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                    <text>AMERIKA DIENST
VON

*

25.

20

Hai

L988

I N H A L T

DOKUMENTATION
Amerikanische Politik beim Gipfel ist auf Realismus und
Stärke gegründet
- Fernsehansprache Präsident Reagans anitdie Bündnispartnec Baker sieht positive Auswirkungen der Koordinierungsbemühungen
- Rede beim OECD-Ministertreffen HINTERGRUNDMATERIAL
ACDA-Chronologie der Verhandlungen über chemische Waffen
- Zusammenfassung der ACDA Probleme der Freizügigkeit
- Übersicht des Weißen Hauses Fünf Treffen Reagan-Gorbatschow beim Gipfel
- Das Programm des Gipfeltreffens Religiöse Rechte in der Sowjetunion
- Eine Übersicht Menschenrechte in der Sowjetunion
- Eine Übersicht DIE WAHLEN IN AMERIKA 1988
Die Präsidentschaftswahlkampagne und Ihre Parallelen in der
Vergangenheit
- von Dom Bonafede * * * * *

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%

AMERIKA DIENST
Dokumentation

"^ '&lt;£

23. Mai 1983

20

AMERIKANISCHE POLITIK BEIM GIPFEL IST AUF
REALISMUS UND STÄRKE GEGRÜNDET
- Fernsehansprache Präsident Reagans an die Bündnispartner WASHINGTON - (AD) - In seiner am 24. Mai 1988 vom Fernsehsender Wor^.dnet
des US-Informationsamts (USIA) über Satellit ausgestrahlten Ansprache erklärte
Präsident Reagan, er begrüße "die Fortschritte, die wir iTI Bereich der Menschenrechte in der Sowjetunion beobachten konnten", fügte jedoch hinzu, die
Menschenrechtssituation "ist immer noch alles andere als gut. Die Politik der
Unterdrückung hält an". In seiner an die "anderen Demokratien der Welt am
Vorabend seiner Abreise zum Gipfeltreffen nach Moskau irit Generalsekretär
Gorbatschow" gerichteten Rede erklärte Reagan, "wir, die Vereinigten Staaten,
sind unsererseits zu einem nützlichen Gedankenaustausch bereit".
Nachfolgend bringen wir die Ansprache Präsident Reagans Lm Wortlaut.
Wie Ihnen sicherlich bekannt ist,
werde ich Washington morgen verlassen, um nach einem Zwischenaufenthalt
in Helsinki zum Gipfeltreffen mit Generalsekretär Gorbatschow nach Moskau
weiterzureisen. Es erschien mir angemessen, am Vorabend meines vierten
Zusammentreffens mit Generalsekretär
Gorbatschow einige Worte an die anderen Demokratien dieser Welt zu richten, mit denen wir den Traum von
Freiheit und Frieden teilen.
Zunächst möchte ich die Politik
erörtern, die zu diesem Gipfeltreffen
geführt hat, und die meiner Ansicht
nach in hohem Maße dazu beigetragen
hat, Freiheit und Frieden in der Welt
weiterzuverbreiten.
Von Anfang an hat unsere Admini-

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stration ?ine Politik gegenüber der
Sowjetunion angestrebt, die auf Realismus, einen vernüftigen Austausch
mit den Sowjets und auch auf Stärke
gegründet ist, insbesondere im Hinblick auf die Einheit des Westens.
Die sowjetische Führung spricht um den von ihr geprägten Begriff zu
verwenden - von einem "gemeinsamen
Haus Europa". Meiner Meinung nach
ist das wahre Heimatland Europas
eines, das von hehren Überzeugungen
definiert ist, dem Glauben an die geheiligte Freiheit des Einzelnen, an
die Bedeutung der Familie, an einen
gerechten und liebenden Gott und an
Demokratie.
Die atlantische Gemeinschaft ist
nicht nur ein militärisches Bündnis.

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�Denn sie ist aus Nationen zusammengesetzt, die sich der Demokratie und
dem freien Unternehmertum verpflichtet fühlen. Die atlantische Gemeinschaft ist auch nicht mehr nur auf
den Westen beschränkt. Denn die Gemeinschaft der demokratischen Nationen hat sich über den Atlantik hinweg
ausgebreitet und umschließt nun auch
Japan, Australien, die Philippinen,
Indien, zahlreiche Länder Lateinamerikas und in anderen Regionen der
Welt.
Bei den Gesprächen und Verhandlungen mit der Sowjetunion standen
die Vereinigten Staaten stets in engen Konsultationen mit dieser Gemeinschaft freier Nationen - mit unseren
Verbündeten im nordatlantischen Bündnis und anderen Freunden. Die NATO
selbst hat angesichts der ernsthaften
Herausforderungen Anfang der achtziger Jahre ihre Standhaftigkeit und
ihren Zusammenhalt unter Beweis gestellt.
Wir waren bereits Zeugen einer
historischen Errungenschaft: die Unterzeichnung des historischen INFVertrages beim Washingtoner Gipfel im
vergangenen Dezember.
Dieser Vertrag, mit dem zum ersten Mal in der
Geschichte eine gesamte Kategorie
amerikanischer und sowjetischer Nuklearraketen beseitigt -wird, wurde
durch die Solidarität und auch den
Mut der NATO ermöglicht.
Dieser Vertrag birgt auch eine
entscheidende Lehre für die Politik
des Westens gegenüber der Sowjetunion
und dem Warschauer Pakt, nämlich, daß
die freien Nationen ihre Ziele verwirklichen können, wenn sie fest dazu
stehen.
Bei der Durchführung des
Doppelbeschlusses von 1979 - der Entscheidung,
die
Stationierung
der
INF-Raketen voranzutreiben - hat das
Bündnis weder gezögert noch versagt.
Ebenso war man sich einig, die
durch die neu stationierten sowjetischen SS-20 Raketen entstandene Bedrohung zu beseitigen, und auch hier
hat das Bündnis keine Minute gezö-

gert. Als Ergebnis dessen wird die
SS-20 Bedrohung bald beseitigt, denn
die Sowjets hatten guten Grund, diese
SS-20 und andere Raketen abzuziehen,
die sie im Rahmen des INF-Verträges
abbauen müssen.
Jetzt wenden wir diese Lehren des
INF-Vertrages auf die Verhandlungen
zu einem Vertrag über den Abbau strategischer Fernwaffen an. Wir hoffen
auf den Abschluß eines START-Abkommens noch in diesem Jahr. Der Zeitplan wird jedoch von den Erfordernissen eines guten Vertrages diktiert
und nicht von irgendeiner willkürlich
gesetzten Frist.
Da wir aus einer Position der
Stärke heraus verhandeln, lassen wir
uns von einer realistischen Sichtweise darüber leiten, was in unseren Beziehungen zur Sowjetunion erreicht
werden kann und was die Sowjets
selbst erreichen wollen.
Wir erwarten keine unverzügliche
radikale Umgestaltung des sowjetischen Systems. Wir erwarten nicht,
eines Tages aufzuwachen und festzustellen, daß sich all unsere Probleme
in Nichts aufgelöst haben, weil unser
Gegner sich verändert hat.
Wir
müssen
weiterhin
unsere
Pflicht erfüllen, fest zusammenstehen
und wachsam sein, um Anreize für eine
neue sowjetische Politik zu schaffen,
die sich von der alten unterscheidet.
Denn es bestehen immer noch grundlegende politische und moralische Gegensätze zwischen dem sowjetischen
System und dem unsrigen.
Die Geburtsstätte der Konferenz
über Sicherheit und Zusammenarbeit in
Europa (KSZE) - die Stadt Helsinki,
die ich auf meinen Weg nach Moskau
besuchen werde - hat einem Prozeß den
Namen gegeben, der das Kernstück der
Ost-West-Beziehungen
bildet.
Die
1975 unterzeichnete Schlußakte von
Helsinki regelt internationale Verhaltensnormen bei den Menschenrechten
und hat - als Barometer für die OstWest-Beziehungen - in den Bereichen

- 2 -

�Wirtschaft und Soziales sowie in der
Sicherheitspolitik neue Maßstäbe für
Offenheit gesetzt.
Es ist keine Übertreibung, wenn
man darauf verweist, daß die Schlußakte von 1975 den Austausch zwischen
Ost und West neu definiert und dabei
Menschenrechte als Thema von dauerhafter Bedeutung
hervorhebt.
Der
Prozeß wird gegenwärtig im KSZE-Folgetreffen weitergeführt, das seit
1986 in Wien stattfindet.
Die
Vereinigten
Staaten
verpflichten sich, gemeinsam mit den anderen KSZE-Ländern an der Erlangung
eines ausgewogenen Ergebnisses in
Wien
zusammenzuarbeiten, das entscheidende
Verbesserungen
sowjetischer und osteuropäischer Praktiken
bei den Menschenrechten umfassen muß,
und ein Gleichgewicht zwischen der
neuen Zusammenarbeit, Sicherheitsbelangen und der Wirtschaft hervorbringt.
Dieses
Gleichgewicht
ist
das
Kernstück des KSZE-Prozesses.
Als
Unterzeichner der Schlußakte von Helsinki haben sich die Regierungen der
Sowjetunion, Europas, Kanadas und der
Vereinigten Staaten formell und öffentlich zur Anerkennung grundlegender Freiheiten verpflichtet: Religionsfreiheit, Recht auf freie Meinungsäußerung,
Pressefreiheit
und
Freizügigkeit.
Nur wenn diese Freiheiten gewahrt
werden, kann das größte Potential
eines jeden Landes - die Kreativität,
Ideen und Initative seiner Bürger gedeihen.
In Moskau werde ich Fortschritte
begrüßen, die wir im Bereich der Menschenrechte insbesondere seit Ende
1986 erkannt haben. Mehr als 300 politische Gefangene und aus religiösen
Gründen Inhaftierte sind aus Arbeitslagern entlassen worden.
Die immer noch zu niedrige Zahl
der Auswanderer ist gestiegen. Viele
Fälle geteilter Familien und getrenn-

ter Ehepartner sind zufriedenstellend
gelöst worden, und die Zensur von
Filmen, Büchern und anderen kreativen
Arbeiten ist gelockert worden.
Trotz dieser Fortschritte ist die
Lage der Menschenrechte in der Sowjetunion und Osteuropa immer noch
alles andere als gut. Die Politik
der Unterdrückung hält an. Friedliche Demonstrationen von Minderheiten,
Ausreisewilligen und anderen Gruppen
werden immer noch von der Polizei gewaltsam aufgelöst.
Religionsfreiheit wird immer noch
verweigert und Mitglieder nichtregistrierter religiöser Gruppen werden
immer noch verfolgt. Nichtoffizielle
Publikationen sind verboten. Dutzende politischer Gefangener und religiöser Abweichler sind immer noch in
den Gefängnissen und viele aus Gewissensgründen Inhaftierte werden immer
noch
in
psychiatrischen
Kliniken
festgehalten.
Die Freizügigkeit ist immer noch
eingeschränkt. Wir alle, die wir uns
in unserem Glauben an die Demokratie
vereint wissen, werden die Sowjetunion weiterhin drängen, in diesen
entscheidenden Bereichen ihr Verhalten zu verbessern, kurz gesagt, die
grundlegenden
Menschenrechte
vollständig anzuerkennen.
Unsere Neigung, diese Probleme
anzusprechen, entspricht nicht nur
einem traditionellen Grundsatz. Gemäß der Schlußakte von Helsinki ist
dies unsere Pflicht.
Die Vereinigten Staaten sind zu
einem
nützlichen
Meinungsaustausch
bereit. Wir werden zuhören, wenn die
Sowjets uns kritisieren, und wir werden ihre Anliegen so offen und konstruktiv
wie möglich diskutieren.
Ich möchte jedoch darauf hinweisen,
daß unser Austausch mit den Sowjets
eine Grundlage hat. Sie ist nicht
neutral oder wertfrei. Diese Grundlage ist nicht nur eine Angelegenheit
amerikanischer Maßstäbe.
Dies sind
moralische Normen, die Maßstäbe der

- 3 -

�westlichen Zivilisation selbst, die
wir Amerikaner von Europa geerbt haben.
Zweimal in diesem Jahrhundert haben wir in Europa gekämpft, um diese
Maßstäbe zu verteidigen. Diese gemeinsamen Normen und Überzeugungen
verbinden uns heute mit Europa. Sie
bilden den Wesensgehalt der Gemeinschaft freier Nationen, der wir angehören .
Ich habe die Reduzierung der Rüstungen genannt, und ich habe die
Menschenrechte erwähnt. Wie die Tagesordnung der meisten Ihrer Regierungen mit den Sowjets enthält meine
Tagesordnung mit Herrn Gorbatschow
noch zwei weitere Elemente. Eines
ist die sowjetische Politik im Hinblick auf regionale Konflikte.
Wir stellen mit Freude fest, daß
die sowjetische Armee Afghanistan
verläßt. Wenn dieser Abzug vollendet
ist und den Afghanen wieder das Recht
auf Selbstbestimmung
zuteil wird,
wird dies ein historischer Triumph
sein.
Ich werde noch andere Problembereiche zur Sprache bringen und die
sowjetische Kooperation bei der Erlangung politischer Lösungen für andere Konflikte anstreben, wie im südlichen Afrika, beim Krieg zwischen
Iran und Irak, Kambodscha, Mittelamerika, Äthiopien und beim arabisch-israelischen Konflikt.
Außerdem werden unsere Gespräche
das Thema größerer Offenheit und des
freieren Austauschs von Menschen, Informationen
und
Ideen
umfassen.
Staatliche Schranken, die das Verständnis der Menschen von der Außenwelt und den Kontakt mit dieser Aussenwelt behindern, müssen beseitigt
werden.
Wir alle glauben, daß Menschen
frei sein müssen, um miteinander in
Kontakt zu treten, seien sie Journalisten, Wissenschaftler, Hochschullehrer, Touristen oder Gymnasiasten,

und ich werde deshalb Generalsekretär
Gorbatschow auffordern, mit uns zusammen die menschlichen Kontakte zwischen Ost und West in großem Umfang
auszubauen.
Eine Angelegenheit liegt mir in
dieser Hinsicht besonders am Herzen,
einer wachsenden Zahl junger Menschen
die Möglichkeit zu verschaffen, zwischen Ost und West zu reisen. Ich
werde mit Generalsekretär Gorbatschow
über den Jugendaustausch sprechen,
weil dieser für ein besseres Verständnis in der Zukunft so vielversprechend ist.
Junge Menschen sollten frei sein,
frei, zu kommen und gehen wie sie
möchten, frei, zu reisen und im Land
des anderen zu leben. Frei, in der
ganzen
Welt
Freundschaften
zu
schließen. Als ich vor fast einem
Jahr in Berlin war, habe ich Generalsekretär
Gorbatschow
aufgefordert,
die Mauer niederzureißen, die diese
Stadt trennt - und die in vieler Hinsicht Europa selbst, Ost und West,
trennt.
Die Mauer steht immer noch, eine
Narbe, eine schreckliche Erinnerung
an die Teilung Europas. Diese Teilung ist grausam, sie ist unnötig;
sie besteht schon zu lange. Wir werden in unseren Bemühungen nicht nachlassen, bis diese Teilung durch Frieden und Freiheit abgelöst wird. Bis
zu diesem Tage mag noch viel Zeit
vergehen, aber die Vereinigten Staaten werden der Erringung dieser vollständigen Freiheit immer bedingungslos verpflichtet bleiben.
Bis dahin werden wir bei der Verteidigung unseres gemeinsamen Erbes
und unserer Überzeugungen, unserer
gemeinsamen Heimat der Freiheit an
Ihrer Seite stehen. Vielen Dank, und
Gott segne Sie.

* * * * *

�AMERIKA DIENST
1-7

Dokumentation

C*

20

25. Mai 1988

BAKER SIEHT POSITIVE AUSWIRKUNGEN DER KOORDINIERUNGSBEMÜHUNGEN
- Rede beim OECD-Ministertreffen -

PARIS - (AD) - Dem amerikanischen Finanzminister James Baker zufolge wird
die zwischen den Industriestaaten vereinbarte Koordinierung in die Tat umgesetzt und hat schon erste Erfolge gezeitigt. Beim jährlichen Ministertreffen
der Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) in
Paris verwies Baker am 18. Mai auf anhaltendes Wirtschaftswachstum in den Industriestaaten, das wachsende Volumen des Welthandels und den Rückgang außenwirtschaftlicher Ungleichgewichte der Industriestaaten als Beweise für die Effektivität der Koordinierung.
Die Rede des Finanzministers hat folgenden Wortlaut:
Herr Vorsitzender Feldt, Generalsekretär Paye, verehrte Kollegen:
Das Thema unserer Tagesordnung heute
morgen - die weitere Durchführung
wirtschaftlicher Maßnahmen zur Verbesserung
des Wirtschaftswachstums
und der Beschäftigung weltweit - beschreibt im wesentlichen die Aufgaben
der Finanzminister in der ganzen Welt
dar.
Es wirft die grundsätzliche
Frage auf, die wir uns selbst stellen
sollten:
Welche Maßnahmen sollten
wir anstreben, um unsere Volkswirtschaften zu stärken und das Wohlergehen unserer Bürger zu verbessern?
Mit zunehmender Integration der
Weltwirtschaft erfordert die erfolgreiche Bewältigung unserer Aufgaben
als Finanzminister zunehmend einen
kooperativen Ansatz. Bedeutende Ver-

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änderungen in der Weltwirtschaft haben die Notwendigkeit zur Koordinierung der Wirtschaftspolitik zwischen
den führenden Industriestaaten noch
verstärkt. Insbesondere gilt:
Die weltweite Verflechtung der
Finanzmärkte hat die Unabhängigkeit der politischen Entscheidungsträger
in den einzelnen
Staaten verringert.
Die Liberalisierung von internationalem Handel und Investitionen
hat die Bedeutung des außenwirtschaftlichen
Sektors in allen
Ländern erhöht.
Und schließlich
erfordert das
stärkere Gleichgewicht in wirtschaftlicher Größe zwischen den

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Telex: 8-85432

�wichtigsten Landern, daß alle
sich die Verantwortlichkeit für
eine effektive außenwirtschaftliche Anpassung teilen.
Sicherlich haben wir einen fortlaufenden Prozeß zur Förderung miteinander im Einklang stehender Maßnahmen und Leistungen benötigt, von
dem alle profitieren. Der seit der
Plaza-Übereinkunft entwickelte - auf
den Gipfeln von Tokio und Venedig unterstützte und bekräftigte - Koordinierungsprozeß dient dazu, diesem Bedürfnis gerecht zu werden. Er zielt
darauf ab, eine gesunde Weltwirtschaft und ein stabiles internationales Finanzsystem zu fördern. Er hat
die Annahme miteinander vereinbarer,
konsequenter und sich gegenseitig unterstützender Maßnahmen der sieben
führenden Industriestaaten zum Ziel.
Der Prozeß wurde schrittweise in
den vergangenen zweieinhalb Jahren
entwickelt. Heute sind wir im Begriff, einen weiteren Schritt nach
vorn zu machen - mit der Vereinbarung, einen Warenpreisindex als zusätzliches analytisches Instrument in
unsere Koordinierungsbemühungen einzubeziehen.
Die Vereinbarungen der G-7 haben
meiner Meinung nach den Rahmen für
wichtige Bemühungen und positive Ergebnisse geliefert:
Die Vereinigten Staaten haben ihr
Defizit im Bundeshaushalt im vergangenen Haushaltsjahr um 71 Milliarden Dollar verringert. Der
Rückgang ist gleichbedeutend mit
fast 2 Prozent des Bruttosozialprodukts (BSP).
Unser gesamtes
Haushaltsdefizit - einschließlich
der Bundesstaaten sowie Städten
und Gemeinden - ging im Jahr 1987
auf nur 2,25 Prozent des BSP zurück, eine Zahl unter dem OECDDurchschnitt.
Des weiteren garantiert die einzigartige
Haushaltsvereinbarung
zwischen Präsident und Kongreß
ein Einsparungspaket von insge-

samt 76 Milliarden Dollar in den
Haushaltsjahren 1988 und 1989.
Wir erwarten weitere Defizitreduzierungen in den folgenden Jahren, wobei das Defizit im Bundeshaushalt bis zum Haushaltsjahr
1990 auf unter 2 Prozent des BSP
fallen wird. Außerdem haben wir
trotz starken Drucks Protektionismus vermieden.
Japan hat eine Reihe monetärer
und steuerpolitischer Maßnahmen
getroffen, darunter vergangenes
Jahr das Paket zur Ankurbelung
der Wirtschaft in Höhe von 6 Billionen Yen, die zum höchsten Anstieg der Binnennachfrage unter
den Industriestaaten geführt haben.
Kombiniert mit Bemühungen
zur weiteren Öffnung seiner Märkte für importierte Waren leistet
dieses Wachstum einen Beitrag zur
Verringerung
außenwirtschaftlicher Ungleichgewichte.
Großbritannien hat eine bedeutende Steuerreform durchgeführt, zu
der auch eine erhebliche Reduzierung der Spitzensteuersätze gehört.
Die
Bundesrepublik
Deutschland
hat besondere Anreize für Investitionen geschaffen und ein bedeutendes mittelfristiges Steuerreformprogramm formuliert.
Ich denke, daß diese und andere
koordinierte Bemühungen zur Reduzierung der außenwirtschaftlichen Ungleichgewichte und zur Förderung von
Wachstum bei geringer Inflation beitragen werden. Seit unserem letzten
Treffen im Mai vergangenen Jahres
sind uns gute Gründe zum Optimismus
gegeben worden.
Diese lassen sich
wie folgt illustrieren:
Die Unruhe an den Finanzmärkten
im vergangenen Oktober war natürlich für uns alle Grund zur Besorgnis. Tatsächlich aber wuchs
das reale BSP in den Industriestaaten in der zweiten Hälfte des
Jahres 1987 schneller als in der

�ersten. Die Stärke unseres Wirtschaftsaufschwungs wurde eindeutig unterschätzt. Heute stellen
wir neuen Optimismus im Hinblick
auf die Wachstumsaussichten für
1988 fest.
Überdies stieg das Volumen des
Welthandels 1987 um über 5 Prozent, die größte Rate seit 1984.
Die Exporte der nichtölproduzierenden Entwicklungsländer wuchsen
volumenmäßig um 10 Prozent - und
verhalfen dadurch ihrem BSP real
zu einem Anstieg von 4,5 Prozent.
Außerdem zeichnete sich in den
größten Industriestaaten eine Reduzierung der außenwirtschaftlichen Ungleichgewichte ab. In den
Vereinigten Staaten stiegen die
Exporte 1987 real um 18 Prozent,
während die Importe lediglich um
sieben Prozent anwuchsen.
Wir
erwarten einen weiteren Rückgang
der amerikanischen Handels- und
Zahlungsbilanzdefizite in diesem
Jahr, was sich in den gestern
verkündeten
Handelszahlen
für
März widerspiegelt.
Auch in anderen Ländern werden
weiterhin Fortschritte erzielt.
Japans Handelsüberschuß, ausgedrückt als Anteil am BSP, erreichte im Jahr 1986 seinen Höhepunkt und ging seitdem stetig zurück; der Überschuß der Bundesrepublik Deutschland stabilisierte
sich im vergangenen Jahr und wird
sich erwartungsgemäß 1988 verringern.

Verbleibende Herausforderungen
Um nicht verdächtigt zu werden,
alles durch eine rosarote Brille zu
sehen, möchte ich betonen, daß immer
noch viel Arbeit vor uns liegt. Während die kurzfristige wirtschaftliche
Lage ermutigend aussieht, müssen wir
diesen Elan auch mittelfristig beibehalten. Wir müssen handeln, um das
Wachstum zu bewahren, die außenwirtschaftlichen Ungleichgewichte zu re-

duzieren und ein günstiges Umfeld für
die wirtschaftliche Entwicklung und
die Verbesserung des internationalen
Schuldenproblems zu schaffen.
Die OECD erkennt die Notwendigkeit struktureller Reformen zur Ergänzung
solider
makroökonomischer
Maßnahmen. Im Februar 1984 hat sie
ein Ministertreffen in kleinem Rahmen
veranstaltet, wobei der Schwerpunkt
darauf lag, wie mit Hilfe struktureller
Anpassungen
Wachstumshemmnisse
abgebaut werden können. Solche Verkrustungen verhindern, daß Marktsignale von Gewerkschaften, Unternehmern
und Verbrauchern in wirtschaftliche
Reaktionen
umgesetzt werden.
Sie
verhindern oder verlangsamen den Grad
der Anpassung an neue Bedingungen in
der Wirtschaft und deren Umfeld. Wir
Tiüssen unsere Regierungen in den
Dienst einer Politik stellen, die unsere Volkswirtschaften befreit.
Viele von uns haben bereits in
erheblichem Maße Schranken abgebaut,
mit denen die Flexibilität unserer
Volkswirtschaften gehemmt wird.
In
den OECD-Ländern sind Steuerreformen
für Privatpersonen und Unternehmen zu
allseits akzeptierten Schritten geworden. Die Stitzensteuersätze sind
in vielen Ländern erheblich und in
anderen in bescheidenem Umfang gesenkt
worden.
Mittels
positiver
staatlicher Aktivitäten werden Anreize für Arbeit, Spartätigkeit und Investitionen geschaffen.
Darüber hinaus ist die Deregulierung auf den Finanzmärkten auf dem
Vormarsch. Großbritannien und Kanada
mit ihrem "big bang" und "little
bang" waren hier Wegbereiter. Andere
folgen auf dem Fuße. In den Vereinigten Staaten suchen wir die umfangreiche Deregulierung auszubauen, die
vor einigen Jahren stattfand. Gegenwärtig überdenkt der Kongreß das Gesetz, demzufolge Bank- und Wertpapiergeschäfte bei uns getrennt sind.
Der Senat hat ein Gesetz verabschiedet, mit dem das Glass-Steagall-Gesetz gründlich überholt wird. Unsere
Regierung unterstützt diesen lange

- 3 -

�überfälligen Schritt zur Modernisierung unseres Finanzwesens.
Wir erkennen ebenfalls die Notwendigkeit zur Stärkung der Spartätigkeit in den Vereinigten Staaten.
Aus diesem Grunde wurden wir im vierten Halbjahr des vergangenen Jahres
von der auf 4,75 Prozent gestiegenen
Sparrate der Privathaushalte ermutigt. Die Rate lag im ersten Halbjahr über 4,50 Prozent. Das bedeutet
eine Zunahme gegenüber 3,50 Prozent
zu Beginn des Jahres 1987 und 4,25
Prozent im Jahr 1986.
Die europäischen Länder haben bei
der Liberalisierung ihrer Arbeitsund Kapitalmärkte sowie bei der Verringerung der Vorschriftenlast für
Unternehmen
Fortschritte
erzielt.
Aber es muß noch mehr getan werden,
um die hohe Arbeitslosenquote abzubauen und mehr Wachstum ohne Inflation herbeizuführen.
Japan hat bemerkenswerte Fortschritte bei der Schaffung von mehr
Wettbewerb und Effizienz auf seinen
Kapitalmärkten erzielt. Aber es sind
weitere Aktivitäten notwendig, um die
bestehenden Verkrustungen abzubauen
und einen verbesserten weltweiten Zugang zu den japanischen Finanzmärkten
zu gewährleisten.

Die Rolle der Schwellenländer
Die Schwellenländer Asiens müssen
sich ebenfalls in erhöhtem Maße an
den Anpassungprozessen in der Außenwirtschaft beteiligen.
Ihre Außenhandelsüberschüsse erschweren - insbesondere im Falle Koreas und Taiwans
- eine Korrektur des weltweiten Ungleichgewichts und tragen zu protektionistischem Druck bei. Zur Verbesserung des Gleichgewichts zwischen
In- und Auslandsnachfrage sind bedeutsame strukturelle Veränderungen
erforderlich.
Bei Wechselkursen, Handel, Besteuerung, Deregulierung, Investitionen und Zugang zu den Kapitalmärkten

sind insbesondere in Korea und Taiwan
besondere Reformen notwendig. Diese
Veränderungen liegen langfristig im
besten Interesse dieser Länder. Die
Veränderungen sind ebenfalls erforderlich, wenn diese Länder ein Maß an
Verantwortung zur Erhaltung des internationalen Handelssystems übernehmen sollen, das mit ihrer rasch zunehmenden wirtschaftlichen Stärke im
Einklang steht.

Zusammenarbeit
in
schaft und Technik

Handel,

Wissen-

über diese Aufgaben hinaus ist
die Erhaltung eines offenen Handelsystems entscheidend für die interdependente Welt von heute. Um eine Liberalisierung des Handels zu erlangen, insbesondere in der Landwirtschaft, unterstützen wir die Arbeit
der Uruguay-Runde voll und ganz und
engagieren uns für ihren erfolgreichen Abschluß.
Dennoch sind alle
Länder letztlich verantwortlich für
den Erfolg der Runde, nicht nur die
Industrieländer.
Ich möchte ihre Aufmerksamkeit
kurz auf die politischen Empfehlungen
für Mitgliedstaaten, einen "Allgemeinen Rahmen von Prinzipien für die Internationale Zusammenarbiet in Wissenschaft und Technik" richten, der
im letzten Monat vom OECD-Ministerrat
verabschiedet wurde. Angemessene Investitionen
in
dynamische
Forschungs- und
Entwicklungsprogramme
werden eine zunehmend wichtige Rolle
spielen, wenn es darum geht, die Dauerhaftigkeit des Wirtschaftswachstums
in den OECD-Ländern zu gewährleisten.
Dieser Rahmen stellt für diese Organisation eine große Leistung dar. Er
birgt die Möglichkeit zu weitreichenden Auswirkungen auf einen zunehmend
wichtigen Aspekt der internationalen
Wirtschaftsbeziehungen.
Ich fordere
Sie auf, mit mir zusammen dieses Dokument morgen in unserem Kommunique
zu bekräftigen.
Internationale Schuldenlast

�Ich möchte mich jetzt unseren gemeinsamen Bemühungen in einem anderen
Bereich zuwenden - dem Abbau der internationalen
Schuldenlast.
Der
wachstumsorientierte, auf den Einzelfall ausgerichtete Ansatz, den wir
seit 1985 verfolgen, hat uns unserem
Ziel ein erhebliches Stück näher gebracht und bleibt der einzige, für
alle Parteien akzeptable und praktizierbare Ansatz.
Unsere Strategie
ist evolutionär angelegt, und das hat
sich im vergangenen Jahr in der Weiterentwicklung eines "Spektrums" von
Finanzierungsoptionen für Finanzierungspakete von Geschäftsbanken widergespiegelt.
Im Gegensatz dazu
sind wir strikt gegen jeden Ansatz einschließlich der Schaffung einer
internationalen
Schuldenbehörde
-,
der seiner Beschaffenheit nach allgemein, global, von Regierungen der
Gläubigerländer finanziert oder obligatorisch ist. Solche Programme sind
nicht nur undurchführbar, sondern bewirken auch das Gegenteil. Im Hinblick auf die ärmsten Länder begrüßen
wir die positiven Schritte, die in
diesem Jahr unternommen worden sind,
um die Annahme von wirtschaftlichen
Reformprogrammen zu fördern.

Zusammenfassung
Abschließend möchte ich bemerken,
Herr Vorsitzender, daß trotz unserer
großen Leistungen in den vergangenen
Jahren noch wichtige Aufgaben vor uns
liegen. Das Programm ist weiterhin
von Herausforderungen gekennzeichnet,
und weitere Fortschritte werden anhaltende Zusammenarbeit erfordern.
Der große französische Philosoph
Alexis de Tocqueville hat im Jahr
1835 bemerkt, der Vorteil eines jeden
Mitglieds einer Gemeinschaft bestehe
in der Arbeit für das Gemeinwohl ein Grundsatz, den er als "wohlverstandenes Eigeninteresse" bezeichnete. Wir sollten de Tocquevilles Rat
folgen und die kleinlichen Eigeninteressen zum allgemeinen Wohl der internationalen Gemeinschaft beiseite
legen.
- 5 -

* * * * *

�AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

20

25. Mai 1983

ACDA-CHRONOLOGIE DER VERHANDLUNGEN ÜBER CHEMISCHE WAFFEN
- Zusammenfassung der ACDA -

WASHINGTON - (AD) - Die nachfolgende Zusammenfassung der Verhandlungen
über chemische Waffen wurde im Mai von der amerikanischen Behörde für Rüstungskontrolle und Abrüstung (ACDA) herausgegeben.
Verhandlungen über chemische Waffen
Die Vereinigten Staaten streben
seit langem ein umfassendes, wirksames, verifizierbares und wirklich
weltweites Verbot chemischer Waffen
an.

einigten Staaten strebten die Erörterung der umfangreichen Verifizierungsprobleme an, die sich aus dem
Verbot solcher Waffen ergeben würden
sowie die offene Verbreitung der zur
Verwirklichung eines solchen Verbots
erforderlichen Informationen.

Aus diesem Grund haben die Vereinigten Staaten bei der 40 Nationen
umfassenden
Abrüstungskonferenz
in
Genf eine Reihe von Inititiativen
vorgeschlagen.
Im Jahr 1984 legten
die Vereinigten Staaten einen Vertragsentwurf vor, der ein weltweites
Verbot der Entwicklung, Beschaffung,
Produktion, Lagerung sowie des Transfers und Einsatzes chemischer Waffen
vorsieht. Dieser Entwurf bildet nach
wie vor die Grundlage für die andauerden Verhandlungen.
Die Ver-

Im Jahr 1983 haben die Vereinigten Staaten beispielsweise für die
Abrüstungskonferenz
einen
Workshop
über die Verifizierung der Vernichtung chemischer Waffen im TooeleHeeresdepot in Utah veranstaltet. Im
August 1987 nahm die UdSSR die seit
langem ausgesprochene Einladung zum
Besuch des Heeresdepots an, nachdem
sie im Jahr 1983 ihre Teilnahme an
dem Tooele-Workshop verweigert hatte.
Bei diesem Besuch im November 1987
wurden der sowjetischen Delegation

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�Proben aller chemischen Munition in
amerikanischem Bestand gezeigt, einschließlich des Protoyps einer binären Artilleriegranate des Kalibers
155mm . Ferner wurden detaillierte
Ausführungen über die Charakteristika
der chemischen Kampfstoffe in amerikanischem Bestand sowie über das Vernichtungsprogramm für chemische Munition gemacht und das Vernichtungssystem für Munition mit chemischen
Kampfstoffen (CAMDS) besichtigt, wo
die ausgereiftesten Technologien der
Welt zur Vernichtung chemischer Waffen vorgeführt wurden. Im Jahr 1986
legten die Vereinigten Staaten der
Abrüstungskonferenz umfangreiche Informationen über die Zusammensetzung
chemischer Waffen und den Standort
der amerikanischen Bestände vor und
drängten andere Nationen, ihrem Beispiel zu folgen.
Es sind zahlreiche Verletzungen
der Genfer Konvention von 1925 über
das Verbot des Einsatzes chemischer
Waffen festzustellen. Die Sowjetunion war bei Produktion, Transfer und
Einsatz von Giftstoffen und anderen
Kampfstoffen zur chemischen Kriegführung in Laos, Kambodscha und Afghanistan
beteiligt.
Seit Januar
1931 sind chemische Waffen auch wiederholt im iranisch-irakischen Krieg
eingesetzt worden.
Die derzeitige
Anzahl von Staaten, die tatsächlich
oder
möglicherweise
einsatzfähige
chemische Waffen besitzen, ist groß
und weiter im Zunehmen begriffen.
Die amerikanische Regierung verurteilt
jeglichen
illegalen Einsatz
chemischer Waffen und unterstützt die
unverzügliche Überprüfung von Berichten über den Einsatz chemischer Waffen zusammen mit diplomatischen und
politischen Aktionen, die auf die
Wahrung des Genfer Protokolls von
1925 ausgerichtet sind.
Die Vereinigten Staaten treffen in regelmässigen Abständen mit einer Gruppe
westlicher Staaten und auf bilateraler Ebene mit der Sowjetunion zusammen, um Schritte zu erörtern und zu
koordinieren, mit denen der Weitergabe und dem Einsatz chemischer Waffen
Einhalt geboten werden kann.

Die Vereinigten Staaten haben im
Jahr 1984 zum Zweck der Erörterung
bilateraler Fragen in dem Versuch,
multilaterale Verhandlungen zu erleichtern und sich insbesondere auf
amerikanisch-sowjetische Meinungsverschiedenheiten zu konzentrieren, Gespräche mit der UdSSR über chemische
Waffen aufgenommen. Im November 1985
forderte die beim Gipfel abgegebene
Erklärung von Reagan und Gorbatschow
die Intensivierung bilateraler Gespräche über einen Vertrag über chemische Waffen. Wir haben solche Gespräche im Rahmen der Abrüstungskonferenz aufgenommen, und seither haben
acht Gesprächsrunden stattgefunden.
Wir erwarten weitere Gespräche im
Sommer 1988.
Im März 1987 haben die Sov/jets
zum ersten Mal den Besitz chemischer
Waffen zugegeben und behauptet, deren
Produktion
eingestellt
zu haben.
Ebenfalls im Jahr 1987 luden die
Sowjets die Abrüstungskonferenz zum
Besuch in ihren Produktionsstätten
für chemische Waffen in Schichany
ein, akzeptierten das Prinzip der Adhoc-Inspektion ohne Ablehnungsrecht
und gaben zweifelhafte Stückzahlen
für ihre Arsenale an.
Im Jahr 1988 haben die Sov/jets
ihre aktive Propaganda-Kampagne weitergeführt, die darauf abzielt, das
amerikanische Programm zur Modernisierung unseres eigenen CW-Abschrekkungspotentials
zu
unterminieren.
Sie verurteilten dieses Modernisierungsprogramm als Hindernis für den
Abschluß eines Vertrages, ignorierten
aber gleichzeitig die Tatsache, daß
die Vereinigten Staaten seit Jahren
mit ihnen trotz ihres Besitzes chemischer
Waffen
verhandelten.
Die
Sowjets haben für die rasche Erarbeitung eines Verbots öffentlich Druck
ausgeübt. Dennoch haben ihre Experten daraufhin in den Verhandlungen
keine detallierten Vorschläge darüber
unterbreitet, wie noch anstehende
Fragen gelöst werden sollten. Wie
zahlreiche Vertreter bei den Verhandlungen über chemische Waffen festge-

- 2 -

�stellt haben, liegt "der Teufel im
Detail".
Leider waren die Sowjets
gerade bei den Details am unproduktivsten.
Obwohl sowjetische Initiativen,
mit denen größere Offenheit demonstriert wird, begrüßenswert sind, haben sie mehr Fragen aufgeworfen als
sie beantworten konnten. Die Sowjets
haben nicht das gleiche Datenmaterial
geliefert, wie es von den Vereinigten
Staaten über die Zusammensetzung des
Bestands, die Stationierungsorte, abgeschlossene, gegenwärtige und geplante Programme zur Zerstörung und
Technologie
geliefert wurde.
Die
dargelegte
Zahl
zum Bestand von
"nicht mehr als 50 000 Tonnen chemischer
Kriegführungsmittel"
liefert
keine Information über deren Zusammensetzung im Hinblick auf die abgefüllte Munition gegenüber der Gesamtmenge .
Trotz des bis jetzt bei der Abrüstungskonferenz
erzielten
Fortschritts bleiben zahlreiche entscheidende Fragen ungelöst.
Die Konferenzteilnehmer müssen immer noch detaillierte Bestimmungen aushandeln,
die eine verläßliche Verifizierung
sicherstellen, unverminderte Sicherheit für alle am Abkommen Beteiligten
im Zeitraum der Zerstörung der Bestände gewähren, die zivile chemische
Industrie überwachen, um sicherzustellen, daß sie keine chemischen
Waffen herstellt und sich mit dem Risiko befassen, daß einige Staaten,
die mit ihren chemischen Waffen eine
Bedrohung darstellen, nicht Unterzeichner der Konvention über chemische Waffen werden. Darüber hinaus
müssen Struktur, Durchführung, personelle Besetzung und Finanzierung der
internationalen Behörde noch erarbeitet und vereinbart werden, die diese
Konvention verwirklicht und überwacht.
Ein weltweites Verbot über chemische Waffen wäre schwierig zu verifizieren, und wir haben noch keine Lösungen für zahlreiche noch anstehende
entscheidende Verifizierungsprobleme.
Dazu zählen:

Ein militärisch bedeutsamer Bestand könnte in einem kleinen Gebiet versteckt werden.
Die Tatsache, daß viele Chemikalien und Materialien, die bei
chemischen Waffen Verwendung finden, ebenfalls in der Industrie
und Landwirtschaft verwandt werden.
Die Leichtigkeit und das Tempo,
mit dem chemische Waffen heinlich
unter Verwendung neuester Technik
hergestellt werden können.
Die Vereinigten Staaten verhandeln weiterhin über diese Probleme
und modernisieren gleichzeitig ihren
größtenteils veralteten Bestand, sowohl um einen Angriff auf amerikanische StreD.tkräfte und unsere Verbündeten weltweit abzuschrecken als auch
um der UdSSR einen Anreiz 2U schaffen, ernsthaft über ein Verbot, zu
verhandeln. Die Vereinigten Staaten
haben 196) einseitig die Produktion
chemischer Waffen eingestellt. Seitdem haben die Sowjets jedoch ihre
CW-Fähigkeiten erhöht. Demgemäß mußten die Vereinigten Staaten einen
doppelten Ansatz verfolgen.
Als Folge der von den Vereinigten
Staaten geübten einseitigen Zurückhaltung und des intensiven Modernisierungsprogramms der Sowjets bei ihren chemischen Waffen besteht bei
diesen Waffen ein ernstliches Ungleichgewicht zwischen Ost und West.
Die UdSSR besitzt ein enormes modernes C-Waffen-Arsenal, das als größter
Bestand chemischer Waffen auf der
Welt gilt, während die Fähigkeit der
Vereinigten Staaten - größtenteils
unbrauchbar und vielfach aus den
vierziger und fünfziger Jahren - viel
von ihrer abschreckenden Wirkung gegen einen Ersteinsatz chemischer Waffen verloren hat. Es ist daher von
entscheidender Bedeutung, daß wir die
Glaubwürdigkeit der westlichen Abschreckung mit C-Waffen wiederherstellen, während Verhandlungen über
ein weltweites Verbot weitergeführt

- 3 -

�werden. Die Vereinigten Staaten sind
von Rechts wegen verpflichtet, ihre
Bestände an herkömmlichen C-Waffen
ungeachtet des Ergebnisses des Vertragsverhandlungen zu zerstören.
Ein umfassendes, wirksam verifizierbares und weltweites Verbot chemischer Waffen wäre eine bedeutende
Leistung und bleibt das Ziel der Vereinigten Staaten. Dennoch würde ein
nicht umfassendes oder verifizierbares Verbot die demokratischen Nationen ganz einfach der Fähigkeit berauben, den Einsatz chemischer Waffen
von seiten skrupelloser Mächte abzuschrecken.
Bis zum Abschluß eines
verläßlichen Verbots muß der Westen
seine Fähigkeit erhalten, den Einsatz
dieser Waffen durch andere Staaten
abzuschrecken.

* * * * *

-4

�AMERIKA DIENST
VON

Hintergrundmaterial

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25. Mai 1983

20

PROBLEME DER FREIZÜGIGKEIT
- Übersicht des Weißen Hauses -

Nachfolgend bringen wir eine vom Weißen Haus am 23. Mai anläßlich des Gipfeltreffens veröffentlichte Übersicht zu Problemen der Freizügigkeit.
Die Freizügigkeit ist bei allen
hochrangigen Diskussionen mit sowjetischen Regierungsvertretern über die
Menschenrechte ein Thema von besonderer Bedeutung. Unser Engagement bei
diesem Themenkomplex entstammt der
ersten Menschenrechtsverfügung, die
in der amerikanischen Gesetzgebung in
Form des Jackson-Vanik-Zusatzartikels
zum Handelsgesetz von 1974 verankert
wurde.
Anfang des Jahres 1987 stieg die
Zahl der auswanderungswilligen sowjetischen Juden beachtlich über den relativ geringen Stand Mitte der achtziger Jahre an. Die Gesamtzahl des
Jahres 1987 belief sich auf 8 155
verglichen mit insgesamt nur 914 im
Jahr 1986. Im Verlauf des Jahres
1987 erhielten pro Monat 700 bis 900

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sowjetische Juden Auswanderungsdokumente. Seit Beginn des Jahres 1988
scheinen die sowjetischen Behörden
diese Zahl auf 1 000 pro Monat angehoben zu haben, eine Zunahme, die in
der Zahl derjenigen ihren Niederschlag fand, die ihre Auswanderungsvorbereitungen im März und April trafen. Die Zahl der auswandernden sowjetischen Juden liegt jedoch noch
immer weit unter den Zahlen der siebziger Jahre, als im Jahresdurchschnitt ca. 25 000 sowjetische Juden
ausreisten. Im Spitzenjähr 1979 emigrierten 51 320 sowjetische Juden.
Am 1. Januar 1987 traten neue sowjetische Einund Ausreisebestimmungen in Kraft. Diesen Bestimmungen
zufolge müssen Antragsteller eine
Einladung von engen Verwandten im

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�Ausland vorweisen - Geschwistern, Eltern oder Ehepartnern. Die sowjetischen Behörden haben sich nicht immer
ganz strikt an diese Bestimmung gehalten, sie dient jedoch dazu, neue
Antragsteller abzuschrecken.

Monat das Land verlassen.

Die Mehrzahl der Ausreiseverweigerungen erfolgt noch immer aufgrund
angeblicher "Kenntnis von Staatsgeheimnissen". Diese Logik wird höchst
willkürlich und häufig auch dann angewandt, wenn der Antragsteller noch
nie Zugang zu sicherheitsempfindlichen Informationen hatte, oder der
Zugang so lange zurückliegt, daß jegliche aus dieser Zeit stammenden Informationen längst nicht mehr sicherheitsrelevant sind.
Ein weiteres
Ausreisehindernis ist die erforderliche Unterzeichnung von finanziellen
Verzichtserklärungen durch die Eltern
und ehemaligen Ehegatten von erwachsenen Antragstellern. Die amerikanische Regierung hat die Sowjets wiederholt aufgefordert, diese und andere die Ausreise erschwerende Hemmnisse abzubauen.
Die Zahl der Emigranten ist auch
bei den anderen beiden Gruppen angestiegen, die als einzige in beträchtlicher Zahl ausreisen dürfen, den
Volksdeutschen
und den Armeniern,
tlehr als 14 000 Deutsche emigrierten
im Jahr 1987 in die Bundesrepublik
Deutschland, ein neuer Rekord im Vergleich zu 783 im Jahr 1986. Im Jahr
1988 belief sich die Zahl der deutschen Auswanderer im Durschnitt auf
über 2 000 pro Monat. Im Jahr 1986
wurde nur 247 sowjetischen Armeniern
die Ausreise gestattet. 1988 erhielten schätzungsweise 0 000 die Ausreisegenehmigung, die meisten von ihnen
in der zweiten Jahreshälfte. Aufgrund dieses steilen und unerwarteten
Anstiegs konnte die amerikanische
Botschaft in Moskau bis Ende des Jahres nur 3 000 armenische Anträge bearbeiten.
Die Botschaft hat jetzt
ihre Bearbeitungskapazität entsprechend der Anzahl derer erhöht, die
eine
Ausreisegenehmigung
erhalten,
und im Jahr 1988 haben durchschnittlich 1 000 sowjetische Armenier pro
- 2 -

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VON

Hintergrundmaterial

**

25. Mai 1988

20

FÜNF TREFFEN REAGAN-GORBATSCHOW BEIM GIPFEL
- Das Programm des Gipfeltreffens -

WASHINGTON - (AD) - Einer Erklärung des Weißen Hauses vom 20. Mai
1988 zufolge wird Präsident Reagan
während des Gipfeltreffens - bei dem
täglich Öffentliche Auftritte vorgesehen sind - fünfmal mit Generalsekretär Gorbatschow zusammentreffen.
Offizieller Beginn des Gipfeltreffens ist der 29. Mai, der Präsident verläßt das Weiße Haus jedoch
bereits am 25. Mai und kommt am frühen Morgen des nächsten Tages in Helsinki an. Reagan wird am 27. Mai von
Präsident Koivisto offiziell in Finnland willkommen geheißen; das Programm sieht eine BegrüßungsZeremonie,
ein Gespräch sowie ein Mittagessen
vor.
Danach

wird

sich

der

Präsident

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zum großen Finlandia Konzertsaal begeben, in dem die Schlußakte von Helsinki unterzeichnet wurde und um 2.00
Uhr MESZ eine Ansprache über die
Durchführung
dieser
Vereinbarungen
und die Tagesordnung des Moskauer
Gipfels halten. Am 28. Mai wird die
wöchentliche
Rundfunkansprache
des
Präsidenten zum Gipfeltreffen ausgestrahlt.
Präsident Reagan kommt am 29. Mai
um 12.15 Uhr MESZ in Moskau an und
wird von Staatspräsident Gromyko am
Flughafen begrüßt.
Im Anschluß an
eine kurze Begrüßungszeremonie wird
sich der Präsident, begleitet von
einer Polizeieskorte, zum Kreml begeben. Sein erstes Zusammentreffen mit
Generalsekretär Gorbatschow ist für
13.15 Uhr MESZ im Georgssaal des

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�Kreml vorgesehen.

sion vorgesehen.

Das
zweite
Treffen
zwischen
Reagan und Gorbatschow findet am 30.
Mai um 8.00 Uhr MESZ im Katharinensaal statt. Nach einem für die Mittagszeit anberaumten Besuch des Danilow-Klosters treffen die beiden Regierungschefs ein drittes Mal, wiederum im Katharinensaal, zusammen.
In dem 700 Jahre alten Danilow-Kloster, das mit staatlichen Mittel restauriert wird, unterhält sich der
Präsident
mit
russisch-orthodoxen
Mönchen und sieht ihnen bei der Restaurierung von Ikonen zu. Dem Sprecher des Weißen Hauses Marlin Fitzwater zufolge betrachtet das Weiße Haus
diesen Besuch als "Symbol unseres Anliegens der Religionsfreiheit".

Arn Abend gibt Präsident Reagan im
Spaso-Haus ein Abendessen zu Ehren
von Generalsekretär Gorbatschow.

Um 14.30 MESZ ist eine Begegnung
mit sowjetischen Dissidenten und Ausreisewilligen im Spaso-Haus vorgesehen, der Residenz des amerikanisehen
Botschafters, in der Reagan während
des
Gipfels
untergebracht
ist.
Reagan wird mit den Besuchern Themen
wie die Rede- und Pressefreiheit und
das Recht auf Ausreise erörtern, gab
Fitzwater bekannt.
Der Präsident wird am Abend an
einem von Gorbatschow gegebenen offiziellen Essen im Facettenpalast des
Kreml teilnehmen.
Eine vierte offizielle Begegnung
zwischen Reagan und Gorbatschow findet am 31. Mai wiederum im Kreml
statt. Der Präsident kommt am Mittag
mit der sowjetischen Kulturund Künstlergemeinde im Schriftstellersaal zusammen.
"Bei diesem Treffen mit
Schriftstellern, Künstlern, Filmemachern und Intellektuellen wird die
Freiheit der Künste diskutiert", erklärte Fitzwater.
Am frühen Nachmittag wird der
Präsident vor Studenten der Moskauer
Universität eine Rede über die amerikanisch-sowjetischen Beziehungen halten, unter besonderer Berücksichtigung der Jugendlichen; im Anschluß an
seine Ausführungen ist eine Diskus-

Am 1. Juni findet das fünfte und
letzte Treffen mit Gorbatschow im
Kreml statt. Der Präsident hat für
14.00 MESZ eine Pressekonferenz im
Spaso-Haus anberaumt.
Am Abend des 1. Juni werden die
Ehepaare Reagan und Gorbatschow einer
Aufführung des Bolschoi-Balletts beiwohnen und anschließend an einem privaten Abendessen in Gorbatschows Datscha teilnehmen.
Die beiden Ehepaare verabschieden
sich offiziell am 2. Juni um 8.00 Uhr
MESZ, und Staatspräsident Gromyko
nimmt an der Abschiedszeremonie für
Präsident Reagan am Flughafen teil.
Der Präsident unterbricht den
Rückflug in London. Zum Nachmittagstee ist er zu Gast bei Königin Elisabeth im Buckingham Palast. Nach Abschreiten der königlichen Ehrengarde
kommt Präsident Reagan mit Premierministerin Thatcher in Nr. 10 Downing
Street
zusammen.
Das
Ehepaar
Thatcher gibt am Abend ein Essen zu
Ehren der Reagans.
Am 3. Juni hält der Präsident um
13.00 Uhr MESZ eine Ansprache im Rathaus der City von London mit einer
Zusammenfassung der Ereignisse in
Moskau. Fitzwater zufolge wird der
Präsident ferner die Zukunft der
Ost-West-Beziehungen ansprechen. Vor
der Rede ist ein Treffen mit dem japanischen Premierminister Takeshita
vorgesehen.
Der Präsident und seine Gattin
werden am 3. Juni um 22.30 Uhr MESZ
auf dem Luftwaffenstützpunkt Andrew
Air Force Base zurückerwartet.

* * * * *

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1

W

Hintergrundmaterial

25. Mai 1983

20

RELIGIÖSE RECHTE IN DER SOWJETUNION
- Eine Übersicht -

Die folgende Übersicht ist dem am 23. Mai vom Weißen Haus veröffentlichen
Pressehandbuch zum amerikanisch-sowjetischen Gipfeltreffen in Moskau entnommen:
Obwohl die sowjetische Regierung
für sich in Anspruch nimmt, die Rechte ihrer Bürger auf Ausübung jeglicher Religion zu respektieren, werden
die Gläubigen durch zahlreiche vom
Staat auferlegte Hindernisse eingeschränkt.
Zum Beispiel garantiert
die sowjetische Verfassung das Recht
auf "religiöse Verehrung", gestattet
aber nicht die Bildung religiöser Organisationen und die Verbreitung religiöser Überzeugungen im Hinblick
auf eine vollständige verfassungsmässige Gleichstellung mit atheistischen
Organisationen.
Selbst das verfassungsmäßig garantierte Recht auf Religionsausübung
ist in der Sowjetunion sehr eingeschränkt. Alle religiösen Bekenntnisse müssen zur legalen Religions-

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ausübung vom sowjetischen Staat offiziell anerkannt sein.
Diese Vorschrift wurde in der Vergangenheit
dazu benutzt, um die Legalisierung
der von der sowjetischen Regierung
vor über 40 Jahren verbotenem Ukrainischen Katholischen Kirche zu blokkieren und die Registrierung der Hare-Krishna-Bewegung
zu
verhindern.
Des weiteren muß jede Religionsgemeinschaft per Gesetz mindestens 20
Gläubige zählen und vom Staat zugelassen
und
registriert
werden.
Manchmal schleppt sich die Bearbeitung von Anträgen dieser Art jahrelang dahin und hindert somit eine Gemeinde daran, sich legal zu formieren.
Sowjetische Bürger, die trotz
dieser Hindernisse hartnäckig an der
Praktizierung ihres Glaubens fest-

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�halten, sind häufig Belästigungen
ausgesetzt. Gläubige sind von der
Mitgliedschaft in der Kommunistischen
Partei ausgeschlossen und haben deshalb in der Sowjetunion praktisch
keinerlei Zugang zu einflußreichen
Stellungen. Außerdem wird Gläubigen
der Zugang zu bestimmten Bildungswegen und Berufen verweigert.
Zahlreiche Gläubige wurden inhaftiert. Die meisten wurden auf der
Grundlage von Paragraphen des Strafgesetzbuches verurteilt wie etwa denen für "antisowjetische Verleumdung"
oder "antisowjetische Agitation und
Propaganda", die eine direkte Verletzung freiwillig von der Sowjetunion
eingegangener
internationaler
Verpflichtungen darstellen. Andere etwa
"die Verletzung von Gesetzen über die
Trennung von Kirche und Staat" betreffende Paragraphen werden benutzt,
um Gläubigen ihre Rechte vorzuenthalten. Obwohl, über 100 Gläubige in den
vergangenen eineinhalb Jahren aus
Haftanstalten, Arbeitslagern und Verbannung entlassen wurden, sind über
100 Personen weiterhin
in Haft.
Einigen Berichten zufolge sind die
Zahlen der Häftlinge aus religiösen
Gründen noch höher.
Religiöse Erziehung ist ebenfalls
sehr stark eingeschränkt. Alle Formen religiösen Unterrichts, mit Ausnahme der Ausbildung in Priesterseminaren und der elterlichen Erziehung,
sind in der Sowjetunion verboten.
Die Ausübung der Religion wird weiterhin durch Schranken gegen die Einfuhr und Herstellung religiösen Materials sowie durch den Mangel an
ausgebildeten Geistlichen und Gebetsstätten behindert.

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^^ION

25. Mai 1983

20

MENSCHENRECHTE IN DER SOWJETUNION
- Eine Übersicht -

Die Vereinigten Staaten sind weiterhin unbefriedigt über das sowjetische Verhalten bei den Menschenrechten.
Die Sowjetunion verletzt
anhaltend Menschenrechte und Grundfreiheiten, wie sie in der Schlußakte
von Helsinki und anderen internationalen Abkommen definiert werden.
Dennoch haben in den vergangenen
anderthalb Jahren mehrere bedeutsame
Entwicklungen bei den Menschenrechten
in der Sowjetunion stattgefunden. Im
Dezember 1986 gestatteten die sowjetischen Behörden Andrej Sacharow nach
sieben Jahren Verbannung die Rückkehr
nach Moskau. Mehr als 300 politische
Gefangene sind seit Februar 1987
freigelassen worden, die umfangreichste Haftentlassung von Dissidenten
seit der Zeit unmittelbar nach Sta-

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lin. Die Sowjets haben ebenfalls erklärt, psychiatrische "Spezial"-Kliniken gehörten nicht mehr in den Zuständigkeitsbereich des Innenministeriums.
Vereinigungen und Organisationen
ohne staatliche Unterstützung werden
geduldet, obwohl die Mitglieder einiger
politischer
Interessengruppen,
wie etwa des "Presseclubs Glasnost"
belästigt werden. Im Dezember 1987
gelang dem "Presseclub Glasnost" die
Durchführung eines Seminars zur Problematik der Menschenrechte, obwohl
sich die Teilnehmer in Privatwohnungen treffen mußten und einige potentielle Teilnehmer
verhaftet wurden.
Einer Reihe von Amerikanern, die sich
um eine Teilnahme bemüht hatten, wurden sowjetische Visa verweigert.

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�Es muß noch viel mehr getan werden. Uns sind die Namen von über 300
Personen bekannt, die aufgrund ihrer
politischen oder religiösen Überzeugung immer noch in Gefängnissen, Arbeitslagern und psychiatrischen Kliniken eingesperrt sind.
Obwohl im
November 1986 eine Überprüfung des
entsprechenden Gesetzes zugesagt wurde, ist bis jetzt keine einschneidende Reform durchgeführt worden. Einen
besonderen Anlaß zur Besorgnis liefert die Festnahme des armenischen
Aktivisten Paruir Arikian im März
1988 wegen "antisowjetischer Verleumdung". Es handelt sich hierbei um
einen der "politischen" Paragraphen,
der Vertretern der sowjetischen Regierung zufolge mit der ' Gesetzesreform abgeschafft werden sollte - Arikian war seit anderthalb Jahren die
erste aufgrund dieses Paragraphen
festgenommene Person.
In diesem Jahr der Tausendjahrfeier des Christentums in der Kiewer
Rus ist die religiöse Unterweisung
außerhalb des eigenen Hauses verboten. Die Gebetsstätten, die Zahl der
Priester und die Versorgung mit religiöser Literatur reichen nicht aus,
um den Bedarf der Gläubigen zu dekken. Die Lehre der hebräischen Sprache ist verboten. Die unabhängige
Ukrainische Orthodoxe Kirche bleibt
zwangsweise mit einer russisch-orthodoxen Kirche verbunden, und die
Ukrainische Katholische Kirche darf
dem Gesetz nach nicht bestehen.
1987 stieg die Zahl der Auswanderer. Die Gesamtzahl der im Jahr 1987
ausgewanderten Juden betrug 8 155,
und gegenwärtig erhalten monatlich
etwa 1 000 sowjetische Juden Ausreisegenehmigungen. Obwohl diese Zahlen
gegenüber 914 im gesamten Jahr 1986
ein günstiges Bild zeigen, liegen sie
wesentlich unter den Zahlen der siebziger Jahre, als jeden Monat etwa
2 000 sowjetische Juden ausreisten.
Im Spitzenjähr der Auswanderung von
Juden, 1979, emigrierten mehr als
51 000 sowjetische Juden.

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25. Mai 1988

DIE WAHLEN IN AMERIKA 1988

DIE PRÄSIDENTSCHAFTSWAHLKAMPAGNE UND IHRE PARALLELEN
IN DER VERGANGENHEIT
- von Dom Bonafede (Der Verfasser ist leitender Redakteur der Zeitschrift 'National Journal')

Die
amerikanische
Präsidentschaftswahlkampagne des Jahres 1988
hat ähnlich wie die voraufgegangenen
Wahlkämpfe der letzten zwei Jahrhunderte Parallelen in der Vergangenheit
und Auswirkungen für die Zukunft.
Ein hervorragendes Beispiel dafür
liefern die gegenwärtige Kampagne und
der Wahlkampf von 1960, bei denen offensichtlich Parallelen bestehen. In
beiden Fall standen zwei populäre
Präsidenten - damals Dwight Eisenhower und jetzt Ronald Reagan - am
Ende
ihrer
verfassungsmäßig
beschränkten zwei Amtszeiten und machten den Weg frei für ein offenes Rennen in beiden politischen Parteien.
Jeder war bei seinem Rücktritt
der älteste Präsident der Geschichte

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und in seiner Eigenschaft als Regierungschef bekannt dafür, daß er Vollmachten delegierte. Während seiner
Amtszeit erlebte jeder eine nationale
Rezession, eine Wahlniederlage seiner
Partei zur Mitte der Amtszeit sowie
Skandale bei seinen Beratern und fand
dennoch weiterhin Anklang in der Öffentlichkeit.
Im Bereich der Außenpolitik amtierte jeder gerade zu der Zeit, als
die sowjetische Führungsspitze die
überkommenen
Formen
aufzubrechen
suchte, zuerst Nikita Chruschtschow
und gegenwärtig Michail Gorbatschow.
Sowohl Eisenhower als auch Reagan
ließen der Republikanischen Partei
als Teil ihres Vermächtnisses die
Wahl zwischen Kontinuität oder Wan-

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�del.
Darüber hinaus versetzten sie
ihre Vizepräsidenten in die Lage,
Nachfolger zu werden.
Ungeachtet
der
Übereinstimmung
zwischen Vergangenheit und Gegenwart
hat jedes Streben nach der Präsidentschaft seinen besonderen Eigencharakter und eigene Merkmale, wenn es darum geht, die Anliegen und Wunschvorstellungen der Zeit zu berücksichtigen.
Im Einklang mit dem historischen
Zyklus und der Stimmung im Land
scheinen amerikanische Wähler bei ihrem nächsten Präsidenten in stärkerem
Maße Kompetenz und eine starke Führungsrolle zu suchen als Stil und
Charisma, wozu im Zeitalter der Massenmedien die Tendenz bestand.
Der gegenwärtige Wahlkampf ist
der ertse seit 1968, in dem sich kein
amtierender Präsident zur Wiederwahl
stellt. Noch wichtiger ist, daß der
erste ernsthafte schwarze Kandidat,
Jesse Jackson, sich nunmehr um die
Präsidentschaft bewirbt.
Obwohl George Bush schon für die
Nominierung der Republikaner feststeht, sollte man sich vergegenwärtigen, daß die Geshichte nicht wohlwollend mit Vizepräsidenten umgegangen
ist, die direkt aus ihrer Position
der Nummer Zwei heraus ins Weiße Haus
gewählt werden wollten. Der letzte
erfolgreiche Kandidat war Martin Van
Buren im Jahr 1836 als Vizepräsident
unter Andrew Jackson.
Van Buren war der Nutznießer der
loyalen Gefolgschaft von "Old Hickory", wie Jackson genannt wurde. Dasselbe trifft nicht auf das Verhältnis
zwischen Bush und Reagan zu.
Die Billigung des Präsidenten bedeutet nicht den Sieg für einen Vizepräsidenten, wie Richard Nixon 1960
und Hubert Humphrey 1968 erfahren
mußten.
Als Nicht-Regierungspartei suchen
die Demokraten - wie im Jahr 1960 bei

ihrer Nominierung John F. Kennedys nach einem neuen und anders gearteten
Kandidaten, der keine Assoziationen
mit der Vergangenheit hervorruft.
Diese Beschreibung trifft auf den
möglichen Kandidaten der Partei, den
Gouverneur von Massachusetts Michael
Dukakis, zu.
Im Gegensatz zu den letzten Präsidentschaftswahlkampagnen zieht keiner der Kandidaten gegen Washington
zu Felde. Unter den möglichen Faktoren, die zu dieser Entwicklung beitragen, ist die allgemein gesunde
Wirtschaftslage der Nation, mit bemerkenswert niedriger Inflationsrate
und Arbeitslosenquote sowie die Tatsache, daß die Vereinigten Staaten
eine Zeitspanne relativen Friedens
erleben, obgleich sie ihre nationalen
Interessen gegen internationale Terroristen verteidigen und weltweit ihre Präsenz in Unruheherden behaupten,
wie etwa in Mittelamerika und dem
Persischen Golf.
Es ist auch das erste Mal in der
jüngeren Vergangenheit, daß es keine
Kandidaten gibt, die als Außenseiter
oder Unabhängige gegen den Strom und
das politische Establishment kandidieren, wie etwa George Wallace,
Eugene McCarthy, John Anderson und
Jimmy Carter in früheren Kamapagnen.
Darüber hinaus gibt es den Beobachtungen Gary Orrens von der John F.
Kennedy School of Government an der
Harvard University
zufolge keinen
herausragenden Kandidaten, der eindeutig das Zeug zum Präsidenten hat.
Zitat Orren: "Es gibt keinen Kandidaten, der als Komet fungiert, an dem
sich die anderen orientieren".
Ihm zufolge "bedeutet dies, daß
die Kampagne von kurzfristigen Faktoren dominiert wird - den Medien, den
Vorschriften, Geld und der Charakterfrage" .
Damit besteht ebenfalls die grössere
Wahrscheinlichkeit
für
ein
Kopf-an-Kopf-Rennen im November.

�Ein weiterer herausragender Faktor der Kampagne von 1988 besteht darin, daß die führenden Kandidaten Bush, Dukakis und Jackson - eher
Pragmatiker als Ideologen sind. Das
steht in starkem Gegensatz zur Kampagne von 1984, bei der Reagan seine
konservativen Werte und der demokratische Kandidat Walter Mondale seinen
Liberalismus propagierte.
Statt dessen stellt sich jeder
Kandidat mit dem Thema dar, daß er
die Kompetenz, Kenntnisse und Erfahrungen mitbringt, um mit den Problemen des Landes sowohl auf nationaler
wie auch auf internationaler Ebene
fertigzuwerden.
Jeder stellt seine
zupackenden organisatorischen Fähigkeiten stärker heraus als seine Ideologie.
Ungewöhnlich an der gegenwärtigen
Kampagne ist das Fehlen eines 'heißen
Eisens', mit dessen Hilfe die Parameter des Wettbewerbs abgesteckt werden
und zu dem die Kandidaten eine Koalition mobilisieren können. Traditionell schlägt der Spitzenkandidat ein
Programm vor, das größtenteils auf
eine Wiederbelebung der Wirtschaft
und Stärkung der amerikanischen Aussenpolitik abzielt. Aber dieses Mal,
so bemerkt der Politikwissenschaftler
Erwin Hargrove von der Vanderbilt
University, "gibt es keine Problembereiche, die der Öffentlichkeit ein
Anliegen wären".
Dennoch gibt es zahlreiche soziale und die Lebensqualität betreffende
Fragen von großer Bedeutung für nahezu jeden Amerikaner, auf die der Kandidat eingehen muß. Dazu zählen Erziehung,
Drogenkonsum, Verbrechen,
Gesundheitsfürsorge, AIDS, die Todesstrafe, Abtreibung und Pornographie.
Die vom Meinungsforscher des Weißen
Hauses, Richard Wirthlin, durchgeführten Untersuchungen zur öffentlichen Meinung zeigen, daß soziale Fragen die Wähler stärker beschäftigen
als die Wirtschaft. Man sollte sich
auch daran erinnern, daß Reagan in
seiner
Präsidentschaftswahlkampagne
Werte wie Familie, Gemeinwesen und

Religion hervorhob.
Jackson hat sich mehr als alle
anderen Kandidaten auf diese Themen
konzentriert und vorgeschlagen, der
Staat solle bei ihrer Lösung eine
größere Rolle spielen. Zum Drogenproblem vertritt Bush die Auffassung,
führende Köpfe des Drogengeschäfts
sollten im Falle ihrer Überführung
mit dem Tode bestraft werden; Dukakis, der die Todesstrafe ablehnt,
spricht sich dagegen für verstärkte
Erziehungsmaßnahmen, Prävention und
Rehabilitation bei Jugendlichen aus.
Um die Präsidentschaftswahl 1988
zu gewinnen, muß ein Kandidat der
einhelligen Meinung der politischen
Beobachter zufolge in gesellschaftlichen Fragen einen nachhaltigen Eindruck bei ethnischen, religiös motivierten und zur Arbeitnehmerschaft
zuzurechnenden Wählern hinterlassen.
Ein weiteres parteiübergreifendes
Thema betrifft die persönliche Moral
und das Berufsethos der Kandidaten.
Robert Teeter, ein Experte zu Fragen
der öffentlichen Meinung, der sich
auf republikanische Kandidaten und
Anliegen spezialisiert hat, behauptet, daß nach der Ausschaltung von
Ideologie als entscheidender Faktor
die Wähler nun dem Charakter der Kandidaten mehr Beachtung schenken.
Die von großem publizistischen
Echo begleiteten Skandale um den ehemaligen demokratischen Kandidaten Senator Gary Hart, die Insider-Geschäfte an der Wall Street und die Sexund-Geld-Enthüllungen um die Fernsehevangelisten Jim und Tammy Bakker und
Jimmy Swaggart sowie die Verurteilungen
der
früheren
Reagan-Berater
Michael Deaver und Lyn Nofziger haben
die amerikanische Öffentlichkeit besonders für das Problem der Moral
sensibilisiert.
Enthüllungen über moralisch zweifelhafte Verhaltensweisen sind kaum
neu. Dennoch habe sich die Spielregeln geändert: das Privatleben von
im Lichte der Öffentlichkeit stehen-

- 3 -

�den
Personen,
Regierungsvertretern
und Politikern wird heute als legitimes Betätigungsfeld der Nachrichtenmedien angesehen, womit theoretisch
ein Schlüssel zu ihrem Charakter hinter den Kulissen, ihren potentiellen
Fähigkeiten und zu erwartenden Leistungen geliefert wird.
Eine damit in Zusammenhang stehende Frage betrifft die Kontroverse
über den Mißbrauch staatlicher Macht
in der Iran-Contra-Affäre.
Obwohl
gegen zwei ehemalige Berater des
Weißen Hauses für Angelegenheiten der
nationalen Sicherheit, Admiral John
Poindexter und Oberstleutnant Oliver
North, in diesem FalL Anklage erhoben
wurde, bleiben die Auswirkungen auf
Bushs Wahlkampf weiter ungewiß. Der
Vizepräsident hat standhaft behauptet, daß er mit dem Entscheidungsfindungsprozeß vor der Affäre nichts
zu tun hatte.
Trotzdem könnte die Besorgnis der
Öffentlichkeit über den Vorfall Auswirkungen auf die Wahl haben.
Ein ehernes Gesetz der amerikanischen Politik besagt, daß die Außenpolitik - mit Ausnahme der Frage von
Krieg oder Frieden - keinen starken
Einfluß auf den Präsidentschaftswahlkampf hat. Die anstehende Wahl könnte jedoch eine Ausnahme bilden.
Bushs Haltung zur Außen- und Verteidigungspolitik
ist zum größten
Teil eine Reproduktion derjenigen
Präsident Reagans - Unterstützung antikommunistischer Kräfte, eine starke
Verteidigung, Weiterverfolgung eines
Rüstungskontrollabkommens
mit
der
Sowjetunion
und Unterstützung der
Strategischen Verteidigungsinitiative
(SDI).
Die beiden führenden Bewerber bei
den Demokraten haben andere politische Maßnahmen vorgeschlagen, die
sich in vielen Bereichen unterscheiden.
Aufgrund
seiner
Erfahrung
in
"Privatdiplomatie" und seines Ein-

fühlungsvermögens für die Dritte Welt
tritt Jackson für eine radikale Neuorientierung amerikanischer Außenund Verteidigungspolitik ein, die er
als "neuen Realismus" bezeichnet.
Grundlegende
Vorschläge
sind:
Beendigung der amerikanischen Hilfe
für die Contra-Rebellen in Nicaragua,
Unterstützung eines unabhängigen Palästinenserstaates,
schärfere
USSanktionen gegen Südafrika, Schuldenentlastung für Staaten der Dritten
Welt. Im Verteidigungsbereich befürwortet er: Einfrieren der Militärausgaben auf gegenwärtigem Dollarstand für fünf Jahre, Reduzierung der
US-Streitkräfte in Westeuropa, Einstellung der Entwicklung von Tarnbombern (Stealth) und SDI, Reduzierung
der Flugzeugträgerverbände der Marine, Abschaffung der MX-Raketen und
einen Stop bei Midgetman und D-5-Raketen.
Kritiker argumentieren, die
Reduzierungen im Militärarsenal des
Landes machten die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten verwundbar
für einen sowjetischen Angriff. Ausserdem drücken sie ihre Besorgnis
über sein gutes Verhältnis zu Kubas
Fidel Castro und zu Yassir Arafat,
dem Chef der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO), aus.
Was seine Vorschläge zur Außenund Verteidigungspolitik angeht, so
hat sich Dukakis weniger deutlich
ausgedrückt und wurde sowohl von
Jackson wie auch von Bush wegen seines Mangels an direkter Erfahrung in
diesem Bereich kritisiert.
Er hat eine außen- und verteidigungspolitische Haltung umrissen, die
den Vorstellungen der liberalen Mitte
der Demokratischen Partei entspricht.
So hat er betont, was er als eine politische Position bezeichnet, die
"amerikanische Werte" widerspiegelt,
darunter Menschenrechte, Respektierung der Herrschaft des Gesetzes und
einen multilateralen Ansatz zur Lösung weltweiter Probleme durch internationale Organisationen wie die Vereinten Nationen und die Organisation
Amerikanischer Staaten.

- 4 -

�Dukakis ist strikt gegen die Gewährung von Hilfe an die Contras. Er
ist ein energischer Freund Israels,
weigert sich aber gleichzeitig, eine
positive oder negative Haltung gegenüber einem Palästinenserstaat einzunehmen. Er hat über die Möglichkeit
eines Abzugs amerikanischer Truppen
aus Korea spekuliert und Wege zur
Aufnahme von Gespräche mit Castro
sondiert.
In der Verteidigung befürwortet
er eine Reduzierung der strategischen
Waffen um 50 oder mehr Prozent, einen
umfassenden Atomteststopp, die Beschränkung von SDI auf das Forschungs- und Entwicklungsniveau von
vor 1983 sowie eine Aufrüstung der
konventionellen Streitkräfte.

der enorm breiten Berichterstattung
durch die Medien sowie des großen
Felds früher Kandidaten hat der Präsidentschaftswahlkampf
1988
nicht
vermocht, intensives Interesse oder
echte Begeisterung unter den Wählern
hervorzubringen. Weitgehend aufgrund
seiner Fähigkeiten als Redner, persönlicher Anziehungskraft und seinem
Status als Superstar hat Jackson allein ein gewisse Maß an Energie und
Enthusiasmus geliefert. Bush und Dukakis entbehrten dem allgemeinen Empfinden zufolge der Wärme, des Flairs
und jener undefinierbaren Aura, die
einer nationalen Zuhörerschaft imponiert.
Angesichts dessen ist es nicht
unvorstellbar, daß die Wahlbeteiligung geringer ausfallen wird als die
im Jahr 1984 verzeichneten 53 Prozent.

Während Dukakis weniger Erfahrung
im Umgang mit ausländischen Politikern hat als Bush oder Jackson, ist
er ihnen gegenüber jedoch durch seine
natürliche Begabung für Fremdsprachen
im Vorteil. Er spricht fließend Spanisch und besitzt ausreichende Kenntnisse in Griechisch und Französisch.
In einer bedeutsamen Abkehr von
der Praxis des Jahres 1984 hat Dukakis es sorgfältig vermieden, Politik
für einzelne Wählergruppen zu machen
und vor seiner Nominierung Verpflichtungen für mächtige Interessengruppen
einzugehen, wie Mondale dies zu seinem Bedauern getan hatte. Zu Beginn
seiner Kampagne um die demokratische
Nominierung hatte Mondale sich beflissen um die Unterstützung der
AFL-CIO, der National Education Association und der National Organization
for Women bemüht und sie auch erhalten. Zu seinem Nachteil wurde Mondale als "Gefangener" von Interessengruppen dargestellt.
Im
Dukakis
höherer
wohl er

Gegensatz zu Mondale vermied
es auch, sich zur Einführung
Steuern zu verpflichten, obdies nicht ausgeschlossen hat.

Trotz des langen Zeitraums der
Vorwahlen und Caucus-Abstimmungen und
- 5 -

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Amerikanische Politik beim Gipfel ist auf Realismus und Stärke gegründet&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Fernsehansprache Präsident Reagans anitdie Bündnispartner&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Baker sieht positive Auswirkungen der Koordinierungsbemühungen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede beim OECD-Ministertreffen&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;ACDA-Chronologie der Verhandlungen über chemische Waffen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Zusammenfassung der ACDA&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Probleme der Freizügigkeit&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Übersicht des Weißen Hauses&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Fünf Treffen Reagan-Gorbatschow beim Gipfel&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Das Programm des Gipfeltreffens&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Religiöse Rechte in der Sowjetunion&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Eine Übersicht&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Menschenrechte in der Sowjetunion&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Eine Übersicht&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Wahlen in Amerika 1988&lt;br /&gt;Die Präsidentschaftswahlkampagne und Ihre Parallelen in der Vergangenheit&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Dom Bonafede&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST
'VON

*

18.

19

Mai 1 9 8 8

I N H A L T

DOKUMENTATION
Reagan 'zuversichtlich* ober die Zustimmung
- Pressekonferenz des Präsidenten -

des Senats zu INF

Shultz;
INF 'vorteilhaft" fflr Vereinigte Staaten und NATO
- Erklärung vor dem Auswärtigen Ausschuß des US-Senats Shultz; Technische Probleme der Verifizierung von INF gelSst
- Erklärung des amerikanischen Außenministers in Genf -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Neuer Tollwut-Impfstoff verbilligt die Behandlung
- Ein Produkt der Gentechnik -

* * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�AMERIKA DIENST
Dokumentation

19

18. Mai 1983
REAGAN "ZUVERSICHTLICH" ÜBER DIE ZUSTIMMUNG DES SENATS ZU INF
- Pressekonferenz des Präsidenten -

VIASHINGTON - '• \D) - Präsident Reagan erklärte, er sei "hoffnungsvoll und
zuversichtlich", cViß der Senat angesichts der Aufnahme seiner Debatte über den
INF-Vertrag am 17. Mai ebenfalls zu der Ansicht gelangt, daB es sich bei dem
Vertrag um einen 'diplomatischen Meilenstein" handelt und seine Zustimmung zur
Mitwirkung der Ver einigten Staaten geben wird.
Bei seinem übt rraschenden Auftritt im Besprechungszimmer des Weißen Hauses
am 17. Mai versprach der Präsident dem amerikanischen Volk ebenfalls einen umfassenden Bericht über die Verhandlungen zur Absetzung des panamaischen Machthabers Manuel Noriega und begrüßte die Verbesserungen in der amerikanischen
Außenhandelsbilanz.
Nachfolgend veröffentlichen wir den Text der Pressekonferenz:
Ich
möchte
heute
eine
kurze
Stellungnahme abgaben. Zunächst einmal freue ich mi :h darüber, daß der
Mehrheitsführer im Senat, Bob Byrd,
und der Führer iier Republikanischen
Partei,
Bob
Dole,
übereingekommen
sind, Überlegungen zu einem Vertrag
anzustellen, mit dem eine gesamte Kategorie amerikanischer und sowjetischer Mittelstreckenraketen beseitigt
wird. Dieser im vergangenen Dezember
unterzeichnete Vertrag hat die amerikanisch-sowjetischen
Gespräche
über
Waffensysteme
auf einen
Kurs gebracht, der über Rüstungskontrolle
hinausgeht und eine echte Reduzierung
von Nuklearwaffen ansteuert.

der Ansicht gelangen wird, daß dieser
Vertrag einen diplomatischen Meilenstein darstellt und seine Zustimmung
zur Mitwirkung der Vereinigten Staaten gibt.

Ich bin hoffnungsvoll und zuversichtlich, daß der Senat nach sorgfältigen
Überlegungen ebenfalls zu

Vor einigen Tagen habe ich vom
Kongreß eine Vorlege für ein Handelsgesetz erhalten, meine Botschaft an

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Zweitens gab es gute Neuigkeiten
in der Handelsbilanz von März, die
besten Neuigkeiten in diesem Bereich
seit März 1985. Mit dem um 4 100
Millionen Dollar gesunkenen Handelsdefizit und den um 5 400 Millionen
Dollar gestiegenen Exporten ist dies
ein eindeutiger Beweis dafür, daß die
Handelsbilanz sich mit unserer weiterhin wachsenden Wirtschaft verbessert.

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�den Kongreß wird gegenwärtig noch
überprüft, und ich rechne in einigen
Tagen
mit
ihrer
Veröffentlichung.
Aber die Neuigkeiten von heute unterstützen das, worauf wir schon immer
hingewiesen haben - daß dies nicht
die Zeit ist, um dem Handel Bechränkungen
aufzuerlegen,
Anreize
für
freie und offene Märkte zu verringern
oder Arbeitsmöglichkeiten zu eliminieren. Wir wollen mehr, nicht weniger Arbeitsplätze, und wir wünschen
uns einen Arbeitsmarkt, der allen arbeitsfähigen Männern und Frauen offensteht.
Ich bin bereit, mir die Xrmel
aufzukrempeln und wieder einmal gemeinsam mit dem Kongreß ein Handelsgesetz zu erarbeiten, mit dem diese
Tendenz zur weiteren Schaffung von
Arbeitsplätzen und zu größerem wirtschaftlichen
Wachstum
fortgesetzt
werden kann.
Frage:
Herr Präsident, warum haben
Sie ihre Zustimmung dazu gegeben, daß
die Anklage gegen General Noriega wegen
Drogengeschäften
fallengelassen
wird? Liefert das nicht den Demokraten
Munition
für
die
Präsidentschaftskampagne?
Antwort:
Nicht
wenn
sie warten,
bis es etwas zu erklären gibt. Wir
verhandeln gerade, und ich kann keinen Kommentar über laufende Verhandlungen abgeben. Ich wäre dumm, wenn
ich das täte. Manche Dinge muß man
für sich behalten, wenn man mit jemandem argumentiert. Zu einigen Diskussionspunkten ist noch keine Entscheidung getroffen worden, und ich
muß sagen, daß vieles von dem, was
Sie als Berichte behandelt haben, auf
irgendwelchen undichten Stellen oder
Fehlinformationen
beruht,
weil
es
keine Tatsachen gibt, die dies belegen.
Frage: Wenn Sie diesen einen Punkt
noch klären könnten: haben Sie zugestimmt, daß die Anklage gegen irgendein Vergehen Noriegas fallengelassen
wird?

Antwort:
Ich muß wiederum sagen,
daß man bei Verhandlungen - und ich
habe 25 Jahre lang als Gewerkschaftsvertreter an Verhandlungen über Arbeitsbeziehungen mitgewirkt - nicht
der Öffentlichkeit preisgibt, worüber
verhandelt wird.
Frage:
Herr Präsident, jetzt, wo
die
Konservativen
in
Gestalt
der
Washington Times Justizminister Edwin
Meese über Bord geworfen haben, wo im
Ministerium die Moral nachläßt und
das Justizministerium im Land im Hinblick auf seine Integrität an Respekt
verliert - stehen Sie immer noch hinter Meese und haben volles Vertrauen
zu ihm, oder werden Sie ihn aus dem
Amt drängen?
Antwort:
Nein,
Vertrauen zu ihm.
Frage:

ich

habe

volles

Warum?

Antwort:
Weil zwar viele Anschuldigungen erhoben wurden, aber nichts
bewiesen worden ist, und ich habe
keine Beweise für irgendein Fehlverhalten seinerseits, das in den umherschwirrenden Anschuldigungen erkennbar wird.
Und meiner Ansicht nach
sollten Sie gerade über dieses Thema
mit ihm persönlich sprechen.
Ich
denke, daß es im Hinblick auf diese
jüngste Anschuldigung mehr gibt, als
wir uns unmittelbar vorstellen.
Frage:
Was meinen Sie damit?
Worauf beziehen Sie sich?
Heißt das,
Eastland hat etwas getan, um den Justizminister in ein falsches Licht zu
rücken?
Antwort:
Nein, er hat selbst eine
Erklärung abgegeben, daß es bei allem, was geschehen ist, keine Animositäten gegeben hat. Aber ich denke,
Sie sollten mit dem Justizminister
darüber sprechen.
Frage:
Besteht die Rolle des Pressesprechers nun darin, Verteidiger zu
sein?
Antwort:

Nun,

jemand

hat

Spekula-

�tionen darüber abgegeben, daß all
dies einen Grund hatte. Und ich denke, Sie sollten mit dem Justizminister sprechen.

und in den Nachrichten davon gehört.

Frage:
Herr
Präsident, wenn
Siei
nichts zu den Verhandlungen mit Noriega sagen können, möchte ich Siei
dennoch über ihre politischen Zielet
befragen.
Sie haben in der Vergangenheit gesagt, das Ziel bestünde ini
einem
Machtverlust
Noriegas.
Bei
verschiedenen Geelgenheiten haben Sie&gt;
davon gesprochen, er solle das LandJ
verlassen, und bei anderen Gelegenheiten haben Sie das vermieden. Besteht ihr Ziel nicht nur darin, daß5
Noriega die Macht abgibt, sondern1
auch, daß niemand von seinen KumpanenI
in seinem Namen Macht ausübt?

Antwort:
...und
nein,
ich
werde
nichts von dem aufgeben, was wir dort
durchzuführen versuchen.

Antwort:
Ich sagte, dazu würde ichi
keinen Kommentar abgeben, aber etwas3
kann ich doch kommentieren. Wir sind3
daran interessiert, daß in Panama diei
Demokratie
wiederhergestellt
wird..
Es hat nicht etwa mit diesem Mann angefangen, sondern bereits vor einigerr
Zeit rangierte unter jemand anderemn
der Befehlshaber der Nationalgarde ini
Panama plötzlich vor dem Präsidenteni
und hat der Regierung Vorschrifteni
gemacht. Unserer Ansicht nach ist ess
Zeit, daß die Demokratie in Panamaa
wiederherstellt wird.
Und das istt
das Ziel unserer Verhandlungen.
Frage:
Wenn jemand Kontrolle überr
die Regierung ausübt - wenn Noriegaa
der Drahtzieher im Hintergrund ist können Sie das akzeptieren?
Antwort:
Nicht, wenn wir die Demokratie in Panama neu errichtet haben.
Aber ich kann dazu keine weiterenn
Kommentare abgeben. Wir befinden unss
inmitten echter Verhandlungen.
Frage:
Dennoch besteht die Furcht,
,
daß ein Ausverkauf stattfindet.
Man
n
fürchtet, daß Sie einem Pakt zustimmen, der unter dem Feigenblatt derr
Wiederherstellung von Demokratie Noriega an der Macht läßt.
Antwort:

Ich

habe

all

das

Frage:
Nun, wenn Sie dazu
Stellung nehmen möchten...

nicht

Frage:
Herr Präsident, es hat auch
Anschuldigungen gegeben, wonach diese
Regierung von Drogengeschäften in Zusammenhang mit dem Contra-Nachschub
wußte - möglicherweise eine illegale
Operation zur Beschaffung von Nachschub für die Contras.
Können Sie
uns und den Kongreßausschüssen, die
diese Frage untersucht haben, versiehern, daß weder die Regierung noch
die CIA oder irgendeine andere Behörde dieser Regierung an Drogenschmuggel beteiligt waren, für den dieselben Flugzeuge benutzt wurden, die
Waffen für die Contras transportierten?
Und führen Sie Untersuchungen
durch - falls Sie nicht darüber Bescheid wußten -, um herauszufinden,
ob an diesen Behauptungen irgendetwas
wahr ist?
Antwort:
Alles, was
ich
darüber
wußte, bevor eine Anklage erhoben
wurde, die sich offensichtlich auf
ausreichendes Beweismaterial stützte
- daß früher Gerüchte aufgetaucht waren, wonach er Informationen über die
Situation in Mittelamerika lieferte wie ich glaube an unseren Nachrichtendienst CIA. Es gab Gerüchte über
mögliche Drogengeschäfte - aber niemand war je in der Lage, diesen Gerüchten Substanz zu verleihen.
Und
dann geschah dieses letzte Ereignis,
und es ist mir nicht klar, ob er gerade damit angefangen hatte oder ob
die ganze Sache schon länger lief.
Frage:
Aber es gibt weitere Anschuldigungen, denen
zufolge
diese
Regierung in Drogenschmuggel mit denselben Flugzeugen verwickelt ist, mit
denen Waffen an die Contras geliefert
wurden, ohne daß Noriega dabei eingeschaltet war.
Wußten Sie etwas davon? Ist irgendetwas davon wahr?

gelesen
- 3 -

�Antwort:
Nein.
Nein, das einzige,
das ich wußte, war, als wir durch
eine
Geheimoperation
herausfanden,
daß die Sandinisten Drogen aus ihrem
Land herausschmuggelten, und leider
wurde der Pilot des bei dieser Operation benutzten Flugzeuges kurz darauf
in einer amerikanischen Stadt niedergeschossen. ..
Frage:
Aber Sie gehen diesen
sten Anschuldigungen nach?
Antwort:

jüng-

Ja, das tun wir.

Frage:
Herr Präsident, wie können
Sie, wenn man ihre harte Linie zu Beginn der Entwicklung in Panama berücksichtigt - als Sie sagten, Noriega müsse außer Landes gehen und
daß die Dominikanische Republik dafür
nicht weit genug entfernt sei und unter Berücksichtigung unserer Anerkennung von Delvalle als Präsident - wie
können Sie irgendeinen Kompromiß eingehen, ohne dabei Ihre ursprünglichen
politischen Ziele aufzugeben?
Antwort:
Ihre Frage würde wiederum
zu etwas führen, was gegenwärtig diskutiert wird. Und ich kann Ihnen nur
sagen,
daß
wir
einfach
niemanden
reinwaschen werden.
Frage:
Herr Präsident, Sie haben
wiederholt verneint, daß die Astrologie irgendeine Rolle bei der Festlegung der Politik gespielt habe, aber
Sie sind der Frage ausgewichen, ob
sie eine Rolle bei der Festlegung von
Terminen gespielt hat. Neben Mr. Regan hat eine Reihe von Mitarbeitern
angedeutet, daß Astrologie Einfluß
auf die Terminplanung hatte, darunter
auch das Datum für die Unterzeichnung
des INF-Vertrages.
Warum haben Sie
so etwas zugelassen?
Antwort:
So etwas ist nicht geschehen.
Und diese ganze Geschichte
geht auf eine Geschichte zurück, bei
der gedruckt wurde, daß dies mit der
Terminierung einer meiner Operationen
zusammenhänge. Nun, es ist überhaupt
nichts von der Art geschehen.

Und
Sie wissen
auch, daß es
nichts damit zu tun hatte, als ich
als Gouverneur eingeführt wurde, daß
ich den Amtseid um Mitternacht ablegte - genauer, eine Minute nach Mitternacht. Als ich damals zum ersten
Mal zum Gouverneur gewählt wurde, begann der noch amtierende Gouverneur,
den ich besiegt hatte, verschiedene
befristete Stellungen und Richterposten zu besetzen. Dies nahm ein solches Ausmaß an, daß ich bei meinem
Amtsantritt eine völlig neue Regierung vorgefunden
hätte.
Nun, ich
konnte nicht viel daran ändern. Bis
zu meiner Einführung war er noch im
Amt.
ich fragte den Leiter meiner
Wahlkampagne, Bill Roberts, wann der
frühestmögliche
Termin
für
meinen
Amtsantritt
sei.
Und er erklärte
mir:
"Eine Minute nach Mitternacht
am Abend vor der feierlichen Einführung." Und ich erwiderte: "Ich werde eine Minute nach Mitternacht meinen Eid ablegen." So geschah es dann
auch, und so konnte ich zumindest
einen halben Tag früher die Besetzung
von Ämtern stoppen, weil ich ihm dazu
keine Zeit mehr ließ, denn am nächsten Nachmittag wurde ich in mein Amt
eingeführt.
Frage:
Wir
sprechen
von
einigen
bestimmten
Vorfällen.
Bestreiten
Sie, daß weder Sie noch Mrs. Reagan
zu irgendeiner Zeit hier im Weißen
Haus mit Hilfe der Astrologie Termine
für Reisen oder die Unterzeichnung
des INF-Vertrages festgesetzt haben?
Ich muß sagen, daß dies dem widerspricht, was uns von vielen ihrer Berater gesagt wurde.
Antwort:
Nun, ich kann ihnen nur
erzählen, daß ich nach den Schüssen
auf mich, die sicherlich eine traumatische Erfahrung für meine Frau bedeuteten ...
Frage:

Und für Sie.

Antwort: ... Nein, ich war zuversichtlich, daß ich mich wieder erholen würde. Außenstehende können das
nicht wissen. Aber ein Freund - sie
bekam damals viele Anrufe von Freun-

- 4 -

�den - ein Freund rief an und sagte,
er hätte sich gewünscht, vorher gewußt zu haben, was ich an diesem Tag
unternehmen wollte und er erwähnte
jemand, der gesagt habe, das alle
Zeichen schlecht gewesen seien u.s.w.
Und Nancy litt unter diesem Trauma, das nicht so leicht zu überwinden
war, und so kam es für eine kurze
Zeit, daß sie bei ähnlichen Terminen
wie dem, bei dem ich angeschossen
wurde, fragte, wie es denn aussehe.
Aber es wurden niemals irgendwelche
Änderungen vorgenommen.
Frage:
Aber warum die
nung des INF-Vertrages?
Antwort:

Unterzeich-

Wie bitte?

Frage:
Warum ein
Unterzeichnung ...

Ereignis

wie

die

Antwort:
Hein, die war davon nicht
betroffen.
Das
war
wiederum
nur
Schall und Rauch, und wir haben keine
Entscheidungen auf dieser Grundlage
getroffen, wir stellen unser Leben
nicht darauf ab.
Ich möchte aber
niemanden
beleidigen,
der
daran
glaubt oder sich ernsthaft damit beschäftigt. ..
Frage:

Glauben Sie daran?

Antwort:
Ich
lasse
mein
Leben
nicht davon leiten, aber ich kann die
Frage auch nicht verneinen, weil ich
zu wenig darüber weiß, um zu entscheiden, ob wirklich etwas daran ist
oder nicht.
Frage:
Glauben sie daß der Mordanschlag gegen sie hätte verhindert
werden können?
Antwort:
Nein, dieser Freund dachte, daß dies für mich ein denkbar
schlechter Zeitpunkt war, daß ich etwas hätte tun können - nun, wir taten
nichts.
Frage:
Herr Präsident, Sie haben
oft von ihrem Glauben an die Integrität und Ehrlichkeit Ihres Justizmini-

sters gesprochen.
Ich möchte dazu
noch eine andere Frage stellen: Sind
Sie nicht der Ansicht, daß all diese
Rücktritte
und
die
Schwierigkeit,
diesen Posten zu besetzen und die Angriffe aus so vielen Richtungen
selbst wenn er ein Mann von Integrität und Fähigkeiten ist -, meinen Sie
nicht, daß er die Arbeit des Justizministeriums blockiert und ist das
nicht Grund genug für ihn, zurückzutreten?
Antwort:
Nein, denn ich bin der
Ansicht, daß es seit einiger Zeit
eine Tendenz gibt - und das gilt
nicht nur für ihn, auch für andere -,
derzufolge Anschuldigungen oder Behauptungen als Verurteilung aufgefaßt
v/erden.
Und es gab davon viel zu
viel. In diesem unserem Land ist man
unschuldig, solange man nicht ohne
jeden Zweifel für schuldig befunden
wird.
Und nichts ist bewiesen worden. Weiterhin werden diese Anschuldigungen erhoben. Dies traf auch auf
andere zu. Das galt für Ray Donovan,
und sein bissiger Satz paßt meiner
Meinung
nach zu dieser Situation.
Als er gänzlich von jeder Schuld
freigesprochen wurde, sagte er: "Wer
wird mir meinen Ruf zurückgeben?"
Dies
gilt
auch
für
Beggs,
der
schließlich aufstand und von seinem
NASA-Posten zurücktrat - aufgrund von
Dingen, die er angeblich vor seinem
Eintritt in den Staatsdienst getan
hatte -, und er wurde von allen Anschuldigungen freigesprochen. Es gab
nicht den geringsten Beweis für irgendeine dieser Anschuldigungen.
Frage:
Erklären Sie also, daß Mr.
Meese im Amt bleiben sollte, falls
gegen ihn keine Anklage erhoben wird?
Oder kann es geringfügigere Anschuldigungen geben, die zu einer Anklage
nicht ausreichen und trotzdem Grund
für seinen Rücktritt wären?
Antwort:
Meiner Ansicht nach würde
sein Rücktritt bedeuten, daß er, wie
er selbst einmal gesagt hat, in diesem Fall der Rest seines Lebens von
dieser
Angelegenheit
überschattet
würde, ohne daß jemals irgendetwas

- 5 -

�bewiesen wurde.
Frage:
Noch eine Frage zu Noriega.
Die Kombination von Sanktionen und
Verhandlungen ist schon seit geraumer
Zeit
angewandt
worden,
und
es
scheint, als sähen die Vereinigten
Staaten
dabei
zunehmend
schwächer
aus. Sind Sie nicht etwas ärgerlich
darüber, daß es Noriega gelungen ist,
die Vereinigten Staaten zu erniedrigen und bloßzustellen?
Antwort:
Nun, wir hatten gehofft,
daß wir es dem Volk Panamas selbst
ermöglichen könnten, Druck auszuüben
und etwas zu tun. Ich nehme an, die
Tatsache, daß sie dabei mit ihren
eigenen
Streitkräften
konfrontiert
wurden, die bereit waren, auf sie zu
schießen, hat ihren Elan gedämpft.
Wir verhandeln weiter, und unser Ziel
bleibt dasselbe.
Frage:
Xrgern Sie sich nicht über
die Tatsache, daß die Vereinigten
Staaten ein so schwaches Bild abgegeben haben, als sie sich gegen diesen
Mann wandten?
Antwort:
Es tut nichts zur Sache,
ob ich ärgerlich bin oder nicht. Zur
Situation in Panama kann ich keinen
Kommentar über die laufenden Verhandlungen abgeben.
Zu gegebener zeit
werde ich eine eingehende Erklärung
an das amerikanische Volk richten.
Frage:

schließungen, die nicht in dieses
Handelsgesetz passen und daß Sie es
andernfalls unterstützen würden.
Antwort:
Das ist der Hauptpunkt.
Es gibt da andere Dinge, von denen
ich nicht glaube, daß sie hilfreich
sind oder auch nur dahingehören. Es
ist zur Gewohnheit geworden, allen
Gesetzen im Kongreß im Interesse einzelner Staaten liegende Bestimmungen
anzufügen. Und das trifft auch hier
zu. Das ist der Hauptpunkt.
Und all meine Amtskollegen aus
anderen Ländern - die Staats- und Regierungschefs der Länder, zu denen
wir Handelsbeziehungen unterhalten haben mich beim Wirtschaftgipfel zum
"amerikanischen Wunder" befragt. Ich
habe bei der Beantwortung ihrer Fragen festgestellt, daß sie selbst bedauern, wie sehr die staatlichen Regulierungen und Vorschriften in ihren
Ländern sowie die Regeln für Beschäftigungsverhältnisse
sie hemmen und
ihnen die Art von wirtschaftlicher
Erholung versagen ...
Frage:
Sind
batschow?

Sie

bereit

Frage:
Hat Regan ihren Ruf
digt, Herr Präsident?
Antwort:
Ich mache
über seinen Ruf.

mir

Wird das bald geschehen?

Antwort:
das.

Ich

wünschte,

ich

wüßte

Frage:
Herr Präsident, wie stark
sind Sie verletzt worden durch ...
Frage:
Haben
für Don Regan?

Sie

eine

für

Botschaft

Frage:
Manche behaupten, Herr Präsident, wenn der Kongreß ungeachtet
ihres Vetos für das Handelsgesetz
stimmen würde, hätte es einen ähnlichen Effekt wie Smoot-Hawley.
Warum
sagt die Regierung jetzt, es seien
nur die Bestimmungen über Firmen- 6 -

* * * * *

eher

Gor-

geschä-

Sorgen

�AMERIKA DIENST
Dokumentation

18. Mai 1988

19

SHÜLTZ:

INF "VORTEILHAFT" Für VEREINIGTE STAATEN UND NATO

- Erklärung vor dem Auswärtigen Ausschuß des US-Senats -

WASHINGTON - (AD) - Außenminister Shultz hat in einer Erklärung vor dem
Auswärtigen Ausschuß des US-Senats am 16. Mai den Senat aufgefordert, den Vertrag zur Abschaffung der Mittelstreckenraketen (INF) mit der Sowjetunion zu
ratifizieren. Er nannte die Übereinkunft "vorteilhaft" für die NATO und die
Vereinigten Staaten. Des weiteren betonte der Minister, daß der Vertrag "in
unserem Sicherheitsinteresse liegt". Er "beseitige "ein fü'r alle Male" eine
atomare Bedrohung durch die Sowjets, mit denen die NATO-Verbündeten wie auch
"unsere Freunde und Verbündeten im Pazifik" konfrontiert waren.
Nachfolgend bringen wir die Erklärung im Wortlaut:
Dies ist das dritte Mal, daß ich
mich vor diesem Komitee für den INFVertrag ausspreche. In den zwei Monaten, seit ich das letzte Mal hier
erschien, hat sich die Diskussion
über den Vertrag häufig auf Detailfragen konzentriert, insbesondere auf
einige spezielle Einzelheiten der Verifizierungsregelung.
In
Zusammenhang mit der Diskussion über die
technische Durchführung wurde klar,
daß es erforderlich war, sicherzustellen, daß die Sowjets ihre vertraglichen Verpflichtungen verstanden
und anerkannten.
In einigen Fällen
mußten Fragen geklärt werden, die in
Zusammenhang mit der Anwendung dieser
Verpflichtungen aufgetaucht waren.

und

Zusammen
definierten der Senat
die Administration neun Schlüs-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

selfragen
zur
Durchführung.
Ich
freue mich, berichten zu können, daß
wir alle neun Fragen zu unserer Zufriedenheit gelöst haben, wie in dem
von den Vertragsparteien vergangene
Woche in Genf vereinbarten Dokument
niedergeigt ist.
Während der Senat sich nun anschickt, diesen Vertrag zu debattieren, hoffe ich jedoch, daß sich das
Interesse nicht nur auf die Einzelheiten konzentriert, die wir gerade
diskutiert haben. Ich hoffe, die Debatte wird die Vorzüge des Vertrages
insgesamt zum Gegenstand haben. Wie
ich bei meinem letzten Erscheinen
hier erklärt habe, "gibt es eine
grundlegende Frage, zu deren Beantwortung sie aufgerufen sind, wenn sie
diesen oder jeden anderen Rüstungs-

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�kontrollvertrag in Betracht ziehen:
Liegt er im Sicherheitsinteresse der
Vereinigten Staaten?"

setzungen sei. Sie bekräftigten diese Einschätzung während der sechsjährigen Verhandlungen.
Auch heute ist
ihre Haltung dieselbe.

INF und NATO

Nur die Vereinigten Staaten und
die
Sowjetunion
sind
unmittelbare
Vertragspartner.
jedoch
betrachten
unsere Verbündeten - die so viel getan haben, um diesen Vertrag herbeizuführen - ihn auch als ihren Vertrag.

Ich habe damals gesagt und wiederhole heute, daß dieser Vertrag in
unserem
Sicherheitsinteresse
liegt.
Die im NATO-Bündnis verankerte kollektive Sicherheitsverpflichtung ist
seit 1949 ein grundlegender Bestandteil unserer nationalen Sicherheit.
Dieser Vertrag beseitigt ein für alle
Male eine atomare Bedrohung durch die
Sowjets, mit der unsere NATO-Verbündeten - und, wie ich hinzufügen möchte, unsere Freunde und Verbündeten in
Asien und dem Pazifik - über dreißig
Jahre lang konfrontiert waren. Dieser Vertrag stärkt die NATO.
Indem
er dies tut, stärkt er die Sicherheit
der Vereinigten Staaten.
Der Vertrag stellt das erfolgreiche Ergebnis einer Strategie dar,
die von der NATO im Dezember 1979
verabschiedet wurde. Das Bündnis war
damals mit der Bedrohung eines wachsenden Ungleichgewichts zwischen NATO
und Warschauer Pakt bei den INF-Raketen konfrontiert - schlaglichtartig
gekennzeichnet durch die Stationierung der SS-20. Das Bündnis verständigte sich auf eine Handlungsweise
zur Verminderung dieses Ungleichgewichts:
ein Programm amerikanischer
Stationierungen in Europa und ein Angebot amerikanisch-sowjetischer Verhandlungen
zur
Schaffung
eines
Gleichgewichts auf niedrigstmöglichem
Niveau.
Wir waren erfolgreicher als wir
im Jahr 1979 zu hoffen gewagt hatten.
Wir haben das Ungleichgewicht bei den
INF-Raketen nicht nur reduziert, wir
haben es beseitigt.
Als Präsident
Reagan 1981 die Null-Lösung für INF
vorschlug - mit einhelliger Unterstützung des Senats, wie ich vorhin
schon feststellte -, stimmten unsere
Verbündeten zu, daß dies der bestmögliche Weg zur Erlangung der von der
NATO im Jahr 1979 aufgestellten Ziel-

Als ich das letzte Mal vor Ihnen
gesprochen habe, beschrieb ich die
einhellige Unterstützung, die diesem
Vertrag auf dem NATO-Gipfel im März
zuteil wurde. Seither sind die Verteidigungsminister der NATO in Brüssel zu einer der regelmäßigen Sitzungen der Nuklearen Planungsgruppe zusammengekommen.
Sie hätten ihre Ansichten zu diesem Vertrag nicht eindeutiger zum Ausdruck bringen können.
Lassen Sie mich aus ihrem Kommunique
zitieren.
•Das kürzlich zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion
abgeschlossene INF-Abkommen ist ein
Meilenstein
in unseren Bemühungen,
einen sichereren Frieden auf niedrigerem Rüstungsniveau
zu erreichen.
Die Erlangung dieses seit langem bestehenden Rüstungskontrollziels
der
NATO wurde durch die Solidarität und
Entschlossenheit der Bündnismitglieder ermöglicht. Wir sehen dem baldigen
Inkrafttreten dieses Abkommens
erwartungsvoll entgegen."
Als ich mich auf dem Rückweg von
Genf am vergangenen Freitag im Brüsseler NATO-Hauptquartier mit meinen
Amtskollegen
traf,
stellten
diese
klar, daß sie die gleiche Auffassung
vertreten.

Beibehaltung des Kurses:
rungen und Verhandlungen

Stationie-

Wie
die
Verteidigungsminister
feststellten, war die Erlangung dieses Ziels nicht einfach. Wir hätten
in den Verhandlungen nichts erreicht,
wenn wir nicht die notwendigen Maß-

- 2 -

�nahmen zur Bewahrung unserer Sicherheit ergriffen hätten. Die NATO hatte den Mut, ihrer Überzeugung treu zu
bleiben und die verabredete Stationierung der amerikanischen Pershing
II und Marschflugkörper auch angesichts
enormen
politischen
Drucks
durchzuführen.
Diese Stationierungen
bildeten den unerläßlichen Grundstein
für unseren Erfolg in Genf. Die Ratifizierung dieses Vertrags wird unsere Freunde bestätigen, insbesondere
in den
INF-Stationierungsländern
die Bundesrepublik Deutschland, Italien, Großbritannien, Belgien und die
Niederlande -, die auch in schwieriger Lage zu ihren Verpflichtungen
standen.
Die Stationierungen waren grundlegend. Aber sie allein konnten keinen guten Vertrag garantieren.
Die
Umsetzung
eines strategischen Konzepts in präzise Details erforderte
Festigkeit, Geduld und harte Arbeit
am Verhandlungstisch, um dem Mut und
der Standhaftigkeit unserer Verbündeten ebenbürtig zu sein.
Botschafter
Nitze begann mit der Arbeit, die Botschafter
Glitman als Mitglied der
NST-Delegation unter Leitung von Botschafter Kampelman später zu einem
erfolgreichen Ende führte.
In der
ganzen Zeit hat der Kongreß unsere
Bemühungen
für die Stationierungen
als auch bei den Verhandlungen vollständig unterstützt, auch mit Hilfe
der Beobachtergruppe des Senats.

Errungenschaften des INF-Vertrags
Das Ergebnis ist der Vertrag, den
der
Präsident
und
Generalsekretär
Gorbatschow im vergangenen Dezember
hier in Washington unterzeichnet haben.
Er entspricht den von uns und
unseren
Verbündeten
aufgestellten
Kriterien:
- Gleiche Rechte und Begrenzungen;
- Begrenzungen nur von amerikanischen und sowjetischen Systemen;
-

weltweite

Begrenzungen,

wobei

keine Verschiebung der Bedrohung von
Europa nach Asien oder umgekehrt zulässig ist;
- keine nachteiligen Auswirkungen
auf die konventionelle Verteidigung
der NATO und
- wirksame Verifizierung.
Der Vertrag schützt Optionen für
die Zukunft, während die NATO sich
anschickt, ein glaubwürdiges atomares
Abschreckungspotential
beizubehalten
und ihre Strategie der flexiblen Reaktion weiterzuführen.
Er betrifft
nicht die bestehenden Strukturen der
Zusammenarbeit mit unseren Verbündeten oder die zukünftige Kooperation
bei der Modernisierung.
Er stellt
wichtige Präzedenzfälle für die weitere Verfolgung unsere anderen Rüstungskontrollprioritäten
auf.
In
dieser Hinsicht betonten die Staatsund Regierungschefs beim NATO-Gipfel
die asymmetrischen Reduzierungen sowie die einschneidenden Verifizierungsbestimmungen
des Vertrags als
besonders bedeutende Präzedenzfälle.

Reduzierungen und Verifizierung
Diese spiegeln zwei der vom Präsidenten bei seinem Amtsantritt erklärten Hauptziele wider.
Eines bestand darin, das Zeitalter zu beenden, in dem Rüstungskontrolle lediglich eine Leitlinie für die wachsende
Zahl von Atomwaffen darstellte und
einen Prozeß von Verhandlungen über
die Reduzierung von Atomwaffen zu beginnen. Das andere Ziel war die Anhebung der Normen für die Verifizierung, unter anderem dadurch, daß man
es den Sowjets nicht länger gestattete, das Ansinnen von Inspektionen vor
Ort einfach mit "Nein" zu beantworten.
Bei diesen wichtigen Punkten
ist es dem Präsidenten gelungen, die
Sowjets zur Beschäftigung mit unserem
Programm im Bereich der Rüstungskontrolle zu veranlassen.
Die Tatsachen in bezug auf die
durch den INF-Vertrag herbeigeführten

- 3 -

�Reduzierungen sind inzwischen wohlbekannt.
Die Sowjets werden Raketen
zerstören müssen, die in der Lage
sind, fast viermal so viele Gefechtsköpfe zu tragen, wie die von uns zu
vernichtenden stationierten Raketen.
Ich möchte etwas ausführlicher
über den anderen Punkt sprechen, auf
den die Spitzenpolitiker der NATO näher eingegangen sind - die Verifizierungsregelung
des Vertrages.
Die
Verbündeten wissen, wovon sie in diesem Zusammenhang reden: vieles von
dieser Regelung findet auf ihrem Territorium Anwendung. Ebenso wie der
INF-Prozeß sich in seinem gesamten
Verlauf auf Bestrebungen des Bündnisses zurückführen läßt, tragen unsere
Verbündeten zur Verwirklichung der
Verifizierungsregelung bei. Sie unternehmen mit ihrer Legislative und
Exekutive die notwendigen Schritte,
um sicherzustellen, daß wir alle mit
dem Vertrag in Zusammenhang stehenden
Aktivitäten durchführen können, die
auf dem Territorium der Verbündeten
stattfinden. Der Deutsche Bundestag
sprach sich einstimmig für die Durchführung dieser Maßnahmen aus.
Ich wie auch andere haben diesem
Ausschuß wie auch dem Streitkräfteausschuß und dem Geheimdienstausschuß
Einzelheiten zu dieser Regelung vorgetragen. Es ist die detaillierteste, umfassendeste und wirkungsvollste in der Geschichte der Rüstungskontrolle.
Mit diesem Vertrag eröffnen wir
neue Horizonte. Die Vor-Ort-Inspektion ist bei den amerikanisch-sowjetischen
RüstungskontrollVerträgen
über
Nuklearwaffen
ein
wichtiger
Schritt nach vorn. Wir sollten nicht
überrascht sein, wenn dieser Prozeß
nicht immer glatt abläuft. Genau aus
diesem Grund haben wir noch vor dem
Inkrafttreten des Vertrages Gespräche
mit den Sowjets darüber aufgenommen,
wie wir genau die vereinbarten vorgehensweisen durchführen würden.
Wenn
Meinungsverschiedenheiten
zutage traten, haben wir diese beige-

legt. Einige dieser Probleme konnten
auf Expertenebene gelöst werden, andere fanden auf höherer Ebene Aufmerksamkeit. Wie ich bereits erwähnte, haben wir vergangene Woche während meiner Zusammenkunft mit dem
sowjetischen Außenminister Schewardnadse die neun wichtigsten technischen Details im System der Vor-OrtInspektion geklärt.
Um die reibungslose Durchführung
des Vertrages zu gewährleisten, werden wir natürlich mit den Sowjets
weiterhin Gespräche über Verwaltungsfragen führen, etwa zu Einzelheiten
der Unterbringung von Personal. Zusätzliche technische Gespräche, die
bereits verabredet waren, werden diese Woche in Wien aufgenommen.
Aber ich kann ihnen heute mitteilen, daß wir als Ergebnis der gerade
beendeten Gespräche in Genf mit den
Sowjets in bezug auf die in diesem
Vertrag
niedergelegten Rechte und
Pflichten übereinstimmen.
Es gibt keine absolute hundertprozentige Verifizierung.
Aber es
ist unsere Ansicht, daß dieser Vertrag durch seine Abfolge von Vorgehensweisen die notwendigen Maßnahmen
für eine wirkungsvolle Verifizierung
enthält.
Das Ziel des Präsidenten
einer Null-Lösung bei INF zahlt sich
im Hinblick auf die Verifizierung
aus. Das wichtigste ist, daß die Verifizierungsbestimmungen dieses Vertrages dies hervorbringen.

Andere Problembereiche: Waffensysteme der Zukunft und Fragen der Interpretation
Im Verlauf der Betrachtung des
Vertrages durch den Senat wurde eine
Frage aufgeworfen, die über die Verifizierung hinausgeht.
Ich beziehe
mich hier auf das Problem der sogenannten "Waffensysteme der Zukunft".
Die Frage ist, ob alle landgestützten
Marschflugkörper
und
ballistischen
Raketen, die als Trägersysteme der
von diesem Vertrag abgedeckten Reich-

- 4 -.

�weiten fungieren, abgeschafft würden,
einschließlich derer, die "Waffensysteme der Zukunft" transportieren.
Die Regierung vertritt die Ansicht im
Zusammenhang mit der Bilanz der Verhandlungen und angesichts des internationalen Gewohnheitsrechts wie es
sich in der Wiener Konvention zum
Vertragsrecht
widerspiegelt, demonstriere der Vertragstext die bestehende Vereinbarung beider
Parteien
über
ein
Verbot
solcher
Systeme.
Nach Konsultationen mit dem Senat haben wir diese Tatsache vergangene Woche in Genf mit einem formellen Austausch diplomatischer Noten bestätigt.

Präsidenten seine Zustimmung zur Ratifizierung dieses Vertrages zu geben, ohne Zusätze oder Bedingungen.

Es gibt noch eine letzte Frage zu
diesem Vertrag, auf die ich eingehen
sollte.
Das ist der Wunsch einiger
Senatoren, der Resolution über die
Zustimmung zur Ratifizierung eine Bedingung anzufügen, mit der die Autorität des Präsidenten zur Interpretation von Verträgen eingeschränkt würde.
Ich bin sicher, daß Ihnen allen
die Gründe klar sind, aus denen wir
uns einer solchen Bedingung widersetzen.
Die Erklärung von Regierungsmitgliedern
innerhalb
ihrer Verfügungsgewalt ist maßgeblich.
Unserer
Ansicht nach sollten Sie es nicht gestatten, daß
der
INF-Vertrag
zum
Spielball in einer Diskussion über
verfassungsrechtliche
Fragen
wird,
sondern sie sollten den vertrag aufgrund seiner eigenen Vorzüge betrachten.

Zusammenfassung
Ich habe in meiner heutigen Erklärung kurz und in anderen Vorträgen
detaillierter die Vorzüge des Vertrages beschrieben. Der Vertrag ist auf
die Führungsrolle des Präsidenten zurückzuführen, aber er ist ebenfalls
eine bedeutende Leistung beider Parteien wie auch ein Zeugnis der Stärke
und Entschlossenheit des NATO-Bündnisses.
Er ist sowohl für die NATO
als auch die Vereinigten Staaten vorteilhaft.
Ich bitte den Senat, dem
- 5 -

* * * * *

�AMERIKA DIENST
'VON

Dokumentation

4

18. Mai 19i58

19

SHÜLTZ:

TECHNISCHE PROBLEME DER VERIFIZIERUNG VON INF GELÖST

- Erklärung des amerikanischen Außenministers in Genf -

GENF - (AD) - Die noch verbleibenden Problenbereiche beim amerikan_schsowjetischen Vertrag zur Abschaffung von Mittelstreckenraketen (INF) sind "auf
völlig zufriedenstellende Art und Weise" abgehandelt worden, erklärte Außenminister Shultz am 12. Mai nach Abschluß seiner Gespräche mit dem sowjetischen
Außenminister Schewardnadse.
Nachfolgend veröffentlichen wir die anläßlich einer Pressekonferenz abgegebene Erklärung:

Wir haben gerade ein Ministertreffen beendet, mit dem im wesentlichen die Vorbereitungen zum Gipfel
weitergeführt
werden sollten.
Wir
sind übereingekommen, daß es sich
hierbei um eine nützliche, notwendige
und produktive Zusammenkunft handelte. Und meiner Ansicht nach liegt es
auf der Hand, daß dieses Gipfeltreffen selbst sehr interessant werden
wird:
es wird eindrucksvoll sein,
umfangreiche Leistungen widerspiegeln
und es wird eine gute Gelegenheit
bieten, um vorausschauend in die Zukunft zu blicken.
Beim
Ministertreffen
haben wir
all
die Problembereiche
abgedeckt,
die wir normalerweise
behandeln
meiner Ansicht nach mit gutem Ergebnis. Wir haben unsere Gespräche über

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Menschenrechte fortgeführt.
Es war
die Sache wert, denn wir haben aus
der
Sowjetunion
interessante
neue
Ideen vernommen. Wir haben über das
Wiener KSZE-Treffen gesprochen, und
ich hoffe, wir konnten bei den Gesprächen über die Menschenrechtsaspekte dieser Konferenz ebenso wie in
unserer
Diskussion über konventionelle Waffen konstruktive Impulse für
das geben, was gegenwärtig in Wien
verhandelt wird - wie wir es auch bei
anderen Gelegenheiten getan haben,
bei denen wir Fragen abhandeln, für
deren Lösung wir uns in multinationalen Foren einsetzen.
Wir sind vor
einigen Monaten in Moskau übereingekommen, daß wir beide auf einem ausgewogenen Ergebnis bestehen werden,
und wir arbeiten weiter an allen
Teilbereichen der Wiener Verhandlun-

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�gen.
Im Bereich der Rüstungskontrolle
haben wir unsere Diskussionen über
strategische Waffen und Verteidigung
im Weltraum fortgeführt. Meiner Ansicht nach sollte man fairerweise erwähnen, daß wir in einzelnen Bereichen kleine Portschritte erzielt haben.
Und ich denke, wenn wir uns
alle die Dinge vergegenwärtigen, die
getan worden sind und all das, was
erreicht wurde, können wir sehr stolz
darauf sein.
Gleichzeitig ist es
jetzt klar, daß keine Möglichkeit besteht, aus diesen Fragen bis zum Gipfel einen Vertragstext zu formulieren. Beide Seiten sind jedoch entschlossen, daran bis zum Gipfel und
beim Gipfel weiterzuarbeiten, und ich
bin sicher, daß beim Gipfeltreffen
Vereinbarungen getroffen werden, um
diesen Verhandlungen Auftrieb zu verleihen. Sie werden fortgeführt.
Früher oder später wird es in
diesen Bereichen Übereinkünfte geben,
und diese Vereinbarungen werden auf
der umfangreichen Arbeit aufbauen,
die geleistet worden ist, und es ist
- wenigstens unserer Ansicht nach umso besser, je eher diese Dinge vereinbart werden.
Wir haben einige Gespräche über
INF geführt, inbesondere auf Expertenebene. Wie Sie wissen, haben uns
Botschafter Glitman und eine Arbeitsgruppe begleitet. Er hat gemeinsam
mit seinem sowjetischen Amtskollegen
diese Bereiche bearbeitet, und wir
haben eine sogenannte diplomatische
Note über zukünftige Waffensysteme
unterzeichnet, die diesen Bereich
meiner Ansicht nach auf vollständig
zufriedenstellende Art und Weise abhandelt. Sie steht in völligem Einklang mit der vor einiger Zeit abgegebenen Erklärung Botschafter Glitmans zu diesem Thema und schreibt
einzelne Bereiche sorgfältig fest.
Wie Sie wissen, haben die Botschafter
Kampelman und Karpow diese Note heute
nachmittag unterzeichnet.
Und

dann

gab

es

neun

weitere

Problembereiche, die als Ergebnis der
Diskussionen zwischen den am Prozeß
der Vertragsdurchführung Beteiligten
zutage traten, und wir haben in all
diesen Bereichen eine vollständig zufriedenstellende
Übereinkunft
erzielt. Was INF betrifft, war dies
ein sehr lohnenswertes Unterfangen.
Ich sollte darauf hinweisen, daß
General Powell und Botschafter Glitman heute abend nach Washington zurückkehren, und sie werden den betreffenden Senatoren darüber direkt
Bericht erstatten, so daß ihnen die
entsprechenden Informationen zugänglich sind, wenn sie den INF-Vertrag
erwägen.
Im Bereich der Atomtests haben
wir, wie Sie wissen, seit einiger
Zeit stetige Fortschritte erzielt.
Die Unterlagen über das gemeinsame
Verifizierungsexperiment sind in ihren Grundzügen vorbereitet. Es ist
erstaunlich, welche Bedingungen erfüllt werden müssen, um das sorgfältig und gut zu tun, aber so wird es
nun einmal gemacht. Nur um eine Vorstellung über den Umfang zu vermitteln: Im Abkommen sind etwa 160 Seiten der Durchführung dieser gemeinsamen Verifizierungsexperimente gewidmet, dazu kommen 37 Anhänge, und
alles außer Kleinigkeiten in drei Anhängen ist abgeschlossen.
Aber es
geht gut voran. In der Zwischenzeit
arbeiten beide Seiten an den Experimenten, und sie leisten die Arbeit im
Einklang mit dem, was im Grunde hier
in Form von Abkommen festgehalten
wird.
Wir sind zuversichtlich, daß diese Unterlagen bis zum Gipfel unterzeichnungsreif sein werden. Es ist
ebenso vereinbart worden, daß wir ein
neues Protokoll zum Vertrag über
Atomexplosionen zu friedlichen Zwekken (PNET) von 1976 erstellen, und
unserer Ansicht nach ist es sehr wohl
möglich - oder wahrscheinlich -, daß
wir in der Lage sein werden, dieses
neue Protokoll rechtzeitig zum Gipfel
untersehriftsreif
fertigzustellen.
Das ist nicht sicher, aber wahr-

- 2 -

�scheinlich.
Im Bereich der chemischen Waffen
haben wir weitere Gespräche geführt,
die wir auch weiterhin vorantreiben
werden, und ich bin sicher, daß wir
bis zum Gipfel zu diesem Thema Interessantes beizusteuern haben.
Wir haben eine Reihe von neuen
Fragen aufgeworfen oder zumindest die
Aufmerksamkeit der Sowjets darauf gelenkt.
Es bleibt abzuwarten, welche
Richtung unsere gemeinsamen Gespräche
nehmen werden, aber wir haben unserer
Sorge über die Weiterverbreitung der
Technologie
ballistischer
Raketen
Ausdruck verliehen.
Es ist eine Ironie des Schicksals, daß genau zu dem Zeitpunkt, an
dem die Vereinigten Staaten und die
Sowjetunion vereinbaren, auf die Produktion und den Besitz ballistischer
Raketen
bestimmter
Reichweiten
zu
verzichten, andere Länder diese herstellen, vertreiben und stationieren.
Wir müssen die Weiterverbreitung ballistischer Raketen - und ich
denke, außer uns beiden auch andere
Länder der Welt - zu unserem Anliegen
machen.
Wir haben dieses Thema aufgegriffen und hoffen, es weiter zu diskutieren. Und ich bin sicher, Sie sind
sich der Tatsache bewußt, daß wir gemeinsam mit den sieben Ländern, mit
denen wir beim Wirtschaftsgipfel zusammenkommen werden, ein System zur
Kontrolle der Technologie ballistischer Raketen erarbeitet haben. Meiner Ansicht nach wird es wichtig
sein, dies im Hinblick auf diejenigen
auszuweiten, die sich daran halten
werden. Wir haben ebenfalls die Aufmerksamkeit auf die Möglichkeit gelenkt, noch vor dem Inkrafttreten eines START-Abkommens, Äußerungen über
vertrauensbildende
Maßnahmen,
unter
ihnen Mitteilungen
über Teststarts
machen zu können.
Im Bereich der bilateralen Fragen
haben wir Dinge abgehandelt, die vereinbart wurden oder kurz vor der Ver-

einbarung stehen - und möglicherweise
können diese Dinge rechtzeitig zum
Gipfel abgeschlossen werden. Es gibt
einige wichtige Vereinbarungen, die
möglicherweise dort abgehandelt werden. Eine davon betrifft die wissenschaftliche
Grundlagenforschung
und
eine andere das Verkehrswesen.
Der
Bereich des Kulturaustausches ist gut
abgedeckt und könnte erneut aufgegriffen werden. Es können möglicherweise Fortschritte bei einem Fischereiabkommen erzielt werden.
Es gibt
eine Vereinbarung - mehrere Vereinbarungen - die unsere Küstenwache und
die
sowjetischen
Schiffahrtsbhörden
betreffen und solche Bereiche wie
Seenotrettung und Kontrolle der Umweltverchmutzung betreffen.
Bei den bilateralen Angelegenheiten werden viele Fortschritte erzielt, und sie bilden einen von vier
Bereichen, in denen wir an der Entwicklung unserer Beziehungen weiterarbeiten.
Im Bereich der regionalen Angelegenheiten haben wir kurz alle Bereiche behandelt, über die wir uns normalerweise austauschen - Afghanistan,
den Nahen Osten, Iran-Irak, Mittelamerika, das südliche Afrika, Äthiopien, die koreanische Halbinsel, Kambodscha. Es war in diesem Zusammenhang
lohnenswert, insbesondere
das
Augenmerk auf die Entwicklungen im
südlichen Afrika zu richten. Vor einer Woche fand eine sehr interessante
Zusammenkunft in London statt, an der
wichtige Betroffene teilnahmen, und
sowohl die Sowjetunion als auch wir
haben daran erhebliches
Interesse.
Wir haben vereinbart, daß unsere beiden
Experten,
Abteilungsleiter
Crocker und der stellvertretende sowjetische
Außenminister
Adamischin,
zusammenkommen sollen - bis jetzt
stehen Ort und Datum noch nicht fest,
aber wir wünschen uns ein Treffen
noch vor dem Gipfel - um in diesem
Bereich eine Bestandsaufnahme zu machen und nach Fortschritten zu suchen.

über

- 3 -

Schließlich haben wir Gespräche
die Dokumentation des Gipfels

�geführt. Wir möchten eine Möglichkeit entwickeln, um die Bereiche dieser Beziehungen seit den Genfer und
Washingtoner Gipfeltreffen festzuhalten, und hier erzielen wir Fortschritte. Das Ergebnis dieser Arbeit
wird, so hoffe ich, bis zum Gipfel
vorliegen.
Ich kann darüber nicht
viel mehr sagen, als daß hier Aktivitäten im Gange sind.
Wie ich bereits zu Beginn erklärt
habe, können wir meiner Ansicht nach
auf ein eindrucksvolles und gutes
Gipfeltreffen vorbereitet sein, und
diese Zusmmenkünfte waren sicherlich
produktiv und nützlich und tragen dazu bei, daß Portschritte erzielt werden.

* * * * *

- 4

�AMERIKA DIENST
^ r ^

*

Wissenschaft und Technik

18. Mai 1988

19

Neuer Tollwut-Impfstoff verbilligt die Behandlung
Ein Produkt der Gentechnik

- (AD) - Das amerikanische Wistar-Institut hat in Zusammenarbeit mit einer
französischen Biotechnik-Firma einen neuen Impfstoff gegen Wildtollwut entwikkelt. Das auf gentechnischen Wege gewonnene Produkt wird derzeit in Belgien
erprobt. Feldversuche in Frankreich sind noch in diesem Jahr vorgesehen. Gegenwärtig bemüht sich das Wistar-Institut um die Zustimmung des US-Landwirtschaftsministeriums, für erste Feldversuche in den USA und damit in Nordamerika überhaupt einige unbewohnte Inseln vor der Küste der amerikanischen Bundesstaaten Virginia oder South Carolina benutzen zu können.
Nach neuesten Erkenntnissen hat
sich in den letzten drei Jahrzehnten
Wildtollwut in den Vereinigten Staaten
verdreifacht.
Fledermäuse,
Skunks
(Stinktiere) und Waschbären
sind dort in erster Linie die Überträger dieser gefährlichen Virusinfektion.
In Europa dagegen sind es
die
Füchse, in Entwicklungsländern
streunende und wildlebende Hunde. Im
Südosten der USA hat sich Tollwut unter Waschbären zu einer regelrechten
Epidemie entwickelt.
Wie Warren Cheaton vom Wistar-Institut berichtete, ist in vielen Teilen der Erde Tollwut "ein ernstes und
ständig zunehmendes Problem, insbesondere in Entwicklungsländern". Bei
der Weltgesundheitsorganisation (WHO)
wurden 1981, dem letzten Jahr, für

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das weltweite Statistiken vorliegen,
20 482 Todesfälle registriert.
Epidemiologen sind jedoch davon überzeugt, Cheston zufolge, daß sehr viel
mehr Menschen nach Kontakt mit dem
Speichel eines tollwütigen Tieres der
Krankheit zum Opfer fallen. Die tatsächliche Zahl der Todesfälle dürfte
zehnmal höher liegen, als nach Angabe
der WHO.
Da die Viren das zentrale Nervensystem befallen, ist eine Tollwut-Infektion wegen der sich ausbreitenden
Lähmung fast immer tödlich, wenn der
Betreffende nicht noch vor Auftreten
der ersten Krankheitssymptome geimpft
werden kann.
Hilary Koprowski, Direktor des Wistar-Instituts, verweist
darauf, daß der heute verwendete aus
Gewebekulturen
menschlicher
Zellen

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�gewonnene Heilimpfstoff außerordentlich kostspielig und in vielen Entwicklungsländern nicht verfügbar ist.
Der neue Impfstoff dagegen ist ebenso
wirksam wie erschwinglich.
Er enthält nicht die kompletten Tollwutviren, sondern nur einen - nichtschädlichen - Anteil davon, der aber das
Immunsystem des menschlichen Körpers
veranlaßt, Antikörper gegen die Erkrankung zu bilden, so daß sie nicht
zum Ausbruch komme.
Wichtig sei es, Tollwut "an der
Quelle", d.h. in der Tierwelt, zu bekämpfen, denn alle warmblütigen Tiere
können virusträger und damit Überträger von Tollwutviren sein.
Da der
neue Impfstoff auch oral verabreicht
werden kann, ist es möglich, ihn über
Köder an die Tiere zu bringen. Die
Köder sollen über Versuchsgebieten in
Beuteln
aus
Flugzeugen
abgeworfen
werden. Laborversuche haben gezeigt,
daß dieses Vakzin, in Köder injiziert,
Waschbären
und
Stinktiere
wirksam gegen Tollwut
immunisieren
kann.
Schon vor zwei Jahren hatte
die Pan-Amerikanische Gesundheitsorganisation mit Feldversuchen in Argentinien begonnen, um die Wirksamkeit
des
neuen
Impfstoffes
gegen
Tollwut bei Rindern zu testen, die in
Südamerika ein großes Problem ist.
Obgleich die Bildung von Antikörpern
bei den Tieren nachgewiesen wurde,
ließ die argentinische Regierung nach
einigen Monaten die Durchführung weiterer Versuche stoppen, offenbar weil
die Organisation versäumt hatte, sie
vorher davon zu unterrichten.

* * * * *

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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Reagan "zuversichtlich" über die Zustimmung des Senats zu INF&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Pressekonferenz des Präsidenten&lt;/em&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Shultz: INF "vorteilhaft" für Vereinigte Staaten und NATO&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung vor dem Auswärtigen Ausschuß des US-Senats&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Shultz: Technische Probleme der Verifizierung von INF gelöst &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung des amerikanischen Außenministers &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;in Genf &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Neuer Tollwut-Impfstoff verbilligt die Behandlung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Ein Produkt der Gentechnik&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST
'VON

*

11.

18

Mai

1988

I N H A L T

DOKUMENTATION
Bündnis spielt entscheidende Rolle beim Konzept
der Lastenteilung
- Rede des Stellvertretenden Verteidigungsministers Taft HINTERGRUNDMATERIAL
Verlagert Moskau wirklich den Schwerpunkt auf Verteidigung?
- Von Verteidigungsminister Frank C. Carlucci -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Rauschgift bedeutet Selbstzerstörung
- Aufklärung und Erziehung muß im Kindesalter beginnen

* * * * *

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�AMERIKA DIENST
Dokumentation

11. Mai 1988

18

BÜNDNIS SPIELT ENTSCHEIDENDE ROLLE BEIM KONZEPT DER LASTENTEILUNG
- Rede des Stellvertretenden Verteidigungsministers Taft in London LONDON - (AD) - Dem Stellvertretenden amerikanischen Verteidigungsminister William Taft zufolge kommt der NATO als Institution "eine entscheidende
Rolle" beim Problem der Lastenteilung innerhalb des Bündnisses zu. Taft
sprach am 4. Mai im Londoner Regents College, wo er die Lastenteilung als Problem des gesamten Bündnisses bezeichnete und ferner als wichtigen ersten
Schritt zur Erarbeitung eines "gemeinsamen Konzepts im Bündnis", das "die Vereinigten Staaten in höchstem Maße begrüßen" würden. Taft erklärte, die Absicht seines gegenwärtigen Besuchs in Europa "bestehe nicht darin, neue Vorschläge zu unterbreiten, sondern vielmehr darin, die Bedeutung der Verpflichtungen zu unterstreichen, die von der NATO bereits eingegangen wurden".
Nachfolgend veröffentlichen wir Tafts Rede im Wortlaut:
Vor drei Jahren kam ich zu Gesprächen
über einen
Problembereich
nach London, der für die NATO von
entscheidender
Bedeutung war:
die
Vorzüge einer verbesserten Zusammenarbeit im Bündnis auf dem Gebiet der
Rüstung. Der vorteil gemeinsamer Bemühungen zur Entwicklung neuer Waffensysteme, mit denen einer Bedrohung
für uns alle entgegengetreten werden
könnte, schien auf der Hand zu liegen
- ebenso wie die Verschwendung der
Bündnispartner durch die gesonderte
Entwicklung neuer Waffensysteme.
Ich freue mich, ihnen mitteilen
zu können, welch große Fortschritte
das Bündnis in diesen drei Jahren
seit meinem letzten Besuch bei unseren Bemühungen um Zusammenarbeit im
Bereich
der
Waffensysteme
gemacht

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hat. Unsere Leistungen in diesem Bereich bestätigen den Wert gemeinsamer
Aktivitäten
und auch
meine
feste
Überzeugung, daß gemeinsame Arbeit
als Eckpfeiler
des NATO-Bündnisses
der Grund dafür ist, daß ich heute
wiederum nach Europa komme.
Mein heutiges Thema ist sowohl
umfangreicher als auch heikler: die
Verteilung von Rollen, Risiken und
Pflichten unter den Bündnispartnern
im Rahmen der Verteidigung - was wir
in den Vereinigten Staaten oftmals
als Lastenteilung bezeichnen.
Wie in jüngster Zeit vielfach beobachtet werden konnte, wird diesem
Problem in Amerika nunmehr aus unterschiedlichen Gründen große Aufmerksamkeit zuteil.
ich besuche diese

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�Woche NATO-Hauptquartiere und eine
Reihe von Hauptstädten der NATO, um
darzulegen, welche Betrachtungsweisen
es in den Vereinigten Staaten zu diesem Problem gibt und um gemeinsam mit
unseren Verbündeten Möglichkeiten zu
untersuchen, wie die Bündnispartner
dieses Problem der Lastenteilung einzeln und zusammen mit ihren partnern
lösen könnten.
Meine Mission beschränkt sich nicht nur auf die NATO
- in der nächsten Woche werde ich zu
demselben Zweck Japan und Korea besuchen.
Gestern bin ich in Brüssel mit
den Ständigen Vertretern des Nordatlantikrates und mit Lord Carrington
zusammengetroffen.
ich bin ebenfalls
der dort geäußerten Überzeugung, daß
die NATO als Institution eine entscheidende Rolle bei der Behandlung
dieses Problems spielen muß. ich bin
mir der Tatsache bewußt und wir hegen
die Hoffnung, daß Lastenteilung als
Thema im Bündnis ein Auftakt für die
Entwicklung
eines gemeinsamen Konzepts im Bündnis ist. Solche Bemühungen werden die Vereinigten Staaten
in höchstem Maße begrüßen.
Die Bedeutung einer gemeinsamen
Antwort des Bündnisses darf nicht
unterbewertet werden.
Die vom Warschauer Pakt unter Führung der Sowjetunion ausgehende Bedrohung für die
NATO wird ungeheuer groß bleiben.
Tatsache ist, daß der Warschauer Pakt
gerade qualitativ noch ausgereiftere
Systeme einführt, und damit seinen
seit langem gehaltenen qualitativen
Vorsprung noch erhöht. Doktrin, Fähigkeiten und Übungen im Warschauer
Pakt deuten auf die anhaltende Betonung
des
Elements
eines
Überraschungsangriffs
in
Verbindung
mit
Operationen im Stil des 'Blitzkriegs'
hin.
Alle Tatsachen lassen erkennen,
daß die NATO sich in den kommenden
zehn Jahren einer noch ernstlicheren
Bedrohung gegenübersehen wird.
Das
Bündnis kann sich belastende innere
Streitigkeiten kaum leisten, die es
von seinen politischen und sicher-

heitspolitischen Zielen ablenken. Es
besteht jedoch kein Grund zu der Befürchtung, daß Lastenteilung zu solch
einem Problem wird, solange wir es
wirklich verstehen und es engagiert
angehen.
Wie erklärt sich nun das wiedererwachte Interesse der Amerikaner an
diesem Thema?
Es ist in diesem Zusammenhang wichtig zu wissen, welche
Faktoren und Einstellungen amerikanische Diskussionen
zu diesem Thema
prägen, wenn die Bündnispartner in
einen konstruktiven Dialog eintreten
wollen. Heute möchte ich Ihnen einige unterschiedliche Einstellungen und
Meinungen darlegen, die die Art und
Weise beeinflussen, wie Amerikaner und mit ihnen eine Reihe amerikanischer Kongreßabgeordneter - über unsere Bündnisse
im allgemeinen und
Lastenteilung im besonderen denken.
Erstens sind wir in den Vereinigten Staaten angesichts des sehr angespannten finanziellen Klimas, in dem
wir uns befinden, dem Druck ausgesetzt, weniger für die Verteidigung
auszugeben.
Die Besorgnis über das
amerikanische Handels- und Haushaltsdefizit hat zu einem starken Druck
auf
die
Verteidigungsausgaben
und
einer eingehenden Prüfung des Beitrags geführt, den unsere Verbündeten
für die gemeinsame Verteidigung leisten.
Zweitens nimmt das Bewußtsein anderer
strategischer
Prioritäten
Veränderungen der strategischen Landschaft - zu, die Amerika nicht außer
acht lassen darf. Die zunehmende Bedeutung des pazifischen Beckens, die
erhöhte Bedrohung der Stabilität in
Mittelamerika,
Auseinandersetzungen
im Nahen Osten und im Persischen Golf
- diese und andere Probleme konkurrieren
mit
unserer
traditionellen
Verpflichtung gegenüber der NATO, ihr
allein die Aufmerksamkeit im strategischen Bereich zu widmen.
Drittens gibt es das Empfinden,
unsere Verbündeten würdigten oder unterstützten
unsere Aktivitäten
zur

- 2 -

�Verteidigung unserer nationalen Interessen oder sogar der Interessen
der Verbündeten nicht in ausreichendem Maße.
Es besteht zunehmend die
Tendenz, die Weigerung unserer Verbündeten zu hinterfragen, solche Aktionen zu unterstützen, die unserer
Ansicht
nach
einen
existentiellem
Beitrag zu unserer gmeinsamen Sicherheit leisten - einschließlich der Erhaltung
der nuklearen Fähigkeiten,
die notwendig sind, um eine sowjetische Aggression abzuschrecken sowie
außerhalb der Grenzen der NATO unternommene Aktionen, die Auswirkungen im
Bündnis
zeitigen.
Einseitige oder
grundsätzliche Kritik unserer Politik
in Mittelamerika und anderen Bereichen, wo unsere Interessen eher betroffen sind als die unserer Verbündeten, hat bei vielen besorgten Amerikanern den Enthusiasmus für das
Bündnis gedämpft.
Viertens gibt es Enttäuschungen
über die Politik einzelner Bündnispartner.
Die Vielfalt der Meinungen
zu vielen Problemen innerhalb des
Bündnisses ist für viele ein zeichen
für die Auflösung unserer Verbindung.
Politische
Entscheidungen wie etwa
der Beschluß Spaniens zur Verweigerung der stationierungsrechte für das
401. taktische Geschwader oder die
jüngste Abstimmung des dänischen Parlaments über Beschränkungen bei Kernwaffen auch auf Schiffen des Bündnisses untermauern diese Vermutung.
Fünftens herrscht die Auffassung
vor, wir gewährten denjenigen Verbündeten eine zu umfangreiche Unterstützung, die wirtschaftlich weniger begünstigt sind.
Die Amerikaner wundern sich, warum die wohlhabenderen
nördlichen NATO-Staaten nicht mehr
zur Unterstützung ihrer Partner an
der Südflanke tun.
Sechstens und letztens gibt es
die Meinung, daß unsere Verbündeten um es deutlich zu sagen - wohlhabend
genug sind, um mehr zu tun als sie
jetzt leisten.
Meiner Ansicht nach trifft ledig-

lich die letzte dieser Annahmen vollständig
zu.
Die anderen Annahmen
spiegeln - obwohl sie weit verbreitet
sind - bestenfalls eine Mischung aus
verzerrten Informationen und geringerem Verständnis wider.
Leider entbehren diese Annahmen
nicht jeder Grundlage.
Dennoch ist
diese Situation zu komplex, als daß
nur wenige allgemeingültige
Punkte
auch nur auf ein Land - umso weniger
auf alle Länder - zuträfen.
ich
möchte kurz auf jede der von mir erwähnten Annahmen eingehen und sie in
eine präzisere Perspektive rücken.
Erstens können sich die Vereinigten Staaten trotz ihrer angespannten
finanziellen
Lage das gegenwärtige
Niveau
ihrer
Verteidigungsausgaben
sehr wohl leisten.
Sie wenden zur
Zeit 5,7 Prozent ihres Bruttosozialprodukts (BSP) für die Verteidigung
auf.
Diese Zahl liegt unter dem
durchschnittlichen Anteil des BSP für
die Verteidigung in den vergangenen
fünfzig Jahren - ein Beweis dafür,
daß wir keine übermäßigen Beträge für
unsere nationale Sicherheit ausgeben.
Zweitens wird die Bedeutung der
NATO nicht durch die Tatsache verringert, daß die Vereinigten Staaten ein
Land mit weltweiten Interessen sind.
Unsere
Sicherheitspartnerschaft
mit
Europa bleibt unsere wichtigste Priorität.
Um es einfach auszudrücken:
ein unabhängiges Europa ist für unsere nationale Sicherheit insgesamt wesentlich - welche anderen Interessen
auch hinzugekommen sein mögen oder
noch hinzukommen mögen.
Drittens haben unsere Verbündeten
oftmals ihr Bewußtsein für die Notwendigkeit gemeinsamer Maßnahmen und
gegenseitiger Hilfe bewiesen. Die im
Gegenzug erfolgte Stationierung der
Mittelstreckenraketen (INF) ist dafür
ein Beispiel. Die Sowjetunion hätte
niemals ein Abkommen über den Abzug
ihrer SS-20 und aller anderen INF unterzeichnet, wenn die NATO nicht fest
zusammengehalten hätte.
Und es besteht Grund zu der Annahme, daß eine

- 3 -

�Reihe unserer Verbündeten - einzeln
und in manchen Fällen auch gemeinsam
- zunehmend die Bedeutung von Aktionen außerhalb der Grenzen des Bündnisses erkennen. Die Marineeinheiten
der fünf NATO-Länder sind jetzt im
Persischen Golf aktiv und schützen
die Freiheit der Schiffahrt auf diesem Seeweg, der für so viele unserer
Verbündeten von entscheidender strategischer Bedeutung ist.
Viertens
bildet die Verbindung
von unabhängigen Ländern in der NATO
den Hintergrund für ihre Stärke. Es
besteht kein Zweifel, daß einzelne
NATO-Staaten Entscheidungen getroffen
haben, die eine Herausforderung an
andere Hitglieder des Bündnisses darstellen, aber das Bündnis hat im Laufe seines Bestehens demonstriert, daß
es unter solchen Umständen die notwendigen Schritte unternehmen wird,
um die erforderlichen Fähigkeiten zur
Gewährleistung
der gemeinsamen Sicherheit zu erhalten. Wir sind daher
zuversichtlich im Hinblick auf das
Problem des 401. Geschwaders.
Fünftens wissen wir, daß Amerika
nicht allein innerhalb des Bündnisses
wirtschaftliche und militärische Hilfe gewährt.
Die Bundesrepublik unterhält umfangreiche Programme der
Militärhilfe für
Griechenland, die
Türkei und Portugal, und der Europarat gewährt diesen drei Ländern wie
auch dem Süden Italiens erhebliche
wirtschaftliche Unterstützung. Unsere europäischen Partner sollten diese
Anstrengungen weiterführen und ausweiten, um den weniger begünstigten
Mitgliedern des Bündnisses zu helfen.
Aber das stärkste Argument der
Amerikaner
betrifft
den
niedrigen
Stand der Verteidigungsausgaben unserer Verbündeten und die Überzeugung,
daß sie mehr tun können.
Der Prozentsatz des BSP, den jeder Verbündete für seine Verteidigung aufwendet,
ist ein höchst offensichtlicher und
aufschlußreicher Indikator aller Bemühungen
in dieser Hinsicht, auch
wenn er uns keine Informationen über
das liefert, was wir über den Beitrag

zur Verteidigung
sollten.

eines Landes wissen

Im Hinblick auf das Verhältnis
zum BSP ist der Unterschied zwischen
den Ausgaben der Vereinigten Staten
und ihren Bündnispartnern bemerkenswert:
außer den Vereinigten Staaten
wenden gegenwärtig nur Großbritannien
und Griechenland mehr als 5 Prozent
ihres BSP für ihre Verteidigung auf.
Amerika hingegen ist in den vergangenen fünfzig Jahren nur sieben Mal unter die 5 Prozent-Grenze gefallen,
und in den letzten zehn Jahren haben
wir unseren für die Verteidigung aufgewandten Teil des BSP um etwa 1,5
Prozent gesteigert - von etwas unter
5 auf 6,5 Prozent.
Unsere
Bilanz
wirtschaftlichen
Wachstums in den letzten 25 und den
letzten zehn Jahren zeigt, daß eine
Nation ihre Verteidigungsausgaben auf
oder über diesem Niveau halten - und
trotzdem einen Aufschwung erfahren kann.
In den vergangenen fünfzig
Jahren ist unser BSP von 100 Milliarden Dollar im Jahr 1940 auf mehr als
vier Billionen Dollar heute gestiegen.
Bemerkenswertes ist auch in den
sieben Jahren zu verzeichnen, in denen die Vereinigten Staaten unter der
5 Prozent-Grenze lagen.
Das erste
Mal stand - 1940 - der Eintritt Amerikas in den Zweiten Weltkrieg unmittelbar bevor. Die nächsten drei Male
- 1948 bis 1950 - waren von der auf
den Krieg folgenden Demobilisierung
geprägt - und von der bevorstehenden
Invasion Südkoreas.
Die verbleibenden drei Jahre folgten auf das Ende
unseres Engagements in Vietnam, ein
Zeitalter unterschiedlicher Strömungen und Unentschlossenheit, das in
der
sowjetischen
Invasion Afghanistans und der Besetzung unserer Botschaft in Teheran seinen Höhepunkt
fand. Die Senkung der Verteidigungsausgaben kann gefährlicher sein als
wir für möglich halten.
Im Hinblick auf die Zukunft müssen
unsere
Bündnispartner
bereit
sein, mehr für ihre Verteidigung aus-

�zugeben.
Aber wir müssen nicht nur
unser Augenmerk darauf richten, wieviel wir ausgeben, sondern auch darauf, wofür wir es ausgeben.
Tatsächlich müssen zusätzliche Investitionen allein dem Bündnis noch keine
Vorteile bringen, wenn nicht andere
Schritte damit einhergehen.
Die Absicht meines gegenwärtigen
Besuchs in Europa besteht nicht darin, neue Vorschläge zu unterbreiten,
sondern vielmehr darin, die Bedeutung
der Verpflichtungen
zu unterstreichen, die von der NATO bereits eingegangen worden sind. In vielen Fällen
hat innerhalb der NATO eine gründliche Überprüfung ihrer militärischen
Schwächen stattgefunden. Das Bündnis
muß nunmehr
seine
Entschlossenheit
bekräftigen, um seine Schwächen auszugleichen und die Beseitigung dieser
Schwachstellen
zu
seiner
höchsten
Priorität erklären.
Dies erfordert folgende gemeinsame Verpflichtungen:
mehr Gewinn aus den derzeit getätigten Investitionen,
besser koordinierte Maßnahmen bei
Problemkreisen, die im Interesse
des gesamten Bündnisses liegen,
Erlangung
der
Ziele
bei
den
Streitkräften
und
Durchführung
der bereits vereinbarten Verbesserungen.
Zusammenarbeit im Bereich der Rüstung ist ein Beispiel für die Maßnahmen, die meiner Ansicht nach die
Leistung unserer Verteidigung steigern und Gewinne aus den gegenwärtig
für
die
Verteidigung
aufgewandten
Mitteln maximieren kann. Wie ich bereits dargelegt habe, erzielt die
NATO hier Fortschritte, aber es kann
noch mehr getan werden.
Das neue
NATO-System zur Planung konventioneller Bewaffnung sollte uns bei der
Harmonisierung unserer Waffenprogramme zu Hilfe kommen, so daß die Mittel
des Bündnisses wirkungsvoller eingesetzt werden können. Die Ausweitung

der gegenseitigen Austauschfähigkeit
unserer
Waffen- und
Kommunikationssysteme ist ein weiteres Gebiet, das
Nutzen für das gesamte Bündnis verspricht, genau wie die stärkere Integration der NATO-Streikräfte.
Die Entwicklung gemeinsamer politischer Maßnahmen über eine Vielzahl
von Problemen der Sicherheitspolitik
würde das Bündnis enorm stärken. Die
NATO muß beweisen, daß sie auch weiterhin zur Übernahme der gemeinsamen
Verteidigungslasten bereit ist.
Das
bedeutet, die Mitgliedstaaten müssen
die Streitkräfte und die verschiedenen Arten der grundlegenden unterstützungsmaßnahmen bereitstellen, die
das Bündnis benötigt - trotz der damit verbundenen unvermeidlichen Risiken und Unannehmlichkeiten.
Der Bedrohung des militärisch starken jedoch wirtschaftlich
schwachen Warschauer Paktes muß begegnet werden.
Die NATO muß auch zusammenarbeiten, um ihren technologischen Vorsprung zu erhalten und fortzuentwikkeln,
durch
den
die
zahlenmäßige
Überlegenheit der Sowjetunion und des
Warschauer Paktes ausgeglichen werden
kann.
Das bedeutet, zur Ausweitung
der gemeinsamen Nutzung von technologischem Fachwissen und Innovationen
innerhalb des Bündnisses zusätzliche
Schritte zu ergreifen - und ebenso
den Zustrom militärisch hochsensibler
Technologie in die Sowjetunion zu beenden, wo sie gegen uns gerichtet
wird.
Diese und andere Formen der Zusammenarbeit im Bündnis auf Gebieten
und zu Themenkreisen gemeinsamen Interesses - ob im Persischen Golf oder
beim Kampf gegen den Terrorismus
würden die Sicherheit eines jeden
Mitglieds im Bündnis stärken, und damit die gesamte Allianz.
Die NATO muß ferner größere Anstrengungen unternehmen, um gemeinsam
vereinbarte politische Maßnahmen und
Initiativen in die Praxis umzusetzen.
Das Bündnis muß im erforderlichen Umfang seine konventionellen und nu-

- 5 -

�klearen Streitkräfte aufrechterhalten
und modernisieren. Gerade die Bedeutung unserer konventionellen Streitkräfte ist durch unseren Erfolg beim
INF-Abkommen
unterstrichen
worden.
Die NATO muß auf den vor drei Jahren
in ihrem Programm zur "Verbesserung
der
konventionellen
Verteidigung"
festgelegten Gebieten auf Portschritte drängen. Das Bündnis muß seine
Betriebsreserven und Waffenlager aufstocken, um seine Kampfbereitschaft
und Infrastruktur zu stärken - durch
Erhalt des bestmöglichen Ertrags aus
den derzeit ausgegebenen Mitteln.
Beim Entwurf der Langzeitstrategie der NATO müssen sich alle Bündnis-Partner der Tatsache bewußt sein,
daß die Stärkung unserer Sicherheit
mehr Geld kosten wird - als direkte
Verteidigungsausgaben und in Form von
Militärhilfe für die wirtschaftlich
benachteiligten Verbündeten.
Dies ist auch keine unmögliche
Forderung. Es ist eine Tatsache, daß
Europa als Ganzes es sich leisten
kann, mehr für seine eigene Sicherheit auszugeben. Selbst die Vereinigten Staaten - die im Vergleich zum
Durchschnitt der europäischen NATOLänder derzeit nahezu das Doppelte
ihres Bruttosozialprodukts für Verteidigung aufwenden - könnten es sich
meiner Meinung nach leisten, mehr
auszugeben. Wie bereits gesagt, haben wir in den vergangenen fünfzig
Jahren fast immer mehr als heute für
die Verteidigung aufgewendet - und
gleichzeitig hat unsere Volkswirtschaft expandiert, und die Sozialhilfeleistungen wurden aufgestockt. Es
trifft schlicht und einfach nicht zu,
daß anstatt der derzeitigen 3 Prozent
3,5 oder 4 Prozent des BSP für Verteidigungsausgaben den europäischen
Volkswirtschaften
schaden oder zu
einer einschneidenden Kürzung bestehender
Sozialhilfeprogramme
führen
würden. Obwohl zweifelsohne niemand
damit andeuten will, daß eine solche
Verlagerung der Prioritäten überwacht
oder selbst in wenigen Jahren stattfinden könnte, so haben die amerikanischen Erfahrungen der vergangenen

zehn Jahre doch gelehrt, daß Anhebungen von einem Prozent des BSP über
einen solchen Zeitraum hinweg leicht
vorgenommen werden können, ohne den
Wohlstand zu gefährden.
Natürlich ist es sehr viel angenehmer, in öffentliche Sozialprogramme und privaten Luxus zu investieren.
Wir sollten uns jedoch vor Augen führen, daß die sowjetische militärische
Aufrüstung allen Anzeichen nach unvermindert
fortgeführt wird.
Wir
sollten uns vorsehen und die Erfahrungen der "verweichlichten und wohlhabenden Provinzen" des Römischen
Reichs nicht wiederholen, die - wie
Gibbon lapidar formuliert - "alles
besaßen, was einen barbarischen Eroberer anzog und nichts, was ihn abhalten konnte".
Das Bündnis muß darauf hinarbeiten, ein solches Resultat zu vermeiden. Es kann sich ein Versagen nicht
leisten.
Unser vorrangiges ziel muß es
sein, die Abschreckung der NATO aufrechtzuerhalten - die nicht nur einen
Krieg verhindert, sondern auch die
sowjetischen Bestrebungen vereitelt,
einen Bündnis-Partner
zu nötigen,
einzuschüchtern oder
zu bedrohen.
Unsere gemeinsame Stärke war stets
der ausschlaggebende Faktor bei unserer Aufgabe, Freiheit und Sicherheit
der Länder des Bündnisses zu bewahren
- und sie ist das unerläßliche Fundament, auf das sich die entschieden
verbesserten Beziehungen mit der Sowjetunion gründen werden.

- 6 -

* * * * *

�AMERIKA DIENST
7

Hintergrundmaterial

&lt;l7-,oN ^

11. Mai 1988

18

VERLAGERT MOSKAU WIRKLICH DEN SCHWERPUNKT AUF VERTEIDIGUNG?
Von Verteidigungsminister Frank C. Carlucci

WASHINGTON - (AD) - Wie ernst ist es der Sowjetunion mit der Entwicklung
einer neuen Militärdoktrin, die Verteidigung betont und von ihren amtlichen
Vertretern als Konzept des "vernünftigen und ausreichenden Niveaus" der
Streitkräfte bezeichnet wird?
Nach meinem kürzlichen Treffen mit Verteidigungsminister General Dimitri T. jasow bin ich zu der Überzeugung gelangt, daß
sowjetische Regierungsvertreter trotz der fortbestehenden großen Kluft zwischen Realität und Rhetorik zumindest eingehend über einen solchen Wandel reden.
Moskau
scheint das militärisch
"ausreichende Niveau" immer noch als
sehr
umfassend
zu betrachten
und
zeigt
keinerlei
Neigung,
seine
Streitkräfte zu reduzieren, außer in
Zusammenhang mit gegenseitigen Abrüstungsvereinbarungen.
Bevor die vereinigten Staaten eine Lockerung ihres
Verteidigungskonzepts
in
Erwägung
ziehen könnten, müßte es überzeugende
Beweise eines Wandels im offensiven
Charakter
der sowjetischen Streitkräfte und eine Bereitschaft zu einseitigen Reduzierungen geben, um diese Streitkräfte auf ein dem Westen
vergleichbares Niveau zu bringen.
Dies heißt nicht, daß in unseren
Gesprächen
nichts
erreicht
wurde.
Schon
das
Abhalten
eines
solchen
Treffens - dem ersten zwischen den

United States Information Service
Embassy of the United States of America

führenden amerikanischen und sowjetischen
Militärvertretern
nach
dem
Krieg - schuf einen wichtigen Präzedenzfall und verhalf uns zu einem
besseren Verständnis der Standpunkte
des anderen. Aber die Gespräche ergaben keinen konkreten Beweis für
einen Wandel in der Doktrin.
Obwohl er für die nähere Zukunft
keine größeren Veränderungen bei den
sowjetischen
Streitkräften und den
Militärausgaben in Aussicht stellte,
deutete General jasow doch eindeutig
an, daß gegenwärtig eine defensive
Doktrin umgesetzt werde und bei den
Streitkräften Veränderungen offen zutage treten würden.
Ich wies General Jasow darauf
hin, daß die sowjetischen Militäraus-

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Tel.: 0228-339 2035
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�gaben unseren vorsichtigsten Schätzungen zufolge nach Abzug der Inflationsrate immer noch um etwa drei
Prozent jährlich ansteigen, während
der Verteidigungshaushalt der Vereinigten Staaten
in den vergangenen
Jahren real um 11 Prozent abgenommen
hat.
Ich fügte hinzu, daß die Einschätzung
des ehemaligen Verteidigungsministers Harold Brown weiterhin
zuzutreffen scheint: Wenn wir aufrüsten, rüstet auch die Sowjetunion
auf; wenn wir aufhören, rüstet die
Sowjetunion weiter auf.

sionen unterstützt werden.
Abbau anderer offensiv ausgerichteter Fähigkeiten, wie etwa einer
großen und wachsenden Zahl militärischen Geräts, das in vorderen
Gebieten
stationiert
ist, beträchtlichem Material zum Brükkenbau
und Pioniereinheiten
in
Osteuropa
und
der
anhaltenden
Aufrüstung
von
Reserveeinheiten
des Heeres zu einem aktiven Status im Warschauer Pakt. All dies
stärkt Moskaus Fähigkeit zur Invasion der NATO-Staaten.

Wenn Moskau wirklich ein defensives
Verteidigungskonzept
einführen
möchte,
dann
könnte
es
mehrere
Schritte
unternehmen,
ohne
seine
eigene Sicherheit zu gefährden, darunter die folgenden:
Beseitigung
der
zahlenmäßigen
Überlegenheit
des
Warschauer
Pakts gegenüber der NATO bei panzern, Artillerie und anderen Offensivwaffen.
Der
Ostblock
hat
bei
seinen
Streitkräften
einen
in
besonderem
Maße bedrohlichen Vorteil, der zur
Invasion, Annexion und Besetzung von
Territorium
in
Westeuropa
genutzt
werden könnte. Dazu übersteigen die
Waffenarsenale berechtigte Verteidigungserfordernisse bei weitem.
Abzug von Luftlandeeinheiten aus
Europa und drastischer Abbau der
vergleichsweise großen zahl luftgestützter Streitkräfte, die in
der
Sowjetunion
aufrecherhalten
v/erden.
Luftlandeeinheiten
spiegeln
den
offensiven Charakter der sowjetischen
Militärmacht wider.
Allein in der
DDR unterhält die Sowjetunion genügend Einheiten, um eine vollständige
Luftlandedivision
aufzubauen.
Eine
solche Division könnte rasch durch
zahlreiche ähnliche in Osteuropa und
der Sowjetunion stationierte Brigaden
und Bataillione Verstärkung erhalten
oder von den sieben weiteren vollbemannten
sowjetischen
Luftlandedivi-

Gemeinsam
mit
den
Vereinigten
Staten der Abbau von Nuklearwaffen
längerer
Reichweite
durch
einen Vertrag zum Abbau strategischer Waffen und Anhebung des
Beitrags zur effektiven strategischen Verteidigung gegen einen
Angriff ballistischer Raketen.
Die Sowjetunion behält weiterhin
eine große Zahl silogestützter Interkontinentalraketen
für einen Erstschlag bei. Die sowjetische Bereitschaft, gemeinsam mit uns eine Verlagerung
von
den
Offensivwaffen
zu
einem
größeren
Vertrauen
auf
die
strategische
Verteidigung
vorzunehmen, würde zu unserer beiderseitigen
Sicherheit und insgesamt zu einer
sicheren Welt beitragen.
Die Vereinigten Staaten sind weiterhin gespannt auf Zeichen wie" diese, mit denen bewiesen würde, daß
sich die sowjetische Militärdoktrin
verändert hat.
In der Zwischenzeit
betrachten wir den Dialog über militärische Angelegenheiten als nützlich
und beabsichtigen dessen Fortführung.
Die Sowjetunion hat ihren Anteil
an Leid
in Kriegszeiten kennengelernt, und niemand mißgönnt ihr ein
Militär, das die nationale Sicherheit
der Sowjetunion stärkt. Aber Moskau
kann seine Sicherheit ohne seine gegenwärtig gezeigte aggressive Doktrin
und offensive Haltung gewährleisten.
Bis jetzt haben wir lediglich sowjetische Forderungen nach einer Umwand-

- 2 -

�lung der Doktrin vernommen. Auf die
schlagkräftigen
Beweise warten wir
noch.

* * * * *
- 3 -

i

4

�AMERIKA DIENST
"VoN^

Wissenschaft und Technik

11. Mai 1988

18

RAUSCHGIFT BEDEUTET SELBSTZERSTÖRUNG
- Aufklärung und Erziehung zur Abwehr muß im Kindesalter beginnen - (AD) - Alkohol und Rauschgift - "ein vielschichtiges und mehrdimensionales Problem, das alle Mitglieder der Gesellschaft angeht". Allein die Rauschgifte verursachen Amerika jährlich Kosten von mehr als zwei Milliarden Dollar,
erklärte Peter Bell, ein prominenter Teilnehmer aus Minnesota an der vom Weissen Haus veranstalteten "Konferenz für ein drogenfreies Amerika". uas Präsidentenpaar eröffnete die Tagung, zu der mehr als 2 000 Teilnehmer aus allen
amerikanischen Bundesstaaten nach Washington gekommen waren. In ihren Heimatstaaten arbeiten sie als Lehrer oder Geschäftsleute, als Eltern und junge Menschen in kommunalen und staatlichen Programmen zur Vorbeugung gegen die Sucht,
oftmals auch als freiwillige Betreuer von Gefährdeten und suchtkranken in Therapieprojekten.
Aufklärung
und Information der
Öffentlichkeit, Schärfung des allgemeinen Bewußtseins für die Gefahren
von
Alkohol
und Drogen
erfordern
auch,
wie
Nancy
Reagan
fordert,
selbst den gelegentlichen Rauschgiftkonsum strikt abzulehnen.
Denn er
führe nur zu leicht zum suchterzeugenden Konsum.
"Es gibt keinen Zwischenweg", sagte sie, und deshalb muß
die Nachfrage nach Drogen gestoppt
werden.
Das sei ebenso wichtig wie
die Unterbindung von Schmuggel und
Handel. Nach dem Ende der Präsidentschaft
ihres Mannes wird
sie im
"Nancy Reagan Center" in Los Angeles,
einer Institution der Therapiezentren
"Phoenix House", aktiv mitarbeiten.
Zu dieser Einrichtung gehört eine
weiterführende
Schule mit Internat
für junge Menschen, die sich der

United States Information Service
Embassy of the United States of America

langwierigen Therapie und Rehabilitation unterziehen, ferner eine Pädagogik- und
Trainingsabteilung
sowie
eine Forschungsbereich.
Das Zentrum
solle zu einem Ort werden, wo neue
Methoden entwickelt, neue Wege erprobt und neue Antworten gefunden
werden.
Präsident Reagan verwies darauf,
daß in den vergangenen sieben Jahren
zum ersten Mal in den Vereinigten
Staaten
koordinierte Kampagnen von
Dienststellen des Bundes, der Einzelstaaten und der Kommunen gegen den
Drogenschmuggel geführt wurden. Polizei und Zoll wurden verstärkt, militärische Einheiten zu Lande, zu
Wasser und in der Luft einbezogen.
Dieser Zusammenarbeit ist es unter
anderem zu verdanken, daß 1987 Dro-

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Telex: 8-85432

�genfahnder der amerikanischen Bundesregierung Sachwerte und Guthaben von
Drogenkriminellen im Wert von mehr
als 500 Millionen Dollar konfiszierten. 683 geheime Drogenlabors wurden
geschlossen und 41 768 kg Kokain beschlagnahmt.
Die
Gefängnisstrafen
für
Rauschgiftdelikte
wurden
drastisch erhöht, die Zahl der Verhaftungen stieg in den letzten Jahren um
66 Prozent, die von Rädelsführern der
Händlerringe sogar um das Dreifache.

Einstiegsdroge Marihuana
Marihuana gilt bei manchen noch
immer als nahezu harmlose
"weiche
Droge". Das ist sie aber nicht, und
zwar
in
doppelter
Hinsicht:
Zum
einen weckt sie beim Konsumenten den
Drang zur Wiederholung des Rauscherlebnisses und bahnt so den Weg zum
Einstieg in härtere Drogen bis hin
zum Heroin.
Zum anderen sind Haschisch-Zigaretten auch unter medizinischen Aspekten gefährlich.
Denn
sie belasten zum Beispiel die Lunge
mindestens fünfmal stärker mit Kohlenmonoxyd und Ablagerungen als gewöhnliche
Zigaretten.
Fast
8 000
Studien belegen inzwischen, was im
menschlichen Körper durch Marihuana
alles geschädigt werden kann - von
den Zellen über das Gehirn bis zu den
Fortpflanzungsfunktionen.
Aufgrund
solcher Befunde und Erfahrungen haben
in den USA Bestrebungen zur Legalisierung von Marihuana keine Aussicht
mehr auf Erfolg.
Dennoch bereitet der illegale Anbau von Cannabis in den USA dem amerikanischen Bundesamt für Rauschgiftbekämpfung (Drug Enforcement Administration - DEA) erhebliche Sorgen.
Wo immer solche Kulturen ausgemacht
werden, werden sie vernichtet.
Im
vergangenen Jahr waren es mehr als
7,4 Millionen Pflanzen, gegenüber 4,7
Millionen im Jahr 1986. Bei den Sinsemilla-pflanzen wurden 1987 ca. 72
Prozent mehr als 1986 vernichtet.
Diese haben einen besonders hohen Gehalt an THC (Tetrahydrocannabiol),
dem aktiven Bestandteil von Marihua-

na.
Hauptanbaugebiete sind Kalifornien, Tennessee und Hawaii.
im Zusammenhang mit den Vernichtungsaktionen wurden im vergangenen Jahr 6 502
Personen verhaftet und 1 728 Waffen
sichergestellt.
Aber Untersuchungen von Mitarbeitern des amerikanischen Außenministeriums zufolge sind die Vereinigten
Staaten dem Bericht zur internationalen Strategie für Suchtmittelkontrolle (International Narcotics control
Strategy) nach Mexiko und Kolumbien
noch immer drittgrößter Erzeuger von
Marihuana.
Hauptsächlich in den lateinamerikanischen
Ländern
wurden
1987 Mengen im Umfang 11 000 und
17 000 Tonnen produziert, wovon ein
erheblicher Anteil in die USA eingeschmuggelt wurde.
Nur Jamaika und
Belize gelang es, den Cannabis-Anbau
drastisch zu reduzieren.
in den übrigen
lateinamerikanischen
Ländern
stieg der Anbau trotz umfangreicher
Vernichtungsaktionen um 25 Prozent an.

Europa wird mit Kokain überschwemmt
Der stellvertretende DEA-Administrator, David L. Westrate, äußerte
sich kürzlich in einem vom US-Informationsamt (USIA) für Worldnet vermittelten Interview mit europäischen
Spezialisten für Drogenbekämpfung zu
der Kokainwelle, die jetzt offensichtlich Europa überschwemmt.
Sinkende Profite auf dem amerikanischen
Kontinent hätten die Händler veranlaßt,
ihre Methoden
einschließlich
der Verteilungsstrategie zu ändern,
und Europa stärker ins Visier zu nehmen, vor etwa fünf Jahren sei in den
USA ein Kilogramm Kokain für 60 000
Dollar verkauft worden. Heute bringt
in New York, Los Angeles oder Miami
die gleiche Menge nur noch 9 000 Dollar, in Europa dagegen ca. 40 000
Dollar.
Diese
"Profitdynamik" gefährde nicht nur Europa, sondern auch
Japan und Australien. Zwar wurden in
Europa 1987 mit 2,5 Tonnen Kokain und
drei Tonnen Heroin erhebliche Mengen
beschlagnahmt. Aber dies sind erfahrungsgemäß nur zehn bis 15 Prozent

�der Mengl, die tatsächlich abgesetzt
werden.

.
i

i

Selbst in den Anbauländern schaffe Kokain in seinen verschiedenen
Produktionsstufen
inzwischen
ebenfalls erhebliche Drogenprobleme. Als
Beispiel nannte Westrate in Kolumbien
"Bazooka", ein Derivat der Kokapaste.
Auf "Crack" angesprochen, erklärte
Westrate, weshalb er diese Droge für
besonders gefährlich halte: Sie werde aus Kokainbase, der Vorstufe zum
eigentlichen
Rauschgift
(Kokainhydrochlorid),
hergestellt.
In den
Vereinigten Staaten seien wegen der
großen Nachfrage nach "Crack" die
Händler sogar dazu übergegangen, diese letzte Stufe wieder in Base zurückzuverwandeln, weil Kokain nur in
dieser Form geraucht werden könne.
Der Rauch werde inhaliert und erreiche somit das Gehirn ebenso schnell
wie Sauerstoff. Beim Schnupfen dagegen dauerte es länger, bis das Rauschmittel absorbiert werde. "Crack"
hat verheerende Auswirkungen auf den
Blutdruck und führt häufig zu Schlaganfällen, Herzinfarkt oder schweren
Herzattacken.
Außerdem bewirkt es
noch stärker als Kokainhydrochlorid
eine zwanghafte Sucht - manche behaupteten, stärker noch als Heroin.
Westrate äußerte sich auch besorgt über den wachsenden Konsum von
Aufputschmitteln wie Amphetamin und
neuerdings von Metamphetamin, das man
als "Kokain des armen Mannes" bezeichnet. Unter den «83 im vergangenen Jahr ausgehobenen Geheimlabors
hatten 615 Metamphetamin hergestellt,
Angesichts dieser Umstände kommt der
Vorbeugung, die bei den Kindern einsetzen müsse, allergrößte Bedeutung
zu.
Zwar sei die Tatsache ermutigend, daß in den vereinigten Staaten
unter Oberschülern der höheren Klassen in letzter Zeit der Kokainkonsum
erstmals zurückgegangen ist.
Aber
unter
den Acht- bis
Zwölfjährigen
nehme der Konsum von Kokain und anderen Drogen zu, so daß Therapie, Rehabilitation, Aufklärung und Schulung
immer wichtiger werden und natürlich
auch mehr Personal und Zeit erfordern.

Dem Internationalen Strategie-Bericht zufolge haben sich die lateinamerikanischen Länder noch nicht zur
Vernichtung
von Kokaplantagen
mit
Herbiziden entschließen können, obgleich die 1987 durchgeführten Tests
gute
Ergebnisse
zeitigten.
Diese
Haltung dürfte dem Druck durch Händlersyndikate
zuzuschreiben
sein.
Ähnliches zeigt sich in bezug auf die
Vernichtung von Marihuanapflanzen in
Kolumbien und von Schlafmohn zur
Opiumgewinnung
in
Mexiko.
Man
schätzt heute, daß 1987 in den Anden
zwischen 162 000 und 211 400 Tonnen
Kokablätter produziert wurden.
Heroin
Dem internationalen Strategie-Bericht über Suchtstoffkontrolle zufolge nahm die Opiumproduktion im Jahr
1987 weiter zu, wobei Opium aus der
Region "Goldener Halbmond", insbesondere aus Afghanistan mit 735 bis
1 360 Tonnen den größten Anteil hatte. In Pakistan machte die Opiumgewinnung in Gebieten von Volksstämmen,
die gegenwärtig von der Regierung
nicht kontrolliert werden können, die
Bemühungen um strikte Reduzierung im
übrigen Land durch Sprühaktionen von
Flugzeugen aus nahezu zunichte. Seit
1980 hat in Pakistan selbst der Heroinmißbrauch stark zugenommen. Zur
Zeit rechnet man dort mit ca. 660 000
Süchtigen.
Rechtsvollzug und Fahndung sind in Pakistan nach wie vor
schwach. So war es bisher nicht möglich, die Herstellung von Heroin und
den Handel mit dem Rauschgift zu
stoppen.
Nicht ganz so drastisch nahm in
Südostasien die Opiumproduktion zu,
obgleich die Region mit Kulturen in
der Größenordnung von 1 095 bis 1 575
Tonnen nach wie vor als der Welt
größter Opiumproduzent zu gelten hat.
Nur in Thailand wurde in den letzten
Jahren der Anbau stark eingeschränkt.
Dennoch ist Thailand ein bedeutendes
Transitländ für Heroin. Hauptlieferant für den amerikanischen Markt ist
gegenwärtig Mexiko.

- 3 -

�Seit Mitte März 1988 verlieren
amerikanische Staatsbürger, die beim
Handel mit Rauschgift erwischt werden, ihren Paß.
In einigen Bundesstaaten wird Personen, die man im Besitz von Rauschgift findet, der Führerschein abgenommen. Ann Wrobleski,
Unterstaatssekretärin für internationale Suchtstoffprobleme im amerikanischen Außenministerium, forderte erneut mehr und engere Zusammenarbeit
auf
internationaler
Ebene, um die
Macht der Händlerringe und der Drogenbosse zu brechen: "Jedes Land ist
gefährdet, denn Drogen und Drogengelder korrumpieren, unterminieren und
liefern
Geldmittel für
Gewalttaten
und
Einschüchterungsaktionen.
Und
sie drohen jene zu paralysieren, die
beauftragt sind, das Richtige zu tun.
Wir alle haben den Schaden, wenn ein
Land zur Geisel des Drogenhandels
wird. Wir alle leiden, denn das ist
ein Krebsgeschwür, das sich in der
Völkerfamilie ausbreitet und jegliche
Stabilität bedroht."

* * * * * *

- 4

�</text>
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                    <text>Ä8^

VON

AMERIKA DIENST
Sonderdienst

^

4. Mai 1988

DIE SOWJETISCHE MILITÄRMACHT 1988
Siebte Dokumentation des amerikanischen Verteidigungsministeriums -

United States Information Service
Embassy of the United States of America

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Tel.: 0228-339 2035
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�WASHINGTON - (AD) - Das amerikanische Verteidigungsministerium hat am 29.
April 1988 die siebte, 175seitige Dokumentation über die sowjetische Militärmacht mit dem Untertitel "Eine Einschätzung der Bedrohung" veröffentlicht.
Die Broschüre gliedert sich in zwei Teile mit insgesamt neun Kapiteln.
Teil 1:

Der Charakter der sowjetischen Bedrohung

Kapitel I:

Die sowjetische nationale Sicherheitspolitik

Kapitel II: Die sowjetische Außenpolitik unter Gorbatschow
Kapitel III: Die Zuweisung militärischer Mittel
Kapitel IV: Sowjetische strategische Programme und Weltraumstreitkräfte
Kapitel V:

Die sowjetischen konventionellen Streitkräfte

Teil 2: Eine Einschätzung der Bedrohung
Kapitel VI: Das strategische Gleichgewicht
Kapitel VII: Regionale und funktionale Gleichgewichte
Kapitel VIII:

Forschung und Entwicklung:

Kapitel IX: Kollektive Sicherheit:

Der technologische Wettbewerb

Unsere Risiken und Verpflichtungen

Im folgenden bringen wir das Vorwort von Verteidigungsminister Frank
Carlucci im Wortlaut sowie eine Zusammenfassung der Broschüre nach Kapiteln.

Vorwort
Seit 1981 veröffentlicht das Verteidigungsministerium eine Einschätzung der militärischen Stärke der Sowjetunion. Diese Publikation mit dem
Titel Die sowjetische Militärmacht
hat dem amerikanischen Volk, unseren
Freunden und Verbündeten in der gesamten Welt und anderen eine klare,
prägnante Beschreibung
der sowjetischen militärischen Fähigkeiten geliefert.
Dieses Jahr haben wir einen etwas
anderen Ansatz gewählt und uns eine
umfassendere Betrachtungsweise der im
Zusammenhang mit der sowjetischen militärischen Stärke seit 1981 beobachteten Tendenzen und Auswirkungen zu
eigen gemacht. Teil 1 des vorliegen-

den Dokuments beschreibt die traditionellen
Komponenten
sowjetischer
Militärmacht. Kapitel I liefert einen Überblick über die sowjetische
militärische
Strategie,
Politik,
Struktur sowie Einsatz- und FUhrungsgrundsätze.
Kapitel II analysiert
die sowjetische Außenpolitik unter
Generalsekretär Gorbatschow. Kapitel
III befaßt sich mit der materiellen
Grundlage der militärischen Stärke
der Sowjets. Kapitel IV analysiert
die sowjetischen strategischen Offensiv- und
Verteidigungsstreitkräfte
sowie die Weltraumstreitkräfte. Kapitel V liefert eine Übersicht über
die konventionelle Militärmacht der
Sowjets.
Um die möglichen Auswirkungen der
sowjetischen
militärischen
Stärke

�vollständig zu begreifen, ist es jedoch notwendig, die militärischen Fähigkeiten der Sowjets im Verhältnis
zu denen der Vereinigten Staaten und
ihrer Verbündeten zu untersuchen.
Teil 2 von Die sowjetische Militärmacht 1988 stellt diese sowjetische
Stärke in einen Zusammenhang, indem
er eine Einschätzung des militärischen Gleichgewichtes in allen relevanten Bereichen vornimmt. Kapitel
VI behandelt die Geschichte und den
heutigen Zustand des Gleichgewichts
zwischen
unseren
strategischen
Streitkräften und denen der Sowjetunion.
Kapitel VII enthält unsere
Einschätzung des militärischen Kräfteverhältnisses in Europa, Südwestasien und dem Fernen Osten sowie des
Kräfteverhältnisses zur See und unsere vergleichbaren Fähigkeiten zur
Verlagerung militärischer Macht. Da
sowohl die Vereinigten Staaten als
auch die UdSSR sich zur Verbesserung
ihrer jeweiligen militärischen Fähigkeiten in starkem Maße auf Technologie stützen, liefert Kapitel VIII
eine vergleichende Einschätzung darüber, wie neue Technologien unsere
Sicherheit in nicht allzu ferner Zukunft beeinflussen werden.
Kapitel
IX schließt mit einer Betrachtung
darüber, wie wir unsere kollektive
Sicherheit angesichts der von der Sowjetunion ausgehenden Bedrohung am
besten stärken und Mittel zur Verfügung stellen können, um dieser Bedrohung wirksam entgegenzutreten.
Wie in den früheren Ausgaben
lenkt die diesjährige Ausgabe von
Die
sowjetische
Militärmacht
die
Aufmerksamkeit auf einige der seit
Veröffentlichung von Die sowjetische
Militärmacht 1987 beobachteten bedeutenderen Entwicklungen in der sowjetischen militärischen Stärke, darunter:
- Das seit langem bestehende Programm der Sowjets zum Bau tief
unter der Erde gelegener Einrichtungen zum Schutz ihrer Führung
während eines Atomkrieges wird
detailliert zum ersten Mal in der
diesjährigen Ausgabe behandelt.
- 2

- Die Erststationierung der schienengest Utzten Interkontinentalrakete (ICBM) SS-24.
- Der Raumtransporter für mittlere
Nutzlasten (SL-16) wurde einsatzreif.
- Der erste Einsatz des Raumtransporters für schwere Nutzlasten
(SL-X-17) wurde beobachtet.
- Der seegestützte Marschflugkörper
SS-N-21 wurde einsatzreif.
- Ein vierter Flugzeugträger der
KIEW-Klasse wurde einsatzreif.
- Ein drittes atomgetriebenes Angriffs-U-Boot
der
AKULA-Klasse
lief vom Stapel und
- das luftgestUtzte Frühwarn- und
FUhrungssystem
I1-76/MAINSTAY
wurde einsatzbereit.
Dies sind lediglich die jüngsten
Beispiele für den anhaltenden Ausbau
der sowjetischen nuklearen und konventionellen Fähigkeiten. Seit 1981
wurde praktisch jede Komponente der
sowjetischen Militärmacht erweitert
und modernisiert:
- Die
sowjetischen
strategischen
atomaren
Offensivstreitkräfte
werden weiter verbessert. Zu Beginn dieses Jahrzehnts wurde die
Stationierung der vierten Generation von ICBMs abgeschlossen der SS-17, SS-18 und SS-19. Im
Jahr 1985 leiteten die Sowjets
mit der straßenmobilen SS-25 die
Einführung der fünften Generation
von ICBMs ein.
- Das mit 20 ballistischen Raketen
vom
Typ
SS-N-20
ausgerüstete
Atom-U-Boot (SSBN) TYPHOON wurde
eingeführt und kurz darauf auch
das mit SS-N-23 Raketen bewaffnete SSBN vom Typ DELTA IV.
- Der mit dem atomar bestückten
Marschflugkörper längerer Reichweite vom Typ AS-15 bewaffnete

�Bomber BEAR H wurde eingeführt,
und die Stationierung des neuen
strategischen Bombers BLACKJACK
steht kurz bevor.
- Die Sowjets fahren mit der Modernisierung ihres Verteidigungssystems gegen ballistische Raketen
um Moskau fort, indem sie es zu
einem zweischichtig angelegten,
aus silogestlitzten, weitreichenden und modifizierten Abwehrflugkörpern vom Typ GALOSH, silogestlitzten schnell-beschleunigenden
endoatmosphärischen
Abwehrflugkörpern vom Typ GAZELLE sowie damit verbundenen Gefechts-, Leitund
Kampfführungsradarsystemen,
einschließlich des neuen phasengesteuerten Großradars vom Typ
PILL BOX in Puschkino, bestehenden Verteidigungssystem umrüsten.
- Die umfassende Modernisierung der
sowjetischen
konventionellen
Streitkräfte
in den achtziger
Jahren, darunter Panzer, Artillerie, Kampfflugzeuge sowie Uberund
Unterwasserschiffe
stellt
eine bedeutende Verbesserung sowjetischer militärischer Fähigkeiten
dar.
Der
Kampfpanzer
T-80, der Schützenpanzer BTR-80,
die Luftabwehrkanone SPAA-M-1986,
die Boden-Luft-Rakete SA-12 und
die ballistische Kurzstreckenrakete SS-23 sind seit 1981 einsatzreif geworden.
- Das Flugzeug Su-25/FR0GF00T sowie
die
Flugzeuge
Su-27/FLANKER,
MiG-29/FULCRUM und MiG/FOXHOUND,
alle modernster Bauart, sind heute einsatzreif und in großen Zahlen stationiert.
- In der sowjetischen Marine ist
ein mit Startrampen ausgerüsteter
Flugzeugträger von 65 000 Tonnen
im Bau. Zusätzlich stellten die
Sowjets vier neue Klassen von
übe rwasserschiffen, zwei Klassen
von Angriffs-U-Booten, sechs neue
Uberwasserwaffensysteme
sowie
sechs neue Klassen von AllzweckU-Booten in Dienst.

Die sowjetische Militärmacht und
die von ihr verkörperte Bedrohung
sind also keine abstrakten Begriffe.
Die Bereitschaft der Sowjets zum Einsatz militärische Macht, um Willfähigkeit durch Drohungen oder sogar
die
Überschreitung
internationaler
Grenzen in einer bewaffneten Aggression - wie in Afghanistan - zu erpressen, ist unbestreitbar.
Die Sowjets vermitteln jedoch
heutzutage international ein völlig
neues Bild und rufen dadurch die
Hoffnung eines grundlegenden Wandels
in ihrem internationalen Verhalten
hervor.
Ob diese Veränderungen
falls sie sich durchsetzen - eine
echte Chance für grundlegendere Verbesserungen in unseren Beziehungen
mit der Sowjetunion bedeuten, bleibt
abzuwarten. Obwohl wir den auf Konkurrenz und vorwiegend auf Gegnerschaft beruhenden Charakter unseres
Verhältnisses mit der Sowjetunion anerkennen, ist es unsere Politik, den
Dialog mit ihr zu fördern, um Chancen
für konstruktivere Beziehungen zu
nutzen. Im Geist dieser Politik traf
ich mich kürzlich mit dem Verteidigungsminister der Sowjetunion, General Dimitri Jasow. Ich verfolgte dabei die Absicht, eine Vielzahl von
Sicherheitsfragen
zu
diskutieren,
darunter die Verhinderung gefährlicher Unfälle. Ich wollte außerdem
ein besseres Verständnis öffentlicher
Erklärungen der Sowjets über eine
"defensive Doktrin" und ihres Konzepts des "vernünftigen und ausreichenden Niveaus" gewinnen.
Unsere
Gespräche erbrachten, wenn überhaupt,
nur wenige Informationen über die
Frage, ob es tatsächlich eine neue
sowjetische Doktrin gibt und, falls
es sie gibt, ob diese substantielle
Veränderungen
in der sowjetischen
Streitkräftestruktur und bei den Militärausgaben nach sich ziehen wird.
Ich konnte nicht in Erfahrung bringen, welche Veränderungen im sowjetischen
Einsatzkonzept
definitiv
stattfinden könnten, falls eine wahrhaft "defensive" Doktrin auf der
Grundlage des "vernünftigen und ausreichenden Niveaus" umgesetzt würde.

- 3-

�Während wir weiterhin auf bedeutsame Veränderungen bei den Sowjets in
bezug auf weniger aggressive und gefährliche Maßnahmen und Einsatzkonzepte hoffen, haben wir bis heute
keine Beweise gesehen, die auf eine
Veränderung des offensiven Charakters
der Streitkräftestruktur und des Stationierungsmusters der UdSSR hindeuten.
Weder die Produktion militärischer Ausrüstung noch die Militärausgaben wurden reduziert. Im Gegenteil, der sowjetische Militärhaushalt, der sich auf 15 bis 17 Prozent
des
Bruttosozialproduktes
beläuft,
wächst auch unter Generalsekretär
Gorbatschow weiter jährlich um drei
Prozent. Noch wichtiger: Das in der
vorliegenden Broschüre dargestellte
Einsatzkonzept und die militärischen
Fähigkeiten der Sowjets, sind mit
einem defensiven Einsatzkonzept nicht
zu vereinbaren.
Wir alle würden
ernsthafte Bemühungen der Sowjets zur
Veränderung ihres militärischen Einsatzkonzepts begrüßen, insbesondere,
wenn diese mit sichtbaren Reduzierungen bei Streitkräften und Ausgaben
einhergehen. Wir werden dies weiterhin beobachten, ohne in unserer Wachsamkeit nachzulassen.
Ich hoffe, daß dieses realistische Porträt der militärischen Fähigkeiten der Sowjetunion und der von
diesen für die freie Welt verkörperten militärischen Bedrohung allen
Amerikanern, unseren Freunden und
Verbündeten eine Hilfe sein wird, um
das enorme Ausmaß und den Umfang der
vor uns liegenden Herausforderungen
im Bereich der Sicherheit zu erfassen. Wir dürfen uns von den sowjetischen
militärischen
Fähigkeiten
nicht einschüchtern lassen, obwohl
diese
sicherlich
gewaltig
sind.
Stattdessen müssen wir unsere Entschlossenheit zur Bewahrung unserer
Freiheiten und unserer nationalen Sicherheit stärken und ein dauerhaftes
Programm für unsere kollektive Sicherheit entwerfen.
Nur so können
wir, unsere Verbündeten und unsere
Freunde die Vorzüge der Freiheit für
uns und unsere Nachwelt sichern.

KAPITEL I

DIE SOWJETISCHE NATIONALE SICHERHEITSPOLITIK
In der sowjetischen nationalen
Sicherheitspolitik
werden
folgende
Prioritäten gesetzt:
- Stärkung des sowjetischen politischen Systems und Erhaltung der
Herrschaft der KPdSU.
- Ausdehnung und Stärkung des sowjetischen Einflusses weltweit.
- Verteidigung
der
sowjetischen
Heimat und des Staates gegen eine
mögliche Aggression.
- Aufrechterhaltung
der
Vorherrschaft
über
den
sowjetischen
Grenzen
benachbarte
Land- und
Seegebiete.
Obwohl die Sowjets den Frieden
dem Krieg vorziehen, sind sie durchaus willens, ihre Interessen durch
Einschüchterung,
Ausübung
diplomatischen Drucks oder direkte Gewaltanwendung - wie in Ungarn, der Tschechoslowakei und Afghanistan - durchzusetzen.

Tendenzen innerhalb des Systems
Obwohl sich die sowjetischen Ziele nicht geändert haben, erkannten
Gorbatschow und seine Verbündeten,
daß zur Umstrukturierung des sowjetischen Systems neue politische Maßnahmen angezeigt waren.
Sie waren
entschlossen,
das
politische
und
wirtschaftliche System neu zu beleben
und das Image der Parteiführung im
In- und Ausland dadurch zu erneuern,
daß sie sich als Vertreter einer neuen, jüngeren, dynamischeren und fähigeren Generation sowjetischer Politiker darstellten.
Sie präsentierten
ihren Entwurf eines umstrukturierten
sowjetischen Systems unter dem Namen
"Perestrojka".

Frank C. Carlucci
Verteidigungsminister
- 4 -

�Was sich nicht verändert hat, ist
die Tatsache, daß die Sowjetunion
sich auch weiterhin auf militärische
Macht stützt, um ihre politischen
Maßnahmen zu unterstreichen sowie auf
die anhaltende Bereitschaft der sowjetischen Führung, die für die Aufrechterhaltung
ihrer
militärischen
Macht benötigten Mittel zur Verfügung
zu stellen.

Krieges - in bestimmten Bereichen eines Kriegsschauplatzes möglicherweise
auch defensive Operationen durchführen müssen. Ihre Zielsetzung in der
Ausbildung besteht jedoch darin, so
schnell wie möglich zur Gegenoffensive überzugehen.

Sowjetische Militärdoktrin und Strategie

In seiner Rede auf dem 27. Parteitag der KPdSU im Februar 1986 erwähnte Gorbatschow das Konzept des
"vernünftigen und ausreichenden Niveaus", ohne dies näher zu erklären.
Seit jener Rede gab es zahlreiche Erwähnungen eines "Gleichstandes auf
niedrigerer Ebene" sowie weitere Erklärungen der Führung über ein ausreichendes Niveau.

Die
sowjetische
Militärdoktrin
betrachtet Krieg als eine Fortsetzung
der Politik und betont offensive Operationen.
Die sowjetische Militärführung hat diese Prinzipien als
grundlegend erkannt, wenn ein bewaffneter Konflikt zu ihren Gunsten entschieden werden soll.
Für die Sowjets würde ein Sieg in einem konventionellen oder nuklearen Krieg die
Niederwerfung
oder
Neutralisierung
der Vereinigten Staaten und der NATO
sowie das Überleben der von der Partei
beherrschten
politisch-ökonomischen Struktur in der Heimat beinhalten.
Die
sowjetische
Militärdoktrin
erkennt heute an, daß weder strategische Nuklear- noch konventionelle
Streitkräfte
allein
"entscheidend"
sind, sondern daß sie ihre beste Wirkung nur zusammen entfalten. Die Sowjets haben enorme Mittel ausgegeben,
um ihre konventionellen Streitkräfte
zu modernisieren und auszubauen, während sie gleichzeitig mit dem Ausbau
ihrer strategischen nuklearen Offensiv- und Defensivstreitkräfte fortfuhren und damit ihre Fähigkeit unterstrichen haben, sowohl unter nuklearen wie unter konventionellen Bedingungen zu kämpfen.
In den achtziger Jahren haben die
Sowjets außerdem damit begonnen, defensive Operationen in eine generell
offensive Strategie einzubauen. Die
Sowjets haben immer den Gedanken akzeptiert, daß sie - für einen begrenzten Zeitraum
eines künftigen

Der Einfluß Gorbatschows auf die
Militärdoktrin

Bis heute gibt es jedoch keinen
Grund zu dem Schluß, daß das Konzept
des "vernünftigen und ausreichenden
Niveaus" eine Aufgabe oder auch nur
eine Modifizierung der charakteristischen offensiven militärischen Strategie
der
Sowjets
bedeutet.
Gorbatschow und
seine Verbündeten
sind sich genau wie ihre Vorgänger
der Tatsache voll bewußt, daß sich
der Status der Sowjetunion als Supermacht sowie ihre Fähigkeit zur Erlangung ihrer strategischen Ziele aus
ihrer militärischen Macht ableiten.
Falls
bedeutende
Veränderungen
stattfinden, dann könnten sie den Bereitschaf tsgrad,
Streitkräftestruktur, Durchhaltevermögen, Ausbildung
und Operationen betreffen.
Sollten
solche Veränderungen eingeleitet werden, könnte das Ergebnis ebenso gut
eine weniger umfangreiche und trotzdem
schlagkräftigere
offensive
Streitkräftestruktur
sein
eine
Struktur, die auf jeden Fall ausreichend wäre, um die sowjetischen
politischen und militärischen Ziele
zu verfolgen, die sich nicht wirklich
verändert haben.
Das Konzept des
"vernünftigen und ausreichenden Niveaus" steht außerdem im Einklang mit
den seit langem existierenden sowje-

- 5 -

�tischen Zielen, die NATO zu spalten,
die
Streitkräftemodernisierung
der
USA und der NATO zu verlangsamen, das
SDI-Programm durch Rüstungskontrolle
zu Fall zu bringen und den Sowjets
Zeitgewinn zu verschaffen, um ihren
wirtschaftlichen, technologischen und
industriellen Initiativen zum Durchbruch zu verhelfen.

Weitere Aussichten
Die aktive Öffentlichkeitsarbeit
der Sowjets, mit der das im Westen
bestehende Bild der UdSSR verändert
werden soll, hat gezeigt, daß man
sich des Einflusses der westlichen
Massenmedien sehr wohl bewußt ist.
Die Sowjets haben wohl kaum ihre seit
langem bestehenden Ambitionen aufgegeben, dominierende Weltmacht zu werden.
Für die nächsten zehn Jahre
kann man davon ausgehen, daß die Sowjets mit Hochdruck innenpolitische
Initiativen
zur Neubelebung ihrer
Wirtschaft, Modernisierung ihrer industriellen Basis und Beschaffung der
zur Aufrechterhaltung einer mächtigen
Militärstreitmacht
auf allen Konfliktebenen notwendigen Technologien
verfolgen werden.
Die Sowjets werden an dem Konzept
festhalten, daß die Verteidigung der
UdSSR auf einer Streitmacht beruhen
muß, die zur Ergreifung der Offensive
und Zerstörung der Kriegführungsmittel des Gegners in der Lage ist.
Diesem Konzept zufolge müssen ihre
Streitkräfte vorbereitet sein, auf
allen Konfliktebenen zu kämpfen und
die Oberhand zu gewinnen.

KAPITEL II

DIE SOWJETISCHE AUSSENPOLITIK UNTER
GORBATSCHOW
Die sowjetische Außenpolitik hat
ihr traditionelles langfristiges Ziel
einer Veränderung im "Kräfteverhältnis" zu ihren Gunsten nicht aufgegeben. Unter Gorbatschow beabsichtigen
die Sowjets, in der Vergangenheit erzielte Vorteile dadurch zu bewahren,
daß sie kreativer mit der Weltpolitik
und der Weltwirtschaft umgehen. Es
kann erwartet werden, daß die UdSSR
weiterhin westliche Interessen durch
Diplomatie, Militär- und Wirtschaftshilfe sowie die Unterstützung von dem
Westen feindlich gesonnenen Stellvertretern, Regimen und Bewegungen herausfordern wird. Die Sowjets werden
auch weiterhin ihre eigenen mächtigen
Streitkräfte entwickeln und stationieren.
Generalsekretär
Gorbatschow
strebt danach, die UdSSR durch Erhöhung der Wirtschaftsleistung im Inund Ausland sowie durch den Ausbau
der Beziehungen zu Ländern der Dritten Welt, die vormals als zum "westlichen Lager" zugehörig eingestuft
wurden, international zu einem geschickteren Konkurrenten zu machen.
Diese Bestrebungen sind Teil einer
langfristig angelegten Strategie mit
dem Ziel, Chancen auszunutzen, die
den Sowjets unter der früheren, starreren Außenpolitik entgangen wären.
Gorbatschows Außenpolitik wird danach
trachten, die Sowjetunion als eine
Macht darzustellen, deren Ziel die
Förderung politischer und wirtschaftlicher Lösungen für regionale und
weltweite Probleme ist.
Die sowjetische Führung hat begonnen, die Notwendigkeit eines "neuen Denkens" in der Weltpolitik zu betonen, insbesondere in den Fragen von
Krieg und Frieden sowie bei Konzepten
der internationalen Sicherheit. Die
erklärten Ziele der sowjetischen Aussenpolitik enthüllen jedoch die Tatsache, daß "neues Denken" die Dogmen

�des Kommunismus nicht verändert hat.
Der Unterschied zwischen dem "neuen
Denken" und gegenwärtigen Handlungen
findet seinen Niederschlag auch in
der sowjetischen Politik gegenüber
der Dritten Welt.
Unter Gorbatschow wurde in der
sowjetischen Außenpolitik damit begonnen, ein subtileres Verständnis
des
sowjetisch-amerikanischen
Verhältnisses zu betonen.
Ihre Ziele
sind jedoch weiterhin:
- Der Versuch, den Rüstungskontrollprozeß zu benutzen, um die
geplante Modernisierung und Entwicklung der sowjetischen Streitkräfte zu schützen;
-

die NATO zu spalten und die Vereinigten Staaten von Europa abzukoppeln;

- den weiteren Zugan zu westlicher
Technologie und Westkrediten zu
sichern;
- die Aushöhlung westlicher RUstungsprogramme, insbesondere von
SDI sowie der Streitkräftemodernisierung der USA und der NATO.

wjetischen Zugang zu westeuropäischen
Krediten, Technologie und Handel auszuweiten und neutralistische Elemente
in Westeuropa durch eine selektive
Politik der Unterstützung und Manipulierung "progressiver" Elemente zu
ermutigen, wobei das Hauptaugenmerk
den antinuklear eingestellten Arbeiterund sozialistischen Parteien
sowie den verschiedenen Friedensbewegungen gilt.
Mit der Unterzeichnung des INFVertrages im Dezember 1987 hielt die
Sowjetunion weiterhin an ihrer Ansicht fest, daß ihre Politik gegenüber Westeuropa traditionellen sowjetischen Zielen dienen und den sowjetischen Einfluß in dieser Region verstärken wird. Zum Beispiel versuchen
die Sowjets weiterhin, kriegsschauplatzgebundene nukleare Plattformen
in die neuen Verhandlungen über die
konventionellen Streitkräfte einzubinden. Außerdem haben sie Begrenzungen von Aktivitäten auf See vorgeschlagen, mit denen die Stationierung
amerikanischer Marinesysteme zur Unterstützung der Nord- und Südregionen
der NATO beschnitten würde.
Diese
Vorschläge zeigen, daß die politischen Ziele der Sowjets im Hinblick
auf Westeuropa fortbestehen.

Sowjetische Regionalpolitik
Die weiteren Aussichten
Westeuropa
Unter Gorbatschow wurde das traditionelle Ziel der UdSSR mit neuem
Elan angegangen, einen Keil zwischen
die Vereinigten Staaten und die NATO
zu treiben, indem u. a. innerhalb
Westeuropas die Besorgnis über amerikanische Verteidigungsprogramme geschürt wird. Das grundsätzliche sowjetische Ziel bleibt die Veränderung
des politischen Status quo in Europa
zu Gunsten der UdSSR. Um dies zu erreichen, versuchen die Sowjets: ihren erheblichen Vorteil bei konventionellen und nuklearen Gefechtsfeldwaffen gegenüber der NATO zu wahren,
die amerikanischen politischen und
militärischen Bindungen mit Westeuropa zu schwächen oder aufzulösen, so-

Gorbatschows "neues Denken" spiegelt in erster Linie einen Stilwandel
wider, während seine diplomatischen
Initiativen neue Taktiken beinhalten.
Durch die Kultivierung eines weniger
bedrohlichen internationalen Images
zielt Moskau darauf ab, die Aufmerksamkeit vom sowjetischen Militarismus
und Abenteurertum in der Außenpolitik
abzulenken.
Aus der Sicht Moskaus
wird das sich daraus ergebende internationale Klima die sowjetischen Aussichten zur Aufrechterhaltung einer
weltweiten vorteilhaften "Kräfteverhältnisses" verbessern, insbesondere
in einer Zeit wirtschaftlicher Stagnation. Gleichzeitig wird Moskau das
Ziel verfolgen, seine Macht und seinen Einfluß auszudehnen, den äußeren

- 7 -

�Druck auf seine Vasallenstaaten zu
mildern, die Chancen des Ost-WestHandels zu erweitern, sich westliche
Technologie zu verschaffen und die
sowjetische Wirtschaft zu verjüngen.
Insgesamt wäre es verfrüht, zu entscheiden, ob Veränderungen im Stil
der
sowjetischen
Außenpolitik
schließlich die grundsätzlichen Ziele
Moskaus beeinflussen werden. Letztlich könnte die UdSSR beabsichtigen,
die verbesserte Position, die sie
sich als Ergebnis innerer Reformen zu
erringen hofft, zu benutzen, um wirkungsvoller mit dem Westen im politischen,
militärischen
und
wirtschaftlichen Bereich zu konkurrieren.

KAPITEL III

DIE ZUWEISUNG MILITÄRISCHER MITTEL
Die sowjetische Verteidigungslast
ist von 14 bis 16 Prozent des sowjetischen Bruttosozialprodukts im Jahr
1980 auf etwa 15 bis 17 Prozent im
Jahr 1987 gestiegen - ungefähr das
Zweieinhalbfache der amerikanischen.
Noch aufschlußreicher ist die Tatsache, daß die sowjetischen Ministerien für Verteidigungsindustrien heute etwa 60 Prozent des lebenswichtigen Industriezweiges für Maschinenbau/Metallverarbeitung ausmachen.
Die sowjetische Führung ist offensichtlich besorgt über den gegenwärtigen Zustand der Wirtschaft, der
zukünftige militärische Erfordernisse
zu gefährden droht. Die Führung betrachtet das heutige Wirtschaftswachstum als unzureichend, um die militärischen Fähigkeiten und den Lebensstandard auf dem gewünschten Niveau
zu halten und gleichzeitig genügend
Mittel bereitzustellen, um in das'
künftige wirtschaftliche und militärische Wachstum zu investieren.
Um der Sowjetunion einen Spitzenplatz in militärischer und ziviler
Technologie
zu
verschaffen,
hat
Gorbatschow ein Wirtschaftsprogramm
zur schnellen Modernisierung der Maschinenproduktion des Landes vorgeschlagen. Durch enorme Investitionen
beabsichtigt Moskau, die Produktion
neuer und moderner Maschinen und Ausrüstung zu beschleunigen, mit denen
die ausgediente industrielle Basis
des Landes erneuert werden soll.
Priorität wird in der Hochtechnologie
den Bereichen Mikroelektronik, Computerwesen, Automation moderner Werkzeugmaschinen, Instrumenten und Biotechnologie zugeschrieben.
Innerhalb der Führung scheint ein
Konsens
über
die
Notwendigkeit
wirtschaftlicher Reformen, aber ein
Dissens
über
die
Geschwindigkeit
und die Art des Wandels zu bestehen insbesondere in empfindlichen poli-

- 8 -

�tischen Bereichen.
Gorbatschow hat verdeutlicht, daß
die wirtschaftliche Erneuerung ein
langfristiges Projekt ist, das mindestens zehn bis 15 Jahre in Anspruch
nehmen wird, wenn nicht eine ganze
Generation. Sie wird unzählige kurzfristige Anpassungen erfordern, von
denen viele zerstörerisch und verwirrend sein können.
Kurzfristig ist es unwahrscheinlich, daß wirtschaftliche Reformen
und industrielle Modernisierung die
militärische Produktion beeinflussen
werden. Aufgrund hoher Investitionen
der Vergangenheit ist die Rüstungsindustrie sehr wohl in der Lage, die
gegenwärtige Generation von Waffensystemen zu produzieren. Im 12. Fünfjahresplan (1986-1990) wurde der Rüstungsindustrie weiteres Wachstum zugesichert. In dem Maß, in dem die
neuen wirtschaftlichen Reformen erfolgreich sind, werden sie langfristig dem Militär zugute kommen, indem
sie eine modernisierte Produktionskapazität und einen verläßlichen Nachschub an Rohstoffen, Subkomponenten
und anderen Produkten hoher Qualität
bereitstellen, die für modernste Waffensysteme benötigt werden.

fast die Hälfte des weltweiten Ausstoßes militärischen Materials und
produziert drei Viertel der ballistischen und Boden-Luft-Raketen der
Welt, über die Hälfte der Kampfpanzer
und Bomber sowie über ein Drittel der
Artillerie, U-Boote, Kampfflugzeuge,
Marschflugkörper,
leichten
Panzerfahrzeuge und Militärhelikopter. Obwohl diese führende Stellung durch
die verstärkte Waffenproduktion der
Vereinigten Staaten leicht reduziert
wurde, produzieren die Sowjets bei
den meisten Typen im Vergleich zum
Westen immer noch mit einer Rate von
über zwei zu eins.

Produktion für die Landstreitkräfte
Die vier wichtigsten Panzerhersteller der Sowjetunion haben mehr
als 40 000 moderne Panzer - einschließlich des T-64, T-72 und T-80 für die sowjetische Armee, den Warschauer Pakt und die Armeen ihrer Vasallenstaaten produziert.
Der T-80
und einige der T-64 und T-72 sind
jetzt mit neuer Technologie ausgestattet, wie etwa reaktive Panzerung,
Laser-Entfernungsmesser und verbesserte Panzergeschütze, die ihre Fähigkeiten erheblich erhöht haben.

Militärische Produktion

Produktion für die Seestreitkräfte

Bis 1982 hatte die sowjetische
Rüstungsindustrie ein Jahrzehnt des
Ausbaus erfahren und war nun besser
ausgerüstet, größere Mengen modernen
Geräts zu produzieren als jemals zuvor.
Heute konzentrieren sich die
Sowjets auf die Herstellung technologisch ausgereifter Waffen und darauf,
ihrem Militär neue Systeme zur Verfügung zu stellen, die den Westen in
anderen Bereichen, wie etwa im Weltraum, herausfordern.
Währenddessen
wurde die Fähigkeit zur Produktion
großer Mengen an Gerät beibehalten.

Die Sowjets bauen zwei Klassen
von nukleargetriebenen Raketenunterseebooten (SSBN) - die THPHOON und
die DELTA IV. Ferner wird die OSCAR
II-Klasse nukleargetriebener und mit
Marschflugkörpern
bestückter
Angriff sunterseeboote
(SSGN) gebaut,
drei Klassen nukleargetriebener UBoote (SSN) - SIERRA, AKULA und
VICTOR III - und die KILO-Klasse dieselgetriebener
Angriffsunterseeboote
(SS).

Insgesamt befindet sich die sowjetische
Produktion
militärischer
Ausrüstung seit 1980 auf einem hohen
Niveau.
Die Sowjetunion steht für

Sowjetische Werften bauen acht
Klassen von Überwasserkriegschiffen
in Serie. Die erste Einheit einer
neuen Klasee von Flugzeugträgern mit
einer Verdrängung von 65 000 Tonnen die
Größenordnung
amerikanischer

- 9 -

�Flugzeugträger - wird zur Erprobung
auf See vorbereitet.
Ein zweiter
Flugzeugträger dieser Klasse wird zur
Zeit bei Nikolajew gebaut.

Flugzeugproduktion
Die Sowjets unternehmen erhebliche Anstrengungen zur Verbesserung
der Qualität ihrer Flugzeuge und konzentrieren sich vor allem auf modernste Modelle. Obwohl ihre neuen
Modelle kostspieliger und schwieriger
zu entwickeln sind sowie eine längere
Konstruktionsphase erfordern werden
als die anderen Modelle, wird ihre
höhere Qualität die sowjetische Luftwaffe
und
die
Luftverteidigungsstreitkräfte in die Lage versetzen,
ihren Anforderungen besser gerecht zu
werden, obwohl sie unter Umständen
die eingesetzten Flugzeuge in einem
geringeren Verhältnis als eins zu
eins ersetzen könnten.
Mittelfristig werden sich die Sowjets wahrscheinlich auf die Herstellung von Kampfflugzeugen für ihre
strategische Verteidigung und taktische Einsätze konzentrieren.
Mit
hoher Wahrscheinlichkeit werden weitere Produktionsstätten die Herstellung dieser modernen Flugzeuge aufnehmen.

Raketenproduktion
Seit 1981 hat die Sowjetunion die
Serienproduktion der vierten Generation ihrer ICBMs abgeschlossen und
eine große Zahl von Systemen der
fünften Generation hergestellt. Gegenwärtig werden Nachfolgemodelle für
Raketen der vierten und fünften Generation entwickelt, deren Produktion
wahrscheinlich in Kürze aufgenommen
wird. Der Schwerpunkt liegt hierbei
auf der Entwicklung von ICBM-Streitkräften mit erheblich größerer Flexibilität, Uberlebensfähigkeit und Wirkung.
Das Nachfolgemodell der ICBM des
Typs SS-18 wird bald in Serie gehen;

die Serienproduktion der schienengesttitzten mit festem Treibstoff angetriebenen ICBM des Typs SS-24 ist bereits aufgenommen worden. Die experimentelle Flugerprobung neuer SLBMs
könnte noch vor 1990 aufgenommen werden.
Als Ergebnis ihrer Expansion
bei für den Weltraum produzierenden
Industrieanlagen und Abschußvorrichtungen werden die Sowjets bald ihre
Fähigkeit bei Abschüssen im Weltraum
um ein Drittel steigern können. Mit
der Produktion von SL-16 und SLVs vom
Typ SL-X-17 der Saturn V-Klasse (mit
einer Nutzlastkapazität von jeweils
über 15 000 und über 100 000 Kilo)
werden die Sowjets ihre Nutzlastkapazität in den kommenden Jahren verdoppeln.

Demographie und das sowjetische
Militär
Die militärischen Fähigkeiten der
Sowjets wurden sowohl durch das langsame Bevölkerungswachstum in den europäischen Republiken als auch durch
die damit verbundenen Veränderungen
in der ethnischen Zusammensetzung der
Bevölkerung beeinflußt. Der wichtigste Einzelfaktor mit Auswirkungen auf
die Truppenstärke des sowjetischen
Militärs ist die Zahl der verfügbaren
Wehrpflichtigen.
Die Zahl der Wehrpflichtigen in
der Sowjetunion sank zu Beginn der
achtziger Jahre rapide und erreichte
im Jahr 1987 ihren Tiefstand. Die
seit 1981 bei der Geburt von Kindern
gewährten Vergünstigungen werden bis
1999 die Zahl der verfügbaren Wehrpflichtigen leicht ansteigen lassen.
Darüber hinaus wird sich auch durch
strikte Kriterien bei der Zurückstellung vom Wehrdienst die Zahl der
Wehrpflichtigen leicht erhöhen.

Weitere Aussichten
Obwohl die Sowjets zugeben, daß
die Supermächte der Zukunft tragfähige Volkswirtschaften und Industrien
haben müssen, die technisch auf dem

- 10 -

�neuesten Stand sind, werden sie keineswegs das opfern, was sie als Sicherheitserfordernisse erachten. Obwohl das Militär angewiesen ist, den
zivilen Sektor bei seinen Umstrukturierungsbemühungen zu unterstützen,
besteht der vordringliche Auftrag des
militärischen Sektors weiterhin darin, das sowjetische Heer mit dem modernsten Waffensystemen auszurüsten.
Auch wenn Gorbatschows Modernisierungsprogramm
scheitern
sollte,
wird die nationale Sicherheit wichtigstes Ziel bleiben, und die Sowjets
werden bei Bedarf neue militärische
Programme auf Kosten der zivilen
Wirtschaft
verfolgen.
Sollten
Gorbatschows Programme jedoch Erfolg
zeitigen, wird sich der Westen im 21.
Jahrhundert einer wirtschaftlich, politisch, technologisch und militärisch erheblich stärkeren Sowjetunion
gegenübersehen.

KAPITEL IV

SOWJETISCHE STRATEGISCHE PROGRAMME
UND WELTRAUMSTREITKRAFTE
In den vergangenen zehn Jahren
haben die Sowjets für ihre offensiven
und defensiven strategischen Programme zu etwa gleichen Teilen Mittel im
Gegenwert von ca. 400 Milliarden Dollar bereitgestellt - für jedes Programm etwa 20 Milliarden Dollar pro
Jahr.
Für Weltraumprogramme belief
sich die Summe im gleichen Zeitraum
auf 80 Milliarden Dollar.
Seit 1981 wurden die sowjetischen
strategischen
Offensivstreitkräfte
kontinuierlich aufgestockt, nachdem
die Stationierung einer vierten Generation
von
Interkontinentalraketen
(ICBMs) (der SS-17, SS-18 und SS-19)
abgeschlossen war. Im Jahr 1987 wurde mit der Stationierung der schienengestutzten ICBMs vom Typ SS-24 begonnen.
Bei der sowjetischen, mit
ballistischen Raketen bestückten UBootflotte wurden die TYPHOON eingeführt, die mit 20 Raketen vom Typ
SS-N-20 (mit jeweils 20 Mehrfachgefechtsköpfen) ausgerüstet sind, unmittelbar gefolgt von der neuen DELTA
IV mit den noch moderneren SS-N-23.
Die Fähigkeiten sowjetischer Langstreckenbomber wurden durch die Einführung des - mit dem atomaren
Marschflugkörper AS-15 ausgestatteten
- Bombers vom Typ BEAR H verbessert.
Die Stationierung des neuen strategischen Langstreckenbombers BLACKJACK
steht unmittelbar bevor.
Im Bereich der strategischen Verteidigung modernisieren die Sowjets
ihr Raketenabwehrsystem um Moskau und
ersetzen 64 alte, nachladbare und
landgestützte
Abschußvorrichtungen
des Typs GAL0SH mit einer zweischichtigen Verteidigung, die sich aus silogestützten Abwehrflugkörpern längerer Reichweite - modifizierten GALOSH
-, silogestützten, schnell-beschleunigenden endoatmosphärisehen Abwehrflugkörpern des Typs GAZELLE und dem
neuen phasengesteuerten Radar vom Typ

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�PILL BOX bei Puschkino in der Nähe
von Moskau zusammensetzt. Diese Phase des Modernisierungsprogramms könnte Ende der achtziger Jahre abgeschlossen sein.
Im Weltraum haben die Sowjets ihre MIR-Weltraumstation in Umlauf gebracht, einen neuen Rekord beim bemannten Raumflug aufgestellt, die
Flugtauglichkeit eines Objekts erprobt, das wahrscheinlich ihr Weltraumflugzeug werden wird und einen
neuen Raumtransporter für mittlere
Nutzlasten vom Typ SL-16 disloziert.
Darüber hinaus haben die Sowjets ihr
Raumfahrzeug mit großer Trägerkapazität vom Typ SL-X-17 stationiert, das
eine Nutzlast von über 100 000 Kilo
transportieren kann. Vom SL-X-17 aus
kann eine sowjetische Raumfähre starten, die den Sowjets zufolge bereits
im Flug erprobt wurde.

Strategische Streitkräfte
Die Strategischen Raketenstreitkräfte (SRF) spielen bei den sowjetischen Streitkräften die wichtigste
Rolle. Zu ihnen zählen über 6 000
der insgesamt 10 000 nuklearen Gefechtsköpfe auf sowjetischen strategischen Waffen.

den das Kernstück des gegenwärtigen
strategischen Arsenals der Sowjets.
Sie können gehärtete Ziele wie etwa
ICBM-Silos
und
Kommandostützpunkte
zerstören. Diese Rakete - die größer
ist als das amerikanische Modell
PEACEKEEPER - ist im Laufe der letzten sieben Jahre modernisiert worden.
Der größte Teil der gegenwärtigen
Streitkräfte besteht aus SS-18 Mod 4
mit 10 MIRVs. Die SS-18 allein könnten mit zwei Gefechtsköpfen pro Ziel
65 bis 80 Prozent aller amerikanischen ICBM-Silos zerstören und dennoch 1 000 Gefechtsköpfe übrig behalten. Die SS-18 haben zusammengenommen etwa 3 000 Gefechtsköpfe.
Die Sowjets haben ferner ihre
beiden anderen ICBMs der vierten Generation, die SS-17 und SS-19, modernisiert.
Die SS-19 Mod 3 ist mit
sechs MIRVs ausgerüstet und der Größe
nach der amerikanischen Rakete vom
Typ PEACEKEEPER vergleichbar.
Die
SS-17 Mod 3 ist weniger zielgenau als
die SS-18, trägt vier Gefechtsköpfe
und kann ungehärtete Ziele treffen.
Sowohl die SS-17 als auch die SS-19
sind in der Wahl ihrer Ziele flexibel
- sie können mit insgesamt 2 700 Gefechtsköpfen sowohl eurasische als
auch Ziele in Übersee treffen und ermöglichen es damit den Sowjets, sich
der Situation anzupassen, die mit dem
INF-Vertrag geschaffen worden ist.

Entwicklung der ICBM-Streitkräfte
Von 1980 bis 1988 fand eine
schnelle Modernisierung und Weiterentwicklung des sowjetischen ICBM-Arsenals statt. Das sowjetische Arsenal ist aufgestockt, und einzelne Raketen sind durch neue Modelle mit
größerer Zielgenauigkeit und Überlebensfähigkeit ersetzt worden. Ständige Verbesserungen sind im Gange.
Bis Mitte der neunziger Jahre werden
die Sowjets eine völlig neue Generation zunehmend zielgenauer und vielfach mobiler Raketen disloziert haben, die eine größere Bedrohung für
die strategischen Streitkräfte der
Vereinigten Staaten bieten.
Schwere ICBMs vom Typ SS-18 bil-

Die Sowjets haben mit der Einführung einer fünften Generation von
ICBMs mit hohem Wurfgewicht und grosser Zielgenauigkeit begonnen.
Sie
benutzen Feststoff-Treibmittel (die
länger haltbar sind und eine geringere Wartung erfordern), sind vollständig mobil und damit sehr Uberlebensfähig. Die gegenwärtig in einer frühen
Entwicklungsphase
befindliche
SS-24 ist mit der amerikanischen
PEACEKEEPER
zu
vergleichen.
Sie
trägt zehn Gefechtsköpfe und ist sowohl auf der Schiene wie auch in Silos stationierbar.
Bis 1990 werden die Sowjets, wenn
sie ihre Modernisierungen im gegenwärtigen Tempo fortführen, in der La-

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�ge sein, 15 000 Gefechtsköpfe zu stationieren.
Darüber hinaus könnten
diese Waffen in den nächsten zehn
Jahren auf moderneren, fähigeren und
überlebensfähigeren
strategischen
Trägersystemen
montiert
werden.
Wahrscheinlich werden die Sowjets bis
Mitte der neunziger Jahre die dritte
Generation ihrer Raketen stufenweise
vollständig abgezogen haben, während
die vierte Generation durch gegenwärtig in der Entwicklung und Erprobung
befindliche Systeme ersetzt werden
wird. Das Nachfolgemodell der SS-18,
eine zielgenauere Version als das
Vorläufermodell, ist gerade erprobt
worden; Vorbereitungen für die Stationierung dieser Rakete sind im Gange.
Im Oktober 1987 protestierten
die Vereinigten Staaten gegen die offensichtliche Absicht der Sowjets,
das SS-18 Nachfolgemodell so zu erproben, daß seine Wiedereintrittsflugkörper in der Nähe der stark bevölkerten Insel Hawaii landen. Mobile SS-24 und SS-25 mit FeststoffTreibmittel sind voll einsatzfähig
und werden ihrerseits in den nächsten
zehn Jahren durch Nachfolgemodelle
ersetzt werden. Diese Modernisierung
wird sicherstellen, daß die sowjetischen ICBM-Streitkräfte die größte
und modernste strategische Streitmacht der Welt bleiben.

Entwicklungen bei den U-Boot-gestUtzten Raketen
In den vergangenen Jahren haben
die sowjetischen Seestreitkräfte zunehmendes Interesse am Nordpol als
militärisches Einsatzgebiet für ihre
nukleargetriebenen U-Boote (SSBN) gezeigt, mit denen die Sowjets die
Uberlebensfähigkeit
ihrer
U-Boot
Flotte verbessern wollen.
In jüngster Zeit haben die Sowjets die FUhrungs- und Kommunikationseinrichtungen ihrer Seestreitkräfte verbessert und ein Kommunikationsystem mit extrem niedrigen Frequenzen (ELF) disloziert, um die Kommunikation mit ihren SSBN zu gewährleisten. Neu stationierte Flugzeuge

vom Typ BEAR J sind ein zusätzliches
Mittel effektiver Kommunikation, da
sie Kommunikation auf sehr niedrigen
Frequenzen (VLF) mit kreuzenden SSBNs
bieten.
Die Sowjets könnten noch in diesem Jahr mit der Flugerprobung einer
modifizierten Version der Rakete des
Typs SS-N-20 auf See beginnen. Die
Erprobung einer modifizerten Version
der SS-N-23 wird möglicherweise im
Jahr 1988 abgeschlossen werden. Verbesserte Zielgenauigkeit der neuesten
sowjetischen
SLBM-Systeme
zusammen
mit möglichen Anstrengungen zur Vergrößerung des Wiedereintrittsflugkörpers der SLBM und Erhöhung der
Sprengkraft des Gefechtskopfs wären
eine Bestätigung für Moskaus Pläne
zum Ausbau seiner Fähigkeiten zur
Zerstörung gehärteter Ziele bei den
SLBM-Streitkräften. Die neue U-BootKlasse ALEXANDER BRYKIN wird diese
modernen Raketen auf SSBNs nachladen
können. Mit dieser Fähigkeit können
die sowjetischen SSBNs zusätzliche
Ziele gefährden.

Entwicklungen bei der strategischen
Luftfahrt
Jüngste sowjetische Anstrengungen
im Bereich der strategischen Luftfahrt, insbesondere bei den Langstreckenbombern der Typen BEAR H und
BLACKJACK, signalisieren ihr gesteigertes Interesse an einer Angriffsflotte bemannter Bomber, mit denen
ihre strategischen Streitkräfte vielfältigere Aufgaben wahrnehmen könnten.
Insgesamt sind elf Bomber des
Typs BLACKJACK gebaut worden, und das
erste BLACKJACK Regiment sollte sich
in diesem Jahr zu formieren beginnen.
Das Rückgrat der modernen sowjetischen Streitmacht von Interkontinentalbombern der achtziger Jahre
wird jedoch der mit luftgestützten
Marschflugkörpern des Typs AS-15/KENT
ausgerüstete BEAR H-Bomber bleiben.
Die Sowjets haben in ihrem Arsenal
100 weitere BEAR-Bomber und Transportflugzeuge für Luft-Boden-Raketen.

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�BEAR H-Bomber werden regelmäßig bei
simulierten Angriffen auf Nordamerika
beobachtet. Wenn der BLACKJACK-Bomber einsatzbereit ist, kann er ähnliche Einsätze fliegen.
Der gegenwärtige sowjetische Verband interkontinentaler Bomber ist
flexibler und überlebensfähiger als
je zuvor. Vor der jüngst erfolgten
Einführung der Marschflugkörper längerer Reichweite hätten sowjetische
Bomber zur Durchführung ihrer Angriffe in kanadischen oder amerikanischen
Luftraum eindringen müssen.
Jetzt
kann der BEAR H-Bomber seine AS-15
weit vor der Küste in Stellung bringen und dennoch Ziele in Nordamerika
treffen. Der BLACKJACK wird in der
Lage sein, Angriffe aus der Ferne und
im Luftraum selbst mit einer Vielfalt
von Nuklearraketen und Bomben durchzuführen.

Entwicklungen bei den Marschflugkörpern

Mittelstreckenraketen
Die Rolle sowjetischer Mittelstreckenraketen wird wahrscheinlich
angesichts des INF-Vertrages von anderen Systemen übernommen werden.
Der Vertrag verlangt die ersatzlose
Vernichtung aller existierenden Raketen und Abschußvorrichtungen in einem
Zeitraum von drei Jahren, einschließlich der ballistischen Raketen der
Typen SS-20, SS-4 und SS-5, ferner
der erprobten, aber nicht stationierten
Marschflugkörper
des
Typs
SSC-X-4. Nach Inkrafttreten des Abkommens könnten sich die Sowjets jedoch anderen strategischen ballistischen Raketen (ICBMs und SLBMs) sowie Flugzeugen und möglicherweise
seegestützten Marschflugkörpern zuwenden, um ihre strategischen Voraussetzungen
für
eurasische
Kriegsschauplätze zu schaffen.

Kurzstreckenraketen

Die Sowjets stehen kurz vor der
Entwicklung einer Reihe von modernen
Marschflugkörpersystemen.
Auf
See
haben sie die seegestützten Marschflugkörper (SLCM) des Typs SS-N-21
erprobt.
Eine Reihe sowjetischer
vielseitig einsetzbarer Angriffs-UBoote der Typen VICTOR, AKULA oder
SIERRA könnten die SS-N-21 transportieren und abschießen. Darüber hinaus ist ein mit Atomraketen bestücktes U-Boot der YANKEE-Klasse für den
Transport
von
Raketen
des
Typs
SS-N-21 umgerüstet worden. Mit diesen zielgenauen Raketen, die nukleare
Gefechtsköpfe tragen, könnten sowohl
Ziele auf eurasischen als auch auf
nordamerikanischen Kriegsschauplätzen
angegriffen werden. Die größere Rakete des Typs SS-NX-24, die von besonderen U-Boot-Plattformen wie etwa
einem U-Boot der YANKEE-Klasse transportiert werden könnten, wird wahrscheinlich in den nächsten Jahren
einsatzfähig.

Nukleare Kurzstreckenraketen mit
einer Reichweite von weniger als
1 000 Kilometern (SRINF) werden ebenfalls vom INF-Vertrag erfaßt. Insbesondere die Raketen der Typen SCALEBOARD und SS-23/SPIDER werden innerhalb von achtzehn Monaten nach Inkrafttreten des Vertrages abgebaut
sein. Obwohl der INF-Vertrag damit
die bedrohlichsten sowjetischen Nuklearwaffensysteme beseitigt, werden
die Sowjets eine mehr als ausreichende Fähigkeit erhalten, um ihren Landstreitkräften Unterstützung mit taktischen Nuklearwaffen zu leisten.

Strategische Verteidigung
In einer dramatischen Abkehr von
früheren Behauptungen, lediglich die
Vereinigten Staaten "militarisierten"
den Weltraum, räumte Generalsekretär
Gorbatschow am 30. November 1987 ein,
daß auch die Sowjetunion Forschungsvorhaben zur strategischen Verteidigung durchführt. Er erklärte: "Die
Sowjetunion tut dasselbe, was die
Vereinigten Staaten tun, und ich den-

- 14 -

�ke, wir führen eine Grundlagenforschung durch, die sich mit den Aspekten beschäftigt, die in den Vereinigten Staaten von SDI abgedeckt werden."

Radaranlagen (LPARs) zum Beispiel in
Krasnojarsk deuten darauf hin, daß
die Sowjets möglicherweise eine ABMVerteidigung ihres nationalen Territoriums vorbereiten.

Verteidigung mit ballistischen Raketen

Am 5. September 1987 erhielt eine
Delegation des amerikanischen Kongresses erstmalig die Gelegenheit zum
Besuch der Einrichtungen in Krasnojarsk, die den ABM-Vertrag verletzen.
Die Gruppe konnte bestimmte Bereiche
der Sende- und Empfangsstation besichtigen. Die bei diesem Besuch gewonnenen Erkenntnisse erhärteten die
Meinung, daß das Radar zur Erfassung
und Verfolgung ballistischer Raketen
bestimmt ist.

Die Sowjets haben das einzige
einsatzbereite
Raketenabwehr- oder
ABM-System der Welt, und ein im Jahre
1980 begonnenes und nun nahezu abgeschlossenes
Konstruktionsprogramm
wird ein erweitertes und modernisiertes System einer zweischichtigen Verteidigung mit 100 Abschußvorrichtungen hervorbringen. Wenn das System
im Jahr 1989 einsatzbereit wird, können mit seiner Hilfe bestimmte Führungskader und strategisch wichtige
Einrichtungen in der Umgebung Moskaus
geschützt werden.
Zum neuen ABM-System um Moskau
gehören zwei Abwehrflugkörper, eine
modifizierte
Abwehrrakete
längerer
Reichweite vom Typ GALOSH, mit der
Wiedereintrittsflugkörper (RVs) ausserhalb der Atmosphäre abgelenkt werden sollen und die hoch beschleunigende Rakete kürzerer Reichweite vom
Typ GAZELLE, mit der RVs nach ihrem
Wiedereintritt in die Erdatmosphäre
abgelenkt werden sollen.
Für die
neuen Abwehrflugkörper sind neue gehärtete Silos gebaut worden. Die modifizierten Raketen der Typen GALOSH
und GAZELLE werden wahrscheinlich im
Jahr 1988 oder 1989 einsatzbereit
sein.
Das große vielseitige phasengesteuerte Radar von Puschkino steht
kurz vor seiner Vollendung und ist
ebenfalls integraler Bestandteil des
neuen ABM-Systems um Moskau. Das Radar wird mit seinem Auffaßbereich von
360 Grad die neuen Abwehrflugkörper
unterstützen. Es soll etwa im Jahr
1989 voll einsatzfähig sein.
All diese Aktivitäten, wie auch
die um die Mitte der neunziger Jahre
erwartete Vollendung
des gesamten
Netzes der großen phasengesteuerten

Moderne Technologien für die strategische Verteidigung
Moskau hofft, daß die erheblichen
Investitionen in den Entwurf und Bau
von Hoch-Energielasern Lasersysteme
für die strategische Luftverteidigung, weltraumgestutzte Satellitenabwehr und möglicherweise Raketenabwehr
hervorbringen werden.
Die ersten
Prototypen-Systeme, von denen einige
nur eine begrenzte Einsatzfähigkeit
haben, könnten noch vor Ende des
Jahrzehnts
fertiggestellt
werden,
aber außer im Bereich der Luftverteidigung werden voll einsatzfähige Verteidigungssysteme auf keinen Fall vor
Ende der neunziger Jahre erwartet.
Die Sowjets könnten zu Beginn der
neunziger Jahre ebenfalls bodengestützte Laser für die Raketenabwehr
haben und gegen Ende der neunziger
Jahre mit der Erprobung eines Stationierungssystems in beschränktem Umfang beginnen.
Obwohl die Sowjets gegen Mitte
oder Ende der neunziger Jahre den
Prototyp
einer
Teilchenstrahlwaffe
erproben könnten, wird es einsatzfähige Systeme zur Zerstörung von Satelliten oder Raketen im Anflug nicht
vor dem 21. Jahrhundert geben.

- 15 -

Die

Sowjetunion

hat

ebenfalls

�Forschung für den Einsatz von Radiofrequenzwaffen
durchgeführt,
die
elektronische
Komponenten von Gefechtsköpfen auf ballistischen Raketen oder Satelliten abfangen oder
zerstören können. Eine landgestützte
Version einer solchen Waffe könnte in
den neunziger Jahren erprobt werden.

Passive Verteidigung
Die Hauptzielsetzungen des heute
bestehenden Programms zur passiven
Verteidigung sind:
Kontinuität und
gesichertes
überleben
der
sowjetischen Führungsspitze, Planungen für
eine wirkungsvolle Mobilisierung von
Arbeitskräften
und
Wirtschaft
im
Kriegsfall, Schutz der Industrieanlagen und der unerläßlichen Arbeitskräfte sowie Schaffung einer glaubwürdigen Fähigkeit zum Wiederaufbau.
Integraler Bestandteil sowjetischer
Programme zur passiven Verteidigung
sind Tausende von gehärteten Einrichtungen.
Eine besondere Rolle spielen dabei unterirdische Einrichtungen, in
denen die sowjetische Führungsspitze
vor den Auswirkungen eines Nuklearkrieges geschützt werden soll. Weder
Veränderungen in der sowjetischen
Führung noch die Umstrukturierung des
strategischen Gleichgewichts und die
mit diesem Wandel einhergehende Ausarbeitung der militärischen Doktrin
haben das Engagement für dieses Programm erschüttern können. Die Einrichtungen werden von einem sehr leistungsfähigen
Kommunikationssystem
unterstützt, das sich aus Geräten vor
Ort und ferngesteuerten Anlagen zusammensetzt und es der Führung gestattet, Befehle zu senden und Berichte zu empfangen.
Diese
Einrichtungen
verfügen
ebenfalls über sehr leistungsfähige
Überlebenssysteme, mit denen sich die
Insassen gegen chemische und biologische Angriffe schützen können. Die
Sowjets bereiten den Schutz ihrer
Führungsspitze besonders intensiv um
Moskau vor wegen dessen entscheiden-

der Rolle bei der Organisation im
Kriegsfall; ähnliche Programme gibt
es jedoch auch in anderen wichtigen
Städten.
Die immensen und anhaltenden Investitionen der Sowjets in Einrichtungen zum Schutz ihrer Führungsspitze deuten auf die Überzeugung der Sowjets hin, daß die Vorteile diese erheblichen Kosten aufwiegen.

Streitkräfte im Weltraum
Das anhaltende sowjetische Engagement im Weltraum wurde im Mai 1987
von Generalsekretär Gorbatschow bekräftigt: "Wir werden in unseren Bemühungen nicht nachlassen und unsere
Vormachtstellung bei der Eroberung
des Weltraums nicht aufgeben."
Die Sowjets haben gegenwärtig etwa 50 verschiedene Weltraumsysteme
für militärische und zivile Einsätze.
Dazu zählen bemannte Raumstationen
(MIR) und Satelliten zur Aufklärung,
Erfassung von Abschüssen, Navigation,
für metereologische Zwecke und zur
Kommunikation. Bei einigen Satellitensystemen haben die Sowjets eine
Monopolstellung, etwa bei RORSAT,
ELINT und EORSAT.
Um ihre eindrucksvolle Zahl von
100 Abschüssen pro Jahr aufrechtzuerhalten, verfügen die Sowjets über etwa zwanzig Abschußrampen und verwenden acht einsatzfähige Trägersysteme
für Nutzlasten. Ein neuntes Trägersystem vom Typ SL-X-17 befindet sich
in der Entwicklung und Erprobung.
Die hohe Abschußquote gestattet es
den Sowjets, eine zunehmende Zahl aktiver Satelliten in der Erdumlaufbahn
zu halten - im Jahr 1987 waren es 150
gegenüber 120 im Jahr 1982. Mindestens neunzig Prozent der sowjetischen Satelliten in der Erdumlaufbahn befinden sich dort zu militärischen Zwecken und unterstützen offensive oder defensive Einsätze.

- 16 -

�Neue Abschußsysteme für den Weltraum
Der Erfolg des sowjetischen Weltraumprogramms läßt sich weitgehend
auf den vielfältigen und zuverlässigen Bestand an Abschußvorrichtungen
für Weltraumträgersysteme (SLVs) und
die dazu gehörigen Einrichtungen zurückführen.
Ca. jeden dritten Tag
schießen die Sowjets einen Satelliten
ab und bedienen sich dabei eines der
acht Typen einsatzfähiger SLVs. Die
beeindruckende Fähigkeit der UdSSR,
verschiedene
Trägerraketen
abzuschießen und Nutzlasten in die Erdumlaufbahn zu bringen, würde den Sowjets im Krisenfall einen Vorteil
beim Einsatz militärischer Mittel
verschaffen.
Trotz ihrer gegenwärtigen Abschußfähigkeit erweitern die Sowjets
das Arsenal ihrer SLVs mit neuen erweiterungsfähigen
Abschußvorrichtungen und wiederverwendbaren bemannten
Raumfahrzeugen.
Die
Stationierung
der SL-16 aus der TITAN-IIlC-Klasse
mit mittlerer Trägerkapazität und der
schweren SL-X-17 der SATURN-V-Klasse
wird die Nutzlastkapazität der Satelliten erhöhen, die von den Sowjets
in Erdumlaufbahnen gebracht werden
können.

Die SL-16 kann eine Nutzlast von
mehr als 15 000 Kilogramm in eine
erdnahe Umlaufbahn bringen.
Mit der Einführung der SL-16 und
SL-X-17 und dem erwarteten verstärkten Einsatz der SLV vom Typ SL-12 und
SL-13 können die Sowjets die von ihnen in den Weltraum transportierten
Nutzlasten erheblich erhöhen.

Weitere Aussichten
Auch wenn ein Vertrag zum Abbau
der strategischen Waffen unterzeichnet und ratifiziert wird, werden die
Sowjets weiterhin ihre strategischen
Nuklearwaffen, insbesondere im Hinblick auf Zielgenauigkeit, Mobilität
und Überlebensfähigkeit, verbessern.
Bestrebungen
in den Bereichen
Forschung und Entwicklung deuten darauf hin, daß die Sowjets den Weltraum
für offensive und defensive Zwecke zu
nutzen beabsichtigen. Wenn sich die
gegenwärtigen Tendenzen fortsetzen,
sind es militärische Voraussetzungen,
die das Weltraumprogramm

steuern.

Am 15. Mai 1987 haben die Sowjets
die erste Flugerprobung der SL-X-17
durchgeführt, der
sie den Namen
"Energiya" gaben.
Sie haben offen
erklärt, daß "Militärexperten an der
Herstellung und Erprobung der neuen
Abschußvorrichtung mitgewirkt haben."
Die SL-X-17 wird benutzt, um die
sowjetische Raumfähre als eine ihrer
Nutzlasten
abzuschießen.
Mögliche
Nutzlasten der SL-X-17 wären Module
für eine große Weltraumstation, Komponenten für bemannte und unbemannte
interplanetarische Missionen und möglicherweise ASAT und Waffen zur Verteidigung gegen ballistische Raketen
sowie andere Komponenten des strategischen
Verteidigungsprogramms
der
Sowjets.
- 17 -

der

Sowjets

�- Mehr als 20 Kriegschiffe (von
Flugzeugträgern bis zu Zerstörern),
einschließlich
zweier
Flugzeugträger der KIEV-Klasse,
ergänzen den Bestand.

KAPITEL V
DIE SOWJETISCHEN KONVENTIONELLEN
STREITKRÄFTE

In diesem Jahrzehnt sind bei
keinem Teil der sowjetischen Militärmacht tiefgreifendere Verbesserungen
vorgenommen worden als bei den konventionellen
Streitkräften.
Die
nachfolgend aufgeführten Modernisierungen sind für die allgemeine Aufrüstung bei der konventionellen Streitkräften repräsentativ:
- Die Anzahl der wichtigsten Kampfpanzer der Typen T-64 und T-72
ist stetig gestiegen, und der Bestand ist um den neuen T-80 und
in den letzten Jahren um ein
Nachfolgemodell des T-72 erweitert worden.
- Gezogene Artillerie und Granatwerfer werden zunehmend durch Artillerie auf Selbstfahrlafetten
ersetzt, von denen alle auch für
chemische Salven geeignet sind,
während solche mit 152 mm oder
mehr nukleare Salven feuern können.
- Die Anzahl der Kampfflugzeuge und
Kampfbomber, zu denen jetzt die
modernen MiG-29/FULCRUM und die
MiG 31/FOXHOUND sowie die Su27/FLANKER und die S-24/FENCER
zählen, hat sich um 38 Prozent
erhöht.
- Der Aufklärer I1-76/MAINSTAY ist
jetzt einsatzfähig und verbessert
die sowjetische Frühwarnfähigkeit
und KampffUhrung.
- Verschiedene
Waffensysteme
für
die Luftverteidigung sind disloziert worden, einschließlich der
in jeder Höhe fliegenden BodenLuft-Raketen der Typen SA-10 und
SA-12. Beide sind mobil und haben die Fähigkeit zur Abwehr von
Raketen
(Marschflugkörpern
und
einigen ballistischen Raketen).

- Sieben neue Klassen vielseitig
einsetzbarer U-Boote sind hinzugekommen.
Wichtige Entwicklungen bei den
sowjetischen konventionellen Streitkräften betreffen:
-

Kriegschauplatzgebundene
strategische Einsätze sowie die nuklearen und nichtnuklearen Streitkräfte, die im Verbund operieren
können,

- Landstreitkräfte, zu denen jetzt
211 aktive Divisionen und Tausende von verbesserten Waffensystemen zählen,
- Konventionelle
Luftstreitkräfte,
die umstrukturiert und mit verschiedenen Modellen moderner neuer Flugzeuge ausgestattet worden
sind,
- Seestreitkräfte und Marineflieger, die verschiedene neue Waffensysteme eingeführt und damit
die Feuerkraft auf jedem Schiff
und jedem U-Boot erheblich erhöht
haben,
- Tendenzen bei allen Streitkräften, zu denen ein gewaltiges Netz
von Führungs- und Kommunikationseinrichtungen zählt, eine hohe
Einsatzbereitschaft, ein umfassendes System zur Mobilisierung
von Soldaten und Gerät und eine
Infrastruktur für die Logistik
und Durchhaltefähigkeit, mit denen
mannigfaltige
strategische
Offensiven
unterstützt
werden
können.

�Krlegschauplatzgebundene strategische Einsätze
Ein wichtiger Teil der sowjetischen Reaktion auf Veränderungen
bestand in der Entwicklung kriegsschauplatzgebundener
strategischer
Einsätze. Dieses Konzept liefert einen Rahmen für die Integration von
Streitkräften und für eine Strategie,
die darauf abzielt, einen schnellen
nichtnuklearen, oder - falls vom
Feind erzwungen - einen Einsatz mit
verbundenen Waffen auf einem Kriegsschauplatz (TVD) zu führen.
Trotz der seit 1980 vorgenommenen
Verbesserungen ihrer Doktrin, Organisation und dem Gerät wird in jüngsten
sowjetischen Veröffentlichungen die
Sorge deutlich, daß man nicht in der
Lage sein könnte, unmittelbar offensive Einsätze zu beginnen. Der in
diesem Zusammenhang betonte Faktor
ist die zunehmende Bedeutung eines zu
Beginn ausgeführten Verteidigungseinsatzes.
Eine hiermit in Zusammenhang stehende Veränderung der Doktrin liegt
in der zunehmenden Besorgnis der Sowjets, sie könnten einen Gegner nicht
mehr in einem kurzen, schnellen offensiven Einsatz von einigen Wochen
Dauer
besiegen.
Ein
zukünftiger
Krieg könnte vielmehr eine Folge von
Einsätzen sein, die über einen längeren Zeitraum erfolgen, was teilweise
auf die gewaltigen Ressourcen der
heute bestehenden Bündnisse zurückzuführen ist. Die jüngsten Konflikte
im Nahen Osten und im SUdatlantik
deuten auf die zu erwartenden enormen
Verluste an Soldaten und Gerät hin
und betonen die zunehmende Bedeutung
strategischer Reserven.

Landstreitkräfte
Die sowjetischen Landstreitkräfte
halten den größten Anteil bei den gesamten
sowjetischen
Streitkräften.
Beim Gerät verfügen die sowjetischen
Landstreitkräfte
zum
gegenwärtigen
Zeitpunkt über 53 000 Kampfpanzer,

60 000
Panzerfahrzeuge
(APC/IFV),
48 000 Artilleriegeschütze, Granatwerfer
und
Mehrfachraketenwerfer
(MRL), 4 600 Abschußvorrichtungen für
Boden-Luft-Raketen (SAM) (ausschließlich Tausender tragbarer Systeme),
7 000
Teile
Flugabwehr-Artillerie
(AAA), 1 600 Abschußvorrichtungen für
Boden-Boden-Raketen (SSM), 4 500 Hubschrauber und mehr als 1 900 000 Soldaten.
Die Zahl der bei den sowjetischen
Landstreitkräften vorhandenen neueren
Kampfpanzer der Typen T-64, T-72 und
T-80 steigt ständig und die bei den
Einheiten an der Front eingesetzten
älteren Typen T-54/55 und T-62 werden
zunehmend ersetzt.
Zusätzlich wird
jetzt ein neuer sowjetischer Panzer
auf der Basis des T-72 mit besserem
Schutz, verbesserter Mobilität und
mehr Feuerkraft eingesetzt. Moderne
Panzer umfassen jetzt etwa 40 Prozent
der Streitkräfte. Gleichzeitig führen die Sowjetunion und ihre Verbündeten im Warschauer Pakt Programme
durch, im Rahmen derer ältere Panzer
etwa mit neuen Waffen aufgerüstet
werden und eine neue Panzerung erhalten, um ihren Schutz gegen neue Präzisionswaffen des Westens zu verbessern.
Zusätzlich zu diesen Modernisierungen wird jetzt von den Sowjets die
neue tragbare, von der Schulter aus
abzufeuernde SAM vom Typ SA-16 eingesetzt, die ältere SA-7 und SA-14 ergänzt oder ersetzt. Die Einführung
zweier neuer Angriffshubschrauber der
Typen HAVOC und HORKUM wird in Kürze
erwartet.
Konventionelle Luftstreitkräfte
Die wichtigste Entwicklung im Bereich der SAM war in diesem Jahrzehnt
die Stationierung der SA-10, die ihre
Einsatzfähigkeit
erstmals
in Jahr
1980 erlangte. Die noch fähigere für
jede Höhe geeignete SA-X-12B/GIANT
wird bald einsatzbereit sein und damit die sowjetische strategische Verteidigung zusätzlich stärken.

- 19 -

�Es wird erwartet, daß die Sowjets
Mitte der neunziger Jahre zwei neue
Jäger produzieren werden - einen offensiven Luftabwehr-Jäger, den LuftUberlegenheitsjäger (ASF) und einen
defensiven Abfangjäger (CAF). Beide
Flugzeuge sollen bis 1990 einsatzbereit sein.
Die sowjetischen Luftstreitkräfte
sind mit einer zunehmenden Zahl von
Frühwarnsystemen des Typs MAINSTAY
ausgerüstet worden, und bis zum gegenwärtigen Zeitpunkt wurden mehr als
ein Dutzend produziert. Das MAINSTAY
hat sowohl eine luftgestützte Radarplattform zur Auffindung von Zielen
auf niedriger Höhe als auch die Fähigkeit, bei der Luftabwehr eingesetzte Abwehrraketen auf Ziele außerhalb der Reichweite landgestützter
Systeme zu lenken. Die Kombination
von MAINSTAY und Abwehrraketen längerer Reichweite wie etwa der F0XH0UND
geben den Sowjets erstmals die Fähigkeit, ihre strategische Luftverteidigung weit über die Grenzen der Sowjetunion hinaus einzusetzen.
Mit
dem MAINSTAY sind die Sowjets ferner
in der Lage, über dem TVD eine
Schlacht in der Luft zu führen.

Seestreitkräfte
Ein wichtiger Bestandteil der sowjetischen Stärke auf See sind die
vieseitig einsetzbaren U-Boot-Streitkräfte - die größten der Welt. Heute
zählen dazu etwa 300 aktive Einheiten, von denen etwa die Hälfte nukleargetrieben ist. Die jüngsten sowjetischen Konstruktionspläne betonen
die

Verbesserung

des Geräuschpegels,

der Geschwindigkeit, Waffenvielfalt
und den Einsatz modernster Technologie. Im Jahr 1984 wurde die Spitzeneinheit einer zweiten Klasse von
VICTOR III Verfolgungsschiffen, die
SSN der AKULA-Klasse eingeführt. Die
mit erheblich verbesserter Technologie zur Geräuschdämpfung ausgerüstete
AKULA gilt als das fähigste AngriffsU-Boot der sowjetischen Marine.
Die

sowjetische

Marine

ist um-

fangreicher, besser ausgerüstet und
in bezug auf ihre Struktur und Fähigkeiten ausgewogener als jemals zuvor,
wenn es darum geht, den Anforderungen
eines konventionellen oder nuklearen
Krieges auf nahezu jeder Ebene gerecht zu werden. Es Ist zu erwarten,
daß die Sowjets die zunehmende Fähigkeit ihrer vielseitig einsetzbaren
Marine stärker betonen und weiterhin
die traditionelle Vorherrschaft des
Westens auf den offenen Meeren herausfordern werden.

Aussichten für die vielseitig einsetzbaren sowjetischen Streitkräfte
Die konventionellen Streitkräfte
der Sowjets werden im Hinblick auf
ihren Umfang, ihre Fähigkeiten und
ihre Mobilität weiterhin wachsen.
Trotz ihrer erklärten Politik eines
"vernünftigen und ausreichenden Niveaus" werden die Sowjets ihre konventionellen und taktischen Streitkräfte weiterentwickeln, um bei einem
weltweiten Konflikt in höchstem Maße
offensive Strategien anwenden zu können.
Ihrer Auffassung zufolge könnten anhaltende Entwicklungen bei den
NATO-Streitkräften ihre Fähigkeit zur
Durchführung einer Offensive herausfordern. Die anhaltenden, komplexen
und todbringenden Einsätze bei einer
schauplatzgebundenen Kriegführung erfordern ihrer Meinung nach verbesserte Durchhaltefähigkeit, umfangreiche
Streitkräfte und leistungsfähige Führungs- und
Kommunikationseinrichtungen. Die Sowjets werden alle notwendigen Entwicklungen bei der Streitkräftestruktur und Innovationen für
Taktik und Einsatz vornehmen, um sicherzustellen, daß sie ihre Ziele im
strategischen Bereich erreichen.

Allgemeine Tendenzen bei den Streitkräften
Die Sowjets richten ihre Aufmerksamkeit in verstärktem Maße auf funkelektronische
Kampfführung
(REC),
Einsatzbereitschaft, ein System zur
Mobilisierung, Logistik und Durchhal-

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�tefähigkeit, insbesondere die Logistik bei den Land-, Luft- und Seestreitkräften, Mobilität und den Ausbau ihrer Luftbrücke, wobei der im
Jahr 1987 erfolgte erstmalige Einsatz
des Transportflugzeuges CONDOR hervorzuheben ist.

Weitere Aussichten
Die in den achtziger Jahren auf
allen Ebenen erfolgte Modernisierung
der
sowjetischen
konventionellen
Streitkräfte, einschließlich Panzern,
Artillerie,
Kampfflugzeugen
sowie
Oberwasser- und Unterseekampfschiffen
stellt eine echte Revolution der militärischen Fähigkeiten der Sowjets
dar.
Der Umfang und die Bedeutung
dieser Programme wird noch in den
nächsten zehn Jahren Auswirkungen
zeitigen. Mit der zunehmenden Genauigkeit der Trägersysteme und der
größeren
Sprengkraft
verbesserter
konventioneller Munition werden auch
die taktischen und strategischen Einsätze auf konventioneller Ebene an
Bedeutung gewinnen.

KAPITEL VI

DAS STRATEGISCHE GLEICHGEWICHT
Ein klares Bild des strategischen
Gleichgewichts ergibt sich nicht allein durch Auszählen der Systeme der
jeweiligen Seite, sondern eher durch
eine Auswertung der kompensatorischen
Reaktion. Unter bestimmten Umständen
kann eine Seite der destabilisierenden offensiven Stationierung eines
Gegners eigene Dislozierungen entgegenstellen - offensive, defensive
oder eine Kombination von beidem.
Das Strategische Modernisierungsprogramm der Vereinigten Staaten und die
Strategische
Verteidigungsinitiative
(SDI) sind die Antwort auf die Herausforderung durch massive und anhaltende atomare Aufrüstung der Sowjetunion in den siebziger Jahren. Es
erscheint daher angebracht, diese
Programme als Reaktion auf sowjetische Initiativen zu betrachten, die
auf eine Aushöhlung der amerikanischen nuklearen Abschreckung abzielen. Ein solcher Ansatz führt zu einer realistischeren Bestandsaufnahme
der strategischen Modernisierung bis
hin zur Wiederherstellung und Wahrung
des
strategischen
Gleichgewichts.
Nachfolgend einige Beispiele der derzeitigen und vorgesehenen amerikanischen Programme:
- Das als Reaktion auf die sowjetischen Vorteile verbesserte Potential
amerikanischer
Raketen
zur schnellen Zerstörung gehärteter Ziele wird durch die erhöhte
Zielgenauigkeit und Eindringfähigkeit der amerikanischen Systeme mit Luftstrahltriebwerk, insbesondere der luftgestUtzten und
fortschrittlichen
Marschflugkörper des Typs B-1B, ergänzt. Mit
Hilfe dieser Verbesserungen läßt
sich eine wirksame Vergeltung gegen sowjetische Silos unter allen
Kriegsbedingungen und angesichts
technologischer Innovationen führen.
Die sowjetische Führung
mißt den Interkontinentalraketen
(ICBM) bei der Verwirklichung ih-

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�rer strategischen Ziele beträchtliche Bedeutung bei. Wenn die
Vereinigten Staaten diesen Systeme keine glaubwürdige Vergeltungsdrohung
entgegenstellen,
würde die amerikanische Abschrekkung unterminiert und das Vertrauen der sowjetischen Führung
verstärkt, ihr Ziele erreichen zu
können.
Die Sowjets versuchen, die ICBMUberlebensfähigkeit
durch
die
Stationierung von straßenmobilen
SS-25 und schienengestutzten, mit
Mehrfachgefechtsköpfen bestückten
SS-24 sicherzustellen. Die Pläne
der Vereinigten Staaten zur kompensatorischen Reaktion erstrekken sich auf verbesserte Sensoren
und Fähigkeiten zur Neufestlegung
von Zielen zum Auffinden und Angriff mobiler sowjetischer Ziele.
Der B-2 ATB und andere in der
Entwicklung
befindliche
System
sollen bei dieser Aufgabe eine
entscheidende Rolle spielen.
Die Flotte der sowjetischen nukleargetriebenen
Unterseeboote
(SSBN) wird durch die Stationierung der zielgenaueren SS-N-20
mit großer Reichweite und von unterseebootgestutzten
ballistischen Raketen (SLBM) des Typs
SS-N-23 sowie durch die ausgereifteren und geräuschärmeren Unterseeboote
der
DELTA
IVund
TYPOON-Klasse
verstärkt.
Eine
verbesserte Version der SS-20-N
befindet sich wahrscheinlich im
Entwicklungsstadium.
Der
SLCM
längerer Reichweite vom Typ SSN-21 ist bereits einsatzreif, und
die Sowjets erproben einen weiteren neuen Marschflugkörper längerer Reichweite, den SS-NX-24.
Die kompensatorischen Reaktionen
der Vereinigten Staaten beinhalten nicht nur ein wirksames Programm zur U-Boot-Bekämpfung, mit
dem das Aufspüren und Ausschalten
sowjetischer U-Boote verbessert
wird sowie ausgereiftere Sensoren
zum Auffinden der SLBM-Abschußvorrichtungen, sondern auch die

vorgesehene Stärkung der amerikanischen Luftverteidigung.
- Die Sowjets setzen die Stationierung des neuen, mit modernen
ALCMs bestückten BEAR H-Bomber
fort und entwickeln einen anderen
Interkontinentalbomber,
den
BLACKJACK. Die Vereinigten Staaten reagieren darauf mit der Verbesserung ihrer Luftverteidigung
durch die Stationierung von überhorizontalen Zielerfassungssystemen mit Rückstreuung (OTH-B) und
Modernisierung der Frühwarnsysteme großer Reichweite mit dem
Nordwarnsystem (NWS). Die Kombination von OTH-B und NWS stellt
das Ausmachen sowjetischer ALCMs
und
ihres Trägerflugzeugs bei
Reichweiten sicher, die der Nationalen Kommandostelle (NCA) genügend Zeit zur Entscheidungsfindung und den amerikanischen Offensivstreitkräften Zeit zu Uberlebensaktionen läßt. Das Technologieprogramm der Luftverteidigungs-Initiative ist der Schlüssel zur Entwicklung von Technologien zur Bekämpfung zukünftiger
Generationen
der
sowjetichen
Luftbedrohung.
- Die Bekämpfung der sowjetischen
Überlegenheit bei der Luftverteidigung stellt eine besondere Herausforderung dar.
Die Reaktion
der Vereinigten Staaten erstreckt
sich zum gegenwärtigen Zeitpunkt
auf die durch den ALCM und den
B-1B erreichte verbesserte Eindringfähigkeit sowie auf die vorgesehene Stationierung der Angriffsrakete
kurzer
Reichweite
(SRAM II), den ACM und B-2.
Für die unmittelbare Zukunft erscheint die vorgesehene Modernisierung amerikanischer Offensivstreitkräfte und Uberwachungssysteme ausreichend zur Aufrechterhaltung einer
starken Abschreckung gegen einen sowjetischen Nuklearangriff auf die
Vereinigen Staaten und ihre Verbündeten. Die Sowjets streben die Fähigkeit an, Offensivschläge mit Vertei-

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�digungsvorbereitungen zu verbinden,
um so den Schaden erheblich zu begrenzen, den ein amerikanischer Vergeltungsschlag
verursachen
könnte.
Um zu gewährleisten, daß die Sowjets
dieses Ziel in absehbarer Zukunft
nicht verwirklichen, ist es unabdingbar, daß das Strategische Modernisierungsprogramm bis zu seiner logischen
Vollendung fortgesetzt wird. Man muß
sich vor Augen zu führen, daß die
einzelnen Bestandteile dieses Programms
darauf
ausgerichtet
sind,
nicht nur vergangene und gegenwärtige
Mängel zu beheben, sondern auch die
vorgesehenen sowjetischen Pläne der
Unterminierung
des
strategischen
Gleichgewichts zu vereiteln.
Die Sowjets besitzen zur strategischen Verteidigung ca. 2 000 Abfangjäger (die Vereinigten Staaten
dagegen 300), 7 000 Radars zur strategischen Luftverteidigung (die Vereinigten Staaten 118) und über 9 000
Abschußvorrichtungen für Boden-LuftRaketen ebenfalls zur strategischen
Luftverteidigung
(die
Vereinigten
Staaten besitzen keine solche). Mitte der siebziger Jahre bauten die
Vereinigten Staaten den einen im Rahmen des ABM-Vertrages erlaubten Stationierungsort für ABM-Systeme ab;
die Sowjetunion hat ihren Stationierungsort beibehalten und Ausbau und
Modernisierung dieses Geländes nahezu
beendet.
Das amerikanische SDI-System ist die unerläßliche Reaktion
auf diese aktiven sowjetischen Bestrebungen im Bereich der strategischen Verteidigung; von noch größerer Bedeutung ist jedoch, daß SDI
langfristig gesehen eine stabilere
und sicherere Basis der Abschreckung
verspricht.
Das SDI-Programm macht beträchtliche Fortschritte bei der Entwicklung von Technologien, die eine Verteidigung gegen ballistische Raketen
ermöglicht.
Wenn diese Bemühungen
Erfolg haben, brauchen die Vereinigten Staaten sich nicht mehr ausschließlich auf strategische Offensivkräfte verlassen. In dem Maße, in
dem diese Art von Verteidigung bal-

listische Raketenstreitkräfte außer
Gefecht setzt, würde ein jeglicher
Versuch der sowjetischen Führung zum
Einsatz
ihrer
Offensivstreitkräfte
vereitelt, nicht nur aufgrund ihrer
Berechnungen über Aussichten und Wirkung der amerikanischen Vergeltung,
sondern aufgrund der Annahme, daß ihr
Angriff das militärische Ziel nicht
erreichen würde.
Ziel der Sowjets ist eine modernisierte Verteidigung bis hin zur Erforschung einer Vielzahl von Technologien, die bereits im Rahmen des
amerikanischen SDI-Programms entwikkelt werden.
Ihr auf ballistische
Raketen gestütztes Verteidigungsprogramm hat gegenüber SDI gewisse Vorteile. Erstens war die sowjetische
Führung lange Zeit von der Bedeutung
defensiver Streitkräfte für ein ausgewogenes militärisches Einsatzkonzept überzeugt und die sowjetische
Militärdoktrin mißt der strategischen
Verteidigung eine Schlüsselrolle bei.
Zweitens haben die Sowjets durch
die Modernisierung des Moskauer ABMSystems eine hervorragende Infrastruktur zur Abwehr ballistischer Raketen erhalten. Dank dieser Infrastruktur verfügt die Sowjetunion über
aktive Raketenabfangjäger und RadarProduktionsstätten, operative Erfahrung mit ABM-Systemen und deren wechselseitigen Einsatz mit strategischen
Offensivstreitkräften,
sowie
einen
Kader von ABM-Personal.
Drittens gestatten raumgreifende
sowjetische
Verteidigungsbemühungen
umfassende und intensive Programme
mit einer Vielzahl konkurrierender
Technologien.
Mit diesen entscheidenden Bestrebungen erzielen die Sowjets beträchtliche Vorteile bei der
Erforschung von Verteidigungsoptionen
der Zukunft.
Diese Vorteile sowie
die ihnen zugrundeliegenden Programme
werfen das SDI-Programm der Vereingten Staaten um Jahre zurück.
Das
amerikanische
Strategische
Modernisierungsprogramm wird zusammen
mit SDI die Fähigkeit zur Abwehr von

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�Angriffen stärken, die Krisenstabilität verbessern und einen Anreiz für
die Sowjets darstellen, einen entsprechenden Rüstungsabbau vorzunehmen
und dadurch die Sicherheit der Vereinigen Staaten und ihrer Verbündeten
erhöhen.
Die truppenübergreifenden
Verbesserungen der amerikanischen nuklearen Abschreckung haben die Chancen für gerechte und verifizierbare
Rüstungsbegrenzungen erhöht, da sie
Zeichen amerikanischer Entschlossenheit sind und den Vereinigten Staaten
gestatten, aus einer Position der
Stärke heraus zu verhandeln. Die eskalierende Natur der sowjetischen Bedrohung und die Auswirkungen der sowjetichen Aktionen auf das strategische Gleichgewicht erfordern jedoch
die Aufrechterhaltung von Fähigkeiten
und Glaubwürdigkeit der strategischen
Abschreckung der Vereinigten Staaten.

KAPITEL VII

REGIONALE UND FUNKTIONALE GLEICHGEWICHTE
Eine umfassende Bestandsaufnahme
des
Kräfteverhältnisses
erfordert
eine vergleichende Analyse amerikanischer und sowjetischer Fähigkeiten
über das gesamte Spektrum eines Konflikts hinweg. Hierbei werden entsprechende Streitkräfte wie Panzer
und Panzerabwehr, Flugzeuge und Flugzeugzabwehr verglichen, um die relativen Stärken und Schwächen auszumachen. Die Strategien, Einsatzkonzepte, Einsatzbereitschaft sowie eine
Fülle nicht quantifizierbarer Faktoren betreffen die zukünftigen Komponenten des Kräfteverhältnisses.

Nichtstrategische Nuklearstreitkräfte
Nuklearwaffen mit einer Reichweite von weniger als 5 500 Kilometern
werden häufig als Nichtstrategische
Nuklearstreitkräfte
(NSNF) bezeichnet.
In der Regel werden sie auf
oder um das ihnen zugewiesene Gefechtsfeld stationiert. In der NATO
bilden die NSNF das Bindeglied zwischen den konventionellen Streitkräften und der nuklearen Abschreckung
des Bündnisses.
Seit 1981 sind fünf einschneidende Veränderungen bei den NSNF zu beobachten. Erstens die Stationierung
von Pershing II und GLCMs durch die
NATO als Reaktion auf die sowjetische
Dislozierung von SS-20-Mittelstrekkenraketen. Gleichzeitig wurden die
Verhandlungen über den Abbau dieser
und
anderer
Mittelstreckensysteme
fortgesetzt.
Zweitens begannen die Sowjets mit
der Modernisierung anderer Raketensysteme und ersetzten den SCUD durch
die SS-23, ein moderneres System längerer Reichweite und größerer Zielgenauigkeit.
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�Drittens faßten die Außenminister
der NATO im Jahr 1983 in Montebello
den Beschluß, den nuklearen Bestand
der NATO um 1 400 Gefechtsköpfe zu
reduzieren.
Gleichzeitig
wurden
Schritte zur Modernisierung und Verbesserung
der
Uberlebensfähigkeit
verbleibender Trägersysteme unternommen.
Die Verwirklichung der Verpflichtung von Montebello zur Modernisierung der genannten Systeme muß
weiterhin vorrangiges Ziel des Bündnisses bleiben.
Die vierte größere Veränderung
betrifft die erhöhte Zahl von Nachladeflugkörpern, die von den Sowjets
anstelle ihrer Abschußvorrichtungen
für Raketen kürzerer Reichweite (weniger als 500 Kilometer) an der vorderen Front stationiert wurden. Diese Raketensysteme sind nicht vom INFVertrag betroffen.
Die fünfte entscheidende Veränderung der NSNF-Kategorie ist die Nuklearfähigkeit der sowjetischen Artillerie. Die allgemeine Tendenz bei
NSNF ging dahin, die gefechtsfeldgebundene Nuklearfähigkeit
des Warschauer Pakts soweit aufzustocken,
daß er heute über eine beträchtlich
größere Fähigkeit in dieser Kategorie
verfügt als die NATO, unabhängig von
den asymmetrischen Reduzierungen, die
sich aus dem Abbau der INF-Waffenkategorie ergeben werden.

Luftstreitkräfte
In den vergangenen Jahren haben
die Sowjets durch die Modernisierung
ihrer Luftstreitkräfte mit Bombern,
Jagdbombern, Kampfflugzeugen und Abfangjägern, die über ebensolche Fähigkeiten verfügen wie die FrontLuftstreitkräfte der NATO die Bestrebungen der NATO in diesem Bereich zunichte gemacht. Eine Übersicht über
die Modernisierung der sowjetischen
Luftstreitkräfte zeigt ferner, daß
die Sowjets bis weit in die neunziger
Jahre Flugzeuge wie die MiG-29 und
Su-27 mit denselben Fähigkeiten wie
die Front-Kampflugzeuge der NATO dis-

lozieren werden.
Aller Voraussicht
nach werden sie ihre Luftrauraüberwachung-Abfangfähigkeit durch die Stationierung einer größeren Zahl ihrer
Version des AWACS, des MAINSTAY, verbessern. Ferner zeigt Moskau zunehmend Interesse an Luftbetankungsfähigkeiten, einschließlich der Entwicklung des neuen MIDAS-Panzerflugzeugs, das den Kampfradius ihrer
Luftstreitkräfte potentiell erhöht.
Während die Tendenzen beim Kräfteverhältnis in der Luft nicht so ungünstig erscheinen wie an Land, stellen sie doch eine ernsthafte Bedrohung der NATO durch den Warschauer
Pakt dar, deren Ausmaß noch zunehmen
kann.

Landstreitkräfte
An Land befindet sich die NATO
nach wie vor im Nachteil. Die Modernisierungsbestrebungen des Bündnisses
in den vergangenen sieben Jahren haben jedoch vor allem bei Panzern,
Schützenpanzern und Artillerie den
Warschauer
Pakt davon abgehalten,
seinen Vorteil beim Streitkräftepotential an unmittelbar verfügbaren am
Kriegsschauplatz
stationierten
und
mobilen Streitkräften beträchtlich zu
vergrößern. Die Situation eines annähernden Gleichgewichts bei anderen
Kategorien wie kriegsschauplatzgebundenen Nuklear- und Luftstreitkräften
verschärft den Nachteil der NATO bei
den Landstreitkräften erheblich und
macht ihn damit zum vorrangigen Problem für den Westen.

Durchhaltefähigkeit
Die Durchhaltefähigkeit der Truppen im Kampf ist für das militärische
Gleichgewicht von ebenso großer Bedeutung wie deren Struktur, Ausbildung und Stationierung.
In dieser
komplexen Kategorie sind zwei Bereiche von besonderer Bedeutung: Munitionsbestand und Unterstützungsinfrastruktur. Im Hinblick auf den Munitionsbestand hat die NATO seit den

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�siebziger Jahren einige Fortschritte
erzielt.
Auch der Warschauer Pakt
hat die Durchhaltefähigkeit verbessert, wie durch die erhöhte Munitlonslagerungsfä'higkeit nicht nur in
Osteuropa, sondern auch in den rückwärtigen westlichen Militärdistrikten
der Sowjetunion belegt wird. Als Ergebnis hätten die Streitkräfte des
Warschauer Pakts auf den westlichen
TVDs derzeit ausreichend Munition, um
60 oder 90 Tage währende Offensivoperationen zu unterstützen.

Einsatzkonzepte
Die achtziger Jahre waren sowohl
für die NATO als auch den Warschauer
Pakt eine Phase der Neubewertung von
Doktrin und Einsatzkonzepten.
Die
NATO machte sich die Strategie des
Angriffs der nachfolgenden Streitkräfte (FOFA) als Teil einer Verteidigungsstrategie zu eigen, die der
Bedeutung einer zweiten Staffel für
den Angriffsplan des Warschauer Pakts
Rechnung trägt. FOFA ist auf einen
Angriff gegen die Streitkräfte des
Warschauer
Pakts mit Luftsystemen
ausgerichtet, noch bevor sie den
Kriegsschauplatz erreichen, und darauf, diese Truppen aufzuhalten, zu
zerschlagen und in gewissem Umfang zu
zerstören.
Die derzeit erforderlichen Fähigkeiten zur Durchführung von
FOFA hängen von der Bereitschaft der
NATO zur Verwirklichung der notwendigen Programme zur Verbesserung der
Streitkräfte ab.
Der Warschauer Pakt scheint dieses neue NATO-Konzept ernst genommen
zu haben und nimmt bei Streitkräften
und Ausbildung die entsprechenden
Veränderungen vor, um der Aufgabe defensiver Operationen Rechnung zu tragen. Im Gegensatz zu der bisherigen
ausschließlichen Betonung offensiver
Operationen scheint der Warschauer
Pakt jetzt gleichzeitigen Defensivoperationen mehr Aufmerksamkeit zu
widmen als zuvor. Dennoch ist er
weiterhin davon überzeugt, daß Defensivoperationen
allein
nicht
ausreichen.

Abschreckung
Der Versuch, die sowjetische Bewertung des militärischen Gleichgewichts zu verstehen, ist für eine genaue Bestandsaufnahme der Abschrekkungsqualität der NATO-Streitkräfte
unerläßlich.
Die Sowjets scheinen durch die
Nuklearstreitkräfte der NATO in hohem
Maße abgeschreckt zu werden, was zum
Teil auf die Eskalationswirkung der
Verbindung von nuklearen und konventionellen Waffen zurückzuführen ist,
die der Strategie der flexiblen Reaktion zugrundeliegt und ferner auf das
mangelnde Vertrauen der Sowjets in
ihre Fähigkeit, jeden Konflikt auf
konventioneller Ebene zu halten und
eine Eskalation zu kontrollieren,
falls Nuklearwaffen zum Einsatz kommen.
Auf konventioneller Ebene könnten
die Sowjets trotz ihrer Vorteile zu
dem Schluß kommen, daß ihnen im Falle
eines Krieges in Europa nicht in ausreichendem Maße Streitkräfte zur Verfügung stehen, um ihnen den Erfolg
mit großer Wahrscheinlichkeit zu garantieren. Angesichts der FOFA-Strategie der NATO werden sie den Gedanken einer Vornestationierung ihrer
Reservetruppen
wenig
abgewinnen.
Schließlich ist es die sowjetische
Bewertung des relativen Stands der
Truppenvorbereitungen von NATO und
Warschauer Pakt, zusammen mit der Beurteilung der Wahrscheinlichkeit eines Einsatzes von Nuklearwaffen durch
die NATO, die das entscheidende Kriterium für jede Entscheidung der Sowjets bilden, einen konventionellen
Konflikt auszulösen.
Während die Sowjets die Fähigkeit
anstreben, die NATO vom Einsatz nuklearer Waffen abzuhalten, haben sie
zum gegenwärtigen Zeitpunkt kein Vertrauen in ihre eigene Fähigkeit, dies
tatsächlich zu tun. Trotz der ungünstigen Bedingungen bei den konventionellen Land- und Luftstreitkräften,
mit denen sich die NATO konfrontiert
sieht und angesichts der Verbesserun-

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�gen bei den taktischen Nuklearwaffen
der Sowjetunion ist es unwahrscheinlich, daß die Sowjets großes Vertrauen in ihren derzeitigen Truppenvorteil setzen, um ihre politisch-militärischen Ziele in der erforderlichen
Zeit zu verwirklichen.

Verteidigungsstrategie
Obwohl
die
Nuklearstreitkräfte
der NATO für die Abschreckung unabdingbar sind, hat der Warschauer Pakt
jetzt und in Zukunft einen Vorteil
bei
Quantität,
Uberlebensfähigkeit
und
Flexibilität
seiner
Nuklearstreitkräfte. Aufgrund dieser Situation wird der effektive Beitrag verringert, den Nuklearwaffen zur Fähigkeit der NATO leisten könnten, sich
selbst im Falle eines Scheiterns der
Abschreckung erfolgreich zu verteidigen.
Ferner hat der Warschauer Pakt
zur Zeit bei den chemischen Offensiv- und
Defensivfähigkeiten
einen
enormen Vorteil vor der NATO, obwohl
die Sowjets zum Teil aufgrund eines
möglichen
Vergeltungsschlages
der
NATO abgeneigt sein könnten, chemische Kriegführung einzuleiten.
Das operative, gefechtsfeidgebundene strategische Konzept des Warschauer Pakts zielt immer noch auf
einen raschen, konventionellen Sieg
über die NATO ab, während gleichzeitig in zunehmendem Maße Defensivoperationen in die offensive Gesamtstrategie aufgenommen werden. Das vorrangige Ziel dieses Einsatzkonzepts
liegt darin, die nukleare Überlebensfähigkeiten der NATO zu zerstören,
große Verbände der Landstreitkräfte
der NATO zu vernichten und rasch die
Häfen am Ärmelkanal zu erreichen, um
Verstärkung und Nachschub zu unterbinden.
Die oben genannten Fakten lassen
unter anderem den Schluß zu, daß die
NATO im Falle eines Krieges in Europa
binnen Tagen oder Wochen bei der Verteidigung gegen einen konventionellen

Angriff - insbesondere in der Zentralregion - zum Einsatz von Nuklearwaffen gezwungen sein könnte.
Abschreckung nach dem INF-Vertrag
Mit der Unterzeichnung des INFVerträges wurde das Augenmerk der
westlichen Öffentlichkeit auf anhaltende Ungleichgewichte und Mängel bei
bestimmten entscheidenden Kategorien
der konventionellen NATO-Streitkräfte
gelenkt. Der Vertrag beleuchtet auch
gefährliche Tendenzen des Einsatzkonzepts der Sowjetunion und die relativen Vorteile, über die sie im Bereich
der Kommunikationswege sowie bei deren Verstärkung und Nachschub verfügt.
Die NATO muß weiterhin ein breites Spektrum konventioneller und nuklearer Fähigkeiten aufrechterhalten,
um über die zur Abschreckung von Aggression erforderliche Flexibilität
zu verfügen. Das Bündnis muß gleichzeitig die Verbesserung seiner konventionellen Streitkräfte nachhaltig
betreiben.
Trotz des INF-Vertrags bleibt die
Notwendigkeit der Abschreckung bestehen, einschließlich
des nuklearen
Elements der Abschreckungsgleichung
insgesamt, dank derer die Bündnispartner in den vergangenen vierzig
Jahren in Freiheit leben konnten.
Das amerikanische Engagement für ein
freies Europa bleibt unvermindert bestehen und sollte von der Sowjetunion
nicht falsch eingeschätzt werden.
Während die strategischen Nuklearstreitkräfte weiterhin das Fundament
der Abschreckung bilden, tragen auch
die Dislozierung der amerikanischen
gefechtsfeldgebundenen nuklearen und
konventionellen Streitkräfte in Europa sowie die vorne stationierten
Mehrzweck-Marineeinheiten
zur
Abschreckung bei und sind somit das
Mittel zur Durchführung unserer Strategie der flexiblen Reaktion, sollte
die Abschreckung scheitern. Um weiterhin sowjetische Aggression abschrecken und damit den Frieden in
Europa bewahren zu können, müssen die

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�Pläne des Bündnisses zur Modernisierung der nuklearen und konventionellen Streitkräfte verwirklicht werden.

KAPITEL VIII

FORSCHUNG UND ENTWICKLUNG;
DER TECHNOLOGISCHE WETTBEWERB
Im Rahmen ihrer Abschreckungsstrategie stutzen sich die Vereinigten Staaten sehr stark auf ihre technologische, nicht so sehr auf die
rein zahlenmäßige Überlegenheit. Ihre gefestigte Position in der Technologie hat die rein numerischen Vorteile der Sowjetunion stets ausgeglichen und somit der Abschreckung
Vorschub geleistet.
Die Sowjets haben es sich eindeutig zum Ziel gesetzt, die zur Verbesserung ihrer Waffen notwendigen FuEMittel bereitzustellen. Der derzeit
vom Westen bei den militärischen Fähigkeiten
gehaltene
technologische
Vorsprung ist gefährdet, wenn nicht
sogar ausgehöhlt. Um seine Führungsposition zu behaupten, muß der Westen
seine technologischen Vorteile voll
ausschöpfen. Doch diese Vorteile haben lediglich temporären Charakter
und können schnell ausgeglichen oder
aufgehoben werden. Wenn die Sowjets
ihre umfassenden Anstrengungen fortsetzen, werden sie schließlich Hochtechnologiewaffen in Bereichen besitzen, wo wir über solche nicht verfügen. Wenn sie die Initiative ergreifen und auch weiter den technologischen Vorsprung des Westens mindern, werden die Vereinigten Staaten
und ihre Verbündeten dazu gezwungen
sein, sogar noch mehr Mittel aufzuwenden oder größere Risiken für die
gemeinsame Sicherheit hinzunehmen.
Aufgrund der Entschlossenheit der
Reagan-Administration, die militärischen Fähigkeiten der Vereinigten
Staaten wiederherzustellen, lagen die
amerikanischen
Beschaffungsausgaben
für 1987 ungefähr 32 Prozent über den
vergleichbaren Ausgaben der Sowjetunion.
Die kumulativen Verteidigungsausgaben der Sowjetunion im Bereich FuE haben jedoch die der Vereinigten Staaten überstiegen, und
aufgrund der Engpässe im amerika28 -

�nischen Haushalt ist davon auszugehen, daß die Zuwachsraten zukünftiger
FuE-Investitionen
der
Sowjetunion
über den amerikanischen FuE-VerteidigungsInvestitionen liegen werden.
Daher ist es dringend erforderlich, daß die Vereinigten Staaten zur
Aufrechterhaltung
ihres
technologischen Vorsprungs wohlüberlegte Investitionen vornehmen. Dabei streben
sie als Teil ihrer Bemühungen die
Einführung von Wettbewerbsstrategien
in Zusammenarbeit mit ihren Verbündeten an, was zu einer Überwindung der
zahlenmäßigen Überlegenheit der Sowjets beitragen und die sowjetischen
Initiativen im technologischen Wettbewerb verteuern wird.

Die sowjetische Herausforderung
Obwohl die sowjetischen FuE-Verteidigungsinvestitionen die der Vereinigten Staaten übertrafen, konnten
die Sowjets aufgrund ihrer Produktivitätsprobleme die Vereinigten Staaten nicht überrunden. Die intensiven
sowjetischen Bemühungen zur Verbesserung von Qualität und Produktivität
ihrer jetzt schon breiten wissenschaftlichen und technologischen Basis ist ein ernstzunehmendes Problem
zukünftiger
amerikanischer
Sicherheitspolitik.
Neben der beindruckenden Entwicklung eigener Hochtechnologien arbeitet die Sowjetunion an der Verbesserung zahlreicher militärischer Projekte mit im Westen erworbener moderner Technologie. Obwohl viele dieser
westlichen Technologien auf ganz legalem Wege in die Sowjetunion gelangt
sind, haben sich die Sowjets eine
Fülle von Information auf betrügerische und illegale Weise verschafft.
Dadurch sind sie in der Lage, die
ganz erheblichen bei der Grundlagenund angewandte Forschung und Entwicklung anfallenden Kosten zu umgehen.

Tendenzen bei Schlüsseltechnologien
Nachstehend
einige
ausgewählte
Tendenzen in der Grundlagentechnologie, wo es In den kommenden 20 Jahren
infolge von Fortschritten zu ganz erheblichen Veränderungen bei den sowjetischen und amerikanischen Fähigkeiten zur Kriegführung kommen kann:
Aerodynamik:
Umfangreiche
Investionen in der Erforschung der Aerodynamik in Verbindung mit einem der
größten Windkanäle der Welt haben die
Sowjets in die Lage versetzt, Weltraumsysteme zu entwickeln, die in zunehmendem Maße mit ihren westlichen
Konkurrenzmodellen gleichziehen können.
Infolgedessen sind die neuen
sowjetischen Flugzeuge erheblich leistungsfähiger und mit viel ausgerelfteren elektronischen Teilsystemen und
Bewaffnungen ausgerüstet
als ihre
Vorgänger.
Die Vereinigten Staaten
halten jedoch den Vorsprung bei Berechnungsfähigkeiten
in der Aerodynamik.
Biochemische
Technologie:
Die
Sowjetunion hat bemerkenswerte Fortschritte bei biologischen Technologien, wie beispielsweise der Genmanipulation erzielt.
Es könnte sein,
daß sie derzeit mit Hilfe dieser
Technologie eine neue Generation chemischer und biologischer Kampfstoffe
entwickelt.
Auf
dem Gebiet der
Grundlagenforschung liegen die Vereinigten Staaten in der biochemischen
Technologie derzeit gegenüber den Sowjets deutlich in Führung.
Computer/Software:
Die
vordringlichste technologische Notwendigkeit in der Sowjetunion bleibt die
Verbesserung der Datenverarbeitung.
Die Sowjets führen in ihren Schulen
im ganzen Land das Fach Informatik
ein, um eine "Armee von Programmierern" hervorzubringen.
In den Vereinigten Staaten wird die Anwendung
von Technologien zur Daten- und Informationsverarbeitung
auch
weiter
eine Schlüsselrolle bei der qualitativen Verbesserung von militärischem
Gerät spielen.

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�Gerichtete Energie: Der Westen
ist im Besitz eines vielschichtigen
Programms Gerichteter Energie, zu dem
Laser, Mikrowellen und Teilchenstrahlen für strategische und taktische
Zwecke gehören. Während der Westen
bei
Dauerstrichlasern
mit
hoher
Durchschnittsleistung an der Spitze
liegt, führen die Sowjets bei den Impulslasern,
Radiofrequenzen
und
Strahlenwaffen mit geladenen Teilchen.
Laser:
Die Lasertechnologie in
den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion ist generell auf vergleichbarem Niveau. Die Vereinigten Staaten legen jedoch den Schwerpunkt auf
die Entwicklung moderner Lasertypen
zur Anwendung im Bereich der strategischen Verteidigung.
Einsatzfähige
sowjetische bodengestutzte Laser zur
Verteidigung gegen ballistische Raketen werden voraussichtlich nicht vor
dem Jahr 2000 stationiert werden.
Teilchenstrahlen:
Die
Sowjetunion betreibt eine umfangreiche Erforschung von Technologien zur Anwendung von Teilchenstrahlwaffen, und
ein großer Teil der Technologien für
Teilchenbeschleuniger ist von den Sowjets erfunden worden.
Radiofrequenzen:
Zahlreiche
Energieträger der Hochleistungsradiofrequenz (RF) und der Hochleistungsmikrowellen (HPM) wurden von den Sowjets entwickelt. Sie sind gegenüber
dem Westen auf diesem Gebiet führend.
Der Westen will jedoch mit den Fähigkeiten der Sowjets gleichziehen und
macht bei vielen neuen Arten von RFund HPM-Energieträgern Fortschritte.
Elektronische
Materialien
und
Produktion mit integrierten Schaltkreisen:
Insgesamt ist der Westen
auf diesem Gebiet klar in Führung.
Jüngste Fortschritte bei supraleitfähigen Materialien eröffnen die Möglichkeit einer revolutionierten Anwendung von Sensoren, Signalverarbeitung, magnetischer Energiespeicherung
und anderen Vorrichtungen. Die Vereinigten Staaten sind aufgrund ihrer
langen Tradition der Forschungsför-

derung in einer hervorragenden Position, um diese jüngsten Entdeckungen
voll auszuschöpfen.
Elektrooptik (einschließlich Infrarot): Infolge erheblicher sowjetischer Aufwendungen für elektrooptische (EO) Technologien in zahlreichen Anwendungsgebieten, wie etwa
Aufklärung, Kommunikation, Navigation
und Zielerfassung hat der Westen nur
noch einen ganz geringen Vorsprung
auf diesem Gebiet.
Sprengstoffe:
Bei
konventionellen Sprengstoffen haben die Sowjets erhebliche Fortschritte erzielt. Ihre Produktionsquote ist bei
den meisten Kategorien hochexplosiver
konventioneller
Sprengstoffe
höher
als die des Westens. Die Sowjetunion
ist jedoch bei der Großserienproduktion moderner hochexplosiver konventioneller Sprengstoffe (HMX) etwas im
Rückstand.
Chemische Waffen:
Obwohl die
Vereinigten Staaten Im Hinblick auf
Quantität keineswegs mit den Sowjets
gleichziehen wollen, ist die amerikanische chemische Waffentechnologie
vergleichbar oder besser.
Amerikanische binäre Waffentechnologie symbolisiert den Stand der Technik.
Materialien:
Auf
bestimmten
Gebieten sind sowjetische Materialien
für FuE und Verarbeitungstechniken
weltweit führend. Im Bereich der Metallverarbeitung liegen die Sowjets
ebenfalls vorn.
Produktion/Herstellung:
Die
Sowjets sind im Besitz ausgezeichneter technischer Möglichkeiten zur
Verarbeitung von Rohmaterialien in
militärische Endprodukte. Sie haben
beispielsweise die größte Schmiedeund Strangpresse der Welt gebaut.
Die Vereinigten Staaten führen auf
den Gebieten der modernen Produktionstechnik, die sich auf Computertechnologie wie Automation, computerentworfenes Design und computergestützte Produktion sowie weitere vergleichbare Grundlagentechnologien beruhen .

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�Automation und künstliche Intelligenz:
Die
Vereinigten
Staaten
sind in der Automations-Grundlagentechnologie gegenüber der Sowjetunion
hauptsächlich wegen ihrer Stärken bei
der Computerisierung und Software
führend. Man muß jedoch davon ausgehen, daß die Sowjets sich auf die zügige Einführung einer Art von Automation konzentrieren, die kein hohes
Maß technischer Perfektion verlangt.
Sensoren:
Die
Sowjets
haben
sich - angesichts westlicher Gegenmaßnahmen - nachdrücklich auf die
Entwicklung einer großen Zahl von
Sensoren verschiedenster Art und Frequenz auf einer hohen Entwicklungsstufe verlegt. Die Vereinigten Staaten haben den Gesamtumfang der verfügbaren technischen Gegenmaßnahmen
nur
zögerlich
ausgenutzt.
Daher
könnte es sein, daß amerikanische
Sensoren unnötigerweise gegenüber dem
wirkungsvollen sowjetischen Programm
aus einsatzfähigen elektronischen Gegenmaßnahmen (ECM) verwundbar sind.
Radarmerkmalreduzierung
(Tarnkappentechnologie):
Die
Sowjets
entwickeln Technologien zur Radarmerkmalreduzierung, und es könnte
sein, daß sie diese Techniken in
Flugzeugen und anderen militärischen
Waffensystemen erproben. Schon bald
könnten Sie mit der begrenzt einsatzfähigen
Stationierung
einiger
"Tarnkappen"-Technologien
beginnen.
Die Vereinigten Staaten haben wahrscheinlich einen erheblichen Vorsprung gegenüber den Sowjets bei der
praktischen Anwendung der Radarmerkmalreduzierung bei militärischen Systemen.

KAPITEL IX
KOLLEKTIVE SICHERHEIT:
UNSERE RISIKEN UND VERPFLICHTUNGEN
Wie die vorliegende Publikation
"Sowjetische Militärmacht 1988" beweist, haben sich das sowjetische
Verhalten und die Art der militärischen Aufrüstung in den achtziger
Jahren nur wenig verändert, wohingegen Amerikas Reaktion auf dieses Verhalten einen ganz erheblichen Wandel
erfahren hat. Die Nachhaltigkeit unserer umfassenden Reaktion hat dazu
geführt, daß die Sowjets zu ernsthaften und realistischen Verhandlungen
zurückgekehrt sind.
isin Schwerpunkt im Hinblick auf
unsere Position gegenüber der Sowjetunion muß jedoch hervorgehoben werden. Er betrifft die durch erhebliche Kürzungen unserer Verteidigungsausgaben entstandenen Anforderungen. Die im Jahr 1985 eingeleitete Tendenz des Abbaus von Verteidigungsaufwendungen ähnelt immer mehr
den ruinösen siebziger Jahren, und es
besteht kein Grund zu der Annahme,
daß die aus der Sicht unserer Gegner
mit einem Rückzug Amerikas von seinen
weltweiten Verpflichtungen verbundenen Konsequenzen sich in irgendeiner
Weise von den damaligen unterscheiden.
Wir wissen, daß Generalsekretär
Gorbatschow mit der Leistungsfähigkeit der sowjetischen Wirtschaft unzufrieden ist. Die Mittel zum Wiederaufbau und zur neuerlichen Ankurbelung der zivilen Wirtschaft werden
jedoch nicht zu Lasten der militärischen Fähigkeiten gehen.
Vielmehr
gehen wir von einem anhaltenden Wachstum in diesem Bereich aus. Während
ein Ziel der Reformen Generalsekretär
Gorbatschows das Wachstum der inländischen Wirtschaft ist, trifft es
ebenso zu, daß eine Hauptmotivation
für diese Reformen in der Entwicklung
einer
langfristig
wirkungsvolleren
Konkurrenzfähigkeit auf militärischem
Gebiet besteht.

- 31 -

�Daher werden - ungeachtet der
weit
verbreiteten
Reformvorschläge
des Generalsekretärs und der Möglichkeiten bedeutungsvoller Veränderungen
- die tatsächlichen sowjetischen militärischen Fähigkeiten auch weiterhin verbessert und ausgeweitet. Unsere Verteidigungspolitik kann nicht
auf öffentlichen sowjetischen Erklä- rungen oder Hoffnungen auf ein gemäßigtes Verhaltens im Kreml beruhen.
Wir müssen vielmehr sicherstellen,
daß wir die Mittel zur Handhabung der
sowjetischen Bedrohung besitzen, die
sich in ihrem Verhalten und ihren Fähigkeiten, nicht in ihren Worten offenbart.
Wir gehen davon aus, daß das
strategische Gleichgewicht heute weitestgehend stabil ist. Doch angesichts der anhaltenden sowjetischen
Anstrengungen zur Modernisierung ihrer strategischen Offensivstreitkräfte ist es auch weiter unsere Verpflichtung, unsere offensiven und defensiven
strategischen
Fähigkeiten
fortlaufend zu modernisieren, um den
Sowjets zu zeigen, daß sie keinen militärisch nutzbaren Vorteil auf dem
Gebiet der strategischen Nuklearwaffen besitzen.

Verringerung der Streitkräftestruktur.
Welche Auswirkungen Glasnost oder
die Hoffnung auf einen bedeutungsvollen Wandel in der Sowjetunion auch
haben mögen, die Verpflichtung für
die Sicherheit des Westens liegt wie
immer in unserer Hand. Unsere 40jährige Erfahrung hat es bewiesen: wenn
wir das Erforderliche zum Bau und zur
Modernisierung der notwenigen Verteidigungsstreitkräfte tun und der Welt
eine politische und moralische Führungsrolle anbieten, können wir unsere Gegner von der Versuchung gefährlicher Abenteuer abhalten, während
wir gleichzeitig denjenigen Hoffnung
bieten, die für ihre Befreiung von
den Fesseln der Tyrannei und der Unterdrückung kämpfen.

Gorbatschows
Bestrebungen
zur
Einführung
von
Glasnost
und
Perestrojka sind deutlich sichtbare
Zeichen wesentlicher neuer Anstrengungen zur Wiederbelebung der sowjetischen Wirtschaft - Anstrengungen,
die zur Unterstützung langfristiger
Ziele als lebenswichtig betrachtet
werden.
Gorbatschows Bemühungen sind jedoch nicht einfach und mit einigen
Risiken behaftet. Wenn er zu vorsichtig vorgeht, wird es vielleicht
keine Verbesserung der Wirtschaft geben. Wenn Gorbatschow seine Reform
zu ehrgeizig durchsetzt, könnte eine
Gegenbewegung unvorhergesehene politische und soziale Folgen haben. Aus
streng militärischer Sicht ist der
letztlich gültige Maßstab für eine
echte Reform die nachprüfbare Reduzierung der Militärausgaben und eine

- 32 -

* * * * *

�</text>
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VON

Sonderdienst

*

29. April 1988

DIE HERAUSFORDERUNGEN DER WELT NACH DEM INF-VERTRAG
Rede von
Botschafter Richard R. Burt
beim Annual Membership Meeting der American Chamber of Commerce
in Hamburg

..

Sperrfrist;

Freitag, 29. April 1988, 12:30 MESZ

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�HAMBURG - (AD) - In einer Rede beim Annual Membership Meeting der American
Chamber of Commerce hat der amerikanische Botschafter in der Bundesrepublik,
Richard R. Burt, am 29. April 1988 in Hamburg die Vereinigten Staaten und
Westeuropa zu verstärkter Zusammenarbeit und Arbeitsteilung aufgefordert.
Dies betreffe insbesondere die Bereiche der Wirtschaft, Verteidigung und Rüstungskontrolle. In der Verteidigung sollten "die Vereinigten Staaten ihre
Präsenz und ihr Engagement in Europa aufrechterhalten, während die Europäer
mehr tun sollten, um zu ihrer eigenen Verteidigung in Europa und darüber hinaus einen Beitrag zu leisten". In der Rüstungskontrolle "müssen Europa und
die Vereinigten Staaten enger als jemals zuvor zusammenarbeiten, um Maßnahmen
auszuarbeiten, die eine Stärkung der Abschreckung und flexiblen Reaktion zur
Folge haben".
Die Rede des amerikanischen Botschafters hat folgenden Wortlaut:

Herr Bürgermeister, Herr Hicks,
Herr Dr. Kronzucker, meine Damen und
Herren.
Ich möchte zu Beginn auch ihren
neuen General Manager, Mr. Krauss,
begrüßen und Dieter zur Verleihung
der Leo M. Goodman-Auszeichnung gratulieren. Die Handelskammer hat wieder einmal eine gute Entscheidung getroffen.
Ich freue mich über diesen Besuch
in Hamburg, und es ist mir eine Ehre
und ein noch größeres Vergnügen, mit
Ihnen gemeinsam an den Feierlichkeiten zum 85. Jahrestag der Amerikanischen Handelskammer in Deutschland
teilnehmen zu können. Ich gratuliere
Ihnen herzlich. Sie leisten ungeheuer wichtige Arbeit angesichts großer

Herausforderungen. Und es sind diese
Herausforderungen, über die ich heute
sprechen möchte.
Wir befinden uns
jetzt an einem für den Westen entscheidenden Wendepunkt - dem Ende der
Nachkriegszeit. Auch die Außenpolitik der Vereinigten Staaten und ihrer
europäischen Verbündeten steht damit
an einem Wendepunkt, der uns vor erhebliche Herausforderungen stellt.
In den vergangenen 40 Jahren wurden im Westen herausragende Leistungen erbracht.
Unser Programm für
Frieden und Wohlstand ist in wahrhaft
bemerkenswertem Umfang verwirklicht
worden. Wir haben den Frieden durch
die Abschreckung eines Konflikts mit
der Sowjetunion erhalten. Wir konnten beobachten, wie westliche Werte
auf der ganzen Welt Verbreitung fin-

�den. Und wir haben der Rüstungskontrolle wichtige neue Chancen eröffnet. Unser Erfolg hat sich mit der
Unterzeichnung des INF-Vertrages und
des im nächsten Monat anstehenden
Gipfeltreffens
bewiesen.
In
der
Wirtschaft haben wir durch die Bemühungen und die Unterstützung von Institutionen wie der Amerikanischen
Handelskammer
ein
internationales
Handels- und Finanzsystem hervorgebracht, das dem Westen zu Wohlstand
verholfen und den Aufstieg einer Reihe von Ländern begünstigt hat, die
sich jetzt auf dem Wege der Industrialisierung befinden.
Kurz gesagt war die Politik des
Westens von Erfolgen geprägt und hat
Vorbildcharakter.
Die Welt orientiert sich nicht mehr am marxistischleninistischen Gedankengut, das weder
Freiheit noch Wohlstand mit sich
brachte.
Aber die Welt ist einem raschen
Wandel unterworfen. Die Vereinigten
Staaten und ihre Verbündeten befinden
sich an einem Scheideweg. Der Westen
muß mehr tun, als sich mit den Triumphen der Vergangenheit oder seinem
augenblicklichen Wohlstand zu begnügen. Es müssen wichtige Entscheidungen getroffen werden, wenn die westlichen Länder die neuen Herausforderungen erfolgreich bewältigen wollen,
die sich uns beim Abschied von der
Nachkriegszeit und dem Eintritt in
eine neue Phase stellen.
Heute gibt es fünf grundlegende
Tendenzen, die bei der Veränderung
der internationalen Gesellschaft zusammenwirken:
Die
erste
Tendenz
betrifft
Gorbatschow
und
Glasnost.
Ein
frischer Wind der Offenheit weht in
der Sowjetunion.
Ich möchte Ihnen erklären, was
Glasnost bedeutet - Gorbatschow bietet seinem Volk neue Anreize und etwas mehr Spielraum, um die sowjetische Gesellschaft stabiler, leistungsfähiger und produktiver zu ma-

chen, damit die Sowjetunion dem Westen gegenüber konkurrenzfähiger wird.
Ich möchte Ihnen auch erklären,
was Glasnost nicht bedeutet - Es besteht kein Grund zu der Annahme, daß
Gorbatschow die Sowjetunion in eine
Demokratie nach westlichem Muster umzuwandeln trachtet.
Es gibt keine
Anzeichen für einen Wandel in der
geopolitischen Strategie der Sowjetunion.
Obwohl
sich die Sowjets
letztlich den strategischen Gegebenheiten gebeugt und nunmehr dem Abzug
ihrer Truppen aus Afghanistan zugestimmt haben, hat sich die sowjetische Unterstützung der kubanischen,
nicaraguanischen und vietnamesischen
Diktaturen nicht verringert, und ihre
Herrschaft über Osteuropa wird keineswegs aufgehoben.
Wohin führt Glasnost? Der Erfolg
von Gorbatschows nationalem Programm
ist bei weitem nicht sicher. Wie er
selbst zugegeben hat, herrscht in der
Sowjetunion beträchtlicher Widerstand
gegen seine Reformen.
Seltsamerweise hat die Politik.
Gorbatschows ihre sichtbarsten und
unmittelbarsten
Auswirkungen
nicht
unter der sowjetischen Bevölkerung
gezeitigt, sondern in der öffentlichen Meinung im Westen. Die westliche Öffentlichkeit fand den Gedanken eines wagemutigen, tatkräftigen
und reformorientierten sowjetischen
Führers zugleich
faszinierend und
reizvoll.
Aber ein neues, dynamisches Image
sollte nicht dazu führen, daß wir unsere
analytische
Betrachtungsweise
aufgeben. Wir sind sicherlich Zeuge
eines verbindlicheren und geschickteren sowjetischen Ansatzes in der Aussenpolitik, der im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit
gegenüber
dem
Ausland noch deutlicher zutage tritt.
Darin liegen mögliche Vorzüge: die
Sowjetunion hat letztlich positiv auf
die seit langem bestehende Rüstungskontrollinitiative
zu den Mittelstreckenwaffen
reagiert
und
wir
konnten einen Vertrag zur Beseitigung

- 2 -

�dieser Waffen unterzeichnen. Obwohl
wir keine Prognosen für ein Abkommen
über strategische Waffen beim nächsten Gipfel abgeben können, führen
wir einen ernsthaften Dialog.. Die
NATO und der Warschauer Pakt wenden
sich ebenfalls Verhandlungen über
konventionelle Waffen zu.
Das ist
ein positiver Schritt. Die Sowjets
sind jetzt unter Umständen bereit,
ihre Beziehungen zum Westen auf eine
flexiblere und möglicherweise konstruktivere Art und Weise zu gestalten. Das Genfer Abkommen über einen
Abzug sowjetischer Truppen aus Afghanistan ist möglicherweise ein weiterer Hinweis auf diese Tendenz. Wie
kultiviert das Erscheinungsbild auch
werden mag, so dürfen wir doch nicht
vergessen, daß die Ost-West-Beziehungen im Grunde von Konkurrenz geprägt
bleiben: die Ziele und politischen
Maßnahmen der Sowjetunion und des Westens sind immer noch eher gegensätzlich.
Die
zweite
Tendenz
betrifft
Rüstungskontrolle und Nuklearwaffen.
In den letzten Jahrzehnten bestand Rüstungskontrolle oftmals eher
aus Worten als aus Taten. Die Chancen für Rüstungsabbau schienen düster, und der Schwerpunkt lag auf
Verteidigung und Abschreckung.
Das
Klima zwischen Ost und West hat sich
seitdem gewandelt. Im Westen ist das
Gefühl einer Bedrohung durch die Sowjetunion geschwunden.
Insbesondere
im Nachgang zum INF-Abkommen werden
jetzt in der Bevölkerung vermehrt
Forderungen
nach
Rüstungskontrolle
laut. Manchmal scheint es das vorherrschende politische Thema in den
Vereinigten Staaten und in Europa zu
sein. Regierungen in Ost und West
gleichermaßen machen sich zunehmend
das einstmals der Friedensbewegung
vorbehaltene Vokabular zu eigen.
Diese positiven Aussichten für
die Rüstungskontrolle sind in höchstem Maße willkommen.
Wir sollten
jede Möglichkeit ergreifen, um Fortschritte zu erzielen. Aber der allgemeine Enthusiasmus für die Rü-

stungskontrolle
birgt ein Risiko.
Rüstungskontrolle ist kein Ersatz für
ein
angemessenes
Verteidigungskonzept. Die ausschließliche Beschäftigung mit der Rüstungskontrolle zum
Nachteil der Verteidigung wird uns
nicht nur eine geschwächte westliche
Verteidigung bescheren. Sie wird paradoxerweise die Aussichten für sinnvolle Rüstungskontrolle zunichte machen.
In diesem Zusammenhang ist es von
Bedeutung, die wahre Lektion von INF
nicht zu vergessen: daß es uns gelungen ist, wegen - und nicht trotz der Entschlossenheit des Westens zur
Erhaltung des militärischen Gleichgewichts ein Abkommen zu erzielen.
Hätten die westlichen Regierungen auf
die Gegner der Stationierung von
Pershing II-Raketen und Marschflugkörpern gehört - vornehmlich aufrichtige Menschen, die ganz einfach keine
weiteren Nuklearwaffen wollten - hätten wir jetzt kein INF-Abkommen. Wir
hätten ganz einfach viel mehr Raketen
auf der Welt: ausschließlich sowjetische und die meisten davon auf
Westeuropa gerichtet.
Bei einer neuerlichen Beschäftigung mit der INF-Frage ist es wichtig, daß wir ihr keine Bedeutung beimessen, die sie nicht hat. Das INFAbkommen ist nicht der Wegbereiter
einer Entnuklearisierung Europas oder
des Bündnisses, und wir sollten dies
auch keineswegs für ein erstrebenswertes Ziel halten.
Wir benötigen
die nukleare Abschreckung wie eh und
je. Ferner sollten wir das INF-Abkommen nicht als Symbol für einen Abbau des amerikanischen Sicherheitsschutzschilds
für
Europa
werten.
Auch in Zukunft beruht die Stärke des
Bündnisses auf der Koppelung der beiden Kontinente in einer beiderseitigen Verpflichtung.
Betrachtet man die Geschwindigkeit der Entwicklungen im Rüstungskontrollbereich, dann wird der Westen
jetzt noch mehr Zeit und geistige
Energie als früher für die Auswirkungen der Rüstungskontrolle auf Politik

- 3 -

�und Sicherheit aufwenden müssen. Die
größere Rolle der öffentlichen Meinung muß in Betracht gezogen werden,
aber gleichzeitig müssen wir vermeiden, uns durch öffentliche Stimmungen
zu unklugen Maßnahmen verleiten zu
lassen. Wir müssen unseren Bürgern
die Notwendigkeit eines angemessenen
Verteidigungspotentials und insbesondere von Modernisierungsbeschlüssen
erläutern, wenn Rüstungskontrolle erfolgreich sein soll.
Die dritte Tendenz der Gegenwart ist die Ausbreitung der demokratischen Idee.
Wir erleben weltweit eine Ausbreitung demokratischer Ideale. Die
Erneuerung der Demokratie auf den
Philippinen ist kein Einzelfall. Die
Demokratie wächst und gedeiht in
Asien und noch dramatischer in Lateinamerika. Vor zehn Jahren litten
die meisten Lateinamerikaner unter
repressiven Regierungen.
Heute genießen über 90 Prozent die Vorzüge
der Demokratie.
Und die Sehnsucht
nach Demokratie hält an. Die Bevölkerung Panamas kämpft für den Sturz
eines Militärregimes und die Errichtung einer wahren parlamentarischen
Demokratie. Diese Hinwendung zur Demokratie fällt mit einer wachsenden
Bereitschaft vieler Regierungen in
der Dritten Welt zusammen, im wirtschaftlichen Bereich Strategien zu
erproben, die weniger auf staatlichem
Einfluß und mehr auf Marktorientierung aufbauen. Selbst in China und
der Sowjetunion scheint die Erkenntnis an Boden zu gewinnen, daß der
Götze des Totalitarismus versagt hat,
während oft ängstliche aber potentiell bedeutsame Schritte zur Liberalisierung behutsam vorgeschlagen und
erprobt werden. Die Demokratie ist
auf dem Vormarsch.
Die vierte Tendenz ist die Revolution im Informationswesen.
Die Revolution im Informationswesen ist mit einer neuen industriellen
Revolution vergleichbar, und ihre
Auswirkungen sind ebenso tiefgreifend

wie weitreichend. Das wachsende Angebot preisgünstiger Flugreisen in
der ganzen Welt sowie neue Telekommunikations-,
Computer- und
Informationstechnologien
führen zu einer
raschen Überwindung der Grenzen zwischen Ländern und Menschen. Im Zuge
dieser Entwicklung erfahren Effizienz
und Produktivität der Wirtschaft einen Aufschwung. Die Welt rückt immer
enger zusammen. Es wird für totalitäre Regierungen zunehmend schwierig,
den Fluß von Informationen zu ihren
Völkern zu beschränken und kontrollieren. Gleichzeitig sind die Möglichkeiten der immer ausgereifteren
elektronischen Medien zur Beeinflussung der öffentlichen Meinung enorm
gestiegen.
Schließlich
ist das Aufkommen
einer
vollständig
interdependenten
Weltwirtschaft die fünfte Tendenz,
die die Welt verändert.
Die Weltwirtschaft wird nicht
mehr von den Vereinigten Staaten beherrscht, wie dies in der frühen
Nachkriegszeit der Fall war. Japan
und die Europäische Gemeinschaft sind
als bedeutende Handels- und Finanzmächte auf den Plan getreten. Die
Abhängigkeit vom internationalen Handel hat zugenommen, und dies gilt
auch für die Vereinigten Staaten. In
anderen Ländern, wie etwa der Bundesrepublik Deutschland, wo der Handel
37 Prozent des Bruttosozialprodukts
ausmacht, ist diese Abhängigkeit noch
weit größer. Die Schwellenländer gewinnen rapide an Stärke und fordern
die etablierten Mächte der Weltwirtschaft in bestimmten Produktionszweigen heraus.
Unterdessen hat das
Schuldenproblem der Dritten Welt bedeutende Auswirkungen auf den Westen.
Der Kurssturz an den Weltbörsen im
vergangenen Oktober hat diese wechselseitige Abhängigkeit noch stärker
hervortreten lassen und die Dringlichkeit einer neuen Ebene der Zusammenarbeit und Koordinierung - mit anderen Worten, einer geteilten Verantwortung - verdeutlicht, um anhaltendes Wachstum und Stabilität der Weltwirtschaft zu sichern.

- 4 -

�Auswirkungen dieser fünf Tendenzen
Die fünf von mir angeführten Tendenzen könnten für die Vereinigten
Staaten und ihre Verbündeten positive
Auswirkungen haben. Sie könnten zur
Schaffung einer transparenteren, kooperativeren, flexibleren, wohlhabenderen und vielleicht weniger bedrohlichen Weltordnung führen - zu einer
offeneren Welt. Dies ist jedoch keineswegs gewiß. Diese Trends könnten
ebenso negative Folgen haben, besonders wenn der Westen es versäumt,
diese zu erkennen und wirkungsvoll zu
nutzen.
Eine dieser negativen Folgen ist
etwa die Tatsache, daß Reiseerleichterungen und erweiterte Zugangsmöglichkelten für die Medien weltweit
operierenden Terroristen einen Vorteil bieten. Die Revolution im Kommunikationswesen bietet Gorbatschow
enorme Möglichkeiten zur Beeinflussung der öffentlichen Meinung im Westen. Die Faszination des Westens im
Hinblick auf Glasnost und die Konzentration westlicher Medien auf dieses
Thema mag den Eindruck erwecken,
Gorbatschow habe schon einen Erfolg
errungen und die Sowjetunion befinde
sich sogar auf dem Wege der Demokratisierung. Diese Fülle irreführender
Informationen deutet ironischerweise
darauf hin, daß der Hauptnutzen von
Glasnost in der Funktion eines Instruments zur Beeinflussung der Öffentlichkeit liegen könnte, um die
Gleichgültigkeit des Westens im Hinblick auf die Ziele der Sowjetunion
zu fördern. Eine antinukleare Stimmung im Westen könnte zum Beispiel
dazu führen, daß die westliche nukleare Abschreckung geschwächt und wir
damit gegenüber der überlegenen konventionellen Macht der Sowjets verwundbar würden.
Auch in der Wirtschaft können die
gegenwärtigen Trends negative Ergebnisse zur Folge haben: eine interdependente Weltwirtschaft bedeutet,
daß in einem Teil der Welt ausgelöste
Schockwellen überall spürbar sind.
Eine fehlende Koordinierung der Fi-

nanz- und Handelspolitik wird nicht
nur lokale Auswirkungen haben - auch
Handelskriege und eine weitverbreitete Rezession könnten die Folge sein.
Das Schuldenproblem der Dritten Welt
betrifft das westliche Finanz- und
Bankwesen, sei es in New York, London
oder Frankfurt, ebenso wie die Volkswirtschaften der Entwicklungsländer.

Nutzung dieser fünf Tendenzen
Der Westen kann von den positiven
Aspekten dieser fünf Tendenzen nur
profitieren, wenn wir zwei korrelierende Zielsetzungen verwirklichen:
Erstens müssen die Vereinigten
Staaten und der Westen ihren internationalen Verpflichtungen nachkommen,
indem sie ein starkes Bündnis aufrechterhalten, eine offene Weltwirtschaft schaffen und die demokratischen Werte des Westens aktiv fördern. Wir können uns nicht zurückziehen, während andere gegen uns arbeiten. In einer Welt gegenseitiger
Abhängigkeiten können wir weder den
Konsequenzen des Aktivismus der anderen noch unserer eigenen Inaktivität entgehen.
Zweitens muß sich das westliche
Bündnis auf das gründen, was ich als
reife Partnerschaft zwischen den Vereinigten Staaten und ihren Verbündeten bezeichnet habe.
Eine reife
Partnerschaft bedeutet ausgewogenere
Beziehungen
zwischen
verbündeten
Partnern.
Diese Form der reifen
Partnerschaft ergibt sich zwangsläufig aus der stetig wachsenden Bedeutung des europäischen Pfeilers der
NATO. Sie beinhaltet auf beiden Seiten des Atlantiks ein stärkeres Bemühen um gegenseitiges Verständnis,
Konsultationen, Koordination und Kooperation im gemeinsamen Interesse.
Langfristig gesehen müssen die
Europäer entsprechend der Macht, Bevölkerung und dem Wohlstand ihrer Gemeinschaft größere Verantwortung in
der Welt übernehmen.
Europa trägt
bereits ein beträchtliches Maß an

- 5 -

�Verantwortung bei der Aufrechterhaltung einer stabilen Weltwirtschaftsordnung. Eine vergleichbare Entwicklung im Bereich der Sicherheitspolitik, ist sowohl unvermeidbar als auch
wünschenswert. Die weltweiten Interessen Europas decken sich häufig mit
denen der Vereinigten Staaten und
sind vielleicht sogar noch größer beispielsweise bei Fragen des Zugangs
zu Rohstoffen wie Erdöl und zu den
Weltmärkten.
Erweiterte
Horizonte
sind das Gebot der Stunde - die Erkenntnis, daß europäische Interessen
die ganze Welt betreffen und daher
europäisches Engagement fordern.
Die Strategie kollektiver Sicherheit und erweiterter Abschreckung behält nach wie vor Gültigkeit.
In
diesem Zusammenhang wird Europa jedoch mehr Verantwortung für seine eigene Verteidigung übernehmen müssen.
Gleichzeitig müssen wir uns in
den Vereinigten Staaten vor Augen
führen, welchen Beitrag die Europäer
bereits zur gemeinsamen Verteidigung
leisten. Wenn heute in Europa ein
Krieg ausbrechen würde, wären 90 Prozent
der
unmittelbar
betroffenen
Land-, 75 Prozent der Luft- und 50
Prozent der Seestreitkräfte europäisch. In den meisten europäischen
Ländern kann man auch in Friedenszeiten zum Wehrdienst einberufen werden,
wohingegen die Wehrpflicht in den
Vereinigten Staaten abgeschafft worden ist. Daher erzielen die Europäer
größere militärische Schlagkraft für
weniger Geld. Die Europäer und insbesondere die Deutschen bringen aufgrund der hohen ausländischen Militärpräsenz auf ihrem Territorium zusätzliche Opfer: In der Bundesrepublik sind neben dem stehenden Heer
von 500 000 Mann 400 000 Soldaten aus
sechs Nationen stationiert.
Jedes
Jahr werden fast 5 000 militärische
Übungen auf Bundesgebiet abgehalten,
und - wie uns die jüngsten Ereignisse
eindringlich vor Augen geführt haben
- fliegen die alliierten Luftstreitkräfte im deutschen Luftraum mehr als
eine Million Einsätze. Die Bundesregierung stellt den Verbündeten ko-

stenlos ca. 4 000 militärische Einrichtungen und Ubungsgebiete zur Verfügung. Und dennoch erwarten wir von
den Europäern, daß sie mehr zum
Schutz Europas und zur Verteidigung
der westlichen Interessen in der
Dritten Welt leisten.
Nicht jede Last des Bündnisses
kann von allen Mitgliedern in gleichem Maße getragen werden. Aber die
Europäer können es sich nicht länger
leisten, die Verantwortung für große
Gebiete - wie die Dritte Welt - einzig und allein den Vereinigten Staaten zu überlassen.
Ferner sollten
sie ihr Augenmerk nicht ausschließlich auf die Gestaltung der Ost-WestBeziehungen lenken in der Annahme,
die Amerikaner würden in den Krisenherden schon für Ruhe sorgen und eine
überproportionale
Verteidigungslast
übernehmen.
Es wird keine leichLe Aufgabe
sein, internationales Engagement und
eine reife Partnerschaft aufrechtzuerhalten. Sowohl in den Vereinigten
Staaten als auch in Europa wirken
Kräfte gegen diese reife Partnerschaft. Wir sehen uns mit einem Paradoxon konfrontiert - zu einer Zeit,
in der wir zur Lösung anstehender
Probleme enger zusammenarbeiten müssen, treiben wir in die Isolation.
Europa beispielsweise erscheint
vielen Amerikanern zunehmend provinziell und selbstzufrieden. Die Vision dynamischer Vereinigter Staaten
von Europa scheint weniger lebendig.
Die
europäische
Wirtschaftspolitik
scheint festgefahren. In den vergangenen Jahren war das Wirtschaftswachstum in Europa bestenfalls stagnierend.
Die Arbeitslosenquote ist
weiterhin hoch, und seit den siebziger Jahren sind unter dem Strich
praktisch keine neuen Arbeitsplätze
geschaffen worden.
Im Gegensatz zu
der in Europa vorherrschenden Auffassung sind anhaltende Arbeitslosigkeit
und relative Stagnation auf dem Kontinent nicht allein Europas Angelegenheit - zu große Selbstzufriedenheit könnte zu einer weltweiten Re-

- 6 -

�dem Angriff auf Libyen im vergangenen
Jahr ihre Unterstützung versagt haben.

Zession führen.
Der Tatsache, daß die Vereinigten
Staaten treibende Kraft des Weltwirtschaftswachstums waren, ist in den
vergangenen Jahren nicht genügend
Rechnung getragen worden. Das Wachstum in Europa war hauptsächlich auf
Exporte in die expandierende amerikanische Wirtschaft zurückzuführen. Im
Handel spürt Europa die Auswirkungen
protektionistischer
Tendenzen.
In
der Bundesrepublik sind über zehn
Milliarden D-Mark an Subventionen in
das Airbus-Programmm geflossen. Die
Aufrechterhaltung der Luftfahrt-Industrie mittels Subventionen kommt einer
ineffizienten
Mittelvergabe
gleich. Auch die Maßnahmen im Bereich der Telekommunikation bedürfen
neuer Denkansätze: Die Märkte müssen
geöffnet werden. Die Gemeinsame Agrarpolitik ist vielleicht das größte
Desaster.
Angesichts der massiven
Subventionen wird sie als zunehmend
unvernünftig angesehen. Im Jahr 1987
mußten die Steuerzahler in der Europäischen Gemeinschaft 26 Milliarden
Dollar und die Konsumenten zusätzliche 40 Milliarden Dollar zur Unterstützung der Gemeinsamen Agrarpolitik
aufwenden.
Strukturanpassungen sind
definitiv erforderlich.
Im Bereich der Sicherheit wird
hingegen von einer wachsenden Zahl
amerikanischer
Politiker und Meinungsbildner
eine Aufstockung der
Verteidigungsausgaben
der
Länder
Westeuropas gefordert. Die amerikanischen Verteidigungsausgaben machen
ca. sechs Prozent des Bruttosozialprodukts aus. Die meisten westeuropäischen Länder geben weniger als
drei Prozent oder noch nicht einmal
zwei Prozent ihres Bruttosozialprodukts aus. Es ist daher nicht verwunderlich, daß sich viele Amerikaner
fragen, ob Europa seinen gerechten
Anteil beiträgt. Zahlreiche Amerikaner stören sich auch an der offensichtlichen Abneigung der Europäer,
sich bei Sicherheitsproblemen der
Dritten Welt zu engagieren. Ein typisches Beispiel hierfür war, daß die
Europäer den Vereinigten Staaten bei

Die europäische Sicht der Vereinigten Staaten ähnelt dem sehr.
Erstens beobachten Europäer ein wachsendes Kirchturmdenken.
Auf wirtschaftlichem Gebiet hören Sie Forderungen nach einer protektionistischen
Gesetzgebung, die den Handel lähmen
würde. Im Bereich der Sicherheitspolitik hören sie von Drohungen eines
Truppenabzugs und haben das Schreckgespenst der Entnuklearisierung vor
Augen.
In den Augen vieler europäischer Beobachter wurden die Amerikaner von der Iran-Contra-Affäre zu
sehr in Anspruch genommen und dadurch
vom geordneten Umgang mit den internationalen Beziehungen abgelenkt.
Zweitens nehmen Europäer einen
wachsenden amerikanischen Unilateralismus wahr, eine Tendenz der Vereinigten Staaten, ohne vorherige Konsultation im Alleingang zu handeln
und dabei Gewalt anzuwenden.
Schließlich beobachten Europäer
eine stärkere Unkalkulierbarkeit der
amerikanischen Außenpolitik
- den
Niedergang
des
außenpolitischen
Establishments der Vereinigten Staaten und seinen Ersatz durch eine Art
Populismus, der sein Fähnchen in den
Wind der öffentlichen Meinung hängt.
Jenes
Establishment
konzentrierte
sich vormals in den intellektuellen,
Geschäfts- und Regierungszentren der
Städte
Boston,
New
York
und
Washington, und seine Orientierung
war atlantisch - es blickte auf Europa. Seit einigen Jahren hat sich das
Machtzentrum jedoch zum Süden und Westen verlagert, da diese Gebiete einen bemerkenswerten wirtschaftlichen
Aufschwung und damit einhergehend eine Zunahme politischer Macht erfahren
haben. Die neuen amerikanischen Eliten in aufstrebenden Städten wie Los
Angeles, Houston und Atlanta müssen
nicht unbedingt so stark auf die atlantische Perspektive der Außenpolitik fixiert sein wie die entsprechende Gesellschaftsschicht an der amerikanischen Ostküste.
Ihre Ansichten

- 7 -

�sind keineswegs generell populistisch
oder unkalkulierbar, Europäer haben
jedoch den Fehler begangen, diese
Eliten in den neuen Machtzentren Amerikas nicht kennengelernt und verstanden zu haben.
Die Eindrücke der Europäer von
den Vereinigten Staaten - und umgekehrt - enthalten, obwohl sie nicht
vollständig zutreffen, genug Wahrheit, um Gefahren für die amerikanisch-europäischen Beziehungen aufzuweisen. Sie bergen in sich die Saat
für einen potentiellen Teufelskreis:
die europäische Inselmentalität auf
der einen und der amerikanische Isolationismus und Unilateralismus auf
der anderen Seite können einander
aufschaukeln. Das Versäumnis des einen, auf einem bestimmten Gebiet zu
kooperieren, kann dem anderen als
Vorwand dafür dienen, die Zusammenarbeit auf einem anderen Gebiet zu verweigern. Wir können dies im wirtschaftlichen Bereich wie auch in der
Sicherheitspolitik feststellen.
Die
Vereinigten Staaten werden der Versuchung des Unilateralismus erliegen,
wenn die Europäer nicht zur gemeinsamen Bekämpfung des internationalen
Terrorismus bereit sind. Und die Europäer neigen dazu, sich von Aktionen
zu distanzieren, die sie als riskante
und impulsive Abenteuer der Vereinigten Staaten in der Dritten Welt betrachten. Jeder will mit Blick auf
die Wähler im eigenen Land seine
wirtschaftlichen Interessen schützen,
ohne dabei einem möglichen Schaden
für den anderen und die Weltwirtschaft Beachtung zu schenken.
Die Lösung liegt in einer für uns
vorteilhaften Umsetzung der von mir
zuvor genannten fünf wesentlichen
Tendenzen in die Praxis. Wir haben
es mit Problemen zu tun, die wir gemeinsam
praktisch angehen können,
aber nicht jeder für sich. Sie erfordern eine reife Partnerschaft.
Zum Abschluß würde ich gerne einige Problemfelder besonders hervorheben, auf denen die Vereinigten
Staaten und Westeuropa zu ihrem ge-

genseitigen Nutzen
können und sollten.

zusammenarbeiten

Erstens müssen die Vereinigten
Staaten und Europa auf eine sich gegenseitig verstärkende Arbeitsteilung
hinarbeiten, um Ungleichgewichte zu
verringern und die Kraft der Weltwirtschaft zu erhalten. Was den Handel betrifft, müssen sich die Vereinigten Staaten einer Gesetzgebung
widersetzen, die freien Handel und
Investitionen behindern würde.
Gleichzeitig sollten die Europäer
dafür sorgen, daß die Verkrustungen
auf den Märkten abgebaut und der
Marktzugang auf Gebieten wie Telekommunikation, Flugzeugbau und insbesondere bei landwirtschaftlichen Produkten verbessert wird.
Auf den Gebieten der Finanz- und
Währungspolitik sollten die Vereinigten Staaten ihr Haushaltsdefizit verringern, während
insbesondere die
Bundesrepublik
nichtInflationäres
Wirtschaftswachstum
im Inland und
strukturelle
Anpassungen
fördern
sollte.
Die Inflationsrate liegt
dort bei unter einem Prozent, und das
Wirtschaftswachstum kann bestenfalls
als schleppend
bezeichnet werden.
Wachstum und nicht Inflation sollte
als das vordringlichere Problem gelten.
Zweitens sollten die Vereinigten Staaten auf dem Gebiet der Verteidigung ihre Präsenz und ihr Engagement in Europa aufrechterhalten,
während die Europäer selbst gemeinsam
mehr tun sollten, um zu ihrer eigenen
Verteidigung in Europa und darüber
hinaus einen Beitrag zu leisten.
Erst kürzlich haben wir ein ermutigendes Beispiel ergänzender Maßnahmen
außerhalb des NATO-Gebiets beobachten
können: die Schritte der britischen,
französischen,
holländischen,
belgischen und italienischen Regierungen
zum Schutz der Schiffahrt im Persischen Golf. Durch die Stationierung von Streitkräften im Mittelmeer
hat auch die Bundesrepublik den richtigen Weg eingeschlagen. Im Golf ha-

- 8-

�ben die Länder des Westens ihr starkes gemeinsames Interesse anerkannt
und die Verantwortung in angemessenen
Umfang übernommen.

*

*

Drittens müssen Europa und die
Vereinigten Staaten in der Rüstungskontrolle enger als jemals zuvor zusammenarbeiten, um Maßnahmen auszuarbeiten, die eine Stärkung der Abschreckung und der flexiblen Reaktion
zur Folge haben. Im Umfeld nach dem
INF-Vertrag müssen wir uns insbesondere auf präzise Vorschläge zur Bewältigung der Bedrohung durch die sowjetische konventionelle Überlegenheit einigen.
Die in diesem März
beim NATO-Gipfel abgegebene Erklärung
war ein hervorragender Anfang.
Wie schon zu Anfang meiner Ausführungen erwähnt, befinden wir uns
in einer Phase enormen Wandels. Die
Nachkriegszeit geht dem Ende zu.
Neue Chancen liegen vor uns, aber
diese können nur genutzt werden, wenn
Europa und die Vereinigten Staaten
auf der gleichen Ebene voranschreiten
und dabei die Gefahren der Inselmentalität und des Unilateralismus vermeiden, die uns zu entzweien drohen.
Dies bedeutet für die Vereinigten
Staaten keine Aufgabe ihrer Führungsrolle. Das sollte nicht geschehen.
Doch Europa muß eine neue FUhrungsrolle übernehmen, die seiner tatsächlichen Position in der Welt entspricht.

* * * * *

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                    <text>AMERIKA DIENST

27. A p r i l 1938

17

INHALT

DOKUMENTATION
Reagan;

Amerikanische Politik verändert Beziehungen zur Sowjetunion

- Ansprache des Präsidenten vor dem Rat für Auswärtige Politik von
West-Massachusetts -

HINTERGRUNDMATERIAL
Warum INF gut für die NATO Ist
- Von Generalleutnant Colin L. Powell -

* * * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�AMERIKA DIENST
Dokumentation

17

27. April 1988
REAGAN: AMERIKANISCHE POLITIK VERÄNDERT BEZIEHUNGEN ZUR SOWJETUNION
- Ansprache des Präsidenten vor dem Rat für Auswärtige Politik von
West-Massachusetts -

SPRINGFIELD, MASSACHUSETTS - (AD) - Einen "dramatischen Wandel" erfuhren
Präsident Reagan zufolge die amerikanisch-sowjetischen Beziehungen, weil
Washington darauf drängte, die "gesamte Bandbreite der wahren Gründe gegenseitigen Mißtrauens" zwischen Ost und West anzusprechen. In einer Ansprache vor
dem Rat für Auswärtige Politik von West-Massachusetts erklärte der Präsident
am 21. April 1988, seine vierte Zusammenkunft mit Generalsekretär Gorbatschow
stünde zu einem Zeitpunkt bevor, da die Verhandlungen über eine "beispiellose
Anzahl von Themen" Fortschritte machten, zu denen Abrüstung, Menschenrechte,
regionale Konflikte sowie Austauschprogramme im wissenschafliehen und kulturellen Bereich gehörten.
Nachstehend veröffentlichen wir die Erklärung des Präsidenten im Wortlaut:

Ich freue mich sehr, heute bei
Ihnen und insbesondere in dem Staat
zu sein, in dem Amerikas Kampf für
die Freiheit seinen Anfang nahm.
"Ich bin mir der Mühsal, des Blutes
und der Schätze sehr wohl bewußt, die
uns die... Unterstützung und Verteidigung dieses Staates kosten wird,"
schrieb John Quincy Adams im Jahr
1776, "und dennoch kann ich trotz all
der Schattenseiten den Strahl der Erleuchtung und des Ruhmes erblicken."
Historiker haben sich seit eh und
je gefragt, was es war, das Männer
wie Adams und jene zahlenmäßig unterlegene Gruppe von Kolonialisten glauben machte, sie könnten die Macht des
gewaltigsten Reiches auf Erden umstürzen. Wie angemessen schien es
da, wenn die britische Musikkapelle

United States Information Service
Embassy of the United States of America

fünf Jahre später in Yorktown spielte: "Die Welt steht auf dem Kopf."
Die Vorhersagen der klugen Köpfe
Europas haben
sich wahrlich als
falsch erwiesen. Der Mut, die Vision, ja, die Gabe einiger Farmer,
Kaufleute und Rechtsanwälte an diesen
Gestaden zu träumen, läuteten eine
Revolution ein, die heute bis in den
letzten Winkel dieser Welt reicht,
eine Revolution, die immer noch die
Herzen der Menschen erleuchtet und
mit dem Ruhm der menschlichen Freiheit erfüllt.
Sie alle können heute als Mitglieder des Rates für Auswärtige Politik und aktive Beobachter der Weltpolitik bestätigen, wie aussichtslos
zu Beginn dieses Jahrzehnts die Chan-

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�r

cen für die Freiheit waren. Bitte
erinnern Sie sich:
die Demokratie
war in zahlreichen Ländern auf dem
Rückzug; es fand eine beispiellose
Aufrüstung statt; es gab die Geiseln
im Iran und die sowjetische Invasion
in Afghanistan; man sagte wirtschaftliche Engpässe und ein globales Chaos
voraus - von einer Verknappung an Lebensmitteln und Brennstoffen bis hin
zu einer Umweltkatastrophe. All dies
waren die kaum versiegenden Themen,
über die wir in den Medien so viel
erfahren konnten.
Durch die wirtschaftliche Erholung der Vereinigten Staaten und der
westlichen Demokratien hat dieses Gerede jedoch stark nachgelassen. Und
diese wirtschaftliche Erholung, die
in Massachusetts 1981 und 1982 durch
eine Verringerung der staatlichen und
lokalen
Steuersätze
vorweggenommen
wurde, basierte auf der Einsicht, die
den Kern der hier vor zwei Jahrhunderten begonnenen Revolution ausmachte: vertraue den Menschen, halte die
Regierung aus den Dingen heraus, und
lasse die Kraft und Dynamik freier
Menschen sich frei entfalten.
Aber ich bin heute zu Ihnen gekommen, um Ihnen vorzutragen, daß
diese Idee des Vertrauens in die
Kraft menschlicher Freiheit und Übernahme wesentlicher Aufgaben durch den
Einzelnen nicht nur eine gute Basis
für unsere Wirtschaftspolitik war,
sondern sich auch als solide Grundlage unserer Außenpolitik erwiesen hat.
Genau dies gaben wir den Menschen;
deshalb betonten wir erneut, was die
Menschen instinktiv wußten, Experten
jedoch scheuten, öffentlich zuzugeben.
Unsere Erklärungen waren kurz und
bündig. Wir lehnten ab, was Jeane
Kirkpatrick "moralische Äquivalenz"
nannte; wir machten deutlich, daß
Freiheit besser als Totalitarismus,
Kommunismus schlecht und eine Zukunft
nuklearen Terrors unakzeptabel ist.
Wir erörteten, wir stünden zum Frieden ebenso wie zur Freiheit. Wir betonten, wir hielten am Traum unserer
Gründungsväter fest - dem Traum, daß

eines Tages jeder Mann, jede Frau und
jedes Kind in Würde und Freiheit leben können. Daher war unseres Erachtens die Politik des Containment
nicht länger ausreichend, und wir erklärten die Ausweitung menschlicher
Freiheit zu unserem Ziel. Wir sprachen uns für die Demokratie aus. Wir
erklärten, wir arbeiteten auf den Tag
hin, an dem die Menschen aller Nationen in den Genuß der Segnungen der
Freiheit gelangen.
Den Experten schien diese Art der
Offenheit zunächst als gefährlich und
sie hätte ihres Erachtens zu einer
Verschlechterung der sowjetisch-amerikanischen
Beziehungen
geführt.
Aber ganz im Gegenteil: jene Offenheit hat den Sowjets die Ausdauer und
Stärke des Westens vor Augen geführt;
sie hat ihnen zu verstehen gegeben,
daß wir im Hinblick auf sie und ihr
System keine Illusionen haben.

*

Durch die erneute Betonung von
Werten und die wiederholte Darlegung
dessen, wofür wir als Menschen und
als Nation stehen, haben wir natürlich einen moralischen und geistigen
Aspekt hervorgehoben. Dadurch haben
wir eine Hoffnung auf Zukunft und Demokratie zum Ausdruck gebracht, und
wir verdeutlichten, daß wir immer
noch die Gabe der Träume besitzen,
die diesen Kontinent und unser Land
bei seiner Entstehung geprägt hat.
Aber bei alledem haben wir auch
etwas Konkretes unternommen.
Lange
zuvor hatten wir erfahren, daß sich
die Sowjets nur dann zu ernsthaften
Verhandlungen bereit erklären, wenn
ihr Gegenüber zu einer festen Haltung
entschlossen ist. Wir wußten, das
geringste Anzeichen von Schwäche auf
unserer Seite die Sowjets würde dazu
veranlassen, ernsthafte Verhandlungen
zu beenden, Fortschritte auf diplomatischem Gebiet aufzuhalten und zu
versuchen,
jene
offensichtliche
Schwäche auszunutzen.
Wir waren also aufrichtig. Wir
erkannten unsere weitreichenden Meinungsverschiedenheiten
und
ihre

- 2 -

&lt;
*

�grundsätzliche moralische Tragweite
an. Auf diese Weise gaben wir zu,
daß die uns und die Sowjets entzweienden Unterschiede tiefgreifender und
einschneidender waren, als durch das
Zählen von Raketen oder Gefechtsköpfen zu ermessen ist. Wie ich zuvor
bereits erklärt habe, mißtrauen wir
einander nicht, weil wir bewaffnet
sind, sondern wir sind bewaffnet,
weil wir einander mißtrauen. Diese
Äußerungen habe ich bei unserem ersten Treffen in Genf gegenüber Generalsekretär Gorbatschow gemacht.
Daher haben wir uns dazu entschlossen, die gesamte Bandbreite der
wahren Gründe für dieses Mißtrauen
sowie die entscheidenden moralischen
und politischen Themen direkt mit den
Sowjets anzusprechen. In der Vergangenheit schienen die sowjetisch-amerikanischen Beziehungen sich allzu
oft auf ein Thema zu konzentrieren:
Abrüstung. Dies ist eine Stütze, die
nicht stark genug ist, um die gesamte
Plattform
sowjetisch-amerikanischer
Beziehungen zu tragen.
Also haben
wir nicht einfach eine einteilige,
sondern eine breit angelegte vierteilige Tagesordnung für die Rüstungskontrolle aufgestellt. Wir sprachen
über regionale Konflikte, insbesondere in Gebieten wie Afghanistan, Angola und Mittelamerika, wo die sowjetische Expansion zu eklatanten Konfrontationen geführt hat. Wir bestanden darauf, die Menschenrechtsfrage und die sowjetische Nichteinhaltung der Schlußakte von Helsinki
auf die Tagesordnung unserer bilateralen Gespräche zu setzen. Wir legten besonderen Wert auf menschliche
Kontakte und riefen die Sowjets dazu
auf, die künstlichen Schranken niederzureißen, die ihr Volk vom Rest
der Welt isolieren.
Auch das letzte Thema auf der Tagesordnung - die Rüstungskontrolle haben wir einer Überprüfung unterzogen. Wir erklärten, über die bloße
Festlegung neuer Obergrenzen hinausgehen zu wollen, die sogar eine noch
umfangreichere Aufrüstung bei den nuklearen Waffen ermöglicht hätte. Wir

bestanden auf einschneidenden Reduzierungen, nicht einfach Kontrolle
der Zahl von Waffen - Abrüstung und
nicht einfach Rüstungskontrolle.
Dieser Ansatz gegenüber den Sowjets hat nun Früchte getragen: öffentliche Aufrichtigkeit über ihr System und das unsrige und eine umfassende Tagesordnung, mit der die wirklichen Unterschiede zwischen uns offengelegt werden.
Wenn wir die wichtigsten Indikatoren für die wirtschaftliche Situation betrachten, erkennen wir, daß
der weltweite Vorstoß der Freiheit
der beste Indikator für die Position
der Vereinigten Staaten in der Welt
ist. Wenn wir die frei gewählte Regierang in der Republik Korea betrachten, die Siege der angolanischen
Freiheitskämpfer auf dem Schlachtfeld, die Öffnung Chinas und die Liberalisierung seiner Wirtschaft, die
fortschreitende Demokratisierung in
Lateinamerika, auf den Phlippinen und
auf jedem Kontinent - wo diese und
andere Indikatoren stark vertreten
sind, stärkt dies auch Amerika und
unsere Hoffnungen für die Zukunft.
Und dennoch haben die amerikanisch-sowjetischen Beziehungen trotz
der Freiheit, die sich nun auf dem
Vormarsch
befindet,
einen
dramatischen Wandel erfahren - in ein
Zeitalter echten Engagements. In einem Monat werde ich in Moskau mit
Herrn Gorbatschow zum vierten Gipfel
seit 1985 zusammentreffen. Zwischen
unseren beiden Regierungen finden
Verhandlungen über eine beispiellose
Anzahl von Problemkreisen statt. Der
INF-Vertrag ist Wirklichkeit, und der
Senat sollte nun die Zustimmung zu
seiner
Ratifizierung
geben.
Der
START-Vertrag wird gerade ausgehandelt. Und ich weiß, daß jeder heute
an diese einmalige, überraschende
Tatsache denkt - die Sowjets haben
versprochen, im nächsten Monat mit
dem Abzug ihrer Truppen aus Afghanistan zu beginnen.

- 3 -

Wenn

jemand

vor

einigen

Jahren

�vorhergesagt hätte, noch vor Ende
dieses Jahrzehnts wäre ein Vertrag
über die Beseitigung einer ganzen Kategorie von Nuklearwaffen unterzeichnet, Gespräche über einen 50prozentigen Abbau aller strategischen Nuklearwaffen seien im Gange und die Sowjets hätten einen festen Termin für
den Abzug ihrer Truppen aus Afghanistan bestimmt, dann wäre dieser Jemand auf nicht geringe Skepsis gestoßen. Aber dies ist - unmittelbar
vor dem vierten Gipfel - genau der
Punkt, an dem wir stehen.
Ich möchte jetzt einige der Problemkreise ansprechen, die im Vorfeld
dieses Gipfels noch näher definiert
werden müssen und zunächst auf Afghanistan eingehen.
Die Geschichte verzeichnet wenige
Kämpfe, die so heroisch sind wie die
des afghanischen Volkes gegen die sowjetische Invasion. In acht Jahren
sind mehr als eine Millionen Afghanen
getötet worden. Mehr als fünf Millionen wurden ins Exil geschickt.
Und dennoch hat das afghanische Volk
trotz all seiner Leiden weitergekämpft - ein entschlossener patriotischer Widerstand gegen eine der
mächtigsten und modernsten Armeen.
Ihr Land ist zwar besetzt, aber nicht
erobert worden.
Jetzt haben die Sowjets erklärt,
sie hätten genug.
Der Wille zur
Freiheit hat den Willen zur Macht besiegt, wie er es immer getan hat und
meiner Ansicht nach auch in Zukunft
tun wird.
Aber ich möchte an dieser Stelle
darauf hinweisen, daß die nächsten
Monate keine Zeit der Selbstzufriedenheit sein werden, keine Zeit, um
die Hände in den Schoß zu legen und
sich zu beglückwünschen. Die Sowjets
haben kaum jemals ein Land verlassen
- und schon gar nicht in den vergangenen mehr als dreißig Jahren - das
sie einmal besetzt hatten. Sie haben
oft ihren Abzug versprochen, haben
dies aber im Laufe ihrer Geschichte
kaum jemals wirklich getan - und

wenn, dann nur unter dem Druck des
Westens.
Afghanistan war strategisch gesehen ein wichtiger Gewinn für die Sowjets. Die Errichtung von Luftstützpunkten an den afghanischen Grenzen
zu Iran und Pakistan hätten die Möglichkeiten der Sowjets verbessert,
ihre Macht in die Straße von Hormus
auszuweiten und unsere Fähigkeit bedroht, diesen wichtigen Schiffahrtsweg offenzuhalten.
Wir sind davon
überzeugt, daß sie immer noch hoffen,
ihr zweifelhaftes und zum Scheitern
verurteiltes Marionettenregime halten
zu können, und sie suchen immer noch
das benachbarte Pakistan zu bedrohen,
zu dessen Verteidigung wir uns seit
langem verpflichtet haben.
Uns stellt sich also die Frage:
Haben die Sowjets diese Ziele wirklich
aufgegeben?
Wir wissen es
nicht, und wir können es nicht wissen, bis sich der Vorhang senkt. Wir
müssen klar zu erkennen geben, daß
jede Ausbreitung von Gewalt seitens
der Sowjets oder ihrer Vasallen all
das Gute zunichte machen könnte, das
die Genfer Abkommen für die Ost-WestBeziehungen hoffen ließen.
Die Sowjets sind nunmehr aufgefordert, ihre Streitkräfte spätestens
bis 15. Februar nächsten Jahres vollständig abzuziehen. In der Zwischenzeit wissen sie, daß wir den Mudjahedin auf jede erdenkliche Art und Weise weitere Unterstützung zukommen
lassen, solange sie ihre Freunde In
Kabul unterstützen.
Ich möchte es wiederholen - wir
werden die Mudjahedin so lange unterstützen, wie die Sowjets dem Regime
in Kabul helfen. Die Sowjets kennen
unsere Haltung und wissen, daß diese
Tatsache Vorbedingung der Übereinkunft war.
Aber es handelt sich
hierbei um mehr als nur eine Haltung.
Meinerseits handelt es sich um eine
feste Verpflichtung - die von einer
einstimmigen Resolution des amerikanischen Senats gestützt wird.

- 4 -

�Von Anfang an zielte unsere Afghanistan-Politik darauf ab, diesem
Land wieder zu einem unabhängigen
blockfreien Status zu verhelfen, der
dem afghanischen Volk die Entscheidung über seine eigene Zukunft und
die sichere und ehrenhafte Rückkehr
der Flüchtlinge in ihr Land ermöglichen würde - dieselben Ziele, wie
sie im Laufe der Jahre immer wieder
in zahlreichen Resolutionen der Vollversammlung der Vereinten Nationen
formuliert wurden.

i

*

Aber dies sind nicht die einzigen
Ziele unserer Politik in dieser Region. Im weiteren Sinne beabsichtigt
unsere Politik die Förderung dessen,
was man als "normalere" Beziehungen
zwischen Ost und West bezeichnen
könnte.
Ebensowenig wie diese Sowjetunion, die ihr eigenes Volk unterdrückt, die von ihr mitunterzeichnete Schlußakte von Helsinki über die
Menschenrechte verletzt, die weiterhin das Recht auf Meinungsfreiheit,
freie Religionsausübung und Freizügigkeit unterdrückt - jemals ganz
normale Beziehungen zu den Vereinigten Staaten und der übrigen freien
Welt haben kann, ebensowenig kann eine Sowjetunion, die ständig versucht,
sich in die Angelegenheiten anderer
Länder einzumischen, jemals ein normales Verhältnis mit uns eingehen.
Und genau das ist in Ländern wie Angola, Nicaragua und Äthiopien geschehen. Die Sowjetunion hat gegen den
Willen der Bevölkerung Satellitenregimes zur Regierungsgewalt verholfen
oder diese unterstützt.

mit aufgeblähten Bäuchen sehen oder
Geschichten von Familien hören zu
müssen, die auf ihrem kilometerlangen
Marsch zur Nahrungsmittelvergabe der
Reihe nach starben. Aber jetzt ist
die Hungersnot in ein Land der Hunger
zurückgekehrt.
Äthiopien leidet unter einer Dürrekatastrophe, und es leidet noch
stärker unter einer unzureichenden
Landwirtschaftspolitik. Aber nun ist
zu der Dürre und gescheiterten Politik ein drittes tödliches Element
hinzugekommen - der Krieg.
Die äthiopische Armee hat in
jüngster Zeit in ihrem andauernden
Krieg
gegen die Separatisten in
Eritrea erhebliche Niderlagen erlitten. Das Zusammenspiel von Dürre und
den Zerrüttungen des Krieges ist die
unmittelbare Ursache der Hungersnot
in diesem Teil des Landes. Aber das
äthiopische Regime hat vor kurzem
verfügt, daß alle ausländischen Helfer bei der Bekämpfung der Hungersnot
das Notstandsgebiet im Norden des
Landes verlassen müssen. Das führt
uns zu der erschreckenden Schlußfolgerung, daß Hunger und eine Politik
der verbrannten Erde als Waffe erwogen werden, um die Aufstände niederzuschlagen.

Keines dieser Regime hat den Menschen zu Frieden oder einem besseren
Leben verholfen. Jedes hat Unglück
und Härten mit sich gebracht. Jedes
lastet auf dem Gewissen der Menschheit und ganz besonders das Schicksal
Äthiopiens.

Das Thema Äthiopien steht seit
langem auf der amerikanisch-sowjetischen Tagesordnung, gewinnt jedoch
aufgrund der ungeheuren Katastrophe
für die Menschen zunehmend an Dringlichkeit. Wird die Welt Zeuge eines
weiteren Holocaust?
Wird sie eine
weitere Hungersnot aus politischen
Gründe erleben? Die Sowjets sind der
Hauptlieferant von Waffen und leisten
dem Regime in Addis Abeba die größte
Unterstützung. Ferner liefern sie in
diesem Jahr 250 000 Tonnen Nahrungsmittel.

Vor zwei Jahren glaubte die Welt,
die Hoffnungen aller mitfühlenden
Menschen seien verwirklicht worden
und die Hungersnot in Afrika habe ein
Ende gefunden. Die Menschheit hoffte, niemals wieder Bilder von Kindern

Sie können dieses Desaster im
Keim ersticken.
Ich appelliere an
sie, das äthiopische Regime von der
Abkehr von dieser Entscheidung zu
überzeugen - denn nur sie können dies
- und weitere Bemühungen zur Beendi-

- 5 -

�gung der Hungersnot zu gestatten.
Und ich möchte ferner meiner Hoffnung
Ausdruck verleihen, daß die Sowjetunion gemeinsam mit uns und anderen
besorgten Regierungen auf eine friedliche, ausgehandelte Beilegung dieses
Bürgerkrieges hinarbeitet.
In Äthiopien und praktisch in jedem anderen Land, dem die Sowjets ihr
Regime aufgezwungen haben, müssen die
Themen Menschenrechte und regionale
Konflikte im Kontext eines viel umfassenderen Themenkomplexes betrachtet werden - der sowjetischen Intentionen, Vorhaben und ihres Verhaltens
im eigenen Land wie auch weltweit.
Vor einigen Jahren berichtete der
französische Politologe und Publizist
Jean-Francois Revel über ein Gespräch, das ein Mitglied des französischen Kabinetts mit einem hochrangigen sowjetischen Regierungsbeamten
geführt hat. Revel zufolge erklärte
dieser sowjetische Regierungsbeamte
in einem Rückblick auf die Geschichte
der siebziger Jahre: "Wir nahmen Angola ein - und Sie haben nicht protestiert... Wir haben es zur Kenntnis genommen und in unseren Analysen
vermerkt."
Der sowjetische Regierungsbeamte fuhr fort: "Dann nahmen
wir Mocambique ein - lassen wir das
Thema, Sie wissen ja noch nicht einmal, wo das liegt. Dann nahmen wir
Äthiopien ein, ein entscheidender
Zug... Keine Reaktion... " Und er
fügte hinzu: "Dann nahmen wir Aden
ein und installierten dort einen
wichtigen sowjetischen Stützpunkt...
Aden. Auf der arabischen Halbinsel.
Im Herzen Ihres Nachschubzentrums.
Keine Reaktion." Und der sowjetische
Regierungsbeamte bemerkte abschliessend:
"So stellten wir fest: Wir
können Aden einnehmen."
Die Jahre der Passivität des Westens angesichts sowjetischer Aggression waren natürlich vor sieben Jahren zu Ende. Aber das heutige Problem ist, daß die Mentalität, die
eine solche "Analyse" hervorgebracht
hat, wie der sowjetische Regierungsbeamte sie bezeichnete, immer noch
vorherrscht. Solange dies der Fall

ist, wird die Welt
Frieden erleben.

keinen

wahren

Diese Lektion sollten wir auf dem
eigenen Kontinent, in Nicaragua, besser in die Tat umsetzten. Einige Monate bevor die Sowjets ihre Invasion
in Afghanistan begannen, halfen sie
auch den sandinistischen Kommunisten
in Nicaragua bei der Vereitelung einer demokratischen Revolution.
Die
Kommunisten
versprachen
Demokratie
und Menschenrechte, aber stattdessen
zwangen sie dem Land eine grausame,
schwerbewaffnete Diktatur auf und begannen einen geheimen Krieg der Subversion gegen die friedlichen Nachbarländer Nicaraguas.
Das Volk von Nicaragua griff zu
den Waffen gegen die Kommunisten und
hat einen heldenhaften Kampf geführt.
Aber anstatt dem nicaraguanischen Widerstand dieselbe kontinuierliche Unterstützung wie dem afghanischen Volk
zu gewähren hat unser Kongreß die
Hilfsleistungen
wiederholt
gestrichen. Selbst jetzt, da der Ostblock
Waffen im Wert von einer halben Milliarde Dollar pro Jahr nach Nicaragua
schleust, hat der Kongreß den Freiheitskämpfern die Unterstützung versagt, die sie benötigen, um die Sandinisten zur Erfüllung ihrer demokratischen Versprechen zu bewegen. Ich
denke, es ist an der Zeit, daß der
Kongreß die in Afghanistan gelernte
Lektion beherzigt.
Mit der Unterstützung der Freiheitskämpfer in ihrem Kampf gegen die
brutale Diktatur trägt Amerika zur
Verwirklichung seiner am höchsten
bewahrten Güter bei: Frieden, Freiheit, Menschenrechte und Demokratie.
Gleichzeitig sichern wir unsere eigene Freiheit, indem wir die Kosten der
sowjetischen Aggression in die Höhe
treiben und den Kampf für Freiheit
bis auf die entferntesten Grenzen
ausdehnen.
Manch einer argumentiert, die Sowjetunion nehme in diesen Tagen eine
Neubewertung ihrer Außenpolitik vor,
um sich auf die Reformen im Inneren

- 6 -

t

�zu konzentrieren. Zweifelsohne können wir Zeichen des Wandels ausmachen. Wenn sich jedoch ein solcher
Wandel vollzieht, so deshalb, weil
sie sich die Kosten der Aggression
und der tatsächlichen moralischen Unterschiede zwischen unseren Systemen
klargemacht haben. Wenn wir auf einen grundlegenderen Wandel hoffen
wollen, müssen wir weiterhin fest und
entschlossen bleiben. Wenn wir unsere Verantwortung bei der Festsetzung
dieser Ziele erfüllen und gleichzeitig unsere konstruktive Zusammenarbeit anbieten, dann könnte dies in
der Tat zu einem Wendepunkt in der
Geschichte der Ost-West-Beziehungen
werden.
Mit ihrer jetzt unter Beweis gestellten Bereitwilligkeit zur tatsächlichen Wahrung der Menschenrechte
und der Abkehr von militärischen Lösungen bei der Bewältigung dieser regionalen Konflikte würde die Sowjetunion auch auf Vertrauensbildung und
die Verbesserung der Beziehungen zwischen unseren beiden Ländern hinarbeiten. Regionale Konflikte und Menschenrechte sind eng miteinander verflochten. Dies sind Themen von moralischer Dimension. Dies sind Belange
der internationalen Sicherheit. Denn
wenn eine Regierung die Rechte seines
eigenen Volkes mißbraucht, so ist
dies ein bitteres Anzeichen ihrer Bereitschaft, Gewalt gegen andere anzuwenden.
Zwei der Grundrechte, deren Einhaltung wir von den Sowjets im Rahmen
der Schlußakte von Helsinki gefordert
haben, sind das Recht zur Ausreise
und das Recht der Freizügigkeit. Wir
können nicht umhin, die Ernsthaftigkeit einer Regierung zu bezweifeln,
die ihrem eigenen Volk mißtraut und
es gegen seinen Willen festhält.
Welchen geeigneteren Weg könnte es
zum besseren Verständnis zwischen den
Vereinigten Staaten und der Sowjetunion geben, als freie und unmittelbare Kontakte zwischen unseren beiden
Völkern zu gestatten? Warum händigt
die sowjetische Regierung im neuen
Geist der Offenheit ihren Bürgern

keine Pässe aus? Ich bin davon überzeugt, daß ein solcher Schritt die
amerikanisch-sowjetischen Beziehungen
entscheidend verbessern würde.
Natürlich ist der hiesige Rat für
Auswärtige Politik einer der wichtigsten Sponsoren des vom Informationsamt der US-Regierung (USIA) durchgeführten internationalen Besucherprogramms. Über die Bedeutung menschlicher Kontakte brauche ich Ihnen also nichts zu erzählen. Und ich möchte allen, die ausländischen Besuchern
Unterstützung
und
Gastfreundschaft
gewährt haben, meinen persönlichen
Dank aussprechen.
Ich habe in der Öffentlichkeit
häufig darüber nachgedacht, wie alle
Nationen und alle Völker sich rasch
in Einigkeit und Brüderlichkeit versammeln würden, wenn unser Planet je
von Mächten einer anderen Welt bedroht würde.
Sie hier beim Rat für Auswärtige
Politik sind sich der Erkenntnis,
wieviel
wir
als
Angehörige
der
menschlichen Rasse gemeinsam haben,
besser bewußt als jeder andere. Es
sind schließlich die Regierungen und
nicht die Völker, die Barrieren errichten und Mißverständnisse verursachen.
Als ich vor einigen Jahren eine
Ansprache vor den Vereinten Nationen
hielt, zitierte ich einige Sätze von
Gandhi, die er kurz nach seinem Besuch in Großbritannien zur Erlangung
der Unabhängigkeit Indiens sagte.
"Während dieser in Großbritannien
und Europa verbrachten drei Monate
habe ich keinerlei Erfahrung gemacht,
die mir das Gefühl vermittelt hätte,
daß letztlich Osten doch Osten und
Westen doch Westen ist. Im Gegenteil, ich konnte mich mehr denn je
davon überzeugen, daß die menschliche
Natur unabhängig von den jeweiligen
Gegebenheiten im Grunde gleich ist,
und man tausendfach mit Zuneigung belohnt wird, wenn man mit Vertrauen
und Zuneigung auf den anderen zugeht."

- 7 -

�1

Sie beim Rat für Auswärtige Angelegenheiten haben auf diesem Gebiet
viel Lobenswertes vollbracht.
Und
ich bin voller Zuversicht, daß die
beständig auf Stärke und Offenheit
gegründete amerikanische Außenpolitik
einen neuen Weg in Richtung auf eine
Welt aufzeigt, in der Vertrauen und
Zuneigung unter den Völkern eine alltägliche Realität sein werden. Meine
Vorbereitungen zur Reise nach Moskau
sind von dieser Hoffnung geleitet.
Ich danke für Ihre von Herzen kommende Unterstützung.

* * * * *

- 8

�AMERIKA DIENST
1?

"*"

Hintergrundmaterial

c&amp;

27. April 1988

17

WARUM INF GUT FÜR DIE NATO IST
- Von Generalleutnant Colin L. Powell -

Copyright (c): The American Legion Magazine 1988
WASHINGTON - (AD) - Der Generalleutnant des Heeres Colin L. Powell wurde
im vergangenen November zum Nationalen Sicherheitsberater ernannt. Sein nachstehender Aufsatz wurde in der April-Ausgabe des American Legion Magazine 1988
veröffentlicht:
Der Senat erörtert derzeit den
Vertrag über die nuklearen Mittelstreckenwaffen, den Präsident Reagan
und Generalsekretär Gorbatschow während des Gipfels im vergangenen Dezember unterzeichnet haben. Wir sind
der Auffassung, daß der Vertrag die
derzeit stattfindende Prüfung sicher
bestehen wird. Es ist ein reeller
Vertrag.
Der INF-Vertrag stärkt die Sicherheit der Vereinigten Staaten und
die seiner Verbündeten und stellt bei
unseren Bemühungen um die Sicherung
des Friedens einen Schritt nach vorn
dar. Er beweist die Solidität unseres in den vergangenen sieben Jahren
verfolgten Ansatzes bei der Wiederherstellung der militärischen Stärke
des Westens, bei gleichzeitiger Ver-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

folgung eines realistischen
mit der Sowjetunion.

Dialogs

Die Maßnahmen, welche zum INFVertrag führten, nahmen mit der Stationierung von SS-20 Raketen in den
späten siebziger Jahren ihren Auftakt, womit die Bedrohung Europas und
Asiens eine neue Dimension erreichte.
Die Sowjets wollten diese Bedrohung
wahrscheinlich gegen das Territorium
unserer Verbündeten - und nicht das
unsrige - richten, um so einen Keil
zwischen die Demokratien zu treiben.
Dies aber ließen wir nicht zu.
Mit ihrem Doppelbeschluß von 1979
entschied die NATO, als Gegenmaßnahme
eine begrenzte Anzahl amerikanischer
Pershing-II
und
landgestützter
Marschflugkörper in Europa zu statio-

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�nieren, und rief zu amerikanisch-sowjetischen Verhandlungen über die
Vereinbarung von Obergrenzen für amerikanische und sowjetische INF-Systeme auf der niedrigstmöglichem Niveau
auf.
Die Sowjets führten eine umfassende
Propaganda- und
Einschüchterungskampagne in dem Versuch durch,
die Stationierungen der NATO aufzuhalten. Aber erst nachdem die NATO
mit der Stationierung ihrer eigenen
INF-Raketen begonnen hatte, waren die
Sowjets zu ersthaften Verhandlungen
bereit. Es ist den Verantwortlichen
im Bündnis zu verdanken, daß die NATO
zunächst solide Verhandlungsprinzipien erarbeitete und sich in all den
Jahren sowjetischen Lavierens fest
daran hielt.
Der Westen erreichte
seine Ziele auf folgende Weise:
- Wir bestanden darauf, daß jede
Vereinbarung zu einem Gleichgewicht zwischen den USA und der
Sowjetunion führen muß. Die Sowjets beharrten zunächst auf dem
Recht, mit den nuklearen Arsenalen der Vereinigten Staaten und
ihrer sämtlichen NATO-Verbündeten
in ihrer Gesamtheit einen Gleichstand zu erlangen.
Dann boten
sie einen Abbau in gleichem Umfang an, was zu einer Unterlegenheit der Vereinigten Staaten geführt hätte.
Doch der Westen
stand fest zu seinen Positionen,
und
die
Sowjets
akzeptierten
schließlich - auf der Basis des
Vorschlags der amerikanischen Regierung von 1981 - ein Gleichgewicht bei Null. Dies entsprach
dem Ziel der NATO und stellte eine wichtige Voraussetzung für andere Verhandlungen dar: Asymmetrische sowjetische Reduzierungen
zur Erzielung eines Gleichgewichts mit den Vereinigten Staaten.
- Sämtliche Vereinbarungen sollten
weltweite Gültigkeit haben, da
die sowjetischen INF-Raketen unsere Freunde und Verbündeten auf
zwei Kontinenten bedrohten. Jah- 2 -

relang boten die Sowjets einen
Abbau lediglich in Europa an.
Danach versuchten sie, im Gegenzug für Reduzierungen in Asien
einen Abbau amerikanischer mit
Nuklearwaffen
ausgerüsteter
Schiffe und Flugzeuge in jenem
Teil der Welt auszuhandeln. Wir
blieben fest und bekamen, was wir
wollten.
Obergrenzen für Raketen anderer
Länder kamen für uns nicht in
Frage. Jahrelang haben die Sowjets versucht, eine Reduzierung
der britischen oder französischen
Raketen oder Obergrenzen für deren weitere Aufstockung zu erreichen.
Beide Forderungen mußten
sie fallenlassen.

,
&gt;

- Um die Sowjets an einer Umgehung
der Reduzierung von SS-20-Raketen
durch den Ausbau ihrer INF-Systeme kürzerer Reichweite zu hindern, mußte es gleiche Einschränkungen auf diesem Gebiet geben.
Dem widersetzten sich die Sowjets
für einen längeren Zeitraum und
boten dann einen Abbau ihrer INFRaketen
nur
in
Europa
an.
Schließlich stimmten sie einer
weltweiten Vernichtung dieser Systeme zu.
- Ein INF-Abkommen konnte die konventionellen Fähigkeiten der NATO
nicht begrenzen.
Die Sowjets
forderten beträchtliche Kürzungen
bei den amerikanischen land- und
seegestützten Flugzeugen, die als
Träger nuklearer oder konventioneller Waffen in Frage kommen;
diese Flugzeuge spielen im NATOEinsatzkonzept für die konventionellen Streitkräfte eine wesentliche Rolle.
Wiederum lehnten
wir dies ab, und die Forderung
wurde schließlich fallen gelassen.
- Jedes Abkommen muß eine wirkungsvolle Verifizierung beinhalten.
Jahrelang
lehnten die Sowjets
dies ab und erklärten dann, die
Einzelheiten des Verifizierungsverfahrens könnten nach der Ver-

f

�tragsunterzeichnung
ausgehandelt
werden.
Wir bestanden darauf,
daß die Verifizierung ein integraler Bestandteil jedes Abkommens sein muß. Im Ergebnis hat
dieser Vertrag die schärfsten Verifizierungsbestimmungen in der
Geschichte der Rüstungskontrolle,
einschließlich
mehrerer
Formen
kurzfristig anberaumter Vor-OrtInspektionen. Dies ist ebenfalls
ein wichtiger Präzedenzfall für
andere Verhandlungen.
«
\

Aus dem Umgang des Westens mit
der INF-Frage lassen sich einige
nützliche Lehren für die Zukunft ziehen.
Die NATO war aufgrund ihrer
Stärke und Einheit über viele Jahre
erfolgreich;
wir wußten, was wir
wollten, und wir blieben fest, bis
wir es bekamen. Wenn sich die Befürworter eines Einfrierens der Atomwaffenpotentiale oder einseitiger Abrüstung durchgesetzt hätten, wären wir
jetzt stattdessen mit einem dauerhaften sowjetischen Monopol bei den INFRaketen konfrontiert.

über der konventionellen
kungsfähigkeit der NATO.

Der Vertrag beweist, wie die Sicherheit des Westens gestärkt wird,
wenn wir zur Bewältigung einer gemeinsamen Bedrohung zusammenarbeiten.
INF war das am häufigsten diskutierte
Thema in der Geschichte des Bündnisses. Bei verschiedenen Anlässen baten uns die Verbündeten um eine Abänderung unserer Verhandlungspositionen, und wir kamen diesen Wünschen
nach. Wie der Präsident es formulierte: "Unsere Verbündeten standen
die ganze Zeit auf unserer Seite, und
dies war umgekehrt genauso."

Eine andere Lehre lautet: Dieser
Vertrag verdeutlicht, daß der Westen
an vernünftigen Zielen festhält, und
nicht, daß sich die sowjetischen Ziele gewandelt hätten.
Wenn wir im
Hinblick auf die Sowjetunion realistisch bleiben, werden wir auch
weiterhin sicherstellen, daß die NATO
die modernen und glaubwürdigen nuklearen und konventionellen Streitkräfte aufrechterhält, die sie zur
Erwiderung einer Aggression auf jedem
Niveau benötigt.
i

I

Verstär-

Der INF-Vertrag stärkt die Fähigkeit der NATO, dies zu tun, in zweifacher Hinsicht.
Er beseitigt die
durch sowjetische INF-Raketen - und
insbesondere die SS-20 - geschaffene
Bedrohung unserer nuklearen Abschrekkungsstreitkräfte.
Und durch die
Vernichtung der sowjetischen Kurzstreckenraketen vom Typ SS-12 und
SS-23, die chemische und konventionelle sowie auch nukleare Gefechtsköpfe tragen können, beseitigt er
auch eine erhebliche Bedrohung gegen- 3 -

* * * * *

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Reagan: amerikanische Politik verändert Beziehungen zur Sowjetunion&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Ansprache des Präsidenten vor dem Rat für Auswärtige Politik von West-Massachusetts&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Warum INF gut für die NATO Ist&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Generalleutnant Colin L. Powell&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST
'VON

4

20. April 1938

16

INHALT

DOKUMENTATION
USA verdeutlichen Iran den Preis seines unverantwortlichen Handelns
- Ansprache Präsident Reagans zu den Aktionen im Golf Nach Abzug der Sowjets können Afghanen ihr Schicksal selbst in die
Hand nehmen
- Erklärung von Außenminister George Shultz Von den Garantiemächten eingegangene Verpflichtungen sind
"symmetrisch"
- Erklärung der Vereinigten Staaten zur Afghanistan-Übereinkunft -

WIRTSCHAFT
Baker optimistisch über Aussichten für Weltwirtschaft
- Erklärung vor Interimsausschuß des IWF -

HINTERGRUNDMATERIAL
DIE WAHLEN IN AMERIKA 1988
Bush erläutert seine "zentralen Prinzipien" für die Außenpolitik
- Rede vor Zeitungsredakteuren -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Investitionen in die Zukunft
- Präsident Reagan fordert Bewilligung ausreichender Forschungsmittel -

* * * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�AMERIKA DIENST
VON

**

Dokumentation
20. April 1988

16

USA VERDEUTLICHEN IRAN DEN PREIS SEINES UNVERANTWORTLICHEN HANDELNS
- Ansprache Präsident Reagans zu den Aktionen im Golf -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Reagan zufolge haben die Vereinigten Staaten
am 18. April 1988 einen Schlag gegen zwei militärische Ziele des Iran im Golf
ausgeführt, um "klarzustellen, daß die Iraner sich keinen Illusionen über den
Preis ihres unverantwortlichen Handelns hingeben".
Reagan bezeichnete die Aktion der Vereinigten Staaten als "adäquate Antwort auf den jüngsten militärischen Einsatz des Iran gegen amerikanische
Schiffe in internationalen Gewässern und die fortgesetzten militärischen und
terroristischen Angriffe gegen eine Reihe nicht kriegführender Staaten".
Nachfolgend veröffentlichen wir die Erklärung im Wortlaut:

Heute hat unsere Marine eine adäquate Antwort auf den jüngsten militärischen Einsatz des Iran gegen amerikanische Schiffe in internationalen
Gewässern und die fortgesetzten militärischen und terroristischen Angriffe gegen eine Reihe nicht kriegführender Staaten erteilt.
Nach der
Zerstörung der beiden militärischen
Plattformen des Iran, die nach unserer Warnung von ihrer Besatzung geräumt wurden, versuchten einige iranische
Schiffe
und Boote unsere
Schiffe und Flugzeuge anzugreifen.
Dabei wurden drei iranische Schiffe
und mindestens zwei Boote versenkt
oder sehr schwer beschädigt.
Wir haben diesen Schlag ausgeführt, um klarzustellen, daß die
Iraner sich keinen Illusionen über

United States Information Service
Embassy of the United States of America

den Preis ihres unverantwortlichen
Handelns hingeben.
Wir zielen auf
die Abschreckung - nicht die Provokation - zukünftiger iranischer Angriffe ab. Sie müssen wissen, daß wir
unsere Schiffe schützen werden, und
wenn sie uns bedrohen, müssen sie dafür zahlen. Ein normaleres Verhältnis zum Iran Ist wünschenswert, und
wir sind dazu bereit. Aber ein solches Verhältnis ist so lange nicht
möglich, wie der Iran neutrale Schiffe angreift, seine Nachbarn Dedroht,
den Terrorismus unterstützt und die
Beendigung des blutigen Krieges mit
dem Irak verweigert.

* * * * *

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�AMERIKA DIENST
VON

Dokumentation

4

20. April 1988

16

NACH ABZUG DER SOWJETS
KÖNNEN AFGHANEN IHR SCHICKSAL SELBST IN DIE HAND NEHMEN
- Erklärung von Außenminister George Shultz GENF - (AD) - "Jetzt sind für die afghanische Bevölkerung - von sowjetischen Streitkräften befreit - die Voraussetzungen für die Gestaltung ihrer
eigenen Zukunft und für die Rückkehr der Flüchtlinge in ihre Heimat geschaffen
worden," erklärte Außenminister George Shultz im Anschluß an die Unterzeichnung des Afghanistan-Abkommens im Palast der Nationen am 14. April 1988.
Shultz verlieh der amerikanischen Hoffnung Ausdruck, daß die Sowjetunion "ihren Beitrag zu diesem Prozeß leisten wird, indem sie die Waffenlieferungen an
ihr Vasallenregime in Kabul beendet". Amerikanische Regierungsvertreter haben
den Sowjets gegenüber erklärt, daß es "im Einklang mit unseren Verpflichtungen
als Garantiemacht unser Recht ist, dem Widerstand militärische Hilfe zukommen
zu lassen. Wir sind bereit, dieses Recht auszuüben, werden aber Zurückhaltung
mit ebensolcher Zurückhaltung beantworten."
Nachstehend geben wir die Erklärung des Außenministers zum Auftakt einer
Pressekonferenz in Genf wider:
Heute ist Geschichte gemacht worden. Seit mehr als acht Jahren hat
die afghanische Bevölkerung unter einem brutalen Krieg gelitten, der ihr
unermäßlichen Tod, Vertreibung und
Zerstörung gebracht hat. Die Gemeinschaft der Völker war seit langem bestrebt, den Grund für dieses Leid zu
beseitigen: die sowjetische militärische Besetzung Afghanistans. Diese
Bemühungen haben zum Erfolg geführt,
und die Sowjetunion hat sich nun zur
Einhaltung fester Termine für den Beginn und die Beendigung ihres Truppenabzugs verpflichtet.
Diese Leistung spiegelt hauptsächlich den Mut und die Entschlossenheit der afghanischen Bevölkerung
wider, die zur Wiedererlangung ihrer
nationalen Unabhängigkeit einen hohen

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Embassy of the United States of America

Preis bezahlt hat. Fast eine Million
kostbare Menschenleben sind für diese
Sache geopfert worden, und viele Millionen Afghanen haben Jahre im Exil
verbracht.
Ihre Errungenschaften jedoch werden die Sicherheit der gesamten
Menschheit erhöhen, denn ihr heldenhafter Kampf erinnert uns zu Recht
daran, daß eine bedeutende Macht ihren Willen nicht mit Waffengewalt
selbst dem kleinsten Land aufzwingen
kann, wenn sein Volk in seinem Widerstand vereint ist. Jetzt sind für
die afghanische Bevölkerung - von sowjetischen Streitkräften befreit
die Voraussetzungen für die Gestaltung ihrer eigenen Zukunft und zur
Rückkehr der Flüchlinge in ihre Heimat geschaffen worden. Alle Betrof-

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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�fenen sind aufgefordert, den Afghanen
bei ihren Bemühungen zur Bildung einer Regierung behilflich zu sein, die
den Willen des afghanischen Volkes
zum Ausdruck bringt. Das derzeitige
Regime in Kabul erfüllt diese Voraussetzung nicht, und wir können es
nicht als legitim ansehen.
Wir begrüßen heute auch die Beständigkeit Pakistans bei seiner Unterstützung für die Sache der Afghanen. Auf zuvorkommende Weise hat es
Millionen afghanischer Flüchtlinge in
seinem Land aufgenommen; es hat sich
um deren Bedürfnisse gekümmert und
ihnen grundlegende Unterstützung gewährt - oft angesichts der Androhung
von
Zwangsmaßnahmen,
militärischer
Übergriffe und terroristischer Aktionen. Und es hat bei den Genfer Gesprächen energisch und gewissenhaft
den Frieden verfolgt. Ich gratuliere
dem pakistanischen Volk, Präsident
Zia-ul-Haq,
Premierminister
Junejo
und Staatsminister Noorani für ihren
Anteil an diesem großen Werk. Ich
zolle Pakistans Engagement, Mut und
Entschlossenheit meine Hochachtung.
Für die Gemeinschaft der Völker
beweist die heutige Errungenschaft,
daß gemeinsames Vorgehen zu Ergebnissen führt. Die wiederholten Aufforderungen der Vollversammlung der Vereinten Nationen zum Abzug der sowjetischen Truppen und die scharfsinnigen und nachdrücklichen Bemühungen
des Generalsekretärs der Vereinten
Nationen und seines persönlichen Vertreters haben Früchte getragen. Wieder einmal ist die Bedeutung der Vereinten Nationen und der Prinzipien
ihrer Charta bei der Beilegung internationaler Konflikte bestätigt worden. Ganz besonders loben möchte ich
die Geduld und Ausdauer von Diego
Cordovez. Als persönlicher Vertreter
des Generalsekretärs hat er bei diesen Verhandlungen eine Schlüsselrolle
eingenommen.
Ferner begrüßen wir die Entscheidung der sowjetischen Führung, die zu
dieser großen Leistung beigetragen
hat.
Die Anwesenheit sowjetischer

Truppen in Afghanistan war ein Affront gegen die Gemeinschaft der Völker und eine große Belastung für die
sowjetisch-amerikanischen
Beziehungen.
Die gewissenhafte Ausführung
der in dem heute unterzeichneten Abkommen enthaltenen Abzugsverpflichtungen wird sehr dazu beitragen, die
Atmosphäre in unseren bilateralen Beziehungen und zur Lösung anderer regionaler Konflikte zu verbessern.
Die Vereinigten Staaten fühlen
sich an diese Vereinbarung gebunden,
weil wir glauben, daß es den Weg zur
Wiederherstellung der Kontrolle der
Afghanen über ihr Land ebnen wird.
Wir haben die Sache der Afghanen entschlossen unterstützt und dies wird
auch in Zukunft so bleiben. Unsere
humanitäre Hilfe an die Afghanen werden wir aufrechterhalten.
Und wir
werden alles in unser Macht Stehende
tun, um zu einer Aussöhnung und einem
Wiederaufbau in Afghanistan beizutragen.
Wir hoffen, daß die Sowjetunion
ihren Beitrag zu diesem Prozeß leisten wird, indem sie die Waffenlieferungen an ihr Vasallenregime in Kabul
beendet. Wir haben den sowjetischen
Führern gegenüber erklärt, daß es im
Einklang mit unseren Verpflichtungen
als Garantiemacht unser Recht ist,
dem Widerstand militärische Hilfe zukommen zu lassen. Wir sind bereit,
dieses Recht auszuüben, werden aber
Zurückhaltung mit ebensolcher Zurückhaltung beantworten."
Heute
haben
wir
den
ersten
Schritt hin zu einer sichereren Zukunft für das afghanische Volk getan.
Aber es bleibt noch viel zu tun, und
wir können nicht ruhen, bis die Versprechungen dieses Tages in vollem
Umfang erfüllt sind. Zunächst müssen
die sowjetischen Truppen vollständig
abgezogen werden.
Zweitens müssen
alle Betroffenen große Anstrengungen
zur Förderung der Wiederansiedlung
und des Wiederaufbaus zu unternehmen.
Und gleichzeitig muß eine Regierung
errichtet werden, welche den legitimen Willen des afghanischen Volkes

- 2 -

�widerspiegelt.
Die Versprechungen von heute müssen zum Erfolg von morgen führen. In
Zusammenarbeit mit den Behörden der
Vereinten Nationen und den vielen
Freunden Afghanistans sind wir bereit, unseren Beitrag hierzu zu leisten.

* * * * *

- 3-

�AMERIKA DIENST
'VON

Dokumentation

^

20. April 1988

16

VON DEN GARANTIEMÄCHTEN EINGEGANGENE VERPFLICHTUNGEN SIND "SYMMETRISCH"
- Erklärung der Vereinigten Staaten zur Afghanistan-Übereinkunft -

GENF - (AD) - Anläßlich der feierlichen Unterzeichnung der politischen
Beilegung des Afghanistan-Konflikts am 14. April 1988 in Genf haben die Vereinigten Staaten in ihrer Funktion als Garantiemacht eine offizielle Erklärung
abgegeben, mit der erneut bekräftigt wird, "die von den Garantieraächten eingegangenen Verpflichtungen sind symmetrisch".
Die einseitige Erklärung setzt die Sowjetunion davon in Kenntnis, daß sich
die Vereinigten Staaten im Einklang mit ihrer Verpflichtung als Garantiemacht
das Recht vorbehalten, den Vertragsparteien in Afghanistan militärische Unterstützung zu gewähren.
Nachfolgend bringen wir die Erklärung im Wortlaut.
Die Vereinigten Staaten haben
sich bereiterklärt, die Aufgabe einer
Garantiemacht
bei der politischen
Beilegung des Afghanistan-Konflikts
zur Beendigung des Blutvergießens in
diesem von Zerstörung heimgesuchten
Land zu übernehmen und die Rückkehr
von Millionen afghanischer Flüchtlinge in ihr Land zu veranlassen.
Mit der Übernahme der Funktion
einer Garantiemacht geben die Vereinigten Staaten folgende Erklärung
ab:
- Die in Absatz 5 und 6 des Dokuments über die gegenseitigen Beziehungen festgelegten Verpflichtungen zum Truppenabzug sind für
die Beilegung des Konflikts insgesamt von zentraler Bedeutung.

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Die Einhaltung dieser Verpflichtungen ist unabdingbar für die
Verwirklichung
dieser
Übereinkunft, das heißt, der Beendigung
ausländischer
Intervention
in
Afghanistan und der Wiederherstellung der Rechte des afghanischen Volkes durch die Ausübung
der Selbstbestimmung, wie sie in
der Charta der Vereinten Nationen
und den Resolutionen der Vollversammlung der Vereinten Nationen
zu Afghanistan gefordert werden.
Die von den Garantiemächten eingegangenen Verpflichtungen sind
symmetrisch. In diesem Zusammenhang haben die Vereinigten Staaten die Sowjetunion davon In
Kenntnis gesetzt, daß sich die
Vereinigten Staaten im Einklang

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�mit ihren Verpflichtungen als Garantiemacht das Recht vorbehalten, den Vertragsparteien in Afghanistan militärische Unterstützung zu gewähren. Sollte die Sowjetunion bei der Bereitstellung
von Militärhilfe für die Vertragsparteien in Afghanistan Zurückhaltung üben, werden sich die
Vereinigten Staaten entsprechend
zurückhalten.
- Die Übernahme der Aufgabe einer
Garantiemacht bei der Beilegung
des Konflikts beinhaltet für die
Vereinigten Staaten
in keiner
Weise die Anerkennung des derzeitigen Regimes in Kabul als rechtmäßige Regierung Afghanistans.

* * * * *

�AMERIKA DIENST
VON

Wirtschaft

^

20. April 1988

16

BAKER OPTIMISTISCH ÜBER AUSSICHTEN FÜR WELTWIRTSCHAFT
- Erklärung vor Interimsausschuß des IWF WASHINGTON - (AD) - Dem amerikanischen Finanzminister James Baker zufolge
gibt es "berechtigten Anlaß zum Optimismus" im Hinblick auf die wirkliche
Stärke der Weltwirtschaft. In einer Ansprache vor dem Interimsausschuß des
Internationalen Währungsfonds (IWF) nahm Baker am Morgen des 14. April 1988 zu
den Perspektiven für die Weltwirtschaft, IWF-Quoten und der Zuteilung von Sonderziehungsrechten Stellung.
Seine Ausführungen haben folgenden Wortlaut:
Die Perspektiven für die Weltwirtschaft, IWF-Quoten und die Zuteilung
von Sonderziehungsrechten
Seit unserem Treffen im vergangenen September haben wir berechtigten Anlaß zum Optimismus in bezug auf
die wirkliche Stärke unserer Volkswirtschaften und die positive Rolle
des Koordinierungsprozesses, an dem
die wichtigsten Industriestaaten beteiligt sind.
- Die scharfen Kurseinbrüche an den
Aktienmärkten im Oktober haben
uns alle mit Sorge erfüllt. Tatsächlich wuchs jedoch das Bruttosozialprodukt in den Industriestaaten in der zweiten Hälfte des
Jahres 1987 schneller als in der
ersten. Die wirkliche Stärke un-

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seres Wirtschaftswachstums wurde
eindeutig
unterschätzt.
Heute
stellen wir einen neuen Optimismus im Hinblick auf die Wachstumsaussichten für 1988 fest.
- Mit dieser Leistung der Industriestaaten wurde ein Umfeld geschaffen, in dem das Welthandelsvolumen um fast fünf Prozent anstieg, dem höchsten Prozentsatz
seit 1984. Insbesondere die Exporte der Nichtölförderländer in
der Dritten Welt nahmen im vergangenen Jahr volumenmäßig um
zehn Prozent zu. Dieser Anstieg
trug zu einem realen Wachstum ihres Bruttosozialproduktes um 4
1/2 Prozent bei.
- Zusätzlich hat in den größten In-

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�dustriestaaten
die
Reduzierung
des
außenwirtschaftlichen
Ungleichgewichts begonnen. In den
Vereinigten Staaten nahmen die
Exporte in den vier Quartalen des
Jahres 1987 real um 18 Prozent
zu, während die Importe um nur
sieben Prozent anstiegen.
Des
weiteren erwarten wir dieses Jahr
einen Rückgang des nominalen Handelsdefizits in Dollar und des
Zahlungsbilanzdefizits der Vereinigten Staaten. Die heute morgen veröffentlichten Handelszahlen dürfen nicht isoliert betrachtet werden. Wie bereits gesagt, sollte den jeweiligen Monatszahlen nicht zuviel Bedeutung
beigemessen werden.
Die monatlichen Handelszahlen sind naturgemäß Schwankungen unterworfen.
Wichtig ist jedoch die Tatsache,
daß wir auf dem Weg verringerter
Ungleichgewichte
vorankommen.
Die Exporte befinden sich weiterhin stark im Aufwind; sie liegen
22 Prozent höher als im vergangenen Jahr und nehmen doppelt so
schnell wie die Importe zu.
- Auch in anderen Ländern werden
weiterhin Fortschritte erzielt.
Der japanische Handelsüberschuß
als Teil des Bruttosozialproduktes erreichte 1986 seinen Zenith
und ist seither stetig gesunken;
der Überschuß der Bundesrepublik
Deutschland hat sich vergangenes
Jahr stabilisiert und wird 1988
voraussichtlich
abnehmen.
Es
gibt mehrere Gründe für dieses
positive Wirtschaftswachstum bei
niedriger Inflation sowie für den
sich abzeichnenden Erfolg bei der
Anpassung
der
außenwirtschaftlichen Ungleichgewichte.
Einer
ist die unseren Volkswirtschaften
innewohnende Stärke. Ein zweiter
basiert auf den im Zusammenhang
mit der stärkeren Koordinierung
der Weltwirtschaft in den führenden Industriestaaten ergriffenen
Maßnahmen.
Die
Vereinbarungen
der G-7 haben den Rahmen für
wichtige Bemühungen und positive
Ergebnisse abgesteckt:
- 2 -

- Die Vereinigten Staaten haben ihr
Defizit im Bundeshaushalt im vergangenen Haushaltsjahr um 71 Milliarden Dollar gesenkt.
Diese
Abnahme ist gleichbedeutend mit
zwei Prozent des Bruttosozialproduktes.
Das allgemeine Defizit
in den Staatsausgaben - einschließlich der Einzelstaaten und
Gemeinden - fiel im Haushaltsjahr
1987 auf lediglich 2 1/4 Prozent
des Bruttosozialproduktes.
- Die vom Präsidenten und der Führung beider Häuser des Kongresses
Ende vergangenen Jahres erzielte
Haushaltsvereinbarung ist ein bedeutender Schritt zur Sicherstellung einer weiterhin zurückhaltenden Ausgabenpolitik.
- Wie der vom Präsidenten im Februar eingebrachte Haushaltsentwurf
deutlich macht, erwarten wir des
weiteren zusätzliche Verringerungen des Defizits in den kommenden
Jahren, wobei das Defizit im Bundeshaushalt bis zum Haushaltsjahr
1990 auf weniger als zwei Prozent
des Bruttosozialproduktes fallen
soll. Außerdem haben wir - trotz
starken politischen Drucks - erfolgreich protektionistische Maßnahmen vermieden.
- Japan hat eine Wirtschaftspolitik
verfolgt, die auf die Aufrechterhaltung starken Binnenwachstums
und die weitere Öffnung seiner
Märkte für Importwaren ausgerichtet ist.
t

- Großbritannien führt eine einschneidende Steuerreform durch,
zu der auch eine erhebliche Senkung der Spitzensteuersätze gehört.
- Die
Bundesrepublik
Deutschland
hat besondere Investitionshilfen
verabschiedet und die Formulierung ihres bedeutenden mittelfristigen Steuerreformprogramms abgeschlossen.
Meiner Meinung nach sollten die

»

�ersten Auswirkungen dieser und anderer koordinierter
Bemühungen eine
Grundlage für die weitere Verringerung außenwirtschaftlicher Ungleichgewichte auf vertretbare Niveaus mit
geringem Inflationsanstieg liefern.
Die Binnennachfrage in den Vereinigten Staaten wuchs vergangenes Jahr
langsamer als das Bruttosozialprodukt
während die Exporte rapide anstiegen.
Dagegen nimmt in Japan auch weiterhin
die Binnennachfrage schneller zu als
das Bruttosozialprodukt. Das gleiche
gilt für die Bundesrepublik Deutschland.
Diese Entwicklungen leisten
einen wichtigen Beitrag zur Reduzierung der außenwirtschaftlichen Ungleichgewichte.
Seit Beginn dieses Jahres hat es
beim Wert des Dollar gegenüber anderen führenden Währungen kaum Veränderungen gegeben. Die allgemein größere Wechselkursstabilität spiegelt eine bessere Koordination von Maßnahmen
sowie den anhalten Anpassungsprozeß
wider. Gestern brachten die Minister
und Notenbankchefs der Gruppe der
sieben führenden Industriestaaten ihre Entschlossenheit
zum Ausdruck,
auch weiterhin ihre Wirtschaftspolitik zu koordinieren, um die grundlegenden Komponenten zu stärken und dadurch die Bedingungen für die Wechselkursstabilität zu verbessern. Zusätzlich verständigten sie sich auf
eine weitere enge Zusammenarbeit auf
den Devisenmärkten.
Im Hinblick auf die mittelfristige Perspektive erkennen wir alle die
Notwendigkeit für weitere Maßnahmen
zur Aufrechterhaltung des Wachstums,
Reduzierung der außenwirtschaftlichen
Ungleichgewichte und Bereitstellung
eines günstigeren Umfelds für die
Entwicklung der Weltwirtschaft sowie
weiterer Fortschritte beim internationalen Schuldenproblem.
Wie Sie,
Herr Vorsitzender, schon festgestellt
haben, erfordert diese mittelfristige
Perspektive, daß wir unser Augenmerk
erneut auf die strukturellen Veränderungen in unseren Volkswirtschaften
richten.

In den Vereinigten Staaten wurden
wir durch den Anstieg der Sparquote
auf 4 3/4 Prozent im vierten Quartal
des
vergangenen
Jahres
ermutigt.
Dies ist ein Anstieg gegenüber 3 1/2
Prozent zu Beginn des Jahres 1987 und
4 1/4 Prozent im Jahr 1986. Die betrieblichen Ersparnisse, die in den
Vereinigten Staaten 80 Prozent aller
privaten Ersparnisse ausmachen, sollten mit der verbesserten Wettbewerbsposition amerikanischer Unternehmen
ebenfalls zunehmen.
Die europäischen Staaten haben
Fortschritte bei der Auflockerung der
Arbeits- und Kapitalmärkte sowie beim
Abbau staatlicher Vorschriften für
Unternehmen erzielt. Es muß jedoch
noch viel mehr getan werden, um das
Beschäftigungsniveau
zu heben und
stärkeres nichtinflationäres Wachstum
zu bewirken.
Japan hat bei der Schaffung von
mehr Wettbewerb und Effizienz auf den
Kapitalmärkten
beachtliche
Fortschritte erzielt. Es besteht jedoch
zusätzlicher
Handlungsbedarf,
um
stärkeren Zugang des Auslands zu japanischen Märkten sicherzustellen und
um die verbleibenden Verkrustungen
auf diesen Märkten zu verringern.
Eine Reihe junger Industriestaaten erzielt gegenwärtig Zahlungsbilanzüberschüsse.
Auch sie müssen
mehr beitragen, um ihre Märkte zu
öffnen und zuzulassen, daß sich die
wirkliche Stärke ihrer Währungen umfassender widerspiegelt.
Zusätzlich zu diesen Aufgaben ist
die Bewahrung eines offenen internationalen Handelssystems ein entscheidender Faktor in der eng verflochtenen Welt von heute. Um eine größere
Liberalisierung des Handels - insbesondere bei Agrarprodukten - zu erreichen, unterstützen wir energisch
die Uruguay-Runde multilateraler Verhandlungen.
Wir fühlen uns verpflichtet, auf eine erfolgreiche Runde hinzuarbeiten. Alle Länder sind
jedoch für den endgültigen Erfolg der
Runde verantwortlich, nicht nur die

�•

Industriestaaten.
Wie Sie wissen, trafen sich gestern die Minister der G-7. Wir haben den Koordinierungsprozeß vorangetrieben, indem wir einen mittelfristigen Rahmen entwickelt haben, um
die Beständigkeit der Politik zu
stärken und die mittelfristigen Ziele
abzustecken. Dann konzentrierten wir
uns auf die Indikatoren für die kurzfristige Leistung, die uns als Instrumente für eine Bestandsaufnahme
der von uns auf dem Weg zu unseren
gemeinsamen Zielen gemachten Fortschritte dienen sollen.
Im Zuge dieses Koordinierungsprozesses sind wir ferner übereingekommen, in die Reihe bereits bestehender
Indikatoren einen Warenpreisindikator
als zusätzliches Instrument zur Analyse aufzunehmen.
Wir engagieren uns nach wie vor
uneingeschränkt für die Stärkung des
Koordinierungsprozesses der Weltwirtschaftspolitik.
In diesem Zusammenhang spielt der Fonds bei der Unterstützung der multilateralen Überwachung eine bedeutende Rolle.
Wir
fordern den Fonds auf, die Wirtschaftsindikatoren vermehrt für die
jeweiligen Länder sowie für die Perspektiven der Weltwirtschaft zur Anwendung zu bringen. Fortschritte auf
dieser Ebene können und werden in anderen Bereichen erzielte Fortschritte
verfestigen.

Quoten des Internationalen Währungsfonds
Im Rahmen der Neunten Allgemeinen
Überprüfung der Quoten stimmt das Direktorium derzeit über einen Resolutionsentwurf
zur Verlängerung des
überprüfungszeitraums bis zum 30. April 1989 ab. Die Vereinigten Staaten
unterstützen diese Resolution. Diese
Verlängerung erscheint angebracht, da
dem IWF zur Wahrnehmung seiner Verantwortlichkeiten zahlreiche Ressourcen zur Verfügung stehen.

Im Zusammenhang mit den einschneidenen
Haushaltskürzungen
muß
unsere erste Priorität bei multilateraler Unterstützung jetzt eine generelle Kapitalaufstockung der Weltbank
sein.
Ich möchte ferner Ihre Aufmerksamkeit auf die rapide zunehmenden
Rückstände an dem IWF zustehenden
Zahlungen lenken.
Dies könnte die
Kreditgeber dazu veranlassen, bei der
Bereitstellung
neuer
Kapitalmittel
für den Fonds eher zurückhaltend vorzugehen.
Es sind bereits Schritte
unternommen worden, um die finanzielle Position des IWF zu gewährleisten,
aber es bleibt noch sehr viel mehr zu
tun.
Wir fordern die sich im Zahlungsrückstand
befindlichen
Mitglieder
auf, jede nur mögliche Anstrengung
zur unverzüglichen Erfüllung ihrer
Verpflichtungen zu unternehmen, und
bitten die übrigen Mitglieder, aktiv
an der Lösung dieses Problems mitzuarbeiten.
Angesichts der Tragweite dieses
Problems sollte die Generaldirektion
unseres Erachtens nach dem nächsten
Interimsausschuß einen Bericht über
diesen Sachverhalt vorlegen, in dem
Schritte entsprechend der Aufgabe des
Fonds als Währungsinstitution aufgezeigt werden, um die bestehenden
Rückstände auszugleichen und zukünftige zu vermeiden.

Zuteilung der Sonderziehungsrechte
Im Hinblick auf die Sonderziehungsrechte sind wir nach wie vor
nicht der Auffassung, daß die in den
Artikeln des Abkommens festgelegten
Kriterien für die Zuweisung - insbesondere die langfristige weltweite
Notwendigkeit einer Aufstockung der
bestehenden Reserven - erfüllt worden
sind. Daher stehen wir einer Zuteilung weiter ablehnend gegenüber.
*****

�AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

'^rlo^

20. April 1988

16

DIE WAHLEN IN AMERIKA 1988

BUSH ERLÄUTERT SEINE "ZENTRALEN PRINZIPIEN" FÜR DIE AUSSENPOLITIK
- Rede vor Zeitungedakteuren - (AD) - Der folgende Beitrag ist Teil einer Serie, in der das US-Informationsamt (USIA) die Ansichten der Präsidentschaftskandidaten zu außenpolitischen Angelegenheiten und anderen Fragen internationalen Interesses beleuchtet. Der republikanische Kandidat George Bush hat am 15. April 1988 in einer
von uns nachfolgend im Wortlaut abgedruckten Ansprache vor der Amerikanischen
Gesellschaft der Zeitungsredakteure einige "zentrale Prinzipien" erläutert,
die seiner Meinung zufolge "an der Schwelle zu den neunziger Jahren und zum
21. Jahrhundert" die amerikanische Politik leiten sollten.

Ich möchte hier unaufgefordert
eine politische Prognose wagen: die
Wirtschaft blüht und wird weiter blühen, und bei der Wahl in diesem
Herbst wird es kein wichtigeres Thema
geben als die Außenpolitik.
Das bedeutendste Anliegen eines
jeden Präsidenten ist die nationale
Sicherheit der Vereinigten Staaten
und die Förderung des Friedens in der
ganzen Welt. Darüber hinaus impliziert die steigende Bedeutung des
Welthandels eine weitere Zunahme der
Verflechtung von Außen- und Wirtschaftspolitik.
An der Schwelle zu den neunziger
Jahren und zum 21. Jahrhundert sollte
die
Außenpolitik
der
Vereinigten
Staaten meiner Meinung nach von eini-

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gen zentralen
werden:

Prinzipien

geleitet

- Erstens müssen wir aus einer Position der Stärke handeln. Wir
haben das historische INF-Abkommen durch den Wiederaufbau des
amerikanischen
Verteidigungspotentials erreicht, indem wir auf
die sowjetische Raketenaufrüstung
in Europa reagiert und am Verhandlungstisch unnachgiebig auf
verifizierbaren
und
asymmetrischen Reduzierungen der Waffen
bestanden haben.
Im Jahr 1983 reiste ich nach Europa, um angesichts gewalttätiger
Proteste der sogenannten Friedensbewegung
die
Stationierung
unserer
Pershing II-Raketen dort zu verteidi-

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�gen. Die politisch Verantwortlichen
in Europa und letztlich auch die Öffentlichkeit erkannten die moralische
Stärke unserer Haltung, die auf unserem Vorschlag zur vollständigen Abschaffung dieser Waffen gründete.

tischen.
Wir müssen - im In- und
Ausland - eine Kraft für offene Märkte bleiben und dürfen uns nicht hinter
protektionistischen
Schranken
verkriechen, die Zeugnis von unserer
Unfähigkeit zum Wettbewerb ablegen.

Als ich zu einem späteren Zeitpunkt desselben Jahres wiederum nach
Europa reiste, griffen Demonstranten
unseren Konvoy mit Steinen und Flaschen an. Ein junger Mann durchbrach
die Polizeiabsperrung. Ich kann mich
noch genau an sein haßerfülltes Gesicht erinnern, als er mit seiner
Jacke voller Steine auf das Auto einschlug, in dem Bundeskanzler Kohl und
ich saßen.

Ich möchte auf einige Bereiche
näher eingehen, denen wir in den
neunziger Jahren unsere Aufmerksamkeit zuwenden müssen. Wenn diese Bereiche vernachlässigt werden, könnten
sie für die Vereinigten Staaten zu
einer Quelle von Spannungen und Ärgernissen
werden;
feinfühlig
und
sachkundig
behandelt, könnten sie
aber ebensosehr einen neuen Triumph
für Amerika bedeuten.

Hätten wir auf diejenigen in den
Vereinigten Staaten und im Ausland
gehört, die erklärten, die Antwort
bestehe im Einfrieren der nuklearen
Potentiale, wären in Europa 1 000 sowjetische Gefechtsköpfe festgeschrieben worden, während die NATO keinen
einzigen besaß.
Nur durch unsere
Entschlossenheit zur Schaffung eines
Gegengewichts zu dem sowjetischen Monopol wurden Fortschritte in Genf erzielt.

Zunächst möchte ich mich Mexiko
zuwenden. Man kann nicht so lange in
Texas leben wie ich, ohne ein besonderes Gefühl für unseren stolzen und
sehr unabhängigen südlichen Nachbarn
zu bekommen. Das rasche Wachstum der
hispanischen Bevölkerung und die Verbreitung seiner Kultur im Südwesten was sogar auf meine Familie zutrifft
- hat diesen Schmelztiegel Amerika
erheblich bereichert.

Prinzip Nummer zwei:
Die Vereinigten Staaten müssen sich weiterhin in der Welt engagieren. Wenn wir
diejenigen unterstützen wollen, die
nach Frieden und Demokratie streben und dies müssen wir meiner Meinung
nach -, dann können wir dies nicht
mit Worten allein tun.
Die Sowjets haben sich bereitgefunden, aus Afghanistan abzuziehen
und ihre grausame und barbarische Invasion dieses Landes zu beenden, weil
die Vereinigten Staaten willens waren, sich dort weiterhin zu engagieren - den heroischen Mudjahedin Waffen zu liefern. Als Ergebnis haben
wir einen großen Triumph für die
Freiheit errungen.
Prinzip Nummer drei:
Die Vereinigten Staaten können sich aus der
weltwirtschaftlichen Arena ebenso wenig zurückziehen wie aus der poli-

Wir haben seit langem ein enges,
nahezu brüderliches Verhältnis zu unserem anderen Nachbarn Kanada, das
mit einem Freihandelsabkommen besiegelt wurde, das meines Erachtens nach
als eine der bedeutendsten Leistungen
unserer Administration gelten wird.
Dasselbe Verhältnis möchte ich
mit Mexiko anstreben - ein Verhältnis
wirtschaftlichen Wettbewerbs, strategischer Zusammenarbeit und gegenseitigen Vertrauens - eine Beziehung,
die unseren Unterschieden gerecht
wird, und uns dennoch unseren gemeinsamen Zielen näherbringt - mehr Wohlstand und Freiheit des Einzelnen.
Im vergangenen Jahr habe ich mich
in Loreto privat - ohne Protokollführer - mit Präsident De la Madrid zu
einem fruchtbaren und offenen vierstündigen Gedankenaustausch getroffen, und ich hoffe, bald mit dem Sieger
der
mexikanischen
Präsident-

- 2 -

,
i

�schaftswahl im Juni zusammenzukommen.
Meine Berater haben bereits mit
Vertretern des führenden Kandidaten
Saunas Gespräche über die Zukunft
geführt. Ich bin von seinem Wirtschaftsprogramm "Die Modernisierung
Mexikos" beeindruckt.

«

'

Als Präsident werde ich mich für
die Schaffung einer Mexiko, Kanada
und die Vereinigten Staaten umfassenden Freihandelszone einsetzen.
Die
Bildung eines solchen Nordamerikanischen Bundes würde Jahre in Anspruch nehmen, meiner Ansicht nach
aber allen - Kanadiern, Mexikanern
und Amerikanern - Vorteile bringen,
weil damit das Wirtschaftswachstum
auf dem ganzen Kontinent angekurbelt
würde.
Wir teilen mit Mexiko eine Vielzahl gemeinsamer Interessen - das
Verbot von Drogen, die Bewältigung
der Verschuldung Mexikos wie auch Belange, die Einwanderung, Energiepolitik, Umwelt und Handel betreffen aber kein Problem ist wichtiger als
unsere eigene nationale Sicherheit.
Bei unserer langen und durchlässigen
SUdgrenze zu Mexiko müssen wir alles
tun, um Demokratie und freies Unternehmertum in Mexiko zu untermauern.

,

Demokratie ist auch im Lateinamerika auf dem Vormarsch. Seit unserer
Amtsübernahme haben die folgenden
Länder einen Wandel von der Militärherrschaft zur Demokratie erfahren:
Argentinien, Ecuador, Peru, Honduras,
Grenada, El Salvador, Basilien, Uruguay und Guatemala. Neunzig Prozent
der Bevölkerung Lateinamerikas leben
jetzt in einer Demokratie.
Dieses politische Entwicklungsmuster deutet darauf hin, daß nach
einem Abtritt der jetzigen Regierungen in Chile und Paraguay für diese
Länder die Möglichkeit bestehen könnte, sich der Demokratie in erheblichem Maße anzunähern.
Wir müssen
zusammenstehen und
diese oftmals schwachen Demokratien

schützen - wie in dem Fall, wenn ein
Land wie Nicaragua die "Revolution
ohne Grenzen" ausruft und dann eine
Armee unvergleichlichen Ausmaßes aufstellt, oder wenn Kuba den Versuch
unternimmt, das kleine Land Grenada
zu zerrütten - und dennoch die Narben
der Vergangenheit mit Gefühl behandeln.
Im Augenblick unternehmen wir Anstrengungen zum Schutz der zivilen
Herrschaft in Panama gegen Noriega.
Bis jetzt hat er dem von uns ausgeübten wirtschaftlichen Druck standgehalten, und ich kann Ihnen auch den
Grund dafür nennen: aus verschiedenen gut unterrichteten Quellen verlautet, daß er Unterstützung im Umfang von Millionen Dollar aus Libyen
bezieht.
Wir unterstützen die Demokratie
in Panama, wie wir das in ganz Lateinamerika tun. Noriega muß gehen,
und Noriega wird gehen.
Ich möchte jetzt über Asien sprechen, wo wir weiterhin die Vorteile
des nach dem Krieg erfolgten Wiederaufbaus in Japan genießen, unsere
Verteidigung Südkoreas und die Erneuerung unserer Verbindungen mit China,
wo ich 1974 und 1975 diente.
Die Vereinigten Staaten unterhalten seit den Tagen von Sun Jat-sen
und dem Vertrag von Portsmouth von
1910 sowohl zu China als auch zu Japan die besten Beziehungen. Und unsere stille Diplomatie in Südkorea
scheint dieses Land einer echten Demokratie nähergebracht zu haben.
Aber angesichts der enormen Handelsungleichgewichte macht sich in
den Vereinigten Staaten zunehmend Besorgnis über das sogenannte "Trittbrettfahren" der Japaner im Verteidigungsbereich breit.
Ich erwarte von diesem wohlhabenden Land, daß es alles im Rahmen seiner Verfassung mögliche zu seiner eigenen und der Verteidigung der übrigen Welt tut. Ich bin jedoch nicht

- 3 -

�•t
der Auffassung, daß man Japan nicht
zu einem Ausbau seiner nationalen
Verteidigung drängen sollte.
Mehr
als 40 Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg reagieren Japans Nachbarn noch
immer empfindlich auf die Wiederbewaffnung Japans.
Stattdessen fordere ich die Japaner und Koreaner auf, uns bei der Unterstützung von Freiheit und Fortschritt in anderer Weise zur Seite zu
stehen...
zum Beispiel auf den
Philippinen. Dort befinden sich die
wichtigsten amerikanischen Stützpunkte im Pazifik - Clark Air Force und
Subic Bay - und die Verhandlungen
über die Zukunft dieser Stützpunkte
sind gerade erst aufgenommen worden.
Präsidentin Aquino und ihre Regierung sehen sich mit einer außerordentlich schwierigen Wirtschaftslage
und gefährlichen Aufruhrern konfrontiert. Hier besteht Bedarf für vermehrte Hilfe aus dem Ausland, und
wenn solche Hilfe von Korea und Japan
gewährt würde, könnte sie zur Festigung unserer eigenen Position beitragen - einer Position, die nicht nur
zur Gewährleistung der Freiheit auf
den Philippinen beiträgt, sondern
auch der ASEAN-Länder und unserer
Freunde im Pazifik.
Das ist die Art der Lastenteilung, wie sie mir vorschwebt - nicht
nur eine Aufrechnung der Kosten nach
dem Motto "wie Du mir, so ich Dir",
sondern auf Gedankenaustausch und geteilte Verantwortung gegründete wechselseitige und gemeinsame Anstrengungen, die zur Stärkung der freien Welt
insgesamt beitragen.
Wir müssen vermehrte Anstrengungen unternehmen, unsere Freunde in
der Welt davon zu überzeugen, daß die
amerikanischen Stützpunkte sich dort
befinden, um die lebenswichtigen Interessen der freien Welt zu schützen.
Ich reagiere verärgert, wenn einige
Elemente in befreundeten Ländern gedankenlos unsere Stützpunkte als Bedrohung der Souveränität jenes Landes
angreifen. All dies spielt dem Iso-

lationismus im eigenen Land
Hände.

in die

Ich möchte mich jetzt dem Subkontinent zuwenden ... Die Sowjets haben
ihr Versprechen zum Abzug der Truppen
aus Afghanistan gegeben, bisher ist
es aber nur eine Versprechen: Der
Beweis muß erst noch erbracht werden.
Die nächste Herausforderung an
uns wird darin liegen, mit den Ländern der Region und anderen zusammenzuarbeiten, um sicherzustellen, daß
der sowjetische Truppenabzug von Wiederaufbau und Entwicklung gefolgt
ist, so daß dieser Region endlich eine Chance zu Frieden und Freiheit geboten wird.
Der Schlüssel hierzu liegt darin,
alles in unserer Macht stehende zu
tun, um die Beziehungen zwischen zwei
unserer guten Freunden zu verbessern
- Indien und Pakistan - Bestrebungen,
die wir in den vergangenen sieben
Jahren vorangetrieben haben.
Die Stabilität des Subkontinents
wird durch den atomaren Wettbewerb
zwischen diesen beiden Ländern bedroht.
Indien hat einen atomaren
Sprengsatz
gezündet
und
Pakistan
steht kurz davor.
Ich glaube, es
liegt im Interesse keines dieser Länder, diese Richtung weiterzuverfolgen.
Bei einer Reise nach China im
Jahr 1985 habe ich dieses Thema mit
Deng Xiaoping erörtert, der unsere
Bemühungen bei der Begrenzung nuklearer Waffen uneingeschränkt unterstützt.
Die Spirale des nuklearen
Wettrüstens muß ein Ende haben. Die
Inder haben ursprünglich ihre nuklearen Kapazitäten als Reaktion auf die
der Chinesen entwickelt. Jetzt argumentieren die Pakistan!, sie müssten
mit den Indern gleichziehen.
Da
regionale
Spannungen
dem
Wunsch jedes Landes nach Waffen zugrundeliegen, werde ich als Präsident
alles in meiner Macht stehende tun,
Islamabad und Neu Dehli zu einem bilateralen Abkommen zu bewegen, das

- 4 -

�1
jegliche Weiterentwicklung nuklearer
Waffen dort in überprüfbarer Weise
eindämmen würde.
Die Eindämmung der Verbreitung
nuklearer Waffen muß in der amerikanischen Außenpolitik absoluten Vorrang haben - denn es scheint ziemlich
klar zu sein, daß solche Waffen eher
in einem regionalen Konflikt oder bei
einem terroristischen Anschlag verwendet werden, als in einer Auseinandersetzung zwischen den Supermächten.

i

Als Präsident werde ich auf grössere Fortschritte auf diesem Gebiet
und mehr Unterstützung für die Internationale Atomenergiebehörde (IAEO)
drängen, wobei das Interesse des Präsidenten an der Eindämmung dieser Bedrohung auf jede erdenkliche Art und
Weise deutlicher sichtbar werden soll.
Die IAEO genießt mein rückhaltloses Vertrauen und ich begrüße deren
Bemühungen, aber zur Kontrolle der
Weiterverbreitung müssen wir auf eine
größere Zahl von Vor-Ort-Inspektionen
und
internationalen
Vereinbarungen
hinarbeiten.
Innenpolitisch
werde
ich darauf bestehen, daß unsere Sicherheitsvorkehrungen
gegen
den
Transfer von nuklearer Technologie
rigoros durchgesetzt und regelmäßig
überprüft werden.
Lassen Sie mich nun auch etwas zu
Südafrika sagen. Wir haben dort ein
klares Ziel: die vollständige Beendigung der Apartheid. Um dieses Ziel
zu erreichen, müssen wir meines Erachtens unser Engagement beibehalten.
Wir haben es mit Wirtschaftsanktionen und der Zurückziehung von Anlagekapital versucht, und beides hat
nichts genutzt. Ich bin nicht für
einen Abbruch der diplomatischen Beziehungen. Auch eine Abkehr von den
Sullivan-Prinzipien durch einen vollständigen
Kapitalabzug
unterstütze
ich nicht. Kapitalabzug hat schwarzen Arbeitern schon schwer geschadet
- dies sind die Menschen, denen wir
eigentlich helfen wollen.

Für eine steigende wirtschaftliche Entwicklung in Südafrika wären
dagegen mehr ausgebildete Arbeiter
aus der schwarzen Bevölkerung nötig.
Nur diese Arbeiter, von denen viele
bei amerikanischen Firmen beschäftigt
sind, haben gerade begonnen, ein wenig von der ihnen zustehenden Freiheit zu genießen.
Ich werde aktiv darauf hinarbeiten, Südafrika
dazu zu bewegen,
Nelson Mandela - ohne Bedingungen freizulassen.
Ich werde Mandela dazu ermuntern,
etwas zu tun, wozu er bisher nicht
bereit war: der Gewalt eine Absage
zu erteilen und auf dem Pfad der Gewaltlosigkeit zu wandeln, den auch
Gandhi und Martin Luther King beschritten haben.
Ich werde einen sofortigen Dialog
zwischen der Regierung Südafrikas und
Mandela sowie den anderen verantwortlichen Führern der Schwarzen anregen,
einschließlich
dem
Zulu-Häuptling
Buthelezi, Bischof Tutu sowie den anderen religiösen Führern.
Einfache Antworten auf das Problem Südafrika gibt es nicht. Als
Präsident werde ich an der Beendigung
der dortigen Apartheid arbeiten. Ich
werde mich ebenfalls darum kümmern,
daß unsere eigenen strategischen Interessen durch die Entstehung eines
radikalen
prosowjetischen
Regimes
nicht beeinträchtigt werden.
Unser
Ziel muß lauten: friedlicher Wandel
auf der Basis von Gleichheit zwischen
den Rassen und Demokratie.
Wenn wir Amerikas Stärke und
weltweites Engagement aufrechterhalten, können wir mehr als lediglich
ein Beispiel oder eine Anregung für
andere sein - wir können Triebfeder
für Wandel und Freiheit sein, in Südamerika, in Asien, in Afrika und in
der ganzen Welt.
überall sind Frieden und Demokratie auf dem Vormarsch, und der Kollektivismus tritt immer mehr zurück.

- 5 -

�Unsere Aufgabe in den vor uns liegenden Jahren muß darin bestehen, diesen
Trend zu fördern - für unsere eigenen
Interessen und weil es die richtige
und moralische Handlungsweise ist.
Dies sind die Vereinigten Staaten
von Amerika - das freieste, gerechteste und freigebigste Land, das es
je auf Erden gab. Darin wollen wir
nicht nachlassen.

* * * * *

�AMERIKA DIENST
Wissenschaft und Technik

20. April 1988

16

INVESTITIONEN IN DIE ZUKUNFT
- Präsident Reagan fordert Bewilligung ausreichender Forschungsmittel -

- (AD) - Als eine "unverzichtbare Investition in die Zukunft" bezeichnete
Präsident Ronald Reagan die Bereitstellung ausreichender Mittel für die Grundlagenforschung. In einer landesweit übertragenen Rundfunkansprache appellierte er an den amerikanischen Kongreß, trotz der angespannten Haushaltslage das
vorgelegte Programm zu bewilligen.

Als wichtigste Projekte bezeichnete er neben der Raumstation den
Supraleiter-Großbeschleuniger,
um
dessen Standort sich derzeit mehrere
Bundesstaaten bewerben und die Weiterentwicklung der Supraleitertechnik. Durchbrüche seien auch in der
Biotechnik zu erwarten, die Medizin,
Landwirtschaft und Umweltschutz zu
revolutionieren versprächen.
Gegenwärtig sei man dabei, der
von Bundesbehörden geförderten Forschung
einen größeren Rahmen zu
schaffen. In Zusammenarbeit mit Universitäten seien 14 ingenieurwissenschaftliche
Zentren
speziell
für
Grundlagenforschung in Verbindung mit
Technologien geschaffen worden, die
sich noch in der Entwicklung befinden.
Die Errichtung weiterer zehn

United States Information Service
Embassy of the United States of America

bis 15 Zentren für Forschung und
Technik auf dem Gebiet der Naturwissenschaft sei geplant.
All diese
Zentren würden eng mit der Industrie
zusammenarbeiten, damit Entdeckungen
schneller als bisher in neue, bessere
und international wettbewerbsfähige
Produkte umgesetzt werden können.
"Wissenschaft ist gewachsen und
mit ihr die Faszination, die sie für
uns alle besitzt", sagte der Präsident. "Aber um in der Wissenschaft
tätig zu sein, müssen mehr und mehr
nationale und sogar multinationale
Mittel in Anspruch genommen werden".
Das Problem heute besteht darin, daß
Wissenschaft auf lokaler Ebene "keine
Wählerschaft" besitze und die Unterstützung seitens der Bundesregierung
wegen der beschränkten Haushaltmittel

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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�in Gefahr sei. Der Präsident verwies
auf die immensen Beiträge amerikanischer Forscher zum heutigen Stand
der Wissenschaft. Nach 1945 wurden
mehr Amerikaner mit Nobelpreisen ausgezeichnet als in europäischen Länder
und Japan zusammen. Darüber hinaus
habe man in den USA für die Grundlagenforschung mehr als in anderen Ländern getan - für Forschungen, von denen zunächst niemand sagen könne, was
oder ob überhaupt etwas dabei herauskomme.
Daß durch sie jedoch wichtige
neue Gebiete für die Praxis erschlossen werden, zeigt zum Beispiel die
moderne Lasertechnik.
Reine Forschung, mit Regierungsgeldern finanziert, führte zur Entwicklung des ersten Lasers. Heute, keine drei Jahrzehnte später, werden Laserstrahlen
auf den verschiedensten Gebieten, von
der Mikrochirurgie bis zur Übertragung unvorstellbarer Mengen von Informationsdaten benutzt. Eines Tages
könnten sie sogar ballistische Raketen überflüssig machen. Fernsehen,
Nachrichten- und Computertechnik wären ohne Grundlagenforschung nicht
auf ihrem heutigen Entwicklungsstand.
Und dabei sei - um einen Ausspruch
Albert Einsteins zu zitieren - "Phantasie wichtiger als Wissen". Auch
seL, so Reagan, in der Forschung eines sicher: "Wenn wir es nicht tun,
werden es andere tun, und wir fallen
zurück."
Einer Erhebung der Nationalen
Wissenschaftsstiftung (NSF - National
Science Foundation) zufolge dürften
in den Vereinigten Staaten im Jahr
1988 die Aufwendungen für Forschung
und Entwicklung 132 Milliarden Dollar
betragen, wovon 65 Milliarden aus
staatlichen Quellen kommen. Auf die
Grundlagenforschung entfallen 15 Milliarden Dollar, auf angewandte Forschung 27 Milliarden Dollar und auf
Entwicklung
90 Milliarden Dollar.
Für zwei Drittel der Grundlagenforschung kommt die Bundesregierung auf;
mehr als die Hälfte dieser Bundesmittel geht an Universitäten und Colleges. Angewandte Forschung wird zu

I

52 Prozent von der Industrie, zu 42
Prozent von der Bundesregierung finanziert.
Statistische Angaben über die Anzahl praktizierender Wissenschaftler
und Ingenieure reichen nur bis zum
Jahr 1986, jedoch dürfte die Tendenz
weiterhin steigend sein.
Von den
insgesamt 4,6 Millionen Wissenschaftlern und Ingenieuren waren 2,2 Millionen Wissenschaftler und 2,4 Millionen Ingenieure. 15 Prozent aller
in diesen Berufen Beschäftigten waren
Frauen (d.h. sechs Prozent mehr als
1976).
Unter den Wissenschaftlern
war jeder vierte, unter den Ingenieuren jeder 25. weiblich. Die Beschäftigungsrate in diesen Berufen stieg
von 1976 bis 1986 um 7,1 Prozent an,
bei allen übrigen Tätigkeiten dagegen
nur um 2,1 Prozent. Was die Fachgebiete angeht, so lagen bei den Wissenschaftlern die Schwerpunkte bei
Computerspezialisten (mit 562 600),
Sozialwissenschaften
(427 800) und
Geisteswissenschaften (411 800). Bei
den Ingenieuren standen Elektrotechnik und Elektronik an erster Stelle,
gefolgt von Maschinenbau sowie Hochund Tiefbau.

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA verdeutlichen Iran den Preis seines unverantwortlichen Handelns&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Ansprache Präsident Reagans zu den Aktionen im Golf &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nach Abzug der Sowjets können Afghanen ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung von Außenminister George Shultz&lt;/em&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Von den Garantiemächten eingegangene Verpflichtungen sind "symmetrisch"&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung der Vereinigten Staaten zur Afghanistan-Übereinkunft&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Baker optimistisch über Aussichten für Weltwirtschaft&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung vor Interimsausschuß des IWF&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Wahlen in Amerika 1988&lt;br /&gt;Bush erläutert seine "zentralen Prinzipien" für die Außenpolitik&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede vor Zeitungsredakteuren&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Investitionen in die Zukunft&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Präsident Reagan fordert Bewilligung ausreichender Forschungsmittel&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST
\ ü N

Sonderdienst

4

13. April 1988

DIE SICHERHEITSPOLITIK DES BÜNDNISSES
IM ZEITALTER SICH WANDELNDER OST-WEST-BEZIEHUNGEN

Rede von
Botschafter Richard R. Burt
gehalten vor den Delegierten heim außenpolitischen Kongreß der CDU
"FREIHEIT, SICHERHEIT, ZUSAMMENARBEIT"

Sperrfrist;

Donnerstag, 14. April 1988, 10.45 MESZ

United States Information Service,
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�BONN - (AD) - Dem amerikanischen Botschafter Richard R. Burt zufolge sind
Konzepte, die eine "Sicherheitspartnerschaft" mit dem Warschauer Pakt, eine
Entnuklearisierung Europas, eine "defensive Verteidigung" oder die Entamerikanisierung der westlichen Verteidigung propagieren, mit gravierenden Mängeln
behaftet und unnötig. Während er eine konstruktive Debatte über alternative
Strategien und Strukturen der NATO befürwortete, vertrat Burt in einer am 14.
April 1988 in Bonn vor den Delegierten beim außenpolitischen Kongreß der CDU
über "Freiheit, Sicherheit, Zusammenarbeit" gehaltenen Rede die Auffassung,
daß keines der in jüngster Zeit vorgebrachten Konzepte eine gültige Alternative zur heutigen Struktur der westlichen Sicherheit biete. Der Botschafter
sicherte die Unterstützung der Vereinigten Staaten für ein Gesamtkonzept zu,
dessen Formulierung heute schon innerhalb der NATO Gestalt annehme.
Die Rede des amerikanischen Botschafters hat folgenden Wortlaut (es gilt
das gesprochene Wort):

Wir befinden uns in einer interessanten
und
vielversprechenden
Phase der Ost-West-Beziehungen. Dies
gilt ganz besonders für die Rüstungskontrolle. Nach einem von Fehlstarts
und Stagnation gekennzeichneten Jahrzehnt haben wir jetzt ein Abkommen
von großer Tragweite unterzeichnet den INF-Vertrag.
Ferner haben wir
beträchtliche Fortschritte im Hinblick auf ein Abkommen über den Abbau
strategischer Waffen erzielt; wir
sind mit der Aushandlung von Einzelheiten eines Verbots chemischer Waffen befaßt, und wir werden gegebenenfalls in Kürze eine neue Gesprächsrunde über das konventionelle Gleichgewicht mit dem Osten aufnehmen.
Die Chancen für Fortschritte in
den Ost-West-Beziehungen sind natür-

lich nicht auf Rüstungskontrolle allein begrenzt. Die Sowjetunion hat
dem Abzug ihrer Truppen aus Afghanistan zugestimmt.
Ein das gesamte
Spektrum der regionalen Probleme umfassender
Dialog
ist
zwischen
Washington und Moskau zustandegekommen. Und beflügelt durch Perestrojka
und Glasnost im eigenen Land ist der
Klimawechsel - wenn auch noch eher
zögerlich - in der gesamten Sowjetunion allmählich spürbar. Den Völkern Europas bieten sich nun in zweifacher Hinsicht Chancen: der Osten
könnte sein Schicksal selbst in die
Hand nehmen - und der Westen einen
schrittweisen Abbau der Schranken anstreben, die den europäischen Kontinent weiterhin teilen.
Angesichts

dieses

sich

abzeich-

�nenden Wandels sollte es nicht überraschen, daß man sich im Westen - und
insbesondere in der Bundesrepublik
Deutschland - zunehmend damit auseinandersetzt, wie die Sicherheit des
Westens in Zukunft besser gestaltet
werden sollte. Die in weiten Teilen
Europas inzwischen verbreitete Auffassung, die Sowjetunion stelle keine
ernsthafte
militärische
Bedrohung
mehr dar, hat diesen Trend ebenso begünstigt wie die Fortschritte, die
wir bereits im Bereich der atomaren
Rüstungskontrolle erzielt haben. So
konnten wir in der öffentlichen Diskussion eine Reihe von neuen Ansätzen
zum Thema westliche Sicherheit beobachten - einige eher radikal, andere
mit einem gemäßigten Unterton, aber
dennoch mit Schwierigkeiten behaftet.
Einige dieser neuen Ansätze würden das derzeitige Fundament der
westlichen Sicherheit maßgeblich verändern, wenn nicht sogar vollständig
ins Wanken bringen.
Einem - dem
vielleicht radikalsten - dieser Ansätze zufolge würden wir unser traditionelles Vertrauen auf militärische
Einsatzbereitschaft und die gefestigte Struktur des Bündnisses zugunsten
einer sogenannten "Sicherheitspartnerschaft" mit dem Warschauer Pakt
und einer vagen Politik gegenseitiger
Beteuerungen des Verzichts auf Aggressionen aufgeben.
Diesem Ansatz
liegt anscheinend der Gedanke zugrunde, die Europäer in Ost und West sähen sich einer gemeinsamen Gefahr
ausgesetzt - der Bedrohung durch
Krieg und Vernichtung - und sollten
versuchen, diese Gefahr durch gemeinsame politische Maßnahmen zu überwinden statt durch die Beibehaltung der
Streitkräfte. Militärische Bündnisse
und die Aufrechterhaltung der Einsatzbereitschaft - so die Behauptung
weiter - sind weit davon entfernt,
den Frieden zu sichern und tragen nur
dazu bei, Mißtrauen und Unsicherheit
zu nähren.
Eine zweite Kategorie der neuen
Vorschläge
zur Sicherheit fordert
zwar keine Abkehr vom Bündnis, aber
einen radikalen Wandel der bestehen-

den NATO-Doktrin und Struktur. Einem
solchen Vorschlag zufolge würde die
atomare Komponente des Verteidigungspotentials der NATO abgebaut, wohingegen die konventionelle Truppenstruktur weitgehend unberührt bliebe.
Dieser Vorschlag scheint sich aus der
irrigen Auffassung abzuleiten, der
INF-Vertrag
stelle
einen
ersten
Schritt in Richtung auf die unvermeidliche Entnuklearisierung Europas
dar, und könnte vielleicht in Verbindung mit einer einschneidenden Reduzierung der strategischen Waffen zur
vollständigen Abschaffung der nuklearen Abschreckung selbst führen. Er
geht davon aus, daß eine stabile konventionelle Verteidigung auf der Ebene eines annähernden Gleichgewichts
zwischen Ost und West Aggressionen
ebenso erfolgreich abschrecken kann,
wie dies in den vergangenen 40 Jahren
mit Nuklearwaffen möglich war.
Einer Spielart dieses Ansatzes
zufolge sollte der Westen gleichzeitig mit dem Verzicht auf nukleare Abschreckung auch seine konventionellen
Streitkräfte umstrukturieren und ihnen die Fähigkeit zu Offensivoperationen nehmen. Aufgrund dieser Theorie der "defensiven Verteidigung"
sind
Struktur
und Rüstungen
der
Streitkräfte beider Bündnisse heutzutage vorwiegend auf raumgreifende Offensiven ausgerichtet. Damit tragen
sie zur Verfestigung von Bedrohungsvorstellungen auf beiden Seiten sowie
einer Verstärkung des Risikos bei,
daß eine politische Krise zwischen
Ost und West einen vernichtenden bewaffneten Konflikt zur Folge haben
könnte.
Bei dem Versuch, jegliche
Fähigkeit zu Offensivaktionen abzubauen, würden die Befürworter der
"defensiven Verteidigung" die einsatzbereiten Truppen verringern und
den Bestand an Panzern, Artillerie
und Strike-Flugzeugen erheblich abbauen - falls erforderlich durch Verhandlungen mit dem Osten, oder im
Falle des Scheiterns solcher Verhandlungen, einseitig.
Sie planen eine
Streitkräftestruktur, die vorwiegend
aus ausschließlich "defensiv" bewaffneten Reservisten besteht und auf

- 2 -

�Barrikaden und andere passive Mittel
zurückgreift, um den Vormarsch des
Feindes aufzuhalten. Falls erforderlich würde eine Strategie der Guerilla-Kriegführung
angewendet, um die
Invasoren zu schwächen und schließlich zu vertreiben.
Einer dritten Kategorie neuer Ansätze im Bereich der Sicherheit zufolge würde das Atlantische Bündnis
politische Veränderungen
in seiner
Struktur erfahren.
Vorrangig unter
diesen Ansätzen
ist der Vorschlag
einer Entamerikanisierung des Bündnisses und der vollständigen Übernahme
der
eigenen
Verteidigungslast
durch die Europäer.
Dieser Ansatz
fordert die Beibehaltung der derzeitigen Militärstrategie des Bündnisses
und beständiges Vertrauen auf nukleare Abschreckung.
Dadurch würde die
durch den Abzug amerikanischer Truppen entstandene Kluft im konventionellen Bereich mit europäischen und
insbesondere
französischen
Streitkräften
überbrückt,
wobei
Großbritannien und Frankreich die Rolle
der Vereinigten Staaten als nuklearer
Garantiemacht übernehmen würden.
Eine fruchtbare Diskussion über
alternative Strategien und Strukturen
im Bündnis sollte begrüßt und gefördert werden. Selbst wenn sich diese
Alternativen
als nicht
praktikabel
erweisen
sollten, zwingt
uns
die
bloße Tatsache ihrer Erwägung zum
überdenken
unserer
derzeitigen Sicherheitspolitik, um deren Gültigkeit
erneut zu bekräftigen oder die unseres Erachtens erforderlichen Anpassungen
vorzunehmen.
Unter Berücksichtigung all dieser Faktoren sollten wir zu einer genauen Überprüfung
jedes einzelnen dieser in letzter
Zeit
erörterten
Sicherheitskonzepte
bereit sein. Wir sollten jedoch auch
willens sein, in der Öffentlichkeit
das Augenmerk auf die gravierenden
Mängel zu lenken, die sich bei genauer Überprüfung ergeben haben. Ebenso
wie das Befürworten eines Arguments
ist seine Widerlegung elementarer Bestandteil jeder fruchtbaren und konstruktiven Debatte.

- 3

Lassen Sie mich zunächst zum Konzept einer "Sicherheitspartnerschaft"
mit dem Osten Stellung nehmen.
Sicherlich sollten wir mehr Offenheit
in den Ost-West-Beziehungen anstreben:
Jede Seite sollte in der Lage
sein, die eigenen besonderen Sicherheitsinteressen mit der anderen zu
besprechen, die ihrerseits wiederum
bereit sein sollte, sie konstruktiv
zu behandeln.
Genau dies versuchen
wir derzeit mit der Sowjetunion zu
erreichen. Von Offenheit zu Partnerschaft überzugehen hieße jedoch, die
grundlegende Tatsache zu ignorieren,
daß zumindest nach dem heutigen Stand
nur eine geringe Übereinstimmung der
Sicherheitsinteressen in Ost und West
vorliegt.
Das Atlantische
Bündnis
wurde als ein freier Zusammenschluß
demotcratischer Staaten zu dem Zweck
geschaffen, ihre territoriale Integrität und ihre Lebensweise gegen
ausländische Aggression zu verteidigen.
Dies ist auch weiterhin der
Fall.
Trotz "Glasnost" bleibt der
Warschauer Pakt ein Instrument zum
Erhalt des sowjetischen Imperiums in
Osteuropa - und damit der unnatürlichen Teilung des Kontinents.
Wir
müssen klar erkennen, daß sich die
sowjetische
militärische
Bedrohung
gegenüber
Westeuropa
unter
Gorbatschow nicht gewandelt hat. Das
wesentliche Problem europäischer Sicherheit ist auch weiterhin die Tatsache, daß Kampfkraft, Doktrin und
Ausbildung des Warschauer Pakts auf
die Führung eines Offensivkrieges auf
westeuropäischem
Territorium
ausgerichtet sind. Es kann keine wirksame
Strategie für den Westen geben, die
diese zentralen
Punkte außer acht
läßt. Wir sollten ferner in Erinnerung behalten, daß eine Sicherheitspartnerschaft mit einer Sowjetunion,
die ihre Besetzung Osteuropas aufrechterhält, uns die Last der Mitverantwortung für diese Besetzung auferlegen würde.
Das Konzept einer "Sicherheitspartnerschaft"
hat
außerdem
den
schwerwiegenden Mangel, daß es die
Ost-West-Beziehungen
lediglich
auf
ihre militärische Dimension verrin-

�gert.
Es ignoriert die Hauptursache
für die Spannungen in Europa und wendet sich lediglich den Symptomen zu.
Wie Präsident Reagan in seiner Rede
vor dem Brandenburger Tor im vergangenen Juni bemerkte:
"Ost und West
mißtrauen sich nicht, weil wir bewaffnet sind. Wir sind vielmehr bewaffnet, weil wir einander mißtrauen.
Und unsere Differenzen beziehen sich
nicht auf Waffen, sondern auf Weltanschauungen."
Selbstbestimmung
und
Menschenrechte sind ebenso Bestandteil der Sicherheit zwischen Ost und
West wie militärische Stärke und Fähigkeiten.
Bis zur Überwindung der
unnatürlichen Teilung Europas ist jeder Gedanke an die Schaffung einer
"Sicherheitspartnerschaft"
mit
dem
Osten, gelinde gesagt, verfrüht.
Obwohl damit zumindest die Grundstruktur
des
Bündnisses
erhalten
bliebe, ist auch das Konzept der
"konventionellen
Abschreckung"
im
Grunde ebenso wenig durchführbar wie
das
der
"Sicherheitspartnerschaft".
Immer wieder - und am verheerendsten
im Jahr 1914 - hat die Existenz eines
konventionellen
Gleichgewichts
den
Ausbruch eines Krieges nicht verhindern können, und es gibt keinen Grund
zu der Annahme, daß diese historischen Abläufe in absehbarer Zukunft
eine Umkehrung erfahren können. Nur
eine glaubhafte Androhung des Einsatzes nuklearer Waffen kann einen möglichen Angreifer wirklich abschrecken
und somit den Frieden erhalten. Die
nukleare Abschreckung hat uns in den
vergangenen 40 Jahren gute Dienste
erwiesen, und dies sollte so bleiben.
Wir sollten daher die Gipfel-Erklärung der NATO vom März dieses Jahres
begrüßen, in der eine deutliche Bestätigung für die Beibehaltung der
nuklearen Abschreckung sogar für den
Fall enthalten ist, daß wir auf dem
Verhandlungswege zu einem Gleichgewicht bei den konventionellen Streitkräften in Europa gelangen.
"Defensive
Verteidigung"
verstärkt lediglich die Nachteile der
"konventionellen Abschreckung".
Sie
würde der NATO die Beweglichkeit neh-

men, die zur Erwiderung einer Offensive des zahlenmäßig überlegenen Gegners notwendig ist.
Sie würde uns
dazu zwingen, unsere Strategie der
Vorneverteidigung
zugunsten
einer
Verteidigung in der Tiefe aufzugeben
- eine Strategie, die von Generationen politisch und militärisch Verantwortlicher im Westen einstimmig abgelehnt wurde.
Innerhalb der engen
Grenzen Mitteleuropas ist die Verteidigung in der Tiefe gleichbedeutend
mit einer Aufforderung zum Rückzug an
den Rhein.
Sie hätte die völlige
Verwüstung eines Großteils der Bundesrepublik
Deutschland
zur Folge,
eine Verwüstung, die schlimmer als
die des Zweiten Weltkrieges wäre.
Anhänger
der "defensiven Verteidigung" behaupten, ein schwer bewaffneter und zahlenmäßig überlegener Angreifer könne von Partisanen besiegt
werden, die mit
Panzerabwehrwaffen
und ähnlichem ausgerüstet sind.
Die
öffentliche Meinung in Großbritannien
hat diese bizarre Vorstellung ganz
richtig als Scherz abgetan, als diese
vergangenes Jahr im Wahlkampf vorgebracht wurde.
Kein Kenner militärischer Strategien kann dies ernst
nehmen. Kann sich jemand einen Guerillakämpfer vorstellen, der - nur
mit einer Panzerfaust bewaffnet
massivem Artilleriebeschuß widersteht
und dann sowjetische Panzerformationen im Teutoburger Wald oder in den
Straßen
Hamburgs
systematisch
ausschaltet?
Das letzte dieser neuen Konzepte
- die Entamerikanisierung der westlichen Sicherheit - basiert auf einem
grundlegenden Mißverständnis über die
Rolle der amerikanischen Streitkräfte
in Europa sowie über die Auswirkungen
des INF-Vertrages. Die amerikanische
Präsenz in Europa kann nicht lediglich als zahlenmäßige Größe bewertet
werden, als eine gewisse Anzahl von
Personalstellen, die genausogut von
Europäern
besetzt
werden
könnten.
Sie ist vielmehr elementarer Bestandteil einer Strategie, mit der die
Verteidigung Europas und der Vereinigten Staaten aneinander gekoppelt
sind. Es liegt auf der Hand, daß eu-

- 4 -

�ropäische Soldaten diese Rolle nicht
übernehmen können.
Die Befürworter
einer Entamerikanisierung des Bündnisses - auf beiden Seiten des Atlantiks - liegen außerdem schlicht
falsch mit ihrer Annahme, die Beseitigung amerikanischer Mittelstreckenraketen würde letzten Endes zu einem
vollständigen
Abzug
amerikanischer
Truppen aus Europa führen. Amerikanische Streitkräfte bleiben so lange in Europa, wie die Europäer dies
wünschen. Dies möchte ich hier unmißverständlich zum Ausdruck bringen.
Die
Entamerikanisierung
wirft
darüber hinaus eine Reihe weiterer
sehr heikler Fragen auf. Würden die
europäischen Nationen wirklich die
Reihen
der abziehenden Amerikaner
füllen, indem sie den Umfang ihrer
Armeen und ihrer Verteidigungshaushalte vergrößern?
Meiner Meinung
nach könnte ein Abzug amerikanischer
Truppen keinen stimulierenden, sondern eher einen demoralisierenden Effekt haben, der die Europäer dazu
veranlaßt, weniger anstatt mehr zu
tun. Wären Großbritannien und Frankreich darauf vorbereitet, ihren nuklearen Schutz auf die nicht atomar
bewaffneten Länder Westeuropas auszuweiten?
Das bezweifle ich.
Und
schließlich, wie würden letztere an
Entscheidungen zu nuklearen Fragen
teilhaben, wenn Großbritannien und
Frankreich tatsächlich die nuklearen
Garantiemächte für Westeuropa würden?
Unter solchen Umständen würde ich ein
fast unlösbares Problem der Handhabung nuklearer Fragen vorhersehen.
Abgesehen von diesen Argumenten
stellt sich uns die entscheidende
Frage, ob im Gegensatz zu den Erfahrungen zweier Weltkriege das europäische Gleichgewicht nun ohne einen
amerikanischen Beitrag aufrechterhalten werden kann. Wenn die Demokratien Westeuropas glauben, ohne amerikanische Unterstützung in Frieden und
Freiheit leben zu können, würden die
Amerikaner diese Last gerne ablegen.
Wir müssen uns jedoch davor hüten,
beim amerikanischen Kongreß den Eindruck zu erwecken, Europa halte unse-

ren Beitrag für überflüssig, wenn er
dies in Wirklichkeit nicht ist.
Meine Schlußfolgerung aus diesem
kurzen Überblick lautet, daß keines
dieser neu vorgeschlagenen Konzepte
für die Gestaltung der westlichen Sicherheit eine vernünftige Alternative
bietet.
Alle sind mit gravierenden
Mängeln behaftet. Außerdem sind sie
unnötig. Die bloße Tatsache, daß wir
in eine dynamische Phase der OstWest-Beziehungen
eingetreten
sind,
macht nicht zwangsläufig die Preisgabe oder Umstrukturierung des Atlantischen Bündnisses und einen Vorstoß
ins Ungewisse - mit all den damit
einhergehenden Risiken - erforderlich.
Struktur und Strategie des
Bündnisses, wie sie sich in den vergangenen 40 Jahren herausgebildet haben, behalten im Kern heute wie auch
in Zukunft ihre Gültigkeit. Dies war
die zentrale Aussage des NATO-Gipfels
im März. Mit anderen Worten, wie ich
zu sagen pflege: "Wenn etwas nicht
kaputt ist, soll man nicht daran
herumreparieren." Dies ist - meiner
Ansicht nach - der Ausgangspunkt des
von der Christlich Demokratischen
Union am 18. Februar vorgelegten Diskussionsentwurfs zur Außen-, Sicherheits-,
Europa- und
Deutschlandpolitik.
Wie gesagt - das Festhalten an
der Grundstruktur und -Strategie des
Bündnisses schließt andererseits evolutionäre
Anpassungen
nicht
aus.
Tatsache ist, daß die Geschichte der
NATO eine Geschichte stetiger Anpassung an neue technologische und politische Möglichkeiten ist. Zwei dieser gegenwärtig stattfindenden Anpassungsvorgänge sind im Hinblick auf
ihr Potential für eine Stärkung der
Fähigkeiten und des Zusammenhaltes
des Bündnisses besonders bedeutsam.
Erstens ist die weitere Europäisierung des Bündnisses - wiewohl wir
einer Entamerikanisierung entgegentreten sollten - strategisch und politisch sehr wohl sinnvoll. Die Vereinigten Staaten unterstützen die
Stärkung des europäischen Pfeilers

- 5 -

�voll und ganz. Wir begrüßen die Wiederbelebung der WEU, den Ausbau und
die Intensivierung der deutsch-französischen Sicherheitsbeziehungen sowie die Diskussionen über Sicherheitsfragen im Rahmen der europäischen
politischen
Zusammenarbeit.
Diese Bemühungen zur Konsolidierung
des europäischen Pfeilers zielen - so
wie es sein sollte - darauf ab, die
amerikanische Beteiligung am Bündnis
zu ergänzen anstatt sie zu ersetzen.
Neben
den potentiellen
praktischen
Vorteilen
im militärischen
Bereich
haben diese Bemühungen zwei bedeutende politische Vorzüge. Erstens wird
in dem Maße, in dem sich Europa mit
der eigenen Verteidigung identifizieren kann - so daß die NATO nicht lediglich als amerikanische Institution
betrachtet wird - die Unterstützung
für das Bündnis in der europäischen
Öffentlichkeit
wachsen.
Zweitens
wird die Stärkung des europäischen
Pfeilers dazu beitragen, die Amerikaner - und insbesondere skeptische
Kongreßabgeordnete - zu überzeugen,
daß die Europäer der Verteidigung Europas genauso verpflichtet sind wie
sie selbst.
Die zweite Anpassung ist die Neueinschätzung der nuklearen Notwendigkeiten und der Rüstungskontrollprioritäten des Bündnisses, wie sie - zumindest hier in der Bundeshauptstadt
- unter dem Begriff "Gesamtkonzept"
verstanden
wird.
Die
Vereinigten
Staaten unterstützen die Entwicklung
eines
solchen Gesamtkonzepts.
Der
NATO-Gipfel im März hat uns mit der
Verabschiedung
einer
ausführlichen
Erklärung zur konventionellen Stabilität auf diesem Weg einen bedeutenden Schritt vorangebracht.
Die Arbeit hat bereits begonnen: Die Hochrangige Beratergruppe und die Nukleare Planungsgruppe der NATO untersuchen die Anforderungen an die NATO
nach dem INF-Vertrag und die Ständigen Vertreter in Brüssel wurden beauftragt,
ein
weitreichendes
Rüstungskontrollkonzept
auszuarbeiten,
das auf dem Kommunique von Reykjavik
vom Juni 1987 fußt.

Bei der Formulierung eines Gesamtkonzepts wird das Bündnis die besonderen Interessen seiner Mitgliedstaaten
berücksichtigen
müssen.
Zweifellos nimmt die Bundesrepublik
Deutschland mit Blick auf ihre exponierte
geographische
Lage,
ihren
nichtnuklearen Status und als Teil
der gespaltenen deutschen Nation eine
besondere Stellung ein.
Die durch
diese besondere Stellung auferlegten
Lasten können jedoch nicht durch die
Beseitigung
der amerikanischen nuklearen Präsenz auf deutschem Boden
gemindert werden.
Eine Entnuklearisierung würde diese Lasten noch erhöhen.
Die Antwort auf die besondere
Stellung der Bundesrepublik Deutschland ist vielmehr, die Konzeption der
nuklearen Risikoteilung innerhalb des
Bündnisses zu bewahren. Für die Vereinigten Staaten bedeutet Risikoteilung die Absage an das Konzept der
Begrenzung eines Atomkrieges auf europäisches Gebiet; für die Bundesrepublik bedeutet es die Ablehnung der
Entnuklearisierung ihres Territoriums.
Natürlich wird nicht nur in Europa Druck zur Neueinschätzung und Revidierung
der
Grundstruktur
und
-Strategie der NATO ausgeübt.
Der
gleiche Druck besteht auch in den
Vereinigten Staaten in Form von vage
definierten Vorschlägen, denenzufolge
wir
uns
der
internationalen
Verpflichtungen entledigen und in eine
Art von Festung Amerika zurückziehen
sollten.
Manch einer in den Vereinigten Staaten möchte unseren nuklearen Schutzschild abbauen und unsere strategischen Streitkräfte nur
zu unserer eigenen Verteidigung reservieren.
Andere möchten die Zahl
der in Europa stationierten amerikanischen Truppen drastisch reduzieren
- bis hin zu einem vollständigen Abzug. Und wieder andere möchten denjenigen Verbündeten, die nicht "genug" für die Verteidigung ausgeben wie immer man dies definieren mag -,
hohe Strafzölle auferlegen.
Glücklicherweise
werden
diese
Gedanken
weiterhin vom amerikanischen Wähler
abgelehnt.
In den Vereinigten Staaten besteht immer noch ein breiter

- 6 -

�r

Konsens zugunsten der beständigen Unterstützung des Atlantischen Bündnisses und der amerikanischen Verpflichtung für die Verteidigung Europas.
Vor kurzem schlug Außenminister
Shultz als Parole des Bündnisses in
der gegenwärtigen Phase des Wandels
im Ost-West-Verhältnis "auf geradem
Kurs" vor. Dieser aus der Seefahrt
entlehnte Begriff trifft meiner Meinung nach insbesondere auf die Herausforderungen und Chancen zu, mit
denen wir uns heute konfrontiert sehen. Wir müssen einen aktiven Dialog
mit dem Osten führen, der auf die Beseitigung der Ursachen von Spannungen
und auf die Reduzierung der RUstungsniveaus - nuklear und konventionell abzielt. Gleichzeitig müssen wir jedoch Schritte zur Sicherung der weiteren Lebensfähigkeit, Glaubwürdigkeit und Wirksamkeit unserer konventionellen und nuklearen Streitkräfte
in die Wege leiten. Nur ein Bündnis,
das dem heutigen in Beschaffenheit
und Struktur in etwa entspricht, kann
diese beiden unerläßlichen Aufgaben
erfüllen.

- 7 -

�</text>
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                <text>Die Sicherheitspolitik des Bündnisses im Zeitalter sich wandelnder Ost-West-Beziehungen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Botschafter Richard R. Burt gehalten vor den Delegierten beim außenpolitischen Kongreß der CDU&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;"Freiheit, Sicherheit, Zusammenarbeit"&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>13. April 1988

15

INHALT
DOKUMENTATION
Reagan;

Vereinigte Staaten stimmen Afghanistan-Vereinbarung zu

- Erklärung des Präsidenten -

HINTERGRUNDMATERIAL
Reagan;

SDI noch aussichtsreicher durch technische Fortschritte

- Interview mit "Strategie Defense" (Copyright (c) 1988 by Phillips Publishing, Inc.)
Sowjetische Desinformation dauert trotz Glasnost unvermindert an
- Auszüge aus USIA-Studie über sowjetische aktive Maßnahmen DIE WAHLEN IN AMERIKA 1988
Die demokratischen Kandidaten und der "Schmelztiegel" New York
- Vorschau auf die Vorwahl im Staat New York -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Neuer Supercomputer
- Lösung komplexer Probleme in kürzester Zeit möglich -

* * * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�AMERIKA DIENST
Dokumentation

VIQN &amp;
15

13. April 1983

REAGAN:

VEREINIGTE STAATEN STIMMEN AFGHANISTAN-VEREINBARUNG ZU
- Erklärung des Präsidenten -

WASHINGTON - (AD) - Einer am 11. April 1988 veröffentlichten Erklärung
Präsident Reagans zufolge stimmen die Vereinigten Staaten der in Genf erzielten Afghanistan-Übereinkunft zu, die den Weg für einen Abzug der sowjetischen
Truppen freimacht. Reagan erklärte außerdem, daß er Außenminister Shultz nach
Genf entsenden wird, um für die Vereinigten Staaten als Garantiemacht die Vereinbarungen zu unterzeichnen.
Nachfolgend bringen wir die Erklärung des Präsidenten im Wortlaut:

Ich wurde soeben von meinen nationalen Sicherheitsberatern über den
Inhalt der in Genf ausgehandelten
Afghanistan-Vereinbarungen
informiert, die den vollständigen Abzug
der
sowjetischen
Besatzungstruppen
aus diesem Land vorsehen. Meiner Ansicht nach können die Vereinigten
Staaten sich nun der Sowjetunion als
Garantiemacht für die Genfer Vereinbarungen anschließen.
Ich habe deshalb Außenminister
Shultz gebeten,
uns bei der feierlichen Unterzeichnung dieser historischen Übereinkunft
zu vertreten, die Ende dieser Woche
in Genf stattfinden soll.
Diese Entwicklung wäre ohne den
heldenhaften Kampf des afghanischen
Volkes zur Befreiung seines Landes
von
ausländischer
Besetzung
nicht

United States Information Service
Embassy of the United States of America

möglich gewesen. Wir sind stolz darauf, dem afghanischen Volk bei der
Erringung dieses Triumphs beigestanden zu haben, und es kann auch weiterhin auf unsere Unterstützung zählen.
Auch die Regierung und das Volk
von Pakistan, die Millionen afghanischer
Flüchtlinge während
dieser
Zeit
der sowjetischen
Beherrschung
Afghanistans so großzügig aufgenommen
haben, versichern wir unserer weiteren Freundschaft und Unterstützung.

* * * * *

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�: e°

ST&gt;

AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

13. April 1988

15

REAGAN:

SDI NOCH AUSSICHTSREICHER DURCH TECHNISCHE FORTSCHRITTE
- interview mit "Strategie Defense" -

Abgedruckt mit Genehmigung
(Copyright (c) 1988 by Phillips Publishing, Ine
von Strategie Defense, Redaktion, 1850 M. St., N.W., Suite 810, Washington
D.C. 20036.)
WASHINGTON - (AD) - In einem Interview mit dem Informationsblatt "Strategie Defense" hat Präsident Reagan zum Stand der strategischen Verteidigungsinitiative Stellung genommen.
Wir bringen dieses Interview nachfolgend in
voller Länge.

Frage:
vor fünf Jahren, am 23.
März 1983, haben Sie der Nation eine
"Vision der
Zukunft, die Hoffnung
bietet", das Endziel einer Beseitigung der von den strategischen Atomraketen
dargestellten
Bedrohung in
Aussicht gestellt - Ihr Programm der
Strategischen
Verteidigungsinitiative. Ist diese Vision nach fünfjährigen Bemühungen Ihrer Administration
ebenso aussichtsreich oder noch aussichtsreicher als damals, oder haben
die technischen und/oder politischen
Schwierigkeiten dieses Ziel in weite
Ferne gerückt? Wie stellen sich die
Errungenschaften dieser fünf Jahre in
Ihren Augen dar?
Antwort:
Die von mir im Jahr
1983 in meiner Rede umrissene Vision
ist, davon bin ich überzeugt, heute

United States Information Service
Embassy of the United States of America

noch aussichtsreicher, was auf zahlreiche
dramatische
und
aufregende
technische Durchbrüche zurückzuführen
ist, die wir in den vergangenen fünf
Jahren erlebt haben.
Solche Errungenschaften sollten niemanden überraschen, da einige der fähigsten Wissenschaftler unseres Landes an dem
Problem
arbeiten, wie ballistische
Raketen nach dem Abschuß und vor Erreichen des Ziels vernichtet werden
können. Während eines Besuchs in einem Industriebetrieb, der sich mit
SDI-Forschung beschäftigt, habe ich
vor kurzem aus erster Hand einige der
aussichtsreichen Technologien kennengelernt, die, wie wir hoffen, SDI
bald Wirklichkeit werden lassen.
Zum
zweiten
Teil
Ihrer
Frage
möchte ich Folgendes sagen.
Erstens

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�glauben
viele Amerikaner
fälschlicherweise, die Vereinigten
Staaten
hätten ein aktives System zur Raketenabwehr schon in Stellung gebracht.
Kurz
und bündig:
das haben wir
nicht. Es sind die Sowjets, die heute das einzige einsatzfähige ABM-Syscem der Welt besitzen, das um Moskau
zum Schutz der sowjetischen Führung
stationiert ist.
zweitens befürworten die meisten Amerikaner ein Programm zur Entwicklung und Stationierung von SDI. Leider hat der von den
Demokraten kontrollierte Kongreß die
von uns beantragten Haushaltsmittel
in jedem jähr seit der Schaffung des
Programms reduziert. ich den Kongreß
jedoch auch weiterhin nachdrücklich
zur Unterstützung des SDI-Programms
aufrufen, wie dies das amerikanische
Volk tut.
SDI ist entscheidend für unsere
Bemühungen, den Frieden zu stärken
und langfristig ein sicheres und stabiles strategisches Gleichgewicht zu
sichern.
Es ist lebenswichtig für
die Zukunft dieser Nation, daß das
SDI-Programm die volle Unterstützung
des Kongresses erhält.
Frage:
Trotz ihres ehrenwerten
Ziels hat die Strategische Verteidigungsinitiative
wahrscheinlich
mehr
Kritik vom Kongreß und den großen Medien auf sich gezogen als jedes andere Verteidigungsprogramm Ihrer Administration,
sind Sie der Meinung,
daß diese Kritik im großen und ganzen
gerechtfertigt war oder glauben Sie,
daß sie auf mangelnder Information
beruhte oder einfach politisch motiviert war? Wie haben sich die aufgrund der Opposition im Kongreß vorgenommenen einschneidenden Budgetkürzungen für SDI auf das SDI-Programm
ausgewirkt?
Antwort:
Erstens
möchte
ich
sagen, daß ich jede konstruktive Kritik zu SDI oder anderen Themen begrüße. Solche Kommentare und Empfehlungen sind nützlich für unsere stetige Überprüfung des SDI-Programms,
die eine angemessene Strukturierung
sicherstellen soll, damit wir unser

Ziel erreichen. Dieser Prozeß stellt
sicher, daß die verantwortlichen für
dieses Programm in ihren Bemühungen
nicht nachlassen. Leider gibt es andere, die SDI politisieren wollten,
um es auszuhöhlen. Ich bin nicht der
Meinung, daß wir unsere Zukunft auf
immer und ewig an Atomwaffen und die
Drohung
gegenseitiger
Vernichtung
verpfänden müssen.
Ich glaube, daß
wir die uns zur Verfügung stehende
Technologie benutzen müssen, um eine
Alternative für unsere Zukunft und
die Zukunft unserer Kinder zu suchen,
in meiner Rede von 1983 habe ich die
Frage gestellt: Gibt es keinen besseren Weg zur Sicherung des Friedens,
als
die Androhung
des
nationalen
Selbstmords?
Wäre es nicht besser,
Menschenleben zu retten, als sie zu
rächen?
Ich bleibe diesem Ziel verpflichtet und bin über die Fortschritte erfreut, die bei SDI gemacht
wurden.
Zu den Auswirkungen der Budgetkürzungen
hat
Generalleutnant
Abrahamson
festgestellt, daß hierdurch eine Verzögerung von ein bis
zwei Jahren im Terminkalender des Gesamtprogramms verursacht würde.
Ich
werde mich mit ganzer Kraft beim
Kongreß für die Bewilligung der für
das Haushaltsjahr 1989 für SDI beantragten Mittel (etwa 4,5 Milliarden
Dollar) einsetzen.
Angesichts der
Haushaltsengpässe, mit denen wir uns
kontrontiert
sehen,
wurde
dieser
Haushaltsansatz von der Administration schon so weit wie möglich beschnitten.
Jegliche weitern Kürzungen wären unverantwortlich.
Frage:
Die
Hauptkritikpunkte
an SDI sind dessen möglicherweise
enorme Kosten, die einige schätzen
sie auf bis zu 1 oder 2 Billionen
Dollar schätzen.
Des weiteren wird
vorgetragen, es
sei
technisch
zu
schwierig, von einem Gegner leicht zu
überwinden und würde auf die Sowjetunion destabilisierend und bedrohlich
wirken. Was antworten sie auf diese
Kritikpunkte?
Antwort:

Die

Kostenschätzungen

�von 1 oder 2 Billionen Dollar wurden
von Gruppen oder Einzelpersonen vorgebracht, die als Gegner des Programms bekannt sind.
Solche Schätzungen
entbehren
jeder
Grundlage.
Die Kosten von SDI, wie auch von anderen Großprogrammen sind sicherlich
eine wichtige Frage, die sorgfältiger
und ständiger Prüfung bedarf.
Ein
künftiger Präsident und ein künftiger
Kongreß werden zu entscheiden haben,
ob SDI stationiert werden soll, und
die Gesamtkosten werden dabei sicherlich ein wichtiger Gesichtspunkt sein.
Ich habe wiederholt erklärt, daß
SDI militärisch wirksam, überlebensfähig und kosteneffektiv sein muß,
wenn
es
stationiert
werden
soll.
Dies sind stets meine Kriterien gewesen.
Was
die technische
Machbarkeit
angeht, so ist es es im jetzigen Stadium des Programms noch zu früh, endgültig zu bestimmen, ob das ziel von
SDI erreicht werden kann. Die gewaltigen technischen Fortschritte, die
wir in den vergangenen fünf Jahren
erlebt haben, bieten Grund zum Optimismus. Sie wissen, wie schnell die
Technologie
während
meines
Lebens
fortgeschritten
ist; ich habe gelernt, mein Schicksal nicht denen anzuvertrauen,
die
sagen
"Das
geht
nicht", sondern denjenigen, die sagen
"Ich zeige Ihnen, wie es geht".

zu sichern, und es ist zunehmend
deutlich geworden, daß wir nicht in
der Lage sein werden, dies dadurch zu
erreichen, daß wir ausschließlich auf
eine offensiv ausgerichtete Abschrekkung vertrauen.
SDI stellt eine unmittelbare Antwort nicht nur auf die wachsende Bedrohung
durch
sowjetische
strategische Offensivkräfte, sondern auch
auf die andauernden und intensiven
sowjetischen Bemühungen zur strategischen Verteidigung dar.
Das SDIProgramm liefert eine notwendige und
mächtige
Abschreckung
gegen
jeden
kurzfristigen
Ausbruch der
Sowjets
aus dem ABM-Vertrag.
Dies ist für
sich schon eine entscheidende Aufgabe.
Die langfristige Bedeutung von
SDI besteht jedoch darin, daß es die
Möglichkeit zur Umkehrung der gefährlichen militärischen Trends bietet,
die wir in den vergangenen zwei Jahrzehnten festgestellt haben, indem es
zu einer glaubwürdigeren und stabileren langfristigen Grundlage für die
Abschreckung führt und indem es der
Sowjetunion neue und zwingende Anreize bietet, ernsthaft über Reduzierungen der bestehenden Offensivarsenale
zu verhandeln.

Alle Konzeptionen für die Auslegung des Systems, auch "Architektur"
genannt, beinhalten eine detaillierte
Analyse der Gegenmaßnahmen, die von
den Sowjets vernünftigerweise erwartet werden können, um das Verteidigungssystem zu überwinden oder durcheinander zu bringen.
Wiederum bin
ich zuversichtlich, daß ein militärisch wirksames, überlebensfähiges
und
kosteneffektives
System gebaut
werden kann.

Die Vereinigten Staaten streben
bei ihrer Erforschung des Potentials
moderner
Verteidigungssysteme
streben
weder nach Überlegenheit noch
nach einseitigen Vorteilen.
Stattdessen könnten die destabilisierenden
Merkmale
der gegenwärtigen strategischen
Gleichgewichts
korrigiert
werden, wenn die Aussichten des SDIProgramms bewiesen sind.
Des weiteren würde die Abschreckung erheblich
gestärkt und auf eine solidere Grundlage gestellt, indem die Rolle ballistischer Raketen reduziert wird und
man sich verstärkt auf niemanden bedrohende Verteidigungssysteme konzentriert.

Was die Behauptung anbelangt, SDI
könne "destabilisierend" wirken, bin
ich gänzlich anderer Meinung. im Gegenteil, wir sind entschlossen, die
strategische
Stabilität
langfristig

Frage:
Ihre
Abrüstungsgespräche mit Generalsekretär Gorbatschow
kommen scheinbar trotz der außerordentlich erfolgreichen Unterzeichnung
des INF-Vertrages immer wieder auf

- 3 -

�die sowjetischer Seite erhobene Forderung zurück, die Vereinigten Staaten sollten Entwicklung und Erprobung
des SDI-Programms aufgeben. Dies beinhaltet die selbstverständliche Folgerung, einen weiteren Durchbruch in
der Rüstungskontrolle - einschließlich eines Vertrages über den Abbau
der strategischen Waffen (START)
könne es vorbehaltlich ihrer Zustimmung zu dieser Forderung nicht geben.
Glauben Sie, noch in diesem Jahr eine
Einigung über ein START-Abkommen mit
Herrn Gorbatschow erzielen zu können,
und ist dies auch an Beschränkungen
für SDI gekoppelt?
Und wie erklären
Sie den vehementen Widerstand der Sowjets gegen SDI?
Handelt es sich
hierbei schlicht um Angst vor hochentwickelter amerikanischer Technologie, oder könnte es ihrer Meinung
nach Teil einer generellen sowjetischen Strategie sein, Vorteile im
militärischen Bereich anzustreben, in
diesem Fall durch das Blockieren eines
amerikanischen
Programms
bei
gleichzeitiger heimlicher Fortsetzung
eines eigenen ganz ähnlichen Programms?

Gorbatschow hat das jetzt verstanden.

Antwort:
Die
Sowjets
wollten
Fortschritte in der Rüstungskontrolle
an ein Abkommen koppeln, das unser
SDI-Programm
lahmlegt.
sie werden
sich
erinnern, daß Generalsekretär
Gorbatschow
in
Reykjavik
versucht
hat, ein Junktim zwischen allen Reduzierungen im Bereich der Offensivwaffen - sogar bei INF - und Beschränkungen unserer SDI-Forschung herzustellen,
ich habe dies aus gutem
Grund abgelehnt:
ein schlechtes Rüstungskontrollabkommen ist schlechter
als überhaupt kein Abkommen. Während
unserer
Gipfelgespräche
in
Genf,
Reykjavik
und
zuletzt
hier
in
Washington habe ich Herrn Gorbatchow
gegenüber erklärt, daß SDI kein Verhandlungsgegenstand ist. Es ist für
unsere
zukünftige Sicherheit unerläßlich.

Frage:
Warum hat die amerikanische Regierung sich nicht stärker
bemüht, die von den Sowjets erzielten
Fortschritte
bei der
strategischen
Verteidigung herauszustellen, um so
für ihr eigenes SDI-Programm mehr Unterstützung zu gewinnen? Den meisten
Amerikanern war beispielsweise
die
Existenz eines sowjetischen strategischen Verteidigungsprogramms bis zu
dem Interview von NBC-Korrespondent
Tom
Brokaw
mit
Generalsekretär
Gorbatschow vor dem Washingtoner Gipfel unbekannt.
Hätte man nicht auf
die lange zeit und enormen Gelder,
die der Kreml für strategische Verteidigungsprogramme verwandt hat, in
der Öffentlichkeit
deutlicher aufmerksam machen können?

Meine Position steht fest:
Wir
werden SDI erforschen und entwickeln;
und wenn SDI fertig ist, werden wir
es stationieren.
Ich glaube, Herr
- 4

Was den sowjetischen Widerstand
gegen SDI betrifft, so ist folgendes
klar:
Sie halten nach Möglichkeiten
Ausschau, SDI auszuschalten ohne ihre
eigenen strategischen Verteidigungsprogramme aufgeben zu müssen - Programme, für die sie in den vergangenen zehn Jahren annähernd 200 Milliarden Dollar ausgegeben haben.
Dies
steht in krassem Gegensatz zu unseren
Ausgaben in Höhe von weniger als 13
Milliarden
Dollar
in
fünfjähriger
SDI-Forschung.
Meines Erachtens sind die Sowjets
- genau wie schon bei INF - vor allem
besorgt darüber, ihr faktisches Monopol bei der strategischen Verteidigung zu verlieren.
Es kann auch
sein, daß sie über die technologische
Herausforderung besorgt sind, die SDI
darstellt. Zweifellos haben sie auch
die anderen militärischen Anwendungsmöglichkeiten
oder
"Nebenprodukte"
unserer Forschungs- und Entwicklungsarbeiten im Zusammenhang mit SDI erkannt und sind darüber besorgt.

Antwort:
Ich sehe, worauf Sie
abzielen. Darum ergreife ich persönlich jede passende Gelegenheit, diese
Tatsachen dem amerikanischen Volk zu
vermitteln.
Darum hat meine Regierung auch umfangreiches Material über

�die sowjetischen strategischen Verteidigungs- und
Weltraumprogramme
veröffentlicht.
Ich kann Ihnen versichern, daß wir auch weiter über die
massiven - und jahrelangen - Investionen der Sowjets in die strategische Verteidigung berichten werden.
Wir wissen beispielsweise, daß sie
viele derselben Technologien erforschen, an denen wir in unserem SDIProgramm arbeiten. unseren Schätzungen zufolge beschäftigen sie 10 000
hochqualifizierte Flugwissenschaftler
und -ingenieure und geben allein für
ihr militärisches Laserprogramm annähernd eine Milliarde Dollar pro Jahr
aus.
Ich begrüße, daß der Generalsekretär endlich die Existenz eines eigenen SDI-ähnlichen Programms zugegeben hat. Wir haben es die ganze Zeit
gewußt und versucht, die Öffentlichkeit davon so umfassend wie möglich
zu informieren, aber wir müssen dabei
auch gleichzeitig sicherstellen, daß
unsere nachrichtendienstlichen Quellen und Methoden nicht bekannt werden.
Wir haben darüber hinaus öffentlich auf die sowjetische Nichteinhaltung früherer Rüstungskontrollverträge und -abkommen hingewiesen, wozu
auch der ABM-Vertrag von 1972 gehört.
Im Hinblick auf das Radar von Krasnojarsk habe ich mich immer wieder dafür ausgesprochen, daß hier Abhilfe
geschaffen
und der Radar abgebaut
werden muß. Leider haben die Sowjets
auf unsere Bedenken nicht reagiert.
Frage:
Einige
Kritiker
des
SDI-Programms verbuchen schon den Erfolg einschneidender
Kürzungen des
SDI-Haushalts in den vergangenen Jahren auf ihrer Seite und erklären, das
Programm würde vom nächsten Präsidenten gestrichen.
Was wird Ihr Nachfolger ihrer Ansicht nach aus dem
SDI-Programm
machen?
Welchen
Ratschlag für die Zukunft der Strategischen Verteidigungsinitiative werden sie dem nächsten Präsidenten geben, sei er nun Republikaner oder Demokrat?

Antwort:
Die
Maßnahmen
des
nächsten Präsidenten sind natürlich
nicht vorhersehbar.
Bestimmten Empfehlungen für SDI würde ich jedoch
anbieten;
die zukünftige Sicherheit
des Westens ist keine Frage der Parteipolitik, sondern unabdingbar für
unsere nationale Sicherheit und so
sollte sie auch behandelt werden.
Mein Ratschlag an meinen Nachfolger lautet: Lassen Sie nicht zu, daß
die Sowjets infolge der innenpolitischen Diskussion in den Vereinigten
Staaten oder infolge der Haushaltskürzungen etwas erreichen, das viel
zu wertvoll ist, um es in Verhandlungen aufzugeben. Darüber hinaus möchte ich erneut meiner Auffassung Nachdruck verleihen, daß SDI die Hoffnung
auf eine bessere Zukunft darstellt,
für uns, unsere Kinder und unsere Enkelkinder.
Frage:
Glauben
Sie, daß
der
von seinen Kritikern in den Medien
und im Kongreß im Zusammenhang mit
SDI
geprägte
Ausdruck
"Krieg
der
Sterne" dem Programm in den Augen der
Öffentlichkeit geschadet hat?
Antwort:
Meines Erachtens hatte es auf gewisse Weise diese Wirkung.
Uns sind Meinungsumfragen bekannt, die belegen, daß die Menschen
bei dem Ausdruck "Krieg der Sterne"
Unbehagen empfinden, obwohl sie unsere Idee einer stragetischen Verteidigung nachdrücklich befürworten. Dies
war ganz sicher das Ziel derjenigen,
die das SDI-Programm mit diesem Etikett behaftet haben.
Sie hofften,
dieses wichtige und wirklich entscheidende Konzept in den Augen der
amerikanischen Öffentlichkeit zu bagatellisieren.
Aber ich traue dem
amerikanischen Volk mehr zu.
SDI ist keine Phantasie. Es ist
ein vielschichtiges
und herausforderndes
Programm
wissenschaftlicher
Forschung und Entwicklung bis hin zur
Verwirklichung einer wirksamen Verteidigung gegen ballistische Raketen.
Und trotz der Bemühungen der Kritiker, die öffentliche
Unterstützung

- 5 -

�für das Programm zu untergraben und
dessen Rolle für unsere zukünftige
Sicherheit zu bagatellisieren, indem
sie es mit phantasieausdrücken beschreiben, bin ich im Interesse unserer zukünftigen Sicherheit entschlossen, das Programm weiter fortzusetzen.
Frage:
Welche
Haltung
nimmt
die Regierung zu den jüngsten Vorschlägen des Vorsitzenden des Streikräfteausschusses im Senat, Senator
Sam Nunn ein, der die Aufmerksamkeit
des Pentagons auf die Entwicklung eines sogenannten Systems zum Schutz
vor
irrtümlichen
Raketenabschuß
(ALPS) lenkte?
Sollte ein solches
System angesichts der schon von der
SDI-Gruppe unternommenen Forschungsarbeiten ernsthaft in Erwägung gezogen werden?
Sehen sie dies als eine
Umleitung von ohnehin schon knapp bemessenen Mitteln in ein noch enger
gefaßtes
Gebiet
der
Verteidigung,
oder ist es andererseits vielleicht
als akzeptabler anzusehen, weil es
zumindest eine Weiterentwicklung auf
dem Gebiet der möglichen Stationierung einer strategischen Verteidigung
darstellt?

senden Verteidigung erreicht werden
kann. Die erste Phase einer solchen
Stationierung
sollte uns natürlich
diesem Endziel näherbringen.
Der Bedrohung durch einen versehentlichen Raketenstart muß zweifelsohne ebenso Rechnung getragen werden,
wie einem absichtlichen Angriff mit
ballistischen Waffen durch ein verbrecherisches
Regime.
Gleichzeitig
dürfen wir uns nicht von unserem
Hauptziel einer wirkungsvollen Verteidigung ablenken lassen, die unseren Kriterien der Stationierung gerecht wird.
Solche Verteidigungssysteme müssen in Phasen gebaut werden,
einschließlich der im Weltraum stationierten Elemente.
Jedes System,
das zum Schutz gegen versehentliche
Raketenstarts
gebaut
wurde,
kann
nicht nur Selbstzweck sein;
es muß
vielmehr ein weiterer Schritt auf dem
Weg zu einem strategischen Umfeld
sein, in dem Abschreckung in zunehmendem Maße auf Verteidigung statt
auf Angriff basiert.

Antwort:
Die Vorstellung einer
begrenzten strategischen Verteidigung
ist nicht neu. Ich habe im Laufe der
Jahre eine Vielzahl von Vorschlägen
dieser Art erhalten, selbst von den
energischsten Befürwortern von SDI im
Kapitol.
Die Erklärung von Senator
Nunn, strategische Verteidigung könne
eine nützliche Rolle bei der Verbesserung der Abschreckung und der Minderung der Risiken und Gefahren eines
Krieges spielen, habe ich mit Interesse gelesen. Jede Erklärung diesen
Inhalts ist ein willkommener Beitrag
zu der Diskussion über SDI.
Im Verteidigungsministerium gibt
es ein formelles Gefüge zur Überprüfung der vorgeschlagenen Änderungen
am SDI-Programm:
den Verteidigungsbeschaffungsrat. wie Sie wissen haben wir ja das Konzept einer stufenweisen Stationierung übernommen, in
der
Erkenntnis, daß dadurch unser
höchstes ziel einer wirklich umfas- 6 -

* * * * *

�AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

'^r/oN

15

13. April 1988

SOWJETISCHE DESINFORMATION DAUERT TROTZ GLASNOST UNVERMINDERT AN
- Auszüge aus USIA-Studie über sowjetische aktive Maßnahmen -

WASHINGTON - (AD) - Die sowjetische Desinformationstaktik dauert einer
amerikanischen Studie zufolge trotz anderslautender Beteuerungen des sowjetischen Parteichefs Gorbatschow und trotz seines Bekenntnisses zu "Glasnost"
unvermindert an. Der vom US-Informationsamt (USIA) am 6. April 1988 veröffentlichte Bericht mit dem Titel "Sowjetische aktive Maßnahmen In der Ära von
Glasnost" kommt unter anderem zu dem Ergebnis, daß es derzeit zwölf wesentliche sowjetische Desinformationskampagnen gibt, von denen zwei erst im vergangenen Jahr angelaufen sind. Eine davon bringt den amerikanischen Geheimdienst CIA fälschlicherweise mit dem Jonestown-Massaker im Jahr 1978 in Verbindung, die andere behauptet, amerikanische Bürger hätten Babies aus Südamerika zu dem Zweck adoptieren wollen, sie für Organspenden "zu zerstückeln".
Nachstehend geben wir den Bericht in seinen wesentlichen Auszügen wieder.

Bei aktiven Maßnahmen handelt es
sich um sorgsam erarbeitete - oftmals
geheime oder irreführende - Einflußoperationen, die von den Sowjets neben herkömmlichen diplomatischen und
Informationsaktivitäten
zur
Unterstützung ihrer Außenpolitik angewandt
werden.
Sie reichen von Grobheiten
bis zu hahnebuchenem Unsinn, von bösartigen antiamerikanischen Desinformationen und Täuschungen bis hin zu
raffinierten besänftigenden Einflußoperationen. Sowjetische aktive Maßnahmen sind insbesondere:
- "Schwarze" KGB-Aktivitäten, wie
beispielsweise Desinformation und
Täuschung, der Einsatz von Einflußagenten und geheime Medienmanipulationen;
"Graue"

von

der

Abteilung (ID) der sowjetischen
kommunistischen
Partei
durchgeführte Aktivitäten, die folgende
Bereiche umfassen:
Planung von
Aktionen
durch
die kommunistischen Parteien vor Ort, durch
sowjetisch gesteuerte internationale Frontorganisationen und vermeintlich unabhängige sowjetische
Freundschaftsvereinigungen, sowie
durch "Massenorganisationen" und
im außenpolitischen Bereich tätige akademische Institute.
"Weiße"
Medienberichterstattung
über diese Aktivitäten und die
Themen der aktiven Maßnahmen unter Leitung der Propagandaabteilung
des
Zentralkomitees
durch nicht geheime Elemente des
sowjetischen Apparats zur Ver-

Internationalen

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�breitung aktiver Maßnahmen:
die
Presseagenturen TASS und Nowosti,
Radio Moskau und Radio Frieden
und Fortschritt, anderen Elementen der sowjetischen Presse und
den
Informationsabteilungen
der
sowjetischen Botschaften im Ausland.
Diese
"weißen" Elemente
liefern außerdem eine Tarnung für
Agenten von KGB und ID.

Jüngste Entwicklungen
Seit dem Genfer Gipfel im Jahr
1985 hat es erhebliche Verlagerungen
im Hinblick auf die Taktik "grauer"
sowjetischer
aktiver Maßnahmen und
ihre Leitung gegeben.
Das Konzept
einer so breit wie möglich angelegten
"Vereinigten
Front" zum Widerstand
gegen die Strategische Verteidigungsinititive und zur Untergrabung amerikanischer Verhandlungspositionen zur
Rüstungskontrolle
ist
mittlerweile
die wichtigste
Stoßrichtung sowjetischer aktiver Maßnahmen im Westen
geworden. Dies hat die Sowjets dazu
veranlaßt, wesentlich sanftere Töne
als in der Vergangenheit anzuschlagen:
- Die sowjetisch gesteuerten Internationalen
Frontorganisationen,
wie beispielsweise der Weltfriedensrat, haben sich versöhnlichere Methoden mit dem Ziel zu eigen
gemacht, um bei "Friedens"-Aktivisten aller Schattierungen Anklang zu finden.
- Vermeintlich
unabhängige
sowjetische
"Massenorganisationen",
wie
beispielsweise
das
Sowjetische
Friedenskomitee,
haben
zahlreiche direkte Kontakte mit
dem Westen aufgenommen, in der
Hoffnung, diese Kanäle zu benutzen, um die Menschen im Westen
von der Logik sowjetischer Ansichten über SDI und Abrüstung zu
überzeugen.
- In ihrem Bemühen zur Öffnung anderer Kanäle zur Beeinflussung
westlicher Eliten nehmen die Sowjets ebenfalls eine Spitzenposi-

tion bei der Organisation neuer
internationaler
"Friedens"-Foren
und Gruppen ein, die sich größtenteils aus Akademikern, Wissenschaftlern, prominenten
Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens und Geschäftsleuten zusammensetzen.
Auf allen Gebieten basiert die
derzeitige sowjetische Taktik auf der
Pflege eines offeneren Images und dem
Versuch, positive westliche Auffassungen über den Prozeß von "Glasnost"
und
"Perestrojka" zum
sowjetischen
Vorteil auszunutzen.
Diese
aktiven Maßnahmen werden
von einem neuen und begabten Leiter
der
Internationalen
Abteilung
des
Zentralorgans der sowjetischen kommunistischen Partei koordiniert, dem
früheren sowjetischen Botschafter in
den
Vereinigten
Staaten,
Anatoli
Dobrynin.
Im Laufe von Dobrynins
Amtszeit sind die sowjetischen "grauen" aktiven Maßnahmen wesentlich anspruchsvoller und subtiler geworden.
Auf der Ebene des KGB waren jedoch keine wesentlichen Änderungen in
der Handhabung sowjetischer aktiver
Maßnahmen
festzustellen.
Bösartige
antiamerikanische
Desinformationen
und Täuschungen dauern ebenso unvermindert an wie die massiven sowjetischen Bemühungen, die Presse insgeheim zu manipulieren. Einer der bemerkenswertesten
Züge
der
sowjetischen aktiven Maßnahmen in jüngster
Zeit war die Hartnäckigkeit, mit der
diese Aktivitäten zur gleichen Zeit
durchgeführt wurden, in der die Sowjets eine anspruchsvolle Einflußoperation
inszenierten, die sich auf
"Glasnost"
und
"neues
politisches
Denken" in den bilateralen Beziehungen mit dem Westen konzentriert.
Diese Aktionen dauerten trotz der
Erklärung
des sowjetischen
Parteichefs
Michael
Gorbatschow
beim
Washingtoner Gipfel an, die da lautete:
"Keine weiteren Lügen.
Keine
weitere Desinformation."

- 2 -

�Desinformationstechniken
Sowjetische
Desinformationsberichte sind nicht einfach wahllos zusammengesetzte
ungenaue
Reportagen
von nachlässigen sowjetischen Korrespondenten.
Es handelt sich vielmehr
um absichtliche Lügen oder Entstellungen,
die
von
Spezialisten
im
Dienstbereich A der Ersten Hauptverwaltung
des
KGB
erstellt
wurden.
Dann werden diese Lügen von der Internationalen Abteilung des Zentralorgans
der sowjetischen kommunistischen Partei, der Propagandaabteilung, von der sowjetischen Presse,
dem Rundfunk und den Nachrichtenagenturen, den kommunistischen Parteipublikationen im Ausland, den Informationsabteilungen bei den sowjetischen
Botschaften im Ausland und KGB-Agenten in aller Welt verbreitet.
Ein
Desinformationsbericht
wird
von den Sowjets oftmals in einer obskuren
Dritte-Welt-Zeitung
plaziert,
anschließend von einer sowjetischen
Publikation aufgegriffen und dann von
sowjetischen Nachrichtenagenturen erneut um die ganze Welt verbreitet.
Damit können die Sowjets behaupten,
sie würden lediglich solche in der
ausländischen Presse bereits erschienene Berichte wiederholen.
Um weiterhin jegliche Verantwortlichkeit für diese Berichte von sich
weisen zu können, haben die sowjetischen Behörden stur ihr Recht verteidigt, jede auch noch so absurde
Behauptung zu veröffentlichen, solange sie in der ausländischen Presse
abgedruckt wurde.
Oft sind die von
ihnen zitierten "ausländischen" Quellen Publikationen sowjetisch gesteuerter kommunistischer Parteien oder
vom KGB inspirierte Veröffentlichungen.

die Ansichten solcher Personen und
Organisationen von hiermit vertrauten
Leuten
zurückgewiesen
werden, wenn
sie von Organisationen wie etwa TASS
behandelt werden, als seien sie Vertreter
ernstzunehmender
Meinungen,
mag mancher sensationsgierige Redakteur in anderen Ländern wohl kaum die
Zeit haben oder die Neigung verspüren, die Angelegenheit näher zu prüfen. Auf diese Weise widmet der sowjetische Desinformationsapparat den
Ansichten
antiamerikanischer
Randgruppen und Extremisten breiten Raum
und verschafft ihren häufig gehässigen Botschaften ein weltweites Publikum.
Die sowjetischen Desinformationsspezialisten benutzen auch häufig die
Technik, legitime Quellen und Einzelpersonen zu zitieren, deren Kommentare jedoch absichtlich so aus ihrem
Kontext herauszunehmen, daß dadurch
der Sinn ihrer Aussagen wesentlich
entstellt wird. Auf diese Weise können unbedachte und später zurückgenommene Äußerungen, aus dem Stehgreif
abgegebene Bemerkungen sowie harmlose
Kommentare respektabler Personen und
Organisationen Wasser auf die Mühlen
sowjetischer Desinformation leiten.

Wichtige Kampagnen der
gangenheit

jüngsten

Ver-

Einige der kürzlich von sowjetischen und sowjetisch beeinflußten
Medien verbreiteten wichtigen Desinformationskampagnen
bringenten
fälschlicherweise Behauptungen in Umlauf, wonach die amerikanische Regierung

Außerdem prüfen die Sowjets die
nichtkommunistische Presse gründlich
auf Material, das sie für Desinformationszwecke umarbeiten können.
Oft
bringen sie die konfusen Ansichten
von Extremisten in Umlauf, wenn diese
ihren Zwecken dienlich sind.
Obwohl
- 3 -

- das AIDS-Virus
in
einem
Forschungslabor
der
amerikanischen
Streitkräfte geschaffen habe,
- eine sogenannte "ehtnische Waffe"
entwickelt habe, die nur Nichtweiße tötet,
- im Jahr 1978 das Jonestown-Massaker in Guayana begangen habe,

�- massive und anhaltende Bemühungen
in biologischer Kriegführung unterhalte,

zerstückeln und ihre einzelnen Organe
zu Transplantationszwecken zu verkaufen.

- den afghanischen Mudjahedin chemische und biologische Waffen sowie
"Spielzeugbomben"
geliefert
habe,

All diese Behauptungen über Aktivitäten der amerikanischen Regierung
sind unwahr und weder die Regierung
noch Privatorganisationen oder Enthüllungsjournalisten waren in der Lage, irgendeinen Beweis für den Handel
mit Säuglingsorganen zu erbringen.

-

an der Ermordung, angeblichen Ermordung oder versuchten Ermordung
von Olof Palme. Papst Johannes
Paul II., Indira Gandhi, Martin
Luther King, Aldo Moro, Samora
Machei, Omar Torrijos, Samantha
Smith
und
anderer
prominenter
Persönlichkeiten beteiligt gewesen war,
- den Staatsstreich auf den Fidschi-Inseln im Jahr 1987 begangen
habe,
- die Ermordung führender Oppositioneller in Nicaragua plane, um
danach
die Sandinisten hierfür
verantwortlich zu machen und dies
als Vorwand für eine Aggression
in Mittelamerika zu benutzen,
- protestierende
Frauen
außerhalb
des
amerikanischen
LuftwaffenStützpunkts
Greenham
Common in
England
gefährlicher
Strahlung
aussetze,
- plane, die Sender der Stimme Amerikas auf Sri Lanka zur Kommunikation mit amerikanischen Kriegsschiffen im Indischen Ozean zu
benutzen,
- zahlreiche
Ausbildungslager
für
Terroristen
auf
amerikanischem
Territorium unterhalte,
- den Flug 007 von Korean Airlines
über sowjetischem Territorium als
absichtliche
Provokation
veranlaßt habe.

Einer weiteren sowjetische Desinformationskampagne zufolge importieren Amerikaner - wenn auch nicht die
amerikanische Regierung - Babies aus
Lateinamerika, um sie anschließend zu

Wirkung
Obwohl die Wirkung der sowjetischen
Desinformationskampagnen
schwer zu messen ist, ist die Hartnäckigkeit der sowjetischen Bemühungen, absurde Lügen über die Vereinigten Staaten zu verbreiten, ein wesentliches Anzeichen für die Bedeutung, die ihnen von den Sowjets beigemessen wird.
Die sowjetische Einschätzung
ihres Nutzens wurde von
Ladislaw
Bittman,
dem
ehemaligen
Stellvertretenden Leiter der Desinformationsabteilung des nach sowjetischem Vorbild
aufgebauten
tschechoslowakischen
Geheimdienstes
beschrieben.
Er verglich die Wirkung
der Desinformationsberichte mit der
Wirkung von Gifttropfen, die einem
Menschen ständig eingeflößt werden.
Während die Wirkung eines einzelnen
Tropfens für gewöhnlich nicht wahrgenommen wird, kann die Gesamtwirkung
tödlich sein.

Desinformation und "Glasnost"
Es soll nicht verschwiegen werden, daß trotz "Glasnost" mehrere der
wichtigsten sowjetischen Desinformationskampagnen während der Amtszeit
von Michail Gorbatschow als Generalsekretär der sowjetischen KP gestartet wurden, darunter die Kampagnen
über Jonestown und die Babyorgane aus
Lateinamerika, die beide im Jahr 1987
begannen.
Auch die Desinformationskampagne in Zusammenhang mit AIDS begann ernsthaft erst unter Gorbatschow
im Oktober 1985.

- 4 -

�Während des Washingtoner Gipfeltreffens im Dezember 1987 versicherte
der Generalsekretär dem Direktor der
USIA, Charles Wick, es werde "keine
Lügen, keine Desinformation mehr" geben. Trotz dieser Erklärung hat die
sowjetische Desinformation weiter angehalten.

* * * * *

- 5

�AMERIKA DIENST
'4-

^

Hintergrundmaterial

Ä&lt;

13. April 1988

15

DIE WAHLEN IN AMERIKA 1988
DIE DEMOKRATISCHEN KANDIDATEN UND DER "SCHMELZTIEGEL" NEW YORK
- Vorschau auf die Vorwahl im Staat New York -

ALBANY, NEW YORK - (AD) - Eines der aufregendsten und wichtigsten Elemente
des "Schmelztiegels" New York ist die Politik. Dies gilt um so mehr dieses
Jahr, da die drei noch im Rennen befindlichen Präsidentschaftskandidaten der
Demokratischen Partei - Michael Dukakis, Jesse Jackson und Albert Gore - sich
um den Sieg in der Vorwahl am 19. April bewerben. Die politischen Beobachter
bemühen sich gegenwärtig intensiv darum, das Gewicht der verschiedenen ethnischen Ingredienzen dieses Schmelztiegels richtig einzuschätzen.
Wenn Amerikaner an New York denken, dann denken sie für gewöhnlich
an die Stadt New York - die größte,
meistbeachtete und bekannteste Stadt
der Vereinigten Staaten - den "Big
Apple", so genannt, weil vor ca. 40
Jahren ein Jazzmusiker die Stadt als
"größten Apfel am Baum" beschrieb.

ein. Weitere neun Millionen Menschen
leben im nördlichen Teil des Staates
New York - einem Gebiet, das sich
westlich vom Hudson-River bis zu den
Niagara-Fällen und den Großen Seen
erstreckt und aus Farmen, kleineren
Industriestädten sowie auch Großstädten wie Buffalo und Syracuse besteht.

Da etwa acht Millionen Menschen
in dieser Metropole des Finanz- und
Kommunikationswesens und der Kultur
leben, widmen politische Kandidaten
der Stadt New York ein Hauptaugenmerk, insbesondere wegen der dort ansässigen
großen
Blöcke
jüdischer,
schwarzer und hispanischer Wähler.

Die Bewohner dieses nördlichen
Landesteils haben ihre eigenen politischen, wirtschaftlichen und sozialen Anliegen, und ihre Ansichten unterscheiden sich vielfach von denen
ihrer Landsleute in der Stadt New
York.

Doch trotz ihrer Größe und Vielfalt ist die Stadt New York nicht repräsentativ für den ganzen Staat oder
nimmt gar eine dominierende Stellung

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Die
dominierende
Stellung
New
Yorks im 19. Jahrhundert, die zum Bau
des Erie-Kanals und später der Eisenbahnlinien führte, brachte "alle Arten von Wandel..., sozial und indu-

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�striell" hervor, wie Bern Rottman,
der Sprecher des Ministeriums für
wirtschaftliche
Entwicklung
dieses
Staates erklärt.
Mit dem Anschwellen des Handelsstroms von den Binnenstädten zum Hafen von New York begannen die Menschen, aus der großen Stadt abzuwandern, um den enormen Bedarf an Arbeitskräften im nördlichen Teil des
Staates zu befriedigen, und die Konzentration
ethnischer Gruppen nahm
dort zu.
"Die Bewohner des nördlichen Landesteils sind seßhafter und mögen
traditionell die Dinge so, wie sie
sind, im Gegensatz zur Stadt New
York, die ein Zentrum des Wandels
ist," meint Rottman.
In Wahlen ist daher häufig der
nördliche Teil des Staates New York
das Zünglein an der Waage, in dem
mehr republikanische Wähler angesiedelt sind als in der vorwiegend demokratisch wählenden Stadt.
Bei demokratischen Vorwahlen entfallen auf die Wähler im nördlichen
Teil des Staates ca. 25 Prozent der
Stimmen, die eher gemäßigt bis konservativ wählen. Dem Hauptgeschäftsführer des Demokratischen Ausschusses
im Staat New York zufolge sind es
"die in den Städten im nördlichen
Teil wohnenden weißen Wähler der Arbeiterklasse, die wahrscheinlich eine
Schlüsselposition" bei den diesjährigen Vorwahlen am 19. April einnehmen
werden.
"Das vorrangige und alles andere
in den Schatten stellende Thema im
nördlichen Teil des Staates ist die
wirtschaftliche Entwicklung", erklärt
der Stellvertretende Gouverneur des
Staates New York, Stan Lundine, und
fügt hinzu, er würde den drei demokratischen Präsidentschaftskandidaten
empfehlen, ihren Ausführungen über
die
Wirtschaftslage
einen
persönlichen Anstrich zu verleihen, indem
sie so viele Städte des Nordens besuchen wie möglich.

Alle Kandidaten haben sich vorgenommen, bei ihren Veranstaltungen vor
der Stimmabgabe die Wähler im Norden
entscheidend zu beeinflussen. Natürlich haben sie auch eine Veranstaltung in der Stadt New York im Programm, um dort die einzelnen rassischen und ethnischen Gruppierungen
für sich zu gewinnen.
In der Stadt New York, wo die Demokraten den Republikanern haushoch
überlegen
sind, ist "die demokratische Vorwahl außerordentlich entscheidend", erklärt der Politikwissenschaftler Alan Chartok. "Die Partei setzt sich vorwiegend aus Ideologen zusammen, und sie sind es, die
hauptsächlich bei den Vorwahlen ihre
Stimmen abgeben", fügt der Professor
an der Universität des Staates New
York und Radio- und Fernsehkommentator hinzu.
Von den acht Millionen eingetragenen Wählern in diesem Staat sind
3,8 Millionen Demokraten, 2,6 Millionen Republikaner, 1,4 Millionen ohne
Parteizugehörigkeit und die übrigen
entfallen auf kleinere Parteien, wie
etwa die konservative oder liberale
Partei.
Ethnisch gesehen sind 12
Prozent der wahlberechtigten Bevölkerung im Staat Schwarze, neun Prozent
Juden, acht Prozent Hispano-Amerikaner und zwei Prozent Amerikaner asiatischer Abstammung.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts
spielte
die
Einwanderungsbewegung
beim Bevölkerungswachstum des Staates
New York eine entscheidende Rolle,
und diese zugewanderten Amerikaner,
von denen viele in der Stadt New York
seßhaft wurden, förderten Wohlstandsreformen, die dazu beitrugen, den
Staat zu einem der liberalsten des
ganzen Landes zu machen. Viele ihrer
Nachkommen, die aus den Städten in
die Vororte zogen, tendierten jedoch
zu einer konservativeren Einstellung.
Sie versuchen, einige Bereiche des
Wohlfahrtsstaates ihrer Vorfahren zu
bewahren, jedoch mit strengeren Kontrollmechanismen.
* * * * *

- 2

&gt;

%

�AMERIKA DIENST
VI

"V

A

Wissenschaft und Technik
13. April 1988

15

NEUER SUPERCOMPUTER
- Lösung komplexer Probleme in kürzester Zeit möglich -

WASHINGTON - (AD) - Im Sandia National Laboratory (New Mexico) wird zusammen mit Wissenschaftlern der NCUBE Corporation (Oregon) ein neuer Supercomputer entwickelt, der sich durch eine bisher nie erreichte Arbeitsgeschwindigkeit auszeichnet. Sie wird durch Verknüpfung von mehr als 1 000 kleinen, leistungsfähigen Mikroprozessoren erreicht, die in Parallelverarbeitung auf Teilaspekte eines bestimmten Problems angesetzt werden. Jeder Prozessor besteht
aus einem Silikon-Mikrochip entsprechend der Kapazität eines herkömmlichen
Computers. Wenn, wie in diesem Fall, mehr als Tausend Prozessoren verknüpft
werden, spricht man von "massiver Parallelverarbeitung".
Mit Hilfe dieser
Technik können Probleme in weniger als einem Tausendstel der Zeit gelöst werden, die ein herkömmlicher Computer mit nur einem Prozessor benötigen würde.

Der erste Leistungstest für den
neuen Computer bestand darin, Kräfte
nach Art, Richtung und Wirkungsmechanismus zu berechnen, die bei einem
Metallträger unter Belastung freigesetzt werden.
Die Maschine brauchte
dazu eine Woche.
Ein gewöhnlicher
Computer hätte etwa 20 Jahre benötigt.
Nach Ansicht von John Gustafson
vom Sandia-Laboratorium könnten derartige Computer zur Lösung äußerst
schwieriger Probleme benutzt werden beispielsweise für die langfristige
Wettervorhersage,
bei der Tausende
sich ständig ändernder Phänomene berücksichtigt werden müssen. Die neuen Verfahren der Parallelverarbeitung
schaffen jene zusätzliche Leistungskapazität, die erforderlich ist, um
"zu neuen Durchbrüchen in der Computerwissenschaft
zu kommen", meinte

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Sandia-Mitarbeiter Gilbert Weigand.
Bisher hatten die meisten Computer-Spezialisten angenommen, daß ungeachtet der Anzahl parallel - und
dabei unabhängig voneinander - arbeitender Prozessoren die Geschwindigkeit für die Problemlösung bestenfalls auf das 50- bis lOOfache eines
einzelnen Prozessors gesteigert werden könne. Jetzt wurde mehr als das
Tausendfache erreicht.
Experimentelle Computer mit bis zu 256 Prozessoren existierten bereits.
Aber mit
keinem wurden auch nur annähernd höhere
Arbeitsgeschwindigkeiten
entsprechend der Anzahl von Prozessoren
wie jetzt bei dem Sandia-Computer erzielt.
Eine der Schlüsselaufgaben
besteht in der Entwicklung von Methoden für den gleichzeitigen Betrieb

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�von tausend und mehr hochleistungsfähigen Kleinprozessoren, die alle so
programmiert sind, daß sie zur gleichen Zeit an verschiedenen Teilsaspekten
ein- und desselben
Problems
arbeiten.
Wie Gary Montry berichtete, sei
dies den Forschern u.a. dadurch gelungen, daß sie Probleme bisher unbekannter Größenordnung in Angriff nahmen. Der Supercomputer arbeite am besten, "wenn man die Problemgröße entsprechend der Zahl von Prozessoren
wachsen läßt."
Dadurch komme es zu
der dramatischen tausendfachen Steigerung
der
Arbeitsgeschwindigkeit.
Eine weitere, bei dem neuen Supercomputer benutzte Technik ist die
Verbindung der Prozessoren in einem
komplexen
"Hyperkubus".
Bei einem
gewöhnlichen Kubus säße jeweils ein
Prozessor an einer der acht Ecken,
verbunden über Leitungen entlang jeder Kante.
Ein Huperkubus besteht
aus einer beliebigen Zahl von ineinandergeschachtelten Kuben, wobei jede
Ecke eines Innenkubus mit der nächstgelegenen Ecke des nächsten, nach
außen führenden Kubus verbunden ist.
Die Wissenschaftler nehmen an, daß
der neue Supercomputer pro Sekunde
mehr als 500 Millionen Rechenoperationen durchführen und über eine Milliarde Wörter speichern kann.
Einer der bisher leistungsstärksten
Computer
steht
im Arnes-Forschungszentrum der NASA (US-Behörde
für Luft- und Raumfahrt); er dient
der aeronautischen Forschung. Dieser
Supercomputer vom Typ Cray-2,der 1987
in Betrieb genommen wurde, hat eine
Speicherkapazität von 256 Millionen
Wörtern und kann pro Sekunde 250 Millionen
Rechenoperationen
ausführen.
Gegenwärtig wird er für die Entwicklung der geeignetsten Konfiguration
des Raumflugzeuges benutzt, das wie
ein Flugzeug horizontal startet und
mit verbesserten Düsenantriebssystemen in die Erdumlaufbahn eintritt.
Außerdem arbeiten NASA-Ingenieure mit
dem Caray-2-Computer an einem Rettungssystem
für die Besatzung des
Raumtransporters sowie an einer lei-

stungsfähigeren Konstruktion
biter-Haupttriebwerke .

der Or-

Am Ultrafast Electronics Laboratory der Stanford-UniversitMt entwikkelte inzwischen eine Forschergruppe
auf der Basis von Galliumarsenid einen Chip mit integrierten Schaltkreisen von 3,5 Picosekunden Arbeitsgeschwindigkeit
bei
Raumtemperatur.
Das sind 3,5 Billionstel einer Sekunde.
Damit sind wichtige Voraussetzungen für den Bau von Meßinstrumenten zur Prüfung der neuen Computer
geschaffen worden.

* * * * * *

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Reagan: Vereinigte Staaten stimmen Afghanistan-Vereinbarung zu&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung des Präsidenten&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Reagan: SDI noch aussichtsreicher durch technische Fortschritte&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Interview mit "Strategie Defense" &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;(Copyright (c) 1988 by Phillips Publishing, Inc.)&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Sowjetische Desinformation dauert trotz Glasnost unvermindert an&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Auszüge aus USIA-Studie über sowjetische aktive Maßnahmen&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Wahlen in Amerika 1988&lt;br /&gt;Die demokratischen Kandiaten und der "Schmelztigel" New York&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Vorschau auf die Vorwahl im Staat New York&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Neuer Supercomputer&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Lösung komplexer Probleme in kürzester Zeit möglich&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST

6. April 1988

14

INHALT

HINTERGRUNDMATERIAL

Shultz' Friedensplan für den Nahen Osten kommt zum richtigen Zeitpunkt
- Von US-Senator John H. Chafee -

Verfügungen der Vorlage zum Handelsgesetz
- Bericht der Konferenz von Repräsentantenhaus und Senat -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK

NASA ändert Startplane für Raumtransporter
- Forschungs-Plattform muß vorzeitig geborgen werden

INMARSAT-Funk auch für den Flugverkehr

* * * * * *

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�AMERIKA DIENST
r

Hintergrundmaterial

%w^

6. April 19i

14

SHÜLTZ' FRIEDENSPLAN Ft)R DEN NAHEN OSTEN
KOMMT ZUM RICHTIGEN ZEITPUNKT
- Von US-Senator John H. Chafee -

Der nachfolgende Artikel wurde am 29. März 1988 im Christian Science Monitor veröffentlicht.

Trotz des Widerstandes von Premierminister Jitzhak Shamir gegen den
von Außenminister Shultz vorgelegten
Friedensplan wird Shultz noch in dieser Woche zu einer weiteren diplomatischen Rundreise durch die Region
aufbrechen und um Unterstützung für
seinen Plan werben.
Seit der ersten Vorlage des Plans
von George Shultz werden die Stimmen
der
Pessimisten
zunehmend
lauter.
Vor der letzten Reise des Außenministers in die Region warnte Henry
Kissinger vor den zahlreichen Fußangeln, die der neue Friedensprozeß
birgt.
"Die vereinigten Staaten dürfen
sich keiner Täuschung hingeben", erklärte er und fügte hinzu, "das idyl-

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lische
Bild
einer
internationalen
Konferenz im Vorfeld einer durch Geben und Nehmen in bilateralen Verhandlungen
zustandegekommenen
Übereinkunft ist eine Fata Morgana. Ein
Patt wird unweigerlich das Ergebnis
direkter Gespräche sein ... "
In Wahrheit ist jedoch kein Zeitpunkt je für die Erlangung des Friedens im Nahen Osten geeignet. Nachdem ich vor kurzem die Region besucht
und mit zahlreichen der politisch
Verantwortlichen gesprochen habe, mit
denen Außenminister Shultz zusammengekommen ist, kann ich mehrere Gründe
dafür aufzählen, warum die Neinsager
widerlegt werden könnten.
Mit dem
Entschluß zu dieser Mission hat sich
Shultz zweifelsohne
eine gewaltige
Aufgabe vorgenommen, aber eine Viel-

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�zahl von Faktoren lassen diesen Zeitpunkt der Friedensmission vielversprechend erscheinen.
Zunächst muß den tiefgreifenden
Auswirkungen des iranisch-irakischen
Krieges auf die Politik
im Nahen
Osten Rechnung getragen werden. Sie
sind das vordringlichste Anliegen der
arabischen Entscheidungsträger in der
Region.
Sie machen sich ernsthafte
Sorgen über eine Ausbreitung des Konfliktes in die übrige Golfregion und
fühlen sich durch religiösen Extremismus und den Drang nach Hegemonie
des
Khomeini-Regimes bedroht.
Sie
sind bereit, alles in ihrer Macht
Stehende zu tun, um gegen die durch
diesen
Krieg
enstandene
Bedrohung
vorzugehen. Indikator für dieses Anliegen war die im letzten Jahr getroffene Entscheidung, Ägypten trotz
seiner separaten Friedensvereinbarung
mit Israel wieder in die arabischen
Reihen aufzunehmen.
Um ihr Augenmerk uneingeschränkt
auf den iranisch-irakischen Konflik
richten zu können, sind die politischen
Entscheidungsträger
in der
Region besonders an einer wirksamen,
ständigen, auf dem Verhandlungswege
erzielten Lösung für die besetzten
Gebiete interessiert und hören sich
daher die von Shultz unterbreiteten
Vorschläge genau an.
Zweitens ist durch die dreimonatigen Demonstrationen in den besetzten Gebieten die gesamte Aufmerksamkeit der Israelis auf die demographische Zeitbombe gelenkt worden, mit
der sich ihr Land konfrontiert sieht.
Die jugendlichen, steinewerfenden Palästinenser sind die Vorhut einer Bevölkerungsexplosion, als deren Folge
die Juden zu Beginn des nächsten
Jahrhunderts
im
Gazastreifen,
der
Westbank und in Israel selbst nur
noch eine Minderheit sein werden.
Wenn diese militärische Besetzung ohne politische Lösung andauert, könnten aus den jugendlichen Rebellen
verbitterte Erwachsene mit tödlicheren Waffen als steinen werden.

Dies ist der Zeitpunkt, um den
jungen Palästinensern
zu beweisen,
daß Diplomatie und Verhandlungen eine
Lösung hervorbringen können, zu der
Gewalt und Terrorismus nie geführt
haben.
Die Bevölkerung in den besetzten Gebieten wird nicht nur zahlreicher, sondern auch aufgebrachter
werden - es sei denn, alle betroffenen Parteien nutzen die Gunst dieser
Stunde, worauf Shultz drängt. Unter
denjenigen, die sich die Gunst der
Stunde zunutze machen, müssen natürlich Palästinenser sein, die - so
hofft man - ihren höchst schlechberatenen Boykott der Shultz-Initiative
aufgeben werden.
Drittens ist Israel jetzt in der
Lage, von der amerikanischen Führungsrolle zu profitieren.
Die gespaltene Koalitionsregierung ist das
Spiegelbild einer zutiefst geteilten
Nation. Ungefähr die Hälfte der Bevölkerung weigert sich, infolge der
Verhandlungen
auch nur einen Teil
"Groß-Israels"
aufzugeben,
während
die andere Hälfte eine Art "Land-fürFrieden-Vereinbarung"
befürwortet.
Der durch eine dritte, um Israels
Wohlergehen besorgte Partei vorgelegte Friedensplan von Shultz bietet den
Vertretern beider Seiten die Möglichkeit, sich dank eines Vorschlags in
einer Koalition zu vereinigen, der
den Weg aus der Patt-Situation aufzeigt.
Und schließlich sind viele der
heute politisch Verantwortlichen in
den arabischen Ländern der amerikanischen Einflußnahme gegenüber aufgeschlossen.
Das sind diejenigen, mit
denen wir zusammenarbeiten können.
Präsident Hosni Mubarak zum Beispiel zeigt Begeisterung für das Engagament des amerikanischen Außenministers.
König Hussein - der den
Ideen von Außenminister Shultz bestenfalls halbherzig gegenübersteht hat sich um die Friedensverhandlungen
verdient gemacht und Bereitschaft zur
Übernahme von Risiken für die Sache
des Friedens gezeigt. Angesichts der
Gewalttätigkeit im politischen Umfeld

- 2 -

�des Nahen Ostens kann man nicht davon
ausgehen, daß wir immer so entgegenkommende Partner unter den Arabern
haben werden.
Shultz gebührt Ehre und Ermutigung für seine Bemühungen.
Kann es
je einen geeigneteren Zeitpunkt zur
Erlangung des Friedens geben?

* * * * *

- 3 -

�AMERIKA DIENST
'VON

Hintergrundmaterial

*

6. April 1999

14
VERFÜGUNGEN DER VORLAGE ZUM HANDELSGESETZ
Bericht der Konferenz von Repräsentantenhaus und Senat

WASHINGTON - (AD) - Fast 200 Mitglieder des amerikanischen Kongresses haben in intensiver Arbeit die 1 000 Seiten umfassende Vorlage zum Handelsgesetz
zusammengestellt, die Repräsentantenhaus und Senat im vergangenen Jahr verabschiedet haben.
Bis zum 31. März 1989 waren fast alle Meinungsverschiedenheiten zwischen
den 17 Arbeitsgruppen der Konferenz beigelegt und die Berichte erstellt. Nach
Beendigung der Osterpause am 10. April wird der vollständige Gesetzentwurf dem
Kongreß zur Abstimmung vorgelegt.
Vorbehaltlich der sicherlich noch vorzunehmenden
nachfolgend die wesentlichen Verfügungen des Gesetzes.

Verhandlungsvollmacht
- Der Präsident ist zu Verhandlungen über bilaterale und multilaterale
Handelsabkommen
befugt,
insbesondere zur derzeit in Genf
stattfindenden Uruguay-Runde.
- Der Präsident ist befugt, ohne
Konsultation des Kongresses Zölle
um bis zu 50 Prozent zu senken.
Repräsentantenhaus und Senat haben weiterhin das Recht, nicht
die
Zölle betreffende
Abkommen
"auf schnellem Wege" zu entscheiden, das heißt, innerhalb von 60
Tagen nach Vorlage und ohne Zusatzartikel .
Wenn der Präsident im Verlauf der
Uruguay-Runde den Kongreß nicht in

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Änderungen

bringen wir

angemessener Weise zur Handelspolitik
konsultiert, kann der Kongreß auf eine Verfügung zurükgreifen, die die
von beiden Kammern durch Abstimmung
"auf schnellem Wege" getroffene Entscheidung aufhebt.
- Die Vereinigten
Staaten werden
sich zum 1. Januar 1989, also ein
Jahr nach den anderen führenden
Handelsnationen
der
Welt, der
weltweiten Reform der Zollklassifizierungen - dem harmonisierten
System - anschließen.
- Mit der Gesetzesvorlage wird der
Präsident angewiesen, der Sowjetunion und anderen Staatshandelsländern den Zugang zum Allgemeinen
Zoll- und
Handelsabkommen
(GATT) zu verwehren, es sei denn,

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�diese verfolgen eine marktorientierte Politik oder der Kongreß
erteilt seine ausdrückliche Genehmigung.

Unfaire Handelspraktiken
(Abschnitt 301)
- "Vorbehaltlich
anderslautender
Anweisung des Präsidenten" geht
das Recht der Entscheidung über
Sanktionen gegen unfaire Handelspraktiken
eines anderen Landes
vom Präsidenten auf den amerikanischen
Handelsbeauftragten
(USTR) über.
- Der Handelsbeauftragte ist ausschließlich in "ungerechtfertigten" Fällen
(wenn ein anderes
Land ein Abkommen bricht) befugt,
Sanktionen zu verhängen, es sei
denn, die wirtschaftlichen Kosten
würden deren Nutzen überschreiten
oder die nationale Sicherheit wäre gefährdet.
In weniger schwerwiegenden, "unvernünftigen" und "diskriminierenden"
Fällen sind Sanktionen nicht obligator Lach.
- Gemäß den Verfügungen des "Super
30.1", der mit geringfügigen Änderungen aus der Senatsvorlage hervorging, ist es Aufgabe des Handelsbeauftragten, die Länder zu
benennen, die ständig auf unfaire
Handelspraktiken
zurückgreifen.
Der Handelsbeauftragte muß versuchen, solche Praktiken zu unterbinden,
deren
vollständiger
Abbau
amerikanischen
Produkten
beste Exportchancen gewähren würde.
Sollten die Verhandlungen
scheitern, obliegt es dem Handelsbeauftragten, Fälle gemäß Abschnitt 301 zu benennen, die obligatorische Sanktionen zur Folge
haben könnten.
Mit Annahme des "Super 301" verwarfen
die Konferenzteilnehmer
den
vom Repräsentantenhaus verabschiedeten Gephardt-Zusatzartikel, der auf

die Länder mit "übermäßigen und ungerechtfertigten"
Überschüssen
beim
Handel mit den vereinigen Staaten abzielt.
Im Rahmen des Gephardt-Zusatzartikels müßten alle Uberschußländer ihre unfairen Handelspraktiken
aufgeben, andernfalls droht ihnen automatisch die Sanktion, ihre im bilateralen Handel erzielten Überschüsse
um 10 Prozent pro Jahr zu reduzieren.
Obwohl auch mit "Super 301" nicht
voll und ganz einverstanden, nahm das
Weiße Haus gegenüber dem Gephardt-Zusatzartikel
eine noch
ablehnendere
Haltung ein und war entschlossen, das
Handelsgesetz insgesamt mit einem Veto zu belegen.
- Die von den Vereinigten Staaten
erstellte Liste unfairer Handelspraktiken umfaßt zusätzlich die
Verweigerung von Rechten für Arbeitnehmer,
gezielte
Exporte
(Fälle, in denen eine Regierung
Maßnahmen
zu
Exportankurbelung
mit Importhemmnissen in einem bestimmten
Industriezweig
kombiniert) sowie Marktzugang
(wem
eine Regierung mit einem Karte]1
zusammenarbeitet, um Importe abzublocken) .
- Die Konferenz lehnte eine Verfügung ab, derzufolge der Finanzausschuß
des
Senats
oder
der
Haushaltsausschuß
des
Repräsentantenhauses
befugt
wären,
Verfahren
gemäß
Abschnitt
301
einzuleiten.
- Die Internationale Handelskommission
der
Vereinigten
Staaten
(ITC) muß Länder benennen, die
amerikanischen
Auslandsinvestitionen
in staatlich
subventionierte heimische Industrien Beschränkungen
auferlegen.
"Auf
der Grundlage des ITC-Berichtes
ist es Aufgabe des Handelsbeauftragten, Überprüfungen im Rahmen
von Abschnitt 301 eigenständig in
die Wege zu leiten, die sich mit
den seines Erachtens nach ungeheuerlichsten
Praktiken
befassen... " stellt der Konferenzbc-

�Dumping

rieht fest.

- Mit einer weiteren Verfügung wird
verhindert, daß von den Vereinigten Staaten verhängte Dumpingzölle umgangen werden, indem an einem Produkt in den Vereinigten
Staaten oder einem Drittland geringfügige Änderungen vorgenommen
werden oder indem ein zu DumpingPreisen
angebotenes Element in
einem in den Vereinigten Staaten
montierten Produkt verwendet wird.

Der
Handelsbeauftragte muß die
Entscheidung zu einer Überprüfung
im Rahmen von Abschnitt 301 innerhalb von 12 Monaten treffen.

Importentlastung (Abschnitt 201)
- Die
endgültige
Entscheidungsbefugnis, ob für einen Industriezweig
angesichts einer
Importschwemme
vorübergehend
Zölle,
Quoten oder sonstige Entlastungsmaßnahmen
eingeführt
werden,
liegt beim Präsidenten.
Die Gesetzesvorlage des Repräsentantenhauses sieht die Übergabe der
Entscheidungsbefugnis an den Handelsbeauftragten vor.

Unter Dumping versteht man den
Verkauf von Produkten auf einem ausländischen Markt unter dem angemessenen Preis, entweder unterhalb der
Produktionskosten oder unter dem im
Export- oder einem Drittland geforderten Preis.

- Selbst wenn der Handelsbeauftragte Entlastungsmaßnahmen für die
Industrie empfiehlt, liegt es im
Ermessen des Präsidenten, diese
zu verweigern, wenn "zum Beispiel
eine bestimmte Maßnahme größere
wirtschaftliche und soziale Kosten als Nutzen zur Folge haben
würde".

- Die Gesetzesvorlage sieht den Abbau von "zweckentfremdetem Dumping" vor, also der Praxis des
Imports von Waren mit Einzelkomponenten, die auf einem dritten
Markt zu Dumping-Preisen gehandelt werden.
Dies ist ein Verhandlungsziel
der
Vereinigten
Staaten bei der Uruguay-Runde.

Die
nationale
Sicherheit
wurde
der Liste von Fakten hinzugefügt,
die der Präsident bei der Entscheidung für oder gegen Importentlastung für einen Industriezweig erwägen muß.

Das Handelsministerium muß Firmen
überwachen, die mehrfach des Dumping beschuldigt worden sind und
die Überprüfung dieser Fälle unverzüglich in die Wege leiten.

Die Entlastungsmaßnahmen sind auf
acht Jahre beschränkt und können
nach einer Zwei Jahresfrist ablaufen, wenn
die Industrie keine
Schritte zur Anpassung an die
ausländische
Konkurrenz
unternimmt.
Neben Zöllen und Quoten kann der
Präsident staatliche Ausbildungszuschüsse
für Arbeitnehmer
und
durch Auktion erzielte Quoten als
eine Form der Entlastung verfügen.

- 3 -

in
nicht
marktwirtschaftlich
orientierten
Ländern
war
die
Preiskalkulation in Dumpingfallen
stets ein Problem. Anstatt jetzt
einen Preis von einem Ersat^land
anzunehmen, muß das Handelsministerium
den
Preis
anhand
der
Weltmarktpreise für die einzelnen
Komponenten kalkulieren.
Die Konferenzteilnehmer haben eine Verfügung verworfen, anhand
derer
amerikanische
Firmen das
Handelsministerium umgehen könnten, indem sie die Fälle von
fortgesetztem
Dumping
bei
den
amerikanischen
Bundesgerichten
vorbringen.

�- Die Vereinigten
Staaten dulden
jetzt ein geringfügiges Maß an
Dumping und erheben nur dann Zölle, wenn das Dumping eines bestimmten Produktes eine gewisse
Grenze
überschreitet.
Israel,
das als einziges Land ein Freihandelsabkommen mit den Vereinigten Staaten unterhält, ist von
diesen
Zöllen
befreit,
selbst
wenn das Dumping die "Höchstgrenze" überschreitet.

Exportkontrollen
- Die Vereinigten Staaten verbieten
für drei Jahre Importe der japanischen Toshiba Machine Corporation und der norwegischen Kongsberg Vaapenfabrik wegen des illegalen Verkaufs von Hochtechnologie verbieten, mit der die Sowjetunion das Aufspüren ihrer Unterseeboote erschwert.
Außerdem
wird der amerikanischen Regierung
für drei Jahre der Kauf von Produkten der Muttergesellschaft von
Toshiba untersagt.

Das Recht auf geistiges Eigentum
- Der
Handelsbeauftragte muß die
Länder benennen, die Patente, Urheberrecht, Handelsmarken und anderes
geistiges Eigentum
nicht
entsprechend
schützen.
Falls
Verhandlungen
zur
Unterbindung
dieser Praktiken scheitern, muß
der Handelsbeauftragte eine unverzügliche
Überprüfung
dieser
unfairen Handelspraktiken durchführen, die Sanktionen zur Folge
haben
könnten.
Der
Präsident
kann diese Sanktionen widerrufen,
wenn deren Verhängung den nationalen Wirtschaftsinteressen entgegenstehen.

Ausnahmen von diesen Sanktionen
können für die Aufrechterhaltung der
nationalen Sicherheit, die Heiligkeit
von Verträgen, für die Beschaffung
von Ersatzteilen und aus einigen anderen Gründen gewährt werden.
Für
ähnliche zukünftige Überschreitungen
werden zwei- bis fünfjährige Sanktionen verhängt.

- Der Patentschutz wird auf Herstellungsverfahren, wie etwa den
in der Biotechnik und im pharmazeutischen
Bereich
angewandten
Verfahren ausgeweitet.

COCOM, die Kommission
für den
Ost-West-Handel
- welche sich aus
Vertretern
Japans
und
sämtlicher
NATO-Länder
außer
Island
zusammensetzt - ist eine freiwillige Interessenvereinigung, die sich die Verhinderung einer Verbreitung von Hochtechnologie an nicht mit uns befreundete Länder zum ziel gemacht hat.

Telekommunikation
- Der
Handelsbeauftragte
muß die
Länder benennen, die den Import
von
Telekommunikationsprodukten
mit unfairen Handelsschranken belegen, und - wie im Falle der
Verfügung zum Schutz des geistigen Eigentums - gemäß Abschnitt
301 unverzüglich Maßnahmen gegen
die Länder in die Wege leiten,
die nicht von solchen Praktiken
Abstand nehmen.

- Mit dem Gesetz wird die Kontrolle
von Exporten an COCOM-Länder und
die sogenannten
5(k) Länder
Nicht-COCOM-Länder, die sich an
die COCOM-Regeln halten - gelokkert.

Eine Lizenz für den Export von
Gütern
unterhalb
eines
bestimmten
technologischen
Niveaus wird
nicht
erforderlich, was hauptsächlich auf
Exporte nach China zutrifft.
Jedes
Jahr muß der Handelsminister diesen
Ländern ihren lizenzfreien Status bestätigen, indem er nachweist, daß
diese über ein engmaschiges Exportkontrollsystem verfügen.

den
- 4 -

Zur Verdeutlichung der bestehenRechtslage kamen die Konferenz-

�gelassen, welches
an
ausländische
glieder ächtet.

teilnehmer überein, daß das Verteidigungsminister ium
Exportlizenzen
nur
im Hinblick auf Angelegenheiten der
nationalen
Sicherheit
überprüfen
soll, nicht der Außenpolitik.

Schmiergelder
Regierungsmit-

Landwirtschaft
- Alaska wird der Export von 50 000
Barrel
Rohöl
der
Sorte
North
Slope nach Kanada pro Tag erlaubt.
Der Export raffinierten
Öls von mehr als 70 000 Barrel
pro Tag wird zukünfigen Raffinerien in Alaska verboten.

- Wenn die Uruguay-Runde bis Fnde
September keine Reformen über den
weltweiten Handel mit Aqrarorodukten zustandebringt, wird das
amerikanische
Landwirtschaftsministerium ein Kreditprogramm zur
Vermarktung der heimischen Weizen-, Futtergetreide- und ölsaatenernte im Jahr 1990 durchführen.

Auslandsinvestitionen

Die Höchstgrenze für den im Ausfuhrsteigerungsprogramm bis lQ°n
zugrundegelegten wert der landwirtschaftlichen Erzeugnisse wird
von 1,5 Milliarden auf 2,5 Milliarden
Dollar
angehoben.
nas
Programm ist auf die europäische
Gemeinschaft gerichtet und wird
regierungseigene Mehrerträge als
Subvention
für
amerikanische
landwirtschaftliche
Ausfuhren
einsetzen, um Marktanteile zurückzuerobern und unfairen Wettbewerb
auf Drittmärkten
auszugleichen.

Der Präsident wird die Befugnis
haben, Aufkäufe, Fusionen oder
Übernahmen amerikanischer Firmen
durch
ausländische
Unternehmen
zum Schutz der nationalen Sicherheit zu unterbinden, nicht aber
zum Schutz des "notwendigen Handelsverkehrs", wie eine frühere
Sprachregelung vorsah.
Die Konferenzteilnehmer sind sich
über einen Zusatz uneinig, mit
dem dem Kongreß Zugang zu vertraulichen Informationen des Handelsministeriums
über
ausländische Investoren gewährt würde.
Eine noch viel strengere vom Repräsentatenhaus
verabschiedete
Bestimmung - das Bryant Amendment
- haben sie schon verworfen, welches die Offenlegungspflicht für
ausländische Investoren mit erheblichen Beteiligungen an amerikanischen Geschäfts- oder Immobilienunternehmen vorsah.

Das Finanzierungsniveau für zielgerichtete Ausfuhrbeihilfen, welches Subventionen für die Ausfuhr
von Nicht-Getreideerzeugnisse als
Ausgleich für unfairen Wettbewerb
zur Verfügung stellt, wird - vorbehaltlich der Bewilligunq - im
Jahr 1988 von 110 Millionen auf
215 Millionen Dollar angehoben.

Wegen des Bryant-Amendment drohte
die Regierung ein Veto gegen das Handelsgesetz
an.
Diesen
Streitpunkt
müssen die Konferenzteilnehmer nach
ihrer Rückkehr aus den Ferien noch
beilegen.
- Trotz
der
Unterstützung
des
Weißen Hauses für eine solche Änderung haben die Konferenzteilnehmer eine Bestimmung zur Lockerung des Gesetzes zur Verhinderung korrupter Praktiken fallen

Vergeltungsmaßnahmen
gegen
Länder, die Fleischimporte aufgrund
von Uberprüfungsnormen verbieten,
die nicht allein dem Schutz der
öffentlichen
Gesundheit
dienen,
wird das Gesetz zulassen, aber
nicht vorschreiben.

internationale Verschuldung, Wechselkurse und Finanzen

- 5 -

- Das Gesetz wird zwei Untersuchun-

�gen über die Möglichkeiten zur
Schaffung einer neuen internationalen Behörde verlangen, welche
Schulden der Dritten Welt aufkauft und umschuldet oder umwandelt und die Ermäßigungen an die
Schuldnerländer
zurückfließen
läßt. Die erste Untersuchung wäre innerhalb von sechs Monaten
von der Reagan-Administration zu
erstellen, die zweite innerhalb
von einem Jahr von der kommenden
Regierung.
Wenn die Untersuchungen nicht zu
dem Schluß kommen, daß eine solche
Umschuldungseinrichtung
Zahlungsverzug, Unterbrechung von Schuldenrückzahlung oder die Verminderung des
Wertes ausstehender Schulden zur Folge hat, wird der Finanzminister Verhandlungen über die Schaffung einer
solchen Einrichtung mit anderen Industrieländern aufnehmen.
Finanzminister James Baker, der
seinen eigenen seit 1985 laufenden
Lösungsvorschlag zum Schuldenproblem
favorisiert, tritt der Idee einer
neuen
Umschuldungseinrichtung
energisch entgegen.
- Die
Konferenzteilnehmer
ließen
von
der
Regierung
abgelehnte
Sprachregelungen fallen, die von
den Vereinigten Staaten verlangt
hätten, einen "konkurrenzfähigen"
Wechselkurs für den Dollar festzusetzen und diesen Kurs durch
Marktinterventionen
seitens
der
Zentralbank zu stützen.
In
seiner
derzeitigen
Fassung
verlangt das Gesetz vom Finanzminister
lediglich Verhandlungen, um
die von anderen Ländern zur Schaffung
von Handelsüberschüssen durchgeführte
Manipulation von Wechselkursen zu beenden, eine Bestimmung, die insbesondere auf Südkorea und Taiwan gerichtet ist. Darüber hinaus muß er dem
Gesetz zufolge mit Regierungsvertretern anderer Industrieländer Gespräche führen, um eine bessere Koordinierung
der Wirtschaftspolitik
und
Stabilität der Wechselkurse zu er-

reichen, genau wie die vereinigten
Staaten dies in der Siebeneraruppe
(G-7) derzeit tun.
- Eine auf Japan abzielende Bestimmung wird die Vergabe von vorzugskonzessionen für den Handel
mit amerikanischen Bundesanleihen
an Firmen in solchen Ländern verbieten, die sich weigern, amerikanischen
Firmen
das
aleiche
Recht einzuräumen.
Die Bestimmung trifft drei japanische Firmen, die derzeit die Erlaubnis
haben, direkte Geschäfte mit der
Zentralbank zu tätigen (Nomura,
Nikko und Daiwa) und gibt Japan
vor ihrem Inkrafttreten ein Jahr
Zeit, seine Politik zu ändern.

Arbeit und Bildung
- Trotz der Androhung eines Vetos
vom Weißen
Haus billigten die
Konferenzteilnehmer eine Bestimmung, die von Arbeitgebern in Unternehmen mit über 100 Beschäftigten verlangen wird, eine Firmenschließung 60 Tage im voraus
anzukündigen.
Eine Vorankündigung muß auch bei der Kündigung
von mehr als einem Drittel - oder
über 500 - Mitarbeitern einer
Firma erfolgen.
- Mit Billigung der Regierung bewilligten die Konferenzteilnehmer
980 Millionen Dollar für ein Umschulungsprogramm zur Unterstützung
entlassener
Arbeitskräfte,
gleichgültig ob sie ihre Stelle
durch Importe oder aus anderen
Gründen verloren haben.
- Trotz der Ablehnung durch die Regierung haben die Konferenzteilnehmer außerdem Ausgleichszahlungen
für Arbeitnehmer
in Industriezweigen
ausgeweitet,
die
durch ausländischen Wettbewerb in
Mitleidenschaft
gezogen
wurden.
Das schon bestehende
Programm,
das derzeit 200 Millionen Dollar
pro Jahr kostet, würde um weitere
80 Millionen Dollar aufgestockt.

�Zunächst werden die Gelder aus
Steuereinnahmen
gespeist.
Später
hoffen
die Konferenzteilnehmer
jedoch, die Gelder durch eine allgemeine importgebühr von bis zu 0,15 Prozent zu erhalten.
Dies hinge davon
ab, ob es den vereinigten Staaten gelänge, das Allgemeine Zoll- und Handelsabkommen (CATT) zur Genehmigung
einer solchen Gebühr bewegen zu können .

Verschiedenes

See- und Luftverkehr
- Die
Konferenzteilnehmer
kamen
überein, die .'schon heute weitreichende Handlungsfreiheit des Rundesseeamts
zur
Vergeltung
für
ausländische
"Frachtführer"
(Hochseeschiffe, die auf regulären Routen ihren normalen Dienst
verrichten) auszuweiten.
Wenn amerikanischen Linienschiffen im Ausland die gleiche Behandlung die solche Schiffe ihrerseits
in den Vereiniccen Staaten genießen,
verweigert wird, und wenn die Operationen amerikanischer Schiffe durch
unfaire
Handelsschranken
in diesen
Ländern beeinträchtigt werden, kann
die Kommission mit Sanktionen Vergeltung üben, einschließlich einer Gebühr von bis zu einer Million Dollar
auf ein ausländisches Linienschiff.
Die Kommission wird innerhalb von 120
Tagen Nachforschungen über vermutete
unfaire
Handelspraktiken
anstellen
müssen, doch der Präsident könnte gegen
Entscheidungen
der
Kommission
sein Veto einleaen.
Das Ministerium für Transport und
Verkehr wird die zulässige Zeitspanne zur Überprüfung von Behauptungen, wonach amerikanischen
Fluggesellschaften
der
gleiche
Zugang zu ausländischen Flughäfen
und den Luftverkehrsdiensten verweigert wird, von 180 Tagen auf
90 Tage verringern müssen.

- 7 -

- Die
Konferenzteilnehmer
entschlossen sich zur Aufhebuna der
Besteuerung von "unerwarteten Gewinnen" (windfall Drofits) durch
Ölgeschäfte. Die Steuer war zwar
zur Abzweigung von Gewinnen an
die Regierung gedacht, als die
staatliche Kontrolle der amerikanischen Ölpreise 1980 aufaehoben wurde, hat aber seit dem
Preisverfall der vergangenen zwei
Jahre keine Gelder eingebracht .
Das Gesetz wird zusätzliche Mittel in Höhe von 3,5 Millionen
Dollar an das Büro für internationalen Handel des Amts zur Förderung von mittelständigen Unternehmen und fünf Millionen Dollar
für weitere Zuschüsse zur Unterstützung
der
Exporttätir,kei t
kleinerer Betriebe bereitstellen.

* * * * *

�AMERIKA DIENST
Wissenschaft und Technik

6. ADril 1^88

14

NASA ÄNDERT STARTPLÄNE FÜR RAUMTRANSPORTER
Forschungs-Plattform muß vorzeitig geborgen werden

WASHINGTON - (AD) - Weil die am 7. April 1984 von einem Raumtransporter in
460 km Höhe abgesetzte Plattform für Langzeitexperimente (LDEF - Long-Duration
Exposure Facility) früher als erwartet in tiefere Schichten der Frdatmosohäre
eintritt und abzustürzen droht, muß der Zeitplan der US-Behörde für Luft- und
Raumfahrt (NASA) für einige Raumtransporter-Starts geändert werden.

Ursprünglich wollte man das 9 715
kg schwere, mit 57 Experimenten bestückte Gerät des Langley-Forschungszentrums elf Monate nach dem Absetzen
im Weltraum
zur Erde zurückholen.
Aber die Starttermine der Raumtransporter konnten damals nicht eingehalten werden; das CHALLENGER-Unglück
vom Januar 1986 führte zu neuen, massiven Verzögerungen.
Die LDEF-Umlaufbahn wurde bis Anfang der neunziger Jahre als stabil angesehen. Neuere Beobachtungen ergaben jedoch, daß
dies nicht mehr zutrifft, so daß die
NASA
nunmehr
im Juli
1989
einen
Shuttle-Flug
einschieben
muß.
Das
Absinken des LDEF-Satelliten ist eine
indirekte Folge verstärkter Sonnenaktivität, die bewirkt, daß sich die
Erdatmosphäre ausdehnt und der Satellit verstärkter
Bremswirkung durch

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Luftmoleküle ausgesetzt ist.
Am vorgesehenen Termin für den
Start der DISCOVERY (4. August 1988)
soll sich nichts ändern. Jedoch muß
wegen der Rückführung der LDFF-Plattform der zunächst für den Herbst 1989
geplante Start von ASTRO-1, eines
Forschungssatelliten für Messungen im
Ultraviolettbereich, um mehrere Monate verschoben werden. Das Gerät wird
nun mit einem Breitband-Röntaenstrahlenteleskop ausgerüstet, mit dem die
Supernova
1987A
beobachtet
werden
soll. Die Folgereaktionen der Fxplosion dieses Sterns - in mehr als 200
Jahren wegen der Nähe des Objekts das
sensationellste
Ereignis
für
die
Astronomie - werden auch zu dem späteren Zeitpunkt noch erfaßt werden
können.

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Die Besatzung der DISCOVERY, die
den ersten Flug mit einem Raumtransporter
nach
der
CHALLENGER-Katastrophe unternimmt, soll einen TDRSSatelliten absetzen.
Er dient für
Bahnbeobachtungen und Datenübermittlung und ist unerläßlich, um beispielsweise die Meßdaten des HubbleWeltraumteleskops zur Erde zu übermitteln. Dieses soll am 1. Juni 1989
von einem Raumtransporter in die Umlaufbahn gebracht werden und erfordert mindestens zwei TDRS-Satelliten.
Der Start eines dritten TDRS-Gerätes
ist für 1989, eines vierten für 1990
geplant. Die TDRS-Geräte machen eine
Reihe
von
NASA-Bodenstationen
zur
Überwachung von Raumtransportern und
anderen Raumfahrzeugen mit der Zeit
überflüssig.

sion anzusehen sind, mit der das Universum entstand.
Den
neuen
NASA-Plänen
zufolge
sind für 1990 zwei zusätzliche Raumtransporter-Missionen
vorgesehen
eine davon in Verbindung mit dem
Raumlabor SPACELAB.
Der Start des
Gammastrahlen-Observatoriums wurde um
drei Monate auf März 1990 vorverlegt.
Der Termin für die ULYSSES-Mission,
eines europäischen Forschungssatelliten zur Sondierung der Polgebiete der
Sonne, bleibt unverändert. Start ist
im Oktober 1990.

* * * * * *
Bei der zweiten Shuttle-Mission
(27. Oktober 1988) wird der Raumtransporter
ATLANTIS
eingesetzt.
Wichtigste Aufgabe ist das Absetzen
von zwei militärischen Nachrichtensatelliten. Am 19. Januar 1989 soll
erneut die DISCOVERY mit TDRS-3 an
Bord und am 2. März 1989 die COLUMBIA
mit
einer
militärischen
Nutzlast
starten.
Unter den Forschungssatelliten, deren Start 1989 mit einem
Raumtransporter erfolgen soll, befinden sich MAGELLAN zur Kartierung des
Planeten Venus sowie GALILEO (Gemeinschaftsprojekt mit der Bundesrepublik
Deutschland) zur Sondierung des Planeten Jupiter.
Noch 1988 werden mit unbemannten
Raketen sechs Nutzlasten, im kommenden Jahr vier und 1990 sieben in Erdumlaufbahnen gebracht.
Damit wurde
auf drei weitere in diesem Zeitraum
vorgesehene Starts verzichtet.
Bis
1995 werden insgesamt 30 nichtmilitärische Nutzlasten, die nach früheren Plänen vom Space Shuttle abgesetzt werden sollten, von unbemannten
Raketen
auf
ihre Bahnen gebracht.
Eine davon ist der COSMIC BACKGROUND
EXPLORER (COBE).
Er registriert die
kosmische
Hintergrundstrahlung
Emissionen, die als Reste der Energiefreisetzung infolge der Urexplo-

�AMERIKA DIENST
7

^ION &amp;

Wissenschaft und Technik

6. April 1988

14

INMARSAT-FUNK AUCH FÜR DEN FLUGVERKEHR

WASHINGTON - (AD) - Die Vereinigten Staaten haben die vorgeschlagenen
Zusatzvereinharungen
zur Konvention
der Internationalen Seefunksatelliten
Organisation (INMARSAT) ratifiziert,
die
den
Mitgliedstaaten
erstmals
Funkverbindungen von Flugzeugen aus
über
Satellit
ermöglichen
würden.
Die INMARSAT-Konvention regelt normalerweise
Funkverbindungen
von
Schiffen auf See über Satellit zu
Küstenstationen.
Gegenwärtig werden
4 000 solcher Stationen unterhalten.
Wird auch die Luftfahrt eingeschlossen, müssen zahlreiche weitere Bodenstationen eingerichtet werden.
Ihr
Zahl hängt vom Bedarf ab; für die
neuen
Dienstleistungen
würden
von
INMARSAT Gebühren zur Deckung der Betriebskosten
erhoben.
Die Zusätze
treten in Kraft, wenn 30 oder 45

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Partnerstaaten
ratifiziert
haben;
bisher haben dies 21 getan, die zusammen ca. 70 Prozent der Investitionsanteile für das INMARSAT-System
ausmachen.
Funkverbindungen
via
Satellit
sind - da weniger anfällig gegen atmosphärische Störungen - weitaus zuverlässiger als der bisher übliche
Funk für den Flugverkehr. Der amerikanische Außenminister George Shultz
gab die offizielle Verabschiedung der
neuen Vereinbarungen durch die Vereinigten Staaten auf der Sitzung des
INMARSAT-Direktoriums Ende März 1988
in London bekannt.

+ + + + + +

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Shultz' Friedensplan für den Nahen Osten kommt zum richtigen Zeitpunkt&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von US-Senator John H. Chafee&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Verfügungen der Vorlage zum Handelsgesetz&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Bericht der Konferenz von Repräsentantenhaus und Senat&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;NASA ändert Startpläne für Raumtransporter&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Forschungs-Plattform muß vorzeitig&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt; geborgen werden&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;INMARSAT-Funk auch für den Flugverkehr</text>
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