch genialen menschlichen Intellekt geformt
wurde.
Zunehmend ersetzt in dieser neuen
Wirtschaft der Intellekt die Materie,
machen Erfindungen des Menschen Rohstoffe überflüssig.
Denken Sie zum
Beispiel an eine typische per Satellit übertragene Fernsehsendung, wie
etwa das Spiel der Browns vom Samstag. Dieser Satellit - ein Produkt
menschlichen Erfindergeistes - ersetzt Tausende von Tonnen Kupfer, die
aus der Erde geschürft und zu Draht
verarbeitet werden müssen.
Anstatt in einer Welt schrumpfender Rohstoffe eingesperrt zu sein,
sind wir im Begriff, über diese hinauszuwachsen, in ein neues Zeitalter
scheinbar grenzenloser Horizonte einzutreten.
Dies ist eine gute Nachricht für
die Menschheit - jedoch eine schlechte Nachricht für die Planwirtschaft.
Der zentral gelenkte Staat kann Me
talle abbauen oder Öl aus der Erde
pumpen.
Zwar weniger effizient als
eine freie Wirtschaft, kann er doch
große Fabriken und Fertigungsbänder
betreiben. Er kann jedoch nicht den
Unternehmergeist freisetzen. Er kann
nicht die Produkterprobung
freier
Märkte nachahmen, die Fülle von Experimenten, die Wissen und Fortschritt
erbringt. Keine Regierung kann den
Unternehmer hervorbringen oder diesen

- 3 -

�Funken des Erfindergeistes entzünden.
Alles, was Regierungen tun können,
ist, ihren Bürgern den Weg zu ebnen ihnen die Freiheit des Intellekts zu
geben.
Eine kürzlich erschienene Ausgabe
des Magazins "Fortune" faßte dies in
einem Beitrag mit dem Titel "Der Tod
des Sozialismus" zusammen.
Selbst
sozialistische Regierungen in Westeuropa senken heute die Steuern, während die Sowjetunion in dem Versuch,
nicht noch weiter zurückzufallen,
nach Wirtschaftsreformen strebt.
Vor über einem Jahrhundert prophezeite der englische Wirtschaftswissenschaftler und Philosoph John
Stuart Mill, der Wettbewerb zwischen
sozialistischen und freien Marktwirtschaften würde letztlich dadurch entschieden, welches System "im Einklang
mit dem größten Maß an menschlicher
Freiheit und
Spontaneität" stehe.
100 Jahre danach kennen wir das Ergebnis.
Sozialistische und kommunistische Systeme haben ihre Freiheiten aufgegeben, und alles was sie mit
ihrem Opfer erkauft haben, sind Stagnation und Leid.
Anstatt Konvergenz stellen wir
also eine zunehmende Divergenz zwischen Freien und Unfreien fest. Dirigistische Wirtschaftssysteme stagnieren, während die Länder des freien
Marktes und der niedrigen Steuern mit
Riesenschritten in ein neues Zeitalter des Wachstums eintreten - in eine
neue Weltwirtschaft.
Noch stärker als in der Vergangenheit ist diese neue Weltwirtschaft
die Wirtschaft einer Welt.
Unter
Führung der Amerikaner haben Unternehmer ein weltweites elektronisches
Netz geschaffen, das 24 Stunden täglich einsatzbereit ist und annähernd
mit
Lichtgeschwindigkeit
Kapital,

Ideen, Waren und Dienstleistungen
rund um die Welt in Bewegung hält.
Forschung, Entwicklung, Produktion,
Marketing und Investitionstätigkeit
finden heute auf weltweitem Niveau
statt.
Nehmen Sie zum Beispiel die Firma
Boeing.
Mit Hauptsitz in Seattle
baut sie den Rumpf ihrer neuen 76 7
mit Komponenten aus Japan und Ita
lien, die Triebwerke werden von ame
rikanischen Arbeitnehmern in Ohio mit
Teilen aus Schweden, Frankreich, der
Bundesrepublik Deutschland und Italien zusammengebaut. Oder nehmen Sie
zum Beispiel Honda. Das Unternehmen
baut heute Automobile in Marysville,
Ohio, die in Taiwan verkauft werden,
und prüft gegenwärtig die Möglichkeit, seine in den Vereinigten Staaten hergestellten Automobile in Japan
zu verkaufen.
In dieser neuen Weltwirtschaftsordnung werden nationale Grenzen zunehmend überflüssig. In diesem neuen
internationalen Zeitalter des Informationswesens folgen Unternehmer dem
Fluß ihrer Investitionen und diese
fließen dorthin, wo die größte Stabilität herrscht, sich die besten Möglichkeiten abzeichnen - in überwältigendem Maße fließen sie in die Vereinigten Staaten.
Wir sind uns der Diskussion über
das Handelsdefizit bewußt, sollten
uns jedoch vor einfacher Buchführung
hüten.
Die Habenseite belegt, daß
dank
der
wachsenden,
dynamischen
Wirtschaft der Vereinigten Staaten
159 Milliarden Dollar an ausländischem Kapital ins Land geflossen
sind. Handelsdefizite und der Zufluß
ausländischen Kapitals
sind nicht
notwendigerweise ein Anzeichen wirtschaftlicher Schwäche.
Während der
ersten 100 Jahre der Geschichte unse
rer Nation, als wir uns von einer Ag-

- 4 -

�rarkolonie zur industriellen Führungsmacht der Welt entwickelten,
hatten die Vereinigten Staaten ein
Handelsdefizit zu verzeichnen. Heute, da wir die führende Stellung in
dem weltweiten Wandel vom Industriezum Informationszeitalter einnehmen,
ziehen wir immer noch Investitionen
aus der ganzen Welt an.

Mexiko hat einen Handelsüberschuß bei
Waren zu verzeichnen. Der Handel der
Vereinigten Staaten, die stets eine
Lokomotivfunktion bei der Ankurbelung
der Wirtschaft erfüllt haben, befindet sich in den roten Zahlen, da wir
dank unserer wachsenden Wirtschaft in
der Lage sind, die Waren der anderen
zu kaufen.

Einige bezeichnen dies als Verschuldung. Dieser Denkweise zufolge
wäre jedoch jede Gelegenheit, bei der
ein Unternehmen Aktien verkauft, ein
Anzeichen von Schwäche und es wäre
sehr viel besser, ein Unternehmen zu
leiten, in das niemand investieren
möchte als eines, in das jeder investieren will. Nehmen wir zum Beispei 1 die Hochtechnologie und das
schnelle Wachstum
in Kalifornien.
Milton Friedman zufolge stellt die
Verschuldung Kaliforniens gegenüber
anderen Bundesstaaten und dem Ausland
die Auslandsverschuldung der Vereinigten Staaten mit an Sicherheit
grenzender Wahrscheinlichkeit weit in
den Schatten. Ist dies ein schlechtes Omen für Kalifornien? Im Gegenteil, man könnte sagen, es ist ein
Anzeichen von Stärke.

Diese
Ungleichgewichte
sollten
jedoch im Verlauf der Zeit reduziert
werden, und hier bieten sich zwei
Möglichkeiten an: Wir können uns wie
die anderen verhalten oder sie wie
wir. Wir können die Steuern erhöhen,
erneut Wirtschaftsbeschränkungen einführen und eine protektionistische
Gesetzgebung der Art verabschieden,
wie sie jetzt im Kongreß erörtert
wird.
Solche Maßnahmen werden das
Wachstum dieser Nation wirksam verlangsamen und
den internationalen
Handel lähmen. Wir werden die Produkte der anderen nicht kaufen können
und zweifelsohne wird niemand den
Wunsch hegen, Investitionen in unserem Land zu tätigen. Die Weltwirtschaft kann dann gemeinsam schrumpfen
und wir können uns schon jetzt auf
die Rufe der Experten gefaßt machen,
die dann zum wiederholten Male "Konvergenz" und die "Grenzen des Wachstums" predigen.

Historisch gesehen haben schnell
wachsende Wirtschaften häufig ein Defizit der Leistungsbilanz bei gleichzeitigen
Nettokapitalinvestitionen
aus dem Ausland zu verzeichnen. Dieser vorhersehbare und bis zu einem
gewissen Grad wünschenswerte Prozeß
ist durch das langsame Wachstum in
einigen Teilen Europas und die Notwendigkeit der hochverschuldeten Länder der Dritten Welt, für ihren
Schuldendienst Handelsüberschüsse zu
erwirtschaften, noch verschärft worden. Die Bundesrepublik Deutschland
hat in den vergangenen zehn Jahren
eine halbe Million Arbeitsplätze verloren und dennoch im Warenhandel einen Überschuß zu verzeichnen. Auch

Die andere Lösung wäre, daß sie
sich wie wir verhalten und eine Politik der niedrigen Steuern und der
Wachstumsförderung
verfolgen.
Den
Handel ermutigen, statt zu entmutigen
- ihn freier, fairer und vielfältiger
gestalten. Gemeinsam mit den anderen
Nationen an einem kooperativen Aufwärtstrend des Wachstums mitzuarbeiten, an dem alle teilhaben. Die Möglichkeiten der neuen Weltwirtschaft
ausschöpfen.
In der Tat können wir dies bereits beobachten. Einige der führen-

- 5 -

�den Industrienationen sind dem Beispiel der Vereinigten Staaten gefolgt
und haben zur Ankurbelung des Wachstums die Grenzsteuersätze gesenkt.
Diese Änderungen und andere Marktkräfte haben schon jetzt eine starke
Nachfrage nach amerikanischen Exporten ausgelöst - bei erwartetem anhaltendem Wachstum.
Ich möchte damit nicht behaupten,
daß es keine Probleme gibt - das Problem, das selbst ein Blinder ausmachen kann, ist das amerikanische
Haushaltsdefizit. Dieses Defizit ist
peinlich und bedauerlich und vielleicht am gefährlichsten, weil es den
vollständigen Zusammenbruch einer der
grundlegendsten Funktionen der Regierung der Vereinigten Staaten signalisiert.
Wir haben jedoch bereits einige
Fortschritte erzielt. Zum ersten Mal
in 14 Jahren hat die amerikanische
Regierung im letzten Jahr verglichen
mit dem Vorjahr in realen Zahlen weniger ausgegeben. Wir haben das Defizit des vergangenen Jahres um 75
Milliarden Dollar verringert und beide Häuser des Kongresses haben mit
mir einen Zweijahresplan zur Reduzierung
des
Defizits
unterzeichnet.
Dies sind Schritte in die richtige
Richtung, die einen ausgeglichenen
Haushalt zur Folge haben werden und
zwar ohne die Härten der linearen
Kürzungen des Gramm-Rudman-Ho11ingsGesetzes.
Aber es bleibt noch viel zu tun.
Wenn wir uns nicht vorsehen, werden
wir erneut in die Fehler der Vergangenheit verfallen - gebrochene Versprechen und ungebremste Ausgaben.
Es ist Zeit, die Wurzel des Problems
anzugehen - es ist an der Zeit, den
funktionsunfähigen
Haushaltsprozeß
wieder in Ordnung zu bringen.

Kurz vor Weihnachten hat der Kongreß ein großes Paket an meiner Tür
abgeliefert. Es war die 1 000 Seiten
umfassende
Haushaltsfortschreibung,
die alle Ausgaben der amerikanischen
Regierung bewilligt. Zum zweiten Mal
nacheinander hat der Kongreß keinen
einzigen der 13 Einzeletats rechtzeitig verabschiedet. Er hat sie nur zu
einer Billionen-Dollar Goldgrube aufgeschüttet .
Wie wäre es mit einem Vorsatz für
das neue Jahr:
ein Haushalt, der
glaubwürdig und zuverlässig ist. Ein
Ausgabenplan, der rechtzeitig vorliegt und durchführbar ist und die
Regierung nicht an den Rand des
Scheiterns bringt. 13 handliche Einzelhaushalte und nicht ein gigantisches Sammelsurium. Ich werde die
sen Vorsatz fassen und hoffe, die 535
Abgeordneten, die Ihre Vertreter im
Kongreß der Vereinigten Staaten sind,
werden sich dies ebenfalls zum Vorsatz machen.
Es gibt noch weitere Änderungen,
mit denen dieser Prozeß erneuert werden kann.
Die Verfassung verleiht
dem Präsidenten das Recht, ein Veto
einzulegen, und dem Kongreß die Be
fugnis, dieses Veto aufzuheben. Als
unsere Vorväter dieses historische
Dokument entwarfen, waren sie sich
des Dilemmas sicherlich nicht gewahr,
in dem sich der Präsident heute be
findet - entweder sein Veto gegen ein
für die Wahrnehmung der Regierungsge
Schäfte notwendiges Haushaltsgesetz
einzulegen oder ein Gesetz zu unterzeichnen, das wenig zur Förderung des
nationalen Wohlstands beiträgt.
Lassen Sie mich einige der bevorzugten Themen des Kongresses aufzählen:
Selbst in dieser Zeit von
Gramm-Rudman, in der unser Verteidigungshaushalt bis aufs äußerste ge
kürzt wird, hat der Kongreß entschie
6 -

�den, daß die Spargelforschung von
vordringlicher nationaler Notwendigkeit ist. Auch für Kernobst wurden
großzügig Mittel bereitgestellt, aber
das große Geld floß in die politisch
kalkulierten Projekte wie Straßen,
Autobahnen, Staudämme.

•

Kein Präsident sollte mit dem Angebot "Alles oder Nichts" konfrontiert werden. Es ist an der Zeit,
dem Präsidenten dasselbe Recht zu gewähren wie den 43 Gouverneuren - ein
selektives Veto. Bis dies geschieht,
wird der Kongreß die Verantwortung
dafür übernehmen müssen, daß ungerechtfertigte Zusatzartikel nicht zum
Bestandteil der notwendigen Gesetze
werden, die mir vorgelegt werden.
Im Verlauf dieser Jahre hat sich
unser Land zur Feier des Jahrestages
der Unterzeichnung und Ratifizierung
unserer Verfassung versammelt.
Je
mehr ich über dieses erhabene Dokument nachdenke, desto eher gelange
ich zu derselben Schlußfolgerung wie
George Washington, daß es sich hierbei um mehr als ein Produkt menschlichen Erfindungsgeistes handelt
daß auch, wie Washington glaubte, die
göttliche Vorsehung ihre Hand dabei
im Spiel hatte.

,

»

Zweihundert Jahre später dient
dieses Dokument nicht nur unserer Nation, sondern der ganzen Welt als
Leitfaden, da wir ins 21. Jahrhundert
eintreten.
Gelegentlich
vergessen
wir, daß der ursprüngliche Zweck der
verfassunggebenden Versammlung darin
lag, eine Lösung für die Handelskonflikte zu finden, die zu jener Zeit
die Vereinigten Staaten entzweiten.
Im Jahr 1787 warnte die Connecticut
Gazette, die Handelskonflikte zwischen Georgia und Virginia könnten zu
einer "Verarmung oder dem verhängnisvollen Zusammenbruch" des Handels in
Virginia führen.
Zwischen einigen

Staaten waren tatsächlich Kämpfe ausgebrochen. Blut war vergossen worden.
Die neue politische Einheit,
die in Philadelphia erzielt wurde,
war vielleicht ebenso bedeutend wie
der wirtschaftliche Durchbruch - die
Grundsätze, die Amerika zur größten
Freihandelszone der Welt machen sollten, zu einer kontinentalen Wirtschaft.
Als die Verfassung niedergelegt
wurde, dauerte es länger von Washington nach Richmond in Virginia zu reisen als heute von Washington nach
Tokio.
Die Anforderungen der neuen
Weltwirtschaft
überschreiten
politische Grenzen. Wie vielen von Ihnen
bekannt sein dürfte, haben Premierminister Mulroney und ich am Wochenende
nach Neujahr ein historisches Freihandelsabkommen zwischen den Vereinigten Staaten und Kanada unterzeichnet - ein Abkommen, das meinen im Innersten gehegten Hoffnungen zufolge
den Weg zu dieser neuen Weltwirtschaft ebnen wird, in der nationale
Grenzen wie die Grenze zwischen den
Vereinigten Staaten und Kanada werden: eher ein Treffpunkt denn eine
Trennungslinie.
Die sich wandelnden wirtschaftlichen Realitäten - deren Produkte
zunehmend in Informationen bestehen,
die mit Lichtgeschwindigkeit um die
Welt übermittelt werden können - diese neuen wirtschaftlichen Realitäten
diktieren die Weltwirtschaft.
Aufgrund unserer Erfahrungen mit der
kontinentalen Wirtschaft sind wir in
einzigartiger Weise dafür geschaffen,
die Welt in ein neues Zeitalter der
wirtschafliehen
Zusammenarbeit
zu
führen und diese "Stadt auf dem Hügel", die Amerika ist, zu einer universellen Stadt zu machen.
Die Losung dieses neuen Zeitalters heißt Freiheit - freies Unter-

- 7-

�nehmertum, freier Handel, Freizügigkeit, die Freiheit zur Emigration.
Freiheit - die Freisetzung der kreativen Energien aller Menschen auf der
Welt. Das ist die Herausforderung,
die sich uns in den achtziger Jahren
stellt. Wir brauchen nur den Mut,
ihr zu begnen.

* * * * *

- 8 -

�AMERIKA DIENST
Information
13. Januar L988

HOHER OFFIZIER UND ABRÜSTUNGSEXPERTE ALS LEITER DER ACDA NOMINIERT
- Kurzbiographie von William Burns -

WASHINGTON - (AD) - Der von Präsident Reagan als neunter Direktor des USAmts für Rüstungskontrolle (ACDA) nominierte Generalmajor Willi.im Btrns jilt
vreithin als Verfechter eines pragmatischen Kurses In der Rüsttngskontrolle.
Gegenwärtig ist Burns zweiter Mann im Büro für militärisch-politische Angelegenheiten im amerikanischen Außenministerium und hat das Amt a'.s Leiter der
Unterabteilung für Rüstungskontrolle inne.

Im Falle seiner Bestätigung durch
den Senat würde Burns der Nachfolger
von Kenneth Adelman als Direktor der
ACDA.
Adelman hatte seinen Posten
nach dem Washingtoner Gipfel vom Dezember abgegeben.
Allgemein gilt Burns im Vergleich
zti seinem Vorgänger als gemäßigter
und weniger umstritten als einige der
wichtigsten Beteiligten am Prozeß der
Rüstungskontrolle.
Burns war an den Verhandlungen
über den von Präsident Reagan und Generalsekretär Gorbatschow während des
Washingtoner Gipfels im vergangenen

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Jahr unterzeichneten IN?-Vertrag beteiligt.
Aus diesem G-und erwartet
man, daß er die Bemühungen der Administration um die Ratif izieiung dieses Vertrags durch den Senat wesentlich unterstützen wird. Die Anhörungen zur Ratifizierung beginnen am 25.
Januar.
Auf dem Capitol Hil L sind Spekulationen laut geworden, denen zufolge
die Nominierung von Burns auf Widerstand
konservativer Mitglieder des
Kongresses
wie
etwa
des
Senators
Jesse Helms treffen könnte.
Demgegenüber erklärte jedoch der Sprecher
des Weißen Hauses Marlin Fitzwater:

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�"Wir sind zuversichtlich, daß er bestätigt wird." Er beschrieb den Nominierten überdies als "hervorragenden Kandidaten".
Senator Clairborne Pell, Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses
des Senats, der über die Nominierung
von Burns abstimmen wird, äußerte die
Meinung, die zivile Rüstungskontrollbehörde solle nicht von einem Militär
geleitet werden. Burns wird jedoch
vor seinem Amtsantritt als Leiter der
ACDA seinen Abschied von der Armee
nehmen und auf seinen militärischen
Rang verzichten.
Dies wird jedoch
nicht vor seiner Bestätigung durch
den Senat geschehen.
Burns wird ebenfalls einen Beitrag zu den weiteren Verhandlungen
zwischen den Vereinigten Staaten und
der Sowjetunion zur Reduzierung der
strategischen Waffen (START) leisten,
wodurch die Zahl der Langstreckenraketen in den Arsenalen der beiden Supermächte verringert werden soll.
Diese Verhandlungen werden am 14. Januar in Genf wiederaufgenommen, wobei
die Unterhändler hoffen, einen zweiten Rüstungskontrollvertrag im Rahmen
des
für
das
Frühjahr
geplanten
Reagan-Besuchs zur Unterzeichnung in
der Sowjetunion vorbereiten zu können.
Im Rahmen seiner bisherigen Verwendungen hat Burns die von Präsident
Reagan 1983 Ins Leben gerufene Strategische Verteidigungsinitiative unterstützt. Mit dem SDI-Programm, das
sich gegenwärtig noch im Forschungsstadium befindet, soll die Bedrohung
durch
ballistische
Raketen abgeschafft werden.
Von November 1981 bis Juni 1984
war der designierte Leiter des US-Rüstungskontrollamtes Delegierter der
Vereinigten Stabchefs bei den INFVerhandlungen in Genf.

Davor hatte er von 1984 bis 1985
erneut eine Verwendung als stellvertretender Kommandant der Carlisle Kaserne in Pennsylvania beim US-Army
War College inne.
Im Februar 1985 kehrte er als Delegierter der Vereinigten Stabschefs
bei der INF-Verhandlungsgruppe
in
Genf ins Pentagon zurück und blieb
bis Dezember 1986 in dieser Position.
General Burns hatte von 1954 bis
heute verschiedene Funktionen im amerikanischen Heer inne; von 1981 bis
1982 war er Direktor der Sondergruppe
für Waffensysteme zur Truppenunterstützung in Fort Sill, Oklahoma; von
1980 bis 1981 diente er als stellvertretender Kommandant der Feldartillerie^chule
der
amerikanischen
Streitkräfte in Fort Sill, von 1978
bis
1980
in
der
Bundesrepublik
Deutschland als Verbindungsoffizier
beim U.S. Army Training and Doctrine
Command in Bonn; von 1976 bis 1978
war er Kommandeur der 42. Field Artillerie Group bei der U.S. Army
Europe und von 1972 bis 1976 Direktor
der wirtschaftspolitischen Abteilung
beim Institut für Studien zur nationalen und internationalen Sicherheit
am Army War College der Carlisle Käse rne.
General Burns schloß sein Studium
am LaSalle College im Jahr 1954 mit
dem B.A. ab; 1969 erwarb er den Magister für internationale Studien von
der Woodrow Wilson School of Public
and International Affairs an der Universität Princeton.
Burns wurde am 23. Juni 1932 in
Scranton, Pennsylvania, geboren. Er
ist verheiratet und hat vier Kinder.
Sein Wohnort ist Fort Myer, Virginia.

- 2 -

* * * * *

�ceoST&gt;

V,DN #

AMERIKA DIENST
Wissenschaft und Technik
13. Januar 1988

ELDORADO DER BIOMEDIZINISCHEN FORSCHUNG
'National Institutes of Health" - Magnet für Wissenschaftler
aus aller Welt -

WASHINGTON - (AD) - Die Freiheit, zu forschen, und ein Arbeitsklima, das
den einzelnen fordert und fördert zugleich, sind offenbar ganz wichtige Voraussetzungen für überragende wissenschaftliche Leistungen. Die Entwicklung
der "National Institutes of Health" (NIH), der Biomedizinischen Forschungsan
stalten der Vereinigten Staaten in Bethesda (Maryland), und die Erfolge ihrer
Mitarbeiter haben dies in den letzten Jahrzehnten überzeugend demonstriert.

An
der. "Gesundheitsinstituten"
sind heute etwa 14 000 Personen beschäftigt. Mehr als 3000 sind Wissenschaftler - aber fast zwei Drittel
von ihnen gehören nicht den medizinischen Fachrichtungen an, sondern
sind Biologen, Biochemiker und Mikrobiologen verschiedenster Spezialisierung. Neuerdings zählen auch Ökologen und Sozialwissenschaftler zur
Kollegenschaft.
Sie alle wissen um
die Besonderheit und um die Vorzüge
ihrer Arbeitsstätte. Zwar locken erheblich besser dotierte Positionen in
der Industrie und an Universitäten.

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Aber die meisten ziehen die Atmosphä
re dieser "vollkommensten Form einer
Alma Mater" vor.
So
jedenfalls
charakterisierte
Dr. Roy Vagelos, ehemaliger NIH-Stipendiat, jetzt Vorstandsvorsitzender
der Fa. Merck &amp; Co., die "National
Institutes of Health" auf der Eröffnungsveranstaltung zu den Hundertjahrfeiern im vergangenen Jahr. Die
se zogen sich bis Ende 1987 hin meist waren es Begegnungen mit ehema
ligen
Kollegen,
insbesondere
mit
Gastforschern aus aller Welt.
Die

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Veranutaltungen hatten aber auch »um
Ziel, der Öffentlichkeit die Schwerpunkte der hier betriebenen Forschungsarbeit und ihre Bedeutung für
die Erhaltung und Wiederherstellung
der Gesundheit zu erläutern. Junge
Menschen bekamen Gelegenheit, sich
über Karrieren in den vielfältigen
Fachgebieten zu informieren, sich
vielleicht auch von der Begeisterung
der "Aktiven" anstecken zu lassen.
Dieses in seiner Art wohl einzigartige Zentrum nahe der Bundeshauptstadt Washington bildet heute einen
der Hauptpfeiler für die Führungsposition Amerikas in der biomedizinischen Forschung.
Es wird ausschließlich mit Bundesmitteln finanziert, ist in der Verwendung der Gelder aber autonom. Und NIH-Direktor
Dr. James B. Wyngaarden wacht mit dem
Verwaltungsgremium darüber, Versuche
zu bürokratischem "Mikromanagement"
von draußen schon im Ansatz abzuwehren.
Die
wissenschaftliche
Aus- und
Weiterbildung von gut einem Drittel
aller Jungakademiker, die sich in den
USA für die immer stärker aufgefächerten Sektoren der Biomedizin spezialisieren, wird von hier aus gefördert.
Wer zumindest zeitweise in
Bethesda arbeiten will, muß durch besondere Leistungen während des Studiums und durch Publikationen bereits
aufgefallen sein. Aus den Instituten
selbst kommen Jahr für Jahr etwa
2 000 neue wissenschaftliche Berichte.
Fast 70 Amerikaner, die seit
1939 mit dem Nobelpreis für Medizin
und Physiologie ausgezeichnet wurden,
erhielten für ihre Arbeiten Unterstützung durch die "National Institutes of Health". Aus den Instituten
in Bethesda selbst sind vier dieser
Laureaten hervorgegangen.

Kur etwa ein Fünftel des Jahresetats, der derzeit 6,2 Milliarden
Dollar beträgt (und den der Kongreß
in der Regel großzügiger bemißt als
die Regierung in ihren Haushaltsansätzen), verbleibt in der Zentrale.
Mit den übrigen Mitteln werden Forschungsvorhaben
einzelner
Wissenschaftler und Laboratorien in anderen
Instituten im Lande, aber auch im
Ausland gefördert. So gehen von den
70 Millionen Dollar, die NIH jährlich
für internationale Aktivitäten bereitstellt, mehr als 30 Prozent an
ausländische Forscher. Das "Fogarty
International Center" fördert die Zusammenarbeit amerikanischer Wissenschaftler mit Kollegen in der ganzen
Welt. Derzeit sind die "National Institutes of Health" an 57 bilateralen
Abkommen mit 32 Ländern beteiligt.
Gastforscher aus dem Ausland und vorübergehend in den USA tätige Wissenschaftler aus mehr als 70 Ländern
leisten gegenwärtig Beiträge zu Untersuchungen auf nahezu jedem Gebiet
der Biomedizin.
Wanda Pifer, die Leiterin der
Auslandsabteilung, berichtet, daß zur
Zeit etwa 1600 ausländische Forscher
in den Laboratorien von Bethesda tätig seien und zwischen einem Jahr und
drei Jahren in den Vereinigten Staaten blieben. Seit 1969 nahmen mehr
als 130 ausländische Gelehrte von internationalem Ruf an dem Programm
"Scholars-in-Residence"
teil,
das
sich als besonders produktiv erwiesen
habe.
So veröffentlichte ein indischer Gelehrter in den letzten zwei
Jahren in Zusammenarbeit mit Forschern in den USA und Indien eine Anzahl wissenschaftlicher Berichte über
die Entwicklung von Lepra-Impfstoffen.
Ein britischer Forscher koordinierte die Arbeit einer internationalen Gruppe zur Entwicklung einer experimentellen Vakzine gegen die erworbene Immunschwächekrankheit AIDS.

- 2 -

�*

*

,
»

Dr. Robert
Gallo vom Nationalen
Krebsinstitut, in dessen Laboratorium
zum ersten Mal HIV-Kulturen gezüchtet
und damit Möglichkeiten zum Studium
der AIDS-Erreger und zur Entwicklung
von Antikörper-Tests geschaffen wurden, firmiert mt seinen Mitarbeitern
als die ":Regenbogen-Koalition" - so
bezeichnet wegen der zahlreichen Nationalitäten, die in der Gruppe vertreten sind.
Zwölf Fachinstitute, mit modernsten Laboratorien und technischen
Hilfsmitteln ausgestattet, dazu eine
Klinik mit 540 Betten, sind Kernelemente der "National Institutes of
Health".
Ihre Bibliothek verfügt
über die umfassendste Literatur der
Welt, was die biomedizinischen Wissenschaften angeht.
Schon in den
sechziger Jahren wurden Datenbanken
für die fortlaufende Aktualisierung
des "Index medicus"-Katalogs benutzt.
Und modernste Mittel der Nachrichtentechnik, einschließlich Satelliten,
werden eingesetzt, um Forschern in
aller Welt jederzeit Zugang zu den in
Bethesda gespeicherten Informationen
zu ermöglichen.
NEH arbeitet mit
1300 ausländischen Forschungszentren
eng zusammen. Für die Auswahl, technische Vorbereitung und Koordinierung
eigener
Studienprojekte
sind
in
Bethesda vier Sonderabteilungen eingerichtet.
In den "klassischen" NIH-Instituten befaßt man sich mit dem Studium
von Krebs unter allen nur erdenklichen Gesichtspunkten, von Herz-,
Lungen- und Blutkrankheiten, von Skelett- , Gelenk- und
Stoffwechselerkrankungen, von Allergien und Infektionen, neurologischen und muskulären
Erkrankungen, von Nieren-, Harnwegsund Hautkrankheiten, von endokrinen
Störungen und solchen der Nahrungsverwertung, mit der Erforschung von
Störungen des Hör-, Sprech- und Seh-

vermögens , mit der menschlichen Entwicklung und der Reproduktionsmedizin. Die Institute für Gerontologie,
die Untersuchung der Gesundheitsbeeinträchtigung durch Umweltbelastungen (dieses Institut ist in Research
Triangle Park, North Carolina, ansässig) und das Nationale Zentrum für
Pflegeforschung kamen erst in jüngerer Zeit hinzu.
Über die meisten
Ausbildungsplätze (fast dreimal mehr
als z.B. im Herz- oder Krebsinstitut)
verfügt das Institut für allgemeine
medizinische Forschung, wo man sich
mit Grundlagenproblernen befaßt - von
der Zellbiologie über Genetik und
Pharmakologie bis zu systemischen Re
aktionen des menschlichen Organismus
auf traumatische Einwirkungen und auf
Anästhesie.
In das Krankenhaus werden Patienten ausschließlich unter Gesichtspunkten der Forschung aufgenommen.
In den Instituten erarbeitet« Therapien für schwer behandelbare oder
seltene
Erkrankungen
werden
hier
erstmals erprobt. Nur durch die Vermittlung ihres Arztes können Patienten aus den USA oder anderen Ländern
nach Bethesda kommen, sofern ihre Erkrankung in den Rahmen der jeweils
laufenden
Forschungsprojekte
paßt.
Ist dies der Fall, können sie mit
kontinuierlicher Betreuung durch ihre
NIH-Ärzte rechnen.
NIH-Forschungsergebnisse
führten
z.B. zur Verringerung von Todesfällen
infolge Herzerkrankungen, Krebs und
Schlaganfall. Die hier entwickelten
Programme zur Gesundheitserziehung,
in denen Rauchen, hoher Cholesterinspiegel und Bluthochdruck als Risikofaktoren erklärt und herausgestellt
sind, führten im Verein mit besserer
medizinischer Versorgung und Vorbeugung bereits zu einem Rückgang der
Todesfälle durch Herzkrankheiten in
Nordamerika um 30 Prozent, in Belgien

- 3 -

�und Japan um 25 Prozent.
Laut Dr. Peter Frommer vom Nationalen Herzinstitut steigt jedoch in
vielen anderen Teilen der Welt die
Sterblichkeitsrate durch Herzkrankheiten eher an. Dies gelte vor allem
für Entwicklungsländer und Länder des
pazifischen Raumes, die mehr und mehr
den westlichen Lebensstil übernähmen.
Japan bilde hier allerdings eine Ausnahme. Auf dem Gebiet der Therapie
haben amerikanische Forscher, wie
Frommer weiter berichtete, den Weg
zur Ausrottung rheumatischer Herzerkrankungen gewiesen. In den USA gebe
es sie so gut wie nicht mehr. Jedoch
zählten sie z.B. in Indien, Ägypten
und vielen Ländern der Dritten Welt
noch immer zu der häufigsten Form von
Herzkrankheiten.
Die Pionierarbeit,
die in Amerika auf dem weiten Feld
der Herzchirurgie geleistet wurde,
bedarf eigentlich gar keiner Erwähnung.
Das 1981 in Angriff genommene
Programm zur beschleunigten Entwicklung neuer Vakzine am Institut für
Allergie
und
Infektionskrankheiten
ist derzeit auf zehn Impfstoffe konzentriert. Sie gelten in erster Linie der Bekämpfung der Malaria, von
Typhus, Streptokokken-Pneumonie und
Infektionen mit Rotaviren. Streptokokken-Pneumonie hat in den letzten
Jahren in den Entwicklungsländern
zahlreiche Todesfälle bei Kindern
verursacht.
Ein Impfstoff für Erwachsene wurde in den USA bereits zugelassen. Aber er ist bei kleinen
Kindern wenig wirksam. Auf dem Gebiet der Rotaviren arbeiten amerikanische und japanische Forscher besonders intensiv. Die Erreger sind für
etwa 50 Prozent viraler Durchfallerkrankungen verantwortlich, die in der
Dritten Welt vielen Kleinkindern den
Tod bringen.

Wissenschaftler der "National Institutes of Health" und japanische
Forscher erzielten außerdem wichtige
Fortschritte
zur
Entwicklung
von
Schluckimpfstoffen
gegen
Cholera.
Bei Versuchen an Freiwilligen zeigte
sich, daß sie immun machen, jedoch
eine leichte Durchfallerkrankung auslösen. Jetzt sucht man nach Möglichkeiten, unerwünschte Nebenwirkungen
auszuschalten.
Cholera, Typhus und
andere, durch die Passagiere von Einwandererschiffen
eingeschleppte
Krankheiten waren übrigens im Jahr
1887 der Anlaß für die Einrichtung
eines kleinen Hygienelabors in einer
Mansarde
des
Marinehospitals
auf
Staten Island (New York), der "Urzelle" der Gesundheitsinstitute.
300
Dollar standen damals Joseph Kinyoun
zur Verfügung, der gerade von einem
Studienaufenthalt in Europa zurückge
kehrt war. Dort hatte er u.a. bei
Robert Koch, dem Begründer der expe
rimentellen Bakteriologie und Entdek
ker der Tuberkulose- und Cholera-Erreger, gearbeitet. Im Jahr 1891 wurde das Labor nach Washington verlegt,
1938
konnten
die
Institute
in
Bethesda bezogen werden.
AIDS ist gegenwärtig ein besonde
rer Schwerpunkt, und Forschungen ame
rikanischer Wissenschaftler, insbe
sondere von der "National Institutes
of Health", zu dieser Krankheit sind
in der ganzen Welt im Gang. Beispielsweise wurde auch der Einsatz
von AZT (Azidothymidin), des ersten
und bisher einzigen Medikaments, das
zur Behandlung AIDS-Kranker entwikkelt und zugelassen ist, an den NIH
erprobt. Aber das heißt nicht, daß
nun andere, als wichtig erkannte Aufgaben in den Hintergrund träten.

* * * * * *

�</text>
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                <text>Amerikadienst 13.01.1988</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Reagan: Technologie schafft weltweite "Wirtschaft der Zukunft"&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede des Präsidenten vor dem &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;City Club in Cleveland&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Hoher Offizier und Abrüstungsexperte als Leiter der ACDA nominiert&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Kurzbiographie von William Burns&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Eldorado der biomedizinischen Forschung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;"National Institutes of Health" - Magnet für Wissenschaftler aus aller Welt&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST
"VoN^

6. J a n u a r 1988

I N H A L T

HINTERGRUNDMATERIAL
Chronologie der Ereignisse In Afghanistan
- Juni bis Dezember 1987 Afghanistan: Acht Jahre sowjetischer Besatzung
- Zusammenfassung eines Berichts des amerikanischen Außenministeriums
Die Aufrüstung der Sandinisten
- Ein Hintersrundbericht Beginn des Wahlprozesses mit Vorwahlen und Parteiversammlungen
- Wichtige Termine im Vorfeld der Wahlen 1988 -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Neuer Impfstoff gegen Typhus
- Gute Schutzwirkung - geringe Kosten - leicht anwendbar -

Themenindex AMERIKA DIENST 1987

* * * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�v^°5*&lt;

VION

AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

4

6. Januar 1988

CHRONOLOGIE DER EREIGNISSE IN AFGHANISTAN
- Juni bis Dezember 1987 -

WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir eine Chronologie der
Ereignisse in Zusammenhang mit der Besetzung Afghanistans durch Streitkräfte
der Sowjetunion; abgedeckt ist der Zeitraum von Juni bis Dezember 1987.

1. Juni
Berichten der Mujahedin an Agence
France Press (AFP) zufolge haben diese einer sechs Tage währenden, intensiven Land- und Luftoffensive sowjetisch-afghanischer Truppen gegen ihre
Stützpunkte in der Ostprovinz Paktia
Einhalt geboten. In der Region Jaji
fand ein Angriff von drei Seiten
statt, und 15 Sowjets wurden getötet,
als bei einem Zusammenstoß sowjetische Luftstreitkräfte die Mujahedin
einzukreisen und ein Lager in Jaji zu
stürmen versuchten. Angaben der Mu-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

jahedin zufolge verloren sie 25 Mann
und einen Kommandanten, Abdul wahab;
es gab 80 Verwundete. Zwei Flugzeuge
und ein Kampfhubschrauber wurden abgeschossen und 150 regierungstreue
afghanische Soldaten gefangengenommen.

2. Juni
Bei einer Bombenexplosion in einem Bazar in Rawalpindi (Pakistan)
wurden 27 Personen - davon sieben
schwer - verletzt. Die Bombe wurde
möglicherweise von Saboteuren des af-

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�ghanischen Regimes gelegt.

11. Juni

3. Juni
In einem Kino in Peshawar (Pakistan) explodierte eine möglicherweise
von Saboteuren des afghanischen Regimes gelegte hochexplosive Bombe. Dabei wurden zwei Menschen getötet und
24 verwundet, fünf davon schwer.
Ein hoher Befehlshaber der Mujahedin in Kandahar, Mohammad Ishaq
alias Lala Malang, Angehöriger der
Hisb-e-Islami Gruppierung des Maulvi
Yunus Khalis, wurde getötet, als eine
Granate
seinen
Kommandostützpunkt
traf.

9. Juni
Westlichen diplomatischen Quellen
zufolge wurden im Monat Mai mindestens 29 sowjetisch-afghanische Militärflugzeuge
abgeschossen,
einschließlich
eines
militärischen
Transportflugzeuges am 29. Mai, in
dem sich möglicherweise 12 afghanische Piloten auf dem Weg von Kabul
zum Luftstützpunkt Bagram befanden.

10. Juni
Mujahedin nehmen eine wichtige
Gebirgsregion im Norden Herats ein,
von der aus die lebenswichtige Straße
von Towraghondi nach Herat zu übersehen ist, die als eine der wichtigsten
Nachschubrouten der im Westen Afghanistans
operierenden
sowjetischen
Streitkräfte gilt. Berichten der Mujahedin an die iranische Nachrichtenagentur IRNA zufolge waren nach 10
Tagen schwerer Kämpfe 15 Dörfer in
der Region befreit.

Radio Kabul berichtet vom Begräbnis des Brigadegenerals Abdul Qayyum
Siddiq, Leiter der politischen Abteilung bei den Streitkräften in der
Provinz Kandahar, mit allen militärischen Ehren. Er wurde erschossen,
als er gerade im Bezirk Arghandab
(Provinz Kandahar) Erklärungen zur
Politik der nationalen Aussöhnung abgab.
An seiner Beerdigung nahmen
hochrangige RegierungsVertreter, unter ihnen der Verteidigungs- und der
Innenminister, teil.
Westlichen diplomatischen Quellen
zufolge könnte eine Rakete der Mujahedin ein militärisches Transportflugzeug des Typs Antonov-26 beschädigt haben, bevor das Flugzeug eine
Notlandung unternahm.
Das Flugzeug
stürzte im Gebiet Shajui (Provinz
Zabul) ab. Alle Insassen wurden getötet, bevor es nach Kandahar zurückkehren konnte.
Normalerweise kann
eine AN-26 40 Passagiere aufnehmen.

14. Juni
Westliche Diplomaten zitieren Berichte, denen zufolge die Mujahedin
in der Nähe von Mazar-i-Sharif einen
weiteren mit einer AN-26 durchgeführten Militärtransport mit 43 Passagieren abgeschossen haben könnten.
15. Juni
Westliche
diplomatische
Kreise
berichten, der Verteidigungsminister
des Regimes, Generalmajor Mahammad
Rafi, habe Kandahar besucht, wo die
monatelange
sowjetisch-afghanische
Kampagne zur Säuberung der Region von
Mujahedin scheinbar nur wenig Fortschritte zeigte, nachdem sie im Juni
nahezu zum Stillstand kam, als eine

- 2 -

�große Zahl von Soldaten des Regimes
desertierte.
Diplomaten berichten,
daß die Armee des afghanischen Regimes seit Beginn der Kampagne vor drei
Wochen möglicherweise 1 000 Mann an
Verlusten zu verzeichnen habe, viele
von Ihnen jugendliche Studenten, die
aus den Schulen und Universitäten Kabuls heraus zwangsverpflichtet wurden.

30. Juni

Der entmachtete afghanische König, Zahir Shah, erklärt in einem in
Paris veröffentlichen Interview, er
sei bereit, ohne persönliche Ansprüche an der "Wiederherstellung der Unabhängigkeit" und "der Freiheiten"
des afghanischen Volkes mitzuarbeiten.
Der französischen Zeitschrift
"Defense Active" berichtet er, "eine
für das afghanische Volk akzeptable
Lösung" sei mit dem sowjetischen
Staatsmann Michail Gorbatschow möglich.

Westliche Diplomaten berichten,
sowjetische Streitkräfte hätten von
Sympatisanten der Mujahedin bewohnte
Gebiete in Kandahar dem Erdboden
gleichgemacht. Sie erklären, entlang
der 26 Kilometer langen Straße zum
Flughafen seien Häuser und Vegetation
eingeebnet worden, um ein Gefechtsfeld zu schaffen. Die Stadtbevölke
rung, vor dem Krieg fast 200 000 Menschen, ist inzwischen auf weniger als
40 000 gesunken.

1. Juli
Radio Kabul berichtet, eine von
Mujahedin gelegte Bombe sei in einem
Bus mit Regierungsangestellten explodiert. Dabei wird eine Person getötet und neun verwundet, zwei davon
schwer.

22. Juni
4. Juli
Westliche Diplomaten berichten,
Studenten und, wie es heißt, Sympathisanten
der
rivalisierenden
Splittergruppen Parcham und Khalq
hätten sich in der Universität von
Kabul ein Gefecht geliefert, bei dem
vier Studenten umkamen, einschließlich des Schwagers von Innenminister
Syed Mohammas Gulabzoi.

26. Juni
Westlichen diplomatischen Quellen
zufolge nehmen sowjetische Streitkräfte die Kampfhandlungen wieder
auf, nachdem es den Streitkräften des
afghanischen Regimes nicht gelungen
war, Mujahedin aus ihren Stützpunkten
in den Paghman-Bergen nur 15 Kilometer westlich von Kabul zu vertreiben.

Zwei möglicherweise von Saboteuren des Kabuler Regimes gelegte hochexplosive Autobomben gehen in einer
belebten Einkaufsgegend in Karachi
(Pakistan) hoch. Dabei werden mindestens 72 Menschen getötet und mehr
als 250 verletzt, unter ihnen Frauen
und
Kinder.
Pakistanische Regierungsbeamte beschreiben den Bombenanschlag als den blutigsten terroristischen Anschlag in der Geschichte Pakistans. Zahlreiche junge Pakistanis
gehen auf die Straße und rufen Parolen gegen die drei Millionen in Pakistan lebenden afghanischen Flücht1inge.

7. Juli
Ein Beamter des amerikanischen
Außenministeriums
erklärt,
afgha-

- 3 -

�nls;
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xuf&lt; Ige pi •' 'n die K; npfhubschrssfber
von L'yp L •;-. 25 jatzt eindeutig eine
geringere Holle boi den Kampfhandlungen.
Sowjet, Lech- afghanische
Flugzeuge
bombardieren das Dorf Gadai im Bezirk
Dajaur (Pakistan). Dabei werden fünf
Menschen, darunter eine Frau und drei
Kinder, getötet und zwei verletzt.

11. Juli
Der Führer des afghanischen Widerstandes, Maulvi Mohammad
Yunus
Khalis von der Hisb-e Island entkommt
nur knapp einem terroristischen Bombenanschlag, der möglicherweise von
der Geheimpolizei des Regimes in Kabul (KHAD) geplant war. Zwei seiner
Mitarbeiter werden von Glassplittern
verletzt und mehrere geparkte Autos
beschädigt, als die in der Nähe eines
Stützpfeilers für das Hauptgebäude
gelegte Bombe explodiert, ohne jedoch, wie beabsichtigt, das Gebäude
zum Einsturz zu bringen.

i. Juli
"' j&lt; st.I ich»
Di, loraate i l&gt; r i c h t e n ,
il3 »ich naci mehreren Joe tu n BchWe
•er Kämpfe uowj e t Ische Truppen aaj
. westlich von Kabul ,e!: ; n u a G:.
» Let i';.;-i ia- Haidan Bh* r garückzi
m, i/o sie /ersucht ha,ton
Streit
.'ät Li
der Mujahcdin
aus umorzeu.
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. e h l d a r ; \, daß •'.': • Lul Lv
•r Uujahedi l &lt; ' c. Au: i l

Lischer i ... Ii

in

Lufl 1

o' ligung
:;owj

hrankt.

IS. Juli
Bei
einer
Presse! onfe •e:i ; in
Washington fordert ein Fiihroi der Mi;
. ahedin t3ie Sowjetunion auf, i&gt; r En
gagement für den Frieden •/x demonstrieren, indem sie ihre Streitkräfte
aus
Afghanistan bedingungslos ab
i:ieht. Dr. Najibullah hafrai , Leiter
des politischen Komitees der Jaralat- *
e Islami, erklärt, die Sowjets be
nutzten Afghanistan als Testgelände
für neue Waffen und als Ausbildungsplatz für ihre Truppen. Zudem hofften sie, Afghanistan als Sprungbrett
für eine zukünftige Politik der Expansion zu benutzen.
Lafraie zufolge liegt mehr als 70
Prozent von Afghanistan In Trümmern
und fünf Millionen Flüchtlinge - die
größte Zahl in der Welt - seien nach
Pakistan und in den Iran geflüchtet.

16. Juli
Der
afghanische
Staatsmann
Najibullah empfängt den Sekretär des
Nationalrates der Indischen Komunistischen Partei.
Der kommunistische
indische Staatsmann leitet eine Delegation bei einem Freundschaftsbesuch
in Kabu1.

�1/. Juli
Radio Kabul behauptet, Mujahedin
hätten Gardez, die Hauptstad.. der
Provinz Paktia, beschossen.
Dabei
seien 6 Personen getötet und 11 vor
letzt worden.

18. Juli
Radio Kabul, zufolge werden drei
Menschen getötet und 10 weitere, unter ihnen zwei Kinder, verletzt, als
eine Bombe im Kabuler Wohngebiet Mic
rorayon explodiert. Für den Bombenanschlag werden Mujahedin verantwort
1 ich gemacht.
Radio Kabul berichtet, Mujahedin
hätten Raketen auf ein Kino in Bamian
abgefeuert, in dem sich Bürger zur
Diskussion des neuen Kntwurfs für ei
iip afghanische Verfassung zu sammenge
funden hatten.
Dabei werden sechs
Menschen, unter ihnen zwei Frauen,
getötet und 20 verletzt.
Die
Kabuler
Nachrichtenagentur
Bakhtar berichtet, die Sowjetunion
habe seit der Revolution von April
19/8 Afghanistan mit 1,1 Milliarden
Dollar in Form von Projekthilfe, Verbrauchsgütern und Krediten Unterstützung geleistet. Der Gesamtumfang so
wjetischer Hilfe für Afghanistan be
lief sich vor und nach der Revolution
der Kommunisten im Jahr 1978 auf 3
Milliarden Dollar.
Von
Radio
Pakistan
zitierten
Quellen der Mujahedin zufolge werfen
sowjetische Streitkräfte in den Gebieten Dand und Panjwai (Provinz
Kandahar) Napalmbomben.

19. Juli
Radio Pakistan berichtet, die Mu-

jahedin hätten in einer drei Tage
währenden größeren Offensive gegen
sowjetisch-afghanische
Stützpunkte
auf
einem
40
Kilometer
langen
Straßenabschnitt zwischen Kabul und
Jalalabad mehr als 1 000 sowjetisch
afghanische Soldaten getötet.
Zwei
militärische Lager und 20 Militärstützpunkte nahe der Straße werden
dem Erdboden gleichgemacht und eine
große Zahl von Panzerfahrzeugen sowie
viel Munition zerstört.
Die Operation mit dem Decknamen
"Operation Avalanche" wird von der
Fernsehgesellschaft CBS übertragen.
Sie gilt bis heute als größter Kampf
gegen sowjetisch afghanische Truppen.

22. Juli
Bakhtar berichtet aus Kabul, daß
eine von Mujahedin gelegte Mine in
der Provinz Takhar nahe Taoqan in einem Bus explodierte und alle 22 Insassen umkamen.
Bei einer zehntägigen Zusammen
kunft von 1 200 Befehlshabern der Mu
jahedin in der afghanischen Westprovinz Ghowr wird eine Resolution ver
abschiedet, mit der die Wahl eines
Jihad Revolutionsrat gefordert wird,
der über die Zukunft Afghanistans
entscheiden soll. Der Rat sollte in
den nächsten sechs Monaten von Beamten der Provinzen und beauftragten
Vertretern aus verschiedenen Kriegs
gebieten gewählt werden. Ferner würden Mujahedin aller islamischer Gruppen eingeladen, ihre Meinung zu äussern. Die Resolution fordert dringend eine Einigung von Gruppen in und
außerhalb
Afghanistans.
Bei
dem
Treffen in Gowr nehmen hauptsächlich
Befehlshaber
der
Jamiat-e-Islami
Gruppierung
teil; nicht vertreten
sind verschiedene wichtige Befehlsha
ber aus dem Osten Afghanistans, die

�andere» Gruppen angehären.

tegisch wichtigen Tals blockiert hat
ten.

26. Juli
2. August
Radio Kabul berichtet, daß der
Vorsitzende der Komaission zur nationalen Aussöhnung i*m Bezirk Andarab
(Provinz Baghlan) von Mujahedin wäh
rend eines Gebets La einer Moschee
getötet wurde.

28. Juli
Dio Regierung Pakistans Lagt bei
der afghanischen Regierung ihre Be
schwerde über ,:woi Worfalle ein, bei
denen Artliieriegranaten im Stammes
gebiet
Bajaur einschlugen.
Dabei
wurden sechs Kensehen getötet und
fünf weitere vertatst.

29. Juli
Zwei hochexplosive Zeitbomben mit
einem Gewicht von Jeweils 15 Kilo,
die in zwei LkW- -Batterien angebracht
waren, werden einem Lastwagen mit Ka
buler Kennzeichen entnommen, der bei
einer Gaststatte in Peshawar (Pakt
stan) parkt. b'ünt Insassen des Last
wagens werden vorhattet.

30. Juli
Eine Shia Widerstandsgruppe, die
Harakat e Island,
berichtet,
ihre
Kämpfer hätten in nahezu drei Wochen
dauernden schweren Kämpfen im Sang
lagh Tal, 100 Kilometer westlich von
Kabul, 13 Plugzeuge und vier Hubschrauber abgeschossen und 100 Solda
ten des Regimes getötet. AFP berich
tet, die Kämpfe hätten begonnen, als
motorisierte Kinheiten der sowje
tisch afghanischen Armee die Ausgänge
des z'ir Verbindung des Nordens stra

Anläßlich
einer
Besuchsreise
sucht der Abteilungsleiter für poli
tische Angelegenheiten im amerikanischen
Außen:;,i ni sI erium,
Michae 1
Armacost, den pakistanischen Premier
minister Mohammad Khan Junejo in
Rawalpindi auf.
Dabei kommt es zu
einem Meinung h über &lt;'io bi
lateralm Beziehungen zwischen den
Vereinigten Staaten und Pakistan so
wie über Afgh
n.

4. August
Der
Afg1
Ken
Islamischen
Presseagentur (AIP) zufolge werden 35
Mujahedin, unter ihnen der Befehlsha
ber einer Provinz, getötet und 20
weitere verwu
, als sie versuchen,
Soldaten des Kabuler Regimes in einen
Hinterhalt AU Locken. Diese schlagen
jedoch zurück. Ferner werden 2.'5 Re
giorungssoIdaton bei. Kampfhandlungen
in der Provinz Paktia getötet.

7. August
Durch eine vom Kabuler Regime ge
legte terroristische Bombe werden
zwei Personen getötet und 24 ver
letzt, als diese in einem Laden auf
der G.T. Straße in Peshawar (Paki
stan) explodiert.

8. August
Radio Kabul zufolge hat der Sonderberichterstatter bei der Menschenrechtskommission der Vereinten Nationen, Professor Felix Ermacora, seinen
neuntägigen Besuch in Afghanistan be

- 6 -

�endet.
Er besuchte Gefängnisse und
Krankenhäuser in Kabul, wo er auch
mit verscbiedenen Regierungsvertretern zusammentraf. Ferner unternahm
er Besuche in die Provinzen Herat und
Balkh. In Kabul besuchte er das Zentralgefängnis Pul- e Charkhi und das
Ermittlungszentrum des Ministeriums
für Staatssicherheit. Er sprach mit
einer Reihe von Personen, die im Rahmen der Amnestie vom April 1987 freigelassen wurden.
Ermacora besuchte
auch die Gefängnisse in Herat und
Mazar-i-Sharif.
Westlichen diploma
tischen Quellen zufolge wurde ihm jedoch lediglich gestattet, zwei poli
tische Gefangene zu Einzelgesprächen
zu treffen.

9. August
Westlichen diplomatischen Quellen
zufolge fliehen über tausend Flüchtlinge als Folge von schweren Bombardierungen und einer sowjetisch-afgha
nischen Offensive gegen Mujahedin im
Norden der afghanischen Hauptstadt
nach Kabul. Die Flüchtlinge erklären, es seien bei den Bombardements
der sowjetisch afghanischen Truppen
viele Menschen getötet und zahlreiche
Häuser zerstört worden.
Westliche
DipLomaten
erklären
ferner, Mujahedin hätten in ganz Afghanistan im Monat Juli 42 Flugzeuge
und Hubschrauber abgeschossen.

11. August
In Mardan (Pakistan) explodieren
drei Bomben. Dabei werden 18 Menschen getötet und 45 verletzt. Zwei
Explosionen treffen eine Bushaltestelle und die dritte ein Sportstadion in der Stadt, die 65 Kilometer
von Peshawar entfernt liegt.

13. August
Radio Kabul berichtet, durch eine
Rakete der Mujahedin sei ein Transportflugzeug des Typs Antonov- 26 abgeschossen worden.
Darin befanden
sich sieben Insassen und von den Menschen in der Region Khost in der Provinz Paktia benötigte Gebrauchsgüter.
Das Flugzeug befand sich auf dem Weg
nach Kabul. Außer den sieben Passa
gieren, unter denen sich zwei Kinder
befanden, werden fünf Besatzungsmitglieder getötet.
Najibullah nimmt an einer Zusammenkunft im Storay Palast teil, wo
der 40. Jahrestag der Unabhängigkeit
Indiens begangen wird. Das Treffen
wurde vom Zentralkomitee der PDPA und
der Gesellschaft für afghanisch indische Freundschaft organisiert.

14. August
Durch eine von Terroristen gelegte Bombe werden in Peshawar (Pakistan) zwei Menschen getötet und 13
verwundet, zwei von ihnen schwer.
Die Bombe wurde in der Kanalisation
vor einer Häuserzeile mit belebten
Geschäften im Stadtzentrum gelegt.
Schon vorher war eine andere Bombe
auf dem Gelände der Universität explodiert und hatte einen Stromtransformator zerstört.
Berichten von AIP zufolge ist eine von Agenten des Kabuler Regimes
gelegte Bombe in der von Mujahedin
gehaltenen Marktstadt Kaga Bazaar, 40
Kilometer von Jalalabad entfernt, explodiert, wobei 17 Menschen getötet
und 20 verwundet wurden. Bei den Opfern handelt es sich hauptsächlich um
Bauern aus den umliegenden Dörfern,
die hier ihre Waren verkaufen wollten.

7 -

�16. August
Teherans Nachrichtenagentur IRNA
Derichtet, Ende Juli hätten Mujahedin
etwa einen Kilometer einer Pipeline
zerstört, mit der Kraftstoff von der
Sowjetunion nach Afghanistan transportiert wird. Die Mujahedin behaupten, diese Rohrleitung nach siebenstündigen Kämpfen gesprengt zu haben.
Dabei wurden zwei sowjetische Panzer
zerstört und drei sowjetische Militärberater sowie 16 Offiziere und
acht Soldaten des Kabuler Regimes getötet. Durch den Schaden an der Pipeline wird der Transport von Kraftstoff aus der Sowjetunion zum größten
Luftstützpunkt in Shindand (Provinz
Farah) unterbrochen.

17. August
Berichten von Radio Kabul zufolge
hat die afghanische Regierung der Regierung des Iran eine scharf formulierte Protestnote übermittelt, mit
der Einspruch gegen den Beschuß durch
Granatwerfer, 23 mm Artillerie, Luftabwehr, Maschinengewehre und BodenBoden-Raketen am Grenzposten Islam
Qillah erhoben wird. Durch den vor
drei Tagen aufgenommenen Beschuß werden ein Offizier und ein Soldat
schwer verwundet und schwere Material Verluste und Schäden an militärischen Anlagen verursacht.

21. August
Bakhtar berichtet aus Kabul von
einem Besuch Najibullahs in Kandahar,
wo er mit Angehörigen der Streitkräfte, Geistlichen und Parteivertretern
zusammentrifft.
Der
afghanische
Staatschef hält Reden zur nationalen
Aussöhnung und verleiht einer ausgewählten Gruppe von Offizieren und
Soldaten Auszeichnungen für ihre Tap-

ferkeit im Kampf gegen die Mujahedin.

25. August

Westlichen Diplomaten zufolge ha
ben
sowjetisch-afghanische
Streitkräfte die Stadt Sheikhabad in der
Region
Shomali
in
fortgesetzten
schweren Kämpfen in dem Gebiet nahezu
zerstört. Fast 200 sowjetische und
afghanische
Soldaten
werden
bei
Sheikhabad und Qara Bagh getötet.
Anfang des Monats nahmen Mujahedin 17
sowjetische Soldaten gefangen, unter
ihnen ein hochrangiger Offizier, wodurch die Sowjets gezwungen wurden,
einen Gefangenenaustausch anzubieten.
Die Medien des Kabuler Regimes be
haupten, der Befehlshaber der Mujahedin, Aga Muhammad, sei in Paghman ge
fangengenommen und Munition und Rake
ten seien in großem Umfang erbeutet
worden..
Laut Radio Kabul hat der afgha
nische Staatsmann Najibullah an einer
Zeremonie zum Jahrestag der Gründung
der Luftwaffe und der Luftstreitkräfte der Demokratischen Republik Afghanistan (DRA) teilgenommen. In seiner
Rede verweist er darauf, in den neun
Jahren seit der Revolution von April
1978 hätten mehr als 100 afghanische
Piloten ihre Ausbildung an sowje
tischen
Luftfahrtakademien
abge
schlössen und mehr als 400 Angehörigen der Luftwaffe hätten Weiterbildungskurse besucht. Er bittet um eine stille Gedenkminute zu Ehren der
im Krieg getöteten Soldaten.
Er
nennt die Namen von 15 Off zieren in
den Rängen vom Leutnant bis zum
Oberst, die - neben anderen - im
Kampf gefallen sind.

26. August
AFP
8 -

berichtet, Mujahedin

hätten

�in der Nähe von Kandahar einen Militärstützpunkt
der
Regierung
fünf
Stunden lang mit Granaten beschossen.
Dabei seien Dutzende von Soldaten ge
tötet sowie Kraftstoff und Versorgungsgüter in die Luft gesprengt worden.

Drittens sollte eine für die Mujahedin akzeptable unparteiische Regierung mit der Aufgabe betraut werden, den sowjetischen Abzug zu überwachen. Die Sicherheitsangelegenheiten dieser vorläufigen und unparteiischen Regierung sollten während des
sowjetischen Truppenabzugs der afghanischen Armee obliegen, nachdem be
schlössen worden ist, daß die Be
fehlshaber aller Einheiten für die
Mujahedin akzeptabel sind und daß all
jene Offiziere, die nach dem Staats
streich von 19 78 zu den Mujahedin de
sertiert waren, ihre früheren Ränge
und Stellungen zurückerhalten.

Eine terroristische Bombe des Ka
buler Regimes explodiert in der Nähe
einer Bushaltestelle in Dera Ismail
Khan in Pakistan. Dabei wird eine
Person getötet und fünf weitere verletzt .

28. August
Radio Pakistan berichtet, mehr
als 150 Beamte des Kabuler Regimes,
unter ihnen Agenten des KHAD, seien
vergangene Woche bei einer Bombenexplosion in Jalalabad getötet worden.

31. August
In einer Diskussion mit Reportern
beim 63. Pressebegegnungsprogramm des
Journalistenverbandes von RawalpindiIslamabad (Nawaz Raza Gruppe) schlägt
der Ingenieur Gulbuddin Hekmatyar von
der Amir Hisb-e Islami in Afghanistan
ein vier Punkte umfassendes Friedensprogramm zur Beendigung des Krieges
in Afghanistan vor.
Ihm zufolge
sollten sowjetische Truppen aus den
Kriegsgebieten auf die Luftstützpunkte Bagram (Provinz Kabul), Shindand
(Provinz Farah), Dehdadi
(Provinz
Balkh), Dasht-e Abdan (Provinz Kunduz) und Kelagai (Provinz Baghlan)
zurückverlegt werden, von wo aus ihr
Abzug
beginnen
sollte.
Zweitens
sollten alle für den Krieg geschaffenen afghanischen Militär- und Milizposten abgeschafft und die Soldaten
auf die Stellungen zurückverlegt werden, die sie vor dem Krieg eingenommen hatten.

Viertens würde die "unparteiische
und vorläufige Regierung" unmittelbar
durch eine vorläufige Mujahedin Re
gierung abgelöst, die von in Iran und
Pakistan lebenden Flüchtlingen und in
den befreiten Gebieten Afghanistans
ansässigen Bürgern auf der Basis der
Verhältniswahl gewähl '&lt;, und von einer
repräsentativen "Shoor.a" (einem Beratergremium) gebildet wird.
Gulbuddin zufolge sei die Rolle
Zahir Shahs bei der Beendigung des
Krieges in Afghanistan eine sowje
tische Maßnahme mit dem Ziel, dem andauernden Jihad zu schaden und Zwie
tracht unter den Mujahedin zu sähen.
Er erklärt, der Shah sei vom afgha
nischen Volk vollständig abgelehnt
worden und könne daher für die Zukunft Afghanistans keine positive
Rolle spielen.

2. September
Berichten von Radio Kabul zufolge
trifft der pakistanische Oppositionsführer, Marshall der Luftwaffe a.D.
Asghar
Khan
von
der
Tehrik- iEstiqlal-Partei, mit Najibullah zusammen, der ihm die Regierungspolitik
der nationalen Aussöhnung erklärt.

- 9 -

�Asghar Khan ist auf Einladung der Nationalen Front der DRA in Kabul zu
einem Freundschaftsbesuch eingetroffen.
Das Mitglied des Zentralkomitees
der KPdSU und erste Stellvertretende
Außenminister der Sowjetunion, Julij
Woronzow, trifft mit dem Außenminister der URA, Abdul Wakil, zusammen.
Bei diesem Anlaß findet ein
Meinungsaustausch über bilaterale Angelegenheiten zwischen den beiden
Ländern sowie über internationale
Fragen statt. Der sich zu einem Arbeitsbesuch in Kabul aufhaltende sowjetische Minister diskutiert ferner
die Kabuler Politik der Nationalen
Aussöhnung.

7. September
Pakistan und das Regime in Kabul
nehmen in Genf ihre indirekten Ge
spräche über Afghanistan wieder auf.
Dies ist die vierte Phase der siebten
Gesprächsrunde.
Westliche Diplomaten berichten,
sechs Personen seien getötet und 30
verletzt worden, als auf dem Obstmarkt Share Nau in Kabul zwei Bomben
explodieren.

9. September
Westlichen diplomatischen Quellen
zufolge explodiert eine Bombe im Ministerium für Staatssicherheit, in
dem sich das Hauptquartier des afghanischen Geheimdienstes KHAD befindet.
Dabei kommt es zu erheblichem Sachschaden und zu einer nicht bekannten
Zahl von Toten.

10. September
Durch eine von Terroristen des
Kabuler Regimes gelegte Bombe werden
in Peshawar zehn Personen verletzt,
von denen sechs in Krankenhäuser eingeliefert werden müssen.
Bei einem terroristischen Bombenanschlag im Vorort Badamibagh von La
höre werden zwei Personen getötet und
25 verletzt, fünf von ihnen schwer.
Die Genfer Annäherungsgespräche
über Afghanistan werden vertagt, ohne
daß eine Übereinkunft erzielt worden
wäre. Der Vormittler der Vereinten
Nationen, Diego Cordovez, zeigt sich
enttäuscht darüber, daß keine Übereinkunft über den Zeitplan für einen
Truppenabzug erzielt worden ist, fügt
jedoch hinzu, die Unterschiede zwischen den KInste1lungen beider Seiten
hätten sich weiterhin verringert.
Der zu einem Besuch in Pakistan
weilende
belgische
Minister
Leo
Tindemans bestätigt den Standpunkt
seiner Regierung, die Wurzel der Probleme Afghanistans läge in der sowje
tischen Intervention in diesem Land.

12. September
Radio Pakistan berichtet, bei der
Explosion einer Mine auf der Straße
bei Parachinar im Bezirk Kurrum seien
ein Lieferwagen zerstört sowie fünf
Personen getötet und sieben verletzt
worden.

13. September
Die
Kabuler
Nachrichtenagentur
Bakhtar berichtet, Mujahedin hätten
mit einer Reihe von Boden-Boden-Rake
ten nachts Wohngebiete in Jaialabad
beschossen. Dabei werden fünf Perso-

- 10 -

�nen getötet und elf verletzt.

16. September

Berichten von Bakhtar zufolge
wird auf dem Flug von Kabul nach Kunduz eine Maschine des Typs AN-26 in
der Nähe der Stadt Kunduz von einer
Rakete der Mujahedin getroffen. Dabei werden alle 13 Insassen getötet.

Bei der Explosion einer von Terroristen
gelegten
Bombe auf der
Straße bei Warsak in Peshawar werden
sieben Personen getötet und 3 7 verletzt, sechs von ihnen schwer. Die
Bombe ist in einem Lieferwagen untergebracht und beschädigt in der Nähe
befindliche Autos und Geschäfte.

14. September
AFP berichtet von einer großen
Operation mehrerer hundert Mujahedin
in der Südprovinz Kandahar, bei der
Dutzende von Milizposten zerstört
werden, die von dem im Jahre 1985 von
den Mujahedin desertierten und übergelaufenen
Befehlshaber
Esmatullah
Muslim errichtet worden waren. Im
Laufe der Woche unternehmen etwa 35
Mujahedin-Gruppierungen
(Angehörige
von sechs Widerstandsparteien) im
Verbund einen Angriff auf einem 70
Kilometer
langen
Straßenabschnitt
zwischen Kandahar und Spin Baldak in
der pakistanischen Provinz Baluchistan. Dabei werden 30 Angehörige der
Miliz getötet und 55 verwundet.
Die Mujahedin zerstören sechs Posten und nehmen einen Stützpunkt des
Regiments in Spin Baldak unter schweren Beschuß. Etwa ein Dutzend Milizposten geraten in Bedrängnis und Muslim fordert aus Kabul Verstärkung an.

15. September
Westliche
Diplomaten
erklären,
sowjetische Truppen hätten das Gebiet
entlang der Hauptstraße, die die Provinzen Kunduz, Badakhshan und Takhar
verbindet, verwüstet und auf einem
500 Meter breiten Streifen entlang
der Straße Häuser und Vegetation dem
Erdboden gleichgemacht.

Ein von seiner sechswöchigen Reise nach Afghanistan zurückkehrender
französischer
Journalist
berichtet
AFP in Paris, neun der Nord- und
Westprovinzen
Afghanistans
könnten
jetzt als von der Kontrolle des Kabuler Regimes "halbswegs befreit" ange
sehen werden.
Bertrand Gallet erklärt, der Befehlshaber der Mujahe
din, Ahmad Shah Mahsud, habe seine
Stellung im Norden Afghanistans in
den vergangenen Monaten gefestigt.
Er berichtet, die Situation im Norden
habe sich seit seinem letzten Besuch
im Jahr 1984 erheblich weiter entwikkelt. In den neun hauptsächlich von
Masuds Rat im Norden kontrollierten
Provinzen gebe es Gallet zufolge einen auf vier Ebenen operierenden Widerstand, bei dem Bauern ihre eigenen
Dörfer, eine Garnison mehrere Dörfer
und eine mobile Einsatztruppe ganze
Täler verteidigten. Die vierte Ebene
werde von einer Eliteeinheit gebildet, die "zentrale Gruppe" genannt
und in größeren Kämpfen gegen sowje
tische und afghanische Truppen einge
setzt wird.
Gallet erklärte, das
wichtigste Ziel des Rates im Norden
sei die Unterbrechung von Straßen,
die von Kabul in die Sowjetunion und
nach Pakistan führen.

17. September
Berichten von Bakhtar zufolge
treffen Raketen der Mujahedin Gardez,
wobei zwei Kinder getötet und vier

- 11 -

�verletzt werden. Die Raketen richten
in Wohngebieten und Moscheen der
Stadt und ihrer Umgebung erheblichen
Schaden an.

Schuld eingestanden und zugegeben,
sie seien vom KHAD, der Geheimpolizei
des Kabuler Regimes, entsandt worden.
Die pakistanische Polizei nimmt ihnen
Sprengstoff und Zeitzünder ab.

19. September
21. September
Kine von Terroristen gelegte Bom
be explodiert in einer Bushaltestelle
in Rawalpindi in Pakistan.
Dabei
werden vier Menschen getötet und 17
verletzt, davon zwölf schwer.

20. September
Radio Kabul berichtet, Najibullah
habe zu der Eröffnungssitzung der ersten landesweiten Versammlung des Ha
zara Volkes gesprochen. Dazu zählen
eine Million Menschen, die sich zum
Schiitentum bekennen. Er erklärt, in
der Fakultät für Religiöse Studien
würden eine schiitische Abteilung
eingerichtet sowie eine eigene Schule
für diese Religion eröffnet, Zeitungen in ihrer Sprache herausgegeben,
besondere Radioprogramme würden in
ihre Region Hazarajat übertragen und
mehr Hazaras zur Ausbildung in die
Sowjetunion geschickt.
Najib empfängt das Mitglied des
Politbüros und Sekretär des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei
Bangladeshs, Matiul Rahman.
Dabei
wird die Erweiterung freundschaftlicher Beziehungen zwischen der Demokratischen Volkspartei Afghanistans
(PDPA) und der Kommunistischen Partei
Bangladeshs diskutiert.
Radio Pakistan berichtet, 50 Afghanen seien von der Polizei der
Nordwestlichen
Grenzprovinz
(NWFP)
wegen subversiver Aktivitäten festge
nommen worden. Der Innenminister informiert die Nationalversammlung Pakistans, die Afghanen hätten ihre

Der pakistanische Premierminister
Mohammad Khan Junejo trifft Präsident
Reagan, als beide Staatsmänner in New
York Reden vor der Generalversammlung
der Vereinten Nationen halten. Während der Zusammenkunft bestätigt Prä
sident Reagan, die Vereinigten Staa
ten würden Pakistan bei seinen Pro
blemen mit Afghanistan unterstützen.
Beide kommen überein, daß der unmittelbare Abzug sowjetischer Truppen
aus Afghanistan absolut unerläßlich
sei.
Sie vereinbaren ferner, es
sollte in Zukunft in Kabul ein Regime
geben, das die Hoffnungen des afgha
nischen Volkes widerspiegelt.
Westlichen Diplomaten zufolge explodiert eine Bombe in einem Gebäude,
in dem sich das Büro der Luftfahrtge
Seilschaft Bakhtar und das Verkehrsministerium befinden. Die Zahl der
Toten wird auf drei bis acht ge
schätzt. Das Gebäude wird, wie auch
das Nachbarhaus, in dem Radio Afgha
nistan ansässig ist, evakuiert.

24. September
Der pakistanische Premierminister
Junejo erklärt der Vollversammlung
der Vereinten Nationen, das Afghanistan-Problem sei durch die Präsenz
ausländischer Truppen in diesem Land
hervorgerufen.
Wenn diese Afghanistan verließen, könne eine Übereinkunft über die zukünftige Regierung
des Landes rasch erzielt werden. Er
erklärt weiterhin, Pakistan würde eine Rückkehr zum Normalzustand in Af-

- 12 -

�ghanistan begrüßen, wenn
ment getroffen wird, das
ghanische Volk und auch
Drittel der Bevölkerung
bildenden fünf Millionen
Flüchtlinge im Iran und
akzeptabel ist.

ein Arrangefür das affür die ein
Afghanistans
afghanischer
in Pakistan

Bakhtar berichtet, 19 Personen,
unter ihnen Kinder, seien getötet
worden, als Mujahedin in Bezirk Shindand in der Provinz Herat Raketen abfeuern.
Berichten von Radio Kabul zufolge
weiht Najibullah die Militärpolitische Universität ein.
Ihm zufolge
ergibt sich ein Bedarf für eine solche Universität aus der Tatsache, daß
Streitkräfte der entscheidende Faktor
bei der Festigung der Macht des Volkes seien. Er erklärte ferner, die
Bedeutung dieser Rolle habe unter den
Bedingungen der nationalen Aussöhnung
noch zugenommen. Die militärpolitische Universität von Minsk unterstützt den Aufbau der Universität.

28. September
Berichten westlicher Diplomaten
zufolge ergeben sich 100 Soldaten des
afghanischen Regimes, als ihr Konvoy
in der Nähe von Ghazni von Mujahedin
angegriffen wird.

29. September
Westliche
Diplomaten
erklären,
sowjetische Soldaten hätten sich von
einigen exponierten Stützpunkten in
Afghanistan zurückgezogen, da die
verbesserte Luftverteidigung der Mujahedin die Nachschubbeschaffung erschwert. Zahlreiche sowjetische Soldaten seien nun in Darul Aman konzentriert, einem großen sowjetischen
Stützpunkt in unmittelbarer Nähe zu

Kabul.
Westlichen Diplomaten zufolge
gen Mujahedin einen Hinterhalt
einen großen sowjetischen Konvoy
der Straße von Logar nördlich
Pul-i-Alam und zerstören dabei 20
25 Panzer und andere Fahrzeuge.

lefür
auf
von
bis

30. September
Berichten der Kabuler Nachrichtenagentur Bakhtar zufolge wird bei
einer Routinesitzung des Revolutionsrates der DRA der Generalsekretär des
Zentralkomitees der PDPA, Najibullah,
einstimmig zum Präsidenten des Revolutionsrates der DRA und Vorsitzenden
des Präsidiums des Revolutionsrates
der DRA gewählt. Der amtierende Präsident Haji Mohammad Chamkani wird
zum ersten stellvertretenden Vorsitzenden des DRA-Revolutionsrates ge
wählt.
Bakhtar berichtet, der afghanische Außenminister Abdul Wakil habe
in seiner Rede vor der Generalversammlung der Vereinten Nationen erklärt, der nicht erklärte Krieg gegen
sein Land habe die nationale Wirtschaft ruiniert. Er erklärt, 2 000
Schulen, 350 Brücken, 50 Kulturzentren, 131 Krankenhäuser, 224 Moscheen
und Gebetshäuser, 258 Produktionsstätten, Tausende von Lastwagen und
Tausende von Kilometern der Hauptstraßen und Kommunikationswege seien
zerstört. Ihm zufolge beläuft sich
der Gesamtschaden an der Wirtschaft
des Landes (in Milliarden Afghanis)
auf drei Viertel der Gesamtinvestitionen, die zur Entwicklung Afghanistans in den vergangenen 50 Jahren
ausgegeben wurden. Er erklärte, im
ganzen Land seien mehr als 3 200 Ausschüsse zur nationalen Aussöhnung gebildet worden. Etwa 83 000 Flüchtlinge seien zurückgekehrt, mehr als

- 13 -

�30 000 Mujahedin hätten ihre Waffen
niedergelegt, und nahezu 600 bewaffnete
Oppositionsgruppen
mit
etwa
53 000 Leuten stünden in Verhandlungen mit der Regierung.

5. Oktober

2. Oktober

6. Oktober

Die Nachrichtenagentur Bakhtar in
Kabul berichtet, daß eine 5 000 Mann
starke Gruppe unter Führung von Abdur
Kasul Pahlawan in der Provinz Faryab
die Politik der nationalen Aussöhnung
akzeptiert und RegierungsVertretern
eine große Menge Waffen übergeben ha
ben.

Der pakistanische Außenminister
Sahibzada Yaqub Khan erklärt der Na
tionalversammlung, die Waffenliefe
rungen des Regimes in Kabul sowie die
Bombenanschläge seien vom Kabuler Re
gime angewandte Taktiken, um von der
pakistanischen Regierung die Aufgabe
ihrer Grundsatzpolitik im Hinblick
auf Afhanistan zu erzwingen.

3. Oktober

Radio Pakistan berichtet, afgha
nische Regicrungstruppen hätten 21
Panzergranaten auf Landi Khana in der
Nähe der Garnisonsstadt Landi Kotal
am Khyber Paß abgefeuert, wobei ein
Pakistani getötet und sieben weitere
Personen, unter ihnen zwei afgha
nische Flüchtlinge, verletzt werden.

Radio Pakistan meldet die Landung
von zwei Kamp fhubs ehr aubern der afghanischen Luftwaffe in Chitral, die
von den örtlichen Behörden aufge
bracht wurden. Ein Sprecher des pa
kistanischen Außenministeriums stellt
später klar, daß die beiden sowje
tischen Kampfhubsehrauber im Verwaltungsbezirk Mastuj in Chitral gelandet sind.
Auf Bitten der sowje
tischen Regierung, die erklärt, die
Verletzung des Luftraums sei versehentlich erfolgt, liefert die pakistanische Regierung die Besatzung an
die sowjetische Botschaft in Islamabad aus. Der Sprecher berichtet, die
Sowjets hätten die Kampfhubschrauber
beschädigt, um sie außer Gefecht zu
setzen.
Die Besatzung sagt aus, sie seien
Angehörige der Schutzbrigade des KGB
und von Alma A.ta in Kasachstan über
Wakhan nach Mastuj (Chitral) geflogen. Zu den sechs Besatzungsmitgliedern gehören ein Major und ein Hauptmann.

Bei einem Terroranschlag in einem
Gemüsemarkt in Islamabad werden vier
Personen verletzt.

7. Oktober
Eine amerikanische Journalistin
und Autorin eines Buches über ihre
Reisen im Inneren Afghanistans, erklärt bei einer Kongreßanhörung, afghanische Kinder würden ohne Zustimmung oder vorheriges Wissen ihrer Eltern zwangsweise zur Ausbildung in
die
Sowjetunion
geschickt.
Jan
Goodwin, die verantwortliche Redakteurin von Ladies' Home Journal in
New York und Autorin von "Caught in
the Crossfire" hatte bei einem Besuch
in Kabul Regierungsvertreter interviewt, die für das Programm im Herbst
1985 verantwortlich zeichneten. Ihren Aussagen zufolge werden alle zwei
Monate Kinder aus Kabuler- und Vorortschulen ohne vorherige Benachrichtigung ihrer Eltern in die Sowjet-

- 14 -

�union "verschifft".
Die Nachrichtenagentur Bakhtar in
Kabul veröffentlicht das TASS- Interview mit Najib, in dem er erklärt,
2 000 Dörfer seien zum Regierungsla
ger übergewechselt und 83 000 Flüchtlinge zurückgekehrt. Ferner arbeiteten jetzt mehr als 6 000 bewaffnete
Oppositionelle für die Regierung.

8. Oktober
Bakhtar berichtet, sechs Anführer
der insgesamt 1 500 Mitglieder starken Oppositionsgruppen in der Provinz
Herat hättenh in den vergangenen
sechs Monaten Protokolle für einen
Waffenstillstand unterzeichnet. Ferner seien acht bewaffnete, 3 262 Mann
zählende Oppositionsgruppen dem Ruf
zur nationalen Aussöhnung gefolgt und
mit ihren Waffen zur Regierungsseite
übergelaufen.
Im selben Zeitraum
kehrten 800, insgesamt A 000 Personen
zählende Familien nach Hause zurück
und nahmen ihr Leben in unterschiedlichen Gebieten der Provinz Herat
wieder auf. Weiterhin wurden 25 Angehörige des Stammes der Jirgas aufgefordert, die nationale Aussöhnung
in ihrer Provinz voranzutreiben.
Westlichen
Diplomaten
zufolge
werden bei der Detonation der bisher
größten
Autobombe
im
Shahr-e-Nau
Wohngebiet in Kabul mindestens 27
Menschen getötet und mehr als 30 verletzt. Nach inoffiziellen Berichten
von Augenzeugen könnte sich die Zahl
sogar auf 72 Tote und mehr als 100
Verletzte belaufen.

10. Oktober
Radio Kabul berichtet, Najibullah
habe ein Dekret erlassen, das die
Streitkräfte, die Ministerien für na-

tionale Verteidigung, innere Angelegenheiten und Staatssicherheit ermächtigt, Waffen zu festgesetzten
Preisen von abtrünnigen Mujahedin zu
kaufen.

12. Oktober
Berichten von Radio Pakistan zufolge werden bei einer Bombenexplo
sion in einem Busbahnhof in Peshawar
11 Personen verletzt.
Ungefähr 15
Busse im Busbahnhof werden beschädigt.
Der sowjetische Botschafter in
Pakistan, Abdul-Rakham Ogly Wezirow,
bekräftigt in einer Ansprache vor dem
pakistanischen Institut für interna
tionale Angelegenheiten (PI1F) die
ernste Absicht seiner Regierung, ihr
"begrenztes Kontigent" aus Afgha
nistan abzuziehen, der Rückzug sei
jedoch abhängig von der vollständigen
Beendigung ausländischer Einmischung
in die inneren Angelegenheiten Afgha
nistans. Er erklärt, die Sowjetunion
habe den Wunsch, Afghanistan "als unabhängigen und neutralen Staat zu sc
hen, der freundschaftliche Beziehungen zu allen seinen Nachbarländern
unterhält".

13. Oktober
Armand Hammer kommt mit einer
Sondermaschine zu einem Besuch der
Demokratischen Republik Afghanistan
und Gesprächen mit Najibullah in Ka
bul an. Sie sprechen über die nationale Aussöhnung und erörtern jüngste
politische Entwicklungen.
Maulvi Yunus Khalis, Anführer der
Hezb-e-Islami, widerspricht in einem
Interview mit der kuweitischen Nachrichtenagentur (KUNA) in Islamabad
Beschuldigungen, zwei seiner Kommandeure hätten für 1 Million Dollar 16

- 15 -

�Stinger- Raketen an die iranische Re
gierung verkauft.

18. Oktober
Berichten der Nachrichtenagentur
Bakhtar in Kabul zufolge wird die
zweite Konferenz der PDPA über die
Politik der nationalen Aussöhnung un
ter Teilnahme von 67 7 gewählten Dele
gierten eröffnet.
Maulvi Yunus Khalis, 66, Angehöriger der Hezb e Island, wird ein
stimmig zum gewählten Leiter der sie
ben Parteien umfassenden afghanischen
Widerstandsbewegung gewählt. Der Posten des Sprechers, der alle drei Monate unter den sieben Widerstandsfüh
rern zu rotieren pflegte, wird abge
schafft und alle sieben Führer stimmen für Khalis als Anführer der Bewe
gung für einen Zeitraum von 18 Mona
ten.

21. Oktober
Westlichen
Diplomaten
zufolge
gibt es im Anschluß an die zweite na
tionale Konferenz der PDPA Berichte
von großangelegten Verhaftungswellen
und Kntlassungen von Parteiangehöri
gen, die dem ehemaligen afghanischen
Anführer Babrak Karmal treu ergeben
sind. Es gelangen wiederholt Berichte in die Hauptstadt, daß mehr als
2 000 PDPA Angehörige möglicherweise
aus der Partei ausgeschlossen werden
und zahlreiche bereits verhaftet worden sind.

22. Oktober

Pakistan verantwortlich. Seiner Aussage zufolge haben inhaftierte Terroristen zugegeben, von der Kabuler
Regierung finanziert und ausgebildet
worden zu sein. Er fügt hinzu, die
Überwachung sei verstärkt und neue
Gesetze erlassen worden, um die in
terroristische Aktivitäten verwickelten Personen strengstens zu bestrafen.

23. Oktober
Auf dem Badaber Scheme Platz in
der Nähe von Peshawar explodiert eine
von Terroristen gelegte Bombe, wobei
vier Menschen getötet und 17 verletzt
werden, sechs davon schwer. Die Bombe war unter einem Berg von Obst plaziert worden. Durch die Detonation
werden ein nahegelegenes Hotel und
ein Gemüseladen beschädigt.
Berichten westlicher Diplomaten
zufolge hat das Regime das Anwerben
von zum Teil noch nicht einmal 16jäh
rigen Jugendlichen wieder aufgenommen. Vertreter der Regierung und des
KHAD besuchen zahlreiche Schulen und
rekrutieren Jugendliche direkt aus
dem Klassenzimmer heraus.

24. Oktober
Bei einem zur Anhörung von Fällen
im Zusammenhang mit subversiver Tä
tigkeit einberufenen Sondertribunal
in Peshawar wird über einen afgha
nischen Staatsbürger und einen KHADAgenten die Todesstrafe für zwei Bombenanschläge verhängt.
Eine Explosion erfolgte in einem afghanischen
Flüchtlingslager und eine weitere in
der Nähe der Schulaufsichtsbehörde,
wobei 14 Personen verletzt wurden.

Tn einem Interview mit der BBC
macht der pakistanische Innenminister
Nasim Ahmed Ahir die Regierung in Kabul für terroristische Aktivitäten in
- 16 -

�27. Oktober
In Kabul stationierte westliche
Diplomaten berichten, ihren osteuropäischen Kollegen zufolge, die an dem
kürzlich beendeten zweiten PDPA-Kongreß teilgenommen hatten, würden in
Kürze 2 000 Karmal-Anhänger ausgewie
sen. Andere können zum Rücktritt gezwungen werden, wenn sie nicht einen
Kid über künftige Loyalität sowie die
Aufgabe der Parteibindungen ablegten.
Zu Beginn des Monats waren 15 enge
Vertraute von Karmal, einschließlich
seines Vetters Mahmud Baryalai, entlassen worden.
Die französische Botschaft in Is
lamabad erklärt AFP gegenüber, der
französische Journalist Alain Guillo
sei von der afghanischen Armee in der
nördliche Provinz Faryab gefangenge
nommen worden. Er wurde zusammen mit
Kommandeur Mohammad Amin von der
Harkat- e Inquilab- e Islami-Partei Ende letzten Monats gefaßt, als er mit
der Gruppe unterwegs war. Ein übergelaufener
Widerstandsführer
hatte
der afghanischen Armee einen Tip ge
geben.
Guillo
wurde
dann
nach
Shiberghan verschleppt.

den sind. Den schweizer und pakistanischen Experten zufolge sind die
Zahlen der afghanischen Opfer mit die
höchsten in der jüngsten Geschichte
und höher als die Zahl der Opfer, die
in einem konventionellen Krieg zu beklagen wären.

28. Oktober
Radio Pakistan berichtet, daß
zwei amerikanischen Fotojournalisten,
Lee Shapiro und James Lindelof, die
eine Dokumentation über den Krieg in
Afghanistan erstellten, in einem wie sich später herausstellt - sowje
tischen
Kampfhubschrauber-Hinterhalt
nördlich von Kabul ums Leben kamen.
Ihre Film- und Fotoausrüstung wurde
Berichten zufolge von sowjetischen
Soldaten
beschlagnahmt,
die
den
Kampfhubschrauber
zur
Durchsuchung
der
Leichen
verlassen
hatten.
Shapiro und Lindelot befanden sich
mit einer Gruppe von Mujahedin von
Gulbuddin
Hekmatyars
Hezbe-Islami
auf dem Rückweg von Nordafghanistan
nach Pakistan.

29. Oktober
Nach vorläufigen Schätzungen eines von afghanischen Flüchtlingen in
Pakistan erstellten Untersuchungsberichts sind seit Beginn des Widerstandes gegen das Regime in Kabul und
die Sowjets im Jahr 19 78 ca. 1,5 Millionen Afghanen getötet, ernsthaft
verwundet oder verletzt worden. Dr.
Marek Sliwinski von der Universität
Genf und Dr. Ijaz Gilani von Gallup
Pakistan leiteten die Untersuchung
und gelangten zu der Schlußfolgerung,
daß 9 Prozent der Ziffer, auf die
sich die afghanischen Bevölkerung vor
Ausbruch des Krieges belief oder jeder
elfte
Familienangehörige
der
Flüchtlinge in diesem Krieg getötet
und weitere 3,1 Prozent verletzt wor-

Streitkräfte der Mujahedin unter
dem Kommando von Ahmad Shah Mahsud
von Jamiat-e-Islami erobern die afghanische Garnison der Militärpolizei
von Keran (Provinz Badakhshan), wobei
29 Soldaten den Tod finden und 266
gefangengenommen werden. Die Mujahedin verlieren 14 Männer, 11 weitere
werden verwundet. Durch die nachfolgende Kapitulation der Miliz des Kabuler Regimes im Nachbartal Monjan
wird
ein wichtiger Versorgungsweg
nach Pakistan wieder geöffnet.

- 17 -

�30. Oktober
Die Nachrichtenagentur Bakhtar in
Kabul berichtet, der Revolutionsrat
habe ein Dekret erlassen, durch das
afghanischen
Flüchtlingen
Amnestie
gewährt und die Rückkehr ohne Strafverfolgung gestattet würde. Heimkeh
rern, die unter die Wehrpflicht fallen, würde eine sechsmonatige Schonfrist eingeräumt, während der sie das
Land verlassen könnten, sofern sie
dies wünschten.

31. Oktober
Dakht :ir
berichtet
ferner,
Najibullah sei in Begleitung einer
Delegation in die Sowjetunion abge
reist, um an den Feierlichkeiten anläßlich des /0. Jahrestages der Okto
berrevolution teilzunehmen.

2. November
Berichten von Radio Kabul zufolge
hat der Revolutionsrat ein Dekret erlassen, mit dem das neue Gesetz über
Zusammenkünfte und
Handlungen der
Großen
Versammlung
verabschiedet
wird. Die Loya Jirga wird dem Dekret
gemäß zum alleinigen Zweck der Verabschiedung der Verfassung und Wahl des
Präsidenten des Landes abgehalten.

3. November
Radio Pakistan berichtet, Mujahe
din hätten drei Flugzeuge und zwei
Hubschrauber am internationalen Flughafen von Kabul abgeschossen.

5. November

Khalis, Anführer der Islamic Alliance
of Afghan Mujahidin und Leiter der
Hezb-e-Islaroi Afghanistans Versuche
einer nationalen Aussöhnung durch das
Regime in Kabul sowie Friedensbemühungen durch die Annäherungsgespräche
der Vereinten Nationen kategorisch
ab.
Seinen Worten zufolge wünsche
der Widerstand statt dessen direkte
Verhandlungen mit der Sowjetunion.

6. November
Laut Berichten von Radio Pakistan
haben
die
sowjetisch-afghanischen
Streitkräfte im Gebiet Moqur (Provinz
Ghanzi) chemisches Gas zum Einsatz
gebracht, was den Tod von vier Muja
hedin zur Folge hatte. Eine gepanzerte Einheit greift Positionen der
Meujahin an, wird jedoch zurückge
schlagen, wobei neun sowjetische und
afghanische Soldaten den Tod finden
und zahlreiche verletzt werden. Die
Mujahedin ziehen sich zurück und be
haupten, die sowjetish afghanischen
Truppen hätten chemische Gasgranaten
auf sie abgefeuert.

8. November
Radio Pakistan berichtet, Mujahe
din hätten zwei Transportflugzeuge
und einen Hubschrauber auf dem Gelände
des
Militärstützpunktes
Khost
(Provinz Paktia) zerstört. Die Flugzeuge waren zur Anlieferung von Versorgungsgütern für die Garnison ge
landet.
Berichten von Radio Kabul zufolge
hat der Revolutionsrat ein Dekret erlassen, das die Formierung und Eintragung von politischen Parteien als
Teil des nationalen AussöhnungsProzesses regelt.

In einer Pressekonferenz bei den
Vereinten Nationen lehnt Maulvi Yunus
- 18 -

�9. November

12. November

Der pakistanische Staatsminister
für auswärtige Angelegenheiten, Zain
Noorani, erklärt in einer Ansprache
vor der Vollversammlung der Vereinten
Nationen, die anhaltende Präsenz ausländischer Truppen sei "die Wurzel
des Konflikts" in Afghanistan.
Er
eröffnete die neunte Jahresdebatte
der Vollversammlung über Afghanistan.
Seinen Ausführungen zufolge hat das
Regime in Kabul versucht, mit "in ununterbrochener Folge von den Propagandabehörden produzierten geschönten
Statistiken" das "mystische Bild" eines glaubhaften Regimes zu schaffen.

Im Anschluß an ein Treffen mit
Maulvi Yunus Khalis, dem neu gewählten Führer der sieben Parteien umfassenden Allianz, erklärt Präsident
Reagan,
der
Rückzug
sowjetischer
Truppen sei der "Schlüssel zur Lösung
der Afghanistan-Krise" und bis dies
geschehe werde "die Unterstützung,
die der Widerstand durch die Vereinigten Staaten erfahren habe, eher
verstärkt denn verringert". Er fährt
fort:
"Im Namen des amerikanischen
Volkes grüße ich den Vorsitzenden
Khalis, seine Delegation und das Volk
von Afghanistan selbst. Sie sind eine Nation von Helden. Gott schütze
Sie."

10. November
Tn einer Ansprache vor der Vollversammlung, der Vereinten Nationen
drängt der amerikanische Botschafter
Herbort Okun die Sowjetunion, "ihren
Worten Taten folgen zu lassen" und
ihre Truppen aus Afghanistan abzuzie
hen.
Er erklärt, wenn die Sowjetunion wirklich den Wunsch zur Lösung
des afghanischen Problems hege, könnte ;ie einem kurzfristig angelegten
Zeil plan
für
den
Rückzug
ihrer
"120 000 Truppen aus diesem Land zu
stimmen.
Die Vollversammlung der Vereinten
Nationen verabschiedet zum neunten
Mal und mit der bisher größten Mehrheit eine Resolution, in der die Sowjetunion zum Abzug ihrer Truppen aus
Afghanistan aufgefordert wird.
Die
Abstimmung mit 123 zu 19 Stimmen bei
11 Enthaltungen dokumentiert gleichzeitig die Ablehnung der intensiven
Unterstützung seitens der Sowjetunion
und des Kabuler Regimes. Im letzten
Jahr ergab die Abstimmung 122 zu 20
Stimmen, bei 11 Enthaltungen.

Bai einer Bombenexplosion in einem Wohngebiet in Rawalpindi (Pakistan) werden neun Personen verletzt.

13. November
Ein Vertreter des amerikanischen
Außenministeriums erklärt in einer
Veranstaltung
für die Presse in
Washington, die Moral der Mujahedin
sei von einem "beständigen Hoch" gekennzeichnet, da die Sowjets in Afghanistan offensichtlich Rückschläge
erlitten haben. Seinen Worten zufolge habe der afghanische Widerstand im
Jahr 1987 "außerordentlich gut" funktioniert und würde seine "hervorragenden Leistungen" erwartungsgemäß im
Jahr 1988 fortführen. Er bekräftigt
ferner, die Bedeutung des Besuchs einer Delegation afghanischer Mujahedin
in den Vereinigten Staaten werde noch
durch die Tatsache unterstrichen, daß
sie zum ersten Mal von einem gewählten ständigen Leiter angeführt werde,
von Maulvi Yunus Khalis.

- 19 -

�14. November
Radio Pakistan berichtet, daß Mu
jahedin den Leiter des Geheimdienstes
KHAD, Brigadegeneral Abdul. Mannan,
bei ßinem Einsatz in der Nähe der
Stadt Ghazni ernsthaft verwundet ha
ben.

15. November
Berichten der afghanischen Pres
seagentur in Peshawar zufolge haben
130 Truppen des Regimes in Kabul die
Streitkräfte der Mujahedin unter dem
Kommando
von
Maulvi
Nizamuddin
Haqqani von Hezb e Islami (Khalis)
bei heftigen Kämpfen in der Provinz
Paktia unterstützt.
17. November
Hin Sowjetunionexperte der Rand
Corporation erklärt in Washington,
die Sowjetunion versuche mit Gorbatschows "Glasnost" (Offenheit) auf po
litischem Wege zu erreichen, was ihr
militärisch in Afghanistan versagt
bleibe.
Im Verlauf des vergangenen
Jahres hätten die Sowjets aufgrund
der von den Mujahedin in jüngster
Zeit benutzten hochmodernen Fiugab
wehrwaffen 300 Militärflugzeuge im
Wert von 2,5 Milliarden Dollar verloren. Wenn man die Kosten für die
Ausbildung der mit diesen Flugzeugen
verlorenen Besatzungen noch hinzurechne, bedeute dies für die Sowjets
eine erhebliche finanzielle Bela
stung. Der von den Sowjets hervorgerufene Eindruck von Kompromißbereitschaft zu Afghanistan bedeute lediglich, daß diese von ihren eigenen Bedingungen diktiert sei.
Radio Pakistan zufolge hält Präsident Zia ul-Haq in Wana (Bezirk
Süd Waziristan) eine Rede vor einer
großen Jirga (StammesVersammlung).

Vor den Stammesvertretern erklärte
er, man habe den Eindruck, die Sowjetunion sei am baldigen Rückzug ihrer Truppen aus Afghanistan interessiert, wolle aber gleichzeitig ihr
gewonnenes Terrain halten.
Der
Kabuler
Nachrichtenagentur
Bakhtar zufolge erklärt der afgha
nische Außenminister Abdul Wakil in
einer Ansprache vor der Vollversammlung der Vereinten Nationen, es seien
bis zu diesem Zeitpunkt 90 000 afgha
nische Flüchtlinge aus Lagern in Pa
kistan und Iran heimgekehrt, 30 000
Männer von 174 bewaffneten Gruppen
hätten sich der Regierung unterstellt.

18. November
Eine unabhängige internationale
Juristengruppe, die angebliche Menschenrechtsverletzungen in Afghani
stan untersucht hatte, kommt zu dem
Schluß, daß die Sowjetunion und ihr
Stellvertreterregime in Kabul Akte
des Völkermords gegen das Volk von
Afghanistan begangen haben. In ihrem
der Presse in Washington übergebenen
Schlußbericht wird betont, daß die
Durchführung der sogenanten nationa
len Aussöhnungspolitik
vom Januar
keinen Beitrag zur Wiedereinführung
der grundlegendsten Menschenrechte in
Afghanistan
geleistet
habe.
Die
Gruppe erklärt, daß sich weiterhin
mindestens 10 000 afghanische Flüchtlinge pro Monat nach Pakistan absetzten.
Die Saudi Gazette berichtet, daß
Mujahedin unter der Führung von Ahmad
Shah Mahsud
den sowjetisch-afghanischen Posten Tappeh- e-Khana (Provinz Badakhshan) erobert und dabei
mehrere hundert Soldaten, darunter
auch Sowjets, gefangengenommen haben.
Vor dem Fall dieses strategischen Postens hätten die Mujahedin einen
20 -

�zweiwöchigen Umweg über die Berge in
Kauf nehmen müssen, anstatt die normale zweitägige Route durch offenes
Gelände zu nehmen.
Eine von Terroristen gelegte Bombe explodiert
in einem Bus bei
Peshawar. Eine Person wird getötet,
19 verletzt, von denen 17 in ein
Krankenhaus eingeliefert werden.

rung müsse seinen Erklärungen zufolge
von einer Person geleitet werden, die
das Vertrauen der Mujabedin, der afghanischen Flüchtlinge und der gegenwärtigen Kabuler Regierung genieße.
Radio Kabul zufolge legen 100 Mujahedin im Bezirk Qarabagh (Provinz
Kabul) die Waffen nieder und nehmen
das Angebot der nationalen Aussöhnung
an.

19. November
24. November
AFP zufolge werden bei zwei Bombenangriffen von sechs MiG Kampfflugzeugen des Kabuler Regimes im Stammesbezirk von Bajaur nördlich von
Peshawar sechs Personen getötet und
20 verletzt.
Zu den Toten zählen
vier Pakistani und zwei afghanische
Flüchtlinge.

22. November
Laut Radio Pakistan erobern die
Mujahedin einen Sicherheitsposten bei
Charika (Provinz Parwan). Die sowje
tisch- afghanischen Truppen geben die
sem Bericht zufolge den Posten ohne
Widerstand auf. Vier Soldaten werden
gefangengenommen und Waffen erbeutet.
Radio Pakistan berichtet, der pakistanische Präsident Zia ul-Haq habe
in einer Pressekonferenz seiner Überzeugung Ausdruck verliehen, daß das
sowjetische Angebot eines Truppenabzugs aus Afghanistan ernstgemeint
sei. Pakistan sei bereit, in diesem
Zusammenhang seine volle Zusammenarbeit anzubieten. Er schlägt vor, daß
die sowjetischen Truppen so bald wie
möglich aus Afghanistan abgezogen
werden sollen und diese Maßnahme mit
der Einsetzung einer geschäftsführenden Regierung unter der Kontrolle einer UN-Friedenstruppe gekoppelt sein
solle. Die geschäftsführende Regie-

Laut AFP beging Generalleutnant
Muhammad Nabi Azimi, auch erster
Stellvertretender
Verteidigungsminister, angeblich Selbstmord nachdem
eine Woche zuvor eine von ihm kommandierte Offensive zum Entsatz der be
lagerten Garnison Khost gescheitert
war. Ca. 300 seiner Männer seien angeblich zu den Mujahedin übergelaufen, weitere 300 seiea gefangengenommen und die verbleibenden in einer
Schlacht getötet worden, in der die
Mujahedin seinen Truppen zahlenmäßig
überlegen gewesen seien.
Es gibt
keine offiziele Bestätigung für diese
Meldung.
Najibullahs jüngerer Bruder Mohammad
Siddique
alias Siddiqullah
lief Ende des vergangenen Monats zu
den Truppen von Ahmad Shah Mahsud im
Pandschir-Tal über.
Er wurde von
seiner Frau und seinen Kindern begleitet.
Der Afghan Agency Press zufolge
erklärt der Führer der Hesb-e Islami,
Gulbuddin Hekmatyar, in einer Pressekonferenz, daß das afghanische Volk
nach Opferung von 1,2 Millionen Menschen die Sowjetunion dazu gezwungen
habe, sich zum Abzug ihrer Truppen
innerhalb einer kurzen Frist bereitzuerklären.

- 21 -

�25. November

29. November

Die
Kabuler
Nachrichtenagentur
Bakhtar meldet, 300 Mujahedin unter
der Führung von Sher Ahmad Abbas Quli
hätten in der Provinz Herat ihre Waffen niedergelegt, um sich dem Prozeß
der nationalen Aussöhung anzuschliessen.

Bakhtar berichtet, daß die Loya
Jirga (Große Versammlung) heute morgen in der Halle des Polytechnischen
Instituts von Kabul unter Teilnahme
von 1 500 gewählten Volksvertretern
sowie ausländischen und afghanischen
Gästen eröffnet wird.

26. November
AFP berichtet, Pakistan habe eine
vom Kabuler Regime für den 29. November
einberufene
Stammesversammlung
zur Verabschiedung der neuen Verfassung und Wahl eines Staatspräsidenten
als Farce abgelehnt.

28. November
Bei einem terroranschlag in einem
Bazar von Peshawar werden 20 Menschen
verletzt, darunter zwei Frauen Und
zwei Kinder. Die Bombe explodiert in
einem
Btekleidungsladen
des MenaBazars und vernichtet mehrere Läden
in der Umgebung.
Bakhtar berichtet, daß 650 bewaffnete und Unbewaffnete Mujahedin
unter Führung Von Samruddih ihren
Kampf aufgegeben und sich dem Prozeß
der nationalen Aussöhnung in der Provinz Jowzjan angeschlossen haben.
Laut Radio Pakistan erobern Hu ja
hedin nach einwöchigem Kampf die Garnison Sangcharak (Provinz Jowzjart),
125 Kilometer Von der sowjetischen
Grenze entfernt.
Etwa 200 Kabuler
Regierungssoldaten sind Berichten zufolge getötet, 21 Soldaten und Offi
ziere gefangengenommen worden.
Ein
Bomber wird abgeschossen, sieben Pan
zer Uhd gepanzerte Fahrzeuge zerstÖft.

AFP meldet, daß das Polytechnische Institut von vier gewaltigen
Explosionen erschüttert wird, nachdem
Hujahedin Raketen von den Hügeln im
Westen Kabuls abfeuern. Die Raketen
explodieren während Najibullahs An
spräche vor der Versammlung. Im weiteren Verlauf der stundelangen Rede
Najibullahs kreisen Flugzeuge über
Kabul.
Westliche Journalisten, die nach
Kabul zur Beobachtung der großen Versammlung
eingeladen worden waren,
fahren nach dem Raketenangriff durch
Kabul und beobachten, daß afghanische
und sowjetische Soldaten eine Zone
von zwei Quadratkilometern um das Polyttechnikum abgeriegelt haben.
In seiner Eröffnungsrede gibt Na
jibullah Zu, daß das 160 Kilometer
südöstlich von Kabul gelegene Khost
von den Mujahedin belagert wird und
Nacht für Nacht 50 tonnen Nahrungs
mittel eingeflogen Werden, um die
40 0000 Einwohner der belagerten Gar
nisonsStadt zu ernähren.
In einem interview mit dem Londoner Sunday Telegraph erklärt der pakistanische Präsident Zia ul-Haq, internationale Präsenz sei absolut unerläßlich» um sicherzustellen, daß
dfer Rückzug vollständig und ernstge
meint sei und um eine Rückkehr der
sowjetischen Truppen zu verhindern.
Zur Zusammensetzung der geschäftsfüh
renden Regierung schlägt der Präsident vor, je ein Drittel solle aus

- 22 -

�Hujahedin, afghanischen Flüchtlingen
und Vertretern des Kabuler Regimes
bestehen.

30. November
Bakhtar zufolge verabschiedet die
Loya Jirga den neuen Entwurf für die
Verfassung der Republik Afghanistan
(zuvor Demokratische Republik Afghanistan) , in dem die Bedeutung der nationalen Aussöhnung bekräftigt wird.
Die Loya Jirga wählt außerdem Dr. Najibullah einstimmig zum Präsidenten
der Republik Afghanistan.
Die New York Times meldet, der
afghanische Staatschef Najibullah habe einen zwölfmonatigen Zeitplan für
den Abzug der sowjetischen Truppen
aus Afghanistan vorgeschlagen.
Ihm
zufolge sei dieser Vorschlag bereits
mit der sowjetischen Seite "ausgehandelt" worden.

1. Dezember
In einer Rede vor Oberschülern in
Florida erklärt Präsident Reagan, er
werde
Generalsekretär
Gorbatschow
beim
bevorstehenden
Gipfeltreffen
mitteilen, daß es für die Sowjets an
der Zeit sei, ein Datum für den Abzug
ihrer Truppen aus Afghanistan festzusetzen.
Der Londoner Times zufolge werden
12 Menschen in einer blutigen Auseinandersetzung zwischen Regierungssoldaten und privaten Bewachern eines
früheren Mujahedin-Kommandeurs getötet, der vor zwei Jahren zum Regime
übergelaufen und in den Rang eines
Generals befördert worden war. Die
Konfrontation
begann
als
General
Esmat Muslim, ein Delegierter der
Loya Jirga und Mitglied des Revolutionsrats der Regierung, versuchte,

gewaltsam eine Straßensperre zu passieren.
Bakhtar berichtet, der Charge
d'Affaires der pakistanischen Botschaft in Kabul sei ins Außenministerium zitiert worden, um eine Protestnote in Empfang zu nehmen. Der Note
zufolge waren am 28. November zwei
Menschen getötet und acht weitere
verletzt worden, nachdem
Boden-Boden-Raketen auf Grenztruppen in Dakka
und Grenzposten nahe Torkham abgefeuert worden waren.
Bakhtar zufolge greifen Mujahedin
Gebiete im Bezirk Khost (Provinz
Paktia) sowie in den Bezirken Sarkani
und Asmar (Provinz Kunar) mit Raketen
an und zerstören dabei Wohnhäuser und
töten mehrere Menschen.
Bakhtar berichtet über eine Pressekonferenz Dr. Najibullahs, des Präsidenten der Republik Afghanistan
(RA), in der dieser in- und ausländischen Journalisten, darunter auch
solchen aus dem Westen, die folgenden
Mitteilungen macht:
Die gesamte Auslandshilfe an Afghanistan belaufe sich auf 220 Millionen Dollar oder 11 Milliarden Afghanis für die sozio-ökonomische Entwicklung, 80 Prozent davon stammten
aus der Sowjetunion.
Die Sowjetunion stelle außerdem
"Gratishilfe" in Form von Primärgütern im Wert von Milliarden Afghanis
bereit.
In sieben Jahren seien 37 000
Flüchtlinge (im Durchschnitt 5 000
pro Jahr) heimgekehrt, während sich
diese Zahl in den neun Monaten seit
Verkündung der Politik der nationalen
Aussöhnung auf 100 000 Rückkehrer belaufen habe.

- 23 -

�In acht Jahren hätten sich 12 000
Angehörige oppositioneller bewaffne
ter Gruppen ergeben, während sich in
zehn Monaten nach Verkündung der Politik der nationalen Aussöhung 30 000
Personen "der Volkssouveränität** angeschlossen hätten. Die Zahl hätte
wesentlich höher liegen können, wenn
die pakistanischen und iranischen Behörden die Rückkehr von Flüchtlingen
nicht behindert hätten.
Der einseitige Waffenstillstand
sei bis 20. Juli 1988 verlängert worden. Der Gesamtzeitraum des Waffenstillstands belaufe sich damit auf
eineinhalb Jahre.
Der
einmalige
Mujahedin- Führer
Esmat Muslim sei krank und drogenund alkoholabhängig.
Dies sei auch
der Grund, warum er sich bei der Konfrontation mit Regierungstruppen an
einer Straßensperre vor der Loya
Jirga auf eine solche Art und Weise
benommen habe. Er sei früher bereits
in ärztlicher Behandlung gewesen und
befinde sich gegenwärtig im Kranken
haus.
In seiner Schlußrede vor der Loya
Jirga hatte Najibullah zuvor erklärt,
während des Krieges seien 10 000 junge Leute zur naturwissenschaftlichen
Ausbildung in die Sowjetunion ge
schickt worden.

2. Dezember
Eine gewaltige Autobombe explodiert vor dem alten Bezirksgericht in
Peshawar. Eine Person wird getötet,
11 weitere werden verletzt. Die Polizei nimmt einen Verdächtigen beim
Versuch fest, in das Stammesgebiet zu
fliehen.

3. Dezember
Radio Kabul zufolge empfängt Najibullah die Häuptlinge, Ältesten und
Vertreter
des
Zadran- Stammes
und
spricht mit ihnen über die Probleme
und Schwierigkeiten im Bezirk Khost.
An dem Treffen nimmt auch der Minister für Nationalitäten und Stammesangelegenheiten, Sulayman La'eq, teil.
Najibullah empfängt außerdem mehrere Älteste aus Kandahar, die als
Volksvertreter an der Loya Jirga
teilgenommen hatten.
Er weist die
zuständigen Gremien an, die Schwie
rigkeiten und Probleme der Menschen
von Kandahar zu lösen.

4. Dezember
In der Sendung ABC World News
Tonight erklärt der Direktor des Sowjetischen Instituts für weltwirtschaftliche und internationale Bezie
hungen, der gleichzeitig einer der
wichtigsten Berater Gorbatschows ist,
vor Journalisten, daß er den Abzug
der sowjetischen Truppen aus Afgha
nistan im Jahr 1988 erwarte.

5. Dezember
Radio Pakistan meldet den Abschuß
von sieben Artilleriesalven auf das
Gebiet nahe Ashakhel, nördlich von
Landi Kotal im Khyber-Bezirk. Dabei
seien vier pakistanische Frauen und
drei Kinder getötet worden.

6. Dezember
Radio Kabul zufolge werden im
Einklang mit Präsident Najibullahs
Amnestiedekret zur Freilassung von
5 000 Gefangenen 2 300 Häftlinge aus
dem Zentralgefängnis Pul-e Charkhi

- 24 -

�und weitere 94 aus dem Gefängnis von
Jalalabad entlassen.
Der Vorsitzende der Islamic Alliance of Afghan Mujahidin, Maulavi
Yunus Khalis, erklärt, daß die vom
pakistanischen Präsidenten Zia ul-Haq
vorgeschlagene Annahme einer Koalition mit den Kommunisten in Afghanistan der Annahme des Kommunismus
und dem Verrat an den afghanischen
Märtyrern und ihrem Kampf gleichkommen würde.

7. Dezember
Bakhtar berichtet, eine Gruppe
von 600 Männern unter Führung von Abdul Rahman habe die Beendigung des
Kampfes in der Provinz Herat versprochen.
AFP meldet, daß in dem ersten je
durchgeführten Raketenangriff auf eine pakistanische Garnisonsstadt ein
pakistanischer Soldat getötet und etwa zwei Dutzend verwundet worden seien, einige davon schwer. Afghanische
Truppen schießen Boden-Boden-Raketen
auf die Garnison Landi Kotal am Khyber-Pass ab, die etwa 50 Kilometer
von Peshawar entfernt liegt. Landi
Kotal ist das Hauptquartier der Miliz
und Armeeverbände an der Grenze.
Bald nach der Loya Jirga hatten
die Mujahedin ihre Aktivitäten an der
Hauptstraße zwischen Kabul und Torkham verstärkt. Nachdem die Mujahedin
die Straße an mehreren Stellen blokkiert haben, wird der Verkehr eingestellt.
Schwere Kämpfe werden aus
Dakka, Kama Daka, Monau und Nazian in
Afghanistan gemeldet, und die Leichen
von sechs während der Kämpfe getöteten Mujahedin werden nach Peshawar
zurückgebracht.
Am vierten Tag des
Beschüsses mit Mörsern und weitreichenden
Kanonen
aus
Afghanistan

schicken sich die Einwohner von Dörfern in der Umgebung von Landi Kotal
an, ihre Häuser zu verlacsen. Bewohner der Region veranstalten eine Demonstration gegen den Artilleriebeschuß aus Afghanistan.

8. Dezember
Bakhtar zufolge wird ein Protokoll für gegenseitige Zusammenarbeit
zwischen der Demokratischen Volkspartei Afghanistans (PDPA) und der Sozialistischen Partei des Jemen unterzeichnet .

9. Dezember
n

ie
westdeutsche
Tageszeitung
"Die Welt" berichtet, daß in den
nördlichen
Provinzen
Afghanistans
entlang der sowjetischen Grenze trotz
der Kabuler Schlagworte "Waffenstillstand" und
"nationale Aussöhnung"
neue Waffen gegen die Mujahedin eingesetzt werden. Einem Interview mit
einem Vertreter des Widerstandes zufolge, der nach einem dreimonatigen
Aufenthalt in der Provinz Balkh das
europäische Büro der Hezb-e-Islami in
Bonn besuchte, waren die Kämpfe angeblich so intensiv, daß viele sowjetische Dörfer am anderen Ufer des Amu
Darya evakuiert werden mußten.
Der Mujahid erklärt, die von den
Sowjets abgefeuerten Projektile führten zu beschleunigter Verwesung des
Körpers der getroffenen Personen.
Dies bedeute somit einen Angriff auf
den islamischen Glauben, demzufolge
der Körper eines im Heiligen Krieg
gefallenen Moslems nicht verfällt.
Die Sowjets verwendeten außerdem Bomben, die nur durch bestimmte Geräusche ausgelöst werden sowie Bomben,
die in der Luft explodierten und einen Regen scharfer Nägel auslösten.

- 25 -

�Die Sowjets verlegten sich zunehmend
auf Nachtoperationen unter Zuhilfenahme von Leuchtkugeln, durch die die
Mujahedin geblendet würden, da sie
nicht wie die sowjetischen Soldaten
mit Schutzbrillen ausgerüstet seien.

durchgeführt worden seien.
Regierungshubschrauber habe er selten be
obachtet.

Bakhtar zufolge übermittelt die
Loya Jirga eine Botschaft an UN-Generalsekretär Javier Perez de Cuellar,
derzufolge trotz der Einschüchterungspolitik und sogar blutiger Akte
der Behörden Pakistans und Irans über
120 000 Flüchtlinge heimgekehrt seien.

Die Teheraner Nachrichtenagentur
IRNA berichtet, daß die Mujahedin einen massiven Angriff afghanischer und
sowjetischer Truppen zur Beendigung
der
dreimonatigen
Belagerung
von
Khost vereitelt hätten. In ihrem Ge
genangriff töteten oder verwundeten
die Mujahedin 300 afghanische Solda
ten. Die vereinten afghanisch- sowje
tischen Streitkräfte landen daraufhin
500 Soldaten einer Kommandoeinheit,
die von den Mujahedin unter hohen
Verlusten
zurückgeschlagen
werden.
Außerdem schießen sie drei Flugzeuge
ab, deren Piloten ums Leben kommen,
und zerstören fünf Panzer und mehrere
gepanzerte Fahrzeuge. Etwa 150 afghanische Soldaten und Offiziere,
darunter ein Oberst, ergeben sich den
Mujahedin. Insgesamt werden von den
Mujahedin nach ihren eigenen Angaben
seit Beginn der Schlacht um Khost 800
kommunistische Soldaten getötet, verwundet oder gefangengenommen.

Radio Kabul berichtet, daß unter
dem Präsidialdekret vom 30. November
515 Gefangene freigelassen werden;
260 aus dem Kabuler Zentralgefängnis
Pul-e Charkhi, 196 aus Gefängnissen
in der Provinz Balkh und 59 aus Ge
fängnissen in der Provinz Farah.
Radio Pakistan berichtet, Mujahedin hätten in einem Raketenangriff 90
sowjetische und afghanische Soldaten
in Kandahar getötet oder verwundet.

12. Dezember
Radio Kabul zufolge feuern Muja
hedin Raketen und Mörsergranaten auf
die Stadt Maimanah (Provinz Faryab)
ab, wodurch 10 Menschen getötet und
34 verwundet wurden.
In einem Interview mit AFP erklärt ein französischer Arzt, der
sich zu humanitärer medizinischer
Versorgung in Afghanistan aufhält,
die Schlacht um Khost halte an. Dies
sei nicht länger ein Guerrilla-Krieg,
da die Schlachten zwischen den Muja
hedin und den von den Sowjets unterstützten afghanischen Truppen über
drei Wochen hinweg getobt hätten. Er
selbst habe Tag und Nacht unter massiven Luftangriffen gearbeitet, die
unter Zuhilfenahme von Leuchtkugeln

13. Dezember

14. Dezember
In einem Interview erklärt der
Abteilungsleiter für Angelegenheiten
des Nahen Ostens und Südasiens im
amerikanischen
Außenministerium,
Robert Peck, die Vereinigten Staaten
hofften, daß 1988 das Jahr des Rückzugs der sowjetischen Truppen aus Afghanistan sein werde.
Das Gipfeltreffen Reagan-Gorbatschow vom 8. bis
10. Dezember in Washington habe die
Grundlagen für weitere diplomatische
Bemühungen zur Beilegung des Afgha
nistan-Problems geschaffen, die bei
der nächsten Runde der Genfer Annähe
rungsgespräche im Februar verfolgt

- 26 -

�werden sollten.

15. Dezember
Ein Sprecher des amerikanischen
Außenministeriums erklärt, die Vereinigten Staaten warteten weiterhin
auf die Verkündung des Zeitplans für
den Rückzug der sowjetischen Truppen
aus Afghanistan.
21. Dezember
Dem Staatssekretär für politische
Angelegenheiten
im
amerikanischen
Außenministerium, Michael Armacost,
zufolge hoffen die Vereinigten Staaten, daß die für Februar angesetzten
Genfer Annäherungsgespräche über Afghanistan die letzten sein werden.
Er äußert dies bei der Vorstellung
des jährlichen Lageberichts des Aussenministeriums zu Afghanistan, in
dem das Jahr 1987 aufgrund der Erfolge des Widerstands im Kampf gegen die
sowjetisch-afghanischen
Streitkräfte
als "das Jahr der Mujahedin" eingestuft wird.

* * * * *

- 27

�AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

6. Januar 1987

AFGHANISTAN:

ACHT JAHRE SOWJETISCHER BESATZUNG

- Zusammenfassung eines Berichts des amerikanischen Außenministeriums

WASHINGTON - (AD) - Dem am 21. Dezember 1987 vom amerikanischen Außenminister ium veröffentlichten Bericht "Afghanistan: Acht Jahre sowjetischer Besetzung" zufolge ist der sowjetische Versuch, die Kontrolle über Afghanistan
zu erringen, gescheitert.
Der Konflikt hält an, aber "militärische, diplomatische und politische Ereignisse wenden sich zuungunsten der Sowjets".
Die Mujahedin haben als Freiheitskämpfer in vielen Bereichen die Initiative ergriffen, während die immer noch aktiven sowjetischen Streitkräfte nunmehr
eine eher reaktive Verteidigungshaltung eingenommen haben.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Zusammenfassung des Berichts:

Mach acht Jahren brutalen Krieges
gegen das afghanische Volk sind sowjetische
Versuche,
die
Kontrolle
über Afghanistan
zu erringen, gescheitert. Der Konflikt zwischen den
sowjetischen
Besatzungstruppen
und
dem afghanischen Widerstand hält an,
hat sich jedoch verändert. Tod, Zerstörung und Leiden eines unschuldigen
Volkes bestehen fort, aber militärische, diplomatische und politische
Ereignisse
wenden
sich
zuungunsten
der Sowjets. Der Druck könnte Moskau
letztlich
dazu
veranlassen,
sein
schreckliches
und
letztlich
aus-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

sichtsloses Unternehmen in Afghanistan zu beenden.
Im achten Jahr der sowjetischen
Besetzung ist die militärische Initiative in vielen Bereichen in die
Hände der Mujahedin übergegangen. Es
haben auf ihrer Seite in diesem Jahr
stärkere Kampfhandlungen mit saisonbedingten
Fluktuationen
stattgefunden. Das Regime verkündete im Januar
einen Waffenstillstand, der im Juli
und dann wieder im November verlängert wurde, seine Streitkräfte hielten ihre Verpflichtung zu dieser Waf-

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�fenruhe jedoch nicht ein.
Die sowjetischen Truppen waren
ebenfalls aktiver, nahmen letztlich
aber eher eine Verteidigungshaltung
ein, die sich auf Reaktion beschränkte.
In der zweiten Jahreshälfte zogen sie sich von mehreren isolierten
Stützpunkten zurück. Den Sowjets und
ihren afghanischen Vasallen ist ihre
uneingeschränkte
Vorherrschaft
am
Himmel entglitten. Sie haben in der
Luft und am Boden zunehmend Verluste
erlitten. Kabuls Soldaten sind wiederholt zu Hunderten desertiert und
der
Umfang
der
Streitkräfte
wird
hauptsächlich durch massive Zwangsverpflichtungen aufrechterhalten.
Trotz in diesem Jahr erfolgter
Bemühungen
sind
die
sowjetischen
Stellvertreter
in Kabul dabei gescheitert, Anreize für ihre Gegner
oder prominente neutrale Personen zu
schaffen, um gemeinsam eine von Najibullah (Najib) und seiner Demokratischen
Volkspartei
Afghanistans
(PDPA) beherrschte Regierung zu bilden.
Im Januar hat Najib eine Kampagne
zur
"nationalen
Aussöhnung"
verkündet.
Angebote zur Beteiligung
daran sind dem früheren afghanischen
Herrscher Sahir Schah, einer Reihe
prominenter parteiloser organisierter
Afghanen und Führern der Widerstand bewegung übermittelt worden, die dieses Angebot aber zurückgewiesen und
eine
"Aussöhnung"
mit
der
sowjetischen Vorherrschaft (auch wenn sie
in afghanischem Gewand
daherkomm'.)
verweigert haben. Das Regime hat in
diesem Jahr vermehrt Konzessionen gemacht, die jedoch für das afghanische
Volk auch nicht akzeptabel waren.
Das von Moskau gewählte Herrschaftsinstrument, die PDPA, ist geschwächt worden.
Die Zersplitterung
der Partei ist durch den Ausschluß
des
früheren
Parteiführers
Babrak

Karmal und
seiner Anhänger
weiter
fortgeschritten.
Obwohl Najib, auch
innerhalb
der Partei, nur geringe
persönliche
Unterstützung
erfährt,
ernannte er sich im September zum
Staatsoberhaupt.
Als
im
Dezember
durch eine unrechtmäßige, von Parteimitgliedern
durchsetzte
Versammlung
eine neue Verfassung geschaffen wurde, ließ sich Najib zum Präsidenten
wählen
Bei dieser Sitzung änderte
das Regime seinen Namen von "Demokratische Republik Afganistan" (DRA) in
"Republik Afghanistan" (RA).
Der afghanische Widerstand stellt
weiterhin in allen Teilen des Landes
eine Herausforderung für die Sowjets
und die Kontrolle des Regimes dar.
Im vergangenen Jahr ist er jedoch zu
einer noch größeren Bedrohung geworden.
Die militärischen Fähigkeiten
der Mujahedin haben in vieler Hinsicht zugenommen - eine verbesserte
Kooperation und Luftverteidigung bedeuteten, daß viele Landesteile effektiv von der Kontrolle der Sowjets/des
Regimes
befreit
wurden.
Die Moral der Mujahedin ist besser
denn je. Die politische Zusammenarbeit innerhalb der Allianz der sieben
Parteien umfassenden Widerstandsbewegung in Peshawar hat sich verbessert.
Im Oktober wählten die Mitglieder der
Allianz Maulavi Mohammed Yunis Khalis
von der Hesb-e-Islami-Partei für eine
Amtszeit von 18 Monaten zu ihrem
"Rais" oder Führer.
Die von den Vereinten Nationen
unterstützten Gespräche über Afghanistan wurden im Jahr 1987 fortgeführt.
Die
Annäherungsgespräche
zwischen Pakistan und dem Kabuler Regime - haben Meinungsverschiedenheiten über einen Zeitplan für den sowjetischen Rückzug - das einzige noch
ungelöste Problem - verringert.
Im
März und im September
verringerte
sich der Zeitraum zu den von Kabul

- 2 -

�vorgeschlagenen 16 Monaten und den
von Pakistan vorgeschlagenen acht Monaten. Gegen Jahresende schlug Najib
vor, Kabul könne möglicherweise 12
oder weniger Monate akzeptieren.
In der Diplomatie haben die Sowjets versucht, auf internationaler
Ebene die Legitimation der Regierung
zu verbessern, indem sie aus Kabul
Emissäre
zu
einem
sechsmonatigen
weltweiten diplomatischen Werbefeldzug entsandten.
Kabul verzeichnete
im Hinblick auf seine diplomatische
Anerkennung einige Gewinne, dennoch
scheiterten die Bemühungen als Ganzes.
Andere Länder verurteilen weiterhin die Besetzung und weisen sowjetische Behauptungen zurück, es gäbe eine andere Lösung der Probleme in
Afghanistan
als
den
sowjetischen
Rückzug.
Bei der Generalversammlung
im November sprachen sich 123 Nationen, die größte bis jetzt erzielte
Zah', für eine Resolution aus, mit
der der ;;nm\ttelbare und vollständige
Rückzug ausländischer Streikräfte aus
Afghani itan gefordert wurde. Die Resolution ist mit generell zunehmenden
Mehrheiten in jedem Jahr seit der sowjetischen Besetzung Afghanistans am
27. Dezember 1979 verabschiedet worden.

Washington haben Erwartungen geweckt,
daß die UdSSR einen annehmbaren Vorschlag zum Rückzug vorlegen würde.
Tatsächlich haben sich die Sowjets
geweigert, sich auf einen "eindeutigen Termin" für einen Truppenabzug
festzulegen.
Die Welt wird den sowjetischen Absichten weiterhin skeptisch gegenüberstehen, wenn die Sowjets nicht einer Regelung zustimmen
- die sie dann auch durchführen -,
die den bedingungslosen, schnellen
und vollständigen Abzug ihrer Truppen
vorsieht.

Perspektiven:
Die Aussicht auf
den Frieden hat erhebliche Anziehungskraft bei einem Volk, das neun
Jahre der Tyrannei und acht Jahre
ausländischer Besetzung erlitten hat.
Aber die Afghanen haben eindeutig erklärt, daß sie keinen Frieden zum
Preis einer fortgesetzten Fremdherrschaft akzeptieren werden.
Moskau
hat wiederholt erklärt,
le | itische Entscheidung zum Abzug is;: getroffen worden",
Öffentliche Erklärungen der Sowjets im Vorf&lt; Ld
Gipfeltreffens
zwischen
R igan
tu.tschow im Dezember in
- 3 -

* * * * *

�AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

'V IO N **

6. Januar 1988

DIE AUFRÜSTUNG DER SANDINISTEN
- Ein Hintergrundbericht -

WASHINGTON - (AD) - In einer am 12. Dezember 1987 gehaltenen Rede deutete
der nicaraguanische Verteidigungsminister Humberto Ortega an, daß die militärische Aufrüstung der Sandinisten wesentlich umfangreicher ist als in der Vergangenheit vom amerikanischen Außenministerium angenommen wurde.

"Wir
haben gegenwärtig
250 000
Menschen zu unserer Verteidigung organisiert und bewaffnet. Wir werden
diese Bemühungen
nicht aufgeben."
Darüber
hinaus prahlte er:
"Bald
werden wir ca. 300 000 Menschen haben
und
wir
werden
versuchen,
etwa
600 000 angemessen ausgebildete und
organisierte Leute in den Reihen der
allgemeinen Verteidigung des Landes
zu haben." Die erstgenannte Zahl von
250 000 liegt um mehr als das Doppelte über der letzten Schätzung des
amerikanischen Außenministeriums vom
Oktober
1987.
Ortegas
Anspruch,

United States Information Service
Embassy of the United States of America

letztlich eine Zahl von 600 000 militärisch ausgebildeten Personen zu erlangen, weckt erhebliche Zweifel an
der Ernsthaftigkeit der sandinisten
im Hinblick auf das Friedensabkommen
in Mittelamerika.
Ortegas Rede wurde augenscheinlich durch Fragen veranlaßt, die ihm
von
der
Tageszeitung
"Washington
Post" im Nachgang zu einem Interview
mit Roger Miranda Begoechea, einem im
Oktober 1987 in die Vereinigten Staaten übergelaufenen Major der Sandinistischen Volksarmee, gestellt wurden.

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Zum Zeitpunkt seines Übertritts war
Miranda seit 1982 Chef im Sekretariat
des nicaraguanischen Verteidigungsministeriums und Mitglied des Zentralkomitees der Sandinisten. Das Sekretariat ist die einzige Organisation,
die Verteidigungsminister Ortega direkt unterstellt ist. Dadurch wurde
dem damaligen Major Miranda mehr exekutive Macht eingeräumt als dem Chef
des Generalstabs, einem Generalmajor.
Zweimal
hat
Verteidigungsminister
Ortega - vielleicht unbeabsichtigt Mirandas
Aussagen
erhärtet.
Zum
Zeitpunkt von Mirandas übertritt erklärte Ortega, Miranda sei der wichtigste und potentiell gefährlichste
Überläufer der Sandinistisschen Front
gewesen, den es jemals gegeben habe.
Ortegas Rede vom 12. Dezember verlieh
den Angaben Mirandas zusätzliche Beweiskraft, da sie stattfand, bevor
Ortega
exakt
wissen
konnte,
was
Miranda
in
einem
mit
Sperrfrist
versehenen Interview am 10. Dezember
gesagt hatte.
Bei seiner Flucht nahm Miranda
Dokumente mit, die seinen Angaben zufolge geheime Protokolle über militärische Zusammenarbeit mit der Sowjetunion enthalten. Die "Washington
Post" verwies darauf, daß diese "Verstärkungen bei Personal und von den
Sowjets gelieferter Ausrüstung vorsehen, die im Falle ihrer Verwirklichung in den nächsten sieben Jahren
etwa ein Fünftel der heutigen Bevölkerung unter Waffen stellen würden".

Miranda machte zusätzliche Angaben zu
folgenden Themen:

1. Militärische Themen
- Die Strategie der Sandinisten für
die anhaltende militärische Aufrüstung.
- 2

- Kubanische und sowjetische
ter in Nicaragua.
- Das Direktorat
Aufklärung.

für

Bera-

Militärische

- Ausrüstung, Struktur, Kommunikationswesen und Taktik der sandinistischen Armee.
- Abkommen mit der Sowjetunion über
Bestand
und
Instandsetzung
für
die sandinistische Luftwaffe.
- Neue Ausrüstung
ischen Marine.

der

sandinist-

- Verkauf
nordkoreanischer
an Nicaragua.

Waffen

- Kommunikations- und Informationssysteme des Verteidigungsministeriums.
- Abhörfähigkeiten in Nicaragua.
- Unterstützung der Guerilla in El
Salvador durch die Sandinisten.

2. Politische Themen
- Angaben zu Lebenslauf und Lebensführung hoher und mittlerer Vertreter der Sandinisten.
- Geschäftliche
Aktivitäten
Sandinisten-Commandantes.

der

Zu den wichtigsten Enthüllungen
gehört die Tatsache, daß die Sowjets
den Sandinisten die Lieferung von
Kampfflugzeugen des Typs MiG-21 versprochen haben, die nach 1991 erfolgen soll. Die Sandinisten haben ausserdem um Lieferung von zusätzlichen
Hubschraubern der Typen Mi-25 HIND-D
und Mi-17 HIP sowie eines Transportflugzeuges vom Typ AN-26 gebeten.

�Die
Sandinisten
beabsichtigen,
Armee und Miliz auf eine Gesamtstärke
von 500 000 Mann auszubauen.
Die
Lieferung einer großen Zahl zusätzlicher Schützenpanzer, Geschütze auf
Selbstfahrlafetten,
PanzerabwehrWaffen, Boden-Luft-Raketen sowie Flugabwehrgeschütze wird erwartet oder wurde schon ausgeführt. Für die Marine
werden drei neue 400-Tonnen Schiffe
aus der Sowjetunion erwartet.
Miranda zufolge sind die Commandantes der Sandinisten davon überzeugt, daß der einzige Weg zur Sicherung der Entwicklung ihres marxistischen Programms in Nicaragua darin
besteht, eine mächtige Armee aufzubauen.
"Man kann Vereinbarungen unterzeichnen, man kann den Anschein
von mehr Flexibilität im politischen
System erwecken, aber worüber sie
niemals
verhandeln werden
ist die
Entwicklung der sandinistischen Armee. Sie wissen, daß sich ihre Macht
langfristig auf den umfang dieser Armee
gründet,"
erklärte
er
der
"Washington Post".
Die Sandinisten
"verspüren keinerlei Wunsch, über die
Größe der Armee zu verhandeln, die
sie in Nicaragua zu unterhalten planen.
Ja, sie werden an Gesprächen
teilnehmen.
Aber nach Monaten der
Diskussion werden sie erklären, daß
sie keine Vereinbarung erzielt haben.
Meiner Meinung nach ist dies der verwundbarste Punkt - an dem sie die geringste Neigung zeigen, Frieden in
Mittelamerika herbeizuführen."
Laut Miranda fuhren die Sandinisten trotz des Friedensplans für
Mittelamerika
fort, die salvadoranischen Untergrundkämpfer zu unterstützen.
Auf Bitten des GuerrillaFührers Joaquin villalobos erklärte
sich Humberto Ortega im September
1987 bereit, salvadoranische Guerrillas in der Bedienung von Boden-LuftRaketen auszubilden. Gegen Ende Ok-

tober 1987 schlössen 15 salvadoranische
Guerrillas
einen
35tägigen
Lehrgang für die Bedienung verschiedener Boden-Luft-Raketen ab.
Die in
Managua durchgeführte Ausbildung war
von den sandinistischen Commandantes
gebilligt worden.
Die Operation für den Waffennachschub wird von einer unter dem Namen
"Das Büro" bekannten Geheimorganisation durchgeführt, die von Commandante Bayardo Arce geleitet wird. Waffen für Guerrilla-Gruppen in El Salvador, Costa Rica, Kolumbien und andere lateinamerikanische Länder kommen mit Linienflügen oder -schiffen
in Managua an, wo sie gelagert werden.

Der mittelamerikanische Friedensplan
als Waffe zur Entwaffnung der Widerstandskämpfer
Die
Sandinisten
beabsichtigen
nicht, die Friedensvereinbarungen von
Guatemala einzuhalten.
Den Sandinisten wurde von kubanischen und sowjetischen Beratern angeraten, von "Demokratie", "Pluralismus" und "Freiheit" zu reden. Das Ziel, einen marxistischen
Staat aufzubauen, solle
heruntergespielt
werden.
Dazu
Miranda:
"Sie (die Sandinisten) haben nicht den Willen, diesen Frieden
zu erlangen...
sie hatten mit den
Sowjets und Kubanern schon eine Vereinbarung
für die
(sandinistische)
Armee für die nächsten acht Jahre getroffen... Mit welchem Wunsch werden
sie denn dann von Frieden reden, wenn
sie gleichzeitig im Hinterkopf an die
Schaffung einer der mächtigsten Armeen Lateinamerikas denken - mit einer Bewaffnung, wie nur wenige andere
Armeen in Lateinamerika sie besitzen?... Die Sandinisten sind langsam
zu der Erkenntnis gelangt, daß der
Widerstand auf dem Lande eine Basis
der Unterstützung besitzt - eine be-

- 3 -

�deutende gesellschaftliche Basis. In
der Tat ist dies eine grundlegende
Tatsache, um zu erklären, warum sie
nach so vielen Offensiven der sandinistischen
Armee
immer
noch
dort
sind.
Der Widerstand auf dem Lande
bewegt sich wie ein Fisch im Wasser."
Als Reaktion auf ein etwaiges direktes
Singreifen
der
Vereinigten
Staaten in Nicaragua planen die Sandinisten Invasionen in Costa Rica und
Honduras sowie die Gefangennahme von
US-Amerikanern und Erbeutung amerikanischen Eigentums.

* * * * *

- 4

�AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

6. Januar 1983

BEGINN DES WAHLPROZESSES MIT VORWAHLEN UND PARTEIVERSAMMLUNGEN
- Wichtige Termine im Vorfeld der Wahlen 1988 -

WASHINGTON - (AD) - Der lange Auswahlprozeß der republikanischen und demokratischen Kandidaten für die Präsidentschaftswahlen in den Vereinigten
Staaten 1988 umfaßt eine komplizierte Vielzahl von Vorwahlen in den Bundesstaaten, Parteiversammlungen und Parteikonventen.

Das Ziel dieser Veranstaltungen
ist die Benennung von Delegierten der
einzelnen Bundesstaaten für die nationalen Parteikonvente beider Parteien, die im Jahr 1988 für die Demokraten vom 18. bis 21. Juli in Atlanta und für die Republikaner vom
15. bis 18. August in New Orleans
stattfinden werden.
Jeder Bundesstaat bestimmt sein
eigenes System, die meisten wenden
jedoch eine der folgenden vier Arten
von Vorwahlen an:

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Vorwahl zur Auswahl von Delegierten, bei der die Namen der Präsidentschaftskandidaten
nicht
im
einzelnen
auf den
Stimmzetteln
erscheinen; es werden lediglich
Kandidaten
für den
Delegierten
beim
Parteikonvent
aufgeführt,
wobei diese ihre Präferenz für
einen
Präsidentschaftskandidaten
angeben können, aber nicht müssen.
Vorwahl mit Empfehlungen für einen
Präsidentschaftskandidaten,
bei der die Wähler auf
ihren
Stimmzetteln
sowohl
Präsident-

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�Schaftskandidaten als auch Delegierte für den Parteikonvent anKreuzen können, die entweder einen bestimmten Präsidentschaftskandidaten bevorzugen oder keine
Präferenz angeben.
- Rechtsverbindlicher Wettkampf mit
nur einem Gewinner, bei dem die
Ergebnisse der Wahl für den Präsidentschaftskandidaten
die Bezirksdelegierten
des
Präsidentschaftswahlkampfes in jedem Kongreßwahlbezirk
bestimmen
sowie
die Delegierten der Bundesstaaten
für den Gewinner im gesamten Bundesstaat.
- Vorzugsvorwahlsystem mit verhältnismäßiger
Vertretung, bei der
die Ergebnisse der Wahl des Präsidentschaftskandidaten
diesem
Kandidaten Delegierte im Verhältnis zum Wahlergebnis jedes einzelnen Kandidaten zuordnen.
Diese Prozesse der Vorwahlen werden in zahlreichen Staaten durchgeführt.
Dabei bilden Bürger Gruppen
zur öffentlichen Unterstützung eines
Kandidaten und wählen dann auf einer
Grundlage, die im Verhältnis zur Beliebtheit des Kandidaten steht, Gruppenmitglieder aus, die an den später
stattfindenden
Parteikonventen
der
Einzelstaaten teilnehmen, bei denen
dann die Delegierten für die nationalen Parteikonvente ausgewählt werden.
Nachfolgend
veröffentlichen
wir
die Termine der demokratischen (D)
und
republikanischen
(R) Vorwahlen
(primaries - p ) , Parteiversammlungen
caucus - C) und Parteikonvente für
die
amerikanischen
Bundessstaaten.
Wenn keine Parteizugehörigkeit angegeben ist, finden die Veranstaltungen
für beide Parteien zum selben Termin
statt.

- 2

�14. Januar
Michigan
27. Januar
Hawaii
29. Januar
Michigan
8. Februar
Iowa
16. Februar
New Hampshire
23. Februar
Süd-Dakota

(R) (Bezirkskonvent)
(R) (C)
(R) (Parteikonvent im Staat)
(C)
(P)
(P)

Minnesota
27. Februar
Kansas
28. Februar
Maine
1. März
Vermont
5. März
Süd-Carolina

(C)

(C)

Kansas

(R) (Parteikonvent im Staat)

Wyoming
8. März
Alabama

(C)
(P)

Arkansas

(P)

Florida

(P)

Georgia

(P)

Hawaii

(D) (C)

Idaho

(D) (C)

Kentucky

(P)

Louisiana

(P)

Maryland

(P)

Massachusetts

(P)

Mississippi

(P)

(R) (Bezirkskonvent)

(P) (unverbindlich)
(R) (P)

- 3

�Missouri
Nevada

Nord-Carolina
Oklahoma
Rhode Island
Tennessee
Texas
Virginia
Washington
10. März
Alaska
12. März
Süd-Carolina
14. März
Nord-Dakota
15. März
111 i no i s
19. März
Kansas
Wyoming
26. März
Michigan
29. März
Connecticut
4. April
Colorado
5. April
Wisconsin
16. April
Arizona
10. April
Utah
19. April
New York
Vermont
21. April
Nevada
25. April
Utah

�26. Apri 1
Pennsylvania

(P)

Vermont
3. Mai
District of Columbia

(R) (C)

Indiana

(P)

Ohio
10. Mai
Nebraska

(P)

West Virginia
14. Mai
Arizona
16. Mai
Delaware
17. Mai
Oregon
24. Mai
Idaho
7. Juni
Kalifornien

(P)

(P)

(P)

(R) (Parteikonvent im Staat)
(C)
(P)
(P)
(P)

Montana

(P)

New Jersey

(P)

Neu-Mexico
14. Juni
Nord-Dakota
16. Juni
Alaska

(P)
(P)
(R) (Parteikonvent im Staat)

******

- 5 -

�AMERIKA DIENST
^7

a

Wissenschaft und Technik
b. Januar 1938

NEUER IMPFSTOFF GEGEN TYPHUS
- Gute Schutzwirkung - geringe Kosten - leicht anwendbar -

WASHINGTON - (AD) - Massenimpfungen in Ländern der Dritten Welt sind wegen
der damit verbundenen technischen und organisatorischen Schwierigkeiten noch
immer ein Problem. Eine Ausnahme bildete bisher nur die Immunisierung gegen
Pocken. Diese gefürchtete Infektionskrankheit, die für Millionen von Menschen
Erblindung, Entstellung oder den Tod bedeutet hatte, konnte dank der Impfaktionen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ausgerottet werden.
Es sind
jetzt zehn Jahre her, daß der WHO der wohl letzte durch natürliche Ursachen
ausgelöste Fall aus Afrika (Merka in Somalia) gemeldet wurde.

Ein in gewisser Weise vergleichbares Ergebnis erhoffen sich Wissenschaftler der amerikanischen Medizinischen
Bundesforschungsanstalten
(National Institutes of Health - NIH)
von einem neuartigen Impfstoff gegen
Typhus.
Wie Dr. Charles Lowe vom
NIH-Institut für Kindergesundheit und
menschliche Entwicklung (National Institute of Child Health and Human
Development - NICHD) kürzlich berichtete, erwiesen sich die klinischen
Versuche mit dem in seinem Institut
entwickelten Impfstoff in Nepal als
überaus vielversprechend.
Innerhalb

United States Information Service
Embassy of the United States of America

von 17 Monaten gingen in den für die
Erprobung
ausgewählten
Dörfern
die
Erkrankungsziffern
im Vergleich
zu
den Kontrollgruppen, die ein Placebo-Präparat erhielten, um 75 Prozent
zurück.
Die Vakzine wird aus einer zukkerähnlichen Substanz in der Außenhülle des Typhusbakteriums gewonnen.
Schon eine einzige Dosis bewirkt Immunität - und der dafür benötigte
Impfstoff kostet nur einen Cent, d.h.
nicht einmal zwei Pfennige.
Demgegenüber haben die beiden anderen ge-

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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�genwärtig verfügbaren Impfstoffe erhebliche Nachteile:
Der eine, der
aus kompletten Bakterienzellen gewonnen wird, erfordert zwei bis drei Injektionen, hat schwere Nebenwirkungen
(verursacht u.a. Schwellungen, Fieber, Kopfschmerzen) und erfordert alle zwei bis drei Jahre Auffrischungsimpfungen zur Erhaltung der Immunität. Pro Dosis kostet er 1,25 Dollar.
Der zweite Impfstoff wird in Pillenform verabreicht.
Aber es müssen
drei oder vier Dosen gegeben werden,
um einen Schutz zu erreichen, der etwa dem entspricht, der durch die neue
Vakzine mit nur einer einzigen Dosis
erzielt wird. In Entwicklungsländern
sind jedoch Impfungen mit Mehrfachdosen schwer durchführbar.
Ebenso machen die erwähnten Nebenwirkungen der
erstgenannten Vakzine ihre Anwendung
schon allein aus diesem Grund in Ländern der Dritten Welt praktisch unmöglich. Ein weiterer ganz wichtiger
Vorteil des neuen Impfstoffes:
Er
braucht nicht gekühlt zu werden, was
bei den meisten anderen Vakzinen ein
schwerwiegender Hinderungsgrund ist,
um -ue z.B. in tropischen Ländern mit
eineiT nur unzulänglich funktionierenden Gesundheitswesen und lückenhafter
Infrastruktur einzusetzen.
In Entwicklungsländern erkranken
jährlich ungefähr 50 Millionen Menschen am Typhusfieber, viele sterben
darein. Das Risiko ist dort am größten,
wo
Nahrung
und
Wasser
mit
menschlichen Ausscheidungen verunreinigt: sind, oder in Entwicklungsländern, wo Naturkatastrophen wie Erdbeben oder Hochwasser Kanalisation und
Kläranlagen beschädigen oder zerstören.
Der neue Impfstoff wurde von einer
internationalen
Forschergruppe
aus den USA, Schweden, Frankreich und
Nep. •' an 7000 freiwilligen Versuchs- 2

personen im Alter zwischen fünf und
44 Jahren erprobt. Die Wissenschaftler kontrollieren auch künftig den
Antikörper-Spiegel bei den Probanden,
um Erfahrungen darüber zu sammeln,
wie lange der Schutz anhält.
In
Frankreich und Mexiko wurden die Vakzine bereits zugelassen.
Dr. Lowe
erwartet die Genehmigung für die Vereinigten Staaten nach Abschluß der
Nepal-Studie im März 1988. Ein ebenfalls am NICHD entwickelter, aber
noch wirksamerer Impfstoff gleichen
Typs, der
das Immunsystem
stärker
stimuliert, soll helfen, Kinder unter
zwei Jahren und ältere Menschen besser gegen eine Typhuserkrankung zu
schützen.

�THEMENINDEX AMERIKA DIENST 1987
Nachstehend eine Liste der Themen, die im Amerika Dienst 1987
erschienen sind. Sie gibt einen Überblick über die wichtigsten Themen
kreise. Angegeben ist jeweils die Nummer der Ausgabe, in der das betreffende Thema behandelt wird.

THEMENKREIS

NUMMERN DER AUSGABEN

Afghanistan

1, 25

Mittelamerika

7, 17, 28, 30, 31, 36, 37,

Südafrika

8, 35

Martin Luther King

2

Vereinigte Staaten
Haushalt 1987/88
Botschaft zur Lage der Nation
Reagans Jahreswirtschaftsbericht
Strategie zur Nat. Sicherheit
Tran/Geiseln - Waffenaustausch
icht der Tower-Kommission
'. Jahrestag "Stimme Amerikas"
Marshall-?lan
Nominierungen
Amb. Burns Nachruf
Handelsminister Baldrige Nachruf
Unabhängigkeitstag
Amerikanische Verfassung
Privatisierungskommission
Reagan-Besuch in Bonn
Berliner Mauer
Prokl. "Tag der Deutsch-Amerikaner"
weltfrieden
Shultz/Informationsfluß

1 -

2
4
5
5, 6, 7, 8
9, 11
9
9
21, 22
10, 21, 28, 36, 40
24
27
24
29, 33
31
23
28
35
30
36

�Ost-West-Beziehungen
und
Rüstungspolitische Themen
Abrüstung/Rüstungskontrolle

Reagan/Gorbatchow Gipfeltreffen
Ost-West-Beziehungen
Spionage Moskauer Botschaft
Null-Lösung
SDI
NATO
INF
ABM
Kern- u. Weltraumwaffen

3, 5, 10, 11, 13, 15, 16, 17,
18, 20, 22, 24, 26, 27, 29,
37, 38, 42, 43
39, 42, 43, 44
30, 33
14
16
11, 37, 42
11, 23, 29, 31
9, 12, 15, 18, 27, 29, 32,
33, 34, 35, 38, 39, 40, 43, 44
10, 13, 19, 32
35

Internationale Probleme
Wirtschaft, Handel u. Finanzen
Wirtschaftsgipfel Venedig
Sonderausgaben zum Wirtschaftsg.
Terrorismus
Kommunismus
Drogen
Menschenrechtsverletzungen
Tschernobyl
Persischer Golf
Ozonloch

10, 14, 15, 16, 17, 18, 22,
25, 26, 34, 37, 38, 41
22, 23
21. Mai u. 1. Juni 1987
4, 22, 24
2
8, 9, 20, 21, 39
10
17
21, 22, 26, 34, 37, 38
42

Wissenschaft und Technik
Rauchen
NASA
Weltraum allgemein
Forschung
AIDS
Krebs

1
2, 4, 15, 22, 34, 40, 44
5, 21
3, 7, 23, 43
12, 13, 16, 21, 40, 41
11, 14, 24

�Reden und Erklärungen des amerikanischen Botschafters
Richard R. Burt
18. Januar 1987
Die vereinigten Staaten und die Bundesrepublik Deutschland:
Moderne Gesellschaftssysteme und ihre Herausforderungen
(Tönnissteiner Kreis)

11. Februar 193 7
Die amerikanisch-europäischen Wirtschaftsbeziehungen:
Mythen und Verpflichtungen
(industrie-Club, Düsseldorf)

1.

April 1987
Die wiedergeborene Null-Lösung
(Der Artikel wurde am 18. März 1987 in der New York Times
veröffentlicht)
AD Nr. 12

8.

April 1987
Warum amerikanische Truppen in Europa bleiben sollen
AD Nr. 13 - 8. April 1987

15. April 1987
Glasnost und der Konsens im Westen
- Ansprache in Berlin -

5.

Mai 1987
Burt: Deutsch-amerikanische Zusammenarbeit Schlüssel zur
Rüstungskontrolle
- Rede in Ansbach -

20. Mai 1987
Glasnost und das Bündnis
- Rede vor der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik -

25. Juni 1987
Der Marshall-Plan: Politik der Vision
- Rede aus Anlaß des 40. Jahrestages der Verkündung des
Marshall-Plans in Berlin -

- 3 -

�4.

November 1987
Die Weltwirtschaft: Perspektiven für eine geteilte Verantwortung
- Rede vor der Amerikanischen Handelskammer in der Bundesrepublik
(Atlantik-Brücke, Industrie- und Handelskammer Mittlerer Neckar,
Stuttgart)

16. November 1987
Ist die NATO noch zeitgemäß
- Rede vor der Hanns-Seidel-Stiftung in München AD Nr. 41, 19. November 1987

25. November 1987
Die Revolution im Informationswesen und die deutsch-amerikanischen
Beziehungen
- Rede auf dem Bertelsmann-Forum, Gütersloh Sonderdienst 25. November 1987

- 4 -

�Sonderdienste

26. März 1987
Die sowjetische Militärmacht 1987
(Sechste Dokumentation des US-Verteidigungsministeriums)

15. Juni 1987
Berliner Mauer niederreißen für die Sache des Friedens
- Ansprache Präsident Reagans vor dem Brandenburger Tor

14. August 1987
Reagan optimistisch über Abschluß eines Abrüstungsabkommens
- Fernsehansprache des Präsidenten -

27. August 1987
Reagan: Offenheit bei sowjetischen Militärangelegenheiten
- Rede Präsident Reagans zu Ost-West-Beziehungen -

3.

Dezember 1987
Chronologie der Entwicklung im Bereich der Mittelstreckenwaffen (IMF)
- 1977 bis 1987 -

7.

Dezember 1987
Hintergrundmaterial zum Gipfeltreffen zwischen Präsident Reagan und
Generalsekretär Gorbatschow in Washington
- 7. bis 10. Dezember 1987 -

* * * * * *

- 5 -

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Chronologie der Ereignisse In Afghanistan&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Juni bis Dezember 1987&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Afghanistan: Acht Jahre sowjetischer Besatzung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Zusammenfassung eines Berichts des amerikanischen Außenministeriums&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Aufrüstung der Sandinisten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Ein Hintergrundsbericht&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Beginn des Wahlprozesses mit Vorwahlen und Parteiversammlungen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Wichtige Termine im Vorfeld der Wahlen 1988&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Neuer Impfstoff gegen Typhus&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Gute Schutzwirkung - geringe Kosten - leicht anwendbar&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Themenindex&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Amerika Dienst 1987</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST
^7-oN

1 6 . Dezember 1987

44

I N H A L T
DOKUMENTATION
Verhandlungen über strategische Waffen sollen intensiviert werden
- Gemeinsame AbSchlußerklärung zum Gipfeltreffen Reagan-Gorbatschow
Reagan: 'Fortschritte* bei Gesprächen über START-Vertrag erzielt
- Erklärungen Reagans und Gorbatschows zum Abschluß des
Gipfeltreffens Enge Konsultationen mit den Europäern über INF
- Rede Präsident Reagans vor dem CSIS Amerikaner und Sowjets vereinbaren gemeinsames Verifizierungsexperiment
- Gemeinsame Erklärung der Außenminister -

HINTERGRUNDMATERIAL
Der INF-Vertrag
- Ein kurzer Abriß des US-Amtes für Rüstungskontrolle

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Technische Vorvereinbarungen über Raumstation
- NASA wählte die Vertragsfirmen aus -

Wir wünschen unseren Beziehern ein
frohes und gesegnetes Weihnachtsfest
und ein
friedliches und erfolgreiches Neues Jahr

* * * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�AMERIKA DIENST y
VON

*

Dokumentation
16.

44

. '87

VERHANDLUNGEN ÜBER STRATEGISCHE WAFFEN SOLLEN INTENSIVIERT WERDEN
Gemeinsame ^bsch'ußerklärung zum Gipfeltreffen Reagan-Gorbatschow -

WASHINGTON - (AD) Präsident Reagan und Generalsekretär Gc
Ihr Washingtoner Gipfeltreffen mit einem Appell an ihre unterhandlet in Genf
abgeschlossen, die Arbeiten an einem Vertrag zur 50prozentige i Reduzierung
strategischer Raketen "zum frühestmöglichen Zeitpunkt abzuschließen, am best-n
zeitig genug, um den Vertrag in der ersten Hälfte des Jahres 198(3 "u unt\e\zeichnen".
lachfolgend veröffentlichen wir die gemeinsame Schlußerklärung

Der
Präsident
der
Vereinigten
Staa'-.en
von
Amerika,
Ronald
w.
Reagan, und der Generalsekretär des
Zentralkomitees
der
Kommunistischen
Partei der Sowjetunion, Michail S.
Gorbatschow, haben sich vom 7. bis
10. Dezember 1987 in Washington getroffen.
Teilnehmer an diesem Treffen waren auf amerikanischer Seite Vizepräsident George Bush; Außenminister
George
P. Shultz; Verteidigungsminister Frank c. carlucci; Stabschef
Howard H. Baker; Präsidentenberater

United States Information Service
Embassy of the United States of America

in fori lau :

General Colin L. Powell; d-sr E i
des
Außenminist&lt;:. riums ,
Bouschaf t*.-1
Max M. Kampelman,- der Botschafter Z'.r
besonderen Verwendung und Sonderberater des Präsidenten und des Außenministers
in
Riistungskontrollf ragen,
Paul H. Nitze; der Sonderberater d' s
Präsidenten und des Außenministers in
Rüstungskontroi 1fragen,
Botschaft-t
Edward L. Rowny; der Vorsitzende der
Vereinigten
Stabschefs,
Admiral
William J. Crowe, Jr. ; der amerikanische Botschafter in der UdSSR, Ja;:k
F. Matlock; die Leiterin der Abteilung für europäische und kanadische

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Angelegenheiten im
Rozanne L. Ridgway.

Außenministerium,

Auf
sowjetischer
Seite
nahmen
teil:
Das Mitglied des Politbüros
des Zentralkomitees der KPdSU, Außenminister Eduard A. Schewardnadse; das
Mitglied des Politbüros des Zentralkomitees der KPdSU, Sekretär des Zentralkomitees der KPdSU, Alexander N.
jakowlew;
Sekretär
des
Zentralkomitees der KPdSU Anatoli F. Dobrynin;
der Stellvertretende Vorsitzende des
Ministerrates der UdSSR, Wladimir M.
Kamenzew; der Chef des Generalstabs
der Streitkräfte der UdSSR und Erste
Stellvertretende Minister für Verteidigung der UdSSR, Marschall Sergej F.
Achromejew; der Assistent des Generalsekretärs des Zentralkomitees der
KPdSU, Anatoli S. Tschernajew; der
Leiter der Allgemeinen Abteilung des
Zentralkomitees der KPdSU, Waleri I.
Boldin; der Stellvertretende Außenminister
der
UdSSR,
Alexander
A.
Bessmertnich;
der
Botschafter
der
UdSSR in den Vereinigten Staaten von
Amerika, Juri V. Dubinin; das Mitglied des Kollegiums des Außenministeriums der UdSSR, Viktor P. Karpow;
der Botschafter zur besonderen Verwendung, Alexei A. Obukov.
In Verlauf des offiziellen Besuchs, der während des Genfer Treffens der beiden Staatsmänner im November 1985 vereinbart worden war,
hielten der Präsident und der Generalsekretär
umfassende
und detaillierte Gespräche über das gesamte
Spektrum der beide Länder betreffenden Fragen ab, darunter die Reduzierung von Waffen, Menschenrechte und
humanitäre Fragen, die Beilegung regionaler Konflikte und die bilateralen Beziehungen. Die Gespräche waren
offen und konstruktiv und spiegelten
sowohl
die
fortbestehenden
Unterschiede zwischen beiden Seiten wider
als auch ihr Verständnis dafür, daß

diese Unterschiede keine unüberwindlichen Hindernisse für Fortschritte
in Bereichen beiderseitigen Interesses darstellen.
Sie bekräftigten ihr starkes Engagement für einen aktiven, die ganze
Bandbreite des Verhältnisses umfassenden Dialog.
Beide Staatsmänner unterzogen die
bis jetzt bei der Verwirklichung der
in Genf und Reykjavik vereinbarten
breitgefächerten Tagesordnung erzielten Fortschritte einer Überprüfung.
Sie waren besonders zufrieden über
den Abschluß bedeutender Vereinbarungen in einigen Bereichen dieser Tagesordnung in den vergangenen zwei
Jahren.
Der Präsident und der Generalsekretär bekräftigten die grundsätzliche
Bedeutung ihrer Treffen in Genf und
Reykjavik, bei denen das Fundament
für konkrete Schritte in einem Prozeß
gelegt wurde, durch den die strategische Sicherheit verbessert und das
Konfliktrisiko
verringert
werden
soll. Sie werden sich weiterhin von
ihrer ernsthaften Überzeugung leiten
lassen, daß ein Atomkrieg nicht gewonnen werden kann und niemals geführt werden darf.
Sie sind entschlossen, jeden Krieg zwischen den
Vereinigten Staaten und der Sowjetunion, ob nuklear oder konventionell,
zu verhindern. Sie werden nicht nach
militärischer Überlegenheit streben.
Beide Staatsmänner erkannten die
besondere Verantwortung der Vereinigten Staaten und der Sowjetunion an,
nach realistischen Wegen zur Verhinderung einer Konfrontation zu suchen
und ein dauerhafteres und stabileres
Verhältnis zwischen ihren Ländern zu
fördern. zu diesem zweck vereinbarten sie, den Dialog zu intensivieren
und aufkommende Tendenzen zu kon-

�struktiver
Zusammenarbeit
in allen
Bereichen ihrer Beziehungen zu ermutigen, sie sind davon überzeugt, daß
sie damit auch, gemeinsam mit anderen
Nationen, zu einer Zeit zum Aufbau
einer sichereren Welt beitragen werden, in der die Menschheit in das
dritte Jahrtausend eintritt.

I.

RÜSTUNGSKONTROLLE

Der INF-Vertrag
Die
beiden Staatsmänner
unterzeichneten den Vertrag über die Beseitigung ihrer Raketen mittlerer und
kürzerer Reichweite zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika und der
Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken.
Dieser vertrag ist von historischer Bedeutung sowohl aufgrund
seiner Zielsetzung - der Beseitigung
einer ganzen Kategorie amerikanischer
und sowjetischer
Atomwaffen
- als
auch wegen des innovativen Charakters
und Umfangs seiner Verifizierungsbestimmungen.
Diese gemeinsame Errungenschaft leistet einen erheblichen
Beitrag zu größerer Stabilität.

Die Verhandlungen über Nuklear- und
Weltraumwaffen
Der Präsident und der Generalsekretär diskutierten die Verhandlungen
über Reduzierungen der strategischen
Offensivwaffen.
Sie nahmen die erheblichen Fortschritte zur Kenntnis,
die im Hinblick auf den Abschluß eines Vertrages zur Durchführung des
Prinzips einer 50prozentigen Reduzierung erzielt wurden.
Sie vereinbarten, ihre Verhandlungsführer in Genf
zu instruieren, auf die Fertigstellung des Vertrages zur Reduzierung
und Begrenzung der Strategischen Offensivwaffen und aller damit verbundenen Dokumente zum frühestmöglichen

Zeitpunkt
hinzuarbeiten, am
besten
zeitig genug, um den Vertrag während
des
nächsten
Treffens
der
beiden
Staatschefs in der ersten Hälfte des
Jahres 1988 zu unterzeichnen. In Anerkennung der Tatsache, daß Bereiche
der Übereinstimmung wie auch unterschiedlicher Meinungen detailliert im
gemeinsamen Vertragstext-Entwurf enthalten sind, vereinbarten sie, ihre
Unterhändler anzuweisen, die Lösung
dieser Fragen innerhalb des gemeinsamen
Vertragstext-Entwurfs
zu
beschleunigen, darunter die frühzeitige
Übereinkunft
über Vorschriften
für
die wirksame Verifizierung.
Dabei
sollten
die
Unterhändler
auf den Vereinbarungen über eine 50prozentige Reduzierung aufbauen, die
in Reykjavik erzielt und anschließend
weiterentwickelt
wurden
und
sich
jetzt in den vereinbarten Teilen des
gemeinsamen
START-Vertragstext-Entwurfs widerspiegeln, der in Genf entwickelt wird, darunter die Übereinkunft über Obergrenzen von maximal
1 600 strategischen offensiven Trägersystemen,
6 000
Gefechtsköpfen,
1 540 Gefechtsköpfen auf 154 schweren
Raketen; darunter die vereinbarte Regel über den Nachweis für schwere
Bomber und deren nukleare Bewaffnung
sowie eine Vereinbarung, daß als Ergebnis der Reduzierungen das gesamte
Wurfgewicht der ICBMs und SLBMs der
UdSSR auf ein Niveau verringert wird,
das etwa 50 Prozent unter dem derzeitigen Stand liegt und daß dieses Niveau von keiner Seite überschritten
wird.
Eine solche Vereinbarung wird
in beiderseitig befriedigender Weise
festgehalten.
Die folgenden Fragen sollten
vordringlich behandelt werden:

als

(a) Die zusätzlichen
Schritte,
die notwendig sind, um sicherzustellen, daß die Reduzierungen die stra3 -

�tagische Stabilität verbessern werden.
Dazu wird eine Obergrenze von
zusammengenommen 4 900 Gefechtsköpfen
auf ICBMs und SLBMs innerhalb der Gesamtobergrenze von 6 000 gehören.
(b) Die Regeln zur Ermittlung der
Zahl von atomar bewaffneten luftgestützten
Marschflugkörpern
(ALCMs)
langer
Reichweite, die
jedem
Typ
schwerer
Bomber
zugeordnet
werden
kann.
Die Delegationen sollen konkrete Regeln in diesem Bereich definieren.
(c) Die Regeln zur Ermittlung der
Anzahl
existierender
ballistischer
Raketen.
Die Seiten gehen von der
Annahme aus, daß die bestehenden Typen ballistischer Raketen mit der
folgenden
Zahl
von
Gefechtsköpfen
stationiert sind. In den Vereinigten
Staaten:
Peacekeeper
(MX):
10;
Minuteman III: 3; Minuteman II: 1;
Trident I: 8; Trident II: 8; Poseidon: 10. In der Sowjetunion: SS-17:
4; SS-19: 6; SS-18: 10; T.S-24: 10;
SS-25: 1; SS-11: 1; SS-13: 1; SS-N-6:
1; SS-N-8: 1; SS-N-17: 1; SS-N-18: 7;
SS-N-20: 10 und SS-N-23: 4. Es werden Verfahren entwickelt werden, um
die Verifizierung der Zahl der Gefechtsköpfe
auf stationierten
ballistischen Raketen jedes Typs sicherzustellen. Falls eine der Seiten die
Anzahl der für einen Typ ballistischer Raketen gemeldeten Gefechtsköpfe ändert, werden beide Seiten
sich gegenseitig vorab informieren.
Es soll außerdem eine Übereinkunft
darüber geben, wie Gefechtsköpfe auf
künftigen Typen ballistischer Raketen, die von dem Vertrag über die Reduzierung und Begrenzung der Strateyischen Offensivwaffen erfaßt werden,
gezahlt werden.
(d) Die Parteien sollen eine beiderseitig annehmbare Lösung in der
Frage der Begrenzung der Stationie-

rung von weitreichenden atomar bewaffneten SLCMs finden.
Solche Begrenzungen werden nicht die Zählung
der weitreichenden nuklear bewaffneten SLCMs innerhalb der Grenzen von
6 000 Gefechtsköpfen und 1 600 strategischen
offensiven
Trägersystemen
berühren.
Beide Parteien verpflichteten sich, obergrenzen für solche
Raketen festzusetzen und beiderseitig
annehmbare und wirksame Methoden zur
Verifizierung solcher Grenzen anzustreben, zu denen die Verwendung Nationaler Technischer Mittel, kooperativer Maßnahmen und Inspektionen vor
Ort gehören könnten.
(e) Aufbauend auf den Bestimmungen des Vertrags über die Beseitigung
ihrer Raketen mittlerer und kürzerer
Reichweite sollen zu den Maßnahmen,
mit deren Hilfe die Vorschriften des
Vertrags über die Reduzierung und Begrenzung der Strategischen Offensivwaffen
verifiziert
werden
können,
mindestens gehören:
1. Austausch von Daten, darunter
Erklärungen jeder Seite über zahl
und Standort der vertraglich begrenzten Waffensysteme
und der
Einrichtungen,
in denen
solche
Systeme sich befinden sowie Benachrichtigungen in angemessener
Form.
Zu diesen
Einrichtungen
gehören Standorte und Einrichtungen zur Produktion und Endmontage, Lagerung, Erprobung und Stationierung von durch diesen Vertrag erfaßten Systemen.
Solche
Erklärungen werden zwischen beiden Seiten vor der Vertragsunterzeichnung ausgetauscht und nach
seinem
Inkrafttreten
in regelmäßigen Abständen fortgeschrieben.
2. Grundinspektionen, um diese
Angaben sofort nach Inkrafttreten
des Vertrages zu verifizieren.

�8. Maßnahmen zur verbesserten Beobachtung von Aktivitäten zur Reduzierung und Beschränkung strategischer
Offensivwaffen
durch
Nationale Technische Mittel. Dazu würden die Offenlegung von
vertraglich beschränkten Objekten
auf
Raketenbasen,
Bomberstützpunkten und U-Boothäfen an Orten
und zu Zeiten, die von der inspizierenden Partei gewählt werden
können, zählen.

3. Vor-Ort-Beobachtung
der zur
Erreichung der vereinbarten Grenzen notwendigen Vernichtung strategischer Systeme.
4.
Ständige
Vor-Ort-Uberwachung
der
unmittelbaren Umgebung
und
der Ein- und Ausgänge wichtiger
Produktions- und
Unterstützungseinrichtungen,
um
den
Ausstoß
dieser Anlagen zu bestätigen.
5. kurzfristig anberaumte Inspektion vor Ort von:
(i) bekanntgegebenen
Standorten
während des Prozesses der Reduzierung auf vereinbarte Grenzen;
(ii) Standorten, in denen von
diesem Vertrag betroffene Systeme
nach Erreichung der vereinbarten
Grenzen verbleiben;
(iii) Standorte, in denen sich
solche
Systeme
früher
befanden
(bekanntgegebene ehemalige Standorte) .
6. In Einklang mit vereinbarten
Verfahrensweisen
das Recht zur
Durchführung
kurzfristig
anberaumter Inspektionen von Standorten, an denen von einer Seite die
potentielle verdeckte Stationierung, Produktion, Lagerung oder
Instandsetzung strategischer Offensivwaffen vermutet wird.
7. Regelungen für das Verbot der
Tarnung oder anderer Handlungen,
durch die die Verifizierung durch
nationale technische Mittel
behindert wird.
Solche Vorschriften würden ein verbot der Verschlüsselung telemetrischer Daten
beinhalten
sowie
vollständigen
Zugang zu allen während eines Raketenfluges
gesendeten
telemetrischen Daten gewährleisten.

Die
Staatsmänner
beider
Länder
trugen den Vorbereitungen des Vertrages über Strategische Offensivwaffen Rechnung und wiesen ihre Delegationen in Genf an, ein Abkommen auszuarbeiten, mit dem beide Seiten sich
verpflichten, den ABM-Vertrag, so wie
er im Jahr 1972 unterzeichnet wurde,
einzuhalten und gleichzeitig ihre erforderliche
Forschung,
Entwicklung
und Erprobung fortzuführen, wie sie
der ABM-Vertrag gestattet und sich
für einen bestimmten Zeitraums nicht
vom ABM-Vertrag zurückzuziehen.
intensive Diskussionen über die Stabilität im strategischen Bereich sollen
nicht später als drei Jahre vor Ende
des zu bestimmenden Zeitraum beginnen, und danach wird jede Seite vorbehaltlich anderslautender beiderseitiger Vereinbarungen - den weiteren Verlauf ihrer Aktivitäten frei
bestimmen können.
Eine solche Vereinbarung muß denselben rechtlichen
Status haben wie der Vertrag über
Strategische Offensivwaffen, der ABMVertrag und ähnliche, rechtsverbindliche Abkommen. Dieses Abkommen wird
auf eine für beide Seiten zufriedenstellende Art und Weise aufgezeichnet
werden.
Deshalb weisen beide Seiten
jetzt
ihre Delegationen an, diese
Fragen vorrangig zu behandeln.
Beide Seiten sollen bei der Entwicklung
der
amerikanisch-sowjetischen Beziehungen im strategischen

- 5 -

�Bereich Möglichkeiten zur Sicherstellung der Berechenbarkeit unter der
Bedingung
strategischer
Stabilität
diskutieren, um das Risiko eines Nuklearkrieges zu verringern.

Andere Rüstungskontrollfragen
Der Präsident und der Generalsekretär haben eine große Bandbreite anderer Fragen der Rüstungsbegrenzung
und -reduzierung
besprochen.
Beide
Seiten betonten die Bedeutung produktiver Verhandlungen zu Fragen der Sicherheit und von Fortschritten in den
wichtigsten Bereichen der Rüstungsbegrenzung und -reduzierung durch beiderseitige, verifizierbare Abkommen,
die Sicherheit und Stabilität verbessern.
Atomtests
Beide Statsmänner begrüßten die
am 9. November 1987 erfolgte Aufnahme
umfassender,
stugfenweiser
Verhandlungen im Einklang mit der am 17.
September 1987 in Washington abgegebenen gemeinsamen Erklärung der Aussenminister der Vereinigten Staaten
und der Sowjetunion.
Die amerikanische und die sowjetische Seite sind
übereingekommen,
vor dem 1. Dezember 1987 umfassende
schrittweise Verhandlungen aufzunehmen, die in einem einzigen Forum
durchgeführt werden. Bei diesen Verhandlungen werden sich beide Seiten
als ersten Schritt auf wirkungsvolle
Verifizierungsmaßnahmen einigen, die
eine Ratifizierung des amerikanischsowjetischen
Schwellenvertrages
von
1974 und des Vertrages über Atomexplosionen zu friedlichen Zwecken von
1976 ermöglichen werden, weitere Verhandlungen
über
unmittelbare
Beschränkungen bei Atomtests vorantreiben, die schließlich zum Endziel ei-

ner
vollständigen
Einstellung
von
Atomtests als Teil eines wirkungsvollen Rüstungskontrollprozesses führen
werden. Mit diesem Prozeß würde unter anderem als erste Priorität das
Ziel einer Reduzierung von Nuklearwaffen und letztlich deren Abschaffung verfolgt. zum Zweck der Ausarbeitung verbesserter Verifizierungsmaßnahmen für die amerikanisch-sowjetischen Verträge von 1974 und 1976
beabsichtigen beide Seiten die Planung
und
Durchführung
gemeinsamer
Versuche zur Verifizierung auf dem
Testgelände der jeweils anderen Seite.
Diese
Verifizierungsmaßnahmen
werden
in angemessenem Umfang bei
weiteren Beschränkungen von Atomtests
verwendet werden, die in Zukunft erzielt werden können.
Die beiden Staatsmänner begrüßten
ebenfalls
die prompte Vereinbarung
beider Seiten für einen Austausch von
Experten zum Besuch des Testgeländes
der jeweils anderen Seite im Januar
1988 und zur Ausarbeitung und späteren Durchführung
eines Gemeinsamen
Versuchs zur Verifizierung auf dem
jeweils
anderen
Testgelände.
Die
Richtlinien für das Experiment sind
in der Erklärung des amerikanischen
und des sowjetischen Außenministers
vom 9. Dezember 1987 niedergelegt.
Beide Staatsmänner verwiesen auf die
Bedeutung dieser Vereinbarungen für
die Entwicklung wirkungsvollerer Maßnahmen zur Verifizierung der Einhaltung der Bestimmungen des Schwellenvertrages von 1974 und des Vertrages
über Atomexplosionen zu friedlichen
Zwecken von 1976.

Nichtverbreitung von Kernwaffen
Der Präsident und der Generalsekretär
bestätigten das
fortdauernde
Engagement
der vereinigten
Staaten
und der Sowjetunion für die Nichtver-

�breitung nuklearer Waffen und insbesondere für die Stärkung des Atomwaffensperrvertrages.
Beide
Politiker
drückten
ihre Befriedigung
darüber
aus, daß sich sei" ihrer letzten Zusammenkunft auch andere Parteien an
den Vertrag gehalten haben und bekräftigten erneut ihre Absicht, gemeinsam mit anderen Staaten zusätzliche Anstrengungen zu unternehmen,
um eine allseitige Einhaltung des
Vertrages herbeizuführen.
Der Präsident und der Generalsekretär bekundeten ihre Unterstützung
der internationalen Zusammenarbeit im
Bereich der nuklearen Sicherheit und
der
Bemühungen
zur
Förderung
der
friedlichen Nutzung von Kernenergie
unter verstärktem schütz der IAEO und
angemessener
Exportkontrollen
für
nukleare
Materialien,
Geräte
und
Technologie.
Die
Politiker
sind
übereingekommen, daß bilaterale Konsu L1-. itionen über die Nichtverbreitung
konstruktiv und nützlich waren und
fortgeführt werden sollten.

Zentren
gerung

zur

nuklearen

Risikoverrin-

Beide Politiker begrüßten die am
15. September 198 7 in Washington erfolgte Unterzeichnung des Abkommens
zur Errichtung von Zentren zur nuklearen Risikoverringerung in ihren
Hauptstädten.
Das Abkommen wird unverzüglich verwirklicht werden.

Chemische Waffen
Die Staatsmänner bekundeten ihr
Engagement für die Aushandlung einer
ver ifizierbaren, umfassenden und wirkungsvollen
internationalen
Konvention über das Verbot und die Zerstör m g chemischer Waffen.
Sie begrüßten den bisher erzielten Fortschritt

und bestätigten erneut die Notwendigkeit zu eingehenderen Verhandlungen
für den Abschluß einer wahrhaft weltweiten
und
verifizierbaren Konvention, an der alle Staaten, die chemische
Waffen
besitzen,
beteiligt
sind.
Die Vereinigten Staaten und
die Sowjetunion sprechen sich im Hinblick auf chemische Waffen sowohl auf
bilateraler als auch auf multilateraler Basis für größere Offenheit und
eingehendere
Vertrauensbildung
aus.
Sie haben vereinbart, regelmäßige Expertengespräche
über das wachsende
Problem der Verbreitung und Nutzung
chemischer Waffen fortzusetzen.

Konventionelle Streitkräfte
Der Präsident und der Generalsekretär haben die Bedeutung diskutiert,
die der Aufgabe zukommt, den Grad der
militärischen Konfrontation in Europa
im Bereich der Streitkräfte und d-^r
konventionellen
Waffen
abzubauen.
Beide Politiker sprachen sich für den
baldigen Abschluß der Arbeit in Wien
über das Mandat für Verhandlungen zu
diesem Thema aus, so daß zum frühestmöglichen
Zeitpunkt
substantielle
Verhandlungen im Hinblick auf die Erarbeitung konkreter Maßnahmen aufgenommen werden können.
Sie erkennen
ferner die Anwendung der Bestimmungen
der Stockholmer Konferenz über Vertrauens- und Sicherheitsbildende Maßnahmen und Abrüstung in Europa als
wichtigen Faktor zur Förderung der
gegenseitigen Verständigung und Verbesserung der Stabilität an und sprachen sich für die Fortführung und
Konsolidierung dieses Prozesses aus.
Der Präsident und der Generalsekretär
haben
vereinbart,
ihre
jeweiligen
Vertreter anzuweisen, die Anstrengungen zur Erlangung von Lösungen für
noch anstehende Probleme zu intensivieren.

- 7 -

�Ferner wären die wiener Verhandlungen (über beiderseitige und ausgewogene Truppenverminderungen in Mitteleuropa) Gegenstand der Diskussion.

Folgetreffen der Konferenz über
Sicherheit und Zusammenarbeit in
Europa
Es wurde von beiden Seiten Entschlossenheit bekundet, gemeinsam mit
den anderen 33 Teilnehmerstaaten der
Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit
in
Europa
(KSZE),
die
Wiener KSZE-Folgekonferenz zu einem
erfolgreichen
Abschluß zu bringen,
der sich auf ausgewogene Fortschritte
in allen wichtigen Teilen der Schlußakte von Helsinki und des Madrider
Schlußdokuments gründet.

II. MENSCHENRECHTE UND
HUMANITXRE FRAGEN
Die Politiker führten eine eingehende und lebhafte Diskussion über
Menschenrechte und humanitäre Frage
und deren Stellenwert im amerikanischen-sowjetischen Dialog.

III. REGIONALE FRAGEN
Der Präsident und der Generalsekretär führten eine umfassende, offene
und sachliche Diskussion über regionale Fragen, wie etwa Afghanistan,
den
iranisch-irakischen
Krieg, den
Mittleren Osten, Kambodscha, den Süden Afrikas, Mittelamerika und andere
Bereiche.
Sie
bekannten
sich
zu
ernsthaften Unterschieden, waren sich
jedoch über die Bedeutung ihres regelmäßigen Meinungsaustausches einig.
Beide Politiker gingen auf die zunehmende Bedeutung einer Beilegung regionaler Konflikte ein, um internationale Spannungen abzubauen und die

Ost-West-Beziehungen
zu
verbessern.
Sie vereinbarten, es solle das ziel
des Dialogs zwischen den Vereinigten
Staaten und der Sowjetunion in diesen
Bereichen sein, die an diesen regionalen Konflikten beteiligten Parteien
bei der Suche nach friedlichen Lösungen zu unterstützen, die ihre Unabhängigkeit, Freiheit und Sicherheit
fördern.
Beide Politiker
betonten
die Bedeutung einer Stärkung der Rolle der Vereinten Nationen und anderer
internationaler Institutionen, um ZUi
Lösung
regionaler
Konflikte beizutragen.

IV. BILATERALE ANGELEGENHEITEN
Der Präsident und der Generalsekretär haben den Stand der bilateralen
Beziehungen zwischen den Vereinigten
Staaten und der Sowjetunion in seinen
Einzelheiten besprochen. Sie erkannten den Nutzen einer fortgesetzten
Erweiterung und Stärkung von Kontakten, Austausch und Zusammenarbeit auf
bilateraler Ebene an.

Bilaterale Verhandlungen
Nach Prüfung des Standes der laufenden
Verhandlungen
zwischen
den
Vereinigten Staaten und der Sowjetunion bei einer Reihe besonderer bilateraler Fragen forderten beide Politiker zu eingehenderen Anstrengungen ihrer Vertreter auf, die darauf
abzielen, für beide Seiten vorteilhafte Abkommen in folgenden Bereichen
zu erlangen: Handelsschiffahrt, Fischerei, Seenotrettung, Radionavigationssysteme,
amerikanisch-sowjetische Seegrenzen und Zusammenarbeit
im Transportwesen
und anderen Bereichen.
Mit
Befriedigung
verzeichneten
sie ihre Übereinstimmung über den im

�Rahmen des amerikanisch-sowjetischen
Luftverkehrsabkommens erfolgten Ausbau
des
direkten
Passagierflugdienstes, einschließlich der gemeinsamen Bedienung der Linie New YorkMoskau durch pan American Airways und
Aeroflot sowie über Erneuerung des
amerikanisch-sowjetischen
Abkommens
über die Weltmeere.

Menschliche
programme

Kontakte

und

Austausch-

Beide
Politiker
verzeichneten
Fortschritte bei der Durchführung des
amerikanisch-sowjetischen Allgemeinen
Austauschabkommens in den Bereichen
Erziehung, Wissenschaft, Kultur und
Sport, das bei ihrem Genfer Treffen
im November 1985 unterzeichnet wurde,
und sie vereinbarten die Weiterführung von Bemühungen, um Hindernisse
für weitere Fortschritte in diesen
Bereichen zu beseitigen.
Sie drückten ihre Befriedigung darüber aus und
bekundeten ihre Absicht, im Januar
1988 gemeinsam den 30. Jahrestag des
ersten Austauschabkommens zu begehen.
Beide Politiker bestätigten die
Bedeutung
von
Kontakten
und
Austauschprogrammen zur Erweiterung der
Verständigung zwischen ihren Völkern.
Sie verzeichneten mit besonderer Befriedigung Fortschritte bei der Entwicklung menschlicher Kontakte, wie
sie im Rahmen der bei ihrem Genfer
Treffen von 1985 ins Leben gerufenen
Initiative erfolgten - ein Prozeß, an
dem in den vergangenen zwei Jahren
Zehntausende amerikanischer und sowjetischer
Bürger
beteiligt waren.
Die
Staatsmänner
bestätigten
ihren
anhaltenden Einsatz für den Ausbau
dieser Kontakte, auch im Bereich des
Jugendaustauschs.

Initiative zu weltweiten Klima- und
UmweltVeränderungen
Unter Bezugnahme auf die im November 1985 in Genf erzielte Übereinkunft zur Zusammenarbeit bei der Erhaltung der Umwelt haben beide Politiker eine bilaterale Initiative gebilligt, deren Rahmen gemeinsame Studien zu weltweiten Klima- und Umweltveränderungen mittels einer Zusammenarbeit in beide Seiten betreffenden
Bereichen unternommen werden sollten.
Darunter
Schutz
und Erhaltung des
stratosphärischen
Ozons
und
durch
verstärkten Datenaustausch gemäß dem
amerikanisch-sowjetischen
Umweltschutzabkommen und dem Abkommen zwischen den Vereinigten Staaten von
Amerika und der Union Sozialistischer
Sowjetrepubliken über eine Zusammenarbeit bei der Erforschung und Nutzung des Weltraums zu friedlichen
Zwecken. in diesem Zusammenhang wird
eine eingehende Studie über das Klima
der Zukunft erstellt werden.
Beide
Seiten
werden weiterhin
umfassende
internationale und bilaterale Zusammenarbeit im zunehmend wichtigen Bereich
weltweiter
Veränderungen
von
Klima und Umwelt fördern.

Bereiche der Zusammenarbeit
Der Präsident und der Generalsekretär haben die weitere Zusammenarbeit
zwischen Wissenschaftlern
der
Vereinigten Staaten, der Sowjetunion
und anderer Länder zur Nutzung der
kontrollierten thermonuklearen Fusion
zu friedlichen Zwecken unterstützt.
Sie bekräftigen die Absicht der Vereinigten Staaten und der UdSSR, unter
der Schirmherrschaft der internationalen Atomenergiebehörde mit der Europäischen Atomgemeinschaft (EURATOM)
und Japan zusammenzuarbeiten, um im
Viererverbund das Konzept für einen
Test-Fusionsreaktor zu erarbeiten.

- 9 -

�Beide Politiker verzeichneten mit
Befriedigung die im Rahmen des bilateralen Abkommens über die friedliche
Nutzung
von
Kernenergie
erzielten
Portschritte
zur
Errichtung
einer
ständigen
Arbeitsgruppe
im Bereich
Sicherheit von Kernreaktoren, und
sie erklärten ihre Bereitschaft zur
Entwicklung einer weiteren Zusammenarbeit in diesem Bereich.

Handel
Beide Seiten erklärten ihre einhellige Unterstützung für die Erweiterung
beiderseitig
vorteilhafter
Handels- und
Wirtschaftsbeziehungen.
Sie haben ihre Handelsminister angewiesen, die amerikanisch-sowjetische
gemeinsame Wirtschaftskommission einzuberufen, um konkrete Vorschläge zur
Verwirklichung dieser Zielsetzung zu
entwickeln, auch im Rahmen des Langfristigen Abkommens zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika und der
Union sozialistischer Sowjetrepubliken zur Förderung wirtschaftlicher,
industrieller und technischer Zusammenarbeit.
Beide Seiten kamen üborein, daß wirtschaftlich lebensfähige
Joint Ventures, die sich im Einklang
mit den Gesetzen und Verordnungen
beider Länder befinden, bei der weiteren Entwicklung von Wirtschaftsbeziehungen eine Rolle spielen könnten.

Der Präsident und der Generalsekretär
vereinbarten
die
Entwicklung
bilateraler
Zusammenarbeit
bei der
Bekämpfung des internationalen Drogenhandels.
Sie kamen überein, daß
EU diesem Zweck zu Beginn des Jahres
1988 erste Konsultationen in angemessenem Rahmen stattfinden sollten.
Sie
vereinbarten
ferner,
auf
jüngsten Kontakten aufzubauen und eine wirkungsvollere Zusammenarbeit zu
entwickeln, um die Sicherheit des
Luft- und
Seeverkehrs
zu
gewährleisten.

Diplomatische Vertretungen
Beide
Politiker
tauschten
ihre
bnaiichten über Wege zur Förderung umFauaendei Kontakte und einer zusamiiMuuibftit in Beieichen aus, die die
aik'ischen Regionen betreffen.
Sie
erklärten ihre Unterstützung für die
Entwicklung einer bilateralen und regionalen Zusammenarbeit zwischen den
Ländern der arktischen Regionen in
Ji^sen Bereichen, einschließlich der
Koordination
der
wissenschaftlichen
Forschung und des Umweltschutzes in
der Region.

Beide Seiten waren sich über die
Bedeutung angemessener, sicherer Einrichtungen für ihre jeweiligen diplomatischen und konsularischen Vertretungen einig und betonten die Notwendigkeit, Probleme über die Funktionsweise von Botschaften und Generalkonsulaten konstruktiv und auf der Basis
der Gegenseitigkeit anzugehen.

V. WEITERE ZUSAMMENKÜNFTE

Beide Politiker begrüßten den Abschluß von Verhandlungen zur Instituilisieiung des von den Vereinig»•&lt;:!". Städten, der Sowjetunion, Franke n uud Kanada gemeinsam betriebe. ii we! Lraiimgeötützten weltweiten Bf—
kundungs- und
Rettungssystems

Der Präsident und der Generalsekretär kamen überein, daß offizielle
Kontakte auf allen Ebenen weiter ausgebaut und intensiviert werden sollten, mit dem Ziel der Herbeiführung
praktischer und konkreter Ergebnisse
in allen Bereichen des amerikanischsowjetischen Verhältnisses.

10 -

�Generalsekrtär
Gorbatschow
erneuerte die von ihm bereits beim
Genfer
Gipfeltreffen
an
Präsident
Reagan
ausgesprochene
Einladung
zu
einem Besuch der Sowjetunion.
Der
Präsident nahm dankend an.
Der Besuch wird in der ersten Hälfte dos
Jahres 1988 stattfinden.

- 11 -

�AMERIKA DIENST
Dokumentation

16. Dezember 1987

44

REAGAN:

"FORTSCHRITTE" BEI GESPRXCHEN ÜBER START-VERTRAG ERZIELT

Erklärungen Reagans und Gorbatschows zum Abschluß des Gipfeltreffens -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Reagan hat in einer Erklärung vor der Abreise von Generalsekretär Gorbatschow aus Washington am 10. Dezember 1987 erklärt, das mit der Sowjetunion unterzeichnete INF-Abkommen "sollte als ein Anfang betrachtet werden, nicht als Ende". "Auf dem Weg zum Abschluß eines Vertrages über strategische Waffen (START) sind einige Fortschritte erzielt worden. "
Bei derselben Gelegenheit erklärte Gorbatschow:
"Heute sind die Sowjetunion und die Vereinigten Staaten dem gemeinsamen Ziel verstärkter internationaler Sicherheit nähergekommen.
Aber dieses Ziel muß noch erreicht werden.
Es bleibt noch viel zu tun."
Die Ansprachen Reagans und Gorbatschows haben folgenden Wortlaut:
Präsident
Reagan:
Herr
Generalsekretär.
Die letzten Tage waren
in der Tat ereignisreich für uns beide wie auch für unsere Landsleute,
die dem Verlauf unserer Gespräche gefolgt sind.
Ich freue mich nach Erledigung unserer Tagesordnung berichten zu können, daß dieser Gipfel ein
klarer Erfolg gewesen ist. Wie der
Stern auf der Spitze des Weihnachtsbaums der Nation, dessen Licht seit
dem Abend Ihrer Ankunft, Herr Generalsekretär, leuchtet, so hat dieser
Gipfel den Horizont mit Hoffnung für
alle Menschen guten Willens erhellt.

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Embassy of the United States of America

Es ist nun, da wir auseinandergehen,
die Aufgabe beider Seiten, sicherzustellen, daß der Glanz nicht verblaßt
und wir unsere Verpflichtungen weiterhin erfüllen, wenn wir die nächsten Schritte zur Verbesserung der
Beziehungen zwischen unseren Ländern
und Völkern einleiten.
Ich bin überzeugt, daß sowohl der
Generalsekretär wie auch ich selbst
auf unsere Treffen mit dem Gefühl zurückblicken können, etwas erreicht zu
haben. Wir haben bewiesen, daß Gegner selbst angesichts grundsätzlicher

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Telex: 8-85432

�philosophischer
Unterschiede
offen
und
respektvoll
miteinander
reden
und, wenn sie ausdauernd genug sind,
Bereiche
der
Gemeinsamkeit
finden
können.
Wir haben die gewichtigen
Unterschiede, die zwischen uns stehen, nicht außer acht gelassen; viele
davon bleiben selbstverständlich weiterhin bestehen.
Einer meiner Vorgänger,
Präsident
Franklin
Roosevelt, hat einmal gesagt: "Geschichte kann nicht durch Wunschdenken umgeschrieben werden."
in diesem Geist
waren unsere Gespräche freimütig und
dazu
angetan,
einen
gedankenvolle
Meinungsaustausch über die entscheidenden uns bedrängenden Fragen zwischen unseren Regierungen zu eröffnen.
Unsere Gespräche über das Themas
Menschenrechte
haben
unterstrichen,
welchen Stellenwert wir in den westlichen Demokratien der Wahrung der
Grundfreiheiten beimessen.
Ich bin
befriedigt darüber, daß wir bei diesem Gipfel diesen Bereich tiefempfundener Bedeutung diskutiert und die
Fortführung des Dialogs über die Menschenrechte auf höchster Regierungsebene sichergestellt haben.
Unsere Diskussion der regionalen
Konflikte war nicht minder aufrichtig.
Diese Konflikte fordern immer
noch einen hohen Zoll an Menschenleben und bilden eine schwere Belastung
der Ost-West-Beziehungen.
Der Generalsekretär und ich nahmen dabei verschiedene Standpunkte ein - und zwar
unverblümt -, und allein aus diesem
Grund waren unsere Gespräche in diesem
Bereich
nützlich.
überdies
stimmten wir darin überein, daß es
notwendig ist, wahre politische Lösungen für diese Konflikte anzustreben. Bis jetzt können wir uns jedoch
nicht mit dem Erreichten zufrieden
geben. Wir müssen nun bei der Suche
nach politischen Lösungen vorwärtsdrängen, mit denen die Sache des

Friedens und der Freiheit für die unter diesen Kriegen leidenden Menschen
gefördert wird. Die Tür ist geöffnet
worden, und sie wird für ernsthafte
Gespräche über die Beendigung dieser
regionalen Konflikte offenbleiben.
Was
offene
Türen
angeht,
so
stimmten Herr Gorbatschow und ich darin überein, daß freiere und umfangreichere persönliche Begegnungen sowie der Abbau künstlicher Schranken
zwischen den Völkern der Sowjetunion
und
der
Vereinigten
Staaten
wünschenswert sind.
Wie ich in meiner
Begrüßungsansprache sagte, sollte die
Tatsache, daß zwischen unseren beiden
Regierungen Meinungsverschiedenheiten
bestehen, unsere Völker nicht davon
abhalten, Freunde zu sein.
Natürlich war die größte Errungenschaft dieses dreitägigen Treffens
die Unterzeichnung eines Vertrags zur
Beseitigung
einer
ganzen
Kategorie
amerikanischer und sowjetischer Atomwaffen.
Ein anderer meiner Vorgänger, ein Präsident, den ich seit meiner Jugend bewundere, nämlich Calvin
Coolidge, hat einmal gesagt:
"Geschichte wird nur durch Taten gemacht." Nun, es bedurfte enormer Anstrengungen und fast übermenschlicher
Ausdauer
seitens
der
Unterhändler
beider Parteien, aber das Endprodukt
ist ein Vertrag, der wirklich Geschichte machen wird.
Er liegt im
Interesse unserer beiden Völker, aber
ich kann nicht umhin, zu glauben, daß
die Menschheit insgesamt der große
Gewinner ist. Endlich haben wir damit begonnen, diese tödlichen Waffen
wirklich zu beseitigen, statt lediglich ihr Anwachsen zu begrenzen.
So stolz wir auf den INF-Vertrag
auch sind, sollte er als ein Anfang
betrachtet werden, nicht als Ende.
Weitere Reduzierungen von Waffen sind
jetzt möglich.
Ich freue mich, daß

�auf dem Weg zum Abschluß eines Vertrages über die Reduzierung strategischer Waffen
in den vergangenen
drei Tagen einige Fortschritte erzielt wurden.
Einzelne Abkommen werden für sich
genommen nicht zu dauerhaftem Fortschritt führen.
Wir benötigen ein
realistisches Verständnis unserer gegenseitigen Absichten und Ziele, ein
Verfahren für die Behandlung von Meinungsverschiedenheiten in praktischer
und aufrichtiger Art und Weise, und
es erfordert Geduld, Kreativität und
Ausdauer, um das zu erreichen, wofür
wir uns auf den Weg gemacht haben.
Als ein Ergebnis dieses Gipfels wurde
der Rahmen für den Aufbau einer solchen Beziehung gestärkt.
Ich bin fest entschlossen, von
diesem Rahmen Gebrauch zu machen.
Mein Ziel - das meiner Meinung nach
auch das Ihre ist - liegt in einer
konstruktiveren
Beziehung
zwischen
unseren Regierungen - und zwar eher
in langfristigen denn in vorübergehenden
Verbesserungen.
Gemeinsam
können wir eine Zukunft für unsere
Völker schaffen, die von mehr Sicherheit und Wohlstand, und eine Welt,
die von mehr Frieden gekennzeichnet
ist. Wir sind uns beide der schwierigen Herausforderungen und der besonderen
Verantwortung
bewußt, die
diese Aufgabe mit sich bringt.
Während des Zweiten Weltkriegs,
als so viele junge Russen an der
Front
dienten, wurde
das
Gedicht
"Warte auf mich" zu einem Gebet auf
den Lippen der russischen Familien,
die den Tag herbeisehnten, an dem die
Familie glücklich wiedervereint wäre.
Die Sache des Friedens und der Freiheit in der Welt ist noch immer offen, Herr Generalsekretär.
Sie war
lange genug offen.

Herr Generalsekretär Gorbatschow,
Frau Gorbatschow.
Es war gut, daß
Sie nach Amerika gekommen sind.
Es
war eine Freude für meine Gattin und
für mich, Sie hier empfangen zu dürfen.
Ihr Besuch war von kurzer Dauer, aber ich hoffe doch, daß Sie ein
besseres Verständnis des Geistes und
Wesens der Vereinigten Staaten mit
nach Hause nehmen und wenn sie nach
Moskau zurückkehren, wäre ich Ihnen
dankbar, wenn Sie dem sowjetischen
Volk
die
besten
Wünsche
für
ein
friedliches
und erfolreiches
neues
Jahr
von unserem Volk
übermitteln
würden.
Vielen Dank und gute Reise.

Generalsekretär
Gorbatschow:
Sehr geehrter Herr Präsident, verehrte Mrs. Reagan, meine Damen und Herren,
in diesen letzten Stunden vor
unserer Abreise stellen wir mit Zufriedenheit fest, daß der Besuch in
Washington, insgesamt gesehen, unsere
Hoffnungen erfüllt hat.
Hinter uns
liegen drei Tage intensiver Arbeit,
nüchterner und offener Diskussionen
über die herausragenden Probleme der
sowjetisch-amerikanischen Beziehungen
sowie über die bedeutenden Aspekte
der
gegenwärtigen
internationalen
Lage.
Es
ist
viel
erreicht
worden.
Insbesondere möchte ich nochmals den
Schritt hervorheben, der in der Geschichte des Nuklearzeitalters seinesgleichen sucht:
Die Unterzeichnung des Vertrags, in dessen Rahmen
die beiden militärisch und strategisch größten Mächte die Verantwortung zur tatsächlichen Zerstörung eines Teils ihrer Nuklearawaffen übernommen haben. Wir hoffen, auf diese
Weise den Prozeß der nuklearen Abrüstung in Gang zu setzen.

- 3 -

�In unseren Gesprächen mit Präsident Ronald Reagan haben wir bei den
Kernfragen
dieses
Prozesses
Fortschritte erzielt, indem wir uns auf
substantielle Reduzierungen bei den
strategischen Offensivwaffen der Welt
geeinigt haben, obwohl noch ein gutes
Stück Arbeit vor uns liegt. Wir hatten einen
fruchtbaren Gedankenaustausch, der zu einer Klärung der jeweiligen Position im Hinblick auf regionale Konflikte, Verbesserung unserer bilateralen Kontakte und Menschenrechte beigetragen hat.
in einigen dieser Bereiche werden wir aller Voraussicht nach schon bald definitive Lösungen ausarbeiten können,
die sowohl unseren Vorstellungen als
auch denen •'er anderen Länder gerecht
werden.
Ein nützliches Ergebnis der
Washingtoner Gespräche war, daß es
uns gelungen ist, eine Art Tagesordnung für gemeinsame zukünftige Bemühungen zu formulieren.
Dadurch wird
der Dialog zwischen unseren beiden
Ländern auf eine Grundlage gestellt,
die besser einzuschätzen und zweifellos konstruktiv ist.
Während dieser Besuch sich auf
meine Gespräche mit dem Präsidenten
der Vereinigten Staaten konzentrierte, möchte ich in keiner Weise die
Bedeutung der Zusammenkünfte mit Mitgliedern des Kongresses, anderen politischen Entscheidungsträgern, Persönlichkeiten
des öffentlichen Lebens, Vertretern des Geschäftslebens,
aus Wissenschaft und Kultur sowie der
Medien
schmälern.
Solche Kontakte
tragen dazu bei, zu einem besseren
und tiefergehenden Verständnis voneinander zu gelangen und sie bieten
vielfältige Möglichkeiten, die eigenen
Ansichten,
Beurteilungen
und
selbst
vorherrschende
Klischeevorstellungen zu überprüfen.
Alles dies ist von Bedeutung, sowohl in der Politik an sich als auch

in dem Prozeß, unsere Völker und Lander einander näher zu bringen. Diese
Treffen haben den Eindruck noch verstärkt, daß sich in der amerikanischen
Gesellschaft
zunehmend
der
Wunsch nach besseren sowjetisch-amerikanischen
Beziehungen
abzeichnet.
Mit anderen Worten, wir konnten hier
eine Bewegung
beobachten, die der
Einstellung entspricht, die im sowjetischen Volk sein langem vorherrscht.
Indem ich Abschied von Amerika
nehme, freue ich mich gleichzeitig
auf ein erneutes Wiedersehen, in der
Hoffnung, dann nicht nur die Hauptstadt zu sehen, sondern auch von
Angesicht
zu Angesicht mit diesem
außergewöhnlichen
Volk
zusammenzutreffen, um mit einfachen Amerikanern plaudern
und einen
lebhaften
Gedankenaustausch vornehmen zu können.
Meiner Überzeugung nach wird alles, was wir im Verlauf unserer Zusammenkünfte und Gespräche erreicht
haben, mit der Zeit beträchtlich zu
einer Verbesserung des Klimas in der
ganzen Welt und in Amerika beitragen,
in dem Sinne, daß es zu einer richtigeren und toleranteren Einschätzung
meines Landes - der Sowjetunion - geführt hat.
Heute sind die Sowjetunion und
die Vereinigten Staaten dem gemeinsamen Ziel verstärkter internationaler
Aber dieSicherheit nä'hergekommen.
ses Ziel muß noch erreicht werden.
Es bleibt noch viel zu tun und wir
müssen uns ohne weitere Verzögerungen
an &lt;3ie Arbeit machen.
Herr Präsident, verehrte Bürger
der Vereinigten Staaten. Wir danken
für Ihre Gastfreundschaft und wünschen allen Amerikanern Erfolg, Gesundheit und Frieden.
Ich danke Ihnen. Auf Wiedersehen.
* * * * *

�AMERIKA DIENST
VON

Dokumentation

&amp;

16. Dezember 1987

44

ENGE KONSULTATIONEN MIT DEN EUROPÄERN OBER INF
- Rede Präsident Reagans vor dem CSIS -

WASHINGTON - (AD) - Bei den Verhandlungen, die zum amerikanisch-sowjetischen Vertrag über Mittelstreckenwaffen (INF) führten, haben die europäischen Außen- und Verteidigungsminister
die Anstrengungen der Vereinigten
Staaten einhellig unterstützt, einschließlich "unserer Vorlage der Null-Lösung", die letztlich akzeptiert wurde, erklärte Präsident Reagan am 14. Dezember 1987 in seiner Rede vor dem Institut für Strategische und Internationale
Studien in Washington.
"Unsere Verbündeten haben uns beigestanden, und wir
haben ihnen beigestanden".
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede im Wortlaut:

Vielen Dank. Es ist mir eine Ehre, hier vor dem Institut für Strategische
und
internationale
Studien
(CSIS) zu sprechen, und erst recht zu
diesem Zeitpunkt, im 25. Jahr seines
Bestehens.
In den vergangenen 25
Jahren hat das CSIS einen außergewöhnlichen Umfang an Intelligenz und
Scharfblick in unsere nationale Sicherheitpolitik eingebracht, der seine Wurzeln gleichermaßen
im Hochschulbereich, der Diplomatie und dem
Geschäftsleben hat. Sie haben - intellektuell und moralisch - immer die
höchsten Ansprüche gestellt. sie ha-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

ben immer das Prinzip der Überparteilichkeit
hervorgehoben
und betont,
daß sich jede erfolgreiche Außenpolitik nicht auf einen Konsens der Republikaner oder Demokraten, sondern auf
einen Konsens aller Amerikaner stützen muß.
Daß ich heute hierher gekommen
bin, um mit Ihnen, den Fachleuten auf
diesem Gebiet, über Rüstungsreduzierungen zu sprechen - würde es Sie
überraschen, zu erfahren, daß es mich
an eine Anekdote erinnert?
Die Geschichte handelt von einem Mann, der

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Telex: 8-85432

�nach seinem Tod zum Himmelstor kommt,
wo Petrus ihn willkommen heißt und zu
ihm sagt: "Sie sind der jüngste Neuzugang von der Erde. Die Leute, die
schon einige zeit hier sind, möchte
gern hören, was dort unten passiert.
Können Sie dazu etwas erzählen?"
"Vielleicht", antwortete der Mann.
"Ich bin der einzige überlebende des
Hochwassers von johnstown. in dieser
Eigenschaft bin ich herumgereist und
habe bei vielen Gelegenheiten im ganzen Land Reden gehalten, in denen ich
die Schrecken und den Umfang der Katastrophe
beschrieben
habe.
Vielleicht würde sie das interessieren".
"Ich glaube schon", antwortete Petrus.
So erhielt er sein Publikum und
Petrus erklärte, ohne etwas über das
Thema zu sagen, es würden interessante Geschehnisse auf der Erde beschrieben, stellte ihn dann vor, und
als er zum Rednerpult ging, trat
Petrus zurück
und sagte:
"Dieser
Mann mit dem Bart in der zweiten Reihe außen heißt - Noah".
Aber es versteht sich von selbst,
daß unsere Nation bei jedem von Ihnen
eine große Dankesschuld
abzutragen
hat. Und ich würde gern einige Worte
des Dankes an jemanden richten, der
während seiner Amtszeit als Ihr Präsident dieser Institution und dieser
Nation unermüdlich gedient hat: Joe
Jordan, würden Sie sich bitte erheben?
Und auch an ein weiteres Mitglied, eines, dem wir als dem Gründer
dieser
Institution
unseren
Dank
schulden und dem wir bei seinen Vorbereitungen für seine Tätigkeit als
Ihr zukünftiger Präsident alles Gute
wünschen. Der frühere NATO-Botschafter und mein ehemaliger Sonderberater, David Abshire, soll sich bitte
erheben. Und ich freue mich auch, im
Publikum meinen ehemaligen Nationalen
Sicherheitsberater, Bud McFarlane, zu

erblicken.
Gerade habe ich von der Notwendigkeit
gesprochen, unsere
Politik
auf einen amerikanischen Konsens zu
stützen, weder auf eine einseitige
noch auf eine parteiliche Übereinkunft über die Ziele unserer Nation
in der Welt, sondern auf einen Konsens, der wahrhaft in dem Willen und
den Werten des amerikanischen Volkes
selbst verwurzelt ist. Bestimmte Aspekte dieses Konsens wurden uns von
unseren Gründervätern übergeben - vor
allem unsere Liebe zum Frieden und
unsere enge Bindung an die Freiheit,
Freiheit nicht nur für uns allein,
sondern, um mit Lincoln zu sprechen:
"Auch die Hoffnung, daß eine Zeit
kommen wird, in der die Bürde von den
Schultern
aller
Menschen
genommen
wird".
Was jedoch den Konsens über einen
besonderen politischen Weg betrifft,
mit dem diese amerikanischen Werte in
die Tat umgesetzt werden - diesen politischen Konsens müssen wir mit jeder wichtigen Entwicklung in unserer
Außenpolitik
selbst
hervorbringen.
Deshalb bin ich heute hierher gekommen.
Der von mir und Generalsekretär
Gorbatschow vergangene Woche unterzeichnete Vertrag bedeutet, wie Sie
wissen, eine historische Errungenschaft und einen wichtigen Schritt
hin zu einer sichereren Welt.
Aber
es besteht die Hoffnung auf noch
größere Fortschritte, die unsere Sicherheit stärken und die Ost-West-Beziehungen auf eine solidere Grundlage
stellen können. Und ich möchte Ihnen
dazu einige meiner Gedanken mitteilen.
Zunächst einmal zum historischen
INF-Vertrag selbst. Jeder von Ihnen
kennt natürlich den Hintergrund, wie
er sich im vergangenen Jahrzehnt ent-

�wickelt hat.
Aber erlauben Sie mir
dazu einige Ausführungen, da es wichtige punkte hervorzuheben gilt.
Im Jahr 1977 haben die Sowjets
erstmalig
ihre
SS-20
stationiert.
Dabei handelte es sich nicht um eine
weitere
taktische
Waffe
kürzerer
Reichweite, ähnlich denen, die sich
bereits in den Waffenarsenalen befanden und die zum beschränkten Gebrauch
auf dem Gefechtsfeld bestimmt waren.
Dabei handelte es sich auch nicht um
eine
weitere
Interkontinentalwaffe
längerer Reichweite wie die bereits
im Besitz der Vereinigten staten und
der
Sowjetunion
befindlichen.
Die
SS-20 war eine neue bedrohliche nukleare Mittelstreckenrakete
und in
der Lage, Ziele in Asien und überall
in Westeuropa zu treffen - Minuten
nach dem Start. Sie ist fähiger und
ausgereifter als ihre Vorgänger.
Die NATO hat auf dem Gebiet keine
vergleichbare Waffe als Gegengewicht
zu dieser neuen Bedrohung.
Trotzdem
haben die Sowjets diese neuen Waffen
kontinuierlich stationiert. Bis 1979
hatten sie etwa 130 INF-Raketen mit
etwa 390 Gefechtsköpfen disloziert,
im Jahr 1982 waren es bereits 300 Raketen mit mehr als 900 Gefechtsköpfen. Für unsere Freunde und Verbündeten in Europa und Asien stellten
diese Raketen eine massive und völlig
neue Dimension der Bedrohung dar
und damit komme ich zu meinem ersten
Punkt.
Mit
dem
von
mir
und
Herrn
Gorbatschow unterzeichneten INF-Vertrag wird nicht beabsichtigt, oberflächliche Verschiebungen in den Arsenalen der Supermächte vorzunehmen,
im Sinne von Zügen auf einem Schachbrett. All das jüngst vernommene Gerede über Zahlen, zahlen und nochmals
Zahlen könnte viele zu dieser Annahme
veranlaßt haben. Dennoch sollten wir

uns vor Augen führen, daß der Vertrag
etwas wirklich Greifbares hervorbringen will:
nicht die Neuordnung von
Zahlen, sondern die Abschaffung einer
ernsthaften Gefahr für unsere NATOVerbündeten und unsere eigenen Truppen in Europa sowie auch für unsere
Freunde und Verbündeten in Asien.
Wir erinnern uns alle daran, daß
es Bundeskanzler Helmut Schmidt war,
der in der NATO eine Führungsrolle
übernahm, als es darum ging, dieser
neuen Bedrohung zu begegnen. Bei einer Zusammenkunft im Jahr 1979 verabschiedete die NATO ihren berühmt gewordenen Doppelbeschluß.
Der erste
Schritt: die Stationierung einer begrenzten Anzahl unserer eigenen INFRaketen.
Der zweite Schritt:
die
Nutzung der mit den NATO-eigenen Stationierungen
demonstrierten
Einheit
und Stärke, um die Sowjets wieder an
den Verhandlungstisch zurückzubringen.
Das ziel dieser Entscheidung der
NATO war niemals die ständige Stationierung amerikanischer INF-Raketen.
Die amerikanischen Stationierungen wurden immer als Mittel zum Zweck
betrachtet. Der zur Zeit des Doppelbeschlusses von 1979 amtierende französische Präsident Giscard d'Estaing
schrieb kürzlich, "die Stationierung
war eine taktische Übung mit dem bevorzugten ziel, die Sowjets zur Abschaffung ihrer SS-20 zu zwingen".
Zweifellos beabsichtigten die Sowjets, die Entschlossenheit der NATO
auf eine Probe zu stellen.
Und natürlich mußte die Stationierung unserer Pershing II und landgestützten
Marschflugkörper unter scharfem Protest und sogar Massendemonstrationen
erfolgen.
Ich erinnere mich an meine Rede
in Bonn im Jahr 1982. Tausende von

- 3 -

�Demonstranten
marschierten
singend
über einen Fluß.
Und ich mußte unwillkürlich denken: Was für eine Ironie. Genau für die Sicherung des von
ihnen gewünschten Friedens hat sich
die NATO zur Stationierung der Raketen entschlossen, gegen die sie jetzt
protestieren, und eben diese von ihnen bekämpften Raketen helfen dabei,
ihre Freiheit zum Protest zu sichern.
Dennoch stand die NATO fest zusammen. Es wurde mit der Stationierung unserer Raketen begonnen.
Und
als wir Stärke zeigten und als klar
wurde, daß wir nicht einzuschüchtern
waren - erst danach nahmen die Sowjets ernsthafte Verhandlungen auf.
Der INF-Vertrag stellt den Höhepunkt
- den historischen Höhepunkt - dieses
langen und mühseligen Prozesses dar.
Einen
ersten
und
wichtigen
Schritt zum Aufbau eines dauerhafteren Friedens. zwei abschließende Bemerkungen über den Prozeß selbst.
Erstens ergibt sich aus dem, was
ich gerade beschrieben habe (...) daß
dies nicht allein eine Anstrengung
der Amerikaner, sondern ganz eindeutig eine Anstrengung des Westens war.
Von Anbeginn hatte die NATO erklärt,
daß wir bereit sein sollten, die Stationierungen der NATO auszusetzen, zu
verändern oder rückgängig zu machen,
wenn die Sowjets die Bedrohung durch
ihre SS-20 abschaffen würden.
Bei
allen Außenministertreffen der NATO
seit 1980 haben europäische Außenund
Verteidigungsminister
die
Anstrengungen der Vereinigten Staaten
zum Abschluß eines Vertrages einhellig unterstützt, einschließlich unserer Vorlage der Null-Lösung. Und bei
einer Reihe von Punkten in diesem
Prozeß haben unsere Verbündeten um
Veränderung oder Neugestaltung unserer Position bei den Verhandlungen
gebeten.
Unsere Verbündeten
haben
uns beigestanden, und wir haben ihnen

beigestanden.
Zweitens wird der Vertrag der
NATO eine wirksame nukleare Abschrekkung belassen, wie dies bereits vor
der ersten Stationierung sowjetischer
SS-20 im Jahr 1977 der Fall war. In
ihrem Abschlußkommunique des Treffens
vom vergangenen Monat haben die NATOVerteidigungsminister - eben die mit
der Absicherung der Sicherheit der
Verbündeten betrauten Regierungsvertreter - erklärt, der Vertrag "ist
durch die im Verlauf der letzten Jahre demonstrierte Entschlossenheit und
Solidarität der verbündeten Regierungen ermöglicht worden. Wir sind zuversichtlich, daß der INF-Vertrag in
naher Zukunft unterzeichnet und ratifiziert werden wird".
Und Premierministerin Thatcher nannte den Vertrag - und ich zitiere hier ihre unnachahmlichen Worte - "ein wunderbares Weihnachtsgeschenk, ein zusätzliches Zeiches guten Willens und eine
schöne Art und Weise, das Jahr zu beenden". Angesichts der Tatsache, daß
mit dem Vertrag Ziele der NATO erreicht werden und daß er die einhellige Unterstützung unserer NATO-Verbündeten hat, aber, was noch wichtiger ist, angesichts unserer Pflicht
zur Erlangung eines sichereren Friedens durch unsere Arbeit zur Verbreitung der Freiheit, müssen wir am Ende
diesen Vertrag als Errungenschaft von
historischer
Bedeutung
würdigen.
Niemand hat vor dieser ersten Stationierung gedacht, die NATO sei "entnuklearisiert" worden.
Niemand hat
geglaubt, daß die Vereinigten Staaten
und Westeuropa auf irgendeine Art und
Weise voneinander abgekoppelt worden
seien. Ebensowenig können diese Vorwürfe gegen den Vertrag vorgebracht
werden.
Ich weiß, daß manche in Europa
und in den Vereinigten Staaten
vielleicht sogar einige der hier An-

- 4 _

�wesenden - diesen Vertrag skeptisch
betrachten. ich begrüße die Anhörungen zu seiner Ratifizierung im Senat
als ein Forum, in dem jedes mit dem
Vertrag
verbundene
Anliegen untersucht werden kann. Ich bin überzeugt
davon, daß die Anhörungen durch ihren
Verlauf
selbst Besorgnis
ausräumen
und zum erforderlichen Konsens beitragen werden. Erlauben Sie mir, Ihnen in der Zwischenzeit einige Beobachtungen darzulegen, die meiner Ansicht nach einen wichtigen Teil dieses Dialogs ausmachen sollten.
Innerhalb von drei Jahren werden
wir gemeinsam mit den Sowjets all unsere
INF-Raketen
vollständig
verschrotten.
Dabei werden die Sowjets
etwa viermal soviele stationierte Gefechtsköpfe vernichten wie die Vereinigten Staaten. Die Sowjets werden
nicht nur ihre SS-20 und SS-4 abbauen, sondern ebenfalls ihre ballistischen Kurzstreckenraketen der Typen
SS-12 und SS-23. Diese Kurzstreckenraketen
können mit chemischen und
konventionellen
Gefechtsköpfen
bestückt und gegen militärische Ziele
innerhalb der NATO eingesetzt werden
- besonders gegen solche Häfen, Depots und Landebahnen, die für den
Nachschubplan der NATO wichtig sind.
Damit wird es in drei Jahren keine
amerikanischen oder sowjetischen INFRaketen in Europa, in Asien und auf
der ganzen Welt mehr geben. Eine gesamte Kategorie nuklearer Waffen wird
abgeschafft sein.
Das System der Verifizierung wird
das strengste in der Geschichte der
RüstungskontrollVerhandlungen
sein
und weitreichende Auswirkungen haben.
Zum ersten Mal werden die Sowjets
Vor-Ort-lnspektionen
zulassen, einschließlich
kurzfristig
anberaumter
Inspektionen. Wir werden die Fähigkeit erlangen, auf Verdacht hin sofort zu Ihnen zu gehen. Und sie kön- 5

nen bei uns dasselbe tun.
Das
ein bemerkenswerter Durchbruch.

ist

Was wir hier vor uns sehen, ist
ein neuer Ansatz in den Ost-West-Beziehungen - ein wirkungsvoller, verifizierbarer Vertrag, der nicht nur zu
einer Rüstungskontrolle führt, sondern zu den ersten Reduzierungen von
Nuklearwaffen
in
der
Geschichte.
Bundeskanzler Kohl hat den INF-Vertrag - und ich zitiere hier seine
Worte "einen großen Erfolg für das
Atlantische Bündnis" genannt.
Wir sollten jedoch gemeinsam über
den Vertrag hinausschauen um unsere
Strategie für die Zukunft zu betrachten.
Es ist
jedoch zunächst
einmal
klar, daß es unerläßlich ist, die
Stärke des Bündnisses zu erhalten.
Lassen Sie mich Ihnen von unserer
Seite versichern, daß unsere amerikanischen Soldaten in Westeuropa stationiert
bleiben
werden.
Und
ich
frage
mich,
welche
überzeugendere
Form
einer
"Ankopplung"
es
geben
könnte als diese Hunderttausende von
Amerikanern und ihre Familien, die
unter unseren europäischen Verbündeten leben und arbeiten?
Lassen wir weiterhin keinen Zweifel darüber aufkommen, daß unser Engagement für die NATO-Strategie der
flexiblen
Reaktion
fest
bestehen
bleiben und sicherstellen wird, daß
eine Aggression auf keinem Niveau erfolgreich sein kann. wir werden insbesondere in der Luft und zur See eine moderne nukleare Abschreckung aufrechterhalten.
Unser Engagement für
die ständige Bereitschaft der NATO,
wenn dies notwendig wird, auf jedwede
Form der Aggression zu reagieren,
bleibt ebenfalls bestehen.
Wie Sie wissen, tun wir, was wir

�können, um die nukleare Bedrohung zu
verringern.
Darüber
hinaus dränge
ich auf einen wirksam verifizierbaren
START-Vertrag, mit dem amerikanische
und sowjetische strategische Waffen
um 50 Prozent abgebaut werden.
und
während
des gerade
abgeschlossenen
Gipfels wurden in diesem Bereich weitere Fortschritte erzielt.

diesem Jahr in West Point erklärt habe, schien die NATO in den vergangenen 40 Jahren ein Bündnis zwischen
einzelnen
Partnern
und einem viel
stärkeren Partner zu sein. Die NATO
muß jedoch zunehmend ein Bündnis zwischen Gleichgestellten werden, vielmehr noch ein Bündnis zwischen zwni
Kontinenten.

Als
weiteren
wesentlichen
Bestandteil unserer Strategie für eine
sichere Zukunft werden wir unser SDIProgramm
weiter
vorantreiben.
Wie
ich vergangenen Donnerstag (10. Dezember) in meiner Rede an die Nation
erklärt habe, werden wir eine strategische
Verteidigung
stationieren,
wenn diese zur Stationierung bereit
ist.

Mit den Worten eines Mitglieds
unseres Kuratoriums, Henry, Kissinger,
müssen die Vereinigten Staaten - und
ich zitiere hier - "im Verteidigungsbereich
eine europäische
Id^nti t.xt'.
begrüßen, die letztlich dte Kooperation im Atlantischen Bündnis beflügeln wird.

Das ist die amerikanische Position. Im Hinblick auf unsere Verbündeten haben wir in den vergangenen
Jahren zunehmend die Bereitschaft erlebt, innerhalb des weiter gesteckten
Rahmens des Bündnisses für Westeuropa
eine größere, enger koordinierte Rolle anzustreben.
Wir haben zum Beispiel die Veröffentlichung einer Erklärung
der Westeuropäischen
Union
zur europäischen Sicherheit erlebt,
eine französisch-deutsche Zusammenarbeit
im
Verteidigungsbereich
und
Schritte Großbritanniens und Frankreichs zur Modernisierung ihrer unabhängigen nuklearen Abschreckung.
All dies begrüßen wir. Ich. möchte gerade darauf hinweisen, daß es
die Sowjets von 1981 bis zum Beginn
des Jahres 1986 für einen, jeden INFVertrag zur Bedingung gemacht haben,,
daß französische und britische Nuklearstreitkräfte
einbezogen
werden.
Wir haben uns dieser Forderung vehement und erfolgreich widersetzt. Wir
haben erklärt, unter keinen Umständen
für unsere Verbündeten verhandeln zu
können.
Wie ich bereits früher in

In diesem Sinne werden wir und
unsere Verbündeten bald Verhandlungen
mit dem Osten über eine Behebung des
Ungleichgewichts bei den konventionellen Streitkräften in Europa aufnehmen, während wir natürlich alle
notwendigen Schritte unternehmen, um
unsere
eigenen
konventionellen
Streitkräfte
zu stärken.
Und wir
messen der Beseitigung des gegenwärtig' zugunsten der Sowjets bestehenden
Ungleichgewichts bei den chemischen
Waffen, eine gleichermaßen hohe Priorität bei, sowohl bei den Verhandlungen als auch im Hinblick auf die Modernisierung unserer eigenen Streitkräfte, und wir handeln hier in dem
Verständnis, daß dieses Ungleichgewicht vor weiteren Reduzierungen bei
den nuklearen Streitkräften der NATO
behandelt werden muß.
Obwohl ich heute fast ausnahmslos
über Rüstungskontrolle gesprochen habe, möchte ich betonen, daß unser
Verhältnis mit den Sowjets viel mehr
umfaßt. Rüstungskontrolle stellt nur
einen Punkt auf der in vier Teile gegliederten Tagesordnung dar, der wir
uns in Genf, Reykjavik und Washington
gewidmet haben und auf der wir auch

- 6 -

�in Moskau bestehen werden. Die anderen drei Punkte lauten: echte Kooperation in bilateralen Angelegenheiten, solide und dauerhafte Verbesserungen bei den Menschenrechten, und,
was regionale Konflikte angeht, eine
Beendigung
weltweiter
sowjetischer
Anstrengungen,
gewaltsam
totalitäre
Regime zu errichten.
Einheit,
Stärke,
Beharrlichkeit
und Einmütigkeit - dies sind die Lektionen der INF-Verhandlungen, und sie
müssen die Grundlage bilden, auf der
wir und unsere Verbündeten neue Verhandlungen aufnehmen.
Dennoch sollten wir zur gleichen
Zeit, in der wir auf Offenheit und
Realismus bestehen - darauf, wenn Sie
so wollen, daß wir mit den Füßen fest
auf dem Boden bleiben - keine Angst
davor haben, zu träumen und unsere
Herzen beflügeln zu lassen.
"Verspottet
nicht
unsere
Träumer",
schreibt Heinrich Heine, "Ihre Worte
sähen die Freiheit".
Wer hätte in
der schwierigen Zeit der späten siebziger und frühen achtziger Jahre - in
der Zeit der Demonstrationen für einen Atomwaffenstopp hier und Massendemonstrationen in Europa - gedacht,
daß
ein
Vertrag,
wie
ihn
Herr
Gorbatschow und ich vergangene Woche
unterzeichnet haben, jemals erzielt
würde.
Wir
wollen dennoch
realistisch
sein, aber auch große Träume träumen.
Und wir wollen uns daran erinnern,
daß vielleicht das wichtigste Anliegen für die Rolle unserer Nation auf
der Welt dieses ist: als Amerikaner
ist es unsere Pflicht, den Frieden zu
sichern und gleichzeitig unermüdlich
für die Freiheit zu arbeiten.
Vielen Dank.

Gott schütze Sie.

* * * * * *
- 7 -

�AMERIKA DIENST
\ o N

Dokumentation

4

16. Dezember 1987

44

AMERIKANER UND SOWJETS VEREINBAREN GEMEINSAMES VERIFIZIERUNGSEXPERIMENT
- Gemeinsame Erklärung der Außenminister -

WASHINGTON - (AD) - Außenminister Shultz und sein sowjetischer Kollege
Schewardnadse veröffentlichten am 9. Dezember 1987 eine gemeinsame Erklärung,
derzufolge die beiden Supermächte ein gemeinsames Experiment zur Verifizierung
von Atomtests durchführen werden. Dieses Experiment soll der Verbesserung der
Verifizierungsmaßnahmen für den Schwellenvertrag von 1974 und den Vertrag über
Atomexplosionen zu friedlichen Zwecken von 1976 dienen.
Die Erklärung der Außenminister hat folgenden Wortlaut:

Im Einklang mit der am 17. September 1987 in Washington verabschiedeten gemeinsamen Erklärung zu den
Problemen in Zusammenhang mit Atomtests sind die Vereinigten Staaten
und die UdSSR damit befaßt, ein gemeinsames Verifizierungsexperiment zu
entwerfen. Dieses Experiment soll so
bald wie möglich auf dem Versuchsgelände des jeweiligen Vertragspartners
(in Semipalatinsk bzw. in Nevada) zum
Zweck der Ausarbeitung verbesserter
Verifizierungsmaßnahmen
für
den
Schwellenvertrag
von 1974 und den
Vertrag
über
Atomexplosionen
zu

United States Information Service
Embassy of the United States of America

friedlichen Zwecken von 1976 durchgeführt werden.
Diese Verifizierungsmaßnahmen werden in angemessenem Ausmaß
für
zukünftige
Vereinbarungen
über die Begrenzung von Atomtests Anwendung finden, die in der Folgezeit
erzielt werden könnten.
Für
das
gemeinsame
Verifizierungsexperiment wird jede Seite der
anderen die Gelegenheit bieten, die
Sprengkraft von einer oder zwei Explosionen auf dem Versuchsgelände jeder Seite zu messen. Die Sprengkraft
soll nicht unter 100 Kilotonnen und

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Telex: 8-85432

�nahe bei 150 Kilotonnen liegen.
Zum Zweck des gemeinsamen Verifizierungsexperiments wird jede Seite auf der Grundlage strikter Gegenseitigkeit - die Gelegenheit haben, die
Sprengkraft der Explosionen zu Verifizierungszwecken zu messen, und zwar
unter
Anwendung
folgender
Mittel:
teleseismischer Methoden sowie, auf
dem Versuchsgelände des Partners, hydrodynamischer Methoden zur Messung
der Sprengkraft durch einen stationären Satelliten.
Zur Bestimmung der
Sprengkraftnorm sieht das Experiment
die Messung der Sprengkraft auf hydrodynamischem Wege im Sprengschacht
vor.
Das gemeinsame Verifizierungsexperiment ist nicht dazu ausgelegt,
statistisch relevante Ergebnisse zu
liefern. Vielmehr wird es so durchgeführt werden, daß alle anderen von
beiden Seiten ausgesprochenen Bedenken im Hinblick auf die Methoden behandelt werden, die von der jeweils
anderen Seite zur Verifizierung des
Schwellenvertrags von 1974 und des
Vertrags
über
Atomexplosionen
zu
friedlichen Zwecken von 1976 vorgeschlagen wurden. Beide Seiten haben
außerdem vereinbart, daß das Experiment ausreichende Informationen ergeben wird, um diese Bedenken zu zerstreuen, indem ein Beispiel für die
Wirksamkeit der in dem gemeinsamen
Ver ifizierungsexperiment
angewandten
Verifizierungsmethoden geliefert sowie ihre Durchführbarkeit und Unaufdringlichkeit
veranschaulicht
wird.
Das Experiment wird somit die Grundlage für die Vereinbarung solcher Verifizierungsmaßnahmen
liefern,
die
von jeder Seite zur Verifizierung der
Einhaltung der Bestimmungen der Verträge von 1974 und 1976 angewandt
werden könnten.
Es wurde Einverständnis darüber erzielt, daß in Zukunft
jede
Seite
berechtigt
sein
- 2

wird, jede einzelne oder alle dieser
vereinbarten
Verifizierungsmaßnahmen
anzuwenden.
Um eine Vereinbarung über besondere technische und organisatorische
Parameter des gemeinsamen Verifizierungsexperiments zu entwickeln und zu
erlangen, sind beide Seiten übereingekommen, Ad-hoc-Arbeitsgruppen
für
ihre Verhandlungen zu bilden.
Um sich
auf
die
Planung
und
Durchführung des gemeinsamen Verifizierungsexperiments
vorbereiten
zu
können, haben beide Seiten verabredet, Delegationen auszutauschen, die
das Testgelände der jeweils anderen
Seite besuchen. Diese Besuche, - in
der UdSSR auf dem Versuchsgelände von
Semipalatinsk und in den Vereinigten
Staaten auf dem Versuchsgelände von
Nevada, werden im Januar 1988 als
Vorbereitung auf die nächste Genfer
Verhandlungsrunde stattfinden.

* * * * *

�AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

V,DN &amp;

16. Dezember 1987

44

DER INF-VERTRAG
Ein kurzer Abriß des US-Amts für Rüstungskontrolle -

- (AD) - (Die folgende Übersicht wurde am 8. Dezember 1987, dem Tag der
Unterzeichnung des Vertrags zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika und
der Sowjetunion über die Beseitigung der Mittelstreckenraketen kürzerer und
längerer Reichweite durch Präsident Reagan und Generalsekretär Gorbatschow,
vom US-Amt für Rüstungskontrolle (ACDA) veröffentlicht.)

Der INF-Vertrag verpflichtet die
Vereinigten Staaten und die Sowjetunion zur Beseitigung aller landgestützten
ballistischen
Systeme und
Marschflugkörper mit Reichweiten zwischen 500 und 5 500 Kilometern und
gibt beiden Seiten das Recht, Verifizierungsmaßnahmen
durchzuführen, um
die Einhaltung des Vertrages zu überwachen.
Der INF-Vertrag besteht aus vier
Hauptdokumenten, in denen die grundsätzlichen
Verpflichtungen
und die
Mittel zur Durchführung dieser Ver-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

pflichtungen definiert werden.
Dies sind:
- Die Vertragsartikel, denen zufolge die Vereinigten Staaten und
die
UdSSR verpflichtet
werden,
innerhalb von drei Jahren alle
ihre Systeme mittlerer und kürzerer Reichweite abzuschaffen und
solche Systeme von diesem Zeitpunkt
verboten
sind.
Außerdem
sind diesen Artikeln gemäß Regelungen für die Vereinfachung einer wirksamen Verifizierung der

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Tel.: 0228-339 2035
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�Vertragseinhaltung zu akzeptieren.
- Die Regierungsvereinbarung (Memorandum of Understanding) über die
Daten, das die Daten mit Stand
vom 1. November 1987 enthält, die
vor Unterzeichnung durch die Parteien im Hinblick auf Orte, Zahlen und Charakteristika der Raketensysteme mittlerer und kürzerer
Reichweite beider Seiten ausgetauscht wurden.
- Das Inspektionsprotokoll, in dem
die Verfahren für die Durchführung der vereinbarten Inspektionen vor Ort, darunter kurzfristig
anberaumte Inspektionen und die
ständige Überwachung von Ein- und
Ausgängen, festgelegt werden.
- Das
Beseitigungsprotokoll,
das
eine
detaillierte
Beschreibung
der vertraglich geregelten Verfahren zur Vernichtung von Raketen, Abschußvorrichtungen, Unterstützungseinrichtungen,
Unterstützungsgebäuden und Unterstützungsgerät enthält.

Die grundsätzlichen Vertragsverpflichtungen
Der Vertrag sieht vor, daß die
Parteien
alle
ihre
Raketensysteme
mittlerer und kürzerer Reichweite beseitigen und verbietet den Parteien,
nach diesem Zeitpunkt solche Systeme
herzustellen.
Er gebietet zusätzlich
die Beseitigung der mit diesen Raketen in Zusammenhang stehenden Einrichtungen.
Die Mittelstreckensysteme sind in zwei Phasen innerhalb von
drei Jahren zu beseitigen; die Kurzstreckenraketen müssen innerhalb eines Zeitraums von 18 Monaten beseitigt werden.
Die im vertrag

genannten Mittel-

streckensysteme
sind
die
amerikanischen Pershing II und landgestützten Marschflugkörper (GLCM) sowie die
sowjetischen SS-20, SS-4 und SS-5.
Die im Vertrag genannten Systeme kürzerer Reichweite sind die amerikanische Pershing IA und die sowjetischen SS-12 und SS-23. Die Regierungsvereinbarung zu den Daten unterteilt diese Systeme in zwei Kategorien:
stationierte und nichtstationierte Systeme. Jede Seite hat mit
Stand vom 1. November 1987 Daten zu
Zahl, Orten und technischen Charakteristika ihrer INF-Raketensysteme geliefert.
Wenn diese Daten nach Inkrafttreten
des Vertrages auf den
neuesten Stand gebracht worden sind,
werden sie durch Inspektion verifiziert.
über die besonders aufgelisteten
zu vernichtenden amerikanischen und
sowjetischen INF-Raketensysteme hinaus definiert der Vertrag diese Kategorie von Systemen allgemeiner durch
ihre Reichweite (d. h. 500 - 5 500
Kilometer) und verpflichtet jede Seite, solche Systeme während der - unbegrenzten - Vertragsdauer weder herzustellen noch zu besitzen.
Nach Inkrafttreten des INF-Vertrags darf keine Seite Raketen mittlerer oder kürzerer Reichweite herstellen oder im Flug erproben oder
Abschußvorrichtungen für sie herstellen. Während es beiden Seiten jedoch
verboten ist, Raketen kürzerer Reichweite
überhaupt
abzuschießen, wird
ihnen innerhalb der ersten sechs Monate der Vertragsdauer gestattet, bis
zu
100 Mittelstreckenraketen
abzuschießen, allerdings nur zum Zwecke
ihrer Vernichtung.
Solche Abschüsse
zu Vernichtungszwecken dürfen nicht
auf eine Art und Weise durchgeführt
werden, die nützliche
Erkenntnisse
für die Entwicklung von Raketen hervorbringt. Außerdem unterliegen die-

- 2 -

�ten
und
nichtstationierten
Abschußvorrichtungen
zu den Vernichtungseinrichtungen zu transportieren.
Die
verbleibenden
nichtstationierten Raketen kürzerer Reichweite müssen innerhalb
eines Jahres zu den Vernichtungseinrichtungen transportiert werden.

se Abschüsse der Inspektion vor Ort.
Der Vertrag gibt beiden Parteien
das Recht, ein System einzurichten,
das die ständige Anwesenheit von Inspektoren zur Überwachung von Raketeneinrichtungen auf dem Territorium
des Vertragspartners vorsieht.
Die
Vereinigten
Staaten werden in dem
Fall das Recht haben, solch eine Inspektion
einer
sowjetischen
SS-20Einrichtung in Wotkinsk durchzuführen, während den Sowjets gestattet
wird, eine amerikanische Einrichtung
für Pershing
II-Raketen
in Magna,
Utah, zu inspizieren.

Der dreijährige Reduzierungszeitraum

- Der Transfer von INF-Raketen zwischen ihren genehmigten Standorten hat innerhalb eines festgelegten Zeitraums zu erfolgen.
Der Vertrag fordert ferner, daß
die Vereinigten Staaten und die UdSSR
die Benachrichtigung von vertragsrelevanten Handlungen vornehmen. Diese
umfassen:

Um die Verifizierung zu vereinfachen, sieht der Vertrag eine Reihe
von Verpflichtungen
zur
Begrenzung
der
INF-Aktivitäten
innerhalb
des
dreijährigen
Reduzierungszeitraums
vor, darunter die folgenden:
- Mittelstreckensysteme
und
ihre
Abschußvorrichtungen
dürfen
nur
in ihren festgelegten Stationierungsgebieten
oder
Unterstützungseinrichtungen, wie etwa Lagerungs-,
Instandsetzungs- oder
Beseitigungseinrichtungen
untergebracht sein oder zwischen diesen
in der vereinbarten Weise
verlegt werden.
Alle zugelassenen Orte sind durch geographische
Lage und Größe im Datenaustausch
benannt und definiert.
Befindet
sich
irgendein
vertraglich begrenzter Gegenstand an einem vertraglich nicht zugelassenen Ort,
so bedeutet dies eine Verletzung
des Vertrags.
- Innerhalb von 90 Tagen nach Inkrafttreten des Vertrags sind alle stationierten Raketen kürzerer
Reichweite sowie alle stationier-

- Ursprungs- und Bestimmungsort von
im Transfer befindlichen Raketen
und
Abschußvorrichtungen,
einschließlich
von
in
bestimmten
Zeitabständen zu liefernden Informationen über ihren Standort.
- Daten über die Eliminierung von
Stationierungsgebieten,
Stützpunkten
und
Unterstützungseinrichtungen.
- Datum, Ort, Anzahl und Typ von
Raketen und Abschußvorrichtungen,
die auf einem dafür bestimmten
Gelände vernichtet werden sollen.
- Datum, Ort und Typ von Raketen,
die durch Abschuß vernichtet werden sollen.
Nachdem
der
Vertrag
in Kraft
tritt, werden die Daten auf den neuesten stand gebracht.
Im Anschluß
daran
erfolgt
die Benachrichtigung
über Änderungen dieser Daten in vorgeschriebenen Zeitabständen.

- 3 -

Alle

diese

Benachrichtigungen,

�einschließlich der fortgeschriebenen
Daten und Inspektionen werden durch
die Zentren zur nuklearen Risikoverminderung übermittelt.

Beseitigungsverfahren
Der Vertrag
und das Protokoll
über die Beseitigung enthalten die
allgemeinen
Richtlinien
und spezifischen Verfahren für die Beseitigung
von
Raketen,
Abschußvorrichtungen,
Unterstützungseinrichtungen und -gerät.
- Raketensysteme
werden
in vollständigen
Organisationseinheiten
abgebaut, um die Aufgabe der Verifizierung zu erleichtern.
- Die
Vernichtung
erfolgt
schließlich in beiderseitig
einbarten Einrichtungen.

ausver-

- im Einklang mit den oben genannten Bestimmungen können maximal
100 Mittelstreckenraketen
durch
Abschuß vernichtet werden.
- Die
wichtigsten
Unterstützungseinrichtungen
werden an ihrem
Standort vernichtet.

Verifizierungsverpflichtungen
Während die Vereinigten Staaten
zur Überwachung des Vertrags weiterhin ihre Nationalen Technischen Mittel (NTM) anwenden, besteht ein zusätzliches wichtiges Mittel zur Erleichterung der Verifizierung in dem
neu
in
den
Vertrag
aufgenommenen
Recht auf Inspektionen vor Ort.
Die Inspektionen vor Ort umfassen
folgende Typen:
- Grundinspektionen

-

Sie

tragen

zur
Verifizierung
des
anfänglichen Austauschs fortgeschriebener Daten bei und enthalten das
Recht
auf
vor-Ort-lnspektionen
vereinbarter und in der Regierungsvereinbarung
aufgeführter
Standorte innerhalb von drei Monaten nach Inkrafttreten des Vertrags. Dies erstreckt sich - zusätzlich zu den Standorten in der
Sowjetunion - auch auf Einrichtungen
und
Stützpunkte in der
Deutschen Demokratischen Republik
und der Tschechoslowakei, wo die
Sowjetunion Raketensysteme kürzerer Reichweite stationiert hat.

,

- Abschlußinspektionen - Nach Beseitigung der Stützpunkte und Raketenunter stützungsei nri cht ungen, ha
ben die Vereinigten Staaten das
Recht zur Durchführung von Inspektionen, um festzustellen, daß
vertraglich verbotene Handlungen
beendet worden sind.
Falls die
Vereinigten
Staaten
dies
wünschen, können sie in allen diesen
Standorten
eine
Abschlußinspektion durchführen.
- Beseitigungsinspektionen
Die
Vereinigten
Staaten
haben
das
Recht, die Vernichtung von Raketen und Abschußvorrichtungen am
Ort der Beseitigung zu beobachten.
Das Verfahren zur Beseitigung ist im Protokoll über die
Beseitigung
vorgeschrieben
und
die
Vereinigten
Staaten
sind
durch die Inspektionen in der Lage, die Durchführung dieser Verfahren
zu
beobachten.
Dieses
Recht zur Beobachtung der Beseitigung von Raketen und Abschußvorrichtungen ist nicht durch irgendeine Quote begrenzt.
- Kurzfristig anberaumte Inspektionen - Nach Inkrafttreten des Vertrags haben die Vereinigten Staa-

.

�ten und die UdSSR 13 Jahre lang
das Recht, eine bestimmte Anzahl
kurzfristig
anberaumter
Inspektionen vereinbarter Standorte pro
Jahr durchzuführen.
Damit haben
die Vereinigten Staaten in den
ersten drei Jahren nach Inkrafttreten des Vertrages - das heißt,
bevor alle Systeme beseitigt worden sind - das Recht auf jährlich
20 kurzfristige Inspektionen von
gegenwärtig noch in Betrieb befindlichen Stützpunkten und Einrichtungen, sowie derjenigen, die
bis dahin beseitigt sein werden.
In den ersten fünf Jahren nach
der vollständigen Beseitigung von
INF-Raketensystemen
können
die
Vereinigten Staaten 15 vor-OrtInspektionen pro Jahr durchführen.
Im Verlauf der nächsten
fünf Jahre können die Vereinigten
Staaten
zehn entsprechende Inspektionen pro Jahr durchführen.
Überwachung der Ein- und Ausgänge
von Produktionsstätten - Im speziellen
Fall
der
sowjetischen
SS-25 ICBMs, die in einer Einrichtung zusammengebaut wird, in
der früher SS-20-Raketen montiert
wurden, hat die Sowjetunion ausdrücklich ihr Einverständnis gegeben, den Vereinigten
Staaten
den Bau eines permanenten Uberwachungssystems in den Einrichtungen zur Endmontage der SS-25
in Wotkinsk in der Nähe des Urals
zu gestatten oder in jeder anderen Einrichtung, in der in Zukunft die Endmontage der SS-25
vorgenommen werden könnte.

spektionen vor Ort zur Verifizierung der Einhaltung des INF-Vertrags haben sich die Parteien dazu verpflichtet, keinen Einfluß
auf die NTM der anderen Seite zu
nehmen sowie spezifische Schritte
zur
Verbesserung
der
Fähigkeit
der anderen Seite zu unternehmen,
Überwachungen mittels NTM durchzuführen.
Die besondere Verifizierungskommission - Die Vereinigten Staaten
und die UdSSR haben sich ferner
darauf geeinigt, eine besondere
Verifizierungskommission zu gründen, die auf Bitte jeder Seite
zur Lösung von Problemen im Zusammenhang mit der Einhaltung des
Vertrags einberufen werden kann.

Ratifizierung und Dauer des Vertrags
Alle
Vertragsdokumente
einschließlich
der
Regierungsvereinbarung über den Datenaustausch, das Inspektionsprotokoll sowie das Beseitigungsprotokoll unterliegen der Ratifizierung.
Der
INF-Vertrag
ist von unbegrenzter
Dauer.
Jede Partei kann
sich vom Vertrag zurückziehen, sollte
sie zu dem Schluß gelangen, daß aussergewöhnliche, im Zusammenhang mit
dem Inhalt des Vertrags stehende Ereignisse ihre vornehmsten Interessen
gefährden.

Detaillierte Verfahren zur Durchführung aller der oben genannten Inspektionen sind im Inspektionsprotokoll enthalten.
- Nationale Technische Mittel - Zusätzlich zur Genehmigung von In- 5 -

* * * *

�AMERIKA DIENST
Wissenschaft und Technik

16.Dezember 1987

44

TECHNISCHE VORVEREINBARUNGEN ÜBER RAUMSTATION
- NASA wählte die Vertragsfirmen aus -

WASHINGTON - (AD) - Die US-Behörde für Luft- und Raumfahrt (NASA) hat
jetzt Vorverträge an vier amerikanische Firmen zum Bau einer Raumstation vergeben. Die Anfang Dezember von NASA-Administrator Dr. James C. Fletcher bekanntgegebenen Vereinbarungen mit der Boeing Aerospace Company, McDonnell
Douglas Astronautics Company, General Electric Company und Rockwell International (Rocketdyne Division) bilden die Vorstufe zu offiziellen Verträgen,
die eine Laufzeit von ca. zehn Jahren hätten und Aufwendungen von ca. fünf
Milliarden Dollar erforderten. Einzelheiten werden noch ausgehandelt.

Gegenüber
Journalisten
verwies
Fletcher jedoch darauf, daß der Bau
einer Raumstation, der auf der Basis
vorliegender Pläne auf 14 Milliarden
Dollar veranschlagt wird, von Budgetbewilligungen abhänge, die der amerikanische Kongreß erst nach den Gesprächen
und Abmachungen
mit dem
Weißen Haus zum Abbau des Haushaltsdefizits
verabschieden
könne.
Die
jetzt vorgesehene Station, die Mitte
der
neunziger
Jahre
betriebsbereit
sein soll, ist erheblich kleiner als
die ursprüngliche Version.

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Die Gerüstkonstruktion, Kontrollsysteme und Vorrichtungen zur Aufnahme von Nutzlasten und anderer Untersysteme würden von einer Firmengruppe
unter Führung von McDonnell Douglas
entwickelt (Kosten: ca. 1,9 Milliarden Dollar).
Boeing erhielt den Zuschlag für den Bau von zwei Druckmodulen, in denen Astronauten leben und
arbeiten können (Kosten: 750 Millionen Dollar).
General Electric hatte
als einziger Anbieter Pläne für die
Konstruktion
einer
freifliegenden,
unbemannten
Forschungsplattform
zum
Einsteuern in eine polare Umlaufbahn

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�vorgelegt
(Kosten:
800
Millionen
Dollar).
Und Rocketdyne machte das
Angebot, die Systeme zur Stromversorgung zu entwickeln und herzustellen
(Kosten:
1,6
Milliarden
Dollar).
Die erste Stufe der Errichtung einer
Raumstation, die sich über insgesamt
elf Jahre erstreckt, wäre damit technisch gesichert. in der zweiten stufe würden einige Erweiterungsbauten
vorgenommen (Kosten: ca. 1,5 Milliarden Dollar).
Den jetzt vorliegenden Plänen zufolge soll die Raumstation der Forschung für wissenschaftliche und kommerzielle
Zwecke
dienen
und
als
Startplattform für künftige Flüge zum
Mond und Mars benutzt werden. In die
Gerüststruktur, die an beiden Enden
mit Solarzellen bestückte Stromkollektoren trägt, sind im Zentrum vier
Druckmodule eingefügt.
zwei liefern
die USA, die beiden anderen Japan und
die Europäische Raumfahrtbehörde ESA.
Mit der Montage der Station im Orbit
soll 1994 begonnen werden. Die Teile
werden in ca. 19 Raumtransporterflügen in die Erdumlaufbahn gebracht.
Die Raumstation bietet acht Personen
Unterkunft.

Die Verhandlungen mit Kanada hinsichtlich einer Beteiligung sind bisher am weitesten gediehen.
Kanada
wird den mechanischen Arm beisteuern,
der für die Montagearbeiten erforderlich ist.
Mit Japan und Westeuropa
wird derzeit noch über den Zugang zu
Stationselementen und zu Forschungsdaten verhandelt.
Wie NASA-Administrator Fletcher erklärte, würden die
Vereinigten
Staaten ungeachtet
des
Fortgangs der Gespräche mit den internationalen Partnern die Raumstation in Angriff nehmen.
Er zweifle
aber nicht daran, daß "sie an Bord
kommen werden".

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                <text>Amerikadienst 16.12.1987</text>
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            <description>An account of the resource</description>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Verhandlungen über strategische Waffen sollen intensiviert werden&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Gemeinsame Abschlußerklärung zum Gipfeltreffen Reagan-Gorbatschow&lt;/em&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Reagan: "Fortschritte" bei Gesprächen über START-Vertrag erzielt&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärungen Reagans und Gorbatschows zum Abschluß des Gipfeltreffens&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Enge Konsultationen mit den Europäern über INF&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede Präsident Reagans vor dem CSIS&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Amerikaner und Sowjets vereinbaren gemeinsames Verifizierungsexperiment&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Gemeinsame Erklärung der Außenminister&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Der INF-Vertrag&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Ein kurzer Abriß des US-Amtes für Rüstungskontrolle&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Technische Vorvereinbarungen über Raumstation&lt;br /&gt;&lt;em&gt;NASA wählte die Vertragsfirmen aus&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>^is^&lt;

AMERIKA DIENST

"V, "^ &lt;&amp;

9 . Dezember 1987

43

I N H A L T

DOKUMENTATION
Reagan: Aus Vision wurde Realität
- Reden von Präsident Reagan und Generalsekretär Gorbatschow
vor der Unterzeichnung des INF-Abkommens Reagan: Amerikaner und Sowjets teilen "Gemeinsamen Traum vom
Frieden
- Botschaft des Präsidenten an das amerikanische und sowjetische Volk -

HINTERGRUNDMATERIAL
Bei INF-Vertrag keine "Auszeit" nötig
- Von Paul H. Nitze KSZE-Bilanz des Warschauer Pakts noch "voller Mängel"
- Kapitel 1 des Halbjahresberichts zur Anwendung der KSZEVerpflichtungen -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Hoffnung auf Ausrottung der Flußblindheit
- Neues Medikament könnte Infektionskette blockieren -

* * * * * *

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VON

Dokumentation

*

9. Dezember 1987

43
REAGAN:

AUS VISION WURDE REALITXT

- Reden von Präsident Reagan und Generalsekretär Gorbatschow
vor der Unterzeichnung des INF-Abkommens WASHINGTON - (AD) - Präsident Reagan zufolge "bestehen weiterhin tiefgreifende und grundsätzliche moralische Unterschiede" zwischen den Vereinigten
Staaten und der Sowjetunion, aber mit Blick auf das entscheidende Thema des
Mittelstreckenabkommens "sehen wir heute, was erreicht werden kann, wenn wir
alle am selben Strang ziehen". In seiner Ansprache aus Anlaß der feierlichen
Unterzeichnung des INFVertrages am 8. Dezember 1987 in Washington verlieh der
Präsident seiner Hoffnung Ausdruck, daß das Abkommen "den Beginn einer Arbeitsbeziehung darstellt, die uns zur Bewältigung auch anderer Probleme befähigt . .. " .
Generalsekretär Gorbatschow erklärte, der Vertrag "bietet eine einmalige
Gelegenheit, endlich auf den Weg zu finden, der von der drohenden Katastrophe
wegführt... und gemeinsam in eine atomwaffenfreie Welt aufzubrechen".
Nachfolgend bringen wir die Ausführ ungen Reagans und Gorbatschows im Wortlaut.
Rede davon, den Rüstungswettlauf zu
Präsident
Reagan:
Diese Zerekontrollieren. Zum ersten Mal in der
monie und der Vertrag, den wir heute
Geschichte wurde die Sprachregelung
unterzeichnen, bieten ein ausgezeich"Rüstungskontrolle" durch "Abrüstung"
netes Beispiel für die Belohnung von
ersetzt - in diesem Fall die vollGeduld.
Vor mehr als sechs Jahren,
ständige Vernichtung einer ganzen Kaam 18. November 1981, habe ich zum
tegorie
amerikanischer
und
sowjeersten Mal den Vorschlag unterbreitischer Atomraketen.
tet, der später als Null-Option bekannt wurde.
Es war ein einfacher
Vorschlag, fast könnte man sagen,
Dies hat natürlich eine grundentwaffnend einfach.
Anders als bei
sätzliche Änderung der Denkweise erfordert und gelegentlich benötigten
bisherigen Verträgen schrieb dieser
traditionelle Denkschemata ein gutes
Vorschlag nicht einfach den Status
Maß an Zeit, um sich mit der neuen
quo oder eine neue militärische AufSituation vertraut zu machen.
Die
rüstung fest. Es war nicht nur die

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�Reaktion war - milde gesagt - gemischt. Für einige war die Null-Option eine unmögliche Vision und unrealistisch,
für
andere
war
sie
schlicht und einfach ein Propagandaschachzug.
Mit Geduld, Entschlußkraft und Engagement haben wir diese
unglaubliche Vision Realität werden
lassen.
Herr Generalsekretär Gorbatschow,
ich
bin
sicher,
Ihnen
ist
Iwan
Krylows berühmte Fabel vom Schwan,
dem Krebs und dem Hecht bekannt. Vor
langer Zeit versuchten diese drei
wohl einmal, einen beladenen Wagen in
Gang zu setzen.
sie spannten sich
vor den Wagen.
Auch wenn er nicht
allzu schwer war, gelang es ihnen
doch nicht, ihn von der Stelle zu bewegen.
Denn der Schwan flog in die
Höhe, der Krebs kroch rückwärts und
der Hecht suchte das Wasser. Das Ergebnis war, daß sie nirgendwohin gelangten und der Wagen noch bis zum
heutigen Tage dort steht.
Zwischen unseren Nationen bestehen
weiterhin
tiefgreifende
und
grundsätzliche moralische Unterschiede, aber heute sehen wir zumindest in
dieser entscheidenden Frage, was erreicht werden kann, wenn wir alle am
selben Strang ziehen.
Die zahlen allein belegen den
Wert dieses Abkommens.
Auf sowjetischer Seite werden über 1 500 stationierte Gefechtsköpfe beseitigt und
alle bodengestützten Mittelstreckenraketen einschließlich der SS-20 werden vernichtet.
Auf unserer Seite
wird
unser
gesamtes
Arsenal
von
Pershing
II
und
bodengestützten
Marschflugkörpern mit mehr als 400
stationierten Gefechtsköpfen vernichtet. Zusätzliche Nachladeraketen auf
beiden Seiten werden ebenfalls verschrottet .

Aber die Bedeutung dieses Vertrages geht über die bloßen Zahlen hinaus, wir haben die Lehre eines alten
russischen Sprichworts befolgt, das
Ihnen sicherlich bekannt sein dürfte,
Herr Generalsekretär, auch wenn Ihnen
meine Aussprache gewisse Schwierigkeiten bereiten dürfte. Das Sprichwort lautet: "Dowerjai no prowerjai"
- "Vertrauen ist gut, Kontrolle ist
besserJ"
Generalsekretär
Gorbatschow:
Das sagen Sie bei jedem Treffen.
Präsident
mir.

Reagan:

Es

gefällt

Dieses Abkommen enthält die einschneidendsten Verifizierungsregelungen in der Geschichte bis hin zu Bestimmungen für Inspektorenteams, die
sich tatsächlich auf dem Territorium
des anderen Staates aufhalten sowie
zahlreiche andere Formen von Inspektionen
vor
Ort.
Dieser
Vertrag
schützt die Interessen der Freunde
und Verbündeten Amerikas. Er verkörpert auch einen weitereren unerläßlichen Grundsatz:
Die Notwendigkeit
von Glasnost - also größere Offenheit
auch in militärischen Programmen
und bei den Streitkräften.
Wir können nur hoffen, daß dieses
geschichtemachende
Abkommen
nicht
reiner
Selbstzweck bleibt, sondern
den
Beginn
einer
Arbeitsbeziehung
darstellt, die uns zur Bewältigung
auch anderer dringlicher Probleme befähigt - Problemen bei strategischen
nuklearen Offensivwaffen, dem Gleichgewicht konventioneller Streitkräfte
in Europa, den zerstörerischen und
tragischen regionalen Konflikten, von
denen so viele Teile unseres Erdballs
heimgesucht werden sowie der Wahrung
der menschlichen und gottgegebenen
Rechte, die Er allen Menschen verliehen hat.

�Allen
heute hier Versammelten,
die so hart an der Verwirklichung
dieser Vision gearbeitet haben, möchte ich meinen herzlichen Dank und
Glückwünsche übermitteln - insbesondere den Botschaftern Glitman und
Obukow.
Um ein anderes russisches
Sprichwort zu zitieren - wie Sie sehen, werde ich noch zum Experten in
russischen Sprichwörtern - "Die Ernte
ist mehr das Ergebnis von Schweiß als
von Tau." Ich möchte also Herrn Generalsekretär
Gorbatschow
vorschlagen, daß wir ihm eine letzte Instruktion mit auf den Weg geben: Gönnen
Sie sich die wohlverdiente Ruhe.
Generalsekretär
Gorbatschow:
Das werden wir nicht tun.
Präsident
Reagan:
Nun,
Herr
Generalsekretär, möchten Sie vor der
Unterzeichnung des Vertrages einige
Worte sagen?
Generalsekretär
Gorbatschow:
Herr Präsident, meine Damen und Herren, Genossen.
Nachfolgende Generationen werden ihr Urteil über die Bedeutung des Ereignisses fällen, dessen Zeuge wir in Kürze werden. Aber
ich möchte doch das Wort ergreifen,
um zum Ausdruck zu bringen, was vor
uns liegt - die Unterzeichnung des
ersten Abkommens in der Geschichte
über die Beseitung von Nuklearwaffen,
das
umfassende
Bedeutung
für
die
Menschheit hat, sowohl aus der Sicht
der Weltpolitik als auch aus der
Sicht des Humanismus.

aufzubrechen, die für unsere Kinder
und Kindeskinder sowie deren Kinder
und Kindeskinder die Verheißung eines
erfüllten und glücklichen Lebens ohne
Furcht und ohne die sinnlose Verschwendung von Mitteln für Vernichtungswaffen in sich birgt.
Wir
können
stolz darauf sein,
diesen Schößling gepflanzt zu haben,
der eines Tages zu einem mächtigen
Baum des Friedens heranwachsen könnte.
Es ist jedoch wahrscheinlich
verfrüht, uns gegenseitig mit Lorbeer
zu bekränzen.
Wie der große amerikanische Dichter und Philosoph Ralph
Waldo Emersein einmal gesagt hat:
"Der Lohn einer gut verrichteten Tat
ist, sie getan zu haben."
Wir sollten uns also dadurch belohnen, daß wir uns an die Arbeit machen. Wir sind sieben Jahre lang einen Weg voll intensiver Arbeit und
Debatten
gegangen.
Ein
letzter
Schritt an diesen Tisch, und der Vertrag wird unterzeichnet werden.
Möge der 8. Dezember 1987 zu einem Datum werden, das in die Geschichtsbücher eingeht - ein Tag, der
den Wendepunkt markiert, an dem sich
die Epoche eines steigenden Atomkriegsrisikos in eine Epoche der Entmilitarisierung des menschlichen Lebens umkehrt.

Für jeden von uns und insbesondere für unsere beiden Länder bietet
der Vertrag, dessen Text nun hier auf
dem Tisch liegt, eine große Chance,
endlich auf den Weg zu finden, der
von der drohenden Katastrophe wegführt. Es ist unsere Pflicht, diese
Chance umfassend zu nutzen und gemeinsam in eine atomwaffenfreie Welt
- 3 -

(Der Vertrag wird unterzeichnet.)

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VON

4

Dokumentation

9. Dezember 1987

43
REAGAN:

AMERIKANER UND SOWJETS TEILEN "GEMEINSAMEN TRAUM VOM FRIEDEN'

- Botschaft des Präsidenten an das amerikanische und sowjetische Volk

WASHINGTON - (AD) - Präsident Reagan zufolge "ist der gemeinsame Traum vom
Frieden" ein "starkes Bindeglied", das die Völker der Vereinigten Staaten und
der Sowjetunion zusammenführt.
In einer im Anschluß an die Unterzeichnung des INF-Vertrages übertragenen
Ansprache an das amerikanische und das sowjetische Volk erklärte der Präsident, daß die Amerikaner "einen Frieden wollen, der den Traum aller Völker erfüllt, ihre Familien in Frieden und Sicherheit heranwachsen zu sehen. Und ich
glaube, daß wir einen solchen Frieden schaffen werden, wenn unsere beiden Länder Mut und Geduld aufbringen".
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede des Präsidenten im Wortlaut:
Ich möchte mich zunächst bei Ihnen allen bedanken.
Herr Generalsekretär Gorbatschow,
sehr geehrte Gäste, liebe Mitbürger
und Bürger der Sowjetunion. Der amerikanische
Philosoph
Ralph
Waldo
Emerson hat einmal geschrieben, daß
"es in Wirkllichkeit keine Geschichte
gibt, sondern nur eine Biographie".
Damit meinte er, es sei nicht ausreichend, Geschichte lediglich als Ansammlung von Kräften und Faktoren zu
verstehen.
Geschichte ist letztlich
eine Bilanz des menschlichen Willens,

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Embassy of the United States of America

des menschlichen Geistes, des in den
Männern und Frauen dieser Erde verkörperten menschlichen Strebens, denen Gott die kostbare Seele und den
freien Willen verliehen hat.
Heute haben ich für die Vereinigten Staaten und der Generalsekretär
für die Sowjetunion das erste Abkommen in der Geschichte zur Beseitigung
einer gesamten Kategorie amerikanischer und sowjetischer Atomwaffen unterzeichnet.
Wir haben
Geschichte
gemacht. Und doch haben viele sogenannte Weise einmal vorausgesagt, daß

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�dieses Abkommen unmöglich zu erreichen sei - zu viele Kräfte und Faktoren stünden ihm entgegen.
Nun, wir
haben trotzdem auf unserem Standpunkt
beharrt. Wir sind ihm treu geblieben.
Und ich hoffe, der Generalsekretär wird mir verzeihen, wenn ich
enthülle, daß ich mich in den düstersten Zeiten, in denen es wirklich so
schien, als ob ein Abkommen unmöglich
sei, an den Worten eines großen Russen, Leo Tolstoi, aufrichtete, der
einmal geschrieben hat:
"Die stärksten Krieger sind diese beiden - zeit
und Geduld."
In den kommenden Tagen werden wir
weitere Waffenreduzierungen und andere Probleme diskutieren - und wieder
werden Zeit und Geduld nötig sein, um
Vereinbarungen zu erzielen. Wenn wir
jedoch
diese
Gespräche
aufnehmen,
sollten wir uns daran erinnern, daß
wahres internationales Vertrauen und
Sicherheit ohne offene Gesellschaften
mit Informationsfreiheit, Gewissensfreiheit, Pressefreiheit und Freizügigkeit undenkbar sind.
Wir werden
also die Menschenrechte und regionale
Konflikte ansprechen, denn die Rettung der gesamten Menschheit liegt
einzig und allein darin, daß alles zu
jedermanns
Anliegen
gemacht
wird.
Mit Zeit, Geduld und Willenskraft
werden wir meiner Überzeugung nach
diese Fragen lösen. Wir müssen sie
lösen, wenn wir wahren, sicheren und
dauerhaften Frieden erlangen wollen.
So
verschieden
unsere
Systeme
sind, so gibt es doch ein starkes
Bindeglied, das die Völker der Vereinigten Staaten und der Sowjetunion
zusammenführt. Es ist der gemeinsame
Traum vom Frieden. Vor über 40 Jahren kämpften wir als Verbündete in
einem großen Krieg. Am Tage, als die
Nachricht von der Kapitulation des
Feindes in Moskau eintraf, versammelte sich eine Menschenmenge vor der

amerikanischen Botschaft.
Dort applaudierten sie der Freundschaft einer Nation, die eine zweite Front eröffnet und den Völkern der Sowjetunion Nahrungsmittel, Munition und
Lastwagen geschickt hatte, als diese
bei der Zurückwerfung des Invasoren
unglaublichen Mut und Willen zeigten.
Ein
junger amerikanischer
Diplomat
erzählte
später
von
einem
sowjetischen Soldaten in der Menschenmenge, der immer wieder rief:
"Jetzt
ist es Zeit zu leben."
Zu oft wurde in den seiher vergangenen Jahrzehnten der Traum dieses
Soldaten - von einer Zeit zu leben ausgelöscht,
zumindest
was
wahren
Frieden zwischen unseren Ländern angeht. Und doch haben wir Amerikaner
nie aufgehört, für den Frieden zu beten.
In jedem Teil der Welt wollen
wir, daß dies eine Zeit zu leben ist.
Nur diejenigen, die uns nicht
kennen,
glauben,
die
Vereinigten
Staaten seien ein materialistisches
Land. Aber das wahre Amerika besteht
nicht aus mit Fleisch, Milch und allen Arten von Gütern angefüllten Supermärkten.
Es besteht nicht aus
Highways voller
Autos.
Nein, das
wahre Amerika ist ein Land des Glaubens und der Familie. Sie können es
in unseren Kirchen, Synagogen und
Moscheen finden - in unseren Häusern
und Schulen. Wie ein großer Schriftsteller es einmal ausgedrückt hat Amerika ist die Bereitschaft des Herzens, des universellen menschlichen
Herzens, denn Amerikaner kommen aus
allen Teilen der Erde, auch aus der
Sowjetunion. Wir möchten einen Frieden, der den Traum aller Völker erfüllt, ihre Familien in Frieden und
Sicherheit
heranwachsen
zu
sehen.
Und ich glaube, daß wir einen solchen
Frieden aufbauen werden, wenn unsere
Länder Mut und Geduld aufbringen.

�In den nächsten beiden Monaten
werden Menschen in der ganzen Welt
zwei große Glaubensfeste feiern
Chanukka und Weihnachten.
Eines ist
ein Fest der Freiheit, das andere das
Fest des Friedens auf der Welt und
des guten Willens den Mitmenschen gegenüber.
Meine große Hoffnung besteht darin, daß die Biographien unserer Zeit verzeichnen werden, daß
wir den Willen besaßen, dies als die
rechte zeit für diesen Gipfel gewählt
zu haben.
Vielen Dank und Gott segne Sie.

* * * * *

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Hintergrundmaterial

VoN^

9. Dezember 1987

43

BEI INF-VERTRAG KEINE "AUSZEIT" NÖTIG
- Von Paul H. Nitze -

- (AD) - (Der Autor des folgenden, am 7. Dezember 1987 in der Washington
Post veröffentlichten Artikels, ist Sonderberater des Präsidenten und des
Außenministers für Rüstungskontrolle.)

Mein
ehemaliger
Kollege
Frank
Gaffney hat in einem Zeitungsartikel
vorgeschlagen,
die
Administration
solle "beim INF-Vertrag eine 'Auszeit1 nehmen", um sich vier Fragen
bezüglich der Wirksamkeit dieses Vertrags zu widmen.
Eine Auszeit ist
nicht nötig; wir haben diese Fragen
immer bedacht, und die Antworten darauf sind positiv:
Beseitigt der Vertrag tatsächlich
die INF-Infrastruktur und -Fähigkeit der Sowjetunion?
Mit einem
Wort:
Ja. Der Vertrag verlangt

United States Information Service
Embassy of the United States of America

von der Sowjetunion, alle INF-Raketen und Abschußvorrichtungen in
Gegenwart von amerikanischen Inspektoren zu beseitigen.
Ebenso
müssen bestimmte Unterstützungsgebäude und -einrichtungen gemäß
den vereinbarten Verfahrensweisen
beseitigt oder modifiziert werden, so daß sie für eine künftige
Unterstützung
von
INF-Systemen
unbrauchbar werden.
Nach der Beendigung der Raketenvernichtung werden Vertreter der Vereinigten Staaten in jeder ehemaligen

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�sowjetischen Stationierungs- oder Unterstützungseinrichtung für INF eine
Abschlußinspektion durchführen, um zu
gewährleisten, daß keinerlei iNF-relevante Handlungen mehr stattfinden.
Gewisse
Unterstützungsgebäude,
wie
etwa früher zum Abstellen von SS-20Transportfahrzeugen benutzte Garagen
oder gehärtete Silos, die zur Lagerung amerikanischer
GLCMs dienten,
können für andere Zwecke beibehalten
werden. Jede Seite wird jedoch während der nächsten 13 Jahre das Recht
auf kurzfristig anberaumte Inspektionen vor Ort besitzen, um sicherzustellen, daß diese Gebäude und alle
früher benutzten Einrichtungen keine
INF-relevanten Aufgaben erfüllen.
- Sind die von den Sowjets gelieferten Daten vollständig, folgerichtig und im Einklang mit den
von unserer Aufklärung erbrachten
Schätzungen in bezug auf die vertraglich begrenzten Systeme und
Aktivitäten?
Wiederum
ist die
Antwort ja.
Zusätzlich gewährt
uns der Vertrag das Recht, Grundinspektionen
in
allen
sowjetischen
Stationierungs- und
Unterstützungsei nrichtungen
durchzuführen, um die Richtigkeit dieser Daten zu verifizieren.
- Bestehen in der Vertragssprache
erhebliche
Doppeldeutigkeiten,
Lücken oder andere Regelungen,
die in Zukunft zu Debatten über
Bedeutung
und Auslegung
führen
könnten?
Notwendigerweise
ist
der INF-Vertrag lang und komplex
und umfaßt viele Einzelvorschriften. Es ist uns heute unmöglich,
alle
zukünftigen
Eventualitäten
vorauszusehen.
Aus diesem Grund
enthalten alle Rüstungskontrollverträge Regelungen für künftige
Konsultationen, um möglicherweise
auftauchende
Unstimmigkeiten
zu
klären.
In den Jahren der Ver-

tragserstellung wurden jedoch erhebliche Bemühungen unternommen,
um den Text so präzise und frei
von Vertragslücken zu gestalten
wie möglich.
- Besteht
eine wirksame
Regelung
für vor-Ort-Inspektionen verdächtiger
Einrichtungen?
Ja, zwar
keine perfekte, aber eine wirksame. Eine perfekte Regelung würde
jederzeitige und sofortige vorOrt-Inspektionen
überall
erfordern, ohne daß die Inspektion vom
Inspektionsort
abgelehnt
werden
kann. Wie Gaffney weiß, hat die
Administration
eine
solche Art
von Regelung während des vergangenen
Jahres eingehend
geprüft
und dann entschieden, daß es für
das vorliegende Abkommen unnötig
und sogar den amerikanischen Sicherheitsinteressen
abträglich
wäre,
sowjetischen
Inspektoren
solch unbegrenzten Zugang zu unseren
sicherheitsempfindlichsten
Einrichtungen zu gestatten.
Wir haben also kurzfristige vorOrt-Inspektionen ehemaliger INF-Stationierungs- und
Unterstützungseinrichtungen angestrebt und erreicht,
darunter die dauernde Beobachtung der
Ausgänge der Einrichtung, in der die
Montage der SS-20 stattfand, sowie
besondere Maßnahmen zur Verbesserung
unserer Fähigkeit, mit Aufklärungssatelliten die SS-25-Stützpunkte zu
überwachen, in denen illegale Aktivitäten
am
leichtesten
durchgeführt
werden könnten.
Wenn wir vermuten,
daß illegale Aktivitäten andernorts
stattfinden, so können wir die Sowjets in der vertraglich eingerichteten Besonderen Verifizierungskommission zur Rede stellen und Beweise dafür verlangen, daß unser Verdacht unbegründet ist.
Ist

dies

für

uns

eine Garantie,

�daß die Sowjets nicht an einem anderen Ort ihres Territoriums eine INFRakete verbergen können? Nein. Aber
sie können solche Raketen nicht erproben, sie können kein Betriebspersonal ausbilden oder die StützpunktInfrastruktur
unterhalten, die für
ihre Unterstützung benötigt wird, da
wir all dies mit hoher Wahrscheinlichkeit entdecken würden, ohne diese Mittel könnten die Sowjets jedoch
keine militärisch bedeutsame Fähigkeit aufrechterhalten.
Dies ist die
Definition wirksamer Verifizierung.
Noch ein letzter Punkt.
Gaffney
behauptet, aufgrund des durch einen
willkürlich
festgesetzten
Stichtag
entstandenen Zeitdrucks gefährde die
Administration ihre Bemühungen. Tatsächlich ist die von mir soeben geschilderte Verifizierungsregelung das
Ergebnis
sorgfältig
erwogener Vorschläge der Vereinigten Staaten, die
innerhalb der amerikanischen Regierung eingehend geprüft und mit den
Sowjets in den vergangenen Monaten
ausgehandelt wurden.
Die erhebliche
Bewegung, die in den letzten Wochen
in der Verifizierungsfrage stattfand,
bestand in der sowjetischen Annahme
unseres Vorschlags von Abschlußinspektionen, der sowjetischen Annahme
unserer Quote für kurzfristig anberaumte vor-Ort-Inspektionen und der
sowjetischen Zustimmung zu der von
uns vorgeschlagenen Methode der Überwachung ihrer ehemaligen Einrichtung
zur Endmontage der SS-20.

- 3 -

�AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

9. Dezember 1987

43

KSZE-BILANZ DES WARSCHAUER PAKTS NOCH "VOLLER MÄNGEL"
- Kapitel 1 des Halbjahresberichts zur
Anwendung der KSZE-Verpflichtungen -

WASHINGTON - (AD) - Dem HalbJahresbericht der amerikanischen Regierung
über die Einhaltung der von der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit
in Europa (KSZE) auferlegten Verpflichtungen zufolge weist die Akte des
Warschauer Pakts über Menschenrechte und wirtschaftliche Zusammenarbeit trotz
einiger "positiver Tendenzen" insgesamt gesehen noch "zahlreiche Unzulänglichkeiten" auf.

Der Bericht stellte fest, daß sowjetischen Bürgern heute aufgrund von
"Glasnost" - der von der sowjetischen
Führung eingeleiteten Politik der Offenheit - bessere Möglichkeiten eingeräumt werden, ihrer Meinung über
offizielle wie auch inoffizielle Kanäle Ausdruck zu verleihen.
Ferner
wurde hervorgehoben, daß dem Ostblock
die
Sicherheitsverpflichtungen
der
KSZE zwar verwirkliche, sich dabei
jedoch buchstabengetreu an "den Wortlaut des Stockholmer Dokuments von
1986" hielt.

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Der
23. Halbjahresbericht, den
der Präsident der amerikanischen Kommission für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa vorlegte, enthält
eine Übersicht über die Durchführung
der KSZE-Grundsätze vom 1. April 1987
bis zum 1. Oktober 1987.
Der Zweck des Berichts ist, der
Kommission
bei ihrer
Aufgabe der
Überwachung und Ermutigung der Einhaltung der Schlußakte von Helsinki
und des Schlußdokuments von Madrid
behilflich
zu sein.
Die Berichte
sind zentraler Bestandteil der Bemü-

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�hungen der amerikanischen Regierung,
Fortschritte wie auch Unzulänglichkeiten bei der Verwirklichung der
KSZE-Zielsetzungen zu bewerten, die
in Verbesserung der Sicherheit, Erweiterung der Zusammenarbeit, Bildung
gegenseitigen Vertrauens und der Förderung der Menschenrechte bestehen.
Der
Halbjahresbericht
stellt
fest, daß die Schlußakte von Helsinki
ein "dauerhaftes Gefüge für die 35
Mitgliedstaaten darstellt, in dessen
Rahmen sie an der Lösung der humanitären, wirtschaftlichen, politischen,
wissenschaftlichen und militärischen
Probleme arbeiten, die Europa teilen.
Die Schlußakte mißt der Tatsache besondere Betonung bei, daß jeder Bereich den gleichen Stellenwert bei
der Verwirklichung des Ziels echter
Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa einnimmt".
"Das Ziel der westlichen Welt bestand stets in der Erhaltung und Verstärkung dieses Prozesses durch eine
gründliche Überprüfung der Anwendung
der Schlußakte von Helsinki und des
Schlußdokuments
von
Madrid
sowie
durch die Erarbeitung eines Konsens
über
ausgewogene
und
konstruktive
Schritte nach vorne."
In seiner Ansprache vor der KSZEPlenarsitzung am 23. Juni 1987 unterstrich der amerikanische Stellvertretende Außenminister John C. Whitehead
die Position der Vereinigten Staaten,
daß Sicherheit mehr als nur eine Frage des militärischen Gleichgewichts
bedeute.
Menschenrechte und Grundfreiheiten seien ebenso unerläßliche
Bestandteile
der
Sicherheitsgleichung.
Whitehead stellte besonders
die sowjetische Bereitschaft zur Einhaltung all ihrer Verpflichtungen aus
der Schlußakte von Helsinki in Frage.
Nachdem er eine Analyse der von Fortschritten und Mängeln gekennzeichne-

ten
Bereiche
vorgenommen
hatte,
schloß er mit der Feststellung, daß
die Bilanz unter dem Strich noch immer nicht zufriedenstellend sei.
Nachfolgend geben wir Kapitel
des Berichts im Wortlaut wieder:

1

Die Schlußakte der Konferenz über
Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) stellt ein dauerhaftes
Gefüge für die 35 Mitgliedstaaten
dar, in dessen Rahmen sie an der Lösung der humanitären, wirtschaftlichen, politischen, wissenschaftlichen
und militärischen Probleme arbeiten,
die Europa teilen.
Die Schlußakte
mißt der Tatsache besondere Bedeutung
bei, daß jeder Bereich den gleichen
Stellenwert
bei der
Verwirklichung
des Ziels echter Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa einnimmt. Das
Ziel
der
westlichen
Welt
bestand
stets in der Erhaltung und Verstärkung
dieses
Prozesses
durch
eine
gründliche Überprüfung der Anwendung
der Schlußakte von Helsinki und des
Schlußdokuments
von
Madrid
sowie
durch die Erarbeitung eines Konsens
über
ausgewogene
und
konstruktive
Schritte nach vorne.
Die Schlußakte trägt der Tatsache
Rechnung, daß Folgetreffen für die
Aufrechterhaltung der Verfügungen von
Helsinki als nachdrückliches Mittel
zur Bewältigung der Probleme in Europa unerläßlich sind. Die dritte dieser
Uberprüfungskonferenzen,
das
KSZE-Folgetreffen in Wien, begann am
4. November 1986.
Bei dem zweiten Folgetreffen, das
vom 11. November 1980 bis zum 9. September 1983 in Madrid stattfand, wurde ein Schlußdokument verabschiedet,
mit dem die ursprüngliche Schlußakte
von Helsinki aus dem Jahr 1975 bestätigt und weiter erläutert wurde. In
den Bereichen Menschenrechte, Gewerk-

- 2 -

�zu diplomatischen Missionen und Konsulaten sowie Maßnahmen zur Terrorismusbekämpfung wurden entscheidende
neue Verfügungen aufgenommen.
Der vorliegende ist der 23. Halbjahresbericht, den der Präsident der
amerikanischen Kommission für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa gemäß den Verfügungen des Öffentlichen
Rechts 94 - 304 vom 3. Juni 1976 vorgelegt hat.
Er enthält eine Übersicht über die Anwendung der KSZEGrundsätze vom 1. April 1987 bis zum
1. Oktober 1987. Die Berichte sind
zentraler Bestandteil der Bemühungen
der amerikanischen Regierung, Fortschritte wie auch Unzulänglichkeiten
bei der Verwirklichung der KSZE-Zielsetzungen zu bewerten, die in Verbesserung
der Sicherheit, Erweiterung
di-r Zusammenarbeit, Bildung gegenseitigen Ver'-.rauens und der Förderung
der Menschenrechte bestehen.

Übersicht über die Anwendung
Obwohl die Warschauer-Pakt-Staaton einige entscheidende Schritte unternahmen und positive Tendenzen vorherrschten, weist die Bilanz dieser
Regierungen im Hinblick auf die Einhaltung ihrer KSZE-Verpflichtungen in
den
Bereichen
Menschenrechte
und
wirtschaftliche
Zusammenarbeit
noch
gravierende Mängel auf. Der Ostblock
führte die von der KSZE auferlegten
Sicherheitsverpflichtungen
zwar
durch, hielt sich dabei jedoch buchstabengetreu an den Wortlaut des Dokuments von Stockholm aus dem Jahr
1986.
im internationalen Bereich stellte die Fortführung des Krieges gegen
das Volk von Afghanistan eine offene
Verletzung der Grundprinzipien dar,

den.
(Obwohl die Sowjets zu verstchenen gegeben haben, daß eine grundsätzliche Entscheidung zum Abzug sowjetischer
Truppen aus Afghanistan
getroffen worden ist, haben sie bei
den Annäherungsgesprächen der Vereinten Nationen bisher keinen annehmbaren Zeitplan für den Rückzug vorgelegt).
Die Sowjetunion hat diese
Grundsätze ferner durch die anhaltende
Unterstützung
der
Besetzung
Kamputscheas durch Vietnam und den
vietnamesischen Krieg gegen den Widerstand in Kamputschea untergraben.
Im Inland befand sich die Menschenrechtspolitik
im Zeitraum der
Berichterstattung im Fluß.
Während
sich die Situation in einigen Bereichen entscheidend verbesserte, hielten die Menschenrechtsverletzungen an
und der strukturelle und rechtliche
Apparat, durch den offizielle Repression erst möglich gemacht wird, bestand unverändert fort.
Die
Kampagne
der
sowjetischen
Führung für mehr Offenheit (Glasnost)
und eine "Demokratisierung" der sowjetischen
Gesellschaft
schuf neue
Möglichkeiten für die Bürger der Sowjetunion, ihrer Meinung über offizielle und inoffizielle Kanäle Ausdruck zu verleihen und gab den Anstoß
zu einer möglichen zukünftigen Lockerung der Gesetzgebung und anderen Reformen.
Es wurden weiterhin einige
politische
Gefangene
freigelassen.
Dennoch war diese Zeit auch von anhaltender Mißhandlung politischer Gefangener
und Unterdrückung
weniger
bekannter Nationalisten und religiöser
Aktivisten gekennzeichnet.
Da
die sowjetischen Behörden scheinbar
eher geneigt waren, einige Formen abweichender Meinungen zu tolerieren,
nahm die Zahl von Demonstrationen,
Petitionen und Protestschreiben zu.

- 3 -

�Während einige Demonstrationen friedlich vonstatten gehen konnten, wurden
andere gewaltsam aufgelöst, die Demonstrationsteilnehmer
festgenommen,
zum Teil geschlagen und häufig einem
Verhör unterzogen.
Entscheidende
Verbesserungen
in
der sowjetischen Politik konnten im
Bereich
der
Familienzusammenführung
beobachtet werden, obwohl Problembereiche weiterhin bestanden. Die Zahl
jüdischer
Auswanderer
erhöhte sich
beträchtlich und einigen schon seit
langem vergeblich um Ausreise nachsuchenden Juden wurde die Ausreise gestattet.
Dennoch warten auch heute
noch zahlreiche sowjetische Juden auf
die Ausreisegenehmigung. Auch im Bereich der Fälle amerikanisch-sowjetischer "getrennter Familien" wurden
Fortschritte erzielt
und ein entscheidender Sinneswandel konnte der
Tatsache entnommen werden, daß die
Mehrzahl der von der amerikanischen
Botschaft in Moskau bearbeiteten Einreiseanträge nicht auf der amerikanischen Liste stand, da den Antragstellern die Ausreisegenehmigung bereits bei ihrem ersten Antrag bei den
sowjetischen Behörden erteilt wurde.
Im Verlauf der vergangenen sechs Monate erhöhte sich die zahl der Personen, die Einreisevisa in die Vereinigten Staaten erhielten, um 200 Prozent und die Zahl derjenigen, denen
von
der
Amerikanischen
Botschaft
Flüchtlingsstatus
zuerkannt
wurde
(von denen 90 Prozent Armenier waren)
um nahezu 1 000 Prozent.
Die sowjetischen Behörden unterwarfen Reisen außerhalb des Landes
weiterhin strengen Beschränkungen, in
zwei Bereichen konnte während dieser
Zeit jedoch eine bemerkenswerte Lokkerung
beobachtet werden:
einigen
Sowjetbürgern wurde die Reise ins
Ausland
zum Besuch von Verwandten
nicht nur ersten Grades sondern auch

entfernterer Verwandter gestattet und
einigen wurde die Reise in die Vereinigten Staaten erlaubt, um Verwandte zu besuchen, die aus der Sowjetunion mit der Genehmigung ausgereist
waren, nach
Israel zu emigrieren,
beim Verlassen der UdSSR jedoch die
Vereinigten Staaten als Ziel wählten.
In den sowjetischen Medien wurden
zunehmend Informationen aus dem Ausland veröffentlicht bis hin zu Artikeln von amerikanischen Kommentatoren
und amerikanisch-sowjetischen Konferenzschaltungen
im
Fernsehen,
die
Diskussionen zwischen Amerikanern und
Sowjets zum Inhalt hatten.
Die sowjetischen Medien brachten auch Interviews sowie Meinungsumfragen amerikanischer
Regierungsvertreter
und
veranstalteten Pressekonferenzen für
sie.
Unter den übrigen Mitgliedstaaten
des Warschauer Pakts war die Anwendung der von der KSZE verfügten Verpflichtungen im Bereich der Menschenrechte unterschiedlich.
In einigen
Ländern konnten Verbesserungen beobachtet werden, aber die Lage ist insgesamt gesehen noch immer nicht zufriedenstellend.
Die Errungenschaften
der rumänischen Regierung im Bereich der Menschenrechte
blieben
hinter
ihren
KSZE-Verpflichtungen
zurück, obwohl
sich die Gesamtzahl der in die Vereinigten Staaten, die Bundesrepublik
Deutschland
und Israel
emigrierten
Rumänen erhöhte. Reisen aus dienstlichen Gründen waren weiterhin erschwert.
Einige
wissenschaftliche
Experten erhielten die Ausreisegenehmigung nur unter größten Schwierigkeiten und die rumänische Regierung
hielt die Zahl der Teilnehmer an mit
Reisen verbundenen kulturellen Austauchprogrammen nach wie vor begrenzt.

- 4 -

�In dieser Zeit gab die Behandlung
der Gläubigen in Rumänien für die
Vereinigten Staaten Anlaß zu größten
Bedenken.
Besonders
besorgniserregend waren die fortgesetzte Zerstörung von Kirchen und nicht erfüllte
Verpflichtungen zum Wiederaufbau oder
zur Renovierung von Kirchen. Angehörige
"nicht anerkannter" Glaubensrichtungen meiden weiterhin die Öffentlichkeit
und
so blieben ihnen
außergewöhnliche Verfolgung und Benachteiligungen erspart.
Veröffentlichungen antisemitischen Inhalts in
der Presse wurden nicht festgestellt.
Die baptistische Generalunion erhielt
5 000 anstelle der 10 000 versprochenen Cornilescu-Bibeln.
Es wurden zwar keine neuen politischen Gerichtsverfahren beobachtet,
aber dennoch gab es einige Fälle, in
denen Rumänen aus politischen Gründen
verhaftet wurden. Ion Puiu, der ehemalige Leiter der verbotenen rumänischen nationalen Bauernpartei, wurde vor dem Besuch von Generalsekretär
Gorbatschow
festgenommen und mußte
anscheinend
vor seiner
Freilassung
einige Wochen
in Haft verbringen.
Ein rumänischer Bürger wurde festgenommen und anschließend inhaftiert,
weil er versucht hatte, vor der Amerikanischen Botschaft für verstärkte
Wahrung der Menschenrechte zu demonstrieren.
Rumänien setzte seine Bestrebungen zur Kontrolle und Einflußnahme
auf die Medien fort, bis hin zu den
Schriften kurzfristig im Lande weilender westlicher Journalisten.
Die
Regierung reagierte auf Kritik von
außen höchst empfindlich, insbesondere im Hinblick auf die Behandlung der
ungarischen Minderheit. Einigen amerikanischen und europäischen Korrespondenten wurde die Einreise nach Rumänien während des Besuchs von Generalsekretär Gorbatschow verweigert.

Obwohl in Polen keine Abkehr von
den Zeiten der Amnestie des Jahres
1986 bekannt wurde, blieb das unsichere Patt zwischen Regierung und Opposition bestehen.
Oppositionsgruppen waren geteilter Meinung darüber,
ob politische Gefangene weiterhin in
Haft seien.
Es lagen jedoch keine
Berichte vor, daß Personen länger als
48 Stunden aus politisch motivierten
Gründen
festgehalten
wurden.
Die
Verfolgung führender Oppositioneller
durch die Regierung wurde in Form von
beträchtlichen Geldstrafen und Festnahmen bis zu 48 Stunden fortgesetzt.
"Warngespräche", in denen man die Anführer vor den Konsequenzen der Teilnahme
an
kontroversen
Aktivitäten
warnte, wurden ein zunehmend verbreitetes Mittel, Widerspruch im Keim zu
ersticken. Viele der Oppositionellen
blieben
als
Ergebnis
ihrer
politischen Aktivitäten un- oder unterbeschäftigt.
Während des Papstbesuchs im Juni,
an den Feiertagen 1. und 3. Mai sowie
am 31. August, dem Jahrestag der Unterzeichnung der Gdansker Vereinbarungen, veranstaltete die Opposition
große Demonstrationen.
Das vorgehen
gegen diese Demonstrationen seitens
der Behörden unterschied sich beträchtlich von Stadt zu Stadt. Viele
Aktivisten behaupten, die Polizei habe besonders in kleinen Städten, die
westlichen
Beobachtern
nicht
so
leicht zugänglich waren, unverhältnismäßige Gewalt angewendet.
Der
Konsultativrat
des Staatsratsvorsitzenden trat während des Berichtszeitraums
zweimal
zusammen.
Obwohl es schwierig ist, eine direkte
Verbindung zwischen seinen Debatten
und staatlichen Handlungen herzustellen, haben die Behörden doch einige
Schritte
unternommen, um
von
den
Ratsmitgliedern angesprochene Bedenken zu behandeln.
Im Januar 1988

- 5 -

�wird ein Gesetz in Kraft treten,
durch das ein Vertrauensmann, genannt
"Sprecher für die Rechte der Bürger",
eingesetzt
wird.
Dieser Ombudsman
soll angeblich die Macht besitzen,
juristische Verfahren zu überprüfen
und die Verfassungsmäßigkeit polnischer Gesetze anzufechten.
Die
katholische
Kirche
bildet
weiterhin die einzige große und mächtige unabhängige Institution in Polen
und handelt als energischer Anwalt
der Menschenrechte und der Assoziationsfreiheit.
Kirche und Behörden
arbeiteten bei der Vorbereitung des
Papstbesuchs im Juni eng zusammen.
Im Vergleich zu den anderen Staaten des Warschauer Pakts ist die Menschenrechtslage in Ungarn weiterhin
von einem relativ geringen Ausmaß an
Repression
gekennzeichnet.
Im Berichtszeitraum wurde eine große Zahl
freier Stellen in kirchlichen Hierarchien mit staatlicher Zustimmung umgehend neu besetzt.
Einige Problembereiche blieben jedoch bestehen. So
wurden
einigen Oppositionellen
die
Pässe zunächst verweigert und dann,
nach Einsprüchen, für wesentlich kürzere Auslandsaufenthalte
als beantragt gewährt.
In einem Fall wurde
ein Bürger durch die Verweigerung eines passes und die spätere Genehmigung mit einer Gültigkeit von nur
drei Monaten daran gehindert, einer
Einladung zu einer einjährigen Lehrtätigkeit
an
einer
amerikanischen
Universität nachzukommen.
Einige
Untergrundzeitungen
(Samisdat) konnten weiterhin mit geringfügigen
Behinderungen
arbeiten,
während
Herausgeber
und Vertreiber
anderer Samisdat-Schriften in regelmäßigen Abständen Hausdurchsuchungen,
Geldstrafen und der Beschlagnahme von
Druckpressen, Material und Druckerzeugnissen ausgesetzt waren.
- 6

In der Deutschen Demokratischen
Republik wurde positive Bewegung in
bezug auf die Freiheit von Bürgern,
in den Westen zu reisen, sowie bei
den Beziehungen zwischen Staat und
Kirche festgestellt.
Die Gesamtsituation bei den Menschenrechten, den
Grundfreiheiten und humanitärer Zusammenarbeit
blieb eindeutig unbefriedigend.
Kontakte
mit
Bürgern
westlicher Staaten, die Familienzusammenführung, binationale Ehen, Auswanderung und Reisen in den Westen
bleiben für die meisten DDR-Bürger
schwierige Unterfangen.
Die in den vergangenen beiden
Jahren
feststellbaren
Erleichterung
bei Reisebeschränkungen durch die DDR
gestatteten einer Rekordzahl von DDRBürgern im Jahr 1986 Reisen in den
Westen.
Gleichzeitig ist die Zahl
derjenigen, denen die Auswanderung
gestattet wurde, beträchtlich gesunken.
Sollte der gegenwärtige Trend
anhalten, wird
die Gesamtzahl der
Auswanderer im Jahr 1987 nicht einmal
die Hälfte des Standes vom Vorjahr
erreichen.
Das Auswanderungsverfahren bleibt willkürlich; nur einem
Bruchteil
der
Auswanderungswilligen
ist dies gestattet worden, und viele
Antragsteller
sind
Strafmaßnahmen
ausgesetzt, die von Schikanierung bis
Inhaftierung reichen.
Bei der Bewachung der streng gesicherten Grenze seitens der DDR wurde keine Lockerung beobachtet. Trotz
der Errichtung eines ausgeklügelten
Frühwarnsystems, wie schon im vorigen
Halbjahresbericht
erwähnt, gibt es
immer noch vereinzelte Fälle einer
gelungenen Flucht. Die Zahl erfolgloser Fluchtversuche unterliegt der
Mutmaßung.
Im Licht der Feiern zum
750jährigen Bestehen Berlins und des
Honecker-Besuchs in der Bundesrepublik Deutschland schien es, als ob
die Behörden die Grenztruppen ange-

�wiesen hätten, nicht mehr das Feuer
auf Flüchtlinge zu eröffnen, ausgenommen bei Flüchtlingen aus Militär
und Polizei oder im Fall eines bewaffneten Angriffs.
Der letzte bekannte Gebrauch von Schußwaffen ereignete sich am 29. Juli.
In bezug auf die freie Religionsausübung
konnten
mehrere
positive
Entwicklungen
beobachtet
werden.
Große Versammlungen von Protestanten
und Katholiken fanden im Berichtszeitraum in Berlin und Dresden statt.
Nicht nur unternahmen die Behörden
keinerlei Versuch zur Störung dieser
Veranstaltungen, sie stellten dafür
sogar logistische Unterstützung bereit.
Beiden Veranstaltungen wurde
sowohl in der Berichterstattung der
staatlichen Medien als auch in der
ausländischen Presse breiter Raum gegeben.
Zum ersten Mal seit 1967 hat
die jüdische Gemeinde der DDR einen
eigenen Rabbi.
Im Juli verkündete die DDR aus
Anlaß des 38. Jahrestags ihrer Gründung am 7. Oktober 1949 die Freilassung nahezu aller inhaftierten in einer allgemeinen Amnestie, die vom 12.
Oktober bis 12. Dezember 1987 durchgeführt werde. Es wird erwartet, daß
praktisch alle politischen Gefangenen
in diesem Herbst freigelassen werden.
Es ist unklar, ob einer bedeutenden
Zahl von ihnen die baldige Ausreise
in die Bundesrepublik Deutschland gestattet werden wird. Bei vielen war
die Inhaftierung aufgrund von Ausreisebemühungen erfolgt.
Die Anwendung der KSZE-Bestimmungen durch die Tschechoslowakei war in
den vergangenen sechs Monaten durch
bescheidene
Verbesserungen
gekennzeichnet,
insgesamt bleiben jedoch
ernste Mängel bestehen.
Die Gewissensfreiheit ist weiterhin stark eingeschränkt, und die Verfolgung poli-

tischer, religiöser und kultureller
Aktivisten dauert an. Die Regierung
hielt offen am Verbot der Mitgliederwerbung für bestimmte Gruppen fest
(z. B. die Zeugen Jehovas) und intervenierte willkürlich in das Wirken
aller anderen religiösen Vereinigungen.
Obwohl den theologischen Seminaren weiterhin eine größere Zahl von
Einschreibungen gestattet wurde, werden sie nicht in der Lage sein, mit
der Zahl ausscheidender Priester mithalten zu können.
Die Genehmigung
eines Priesters kann jederzeit und
ohne
Erklärung
widerrufen
werden.
Das Angebot religiöser Literatur ist
unzureichend, und die Regierung bekämpft
aktiv
alle
Bemühungen,
es
durch Drucken
im "Untergrund" und
nichtgenehmigte Einfuhren aufzustokken.
Die politische und kulturelle Unterdrückung
hielt an.
Das Prager
Stadtgericht hat z. B. die Urteile
gegen die Führung der Jazz-Sektion
vom 10. - 11. März bestätigt.
Von
den fünf Verurteilten ist der Vorsitzende der Sektion, Karel Srp, weiterhin in Haft. Vladimir Kouril wurde
nach Verbüßung seiner Strafe Anfang
Juli entlassen. Die Urteile der anderen
Vorstandsmitglieder
Josef
Skalnik, Tomas Kriwanek und cestmir
Hunat - wurden zur Bewährung ausgesetzt.
Die harte Linie des Staates
gegen
unabhängige
Kulturinitiativen
ist in diesem Zeitraum nicht konseguent durchgeführt worden. Bestimmte
unabhängige Kulturveranstaltungen und
Kunstausstellungen
fanden
ungestört
statt; andere wurden von der Polizei
aufgelöst.
Im Fall der Jazz-Sektion
nahmen Vertreter des Kultusministeriums Verhandlungen mit Vertretern der
Jazz-Sektion im Hinblick auf die Möglichkeit der Gründung einer neuen,
beiderseits annehmbaren Organisation
auf, um sie zu ersetzen.

- 7 -

�In den Handlungen der bulgarischen Regierung zur Durchführung ihrer Verpflichtungen
im Rahmen der
KSZE wurde kein wesentlicher Wandel
festgestellt.
Sie
hielt
an
der
Praxis politischer Maßnahmen zur Verweigerung und Unterdrückung der ethnischen Identität der türkischen Minderheit in diesem Land fest, durch
die die freie Religionsausübung gehemmt und regimefeindliche Meinungen
mißbilligt und unter Strafe gestellt
werden.
Mehrere Fälle von Familientreffen
und -zusammenführung
wurden
positiv gelöst, obwohl in einigen anderen Fällen erhebliche Verzögerungen
bei der Ausstellung von Reisedokumenten auftraten, nachdem im Prinzip positive
Entscheidungen
angekündigt
worden waren.
Mehrmals wurde von
amerikanischen
Bürgern
bulgarischer
Abstammung berichtet, denen das Visum
zum Besuch Bulgariens verweigert wurde, obwohl vielen ehemaligen Bulgaren
gestattet
worden
ist, besuchsweise
zurückzukehren.
Trotz vermehrten Redens über und
einigen Beispielen von Glasnost dauerte die strenge Kontrolle der Medien
und
des
Informationsflusses
durch
Partei und Staat großenteils unvermindert an.
Die Arbeitsbedingungen
ausländischer
Journalisten
waren
schwierig, im Vergleich zum vorigen
Berichtszeitraum
waren
sie
jedoch
durch geringfügige Verbesserungen gekennzeichnet. Fortschritte wurden im
Bereich der bilateralen Kulturbeziehungen erzielt. Dies wird durch ein
amerikanisch-bulgarisches
Abkommen
zum Kulturaustausch betont, in dessen
Rahmen der Austausch einer amerikanischen Design-Ausstellung und einer
Ausstellung bulgarischer Grafik Ende
1987 stattfinden wird.
Die Bilanz der Sowjetunion und
der Staaten Osteuropas bei der Anwendung von Korb II blieb weiterhin un-

zureichend.
Die andauernde unterdurchschnittliche Wirtschaftsleistung
führte zu Bemühungen, die Produktivität zu verbessern.
Die Sowjets und
einige osteuropäische Staaten zeigten
großes Interesse an wirtschaftlicher
Umstrukturierung.
Die sich daraus
ergebenden Veränderungen zielten darauf
ab,
westliche
Investitionen,
Technologie und Managementfähigkeiten
zu erlangen und nicht darauf, die
allgemeinen
wirtschaftlichen
Bedingungen zu verbessern.
Die Bilanz bei wirtschaftlichen
Kontakten und Einrichtungen war uneinheitlich.
Die verschiedenen Reorganisationen
in Handels- und Wirtschaftsministerien führten zu einer
Verwirrung
von
Verantwortlichkeiten
und behinderten dadurch den Zugang zu
Endverbrauchern. Die zahl und Qualität von Hotelunterkünften und anderen
Einrichtungen erhöhte sich allgemein,
allerdings entsprachen die geforderten Preise denen in bedeutenden Industriestädten
der wichtigsten westlichen Länder.
Bei der Verfügbarkeit und Qualität von Wirtschafts- und Handelsinformationen
war
keine Verbesserung
festzustellen, und die
Forderungen
nach Gegengeschäften
wurden
weiter
hochgeschraubt. Diese Forderung wurde durch die Förderung von Gemeinschaftsunternehmen
begleitet.
Vom
Osten als Weg zur Erlangung westlicher
Investitionen und
Technologie
ohne die Verpflichtung zur Zahlung in
Hartwährungen angesehen, bieten die
Gemeinschaftsunternehmen
westlichen
Firmen immer noch nicht die Sicherheit, Möglichkeit zum Gewinntransfer
oder andere wirtschaftliche Anreize,
die notwendig sind, um diese Unternehmen attraktiv zu machen.
Das Interesse
sammenarbeit
in

- 8 -

an verstärkter
Wissenschaft

Zuund

�Technik blieb groß, und die Zahl bilateraler Abkommen erhöhte sich weiter. Obwohl die Sowjets und Osteuropäer ein wachsendes Bewußtsein für
Umweltprobleme demonstrierten, trugen
sie selbst sehr wenig zur Verbesserung der sich rapide verschlechternden Situation bei.
Im Bereich der Sicherheit war die
anfängliche Bilanz der Durchführung
der
detaillierten
Regelungen
des
Stockholmer Dokuments durch den Osten
ermutigend.
Obwohl
in dieser Anfangsphase der Anwendung von allen
Teilnehmerstaaten
einige
technische
Schwierigkeiten festgestellt wurden,
entsprach die östliche Praxis dem
Wortlaut und in einigen Fällen auch
dem Geist des Stockholmer Dokuments.
Im Berichtszeitraum wurden alle Vorschriften des Dokuments, einschließlich des Rechts auf Inspektion vor
Ort, erfüllt.

Das Wiener KSZE-Folgetreffen
Das dritte Folgetreffen der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa, das am 4. November
1986 in Wien eröffnet wurde, dauerte
auch nach dem vorgesehenen Abschlußtermin am 31. Juli 1987 noch an.
Die
bedeutendsten
Entwicklungen
des Wiener Treffens im Berichtszeitraum fanden während der dritten Runde
vom 5. Mai bis 31. Juli statt. Die
teilnehmenden Staaten unterbreiteten
weiterhin Vorschläge, und es wurden
Anstrengungen
unternommen, mit der
Erstellung eines Entwurfs für das
Schlußdokument zu beginnen. Bis zum
1. Oktober wurden
im Verlauf des
Treffens 152 Vorschläge auf den Verhandlungstisch gelegt.
Ein wichtiger Schritt wurde unternommen, als der Westen am 10. Juli

seinen Vorschlag für Sicherheitsverhandlungen vorlegte.
Der westliche
Vorschlag sieht zwei unterschiedliche
Verhandlungen im Rahmen des KSZE-Prozesses vor:
1) Die Wiederaufnahme
von Verhandlungen zwischen allen 35
Teilnehmerstaaten, die auf den Ergebnissen der Stockholmer Konferenz über
Vertrauens- und
Sicherheitsbildende
Maßnahmen aufbauen und diese erweitern soll; 2) davon unabhängige Verhandlungen zwischen den 23 Mitgliedstaaten der NATO und des Warschauer
Pakts mit dem Ziel, konventionelle
Stabilität in Europa auf einem niedrigeren
Streitkräfteniveau
zu
erreichen,
informelle Gespräche über
ein Mandat
für autonome Gespräche
über konventionelle Stabilität zwischen den Mitgliedern von NATO und
Warschauer Pakt finden gegenwärtig in
Wien statt und haben schon Fortschritte erbracht.
Fortschritte bei Korb II (Wirtschaftsfragen) wurden in der dritten
Runde nur schleppend erzielt. Obwohl
die formellen Sitzungen in Wien von
Forderungen der Staaten des Warschauer Pakts durchsetzt waren, man solle
mit der Ausarbeitung eines Entwurfs
für
das
Schlußdokument
beginnen,
blieben
bedeutende
Meinungsunterschiede zu Handel und industrieller
Kooperation bestehen.
Man hatte gehofft, daß der Osten
mit der Unterbreitung des westlichen
Sicherheitsvorschlags beginnen würde,
sich ernsthaft den westlichen Vorschlägen zum menschlichen Aspekt zu
widmen.
Bedauerlicherweise war dies
nicht der Fall. In der dritten Runde
blieben die Positionen von Ost und
West
beim
gesamten
Spektrum
von
Schlüsselfragen weit voneinander entfernt, insbesondere im Hinblick auf
menschliche
Begegnungen und
Fragen
der Menschenrechte.
Die Vereinigten
Staaten und ihre NATO-Partner haben -

- 9 -

�mit erheblicher Unterstützung einiger
neutraler und blockfreier Staaten weiterhin Probleme der Vertragseinhaltung betont und die Notwendigkeit
positiver Handlungen zu deren Beseitigung hervorgehoben, einschließlich
eines glaubwürdigen Mechanismus zur
Institutionalisierung notwendiger Reformen.
Die Diskussion über den sowjetischen Vorschlag zur Veranstaltung
einer Konferenz über humanitäre Zusammenarbeit in Moskau als Teil der
Folgeveranstaltungen nach Wien wurde
weitergeführt.
Die NATO-Länder einschließlich der Vereinigten Staaten
bekräftigten ihre Forderung an die
Sowjets, glaubwürdige Garantien des
Zugangs und der Offenheit für jeden
anzubieten, der an der Teilnahme an
einem solchen Treffen Interesse bekundet, darunter auch Einzelpersonen,
Vertreter nichtstaatlicher Organisationen und der Presse.
Der Leiter der amerikanischen Delegation, Botschafter Warren Zimmermann, stellte eine Reihe sehr präziser Fragen zu Zugang und Offenheit,
insbesondere zu den folgenden Bereichen:
Freizügigkeit
innerhalb der
UdSSR für sowjetische Bürger, die an
dem Treffen teilzunehmen wünschen;
Teilnahme der sowjetischen HelsinkiBeobachter; Teilnahme
ausländischer
Menschenrechtler, darunter auch ehemalige sowjetische Bürger; Organisierung öffentlicher und privater Treffen und Aktivitäten; Zugang sowjetischer
Bürger
zu
Delegationen,
nichtstaatlichen
Organisationen
und
Journalisten sowie Gewährung von Unterkunft, Büroräumen, Kommunikationseinrichtungen
usw. für nichtstaatliche Organisationen und die Presse.
Am
Ende
des
Berichtszeitraums
hatte die sowjetische Delegation noch
keine
detaillierten
Antworten
auf
- 10

diese Fragen erteilt.
Die Vereinigten Staaten bekräftigten außerdem das
Kriterium, daß die Sowjets ihr Verhalten im Bereich der Menschenrechte
erheblich verbessern muß, bevor Moskau als glaubwürdiger Bewerber um die
Ausrichtung eines solchen Treffens in
Betracht gezogen werden kann.
Der
stellvertretende
Außenminister Whitehead war der ranghöchste
amerikanische Besucher des Treffens
im Berichtszeitraum. Er hielt am 23.
Juni eine Ansprache vor dem Plenum.
Whitehead betonte den Standpunkt der
Vereinigten Staaten, daß Sicherheit
wesentlich umfassender ist als lediglich
die
Frage
des
militärischen
Gleichgewichts;
die
Menschenrechte
und
Grundfreiheiten
bilden
ebenso
wichtige
Bestandteile
des
Sicherheitsproblems.
Insbesondere stellte
Whitehead
die
sowjetische
Bereitschaft zur Einhaltung all ihrer in
Helsinki eingegangenen Verpflichtungen in Frage.
In einer kritischen
Würdigung der von Fortschritten und
Mängeln gekennzeichneten Bereiche gelangte er zu dem Schluß, daß die Bilanz insgesamt nocht unbefriedigend
sei.
Nach einer Sommerpause begann die
vierte Runde am 22. September in der
Hoffnung, daß ernsthafte Bemühungen
für den Entwurf eines Schlußdokuments
zu Anfang dieser Runde die Beendigung
des Wiener Treffens bis Jahresende
erlauben würde.
Von neutralen und
blockfreien Koordinatoren vorgelegte
Kompromißpapiere
lieferten
zusammen
mit noch nicht endgültig ausformulierten Entwürfen und Vorschlägen eine solide Grundlage für ernsthafte
Verhandlungen
über
den
Text
des
Schlußdokuments. Aufgrund der östlichen Hinhaltetaktik wurden jedoch in
Menschenrechtsfragen
praktisch
keinerlei Fortschritte erzielt, obwohl
Sprachregelungen zu Sicherheitsfragen

�erarbeitet wurden.
Dem amerikanischen
Standpunkt
zufolge
muß
das
Schlußdokument ein Gleichgewicht in
jeder Dimension widerspiegeln - in
der sicherheitspolitischen, der wirtschaftlichen
und der menschlichen.
Die vereinigten Staaten sind darauf
eingerichtet, solange zu bleiben, wie
es nötig ist, um von den Staaten des
Ostens im Bereich der Menschenrechte
und Grundfreiheiten eine verbesserte
Vertragseinhaltung
und
erweiterte
Verpflichtungen zu erlangen.

- 11 -

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AMERIKA DIENST
Wissenschaft und Technik

9. Dezember 1987

43

HOFFNUNG AUF AUSROTTUNG DER FLUSSBLINDHEIT
Neues Medikament könnte Infektionskette blockieren -

WASHINGTON - (AD) - Mit dem Medikament Ivermectin (Handelsname: Mectizan)
hofft die Weltgesundheitsorganisation (WHO) die zweite und zugleich wichtigste
Front zur Bekämpfung der Onchozerkose, der sogenannten Flußblindheit, aufbauen
zu können. Wie WHO-Generalsekretär Dr. Halfdan Mahler kürzlich bekanntgab,
werde Ivermectin, nachdem es offiziell zugelassen wurde, jetzt von der Herstellerfirma für geeignete WHO-Programme weltweit kostenlos zur Verfügung gestellt.

Das amerikanische Arzneimittelunternehmen Merck, Sharpe &amp; Dohme in
Rahway (New Jersey) entschloß sich
angesichts der wirtschaftlichen und
geographischen Gegebenheiten für die
ca. 30 Länder der Dritten Welt, unter
deren Bevölkerung die Wurmkrankheit
Onchozerkose endemisch ist, zu diesem
spektakulären Schritt. In seinen Labors wurde 1975 die wirksame Verbindung entdeckt und in der Zwischenzeit
zum anwendungsreifen Präparat weiterentwickelt; es lähmt die im menschlichen Körper vagabundierenden Parasiten, tötet die Larven ab und unter-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

bindet weitgehend die Fortpflanzung
der Knäuelfilarien.
Nach erfolgreicher
klinischer
Erprobung
im Jahr
1986 wurden in diesem Jahr erste
größere Feldversuche in einigen Gebieten Afrikas durchgeführt.
Schon seit 13 Jahren bemüht sich
die WHO, unterstützt vor allem durch
die Vereinigten Staaten, mit Insekten- und Larvenvernichtungsprogrammen
um die Ausrottung der Überträger der
Parasiten, die die verheerende Krankheit
beim
Menschen
hervorrufen.
"Schwarze Fliege" nennen die Bewohner

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�der Flußniederungen in den am meisten
betroffenen
Gebieten
Afrikas
die
Kriebelmücke (Simulium), die zur Regenzeit das Unheil bringt. Mit dem
Stich blutsaugender Weibchen gelangen
die Larven der Onchozerken in den
menschlichen Körper. In mehreren Monaten wachsen die Larven zu Fadenwürmern (Filarien) heran, die zunächst
das Bindegewebe und später auch Muskeln befallen.
Männliche und weibliche Würmer (letztere werden bis zu
50 cm lang) sammeln sich zu Knäueln
und bilden Knoten unterschiedlicher
Größe insbesondere in der Haut. Die
millionenfachen
Nachkommen
(Mikrofilarien) suchen vorzugsweise das unterhautgewebe auf, wo sie stark jukkende Entzündungen verursachen.
sie
sind dort nach ca. 18 Monaten nachweisbar.
Auf dem Lymphwege gelangen
die Filarien in die Augen.
So kann
es schon bei Kindern zu Bindehautund Hornhautentzündungen kommen. Mit
der Zeit bilden sich im Auge Vernarbungen und Wucherungen, als sekundäre
Folgen ergeben sich Glaukom und grauer Star.
Die Erblindung im frühen
Erwachsenenalter ist dann nicht mehr
aufzuhalten.
An dieser "Krankheit des armen
Mannes", wie Flußblindheit in Afrika
auch genannt wird, leiden - in verschiedenen Stadien - 18 bis 20 Millionen Menschen auf der Welt.
Auf
etwa 340 000 wird die Zahl der unheilbar Erblindeten, auf fast ebenso
viele die Zahl der jährlichen Neuinfektionen geschätzt. Nach Erhebungen
der WHO sind in Gebieten mit starkem
Befall im Durchschnitt 15 Prozent der
Dorfbewohner
blind.
Gefährdet
ist
vor allem die Bevölkerung in tropischen und tropennahen Regionen Westund Zentralafrikas, Mittel- und Südamerikas und des Mittleren Ostens.
Mancherorts ist es noch immer ein gewohntes Bild, daß sich ausgemergelte
Gestalten, von einem Kind geführt und

mit langen Stöcken eine Kette bildend, zur Arbeit auf die Felder tasten.
Fruchtbare Flußniedrungen sind
in einigen Gebieten entvölkert, die
Dörfer verlassen, weil ihre Bewohner
sich vor der schwarzen Fliege in Sicherheit zu bringen suchten.
Verständlich, daß Senator Edward
Kenney, der die Entwicklung von Ivermectin seit Jahren mit besonderem Interesse verfolgte, das inzwischen Erreichte als "Erhörung eines Gebetes
für die Dritte Welt" bezeichnete.
Denn im Gegensatz zu den beiden anderen bisher eingesetzten Medikamenten
(Diäthylcarbamazin und Suramin) mit
ihren oft äußerst schwerwiegenden Nebenwirkungen, die ohnehin eine Anwendung
vielerorts unmöglich machten,
sind solche Probleme bei Ivermectin
ausgeschaltet.
Das Medikament wird
eingenommen, im Gegensatz zu den beiden erstgenannten Präparaten genügen
zwei Dosen pro Jahr.
Ein wichtiges
Ergebnis der Feldversuche:
innerhalb
weniger Tage kann sich die zahl der
im Hautgewebe festgestellten Mikrofilarien auf weniger als zehn Prozent
verringern.
Erkrankte vermag ivermectin nicht
zu heilen, aber es dünnt zum mindesten die Infektionskette aus, könnte
sie vielleicht sogar
unterbrechen.
Diese ergibt sich aus dem Umstand,
daß Kriebelmücken beim Blutsaugen am
Menschen auch Mikrofilarien aufnehmen.
Die Insektenbekämpfungsaktionen
erweisen sich, wie bei der Malariabekämpfung
auch, als
immer
weniger
wirksam, weil die Parasitenüberträger
in vielen Gebieten Resistenz gegen
die Insektizide entwickelten.
Dr. Mahler hofft, daß bis zum
Jahr 2000 die Flußblindheit durch die
Kombination von Pestiziden und dem
neuen Medikament weitgehend ausgerottet werden kann. "Meist sind es ex-

�trem arme und oft ganz abgelegene Gebiete, wo die Krankheit
endemisch
ist", sagte Merck-Vorstandsvorsitzender Dr. P. Roy Vagelos. "Das erfordert besondere Initiativen und Großaktionen im öffentlichen Gesundheitswesen." Während sein Unternehmen das
Medikament zur Verfügung stelle, hätten sich internationale Gesundheitsorganisationen
und die
Regierungen
der einzelnen Länder um die Verteilung zu kümmern.
Letztere würden
aufgefordert, bei einer unabhängigen
Uberprüfungskommission
Vorschläge
über die Einrichtung von Verteilungssystemen und die Anwendung von Iver, mectin in ihren Gesundheitsprogrammen
• einzureichen.
Bei der Durchführung
seien sie der Unterstützung durch die
WHO sicher. In den USA wurden im August 1987 für die AID (US-Behörde für
Internationale
Entwicklung)
bereits
vier Millionen Dollar zur Ausarbeitung eines Verteilersystems für die
bedürftigsten Gebiete bewilligt.
Wie Dr. Mahler berichtete, werden
Feldversuche mit Ivermectin im großen
Maßstab in 12 Ländern West- und Zentralafrikas sowie Mittelamerikas in
Zusammenarbeit mit Merck fortgesetzt.
Sie sollen u.a. mögliche Nebenwirkungen erfassen helfen, wofür 2,5 Millionen Dollar bereitgestellt werden.
Besonderes Augenmerk gelte dabei der
Anwendung bei Schwangeren und bei
stillenden Müttern sowie bei Kindern
unter 12 Jahren. An den Ergebnissen
orientierten
sich die
Empfehlungen
der WHO an ihre Mitgliedstaaten für
den wirksamsten
Einsatz des Medikaments.

* * * * * *
- 3

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Reagan: aus Vision wurde Realität&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Reden von Präsident Reagan und Generalsekretär Gorbatschow vor der Unterzeichnung des INF-Abkommens &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Reagan: Amerikaner und Sowjets teilen "Gemeinsamen Traum vom Frieden"&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Botschaft des Präsidenten an das amerikanische und sowjetische Volk&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Bei INF-Vertrag keine "Auszeit" nötig&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Paul H. Nitze &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;KSZE-Bilanz des Warschauer Pakts noch "voller Mängel"&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Kapitel 1 des Halbjahresberichts zur Anwendung der KSZEVerpflichtungen&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Hoffnung auf Ausrottung der Flußblindheit&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Neues Medikament könnte Infektionskette &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;blockieren&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST
'VON

4

Sonderdienst

7. Dezember 1987

HINTERGRUNDMATERIAL ZUM GIPFELTREFFEN ZWISCHEN
PRÄSIDENT REAGAN UND GENERALSEKRETÄR GORBATSCHOW IN WASHINGTON
- 7. BIS 10. DEZEMBER 1987 -

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�7 . Dezember

I N H A L T

INF "Erster Schritt* zu einer sichereren Welt
- Auszüge aus einer Rede Präsident Reagans in Florida

Die Konsultationen im atlantischen Bündnis
- Eine Übersicht -

Die Initiative des Präsidenten zu regionalen Konflikten
- Eine Übersicht -

Die sowjetische Nichteinhaltung von Rüstungskontrollabkommen
- Auszüge aus dem Bericht des Präsidenten -

* * * * * *

1987

�AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

"V,oN^

7. Dezember 1987

INF "ERSTER SCHRITT" ZU EINER SICHEREREN WELT
Auszüge aus einer Rede Präsident Reagans in Florida

JACKSONVILLE, FLORIDA - (AD) - Präsident Reagan zufolge ist die bevorstehende Unterzeichnung des Vertrages über Mittelstreckenraketen (INF) ein "erster Schritt über die offene Grenze hin zu einer sichereren Welt ...".
In seinen am 1. Dezember 1987 vor Schülern der Duval county High School
und deren Eltern gemachten Ausführungen betonte der Präsident ferner, daß
"wahrer Frieden" Gespräche mit der Sowjetunion in den Bereichen der Übereinstimmung wie denen der Meinungsverschiedenheiten erfordere bis hin zur Lage in
Afghanistan und Mittelamerika.
Nachfolgend bringen wir Auszüge der Ansprache Präsident Reagans

In nur wenigen Tagen werde ich
mit Generalsekretär Gorbatschow zusammenkommen.
Wir werden das erste
Rüstungskontrollabkommen in der Geschichte der Beziehungen zwischen unseren beiden Ländern unterzeichnen.
Jahrelang haben die Kritiker auf
der ganzen Welt beharrlich wiederholt, daß es unmöglich sein würde,
ein Abkommen des Inhalts zu erzielen,
wie wir es jetzt erarbeitet haben.
Vor sechs jähren, als ich die Beseitigung einer gesamten Kategorie amerikanischer und sowjetischer Mittel-

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streckenraketen vorschlug, spotteten
sie, daß dies doch wohl nicht mein
Ernst sein könne. Ihrer Meinung nach
war es ein sicheres Anzeichen dafür,
daß ich von vorneherein gegen jegliche Abrüstung eingestellt sei. Und
sie fügten hinzu, ich solle etwas anbieten, dem die Sowjets zustimmen
könnten - selbst wenn ich nicht der
Überzeugung wäre, daß dies im besten
Interesse Amerikas läge. Und dennoch
haben wir - und unter wir verstehe
ich Sie und all die Amerikaner, die
am Wiederaufbau
unserer
nationalen
Verteidigung mitgewirkt und uns in

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�unserem Entschluß unterstützt haben,
daß kein Rüstungsabkommen immer noch
besser ist als ein schlechtes Rüstungsabkommen - alle zusammengehalten.
Wir haben Ziele gesetzt. Wir
haben Pläne gemacht. Wir haben hart
gearbeitet.
Viele eben dieser Kritiker haben
auch vorgebracht, es sei provokativ,
die Wahrheit über Repression in der
Sowjetunion zu sagen, über die sowjetischen Abenteuer in Übersee, über
die sowjetischen Vertragsbrüche der
Vergangenheit. Wir haben dem entgegengehalten,
daß
die
Vereinigten
Staaten von Amerika niemals davor zurückschrecken dürften, die Wahrheit
über jeden zu sagen.
Als Ergebnis der harten Arbeit
und der unendlichen Geduld stehen wir
jetzt kurz vor der Unterzeichnung eines Abkommens, das genau die von mir
vor sechs Jahren gemachten Vorschläge
verwirklichen wird, von denen die
Kritiker behaupteten, sie seien unmöglich,
zum ersten Mal in der Geschichte werden wir eine gesamte Kategorie
amerikanischer
und
sowjetischer Nuklearwaffen von der Erdoberfläche verbannen.
Im Anschluß an das Gipfeltreffen
werden unsere Unterhändler die Arbeit
an einem Abkommen fortsetzen, das zu
einer 50prozentigen Reduzierung der
amerikanischen und sowjetischen atomaren Langstreckenarsenale
und der
Wiederherstellung des Kräftegleichgewichts
bei
den
konventionellen
Streitkräften
führen könnte - das
heißt, der Armeen, die sich in Europa
gegenüberstehen.
Es besteht ein Ungleichgewicht zugunsten der Sowjets.
Mit dem Abkommen über atomare Mittelstreckenwaffen machen wir einen ersten Schritte über die offene Grenze
hin zu einer sichereren Welt für Sie
und Ihre Kinder. Und mein Plan - un-

ser Plan - sollte darin bestehen, auf
diesem Weg weiter voranzuschreiten.
In all der Aufregung über den
Gipfel, die Unterzeichnung des Vertrages u.s.w. dürfen wir nicht vergessen, daß Frieden mehr bedeutet,
als den Abbau von Waffen. Vor über
einem Jahrzehnt gab es in den amerikanisch-sowjetischen Beziehungen eine
Annäherung, die wir als "Detente" bezeichneten.
Während sie jedoch von
Freundschaft sprachen, arbeiteten die
Sowjets intensiver denn je am umfangreichsten militärischen Aufrüstungsprogramm
der
Weltgeschichte.
Sie
verstärkten ihre Aggression in der
gesamten Welt. Und ihre Innenpolitik
wurde immer repressiver. Wir wollen
keine bloßen Worte. Dieses Mal wollen wir wahren Frieden.
Ein osteuropäischer Dissident hat
einmal geschrieben: "... die Wahrung
der Menschenrechte ist die grundlegende Bedingung und alleinige Garantie für wahren Frieden." Ich glaube,
er hat Recht.
wahrer Frieden und
Freiheit sind unteilbar.
Aus diesem
Grund ist es für uns alle so wichtig,
daß die Sowjets im vergangenen Jahr
über 200 politische Gefangene freigelassen und anscheinend die Zensur in
Kunst und Medien etwas gelockert haben.
Deshalb sind wir auch so besorgt
darüber, daß sich noch viel mehr politische Gefangene im Gefängnis, in
der Verbannung und in psychiatrischen
Anstalten befinden.
Etwa 10 000 Juden warten auf die Genehmigung zur
Ausreise. Die Verfolgung von Gläubigen dauert an.
Einige, wie etwa
Ludmilla
Andruschenko
und
Pater
Alsonas Swarinskas sind inhaftiert ihr einziges Verbrechen bestand darin, daß sie ihre Religion ausüben
und Gott huldigen wollten. Nun, Herr
Gorbatschow und ich werden auch dar-

�über sprechen.

men.

Wir werden auch über den sowjetischen Expansionismus in der ganzen
Welt, wie etwa in Afghanistan, sprechen.
Seit der Invasion der Roten
Armee vor acht Jahren hat das afghanische Volk eine Million Opfer zu beklagen gehabt. Mindestens vier Millionen wurden zur Flucht ins Exil getrieben, während Freiheitskämpfer gegen die Invasoren zu den Waffen griffen.

Ich werde ihm ebenso sagen, daß
es für die Sowjets an der Zeit ist,
Kambodscha, Äthiopien, Angola und Nicaragua zu verlassen.

Wer sind diese Freiheitskämpfer?
Viele würden zu Ihren Mitschülern gehören, lebten sie hier in Jacksonville - so jung sind sie. Sie haben
gegen eine der größten und bestgerüsteten Armeen der Welt zu den Waffen
gegriffen, weil sie gesehen haben,
was kommunistische Unterdrückung bedeutet. Für einige von ihnen bedeutet sie, daß sie gehindert werden,
nach den Geboten ihrer Religion zu
leben.
Für andere, daß ihre Eltern
ermordet und die Ernte sowie selbst
ganze Dörfer
in willkürlichen und
wiederholten Überfällen der Sowjets
zerstört wurden. Oder, daß ein kleiner Bruder oder eine Schwester durch
als Spielzeug getarnte
sowjetische
Minen eine Hand verlor.
Die Unterdrückung hat viele Gesichter.
Es
gibt viele Gründe, für die Freiheit
zu kämpfen.
Die einfachen Menschen Afghanistans stellen keine Bedrohung sowjetischen Territoriums dar.
Sie tun
dies heute nicht. Sie haben dies nie
getan. Die Sowjetunion hat in diesem
Krieg kein legitimes Ziel. ich werde
Herrn Gorbatschow sagen, daß es für
die Sowjets an der Zeit ist, ein endgültiges Datum für den Rückzug festzulegen, Gespräche mit den Freiheitskämpfern zu führen und dem Volk von
Afghanistan
zu
gestatten,
sein
Schicksal selbst in die Hand zu neh-

Selbst während die fünf mittelamerikanischen Länder nach Wegen zum
Frieden suchen, fließt ein Strom von
Kanonen, Flugzeugen, Geschossen, Panzern und anderen Hilfsmitteln im Wert
von Milliarden von Dollar nach Nicaragua. Warum? Um einen unserer führenden nationalen Strategen, zbigniew
Brzezinski, zu zitieren: "Im Mittelamerika steht potentiell die Fähigkeit der Vereinigten Staaten auf dem
Spiel, westliche Interessen in der
ganzen Welt zu verteidigen."
Und er
fügt hinzu: "Wenn die sowjetisch-kubanische Präsenz in Nicaragua die gesamte Region destabilisiert, ... werden sich die Vereinigten Staaten unweigerlich (aus Europa und dem Pazifik) zurückziehen", um ihre eigene
Grenze zu verteidigen.
Ich möchte, daß mein Treffen mit
Generalsekretär Gorbatschow dazu beiträgt, wahren Frieden zu schaffen,
der Ihr Leben lang andauert, während
des Lebens Ihrer Kinder und Ihrer
Kindeskinder. Deshalb werden wir die
Bereiche der Übereinstimmung zwischen
uns behandeln und ebenso die Streitpunkte zwischen uns betonen.
Manch
einer meint, es werde den Sowjets unmöglich sein, zuzuhören.
Aber wir
haben schon einen weiten Weg zurückgelegt, indem wir stark, beständig
und entschlossen waren.

- 3 -

�x^° S ^

AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

VION ^

7. Dezember 1987

DIE KONSULTATIONEN IM ATLANTISCHEN BÜNDNIS
- Eine Übersicht -

- (AD) - Die Organisation des Nordatlantikvertrags hält auf politischer
und militärischer Ebene eingehende und forlaufende Konsultationen ab.
Die
Konsultationen unter den Mitgliedstaaten der NATO finden in einer Vielzahl von
Foren und auf zahlreichen Ebenen sowohl multilateral wie bilateral statt, vor
Beginn jedes amerikanisch-sowjetischen Gipfeltreffens und im Anschluß daran
werden üblicherweise Beratungen auf höchster Ebene durchgeführt. Einzelne Unterorganisationen der NATO kommen in regelmäßigen Sitzungen zur ständigen Beratung zusammen. Nachfolgend geben wir einen kurzen Abriß einiger Gremien.

I.

Der Nordatlantikrat - NAC

Der Nordatlantikrat und der Verteidigungs-Planungsausschuß
(DPC)
sind die höchsten Gremien für Entscheidungen und Foren für Konsultationen im Bündnis und setzen sich aus
Vertretern der 16 Mitgliedstaaten zusammen. Der Rat kommt auf der Ebene
der Ständigen Vertreter (Botschafter)
mindestens einmal in der Woche zusammen.
Die Tagungen der Außenminister
finden zweimal jährlich statt. Gelegentlich tritt der Rat auch mit Vertretern aus den Hauptstädten oder -

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sofern erforderlich - auf der Ebene
der Staats- und Regierungschefs zusammen.

II. Der Verteidigungs-Planungsausschuß - DPC
Der
Verteidigungs-planungsausschuß besteht aus den Vertretern der
Mitgliedstaaten und behandelt Fragen,
die spezifisch mit der Verteidigung
zusammenhängen. Wie der Rat tagt er
sowohl in ständiger Sitzung auf der
Ebene der Botschafter als auch zwei-

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�mal im Jahr auf der Ebene der Verteidigungsminister.

III.
pe - NPG

Die Nukleare Planungsgrup-

Die Nukleare Planungsgruppe wurde
aus der Notwendigkeit gegründet, die
Mitgliedstaaten der NATO ohne Nuklearwaffen an der nuklearen Planung des
Bündnisses zu beteiligen. An den Tagungen nehmen 14 Staaten teil (alle
NATO-Mitgliedstaaten mit Ausnahme von
Frankreich und Island, wobei letzteres
derzeit
Beobachterstatus
einnimmt).
Die Nukleare Planungsgruppe
tritt unter Vorsitz des Generalsekretärs der NATO zusammen, ebenso wie
dies auch bei Treffen auf der Ebene
der Ständigen Vertreter und zweimal
jährlich auf der Ebene der Verteidigungsminister eforderlich ist.

IV.

Der Militärausschuß

Der Militärausschuß ist die höchste Instanz des Bündnisses und erteilt dem Rat und dem Ausschuß Empfehlungen.
Er
besteht
aus
den
Stabschefs der Mitgliedsländer außer
Frankreich und Island.
(Frankreich
ist durch den Chef der französischen
Militärmission
im
Militärausschuß
vertreten.
Island unterhält keine
Streitkräfte, kann aber mit einem zivilen
Vertreter
an
den
Sitzungen
teilnehmen).
Der
Militärausschuß
kommt zweimal im Jahr zusammen und
tagt in ständiger Sitzung mit den von
jedem Stabschef ernannten und delegierten ständigen militärischen Vertretern.

wurde im Jahr 1979 zur Unterstützung
der Verhandlungen im Zusammenhang mit
dem NATO-Doppelbeschluß von 1979 eingesetzt, insbesondere für die amerikanisch-sowjetischen
Verhandlungen
über
Mittelstreckensysteme
(INF).
Alle NATO-Mitgliedstaaten mit Ausnahme von Frankreich und Island sind in
der Besonderen Beratungsgruppe vertreten.
Den Vorsitz haben die Vereinigten Staaten inne und hochrangige
Vertreter
der Außenministerien
der
verbündeten Staaten nehmen an den
Sitzungen teil.
Die Besondere Beratungsruppe tritt zusammen, wenn es
der amerikanische Vorsitzende für erforderlich erachtet.

VI. Die Hochrangige Beratergruppe - HLG
Die
Hochrangige
Beratergruppe
wurde zur Unterstützung der Stationierungsentscheidung des NATO-Doppelbeschlusses von 1979 gegründet und
ist ein Gremium der Nuklearen Planungsgruppe.
Sie
setzt
sich
aus
hochrangigen Vertretern der Verteidigunsministerien
der
NATO-Mitgliedstaaten außer Frankreich und Island
zusammen und steht unter dem Vorsitz
der Vereinigten Staaten.
Die Hochrangige
Beratergruppe
beschäftigt
sich mit von der Nuklearen Planungsgruppe
gestellten
Sonderprojekten.
Sie tritt zusammen, wenn es der amerikanische Vorsitzende für erforderlich erachtet.

* * * * * *
V.
Die
pe - SCG
Die

Besondere

Besondere

Beratungsgrup-

Beratungsgruppe

�AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

^ r I O N *&gt;

7. Dezember 1987

DIE INITIATIVE DES PRÄSIDENTEN ZU REGIONALEN KONFLIKTEN
- Eine Übersicht -

VEREINTE NATIONEN, NEW YORK - (AD) - In einer Rede vor den Vereinten Nationen hat Präsident Reagan am 24. Oktober 1985 eine tiefgreifende Initiative
zur Erlangung von Frieden und innerer Aussöhnung, Beendigung ausländischen militärischen Engagements und Förderung des wirtschaftlichen Wiederaufbaus in
den Konfliktherden Afghanistan, Kambodscha, Nicaragua, Angola und Äthiopien
angekündigt. Der Präsident erklärte damals:
"... das durchgängige Muster,
das wir bei diesen fünf Konflikten feststellen, sollte so bald wie möglich
durchbrochen werden." Bis heute hat es keinerlei formelle Reaktion der Sowjetunion auf diesen Vorschlag gegeben. Sie steht der Politik der Vereinigten
Staaten in der Dritten Welt weiterhin sehr kritisch gegenüber.

Trotzdem haben die Sowjets in
jüngeren Verlautbarungen zu einigen
regionalen
Konflikten, z.B. Afghanistan
und
Kambodscha,
begonnen,
teilweise
die
Sprache, wenn
auch
nicht die Substanz, dieser Initiative
zu übernehmen.
Die regionale Initiative baut auf
dem im Jahr 1985 aufgenommenen Zyklus
jährlicher
amerikanisch-sowjetischer
Regionalgespräche
auf, der Treffen
zwischen hochrangigen amerikanischen
und sowjetischen Experten zu Afghanistan, dem Mittleren Osten, dem Süd-

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lichen Afrika, Ostasien und dem Pazifik sowie Mittelamerika und der Karibik vorsieht. Im Jahr 1986 wurde der
Dialog auf allgemeine regionale Übersichten
auf
Abteilungsleiterebene
ausgedehnt. Der dritte Zyklus dieses
Dialogs, der zur Klarstellung von Positionen beigetragen und beiden Seiten gestattet hat, Möglichkeiten der
Zusammenarbeit beim Abbau regionaler
Spannungen zu sondieren, ist nun nahezu beendet, im Jahr 1987 wurden im
Juli der Mittlere Osten und das Südliche Afrika behandelt, die Experten
zu Afghanistan und Ostasien trafen

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�sich im September, und Gespräche zu
Mittelamerika wurden Ende Oktober geführt, in seinen Treffen mit führenden sowjetischen Politikern hat der
Präsident die Sowjetunion gedrängt,
sich über das Gesprächsstadium hinaus
zu Handlungen bereitzuerklären, die
der Lösung regionaler Probleme dienen.
Der Plan des Präsidenten aus dem
Jahr 1985 enthält einen umfassenden
und flexiblen Rahmen für die Zusammenarbeit zwischen den kriegführenden
Parteien, zwischen den Vereinigten
Staaten und der UdSSR sowie zwischen
anderen interessierten Parteien. Der
Plan, der bestehende Friedensbemühungen ergänzen und fördern würde, sieht
Handlungen auf drei Ebenen vor:
- Den Ausgangspunkt bildet ein Verhandlungsprozeß
zwischen
den
kriegführenden
Parteien
selbst.
"Die Form dieser Gespräche kann
und soll variieren", erklärte der
Präsident, "aber Verhandlungen und eine Verbesserung der innenpolitischen
Bedingungen - sind
unerläßlich
für die Beendigung
der Gewalt, den Rückzug der ausländischen Truppen und die nationale Aussöhnung."
- Die zweite Ebene sieht amerikanisch-sowjetische Gespräche darüber vor, wie die zwischen den
kriegführenden Parteien stattfindenden Gespräche am besten gefördert werden können, wenn echte
Fortschritte bei diesen Verhandlungen erzielt werden. "In jedem
Fall", so sagte der Präsident,
"besteht die primäre Aufgabe darin, dieses Ziel zu fördern: die
überprüfbare Beseitigung der ausländischen Militärpräsenz und Zurückhaltung
bei
Waffenlieferungen."
- Die

dritte

Ebene

beinhaltet

in- 2

ternationale Bemühungen, um diese
Länder wieder in die Weltwirtschaft
einzugliedern.
"Trotz
vergangener
Meinungsverschiedenheiten", versprach der Präsident,
"würden die Vereinigten Staaten
großzügig auf eine demokratische
Aussöhnung mit dem Volk, die Wahrung der Menschenrechte und Rückkehr in die Familie der freien
Nationen reagieren."
Der Plan erlegt die Hauptlast zur
Erzielung einer gütlichen Einigung den kriegführenden Parteien
auf, nicht den Vereinigten Staaten oder der Sowjetunion, um Lösungen zu erzwingen.
Wie der
Präsident feststellte, bietet der
Plan
jedoch
"der
sowjetischen
Seite eine außergewöhnliche Chance, einen Beitrag zu regionalem
Frieden zu leisten, der widerum
den künftigen Dialog und Verhandlungen über andere ernste Probleme fördern kann."

Die fünf Konfliktherde
Die fünf Kriege bilden den Kern
internationaler
Spannungen.
obwohl
ihnen allen lokale Streitigkeiten zugrunde liegen, besitzen sie gemeinsame Merkmale. Der Präsident beschrieb
diese Kriege folgendermaßen:
- "... (sie) sind das Ergebnis einer von außen aufgezwungenen Ideologie, die die Nationen entzweit
und Regime schafft, die sich nahezu seit dem Tage ihrer Machtergreifung im Kriegszustand mit dem
eigenen Volk befinden."
- "... (sie) fordern enorme Opfer
an Menschen und drohen, sich über
die Grenzen auszubreiten und gefährliche Konfrontationen auszulösen."

�- "... (sie haben) eine große Rolle
bei der Bildung von Argwohn und
Spannungen ... im Hinblick auf
den zweck der sowjetischen Politik gespielt."
Die sowjetisch geprägten Regime
wurden in allen fünf Fällen durch eine direkte militärische Intervention
erzwungen oder durch sowjetische Hilfe an der Macht gehalten. Ihre Politik hat zur Bildung einer inneren Opposition geführt, die danach trachtet, sie zu liberalisieren oder zu
stürzen. "Bis diese Verhandlungen zu
definitiven
Fortschritten
führen",
bekräftigte der Präsident, "darf und
wird die Unterstützung der Vereinigten Staaten für den Kampf der demokratischen
Widerstandskräfte
nicht
aufhören."

* * * * *

- 3

�AMERIKA DIENST
'VON

Hintergrundmaterial

4

7. Dezember 1987

DIE SOWJETISCHE NICHTEINHALTUNG VON RÜSTUNGSKONTROLLABKOMMEN

- Auszüge aus dem Bericht des Präsidenten -

- (AD) - (Die folgenden Auszüge aus dem Bericht des Präsidenten über die
sowjetische Nichteinhaltung von Rüstungskontrollabkommen enthalten Erkenntnisse auf dem stand vom 2. Dezember 1987.)

Der ABM-Vertrag

chen Verpflichtung dar.

Vertragsstatus
1.
Der ABM-Vertrag von 1972 und dessen Protokoll untersagen die Stationierung von ABM-Systemen, ausgenommen
ein ABM-System um die Landeshauptstadt
jedes Vertragspartners oder,
alternativ dazu, um ein Stationierungsgebiet von ICBMs. Der ABM-Vertrag ist in Kraft und von unbegrenzter Dauer. Sowjetische Handlungen im
Widerspruch zum ABM-Vertrag stellen
deshalb Verletzungen einer rechtli-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Das Radar von Krasnojarsk

Verpflichtung:
Um die Entwicklung einer territorialen Verteidigung
oder die Schaffung einer Basis für
eine
territoriale
ABM-Verteidigung
auszuschließen, bestimmt der ABM-Vertrag, daß Radarsysteme für die Frühwarnung vor Angriffen mit ballistischen Raketen nur an der Peripherie
des Staatsgebietes einer jeden Vertragspartei aufgestellt werden dürfen

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�und daß sie nach außen orientiert
sein müssen. Der Vertrag erlaubt die
Stationierung (ohne Ansehen der Lage
oder
Orientierung) großer Radarsysteme mit phasengesteuerter Abtastung
zum zwecke der Verfolgung von Objekten im Weltraum oder zur Nutzung als
nationales
technisches
Mittel
zur
Verifizierung der Einhaltung von Rüstungskontrollabkommen.
Fragestellung:
Der Bericht des
Präsidenten vom März 1987 untersuchte
die Frage, ob das Radar von Krasnojarsk den Bestimmungen des ABM-Vertrags über Radarsysteme mit phasengesteuerter Abtastung entspricht. Wir
haben diese Frage erneut untersucht.
Ergebnis:
Die amerikanische Regierung bestätigt den Schluß des Berichts vom März 1987, wonach das
neue, sich in Krasnojarsk im Bau befindliche Radarsystem zur phasengesteuerten Abtastung eine Verletzung
der
rechtlichen Verpflichtungen
im
Rahmen des ABM-Vertrages von 1972
darstellt.
Dies
ist
deshalb
der
Fall, weil es in seiner Verbindung
von Ort der Stationierung, Orientierung und Fähigkeit durch diesen Vertrag verboten ist. Die Bautätigkeit
hielt im Jahr 1987 an. Die Abwesenheit glaubwürdiger anderweitiger Erklärungen
haben unsere
Beurteilung
seines zwecks erhä'rtet.
Trotz amerikanischer Aufforderungen sind keinerlei
Korrekturmaßnahmen
getroffen
worden. Diese und andere sowjetische
Aktivitäten bezüglich ABM deuten an,
daß die UdSSR mit Arbeiten an einer
ABM-Verteidigung
ihres
nationalen
Territoriums befaßt sein könnte.

die Entwicklung, Erprobung oder Stationierung von mobilen, landgestützten ABM-Systemen oder Komponenten.
Fragestellung:
Der Bericht vom
März 1987 untersuchte die Frage, ob
die Sowjetunion in Verletzung ihrer
rechtlichen Verpflichtungen aus dem
ABM-Vertrag ein mobiles, landgestütztes ABM-System oder Komponenten für
ein solches System entwickelt hat.
Wir haben diese Frage erneut untersucht und dabei die Auswirkungen der
sowjetischen Arbeiten in Gomel einbezogen.
Ergebnis:
Die amerikanische Regierung
bestätigt die
Erkenntnisse
des Berichts vom März 1987, wonach
die Beweislage im Hinblick auf sowjetische Aktivitäten bezüglich der Mobilität von Komponenten eines ABM-Systems unklar ist, daß jedoch Entwicklung und Erprobung von Komponenten
eines ABM-Systems durch die Sowjetunion, die anscheinend zur Stationierung in Stellungen ausgelegt sind,
für die relativ geringfügige Vorbereitungen benötigt werden, eine potentielle Verletzung der Verpflichtungen gemäß dem ABM-Vertrag darstellen.
Die kürzlich vorgenommene Verlegung von Teilen eines Systems der
Typen FLAT TWIN und PAWN SHOP verstärkt unsere Bedenken gegenüber der
Mobilität von ABM-Systemkomponenten.
Diese
sowie
weitere
ABM-relevante
sowjetische Aktivitäten deuten darauf
hin, daß die UdSSR mit Arbeiten zur
Schaffung einer landesweiten ABM-Verteidigung befaßt sein könnte.

3.
Gleichzeitige
Erprobung
von
ABM- und Luftverteidigungskomponenten
2. Die Mobilität von
ponenten

ABM-Systemkom-

Verpflichtung:
Paragraph 1 von
Artikel V des ABM-Vertrages untersagt

Verpflichtung:
Durch den ABMVertrag und dessen Protokoll wird den
Parteien eine Begrenzung auf je ein
ABM-Stationierungsgebiet
auferlegt.

�Zusätzlich zu den ABM-Systemen und -Komponenten in diesem einen Stationierungsgebiet
können die Parteien
ABM-Systeme und Komponenten für Entwicklungs- und
Erprobungszwecke
besitzen, wenn diese sich in den vereinbarten
Erprobungsgebieten
befinden. Der Vertrag untersagt außerdem,
Komponenten, die nicht zum ABM-System
gehören, die Fähigkeit zu verleihen,
"strategische
ballistische
Raketen
oder ihre Elemente im Flug abzuwehren" und verbietet es den Parteien,
sie in "einer ABM-Form" zu erproben.
Die Parteien kamen überein, daß die
gleichzeitige Erprobung von SAM- (Boden-Luft-Rakete) und ABM-Systemkomponenten verboten ist.
Fragestellung:
Der Bericht vom
März 1987 untersuchte die Frage, ob
die Sowjetunion gleichzeitig Elemente
der
SAM- und
ABM-Systeme
getestet
hat, was eine Verletzung ihrer gegenteiligen
rechtlichen
Verpflichtung
von 1978 darstellt. Diese Verpflichtung hatte zum Ziel, die Erprobung
von Luftverteidigungssystemen in ABMForm weiter zu begrenzen. Wir haben
diese Frage erneut untersucht.
Ergebnis:
Die amerikanische Regierung
bestätigt die Erkenntnisse
des Berichts vom März 1987, daß die
Beweise für sowjetische Aktivitäten
im Bereich gleichzeitiger Operationen
unzureichend sind, um die Einhaltung
der sowjetischen Verpflichtungen im
Rahmen des ABM-Vertrags umfassend bewerten zu können.
Die Sowjetunion
hat jedoch Versuche unter Einbeziehung
von
Luftverteidigungs-Radarsystemen bei ABM-relevanten Aktivitäten
durchgeführt.
Die zahlreichen und
anhaltenden Vorfälle des gleichzeitigen Betriebs von ABM- und SAM-Komponenten sowie die mangelhafte sowjetische Berücksichtigung der amerikanischen Bedenken sind Zeichen dafür,
daß die UdSSR wahrscheinlich das Ver-

bot der Erprobung von SAM-Komponenten
in ABM-Form verletzt hat. In mehreren Fällen scheint dies sehr wahrscheinlich. Diese und andere ABM-relevante
Aktivitäten
deuten
darauf
hin, daß die UdSSR mit der Vorbereitung einer landesweiten ABM-Verteidigung befaßt sein könnte.

4.
ABM-Fähigkeit
steme

moderner

SAM-Sy-

Verpflichtung:
Gemäß Artikel VI,
Absatz
(a) des
ABM-Vertrags
verpflichtet sich jede Partei, nicht im
ABM-Vertrag definierte Abfangraketen,
Abschußvorrichtungen
oder
Radarsysteme auch nicht mit
"Fähigkeiten
auszustatten, um strategische ballistische Raketen oder deren Elemente
im Flug abzuwehren und diese nicht in
ABM-Form zu testen..."
Fragestellung:
Der Bericht vom
März 1987 untersuchte die Frage, ob
die Sowjetunion in Verletzung ihrer
rechtlichen Verpflichtungen im Rahmen
des ABM-Vertrags ein SAM-System oder
eine Komponente in ABM-Form getestet
oder sie mit Fähigkeiten ausgestattet
hat, strategische ballistische Raketen oder deren Elemente im Flug abzuwehren. Wir haben diese Frage erneut
untersucht.
Ergebnis: Die Regierung der Vereinigten Staaten bestätigt die Erkenntnisse
des
Berichts
vom
März
1987, wonach die Beweise für sowjetische Handlungen
zur Verbesserung
von SAM unzureichend sind, um die
Einhaltung
der
sowjetischen
Verpflichtung im Rahmen des ABM-Vertrags
zu bewerten.
Diese und andere ABMrelevante
Aktivitäten
der
Sowjets
deuten darauf hin, daß die UdSSR mit
Arbeiten zur Schaffung einer landesweiten ABM-Verteidigung befaßt sein
könnte.

- 3 -

�5.
Schnelles Nachladen
schußvorrichtungen

von

ABM-Ab-

Verpflichtung:
Der
ABM-Vertrag
beschränkt die Anzahl von dislozierten ABM-Abschußvorrichtungen und von
dislozierten Abfangraketen auf 100.
Er begrenzt nicht die Anzahl der Abfangraketen, die gebaut und gelagert
werden können. Paragraph 2, Artikel
V des Vertrags verbietet die Entwicklung, Erprobung oder
Stationierung
von "automatischen oder halbautomatischen oder anderen ähnlichen Systemen
zum schnellen Nachladen" der erlaubten Abschußvorrichtungen.
Fragestellung:
Der Bericht vom
März 1987 untersuchte die Frage, ob
die Sowjetunion in Verletzung ihrer
rechtlichen Verpflichtungen aus dem
ABM-Vertrag automatische, halbautomatische
oder
ähnliche
Systeme
zum
schnellen Nachladen von ABM-Abschußvorrichtungen entwickelt, erprobt und
disloziert hat. Wir haben diese Frage erneut untersucht.
Ergebnis: Die Regierung der Vereinigten Staaten bekräftigt die Erkenntnisse
des Berichts
vom
März
1987, wonach auf der Grundlage des
zur Verfügung stehenden Beweismaterials die Handlungen der UdSSR in bezug
auf das schnelle Nachladen von ABMAbschußvorrichtungen
gemäß
ihrer
rechtlichen Verpflichtungen aus dem
ABM-Vertrag zu verschiedenen Deutungen Anlaß geben. Die Nachladefähigkeit der Sowjetunion erfüllt uns mit
ernster Besorgnis. Diese und andere
ABM-relevante Handlungen deuten darauf hin, daß die UdSSR mit der Vorbereitung einer landesweiten ABM-Verteidigung befaßt sein könnte.

6.

ABM-Komponeneten in Gomel
- 4

Verpflichtung:
Zur Verhinderung
der Stationierung einer territorialen
Verteidigung oder der Bereitstellung
einer
Grundlage
zur
territorialen
Verteidigung enthält der ABM-Vertrag
die Verfügung, daß ABM-Komponenten
nicht außerhalb des zulässigen Stationierungsgebiets
für
ABM-Systeme
oder eines bestimmten ABM-Erprobungsgeländes für welchen Zweck auch immer
disloziert werden dürfen.
Fragestellung:
im März 1987 wurde von der amerikanischen Regierung
in einer Elekronikfirma im ca. 550
Kilometer südwestlich von Moskau gelegenen Gomel das Auftauchen größerer
Teile des ursprünglichen FLAT TWIN
Radars einschließlich aller Modularsektionen
des
Radargehäuses
sowie
eines PAWN SHOP Transporters beobachtet . Der Zeitpunkt der Ankunft der
Teile des FLAT TWIN und des PAWN SHOP
deuten darauf hin, daß sie von den
Radars stammten, die vom Raketenerprobungszentrum von Sary Shagan abgezogen worden waren, wo die Sowjets im
Januar 1987 beim Abbau einer Vielzahl
dieser
ABM-Komponenten
beobachtet
werden konnten.
Die Besorgnis der
Vereinigten Staaten über das Problem
der mobilen ABM-Komponenten, das bereits mit den Sowjets erörtet wurde,
könnte durch dieses Vorgehen der sowjetischen Seite noch verschärft werden.
Ergebnis: Die Regierung der Vereinigten Staaten kommt zu der Schlußfolgerung, daß die Handlungen der
Sowjets
im
Zusammenhang
mit
dem
Transfer eines FLAT TWIN ABM-Radars
und eines PAWN SHOP Transporters, die
Komponenten eines ABM-Systems sind,
von einem Erprobungsgelände und dem
Beginn der Stationierung auf einem
Gelände außerhalb des ABM-Stationierungsgebiets
oder
einem ABM-Erprobungsgelände eine Verletzung des ABM-

�Vertrages darstellt.
Obwohl es unwahrscheinlich erscheint, daß die Aktionen in Gomel zur Unterstützung der
ABM-Verteidigung in diesem Gebiet gedacht sind, steht die Stationierung
solcher Radars in Gomel unabhängig
von ihrer Funktion nicht im Einklang
mit den Verpflichtungen des ABM-Vertrags. Diese und andere ABM-relevante Aktivitäten der Sowjetunion legen
die Vermutung nahe, daß die UdSSR mit
Arbeiten zur Schaffung einer landesweiten ABM-Verteidigung befaßt sein
könnte.

(z. B. Bau von Radaranlagen, gleichzeitige Erprobung, Modernisierung von
SAM, schnelles Nachladen von ABM,
ABM-Mobilität und die Stationierung
von ABM-Komponenten in Gomel) darauf
hindeuten, daß die UdSSR mit Arbeiten
zur Schaffung einer landesweiten ABMVerteidigung befaßt sein könnte.

7.

Vertragsstatus:
Die
Konvention
über biologische und toxische Waffen
aus dem jähr 1972 (BWC) sowie das
Genfer Protokoll von 1925 sind multilaterale Verträge, bei denen sowohl
die Vereinigten Staaten als auch die
Sowjetunion
Vertragsparteien
sind.
Sowjetische Handlungen, die nicht im
Einklang mit diesen Verträgen und dem
völkerrechtlichen
Brauch
gemäß dem
Genfer
Protokoll von 1925 stehen,
sind Verletzungen
rechtlicher
Verpflichtungen.

Territoriale ABM-Verteidigung

Verpflichtung:
Der
ABM-Vertrag
und das Protokoll erlauben jeder Partei eine einzige operative Stellung.
Ausdrücklich erlaubt sind die Modernisierung und Ersetzung von ABM-Systemen oder deren Komponenten, und
ausdrücklich anerkannt ist die Existenz von ABM-Erprobungsgebieten zur
Entwicklung und Erprobung von ABMKomponenten. Der ABM-Vertrag verbietet
jedoch die Dislozierung eines
ABM-Systems zur Verteidigung des nationalen
Territoriums der
Parteien
und untersagt ihnen, einen Stützpunkt
für solch eine Verteidigung zur Verfügung zu stellen.
Fragestellung:
Der Bericht vom
März 1987 untersuchte die Frage, ob
die Sowjets ein ABM-System zur Verteidigung ihres Staatsgebiets disloziert oder einen Stützpunkt für solch
eine Verteidigung zur Verfügung gestellt haben.
Dieser Bericht untersucht erneut diese Frage.
Ergebnis: Die Regierung der Vereinigten Staaten bestätigt die Erkenntnisse
des
Berichts
vom
März
1987, daß im ganzen gesehen die Handlungen der Sowjetunion im Hinblick
auf ABM und ABM-relevante Aktivitäten

Die Konvention über biologische Waffen und das Genfer Protokoll von 1925
Chemische,
sche Waffen

biologische

und

toxi-

Verpflichtungen:
Die BWC-Konvention verbietet die Entwicklung, Produktion, Lagerung oder den Besitz und
Transfer von mikrobischen oder anderen biologischen Mitteln oder Giften
außer in kleinen Mengen zu prophylaktischen, Verteidigungs- oder anderen
friedlichen Zwecken.
Sie verbietet
auch Waffen, Ausrüstung oder Mittel
zur Verbreitung
solcher
Wirkstoffe
oder Gifte. Das Genfer Protokoll von
1925 sowie die damit im Zusammenhang
stehenden Regeln des völkerrechtlichen Brauchs verbieten den Ersteinsatz von erstickenden, giftigen oder
anderen Gasen im Krieg sowie von allen entsprechenden Flüssigkeiten, Materialien oder Vorrichtungen und verbietet die Verwendung bakteriologischer Methoden der Kriegführung.

- 5 -

�Fragestellung:
Der Bericht vom
März 1987 untersuchte, ob die Sowjets
Bestimmungen verletzt haben, die Entwicklung, Produktion, Transfer, Besitz und Verwendung biologischer und
toxischer Waffen verbieten und ob sie
für die Verwendung tödlicher Chemikalien verantwortlich waren.
Dieser
Bericht untersucht erneut diese Frage.
Ergebnis: Die Regierung der Vereinigten Staaten ist zu dem Schluß
gekommen, daß anhaltende Aktivitäten
im Verlauf des Jahres 1987 in vermuteten Einrichtungen für biologische
und toxische Waffen in der Sowjetunion und Berichte, daß ein sowjetisches BW-Programm jetzt die Prüfung
neuer Arten von Wirkstoffen zur biologischen
Verteidigung
beinhalten
könnte, die Schlußfolgerung des Berichts vom März 1987 bestätigen, wonach die Sowjetunion in Verletzung
ihrer rechtlichen Verpflichtung gemäß
der Konvention über biologische und
toxische Waffen aus dem Jahr 1972 ein
offensives Programm sowie eine Kapazität der biologischen Kriegführung
aufrechterhält.
Beschuldigungen hinsichtlich des
Einsatzes tödlicher Chemikalien oder
Gifte in Kambodscha, Laos oder Afghanistan im Jahr 1987 konnten gemäß der
strengen Richtlinien unserer Beweisführung nicht bestätigt werden. Daher gibt es keine Grundlage für eine
Erweiterung der Schlußfolgerung vom
März 1987, wonach die Sowjetunion in
Verletzung
ihrer
rechtlichen
Verpflichtung gemäß dem Völkerrecht, wie
dies im Genfer Protokoll von 1925 und
in der Konvention über biologische
und toxische Waffen aus dem Jahr 1972
kodifiziert ist, Produktion, Transfer
und Einsatz von Trichothezen-Mykotoxinen zu militärischen . Zwecken in
Laos, Kambodscha und Afghanistan betrieben hat.

Vertrag
über
suchsverbot

ein

begrenztes

Ver-

Vertragsstatus: Der Vertrag über
ein begrenztes Verbot von Atomversuchen (LTBT) in der Atmosphäre, im
Weltraum und unter Wasser ist ein
multilateraler Vertrag, der für die
Vereinigten Staaten und die Sowjetunion im Jahr 1963 in Kraft trat.
Sowjetische Schritte, die nicht mit
diesem Vertrag in Einklang stehen,
sind Verletzungen einer rechtlichen
Verpflichtung.

*

»

Verpflichtung:
Dieser
Vertrag
verbietet speziell Atomexplosionen in
der Atmosphäre, im Weltraum und unter
Wasser. Er verbietet auch Atomexplosionen
in jeder anderen Umgebung,
"wenn solche Explosionen dazu führen,
daß radioaktive Rückstände außerhalb
der Landesgrenzen des Staates anfallen, unter dessen Gesetzgebung oder
Kontrolle
eine
solche
Explosion
durchgeführt wird".
Fragestellung:
Der Bericht vom
März 1987 untersuchte, ob die unterirdischen Atomversuche der UdSSR dazu
führten, daß radioaktive Rückstände
außerhalb ihrer Landesgrenze anfielen.
Dieser Bericht untersucht erneut diese Frage.
Die
Regierung
der
Vereinigten
Staaten bestätigt die Erkenntnisse
des Berichts vom März 1987, nach denen die sowjetischen Praktiken bei
unterirdischen
Atomversuchen
dazu
führten, daß bei zahlreichen Gelegenheiten radioaktive Stoffe frei wurden
und radioaktive Rückstände in Verletzung der rechtlichen Verpflichtungen
gemäß dem begrenzten Teststoppvertrag
auch außerhalb des Territoriums der
Sowjetunion gelangten.
Die Sowjetunion traf nicht die notwendigen Vor-

*

�kehrungen, um die Verseuchung der Umwelt durch radioaktive Substanzen so
gering wie möglich zu halten und dies
trotz
zahlreicher
amerikanischer
Schritte und Forderungen nach Korrektivmaßnahmen. Diese Praktiken dauern
an. Seit der Wiederaufnahme der sowjetischen unterirdischen Atomversuche
im Februar 1987 haben die Vereinigten
Staaten der Sowjetunion bei zwei verschiedenen
Gelegenheiten
Demarchen
überbracht, bei denen den Sowjets
eindeutig die Freisetzung radioaktiver Rückstände nachgewiesen
werden
konnte.

* * * * *

- 7

�</text>
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                <text>Hintergrundmaterial zum Gipfeltreffen zwischen Präsident Regan und Generalsekretär Gorbatschow in Wasington&lt;br /&gt;&lt;em&gt;7. bis 10. Dezember 1987&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
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Sonderdienst

3. Dezember 1987

CHRONOLOGIE DER ENTWICKLUNG IM BEREICH DER MITTELSTRECKENWAFFEN (INF)
- 1977 bis 1987 -

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Anfang 1977

28. Oktober 1977

Die Sowjetunion beginnt mit der
Stationierung von Mittelstreckenraketen des Typs ss-20 im europäischen
Teil der UdSSR.

In einer Rede vor dem internationalen Institut für Strategische Studien in London lenkt Bundeskanzler
Helmut Schmidt die Aufmerksamkeit der
NATO auf die Bedrohung durch die sowjetischen SS-20.

Die SS-20 ist eine moderne mobile
ballistische Rakete mit drei unabhängig
steuerbaren Gefechtsköpfen und
einer Reichweite, die von Stützpunkten tief in der UdSSR ganz Westeuropa
erfaßt.

Er verweist darauf, Parität bei
den strategischen Atomwaffen zwischen
den Vereinigten Staaten und der UdSSR
bedeute "die Vergrößerung der Bedeutung
des Ungleichgewichts
zwischen
Ost und West bei taktischen und kon-

�ventionellen Waffen". Die Stationierung der SS-20 verstärke dieses Ungleichgewicht zwischen NATO und Warschauer Pakt.

zende
Unterstützungsprogramme
Streitkräftemodernisierung
und
stungskontrolle.

von
Rü-

6. Oktober 1979
Ende 1977
Die Nukleare Planungsgruppe (NPG)
der NATO beschließt die Bildung der
Hochrangigen Beratergruppe (HLG), deren Aufgabe in der Untersuchung der
langfristigen Erfordernisse zur Nachrüstung des Bündnisses im INF-Bereich
im Einklang mit seiner Doktrin der
flexiblen Reaktion besteht.
Es wird zwischen zwei Kategorien
von INF unterschieden: solche längerer Reichweite
(LRINF) und solche
kürzerer Reichweite (SRINF).

Generalsekretär Breschnew schlägt
das Einfrieren der Zahl stationierter
sowjetischer SS-20-Raketen vor, falls
die NATO keine gleichgearteten Systeme
stationiert,
weil
"jetzt
ein
Gleichgewicht besteht".
Zu diesem Zeitpunkt sind 130 SS20-Raketen
mit
390
Gefechtsköpfen
stationiert.
Keinerlei amerikanische
ten sind stationiert.

INF-Rake-

12. Dezember 1979
Frühjahr 1979
Die NATO ruft einen Sonderausschuß für Rüstungskontrolle und damit
zusammenhängende Angelegenheiten (SG)
ins Leben, um die Leitlinien zukünftiger
Rüstungskontrollbemühungen
in
bezug auf INF zu formulieren.
(Der
SG wurde nach dem NATO-Doppelbeschluß
von Dezember 1979 in Besondere Beratungsgruppe [SCG] umbenannt).

Sommer 1979
Die Arbeit von HLG und SG wird in
der integrierten Entscheidungsvorlage
zusammengefaßt, in der die Grundziele
der INF-Politik des Bündnisses als
"Abschreckung und Stabilität auf der
Grundlage einer Triade von Streitkräften, die Koppelung dieser Streitkräfte und das wichtige politische
Prinzip der strategischen Einheit des
Bündnisses" definiert werden.
Das Dokument

fordert

sich ergän-

Die NATO verabschiedet einstimmig
eine "zweigleisige" Strategie, um der
Stationierung von SS-20-Raketen durch
die Sowjets entgegenzutreten.
Zum
einen
werden
Rüstungskontrollverhandlungen mit der UdSSR angestrebt, um das Gleichgewicht
im
INF-Bereich
auf
dem
niedrigstmöglichen Niveau wiederherzustellen.
In Ermangelung
eines Rüstungskontrollabkommens wird die NATO andererseits mit der im Dezember 1983 beginnenden Stationierung von 464 amerikanischen
landgestützten
Marschflugkörpern (GLCM) und 108 ballistischen Pershing II-Raketen eine INFNachrüstung in Westeuropa durchführen.

Anfang 1980
Die Vereinigten Staaten
bieten
Verhandlungen über INF an, die von
den Sowjets abgelehnt werden.

�Juli 1980

18. November 1981

Während des Besuchs von Bundeskanzler Schmidt in Moskau verkünden
die Sowjets ihre prinzipielle Einwilligung, an INF-Verhandlungen mit den
Vereinigten Staaten teilzunehmen.

In einer Grundsatzrede, in der er
einen Rahmen für Verhandlungen über
Reduzierungen in allen Waffenkategorien
fordert,
schlägt
Präsident
Reagan
die
"Null-Lösung"
vor
und
stimmt der Aufhebung der geplanten
Stationierung amerikanischer INF-Raketen zu, falls sich die Sowjetunion
bereiterklärt, alle ihre SS-4, SS-5
und SS-20-Raketen zu beseitigen.

Oktober 1980
Die Sowjetunion
behauptet, bei
den INF-Raketen "besteht jetzt ein
Gleichgewicht.
Annähernd 200 sowjetische
SS-20-Raketen
mit
600 Gefechtsköpfen sind zu diesem Zeitpunkt
stationiert.
Keine
amerikanischen
INF-Raketen sind stationiert.

Oktober - November 1980
In Vorgesprächen wird keine Einigung über den Schwerpunkt der INFVerhandlungen zwischen amerikanischen
und
sowjetischen Unterhändlern erzielt.

30. November 1981
In Genf werden formelle Verhandlungen über
INF aufgenommen.
Die
Vereinigten Staaten streben die weltweite
Beseitigung
aller
amerikanischen und sowjetischen LRINF-Raketen sowie damit einhergehenden Beschränkungen für SRINF-Raketen an.

11. Dezember 1981
Die Vereinigton Staaten legen den
Sowjets in Genf formell den Vorschlag
einer "Null-Lösung" vor.

Januar 1981
Die
Reagan-Administration
übernimmt
die
Regierungsgeschäfte
und
leitet eine Überprüfung der amerikanischen Rüstungskontrollpolitik ein.

Frühjahr 1981
Bei einem Treffen des Nordatlantikrats
der
NATO
bekräftigen
die
Außenminister den Doppelbeschluß von
1979.
In Vorbereitung auf Verhandlungen, die zu einem späteren Zeitpunkt dieses Jahres stattfinden sollen, werden die Konsultationen der
Verbündeten fortgeführt.

- 3-

Dezember 1981
Die Sowjets schlagen eine Übereinkunft vor, mit der für jede Seite
eine Obergenze von 300 "Mittelstrekken"-Raketen und nuklearfähigen Flugzeugen in Europa festgelegt würde.
Dabei sollen die unabhängigen britischen
und
französischen Nuklearstreitkräfte auf amerikanischer Seite
verbucht werden.

März 1982
Die Sowjets verkünden ein "Moratorium" für die Stationierung ihrer
-SS-20-Raketen
in
der
europäischen

�UdSSR.
im Zuge der Fertigstellung
ihrer im Bau befindlichen Raketenstiitzpunkte im europäischen Teil der
UdSSR werden weitere Raketen stationiert.
Außerdem wird mit dem Bau
neuer Stützpunkte im asiatischen Teil
der UdSSR begonnen; mit den dort stationierten Raketen können NATO-Ziele
erreicht werden.

Juni 1982
Amerikanische und sowjetische Unterhändler entwickeln ein informelles
Paket von Elementen, die in ein mögliches INF-Abkommen einbezogen werden
sollten, das unter dem Namen "Waldspaziergang" bekannt wird.
Dieser Plan würde:
1.

Eine gleiche Anzahl von
schußvorrichtungen
in
festsetzen.

2.

Die Stationierung amerikanischer
Pershing H-Raketen ausschließen.

3.

INF-AbEuropa

Die zahl der im asiatischen Teil
der UdSSR stationierten SS-20-Raketen einfrieren.

Dieses Paket wird
abgelehnt.

später

von

Moskau

Keine amerikanischen
sind stationiert.

INF-Raketen

Dezember 1982
Die UdSSR schlägt öffentlich eine
Untergrenze für INF-Raketen in Europa
vor, die ausdrücklich mit dem Niveau
britischer und französischer Raketen
verbunden sein und dazu dienen soll,
die Stationierung amerikanischer INFRaketen in Europa zu verhindern.
Die
sowjetische
Forderung
nach
Einbeziehung der unabhängigen nuklearen Abschreckungsstreitkräfte
Großbritanniens und Frankreichs würde der
UdSSR
ein
rechtlich
sanktioniertes
"Recht"
auf
nukleare
Streitkräfte
einräumen, die denjenigen aller anderen
Nuklearmächte
zusammengenommen
entsprechen.
Dies käme einer sowjetischen Forderung nach weltweiter militärischer Überlegenheit und politischer Hegemonie gleich.
Die UdSSR leitet außerdem eine
Propagandakampagne ein, die sich auf
ein angebliches "Moratorium" bei der
Stationierung ihrer SS-20-Raketen im
europäischen
Teil
der
Sowjetunion
konzentriert.
Der sowjetische Vorschlag würde die unbegrenzte Stationierung von SS-20 im asiatischen Teil
der UdSSR gestatten.

August 1982
31. Januar 1983
Der sowjetische Verteidigungsminister Dimitri Ustinow erklärt: "Heute besteht weiterhin ... ein annäherndes
Gleichgewicht
der
Streitkräfte."
über 300 sowjetische SS-20 mit
über 900 Gefechtsköpfe sind bis zu
diesem Zeitpunkt stationiert.

&gt;

Während eines Besuchs in Berlin
verliest Vizepräsident George Bush
einen
"offenen
Brief"
Präsident
Reagans an die Europäer, in dem dieser ein Treffen mit dem sowjetischen
Generalsekretär Juri Andropow und die
Unterzeichnung eines Abkommens vorschlägt, das alle landgestützten amerikanischen und sowjetischen INF-Raketen vom Erdball verbannt.

*

�Februar 1983
Die Vereinigten Staaten wiederholen die im November 1981 nach Konsultationen mit den Verbündeten und mit
deren Zustimmung für die Erlangung
eines Abkommens mit den Sowjets in
den
INF-Verhandlungen
beschlossenen
Kriterien:
1.

Gleiche Rechte und
für die Vereinigten
die UdSSR.

Begrenzungen
Staaten und

2.

Ausschluß unabhängiger nuklearer
Abschreckungsstreitkräfte
von
Drittstaaten,
d.h.
Großbritanniens und Frankreichs, von jeglichem Abkommen.

3.

Verabredete
Begrenzungen
müssen
weltweit angewandt werden; keine
Verlagerung sowjetischer INF-Raketen längerer Reichweite von der
europäischen UdSSR in deren asiatischen Teil.

4.

Keine Schwächung des konventionellen
Abschreckungspotentials
der NATO.

5.

Wirksame Verifizierungsmaßnahmen.

29. März 1983
Die Vereinigten Staaten präsentieren bei den INF-Gesprächen in Genf
einen formellen Vorschlag für ein
Zwischenabkommen.

Gefechtsköpfe auf INF-Abschußvorrichtungen festsetzen würde, und zwar eine möglichst niedrige Anzahl, wobei
Null weiterhin das Endziel sein soll.

April 1983
Der
sowjetische
Außenminister
Andrej Gromyko nennt die "Zwischenlösung" der Vereinigten Staaten unannehmbar.
Er bekräftigt die sowjetische Position, derzufolge keinerlei
amerikanische Stationierungen stattfinden dürfen und die sowjetischen
Stationierungen
an
die
zahl
britischer
und
französischer
strategischer Systeme gekoppelt sein müssen.

3. Mai 1983
Generalsekretär
Andropow
deutet
die Bereitschaft an, INF-Gefechtsköpfe wie auch Raketen bei den INF-Gesprächen zu zählen.
Er wiederholt,
daß die Zahl sowjetischer SS-20-Raketen im europäischen Teil der UdSSR an
die von den Sowjets
festgestellte
Zahl der britischen und französischen
strategischen Systeme gekoppelt würde.
Er weigert sich, die im asiatischen Teil der UdSSR stationierten
Systeme zu berücksichtigen, wohin aus
der europäischen UdSSR abgezogene sowjetische
Raketen
verlegt
werden
könnten, die dann die Freunde und
Verbündeten der Amerikaner in Asien
und Europa bedrohen würden und potentiell
schnell
in die
europäische
UdSSR zurückverlegt werden könnten.

30. März 1983
19. Mai 1983
Präsident
Reagan verkündet öffentlich, die Vereinigten Staaten und
ihre Verbündeten seien bereit, ein
"zwischenabkommen"
über
INF-Raketen
anzunehmen, das weltweit gleiche Niveaus amerikanischer und sowjetischer

Die Vereinigten Staaten legen einen Vertragsentwurf auf den Verhandlungstisch, der den Vorschlag eines
Zwischenabkommens vom 29. März enthält.

- 5 -

�August 1983

Oktober 1983

Generalsekretär Andropow schlägt
die Reduzierung von INF-Raketen und
Abschußvorrichtungen auf das von den
Sowjets definierte Niveau der britischen und französischen Kräfte vor,
falls die Vereinigten Staaten auf die
Stationierung ihrer Pershing II und
Marschflugkörper verzichten.

Generalsekretär Andropow schlägt
eine modifizierte Fassung seines Vorschlags vom Dezember 1982 vor, indem
er verkündet, daß die "UdSSR bereit
ist, die Zahl ihrer SS-20 im europäischen Teil der UdSSR auf 40 mit 120
Gefechtsköpfen zu reduzieren, um die
von den Sowjets festgestellte zahl
britischer
und
französischer
Gefechtsköpfe wettzumachen".

22. September 1983
Bei den Genfer Verhandlungen bieten die Vereinigten Staaten drei neue
Elemente ihres vorgeschlagenen Zwischenabkommens an:
1.

2.

3.

Die Vereinigten
Staaten würden
den Gedanken ernsthaft erwägen,
nicht die Gesamtzahl aller von
den Sowjets weltweit stationierten
INF-Systeme durch amerikanische Stationierungen in Europa
wettzumachen.
Die
Vereinigten
Staaten würden sich jedoch das
Recht
vorbehalten,
andernorts
Stationierungen
vorzunehmen, um
eine gleiche weltweite Obergrenze
zu erzielen.
Die Vereinigten Staaten sind bereit,
ihre
Reduzierungen
von
Pershing II und GLCMs in angemessener Weise zu verteilen.
Die Vereinigten Staaten sind bereit, Vorschläge zur Einbeziehung
landgestützter Flugzeuge in Erwägung zu ziehen.

26. September 1983
Präsident Reagan bekräftigt die
drei neuen Elemente des vorgeschlagenen Zwischenabkommens in einer Rede
vor der Vollversammlung der Vereinten
Nationen.
- 6

Generalsekretär
Andropow
bietet
das Einfrieren der im asiatischen
Teil der UdSSR stationierten SS-20
an, nachdem ein INF-Abkommen zur Begrenzung der in Europa stationierten
Systeme durchgeführt ist - solange
die vereinigten Staaten keine ähnlichen Systeme in dieser Region stationieren. Andropow verkündet außerdem "zusätzliche Flexibilität" in der
Frage der zählweise von atomwaffentragenden Flugzeugen mittlerer Reichweite, gibt aber keine Einzelheiten
an.

*

Andropow verkündet, daß der Beginn der Stationierung amerikanischer
INF-Raketen
"es
unmöglich
machen
wird,
die
INF-Gespräche
weiterzuführen".
Das sowjetische Verteidigungsministerium erklärt, die UdSSR bereite
sich darauf vor, als Teil "geplanter
Gegenmaßnahmen" gegen die Stationierung amerikanischer Raketen "operativ-taktische" Raketen in der Deutsehen Demokratischen Republik und der
Tschechoslowakei zu dislozieren.
Die Vereinigten Staaten erklären,
der Andropow-Vorschlag enthalte Mängel, weil er weiterhin darauf bestehe, daß die UdSSR für britische und
französische strategische Streitkräfte durch die Stationierung ihrer eigenen INF-Systeme kompensiert werden

(

�müsse und daß es keinerlei amerikanische Stationierungen geben dürfe.
Der
sowjetische
Vorschlag,
im
asiatischen Teil der UdSSR stationierte
INF-Raketen
einzufrieren,
scheint der Sichtweise der Vereinigten Staaten Rechnung zu tragen, dergemäß die INF-Raketen weltweit in Betracht gezogen werden müssen.
Die
Vereinigten Staaten bitten um Einzelheiten für den sowjetischen Vorschlag
zu den Flugzeugen.

•

Die Vereinigten Staaten stellen
fest, daß die sowjetische Drohung einer
Beendigung
der
Verhandlungen,
falls die Vereinigten Staaten Raketen
in Europa stationieren, ungerechtfertigt ist, da die Vereinigten Staaten
zwei Jahre
lang verhandelt haben,
während die Zahl der sowjetischen
SS-20 drastisch anstieg.

420 Gefechtsköpfen
zustimmen.

auf

INF-Raketen

23. November 1983
Die Anlieferung der ersten Komponenten amerikanischer landgestützter Marschflugkörper läuft in Großbritannien
und
der
Bundesrepublik
Deutschland an.
Damit beginnt die
Durchführung
der
INF-Stationierung
gemäß dem zweiten Teil des NATO-Doppelbeschlusses von 1979.
Die sowjetische Delegation bricht
die Genfer Verhandlungen ab.
Die Vereinigten
Staaten
bieten
die Wiederaufnahme der Gespräche an,
wann immer die Sowjets zur Rückkehr
bereit sind.

30. November 1983
27. Oktober 1983
Im kanadischen Montebello verständigen sich die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten darauf, die
nuklearen Fähigkeiten der NATO auf
dem niedrigstmöglichen Niveau zu erhalten, das mit Sicherheit und Abschreckung vereinbar ist. Dazu würde
der Abzug von 1 400 amerikanischen
nuklearen Gefechtsköpfen aus Europa
innerhalb von mehreren Jahren gehören.
Dies zusätzlich zu den 1 000
Gefechtsköpfen, die nach dem Doppelbeschluß der NATO vom Dezember 1979
abgezogen wurden.

15. November 1983
Obwohl
die Vereinigten
Staaten
weiterhin der "Null-Lösung" den Vorzug geben, schlagen die Vereinigten
Staaten vor, daß beide Seiten einer
gleichen
weltweiten Obergrenze von

360 sowjetische
Gefechtsköpfen sind
punkt stationiert.

SS-20 mit
zu diesem

1 080
Zeit-

November 1983
Die
formellen
INF-Verhandlungen
werden
in Abwesenheit
der
sowjetischen Delegation vertagt.

24. November 1984
Am Tag des amerikanischen Erntedankfestes kündigt Präsident Reagan
an, daß sich die Vereinigten Staaten
und die Sowjetunion auf erneute Verhandlungen verständigt haben, bekannt
als Gespräche über Kern- und Weltraumwaffen (NST), die sich mit offensiven Atomwaffen sowie Fragen der
Weltraumverteidigung befassen sollen.

- 7 -

�7 . - 8 . Januar 1985
Außenminister George Shultz und
sein
sowjetischer
Kollege
Andrej
Gromyko treffen sich in Genf, um eine
Tagesordnung für neue umfassende Rüstungskontrollverhandlungen festzulegen, die sich auf strategische Atomwaffen (START), INF sowie die Weltraumverteidigung erstrecken.

gleichem Niveau mit den britischen
und französischen Systemen zulassen
würden.
Generalsekretär Gorbatschow verkündet außerdem ein einseitiges sowjetisches Moratorium für die Stationierung von INF-Raketen in der UdSSR.
Trotzdem geht die Stationierung von
Raketen in bereits im Bau befindlichen Stützpunkten weiter.

12. März 1985
Mai - Juli 1985
Die Vereinigten Staaten und die
UdSSR nehmen in Genf die NST-Gespräche auf.
Die Vereinigten Staaten
streben die Beseitigung oder Reduzierung der INF auf die niedrigstmögliche zahl mit gleichen weltweit gültigen Begrenzungen an.

März - April 1985

Die Vereinigten Staaten bemühen
sich weiterhin, die Sowjetunion fest
und konstruktiv in die Verantwortung
zu nehmen und weisen auf ihre Flexibilität im Hinblick auf jeglichges
Ergebnis hin, durch das gleiche weltweite INF-Begrenzungen für die Vereinigten Staaten und die UdSSR erzielt werden.

Zu Beginn der neuen INF-Verhandlungen bekräftigen die Vereinigten
Staaten ihre Haltung und ihre Vertragsentwürfe von 1982 zur weltweiten
Beseitigung der INF-Raketen und von
1983 für ein Zwischenabkommen über
gleiche
INF-Begrenzungen
auf niedrigstmöglichem Niveau.

Die UdSSR beharrt auf einer Beendigung
der
Stationierung
und
dem
Rückzug bereits stationierter amerikanischer INF sowie der Forderung,
daß INF-Begrenzungen für sowjetische
Systeme die britischen und französischen Streitkräfte berücksichtigen.

In den neuen NST-Gesprächen hält
die UdSSR ihre Position von 1983 aufrecht, indem sie die amerikanische
Stationierung von INF ablehnt und auf
einem Junktim
zwischen den sowjetischen SS-20 und den britischen und
französischen strategischen Systemen
besteht.

3. Oktober 1985

Die sowjetische Delegation legt
einen Vorschlag für ein bilaterales
Moratorium der Stationierung von INF
sowie einen Vorschlag für nachfolgende "Reduzierungen" vor, die zu Null
amerikanischen
INF
führen
würden,
aber
sowjetische
INF-Raketen
auf

Während eines Besuchs in Paris
verkündet Generalsekretär Gorbatschow
Bestandteile eines Gegenvorschlags zu
dem im März 1985 bei NST unterbreiteten
amerikanischen
Vorschlag.
Er
fordert ein Einfrieren der stationierten
amerikanischen
und
sowjetischen INF, gefolgt von "den einschneidendsten"
Reduzierungen
und
kündigt
an, daß
die
sowjetischen
SS-4-Raketen
beseitigt
und
einige
SS-20-Raketen
gefechtsuntüchtig
gemacht werden.

- 8 -

»

'

�31. Oktober 1985
Präsident Reagan verkündet, daß
die Vereinigten Staaten bei den Genfer Gesprächen einen neuen Rüstungskontrollvorschlag
vorlegen
werden.
Dieser Vorschlag schließt INF ein und
baut auf "positiven Elementen" des
sowjetischen Gegenvorschlags von 3.
Oktober 1985 auf, insbesondere der
Möglichkeit eines separaten INF-Abkommens unabhängig von strategischen
Fragen oder Problemen der Weltraumverteidigung.

1. November 1985
Die Antwort der Vereinigten Staaten auf den sowjetischen Gegenvorschlag enthält die folgenden Punkte
zu INF:
1.

2.

obwohl sie der vollständigen Beseitigung der amerikanischen und
sowjetischen INF den Vorzug geben,
schlagen
die
Vereinigten
Staaten - als zwischenschritt die Begrenzung der Stationierung
von
amerikanischen
INF-Abschußvorrichtungen in Europa auf 140
Pershing
II
und
landgestützte
Marschflugkörper
(GLCMs)
vor.
(Jedes GLCM hat vier Raketen.)
Diese zahl soll bis zum 31. Dezember 1985 stationiert werden.
Dieser Vorschlag fordert ferner
Reduzierungen
der
sowjetischen
Anzahl von SS-20-Raketenabschußvorrichtungen in Reichweite der
NATO auf 140. (Jede SS-20-Rakete
besitzt drei Gefechtsköpfe.)
Innerhalb dieser Begrenzung für
Abschußvorrichtungen, könnten die
Vereinigten Staaten und die UdSSR
über eine vereinbarte Zahl von
420 bis 450 Gefechtsköpfen in Europa verfügen.

3.

Um gleiche weltweit gültige Begrenzungen amerikanischer und sowjetischer
INF-Gefechtsköpfe
zu
erreichen, müssen die Sowjets die
SS-20-Abschußvorrichtungen
in
Asien (die außerhalb der Reichweite der NATO in Europa liegen)
im gleichen Verhältnis reduzieren, wie die Anzahl der Abschußvorrichtungen
innerhalb
der
Reichweite der NATO in Europa.

4.

Für SRINF sollten angemessene Beschränkungen
vereinbart
werden,
damit die Sowjets ein Abkommen
über LRINF nicht durch Aufrüstung
mit SRINF umgehen können.

21. November 1985
Auf dem Genfer Gipfeltreffen vereinbaren Präsident Reagan und Generalsekretär
Gorbatschow,
sich
auf
mehrere Probleme der Rüstungskontrolle zu konzentrieren, einschließlich
der
"Idee eines
INF-Zwischenabkommens".

15. Januar 1986
In einem Schreiben an Präsident
Reagan
unterbreitet
Generalsekretär
Gorbatschow
einen
Rüstungskontrollvorschlag, der in Zusammenhang mit
einer vollständigen Beseitigung der
Atomwaffen innerhalb von 15 Jahren
die Forderung beinhaltet, die amerikanischen und sowjetischen LRINF in
Europa in den nächsten 5 bis 8 Jahren
zu beseitigen.
In Gorbatschows Schreiben wird
weiter vorgeschlagen, die britischen
und
französischen
Atomstreitkräfte
nicht gegen die amerikanischen LRINF
in Europa aufzurechnen, sondern sie
auf dem derzeitigen Niveau einzufrieren.
Außerdem soll die Weitergabe

�amerikanischer
Atomwaffensysteme
an
Drittstaaten untersagt werden.
Der
sowjetische Vorschlag
eines Abbaus
der in Europa stationierten SS-20-Raketen spricht weder die östlich des
Urals
stationierten
sowjetischen
LRINF-Raketen an noch beschränkt er
die sowjetischen SRINF.

24. Februar 1986
In
einer
Erklärung
Präsident
Reagans wird verkündet, daß gewisse
Aspekte
des sowjetischen Rüstungskontrollvorschlags von Januar 1986 zu
diesem
Zeitpunkt
nicht
angemessen
sind. Ein Bereich, in dem er hoffe,
"unmittelbare Fortschritte" zu erzielen,
seien
die
INF-Verhandlungen.
Der Präsident stellt fest, daß die
Vereinigten Staaten in Genf schon einen konkreten Plan vorgelegt haben,
der
die Beseitigung
amerikanischer
Pershing II und GLCM sowie der sowjetischen SS-20-Raketen sowohl in Europa als auch in Asien vorsieht.

2. März 1986
Die sowjetischen Vorschläge zur
Einbeziehung unabhängiger britischer
und französischer Nuklearsysteme in
ein
bilaterales
amerikanisch-sowjetisches Abkommen werden vom Sonderberater des Präsidenten zu Rüstungskontrollangelegenheiten, Paul Nitze,
öffentlich kritisiert und zurückgewiesen.
Er bekräftigt die Hauptelemente des amerikanischen Vorschlags
für
gleiche weltweite
Begrenzungen
für LRINF und damit einhergehende Beschränkungen für SRINF.

30. September 1986
Die Vereinigten Staaten und die
UdSSR
kündigen
an, daß
Präsident

Reagan
und
Generalsekretär
Gorbatschow sich vom 11. bis 12. Oktober in Reykjavik treffen werden.

11. - 12. Oktober 1986
In Reykjavik
verständigen
sich
die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion auf gleiche weltweite Obergrenzen von 100 LRINF-Gefechtsköpfen
für jede Seite, von denen keine in
Europa stationiert werden dürfen.
Die Sowjets bieten außerdem ein
Einfrieren ihrer SRINF-Systeme während der Dauer der Verhandlungen zu
deren Reduzierung an.
Gleichzeitig
verlangen sie jedoch, daß die amerikanischen SRINF-Systeme auf dem gegenwärtigen Niveau, d.h. Null, "eingefroren" werden.
Prinzipiell stimmen sie ebenfalls einigen wichtigen
Verifizierungselementen zu.
Die Sowjets stellen jedoch ein Junktim zwischen einem INF-Abkommen und der amerikanischen Zustimmung von Begrenzungen
ihrer
Strategischen
Verteidigungsinitiative (SDI) her. Diese Begrenzungen gehen über die im ABM-Vertrag aus dem Jahr 1972 vorgesehenen
hinaus.

23. Oktober 1986
Die Vereinigten Staaten legen einen Vorschlag vor, in dem die in
Reykjavik
erzielten
Bereiche
der
Übereinstimmung
ihren
Niederschlag
finden.
7. November 1986
Die
UdSSR
unterbreitet
einen
neuen INF-Vorschlag, in dem sie die
Verpflichtung vom Genfer Gipfel des
Jahres 1985 zum Abschluß eines INFZwischenabkommens
zurückzieht.
Der
Vorschlag enthält außerdem die Weige-

�rung, die in Reykjavik erzielte Übereinstimmung zu akzeptieren, daß INF
von Fragen der Rüstungskontrolle im
strategischen
Bereicht
zu
trennen
ist. Die Sowjets beharren ferner auf
dem Junktim zwischen einem INF-Abkommen und Begrenzungen für SDI.

kanische
und sowjetische
SRINF
innerhalb der Reichweite sowjetischer SS-23 bis SS-12 (Scaleboard) Raketen auf dem bestehenden sowjetischen Niveau.
5.

Verbot der Entwicklung und Stationierung von SRINF-Raketen mit
einer
Reichweite, die
zwischen
der der amerikanischen Pershing
II (der LRINF-Rakete mit der kürzesten Reichweite) und der sowjetischen Scaleboard (der SRINF-Rakete mit der längsten Reichweite)
liegt.

6.

Folgeverhandlungen
über
zusätzliche Begrenzungen für SRINF. Ansonsten würden die Reduzierungen
sechs Monate nach Erzielung eines
ersten INF-Abkommens beginnen.

7.

Austausch von Daten vor und nach
der Durchführung der Reduzierungen.

8.

Vor-Ort-Beobachtung der Beseitigung von Waffen und ein wirksames
Überwachungsverfahren
für
Einrichtungen,
einschließlich
Inspektionen vor Ort im Anschluß an
die Beseitigung der Waffen.

9.

Verhandlungen über die Einzelheiten der Verifizierung, die parallel zu den Verhandlungen über die
Reduzierung der Waffen stattfinden sollen.

15. - 16. November 1986
in Camp David erzielen Präsident
Reagan und Premierministerin Thatcher
Übereinstimmung, daß einem INF-Abkommen mit Begrenzungen für SRINF - mit
wirksamer Verifizierung - Priorität
eingeräumt werden sollte.

15. Januar 1987
Bei den Genfer INF-Verhandlungen
unterbreiten die Vereinigten Staaten
folgenden Vorschlag:
1.

2.

Stufenweise
Reduzierung
der
LRINF-Gefechtsköpfe auf weltweit
100 LRINF-Gefechtsköpfe für jede
Seite bis Ende 1991.
Die verbleibenden sowjetischen LRINF-Gefechtsköpfe
dürfen demgemäß im
asiatischen Teil der Sowjetunion,
die der Vereinigten Staaten auf
amerikanischem Territorium, einschließlich Alaskas, stationiert
werden.
Reduzierung
der
amerikanischen
und sowjetischen LRINF-Gefechtsköpfe in Europa auf Null bis Ende
1991.

3.

Das Abkommen über die Reduzierung
der INF darf nicht von der Lösung
anderer
Probleme außerhalb der
INF-Verhandlungen
abhängen, wie
beim Genfer Gipfel im November
1985 verabredet.

4.

Weltweite Begrenzungen für ameri-

28. Februar 1987
Generalsekretär
Gorbatschow
erklärt
die sowjetische
Bereitschaft
zur
Unterzeichnung
eines separaten
Abkommens
zur
Beseitigung
sowjetischer und amerikanischer INF-Raketen in Europa in einem Zeitraum von
fünf Jahren und verzichtet damit erneut auf die sowjetische Forderung,

- 11 -

�daß jene Raketen Teil eines umfassenden
Rüstungskontrollpakets
sein
müßten.
Diese
sowjetischen
Bedingungen
scheinen mit den in Reykjavik vereinbarten nahezu identisch zu sein. Jeder Seite würde die Beibehaltung von
100 Gefechtsköpfen außerhalb Europas
gestattet - der Sowjetunion im sowjetischen Teil Asiens und den Vereinigten Staaten auf ihrem Territorium.

3. März 1987
Präsident
Reagan
erklärt,
Gorbatschows Erklärung vom 28. Februar, in der die sowjetische Bereitschaft zum Abschluß eines Abkommens
über Reduzierungen der
INF-Systeme
getrennt von Vereinbarungen in den
beiden anderen Bereichen der NST-Verhandlungen
verkündet wurde, "räumt
ernsthafte
Hindernisse
für
Fortschritte auf dem Weg zu INF-Reduzierungen beiseite".
Er fügt hinzu:
"Um diese neue
Möglichkeit voll auszuschöpfen, habe
ich unsere Unterhändler angewiesen,
morgen in Genf mit der Vorlage unseres INF-Vertragsentwurfs zu beginnen.
Ich hoffe, daß die Sowjets dann gemeinsam mit uns ernsthafte Diskussionen über die Einzelheiten aufnehmen
werden, die für die Umsetzung der
einzelnen Bereiche einer grundsätzlichen Übereinkunft in ein konkretes
Abkommen unerläßlich sind.
Und ich
möchte betonen, daß die Frage der Verifizierung das wichtigste der noch
zu lösenden Probleme ist. Weil wir
einem
wahren
und
dauerhaften
Rüstungsabbau verpflichtet sind und die
vollständige Einhaltung sicherstellen
wollen, werden wir weiterhin darauf
bestehen, daß jedes Abkommen wirksam
verifizierbar ist."

4. März 1987
Die Vereinigten
Staaten unterbreiten ihren Entwurf eines amerikanisch-sowjetischen
INF-Verträges,
der die Reduzierung der LRINF-Gefechtsköpfe jeder Seite auf 100 weltweit vorsieht, mit Null in Europa,
wie von den beiden führenden Politikern in Reykjavik vereinbart.
Die
Vereinigten
Staaten
machen
jedoch
deutlich, daß sie weiterhin der vollständigen
Beseitigung
der amerikanischen und sowjetischen INF-Raketen
den Vorzug geben.

12. März 1987
Bei den Genfer INF-Verhandlungen
legen die Vereinigten Staaten einen
Vertragsartikel vor, der einen umfassenden Ansatz für die Verifizierung
eines
INF-Abkommens vorsieht.
Die
Grundelemente des amerikanischen Ansatzes zur Verifizierung sind:
1.

Eine Vorschrift für die Nutzung
und
Nichtbehinderung
Nationaler
Technischer Mittel (NTM), die Bedingung
der
Übertragung
technischer Meßdaten von Raketenflügen, ein Verbot der Verschlüsselung und ein Verbot von Verschleierungsmaßnahmen zur Behinderung der Verifizierung.

2.

Spezifizierung von Bereichen und
Einrichtungen, in denen durch den
Vertrag begrenzte Systeme lokalisiert sein müssen und Verbot ihrer Stationierung an anderen Orten.

3.

Gegenseitiger
Austausch
einer
festgelegten
umfassenden
Reihe
von Daten zu damit verbundenen,
vertraglich
begrenzten
Systemen
sowie
ihren
Unterstützungseinrichtungen und -ausrüstungen.

�4.

Gegenseitige
ser Daten.

Fortschreibung

die-

5.

Spezielle Verfahren zur Vernichtung, Zerlegung und Umrüstung der
LRINF-Systeme, einschließlich Inspektionen vor Ort.

6.

Vor-Ort-lnspektion
und
Überwachung bei Inkrafttreten des Vertrages und im Anschluß, um die
Einhaltung der vertraglich festgelegten
Begrenzungen
sicherzustellen.

dieser Vereinbarung würde zunächst in
der Formel von Reykjavik bestehen,
wonach je 100 Gefechtsköpfe auf Mittelstreckenraketen längerer Reichweite auf sowjetischer Seite in Asien
und auf amerikanischer Seite in den
Vereinigten Staaten stationiert würden. "
Beide
Seiten stimmten
überein,
daß die Reduzierungen der INF-Systeme
in ungefähr
vier bis fünf Jahren
durchgeführt
und daß ein Abkommen
"Vorschriften für sehr strenge und
peinlich genaue Verifizierung beinhalten muß".

26. März 1987
Die
verlängerte
Sitzungsperiode
der
amerikanisch-sowjetischen
NSTVerhandlungen wird beendet. Die Vereinigten Staaten widersprechen einem
sowjetischen Vorschlag, die Verhandlungen über SRINF von einem ersten
INF-Abkommen zu trennen und erklären
dazu, dies sei ein Rückschritt gegenüber den Vereinbarungen, die im Prinzip während der amerikanisch-sowjetischen INF-Verhandlungen der Jahre
1981-83 erzielt und in Reykjavik bekräftigt
wurden.
Der
sowjetische
Vorschlag würde der UdSSR praktisch
ein Monopol auf diese Systeme zubilligen und es den Sowjets freistellen,
ihre schon bestehende SRINF-Streitmacht auszubauen und damit jegliches
INF-Abkommen zu umgehen.

Zu
den
SRINF-Systemen
erklärt
Shultz, beide Seiten stimmten darin
überein, daß es weltweite Begrenzungen geben müsse.
Nach Ansicht der
Vereinigten Staaten müßten alle Beschränkungen dem "Prinzip der Gleichheit" folgen.
Shultz stellt fest, die Sowjets
hätten ihre Absicht erklärt, nach der
Unterzeichnung
eines
INF-Abkommens,
die gegenwärtig in der DDR und der
Tschechoslowakei stationierten SRINFSysteme abzuziehen und zu vernichten
und daß die UdSSR in den Verhandlungen über die verbleibenden Raketen
die Reduzierung der SRINF auf Null
innerhalb
eines Jahres
vorschlagen
werde.

23. April 1987
15. April 1987
Außenminister George Shultz beendet dreitägige Gespräche mit Generalsekretär
Gorbatschow
und
Außenminister Schewardnadse in Moskau.
Shultz erklärt, daß durch harte
Verhandlungen die Aussicht auf Erlangung eines INF-Abkommens in greifbare
Nähe gerückt ist: "Die Grundstruktur

Präsident
Reagan appelliert
an
die Sowjetunion, die Fortschritte bei
den INF-Verhandlungen durch eine Reaktion auf die amerikanischen Vorschläge
zur
Verifizierung
zu beschleunigen.
Der Präsident erklärt,
die sowjetische Zustimmung zu einer
vollständigen Beseitigung der INF-Systeme würde die Verifizierung der
Vertragseinhaltung vereinfachen.

- 13 -

�Zum gegenwärtigen Zeitpunkt stimmen beide Seiten überein, die landgestützten LRINF-Systeme auf 100 Gefechtsköpfe für jede Seite zu reduzieren, von denen keine in Europa
stationiert
sind.
Reagan erklärt,
"ein Ergebnis von Null LRINF - die
Beseitigung dieser ganzen Kategorie
von Raketen -" bleibe die bevorzugte
Lösung für die vereinigten Staaten
und ihre Verbündeten.

27. April 1987
Die Sowjetunion legt einen Vertragsentwurf für INF vor, in dem die
in
Reykjavik
erzielten
grundsätzlichen Vereinbarungen zu den landgestützten LRINF-Raketen ihren Niederschlag finden.
Durch den sowjetischen Vorschlag
würden die LRINF auf jeder Seite nach
fünf Jahren in Europa auf einen stand
von Null abgebaut sein, und im sowjetischen Teil Asiens würde die Anzahl
der
Gefechtsköpfe auf
sowjetischen
LRINF auf 100 Gefechtsköpfe begrenzt
werden, die außerhalb der Reichweite
der Vereinigten Staaten stationiert
sind. Ferner würden damit auf amerikanischem
Territorium
stationierte
amerikanische Gefechtsköpfe auf LRINF
auf
100 solcher Gefechtsköpfe begrenzt, die außerhalb der Recihweite
der Sowjetunion disloziert sind und
somit Stationierungen in Alaska verhindert.

12. Juni 1987
in einem im Anschluß an das Treffen des Nordatlantik-Rates der NATO
in Reykjavik veröffentlichten Kommunique erklären die Außenminister ihre
Unterstützung für die weltweite und
wirkungsvoll verifizierbare Beseitigung aller amerikanischen und sowje- 14

tischen landgestützten SRINF mit einer Reichweite von 500 bis 1 000 km
zum integralen Bestandteil eines I N F Abkommens.
Das Kommunique verlangt von der
Sowjetunion, ihre Forderung nach der
Beibehaltung eines Teils ihrer SS-20
aufzugeben und verleiht dem Wunsch
erneut Ausdruck, alle amerikanischen
und sowjetischen landgestützten INF
längerer Reichweite im Einklang mit
der
traditionellen
Zielsetzung der
NATO abzuschaffen.
Den Außenministern zufolge stellt
das INF-Abkommen einen wichtigen Bestandteil in einem stimmigen und umfassenden
Konzept der Rüstungskontrolle und Abrüstung dar, das in
Übereinstimmung mit der NATO-Strategie der flexiblen Reaktion folgende
Punkte umfassen würde:
1.

Einen
im Rahmen der
laufenden
Genfer Verhandlungen zu erzielenden 50prozentigen Abbau strategischer Offensivwaffen der Vereinigten Staaten und der Sowjetunion;

2.

weltweite
Waffen;

3.

die Errichtung eines stabilen und
gesicherten Niveaus konventioneller Streitkräfte durch Behebung
der Ungleichgewichte in ganz Europa;

4.

greifbare und verifizierbare Reduzierungen
amerikanischer
und
sowjetischer landgestützter atomarer
Raketensysteme
kürzerer
Reichweite, die zu gleichen obergrenzen führen, im Einklang mit
der
Schaffung
eines
Gleichgewichts im konventionellen Bereich
und
der weltweiten
Beseitigung
chemischer Waffen,

Beseitigung

chemischer

�16. Juni 1987
Die vereinigten Staaten legen bei
den Genfer INF-Gesprächen formell ihre Haltung zu SRINF dar. Diese Haltung fordert die weltweite Beseitigung aller amerikanischen und sowjetischen SRINF-Raketensysteme.

Zwei
unverzichtbare
Elemente
sind
ebenfalls darin enthalten: die Vernichtung der von diesem vertrag erfaßten Raketen und ihrer Abschußvorrichtungen und das Verbot einer Umrüstung dieser System und Abschußvorrichtungen zu anderen Waffenarten".

3. August 1987
23. Juni 1987

)

Generalsekretär Gorbatschow verkündet einen Wandel der sowjetischen
Haltung zu INF. Die Sowjets akzeptieren im wesentlichen die "weltweite
doppelte Null-Lösung" und verkünden
ihrerseits
1.

2.

die Bereitschaft, als Teil eines
Abkommens
mit
den
Vereinigten
Staaten alle "Mittelstreckenraketen" im sowjetischen Teil Asiens
zu beseitigen, einschließlich der
100 LRINF-Gefechtsköpfe auf diesen Raketen, wenn auch die Vereinigten Staaten diese Raketen
und Gefechtsköpfe aufgeben;
die Bereitschaft zur Beseitigung
"einsatzfähiger taktischer Raketen (SRINF)", wenn die Vereinigten Staaten dasselbe tun.

28. Juli 1987
Als Reaktion auf die Erklärung,
die Sowjetunion sei nunmehr bereit,
die ursprünglich von den Vereinigten
Staaten vorgelegte weltweite Null-Lösung bei INF zu akzeptieren, bemerkt
Präsident Reagan: "Der heute (von unseren Genfer Unterhändlern) unterbreitete Vorschlag würde peinlich genaue und wirksame Verifizierungsmaßnahmen vorsehen und die Weitergabe
vorhandener amerikanischer und sowjetischer INF und ihrer Abschußvorrichtungen an Drittstaaten verhindern.

Der
sowjetische
Unterhändler
Alexej A. Obukow erklärt, die UdSSR
ziehe einen Kompromiß bei der Lösung
amerikanisch-sowjetischer
Meinungsverschiedenheiten über die bundesdeutschen Pershing 1A in Erwägung.
Die Sowjets hatten diese Raketen als
"Haupthindernis" für ein INF-Abkommen
bezeichnet und ihre Beseitigung gefordert.
Der
amerikanische
Unterhändler
Max Kampelman erklärt, "wir werden im
Rahmen der bilateralen Beziehungen
zwischen den Vereinigten Staaten und
der Sowjetunion keine Verfügung in
dieses Abkommen aufnehmen, die unsere
Verbündeten betrifft".

7. August 1987
Der
sowjetische
Außenminister
Schewardnadse beschuldigt in seiner
Rede vor der Abrüstungskonferenz (mit
40 Teilnehmerstaaten) die Vereinigten
Staaten
und
die
Bundesrepublik
Deutschland, ein INF-Abkommen durch
"juristische
Täuschungsmanöver"
zu
blockieren, um die Ausnahme der 72
Pershing 1A aus einem solchen Abkommen zu rechtfertigen.

26. August 1987
Aufgrundder
Zustimmung der Sowjets zu dem amerikanischen Vorschlag, beide Seiten sollten alle ih-

�re landgestützten LRINF und SRINF beseitigen, legen amerikanische Unterhändler in Genf einen überarbeiteten
Vorschlag
zur
Verifizierung
eines
INF-Abkommens vor.
Der neue amerikanische Plan unterscheidet sich in folgenden Punkten
von dem früheren Vorschlag:
1.

Die Bestimmung entfällt, der zufolge Inspektoren sich außerhalb
der Einrichtungen zur Raketenproduktion
und -montage
aufhalten,
um die Produktionsstätte verlassende Raketen zu zählen.
Diese
Bestimmung ist nicht länger erforderlich, da Produktion, Flugerprobung und Modernisierung der
weltweiten doppelten Null-Lösung
zufolge verboten wären.

2.

Der neue Vorschlag begrenzt ferner
Ad-hoc-lnspektionen
solcher
Einrichtungen, in denen Mittelund Kurzstreckenraketen gelagert
werden, um sicherzustellen, daß
sie wie vorgesehen verschrottet
werden.

3.

Ferner
könnten
Uberraschungsinspektionen von Einrichtungen für
landegestützte
Raketen
längerer
Reichweite
in
den
Vereinigten
Staaten
und
der
Sowjetunion
durchgeführt werden, um sicherzustellen, daß dort keine Mitteloder
Kurzstreckenraketen
versteckt sind.

1. alle ihre LRINF und SRINF gemäß
dem vorgesehenen INF-Vertrag verschrotten,

2.

sich bei der Verschrottung ihrer
Raketen an den noch zu vereinbarenden Zeitplan halten,

3.

die Vertragsbestimmungen
ten.

einhal-

27. August 1987
Die Sowjetunion begrüßt die Erklärung
Bundeskanzler
Kohls.
Ein
Sprecher
des sowjetischen Außenministeriums erklärt, die Möglichkeit
zum Abschluß eines neuen Abkommens
zwischen den Supermächten sei nun
"realistisch" und begrüßt den jüngsten amerikanischen Vorschlag zur Verifizierung eines solchen Vertrages.
Er fügt hinzu, die Sowjetunion sehe
gegenwärtig "keine Probleme" bei der
Gewährleistung der Vertragseinhaltung
durch beide Seiten.

14. September 1987

26. August 1987
Bundeskanzler Kohl erklärt, die
Bundesrepublik Deutschland werde ihre
72
Kurzstreckenraketen
vom
Typ
Pershing 1A abbauen und sie nicht
durch modernere Waffen ersetzen, wenn
die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion

Bei den Genfer INF-Verhandlungen
legen die vereinigten Staaten ein Inspektionsprotokoll vor, das im einzelnen die Verfahrensweisen niederlegt, die zur wirksamen Verifizierung
der Einhaltung des INF-Vertrages
der die Beseitigung aller amerikanischen und sowjetischen INF-Raketen
vorsieht - notwendig erachtet werden.
Die
neuen
amerikanischen
Vorschläge fordern die einschneidendsten
Verifizierungsmaßnahmen
in der Geschichte der Rüstungskontrolle. Folgenden Bestandteilen des Vorschlags
kommt eine Schlüsselrolle zu:
1.

- 16 -

Die Bedingung, daß alle INF-Raketen und ihre Abschußvorrichtungen

�geographisch auf vereinbarte Gebiete beschränkt werden oder während der Abbauphase ein vorher
bekanntgegebener
Transfer
zwischen diesen Gebieten stattfindet;
Ein detaillierter, und falls erforderlich,
auf
den
neuesten
Stand
gebrachter
Datenaustausch
über Einrichtungen zur Unterstützung von Raketen und Raketenstützpunkten, die Anzahl der Raketen und Abschußvorrichtungen in
diesen Einrichtungen und Stützpunkten sowie technische Parameter solcher Raketensysteme;
Benachrichtigung über die Bewegung von Raketen und Abschußvorrichtungen zwischen bekanntgegebenen Einrichtungen;
Eine grundlegende Vor-Ort-lnspektion zur Verifizierung der Anzahl
von Raketen und Abschußvorrichtungen bei bekannten Einrichtungen zur Unterstützung von Raketen
und Raketenstützpunkten vor deren
Beseitigung.
Vor-Ort-lnspektion zur Verifizierung der Verschrottung von Raketen und Abschußvorrichtungen.
Kurzfristig anberaumte Nachfolgeinspektion bekanntgegebener Einrichtungen während der Abbauphase
zur Verifizierung der Restbestände, bis zur Verschrottung aller
Raketen;
Kurzfristig
anberaumte
obligatorische
Ad-hoc-Inspektion
bestimmter
Einrichtungen
in
den
Vereinigten Staaten und der Sowjetunion, bei denen vertragswidrige Aktivitäten im Zusammenhang
mit Raketen durchgeführt werden
könnten.

8.

Die
Bedingung
einer
separaten
"Abschluß"-Inspektion, um sicherzustellen, daß in einer Einrichtung die mit INF in Zusammenhang
stehenden Aktivitäten tatsächlich
beendet sind, wenn eine Einrichtung außer Betrieb und von der
Liste bekannter Einrichtungen gestrichen ist.

18. September 1987
Nach
einer
Zusammenkunft
in
Washington erklären die beiden Außenminister
Shultz und
Schewardnadse,
die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion hätten eine Grundsatzvereinbarung
über
den Abschluß eines
INF-Vertrages erzielt.
Die amerikanische und die sowjetische Delegation in Genf werden angewiesen, eingehend
an der Lösung
noch ausstehender technischer Probleme zu arbeiten und baldmöglichst den
Entwurf für einen Vertragstext zum
Abschluß zu bringen.
Es wird eine Erklärung abgegeben,
derzufolge - zur Unterzeichnung eines
Vertrages über Mittel- und Kurzstrekkenraketen und Behandlung der gesamten Bandbreite der Beziehungen zwischen beiden Ländern - im Herbst 1987
ein Gipfeltreffen zwischen Präsident
Reagan
und
Generalsekretär
Gorbatschow
stattfinden
wird.
Der
endgültige Termin soll bei den Gesprächen im Oktober festgelegt werden

22. - 24. Oktober 1987
Bei einer in Moskau stattfindenden Zusammenkunft zwischen hochrangigen amerikanischen und sowjetischen
Regierungsvertretern werden für den
Abschluß
eines INF-Vertrages Fortschritte
erzielt.
Generalsekretär

- 17 -

�Gorbatschow weigert sich, den Termin
für
einen
amerikanisch-sowjetischen
Gipfel festzulegen.

29. Oktober 1987
Die Sowjetunion ändert ihre Haltung und erklärt, sie habe sich mit
den Vereinigten Staaten auf die Modalitäten eines noch vor Jahresende
stattfindenden
Gipfeltreffens
geeinigt.
Der
sowjetische
Außenminister
Schewardnadse
trifft zu Gesprächen
mit Präsident Reagan und Außenminister Shultz in Washington ein.

30. Oktober 1987
Während der Zusammenkünfte zwischen den Außenministern Shultz und
Schewardnadse kommen die Vereinigten
Staaten und Sowjetunion uberein, daß
Generalsekretär Gorbatschow am 7. Dezember 1987 die Vereinigen Staaten
besuchen und gemeinsam mit Präsident
Reagan einen Vertrag zur Beseitigung
einer
gesamten
Kategorie
amerikanischer und sowjetischer INF-Raketen
unterzeichnen wird.
Shultz und Schewardnadse vereinbarten ferner, engen Kontakt mit ihren jeweiligen Genfer Delegation zu
halten, um so baldige Fortschritte
zum Abschluß des INF-Vertrages sicherzustellen.

* * * * *

- 18

�</text>
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                <text>Chronologie der Entwicklung im Bereich der Mittelstreckenwaffen (INF)&lt;br /&gt;&lt;em&gt;1977 bis 1987&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
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2 . Dezember 1987

42

I N H A L T

DOKUMENTATION

Regionale Konflikte beim Gipfel im Brennpunkt
- Präsident Reagans wöchentliche Rundfunkansprache

HINTERGRUUNDHATERIAL

Die Bedeutung von SDI
- Ein Überblick -

Die Reduzierung der strategischen Waffen
- Eine Übersicht der amerikanischen Regierung

WISSENSCHAFT UND TECHNIK

Antarktisches "Ozonloch* hat weltweite Auswirkungen
- Schutzabkommen von Montreal nur ein erster Schritt

* * * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�AMERIKA DIENST
%

^

at

Dokumentation

42

2. Dezember 1987

REGIONALE KONFLIKTE BEIM GIPFEL IM BRENNPUNKT
- Präsident Reagans wöchentliche Rundfunkansprache -

WASHINGTON - (AD) - in seiner wöchentlichen Rundfunkansprache an die Nation bekundete Präsident Reagan am 28. November die Absicht, dem sowjetischen
Verhalten in regionalen Konflikten auf der Tagesordnung des Gipfels erste
Priorität einräumen zu wollen.
Der Präsident erklärte, sein Appell an
Gorbatschow werde lauten, "wo auch immer die Sowjets oder ihre Vasallen gewaltsam ihre Interessen durchzusetzen suchen - in Nicaragua, Afghanistan,
Angola, Kambodscha oder anderswo - sollten sie dem Einhalt gebieten und die
Völker in diesen Ländern ihr eigenes Schicksal wählen lassen". "...das Verhalten der Sowjets in diesen Regionen bleibt ein Haupthindernis für die Verbesserung der amerikanisch-sowjetischen Beziehungen".
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rundfunkansprache im Wortlaut:

Meine
amerikanischen
Mitbürger,
ich möchte mit Ihnen über mein bevorstehendes Treffen mit Generalsekretär
Gorbatschow sprechen.
Aber zunächst
hoffe ich, daß Sie gemeinsam mit mir
das tun werden, was viele von uns gemeinsam mit ihren Familien erst vor
zwei Tagen getan haben - innehalten,
um das zu betrachten, wofür wir dankbar sein müssen.
Amerika befindet sich heute im
Frieden. Trotz mancher Höhen und Tiefen ist unsere Wirtschaft immer noch
stark und steigerungsfähig. Und wenn

United States Information Service
Embassy of the United States of America

das Erntedankfest immer noch die Zeit
ist, in der wir besonders der vom
Glück weniger Begünstigten gedenken
sollten, dann müssen wir in diesen
Zeiten wirtschaftlichen Wachstums sicherlich dafür danken, daß die Zahl
der in Armut lebenden Amerikaner auf
ihren niedrigsten Stand der letzten
fünf Jahre gefallen ist.
Mit dem Wirtschaftswachstum hat
auch die private Wohltätigkeit zugenommen. Private Spenden für wohltätige Zwecke haben in jedem der vergangenen vier Jahre neue Rekordzahlen

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�erreicht. Wer würde daran zweifeln,
daß wir unserem Schöpfer gegenüber
eine
große Dankesschuld
abzutragen
haben?
Nach 200 Jahren herrschen in
unserem Land immer noch Freiheit und
- Güte.
Wie Sie wissen, werde ich mich in
zehn Tagen in Washington mit Generalsekretär Gorbatschow treffen.
Wenn
alles klappt, werden wir gemeinsam
ein Abkommen unterzeichnen, mit dem
zu ersten Mal in der Geschichte eine
gesamte Kategorie amerikanischer und
sowjetischer
Raketen
abgeschafft
wird.
Aber dieses Abkommen muß im
Zusammenhang mit unseren umfassenderen Beziehungen zur Sowjetunion gesehen werden.
Unsere Regierung hat seit ihren
Anfängen darauf bestanden, daß vier
wesentliche Bereiche mit den Sowjets
behandelt werden. Die Menschenrechte
sind
einer
davon.
Menschenrechte
charakterisieren
schließlich
unsere
Nation.
In diesem Bereich haben wir
gewisse Fortschritte erzielt. In der
Sowjetunion
sind einige politische
Gefangene
freigelassen worden; die
Zahl der Auswanderer ist leicht angestiegen, und es wird über die Gewährung
beschränkter
wirtschaftlicher
Freiheiten für die Völker der Sowjetunion gesprochen.
Dennoch ist all
dies viel zu wenig.
Und Menschenrechte werden ein Punkt auf der Tagesordnung bleiben, wenn ich Herrn
Gorbatschow treffe.
Die Erweiterung bilateraler Beziehungen,
besonders
menschlicher
Kontakte, ist der zweite von uns hervorgehobene Bereich. Auch hier haben
wir nach meinem ersten Genfer Gipfeltreffen mit Herrn Gorbatschow gewisse
Fortschritte, insbesondere beim Kulturaustausch,
verzeichnet.
Das
Bolschoi-Ballett
hat
eine
Tournee
durch die Vereinigten Staaten unter-

nommen.
Und
viele
amerikanische
Künstler wiederum haben die Sowjetunion besucht.
ich denke besonders
an die historische Rückkehr des Pianisten Wladimir Horowitz nach Moskau
im vergangenen Jahr, seinen ersten
Besuch in Rußland nach mehr als 60
Jahren.
Regionale
Konflikte bilden den
dritten wesentlichen
Punkt in den
amerikanisch-sowjetischen
Beziehungen, und die amerikanische Haltung
ist ganz einfach zu erklären:
Wo
auch immer die Sowjets oder ihre Vasallen
gewaltsam
ihre
Interessen
durchzusetzen suchen - in Nicaragua,
Afghanistan, Angola, Kambodscha oder
anderswo - sollten sie dem Einhalt
gebieten und die Völker in diesen
Ländern ihr eigenes Schicksal wählen
lassen.
Und ich versichere Ihnen,
daß ich diesem Thema auf der Tagesordnung des Gipfels erste Priorität
einräumen werde. ich werde daran erinnern, daß das Verhalten der Sowjets
in diesen Regionen ein Haupthindernis
für die Verbesserung der amerikanisch-sowjetischen Beziehungen bleibt.
Damit
komme
ich
zum
vierten
Hauptpunkt unseres Programms - meinem
Streben nach einer besseren Möglichkeit zur Abschreckung von Agression
und dauerhaften Erhaltung der Sicherheit statt der Drohung mit Vergeltung
durch nukleare Offensivwaffen.
Eine
Antwort darauf
ist unsere Strategische
Verteidigungsintiative
oder
SDI, unsere Arbeit an einem Verteidigungssystem, das uns und unseren Verbündeten
einen Schutzschild
bietet
und dabei niemanden bedroht.
Eine
zweite Antwort waren die Rüstungskontrollverhandlungen mit den Sowjets
- Verhandlungen, die das INF-Abkommen
hervorgebracht
haben,
das
Herr
Gorbatschow
und
ich
unterzeichnen
wollen.
Mit diesem Abkommen wird,
wie ich bereits sagte, eine gesamte

- 2 -

�Kategorie sowjetischer und amerikanischer
Mittelstreckenwaffen
abgeschafft. Für jeden auf unserer Seite
abgebauten Gefechtskopf werden die
Sowjets nahezu vier abschaffen.
Da die Sowjets ein Register der
Verletzung von Rüstungskontrollabkommen vorzuweisen haben, bestehen wir
auf dem strengsten System zur Verifizierung in der Geschichte der Rüstungskontrolle. Und wir werden weiterhin die Sowjets zu Fortschritten
bei den START-Gesprächen drängen, in
deren Rahmen wir einen SOprozentigen
Abbau der strategischen Waffenarsenale beider Seiten vorgeschlagen haben.
Aber die Sowjets müssen ihre Taktik
aufgeben,
den
Abbau
strategischer
Waffen als Pfand für ihre Bemühungen
zur Lähmung unseres SDI-Programms zu
betrachten.
Lassen Sie mich Ihnen versichern,
daß SDI kein Faustpfand ist. Es ist
der Weg zu einer sichereren Zukunft.
Wir müssen uns darüber
im klaren
sein, daß die Sowjets unsere Gegner
sind und unsere Gegner bleiben werden
- die Gegner all derer, die an die
Freiheit des Menschen glauben. Dennoch müssen wir in unseren Bemühungen, die Sache der Freiheit voranzutreiben, mit den Sowjets sachlich,
aus einer Position der Stärke heraus
und im Namen des Friedens verhandeln.
Vielen Dank
fürs Zuhören, bis
nächste Woche, und Gott schütze Sie.

* * * * *

- 3 -

�AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

2. Dezember 1987

42

DIE BEDEUTUNG VON SDI
- Ein Überblick -

"Völlig unannehmbar ist die sowjetische Taktik, Reduzierungen als Faustpfand für Maßnahmen einzusetzen, die unsere Strategische Verteidigungsinitiative zunichte machen ... Wir werden SDI nicht zum Tauschobjekt machen."
Präsident Reagan am 4. November 1987

Die
Strategische
Verteidigungsinitiative
(SDI) Präsident
Reagans
verkörpert unsere größten Hoffnungen
auf eine sicherere Welt - eine Welt,
in der unsere Sicherheit und die unserer Verbündeten nicht länger auf
Abschreckung durch die Androhung von
Massenvernichtung gegründet ist.
Die
Reagan-Administration
hat
stets über eine klar umrissene Strategie verfügt, um der Bedrohung durch
die sowjetische Aufrüstung mit offensiven
Atomwaffen
entgegenzutreten.
Unser Ziel besteht darin, den Frieden
sicherer zu machen und ein stabiles

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strategisches Gleichgewicht
stig zu gewährleisten.
Diese
Strategie
wichtige Bestandteile:

langfri-

enthält

drei

- Modernisierung unseres strategischen Abschreckungspotentials, da
wir uns zur Erhaltung des Friedens weiterhin auf die Androhung
von
Vergeltung
mit
Atomwaffen
stützen.
- Das streben nach einschneidenden,
gleichgewichtigen und wirksam ve-

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�'

rifizierbaren
Reduzierungen
der
amerikanischen
und
sowjetischen
Atomwaffen.

- SDI hat dazu beigetragen, daß die
Sowjets Anfang 1985 zu den Verhandlungen
über Atomwaffen zurückkehrten, die sie Ende 1983
abgebrochen hatten.

- Mit
Hilfe
der
amerikanischen
Strategischen
Verteidigungsinitiative die Suche nach einem sichereren und moralisch vorzuziehenden
Mittel zur Abschreckung
des Krieges voranzutreiben, indem
wir zur Verbesserung unserer Sicherheit zunehmend auf Verteidigungssysteme vertrauen.
SDI ist ein Forschungs- und Technologieprogramm mit dem Ziel, bis zu
den frühen neunziger Jahren zu zeigen, ob wirksame Verteidigungssysteme
gegen ballistische Raketen für die
Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten machbar sind.
Die aussichtsreichsten Konzepte stützen sich auf
gestaffelte Verteidigungssysteme für
das Abfangen der Raketen des Angreifers in jeder Flugphase - in der Antriebsphase, mitten im Flug und in
der Endphase.

- SDI unterstreicht die Integrität
jeglichen neuen Rüstungskontrollabkommens, indem es für die Sowjets die Anreize zum Betrug verringert.
Das Register sowjetischer Verletzungen früherer Rüstungskontrollabkommen macht diesen Aspekt besonders bedeutungsvoll.
- SDI bietet
den
Sowjets
einen
starken Anreiz, auf den Vorschlag
des Präsidenten zur 50prozentigen
Reduzierung
der
strategischen
Waffen einzugehen.
Selbst wenn eine 50prozentige Reduzierung
der strategischen Waffen
erreicht ist, wird SDI weiterhin unerläßlich sein, um die Sowjets zu
weiteren Reduzierungen zu bewegen.

- unser Engagement für SDI ist unerschütterlich.
Der
Präsident
hat erklärt:
"SDI ist kein Verhandlungsgegenstand.
Es ist ein
Eckpfeiler
unserer
Sicherheitsstrategie für die neunziger Jahre
und darüber hinaus.
Wir werden
es erforschen.
Wir werden es
entwickeln. Und wenn es fertiggestellt ist, werden wir es stationieren. "
SDI dient
dender Ziele:

einer

Reihe

entschei-

- Mit SDI suchen wir nach einen defensiven Mittel zur Abschreckung
von Aggressionen, das auf Systemen beruht, mit denen die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten vor einem Angriff mit ballistischen Raketen geschützt werden.
- 2 -

- Schließlich bildet SDI eine Versicherung gegen einen versehentlichen Raketenabschuß oder künftige Drohungen mit ballistischen
Raketen - seien sie atomar, konventionell oder chemisch bewaffnet - durch Länder, die alle Gesetze
der
Staatengemeinschaft
mißachten.
- Die möglichen Vorteile von SDI
wiegen die Kosten bei weitem auf.
Die Ausgaben für SDI vom Haushaltsjahr 1984 bis einschließlich
1988 werden sich auf etwa 12 Milliarden Dollar oder annähernd 13
Dollar jährlich pro Kopf der amerikanischen Bevölkerung belaufen
- ein geringer Preis für eine sicherere Zukunft.

�Die Bedeutung von SDI wird durch
die seit langem bestehenden, umfangreichen Programme der Sowjets zur
strategischen Verteidigung noch betont.

Abschreckung untergraben würden,
Dies hätte verheerende Auswirkungen auf die Sicherheit des Westens,

- Im Unterschied zu unseren eigenen
bescheidenen Ausgaben haben die
Sowjets
in den vergangenen 10
Jahren etwa 200 Milliarden Dollar
für ihre strategischen Verteidigungsprogramme aufgewendet, ungefähr ebenso viel wie für ihre
strategischen Offensivstreitkräfte.
Zu den Programmen der Sowjets gehören:
- Das
einzige
Verteidigungssystem
gegen ballistische Raketen der
Welt, das um Moskau herum stationiert ist und von den Sowjets
ständig verbessert wird.
- Der Bau eines großen phasengesteuerten
Radars
nahe
Krasnojarsk, das den ABM-Vertrag von
1972 verletzt.
- Forschung, Entwicklung und Erprobung, einschließlich eines mit 1
Milliarde Dollar pro Jahr ausgestatteten
Programms
für LaserWaffen -, das 10 000 erfahrene
Wissenschaftler und Techniker beschäftigt.
Wir können den Sowjets kein Monopol auf strategische Verteidigungssysteme einräumen.
- Wenn beide Seiten sie besitzen,
können
strategische
Verteidigungssysteme stabilisierend wirken und die Drohung des Krieges
verringern. Wenn die Sowjets sie
allein
besitzen, werden
solche
Systeme den Frieden bedrohen, da
sie die Glaubwürdigkeit unserer
- 3 -

* * * * *

�AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

2. Dezember 1987

42

DIE REDUZIERUNG DER STRATEGISCHEN WAFFEN
- Eine Übersicht der amerikanischen Regierung -

- (AD) - Die Vereinigten Staaten messen den Bemühungen zur Erlangung eines
ausgewogenen und wirksam verifizierbaren Abkommens mit der Sowjetunion über
einschneidende Reduzierungen der strategischen Atomwaffen höchste Priorität
bei. insbesondere liegt unsererseits die Betonung auf den gefährlichsten Waffen - den schnell fliegenden ballistischen Raketen, darunter besonders die
großen Interkontinentalraketen (ICBMs) mit Mehrfachgefechtsköpfen.

Als einen konkreten Schritt zu
diesem
Ziel haben die Vereinigten
Staaten bei den Verhandlungen über
nuklear-strategische
Waffen
(START)
in Genf am 8. Mai 1987 einen Vertragsentwurf vorgelegt.
Dieser Entwurf
spiegelt
die
von
Präsident
Reagan
und
Generalsekretär
Gorbatschow im vergangenen Oktober in
Reykjavik erzielten Bereiche grundsätzlicher Übereinstimmung wider und
sieht eine Reduzierung der strategischen Offensivwaffen der Vereinigten Staaten und der Sowjetunion um
ca. 50 Prozent vor.

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Der amerikanische Vertragsentwurf
liefert eine solide Grundlage für die
Schaffung eines fairen und dauerhaften START-Abkommens.
Er sieht unter
anderem vor:
- Amerikanische und sowjetische Reduzierungen auf ein Maximum von
1 600 stationierten ballistischen
Raketen und schweren Bombern mit
höchstens
6 000
Gefechtsköpfen
innerhalb einer Frist von sieben
Jahren
nach
Inkrafttreten
des
Vertrages.

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�- Untergrenzen
für
Gefechtsköpfe
auf schnell fliegenden ballistischen Raketen, insbesondere derjenigen
auf
ICBMs,
denjenigen
Nuklearsystemen mit der destabilisierendsten und gefährlichsten
Wirkung.
- Eine 50prozentige Reduzierung des
heutigen Wurfgewichts der sowjetischen ballistischen Raketen auf
eine für beide Parteien gültige
Höchstgrenze.
- Ein Verbot mobiler ICBMs, das auf
von diesen hervorgerufenen Bedenken bezüglich Verifizierung und
Stabilität beruht.
- Eine ausführliche Verifizierungsregelung mit dem ziel, die beiderseitige Einhaltung des Abkommens so umfassend wie möglich sicherzustellen.
Der von den Sowjets am 31. Juli
vorgelegte Vertragsentwurf
bedeutet
eine willkommene Abkehr von der sowjetischen Praxis der Vergangenheit,
sehr allgemein abgefaßte Dokumente zu
präsentieren, die lediglich grundlegende Prinzipien enthielten. in seinem Aufbau ähnelt er dem amerikanischen Entwurf, und er enthält einige gemeinsame Sprachregelungen. Dies
hat die Erstellung eines gemeinsamen
Vertragsentwurfs, der die noch ungelösten Probleme umreißt, erleichtert.
Der sowjetische Entwurf hat jedoch bei den wichtigsten noch zu lösenden Fragen, einschließlich der Untergrenzen für die gefährlichsten Raketensysteme, keinerlei Bewegung signalisiert.
Zusätzlich hat er Reduzierungen bei den strategischen Offensivwaffen
von
Begrenzungen
der
strategischen
Verteidigung
abhängig
gemacht, die über die bereits im ABMVertrag vereinbarten hinausgehen und
- 2

unserer Meinung nach eine Fortführung
sowjetischer Bemühungen zur Lähmung
der amerikanischen Strategischen Verteidigungsinitiative (SDI) bedeuten.
Der Präsident hat eindeutig erklärt, daß er keinerlei Maßnahmen
hinnehmen kann und will, die zur Beseitigung oder Lähmung von SDI führen
würden - eines Forschungs- und Entwicklungsprogramms, das für die Stärkung der Sicherheit der Vereinigten
Staaten und ihrer Verbündeten in der
Zukunft sowie die Sicherung des langfristigen
strategischen
Gleichgewichts großartige Aussichten enthält.
Im
Rahmen
ihres
Washingtoner
Treffens im September haben die Aussenminister Shultz und Schewardnadse
vereinbart, bei den Genfer Verhandlungen die Bemühungen zur Erlangung
eines Abkommens zur 50prozentigen Reduzierung der strategischen Offensivwaffen zu intensivieren. Während des
Ministertreffens - und seither bei
den Genfer Verhandlungen - wurden
Fortschritte bei noch ungelösten Fragen erzielt.
Zum Beispiel schlugen
die Sowjets eine Begrenzung auf 1 540
Gefechtsköpfe auf schweren ICBMs vor,
obwohl dieser Ansatz die Entwicklungen neuer, noch bedrohlicher, schwerer
ICBMs keinerlei
Beschränkungen
unterwirft.
Während ihrer Treffen im Oktober
(22. bis 23. Oktober in Moskau und
30. Oktober in Washington) hielten
die
Außenminister
Shultz
und
Schewardnadse intensive Gespräche zu
START ab. Die Sowjets schlugen folgende neue Untergrenzen vor:
3 000
bis 3 300 Gefechtsköpfe auf Interkontinentalraketen
(ICBMs), 1 800 bis
2 000 Gefechtsköpfe auf seegestützten
ballistischen Raketen (SLBMs) sowie
800 bis 900 Gefechtsköpfe auf luftgestützten
Marschflugkörpern
(ALCMs).
Dieser Vorschlag
stellt nicht die

�notwendige Freiheit für eine Mischung
bereit, die die
stabilisierenderen
Systeme begünstigen würde, und er
würde von den Vereinigten Staaten
verlangen, ihre SLBMs und ALCMs um
über 50 Prozent zu verringern und
gleichzeitig
bei den ICBMs aufzurüsten.
Wenn jedoch die im sowjetischen Vorschlag enthaltenen Zahlen
auf die Struktur hindeuten sollen,
die die Sowjets für ihre eigenen
Streitkräfte wünschen, dann sollten
die Sowjets in der Lage sein, die von
den Vereinigten Staaten vorgeschlagenen Untergrenzen zu akzeptieren.

te, wenn die Sowjets nun dazu bereit
sind, sich diesem Ziel mit dem gleichen Ernst zu widmen wie die Vereinigten Staaten und wenn sie ihr Beharren auf Maßnahmen aufgeben, die
SDI lähmen würden.

Beim Washingtoner Treffen verabredeten beide Seiten, daß Generalsekretär Gorbatschow
im Dezember die
Vereinigten Staaten besuchen wolle,
um ein INF-Abkommen zu unterzeichnen
und daß Präsident Reagan in der ersten Hälfte des Jahres 1988 die Sowjetunion besuchen werde, unter anderem mit der Absicht, ein START-Abkommen zu unterzeichnen.
Beide Seiten
vereinbarten, intensiv auf solch einen
Vertrag
hinzuarbeiten.
START
wird in den Gesprächen mit Generalsekretär Gorbatschow bei dessen Besuch im Dezember einen hohen Stellenwert einnehmen.
Trotzdem
bleiben wichtige Meinungsverschiedenheiten bestehen, einschließlich der Untergrenzen bei bestimmten Arten von Gefechtsköpfen auf
ballistischen Raketen, einer vertraglich
festgelegten
Begrenzung
des
Wurfgewichts und dem Verbot mobiler
ICBMs.
Ein weiterer Streitpunkt ist
das sowjetische Beharren auf einem
Junktim zwischen den START-Reduzierungen
und weiteren
Beschränkungen
der Verteidigung gegen ballistische
Raketen.
Die Vereinigten Staaten sind der
Ansicht, daß ein START-Vertrag nächstes Jahr fertiggestellt werden könn- 3 -

* * * * *

�AMERIKA DIENST
VON

4

Wissenschaft und Technik

2. Dezember 1987

42

ANTARKTISCHES "OZONLOCH" HAT WELTWEITE AUSWIRKUNGEN
- Schutzabkommen von Montreal nur ein erster Schritte -

WASHINGTON - (AD) - Die Meßergebnisse für die Ozonkonzentration in der
Stratosphäre über der Antarktis zwischen August und Oktober 1987 waren alarmierend.
Dr. Peter Wilkniss, der Direktor für die Polarforschungsprogramme
der Nationalen Wissenschaftsstiftung (NSF) der Vereinigten Staaten, erklärte
bei Anhörungen vor einem Unterausschuß des amerikanischen Senats, er fürchte
um die Gesundheit und Sicherheit seiner Mitarbeiter in dieser Region.

Die durchschnittliche Dichte der
Ozonschicht
in
den
antarktischen
Luftmassen betrug kaum mehr die Hälfte des Normalwertes, der in Höhen
zwischen 12 und ca. 35 km zu erwarten
wäre.
In diesem Bereich der Atmosphäre
sammeln
sich
Ozonmoleküle
(dreiatomiger
Sauerstoff), die für
den Schutz von Menschen, Tieren und
Pflanzen auf der Erde - einschließlich des Planktons im Meer - gegen
gefährliche
ultraviolette
Strahlen
von der Sonne eine wichtige Rolle
spielen.
Wird die stratosphärische
Ozonschicht zu dünn, dringt zu viel
UV-Licht bis zur Erdoberfläche durch.

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Mehr Fälle von Hautkrebs, grauem Star
und Schädigung des Immunsystems beim
Menschen sind nur einige der Folgen.
Die Entdeckung des in der antarktischen Frühlingszeit besonders auffälligen "Ozonlochs" durch britische
Forscher im Jahr 1979, die 1985 in
einer wissenschaftlichen Zeitschrift
darüber
berichteten, wurde anfangs
mit
zweifeln
begegnet.
Aber
die
Nachprüfung von Meßdaten aller Art,
auch solcher von Instrumenten in Forschungssatelliten,
bestätigte,
daß
diese Entwicklung
sogar schon gut

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�zehn Jahre lang erfaßt, aber zunächst
als Meßfehler mißdeutet und in ihrer
Bedeutung nicht erkannt worden war.
Amerikanische Forschergruppen befassen sich seit 1985 mit dem Ozonschwund über dem Südkontinent.
in
diesem Jahr wurde diesem Problem von
weltweiter Bedeutung besonders intensiv
nachgegangen.
Meßstationen am
Boden, Wetterballons, Daten aus Satelliten
und
"fliegende
Laboratorien", zu denen ein Flugzeug vom Typ
DC-8 und ein Höhenforschungsflugzeug
vom Typ ER-2 umgebaut wurden, dienten
wissenschaftlichen Beobachtungen speziell im Hinblick auf den Ozonabbau.
Nicht nur Forschergruppen amerikanischer Universitäten und anderer
Institute, sondern auch Laboratorien
in Chile, Argentinien, Frankreich,
Großbritannien und Neuseeland beteiligten sich an den Studien, die die
US-Behörde
für Luft- und Raumfahrt
(NASA)
koordinierte.
Vom
chilenischen Punta Arenas, der südlichsten
Stadt der Erde aus, flogen die beiden
Flugzeuge
insgesamt
25
Einsätze.
Dreizehn entfielen auf die DC-8 mit
jeweils etwa 40 Wissenschaftlern an
Bord. Mit der ER-2 dagegen war der
Pilot allein unterwegs.
Es wurden
Höhen bis 22 000 Meter erreicht. Im
Vergleich dazu wurde die DC-8 relativ
niedrig geflogen.
Nur gelegentlich
stieg sie bis ca. 15 000 Meter. Sie
sondierte die Atmosphäre über der
Antarktis in allen Himmelsrichtungen
bis zum Südpol - in einem Bereich,
der wegen der gefährlichen Winde von
militärischen und kommerziellen Flugzeugen stets gemieden wird.
Die oft riskanten Einsätze der
ER-2 brachten die wichtige Erkenntnis, daß sich im Gegensatz zu anderen
Gebieten der Erde, wo die Luft in so
großer Höhe klar ist, über der Antarktis in extremer Kälte Wolken aus

feinsten Eispartikeln bis weit in die
Stratosphäre hinauf halten.
Selbst
in 22 000 Meter Höhe gibt es keine
freie Sicht.
Erst seit kurzem weiß
man, daß die Eispartikel wegen ihrer
Oberflächen geeignet sind, chemische
Reaktionen, die u.a. Ozon zerstören,
um ein vielfaches zu beschleunigen.
Das mag einer der Gründe sein, weshalb in Verbindung mit weltweiten meteorologischen Vorgängen die stratosphärische Ozonkonzentration über der
Antarktis im Winter und am Frühlingsanfang so drastisch zurückgeht.
Zu den Hauptfeinden des Ozons in
der Stratosphäre zählen die Chlorfluorkohlenwasserstoffe (FCKW).
Nach
ihrer Freisetzung - etwa als Treibgas, aus Kühlmitteln oder aus Schaummaterial - bewegen sie sich zunächst
völlig reaktionsträge und somit unbehelligt durch die Troposphäre langsam
aufwärts.
Erst unter den besonderen
Bedingungen der Stratosphäre beginnen
sie mit anderen Gasen, Molekülen und
freien Atomen zu reagieren.
Allmählich gelingt es der Forschung, die komplizierten Reaktionen
im Zusammenhang mit dem Abbau des
Ozons in der Stratosphäre zu entschlüsseln.
Nach Ansicht von Prof.
Michael McElroy, der die Abteilung
für Geo- und Planetenforschung an der
Harvard-Universität
(Cambridge,
Massachusetts) leitet, versteht man
heute die Vorgänge unter den besonders extremen Bedingungen
für die
Ozonschicht über der Antarktis zu etwa 80 Prozent. "Es gibt keinen Zweifel mehr, daß chlorhaltige Industriegase für eine dramatische großräumige
Veränderung in der Stratosphäre verantwortlich sind", sagte er.
Aber
man könne nicht einfach darüber hinweggehen, wenn die Ozonschicht etwa
zwei Monate lang über fast zehn Prozent einer Hemisphäre stark verdünnt
bleibe. Und es gebe keinen Grund für

- 2 -

*

&lt;

,

?

�die Annahme, daß diese Ozonverluste
in absehbarer Zeit wettgemacht würden.
Dr. Wilkniss berichtete, daß die
Wissenschaftler in der Antarktis atmosphärische
Konzentrationen
von
Chlormonoxyd (einer aus CFKW-Verbindungen abgespaltenen Substanz) gefunden hätten, die etwa das Hundertfache
der Konzentrationen betragen, die in
der übrigen Welt gemessen werden.
(Dies ist ein wichtiger Hinweis auf
spezielle atmosphärische Bedingungen
für chemische Reaktionen in dieser
Region.) Besonders starken Ozonabbau
beobachtete man in ca. 15 000 Meter
Höhe, wo nur noch drei Prozent der
als normal angesehenen Werte zu ermitteln waren. im Durchschnitt habe,
so Dr. Robert Watson (Leitender Wissenschaftler für das Ozonprojekt der
NASA), im September 1987 die Ozonkonzentration
in
stratosphärischen
Schichten über der Antarktis nicht
einmal mehr 50 Prozent der vor etwa
zehn Jahren geltenden "Normalwerte"
betragen.
im Jahr 1985 wurde nach
Winterende ein Rückgang um 4 0 Prozent, im Jahr 1986 um 35 Prozent verzeichnet. Daß ungewöhnliche Vorgänge
im Spiel
sein müssen, sieht Dr.
Watson beispielsweise in dem Rückgang
der Ozondichte um zehn Prozent über
einem drei Millionen Quadratkilometer
großen Gebiet an einem einzigen Tag.
Chemische Substanzen allein könnten
dies niemals bewirken, meinte er.
Die Auswertung der Daten dürfte
mindestens noch ein halbes Jahr in
Anspruch nehmen.
Dann werden erste
wissenschaftliche Berichte in Fachzeitschriften erscheinen.
Die Forscher sind sich darüber einig, daß es
falsch wäre, anzunehmen, die über der
Antarktis beobachteten chemischen Reaktionen könnten sich andernorts, etwa in der Atmosphäre über den gemässigten Zonen, nicht ereignen. Dr. F.
Sherwood Rowland (Universität Kali-

fornien), der 1974 zusammen mit Dr.
Mario J. Molina zum ersten Mal vor
den Halogenverbindungen gewarnt hatte, verwies u.a. auf Beobachtungen in
Europa und den Vereinigten Staaten:
In der Schweiz, wo im Raum von Arosa
seit 1931 Ozonmessungen durchgeführt
werden, zeigte sich, daß jedes Jahr
im März die Werte um etwa neun Prozent unter dem Durchschnitt liegen.
Und von Meßstationen in Norddakota
und Maine im Norden der USA werden
jeden Winter bemerkenswerte Ozonverluste registriert.
Das im September 1987 von 46 Nationen in Montreal (Kanada^ unterzeichnete Protokoll der Vereinten Nationen über die Kontrolle von Chlorfluorkohlenwasserstoffen
bezeichnet
Rowland als einen wichtigen ersten
Schritt, der aber vor dem Jahr 2000
relativ geringe Auswirkungen auf die
Chlormengen in der Atmosphäre haben
werde.
Das Protokoll sieht vor, daß
die meisten Signatarstaaten, insbesondere
die
Industrieländer,
die
CFKW-Produktion
bzw. den Verbrauch
bis 1990 auf dem jetzigen Stand einfrieren und im nächsten Jahrzehnt um
50 Prozent verringern.
Dagegen wird
Entwicklungsländern
eine
Weiterführung des Verbrauchs für ein Jahrzehnt
zugestanden, damit sie Lücken in bestimmten Technologien, z.B. in der
Kühltechnik, schließen können. Wegen
der langen Lebensdauer der CFKW-Verbindungen in der Atmosphäre, für die
bis zu 110 Jahre angesetzt werden,
müßten
jedoch Rowland
zufolge die
Emissionen vollständig aufhören, um
den gegenwärtigen Stand der Chlorkonzentrationen in etwa zu halten.

Zusammenarbeit mit der Sowjetunion
Im Rahmen der am 2. November 1987
bekanntgegebenen
Zusammenarbeit
der
Vereinigten Staaten mit der Sowjet-

- 3 -

�union in der Klimaforschung über 30
gemeinsame Projekte spielen auch der
Abbau
des
stratosphärischen
Ozons
über der Antarktis und die amerikanischen
Satellitenbeobachtungen
zur
weltweiten Überwachung der Ozondichte
eine wichtige Rolle. Die Ozonmessungen über der Antarktis werden koordiniert, ermittelte Daten ausgetauscht;
für ein- und zweidimensionale Modelle
für Ozon und andere Spurengase sowie
Messungen der CFKW-Aufnahme wurde Zusammenarbeit
vereinbart.
Außerdem
ist ein gemeinsames Experiment auf
der &gt; Heiss-Insel
(Franz-Josef-Land)
zum Studium der Beziehungen zwischen
stratosphärischen
Aerosolen in der
Arktis und
ihrer Auswirkungen auf
Ozon in der Stratosphäre vorgesehen.

* * * * * *

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Regionale Konflikte beim Gipfel im Brennpunkt&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Präsident Reagans wöchentliche Rundfunkansprache&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Bedeutung von SDI&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Ein Überblick&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Reduzierung der strategischen Waffen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Eine Übersicht der amerikanischen Regierung&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Antarktisches "Ozonloch" hat weltweite Auswirkungen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Schutzabkommen von Montreal nur &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;ein erster Schritt&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST
VON

Sonderdienst

4

25. November 1987

DIE REVOLUTION IM INFORMATIONSWESEN
UND DIE DEUTSCH-AMERIKANISCHEN BEZIEHUNGEN

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Der amerikanische Botschafter Richard R. Burt hat auf dem BertelsmannForum am 24. November die deutschen und amerikanischen Massenmedien dazu aufgerufen, sich intensiver darum zu bemühen, die breite Öffentlichkeit besser
über die drängenden politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Probleme unserer Zeit zu unterrichten.
Im Zusammenhang mit den revolutionären Entwicklungen im Bereich der Massenkommunikation verwies Burt auf das Paradoxon, daß "es mehr Informationen
gibt, aber weniger Verständnis".
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede im Wortlaut:

Die
Bemerkung, wir
lebten
im
Zeitalter einer Revolution im Informationswesen, ist zu einem Gemeinplatz geworden. Aber selbst wenn es
sich hierbei um einen Gemeinplatz
handelt, ist es doch eine unbestreitbare Tatsache.
Diese Revolution hat zwei Dimensionen, die beide in den Auswirkungen
moderner Technik auf die Kommunikation begründet sind. Erstens ist die
Fülle der uns heute zur Verfügung
stehenden Informationen im wahrsten
Sinne des Wortes überwältigend.

In den Vereinigten Staaten erscheinen zum Beispiel etwa 1 700 Tagesund
9 000 Wochenzeitungen.
Der
Leser kann unter mehr als 11 300
Zeitschriften wählen, die nahezu alle
Interessengebiete abdecken. Amerikaner haben über einen der 7 000 Kabelfernsehsender Zugang zu insgesamt 150
Fernsehkanälen, von denen viele 24
Stunden täglich senden.
Das Radionetz ist mit seinen mehr als 9 000
Stationen in den Vereinigten Staaten
ebenso weitverzweigt.
Bei den gedruckten Medien können sich Amerika-

�ner zum Beispiel einem der 50 000
neuen Bücher zuwenden, die jedes Jahr
von über 350 verschiedenen Verlagshäusern herausgegeben werden.
Die Zahlen sind in Europa gleichermaßen beeindruckend.
Allein in
der Bundesrepublik
werden
jährlich
etwa ebensoviele Bücher veröffentlicht wie in den Vereinigten Staaten,
5 000 davon als Übersetzungen aus dem
Englischen.
Das
Verlagswesen
hat
seit
dem
zweiten Weltkrieg
einen
ebenso großen Aufschwung erfahren wie
das Fernsehen. Im Jahr 1950 stellten
auf der Frankfurter Buchmesse lediglich 460 Verlage aus. In diesem Jahr
waren es 7 147.
Deutsche Verleger
bringen inzwischen 6 900 verschiedene
Publikationen auf den Markt. In der
Bundesrepublik werden über 1 300 Tages- und Wochenzeitungen herausgegeben, und die Gesamtzahl der Zeitungsleser ist sicher größer als in den
Vereinigten
Staaten.
Rundfunk
und
Fernsehen sind in der Bundesrepublik
in geringerem Umfang ausgebaut als in
meinem Land, dennoch gibt es neun
Rundfunkstationen und 10 Kabelsender,
die täglich mehr als 60 Stunden Fernseh- und 700 Stunden Rundfunkübertragungen senden - wenn man die zahlreichen deutschen Haushalten zugänglichen Sendungen aus dem Ausland unberücksichtigt läßt.
Die zweite Dimension dieser Revolution im Kommunikationswesen ist Geschwindigkeit.
Heute arbeiten wir
weltweit
mit
"Echtzeit"-Informationen. Rundfunk und Fernsehen ermöglichen uns mehr denn je die unmittelbare Teilnahme an überall stattfindenden Ereignissen. Wir können das Geschehen im Augenblick seines Geschehens miterleben. Spätestens am nächsten Tag liefert uns die Morgenzeitung ein breites Spektrum von Analysen und Hintergrundberichten.

All dies ist möglich, weil in den
vergangenen vier Jahrzehnten im Kommunikationswesen wahrhaft spektakuläre Fortschritte stattgefunden haben.
Die Massenmedien, Vertreter aus Wirtschaft und Regierung, Forscher und
Büroangestellte können auf elektronischem Wege Informationen
austauschen, sich von Satelliten abgegebene
oder durch Glasfaserkabel verbreitete
Signale zunutze machen und damit in
Bruchteilen von Sekunden Kontinente
verbinden.
Von jedem Computerterminal hier haben Sie zum Beispiel sofortigen Zugang zu Hunderten von Datenbanken in den Vereinigten Staaten
und
anderswo.
Für
Dokumente
und
graphische Darstellungen gibt es Telefax, mit dem Vorlagen bildgetreu
übermittelt werden können. Nachrichtenagenturen
können auf elektronischem Wege Berichte weltweit übermitteln, während ihre Kunden denselben
Computer, mit dem sie einen Bericht
empfangen, zu dessen Weitergabe zum
Druck und zur Übermittlung der Informationen
an
den
Leser
benutzen.
Fernsehzuschauer können an jedem mit
einer Videokamera erreichbaren Schauplatz dabeisein.
Aber diese Umwälzungen im Informationswesen enthalten ein Paradoxon.
Es gibt mehr Informationen, aber weniger Verständnis.
Zumindest was die westliche Welt
betrifft, sind sowohl politische Entscheidungsträger als auch die Öffentlichkeit ohne Frage besser informiert
als noch vor einem Jahrhundert oder
auch nur vor einem Jahrzehnt.
Aber
das heißt nicht, daß wir einander
besser verstehen.
Die Informationen
haben nicht etwa Vorurteile und engstirniges Denken abgebaut, die - mehr
noch als schlichte Ignoranz - die Zusammenarbeit erschweren.
Zum Teil

- 2

ergibt

sich

unser

Pro-

�blem aus der Revolution im Informationswesen selbst. Wie die von mir
angeführten wenigen Beispiele zeigen,
ertrinken wir buchstäblich in Informationen.
Und diese
Informationen
stürzen so schnell auf uns ein, daß
ein Bemühen um Verständnis der Ereignisse in der Welt dem Versuch gleichkommt, einen Film im Zeitraffer zu
verstehen.
Aber das reicht als Erklärung dafür nicht aus, warum sich Europäer
und Amerikaner in einer zunehmend integrierten und interdependenten Welt
politisch und psychologisch einigeln.
Das ist keine Erklärung dafür, warum
wir mehr denn je zu Mißverständnissen
neigen als jemals zuvor, warum wir an
überholten,
unvollständigen,
stark
vereinfachten oder ganz einfach falschen Bildern und Klischeevorstellungen festhalten und sie dazu benutzen,
eigennützige und kurzsichtige politische Maßnahmen zu rechtfertigen.
Nach dem Zweiten Weltkrieg schien
es, als ob wir die Lektionen der
zwanziger und dreißiger Jahre gelernt
hätten - daß eine Politik, die sich
auf
Kirchturmdenken
und nationalen
Egoismus stützt, langfristig destruktiv und sinnlos ist. In der unmittelbaren Nachkriegszeit hat eine begabte Generation von Amerikanern und
Europäern optimistisch
und erfolgreich an der Sicherheit und dem Wohlstand des Westens gearbeitet.
Wir
haben gemeinsam Sicherheitsvereinbarungen getroffen und Bündnisse zu unserem Schutz geschaffen.
Wir haben
destruktiven
Protektionismus
durch
ein offenes internationales Handelssystem ersetzt. Wir haben neue pädagogische Austauschprogramme erarbeitet, die Wissenschaftler und Studenten aus der gesamten westlichen Welt
zusammengeführt haben.
Aber

in

den

vergangenen

Jahren

ist meiner Ansicht nach unsere Fähigkeit zur Erarbeitung gemeinsamer Ziele stetig unterhöhlt worden. Mit dem
Heranwachsen einer neuen Generation
ohne persönliche Erinnerung an die
Kriegsjahre haben westliche Politiker
zu erkennen versäumt, daß das internationale System den Erfordernissen
eines neuen Zeitalters angepaßt werden mußte. Die wirtschaftlichen und
politischen Schockwellen der späten
sechziger und siebziger Jahre haben
daher die alte Mentalität des Einzelkämpf ertums wiederbelebt.
Ich erkenne insbesondere die zunehmende Hinwendung zum wirtschaftlichen Kirchturmdenken.
Amerikaner,
Europäer und Japaner stimmen überein,
daß freier Handel uns mehr Wohlstand
und
Sicherheit
bringt.
Aber
wir
scheinen alle unsere eigenen Entschuldigungen für eben die Entscheidungen zu haben, die weltweit das
Wirtschaftswachstum
lähmen und das
offene
Welthandelssystem
aushöhlen.
Als Ergebnis davon befinden wir uns
in einem Teufelskreis, der - wenn er
nicht unterbrochen wird - unsere Kassen
leeren, unseren
Lebensstandard
verringern und in einen neuen Handelskrieg münden wird.
Und
Kirchturmdenken
beschränkt
sich bei weitem nicht nur auf den
Handel.
in den Vereinigten Staaten
tendieren wir zunehmend zum Unilateralismus, der mit einer Reihe von
Verzerrungen und falschen Vorstellungen gerechtfertigt wird. von meinen
Landsleuten sind Vorwürfe zu vernehmen, die Europäer seien zu sehr geneigt, sich sowjetischem Einfluß anzupassen. Andere vertreten die Ansicht, die Europäer seien in bezug
auf ihre Verteidigung Schmarotzer und
nicht bereit, die zu ihrem Schutz
notwendigen Opfer
zu bringen; sie
ließen sich von Terroristen erpressen
und zeigten selten Bereitschaft, die

- 3 -

�Vereinigten
Staaten bei
regionalen
Konflikten in der Dritten Welt zu unterstützen.
Auf der anderen Seite scheinen zu
viele Europäer der Ansicht zu sein,
die Amerikaner hielten an der starren
Ideologie
des
Kalten
Krieges
der
fünfziger Jahre fest, die eine mögliche Entwicklung besserer Ost-West-Beziehungen
nicht zuläßt; Amerikaner
seien hoffnungslose
Waffenfanatiker
und nur allzu leicht zu deren Gebrauch bereit.
Ferner besteht die
Meinung, eine amerikanische Bereitschaft, in regionale Konflikte einzugreifen oder gegen Terroristen vorzugehen, sei unberechenbar, nicht vorherzusehen und gefährlich.
Wir nehmen auf beiden Seiten des
Atlantiks einen Auftrieb engstirniger
Vorschläge
und
Denkschemata
wahr.
Sie haben ihren Ursprung vornehmlich
an den beiden extremen Enden des politischen Spektrums, die (wenn auch
aus sehr unterschiedlichen Gründen)
Europa und Amerika voneinander abgekoppelt
sehen möchten.
Unglücklicherweise finden diese Schemata immer
mehr Eingang ins allgemeine öffentliche
Denken.
Auf
amerikanischer
Seite gibt es protektionistische Gesetzesentwürfe, die sich durchaus mit
Smoot-Hawley messen können; kurzsichtige Vorschläge zur Einsparung von
Milliarden Dollar durch den Abzug unserer Truppen aus Europa; sogar Vorschläge zur Wiedergewinnung unseres
"Handlungsspielraumes" durch Austritt
aus der NATO.
In Europa hören wir intellektuelle Rechtfertigungen der "Xquidistanz"
zwischen den "Supermächten", begründet in ihrer sogenannten "moralischen
Gleichwertigkeit".
Es gibt zunehmend
Forderungen
nach
Denuklearisierung,
"defensiver
Verteidigung"
und
der
"Europäisierung Europas".
- 4

Nahezu all diesen Vorschläge ist
eines gemein - sie sind extrem engstirnig.
Viele
ihrer
Befürworter
streben nach einer einfachen Lösung
für schwierige Probleme in der Wirtschaft und im Haushalt, einer Lösung,
die uns nicht zwingt, die Vorzüge der
amerikanischen
Konsumgesellschaft
oder des europäischen Wohlfahrtsstaates
aufzugeben.
Manche
Politiker
hoffen auf Stimmen bei den nächsten
Wahlen.
Andere
sind
einfach
bestrebt, Sicherheit um jeden Preis zu
erlangen - koste es, was es wolle.
Aber
solche Ideen wären lediglich
leicht zu verwerfende Hirngespinste
extremistischer Außenseiter, wenn sie
nicht ihren Widerhall im Bewußtsein
der Öffentlichkeit fänden.
Und die
Öffentlichkeit
wird meiner
Ansicht
nach nicht von simplem Egoismus getrieben. In der Tat denken die Menschen überall, sie brächten Opfer und
zeigten Flexibilität, Kreativität und
ihre Bereitschaft zur Übernahme von
Risiken, ausländische "Freunde" täten
jedoch genau das Gegenteil.
Kurzum, zahlreiche Probleme entstehen aus Fehleinschätzungen, die
trotz der Revolution im Informationswesen weiterhin gedeihen.
Und wenn
wir nicht daran arbeiten, diese Fehleinschätzungen aus der Welt zu schaffen,
könnten
wir
in
ernsthafte
Schwierigkeiten geraten.
Meiner Ansicht nach gibt es nur eine Lösung
für das Problem der Fehleinschätzungen - größeres Verständnis. Wie ich
bereits angedeutet habe, führen mehr
Informationen und bessere Technik im
Kommunikationswesen
nicht
notwendigerweise zu besserem Verständnis. Im
Falle der Beziehungen zwischen den
Vereinigten Staaten und der Bundesrepublik Deutschland können wir dieses bessere Verständnis nur erreichen, wenn wir sowohl die Gemeinsamkeiten als auch die Unterschiede zwischen unseren beiden Ländern erkennen

�- und uns diese auch bewußt machen.
Meiner Meinung nach hat das Amerikabild
der
Deutschen
und
das
Deutschlandbild der Amerikaner in der
Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg drei
Stadien durchlaufen.
Das erste Stadium dauerte von
Kriegsende bis in die sechziger Jahre.
Die schreckliche Erfahrung der
Jahre 1933 bis 45, die offene amerikanische Politik nach dem Krieg und
die Großzügigkeit einzelner Amerikaner führten dazu, daß zahlreiche, vor
allem junge Deutsche den Vereinigten
Staaten
Modellcharakter
beimaßen.
Das traf auf ein breites
Spektrum
der deutschen Gesellschaft und sogar
auf viele Intellektuelle zu.
Somit
hatten die Vereinigten Staaten in der
Zeit des Wiederaufbaus, den fünfziger
Jahren, diesem Land ihren Stempel
aufgedrückt. Die oberflächlichen Gemeinsamkeiten wurden so beträchtlich,
daß ein Besucher nahezu jeder deutschen Stadt sich vorstellen konnte,
in den Vereinigten Staaten zu sein.
Auf beiden Seiten entwickelte sich
ein Mythos über unsere Beziehungen der Mythos gleicher Identität.
Aber die deutsche Hinwendung zu
Amerika in den fünfziger Jahren war
zu unkritisch und die deutsche Betrachtungsweise nahezu aller Aspekte
des amerikanischen Lebens zu idealistisch.
Der amerikanische Blickwinkel war das Spiegelbild der deutschen Betrachtungsweise - angesichts
so großer Ähnlichkeit mit den Vereinigten Staaten sahen Amerikaner die
Bundesrepublik zunehmend als "KleinAmerika", das zufällig in Europa beheimatet war.
Diese Ansichten brachten Erwartungen mit sich, die am Ende nicht
aufrechterhalten werden konnten. Das
führte zum zweiten Stadium unserer

Beziehungen
in der
Nachkriegszeit.
Als die Bundesrepublik sich dem Ende
ihrer erfolgreichen Wiederaufbauphase
näherte, begannen die Deutschen wiederum
über
ihre
eigene
Identität
nachzudenken, darüber, was es heißt und was es heißen sollte - Deutscher
zu sein. Weil die Deutschen ihre Gesellschaft der Nachkriegszeit so sehr
nach amerikanischem Muster ausgerichtet hatten, wurde die Diskussion über
die deutsche Identität ironischerweise vornehmlich über amerikanische Lebensqualität und amerikanische Politik geführt. Der in den späten sechziger und frühen siebziger Jahren vor
allem durch den Vietnamkrieg entfachte Aufruhr teilte Amerika. Aber er
hatte hier vielleicht noch größere
Auswirkungen. Wir in den Vereinigten
Staaten haben einen Krieg verloren.
Viele, vor allem junge Deutsche, haben ihr Ideal verloren.
Die Vereinigten Staaten, denen in den fünfziger Jahren Modellcharakter zugekommen war, hatten für viele junge Deutsche in den siebziger Jahren ein Negativ-Image.
Amerikaner, die der Fehleinschätzung einer Amerikanisierung der Bundesrepublik unterlagen, fühlten sich
durch
die
scheinbar
schonungslose
Kritik der Deutschen verunsichert und
betroffen. Viele betrachteten Kritik
an den Vereinigten Staaten als Zeichen eines virulenten Antiamerikanismus in der Bundesrepublik.
Auf beiden Seiten bekamen viele das Gefühl,
unser gesamtes Verhältnis sei in Gefahr.
In den achtziger Jahren haben wir
begonnen, uns dem dritten Stadium in
unserem Verhältnis
anzunähern, das
weder romantisch verbrämt noch desillusioniert
ist
sondern
auf
einer
realistischeren Einschätzung unserer
Unterschiede und Gemeinsamkeiten beruht.

- 5 -

�Dieses neue Stadium wird von der
Tatsache geprägt, daß die Deutschen
jetzt gegenüber den Vereinigten Staaten ihre eigene Identität zu finden
und zu behaupten suchen.
Ein neues
Interesse an deutscher Geschichte ist
erwacht, ein neuer Stolz auf deutsche
Kultur
und die neue Bereitschaft,
einem gewissen Bewußtsein deutscher
Leistungen in einer Reihe von Lebensbereichen offen Ausdruck zu verleihen. Kurzum: es gibt zunehmend Beweise dafür, daß sich eine deutsche
Identität herausbildet - eine Identität, die sich weder als Imitation
noch als Ablehnung der Vereinigten
Staaten versteht.
Manch einer auf beiden Seiten des
Atlantiks empfindet diese Entwicklung
als beunruhigend.
Einige Beobachter
stellen Spekulationen über die Bedeutung
des Wiederauflebens
deutscher
Kultur und deutschen Stolzes an; dies
heiße, daß beide Gesellschaften auseinanderdriften und daß die enge Kooperation, die bis heute unsere Nachkriegsbeziehungen geprägt hat, unvermeidlich zum Scheitern verurteilt sei.
Ich kann solch eine düstere Prophezeiung nicht hinnehmen.
Es ist
nicht schlecht, daß die Deutschen den
Stolz auf ihre Kultur und Geschichte
wiedergewinnen - dies ist ein notwendiger Schritt auf der Suche nach
Identität. Es sollte uns nicht beunruhigen, daß wir in so vielen Dingen
verschieden sind. unsere Unterschiede sind einfach eine Tatsache, ein
Faktum,
das
auf
unterschiedlichen
geographischen Gegebenheiten und geschichtlichen
Erfahrungen beruht
und die Auswirkungen unserer Unterschiede sind genau das Gegenteil von
dem, was die Pessimisten behaupten.
Die wichtigen und interessanten Bereiche, in denen sich unsere Länder
voneinander unterscheiden, akzentuieren die sich gegenseitig ergänzenden

Starken, die meiner Meinung nach lohnende Chancen für die deutsch-amerikanische Zusammenarbeit eröffnen.
Erstens unterscheiden wir uns der
Größe nach. Die Vereinigten Staaten
sind ein Kontinent mit nur wenigen
Nachbarn und geschützt durch zwei
Ozeane.
Die Bundesrepublik ist geographisch kompakt und von zahlreichen
Nachbarstaaten umgeben.
Während die
Vereinigten Staaten aufgrund dieser
Situation eher zum Alleingang neigen,
wird die Bundesrepublik von den Erfordernissen der internationalen Zusammenarbeit geleitet.
Zweitens unterscheiden wir uns,
wiewohl beide von Vielfalt geprägt,
eben in unserer Vielfalt.
Das auf
einer komplexen, sich ständig verändernden ethnischen Mischung beruhende
Gefüge
der
amerikanischen
Gesellschaft hat zu einem Reichtum an Sprache, Küche, Kunst, Lebensstilen und
Ansätzen zur Problemlösung geführt,
der in der Welt einzigartig ist. Die
Bundesrepublik Deutschland ist ethnisch viel homogener.
Ihre Vielfalt
hat ihre Wurzeln in Geschichte und
geschichtlichem Erinnerungsvermögen und das Ausmaß dieser Vielfalt spiegelt die Tatsache wider, daß die Bundesrepublik
- nahezu als einziges
Land in Europa - nicht eine Hauptstadt besitzt sondern deren mehrere,
eine für die Politik, eine für das
Finanzwesen, eine für den Handel und
eine für die Medien. Jede bedeutende
Stadt der Bundesrepublik spielt in
einem bestimmten Lebensbereich eine
nationale Führungsrolle.
Drittens:
Obwohl wir viele gemeinsame demokratische Institutionen
teilen, funktionieren
unsere politischen Systeme auf verschiedene Art
und Weise. Das System der Bundesrepublik beruht auf relativ zentralisierten und vergleichsweise diszipli-

�nierten politischen Parteien.
Deutsche Politiker machen Karriere, wenn
sie in ihrer Partei Karriere machen.
Dieses System dient dazu, die politischen Debatten einander
näherzubringen,
indem
es
nationalen
und
langfristig
angelegten
politischen
Maßnahmen hohe Priorität in der Innen- wie auch
in der Außenpolitik
einräumt.
Das politische System der
Vereinigten Staaten hingegen ist von
schwachen Parteien und dezentral organisierter
Macht
gekennzeichnet.
Amerikanische
Politiker haben eine
individuelle Machtbasis auf lokaler
Ebene.
Die
amerikanische
Politik
spiegelt die Vielfalt der Vereinigten
Staaten wider und projiziert diese
Vielfalt auf die Gestaltung ihrer Innen- und Außenpolitik.
Viertens sind unsere Wirtschaftsstrukturen in wichtigen Bereichen unterschiedlicher
Art.
Die deutsche
Gesellschaft ist wirtschaftlich homogener und bietet nahezu all ihren
Bürgern einen hohen Lebensstandard,
ein bemerkenswertes Maß an Arbeitsplatzsicherheit und ein verläßliches
soziales Netz.
Deutsche Unternehmen
sind auf langfristigen Erfolg angelegt, auf Sicherheit und - darüber
läßt sich streiten - auf das Erzielen
einer "annehmbaren" statt einer maximalen Gewinnmarge.
in den Vereinigten Staaten ist der Wohlstand weniger
gleichmäßig verteilt, jedoch ermutigt
die größere soziale Mobilität Innovationen, bietet immense Möglichkeiten
und erlaubt unserem Land, eine erhebliche Zahl von Einwanderern schneller
in die Gesellschaft zu integrieren.
Geschichten des Aufstiegs vom Tellerwäscher zum Millionär sind immer noch
ein normaler Bestandteil amerikanischen Lebens. Natürlich besteht neben der Möglichkeit des Erfolgs auch
die des Scheiterns; und Scheitern
kann in der amerikanischen Gesellschaft mit großen Risiken verbunden
- 7

sein, insbesondere, weil unser soziales Netz bei weitem nicht so engmaschig geknüpft ist wie das deutsche.
Risiken einzugehen ist jedoch ein anerkannter Teil des amerikanischen Systems.
Geschäftsleute
können
mit
einem
Unternehmen
scheitern
und
trotzdem in der Lage sein, mit einem
anderen Erfolg zu haben.
Im Unterschied dazu scheinen die Deutschen
eher risikofeindlich zu sein.
Fünftens ist die Bundesrepublik
Deutschland
grundsätzlich
eine beständige und gefestigte Gesellschaft.
Demgegenüber
sind
die
Vereinigten
Staaten weiterhin ein Land ruheloser
Einwanderer. Die geographische Mobilität in den Vereinigten Staaten ist
legendär.
Nahezu ein Fünftel der
amerikanischen Bevölkerung zieht jedes Jahr um - eine Statistik, die für
viele Deutsche schwer faßbar
ist.
Die Deutschen sind weniger mobil, und
diese Tatsache bringt Probleme für
Unternehmer und Regionen mit sich,
die aus den durch den technologischen
Wandel
geschaffenen
Möglichkeiten
Vorteile zu ziehen suchen. Natürlich
sind mit der amerikanischen Mobilität
auch Kosten verbunden.
Es ermangelt
uns oft an einem gewachsenen Sinn für
Tradition und Lokalpatriotismus, wie
er in der Bundesrepublik so offen
sichtbar ist.
Sechstens und letztens ist die
geographische Mobilität in den Vereinigten Staaten gepaart mit einem
fast ebensolchen Ausmaß an sozialer
Mobilität, sowohl vertikal als auch
horizontal.
Diese einmalige amerikanische Qualität führt zu gesellschaftlichen Spannungen und gelegentlichen Auseinandersetzungen, aber sie
bedeutet auch größere Möglichkeiten
und mehr Innovation. Die gegenseitige Befruchtung unterschiedlicher Berufsgruppen ist in den Vereinigten
Staaten
besonders
ausgeprägt.

�Rechtsanwälte
werden
Unternehmer.
Unternehmer
werden Präsidenten von
Universitäten.
Professoren
gründen
Unternehmen.
Filmschauspieler werden
Politiker - und sogar Staatsmänner.
Es scheint mir, daß die Deutschen im
Gegensatz
dazu
neigen, früh
eine
Laufbahn
einzuschlagen
und
dieser
treu zu bleiben. Natürlich hat auch
dies vorteile - der erfahrene deutsche Beamte, Politiker oder Unternehmer wird in seine Tätigkeit ein Maß
an Professionalismus, eine Reihe von
Fähigkeiten und eine historische Perspektive einbringen, die ihn befähigen, die sich entwickelnden Veränderungen in ihrer "langfristigen Perspektive" zu sehen. Deshalb besteht
bei der Entscheidungsfindung in der
Bundesrepublik ein größeres Maß an
Kontinuität als in den Vereinigten
Staaten, wo in der Regierung ein Kommen und Gehen herrscht und Führungskräfte in der Wirtschaft häufiger ihren Arbeitsplatz wechseln.
Man ist
deshalb eher kurzfristigem Denken und
schnellen Entschlüssen bei Problemlösungen zugeneigt.
Ich kann unsere grundlegenden Unterschiede am besten zusammenfassen,
indem ich sage, daß die geordnetere
und weniger mobile deutsche Gesellschaft ein Gefühl der Gemeinschaft
und der Zusammengehörigkeit fördert.
Wenn man dieser Gleichung noch den
Wohlfahrtsstaat hinzufügt, dann bekommt man als Ergebnis ein hochentwickeltes Gefühl dafür, daß das Resultat
jeglicher
gesellschaftlicher
Interaktion
letzlich
"fair"
sein
sollte.
Sozial, wirtschaftlich und politisch herrscht
in den Vereinigten
Staaten ein wesentlich rauheres Klima.
Nicht alle Beteiligten werden
zum gleichen Ergebnis kommen.
Aber
unsere Gesellschaft schafft jedem die
Möglichkeit, einen Versuch zu unter- 8

nehmen.
Kurzgesagt: wo die Gesellschaft der Bundesrepublik das Bedürfnis nach Fairneß betont, legt die
amerikanische Gesellschaft die Betonung auf die Möglichkeiten.
Die Erkenntnis, daß wir nicht
gleich sind, ist wichtig, wenn wir
verstehen sollen, warum wir von Zeit
zu Zeit auf gleiche Entwicklungen unterschiedlich
reagieren.
Und
was
ebenso wichtig ist: dies ist meiner
Meinung nach der beste Grund für uns,
unsere Beziehungen zu erhalten und zu
stärken.
Unser gemeinsames strategisches Interesse macht deutsch-amerikanische
Zusammenarbeit
erforderlich. Unsere gemeinsamen politischen
Werte ermöglichen diese Zusammenarbeit.
Es sind jedoch unsere unterschiedlichen Stärken und Schwächen,
die diese Zusammenarbeit so lohnend
machen können. Jeder bringt in unser
Verhältnis Dinge ein, von denen der
andere lernen und profitieren kann.
Während wir uns also auf die
neunziger Jahre vorbereiten, sollten
wir jetzt in ein neues Stadium unserer Beziehungen eintreten, eine Phase, in der sowohl Deutsche wie auch
Amerikaner realistischere Erwartungen
aneinander haben. Wir sollten in der
Lage sein, unsere Unterschiede zu erkennen, ohne von ihnen beunruhigt zu
werden und sowohl aus den Bereichen,
in denen wir uns unterscheiden, als
auch aus unseren Gemeinsamkeiten Nutzen zu ziehen.
Wir müssen uns vor Augen führen,
daß wir unveräußerliche Werte teilen,
die es gestatten, daß die zwischen
uns bestehenden Unterschiede Möglichkeiten
anstatt
Gefahren
bedeuten.
Das amerikanische Unternehmertum kann
von deutscher Stabilität, Kontinuität
und der Fähigkeit, langfristige strategische Planungen
vorzunehmen und
hochwertige
Waren
zu
produzieren,

�lernen. Die Deutschen können lernen,
indem sie beobachten - den amerikanischen Unternehmergeist, die Bereitschaft zum Risiko und die Vitalität
im Bereich der kleineren Unternehmen.
Die Amerikaner können von den Deutschen eine Menge in bezug auf Haushaltsdisziplin
und
Spargewohnheiten
lernen - aber den Deutschen würde es
gut anstehen, herauszufinden, wie die
Vereinigten Staaten ein solch schnelles Wirtschaftswachstum erreicht und
so viele Arbeitsplätze geschaffen haben.
Der
Lernprozeß
ist
mindestens
ebenso wichtig in anderen Bereichen
der Politik. Die Vereinigten Staaten
müssen zum Beispiel ihre Neigung zum
Unilateralismus
kontrollieren,
den
Entschluß fassen, sich nicht von der
Verteidigung Europas zurückzuziehen während die Deutschen und andere Europäer bereit sein sollten, außerhalb
Europas eine umfassendere Verantwortung für die Sicherheit zu übernehmen.
Kurzum:
wir können viel voneinander lernen und uns somit gegenseitig ergänzen - aber nur, wenn wir
einander verstehen.
Das neue Bewußtsein einer nationalen deutschen Identität auf beiden
Seiten des Atlantiks kann unter diesen Bedingungen in der Tat zur Stärkung des deutsch-amerikanischen Verhältnisses beitragen. Umgekehrt können amerikanische und deutsche Fehleinschätzungen
äußerst
entzweiend
wirken.
Beispielsweise
sind viele
Deutsche immer noch davon überzeugt,
sie lebten in einem kleinen, schwachen Land, das zwischen zwei Supermächten eingekeilt
und unfähig zu
entscheidender
Einflußnahme
ist.
Diese deutsche Selbsteinschätzung ist
für viele Amerikaner schwer begreiflich. Sie betrachten die Bundesrepublik als eines der stabilsten, wohl- 9

habendsten,
demokratischsten
und
mächtigsten Länder der Welt - die
größte Handelsnation der Welt, die
wirtschaftlich den vierten und vom
Verteidigungsaufwand her den dritten
Platz in der Welt einnimmt.
Setzt
man diese Gegebenheiten voraus, dann
können die Amerikaner unschwer zu der
Schlußfolgerung
gelangen,
daß
die
Deutschen zusammen mit den Japanern
darauf bedacht sind, einen möglichst
großen Anteil des Weltmarktes zu erobern und gleichzeitig die Kosten und
Risiken der Bewahrung des Friedens
und eines stabilen Weltwirtschaftssystems
den
Vereinigten
Staaten
zu
überlassen.
Diese
Fehleinschätzung
erleichtert die Rechtfertigung egoistischer, unilateralistischer amerikanischer Maßnahmen - welche wiederum
in diesem Land Neigungen zu einer Inselmentalität verstärken.
Wie können wir es bewerkstelligen, daß wir einander besser verstehen? Wie ich schon festgestellt habe,
besitzen wir viele Wege, um uns zu
verständigen, um Informationen
und
Ideen
auszutauschen.
Bisweilen
scheinen die Institutionen, durch die
wir kommunizieren, uns jedoch daran
zu hindern, einander wirklich zu verstehen.
So spielt zum Beispiel an
amerikanischen Schulen und Universitäten
der
Deutschunterricht
eine
solch untergeordnete Rolle, daß die
meisten Amerikaner von dem reichen
Vermächtnis deutscher Geschichte und
Kultur ausgeschlossen sind. Deutsche
Bildungsstätten leisten Hervorragendes auf dem Gebiet des Englischunterrichts, präsentieren
jedoch
häufig
ein solch verzerrtes Bild der amerikanischen Gesellschaft und Politik,
daß der Lernende kaum verstehen kann,
was er in dieser Sprache sieht und
hört. Um nur ein einziges typisches
Beispiel zu nennen:
in einem Text
über Minderheiten in den Vereinigten
Staaten wird erklärt: "Spricht man

�von den Negern und den Puertorikanern, dann meint man nichtorganisierte
und
ungelernte
Arbeiter,
die
schlecht
bezahlte Arbeitsplätze in
Hotels, Restaurants, kleinen Fabriken
innehaben
oder
Sozialhilfeempfänger
sind". Der Autor, dem offensichtlich
völlig entgangen ist, daß Millionen
von schwarzen und puertorikanischen
Amerikanern hochgebildet und wohlhabend sind, macht sich der Verleumdung
Amerikas als rassistischer Gesellschaft schuldig.
Austauschprogramme tragen, unabhängig davon, ob sie aus öffentlichen
oder privaten Mitteln gefördert werden, in hohem Maße dazu bei, die Menschen einander näher zu bringen und
das gegenseitige Verständnis zu verbessern. Die Einfühlungsvermögen und
Verständnis für eine andere Kultur
hervorbringende persönliche Erfahrung
ist noch immer unersetzlich.
Bedauerlicherweise ist jedoch die Zahl der
Teilnehmer an solchen Programmen begrenzt.
Die Vereinigten Staaten und
die Bundesrepublik Deutschland führen
eine
Vielzahl
unterschiedlichster
Austauschprogramme
durch, aber die
sich jährlich auf einige tausend belaufende
Teilnehmerzahl
entspricht
nur einem Bruchteil der Bevölkerung
beider Länder.
Die Buchindustrie ist ein weiterer großer Kommunikator der Gesellschaft, mit dessen Hilfe eine Fülle
von Informationen von einem Land ins
andere getragen und vermittelt werden. Dennoch ist auch sie einer Reihe harter wirtschaftlicher Zwänge unterworfen - es reicht nicht aus, ein
gutes Buch zu veröffentlichen - es
muß auch verkauft werden. Die Ergebnisse sind vorhersehbar.
Eine kürzlich vom US-Informationsamt
(United
States Information Agency - USIA) erstellte Studie kam zum Beispiel zu
dem Ergebnis, daß es, trotz der in

jedem Jahr von deutschen Verlegern
übersetzten und auf den Markt gebrachten Vielzahl amerikanischer Titel schwierig ist, von Amerikanern
geschriebene
Bücher
über
amerikanische Politik, Wirtschaft oder Gesellschaft in deutschen Bücherregalen
zu finden. Sachbücher verkaufen sich
in der Bundesrepublik nur in Ausnahmefällen so gut wie etwa Lee Iacoccas
Autobiographie. Die Anzahl wichtiger
deutscher Bücher, die übersetzt und
in Amerika herausgegeben werden, ist
natürlich noch geringer.
in der Welt von heute sind die
wichtigsten Kommunikationsinstitutionen
zweifelsohne
die Massenmedien,
worunter ich Zeitungen, Zeitschriften, Radio und natürlich vor allem
das Fernsehen verstehe.
Die meisten
Menschen beziehen das Gros ihrer Informationen
aus
den
Medien.
Abschließend möchte ich daher gerne einige Anmerkungen über den Journalismus und die Medien machen, weniger
aus theoretischer Sicht als aus meiner eigenen Erfahrung als Journalist.
Paradoxerweise führen die bloße
Fülle der von den Medien verarbeiteten Informationen, die Geschwindigkeit ihrer Verbreitung und ihr intensiver Wettbewerb allzu häufig zu einer Berichterstattung, die trivial,
oberflächlich und sogar konformistisch ist.
Dies gilt in besonderem
Maße für das Fernsehen, zweifelsohne
das spektakulärste Produkt der Revolution in der Kommunikationstechnologie. Erst vor 50 Jahren verließen
die ersten Fernsehgeräte die Forschungslabors.
Der Preis war unerschwinglich, das Bild
schrecklich,
und es gab sowieso wenig, was man
sich ansehen konnte.
Heute ist das
Fernsehen sowohl in Amerika und - in
zunehmendem Maße - in Europa einer
der größten Industriezweige.

�Meinungsumfragen
belegen,
daß
sich die Menschen immer mehr auf das
Fernsehen als erste Informationsquelle über Ereignisse in der Welt verlassen.
Die
Aufmerksamkeit
der
"Fernsehgeneration"
ist von kurzer
Dauer, über die internationalen Themenkomplexe erfährt sie zumeist aus
den nur 30 bis 60 Sekunden dauernden
Sequenzen
in den Abendnachrichten.
Der Bürger von heute, der häufig unter zeitdruck steht, ist meist glücklich darüber, daß das Fernsehen die
scheinbar
wichtigsten
Fakten
so
schnell zur Verfügung stellen kann.
Meine
eigenen
Erfahrungen
als
Journalist haben mir zu der Überzeugung verholfen, daß das Fernsehen die
traditionelle Schwäche des Journalismus noch verschärft - um so mehr als
die gedruckten Medien, die zwangsläufig
zur Bereitstellung
eingehender
Informationen
besser
ausgerüstet
sind, beim Wetteifern um die begrenzte Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit
den Stil des Fernsehens zu imitieren
suchen.
Zum Beispiel zwingt das Fernsehen
den Journalisten mehr denn je, möglichst der erste mit einer Nachricht
zu sein. Einen anderen Fersehsender
um nur ein paar Minuten "auszustechen" könnte bedeuten, man kommt in
die Abendnachrichten und der andere
nicht.
Sie heimsen die Lorbeeren
ein, und er bekommt Xrger.
Für
ernsthafte
Analysen
bleibt
keine
Zeit.
Das Ergebnis des "Sensationsjournalismus" ist, daß Journalismus
als Beruf nicht diejenigen anzieht,
die komplexe Themenbereiche im einzelnen untersuchen wollen.
Der ständige Zwang zu einer Erstmeldung führt auch zu "Herden Journalismus" und dem Problem unzusammenhängender Nachrichten.
Die Journalisten versuchen sich vor dem Ausste-

chen durch eine Erstmeldung zu schützen, indem sie sich jeden Tag oder
jede Woche
untereinander
für
ein
Leitthema entscheiden. Jeder konzentriert sich in höchstem Maße auf dieses Thema - bis zur nächsten Woche,
wenn ein anderes Thema herausgegriffen wird. Wir können aus einer Vielzahl von Fernsehkanälen
auswählen,
aber nur allzu häufig wird über diesselben Nachrichten - und wenig anderes - auf jedem Kanal berichtet. Als
Ergebnis dessen ist das welterschütternde Problem von heute morgen bereits vergessen.
Der Öffentlichkeit
wird keine Gelegenheit gegeben - erst
recht nicht durch die Darstellung im
Fernsehen
- sich zu umfassenderen
Themenkomplexen eine Meinung zu bilden. Die Diskussion über die Mittelstreckenraketen ist hierfür ein anschauliches Beispiel. Vor vier Jahren konzentrierten sich alle Nachrichten über INF auf die Stationierung
der
amerikanischen
Raketen.
Heute ist ihre Beseitigung, zusammen
mit den entsprechenden sowjetischen
Waffen, das Hauptthema. Aber die Medien stellen keine Verbindung zwischen diesen beiden Themen her - tragen nichts zum Verständnis der Öffentlickeit bei, daß die Stationierung von gestern die unabdingbare
Voraussetzung für das historische Abkommen von heute war.
Das Fernsehen verschärft auch den
traditionellen Hang der Journalisten
zur Übertreibung. Die Reporter haben
immer gewußt, daß es Geschichten von
"menschlichem Interesse" bedarf, um
Zeitungen und Zeitschriften zu verkaufen. Aber das Fernsehen trägt die
Nachrichten mit nie dagewesener Dramatik in unsere Wohnzimmer - Abend
für Abend leben wir mit den Schrecken
von Vietnam oder Beirut, dem Terror
des jüngsten Geiseldramas, mit apokalyptischen Visionen dessen, was mit
Tschernobyl, dem Einleiten von chemi-

- 11 -

�kalien in den Rhein, der explosiven
Lage am Persischen Golf auf uns zukommen wird. Die Fähigkeit des Fernsehens, jede einzelne Nachricht zu
dramatisieren, wirft zwangsläufig die
Frage auf, ob der Zuschauer dadurch
besser informiert wird - oder einfach
zu einer emotionaleren Betrachtungsweise gelangt und häufig komplexe Ereignisse nur als Zusammenprall von
Gut und Böse versteht, die sich in
nichts von den jüngsten HollywoodProdukten unterscheiden.
Was heute nicht fotografiert und
im Fernsehen übertragen werden kann,
hat
keinen
Nachrichtenwert.
Der
Krieg zwischen Iran und Irak ist
einer der blutigsten und zerstörerischsten Konflikte der jüngsten Geschichte - und dennoch besteht, weil
die Kombattanten das Fernsehen vom
Kriegsschauplatz ferngehalten haben,
in der westlichen Öffentlichkeit wenig Sorge darüber, was mit den Menschen dieser beiden Länder geschieht
- und wenig Bereitschaft, eine Politik zur Beendigung des Krieges zu unterstützen.
Natürlich ist das Fernsehen nicht
der alleinige Sündenbock.
unter den
Journalisten herrscht auch ein gewisser "Standesdünkel", der einer Entfaltung echter Sachkenntnis zuwiderläuft.
Von jedem Journalisten wird
erwartet, ein Allroundgenie zu sein,
das mit der gleichen Gewandtheit über
jede Geschichte berichten kann, sei
es die Hochzeit im Lokalteil oder
komplexe
RüstungskontrollVerhandlungen. Das Ergebnis ist allzu häufig,
daß der Leser oder Zuschauer nur eine
entsprechend oberflächliche Berichterstattung über jede Geschichte erhält. Die meisten Journalisten, die
sich mit komplizierten
politischen
Fragen auseinandersetzen, sind intelligent und haben ihr Metier von der
Pike auf gelernt, aber vielen mangelt
- 1

es an der Sachkenntnis, über diese
Sachverhalte im Zusammenhang zu berichten.
Es ist offenkundig, daß die Probleme der Medien in Europa und Amerika nicht identisch sind. In den Vereinigten Staaten machen kommerzielle
Interessen und der Medienwettbewerb
die Nachrichtenberichterstattung häufig zu einer Art Unterhaltungssendung. Dies führt notwendigerweise zu
Oberflächlichkeit.
Aber während unsere Nachrichtenmedien vielleicht zu
sehr
auf
Wettbewerb
ausgerichtet
sind, trifft dies für Ihre nicht in
ausreichendem
Maße zu.
Staatliche
Einflußnahme und Subventionen führen
zu Konformität der Medien und Politisierung der Nachrichten - die Öffentlichkeit erhält gelegentlich nur einen Aspekt einer Geschichte und nur
einen Teil der Fakten.
Dies gilt
wiederum insbesondere für das Fernsehen. Die Zunahme der privaten Kabelund Satellitenfernsehsender
in der
Bundesrepublik ist daher, denke ich,
eine positive Entwicklung, die ermutigt werden sollte. im weiteren Sinne würde sogar eine Lockerung des Telekommunikationsmarktes in der Bundesrepublik in starkem Maße zu einer
Vielfalt - und damit Qualität - der
jedermann zur Verfügung stehenden Informationen beitragen.
In diesem Zeitalter der Information müssen wir uns bewußt sein, daß
die Medien zum wichtigsten Teilnehmer
am politischen Prozeß geworden sind.
Sie haben aufgehört, bloße Beobachter
zu sein - wenn sie das je waren. Hohe Regierungsvertreter und leitende
Geschäftsführer verbringen viel zeit
damit, sich Gedanken zu machen, wie
sie und ihre Entscheidungen in der
Presse
dargestellt werden.
Häufig
sind es die Medien, von denen die Tagesordnung des öffentlichen Interesses bestimmt wird, indem sie die Auf-

t

\

'

�merksamkeit auf ein bestimmtes Thema
lenken. Ebenso häufig setzen die Medien die Handlungsparameter,
indem
sie bestimmte politische Ansätze als
gut und andere als schlecht bezeichnen.
Sollten ihnen meine Ausführungen
kritisch erschienen sein, so hoffe
ich doch, daß ich auch dem schwierigen Auftrag der Medien gerecht geworden bin.
Dennoch
haben wir
das
Recht, zu fordern, daß die Medien
sich selbst verbessern.
Die Medien
sind eine der mächtigsten Institutionen unserer Gesellschaft.
Wie jede
andere mächtige
Institution müssen
sie der übrigen Gesellschaft gegenüber verantwortlich sein. Die Medien
sollten zur Lösung unseres Problems
gegenseitiger
Fehleinschätzung
beitragen, und nicht Teil des Problems
sein.
Aber wir können nicht die ganze
Schuld den Medien anlasten oder ihnen
die gesamte Verantwortung dafür aufbürden, uns zu besser informierten
Menschen zu machen. Es ist von vordringlicher Bedeutung, daß politische
Entscheidungsträger, insbesondere die
Experten auf dem Gebiet der Außenpolitik, aktiv an der Unterrichtung der
Öffentlichkeit über komplexe Sachverhalte mitwirken. In diesem Zusammenhang habe ich mich besonders gefreut,
kürzlich
durch
Herrn
Professor
Biedenkopf
von
den
Plänen
des
Bertelsmann-Unternehmens zu erfahren,
regelmäßig stattfindende Treffen in
unseren beiden Ländern ins Leben zu
rufen, bei denen Experten und politische Entscheidungsträger mit Journalisten
zu eingehenden
Gesprächen
über die Hauptprobleme deutsch-amerikanischer Beziehungen zusammenkommen
werden.
Das ist genau die Art von
Unterstützung, die wir dem ernsthaften Journalisten gewähren müssen, der
zum besseren Verständnis zwischen un-

seren beiden Ländern beiträgt.
Es reicht nicht aus, Lippenbekenntnisse zum Recht der Öffentlichkeit auf wissen abzulegen - wir müssen auch der Tatsache Rechnung tragen, daß eine verantwortungsbewußte
Öffentlichkeit verstehen muß - denn
in einer Demokratie kann der Mangel
an Verständnis seitens der Öffentlichkeit effektives Regieren unmöglich machen. Angesichts der Wirkung
der Medien auf den Entscheidungsprozeß
kann
die
Trivialisierung
der
Nachrichten auch die Trivialisierung
der Regierungspolitik bedeuten.
Der
politische Entscheidungsträger sollte
erkennen, daß die Medien für das Verständnis unabdingbar sind, und daß
Journalismus - ebenso wie Politik,
Diplomatie, Handel oder wissenschaftliche Forschung - einer der entscheidenden Berufe des öffentlichen Lebens
ist. Wir müssen die Journalisten wie
unseresgleichen behandeln.
Für diejenigen unter uns, die mit
der Verbesserung des europäisch-amerikanischen Verständnisses beauftragt
sind, ist es frustrierend, daß so
viele Fehleinschätzungen anscheinend
unzugänglich
für Korrekturen durch
die Fülle von Informationen sind, die
über den Atlantik hin und her geschickt werden.
Unsere gemeinsamen Werte und Interessen sind jedoch ungleich größer
als unsere Unterschiede - und selbst
unsere Unterschiede bergen - wie ich
versucht habe, herauszuarbeiten - in
sich den Keim der fruchtbaren Zusammenarbeit. Wenn wir unsere Sensibilität
für Unterschiede entwickeln,
dann glaube
ich, daß
die
"reife
deutsch-amerikanische Partnerschaft",
von der ich so häufig gesprochen habe, Realität wird und nicht länger
nur eine Zielvorstellung bleibt.
* * * * * *

- 1

�</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST
VON

^

41

1 9 . November 1987

I N H A L T

DOKUMENTATION
Ist die NATO noch zettgemäß?
- Rede des amerikanischen Botschafters Richard R. Burt -

Shultz:

USA müssen Frieden in Nicaragua 'jede Chance* geben

- Ansprache von Außenminister Shultz vor der OAS -

WIRTSCHAFT
Länderbericht über das voraussichtliche Volumen des Handels mit der
Bundesrepublik Deutschland im Jahr 1987
- Herausgegeben vom Büro des US-Handelsbeauftragten -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
AIDS-Frühbehandlung mit Interferon
- Neue Therapien in der Erprobung -

* * * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�AMERIKA DIENST
r/

L?

""*•"

Dokumentation

\A

19. November 1987

41

IST DIE NATO NOCH ZEITGEMXSS?

MÜNCHEN - (AD) - In einer Ansprache am 16. November 1987 vor. der HannsSeidel-Stiftung in München bekräftigte Botschafter Richard Burt, daß zahlreiche Bundesbürger sowohl auf der linken wie der rechte Seite des politischen
Spektrums bedauerlicherweise die falsche Lehre aus dem bevorstehenden amerikanisch-sowjetischen Abkommen über Mittelstreckenraketen (INF) ziehen.
"In
Wahrheit aber ist diese Übereinkunft nicht ein Sieg für Gorbatschow, sondern
für die NATO. Sie ist zustande gekommen, weil das Bündnis den Mut hatte, den
Doppelbeschluß zu verabschieden, weil es unter äußerst schwierigen Bedingungen
die Stationierung der LRINF vorantrieb und angesichts sowjetischer Drohungen
fest zusammenhielt.
Die richtige Lehre aus den INF-Verhandlungen lautet,
Festigkeit und Zusammenhalt sind eine Voraussetzung für den Umgang mit den
Sowjets."
Nochfolgend veröffentlichen wir den Text der Rede im Wortlaut:
Kaum eine Institution der Gegenwart ist je so eingehend untersucht
worden wie die NATO. Zeit ihres Bestehens wurden unter Politikern, Wissenschaftlern und Kommentatoren immer
wieder Themen wie "Befindet sich die
NATO in einer Krise" oder "Ist die
NATO in Auflösung begriffen?" diskutiert.
Die Kritik scheint in den
letzten Jahren an Umfang zugenommen
zu haben. Viele behaupten, der Nutzen der NATO als Instrument kollektiver Sicherheit habe sich überlebt und
sie könne keinen Beitrag mehr zur Lösung der Art von Problemen leisten,

United States Information Service
Embassy of the United States of America

mit denen sich die meisten ihrer Mitgliedsstaaten in den neunziger Jahren
konfrontiert sehen werden.
Gedanken, die NATO liege in den
letzten Zügen oder etwa, sie sei
nicht mehr zeitgemäß, möchte ich entschieden entgegentreten.
Ich kann
innerhalb des Bündnisses weder bedeutende strukturelle Probleme ausmachen
noch erkenne ich irgendwelche tragfähigen Alternativen. Damit möchte ich
natürlich nicht bestreiten, daß es
Probleme
gibt.
Tatsächlich
sieht
sich die NATO gegenwärtig einer Reihe

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�großer Herausforderungen ausgesetzt,
die teils von innen, teils von außen
an sie gestellt werden.
Die bedeutendste Herausforderung
von außen besteht in der geschickten
sowjetischen
Diplomatie.
Unter
Gorbatschow decken sich die Grundzüge
sowjetischer
Strategie
mit
der
Breschnews, insbesondere die Ausdehnung sowjetischer politischer Hegemonie auf ganz Europa durch die Abkoppelung Westeuropas von den Vereinigten Staaten. Was sich hingegen verändert hat, ist die sowjetische Taktik. In einer Zeit, in der Rüstungskontrolle in praktisch allen westlichen Staaten einen wichtigen innenpolitischen Stellenwert einnimmt, ist
die neue sowjetische Führung darum
bemüht, ihre Ziele jetzt durch Rüstungskontrolle zu erreichen, statt
durch die fortgesetzte Aufrüstung ihrer Streitkräfte.
Durch die Denuklearisierung
Europas
meinen
Gorbatschow und seine Berater, diese
Abkoppelung mit Hilfe ihrer konventionellen Überlegenheit erzielen zu
können.
Eine große Herausforderung, die
von innen an das Bündnis gestellt
wird, liegt im zunehmenden Kirchturmdenken in Europa und dem Unilateralismus in den Vereinigten Staaten.
In Europa befürwortet manch einer die
"Europäisierung"
dieses
Kontinents,
die eine verringerte Rolle der Vereinigten Staaten, atomwaffenfreie Zonen und Denuklearisierung impliziert.
Es werden Argumente vorgebracht wie
etwa, Europa dürfe nicht Gefahr laufen, zum Schlachtfeld der Supermächte
zu werden.
Das Spiegelbild dieses
Trends ist die wachsende Frustration
über die Europäer in den Vereinigten
Staaten, die wiederum Vorschläge zum
Abzug amerikanischer Truppen und Diskussionen über die Reduzierung der
amerikanischen Nuklearpräsenz in Eu-

ropa zur Folge hat. Weitere Herausforderungen lassen sich in der wachsenden Popularität der Rüstungskontrollrhetorik und in dem - besonders
in Europa - weitverbreiteten Glauben
erkennen, Rüstungskontrolle sei ein
Allheilmittel für Sicherheitsprobleme.
Kurzum: der in den fünfziger und
sechziger Jahren erarbeitete und in
den siebziger Jahren zunehmenden Belastungen
ausgesetzte
atlantische
Konsens ist nun in den achtziger Jahren in Gefahr. Von beiden Enden des
politischen Spektrums wird Druck auf
ihn ausgeübt.
Dies ist aus der gegenwärtigen
Debatte über den bevorstehenden INFVertrag klar ersichtlich.
Die von
vielen Europäern zum Ausdruck gebrachten Ansichten und Befürchtungen
haben, so scheint mir, weniger mit
dem Vertrag an sich zu tun als mit
den Lehren, die aus ihm zu ziehen
sind. viele Deutsche, sowohl aus dem
linken wie dem rechten Lager, ziehen
leider die falschen Lehren.
Erstens sind viele der Ansicht,
wir verdankten dieses Abkommen Generalsekretär Gorbatschow, und Glasnost
und Perestroika
trügen hier erste
Früchte. In Wahrheit aber ist diese
Übereinkunft
nicht
ein
Sieg
für
Gorbatschow, sondern für die NATO.
Sie ist zustande gekommen, weil das
Bündnis den Mut hatte, den Doppelbeschluß zu verabschieden, weil es unter äußerst schwierigen Bedingungen
die Stationierung der LRINF vorantrieb
und
angesichts
sowjetischer
Drohungen
fest
zusammenhielt.
Die
richtige Lehre aus den INF-Verhandlungen lautet, Festigkeit und Zusammenhalt sind eine Voraussetzung für
den Umgang mit den Sowjets.
in der Tat ist das vielleicht
wichtigste Resultat der INF-Verhand-

- 2 -

�lungen, daß der einseitigen Abrüstung
des Westens damit ein Ende bereitet
werden sollte. Wie sich die meisten
von Ihnen erinnern werden, gab es Anfang der achtziger Jahre eine ausgedehnte Debatte in den NATO-Ländern,
ob das Bündnis pershing II-Raketen
und Marschflugkörper stationieren und
damit eine glaubwürdige Verhandlungsposition in Genf schaffen solle, oder
ob wir die Bedrohung durch die SS-20
außer acht lassen, einseitig auf die
Stationierung verzichten und hoffen
sollten, daß die Sowjets auf die
gleiche Weise reagierten.
Der verlauf der INF-Verhandlungen hat eindeutig die Gültigkeit des ersten Arguments bestätigt. Es ist jetzt erwiesen, daß der wirksame Weg zur Rüstungskontrolle am Verhandlungstisch
zu finden ist und daß wir, um bei
Verhandlungen
mit
der
Sowjetunion
Fortschritte zu erzielen, starke und
energische Verteidigungsanstrengungen
aufrechterhalten müssen.
Der zweiten, oft im linken Lager
aus der Erfahrung mit INF gezogenen
falschen Lehre zufolge bedeutet dieses Abkommen einen Wendepunkt in der
Entwicklung
westlicher
Strategien,
einen ersten Schritt auf dem Weg zum
atomwaffenfreien Europa und zum Verzicht auf nukleare Abschreckung. ich
möchte eindeutig klarstellen, daß die
Vereinigten Staaten nicht die Absicht
hegen, diesen Weg einzuschlagen.
In
absehbarer Zukunft wird das Bündnis
weiterhin auf seine Strategie der
flexiblen Reaktion bauen, deren wesentlicher Bestandteil die nukleare
Abschreckung bleibt.
Nach dem Abschluß eines Vertrages über Mittelstreckenraketen
bleibt
immer
noch
eine erhebliche Anzahl und Vielfalt
nuklearer Trägersysteme der vereinigten Staaten - Flugzeuge, Raketen und
Schiffe - für die Verteidigung Europas erhalten.

Die dritte falsche Lehre, die
häufig im rechten Lager aus den Erfahrungen mit INF gezogen wird, besagt, die Abschaffung amerikanischer
LRINF sei der erste Schritt zu einem
Rückzug der Amerikaner aus Europa.
Nichts könnte weniger der Wahrheit
entsprechen. Die Vereinigten Staaten
werden ihre Truppen nicht aus Europa
abziehen. Trotz der Vorschläge einiger Politiker in Washington unterstützt die amerikanische Öffentlichkeit - wie jüngste Meinungsumfragen
bestätigt haben - einhellig unser Engagement und die starke amerikanische
Präsenz in Europa. Wichtig ist, daß
durch europäische Furcht vor einem
amerikanischen
Truppenabzug
nicht
Geister gerufen werden, die man nicht
wieder los wird.
Die
Christlich
Soziale
Union
tritt seit langem für ein starkes
Bündnis
und
gesunde
amerikanischdeutsche Beziehungen ein.
Sie sind
in
der
Vergangenheit
stets
gute
Freunde Amerikas gewesen und werden
dies, wie ich glaube, auch weiterhin
sein. In den vor uns liegenden Monaten müssen wir gemeinsam eine Aufgabe
angehen, die für die künftige Solidität des Bündnisses von existentieller
Bedeutung ist, das heißt, wir müssen
sicherstellen, daß die Öffentlichkeit
aus den Erfahrungen mit INF die richtigen Lehren zieht.
Nur wenn wir
dieses ziel mit Erfolg erreichen,
können wir eine feste Grundlage für
weitere Bemühungen zur Stärkung des
Bündnisses errichten.
Kritiker
des
Bündnisses
von
rechts und von links verweisen auf
einige
anhaltende
reale
Probleme.
Europäische Kritiker äußern zu Recht,
die Vereinigten Staaten hätten manchmal versäumt, Konsultationen mit ihren europäischen Partnern abzuhalten
und auch nicht immer die Ansichten
der Europäer in ihrer ganzen Band-

�breite berücksichtigt.
Amerikanische
Kritiker haben wiederum recht mit ihrem Hinweis darauf, die Europäer hätten es unterlassen, die weltweite
Verantwortung zu übernehmen, die ihrer wirtschaftlichen Bedeutung entspricht.

Abzug von 100 000 amerikanischen Soldaten aus Europa in andere Gebiete
läßt sich nicht verwirklichen.
Dieser Ansatz würde keinesfalls die Europäer zu vermehrten Verteidigungsanstrengungen
anregen, sondern genau
das Gegenteil bewirken.

Trotzdem sollten wir uns bei der
Beurteilung der Probleme und Herausforderungen, mit denen sich die NATO
heute konfrontiert
sieht, folgende
Schlüsselfrage stellen: Gibt es als
tragfähige Alternative eine übergreifende Struktur, mit der die Sicherheit des Westens gleichermaßen garantiert werden kann?
Meine Antwort
darauf ist ein klares "Nein".

Was kann und soll nun unternommen
werden, um den wahren Herausforderungen entgegenzutreten, die sich der
NATO stellen?
Die Lösung liegt meiner Ansicht nach nicht in der Erfindung eines großartigen neuen Modells.
Vielmehr sollten wir unseren Völkern
gewisse
Grundprinzipien
vor
Augen
führen, die das Bündnis untermauern
und uns dieser Prinzipien - so kraftvoll und überzeugend wir dies vermögen - versichern.
Ich würde diese
fünf Grundsätze folgendermaßen definieren:

Es sind in der Tat von verschiedenen Seiten Alternativen zur gegenwärtigen Struktur gefordert worden.
Aber diese sind entweder politisch
unrealistisch oder nicht funktionsfähig, wenn es darum geht, die Sicherheit Europas zu garantieren.
Zum
Beispiel könnte die Alternative einer
völlig unabhängigen europäischen Verteidigungsgemeinschaft - deren Kernstück
die europäische
Abschreckung
und eine politische Struktur zur Kontrolle
dieser
Abschreckung
bilden
würde
- langfristig machbar sein,
aber sicherlich nicht zum gegenwärtigen Zeitpunkt. Desgleichen würde ein
entmilitarisiertes
Europa
Traum
manches
europäischen
Linken
- im
Schatten
sowjetischer
Militärmacht
nicht lange überleben. Aus ähnlichen
Gründen würde eine politische Verständigung mit der Sowjetunion nicht
die Sicherheit Europas garantieren.
Eine
Variante
wie
etwa
Helmut
Schmidts Vorschlag, in Europa die
Rolle der Amerikaner von Frankreich
übernehmen zu lassen, ist ebensowenig
durchführbar.
Frankreich ist weder
bereit noch in der Lage, solch eine
Verantwortung
zu
tragen.
Auch
Zbigniew
Brzezinskis Vorschlag zum

- Erstens ist das Engagement der
Vereinigten Staaten auf dem Kontinent
sowohl
im Hinblick auf
Truppen als auch
Nuklearwaffen
jetzt und in Zukunft entscheidend.
Für die Glaubwürdigkeit
der Strategie des Bündnisses muß
dieses
Engagement
ein
wesentlicher Bestandteil sein und nicht
nur Zeichen setzen.
- Zweitens wird nukleare Abschrekkung
stets unverzichtbarer
Bestandteil der Strategie des Bündnisses sein.
Das bedeutet, daß
die Präsenz amerikanischer Nuklearwaffen auf europäischem Boden
ebenso
wie
die
Beibehaltung
schlagkräftiger
strategischer
Streitkräfte
in
Mitteleuropa
durch
die
Vereinigten
Staaten
weiterhin ein wesentliches Element der westlichen
Sicherheit
bilden, auch bei unseren gegenwärtigen Bestrebungen zum Abbau
von Nuklearwaffen durch ausgehandelte Abkommen.

�- Drittens muß sich das Bündnis zur
Aufrechterhaltung
der
Strategie
der flexiblen Reaktion auf ausreichende konventionelle Streitkräfte
stützen
können.
Angesichts des derzeitigen Kräfteverhältnisses
ist eine gemeinsame
Anstrengung zur Behebung des bestehenden
konventionellen
Ungleichgewichts - sei es durch
Verstärkung der Streitkräfte oder
Rüstungskontrolle oder eine Kombination der beiden - unerläßlich.
- viertens muß es innerhalb des
Bündnisses
zu
einer
gerechten
Verteilung der Lasten kommen, die
nicht einfach in Zahlen gegeneinander aufgerechnet werden können.
Lasten nichtfinanzieller Art, wie
zum Beispiel die Dichte der stationierten
Streitkräfte
sowie
Häufigkeit und Umfang von Übungen
sollten ebenfalls berücksichtigt
werden.
Auch in bezug auf Verantwortlichkeiten
außerhalb
des
Bündnisgebietes muß in der NATO
eine
Lastenverteilung
erfolgen.
In
diesem
Zusammenhang
sollte
nicht unerwähnt bleiben, wie sehr
die amerikanische Regierung die
Entscheidung der Bundesregierung
zu schätzen weiß, als Ausgleich
für die Aktivitäten der Amerikaner und der anderen Bündnispartner im Persischen Golf Schiffe
der Bundesmarine ins Mittelmeer
zu entsenden.
- Fünftens und letztens muß das
Prinzip des gleichmäßig verteilten Risikos innerhalb des Bündnisses
aufrechterhalten
werden.
Von keinem Mitglied des Bündnisses oder einer Gruppe von Bündnispartnern
kann die Übernahme
erheblich größerer Risiken verlangt werden, als sie die anderen
NATO-Partner erwartungsgemäß tragen müssen.
Das Territorium der

europäischen Verbündeten darf weder als ausschließlicher Kriegsschauplatz
für einen nuklearen
oder konventionellen Konflikt in
Erwägung
gezogen
werden,
noch
darf es einen Automatismus geben,
der zur raschen und unvermeidlichen Eskalation eines strategischen Krieges in Mitteleuropa
führen würde.
Die Lösung besteht meiner Meinung
nach daher nicht darin, die bestehende Struktur der NATO zu ersetzen,
sondern sie vielmehr zu verstärken,
indem
diese
fünf
Grundsätze
als
Richtlinien Anwendung finden.
Wenn
wir in eine Welt nach INF eintreten,
werden wir unser besonderes Augenmerk
darauf richten müssen, daß uns die
zur Durchführung dieser Strategie erforderlichen Streitkräfte garantiert
zur Verfügung stehen.
Von
vordringlichster
Bedeutung
könnte sein, daß wir zu einer Zeit,
in der ein Abkommen über die Beseitigung nuklearer Waffen in greifbare
Nähe gerückt zu sein scheint, sicherstellen müssen, daß das Bündnis über
ausreichende
konventionelle
Streitkräfte verfügt.
Der Verstärkung der
konventionellen
Streitkräfte
sollte
höchste Priorität beigemessen werden.
Gleichzeitig müssen wir die Gewähr
dafür bieten, daß das Bündnis im Einklang mit dem Beschluß von Montebello
ein angemessenes Arsenal moderner nuklearer Fähigkeiten kürzerer, mittlerer und längerer Reichweite beibehält.
Der zur Verhandlung stehende
INF-Vertrag enthält keinerlei Verfügungen, die uns von der Aufrechterhaltung eines solchen Arsenals abhalten würden.
Ferner müssen wir einen umfassenden und einheitlichen Ansatz zur Rüstungskontrolle erarbeiten, der sich
mit den von mir formulierten fünf

- 5 -

�Grundsätzen deckt.
insbesondere im
Hinblick auf konventionelle Rüstungskontrolle sollten sich die Bestrebungen des Bündnisses auf die Hauptursache der Unsicherheit auf dem europäischen Kontinent - die Invasionsfähigkeit des Warschauer Pakts - konzentrieren.
Dieser Ansatz hat drei
eindeutige
Implikationen.
Erstens
müssen wir unsere Aufmerksamkeit auf
die bedrohlichsten Elemente der Militärmacht des warschauer Pakts lenken,
das heißt, die gepanzerten Streitkräfte
der
Sowjetunion.
Zweitens
müssen die Reduzierungen einschneidend und stark asymmetrisch vorgenommen werden. Und drittens dürfen Reduzierungen
des Westens nicht auf
amerikanische
Streitkräfte
konzentriert sein, da die anhaltende Präsenz amerikanischer Truppen auf europäischem Boden für die Verteidigung
Europas ebenso entscheidend ist wie
die Präsenz der amerikanischen Nuklearwaffen hier.
Zusammenfassend kann man sagen,
daß uns die NATO in den etwas mehr
als 40 Jahren seit ihrer Gründung gute Dienste geleistet hat und von einer alternativen Sicherheitsstruktur
für den Westen keine Rede sein kann.
Die vor uns liegende Aufgabe besteht
daher vielmehr in der Stärkung der
uns zur Verfügung stehenden Struktur
und in der Verbesserung unserer Strategie.
Unter den Teilnehmern dieser
Konferenz befinden sich einige der
engagiertesten Verfechter des Atlantischen Bündnisses und der deutschamerikanischen Beziehungen im besonderen. Wir freuen uns, daß Sie uns
in der vor uns liegenden Zeit mit Rat
und Unterstützung zur Seite stehen
werden.

* * * * *

�18. November 1987

41

SHULTZ:

USA MÜSSEN FRIEDEN IN NICARAGUA "JEDE CHANCE" GEBEN

- Ansprache von Außenminister Shultz vor der OAS -

WASHINGTON - (AD) - Vor der Generalversammlung der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) erklärte Außenminister Shultz am 10. November 1987, die
Reagan Administration stelle bis nächstes Jahr keine weitere Unterstützung für
die Widerstandskämpfer in Nicaragua bereit.
"Das heißt nicht, daß wir die Hände in den Schoß legen, wenn die Sandinisten den militärischen Sieg zu erlangen suchen", fuhr Shultz fort.
"Wir
werden die Widerstandskämpfer angesichts hochentwickelter sowjetischer Waffen
und kubanischer Berater nicht ohne die erforderlichen Mittel sich selbst überlassen" .
Nachfolgend bringen wir die Ausführungen von Außenminister shultz im Wortlaut.
Herr Präsident, sehr geehrte Kollegen, Delegationsleiter, Herr Generalsekretär,
Herr
stellvertretender
Generalsekretär, meine Damen und Herren.
Der Charta der Organisation Amerikanischer Staaten zufolge ist es
der
"historische Auftrag Amerikas,
allen Menschen ein freies Land zu
bieten".
Der
demokratische
Wandel, der
sich
jetzt
in unserer
Hemisphäre
vollzieht, verleiht unserem gemeinsa-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

men Auftrag neues Leben. Der brasilianische Präsident Sarney hat diesen
Wandel als das "erstaunlichste und
bewegendste politische Ereignis der
jüngsten Jahre bezeichnet".
Präsident Reagan zitiert es als "eines des
stolzesten Kapitel in der Geschichte
der Menschheit".
Zweifelsohne sollte dieser demokratische Wandel auch ein Augenblick
des Triumphes für unsere regionalen
Organisationen sein.
So sollte es sein, aber

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

dem

ist

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�nicht so. Oder zumindest noch nicht.
Viele
unserer Mitgliedsländer
sind
demokratischer als je zuvor.
Aber
einige sind noch immer undemokratisch, und einige wenige sind mit System undemokratisch. Und überall auf
der Welt versuchen wir immer noch,
den durch geringes Wirtschaftswachstum und ungleich verteilte Entwicklungen entstandenen menschlichen Problemen Herr zu werden.
Beide Probleme - die politischen
wie die wirtschaftlichen - sind gravierend.
Beide tragen zu Spannungen
bei, die Einfluß auf die internationale
Sicherheit
haben.
In meinen
heutigen Ausführungen möchte ich diese beiden Problemkreise ansprechen.

Ankurbelung von Wirtschaftswachstum
und sozialer Entwicklung
Ich setze großes Vertrauen in eine bessere wirtschaftliche
Zukunft
für Lateinamerika. Die von uns seit
1982 gemeinsam unternommenen Anstrengungen stärken mein Vertrauen.
Dieses ist die fünfte Generalversammlung, an der ich als Außenminister
teilnehme. Seit den Tagen der Krise
im Jahr 1982 haben sich die Wirtschaftsstatistiken
über
die . Jahre
hinweg konstant verbessert.
Seit dem im Jahr 1985 in Seoul
ins Leben gerufenen Programm für anhaltendes Wachstum haben wir große
Anstrengungen unternommen.
Das Gesamtwirtschaftswachstum beläuft sich
jetzt ohne Unterbrechungen im dritten
Jahr auf über 3 Prozent - im Jahr
1986 erreichte es fast 4 Prozent.
Die Interamerikanische Entwicklungsbank berichtet, daß das Jahr 1986 für
zwei
Drittel ihrer
Mitgliedsländer
einen besseren Verlauf nahm als 1985.
Andere Indikatoren sind ebenfalls positiv: Die Exporterlöse steiqen wei- 2

terhin an, die Importe erholen sich,
die Lage auf dem Rohstoffmarkt verbessert sich, das reale Pro-Kopf-Einkommen ist angestiegen, es gibt Anzeichen für eine Erholung der Kapitalflucht, und die
Inflationsraten
sind niedrig.
Erneute Kreditvergabe und Hilfsleistungen an die Region seitens der
internationalen Finanz- und Entwicklungsinstitutionen beliefen sich im
Jahr 1986 auf mehr als 9 Milliarden
Dollar.
Im Verlauf der vergangenen
zwei Jahre sind über 9 Milliarden
Dollar an ausstehenden Handelsschulden
zurückgeflossen.
Das amerikanische Defizit im Handel mit Lateinamerika und der Karibik beläuft sich
weiterhin auf 15 Milliarden Dollar
jährlich. Auch dadurch ist ein wichtiger Beitrag zu den Wachstumsaussichten für Lateinamerika insgesamt
geleistet worden.
Als Antwort auf die besonderen
Probleme im Karibischen Becken haben
die Vereinigten
Staaten seit 1981
mehr als 7 Milliarden Dollar an bilateraler Wirtschaftshilfe zur Verfügung gestellt.
Dies ist fünf mal
mehr als die 1,4 Milliarden Dollar an
militärischer Hilfe, die wir zur Wahrung
lebenswichtiger
Sicherheitsinteressen ausgegeben haben. Selbst in
Fällen, in denen wir uns auf verfügbare offizielle Hilfsleistungen konzentriert haben, bleiben wir tragfähigen
Entwicklungen
verpflichtet.
Wir sind uns bewußt, daß solche Entwicklungen sich nur auf einen starken
Privatsektor gründen können und nicht
auf
langfristige
Abhängigkeit
von
ausländischer
Hilfe.
Entsprechend
haben wir versucht, einen Anreiz für
Investitionen zu schaffen, indem wir
im Rahmen der Initiative Karibisches
Becken eine Lockerung des Handels bewirkt haben. Das fruchtbare Ergebnis
war eine mehr als 30prozentiqe Zu-

�wachsrate bei amerikanischen Importen
nicht herkömmlicher Produkte aus den
Ländern des Karibischen Beckens in
den vergangenen drei Jahren bis 1986.
Weltweit liegt das Pro-Kopf-Einkommen jedoch noch weit unter dem Niveau, das erreicht worden war, bevor
die Finanzflüsse im Jahr 1982 zum
Problem wurden.
zusätzlich
trüben
die
derzeitigen
Entwicklungen
das
wirtschaftliche Bild. Wir müssen alles in unserer Macht stehende tun, um
dies zu beheben. Der starke Abwärtstrend der Zinssätze hatte die lateinamerikanischen Forderungen für geleistete Dienste um ca. 5 Milliarden
Dollar pro Jahr verringert, aber die
Zinssätze sind wieder im Ansteigen
begriffen.
In den vereinigten Staaten unternehmen wir vermehrte Anstrengungen, um unserer Haushaltsdefizit unter Kontrolle zu bringen.
Unter Präsident Reagan haben wir protektionistischen
Maßnahmen
vehement
widerstanden, dennoch üben die Verfechter des Protektionismus weiterhin
starken Druck aus.
Wir sind entschlossen, ein offenes Handelssystem
aufrechtzuerhalten.
Wir werden uns
weiterhin gegen solche Maßnahmen wehren und dafür benötigen wir Ihre Hilfe.
Wir sind der Überzeugung, daß die
internationalen
FinanzInstitutionen
der Weltbank und des Internationalen
Währungsfonds eine Schlüsselrolle bei
der Förderung des Wachstums übernehmen müssen.
Daher haben wir unsere
Zustimmung zur Teilnahme an den Verhandlungen über eine Kapitalaufstokkung der Weltbank gegeben.
Darüber
hinaus haben wir einen neuen ausländischen Reservefonds für den internationalen Währungsfonds vorgeschlagen, durch den unvorhergesehene Entwicklungen
wie geringere Rohstoffpreise, ein vermindertes Exportvolumen und höhere Zinssätze aufgefangen

werden.
Eine starke Weltwirtschaft erfordert anhaltende Wirtschaftsreformen.
Wie Ihnen sicherlich bekannt sein
wird, haben wir von den führenden
Überschußländern verstärkte Maßnahmen
erwartet.
Die Märkte geben einen
Hinweis darauf, daß die Vereinigten
Staaten zu lange die Lokomotive des
Weltwirtschaftswachstums
waren
und
sich in Wirklichkeit etwas übernommen
haben.
Auch hier ist Ihre aktive
Teilnahme vonnöten. sie können dazu
beitragen, unsere Handelspartner, von
der Bedeutung einer Verringerung ihrer Handelsüberschüsse zu überzeugen.
Sie können auch helfen, indem Sie mit
stärkerer Entschlossenheit die Wirtschaftsreformen durchführen, die für
zukünftiges
Wachstum
erforderlich
sind.
Wir alle, die wir in dieser
Hemisphäre leben, müssen an der Ankurbelung unserer Sparraten und der
Investitionstätigkeit
arbeiten
und
uns vor allem zu vermehrter Zusammenarbeit verpflichten, um die notwendigen Bedingungen zu schaffen, die bis
in die neunziger Jahre und darüber
hinaus anhaltendes Wachstum und den
Aufschwung
der Demokratie
sichern,
von dem Lateinamerika in den achtziger Jahren gekennzeichnet war.

Die Übereinkunft von Guatemala
Ich möchte mich jetzt der von
fünf unserer Mitgliedsstaaten ergriffenen Initiative zuwenden, in Mittelamerika Frieden durch Demokratie zu
schaffen.
Meine Regierung ist der
festen Überzeugung, daß das Guatemala-Abkommen entschiedenen Fortschritt
herbeiführen kann.
Unsere Organisation sollte keine Mühe scheuen, den
mittelamerikanischen Mitgliedsstaaten
bei ihren Bestrebungen zur Erlangung
des Friedens behilflich zu sein.

- 3 -

�Die Hand in Hand gehenden Forderungen der Übereinkunft von Guatemala
- Demokratie und nationale Aussöhnung
- fügen sich zu dem einzigen Weg zusammen, durch den dem Blutvergießen
ein Ende bereitet, uneingeschränkte
Teilnahme
am politischen Geschehen
und der Abbau des Ost-West-Konflikts
in der Region gewährleistet werden
können.
Die Verleihung des diesjährigen
Friedensnobelpreises an den Präsidenten
eines
unserer
Mitgliedsländer
spiegelt diese Realität wider.
Wir
beglückwünschen
Präsident
Arias.
Seine Auszeichnung ist gleichzeitig
die Anerkennung seiner fortgesetzten
Bemühungen, den demokratischen Wandel
der Region und den jahrelangen Kampf
des mittelamerikanischen Volkes und
der demokratischen Führung zu Ende zu
bringen.
Die Durchführung des GuatemalaAbkommens erweist sich als relativ
kompliziert, aber die ihm zugrunde
liegende Vision ist in Wirklichkeit
sehr einfach. Es ist die Vision eines auf Freiheit und Demokratie gegründeten regionalen Friedens.
Der
Demokratisierungsprozeß
muß
Pressefreiheit,
uneingeschränkten
politischen Pluralismus sowie freie Wahlen und die Aufhebung des Ausnahmezustands
beinhalten.
Wie
Präsident
Reagan vor dem Ständigen Rat der OAS
formulierte,
ist
"Demokratie
der
Grundpfeiler" der Übereinkunft von
Guatemala.
Parallel zu diesem Demokratisierungsprozeß muß ein Prozeß der nationalen Aussöhnung einhergehen.
jede
Regierung sollte alle eforderlichen
Schritte unternehmen, um einen wirksamen,
ausgehandelten
Waffenstillstand mit den bewaffneten Oppositionsgruppen zu erzielen und in einen
fruchtbaren Dialog mit ihren poli-

tischen
Gegener
einzutreten.
Zur
weiteren
Förderung
des
nationalen
Aussöhnungsprozesses muß jede Regierung außerdem ein Amnestiegesetz zur
"Gewährleistung der Unverletzlichkeit
des Lebens und der Freiheit in allen
ihren Formen" verabschieden.
Gleichzeitig mit der Einhaltung
dieser Verpflichtung zur Demokratisierung
und
nationalen
Aussöhnung
verpflichten sich die Unterzeichnerstaaten, Streitkräften, die
andere
Staaten destabilisieren, die Benutzung
ihres nationalen
Territoriums
für militärische Zwecke zu verweigern.
Ferner werden dritte Parteien
aufgerufen, ihre Unterstützung irregulärer Truppen aufzugeben, mit Ausnahme der Fälle, in denen sie für die
Umsiedlung der Kombattanten und die
freiwillige Rückkehr der Flüchtlinge
erforderlich ist.
Schließlich, und dies ist von
vorrangiger Bedeutung, ist die Übereinkunft von Guatemala nicht eine
Reihe
isolierter
unilateraler
Verpflichtungen:
Sie ist, wie in der
Übereinkunft
zu lesen steht, "ein
harmonisches und unteilbares Ganzes".
Sie ist ein Ganzes, das vollständig
von der gleichzeitigen Verwirklichung
gegenseitiger
Verpflichtungen
abhängt.
Damit das Abkommen Wirkung
zeitigen kann, müssen alle Seiten ihre Verpflichtungen erfüllen. Der Erfolg fordert einen ernstzunehmenden
Zeitplan für den Fortschritt und das
Bewußtsein darüber, welcher Preis für
ein Scheitern zu zahlen ist.

Sicherheitsbelange
Die Übereinkunft von Guatemala
behandelt strategische Sicherheitsbelange nicht ausdrücklich. Die sowjetischen und kubanischen militärischen
Verbindungen mit Nicaragua - mili-

�tärische Einrichtungen, Berater, unterschiedliche Hilfsleistungen, hochentwickelte Waffengattungen
- sind
Themen von lebenswichtigem und unmittelbarem
Interesse
für
uns.
Der
Frieden erfordert, daß wir uns mit
diesen Themen befassen. Ein vernünftiges Gleichgewicht unter den Streitkräften Mittelamerikas ist unabdingbar für anhaltenden Frieden.
Diese grundlegenden Sicherheitsziele in Mittelamerika erfahren in
den Vereinigten Staaten starke Unterstützung durch beide Parteien. Unsere beiden großen Parteien wünschen
ein demokratisches Nicaragua, das weder eine militärische Bedrohung für
seine Nachbarn noch eine Plattform
für der Sicherheit der Hemisphäre abträgliche, feindliche sowjetische und
kubanische Aktivitäten darstellt.
Politische Demokratie in Nicaragua würde sich größtenteils mit diesen Sicherheitsbelangen befassen, da
keine wirklich demokratische Regierung ihre Nachbarn angreifen oder die
Benutzung ihres Territoriums für militärische zwecke durch die Sowjetunion gestatten würde.
Wir sind also wieder bei der
grundlegenden Frage angelangt, die in
der Übereinkunft von Guatemala ausdrücklich
angesprochen
wird:
Wie
kann Demokratie in Nicaragua erzielt
werden?

Gebrochene Verprechen
Der Kampf für Demokratie in Nicargua ist nicht neu.
Im Jahr 1979
stimmte die Organisation Amerikanischer
Staaten
mit
überwältigender
Mehrheit - in eben diesem Saal - für
die Ablösung der Somoza-Diktatur und
forderte die "Wahrung der Menschenrechte aller Nicaraguaner ohne Aus-

nahme" sowie
wie möglich".

"freie

Wahlen

so

bald

Diese Forderung war Bestandteil
langwieriger
Verhandlungen
zwischen
den Regierungen auf unserem Kontinent
und der politischen Koalition, die
das Somoza-Regime bekämpfte.
In Besprechungen, Dokumenten und selbst in
vor dieser Organisation abgegebenen
Erklärungen bekräftigten die im Exil
lebenden
Juntamitglieder
und
ihre
Vertreter die Verpflichtung zu einer
pluralistischen Demokratie, gemischten Wirtschaft und einer blockfreien
Außenpolitik.
Einige
der
Regierungsvertreter
des heutigen Nicaragua trugen dazu
bei, diese politische
Vereinbarung
auszuhandeln.
Dennoch
bestätigen
eben diese politisch Verantwortlich
jetzt ihr absolutes Recht zur Gründung eines leninistischen Parteienstaates,
der
die
Wirtschaft
beherrscht und eine Verbindung mit dem
sowjetischen Block eingegangen ist.
Vor dem Sturz des Somoza-Regimes
haben die Sandinisten den Nicaraguanern wiederholt versichert, sie würden die Grundrechte und -freiheiten
aller
Nicaraguaner
schützen.
Die
wichtigsten dieser Zusagen finden ihren Niederschlag in einem Dokument
namens
"Gesetzesentwurf
über
die
Rechte und Sicherheiten der Nicaraguaner", das zum Grundgesetz der neuen nicaraguanischen Regierung werden
sollte.
Der Entwurf wurde noch zur
Amtszeit Somozas verbreitet, erhielt
dann am 21. August 1979 als Dekret
Nr. 52 Gesetzeskraft und stellt ein
umfassendes und feierliches versprechen der FSLN an das nicaraguanische
Volk dar.
Artikel 1 des Gesetzes garantiert
dem Volk von Nicaragua das "Recht auf
freie und vollständige Selbstbestim-

- 5 -

�mung zur Schaffung seiner politischen
Bedingungen".
Artikel
4 erklärt,
"Ausländer dürfen sich nicht in die
politischen Angelegenheiten des Landes einmischen". Es hat sich jedoch
gezeigt, daß das heute bestehende politische System von der kleinen, zur
Elite der sandinistischen Partei zählenden Minderheit und mit Hilfe Tausender Kubaner und anderer Ausländer
aus dem Ostblock bestimmt wird.
Den Artikeln 22, 23 und 25 des
Gesetzes kommt im Hinblick auf die
Aussichten einer Einhaltung der Übereinkunft von Guatemala besondere Bedeutung zu. Sie gewähren das Recht
auf
friedliche
Zusammenkünfte
und
Versammlungsfreiheit,
ferner
das
Recht, sich zu organisieren und politischen Parteien beizutreten, an öffentlichen Aktivitäten teilzunehmen,
Gesuche für die Abschaffung von Mißständen einzureichen, zu wählen und
bei Wahlen zu kandidieren.
Es hat
sich jedoch gezeigt, daß die Sandinisten noch fünf Jahre nach der Entmachtung Somozas keine Wahlen zuließen, und wenn, dann nur unter Bedingungen, die dazu angetan waren,
ein vorgefertigtes Ergebnis hervorzubringen.
Diese Tatsachen
liefern erheblichen Grund zur Skepsis darüber, ob
die Regierung von Nicaragua unter dem
Friedensvertrag die Absicht hegt, ihren Verpflichtungen nachzukommen. Es
bedeutet, daß die Leistungen der nicaraguanischen Regierung zur Erfüllung ihrer jüngst eingegangenen Verpflichtungen zur Freiheit nicht an
dem gemessen werden können, was einzelnen Bürgern - wie bekannt diese
auch sein mögen - widerfährt.
Es
müssen weitreichende und dauerhafte
Reformen
durchgeführt
werden,
um
sicherzustellen, daß dieses Mal Fortschritte für die Demokratie echt und
unwiderruflich sind.

Nationale Aussöhnung
Am Tag, an dem 'La Prensa' die
Wiederaufnahme ihres Erscheinens gestattet wurde (1. Oktober), forderte
sie in ihrem Leitartikel "völlige Amnestie, Aussöhnung durch einen Dialog
mit den bewaffneten Rebellen und uneingeschränkte Aufhebung des Ausnahmezustandes, unter dem sich das Land
seit 1982 befindet".
Diese drei Maßnahmen - ein ausgehandelter Waffenstillstand, vollständige Amnestie und die Aufhebung des
Ausnahmezustandes - sind unabdingbar,
wenn die heute bewaffneten Feinde ihre Differenzen als politische Rivalen
beilegen wollen. Diese Schritte würden möglicherweise die meisten Nicaraguaner - Flüchtlinge und politische
Exilanten,
junge
Widerstandskämpfer
und junge Männer, die für die Armee
der Sandinisten verpflichtet wurden davon überzeugen, daß sie wirklich in
ihre Heimat zurückkehren und an der
demokratischen Politik ihrer Länder
teilnehmen können.
Vollständig
und
gerecht
angewandt, könnten diese Maßnahmen einen
Teil der Skepsis darüber abbauen, ob
Präsident Ortega wirklich die Widerstandsbewegung und die Oppositionsparteien an einem Prozeß beteiligen
will, der zu Aussöhnung und unwiderruflicher
demokratischer
Öffnung
führt. Das ist die grundlegende Prüfung.
Die
Erklärung
Präsident
Ortegas vom 5. November, er werde
sich zu indirekten Gesprächen mit der
Widerstandsbewegung
bereiterklären,
ist ein begrüßenswerter Fortschritt.
Wir begrüßen jeden noch so zaghaften
Schritt der nicaraguanischen Regierung, der darauf abzielt, die Kampfhandlungen und die ihnen zugrundliegenden Konflikte zu beenden. je direkter die Verhandlungen, umso größer
die Wahrscheinlichkeit eines Fort6 -

�Schritts.
Die Präsidenten Duarte und Cerezo
haben bereits in ihren jeweiligen
Ländern mit den Führern der Rebellen
direkte
Verhandlungen
aufgenommen.
Die Mitte Oktober in Spanien abgehaltenen Verhandlungen stellen seit mehr
als einer Generation die ersten offiziellen Kontakte zwischen der guatemaltekischen Regierung und den Guerillas dar.
In El Salvador fanden
häufiger - wenn auch mit Unterbrechungen - Dialoge statt, und die Regierung hat mit den Guerillas zwei
gemischte
Kommissionen
gebildet.
Eine von ihnen soll einen Waffenstillstand aushandeln, die andere Gespräche über Anmestie und nationale
Ausöhnung führen.
Die bis heute erzielten Ergebnisse lassen vermuten, daß die marxistisch-leninistischen Kräfte möglicherweise noch nicht bereit sind, Frieden
zu schließen. Bei der Eröffnungsversammlung der salvadorianischen Kommission für den Abschluß eines Waffenstillstands verweigerten die Guerilla-Führer Diskussionen über die
Bedingungen eines Waffenstillstandes.
Zu einem späteren Zeitpunkt lehnten
sie es ab, an Gesprächen zur Aussöhnung teilzunehmen, die für den 30.
Oktober in Mexiko City angesetzt waren,
in ähnlicher Weise wiesen die
guatemaltekischen Rebellen die Einladung der Regierung Cerezo zur Teilnahme am politischen Prozeß zurück.
Um die Übereinkunft von Guatemala
in Wort und Tat zu verwirklichen,
müssen Präsident Ortega und die Widerstandsbewegung auf eine Art und
Weise miteinander verhandeln, bei der
diese Bereiche direkt
angesprochen
werden.
Ein wirksamer Waffenstillstand kann nicht nur von einer Seite
ausgerufen
werden; diejenigen, die
auf beiden Seiten kämpfen, müssen

sich darüber einigen, was geschehen
soll. Dadurch würden die politischen
Führer in die Lage versetzt, vertrauensbildende Maßnahmen auszuarbeiten,
mit deren Hilfe der vollständigen und
friedlichen
politischen
Wiedereingliederung aller Nicaraguaner in ein
freies Nicaragua der Weg bereitet
werden könnte.
Eine vollständige Amnestie
ist
für einen jeden solchen Prozeß unabdingbar. Im September hat die Nationale
Konferenz der
(römisch-katholischer) Bischöfe Nicaraguas Amnestie
als Maßnahme definiert, mit der "beiden Seiten (geholfen werden soll),
die in der Vergangenheit an ihren
Brüdern begangenen Vergehen zu vergessen". Jede Amnestie muß auch auf
politische Gefangene, aktive Mitglieder der Widerstandsbewegung und jene,
die lieber aus ihrer Heimat geflohen
sind als daß sie unter einem totalitären Regime leben wollten, anwendbar
sein.
Die
Erklärung
Präsident
Ortegas vom 5. November, daß die Sandinisten bereit seien, etwa 1 000 politische
Gefangene
zu
begnadigen,
während Tausende hinter Gittern bleiben müssen, ist kaum ein Anfang.
Die Führer des demokratischen Widerstands
in Nicaragua
haben
die
Übereinkunft
von Guatemala
begrüßt
und Schritte zu deren Einhaltung unternommen.
Sie haben ihre Bereitschaft
erklärt, einen Waffenstillstand auszuhandeln und die jüngsten
Vorschläge aus Managua als nützlichen
Ansatzpunkt begrüßt. Wir alle müssen
hoffen, daß Präsident Ortegas jüngster Vorschlag sich als aufrichtig
erweisen und zum logischen nächsten
Schritt führen wird - direkten Verhandlungen von genau der Art, wie sie
die Präsidenten Cerezo und Duarte geführt haben.

- 7 -

�Amerikanische Unterstützung für den
Frieden
Die
Regierung
der
Vereinigten
Staaten ist davon überzeugt, daß die
militärischen und politischen Erfolge
der nicaraguanischen Widerstandsbewegung
dazu
beigetragen
haben, dem
Frieden eine Chance einzuräumen. Wir
sind ferner der Überzeugung, daß die
Sandinisten ohne diesen Druck nicht
die von ihnen am 5. November angekündigten Schritte unternommen hätten.
Wir haben auch Verständnis dafür, daß
Frieden ein Prozeß ist. Als wir also
gebeten wurden, uns bis zum 5. November nicht um erneute Hilfe für die
Widerstandsbewegung zu bemühen - und
dem "Frieden eine Chance zu geben" haben wir unsere aktiven diplomatischen Bemühungen fortgeführt, diesen Forderungen aber Beachtung geschenkt.
Heute kann ich Ihnen mitteilen,
daß wir bis zum nächsten Jahr keine
weitere Militärhilfe für die Widerstandsbewegung fordern werden.
Das
heißt nicht, daß wir die Hände in den
Schoß legen, wenn die Sandinisten einen militärischen Sieg zu erlangen
suchen. Wir werden die Widerstandskämpfer
angesichts
hochentwickelter
sowjetischer Waffen und kubanischer
Berater nicht ohne die erforderlichen
Mittel sich selbst überlassen.
Wir
werden nicht zulassen, daß der Friedensprozeß zu einem Schutzschild für
die physische Ausrottung des nicaraguanischen Widerstandes wird.
Wir
werden
vielmehr
dem
Frieden
jede
Chance geben.
Wie
Präsident
Reagan
vor
dem
Ständigen Rat erklärte, wird die Hilfe der Vereinigten Staaten "weitergeführt, bis die Sandinisten in ihren
Verhandlungen mit den Freiheitskämpfern ein Abkommen über einen Waffenstillstand schließen und die Demokra-

tie vollständig in Nicaragua verankert ist".
Die Form unserer Hilfe
wird von den Gegebenheiten bei der
Durchführung
der
Übereinkunft
von
Guatemala abhängen. Wenn es unseren
Hoffnungen gemäß funktioniert, werden
die Hilfsleistungen der friedlichen
Wiedereingliederung des Widerstandes
in ein freies Nicaragua zufließen;
wenn nicht, werden sie zur Weiterführung des Kampfes bis zu seinem Erfolg
Verwendung finden.
in den vor uns liegenden Wochen
und Monaten werden die Vereinigten
Staaten das Abkommen von Guatemala
auch auf andere Art und Weise unterstützen.
Präsident Reagan hat die
Delegationsleiter dieser Versammlung
gestern davon informiert, daß ich zu
gemeinsamen Gesprächen mit den Außenministern aller fünf Staaten Mittelamerikas, einschließlich des Vertreters der Sandinisten, bereit sein
werde, wenn unter der Vermittlung
Kardinal Obandos ernsthafte Verhandlungen zwischen den Sandinisten und
den Freiheitskämpfern geführt werden.
Vor und während eines solchen
Treffens werden wir natürlich weiterhin enge Konsultationen mit den mittelamerikanischen Demokratien und dem
nicaraguanischen
Widerstand
darüber
weiterführen, wie diese multilateralen Verhandlungen am besten zur nationalen Aussöhnung in Nicaragua beitragen könnten.

Die Rolle der OAS
Der OAS und ihren Mitgliedern
fällt im Hinblick auf Nicaragua eine
besondere Verantwortung zu.
Dieses Mal müssen wir im Gegensatz zu 1979 sicherstellen, daß die
für die Demokratie eingegangenen Verpflichtungen eingehalten werden. Die

�Menschen in Mittelamerika müssen weiterhin die Hauptrolle spielen.
Die
Übereinkunft von Guatemala ist ihr
Werk. Sie sind näher mit dem Problem
konfrontiert und auf direktere Art
und Weise beteiligt. Aber diese Organisation, die sich mit den Jahren
große Sachkenntnis über die Region
erworben hat, sollte eine wichtige
Quelle der Unterstützung sein.
Die Erhaltung des Friedens erfordert Beteiligung und Sachkenntnis in
der Region selbst.
Dieses Prinzip
einer
Vormachtstellung
der
Region
wird ausdrücklich in Artikel 23 der
OAS-Charta erwähnt, in dem die Mitgliedsstaaten
aufgefordert
werden,
Maßnahmen innerhalb der Region zu ergreifen, ehe sie sich mit strittigen
Fragen an die Vereinten Nationen wenden.
Es findet seinen Niederschlag
ebenfalls in Artikel 52 der Charta
der vereinten Nationen, in dem alle
Mitglieder
aufgerufen werden, jede
nur mögliche Anstrengung zu unternehmen, um Streitigkeiten mittels regionaler Organisationen zu lösen, bevor
sie dem Sicherheitsrat zur Kenntnis
gebracht werden.
Der Generalsekretär dieser Organisation ist Mitglied der durch die
Übereinkunft von Guatemala eingesetzten Kommission für Verifizierung und
Folgemaßnahmen.
Es werden große Anstrengungen und ein ernsthaftes Engagement aller Mitglieder der Organisation und auch des Generalsekretärs
und seiner Mitarbeiter nötig sein,
wenn sich diese Kommission an einem
gerechten und strukturierten Prozeß
beteiligen will, mit dessen Hilfe im
Rahmen
der
Übereinkunft
erzielte
Fortschritte gemessen werden sollen.
Mir ist bewußt, daß manche Beobachter sich fragen, ob multilaterale
Organisationen in der Lage sind, bei
den Problemen der Hemisphäre, denen

höchste
Priorität
zukommt,
eine
Schlüsselrolle zu spielen. wir sind
der Ansicht, daß die OAS dies unter
Beweis gestellt hat. Die OAS hat bei
der
Überwachung der
Menschenrechte
Hervorragendes geleistet, am offensichtlichsten durch ihre Aktivitäten
und eindrucksvollen Berichte der Interamerikanischen
Menschenrechtskommission. Sie hat den demokratischen
Prozessen durch die Beobachtung von
Wahlen und andere technische Hilfsleistungen große Unterstützung erwiesen.
Sie hat versucht, den Ländern
zu helfen, die ihre Rechtssysteme
verbessern wollten.
Sie ist neue
Verpflichtungen im Kampf gegen den
Drogenmißbrauch
und
den
illegalen
Rauschgifthandel in dieser Hemisphäre
eingegangen,
insbesondere
mit
dem
erst letztes Jahr in Rio de Janeiro
vereinbarten Anti-Drogen Aktionsprogramm.
Und natürlich kann die OAS
zahlreiche Erfolge bei ihren Aktivitäten zur Friedenssicherung vorweisen, von denen viele in Mittelamerika
stattfanden.
Es trifft zu, daß die finanzielle
Lage der OAS nicht gut ist.
Das
spiegelt
zum Teil die umfassenden
wirtschaftlichen
und
finanziellen
Schwierigkeiten der Mitgliedsstaaten
wider. Wir haben dieses Problem bei
unserem Zusammentreffen in Cartagena
im Jahr 1985 besprochen. Nach diesem
Treffen habe ich Präsident Reagan empfohlen, wir sollten die Zustimmung
des Kongresses einholen, um unseren
vollen Anteil an diese Organisation
zu zahlen, was die Vereinigten Staaten seit mehreren Jahren unterlassen
haben.
Der Präsident hat dem zugestimmt.
Dann hat der Kongreß seine
Zustimmung erteilt, konnte aber angesichts der angespannten Haushaltslage
keine Mittel bereitstellen. Wir werden es weiter versuchen.

- 9 -

�Das amerikanische
Außenministerium hat in den vergangenen drei Jahren einschneidende Haushaltskürzungen
erfahren. Im vergangenen Jahr mußten
wir schwierige Anpassungen vornehmen,
die im Vergleich zu dem, was uns bevorsteht,
geringfügig
erscheinen
könnten.
Im kommenden Jahr müssen
wir noch größere Anpassungen vornehmen.
Diese drastische Kürzung der
finanziellen
Mittel
für auswärtige
Angelegenheiten hat uns unter anderem
dazu gezwungen, unser Angebot, bei
dieser Generalversammlung als Gastgeber
zu
fungieren,
zurückzuziehen.
Ich möchte wiederholen, was ich dem
Generalsekretär damals erklärt habe.
Diese Entscheidung ändert nichts an
unserem entschlossenen Engagement für
die Organisation amerikanischer Staaten.
Ich habe bereits in Cartagena
auf unseren Wunsch hingewiesen, daß
diese Organisation eine Kraft von
entscheidender Bedeutung sein muß.

Die neue Solidarität
Mit dem Erstarken der Demokratie
in dieser Hemispäre ist ein neues
Phänomen zutage getreten, eine neue
Solidarität unter den demokratischen
Staaten sowie unter Gruppen und Einzelpersonen, die der Demokratie verpflichtet sind. Die Zunahme bei der
Anzahl demokratisch gewählter Staatsund Regierungschefs in Süd- und Mittelamerika sowie in der Karibik hat
auch zu einer verbesserten Kommunikation und Kooperation zwischen diesen
geführt. Wenn die Demokratie in einem Land unter Druck gerät, dann beeilen sich die demokratischen Politiker in der ganzen Hemisphäre, ihre
demokratischen Kollegen zu unterstützen.
Diese neue demokratische Solidarität tritt ebenso offensichtlich unter einfachen Bürgern zutage. Mit- 10

glieder politischer Parteien, Gewerkschafter, Bürgerrechtler und andere
vereinen sich über die Grenzen hinweg, um Erfahrungen auszutauschen und
sich gegenseitig
in ihrem Streben
nach demokratischen Regierungsformen
zu unterstützen. Wir haben ihnen gegenüber eine feierliche Verpflichtung
zur Bereitstellung des von ihnen geforderten politischen und wirtschaftlichen Rahmens - einer verantwortlichen, dem Volk gegenüber rechenschaftspflichtigen
Regierung
und
wirtschaftlichen Chancen für alle.
Zusätzlich hat die Geschichte der
letzten 25 Jahre eindeutig gezeigt,
daß unsere Sicherheit und die Sicherheit aller freien Länder in ganz Amerika durch die Konsolidierung solcher
Regierungen gestärkt wird, die auf
ein demokratisches Mandat gegründet
sind, die Pflichten und schwierige
Entscheidungen
anerkennen,
denen
freie und souveräne Nationen unterworfen sind und die frei sind, ihre
eigenen Interessen zu verfolgen. Da
wir ebenfalls Demokratien sind, deckt
sich die Mehrzahl unserer Interessen;
wenn dies nicht der Fall ist, dann
können wir unserer Meinung nach die
Reife, den politischen Willen und die
Differenziertheit aufbringen, um unsere Meinungsverschiedenheiten in befriedigender Weise zu lösen.
Die vielversprechenden Aussichten
einer durch gemeinsame demokratische
Überzeugungen und Praktiken verbundenen Hemisphäre werden von uns hoch
eingeschätzt. Deshalb werden wir unermüdlich an der Verwirklichung dieses Ziels arbeiten. Wir werden durch
das ermutigt, was wir sehen.
Mehr
und mehr sprechen die Premierminister
der Karibik und die Präsidenten Lateinamerikas miteinander und mit uns
in Nordamerika die gleiche Sprache.
Es ist die Sprache der Demokratie.
Wir alle werden die gegen Monatsende

�in Haiti und Surinam stattfindenden
Wahlen genau beobachten, um festzustellen, daß sie wirklich den Willen
des Volkes widerspiegeln.
Und wir
werden weiterhin die Bemühungen zum
Wiederaufbau demokratischer Ordnungen
in Chile, Panama und Paraguay beobachten.
Heute befindet sich Mittelamerika
an einem besonders wichtigen Scheideweg.
Ein regionaler Rahmen für die
Verwirklichung der Demokratie ist von
den politischen Führern Mittelamerikas selbst entwickelt und vereinbart
worden.
Sie sind nicht davon überzeugt, daß das nicaraguanische Volk
zu einem Leben unter einer totalitären Regierung
verdammt
ist.
Wir
stimmen ihnen zu.
Sie sehen keinen
Grund für die Bevölkerung der mittelamerikanischen Demokratien, eine Zukunft dauernder Unsicherheit hinzunehmen. Wir stimmen ihnen zu.
Sie
sehen keinen Grund für Mittelamerika,
eine Zukunft großer, die spärlichen
Mittel aufsaugender Armeen hinzunehmen, eine Zukunft ständiger Wachsamkeit an den Staatsgrenzen, dauernder
Furcht, Überwachung und Zweifel. Wir
stimmen ihnen zu.

nen helfen, nur um zu gestatten, daß
sie gleich wieder zugeschlagen würde.
Wir müssen unsere vereinte Macht einsetzen, um die Diplomatie der Demokratie in Nicaragua zu unterstützen,
denn
unsere
Sicherheitsinteressen,
unsere moralischen Werte und unsere
politischen Ziele werden alle Teil
dieses Ergebnisses sein.
So wie wir uns dem 500. Jahrestag
der Entdeckung der neuen Welt durch
die alte nähern, haben wir eine historische Chance, eine Erklärung zur
Zukunft dieser Hemisphäre abzugeben,
eine Warnung an die Diktatoren auszusprechen, daß sie in diesem Teil der
Welt nicht willkommen sind und daß
sie in der Tat auf verlorenem Posten
stehen werden.
Nur dann werden wir behaupten
können, daß wir unserer Verpflichtung
als Mitglieder dieser großen Organisation Genüge getan haben, den Menschen ein Land der Freiheit zu bieten: der Freiheit für alle Menschen
in all unseren Ländern.

In dem Kampf, der heute diejenigen Nicaraguaner, die an die Demokratie glauben, von denen scheidet, die
von Totalitarismus und Diktatur überzeugt sind - nicht nur in Nicaragua,
sondern als Ideal für die gesamte Hemisphäre -, müssen wir an der Seite
der Demokraten stehen.
Die Sicherheit Mittelamerikas - und letztlich
die Sicherheit aller Demokratien
hängt davon ab.
Wir in der Organisation Amerikanischer Staaten tragen eine ganz besondere Verantwortung.
Nach den Ereignissen des Jahres 1979 wäre es
doppelt verantwortungslos, wenn wir
die Tür der Demokratisierung zu öff- 11 -

* * * * *

�AMERIKA DIENST
Wirtschaft
19. November 1987

41

LXNDERBERICHT ÜBER DAS VORAUSSICHTLICHE VOLUMEN DES HANDELS
MIT DER BUNDESREPUBLIK DEUTSCHLAND IM JAHR 1987
- Herausgegeben vom Büro des US-Handelsbeauftragten -

WASHINGTON - (AD) - Das Büro des Handeslbeauftragten der Vereinigten Staaten hat kürzlich den Länderbericht 1987 über das voraussichtliche Volumen des
Handels mit der Bundesrepublik Deutschland veröffentlicht.
Dieser Bericht
soll wesentliche, im Ausland bestehende Handelshemmnisse für amerikanische Exporte aufdecken sowie bisherige und zukünftige Maßnahmen zum Abbau dieser
Hemmnisse und zur Verbesserung des Handelsumfelds erläutern.
Im Rahmen der Bemühungen, das Bewußtsein für Handelshemmnisse zu schärfen,
aufgrund derer amerikanische Exporteure in bestimmten Bereichen der deutschen
Wirtschaft nur schwer konkurrieren können, erscheint uns die Veröffentlichung
des nachfolgenden Berichts nützlich.

Die Vereinigten Staaten sind der
größte, nicht zur Europäischen Gemeinschaft (EG) zählende Handelspartner der Bundesrepublik Deutschland.
Die Vereinigten Staaten haben im Jahr
1986 mehr als 10 Prozent des gesamten
Exportvolumens
der
Bundesrepublik
aufgenommen, und stellen 6,5 Prozent
der Gesamtimporte.

ist
der
teil
mit

Die
Bundesrepublik
Deutschland
der drittgrößte
Handelspartner
vereinigten Staaten und ihr Anam gesamten bilateralen Handels
den vereinigten Staaten beträgt

United States Information Service
Embassy of the United States of America

mehr als 6 Prozent. Der Handel zwischen beiden Ländern belief sich im
Jahr 1986 auf 36,5 Milliarden Dollar.
Das amerikanische Handelsdefizit
mit der Bundesrepublik ist seit 1981
stetig angestiegen. Im Jahr 1986 betrug es 15,7 Milliarden Dollar, gegenüber 12,3 Milliarden im Jahr 1985.
Das Volumen amerikanischer Exporte in
die
Bundesrepublik
Deutschland erreichte im Jahr 1980 mit 10,6 Milliarden Dollar seinen Höchststand und
stagnierte 1985 bei etwa 9 Milliarden
Dollar.

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Im Jahr 1986 erhöhten sich die
amerikanischen
Exporte
jedoch
auf
10,4 Milliarden Dollar. Gleichzeitig
nahmen die Importe in die Vereinigten
Staaten stetig zu.
Sie stiegen im
Jahr 1986 auf 26,1 Milliarden Dollar,
gegenüber
21,2 Milliarden im Jahr
1985.
Zu den wichtigsten Exportgütern der Vereinigten Staaten für die
Bundesrepublik
Deutschland
zählten
1986
Büromaschinen,
Flugzeuge
und
Computer.
Hauptimportwaren
in die
Vereinigten Staaten waren Fahrzeuge,
Industriemaschinen und Motoren.
Amerikanische Direktinvestitionen
in der Bundesrepublik Deutschland beliefen sich zum Ende des Jahres 1986
auf 20,3 Milliarden Dollar. Im Vergleich dazu hatten deutsche Investitionen in den Vereinigten Staaten
einen Gesamtumfang von 17,4 Milliarden Dollar.

1. Normen, Prüfung, Kennzeichnung
und Zulassung
A.

Beschreibung

Die
Bundesrepublik
Deutschland
hat in den Jahren 1986 und 1987 jeweils eine überarbeitete Verordnung
für medizinische Geräte herausgegeben,
über diese Verordnungen wurden
Hersteller und andere Interessenten
nicht gemäß dem Normenkodex des Allgemeinen
Zoll- und
Handelsabkommens
(GATT) unterrichtet.
Eine der überarbeiteten Bestimmungen bezieht sich
auf mehr als 100 private bundesdeutsche Normen, die auf ähnliche Weise
ohne
Berücksichtigung
nicht-bundesdeutscher Interessen erarbeitet wurden.
B.

nische Exporte medizinischer Geräte
(einschließlich
Bildgeräte) in die
Bundesrepublik Deutschland auswirken.
Die
Exporte amerikanischer medizinischer Ausrüstung in die Bundesrepublik erreichten 1986 einen Gesamtumfang von 263 Millionen Dollar.
C.

Bisherige und zukünftige Maßnahmen

Die Vereinigten Staaten haben in
diesem Bereich eng mit der heimischen
Industrie
zusammengearbeitet.
Sie
erheben weiterhin Einspruch dagegen,
daß es die Bundesrepublik Deutschland
unterlassen hat, das GATT von der
Veröffentlichung von Richtlinien für
medizinische Geräte zu unterrichten.
Im Juni 1986 haben die Vereinigten
Staaten
der
Bundesrepublik
Deutschland einen Fragenkatalog mit
der Bitte um Klärung der Verordnungen
über medizinische Geräte übermittelt.
Die Antwort der Bundesrepublik vom
Oktober 1986 warf zusätzliche Fragen
des Verbandes der Hersteller von Gütern
für
die
Gesundheitsfürsorge
(Health Industry Manufacturers Association - HIMA) und des Verbandes der
Hersteller von elektrischen Geräten
(National
Electrical
Manufacturers
Association - NEMA) auf.
Im Juni
1987 wurde ein weiterer Fragenkatalog
an
die
Bundesrepublik
Deutschland
übersandt.
Amerikanische Firmen bewerten gegenwärtig
die
Auswirkungen
neuer
deutscher
Vorschriften,
die
sich
nachteilig auf die Exporte einiger
Geräte auswirken könnten. Diese Bewertung wird in Abstimmung mit amerikanischen Durchführungs- und Handelsbehörden vorgenommen.

Voraussichtliche Auswirkungen
2.

Die
überarbeiteten
könnten sich nachteilig

Verordnungen
auf amerika-

Staatliche Beschaffung

Beschaffung gemäß staatlichen Rieht-

�ternehmen.
Diese Unternehmen haben
keine großen
Dampfgeneratoren
oder
Stromtransformatoren
aus
den
Vereinigten Staten bezogen.

linien
A.

Beschreibung

Eine erhebliche Anzahl bundesdeutscher Ausschreibungen, die unter
den
staatlichen
Beschaffungskodex
fallen, entsprechen nicht den Anforderungen des Kodex, von minidestens
30 Tagen Frist zwischen Veröffentlichung
und endgültigem
Abgabetermin
des Angebots. Im Jahr 1986 entsprachen 65 von 370 Ausschreibungen (18
Prozent)
nicht
den
Anforderungen.
Von verkürzten Abgabeterminen waren
eine große Bandbreite von Produkten
betroffen, einschließlich Zubehör für
LebensmittelVerpackungen,
Industriekühlschränke, Dieselkraftstoff, Magnetplatten, Druckund Verpackungsmaschinen.
B.

Voraussichtliche Auswirkungen

Amerikanische
Unternehmen
sind
bei diesen Produkten weltweit führend. Wenn sie am Wettbewerb beteiligt werden, könnte Ihnen ein bedeutender
Marktanteil
der
staatlichen
Beschaffung zukommen. Dennoch liegen
die
voraussichtlichen
Auswirkungen
unter 5 Millionen Dollar pro Jahr.
C.

Bisherige und zukünftige Maßnahmen

Sofern erforderlich, tragen die
Vereinigten Staaten dem Bundesministerium für Wirtschaft die Probleme
der verkürzten Abgabefrist bei Ausschreibungen vor.

Elektrisches Großgerät
A.

Beschreibung

Regierungsstellen
(auf Bundes-,
einzelstaatlicher und kommunaler Ebene) sind zu etwa 66 Prozent Kapitaleigner deutscher Stromversorgungsun-

Deutsche Versorgungsbetriebe nehmen ihre Beschaffung im allgemeinen
aus einer Liste "in Frage kommender
Lieferanten" für bestimmte Ausschreibungen vor. Ausländische Firmen kommen weder für Dampfturbinen noch für
große
Stromtransformatoren
in
Betracht.
B.

voraussichtliche Auswirkungen

Die genaue Einschätzung der Gesamtauswirkungen
dieser
Handelsschranke
bereitet
Schwierigkeiten.
Dennoch könnten amerikanische Lieferanten in diesem Sektor Zuschläge erhalten, wenn ihnen der Wettbewerb erlaubt wäre. Der Umfang des deutschen
Marktes
für
Turbogeneratoren
und
Transformatoren wird auf etwa 350
Millionen Dollar im Jahr geschätzt.
C.

Bisherige und zukünftige Maßnahmen

Die Vereinigten Staaten versuchen
jetzt
die
Bevozugung
inländischer
Produkte abzubauen und verhandeln erneut über den GATT-Kodex zur staatlichen Beschaffung. Die zweite Phase
dieser Verhandlungen über eine Erweiterung des Kodex auf neue Bereiche
wurde zu Beginn des Jahres 1987 aufgenommen.
Die Vereinigten Staaten drängen
die Bundesrepublik weiterhin, Behörden, die in beträchtlichenm Umfang
elektrisches Großgerät erwerben, in
den Kodex aufzunehmen. Vom Kodex erfaßten Behörden ist es nicht erlaubt,
Produkte
anderer Unterzeichner
des
Kodex zu benachteiligen.
Die Sonderkommission des Präsidenten hat Einlassungen der amerika-

- 3 -

�nischen Industrie über unfaire Handelspraktiken in diesem Sektor geprüft.
Die Regierung wertet gegenwärtig diese Vorwürfe unterstützendes
statistisches Material der Industrie
aus, um herauszufinden, wie dieser
Problemkreis mit den westeuropäischen
Ländern und Japan in Zukunft behandelt werden soll. Die Regierung wird
im Herbst 1987 weitere Maßnahmen in
Erwägung ziehen.

3.

Andere Handelhemmnisse

Staatliche Unterstützung für Verkehrsflugzeuge:
Subventionen
für
Entwicklung und Produktion, Kaufanreize, übermäßiger Druck auf die Auswahl der Verkäufer und die Beschaffung bei den nationalen Fluggesellschaften.

A.

Beschreibung

Im Juni 1987 erklärte die Bundesrepublik Deutschland, sie würde 1,65
Milliarden Dollar zur Förderung der
Programme für die Verkehrsflugzeuge
Airbus A 330 und A 340 bereitstellen.
Dieser Betrag wurde zusätzlich zu den
früher bereits für Luftfahrtprogramme
des Airbus-Konsortiums aufgewendeten
Milliarden Dollar gewährt.
Die mit diesen Programmen geförderten Flugzeuge stehen in direktem
Wettbewerb mit Flugzeugen von Boeing
und McDonnell Douglas.
Der Airbus
A 330 und A 340 konkurrieren mit der
Boeing 767 und anderen Typen sowie
mit der MD-11 von McDonnell Douglas.
Unzureichende Informationen über
die wirtschaftliche Analyse hinter
diesen Entscheidungen zur Förderung,
die Bedingungen für die Bereitstellung dieser Starthilfe und ihre Rückzahlung an die Regierung erschweren

Schätzungen, ob bei der Vergabe der
Subventionen eine Rückzahlung ernsthaft erwartet wurde. Die Vereinigten
Staaten stellen in Frage, daß diese
Programme auf der Grundlage normaler
Kriterien wirtschaftlich existenzfähig sind und im Einklang mit den Verpflichtungen
des
GATT-Luftffahrtabkommens stehen.
Bisher gewährte finanzielle Förderung
der
Bundesrepublik
an
den
deutschen Partner von Airbus Industries, die
Deutsche
Airbus
(eine
Tochtergesellschaft
von
Messerschmidt-Boelkow-Blohm oder MBB, die
ganz in deren Eigentum steht) konzentrierte sich auf die Entwicklungsphase einzelner Luftfahrtprogramme.
Am
3. Juni 1987 erklärte die Bundesrepublik Deutschland jedoch, sie würde
die Garantieleistungen für Schulden
im Gegenwert
von
1,06
Milliarden
Dollar nachkommen, die MBB bei der
Finanzierung der Produktionsphase für
den Airbus A 300 und A 310 gemacht
hatte.
Die Tilgung der durch Produktionskosten
entstandenen
Schulden
mittels
Subventionen
bedeutet
eine
eindeutige Abkehr von in der Vergangenheit üblichen Praktiken.
Obwohl
die Bundesrepublik erklärte, MBB würde die Schulden durch die Verkäufe
des Airbus A 300 und A 310 zurückzahlen, ist es höchst zweifelhaft, ob es
überhaupt zu genügend Verkäufen kommt.
Zusätzlich zu diesen Subventionen
für den Airbus besteht Grund zu der
Annahme,
daß
die
Bundesrepublik
Deutschland und andere Ländervertreter des Airbus-Konsortiums unter Zuhilfenahme
politischer
und
wirtschaftlicher Anreize Einfluß auf Verkäufe an Drittländer genommen haben,
um
dem
Airbus
gegenüber
amerikanischen Flugzeugen einen Vorteil zu
verschaffen.

- 4 -

�Die amerikanische Luftfahrtindustrie hat ferner die Beschuldigung
vorgebracht, daß staatliche Interventionen bezüglich der Entscheidungen
über die Auswahl der Anbieter von
Airbus-Bauteilen sowie Entscheidungen
über die Beschaffung von Triebwerken
und Flugzeugen durch nationale und
andere europäische Fluggesellschaften
amerikanische Exporte geschädigt hätten.
Die vereinigten Staaten
daß solche Praktiken nicht
GATT-Luftfahrtabkommen
im
stehen.
B.

glauben,
mit dem
Einklang

Voraussichtliche Auswirkungen

Schätzungen
der
amerikanischen
Flugzeugindustrie
zufolge
hat
die
Einführung des A 320 sie den Verkauf
von mehr als 150 Verkehrsflugzeugen
gekostet.
Geht man davon aus, daß
die amerikanischen Hersteller diese
Verkäufe getätigt hätten und unter
Berücksichtigung
des
von
amerikanischen Lieferanten zum A 320 beigesteuerten Wertanteils, hatten diese
Subventionen bis zum heutigen Tage
Auswirkungen im Umfang von ca. 3 Milliarden
Dollar
möglicher
amerikanischer Verkäufe.
Obwohl Berechnungen über die Auswirkungen
der Airbus-Programme auf
den
amerikanischen
Beschäftigungsmarkt
im einzelnen
nicht
möglich
sind, werden ca. 50 000 amerikanische
Arbeitsplätze
verloren gehen, wenn
die Airbus-Industries ihr Ziel von
600 Verkaufseinheiten des A 320 bis
1998 erreichen.
Zuverlässige Schätzungen über den durch andere AirbusProgramme verursachten Verlust amerikanischer Arbeitsplätze stehen nicht
zur Verfügung.
Das offensichtliche
Erlassen der staatlich garantierten
Darlehen für den A 300 und A 310
führt jedoch zu einer Erhöhung jedes

einzelnen Elements bei den Subventionen
dieser
Unterstützungsprogramme
und ihrer handelsverzerrenden Auswirkungen.
Ferner scheinen die aggressiven
Verkaufspraktiken
der
Airbus-Industrie bei zahlreichen Verkaufswettbewerben zu einem Druck auf die Preise
geführt zu haben.
Eine anhaltende
Gewinnspannenerosion könnte langfristig einschneidende Auswirkungen auf
die amerikanische Industrie haben.
Es gibt Beweise dafür, daß staatliche Interventionen für den Airbus
seitens der Bundesrepublik und anderer Länder bei Verkaufswettbewerben
in Drittländern und Europa und bei
Entscheidungen im Hinblick auf Bezugsquellen
für
Einzelteile
und
Triebwerke
beträchtliche
Umsatzverluste der amerikanischen Flugzeugindustrie ausgelöst haben. Fortgesetzte politische und wirtschaftliche Interventionen
zugunsten
des
Airbus
könnten weitere Umsatzverluste amerikanischer Flugzeughersteller, Exportrückgänge sowie Importerhöhungen zur
Folge haben.
C.

Bisherige und zukünftige Maßnahmen

Die Vereinigten Staaten haben die
besonderen Praktiken der Airbus-partnerregierungen zum ersten Mal im Oktober 1984 im GATT-Flugzeugausschuß
angesprochen.
Die Vereinigten Staaten haben weiterhin gefordert, daß
Flugzeugsubventionen dem GATT-Subventionsausschuß zur Kenntnis gebracht
werden, wie dies in den generellen
Vereinbarungen und dem Subventionskodex vorgesehen ist.
Als Konsequenz
der
zunehmenden
Besorgnis über Aktionen, die aus der
Sicht der Administration nicht im
Einklang
mit
den
Verfügungen
des
Flugzeugabkommens
stehen,
beraumte

- 5 -

�die Sonderkommission des Präsidenten
im Herbst 1985 eine Überprüfung zum
Thema Airbus an. Der Rat für Wirtschaftpolitik (EPC) leitete auf Empfehlung
der Sonderkommission
eine
Reihe von Maßnahmen zur Behebung der
Situation in die Wege.
Als Ergebnis wurden im Frühjahr
1986 informelle Gespräche auf höchster Ebene zwischen den vereinigten
Staaten
und
der
Bundesrepublik
Deutschland,
Frankreich
und
Großbritannien aufgenommen. Das Ziel war
die
Erarbeitung
einer
gemeinsamen
Auslegung der einzelnen Artikel des
Flugzeugabkommens,
insbesondere
von
Artikel 4, der staatlichen Druck und
staatliche
Anreize behandelt
sowie
von Artikel 6 über staatliche Subventionen und Fördermittel. Obwohl diese Gespräche auch nützlich waren, war
das Ergebnis aus der Sicht der Vereinigten
Staaten
unbefriedigend.
Daraufhin besuchte eine amerikanische
Delegation auf politischer Ebene die
Hauptstädte der drei Airbus-Partnerländer im Februar 1987 zur Erörterung
der einzelnen Regierungsinterventionen, die zu einer Verzerrung des
Markts
für kommerzielle Transportflugzeuge führen könnten.
Im Anschluß daran traf der Rat
für Wirtschaftspolitik folgende Entscheidungen: 1.) Den amerikanischen
Handelsvertreter durch die Einberufung einer Sondersitzung des Flugzeugausschusses unverzüglich zur Klärung und Unterstützung der Schlüsselverfügungen
des
Flugzeugabkommens
aufzufordern;
2.) Das amerikanische
Handelsministerium
zur
Durchführung
einer Studie über die Unternehmen des
Airbus-Industriekonsortiums
anzuweisen, einschließlich erhaltener Unterstützungen,
Programmkosten,
Preisfestsetzung der Airbus-Produkte sowie
deren Auswirkungen auf die amerikanische Industrie und 3.) die Handels- 6

behörden zur Überwachung derzeitiger
Airbus-Verkaufskampagnen auf unfaire
Praktiken aufzufordern.
Im Einklang mit dem Kabinettsbeschluß berief der amerikanische Handelsbeauftragte
im März 1986 eine
Sondersitzung
des GATT-Flugzeugausschusses zur Erörterung der amerikanischen Besorgnis über Artikel 4 und
6 ein. Seit damals sind eine Reihe
intensiver informeller Gespräche und
Konsultationen mit der EG-Kommission
und den Airbus-Partnerländern anberaumt worden.
Am 23. Juli 1987 überprüfte der
GATT-Flugzeugausschuß den Stand dieser Bemühungen offiziell. Obwohl im
Hinblick auf die Auslegung des Wortlauts von Artikel 4 im großen und
ganzen
Übereinstimmung
herrschte,
konnten bei der Auslegung der Verfügungen von Artikel 6 nur geringe
Fortschritte erzielt werden.
Die Vereinigten
Staaten
stehen
mit den anderen Parteien weiterhin
zur Erarbeitung einer ausgehandelten
Beilegung ihrer Differenzen in Verbindung.
Der Rat für Wirtschaftspolitik wird das Ergebnis dieser Bemühungen, die Studie des Handelsministeriums sowie die jüngsten Marktentwicklungen daraufhin überprüfen, ob
weitere
Schritte
zur
Verringerung
oder Beseitigung der handelsverzerrenden Auswirkungen der von den Airbus-Partner regier ungen
ergriffenen
Maßnahmen erforderlich sind.
Zugang zum Telekommunikationsmarkt
A.

Beschreibung

1.)

Beschaffung

Die Deutsche Bundespost erwirbt
ca. 60 Prozent des Fernmeldegeräts
für die Bundesrepublik.
Die Bundes-

�post legt bei allen Ausschreibungen,
die
technische Sachkenntnis erfordern, ein selektives Ausschreibungsverfahren zugrunde.
Nur gut eingeführte Unternehmen können an der Ausschreibung teilnehmen.
Die vorgehensweise der Bundespost
benachteiligt ausländische Unternehmen
ohne
Herstellungseinrichtungen
oder sonstige bedeutende technische
Repräsentanz in der Bundesrepublik.
Solche Unternehmen sind von der Teilnahme an der Entwicklung neuer Gerätespezifikationen ausgeschlossen oder
kommen nicht als Gerätelieferanten,
insbesondere
für Schalt- und Ubertragungsgeräte, in Frage.
Die
Bundespost
hat
sich
verpflichtet, ab 1985 10 Prozent der Beschaffung von Endgeräten dem internationalen Wettbewerb zu öffnen.
2.)
Normen, Prüfung,
Zulassung

Kennzeichnung,

Die deutschen Bestimmungen über
den Anschluß von Geräten an das Netz
sind sehr viel strenger als die in
den vereinigten Staaten angewandten.
Zahlreiche deutsche Normen und Vorschriften erstrecken sich bis auf das
Design und schließen Spezifikationen
ein, die über diejenigen hinausgehen,
die zur Verhinderung einer "Beschädigung des Netzes" erforderlich sind.

kanischen System ist das Verfahren
der Bundespost wie folgt:
1.)
im
Ausland
erstellte Prüfdaten
werden
nicht anerkannt; 2.)
Eigenzulassung
durch den Hersteller ist nicht gestattet;
3.)
erfordert die erneute
Zulassung nach geringfügigen Veränderungen am zugelassenen Gerät und 4.)
erlegt
unnötige
Wartungs- und
Installationsbestimmungen auf.
3.)

Dienstleistungen

Privatunternehmen können über das
öffentlich geschaltete Netz erweiterte Dienstleistungen anbieten, dürfen
diese
erweiterten
Dienstleistungen
jedoch ohne vorherige Genehmigung der
Bundespost nicht über geleaste Leitungen anbieten.
Der Weiterverkauf
geleaster Leitungskapazität ist nicht
gestattet.
Privatunternehmen können
erweiterte Dienstleistungen im Rahmen
des
öffentlich
geschalteten
Netzes
über
geleaste
Leitungen
anbieten.
Dies erhöht jedoch die Kosten des Anbieters
dieser
Dienstleistung
beträchtlich (verglichen mit den Kosten
von zum Pauschalpreis geleasten Leitungen) und können die angebotene
Dienstleistung unrentabel machen.

Dem von der Bundespost angewandten Verfahren zur Normenfestsetzung
mangelt es an Transparenz.
Anbieter
haben wenig Möglichkeiten, auf den
Entwurf der Normen und Vorschriften
Einfluß zu nehmen.

Privatunternehmen
beschweren
sich, daß sie der Bundespost eine detaillierte Beschreibung der jeweils
angebotenen
Dienstleistung
vorlegen
müssen.
Sie haben die Befürchtung,
die Bundespost könnte sich entscheiden,
eine
solche
Dienstleistung
selbst anzubieten und damit privaten
Wettbewerb ausschalten.
Die Bundespost bietet bereits bestimmte Dienstleistungen an, die Privatunternehmen
nicht auch anbieten dürfen.

Die Verfahrensweisen der Bundespost zur Prüfung, Zulassung sowie den
Anschluß von Endgeräten beschränken
den amerikanischen Zugang zum deutschen Markt. Im Gegensatz zum ameri-

Obwohl die Bundespost mengenabhängige Tarife für geleaste Leitungen
eingeführt hat, bevorzugen amerikanische
Unternehmen
kostenabhängige
Pauschaltarife.
Durch mengenabhängi-

- 7 -

�ge Tarife werden privater Initiativen
zur
Einführung
neuer
verbesserter
Dienstleistungen beträchtlich verringert.
In Zusammenhang mit der für das
Jahr 1988 geplanten Einführung des
neuen ISDN-Systems (integrated Services Digital Network) entwickelt die
Deutsche Bundespost gegenwärtig eine
neue Tarifstruktur.
Die neue Regelung bietet keine Garantie dafür, daß
die Bundespost sich selbst die gleichen Tarife in Rechnung stellen wird
wie ihren privaten Wettbewerbern.

B.

sich
Telekommunikationsexperten
aus
beiden Ländern zu informellen technischen Gesprächen mit dem ziel, in
Zusammenhang mit dem Marktzugang stehende Belange anzusprechen.
Diese
Gespräche
konzentrierten
sich vor allem auf drei Gebiete: 1)
Einweisung in die spezifischen Kriterien des bundesdeutschen Telekommunikationssystems; 2) Vorbringen amerikanischer
Sorgen
über
fehlenden
Marktzugang;
3)
Erläuterung
des
durch Deregulierung in den Vereinigten Staaten geschaffenen flexibleren
und wettbewerbsfähigeren Telekommunikationssystems.

Voraussichtliche Auswirkungen

Der Markt für Telekommunikationsausrüstungen
in der
Bundesrepublik
Deutschland wurde im Jahr 1986 auf
ein Gesamtvolumen von 4,9 Milliarden
Dollar geschätzt. Bis 1988 wird ein
Umfang von 5,7 Milliarden Dollar erwartet.
Im Jahr 1986 erreichten die
Exporte der Vereinigten Staaten in
die Bundesrepublik ein Gesamtvolumen
von
109
Millionen
Dollar.
Eine
durchgreifende
Liberalisierung
der
Haltung der Bundespost im Hinblick
auf Beschaffung, Normen und Dienstleistungen würde den größten Telekommunikationsmarkt Europas für amerikanische Unternehmen öffnen.

Insbesondere haben die Vereinigten Staaten die Bundesrepublik dringend ersucht, bei der Öffnung ihres
Marktes in sechs wichtigen, vom amerikanischen
Wirtschaftsminister
im
Juli 1986 definierten Bereichen Fortschritte zu machen. Die Vereinigten
Staaten sind gegenwärtig damit befaßt, die Marktzugangsgespräche vom
Juni 1987 auszuwerten, um die nächsten Schritte zu erwägen.
Im Rahmen dieser Gespräche erklärte die Bundesrepublik ihre Absicht, in folgenden Einzelbereichen
eine Lockerung durchzuführen:
1.)

C.

Bisherige und zukünftige Maßnahmen

Die Vereinigten Staaten haben mit
Vertretern
der
Bundesrepublik
Deutschland vier Gesprächsrunden über
das Problem des Marktzugangs abgehalten - die letzte fand im Juni 1987
statt.
Im Juni 1986 fanden außerdem
Konsultationen mit deutschen Vertretern über die zum 1. Januar 1988 zusammen mit der Einführung von ISDN in
Kraft tretende Telekommunikationsordnung (TKO) statt. Zusätzlich trafen

Beschaffung

Die
Bundesrepublik
Deutschland
hat sich verpflichtet, seit 1985 10
Prozent der Beschaffungen im Fernmeldebereich dem internationalen Wettbewerb zu öffnen.
internationale Ausschreibungen
werden
im offiziellen
Mitteilungsblatt der Europäischen Gemeinschaft veröffentlicht.
Einer Erklärung der Bundesrepublik Deutschland zufolge "haben alle
potentiellen und qualifizierten Lieferanten Zugang zu (mit der Ausarbei-

�tung von Spezifikationen beschäftigten) Arbeitsgruppen".
Die Bundesrepublik hat die EG außerdem aufgefordert, ihre Zustimmung zu einer Ausdehnung
der
GATT-Richtlinien
für
staatliche Beschaffungen auf die Beschaffung
von Fernmeldegerät durch
die
Post- und
Fernmeldeverwaltungen
zu geben.
Inzwischen ist die Deutsche Bundespost dabei, ihre Spezifikationen
für
Nebenstellenvermittlungsanlagen zu überarbeiten, um Beschränkungen bezüglich der Zahl von
Anschlüssen pro Anlage aufzuheben.

2.)
Normen, Prüfung,
Zulassung

Kennzeichnung,

Durch bilaterale Kontakte ermutigen die Vereinigten Staaten die Bundesrepublik Deutschland, ihre Prüfund zulassungsverfahren für Endgeräte
zu lockern.
Die Bundesrepublik ist
gegenwärtig damit befaßt, ihre Zulassungsverfahren
in
einer
einzigen
Richtlinie zusammenzufassen, mit der
ein Recht auf Zulassung geschaffen
und
ein Einspruchsverfahren
eingeführt wird.

schlag über die Anerkennung von Prüfdaten, die Straffung der Zulassungsverfahren und Transparenz bilateraler
oder
regionaler
Normenabkommen
für
die
mögliche
Zustimmung
in
der
Uruguay-Runde berücksichtigen wird.
3.)

Dienstleistungen

Mitte des Jahres 1986 hat die
Bundesrepublik ihre Forderung aufgehoben, wonach 50 Prozent der Informationsverarbeitung
dem
Binnenmarkt
vorbehalten sein sollen. Die Bundespost
hat
bereits
mengenabhängige
Preise für geleaste Leitungen eingeführt.
Die Vereinigten Staaten fordern die Bundespost auf, zu einem
kostenabhängigen Tarifsystem zurückzukehren und Beschränkungen für geleaste Leitungen aufzuheben, die an
das
geschaltete Netz
angeschlossen
sind.

Die Bundesrepublik hat ferner ihre Bereitschaft
zum
Ausdruck
gebracht, die Anerkennung von in den
Vereinigten Staaten erstellten Prüfdaten für die Typenzulassung in Erwägung zu ziehen.
Dies gilt für bestimmte, in einer Typenzulassungsdirektive der EG aufgeführte Produkte.
Die Bundespost hat außerdem angeboten, für amerikanische Anbieter ein
Seminar
über deutsche Vorschriften
für das Fernmeldewesen und durchgeführte Liberalisierungsmaßnahmen abzuhalten.
Die
Bundesrepublik
Deutschland
ist ferner im Normenausschuß des GATT
vertreten, der einen von den Vereinigten
Staaten
vorgelegten
Vor- 9 -

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Wissenschaft und Technik
18. November 1987

41

AIDS-FRÜHBEHANDLUNG MIT INTERFERON
- Neue Therapien in der Erprobung -

WASHINGTON - (AD) - Der natürliche Wirkstoff Interferon, der versuchsweise
in der Krebstherapie angewandt wird, könnte auch für die Behandlung von AIDSKranken Bedeutung gewinnen. Diese Ansicht vertrat Dr. Anthony Fauci, der Direktor des Nationalen
Instituts für Allergie
und
Infektionskrankheiten
(Bethesda, Maryland), auf der Jahrestagung der Internationalen Gesellschaft
für Interferonforschung Anfang November 1987 in Washington.
Interferon ist
ein in der menschlichen Zelle gebildetes Glykoprotein, das die Vermehrung von
Viren, aber auch von einer Anzahl anderer Krankheitserreger, im Organismus
hemmt. Dank biotechnischer Verfahren kann Interferon inzwischen synthetisiert
werden, so daß es in ausreichenden Mengen verfügbar wäre.

Wie Fauci berichtete, habe man
sowohl bei AIDS-infizierten Personen,
die
noch
keine
Krankheitssymptome
zeigten, als auch bei AIDS-Patienten
mit
Kaposi-Sarkom
beobachtet,
daß
Alpha-Interferon
die
HIV-Vermehrung
hemmt (HIV - "Human Immunodeficiency
Virus", d.h. immunschwäche auslösendes Virus).
Bei
50 Prozent der
asymptomatischen Probanden, also Patienten
ohne
Krankheitssymptomen,
seien nach 12wöchiger Behandlung keine HIV-Viren mehr nachweisbar gewesen.
Bei Patienten mit den für das
Kaposi-Sarkom typischen Hautgeschwü-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

ren brachten Injektionen mit AlphaInterferon
die
Oberflächenläsionen
zum Verschwinden.
Auch kam es bei
mindestens 50 Prozent der mit Interferon behandelten Personen zu einer
Rückbildung von Tumoren.
Nach bisherigen Erfahrungen sei
aber nur dann mit der Rückbildung der
häufig in Verbindung mit AIDS auftretenden
Kaposi-Tumoren
zu
rechnen,
wenn noch ein hoher T-Lymphozytenspiegel vorhanden sei, sich die AIDSInfektion somit noch in den ersten
Stadien befinde. Personen mit einem

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�niedrigen
T-Lymphozytenspiegel
reagierten wenig oder gar nicht auf die
Behandlung, sagte Fauci. Deshalb sei
der frühzeitige Beginn der Therapie
auf jeden Fall vor dem Zusammenbruch
des Immunsystems des Körpers überaus
wichtig.
Die Zerstörung der T-Lymphozyten
(spezielle
Gruppe
weißer
Blutkörperchen) durch AIDS-Viren sei
einer der Vorgänge, die zur Schwächung der Abwehrkraft gegen Krankheitskeime aller Art führten.
Laborstudien hatten bereits gezeigt, daß Interferon die Vermehrung
von AIDS-Viren und deren Fähigkeit
zur Zellzerstörung zu hemmen vermag.
Beim Vergleich der Zellkulturen von
Patienten mit Kaposi-Sarkom aus Gruppen, die nach verschiedenen Verfahren
behandelt wurden, wurde festgestell,
daß im etwa gleichen Infektionsstadium bei Personen unter InterferonTherapie die Virusaktivität wesentlich geringer war als bei Patienten,
die kein Interferon erhielten.

sich noch in der Erprobung. Es habe
den Anschein, so Fauci, daß Trimetrexat das Leben vieler AIDS-Opfer um
Jahre verlängern könne.
Und im Gegensatz zu den beiden anderen Medikamenten, die derzeit zur Behandlung
von Pneumocystis
carinii
angewandt
werden, sei seine Toxizität sehr viel
geringer und durch Änderung der Dosierung
leicht
regulierbar.
Nach
Meinung von Dr. Carmen Allegra, unter
deren Leitung die NCI-Studie durchgeführt wird, eignet sich das Präparat
zur Behandlung praktisch aller AIDSPatienten, was man von den übrigen
bisher verfügbaren Medikamenten nicht
sagen könne.

Körpereigene Auslösersubstanzen für
Virusaktivität?

Allerdings ist auch Alpha-Interferon nicht frei von Nebenwirkungen.
Es kann Fieber, Müdigkeit und Appetitlosigkeit
hervorrufen.
Jedoch
halten die Wissenschaftler angesichts
des Allgemeinzustandes von AIDS-Kranken Auswirkungen dieser Art für nicht
allzu besorgniserregend.

Neben Interferon, das in allen
Körperzellen gebildet wird und von
allen sogenannten Zytokinen bisher am
besten erforscht ist, gibt es noch
zahlreiche ähnliche Stoffe. Sie werden von speziellen Zellgruppen abgesondert. Bei immunologischen Prozessen verschiedenster Art treten sie in
Erscheinung, geben stimulierende oder
dämpfende Signale an andere Zellen
weiter. Allerdings tappt die Wissenschaft in bezug auf ihre Wirkungsmechanismen noch weitgehend im Dunkeln.

Dr. Fauci referierte ferner über
die
versuchsweise
Anwendung
von
Trimetrexat zur Bekämpfung einer der
häufigsten
opportunistischen
Infektionen bei AIDS-Kranken, nämlich der
parasitären
Lungenentzündung
Pneumocystis carinii.
Auf sie entfällt
der weitaus größte Anteil der Todesursachen bei Menschen, die an der unheilbaren Krankheit leiden. Das Präparat wurde von Forschern des Nationalen Krebsinstituts der Vereinigten
Staaten (NCI) ursprünglich für die
Krebstherapie entwickelt und befindet

Dr. James curran, der Direktor
für AIDS-Programme bei den Zentren
für Krankheitsüberwachung in Atlanta
(Georgia), vermutet, daß eines dieser
Zytokine eine Schlüsselrolle bei der
Aktivierung
von AIDS-Viren
spielen
könnte. Denn eine schlüssige Antwort
auf die Frage, weshalb AIDS-Viren
fünf bis sieben oder noch mehr Jahre
latent im menschlichen Körper verbleiben, ohne aktiv zu werden, gebe
es bisher nicht.
Auf einer Tagung
der "Association of American Medical
Colleges" in Washington berichtete er

- 2 -

�am 9. November 1987 über Laborversuche, die erstmals hätten erkennen
lassen, wie Zytokine (Proteinsubstanzen) aus dem Immunsystem des Körpers
die Ausbreitung von Viren in Gang
setzen können, die zur AIDS-Erkrankung führen.

ner tatsächlichen Infektion sei die
Gefahr größer, daß latente AIDS-Viren
aktiviert werden.

So wurde durch in vitro-Experimente
("im
Reagenzglas")
demonstriert, daß z.B. andere Virusinfektionen wie Hepatitis und Herpes das
AIDS-Virus
zu aktivieren vermögen.
Dies
lasse
vermuten,
daß
es
im
menschlichen Organismus - falls ein
ähnliches Phänomen existiert - vielleicht Faktoren gäbe, die das Tempo
der
virenvermehrung
gegenüber
der
Zerstörung des Immunsystems regulieren können. Jedoch sei noch keineswegs klar, ob einer der Faktoren, die
als Aktiviator der AIDS-Viren in frage kommen, in irgendeiner Weise besser kontrollierbar wäre als das AIDSVirus selbst. Auf jeden Fall sollte
man sich mit diesem Forschungsgebiet
gründlich befassen, meinte Curran.

* * * * * *

Dr. Fauci, der an den Studien und
der Abfassung des Berichtes selbst
beteiligt war, hatte bereits früher
gefordert,
HlV-infizierte
Personen
gegen andere Infektionen so gut wie
nur irgend möglich zu schützen. Denn
Neuinfektionen wären gleichbedeutend
mit weiteren Reizfaktoren für ihr Immunsystem und könnten die Produktion
von Zytokinen auslösen.
Er hob jedoch
hervor, daß
nach
bisherigem
Kenntnisstand gewöhnliche Infektionen
wie Schnupfen oder Erkältungskrankheiten AIDS nicht zum Ausbruch brächten, da sie normalerweise keine massive Reaktion des Immunsystems verursachten. Auch sollte niemand vor einer Schutzimpfung, z.B. gegen Hepatitis, zurückschrecken, da eine Hepatitis-Infektion vermutlich gravierendere Folgen hätte als immunologische
Prozesse nach einer Impfung. Bei ei- 3 -

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