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                    <text>AMERIKA DIENST

1 0 . A u g u s t 1988

29

I N H A L T
DOKUMENTATION
Carlucci bezweifelt sowjetische Behauptung defensiver Strategie
- US-Verteidigungsminister vor der Moskauer Akademie des Generalstabs
Vereinigte Staaten geben Produktionsorte für chemische Waffen bekannt
- Rede des amerikanischen Vertreters bei der
Genfer Abrüstungskonferenz -

INFORMATION
Finanzminister Bakers Nachfolger heißt Nicholas Brady
- Ankündigung des Weisen Hauses -

HINTERGRUNDMATERIAL
DIE WAHLEN IN AMERIKA 1988
Bush verspricht Unterstützung für Raketenabwehr im Weltraum
- Auszüge aus einer Rede vor dem Mid-America Committee -

WIRTSCHAFT
Was steht im neuen Handelsgesetz?
- Ein Überblick über das jetzt vom Kongreß verabschiedete Gesetz

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
AIDS-Seuche hemmt Entwicklungspolitik
- Aufklärung und exakte Informationen als wichtige Waffe

Themenindex AMERIKA DIENST (1. Halbjahr 1988)

* * * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�AMERIKA DIENST
Dokumentation

'V,oN *&lt;

10. August 1988

29

CARLUCCI BEZWEIFELT SOWJETISCHE BEHAUPTUNG DEFENSIVER STRATEGIE
- US-Verteidigungsminister vor der Moskauer Akademie des Generalstabs -

MOSKAU - (AD) - Verteidigungsminister Carlucci zufolge haben die Vereinigten Staaten Schwierigkeiten, eine angeblich die Verteidigung betonende sowjetische Militärdoktrin mit einer Streitkräftestruktur und operativen Strategie
in Einklang zu bringen, bei der "die Betonung auf der Offensive liegt - insbesondere auf Überraschung und Beweglichkeit. Zu Beginn einer viertägigen Besichtigungstour militärischer Einrichtungen in der Sowjetunion erklärte
Carlucci am 1. August 1988, die sowjetischen Regierungsvertreter seien "ausgesprochen bereit, sogar geradezu begierig" darauf gewesen, mit ihm "eine Verlagerung der sowjetischen Militärdoktrin hin zu einer defensiven Strategie und
Kräfteverteilung" zu erörtern.
Nachfolgend
Wortlaut.

bringen wir die Rede von Verteidigungsminister Carlucci im

Es ist mir eine Ehre, heute in
Moskau vor Ihnen sprechen zu dürfen
und damit den Dialog, in dem sich unsere beiden Länder befinden, einen
weiteren Schritt voranzubringen. Ich
möchte insbesondere meinen Gastgebern
für diese Gelegenheit zu einer Ansprache vor der Akademie des Generalstabs danken. Dies ist bereits mein
zweiter Besuch in Moskau in den vergangenen zwei Monaten. Ich gehe davon aus, daß die in den nächsten Tagen stattfindenden Gespräche mit Verteidigungsminister Jasow sowie die
anderen auf der Tagesordnung vorgesehenen Veranstaltungen zu meinem Verständnis der sowjetischen Einstellung
zu Sicherheitsangelegenheiten in den
Beziehungen mit den Vereinigten Staaten beitragen werden - und gleichzeitig mein Verständnis des sowjetischen
Systems vertiefen werden.

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Ich habe die Absicht, heute über
die Aussichten für unseren Dialog
über Verteidigungs- und Sicherheitsproblemen zu sprechen - wo wir heute
stehen und welche Entwicklungen wir
von diesem Dialog erwarten können.
Angesichts der Einblicke, die ich im
Verlauf meines Besuchs in das sowjetische System erhalten werde, möchte
ich meine heutigen Ausführungen damit
beginnen, Ihnen einige von mir angestellte Beobachtungen über das amerikanische System sowie die Ideale und
Interessen, von denen die amerikanische Politik geprägt ist, darzulegen.
Ich weiß nicht, wie viele unter
Ihnen Zeit darauf verwandt haben, das
amerikanische System und seine Funktionsweise zu studieren.
Ich beglückwünsche Sie, wenn Sie sich die-

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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�ser Mühe unterzogen haben. Selbst in
meiner Position als Regierungsmitglied mit mehr als 30jähriger Erfahrung lerne ich noch immer jeden Tag
aufs neue, wie das amerikanische System funktioniert.
Am augenfälligsten ist wohl die
Vielzahl der "Spieler" - wie wir sie
in Washington zu bezeichnen pflegen
-, die an dem Prozeß beteiligt sind.
Es gibt den Präsidenten, das Kabinett, den Kongreß, das Gerichtssystem; es gibt Berater, unabhängige
Behörden, Ausschüsse und Unterausschüsse und - natürlich - die Bürokratie. Außerhalb der Regierung gibt
es die Oppositionspartei, organisierte Lobbyisten und Interessenverbände,
Fürsprecher und Experten aller Art.
Dann gibt es die Presse - sie berichtet, erklärt, kommentiert und stellt
jede politische Entscheidung in Frage, die getroffen wird, oder erst
noch im Werden ist. Die Formulierung
einer bestimmten Politik kann sehr
häufig ein Dutzend unterschiedlicher
Institutionen und Hunderte von Personen beschäftigen.
Und selbst wenn
eine Entscheidung gefällt worden ist,
scheint es, als ob die Probleme niemals bewältigt werden können.
Aber der Schein, im amerikanischen System befänden sich die Angelegenheiten normalerweise im Fluß,
kann trügen.
Das System wird der
Aufgabe gerecht, für die es entworfen
wurde und es ist - vor allem - offen: Es gibt unbegrenzte Möglichkeiten, absolut alle Meinungen und Aspekte vorzubringen und darauf zu reagieren. Und diese Offenheit ist das
Kernstück des demokratischen Systems.
In jedem System, abgesehen von
einer Ein-Mann-Diktatur, gibt es Diskussionen unter den Regierungsmitgliedern über das generelle Vorgehen
- obwohl diese Diskussion leicht vor
der Öffentlichkeit verborgen werden
kann. Wenn das Volk regiert, wird
die Öffentlichkeit zu einem offenen
Forum, in dem die Geschicke des Landes entschieden werden. Vor über 150
Jahren kam ein höchst weitsichtiger
Student der politischen Wissenschaf-

ten mit Namen Alexis de Tocqueville
nach Amerika, um die Demokratie in
der Praxis zu sehen. Die erste Notiz
in seinem Reisebericht war der ständige Tumult, den er in Amerika beobachtete. Wohin er auch ging, überall
waren Menschen in öffentliche Diskussionen vertieft und äußerten ihre
Meinungsverschiedenheiten
lautstark.
Mit der Zeit erkannte Tocqueville,
daß es sich hierbei in Wirklichkeit
um demokratische Debatten handelte die Stimme des Volkes, das sich
selbst regiert - und nicht um den Beweis für ein zutiefst zerstrittenes
und in Auflösung begriffenes Volk,
wie er zunächst angenommen hatte.
Unbestreitbare Tatsache ist, daß
das amerikanische System bei all seiner Vielfältigkeit eine gemeinsame
Wurzel hat - die Freiheit, die jedem
Einzelnen zusteht.
Freiheit ist das Grundprinzip,
das Demokratie definiert und der amerikanischen
Politik
die
Richtung
weist.
Unsere
Sicherheitspolitik
gründet sich auf unsere Verpflichtung, unsere Freiheit im Verbund mit
anderen freien Nationen zu erhalten.
Unsere Außenpolitik wird von der Wahrung der Grundrechte und Freiheiten
der Menschen überall auf der Welt geleitet.
Amerika
ist
militärisch
nicht aggressiv, denn Demokratie ist
keine Doktrin, die mit Gewalt aufgezwungen werden kann. In dem Maße, in
dem ein demokratisches Volk seine
Wahl treffen kann, wird es nichts
sehnlicher wünschen, als in Frieden
zu leben und die Freiheiten auszuleben, die es genießt. Aber es kann
und wird alles Erforderliche tun, um
sicherzustellen, daß diese Freiheiten
nicht in Gefahr geraten.
Vielleicht werden einige oder alle von Ihnen eines Tages die Gelegenheit haben, Amerika mit eigenen Augen
zu sehen und sich selbst aus erster
Hand einen Eindruck von seinem System
und seinem Volk zu verschaffen. Ich
hoffe, den amerikanischen Offizieren
wird in der Sowjetunion eine ähnliche
Möglichkeit geboten.
Das von Marschall Achromejew und Admiral Crowe

�entworfene Austauschprogramm zwischen
hohen Offizieren ist ein vielversprechender Anfang.
Ich selbst bin hier in Moskau als
eine Art Beobachter der Tagespolitik
in der UdSSR. Soweit ich sehen kann,
findet hier ein höchst bedeutender
Prozeß des Wandels statt. Ich hoffe,
in den nächsten Tagen mehr über die
Veränderungen erfahren zu können, die
sich jetzt vollziehen.
Als
Verteidigungsminister
habe
ich vorrangiges Interesse daran, welchen Einfluß dieser Prozeß auf die
sowjetische Militärmacht haben könnte
sowohl auf ihre Fähigkeiten als
auch auf die Mittel und Wege, mit denen diese Fähigkeiten eingesetzt werden.
Ich werde mit Interesse beobachten,
- ob durch Glasnost die das sowjetische Militär umgebende Geheimhaltung gelockert wird, wie dies
in anderen Bereichen des sowjetischen Lebens ansatzweise geschehen ist,
- ob Perestrojka zu einer Umverteilung der Ressourcen von der militärischen Produktion zum zivilen
Bedarf führen wird,
- und, ob das gegenwärtig vorherrschende "neue Denken" in der
UdSSR eine Neugestaltung der sowjetischen
Militärdoktrin
und
Streitkräftestruktur sowie dauerhafte Veränderungen der Art und
Weise bedeutet, wie die Sowjetunion ihre Beziehungen zu anderen
Ländern unterhält.
Im Augenblick sind dies interessante - aber im großen und ganzen
noch offene Fragen. Wir in den Vereinigten Staaten werden abwarten und
beobachten - und wir werden konstruktive Veränderungen begrüßen, wenn sie
sich uns konkret darstellen.

haft anführen. Verteidigungsminister
Jasow und viele andere sowjetische
Regierungsvertreter, mit denen ich
gesprochen habe, waren ausgesprochen
bereit - sogar geradezu begierig -,
Gespräche über eine Verlagerung der
sowjetischen Militärdoktrin hinzu eine Defensivstrategie und Kräfteverteilung zu führen. Dennoch gibt es
meiner Meinung nach noch eine Reihe
unbeantworteter Fragen bezüglich einer Verlagerung der sowjetischen Militärdoktrin.
Erstens haben wir Schwierigkeiten
damit, eine defensive Doktrin mit dem
in Einklang zu bringen, was wir bei
der sowjetischen Streitkräftestruktur
und bei der Einsatzstrategie als
Schwergewicht auf der Offensive wahrnehmen - insbesondere auf Überraschung und Beweglichkeit.
Ich verweise zum Beispiel auf das Einsatzkonzept, vorne stationierte Brückenlegeeinheiten und die starke Betonung
auf Panzern und Artillerie. Gleichzeitig beobachten wir keine Verlagerung
des
Schwergewichts auf die
Streikträftearten, die man gemeinhein
mit Verteidigung in Verbindung bringt.
Wir haben ferner Schwierigkeiten,
das sowjetische Versprechen zu keinem
Ersteinsatz von Nuklearwaffen mit Ihrer anhaltenden Betonung schwerer Interkontinentalraketen
(ICBMS),
wie
etwa der SS-18, in Einklang zu bringen. Diese Raketen sind unserer Ansicht nach am besten für einen Erstschlag gegen amerikanische silogestützte Systeme geeignet - eine Fähigkeit, die eher auf eine Militärdoktrin zutrifft, die einen Präventivschlag mit Nuklearwaffen betont.
Ich bin mir natürlich darüber im
klaren, daß die Durchführung erheblicher Veränderungen bei der Streitkräftestruktur Zeit erfordert - aber
ich bin ebenso sicher, Sie sind sich
darüber im klaren, daß kein vernünftiger Soldat sein eigenes Einsatzkonzept aufgibt, solange ihm keine Beweise für echte Veränderungen vorliegen.

Ich möchte hier das Problem der
sowjetischen Militärdoktrin beispiel- 3 -

�Ich bin von ihrer Führung auch
gedrängt worden, militärische Übungen
in der Sowjetunion auf Anzeichen einer neuen Betonung der Verteidigung
hin zu überprüfen. Es stimmt natürlich, daß wir von Ihren Übungen lernen, ebenso wie Sie von unseren Übungen lernen können. Gegenwärtig sind
jedoch trotz zahlreicher Veränderungen die Anzeichen dafür mehrdeutig.
Wir haben Übungen beobachtet, bei denen sowjetische Streitkräfte einen
Angriff abwehren, bevor sie in die
Offensive gehen.
Dennoch ist es
schwierig, den Unterschied zwischen
offensiven Streitkräften, die auf die
Durchführung eines Angriffs angelegt
sind und denen zu bestimmen, die eine
Gegenoffensive durchführen sollen ein Punkt, auf den von einigen sowjetischen Strategen verwiesen wird.
Wir stehen der Beobachtung sowjetischer Übungen in Zukunft natürlich
aufgeschlossen gegenüber.
Lassen Sie mich an diesem Punkt
eindeutig klarstellen, daß die Vereinigten Staaten überhaupt kein Interesse daran haben, sich im Hinblick
auf militärische Umgestaltungen der
Sowjets unrealistischen Erwartungen
hinzugeben.
Wir erkennen, daß die
Sowjetunion einen legitimen Bedarf an
Verteidigung hat, und wir sind uns
der Leiden bewußt, die Ihr Land in
der Vergangenheit erduldet hat. Niemand spricht Ihnen die Notwendigkeit
einer starken und fähigen Armee ab.
Wir sind besorgt, wenn die UdSSR mit
der Fortsetzung der Entwicklung von
Streitkräften ihren Verteidigungsbedarf weit übersteigt - insbesondere,
wenn diese neu hinzugefügte Stärke
sich auf Streitkräfte konzentriert,
die massive offensive Einsätze durchführen können, um Territorium zu erobern und zu halten.
Bei der gegenseitigen Beurteilung
unserer Streitkräfte müssen wir uns
die
geostrategischen
Unterschiede
zwischen unseren beiden Ländern vergegenwärtigen.
Die Sowjetunion ist
eine Landmacht, die im Hinblick auf
strategische Ressourcen und Materialien nahezu autark ist. Im Gegensatz
dazu ist Amerika eine Insel, die sich

nicht allein mit Ressourcen versorgen
kann und aus diesem Grund eine Interessengemeinschaft mit anderen Ländern
braucht, um Erfolg zu haben und zu
überleben.
Die Vereinigten Staaten
brauchen eine starke Marine, um Amerikas Zugang zu den Schiffahrtslinien
zu gewährleisten, die unsere lebenswichtige Verbindung zu den Handelspartnern bildet, um Aggression abzuschrecken und zur Verteidigung der
gemeinsamen Interessen mit unseren
Verbündeten und Freunden in Übersee
beitragen zu können.
Ihre Führung
drängt uns zur Reduzierung unserer
Seestreitkräfte. Aber die Aufforderung an die Vereinigten Staaten zur
Reduzierung ihrer Fähigkeit auf See
käme der Aufforderung an die UdSSR
gleich, ihre Straßen- und Schienennetze zu zerstören. Angesichts unserer
geopolitischen
Gegebenheiten
könnte sich niemand von uns die Zerstörung dieser lebenswichtigen Verbindungen leisten.
Angesichts der von sowjetischer
Seite erfolgenden Entwicklung ihrer
Angriffs-U-Boote und des Ausbaus ihrer Fähigkeiten in der Luft über den
Weltmeeren, müssen die Vereinigten
Staaten ihre eigenen Fähigkeiten auf
See verbessern und Schritte zu deren
Schutz unternehmen, zum Beispiel mit
Hilfe von Waffen wie etwa der seegestützten Marschflugkörper. Und dennoch stellt unsere Marine keine Bedrohung für irgendein Land dar, das
uns seinerseits nicht bedroht.
Unsere Politik heißt Abschrekkung. Ich weiß, daß dieser Begriff
in der militärischen Terminologie der
Sowjetunion
abschätzig
verwendet
wird, und ich möchte daher offen sagen, was der Begriff im Sprachgebrauch amerikanischer Strategen bedeutet. Abschreckung ist einzig und
allein unserer Ziel, um einen Gegner
davon zu überzeugen, daß ein Angriff
auf uns einen zu hohen Preis hat und
nicht erfolgreich sein kann - und im
Grunde am besten nicht ausgeführt
werden sollte. Diese Auffassung von
Abschreckung ist so weit wie möglich
von einer Strategie des Erstschlags
entfernt, die andere Länder zu Recht

- 4 -

�bedrohlich finden würden.
Unsere Streitkräftestruktur liegt
für alle offen zutage. Obwohl wir
eine starke Marine haben, ist sie
zahlenmäßig kleiner als Ihre. Unsere
Armee verfügt über weit weniger Panzer, unsere Luftwaffe über weniger
Kampfflugzeuge, und wir sind in starkem Maße von Reservestreitkräften abhängig, deren erforderliche Mobilisierung
einen
Überraschungsangriff
nahezu unmöglich machen.
Und die
Vereinigten Staaten haben - im Gegensatz zur Sowjetunion - ein begrenztes
Programm zur zivilen Verteidigung und
kein
vergleichbares
unterirdisches
System von Bunkern, Tunnels und Wegen, um in einem lang andauernden
Nuklearkrieg Schutz zu gewähren.
Bei der Einschätzung amerikanischer Macht sollten Sie ferner die
Offenheit beachten, mit der Einzelfragen unserer Verteidigungshaltung
diskutiert werden.
Die Wiederherstellung einer starken amerikanischen
Verteidigung zu Beginn der achtziger
Jahre ist in der Öffentlichkeit intensiv diskutiert worden - ebenso
bleibt die Tatsache, daß der amerikanische Verteidigungshaushalt nunmehr im vierten Jahr geringer ausfällt, der Öffentlichkeit nicht verborgen. Vor einem Jahr hat Präsident
Reagan die Sowjetunion in seiner Ansprache vor amerikanischen und sowjetischen Teilnehmern bei der Chautauqua-Konferenz aufgefordert, ihre eigenen militärischen Prozesse offenzulegen - einen gültigen Militärhaushalt zu veröffentlichen, den Umfang
und Aufbau der sowjetischen Streitkräfte zu enthüllen und im Obersten
Sowjet den Kurs der wichtigsten militärischen Entscheidungen und die Waffensysteme öffentlich zu erörtern.
Sowohl Ihr Generalsekretär wie
auch Ihr Verteidigungsminister haben
angedeutet, daß sie die Möglichkeit
einer öffentlichen Bekanntgabe Ihres
Militärhaushalts prüfen.
Dies wäre
in unserem andauernden Dialog eine
sehr willkommene Entwicklung. Gegenwärtig müssen wir jedoch die sowjetische Rüstungsproduktion als Maßstab

nehmen, und
nach unseren besten
Schätzungen belaufen sich die sowjetischen Militärausgaben weiterhin auf
volle 15 bis 17 Prozent Ihres Bruttosozialprodukts und steigen von Jahr
zu Jahr weiter an. Demgegenüber verwenden die Vereinigten Staaten 5,7
Prozent ihres nationalen Reichtums
für die Verteidigung. Ich gebe zu,
daß unser Bruttosozialprodukt größer
ist, aber quantitativ übertrifft Ihre
Rüstungsproduktion die unsrige bei
weitem.
Ich bin bereit anzuerkennen, daß
die Vereinigten Staaten in vielen Bereichen einen technologischen Vorsprung gegenüber der Sowjetunion besitzen - und ich erkläre zusätzlich,
daß '-rir auf jeden Fall unsere technologischen Fähigkeiten weiter verbessern werden. Wir können es uns einfach nicht leisten, etwas anderes zu
tun. Wenn wir zum Beispiel die technologischen Möglichkeiten einer Verteidigung gegen strategische Raketen
sehen, dann müssen wir die Gelegenheit in der Hoffnung ergreifen, eines
Tages ein stabileres, defensives Abschreckungspotential zu entwickeln.
Wir wissen um die Bedeutung, die
Sie der Verteidigung Ihrer Heimat
beimessen - und dieses Interesse wird
durch Ihre eigene intensive Arbeit an
modernen Raketenabwehrsystemen unterstrichen, die in vieler Hinsicht mit
unserer Strategischen Verteidigungsinitiative vergleichbar sind. Dieses
Interesse an der Entwicklung von Verteidigungssystemen ist verständlich
und wird von uns geteilt. Ich kann
Ihnen versichern, daß SDI rein defensiv ist und nicht die geringste Bedrohung für die UdSSR darstellt. Sie
dient einzig und allein einem Zweck:
Systeme zu entwickeln, die gegen uns
abgefeuerte Raketen zerstören können.
Tatsächlich sind wir der Ansicht,
daß die von uns gegenwärtig erforschten Verteidigungssysteme uns eines
Tages dazu verhelfen könnten, zu einer stabileren strategischen Regelung
überzugehen, die auf einer ausgewogenen Kombination von Verteidigung und
Offensive beruht.
Sicherlich würde

- 5 -

�ein System, das eine Verteidigung gegen einen Raketenangriff beinhaltet,
bei weitem einem solchen überlegen
sein, das sich für alle Zeiten auf
das "Gleichgewicht des Schreckens"
verläßt und allein auf offensiven
Atomwaffen beruht.
Ich hege die Hoffnung, daß unsere
gegenwärtig in Genf stattfindenden
Verhandlungen uns diesem Ziel näher
bringen werden. Wer hätte noch vor
fünf Jahren angenommen, daß wir heute
das erste Abkommen der Welt über die
Beseitigung von Atomwaffen - den INFVertrag - in die Tat umsetzen und daß
wir uns auf dem Weg zu einem noch
weitreichenderen Abkommen zur Reduzierung der strategischen Atomwaffen
um 50 Prozent befinden würden? Sicher müssen noch einige Probleme gelöst werden, aber diese sind keineswegs unüberwindbar.
Der Schlüssel
liegt darin, daß unser militärisches
Establishment auf beiden Seiten die
Vorteile eines Abkommens erkennt, das
zu einem stabileren strategischen
Gleichgewicht auf reduzierten Stärkeniveaus führt. Wenn wir die RUstungskontrollgespräche
mit
diesem
Ziel im Kopf angehen, dann bin ich
zuversichtlich, daß ein Abkommen geschlossen werden kann.
Ich spreche heute offen vor Ihnen, da ich überzeugt bin, daß Offenheit konstruktiv ist.
Schließlich
ist der Dialog allein kein Wert an
sich - er ist es nur insoweit, wie
er unsere Sicherheit verbessert. Und
das ist ein Argument dafür, die sehr
realen Unterschiede deutlich auszusprechen, die unsere Nationen voneinander trennen, selbst dann, wenn wir
Spannungen abzubauen und unsere Beziehungen zu verbessern suchen.
Der Weg zur Förderung des amerikanisch-sowjetischen Dialogs besteht
nicht darin, unsere Unterschiede zu
verwischen, sondern darin, sie offen
zur Kenntnis zu nehmen, nach Gemeinsamkeiten zu suchen und darauf aufzubauen.
Ich möchte mich auf einige gemeinsame Interessen konzentrieren,

bei denen Fortschritte möglich sind:
- Wir müssen weiterhin bei der Suche nach Wegen zur Verhinderung
gefährlicher militärischer Zwischenfälle zusammenarbeiten, die
eine von keiner Seite gewünschte
Konfrontation auslösen könnten.
- Wir müssen weiterhin unser Verständnis der Sicherheitsanliegen
beider Seiten durch Kontakte zwischen den Militärs verbessern.
- Wie ich schon erwähnte, müssen
wir weiterhin auf Rünstungskontrollabkommen
hinarbeiten,
die
Stabilität auf niedrigerem Niveau
schaffen - sowohl bei den atomaren wie bei den konventionellen
Streitkräften.
Schließlich besteht zusätzlich zu
diesen Bereichen in unseren Gesamtbeziehungen ein gemeinsames Interesse
am Abbau von Spannungen, und das ist
der zentrale Grund dafür, daß der von
uns ins Leben gerufene Dialog - über
regionale Konflikte und Menschenrechte wie auch über militärische Fragen
- weitere Fortschritte machen muß.
Allein die Tatsache, daß ich heute In der Akademie des sowjetischen
Generalstabs zu Gast bin, ist ein
Hinweis darauf, wie weit dieser Dialog schon gediehen ist. Trotz dieser
Fortschritte sollte es jedoch klar
sein, daß dies kein Höhepunkt, sondern nur ein Anfang ist. Was dieser
Dialog bietet, ist eine Chance, auf
der Grundlage von Realismus und Gegenseitigkeit
weiterhin
Spannungen
abzubauen und
bessere Beziehungen
zwischen unseren Ländern aufzubauen.
Das ist das Ziel, das mich nach Moskau geführt hat und für dessen Förderung ich während meines Aufenthalts
hier mein Bestes tun werde.

* * * * *

�AMERIKA DIENST
Dokumentation
10. August 1988

29

VEREINIGTE STAATEN GEBEN PRODUKTIONSORTE FÜR CHEMISCHE WAFFEN BEKANNT
- Rede des amerikanischen Vertreters bei der Genfer Abrüstungskonferenz GENF - (AD) - Mit der Bekanntgabe ihrer fünf Produktionsstätten für chemische Waffen vor der Genfer Abrüstungskonferenz (CD) haben die Vereinigten
Staaten am 28. Juli 1988 einen "weiteren entscheidenden Schritt zu größerer
Offenheit" getan. Der amerikanische Vertreter bei den Gesprächen über chemische Waffen, Max L. Friedersdorf, unterbreitete den Delegierten der CD ein
siebenseitiges Dokument, das eine Landkarte mit den folgenden fünf Produktionseinrichtungen enthält: Rocky Mountain Arsenal, Colorado; Newport Army
Ammunition Plant, Indiana; Pine Bluff Arsenal, Arkansas; Muscle Shoals,
Alabama; Aberdeen Proving Ground, Maryland.
"Wir hoffen, daß dieses Papier (über die Produktionsstätten) sowohl zu
größerem Vertrauen als auch zur Verhandlung von weiteren Verfügungen im Rahmen
der Konvention beitragen wird," erklärte Friedersdorf, dessen Äußerungen wir
nachfolgend in Auszügen veröffentlichen:
Herr Präsident, am Ende der Frühjahrssitzung der CD habe ich vor dem
Plenum zwei Erklärungen zum Stand der
Verhandlungen über chemische Waffen
abgegeben. Am 14. April kommentierte
ich die bis zum damaligen Zeitpunkt
in der Sitzungsperiode 1988 erzielten
Fortschritte. Meine Erklärung am 19.
April befaßte sich mit den Aussichten
für den Sommer der diesjährigen Sitzungsperiode. Heute möchte ich mich
erneut dem wichtigen Thema des Verbots chemischer Waffen widmen. Seit
meiner letzten Rede bei der Konferenz
zu dieser Frage ist viel geschehen.
In den vergangenen Monaten ist
das Verbot chemischer Waffen mehrmals
Gegenstand hochrangiger bilateraler
Gespräche zwischen den Vereinigten
Staaten und der Sowjetunion gewesen.

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Wie ich bereits feststellte, haben
die beiden führenden Politiker der
Vereinigten Staaten und der Sowjetunion wichtige und weitreichende Diskussionen über Rüstungskontrollfragen
geführt, auch über ein Verbot der
chemischen Waffen. Weiterhin wurden
mehrere Treffen auf Ministerebene abgehalten.
Beim Moskauer Gipfel haben Präsident
Reagan
und
Generalsekretär
Gorbatschow die Bedeutung von Bemühungen bekräftigt, die einzigartige
Herausforderung eines Verbots chemischer Waffen und die Erlangung einer wirksamen Konvention als Angelegenheit von äußerster Dringlichkeit
zu behandeln. Sie betonten die bisher in den Gesprächen erzielten Fortschritte
sowie
die
verbleibenden

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�schwierigen Probleme im Hinblick auf
die effektive Überwachung des weltweiten Verbots chemischer Waffen und
des Nichtgebrauchs von mehrfach verwendbaren Wirkstoffen für chemische
Waffen.
Ferner betonten die beiden
Politiker Probleme der Sicherstellung
einer wirksamen Verifizierung und unverminderter
Sicherheit
für
alle
Teilnehmer der Konvention.
Beide Seiten waren sich ferner
einig über die entscheidende Bedeutung von größerer Offenheit aller
Staaten als Weg zur Vertrauensbildung
und Stärkung der Grundlage einer
wirksamen Konvention.
Die beiden
führenden Politiker betonten ferner
die Notwendigkeit enger Koordinierung
auf multilateraler Basis, um die Beteiligung aller Staaten, die chemische Waffen besitzen oder zu ihrer
Herstellung in der Lage sind, an der
Konvention sicherzustellen.
Meiner
Ansicht nach entspricht dies auch der
Haltung der internationalen Staatengemeinschaft.
Auf multilateraler Ebene erhielt
ein Text, in dem die anhaltende
Dringlichkeit
eines
Verbots
chemischer Waffen zum Ausdruck kommt,
breite Unterstützung - auch durch die
Vereinigten Staaten - im Rahmen der
SSOD-III. Herr Präsident, all diese
Positionen finden sich auch in den
Instruktionen
meiner
Delegation.
Wenn diese Verpflichtung in den Anweisungen der anderen Delegationen
ebenfalls ihren Niederschlag finden,
dann sind meiner Auffassung nach die
Aussichten auf weitere Fortschritte
gut. Ich komme nun zur Substanz der
Verhandlungen. Dabei möchte ich drei
entscheidende Punkte behandeln, auf
die in der gemeinsamen amerikanischsowjetischen Erklärung Bezug genommen
wird:
- Die entscheidende Bedeutung grösserer Offenheit;
- das
schwierige
Problem
einer
wirksamen Überwachung der chemischen Industrie; und

- die Sicherung der Beteiligung aller Staaten an der Konvention,
die chemische Waffen besitzen
oder zu deren Herstellung in der
Lage sind.
Die an den Verhandlungen Beteiligten haben zunehmend die entscheidende Bedeutung größerer Offenheit
aller Staaten in bezug auf ihre Fähigkeiten zur Herstellung chemischer
Waffen und ihre chemischen Industrien
erkannt.
Die amerikanische Delegation selbst hat in diesem Bereich
wichtige Beiträge geleistet. In dem
im Juli 1986 vorgelegten Dokument
CD/711 haben die Vereinigten Staaten
zum Beispiel detaillierte Informationen über ihr Arsenal chemischer Waffen geliefert, einschließlich der Depotstandorte.
Ferner haben wir in
dem im letzten April vorgelegten Dokument CD/830 weitere Einzelheiten
über die chemischen Waffen an sich
bereitgestellt.
Heute unternimmt die amerikanische Delegation einen weiteren entscheidenden Schritt in Richtung auf
größere Offenheit.
Wir geben den
Standort jeder unserer Produktionseinrichtungen für chemische Waffen
bekannt.
In dem heute vorgelegten
Arbeitspapier mit dem Titel "Vernichtung von Produktionseinrichtungen für
chemische Waffen" ist eine Karte der
jeweiligen Standorte enthalten. Wir
hoffen, daß dieses Papier sowohl zu
größerem Vertrauen als auch zur Verhandlung von weiteren Verfügungen im
Rahmen der Konvention beiträgt.
Die von uns heute abgegebene Erklärung sucht in der Geschichte ihresgleichen.
Kein anderes Mitglied
der Konferenz hat Informationen über
seine Produktionsstätten
für chemischen Waffen zur Verfügung gestellt. Wir fordern die anderen Länder mit solchen Einrichtungen auf,
den Standort ihrer Produktionsstätten
bekanntzugeben und zu darzulegen, wie
diese Einrichtungen vernichtet werden
könnten.
Herr Präsident, in den vergange-

- 2 -

�nen Monaten hat die Konferenz bei der
Lösung permanenter Probleme im Zusammenhang mit Produktionsstätten für
chemische Waffen entscheidende Fortschritte erzielt. Eine übereinstimmende Definition ist in greifbare Nähe gerückt. Wir sind uns einig, daß
all diese Einrichtungen zerstört werden müssen.
Entsprechende Veränderungen werden bereits im Vertragstext
der zukünftigen Konvention vorgenommen. Während Übereinstimmung darüber
besteht, daß die Produktionsstätten
für chemische Waffen vernichtet werden müssen, liegen der Konferenz nur
spärliche Informationen darüber vor,
wie dies verwirklicht werden könnte.
Das Thema ist in diesem Sommer bereits in Arbeitsgruppe B erörtert
worden. Um die Verhandlungen zu erleichtern, umreißt unser Arbeitspapier in groben Zügen, wie die Vereinigten Staaten die Vernichtung ihrer Produktionseinrichtungen angehen
werden.
Offenheit war natürlich nicht
ausschließlich einigen wenigen Delegationen vorbehalten.
Wir werden
durch die Tatsache ermutigt, daß das
Prinzip des multilateralen Datenaustausch^ in den vergangenen ein oder
zwei Jahren zur gängigen Praxis geworden ist. In Erklärungen vor dem
Plenum oder in Arbeitspapieren haben
zahlreiche Delegationen unerläßliche
Informationen zur Verfügung gestellt.
Zweifelsohne werden in den verbleibenden Wochen dieser Sitzungsperiode
noch zusätzliche Informationen erarbeitet.
Unseren Unterlagen zufolge
haben ungefähr ein Dutzend Mitglieder
der Konferenz bisher noch nicht bekanntgegeben, ob sie im Besitz chemischer Waffen sind oder nicht. Wir
fordern sie dringend auf, dies noch
in diesem Sommer zu tun.
Bevor ich mich einem anderen Thema zuwende, möchte ich eine vorsichtige Warnung aussprechen.
Die der
Konferenz vorgelegten Informationen
können die Verhandlungen nur dann erleichtern, wenn sie präzise sind.
Ungenaue Erklärungen werden jedoch
das Vertrauen schmälern und den Ver-

such eines Verbots chemischer Waffen
komplizieren.
Bedauerlicherweise
sind unserer Ansicht npch bereits Erklärungen abgegeben worden, daß man
nicht im Besitz chemischer Waffen
sei, die höchstwahrscheinlich einen
solchen Effekt haben werden. So gravierend
die
Auswirkungen
bereits
jetzt sein könnten, hätten unpräzise
Erklärungen nach Inkrafttreten womöglich eine Reihe von Ad-hoc-Inspektionen zur Folge, die politische Konsequenzen nach sich ziehen würden.
Wahrheitsgetreue Erklärungen sind für
den gesamten Prozeß eines Verbots
chemischer Waffen unabdingbar.
Herr Präsident, die Konferenz hat
sich seit einiger Zeit mit dem
schwierigen Problem einer wirksamen
Überwachung der chemischen Industrie
auseinandergesetzt. Der Bericht des
Ad-hoc-Kommittes für chemische Waffen
von Ende April (Dokument CD/831) belegt eindeutig, daß beträchtliche
Fortschritte
erzielt worden sind.
Der Bericht stellt jedoch auch klar,
daß komplizierte und heikle Themen
noch zu erörtern sind. Die Lösung
dieser Themenkomplexe erfordert nicht
nur einen kreativen Ansatz, sondern
auch eingehendes Verständnis der Gegebenheiten in der zivilen chemischen
Industrie.
Unsere Delegationen sind der Auffassung, daß die Vertreter der chemischen Industrie entschieden zu den
Verhandlungen beitragen können. Diese Überzeugung erwächst aus den engen
und seit langem bestehenden Kontakten
zwischen unseren Unterhändlern und
den politischen Entscheidungsträgern
einerseits und den Vertretern der
amerikanischen chemischen Industrie
andererseits.
Wir
haben
festgestellt, daß die Industrie unser Ziel
eines umfassenden, wirksam verifizierbaren und wirklich weltweiten
Verbots chemischer Waffen teilt. Gestatten Sie mir, eine kürzlich von
Mr. Robert Roland, dem Präsidenten
des amerikanischen Verbands der Chemieindustrie, abgegebene Erklärung zu
zitieren.
Dieser Industrieverband,
kurz CMA genannt, vertritt Unterneh-

- 3 -

�men, die mehr als 95 Prozent der chemischen Produktionskapazität der Vereinigten Staaten ausmachen.
In seiner Erkärung von 28. April
1988 forderte Mr. Roland einen "starken, wirksamen, internationalen Vertrag" für ein Verbot chemischer Waffen.
Seinen Ausführungen zufolge
hatten amerikanische, kanadische, japanische und europäische Vertreter
der chemischen Industrie mehrere Monate an einem Satz von Empfehlungen
gearbeitet, die nach Meinung der CMA
ein Abkommen über ein Verbot chemischer Waffen erleichtern könnten.
Wenn diese Empfehlungen verabschiedet
worden sind, erklärte Mr. Roland,
"werden sie unseren Unterhändlern zusammen mit dem Versprechen unseres
Industrieverbands
zugeschickt,
daß
wir alles in unserer Macht stehende
tun werden, um einen solchen Vertrag
zu verwirklichen."

Ihr technisches Urteilsvermögen und
ihre praktische Erfahrung erweisen
sich bei der Lösung der zahlreichen
im Rahmen der Diskussion behandelten
gemeinsamen Probleme als sehr wertvoll.
Eine weitere positive Entwicklung
ist der Vorschlag zur Aufnahme multilateraler Bemühungen zur Entwicklung
und Erprobung von Verfahrensweisen,
mit deren Hilfe Inspektionen von Einrichtungen der chemischen Industrie
vorgenommen werden können. Zu Beginn
hielt sich meine Delegation mit ihrer
Meinung zu diesem Vorschlag zurück,
bis dieser besser ausgearbeitet war.
Angesichts der von der sowjetischen
Delegation gelieferten durchdachten
Einzelheiten akzeptieren die Vereinigten Staaten das Konzept eines
solchen
multilateralen
Experiments
und sind zu einer Teilnahme daran bereit.

Außerdem möchte ich darauf hinweisen, daß der Vorstand der CMA soeben seine einhellige Unterstützung
für einen Vertrag über chemische Waffen versichert und gefordert hat, daß
die chemischen Industrien aller Länder einen Konsens über technische
Fragen erarbeiten.
Unsere Überzeugung über die Bereitschaft der Industrie zur Förderung der Verhandlungen
wurde durch die mit Vertretern der
Industrie in der letzten Woche hier
in Genf abgehaltenen informellen Gespräche bestärkt. Wir werden durch
den ernsthaften
und konstruktiven
Austausch zwischen den Unterhändlern
und den Experten aus der Industrie
ermutigt.

Für den Erfolg des Experiments
ist die Teilnahme all der Staaten von
entscheidender Bedeutung, in denen
sich chemische Werke befinden, die
der Konvention zufolge Routineinspektionen unterworfen werden.
Ferner ist die Teilnahme anderer
Staaten in höchsten Maße wünschenswert. Unserer Ansicht nach ist nicht
nur die Erklärung der Verhandlungspartner wichtig, ob sie chemische
Waffen besitzen oder nicht - wichtig
ist auch die Erklärung, ob sie im zivilen Bereich chemische Werke besitzen, die inspiziert werden würden.
In den Vereinigten Staaten befinden
sich natürlich solche Werke.

Dieser
Austausch
verdeutlichte
die Notwendigkeit, daß den Bestimmungen zum Schutz vertraulicher Geschäftsinformationen größere Aufmerksamkeit gewidmet werden muß. Er betonte ebenfalls die Notwendigkeit der
genauen Darlegung, welche Informationen als vertraulich betrachtet werden
müssen. Wir sprechen den Vertretern
der Industrie, die sich in Genf eingefunden haben wie auch den Organisatoren der Gespräche unseren Dank aus.

Wir stimmen dem Vorschlag vom 26.
April über eine phasenweise Durchführung des Experiments zu. Vor Aufnahme der Entwicklung und Erprobung auf
internationaler Ebene müssen einzelne
Staaten jedoch Experimente auf nationaler Ebene durchführen und die Ergebnisse der CD vorlegen. Die amerikanische Regierung arbeitet bereits
mit dem Verband der amerikanischen
Chemieindustrie an der Entwicklung
und Erprobung von Verfahrensweisen

- 4 -

�zur Inspektion.
Wir fordern die Sowjets und andere auf, uns anzuzeigen, was sie dazu
unternehmen.
Im Rahmen der CD müssen viele Gespräche und Planungen erfolgen, um
dieses Experiment zu relalisieren.
Diese Konzeption ist gut, muß aber
noch an Substanz gewinnen.
Viele
Fragen zur Vorgehensweise müssen noch
beantwortet werden. Wie können zum
Beispiel sensible Geschäftsinformationen unter solchen Umständen geschützt werden, wo es keine rechtsverbindlichen Vorschriften zur Geheimhaltung gibt? Wir erwarten, daß
die sowjetische Delegation bei der
Erarbeitung von Antworten die Führungsrolle übernimmt.

tiven Vorschlag der ägyptischen Delegation, daß eine Möglichkeit gefunden
werden muß, um Beratungen mit wichtigen Staaten, die sich nicht an den
Verhandlungen beteiligen, abzuhalten.
Ähnliche Ideen sind von den Botschaftern Selesby (Vereinigtes Königreich)
und Rose (Deutsche Demorkatische Republik) geäußert worden.
Wir teilen die Ansicht, daß Konsultationen zur Förderung der wünschenswerten Allgemeingültigkeit beitragen würden. Wir versichern unsere
Zusamamenarbeit mit der ägyptischen
Delegation und anderen betroffenen
Staaten, um diesen Vorschlag zu verwirklichen.

* * * * * *

Zum Schluß, Herr Präsident, möchte ich noch die Notwendigkeit eines
weltweiten Verbots chemischer Waffen
hervorheben. Der Sicherheit in Europa ist viel Aufmerksamkeit gewidmet
worden.
Aber die Ereignisse der
letzten Jahren weisen eindeutig darauf hin, daß das größte Risiko für
den Einsatz chemischer Waffen außerhalb Europas liegt - wie es sich im
nahen Osten gezeigt hat. Wir teilen
die am 26. April im Plenum vorgetragene Auffassung des Vertreters von
Ägypten, Botschafter Elaraby, daß die
Konvention universellen Charakter haben sollte.
Eine Konvention, die
sich nicht
wirkungsvoll mit der
schrecklichen Realität auseinandersetzt, daß die Fähigkeit zur Herstellung chemischer Waffen weitverbreitet
ist, kann nicht als erfolgreich betrachtet werden.
Wir verfolgen ein sehr ehrgeiziges Ziel - wir wollen die Beteiligung
aller Länder, die im Besitz chemischer Waffen oder zu deren Herstellung befähigt sind, gewährleisten.
Die Pessimisten argumentieren, daß
dies unmöglich ist und deshalb die
Länder
ihre
Ambitionen
herunterschrauben sollten.
Dem können wir
nicht zustimmen.
Wir unterstützen
vielmehr den konstruktiven und krea- 5 -

�AMERIKA DIENST
'VON

Information

4

10. August 1988

29

FINANZMINISTER BAKERS NACHFOLGER HEISST NICHOLAS BRADY
- Ankündigung des Weißen Hauses -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Reagan hat den Rücktritt von James Baker als
Finanzminister erklärt und seine Absicht bekundet, den New Yorker Investment
Banker Nicholas Frede.rick Brady für die noch verbleibende Amtszeit de.r ReaganAdministration für dessen Nachfolge zu nominieren.

Baker
wird
für
Vizepräsident
George Bush die Präsidentschaftswahlkampagne leiten. Sein Rücktritt als
Finanzminister wird zum 17. August in
Kraft treten, wenn Bushs Nominierung
als Präsidentschaftskandidat der republikanischen Partei beim nationalen
Parteikonvent bestätigt wird.
Der
Stellvertretende
Finanzminister M. Peter McPherson wird bis
zur Bestätigung von Bradys Nominierung durch den Senat als Finanzminister amtieren.
Bei einem Informationsgespräch am
5. August im Weißen Haus, an dem auch
Reagan und Brady teilnahmen, erklärte
Baker, er betrachte seinen Wechsel
zur Kampagne von Bush als beste Möglichkeit, um das Fortbestehen des

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Reagan-Erbes zu sichern.
Der Präsident lobte Bakers Arbeit
in Reagans beiden Amtszeiten zunächst
als Stabschef und dann als Finanzminister und verwies insbesondere auf
Bakers Rolle bei der Verwirklichung
der Steuerreform, bei der Einführung
eines Koordinierungssystems zwischen
den wichtigsten Industrieländern und
beim Abschluß des Freihandelsabkommens zwischen den Vereinigten Staaten
und Kanada.
"Sie waren das Geheimnis unseres
Erfolges", erklärte Reagan, "Verhelfen Sie jetzt George dazu, Jim."
Reagan bemerkte
zu Brady, daß
"ich mir niemanden vorstellen kann,
der besser geeignet wäre, die Rolle

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Telex: 8-85432

�des Finanzministers
zu übernehmen,
und wenn er seine Bestätigung erhält,
wird er der Hauptsprecher meiner Administration
zu
Wirtschaftsfragen
werden." Bradys Präsenz würde Reagan
zufolge "die stetige Fortsetzung der
Wirtschaftspolitik gewährleisten, mit
der das längste Wirtschaftswachstum
in unserer Geschichte hervorgebracht
wurde".

die Tatsache, daß er bereits Senator
war, wird erwartungsgemäß den Prozeß
seiner Bestätigung beschleunigen.

Brady
zufolge
haben
die Vereinigten Staaten mit "Jim Bakers fester Hand ihre Führungsrolle in den
Finanzkreisen der Welt zurückerobert.
Ich möchte diesen Prozeß fortsetzen
und
Ihnen
sowie auch
dem amerikanische Volk dienen."

Brady
trat 1954 in die Firma
Dillon und Read ein, wo er schließlich
Firmenvorsitzender
und
Geschäftsführer wurde, bevor er seinen
Sitz im Senat erhielt.
Seit vielen
Jahren
ist er bei der Republikanischen Partei im Hintergrund aktiv.
Er ist ein langjähriger Freund von
Vizepräsident Bush - beide sind Absolventen von Yale - und hat Bush bereits bei der Präsidentschaftswahlkampagne 1980 unterstützt.

In einer nach dem Informationsgespräch veröffentlichten Stellungnahme
erklärte der Vorstandsvorsitzende der
US-Bundesbank, Alan Greenspan:
"Jim
Baker war einer der erfolgreichsten
Finanzminister in der Geschichte unseres
Landes.
Es
wird
schwierig
sein,
seine
Nachfolge
anzutreten.
Senator Brady ist jedoch von all den
mir bekannten Kandidaten der geeigneteste."
Brady ist gegenwärtig einer der
Vorsitzenden
der
Investmentbank
Dollin, Read und Company.
Er war
Vorsitzender einer von Reagan im vergangenen Jahr eingesetzten Kommission
zur Untersuchung des Börsenkrachs vom
vergangenen Oktober.
Der im Januar
veröffentlichte Bericht der Kommission empfahl eine Reihe von Maßnahmen, um die Vorschriften auf dem Aktienmarkt zu verschärfen - Empfehlungen, die bei Wertpapierhändlern der
Aktien und anderen Proteste hervorriefen und die sich auch die Administration zueigen machte.
Im April 1982 wurde Brady vom
Gouverneur von New Jersey zum Nachfolger
von
Senator
Harrison
A.
Williams bestimmt, der wegen eines
Skandals zum Rücktritt gezwungen war.
Seine Amtszeit betrug weniger als ein
Jahr, da im November 1982 ein neuer
Senator
gewählt
wurde,
woraufhin
Brady im Dezember zurücktrat.
Aber

Der Senatsausschuß, der über die
Kandidaten für das Amt des Finanzministers befindet - der Finanzausschuß
- wird von Lloyd Bentsen, dem demokratischen Vizepräsidentschaftskandidaten geleitet.

Brady ist ebenfalls im Sport aktiv. Er war Vorsitzender des Jockey
Club, der die Pferderennen im Staat
New York kontrolliert, und gilt als
ausgezeichneter Tennis- und Golfspieler.
Die
Familie
wohnt
in
New
Jersey.
Brady
und
seine
Frau
Katherine Douglas Brady haben vier
Kinder.
Nicholas Brady ist am 11.
April 1930 in New York City geboren.

* * * * * *

�AMERIKA DIENST
VON

4

Hintergrundmaterial

10. August 1988

29
DIE WAHLEN IN AMERIKA 1988

BUSH VERSPRICHT UNTERSTÜTZUNG FÜR RAKENTABWEHR IM WELTRAUM
- Auszüge aus einer Rede vor dem Mid-America Committee WASHINGTON - (AD) - Nachstehend bringen wir einen vom US-Informationsamt
(USIA) herausgegebenen Beitrag im Rahmen einer Reihe von Veröffentlichungen,
in denen die amerikanischen Präsidentschaftskandidaten des Jahres 1988 ihre
Positionen zur Außenpolitik und anderen Themen von internationalem Interesse
in ihren eigenen Worten darlegen. Die heutige Ausgabe enthält Auszüge aus
einer am 2. August 1988 vor dem Mid-America Committee in Chicago gehaltenen
Rede des republikanischen Präsidentschaftskandidaten George Bush, in der er
seine außenpolitischen Grundsätze erläutert und seine Unterstützung für eine
weltraumgestutzte Raketenabwehr verspricht. Ferner erklärt er, im Falle seiner Wahl werde er Bemühungen, die Verbreitung ballistischer Raketen in der
Dritten Welt einzudämmen, mehr Gewicht verleihen und danach streben, multinationale Kontrollen über die Verbreitung solcher Waffen einzuführen.
Die Auszüge haben folgenden Wortlaut:

Mein Programm für die neunziger
Jahre besteht aus sieben Elementen:
Der Präsident ist der Oberkommandierende. Sein erstes Augenmerk muß
der nationalen Sicherheit gelten.
Das heißt, die amerikanisch-sowjetischen Beziehungen müssen auf unserer
außenpolitischen
Tagesordnung
ganz oben angesiedelt sein, solange
die Sowjetunion die Macht zur Zerstörung unserer Zivilisation besitzt.
Wir begrüßen die Entwicklungen in
der Sowjetunion - aber wir sollten
uns von unseren Hoffnungen nicht dazu
verleiten lassen, unsere praktischen
Erfahrungen zu verdrängen. Die sowjetische Ideologie hat sich als
Bankrotterklärung erwiesen - aber die
Sowjetunion bleibt eine enorme Mili-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

tärmacht.
Wir begrüßen, was Herr
Gorbatschow sagt - ich bin beeindruckt von den Schritten, die er in
Richtung auf größere Offenheit und
mehr Reformen unternommen hat, aber
letztlich wird die Sowjetunion an ihren Taten gemessen werden - bei der
Reduzierung der konventionellen und
chemischen Waffen, beim Abbau regionaler Spannungen und der Zügelung aggressiver
sowjetischer
Satellitenstaaten, bei den Menschenrechten und
der Auswanderung sowie bei der Ablehnung der Breschnew-Doktrin in Osteuropa. Dies sind die Maßnahmen für
bedeutsame Veränderungen.
Mein Programm würde Pendelbewegungen
zwischen
ungerechtfertigter
Euphorie und übertriebenem Pessimismus vermeiden. Ich weiß, daß wir ge-

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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�meinsame Probleme realistisch in Angriff nehmen können, wenn wir ohne
Illusionen zusammenarbeiten.

zierung der Gefahr bedeuten muß. Das
Kräfteverhältnis muß zu mehr und
nicht zu weniger Stabilität führen.

Das zweite Element ist Rüstungsreduzierung und -kontrolle, ein Prozeß, der primär die amerikanisch-sowjetischen Beziehungen betrifft und
sich doch - angesichts der neuen Gegebenheiten - zunehmend auch auf andere auswirkt.

Meine Politik wird der Tatsache
Rechnung tragen, daß trotz des Dramas
der Atomwaffen das Ungleichgewicht
bei den konventionellen Waffen ein
Hauptgrund für die Stabilität in Europa ist. Seit über 40 Jahren unterhält die Sowjetunion ein riesiges
vorne stationiertes Heer. Wenn der
Wandel in der sowjetischen Haltung
aufrichtig ist, dann sollte die UdSSR
den in naher Zukunft von der NATO zu
unterbreitenden Vorschlag annehmen,
die Streitkräfte der NATO und des
Warschauer Pakts bei Panzern und Artillerie auf niedrigere Niveaus zu
verringern, vom Atlantik bis zum Ural
- dies sind die Waffen, die einen Angriff als denkbar erscheinen lassen.
Wir sollten sie so reduzieren, daß
die Kriegsgefahr verringert, die Abschreckung gestärkt und der Frieden
gesichert wird.

In diesem Bereich ist unsere Erfahrung mit den Mittelstreckenraketen
lehrreich. Ich habe im Jahr 1983 eng
mit den führenden Politikern der NATO
zusammengearbeitet, als die Verbündeten in den sauren Apfel bissen - angesichts der geballten Macht, die von
der Friedensbewegung ins Feld geführt
wurde - und trotz beispiellosen sowjetischen Drucks an der geplanten
Stationierung festhielten. Wiederum
standen wir erfolgreich zusammen, als
Gorbatschow endlich Ronald Reagans
Angebot aufnahm, all diese Raketen zu
verschrotten.
Die Lektion ist unmißverständlich: ein wirklicher Rüstungsabbau,
echte Verbesserungen in den Ost-WestBeziehungen und tatsächliche Sicherheit können nur durch Stärke und Konsequenz erreicht werden. Wir können
hartnäckig Verhandlungen führen und
gleichzeitig die militärischen Maßnahmen treffen, um unsere Sicherheit
zu garantieren.
Die Modernisierung
unseres strategischen Abschreckungspotentials zu stoppen bedeutet, einseitig abzurüsten - die Vereinigten
Staaten zunehmend verwundbar zu machen und die Anreize für ernsthafte
Verhandlungen der Sowjets abzubauen die übrigens selbst ein schnell fortschreitendes
Modernisierungsprogramm
durchführen.
Meine Politik wird in weiterer
Modernisierung bestehen, während wir
gleichzeitig ein verifizierbares und
stabilisierendes Abkommen zur Reduzierung des strategischen Arsenals
jeder Seite um 50 Prozent verfolgen,
eingedenk der Tatsache, daß eine Reduzierung der Waffen auch eine Redu-

Meine Politik wird darin bestehen, ein tragfähiges strategisches
Abwehrsystem zu entwickeln, einen Ableger des SDI-Forschungsprogramms, um
unser Volk vor einem Angriff mit ballistischen Raketen zu schützen. Tatsache ist, daß diese Stadt, Chicago,
wie jede andere Stadt in den Vereinigten Staaten, absolut keine Verteidigung gegen einen Angriff besitzt. Selbst wenn nur eine Rakete
gegen uns abgefeuert würde, hätte der
Präsident keine andere Wahl, als zuzusehen, wie Millionen Amerikaner der
Zerstörung ausgesetzt werden - ohne
Mittel, sie zu verteidigen.
Die erste Phase einer weltraumgestützten SDI-Technologie kann jetzt
die
Versuchslabors
verlassen
und
praktisch vorgeführt werden.
Das
Problem liegt nicht bei der Technologie, die schneller vorankommt, als
sich ihre heftigsten Befürworter jemals vorgestellt haben - es sind
vielmehr die Demokraten im Kongreß,
die Verzögerungen zum Beispiel hervorrufen, indem sie die Mittel für
das
weltraumgestutzte
Abfangsystem

- 2 -

�von über 300 Millionen auf 85 Millionen Dollar kürzen und sich damit brüsten, dem "Krieg der Sterne die Sterne genommen zu haben".
Ich bin zuversichtlich, daß wir
einen besseren Weg finden können als
die gegenseitig gesicherte Zerstörung
mit all ihren zugegebenermaßen vorhandenen Schwächen.
Ich engagiere
mich für die Stationierung von SDI,
sobald es einsetzbar ist und werde
die genaue Zusamensetzung des Systems
in meiner ersten Amtszeit bestimmen,
wenn die Technologie erprobt wird.
Als Präsident werde ich kein Amerika
ohne Verteidigung gegen ballistische
Raketen zulassen.
Eben wegen der Verbreitung gefährlicher militärischer Technologien
müssen wir den Rüstungskontrollprozeß
über die enggezogenen Grenzen der Supermächte hinaus erweitern.
Länder
wie der Iran, Syrien, der Irak und
Libyen arbeiten an der Entwicklung
von Fähigkeit zur Herstellung chemischer Waffen und bemühen sich um den
Erwerb - und in einigen Fällen um die
Herstellung - von ballistischen Raketen als deren Träger. Es beteht eine
reale Gefahr, und wir müssen jetzt
aktiv werden, wenn wir eine Katastrophe vermeiden wollen.
Wir müssen einen Anfang machen,
indem wir multinationale Programme
zur
Beschränkung
dieser
modernen
Geißeln neu beleben.
Mein Programm umfaßt eine Kampagne zum Verbot der Herstellung chemischer Waffen und zur Schaffung eines
umfassenden Verifizierungssystems zum
Schutz gegen Verletzungen.
Jeder,
der die Bilder vom Golfkrieg gesehen
hat - Bilder von Frauen und Kindern,
die durch Giftgas getötet wurden weiß, daß wir diesem schrecklichen
Übel Einhalt gebieten müssen.
Wir müssen ebenfalls mehr Druck
ausüben, um die Verbreitung von Nuklearwaffen einzudämmen.
Ich werde
mich dafür einsetzen, die weltweite
Einhaltung
des
Atomwaffensperrver-

trages sicherzustellen und die Internationale Atomenergiebehörde zu stärken.
Aber das reicht nicht aus. Wir
müssen ebenfalls der Verbreitung ballistischer Raketen und der Technologie für ballistische Raketen Einhalt
gebieten. Es gibt wenige Dinge, die
furchterregender sind als die Vorstellung, unsichere und manchmal irrationale Regime der Dritten Welt
brauchten nur einen Knopf zu drücken
und könnten schreckliche Waffen über
große Entfernungen hinweg abschießen.
Ich werde daran arbeiten, das
Kontrollsystem für Raketentechnologie
den Mechanismus, der geschaffen
wurde, um die Verbreitung der Raketentechnologie aufzuhalten - wiederzubeleben, voranzutreiben und effektiv wirken zu lassen.
Diejenigen,
die eine Teilnahme daran verweigern
oder seine Grundsätze verletzen, müssen wissen, daß sie den Preis dafür
werden zahlen müssen.
Neue Gegebenheiten erfordern eine
neue

Richtung.

Ich

möchte

einen

hochrangigen Beamten mit dem Problem
der ballistischen Raketen beauftragen
und ihm die Verantwortung übertragen,
um die notwendigen nachrichtendienstlichen, militärischen, technischen,
diplomatischen und wirtschaftlichen
Ressourcen
zusammenzutragen.
Aber
wir müssen ebenfalls mit der Realität
fertigwerden, daß ballistische Raketen schon zu weit verbreitet sind und
daß zum Beispiel bereits Israel davon
bedroht wird. Aus diesem Grunde bin
ich stolz darauf, daß wir gemeinsam
mit Israel ein System zur Abwehr taktischer ballistischer Raketen (ATBM)
entwickeln - ein Zweig der SDI-Forschung - um das Land vor einem Angriff ballistischer Raketen zu schützen. Es ist eine Sache, sein Engagement für die Sicherheit Israels zu
erklären, aber wenn man sich im Zeitalter ballistischer Raketen gegen Defensivsysteme wie SDI ausspricht, hat
diese Erklärung nur geringe Bedeutung.
Der

dritte

Bestandteil

meines

�Programms ist eine Strategie, mit deren Hilfe regionale Konfliktherde, an
denen die Waffen verwendet werden
könnten, entschärft werden.
Waffen
rufen keine Kriege hervor und Rüstungskontrolle allein kann keinen
Frieden sichern. Durch Konflikte im
Nahen Osten, Südafrika, Mittelamerika
und SUdasien könnte sich Gewalt und
Zerstörung weiter ausbreiten - und
Beteiligung von außen entfachen.
Wir können und sollten mit anderen Ländernn bei der Beilegung dieser
Dispute
zusammenarbeiten.
Dennoch
gibt es letztlich keinen Ersatz für
uns, und wir müssen die FUhrungsrolle
bei der Suche nach Lösungen übernehmen, die auf dem Verhandlungswege erzielt werden.
Unsere Führungsrolle wird sich in
einem System von Strategien widerspiegeln, das sich von dem unserer
Kritiker unterscheidet, deren ständige Zurückhaltung darauf hinausläuft,
daß sie sich der Diplomatie bedienen
und sie gleichzeitig ihrer Instrumente berauben. Wir werden jedes verfügbare und angemessene politische
Instrument in ein vielseitiges Konzept integrieren. Dies bedeutet den
Einsatz von Verhandlungen, Intelligenz, wirtschaftlicher Stärke und Unterstützung,
Öffentlichkeitsarbeit
und sogar militärischer Macht.
So ist zum Beispiel die Entsendung unserer Flotte in den Persischen
Golf, unterstützt von fünf europäischen Seestreitkräften, keine militärische Lösung, wir gelegentlich von
denjenigen mit einem begrenzten aussenpolitischen Blickwinkel behauptet
wird.
Wir setzen vielmehr militärische Macht ein, um unsere Fähigkeit
zur Erlangung zufriedenstellender politischer Ergebnisse zu verbessern.
Und Sie können versichert sein, daß
die amerikanische Militärpräsenz im
Golf, unsere Bereitschaft zu deren
Einsatz sowie unsere Weigerung, sich
der Gewalt zu beugen, die iranische
Führung ernüchtert und zu den Bedingungen beigetragen haben, die nun
endlich das Ende des Golfkriegs in

greifbare Nähe gerückt zu haben
scheinen. Vor den Vereinten Nationen
habe ich den Iranern vor nicht allzu
langer Zeit in deutlichen Worten gesagt, was für den weiteren Verlauf
des
Friedensprozesses
erforderlich
sei - und nun ist es Wirklichkeit geworden.
Das vierte Element besteht darin,
die demokratische Revolution weiterzuverbreiten und ihr Auftrieb zu verleihen.
Vielerorts auf der Welt
leuchtet ihr Licht hell, aber zahlreiche andere Regionen bleiben im
Dunkeln. Aus Erfahrung wissen wir,
daß der Weg zur Demokratie von Rückschlägen, aber dennoch von ständigem
Fortschritt gekennzeichnet ist. Die
Förderung der Freiheit und die Befreiung anderer Nationen aus der inneren wie äußeren Unterdrückung stehen an oberster Stelle unserer Vorsätze. Ferner müssen wir die echten
Freiheitskämpfer unterstützen und den
aufstrebenden Demokratien beistehen.
Und bei alledem dürfen unsere Aktionen nicht das helle Licht des traditionsreichen amerikanischen Experiments und Beispiels verdunkeln. Wir
sind das Leuchtfeuer auf dem Hügel.
Letzten Endes hängt die Demokratie
vom Innersten eines Volkes ab, und
das amerikanische Leuchtfeuer kann
nur dann Soweit in die Ferne reichen,
wenn wir es stark und hell leuchten
lassen.
Der fünfte Punkt meines Programms
ist ein internationales Bündnis gegen
die Geißeln Drogen und Terrorismus.
Wir sehen uns mit hochentwickelten
Banden des Todes konfrontiert, die
teils gemeinsam und teils unabhängig
voneinander operieren.
Im Kern ist
dies ein Krieg gegen die Menschheit,
der jung und alt vernichtet. Um so
effektiv wie möglich vorgehen zu können, müssen wir unseren Zorn in einen
breitangelegten
Gegenschlag
münden
lassen und gemeinsam mit anderen Nationen von einer soliden Grundlage
aus diese Übel bekämpfen. Dies bedeutet zusätzliche Unterstützung bei
der Beschaffung von Nachrichten, Vernichtung der Nachschubs und der Ur-

�Sachen, Abfangen der Drogenschmuggler
und Händler und unverzügliche juristische Maßnahmen im Gefolge.
Insbesondere im Bereich der Drogen werden
wir niemals gewinnen, solange nicht
das gesamte amerikanische Volk das
wahre Gesicht des Feindes erkennt durch Ausbildung, Vorbeugen, Behandlung und - vor allem - eine neue Einstellung der Öffentlichkeit, die Drogen nicht duldet.
Das sechste Element ist die Weltwirtschaft - ein Faktor von zunehmender Bedeutung in unseren internationalen Beziehungen.
Unsere in den
vergangenen acht Jahren geleistete
Arbeit hat zum Wiederaufbau der Weltwirtschaft nach 1945 beigetragen.
Wir haben die Welt erneut in Wohlstand geführt, sowohl durch unsere
wirtschaftliche Gesundung im eigenen
Land als auch ein Netz von Initiativen, das die Weltwirtschaft umspannt.

ger Steuern, Deregulierung und Unternehmertum stützt. Dies ist der einzig
realistische
Ansatz, um den
Schuldnerländern bei der Umstrukturierung ihrer Volkswirtschaften behilflich zu sein, damit sie langfristige Investitionen aufnehmen können.
Siebtens und letztens muß jede
erfolgreiche amerikanische Außenpolitik sich auf Unterstützung im Inland
gründen, und zwar wirtschaftlich wie
auch politisch. Unseren wohlhabenden
Nationen könnte es noch besser gehen.
Wir können eine neue Ära der Leistung
hervorbringen - von der Regierung unterstützt und nicht diktiert - durch
niedrige Steuern, Chancen für die Unternehmer und kleinen Geschäftsleute
mit hochfliegenden Ideen, einer dezentralisierten Regierung, die Experimentierfreude ermutigt, einem guten, breitgefächerten Ausbildungssystem und Vertrauen in die Märkte.

Mein Programm würde diese neue,
hochentwickelte amerikanische Führung
den modernen Zeiten anpassen und darauf aufbauen. Eine der ersten Prioritäten der Bush-Administration wird
sein, auf das amerikanisch-kanadische
Freihandelsabkommen aufzubauen, indem
wir den Abbau von Zöllen und Handelshemmnissen auf der ganzen Welt mit
Vehemenz vorantreiben.
Wir werden
auf den Westen blicken, auf unsere
Verbündeten in der Europäischen Gemeinschaft - und sie davon überzeugen, daß der für 1992 geplante Europäische Binnenmarkt auch seinen Weg
über den Nordatlantik finden sollte.
Wir werden nach Osten blicken, nach
Japan und den aufstrebenden Volkswirtschaften im Pazifischen Becken
und sie in ein neues Wirtschaftssystem integrieren, das sich eher auf
Kooperation als auf Handelskriege
gründet. Wir werden nach Süden blikken, um mit Mexiko eine homogene
wirtschaftiche Einheit zu schmieden,
die für die besonderen Bedürfnisse
und Belange ihrer Völker empfänglich
ist. Gleichzeitig werden wir weiterhin an dem Programm für anhaltendes
Wachstum weiterarbeiten - das sich
auf das amerikanische Modell niedri- 5 -

* * * * *

�AMERIKA DIENST
VOM

Wirtschaft

«*

10. August 1988

29

WAS STEHT IM NEUEN HANDELSGESETZ?
- Ein Überblick über das jetzt vom Kongreß verabschiedete Gesetz

WASHINGTON - (AD) - Mit dem vom amerikanischen Kongreß am 3. August 1988
verabschiedeten 1 128 Seiten umfassenden Handelsgesetz wurde die radikalste
Reform der amerikanischen Handelspolitik durchgeführt, die jemals stattgefunden hat.
Nachfolgend
Gesetzes:

veröffentlichen

wir

einige

Verhandlungsbefugnis
- Der Präsident ist bis einschließlich 31. Mai 1993 berechtigt,
Verhandlungen über bilaterale und
multilaterale Handelsabkommen zu
führen, einschließlich
der aus
der Uruguay-Runde hervorgehenden.

der

wichtigsten

Bestimmungen

des

bezieht sich auf den Zeitraum bis
zum 31. Mai 1991, mit einer Verlängerung bis zum 31. Mai 1993,
wenn der Präsident eine Verlängerung beantragt oder wenn entweder
Repräsentantenhaus oder Senat das
Gesetz ausdrücklich ablehnen.

- Der Präsident ist generell berechtigt, Zölle ohne die Zustimmung des Kongresses um bis zu 50
Prozent zu senken.

Der Kongreß kann den "schnellsten
Weg" immer dann aufheben, wenn
beide Häuser innerhalb von 60 Tagen Resolutionen zur "Abkehr vom
schnellsten Weg" verabschieden.

- Der Kongreß muß gesetzliche Bestimmungen
berücksichtigen,
im
Rahmen derer Handelsabkommen "auf
dem schnellsten Wege" durchzuführen sind, das heißt, innerhalb
vorgeschriebener Fristen und ohne
Abänderung. Der "schnellste Weg"

Die Vereinigten
Staaten
würden
die Beteiligung
von Staatshandelsländern wie der Sowjetunion
am Allgemeinen Zoll- und Handelsabkommen (GATT) effektiv verhindern, wenn diese nicht dem Handel
auf marktwirtschaftlicher
Grund-

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�läge zustimmen.
- Der Präsident muß im Rahmen von
Verhandlungen über Handelsabkommen mit einem Land, daß seine
Währung manipuliert, mit diesem
Land auch Verhandlungen über den
Wechselkurs aufnehmen.

Das System der Harmonisierung
Mit Wirkung vom 1. Januar 1989
werden sich die Vereinigten Staaten
am Harmonisierten System, einem einheitlichen
weltweiten
System
zur
Klassifizierung von Zoll en auf Handelsgütern, betei ligen.
Nahezu alle
Handelspartner de r Vereinigten Staaten haben dieses System vor einem
Jahr eingeführt.

Reaktion auf unfaire Handelspraktiken (Abschnitt 301)
(Abschnitt 301 des Handelsgesetzes von 1974 gestattet dem Präsidenten den Einsatz von Zöllen und Quotierungen
als
Vergeltungsmaßnahmen
gegen unfaire Handelspraktiken anderer Länder.)
- Nach dem neuen Handelsgesetz geht
die
Entscheidungsbefugnis
über
unfaire Handelspraktiken vom Präsidenten auf das Büro des Amerikanischen
Handelsbeauftragten
(USTR) über, wenn der Präsident
dies verfügt. Durch die verbesserte Stellung des USTR als federführender
Behörde hofft der
Kongreß, die Handelspolitik von
der Außen- und Verteidigungspolitik und anderen Überlegungen abzukoppeln.
- Gemäß
einer
Zusatzbestimmung
("Super 301") muß der USTR muß
1989 und 1990 eine Reihe von Fällen
unfairer
Handelspraktiken
aufgreifen.
Zunächst sind vom
USTR die unfairen Handelshemmnisse zu bestimmen, deren Abschaffung
amerikanische
Exporte
am
meisten begünstigen würden. Dann

müssen den Ländern je nach Umfang
und Intensität der unfairen Handelspraktiken
Prioritäten
zugewiesen werden.
Schließlich muß
sich der USTR im Zeitraum von
drei Jahren um Verhandlungen zur
Abschaffung der unfairen Praktiken dieser
Länder bemühen und
wenn diese Bemühungen erfolglos
bleiben eine Überprüfung vornehmen, die in Vergeltungsmaßnahmen
münden könnte.
- Bei der Verletzung von Handelsabkommen oder internationalen Gesetzen sind Vergeltungsmaßnmahmen
für "ungerechtfertigte" Handelspraktiken zwingend erforderlich,
außer bei fünf eindeutig definierten
Ausnahmen:
wenn
eine
GATT-Kommission entscheidet, daß
den
Vereinigten
Staaten
keine
Nachteile entstanden sind; wenn
die ausländische Regierung einer
Abschaffung
der
Praktiken
zustimmt; wenn die ausländische Regierung
den Vereinigten
Staten
eine Entschädigung gewähren will;
wenn
Vergeltungsmaßnahmen
den
Vereinigten
Staaten mehr wirtschaftliche Nachteile als Vorteile bringen oder wenn Vergeltungsmaßnahmen die Sicherheit der Vereinigten Staaten gefährden.
- Vergeltungsmaßnahmen bleiben "unzumutbaren"
Praktiken
vorbehalten, die nicht unbedingt illegal,
aber dennoch unfair sind sowie
"diskriminierenden"
Praktiken,
die keine Gleichbehandlung amerikanischer Waren, Dienstleistungen
und Investitionen gewährleisten.
- In die Liste "unzumutbarer" Handelspraktiken sind gezielte Exportoffensiven, Verweigerung von
Rechten für Arbeitnehmer und ausländische Kartelle neu aufgenommen
worden.
Exportoffensiven
sind koordinierte staatliche Maßnahmen zur Verbesserung des Wettbewerbs im Export.
Zu den Rechten für Arbeitnehmer gehören Versammlungsfreiheit,
das
Recht,
sich zu organisieren und Tarif-

�Nach zwei Jahren kann der Präsident die Unterstützugnsmaßnahmen
abändern oder aufheben, wenn bei
dem Industriezweig keine Anpassungsprozesse
stattfinden.
Hilfsmaßnahmen können nicht länger als acht Jahre gewährt werden.

Verhandlungen zu führen, der Verzicht auf Zwangsarbeit, ein Mindestalter
bei der
Kinderarbeit
und Vorgaben
für Mindestlöhne,
Arbeitszeit
und Sicherheit und
Gesundheit am Arbeitsplatz. Ausländische Kartelle sind staatlich
kontrollierte Betriebe, die den
Erwerb amerikanischer Waren beschränken.

Zusätzlich zu den Zöllen und Quoten kann der Präsident als Hilfsmaßnahmen Verhandlungen auf internationaler Ebene, versteigerte
Quoten und andere in seiner Macht
stehende Maßnahmen anbieten.

Vergeltungsmaßnahmen
können
bei
Aufgabe
der
unfairen
Praktiken
verändert oder eingestellt werden. Nach vier Jahren werden sie
automatisch eingestellt.
Der USTR unterliegt bei der Überprüfung unfairer Handelspraktiken
neuen zeitlichen Beschränkungen.
Er muß bestimmen, ob eine Handelspraxis unfair ist und entscheiden, welche Maßnahmen zu ergreifen sind - innerhalb von 12
Monaten bei Fällen von Subventionen und Fällen, die von keinem
Handelsabkommen abgedeckt werden
und innerhalb von 18 Monaten bei
Fällen, die keine
Subventionen
betreffen und unter das Handelsabkommen fallen.
Der USTR muß
daraufhin alle beschlossenen Maßnahmen - mit bestimmten Ausnahmen
- innerhalb von 30 Tagen durchführen.

Das Gesetz verfügt für den Notfall Hilfen für verderbliche Agrarprodukte und - bei "wichtigen
Umständen" - für jeden betroffenen Industriezweig (wenn Importwellen über einen kurzen Zeitraum
erfolgen).

Dumping und Subventionen
(Anti-Dumping-Gesetze gelten für
Waren, die unter ihrem eigentlichen
Wert verkauft werden, unter
ihren
Produktionskosten
oder
unter
dem
Preis in ihrem Ursprungsland oder in
einem Drittland.
Gesetze über Ausgleichszölle beziehen sich auf unfaire staatliche Subventionen).

Kompensation für Importe
(Abschnitt 201)
(Nach den gültigen Gesetzen kann
jeder
amerikanische
Industriezweig,
der durch eine Importwelle geschädigt
wird, vorübergehende
Zölle, Quoten
und Hilfen für handelsbedingte Anpassungsprozesse
verlangen, auch wenn
der Handel im Hinblick auf die Importe fair abläuft.
- Nach dem neuen Handelsgesetz unterliegt ein Industriezweig zum
ersten Mal der Beweispflicht, daß
Hilfe gemäß Abschnitt 201 für ihn
"positive Anpassungsprozesse" bedeutet und er dadurch konkurrenzfähiger oder produktiver wird.
- 3 -

- In einem internationalen Konsortium wie der Europäischen AirbusIndustrie finden sowohl die direkten Subventionen als auch die
Subventionen jedes einzelnen Landes bei der Berechnung der Ausgleichzölle Eingang in das neue
Handelsgesetz.
- Bei Fällen von Dumping sieht das
Gesetz eine Methode zur Berechnung des Marktwertes von Waren
aus
nicht
marktwirtschaftlich
orientierten
Volkswirtschaften
vor.
- Es sieht neue Verfahren für die
Anwendung von Anti-Dumping-Gesetzen bei Dumping in Drittlänern
vor.

�- Es erfordert verschärfte AntiDumping-Untersuchungen über kurzlebige Produkte in Wiederholungsfällen (bei mehr als zwei Verstößen in acht Jahren).
- Das Gesetz kann die Umgehung von
Anti-Dumping Gesetzen und Gesetzen
über
Ausgleichzölle
durch
Endmontage oder Fertigstellungsverfahren
in
den
Vereinigten
Staaten
oder
Drittländern
und
durch geringfügige Veränderungen
von Produkten besser verhindern.
- Das Gesetz sieht die Überwachung
von Täuschungen beim Dumping vor
- den Import von Materialien und
Teilen zur Umgehung von Zöllen
auf zu Dumpingpreisen verkauften
Waren.
- Um die Umgehung des Abkommens zur
freiwilligen
Beschränkung
(VRA)
von Stahlimporten
in die Vereinigten Staaten zu verhindern,
gestattet das Gesetz Beschränkungen auf Stahlimporte aus Ländern,
die sich nicht an das VRA halten,
wenn der Stahl in einem Land, das
die VRA anerkennt, geschmolzen
und gegossen wurde.

Das Recht auf geistiges Eigentum
- Das neue Gesetz verlangt, daß der
USTR Länder auflistet, die amerikanische Patente, Copyrights und
Marken nicht angemessen schützen
und in den schlimmsten Fällen Untersuchungen wegen unfairer Handelspraktiken einleitet.
- Um einen Importstopp herbeizuführen, unterliegt ein Unternehmen
nicht mehr der Beweispflicht über
entstandene wirtschaftliche Nachteile,
sondern
lediglich
über
eine Patentverletzung.
- Ein
heimischer
Produzent
kann
nicht
nur
Importbeschränkungen
verlangen, sondern auch eine Wiedergutmachung des ihm durch die
illegale Verwendung seiner paten- 4

tierten
Verfahren
Schadens.

entstandenen

Telekommunikation
- Binnen fünf Monaten muß der USTR
die Länder
der Priorität nach
prüfen, die ihre Märkte gegen
amerikanische TelekommunikationsImporte abschotten.
- Sollte es dem USTR nicht gelingen, mit einem Land binnen einer
bestimmten Frist (18 Monaten bis
zu dreieinhalb Jahren, je nach
Fortschritt
der
Verhandlungen)
eine Beendigung dieser unfairen
Praktiken auszuhandeln, ist der
Präsident aufgefordert, aus einer
umfangreichen Liste Vergeltungsmaßnahmen zu verhängen.

Sanktionen gegen Toshiba und
Kongsberg
- Als Reaktion auf den illegalen
Verkauf von Technologie an die
sowjetische Marine verbietet das
Gesetz der Toshiba Corporation in
Japan und der Kongsberg Vaapenfabrikk in Norwegen drei Jahre
lang den Verkauf von Produkten an
die amerikanische Regierung, mit
begrenzter
Ausnahme
von
militärisch anwendbaren Produkten und
handelsüblichen Ersatzteilen, die
anderweitig nicht verfügbar sind.
- Die
Tochtergesellschaften
von
Toshiba und Kongsberg sind für
den illegalen Verkauf direkt verantwortlich und es ist ihnen drei
Jahre lang untersagt, Produkte in
den Vereinigten Staaten zu verkaufen.
- Das Gesetz sieht obligatorische
Importverbote von zwei bis fünf
Jahren für ausländische Unternehmen vor, die in Zukunft internationale Exportkontrollen verletzen.

�Reform der Exportkontrolle
(Der
Koordinierungsausschub
für
Ost-West-Handel [COCOM], der sich aus
Japan und allen Mitgliedsstaaten der
NATO außer Island zusammensetzt, versucht zu verhindern, daß militärisch
anwendbare westliche Technologie die
Länder des Ostblocks erreicht).
- Das Handelsgesetz hebt Ausfuhrgenehmigungen in COCOM-Länder für
Produkte auf, deren Export in die
Volksrepublik China derzeit gestattet ist.
- Nach dem Gesetz sind für diejenigen COCOM-Länder, die erwiesenermaßen
über wirksame Exportkontrollsysteme verfügen, keinerlei
Genehmigungsverfahren mehr erforderlich. Der Präsident muß diese
Länder binnen drei Monaten benennen.
- Für die Wiederausfuhr von Produkten durch COCOM-Länder sind amerikanische
Genehmigungen
nicht
länger
erforderlich.
Für alle
anderen Länder werden Genehmigungen nicht mehr benötigt, wenn
amerikanische Bauteile und Komponenten 25 Prozent oder weniger
von im Ausland hergestellten Produkten ausmachen.
- Länge und Umfang der amerikanischen Exportkontroll-Liste wird
durch die Streichung von Niedrigtechnologie-Produkten
gekürzt.
Das Handelsgesetz hebt einseitige
Kontrollen im Bereich der nationalen Sicherheit mit Ausnahme der
Produkte auf, die ausschließlich
in den Vereinigten Staaten hergestellt werden oder den COCOM-Verhandlungen unterliegen.

Agrarsektor
- Mit dem Handelsgesetz wird das
Exportsteigerungsprogramm
des
amer ikanischen Landwirtschaftsministeriums
(USDA) bis zum Jahr
1990 verlängert, das einen Bonus
- 5 -

an Uberschußgütern für Exporteure
vorsieht, um amerikanische Agrarexporte auf Drittmärkten konkurrenzfähiger gegenüber subventionierten Erzeugnissen zu machen,
insbesondere solchen aus der Europäischen
Gemeinschaft.
Die
Obergrenze der Ausgaben wird von
1,5 Milliarden auf 2,5 Milliarden
Dollar angehoben.
Die Finanzierung
des gezielten
Exportförderungsprogramms
des
USDA wird für 1988 von 110 Millionen Dollar auf 215 Millionen
Dollar
aufgestockt.
In dieser
Summe sind Finanzmittel oder Erzeugnisse
zur
Markterschließung
und -förderung für Vereinigungen
amerikanischer
Produzenten
und
der
weiterverarbeitenden
Industrie enthalten.
Das Gesetz
führt ein Programm
"zur automatischen Einführung von
Vertriebskrediten" für bestimmte
Handelsgüter
ein.
Sollten
die
Agrarverhandlungen des GATT bis
zum 1. Januar 1990 keine entscheidenden Fortschritte beim Abbau von Agrarsubventionen erzielen,
würden
automatisch
Vertriebsanleihen für die Ernten von
Weizen, Futtergetreide und Sojabohnen des Jahres 1990 in die Wege geleitet, es sei denn, der
Präsident
erklärt, solche
Programme seien weiteren Verhandlungen abträglich.
Wenn das Programm durchgeführt wird, muß das
USDA auch ein Preisstützungsprogramm für die Ernten von Sonnenblumenkernen
und
Baumwollsamen
des Jahres 1990 verabschieden.
Sollte das USDA feststellen, daß
andere
Länder
amerikanische
Fleischimporte
durch
unfaire
Prüfnormen verhindern, ermächtigt
das
Gesetz
den
Präsidenten,
Fleischimporte aus diesen Ländern
zu untersagen.
Um die Effektivität von Marktordnungen nicht durch Importe zu gefährden, kann das USDA Marktord-

�nungen für bestimmte Erzeugnisse
um 35 Tage verlängern.
Das Gesetz definiert HoJ.z und
Holzprodukte als Agrargüter, wodurch sie in Markterschließungsprogrammen und Programmen für Exportkreditgarantien
eingesetzt
werden können.

rung aus einen Land, das amerikanischen Unternehmen nicht die
gleichen Rechte gewährt.
Diese
Bestimmung betrifft insbesondere
Japan und tritt nach einem Jahr
in Kraft, womit anderen Ländern
Zeit eingeräumt wird, ihr jeweiliges System zu ändern.
Die
strengen
Bestimmungen
der
amerikanischen
Bundesbank
für
bankeigene Exporthandelsunternehmen werden gelockert.

AuslandsInvestitionen
- Im Rahmen des Exon-Florio-Zusatzartikels
zum Handelsgesetz
ist
der
Präsident
ermächtigt,
die
Übernahme oder Fusion eines amerikanischen durch oder mit einem
ausländischen unternehmen zu unterbinden, falls ein solches Vorgehen eine Bedrohung der nationalen Sicherheit darstellt.

Internationales Finanzwesen
- Aufgrund des Gesetzes sind die
Vereinigten Staaten verpfichtet,
auf multilateraler Ebene mit den
anderen führenden Industrienationen Verhandlungen zur Verbesserung des Gleichgewichts im Welthandel und der Wechselkursstabilität durch bessere Koordinierung
makroökonomischer
Maßnahmen
zu
führen.
- Das amerikanische Finanzministerium ist aufgefordert, bilaterale
Verhandlungen mit den Ländern in
die Wege zu leiten, die gegenüber
den Vereinigten Staaten zum Teil
durch Manipulation ihrer Währungen entstandene Handelsüberschüsse haben. Diese Bestimmung gilt
für Südkorea, Taiwan und Hongkong
und hebt Verhandlungen aus Gründen der wirtschaftlichen und nationalen Sicherheit auf.
- Das Gesetz untersagt der Bundesbank (Federal Reserve) die Lizenzerteilung
an jedes ausländische Unternehmen als Haupthändler (primary dealer) von Wertpapieren der amerikanischen Regie- 6

Verschuldung der Dritten Welt
- Aufgrund des Gesetzes ist das Finanzministerium verpflichtet, mit
anderen Ländern die Gründung einer Einrichtung zur Bewältigung
der internationalen Verschuldung
zu erörtern, die als Mittlerinstitution
zwischen
Privatbanken
und
den
Schuldnerländern
der
Dritten Welt dient.
- Sollte
das
Finanzministerium
feststellen, daß eine solche Diskussion Gefahr läuft, den schuldenwert zu verringern, den Schuldendienst
zu unterbrechen oder
Zahlungsverzug zur Folge zu haben, braucht das Finanzministerium dem Kongreß nach sechs Monaten oder einem Jahr nur einen Bericht zu diesem Problem vorzulegen.
- Das
Finanzministerium
muß
die
Möglichkeit einer einmaligen Ausgabe
von
Sonderziehungsrechten
(SDR) durch den Internationalen
Währungsfonds (IWF) zur Verringerung der
Schulden der ärmsten
Länder prüfen.

Zweckgebundene Entwicklungshilfeprogramme
(Zweckgebundenen Entwicklungshilfe ist eine Form der Auslandshilfe,
die Finanzhilfe mit Exportfinanzierung kombiniert).

�- Das Gesetz überträgt die Hauptverantwortung für zweckgebundene
Entwicklungshilfe von der amerikanischen Behörde für internationale Entwicklung (A.I.D.) auf das
internationale Handels- und Entwicklungsprogramm der Behörde für
Internationale EntwicklungsZusammenarbeit (TDP) . Es hält die bestehende Verfügung
jedoch aufrecht, daß jeglicher Einsatz von
zweckgebundenen
Entwicklungshilfefonds der einstimmigen Genehmigung des Nationalen Beirats bedarf.
- Die "Kriegskasse" der Export-Import-Bank wird durch das Gesetz
bis
1989
aufgestockt.
Diese
"Kriegskasse" wurde eingerichtet,
um die Verwendung von zweckgebundener Entwicklungshilfe durch andere Länder - insbesondere Frankreich - als Mittel zur Erschliessung ausländischer Märkte zu bekämpfen.

- Das Verkehrsministerium muß den
Zeitraum, in dem es zu Beschwerden
amerikanischer
Luftfahrtgesellschaften
gegen
diskriminierende Praktiken anderer
Länder
oder Fluggesellschaften Stellung
zu nehmen hat, von sechs auf drei
Monate verringern.

Exportförderung
- Die ursprünglich
auf Anordnung
des Präsidenten im Jahr 1980 als
Teil der Internationalen Handelsbehörde
im
Handelsministerium
eingerichtete Behörde für Binnenund Außenhandel (U.S. and Foreign
Commercial
Service) wird
durch
das Handelsgesetz zu einer Dauereinrichtung.
- Das Gesetz verlangt, daß der Handelsminister
den
amerikanischen
Direktoren
multilateraler
Entwicklungsbanken Beamte beiordnet.
Diese
Beamten
sollen
amerikanische Exporte fördern.

See- und Luftverkehr
- Der
Bundes-Schiffahrtskommission
(FMC) ist es gestattet, Vergeltungsmaßnahmen gegen ein anderes
Land zu ergreifen, das unfair den
Zugang
für amerikanischen
Seetransportgesellschaften
(im Gegensatz
zu
Massengutfrachtern)
einschränkt, jedoch nur, wenn die
Vereinigten Staaten den Schiffen
dieses Landes keine entsprechenden
Restriktionen
auferlegen.
Vergeltungsmaßnahmen
können
Begrenzung der Schiffahrt, Aufhebung von Zoll- und anderen Abkommen sowie eine Gebühr von bis zu
1 Million Dollar pro Fahrt beinhalten. Der Präsident kann solche Vergeltungsmaßnahmen aufheben.
- Das Handelsgesetz gestattet der
FMC,
selbständig
Überprüfungen
vorzunehmen und verpflichtet das
FMC zur abschließenden Überprüfung und Vorlage einer Entscheidung binnen vier Monaten.
- 7

- Das Handelsministerium wird ermächtigt, ein Programm zur Erschließung
ausländischer
Märkte
für nichtlandwirtschaftliche amerikanische Produkte einzurichten
(das
Landwirtschaftsministerium
unterhält gegenwärtig ein solches
Programm für landwirtschaftliche
Produkte).
Es erhält die Vollmacht, in den Vereinigten Staaten
auf
ausländische
Käufer
ausgerichtete Messen und Ausstellungen
zu fördern.
- Das Gesetz schafft eine dem Handelsministerium
eingegliederte
Nationale
Handelsdatenbank,
um
Daten
zur
Exportförderung
und
über
die
internationale
Wirtschaft bereitzustellen.

Exportsteigerung
- Das auf Anordnung des Präsidenten
zur Förderung amerikanischer Exporte zugunsten von Entwicklungs-

�Projekten im Ausland ins Leben
gerufene
Handels- und
Entwicklungsprogramm
(TDP) der Behörde
für Internationale Entwicklungszusammenarbeit
wird
durch
das
Handelsgesetz zu einer dauernden
Einrichtung.
Die
kumulative
Obergrenze
für
Kreditgarantien der Gesellschaft
für
Private
Investitionen
in
Übersee (einer Regierungsbehörde,
die Kredite, Kreditgarantien und
eine
Versicherung
gegen
politische Risiken an amerikanische
Firmen vergibt, die in Entwicklungsländern
investieren)
wird
von 750 Millionen auf 1 Milliarde
Dollar erhöht. Die jährliche Untergrenze
für
Kreditgarantien
wird von 150 auf 200 Millionen
Dollar angehoben.
Die jährliche
Untergrenze für Direktkredite erhöht sich von 15 auf 25 Millionen
Dollar.
Das Ministerium
für Gesundheit
und Soziales ist dem Gesetz zufolge verpflichtet, mit Ländern,
die Nahrungsmittel in die Vereinigten
Staaten
exportieren,
Vereinbarungen über die Lieferung
von Informationen bezüglich der
Anwendung
von Pestiziden anzustreben.

Hilfen für handelsbedingte
Anpassungsprozesse (TAA)
(Das TAA-Programm gewährt Arbeitnehmern, die aufgrund verstärkter Importe ihren Arbeitsplatz verloren haben,
Arbeitslosengeld
und
Umschulungshilfen.)
- Das TAA-Programm wird um zwei
Jahre bis zum 30. September 1993
verlängert und auf Beschäftigte
der
öl- und Gasindustrie
sowie
"Zulieferarbeitskräfte", die von
Importen geschädigten Primärindustrien Waren und Dienstleistungen
liefern, ausgedehnt.

Während es gegenwärtig nur im
Rahmen der zur Verfügung stehenden Mittel in Anspruch genommen
werden kann, wird das Umschulungsprogramm des TAA dem neuen
Handelsgesetz zufolge jedem Arbeitnehmer zustehen, der die Bedingungen erfüllt.
Der Präsident wird aufgefordert,
mit dem GATT Verhandlungen über
die Einführung einer Importgebühr
von 0,15 Prozent aufzunehmen, die
für
das TAA-Programm
verwendet
werden soll.
Sollten diese Verhandlungen
scheitern, steht es
dem Präsidenten frei, die Gebühr
trotzdem einzuführen.

Umschulung und Weiterbildung von
Arbeitnehmern
- Das Gesetz genehmigt die Vergabe
von 980 Millionen Dollar im Jahr
1989, dem ersten Jahr eines Neuorientierungsprogramms
für
Arbeitnehmer,
das
umfassende
Dienstleistungen für "umgesetzte
Arbeitnehmer"
bereitstellt,
die
ihren Arbeitsplatz verloren haben.
- Es bewilligt ferner Ausgaben für
mehrere neue Programme, die auf
die Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit amerikanischer Arbeitnehmer durch Verbesserung ihres Wissens und ihrer Fähigkeiten abzielen. Dazu gehören drei Alphabetisierungsprogramme sowie Unterricht in Mathematik, Naturwissenschaften, Fremdsprachen, Maschinenbau,
EDV
und
grundlegendem
Allgemeinwissen, wie es an einer
High School vermittelt wird.

Technologische Wettbewerbsfähigkeit
- Kraft dieses Gesetzes wird das
Nationale Büro für Normen im Handelsministerium in Nationales Institut für Normen und Technologie
(NIST) umbenannt und dessen Zuständigkeitsbereich
erweitert.
Es wird somit zur führenden Re-

�gierungsbehörde bei der Entwicklung von Technologien, mit deren
Hilfe die Qualität und Wettbewerbsfähigkeit amerikanischer Industrieerzeugnisse
verbessert
werden sollen.
- Es autorisiert die Vergabe von 5
Millionen Dollar zur Gründung von
zwei oder drei regionalen Zentren
für den Transfer von im Rahmen
des NIST entwickelter Technologie
an kleine und mittlere Unternehmen, wobei der Schwerpunkt auf
automatisierter Herstellung liegt.
- Das NIST soll technische Unterstützung für staatliche Programme
leisten sowie ein Programm zur
Förderung der Zusammenarbeit zwischen Staat und Industrie bei der
Entwicklung moderner Technologien
ins Leben rufen und gemeinsame
Forschungs- und
Entwicklungsprogramme ermutigen.
- Das Gesetz etabliert eine Politik
zur
Aushandlung
internationaler
Vereinbarungen, um in den Vereinigten Staaten ansässigen Personen
Zugang
zu
ausländischen
Forschungsmöglichkeiten
in
demselben Ausmaß zu garantieren, wie
er Ausländern in den Vereinigten
Staaten gewährt wird. Das Außenministerium ist gehalten, jedes
Jahr einen Bericht über "symmetrischen Zugang" mit den Haupthandelspartnern zu erstellen.

Sonstige Vorschriften
- Die
im Jahr
1980
eingeführte
Steuer
auf unerwartete
Gewinne
(windfall profits) bei heimischem
Rohöl wird abgeschafft.
- Das Gesetz verringert den Zeitraum, in dem das Handelsministerium mitteilen muß, ob ein importiertes Produkt die nationale Sicherheit der Vereinigten Staaten
gefährdet, von einem Jahr auf 270
Tage.

- 9 -

- Gemäß dem "Buy American Act" wird
es der amerikanischen Regierung
untersagt, Waren und Dienstleistungen von Firmen
in solchen
Ländern zu erwerben, die amerikanischen Firmen nicht dieselben
Möglichkeiten
einräumen.
Diese
Vorschrift betrifft nicht die "am
wenigsten entwickelten" Staaten.
Unter gewissen Umständen kann der
Präsident diese Bestimmung außer
Kraft setzen.
- Einige Bestimmungen des Gesetzes
über Ausländische Korrupte Praktiken werden gelockert. Dem bestehenden Gesetz zufolge können
Angehörige amerikanischer Unternehmen belangt werden, wenn sie
"Grund zur Annahme" haben, daß
durch
Dritte
Bestechungsgelder
oder andere nicht zulässige Zahlungen an ausländische Beamte geflossen sind.
Dem neuen Gesetz
zufolge
könnten diese Personen
nur für das "Wissen" um solche
Gesetzesbrüche
belangt
werden.
Normen im Hinblick auf die Verantwortlichkeit bei direkten Zahlungen
an
ausländische
Beamte
bleiben demgegenüber unverändert
bestehen.
- Ein Rat über Maßnahmen zur Wettbewerbsfähigkeit wird eingerichtet, der Empfehlungen zur Verbesserung der industriellen Produktivität und internationalen Wettbewerbsfähigkeit der Vereinigten
Staaten
ausarbeiten
soll.
Der
Rat wird für die Jahre 1989 und
1990 jeweils mit 5 Millionen Dollar ausgestattet.
- Das Außenhandelsbüro der Behörde
zur Förderung kleiner und mittlerer
Unternehmen wird
erweitert
und ermächtigt, zusätzliche Mittel für die Förderung von Exporten dieser unternehmen auszugeben.
- Ein Verbot der Einfuhr sowjetischer Felle wird aufgehoben.
- Mit der Initiative
bische Becken wird

für das Karider Präsident

�ermächtigt,
bestimmter
auszusetzen
anstatt ihn
gänzlich von
schließen.

die Zollfreistellung
Posten
aufzuheben,
oder
zu begrenzen,
zu zwingen, ein Land
dem Programm auszu-

- Die Vereinigten Staaten werden
ermächtigt, das Nairobi-Protokoll
zum Florenzer Abkommen umzusetzen, das die Zollfreistellung für
nicht auf Gewinn gerichtete Materialien für Bildung, Wissenschaft
und Kultur gestattet.
- Die Vereinigten
Staaten werden
ermächtigt, Zollsenkungen durchzuführen, um die Vereinbarung zur
Beendigung
ihrer
langwierigen
Auseinandersetzung mit der Europäischen
Gemeinschaft über den
Handel
mit
Zitrusfrüchten
und
Teigwaren zu erfüllen.
- Die Vereinigten
Staaten werden
ermächtigt, ihre Beteiligung am
Internationalen
Kaffeeabkommen
bis zum 30. September 1989 zu
verlängern.

* * * * * *

�AMERIKA DIENST
Wissenschaft und Technik

4

VON

29

10. August 1988

AIDS-SEUCHE HEMMT ENTWICKLUNGSPOLITIK
- Aufklärung und exakte Informationen als wichtige Waffe -

- WASHINGTON - (AD) - "Viele Fortschritte, die in Entwicklungsländern in
den letzten Jahren erzielt wurden, können durch die AIDS-Epidemie gefährdet
oder sogar zunichte gemacht werden", befürchtet Bradford Langmaid, Mitarbeiter
des amerikanischen Bundesamtes für Internationale Entwicklung (A.I.D.). Bei
Anhörungen vor einem Ausschuß des amerikanischen Repräsentantenhauses begründete er dies mit dem Hinweis, daß, weltweit gesehen, 75 bis 90 Prozent der HIV
(Immunschwächevirus)-Infizierten und der bereits manifest gewordenen AIDS-Fälle unter Personen der Altersgruppe von 20 bis 40 Jahren diagnostiziert wurden.
So erwiesen sich beispielsweise bei Untersuchungen von männlichen Facharbeitern in einer Bergarbeiterstadt Zentralafrikas im Jahr 1986 69 Prozent als
HIV-positiv.
Die Situation in den Städten vieler Entwicklungsländer sei kritisch,
sagte Langmaid.
Gleichzeitig fehle
es auf dem Lande in abgelegenen Gebieten an Arbeitskräften - dort seien
oft nur noch Kinder und alte Leute zu
finden. Als hoffnungsvolles Zeichen
sei jedoch zu werten, daß die Ausbreitungsgeschwindigkeit von AIDS auf
dem Lande viel geringer zu sein
scheine als in Städten. Wenn es gelänge, diesen Trend zu erhalten,
dürfte auch die Nahrungsmittelproduktion nicht zu stark gefährdet sein.
Glücklicherweise werde sich die Bevölkerung in manchen afrikanischen
Ländern, u.a. in Ruanda und Uganda,
der Gefahren durch AIDS immer mehr
bewußt.
Welche

Art

von

Schwierigkeiten

United States Information Service
Embassy of the United States of America

aber zu erwarten sind, wenn dies
nicht der Fall ist, beschreibt der
vor kurzem veröffentlichte A.I.D.-Bericht zum Problem AIDS. Darin heißt
es u.a.:
- "Impfprogramme, die jährlich Millionen von Kindern das Leben retten, sind bedroht, weil die Menschen den Gebrauch von Spritzen
mit AIDS in Verbindung bringen."
Obgleich keine Beweise dafür vorlägen, daß HIV durch Verwendung
nichtsteriler Nadeln bei Impfungen übertragen werde, könne die
Furcht davor bewirken, daß die
Leute nicht zum Impfen kommen.
- Das Stillen der Babies sei infolge der Angst gefährdet, daß die
Kinder durch Muttermilch infi-

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�ziert werden könnten. Fachleute
für
Entwicklungspolitik
haben
sich aber stets für Stillprogramme eingesetzt, weil diese eine
bessere Ernährung der Babies gewährleisten, und weil durch Stillen über längere Zeit die Häufigkeit von Schwangerschaften verringert wird.
- Auch die Bekämpfung der durch
Fehlernährung oder Malaria und
andere
parasitäre
Krankheiten
verursachten Anämien wird durch
HIV-Infektionen
beeinträchtigt:
Kinder mit schwerer Anämie brauchen Bluttransfusionen, um überleben zu können. In den Blutbanken von Entwicklungsländern, insbesondere außerhalb der Hauptstädte, finden sich jedoch häufig
Blutkonserven, die HlV-verseucht
sind.
(In Zentralafrika sind
fünf bis 18 Prozent der Blutspender mit dem Virus infiziert.)
Mit dem 1987 von der Weltgesundheitsorganisation
(WHO) begonnenen
AIDS-Programm für Entwicklungsländer,
für das 75 Millionen Dollar bereitgestellt wurden (Beitrag der USA im
laufenden Haushaltjähr: 15 Millionen
Dollar), soll nun soweit wie möglich
versucht werden, die Probleme anzugehen. Denn wie z.B. Dr. James Chin
von der WHO dem Ausschuß berichtete,
sind in manchen Städten von Zentralund Ostafrika zehn bis 20 Prozent der
sexuell aktiven Bevölkerungsgruppen
HlV-infiziert.
Bei
Krankenhauspatienten liege der Anteil sogar bei 25
bis 50 Prozent. Mancherorts dürfte
die hohe Infektionsrate von Frauen im
gebärfähigen Alter eine Erhöhung der
Kindersterblichkeit um bis zu 50 Prozent zur Folge haben.
Solche Statistiken haben inzwischen in einigen Ländern der Dritten
Welt, die anfangs von den Berichten
über die Gefährdung ihrer Wirtschaft
und Bevölkerung durch die AIDS-Seuche
nichts wissen wollten, ein Umdenken
bewirkt. Das gelte, so Chin, beispielsweise für Uganda, das jetzt
"entschlossen ist, eine energische

und aufgeklärte Politik im Kampf gegen AIDS zu verfolgen". Dabei seien
exakte Informationen mit gesundheitlicher Aufklärung und Erziehung die
wichtigsten Waffen, was u.a. der UNBotschafter von Uganda bestätigte.
Allerdings machte er auch darauf aufmerksam, daß "dem Lande kostbare Arbeitskraft und Geldmittel für wichtige Entwicklungsprojekte
auf wirtschaftlichem Gebiet entzogen werden,
je mehr Ressourcen man für den Kampf
gegen AIDS abzweigt".

Einfacher HIV-Test im Laborund Feldversuch
Einen wichtigen Beitrag zum WHOProgramm gegen die Weiterverbreitung
von AIDS in Entwicklungsländern könnte vielleicht ein neuer Bluttest leisten, den eine Gruppe amerikanischer
Wissenschaftler unter der Leitung von
Dr. Thomas Quinn entwickelt hat.
Quinn und Mitarbeiter sind an den
"National Institutes of Health" (NIH)
in Bethesda und am Klinikum der Johns
Hopkins-Universität
in
Baltimore
(Maryland) tätig. In der Zeitschrift
der "American Medical Association"
(JAMA - Ausgabe v. 22. Juli 1988) berichteten sie über ihr neues Verfahren.
Während in den Industrieländern
Spenderblut vor der Freigabe routinemäßig mit höchst exakten Methoden auf
HIV geprüft wird, sind die dabei benutzten Verfahren in den Entwicklungsländern wegen der Kostspieligkeit der Instrumente,der kurzen Haltbarkeit des Testmaterials und der
Notwendigkeit, es bei tiefen Temperaturen zu halten, kaum anwendbar.
Außerdem bedeuten die hohen Kosten
und der Zeitaufwand von eineinhalb
bis dreieinhalb Stunden pro Test ein
großes Hindernis.
Der neue Test
könnte, wie
Quinn
meint, diese
Schwierigkeiten zum großen Teil ausschalten.
Bei dem von der Firma "Cambridge
BioScience Corporation" in Hopkinton
(Massachusetts) zur Anwendungsreife

- 2 -

�entwickelten Test wird auf einem
Glasplättchen als Objektträger eine
geringe Blutmenge mit winzigen LatexKügelchen zusammengebracht, die einen
speziellen
Antigen-Uberzug
haben.
Bei diesem handelt es sich um eine
künstlich produzierte Substanz nach
dem "Modell" eines Teiles der HlV-Virushülle.
Das Blut-LatexkügelchenGemisch wird zwei bis fünf Minuten
lang leicht gerüttelt und dann visuell geprüft. War der Patient bzw.
Blutspender
dem
Immunschwächevirus
HIV ausgesetzt, heften sich Antikörper (d.h. Substanzen im Blut, die das
körpereigene Immunsystem zur Abwehr
der eindringenden Viren produzierte)
an den Antigenüberzug des Latex-Materials. Die Kügelchen verklumpen dadurch - ein Zeichen, daß eine HIV-Infektion stattgefunden hat.
In den Universitätslaboratorien
in Baltimore wurden Blutserum-Proben
von 1 220 Personen aus den verschiedensten Regionen - Nordamerika, Europa, Afrika, Karibik und Südamerika sowohl nach dem neuen Verfahren als
auch nach den kostspieligen Verfahren
getestet, die in den Industrieländern
üblich sind. Ferner wurde am Mama
Yemo-Hospital in Kinshasa (Zaire) von
entsprechend geschulten einheimischen
Laboranten das Blut von 1 600 potentiellen Blutspendern nach der neuen,
als
"Glasplättchen-Latex-Agglutinationstest" bezeichneten Methode geprüft.
In jedem Fall wurden dann
Kontrolltests nach mindestens einer
der teuren Methoden durchgeführt. In
Baltimore wie in Kinshasa stimmten
Quinn zufolge die positiven Ergebnisse, die mit dem einfachen Agglutinationstest erzielt wurden, zu mehr als
99 Prozent mit den als HIV-positiv
bewerteten Bluttests überein, die
nach den anderen Methoden erzielt
wurden. Bei einem Feldtest in Kinshasa an 8 000 Spenderblut-Proben nach
dem neuen Schnellverfahren lag die
Übereinstimmung jedoch nur bei 71
Prozent.

andere Schnelltests bessere Ergebnisse gebracht hätten - nämlich 85 bis
99 Prozent Übereinstimmung. Die Diskrepanzen bestätigten jedenfalls die
Notwendigkeit weiterer vergleichender
Messungen und der Qualitätskontrolle
für Laborarbeiten unter Bedingungen,
wie sie außerhalb eines großen Krankenhauses gegeben seien.
Auch Quinn und Mitarbeiter verweisen darauf, daß der kritischste
Punkt bei der Durchführung ihres
Schnelltests das Können und die Erfahrung der Laboranten sei, die ja
jeden Test subjektiv interpretieren
müßten.
Intensives Training über
mehrere Tage unter Verwendung HIV-positiver und HIV-negativer Blutproben
sowie Beurteilung der Probe mit Lupe
und guter Lichtquelle sollte jedoch
die Fähigkeit des Personals zur richtigen Bewertung erheblich verbessern
können.
Die Schlußfolgerung Quinns, die
neue Schnelltest-Methode
könne in
vielen Entwicklungsländern die Weiterverbreitung von HIV infolge der
Transfusionen mit verseuchtem Blut
oder verseuchten Blutprodukten unmittelbar
unterbinden,
schränkt
der
JAMA-Leitartikel
außerdem mit der
Warnung ein, daß in manchen Gebieten
ihre Bedeutung begrenzt sei:
"In
Ländern, wo auf die heterosexuelle
Übertragung bis zu 90 Prozent aller
HIV-Infektionen entfallen, würden generelle Bluttests auf HIV die Zahl
der zu erwartenden neuen Fälle nur um
fünf Prozent verringern. Aus diesem
Grunde müssen sich die gegenwärtigen
Vorbeugungs- und
Kontrollmaßnahmen
weiterhin weitgehend auf Aufklärung
und Anpassung des Sexualverhaltens
stützen".
Bei der FDA (US-Behörde für Lebens- und Arzneimittelkontrolle) befinden
sich derzeit
einige HIVSchnelltests in der Prüfung. Keiner
davon wurde bisher für die USA zugelassen.

Der Verfasser eines Leitartikels
in der gleichen Ausgabe der JAMAZeitschrift bemerkte dazu, daß vier
- 3 -

* * * * * *

�THEMENINDEX AMERIKA DIENST (1. Halbjahr 1988)

Nachstehend eine Liste der Themen, die im AMERIKA DIENST (1. Halbjahr 1988) erschienen sind. Sie gibt einen Überblick über die wichtigsten Themenkreise. Angegeben ist jeweils die Nummer der Ausgabe, in
der das betreffende Thema behandelt wird.

THEMENKREIS

NUMMERN DER AUSGABEN

Afghanistan

1, 15, 16

Mittelamerika

1, 4, 12, 13

Ost-West-Beziehungen,
sicherheitspolitische Themen
Ost-West-Beziehungen allg.
Reagan-Gorbatschow-Treffen Moskau
Nuklear- und Weltraumwaffen
Sicherheitsstrategie
Rüstungskontrolle
Konventionelle Rüstung
SDI
INF
NATO
START
Desinformationen

17, 20, 23, 25
20, 21, 22
3, 6, 25
3, 4
11, 18
10
15
5, 9, 17, 19
9, 10, 18
13
15

Vereinigte Staaten
Bericht zur Lage der Nation
Präsident Reagans Haushaltsvorlage
Jahreswirtschaftsbericht des Präsidenten
Wirtschaft
Die Wahlen in Amerika 1988
Präsidentschaftskandidaten
Nominierungen
Preisverleihungen

- 1 -

4
8
8
2,
1,
5,
2,

10, 13, 14, 16, 23
15, 16, 20, 23, 24
6
23

�Internationale Probleme
6, 7, 9
12, 14, 16
10
20
5, 18
10

Außenpolitik
Naher Osten/Golf
KSZE
OECD
Drogen
AIDS
Ozon
Antarktis

8

Wissenschaft und Technik
Forschung

1, 2, 7, 9, 11, 14, 15,
16, 19, 22, 24
11
3, 9, 14
8

Krebs
NASA/Shuttle-Programm
Raumfahrt

2-

�Reden, Artikel und Erklärungen des amerikanischen Botschafters
Richard R. Burt
20. Januar 1988
Der INF-Vertrag:
AD Nr. 3

Die richtigen Lehren ziehen

24. Februar 1988
Singularisierung:
AD Nr. 8

Ein Produkt der Phantasie

13. April 1988
Die Sicherheitspolitik des Bündnisses im Zeitalter sich wandelnder
Ost-West-Beziehungen
Rede vor den Delegierten beim außenpolitischen Kongreß der CDU
(Sonderdienst)

SONDERDIENSTE
4. Mai 1988
Die sowjetische Militärmacht 1988
- Siebte Dokumentation des amerikanischen Verteidigungsministeriums

- 3-

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Carlucci bezweifelt sowjetische Behauptung defensiver Strategie&lt;br /&gt;&lt;em&gt;US-Verteidigungsminister vor der Moskauer Akademie des Generalstabs&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Vereinigte Staaten geben Produktionsorte für chemische Waffen bekannt&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede des amerikanischen Vertreters bei der&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Genfer Abrüstungskonferenz&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Finanzminister Bakers Nachfolger heißt Nicholas Brady&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Ankündigung des Weisen Hauses&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Wahlen in Amerika 1988&lt;br /&gt;Bush verspricht Unterstützung für Raketenabwehr im Weltraum&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Auszüge aus einer Rede vor dem Mid-America Committee&lt;/em&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Was steht im neuen Handelsgesetz?&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Ein Überblick über das jetzt vom Kongreß verabschiedete Gesetz&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;AIDS-Seuche hemmt Entwicklungspolitik&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Aufklärung und exakte Informationen als wichtige Waffe&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>; eo

ST&gt;

'^IQN

AMERIKA DIENST

^

27. J u l i 1988

28

INHALT

DOKUMENTATION
Shultzt Irans Erklärung "erster Schritt" zum Frieden Im Golf
- Pressekonferenz von Außenminister Shultz in Tokio Resolution 598 des Weltsicherheitsrats ein Jahr alt
- UN-Bemühungen zur Beendigung des Krieges zwischen Iran und Irak -

INFORMATION
Verbesserte Rentner-Krankenversicherung in USA
- Erste wichtige Reform in 23 Jahren -

HINTERGRUNDMATERIAL
ACDA-Chronologie zu Atomtests
- Zusammenfassung der ACDA -

DIE WAHLEN IN AMERIKA 1988
Wahlplattform der Demokraten auf Einigkeit ausgerichtet
- Meinungen auf dem Parteikonvent -

* * * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�AMERIKA DIENST
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Ä

Dokumentation

&lt;

28

27. Juli 1988

SHULTZ:

IRANS ERKLÄRUNG "ERSTER SCHRITT" ZUM FRIEDEN IM GOLF

- Pressekonferenz von Außenminister Shultz in Tokio -

TOKIO - (AD) - Bei einer Pressekonferenz in Tokio erklärte Außenminister
Shultz am 19. Juli 1988, die Vereinigten Staaten begrüßten die Handlungsweise
des Iran und unterstützten den UN-Generalsekretär im Friedensprozeß. Die Zustimmung Irans zur Waffenstillstandsresolution 598 des Weltsicherheitsrates
bezeichnete Shultz als "ersten Schritt" zum Frieden im Persischen Golf.
Zur amerikanischen Präsenz im Golf bemerkte Shultz, "unsere Präsenz wurde
als Reaktion auf Probleme erhöht. Wenn die Probleme gelöst sind, wird die
Flottenpräsenz unserer Schiffe reduziert."
Nachfolgend veröffentlichen wir den Wortlaut der Pressekonferenz:

Dies war ein erfolgreicher Tag
für mich. Ich habe an einem Mittagessen mit dem Premierminister, dem
Außenminister,
dem
Finanzminister,
dem Generalsekretär der Liberalen Demokratischen Partei und einer Reihe
anderer Persönlichkeiten teilgenommen, von denen ich den früheren Premierminister Nakasone besonders erwähnen möchte.

gut und fruchtbar sind, wie ich sie
bisher - und das ist eine ziemlich
lange Zeit - immer erlebt habe. Diesen Erfolg müssen wir uns jetzt zunutze machen, darauf aufbauen und natürlich Probleme an der Wurzel packen
und effektiv bewältigen. Und meiner
Ansicht nach haben wir das Vertrauen,
den Hintergrund und die dazu erforderlichen Verfahrensweisen.

Ich freue mich, zu einer Zeit
hierher zu kommen und vor Ihnen sprechen zu können, da viele Probleme
beigelegt sind und wir erleben, wie
die
gesamte
Wirtschaftsentwicklung
einen günstigen Kurs nimmt. Meiner
Ansicht nach sollte man fairerweise
erwähnen, daß die Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und Japan zum gegenwärtigen Zeitpunkt so

Im Verlauf unserer Gespräche haben wir einige bilaterale Fragen angeschnitten und beide Seiten teilten
die Ihnen gerade dargelegten Einstellungen. Dann haben wir bei einigen
Zusammenkünften verschiedene internationale Themen von gemeinsamem Interesse diskutiert, und dies werde ich
heute abend bei meinem Diner mit den
Außenministern weiterführen.

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Aber wir haben auch über den
Krieg zwischen Iran und Irak und die
dortigen Entwicklungen gesprochen und
insbesondere natürlich über den jüngsten Schritt des Iran, der meiner Ansicht nach weltweit begrüßt wurde und
den auch ich begrüße. Weitere Themen
waren Kambodscha, der Nahe Osten, die
Philippinen und die koreanische Halbinsel. Den Friedensprozeß im Nahen
Osten habe ich bereits erwähnt. Ich
habe bereits über meine Zusammenkünfte in China sowie auch über unsere
Einschätzung der Entwicklung in der
Sowjetunion - die der frühere Premierminister Nakasone morgen besuchen
wird - Bericht erstattet. Eins weiteres Thema wird Mittelamerika sein.
Sie sehen also, daß unsere Tagesordnung ein breites Spektrum umfaßt.
Und
unsere Gespräche waren sehr
fruchtbar. Meiner Ansicht nach lehrt
uns das - da in der Regel die Zeit
eher knapp wird als die Themen - daß
häufige Zusammenkünfte und Dialoge
eine gute Sache sind, und deshalb
werden wir diesen Prozeß fortführen.

Ich möchte nun Ihre Fragen beantworten.
Frage:
Herr
Außenminister,
wieviel Hoffnung macht Ihnen die offensichtliche Bereitschaft des Iran,
die
UN-Waffenstillstands-Resolution
anzunehmen? Und wenn es sich hier um
eine ehrliche Absicht handelt - prognostizieren Sie in naher Zukunft einen Beginn des Abzugs amerikanischer
Kriegsschiffe aus dem Golf?
Antwort:
Wir
begrüßen
diese
Entwicklung. Diese Einstellung spiegelt sich in unserer gesamten Regierung wider, wurde vom Weißen Haus als
offizielle Reaktion verbreitet, und
auch ich bin dieser Ansicht. Wir erkennen an, daß es sich hierbei um den
ersten Schritt in einem Friedensprozeß handelt, und wir werden den Generalsekretär der Vereinten Nationen in
seinen
Bestrebungen
unterstützen,
diese Entwicklung zu nutzen und an
der Verwirklichung von Resolution 598

zu arbeiten, die mit dem Waffenstillstand eingeleitet wird, die aber auch
viele andere Bestandteile hat, die
noch durchgearbeitet werden müssen.
Wir werden diesen Prozeß unterstützen.
Was die amerikanische Flottenpräsenz im Golf anbetrifft, so wurde unsere Präsenz als Reaktion auf Probleme erhöht. Wenn die Probleme gelöst
sind, wird die Flottenpräsenz reduziert. Das ist eine Frage des Eingehens auf Notwendigkeiten, und wenn
die Notwendigkeiten nicht mehr bestehen, wird auch die Präsenz unserer
Schiffe abnehmen. Es bleibt abzuwarten, wann sich dies herausstellen
wird, aber das ist und bleibt unsere
Politik.
Frage:
Seit vielen Jahren haben amerikanische und japanische Regierungsvertreter die Lösung der jeweiligen Handelsprobleme in verschiedenen Sektoren - beispielsweise in
der Automobil- oder Textilindustrie angekündigt, aber trotz der in einzelnen Bereichen erzielten Verbesserungen hat das Ungleichgewicht im
Handel weiterhin zugenommen. Denken
Sie, daß beide Länder jetzt beim Abbau dieses Ungleichgewichts einen
Schritt weitergekommen, und wann kann
damit begonnen werden?
Antwort:
Wie
Sie mit Ihrer
Frage andeuten, haben wir zahlreiche
Probleme bereits gelöst. Es ist gut,
daß Sie darauf hinweisen. Diese Probleme bildeten nur einen Teil dessen,
was das Handelsdefizit herbeigeführt
hat.
Unser Handelsdefizit und der
große Exportüberschuß auf selten der
Japaner sind das Ergebnis komplexerer
Faktoren. Diese mußten auch besprochen werden, und sie sind besprochen
worden. Und ich denke, daß sich die
Bedeutung der nunmehr in der japanischen Wirtschaft erkennbaren weitreichenden
Umstrukturierung
darin
zeigt, daß der Anstieg der Inlandsnachfrage in Japan den Zuwachs des
Bruttosozialprodukts übersteigt. Mit
anderen Worten:
ihre Abhängigkeit
von einer exportorientierten Form des
Wachstums ist geringer geworden, und

- 2 -

�sie sind dafür weniger anfällig. Und
meiner Ansicht nach ist das eine kluge Politik. Entsprechend erleben wir
den Rückgang unseres Handelsdefizits.
Ich vertrete dazu die Meinung, daß es
noch drastischer zurückgehen wird,
aber das bleibt abzuwarten. Es ist
zurückgegangen.
Und wenn Sie den
Handel zwischen den Vereinigten Staaten und Japan betrachten, hat unser
Defizit gegenüber Japan abgenommen,
wenn Sie die heutigen Zahlen mit den
Vorjahreszahlen
vergleichen.
Das
trifft seit einiger Zeit sowohl für
das Handelsvolumen als auch für den
Umsatz zu.
Wir erkennen diese Entwicklungen.
Und ich denke, daß hier ein neues Kapitel eingeleitet worden ist. Dies
war als Folge erheblicher Anstrengungen auf beiden Seiten möglich, und
wir werden diese Anstrengungen zweifellos fortsetzen. Es sind in der
Tat begrüßenswerte Entwicklungen.
Frage: Welches würden Sie als
das größte zwischen Japan und den
Vereinigten Staaten verbleibende Handelsproblem betrachten, und - als eine sich daraus ergebende Frage - wie
sind ihrer Meinung nach die Aussichten für ein Freihandelsabkommen zwischen Japan und den Vereinigten Staaten?
Antwort:
Meiner Ansicht nach
geht es nicht so sehr um ein großes
Handelsproblem. Wir haben viele dieser
Themenkreise
durchgearbeitet.
Sie mögen sagen, daß unsere größte
Chance im Handel darin besteht, der
Uruguay-Runde von Handelsverhandlungen zum Erfolg zu verhelfen und uns
im allgemeinen um den Abbau von Handelshemmnissen auf der ganzen Welt zu
bemühen. Wir sind sehr wohl in der
Lage dazu, haben oft darüber gesprochen, und meiner Meinung nach ist das
der wichtigste von uns zu bearbeitende Themenkreis. Was ein Freihandelsabkommen zwischen den Vereinigten
Staaten und Japan betrifft, so ist
dies ein interessanter Gedanke, mit
dem man sich hier und in Washington
beschäftigt. Ich denke, davon sind

wir noch ein Stück entfernt. Meiner
Ansicht ist es das Wichtigste, an
diesem Punkt alles nur mögliche zu
tun, um der Uruguay-Runde zum Erfolg
zu verhelfen. Und in diesem Zusammenhang halte ich insbesondere die im
Dezember in Montreal zu ziehende Zwischenbilanz für einen wichtigen Meilenstein auf diesem Weg. Bis zu diesem Zeitpunkt müssen wir noch soviel
wie möglich erreichen.
Frage:
Haben die Vereinigten
Staaten seit der Erklärung des Iran,
Resolution 598 anzunehmen, dem Iran
über die Schweizer Regierung eine
Botschaft zukommen lassen, in der sie
ihr Wohlwollen über die Zustimmung
ausdrücken, und was bedeutet die Ankündigung
des Waffenstillstands
wenn sie ernst gemeint ist - für die
Zukunft der amerikanisch-iranischen
Beziehungen?
Antwort:
Wir
werden
unsere
diesbezügliche Meinung in jeder Hinsicht klar und deutlich zum Ausdruck
bringen. Mehr möchte ich dazu nicht
sagen, sondern nur nochmals unterstreichen, daß wir unsere Ansichten
zweifelsohne publik machen werden und
zwar auf eine Art und Weise, die sie
überzeugen wird. Was die Beziehungen
zwischen den Vereinigten Staaten und
dem Iran anbetrifft, nehmen wir nach
wie vor dieselbe Haltung ein: Wir
sind zu direkten Gesprächen über das
gesamte Spektrum der uns betreffenden
Probleme bereit, so wie wir über
schweizer und andere Unterhändler indirekte Gespräche mit ihnen geführt
haben. Wir wollen diesen Unterredungen offiziellen Charakter geben, damit kein Zweifel daran besteht, daß
wir mit den zuständigen Regierungsvertretern verhandeln und daher alle
Äußerungen maßgeblich sind. Aber wir
sind bereit, dies zu tun.
Frage:
Hat es Kontakte oder
Verhandlungen mit dem Iran gegeben,
um die Annahme der UN-Waffenstillstands-Resolution über den zu fördern? Sie haben einmal erwähnt, der
Iran habe etwas signalisiert. Haben
wir mit den Iranern je darüber ge-

- 3-

�sprochen?
Antwort: Wir haben seit langem
eindeutig Position bezogen, und wie
Ihnen sicherlich bekannt sein dürfte,
war die beiderseitige Annahme von Resolution 598 das Beste, was passieren
konnte. Unserer Ansicht nach bietet
sie eine gute Arbeitsgrundlage über
den Waffenstillstand hinaus bis hin
zur Entwicklung friedlicher Beziehungen zwischen den beiden Kontrahenten
in diesem Konflikt. Wir haben diesen
Gedanken natürlich in den Vereinten
Nationen mit unserer Befürwortung der
Resolution vor über einem Jahr unterstützt. Mir wurde die Ehre zuteil,
die Stimme im Namen der Vereinigten
Staaten abzugeben. Wir haben diese
Resolution von Stund an unterstüzt,
und ich denke, der Iran ist sich dessen sehr wohl bewußt.
Frage:
Herr Außenminister, haben Sie in Ihren heutigen Gesprächen
mit japanischen Regierungsvertretern
die Möglichkeit eines japanischen Engagements bei der Lösung der Probleme
im Nahen Osten erörtert - insbesondere die jetzige iranische Kehrtwendung?
Berichten von heute zufolge
könnten die Japaner bereit sein, zur
Wahrung des Friedens beizutragen.
Wurde dies diskutiert und wenn ja, in
welchen Einzelheiten?
Antwort:
Jegliche
Aussagen
über die Bereitschaft Japans, an der
Erhaltung des Friedens mitzuwirken,
müssen von Japan selbst kommen. Die
Japaner haben die unterschiedlichsten
Vorschläge unterbreitet und ich denke, alle begrüßen die Tatsache, daß
Japan angesichts seiner Fähigkeiten
zweifelsohne etwas ausrichten kann.
Meiner Ansicht nach ist es eine
höchst erfreuliche Entwicklung, daß
Japan an diesen Dingen mitwirkt. Was
nun dieses spezielle Thema anbetrifft, so ist es Sache der Japaner
und nicht meine Aufgabe, dies zu erörtern, falls etwas dazu gesagt werden soll. Wir haben den Nahen Osten
betreffende Themen diskutiert, jedoch
nicht den iranisch-irakischen Krieg.
Wir haben über den Friedensprozeß ge-

sprochen und Außenminister Uno hat
mir einen äußerst interessanten Bericht über seine jüngste Reise nach
Syrien, Jordanien, Ägypten und Israel
gegeben - übrigens der erste Besuch
von einem japanischen Kabinettsmitglied, einem Außenminister, in Israel. Dies war in jeder Hinsicht eine begrüßenswerte Entwicklung, und
ich war an seinem vollständigen Bericht höchst interessiert. Ich hatte
bei früherer Gelegenheit eine kurze
Zusammenfassung davon gehört.
Frage:
Können
Sie
uns
den
Zeitpunkt dieser scheinbaren Kehrtwendung der Iraner näher erläutern.
Warum jetzt?
Und können Sie uns
vielleicht erklären, wie dieser Wandel zustande kam?
Antwort:
Nun, wir können Spekulationen darüber anstellen, was den
Iran genau zu diesem Zeitpunkt zu der
Entscheidung veranlaßt hat. Ich habe
keine
vertraulichen
Informationen
über ihre Vorgehensweise, und meiner
Ansicht nach ist mit meinen Spekulationen niemandem gedient. Einige der
auslösenden Faktoren liegen ja wohl
offen auf der Hand. Aber es ist eher
an den Iranern, ihre Entscheidung zu
erklären. Es lohnt sich, die abgegebene Erklärung sorgfältig zu lesen,
und dies würde ich an Ihrer Stelle
tun.
Frage:
Herr
Außenminister,
wurde in den Gesprächen, die der japanische Außenminister mit Ihnen über
seinen Besuch in Israel geführt hat,
irgendeine Andeutung gemacht, daß japanische Firmen bereit sind, ihren
derzeitigen Boykott Israel gegenüber
aufzugeben, der den Amerikanern Sorgen bereitet?
Antwort:
Wir haben die Frage
japanischer Investitionen erörtert,
und Außenminister Uno berichtete mir
von seinen Gesprächen mit den Israelis, aber auch hier ist es meiner
Ansicht nach an ihm und nicht an mir,
die Haltung der Regierung zum Ausdruck zu bringen.

�Frage:
Berichten zufolge stand
der irakische Minister für Informationswesen und Kultur, Al-Jassem, in
den vergangenen 24 Stunden der Absicht des Iran, Resolution 598 anzunehmen, eher mißtrauisch gegenüber.
Vor ungefähr einer Stunde erhielten
wir eine amerikanische Agenturmeldung
aus Manama in Bahrein, daß zahlreiche
irakische Flugzeuge die iranische
Küste bombardierten und ein irakisches Flugzeug von einer iranischen
F-14 abgeschossen wurde. Wenn dies
die Realitäten sind, wird die amerikanische Regierung dann auf die irakische Führung einwirken, von einer
Provokation der Iraner Abstand zu
nehmen?
Antwort:
Die beste Vorgehensweise ist unserer Ansicht nach, daß
sowohl Iran als auch der Irak Resolution 598 annehmen. Der Irak hat sich
in der Vergangenheit unmißverständlich dazu bekannt. Vor einiger Zeit
erklärte der Außenminister sowohl dem
Generalsekretär in New York als auch
der Öffentlichkeit, daß der Irak Resolution 598 ohne Einschränkung akzeptiert. Punkt. Er hat sie weder
modifiziert noch erweitert, sondern
genau dies gesagt. Wir nehmen dies
also als offizielle Stellungnahme,
und der Iran hat die allen bekannte
Erklärung abgegeben.
Jetzt müssen
wir den Generalsekretär bei seinen
Bemühungen unterstützen, denn er ist
derjenige, der diese Erklärungen beim
Wort nehmen und dann das verwirklichen muß, was Resolution 598 fordert.
Resolution 598 fordert den
Waffenstillstand. Und dann wird der
Friedensprozeß mit den in 598 verankerten Mechanismen in die Wege geleitet, den auch der Generalsekretär
verwirklicht sehen will.

tion aus, brechen mit niemandem einen
Streit vom Zaun und haben dies auch
nicht vor. Wir möchten eine Entspannung der Lage.
Frage:
Hatte die amerikanische
Militärpräsenz im Persischen Golf Ihrer Ansicht nach entscheidenden Einfluß auf die politische Kehrtwendung
der iranischen Regierung?
Antwort: Das ist schwer zu sagen. Die Iraner sollten diese Frage
beantworten. Aus unserer Sicht hatten wir den Auftrag in der Region zu
erfüllen, amerikanischen Flaggschiffen Schutz zu bieten und im Rahmen
der internationalen Bestrebungen die
freie Schiffahrt im Golf zu gewährleisten. Dadurch wurden wir in weitere Aktionen verwickelt, wie das
Verlegen von Minen in den befahrenen
Wasserstraßen zu unterbinden und anderen Schiffen Geleitschutz zu gewähren. Dies ist der Grund für unsere
Präsenz in der Region. Wir haben unseren Auftrag durchgeführt, und wenn
unsere Präsenz nicht länger erforderlich ist, werden wir abziehen. Aber
wir werden so lange dort präsent
sein, wie es unserer friedlichen und
angebrachten Mission dient.

In der Zwischenzeit liegt die
Entscheidung über das militärische
Vorgehen natürlich bei den beiden
Kontrahenten.
Angesichts der sich
abzeichnenden Entwicklung scheint eine Beruhingung der Lage jedoch angeraten. Wir werden die Position beibehalten, die wir stets vertreten haben. Wir sind nicht auf Konfronta- 5 -

* * * * * *

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Dokumentation

27. Juli 1988

28

RESOLUTION 598 DES WELTSICHERHEITSRATS EIN JAHR ALT
UN-Bemühungen zur Beendigung des Krieges zwischen Iran und Irak -

WASHINGTON - (AD) - Am 20. Juli 1987 wurde Resolution 598 des Weltsicherheitsrats verabschiedet, mit der die unverzügliche Beendigung des Krieges zwischen Iran und Irak gefordert wird. Nach einem Jahr gibt es jetzt Anzeichen,
daß ein Waffenstillstand endlich in greifbare Nähe gerückt ist.

Generalsekretär Javier Perez de
Cuellar erklärte am 20. Juli 1988, er
werde die Entsendung einer UN-Delegation in den Iran und Irak veranlassen, um die militärischen Einzelheiten für einen umfassenden Waffenstillstand
ausarbeiten
zu
lassen.
Die Delegation solle nach "ungefähr
einer Woche" Bericht erstatten, woraufhin er "unverzüglich den Tag X
bekanntgeben" werde, an dem der Waffenstillstand und andere, in Resolution 598 verankerte Verfügungen in
Kraft treten.

Resolution
598 des Weltsicherheitsrats wurde am 20. Juli 1987 nach
sechsmonatigen
Verhandlungen
und
enormem
Druck
des
Generalsekretärs
verabschiedet. Als erster unterbreitete Perez de Cuellar auch den Vorschlag, daß die fünf ständigen Mitglieder des Sicherheitsrats - China,
Frankreich, Großbritannien, die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion
- einen Entwurf zur Beendigung des
iranisch-irakischen
Krieges
ausarbeiten.

Die
Entscheidung
des
Generalsekretärs vom 20. Juli erfolgte nur
drei Tage nachdem der Iran die Resolution formell anerkannt hatte. Aber
die Annahme von Resolution 598 war
bereits seit langem in Sicht.

Als sieben der
Weltsicherheitsrats
ster zur Teilnahme
Vereinten Nationen
Resolution formell
wurde das Ereignis
Schritt" gewürdigt.

United States Information Service
Embassy of the United States of America

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D 5300 Bonn 2

15 Mitglieder des
ihre Außenminian der Sitzung der
entsandten, um die
zu verabschieden,
als "historischer

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Der
Weltsicherheitsrat
entwarf
eine Resolution auf der Grundlage bestimmter Artikel von Kapitel VII der
Charta der Vereinten Nationen, in dem
Durchführungsmaßnahmen
für den Sicherheitsrat
aufgeführt sind, einschließlich
Wirtschaftssanktionen,
Waffenembargos
und Blockaden.
Der
Sicherheitsrat legte seltene Einmütigkeit unter den fünf ständigen Mitgliedern an den Tag, die alle über
ein Vetorecht verfügen. Der Entwurf
wurde als "Schrift des Präsidenten"
vorgelegt, und nicht als ein von einer Staatengruppe erarbeitetes Dokument, wie es normalerweise der Fall
ist.
Unter anderem fordert die Resolution die unverzügliche Feuereinstellung und den Rückzug aller Streitkräfte zu international anerkannten
Grenzen als einen ersten Schritt hin
zu einer ausgehandelten Beilegung des
Konflikts.
Ferner ist der Generalsekretär aufgerufen, ein Team von UNBeobachtern
zu entsenden, die den
Waffenstillstand und Truppenabzug verifizieren und überwachen sowie darauf drängen sollen, Kriegsgefangene
zu befreien und sie unverzüglich in
ihre Heimat zurückkehren zu lassen.
Die Resolution fordert Iran und Irak
auf, mit dem Generalsekretär bei den
Vermittlungsbemühungen
bis hin zur
vollständigen Beilegung des Konflikts
zusammenzuarbeiten und ruft alle anderen Staaten auf, äußerste Zurückhaltung zu üben und von jeglichen
Handlungen Abstand zu nehmen, die eine weitere Eskalation und Verschärfung des Konflikts zur Folge haben
könnten.
Binnen zwei Tagen hatte der Irak
der Resolution zugestimmt.
Der Iran
weigerte sich jedoch und äußerte Vorbehalte
gegen
die
von
Perez
de
Cuellar eingeleiteten Gespräche sowie
die Beschuldigung, die Vereinigten
Staaten verletzten 598, indem ihre
Kriegsschiffe weiterhin im Golf stationiert blieben.
Mit weiteren Hinhaltemanövern des
Iran kam eine zweite Embargo-Resolu-

tion ins Gespräch, um den Iran zur
Einhaltung zu zwingen. Als die Gespräche
scheiterten
und auch eine
Reise in die Region nicht zu einem
Waffenstillstands-Abkommen
führte,
wandte sich Perez de Cuellar im Dezember 1987 an den Weltsicherheitsrat
mit der Erklärung, "neuer Auftrieb"
sei erforderlich.
Als der Sicherheitsrat eine Embargo-Resolution in Erwägung zog, erwies sich die Einstimmigkeit der fünf
ständigen Mitglieder des Sicherheitsrats als brüchig; China und die Sowjetunion vertraten die Ansicht, dem
Iran müsse mehr Zeit für die Einhaltung gegeben werden. Dennoch bestand
der Sicherheitsrat auf der Einhaltung
von Resolution 598.
Erneute Bemühungen von Perez de
Cuellar scheiterten im März, und im
Juni lehnte der Irak seinen Vorschlag
zur Gründung einer hochrangigen Beratergruppe in Genf ab, die an der Verwirklichung der Resolution arbeiten
sollte.
Der versehentliche Abschuß eines
iranischen
Passagierflugzeugs
durch
ein Kriegsschiff der amerikanischen
Marine, beim dem alle 290 Passagiere
und
Besatzungsmitglieder
ums Leben
kamen, ließ die
Friedensaussichten
auf einen neuen Tiefstand sinken.
Die Diplomaten wurden jedoch durch
die Tatsache ermutigt, daß der Iran
seinen siebenjährigen Boykott des Sicherheitsrats beendete, indem er ihn
zum Handeln aufforderte.
Während die Beratungen des Sicherheitsrats über den Zwischenfall
noch im Gange waren, legte der iranische Botschafter Mohamad Mahallati
überraschenderweise ein Schreiben des
iranischen Präsidenten Ali Khameni an
Perez de Cuellar vor, in dem er den
Entschluß verkündete, Resolution 598
am 17. Juli um 0.00 Uhr "offiziell
und bedingungslos" anzunehmen.
Binnen Stunden nach Erhalt des
Schreibens aus dem Iran kam Perez de
Cuellar mit dem Sicherheitsrat zusam-

- 2 -

�raen und begann Gespräche mit den Botschaftern des Iran und Irak, um den
"Tag
X"
für
den
Waffenstillstand
festzulegen.
Der
britische
Botschafter
Sir
Crispin Tickeil bemerkte, "aus einer
sehr schlechten Situation heraus ergeben sich manchmal Mittel und Wege
zu Fortschritten, die anders nicht
möglich gewesen wären. Die Menschen
gelangten erstmalig zu der Erkenntnis,
daß
dieser
Konflikt
einfach
nicht
länger
andauern
kann."
Er
warnte jedoch, "es ist noch viel zu
früh, um das Ende des Golfkriegs zu
feiern."

Erfahrung nach sei die Situation im
Iran
folgendermaßen:
"Häufig
hört
man sehr starke Rhetorik, gekoppelt
mit friedfertigen Worten oder umgekehrt - und dies ist für uns verwirrend."

Nach dem ersten Jahrestag der Resolution warten die Mitglieder des
Sicherheitsrats
jedoch nur darauf,
den Friedensprozeß in jeder erdenklichen Weise zu unterstützen und hoffen, daß der Frieden dieses Mal in
greifbare Nähe gerückt ist.
Der
amerikanische
Botschafter
Vernon Walters erklärte in einem Interview am 19. Juli 1988, "der Generalsekretär hat seit langem auf eine
Gelegenheit zur Verwirklichung seines
Friedensplans gewartet...
Diese ist
nun gekommen."
"Wir müssen jetzt mit dem Generalsekretär
zusammenarbeiten,
damit
er so bald wie möglich einen Tag für
den Waffenstillstand bestimmen kann",
fuhr Walters fort. "Für beide Länder
ist der Krieg sinnlos.
Wir wollen
das Blutvergießen in beiden Ländern
beenden.
Wir wollen, daß sie ihre
Kampfhandlungen einstellen und einen
friedlichen Weg zur Lösung ihrer Probleme finden."
Walters zufolge ist jetzt jeder
der Kontrahenten im Besitz von Gebieten des anderen, so daß der zweite
wichtige Punkt von Resolution 598 der Rückzug zu international anerkannten Grenzen
- "erledigt ist".
"Die amerikanische Position hat stets
die Unabhängigkeit und territoriale
Integrität von Iran und Irak befürwortet", erklärte Walters.
Seiner
- 3 -

* * * * *

�AMERIKA DIENST
^

^

Information

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27. Juli 1988

28

VERBESSERTE RENTNER-KRANKENVERSICHERUNG IN USA
- Erste wichtige Reform in 23 Jahren -

WASHINGTON - (AD) - Mit dem von Präsident Reagan am 1. Juli 1988 unterzeichneten Gesetz mit dem Titel "Medicare Catastrophic Coverage Act of 1988",
das am 1. Januar 1989 rechtskräftig wird, erfährt die amerikanische "Medicare"-Krankenversicherung für Rentner und Behinderte eine erhebliche Ausweitung. Etwa 32 Millionen Amerikaner werden von dem Programm profitieren, das
die erste große Reform seit der Einführung der Rentnerversicherung im Jahr
1965 darstellt. Es soll, wie der Präsident bereits 1987 in seiner "Rede zur
Lage der Nation" erklärte, "einen Albtraum beseitigen, der unsere älteren Mitbürger belastet - nämlich die Furcht vor dem Krankwerden, das so teuer ist,
daß es zu einer einfach nicht duldbaren Wahl zwischen dem finanziellen Ruin
oder der Nichtbehandlung und damit dem Tode zwingt" .

Das neue Gesetzeswerk folge, so
Reagan, den gleichen Grundsätzen wie
jedes
vernünftige
Versicherungsprogramm.
Es werde von jenen finanziert, die in den Genuß seiner Leistungen
kommen.
Allerdings müßten
künftige Kongresse und künftige Regierungen der Vereinigten Staaten einer Eskalation von Kosten wehren, "
die genau den Menschen schaden würde,
denen wir zu helfen versuchen". Berechnungen zufolge dürften sich die
zusätzlichen Kosten in den nächsten
fünf Jahren auf ca. 31 Milliarden
Dollar belaufen (1988: ca. 79 Milliarden
Dollar).
Praktisch
werden
sie aber in voller Hähe mit den Beiträgen der Rentner zu ihrer Krankenversicherung finanziert.
Zu

den

gegenwärtig

von

allen

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Embassy of the United States of America

"Medicare-Berechtigten bezahlten Monatsbeiträgen in Höhe von 24,80 Dollar kommt ab 1989 ein Aufschlag von
vier Dollar hinzu, der sich bis 1993
auf 10,20 Dollar erhöht.
Dies gilt
jedoch nur für Rentner, die nicht
einkommenssteuerpflichtig sind.
Müssen sie aufgrund einer höheren Rente
bzw. von Zusatzeinkommen Einkommensteuer bezahlen, so wird ein einkommensabhängiger Zusatzbeitrag erhoben,
der von 15 Prozent der im Jahr 1989
bezahlten Einkommensteuer auf 28 Prozent der Einkommensteuer im Jahr 1993
ansteigt. Allerdings ist für diesen
jährlichen Zusatzbeitrag eine Höchstgrenze
festgesetzt:
Sie liegt im
Jahr 1989 bei 800 Dollar, 1993 bei
1050 Dollar.
Im

Krankheitsfall

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ergeben

sich

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�dadurch u.a.
besserungen :

folgende

wichtige

Ver-

- Unbegrenzte Krankenhausbehandlung
(bisher waren nur 60 Tage kostenfrei) nach Leistung eines Eigenbeitrags für das betreffende Jahr
(560 Dollar im Jahr 1989, später
ansteigend) ;
- Gesamtbetrag
für
Selbstbeteiligung pro Jahr in Höhe von 1400
Dollar für Arzthonorare, Klinikkosten
und andere
medizinische
Leistungen, die dem Medicare-Leistungskatalog
entsprechen.
Wünscht der Betreffende zusätzliche Leistunge, so muß er diese
aus eigener Tasche bezahlen.
- Die Kostenerstattung für Medikamente, die bei ambulanter Behandlung verschrieben werden, sowie
Zuschüsse für Heim- und Hauspflege werden erheblich ausgeweitet.
Für Betreuung in einem Hospiz für
unheilbar Kranke mit einem Tageszuschuß von 68 Dollar gibt es
keine zeitliche Begrenzung mehr.
- Bei Bedürftigkeit der Anspruchsberechtigten sind die zuständigen
Behörden des betreffenden Bundesstaates gehalten, über ihr medizinisches
Sozialhilfe-Programm
"Medicaid"
die
"Medicare"-Beitragserhöhungen, die Gebühren für
Selbstbeteiligung sowie die medizinische Betreuung von Schwangeren und Babies bis zu einem Jahr
(einschließlich
Vorsorgeuntersuchungen)
zu
übernehmen.
Im
Fall von Langzeit-Heimpflege muß
dem Ehepartner des Kranken ein
monatliches
Mindesteinkommen
(1989:
825 Dollar, 1993: 1200
Dollar) belassen werden; ebensowenig sind Sparguthaben bis zu
60 000 Dollar für Eigenbeiträge
heranzuziehen.

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- 2

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Hintergrundmaterial

' V O N **

27. Juli 1988

28

ACDA-CHRONOLOGIE ZU ATOMTESTS
- Zusammenfassung der ACDA -

WASHINGTON - (AD) - Der nachfolgende Maßnahmenkatalog der Reagan-Administration zu Atomtests wurde am 19. Juli 1988 von der amerikanischen Behörde
für Rüstungskontrolle und Abrüstung (ACDA) herausgegeben:

Die erste Priorität des Präsidenten im Bereich der Nuklearversuche
liegt in der Zustimmung der Sowjets
zu neuen Protokollen, mit denen die
wirksame Verifizierung der beiden bestehenden, jedoch noch nicht ratifizierten Verträge geregelt würde: Der
Schwellenvertrag (TTBT) aus dem Jahre
1974 und der Vertrag über Atomexplosionen zu friedlichen Zwecken (PNET).
In den vergangenen Jahren hat die Administration
folgende Schritte zur
Verwirklichung dieses Ziels in die
Wege geleitet:
1983
Bei mehreren Gelegenheiten versuchen die Vereinigten Staaten erfolglos, mit der Sowjetunion Verhandlungen über die wirksame Verifizierung von TTBT und PNET aufzunehmen.

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Embassy of the United States of America

September 1984
In seiner Rede vor der Vollversammlung
der
Vereinten
Nationen
(UNGA) umreißt der Präsident Vorschläge für direkte Vor-Ort-Messungen
des
Detonationswerts
amerikanischer
und sowjetischer Nuklearwaffen.
Juli 1985
In einem Schreiben an Generalsekretär Gorbatschow lädt der Präsident den sowjetischen
Parteiführer
zur - vorbehaltlosen - Entsendung
seiner Experten auf das amerikanische
Versuchsgelände ein, um die Sprengkraft eines amerikanischen Tests zu
messen.
Die sowjetische Delegation
kann die von ihr für diesen Zweck als
notwendig
erachteten
Meßinstrumente
mitbr ingen.

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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Dezember 1985
Präsident Reagan unterbreitet den
Vorschlag zu einem Treffen der amerikanischen und sowjetischen Experten,
um ihren jeweiligen Ansatz zur Verifizierung zu erörtern.
März 1986
In einem Schreiben an Generalsekretär Gorbatschow beschreibt der
Präsident das Verfahren von CORRTEX
(einer
direkten,
hydrodynamischen
Meßmethode vor Ort zur Bestimmung des
atomaren Detonationswertes, die die
Ausbreitung der unterirdischen Druckwelle einer Explosion mißt) und lädt
sowjetische Experten nach Nevada zu
einer umfassenden Prüfung von CORRTEX
ein. Die Delegation hat die Möglichkeit, die amerikanischen Experten bei
der Anwendung der CORRTEX-Methode zu
beobachten und den atomaren Detonationswwert eines amerikanischen Versuchs zu messen sowie Verifikationsmethoden zu erörtern.
25. Juli, 1. August und
4. - 18. September 1986
Als direktes Ergebnis der vom
Präsidenten unterbreiteten Vorschläge
findet ein Treffen zwischen amerikanischen und sowjetischen Technologieexperten in Genf statt, an das
keine Vorbedingungen geknüpft sind,
bei dem der gesamte Themenkatalog von
Atomtests
diskutiert
wird.
Dr.
Robert Barker, Abteilungsleiter für
Atomenergie
beim
Verteidigungsministerium wird zum Leiter der amerikanischen Delegation benannt.
September 1986
In einer Ansprache vor der Vollversammlung
der Vereinten Nationen
erklärt Präsident Reagan die Bereitschaft der Vereinigten Staaten, die
Ratifizierung von TTBT und PNET voranzutreiben,
sobald
Einigung
über
verbesserte
Ver ifikationsverfahren
erzielt worden ist. Mit der Ratifizierung von TTBT und PNET und im Zusammenhang mit einem Programm zur Re-

duzierung und letztlichen Beseitigung
aller Nuklearwaffen
sind die Vereinigten Staaten bereit, die Verwirklichung eines schrittweisen Parallelprogramms zur Begrenzung und schließlichen Beendigung von Atomversuchen
zu erörtern. Er forderte die Sowjetunion auf, gemeinsam mit den Vereinigten Staaten unverzüglich praktische Schritte zur Begrenzung der
Versuche in die Wege zu leiten, indem
die erforderliche Verbesserung
der
Verifizierung von TTBT und PNET vorgenommen würde.
Oktober 1986
Beim Treffen mit Generalsekretär
Gorbatschow in Reykjavik deutet der
Präsident an, daß er den Senat vorbehaltlich der Zustimmung der Sowjets
zu den wesentlichen Verbesserungen im
Verifizierungsverfahren
um
Beratung
und Zustimmung zu diesen Verträgen
ersuchen werde. Sollten die Sowjets
dem geforderten Paket unerläßlicher
Verbesserungen bei der Verifizierung
vor der Zusammenkunft des Kongresses
im Januar 1987 nicht zustimmen, würde
der Präsident dennoch den Senat um
Beratung und Zustimmung ersuchen, jedoch
mit
den
entsprechenden
Einschränkungen der Verträge, die ein
Inkrafttreten vor ihrer wirksamen Verifizierung verhindern.
In Reykjavik unterbreiteten die
Vereinigten Staaten ferner den Vorschlag zur Aufnahme offizieller Verhandlungen
über Atomtests
zwischen
den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion.
An erster Stelle dieser
Tagesordnung stünde die Lösung der im
Zusammenhang mit den bestehenden Verträgen
verbleibenden
Verifikationsprobleme.
Sobald
diese Verifizierungsbedenken ausgeräumt und die Verträge ratifiziert worden sind wären
die Vereinigten Staaten bereit, unverzüglich mit der Sowjetunion Verhandlungen
über die Verwirklichung
eines schrittweisen Programms parallel zu einem Programm aufzunehmen,
das den Abbau und die letztliche Beseitigung aller Nuklearwaffen sowie
die Begrenzung und letztliche Beendi-

�gung von Atomversuchen zum Ziel hat.
13. - 15. November 1986
Das dritte Treffen amerikanischer
und sowjetischer Experten für Atomtests findet in Genf statt.
13. Januar 1987
Der Präsident ersucht um Rat und
Zustimmung des Senats zu TTBT und
PNET, mit der entsprechenden Einschränkung, die ein Inkrafttreten vor
ihrer wirksamen Verifizierung verhindert.
Der Senat trifft keine Maßnahmen .
22. Januar - 9. Februar und
16. - 10. März 1987
Das vierte Treffen zwischen amerikanischen und sowjetischen Experten
für Atomtests findet in Genf statt.
18. - 29. Mai 1987
Das fünfte Treffe zwischen amerikanischen und sowjetischen Experten
für Nuklearversuche findet in Genf
statt.
13. - 20. Juli 1987
In Genf findet das sechste Treffen zwischen amerikanischen und sowjetischen
Experten
für
Atomtests
statt.
17. September 1987
Die Vereinigten Staaten und die
Sowjetunion geben in einer gemeinsamen Erklärung bekannt, daß sie sich
auf
die
Aufnahme
umfassender,
schrittweiser
Verhandlungen
über
Atomtests vor dem 1. Dezember 1987
geeinigt haben.
Als erster
Schritt bei diesen
Verhandlungen werden sich beide Seiten auf wirksame Verifikationsmaßnahmen einigen. Dadurch wird die Ratifizierung der Schwellenvertrags und
des Vertrags über Atomexplosionen zu
friedlichen Zwecken durch die Ver-

einigten Staaten ermöglicht.
Im Anschluß daran sollen weitere mittelfristige Begrenzungen von Atomtests
als Teil eines wirksamen Abrüstungsprozesses verhandelt werden.
Unter
anderem würde dieser Prozeß als vorrangige Priorität die Reduzierung von
Nuklearwaffen und ihre letztliche Beseitigung zum Ziel haben. Zum Zwecke
der Ausarbeitung von verbesserten Verifizierungsmaßnahmen
für TTBT und
PNET beabsichtigen die Vertragspartner, ein gemeinsames Verifizierungsexperiment (JVE) auf dem Testgelände
der jeweils anderen Seite aufzubauen
und durchzuführen.
Diese Verifizierungsmaßnahmen werden im geeigneten
Rahmen bei zukünftigen Abkommen über
die Begrenzung von Atomversuchen Anwendung finden, die zu einem späteren
Zeitpunkt erzielt werden könnten.
9. - 20. November 1987
Die Vereinigten Staaten und die
Sowjetunion halten die erste Runde
formeller, schrittweiser Verhandlungen über Atomtests in Genf ab. Dr.
Robert Barker ist weiterhin Leiter
der amerikanischen Delegation.
Bei
Beendigung dieser Runde von Verhandlungen über Nukleartests (NTT) geben
die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion bekannt, daß die Delegationen die Versuchsgelände der anderen
Seite im Januar 1988 besuchen werden,
um sich mit den Bedingungen und Operationen auf dem jeweiligen Testgelände vertraut zu machen. Diese Besuche werden die Aussichten für den
Aufbau und die anschließende Durchführung des JVE verbessern.
9. Dezember 1987
Beim Gipfeltreffen zwischen Präsident
Reagan
und
Generalsekretär
Gorbatschow in Washington geben die
beiden
Außenminister
Shultz
und
Schewardnadse bekannt, daß die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion
den Aufbau eines gemeinsamen Verifizierungsexperiments in die Wege geleitet haben. Dieses Experiment wird
so durchgeführt, daß es den von beiden Seiten geäußerten Bedenken im

- 3 -

�Hinblick auf die jeweils vorgeschlagenen Methoden der Verifizierung von
TTBT und PNET Rechnung trägt.
5. Januar 1988
Die Vereinigten Staaten geben die
für den 7. Januar 1988 geplante Abreise einer Delegation amerikanischer
Experten für Atomtests in die Sowjetunion bekannt, wo sie das sowjetische
Testgelände in Semipalatinsk besuchen
werden. Eine Gruppe sowjetischer Experten wird den Vereinigten Staaten
vom 23. - 30. Januar einen Gegenbesuch abstatten und das amerikanische
Versuchsgelände in Nevada besuchen.

CORRTEX-System
für
hydrodynamische
Messung des atomaren Detonationswertes angewandten Techniken und Geräte
vor.
Die
Erklärung
unterstreicht
ferner, daß die gegenseitigen Besuche
erheblich
zum besseren
Verständnis
der praktischen Probleme im Zusammenhang mit der Durchführung eines JVE
beigetragen
haben, mit denen sich
beide Seiten konfrontiert sehen.
15. Februar 1988
Die Vereinigten Staaten und die
Sowjetunion nehmen in Genf mit Eröffnung von Runde II der Gespräche über
Atomversuche die schrittweisen Verhandlungen über Atomtests wieder auf.

8. - 15. Januar 1988
18. Februar 1988
Amerikanische
Experten
für Nukleartests
besuchen
Semipalatinsk.
In einer mit Beendigung des Besuchs
herausgegebenen
gemeinsamen
amerikanisch-sowjetischen
Erklärung
wird
festgestellt, daß die amerikanische
Seite sich mit der Organisation und
Arbeit auf dem sowjetischen Testgelände
vertraut
gemacht
hat, einschließlich einer Reihe von Operationen zur Vorbereitung und Durchführung
von Atomtests sowie einzelne der zur
Schätzung des atomaren Detonationswerts angewandten Methoden. Der amerikanischen Seite wird Bohr-, Sondier- und
Stemmgerät
vorgeführt,
ebenso wie Techniken und Instrumente
zur hydrodynamischen Messung und weniger
genauen
teleseismologischen
Messungen
von
Nuklearexplosionen.
Der Besuch findet in einer positiven
und konstruktiven Atmosphäre statt.
24. - 30. Januar 1988
Sowjetische
Experten
für Atomtests besuchen Nevada. Eine am Ende
des Besuchs herausgegebene gemeinsame
amerikanisch-sowjetische
Erklärung
hat zum Inhalt, daß die sowjetischen
Experten in Organisation und Betrieb
des amerikanischen Testgeländes eingeführt wurden, einschließlich
der
einzelnen Phasen der Vorbereitung und
Durchführung
von
Nuklearversuchen.
Die amerikanische Seite führte die im

Präsident
Reagan verkündet
die
Benennung von Dr. C. Paul Robinson
zum Unterhändler der Gespräche über
Atomversuche und Leiter der Delegation. Dr. Robinson ist der Nachfolger von Dr. Robert B. Barker, der
seine Tätigkeit als Abteilungsleiter
für Atomenergie im Verteidigungsministerium wieder aufnimmt.
23. Februar 1988
Beim
Ministertreffen
in Moskau
weisen die Außenminister Shultz und
Schewardnadse
ihre Delegatione an,
die Arbeit an neuen Verifizierungsprotokollen für TTBT und PNET zu beschleunigen.
9. März 1988
Die amerikanische Delegation legt
den Entwurf eines Verifizierungsprotokolls vor, der den routinemäßigen
Einsatz
von direkten, hydrodynamischen Messungen des atomaren Detonationswertes vor Ort (CORRTEX) vorsieht, um die Einhaltung von TTBT zu
verifizieren.
16. März 1988
Die Vereinigten Staaten bekräftigen frühere Erkenntnisse, daß "sowjetische Aktivitäten bei einer Reihe

- 4 -

�von Atomversuchen wahrscheinlich ein
Verletzung der rechtlichen Verpflichtungen von TTBT darstellen".
18. März 1988
Die Sowjetunion legt den Entwurf
eines
Verifizierungsprotokolls
für
TTBT vor.
21. - 23. März 1988
Bei ihrem Treffen in Washington
weisen die Außenminister Shultz und
Schewardnadse ihre Unterhändler an,
bis April die Planung und ein Programm für das JVE zu erstellen. Sie
beauftragen sie ferner, bis zum Termin des JVE einen gemeinsamen Entwurf
zum TTBT-Protokoll vorzubereiten, der
mit der Durchführung und Analyse des
gemeinsamen Verifizierungsexperiments
vervollständigt werden soll und die
Arbeit an einem Verifizierungsprotokoll für PNET zu beschleunigen.

12. April 1988
Eine Delegation von vier amerikanischen Experten trifft auf dem sowjetischen Testgelände ein.
14. April 1988
Eine Delegation von sieben sowjetischen Experten reist zum Versuchsgelände nach Nevada, um Bohren, Entmischen und Stemmen des Satellitenlochs für das dort durchzuführende
gemeinsame Verifikationsexperiment zu
beobachten.
15. April 1988
In Genf unterzeichnen Bptschafter
Robinson und der Leiter der sowjetischen
Delegation,
Igor
Palenik,
eine Verbalnote mit Einzelheiten über
die Verantwortlichkeiten der jeweiligen Seite bei der Bohrung des Satellitenlochs für das gemeinsame Verifizier ungsexper iment.

31. März 1988
18. April 1988
Die amerikanische Delegation legt
einen Entwurf zum Verifizierungsprotokoll vor, der den routinemäßigen
Einsatz von CORRTEX zur Verifizierung
der Einhaltung
des Vertrages über
Atomexplosionen zu friedlichen Zwekken von 1976 vorsieht. Die Vereinigten Staaten stellen ferner fest, daß
die amerikanischen Unterhändler die
notwendigen Vorbereitungen
für die
Durchführung des JVE so bald wie möglich veranlassen werden, da die Sowjets darauf bestehen, daß das gemeinsame Verifizierungsexperiment zur
Vervollständigung des TTBT-Protokolls
erforderlich sei.
12. - 14. April 1988
Beim
Minist ertreffe n in Moskau
verabschieden
Außenminister
die
Shu ltz un d Schewardnadsi= ein vorläuf ig*ss Programm für das JVE und eine
über
seine
Durchführung.
Abk&lt;Dmmen
Sie weisen die Unterh,andler ferner
an, einen Anhang zu dem Abkommen über
die technischen Einzelheiten des Exper iments zu ers teilen.
- 5

Die Vereinigten Staaten transportieren Bohrgerät in die Sowjetunion,
um die Aufstellung und Satellitenlöcher zu überwachen, die von den Sowjets auf ihrem Testgelände in Semipalatinsk gebohrt wurden und um festzustellen, ob das Satellitenloch für
die
CORRTEX-Messung
geeignet
ist.
Das Gerät wird von einer 14köpfigen
amer ikanisehen
Experten-Delegation
begleitet, die das Gerät in Betrieb
nehmen und die die Daten auswerten
soll.
3. - 7. Mai 1988
Auf sowjetische Bitte transportieren die Vereinigten Staaten per
Luft eine Bohrplattform mit Mannschaft nach
Semipalatinsk, um ein
neues Satellitenloch für das JVE zu
bohren.
24. Mai 1988
Die Sowjetunion legt einen Entwurf zum Verifizierungs-Protokoll zu
PNET vor.

�29. Mai - 1. Juni 1988
Beim Moskauer Gipfeltreffen weisen Präsident Reagan und GeneralSekretär Gorbatschow ihre Unterhändler an, die Erstellung eines Protokolls zu PNET zu beschleunigen und so
bald wie möglich nach der Durchführung des JVE und der Analyse der Ergebnisse ein Protokoll zu TTBT anzufertigen. Im Verlauf des Gipfeltreffens unterzeichnen die Außenminister
Shultz und Schewardnadse ein Abkommen
über das gemeinsame Verifizierungsexperiment,
das
Verfahren
für
die
Durchführung des Experiments festlegt.

für das Experiment, das in den Vereinigten Staaten voraussichtlich im
August und in der Sowjetunion im September durchgeführt wird.

* * * * *

14. Juni 1988
Sowjetisches hydrodynamisches Gerät zur Messung des atomaren Detonationswertes der JVE-Explosion auf dem
Testgelände in Nevada kommt in den
Vereinigton Staaten an und wird von
Washington nach Nevada transportiert.
19. Juni 1988
Die wichtigsten
Mitglieder
der
sowjetischen Delegation, die am JVE
teilnehmen, trefCen in den Vereinigten Staaten ein.
28. Juni 1988
Die Vereinigten Staaten und die
Sowjetunion beenden Runde II der NTT
in Genf.
Im Verlauf der Verhandlungsrunde sind beträchtliche Fortschritte in Richtung auf eine wirksame Verifizierung von PNET und TTBT
erzielt worden.
Ein Abkommen über
das Verifizierungs-Protokoll zu PNET
ist für beide Seiten in greifbare Nähe gerückt.
Die Einigung über das
Protokoll wird weitere Fortschritte
beim Verifizierungs-Protokoll zu TTBT
erleichtern.
Juli 1988
Die Vorbereitungen zum JVE sind
weit fortgeschritten.
Personal beider Seiten befindet sich jetzt auf
dem Testgelände der jeweils anderen
Seite und trifft die Vorbereitungen
6 -

�AMERIKA DIENST
VON

4

Hintergrundmaterial

27. Juli 1933

28

DIE WAHLEN IN AMERIKA 1988

WAHLPLATTFORM DER DEMOKRATEN AUF EINIGKEIT AUSGERICHTET
- Meinungen auf dem Parteikonvent -

ATLANTA - (AD)- Die beim alle vier Jahre stattfindenden nationalen Parteikonvent versammelten Demokraten schlagen zunehmend den ungewohnten Kurs der
dem Wahljahr eigenen Eintracht ein und entschärfen somit die politischen Differenzen zwischen dem Präsidentschaftskandidaten Michael Dukakis und seinem
hartnäckigen Rivalen, dem BUrgerrechtsführer Jesse Jackson.
Die Delegierten beim Konvent vereinbarten am zweiten Tag ihres Zusammentreffens am 19. Juli im Omni
Coliseum die Aufnahme einer Reihe von
neuen Erklärungen zu nationalen Programmen, zur Außenpolitik und Verteidigung in die Wahlplattform ihrer
Partei, mit der die erklärte Politik
der Partei gegenüber der von Jackson
befürworteten
Position
abgegrenzt
wird.
Der
frühere
Kongreßabgeordnete
und Vertreter des Gouverneurs von
Massachusetts Michael Dukakis bei den
Verhandlungen zwischen beiden Lagern,
Michael Barnes, erklärte, die Plattform "schließe den Konvent auf eine
Weise zusammen, in der die Demokratische Partei noch niemals in einer
Plattform vereint war - wie sich alle

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Embassy of the United States of America

in diesem Saal erinnern werden. Dies
kann dazu beitragen, der Demokratischen Partei in diesem November zum
Sieg zu verhelfen", erklärte er.
Die beiden Themenkreise, über die
Dukakis und seine Anhänger einfach
keine Kompromisse schließen konnten Jacksons Vorschläge für Steuererhöhungen für die Reichen und die Forderung, auf einen Erstschlag mit Nuklearwaffen zu verzichten - wurden nach
den Debatten im Plenum mit eindeutiger Stimmenmehrheit vorworfen.
Ein
anderer
Programmpunkt
Jacksons, der das Recht der Palästinenser auf Selbstbestimmung forderte,
erwies sich nahezu als das entzweiendenste Element, das dem Konvent
vorgetragen wurde.
Es wurde gemäß

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�einer früheren Vereinbarung zurückgezogen, nachdem Jacksons Anhänger ihre
Position in einer emotionsgeladenen
Diskussionen dargelegt hatten.
Die Plattform war in den vergangenen Wochen von erheblichen Kontroversen geprägt.
Dukakis Anhänger
suchten eine allgemeine Erklärung
über ein weitgestecktes Parteiprogramm zu entwerfen und hofften damit
einzelne Punkte zu umgehen, mit der
die eine oder andere Wählergruppe abgeschreckt werden könnte, während
Jackson auf die Einbeziehungen sehr
viel
kontroverserer
Bestimmungen
drängte.
Einige der Ideen Jacksons fanden
zu Beginn des Verhandlungsprozesses
Eingang in die Plattform - am bemerkenswertesten der deutlich formulierte Punkt, in dem Südafrika zu einem
terroristischen Staat erklärt wird,
gegen den eine Reihe von Sanktionen
verhängt werden sollen.
Jacksons Erfolg bei der Einbringung einiger seiner Positionen stärkt
die noch vor einigen Tagen zweifelhaften Aussichten darauf, daß er bei
der Wahlkampagne im Herbst enthusiastisch für Dukakis arbeiten wird.
Dukakis, der zu Beginn dieses
Jahres Jackson und einige andere Mitstreiter bei den Vorwahlen der Einzelstaaten überrundet hatte, ist am
20. Juli vom Parteikonvent formell
zum Kandidaten seiner Partei gewählt
worden.

rückgehen:
- Eine eindeutige Abkehr von den
Prioritäten
der Reagan-Administration beim Umgang mit dem Bundeshaushalt.
Der Punkt besagt,
daß "Investitionen in Amerika und
ein Abbau des Defizits es erfordern, daß die Wohlhabenden und
die Unternehmen ihren gerechten
Anteil tragen und wir die Ausgaben des Pentagon beschränken."
- Sofortige Bestrebungen der Vereinigten Staaten zur Aushandlung
eines gemeinsamen Moratoriums mit
der Sowjetunion über die Erprobung von Raketen im Flug zusammen
mit einem Teststopp für Nuklearraketen.
- Durchführung einer Politik gegenüber Mittelamerika, die "ein Ende
der Unterstützung für nicht reguläre
Streitkräfte"
vorsieht,
wahrscheinlich einschließlich des
Widerstands der Contras, die das
sandinistische Regime in Nicaragua bekämpfen, sowie eine Politik, die von Verhandlungen und
Wirtschaftshilfe und nicht durch
militärische Lösungen geprägt ist.
- Im Nahen Osten, Unterstützung der
"Souveränität, Unabhängigkeit und
territorialen Integrität des Libanon", sowie Förderung der Anstrengungen der Vereinten Nationen um Beendigung des Krieges
zwischen Iran und Irak und Sicherung der freien Schiffahrt im
Golf.

Obwohl eine Wahlplattform die Politik der Partei darlegt, ist sie
nicht bindend für den Präsidentschaftskandidaten, wenn er gewählt
wird. Tatsächlich wies der frühere
Präsident Jimmy Carter beide Male
nach seiner Nominierung in den Jahren
1976 und 1980 Teile der demokratischen Wahlplattform sofort nach ihrer Verabschiedung zurück.

- Im Hinblick auf Sozialprogramme
im Inland, eine erhebliche Erhöhung der Mittel für das Bildungswesen, die Verpflichtung zur Verbesserung der Schwangerschaftsvorsorge, Ernährung von Kleinkindern und der Vorschulerziehung
sowie die Erarbeitung eines "nationalen Gesundheitsprogramms".

Nachfolgend die von den Delegierten befürworteten Zusätze, die auf
Jacksons wichtigste Forderungen zu-

Der Zusatz, in dem ausdrücklich
Steuererhöhungen für Unternehmen und
hohe
Einkommensgruppen
gefordert

�wird, wurde mit mehr als zwei zu eins
verworfen.
Obwohl viele Demokraten erklärt
haben, Steuererhöhungen seien zum Abbau des ungeheuren Haushaltsdefizits
der vergangenen Jahre erforderlich,
sind sie doch der Ansicht, das deutliche Aussprechen dieser Idee würde
die Wähler abschrecken.
Zahlreiche Beobachter sind der
Ansicht, daß die Forderung des früheren Vizepräsidenten Walter Mondale
nach Steuererhöhungen ihn bei den
Wahlen 1984 die Präsidentschaft gekostet hat.
Gegen diesen Punkt wandte die Abgeordnete Barbara Kennelly aus Kalifornien gegenüber den Delegierten
ein, "Michael Dukakis will seine Präsidentschaft nicht mit einer Steuererhöhung beginnen, und meiner Ansicht
nach sollten wir ihn auch nicht dazu
zwingen."
Ein Zusatz, mit dem die Vereinigten Staaten aufgefordert werden, den
Ersteinsatz von Nuklearwaffen auszuschließen, wurde mit noch größerer
Mehrheit abgelehnt.
Führende Kernwaffengegner wie Senator Alan Cranston sprachen sich gegen diesen Punkt aus. Cranston gab
zu bedenken, die Sowjetunion hätte
keinen Grund, einer solchen Forderung
Glauben zu schenken, ebensowenig wie
die Vereinigten Staaten kein Vertrauen in eine solche Erklärung der Sowjets hätten. Und "die Versicherung
eines unglaubwürdigen Punktes trägt
nicht zu gegenseitigen Respekt bei",
erklärte
Cranston.
Stattdessen
schlug Cranston vor, "wir sollten zusammenarbeiten, um
eine Welt zu
schaffen, in der es keinen ersten
Einsatz, keinen zweiten Einsatz und
überhaupt keinen Einsatz von Kernwaffen gibt."

war. Es kamen Emotionen auf, als der
amerikanische Delegierte arabischer
Abstammung
James
Zogby
aus
Washington, D.C. einen von Jackson
unterstützten Vorschlag aufgriff, der
für die Palästinenser das Recht auf
Selbstbestimmung fordert.
Zogby nannte diesen umstrittenen
Vorschlag eine "grundlegende Forderung nach Gerechtigkeit, Menschenrechten, Gleichberechtigung und Frieden". Er erklärte, daß die Befürworter der Selbstbestimmung einen wichtigen Sieg errungen hätten, indem sie
das Thema erst einmal zur Diskussion
gestellt hätten und daß eine Abstimmung darüber nicht erforderlich und
auch nicht beabsichtigt sei.
Senator Daniel Inouye aus Hawaii
sprach sich gegen diesen Zusatz aus,
und erklärte, er "möge unschuldig
klingen", aber tatsächlich "einen
Staat errichten, der sich weigert,
auf Terrorismus gegen Israel zu verzichten.
Aus den Reihen der Delegierten
und Beobachter waren Buh-Rufe zu vernehmen, und man suchte Inouye niederzuschreien, als er erklärte, mit der
Umwandlung der Palästinensischen Befreiungsfront und ihrer Befürworter
in eine Regierung "könnte für Amerikas einzig verläßlichen Verbündeten
in dem Teil der Welt - Israel - der
Samen der Zerstörung gesät werden".
Es gab weitere Buh-Rufe, als der
Abgeordnete Charles Schumer aus New
York erklärte, Zogbys Argumente "zutiefst falsch" zu finden, und darauf
hinwies, daß der Vorschlag sicherlich
noch vor einer Abstimmung zurückgezogen würde, weil er keine Zustimmung
finden würde.

* * * * *

Nahezu die gesamte Debatte über
die Wahlplattform fand in zivilem
Rahmen statt, was bei früheren Parteikonventen nicht immer der Fall
- 3 -

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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Shultz: Irans Erklärung "erster Schritt" zum Frieden im Golf&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Pressekonferenz von Außenminister Shultz in Tokio&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Resolution 598 des Weltsicherheitsrats ein Jahr alt&lt;br /&gt;&lt;em&gt;UN-Bemühungen zur Beendigung des Krieges zwischen Iran und Irak&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Verbesserte Rentner-Krankenversicherung in USA&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erste wichtige Reform in 23 Jahren &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;ACDA-Chronologie zu Atomtests&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Zusammenfassung der ACDA &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Wahlen in Amerika 1988&lt;br /&gt;Wahlplattform der Demokraten auf Einigkeit ausgerichtet&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Meinungen auf dem Parteikonvent &lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST
'VoN

4

13. J u l i 1988

27

INHALT
DOKUMENTATION
Burt; Vereinigte Staaten unterstützen europäischen Binnenmarkt
- Ansprache bei Grundsteinlegung für Frankfurter Messeturm -

HINTERGRUNDMATERIAL
Die amerikanische Präsenz im Persischen Golf
- Chronologie der Ereignisse in den letzten zwei Jahren DIE WAHLEN IN AMERIKA 1988
Dukaki8 Entscheidung für Bentsen schafft Ausgewogenheit
- Kurzbiographie des Vizepräsidentschaftskandidaten Lloyd Bentsen
Dukakis wählt Bentsen als Kandidat für die Vizepräsidentschaft
- Senator aus Texas -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Warnzeichen; Ökologische Krisen
- Rücksichtsloser Technikgebrauch kommt uns teuer zu stehen

Hinweis: Wir bitten unsere Leser um Verständnis, wenn der
AMERIKA DIENST während der Urlaubszeit nicht immer mit der
gewohnten Regelmäßigkeit erscheinen wird.
Ihre Redaktion

* * * * * *

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Dokumentation

13. Juli 1988

27

BURT:

VEREINIGTE STAATEN UNTERSTÜTZEN EUROPÄISCHEN BINNENMARKT

- Ansprache bei Grundsteinlegung für Frankfurter Messeturm FRANKFURT AM MAIN - (AD) - Botschafter Burt zufolge genießt das Streben
Europas nach Schaffung eines europäischen Binnenmarkts die energische Unterstützung der Vereinigten Staaten. "Die Europäische Gemeinschaft ist in unserem transatlantischen Beziehungsgeflecht ein wichtiger Partner," erklärte der
Botschafter, "und die Vereinigten Staaten unterstützen die europäischen Bemühungen zur Schaffung eines Binnenmarkts." In einer Ansprache anläßlich der
Grundsteinlegung für den neuen Messeturm in Frankfurt warnte Burt am 13. Juli
jedoch gleichzeitig vor Gefahren, die sich aus dem Bau einer "Festung Europa"
ergeben würden.
Die Rede des Botschafters hat folgenden Wortlaut (es gilt das gesprochene
Wort):

Es ist mir eine große Ehre und
ein Vergnügen, heute abend bei diesem
historischen Anlaß anwesend sein zu
können.
Ich sage historisch, weil
Handelsmessen in Deutschland eine
lange und reiche Tradition besitzen.
Am Schnittpunkt vieler bedeutender
europäischer Handelsrouten gelegen,
ist Deutschland seit langem ein beliebter Messeort.
In diesem Jahr
werden 92 internationale Messen hier
stattfinden.
Dies ist eine eindrucksvolle Bilanz.

Die durch die Aussicht auf einen
wirklich
ganz
Europa
umfassenden
Markt von Gütern und Dienstleistungen
geweckte Begeisterung hat sich in den
letzten Monaten dramatisch verstärkt.
Wie nie zuvor werden meine Gespräche
von "1992" beherrscht.

über die Bewahrung eines hervorragenden Rufes hinaus symbolisiert
dieser neue Messeturm die vielversprechende Zukunft des Handels in
Europa. Wenn ich dies sage, denke
ich an den europäischen Binnenmarkt
des Jahres 1992.

- Erstens, die amerikanische Sichtweise zum gemeinsamen Binnenmarkt;

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Heute abend möchte ich Ihnen meine Perspektiven zum europäischen Binnenmarkt des Jahres 1992 erläutern.
Sie konzentrieren sich auf vier wesentliche Punkte:

- zweitens, unsere Sorgen über möglicherweise verstärkten Protektionismus, der daraus erwachsen
könnte;

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�- drittens, die Notwendigkeit der
Beibehaltung eines multilateralen
Ansatzes zur Lösung wirtschaftlicher Probleme; und
- viertens und letztens, einige besondere politische Probleme, die
sich aus jüngsten Vorschlägen der
Europäischen Gemeinschaft ergeben.
Zunächst möchte ich mich der amerikanischen Haltung zum gemeinsamen
Binnenmarkt zuwenden. Das Europa des
Jahres 1992 wirft für die Vereinigten
Staaten und für das bilaterale Verständnis zwischen den Vereinigten
Staaten und Europa wichtige Fragen
auf. Lassen Sie mich eines jedoch
klar zum Ausdruck bringen: Die Vereinigten Staaten unterstützen die europäischen Bemühungen zur Schaffung
eines Binnenmarkts.
Die Europäische Gemeinschaft ist
in unserem transatlantischen Beziehungsgeflecht ein wichtiger Partner ein Partner, den wir traditionell unterstützen. Diese Unterstützung besteht unverändert seit der Gründung
der Montanunion im Jahr 1951 über die
Unterzeichnung der Römischen Verträge
im Jahr 1957 bis zum kürzlichen Beitritt von Spanien und Portugal fort.
Der Binnenmarkt des Jahres 1992 ist
ein logischer nächster Schritt.
Die von den europäischen Staatsmännern der fünfziger Jahre bei der
Gründung der Europäischen Gemeinschaft verfolgten Ziele behalten auch
heute ihre Gültigkeit: für das wirtschaftliche Wohlergehen der Region zu
sorgen, die äußere Sicherheit zu garantieren und politische Stabilität
im Innern sicherzustellen. Trotz der
geringfügigen
Auseinandersetzungen,
die wir in der Vergangenheit zu bestimmten Themen hatten - und die wir
auch in Zukunft haben werden - sollte
man diese Gesamtperspektive im Gedächtnis behalten.
Ein stärkeres Europa dient unseren gemeinsamen Interessen, und die
Entwicklung des Binnenmarkts im Jahr
1992 wird erheblich dazu beitragen.

Der Gegensatz zu der noch vor einigen
Jahren
vorherrschenden
Einstellung
könnte schon jetzt nicht schärfer
sein. Vorbei ist das selbstzerstörerische Gerede von Europessimismus
und Eurosklerose. Statt dessen diskutieren Unternehmen und Regierungen
intensiv ihre Strategien zur Arbeit
auf dem größeren und dynamischeren
Markt der Zukunft.
Der Gedanke eines neuen Europas
im Jahr 1992 hat sich nicht nur bereits verfestigt, sondern es wurden
auch
schon
bedeutende
praktische
Fortschritte erzielt - insbesondere
in den vergangenen sechs Monaten.
Beim jüngsten Treffen des Europäischen Rats in Hannover wurde berichtet, daß über ein Drittel des Weißbuchs der EG-Kommission - der Fahrplan für 1992 - verabschiedet werden
konnte. Dazu gehören die vollständige Liberalisierung des Kapitalverkehrs, die gegenseitige Anerkennung
von Hochschuldiplomen, die Öffnung
des Versicherungsmarkts
sowie des
Markts im Straßen- und Lufttransportwesen.
Schon werden die nächsten
Prioritäten ins Auge gefaßt: die Deregulierung des öffentlichen Beschaffungswesens,
Unternehmensgesetzgebung, Steuerharmonisierung, Bankwesen
und andere Finanzdienstleistungen sowie Patente und Markenzeichen.
Schwierige Fragen und Probleme
sind noch zu lösen. Jedoch zeigen
die bis heute erzielten Fortschritte,
daß 1992 mehr als nur ein Traum ist es ist ein Ziel, das zu erreichen die
Europäer entschlossen sind. Und täuschen Sie sich nicht: wir unterstützen dieses Ziel.
Es gibt einige vordringliche Fragen bezüglich 1992, die von Amerikanern wie Europäern gleichermaßen erörtert werden müssen. Die Amerikaner
sind bestrebt, mehr über die Ziele
des Jahres 1992 und den Weg dorthin
in Erfahrung zu bringen. Im vergangenen Monat fand ein von der KonradAdenauer-Stiftung
veranstaltetes
Treffen zwischen deutschen und amerikanischen Regierungsvertretern statt.

- 2 -

�Die amerikanischen Teilnehmer brachten ihre Bedenken und auch Mißverständnisse über den Binnenmarkt zum
Ausdruck. Sie sprachen sogar von einer "Festung Europa".
Damit komme
ich zu meinem zweiten Punkt.
Die Entfaltung des europäischen
Binnenmarktes im Jahr 1992 bringt eine dynamischere Marktsituation mit
sich. Schwächere Unternehmen könnten
sich neuem und stärkerem Konkurrenzdruck ausgesetzt sehen. Um den noch
stärkeren Konkurrenzdruck durch Unternehmen in Drittländern - insbesondere aus den Vereinigten Staaten und
Japan - abzuwenden, werden sie voraussichtlich um Schutz ersuchen.
Jedes neue Abenteuer birgt Risiken. Die Gefahr des Protektionismus
ist nicht neu. Aber Präsident Reagan
hat beispielhaft bewiesen, daß man
sich den Rufen nach Protektionismus
widersetzen kann. Und dies muß der
Fall sein - sowohl in den Vereinigten
Staaten als auch in Europa.
Was würde die "Festung Europa"
für die Europäer bedeuten? Ein isoliertes, schwächeres Europa, das gegenläufige Auswirkungen auf die politische und militärische Zusammenarbeit im Bündnis hätte. Wie ich bereits erwähnte, liegt ein stärkeres
Europa in unserem vorrangigen Interesse.
Eine "Festung Europa" würde vorwiegend den Europäern selbst schaden.
Sie würde ihren Bürgern die uneingeschränkte Nutzung der Vorteile versagen, die ihnen dank der zahlreichen
Opfer zustehen, die sie für die Verwirklichung eines tatsächlich ganz
Europa umfassenden Marktes erbringen.
Wachsende Kosten und Ineffizienz würden die internationale Wettbewerbsfähigkeit europäischer Firmen untergraben. Dies ist keine neue Lektion und sicherlich keine, die wiederholt
werden muß.
Um Verhaltensweisen nach dem Muster "Festung Europa" - oder Regionalismus jeglicher Art - zu vermeiden,

dürfen wir unseren traditionellen
multilateralen Ansatz bei der Lösung
von Wirtschaftsproblemen nicht bagatellisieren. Damit komme ich zu meinem dritten Punkt. Europas Weg ins
Jahr 1992 sollte unsere gemeinsamen
Bemühungen bei der gegenwärtig in
Genf
tagenden Uruguay-Runde nicht
überschatten. Diese Runde von Handelsgesprächen ist ein gigantisches
Unterfangen, um Disziplin in den Handel mit Agrarprodukten und Dienstleistungen, geistigem Eigentum und Investitionen zu bringen.
Tatsächlich
können die äußerst schwierigen Probleme im Agrarsektor nur im multilateralen
Kontext
gelöst
werden.
Dies ist ein Problem, für das wir alle gleichermaßen die Schuld tragen.
Daher müssen wir gemeinsam an seiner
Lösung arbeiten.
Während
multilaterale
Ansätze
nicht außer acht gelassen werden
sollten, können bilaterale und regionale Lösungen ein Mittel zur Stärkung
des weltweiten Handelssystems darstellen.
Das Schlußkommunique des
jüngsten Wirtschaftsgipfels in Toronto hätte in diesem Punkt nicht
präziser formuliert sein können:
"Wir begrüßen das Freihandelsabkommen zwischen Kanada und den
Vereinigten Staaten sowie die
stetigen Fortschritte in Richtung
auf das Ziel der Europäischen Gemeinschaft, den Binnenmarkt bis
1992 zu verwirklichen.
Unser
Grundsatz ist, daß diese Entwicklungen
gemeinsam
mit
anderen
Schritten zur Zusammenarbeit zwischen unseren Ländern das offene,
multilaterale Handelssystem unterstützen und den von der Uruguay-Runde eingeleiteten Liberalisierungsprozeß
beschleunigen
sollten."
Das amerikanisch-kanadische Freihandelsabkommen ist hierfür ein einschlägiges Beispiel: wir bauen die
Handelsschranken
zwischen
unseren
beiden Ländern ab und errichten keine
neuen gegen andere Länder. Von ebensolcher Bedeutung ist, daß das ameri-

- 3 -

�kanisch-kanadische Abkommen das Allgemeine
Zoll- und
Handelsabkommen
(GATT) respektiert und darauf achtet,
die Erfolge des multilateralen Ansatzes nicht zu unterlaufen. Dank dieser
Bestrebungen
der
Vereinigten
Staaten und Kanadas werden neue Märkte eröffnet und ein Gegengewicht gegen Protektionismus und Investitionshemmnisse gebildet.

hat es vielleicht niemanden so sehr
überrascht - obwohl es schon enttäuschend war -, daß die von der EG-Kommission neu vorgelegten Richtlinien
für das Bankwesen eine Gegenseitigkeitsklausel für die Gründung von
Tochtergesellschaften einer Bank enthielten.
Entwicklungen auf diesem
Gebiet werden wir mit Interesse verfolgen.

Ich möchte mich jetzt zwei besonderen Themenkomplexen zuwenden, die
sich im Zusammenhang mit dem Jahr
1992 herausgebildet haben: der erste
ist die Politik der Gegenseitigkeit
und der zweite betrifft Fusionen und
Firmenübernahmen.

Gegenseitigkeit ist tatsächlich
ein Instrument des Bilateralerismus.
Wenn wir wirklich am Multilateralismus interessiert sind, ist eine nationale Behandlung - wobei Firmen und
Produkte aller Länder gleich behandelt werden - die einzig billige und
gerechte Politik, die das multilaterale System stärkt.
Die nationale
Behandlung ist der Kern des GATT-Systems, das dem Handelssystem in der
Nachkriegszeit so gute Dienste erwiesen hat.

Gegenseitigkeit bedeutete einmal,
Zugeständnisse gegen Vorteile aufzuwiegen - der Schlußstrich am Ende von
Verhandlungen. In den Handelsbeziehungen jedoch wurde Gegenseitigkeit
zur Regel. In seiner ausgeprägtesten
Form bedeutet dies: "Ich werde Dir
auf meinem Markt nur das erlauben,
was Du mir auf Deinem Markt gestattest."
Dies mag recht und billig klingen, ist es aber nicht.
Zwischen
zwei Ländern angewandt führt Gegenseitigkeit zu mehr - und nicht zu weniger - Protektionismus.
Kanada,
Norwegen und Schweden zum Beispiel
gestatten ausländischen Banken die
Niederlassung in ihren Ländern nur
als Tochtergesellschaft, nicht aber
als Filiale. Wenn andere Länder die
Politik der Gegenseitigkeit nun ebenfalls anwenden würden, wären die Filialen kanadischer, norwegischer und
schwedischer Banken gezwungen, ihren
Betrieb einzustellen. Daher beruhen
durch Gegenseitigkeit geförderte Normen nur auf dem kleinsten gemeinsamen
Nenner.
Bedauerlicherweise hat sich Gegenseitigkeit in der Finanzwelt recht
komfortabel eingenistet.
Einer Untersuchung der OECD von 1984 zufolge
wenden fast die Hälfte der 24 OECDMitgliedstaaten eine Art der Gegenseitigkeit im Bankwesen an. Daher

Das zweite Thema, an dem die Vereinigten Staaten interessiert sind,
ist die Politik gegenüber Fusionen
und Firmenaufkäufen. Meiner Meinung
nach bedeutet der Geist von 1992 flexiblere Märkte, auf denen ganz allgemein gesprochen Investitionsentscheidungen von finanzpolitischen Zielen
geleitet und nicht durch einzelstaatliche Erwägungen eingeschränkt werden.
Die Fähigkeit zur Fusion mit anderen Firmen in dieser Region wird
für europäische Unternehmen ein entscheidener Faktor im Hinblick auf die
Frage sein, ob der neue Gedanke des
europäischen Binnenmarkts alte Vorurteile überwunden hat. Vorschläge auf
diesem Gebiet befinden sich noch im
Frühstadium. Ich möchte unsere Position aber schon zu Beginn der Diskussion deutlich machen.
Aus unserer
Sicht sollten die Rechte von Firmen
aus Drittländern bei der Fusion mit
oder Übernahme von europäischen Firmen nicht eingeschränkt werden. Fusionen und Übernahmen, die den Wettbewerb nicht einschränken, sind der
Lebensnerv eines gut funktionierenden
Marktes.

�Wie Sie sicherlich wissen, haben
wir in den Vereinigten Staaten erfolgreich jene Zusatzartikel aus dem
Handelsgesetz gestrichen, die - wenn
auch nur in bescheidenem Maße - bestehende Rechte ausländischer Firmen
zum Erwerb von amerikanischen Unternehmen eingeschränkt hätten. Unsere
Botschaft ist klar: offenere - und
nicht geschlossenere - Märkte sind
der Schlüssel zu gesünderen Volkswirtschaften und einer Stärkung der
freien Welt.
Abschließend möchte ich nochmals
betonen, daß der gemeinsame europäische Binnenmarkt europäischen und
ausländischen Firmen enorme Möglichkeiten und Chancen eröffnet.
Neue
Investitionsentscheidungen
und Marketingstrategien werden schon
heute eingeleitet.
Die Zusammenarbeit zwischen Tishman-Speyer, Citicorp und der Frankfurter Messe- und
Ausstellungs-GmbH bei der Durchführung dieses ehrgeizigen Bauvorhabens
ist in der Tat ein Beispiel für die
jetzt entstehenden Geschäftsbeziehungen und Chancen.
•
Die Furcht vor Wettbewerb und
Protektionismus, vor einer "Festungsmentalität", wird durch die Unsicherheit über derzeitige und noch vor uns
liegende
Veränderungen
ausgelöst.
Vor 25 Jahren hat Präsident Kennedy
in genau dieser Stadt festgestellt:
"Veränderung ist das Gesetz des Lebens. Und diejenigen, die nur in die
Vergangenheit schauen oder die Gegenwart betrachten, werden die Zukunft
ganz bestimmt verpassen."
Diese Worte haben eine besondere
Bedeutung für all jene, die mit der
Gestaltung des Europas der neunziger
Jahre befaßt sind. Ganz sicher werden diejenigen, die an der heutigen
Grundsteinlegung zu jenem innovativen
Bauvorhaben beteiligt sind, die Zukunft nicht verpassen.
* * * * * *

- 5 -

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'VON**

13. Juni 1988

27

DIE AMERIKANISCHE PRÄSENZ IM PERSISCHEN GOLF
- Chronologie der Ereignisse in den letzten zwei Jahren -

WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir eine Chronologie zum
Engagement der Vereinigten Staaten im Golf, die den Zeitraum der vergangenen
zwei Jahre abdeckt.

1986
12. Mai
Ein amerikanischer Zerstörer verwarnt eine iranische Fregatte bei ihrem offensichtlichen Versuch, das
amerikanische Handelsschiff "President McKinley" im Golf von Oman abzufangen. Dem Verteidigungsministerium
zufolge leisten die Iraner der Aufforderung Folge, "die freie Durchfahrt des Schiffes zu gewährleisten",
und drohen keine Kampfhandlungen an.
16. November
Kuwait
informiert die anderen
Mitglieder des Rates für die Zusammenarbeit im Golf, der sich aus einer
Gruppe arabischer Staaten zusammen-

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Embassy of the United States of America

setzt, über seine Bestrebungen um internationale Hilfe für seine Schiffe
im Golf. Die Bitte erfolgt nach einem verstärkten Angriff des Iran auf
Schiffe unter kuwaitischer Flagge und
Schiffe auf der Reise von und nach
Kuwait.

1987
13. Januar
Kuwait richtet die Anfrage an die
Botschaft der Vereinigten Staaten, ob
seine Schiffe bei einer Registrierung
unter amerikanischer Flagge unter den
Schutz der US-Navy gestellt würden.
29. Januar

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Telex: 8-85432

�Präsident Reagan bekräftigt sein
Engagement
für
freien
Öltranport
durch die Straße von Hormus und gestattet Kuwait die Umflaggung seiner
Schiffe, sofern diese amerikanischen
Vorschriften entsprechend ausgerüstet
sind.
6. Februar
Die Vereinigten Staaten bestätigen Kuwait gegenüber, die amerikanische Marine würde alle Schiffe unter amerikanischer Flagge im höchstmöglichen Ausmaß und mit allen verfügbaren Mitteln zu unterstützen.
2. März

Iran greift innerhalb von acht
Tagen einen dritten Tanker mit dem
Bestimmungshafen Kuwait an und warnt
Kuwait vor der Inanspruchnahme amerikanischen Schutzes.
17. Mai
Die
amerikanische
Fregatte
"Stark" wird von zwei Raketen eines
irakischen Kampfflugzeuges getroffen.
Dabei werden 37 Besatzungsmitglieder
getötet. Der Irak entschuldigt sich
für das "Versagen des Piloten", aber
Außenminister Shultz erklärt, der
Zwischenfall "demonstriert die Härte
des Krieges zwischen Iran und Irak,
nicht nur für die Beteiligten, sondern auch für andere Länder".

Eine kuwaitische Reederei ersucht
darum, sechs Handelsschiffe umflaggen
zu dürfen.
7. März
Die Vereinigten Staaten bieten
elf kuwaitischen Tankern Schutz an.
Die Entscheidung zur Umflaggung der
Tanker wird von Präsident Reagan nach
Konsultatonen mit dem Verteidigungsminister, dem Marineminister, dem Nationalen Sicherheitsberater und anderen Regierungsvertretern getroffen.
10. März
Kuwait erklärt, das amerikanische
Angebot zu seinem Schutz annehmen zu
wollen.
4. April
Verteidigungsminister
Caspar
Weinberger verfügt eine stärkere Präsenz der Marine im Golf.

18. Mai
Präsident Reagan beruft eine Zusammenkunft der Planungsgruppe zur
nationalen Sicherheit (NSPG) ein, um
die Gesamtlage im Golf zu überprüfen
und bekräftigt das Engagement der
Vereinigten Staaten zur "Unterstützung der Selbstverteidigung unserer
Freunde im Golf und Gewährleistung
des freien Öltransports in der Straße
von Hormus".
Nach dem Treffen der NSPG veröffentlicht das Weiße Haus eine Erklärung, derzufolge Präsident Reagan für
die amerikanischen Schiffe im Golf
erhöhte Alarmbereitschaft angeordnet
hat. Die Erklärung enthält die Warnung: "Im Zustand erhöhter Alarmbereitschaft werden die Flugzeuge jedes
Landes (Iran und Irak) beschossen,
die sich in offensichtlich feindlicher Absicht nähern, bis sie uns von
ihren Absichten in angemessener Form
in Kenntnis setzen".

14. April
21. Mai
Die Sowjetunion erklärt, Kuwait
drei Tanker zum Öltransport durch den
Persischen Golf überlassen zu wollen
und damit die Möglichkeit zu erhöhen,
daß sowjetische Kriegsschiffe diese
begleiten.

Die
amerikanische
Küstenwache
veröffentlicht eine Entbindung vom
amerikanischen Seerecht, um die zügige Umflaggung kuwaitischer Tanker unter amerikanische Flagge sicherzustellen.

11. Mai
_ 2 -

�29. Juli

16. Juni
Wie aus Berichten des Verteidigungsministeriums an den Kongreß zu
entnehmen ist, operieren amerikanischen Seestreitkräfte, die den Begleitschutz der Handelsschiffe im
Golf sichern, nach extrem verschärften Einsatzrichtlinien. Diese neuen
Bestimmungen sind dem Pentagon zufolge seit dem Angriff auf die "Stark"
in Kraft. Gleichzeitig verlautet aus
Schiffahrtskreisen, daß die Iraner
den Golf verminen.
30. Juni
Präsident Reagan erklärt - unbeeinflußt durch die Einwände des Kongresses - daß die Vereinigten Staaten
weiterhin die Absicht haben, Tankern
im Golf Begleitschutz zu gewähren.
Hochrangige Regierungsvertreter erklären auf einer Pressekonferenz des
Weißen Hauses gegenüber Journalisten,
daß es trotz des erheblichen Risikos
weit risikoreicher ist, nichts zu tun.
1. Juli

Der Regierung zufolge hat das
Verteidigungsministerium
acht
Hubschrauber in den Golf beordert, um
die Minen zu suchen und zu entschärfen.
10. August
Ein
amerikanischer
Supertanker
wird unmittelbar außerhalb des Golfs
von Minen getroffen. Großbritannien
und Frankreich entsenden Minensuchboote und Versorgungsschiffe in die
Region.
20. August
Der Iran bekennt sich zur Verlegung von Minen "zur Verteidigung unseres
Kiistenstreifens".
"Solange
sich ausländische
Streitkräfte im
Golf befinden, ist der Einsatz solcher Mittel zur Blockierung des Zugangs
nur
verständlich",
erklärt
Kamal Kharazi, Sprecher ces iranischen
Obersten
Verteidigungsrats
und Leiter des Kriegsinformationszentrums dieser Behörde.

Berichten zufolge finden amerikanische Einheiten auf den Schiffahrtsrouten im Golf zwölf Minen.
21. Juli
Gemäß dem Abkommen mit den Vereinigten Staaten werden zwei kuwaitische Öltanker umgeflaggt.
Ihre
arabischen Namen werden in "Gas
Prince" und "Bridgeton" geändert.
22. Juli
Die erste Flotte amerikanischer
Kriegsschiffe und umgeflaggter kuwaitischer Öltanker erreicht den Persischen Golf.
24. Juli
Einer
der
von
amerikanischen
Schiffen
eskortierten
kuwaitischen
Tanker, die "Bridgeton", läuft in der
Nähe der Insel Farsi auf eine Mine.

15. September
Drei italienische Minensuchboote
und Unterstützungsschiffe kommen den
amerikanischen, britischen und französischen Schiffen bei der Minenräumung der Gewässer zu Hilfe. Eine Woche später beteiligen sich auch zwei
holländische Minenjagd- und zwei belgische Minensuchboote an der Aktion.
Die europäischen Regierungen erklären, individuell und nicht als Teil
der vereinigten Streitkräfte unter
amerikanischem Kommando operieren zu
wollen.
21. September
Ein amerikanicher Kampfhubschrauber nimmt einen iranischen MLnenleger
im Golf unter Beschuß; Berichten zufolge werden fünf Iraner getötet und
26 gefangengenommen. Das Weiße Haus
erklärt, die in internationalen Ge-

- 3 -

�wässern 80 Kilometer nordöstlich von
Bahrain gelegten Minen bedeuteten eine "Provokation", die "eine unmittelbare Bedrohung" für amerikanische und
andere Schiffe darstelle.
"Die Aktionen der Streitkräfte
der Vereinigten Staaten wurden in
Ausübung unseres Rechts auf Selbstverteidigung gemäß Artikel 51 der
Charta der Vereinten Nationen durchgeführt", stellt Präsident Reagan in
einem Brief an die Parteivorsitzenden
im Kongreß fest und fügt hinzu, "Minenverlegen auf hoher See ohne vorherige Benachrichtigung und in einem
Gebiet mit Schiffahrtsbeschränkungen
ist ungesetzlich und bedroht ernsthaft die weltweite öffentliche Ordnung sowie die Sicherheit der internationalen Handelsschiffahrt".
8. Oktober
Amerikanische
Kampfhubschrauber
versenken drei iranische Patrouillenboote, nachdem ein amerikanischer Beobachtungshubschrauber unter Beschuß
genommen wurde.
15. Oktober
Eine vermutlich in China hergestellte iranische Rakete des Typs
Seidenraupe
setzt
einen
amerikanischen Tanker in kuweitischen Gewässern in Brand und verursacht umfangreiche Schäden, es wird jedoch niemand verwundet.
16. Oktober
Ein kuwaitischer Tanker wird von
einer iranischen Rakete des Typs Seidenraupe getroffen.

die Bohrinsel sei für Angriffe auf
die zivile Schiffahrt genutzt worden
und die militärische Reaktion darauf
habe in "der gesetzmäßigen Ausübung
des in Artikel 51 der Charta der Vereinten Nationen verankerten Rechts
auf Selbstverteidigung" bestanden.
"Die Vereinigten Staaten wünschen
keine militärische Konfrontation mit
dem Iran", erklärt der Präsident,
"aber die iranische Regierung sollte
sich keine Illusionen über unsere
Entschlossenheit und Fähigkeit machen, unsere Schiffe und unsere Interessen vor nicht provozierten Angriffen zu schützen."
12. Dezember
Amerikanische Streitkräfte retten
28 Menschen von einem Tanker, der von
einem iranischen Schiff in Brand gesetzt wurde.

1988
12. Januar
Verteidigungsminister
Carlucci,
der über seine jüngste Reise in den
Golf Bericht erstattet, stellt in einem Fernsehinterview fest, daß die
Vereinigten Staaten "keineswegs die
Absicht zu einer Änderung ihrer Politik" in der Region haben und fügt
hinzu:
"Die Iraner sind sich der
Tatsache sehr wohl bewußt, daß wir im
Falle eines iranischen Angriffs bereit sind, uns zu verteidigen, daß
wir die Fähigkeit haben, uns zu verteidigen, und daß wir zu einem Vergeltungschlag ausholen werden."
17. Februar

19. Oktober
Als Vergeltung für die einige Tage zuvor erfolgten Angriffe auf die
Tanker
zerstören
amerikanische
Kriegsschiffe eine Bohrinsel vor der
Küste, die Berichten zufolge als
Stützpunkt für iranische Kanonenboote
dient.
In einer offiziellen Stellungnahme erklärt Präsident Reagan,

Die Vereinigten Staaten verringern die Zahl ihrer Schiffe im Golf
auf 28 Kriegsschiffe.
14. April
Die amerikanische Fregatte "USS
Samuel B. Roberts" läuft in internationalen Gewässern vor der Küste von

�Katar auf eine Mine; 10 Seeleute werden verwundet und das Schiff ernsthaft beschädigt.
In einem Schreiben an die Parteivorsitzenden im Kongreß erklärt Präsident Reagan, die amerikanischen
Streitkräfte blieben im Golf, um
Frieden und Stabilität in der Region
herbeizuführen und seien bereit "alle
erforderlichen Maßnahmen zu ergreifen, um sich, die Schiffe unter amerikanischer
Flagge sowie amerikanische Menschenleben zu schützen".
18. April
Amerikanische Kriegsschiffe zerstören zwei iranische Bohrinseln, die
vom Iran zu militärischen Zwecken genutzt wurden. Sechs iranische Schiffe werden kampfunfähig gemacht oder
versenkt. Der Angriff erfolgte auf
Anweisung von Präsident Reagan, der
die Parteivorsitzenden
von seiner
Entscheidung in Kenntnis setzte.

und ein zweites getroffen hatten.
Das Passagierflugzeug wurde Irrtümlich für ein F-14-Kampfflugzeug amerikanischer Bauart gehalten. Präsident Reagan und der Vorsitzende der
Vereinigten
Stabschefs,
Admiral
William J. Crowe Jr., bringen ihr
tiefes Bedauern über den Zwischenfall
zum Ausdruck.
5. Juli
In einem Schreiben an den Sprecher des Repräsentantenhauses und den
Senatspräsidenten pro tempore, stellt
Präsident Reagan fest, die amerikanische Aktion im Golf sei "im Einklang mit unserem verbrieften Recht
auf Selbstverteidigung" erfolgt. Er
wiederholt, die Vereinigten Staaten
bedauerten den tragischen Verlust an
Menschenleben zutiefst.

29. April
Präsident Reagan erteilt der Marine den Befehl, ihre Rolle im Golf
auszuweiten, um neutralen, nichtkommunistischen
Schiffen
ebensolchen
Schutz zu gewähren wie den Schiffen
unter amerikanischer Flagge.
2. Juli
Ein amerikanisches Kriegsschiff
reagiert auf den Notruf eines dänischen Supertankers, der von iranischen Kanonenbooten im Golf angegriffen wird und gibt einen Warnschuß ab.
3. Juli
Ein iranischer Airbus mit 290
Passagieren stürzt, von einer von der
"USS Vincennes" abgefeuerten Rakete
getroffen, über dem Golf ab. Es gibt
keine überlebenden.
Dem Verteidigungsministerium zufolge ist der Abschuß erfolgt, kurz nachdem ein amerikanischer Hubschrauber beschossen
wurde und amerikanische Kriegsschiffe
ein iranisches Kanonenboot versenkt
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13. Juli 1988

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DIE WAHLEN IN AMERIKA 1988

DUKAKIS ENTSCHEIDUNG FÜR BENTSEN SCHAFFT AUSGEWOGENHEIT
Kurzbiographie des Vizepräsidentschaftskandidaten Lloyd Bentsen

WASHINGTON - (AD) - Lloyd Miliard Bentsen, Jr., der von Michael Dukakis
als Demokratischer Vizepräsidentschaftskandidat bestimmte 67jährige Millionär
und Senator aus Texas hat das, was Dukakis braucht, um zum nächsten Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt zu werden: starke Anziehungskraft auf die
Wähler in einem wichtigen amerikanischen Bundesstaat.

Texas ist eines der großen Lose,
die bei amerikanischen Präsidentschaftswahlen zu ziehen sind. Durch
sein 29 Mitglieder umfassendes Wahlmännergremium - das drittgrößte nach
New York und Kalifornien - wird der
Staat zu einem enorm wichtigen Faktor
bei der Strategie beider Parteien.
Hinzu kommt, daß der mit Ölvorkommen
reich gesegnete südwestliche Bundesstaat eine der Hauptquellen für Wahlkampfspenden ist. Keinem Demokraten
ist es je gelungen, ins Weiße Haus
einzuziehen, ohne den Staat Texas gewonnen zu haben. Dieser Tatsache war
sich Michael Dukakis sicher bewußt,
als er seine Wahl am 12. Juli bekanntgab.
Den beliebten Favoriten texanischer Wähler - Bentsen wurde zu-

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nächst ins Repräsentantenhaus und
dann in den Senat von Texas gewählt kennzeichnet darüber hinaus die Tatsache, daß er den damaligen republikanischen Kandidaten George Bush bei
einer Wahl schlug. Bentsen überlistete Bush im Jahr 1970, als Bush ihn
bei seinem ersten Anlauf auf das Amt
im Senat herausforderte. Bentsen erreichte seinerzeit 53,3 Prozent der
Stimmen; als er 1976 die Wiederwahl
gegen einen anderen Herausforderer
anstrebte, konnte er das Ergebnis sogar noch auf 56,8 Prozent steigern.
Trotz der Popularität in seinem
Heimatstaat könnten Bentsen noch einige Auseinandersetzungen bevorstehen, wenn er und Bush am 8. November
um die Stimmen der Texaner ringen.
Obwohl Bush - wie auch Dukakis - in

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�Massachusetts geboren, hat der Vizepräsident den "Lone Star State" zu
seiner Heimat erklärt und im Laufe
der Jahre viel für die dortige Ölindustrie getan.
Meinungsumfragen
zufolge
liegt
Bush in Texas in Führung. Die Umfragen deuten aber auch darauf hin, daß
sich Dukakis Chancen für einen Wahlsieg in dem Staat durch Bentsen verbessert haben. Auf Fragen zu den
Spekulationen, wonach Dukakis den texanischen Senator zu seinem Vizepräsidentschaftskandidaten machen würde,
antwortete Bush kürzlich: "Ich mache
mir deshalb keine Sorgen. Wir können
den Staat gewinnen, auch wenn die
Wahl auf Bentsen fällt."
Bentsen, dessen Wahl nur sechs
Tage vor dem Nominierungsparteitag
der Demokraten in Atlanta angekündigt
wurde, ist für texanische Verhältnisse ein Liberaler. Im Vergleich zu
Dukakis gilt er allerdings als konservativ. Somit gleicht er - neben
anderen Pluspunkten - die Liste der
Demokraten ideologisch aus.
Ein möglicher Nachteil könnte
sich für Bentsen daraus ergeben, daß
er außerhalb der Grenzen von Texas
den amerikanischen Wählern nur wenig
bekannt ist.
Politische Analytiker
neigen dazu, dies herunterzuspielen,
weisen jedoch darauf hin, daß die
Wähler in der Regel für den Hauptkandidaten auf der Liste stimmen, vorausgesetzt, es gibt keine Kontroverse
über den Vizepräsdidentschaftskandidaten.
Die

Partnerschaft

zwischen

Dukakis und Bentsen ruft Erinnerungen
an eine andere Verbindung zwischen
Massachusetts und Texas wach - an
John F. Kennedy
und Lyndon B.
Johnson, die 1960 das Weiße Haus
übernahmen.
Bald
darauf
wurde
Johnson als erster Texaner Präsident
der Vereinigten Staaten.
Der elegant gekleidete, grauhaarige und aristokratisch auftretende
Bentsen gilt als geschickter Politi-

ker. Wie sonst könnte jemand so lange Zeit seiner Karriere im Senat das
amerikanische Unternehmertum fördern
und gleichzeitig den amerikanischen
Gewerkschaften positiv gegenüberstehen? Bentsen hat in den Vereinigten
Staaten auf Gewerkschaftsversammlungen Reden gehalten und ist ein Freund
des Präsidenten der AFL-CIO, Lane
Kirkland. Obwohl er sich zu Gewerkschaftsfragen nicht immer in ihrem
Sinne ausspricht, haben die Gewerkschaftsfunktionäre seine Wahl sofort
gutgeheißen.
Als Sproß einer wohlhabenen Großgrundbesitzerfamilie aus dem Tal des
Rio Grande in Texas wurde Bentsen
1948 im Alter von 27 Jahren in sein
erstes Amt im Repräsentantenhaus in
Washington gewählt. Er hatte seinen
Sitz in drei aufeinanderfolgenden
Amtsperioden inne, stellte sich jedoch nicht zur Wiederwahl, um in der
Privatwirtschaft
tätig
zu werden.
1970 wurde er Präsident einer Holding-Gesellschaft in Houston.
Bentsen hat bereits Erfahrung mit
Präsidentschaftswahlen.
Er
bewarb
sich schon 1976 erfolglos um die Nominierung der Demokraten, fiel aber
dann zu Beginn des Jahres aus dem nationalen Wettbewerb.
Im Jahr 1984
war er als Kandidiat für die Vizepräsidentschaft des Demokraten Walter
Mondale
gegen Ronald Reagan und
George Bush im Gespräch.
über Bentsens Ansichten zur Aussenpolitik ist wenig bekannt. Als
Vorsitzender des Finanzausschusses im
Senat spielte er jedoch eine zentrale
Rolle beim Kampf des Kongresses gegen
Reagan über die Handelsgesetze - ein
Problem, das die Demokraten bei der
Wahl erwartungsgemäß hervorheben werden. Die Demokraten haben versucht,
das Ungleichgewicht im Handel der
Vereinigten Staaten durch die Exportförderung und Vergeltung gegenüber
Ländern mit unfairen Handelspraktiken
abzubauen.
Im Jahr 1986 änderte Bentsen in
letzter Minute seine Haltung, um die

- 2 -

�Reagan-Administration bei ihrem Plan
zum Verkauf von Waffen im Wert von
265 Millionen Dollar nach Saudi-Arabien zu unterstützen. Zu diesem Geschäft gehörten etwa 1 700 Luft-LuftRaketen des Typs Sidewinder und 100
Luft-See-Raketen vom Typ Harpoon.
Bentsen wurde am 11. Februar 1921
in Mission, Texas geboren. Sein Jurastudium schloß er an der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität Texas ab. 1942 trat er in die
Armee ein, wo er es als B-24-Flieger
und Geschwaderkommandant im Einsatz
in Europa bis zum Major brachte. Ihm
wurden die Air Medal und das Distinguished Flying Cross verliehen.
Nach dem Krieg kehrte er nach
Hause zurück und war vor seiner Wahl
in
den
Kongreß
Bezirksrichter.
Bentsen ist verheiratet und hat drei
Kinder.

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13. Juli 1988

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DIE WAHLEN IN AMERIKA 1988

DUKAKIS WÄHLT BENTSEN ALS KANDIDAT FÜR DIE VIZEPRÄSIDENTSCHAFT
- Senator aus Texas -

BOSTON - (AD) - Michael Dukakis hat Senator Lloyd Bentsen aus Texas als
seinen Kandidaten für das Amt des Vizepräsidenten bestimmt. Diese Entscheidung wurde im Rahmen einer Pressekonferenz in der Faneuil Hall in Boston an
12. Juli nach einem Vormittag der Spekulationen über die Wahl Bentsens verkündet.
In seiner Ankündigung zog Dukakis
Parallelen
zwischen
einer
Liste
Dukakis-Bentsen
und der KennedyJohnson-Liste des Jahres 1960, die
ebenfalls aus einem Präsidentschaftskandidaten des Staates Massachusetts
und einem Vizepräsidentschaftskandidaten bestand, der Senator des Staates Texas war.
"Jack Kennedy und Lyndon Johnson
schlugen den republikanischen Vizepräsidenten und Bewerber um die Präsidentschaft (Richard Nixon) im Jahr
1960, und Mike Dukakis und Lloyd
Bentsen werden ihn (Bush) im Jahr
1988 schlagen," erklärte Dukakis vor
begeisterten Anhängern.

te

Die Ankündigung von Dukakis führzu erneuten Spekulationen über

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mögliche Auswirkungen auf die Unterstützung
von Dukakis
durch die
schwarzen Wähler.
Die Wahl eines
Senators aus einem konservativen SUdstaat könnte einigen Beobachtern zufolge möglicherweise schwarze Wähler
entfremden, die sich durch Jesse
Jacksons Wahlkampf zum Lager der Demokratischen Partei hingezogen fühlten.
Dukakis ist sich der Notwendigkeit wohlbewußt, die Loyalität der
schwarzen Wähler zu gewinnen, die
während der Vorwahlen Jesse Jackson»
Bewerbung um die Nominierung als Präsidentschaftskandidat
unterstützten.
In den letzten Wochen hatte Dukakis
jedoch keinen Hehl aus seiner Verärgerung über die deutlichen Anspielungen Jacksons, wonach dieser Anspruch

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�auf die Nominierung für das Amt des
Vizepräsidenten erhob, sowie über andere Forderungen von Jackson-Anhängern gemacht.

bedeutet eine unmittelbare persönliche Herausforderung für Vizepräsident Bush, als dessen stärkste Basis
im Süden Texas betrachtet wird.

In Washington erklärte Jackson
nach der Dukakis-Ankllndigung, daß er
wahrscheinlich die von der Partei nominierten
Kandidaten
unterstützen
werde. Eine eindeutige Unterstützung
der Dukakis-Bentsen-Liste blieb jedoch aus.

Der 67jährige Bentsen wurde erstmals im Jahr 1970 in den Senat gewählt, als er den damaligen republikanischen
Kandidaten
George
Bush
schlug. Gegenwärtig ist er Vorsitzender des mächtigen Finanzausschusses des Senats. Diese Position hat
ihn zur Schlüsselfigur in den diesjährigen
Auseinandersetzungen
zwischen Kongreß und Präsident Reagan
über die Handelsgesetzgebung gemacht.
Außerdem war er ein Hauptbeteiligter
bei der anstehenden Reform der Sozialgesetze.

"Zweifellos werde ich die Liste
unterstützen, die vom Konvent in der
nächsten Woche aufgestellt wird," erklärte er vor Reportern. "Der richtige Zeitpunkt ist jedoch ein wichtiger Faktor in diesem Prozeß."
"Meine Kampagne wird uneingeschränkt an diesem Prozeß teilnehmen.
Wir werden diesen Prozeß beherzigen
und jedermann dazu auffordern, desgleichen zu tun." Weiter erklärte
er:
"Meine Pläne sind unverändert.
Mein Name wird für die Nominierung
als Präsidentschaftskandidat eingebracht werden."
Jackson lehnte es ab, zu Berichten Stellung zu nehmen, denen zufolge
Dukakis ihn nicht vorher über die
Entscheidung informiert habe, Bentsen
für die Nominierung als Vizepräsidentschaftskandidat
zu
empfehlen.
"Es wäre unangemessen, wenn ich jetzt
dazu Stellung nähme," erklärte er.
Die Art seines Vorgehens war Bestandteil seines Wahlkampfs, und ein strategischer Schachzug, um seine Organisation zu stärken."

Bentsens Vater war ein vermögender Rancher, und Bentsen ist ein
wohlhabender Geschäftsmann mit einem
persönlichen Vermögen von weit über
einer Million Dollar. Meinungsumfragen zufolge ist er unter den amerikanischen Wählern noch nicht sehr bekannt .
Die
Entscheidung
von
Dukakis
stellt praktisch sicher, daß Bentsen
beim Konvent der Demokraten in Atlanta am 21. Juli formell nominiert
werden und er im Herbst gemeinsam mit
Dukakis in den Wahlkampf gegen die
Republikaner ziehen wird.

"Meine
Verpflichtung
besteht
nicht darin, auf seine Strategie zu
reagieren, sondern darin, meine eigene zu bekräftigen, eine progressive
Koalition aufzubauen und die nationalen Prioritäten zu verändern," betonte Jackson.
Die Wahl Bentsens erscheint geeignet, die Unterstützung für Dukakis
unter den konservativen Wählern zu
stärken, insbesondere bei den Wählern
in den Südstaaten.
Dieser Schritt
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'^r,oN^

Wissenschaft und Technik

13. Juni 1988

27

WARNZEICHEN:

ÖKOLOGISCHE KRISEN

Rücksichtsloser Technikgebrauch kommt uns teuer zu stehen -

WASHINGTON - (AD) - "Hört auf die Delphine!" überschrieb im Spätsommer
vergangenen Jahres die "New York Times" einen Kommentar, in dem beschwörend
auf die Notwendigkeit strafferer und umfassender UmweltSchutzmaßnahmen hingewiesen wurde. Anlaß war ein ungewöhnliches Delphinsterben entlang der Atlantikküste. Im Gegensatz zu anderen Sommern, in denen 17 bis 20 verendeten
Tiere gefunden wurden, schwemmte nun das Meer allein zwischen Virginia und New
Jersey mehr als 200 tote und sterbende Delphine an. Bei vielen lösten sich
Hautpartien ab, Mundhöhle und Rachen waren voller Geschwüre.

Etwa zur gleichen Zeit wurde in
der Chesapeake Bay vor Maryland und
um Long Island vor New York, Connecticut ein katastrophales Fischsterben
beobachtet.
Sommeralgen vermehrten
sich explosionsartig, was man in dieser Form nicht kannte. Auch die Lage
in den Buchten und Flußmündungen sei
angespannt, hieß es weiter. Laichgründe und Aquakulturen seien in Gefahr. Der Fischfang, der zu etwa 70
Prozent in diesem oder jenem Punkt
auf die Mündungsgebiete angewiesen
sei, werde immer stärker beeinträchtigt.
Eine Krankheit unter den Delphinen konnte nicht ausgeschlossen, aber
auch nicht mit Sicherheit nachgewiesen werden. Ahnliche Vorfälle hatte
es bereits gegeben: So waren von En-

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de 1979 bis Mitte 1980 allein an den
Küsten der etwas nördlicher gelegenen
Bundesstaaten Massachusetts bis Maine
mehr als 500 Robben infolge einer Influenzavirus-Infektion verendet. Virusinfektionen sind auch die unmittelbare Todesursache bei den fast
2 000 Seehunden, die seit Mitte Mai
dieses Jahres bisher an Nord- und
Ostseeküsten gefunden wurden.
Die ungewöhnliche Krankheitsanfälligkeit der Tiere dürfte allerdings mit einer allgemeinen Schwächung der Abwehrkräfte infolge der
fortschreitenden Vergiftung ihrer Umwelt durch Schadstoffe zusammenhängen. Diese werden als Industrieabfälle verschiedenster Art oder mit
Spillwasser von Schiffen aus "beseitigt", gelangen mit Abwässern und

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�Schwemmwasser vom Land über die Flüsse oder als Aerosole über die Atmosphäre ins Meer. Hat die Forschung
schon Schwierigkeiten, dem natürlichen Kreislauf der Stoffe nachzuspüren, so sind ihr die Wirkungsmechanismen und Wirkungsdimensionen der
durch menschliche Aktivitäten freigesetzten und zusätzlich in die Ozeane
eingebrachten Stoffe noch weitgehend
unbekannt.
Sie verändern jedenfalls die Lebensbedingungen der tierischen und
pflanzlichen Organismen bis hin zu
den kleinsten und primitivsten Lebensformen. Heiße Sommer wie die der
letzten Jahre - manche Wissenschaftler sehen darin bereits Vorboten des
gefürchteten "Treibhauseffekts", den
die steigende Menge von Kohlendioxyd
in der unteren Luftschicht vor allem
durch die zunehmende Verwendung fossiler Brennstoffe, der Mengen von
Methan, Stickoxyden und anderen Gasen
bewirkt - tragen zusätzlich zur Störung natürlicher Gleichgewichte bei.
Seit der Verabschiedung des amerikanischen Gesetzes gegen Wasserverschmutzung im Jahr 1972, das Behörden
und Wirtschaft der USA bisher mehr
als 300 Milliarden Dollar kostete,
hat sich zwar der Zustand vieler Binnengewässer merklich verbessert. Inzwischen verfügen auch die meisten
Städte über zweistufige Kläranlagen.
Aber erst seit 1986 kümmert man sich
in einigen KUstenregionen - insbesondere
im
Wassereinzugsgebiet
der
Chesapeake Bay - auch darum, das von
landwirtschaftlich genutzten Flächen
und von Straßen abgeschwemmte Wasser
wegen seines hohen Gehalts an Stickstoff und Phosphaten aus Dünger in
Klärprozesse
einzubeziehen.
Damit
sollen dem Schwemmwasser bis zu 40
Prozent der Chemikalien entzogen und
so die Uberfütterung der Algen mit
Nährstoffen verringert werden. Das
Verfahren ist jedoch recht kostspielig-

Auch "Saurer Regen" schädigt das
Meer

Daß Schwefel- und Stickoxyde aus
Schornsteinen, Autoabgasen und von
Agrarflächen nach komplexen Reaktionen in der Atmosphäre den Säuregehalt
der Niederschläge erhöhen, ist längst
bekannt. Vor allem Wälder und das
Leben in Binnengewässern leiden darunter, die Wasser- und Bodenqualität
verschlechtert sich, Bauwerke werden
zerstört. In einem Anfang Mai 1988
veröffentlichten
Bericht
vertreten
Wissenschafter
des
"Environmental
Defense Fund" (EDF), einer gemeinnützigen Organisatiaon in New York, die
Meinung, daß insbesondere Stickoxyde
im sauren Regen bereits zu 25 Prozent
für Schäden an der Tierwelt in den
KUstengewässern verantwortlich seien.
Sie beeinträchtigten "direkt Ressourcen im Meer, die von Millionen Menschen genutzt werden", und trügen zur
Eutrophie durch Uberdüngung bei.
Bei der amerikanischen Umweltschutzbehörde EPA wurde der EDF-Befund zunächst mit Zurückhaltung aufgenommen.
Auch die Meinungen der
Wissenschaftler, die Ende Mai bei Anhörungen vor einem US-Kongreßausschuß
zu Wort kamen, waren geteilt. Während die einen rieten, zur Veröffentlichung im Mai 1990 vorgesehene Ergebnisse einschlägiger, im Auftrag
der Regierungen Kanadas, der USA und
der Bundesrepublik Deutschland durchgeführter Studien abzuwarten, hielten
andere das bereits vorliegende Material für ausreichend, um die weitere
Emission von Schadstoffen gesetzlich
einzudämmen. Würde jetzt - so Dr.
James Galloway von der Universität
Virginia - die Emission von Schwefel
erneut um 50 Prozent reduziert, könnten in etwa zehn Jahren viele der
versauerten Süßwasserseen und Flüsse
wieder einen akzeptablen pH-Wert (Parameter für den Säurespiegel) aufweisen.
Demgegenüber
behauptet
George
Hidy vom "Electric Power Research Institute" (Forschungsstelle des Verbandes der Elektrizitätswirtschaft),
in den Vereinigten Staaten gebe der
Grad der Umweltbelastung durch sauren
Regen keinen Anlaß zu der Vermutung,

�daß menschliche Gesundheit gefährdet
sei oder Umweltkatastrophen vor der
Tür stünden.
Striktere Kontrollen
solle man zugunsten noch gründlicherer Informationen um fünf bis zehn
Jahre aufschieben, weil die sofortige
Einführung neuer Vorschriften der
amerikanischen Wirtschaft in ihrer
schwierigen Wettbewerbssituation eine
unnötig große Belastung aufbürde.

Autoabgase sollen sauberer werden
UmweltschUtzer
fordern
jedoch
dringend eine weitere Senkung zulässiger
Schadstoffkonzentrationen
in
Autoabgasen. Auch die "American Lung
Association" (Gesellschaft für Lungenforschung) setzt sich dafür ein.
Eine unter Leitung von Dr. Michael
Walsh ausgearbeitete Studie besagt,
daß in den meisten amerikanischen
Städten die Luftverschmutzung durch
Abgase die 1970 gesetzlich zugelassenen
Höchstwerte
regelmäßig
überschreite. Zwar lägen heute die Emissionen von Kohlenwasserstoffen und
Kohlenmonoxyd um 96 Prozent, die von
Stickoxyd um 76 Prozent niedriger als
vor 1970. Jedoch müßten, wie in Gesetzesvorschlägen bereits gefordert,
Kohlenwasserstoffe um weitere 47 Prozent und Stickoxyde um weitere 58
Prozent gesenkt werden. Ein Rückgang
der Kohlenmonoxydemission ergäbe sich
dann automatisch.

,
•

Die allgemeine Verbesserung der
Luftqualität sei schon allein deshalb
geringer als erhofft, weil die Verkehrsdichte immer stärker zunehme und
mit jedem Kraftfahrzeug immer mehr
Fahrkilometer
zurückgelegt
würden.
Neuesten Angaben der EPA zufolge wurde zwischen 1976 und 1985 bei Kohlenmonoxyd ein Rückgang um 30 Prozent,
bei Stickoxyd um elf Prozent und bei
bodennahem,
d.h.
troposphärischem
Ozon - dem Hauptbestandteil von Smog
- um zehn Prozent ermittelt. Dieser
Ozon ist unerwünscht und hat eine andere Entstehungsgeschichte als der
stratosphärische Ozon, der z. T. unter der Einwirkung von Fluorchlorkohlenwasserstoffen abgebaut wird. Bo-

dennaher Ozon ist ein Produkt von Reaktionen freigesetzter Kohlenwasserstoffe mit Stickoxyden in der Atmosphäre, jedoch tragen auch Schadstoffemissionen aus anderen Quellen
in Verbindung mit bestimmten klimatischen Bedingungen zu seiner Anreicherung bei.
Nach Dr. Walsh leben etwa 80 Millionen Amerikaner in Regionen, wo die
Ozonkonzentration fast immer die zulässigen Höchstwerte überschreitet.
An heißen Tagen beeinträchtigt Ozon
selbst bei gesunden Personen die Lungenfunktion, verursacht Kopfschmerzen, Atembeschwerden, Husten, Asthmaanfälle und führt zu Erkrankungen der
oberen Luftwege. Außerdem gehen die
Verluste der Landwirtschaft durch
Ozon aus Abgasen und Abluft der Industrie in die Milliarden.

Giftanreicherung an Wasseroberflächen
Die hauchdünne Oberflächenschicht
der Meere, Seen, Meeresbuchten und
anderen Gewässern scheint für die Anreicherung von Schadstoffen eine viel
wichtigere Rolle zu spielen als man
bisher annahm. Dies gilt in erster
Linie für Schadstoffe aus der Luft,
aber auch aus Abwässern. Dr. John T.
Hardy, Biologe an der Staatsuniversität Oregon in Corvallis, fand einem
Bericht der
"International Herald
Tribüne" zufolge an Oberflächen toxische Stoffe in Konzentrationen, die
ein Vielfaches, ja bis zum Tausendfachen der Werte betrugen, die nur
wenige Zentimeter darunter im Wasser
gemessen wurden.
Aber
gerade
die
Oberflächenschicht ist ein Ort, wo sich die
mikroskopisch
kleinen
pflanzlichen
und tierischen Organismen sammeln,
von denen für die NahrungsVersorgung
der Menschen wichtige Fischarten und
Schaltiere im Frühstadium leben.
Selbst bei Gewässern, die als "gesund" und sauber gelten, könnten toxische Stoffe in der dünnen obersten
Schicht gefährlich hohe Konzentratio-

- 3 -

�nen erreichen, sagt Hardy. Deshalb
seien dort entnommene Wasserproben
z.B. auch geeignet, jeweilige Trends
von Schadstoffimmissionen, also der
Ablagerung von Luftverunreinigungen,
anzuzeigen.
Physikprofessor Hermann Gucinski
(Maryland) beobachtete bei Studien in
der Chesapeake Bay, daß zwar Wind,
Strömungen oder Tierbewegungen die
Oberflächenschicht aufrissen, diese
sich aber sofort wieder stabilisiere,
sobald z. B. der Wind aufhöre. Die
Fremdstoffe würden infolge der Oberflächenspannung des Wassers und eigener chemischer Eigenschaften in der
dünnen Schicht an der Oberfläche gehalten, ob sie nun aus der Luft kämen
oder aus tieferen Schichten nach oben
transportiert würden. Allerdings sei
die Verweildauer - Stunden, Tage, Wochen - für die einzelnen Komponenten
sehr
unterschiedlich.
Labor- und
Feldexperimente im Puget-Sund, wo die
Erschließung der Ö'lfelder zu größerer
Umweltverschmutzung geführt habe als
ursprünglich vermutet, haben ergeben,
daß die konzentrierte, wenn auch in
ihrer
Zusammensetzung
wechselnde
Giftmixtur der Oberfläche kleinere
Lebewesen töten kann.
Die Anlagerung von Schmutzrändern
(Badewannenrand-Effekt) unter Gezeitenwirkung an der Küste könnte eine
Rolle spielen, wenn z.B. Giftstoffe
in den Sand vordringen.
Womöglich
seien bislang nicht erklärbare bakterielle Infektionen bei Schaltieren,
durch die Population im Bereich des
Puget-Sund und der Chesapeake Bay
stark dezimiert wurden, auf diesem
Weg zustande gekommen.

Metallische Gifte
Indirekt trägt saurer Regen auch
zu der wachsenden Belastung der Umwelt mit Schwermetallen bei.
In
kalkarmen Gebieten z.B. werden diese
in Gewässern mit hohem Säuregrad
leichter aus dem Untergrund gelöst.
Die Hauptquellen der Freisetzung von
Quecksilber, Cadmium, Blei, Nickel,

Zink, Kupfer, Aluminium oder Elemente
wie Selen sind allerdings wiederum
Industrieprozesse,
Heizkraftwerke,
Müll und Kohlenasche. Im Gegensatz
zu vielen organischen Schadstoffen
sind sie jedoch nicht biologisch abbaubar. Sie verbleiben im Ökosystem
und werden in Wasser und Boden, in
Pflanzen und Tieren der gesamten Nahrungskette allmählich auf toxische
Konzentrationen angereichert.
Nach einer in der Zeitschrift
"Nature" (Ausgabe vom 12. Mai 1988)
veröffentlichten
Untersuchung
von
Jerome 0. Nriagu und Jozef M. Pacyna
dürfte in Europa, Nordamerika und
Asien die Süßwasserkontamination mit
Metallen weitaus größer sein als vermutet. In einigen Teilen Japans und
Europas übersteigen die Metallkonzentrationen in Böden bereits die natürlichen Fähigkeiten des Ökosystems zur
Selbstreinigung.
Dank der Einführung strenger Kontrollen über Bleizusätze zu Benzin in
Nordamerika
und
Europa sei, wie
Nriagu feststellte, seit 1975 die Belastung der Luft mit Cadmium, Blei,
Zink
und
Kupfer
zurückgegangen.
Weltweit gesehen besteht aber das
Problem weiter - es verlagert sich
nur von den Industrie- zu den Entwicklungsländern, in denen es keinerlei Kontrollen über Blei- und andere
toxische Metallemissionen gebe.
Robert A. Duce, Atmosphärenphysiker an der Universität von Rhode Island, bestätigt Beobachtungen der
beiden Wissenschaftler aufgrund von
Messungen in abgelegenen Regionen des
Pazifik. Dabei wurden u.a. Metallemissionen Tausende von Kilometern
von ihrer Quelle entfernt aufgespürt.
Nriagu sieht darin Anzeichen für eine
"stumme Epidemie von metallischer Umweltvergiftung" .

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Burt: Vereinigte Staaten unterstützen europäischen Binnenmarkt&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Ansprache bei Grundsteinlegung für Frankfurter Messeturm&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die amerikanische Präsenz im Persischen Golf&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Chronologie der Ereignisse in den letzten zwei Jahren&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Wahlen in Amerika 1988&lt;br /&gt;Dukakis Entscheidung für Bentsen schafft Ausgewogenheit&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Kurzbiographie des Vizepräsidentschaftskandidaten Lloyd Bentsen&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Dukakis wählt Bentsen als Kandidat für die Vizepräsidentschaft&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Senator aus Texas&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Warnzeichen: ökologische Krisen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rücksichtsloser Technikgebrauch kommt uns teuer zu stehen&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST
'VON

&lt;*

26

6. J u l i 1988

I N H A L T

DOKUMENTATION
Reagan;

Amerikanische Aktion Im Golf diente der Selbstverteidigung

- Brief des Präsidenten an die Parteiführer im Kongreß -

HINTERGRUNDMATERIAL

DIE WAHLEN IN AMERIKA 1988

Bush verspricht Außenpolitik des "Friedens durch Stärke'
- Auszüge aus einer Rede in San Francisco -

*

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Nationale Strategie im Kampf gegen HIV Epidemie
- Bericht der Watkins-Kommission mit fast 600 Empfehlungen

* * * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�AMERIKA DIENST
%

'"v"

Dokumentation

Ä&lt;

26

6. Juli 19S8
REAGAN:

AMERIKANISCHE AKTION IM GOLF DIENTE DER SELBSTVERTEIDIGUNG

- Brief des Präsidenten an die Parteiführer im Kongreß WASHINGTON - (AD) - In seinem Schreiben an den Vorsitzenden des Repräsentantenhauses und den Senatspräsidenten pro tempore vom 5. Juli 1988 erklärte Präsident Reagan, die von den amerikanischen Streitkräften als Erwiderung
auf den Angriff iranischer Schnellboote im Persischen Golf durchgeführte Aktion, bei der es bedauerlicherweise zum Abschuß eines iranischen Zivilflugzeuges kam, "wurde im Einklang mit unserem verbrieften Recht auf Selbstverteidigung durchgeführt".
Der Präsident erläuterte in seinem Schreiben: "wir betrachten diesen Zwischenfall als beendet, obwohl amerikanische Streitkräfte weiterhin in Bereitschaft bleiben werden, um zusätzliche Verteidigungsaktionen zum Schutz unserer
Einheiten und desraililtärischenPersonals durchzuführen". Reagan wiederholte
in seinem Brief das tiefe Bedauern der Vereinigten Staaten über "den tragischen Verlust von Menschenleben" am 3. Juli.
Nachfolgend veröffentlichen wir den Wortlaut des Briefes:
Sehr geehrter Herr Vorsitzender,
sehr geehrter Herr Präsident,
Am 3. Juli 1988 befanden sich die
USS VINCENNES und die USS ELMER
MONTGOMERY in internationalen Gewässern im Einsatz - im Persischen Golf
in der Nähe der Straße von Hormus.
(Am 2. Juli hatte die MONTGOMERY das
Notsignal
eines
von
iranischen
Schnellbooten angegriffenen dänischen
Tankers beantwortet und einen Warnschuß abgegeben, woraufhin der Angriff
abgebrochen
wurde.)
Der
VINCENNES lagen Anzeichen dafür vor,
daß sich etwa ein Dutzend iranischer
Schnellboote zum Angriff auf Handelsschiffe formierten, und sie entsandte
einen Hubschrauber des Typs Mark III
LAMPS zum Zweck der Lagebeurteilung
zu einem Patrouillenflug in den in-

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ternationalen Luftraum. Um 10.10 Uhr
Ortszeit (im Golf) wurde dieser von
iranischen Schnellbooten beschossen,
als er sich bis auf vier Seemeilen
näherte (die VINCENNES befand sich zu
dieser Zeit etwa zehn Seemeilen vom
Schauplatz des Geschehens entfernt).
Der LAMPS-Hubschrauber wurde nicht
beschädigt und kehrte sofort auf die
VINCENNES zurück.
Als sich die VINCENNES und die
MONTGOMERY den iranischen Schnellbooten um etwa 10.42 Uhr Ortszeit (im
Golf) näherten, nahmen mindestens
vier Schnellboote Kurs auf die amerikanischen Kriegsschiffe und begannen
mit deren Einkreisung.
Zu dieser
Zeit eröffneten beide amerikanischen
Schiffe das Feuer auf die Schnellboote, wobei zwei versenkt und ein drit-

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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�tes getroffea wurde. Bedauerliche)—
weise wurde im Verlauf der amerikanischen Erwiderung das iranischen Augriffs von der VIKCENNES ein iranischej: Zivi lf .ugzeug abgeschossen,
die zum Zweck ihrer Selbstverteidigung ein Objekt beschoß, das sie für
ein feindliches iranisches Kampfflugzeug hielt.
Wir bedauern zutiefst
den tragischen Verlust von Menschenleben.
Das Verteidigungsministerium
wird eine eingehende Untersuchung
durchführen.
Die
von
den
amerikanischen
Streitkräften a .s Erwiderung auf den
Angriff iranischer Schnellboote im
Persischen Golf durchgeführte Aktion
wurde im Einklang mit unserem verbrieften Recht auf Selbstverteidigung
durchgeführt, gemäß Artikel 51 der
Charta der Vereinten Nationen und im
Rahmen meiner verfassungsmäßigen Autorität im Hinblick auf die Wahrnehmung der auswärtigen Beziehungen und
als Oberbefehlshaber der Streitkräfte.
Es gab keine weiteren feindlichen
Aktionen
der
iranischen
Streitkräfte, und wir betrachten diesen Zwischenfall als beendet, obwohl
amerikanische Streitkräfte weiterhin
in Bereitschaft bleiben werden, um
zusätzliche Verteidigungsaktionen zum
Schutz unserer Einheiten und des militärischen Personals durchzuführen.
Auf seiten der amerikanischen Streitkräfte gab es keine Verluste oder
Schäden.
Seit März 1987 haben Mitglieder
meiner Regierung und ich im Zusammenhang mit den Entwicklungen im Persischen Golf und den Aktivitäten der
amerikanischen Streitkräfte in der
Region dem Kongreß Briefe und Berichte zugeleitet, Informationsgespräche
geführt und Reden gehalten.
Gemäß
meinem Wunsch, daß der Kongreß auch
weiterhin
in dieser Angelegenheit
vollständig informiert sein soll, lege ich diesen Bericht im Einklang mit
der Resolution über die Kriegsvollmacht vor. Ich sehe der Zusammenarbeit mit dem Kongreß an unserem gemeinsamen, vorrangigen Ziel des Friedens und der Stabilität im Persischen
- 2

Golf gerne entgegen,
Hochachtungsvoll
(gez.) Ronald Reagan

*****

�AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

6. Juli 1980

26

DIE WAHLEN IN AMERIKA 1988
BUSH VERSPRICHT AUSSENPOLITIK DES "FRIEDENS DURCH STARKE"
- Auszüge aus einer Rede in San Francisco WASHINGTON - (AD) - Nachstehend bringen wir einen vom US-Informationsamt
(USIA) herausgegebenen Beitrag im Rahmen einer Reihe von Veröffentlichungen,
in denen die amerikanischen Präsidentschaftskandidaten des Jahres 1988 ihre
Positionen zur Außenpolitik und anderen Themen von internationalem Interesse
in ihre eigenen Worten darlegen können. In der heutigen Ausgabe bringen wir
Auszüge aus einer am 29. Juni 1988 gehaltenen Rede des republikanischen Präsidentschaftskandidaten George Bush vor dem World Affairs Council in San Francisco, in der dieser die Aufrechterhaltung der militärischen Stärke der Vereinigten Staaten und der Politik des Friedens durch Stärke fordert. Obwohl
Raum für "gedämpften Optimismus" bestehe, erklärte Bush, "ist der Kalte Krieg
noch nicht vorüber".
Die Auszüge haben folgenden Wortlaut:

Ich möchte mit drei kleinen Geschichten beginnen, drei Episoden aus
meiner Erfahrung als Vizepräsident,
die - wie Schnappschüsse in einem Fotoalbum - eine längere Geschichte erzählen, in diesem Fall die Geschichte
unserer Vision von der Außenpolitik
der Vereinigten Staaten, ihrer Durchführung und ihrer Ziele.
Die erste Geschichte spielt in
Wien im Jahr 1983, der letzten Station einer Reise, die mich in die
Hauptstädte Jugoslawiens, Ungarns und
Rumäniens geführt hatte, hinter ein
Gebilde, das wir so anschaulich als
den "Eisernen Vorhang" beschreiben.
In einer Rede in der Hofburg sprach
ich von der unnatürlichen Teilung Europas, von der Mauer, die das Herz
dieses Kontinents durchschneidet und

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Embassy of the United States of America

nicht nur den hinter ihr gefangengehaltenen Menschen Gewalt antut, sondern alle Normen des menschlichen Anstands verletzt.
Ich erklärte damals, wir könnten
"eine legale Teilung Europas nicht
anerkennen" und würden uns mit einem
solch grundlegenden moralischen Unrecht nicht arrangieren. Denjenigen,
die von "Realpolitik" sprachen, antworteten wir, daß sich die einzig
wahre Form des politischen Realismus
auf das beständige Engagement für die
amerikanischen Ideale der Freiheit
und Demokratie gründet, und daß die
Preisgabe dieser Ideale hieße, die
Ziele Amerikas - das hieße, Amerika
selbst - preiszugeben.
Wir würden
weiterhin, so sagte ich damals, alle
Parteien des Abkommens von Jalta -

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Telex: 8-85432

�das freie Wahlen und Selbstbestimmung
für alle Staaten Europas, Ost und
West, garantierte - beim Wort nehmen.
In jener Rede brachte ich auch zum
ersten Mal die amerikanische Politik
der Differenzierung zum Ausdruck
eine aktive Politik, um die Länder
des Ostblocks zu ermutigen, ihre Haltung zu ändern, zu beginnen, ihre geschlossenen Gesellschaften zu öffnen
und mehr Unabhängigkeit von der sowjetischen Linie anzustreben.
Bild 2: Krefeld in der Bundesrepublik Deutschland, etwas später im
selben Jahr. Das Auto, in dem Bundeskanzler Kohl und ich sitzen, wird
von Demonstranten angegriffen und der
Bus mit unserem Begleitstab mit Steinen beworfen. Die Demonstranten protestieren gegen die geplante Stationierung der Pershing-Mittelstrecjcenraketen in Europa. Zum Glück wurde
niemand verletzt und wir entkamen mit
lediglich ein paar zerbrochenen Fenstern und einigen schockierten Mitarbeitern. Zu jener Zeit konnten wir
nicht sicher sein, daß die NATO ebenso intakt bleiben würde.
Als Reaktion auf die einseitige,
durch die Einführung der sowjetischen
SS-20 in Osteuropa hervorgerufene Eskalation hatten die Verbündeten sich
auf eine zweigleisige Politik von
Verhandlungen und damit einhergehenden Stationierungen geeinigt.
Die
Sowjets verfolgten jedoch ihre eigene
Doppelstrategie - Blockierung der
Verhandlungen und Ausübung all des
ihr zur Verfügung stehenden politischen Einflusses, um das Bündnis zu
entzweien und uns an der Stationierung zu hindern.
Kaum ein Monat
schien zu vergehen, ohne daß in irgendeiner
europäischen
Hauptstadt
eine Massendemonstration gegen die
amerikanischen
Raketen
mobilisiert
wurde. Die Grünen in der Bundesrepublik Deutschland, die Labor Party
in England, verschiedene Parteien in
den Niederlanden und Dänemark sowie
einige in unserem Land übten enormen
Druck für ein "Einfrieren" der Potentiale aus, das den sowjetischen Vorteil festgeschrieben und die INF-Ver-

handlungen zum Scheitern verurteilt
hätte. Die Sowjets hatten 1 000 Gefechtsköpfe gegen den Westen in Stellung gebracht. Der Westen hatte Mull
Gefechtsköpfe gegen den Osten stationiert.
Der sowjetische Plan sohlen zu
funktionieren: Die Europäer bekamen
den Druck zu spüren und wurc.en immer
unsicherer, ob sie den politischen
Folgen der Stationierung standhalten
könnten. Sie mußten von der Verläßlichkeit
der
Vereinigten
Staaten
überzeugt werden, davon, daß wir die
Verpflichtung
zur
Stationierung
ernstnahmen und bereit waren, sie umzusetzen. Sie konnten es sich nicht
leisten, das Risiko einzugehen, daß
wir ihnen den Boden unter cen Füßen
wegziehen könnten, wie dies die vorherige Administration bei der Absage
an die Neutronenbombe getai hatte.
Das war meine Aufgabe in Europa.
Bei unserer Rückkehr war ich ein
wenig überrascht, ein Lob von ungewohnter Stelle zu bekommen - ein
Leitartikel in der Washington Post
verkündete:
"George schafft es."
Natürlich spielte auch der Außenminister eine wichtige Rolle. Zum Erfolg führte schließlich die Entschlossenheit des Präsidenten und das
standhafte Engagement der gesamten
Administration. Da sie dieses Engagements versichert waren, führten die
Verbündeten die Stationierung wie geplant durch. Endlich gaben auch die
Sowjets ihre Taktik der Verzögerung
und Einschüchterung auf - und zusammen unterzeichneten wir schließlich
den ersten Vertrag in der Geschichte,
durch den eine gesamte Kategorie von
Atomraketen nicht nur reduziert, sondern gänzlich beseitigt wird.
Bild 3:
San Salvador im Jahr
1983, die Residenz von Präsident
Magana, im Hintergrund kann man den
Lärm des Krieges hören. Vom Balkon
seines schwer bewachten Hauses waren
die Berge zu sehen, in denen es kurz
zuvor zu schweren Kämpfen zwischen
der salvadoranisehen Armee und der
Guerrilla gekommen war.

- 2 -

�Kurze Zeit zuvor hatte das Volk
von El Salvador In zwei Wahlen mutig
den Kugeln und Todesdrohungen der
Kommunisten widerstanden und war in
Rekordzahlen an die Wahlurnen geströmt, um mit überwältigender MehrheLt für die Demokratie zu stimmen gerade als die Demokratie in höchster
Gefahr schwebte. Mit Hilfe der Kubaner steigerte die Regierung der kommunistischen Sandinisten in Nicaragua
ihren Waffennachschub an die Kommunisten in El Salvador weiter. Auf die
Intensivierung des Linksterrorismus
reagierte die Rechte mit wiederauflebender Aktivität der Todesschwadronen, und da es schien, daß einige Militärs daran beteiligt sein könnten,
stoppte der Kongreß die Hilfe für die
zerbrechliche neue Demokratie.
Ohne die Hilfe der Vereinigten
Staaten war das Schicksal El Salvadors eindeutig vorgezeichnet - ein
kurzes, blutige Intermezzo sich steigernder Gewalttätigkeit auf der Linken und auf der Rechten, bevor das
zerrissene und übel zugerichtete Land
für immer dem Zugriff des sowjetischkubanischen Lagers anheimfallen würde, ein weiteres Nicaragua auf dem
amerikanischen Festland.
In der Residenz von Präsident Magana führte ich Unterredungen mit
führenden Vertretern von Regierung
und Militär. Das Ziel unserer Administration bestand darin, in unzweifelhaften Formulierungen klarzustellen, daß sie ihr eigenes Haus in Ordnung bringen mußten, daß entweder die
Todesschwadronen ihre Handlungen oder
die Vereinigten Staaten ihre Hilfe
einstellten. Sie hatten die Wahl.
Nachdem sie des amerikanischen
Engagements nochmals versichert worden waren, wurden die demokratischen
Kräfte in El Salvador gestärkt, die
gewalttätige Rechte in großem Maß unterdrückt, und der Kongreß verabschiedete die Hilfe.
Für El Salvador begann ein neues
Zeitalter, und
der heute schwer
krebskranke Napoleon Duarte wies den

Weg. Ich habe ihn kürzlich im Krankenhaus besucht und mußte dabei an
die dramatischen Fortschritte zur Demokratie denken, die in El Salvador
erzielt worden waren.
Ich fragte
mich, ob die Welt diesem noblen und
heroischen Mann jemals die Anerkennung zuteil werden lassen wird, die
er verdient.
Ich erzähle diese drei Episoden,
weil jeder ein gemeinsamer Tenor zugrundeliegt - die Notwendigkeit amerikanischer Stärke, Verpflichtung und
Entschlossenheit. Es sind drei Fallstudien in den Annalen des Friedens
durch Stärke, Beweise dafür, wie die
Vereinigten Staaten in den vergangenen acht Jahren die manchmal so bezeichnete "Kräftekorrelation" dramatisch zu ihrem Vorteil umgekehrt haben, so daß heute die Freiheit, die
sich einstmals in der ganzen Welt auf
dem Rückzug befand, jetzt wieder auf
dem Vormarsch ist.
Wir sollten die durch amerikanische Schwäche gegen Ende der siebziger Jahre hervorgerufene Vertrauenskrise niemals vergessen. Eine unstete Außenpolitik, die ihre moralische Richtung verloren zu haben
schien, rief die Verachtung unserer
Feinde wie auch unserer Freunde hervor. Während der Kongreß ständig unsere militärische Einsatzbereitschaft
für innenpolitische Ausgabenprogramme
opferte, wurden unsere Streitkräfte
gefährlich schwach. Ich werde nicht
noch einmal die inzwischen weithin
bekannte
Litanei
aufzählen:
von
Flugzeugen, die wegen Ersatzteilmangel nicht fliegen konnten, Schiffen,
die aufgrund von Treibstoffmangel ihre Häfen nicht verlassen konnten und
der schwer angeschlagenen Moral unserer Soldaten.
Während die Sowjets ihre militärische Aufrüstung weiter betrieben
und sich in vielen wichtigen Bereichen uns gegenüber einen Vorteil verschafften, wurden in unserem Land
wichtige
Waffensysteme
abgeschafft
oder auf Eis gelegt.
RUstungskontrollverhandlungen trugen nur in ge-

- 3 -

�ringem Maße zur Verlangsamung der sowjetischen Eskalation bei - es wurde
vielfach behauptet, damit sei nur das
gegenwärtige Ungleichgewicht festgeschrieben worden.
Nach Jahren der
Verhandlungen wurde SALT II vom Kongreß verworfen.
Mit dem schwindenden amerikanischen Engagement für den Schutz der
Freiheit auf der ganzen Welt wurde
der Tyrannei Vorschub geleistet. Die
Sowjets erkannten die günstige Gelegenheit und ergriffen sie: In Afghanistan, Nicaragua, Kambodscha, dem
SüdJemen, Äthiopien und Angola. Unsere Reaktion darauf: Gespräche über
einen Abzug amerikanischer Truppen
aus Südkorea. Es schien, als ob Amerika vorsätzlich seine Rolle als
WeLtmacht und Beschützer der freien
Welt aufgeben wollte.
•
Der
amerikanische
Machtverlust
hat die Welt nicht sicherer, sondern
gefährlicher werden lassen. Er hat
den Rüstungswettlauf nicht aufgehalten, sondern nur dazu geführt, daß
die Sowjets glaubten, ihn gewinnen zu
können.
Wir haben 1981 unser Amt mit dem
Mandat zum Wiederaufbau unseres Militärs angetreten. Wir haben die Produktion wichtiger neuer Waffensysteme
wie etwa dem B-1-Bomber erweitert und
deutlich gemacht, daß die einzige Position, aus der heraus wir verhandeln
wollen, die Position der Stärke ist.
Unsere
militärische
Aufrüstung
war kostspielig, aber um wieviel höher wäre der Preis gewesen, wenn wir
die weitere Vernachlässigung unserer
Streitkräfte
zugelassen
hätten
nicht der Preis in Dollar, sondern
die dauerhafte Lähmung der amerikanischen Macht. Es sollte nicht vergessen werden, daß wir bei unserem
Amtsantritt 1981 eine Krisensituation
zu meistern hatten - wir mußten
schnell und entschlossen handeln.
Heute beobachten wir mit gedämpftem Optimismus die Veränderungen, von
denen in der Sowjetunion gesprochen

wird. Vieles davon ist imoer loch
Gerede, aber in einer totalii ären Gesellschaft kann bereits Gerede revolutionär sein.
Die Stahltür hat sich einen Spalt
geöffnet und die frische "Mit d"-.r
Freiheit bahnt sich ihren Weg - vird
die Tür wie in der Vergangenheit nieder zuschlagen oder sich ;u einem
neuen Zeitalter der Hoffnung öffnen,
einem neuen Zeitalter, für das der
Frieden auf seiner einzig wehren und
dauerhaften Grundlage prognostiziert
wird - den gemeinsamen Interessen und
der
Interdependez
freier
Gesallschaften.
Wir können das jetzt nicht wissen
- aber wir sollten wissen, daß die
Versprechen
von
Glasnost
und
Perestrojka nicht in einem Vakuum abgegeben wurden, sondern im Kontext
der wiederhergestellten Stärke Amerikas. Ende der siebziger Jahre, am
Tiefpunkt amerikanischer Macht, müssen die Sowjets geglaubt haben, den
Wettbewerb um die Welt gewinnen zu
können. Aber ich denke, daß dieser
Traum schnell zerrann, als Amerika
den Absprung aus der zerrütteten
Wirtschaft der siebziger Jahre in die
aufstrebende,
von
Unternehmergeist
geprägte Wirtschaft
der achtziger
Jahre
schaffte,
als
wir
unsere
Streitkräfte wiederaufgebaut hatten
und der sowjetischen Aggression und
Subversion auf der ganzen Welt mit
neuer Entschlossenheit entgegengetreten sind, um diejenigen zu unterstützen, die für ihre Freiheit und die
Sicherung der Freiheit aller Menschen
kämpfen.
Mit eben dieser Unterstützung
konnte die afghanische Widerstandsbewegung die Sowjetunion zwingen, ihre
Truppen aus Afghanistan abzuziehen.
Der UdSSR zufolge ist der Abzug auf
eine neue Betrachtungsweise regionaler Konflikte zurückzuführen. Vielleicht wird es dazu kommen, aber nur,
wenn die Freiheit weiterhin starke
Unterstützung auf der ganzen Welt erhält.
Wo unsere Unterstützung und
unsere Führungsrolle stark waren -

�wie etwa In Afghanistan, im Golf und
in El Salvador - schließen unsere
Verbündeten wie auch die Staaten der
Region sich mit uns zusammen, und die
Freiheit triumphiert. Wo das nicht
der Fall ist - wie In Nicaragua trifft das Gegenteil zu.
Mit SDI haben wir Technologie als
unsere große Stärke - und die große
Schwäche der Sowjets - zum Kern des
Wettbewerbs gemacht. Obwohl die Sowjets über 200 Milliarden Dollar für
ihre strategische Verteidigung ausgegeben haben, war es ihnen klar, daß
sie den Wettkampf in der Technologie
niemals gewinnen können, wenn sie uns
nicht zur Aufgabe unseres Programms
veranlassen können - wie sie es in
Reykjavik versucht haben.
Ich lege Wert auf die Feststellung, daß es die acht Jahre amerikanischer Stärke waren, die die Sowjets mit dem wahren Preis der Aggression und der Notwendigkeit für
Reformen konfrontiert
haben.
Aus
diesem Grunde war der Moskauer Gipfel
eine so passende Krönung der Amtszeit
des Präsidenten, da sich die Hoffnungen dieses Gipfels auf acht Jahre moralischer Entschlossenheit und harter
Arbeit
zum
Wiederaufbau
amerikanischer Macht gründen.
Trotzdem müssen wir uns vor Augen
führen, daß der Kalte Krieg nicht
vorbei ist. Wir müssen wagemutig genug sein, um im Hinblick auf Veränderungen die Gelegenheit zu ergreifen,
aber gleichzeitig auf das vorbereitet
sein, was ein Experte in seinem Artikel "Der verschleppte Konflikt" nannte. Wir sollten daran denken, daß
Amerikas militärische Stärke nicht
nur ein Titel in unserem Haushalt
ist, sondern der Preis für die Verteidigung unserer Freiheit.

* * * * * *

- 5

�AMERIKA DIENST
VON

4

Wissenschaft und Technik

6. Juli 1988

26

NATIONALE STRATEGIE IM KAMPF GEGEN HIV-EPIDEMIE
- Bericht der Watkins-Kommission mit fast 600 Empfehlungen -

WASHINGTON - (AD) - Mit nahezu 600 Empfehlungen hat die im September 1987
von Präsident Reagaa eingesetzte AIDS-Kommission Ende Juni 1988 ihren Abschlußbericht vorgelegt. Das 13köpfige Gremium unter Vorsitz von Admiral a.D.
James D. Watkins verbrachte allein 43 Tage mit der Anhörung von mehr als 500
Experten verschiedenster Fachrichtungen und suchte sich an zahlreicnen Orten
selbst ein Bild von der Situation der Betroffenen sowie auch von den Problemen
in Forschung, Therapie, Pflege und Gesundheitsvorsorge zu verschaffen.

Die Notwendigkeit der möglichst
frühzeitigen Erfassung und Behandlung
einer HIV-Infektion (HIV - Immunschwäche auslösendes Virus) wird in
dem Bericht ebenso hervorgehoben wie
die Dringlichkeit einer Therapie, bei
der die diskrete und einfühlsame Behandlung des Erkrankten gewährleistet
ist. Die intensive Erforschung des
Wesens dieser Krankheit und die Ausweitung der Bemühungen um Vorsorge,
Beratung, Pflege und Information seien ungemein wichtig.
Als überholt
müsse die ursprüngliche Bezeichnung
AIDS (erworbenes Immunschwäche-Syndrom) angesehen werden, weil sie nur
einem Teilaspekt gilt, nicht aber das
gesamte, weite Spektrum umfaßt. Weil
man sich nur auf AIDS konzentriert
habe, sei "die Nation bisher nicht in
der Lage gewesen, sich angemessen mit
der Epidemie zu befassen". Und da

United States Information Service
Embassy of the United States of America

intravenöser
Rauschgiftabusus
eine
der Hauptquellen für eine HIV-Infektion sei, müsse Vorbeugung gegen
Fixen und die Therapie solcher Süchtigen "zur nationalen Priorität werden" .
Im Folgenden veröffentlichen wir
eine Zusammenfassung des Berichtes:
Die HIV-Epidemie wird auf Jahre
hinaus eine Herausforderung im amerikanischen Leben bedeuten und sollte
allen Amerikaner ein Anliegen sein.
Neuen Schätzungen zufolge sind bis
1992 fast 500 000 Amerikaner der
Krankheit zum Opfer gefallen oder befinden sich in einem fortgeschrittenen
HIV-Erkrankungsstadium.
Aber
nicht einmal diese unglaubliche Zahl
zeigt an, wie ernst die Probleme ge-

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�genwärtitg sind. 1 bis 1,5 Millionen
Amerikaner dürften mit dem HI-Virus
infiziert sein, sind aber noch nicht
so krank, daß sie dies realisieren.

sourcen
mie ist
weniger
Nutzung

Mit ihren Empfehlungen will die
Kommission ein ausgewogenes Verhältnis zwischen unseren Verpflichtungen
als Gesellschaft gegenüber den HIVinfizierten
Mitbürgern
und
jenen
schaffen, die das Virus nicht haben.
Die Verlangsamung oder das Ende seiner Ausbreitung, angemessene medizinische Versorgung der Infizierten und
Schutz der Rechte von infizierten und
nicht infizierten Personen erfordern
eine sorgfältige Ausbalancierung von
Interessen in einer überaus komplexen
Gesellschaft.

Für Leser, die keine Zeit zur
Sichtung des gesamten Materials haben, hat die Kommission 20 ihrer
wichtigsten
Resultate
und
Empfehlungen aufgelistet, von denen
jedoch kein Punkt allein stehen oder
außer acht gelassen werden la-fctJ. Sie
werden im Gesamtbericht im Detail erläutert und ergeben zusammen eine umfassende nationale Strategie, zur
wirksamen Bekämpfung der HIV-Epidemie.

Wissen ist eine ganz wichtige
Waffe gegen HIV - Wissen um das Virus
und wie es übertragen wird, Wissen um
die Erhaltung der Getsundheit des einzelnen, Wissen um den persönlichen
Infektionsstatus.
Auch
ist
von
großer Bedeutung, daß Wissen zur Verantwortung gegenüber sich selbst und
anderen führt. Es ist die Verantwortung aller Amerikaner, über HIV informiert zu sein. Es ist die Verantwortung der Infizierten, andere nicht
anzustecken. Es ist die Verantwortung aller Bürger, daß die HlV-Infizierten respektvoll und einfühlsam
behandelt werden.
Jeder einzelne
sollte für seine Handlungen und deren
Konsequenzen verantwortlich sein.
In der ausführlichen Fassung des
Berichtes der Kommissions werden fast
600 Empfehlungen zur Verhinderung
einer weiteren Ausbreitung des Virus,
zur Pflege der HlV-Infizierten und
zur Verbesserung unserer Anstrengungen zur Auffindung von Heilungsmöglichkeiten aufgeführt.
Die Dringlichkeit und Bandbreite der nationalen Anstrengungen in der HIV-Forschung als Reaktion der amerikanischen Regierung auf eine Krise im
Zusammenhang mit einer Infektionskrankheit ist ohne Parallele in der
Geschichte. Aber von allen notwendigen Antworten sind wir noch weit entfernt. Die Aufwendung von mehr Res-

zur Bewältigung dieser Epideein kritischer Punkt. Nicht
bedeutsam ist die gerechte
solcher Ressourcen.

- Die Bezeichnung "AIDS" ist überholt.
"HIV-Infektion" definiert
das Problem besser. Die führenden Persönlichkeiten in der Ärzteschaft, im Öffentlichen Gesundheitswesen, in Politik und Kommunalverwaltungen müssen sich auf
den gesamten Verlauf der HIV-Infektion anstatt nur auf die späteren Stadien der Krankheit (ARC
und AIDS - d.h. "AIDS"-assoziierter Symptomkomplex und die Vollerkrankung an AIDS) konzentrieren.
Da fortgesetzt AIDS im
Brennpunkt stand, nicht aber das
ganze Spektrum der HIV-Infektion,
war unsere Nation bisher nicht
fähig, sich in angemessener Weise
mit der Epidemie zu befassen.
Die Anstrengungen von Bund und
Einzelstaaten im Hinblick auf die
Sammlung von Daten müssen sich
jetzt auf frühe HIV-Berichte konzentrieren;
gleichzeitig
sind
weiterhin Daten über symptomatische Krankheitsphänomene zusammenzutragen.
- Die frühzeitige Diagnose der HIVInfektion ist nicht nur für die
angemessene medizinische Therapie
und Beratung der infizierten Person, sondern auch für die angemessene
Folgebeobachtung
durch
die Gesundheitsbehörden von entscheidender Bedeutung. Eine HIVInfektion kann wie jede andere
chronische Erkrankung
- Herzkrankheit, Bluthochdruck, Diabe-

�tes, Krebs - wirksamer behandelt
werden, wenn man sie frühzeitig
erkennt.
Deshalb sollten medizinische Stellen regelmäßige HIVTests anbieten, um den gegenwärtig kleinen Anteil jener Infizierten, die sich der Tatsache
bewußt sind und entsprechend betreut werden, zu erhöhen.
Da
sich viele Manifestationen von
HIV für eine Behandlung eignen,
sollten Infizierte ungehinderten
Zugang zur Behandlung der opportunistischen Infektionen haben, die sich häufig für Personen
mit HIV als tödlich erweisen.
- Besseres Verständnis der tatsächlichen Häufigkeit und der Schwerpunkte von HIV-Infektionen spielt
eine Schlüsselrolls und kann nur
durch sorgfältiges Zusammentragen
von Daten aus stark ausgeweiteten
Tests erworben werden. Tests mit
Qualitätsgarantien sollten leicht
zugänglich, vertraulich, freiwillig sowie mit angemessener Beratung und mit Pflegeleistungen
verbunden
sein.
Gegenwärtig
kennt nur ein kleiner Prozentsatz
von HlV-Infizlerten seinen Infektionsstatus. Zum eigenen Schutz
und zum Schutz der nicht Infizierten sollten große Anstrengungen unternommen werden, um freiwillige Tests leicht zugänglich
zu machen. Viele der detaillierten Vorschläge im vorliegenden
Bericht in bezug auf Tests zielen
auf die Erhöhung dieses Prozentsatzes ab.
- HIV ist eine Behinderung und
sollte im öffentlichen und privaten Sektor im Bundes- und Einzelstaatsrecht als solche behandelt
werden. Angst hat zur Diskriminierung von Personen geführt, von
denen man weiß, daß sie infiziert
sind. Diese Reaktion ist unangemessen.
Infizierte
Personen
sollten zur Fortsetzung normaler
Aktivitäten wie Arbeit oder Schule ermutigt werden und so lange,
wie sie dazu in der Lage sind, in
der eigenen Wohnung bleiben. Die

- 3-

durchschnittliche Zeitspanne zwischen Infektion und klinischen
Symptomen bemißt man derzeit auf
sieben bis acht Jahre - Jahre,
die produktiv sein sollten.
- Im Bundes- und Staatsrecht ist
strikterer Schutz der Privatsphäre HlV-Infizierter in der Form
erforderlich,
daß
Verletzungen
der
Vertraulichkeitsnormen
mit
beachtlichen Strafen belegt werden, aber auch notwendige Ausnahmen in den Vorschriften klar
definiert sind. Diese Ausnahmen
sind im Detail in Kapitel 9 unseres Berichtes aufgeführt, d.h. im
Abschnitt
über
Schweigepflicht
bzw. vertrauliche Behandlung.
- Einige Vorbeugungsmaßnahmen müssen sofort in Angriff genommen
werden.
- Behörden des Öffentlichen Gesundheitsdienstes überall in den Vereinigten Staaten müssen sofort
mit der vertraulichen Partner-Information beginnen. Dies ist ein
Warnsystem in bezug auf Intimkontakte von Personen, die Träger
sexuell übertragbarer Krankheiten, einschließlich HIV, sind.
- Dienststellen, die medizinische
Einrichtungen
genehmigen
und
überwachen, müssen sofort Maßnahmen ergreifen, mit denen jede
dieser Einrichtungen verpflichtet
wird, alle Personen, die seit
1977 Bluttransfusionen erhielten,
davon zu unterrichten, daß sie
möglicherweise einer HIV-Infektion ausgesetzt waren und Tests
sowie
gegebenenfalls
Beratung
notwendig seien.
- Vorbeugung und Therapie bei intravenösem Rauschgiftabusus, mit
dem der HIV-Epidemie wichtiger
Vorschub geleistet wird, muß zu
einer
nationalen
Aufgabe
von
höchster Priorität werden. Verstärkte Anstrengungen im Rechtsvollzug zur Unterbindung des Angebotes an Rauschgiften müssen

�mit erheblich erweiterter Therapie und Therapiemöglichkeiten mit
dem Ziel einer "Behandlung auf
Verlangen" gekoppelt werden, um
Süchtige wieder ein gesundes Leben zu ermöglichen.
- Der Konsum illegaler Drogen wie
der Mißbrauch von Alkohol erleichtern die Ausbreitung von
HIV, indem sie das Urteilsvermögen beeinträchtigen und das Immunsystem schwächen.
Die Bemühungen von Bund und ELnzelstaaten
um eine Eindämmung der HIV-Verbreitung müssen nichtige Maßnahmen zu Bereich enthalten. Erziehung gegen Alkohol- und Drogenmißbrauch mit entsprechender Information ist für alle Schulkinder und Heranwachsenden, für Angehörige von Minderheiten wie für
alle übrigen Amerikaner lebenswichtig.
- Neue bundes- und einzelstaatliche
Stipendien und Darlehen müssen
sofort im Bereich der Krankenpflege
eingeführt
werden, um
Pflegepersonal zum Dienst in Bereichen mit großer HIV-Häufigkeit
zu ermutigen und gleichzeitig das
Problem des Mangels an Pflegepersonal anzugehen, der auch in allen anderen Bereichen eine wirksame Gesundheitsfürsorge beeinträchtigt. Krankenschwestern und
Pfleger
leisten innerhalb und
außerhalb der Krankenhäuser einen
hohen Anteil zur Betreuung der
HIV-Kranken.
Gegenwärtig
existiert ein gravierender Mangel an
Pflegekräften, der in den nächsten zehn Jahren noch erheblich
zunehmen dürfte.
- Die
Tätigkeit
des
"National
Health Service Corps", das medizinische Fachkräfte in unterversorgte Gebiete schickt, soll gegenwärtigen Plänen zufolge eingestellt werden. Diese müßte jedoch verlängert
und erheblich
ausgeweitet werden. Die im Gesundheitswesen tätigen Verbände
und Berufsgruppen sollten der An-

werbung und Ausbildung von Fachkräften aus Minderheitengruppen
besondere Beachtung schenken.
- Aggressive biomedizinische Forschung ist der Schlüssel zu den
Rätseln und Ungewißheiten, die
mit der Suche nach einem Impfstoff und einer Heilung von HIV
noch verbunden sind. Die Medizinischen Bundesforschungsanstalten
(National
Institutes
of
Health) brauchen mehr administrative Flexibilität, zur Verwirklichung ihrer Forschungszielen.
Schadensrechtliche
Hindernisse
müssen aus dem Weg geräumt und
klinische Versuche stark ausgeweitet werden, um eine größere
Bandbreite der infizierten Bevölkerung einzubeziehen.
- Eine gerechtere und kosteneffektivere Finanzierung der Betreuung
HlV-Infizierter ist zu prüfen,
und zwar durch eine Reihe neuer
oder erweiterter Programme im
Rahmen derer bedürftigen Patienten Zuschüsse von Bundesregierung
und Staatsbehörden zu privaten
Versicherungsleistungen
sowie
größere Beiträge zu Risikofonds
gewährt werden. Es ist wichtig,
auf ein durchorganisiertes Betreuungssystem hinzuarbeiten, in
dem die Individualbehandlung ein
wesentliches
Hilfsmittel
darstellt, um Kosten unter Kontrolle
zu halten und qualifizierte Betreuung zu ermöglichen.
- Die Anliegen der im Gesundheitswesen tätigen Personen müssen auf
allen Behördenebenen sowie vom
privaten Sektor mehr angesprochen
werden. Ihnen allen - vom Sanitätswagenfahrer und anderen für
Erste Hilfe zuständigen Personen
bis zu Ärzten, Krankenschwestern,
Zahnärzten,
Laborpersonal, Sozialarbeitern,
Geistlichen
und
allen übrigen Angehörigen von Berufen im Gesundheitsdienst bis zu
Gynäkologen und Chirurgen, die
invasiv vorgehen müssen - sollten
komplette Informationen über HIV

�und ein angemessener Schutz in
bezug auf Materialien und Arbeitsbereich gewährt werden, so
daß eine umfassende und humane
Betreuung der Kranken möglich ist.
- Die sichere Versorgung mit Spenderblut muß von der Bundesregierung
kontinuierlich
sichergestellt werden. Die Bandesbehörde
für
Lebens- und
Arzneimittel
(Food and Drug Administration FDA) sollte die Prüfung neuer,
weniger zeitaufwendiger Tests zum
Aufspüren von HIV vorrangig behandeln. Darüber hinaus muß ein
umorganisierter Beratungsausschuß
für Blutprodukte mit der FDA zusammenarbeiten, un Verfahrenswege
zum Schutz von Kenservenblut kontinuierlich zu überprüfen.

i

- In Kliniken und anderen Einrichtungen
des
Gesundheitswesens
sollte alles unternommen werden,
um eine Transfusion von Fremdblut
(homologe Transfusion) zu vermeiden und statt dessen nach Möglichkeit
Eigenblut
(autologe
Transfusion) zu Infundieren. Zu
den gegenwärtig verfügbaren Methoden einer autologen Transfusion zählen eine vorherige Spende
von Eigenblut, die Rezirkulation
von Eigenblut während der Operation
(intraoperative
autologe
Transfusion), Blutverdünnung (Hämodilution) sowie nachoperatives
Sammeln von Blut: des Patienten
zur Retransfusion. Die Einrichtungen
des
Gesundheitswesens
sollten ihre Mitarbeiter besonders gut und gründlich in diesen
Techniken ausbilden, und der Patient, der seine Zustimmung zu
einer Transfusion von Blut oder
Blutkomponenten gibt, sollte sowohl über das Risiko in Verbindung mit der Transfusion als auch
über die Alternativen zur homologen Transfusion informiert werden.
- Informationsprogramme müssen weiterhin für die nahe Zukunft entwickelt und angewandt, aber auch
im Hinblick auf größte Wirksam- 5 -

keit bei der nächsten Generation
konzipiert werden. Altersgerechte, umfassende Programme zur gesundheitlichen Aufklärung in unseren Schulen - vom Kindergarten
bis zur letzten Schulklasse
sollten als nationale Aufgabe mit
Vorrang behandelt werden.
- Das Problem der HlV-infizierten
"Heimbabies" zählt zu den erschütternsten, denen die Kommission begegnet ist. Diese Kinder
verbringen ihr gesamtes kurzes
und tragisches Leben im Krankenhaus, mit Ärzten und Schwestern
als ihrer einzigen Familie. Die
10 000 bis 20 000 HlV-inf izierten
Neugeborenen, mit denen man 1991
zu rechnen hat, lenken außerdem
die Aufmerksamkeit auf die so
dringend benötigten Pflegeheime.
Wenn die Probleme der Benachteiligten nicht angesprochen werden,
wird die HIV-Epidemie weiterhin
in diese Bevölkerungsgruppen eindringen, und wir werden es mit
einem erheblichen Anstieg sowohl
pädiatrischer als auch drogenassoziierter
HIV-Erkrankungen
zu
tun bekommen.
- Die Probleme von Teenagern, insbesondere von Jugendlichen, die
von Zuhause weggelaufen sind,
sind ein spezielles Risiko der
HIV-Exposition und müssen aggressiv angegangen werden. Die HIVAusbreitung in der heterosexuellen Bevölkerung muß besser definiert, die allgemeine Öffentlichkeit muß korrekt und ausreichend
informiert
werden.
Unrichtige
und irreführende Verlautbarungen,
denenzufolge HIV nicht durch heterosexuelle Kontakte verbreitet
werden könne, sind als unqualifiziert abzulehnen.
- Die HIV-Epidemie wirft Schlaglichter auf eine Reihe ethischer
Überlegungen und Pflichten, u.a.
- die Verantwortung der HlV-infizierten, andere nicht anzustecken;

�- die Verantwortung der im Gesundheitswesen tätigen, allen HlV-infizierten Personen umfassende und
humane Hilfe zukommen zu lassen;
und
- die Verantwortung aller Bürger,
HlV-infizierten Personen respektvoll und einfühlsam zu begegnen.
- Internationale Anstrengungen zur
Bekämpfung
der
HIV-Infektion
sollten von den Vereinigten Staaten durch unsere Wissenschaftler
und unseren nationalen Beitrag
zur
Weltgesundheitsorganisation
und den weltweiten AIDS-Programmen ermutigt werden.
Die Kommission ist überzeugt, daß
eine uneingeschränkte Verwirklichung
der Empfehlungen dieses Berichtes das
schwierige Gleichgewicht zwischen den
komplexen Notwendigkeiten und die
sich für die gesamte Gesellschaft im
Hinblick auf ihre Reaktion auf die
HIV-Epidemie
ergebenden
Pflichten
herzustellen vermag.
Unmittelbar nach Erhalt des Berichtes der Kommission beauftragte
Präsident Ronald Reagan Dr. Ian Macdonald, Berater für Drogenfragen und
im Stab des Weißen Hauses zuständig
für Drogenpolitik, innerhalb von 30
Tagen Pläne zur Durchführung der Kommissionsempfehlungen vorzulegen.

* * * * * *

- 6

�</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST
"4-

"""

Ä«

29. J u n i 1986

25

INHALT

DOKUMENTATION

Carluccl warnt vor Wunschdenken bezüglich der Sowjets
- Ansprache des Verteidigungsministers vor dem
Nationalen Presseclub -

Keine Veränderung bei Einsatzkonzept und Doktrin des
Warschauer Pakts
- Erklärung der amerikanischen Delegation bei MBFR -

HINTERGRUNDMATERIAL

Fortschritte bei den Genfer Verhandlungen über Kern- und
Weltraumwaffen
- Bericht von ACDA-Direktor B u m s an den Kongreß -

* * * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

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D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�AMERIKA DIENST
'VON

Dokumentation

4

29. Juni 1988

25
CARLUCCI WARNT VOR WUNSCHDENKEN BEZÜGLICH DER SOWJETS

- Ansprache des Verteidigungsministers vor dem Nationalen Presseclub WASHINGTON - (AD) - Dem amerikanischen Verteidigungsminister Frank
Carlucci zufolge müssen sich die Vereinigten Staaten vor einer Politik der
"Uberreaktion" und des "Wunschdenkens" bezüglich der Möglichkeit echter Reformen in der Sowjetunion hüten und sich die Tatsache vor Augen führen, da3 sie
nur in begrenztem Maße auf das Geschehen in der Sowjetunion Einfluß nehmer.
können.
In einer Bestandsaufnaheme von "Gipfeltreffen, Sicherheit und dem OstWest-Dialog" erklärte Carlucci in seiner Ansprache vor dem Nationalen Presseclub am 27. Juni 1988: "Die nackte Wahrheit ist, daß unsere Möglichkeiten zur
Einflußnahme auf den Wandel in der Sowjetunion begrenzt sind" und daß wir
"einfach nicht vorhersagen können, welche Auswirkungen dies nach sich ziehen
wird".
Nachfolgend bringen wir die Rede im Wortlaut.
Es ist mir eine Ehre und ein Vergnügen, heute vor den Mitgliedern des
Nationalen Presseclubs sprechen zu
dürfen.
Seit dem Treffen zwischen Präsident
Reagan
und
Generalsekretär
Gorbatschow in Moskau ist ein Monat
vergangen. Heute möchte ich mit Ihnen gemeinsam die vor uns liegenden
Projekte erörtern - welche Strategie
im Anschluß an den Gipfel am besten
zur Behebung der Spannungen geeignet
ist und der Verbesserung der Sicherheit der Vereinigten Staaten und der
Verbündeten dient.
Als Augenzeuge des Gipfelprozesses bin ich davon überzeugt, daß unser anhaltender Dialog mit den Sowjets
in Moskau
einen
weiteren

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Schritt nach vorne gekommen ist. Bei
der vierteiligen Tagesordnung konnten
wir in jedem Bereich Fortschritte erzielen - bei den Menschenrechten, bilateralen und regionalen Konflikten
sowie bei der Rüstungskontrolle - die
inzwischen fester Bestandteil unserer
Treffen mit der Sowjetunion geworden
sind.
Das Gipfeltreffen hat auch großes
Interesse an den Entwicklungen geweckt, die zur Zeit in der Sowjetunion stattfinden - und die Hoffnung
genährt, daß der Prozeß des inneren
Wandels positive Auswirkungen auf das
sowjetische Verhalt en im internationalen Umfeld haben möge.
Es besteht kein Zweifel, daß ein
solcher Prozeß in die Wege geleitet

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�worden ist, er ist jedoch noch in
keiner Weise abgeschlossen. Das angemessene Verhalten gegenüber Entwicklungen im Inneren der UdSSR unter
diesen Umständen ist, aufnahmebereit
aber wachsam zu sein.
Ich möchte
Präsident Reagan aus seiner Ansprache
nach dem Gipfel im Rathaus der City
von London zitieren: "Wenn ein ehrlicher Wandel stattfindet, stehen wir
diesem
unvoreingenommen
gegenüber.
Aber wir müssen auch wachsam sein,
wir müssen stark bleiben und wir müssen zuversichtlich sein."
Trotz der Konzentration auf den
Wandel in der UdSSR war der Moskauer
Gipfel in vieler Hinsicht der logische Höhepunkt der seit Jahren von
den Vereingten Staaten verfolgten Politik. Nehmen wir zum Beispiel den
INF-Vertrag: Schon im Jahr 1981 hat
Präsident Reagan die "Null-Lösung"
vorgeschlagen, die als Grundlage für
den heute gültigen Vertrag diente.
Und der Präsident hat auch angesichts
des enormen Gegendrucks, der von einigen amerikanischen wie auch sowjetischen RUstungskontrollexperten auf
ihn ausgeübt wurde, an der Null-Lösung festgehalten. Auch im Bereich
der Menschenrechte können wir Kontinuität verzeichnen.
Die Neuheit,
Präsident Reagan auf dem Roten Platz
zu sehen, sollte nicht die Tatsache
verschleiern, daß er mit denselben
lange bewährten Ansichten zu den
Grundrechten
und
Freiheiten
nach
Moskau gefahren ist und - wie er in
seinen Gesprächen mit sowjetischen
BUrgerrechtlern unter Beweis gestellt
hat - nicht zögert, diese auch zu artikulieren.
Es gibt zahlreiche Anzeichen, die
den zur Zeit in der Sowjetunion
stattfindenden tiefgreifenden Wandel
belegen: lange verbotene Bücher werden jetzt veröffentlicht, politische
Kontroversen und öffentliche Proteste
finden ihren Weg in die offizielle
Presse.
Selbst die Vergangenheit
wird
der
"Reform"
unterworfen:
Stalin wird nun zunehmend kritisiert,
seine Gegner rehabilitiert; und in
den Schulen sind Geschichtsprüfungen

abgesagt worden, während die Schulbücher neu geschrieben werden. Das
andere Kernstück der Reform, die
wirtschaftliche Umstrukturierung, ist
- wenn auch noch nicht sehr weit
fortgeschritten - ein Thema icitensiver öffentlicher Diskussionen. Bei
der Parteikonferenz, die morgen in
Moskau eröffnet wird, könnte sehr
wohl die Rolle der Partei neu definiert werden.
Der Schlüssel im Verhalten zu den
Sowjets liegt heute darin, den Wandel
in der richtigen Perspektive zu sehen.
Die bloße Tatsache, daß ein
Wandel stattfindet, verrät uns noch
nicht, wohin dieser Wandel führen
wird.
Es liegt an uns, den harten Realitäten ins Auge zu blicken, von denen die Grenzen des Wandels definiert
sind - die Umstände, die ihm im Wege
stehen.
Dies bedeutet, sich der
Grenzen sowjetischer Reformen bewußt
zu sein - und unserer eigenen begrenzten Fähigkeiten, die Ereignisse
zu kontrollieren.
Und es gibt Grenzen. Das vorsichtige Tempo der sowjetischen Wirtschaftsreform ist nicht auf Unsicherheit über die Richtung zurückzuführen, die diese Reform einschlagen
muß. Von den politisch Verantwortlichen in der Sowjetunion wird sehr
wohl verstanden, daß die Hauptursache
für wirtschaftliche Stagnation in der
Kontrolle des Staates zu suchen ist,
und der Schlüsel zur Wiederbelebung
der Wirtschaft liegt in der Lockerung
des staatlichen Zugriffs.
Es gibt
eine Vielzahl von Möglichkeiten, um
dies herbeizuführen: der Staat könnte einige Elemente der Planwirtschaft
abbauen, um Spielraum für den Mechanismus von Angebot und Nachfrage zu
schaffen, oder den Entscheidungsprozeß dezentralisieren. Solche Schritte würden die Wirtschaftsleistung
verbessern, jedoch nur auf Kosten der
staatlichen Kontrolle der Wirtschaft
- und dies ist die politische Barriere, die der Perestrojka im Wege
steht.
Die zentrale Kontrolle ist

- 2 -

�etwas gelockert worden, aber es gibt
keine Anzeichen dafür, daß Perestrojka die Beseitigung des Systems bedeutet. Wie man wirtschaftliche Notwendigkeiten mit der politischen Realität
in
Einklang
bringt
ist
Gorbatschows Problem - und es ist
kein leichtes Problem.
Auch Glasnost, dem zweiten Grundelement des sowjetischen Reformprogramms, sind Grenzen gesetzt.
Es
gibt, wie ich bereits gesagt habe,
eine wirkliche Öffnung - ebenso besteht jedoch der begründete Eindruck,
daß Glasnost ein Fenster ist, das jederzeit wieder geschlossen werden
kann. Wir müssen die Distanz zwischen Glasnost und der Redefreiheit
westlicher Prägung zur Kenntnis nehmen. Gegenwärtig ist Glasnost im engeren Sinne vom Staat beeinflußt und das ist weit von dem entfernt,
was wir unter den Grundrechten freier
Rede und offenen Meinungsaustauschs
verstehen, die vom Staat nicht beschnitten werden können und die wir
schützen müssen.
Alle uns bisher vorliegenden Beweise deuten darauf hin, daß das gegenwärtig in der Sowjetunion durchgeführte Reformprogramm nicht auf eine
Umwandlung des Systems an sich, sondern auf dessen effizientere Gestaltung ausgerichtet ist - auf seine
Wiederzubelebung - ohne Veränderung
der Grundstrukturen von Einparteienherrschaft und Staatskontrolle.
Wir müssen die sowjetische Reform
in der richtigen Perspektive betrachten und gleichzeitig auch die Grenzen
unserer Fähigkeit zur Beeinflussung
der Ereignisse anerkennen. Von einigen Kreisen werden die Vereinigten
Staaten aufgefordert, ihre Politik
neu zu formulieren, um den Erfolg der
sowjetischen Reformen zu ihrem Ziel
zu machen. Ich kann mir keinen gefährlicheren Weg vorstellen, um eine
über das Ziel hinausschießende Politik mit Wunschdenken im Hinblick auf
deren Ergebnis zu kombinieren.
Wir

müssen

klare

Vorstellungen

davon haben, was die amerikanische
Politik leisten kann und was nicht.
In den internationalen Beziehungen
können Festigkeit und Entschlossenheit des Westens das Verhalten der
Sowjets beeinflussen, wie wir bei der
INF-Frage und Afghanistan gesehen haben. Unsere Fähigkeit zur Beeinflussung inneren Wandels in der UdSSR ist
jedoch eine andere Sache. Wir können
auf Veränderungen hoffen, wir können
sie begrüßen, wenn sie zustande kommen. Die nackte Wahrheit ist, daß
unsere Möglichkeiten zur Einflußnahme
auf den Wandel in der Sowjetunion
sehr begrenzt sind. Trotz der unlängst an die Öffentlichkeit gedrungenen politischen Auseinandersetzungen unter führenden sowjetischen Politikern ist die Funktionsweise des
sowjetischen Systems in seinem Innern
- die Fraktionen, die Machtkämpfe,
die verschiedenen Interessen - grundsätzlich immer noch jedermann außerhalb des Kremls unbekannt. Als Ergebnis dessen wissen selbst die politisch Verantwortlichen im Westen
über die Ziele und Absichten der sowjetischen Führung wenig mehr als der
sowjetische Durchschnittsbürger.
Wenn man als Katalysator des Wandels fungieren möchte, besteht eine
große Gefahr:
Wir können einfach
nicht vorhersagen, welche Auswirkungen dies nach sich ziehen wird.
Wenn das Endresultat der Reform
eine weniger expansionistische Sowjetunion ist, die ihre gegenwärtig
für militärische Zwecke eingesetzten
Ressourcen reduziert, die ihr seit
langem verzögertes Versprechen zur
Respektierung der Grundfreiheiten und
Menschenrechte
einlöst, die einem
Dialog mit dem Westen aufgeschlossen
gegenübersteht, dann wird dies ein
Wandel zum Besseren sein. Wenn andererseits das Endprodukt der sowjetischen Umgestaltung nicht mehr als
die Entwicklung - vielleicht sogar
mit westlicher Hilfe - eines stärkeren industriellen Motors ist, um die
sowjetische Militärmaschinerie anzutreiben, dann werden wir es im Westen
mit einer weit gefährlicheren Bedro-

- 3 -

�hung zu tun bekommen als heute.
Die Tatsache allein, daß ein Wandel stattfindet, birgt keinen Hinweis
darauf, ob dieser zum Besseren oder
zum Schlechteren vonstatten geht.
Unser Denken - oder unsere Politik darf nicht von unserem Wunsch nach
Wandel beherrscht werden.
Wie sollen wir also in unseren
Beziehungen mit den Sowjets vorgehen?
Meine Antwort lautet, daß wir den
Kurs, der uns zum Moskauer Gipfel geführt hat, beibehalten sollen.
- Wir müssen ein klares Gefühl für
die Unterschiede behalten, die
das amerikanische und das sowjetische System trennen - selbst,
wenn wir versuchen, diese Unterschiede abzubauen.
- Wir müssen vermeiden, Ursache und
Wirkung zu verwechseln, indem wir
annehmen, daß Spannungen deshalb
existieren, weil wir bewaffnet
sind, wiewohl es tatsächlich so
ist, daß wir bewaffnet sind, weil
die amerikanischen und sowjetischen
Ziele
und
Interessen
Spannungen hervorrufen.
- Zuallererst müssen wir und unsere
Verbündeten uns an unseren eigenen
Sicherheitsbedürfnissen
orientieren.
In der Rüstungskontrolle dürfen
wir beispielsweise nicht vergessen,
daß weniger Raketen nicht gleich mehr
Sicherheit bedeuten. Unser Ziel bei
der Erzielung von Rüstungsreduzierungen besteht darin, die Stabilität auf
niedrigerem Niveau zu erhöhen - nicht
nur, die Waffen zu reduzieren. Wir
können Systeme, die zur Aufrechterhaltung eines soliden Verteidigungspotentials notwendig sind - wie etwa
seegestützte
Marschflugkörper
-,
nicht einfach deshalb preisgeben, um
die Verifizierung eines RUstungskontrollabkommens zu vereinfachen.
Ebenso wichtig
unsere Kontrollen

ist es, daß wir
im Hinblick auf

strategisch
wichtige
Technologien
beibehalten, auch wenn wir danach
streben, die Spannungen mit den Sowjets abzubauen.
In den siebziger
Jahren haben die Vereinigten Staaten
es den Sowjets gestattet, große Mengen an moderner Technologie zu erwerben. Dadurch wurde es ihnen ermöglicht, die seit langem bestehende
Lücke
zwischen
der
militärischen
Technologie der Sowjets und des Westens zu verringern. Durch die Verschärfung der Kontrollen über den
Fluß sicherheitsempfindlicher Technologie hat die Reagan-Administration
diesen Trend umgekehrt. Wir haben es
den Sowjets bedeutend erschwert, die
Früchte westlicher Technologie in
Form von neuen und raffinierteren
Waffensystemen gegen uns zu verwenden. Der Schutz unseres qualitativen
Vorsprungs ist von entscheidender Bedeutung für den Westen, der sich traditionell erheblich auf seine technologische Überlegenheit verläßt, um
den quantitativen Vorsprung der sowjetischen Streitkräfte wettzumachen.
Jetzt ist es nicht an der Zeit,
in unserer Wachsamkeit nachzulassen.
Wir haben allen Grund anzunehmen, daß
die Sowjets unsere Technologie als
einen Weg ansehen, um nicht nur wirtschaftliche, sondern auch militärische Vorteile zu gewinnen.
Aus
besten strategischen Gründen können
wir es uns nicht leisten, dies geschehen zu lassen.
Bei meinen Zusammenkünften mit
dem
sowjetischen
Verteidigungsminister Jasow habe ich mir vergegenwärtigt, daß der Dialog als Selbstzweck wertlos
ist, sondern ausschließlich als Mittel zur Verbesserung unserer Sicherheit. Unsere Gespräche in Bern und vergangenen Monat
in Moskau waren offen - und wie ich
denke, gerade aufgrund dessen - konstruktiv. Wir haben viel dadurch gewonnen, daß wir die Gelegenheit hatten, unsere Meinungsverschiedenheiten
zu bereinigen und Wege zur möglichen
Verbesserung unserer Beziehungen zu
erforschen.

- 4 -

�Aus diesem Grund werde ich Anfang
August zu einem dritten Treffen mit
Minister Jasow nach Moskau zurückkehren.
Wie bei unseren früheren Zusammenkünften wird unsere Tagesordnung
Möglichkeiten zur Vermeidung gefährlicher
militärischer
Zwischenfälle
wie auch die Ausweitung der Kontakte
im militärischen Bereich umfassen.
Darüber hinaus werden Minister Jasow
und ich erneut unseren Dialog über
die Militärdoktrin aufnehmen.
Die
Sowjets erheben weiterhin Anspruch
auf ihren Kurswechsel im Hinblick auf
ein
eindeutig
defensives
militärisches Einsatzkonzept.
Ich für
meinen Teil habe eindeutig dargelegt,
daß die Vereinigten Staaten einen
solchen Kurzwechsel begrüßen würden,
der nach wie vor etwa 15 bis 17 Prozent des sowjetischen BSP verschlingt
- aber daß wir trotz der sowjetischen
Behauptungen keine Veränderungen bei
der sowjetischen Streitkräftestruktur
und keine Verminderung der für das
sowjetische
Militär
aufgewendeten
Ressourcen feststellen können.
Der
zahlenmäßige Vorteil der Sowjets gegenüber der NATO bei Panzern und Artillerie, zusammen mit dem Schwergewicht auf einsatzfähigen Manövergruppen, luft- und seegestützten Streitkräften und Brückenlegegerät zur Unterstützung eines Vorstosses deuten
unzweifelhaft darauf hin, daß die offensive Ausrichtung der sowjetischen
Streitkräfte erhalten bleibt.
Der Schlüssel zur Förderung des
gegenwärtig mit den Sowjets geführten
Dialogs liegt in der Erkenntnis der
Bedeutung von Gesprächen aus einer
Position der Stärke heraus. In dieser Hinsicht
nahm
der Weg zum
Moskauer Gipfel seinen Anfang lange
bevor Präsident Reagan und Generalsekretär Gorbatschow gegenseitige Besuche in ihren Hauptstädten vereinbarten. Er begann mit dem vor mehr
als sieben Jahren gefaßten Entschluß
Präsident Reagans, Amerikas Verteidigung wiederaufzubaunen.
Wenn die
Vereinigten Staaten dieses Wiederaufbauprogramm nicht durchgeführt hät-

ten, gäbe es meiner Überzeugung nach
heute keinen inhaltsreichen Dialog
mit den Sowjets.
Und die Vereinigten Staaten sind
heute in jeder Hinsicht viel stärker
als noch zu Beginn der achtziger Jahre. Sie alle kennen die wichtigsten
Bestandteile unseres Wiederaufbauprogramms - die Modernisierung unserer
strategischen Triade und unserer konventionellen Streikträfte. Ich nöchte einige ebenso wichtige, aber weniger bekannte Indikatoren unseres verbesserten Verteidigungskonzepts aufführen:
- Wir haben in den vergangenen sieben Jahren mehr als 50 Milliarden
Dollar für Munition und Ersatzteile aufgewendet.
- Wir haben das Material für uasere
Streitkräfte in Europa um 15C
Prozent aufgestockt.
- Wir haben unsere Transportfähigkeiten in der Luft um 18 Millionen Tonnenmeilen pro Tag erhöht das sind 70 Prozent mehr als 1980.
- Die Seetransportfähigkeit ist im
selben Zeitraum um 50 Prozent gestiegen.
Insgesamt haben diese Leistungen
zur Verbesserung der Fähigkeit des
Landes beigetragen, Macht zu dokumentieren und damit eine Aggression abzuschrecken.
Die Anerkennung für die Wiederherstellung von Amerikas Stärke gebührt Präsident Reagan, dem Kongreß
und dem amerikanischen Volk, die den
gefährlichen
Niedergang
amerikanischer Macht erkannt und die Bestrebungen zum Wiederaufbau unterstützt
haben. Aber mit dieser Anerkennung
geht die Verantwortung einher, heute
in unseren Bemühungen nicht nachzulassen und daß dafür auch wirklich
kein Grund besteht.
Nach dem Moskauer Gipfel bin ich
nach Japan und in die Republik Korea

- 5 -

�gereist, um dort mit den Staatschefs
der beiden Länder zusammenzutreffen.
An meinem letzten Tag in Korea habe
ich die Gegend nördlich von Seoul besucht, um die amerikanische Soldaten
zu besuchen, die auf dem sogenannten
DMZ-Streifen Wache stehen - einer der
Grenzlinien, die freie Nationen von
den uns bedrohenden Kräften abtrennen. Von den dortigen Wachtürmen aus
gesehen ist die Bedrohung immer allgegenwärtige Realität - sie ist keine
Theorie, die man allzu leicht übersehen könnte.
Mein Führer war ein Unteroffizier
der US-Armee, James Haie, ein junger
Mann aus Portland in Oregon, der
jetzt
auf
einem Wachturm seinen
Dienst verrichtet, der nur wenige Meter vom feindlichen Territorium entfernt ist. Haie zeigte mir die von
diesem
gefährlichen
Stellungspunkt
sichtbaren nordkoreanischen Posten und noch etwas anderes. Er hat mir
vor Augen geführt, was es ist, das
Amerika und seinen Verbündeten Freiheit und Frieden beschert: Wachsamkeit und Entschlossenheit.
Eben diese Haltung bestimmt unseren Ansatz bei den amerikanisch-sowjetischen Beziehungen.
Die politischen Maßnahmen der
vergangenen sieben Jahre haben eine
Grundlage für bessere Beziehungen zur
Sowjetunion geschaffen und die Serie
der Gipfeltreffen hat einen nützlichen Dialog hervorgebracht.
Als
Ergebnis davon sind wir nunmehr in
einer Position, positiv auf echte
Veränderungen in der sowjetischen Politik, beim Einsatzkonzept und Verhalten zu regieren, wann immer diese
auch stattfinden mögen. Auf genau
diese Art und Weise müssen wir die
Beziehungen zur Sowjetunion handhaben: Immer offen für die Aussichten
eines Spannungsabbaus, aber in jedem
Fall entschlossen zur Aufrechterhaltung unserer Sicherheit.
* * * * *

- 6

�AMERIKA DIENST
^7

Dokumentation

&lt;£*

25

29. Juni 19811
KEINE VERÄNDERUNG BEI EINSATZKONZEPT UND DOKTRIN DES WARSCHAUER PAKTS
- Erklärung der amerikanischen Delegation bei MBFR -

WIEN - (AD) - Der Chefunterhändler der amerikanischen Delegation bei der
MäFR-Verhandlungen, Botschafter Stephen Ledogar, erklärte am 23. Juni 1983 bei
eLner Plenarsitzung, die von den Regierungen des V/arschauer Pakts vorgebrachte
Aikündigung eines neuen Engagements für konventionelle Rüstungskontrolle hätte
bii den Verhandlungen über beiderseitige und ausgewogene Truppenverm;nderunger
ii Mitteleuropa (MBFR) keine neuen, konkreten Rüütungskontrollvorschläge hervorgebracht.
Ledogar zufolge bieten die von den Ostblockstaaten unterbreiteten Vorschläge bei den nunmehr 15 Jahre dauernden Gesprächen keine angemessene Verifizierung und "würden damit nicht die Zielsetzungen erfüllen, auf die siel
beide Seiten zu Beginn dieser Verhandlungen geeinigt haben".
Nachfolgend veröffentlichen wir eine Presseerklärung der amerikanischen
Delegation, der Botschafter Ledogars Rede zugrunde Liegt.
Botschafter Stephen J. Ledogar,
ChefUnterhändler der Delegation der
Vereinigten
Staaten
von
Amerika
sprach heute im Namen der westlichen
Regierungen vor der Plenarversammlung. In seiner Rede verwies er darauf, daß Ost und West diese Verhandlungen seit nunmehr 15 Jahren führen.
Das deutet Ledogar zufolge auf eine
umfangreiche Erfahrung mit Rüstungskontrolle hin, und die westliche Seite ist der Ansicht, daß regelmäßige
Überprüfungen für alle Beteiligten
von Nutzen sind. Der Auffassung des
Westens zufolge bildet der Verhandlungsprozeß selbst einen der wichtigsten Aspekte dieser Erfahrung. Erfolge in der Rüstungskontrolle verlangen von den Unterhändlern harte
Arbeit, einen konstruktiven Ansatz,
Geduld und Phantasie und von ihren

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Regierungan eine feste politische
Verpflichtung. Die Teilnahme allein
reicht nicht aus. Ohne echten Einsatz für die beiderseits vereinbarten
Zielsetzungen und die Entschlossenheit, mit der anderen Seice an der
Verwirklichung dieser Ziele zu arbeiten, werden die Probleme, die zunächst einmal auf beiden Seiten zur
Aufnähme der Gespräche geführt haben,
nicht gelöst.
In diesem Zusammenhang begrüßt
der Westen die öffentliche Ankündigung der Regierungen des Warschauer
Pakts über ihr neues Engagement f U :
die konventionelle Rüstungskontrolle.
Dem Westen wird vermittelt, daß in
Hinblick auf die militärische Lage in
Europa ein neues Zeitalter angebrochen ist, und man hört aus dem Ost-

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�block von einer Vielzahl unterschiedlicher
Rüstungskontrollpläne,
Umstrukturierung der Streitkräfte und
Neuformulierung der Doktrin auf der
Basis "defensiver Verteidigungshaltung" und "vernünftigen und ausreichenden Verteidigungsniveaus".
Bis
jetzt hat der Westen jedoch weder
vergleichbare Veränderungen im grundlegenden Einsatzkonzept und der Doktrin des Warschauer Paktes verzeichnet noch bestehen Anzeichen dafür,
daß er seinen erheblichen militärischen Vorteil gegenüber der NATO abbaut.
Ebensowenig haben wir hier
neue, konkrete RUstungskontrollvorschläge vernommen - trotz der Tatsache, daß dieses Forum mit der Berücksichtigung genau dieser Fragen
befaßt ist.
Die westliche Seite ist insbesondere durch das plötzliche Interesse
des Ostblocks am Datenaustausch und
einer vorher dazu abzuschließenden
Vereinbarung neugierig geworden, umsomehr, als der Ostblock als fordernde Partei auftritt - und den Westen
öffentlich ins Gebet nimmt, weil er
auf seine Vorschläge nicht positiv
reagiert. Im Prinzip ist ein Datenaustauch in der Anfangsphase sinnvoll. Beide Seiten würden Datenmaterial vorlegen, vergleichen und verifizieren, so daß eine Einigung über
das bestehende Streitkräfteniveau und
später über die Maßnahmen erzielt
werden könnte, die zur Erlangung der
Zielsetzungen
erforderlich
sind.
Tatsächlich ist dies der Ansatz, den
der Westen bei diesen Verhandlungen
seit vielen Jahren verfolgt. Die dabei gewonnenen Erfahrungen haben den
Westen davon überzeugt, sich eines
anderen Ansatzes zu bedienen, und
laut Botschafter Ledogar sind sie es
wert, einer erneuten Prüfung unterzogen zu werden.
Beide Seiten haben in den siebziger Jahren Datenmaterial vorgelegt,
die Zahlen wichen jedoch stark voneinander ab. Darüber hinaus war das
höchst allgemeine Datenmaterial unmöglich zu verifizieren und eignete
sich nicht als Grundlage für eine

Statistik und für den Streitkräftevergleich, für die es wohl beabsichtigt war.
Es wurde offensichtlich, daß der
Ostblock das Problem des Datenmaterials als Prozeß für Verhandlungen
über den Umfang der Reduzierungen und
nicht als Bestrebung betrachtete,
eine einheitliche sachliche Grundlage
zu schaffen, auf der bei Verhandlungen über Reduzierungen und Begrenzungen aufgebaut werden konnte.
Der Westen hat als ersten Schritt
zur Beilegung der Differenzen wiederholt einen systematischen Vergleich
einzelner Zahlen von Ost und West
vorgeschlagen. Der Westen hat ebenfalls beantragt, daß beide Seiten
eine Arbeitsgruppe zur Klärung der
Angelegenheiten einrichten sollten.
Der Ostblock hat dies verweigert.
Der Westen versucht auch weiterhin,
das Problem des Datenaustauschs realistisch und flexibel anzugehen - und
er hat seine Position einige Male in
dem Versuch revidiert, dem Ostblock
entgegenzukommen.
Dies geschah zum
Beispiel bei den Gesprächen von 1976
bis 1979 über die Bestimmung der zu
zählenden einzelnen Streitkräfteteile
und bei den beschränkteren Erfordernissen unseres Vorschlags vom Dezember 1979. Dennoch hat der Ostblock
die Sorge des Westens über wenig repräsentatives Datenmaterial als unwesentlich abgetan und sie als absichtliches Hindernis für Fortschritte bezeichnet. Der Ostblock kam zu dem
Schluß, daß der Westen entweder das
strittige Datenmaterial des Ostblocks
akzeptieren oder sich mit einfachen
Stellungnahmen beider Seiten begnügen
müsse, denen zufolge es nach Reduzierungen keine Aufrüstung geben würde.
In dem Bemühen zur Überwindung
dieser Sackgasse beim Datenmaterial
schlug der Ostblock im Februar 1983
vor, jede Seite solle ihre eigenen
Reduzierungen im Hinblick auf allseits gleiche Obergrenzen festlegen.
Der Westen hat daraufhin das Angebot
unterbreitet, von seiner Forderung
nach einer vorherigen Vereinbarung

- 2 -

�über den Datenaustausch abzusehen,
betrachtet aber dennoch den Austausch
detaillierter Zahlen über Streitkräfte als wesentlichen Bestandteil der
Verhandlungen
über
konventionelle
Streitkräfte. Dies steht im Einklang
mit dem Schwerpunkt, den der Westen
auf Ergebnisse und die Stärke der
verbleibenden Reststreitkräfte legt.
Dieser Ansatz fand seinen Niederschlag in unserer Initiative vom Dezember 1985. Der Ostblock hat diese
Initiative jedoch bis auf den heutigen Tag abgelehnt.
Beim NATO-Gipfel im März diese
Jahres haben die Staats- und Regierungschefs der NATO die Zielsetzungen
und Prioritäten für neue Gespräche
über konventionelle Rüstung umrissen.
Sie stellten fest, daß das konventionelle Ungleichgewicht in Europa nach
wie vor das Kernstück der Sicherheitsproblerae in Europa bildet und
das vorrangige Ziel der NATO bei einer erneuten Gesprächsrunde in der
Behebung dieses Ungleichgewichts liege. Der offizielle sowjetische Sprecher reagierte darauf unmittelbar mit
der Feststellung, die Kampfpotentiale
der beiden Bündnisse seien tatsächlich bereits nahezu gleich. Solche
Äußerungen sind ein Hinweis dafür,
daß die beiden Seiten in der Frage
der Truppenstärken noch weit voneinander entfernt sind; für den Westen
sind sie zumindest ein Anzeichen dafür, daß die von den Sowjets beim Kategorisieren und Zählen der Truppen
angewandten Methoden sich von denen
des Bündnisses grundsätzlich unterscheiden.
Abgesehen von dem Problem bei den
Daten ist der Westen jedoch über die
Diskrepanz zwischen dem von der sowjetischen Seite gezeigten neuen Enthusiasmus
für
konventionelle
Rüstungskontrolle und dem hier an den
Tag gelegte Verhalten in höchstem
Maße erstaunt. Die westliche Seite
hat auf eine solche Manifestation in
diesem Bereich nahezu 15 Jahre lang
gewartet und in den vergangenen zweieinhalb Jahren hat der Westen noch
nicht einmal eine gebührende Antwort

auf seine Initiativen erhalten.
Anstelle dessen haben die Sowjets
vielmehr Vorschläge unterbreitet, die
keine angemessene Verifizierung vorsehen und die daher den von beiden
Seiten zu Beginn dieser Verhandlungen
vereinbarten
Zielsetzungen
nicht
Rechnung tragen. Sie haben sich geweigert, diese Vorschläge zu überarbeiten und auf die grundsätzlichen
Bedenken des Westens einzugehen. Sie
haben es abgelehnt, die westlichen
Vorschläge ernsthaft in Erwägung zu
ziehen oder auch nur konstruktiv darauf einzugehen. Und jetzt unterstüzten die Sowjets in der Öffentlichkeit
"neue" Rüstungskontrollvorschläge im
konventionellen Bereich, die eine
Wiederholung
zahlreicher
Elemente
sind, mit denen wir uns hier in diesem Forum seit Jahren - ohne Erfolg auseinandergesetzt haben.
Man kommt daher zwangsläufig zu
der Schlußfolgerung, daß sich die Sowjets in diesem Forum inkonsequent
verhalten haben. Um nur ein Beispiel
zu nennen: Die Sowjets lehnen die
derzeitige Initiative des Westens als
Grundlage für ernsthafte Verhandlungen ab, da sie eine Reduzierung der
Rüstungen als Teil einer Übereinkunft
in der ersten Phase nicht erforderlich machen würde. Von 1975 bis 1979
hatte der Westen Vorschläge auf dem
Verhandlungstisch, in denen die Rüstungen enthalten waren. Die Sowjets
behaupten ferner, die vom Westen vorgeschlagenen
Verifizierungsmaßnahmen
seien übertrieben. Während die Sowjets in diesem Forum dem Vertragsentwurf vom Februar 1986 weiterhin
den Vorzug geben, der nicht angemessen verifiziert werden könnte, behaupten sie an anderer Stelle öffentlich, daß sie bei der Verifizierung
genauer seien als der Westen.
Die Sowjets lehnen die derzeitige
Initiative des Westens auch mit dem
Argument ab, die vorgeschlagenen Reduzierungen seien unbedeutend.
Von
1979 bis 1985 hatte der Westen jedoch
Vorschläge für den anfänglichen Abbau
von 13 000 amerikanischen und 30 000

- 3 -

�sowjetischen Soldaten auf dem Verhandlungstisch, dem eine Reihe stufenweiser Reduzierungen folgen sollte, bis der Gleichstand von 900 000
Luft- und Bodentruppen erreicht ist.
Die Sowjets waren nicht interessiert.
Im Jahr 1984 unternahm die westliche Seite eine Reihe von Schritten,
um den Sowjets entgegenzukommen. Zusätzlich zu etwas gelockerten Bestimmungen über eine vorherige Einigung
in der Datenfrage umfaßten sie auch
die Annahme des sowjetischen Vorschlags, den Gleichstand in einem
kürzeren Zeitraum zu erreichen sowie
des Vorschlags der anderen Seite, die
meisten Reduzierungen in Einheiten
vorzunehmen. Die Sowjets waren nicht
interessiert.
Tatsächlich erfolgten
die negativen Reaktionen genau an dem
Tag, an dem die Initiative des Westens unterbreitet wurde.
Die Initiative der westlichen
Seite vom Dezember 1985 ist seitdem
nicht wesentlich konstruktiver behandelt worden - obwohl sie in einer
Reihe von Punkten den Sowjets gegenüber entscheidende Konzessionen machte.
Es handelte sich hierbei um
sorgfältig erwogene Bemühungen des
westlichen Bündnisses, die Pattsituation dieser Gespräche zu beenden und
zwar basierend auf der Annahme, wenn
beide Seiten einen ersten Schritt unternehmen würden, kämen weitere und
bedeutendere zweifelsohne nach. Dei
Westen ist weiterhin der Überzeugung,
nur ein nüchterner und realistischer
Ansatz bei der Rüstungskontrolle sei
von Erfolg gekrönt. Die Sowjets lehnen diesen Ansatz in diesem Forum
nach wie vor ab. Bei den jüngsten
öffentlichen Stellungnahmen zu diesem
Thema haben die Sowjets außerdem angedeutet, daß sie unter zukünftigen
RUstungskontrollbestrebungen
eher
grandiose Gesten und den alles umfassendenen großen Plan verstehen als
den langfristigen, aufreibenden Prozeß, der sie tatsächlich sind.
Mit dieser Darstellung in der Öffentlichkeit haben die Sowjets dennoch hohe Erwartungen für die Rü-

stungskontrolle der Zukunft geweckt.
Damit haben sie eine ernsthafte Verantwortung übernommen.
Der Westen
begrüßt Absichtserklärungen im Hinblick auf konventionelle Rüstungskontrolle, stellt jedoch fest, daß
deren Durchführung echtes Engagement,
Flexibilität und harte Arbeit erforderlich macht.
In seiner jüngsten
Ansprache vor der Sondersitzung der
Vereinten Nationen zu Abrüstungsfragen erklärte der britische Außenminister Sir Geoffrey Howe, der Schlüssel sei Realismus - die Konzentration
auf das Mögliche, nicht das Utopische. Abrüstung mit Worten allein
funktioniere nicht - sie erfordere
vielmehr harte Arbeit, gründliches
Nachdenken, zähe Verhandlungen, Klarheit und Zielstrebigkeit. Der amerikanische Außenminister machte vor
den Vereinten Nationen ähnliche Ausführungen: "Um bei unserem Unterfangen erfolgreich zu sein, müssen wir
unsere Visionen realistisch verwirklichen.
Wunschdenken ist nicht am
Platze...
mitreißende Grundsatzerklärungen sind abgebracht, aber noble
Worte allein können keine konkreten
Taten ersetzen".
Die militärische Konfrontation in
Europa hat zu lange existiert, um
hinweggefegt oder durch Wunschdenken
oder schlichte Rhetorik radikal verändert werden zu können. Wenn wir
über die Teilung zwischen Ost und
West reden, sprechen wir über die
seit Jahrzehnten bestehende Teilung
von Staaten und Völkern. Wir sprechen von tiefsitzendem Mißtrauen. In
diesem Zusammenhang konnten wir in
den vergangenen 40 Jahren in Europa
die stetige Expansion der Militärmacht des Warschauer Pakts beobachten.
Wir konnten auch beobachten,
wie diese Macht Anwendung findet.
Die Verringerung dieser Konfrontation
wird nur schrittweise möglich sein
und Rüstungskontrolle ist nur eines
der Elemente eines umfassenderen Versuchs zur Verbesserung der Ost-WestBeziehungen.
Der Erfolg oder das
Scheitern
der
RUstungskontrollverhandlungen kann jedoch tiefgreifende
Auswirkungen auf den Prozeß als Gan-

- 4 -

�zes haben. Dies macht sie zu einem
außerordentlich ernsthaften Anliegen
und fordert von uns ein Höchstmaß an
Bemühungen, Geduld und Entschlossenheit.

* * * * *

- 5

�AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

29. Juni 1988

25

FORTSCHRITTE BEI DEN GENFER VERHANDLUNGEN
ÜBER KERN- UND WELTRAUMWAFFEN
- Bericht von ACDA-Direktor Bums an den Kongreß -

WASHINGTON - (AD) - Der Direktor der Rüstungskontroll- und Abrüstungsbehörde, Generalmajor William Bums, berichtete heute von "guten Fortschritten"
bei den Genfer Verhandlungen über die Begrenzung von Atomtests. Genv?insam mit
weiteren Regierungsvertretem legte er dem Unterausschuß des Kongresses für
Auswärtige Angelegenheiten am 28. Juni 1988 seinen Bericht vor.
Nachfolgend bringen wir die Ausführungen von Generalmajor Bums im Wortlaut.

Es ist mir eine Ehre, seit meiner
Bestätigung als Direktor der Rüstungskontroll- und Abrüstungsbehörde
diesem Unterausschuß meinen ersten
Bericht zu dem außerordentlich wichtigen Problem der amerikanischen Haltung zu Kernwaffenversuchen vorlegen
zu können. Meine Ausführungen werden
sich vornehmlich darauf konzentrieren, wie unsere Haltung zu Atomtests
unsere umfassenden Ziele im Bereich
der nationalen Sicherheit und die damit verbundenen Zielsetzungen bei der
Rüstungskontrolle
unterstützen und
wie unsere Verhandlungen über Kernwaffenversuche sich auf diese Haltung
auswirken. Ich bin der festen Überzeugung, daß ein tragfähiges Atomtestprogramm für die nationale Sicherheit der Vereinigten Staaten unabdingbar ist.

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Seit dem Zweiten Weltkrieg gründet sich unsere nationale Sicherheit
auf die Strategie der Abschreckung,
die auf Stärke und den sich gegenseitig ergänzenden konventionellen und
nuklearen Waffensystemen beruht. Wie
Sie sicherlich wissen, haben die Sowjetunion und ihre Verbündeten einen
deutlichen Vorteil gegenüber den Vereinigten Staaten und ihren Verbündeten im Bereich der konventionellen
Waffensysteme, insbesondere bei Artillerie, Panzern und Landstreitkräften.
Angesichts dieser Bedrohung
bilden die amerikanischen Nuklearwaffen den Eckpfeiler unserer Fähigkeit
zur Abschreckung von Aggression gegen
die Vereinigten Staaten und das westliche Bündnis und sind damit die
treibende Kraft bei der Aufrechterhaltung von Frieden und Stabilität in

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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�der Welt.
Die Glaubwürdigkeit unseres nuklearen Abschreckungspotentials ist
ein direktes Ergebnis unserer nuklearen Versuchsprogramme.
Wir müssen
sicherstellen, daß unsere Nuklearwaffen zuverlässig, sicher und wirksam
sind, wenn sie unseren gegenwärtigen
und
zukünftigen militärischen Anforderungen gerecht werden sollen.
Unsere Erfahrungen mit 43 Jahren nuklearer Abschreckung haben die Notwendigkeit von Versuchen eindeutig
belegt und solange unser Abschrekkungspotential aufrechterhalten werden muß, werden Versuche auch weiterhin erforderlich sein.
Der mit den Versuchen zur Aufrechterhaltung
der
Zuverlässigkeit
unseres nuklearen Bestands geleistete
Beitrag ist unbestreitbar. Seit 1958
ist ein Drittel aller entwickelten
Waffen zur Lösung von Problemen Versuchen im Anschluß an die Stationierung unterzogen worden. Aufgrund von
Versuchen waren wir zum Beispiel in
der Lage, mit großer Aussicht auf Erfolg die Probleme bei dem landgestützten
Marschflugkörper-Gefechtskopf W84 zu lösen. Die permanente
Fähigkeit zur Durchführung von Versuchen ist zur Bewältigung von Problemen erforderlich, die sich mit zunehmender Überalterung unserer Bestände ergeben werden.
Nukleartests gestatten uns auch,
die Sicherheit und Sicherheitsvorrichtungen weiter zu verbessern, die
eine Explosion oder unberechtigten
Gebrauch von Nuklearwaffen verhindern. Zahlreiche Waffensysteme werden zum Beispiel seit neuestem mit
einem unempfindlichen, hochexplosiven
Sprengsatz ausgerüstet, wodurch unsere Chancen beträchtlich erhöht werden, daß unsere Nuklearwaffen selbst
die extremsten Zwischenfälle ohne
eine hochexplosive Detonation überstehen. Versuche sind auch erforderlich, um Vertrauen zu schaffen, daß
Nuklearwaffen ihren Leistungsanforderungen mit dem neuen hochexplosiven
Material gerecht werden.

Um sowjetische Vorteile bei Militärtechnologie und Strategie auszugleichen, müssen wir unseren Waffenbestand modernisieren. Damit unsere
Führungs- und
Kommunikationseinrichtungen vor einem sowjetischen Nuklearangriff geschützt sind, müssen wir
außerdem das nukleare Strahlungsumfeld mit einer tatsächlichen Atomexplosion simulieren.
Die Vereinigten Staaten nehmen zu
den Kernwaffenversuchen eine besonnene Haltung ein. Sie nehmen solche
Tests weder häufiger noch mit höheren
Detonationswerten als nötig vor. Unser Testprogramm steht seit jeher im
Einklang mit dem Vertrag zur Begrenzung von Kernwaffenversuchen aus dem
Jahr 1963. Ferner haben wir die in
dem im Jahr 1974 unterzeichneten, jedoch nicht ratifizierten Schwellenvertrag (TTBT) definierte Obergrenze
für den Detonationswert von 150 Kilotonnen eingehalten.
Jegliche
Testbegrenzungen,
die
noch restriktiver als die im TTBT
niedergelegten ausfallen, können nur
in Zusammenhang mit einem integrierten und umfassenden Konzept der atomaren und konventionellen Rüstungskontrolle erwogen werden.
Es ist
naiv, anzunehmen, daß Testbegrenzungen allein zur Lösung der schwierigen
Probleme des RüstungskontroLlprozesses beitragen können. Ein umfassendes Testverbot wird nicht zwangsläufig zu einer Reduzierung der Kernwaffen führen.
Stattdessen würde ein
solches Verbot im heutigen Umfeld des
Vertrauens auf atomare Abschreckung
wahrscheinlich zu verstärkter Unsicherheit führen, da der Verzicht auf
Tests das Vertrauen in diese Abschreckung untergraben und deshalb
einer Reduzierung der atomaren Arsenale eher abträglich sein würde. Wir
sollten zunächst wirksame und verifizierbare Rüstungskontrollvereinbarungen aushandeln, die eine Reduzierung
der Anzahl von Waffen auf beiden Seiten vorsehen und Vertrauen schaffen,
daß beide Seiten diese Vereinbarungen
einhalten.
Weitere
Beschränkungen
für Kernwaffenversuche sind nur im

- 2 -

�Zuge eines verringerten Vertrauens
auf
Kernwaffen
zur
Abschreckung
zweckmäßig.
Deshalb haben die Vereinigten
Staaten und die Sowjetunion in einer
gemeinsamen Erklärung vom 17. September 1987 ihre Übereinkunft verkündet,
umfassende, stufenweise Verhandlungen
über die Begrenzung von Kernwaffenversuchen aufzunehmen. Die formellen
Verhandlungen begannen im November
1987 in Genf.
Wir haben mit den Sowjets als ersten Schritt vereinbart, wirksame Verifizierungsmaßnahmen für den Schwellenvertrag (1974) sowie den Vertrag
über Kernexplosionen zu friedlichen
Zwecken [PNET] (1976) auszuhandeln,
die beide unterzeichnet, aber nicht
ratifiziert wurden.
Sobald unsere
Bedenken in bezug auf die Verifizierung beigelegt und die Verträge ratifiziert sind, werden die Vereinigten
Staaten dieser Übereinkunft zufolge
bereit sein, mit der Sowjetunion Verhandlungen über Möglichkeiten aufzunehmen, ein stufenweises Programm der
Begrenzung von Kernwaffenversuchen in
Zusammenhang mit einem Parallelprogramm zur Reduzierung und letztlichen
Beseitigung aller Kernwaffen durchzuführen.
Bei den TTBT/PNET-ProtokollVerhandlungen machen wir gute Fortschritte.
Sowohl die Sowjets als
auch wir haben Protokollentwürfe für
beide Verträge vorgelegt. Zusätzlich
verständigt-or» sich Präsident Reagan
und Generalsekretär Gorbatschow beim
Washingtoner Gipfel im Dezember 1987
auf die Durchführung von gemeinsamen
Verifizierungsexperimenten
auf
dem
Testgelände der jeweils anderen Seite. Das gemeinsame Verifizierungsexperiment wird Möglichkeiten zur Messung des Detonationswertes einer einzelnen Kernexplosion auf jedem der
beiden Versuchsgelände bieten, wobei
jeweils die von beiden Seiten vorgeschlagenen Methoden
zur Anwendung
kommen. Mit Hilfe dieses Experiments
werden wir der Sowjetunion die von
ihr zur Annahme der von amerika-

nischer Seite routinemäßig angewandten CORRTEX-Methode benötigten Informationen liefern. CORRTEX ist unseres Erachtens die genaueste, unaufdringlichste Technik zur Verifizierung des Detonationswertes von Kernexplosionen.
Während einer der entscheidenden
Gesichtspunkte bei Verhandlungen über
Kernwaffenversuche die wirksame Verifizierung ist, so ist diese sicherlich nicht das einzige Kriterium bei
der Entscheidung, ob weitere Beschränkungen im nationalen Interesse
der Vereinigten Staaten liegen, wie
in meiner Erklärung zum Ausdruck
kommt. Deshalb ist die Prämisse, daß
weitere Fortschritte bei der seismischen Verifizierung schon irger.dwie
den Weg zu einem umfassenden Testverbot freimachen werden, wie dies von
einigen Kongreßmitgliedern unter Verweis auf den OTA-Bericht (OTA =
Office of Technology Assessment = etwa "Amt für Technologiebewertung")
über
"Seismologische
Verifizierung
von Verträgen über Kernwaffenversuche" behauptet wird, unbegründet.
Ferner zeigen alle bis heute gesammelten wissenschaftlichen Erkenntnisse, daß seismologische Methoden
für die wirksame TTBT-Verifizierung
unzureichend sind, und - wie Botschafter Robinson noch verdeutlichen
wird -, deshalb hat sich- die Administration notwendigerweise auf die Erlangung einer wirksamen Verifizierung
des TTBT und des ihn begleitenden
PNET als Hauptanliegen in Bereich der
Kernwaffenversuche konzentriert.
Die Notwendigkeit wirksamer Verifizierung ist offensichtlich, wenn
man die sowjetische Bilanz der Einhaltung des TTBT prüft. Im vergangenen Jahr kam die Administration nach
sorgfältiger und umfassender Diskussion im Hinblick auf die 150 Kilotonnen-Schwelle des TTBT zu dem Schluß,
daß
"wahrscheinliche
Verletzungen"
der rechtlichen Verpflichtungen gemäß
TTBT stattgefunden haben.
Ferner
verstärkt die Gesamtbeweislage die
Erkenntnisse der Vergangenheit über

- 3 -

�wahrscheinliche Verletzungen des TTBT.
Die den niedrigen Schwellen beim
Detonationswert oder einem Vertrag
über ein umfassendes Atomtestverbot
(CTB) immanenten Verifizierungsprobleme bereiten größere Schwierigkeiten als der Schwellenvertrag.
Mit
abnehmendem Detonationswert steigen
die Schwierigkeiten bei der Überwachung und die Möglichkeiten für Vertragsumgehungen. Darüber hinaus gibt
es mehr Anreize für Täuschungsversuche.
Legt man die Möglichkeiten
der Umgehung zugrunde, würden die Sowjets von unentdeckten oder unklaren
Verletzungen eines CTB oder einem
niedrigen Detonationswert profitieren; die Kernwaffenarsenale können
effektiver unterhalten werden, und
sie könnten mehr Vertrauen in ihre
Fähigkeit zur Aufrechterhaltung und
Verbesserung ihres Kernwaffenarsenals
gewinnen. Für die sich strikt an ihre vertraglich
eingegangenen Verpflichtungen
haltenden
Vereinigten
Staaten wird es zunehmend schwierig,
angesichts niedrigerer Detonationswerte den militärischen Notwendigkeiten
der
Aufrechterhaltung
einer
glaubwürdigen Abschreckung gerecht zu
werden.
Der Schlußsatz in der Einleitung
der Zusammenfassung des OTA besagt:
"Ein solcher Vertrag (sehr niedrige
Schwelle oder CTB) könnte immer noch
im nationalen Interesse liegen, wenn
unter
Berücksichtigung
seismologischer und nichtseismologischer Verifizierungsmethoden
die
Bedeutung
unentdeckter Verletzungen von den
Vorteilen eines solchen Vertrages
aufgewogen würde."
Meiner Ansicht
nach wird diese Situation nicht eintreten, solange unser Land auf eine
glaubwürdige
nukleare
Abschreckung
vertraut.
Was andere Teile des OTA-Berichts
betrifft, so ist es schwierig, besondere Diskussionspunkte in einem Dokument aufzugreifen, dessen Tenor sehr
wirkungsvoll zur Einseitigkeit des
Berichts beiträgt. Zum Beispiel ist
die von den Autoren in dem Teil der

Zusammenfassung, der sich mit der
Vertragseinhaltung beschäftigt, vertretene Auffassung, "die Sowjets beachten Begrenzungen des Detonationswertes im Rahmen der Beschränkung auf
150 Kilotonnen
laut Schwellenvertrag", nur der Teil eines Zitats, dem
im Original hinzugefügt ist: "Trotz
der statistischen Unsicherheit bei
der Schätzung des Detonationswertes
und Unklarheiten bei der Übertragung
amerikanischer Erkenntnisse auf das
sowjetische Versuchsgelände ist jedoch die Möglichkeit nicht auszuschließen, daß einige der sowjetischen Tests über der Grenze lagen."
Ein weiteres Beispiel ist die gewagte Behauptung im Teil über Verifizierung von TTBT und PNET: "Bei der
Einteilung des sowjetischen Testgeländes in Raster und Anwendung moderner seismologischer Methoden könnte
der Unsicherheitsfaktor bei der seismologischen Schätzung
des Detonationswerts auf einen mit CORRTEX vergleichbaren Stand reduziert werden."
Im Hinblick darauf sind Versuche unternommen worden, aber es handelt
sich hierbei immer noch um einen Forschungsgegenstand und nicht um eine
erprobte Methode.
Daher ist eine
solche, nicht von technischen Erfahrungen untermauerte Hypothese für den
Laien und auch für manche Experten in
gefährlichem Maße irreführend.
Insgesamt zerstört die Abschaffung der Tests ohne Abschaffung der
Notwendigkeit von Nuklearwaffen die
Glaubwürdigkeit
unseres
Abschrekkungspotentials und untergräbt unsere
Fähigkeit, wirksame und verifizierbare RUstungskontrollabkommen auzuhandeln. Meiner Ansicht nach haben die
Rüstungskontrollinitiativen des Präsidenten in den vergangenen acht Jahren die Erhaltung der Stabilität und
eine starke, glaubwürdige Abschrekkungsfähigkeit betont.
Der Erfolg
des für die Rüstungskontrolle vom
Präsidenten verfolgten Ansatzes tritt
durch den Abschluß des INF-Vertrages
zutage.
Im Bereich der Atomtests
wird sein Erfolg insofern sichtbar,
als er nicht zu unrealistischen Vor-

�schlagen im Hinblick auf eine atomwaffenfreie Welt geführt hat, sondern
dazu, daß die Sowjets einen konstruktiven, praktischen und methodischen
Ansatz für Verhandlungen über Atomtests akzeptiert haben.

* * * * *

i

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Carlucci warnt vor Wunschdenken bezüglich der Sowjets&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Ansprache des Verteidigungsministers vor dem&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Nationalen Presseclub&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Keine Veränderung bei Einsatzkonzept und Doktrin des&lt;br /&gt;Warschauer Pakts&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung der amerikanischen Delegation bei MBFR&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Fortschritte bei den Genfer Verhandlungen über Kern- und Weltraumwaffen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Bericht von ACDA-Direktor Burns an den Kongreß&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST
V.ON

*

22. Juni

24

1988

I N H A L T

HINTERGRUNDMATERIAL
DIE WAHLEN IN AMERIKA 1988
Dukakis fordert energischen und realistischen Kurs gegenüber der
Sowjetunion
- Ansprache vor dem Atlantic Council -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Zweiter genetischer Code entdeckt
Konvention über Erschliessung der Antarktis

* * * * *

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V(0N

Hintergrundmaterial

*

22. Juni L988

24

DIE WAHLEN IN AMERIKA 1988
DUKAKIS FORDERT ENERGISCHEN UND REALISTISCHEN KURS
GEGENÜBER DER SOWJETUNION
- Ansprache vor dem Atlantic Council -

WASHINGTON - (AD) - Nachstehend bringen wir einen von USIA herausgegebenen
Beitrag in einer Reihe von Veröffentlichungen, in denen die amerikanischen
Präsidentschaftskandidaten des Jahres 1988 ihre Positionen zur Außenpolitik
und anderen Themen von internationalem Interesse in ihren eigenen Worten darlegen können. In der heutigen Ausgabe handelt es sich um den vollständigen
Text einer Ansprache des demokratischen Präsidentschaftskandidaten Michael
Dukakis vor dem Atlantic Council am 14. Juni 1988 in Washington:

Vor 40 Jahren erteilte der amerikanische Senat dem Präsidenten den
Auftrag, in einer gemeinsamen Anstrengung mit anderen Nationen deren
Sicherheit und die der Vereinigten
Staaten zu schützen.
Dieser historische Vorschlag, den
der demokratische
Präsident Harry
Truman beantragt hatte, wurde von Senator Arthur Vandenberg - einem Republikaner - unterbreitet. Er wurde
einstimmig verabschiedet. Und er ebnete der NATO den Weg - dem erfolgreichsten Bündnis zu Friedenszeiten
in der Geschichte.
Unser Bündnis muß derzeit - militärisch wie auch politisch - eine
Herausforderung bestehen.
Und zwar
wegen der neuen Führungsspitze in der

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Sowjetunion, infolge der Tendenzen
eines
weltverändernden
wirtschaftlichen Wandels, und aufgrund der Notwendigkeit, als Konsequenz aus dem
INF-Vertrag eine gemeinsame Verhandlungsstrategie für nukleare, konventionelle und chemische Waffen zu entwickeln.
In diesem Herbst werden wir einen
neuen Präsidenten der Vereinigten
Staaten wählen. Und in den kommenden
fünf Monaten werden wir eine lebhafte
Debatte über die zukünftige Richtung
unseres Landes führen. Diese Debatte
wird sich mit der Art Führung beschäftigen, die wir benötigen, um den
Wandel zu unserem Vorteil und nicht
zu unserem Nachteil zu nutzen. Wir
werden die Frage erörtern, wie wir
mit wirtschaftlicher wie auch mili-

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�tärischer Stärke in das nächste Jahrhundert eintreten können.
Und es
wird zur Diskussion stehen, wie wir
gesunden Menschenverstand, Prinzipien
und Respekt für amerikanische Werte
wieder in die Außenpolitik unseres
Landes einbringen können.
Wenn wir uns jedoch mit der Zukunft beschäftigen, sollten wir niemals die Lektionen vergessen, die wir
im und nach dem Zweiten Weltkrieg gelernt haben. Laßt uns niemals vergessen, welche Stärken wir aus unserer gemeinsamen Verpflichtung - als
Demokraten und Republikaner - für die
grundlegenden Prinzipien von Freiheit
und Demokratie und Achtung vor dem
Rechtsstaat gewonnen haben.
Durch
diese Prinzipien werden unsere Absichten als Nation festgelegt. Dies
sind Prinzipien, die das Fundament
unseres Bündnisses ausmachen.
Und
dies sind Prinzipien, die uns zusammenhalten und unsere Stärke erhalten.
Diese Stärke und Gemeinsamkeit
ist selten deutlicher geworden als in
den vergangenen Wochen. Als Präsident Reagan in Moskau seine Stimme
für die Sache der Menschenrechte und
Demokratie erhob, sprach er für uns
alle hier in den Vereinigten Staaten; für die Hunderte von Millionen
Menschen auf beiden Seiten des geteilten Europa; und für die Milliarden Menschen in der ganzen Welt.
Der INF-Vertrag - das erste Abkommen, das nukleare Waffen nicht nur
kontrolliert, sondern verringert fand bei der breiten Mehrheit des
amerikanischen Volkes Unterstützung.
Er legt Zeugnis ab von der Schaffenskraft eines entschlossenen und geeinten demokratischen Bündnisses.
Seit acht Jahren und im Verlaufe
zweier Administrationen haben wir
Amerikaner und unsere Verbündeten uns
der sowjetischen Aggression in Afghanistan widersetzt; und nun befinden
sich die Sowjets im Rückzug.
Nach vier Gipfeln in drei Jahren
erkennt eigentlich jeder von uns den

Wert regelmäßiger Vier-Augen-Gespräche zwischen den Führern der beiden
Supermächte an. Und wir hegen fast
alle die Erwartung auf einen neuen
und weniger gefährlichen Wettbewerb
mit der Sowjetunion.
Heute aber wollen einige die Zukunft der NATO in Frage stellen, anstatt unsere Einheit zu würdigen.
Einige unter uns sind der Auffassung,
unser Engagement für die NATO würde
sich irgendwie abschwächen und die
Beseitigung nuklearer Mittelstreckenwaffen mittlerer und kurzer Reichweite würde zu einer Änderung amerikanischer Positionen oder einem Nachlassen der amerikanischen Entschlossenheit führen.
Aber all dem kann ich nicht zustimmen.
Unser Engagement für Europa geht
weit über einige hundert Raketen hinaus.
Europas Sicherheit ist entscheidend für unsere eigene Sicherheit. Darum haben wir über 300 000
Soldaten auf europäischem Boden stationiert; darum werden wir auch weiter die NATO-Doktrin der flexiblen
Reaktion unterstützen.
Unser Ziel ist und bleibt eine
NATO, die so stark und so geeint ist,
daß keine Nation in die Versuchung
geraten könnte, einen Krieg gegen uns
zu beginnen. Und wir glauben, daß
der Friede durch unsere Stärke und
Entschlossenheit
aufrechterhalten
wird.
Die NATO hat seit 40 Jahren ihre
Aufgaben erfüllt.
Dies kann auch
weitere 40 Jahre so bleiben. Allerdings nur, wenn unsere Verbündeten
ihren Beitrag hierzu leisten.
Und
wenn wir damit aufhören, die Dinge im
Alleingang zu bewältigen, wie wir
dies im Verlaufe der vergangenen sieben Jahre allzu häufig getan haben.
Wir sollten niemals wieder radikale
Veränderungen unserer strategischen
Doktrin ankündigen oder entscheidende
neue Positionen bei Verhandlungen
über nukleare Waffen einnehmen, ohne

- 2 -

�zuvor unsere Verbündeten konsultiert
zu haben.
Wir müssen zusammenarbeiten. Und
wenn wir uns den Herausforderungen
der neunziger Jahre dieses Jahrhunderts und denen des kommenden Jahrhunderts stellen, müssen wir ein aktives - kein reaktives - Bündnis
bleiben.
Wir müssen die Initiative ergreifen. Wir müssen gegenüber der Sowjetunion einen energischen, stetigen
und realistischen Kurs verfolgen.
Wir müssen einen koordinierten
Plan zur Beendigung des nuklearen
Wettrüstens und für einschneidende,
beiderseitige und verifizierbare Reduzierungen bei den strategischen
Waffen entwerfen.
Und wir müssen den Warschauer
Pakt dazu drängen, eine Reihe besonderer Schritte zu unternehmen, um das
Risiko eines Krieges in Europa weiter
abzubauen.
Unser Ziel?
Ein Gleichgewicht
bei den konventionellen Streitkräften, deren Stationierung höhere Sicherheit mit sich bringen und es den
NATO-Partnern gestatten wird, weniger
auf taktische Nuklearwaffen zu vertrauen.
Dazu werden Reduzierungen bei den
Streitkräften erforderlich sein, aber
nicht die von Herrn Gorbatschow erwähnten gleichen Reduzierungen auf
beiden Seiten. Wenn wir die Möglichkeit eines Überraschungsangriffs so
vollständig wie möglich ausschließen
wollen, müssen wir stärkere Reduzierungen auf der Seite mit den umfangreichsten Streitkräften vornehmen beim Warschauer Pakt.
Solch ein Abkommen wird nicht
über Nacht zustande gebracht. Aber
wir sind stark, beharrlich und einig,
und ich denke, daß erhebliche Fortschritte erzielt werden können.
Der Warschauer Pakt hat bei Pan-

zern und schwerer Artillerie - den
Waffen, die im Hinblick auf einen Offensivschlag
die größte Bedrohung
darstellen - einen erheblichen Vorteil. Und er hat zur Vorbereitung
eines mit chemischen Kampfstoffen geführten Krieges viel mehr getan als
wir.
Aber als Herr Gorbatschow vor
drei Jahren sein Amt antrat, erbte er
zusammen mit all diesen Panzern und
Geschützen ein drittklassiges Wirtschaftssystem. Und er weiß, daß diese Art von Ungleichgewicht nicht aufrechterhalten werden kann.
Seit einiger Zeit spricht er vom
Abbau der Spannungen in Europa; er
hat "ausreichende" Streitkräfte statt
überlegener Streitkräfte ins Gespräch
gebracht; er hat über die Umgestaltung der Streitkräfte zu einer Verteidigungshaltung gesprochen, und er
hat erklärt: "Im Europäiseien Haus
darf sich jede Wohnung gegen Einbrecher schützen, aber nur so, daß dabei
nicht die Wohnung des Nachbarn demoliert wird."
Eine einige NATO kann seine Absichten prüfen. Durch Vorlage eines
detaillierten, phasenweise durchzuführenden Plans für erhebliche Reduzierungen bei den konventionellen
Streitkräften, die bei den einsatzbereiten Panzer- und Artillerieeinheiten des Warschauer Pakts beginnt.
Aber wir brauchen nicht auf ein
umfassendes Abkommen zu warten. In
der Zwischenzeit können wir auch mehrere Schritte unternehmen.
Wir sollten nach neuen Wegen suchen, um zwischen beiden Seiten Vertrauen zu schaffen, etwa durch mehr
Inspektionen von Manövern gemäß der
Vereinbarung von Stockholm.
Wir können das Risiko eines Überraschungsangriffs verringern, indem
wir die Sowjets überreden, einen Teil
ihres modernen Panzergeräts aus Osteuropa und Brückenlegegerät bei ihren
vorne stationierten Divisionen abzu-

- 3 -

�ziehen.
Wir sollten mit den sowjetischen
Spitzenpolitikern offen über die Militärdoktrin, den Aufbau der Streitkräfte und Techniken der Verifizierung reden.
Wir sollten weiterhin mit dem
Warschauer Pakt zusammenarbeiten, um
eine verifizierbare Möglichkeit zur
Abschaffung der Bedrohung chemischer
Kriegführung nicht nur in Europa,
sondern auf der ganzen Welt zu finden.
Wir sollten alles in unserer
Macht Stehende tun, um darauf hinzuwirken, daß die Sowjets ihr beschränktes Kapital in die Reform ihrer Wirtschaft statt in die Aufrüstung
ihres Militärs investieren.
Und wir sollten klarstellen, daß verbesserte Wirtschaftsbeziehungen zur
Sowjetunion von den Fortschritten abhängen, die sie bei der Liberalisierung der Ausreisebestimmungen und
Einhaltung ihrer in der Schlußakte
von Helsinki eingegangenen Verpflichtungen erzielen.
Kurz gesagt, wir müssen tun, was
wir können, um die Sicherheit unseres
Bündnisses mittels Verhandlungen zu
stärken.
Aber neben den Verhandlungen müssen wir ebenfalls das Bündnis stärken
und dabei bei unseren konventionellen
Streitkräften beginnen.
Die Befehlshaber unserer Streitkräfte haben uns wiederholt vor den
sich uns stellenden Gefahren gewarnt.
Rückstände bei der Instandhaltung
werden größer.
Es bestehen ernstliche Defizite bei luft- und seetransportfähigen Ersatzteilen und Munition.
Dazu ein hochrangiger Befehlshaber der Luftwaffe: "Ende des
Jahres werden wir wohl Flugzeuge ohne
Triebwerke haben."
Wir alle wissen, daß der Verteidigungshaushalt - wie immer die Wahlen auch ausgehen - real nicht ansteigen wird, es sei denn in einem

Notfall. Das heißt, der nächste Präsident wird einige sehr schwerwiegende Entscheidungen darüber treffen
müssen, wofür unsere Mittel aufgewendet werden.
Wir brauchen eine starke und
überlebensfähige nukleare Abschrekkung, und wir haben diese starke und
überlebensfähige nukleare Abschrekkung.
Aber wir haben weiterhin
ernsthafte Defizite bei unseren konventionellen Streitkräften.
Wir brauchen keine Aufstellung
neuer strategischer Systeme. Wir benötigen eine Verteidigungsstrategie,
die vernünftige Prioritäten setzt,
eine Strategie, die unsere Ressourcen
wirksam einsetzt, eine Strategie, mit
deren Hilfe das Risiko eines Nuklearkrieges und das Risiko eines konventionellen Krieges abgebaut werden
können.
Wir brauchen nicht SDI, sondern
CDI. Wir müssen die von Kongreßabgeordneten vorgeschlagene Konventionelle Verteidigungsinitiative weiterverfolgen, um moderne Technologie für
den Kampf nutzbar zu machen - und um
damit einen konventionellen Krieg gewinnen zu können.
Wir brauchen keine schienengestützten MX-Raketen.
Wir brauchen
eine Panzerabwehrwaffe gegea sowjetische Panzer.
Wir brauchen keine Milliarden von
Dollar für ein Raumflugzeug auszugeben,
das
in
drei
Stunden
von
Washington nach Tokio fliegen kann.
Wir müssen unsere Luft- und Seetransportkapazität ausbauen, damit unsere
Truppen rechtzeitig an einen Konfliktschauplatz gebracht werden können, um eine Schlacht zu gewinnen und
nicht, um ihr nur zuzuschauen.
Es ist an der Zeit, im Bereich
der Verteidigung durchgreifende Entscheidungen zu treffen. Und nach 40
Jahren ist es an der Zeit, mit unseren Verbündeten ehrlich und offen
über etwas zu sprechen, dessen wir

�uns alle bewußt sind - daß die Welt
sich verändert hat. Unsere Pflichten
müssen unserer Fähigkeit zur Erfüllung von Pflichten ebenbürtig sein.
Das amerikanische Volk erwartet von
unseren Verbündeten in Europa - und
es hat das Recht, dies zu erwarten die Übernahme eines fairen Anteils
der wirtschaftlichen wie auch der militärischen Lasten bei der Verteidigung der Freiheit in der ganzen Welt.
Ein wirksamer europäischer Beitrag bemißt sich nicht einfach danach, wieviele Pfund, Franc oder
D-Mark wir ausgeben, sondern darin,
welche militärischen Fähigkeiten wir
mit unseren Investitionen erwerben.
Eine bessere Zusammenarbeit sowohl
innerhalb Europas als auch zwischen
Europa und den Vereinigten Staaten bei Planung, Ausbildung, Forschung
und Entwicklung - können eine stärkere Verteidigung mit den zur Verfügung
stehenden Mitteln hervorbringen.
Das Thema der Lastenverteilung
stellt aber nur eine der wirtschaftlichen Herausforderungen dar, denen
sich unser Bündnis in den kommenden
Jahren ausgesetzt sieht.
In vier
Jahren wird der europäische Binnenmarkt die Vereinigten Staaten als
größter Verbraucher und größter Produzent des Weltmarkts ablösen.
Der Grat zwischen Handelspartner
und Handelskonkurrent ist beunruhigend schmal. Wenn sich also Schwierigkeiten ergeben, so müssen wir sie
beilegen - und zwar rasch und gerecht.
Ferner müssen wir jede erdenkliche Möglichkeit zur Zusammenarbeit sondieren - den Handel ausbauen,
starke Volkswirtschaften errichten,
in Forschung und Technologie investieren, die den Lebensstandard des
Arbeitnehmers auf beiden Seiten des
Atlantiks erhöhen werden - wie auch
den Lebensstandard der gesamten Weltbevölkerung.
Schließlich muß unser Bündnis
eine Strategie für die Reaktion auf
den Wandel in Osteuropa entwickeln.
Die vergangenen 40 Jahre waren so

grausam für Warschau und Budapest und
Prag, wie sie für Paris und London
und Bonn angenehm waren. Als Ergebnis ist Osteuropa heute ebenso reif
für die Umgestaltung wie die Sowjetunion selbst.
Natürlich können wir nicht mit
Sicherheit vorhersagen, welche Richtung die sechs osteuropäischen Nationen mit ihrer jeweils eigenständigen
geschichtlichen Entwicklung
- und
einer gemeinsamen Last - einschlagen
werden. Wir wissen aber, daß ihre
Zukunft Auswirkungen auf unsere Zukunft und noch mehr auf die unserer
Verbündeten haben wird.
Als Bündnis müssen wir darauf
hinarbeiten,
Forschritte
zu
mehr
Freiheit in Osteuropa zu unterstützen, die Vielfalt zu ermutigen, Veränderungen zu fördern, so daß wir in
fünf Jahren nicht nur eine Diskussion
über Glasnost aus Moskau vernehmen,
sondern über "Offenheit" in OstBerlin und "verejna informace" in
Prag, daß wir eine Diskussion über
Offenheit und erwachende Hoffnung in
der gesamten Region feststellen.
Meine Freunde, wenn wir über Veränderungen in Osteuropa nachdenken,
während wir uns des Anblicks von
Ronald Reagan erinnern, wie er Arm in
Arm mit Michail Gorbatschow auf dem
Roten Platz spazieren ging, ist es
vielleicht wichtig, uns der Tatsache
zu entsinnen, daß Geschichte ein evolutionärer und kein revolutionärer
Prozeß ist.
Wir werden auch weiterhin grundlegenden
Meinungsverschiedenheiten
mit der Sowjetunion haben. Wir werden weiterhin zu unseren starken und
einigen Bündnissen stehen. Wir müssen weiterhin vorbereitet sein. Und
es wird zwischen uns Meinungsverschiedenheiten geben, so wie dies
auch innerhalb unseres Landes der
Fall ist.
Aber wir haben in vier Jahrzehnten niemals das Ziel aus den Augen
verloren; wir haben die Lehren des

- 5 -

�Zweiten Weltkriegs nicht vergessen;
wir haben nicht zugelassen, daß Meinungsverschiedenheiten uns entzweien
und Irritationen in Zorn umschlagen.
Wir können - und wir müssen - im
selben Geist in die Zukunft schreiten. Denn die Zukunft hängt von uns
ab. Dies galt vor vier Jahrzehnten,
und dies gilt auch heute.

Und wir wissen, wenn wir den
Blick nach vorn richten, daß das
beste Amerika nicht hinter uns liegt;
das beste Amerika liegt noch vor uns.

* * * * *

Wenn wir eine bessere Welt aufbauen wollen, muß unser Bündnis den
Weg weisen, und wenn Amerika stark
ist, müssen wir das Bündnis anführen.
Vor 28 Jahren verkündete ein anderer Sohn von Massachusetts seine
Kandidatur für das Amt des Präsidenten der Vereinigten Staaten. John F.
Kennedy weckete unseren Sinn für das
Mögliche. Er entfachte unseren Idealismus aufs Neue. Und er verstand
den Wesensgehalt nationaler Stärke
und nationaler Sicherheit.

*

"Ich glaube, ein starkes Amerika
ist dasjenige, das die freie Welt
führt", so erklärte er, "nicht nur,
weil wir die Reichsten oder die
Stärksten oder die Mächtigsten sind,
sondern weil wir diese Führungsrolle
für die Sache der Freiheit in der
ganzen Welt ausüben. Weil wir sowohl
agieren als auch reagieren, weil wir
Vorschläge machen wie auch zurückweisen und ... weil wir den Weg des
Friedens gehen."
Meine Freunde, Amerika ist nicht
einfach ein Stück Land oder nur irgendein Land, wir sind eine Nation
der Einwanderer, die hierher kamen,
wo es keine Könige gab, die hierher
kamen, wo es keine Diktatoren oder
Gulags oder Todesschwadronen gab, die
hierher kamen, wo niemand uns sagte,
wo wir zu beten oder was wir zu drukken oder wie wir zu denken hatten.
Wir sind die Erben einer stolzen
und ruhmreichen Vergangenheit. Wir
sind die Teuhänder eines großartigen
und erfolgreichen demokratischen Experiments.
Wir sind Führer, keine
Mitläufer.

f

�AMERIKA DIENST
VON

4

Wissenschaft und Technik

2 2 . J u n i 1988

24

ZWEITER GENETISCHER CODE ENTDECKT

Ein
zweiter
genetischer
Code,
d e s s e n E x i s t e n z s e i t langem v e r m u t e t
wurde
und d e r
nur
bei
bestimmten
Schritten
in biologischen
Prozessen
wirksam i s t , wurde am M a s s a c h u s e t t s
I n s t i t u t e of T e c h n o l o g y (MIT) n a c h g e w i e s e n und zum T e i l
entschlüsselt.
Paul Schimmel, P r o f e s s o r
für M i k r o b i o l o g i e , und Ya-Ming Hou, e i n D o k t o rand a u s s e i n e m I n s t i t u t , b e r i c h t e t e n
kürzlich
in
der
britischen
Zeits c h r i f t " N a t u r e " (Ausgabe v . 1 2 . Mai
1988) ü b e r i h r e E n t d e c k u n g .
Der e r s t e , i n den s e c h z i g e r J a h r e n e n t z i f f e r t e g e n e t i s c h e Code s e t z t
entsprechend
den I n s t r u k t i o n e n ,
die
das lange Kettenmolekül
Desoxyribonukleinsäure
(DNS) im Z e l l k e r n
enth ä l t , den Aufbau s p e z i f i s c h e r P r o t e ine a u s Aminosäuren a l s " A r b e i t s m o l e -

United States Information Service
Embassy of the United States of America

küle" der Z e l l e für d i e Lebensprozesse
i n Gang.
Das j e t z t
entdeckte
z w e i t e System s o r g t d a f ü r , d a ß u n t e r
den zwanzig i n d e r Z e l l e v e r f ü g b a r e n
Aminosäuren d i e j e w e i l s r i c h t i g e Verbindung gefunden
und im wachsenden
P r o t e i n m o l e k ü l an dem vom e r s t e n Code
vorgeschriebenen o r t eingebaut wird.
Eine S c h l ü s s e l r o l l e s p i e l e n d a b e i
die
sog.
Transfer-Ribonukleinsäuren
(t-RNS) im Z y t o p l a s m a , d a s d e n Z e l l kern u m g i b t .
D i e s e b i n d e n d i e Aminos ä u r e n und t r a n s p o r t i e r e n s i e zu den
Ribosomen.
Dabei i s t j e d e r Aminosäur e e i n e t-RNS g a n z b e s t i m m t e r c h e m i scher
Zusammensetzung
zugeordnet.
Bei d e n Ribosomen h a n d e l t e s s i c h um
k l e i n e Z e l l o r g a n e l l e n a u s P r o t e i n und
r-RNS
(ribosonale
Ribonukleinsäure) .
Sie v e r m i t t e l n d i e Verbindung mit der

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�m-RNS
(Boten-Ribonukleinsaure) ,
die
an der - d o p p e l s t r ä n g i g e n - "informat i o n s z e n t r a l e " DNS s y n t h e t i s i e r t wurde und dabei einen bestimmten Abschnitt kopierte.
Nach dem Ablösen
von der M a t r i t z e wanderte s i e durch
die Poren der Kernmembran in das Zytoplasma.
Die von der DNS übernommenen I n formationen für d i e Synthese des Prot e i n s sind bei der in nur einem
Strang vorhandenen m-RNS durch die
Aufeinanderfolge der Nukleotide (Baus t e i n e der Nukleinsäuren) f e s t g e l e g t ,
wobei j e d e s Nukleotid e i n e von v i e r
organischen
Basen
enthält.
Diese
wiederum ergeben a l s s p e z i e l l a r r a n gierte
Dreiergruppen
(als
Triplett
oder Codon bezeichnet)
d i e Anheftung spunkte für d i e s p e z i f i s c h e n Aminosäuren zum Aufbau des Eiweißkörpers.
Die Aminosäuremoleküle können
n i c h t von s i c h aus mit der m-RNS Verbindung aufnehmen, sondern benötigen
dazu das s o g . Anticodon am Ende der
t-RNS, dessen Drei-Basen-Kombination
die Bindung mit dem zugeordneten Codon der m-RNS e r m ö g l i c h t .
Dies ges c h i e h t nach dem e r s t e n g e n e t i s c h e n
Code.
Das andere Ende der t-RNS aber
benutzt den zweiten Code um d i e r i c h t i g e Aminosäure
zu f i n d e n .
Dafür
i s t , wie Schimmel und Ya-Ming Hou e r m i t t e l t e n , e i n s p e z i f i s c h e s Basenpaar
an einem s p e z i f i s c h e n Ort des t-RNSMolekülendes
erforderlich.
Sowohl
das Basenpaar a l s auch s e i n Ort sind
T e i l des Codes.
Er wird von einem
Enzym, d . h . dem bestimmten Typ e i n e s
P r o t e i n s , " g e l e s e n " , das d i e Aminosäure bindet.
Nach Ansicht der W i s s e n s c h a f t l e r
könnte der zweite g e n e t i s c h e Code,
der e i n f a c h e r a l s der e r s t e i s t , d e s sen Vorläufer in der Evolution gewesen und damit ä l t e r s e i n .
Schimmel
bezeichnet das System a l s "ein spektakuläres Beispiel
für
biologische
Logik oder für das von der Natur ben u t z t e l o g i s c h e System.
Je weiter
wir es e n t s c h l ü s s e l n , d e s t o l e h r r e i cher könnte e s für uns werden - s p e -

z i e l l für d i e Konstruktion neuer Computersysteme" .
Dank der neuen E r k e n n t n i s s e e r g i b t s i c h u . a . e i n e zweite S t a t i o n in
der P r o t e i n s y n t h e s e , wo Veränderungen
der
Interpretation
genetischer
Ins t r u k t i o n e n für e i n e Z e l l e möglich
wären.
Dies i s t für d i e Erforschung
bestimmter Erbkrankheiten von großer
Bedeutung - v i e l l e i c h t sogar für Bemühungen, g e n e t i s c h e F e h l e r auszumerzen.
* * * * *

�AMERIKA DIENST
^7

&lt;£

Wissenschaft und Technik

22. Juni 1988

24

KONVENTION ÜBER ERSCHLIESSUNG DER ANTARKTIS

Bislang war nach dem Antarktisvertrag von 1959 die Erschließung von
Bodenschätzen auf dem Weißen Kontinent praktisch tabuisiert. Militärische Aktivitäten sind verboten, Forschung darf betrieben werden.
Vorstöße einzelner Länder, wirtschaftliche Möglichkeiten zumindest zu erkunden, wurden seit acht Jahren durch
ein informelles Moratorium zur Erschließung des Kontinents geregelt.
Am 2. Juni 1988 haben sich jedoch 33
Staaten
in Wellington
(Neuseeland)
über eine Konvention geeinigt, die
das Moratorium ablösen und Maßstäbe
für eine geregelte Erschließung der
Ölund Mineralvorkommen setzen soll.
Der neuen Konvention zufolge muß
von einer Komission der 20 stimmberechtigten Partnerländer des Antark-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

tisvertrages die Öffnung jeder Region
der Antarktis für die Exploration zunächst einmal genehmigt werden. Erst
dann dürfen Öl- und Bergbaufirmen
Lizenzen
zur Exploration
und Erschließung der Bodenschätze in dem
betreffenden Gebiet beantragen. Aufgrund der Konvention sind die Firmen
dann gehalten, einem aus zehn Mitgliedern bestehenden Kontroikomitee,
das für jede Region gebildet wird,
ihre Pläne vorzulegen, Dieses befindet über Genehmigung oder Ablehnung
der Lizenzen und überwacht die Einhaltung der Vorschriften. Sowohl die
Komission als auch die Kontrollkomitees werden mit Gebühren finanziert,
die die Firmen zu zahlen haben.
Für die Kontrollkomitees ist rotierende
Mitgliedschaft
vorgesehen,

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�jedoch sollen die Vereinigten Staaten
und die Sowjetunion als die Staaten
mit den umfangreichsten Forschungsprojekten
in der Antarktis
darin
ständig vertreten sein. Die Konvention tritt in Kraft, wenn sie von 16
der wegen ihres Forschungsengagements
20 stimmberechtigten Mitglieder der
Antarktisvertrages (18 weitere Staaten sind dem Vertrag als Beobachter
angeschlossen)
ratifiziert
worden
ist.
Schätzungen
des
R.
Tucker
Scully, Unterhändler der Vereinigten
Staaten bei der Konferenz in Wellington, zufolge werden bis zur Ratifizierung zwei bis drei Jahre vergehen.
Scully zufolge hat bisher noch
keine amerikanische Ölfirma Interesse
an der Antarktis bekundet. Das dürfte auch in naher Zukunft nicht zu erwarten sein. Aber "wir wollten etwas
in der Hand haben, wenn sich Interesse an der Erschließung der Antarktis
zeigen sollte".
Die Signatarstaaten
der Konvention müssen gewährleisten,
daß Firmen ihres Landes, die sich auf
dem
Südkontinent
betätigen wollen,
nicht gegen die Vorschriften handeln.

* * * * *

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Wahlen in Amerika 1988&lt;br /&gt;Dukakis fordert energischen und realistischen Kurs gegenüber der Sowjetunion&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Ansprache vor dem Atlantic Council &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Zweiter genetischer Code entdeckt&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Konvention über Erschliessung der Antarktis</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST
VoH

*

15. J u n i 1988

23

INHALT

DOKUMENTATION
Offenheit Schlüssel zu echter Sicherheit
- Rede des Stellvertretenden US-Außenministers Whitehead in Potsdam -

INFORMATION
Fähiger Stratege zum neuen Stabschef des Weißen Hauses ernannt
- Kurzporträt von Kenneth Duberstein -

WIRTSCHAFT
Neues System zur Bilanzierung der Handelszahlen

HINTERGRUNDMATERIAL

DIE WAHLEN IN AMERIKA 1988

Bush und Dukakis versprechen faire Auseinandersetzung
- Die Ergebnisse der Vorwahlen vom 7. Juni -

* * * * * *

United States Information Service
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Dokumentation

15. Juni 1988

23

OFFENHEIT SCHLÜSSEL ZU ECHTER SICHERHEIT
- Rede des Stellvertretenden US-Außenministers Whitehead in Potsdam POTSDAM - (AD) - Dem Stellvertretenden amerikanischen Außenminister
Whitehad zufolge müssen die Sowjetunion und die Staaten des Warschauer Pakts
"die Entwicklung zu mehr Offenheit" in der Region weiterführen, wenn sie "eine
wirklich sichere Welt wünschen". Im Rahmen einer vom Institut für Ost-WestSicherheitsstudien in Potsdam in der Deutschen Demokratischen Republik veranstalteten Konferenz erklärte Whitehead am 10. Juni 1988, daß die gegenwärtig
stattfindende Diskussion über Offenheit in Osteuropa und der Sowjetunion eine
"sehr ermutigende Entwicklung" darstelle.
Die Ausführungen Whiteheads haben folgenden Wortlaut:
Ich möchte dem Institut für OstWest-Sicherheitsstudien für die Möglichkeit danken, vor diesem erlesenen
Kreis sprechen zu dürfen.
Ferner
möchte dem Institut und dessen Präsident John Mroz ein besonderes Lob dafür aussprechen, daß es in Zusammenarbeit mit dem Außenministerium der
Deutschen
Demokratischen
Republik
diese Konferenz ermöglicht hat. Ich
weiß, daß ich auch für viele andere
spreche, wenn ich dem Institut und
dessen Leistungen meine Anerkennung
ausspreche. Ich wünsche dem Institut
viel Erfolg bei seinen gegenwärtigen
und Zukünftigen Projekten zur Förderung eines immer umfasenderen OstWest-Dialogs, gegenseitigen Respekts
und Verständnisses.
Verwechslungen von Personen sind,

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wie Sie wissen, einer der bevorzugten
Kunstgriffe von Theaterstückautoren.
Gleichermaßen gehören Witze und Geschichten, die auf Verwirrung über
den Sinn von Worten gründen, zum
festen Repertoire der Komödie. Für
diejenigen, die sich mit Diplomatie
und den Beziehungen zwischen Staaten
beschäftigen, ist Verwirrung über den
Sinn von Worten alles andere als belustigend, und dies gilt insbesondere
für Worte, die nicht nur beschreibenden Charakter haben, sondern die für
sich genommen Erwartungen wecken.
In jüngster Zeit ist in diesem
Teil der Welt viel von "Offenheit"
die Rede gewesen. Dasselbe gilt für
den Westen, wo Nachrichten und Analysen über die hoffnungsvollen Entwicklungen in der Sowjetunion und den

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�einzelnen Staaten Osteuropas in der
jüngsten Vergangenheit regelmäßig das
Wort "Offenheit" verwenden. Aber gerade weil dieses Wort so häufig benutzt wird, ist es wichtig, seine
verschiedenen Bedeutungen und Begleiterscheinungen klarzustellen.
Im Westen kann sich das Wort "Offenheit" sowohl auf einen Zustand als
auch auf eine Haltung beziehen. Wir
sagen, daß eine Aussicht, eine Straße
oder eine Grenze "offen" ist, wenn
diese frei von Hindernissen und Beschränkungen sind. Diese Definition
ist die Grundlage für die hiermit
verwandte Begriffsbestimmung von "Offenheit"
als
Geisteshaltung
her.
Wird das Wort "Offenheit" in dieser
Form verwendet, bedeutet es die Aufnahmefähigkeit für neue Ideen und
Menschen und es ist in diesem Fall
eng verwandt mit anderen Attributen
wie etwa Toleranz und Unvoreingenommenheit.
Aber
das
vielleicht
Interessanteste, das ich Ihnen über das Wort
"Offenheit" sagen kann ist, daß es abgesehen von seinem jüngsten Gebrauch im Hinblick auf Glasnost
kein Wort ist, für dessen Gebrauch
Amerikaner in ihrem täglichen Sprachgebrauch eine Notwendigkeit sehen.
In vielen unserer Standardwörterbücher gibt es für dieses Wort noch
nicht einmal einen Eintrag.
Auf den ersten Blick scheint dies
doch sehr merkwürdig zu sein, da sowohl ihre Bewunderer wie auch ihre
Kritiker zugestehen, daß die Vereinigten Staaten eine "offene Gesellschaft" sind.
Einige Kritiker behaupten sogar, die Vereinigten Staaten seien zu offen, der Mangel and
Beschränkungen ermutige gesellschaftliche Verwirrung und persönliche Zügellosigkeit.
Des Rätsels Lösung
liegt natürlich auf der Hand. Es ist
unnötig, einen normalen Zustand immer
wieder zu erwähnen, und "Offenheit"
ist der Normalzustand des Lebens in
den Vereinigten Staaten.
Es gibt
aber eine noch tiefergehende Erklärung, die sich auch in der alltäg-

lichen Sprache des Durchschnittsbürgers in den Vereinigten Staaten niederschlägt.
Wenn ein Amerikaner auf irgendeine Weise verletzt oder geschädigt
wird, so wird er sofort ohne Umschweife zum Ausdruck bringen, daß
man seine Rechte verletzt hat. Ferner wird er auf sehr direkte und persönliche Weise über diese Rechte
sprechen. Er wird von seinen Rechten
nicht so sprechen, als hingen diese
vom Staat ab. Er wird von diesen
Rechten nicht so sprechen, als ob sie
nur aufgrund seiner Mitgliedschaft in
einer Organisation oder Partei bestünden.
Er wird stattdessen von
seinen Rechten als Teil seiner Person
sprechen - ja, als unveräußerlich und
untrennbar von seiner Existenz als
Mensch.
Manchem mag das Prinzip, wonach
jeder Mensch Rechte hat, die untrennbar mit seiner Existenz verbunden
sind, merkwürdig erscheinen. Trotzdem ist dieses Prinzip nicht neu, die
Gründer der Vereinigten Staaten von
Amerika schrieben genau dies vor 200
Jahren in der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung fest.
Wo hatten diese ersten Amerikaner
diesen Begriff entlehnt? Aus Athen
und Jerusalem, aus Wittenberg und
Edinburgh, denn man könnte diese
Überzeugung ebenso als ein in vielen
Jahren gereiftes Produkt der größten
Geister der westlichen Zivilisation
beschreiben.
Viel ist einem alten Griechen zu
verdanken, der den Schierlingsbecher
leerte, damit das ihm zugefügte Unrecht die Freiheit künftiger Generationen von Philosophen sichere. Noch
mehr verdankt diese Idee den Jahrhunderten frommer Beispiele von Männern
und Frauen, die in Wort und Tat lehrten, daß das Leben ein Geschenk des
Schöpfers und deshalb jedes Individuum wertvoll sei. Der Anteil Martin
Luthers sowie verschiedener Philosophen der Aufklärung ist so offensichtlich wie umfassend.

- 2 -

�Natürlich nehmen wir im Westen da wir den Ursprung der "offenen Gesellschaften" anerkennen - es zur
Kenntnis, wenn "Offenheit" im Hinblick auf Regierungen andernorts erwähnt wird.
Besonders aber nehmen
wir Notiz davon, wenn sie in einem
Teil der Welt diskutiert und sogar
gefördert wird, in dem die von uns
mit offenen Gesellschaften in Verbindung gebrachten Prinzipien der Menschenrechte von den Regierungen nicht
allgemein akzeptiert wurden.
Wir betrachten die gegenwärtige
Diskussion über Offenheit im Osten
als eine sehr ermutigende Entwicklung.
Bisher ist das gegenwärtig
östlich und südlich von Potsdam in
Erwägung gezogene Konzept der Offenheit nicht so grundlegend wie das
unsrige.
Es scheint Offenheit als
ein Mittel zu anderen Zwecken zu betrachten, insbesondere zu mehr wirtschaftlichem Wohlstand, anstatt als
eines der Merkmale einer gut geordneten Gesellschaft. Trotzdem bedeutet
dLe Diskussion an sich schon einen
Neubeginn. Mit der Zeit könnte sie
sich als historisch erweisen.
In meinen heutigen Ausführungen
möchte ich einen Beitrag zu dieser
Diskussion leisten, indem ich auf Offenheit in ihrer Beziehung zum Thema
unserer Konferenz, "Neue Wege der
europäischen
Sicherheit", eingehe.
Ich tue dies im Geist des kürzlichen
Gipfeltreffens von Moskau, wo Präsident
Reagan
und
Generalsekretär
Gorbatschow ihre Überzeugung bekräftigten, daß ein erweiterter Dialog
"ein zunehmend wirkungsvolles Mittel
zur Lösung von Fragen wird, die von
beiderseitigem Interesse sind und auf
beiden Seiten Besorgnis auslösen".
Obwohl ich zu dem von mir soeben beschriebenen tieferen westlichen Verständnis stehe, werde ich mich ferner
aus instrumenteilen
oder "pragmatischen" Gründen für Offenheit einsetzen. Ich bin nämlich der Ansicht,
daß - in der neuen Welt, an deren
Schwelle wir stehen - Offenheit unverzichtbar für die Sicherheit ist.
Je offener Politik und Praxis einer

Nation sind, desto größer wird ihre
Sicherheit sein, vor militärischer
Bedrohung von außen und auch im Hinblick auf die Sicherstellung des materiellen Wohlstandes ihrer Bürger
durch wirtschaftliches Wachstum.
Meine Hauptthese lautet folgendermaßen: Wenn die Sowjetunion und
die anderen Mitgliedstaaten des Warschauer Pakts eine wirklich sichere
Welt wünschen, müssen sie die gegenwärtige Entwicklung zu größerer Offenheit weiterführen - und vorzugsweise noch beschleunigen. Ich werde
diese These im Hinblick auf Rüstungskontrolle, Wirtschaft und Menschenrechte veranschaulichen - drei Kategorien, die grob genommen den drei
Körben der Schlußakte von Helsinki
entsprechen. Dies ist umso angemessener, als die Vereinbarungen von
Helsinki die Erkenntnis von 35 Regierungen in Europa und Nordamerika widerspiegeln, daß diese Fragen eng
miteinander und mit der europäischen
Sicherheit selbst verflochten sind.
Das offensichtlichste und direkteste Bindeglied zwischen Offenheit
und Sicherheit ist - ziemlich paradoxerweise - im Zusammenhang mit der
Rüstungskontrolle aufgetaucht.
Wie
wir alle wissen, spielte die Frage
der Verifizierung eine zentrale Rolle
bei den erfolgreichen Verhandlungen
zur Beseitigung der Atomwaffen mittlerer und kürzerer Reichweite. Die
Verifizierung spielt auch bei den gegenwärtig stattfindenden START-Verhandlungen eine wichtige Rolle. Man
kann sogar sagen, sie bildet den
Schlüssel für den Abschluß eines
START-Abkommens.
Zu Beginn des Zeitalters der Rüstungskontrolle haben wir viel über
die sogenannten
"nationalen technischen Mittel der Verifizierung" gehört. Dabei handelte es sich niemals
um eine völlig zufriedenstellende
Methode. Sie wurde umso unbefriedigender, als die Raketen kleiner, verschiedenartiger und mobiler wurden.
Heute glaubt niemand daran, daß eine
mobile Nuklearrakete mit Sicherheit

- 3-

�einzig und allein aus der Luft von
ihrer Produktionsstätte bis zum Einsatzort verfolgt werden kann. Und
wie unterscheidet man - aus welcher
Entfernung auch immer - einen atomar
bestückten von einem konventionellen
Marschflugkörper?

tionsgruppen ausgesetzt, die jeden
Winkel ihrer streng geheimen und
schwerbewachten Einrichtungen untersuchen. Das Paradoxon könnte nicht
deutlicher zutage treten: Weil wir
uns nicht trauen, öffnen wir uns der
Gegenseite.

Die Lösung für dieses Problem
heißt Offenheit. Bei den Verhandlungen zum INF-Vertrag sind beide Seiten
zu der Erkenntnis gelangt, daß der
einzige Weg zur Gewährleistung der
Einhaltung des Abkommens darin besteht, der anderen Seite die Inspektion der Produktionsstätten zu gestatten, in denen die Waffen hergestellt werden.

Im Hinblick auf Rüstungskontrolle
ist Offenheit für die Sicherheit unerläßlich geworden. Das wird darüber
hinaus auch bei den START-Gesprächen
und bei allen zukünftigen Verhandlungen so sein. Um es einfacher auszudrücken:
Je größer die Offenheit,
der jede Seite zustimmt, umso größer
werden unsere Fortschritte bei der
Rüstungskontrolle, und umso höher
wird die Sicherheit auf beiden Seiten
sein.

Dies könnte sich in den nächsten
Jahren als am meisten richtungweisender Fortschritt in der Geschichte der
nuklearen Abrüstung erweisen. Im Interesse höherer Sicherheit haben zwei
Gegner - argwöhnisch im Hinblick auf
die Motive des anderen und mit geringem Vertrauen - vereinbart, einige
ihrer sichersten und geheimsten Einrichtungen für die Inspektion durch
die andere Seite zu öffnen.
Der
Austausch der Ratifizierungsurkunden
durch Präsident Reagan und Generalsekretär Gorbatschow beim Moskauer
Gipfel war ein angemessener Höhepunkt
für dieses bahnbrechende Experiment
der Offenheit.
Ungeachtet
des
bemerkenswerten
Charakters der endgültigen Leistung
stellte die Verifizierung bis zum Ende ein Problem bei den Verhandlungen
dar. Obwohl unsere Unterhändler beim
Moskauer Gipfel hart gearbeitet und
einige Fortschritte erzielt haben,
erweisen sich die Probleme im Hinblick auf den START-Vertrag als noch
größer.
START
beschäftigt
sich
schließlich mit einer großen Zahl unterschiedlicher Waffensysteme, deren
Anzahl verringert, die aber nicht
vernichtet werden. Wie beide Seiten
in Moskau erkannt haben, wird die Lösung für das Problem noch größere Offenheit erfordern. Beide Seiten sehen sich der unbequemen Aussicht
einer noch größeren Zahl von Inspek-

Die Vereinigten Staaten sind bereit, bei diesem Fortschritt ihren
gesamten Beitrag zu leisten. Wir befürworten die Öffnung unserer Einrichtungen auf jede Art und Weise,
die notwendig ist, um angemessene Verifizierung bei den Rüstungskontrollverhandlungen auf der Basis der Gegenseitigkeit zu gewährleisten. Aber
wenn wir weiterhin Fortschritte bei
Rüstungskontrollverhandlungen
erzielen wollen, müssen beide Seiten die
gleichen Leistungen erbringen. Gegenseitigkeit wird dem Fortschritt
Tür und Tor öffnen. Offenheit wird
der Schlüssel
zur Gegenseitigkeit
sein.
Das Wirtschaftsleben verweist auf
eine subtilere, aber nicht weniger
wichtige Verbindung zwischen Offenheit und Sicherheit. Natürlich ist
die Beziehung zwischen dem wirtschaftlichen Erfolg eines Landes und
seiner Sicherheit offensichtlich genug. Nicht so offensichtlich ist jedoch, daß Offenheit in der Wirtschaft
der einzig sichere Weg zum wirtschaftlichen Erfolg ist.
Vor nicht allzu langer Zeit freute sich mancher in diesem Teil der
Welt auf eine blühende Wirtschaft im
Sozialismus. Die Schwerindustrie war
in Osteuropa auf dem Vormarsch. Die

�Wachstumsraten der nationalen Volkswirtschaften stiegen steil an - und
übertrafen sogar die des Westens.
Das Vertrauen war so groß, daß sowjetische Politiker den Tag vorhersagten, an dem die sowjetische Wirtschaft die der Vereinigten Staaten
überholen würde.
Es geschah
aber nicht.
Das
"Wirtschaftswunder" im Osten hatte
sich auf ein großes Potential an
überschüssigen
Arbeitskräften
und
einen reichlichen Nachschub preiswerter Rohstoffe verlassen. Als diese
materiellen Vorteile etwa zu Beginn
der siebziger Jahre ausgeschöpft waren, begannen die Wachstumsraten rapide zu fallen.
Statt die Vereinigten Staaten
einzuholen, erreichte die Sowjetunion
den Höchststand ihrer Produktion auf
einem Stand von etwa 50 Prozent des
amerikanischen
Bruttosozialprodukte.
Und da sich die Volkswirtschaften des
Ostblocks auf die Schwerindustrie
konzentrierten
- auf Kosten des
durchschnittlichen Konsumenten, waren
die Zahlen des Pro-Kopf-Verbrauchs in
der Sowjetunion noch aufschlußreicher
- enttäuschende 35 Prozent gegenüber
den Vereinigten Staaten. In anderen
Ländern des Ostblocks waren die Ergebnisse mehr oder weniger gleich.
Seit 20 Jahren weist der Ostblock
trotz anhaltenden absoluten Wachstums
und absoluter Leistung eine vergleichsweise fallende Bilanz auf.
Die Gründe für diesen Niedergang
sind im allgemeinen gut bekannt.
Präsident Reagan verwies in seiner
Rede vor der Moskauer Staatsuniversität darauf, daß Volkswirtschaften im
Sozialismus in stärkerem Maße bürokratisiert und aus diesem Grunde weniger flexibel und leistungsfähig
sind als Volkswirtschaften mit dem
System der freien Marktwirtschaft.
Aber das ist nicht das schwerwiegendste Problem, das sich solchen
Wirtschaftssystemen stellt. Denn die
Unzulänglichkeiten der Vergangenheit
werden durch die künftigen Herausforderungen in den Schatten gestellt, da

mit zunehmend komplexer Wirtschaft
die mangelnde Leistungsfähigkeit der
gegenwärtigen Methoden noch schärfer
zutage treten wird.
Warum ist das notwendigerweise
so? Weil solche Systeme, die Marktgesetze durch Bürokratie ersetzen,
ihm eine unmögliche Aufgabe zuweisen.
Im Jahre 1909 hat der italienische
Wirtschaftswissenschaftler
Vilfredo
Pareto errechnet, daß eine Gesellschaft von nur 100 Menschen, die mit
700
Gütern
handelt,
gleichzeitig
70 699 Gleichungen lösen muß, um Angebot und Nachfrage so zu verbinden,
wie dies ein freier Markt aufgrund
seiner ihm eigenen Gesetze tut. Was
muß dann ein System tun, wenn eine
Fabrik allein hundert mal hundert Arbeiter beschäftigt und sieben mal 700
Arten von Maschinen, Ausrüstungsgegenständen und Arbeitsgängen aufweist?
Und so ist das "Wirtschaftswunder" am Ostblock vorübergegangen.
Staatliche Direktiven erlauben keine
effektive Mobilisierung in begrenzten
Wirtschaftssektoren wie etwa beim Militär. Als die anfänglichen Vorteile
eines überschüssigen Arbeitskräftepotentials und im Überfluß vorhandener
preiswerter Rohstoffe erschöpft waren, fanden diese Volkswirtschaften
heraus, daß traditionelle Mechanismen
bürokratischer Kontrolle und Leitung
der Leistungsfähigkeit keinen Vorschub leisteten.
Vielmehr erwiesen
sie sich selbst als Hindernisse für
die Leistungsfähigkeit.
Diese Tatsache ist auch im Rest
der Welt nicht unbemerkt geblieben.
In der gesamten Dritten Welt machen
Länder, die bisher das sozialistische
Modell kopiert hatten, keine Fortschritte, sondern verfallen. Sie haben durch bittere Erfahrung gelernt,
daß eine Organisation der Wirtschaft
allein durch den Staat gemäß dem alten Modell nicht funktioniert. Diejenigen, die in der Lage sind, zu
wählen, beginnen ihre Volkswirtschaften nach marktwirtschaftlichen Kriterieren umzugestalten. Sie erkennen,
daß die einzigen Erfolgsbilanzen in

- 5 -

�der Dritten Welt in Ländern zu verzeichnen sind, die auf ihren Märkten
Freiheit und Offenheit zulassen.
Keine Äußerung irgendeines westlichen Staatsmannes spricht so deutlich zu den Ländern der Dritten Welt
wie die Beispiele von Ländern wie
Südkorea, Taiwan, Singapur und Hongkong. Unter ihnen stellen diese vier
Länder - deren Bevölkerung in der
Dritten Welt lediglich zwei Prozent
ausmacht - die Hälfte der Exporte von
Fertigungsgütern
aller Länder der
Dritten Welt.
Natürlich ist dem vergleichsweisen Niedergang der sozialistischen
Wirtschaftssysteme auch hier im Ostblock
beträchtliche
Aufmerksamkeit
zuteil geworden.
Diese Aufmerksamkeit ist in vielen Ländern in Forderungen
nach
Umstrukturierung
und
größerer Offenheit zutage getreten.
Unserer Ansicht nach trifft diese
Diagnose zu.
Die Rezepte für den
Wandel - dezentralisierte Entscheidungsfindung,
zunehmende
Autonomie
der Kommunen und stärkere materielle
Anreize - erscheinen uns vernünftig
und seit langem überfällig.

Unserer Ansicht nach wird in den
kommenden Jahren die Wettbewerbsfähigkeit der Sowjetunion und der Länder Osteuropas in zunehmendem Maße
von deren Bereitschaft abhängen, ihre
Wirtschaftssysteme zu öffnen und echte Marktreformen durchzuführen.
Sie stellen die Frage:
"Wie
sieht es mit den Wirtschaftsproblemen
im Westen aus? Haben Sie nicht genug
eigene Probleme?" Die haben wir tatsächlich. Meiner Meinung nach unterscheiden sich jedoch die Wirtschaftsprobleme, denen der Westen gegenübersteht, ganz erheblich von denen, mit
denen es die sozialistischen Länder
zu tun haben.
Dem Zeitalter der Industrialisierung sagen wir Lebewohl. Im jetzt im
Westen anbrechenden neuen Zeitalter
der Hochtechnologie ist die Geschwindigkeit wirtschaftlichen Wandels dramatisch gestiegen. Produkte mit einer bisherigen Lebensdauer von einem
Jahrzehnt oder mehr, werden nun innerhalb von zwei oder drei Jahren
durch verbesserte Technologien ersetzt. Die Lebensdauer der am höchsten entwickelten Technologie ist sogar noch kürzer.

Natürlich haben wir im Westen
auch die unterschiedliche Aufnahme,
die diese Tatsachen in der Sowjetunion und in den einzelnen Ländern
Osteuropas erfahren haben, verzeichnet. Manche haben die Reformen begrüßt, andere argumentieren, sie gingen nicht weit genug, wiederum andere
bleiben der Auffassung verhaftet, daß
stark zentralisierte Wirtschaftssysteme funktionsfähig gemacht werden
können.

Wie Präsident Reagan in seiner
Ansprache vor der Moskauer Staatsuniversität betonte, belohnt diese technologische Revolution - vielleicht
die dramatischste in der Geschichte
überhaupt - Flexibilität und Initiative des Einzelnen. Ihre Schlagworte
lauten: Geschwindigkeit der Kommunikation und wirtschaftliche Interdependenz.

Möglicherweise ist das System der
Kombinate in der DDR so leistungsfähig wie jedes andere stark bürokratisierte Wirtschaftssystem auch. Verglichen mit anderen sozialistischen
Volkswirtschaften
funktioniert
es
gut. Vergleiche mit der Bundesrepublik Deutschland und anderen westlichen Wirtschaftsystemen fallen jedoch bei weitem nicht so günstig aus.

Was die Initiative des Einzelnen
betrifft, sind zahlreiche der wichtigsten technologischen Innovationen
im Westen das Ergebnis eines intensiven Wettbewerbs relativ kleiner Unternehmen, vielfach unter der Leitung
ihrer Gründer.
Und die technologische Revolution hat zugleich in zunehmendem Maße internationalen Charakter.
88 Prozent der amerikanischen Hersteller verwenden ausländische Teile für ihre Produkte. Die

�technologische Revolution deutet auf
eine weltweit marktorientierte Wirtschaft hin, in der Wohlstand mit Offenheit innerhalb und zwischen den
einzelnen Nationen einhergeht.
Die sozialistischen Wirtschaftssysteme treten mit überholten und
veralteten Konzepten ins 21. Jahrhundert ein.
Die gleichen bürokratischen Verkrustungen, die für ihren
relativen Rückgang in den vergangenen
20 Jahren verantwortlich waren, erlauben die Aussicht auf sogar noch
größere Schwierigkeiten in den nächsten Jahren.
Man muß sich jedoch
folgende Frage stellen:
Wenn ein
Wirtschaftssystem schon nicht in einem Umfeld konkurrenzfähig sein kann,
in dem sich modernste Technologie alle zehn Jahre überholt, wie kann es
dann darauf hoffen, in einem Umfeld
in den Wettbewerb zu treten, in dem
dies drei-, fünf- oder sogar zehnmal
so schnell abläuft? Ohne eine größere Öffnung bei der Organisation der
Wirtschaft müssen die Nationen des
Ostblocks - wie groß auch immer ihre
Fortschritte insgesamt auch sein mögen - mit einer Beschleunigung der
relativen Rezession
rechnen.
Ich
vermute, eine solche Situation könnte
unsichere Konsequenzen für die Sicherheit in Ost und West haben, Konsequenzen, die wahrscheinlich nicht
im Interesse irgendeiner Seite lägen.
Darum halten wir im Westen die
derzeit in zahlreichen Ländern des
Ostens diskutierten Wirtschaftsreformen für ermutigend. Wir befürworten
energischere und mutigere Schritte.
Wir wünschen dem Osten bei seinem
Streben nach größerer Öffnung in der
Wirtschaft Erfolg.
Warum? Weil wir die Wette einzugehen bereit sind, daß eine größere
wirtschaftliche Offenheit und eine
weitere Integration der Volkswirtschaften des Ostblocks in das Weltmarktsystem dazu beitragen werden,
die Spannungen zu verringern und die
Aussichten auf eine sicherere und
wohlhabendere Welt für uns alle zu
verbessern.

In verschiedenen Ostblockländern
beginnt sich eine andere wertvolle
Einsicht zu verbreiten.
Man stößt
nunmehr auch auf das Argument, daß
eine wirtschaftliche Offenheit die
Wettbewerbssituation der Länder des
Ostblocks zwar temporär verbessern,
jedoch nur eine Lockerung der politischen Kontrolle die Wettbewerbsfähigkeit für einen längeren Zeitraum
fortschreiben kann.
Sicher läßt das Beispiel anderer
Nationen einen solchen Schluß zu. In
der Dritten Welt war der Wohlstand in
den Ländern besonders auffällig, die
nicht nur eine marktwirtschaftliche
Politik übernommen haben, sondern
auch dem Wunsch ihres Volkes nach
mehr individueller Freiheit und politischer Entfaltung nachkamen.
Und
wie Sie wissen, entwickelten sich die
politischen Demokratien des Westens
in ganz ähnlichen Bahnen. Es ist ermutigend, daß das Streben nach mehr
Offenheit in der Sowjetunion und in
Osteuropa eine politische wie auch
ökonomische Dimension angenommen hat.
Fortschritte in der Politik sind
nicht mehr zu leugnen.
In einigen
Ländern ist eine beträchtliche Anzahl
politischer Gefangener freigelassen
worden, und es werden weniger Menschen wegen politischer Vergehen verhaftet. Die Praxis der Verurteilung
politischer Straftäter zur Einlieferung in psychiatrische Anstalten gerät zunehmend in Verruf.
Die Schranken der zugestandenen
Freiheit des Ausdrucks, in Wort und
Bild, sind zunehmend geöffnet worden.
Den Medien dürfen nun über Themen berichten, die zuvor als zu delikat
oder peinlich galten.
Immer mehr
Menschen erhalten die Erlaubnis zu
Auslandsreisen.
Kontakte und Austauschprogramme mit dem Westen sind
gestiegen, was auch für die Zahl der
Ausreisen zutrifft. Solche Maßnahmen
bereichern das Leben im Ostblocks und
verleihen ihm Hoffnung; sie mobilisieren öffentliche Unterstützung für
den schwierigen Prozeß wirtschaftlicher Reformen und Anpassungen.

- 7 -

�Wir im Westen haben diese Entwicklungen mit Interesse verfolgt, da
wir sie in einen direkten Bezug zu
unserer eigenen Sicherheit setzen.
Unserer Meinung nach gibt es eine enge Verbindung zwischen der Art, wie
eine Regierung ihr eigenes Volk behandelt und ihrem Verhalten in den
auswärtigen Beziehungen.
Regierungen, die ihre eigenen Bürger schlecht
behandeln oder ihnen die wesentlichen
Menschenrechte verweigern, scheinen
auch eher zu einem schlechten Umgang
mit ihren Nachbarn bereit zu sein.
Unsere umgekehrte Beobachtung läßt
sich so zusammenfassen:
je größer
die Bandbreite politischer Freiheit
und Offenheit in einem Land, je unwahrscheinlicher ist es, daß das Land
eine Gefahr für andere wird.
Obwohl wir die jetzt in der Sowjetunion und den Ostblockländern offensichtlich werdende größere Offenheit ermutigend finden, wird unser
Enthusiasmus durch die Erkenntnis gedämpft, daß noch viel zu tun bleibt,
um den in Helsinki vereinbarten Maßstäben gerecht zu werden. Außerdem
möchten wir darauf hinweisen, daß im
Ostblock die grundlegenden Menschenrechte - ob Rede- oder Pressefreiheit, ob Freizügigkeit oder Auswanderungsmöglichkeit - immer noch wie Geschenke staatlicher Macht behandelt
werden.
Und was der Staat geben
kann, kann er auch wieder nehmen.
Daher können weder die Nachbarn noch
die Bürger eines Landes darauf bauen,
daß diese Verbesserungen einen unumkehrbaren Trend des zukünftigen politischen Lebens darstellen, bis die
Dinge aus einem grundsätzlich anderen
Blickwinkel betrachtet werden.
In jenem Geist der Offenheit und
der Hoffnung auf eine Verbreiterung
des Dialogs über dieses wichtigste
Thema überhaupt hat Präsident Reagan
beim Gipfel in Moskau solchen Wert
auf die Menschenrechte gelegt. Während er seiner Genugtuung über die in
der Sowjetunion bereits erfolgten
Veränderungen Ausdruck verlieh, verwies der Präsident gegenüber Generalsekretär Gorbatschow auf die Notwendigkeit der Verfestigung dieses Wan-

dels. Wie bei solchen Zusammenkünften üblich, rief der Präsident zu
mehr Veränderungen, zu mehr Offenheit
und zu häufigerem Dialog auf. Und
unser Dialog über Menschenrechte hat
sich tatsächlich erweitert. Wie immer fand Präsident Reagan in dem Generalsekretär
einen
willigen
Gesprächspartner über dieses Thema.
Und man muß nur die in Genf vereinbarte Gemeinsame Erklärung mit der in
Moskau veröffentlichten vergleichen,
um zu sehen, wie weit unser Dialog
gediehen ist.
Ferner glauben wir, daß der Osten
trotz Ermangelung eines grundsätzlichen Wandels dennoch beginnt, ein
Gefühl für die Anziehungskraft der
Öffnung zu bekommen und deren Nutzen
zu erkennen, und wir schätzen dies.
Die Notwendigkeit des Wandels wird
anerkannt. Dies sind positive Entwicklungen. Sie geben Grund zu Optimismus. Wir würden es begrüßen, wenn
daraus dauerhafte, unumkehrbare Elemente eines stärkeren Prozesses des
Wandels auf breiter Ebene würde.
Bis dahin werden wir im Westen
alles in unser Macht stehende tun, um
den Reformprozeß im Osten zu fördern.
Fortschritten werden wir, wenn sie
sich einstellen, positiv gegenüberstehen - in Worten und Taten. Und da
wir auf die Offenheit stolz sind, die
das Leben in unseren eigenen Ländern
charakterisiert, und uns des Lebensstils erfreuen, der unsere Freiheiten
schützt und uns gleichzeitig mit vielen materiellen Segnungen versorgt,
werden wir zugleich auch stets unsere
Ansichten freimütig vortragen - wie
ich dies heute getan habe.
In einer abschließenden Analyse
bleibt die Rolle des Westens jedoch
begrenzt.
Es ist schließlich die
Sowjetunion und jede Nation Osteuropas selbst, die den Nutzen der Offenheit erkennen müssen.
Sie müssen
aufgrund eigener Erfahrung zu der
Einsicht gelangen - wie wir im Westen
aus unserer Erfahrung gelernt haben daß echte Sicherheit auf größerer Offenheit basiert.
* * * * *

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VlON $ &lt;

15. Juni 1983

23

FÄHIGER STRATEGE ZUM NEUEN STABSCHEF DES WEISSEN HAUSES ERNANNT
- Kurzporträt von Kenneth Duberstein -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Reagan zufolge ist der neue Stabschef des
Weißen Hauses, Kenneth Duberstein, "ein hervorragender Organisator und fähiger
Stratege". Duberstein, der sein neues Amt am 1. Juli 1988 antreten wird, ist
seit März 1987 Stellvertreter des scheidenden Amtsinhabers Howard Baker. In
dieser Funktion hat er, wie Reagan erklärte, "entscheidend an unseren bedeutenden Leistungen in der Innen- und Außenpolitik mitgewirkt".

In der Frühzeit der Reagan-Administration hatte Duberstein die Funktion des Stellvertretende Beraters
und dann des Beraters des Präsidenten
für legislative Angelegenheiten. Im
Dezember
1983 quittierte er den
Staatsdienst und wurde Vizepräsident
der
Unternehmensberatungsfirma
Timmons and Company in Washington,
bei dem er bis zu seiner Rückkehr ins
Weiße Haus tätig war.
Zu seiner früheren beruflichen
Tätigkeit zählen vier Jahre als Vizepräsident und Direktor für Beziehungen zwischen Privatindustrie und Regierung des Komitees für wirtschaftliche Entwicklung (CED), einer gemeinnützigen Organisation für öffentliche Politik, deren Mitgliederschaft
sich aus 200 prominenten Unternehmern

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und Universitätspräsidenten zusammensetzt.
Während der Ford-Administration
war Duberstein Stellvertretender Unterstaatssekretär im Arbeitsministerium und in dieser Funktion verantwortlich für alle legislativen und
zwischenstaatlichen
Handlungen
des
Ministeriums. Ferner war er Direktor
für Kongreß- und zwischenstaatliche
Angelegenheiten bei der General Services Administration der Vereinigten
Staaten.
Davor war Duberstein Assistent
für
Verwaltungsangelegenheiten
des
Präsidenten am Franklin and Marshall
College in Lancaster (Pennsylvania),
wo er im Jahr 1965 den Grad eines
Bachelor of Arts erworben hatte. Ein

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�Jahr später erwarb er den Grad eines
M.A. an der American University in
Washington D.C. Ferner war er Praktikant und schließlich Forschungsassistent des zwischenzeitlich verstorbenen Senators Jacob Javits.
Duberstein und seine Frau Sydney
haben drei Kinder.

* * * * *

2 -

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Hintergrundmaterial

23

15. Juni 198(1

DIE WAHLEN IN AMERIKA 1988

BUSH UND DUKAKIS VERSPRECHEN FAIRE AUSEINANDERSETZUNG
- Die Ergebnisse der Vorwahlen von 7. Juni -

WASHINGTON - (AD) - Michael Dukakis, Gouverneur von Massachusetts, gewann
am 7. Juni mit überwältigendem Ergebnis die Vorwahlen in vier Bundesstaaten
und sicherte sich damit die Nominierung zum Präsidentschaftskandidaten der Demokraten und das Recht, Vizepräsident George Bush bei den Präsidentschaftswahlen am 8. November herauszufordern.
In getrennten Interwies versprachen beide Kandidaten eine harte, aber faire Auseinandersetzung, die den Wählern bei den einzelnen Problembereichen echte Alternativen bietet.
Nahezu vollständige Wahlergebnisse aus Kalifornien, New Jersey,
Montana und New Mexiko wiesen für
Dukakis einen Vorsprung im Verhältnis
von etwa zwei zu eins vor seinem Rivalen,
dem
Bürgerrechtler
Jesse
Jackson, auf. Erwartungsgemäß gewann
Bush ohne einen Gegenkandidaten die
Nominierung der Republikaner in allen
vier Staaten.
In der vergangenen Woche errang
Dukakis die Unterstützung von etwa
250 Delegierten für den Parteikonvent
der Demokraten in Atlanta, die sich
entweder noch nicht festgelegt oder
sich an frühere Kandidaten gebunden
hatten, und bei den Wahlen am 7. Juni
fehlten ihm zu der für die Nominierung benötigten Zahl von 2 081 Delegierten noch weniger als 200 Stimmen.

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Er gewann etwa 300 der 466 Delegierten aus den vier Staaten, die als
letzte ihre Auswahl trafen, für sich.
In den letzten zehn Wochen der
Nominierungskampagne
beeindruckte
Dukakis als Gewinner von 14 aufeinanderfolgenden Vorwahlen in den Bundesstaaten. Am 6. Juni, dem letzten Tag
seiner Kampagne in Kalifornien, verbreitete er Optimismus und versicherte, die Demokratische Partei sei in
stärkerem Maße geeint als er in seinem ganzen Leben erlebt hätte. Als
Grund dafür bezeichnete er eine "in
der Luft liegende Siegesgewißheit"
für die Präsidentschaftswahl.
Nach den Ergebnissen vom 7. Juni
erklärte Dukakis, keine großen Unstimmigkeiten innerhalb der Demokra-

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�tischen Partei zu erkennen. Auf dem
Parteikonvent in Atlanta, "könnte es
einen oder zwei harte Kämpfe geben,
und... einige Problembereiche könnten
zur Sprache kommen".
Jackson, mit dem Dukakis am Vorabend der Vorwahlen privat zusammengetroffen war, versprach, das Thema
Apartheid aufzuwerfen, wenn die von
den Demokraten beim Konvent verabschiedete Erklärung über ihre Ziele
die Regierung Südafrikas nicht als
terroristisches Regime verurteile eine Forderung, die Dukakis als "bedeutungslos" bezeichnete.
Jackson beglückwünschte und lobte
seinen ehemaligen Rivalen und erklärte, Dukakis "bringt Integrität und
Intelligenz
in
den
Öffentlichen
Dienst ein... und dies zeichnet eine
Führungspersönlichkeit aus".
Bei einer Pressekonferenz in Los
Angeles erklärte Dukakis, er werde
bei seiner Suche nach einen geeigneten Vizepräsidenten "seine Netze weit
auswerfen".
Der frühere Präsidentschaftskandidat Senator Paul Simon verwies in
Washington darauf, daß er Dukakis unterstützen werde und drängte seine
etwa 150 Delegierten, das gleiche zu
tun. Aber er erklärte auch, Jackson
verdiene als Zweiter bei der Abstimmung der Delegierten, für die Nominierung zum Vizepräsidenten berücksichtigt zu werden. Gleichzeitig erklärte Simon aber, die Nominierung
sei kein "Freibrief", und fiele dem
Kandidaten
auf
dem
zweiten
Platz
nicht automatisch zu.
Dukakis erhielt auch die Unterstützung
der ehemaligen Kandidaten
Bruce Babbitt und des Abgeordneten
Richard Gebhardt.
Bei den Vorwahlen, in Kalifornien
erhielt Dukakis aus 97 Prozent der
Wahlkreise 61 Prozent der Stimmen vor
Jackson, dem 35 Prozent zufielen.
Von 99 Prozent der Wahlkreise in New
Jersey führte Dukakis mit 63 Prozent

der Stimmen vor Jackson mit 33 Prozent. In Mew Mexico und Montana erzielte er sogar noch bessere Ergebnisse.
Bei den Vorwahlen am 7. Juni wurde Widerstand gegen Bush allein durch
Stimmen für die Kandidaten laut, die
bei der Nominierung zum Präsidentschaftskandidaten bereis aus dem Rennen sind.
Für den Konvent seiner
Partei im August in New Orleans gewann er die Delegierten aller Staaten.
Der Vizepräsident hat eine e'rste
"Wandlung" vollzogen, mit der er aus
dem Schatten Präsident Reagans heraustritt, dem er siebeneinhalb Jahre
gedient hat. Er erklärte, er hoffe,
das tun zu können, ohne "diesen Präsidenten schlecht zu machen".
In Kalifornien wurde Bush zum
Beispiel von ABC News über Reagans
Kommentar
bei
der
abschließenden
Pressenkonferenz in Moskau befragt,
daß grundlegende Meinungsverscheidenheiten
zwischen
den
Supermächten
"weiterhin in den Hintergrund treten"
und daß sowjetische Sprecher einen
"grundlegenden Wandel in der Politik... und in ihrer Regierung" verzeichnet haben.
Berichten zufolge
antwortete Bush, seiner Ansicht nach
hätten die Sowjets ihre Politik nicht
grundlegend geändert und fügte hinzu,
"meiner Meinung nach ist es noch zu
früh, um ein Urteil zu fällen" was
die Absichten des sowjetischen Generalsekretärs Gorbatschow angeht.
Um beim Parteikonvent der Republikaner den Grundstein der Einheit
zu legen, wird Bush am 10. Juni mit
vier seiner ehemaligen Rivalen in
Denver
zusammentreffen.
Auch Bush
wird
seinen Vizepräsidenten wählen
müssen, aber er wird mit der Verkündung seiner Entscheidung wahrscheinlich bis nach dem Treffen der Demokraten warten.

* * * * *

�AMERIKA DIENST
'A

"V

Wirtschaft

6

15. Juni 1983

23

NEUES SYSTEM ZUR BILANZIERUNG DER HANDELSZAHLEN

WASHINGTON - (AD) - Einem am 9. Juni 1988 vom amerikanischen Wirtschaftsministeriun eingeführten neuen System zur Bilanzierung der Handels^ahlen zufolge würde sich das im vergangenen Monat für März 1988 errechnete Handelsdefizit von 9,746 Milliarden Dollar nunmehr auf 11,946 Milliarden belaufen. Den
ersten Eindruck zum Trotz bedeutet dies jedoch nicht, daß das Handelsdefizit
höher liegt als zuvor berechnet.
Dem neuen System zufolge werden
die Zahlen für den monatlichen Import
und Export von Waren saisonbereinigt,
um die starken monatlichen Schwankungen teilweise auszugleichen.
Addiert man jeweils die nichtbereinigten und die saisonbereinigten
Zahlen am Ende eines Jahres, so werden sich die gleichen Gesamtsummen
ergeben. Nur die Verteilung über die
einzelnen .Monate wird sich unterscheiden.
Durch die saisonbereinigte Bilanzierung wird sich Vertretern des
Wirtschaftsrainisteriums zufolge ein
besseres Bild von den Tendenzen in
der Handelsbilanz gewinnen lassen.
Beispielsweise

fiel das nichtbe-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

reinigte
Handelsbilanzdefizit
von
13,828 Milliarden Dollar im Februar
auf 9,746 Milliarden Dollar im März.
Oberflächlich
betrachtet
erschein),
dies als eine bedeutende Wende in der
Handelsbilanz. Da die Exporte jedoch
traditionell im Monat März sehr hoch
sind, ist die rückläufige Tendenz
nicht so bedeutend, wie man den Zahlen nach vermuten könnte.
In einem Informationsgespräch mit
Journalisten
erklärte der Staatssekretär
im
Wirtschaftsministeriun
Robert Ortner, auch saisonbereinigt,
sei das durchschnittliche monatliche
Handelsdefizit von 14,3 Milliarden
Dollar in den letzten sechs Monaten
des Jahres 1979 auf 12,5 Milliarden
Dollar in den ersten drei Monaten des
Jahres 1988 zurückgegangen.

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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Eine saisonbereinigte Bilanzierung der Handelszahlen ist nicht neu;
sie wurde bis 1985 angewendet und
dann aufgrund von Problemen mit der
Datenqualität
eingestellt.
Damals
wurde
vom
Wirtschaftsministerium
festgestellt, daß bis zu 55 Prozent
der verzeichneten Importe tatsächlich
während der voraufgegangenen Monate
eingeführt worden waren. Diese Bilanzierung früherer Handelsdaten in
den Zahlen des letzten Monats wird
als "Übertrag" bezeichnet.
Das Ministerium hat dieses Problem so korrigiert, daß der Übertrag
heute auf etwa drei Prozent zurückgegangen ist. Zusätzlich zur Saisonbereinigung wird das Ministerium die
Handelsdaten des letzten Monats dergestalt überarbeiten, daß auch der
Übertrag berücksichtigt wird, obwohl
diese Berichtigung im Vergleich zur
Saisonbereinigung recht gering ausfallen wird.
Vertretern
des
Wirtschaftsministeriums zufolge erwiesen sich Januar und Februar dieses Jahres aufgrund von Problemen mit den kanadischen Zahlen als Ausnahmen von der
normalerweise geringen Berichtigung
beim Übertrag.
Das Problem ergebe
sich aus der Tatsache, daß Kanada ein
neues System der Zollklassifizierung
einführte.
Das Gesamthandelsdefizit der Vereinigten Staaten im Jahr 1987 wurde
nach Berichtigung der Ubertragszahlen
von 171,217 Milliarden Dollar auf
170,320 und- für 1986 von 156,156 auf
155,137 Milliarden Dollar nach unten
korrigiert.
Schließlich erklärten Vertreter
des
Wirtschaftsministeriums,
daß
trotz der Berichtigung von saisonalen
und Ubertragsfaktoren weiterhin mit
starken monatlichen Schwankungen der
Handelszahlen zu rechnen sei. Zur
Bewertung der zugrundeliegenden Tendenzen bei den Handelszahlen werde
die Berücksichtigung der Daten des
letzten Dreiraonatszeitraums empfohlen.

Die am 9. Juni veröffentlichten
Erklärung des Ministeriums beinhaltet
einen solchen Überblick mit einer Tabelle, die den gleitenden Durchschnitt der saisonbereinigten Daten
innerhalb eines Dreimonatszeitraums
angibt.
Ein gleitender DreimonatsDurchschnitt von" 12,544 Milliarden
Dollar für das Handelsdefizit des Monats März wird auf der Grundlage der
monatlichen Defizite von Januar bis
März berechnet. Der gleitende Durchschnitt für Februar würde sich demzufolge auf den Durchschnitt der Monatsdefizite von Dezember 1987 bis
Februar 1988 stützen.
Diese
gleitenden
DreimonatsDurchschnitte sind in vier der vergangenen fünf Monate gesunken, was
darauf hindeutet, daß die Tendenz des
Handelsdefizits in diesem Zeitraum
rückläufig war.

�Nachfolgend einige besonders wichtige Zahlen:
US-Handelsbilanz
Milliarden Dollar, saisonbereinigt und nichtbereinigt

Saisonbereinigt

Nichtbereinigt

1987
Januar-Dezember

-170,3202

-170,3202

Januar

-14,7330

-14,8211

Februar

-13,5265

-12,2703

März

-13,8243

-12,0913

April

-13,2368

-13,1002

Mai

-14,0744

-13,9128

Juni

-15,0581

-15,2908

Juli

-13,8782

-16,0761

August

-15,0781

-15,3098

September

-13,9350

-13,9754

Oktober

-15,5561

-16,9867

November

-13,6224

-13,4600

Dezember

-13,7972

-13,0259

Januar-März

-37,6317

-34,2731

Januar

-11,2712

-11,5326

Februar

-14,4146

-12,9943

März

-11,9458

-9,7462

1988

* * * * *

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Offenheit Schlüssel zu echter Sicherheit&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede des Stellvertretenden US-Außenministers Whitehead in Potsdam&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Fähiger Stratege zum neuen Stabschef des Weißen Hauses ernannt&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Kurzporträt von Kenneth Duberstein&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Wahlen in Amerika 1988&lt;br /&gt;Bush und Dukakis versprechen faire Auseinandersetzung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Die Ergebnisse der Vorwahlen vom 7. Juni&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST
'^7

"""

Wirtschaft

Ä&lt;

14. J u n i 1988

INHALT

Reagan stellt Themen des Wirtschaftsgipfels In Toronto vor
- Rede des Präsidenten vor dem Atlantikrat -

Baker;

Koordinierung Hauptthema des Weltwirtschaftsgipfels

- Rede vor der International Monetary Conference •

Baker schlägt neue Schuldeninitiative vor
- Rede vor der Afrikanischen Entwicklungsbank -

Schuldentilgung der Entwicklungsländer und Landwirtschaft Themen beim
Gipfel
- Informationsgespräch im Foreign Press Center -

* * * * * *

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United States Information Service
Embassy of the United States of America

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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�^°s?&lt;

AMERIKA DIENST
Wirtschaft

14. Juni 1988

REAGAN STELLT THEMEN DES WIRTSCHAFTSGIPFELS IN TORONTO VOR
- Rede des Präsidenten vor dem Atlantikrat WASHINGTON - (AD) - Am 13. Juni 1988 erklärte Präsident Reagan bei einem
Treffen des Atlantikrates in Washington, die Beschleunigung multilateraler
Handelsgespräche und die verbesserte Koordinierung der Wirtschaftspolitik
zählten zu den wichtigsten Programmpunkten der Staats- und Regierungschefs
führender westlicher Industrienationen bei ihrem Gipfeltreffen in Toronto vom
19. bis zum 21. Juni 1988.
Reagan wies ferner darauf hin, daß die Gipfelpartner Hilfe für die Philippinen und Afghanistan, eine Zusammenarbeit zur Abschaffung des internationalen
Rauschgifthandels und Konzepte zur Erleichterung der Schuldenprobleme ärmerer
afrikanischer Länder in Erwägung ziehen.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede im Wortlaut:
Vor eineinhalb Wochen hatte ich
die Ehre, von dem alten und geschichtsträchtigen Podium der Guildhall in London zum britischen Volk,
der atlantischen Gemeinschaft und der
übrigen Welt zu sprechen. Nach meinem Vortrag zum Moskauer Gipfel verlieh Frau Thatcher ihrer Überzeugung
Ausdruck, daß "jetzt mehr Hoffnung
zwischen Ost und West besteht als die
meisten von uns in ihrem Leben jemals
erlebt haben". Sie sprach von neuem
Vertrauen und Optimismus im Westen
und erinnerte an die Worte Sir
Winston Churchills: "Wo immer wir in
der Lage sind, zusammenzustehen und
uns gemeinsam für eine gerechte Sache
einzusetzen, solltea wir heilfroh
sein; solange wird die Welt frei
sein".

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Diese von Einigkeit, Optimismus,
Hoffnung und Stärke gekennzeichnete
Botschaft überbringe ich Ihnen heute.
Sie haben heute hier über "die Neuschaffung des Konsens in den OstWest-Beziehungen" gesprochen.
Aber unser Konsens besteht nicht
nur darüber, was wir ablehnen, sondern auch bei dem, was wir befürworten. Wir sind gegen Totalitarismus.
Wir befürworten Freiheit und Demokratie - ohne Verzug oder Entschuldigungen - und ich wage zu sagen, auch ohne Teilung.
Diese Wahrheit müssen
wir uns zunächst einmal vergegenwärtigen. Unter unseren Ländern mag es
geteilte Meinungen über Methoden geben, nicht jedoch im Hinblick auf die
grundlegenden Ziele.

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�In den letzten fünfzehn Jahren
haben wir in den Demokratien in wahrhaft demokratischer Art und Weise unterschiedliche Ansätze für die beste
Behandlung der Ost-West-Beziehungen
probiert. Angesichts des nunmehr abgechlossenen INF-Vertrages - dem ersten Abkommen, mit dem eine gesamte
Kategorie amerikanischer und sowjetischer
Nuklearraketen
abgeschafft
wird und das die umfassendsten Verifizierungsbestimmungen
in der Geschichte der Rüstungskontrolle enthält, angesichts des sowjetischen Abzugs aus Afghanistan und angesichts
dessen, daß wir jetzt Veränderungen
im Innern der Sowjetunion wahrnehmen
- kann noch ein Zweifel darüber bestehen, daß wir Recht hatten im Hinblick auf unsere zukunftsweisende
Strategie für die Freiheit, auf die
Bedeutung von Freimütigkeit bei den
Unterschieden in unseren Systemen und
daß wir Recht hatten mit unserer Meinung, daß der Weg zum Frieden nicht
über Schwäche, Teilung oder leere Zugeständnisse führt, sondern über Einigkeit, Vertrauen und Stärke?

Lebensfähigkeit
probt.

der

Wirtschaft

er-

überall in der demokratischen
Welt streben wir nach der Hervorbringung eines neuen Konsens darüber, daß
Wachstum und Möglichkeiten Hand in
Hand gehen müssen. Nehmen Sie nur
die Steuern. In den vergangenen drei
Jahren haben unter anderem Großbritannien, Kanada, Japan und Frankreich ihre Spitzensteuersätze gesenkt. Warum? Vor nicht allzu langer Zeit hat der britische Finanzminister Nigel Lawson dazu erklärt:
"Der Grund für die weltweite Tendenz
zu
niedrigeren
Spitzensteuersätzen
liegt auf der Hand. überhöhte Einkommensteuersätze zerstören den Unternehmergeist, ermutigen Steuerumgehung und treiben Talente an gastfreundlichere Ufer in Übersee. (...)
Damit werden mit der Zeit keine zusätzlichen, sondern vielmehr geringere Einnahmen erzielt." Und er fügte
hinzu: "Im Gegensatz dazu kann ein
Abbau der Spitzensätze bei der Einkommensteuer langfristig zu höheren,
nicht niedrigeren Einnahmen der öffentlichen Hand führen."

In wenigen Tagen werde ich an
einem anderen Gipfel teilnehmen - dem
Wirtschaftsgipfel in Toronto.
Dies
hier ist ein ausgezeichntes Forum, um
über unsere Hoffnungen für diesen
Gipfel zu sprechen. Ich weiß, daß
der Atlantikrat Untersuchungen darüber anstellt, wie Wirtschaft und Sicherheit sich am besten integrieren
lassen. Das International Management
and Development Institute kommt zusammen, um Gespräche zu den vor uns
liegenden wirtschaftlichen Herausforderungen zu führen.

Aber der neue Konsens macht nicht
bei den Steuern halt. Ein Land nach
dem anderen hat mit der Privatisierung staatseigener Betriebe begonnen.
Restriktive Vorschriften sind zunehmend abgebaut worden. Die hohe Inflation, mit der exzessive Regierungsausgaben
einstmals
finanziert
wurden, gibt es nicht mehr. Und zumindest in den Vereinigten Staaten
geht das vom Staat verursachte Defizit zurück.

über die Jahre hinweg sind die
Wirtschaftsgipfel zu einem Fundament
der Zusammenarbeit unter den wichtigsten demokratischen Volkswirtschaften
geworden. Sie. bilden einen Teil des
Gerüstes der westlichen Stärke und
der Ost-West-Beziehungen.
Und hier
haben unsere Demokratien wiederum wie Demokratien dies tun - selbst
seit dem ersten Gipfeltreffen, an dem
ich im Jahr 1981 teilnahm, verschiedene Vorschläge für Wachstum und zur

Das alle verbindende Konzept ist
der Markt. Die Industrienationen die ganze Welt - wendet sich von
staatlicher Kontrolle der Wirtschaft
ab und kehrt zur freien Marktwirtschaft zurück. Von Indien nach Argentinien, von Afrika nach China und
sogar in der Sowjetunion beginnen
sich die Fesseln staatlicher Kontrolle der Wirtschaft zu lösen. Und Sie
wissen, daß etwas im Gange ist, wenn
Gerüchte über niedrigere Steuern in

�der Sowjetunion laut werden.
Ich brauche Ihnen nun nicht zu
erklären, daß die Vereinigten Staaten
stets eine Führungsrolle übernommen
haben oder daß die bemerkenswerten
Leistungen unserer Wirtschaft seit
dem Beginn unserer Expansion die
treibende Kraft hinter jenem neuen
Konsens war. Ich muß nicht auf all
unsere Leistungen erneut verweisen:
die längste Expansion in Friedenszeiten; die Schaffung von über doppelt
so vielen neuen Stellen als alle anderen sechs Gipfelländer zusammengenommen; der starke Anstieg des Familieneinkommens seit seinem Sturz im
vergangenen Jahrzehnt; die Beschäftigung eines größeren Teil des Arbeitskräftepotentials als jemals in
unserer Geschichte;
die Erzielung
eines neuen Höchststandes bei den Exporten.
Aber dieser neue Konsens hat
nicht nur den Volkswirtschaften der
Vereinigten Staaten, Großbritanniens,
Kanadas und so vieler anderer Länder
erneut zu einer gesunden Verfassung
verholfen. Es hat auch den Weg zur
Koordinierung
wirtschaftspolitischer
Maßnahmen unter den Gipfelländern geebnet, der vor einigen Jahren undenkbar gewesen wäre. Ob in der sogannten G-7, in der Handhabung der Schuldenkrise in so zahlreichen Ländern
der Dritten Welt, oder ob in Reaktion
auf die Unruhe an den Finanzmärkten
der Welt im vergangenen Jahr - wir
arbeiten zusammen.
Heute sprechen wir eine gemeinsame Sprache, um uns über die Entwicklung unserer Maßnahmen zu unterrichten, und wir arbeiten gemeinsam am
Ausgleich des Handels, der Finanzströme, des Haushalts und für die Sicherheit der Finanzmärkte der Welt.
Angefangen mit den Vereinigten Staaten, haben die Gipfelländer annähernd
sechs Jahre ununterbrochenen Wachstums erlebt. Ich würde daraus gerne
60 oder mehr machen.
Aber dazu wird es nicht kommen,
wenn wir versuchen so zu leben als

- 3

seien wir die einzige Wirtschaft auf
Erden. Die Gipfelländer arbeiten zusammen wie niemals zuvor, weil unsere
Volkswirtschaften
miteinander
verknüpft sind wie niemals zuvor. Hierfür möchte ich ein Beispiel anführen.
Neulich hat mir jemand erklärt, daf&gt;
an der New Yorker Börse zwar an einem
guten Tag acht Milliarden Dollar umgesetzt werden, die ausländischen
Börsen jedoch bis zu 25 Mal so viele
Geschäfte täglich abwickeln.
Die Industrien der Welt wachsen
oder fallen gemeinsam auf diesem
Weltmarkt. Der Rückgang der weltweiten Nachfrage nach Stahlerzeugnissen
wurde im Rheinland Europa» genauso
spürbar wie in unserem Le.iigh Tal.
Tausende von Stellen verschwanden in
beiden Gebieten, und zwar nicht nur
wegen des Wettbewerbs mit dem Ausland.
Hier in Amerika schmolzer.
durch hochentwickelte Kleinst-Stahlwerke die Geschäfte zahlreicher eingesessener Produzenten dahin.
Aber da gibt es einen Unterschied
in der Art, wie wir in Amerika mit
dem Niedergang umgingen. Wir verloren die gleiche Art von Stellen wie
in anderen Ländern, aber wir schufen
- im Gegensatz zu europäischen Ländern, die im Hinblick auf Steuersenkungen, Vorschriften und Regierungseigentum zurückliegen - neue Stellen
anstatt der alten.
Allentown im
Lehigh-Tal
beherbergte
einst
die
Schwerindustrie. Dann schlössen das
Stahlwerk und die Lastwagenfabrik ihre Tore.
Viele Menschen schrieben
Allentown schon ab - zu schnell. Anstelle einiger alter Großunternehmen
nahmen Dutzende neuer Firmen ihre Geschäfte auf. Kleine bereits eröffnete Betriebe wuchsen weiter. Unternehmer schufen, was jene Kapazität
zur
Schaffung
von
Stellen
vom
Massachusetts
Institute
of
Technology, David Birch, eine "versteckte
Wirtschaft" nannte. Er fügt hinzu,
daß in ganz Amerika "nicht den grossen, sondern den kleinen Firmen so
viel Aufmerksamkeit zuteil wird und
diese eine neue Wirtschaft aufbauen,
die für die Schaffung von Stellen

�I

sorgt und das Land wieder wettbewerbsfähig macht."
Dies ist genau
der Grund, warum Allentown eine Arbeitslosenquote
von
lediglich
5,4
Prozent hat.
Im gesamten sogenannten "Rostgürtel" ist die Geschichte die gleiche.
Ein Einwohner des Mittleren Westens
berichtete kürzlich der New York
Times: "Ich schaue mir die Zeitungen
in Städten mit ländlichem Charakter
an und sehe Dutzende von Ankündigungen neuer Fabriken und Pläne für neue
Fabriken und Erweiterungsprojekte."
Und neue und aufstrebende Firmen
oder größere, ältere aber nun rationalisierte Hersteller führen einen
Exportboom an, von dem einige sagen,
er hätte schon zu einer fast vollständigen Auslastung unserer Produktionskapazitäten geführt. Vor nicht
allzu
langer
Zeit berichtet die
"Business Week" beispielsweise, daß
Amerikas Stahlkocher zu den produktivsten der Welt geworden sind und
veröffentlichte
die
Schlagzeile:
"Sagt die Beerdigung ab - Stahl ist
auf dem Weg der Besserung."
Ja, Amerika führt die Welt - sowohl als Konsument wie als Hersteller
- in den Weltmarkt des kommenden
Jahrhunderts. Für uns alle haben Ereignisse in Japan oder der Bundesrepublik, in Großbritannien, Frankreich, Italien oder Kanada die gleiche Tragweite wie die Geschehnisse in
Kalifornien, Florida, New York oder
Illinois.
Aus alldem kann man eine Lehre
ziehen, aus der Geschichte Allentowns
und des sogenannten "Rostgürtels", so
wie auch aus der Globalisierung des
Handels und der Finanzen.
Und da
gibt es die Lektion, daß die Zukunft
dem Flexiblen gehört.
Sie gehörte
denjenigen, die sich ein Problem anschauen und darin eine Gelegenheit
erblicken; denen, die auf das Unbekannte schauen und ein Abenteuer sehen; denen, die auf das Unversuchte
blicken
und
eine
Herausforderung
wahrnehmen;
denen, die die Last

struktureller
Verkrustungen
und
schützender Subventionierungen abgelegt haben und der Zukunft mit Energie und Zuversicht entgegensehen.
In keinem anderen Bereich gilt
es, soviel Spreu vom Weizen zu trennen wie In der Landwirtschaft, deren
Subventionierung
Konsumenten
und
Steuerzahler
Europas,
Nordamerikas
und Japans jährlich mit über 200 Milliarden Dollar belastet. Die Landwirtschaft ist fester Bestandteil der
Tagesordnung in der Uruguay-Runde von
Handelsgesprächen - ebenso wie das
Problem der Festlegung von Regeln für
den Handel mit geistigem Eigentum,
Investitionen
und
Dienstleistungen
sowie die Senkung der tarifären und
nichttarifären Handelshemmnisse. Die
Dauer dieser Gespräche wurde mit vier
Jahren angesetzt. Gegenwärtig nähern
sie sich der Halbzeit. Es ist nun an
der Zeit, bestimmte Ziele einzugrenzen und auszuarbeiten - eine Art Wegweiser und einen Fahrplan bis zur
Ziellinie. In Toronto können wir die Staats- und Regierungschefs der
führenden Industriestaaten - unsere
Minister drängen, diesen Auftrag bis
Ende des Jahres auszuführen. Da gelten keine Entschuldigungen.
Es ist an der Zeit, daß wir in
den Staaten der Gipfelteilnehmer keine Zeit mehr verschwenden und uns zu
einem
großen
"Unternehmen
Fortschritt" zusammenschließen - einem
gemeinsamen
Unternehmen,
das
den
Weltmarkt öffnet und außerdem die
schwachen Glieder in der Weltwirtschaft stärkt.
Laßt uns bei der Wiederherstellung der Volkswirtschaften
zweier
Länder zusammenstehen:
das eine die Philippinen - eine von einem kommunistisch geführten Aufstand verwüstete heldenhafte Demokratie; das
andere - Afghanistan - ein Opfer brutaler Aggression.
Laßt uns zusammenarbeiten, um die
Schwellenländer zu vollständigen und
reifen Mitgliedern des Welthandelssystems zu machen, was sie sich ehrlich

- 4 -

�verdient haben.
Laßt uns zusammenarbeiten, um den
Völkern Afrikas südlich der Sahara
bei der Bewältigung ihrer Schuldenprobleme beizustehen. Wir werden ihre Probleme aufgreifen, wie wir dies
auch bei anderen Schuldnerstaaten getan haben, auf einzelfallbezogener
Grundlage, und wir werden dabei das
Ziel verfolgen, bei der Entwicklung
Wachstums- und
chancenfördernder
wirtschaftspolitischer Maßnahmen Hilfe zu leisten. Die Vereinigten Staaten haben schon ihre Bereitschaft erklärt, über neue Wege der Umschuldung
für die ärmsten Länder nachzudenken,
die zu erheblichen neuen Erleichterungen führen können.
Und laßt uns zusammenstehen beim
Angriff auf die Lebenslinien eines
Handels, der niemals Teil des Welthandels hätte werden dürfen - der internationale Rauschgifthandel.
Auf
diesem Gipfel sollten wir uns in einer gemeinsamen Offensive gegen das
Waschen von Geld und die Schleusung
von Profiten aus dem Drogenhandel
durch die Finanzinstitutionen der
Welt zusammenschließen.
Das Vorantreiben der Handelsgespräche, ein gemeinsames Unternehmen
Fortschritt, die Stärkung des Systems
der Koordinierung - dies ist die Tagesordnung für den Gipfel von Toronto. Wir werden auf einem Jahrzehnt
des Fortschritts aufbauen, auf dem
neuen wirtschaftlichen Konsens in unseren Ländern. Wir werden weiter am
Aufbau des Weltmarkts arbeiten.
Ich weiß, daß.manch einer Schritte zurück, eher zu den insularen oder
isolationistischen Tagen der Vergangenheit machen möchte. Ich habe vergangene Woche mein Veto gegen das
Handelsgesetz eingelegt, weil ich
nicht der Auffassung bin, daß wir
Rückschritte machen können oder sollten.
Die Kritiker unserer Politik beklagen sich, daß die Vereinigten
Staaten einerseits, wie sie behaup-

ten, "Arbeitsplätze exportieren", also, daß unsere Unternehmen in Übersee
investieren.
Andererseits behaupten
sie, die Vereinigten Staaten verkauften sich an Ausländer, d. h., ausländische
Unternmehmen
investieren
hier. Nimmt man alles zusammen, dann
lautet
ihre
Aussage
eigentlich:
"Wenden wir uns zurück." Der Isolationismus ihrer Außenpolitik geht
Hand in Hand mit dem Isolationismus
ihrer Wirtschaftspolitik, und beide
werden uns ins Verderben führen.
Wir befinden uns in einem neuen
Zeitalter der Erfindungen und der Erforschung, einer Zeit, in der das
riesige Potential der menschlichen
Vorstellungskraft uns neue Welten zur
Erforschung erschließt. "Das Universum in einem Staubkorn sehen" ist
nicht länger eine poetische Metapher,
sondern die tägliche Realität des Silikon-Chips.
F. Scott Fitzgerald
schrieb, daß die frühen Entdecker,
als sie dieses Land betrachteten,
wahrscheinlich den Atem anhalten mußten. Sie hatten zum letzten Mal in
der Geschichte etwas mit eigenen Augen gesehen, das der unbegrenzten Fähigkeit des Menschen zum Staunen angemessen war.
Und doch war dies
nicht das letzte Mal. Auch wir stehen an der Schwelle zu etwas Unermeßlichem - zu einer wirtschaftlichen
und technologischen Zukunft mit immensen Aussichten.
Wenn wir uns der Zukunft stellen,
wenn wir uns nicht mehr von Ihr abwenden, dann wird diese Zukunft die
demokratische Welt umgestalten, und davon bin ich nach meinem Besuch in
Moskau überzeugt - auch die Länder
des Ostblocks. Ich glaube, daß der
gegenwärtig im Demokratischen Haus
herrschende Konsens für Stärke und
Wachstum ein neues Zeitalter einleiten wird, von dem wir heute nur träumen können. Wenn wir aber den Mut
und die Entschlossenheit besitzen,
dann wird uns dieses Zeitalter meiner
festen Überzeugung nach eine Welt des
Friedens und der Freiheit, der Chancen und der Hoffnung für viele Generationen geben.

- 5 -

* * * * *

�AMERIKA DIENST
%

^

Wirtschaft

et

14. Juni L988

BAKER:

KOORDINIERUNG HAUPTTHEMA DES WELTWIRTSCHAFTSGIPFELS

- Rede vor der International Monetary Conferem e -

CH..CAG0 - (A.D) - Den amerikanischen Firanzminister James Bakei zufalge
wird sich der vom 19. bis 21. Juni 1988 in Toronto stattfindende &lt;Jeltwlrtschaft;;gipfel hauptsächlich • mit der Stärkung des gegenwärtig Btattfindenden
weltweiten Koordinierungsprozesses beschäftigen.
Im Rahmen der International Monetary Conferenc?. in Chicago erklärte Biker
am 6. Juni 1988, seiner Meinung nach stelle der Koordinierungsprozeß - "und
keine tiefgreifenderen Veränderungen" - den besten Weg zur Eeform des internationalen Währungssys ;ems dar. Die Koordinierung wirt.schaf tspolitisc her -laßnahmen zwischen den führenden Industriestaaten sei "ein praktischer \omprimiß
zwischen den NachteiLen flexibler Wechselkurse und der Unbeweglichke t fester
Kurse".
Die Rede des Finanzministers hat folgenden Wortlaut:

Ich freue mich über diese Gelegenheit, erneut vor diesem erlesenen
Kreis von Spitzenvertretern der Finanzwe]t sprechen zu können.
Insbesondere begrüße ich die Möglichkeit,
mich am Vorabend des Wirtschaftsgipfels von Taronto über Ihre Vorstellungen informieren zu können.

ferenzzimmern stattfinden, in rianen
sich die Staats- und Regierangschefs
und ihre Jinanzminister treifen werden. Ein anderer Gipfel mag sich auf
den Eildschirmen der Fernseh Zuschauer
abspielen, auf: denen Repo -ter und
Kommeitato :en Spekulationen über all
die möglichen Konflikte zwischen den
HauptbeteiLigten anstellen werden.

Die Entwicklung der wirtschaftspolitischen Koordinierung

Ich kann Ihnen nicht scgen, was
Sie von diesem
zweiten, hypethetisehen Gipfel zu erwarten heben.
Ich kann Ihnen jedoch einige Einblicke in das geben, was Sie vom eigentlichen
Gipfeltreffen
erwerten
können.

Der diesjährige Weltwirtschaftsgipfel wird in weniger als zwei Wochen beginnen. Wie Ihnen sicherlich
bekannt ist, werden eigentlich zwei
Wirtschaftsgipfel
stattfinden,
und
beide zur gLeichen Zeit.
Der erste Gipfel wird in den Kon-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Ein Großteil dieses Treffens wird
sich mit dem wirtschaftspolititchen
Koordinierungsprozet befasser, der im

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Jahr 1985 eingeleitet wurde, um unserem internationalen Wirtschaftssystem
zu mehr Zielstrebigkeit und Disziplin
zu verhelfen.
Im Jahr 1986 habe ich anläßlich
dieser Konferenz, die damals in
Boston stattfand, kurz das Thema der
Koordinierung angesprochen.
Damals
war der Koordionierungsprozeß noch
relativ jung. In den seither vergangenen zwei Jahren haben wir einige
Erfahrung mit diesem Prozeß gewonnen.
Ich möchte Ihnen vortragen, was in
den vergangenen Jahren seit Beginn
des Prozesses geschehen ist, kurz dazu Stellung nehmen, wie der Prozeß
fortschreitet und Ihnen erklären, warum meiner Meinung nach der Koordinierungsprozeß - und keine tiefgreifenderen Veränderungen - den besten
Weg darstellt, um die Reform des internationalen Währungssystems herbeizuführen.
Seit das in den vierziger Jahren
entwickelte Währungssystem der Nachkriegszeit die ersten Sprünge bekam,
haben intensive Bemühungen zur Schaffung einer neuen Weltwährungsordnung
stattgefunden.
Diese Anstrengungen
ließen mit der Einführung flexibler
Wechselkurse zeitweise nach. Da jedoch die Schwächen des Systems flexibler Wechselkurse die Zunahme grosser, nicht aufrechtzuerhaltender Ungleichgewichte
begünstigten,
ergab
sich erneut ein wachsendes Interesse
an einer Reform des internationalen
Währungssystems.
Unsere Antwort auf diese Entwicklung bestand in der Stärkung der internationalen
wi.rt schaftspolitischen
Koordinierung zwischen den Industriestaaten. Die Notwendigkeit zur Koordinierung ergab sich aus zwei wichtigen Überlegungen.
Erstens sind die
Volkswirtschaften von heute weit enger miteinander verflochten als noch
vor einem Jahrzehnt, woraus sich ein
stärkeres Bedürfnis zur Koordinierung
binnenwirtschaftlicher Maßnahmen ergibt.
Zweitens: Obwohl das System
der flexiblen Wechselkurse eindeutig
mehr Disziplin und Struktur erforder-

te, war das System der festen Wechselkurse sicherlich zu starr, um den
in der Weltwirtschaft stattfindenden
Veränderungen gerecht zu werden. Die
Koordinierung
stellte einen praktischen Kompromiß zwischen den Nachteilen flexibler Wechselkurse und der
Unbeweglichkeit fester Kurse dar.

Die Schaffung des Prozesses
Die Plaza-Vereinbarung von 1985
war der erste bedeutende Schritt dieser Koordinierungsbemühungen.
Dazu
gehörte eine Übereinkunft der G-5
über die Richtung, die bei nationalen
wirtschaftspolitischen Maßnahmen und
bei den Wechselkursen eingeschlagen
werden sollte, um Wachstum und außenwirtschaftliche Anpassung zu fördern.
Noch grundlegender ist die Tatsache,
daß diese Übereinkunft eine neuartige
Verpflichtung
der führenden Industriestaaten zu intensiverer Zusammenarbeit mit dem Ziel darstellte,
weltweiten wirtschaftlichen Wohlstand
zu erlangen und dadurch jedes Lani in
die Lage v.u versetzen, seine eigenen
binnenwirt.schaftlichen Ziele besser
zu verwirklichen.
Der Erfolg der Plaza-Vereinbarung
brachte
Schwungkraft
für
weitere
Fortschritte. Beim Gipfel von Tokio
entwickelten wir einen Rahmen für die
multilaterale
Überwachung
unserer
Volkswirtschaften
durch
Anwendung
wirtschaftlicher
Indikatoren.
Der
Direktor des Internationalen Währungsfonds wurde zur Teilnahme an
diesen Treffen eingeladen, wodurch
sichergestellt wurde, daß unsere Perspektive wirklich globalen Charakter
hat. Ferner wurde eine neue Gruppe
gebildet, die G-7, um die politische
Führungsrolle der Staats- und Regierungschefs für die Koordinierungsbemühungen vollständig zum Trager zu
bringen. Dieses Engagement auf höchster politischer Ebene war entscheidend für die bisher erzielten Fortschritte und wird auch von grundlegender Bedeutung für die Aufrecbterhaltung der Schwungkraft im vor uns
liegenden Zeitraum sein.

- 2 -

�Beim Gipfel von Venedig im vergangenen Jahr wurde der Koordinierungsprozeß durch die Verabschiedung
von Absprachen zur
Entwicklung mittelfristiger Ziele und Leistungsindikatoren zur Bewertung von Maßnahmen
und Leistungen weiter gestärkt.
Somit haben die wichtigsten Industriestaaten
nun einen politischen
Mechanismus entwickelt, um ihre Fähigkeit
zur
Koordinierung
wirtschaftspolitischer Maßnahmen zu stärken.
Und obwohl dieser Prozeß noch
in den Kinderschuhen steckt, gibt es
schon viele Beweise dafür, daß er
Früchte trägt. Steuer- wie auch währungspolitische Maßnahmen werden sowohl unter weit- wie auch unter binnenwirtschaftlichen
Gesichtspunkten
entworfen.
Im Ergebnis dessen haben
die Vereinigten Staaten Maßnahmen zur
Senkung des Haushaltsdefizits, Erhöhung der Sparleistung und Verbesserung dor Wettbewerbsfähigkeit getroffen.
Die wichtigsten Überschußländer, Japan und die Bundesrepublik
Deutschland, haben Schritte unternommen, um die Binnennachfrage zu stärken und die Abhängigkeit von exportorientiertem Wachstum zu reduzieren.
Es haben koordinierte Aktionen zu den
Leitzinsen stattgefunden. Die Zusammenarbeit auf den Devisenmärkten wurde aufgrund spezieller Absprachen intensiviert.
Das Ergebnis ist, daß die Weltwirtschaft heute auf einer wesentlich
solideren Grundlage steht. Das Wachstum hält an, ist aber ausgewogener
und unterstützt den Anpassungsprozeß.
Die
Inflationsraten
sind weiterhin
gering, und die außenwirtschaftlichen
Ungleichgewichte
werden
abgebaut.
Die US-Handelszahlen für den Monat
März sind ein Beweis dafür, daß diese
Ungleichgewichte jetzt nominell wie
auch real verringert werden.
Der Koordinierungs,prozeß wurde im
vergangenen Herbst durch den Börsenkrach vom Oktober auf eine ernste
Probe gestellt.
Es wäre jedem von
uns ein leichtes gewesen, sich nach
innen r,u wenden und sich auf kurzfri-

stige Maßnahmen zu konzentrieren, um
die
unmittelbaren
binnenwirtschaftlichen Erfordernisse
zu behandeln.
Stattdessen schloß sich die G-7 noch
enger zusanmen und intensivierte ihre
Anstrengungen zur Erarbeitung einer
kompatiblen und einander verstärkenden Reihe von Maßnahmen, um die gemeinsamen Zielsetzungen zu erreichen.
Diese Bemühungen
(die in vertraulichen Gesprächen zwischen Ministem
und
Notenbankpräsidenten
in
einem
Zeitraum von Wochen durchgeführt wurden) spiegeln sich in der DezemberErklärung der G-7 wider. Damit wurde
auch die ?lexibilität des Koordinierungsproze:3ses
angesichts
einer
schwierigen Lage demonstriert. Seither haben sich die intensivierten zugrundeliegenden politischen Maßnahmen
in einer verbesserten Stabilität der
Devisenmärkte niedergeschlagen.

Engere Koordinierung und
Reformierung des Systems
In dem Maße, wie sich der Prozeß
der Koordinierung zwischen den wichtigsten Industrienationen entwickelt
hat, werden auch weiter Fragen über
die Notwendigkeit einer "grundsätzlichen Reform des Währungusystems"
gestellt.
Das ist nur zu verständlich. Wir haben ganz bestimmt weder
ein
perfektes
Währungssystem
noch
eine umfassende Koordierung unserer
politIschel Maßnahmen. Wir können es
uns nicht leisten, uns auf unseren
Lorbeeren auszuruhen.
Wir brauchen
eine weitere Stärkung und Reform des
Systems.
In welcher Form und in welche
Richtung sollte es sich entwickeln?
Es ist verlockend, durchgreii'ende und
revolutionäre Veränderungen des Systems in Erwägung zu ziehen - insbesondere im Hinblick auf das System
der Wechselkurse. Aber es ist alles
andere als klar, ob solche Veränderungen wünschenswert oder praktikabel
sind.
Man kann zwar eine Reform, die
sich Schritt für Schritt entwickelt,

- 3 -

�nur schwer als solche erkennen. Dennoch bin Ich der Auffassung, daß eine
weitere Stärkung unseres Prozesses
der Koordinierung das beste Mittel
zur Verwirklichung einer weitergehenden Reform des WMhrungssystems ist.
Was sind die Merkmale dieses Ansatzes, Schritt für Schritt oder phasenweise vorzugehen, die ihn zu der
besten verfügbaren Option machen?
- Erstens verbindet es Flexibilität
mit
stärkerem
Engagement
und
größerer
Verpflichtung.
Verschiedene Länder haben sich zu
diesem Prozeß auf höchster politischer Ebene verpflichtet, mittelfristige wirtschaftliche Ziele
neben
Leistungsindikatoren
zur
Bewertung
des Fortschritts in
Richtung auf diese Ziele zu entwickeln.
Dies bedeutet gleichzeitig keinen Verzicht auf Souveränität.
- Zweitens wird dadurch anerkannt,
daß eine Reform des Systems nicht
einfach eine Frage der Wechselkurse oder der Währungsreserven
igt.
Wechselkurse sind sicherlich eine variable Größe von zentraler Bedeutung. Letztlich muß
sich jedoch ein internationales
Währungssystem der Prüfung stellen, ob es zur Unterstützung einer offenen und wachsenden Weltwirtschaft beitragen kann. Hierzu gehören angemessene steuerliche,
währungspolitische
und
strukturelle
Maßnahmen
genauso
wie die Wechselkurse.
Das von
uns entwickelte Indikatorensystem
deckt diese gesamte Bandbreite
politischer Maßnahmen ab.
- Drittens kann das System durch
Verwendung von Indikatoren und
unterschwelligem Druck zu politischen Abhilfemaßnahmen ermutigen, ohne sich auf interne automatische Ausgleichsmaßnahmen zu
verlassen.
- Viertens ist der Anpassungsdruck
unabhängig von binnenwirtschaft- 4

lichen Wechselkursmaßnahraen, wie
dies bei den nennwertorientierten
beziehungsweise den anfangs benutzten flexiblen Kursen der Fall
war. In den Jahren 1985 und 1986
konzentrierte sich die Koordinierung vornehmlich auf die Rolle
der Wechselkurse. Im Jahr 1987
und auch dieses Jahr hat sich der
Akzent zu Veränderungen der zugrundeliegenden politischen Maßnahmen verschoben.
Es ist ein
bedeutender Kraftakt, daß sich
dieser Wandel ohne einer, schwerwiegenden Zusammenbruch des Systems vollzog.
Fünftens enthält der Koordinierungs- und Indikatorenprozeß wegen der genauen Beobachtung von
Überschuß- und
Defizitländern
eine Symmetrie.
Symmetrie ist
ein seit langem angestrebtes
und netwendiges - Element internationaler
Währungsabm.ichungen.
In der Vergangenheit sind Eemühungen zu deren Integration in
das System durch verschiedene automatisch ablaufende Mechanismen
gescheitert, und dies würde wahrscheinlich auch in Zukunft der
Fall sein.
Hingegen sorgt das
derzeit verfügbare Indlkatorensystem für ein strukturelles und
bewertungsmäßiges Gefüge zur Einschätzung der Notwendigkeit von
Maßnahmen Seitens der Defizitwie auch der Uberschußländer.
Sechstens würde ich als letztes
Attribut die Glaubwürdigkeit anführen. In der heutigen Situation weltweiter wirtschaftlicher
Verflechtungen und Kommunikation
ohne
Zeitverlust
liegt
der
Schlüssel bei der Glaubwürdigkeit. Ein Versuch der plötzlichen oder grundsätzlichen Veränderung in der Struktur des Systems durch die Einführung eines
detaillierten
Maßnahmenkatalogs
formeller Zwänge könnte von den
Märkten als zu ehrgeizig und unhaltbar aufgenommen werden, und
solch ein Ansatz könnte den politischen Realitäten oder der Kraft

�der Finanzströme nicht angemessen
gerecht werden.
Die Weltwirtschaft ist zu dynamisch und die Kräfte des Wandels sind
zu stark, um mit großer Sicherheit
vorausschauen und sich eine perfekte
internationale Währungsstruktur vorstellen zu können, die auf die Weltwirtschaft im Jahr 1995 genauso Anwendung finden kann wie auf die des
Jahres 2005.
Daher müssen wir vorsichtig aber
beharrlich voranschreiten, und dabei
für weitere Verbesserungen in dem
Prozeß und dem System ein wachsames
Auge behalten.
In diesem Zusammenhang vereinbarten die wichtigsten Industrienationen im April die Entwicklung
eines
Warenpreisindikators.
Dieser Indikator wird die bereits bestehenden nationalen Indikatoren bei
der Einschätzung und Bewertung wirtschaftlicher Maßnahmen und Leistungen
ergänzen.
Es wird als analytisches
Instrument bei der Untersuchung von
weltweiten
Preisentwicklungen
benutzt, nicht als automatischer Auslöser politischer Maßnahmen oder fester
Halt für Währungen.

schaffen,
der
den
internationalen
EntScheidungsprozessen in der Wirtschaftspolitik Disziplin und Struktur
gebracht hat.
Und unser Ansatz hat
seine Aufgaben erfüllt - natürlich
nicht perfekt.
Ich möchte aber die
deutliche
Prognose wagen, daß die
Weltwirtschaft heute in einem besseren Zustand ist, als sie es gewesen
wäre, wenn wir uns nicht für diesen
Weg entschieden hätten. Meiner Meinung nach werden sich in der Zukunft
zusätzliche Erfolge einstellen.
Viele, die früher an diesem Prozeß zweifelten, haben dessen Vorzüge
erkannt. Im Ergebnis genießt die Zusammenarbeit
derzeit eine breitere
Unterstützung und mehr Impulse, die
sie in die Zukunft tragen sollte,
weit über die Amtsperioden d«r heutigen Regierungen in den G-7 Ländern
hinaus. Wir sind in einiger wenigen
Jahren einen weiten Weg gegangen, und
die Koordinierung von Maßnahmen sollte ein solides Gerüst zur Erreichung
bedeutungs/oller
und
wirkungsvoller
Reformen in den vor uns Liegenden
Jahren darstellen.

Wir werden ferner weitere Maßnahmen in Erwägung ziehen müssen, wie
beispielsweise die Ausweitung des Koordinierungsprozesses, um strukturelle Reformen in Bereichen wie der
Steuerreform, der Liberalisierung der
Finanzmärkte
und der Deregulierung
der Arbeitsmärkte abzudecken. Hierzu
gehört auch die Verwendung von "Uberprüfungsbereichen" für zentrale Indikatoren wie beispielsweise das Wachstum und die Ha.ndelsgleichgewichte,
um die Leistung einer Wirtschaft besser bewerten zu können.

Schlußbeme rkungen
Abschließend möchte ich festhalten, daß unser Prozeß internationaler
Koodinierung wirtschaftlicher Maßnahmen das internationale Währungssystem
reformiert und gestärkt hat. Wir haben einen politischen Mechanismus ge-

- 5 -

* * * * * *

�AMERIKA DIENST
'4-

^

Wirtschaft

Ä&lt;

14. Juni 1988
BAKER SCHLXGT NEUE SCHULDENINITIATIVE VOR
- Rede des amerikanischen Finanzministers vor der
Afrikanischen Entwicklungsbank WASHINGTON - (AD) - US-Finanzminister James Baker hat eine neue Initiative
vorgeschlagen, um den ärmsten Entwicklungsländern zusätzl.che Hilfe bei der
Bewältigung ihrer Auslandsschulden zu gewähren. Dem am 1. Juni von Baker in
einer Rede beim Treffen von Afrikanischer Entwicklungsbank und Afrikanischem
Entwicklungsfonds in Abidjan vorgeschlagenen Plan zufolge wurde es jeder Gläubiger regierung des Pariser Clubs gestattet, Zugeständnisse oei der Neufestsetzung von Zinssätzen zu machen und den ärmsten Ländern längere Rück Zahlungsfristen einzuräumen. In der Vergangenheit hatten sich die im Pariser Club
vertretenen Gläubigerländer - eine informelle Gruppe westlicher Staaten, die
von Zeit zu Zeit zur Überprüfung der Rückzahlurgsbedingungen von Auslandsschulden zusammenkommt - bei Umschuldungsaktionen jeweils auf einen einheitlichen Zinssatz und eine einheitliche Rückzahlungsfrist geeinigt.
Nachfolgend veröffentlichen wir Bakers Rede im Wortlaut:
Wir sind heute aufgrund unseres
groBen Interesses und unserer Entschlossenheit hier zusammengekommen,
um die Menschen in Afrika dabei zu
unterstützen, für sich und ihre Familien ein produktiveres, von zunehmendem Wohlstand geprägtes Leben aufzubauen. Mein heutiger Vortrag und die
Bemühungen der Vereinigten Staaten in
Afrika sowie die Bemühungen der Afrikanischen - Entwicklungsbank
stehen
ganz im Zeichen dieses gemeinsamen
Ziels.

Die Probleme der Region in den achtziger Jahren
Herr Vorsitzender, in den achtziger Jahren sind wir Zeugen energischer Bemühungen zahlreicher afri-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

kanischer Regierungen geworden, um
erneut
c'en Pfad
Wirtschaft 1 .chen
Wachstums einzuschlagen.
Ihre Entschlossenheit zur Wiedergewinnung des
Wachstums wurde unterstützt durch intensive iiternationale Anstrengungen,
die auf 3er Einsicht beruhten, daß
die Volkswirtschaften der Region eindeutig im Verfall begriffen waren.
Zu den nachteiligen Entwicklungen
gehörten ein scharfer Rückgang der
Rohstoffpreise, die daraus entstehenden höheren Anteile der Schuldenlast
am Bruttosozialprodukt und an den Exporterlösen, das Vermächtnis der unproduktiven Politik des Planwirtschaftsmodells sowie eine bedrückende
Hungersnot, die weite Gebiete der Region erfaßte.

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�Langsames oder negatives Wachstum
in Verbindung mit hohem Bevölkerungswachstum, Zahlungsbilanz- und Haushai tspr ob leine - all dies waren Anzeichen einer grundlegenden Wirtschaftskrise. Die ungünstigen äußeren Einflüsse, Wetter- und Klimabedingungen
sowie
unhaltbare
wirtschaftspolitische Maßnahmen wirkten zusammen, um
die Brüchigkeit
der afrikanischen
Volkswirtschaften aufzuzeigen.
Im großen und ganzen hatten die
afrikanischen Regierungen geglaubt,
der Staat sei ein Mechanismus zur Erlangung wirtschaftlicher Entwicklung.
In den meisten Ländern wurde der
Staat zum dominierenden Wirtschaftsfaktor. Unternehmergeist und Initiative wurden im Keim erstickt. Regierungen wurden zur Hauptquelle von Arbeitsplätzen für die Gebildeten; sie
kontrollierten
die
landwirtschaftliche Produktion und Vermarktung von
Agrarprodukten;
sie
kontrollierten
den Außenhandel; sie begannen selbst
zu produzieren; sie schützten unwirtschaftlich
arbeitende
Industrien,
kontrollierten die Preise und schrieben durch unterschiedliche Preismechanismen
die
Einkommensniveaus
fest. Ferner erlegten sie Produzenten und Exporteuren Steuern auf, während sie die städtischen Konsumenten
und Importeure subventionierten.
Ressourcen wurden nicht mehr dort
investiert, wo sie den größten Nutzen
erbracht hätten. Die Sparraten sanken, Exporte wurden abgeschreckt und
Importe ermutigt.
Wirtschaftswachstum und Entwicklung kamen zum Stillstand.
Reaktion der afrikanischen
Regierungen und der internationalen
Staatengemeinschaft
Als Reaktion auf diese sich verschärfende Wirtschaftskrise schlössen
sich die afrikanischen Regierungen
und die internationale Staatengemeinschaft zusammen, leiteten politische
Maßnahmen ein und schufen Institutionen für die Wiedergewinnung von Wach-

stum und Entwicklung zu schaffen.
Um zum Ursprung für die Entwicklung dieser Reaktion zu kommen, sollte ich angemessenerweise zunächst erwähnen, daß während dieses Jahrzehnts
der achtziger Jahre die Afrikanische
Entwicklungsbank für nichtregicnale
Mitglieder geöffnet wurde.
Ferner
wurden die Mittel des Afrikanischen
Entwicklungsfonds
erhöht.
Afrikanische Regierungen wurden von der
Weltbank und dem IWF in einen intensiven Dialog über ihre Wirtschaftspolitik eingebunden. Damit wurde insofern die Grundlage für eine internationale Übereinstimmung geschaffen,
als daß verstärkte Hilfe von außen
zur Verfügung gestellt würde, um diejenigen Länder zu unterstützen, die
zur
Durchführung
grundsätzlicher
Wirtschaftsreformen bereit sind.
Die Weltbank
organisierte ein
Sonderprogramm zur Schuldenerleichterung für Afrika, um zusätzliche Mittel für WLrtschaftsreformen zur Verfügung zu stellen. Mit der deutlicheren Definition der Verbindungen
zwischen strukturellen und makrcökonomisehen Erfordernissen der Wirtschaftspolitik verbesserten Weltbank
und IWF ihre Zusammenarbeit, indem
sie ihr gemeinsames Programm der politischen Rahmendokumente einführten.
Diesem Ansatz zufolge entwickeln afrikanische und andere Länder mit geringen pro-Kopf-Einkommen umfassende
Wirtschaftsprogramme, die Kapital von
außen anlocken können. Diese Dokumente sind zu einem ungemein wertvollen Instrument der Koordinierung bilateraler und multilateraler Hilfe
von außen geworden.
Als Teil dieses Prozesses führte
der IWF seine Strukturelle Arpassungseinrichtung
zur
Unterstützung
von Reformen ein und erweiterte diese
Einrichtung mit Unterstützung zahlreicher IWF-Mitgliedstaaten in der
Folge erheblich. Fünfzig Prozent der
Mittel des lDA-8-Fonds werden für afrikanische Projekte und Bemühungen
für politische Reformen bereitgestellt, und ein Großteil dieser Un-

- 2-

t

t
v

�terstützung wird in Verbindung mit
der Strukturellen Anpassungseinrichtung des IWF im Kontext mit dem politischen Rahmenprozeß zur Verfügung
gestellt.
Weitere Impulse ergeben
sich aus der Tatsache, daß bilaterale
Hilfsorganisationen
erst
kürzlich
über 6 Milliarden Dollar an Beiträgen
für von der Weltbank koordinierte Anpassung sprogramme in den am meisten
"schuldenbelasteten" Ländern der Region zugesagt haben.

hierzu in der Lage befindliche Gläubiger! ander für Zugeständnisse bei
der Neufestsetzung von Zinssätzen für
die ärmsten Länder - von Fall zu Fall
- sorgen. Andere Länder könnten zu
einer Entlastung beitragen, indem sie
längere Laufzeiten bei Umgeschuldaten
Krediten als derzeit in Erwägung ziehen. Alles in allem sind wir der
Auffassung,, daß diese Veränderungen
zu einer spürbaren neuen Entlastung
für die ämsten Länder führen können.

Für Afrika sind die Probleme der
Verschuldung oft genannt worden, und
in einige Fällen sind sie weiterhin
sehr ernst. Durch Umschuldungsaktionen des Pariser Clubs bieten die Vereinigten Staaten und weitere staatliche Gläubiger erhebliche Schuldenerleichterungen
zur
Unterstützung
wirtschaftlicher Programme. Um darüber hinaus zusätzlich auf die Wirtschaftsprobleme
Afrikas
einzugehen
hat der Pariser Club ferner begonnen,
den Ländern mit niedrigem Einkommen
und großer Schuldenlast weiteren Zahlungsaufschub ' und bessere Rückzahlungsbedingungen zu gewähren.

Ich sollte hervorheben, daß die
Gewährung einer solchen Differenzierung, die eine Abkehr von der strengen Handhabung von einer Politik
strikter Gleichbehandlung l)edeutet,
eine erhebliche Erweiterung der dem
Pariser Club verfügoaren Optionen zur
Lösung der extrem schwierigen Schuldensituation in den ärmsten Ländern
darstellt.
Dies steht mit unserem
einzelfallorientierten Ansatz bei der
Lösung von Schuldenproblemer in den
Entwicklungsländern im Eink'ang und
ist daher kein allgemeingültiger Ansatz. Es handelt sich um eine besondere verfügbare Technik, um mit einer
weiteren Maßnahme nur den Ärmsten der
Armen zu helfen, deren Rüc&lt;kehr zu
Stablitität und Wachstum zu l^eschleunigen.

Obwohl wir anerkennen, daß die
Neufestsetzung von Zinszahlungen temporäre Liquiditätserleichterung verschafft, muß in diesem Zusammenhang
festgestellt werden, daß die Struktur
dieser neu eingeteilten Schulden häufig ein schweres Problem für die ärmsten Länder darstellt.
Betrachtet
man die unterschiedlichen finanziellen und gesetzlichen Bedingungen, innerhalb derer sich jede Gläubigerregierungen bewegen muß, so ist dies
ist eines der schwierigsten Probleme,
die vom Pariser Club behandelt wurden.
In unserem Fall ist es beispielsweise so, daß der Handlungsspielraum der Vereinigten Staaten
durch Gesetze, Politik und haushaltsmäßige Gegebenheiten beschränkt wird.
Um jedoch zur Lösung dieses Problems beizutragen, möchte ich heute
die
Bereitschaft
der
Vereinigten
Staaten ankündigen, die Bandbreite
von
Möglichkeiten
innerhalb
des
Pariser Clubs zu erweitern, so daß

Engagement für den Reformprozeß und
wirtschaftlichen Fortschritt
Bei meinen Kontakten zu Afrikas
wirtschaftlichen und politischen Führungskräften wurde ich von deren besonders starken Engagement für wirtschaftliche Reformen ermutigt - nicht
nur für die derzeitige Situation,
sondern langfristig bis weit in die
neunziger Jahre hinein.
Ich bin mir darüber im klaren,
daß die Verfolgung dieser Reformen
ein großes Maß an politischem Mut bedeutet. Das Engagement für Reformen
wird von der Erkenntnis getragen, daß
das Ausbleiben der Umstellung der
Wirtschaft - das Ausbleiben der Reformen - bedeutet, die Menschen Hungersnöten, Schulden, Stagnation und

- 3-

�politischer
Unruhe
auszuliefern.
Ganz sicher liegen die Kosten für ein
Versäumnis der Umstrukturierung weit
höher als für die Anpassung.
Obwohl Afrika auch weiterhin viele ernsthafte Problemen belasten werden, zeichnen sich schon positive Resultate aus der Kombination von Finanzierung und Anpassung ab. Es ist
deutlich geworden, daß viele afrikanische Regierungen
langsam aber
sicher den Prozeß der Umkehr aus Jahren des schwachen Wirtschaftswachstums, rückläufigem Pro-Kopf Einkommen, niedrigen Exporten und Schwierigkeiten bei der Bewältigung ihres
Schuldendienstes
einleiten.
Das
Wachstum hat sich in Ländern mit dauerhaften
Wi rtschaftsreformprogrammen
mit jährlich vier Prozent in den Jahren 1986 bis 1987 mehr als verdoppelt. Bedauerlicherweise mußten Länder, die keine Wirtschaftsreformen
durchführten, eine Halbierung ihrer
Wachstumsraten erfahren - bis hin zu
einer Jahresrate von weniger als
einem Prozent. Im Verlauf der Jahre
1984 bis 1986 ist die Pro-Kopf Produktion von Nahrungsmitteln um 4,2
Prozent in den Ländern gestiegen, die
eine
Wirtschaftsreform
verfolgen.
Bei den anderen Länder ohne solche
Reformen lag diese Rate bei lediglich
2,4 Prozent.

Die Notwendigkeit weiterer Entwicklung
Durch die Hinwendung zu den Bedürfnissen .Afrikas gelangen wir zu
einer weitgehenden Übereinstimmung in
der Frage, daß makro ökonomische und
strukturelle Reformen die notwendige
Basis für eine wirkungsvollere Nutzung der Ressourcen liefern.
Sie
stellen ein Klima her, in dem tiefergehende wirtschaftliche Probleme angesprochen werden können.
Für ein
anhaltendes Wachstum und eine fortgesetzte Entwicklung ist jedoch an vielen Fronten noch mehr erforderlich.
Wenn die Agrarproduktion mit dem
Bevölkerungswachstum mithalten soll -

ganz zu schweigen von einer Mehrproduktion - müssen neue Technologien
gefunden
werden.
Wissenschaftler
müssen
ausgebildet,
Forschungsmöglichkeiten verstärkt, neue Samenarten
entwickelt und die Techniken zur Verwaltung des Landes erheblich verbessert werden. Dem Bedarf an Gesundheits- und schulischer Grundausbildung muß ein größerer Stellenwert und
mehr Unterstützung eingeräumt werden.
Inländische und regionale Finanzierungssysteme müssen gepflegt und
gestärkt werden, und sie müssen den
afrikanischen
Unternehmergeist
befruchten können.
Die Märkte zum
Austausch von Gütern müssen sich frei
von übertriebener Regulierung und
Preiskontrollen
entwickeln
können.
Der gesetzliche Rahmen und das wi rtschaf tliehe Umfeld müssen ausländischen Investionen, die technologische und unternehmerische Fähigkeiten mit sich bringen, aufgeschlossen
gegenüberstehen. Im Privatsektor besteht ein großer Bedarf für freie
Entfaltung und Wachstum.
Und wie in jeder anderen Region
der Welt muß der angemessenen Verwaltung von Afrikas natürlichen Ressourcen eine wachsende Aufmerksamkeit zuteil werden. Weite Teile Afrikas befinden sich in einer Umweltkrise.
Wir müssen auf der Grund Lage handeln, daß der Schutz der Umwelt nicht
nur ein gesellschaftspolitisches Problem, sondern auch eine wirtschaftliche Notwendigkeit ist. Die Konzepte zum Schutz der Umwelt, zum Wirtschaftswachstum und dessen Entwicklung müssen als gemeinsames Ganzes
behandelt werden, wenn sich die Vision vom zukünftigen Wohlstand Afrikas und der anderen Regionen der Welt
erfüllen soll.

Das globale wirtschaftliche Umfeld
Diese vielfältigen Ziele stellen
ein ehrgeiziges Unterfangen für Afrika und seine Führungspersönlichkeiten
dar. Selbstverständlich erkennen wir

�alle an, daß die Gesundheit der Weltwirtschaft eine große Rolle bei der
Bestimmung der zukünftigen Lebenskraft und Richtung des afrikanischen
Wirtschaftswachstums spielt.
Herr Vorsitzender, meines Erachtens ist es wichtig darauf hinzuweisen, daß es im vergangenen Jahr eine
Vielzahl positiver Entwicklungen in
der industrialisierten Welt gegeben
hat, die dazu beitragen sollten, für
eine Stärkung des wirtschaftlichen
Umfelds und anhaltendes Wachstum der
Märkte für Exporte aus afrikanischen
Ländern zu sorgen. Das reale Wachstum des Bruttosozialprodukts in den
Industrienationen lag im vergangenen
Jahr bei drei Prozent - dem vierten
Jahr konjunkturellen Aufschwungs und die Voraussagen sprechen für dieses Jahr von nochmals drei Prozent
Wachstum. Die Handelsungleichgewichte zwischen den größten Industrienationen werden verringert und die Inflation bleibt niedrig.
In den Vereinigten Staaten arbeiten wir energisch an einer Verhinderung protektionistischen Drucks und
erachten diesbezüglich Fortschritte
bei der Uruguay-Runde für absolut
notwendig, wenn ein offenes weltweites Handelssystem erhalten werden
soll, das den entwickelten wie auch
den Entwicklungsländern zugute kommen
kann.
Bei einer Bilanzierung der Bemühungen der Industrieländer zur Unterstützung Afrikas möchte ich hervorheben, daß die Vereinigten Staaten auch
weiter finanzielle Unterstützung zur
Reform des politischen Systems und
für Entwicklungsprogramme in Afrika
auf sehr hohem Niveau bereitstellen trotz der unumgänglichen weiteren
Verringerung unseres eigenen Haushaltsdefizits..
Wir stellen im laufenden Haushaltsjahr fast eine Milliarde Dollar
für bilaterale Wirtschafts- und Nahrungsmittelhilfe an afrikanische Länder südlich der Sahara zur Verfügung.
Auf multilateraler Ebene haben wir

uns zur Zahlung von 2,9 Milliarden
Dollar an die IDA-8, 720 Millionen
Dollar für die vierte allgemeine Kapitalerhöbung der Afrikanischen Entwicklungsbank und 315 Millionen Dollar für die fünfte Ergänzung des Afrikanischen
Entwicklungsfonds
verpflichtet.

Die Rolle der Afrikanischen
Entwicklungsbank
Unter den Institutionen und Programmen, die sich der Afrika betreffenden er.twicklungs- und wirtschaftlichen Probleme annimmt, kommt der
Afrikanischen Entwicklungsbank eine
exponierte Stellung zu.
Seit 3eginn ihrer Mitgliedschaft
haben die Vereinigten Staaten daran
gearbeitet, ein konstruktiver Partner
zu sein und zur Annahme von Maßnahmen
und Praktiken zu ermutigen, üie unseres Erach:ens die Leistungsfähigkeit
und Wirksamkeit dieser Bankengruppe
erhöhen kann.
Bei verschiedenen Anlässen standen wir den seitens der Bank vorgeschlgenen besonderen Kredi ten und
Maßnahmen äußerst kritisch gegenüber.
Unsere Kritik spiegelt jedocn eindeutig keine mangelnde Unterstützung für
die Bank oder ihren Auftrag wider,
sondern vielmehr unser Engagement dafür, daß diese Bank eine leistungsfähigere Brücke der Unterstützung zur
Ermutigung der Entwicklungsbestrebungen Afrikas bildet.
In diesem Zusammenhang möchte ich
auf eine Reihe von Fragen eingehen,
denen wir im Hinblick auf die Fähigkeit der Bank, auf das Wohlergehen
Afrikas einzuwirken, eine zentrale
Bedeutung beimessen.

Kredite mit politischem Ziel
Die erste Frage betrifft Kredite
mit politischem Ziel.
Kredite zur
sektoralen und strukturellen Anpassung müssen in den Schuldnerländern

- 5 -

�die Akzeptanz gesunder Maßnahmen fördern. Unserer Ansicht nach ist dies
ein wichtiges Instrument, mit dem die
Bank ihre Verpflichtung zur Wirtschaftsreform in Afrika untermauern
kann.
Dennoch vertreten wir die Meinung, daß die Bank aufgrund des für
sie relativ neuen Tätigkeitsfeldes
hier mit Bedacht vorgehen muß. Der
Umfang der Gewährung solcher Darlehen
darf nicht schnell ausgedehnt werden,
und die Bank muß sicherstellen, daß
ihre Ausgleichskredite mit anderen gegebenenfalls auch mit der Weltbankgruppe, dem IWF und bilateralen Behörden - abgestimmt sind. Internationale Finanzbehörden müssen im Hinblick auf ihren Erfahrungsaustausch
Partner werden. Sie dürfen beim Prozeß der Entwicklungshilfe keine Konkurrenten sein.

Die Qualität der Kredite
Die Vereinigten Staaten sind der
Ansicht, daß bei der Verbesserung der
Qualität der Kreditvergabe insgesamt
weitere Fortschritte erzielt werden
müssen. Unserer Ansicht nach ist der
Vorstand zur Finanzierung zu vieler
Projekte aufgefordert worden, die
nicht zum wirtschaftlichen Wachstum
beitragen werden.
Wir ermutigen die Verwaltung zur
Zusammenarbeit, um sicherzustellen,
daß bei Projekten Investitionen im
Hinblick auf deren Dringlichkeit getätigt werden und daß sie die notwendigen Voraussetzungen für sichere Erfolge mitbringen. Wir fordern die
Verwaltung auf, ein wirksameres System einzusetzen, um zu gewährleisten, daß die dem Vorstand vorgelegten Kredite im Hinblick auf die Entwicklung und Wirtschaftlichkeit einwandfrei sind.

Der Privatsektor
Unserer Ansicht nach muß die Bank
bei der Entwicklung des Privatsektors

innerhalb Afrikas eine viel größere
Rolle spielen.
Leider stellt sich
nur allzuoft heraus, daß Projekte für
Aktivitäten der öffentlichen Hand
vorgeschlagen
werden,
deren
Leistungsfähigkeit oftmals eine düstere
Bilanz aufweist. Aus diesem Grunde
begrüßen wir den vom Präsidenten eingerichteten
Gesprächskreis
afrikanischer Geschäftsleute, mit dem die
Bank beim Aufzeigen von Wegen unterstützt werden soll, wie sie eine
stärkere Rolle bei der Unterstützung
des Privatsektors spielen kann.

Die Verwaltung der Finanzen
Die Bank hat eine Reihe von
Schritten zur Korrektur finanzieller
Probleme unternommen, aber wir sind
besorgt darüber, daß sie in diesem
Bereich nicht schnell genug vorankommt. Die Verwaltung hat dem Vorstand Vorschläge unterbreitet, die im
Rahmen der Kreditvergabe der Bank
auftretende Risiken bei Zinssätzen
und Wechselkursen mindert. Wir hoffen auf deren baldige Verwirklichung.
Wir sind ebenfalls der Ansicht,
daß die steigenden Ausgaben im Bereich der Administration und ausstehende Forderungen der finanziellen
Situation der Bank Schaden zufügen
können. Wir ermutigen die Mitglieder
zur Unterstützung der Bank durch
rechtzeitige Leistung ihrer Kapitalbeiträge, und wir fordern die Bank
auf, entschlossene Maßnahmen zu ergreifen, die darauf abzielen, das Niveau der Außenstände bei den Krediten
wie auch die zunehmenden Verwaltungskosten abzubauen.
Die Umwelt
Die Bank hat Fortschritte beim
Schutz der Umwelt in Afrika erzielt,
und wir sind der Ansicht, daß die
Bank in diesem Bereich eine wichtige
Rolle spielen sollte. Wir erkennen,
daß die Bank weiterhin unter haushaltsmäßigen Beschränkungen arbeiten
muß, und aus diesem Grund stellt mei-

- 6 -

�ne Regierung der Bank einen Umweltspezialisten zur Verfügung. Wir hoffen, daß die Bank mit der Zeit in der
Lage sein wird, ihre eigene Gilde von
Umweltexperten zu rekrutieren.
Ich fordere die Bank ferner auf,
das vorgeschlagene gemeinsame Modellprojekt Banb-NGO fortzuführen, das
unsere Ziele im Bereich der Umwelt
positiv unterstützen wird.

Und schließlich hat meine Regierung zusammen mit allen internationalen Geberländern die Herausforderung
akzeptiert, gemeinsam mit Afrika an
der Erlangung Ihrer wirtschaftlichen
Ziele zu arbeiten. Diese Ziele sind
ehrgeizig - Beendigung des Hungers,
Wiederherstellung dauerhaften wirtschaftlichen Wachstums und Bereitstellung eines angemessenen Lebensstandards für alle Afrikaner in den
nächsten Jahrzehnten und in ferner
Zukunft.

Schlußbemerkung
Gemeinsam haben wir ehrgeizige
Aufgaben für die Afrikanische Entwicklungsbank und für afrikanische
Regierungen unternommen, die nach Erreichen
eines
dauerhaften
Wirtschaftswachstums streben wie auch für
die internationalen Geberländer insgesamt.
Heute bietet die Leistung
aller Grund zum Optimismus.

Ich danke Ihnen für die Ehre,
heute an diesem großartigen afrikanischen Projekt teilnehmen zu dürfen.
Zum Abschluß möchte ich Ihnen versichern, daß die besten Wünsche und die
Unterstützung meines Landes Sie bei
Ihrer Arbeit zur Sicherung des zukünftigen Erfolges Afrika und seines
stolzen Volkes begleiten.

Der Bank stellt sich die Herausforderung, eine zunehmend wichtigere
Rolle dabei zu spielen, afrikanische
Länder bei der Entwicklung und Umgestaltung ihrer Volkswirtschaften zu
unterstützen, damit sie Wirtschaftswachstum erlangen. Wir sind der Meinung, daß die kommenden Jahre dies
zeigen werden - und wir glauben, daß
die Bank ihren Auftrag ausgezeichnet
erfüllen kann.
Zahlreiche afrikanische Regierungen haben sich der Herausforderung
einer Verwirklichung umfassender Reformprogramme - oftmals mit sehr zufriedenstellenden Ergebnissen - gestellt.
Manche Regierungen leiten
gerade den Prozeß wirtschaftlicher
Reformen und Anpassungen ein. Und
eine Reihe von Regierungen muß diesen
Prozeß noch aufnehmen. Für diese Regierungen an der Schwelle haben wir
ein besonderes Wort der Ermutigung,
und wir betonen unsere - wie ich meine - gemeinsame Bereitschaft, aktiv
mit Ihnen zusammenzuarbeiten, wenn es
darum geht, Bestrebungen für Anpassung und dauerhaftes Wachstum zu unterstützen.

- 7-

* * * * * *

�x e ° ST;

AMERIKA DIENST
Wirtschaft
14. Juni 1988

SCHULDENTILGUNG DER ENTWICKLUNGSLÄNDER UND LANDWIRTSCHAFT
THEMEN BEIM GIPFEL
- Informationsgespräch im Foreign Press Center -

WASHINGTON - (AD) - Dem Staatssekretär für Wirtschaftsfragen W. Allen
Wallis zufolge werden der Schuldenerlaß für die ärmsten Entwicklungsländer und
die Kontrolle nationaler Subventionsmaßnahmen in der Landwirtschaft zwei der
zentralen Themen sein, die von den Staats- und Regierungschefs der wichtigsten
Industrienationen auf dem diesen Monat stattfindenden Gipfel in Toronto erörtert werden.

Wallis erklärte gegenüber Reportern am 9. Juni 1988 im Washingtoner
Foreign Press Center, die USA, Frankreich, Großbritannien und Kanada würden bei ihrer vom 19. bis 21. Juni
stattfindenden
Zusammenkunft
Vorschläge zur Erleichterung der Schuldenlast der ärmsten Entwicklungsländer vorlegen.
Am Wirtschaftsgipfel der Industrienationen werden ebenfalls die
Staats- und Regierungschefs
Japans,
der Bundesrepublik Deutschland, Italiens und der Europäischen Gemeinschaft teilnehmen.
Es handelt sich
um die 14. regelmäßig jedes Jahr
stattfindende Gipfelbegegnung.
Obwohl
Wallis
eine
möglicher
amerikanischer

Erörterung
Vorschläge

United States Information Service
Embassy of the United States of America

ablehnte, verwies er auf die Rede von
Finanzminister James Baker beim Jahrestreffen der Afrikanischen Entwicklungsbank Anfang Juni.
Baker hatte
hier zu einer größeren Flexibilisierung von Seiten der einzelnen Gläubigerländer gegenüber den ärmsten Ländern durch eine Zinsverbilligung und
die Verlängerung von Laufzelten bei
Darlehen aufgerufen.
Wallis wurde zu der Regierungsmeinung über die soeben verlautbarten
französischen Vorschläge befragt, in
dem die Hauptgläubiger zur Verwirklichung einer der drei Lösungsraögllchkelten des Schuldenproblems der
ärmsten
Länder
aufgerufen
werden:
Konsolidierung und Verlängerung der
Laufzeiten von Krediten, Verkürzung
der
Fälligkeit
bei
gleichzeitiger

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Zinsverbilligung um bis zu 50 Prozent
oder völlige Streichung von einem
Drittel der von der Regierung vergebenen oder abgesicherten Warenkredite.
Wallis zufolge ist es wahrscheinlich, daß die Vereinigten Staaten einen dieser Vorschläge akzeptieren, aber nicht in der Lage sind,
einen zusätzlichen Vorschlag anzunehmen.
Der Staatssekretär wollte
hierzu keine weiteren Ausführungen
machen und fügte hinzu, dieses Thema
müsse vom Finanzminister erörtert
werden.
Wallis zufolge würden sich die
beim Gipfel vertretenen Staats- und
Regierungschefs im Hinblick auf den
Handel mit landwirtschaftlichen Gütern wahrscheinlich auf eine Formel
verständigen, die der Vereinbarung
der Finanz- und Handelsminister beim
Ministertreffen der Organisation für
wirtschaftliche
Zusammenarbeit
und
Entwicklung (OECD) im Mai nahekommt.
Bei dem OECD-Treffen einigten
sich die Mitgliedstaaten darauf, Rahmenbedingungen zur Lösung sämtlicher
Probleme in der Landwirtschaft bis zu
dem Zeitpunkt anzustreben, wenn die
Handelsainister
im
Dezember
in
Montreal zu einer Zwischenbilanz der
derzeitigen Uruguay-Runde multilateraler Verhandlungen über den Handel
zusammenkommen.
In dem OECD-Kommunique heißt es:
"Es ist wichtig, daß eine Zwischenbilanz dem Verhandlungsprozeß zusätzliche Impulse gibt...
Zu diesem
Zweck solLten die Mitgliedstaaten
Rahmenbedingungen vereinbaren..., zu
denen lang- wie . auch kurzfristige
Elemente gehören sollten, die den im
vergangenen Jahr in Gang gesetzten
Reformprozeß vorantreiben und die
derzeitigen Spannungen auf den Märkten für landwirtschaftliche Güter beseitigen werden."
Wallis erklärte den Reportern gegenüber, die Landwirtschaft sei "das
schwerwiegendste Problemfeld der heutigen Weltwirtschaft".

Er fügte hinzu, die ihre landwirtschaftliche Produktion subventionierenden Länder würden nicht nur Unmengen von Ressourcen verschwenden,
sondern es würde für nicht-subventionierende Länder zunehmend schwieriger, auf den Weltmärkten zu konkurrieren.
Er verwies darauf, daß der amerikanische Kongreß im nächsten Jahr ein
neues Landwirtschaftsgesetz entwerfen
will und daß es für die Vertreter der
Landwirte in den einzelnen Bundesstaaten leichter sein wird, sich für
einen Abbau staatlicher Unterstützung
auszusprechen, wenn sie Fortschritte
bei den im Rahmen der Uruguay-Runde
geführten Gespräche entdecken.
Wallis verwies darauf, daß der
Gipfel in Toronto insgesamt weniger
umstritten sein könnte als einige der
voraufgegangenen
Gipfeltreffen.
"Insgesamt gesehen besteht bei politischen Fragen Übereinstimmung", und
die
Volkswirtschaften
der
sieben
wichtigsten Industrieländer florieren.
Wallis zufolge werden wahrscheinlich Gespräche über wirtschaftliche
Koordinierungsprozesse
stattfinden
wie auch über den Vorschlag von Finanzminister Baker, die Länder sollten "Kontrollzonen" für wichtige Indikatoren wie Wachstum und Handelsbilanz in Erwägung ziehen. Baker betrachtet solche Zonen als Möglichkeit
der Einschätzung, ob die Leistungen
der Volkswirtschaft eines Landes erheblich von einem angemessenen Kurs
abweichen und korrektive Maßnahmen
erforderlich sind.
Wallis betonte
jedoch, daß darüber beim Gipfeltreffen keine Entscheidung fallen wird.
Er erklärte, die Staats- und Regierungschefs würden erwartungsgemäß
über Bakers Vorschlag zur Entwicklung
eines Warenpreisindikators diskutieren, der in den Gipfelländern einen
der nationalen Indikatoren für ökonomische Maßnahmen und wirtschaftliche Leistung bilden soll. Dieser
Vorschlag wurde von den Finanzministern der sieben Länder im April
angenommen.

�Ein weiterer wahrscheinlich beim
Gipfeltreffen angesprochener Themenkreis ergibt sich Wallis zufolge aus
der Notwendigkeit, daß die Finanzminister den Ausbau des Koordinierungsprozesses
unter
Einbeziehung
von
Strukturreformen in Erwägung ziehen.
Obwohl Baker bisher auf keine Einzelreformen direkt eingegangen ist, hat
er in der Vergangenheit auf die Steuerreform, die Liberalisierung der Finanzmärkte und die Deregulierung der
Arbeitsmärkte verwiesen.
Der Staatssekretär erklärte, andere zur Diskussion anstehende Themenbereiche seien Drogen und Umwelt.
Der Ablauf des Gipfeltreffens von
Toronto wird im Großen und Ganzen so
erfolgen wie bei den voraufgegangenen
Gipfeltreffen,
wobei
insbesondere
Zwanglosigkeit Wert gelegt werde, erklärte Wallis. Es wird kein einzelnes Kommunique geben. Wallis zufolge
werden
erwartungsgemäß
von
den
Staats- und Regierungschefs lediglich
zwei Erklärungen abgegeben, am 20.
Juni eine politische Erklärung zu
Themen wie Terrorismus und Ost-WestBeziehungen und am 21. Juni ein Kommunique zur Wirtschaft.
Wallis verwies auf eine zusätzliche Sitzung zur Wirtschaft am frühen Abend des 20. Juni als neues organisatorisches Element. Bei dieser
Sitzung werden Probleme angegangen,
die als "wichtig, aber nicht dringlich" erachtet werden. Dem Staatssekretär zufolge wird dabei der Versuch einer .Vorausschau auf die Welt
in den kommenden drei Jahrzehnten unternommen.
Um für die zusätzliche wirtschaftliche Sitzung Zeit zu schaffen,
werden die Staats- und Regierungschefs am 19. Juni eher mit einer
Nachmittagssitzung über Wirtschaftsfragen beginnen.
Darauf folgt ein
Abendessen, bei dem politische Fragen
das Thema sein werden.

* * * * *

- 3 -

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                    <text>AMERIKA DIENST
VON

#
8. J u n i 1988

22
INHALT

DOKUMENTATION
Gipfeltreffen führte zu "erweitertem Dialog"
- Die gemeinsame Abschlußerklärung des Moskauer Gipfels -

HINTERGRUNDMATERIAL
Die Vereinbarungen über das gemeinsame amerikanisch-sowjetische
Verifizierungsexperiment
- Eine Übersicht des Weißen Hauses -

Amerikanisch-sowjetisches Abkommen über die friedliche Nutzung der
Kernenergie
- Eine Übersicht -

Amerikanisch-sowjetisches Abkommen zur Zusammenarbeit im Weltraum
- Eine Übersicht -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Biotechnik - eine Zukunftsindustrie
- OTA-Studie zu Umweltproblemen durch künstlich erzeugte Organismen -

Erreger der Non-A-non-B Hepatitis entdeckt
- Bluttests in der Erprobung -

* * * * * *

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Telex: 8-85432

�AMERIKA DIENST
%

Dokumentation

^ Js

8. Juni 1988

22

GIPFELTREFFEN FÜHRTE ZU "ERWEITERTEM DIALOG"
Die gemeinsame Abschlußerklärung des Moskauer Gipfels -

MOSKAU - (AD) - Der am 1. Juni 1988 im Moskau veröffentlichten gemeinsamen
Gipfelerklärung zufolge befinden sich die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion inmitten eines "sich entfaltenden Dialogs", der "ein zunehmend wirkungsvolles Mittel zur Lösung von Fragen wird, die von beiderseitigem Interesse
sind und auf beiden Seiten Besorgnis auslösen". Dabei wurden jedoch "aus Geschichte, Tradition und Ideologie herrührende reale Differenzen nicht unterschätzt, die weiterhin das amerikanisch-sowjetische Verhältnis charakterisieren werden".
Die gemeinsame Erklärung hat folgenden Wortlaut;
Im Einklang mit der beim amerikanisch-sowjetischen
Gipfeltreffen
von Genf im November 1985 erzielten
und beim Washingtoner Gipfeltreffen
vom Dezember 1987 bekräftigten Übereinkunft trafen sich der Präsident
der Vereinigten Staaten von Amerika,
Ronald W. Reagan, und der Generalsekretär des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei der Sowjetunion,
Michail S. Gorbatschow, vom 29. Mai
bis 2. Juni 1988 in Moskau.

besonderen Verwendung und Sonderberater des Präsidenten und des Außenministers
in Rüstungskontrollfragen,
Paul H. Nitze, der Sonderberater des
Präsidenten und des Außenministers in
Rüstungskontrollfragen,
Botschafter
Edward L. Rowny, der amerikanische
Botschafter in der UdSSR, Jack F.
Matlock sowie die Leiterin der Abteilung für europäische und kanadische
Angelegenheiten im Außenministerium,
Rozanne L. Ridgway.

Teilnehmer
waren
auf
amerikanischer
Seite:
Außenminister
George P. Shultz, Verteidigungsminister Frank C. Carlucci, der Stabschef des Präsidenten, Howard H. Baker
Jr., der Berater des Präsidenten in
Fragen der nationalen Sicherheit,
Colin L. Powell, der -Botschafter zur

Auf sowjetischer
Seite nahmen
teil:
Mitglied des Politbüros des
Zentralkomitees der KPdSU und Vorsitzender des Präsidiums des Obersten
Sowjet der UdSSR, Andrej A. Gromyko,
das Mitglied des Politbüros des Zentralkomitees der KPdSU, Außenminister
Eduard A. Schewardnadse, das Mitglied

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�des Politbüros des Zentralkomitees
der KPdSU und Sekretär des Zentralkomitees der KPdSU, Alexander N.
Jakowlew, der Kandidat des Politbüros
des Zentralkomitees der KPdSU, Verteidigungsminister Dimitri T. Jasow,
der Sekretär des Zentralkomitees der
KPdSU, Anatolij F. Dobrynin, der Assistent des Generalsekretärs des Zentralkomitees der KPdSU, Anatolij S.
Tschernajew,
der
stellvertretende
Außenminister
Alexander
A.
Bessmertnich sowie der Botschafter
der UdSSR in den Vereinigten Staaten
von Amerika, Jurij W. Dubinin.
Der Präsident und der Generalsekretär betrachten das Moskauer Gipfeltreffen als bedeutenden Schritt im
Prozeß der Schaffung einer produktiveren und dauerhafteren Grundlage für
die amerikanisch-sowjetischen Beziehungen. Ihre umfassenden und eingehenden Gespräche
erstreckten sich
über das gesamte Spektrum von Fragen,
auf das sich die beiden führenden Politiker während ihres ersten Treffens
in Genf im November 1985 verständigt
hatten -, Rüstungskontrolle, Menschenrechte und humanitäre Angelegenheiten, die Beilegung regionaler Konflikte sowie die bilateralen Beziehungen. Bei wichtigen Fragen bestehen weiterhin ernsthafte Meinungsverschiedenheiten; der zwischen beiden
Ländern entstandene
offene Dialog
bleibt entscheidend für die Überwindung dieser Meinungsverschiedenheiten.
Die Gespräche fanden in einer
konstruktiven Atmosphäre statt, die
breiten Raum für einen offenen Meinungsaustausch bot.
Als Ergebnis
dessen erzielten beide Seiten ein
besseres Verständnis der Positionen
des anderen. Die beiden Staatsmänner
begrüßten die seit ihrem letzten
Treffen in Washington in verschiedenen Bereichen der amerikanisch-sowjetischen Beziehungen trotz der Schwierigkeit und Komplexität der Fragen
erzielten Fortschritte. Mit Befriedigung nahmen sie zahlreiche konkret
erzielte Vereinbarungen zur Kenntnis
und verliehen ihrer Entschlossenheit
Ausdruck, in den kommenden Monaten

die Anstrengungen in den Bereichen zu
verdoppeln, in denen weitere Arbeit
geleistet werden muß. Sie lobten die
von Vertretern beider Seiten in den
letzten Monaten zur Lösung fortbestehender Meinungsverschiedenheiten geleisteten kreativen und intensiven
Bemühungen.
Bei der Einschätzung des Stands
der amerikanisch-sowjetischen Beziehungen betonten der Präsident und der
Generalsekretär die historische Bedeutung ihrer Treffen in Genf, Reykjavik, Washington und Moskau bei der
Schaffung des Fundaments für ein realistisches Konzept für die Probleme
der Stärkung der Stabilität und der
Verringerung
des
Konfliktrisikos.
Sie bekräftigten feierlich ihre Überzeugung, daß ein Atomkrieg nicht gewonnen werden kann und niemals ausgelöst werden darf, ihre Entschlossenheit, jeden Krieg zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion
- ob nuklear oder konventionell - zu
verhindern sowie ihre Zurückweisung
jeglicher Absichten zur Erlangung militärischer Überlegenheit.
Die
beiden
Staatsmänner
sind
überzeugt, daß die Entfaltung des von
ihnen ins Leben gerufenen Dialogs ein
zunehmend wirksames Mittel zur Lösung
von Fragen wird, die von beiderseitigem Interesse sind und auf beiden
Seiten Besorgnis auslösen. Sie unterschätzen jedoch nicht die aus Geschichte, Tradition und Ideologie
herrührenden realen Differenzen, die
weiterhin
das
amerikanisch-sowjetische
Verhältnis
charakterisieren
werden. Sie sind aber der Ansicht,
daß der Dialog von Dauer sein wird,
da er sich auf Realismus gründet und
sich auf die Erlangung konkreter Ergebnisse konzentriert. Er kann als
konstruktive Grundlage nicht nur für
die Behandlung der Probleme heute,
sondern auch morgen und im nächsten
Jahrhundert dienen. Es ist dies ein
Prozeß, der nach Überzeugung des Präsidenten und des Generalsekretärs den
besten Interessen der Völker der Vereinigten Staaten und der Sowjetunion
dient und einen Beitrag zu einer sta-

- 2 -

�bileren, friedlicheren und sichereren
Welt leisten kann.

Rüstungskontrolle
Nachdem sie das Engagement ihrer
beiden Länder bekundet hatten, auf
den bisher in der Rüstungskontrolle
erzielten Fortschritten aufzubauen,
bestimmten der Präsident und der Generalsekretär die Ziele und nächsten
Schritte für ein breites Spektrum von
Fragen in diesem Bereich. Sie werden
in den kommenden Monaten die Bemühungen beider Regierungen leiten, wenn
diese miteinander und mit anderen
Staaten auf ausgewogene, verifizierbare Vereinbarungen zur Stärkung der
internationalen Stabilität und Sicherheit hinarbeiten.

INF
Der Präsident und der Generalsekretär unterzeichneten das Protokoll
über den Austausch der Ratifizierungsurkunden zu diesem Vertrag zwischen den Vereinigten Staaten von
Amerika und der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken über die Beseitigung ihrer Raketen mittlerer und
kürzerer
Reichweite.
Die
beiden
Staatsmänner begrüßten das Inkrafttreten dieses historischen Abkommens,
mit dem zum ersten Mal eine ganze Kategorie amerikanischer
und sowjetischer Atomwaffen beseitigt wird und
neue Maßstäbe für die Rüstungskontrolle gesetzt werden. Die Staatsmänner sind entschlossen, die vollständige Anwendung aller Bestimmungen
und Vereinbarungen der Vertrages zu
erfüllen, und sie betrachten die gemeinsame und erfolgreiche Arbeit in
diesem Sinne als bedeutenden Präzedenzfall für künftige Rüstungskontrollbemühungen.
Die Gespräche über Nuklear- und
Weltraumwaffen
zur

Die beiden Staatsmänner nahmen
Kenntnis, daß ein Gemeinsamer

Vertragsentwurf über die Reduzierung
und Begrenzung strategischer Offensivwaffen
ausgearbeitet
wurde.
Durch diesen Prozeß waren die Seiten
in der Lage, in dem gemeinsamen Vertragsentwurf umfangreiche und bedeutsame Bereiche der Übereinstimmung wie
auch die Detailfragen zu verbleibenden Bereichen der Nichtübereinstimmung festzuhalten.
Obwohl noch zusätzliche wichtige Arbeit geleistet
werden muß, bevor dieser Vertrag unterzeichnungsreif ist, fanden bereits
viele Schlüsselbestimmungen Eingang
in den gemeinsamen Vertragsentwurf
und gelten als einvernehmlich gutgeheißen unter der Bedingung, daß der
Vertrag fertiggestellt und ratifiziert wird.
Unter
Berücksichtigung
eines
Vertrages über strategische Offensivwaffen haben beide Seiten - aufbauend auf der Sprachregelung der
Gemeinsamen
GIpfelerkläruug
von
Washington vom 10. Dezember 1987 ihre Verhandlungen über ein den ABMVertrag betreffendes getrenntes Abkommen
fortgeführt.
Fortschritte
wurden bei der Erstellung des Gemeinsamen Textentwurfs für ein Zusatzprotokoll festgestellt.
In Zusammenhang mit ihren Verpflichtungen
gemäß diesem Protokoll haben sich
beide Seiten insbesondere darauf geeinigt, die Zentren zur Reduzierung
des nuklearen Risikos für die Übermittlung zweckdienlicher Informationen zu nutzen. Die Staatsmänner wiesen ihre Verhandlungsführer an, den
gemeinsamen Textentwurf für ein getrenntes Abkommen auszuarbeiten und
die Arbeiten an dessen Zusatzprotokoll weiterzuführen.
Der
Gemeinsame
Vertragsentwurf
zur Reduzierung und Begrenzung der
strategischen
Offensivwaffen
spiegelt die bereits erzielte Verständigung über die Schaffung von Obergrenzen von maximal 1 600 strategischen
offensiven Trägersystemen und 6 000
GefechtsKÖpfen wider, ferner das Einvernehmen zu den Untergrenzen von
4 900 Gefechtsköpfen auf ballistischen
Interkontinentalraketen

- 3 -

�(ICBMs) und U-Boot-gestützten ballistischen Raketen (SLBMs) zusammengenommen sowie 1 540 Gefechtsköpfen
auf 154 schweren Raketen.

Erklärungen und zweckmäßiger Benachrichtigungen
zu
Zahl
und
Standort der von START begrenzten
Waffensysteme, darunter auch die
Standorte und Einrichtungen für
Produktion, Endmontage, Lagerung,
Erprobung, Instandsetzung, Ausbildung, Stationierung, Umrüstung
und Beseitigung solcher Systeme.
Derartige Erklärungen werden vor
Unterzeichnung des Vertrages zwischen beiden Seiten ausgetauscht
und regelmäßig fortgeschrieben.

Der Vertragsentwurf fixiert ausserdem die Übereinkunft beider Seiten, wonach als Ergebnis der Reduzierungen
das
Gesamtwurfgewicht
der
ICBMs und SLBMs der Sowjetunion auf
ein Niveau reduziert wird, das etwa
50 Prozent des gegenwärtig bestehenden beträgt und daß dieses Niveau
nicht überschritten wird.
Im Verlauf der Verhandlungen erzielten die beiden Seiten ferner Einvernehmen darüber, bei der künftigen
Arbeit an dem Vertrag davon auszugehen, daß bei stationierten ICBMs und
SLBMs der bestehenden Typen der Zählmodus die in der Gemeinsamen Erklärung vom 10. Dezember 1987 berücksichtigte Zahl von Gefechtsköpfen
einbeziehen wird und daß die Zahl der
für jeden neuen Typ ballistischer Raketen
zugestandenen
Gefechtsköpfe
Verhandlungssache ist.
Ferner verständigten sich beide
Seiten auf einen Zählmodus für in
schweren Bombern mitgeführte Waffen,
demzufolge nur für nukleare Freifallbomben und Angriffsflugkörper kurzer
Reichweite
(SRAMs)
ausgerüstete
schwere Bomber als ein Trägersystem
auf die Obergrenze von 1 600 und als
ein Gefechtskopf auf die Obergrenze
von 6 000 angerechnet werden.
Die Delegationen haben außerdem
gemeinsame Textentwürfe für ein Inspektionsprotokoll, ein Umrüstungsoder Beseitigungsprotokoll und eine
Regierungsvereinbarung über Daten erstellt, die integrale Bestandteile
des Vertrags sind. Diese Dokumente
gründen auf den Verifizierungsbestimmungen des INF-Vertrages, wobei
sie diese unter Berücksichtigung der
höheren Anforderungen, von START erweitern und ausbauen.
Die Verifizierungsmaßnahmen für START werden
mindestens folgendes beinhalten:
A.

Datenaustausch,

einschließlich

B.

Grundinspektionen zur Verifizierung der Richtigkeit dieser Erklärungen.

C.

Vor-Ort-Beobachtung der zur Erreichung der vereinbarten Obergrenzen notwendigen Beseitigung
strategischer Systeme.

D.

Ständige Vor-Ort-Uberwachung von
Umfeld
und
Zugängen wichtiger
Produktionsstätten, um den Produktionsumfang von der Begrenzung
unterliegenden Waffen zu bestätigen.

E.

Kurzfristig anberaumte
Inspektionen an:

Vor-Ort-

(I)
angemeldeten
Stationierungsorten im Verlauf des Verfahrens der Reduzierung auf vereinbarte Obergrenzen;
(II) Stationierungsorten, an denen diesem Vertrag unterliegende
Systeme nach Erreichung der vereinbarten Obergrenzen verbleiben;
(III) Stationierungsorten, an denen solche Systeme stationiert
waren (vormals angemeldete Einrichtungen).
F.

Kurzfristig anberaumte Inspektionen - in Übereinstimmung mit den
vereinbarten Verfahrensweisen von Orten, an denen nach Meinung
einer der Seiten eine geheime
Stationierung, Produktion, Lagerung oder Instandsetzung strategischer Offensivwaffen erfolgen

�kann.
G.

H.

Verbot der Verwendung einer Tarnung sowie anderer Maßnahmen, die
der Erschwerung einer Kontrolle
vermittels nationaler technischer
Mittel dienen. Derartige Bestimmungen würden ein Verbot der
Chiffrierung des Fernmeßverkehrs
einschließen und den vollständigen Zugang zu sämtlichen Fernmeßdaten gewährleisten, die während
des Flugs einer Rakete gesendet
werden.
Verfahrensweisen, die die Verifizierung der Zahl der Gefechtsköpfe auf
stationierten ballistischen Raketen jeden Typs gewährleisten, einschließlich Inspektionen vor Ort.

I. Mit Hilfe nationaler technischer
Mittel
vorgenommene
erweiterte
Beobachtung der Maßnahmen, die
mit der Reduzierung und Begrenzung der strategischen Offensivwaffen
zusammenhängen.
Hierzu
würde die offene Aufstellung der
durch den Vertrag zu begrenzenden
Objekte in den Stützpunkten für
Raketen, Bomber und U-Boote an
den Orten und zu den Zeitpunkten
gehören, die von den inspizierenden Seiten gewählt werden.
Die beiden Seiten begannen ebenfalls mit dem Austausch von Daten
über ihre strategischen Streitkräfte.
Im Verlauf dieses Treffens in
Moskau hat der Meinungsaustausch über
START zu einer weiteren erheblich
Verbreiterung der gemeinsamen Basis
geführt, insbesondere auf den Gebieten der ALCMs und der Versuche, eine
Lösung des Verifizierungsproblems bei
den beweglichen ICBMs zu entwickeln
und sich darauf zu verständigen. Die
Einzelheiten dieser verbreiterten gemeinsamen Basis sind in zwischen den
beiden Seiten ausgetauschten Dokumenten festgehalten worden. Die Delegationen in Genf werden diese Fortschritte in den gemeinsamen Textentwurf des START-Abkommens aufnehmen.

Die Seiten erörterten ferner die
Frage der Begrenzung der nuklear bewaffneten SLCMs längerer Reichweite.
Ronald
Reagan
und
M.S.
Gorbatschow drückten ihr beiderseitiges Vertrauen in die Tatsache aus,
daß die geleistete intensive Arbeit
eine Basis für den Abschluß eines
Vertrages über den Abbau und die Begrenzung strategischer Offensivwaffen
darstellt, der die strategische Stabilität fördern und die Sicherheit
nicht nur der Menschen in der Sowjetunion und den Vereinigten Staaten,
sondern der gesamten Menschheit stärken wird.
Von dieser grundsätzlichen Übereinkunft geleitet vereinbarten der
amerikanische Präsident und der Generalsekretär des Zentralkomitees der
KPdSU, ihre Bemühungen auf diesem Gebiet nachdrücklich und entschlossen
fortzusetzen. Die Delegationen beider Länder sind beauftragt worden,
sich am 12. Juli dieses Jahres erneut
in Genf zu treffen. Es wurde eine
prinzipielle Übereinstimmung darüber
erzielt, daß nach Lösung noch bestehender Probleme und der Vereinbarung
des Vertrages nebst der mit ihm zusammenhängenden Dokumente diese ohne
Verzug unterzeichnet werden.

Ankündigung des Starts ballistischer
Raketen
Die während des Moskauer Gipfels
unterzeichnete Vereinbarung zwischen
den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion zur Ankündigung von Starts
von interkontinentalen und U-Boot-gestützten ballistischen Raketen ist
ein zweckmäßiger neuer Schritt, der
den Wunsch beider Seiten wiederspiegelt, die Risiken des Ausbruchs eines
nuklearen Krieges zu begrenzen, insbesondere als Ergebnis einer Mißdeutung,
einer
Fehlkalkulation
oder
durch Zufall.

- 5 -

�Atomtests
Die Staatsmänner bekräftigten die
Verpflichtung beider Seiten, Schritt
für Schritt in einem speziellen Forum
umfassende Verhandlungen über Fragen
bezüglich Atomtests zu führen.
Im
Laufe dieser Verhandlungen werden die
Seiten als ersten Schritt wirkungsvolle
Kontrollmaßnahmen
abstimmen,
die es erlauben, den sowjetisch-amerikanischen Schwellenvertrag von 1974
(TTBT) und den Vertrag über Atomexplosionen zu friedlichen Zwecken von
1976 zu ratifizieren und mit Verhandlungen über weitere Zwischenschritte
zur Begrenzung von Atomtests fortzufahren, die zu der letztlich völligen
Einstellung von Atomtests als Teil
eines wirkungsvollen Abrüstungsprozesses führen. Neben anderen Maßnahmen würde dieser Prozeß als oberste
Priorität das Ziel verfolgen, nukleare Waffen abzubauen und schließlich
völlig abzuschaffen.
Zur Verwirklichung des ersten Ziels dieser Verhandlungen, nämlich die Vereinbarung
von wirkungsvollen Uberprüfungsmaßnahmen für den Schwellenvertrag von
1974, kamen die Seiten überein, ein
gemeinsames
Verifizierungsexperiment
am Versuchsgelände der jeweils anderen Seite zu planen und durchzuführen.
Mit Genugtuung ist daher die Unterzeichnung eines Vertrages über ein
gemeinsames
Verifizierungsexperiment
aufgenommen worden sowie die umfangreichen derzeit laufenden Vorbereitung smaßnahmen für dieses Experiment
und die positive Zusammenarbeit, insbesondere zwischen den derzeit mit
Arbeiten auf dem jeweils anderen Versuchsgelände beschäftigten zahlreichen Personen. Ferner wurde der erhebliche Fortschritt bei dem neuen
Protokoll zum Vertrag über Atomexplosionen zu friedlichen Zwecken vermerkt und auf anhaltende konstruktive
Verhandlungen über wirkungsvolle Verifizierungsmaßnahmen , des Schwellenvertrags gedrängt.
Während
sie ihrer Überzeugung
Ausdruck verliehen, daß die bisher
erzielten Fortschritte eine solide

Basis für weitere Fortschritte bei
Problemen bezüglich der Atomtests
darstellen, wiesen die Staatsmänner
ihre Unterhändler an, unverzüglich
die Vorbereitung eines Protokolls für
den Vertrag über Atomexplosionen zu
friedlichen Zwecken sowie auch für
den Schwellenvertrag fertigzustellen,
sobald das gemeinsame Verifizierungsexperiment durchgeführt und analysiert worden ist. Sie unterstrichen
ihre Auffassung, daß Verifizierungsmaßnahmen für den Schwellenvertrag in
angemessenem Umfang in zusätzlichen eventuell im weiteren Verlauf erreichten - Abkommen zur Begrenzung
von Atomtests angewendet werden können. Sie erklärten ferner ihre beiderseitige Absicht, die Ratifizierung
der beiden Verträge von 1974 und 1976
anzustreben, wenn die entsprechenden
Protokolle zum Schwellenvertrag und
zum Vertrag über ^tomexplosionen zu
friedlichen Zwecken vorliegen, und
die Verhandlungen wie in der gemeinsamen
Washingtoner
Gipfelerklärung
vereinbart fortzusetzen.

Die Nichtverbreitung von Kernwaffen
Die beiden Staatsmänner vermerkten, daß dieses Jahr der 20. Jahrestag
des
Atomwaffensperrvertrages
(NPT) ist, eines der wichtigsten internationalen RüstungskontrollVerträge mit über 130 Unterzeichnerstaaten.
Sie erneuerten ihre Überzeugung, daß
eine weltumfassende
Befolgung des
Atomwaffensperrvertrages wichtig für
den internationalen Frieden und die
Sicherheit ist. Sie verliehen ihrer
Hoffnung Ausdruck, daß jeder NichtUnterzeichnerstaat dem Vertrag beitritt, oder in vergleichbarer Weise
nach internationalem Recht die Verpflichtung eingeht, auf den Erwerb
von Atomwaffen zu verzichten und deren Verbreitung zu verhindern. Dies
wird die Möglichkeiten für Fortschritte zu einem Abbau von atomarer
Bewaffnung verstärken und die Bedrohung durch einen Atomkrieg verringern.
Die beiden Staatsmänner bestätigten ebenso Jhre Unterstützung für die

�Zentren zur Verringerung des Nuklearen Risikos

chemischer Waffen sowie des Verzichts
auf die Nutzung von zweifach verwendbaren chemischen Wirkstoffen für chemische Waffen verwiesen, betonten die
Staatsmänner die Notwendigkeit konkreter Lösungen des Problems der Sicherstellung einer wirkungsvollen Verifizierung und unverminderter Sicherheit für alle Beteiligten der
Konvention. Ihren jeweiligen Delegationen gaben sie entsprechende Anweisungen.

Die Staatsmänner drückten ihre
Zufriedenheit über die Aktivierung
einer neuen KommunikationsVerbindung
zwischen den beiden Zentren zur Verringerung des Nuklearen Risikos in
Moskau und Washington aus, welche gemäß dem amerikanisch-sowjetischen Abkommen vom 15. September 1987 eingerichtet wurden. Man stimmte überein,
daß die Zentren im Zusammenhang mit
einem zukünftigen Vertrag über den
Abbau amerikanischer und sowjetischer
strategischer Atomwaffen eine wichtige Rolle spielen können.

Beide Seiten waren sich einig,
wie wichtig es ist, daß alle Staaten
größere Offenheit an den Tag legen,
weil dies eir Weg zur Vertrauensbildung und zur Stärkung des Fundaments
für eine wirkungsvolle Konvention
ist. Die Staatsmänner betonten ebenfalls die Notwendigkeit einer engen
Koordinierung auf multilateraler Ebene, um die Teilnahme aller Staaten
sicherzustellen, die gemäß der Konvention im Besitz von chemischen Waffen und zur Herstellung solcher Waffen fähig sind.

Internationale Atomenergiebehörde und
vereinbarten, ihre Anstrengungen zur
weiteren Stärkung der Behörde fc_tzusetzen. Sie hoben erneut den Wert
ihrer
regelmäßigen
Konsultationen
über die Nichtverbreitung hervor, und
kamen überein, daß diese beizubehalten seien.

Chemische Waffen
Die Staatsmänner überprüften den
Stand der laufenden multilateralen
Verhandlungen und bilateralen Konsultationen über ein umfassendes, wirkungsvoll überprüfbares und tatsächlich weltweites Verbot von chemischen
Waffen, welches alle zur Herstellung
chemischer Waffen fähiger Staaten
einschließt.
Ferner verliehen sie
ihrer Besorgnis über das wachsende
Problem der. Verbreitung und des Einsatzes von chemischen Waffen Ausdruck.
Die
Staatsmänner
unterstrichen
die Bedeutung der Anstrengungen, die
auf die Behandlung der unvermindert
dringlichen und unvergleichlich wichtigen Aufgabe des Verbots chemischer
Waffen sowie auf den Abschluß einer
wirkungsvollen Konvention gerichtet
sind. Während sie auf die schon erzielten Fortschritte in den Verhandlungen und die schwierigen Probleme
im Hinblick auf eine wirkungsvolle
Überwachung eines weltweiten Verbots

Beide Seiten verurteilen entschieden die gefährliche Verbreitung
und den rechtswidrigen Einsatz von
chemischen Waffen unter Verletzung
des Genfer Protokolls von 1925. Sie
unterstrichen die Bedeutung von sowohl technischen als auch politischen
Lösungen dieses Problems und bekräftigten ihre Unterstützung für internationale Untersuchungen mutmaßlicher
Verletzungen. Die Staatsmänner verwiesen auf erste Bemühungen zur Kontrolle des Exports von chemischen
Wirkstoffen, die bei der Produktion
von chemischen Waffen verwendet werden, und forderten alle Staaten, die
zur Herstellung solcher Wirkstoffe in
der Lage sind, dazu auf, eine strenge
Exportkontrolle einzuführen, um der
Verbreitung chemischer Waffen Einhalt
zu gebieten.

Konventionelle Rüstungskontrolle
Die Seiten unterstrichen die Bedeutung der Festigung von Stabilität
und Sicherheit in ganz Europa. Sie

- 7 -

�begrüßten in diesem Zusammenhang die
bereits erzielten Fortschritte bei
der Ausarbeitung des Mandats für neue
Verhandlungen über Streitkräfte und
konventionelle Rüstungen und äußerten
ihre Hoffnung auf einen baldigen und
ausgewogenen
Abschluß
des
Wiener
KSZE-Folgetreffens.
Der Generalsekretär und der Präsident stellten zugleich fest, daß die vollständige
Verwirklichung der Bestimmungen des
Dokumentes der Stockholmer Konferenz
über Vertrauens- und sicherheitsbildende Maßnahmen und Abrüstung in Europa in bedeutendem Maße zur Erweiterung der Offenheit und zur Festigung
des gegenseitigen Vertrauens beitragen kann.
Sie erörterten ferner den Stand
der Wiener Verhandlungen über die
beiderseitige und ausgewogene Reduzierung der Streitkräfte in Europa
(MBFR).

Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa
Die Staatsmänner bekräftigten ihr
Engagement zur Fortführung des KSZEProzesses. Die Sowjetunion und die
Vereinigten Staaten werden ihre Zusammenarbeit mit den anderen 33 Teilnehmerstaaten fortsetzen, um das Wiener KSZE-Folgetreffen zu einem erfolgreichen
Abschluß
zu
bringen.
Dies soll durch bedeutsame Ergebnisse
auf allen Hauptgebieten der Schlußakte von Helsinki und des Madrider Abschlußdokumentes geschehen.

Verbreitung von Technologie ballistischer Raketen
Die
Staatsmänner
kamen
darin
überein, das Problem der Verbreitung
der Technologie von ballistischen Raketen bilateral auf Expertenebene zu
erörtern.

Dritte Sondersitzung
versammlung

der UN-General-

Der Präsident und der Generalsekretär verwiesen auf die Bedeutung
der laufenden dritten UN-Sondertagung
für Abrüstung.

Menschenrechte und humanitäre Anliegen
Der Präsident und der Generalsekretär sprachen eingehend über Menschenrechte und humanitäre Anliegen.
Die Staatsmänner erörterten den immer
breiteren und detaillierteren amerikanisch-sowjetischen Dialog auf diesem Gebiet und stimmten darin überein, daß dieser auf allen Ebenen
stattfinden sollte, um zu anhaltenden
und konkreten Fortschritten zu gelangen. Es wurde festgestellt, daß dieser Dialog darauf ausgerichtet sein
sollte, die Rechte, Freiheiten und
Menschenwürde des Einzelnen möglichst
umfassend sicherzustellen;
menschliche Kommunikation und Kontakte zu
fördern; einen regen Austausch von
geistigen, kulturellen, historischen
und sonstigen Werten zu betreiben;
und größeren gegenseitiges Verständnis und Respekt zwischen beiden Ländern herbeizuführen. Zu diesem Zweck
erörterten sie die mögliche Einrichtung eines Forums, in dessen Rahmen
sich Vertreter der verschiedenen Bereiche beider Gesellschaftsordnungen
regelmäßig treffen würden.
Bereits
vollzogene Schritte zur Herstellung
eines Austauschs von Informationen
und Kontakten zwischen den gesetzgebenden Körperschaften beider Länder
wurden hervorgehoben. Hierzu gehören
ebenfalls die Diskussionen zwischen
Rechtsexperten, Medizinern und Vertretern anderer Berufsrichtungen, die
direkt in Menschenrechtsfragen engagiert sind, und zwischen Vertretern
von regierungsunabhängigen Organisationen.

�Regionale Angelegenheiten
Der Präsident und der Generalsekretär führten eingehende Gespräche
über ein breites Spektrum regionaler
Fragen,
einschließlich
des
Nahen
Ostens, des Krieges zwischen Iran und
Irak, Südafrika, dem Hörn von Afrika,
Mittelamerika, Kambodscha, der koreanischen Halbinsel und anderer Bereiche. Sie drückten ihre Befriedigung
über den im April 1988 in Genf erfolgten Abschluß eines Abkommens über
eine Regelung für Afghanistan aus.
Obwohl die Gespräche sowohl im Hinblick auf die Beurteilung der Ursachen regionaler Spannungen als auch
bei den Mitteln zu deren Überwindung
ernsthafte
Meinungsverschiedenheiten
aufdeckten, kamen beide Staatsmänner
überein, daß diese unterschiedlichen
Meinungen kein Hindernis für eine
konstruktive Beziehung zwischen den
Vereinigten Staaten und der Sowjetunion darstellen sollten.
Sie bestätigten ihre Absicht, Gespräche
zwischen
den
Vereinigten
Staaten und der Sowjetunion auf allen
Ebenen weiterzuführen, die darauf abzielen, den an regionalen Konflikten
Beteiligten bei der Auffindung friedlicher Lösungen zu helfen, die ihre
Unabhängigkeit, Freiheit und Sicherheit fördern. Sie betonten die Bedeutung, die einer verbesserten Stellung der Vereinten Nationen und anderer internationaler Institutionen im
Hinblick auf ihren Beitrag zur Lösung
regionaler Konflikte zukommt.

Bilaterale Angelegenheiten
Der Präsident und der Generalsekretär erörterten die seit ihrem
Treffen in Washington von Dezember
1987 durch den weiteren Ausbau bilateraler Kontakte, Austauschprogramme
und Zusammenarbeit erzielten Fortschritte. Sie verwiesen auf die zunehmend wichtige Rolle, die ein Austausch zum beiderseitigen Nutzen zwischen beiden Ländern bei der Verbesserung des gegenseitigen Verständnisses und Schaffung von Stabilität im

amerikanisch-sowjetischen
Verhältnis
spielen kann. Sie erklärten ihre Absicht zur Intensivierung dieser Verbindungen.
Mit besonderer Genugtuung wurde
verzeichnet, daß in den meisten der
bei den Zusammenkünften in Genf,
Reykjavik und Washington definierten
Bereiche konkrete Abkommen erzielt
wurden.

Bilaterale Abkommen
Aktivitäten

und

gemeinsame

Der Präsident und der Generalsekretär begrüßten den Abschluß einer
Reihe bilateraler Abkommen, mit denen
einer fruchtbaren Zusammenarbeit in
den folgenden Bereichen neue Möglichkeiten
eröffnet
werden:
wissenschaftliche und technische Zusammenarbeit im Verkehrswesen; Seenotrettung; praktische Koordination zwischen amerikanischen und sowjetischen
Funknavigationssystemen im Nordpazifik und der Beringstraße sowie Zusammenarbeit im Fischereiwesen.
Beide Staatsmänner begrüßten die
jüngste Unterzeichnung einer neuen
Vereinbarung über die Atomreaktorsicherheit im zivilen Bereich gemäß
dem bilateralen Abkommen über die
friedliche Nutzung der Atomenergie.
Zur Erweiterung dieses Abkommens fand
ein Notenaustausch statt.
Sie drückten Befriedigung über
die jüngste Unterzeichnung eines neuen Protokolls zum bilateralen Abkommen über das Wohnungswesen aus, das
eine Zusammenarbeit im Bereich der
Bauforschung im Hinblick auf extreme
geologische und ungewöhnliche klimatische Bedingungen vorsieht.
Der Stand der Verhandlungen zwischen beiden Ländern zur Schiffahrt,
den Seegrenzen zwischen den Vereinigten Staaten und der UdSSR, der Grundlagenforschung und Notfallbeseitigung
von Umweltschäden in der Beringstraße
und der Tschuktschen See wurde einer
Betrachtung unterzogen.
Die Unter-

- 9-

�händler wurden angewiesen, ihre
strengungen zur baldmöglichsten
langung beiderseitig akzeptabler
kommen in diesen Bereichen zu
schleunigen.

AnErAbbe-

Beide Staatsmänner begrüßten die
Aufnahme bilateraler Gespräche zur
Bekämpfung des Drogenhandels.
Mit
Befriedigung verzeichneten sie die
laufenden Konsultationen beider Seiten über See- und Luftrecht, die Sicherheit der Schiffahrt und in Bereichen von gemeinsamem Interesse in juristischen Fragen.

Kulturelle und Austauschprogramme
Beide Staatsmänner verwiesen auf
den Ausbau des Austausches in den Bereichen Erziehung, Wissenschaft, Kultur und Sport nach dem Allgemeinen
Austauschabkommen, begrüßten die Unterzeichnung eines neuen Durchführungsprogramms für 1989-91 gemäß dem
Abkommen und bekundeten ihre Absicht
zum weiteren Ausbau solcher Austauschprogramme.
Im Zeitraum der
Gültigkeit dieses Abkommens werden
beide Seiten unter Berücksichtigung
ihrer gemeinsamen Interessen und der
finanziellen und technischen Voraussetzungen Verhandlungen über die Eröffnung von Kultur/Informationszentren in den Vereinigten Staaten und
der Sowjetunion führen, mit dem Ziel
der Unterzeichnung eines angemessenen
Abkommens durch die Regierungen beider Seiten.
Es wurde mit Befriedigung vermerkt, daß im Verlauf des Dialogs
beider Staatsmänner menschliche Kontakte und Austauschprogramme zwischen
nichtstaatlichen Organisationen erheblich zugenommen haben und zu einem
der lebendigsten Bestandteile in den
bilateralen
Beziehungen
geworden
sind. Sie bestätigten ihr Engagement
für den Ausbau solcher Austauschprogramme, die zum gegenseitigen Verständnis beitragen und begrüßten Pläne für zukünftige erweiterte Austauschprogramme junger Menschen. In
diesem Zusammenhang drückten sie ihre

Bereitschaft aus, das Konzept der
weiteren Erarbeitung von Austauschprogrammen für Schüler weiterführender Schulen in die Praxis umzusetzen.
Sie verwiesen auf jüngste gemeinsame
amerikanisch-sowjetische
Initiativen
in den Bereichen Kultur, Theater und
Film als Beispiele neuer Möglichkeiten der Zusammenführung von Menschen
aus kreativen Berufen.
Beide Staatsmänner bemerkten die
sich schnell intensivierenden Verbindungen zwischen beiden Ländern im
Sport, auch bei den jeweiligen nationalen olympischen Komitees und drückten ihre Unterstützung für die internationale olympische Bewegung aus,
die durch den Wettbewerb der Athleten
internationale Kooperation und Verständigung fördert.

Andere gemeinsame Aktivitäten
Der Präsident und der Generalsekretär verwiesen auf den erfolgreichen Ausbau der Zusammenarbeit in
der Wissenschaft im Rahmen bilateraler Abkommen zum Umweltschutz, der
Medizin und
dem Gesundheitswesen,
Forschung und Entwicklung künstlicher
Herzen, Landwirtschaft
und Erforschung der Weltmeere, und sie bekundeten ihre Absicht zum weiteren Ausbau von Aktivitäten unter diesen Abkommen in den Bereichen, die für beide Seiten Nutzen bringen.
Der Präsident und der Generalsekretär verzeichneten erfreut die
Aufnahme der Arbeit an der Konzeption
eines Internationalen Thermonuklearen
Experimentellen Reaktors (ITER) unter
der Schirmherrschaft der Internationalen Atomenergiebehörde und unter
Beteiligung von Wissenschaftlern und
Experten aus den Vereinigten Staaten,
der Sowjetunion, den an der Atomenergie arbeitenden europäischen Ländern
und Japan. Beide Staatsmänner verwiesen auf die Bedeutung dieses nächsten Schritts zur Entwicklung der
Kernkraft als preiswerte, umweitfreudliche und Im wesentlichen unerschöpfliche Energiequelle zum Nutzen

- 10 -

�der ganzen Menschheit.
Der Präsident und der Ger.aralsekretär begrüßten die Übereinkunft
von Vertretern der Vereinigten Staaten, der Sowjetunion, Kanadas und
Frankreichs, in nächster Zukunft das
weltraumgestutzte Such- und Rettungssystem zur weltweiten Rettung von
Menschenleben - COSPAS/SARSAT - zu
institutionalisieren.
Beide
Staatsmämmer
bekräftigen
erneut ihre Unterstützung für das
Ziel von WHO und UNICEF, das Ausmaß
der zu verhindernden Kindersterblichkeit mit den wirkungsvollsten Methoden zur Rettung der Kinder zu verringern. Sie drängten andere Länder und
die internationale Gemeinschaft, die
Anstrengungen zur Erlangung dieses
Ziels zu intensivieren.
Initiativen zum Klima auf der Erde
und zur Veränderung der Umwelt
Beide Staatsmänner drückten ihre
Befriedigung über die seit dem Gipfeltreffen in Washington unternommenen Aktivitäten zum Ausbau der Zusammenarbeit im Hinblick auf das Klima
auf der Erde und die Veränderung der
Umwelt aus, einschließlich der beide
Seiten betreffenden Bereiche wie Umweltschutz, insbesondere der Schutz
und die Erhaltung der Ozonschicht und
die mögliche Tendenz zur Erwärmung
des Klimas.
Sie betonten ihren
Wunsch zur aktiveren Nutzung der einzigartigen Möglichkeiten, die die
Weltraumprogramme beider Länder zur
Durchführung der weltweiten Beobachtung der Umwelt und der ökologischen
Bedingungen der Landmassen, Weltmeere
und der Erdatmosphäre bieten.
Sie
unterstrichen die Notwendigkeit der
zukünftigen Weiterführung bilateraler
und multilateraler Zusammenarbeit in
diesem wichtigen Bereich.

Initiative für mehr Zusammenarbeit
bei der zivilen Nutzung des Weltraums
Beide Staatsmänner erkannten das

seit langem bestehende Engagement
beider Länder für die Weltraumwissenschaft und die Erforschung des Alls
an und verwiesen auf die im Rahmen
der Gemeinsamen Vereinbarung zwischen
den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion von 1987 über die Erforschung und Nutzung des Weltraums für
friedliche
Zwecke erzielten Fortschritte. In diesem Zusammenhang einigte man sich auf eine neue Initiative zum Ausbau der Zusammenarbeit im
Weltraum im zivilen Bereich durch die
Gewährung gegenseitiger Flugmöglichkeiten für wissenschaftliche Instrumente im jeweils anderen Raumfahrzeug
und durch den Austausch von Ergebnissen unabhängiger nationaler Studien
über zukünftige unbemannte Missionen
zur Erforschung des Sonnensystems.
Damit soll eine Beurteilung über die
zukünftige
amerikanisch-sowjetische
Zusammenarbeit bei solchen Missionen
ermöglicht werden. Beide Staatsmänner vereinbarten ebenfalls den erweiterten Austausch von Daten und Wissenschaftlern im Bereich der Weltraumwissenschaft sowie die Verbesserung des wissenschaftlichen Nutzens,
der aus den Forschungsmissionen beider Länder im Weltraum gezogen werden
kann.
Sie verwiesen auf wissenschaftliche Missionen zum Mond und
zum Mars als Bereiche möglicher bilateraler und internationaler Kooperation.

Kontakte und Kooperation am Nordpol
Beide Staatsmänner berücksichtigten die einzigartigen ökologischen
und
demographischen
Merkmale
des
Nordpols und bestätigten ihre Unterstützung erweiterter bilateraler und
regionaler Kontakte sowie der Zusammenarbeit in diesem Bereich.
Sie
verwiesen auf Pläne und Möglichkeiten
für mehr wissenschaftliche und ökologische Zusammenarbeit im Rahmen einer
Reihe bilateraler Abkommen sowie im
Rahmen eines Internationalen Komitees
zur Erforschung des Nordpols, der
Länder angehören, die Interessen in
der Region verfolgen. Sie haben ihre
Unterstützung für mehr menschliche

- 11 -

�Kontakte zwischen der Bevölkerung
Alaskas und der Sowjetunion bekundet.
Der Präsident und der Generalsekretär verwiesen in diesem Zusammenhang auf die positive Rolle des
multilateralen
Antarktis-Vertrages
und betonten die Bedeutung der wissenschaftlichen und umweltpolitischen
Zusammenarbeit zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion in
dieser Region.

Wirtschaft und Handel
Beide Seiten bestätigten ihre
einhellige Unterstützung für den Ausbau von Handels- und Wirtschaftsbeziehungen zum beiderseitigen Nutzen
und verwiesen auf jüngste Aktivitäten
in diesem Bereich. Sie verliehen ihrer Überzeugung Ausdruck, wirtschaftlich lebensfähige und mit den Gesetzen und Bestimmungen beider Länder im
Einklang befindliche Joint Ventures
könnten bei der weiteren Entwicklung
der Wirtschaftsbeziehungen eine Rolle
spielen. Sie begrüßten die Ergebnisse der Zusammenkunft der Gemeinsamen
amerikanisch-sowjetischen
Wirtschaftskommission im April und bemerkten mit Befriedigung die Schaffung von Arbeitsgruppen im Rahmen der
Kommission, mit denen bessere Bedingungen hervorgebracht werden sollen,
im Rahmen derer sich ein für beide
Seite vorteilhafter Handel entwickeln
kann. Unter Verweis auf die Gemeinsame Erklärung von 1974 sowie das
Protokoll mit dem Anhang des langfristigen Abkommens zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika und der
Union Sozialistischer Sowjetrepubliken zur Erleichterung wirtschaftlicher, industrieller und technischer
Zusammenarbeit, das beim Abschluß der
Geraeinsamen
Wirtschaftskommission
veröffentlicht wurde, kam man überein, daß die Kommission weiterhin zusammentreffen sollte, ,um auf den bisherigen Impulsen aufzubauen.
Beide Staatsmänner verwiesen auf
den Ausbau der Beziehungen zwischen
Aeroflot und Pan American Airlines
- 1

unter dem zwischen beiden Regierungen
geschlossenen Abkommen über den zivilen Luftverkehr als positives Beispiel der Zusammenarbeit zum beiderseitigen Nutzen.

Austausch über
Konsulate/Diplomatische und
konsularische Vertretungen
Der Präsident und der Generalsekretär bestätigten ihre Vereinbarung, in Kiew und New York Generalkonsulate zu eröffnen, sobald dies
praktikabel ist.
Beide
Staatsmänner
erörterten
Fragen im Hinblick auf die Gewährleistung angemessener und sicherer Bedingungen für amerikanische und sowjetische diplomatische und konsularische Einrichtungen und deren Personal auf dem Territorium des anderen.
Sie waren sich über die Notwendigkeit
einig, Fragen zu diesem Problemkreis
konstruktiv und auf der Basis der Gegenseitigkit anzugehen.

Zukünftige Treffen
Der Präsident und der Generalsekretär erkennen die Bedeutung ihrer
persönlichen Beteiligung an der Entwicklung der Beziehungen in den kommenden Monaten und wiesen die Außenminister Shultz und Schewardnadze an,
sich gegebenenfalls zu treffen und
ihnen Möglichkeiten vorzuschlagen, um
weitere praktische Fortschritte bei
der gesamten Bandbreite von Themen zu
gewährleisten.
Kontakte auf Expertenebene werden auf einer intensivierten Grundlage weitergeführt.

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Hintergrundmaterial

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8. Juni 1988

22

DIE VEREINBARUNGEN ÜBER DAS GEMEINSAME AMERIKANISCH-SOWJETISCHE
VERIFIZIERUNGSEXPERIMENT
- Eine Übersicht des Weißen Hauses -

Die folgende Übersicht zu den Vereinbarungen über das gemeinsame amerikanisch-sowjetische Verifizierungsexperiment (JVE) wurde am 31. Mai 1980 in Moskau vom Weißen Haus veröffentlicht:

Die Arbeitsgruppe Sicherheit und
Rüstungskontrolle hat die technischen
Einzelheiten des Gemeinsamen Verifizierungsexperiments
fertiggestellt,
und damit können wir diese Vereinbarungen heute unterzeichnen.
Dies ist ein bedeutender Schritt
zu einem Abkommen über effektive Verifizierungsmaßnahmen, die uns die
Ratifizierung des Schwellenvertrages
(TTBT) und des Vertrages über Kernexplosionen
zu
friedlichen
Zwecken
(PNET) erlauben würden.
Die Vereinbarungen über das JVE
werden jeder Seite eine Gelegenheit
bieten, den Detonationswert einer
Kernexplosion der jeweils anderen
Seite zu messen und dabei jeweils das
eigene, bevorzugte Verfahren anzuwen-

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den.
Die Vereinigten Staaten hoffen,
daß bei Abschluß des JVE-Prozesses zu dem auch die Auswertung durch jede
Seite und der Austausch von Daten gehören - die Sowjets in der Lage sein
werden, die routinemäßige Anwendung
des CORRTEX-Verfahrens als angemessene Verifizierungsmethode der Vereinigten Staaten zu akzeptieren. Wir
hoffen, daß das JVE diesen Sommer abgeschlossen werden kann.
Die
technischen
Vereinbarungen
umfassen ca. 160 Seiten, darunter 37
Anhänge. Die beiden durchzuführenden
Tests werden über 100 Kilotonnen und
annähernd bei der TTBT-Obergrenze von
150 Kilotonnen liegen. Der amerikanische Test wird auf dem Versuchsge-

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�lande in Nevada, der sowjetische Test
auf dem Versuchsgelände von Semipalatinsk stattfinden.

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Hintergrundmaterial
8. Juni 1988

22

AMERIKANISCH-SOWJETISCHES ABKOMMEN ÜBER DIE
FRIEDLICHE NUTZUNG DER KERNENERGIE
- Eine Übersicht Die nachfolgende Übersicht zum amerikanisch-sowjetischen Abkommen über die
Zusammenarbeit bei der friedlichen Nutzung der Kernenergie wurde am 31. Mai
vom Weißen Haus in Moskau veröffentlicht.

Das amerikanisch-sowjetische Abkommen über wissenschaftliche und
technische Zusammenarbeit im Bereich
der friedlichen Nutzung der Kernenergie wurde in seiner Urfassung im Juni
1973 von Präsident Nixon und Generalsekretär
Breschnew
unterzeichnet.
Der Energiebehörde obliegt die Verwirklichung der Zusammenarbeit, und
sie trägt die Verantwortung im Hinblick auf den Ablauf und die Oberaufsicht der amerikanischen Beteiligung
an Aktivitäten gemäß diesem Abkommen.
Das Abkommen sieht die Zusammenarbeit in den Bereichen Kernschmelzung und Hochenergiephysik vor und
wird weiterhin als Grundlage für zukünftige bilaterale Aktivitäten zur
zivilen Nutzung der Kernenergie dienen. Beim Abschluß des siebten Tref-

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fens des gemeinsamen Ausschusses für
das Abkommen am 2. Mai 1988 in Washington beschlossen beide Seiten
eine einjährige Verlängerung des Abkommens, damit Zusatzartikel zur Urfassung beschlossen werden konnten,
einschließlich solcher Bestimmungen
zum zusätzlichen
Schutz geistigen
Eigentums.
Beide Seiten bekundeten
nach Vereinbarung der Zusatzartikel
ihr Interesse an der Verlängerung des
Abkommens für einen Zeitraum von fünf
bis zehn Jahren.
Sie vereinbarten
ebenfalls neue Arbeitsprogramme zur
Kernschmelzung und Physik und unterzeichneten eine neue Gemeinsame Vereinbarung über die Sicherheit von
Atomreaktoren im zivilen Bereich, die
damit in Kraft trat.
Angesichts

der sich

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aus diesem

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�seit langem bestehenden Abkommen ergebenden Vorteile und im Hinblick auf
die Bedeutung der neuen Übereinkunft
über Sicherheit von Atomreaktoren
kamen beide Seiten überein, die Verlängerung mit einem Austausch diplomatischer Noten anläßlich des Besuchs
von Präsident Reagan in der Sowjetunion zu vollziehen.

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Hintergrundmaterial
8. Juni 1988

22

AMERIKANISCH-SOWJETISCHES ABKOMMEN ZUR
ZUSAMMENARBEIT IM WELTRAUM
- Eine Übersicht -

Die folgende Übersicht über das amerikanisch-sowjetische Abkommen zur Zusammenarbeit im Weltraum wurde vom Weißen Haus am 31. Hai in Moskau herausgegeben :
Im April 1987 unterzeichneten der
amerikanische
Außenminister
Shultz
und der sowjetische Außenminister
Schewardnadse das Abkommen zur Zusammenarbeit bei der Erforschung und
Mutzung des Weltraums zu friedlichen
Zwecken. Das Abkommen sieht die Einrichtung von fünf gemeinsamen Arte itsgruppen auf den Gebieten der Erforschung des Sonnensystems, Weltraum-Astronomie und Astrophysik, Geowissenschaften,
Sonnenphysik
mit
Rückwirkung auf die Erde (solar terrestrial physics), sowie der Weltraumbiologie und -medizin vor. Sämtliche
fünf Arbeitsgrupen haben Sitzungen
abgehalten. Ihre Tagesordnungen basierten auf mindestens einem der ursprünglichen 16 gemeinsamen Projekte,
die im Anhang des Weltraumabkommens
aufgelistet sind.

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Angesichts der im Rahmen des
Weltraumabkommens
erzielten
Fortschritte haben beide Seiten vereinbart, die Zusammenarbeit bei der
Weltraumwissenschaft
kontinuierlich
auszuweiten. Sie kamen überein, den
Austausch von Daten aus der Weltraumwissenschaft und von Wissenschaftlern
zu verstärken und gegenseitig Möglichkeiten des Transports von wissenschaftlichen Instrumenten in den bemannten oder unbemannten Raumtransportern beider Seiten einander anzubieten. Schließlich haben sie sich
dazu verpflichtet, die Ergebnisse unabhängiger nationaler Studien über
zukünftige unbemannte Missionen zur
Erforschung des Sonnensystems auszutauschen, um mit deren Hilfe die Aussichten auf eine zukünftige amerikanisch-sowjetische Zusammenarbeit bei
derartigen Missionen zu bewerten.

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Wissenschaft und Technik

8. Juni 1903

22

BIOTECHNIK - EINE ZUKUNFTSINDUSTRIE
- OTA-Studie zu Umweltproblemen durch künstlich erzeugte Organismen -

Das Amt für Technologiebewertung
(Office of Technology Assessment OTA) , eine Forschungsinstitut des
US-Kongresses hält Umweltprobleme infolge der Freisetzung genetisch veränderter Organismen bei begrenzten
Tests außerhalb von Laboratorien für
unwahrscheinlich. Das geht aus einem
Bericht hervor, der die Ergebnisse
einer von OTA durchgeführten Dreijahresstudie
zusammenfaßt.
Damit
liegt die gründlichste Analyse im
Hinblick auf mögliche Probleme vor,
die durch das Einbringen künstlich
erzeugter Organismen in die Umwelt
entstehen könnten. Die gegenwärtig
üblichen Prüfungsverfahren für die
Felderprobung genetisch manipulierter
Lebensformen reichen demnach aus, um
die meisten denkbaren Probleme im voraus zu erkennen und zu verhindern.

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Luther Val Giddings, der Leiter der
Wissenschaftlergruppe, sieht jedoch
keine Gewähr dafür, daß dies mit
fortschreitender Technik und ehrgeizigeren
Anwendungsversuchen
auch
künftig der Fall sein wird.
Gentechnik zielt darauf ab, die
Erbsubstanz lebender Zellen so zu
verändern, daß diese neue Substanzen
produzieren oder neue Funktionen erfüllen können. Genetisch veränderte
Organismen dienen den verschiedensten
Zwecken - beispielsweise der Gewinnung von Vakzinen zum Schutz von
Mensch und Tier, der Züchtung neuer
Pflanzensorten mit verbesserter Resistenz gegen Krankheiten, Schädlinge
und Herbizide, der Produktion von Mikroben,
die
Ernteverluste
durch
Frosteinwirkung verringern oder durch

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�den Abbau toxischer Abfälle die Qualität der Umwelt verbessern.
Manche Wissenschaftler und Umweltschutzgruppen äußerten sich besorgt, einmal freigesetzte veränderte
Mikroben könnten sich vermehren und
ausbreiten und dann vielleicht andere
Organismen schwer schädigen oder empfindliche ökologische Systeme aus
dem Gleichgewicht bringen. Der OTABericht schließt potentielle Risiken
nicht aus: "Praktisch jeder Organismus, der in eine neue Umgebung gelangt, wird eine geringe, aber doch
reale Chance zu überleben und zur
Vermehrung haben. Das könnte in manchen Fällen unerwünschte Konsequenzen
haben". Jedoch seien solche Sorgen
eher bei irgendwann in der Zukunft zu
erwartenden großräumigen Tests oder
kommerzieller Anwendung berechtigt.
"In der Tat dürften begrenzte,
kleine Feldtests der einzige Weg
sein" - sagen die Verfasser des Berichts - "um Unsicherheiten in bezug
auf diese oder jene kommerzielle Anwendung genetisch veränderter Organismen zu klären. Ergeben sich dabei
keine
besorgniserregenden
Fragen,
dürfte aus wissenschaftlicher Sicht
kein Grund bestehen, Feldtests oder
die Anwendung
in größerem Rahmen
nicht in Angriff zu nehmen". Vor
einem Unterausschuß des US-Repräsentantenhauses verwies Giddings darauf,
es sei für die zuständigen Behörden
wichtig, wenn auch schwierig, die
richtige Mischung von Vorsicht und
sachgerechter Beurteilung zu finden,
so daß kein ehrgeiziges Projekt ohne
angemessene Überprüfung "durchschlüpfen" könne.
Seit Oktober 1986 haben das USLandwirtschaftsministerium
und
die
Bundesumweltschutzbehörde
EPA
34
Feldtests mit genetisch veränderten
Mikroben oder Pflanzen genehmigt.
Als erstes Unternehmen erhielt im
April vergangenen Jahres eine kalifornische Biotechnikfirma die Erlaubnis zu einem Freilandtest mit genetisch veränderten Bakterien, die Erdbeerpflanzen vor Frostschäden bewah-

ren sollten. Inzwischen wurde Anträgen von zwei weiteren Biotechnik-Firmen stattgegeben; über den Antrag
eines vierten Unternehmens auf Erprobung eines gentechnisch produzierten
Pestizids zum Schutz von Mais, soll
in allernächster
Zeit entschieden
werden.
Der
Kongreßabgeordnete
James
Scheuer, Vorsitzender des Unterausschusses für Natürliche Ressourcen,
Agrarforschung und Umwelt, äußerte
allerdings "ernste Besorgnis", ob die
von Bundesbehörden erlassenen Vorschriften im Zusammenhang mit der
Freisetzung genetisch veränderter Organismen den Problemen gerecht werden. "Von konkreten, klaren Verwaltungsvorschriften für biotechnische
Produkte scheinen wir noch weit entfernt zu sein", meinte er. "Dennoch
werden solche Produkte weiterhin geprüft und ihre Freisetzung erlaubt.
Diese Situation dürfte in Zukunft bei
dem erwarteten dramatischen Anstieg
angewandter Biotechnik nicht befriedigend sein."
Die Biotechnik gilt als eine
künftige Schlüselindustrie. Aus diesem Grund kommt nach Ansicht führender Persönlichkeiten in der amerikanischen Nationalen Akademie der Wissenschaften (NAS) den Aktivitäten von
Kongreß und Regierung zum Schutze der
Öffentlichkeit,
gleichzeitig
aber
auch zur Bewahrung der Wettbewerbsfähigkeit
der
amerikanischen
Wirtschaft, ganz besondere Bedeutung zu.
Die Akademie kann eine nützliche Rolle spielen, indem sie den Politikern
hilft, zwischen echten und hypothetischen Problemen
zu unterscheiden.
Der NAS-Ausschuß, der im August 1987
einen Bericht zum Thema der Anwendung
gentechnisch
erzeugter
Organismen
veröffentlicht hatte, befürwortet ein
Klassifizierungssystem,
mit
dessen
Hilfe abgeschätzt werden kann, ob genetisch veränderte Organismen, deren
Freisetzen beabsichtigt ist, ein Risiko darstellen. Dieses System könnte z.B. an der Art der durch genetische Manipulation eingeführten Funktionen, an der natürlichen Umwelt und

�den ökologischen Merkmalen der betreffenden Organismen und an den Gegebenheiten des Gebietes orientiert
sein, in dem die Organismen freigesetzt werden sollen .
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Wissenschaft und Technik

8. Juni 1988

22

ERREGER DER NON-A-NON-B HEPATITIS ENTDECKT
- Bluttests in der Erprobung -

Das dritte Hepatitis-Virus, das
sich im Gegensatz zu den Typen A und
B lange Zeit dem mikrobiologischen
Nachweis entzog, wurde endlich identifiziert. Wissenschaftler der Chiron-Corporation, eines Biotechnik-Unternehmens im Emeryville (Kalifornien) , berichteten kürzlich auf einem
wissenschaftlichen Symposion der Universität Kalifornien in San Francisco
über ihre Entdeckung. Zusammen mit
Forschern der Zentren für Seuchenüberwachung in Atlanta (Georgia) wurden Teile des Erregers sogar schon
kloniert, so daß Aussicht besteht,
Spenderblut auf Verseuchung durch Hepatitis-Viren vom Typ Non-A-non-B testen zu können. Fast 95 Prozent der
Leberentzündungen nach Bluttransfusionen gehen auf das Konto dieses Erregers. Mehr als 15 Jahre lang war

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in vielen Laboratorien der Welt an
seiner
Identifizierung
gearbeitet
worden. Da keine Züchtung auf Gewebekulturen gelang und die herkömmlichen Tiermodelle sich als nutzlos erwiesen, war er nur indirekt, nämlich
durch Ausschließen einer Infektion
mit Viren von Typ A und Typ B, nachweisbar.
Die auf dem Blutwege oder durch
engen persönlichen Kontakt übertragene Infektion ist weltweit ein Problem, vor allem in westlichen und
asiatischen Ländern.
Nach Angaben
der Medizinischen Bundesforschungsanstalten der USA (National Institutes
of Health - NIH) erkranken in den USA
jährlich bis zu 150 000 Personen infolge einer Bluttransfusion an einer
Leberentzündung, die auf der Infek-

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�tion mit dem Non-A-non-B-Virus beruht. Und pro Woche kommen zu den
Fällen von chronischer Hepatitis, die
auf eine Transfusion zurückzuführen
sind, 1500 neue hinzu.
Edward E. Penhoet, Präsident der
Chiron-Corporation, verwies auf einer
Pressekonferenz in Washington darauf,
daß "unsere Entdeckung und die sich
daran anschließenden Arbeiten einen
bedeutsamen Schritt darstellen, der
Millionen von Menschen zugute kommen
wird". Gegenwärtig werden mit einem
Prototypverfahren
zur
Untersuchung
von Blut auf Antikörper gegen den
dritten Hepatitis-Virustyp und damit
zur Feststellung einer Infektion präklinische
Tests
durchgeführt.
Penhoet ist zuversichtlich, daß die
Behörde für Nahrungsund Arzneimittelüberwachung (FDA) noch in diesem Jahr
die Aufnahme klinischer Tests genehmigen wird. Gegenwärtig gibt es in
den Blutbanken, in Krankenhäusern
oder an anderen Stellen noch keine
Möglichkeit,
Non-A-non-B-Hepatitis
Infektionen direkt zu diagnostizieren. Die Symptome können sich als
milde bis schwere Gelbsucht, Durchfall, Erbrechen, Appetitlosigkeit und
Mattigkeit äußern.
In der chronischen Form kann es zu Lebernekrose
und Leberzirrhose wie auch zu primärem Leberkrebs kommen.
Sobald das neue Verfahren zugelassen und verfügbar ist, könnten
Blutbanken mit einem relativ einfachen Test infiziertes Blut herausfinden. Durch Klonieren bzw. Genisolierung läßt sich Penhoet zufolge das
bei dem Bluttest verwendete Virusprotein reproduzieren.
Außerdem wird
das neue Verfahren die Ärzte in die
Lage versetzen, bei Patienten mit Hepatitissymptomen,
die
verschiedene
Ursachen haben können, exakte Diagnosen zu erstellen und den Verlauf der
Erkrankung während der Therapie zu
kontrollieren. Die Forschungen wurden von der Chiron-Tochterfirma Biocine Company durchgeführt, deren Wissenschaftler mit Ciba-Geigy in Basel
zusammenarbeiten.

- Hepatitis-B Chiron entwickelte auch als erstes Unternehmen auf gentechnischem
Wege eine Vakzine zur aktiven Schutzimpfung gegen Hepatitis-B.
Schätzungsweise 200 Millionen Menschen,
meist in Entwicklungsländern, sind
mit Hepatitis-B infiziert. Die aktive Vakzine wird, da sie sehr kostspielig ist, meist nur bei besonders
exponierten Personen, z.B. im Gesundheitsdienst, durchgeführt.
Es gibt
auch eine passive Immunprophylaxe,
die einige Monate lang bei Infektionen vor der schweren Form einer Hepatitis-B-Erkrankung schützt.

•
i

Wissenschaftler der Universität
Kalifornien in Davis setzten sich
jetzt dafür ein, Tests auf Hepatitis-B-Infektion bei Neugeborenen routinemäßig durchzuführen, um die Babies sofort zu immunisieren und damit
"unsägliches Leid und jährlich Kosten
von Millionen von Dollars zu ersparen".
Gegenwärtig werden, so Dr.
Jose A. Arevalo, nur Schwangere auf
Hepatitis-B getestet, die als "großes
Risiko" gelten. Wird dieses Kriterium jedoch als einziger Indikator
benutzt, übersieht man bis zu 50 Prozent chronisch infizierter schwangerer Frauen. Betrachtet man die direkten und indirekten Kosten der Erkrankungen, so sind Test-und Immunisierungsprozeduren mehr als gerechtfertigt.

- 2 -

* * * * *

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                    <text>AMERIKA DIENST
\ o N

V

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21

1 . Juni

1988

I N H A L T

HINTERGRUNDMATERIAL
Verhandlungen über Kern- und Weltraumwaffen
- Überblick über amerikanische und sowjetische Vorschläge
Der Krieg zwischen Iran und Irak
- Ein Überblick Der Nahost-Friedensprozess
- Ein Überblick Der KSZE-Prozess
- Eine Ü b e r s i c h t Die B e r l i n I n i t i a t i v e
- Eine Ü b e r s i c h t -

\

Regionaler Dialog
- Eine Ü b e r s i c h t -

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Hintergrundmaterial

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VON

1. Juni 1988

21

VERHANDLUNGEN ÜBER KERN- UND WELTRAUMWAFFEN
- Überblick über amerikanische und sowjetische Vorschläge -

Der folgende Abriß amerikanischer und sowjetischer Vorschläge bei den Verhandlungen über Kern- und Weltraumwaffen gibt den Stand vom 6. Mai 1988 wieder.
Verhandlungen über die Verringerung
strategischer Rüstungen - START
Vereinigte Staaten
Allgemeine Haltung
50prozentige stufenweise Reduzierung strategischer Offensivwaffen bis
auf einen Gleichstand im Zeitraum von
sieben Jahren nach Inkrafttreten des
Vertrages.
Das Abkommen ist nicht abhängig
von der Lösung anderer Probleme ausserhalb der START-Verhandlungen.

50prozentiger Abbau strategischer
Offensivwaffen bis auf einen Gleichstand in zwei Phasen über einen Zeitraum von sieben Jahren nach Inkrafttreten des Vertrages, mit nachfolgenden Verhandlungen über zusätzliche
Reduzierungen.
Die Durchführung der 50prozentigen Reduzierung ist abhängig von der
Lösung des Problems der Verteidigung
im Weltraum (DDS).

Vereinigte Staaten
Trägersysteme

Sowjetunion
Allgemeine Haltung

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Eine Obergrenze von 1 600 stationierten offensiven strategischen Trägersystemen in Form von stationierten

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Telex: 8-85432

�Interkontinentalraketen (ICBMS), stationierten U-Boot-gestützten ballistischen Raketen (SLBMs) und schweren
Bombern.

Untergrenze von 4 900 Gefechtsköpfen auf ballistischen Raketen,
gleiche Gefechtskopfuntergrenzen für
ICBMs und SLBMs sowie eine Untergrenze von 1 100 Gefechtsköpfen auf Bombern.

Sowjetunion
Trägersysteme

Vereinigte Staaten

Eine Obergrenze von 1 600 stationierten offensiven strategischen Trägersystemen in Form von stationierten
Abschußvorrichtungen für ICBMs und
SLBMs und stationierten schweren Bombern.

Schwere ICBMs
Begrenzung von 1 540 Gefechtsköpfen auf 154 stationierten schweren
ballistischen Raketen.
Verbot von
Produktion, Flugerprobung oder Modernisierung neuer oder existierender
Typen schwerer ICBMs.

Vereinigte Staaten
Gefechtsköpfe

Sowjetunion

Eine Obergrenze von 6 000 Gefechtsköpfen, einschließlich der stationierten Gefechtsköpfe auf ICBMs
und SLBMs und atomar bewaffneten
ALCMs (luftgestützten Marschflugkörpern) großer Reichweite; jeder nur
mit Freifallbomben und Angriffsraketen kurzer Reichweite (SRAMs) ausgerüstete schwere Bomber zählt als ein
Gefechtskopf.

Begrenzung von 1 540 Gefechtsköpfen auf 154 stationierten schweren
ICBMs.
Produktion,
Flugerprobung
oder Modernisierung existierender Typen schwerer ICBMs ist erlaubt. Entwicklung, Erprobung und Stationierung
neuer Typen schwerer ICBMs ist verboten.

Sowjetunion

Vereinigte Staaten

Gefechtsköpfe
Identisch mit der
Vereinigten Staaten.

Schwere ICBMs

Wurfgewichte
Position der

Vereinigte Staaten
Untergrenzen bei Gefechtsköpfen
Untergrenzen von 4 900 Gefechtsköpfen auf ballistischen Raketen und
3 000 - 3 300 Gefechtsköpfen auf
ICBMs.
Sowjetunion
Untergrenzen bei Gefechtsköpfen

Die Wurfgewichte der sowjetischen
ICBMs und SLBMs zusammengenommen werden um 50 Prozent unter das gegenwärtig
bestehende
Niveau
reduziert.
Während der Geltungsdauer des Vertrages wird keine Seite dieses Niveau
überschreiten.

Sowjetunion
Wurfgewichte
Im Prinzip identisch mit der Position der Vereinigten Staaten, aber
beide Seiten müssen sich darauf verständigen, wie diese Verpflichtung
schriftlich niedergelegt werden soll.

�Vereinigte Staaten
Gefechtsköpfe
Raketen

auf

ballistischen

Für die bestehenden Typen wird
eine Quote von Inspektionen vor Ort
festgesetzt, um zu verifizieren, daß
die beim Washingtoner Gipfel deklarierte und vereinbarte Zahl von Gefechtsköpfen
nicht
überschritten
wird.
Für zukünftige Typen sowie
Veränderungen bei der Zahl der Gefechtsköpfe auf bestehenden Typen
müssen
die
Verfahrensweisen
noch
festgelegt werden.

Sowjetunion
Gefechtsköpfe
Raketen

auf

ballistischen

Inspektionen vor Ort sind nur
dann erlaubt, wenn eine Seite eine
Zahl von Gefechtsköpfen angibt, die
das Maximum der erprobten Gefechtsköpfe unterschreitet.

klearwaffen (SNDV).
Jeder nur für
Freifallbomben
und
Angriffsraketen
kurzer Reichweite ausgerüstete schwere Bomber würde im Rahmen der Obergrenze von 6 000 Gefechtsköpfen als
ein Gefechtskopf zählen.
Sowjetunion
Schwere Bomber
Die sowjetische deckt sich
der amerikanischen Position.

mit

Vereinigte Staaten
ALCMs
Luftgestützte
Marschflugkörper
(ALCMs) werden als luftgestützte, nuklearbestückte riarschflugkörper mit
einer Reichweite von 1 500 Kilometern
definiert. Jedem für ALCMs ausgerüsteten schweren Bomber wird eine vereinbarte Anzahl von ALCMs zugeschrieben, damit gegen die Obergrenze von
6 000
Gefechtsköpfen
aufgerechnet
werden kann.
Sowjetunion
ALCMs

Vereinigte Staaten
Mobile ICBMs
Sind verboten, falls es nicht gelingt, das Problem der Verifizierung
zu lösen.

Sowjetunion

ALCMs werden als luftgestützte
Marschflugkörper mit einer Reichweite
von über 600 Kilometern definiert.
Die Anzahl der einem ALCM- fähigen
schweren Bomber zugerechneten ALCMs
soll maximal so hoch sein wie die
Zahl, für die der jeweilige Typ ausgerüstet ist. Die Anzahl der nuklearbestückten ALCMs soll reduziert
werden.

Mobile ICBMs
Vereinigte Staaten
Sind erlaubt, mit Begrenzung für
Abschußvorrichtungen und Gefechtsköpfe.

Vereinigte Staaten
Schwere Bomber
Jeder schwere Bomber zählt als
ein TrägerSystem für stragegische Nu-

SLCMs
Beide
Vertragsparteien
werden
eine für beide Seiten annehmbare Lösung zur Begrenzung der Stationierung
nuklearbestückter
SLCMs
längerer
Reichweite (seegestützten Marschflugkörpern) erarbeiten. Solche Begrenzungen bedeuten nicht, daß diese
SLCMs im Rahmen der Obergrenzen von

- 3 -

�6 000 Gefechtsköpfen und 1 600 strategischen offensiven TrägerSystemen
gezählt werden.
Beide Seiten verpflichten sich zur Schaffung von
Obergrenzen für diese Raketen und zur
Erarbeitung für beide Seiten annehmbarer und wirksamer Methoden zur Verifizierung
solcher
Begrenzungen.
Dazu zählen Nationale Technische Mittel (NTM), kooperative Maßnahmen und
Vor-Ort-Inspektionen. Bisher konnten
die Vereinigten Staaten keinen wirksamen Ansatz zur Verifizierung der
SLCMs erkennen.

nierung von Systemen vermutet. Einzelheiten müssen noch ausgearbeitet
werden.
Sowjetunion
Verifizierung der Einhaltung
Im Prinzip ist die sowjetische
Position mit der amerikanischen identisch. Bei den Einzelheiten sind jedoch beträchtliche Abweichungen festzustellen. Die sowjetischen Punkte
sind für eine wirksame Verifizierung
nicht geeignet.

Sowjetunion
SLCMs
Bei den SLCMs werden besondere
Begrenzungen des Streitkräfteniveaus
auf 400 nuklearbestückte und 600 konventionell bestückte SLCMs vorgenommen. Die Sowjets haben bisher jedoch
keine wirksamen Verifizierungsmaßnahmen ausgemacht. Der sowjetische Ansatz würde ferner die amerikanische
Politik unterminieren, die Präsenz
von Nuklearwaffen an einem bestimmten
Standort weder zu bestätigen noch zu
dementieren.
Dieses Konzept bildet
einen bedeutenden Stützpfeiler der
Abschreckung.
Vereinigte Staaten
Verifizierung der Einhaltung
Die Punkte müssen mindestens folgendes enthalten:
Sowohl vor als
auch nach den Reduzierungen findet
ein Datenaustausch statt sowie Vorort- Inspektionen
zur
Verifizierung
des Datenaustausche und zur Beobachtung der Beseitigung von Waffen ebenso wie von Vor-Ort-Überwachungen des
Zugangs und Geländes der entscheidenden Produktionsstätten. Ferner finden sowohl während als auch nach dem
Reduzierungszeitraum kurzfristig anberaumte Inspektionen von Standorten
statt, an denen sich durch den Vertrag begrenzte Systeme befinden sowie
von Standorten, an denen eine Vertragspartei die geheime Produktion,
Lagerung, Instandsetzung oder Statio-

DDS
Vereinigte Staaten
Allgemeine Haltung
Das Thema der Verteidigung im
Weltraum wird in einem aus der beim
Washingtoner Gipfel abgegebenen Gemeinsamen Erklärung hervorgegangenen
Vertrag behandelt.
Die Vereinigten
Staaten haben am 22. Januar 1988
einen Vertragsentwurf zu DDS unterbreitet.
Sowjetunion
Allgemeine Haltung
Das Thema der Verteidigung im
Weltraum wird in einem neuen und getrennten Abkommen behandelt, das auf
die Gemeinsame Erklärung des Washingtoner Gipfels aufbaut. Die Sowjetunion hat am 22. April 1988 den Entwurf zu einem Abkommen vorgelegt.
Vereinigte Staaten
Verpflichtung
vom ABM-Vertrag

zum

Nichtrücktritt

Das Abkommen würde beide Seiten
zur Einhaltung des ABM-Vertrags in
der 1972 unterzeichneten Fassung verpflichten, während sie die notwendige
und vom ABM-Vertrag genehmigte Forschung, Entwicklung
und Erprobung
durchführen und nicht für einen be-

�stimmten Zeitraum zum Zwecke der Stationierung
strategischer
Verteidigungssysteme oder zum Erwerb strategischer Verteidigungsfähigkeiten vom
ABM-Vertrag zurückzutreten.
Sowjetunion
Verpflichtung
vom ABM-Vertrag

zum

Nichtrücktritt

Das Abkommen würde beide Seiten
zur Einhaltung des ABM-Vertrages in
der 1972 unterzeichneten Fassung verpflichten, während sie die notwendige
und im ABM-Vertrag genehmigte Forschung, Entwicklung
und Erprobung
durchführen und für einen festgelegten Zeitraum (9-10 Jahre) aus keinerlei Gründen vom ABM-Vertrag zurückzutreten.
(Die Sowjets halten sich
weiterhin an eine Auslegung des AMBVertrags, die restriktiver als die im
Jahr 1972 von den Vertragsparteien
vereinbarte Fassung ist).
Vereinigte Staaten
Maßnahmen nach Ablauf der vertraglich festgelegten Geltungsdauer
Intensive
Gespräche
über
das
strategische
Gleichgewicht
sollten
nicht später als drei Jahre vor Ablauf eines bestimmten Zeitraums beginnen.
Falls die Vertragsparteien
nichts anderes vereinbart haben, kann
jede Seite nach Ablauf dieses Zeitraums frei über ihr weiteres Vorgehen
entscheiden.
Jeder
Vertragspartei
steht es frei, die Stationierung von
Verteidigungssystemen gegen strategische Raketen zu wählen, die nicht unter den ABM-Vertrag fallen, nachdem
sie die andere Vertragspartei sechs
Monate vorher schriftlich von dieser
Absicht in Kenntnis gesetzt haben.
(Die Vereinigten
Staaten
streben
einen gemeinsamen Übergang zu eher
auf Verteidigung gestützte strategische Maßnahmen an, für den Fall, daß
wirksame strategische Verteidigungssysteme sich als realisierbar erweisen) .
Sowjetunion

Maßnahmen nach Ablauf der vertraglich festgelegten Coltungsdauer
Eingehende Gespräche über strategische Stabilität sollen nicht später
als drei Jahre vor Ende des vereinbarten Zeitraums aufgenommen werden.
(Sowjetischen
Vorschlägen
zufolge
soll das Ziel der Gespräche die Erlangung eines Abkommens über die
"weitere Stärkung der strategischen
Stabilität" sein; die Beteiligten
würden die "Probleme der Raketenabwehr unter Berücksichtigung der sich
durch Reduzierungen strategischer Offensivwaffen ergebenden neuen Situation" diskutieren".)
Im Falle, daß
nach Ablauf des Vertrages über Verteidigung im Weltraum im Rahmen dieser Gespräche keine anderslautenden
Vereinbarungen getroffen werden, soll
jede Seite ihre zukünftigen Vorgehensweisen im Hinblick auf den ABMVertrag und den START-Vertrag selbst
bestimmen, vorbehaltlich der Einhaltung entsprechender Bestimmungen dieser Verträge.
Vereinigte Staaten
Inkrafttreten, Dauer, Koppelung
Inkrafttreten abhängig vom Inkrafttreten des START-Vertrages; der
DDS-Vertrag wäre unbegrenzt gültig,
wobei ein "näher zu bezeichnender
Zeitraum" des Nichtrücktritts vom
ABM-Vertrag auszuhandeln wäre, ferner
die Einhaltung des ABM-Vertrages in
diesem Zeitraum. Dies gilt, bis sich
eine Seite zu einer anderen Vorgehensweise entschließt.
Sowjetunion
Inkrafttreten, Dauer, Koppelung
Dieses Abkommen würde gleichzeitig mit dem START-Abkommen in Kraft
treten.
Die Sowjets schlagen vor,
das Abkommen solle am Ende seiner
vertraglich vorgesehenen Geltungsdauer auslaufen. Das START-Abkommen ist
außer Kraft gesetzt, wenn irgendeine
Partei den ABM-Vertrag oder dieses

- 5 -

�Abkommen verletzt.

Verteidigung,
gegenseitige Besuche einschlägiger Forchungseinrichtungen, und
gegenseitige Beobachtung von Erprobungen im Rahmen der strategischen Verteidigung.

Vereinigte Staaten
Rücktr ittsrechte
Die Vereinigten Staaten bestehen
darauf, daß den Beteiligten die aufgrund des Völkerrechts zuerkannten
Rechte
zum
Rücktritt
vorbehalten
bleiben, - etwa solche, die im Fall
der Gefährdung höchster Interessen
einer Seite wahrgenommen werden könnten - sowie das Recht auf Kündigung
und vorläufige Aufhebung, wenn der
Vertrag tatsächlich gebrochen wird.

Sowjetunion
Berechenbarkeit
Die Sowjets gehen über die Gemeinsame Erklärung des Washingtoner
Gipfels hinaus nicht auf Berechenbarkeit ein. Im Rahmen eines am 12.
April 1988 vorgelegten Verifizierungsprotokolls fordern sie jedoch:

Sowjetunion
einen Informationsaustausch zur
Klärung zweifelhafter Situationen,
Datenaustausch im Hinblick auf
bestimmte Vorrichtungen, die im
Weltraum stationiert werden sollen,
Inspektion bestimmter Gelände und
Einrichtungen, die im Hinblick
auf die Einhaltung des ABM-Vertrages Anlaß zur Besorgnis geben,
und
die Lösung von Fragen der Einhaltung im Ständigen Konsultativausschuß .

Rücktr ittsrechte
Die Sowjets schlagen eine "bedingungslose" Verpflichtung
für
den
Nichtrücktritt vor, derzufolge eine
Partei keinerlei Gründe für den Rücktritt vom Vertrag geltend machen kann.
Vereinigte Staaten
Berechenbarkeit
Die Beteiligten werden Möglichkeiten erörtern, um die Berechenbarkeit in der Entwicklung der amerikanisch-sowjetischen
Beziehungen
im
strategischen Bereich unter der Bedingung strategischer Stabilität zur
Reduzierung des Risikos eines Nuklearkrieges zu gewährleisten.
Im
Rahmen vertrauensbildender Maßnahmen
und um für die strategischen Verteidigungsprogrammen der jeweils anderen
Seite Berechenbarkeit für alle Beteiligten sicherzustellen, haben die
Vereinigten Staaten am 15. März 1988
ein Protokoll über die Berechenbarkeit vorgelegt, in dem folgende Punkte gefordert werden:
jährlicher Austausch von Datenmaterial über geplante Aktivitäten
im Bereich der strategischen Verteidigung,
gegenseitige
Informationsgespräche über die jeweiligen Bemühungen im Bereich der strategischen

INF
Die Verhandlungen über Mittelstreckenwaffen sind erfolgreich abgeschlossen worden.
Am 8. Sezember
1987 haben Präsident Reagan und Generalsekretär Gorbatschow den INF-Vertrag
unterzeichnet.
Der
Vertrag
sieht die Beseitigung aller amerikanischen und sowjetischen Mittelstrekkenraketen der Reichweiten von 500
bis 5 500 Kilometern sowie die Abschaffung oder den Umbau damit in Zusammenhang
stehender
Einrichtungen
innerhalb von drei Jahren nach Inkrafttreten vor. Der Vertrag verbietet die gesamte Produktion und Flugerprobung dieser Raketen unmittelbar
nach seinem Inkrafttreten. Nach erfolgter Beseitigung wird der Vertrag
alle Einrichtungen zur Stationierung,
Lagerung, Wartung und Produktion die-

�ser Raketensysteme verbieten.
Der
Vertrag enthält die überzeugendsten
Verifizierungsbestimmungen in der Geschichte der Rüstungskontrolle, einschließlich verschiedener Arten von
kurzfristigen Inspektionen sowie auch
Inspektionen durch am Ort stationierte Teams. Der Vertrag wurde dem Senat mit der Bitte um Zustimmung zur
Ratifizierung am 25. Januar 1988 vorgelegt.

* * * * *

�AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

1. Juni 1988

21

DER KRIEG ZWISCHEN IRAN UND IRAK
- Ein Überblick -

Washington - (AD) - Nachstehend geben wir eine am 23. Mai veröffentlichte
Übersicht aus dem vom Weißen Haus zum Moskauer Gipfel herausgegebenen Pressehandbuch wieder.
Die amerikanische Aktion im Golf vom
18. April
Die amerikanische Aktion gegen
die iranischen Plattformen war
eine angemessene Reaktion auf die
iranische verminung von internationalen Gewässern und den Minenangriff, gegen die "Samuel Roberts", wobei zehn Männer verwundet wurden.
Die nachfolgenden amerikanischen
Aktionen hatten trotz der feindseligen iranischen Aktionen defensiven Charakter. Die Angelegenheit ist damit abgeschlossen,
und die Vereinigten Staaten hoffen auf friedliche und normalere
Beziehungen zum Iran. Wir werden
jedoch
zur
Selbstverteidigung

United States Information Service
Embassy of the United States of America

auch weiter entschlossen reagieren, wenn wir dazu herausgefordert werden.
Der Kongreß war im voraus von unserer Reaktion unterichtet worden. Wir werden einen engen Kontakt zum Kongreß aufrechterhalten
und begrüßen die deutliche Unterstützung, die wir von beiden Parteien erhalten haben.
Die amerikanische Politik
Existentielle amerikanische Interessen im Golf: sichere Versorgung mit Öl, Unterstützung für
die nicht kriegführenden arabischen GolfStaaten, Verhinderung
der sowjetischen Einflußerweiterung, Unterbindung von iranischen

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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Einschüchterungsversuchen und Hegemoniestreben .
Die Präsenz der amerikanischen
Marine, der Sicherheitsbeistand
und diplomatische Bemühungen sind
Mittel
zur
Erreichung
dieses
Ziels.
Zusätzlich zur Begleitung von
Einsätzen haben wir uns dazu entschlossen, unter bestimmten Voraussetzungen befreundeten, unbeteiligten neutralen und unter Beschuß stehenden Schiffen zu helfen. Wir sind nicht die Polizei
des Golfs und schützen nicht die
Fracht irgendeiner kriegführenden
Partei.
Diese Entscheidung erfordert keine Steigerung unserer
Präsenz im Golf.
Die
amerikanische
Entscheidung
bedeutet, daß unsere Kriegsschiffe nun nach Befehlen im Einsatz
sind, die für die französischen
und britischen Kriegsschiffe im
Golf schon gelten. Dies wird von
vielen Regierungen und amerikanischen Schiffseignern als Beitrag
zur Freiheit der Schiffahrt durch
nicht kriegführende Schiffe begrüßt.
Keine Abkehr von unserer Politik.
Wir streben nicht nach einem Konflikt mit dem Iran. Der zentrale
Grund für die Spannungen ist der
Krieg, und auf ihre Lösung muß
man sich nun konzentrieren. Der
Iran verweigert die Annahme und
Verwirklichung
der
Resolution
598, wie dies vom UN-Sicherheitsrat gefordert wird. Der Irak hat
sie akzeptiert.
Die iranische Beschuldigung, die
Vereinigten Staaten hätten die
Saudis zum Abbruch der diplomatischen Beziehungen mit dem Iran
bewegt, ist unbegründet; es ist
ebenfalls unwahr, daß die Vereinigten Staaten an irakischen
Militäraktionen beteiligt waren.
Die Vereinigten Staaten widerset-

zen sich energisch der Kriegführung mit chemischen Waffen sowohl
durch den Iran wie auch den Irak
und unterstützten den jüngsten
Bericht des UN-Generalsekretärs,
der eine Beendigung ihrer Anwendung und ein Ende des Krieges
durch die Verwirklichung der Resolution 598 des Sicherheitsrates
forderte.
Die Resolution 598 des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen
Unser Ziel ist die sofortige auf
dem Verhandlungsweg erzielte Beendigung des Krieges zwischen dem
Iran und dem Irak auf der Basis
der Resolution 598. Wir benötigen eine umfassende Beendigung
des Krieges - auf dem Land, zur
See und in der Luft. Jüngste
Vorkommnisse unterstreichen die
Notwendigkeit dringlicher Maßnahmen des UN-Sicherheitsrates zur
WeiterVerfolgung der Resolution
über ein Waffenembargo gegen den
Iran bei einer Nichteinhaltung
der Resolution 598.
Die Vereinigten Staaten begrüßen
die Annahme der Resolution 598
des Sicherheitsrates durch den
Irak, bedauern aber dessen Zurückweisung des Vorschlags vom
UN-Generalsekretär, daß der Irak
und der Iran die Resolution 598
des Sicherheitsrates akzeptieren
und mit seinem Vertreter nach
Möglichkeiten suchen, wie diese
Resolution im vollen Umfang verwirklicht werden kann.

* * * * *

�AMERIKA DIENST
^7

Hintergrundmaterial

&lt;X

1. Juni 1988

21

DER NAHOST-FRIEDENSPROZESS
- Ein Überblick -

Der nachfolgende Überblick zum Friedensprozeß im Nahen Osten ist dem am
23. Mai vom Weißen Haus veröffentlichten Pressehandbuch zum amerikanisch-sowjetischen Gipfeltreffen in Moskau entnommen:
Allgemeines
Außenminister Shultz kehrte am
23. April 1988 aus Moskau zurück.
Den Sowjets zufolge sollte eine
internationale Konferenz eine aktive und substantielle Rolle in
den Verhandlungen spielen. Wir
sind uns der Notwendigkeit einer
internationalen Konferenz bewußt,
jedoch sollte diese nicht mit uneingeschränkten Vollmachten ausgestattet sein, weil dadurch bilaterale Verhandlungen die
einzige Art von Verhandlungen,
die zu einer Einigung führen kann
- unmöglich gemacht werden. Die
Konferenz muß ein Mechanismus zur
Erleichterung - nicht zum Ersatz
- solcher Verhandlungen sein.

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Der Außenminister reiste Anfang
April in den Nahen Osten und besuchte bei dieser Gelegenheit Israel, Jordanien, Ägypten, Saudi
Arabien und Syrien. Er bekräftigte unser Engagement für die
Friedensinitiative.
Unser Vorschlag fand nirgendwo Zustimmung,
aber es lehnte ihn auch niemand
rundweg ab. Wir werden allseits
zur Fortführung unserer Bemühungen ermutigt.
Unser Vorschlag stellt den einzigen realistischen und durchführbaren Ansatz dar. Er besteht aus
einem integrierten Paket - kein
Teil kann herausgelöst werden ohne die Ausgewogenheit des gesamten Plans zu zerstören. Präsident Reagan hat dazu erklärt:

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Telex: 8-85432

�I

"Die Vereinigten Staaten werden
diese Initiative nicht zerstükkeln, und sie werden sie auch
nicht aufgeben."
Unsere Initiative betont die Verzahnung zwischen Ubergangsregelungen und Verhandlungen über den
Endstatus.
Die
Verhandlungen
müssen
mit
Ubergangsregelungen beginnen, um
zu vermeiden, daß die verschiedenen Parteien zur Einnahme von Extrempositionen getrieben werden.
Sie müssen auf eine schnelle Beendigung der israelischen militärischen Besetzung drängen, den
Palästinensern
das
Recht
auf
Selbstverwaltung
gewähren
und
eine Grundlage für die Gespräche
über
den
endgültigen
Status
schaffen.
Die grundlegenden
Ziele einer
Verhandlungslösung sind weiterhin
die Sicherheit aller Staaten in
der Region, einschließlich Israels, sowie die Verwirklichung
der legitimen Rechte des palästinensischen Volkes. Keines dieser
zentralen Ziele läßt sich langfristig ohne eine Verständigung
erreichen.
Drei Probleme nehmen beim Prozeß
der Herbeiführung von Verhandlungen zwischen Israel und seinen
Nachbarn einen zentralen Stellenwert ein: eine angemessen strukturierte
internationale
Konferenz, die Vertretung der Palästinenser und die Bedeutung der Resolution 242 des UN-Sicherheitsrats.

Verhandlungen innerhalb einer angemessen strukturierten internationalen Konferenz aufnehmen.
Die von uns vorgeschlagene Konferenz würde keine Lösungen aufzwingen oder Vereinbarungen durch
Veto zu Fall bringen. Sie würde
direkte Verhandlungen
in Gang
bringen und von den Verhandlungsparteien in noch zu vereinbarender Weise Berichte erhalten.
Die zu den Verhandlungen eingeladenen Teilnehmer müssen die Resolutionen 242 und 338 des UN-Sicherheitsrats als Grundlage der
Verhandlungen akzeptieren und auf
Gewalt und Terrorismus verzichten.

Vertretung der Palästinenser
Alle stimmen darin überein, daß
die Palästinenser eine Partei des
arabisch-israelischen
Konflikts
sind, die in jeder Phase des Verhandlungsprozesses vertreten sein
muß.
Alle sind sich ferner einig, daß
eine Regelung die legitimen Rechte des palästinensischen Volkes
berücksichtigen muß - in der
gleichen Art und Weise, wie die
legitimen Rechte der anderen Verhandlungsparteien zu berücksichtigen sind.
Die palästinensischen Vertreter
werden an den Verhandlungen als
Teil der gemeinsamen jordanischpalästinensischen
Delegation
teilnehmen.

Die von einigen abgelehnte Konferenz ist nicht die Art von Konferenz, wie wir sie vorschlagen.

Diejenigen, die sich an den Verhandlungetisch setzen, müssen guten Willens sein und sich für den
Frieden engagieren.
Es dürfen
keine Personen ausgewählt werden,
die Vertreter anderer Parteien
vertreiben würden.

Den Verfahrensweisen unseres Vorschlages zufolge werden die beteiligten Parteien rasch direkte

Das Beharren auf einer sichtbaren
Teilnahme der Palästinensischen
Befreiungsorganisation (PLO) von

Internationale Konferenz

-S

�gen abhängen.

Beginn an würde bedeuten, daß
keine Konferenz und kein Prozeß
zustandekommt.

Zusammenfassung
Die Bedeutung der Resolution 242 des
UN-Sicherheitsrats
Dies ist die erste substantielle
Frage, mit der sich die Parteien
konfrontiert sehen. Sie ist deshalb so bedeutsam, weil die Parteien die akzeptierte Grundlage
der Verhandlungen verstehen müssen und grundsätzlich eine ähnliche Sichtweise zu den möglichen
Parametern
einer
endgültigen
Übereinkunft teilen.

Der amerikanische Vorschlag ist
ein sorgfältig durchdachter Plan, der
die grundlegende substantielle Frage
anspricht - Land für Frieden - und
der einen Weg bietet, um mit den zwei
wichtigsten Problemen der Verfahrensweise fertigzuwerden - der Konferenz
und der Vertretung der Palästinenser.
Je eher Entscheidungen getroffen werden, desto eher können die beteiligten Parteien am Verhandlungstisch
Platz nehmen.

Ein Bestandteil der Prinzipien
der Resolution 242 sind eindeutig
Verhandlungen über einen Tausch
von Land gegen Frieden. Die amerikanische Haltung: Im Austausch
für Frieden findet die Rückzugsklausel von Resolution 242 Anwendung
auf alle Fronten, einschließlich Westjordanland, Gaza-Streifen und die Golan-Höhen.
Alle Versuche, der Resolution 242
auszuweichen oder sie neu zu interpretieren, sind zum Fehlschlag
verurteilt.
Die Araber können
dem Frieden nicht ausweichen, die
Israelis können den Rückzug nicht
vermeiden.
In unserem Vorschlag wird die Resolution 242 als Grundlage der
Verhandlungen
festgeschrieben,
und alle ihre Bestimmungen und
Prinzipien werden auf sämtliche
zwischen Israel und seinen Nachbarn stattfindenden Verhandlungen
Anwendung finden.
Es bleibt noch viel Spielraum für
die Verhandlungen.
Unserer Ansicht nach wird das Ausmaß, in
dem Israel zur Aufgabe von Territorium aufgefordert werden sollte, zu einem großen Teil von dem
Ausmaß an echtem Frieden und Normalisierung sowie den im Gegenzug
angebotenen Sicherheitsvorkehrun- 3 -

* * * * *

�AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

1. Juni 1988

21

DER KSZE-PROZESS
- Eine Übersicht -

Die folgende Übersicht ist dem vom Weißen Haus zum Moskauer Gipfeltreffen
veröffentlichten Pressehandbuch entnommen:
Im November 1986 wurde in Wien
das dritte Folgetreffen der Konferenz
über Sicherheit und Zusammenarbeit in
Europa (KSZE) eröffnet. Delegationen
aus den 35 Teilnehmerstaaten - Vertreter aus Ost und West sowie neutraler und blockfreier Staaten - haben
die Verwirklichung der in der Schlußakte von Helsinki aus dem Jahr 1975
verankerten
Verpflichtungen
überprüft. Gegenwärtig fassen sie Vorschläge ins Auge, um eine strengere
Einhaltung dieser Verpflichtungen zu
ermutigen.
Die Bedeutung einer Überprüfung
der
Verwirklichung
der KSZE-Verpflichtungen - und warum eine solche
Überprüfung häufig umstritten ist erklärt sich aus dem Charakter der
Schlußakte selbst und aus dem bishe-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

rigen Verlauf des KSZE-Prozesses.
Die nach jahrelangen Ost-V Jest-Verhandlungen verabschiedete Schlußakte
definiert eine Reihe von Normen und
Zielsetzungen für das Verhalten der
Staaten untereinander und gegenüber
ihren eigenen Bürgern. Außerdem enthält sie ein Programm für praktische
Schritte zur Verwirklichung dieser
Ziele.
Bei der Behandlung menschlicher,
wirtschaftlicher und sicherheitspolitischer
Angelegenheiten
bekräftigt
die Schlußakte die grundlegenden Menschenrechte und Grundfreiheiten sowie
andere Prinzipien wie die gleiche
Souveränität der Staaten und das
Recht auf Selbstbestimmung.
Grundsätzliches

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Ziel

des KSZE-

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�Prozesses ist der Abbau künstlicher
Schranken, die Ost und West über das
ganze Spektrum menschlicher Belange
hinweg trennt - darunter die Respektierung der Menschenrechte, freier
Informationsfluß, Zusammenarbeit in
den Bereichen Bildung und Kultur,
wirtschaftliche und wissenschaftliche
Zusammenarbeit und Vereinbarungen im
sicherheitspolitischen Bereich.
In der Schlußakte wird anerkannt,
daß diese Fragen miteinander in Verbindung stehen und daß die Solidität
des KSZE-Prozesses von ausgewogenen
Fortschritten in allen diesen Bereichen abhängt.
Leider wird die Bilanz der Einhaltung von Verpflichtungen aus der
Schlußakte durch das Verhalten der
Sowjetunion und anderer osteuropäischer Staaten getrübt, wie folgende
Beispiele zeigen:
Obwohl sich die Sowjetunion zum
Abzug ihrer Truppen aus Afghanistan verpflichtet hat, hält sie
das Land weiterhin besetzt; ferner inhaftiert und bestraft sie
ihre Bürger für die Ausübung von
Bürgerrechten, zu deren Schutz
sich die UdSSR in Helsinki verpflichtet hat (z. B. Religionsfreiheit und Freizügigkeit).
Trotz der gelegentlichen Lösung
von Einzelfällen sind zahlreiche
Sowjetbürger weiterhin auf grausame Weise von ihren Familien getrennt, weil ihnen von offizieller Stelle die Ausreisegenehmigung verweigert wird.
Obwohl die Zahl der sowjetischen
Juden, denen die Auswanderung gestattet wird, im vergangenen Jahr
gestiegen ist, bleibt sie doch
unter dem Niveau der Genehmigungen gegen Ende der siebziger Jahre.
Dennoch sind im Laufe der Jahre
einige Fortschritte bei KSZE zu verzeichnen.

Einige
Warschauer-Pakt-Staaten
haben Maßnahmen zur Erfüllung ihrer
Verpflichtungen
getroffen,
und ein paar bemerkenswerte Fälle, bei denen es um Verfechter
der Menschenrechte und getrennte
Familien ging, sind gelöst. In
der sowjetischen Bilanz zur Beachtung der Menschenrechte gab es
positive Entwicklungen, aber insgesamt muß noch viel mehr getan
werden,
einschließlich
solcher
Schritte zur Institutionalisierung jüngster Reformen.
Unter dem Schutz der KSZE haben
menschliche Kontakte zwischen den
Bürgern in Ost und West um ein
Vielfaches zugenommen.
Durch die im September 1986 in
Stockholm beendeten KSZE-Verhandlungen sind der Schlußakte wichtige Bestimmungen zur Vertrauens- und Sicherheitsbildung und
zum Abbau des Risikos eines durch
Fehleinschätzung
hervorgerufenen
Krieges hinzugefügt worden. Die
vereinbarten Maßnahmen umfassen
die Vorhersage, Ankündigung, Beobachtung und Inspektion militärischer Aktivitäten vom Atlantik
bis zum Ural.
Der KSZE-Prozeß hat sich seit
Helsinki durch Folgetreffen in Belgrad (1977-78) und Madrid (1980-83)
weiterentwickelt wie auch durch eine
Reihe von Expertentreffen über spezielle Aspekte der Schlußakte, einschließlich Menschenrechte, menschliche Kontakte, friedliche Beilegung
von Streitigkeiten und kulturelle Beziehungen.
Bei jedem dieser Treffen haben
die Vereinigten Staaten auf einer
aufrichtigen und gründlichen Überprüfung der
Bilanz bestanden.
Die
Schlußakte enthält die politische
Verpflichtung der 35 Teilnehmerstaaten, sich an bestimmte Vorgaben zu
halten; sie ist rechtlich nicht bindend und enthält keinen Mechanismus,
um ihre Verwirklichung zu erzwingen.
Aus diesem Grunde ist es von ent-

�scheidender Bedeutung, Nichteinhaltungen ans Licht der Öffentlichkeit
zu bringen und auf einem besseren
Verhalten zu bestehen.
Unsere
NATO-Partner
verfahren
nach demselben Muster.
Gemeinsam
nutzen wir den KSZE-Prozeß als Mittel, um auf die Sowjets und andere
politischen und moralischen Druck
auszuüben, damit sie die Menschenrechte und Grundfreiheiten respektieren.
Eine bessere Einhaltung bleibt
vordringliches Ziel unserer Delegation beim laufenden Wiener Folgetreffen. Wir streben nach einem ausgewogenen Ergebnis innerhalb und zwischen
den einzelnen KSZE-Bereichen - bei
menschlichen
Kontakten,
Wirtschaft
und Sicherheit.
Entsprechend hat der Westen beachtliche Vorschläge zu allen Bereichen unterbreitet. Im Sicherheitsbereich zum Beispiel wurden vom Westen
zwei getrennte Verhandlungsrunden im
Rahmen des KSZE-Prozesses vorgeschlagen: 1. die Wiederaufnahme der Verhandlungen zwischen allen 35 KSZEStaaten, um auf den in Stockholm erarbeiteten Vertrauensund Sicherheitsbildenden Maßnahmen aufzubauen und
diese zu erweitern, und 2. autonome
Verhandlungen zwischen den 23 Mitgliedstaaten der NATO und des Warschauer Pakts, die darauf ausgerichtet sind, ein konventionelles Gleichgewicht in Europa auf einem niedrigeren Streitkräfteniveau zu erzielen.
Im Bereich der Menschenrechte und
menschlichen Kontakte sind wir mit
der Ausarbeitung und Erweiterung der
Verpflichtungen von Helsinki befaßt,
wobei die Betonung auf Taten und
nicht auf Worten liegt. Unter anderem beinhaltet dies verstärktes Engagement für Freizügigkeit im eigenen
Land und das Recht auf Ausreise aus
jedem beliebigen Land; Religionsfreiheit,
insbesondere
Religionsunterricht? Erleichterung von Familienzusammenführungen; Zugang zu Informationen sowie die Freiheit zur Bewahrung

der kulturellen Identität. Der Westen hat ferner einen Vorschlag über
umfassende
Nachfolgeaktivitäten
zu
Menschenrechtsfragen
unterbreitet,
wobei die verbesserte Wahrung der
Menschenrechte einschließlich eines
Instruments zur Erörterung schwerwiegender Menschenrechtsverletzungen im
Mittelpunkt steht.
Wir sind von der Entschlossenheit
geleitet, daß neue Schritte nach vorn
sich fest auf die entschieden verbesserte Verwirklichung der Menschenrechte und die in der Schlußakte von
Helsinki verankerten Grundfreiheiten
im Ostblock gründen müssen.
Die sechste Runde des Wiener
Treffens begann am 15. April 1988.
Die Delegationen arbeiten anhand von
Kompromißpapieren, die von den Koordinatoren der neutralen und blockfreien Staaten vorgelegt wurden. Zusammen mit den bereits unterbreiteten
Vorschlägen bilden diese Dokumente
eine solide Grundlage für ernsthafte
Verhandlungen
über
den Text des
Schlußdokuments. Aufgrund der Verzögerungstaktik des Ostblocks sind jedoch buchstäblich
keinerlei Fortschritte im Bereich der Menschenrechte gemacht worden, obwohl über einen
Großteil
der
Sprachregelungen
im
Sicherheitbereich vorläufige Einigung
erzielt wurde.
Die Vereinigten Staaten arbeiten
zusammen mit ihren Bündnispartnern
und den Delegationen der neutralen
und blockfreien Staaten an der Gewährleistung nützlicher und beachtlicher Fortschrittte in Wien. Wir haben eindeutig unsere Bereitschaft zum
Ausdruck gebracht, so lange in Wien
zu bleiben, wie es zur Verwirklichung
der verbesserten Einhaltung und erweiterten Verpflichtungen im Bereich
der Menschenrechte und Grundfreiheiten durch den Osten erforderlich ist.
Trotz der Diskrepanz zwischen den
Versprechungen und dem Verhalten des
Ostens ist es nach wie vor Hauptaufgabe der Schlußakte, das Leben der in
Unterdrückung lebenden Menschen zu

- 3 -

�erleichtern.
Daher
bleiben
die
Schlußakte und der durch sie eingeleitete Prozeß entscheidende Instrumente westlicher Diplomatie, denen
eine Schlüsselrolle in unserer gesamten Ost-West-Tagesordnung zukommt.

* * * * *

- 4-

�AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

\DN'^

1. Juni 1988

21

DIE BERLIN INITIATIVE
- Eine Übersicht -

Die folgende Übersicht ist dem vom Weißen Haus am 23. Mai zum Gipfel herausgegebenen Pressehandbuch entnommen:
Die Berlin Initiative wurde von
Präsident Reagan anläßlich seines Besuchs in Berlin am 12. Juni vergangenen Jahres ins Leben gerufen.
Ihr Ziel besteht darin, für das
Leben der Berliner gewisse praktische
Verbesserungen zu schaffen:
Ausweitung des Luftverkehrs in
die Stadt,
Förderung
des
Jugendaustauschs
und
anderer
Austauschprogramme
zwischen Ost- und Westberlin,
Vermehrte Durchführung internationaler Zusammenkünfte in Berlin,
Abhaltung von mehr internationalen Sportveranstaltungen in Berlin, einschließlich möglicherweise einer zukünftigen Olympiade.

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Die Initiative der Vereinigten
Staaten findet die aktive Unterstützung und Beteiligung der Regierungen
von Frankreich, Großbritannien und
der Bundesrepublik.
Seit dem Sommer letzten Jahres
finden zwischen den vier Regierungen Diskussionen auf Expertenebene statt.
Die Vereinigten Staaten, Großbritannien und Frankreich haben im
vergangenen Dezember den Sowjets die
Initiative formell unterbreitet und
Gespräche über ihre vier Vorschläge
angeregt.
Die Sowjets erklärten, sie hofften darauf, bis zum Sommer auf
die Initaitive reagieren zu kön-

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�nen.
Der Präsident hat beim Gipfeltreffen mit Generalsekretär Gorbatschow im Dezember vergangenen Jahres
die Initiative angesprochen und wird
dies aller Wahrscheinlichkeit nach
auch beim Gipfeltreffen in Moskau tun.
N.B.: Die drei westlichen Verbündeten in Berlin werden mit der Unterstützung und in Zusammenarbeit mit
der Bundesregierung in Bonn und den
Behörden Berlins gegenwärtig und in
Zukunft erhebliche Bemühungen unternehmen, um in Berlin positive Veränderungen herbeizuführen.
Es wird keine Veränderungen im
Status der Stadt geben. Unser
Vorschlag zielt darauf ab, auf
das Viermächteabkommen über Berlin von 1971 aufzubauen, nicht
darauf, es zu revidieren.
Wenn die Sowjets es mit dem Abbau
der Spannungen in Europa und der
Sicherung des Friedens ernst meinen, fordern wir sie auf, mit den
drei westlichen Verbündeten gemeinsam einige Schritte insbesondere im Bereich der menschlichen
Kontakte zu unternehmen, um die
Situation der Menschen in Berlin
zu verbessern.
Wir freuen uns, baldmöglichst die
Vorschläge des Präsidenten mit
den Sowjets zu besprechen, sowie
sie positiv auf die Anstöße der
Verbündeten reagieren.

* * * * *

- 2

�AMERIKA DIENST
VON

Hintergrundmaterial

4

1. Juni 1988

21

REGIONALER DIALOG
- Eine Übersicht -

Die folgende Übersicht ist dem vom Weißen Haus am 23. Mai zum Gipfel herausgegebenen Pressehandbuch entnommen.

In den vergangenen Jahren haben
wir mit Moskau einen aktiven und
freimütigen Dialog über regionale
Angelegenheiten
aufgebaut
und
aufrechterhalten.
Dieser bleibt
integraler
Bestandteil
unseres
Vier-Punkte-Programms.

Gesprächen über regionale Konflikte bewiesen und dabei die
Notwendigkeit politischer Lösungen auf der Basis nationaler Aussöhnung,
Selbstbestimmung
und
verbesserten regionalen Dialogs
betont.

Dieser Dialog hat sich zum Abbau
möglicher
Mißverständnisse und
Fehlkalkulationen
als nützlich
erwiesen.

Dies ist ermutigend, insbesondere
weil diese Ideen an Präsident
Reagans Rede vor der Vollversammlung der Vereinten Nationen vom
Oktober
1985 angelehnt
sind.
Aber wir müssen die Sowjets weiterhin an ihren Taten und nicht
nur an ihren Worten messen.

Wie auch in anderen Bereichen der
amerikanisch-sowjetischen
Beziehungen betrachten wir den Dialog
jedoch nicht als Ersatz für konkrete Fortschritte.
Die Sowjets haben in jüngster
Zeit mehr Flexibilität in ihren

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Unserer Ansicht nach besteht ein
entscheidender Faktor für die Erlangung von Fortschritten mit den
Sowjets bei regionalen Konflikten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�in unserer anhaltenden Unterstützung (sei sie nun politischer,
wirtschaftlicher oder militärischer Art) für Freiheitskämpfer,
die sich gegen Unterdrückung von
Moskau und seinen Verbündeten zur
Wehr setzen.
Unsere Zielsetzung besteht allein
darin, politische Lösungen für
regionale Konflikte zu finden.
Der Gipfelerklärung von Washington gemäß wollen wir Möglichkeiten finden, um "die bei regionalen Konflikten beteiligten Parteien bei der Suche nach friedlichen Lösungen zu unterstützen,
die ihre Uabhängigkeit, Freiheit
und Sicherheit fördern".
Die Unterzeichnung des Genfer Afghanistan-Abkommens am 14. April
stellte für die Lösung regionaler
Konflikte durch politischen Dialog einen in der Geschichte einmaligen Schritt dar.
Generalsekretär Gorbatschow hat
darauf hingewiesen, daß mit dem
Abkommen über Afghanistan Wege
zur Lösung anderer regionaler
Konflikte mit politischen Mitteln
eröffnet werden sollten.
Dem
stimmen wir voll und ganz zu.
Wir werden dies gemeinsam mit den
Sowjets
weiterverfolgen,
indem
wir auf praktischen Möglichkeiten
zur Beendigung anderer regionaler
Konflikte drängen, von denen viele
sowjetische
Vasallenstaaten
betreffen.
Der Präsident erwartet, die gesamte Bandbreite regionaler Angelegenheiten während des Gipfeltreffens in Moskau abdecken zu
können. Dazu zählen Afghanistan,
der Krieg zwischen Iran und Irak,
der
Friedensprozeß
im
Nahen
Osten, Südafrika, Äthiopien, Kambodscha, Korea und Mittelamerika.

- 2

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Verhandlungen über Kern- und Weltraumwaffen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Überblick über amerikanische und sowjetische Vorschläge&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der Krieg zwischen Iran und Irak&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Ein Überblick&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der Nahost-Friedensprozess&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Ein Überblick&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der KSZE-Prozess&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Ein Überblick&lt;/em&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Berlin Initiative &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Eine Übersicht&lt;/em&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Regionaler Dialog&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Eine Übersicht&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
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