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Information
und
Dokumentation

Dl En

United States Information Service
Embassy of the United States of America

29

18. J u l i 1984
INHALT

DOKUMENTATION
Reagan kündigt Initiative zur Verbesserung der Nahrungsmittelhilfe an
- Erklärung des Präsidenten vom 10. Juli 1984 -

INFORMATION
Sandinisten zensieren Berichterstattung über Ausweisung von Priestern

H INTERQ3UNDMATERIAL
Spitzentechnologie für Strategische Verteidigungsinitiative
- interview der "Stimme Amerikas" mit Dr. Qfeorge Keyworth,
Wissenschaftlicher Berater Präsident Reagans Anti-Satelliten-Waffen;

Ihr Wesen und ihre Wirkung

Verbot chemischer Waffen ohne Verifizierung wertlos
- Botschafter Fields vor Genfer Abrüstungskonferenz Kriegsverhütung beruht auf Abschreckung
- Expertenanhörung vor Kongreßausschuß -

Um Ubef/enclung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel-: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

29

18. Juli 1984

REAGAN KÜNDIGT INITIATIVE ZUR VERBESSERUNG DER NAHRUNGSMITTELHILFE AN
- Erklärung des Präsidenten vom 10. Juli 1984 -

Washington -(AD)- Am 10. Juli 1984 fand im Weißen Haus eine Feier aus
Anlaß des 30. Jahrestags der Verabschiedung des amerikanischen "Nahrungsmittel-für-den-Frieden"-Hilfsprogramms statt. Bei dieser Gelegenheit kündigte Präsident Reagan an, daß er dem Kongreß eine neue Gesetzesvorlage
zuleiten werde, die es der amerikanischen Regierung ermöglichen solle, in
Notfällen weltweit noch "raschere und wirksamere" Nahrungsmittelhilfe zu
leisten.

Die Erklärung des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:

Heute vor 30 Jahren trat durch die Unterschrift Präsident Dwight D.
Eisenhowers das Öffentliche Gesetz Nr. 480, das die Grundlage des Nahrungsmittel-für-den-Frieden-Programms bildet, in Kraft. Zehn Jahre vor
der Unterzeichnungszeremonie, die hier im Weißen Haus stattfand, hatte
auf Befehl Präsident Eisenhowers die Invasion in der Normandie begonnen.
Nur ein Jahr vor der Unterzeichnugszeremonie war er erstmalig als Präsident vereidigt worden. Möglicherweise glaubte Ike an jenem 10. Juli 1954,

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�10. Juli 1954, daß die meisten der großen Augenblicke seiner Laufbahn
hinter ihm lägen. Wie dies Programm beweist, war dem aber nicht so, denn
im Laufe der Zeit entwickelte es sich fort zu einer der größten humanitären Leistungen, die jemals von einer Nation zugunsten der Notleidenden
anderer Völker erbracht worden sind.

Nahrungsmittel-für-den-Frieden ist immer noch das größte Ernährungshilfsprogramm der Welt. Im Verlaufe der letzten 30 Jahre sind in seinem
Rahmen fast 296,2 Millionen Tonnen Nahrungsmittel an Menschen in über 100
Ländern geliefert worden. Es hat dazu beigetragen, über 1,8 Milliarden
Menschen neue Hoffnung und neue Chancen der Existenzsicherung zu geben.

Seit nunmehr drei Jahrzehnten sind den Empfängerländern im Rahmen des
Programms täglich 27 000 Tonnen Lebensmittel zugeflossen. Der Wert dieser
amerikanischen AgrarerZeugnisse übersteigt 33 Milliarden Dollar. Das sind
über drei Millionen Dollar pro Tag während der gesamten Laufzeit des Programms. Diese Zahlen vermitteln uns einen Eindruck von seinem Umfang und
von seinen Dimensionen. Sein größter Wert liegt jedoch in der Tatsache,
daß es ein Instrument amerikanischen Mitleids ist. Es ist aber auch Ausdruck des amerikanischen Pragmatismus. Vor 30 Jahren erkannten wir, daß
Menschen, die hungern, schwache Verbündete für die Sache der Freiheit
sind. Wir erkannten auch, daß, von plötzlichen Notfällen einmal abgesehen, Almosen keine wirkliche Hilfe darstellen. Von Anfang an haben die
Empfängerländer daher einen erheblichen Teil der gelieferten Nahrungsmittel bezahlt.

In diesem geschäftsmäßigen Ansatz liegt eine der Stärken des Programms. Wir haben niemals versucht, Länder, denen wir Nahrungsmittel geliefert haben, von unserer Hilfe abhängig zu machen. Vielmehr haben wir
unsere Hilfe dazu eingesetzt, die wirtschaftliche Entwicklung überall in
der Welt zu fördern. Daß viele der Staaten, denen wir geholfen haben, im
Laufe der Jahre schließlich zu wirtschaftlichen Großkunden wurden, erklärt sich nicht zuletzt aus dieser Tatsache.

In den Anfangsjahren des Nahrungsmittel-für-den-Frieden-Programms waren die Hauptempfänger die vom Kriege zerrütteten Länder Europas: Itali-

�Europas: Italien, Spanien, Westdeutschland - und auch Japan. Mit der Zeit
und dank unseres Hilfsprogramms konnten diese Länder wirtschaftlich wieder erstarken. Sie begannen, amerikanische Landwirtschaftserzeugnisse bar
zu bezahlen. Viele dieser Länder sind später zu unseren kommerziellen
Spitzenkunden geworden. Von den zehn Ländern, in denen wir die meisten
Agrarerzeugnisse absetzen, sind acht ehemalige Empfänger von Hilfslieferungen im Rahmen des Nahrungsmittel-für-den-Frieden-Programms. An den erzielten Erlösen gemessen, ist Japan heute unser wichtigster Markt für
landwirtschaftliche Produkte. All dies hat nicht nur den amerikanischen
Farmern und der amerikanischen Wirtschaft, sondern auch unseren internationalen Beziehungen zum Vorteil gereicht.

Das Nahrungsmittel-für-den-Frieden-Programm hat maßgeblich dazu beigetragen, dem guten Willen und der Großzügigkeit in der Welt zu einer
größeren Verbreitung zu verhelfen. Als im vergangenen Jahr die von der
Meeresströmung El Nino hervorgerufenen klimatischen Störungen in Peru,
Bolivien und anderen Ländern Lateinamerikas zu Dürren und Überschwemmungen führten und die Ernten vernichteten, übernahm das Nahrungsmittel-fürden-Frieden-Programm bei der Katastrophenhilfe die Führung. Während der
Hungersnot in Indien im Jahre 1966 wurden schätzungsweise 60 Millionen
Menschen zwei Jahre lang durch Lieferungen im Rahmen dieses Programms am
Leben erhalten.

Heute sehen wir uns wieder einer schweren Hungerkatastrophe gegenüber, die weite Gebiete in Afrika bedroht und dort Millionen von Menschenleben gefährdet. Und wieder einmal trägt unser Hilfsprogramm zur
Rettung von Menschenleben bei. Wir haben uns schon bereit erklärt, allein
in diesem Jahr über 400 Millionen Dollar für Katastrophenhilfe für Afrika
in Form von Lebensmittellieferungen bereitzustellen.

Ich möchte heute eine umfassende Initiative zur Hilfe für die Hungernden in Afrika und in anderen Teilen der Welt ankündigen. Es handelt
sich um ein neues Programm, das uns in die Lage versetzen soll, denen,
die unter der Hungerkatastrophe am schwersten zu leiden haben, rascher
und reibungsloser Nahrungsmittellieferungen zukommen zu lassen. Ich werde
in Kürze eine Gesetzesvorlage einbringen, die vorsieht, daß dem Präsiden-

- 3 -

�dem Präsidenten ein Sonderfonds von 50 Millionen Dollar zur Verfügung gestellt wird, der es uns ermöglichen soll, vorhandene Mittel der Auslandshilfe bereitzustellen, um den Notwendigkeiten der Nahrungsmittelhilfe in
Katastrophenfallen gerecht zu werden. Wenn wir in Übersee dort, wo der
Bedarf am dringendsten ist, vorab Nahrungsmittelreserven einlagern würden, könnten wir in Notsituationen rascher und wirksamer reagieren. Weiterhin werde ich vorschlagen, daß die rechtliche Möglichkeit geschaffen
wird, im Rahmen des Nahrungsmittel-für-den-Frieden-Programms den bedürftigsten Ländern die Bürde der Transportkosten zu erleichtern. All diese
Maßnahmen zielen darauf ab, den Verlust an Menschenleben infolge von akuten Hungerkatastrophen in der Dritten Welt zu verringern.

Das Nahrungsmittel-für-den-Frieden-Programm verkörpert den amerikanischen Geist des freiwilligen Engagements. Die Bundesregierung hat eine
enge Partnerschaft mit Vereinigungen privater Bürger entwickelt, um unterernährten Kindern und Heranwachsenden, Müttern, Alten und Behinderten
zu helfen. An den diesbezüglichen Anstrengungen, die die Regierung gemeinsam mit privaten und freiwilligen Vereinigungen unternimmt, beteiligen sich z.B. Organisationen wie CARE (Cooperative for American Relief
Everywhere - Gemeinschaft für Weltweite Amerikanische Hilfe), die Katholischen Hilfsdienste und viele andere Gruppen.

Kurz gesagt: das Nahrungsmittel-für-den-Frieden-Programm ist ein wunderbares Instrument geworden, mittels dessen eine Nation des Überflusses
den Bedürftigen hilft. Es hat uns darüber hinaus gute Dienste dabei geleistet, die Märkte für unsere Agrarerzeugnisse zu erweitern, notleidenden Verbündeten wieder auf die Beine zu helfen und mögliche Verbündete so
erstarken zu lassen, daß sie im Kampf für die Sache der Freiheit an unsere Seite treten können. Das Programm hat sich bei der Koordination von
Wohltätigkeitsimpulsen aus dem privaten Bereich heraus bewährt - und es
hat dazu beigetragen, die Schwächsten dieser Welt zu ernähren.

Diese Bilanz des Fortschritts ist das Ergebnis dessen, was heute vor
30 Jahren geschah, als Dwight Eisenhower einen Stift zur Hand nahm und
ein Stück Papier unterzeichnete, das in aller Stille - und ohne von all
den klugen Leuten besonders beachtet zu werden - die Welt veränderte.
Ich
- 4 -

glaube,

�Ich glaube, Dwight D. Eisenhower wäre sehr stolz auf das, was im Rahmen des Nahrungsmittel-für-den-Frieden-Programms

geleistet worden ist.

Ich bin es sicherlich. Deshalb erfüllt es mich auch mit Stolz, daß ich
heute zusammen mit Ihnen den Jahrestag dieses Programms begehen kann.

Möge die großartige Arbeit, die im Rahmen des Nahrungsmittel-für-denFrieden-Programms geleistet worden ist, fortgesetzt werden; möge dies
auch weiterhin mit Umsicht geschehen; und mögen wir unseren Kampf gegen
Hunger und Unterernährung in der ganzen Welt fortführen.

- 5 -

�18. Juli 1984

29

SANDINISTEN ZENSIEREN BERICHTERSTATTUNG ÜBER AUSWEISUNG VON PRIESTERN

-(AD)- Die sandinistische Zensur hindert die Nicaraguaner daran, sich
über die Hintergründe der kürzlichen Ausweisung von zehn ausländischen
Priestern zu informieren. Nach Auskunft von Redakteur Pedro Joaquin Chamorro konnte die Oppositionszeitung LA PRENSA zwei Tage hintereinander
nicht erscheinen, weil 80 Prozent des Inhalts der Schere der Regierungszensur zum Opfer gefallen waren. "Alles, was sich auf die Priester bezog,
wurde gestrichen," sagte Chamorro. "Wir konnten noch nicht einmal Bilder
von ihnen bringen."

Der sandinistische Schritt wurde auch von Papst Johannes Paul II.,
dem Außenministerium der Vereinigten Staaten, dem Oberhaupt der Katholischen Bischofskonferenz von Mittelamerika und der Bischofskonferenz von
Venezuela kritisiert.

Wie Chamorro sagte, strichen die Zensoren den größten Teil der Titelseite von LA PRENSA, der Informationen über den Schritt der Regierung gegen die Priester - vier Spanier, zwei Costa Ricaner, zwei Italiener, einen Panamesen und einen Kanadier - enthielt. Ebenfalls gestrichen wurden

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�gestrichen wurden Berichte über die kritischen Stellungnahmen des Papstes
zu der Ausweisung sowie ein Artikel über die vertriebenen Kleriker unter
der Überschrift "Sie verließen das Land mit nichts als den Kleidern, die
sie am Leibe trugen."

BARRICADA, die amtliche Zeitung der Sandinisten, brachte die offizielle Version über die Ausweisung unter der Überschrift "Ausländer beeinträchtigen den Elan der Revolution." In dem Bericht hieß es, die "Aufenthaltsgenehmigung" der Priester sei "widerrufen worden", weil sie "die Gesetze unseres Landes verletzt, politisch intensiv gegen die Regierung des
Nationalen Wiederaufbaus gearbeitet und sich an Plänen zur Herbeiführung
einer Konfrontation zwischen der Katholischen Kirche und der sandinistischen Revolution des Volkes beteiligt" hätten.

EL NUEVO DIARIO, ebenfalls ein von den Sandinisten

beherrschtes

Blatt, brachte einen Artikel, in dem es hieß, daß Erzbischof Obando y
Bravo einige der Priester zum Flughafen begleitet habe und daß sie ausgewiesen worden seien, weil sie "die Gesetze des Landes verletzt" hätten,
"indem sie sich an konterrevolutionären Aktivitäten beteiligten."

Man hatte den zehn ausländischen Priestern vorgeworfen, daß sie zusammen mit etwa 300 Gläubigen und Geistlichen einen Solidaritätsmarsch
zugunsten eines "konterrevolutionärer" Kontakte verdächtigten Paters unternommen hätten. Vater Benito Laplante, der kanadische Priester, der als
letzter der Zehn ausreiste, sagte jedoch vor Presseleuten, daß er an dem
Marsch nicht einmal teilgenommen habe. "Nachdem ich 14 Jahre lang für die
Armen Nicaraguas gearbeitet habe, ist das einfach unfair", sagte Laplante, der nur einen kleinen Koffer und eine Baseballmütze bei sich
trug, als er am 11. Juli ein Flugzeug nach Costa Rica bestieg. Ein militärisches Begleitkommando hinderte den Priester daran, vor seinem Abflug
von Sandino Airport in Managua weitere Erklärungen abzugeben.

* * * * *

- 2-

�18. Juli 1984

29

SPITZENTECHNOLOGIE FÜR STRATEGISCHE VERTEIDIGUNGSINITIATIVE

- Interview der "Stimme Amerikas" mit Dr. George Keyworth,
Wissenschaftlicher Berater Präsident Reagans -

WASHINGTON - (AD) - Einführung:

Präsident Ronald Reagan kündigte im

März 1983 ein Programm an, das als "Strategische Verteidigungsinitiative"
bekannt geworden ist.

Der Präsident sprach von der Ausschaltung der Be-

drohung durch strategische Nuklearwaffen mittels einer technologischen
Verteidigung gegen ballistische Raketen.

Diese Idee, die bald von vielen

als das "Star Wars"-Programm bezeichnet wurde, wird seitdem in den amerikanischen Medien und im US-Kongreß immer wieder erörtert.

Das Konzept einer Verteidigung gegen strategische Waffen ist nicht
neu.

Viele Ideen gehen bis in die sechziger Jahre zurück.

Neu an dem

vom Präsidenten skizzierten Programm ist lediglich die Einbeziehung modernster Wissenschaft und Technik.

Die Vereinigten Staaten haben bereits

eine Form der Verteidigung gegen Raketen getestet.

Anfang Juni fing hoch

über der Erde eine Rakete eine andere ab und zerstörte sie.

Verteidi-

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�sie.

Verteidigungsexperten sagen, daß andere in Entwicklung befindliche

Programme weiter fortgeschritten und technisch mehr verfeinert sein dürften.
Unser Gast im Studio heute abend (8. Juli 1984), Dr. George Keyworth,
der Wissenschaftsberater des Präsidenten und Direktor des Amtes für Wissenschafts- und Technologiepolitik, zählt zu dem Personenkreis, der an
den Konzepten zur strategischen Verteidigungsinitiative oder, wie auch
gesagt wird, zum Programm "Krieg der Sterne" arbeitet.

Dr. Keyworth ist Kernphysiker.
boratorium

Er war mehrere Jahre am Forschungsla-

Los Alamos tätig, wo er zuletzt die Abteilung für experimen-

telle Physik leitete.

FRAGE:

In Europa gibt es, wie Sie wissen, ein beträchtliches Maß an

Sorge, daß es sich bei dem "Star Wars"-Programm um ein rein amerikanisches Verteidigungskonzept handeln, das sogar zur Isolierung der Vereinigten Staaten beitragen könnte.

Könnten Sie uns sagen, ob vorgesehen

ist, mit diesem System sowohl die Vereinigten Staaten als auch Europa zu
verteidigen, und wenn ja, auf welche Weise?

ANTWORT:

Die Verteidigung Europas ist ein Schlüsselelement in der

Entwicklung des Programms seit seiner Entstehung.

In seiner Rede im März

vergangenen Jahres machte der Präsident sogar sehr deutlich, daß es im
Kern um den Schutz unserer Verbündeten ebenso wie den des Territoriums
der USA geht.

Von meinem persönlichen Standpunkt aus als Wissenschaftler kann ich
sagen, daß die Technik, mit der die Vereinigten Staaten verteidigt werden könnten, weitestgehend auch auf die Verteidigung Europas und sogar
weitestgehend auf die Verteidigung gegen so gefürchtete Systeme wie die
SS-20, die gegenwärtig in Europa stationiert wird, anwendbar wäre.
FRAGE:

Stimmt es, daß eine SS-20 leichter als eine Interkontinen-

talrakete zu bekämpfen wäre, wie manche behaupten?

ANTWORT:

Das

�ANTWORT:

Das wäre denkbar.

Da wir uns vor allem auf das Abfangen

von Raketen konzentrieren - auf die Technik des Abfangens von Raketen in
den ersten paar Flugminuten -, halte ich den Unterschied zwischen einer
SS-20 und, sagen wir einer SS-18 tatsächlich für recht gering.

FRAGE:

Vielleicht könnten wir jetzt auf die wesentlichen Punkte zu

sprechen kommen - viele Wissenschaftler reagieren zurückhaltend auf die
vorgeschlagene Anti-Satelliten-Technik.

Sie äußern Zweifel daran, daß

solche Dinge wie Weltraum-Laser in einer kritischen Situation überhaupt
funktionieren.

Wie sicher können wir sein, daß diese Technik tatsächlich

funktioniert und nicht durch ziemlich einfache Gegenmaßnahmen mattgesetzt
würde?

ANTWORT:

Das ist natürlich eine weitreichende Frage.

Zuallererst

meine ich, wir sollten einen soziologischen Punkt hervorheben.

Wir Wis-

senschaftler neigen dazu, Phantasie zu entwickeln, wenn wir unserer Wissenschaft nachgehen.

Aber ich glaube, daß wir in bezug auf die Verspre-

chungen, die wir machen wollen, ziemlich konservativ sind.

Ich meine

aber auch, die herkömmliche Ansicht, daß nämlich Verteidigungssysteme
starr und Angriffssysteme flexibel seien - denken wir beispielsweise an
die Maginot-Linie zurück - ist in diesem Fall nicht anwendbar.

Der Magi-

not-Linie stand das flexibelste militärische System gegenüber, das es je
gab.

Hier haben wir es mit den starrsten Offensivsystemen zu tun - den
ballistischen Raketen.

Sobald eine Rakete abgeschossen wird, ist ihre

Position an jedem Punkt im Raum zu jedem Zeitpunkt überaus genau bekannt.

Sie durchfliegt, wenn Sie so wollen, einen sehr engen Kegel, bis

sie schließlich in ihr Ziel einschlägt.

Sicherlich kann man Verfahren

anwenden, um die Rakete zu manövrieren - aber nur innerhalb eines sehr,
sehr engen Winkels.

Und des weiteren zeigt eine sorgfältige Analyse des Standes der heutigen Technik, daß wir diese Methode ja gar nicht gegen existierende sowjetische Raketen anwandten.

Vielmehr benutzten wir sie gegen das, was
- 3-

�das, was von solchen Raketen wohl logischerweise an

noch schlimmeren

Auswirkungen zu erwarten wäre, oder auch beispielsweise gegen eine Vergrößerung ihres Wirkungsbereichs, zu der es kommt, wenn man ihnen einen
Drall gibt, oder gar gegen eine neue Generation von Raketen, deren erste
Flugphase - die sog. Bechleunigungsphase — nur sehr kurze Zeit dauert.
So nahmen wir recht radikale Veränderungen ins Kalkül und kamen trotzdem
zu dem Schluß, daß es sich um eine vielversprechende Technik handelt.

FRAGE:

Ist es denn aber nicht so, daß ein potentieller Gegner nur

die Zahl von Anti-Satelliten-Systemen

zu zählen brauchte, die wir im

Weltraum oder am Boden in Bereitschaft haben, um sie in den Weltraum zu
schicken, und der dann einfach mehr Raketen abschießt?

ANTWORT:

Bei der Dislozierung eines Systems, wie dieses letztlich

auch aussehen mag, muß jene Art von

Gleichgewicht, das die Experten als

Austauschverhältniszahlen bezeichnen, sorgfältig berechnet werden.

Aber

ich glaube, das hieße die Sache einfach von der falschen Seite aus betrachten.

Ich meine, der wirklich wichtige Punkt ist der, daß sich kein

Gegner, noch dazu präventiv, zum Angriff auf eine andere Nation entschließen würde, wenn er nicht sicher wäre, sein militärisches ziel zu
erreichen.

Heute und in unserer Zeit bedeutet das, daß die Sowjetunion niemals
die Vereinigten Staaten angreifen würde, wenn sie nicht sicher ist, unsere Fähigkeit zur Vergeltung zerstören zu können.
teidigungssystem, selbst ein Verteidigungssystem
Stadium, jegliche Vorstellung von

Ich meine, daß ein Verin einem sehr frühen

Gewißheit, dieses Ziel zu erreichen,

beseitigen würde, und dies ist das wirklich Wichtige hier.

FRAGE:

Um auf die Strategische Verteidigungsinitiative zurückzukom-

men, soweit sie Europa betrifft - würde diese Basen in Europa, Verteidigungsbasen in Europa erfordern, um sie zu realisieren?

Denn so wie ich

sie verstehe, würde die Verteidigung Europas in einer Endphase des Fluges
von angreifenden Raketen und nicht in deren Beschleunigungsphase geschehen.
ANTWORT:

Ich

�ANTWORT:

Ich vermute sehr stark, daß jede Technologie, welche wir

auch immer anwenden werden, wahrscheinlich einige Basen in Europa erfordern würde.

Aber ich möchte keineswegs behaupten, damit auch dem

Argument zustimmen zu wollen, daß die Verteidigung gegen SS-20-Raketen
erst in den letzten Augenblicken ihres Fluges zu geschehen habe.

Ich

meine, es gibt noch viele weitere Möglichkeiten, SS-20-Raketen auch in
der Frühphase, in der mittleren Flugphase und schließlich als letztes
Mittel in der Erdphase abzufangen.

Aber mit Sicherheit müßte es einige

Systeme in Europa geben, wobei es gleichgültig wäre, ob sich die Waffe
selbst am Boden oder vielleicht im Weltraum befindet.

FRAGE:

Eine der wichtigen, immer wiederkehrenden Fragen - und warum

sollten wir sie nicht sofort beantworten, wenn dies möglich ist? - ist
die, was denn eigentlich die amerikanische Regierung verspricht.

Wann

erwartet, oder wann hofft sie, ein wirksames System zu haben, und wie
wirksam wird es sein?

So wie ich es verstehe, verheißen Sie gegenwärtig

keine Wunderwaffe oder ein vollkommen sicheres System.

Auf welche Art

von Verteidigung soll dies also tatsächlich hinauslaufen?

ANTWORT:

Bedenken Sie doch bitte zunächst einmal, daß der Präsident

ja ein Forschungs- und

Entwicklungsprogramm forderte.

Und ich möchte

hinzufügen, ein Programm, um künftigen Politikern neue Möglichkeiten zu
geben - andere Möglichkeiten, als einfach die Zahl und die Qualität offensiver Systeme zu erhöhen.

Und das ist ein Weg, den wir seit vielen

Jahren verfolgen.

Notwendigerweise werden wir und unsere Verbündeten in den kommenden
Jahrzehnten Jahr um Jahr Entscheidungen treffen.

Aber ich meine schon,

daß wir bereits in ein paar Jahren - vielleicht Ende dieses Jahrzehnts,
vielleicht Anfang des nächsten Jahrzehnts - der Welt die Leistungsfähigkeit einer Abfangrakete demonstrieren und, wie ich betonen möchte, die
Technik demonstrieren können, eine Rakete in den so überaus wichtigen
ersten paar Flugminuten abzufangen.
sind.

Ich glaube, daß wir dazu imstande

Und dann werden Entscheidungen darüber folgen, wie viele dislo-

�viele disloziert werden müssen und welche Art von Wirkungsgrad wichtig
ist.

Ich meine auch,daß wir, wenn Sie so wollen, Generationen von tech-

nischen Weiterentwicklungen vor uns haben, mit denen schließlich ein extrem hoher Wirkungsgrad erreicht werden wird.

Einen Plan zu einer perfekten Verteidigung halte ich für sinnlos,
weil es uns darum geht, den Überlegungen des Gegners im wesentlichen die
Optionen zu entziehen.

Und meines Erachtens ist es für uns weitaus wich-

tiger, daß wir uns künftig auf diesen Punkt konzentrieren, anstatt auf
die Frage, ob eine einzige von 10 000 Raketen das Verteidigungssystem
jemals durchdringen könnte. Alles was wir tun, ist,die Optionen des Gegners zu begrenzen und vor allen Dingen den gegenwärtigen übergroßen Verlaß auf die Drohung des Einsatzes nuklearer Waffen zu verringern, wie es
jetzt der Fall ist, und zu einer besseren ausgewogenen Form zwischen nuklearer

Vergeltung und Verlaß auf konventionelle, nicht-nukleare Streit-

kräfte zu gelangen.

FRAGE:

Um an dieser Stelle rasch noch einen Punkt zu klären - an

welche Systeme denken Sie zur Stationierung in Europa?

ANTVDRT:

Es gilt noch manche, wohl auch sehr grundlegende und im

wesentlichen technische Entscheidungen zu treffen, so daß wir noch ein
paar Jahre Forschung benötigen, um überhaupt eine Wahl treffen zu können.

Da gibt es beispielsweise Systeme wie Laser, Partikelstrahlen,

Hochgeschwindigkeitsprojektile.
wägung gezogen.

Alle diese Optionen werden jetzt in Er-

Jede davon könnte effektiv sein.

den sich um einiges voneinander.

Sie alle unterschei-

Bei den beiden erstgenannten - Laser

und Partikelstrahlen - liegt die Bedeutung darin, daß sich Laserlicht und
Partikel mit Lichtgechwindigkeit bzw. mit Geschwindigkeiten
Lichtgeschwindigkeit bewegen.

nahe der

Und ich erinnere daran, daß die Lichtge-

schwindigkeit fast 300 000 km pro Sekunde beträgt - es handelt sich also,
wenn Sie so wollen, fast um eine Sofortwaffe.

Natürlich wissen wir vieles über Projektile, nur ist deren Geschwindigkeit viel geringer, und deshalb können sie eher abgefangen werden.
- 6 -

�abgefangen werden.

Wir haben heute sehr reale Optionen, und wir haben

enorme Durchbrüche gesehen, insbesondere auf dem so wichtigen Gebiet der
Datenverarbeitung.

Deshalb kann ich Ihnen nicht genau sagen, welches In-

strument benutzt und welches Instrument in Europa disloziert werden wird.
Aber ich denke, daß wir in den nächsten paar Jahren erleben werden, wie
sich diese Optionen entwickeln.

FRAGE:

Sie sprachen soeben etwas an, was mich beschäftigt und viel

zur Besorgnis in der Welt beitragen dürfte - nämlich die Fähigkeit, in
einer einzigen Sekunde womöglich Tausende von Zielen, oder etwa in dieser
Größenordnung, abdecken zu müssen.

Wird es die Schlagzeilen geben, daß

es Computer sind, die den Dritten Weltkrieg erklären, oder besteht irgendeine Möglichkeit, daß ein Mensch dabei mitzureden hat?

ANTWORT:

Erstens glaube ich, daß Sie damit einen Kernpunkt in bezug

auf Verteidigung ganz allgemein angesprochen haben.

Und hier haben wir

den eindeutigen Unterschied zwischen Verteidigung und Angriff.
ginnen mit Verteidigung keinen Krieg.

Sie be-

Zweitens bin ich überzeugt, daß

so, wie heute den führenden Politikern Optionen zur Verfügung stehen, der
Mensch sicherlich immer, immer mitzureden haben wird.

Aber bedenken Sie

bitte auch ein Drittes - eine Minute ist für einen Menschen eine sehr
kurze, für einen modernen Computer eine unglaublich lange Zeitspanne.
Ist also erst einmal die Entscheidung von einem Menschen getroffen, erfordert es sehr wenig Zeit, um eine sehr große Anzahl von Abfangaktionen
durchzuführen, solange dafür ein Computer zuständig ist. Was jedoch die
auslösende Entscheidung angeht, so glaube ich wirklich, daß diese stets,
so wie heute auch, von Menschen getroffen wird.

FRAGE:

Augenblick, bitte.

Sie sagten, Verteidigung löse den Krieg

nicht aus. Verteidigung könnte den Krieg aber auslösen, wenn die Verteidigung sich in der Beurteilung irrt, ob jemand angreift oder nicht.

Und

meine Frage ist, wer entscheidet hier - ein Mensch, oder der Computer?

ANTWORT:

Ich denke, ein Computer wird das Gros der Daten liefern,

aber letztlich wird der Mensch die meisten Entscheidungen treffen.
- 7-

Aber

�treffen. Aber ich möchte, wenn Sie gestatten, doch noch einen Punkt besonders hervorheben, und zwar den, daß eine Verteidigung gegen eine fremde Rakete in den meisten Fällen keine, wie ich mir vorstellen könnte,
ausreichend bedrohliche Aktion darstellte, um einen Krieg auszulösen.
Wir sprechen nicht vom Töten, nicht von der

Vernichtung eines einzigen

Menschenlebens.

FRAGE:

Dr. Keyworth, könnten wir nun unser Gespräch auf ein anderes

Thema lenken, ein Thema allerdings, das zum bisherigen in Beziehung
steht?

Die Bundesregierung läßt eine Studie durchführen, oder will sie

durchführen lassen, mit der die möglichen Klimaauswirkungen, eines Nuklearkrieges unter dem Aspekt untersucht werden sollen, was geschehen
könnte, wenn durch Nuklearwaffen ungeheure Mengen von Staub in die Atmosphäre gejagt werden und vielleicht weltweite Abkühlung, einen "nuklearen
Winter" verursachen könnten?

Was ist der Umfang dieser Studie, und wie

könnte sie sich eventuell auf Bemühungen auswirken, die Verhandlungen zur
Rüstungsbegrenzung wieder aufzunehmen?

ANTWORT:

Nun, da meine ich zunächst einmal, daß mit der Studie ver-

sucht werden soll, mittels der bestmöglichen wissenschaftlichen Belege
von den besten Leuten, die wir auf das Programm ansetzen können, die Frage nach den weltweiten Auswirkungen eines Atomkrieges zu beantworten.
Das ist bis jetzt nicht geschehen.

Die ersten Schätzungen sind ober-

flächlich, ziemlich simplifiziert, und wir wollen ganz einfach die Antwort wissen.

Was langfristige Auswirkungen anlangt, so meine ich, daß

wir hier ziemlich unkompliziert und praktisch vorgehen müssen.

Meines

Erachtens kann es keinen globalen Nuklearkrieg ohne globale Konsequenzen
geben.

Im Grunde ist Nuklearkrieg unvorstellbar.

Ich glaube in der Tat,

daß die meisten Menschen in unserem Lande - und ich glaube, die meisten
Menschen in der ganzen Welt - erkannt haben, daß Atomkrieg einfach unannehmbar ist.

Deshalb sehe ich auch nichts Neues an der Vorstellung von

einem nuklearen Winter.

Ich halte es für eine der, wenn Sie wollen, qu-

antitativen Bewertungen genau dessen, was wir mit dem Begriff "unannehmbar" meinen. Aber ich glaube nicht, daß diese Vorstellung jetzt oder in
der Zukunft die Bedeutung, das Kraftmoment oder die Natur der Diskussionen um eine Rüstungskontrolle verändern könnte. Die Ziele bleiben meiner
- 8 -

�bleiben meiner Ansicht nach die gleichen.

FRAGE:

Wieviel Zeit wird für die Studie benötigt werden, und wann

etwa könnten wir mit etwas umfassenderen Daten rechnen?

ANTWORT:

Wir können vielleicht in einem Jahr einige sinnvolle Daten

erwarten. Es handelt sich um eine höchst komplizierte Frage, die wir gestellt haben, wenn man bedenkt, daß beispielsweise Niederschlag, Staubstürme, alle komplexen Naturvorgänge das Ganze zu einem überaus komplizierten Problem machen. Aber ich denke, daß wir angesichts der hohen Qualifikation derjenigen, die sich damit befassen, in etwa einem Jahr einige sinnvollen Ergebnisse haben werden.

FRAGE:

Herr Dr. Keyworth, die Sowjets attackierten pausenlos Präsi-

dent Reagan und lehnten immer wieder jeden Schritt in Richtung auf Abrüstungsgespräche über strategische Waffen oder Mittelstreckenwaffen usw.
ab.

Nun sind sie plötzlich sehr rege geworden und wünschen Gespräche

über Anti-Satelliten-Waffen.

Manche Beobachter meinen nun, sie tun dies

aus dem Gefühl heraus, weit, weit zurückzuliegen, und weil sie über die
technologischen Überlegenheit der USA besorgt seien.
die richtige Perspektive bringen?

Könnten Sie dies in

Sind wir so weit voraus, daß sie ver-

suchen wollen, unser Programm zu stoppen, wie sie es mit den ABM-Waffen
taten, und daß sie außerdem in ihrer gegenwärtigen Propagandakampagne von
der Regel abgehen und Gespräche führen wollen?

ANttWORT:
diese

Ich muß hier natürlich Fakten mit

Frage zu beantworten.

Programm der Sowjets?
schon weit gediehen.

Aber was wissen wir erstens über das ASAT-

Im gegenwärtigen Augenblick ist dieses natürlich
Sie haben ein

haben dies schon seit 12 Jahren.
stationiert.

Spekulation mischen, um

Anti-Satelliten-System stationiert,

Wir haben kein Anti-Satelliten-System

Sie haben in der ganzen Sowjetunion ein großes Programm für

technische Entwicklungen aufgebaut, das ihnen in Zukunft einige wesentliche Optionen an die Hand geben wird.

Sie lassen viele der besten Köpfe

der Sowjetunion an Spitzentechnologie-Entwicklungen wie z.B. Großlasern
arbeiten, was ihnen echte neue Möglichkeiten für Anti-Satelliten-Waffen
- 9 -

�Anti-Satelliten-Waffen höchster Leistung verschaffen könnte.

Sicherlich

fürchten sie unsere umfassende nationale Technologieleistungsfähigkeit,
wenn wir uns erst einmal einer Sache verschrieben haben.

Sie erkennen,

wie ich meine, daß wir ihnen ziemlich schnell voraus sein könnten, wenn
wir dazu entschlossen sind.
jetzt tun?

Aber weshalb schlagen sie vor, was sie eben

Meines Erachtens handelt es sich dabei offensichtlich um ei-

nen Teil eines umfassenden Propagandafeldzuges.

Die Sowjetunion hat sich

eindeutig gegen Präsident Reagan gestellt, weil er eine starke Führungspersönlichkeit ist und in der Lage war, Entschlossenheit zu starker nationaler Sicherheit in den Vereinigten Staaten zu entwickeln, wie wir sie
seit vielen Jahren nicht mehr erlebt haben.

Ich glaube jedoch, daß diese

in jüngster Zeit hergestellte Verbindung zwischen den Verhandlungen über
Anti-Satelliten-Waffen

und die

Strategische

Verteidigungsinitiative

-

"star wars", wenn Sie wollen - eine politische kluge Verbindung ist. Nach
meiner Ansicht bestreiten wenige Wissenschaftler, daß es für uns heute
praktisch keinen Weg gibt, um die Einhaltung eines Anti-Satelliten-Vertrags zu verifizieren.

Und die Sowjets haben keine große Bereitschaft,

und haben eine solche auch nicht erkennen lassen, unserem Volk den Weg in
sowjetisches Territorium zur Gewährleistung einer Verifikation zu gestatten - wie sehr wir uns auch selbst an die Abmachungen halten würden. Deshalb glaube ich, recht einfach formuliert, daß anscheinend eine große
Wolke an Verwirrung vorhanden ist. Und als wir wiederum sagten, wir seien bereit, Anti-Satelliten-Verträge zusammen mit den Strategischen Verteidigungsinitiative zu erörtern, wenn die Sowjets an den Verhandlungstisch zur Strategischen Rüstungskontrolle zurückkämen, so war zu sehen,
daß die sowjetische Bereitschaft sehr schnell erlahmte.
FREAGE:

Die Sowjets sagen natürlich, "seht, wir haben uns um Ge-

spräche über strategische Waffen bemüht und sind nicht weitergekommen;
wir haben uns um INF-Gespräche bemüht und sind nicht weitergekommen warum es also nicht hier versuchen, die Anti-Satelliten-Gespräche abzukoppeln und herauszufinden, ob wir auf diese Weise ein Geschäft machen
können?"

Ist Ihrer Ansicht nach dieses Argument in irgendeiner Weise

stichhaltig?
ANTWORT;
- 10 -

Rüstungskontrollgespräche

�ANTWORT:

Rüstungskontrollgespräche als Eröffnungsangebote haben na-

türlich einen Hauch von Weiterentwicklung an sich, und wir werden zwangsläufig in Zukunft die eingeschlagene Richtung genau herausfinden.
ich würde davor warnen, unsere Hoffnungen zu hoch zu schrauben.
bereits

sagte, ist die Verifizierung

überaus schwierig.

eines

Aber

Wie ich

Anti-Satelliten-Vertrages

Ich zumindest vermag kaum zu erkennen, wie wir unse-

ren Völkern die Gewähr geben könnten, daß er verifizierbar ist. Andererseits wissen wir auch, daß die Sowjetunion willens war, sich Verletzungen, wenn nicht gar die Preisgabe früherer Verträge zu leisten - sicherlich eine recht deutliche Demonstration, und ich meine, wir müßten zu Beginn sehr vorsichtig sein. Auf der anderen

Seite stimmen wir meines Er-

achtens wohl alle darin überein, daß wir für unsere Zukunft letztlich
mehr Stabilität erkennen müssen, als wir sie heute sehen.

Und ich glau-

be, daß Rüstungskontrolle ein wesentliches Element dabei sein muß.

FRAGE:

Können Sie kurz erklären, weshalb es so schwierig oder unmög-

lich ist, einen Anti-Satelliten-Vertrag zu verifizieren?
ANTWORT:

Nun, wir haben natürlich heute eine Anzahl von Möglichkei-

ten, sogenannte nationale technische Mittel in

Verbindung mit Satelli-

ten, um die Einhaltung eines Vertrages abzusichern.

Aber eine potentiel-

le Waffe, die fähig ist, einen sehr verletzlichen Satelliten im Weltraum
zu zerstören, könnte eine sehr kleine Waffe sein.

Und es könnte sehr

einfach sein, eine solche Waffe zu verbergen. Vor allem in einem so großen Gebiet, über das die Sowjetunion verfügt.

Es ist möglich, Vertrags-

treue bei etwas zu gewährleisten, was so groß uns sichtbar ist wie eine
in einem Silo untergebrachte ballistische Rakete.

Aber das dürfen wir

nicht gleichsetzen mit, nun, sagen wir, etwa einen mittelgroßen Laser in
einer großen Garage unterzubringen, was technisch durchaus möglich ist.
Wenn wir also, einfach nur weil wir guten Glaubens sind, sagen, wir seien
natürlich in der Lage, Vertragseinhaltung zu verifizieren, so teile ich
zwar auch persönlich manche der Wünsche, aber ich sehe einfach nicht die
technischen Mittel, mit denen wir dies bewerkstelligen können.

FRAGE:

Wollen Sie damit sagen, es sei nutzlos, Verhandlungen über
- 11 -

�Verhandlungen über die Begrenzung von Anti-Satelliten-Waffen aufzunehmen?

ANTWORT:

Nein, für nutzlos halte ich das nicht.

Weil ich glaube,

daß reden mit einem potentiellen Gegner stets ungemein wichtig ist.

Ich

halte es durchaus für möglich, daß wir im Verlauf der Debatte mit einigen
stabilisierenden Lösungen aufwarten könnten.

Ich möchte nur ganz einfach

zum Ausdruck bringen, daß wir nicht mit falschen Hoffnungen in diese Debatte gehen sollten.

Weder wir noch die Sowjetunion haben gegenwärtig

irgendwelche Mittel, mit denen wir einen umfassenden Anti-Satelliten-Vertrag verifizieren könnten. Aber ich meine eben doch, wir sollten uns zusammensetzen und versuchen, herauszufinden, was wir tun können, um die
Welt sicherer zu machen.

FRAGE:

Wenn wir von Anti-Satelliten-Waffen sprechen, könnten Sie

zwei, drei oder vier Varianten angeben?
kleine, den Laser in der Garage.

Sie erwähnten schon eine sehr

Und wir denken an einen großen, mäch-

tigen Apparat, den die Sowjets in den Orbit schießen.

Welches sind ei-

nige der Anti-Satelliten-Waffen?

ANTWORT:

Nun, wir können natürlich heute praktisch genommen eine

große ballistische Rakete als eine

Anti-Satelliten-Waffe betrachten,

wenn man sie dafür verwenden wollte. Anscheinend hat sich keiner von uns
offen dafür entschieden, dies zu tun.

Wir entwickeln seit einiger Zeit

eine sehr, sehr kleine Rakete, die unter einem modernen Jagdflugzeug, der
F-15, transportiert wird und in der Lage ist, eine Rakete in sogenannter
niedriger Umlaufbahn abzufangen.
Kilometer über der Erde.

Es ist ein Satellit, ein paar Hundert

Aber ich glaube, beide Nationen suchen nach

Mitteln und Wegen, Satelliten sowohl zu schützen als auch abzufangen, die
über der Erdoberfläche fixiert zu sein scheinen, und das sind solche in
mehr als 35 000 km Höhe.

Das aber erfordert etwas Neues, und die wahr-

scheinlichsten Kandidaten dafür sind meines Erachtens starke Laser, bei
denen es sich trotz hoher Leistung nicht unbedingt um große Apparate handeln müßte.

Ich halte das für eine mögliche, sehr wichtige technische

Zukunftsentwicklung.

FRAGE:
- 12 -

Was

�FRAGE:

Was wäre denn unter "nicht sehr groß" zu verstehen, wenn wir

beispielsweise von einem Röntgen-Laser reden, der einen kleinen Kernreaktor als Energiequelle benutzt?

Wie groß müßte der sein?

Und wie könn-

ten wir ihn starten?

ANTWORT:

Nun, erstens einmal müßte er gar nicht gestartet werden.

Es ist durchaus möglich, am Boden einen starken Laser zu haben, der die
Atmosphäre durchdringen könnte.

Zwar würden die Wellen etwas verzerrt,

aber ich glaube, wir wissen, wie wir das ausgleichen könnten.
zuvor von Garage.

Ich sprach

Es könnte sich beispielsweise um eine Garage handeln,

die vier bis sechs Wagen aufnimmt.

Und in einer Garage solcher Größe

könnten wir einen Laser installieren, der einen der heute gebräuchlichen
Satelliten irreparabel zerstört.

FRAGE:

Was kann man gegen die verzerrende Wirkung der Erdatmosphäre

tun?
ANTWORT:
bilden den

Das ist eine ziemlich komplizierte Technik, aber im Grunde
Schlüssel dafür Spiegel, die wiederum aus einer Vielzahl win-

ziger Spiegelsegmente zusammengesetzt sind.

Davon ist jedes einzelne ab-

stimmbar, so könnte man das vielleicht bezeichnen, ähnlich wie bei der
Einstellskala eines Radios, um die von der Atmosphäre verursachten Verzerrungen an einem durch sie hindurchgeschickten Lichtimpuls zu korrigieren.

FRAGE:

Greift man dabei auf die Technik zurück, die beim Bau von

Mehr-Spiegel-Teleskopen angewandt wird?

ANTWORT:

Es werden Techniken aus vielen Gebieten benutzt, von denen

die meisten aus dem zivilen Sektor kommen.

Es werden u.a. Präzisionsbe-

arbeitungsmethoden angewandt, wie sie ja auch beim Teleskopbau erforderlich

sind.

Datenschnellübermittlung, Hochgeschwindigkeitsverfahren

der Kommunikationstechnik spielen eine Rolle.

Auch wird von der Fähig-

keit Gebrauch gemacht, etwas mit allergrößter Präzision anzuvisieren.
werden hochwertige Materialien, Elektrooptik benutzt.
- 13 -

in
Es

Man bedient sich,

�bedient sich, wie ich ganz einfach sagen möchte, der Instrumente der modernen Spitzentechnologie.

FRAGE:

Nun röchte ich noch kurz das kommerzielle Gebiet ansprechen.

Werden wir die Japaner bei den neuen Supercomputern abhängen?

ANTWORT:

Nun, ich glaube nicht, daß es darum geht, sie abzuhängen,

weil wir meines Erachtens ziemlich weit voraus sind.

Wir haben einige

interessante Artikel in der Presse gelesen, in denen Vergleiche zu manchen neuesten Entwicklungen japanischer Technologie angestellt wurden,
sowie zu älteren Entwicklungen und zur Technologie des letzten Jahres in
den USA.

Ich bin überzeugt, daß die amerikanischen Hersteller von Super-

computern noch in Führung sind.

Für wichtig halte ich, daß das, was wir

erleben, eine Herausforderung auf einem Gebiet ist, das wir lange Zeit
allein beherrschten.

Ich persönlich sehe darin eine großartige Heraus-

forderung.

•

- 14 -

�18. Juli 1984

29

ANTI-SATELLITEN-WAFFEN: IHR WESEN UND IHRE WIRKUNG

-(AD)- Die Tatsache, daß die Vereinigten Staaten am 29. Juli 1984 auf
den sowjetischen Vorschlag eingegangen sind, im September in Wien Gespräche aufzunehmen, deren Ziel es sein wird, einer

"Militarisierung des

Weltraums" vorzubeugen, hat die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf die
Anti-Satelliten-Waffen (ASATs) gelenkt.

Im Folgenden informieren wir in Frage-und-Antwort-Form über Wesen und
Wirkungsweise dieser Waffen:

Frage: Was sind Anti-Satelliten- oder ASAT-Waffen ?
Antwort: Es handelt sich bei diesen Waffen in erster Linie um nichtatomare Geschosse, deren Aufgabe es ist, Satelliten im Weltraum anzugreifen und zu zerstören. In der Vergangenheit hat man zwar ASAT-Waffen konstruiert, die atomare Gefechtsköpfe tragen können, aber wenn man solche
Waffen zur Explosion bringen würde, um einen feindlichen Satelliten zu
zerstören, so würde dabei in einem solch gewaltigen Umfang elektromagnetische Energie und Strahlung freigesetzt werden, daß gleichzeitig auch

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�gleichzeitig auch die eigenen Satelliten Schaden nehmen würden.

Frage: Worin liegt die Bedeutung der Satelliten, zu deren Zerstörung
diese Waffen konstruiert worden sind ?

Antwort: Im Jahre 1983 hatten die Vereinigten Staaten im Durchschnitt
94 militärische und zivile Nachrichtensatelliten in einer Erdumlaufbahn.
Die Sowjetunion hatte 90, von denen ein hoher Prozentsatz militärischen
Zwecken diente. Während Amerika eine relativ geringe Anzahl von teueren,
aber langlebigen Satelliten einsetzt, verwenden die Sowjets eine große
Zahl von kurzlebigen, aber billigen Satelliten. Die Sowjets könnten daher
mit einer kleinen Zahl von ASAT-Waffen den Vereinigten Staaten ernsten
Schaden zufügen, während umgekehrt die Vereinigten Staaten wesentlich
größere Anstrengungen unternehmen müßten, um die sowjetischen Systeme
ähnlich hart zu treffen.

Die Bedeutung von Satelliten ergibt sich aus ihren Einsatzmöglichkeiten. Dazu gehören:
1. Frühwarnung vor einem atomaren Angriff durch feindliche Raketen,
2. Photoaufklärung zur Erfassung von militärischen Aktivitäten wie z.B.
Alarme, Manöver oder Bau von Raketenabschußstellungen,
3. elektronische Aufklärung und Überwachung,
4. Fernmeldeverkehr,
5. Wetterbeobachtung,
6. Navigationshilfe.
Viele Wissenschaftler und Strategen messen diesen Satelliten, die
sich in Umlaufbahnen zwischen 100 und 36 000 Kilometern Höhe befinden,
eine maßgebliche Bedeutung im Rahmen der nuklearen Abschreckung bei.
Außerdem laufen etwa 70 Prozent des militärischen Fernmeldeverkehrs der
Vereinigten Staaten über Satellit. Darüberhinaus können die Sowjets über
Satellit Zieldaten für die Bekämpfung amerikanischer Marineeinheiten sammeln und damit Amerikas Fähigkeit zur Heranführung von Verstärkungstruppen nach Westeuropa im Notfall in Frage stellen.
Frage:

- 2 -

Ist

�Frage: Ist heute schon irgend ein Land in der Lage, Satelliten zu
zerstören ?

Antwort: Ja. Die Sowjetunion ist das einzige Land der Welt, das über
ein erprobtes ASAT-System verfügt. Ein Moratorium für ASAT-Erprobungen wie es von den Sowjets im August 1983 vorgeschlagen wurde - würde der
UdSSR ein ungefährdetes Monopol auf Anti-Satelliten-Waffen belassen.

Frage: Seit wann ist die Entwicklung eines ASAT-Systems in der Sowjetunion schon im Gange ?

Antwort: Das sowjetische System ist bereits seit Anfang der 70er Jahre einsatzfähig. Die Erprobung von Anti-Satelliten-Waffen begann im Jahre
1968. Bis zum 18. Juni 1982 haben die Vereinigten Staaten 20 sowjetische
Tests registriert, von denen 45 Prozent erfolgreich waren.
Frage: Welche Art von Anti-Satelliten-Waffe haben die Sowjets ?

Antwort: Die sowjetische ASAT-Waffe wird vom Boden aus mittels einer
modifizierten

Version

der

50 Meter

hohen

SS-9-Interkontinentalrakete

gestartet. Die Waffen soll Satelliten durch die Splitterwirkung

ihres

nicht-atomaren Gefechtskopfs zerstören. Dies Geschoß wurde ursprünglich
durch Radar ins Ziel gesteuert. Bei späteren Tests, von denen allerdings
keiner erfolgreich war, wurde ein System mit einem Infrarotsuchkopf, der
auf Wärmestrahlung anspricht, eingesetzt.

Frage: Wie wirksam ist die sowjetische Waffe ?

Antwort: Trotz einiger Schwächen, eines gewissen Maßes an Unzuverlässigkeit und einer relativ hohen Versagerquote bei den Tests stellt das
sowjetische ASAT-System eine reale Bedrohung dar.

Frage: In welchem Stadium befindet sich die Entwicklung von Anti-Satelliten-Waffen in den Vereinigten Staaten ?
Antwort: Die Vereinigten Staaten entwickeln ein moderneres System als

- 3 -

�System als das, das gegenwärtig von der Sowjetunion eingesetzt wird. Das
amerikanische System besteht aus einem 28 Zentimeter langen "Kleinstendanflugkörper" (Miniature Homing Vehicle - MHV), der auf eine 6 Meter lange Rakete montiert ist, die von einem F-15-Kampflugzeug abgefeuert wird
und ihr Ziel innerhalb von zehn Minuten erreichen kann. Speziell entwikkelte Sensoren, die auf die schwache Wärmeabstrahlung eines Satelliten
ansprechen, lenken den Endanflugkörper ins Ziel, das beim Auftreffen zerstört wird. Im Januar 1984 führte die amerikanische Luftwaffe die ersten
Flugerprobungen mit der ASAT-Trägerrakete durch. Sie wurde ohne ASAT-Gefechtskopf in eine senkrechte Flugbahn geschossen. Für Ende dieses Jahres
ist ein weiterer Test angesetzt, bei dem ein spezieller, 2 Meter großer
Ballon im Weltraum als Ziel dienen wird.

Frage: Wie leistungsfähig ist die gegenwärtige Generation von ASATSystemen ?
Antwort: Die gegenwärtig bestehenden und geplanten amerikanischen und
sowjetischen ASAT-Systeme sind nur für den Einsatz gegen Ziele in erdnahen Uniaufbahnen ausgelegt. Sie eignen sich für den Einsatz gegen Aufklärungssatelliten, wie sie im Verlaufe von Krisen zum Sammeln hieb- und
stichfester Daten verwendet werden.

Raketen, mit denen man auch Ziele in erdfernen Umlaufbahnen erreichen
könnte, müßten so groß und schwer sein, daß sie nur vom Boden aus gestartet werden könnten, nicht aber - wie das in Entwicklung befindliche amerikanische System - von einem Flugzeug aus. Sowjetische ASAT-Waffen haben
noch

nie Höhen über 1650 Kilometern erreicht und könnten daher nur den

18 amerikanischen Satelliten, die sich in erdnahen Umlaufbahnen befinden,
gefährlich werden. Die wirklich wichtigen amerikanischen Satelliten, u.a.
auch die drei Frühwarnsatelliten, befinden sich in Umlaufbahnen von rund
36 000 Kilometern Höhe.

Die Vereinigten Staaten sind

in einer Hinsicht klar

im Vorteil:

Einige wichtige sowjetische Satelliten befinden sich in elliptischen Umlaufbahnen,

d.h., sie

steigen über

der nördlichen Hemisphere bis auf

38 600 Kilometer, nähern sich dann aber über den südlichen Breitengraden

- 4 -

�südlichen Breitengraden der Erdoberfläche bis auf einige Hundert Kilometer an und werden dabei möglicherweise verwundbar.

Frage: Welche möglichen Gegenmaßnahmen gegen ASAT-Waffen gibt es ?

Antwort: Es gibt viele Arten von militärischen Gegenmaßnahmen, mit
denen man der Bedrohung durch ASAT-Waffen begegnen kann, z.B. mit einfachen Ausweichmanövern oder dadurch, daß man Satelliten in höhere Umlaufbahnen bringt. Bei einer "aktiven Endanfluglenkung", wie sie von den Sowjets ursprünglich verwendet wurde, ist ein Angriff eindeutig zu erkennen
und kann daher leichter abgewehrt werden. Das von den Vereinigten Staaten
eingesetzte "passive" Lenksystem gibt dem Gegner dagegen keine Warnung.

Frage: Welches sind die besondere Probleme der Rüstungskontrolle im
Weltraum ?
Antwort: Es handelt sich dabei um einen sehr komplexen Teilbereich
der Rüstungskontrolle. Beispielsweise wäre es praktisch unmöglich, den
Abbau oder die Zerstörung des einsatzfähigen sowjetischen ASAT-Systems
nur durch nationale technische Mittel zu verifizieren. Das sowjetische
ASAT-System ist relativ klein und auf eine Trägerrakete montiert, die
auch für andere Aufgaben in der Raumfahrt Verwendung findet. Es wäre für
die Sowjets relativ leicht, heimlich einen Bestand an solchen Waffen
zurückzubehalten, dessen sie sich dann

in Krisensituationen

bedienen

könnten. Die Zahl der Satelliten, die von den Vereinigten Staaten und
ihren Verbündeten für Zwecke der Landesverteidigung eingesetzt werden,
ist klein. Die Möglichkeit, daß die Sowjets - und sei es auch nur in
kleinem Umfang - gegen die Bedingungen eines ASAT-Abkommens verstoßen
könnten, bildet daher ein Risiko, daß so groß ist, daß sich der Westen
veranlaßt sehen könnte, von einem solchen Abkommen Abstand zu nehmen.

* * * * *

- 5 -

�18. Juli 1984

29

SANDINISTEN ZENSIEREN BERICHTERSTATTUNG ÜBER AUSWEISUNG VON PRIESTERN

-(AD)- Die sandinistische Zensur hindert die Nicaraguaner daran, sich
über die Hintergründe der kürzlichen Ausweisung von zehn ausländischen
Priestern zu informieren. Nach Auskunft von Redakteur Pedro Joaquin Chamorro konnte die Oppositionszeitung LA PRENSA zwei Tage hintereinander
nicht erscheinen, weil 80 Prozent des Inhalts der Schere der Regierungszensur zum Opfer gefallen waren. "Alles, was sich auf die Priester bezog,
wurde gestrichen," sagte Chamorro. "Wir konnten noch nicht einmal Bilder
von ihnen bringen."

Der sandinistische Schritt wurde auch von Papst Johannes Paul II.f
dem Außenministerium der Vereinigten Staaten, dem Oberhaupt der Katholischen Bischofskonferenz von Mittelamerika und der Bischofskonferenz von
Venezuela kritisiert.

Wie Chamorro sagte, strichen die Zensoren den größten Teil der Titelseite von LA PRENSA, der Informationen über den Schritt der Regierung gegen die Priester - vier Spanier, zwei Costa Ricaner, zwei Italiener, einen Panamesen und einen Kanadier - enthielt. Ebenfalls gestrichen wurden

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�gestrichen wurden Berichte über die kritischen Stellungnahmen des Papstes
zu der Ausweisung sowie ein Artikel über die vertriebenen Kleriker unter
der Überschrift "Sie verließen das Land mit nichts als den Kleidern, die
sie am Leibe trugen."

BARRICADA, die amtliche Zeitung der Sandinisten, brachte die offizielle Version über die Ausweisung unter der Überschrift "Ausländer beeinträchtigen den Elan der Revolution." In dem Bericht hieß es, die "Aufenthaltsgenehmigung" der Priester sei "widerrufen worden", weil sie "die Gesetze unseres Landes verletzt, politisch intensiv gegen die Regierung des
Nationalen Wiederaufbaus gearbeitet und sich an Plänen zur Herbeiführung
einer Konfrontation zwischen der Katholischen Kirche und der sandinistischen Revolution des Volkes beteiligt" hätten.

EL NUEVO DIARIO, ebenfalls ein von den Sandinisten

beherrschtes

Blatt, brachte einen Artikel, in dem es hieß, daß Erzbischof Obando y
Bravo einige der Priester zum Flughafen begleitet habe und daß sie ausgewiesen worden seien, weil sie "die Gesetze des Landes verletzt" hätten,
"indem sie sich an konterrevolutionären Aktivitäten beteiligten."

Man hatte den zehn ausländischen Priestern vorgeworfen, daß sie zusammen mit etwa 300 Gläubigen und Geistlichen einen Solidaritätsmarsch
zugunsten eines "konterrevolutionärer" Kontakte verdächtigten Paters unternommen hätten. Vater Benito Laplante, der kanadische Priester, der als
letzter der Zehn ausreiste, sagte jedoch vor Presseleuten, daß er an dem
Marsch nicht einmal teilgenommen habe. "Nachdem ich 14 Jahre lang für die
Armen Nicaraguas gearbeitet habe, ist das einfach unfair", sagte Laplante, der nur einen kleinen Koffer und eine Baseballmütze bei sich
trug, als er am 11. Juli ein Flugzeug nach Costa Rica bestieg. Ein militärisches Begleitkommando hinderte den Priester daran, vor seinem Abflug
von Sandino Airport in Managua weitere Erklärungen abzugeben.

- 2 -

�18. Juli 1984

29

SPITZENTECHNOLOGIE FÜR STRATEGISCHE VERTEIDIGUNGSINITIATIVE

- Interview der "Stimme Amerikas" mit Dr. George Keyworth,
Wissenschaftlicher Berater Präsident Reagans -

WASHINGTON - (AD) - Einführung:

Präsident Ronald Reagan kündigte im

März 1983 ein Programm an, das als "Strategische Verteidigungsinitiative"
bekannt geworden ist.

Der Präsident sprach von der Ausschaltung der Be-

drohung durch strategische Nuklearwaffen mittels einer technologischen
Verteidigung gegen ballistische Raketen.

Diese Idee, die bald von vielen

als das "Star Wars"-Programrn bezeichnet wurde, wird seitdem in den amerikanischen Medien und im US-Kongreß immer wieder erörtert.

Das Konzept einer Verteidigung gegen strategische Waffen ist nicht
neu.

Viele Ideen gehen bis in die sechziger Jahre zurück.

Neu an dem

vom Präsidenten skizzierten Programm ist lediglich die Einbeziehung modernster Wissenschaft und Technik.

Die Vereinigten Staaten haben bereits

eine Form der Verteidigung gegen Raketen getestet. Anfang Juni fing hoch
über der Erde eine Rakete eine andere ab und zerstörte sie.

Verteidi-

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�sie.

Verteidigungsexperten sagen, daß andere in Entwicklung befindliche

Programme weiter fortgeschritten und technisch mehr verfeinert sein dürften.

Unser Gast im Studio heute abend (8. Juli 1984), Dr. George Keyworth,
der Wissenschaftsberater des Präsidenten und Direktor des Amtes für Wissenschafts- und Technologiepolitik, zählt zu dem Personenkreis, der an
den Konzepten zur strategischen Verteidigungsinitiative oder, wie auch
gesagt wird, zum Programm "Krieg der Sterne" arbeitet.

Dr. Keyworth ist Kernphysiker.
boratorium

Er war mehrere Jahre am Forschungsla-

Los Alamos tätig, wo er zuletzt die Abteilung für experimen-

telle Physik leitete.

FRAGE:

In Europa gibt es, wie Sie wissen, ein beträchtliches Maß an

Sorge, daß es sich bei dem "Star Wars"-Programm um ein rein amerikanisches Verteidigungskonzept handeln, das sogar zur Isolierung der Vereinigten Staaten beitragen könnte.

Könnten Sie uns sagen, ob vorgesehen

ist, mit diesem System sowohl die Vereinigten Staaten als auch Europa zu
verteidigen, und wenn ja, auf welche Weise?

ANTWORT:

Die Verteidigung Europas ist ein Schlüsselelement in der

Entwicklung des Programms seit seiner Entstehung.

In seiner Rede im März

vergangenen Jahres machte der Präsident sogar sehr deutlich, daß es im
Kern um den Schutz unserer Verbündeten ebenso wie den des Territoriums
der USA geht.

Von meinem persönlichen Standpunkt aus als Wissenschaftler kann ich
sagen, daß die Technik, mit der die Vereinigten Staaten verteidigt werden könnten, weitestgehend auch auf die Verteidigung Europas und sogar
weitestgehend auf die Verteidigung gegen so gefürchtete Systeme wie die
SS-20, die gegenwärtig in Europa stationiert wird, anwendbar wäre.

FRAGE:

Stimmt es, daß eine SS-20 leichter als eine Interkontinen-

talrakete zu bekämpfen wäre, wie manche behaupten?

ANTWORT:

Das

�ANTWORT:

Das wäre denkbar.

Da wir uns vor allem auf das Abfangen

von Raketen konzentrieren - auf die Technik des Abfangens von Raketen in
den ersten paar Flugminuten -, halte ich den Unterschied zwischen einer
SS-20 und, sagen wir einer SS-18 tatsächlich für recht gering.

FRAGE:

Vielleicht könnten wir jetzt auf die wesentlichen Punkte zu

sprechen kommen - viele Wissenschaftler reagieren zurückhaltend auf die
vorgeschlagene Anti-Satelliten-Technik.

Sie äußern Zweifel daran, daß

solche Dinge wie Weltraum-Laser in einer kritischen Situation überhaupt
funktionieren.

Wie sicher können wir sein, daß diese Technik tatsächlich

funktioniert und nicht durch ziemlich einfache Gegenmaßnahmen mattgesetzt
würde?

ANTWORT:

Das ist natürlich eine weitreichende Frage.

Zuallererst

meine ich, wir sollten einen soziologischen Punkt hervorheben.

Wir Wis-

senschaftler neigen dazu, Phantasie zu entwickeln, wenn wir unserer Wissenschaft nachgehen.

Aber ich glaube, daß wir in bezug auf die Verspre-

chungen, die wir machen wollen, ziemlich konservativ sind.

Ich meine

aber auch, die herkömmliche Ansicht, daß nämlich Verteidigungssysteme
starr und Angriffssysteme flexibel seien - denken wir beispielsweise an
die Maginot-Linie zurück - ist in diesem Fall nicht anwendbar.

Der Magi-

not-Linie stand das flexibelste militärische System gegenüber, das es je
gab.

Hier haben wir es mit den starrsten Offensivsystemen zu tun - den
ballistischen Raketen.

Sobald eine Rakete abgeschossen wird, ist ihre

Position an jedem Punkt im Raum zu jedem Zeitpunkt überaus genau bekannt.

Sie durchfliegt, wenn Sie so wollen, einen sehr engen Kegel, bis

sie schließlich in ihr Ziel einschlägt.

Sicherlich kann man Verfahren

anwenden, um die Rakete zu manövrieren - aber nur innerhalb eines sehr,
sehr engen Winkels.

Und des weiteren zeigt eine sorgfältige Analyse des Standes der heutigen Technik, daß wir diese Methode ja gar nicht gegen existierende sowjetische Raketen anwandten.

Vielmehr benutzten wir sie gegen das, was
- 3 -

�das, was von solchen Raketen wohl logischerweise an

noch schlimmeren

Auswirkungen zu erwarten wäre, oder auch beispielsweise gegen eine Vergrößerung ihres Wirkungsbereichs, zu der es kommt, wenn man ihnen einen
Drall gibt, oder gar gegen eine neue Generation von Raketen, deren erste
Flugphase - die sog. Bechleunigungsphase - nur sehr kurze Zeit dauert.
So nahmen wir recht radikale Veränderungen ins Kalkül und kamen trotzdem
zu dem Schluß, daß es sich um eine vielversprechende Technik handelt.

FRAGE:

Ist es denn aber nicht so, daß ein potentieller Gegner nur

die Zahl von Anti-Satelliten-Systemen zu zählen brauchte, die wir im
Weltraum oder am Boden in Bereitschaft haben, um sie in den Weltraum zu
schicken, und der dann einfach mehr Raketen abschießt?

ANTWORT:

Bei der Dislozierung eines Systems, wie dieses letztlich

auch aussehen mag, muß jene Art von

Gleichgewicht, das die Experten als

Austauschverhältniszahlen bezeichnen, sorgfältig berechnet werden.

Aber

ich glaube, das hieße die Sache einfach von der falschen Seite aus betrachten.

Ich meine, der wirklich wichtige Punkt ist der, daß sich kein

Gegner, noch dazu präventiv, zum Angriff auf eine andere Nation entschließen würde, wenn er nicht sicher wäre, sein militärisches Ziel zu
erreichen.

Heute und in unserer Zeit bedeutet das, daß die Sowjetunion niemals
die Vereinigten Staaten angreifen würde, wenn sie nicht sicher ist, unsere Fähigkeit zur Vergeltung zerstören zu können.
teidigungssystem, selbst ein Verteidigungssystem
Stadium, jegliche Vorstellung von

Ich meine, daß ein Verin einem sehr frühen

Gewißheit, dieses Ziel zu erreichen,

beseitigen würde, und dies ist das wirklich Wichtige hier.

FRAGE:

Um auf die Strategische Verteidigungsinitiative zurückzukom-

men, soweit sie Europa betrifft - würde diese Basen in Europa, Verteidigungsbasen in Europa erfordern, um sie zu realisieren?

Denn so wie ich

sie verstehe, würde die Verteidigung Europas in einer Endphase des Fluges
von angreifenden Raketen und nicht in deren Beschleunigungsphase geschehen.
ANTWORT:

Ich

�ANTWORT:

Ich vermute sehr stark, daß jede Technologie, welche wir

auch immer anwenden werden, wahrscheinlich einige Basen in Europa erfordern würde.

Aber ich möchte keineswegs behaupten, damit auch dem

Argument zustimmen zu wollen, daß die Verteidigung gegen SS-20-Raketen
erst in den letzten Augenblicken ihres Fluges zu geschehen habe.

Ich

meine, es gibt noch viele weitere Möglichkeiten, SS-20-Raketen auch in
der Frühphase, in der mittleren Flugphase und schließlich als letztes
Mittel in der Erdphase abzufangen.

Aber mit Sicherheit müßte es einige

Systeme in Europa geben, wobei es gleichgültig wäre, ob sich die Waffe
selbst am Boden oder vielleicht im Weltraum befindet.

FRAGE:

Eine der wichtigen, immer wiederkehrenden Fragen - und warum

sollten wir sie nicht sofort beantworten, wenn dies möglich ist? - ist
die, was denn eigentlich die amerikanische Regierung verspricht.

Wann

erwartet, oder wann hofft sie, ein wirksames System zu haben, und wie
wirksam wird es sein?

So wie ich es verstehe, verheißen Sie gegenwärtig

keine Wunderwaffe oder ein vollkommen sicheres System.

Auf welche Art

von Verteidigung soll dies also tatsächlich hinauslaufen?

ANTWORT:

Bedenken Sie doch bitte zunächst einmal, daß der Präsident

ja ein Forschungs- und

Entwicklungsprogramm forderte.

Und ich möchte

hinzufügen, ein Programm, um künftigen Politikern neue Möglichkeiten zu
geben - andere Möglichkeiten, als einfach die Zahl und die Qualität offensiver Systeme zu erhöhen.

Und das ist ein Weg, den wir seit vielen

Jahren verfolgen.

Notwendigerweise werden wir und unsere Verbündeten in den kommenden
Jahrzehnten Jahr um Jahr Entscheidungen treffen.

Aber ich meine schon,

daß wir bereits in ein paar Jahren - vielleicht Ende dieses Jahrzehnts,
vielleicht Anfang des nächsten Jahrzehnts - der Welt die Leistungsfähigkeit einer Abfangrakete demonstrieren und, wie ich betonen möchte, die
Technik demonstrieren können, eine Rakete in den so überaus wichtigen
ersten paar Flugminuten abzufangen.
sind.

Ich glaube, daß wir dazu imstande

Und dann werden Entscheidungen darüber folgen, wie viele dislo- 5 -

�viele disloziert werden müssen und welche Art von Wirkungsgrad wichtig
ist.

Ich meine auch,daß wir, wenn Sie so wollen, Generationen von tech-

nischen Weiterentwicklungen vor uns haben, mit denen schließlich ein extrem hoher Wirkungsgrad erreicht werden wird.

Einen Plan zu einer perfekten Verteidigung halte ich für sinnlos,
weil es uns darum geht, den Überlegungen des Gegners im wesentlichen die
Optionen zu entziehen.

Und meines Erachtens ist es für uns weitaus wich-

tiger, daß wir uns künftig auf diesen Punkt konzentrieren, anstatt auf
die Frage, ob eine einzige von 10 000 Raketen das Verteidigungssystem
jemals durchdringen könnte. Alles was wir tun, ist,die Optionen des Gegners zu begrenzen und vor allen Dingen den gegenwärtigen übergroßen Verlaß auf die Drohung des Einsatzes nuklearer Waffen zu verringern, wie es
jetzt der Fall ist, und zu einer besseren ausgewogenen Form zwischen nuklearer

Vergeltung und Verlaß auf konventionelle, nicht-nukleare Streit-

kräfte zu gelangen.

FRAGE:

Um an dieser Stelle rasch noch einen Punkt zu klären - an

welche Systeme denken Sie zur Stationierung in Europa?
ANTWORT:

Es gilt noch manche, wohl auch sehr grundlegende und im

wesentlichen technische Entscheidungen zu treffen, so daß wir noch ein
paar Jahre Forschung benötigen, um überhaupt eine Wahl treffen zu können.

Da gibt es beispielsweise Systeme wie Laser, Partikelstrahlen,

Hochgeschwindigkeitsprojektile.
wägung gezogen.

Alle diese Optionen werden jetzt in Er-

Jede davon könnte effektiv sein.

den sich um einiges voneinander.

Sie alle unterschei-

Bei den beiden erstgenannten - Laser

und Partikelstrahlen - liegt die Bedeutung darin, daß sich Laserlicht und
Partikel mit Lichtgechwindigkeit bzw. mit Geschwindigkeiten
Lichtgeschwindigkeit bewegen.

nahe der

Und ich erinnere daran, daß die Lichtge-

schwindigkeit fast 300 000 km pro Sekunde beträgt - es handelt sich also,
wenn Sie so wollen, fast um eine Sofortwaffe.

Natürlich wissen wir vieles über Projektile, nur ist deren Geschwindigkeit viel geringer, und deshalb können sie eher abgefangen werden.
- 6 -

�abgefangen werden.

Wir haben heute sehr reale Optionen, und wir haben

enorme Durchbrüche gesehen, insbesondere auf dem so wichtigen Gebiet der
Datenverarbeitung.

Deshalb kann ich Ihnen nicht genau sagen, welches In-

strument benutzt und welches Instrument in Europa disloziert werden wird.
Aber ich denke, daß wir in den nächsten paar Jahren erleben werden, wie
sich diese Optionen entwickeln.

FRAGE:

Sie sprachen soeben etwas an, was mich beschäftigt und viel

zur Besorgnis in der Welt beitragen dürfte - nämlich die Fähigkeit, in
einer einzigen Sekunde womöglich Tausende von Zielen, oder etwa in dieser
Größenordnung, abdecken zu müssen.

Wird es die Schlagzeilen geben, daß

es Computer sind, die den Dritten Weltkrieg erklären, oder besteht irgendeine Möglichkeit, daß ein Mensch dabei mitzureden hat?

ANTWORT:

Erstens glaube ich, daß Sie damit einen Kernpunkt in bezug

auf Verteidigung ganz allgemein angesprochen haben.

Und hier haben wir

den eindeutigen Unterschied zwischen Verteidigung und Angriff.
ginnen mit Verteidigung keinen Krieg.

Sie be-

Zweitens bin ich überzeugt, daß

so, wie heute den führenden Politikern Optionen zur Verfügung stehen, der
Mensch sicherlich immer, immer mitzureden haben wird.

Aber bedenken Sie

bitte auch ein Drittes - eine Minute ist für einen Menschen eine sehr
kurze, für einen modernen Computer eine unglaublich lange Zeitspanne.
Ist also erst einmal die Entscheidung von einem Menschen getroffen, erfordert es sehr wenig Zeit, um eine sehr große Anzahl von Abfangaktionen
durchzuführen, solange dafür ein Computer zuständig ist. Was jedoch die
auslösende Entscheidung angeht, so glaube ich wirklich, daß diese stets,
so wie heute auch, von Menschen getroffen wird.

FRAGE:

Augenblick, bitte.

Sie sagten, Verteidigung löse den Krieg

nicht aus. Verteidigung könnte den Krieg aber auslösen, wenn die Verteidigung sich in der Beurteilung irrt, ob jemand angreift oder nicht.

Und

meine Frage ist, wer entscheidet hier - ein Mensch, oder der Computer?

ANTWDRT:

Ich denke, ein Computer wird das Gros der Daten liefern,

aber letztlich wird der Mensch die meisten Entscheidungen treffen.
- 7 -

Aber

�treffen.

Aber ich möchte, wenn Sie gestatten, doch noch einen Punkt be-

sonders hervorheben, und zwar den, daß eine Verteidigung gegen eine fremde Rakete in den meisten Fällen keine, wie ich mir vorstellen könnte,
ausreichend bedrohliche Aktion darstellte, um einen Krieg auszulösen.
Wir sprechen nicht vom Töten, nicht von der

Vernichtung eines einzigen

Menschenlebens.

FRAGE:

Dr. Keyworth, könnten wir nun unser Gespräch auf ein anderes

Thema lenken, ein Thema allerdings, das zum bisherigen in Beziehung
steht?

Die Bundesregierung läßt eine Studie durchführen, oder will sie

durchführen lassen, mit der die möglichen Klimaauswirkungen, eines Nuklearkrieges unter dem Aspekt untersucht werden sollen, was geschehen
könnte, wenn durch Nuklearwaffen ungeheure Mengen von Staub in die Atmosphäre gejagt werden und vielleicht weltweite Abkühlung, einen "nuklearen
Winter" verursachen könnten?

Was ist der Umfang dieser Studie, und wie

könnte sie sich eventuell auf Bemühungen auswirken, die Verhandlungen zur
Rüstungsbegrenzung wieder aufzunehmen?

ANTWORT:

Nun, da meine ich zunächst einmal, daß mit der Studie ver-

sucht werden soll, mittels der bestmöglichen wissenschaftlichen Belege
von den besten Leuten, die wir auf das Programm ansetzen können, die Frage nach den weltweiten Auswirkungen eines Atomkrieges zu beantworten.
Das ist bis jetzt nicht geschehen.

Die ersten Schätzungen sind ober-

flächlich, ziemlich simplifiziert, und wir wollen ganz einfach die Antwort wissen.

Was langfristige Auswirkungen anlangt, so meine ich, daß

wir hier ziemlich unkompliziert und praktisch vorgehen müssen.

Meines

Erachtens kann es keinen globalen Nuklearkrieg ohne globale Konsequenzen
geben.

Im Grunde ist Nuklearkrieg unvorstellbar.

Ich glaube in der Tat,

daß die meisten Menschen in unserem Lande - und ich glaube, die meisten
Menschen in der ganzen Welt - erkannt haben, daß Atomkrieg einfach unannehmbar ist.

Deshalb sehe ich auch nichts Neues an der Vorstellung von

einem nuklearen Winter.

Ich halte es für eine der, wenn Sie wollen, qu-

antitativen Bewertungen genau dessen, was wir mit dem Begriff "unannehmbar" meinen.

Aber ich glaube nicht, daß diese Vorstellung jetzt oder in

der Zukunft die Bedeutung, das Kraftmoment oder die Natur der Diskussionen um eine Rüstungskontrolle verändern könnte. Die Ziele bleiben meiner
- 8 -

�bleiben meiner Ansicht nach die gleichen.

FRAGE:

Wieviel Zeit wird für die Studie benötigt werden, und wann

etwa könnten wir mit etwas umfassenderen Daten rechnen?

ANTWORT:

Wir können vielleicht in einem Jahr einige sinnvolle Daten

erwarten. Es handelt sich um eine höchst komplizierte Frage, die wir gestellt haben, wenn man bedenkt, daß beispielsweise Niederschlag, Staubstürme, alle komplexen Naturvorgänge das Ganze zu einem überaus komplizierten Problem machen. Aber ich denke, daß wir angesichts der hohen Qualifikation derjenigen, die sich damit befassen, in etwa einem Jahr einige sinnvollen Ergebnisse haben werden.

FRAGE:

Herr Dr. Keyworth, die Sowjets attackierten pausenlos Präsi-

dent Reagan und lehnten immer wieder jeden Schritt in Richtung auf Abrüstungsgespräche über strategische Waffen oder Mittelstreckenwaffen usw.
ab.

Nun sind sie plötzlich sehr rege geworden und wünschen Gespräche

über Anti-Satelliten-Waffen.

Manche Beobachter meinen nun, sie tun dies

aus dem Gefühl heraus, weit, weit zurückzuliegen, und weil sie über die
technologischen Überlegenheit der USA besorgt seien.
die richtige Perspektive bringen?

Könnten Sie dies in

Sind wir so weit voraus, daß sie ver-

suchen wollen, unser Programm zu stoppen, wie sie es mit den ABM-Waffen
taten, und daß sie außerdem in ihrer gegenwärtigen Propagandakampagne von
der Regel abgehen und Gespräche führen wollen?

ANTWORT:
diese

Ich muß hier natürlich Fakten mit

Frage zu beantworten.

Programm der Sowjets?
schon weit gediehen.

Aber was wissen wir erstens über das ASAT-

Im gegenwärtigen Augenblick ist dieses natürlich
Sie haben ein

haben dies schon seit 12 Jahren.
stationiert.

Spekulation mischen, um

Anti-Satelliten-System stationiert,

Wir haben kein Anti-Satelliten-System

Sie haben in der ganzen Sowjetunion ein großes Programm für

technische Entwicklungen aufgebaut, das ihnen in Zukunft einige wesentliche Optionen an die Hand geben wird.

Sie lassen viele der besten Köpfe

der Sowjetunion an Spitzentechnologie-Entwicklungen wie z.B. Großlasern
arbeiten, was ihnen echte neue Möglichkeiten für Anti-Satelliten-Waffen
- 9 -

�Anti-Satelliten-Waffen höchster Leistung verschaffen könnte.

Sicherlich

fürchten sie unsere umfassende nationale Technologieleistungsfähigkeit,
wenn wir uns erst einmal einer Sache verschrieben haben.

Sie erkennen,

wie ich meine, daß wir ihnen ziemlich schnell voraus sein könnten, wenn
wir dazu entschlossen sind.
jetzt tun?

Aber weshalb schlagen sie vor, was sie eben

Meines Erachtens handelt es sich dabei offensichtlich um ei-

nen Teil eines umfassenden Propagandafeldzuges.

Die Sowjetunion hat sich

eindeutig gegen Präsident Reagan gestellt, weil er eine starke Führungspersönlichkeit ist und in der Lage war, Entschlossenheit zu starker nationaler Sicherheit in den Vereinigten Staaten zu entwickeln, wie wir sie
seit vielen Jahren nicht mehr erlebt haben.

Ich glaube jedoch, daß diese

in jüngster Zeit hergestellte Verbindung zwischen den Verhandlungen über
Anti-Satelliten-Waffen

und

die

Strategische

Verteidigungsinitiative

-

"star wars", wenn Sie wollen - eine politische kluge Verbindung ist. Nach
meiner Ansicht bestreiten wenige Wissenschaftler, daß es für uns heute
praktisch keinen Weg gibt, um die Einhaltung eines Anti-Satelliten-Vertrags zu verifizieren.

Und die Sowjets haben keine große Bereitschaft,

und haben eine solche auch nicht erkennen lassen, unserem Volk den Weg in
sowjetisches Territorium zur Gewährleistung einer Verifikation zu gestatten - wie sehr wir uns auch selbst an die Abmachungen halten würden. Deshalb glaube ich, recht einfach formuliert, daß anscheinend eine große
Wolke an Verwirrung vorhanden ist. Und als wir wiederum sagten, wir seien bereit, Anti-Satelliten-Verträge zusammen mit den Strategischen Verteidigungsinitiative zu erörtern, wenn die Sowjets an den Verhandlungstisch zur Strategischen Rüstungskontrolle zurückkämen, so war zu sehen,
daß die sowjetische Bereitschaft sehr schnell erlahmte.

FREAGE:

Die Sowjets sagen natürlich, "seht, wir haben uns um Ge-

spräche über strategische Waffen bemüht und sind nicht weitergekommen;
wir haben uns um INF-Gespräche bemüht und sind nicht weitergekommen warum es also nicht hier versuchen, die Anti-Satelliten-Gespräche abzukoppeln und herauszufinden, ob wir auf diese Weise ein Geschäft machen
können?"

Ist Ihrer Ansicht nach dieses Argument in irgendeiner Weise

stichhaltig?

ANTWORT;
- 10 -

Rüstungskontrollgespräche

�ANTWORT:

Rüstungskontrollgespräche als Eröffnungsangebote haben na-

türlich einen Hauch von Weiterentwicklung an sich, und wir werden zwangsläufig in Zukunft die eingeschlagene Richtung genau herausfinden.
ich würde davor warnen, unsere Hoffnungen zu hoch zu schrauben.
bereits

sagte, ist die Verifizierung

überaus schwierig.

eines

Aber

Wie ich

Anti-Satelliten-Vertrages

Ich zumindest vermag kaum zu erkennen, wie wir unse-

ren Völkern die Gewähr geben könnten, daß er verifizierbar ist. Andererseits wissen wir auch, daß die Sowjetunion willens war, sich Verletzungen, wenn nicht gar die Preisgabe früherer Verträge zu leisten - sicherlich eine recht deutliche Demonstration, und ich meine, wir müßten zu Beginn sehr vorsichtig sein. Auf der anderen

Seite stimmen wir meines Er-

achtens wohl alle darin überein, daß wir für unsere Zukunft letztlich
mehr Stabilität erkennen müssen, als wir sie heute sehen.

Und ich glau-

be, daß Rüstungskontrolle ein wesentliches Element dabei sein muß.

FRAGE:

Können Sie kurz erklären, weshalb es so schwierig oder unmög-

lich ist, einen Anti-Satelliten-Vertrag zu verifizieren?
ANTWORT:

Nun, wir haben natürlich heute eine Anzahl von Möglichkei-

ten, sogenannte nationale technische Mittel in

Verbindung mit Satelli-

ten, um die Einhaltung eines Vertrages abzusichern.

Aber eine potentiel-

le Waffe, die fähig ist, einen sehr verletzlichen Satelliten im Weltraum
zu zerstören, könnte eine sehr kleine Waffe sein.

Und es könnte sehr

einfach sein, eine solche Waffe zu verbergen. Vor allem in einem so großen Gebiet, über das die Sowjetunion verfügt.

Es ist möglich, Vertrags-

treue bei etwas zu gewährleisten, was so groß uns sichtbar ist wie eine
in einem Silo untergebrachte ballistische Rakete.

Aber das dürfen wir

nicht gleichsetzen mit, nun, sagen wir, etwa einen mittelgroßen Laser in
einer großen Garage unterzubringen, was technisch durchaus möglich ist.
Wenn wir also, einfach nur weil wir guten Glaubens sind, sagen, wir seien
natürlich in der Lage, Vertragseinhaltung zu verifizieren, so teile ich
zwar auch persönlich manche der Wünsche, aber ich sehe einfach nicht die
technischen Mittel, mit denen wir dies bewerkstelligen können.

FRAGE:

Wollen Sie damit sagen, es sei nutzlos, Verhandlungen über
- 11 -

�Verhandlungen über die Begrenzung von Anti-Satelliten-Waffen aufzunehmen?

ANTWORT:

Nein, für nutzlos halte ich das nicht.

Weil ich glaube,

daß reden mit einem potentiellen Gegner stets ungemein wichtig ist.

Ich

halte es durchaus für möglich, daß wir im Verlauf der Debatte mit einigen
stabilisierenden Lösungen aufwarten könnten.

Ich möchte nur ganz einfach

zum Ausdruck bringen, daß wir nicht mit falschen Hoffnungen in diese Debatte gehen sollten.

Weder wir noch die Sowjetunion haben gegenwärtig

irgendwelche Mittel, mit denen wir einen umfassenden Anti-Satelliten-Vertrag verifizieren könnten. Aber ich meine eben doch, wir sollten uns zusammensetzen und versuchen, herauszufinden, was wir tun können, um die
Welt sicherer zu machen.

FRAGE:

Wenn wir von Anti-Satelliten-Waffen sprechen, könnten Sie

zwei, drei oder vier Varianten angeben?
kleine, den Laser in der Garage.

Sie erwähnten schon eine sehr

Und wir denken an einen großen, mäch-

tigen Apparat, den die Sowjets in den Orbit schießen.

Welches sind ei-

nige der Anti-Satelliten-Waffen?

ANTWORT:

Nun, wir können natürlich heute praktisch genommen eine

große ballistische Rakete als eine

Anti-Satelliten-Waffe

betrachten,

wenn man sie dafür verwenden wollte. Anscheinend hat sich keiner von uns
offen dafür entschieden, dies zu tun.

Wir entwickeln seit einiger Zeit

eine sehr, sehr kleine Rakete, die unter einem modernen Jagdflugzeug, der
F-15, transportiert wird und in der Lage ist, eine Rakete in sogenannter
niedriger Umlaufbahn abzufangen.
Kilometer über der Erde.

Es ist ein Satellit, ein paar Hundert

Aber ich glaube, beide Nationen suchen nach

Mitteln und Wegen, Satelliten sowohl zu schützen als auch abzufangen, die
über der Erdoberfläche fixiert zu sein scheinen, und das sind solche in
mehr als 35 000 km Höhe.

Das aber erfordert etwas Neues, und die wahr-

scheinlichsten Kandidaten dafür sind meines Erachtens starke Laser, bei
denen es sich trotz hoher Leistung nicht unbedingt um große Apparate handeln müßte.

Ich halte das für eine mögliche, sehr wichtige technische

Zukunftsentwicklung.

FRAGE:
- 12 -

Was

�FRAGE:

Was wäre denn unter "nicht sehr groß" zu verstehen, wenn wir

beispielsweise von einem Röntgen-Laser reden, der einen kleinen Kernreaktor als Energiequelle benutzt?

Wie groß müßte der sein?

Und wie könn-

ten wir ihn starten?

ANTWORT:

Nun, erstens einmal müßte er gar nicht gestartet werden.

Es ist durchaus möglich, am Boden einen starken Laser zu haben, der die
Atmosphäre durchdringen könnte.

Zwar würden die Wellen etwas verzerrt,

aber ich glaube, wir wissen, wie wir das ausgleichen könnten.
zuvor von Garage.

Ich sprach

Es könnte sich beispielsweise um eine Garage handeln,

die vier bis sechs Wagen aufnimmt.

Und in einer Garage solcher Größe

könnten wir einen Laser installieren, der einen der heute gebräuchlichen
Satelliten irreparabel zerstört.

FRAGE:

Was kann man gegen die verzerrende Wirkung der Erdatmosphäre

tun?
ANTWORT:
bilden den

Das ist eine ziemlich komplizierte Technik, aber im Grunde
Schlüssel dafür Spiegel, die wiederum aus einer Vielzahl win-

ziger Spiegelsegmente zusammengesetzt sind.

Davon ist jedes einzelne ab-

stimmbar, so könnte man das vielleicht bezeichnen, ähnlich wie bei der
Einstellskala eines Radios, um die von der Atmosphäre verursachten Verzerrungen an einem durch sie hindurchgeschickten Lichtimpuls zu korrigieren.

FRAGE:

Greift man dabei auf die Technik zurück, die beim Bau von

Mehr-Spiegel-Teleskopen angewandt wird?
ANTWORT:

Es werden Techniken aus vielen Gebieten benutzt, von denen

die meisten aus dem zivilen Sektor kommen.

Es werden u.a. Präzisionsbe-

arbeitungsmethoden angewandt, wie sie ja auch beim Teleskopbau erforderlich

sind.

Datenschnellübermittlung,

Hochgeschwindigkeitsverfahren

der Kommunikationstechnik spielen eine Rolle.

Auch wird von der Fähig-

keit Gebrauch gemacht, etwas mit allergrößter Präzision anzuvisieren.
werden hochwertige Materialien, Elektrooptik benutzt.
- 13 -

in
Es

Man bedient sich,

�bedient sich, wie ich ganz einfach sagen möchte, der Instrumente der modernen Spitzentechnologie.

FRAGE:

Nun richte ich noch kurz das kommerzielle Gebiet ansprechen.

Werden wir die Japaner bei den neuen Supercomputern abhängen?

ANTWORT:

Nun, ich glaube nicht, daß es darum geht, sie abzuhängen,

weil wir meines Erachtens ziemlich weit voraus sind.

Wir haben einige

interessante Artikel in der Presse gelesen, in denen Vergleiche zu manchen neuesten Entwicklungen japanischer Technologie angestellt wurden,
sowie zu älteren Entwicklungen und zur Technologie des letzten Jahres in
den USA.

Ich bin überzeugt, daß die amerikanischen Hersteller von Super-

computern noch in Führung sind.

Für wichtig halte ich, daß das, was wir

erleben, eine Herausforderung auf einem Gebiet ist, das wir lange Zeit
allein beherrschten.

Ich persönlich sehe darin eine großartige Heraus-

forderung.

•

- 14 -

�29

18. Juli 1984

ANTI-SATELLITEN-WAFFEN: IHR WESEN UND IHRE WIRKUNG

-(AD)- Die Tatsache, daß die Vereinigten Staaten am 29. Juli 1984 auf
den sowjetischen Vorschlag eingegangen sind, im September in Wien Gespräche aufzunehmen, deren Ziel es sein wird, einer "Militarisierung des
Weltraums" vorzubeugen, hat die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf die
Anti-Satelliten-Waffen (ASATs) gelenkt.

Im Folgenden informieren wir in Frage-und-Antwort-Form über Wesen und
Wirkungsweise dieser Waffen:

Frage: Was sind Anti-Satelliten- oder ASAT-Waffen ?

Antwort: Es handelt sich bei diesen Waffen in erster Linie um nichtatomare Geschosse, deren Aufgabe es ist, Satelliten im Weltraum anzugreifen und zu zerstören. In der Vergangenheit hat man zwar ASAT-Waffen konstruiert, die atomare Gefechtsköpfe tragen können, aber wenn man solche
Waffen zur Explosion bringen würde, um einen feindlichen Satelliten zu
zerstören, so würde dabei in einem solch gewaltigen Umfang elektromagnetische Energie und Strahlung freigesetzt werden, daß gleichzeitig auch

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�gleichzeitig auch die eigenen Satelliten Schaden nehmen würden.

Frage: Worin liegt die Bedeutung der Satelliten, zu deren Zerstörung
diese Waffen konstruiert worden sind ?

Antwort: Im Jahre 1983 hatten die Vereinigten Staaten im Durchschnitt
94 militärische und zivile Nachrichtensatelliten in einer Erdumlaufbahn.
Die Sowjetunion hatte 90, von denen ein hoher Prozentsatz militärischen
Zwecken diente. Während Amerika eine relativ geringe Anzahl von teueren,
aber langlebigen Satelliten einsetzt, verwenden die Sowjets eine große
Zahl von kurzlebigen, aber billigen Satelliten. Die Sowjets könnten daher
mit einer kleinen Zahl von ASAT-Waffen den Vereinigten Staaten ernsten
Schaden zufügen, während umgekehrt die Vereinigten Staaten wesentlich
größere Anstrengungen unternehmen müßten, um die sowjetischen Systeme
ähnlich hart zu treffen.

Die Bedeutung von Satelliten ergibt sich aus ihren Einsatzmöglichkeiten. Dazu gehören:
1. Frühwarnung vor einem atomaren Angriff durch feindliche Raketen,
2. Photoaufklärung zur Erfassung von militärischen Aktivitäten wie z.B.
Alarme, Manöver oder Bau von Raketenabschußstellungen,
3. elektronische Aufklärung und Überwachung,
4. Fernmeldeverkehr,
5. Wetterbeobachtung,
6. Navigationshilfe.
Viele Wissenschaftler und Strategen messen diesen Satelliten, die
sich in Umlaufbahnen zwischen 100 und 36 000 Kilometern Höhe befinden,
eine maßgebliche Bedeutung

im Rahmen der nuklearen Abschreckung bei.

Außerdem laufen etwa 70 Prozent des militärischen Fernmeldeverkehrs der
Vereinigten Staaten über Satellit. Darüberhinaus können die Sowjets über
Satellit Zieldaten für die Bekämpfung amerikanischer Marineeinheiten sammeln und damit Amerikas Fähigkeit zur Heranführung von Verstärkungstruppen nach Westeuropa im Notfall in Frage stellen.
Frage:

- 2-

Ist

�Frage: Ist heute schon irgend ein Land in der Lage, Satelliten zu
zerstören ?

Antwort: Ja. Die Sowjetunion ist das einzige Land der Welt, das über
ein erprobtes ASAT-System verfügt. Ein Moratorium für ASAT-Erprobungen wie es von den Sowjets im August 1983 vorgeschlagen wurde - würde der
UdSSR ein ungefährdetes Monopol auf Anti-Satelliten-Waffen belassen.

Frage: Seit wann ist die Entwicklung eines ASAT-Systems in der Sowjetunion schon im Gange ?
Antwort: Das sowjetische System ist bereits seit Anfang der 70er Jahre einsatzfähig. Die Erprobung von Anti-Satelliten-Waffen begann im Jahre
1968. Bis zum 18. Juni 1982 haben die Vereinigten Staaten 20 sowjetische
Tests registriert, von denen 45 Prozent erfolgreich waren.
Frage: Welche Art von Anti-Satelliten-Waffe haben die Sowjets ?
Antwort: Die sowjetische ASAT-Waffe wird vom Boden aus mittels einer
modifizierten

Version

der

50 Meter

hohen

SS-9-Interkontinentalrakete

gestartet. Die Waffen soll Satelliten durch die Splitterwirkung ihres
nicht-atomaren Gefechtskopfs zerstören. Dies Geschoß wurde ursprünglich
durch Radar ins Ziel gesteuert. Bei späteren Tests, von denen allerdings
keiner erfolgreich war, wurde ein System mit einem Infrarotsuchkopf, der
auf Wärmestrahlung anspricht, eingesetzt.

Frage: Wie wirksam ist die sowjetische Waffe ?
Antwort: Trotz einiger Schwächen, eines gewissen Maßes an Unzuverlässigkeit und einer relativ hohen Versagerquote bei den Tests stellt das
sowjetische ASAT-System eine reale Bedrohung dar.

Frage: In welchem Stadium befindet sich die Entwicklung von Anti-Satelliten-Waffen in den Vereinigten Staaten ?

Antwort: Die Vereinigten Staaten entwickeln ein moderneres System als

- 3 -

�System als das, das gegenwärtig von der Sowjetunion eingesetzt wird. Das
amerikanische System besteht aus einem 28 Zentimeter langen "Kleinstendanflugkörper" (Miniature Homing Vehicle - MHV), der auf eine 6 Meter lange Rakete montiert ist, die von einem F-15-Kampflugzeug abgefeuert wird
und ihr Ziel innerhalb von zehn Minuten erreichen kann. Speziell entwikkelte Sensoren, die auf die schwache Wärmeabstrahlung eines Satelliten
ansprechen, lenken den Endanflugkörper ins Ziel, das beim Auf treffen zerstört wird. Im Januar 1984 führte die amerikanische Luftwaffe die ersten
Flugerprobungen mit der ASAT-Trägerrakete durch. Sie wurde ohne ASAT-Gefechtskopf in eine senkrechte Flugbahn geschossen. Für Ende dieses Jahres
ist ein weiterer Test angesetzt, bei dem ein spezieller, 2 Meter großer
Ballon im Weltraum als Ziel dienen wird.

Frage: Wie leistungsfähig ist die gegenwärtige Generation von ASATSystemen ?

Antwort: Die gegenwärtig bestehenden und geplanten amerikanischen und
sowjetischen ASAT-Systeme sind nur für den Einsatz gegen Ziele in erdnahen Umlaufbahnen ausgelegt. Sie eignen sich für den Einsatz gegen Aufklärungssatelliten, wie sie im Verlaufe von Krisen zum Sammeln hieb- und
stichfester Daten verwendet werden.

Raketen, mit denen man auch Ziele in erdfernen Umlaufbahnen erreichen
könnte, müßten so groß und schwer sein, daß sie nur vom Boden aus gestartet werden könnten, nicht aber - wie das in Entwicklung befindliche amerikanische System - von einem Flugzeug aus. Sowjetische ASAT-Waffen haben
noch

nie Höhen über 1650 Kilometern erreicht und könnten daher nur den

18 amerikanischen Satelliten, die sich in erdnahen Umlaufbahnen befinden,
gefährlich werden. Die wirklich wichtigen amerikanischen Satelliten, u.a.
auch die drei Frühwarnsatelliten, befinden sich in Umlaufbahnen von rund
36 000 Kilometern Höhe.

Die Vereinigten Staaten sind

in einer Hinsicht klar

im Vorteil:

Einige wichtige sowjetische Satelliten befinden sich in elliptischen Umlaufbahnen,

d.h., sie

steigen über

der nördlichen Hemisphere bis auf

38 600 Kilometer, nähern sich dann aber über den südlichen Breitengraden

- 4 -

�südlichen Breitengraden der Erdoberfläche bis auf einige Hundert Kilometer an und werden dabei möglicherweise verwundbar.

Frage: Welche möglichen Gegenmaßnahmen gegen ASAT-Waffen gibt es ?

Antwort: Es gibt viele Arten von militärischen Gegenmaßnahmen, mit
denen man der Bedrohung durch ASAT-Waffen begegnen kann, z.B. mit einfachen Ausweichmanövern oder dadurch, daß man Satelliten in höhere Umlaufbahnen bringt. Bei einer "aktiven Endanfluglenkung", wie sie von den Sowjets ursprünglich verwendet wurde, ist ein Angriff eindeutig zu erkennen
und kann daher leichter abgewehrt werden. Das von den Vereinigten Staaten
eingesetzte "passive" Lenksystem gibt dem Gegner dagegen keine Warnung.

Frage: Welches sind die besondere Probleme der Rüstungskontrolle im
Weltraum ?
Antwort: Es handelt sich dabei um einen sehr komplexen Teilbereich
der Rüstungskontrolle. Beispielsweise wäre es praktisch unmöglich, den
Abbau oder die Zerstörung des einsatzfähigen sowjetischen ASAT-Systems
nur durch nationale technische Mittel zu verifizieren. Das sowjetische
ASAT-System ist relativ klein und auf eine Trägerrakete montiert, die
auch für andere Aufgaben in der Raumfahrt Verwendung findet. Es wäre für
die Sowjets relativ leicht, heimlich einen Bestand an solchen Waffen
zurückzubehalten, dessen sie sich dann

in Krisensituationen

bedienen

könnten. Die Zahl der Satelliten, die von den Vereinigten Staaten und
ihren Verbündeten für Zwecke der Landesverteidigung eingesetzt werden,
ist klein. Die Möglichkeit, daß die Sowjets - und sei es auch nur in
kleinem Umfang - gegen die Bedingungen eines ASAT-Abkommens verstoßen
könnten, bildet daher ein Risiko, daß so groß ist, daß sich der Westen
veranlaßt sehen könnte, von einem solchen Abkommen Abstand zu nehmen.

- 5 -

�18. Juli 1984

29

Verbot chemischer Waffen ohne Verifizierung wertlos
-Botschafter Fields vor Genfer Abrüstungskonferenz-

Genf (AD) Ein internationales Verbot chemischer Waffen ohne wirksame Verifizierungsmaßnahmen wäre "weniger als wertlos", erklärte Botschafter
Louis G. Fields vor den 40 Mitgliedern der Abrüstungskonferenz in Genf am
12. Juli 1984.
"Es wäre sogar gefährlich", unterstrich der amerikanische Vertreter:
"Träte ein solches Abkommen in Kraft, so bestünden unvermeidlicherweise
anhaltende Bedenken und Ungewißheit dahingehend, ob die anderen Vertragsparteien ihren Verpflichtungen gerecht werden. "

Das fehlende Vertrauen und die Ungewißheiten, die Folge eines solchen Abkommens wären, würden bei der internationalen Gemeinschaft Spannungen erzeugen und das Vertrauen in die anderen bestehenden und vorgeschlagenen Rüstungskontrollvereinbarungen schwächen. Eine solche Situation muß und kann vermieden werden."

In

seiner

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-333 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�In seiner vierten Rede vor der Abrüstungskonferenz in Genf erläuterte
Fields die Bestimmungen des Vertragsentwurfs bezüglich Entwicklung, Produktion, Lagerung, Transfer und Einsatz von chemischen Waffen, den Vizepräsident

George

Bush

der

Abrüstungskonferenz

im April

unterbreitet

hatte. Fields betonte, daß wirksame und umfassende Verifizierungsmaßnahmen notwendig seien, da chemische Waffen hinsichtlich ihres äußeren Erscheinungsbildes sich nicht allzu sehr von konventioneller Munition unterscheiden würden - "außer bei unmittelbarer Inspektion". Zudem seien
"Produktionsanlagen für chemische Waffen nur schwer von chemischen Werken
für nichtmilitärische Produkte zu unterscheiden."

Er wies darauf hin, daß es "bereits weitverbreitete Anerkenntnis der
Tatsache" gebe, daß die nationalen technischen Mittel der Verifizierung
(Satelliten wie auch andere Mittel, die nicht vor Ort eingesetzt sind)
nicht ausreichend seien, um die Einhaltung eines Verbots chemischer Waffen sicherzustellen. Aus diesem Grund schlage der amerikanische Vertragsentwurf

auch

"genauere

Mittel

der

Verifizierung,

insbesondere

Vorort-Maßnahmen, vor".
So fordert der amerikanische Vertragsentwurf, daß die deklarierten
chemischen Waffen und Produktionsstätten einer systematischen internationalen Verifizierung vor Ort unterliegen sollen, und zwar "von dem
Augenblick ihrer Deklarierung bis zum Augenblick ihrer Zerstörung".
"Die Deklaration einer Vertragspartei würde einer sofortigen Inspektion vor Ort unterliegen, um die Richtigkeit der abgegebenen Erklärungen zu bestätigen. Dann würden die chemischen Waffen einer ständigen
Überwachung durch Instrumente vor Ort sowie regelmäßigen Inspektionen vor
Ort unterzogen werden, um sicherzustellen, daß sie nicht von ihren genannten Punkten verlagert werden, es sei denn zu einer festgesetzten
Vernichtungsanlage."

"Wegen der
Umgehens

Gefahr

im Verlauf

von Ablenkungsmanövern
des Vernichtungsprozesses
- 2 -

und anderen Formen des
haben die Vereinigten

�die Vereinigten Staaten vorgeschlagen, diese Zerstörung chemischer Waffen
ständig nicht nur durch

Instrumente vor Ort, sondern auch durch die

ständige Anwesenheit von Inspektoren zu überwachen," erklärte Fields.

Hinsichtlich der Produktionsanlagen würden die internationalen Beobachter ein Inventar der wichtigsten Ausrüstungsgegenstände erstellen und
"sicherstellen, daß diese ebenfalls vernichtet werden."

Obgleich die Beobachter nicht während des Zerstörungsprozesses ständig vor Ort zu sein brauchten, "müßten Instrumente vor Ort die Anlage
ständig überwachen, um sicherzustellen, daß sie während des Vernichtungsprozesses nicht weiterhin produziert."

Der amerikanische Vertreter unterstrich, daß auch Anlagen, die zwar
keine chemischen Waffen herstellen, die aber hochgiftige, tödliche Chemikalien und andere chemische Bestandteile produzieren, die für chemische
Waffen verwendet werden könnten, gleichfalls einer Überwachung vor Ort
unterliegen sollten.

"Zweck dieser Inspektionen ist es, sicherzustellen, daß die von diesen Anlagen hergestellten Chemikalien nicht zum Zweck der Produktion chemischer Waffen umgeleitet werden," sagte Fields.

Fields legte der Abrüstungskonferenz ein Arbeitspapier vor, das sich
mit verschiedenen Arten von Überwachungsgeräten beschäftigt, die bei einem Vertrag vor Ort benutzt werden könnten, um sicherzustellen, daß einmal erklärte chemische Waffen nur zum Zweck ihrer Zerstörung weitertransportiert werden können.

Der Botschafter unterstrich auch die Bedeutung der Garantie, daß "die
Beobachter ihre Tätigkeit wirksam auf dem Territorium der Vertragsparteien ausüben können."

Ihnen sollten daher spezielle Privilegien und

Immunitäten zuerkannt werden - wie etwa sofortiges Einreisevisum und
Ausschaltung von Verzögerungstaktiken.

Fields
- 3 -

erklärte,

�Fields erklärte, ein solches System internationaler Verifizierung vor
Ort sei entworfen, "um sicherzustellen, daß deklarierte chemische Waffen
wie auch ihre Produktionsstatten zerstört werden und daß keine verbotenen
Aktivitäten an anderen deklarierten Orten und Anlagen stattfinden."

Dieses System, so Fields, sei jedoch "unzureichend", würde es nicht
durch ein "wirksames System der Auskunftspflicht" vervollständigt. Dies,
so Fields, würde es Ländern erlauben, andere Parteien zu einem Abkommen
über

unterstellte

würde, daß

Verletzungen

"keine undeklarierten

aufzufordern,

wodurch

sichergestellt

chemischen Waffen oder Produktions-

anlagen chemischer Waffen existieren oder daß keine verbotenen Aktivitäten stattfinden."

i

�18. Juli 1984

29

KRIBGSVERHUTUNG BERUHT AUF ABSCHRECKUNG
- Expertenanhörung vor Kongreßausschuß -

Washington -(AD)- Die Vereinigten Staaten tun "alles, was in ihrer
Macht steht," um sicherzustellen, daß es niemals zu einem Atomkrieg
kommt. Die diesbezüglichen Bemühungen der amerikanischen Regierung beruhen auf der Strategie der nuklearen Abschreckung. Dies bestätigten zwei
Regierungsexperten - David F. Emery, der stellvertretende Direktor des
Amtes für Rüstungskontrolle und Abrüstung (ACDA), und Richard L. Wagner,
Berater für Atomenergiefragen im Verteidigungsministerium - in einer Anhörung am 12. Juli 1984 vor dem Unterausschuß für Internationalen Handel,
Finanzen und sicherheitspolitische Aspekte der Wirtschaftspolitik des Gemeinsamen Wirtschaftsausschusses des amerikanischen Kongresses. Die Erklärungen der beiden Regierungsbeamten vor dem Ausschuß haben folgenden
Wortlaut:

Die Erklärung von David F. Emery
Seit den ersten Atomwaffenexplosionen über Hiroshima und Nagasaki
sind die schrecklichen Folgen des Einsatzes solcher Waffen der ganzen

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�der ganzen Menschheit bewußt. Seit dieser Zeit hat die Verhütung eines
Atomkriegs unter allen amerikanischen Präsidenten in der Sicherheitspolitik der Vereinigten Staaten stets erste und oberste Priorität genossen.
Schon vor der Entdeckung des Phänomens, das unter der Bezeichnung "nuklearer Winter" bekannt geworden ist, war klar, daß die Folgen eines Atomkriegs absolut untragbar sein würden. Diese Auffassung wurde vom Präsidenten in seiner Rede vor der Vollversammlung der Vereinten Nationen bestätigt. Er sagte damals: "Ein Atomkrieg kann nicht gewonnen und darf nie
geführt werden." Daher ist diese Administration - wie auch alle früheren
Administrationen - bestrebt, die Sowjetunion durch Abschreckung davon abzuhalten, einen Krieg zu beginnen. Diese Politik beruht in erster Linie
auf der Aufrechterhaltung eines glaubwürdigen Abschreckungspotentials.
Aus diesem Grunde ist das Modernisierungsprogramm für unsere strategischen Waffen so wichtig und bedeutsam. Gleiche Bedeutung kommt den Bemühungen der Administration zu, die Wahrscheinlichkeit eines Atomkriegs
durch Rüstungskontrollverhandlungen zu vermindern. Diesbezügliche Abkommen müssen verifizierbar sein, den Interessen beider Seiten gerecht werden und dazu führen, daß die Zahl der nuklearen Waffen auf beiden Seiten
auf ein gleiches und stabileres Niveau abgesenkt werden kann.

In der jüngeren Vergangenheit ist einer der möglichen Folgewirkungen
eines Atomkriegs - dem Phänomen des sogenannten "nuklearen Winters" größere Aufmerksamkeit zuteil geworden. Einige Wissenschaftler glauben,
daß dies Phänomen eine erhebliche Abkühlung der Erdoberfläche und eine
längere Phase der Verdunkelung mit sich bringen könnte. Es ist gut möglich, daß der nukleare Winter ein weiteres Phänomen ist, das der Liste
der Katastrophen, die die Menschheit in der Folge eines Atomkriegs zu
gewärtigen hätte, angefügt werden muß. Viele Wissenschaftler, die dieses
Phänomen erforscht haben, sind zwar davon überzeugt, daß es tatsächlich
auftreten würde, aber die Meinungen über seinen Umfang, seine Dauer und
das Ausmaß des atomaren Schlages, der notwendig sein würde, um es hervorzurufen, gehen weit auseinander. Da dies Phänomen erst vor kurzem entdeckt worden ist und noch große Ungewißheiten bestehen, können wir über
seine möglichen politischen Implikationen noch nichts aussagen.

Die Administration ist entschlossen, ein Forschungsprogramm zur Be-

- 2 -

�zur Beseitigung dieser technischen Ungewißheiten durchzuführen, und die
ACDA wird daran mitarbeiten. Was die Diskussion über dies Phänomen jedoch
vor allem und erneut unterstreicht, ist die absolute Notwendigkeit der
Verhütung eines Atomkriegs. Die Vereinigten Staaten sind schon 1946 zu
einer Politik der Abschreckung übergangen und haben seitdem unter jeder
Administration daran festgehalten. Die Abschreckung dient der nationalen
Sicherheit der Vereinigten Staaten wie auch der ihrer Verbündeten auf
zweierlei Weise: Sie hält andere Länder davon ab, einen Krieg zu beginnen, und sie gewährleistet den Schutz unserer lebenswichtigen Interessen.
Gegenwärtig sind wir bestrebt, die Abschreckung zu verstärken, indem wir
unsere strategischen Nuklearwaffen modernisieren, um zu gewährleisten,
daß ihre Vergeltungsfähigkeit in der Wahrnehmung unserer Gegner glaubwürdig erscheint. Wir versuchen aber auch, die Abschreckung auf dem Wege der
Rüstungskontrolle zu verstärken und haben zu diesem Zweck Vorschläge vorgelegt, die die Zahl der nuklearen Waffen auf beiden Seiten deutlich vermindern und ein stabileres und ausgewogeneres strategisches Verhältnis
zwischen uns und der Sowjetunion schaffen würden. Leider hat die Sowjetunion jedoch die Verhandlungen über nukleare Waffen unterbrochen und ist
nach wie vor nicht bereit, durch Verhandlungen im Bereich der Atomwaffen
stabilere Verhältnisse herbeizuführen.

Man argumentiert zuweilen, daß unser Endziel die völlige Beseitigung
der Atomwaffen sein solle. Es ist das langfristige Ziel des Präsidenten,
darauf hinzuwirken, daß die Atomwaffen sich eines Tages überleben. Bis
dahin haben wir jedoch keine andere Wahl, als auf dem Weg, den wir eingeschlagen haben, weiter voranzuschreiten, d.h., ein glaubwürdiges nukleares Abschreckungspotential aufrechtzuerhalten und zu versuchen, auf dem
Verhandlungswege die Zahl der Atomwaffen so weit zu vermindern, daß wir
zu größerer Stabilität kommen und die Kriegsgefahr sinkt.

Die Erklärung von Richard L. Wagner

Die Politik der Vereinigten Staaten beruht auf der Erkenntnis, daß
ein Atomkrieg eine der schrecklichsten Katastrophen wäre, die die Menschheit treffen könnten. Die unmittelbare Schadenswirkung der von nuklearen
Explosionen hervorgerufenen Druck- und Hitzewellen sowie der radioaktiven

- 3 -

�der radioaktiven Verstrahlung könnte für Millionen von Menschen Tod oder
Verletzung bedeuten. Die durch radioaktiven Niederschlag

(Fallout) her-

vorgerufenen Spätfolgen könnten die Verlustzahlen noch einmal um Millionen von Menschenleben erhöhen. Es besteht kein Zweifel daran, daß ein
solcher Krieg katastrophale Folgen hätte. Die Vereinigten Staaten müssen
daher auch weiterhin alles tun, was in ihrer Macht steht, um sicherzustellen, daß es niemals zu einem Atomkrieg kommt.

Die neueren Forschungsarbeiten der letzten Jahre haben weitere Fragen
bezüglich der möglichen Langzeitwirkungen eines Atomkriegs aufgeworfen.
Neu sind z.B. die Einschätzungen der langfristigen klimatischen Auswirkungen, die von den Rauch- und Aschewolken der durch atomare Explosionen
angefachten Brände hervorgerufen werden würden. In der wehrpolitischen
Expertenszene sind auf diesem Gebiet verschiedene Arbeiten durchgeführt
worden. So haben etwa die Labors des Energieministeriums Beiträge geleistet, und Ende 1982 hat das Verteidigungsministerium über seine Atomenergiebehörde bei der Nationalen Akademie der Wissenschaften eine Studie
über diese Materie in Auftrag gegeben. Aber die ersten, die zu der Auffassung gelangten, daß der Kenntnisstand über die besagten Auswirkungen
eines Atomkriegs hoch genug sei, um publiziert und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht zu werden, waren die Autoren Turco, Toon, Ackerman, Pollack und Sagan. In ihren Arbeiten kommen sie zu der Schlußfolgerung, daß
es infolge der Rauch- und Aschewolken der Brände zu einem über Monate
hinweg andauernden Temperatursturz um mehrere Zehnereinheiten auf der
Fahrenheitskala kommen könne - d.h., zu einem "nuklearen Winter." Die bis
zum gegenwärtigen Zeitpunkt von den technischen Fachleuten geleistete
Gesamtarbeit - die viele, aber nicht alle der Faktoren berücksichtigt,
die eine Rolle spielen, und deren Berechnungen mit vielen Ungewißheiten
behaftet sind - zeigt, daß es in der Tat zu einem "nuklearen Winter,"
aber auch zu weniger weitreichenden Auswirkungen kommen könnte.

Aber selbst wenn die Wahrscheinlichkeit für solch katastrophale Auswirkungen nur gering wäre, müßten sie doch sehr ernsthaft in Betracht gezogen werden. Die Administration untersucht daher die möglichen Implikationen, die dieser neuen Aspekt eines Atomkriegs sowohl für unsere Strategie der Abschreckung als auch für das Modernisierungsprogramm für unse-

- 4 -

�für unsere strategischen Waffen haben könnte. Die Administration hat zum
besseren Verständnis dieser Phänomene ein ausgedehntes Forschungsprogramm, das später beschrieben werden soll, veranlaßt. Es ist wichtig,
sich zu vergegenwärtigen, daß die Ungewißheiten in Bezug auf die globalen
Auswirkungen grob in zwei Kategorien eingeordnet werden können. Zum einen
bestehen hinsichtlich der Natur des Phänomens selbst nicht unerhebliche
wissenschaftliche und technische Ungewißheiten; zum anderen variieren die
Annahmen über den Verlauf eines Atomkriegs. Was den letzteren Aspekt angeht, so kann man zwar zu Analysezwecken ein bestimmtes Szenario herausgreifen, den tatsächlichen Verlauf eines Atomkriegs aber nicht mit hinreichender Zuverlässigkeit vorhersagen. Angesichts solch großer Ungewißheiten ist es schwierig, die politischen Implikationen im Einzelnen einzuschätzen.

Eines erscheint mir gewiß: Die zuverlässigste Methode, die Möglichkeit eines "nuklearen Winters" wie auch all die anderen furchtbaren Auswirkungen eines Atomkriegs auszuschließen, besteht darin, dafür zu sorgen, daß es niemals zum Krieg kommt. Dies ist das vorrangige Ziel unserer
Sicherheitspolitik, unserer Streitkräftestruktur und unserer Forschungsund Entwicklungsprogramme. Man sollte

festhalten, daß die allgemeine

Richtung, die wir bei unseren Modernisierungsprogrammen

eingeschlagen

haben und die wir im Einklang mit der Initiative des Präsidenten im Bereich der strategischen Verteidigung weiter verfolgen werden - vielleicht
zufällig - dahin geht, die globalen Auswirkungen eines Atomkriegs selbst
dann zu verringern, wenn die Abschreckung versagen sollte.

Ich glaube, alles, was wir z.Z. mit einiger Gewißheit sagen können,
ist dies:

1. In Anbetracht der Erkenntnis, daß es in einem Atomkrieg keinen
Sieger geben würde und daß er daher niemals geführt werden darf, besteht
das Ziel unserer Verteidigungspolitik darin, glaubwürdige Abschreckung
gegen einen Atomkrieg auf allen Ebenen auszuüben. Ich meine, daß die Verhütung eines Atomkriegs das Ziel unserer Strategie bleiben muß und daß
dies Ziel von den möglichen Auswirkungen eines Atomkriegs auf das globale
Klima unberührt bleibt.
2. Die

�2. Die Vereinigten Staaten stehen auf dem Standpunkt, daß eine stabile Abschreckung auch bei einer wesentlichen Verminderung der Zahl der
Atomwaffen auf beiden Seiten gewährleistet werden kann. Auf dieser Annahme beruhen unsere Vorschläge an die Sowjetunion über einen Abbau der
strategischen Waffen. Ich glaube, daß wir dieses Ziel einer erheblichen
Verminderung der nuklearen Waffen der Sowjetunion wie auch der Vereinigten Staaten weiter verfolgen sollten. Wenn die Möglichkeit schwerwiegender klimatischer Auswirkungen eines Atomkriegs etwas nahelegt, so ist es
diese Einsicht.

3. Wir sind ferner der Meinung, daß eine stabile Abschreckung am besten mit modernisierten Streitkräften zu gewährleisten ist. Sie sollten
sich u.a. durch eine verbesserte Fähigkeit zum Überleben eines Angriffs
und durch Betriebssicherheit auszeichnen und außerdem so beschaffen sein,
daß sie durch die Führungs- und Kommandoinstanzen sicher zu beherrschen
sind. Ich glaube, dies Ziel behält seine Gültigkeit. Es ist wesentlich,
daß wir mit der Modernisierung unserer Nuklearstreitkräfte fortfahren, um
die Glaubwürdigkeit des Abschreckungspotentials der Vereinigten Staaten
sicherzustellen.
Mit fortschreitendem Kenntnisstand mögen sich für uns darüberhinaus
noch andere Wege ergeben, wie wir die Wahrscheinlichkeit des Eintretens
des Phänomens des "nuklearen Winters" verringern können bzw. wie wir es
abmildern könnten, falls die Abschreckung versagt.

Wegen der Bedeutung dieser Angelegenheiten haben das Verteidigungsund das Energieministerium vor einigen Monaten damit begonnen, unser
Forschungsprogramm zum besseren Verständnis dieser Auswirkungen zu erweitern. Im Rahmen des Programms werden alle Aspekte der Auswirkungen
eines Atomkriegs auf das globale Klima erforscht. Der Schwerpunkt liegt
bei den Aspekten, hinsichtlich derer die meisten Ungewißheiten bestehen:
Wie es zu Großbränden kommt, wie sich große Rauchwolken bilden, die physikalischen und chemischen Eigenschaften von Partikeln in der Atmosphäre,
die Bewegung und das Verhalten von Rauchwolken und das Verhalten von solchen aufgewirbelten Stoffen, wenn sie in einen atmosphärischen Kreislauf
geraten, der sich über den ganzen Erdball erstreckt. Um klimatische Ver-

- 6 -

�klimatische Veränderungen so gut wie möglich einschätzen zu können, werden zwei- und dreidimensionale Wettermodelle entwickelt, bei denen man
sich der jüngsten und neuesten Erkenntnisse der Physik bedient. Frühere
Großbrände werden analysiert, um Daten über die Ausbreitung von Bränden,
das Aufsteigen von Partikeln und die Vermischung von Rauch mit der umgebenden Atmosphäre sowie seine Verteilung in derselben zu erhalten. Sogar
Vulkanausbrüche werden untersucht, um Einblick in die Vermischungs- und
Verteilungsprozesse in der Atmosphäre zu gewinnen. Außerdem verstärken
wir unsere Forschungsanstrengungen auf dem Gebiet der biologischen Folgen
längerandauernder Temperaturstürze, verringerter Sonneneinstrahlung und
radioaktiver Strahlung. Dies Gebiet ist zwar ungemein schwierig, für die
Erforschung klimatischer Auswirkungen aber wesentlich. Unser Ziel ist,
den Entscheidungsträgern unseres Landes zu einem hinlänglichen Verständnis der technischen Aspekte zu verhelfen und die Auswirkungen eines Atomkriegs auf das globale Klima in den Zusammenhang seiner übrigen Langzeitfolgen einzuordnen. Das Forschungsprogramm wird sowohl von staatlichen
Labors als auch von privaten und universitären Stellen durchgeführt.

Um die Forschungsbasis zu verbreitern und einen weiteren Blickwinkel
zu eröffnen, hat die Administration die Bundesverwaltung für die Erforschung der Atmosphäre und der Meere angewiesen, ein nationales Forschungsprogramm zu entwickeln, dessen Ziel es sein sollte, zu einem besseren Verständnis der Auswirkungen eines Atomkriegs auf das globale Klima
zu kommen und die in Zusammenhang mit den geschilderten Phänomenen bestehenden Ungewißheiten nach Möglichkeit auszuräumen. Das Verteidigungsministerium unterstützt dies Programm nachdrücklich und ist bereit, seine
laufenden wissenschaftlichen Forschungsprogramme mit diesem größeren nationalen Programm zusammenzulegen.

Offengestanden erwarten wir jedoch nicht, daß die Ungewißheiten im
Hinblick auf die globalen Auswirkungen eines Atomkriegs rasch ausgeräumt
werden können. Angesichts der Komplexität des Gegenstands und der spärlichen Daten über die physikalischen und chemischen Aspekte der Phänomene,
um die es hier geht, erscheint dies unwahrscheinlich. Außerdem könnten
der Gewißheit, die wir über die klimatischen Auswirkungen zu erlangen
vermögen, grundsätzliche Grenzen gezogen sein, weil die unter dem Begriff

- 7-

�dem Begriff

"nuklearer Winter" zusammengefaßten

Veränderungen

in den Eigenschaften

Phänomene weitgehende

und dem Verhalten der Atmosphäre

selbst verursachen würden, wenn sie in ihrer vollen Tragweite aufträten.
Dies bedeutet, daß die einzige brauchbare Grundlage für die Beurteilung
der Stimmigkeit unserer Modelle - der gegenwärtige ungestörte atmosphärische Kreislauf - von nur begrenztem Wert ist, wenn es darum geht, die
besagten Auswirkungen einzuschätzen. Daher bildet das bestehende Maß an
Ungewißheit selbst - genau wie viele anderen Auswirkungen nuklearer Waffen auch - einen wichtigen Faktor bei der Erörterung der politischen
Implikationen.

Da also das bestehende Maß an Ungewißheit selbst einen wesentlichen'
Faktor bei den Überlegungen über die Implikationen für die Sicherheitspolitik und die Streitkräftestruktur bildet und da wir diese Überlegungen
parallel zu den technischen Forschungsarbeiten fortführen werden, wäre es
unklug, unsere Politik oder Streitkräftestruktur jetzt, d.h., bevor wir
die technische Seite der Angelegenheit besser begreifen, zu ändern.

Ich möchte abschließend unterstreichen, daß diese neuen Forschungsarbeiten zwar unseren Vorstellungen von den Folgen eines Atomkrieges eine
weitere Dimension hinzugefügt, unsere Grundauffassung, daß ein solcher
Krieg vermieden werden muß, aber nicht verändert haben. Die Abschreckung
bildet die Grundlage unserer Strategie, und sie muß dies auch bleiben.
Unsere Streitkräfte müssen so beschaffen sein, daß die sowjetischen Planer sich ihrer Fähigkeit zur Erreichung ihrer militärischen Ziele niemals
sicher fühlen können. Das Modernisierungsprogramm des Präsidenten für unsere strategischen Streitkräfte, seine Abrüstungsvorschläge

und seine

Initiative im Bereich der strategischen Verteidigung stellen allesamt Bemühungen dar, dieses Ziel zu erreichen, gleichzeitig aber die Auswirkungen eines Atomkriegs, einschließlich der möglichen globalen Auswirkungen,
so klein wie möglich zu halten..

- 8 -

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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Reagan kündigt Initiative zur Verbesserung der Nahrungsmittelhilfe an&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärung des Präsidenten vom 10. Juli 1984 -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Sandinisten zensieren Berichterstattung über Ausweisung von Priestern&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Spitzentechnologie für Strategische Verteidigungsinitiative&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Interview der "Stimme Amerikas" mit Dr. George Keyworth, Wissenschaftlicher Berater Präsident Reagans -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Anti-Satelliten-Waffen: Ihr Wesen und ihre Wirkung&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Verbot chemischer Waffen ohne Verifizierung wertlos&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Botschafter Fields vor Genfer Abrüstungskonferenz -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Kriegsverhütung beruht auf Abschreckung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Expertenanhörung vor Kongressausschuss -&lt;/em&gt;</text>
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25. J u l i 1984

INHALT
DOKUMENTATION
Erklärung des Präsidenten zum 15. Jahrestag der ersten Mondlandung
Der "heiße Draht" zwischen Moskau und Washington
- Erklärung Präsident Reagans und Informationspapier des Weißen
Hauses i

HINTERGRUNDMATERIAL
Nicaraguas Aufrüstung und Unterstützung subversiver Aktivitäten in
Mittelamerika
- Bericht des Außen- und des Verteidigungsministeriums der Vereinigten
Staaten Amerikanische Initiativen zur Rüstungskontrolle - 1. Halbjahr 1984
- Chronologie Die Wahlen in Amerika 1984

TT1
- Walter F. Mondale: Der Präsidentschaftskandidat der Demokraten Die Wahlen in Amerika 1984

"Ten
- Geraldine Ferraro: Die VizepräsidentSchaftskandidaten der
Demokraten
WISSENSCHAFT UND TECHNIK
NOVA - Neues Lasersystem zur Zündung von Fusionsreaktionen
Pestizide gehen in die Haut
BERICHTIGUNG

Um Über/endung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�mE

1J

DlEl

B

Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

25. Juli 1984

30

Erklärung des Präsidenten zum 15. Jahrestag der ersten Mondlandung

Washington

(AD) Im Rahmen einer Gedenkfeier am 20. Juli 1984 im

Weißen Haus, an der auch die drei Astronauten der ersten Mondlandung
teilnahmen, nannte Präsident Reagan das Unternehmen einen "strahlenden
Triumph der Forschung".

Die Ansprache des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:

Wir begehen heute einen einzigartigen Augenblick in der Geschichte
der Menschheit - die Landung des EAGLE in der Nähe des südwestlichen
Ufers des Meers der Stille. Aber man kann sich nur schwer vorstellen, daß
fünfzehn Jahre vergangen sind, seit wir zum erstenmal die begeisternden
Worte von Neil Armstrong gehört haben.

Die heutige Feier bringt aber auch eine andere schöne Erinnerung
zurück. Im August 1969 ehrte das Weiße Haus die Mannschaft von Apollo 11,
aus langer Quarantäne entlassen, in Kalifornien mit einem Empfang. Als
Gouverneur hatte ich die Gelegenheit, den Präsidenten einzuführen - und

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�einzuführen - und ich erinnere mich, wie nein Blick über die Gäste
schweifte - Botschafter und andere Repräsentanten von 83 Ländern, 44
Gouverneure aus unseren Bundesstaaten, 50 Mitglieder des Kongresses, 14
Kabinettsmitglieder sowie die Führung der NASA - und ich daran denken
mußte, daß die Männer und Frauen der NASA für immer unsere Vorstellung
vom Universum und von unserem Verhältnis zu ihm verändert hatten. Es
konnte von nun an kein Mißverständnis mehr hinsichtlich des gemeinsamen
Erbes und des gemeinsamen Geschickes aller Menschen geben.

Das Apollo-Programm war eine hervorragende Leistung von Verstand,
Herz und Geist - und das ehrgeizigste und schwierigste Programm, das jemals in Friedenszeiten durchgeführt wurde. Die Landung auf dem Mond war
ein strahlender Triumph der Forschung. Die Mayflower hat ihre Fahrt fortgesetzt.

Gus Grissom, Ed White und Roger Chaffee bahnten den Weg und wir werden stets an ihr tragisches Opfer denken. Aber das Programm ging weiter
und 12 Amerikaner landeten auf dem Mond. Bei Ende des Apollo-Programms
hatten die COLUMBIA, die AMERICA

und die anderen Weltraumfähren

27

Apollo-Astronauten vom Mond und seinem Umfeld zurückgebracht. Ja, und wie
unsere Astronauten mit ihrer ruhigen Zuversicht, ihrem großartigen Professionalismus und ihrer inneren Stärke unsere Lebensgeister und unseren
Willen anfeuerten!

Apollo bereicherte unser geistiges und wirtschaftliches Leben und
wies uns die Richtung zum grenzenlosen Horizont der Menschheit. Wir hatten plötzlich ein neues Gefühl des Stolzes und wurden nur noch umso zuversichtlicher, daß dies nur der Anfang dessen war, was ein freies und
mutiges Volk leisten kann.

Natürlich war das Apollo-Programm ein gewaltiger Prüfstein für die
Technik - stets auf des Messers Schneide und oft genug darüber hinaus.
Niemals zuvor waren die Ansprüche an Verläßlichkeit, an Genauigkeit und
an Wirksamkeit so hoch. Niemals zuvor waren die Qualitätsprüfungen für
jedes der Tausende und Abertausende von Teilen so schonungslos.
Und

unsere

�Und unsere Forscher und Erfinder reagierten mit einer noch nie dagewesenen Kreativität. Die besten Köpfe in Staat, Industrie und Hochschulen zogen an einem Strang, und eine glänzende technische Erfindung folgte der anderen. Und stets dienten Raumforschung und Weltraumtechnik zugleich den täglichen Anforderungen unserer Menschen und der Menschen
überall auf der Welt.

Das Apollo-Programm umfasste das Fernmeldewesen, die Meteorologie,
die Navigation sowie Satelliten zur Erforschung der Ressourcen der Erde
und auch viele neue Industriezweige wie die Festkörperelektronik, medizinische Elektronik und Computerwissenschaften. Es öffnete die Tore für
aufregende

wissenschaftliche

und

kommerzielle

Möglichkeiten, Möglich-

keiten wie den programmierbaren Herzschrittmacher, bei dem eine Technik
angewandt wird, die zunächst dafür entwickelt wurde, um kodierte Anweisungen an erdumkreisende Satelliten zu schicken. Haushaltsgeräte ohne
Kabelanschluß und chirurgische Instrumente entwickelten sich aus Erfordernissen für die Mondexperimente Apollos. Sogar das Material für das
Dach des "Silverdome" in Michigan, der Heimat der "Detroit Lions", wurde
mit Materialien hergestellt, die für die Raumanzüge der NASA entwickelt
worden waren.

Die Apollo-Ära trug zum Aufbau einer technologischen Basis bei, wie
es sie sonst nirgends gab. Aber wir stehen erst an der Schwelle der Möglichkeiten im Weltraum. Die Apollo-Erfahrung war für Amerika erst ein
Anfang.

Aus Apollo heraus entwickelte sich die Raumfähre - das erste echte
Raumtransportsystem der Welt - und damit ein weiterer Sieg des amerikanischen Geistes. Die Raumfähre eröffnete eine neue Ära, um die vielen
wissenschaftlichen, erzieherischen, industriellen und kommerziellen Möglichkeiten des Weltraums zu verfolgen. Solange wir unsere Vorstellungskraft herausfordern und hohe Ziele angehen, solange wird das Potential
des Weltraums unendlich sein.

Es
- 3 -

gibt

�Es gibt keine Zeit, da wir in unserem Drang nach vorn, da wir mit dem
Träumen aufhören müssen. Und deshalb forderte ich im Januar dieses Jahres
in meinem Bericht über die Lage der Nation unser Volk dazu auf, eine
ständig bemannte Raumstation zu entwickeln - und dies innerhalb eines
Jahrzehnts. Und ich bin sehr erfreut darüber, daß der Kongreß die Mittel
genehmigt hat, die die NASA in die Lage versetzen, die ersten Schritte
zum Entwurf einer amerikanischen Raumstation zu unternehmen.

Die Fußabdrücke auf dem Mond zeigten uns, daß Amerikas Zukunft durch
unsere Träume und durch unsere Visionen gestaltet werden kann. Die Raumfähre und unsere Raumstation werden dazu beitragen, daß diese Träume
Wirklichkeit werden. Unsere Freiheit und unser Wohlergehen sind verbunden
mit neuen Leistungen und mit der Erweiterung unserer Grenzen. Aber wir
werden auch über diese Grenzen noch hinausgehen und der Forschung, den
Chancen und dem Fortschritt neue Tore öffnen. In dem Bericht über die
Lage der Nation sagte ich auch, daß wir bald Initiativen ergreifen würden, um dem Privatsektor dabei zu helfen, auf dem Gebiet der Raumfahrt zu
investieren. Derzeit befinden wir uns auf diesem Kurs.

Wir werden alles tun, was wir können, um sicherzustellen, daß die Industrie stets Zugang zum Weltraum hat und für sie dort ein angemessener,
verläßlicher Platz zum Arbeiten zur Verfügung steht. Und wir werden dies
ohne unnötige und beengende Vorschriften tun. Elf erfolgreiche Flüge der
Raumfähre bedeuten, daß wir uns kurz vor einem Raumtransportsystem befinden, das auf verläßliche Weise den Raumfahrtindustrien seine Unterstützung bieten kann. Und die Vorteile, die unser Volk aus den kommerziellen
Anwendungen der Raumfahrt ziehen kann, übersteigen im wahrsten Sinn das
VorStellungsvermögen.

Gemeinsam können wir Medikamente herstellen, die möglicherweise Tausenden das Leben retten und Hunderte von Millionen Dollar sparen werden.
Wir können "Superchips" produzieren, die unsere Wettbewerbslage auf dem
weltweiten

Computermarkt

verbessern. Wir

können

Weltraumobservatorien

bauen, die die Wissenschaftler in die Lage versetzen, tief in das Universum hineinzuschauen. Und wir können im Bereich der Schwerelosigkeit

�der Schwerelosigkeit spezielle Legierungen und biologische Materialien
herstellen.

Indem wir uns der Herausforderung des Weltraums stellen, tragen wir
den gleichen Mut und den gleichen unbeugsamen Geist weiter, der uns zu
einer großen Nation machte und der unsere Apollo-Astronauten auf den Mond
brachte.

*****

- 5-

�4

HM

ITTlTi

Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

30

25. Juli 1984

DER "HEISSE DRAHT" ZWISCHEN MOSKAU UND WASHINGTON
- Erklärung Präsident Reagans und Informationspapier des Weißen Hauses -

Washington -(AD)- Am 17. Juli 1984 kamen die Vereinigten Staaten und
die Sowjetunion formell überein, die bestehende direkte Fernmeldeverbindung (Direct Communications Link - DCL) zwischen beiden Hauptstädten besser bekannt unter der Bezeichnung "Heißer Draht" - um die Möglichkeit
zur Übermittlung von Faksimilevorlagen zu erweitern. Diese Maßnahme wird
die Leistungsfähigkeit des Systems steigern und seinen Wert für die Bewältigung von Krisen und die Vermeidung von Mißverständnissen vergrößern.

Aus Anlaß der amerikanisch-sowjetischen Übereinkunft veröffentlichte
das Weiße Haus am gleichen Tag eine schriftliche Erklärung Präsident Reagans sowie ein Informationspapier. Die beiden Dokumente haben folgenden
Wortlaut:
Das

Informationspapier

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D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Das Informationspapier des Weißen Hauses

Die Erweiterung des Heißen Drahts um die Möglichkeit zur Übermittlung
von Faksimilevorlagen wird die Regierungschefs der Vereinigten Staaten
und der Sowjetunion in die Lage versetzen, Mitteilungen sehr viel schneller auszutauschen, als dies über das bestehende Fernschreibsystem möglich
ist. Außerdem werden sie erstmalig in der Lage sein, graphische Darstellungen zu übermitteln. Die genauen, detaillierten und oft leicht interpretierbaren Informationen, die in graphischen Materialien wie z.B. Landkarten, Schaubildern und Zeichnungen enthalten sind, könnten wesentlich
zur Überwindung von Krisen und Mißverständnissen beitragen.

Vorgeschichte der Verhandlungen

Im Juni 1963 kamen die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion in einer Einverständniserklärung überein, für den Notfall eine direkte Fernmeldeverbindung einzurichten. Jede der beiden Seiten erklärte sich bereit, dafür Sorge zu tragen, daß über diese Fernmeldeverbindung einlaufende Mitteilungen des Regierungschefs der Gegenseite unverzüglich an den
eigenen Regierungschef weitergeleitet werden. Die Einverständniserklärung
wurde von den Leitern der amerikanischen und der sowjetischen Delegation
bei der Genfer Abrüstungskonferenz ausgehandelt und unterzeichnet. Im August 1963 ging die Fernmeldeverbindung in Betrieb.
Acht Jahre später wurde sie modernisiert. Die Grundlage hierfür bildete ein Abkommen vom 30. September 1971, das von einer besonderen Arbeitsgruppe der Delegationen beider Staaten bei den SALT-Verhandlungen
erarbeitet und von den beiden Außenministern unterzeichnet wurde. Gemäß
diesem Abkommen wurde der Heiße Draht um zwei Satellitenverbindungen erweitert, von denen die eine über den sowjetischen Molnija-II-Satelliten,
die andere hingegen über das amerikanische Intelsat-System lief. Diese
beiden Verbindungen wurden im Januar 1978 betriebsbereit.

Gleichzeitig erarbeitete eine zweite Sonderarbeitsgruppe der beiden
SALT-Delegationen ein weiteres Abkommen zwischen den Vereinigten Staaten

- 2 -

�Vereinigten Staaten und der Sowjetunion über Maßnahmen zur Verminderung
der Gefahr des Ausbruchs eines Atomkriegs. Es wurde ebenfalls am 30. September 1971 unterzeichnet. Dieses Abkommen verpflichtete beide Seiten dazu, die jeweils andere vorab über geplante Raketenstarts zu informieren,
sofern die vorgesehene Flugbahn über das eigene Territorium hinaus und in
Richtung auf das der anderen Seite führt. Ferner wurden beide Seiten verpflichtet, die jeweils andere bei Eintritt bestimmter Situationen, die
die Gefahr eines Atomkriegs heraufbeschwören könnten, unverzüglich ins
Bild zu setzen. Beide Parteien kamen überein, sich in Situationen, die
einer sofortigen Klärung bedürfen, zur Übermittlung eiliger Informationen
der direkten Fermeldeverbindung zu bedienen.

Die Vorschläge Präsident Reagans

Im Mai 1983 schlug Präsident Reagan der Sowjetunion mit dem Ziel der
Verbesserung der bestehenden zweiseitigen Fernmeldeverbindungen drei Maßnahmen vor: die Erweiterung des Heißen Drahts um die Möglichkeit, mit hoher Geschwindigkeit Faksimilevorlagen zu übertragen, die Einrichtung einer gemeinsamen militärischen Fernmeldeverbindung und die Einrichtung von
Hochgeschwindigkeits-Datenübermittlungsanlagen

zwischen jeder der beiden

Regierungen und ihrer Botschaft in der jeweils anderen Hauptstadt.

Diese Maßnahmen waren dem Präsidenten vom Verteidigungsminister nach
einer umfassenden und eingehenden Untersuchung möglicher Initiativen zur
Stärkung der weltweiten Stabilität und zur Verringerung der Gefahr eines
Atomkriegs empfohlen worden. Die Vollmacht für diese Untersuchung, an der
sich alle betroffenen Dienststellen der amerikanischen Regierung beteiligten, war vom Kongreß im Haushaltsgesetz für das Verteidigungsressort
für 1983 erteilt worden. Die Ergebnisse und Empfehlungen dieser Untersuchung bezüglich der direkten Fernmeldeverbindung und anderer stabilitätsfordernder Maßnahmen wurden dem Kongreß im Jahresbericht des Verteidigungsministers für 1983 unterbreitet.

Die amerikanisch-sowjetischen Verhandlungen zur Verbesserung der beiderseitigen Fernmeldeverbindungen wurden im August 1983 in Moskau eröffnet. Die nachfolgenden Gesprächsrunden fanden im Januar 1984 in Washing-

- 3 -

�in Washington und im April 1984 in Moskau statt. Die soeben abgeschlossene Runde fand im Juli 1984 in Washington statt. Diese Gespräche haben nun
zu einem amerikanisch-sowjetischen übereinkommen geführt, die bestehende
direkte Fernmeldeverbindung um die Möglichkeit zur Übermittlung von Faksimilevorlagen zu erweitern.

Die direkte Fernmeldeverbindung

Zum Heißen Draht wird nunmehr folgendes gehören:
- drei Fernmeldeverbindungen (zwei über Satellit und eine telegraphische
Kabelverbindung);
- eine Bodenstation in jedem Land für jede Satellitenverbindung;
- in jedem Land Terminals, die an die drei Verbindungen angeschlossen und
mit Fernschreib- und Faksimileübertragungsgerät ausgestattet sind.

Gemäß dem Grundsatz der Vertraulichkeit, der für Mitteilungen zwischen den Regierungschefs gilt, gibt es keine veröffentlichten Informationen darüber, wie oft genau sich die Regierungschefs des Heißen Drahts
bedient haben. Wir wissen jedoch, daß er während ernster Krisen unschätzbare Dienste geleistet hat. Nach Angaben der damals amtierenden amerikanischen Präsidenten selbst wurde er während der Nahostkriege von 1967 und
1973 benutzt.

Die Erklärung Präsident Reagans

Ich freue mich, heute bekanntgeben zu können, daß wir und die Sowjetunion übereingekommen sind, den Betrieb der direkten Fernmeldeverbindung
- oder des Heißen Drahts - zu erweitern und zu verbessern.

Dieses Abkommen bildet einen bescheidenen, aber positiven Schritt zur
Stärkung der weltweiten Stabilität und zur Verringerung der Gefahr einer
durch Pannen, Fehleinschätzungen oder Mißdeutungen hervorgerufenen Konfrontation oder eines Konfliktes zwischen den Vereinigten Staaten und der
Sowjetunion.
Die Ergänzung
- 4 -

�Die Ergänzung des Systems um die Möglichkeit zur Übermittlung von
Faksimilevorlagen wird uns nicht nur in die Lage versetzen, Mitteilungen
schneller auszutauschen, wir werden erstmalig auch graphische Materialien
wie z.B. Landkarten und Bilder übermitteln können, Unterlagen also, die
zur Überwindung bestimmter Krisen und Mißverständnisse entscheidend beizutragen vermögen.

Die Verhandlungen, die zu diesem Abkommen geführt haben, begannen vor
etwa einem Jahr (im August 1983) auf der Grundlage einer Reihe von Vorschlägen, die wir im Mai 1983 vorgelegt hatten.

Bei der Entwicklung dieser und anderer Initiativen zur Verminderung
der Gefahr eines durch Pannen, Fehleinschätzungen oder Mißdeutungen hervorgerufenen Krieges kam uns der sachkundige Rat einer Reihe von führenden Mitgliedern des Kongresses, darunter die Senatoren Warner und Nunn
und der verstorbene Senator Jackson, zustatten.

In meinen Augen bildet dies Abkommen sowohl eine angemessene technische Verbesserung des Heißen Drahts, der den Regierungen beider Länder
seit 20 Jahren gute Dienste leistet, als auch ein gutes Beispiel dafür,
wie wir in Zusammenarbeit Ansätze zur Verringerung der Kriegsgefahr entwickeln können.

- 5 -

�Hintergrund
materiell
United States Information Service
Embassy of the United States of America

25. Juli 1984

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NICARAGUAS AUFRÜSTUNG UND UNTERSTÜTZUNG SUBVERSIVER AKTIVITÄTEN
IN MITTELAMERIKA
- Bericht des Außen- und des Verteidigungsministeriums
der Vereinigten Staaten -

WASHINGTON - (AD) - Am 18. Juli 1984 wurde in Washington ein gemeinsamer Hintergrundbericht des Außen- und des

Verteidigungsministeriums

über "Nicaraguas Aufrüstung und Unterstützung subversiver Aktivitäten in
Mittelamerika" veröffentlicht. Im Folgenden geben wir den Text dieses Dokuments in umfassenden Auszügen wieder.

Einführung
Als im Juli 1979 die Sandinisten und andere Gruppen, die sich am
Kampf gegen Somoza beteiligt hatten, in Nicaragua die Macht übernahmen,
neigten die Menschen in den Vereinigten Staaten und in anderen Ländern
der Welt dazu, den öffentlichen Beteuerungen der Sandinisten Glauben zu
schenken, daß sie gewillt seien, in Nicaragua eine echte Demokratie einzuführen und mit den Nachbarländern in Frieden zu leben. Die dringlichste
Aufgabe für Nicaragua bestand damals eindeutig darin, wieder gesunde

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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�wieder gesunde wirtschaftliche Verhältnisse herzustellen, sodaß sich die
Menschen allmählich besserer Lebensumstände erfreuen könnten. Die Nachbarländer Nicaraguas nahmen keineswegs eine feindliche Haltung ein. Zwei
von ihnen - Panama und Costa Rica - hatten die Nicaraguaner sogar in ihrem Kampf gegen Somoza unterstützt. Als Zeichen ihres guten Willens gewährte die Regierung der Vereinigten Staaten Nicaragua in den Jahren 1979
und 1980 umfangreichere Wirtschaftshilfe als jedem anderen mittelamerikanischen Land zu jener Zeit.

Anfangs waren die sandinistisehen Führer noch bestrebt, in den Vereinigten Staaten und in anderen Ländern der westlichen Welt ein gemäßigtes
Image zu wahren. Wahrend der zwei Monate, die der Machtübernahme im Juli
1979 vorausgingen, gelobten die sandinistisehen Führer in einer Reihe von
öffentlichen Erklärungen, in der Außenpolitik am Prinzip der Blockfreiheit festzuhalten, Wahlen abzuhalten, den Schutz der Menschenrechte zu
garantieren und das private Unternehmertum bestehen zu lassen. Bei ihren
ersten Begegnungen mit amerikanischen Regierungsvertretern, Kongreßmitgliedern und Vertretern privater Gruppen waren die Sandinisten noch bestrebt, ihr Regime als blockfrei und als nicht dem kubanischen oder sowjetischen Vorbild folgend darzustellen.

Die Beweise dafür, daß die ursprünglich von den Sandinisten gegebenen
Versprechen nicht eingehalten wurden, haben sich beständig vermehrt.
Schritt für Schritt haben sich die Sandinisten zu einer Gefahr für die
Nachbarländer wie auch für das nicaraguanische Volk selbst entwickelt.
Obwohl die meisten Mittelamerikaner sich über die Sandinisten keine Illusionen mehr machen, sehen manche Leute in den Vereinigten Staaten und in
anderen Ländern in ihnen immer noch idealistische und nationalistische
Revolutionäre. Diese Sichtweise ist illusionär. Während die Flitterwochen
der sandinistischen Führung mit der demokratischen Welt noch anhielten,
wurden hinter der Fassade der Mäßigung und der Freundschaft bereits ganz
andersgeartete Pläne geschmiedet. Nach noch nicht einmal fünf Jahren bieten die Politik und die Handlungen der Sandinisten ein Bild, das von dem,
das sie im Jahre 1979 zu präsentieren bemüht waren, erheblich abweicht.

In seiner wöchentlichen Rundfunkansprache am 14. April 1984 stellte

�1984 stellte Präsident Reagan fest, daß
- Mittelamerika der Schauplatz eines kühnen Versuchs der Sowjetunion, Kubas und Nicaraguas geworden sei, den Kommunismus gewaltsam in der gesamten Hemisphere zu verankern;
- Cosa Rica, Honduras und El Salvador von der Armee und den Sicherheitskräften Nicaraguas bedroht werden, die mit der Unterstützung Kubas und
des Ostblocks von den 10 000 Mann, die sie unter der vorherigen Regierung
umfaßten, in weniger als fünf Jahren auf nunmehr über 100 000 Mann angewachsen sind;
- der

Ostblock im Jahre 1983 militärisches Material im Werte von über

100 Millionen Dollar geliefert habe, wodurch die Sandinisten in die Lage
versetzt wurden, eine schlagkräftige Streitmacht mit Artillerie, Raketenwerfern und Panzern aufzustellen, die stärker ist als die Streitkräfte
aller anderen Länder der Region;
- unsere Freunde in der Region sich subversiven Aktivitäten ausgesetzt
sähen, die ihren Ursprung jenseits ihrer Landesgrenzen haben, ihre demokratische Entwicklung unterhöhlen und ihre Wirtschaft zugrunde richten;
eine Entwicklung, unter der alle Nachbarn Nicaraguas leiden;
- El Salvador, das um demokratische Wahlen und um eine Verbesserung der
Lebensumstände seiner Bürger kämpft, zum Hauptziel der verdeckten Aggression Nicaraguas geworden sei;
- es in der Region Millionen von Menschen gebe, die Freiheit wollen und
sie auch verdienen. Wir können gegenüber dieser Krise vor unserer Haustür
nicht gleichgültig bleiben. Schon vor fast 23 Jahren warnte Präsident
Kennedy vor der Gefahr eines Eindringens des Kommunismus in unsere Hemisphäre.

Der vorliegende Bericht befaßt sich mit zweien der drei von Präsident
Reagan erwähnten Aspekte des Verhaltens der Sandinisten: die Aufrüstung
und der Export von Subversion in andere Länder der Region sowie die Verwicklung Kubas und der Sowjetunion in der einen wie in der anderen Hinsicht. (Bei dem dritten von Präsident Reagan angesprochenen Aspekt handelte es sich um den der Unterdrückung der eigenen Bevölkerung.)

Die Bilanz der Ereignisse in Mittelamerika während der letzten fünf
Jahre enthält umfangreiches Beweismaterial für die sandinistische Auf-

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�sandinistische Aufrüstung, für Verbindungen zwischen den Sandinisten und
Kuba und anderen kommunistisehen Ländern und für die sandinistische Unterstützung von Guerillakämpfern. Bei der Erarbeitung dieses Berichts haben wir uns auf sandinistische Dokumente, Presseberichte und die Aussagen
von gefangengenommenen oder übergelaufenen Guerilleros gestützt. Geheimdienstquellen haben ebenfalls Tausende von Mosaiksteinchen an Information
beigesteuert, die die Schlußfolgerungen des vorliegenden Berichts erhärten. Wir haben jedoch darauf verzichtet, bestimmte Geheimdienstberichte
anzuführen, da in diesem Falle die Gefahr der Offenlegung von geheimdienstlichen Informationsquellen und Arbeitsmethoden bestanden hätte. Die
statistischen Angaben, z.B. über die Anzahl der Panzer, über die die sandinistischen Streitkräfte verfügen, beruhen, sofern nicht andere Quellen
genannt sind, auf Geheimdienstinformationen.

Schon allein die Tatsache, daß die 10 000 Guerilleros in El Salavdor
über genug Geld und Nachschub verfügen, um ihren Kampf fortführen zu können, bildet ein starkes Indiz dafür, daß sie von außen unterstützt werden. Was man in der Vergangenheit versäumt hat, ist, alle verfügbaren Indizien systematisch zusammenzufassen. In dem vorliegenden Bericht liefern
wir nicht nur Einzelheiten, sondern auch einen Bezugsrahmen für die Analyse der Aufrüstung Nicaraguas und seiner Unterstützung subversiver Aktivitäten in Mittelamerika. Dieser Bericht enthält wenig, was für sich allein genommen sensationell wäre, aber die Gesamtheit der ausgebreiteten
Informationen ergibt ein umfassendes Bild der Rolle Nicaraguas als Steigbügelhalter des Kommunismus in Mittelamerika ...

Die sandinistische Strategie im Jahre 1979; Ein doppeltes Gesicht für die
Welt
Als die Frente Sandinista de Liberacion National (FSLN) ihren Kampf
gegen die Diktatur Somozas aufnahm, waren die sandinistischen Führer
sorgsam darauf bedacht, sich der Öffentlichkeit und den Regierungen der
westlichen Welt als "Nationalrevolutionäre" zu präsentieren, die gegen
eine rechtsgerichtete Diktatur angetreten waren. Ihre Bestrebungen, sich
eine Art "Robin-Hood"-Image zu geben, erinnerten ein wenig an die diesbezüglichen Versuche, die Fidel Castro 20 Jahre zuvor unternommen hatte.

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�unternommen hatte. Castro, der rückblickend offenbar zu dem Schluß gekommen war, daß er nach seiner Machtübernahme seine wahre, marxistisch-leninistische Gesinnung zu früh offenbart habe, riet den sandistischen Führern denn auch beständig, sich in dieser Hinsicht Zeit zu lassen, um
westliche Geldgeber nicht zu verschrecken und um keine heftige Reaktion
der Vereinigten Staaten zu provozieren, bevor ihre Herrschaft gefestigt
sei. Ferner riet er ihnen, ihre Revolution schnellstens zu konsolidieren.
Die sandinistischen Führer gaben sich größte Mühe, sich möglichst breiten
internationalen Rückhalt zu verschaffen. Sie reisten wiederholt in die
Vereinigten Staaten, um zu Gunsten des großen wirtschaftlichen Hilfspakets Stimmung zu machen, das die Carter-Administration dem Kongreß zur
Billigung vorgelegt hatte. Sie versuchten, Vertreter der Regierung und
der Privatwirtschaft in den Vereinigten Staaten von ihrer gemäßigten Haltung zu überzeugen.

Heute ist klar, daß die harten Marxisten-Leninisten unter den Sandinisten eine Strategie der Täuschung der Weltöffentlichkeit verfolgten.
Sie wußten, daß ihre Politik schließlich den Widerstand ihrer Nachbarländer und der Vereinigten Staaten hervorrufen mußte. Bis dahin versuchten
sie jedoch ganz bewußt, sich die Gunst und die Unterstützung der ihnen
Vfohlgesonnenen in der Regierung der Vereinigten Staaten, im Kongreß, in
der Privatwirtschaft, in den religiösen Gemeinschaften und in anderen Bereichen zu sichern, um über ihre tatsächliche Haltung hinwegzutäuschen
und um den Zeitpunkt der schließlichen Entfremdung hinauszuschieben. Die
Sandinisten hofften angeblich, daß die verwirrte und zutiefst gespaltene
öffentliche Meinung in den Vereinigten Staaten die amerikanische Politik
lähmen und von einer Reaktion abhalten würde, während das sandinistische
Regime aufrüstete, subversive Aktivitäten und Guerillakämpfer in Nachbarländern unterstützte und den für totalitäre Staaten typischen inneren Sicherheit sapparat aufbaute.

Beim Großteil der einfachen Gefolgsleute der Sandinisten wie auch bei
einigen ihrer ehemaligen Führer, wie z.B. Eden Pastora Gomez - besser bekannt unter dem Namen Commandante Zero - scheint es sich um echte Nationalisten zu handeln. Aber die neun Mitglieder des sandinistischen Nationaldirektorats, des Machtzentrums des heutigen Nicaragua, sind ausnahms-

- 5 -

�sind

ausnahmslos

Marxisten-Leninisten.

Schon

bald nach dem Sieg am

19. Juli 1979 fingen die Marxisten an, die nichtkommunistischen Führer
und Anhänger der Revolution an den Rand zu drängen. Es war klar, worum es
ging: Die neun "Commandantes" hatten begonnen, ein marxistisch-leninistisches Regime zu errichten ...

Arturo Cruz Sequeira, ein sandinistischer Regierungsbeamter, der mit
der Denkweise der obersten Führung der FSLN aufs innigste vertraut ist,
bestätigt, daß ihre langfristigen revolutionären Ziele für die Region den
Konflikt mit Nicaraguas Nachbarländern und mit den Vereinigten Staaten
unvermeidbar machten:

"In den Augen des Nationaldirektorats läßt eine so engräumige Region
wie Mittelamerika nur eine von zwei möglichen Entwicklungen zu: eine revolutionäre Lösung für die ganze Region infolge der wellenartigen Ausstrahlung der Revolution in Nicaragua oder die letztendliche Niederlage
Nicaraguas. Von daher konnte die Entspannung mit Honduras in der Anfangsphase der Revolution nur vorrübergehender Natur sein. Für die Commandantes galt nicht einmal als ausgemacht, daß die Beziehungen zu Panama und
Costa Rica freundschaftlich bleiben würden. Das neue Nicaragua konnte
nicht erwarten, daß ihm die Weltmeinung immer wohlgesonnen bleiben würde.
Nicaraguas Marsch zum Sozialismus und seine Bindungen an Kuba und die
Sowjetunion mußten früher oder später zu einer Entfremdung mit den europäischen Sozialdemokraten, den amerikanischen Liberalen und sogar mit den
Regierungen einiger Länder der Region, z.B. Venezuela und Mexiko, führen."

Die Sandinisten sind fortwährend bestrebt, ihre militärische Aufrüstung als Reaktion auf die Politik der Reagan-Administration und auf den
Widerstand in Nicaragua selbst darzustellen. In Wahrheit verhält es sich
ganz anders. Die Sandinisten schlugen ihren derzeitigen Weg lange vor
1981 ein. Viele der Nicaraguaner, die heute gegen die Sandinisten sind,
haben an dem Kampf gegen Somoza aktiv teilgenommen und nach 1979 versucht, mit den Sandinisten zusammenzuarbeiten. Einige der heutigen Köpfe
der antisandinistisehen Opposition - wie z.B. Alfonso Robelo und Eden
Pastora - hatten in der Zeit nach 1979 zunächst selbst zur Führung des
Landes gezählt und machten erst Front gegen die Sandinisten, als die

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�als die militärische Aufrüstung bereits begonnen hatte und die Sandinisten keine Anstalten machten, die Entwicklung eines demokratischen Systems und einer gewaltfreien Opposition zuzulassen ...

Die größte Streitmacht in Mittelamerika

Nach dem 19. Juli 1979 verfolgten die Sandinisten mit Vorrang das
Ziel, ihre Guerillastreitmacht von etwa 6 000 Mann in eine Armee nach
herkömmlichem Muster umzuformen und gleichzeitig eine umfangreiche Miliz
und Reservestreitkräfte aufzubauen. Das "72-Stunden-Dokument" vom Oktober
1979 - (eine Situationsanalyse der Führung, die auf einer dreitägigen Kaderkonferenz vorgetragen und später veröffentlicht wurde; Anm. der Redaktion; ) - belegte die Absicht der Sandinisten, eine schlagkräftige Streitmacht aufzustellen.

Nach fünfjährigen Bemühungen haben die Sandinisten die Truppenstärke
ihrer aktiven Streitkräfte - Heer, Luftwaffe, Marine, aktive Reserven und
Miliz - auf etwa 48 800 erhöht. Außerdem bauen sie die Miliz weiter aus
und haben ein landesweites Allgemeines Wehrdienst-Gesetz erlassen. Alles
in allem, d.h. bei voller Mobilisierung und einschließlich aller Reserven, verfügt Nicaragua über mehr als 100 000 Mann unter Waffen. Gleichzeitig haben die Sandinisten die Zahl der militärischen Großeinrichtungen
mehr als verdoppelt. Die Anlage der meisten dieser Einrichtungen zeigt
klar den

sowjetisch-kubanischen

Einfluß. Darüberhinaus

sind

Dutzende

kleinerer militärischer Einrichtungen gebaut bzw. frühere Zivileinrichtungen umgebaut worden.

Nicaraguas Panzertruppe und Artillerie - eine offensivfähige Streitmacht ?

Nicaragua verfügt heute über etwa 100 mittelschwere Kampfpanzer sowjetischer Bauart (T-54/T-55), mehr als 20 leichte Amphibienpanzer (PT-76)
und 120 andere Panzerfahrzeuge. Die beiden Lieferungen von Panzern und
gepanzerten Mannschaftstransportwagen, die in diesem Jahr an Bord bulgarischer Schiffe eingetroffen sind, haben den Umfang der Panzer- und Panzergrenadiertruppen Nicaraguas gegenüber dem Stand vom Mai 1983 mehr als
verdoppelt. Im Gegensatz dazu verfügt etwa Honduras über nur 16 gepanzer-

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�16 gepanzerte Aufklärungsfahrzeuge, die sich nicht zum amphibischen Einsatz eignen und abgesehen von ihrer Besatzung keine Truppen transportieren können. Costa Rica hat überhaupt keine Armee, ganz zu schweigen von
Panzern. El Salvador besitzt zwar einige Dutzend gepanzerter Mannschaftstransportwagen, aber keine Kampfpanzer. Nicaragua hat auch seinen Bestand
an anderen Militärfahrzeugen drastisch erhöht. Während der ersten sechs
Monate des Jahres 1984 registrierte die amerikanische Regierung die Ankunft von mehr als 200 Militärlastkraftwagen, rund 300 Jeeps und einer
kleineren Anzahl anderer Fahrzeuge sowie von Ersatzteillieferungen in Nicaragua. Im Jahre 1983 erhielt Nicaragua fast 500 Militärlastkraftwagen,
über 500 Jeeps und rund 100 andere Fahrzeuge. Seit 1980 hat allein Ostdeutschland mehr als 1 000 Lastkraftwagen geliefert. Die Sowjets haben
zumindest sechs Schwerlastfähren geliefert, um die amphibische Mobilität
der nicaraguanisehen Streitkräfte zu erhöhen. Mittels dieser Fähren könnten die nichtamphibischen Panzer über Flüsse und andere Wasser laufe gesetzt werden.

Informationen, daß annähernd 50 sowjetische 152- und 122-MilimeterHaubitzen nach Nicaragua verbracht worden sind, haben sich bestätigt. Die
Sandinisten haben aus Lieferländern im Ostblock zumindest 24 122-Milimeter-Mehrfachraketenwerfer erhalten. Diese Werfer und Haubitzen sowie die
240 Panzer und gepanzerten Fahrzeuge verleihen den Streitkräften Nicaraguas eine Feuerkraft und Mobilität, die in der Region nicht ihresgleichen
hat. Durch die amphibischen Fähren bekommen die Panzertruppen außerdem
die Fähigkeit zum Überqueren von Wasserläufen ...

Die sandinistischen Luftstreitkräfte
Die Sandinisten haben nicht nur im Bereich der Landstreitkräfte aufgerüstet, sondern zusätzlich auch die Grundlage für eine kampfstarke
Luftwaffe geschaffen. Sie besitzen etwa 120 Flugabwehrgeschütze sowjetischer Bauart und zumindest 700 Boden-Luft-Raketen vom Typ SA-7. Ferner
haben sie aus dem Ostblock etwa zehn Mi-8-Hubschraüber und sechs leichte
Transportmaschinen vom Typ An-2 erhalten. Ungeachtet der ursprünglichen
Behauptungen der Sowjets und der Sandinisten, daß die Hubschrauber für
zivile Einsatzzwecke bestimmt seien, sind sie bewaffnet und mit einem

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�mit einem Tarnanstrich versehen worden und fliegen militärische Einsätze
gegen die antisandinistischen und indianischen Freischärler.

Weiterhin haben die Sandinisten vier Flugzeuge erhalten - unseres Erachtens aus Libyen - die sowohl als Trainer als auch zur Luftnahunterstvitzung verwendet werden können. Sie sind mit Maschinengewehren bewaffnet und wurden bereits bei Kampfeinsätzen gegen antisandinistische Kräfte
eingesetzt. Libyen hat den Sandinisten auch Hubschrauber geliefert und
rund 20 Piloten und Mechaniker nach Nicaragua entsandt. Die Sandinisten
haben eine neue Sondereiriheit, ein Luftlandebataillon, aufgestellt. Zwei
sowjetische An-26-Transportflugzeuge trafen im April 1983 ein.

Seit mehr als drei Jahren laufen in Nicaragua die Vorbereitungsarbeiten für den Einsatz sowjetischer Kampfflugzeuge ... Ein nicaraguanischer
Überläufer, der für den Sicherheitsapparat der Sandinisten gearbeitet
hatte, sagte aus: "MIG-Kampfflugzeuge für Nicaragua stehen schon in Kuba
bereit. Nicaraguanische Piloten, die gegenwärtig in Bulgarien ausgebildet
werden, sollen sie fliegen."

Einen Hinweis jüngeren Datums, daß Nicaragua tatsächlich MIGs erhalten könnte, bildeten Äußerungen von Junta-Chef Daniel Ortega am 10. Juni
1984. Er sagte, daß nicaraguani sehe Piloten für den Einsatz auf sowohl
MIG- als auch Mirage-Kampfflugzeugen ausgebildet würden. Seinen Äußerungen folgte am 12. Juni ein Leitartikel in der regierungsfreundlichen Zeitung EL NUEVO DIARIO, in dem es hieß, daß das sandinistische Nationaldirektorat den Einsatz von Hochleistungskampfflugzeugen "beschlossen habe".
Wenn Nicaragua tatsächlich MIG-Kampfflugzeuge geliefert bekäme, so würde
dies zweifellos von seinen Nachbarländern und von den Vereinigten Staaten
als Anlaß zu ernster Sorge empfunden werden.

Kubanische Präsenz und Aktivitäten

Heute befinden sich etwa 9 000 Kubaner in Nicaragua. Bei etwa 3 000
von ihnen handelt es sich um militärisches oder Sicherheitsdienstpersonal. Sie sind den nicaraguanisehen Streitkräften und internen Sicherheits- und Nachrichtendienstorganisationen vom Generalstab bis hinunter

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�bis hinunter zu den einzelnen Bataillonen zugeteilt. Ohne die Anwesenheit
der kubanischen Militär- und Sicherheitsdienstberater und ohne die umfangreichen Lieferungen von Waffen und Ausrüstung aus der Sowjetunion wäre die rapide Aufrüstung Nicaraguas von 1979 bis heute unmöglich gewesen.
Andere Ostblockregierungen, radikale Regimes wie das in Libyen und Gruppen wie z.B. die Palästinensische Befreiungsorganisation (PLO) waren am
Ausbau und der Ausbildung der Streitkräfte Nicaraguas ebenfalls maßgeblich beteiligt.

Von den Kubanern in Nicaragua üben zwar nur etwa 3 000 unmittelbar
Militär- oder Sicherheitsdienstfunktionen aus, aber viele von den übrigen
sind militärisch ausgebildet und könnten in eine militärische Streitmacht
integriert werden, wie dies etwa auf Grenada geschah. Die 2 000 Kubaner,
die Mitte 1982 nach Nicaragua geschickt wurden, hatten beispielsweise eine militärische Grundausbildung absolviert. Kubaner arbeiten in praktisch
allen nicaraguanisehen Regierungsbehörden, in den Massenorganisationen
und in Bereichen wie dem Unterrichts- und Gesundheitswesen mit ...

Der marxistisch-leninistische Charakter des sandinistisehen Direktorats
Schon zu Zeiten Somozas hielt sich zur Unterstützung der FSLN eine
begrenzte Zahl von Kubanern heimlich in Nicaragua auf. Nachdem die Sandinisten und andere Anti-Somoza-Gruppen im Juli 1979 mit allgemeiner Unterstützung der Bevölkerung die Macht übernommen hatten, trafen weitere
kubanische Berater in Managua ein. Panamesische Angebote zur Entsendung
von Militärberatern wurden zurückgewiesen. In weniger als zwei Jahren kamen ungeachtet der Proteste vieler nichtmarxistischer Führer des gemeinsamen Kampfes gegen Somoza rund 600 kubanische Militärberater nach Nicaragua. Aus Geheimdienstquellen erfuhr die amerikanische Regierung, daß
General Arnaldo Ochoa Sanchez, einer der erfahrensten von Castros hohen
Offizieren, im Juni 1983 nach Nicaragua entsandt worden war, um die Aufrüstung zu überwachen und den kubanischen Einfluß insgesamt zu stärken
... Kubaner sind in Schlüsselressorts innerhalb der sandinistischen Regierung, darunter auch ins Innen- und ins Verteidigungsministerium, delegiert worden. Der kubanische Einfluß geht über die Mitarbeit im nicaraguanischen Sicherheits- und Ausbildungsapparat hinaus ...
Militärische
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und/oder

�Militärische und/oder zivile Berater aus der Sowjetunion, Bulgarien,
der Tschechoslowakei, Polen, Ungarn, Libyen und Ostdeutschland sind wenn auch in kleinerer Zahl als die Kubaner - ebenfalls in Nicaragua aktiv. Ihre Aufgabe besteht offenbar darin, einen von den Sandinisten kontrollierten politischen Apparat aufzubauen und das Militär und die Sicherheitskräfte Nicaraguas auf einen beispiellosen zahlenmäßigen Stand zu
bringen ...

Die Nationale Befreiungsfront Farabundo Marti

Die regierungsfeindliche Guerilla in El Salvador wird von der "Frente
Farabundo Marti de Liberacion Nacional" (FMLN) geführt. Die Mitarbeit von
Kubanern und Nicaraguanern in den Hauptgliederungen und Führungskadem
der FMLN in El Salavdor reicht noch in die Zeit vor dem Aufstieg der Sandinisten in Nicaragua zurück. Bis zum Juli 1979 hatte Kuba mehr als 200
Untergrundkämpfer der Volksbefreiungsarmee (FPL) der FMLN in Taktiken des
Guerillakrieges ausgebildet. Ferman Cienfuegos, der Führer einer anderen
salvadorianischen Gruppe, der "Bewaffneten Kräfte des Nationalen Widerstands"

(FAFN), die für zahlreiche Entführungen Salvadorianischer und

ausländischer Geschäftsleute verantwortlich zeichnet, traf ebenfalls regelmäßig mit kubanischen Geheimdienstoffizieren zusammen ...

Wie schon zuvor im Falle der Sandinisten machte Kuba auch die Ausbildungshilfe und materielle Unterstützung für die fünf salvadorianischen
Guerillagruppen von der Bildung einer Einheitsfront abhängig ... Nach Zusammenkünften von salvadorianischen Revolutionsführern - darunter Cayetano Carpio von der "Frente Populär de Liberacion" (FPL) und Shafik Handal,
der Vorsitzende der Kommunistischen Partei - mit ranghohen kubanischen
und sandinistischen Vertretern im Vormonat wurde im Mai 1980 das "Vereinigte Revolutionsdirektorat" (DRU) geschaffen. Es umfaßte sowohl den politischen als auch den militärischen Zweig des Guerillabündnisses. Im Oktober 1980 machten die fünf Guerillafraktionen, deren Aktivitäten unter
dem Dach des DRU lose koordiniert wurden, einen Schritt in Richtung auf
einen engeren Zusammenschluß, indem sie die FMLN bildeten ...
Der

- 11 -

nicaraguanische

�Der nicaraguanische Nachschub für die salvadorianische Guerilla

Nach der Bildung des DHU im Juni 1980 nahmen die Waffenlieferungen
für die salvadorianische Guerilla über Nicaragua drastisch zu. Kommunistische Regierungen und andere ausländische "revolutionäre" Gönner begannen, der Guerilla über Kuba und Nicaragua Waffen westlicher Bauart, darunter auch M-16-Gewehre, zu schicken. Um den Zufluß von Waffen für die
sogenannte "Endoffensive", die im Januar 1981 begann, zu beschleunigen,
erklärten sich Kuba und andere Ostblockstaaten bereit, den Sandinisten
alle Waffen zu ersetzen, die sie aus eigenen Beständen nach El Salvador
lieferten.

Der Umfang und die Zusammensetzung des Nachschubs für die Guerilla in
El Salvador hat in Abhängigkeit von einer Reihe von Faktoren geschwankt.
Während der Anfangsphase der raschen Aufrüstung von November 1980 bis Januar 1981 bestand ein großer Teil der Lieferungen aus Waffen und Munition. Der Zustrom an Waffen war erheblich. Seitdem haben die salvadorianische Guerilla und ihre Schutzherren in Managua den Strom der Waffen und
anderen Nachschubgüter flexibel gesteuert, je nachdem, welchen taktischen
Erfordernissen sie sich gegenübersahen und was ihre Gegner taten, um diesen Strom zu unterbrechen. Während der ganzen Zeit hat es jedoch einen
beständigen Zustrom von Munition, Sprengmitteln, Medikamenten und Bekleidung gegeben. Es hat auch sporadische Steigerungen der Zufuhr an Guerillawaffen gegeben, um den Erfordernissen geplanter Offensiven oder der
Aufstellung neuer Guerillaverbände zu genügen.

Der Nachschub von Nicaragua nach El Salvador läuft über verschiedene
Routen. Die Lieferungen erfolgen sowohl über Land - nämlich über honduranisches Territorium - als auch über den See- und Luftweg. Als Fischerboote getarnte Schiffe gehen von der Nordwestküste Nigaraguas aus in See und
laden dann Waffen auf große Motorboote um, die sie sodann in den Myriaden
von Buchten und Einfahrten an der Südostküste El Salvadors anlanden. Zwei
nicaraguanische Verschiffungsstationen für Nachschub für die salvadorianische Guerilla - auf La Concha in Estero de Padre Ramos, 40 Kilometer
nordwestlich von Corinto, und bei Potosi am Golf von Fonseca - wurden im
September 1983 von antisandinistisehen Kräften angegriffen und beschä-

- 12 -

�und beschädigt. Westliche Journalisten konnten La Concha besuchen. Die
Anlage auf der Insel, bestehend aus einer Funkstation, einem Lagerhaus
und einer Bootsanlegestelle - getarnt als Fischerei-Kooperative -

diente

in Wirklichkeit als Waffenumschlagplatz. Ortsansässige Fischer wußten zu
berichten, daß von Militärlastwagen Holzkisten abgeladen und an Bord von
Motorbarkassen gebracht worden seien. Überall lagen leere Munitionskisten
herum.

Auch weiterhin werden von verschiedenen Punkten in Nicaragua aus Waffen über den Golf von Fonseca an der Südostküste El Salvadors angelandet.
Die Bemühungen der salvadorianisehen Regierung, die Nachschublinien in
ihrem letzten, auf salvadorianischem Territorium verlaufenden Teil zu unterbrechen, haben einige Erfolge gezeitigt. Am 21. Mai 1984 beispielsweise verwickelten zwei salvadorianisehe Patrouillen im Gebiet von Isla Montecristo in der Nähe des Deltas des Lempa eine kleine Gruppe von Guerilleros in ein Feuergefecht, in dem zwei der Untergrundkämpfer getötet und
ein dritter gefangengenommen wurde. Auf die Aussagen des Gefangenen hin
konnte die salvadoriani sehe Armee am 25. Mai ein Guerilla-Lager angreifen, das nördlich von dem Ort lag, an dem der Mann gefangen genommen worden war. Das Lager wurde nach hartem Kampf genommen und zerstört. Es hatte hauptsächlich als Zwischenstation auf der Nachschubroute von Nicaragua
her gedient. 34 große Boote wurden erbeutet. Unter den vorgefundenen
Schriftstücken befand sich auch eine Karte des Küstengebiets, auf der
Nachschublinien der Guerilla eingezeichnet waren. Nachdem Waffen und andere Nachschubgüter im Südosten El Salvadors an Land gebracht worden
sind, werden sie normalerweise über versteckte Pfade, zumeist von Trägern, in die Kampfzone im Norden weitertransportiert. Jüngste Berichte
deuten darauf hin, daß junge Salvadorianer zum Dienst bei der Guerilla
gepreßt und zunächst als Waffenträger eingesetzt werden.

Die honduranischen Behörden fangen von Zeit zu Zeit einige Waffenlieferungen ab, die auf dem Landweg von Nicaragua über honduranisches Gebiet
nach El Salvador transportiert werden ... Für Waffentransporte auf dem
Landweg verwendet die Guerilla sowohl PKWs, kleine Lieferwagen und LKWs
als auch Maultiere und Träger ... Ein ehemaliger nicaraguanischer Sicherheitsbeamter berichtete 1983, daß Waffen auch über Mexiko und Guatemala

- 13 -

�und Guatemala an ihre Bestimmungsorte bei der Salvadorianisehen Guerilla
gebracht würden und daß man sich in zunehmendem Maße kleiner Flugzeugzeuge bediene, um Nachschub auf dem Luftweg von Nicaragua nach El Salvador
zu transportieren ...

Die Hauptabwurfstellen liegen in den von der Guerilla beherrschten
Gebieten der Provinz Morazan im Nordosten El Salvadors. Das Nachschubmaterial wird nicht nur per Fallschirm abgesetzt, sondern die Flugzeuge
landen auch zum Entladen auf Wegen, Straßen und unbefestigten Rollbahnen.
Viele der Besatzungen, die diese Versorgungsflüge durchführen, bestehen
aus Ausländern, die von Jose Trejos rekrutiert werden, einem Costa-Ricaner, der schon die Luftversorgung der Sandinisten mit Waffen organisierte, als sie noch gegen Somoza kämpften ...

Die Herkunft der Waffen für die FMLN

Mitte 1980 besuchte eine Delegation der FMLN unter Führung von Shafik
Handal, dem Vorsitzenden der Kommunistischen Partei El Salvadors, Kuba,
die Sowjetunion, Vietnam, Ostdeutschland, Ungarn, Bulgarien und Äthiopien, um Waffen für den Einsatz in El Salvador zu erbitten. Mit Hilfe sowjetischer Regierungsbeamter wurden umfangreiche Lieferungen von Waffen
amerikanischer Bauart arrangiert, die zumeist aus Beutebeständen der
vietnamesischen Streitkräfte stammten. Diese Waffen wurden zunächst nach
Kuba verschifft, dann auf dem Luftweg nach Nicaragua verbracht und von
dort aus schließlich an die Guerilla in El Salvador weitergeleitet. Durch
dies Verfahren blieb die Tatsache im Dunkeln, daß die Waffen aus dem Ostblock kamen, und die Propagandabehauptung der FMLN, daß die Guerillakämpfer mit Waffen ausgerüstet werden, die sie selbst von den salvadorianischen Streitkräften erbeuten oder auf dem Schwarzmarkt kaufen, wurde
scheinbar in ihrer Glaubwürdigkeit bestärkt. Viele der M-16-Gewehre, die
die Streitkräfte El Salvadors von der Guerilla erbeuten konnten oder die
von Überläufern abgeliefert wurden, tragen noch Seriennummern, aus denen
man ersehen kann, daß es sich um Waffen handelt, die von den Vereinigten
Staaten während des Vietnamkrieges nach Südostasien verschifft worden
sind. Bei anderen hat man die Seriennummer herausgefeilt, um ihre Herkunft zu verschleiern. Ein ehemaliger Guerillaführer äußerte sich folgen-

- 14 -

�sich folgendermaßen über die Waffenlieferungen, die die Untergrundkämpfer
von Dezember 1980 an erreichten: "Von dem Zeitpunkt an wurde die Mehrzahl
der Waffen - amerikanische M-16-Gewehre - von Vietnam geliefert. Die Waffen gingen von Vietnam nach Havanna, von Havanna nach Managua und von Managua nach El Salvador" ...

Ausbildungzentren, Fernmeldeeinrichtungen

und

Bereitstellungsräume

der

FMI2J

Gefangengenommene Guerilleros und nicaraguanische Überläufer haben
bestätigt, daß die Guerilla in Nicaragua Führungs- und Kommandozentralen,
Ausbildungs-, Fernmelde- und andere Hilfseinrichtungen errichten konnte
... In Managua stehen der FMLN abgeschirmte Zufluchtsorte zur Verfügung.
Als Flüchtlinge getarnte Guerilleros werden von sandinistischen Organisationen wie dem "Comite de Solidaridad con la Lucha Salvadorena" zu diesen
Einrichtungen weitergeleitet. An diesen Zufluchtsorten können Mitglieder
der FMLN ausruhen und sich medizinischer Behandlung unterziehen. Oftmals
werden sie dort hinbeordert, um zu warten, bis sie neue Befehle bekommen
oder zur Sonderausbildung in Guerillalager an anderen Orten in Nicaragua
cder in Kuba geschickt werden.

Ein ehemaliger salvadorianischer Guerillakommandeur hat beschrieben,
wie Befehle über das Femmeldesystem der FMUSt in Nicaragua an Feldtruppenteile der Guerilla in El Salvador weitergeleitet werden. Einige dieser
Fernmeldeeinrichtungen sind im Nordwesten Nicaraguas errichtet worden.
Eine oder möglicherweise auch zwei davon wurden am 2. und 3. Februar 1984
von Flugzeugen der anti-sandinistischen "Demokratischen Streitkräfte Nicaraguas" (FDN) angegriffen. Eine weitere Funkstation lag in den Außenbezirken Managuas in einem Wohngebiet am Ende der Via Panama. Die Großantennen ihres Hochfrequenzsenders waren von der Panamerikanischen Fernstraße aus zu sehen. Nachdem die Behörden zu dem Schluß gekommen waren,
daß die Anlage zu auffällig sei, wurde sie an einen abgeschiedeneren Ort
verlegt.

Zumindest drei Militärlager in Nicaragua werden ausschließlich zur
Ausbildung salvadorianischer Guerilleros genutzt: der Stützpunkt Ostional

- 15 -

�Stützpunkt Ostional in der Provinz Rivas im Süden, ein umgewandeltes Lager der ehemaligen Nationalgarde im Nordwesten Nicaraguas in der Nähe des
Tamarindo und das Lager Tamagas etwa 20 Kilometer außerhalb von Managua.
Diese Einrichtungen werden von kubanischen Militärs betrieben, die als
Ausbildungs- und Verwaltungspersonal fungieren. Die direkte nicaraguanische Präsenz beschränkt sich auf einen Verbindungsoffizier und die Wachmannschaften der Lager. Im Lager Tamagas werden GueriHeros der FMLN in
speziellen Sabotagetechniken unterwiesen. Der Lagerkommandant

ist ein

kubanischer Major, der auch den FMLN-Stoßtrupp ausgebildet hat, der im
Januar 1982 den Überfall auf den salvadorianischen Luftwaffenstützpunkt
Ilopango durchführte, bei dem der größte Teil aller Militärflugzeuge El
Salvadors zerstört wurde ...

Die honduranische Front

Unmittelbar nach dem Sieg der Sandinisten in Nicaragua im Juli 1979
und lange bevor die antisandinistisehen Kräfte ihre Operationen aufnahmen, wurde Honduras, genau wie El Salvador, zum Ziel der Ausbreitung
marxistisch-leninistischer Subversion in Mittelamerika. Gefangengenommene
Guerilleros und nicaraguanische Überläufer haben dies bestätigt ...

Ende 1981 bildete die salvadorianische

"Revolutionäre Volksarmee"

(ERP) in Tegucigalpa ein vereintes salvadorianisch-honduranisches politisch-militärisches Oberkommando. Ihm unterstand eine militärische Organisation, die rund 50 Personen, davon 15 Salvadorianer, umfaßte. In dem
Oberkommando hatten Salvadorianer das Sagen. Den Honduranern hatte man
lediglich einige zweitrangige Führungspositionen zugewiesen, um den Eindruck einer vereinigten Organisation zu erwecken. Am 4. Juli 1982 verübte
die salvadorianische ERP einen Sabotageanschlag auf das größte Kraftwerk
von Tegucigalpa. Am 4. August 1982 folgten Bombenanschläge gegen die Niederlassungen mehrerer amerikanischer Firmen, darunter IBM und Air Florida. Um die Landesbehörden zu verwirren, schrieb die ERP diese Operationen
einer imaginären honduranischen Gruppe zu. Ein in Honduras gefangengenommener salvadorianischer Guerillakämpfer gab jedoch zu, an den Anschlägen
auf das Kraftwerk in Tegucigalpa und auf die IBM-Niederlassung beteiligt
gewesen zu sein. Die Sprengmittel hatte er aus Nicaragua bekommen. Nach

- 16 -

�bekommen. Nach Tegucigalpa transportiert hatte er sie im versteckten Laderaum eines LKW, der in Werkstätten der Guerilla in Nicaragua zum Waffentransporter umgebaut worden war.

Die Waffen für diese Operationen waren von der salvadorianischen FMLN
in Nicaragua beschafft worden. Bevor man sie in verschiedenen Verstecken
deponiert hatte, waren sie durch einen "logistischen Hauptumschlagplatz
für Kriegsmaterial" geschleust worden, der in einem Bauernhaus in den
Außenbezirken von Tegucigalpa untergebracht war. Die Polizei nahm auch
vier Funktionäre der salvadorianischen FMLN fest, die sich zum Zeitpunkt
des Anschlags in Tegucigalpa aufgehalten hatten. Einer von ihnen war Commandante Alejandro Montenegro.

Wie schon im Falle von Nicaragua und El Salvador, versucht Kuba,
jetzt in Zusammenarbeit mit Nicaragua, in Honduras die Entwicklung einer
vereinten Guerillabewegung herbeizuführen. 1979 hatte die Ausbildung honduranischer Guerilleros bereits begonnen. Nach dem Muster der nicaraguanisehen und der salvadorianischen Guerilla, die gemeinsame Oberkommandos
gebildet hatten, um sich kubanische Unterstützung zu sichern, schlössen
sich die honduranischen Guerillaorganisationen im März 1983 im "Direktorat der Nationalen Einheit der Revolutionären Bewegung von Honduras"
(DNU-MRH) zusammen. Guerilleros, die später dieser Organisation den Rükken kehrten und überliefen, schätzten, daß im März 1983 zumindest 250
Honduraner zur Guerillaausbildung in Nicaragua angeworben wurden. Einige
wurden auch nach Kuba geschickt ...

Das Übergreifen von politischer Gewalt auf Costa Rica

Sogar Costa Rica, das die Sandinisten und andere nicaraguanische
Gruppen in ihrem Kampf gegen das Somoza-Regime unterstützt hat, ist zur
Zielscheibe dessen geworden, was die Sandinisten als "revolutionären Internationalismus" bezeichnen. Dies kleine Land, eine der stabilsten Demokratien Lateinamerikas, ist von der nicaraguanisehen Gefahr in besonderem
Maße bedroht. Seit 1981 sieht es sich sporadischen Terrorakten ausgesetzt, u.a. Bombenanschlägen, Entführungen und anderen Anschlägen, deren
Urheberschaft

teils

nach

Nicaragua,

- 17 -

teils

zu

den

salvadorianischen

�den salvadorianischen Guerillaorganisationen zurückverfolgt werden konnte. Im Januar 1984 äußerte sich der Präsident Costa Ricas, Luis Alberto
Monge, folgendermaßen zu der Bedrohung durch Nicaragua: "Ich hätte nie
geglaubt, einmal sagen zu müssen - und heute muß ich es - daß die Lage
nach vier Jahren (Sandinismus) schlimmer ist, als in den 40 Jahren unter
Somoza."

Geheimdienstquellen berichten seit einiger Zeit, daß eine kleine Anzahl von costa-ricanischen Linken an der Seite der sandinistischen Truppen gegen die nicaraguanisehen Rebellen kämpft. Einige von ihnen sind angeblich in Kuba ausgebildet. Wie ein amerikanischer Journalist nach einem
kürzlichen Besuch in Costa Rica berichtete, glauben einige Leute dort,
daß diese Linken zur gegebenen Zeit in ihr Land zurückkehren werden, um
dort den Guerillakampf aufzunehmen. Solche Befürchtungen ergeben sich aus
einer Reihe von gewalttätigen Vorfällen, u.a. Schießereien, Entführungen
und Bombenanschläge ... Gleichzeitig hat in den nicaraguanisehen, kubanischen und sowjetischen Medien eine Kampagne gegen Costa Rica begonnen, in
der man versucht, dies demokratische Land als Diktatur darzustellen ...
Außerdem haben die subversiven Kräfte Mittelamerikas über das Territorium
Costa Ricas Waffenlieferungen in die Region eingeschleust, um sie dann an
die Guerilla in El Salvador weiterzuleiten ...

Verbindungen zum Internationalen Terrorismus

Im September 1983 wurde Gregorio Jimenez Morales, ein Mitglied der in
Spanien aktiven baskischen Separatistenorganisation ETA, von der costaricanischen Polizei festgenommen. Die Behörden Costa Ricas kamen zu dem
Schluß, daß Jimenez, der sich unter dem falschen Namen Lorenzo Avila Teijon im Lande aufhielt, von der Regierung Nicaraguas den Auftrag bekommen
habe, Eden Pastora zu ermorden. Im Augenblick seiner Festnahme war Jimenez gerade damit beschäftigt, eine Karte der verschiedenen Zufährtswege
zu Pastoras Wohnung zu zeichnen. Er war im Mai 1983 aus Nicaragua nach
Costa Rica eingereist und bleibt in San Jose in Haft, bis über ein Auslieferungsersuchen der spanischen Regierung entschieden ist.

Angeblich hatten die Costa-Ricaner

- 18 -

von

spanischen

Behörden über

�Behörden über Interpol eine Warnung wegen der Anwesenheit von ETA-Mitgliedern in Mittelamerika erhalten. Während die sandinistische Regierung
jede Verbindung zu Jimenez oder der ETA bestritt, berichteten die offiziellen Presseorgane Nicaraguas, daß im Lande eine "baskische Brigade"
aufgestellt werde, die bei der Kaffeernte helfen solle ...

Die Behörden Costa Ricas hegen den Verdacht, daß internationale Terroristen für den Mordanschlag auf Eden Pastora am 30. Mai 1984 in der
Nähe der costa-ricanisch-nicaraguanischen Grenze verantwortlich waren.
Bei diesem Anschlag wurden vier Menschen getötet - ein amerikanischer Reporter, ein Kameramann des costa-ricanisehen Fernsehens und zwei Mitglieder von Pastoras Rebellengruppe. 27 weitere wurden verwundet, darunter
auch Pastora selbst. Ein interessanter Aspekt des Mordanschlags auf Pastora liegt in der Tatsache, daß schon mehrere Stunden, bevor die CostaRicaner herausgefunden hatten, um was für eine Art von Sprengladung es
sich gehandelt hatte, der sandinistische Rundfunk zu berichten wußte, daß
Plastiksprengstoff verwendet worden sei.

Der ETA werden auch Verbindungen zur Salvadorianisehen FMLN nachgesagt. Nach Aussagen von Alejandro Montenegro haben ETA-Funktionäre 1979
in Nicaragua mit einer der größten Gruppen der FMLN, der Revolutionären
Völksarmee (ERP), ein Abkommen geschlossen, in dem die ETA sich verpflichtete die Guerillaoperationen in El Salvador mit Ausbildungshilfe
und

Personal

zu unterstützen. Angeblich übergab die ETA der ERP auch

250 000 Dollar und stellte ein Mordkommando zum Einsatz gegen hohe Regierungsbeamte in San Salvador ab. ETA-Mitglieder waren angeblich an zwei
fehlgeschlagenen Mordanschlägen auf den Salvadorianisehen Verteidigungsminister Jose Guillermo Garcia in den Jahren 1982 und 1983 beteiligt.

Die Bedeutung des subversiven Netzes

Ohne seine internationalen revolutionären Ambitionen wäre Nicaragua
allein nicht unbedingt eine ernste Gefahr für seine Nachbarn, außer vielleicht in militärischer Hinsicht, da seine Streitkräfte die größten in
der ganzen Region und außerdem die einzigen sind, die über eine größere
Zahl von Kampfpanzern und anderen Panzerfahrzeugen verfügen. Was die

- 19 -

�Was die Bedrohung, die Nicaragua für seine Nachbarländer darstellt, jedoch vergrößert, ist die Tatsache, daß es das Nervenzentrum eines internationalen subversiven Netzes ist, das über erhebliche Mittel verfügt.
Neben Nicaragua bilden Kuba und, im Hintergrund, die Sowjetunion zentrale
Knotenpunkte in diesem Netz. Die Verbindungen erstrecken sich von anderen
kommunistischen Regierungen des Ostblocks einschließlich Vietnams über
die radikalen Regimes in Libyen und Äthiopien bis hin zu internationalen
Organisationen wie der PLO, der baskischen ETA, den argentinischen Montoneros und den uruguayischen Tupamaros. Die Zusammenarbeit dieser Akteure
bei gemeinsamen Operationen - die sich bei einigen der im vorliegenden
Bericht beschriebenen Vorfälle gezeigt hat - läßt die Drohung Nicaraguas
glaubwürdig erscheinen. Der vermutete Einsatz "internationaler Helfer"
durch Nicaragua bei Mordanschlägen auf nicaraguanische Oppositionsführer
in Costa Rica ist ein Beispiel. Ein weiteres Beispiel bildet das argentinisch-chilenische Mordkommando, das im Jahre 1980 Anastasio Somoza in
Paraguay tötete. Geheimdienstberichte, die damals offenbar der Presse zugespielt wurden, deuteten darauf hin, daß "die Regierung Nicaraguas in
der Tat bis zum Hals in die Planung und Finanzierung der Ermordung Somozas verstrickt war".

Bei Angriffen auf ihre Feinde können die Sandinisten also auf die
Mittel anderer Mitglieder des subversiven Netzes, das seinen Mittelpunkt
in Nicaragua hat, zurückgreifen. Nicaragua kann Mordanschläge durch eine
der internationalen Organisationen durchführen lassen und dabei den Anschein wahren, selbst nicht beteiligt zu sein. Weiterhin kann sich es zur
Unterstützung seiner Bestrebungen der machtvollen kubanisch-sowjetischen
Propagandamaschinerie bedienen.

- 20 -

�25. Juli 1984

30

Amerikanische Initiativen zur Rüstungskontrolle
1. Halbjahr 1984
Chronologie

Wafihington

-(AD)- Seit März 1984 haben die Vereinigten

Staaten zur

Erhöhung der Stabilität in Europa bedeutende Rüstungskontrollvorschlage
im Bereich
chemischen

der

Truppenverringerung

Kriegführung

sowie

bei

in Mitteleuropa,
den

im Bereich

vertrauensbildenden

der

Maßnahmen

unterbreitet. Zudem akzeptierten sie den sowjetischen Vorschlag, sich ab
dem 18. September 1984 in Wien zu Gäsprächen über die "Verhinderung der
Militarisierung des Weltraums" zusammenzusetzen.

Darüber hinaus haben die Vereinigten Staaten die Sowjetunion mehrmals
dazu aufgefordert, zu den Qfesprächen über Nuklearraketen zurückzukehren,
die sie in Qfenf Ende 1983 abgebrochen hatte. Präsident Reagan hat immer
wieder die amerikanische Bereitschaft unterstrichen, die Verhandlungen
über nukleare Mittelstreckensysteme (INF) wie auch die Verhandlungen über
eine Verringerung der strategischen Rüstungen (START) "an jedem Ort, zu
jeoer Zeit und ohne Vorbedingungen" wieder aufzunehmen.

Am

17.

Juli

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Am 17. Juli 1984 unterzeichneten die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion ein Abkommen über die Ausweitung des "Heißen Drahtes" zwischen
Washington und Moskau; eine Modernisierung dieser direkten Verbindungslinie hatten die Vereinigten Staaten im Mai 1983 vorgeschlagen.

Nachstehend ein Überblick über die wichtigsten Rüstungskontrollinitiativen des ersten Halbjahrs 1984:

Anfang 1984: AMERIKANISCH-SOWJETISCHE MILITÄRISCHE KONTAKTE

Präsident Reagan schlägt der sowjetischen Führung vor, die Möglichkeit einer regelmäßigen Form des Kontaktes und der Diskussion zwischen
beiden Staaten im militärischen Bereich und auf hoher Ebene zu eruieren,
um "das gegenseitige Verständnis zu vertiefen und die Möglichkeit von
Falschinterpretation und Fehlkalkulation zu verringern."

15. März 1984: WELTRAUMWAFFEN

Der unterStaatssekretär im US-Verteidigungsministerium Richard Perle
erklärt, es sei "schwierig, wenn nicht unmöglich, die sowjetische Einhaltung eines umfassenden Antisatellitenwaffen-(ASAT)-Verbots zu verifizieren, das im nationalen Sicherheitsinteresse der Vereinigten Staaten
läge." Er betont, daß die Sowjets auf der ganzen Welt das einzige funktionsfähige ASAT-System besitzen.

16.

März 1 9 8 4 : VERHANDLUNGEN ÜBER BEIDERSEITIGE UND AUSGEWOGENE TRUPPEN-

VERRINGERUNGEN (MBFR)

Die Vereinigten Staaten begrüßen die Rückkehr der Sowjetunion -nach dreimonatiger Abwesenheit- zu den Wiener Ost-West-Verhandlungen über beiderseitige und ausgewogene Truppenverringerungen (MBFR) und drängen die Sowjets darauf, die Genfer INF- und START.-Verhandlungen wieder aufzunehmen.
- 2 -

�wieder aufzunehmen.

2. April 1984: WELTRAUMWAFFEN

. Der Bericht der Administration an den Kongreß über die Politik der
Vereinigten Staaten hinsichtlich Rüstungskontrolle bei Antisatellitensystemen betont, daß "bislang noch keine Möglichkeiten bestehen, ein umfassendes ASAT-Verbot auszuarbeiten", das "wirksam verifizierbar ist" und
die "(fesamtverteidigungsposition" der Vereinigten Staaten unterstützt.

Präsident Reagan wiederholt, was zum erstenmal am 4. Juli 1982 als
die nationale Weltraumpolitik der Vereinigten Staaten definiert wurde:
"Die Vereinigten Staaten werden auch weiterhin Optionen

für die

Kontrolle von Weltraumwaffen untersuchen. Die Vereinigten Staaten werden
verifizierbare und ausgewogene Rüstungskontrollmaßnahmen erwägen, die die
Erprobung und Dislozierung spezieller Waffensysteme verbieten oder begrenzen würden, solange diese Maßnahmen in Einklang mit der nationalen
Sicherheit der Vereinigten Staaten stehen."

6. April 1984: INF/START

In einer Rede im Zentrum für strategische und internationale Studien
der Universität Gfeorgetown erklärt Präsident Reagan, die primäre Herausforderung bestehe darin, "die (fefahr eines Atomkrieges zu verringern und
den Umfang der Nuklearrüstung in einer Weise zu verkleinern, die auch die
Gfefahr verkleinert, daß sie niemals eingesetzt wird."

Und er fügte hinzu: "Wenn die neue sowjetische Führung wirklich die
Schaffung einer sichereren und menschlicheren Welt -anstatt eines noch
größeren Wettrüstens -will, wird sie im Westen einen verständnisvollen
Partner finden."

18. April 1984: CHEMISCHE WAFFEN

Auf der Abrüstungskonferenz der Vereinten Nationen

in

Genf legt

Vizepräsident Bush einen Vertragsentwurf für ein weltweites Verbot der
Entwicklung, der Herstellung, des Besitzes, des Einsatzes, der Lagerung
und des Transfers chemischer Waffen vor.
Der

amerikanische

�Der amerikanische Vertragsentwurf enthalt Maßnahmen der Verifizierung, die ein System regelmäßiger, internationaler Inspektionen vor Ort
vorsehen - zwecks

Prüfung von Informationen,

ständen und Anlagen vor ihrer Zerstörung, zwecks

Kontrolle von LagerbeBestätigung von Still-

legungen und Überwachung erlaubter Aktivitäten - wie etwa der Herstellung
bestimmter Chemikalien, die besondere Risiken beinhalten.

Ein besonderer Mechanismus der "Überprüfung durch Inspektionen vor
Ort zu jeder Zeit und an jeder Stelle" von militärischen und anderen
staatlichen Anlagen würde eingebaut, um

mögliche Vertragsverletzungen in

den Qriff zu bekommen.

19. April 1984: MBFR

Bei den Verhandlungen über beiderseitige und ausgewogene Truppenverringerungen in Wien bringen die Vereinigten Staaten und ihre westlichen
Verbündeten eine neue große Initiative ein. Der westliche Vorschlag, der
zur Diskussion steht, soll das Patt überwinden, das hinsichtlich der Unfähigkeit des Warschauer Paktes und der NATO besteht, zu einer Einigung
hinsichtlich der Streitkräfte des Ostens in Mitteleuropa zu gelangen.

Die vier Hauptelemente des westlichen Vorschlages sind:

(1) Eine neue Art und Weise, die Truppen der NATO und des Warschauer
Paktes in Mitteleuropa zu zählen. Statt seiner Forderung nach einer
förmlichen Übereinkunft hinsichtlich der Daten aller

Streitkräfte

in

Mitteleuropa vor Beginn einer Verringerung würde der Westen einen Datenaustausch akzeptieren, "der sich innerhalb einer akzeptablen Bandbreite" der westlichen Schätzungen der Kampf- und Kampfunterstützungstruppen beider Seiten bewegt.
(2) Eine neue Methode beim Prozeß der Truppenverringerung und -begrenzung. Die einzigen Truppenverringerungen, die festzulegen wären, bevor
der Vertrag in Kraft tritt, würden diejenigen der Vereinigten Staaten und
der Sowjetunion sein.
(3)

Der

Westen

�(3) Der Westen geht in wichtigen Bereichen auf östliche Bedenken ein, indem er folgendes vorschlägt:
(A) Die amerikanischen und sowjetischen Streitkräfte sollten hauptsächlich in ganzen Einheiten abgezogen werden;
(B) Eine"verifizierbare und kollektive Verpflichtung zum Verzicht auf
weitere Erhöhungen", die "die Gesamtstärke der Bodentruppen aller unmittelbar Beteiligten" abdeckt, "würde sofort nach dem ersten Schritt der
amerikanisch-sowjetischen Reduktionen in Kraft treten;"
(C) der Gesamtprozeß der Truppenverringerungen würde von sieben auf
fünf Jahre verkürzt werden.
(4} Im Gfegenzug zur Flexibilität bei den Daten schlägt der Westen wirksamere Maßnahmen bei der Verifizierung vor.

30. April 1984: DER "HEISSE DRAHT"

Die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion beenden die dritte Gesprächsrunde in Moskau und diskutieren den Vorschlag Präsident Reagans
vom 24. Mai 1983 zur Verringerung des Kriegsrisikos in Krisenzeiten durch
Verbesserung

des

amerikanisch-sowjetischen

"Heißen

Drahtes", der

ur-

sprünglich 1963 installiert worden war.

Die Vereinigten Staaten erklären, daß es erheblichen Fortschritt in
Richtung auf ein Abkommen über technische Verbesserungen beim

"Heißen

Draht", der direkten Kommunikationslinie zwischen Washington und Moskau,
gegeben habe.

Im Mai 1983 schlagen die Vereinigten Staaten auch Maßnahmen vor zur
(1) Einrichtung

extrem

rascher

Datenverbindungen

zwischen

den

beiden

Regierungen und ihrer jeweiligen Botschaft;
(2) Einrichtung gemeinsamer militärischer Kommunikationslinien zwecks des
Austausches zeitempfindlicher technischer Daten sowie zur Erleichterung
der Konsultationen im Fall einer atomaren Drohung oder eines atomaren
Vorfalls durch terroristische Aktivitäten.

28.

Mai-

�28. Mai- 2. Juni 1984: KONFERENZ ÜBER ZWISCHENFÄLLE AUF HOHER SEE

Die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion stimmen einer dreijährigen Verlängerung ihres Abkommens aus dem Jahr 1972 zu, Vorfälle auf
hoher See zu vermeiden. Das Abkommen legt bestimmte "Straßenverkehrsregeln" fest, um dadurch Situationen in den Griff zu bekommen, in die
Schiffe und Flugzeuge beider Staaten verwickelt werden könnten.

4.

Juni

1984:

KONFERENZ

ÜBER

VERTRAUENS-

UND

SICHERHEriSBILDENDE

MASSNAHMEN UND ABRÜSTUNG IN EUROPA (KVAE)

In einer

Rede

vor dem

irischen Parlament unterbreitet Präsident

Reagan das Angebot, den sowjetischen Vorschlag zu diskutieren, auf der
KVAE den Grundsatz der Nichtanwendung von Gfewalt erneut zu bekräftigen,
sobald die UdSSR zustimmt, "Abkommen auszuhandeln, die diesem Prinzip
eine konkrete neue Bedeutung geben."

Der Präsident wiederholt zudem seine Forderung, die Sowjetunion möge
die INF- und START-Verhandlungen wieder aufnehmen.
14. Juni 1984: WELTRAUMWAFFEN. AMERIKANISCH-SOWJETISCHER GIPFEL
Auf einer Pressekonferenz erklärt Präsident Reagan, die Tür zu Gesprächen mit der Sowjetunion über Antisatellitenwaffen sei nicht zugeschlagen. Er unterstreicht seine Bereitschaft zu einem Treffen und zu
Gesprächen mit der sowjetischen Führung "zu jeder Zeit."
2 9 . J u n i 1984: VORSCHLAG EINES AMERIKANISCH-SOWJETISCHEN TREFFENS IN WIEN
Die Vereinigten Staaten greifen sofort den sowjetischen Vorschlag vom
29. Juni auf, sich im September in Wien zu treffen, um mit Verhandlungen
zur "Verhinderung der Militarisierung des Weltraums" zu beginnen.
Der nationale Sicherheitsberater

im Weißen Haus, Robert McFarlane,

erklärt, die Vereinigten Staatn werden

(1) wechselseitig
- 6 -

�(1) wechselseitig

annehmbare Abkommen diskutieren und ausarbeiten,

gemäß derer die Verhandlungen über die Verrringerung strategischer und
nuklearer Mittelstreckenwaffen wieder aufgenommen werden können;

(2) sich an Diskussionen bei der
sichtlich

einer

verifizierbaren

akzeptablen
und

wirksamen

Suche nach Übereinstimmung

Verhandlungsführung
Begrenzungen

von

beteiligen,

die

hinzu

Antisatellitenwaffen

führen könnten;

(3) über jedes Abrüstungsthema oder jede andere Frage sprechen, die
für beide Seiten von Interesse ist.

1. Juli 1984: VORSCHLAG EINES AMERIKANISCH-SOWJETISCHEN TREFFENS IN WIEN

Ein Sprecher des Weißen Hauses erklärt, die Vereinigten Staaten werden an den für September vorgeschlagenen Rüstungskontrollgesprächen mit
der Sowjetunion in Wien ohne Vorbedingungen teilnehmen. Er fügt hinzu,
daß die sowjetische Bereitschaft zu einer amerikanischen Tagesordnung,
welche die Frage nach einer Wiederbeteiligung Moskaus an den INF- und
START-Verhandlungen beinhalten würde, keine amerikanische "Bedingung" für
dieses Treffen sei.

17. Juli 1984: ABKOMMEN ÜBER "HEISSEN DRAHT"
Die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion paraphieren in Washington
eine diplomatische Note, worin sie sich hinsichtlich technischer Verbesserungen der 21 Jahre alten direkten Kommunikationslinie

-des "Heißen

Drahts"- zur Verwendung in Krisenfällen einigen.

Diese Verbindung wurde zum erstenmal im September 1971 mittels einer
Vereinbarung modernisiert, zwei Satelliten in das System einzubeziehen,
die im Januar 1978 in Dienst gestellt wurden.

Eine Modernisierung des "Heißen Drahtes" wurde zum erstenmal im Mai
1983 von den Vereinigten Staaten vorgeschlagen. Die neue Vereinbarung
- 7 -

�neue Vereinbarung sieht vor, zusätzlich zum "Heißen Draht" noch die Übermittlung von Faksimilevorlagen zu ermöglichen. Der amerikanische und der
sowjetische

Regierungschef

können dadurch

in Krisenzeiten

Botschaften

dreimal so rasch wie beim derzeitigen System übermitteln, das 64 Wörter
je Minute sendet. Das neue System ermöglicht die Übermittlung von graphischen Darstellungen, Landkarten, Schaubildern und

Zeichnungen

zwischen

beiden Hauptstädten.

Zum amerikanisch-sowjetischen

direkten Kommunikationssystem

gehören

dann:
(1) zwei Satellitensysteme plus ein Fernschreibsystem;
(2) jeweils eine Bodenstation für jedes Satellitensystem;
(3)

Terminals

in

beiden

Ländern,

die

an

die

drei

Systeme

angeschlossen sind und die mit Fernschreib- und Faksimilegeräten bestückt
sind.

Präsident Reagan erklärt, daß das amerikanisch-sowjetische Abkommen
zur Ausweitung und Verbesserung der Krisenkommunikation zwischen Washington und Moskau einen "bescheidenen, aber positiven Schritt zur Stärkung
der weltweiten Stabilität und zur Verringerung der

Q&amp;fahr einer durch

Pannen, Fehleinschätzungen oder Mißdeutungen hervorgerufenen Konfrontation oder eines Konfliktes bildet."

17. Juli 1984: KONFERENZ ÜBER VERTRAUENS- UND SICHERHEITSBILDENDE MASSNAHMEN UND ABRÜSTUNG IN EUROPA (KVAE)
Präsident Reagan erklärt, daß die Vereinigten Staaten darüber enttäuscht sind, daß die Sowjetunion "bislang dabei versagt hat", sich der
Mehrheit der 35 Staaten anzuschließen, "die den Wunsch demonstriert haben, bei der KVAE ... mit konkreten Verhandlungen über konkrete Maßnahmen
zu beginnen, das Prinzip (der Nichtanwendung von G&amp;walt) in die Tat umzusetzen. "

* * * * *

�30

25. Juli 1984

DIE WAWHLEN IN AMERIKA 1984
( 5.,)
- Walter F. Mondale: • Der Präsidentschaftskandidat der Demokraten -

SAN FRANZISKO - (AD) - Walter Frederick ("Fritz") Mondale wurde auf
dem Parteikonvent der Demokratischen Partei in San Franzisko am 18. Juli
1984 zum Präsidentschaftskandidaten seiner Partei gewählt.

Der bisher

eher als kühl und vorsichtig geltende ehemalige Vizepräsident der Vereinigten Staaten unter Präsident Carter hat seinen ersten großen Erfolg als
"Kämpfer" zu verzeichnen.

Zusammen mit der von ihm nominierten Kandida-

tin für das Amt des Vizepräsidenten, der Kongreßabgeordneten Geraldine
Ferraro, wird er jetzt gegen Präsident Ronald Reagan und Vizepräsident
George Bush antreten.

Die Wahl einer Frau zur Vizepräsidentschaftskandi-

datin - zum erstenmal in der Geschichte der Vereinigten Staaten - ist
eine politische Sensation.

Mondale war im Jahr 1976 mit seiner Nominierung - und späteren Wahl zum Vizepräsidentschaftskandidaten der Demokratischen Partei in das po-

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Telex: 8-85432

�das politische Rampenlicht getreten.

Damals hatte er auf dem Parteikon-

vent erklärt:
"Wir glauben daran, daß Amerikas größte Stärke in seinen Werten
liegt.

Unsere Liebe zur Freiheit, unser Gfefühl für Fairness, unser Sinn

für Hilfsbereitschaft: . Diese Überzeugungen wurden in allen Sprachen weitergegeben, die in Amerika gesprochen werden:
nisch, in Jiddisch und in

in Polnisch und Italie-

Griechisch, am Küchentisch in

Boston, auf den

kleinen Bauernhöfen des Mittleren Westens, wo ich herkomme.

Wir Demokraten glauben daran, daß die Regierung diesen Wertvorstellungen dienen kann.

Keine Regierung kann einem jeden einzelnen ein per-

fektes Leben garantieren.

Keine Regierung kann Ersatz sein für unsere

Familien, unsere Kirchen, unsere Synagogen, unsere Nachbarn, unsere Freiwilligen.

Aber eine fortschrittliche Regierung muß zweierlei tun:

Sie

muß die Bedingungen schaffen, um allen Menschen dabei zu helfen, sich
selbst ein besseres Leben aufzubauen.
und fair tun.

Und sie muß dies wirksam, ehrlich

Dies sind die Überzeugungen, die wir als Demokraten

teilen."

Vier Jahre lang hat Walter E. Mondale das Amt des Vizepräsidenten der
Vereinigten Staaten ausgefüllt - ein Amt, das oft nur als "dekorativ" angesehen wird und dem Mondale von Anfang an mehr Gewicht verleihen wollte.
Damals machte er Carter gegenüber kein Hehl aus seiner Einstellung:

"Ich

sagte, daß ich an einem zeremoniellen Job überhaupt nicht interessiert
sei."

So sagte Carter schon zwei Tage nach seiner eigenen Wahl 1976 im

Hinblick auf seinen künftigen Vizepräsidenten:

"Ich erwarte von ihm, in

der kommenden Administration eine größere Rolle zu spielen, als dies jeder bisherige Vizepräsident getan hat." Außerdem wies er darauf hin, daß
sein Stellvertreter in alle Unterlagen Einblick erhalten werde, die ihm
selbst vorgelegt würden.

"Ich glaube, daß das Ausmaß, in dem er in den

Entscheidungsprozeß einbezogen wird, seine Funktionen in unserem eigenen
Land und im Ausland viel wirkungsvoller gestalten wird."

Symbolisch für die Aufwertung war deshalb sofort bei Amtsübernahme
- 2 -

�bei Amtsübernahme der Umzug von den bisherigen Amtsräumen der Vorgänger
in den Westflügel des Weißen Hauses.

Und schon wenige Tage nach der Amtseinführung beauftragte Präsident
Carter seinen Stellvertreter mit einer eminent politischen Mission: Eine zehntägige Reise führte Mondale nach Belgien, in die Bundesrepublik
Deutschland, nach Italien, Großbritannien, Frankreich und nach Japan.
Seither haben solche Staatsbesuche Mondale in zahllose Länder geführt.
So hielt er sich eine Woche lang in der Volksrepublik China auf, vertrat
Präsident Carter beim Begräbnis Titos, sprach vor der Flüchtlingskonferenz der Vereinten Nationen in Genf.

Eine der letzten Reisen war ein

Besuch mehrerer afrikanischer Länder, der es ihm gestattete, in einem
Kontinent, dem die Regierung Carter stets besondere Bedeutung beigemessen
hatte, die Entwicklungsprinzipien der demokratischen Gesellschaften darzulegen:

"Wir Demokratien", so führte er aus, "werden stärker werden -

nicht weil wir unsere Meinungsverschiedenheiten
weil wir sie schätzen.

unterdrücken, sondern

Wir werden reicher werden - nicht weil wir die

persönliche Freiheit zerstampfen, sondern weil wir sie respektieren. Wir
werden gerechter werden - nicht weil wir unsere Ungleichheiten verleugnen, sondern weil wir uns ihnen stellen."

Den Weg bis dahin bewältigte der "problemorientierte, pragmatische,
progressive Demokrat", wie Mondale sich selbst einmal definierte, mit
Intelligenz und Fleiß.

Die "New York Times" schrieb schon vor Jahren:

"Mondale wird allgemein als einer der klügsten Köpfe im Senat angesehen... Er machte seine Hausaufgaben."

Mondale wurde am 5. Januar 1928 als eines von sieben Kindern des
Methodistenpfarrers Theodore Sigvaard Mondale in dem kleinen Städtchen
Ceylon im südlichen Minnesota geboren.
Herkunft und hieß eigentlich Mundal:
Schreibfehler

Seine Familie ist norwegischer
der heutige Name geht auf einen

der Einwanderungsbehörde

zurück.

Was aus Namen werden

kann, zeigt sich auch daran, daß aus Frederick der Spitzname "Fritz" wurde, der Mondale heute noch anhängt.

Er besuchte die öffentliche Schule

seines Heimatortes und von 1946 bis 1949 das Macalester College in St.
- 3 -

�College in St. Paul, Minnesota.

Im letzten Studienjahr wechselte er an

die Staatsuniversität von Minnesota, wo er 1951 den akademischen Grad eines Bachelor of Arts erwarb. Sein Studium finanzierte er durch Arbeit in
einer Lebensmittelfabrik.

Schon 1948 war er in der Politik zu finden. Damals war er als Wahlkampfleiter im zweiten Kongreßwahlbezirk des Staates für den - erfolgreichen - Senatskandidaten Hubert H. Humphrey, damals Bürgermeister von
Minneapolis, tätig.

Mondale trug wesentlich dazu bei, daß Humphrey in

dem vorher stark republikanischen Wahlbezirk als demokratischer Senator
mit beachtlicher Mehrheit gewann.

Seit dieser Zeit datierte die politi-

sche Freundschaft der beiden.

Im Jahr 1951 wurde Mondale Soldat und diente in Korea.

Nach seiner

Entlassung mit dem Rang eines Unteroffiziers im Jahr 1953 studierte er
Jura an der Universität von Minnesota.

Er heiratete 1955 Joan Adams, die Tochter eines Geistlichen.

Das

Paar hat drei Kinder - zwei Söhne, Theodore und William, und eine Tochter, Eleanor Jane.
Nach seiner Zulassung bei der Anwaltskammer von Minnesota im Jahr
1956 arbeitete Mondale vier Jahre in dem großen Anwaltsbüro von Larson,
Loevinger, Lindquist, Freeman und Fräser.
ros,

Orville

L.

Freeman, der

spätere

Einer der Partner dieses BüLandwirtschaftsminister

unter

Kennedy und Johnson, kandidierte für den Posten des Staatsgouverneurs von
Minnesota. Mondale führte für ihn den Wahlkampf und war wiederum erfolgreich.

Nachdem er zwei Jahre als Sonderberater des Generalstaatsanwalts seines Heimatstaats gearbeitet hatte, wurde er 1960 von Gouverneur Freeman
auf den Posten des Generalstaatsanwalts berufen, der mit dem Rücktritt
seines bisherigen Inhabers vakant geworden war.

Im November 1962 wurde

er mit einer überzeugenden Mehrheit von 59,6 Prozent erneut für dieses
Amt gewählt.
Unter

den

�Unter den Delegierten Minnesotas nahm Mondale 1964 am Nationalkonvent
der Demokraten teil, auf dem der damalige Präsident Lyndon B. Johnson
Senator Humphrey zu seinem Vizepräsidentschaftskandidaten auswählte. Am
17. November - nach dem überwältigenden Wahlsieg des G&amp;spanns Johnson/
Humphrey

- wurde Mondale von

Gouverneur Roolvag mit dem Senatssitz

Humphreys betraut, der nach dessen Ausscheiden noch für zwei Jahre vakant
war.

Seither hat Mondale zweimal - 1966 und 1972 - selbst als Senator

kandidiert und wurde beide Male mit überzeugender Mehrheit gewählt.

Mondale gehörte dem einflußreichen Haushalts-Ausschuß des Senats, dem
Finanz-Ausschuß, der mit der Abfassung der Steuer- und Handelsgesetze betraut ist, und dem Ausschuß für Arbeit und öffentliche Wohlfahrt an. Außerdem arbeitete Mondale in dem Sonderausschuß mit, der unter Vorsitz von
Senator Frank Church aus Idaho mit der Untersuchung der Verbindung zwischen Regierung und G&amp;heimdiensttätigkeiten betraut war.
Bei seinen Kollegen im Senat galt Mondale als Vertreter gemäßigter
bis liberalter Anschauungen.

In seinem Buch "The Accountability of Power" (Die Verantwortlichkeit
der Macht) tritt Mondale für eine Ausgewogenheit der Macht des Präsidenten und eine stärkere Verantwortlichkeit der Exekutive gegenüber dem
Kongreß und dem Volk ein.

- 5 -

�25. Juli 1984

30

DIE WAHLEN IN AMERIKA 1984
( 6 )
- Geraldine Ferraro: Die Vizepräsidentschaftskandidatin der Demokraten -

SAN FRANCISCO - (AD) - Die Kongreßabgeordnete Geraldine Ferraro aus
New York wurde auf dem Parteikonvent der Demokratischen Partei in San
Francisco am 19. Juli 1984 zur Vizepräsidentschaftskandidatin ihrer Partei gewählt.
Geraldine Ferraro glaubt, daß auch heute noch in Amerika alles möglich ist, wenn man nur hart genug dafür arbeitet.

Sie selbst ist ein

Beispiel für ihre Maxime.

Ihre Mutter, deren Namen sie auch nach ihrer Heirat mit John Zaccaro,
einem Grundstücksmakler in Manhattan, zum Andenken beibehielt, brachte
als Witwe die Familie als Näherin in Newburgh im Staate New York mühsam
durch.

Geraldine Ferraro, Jahrgang 1936, absolvierte zunächst das Mary-

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�das Marymount Manhattan College und begann 1956 als Lehrerin an öffentlichen Schulen in New York, um sich das Geld für ein Abendstudium in Jura
zu verdienen.

Im Jahr 1960 legt sie ihr juristisches Staatsexamen an der

Oordham-Universität in New York ab.

Zunächst praktiziert sie als Rechtsanwalt in und wird im Jahr 1974 zur
leitenden Staatsanwaltin im New Yorker Vorort Queens berufen.

Sie wird

in der Demokratischen Partei aktiv und gewinnt 1978 einen Sitz im Repräsentantenhaus in Washington für ihre Partei, den sie 1980 und 1982 erfolgreich behaupten kann.

Sie gilt als aufsteigender Stern in ihrer Par-

tei und wurde 1984 in die Hunt-Kommission berufen, die die Wahlregeln und
die Plattform für den Parteikonvent in San Francisco ausgearbeitet hat.

Geraldine Ferraro, Katholikin italienischer Abstammung, wird zum liberalen Flügel der Demokratischen Partei gerechnet und hat sich besonders
deutlich für die Menschenrechte in aller Welt ausgesprochen.

Die wich-

tigste Aufgabe des nächsten Präsidenten, so sagte sie, ist die Verringerung der Gefahr eines Atomkrieges.

Sie tritt für ein umfassendes, bei-

derseitiges und verifizierbares Einfrieren der Erprobung, Herstellung und
Dislozierung aller Kernwaffen ein.

Sie ist gegen die Dislozierung der

MX-Rakete, aber für die Wiedereinführung der allgemeinen Wehrpflicht.

Innenpolitisch wendet sie sich gegen die zwangsweise Integration an
Schulen und befürwortet Ausbildungsfreibeträge bei der Einkommensteuer.
Während ihrer Tätigkeit als Kongreßabgeordnete hat sie sich in zahlreichen Ausschüssen vor allem für den Schutz der Frauen und Kinder vor
Sexualverbrechen und den Schutz älterer Menschen eingesetzt.

Sie hat im

Kongreß ein besonderes Büro gegründet, an das sich Opfer solcher Verbrechen vertraulich wenden können. Sie spielt auch eine gewichtige Rolle im
Haushaltsausschuß des Repräsentantenhauses sowie im Ausschuß für öffentliches Bauwesen und Verkehr.

Hier hat sie besonders auf den schlechten

Zustand der Straßen, Brücken und Wasserstraßen New Yorks hingewiesen.
Selbstverständlich hat sie sich in der Partei und im Kongreß auch nachdrücklich für die Gleichberechtigung der Frau im Berufs- und Wirtschafts- 2 -

�und Wirtschaftsleben eingesetzt.

Mit unermüdlichem Eifer und großem Können hat sie alle ihr gestellten Aufgaben mit Schwung und Charm gemeistert und sich weitgehende Anerkennung und Achtung verschafft.

Der Sprecher des amerikanischen Reprä-

sentantenhauses, Thomas O'Neill, der sich für ihre Nominierung einsetzte,
meinte: "Sie macht keine Fehler".

Seit 1960 ist Geraldine Ferraro verheiratet; sie hat zwei Töchter und
einen Sohn.

- 3 -

i

�T

Wi//cn/chaft
und Technik
United States Information Service
Embassy of the United States of America

25. J u l i 1984

30

NOVA - NEUES LASERSYSTEM ZUR ZÜNDUNG VON FUSIONSREAKTIONEN

- (AD) - Eine Vorstufe zum Fusionsreaktor, der aus einer kontrollierten Verschmelzung leichter Atomkerne mehr Energie gewinnen soll, als für
den Prozeß selbst verbraucht wird, bildet die riesige Laseranlage NOVA im
"Lawrence Livermore National Laboratory" von Livermore (Kalifornien). Sie
ist seit 1978 in Bau und wird im Verlauf dieses Jahres fertiggestellt.
Anfang 1985 soll der Vollbetrieb beginnen, nachdem im Juli 1984 bereits
mit acht von insgesamt zehn vorgesehenen NOVA-Laserstrahlen infrarote
Lichtimpulse von einer Milliardstel Sekunde Dauer (Energiegehalt: 57 Billionen Watt) erzeugt wurden.
stehen noch aus.

Fusionsversuche mit sog. Targetsubstanzen

In Laboratorien vieler Länder arbeiten Physiker z. Zt.

an verschiedenen Verfahren, um kontrollierte Kernverschmelzungsreaktionen
zu erzielen und kontinuierlich zu unterhalten. Und eine Methode, die Reaktion zu "zünden", ist die Verwendung von Lager-Energie.

Wenn die mit 176 Millionen Dollar errichtete NOVA-Anlage fertiggestellt sein wird (das Lager-System allein füllt einen Raum von 90 m Län-

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�90 m Länge), können Fusionsexperimente in drei Spektralbereichen durchgeführt werden - im Infrarotbereich bei 1,05 mm Wellenlänge, im sichtbaren
Grün bei 0,53 mm Wellenlänge und im Ultraviolettbereich bei 0,35 mm Wellenlänge.

Die Energieleistung wird mit Infrarot-Laserlicht 80 bis 120

Billionen Watt, im Grünbereich 50 bis 80 Billionen Watt und im Ultraviolettbereich 40 bis 70 Billionen Watt betragen. Außerdem haben die NOVAForscher die Möglichkeit, zu ihren Experimenten verschiedenartige Pulsformen und Zielsubstanzen zu benutzen.

NOVA dürfte z. Zt. das stärkste

Laser-System der Welt sein.

* * * * *

.

�Wi//cn/chaft
und Technik
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25. Juli 1984

30

PESTIZIDE GEHEN IN DIE HAUT

- (AD) - Obgleich sie Handschuhe und Schutzkleidung tragen, können
Heimgärtner und landwirtschaftliche Arbeitskräfte beim Versprühen von
Schädlingsbekämpfungsmitteln geringe Mengen davon über die Haut absorbieren.

Dies zeigen Messungen einer Forschergruppe des Instituts für Öf-

fentliches Gesundheitswesen der Universität Kalifornien in Berkeley.

Prof. Robert C. Spear und Mitarbeiter setzten Pestiziden einen fluoreszierenden Farbstoff zu. Mittels einer hochempfindlichen Fernsehkamera
wurden unmittelbar nach der Sprühaktion die Hautflächen aufgenommen.

Die

Auswertung mit einem Mikrocomputer zeigte, daß an beiden Handflächen und
sämtlichen Fingern, dazu auch am rechten Unterarm die Hautexposition am
größten war, obgleich die betreffenden Personen beim Sprühen Gummihandschuhe getragen hatten. Aufgrund dieser Meßergebnisse sei erneut zu fragen, so die Wissenschaftler, in welcher Menge Pestizide beim Versprühen
tatsächlich auf den Menschen einwirken können.

Eine Exposition der Haut

gebe Anlaß zur Sorge, weil die meisten Pestizide leicht von der Haut absorbiert werden und so ins Blut gelangen können, erklärte Prof. Spear.
* * * * *

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�Berichtigung
In unserem Artikel "Spitzentechnologie für strategische Verteidigungsinitiative" (Amerika Dienst-Ausgabe Nr. 29, 18. Juli 1984) muß es auf
Seite 12, dritter Absatz, sechste Zeile richtig heißen:

M

in der Lage

ist, einen Satelliten in sogenannter"....

In unserem Artikel "Anti-Satelliten-Waffen: Ihr Wesen und ihre
Wirkung" (Amerika Dienst-Ausgabe Nr. 29, 18. Juli 1984) muß es auf
Seite 1, erste Zeile richtig heißen:

"....am 29. Juni 1984...."

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Erklärung des Präsidenten zum 15. Jahrestag der ersten Mondlandung&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der "heiße Draht" zwischen Moskau und Washington&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärung Präsident Reagans und Informationspapier des Weißen Hauses -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Nicaraguas Aufrüstung und Unterstützung subversiver Aktivitäten in Mittelamerika&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Bericht des Außen- und des Verteidigungsministeriums der Vereinigten Staaten -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Amerikanische Initiativen zur Rüstungskontrolle - 1. Halbjahr 1984&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Chronologie -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Wahlen in Amerika 1984&lt;br /&gt;&lt;em&gt;(5)&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Walter F. Mondale: Der Präsidentschaftskandidat der Demokraten -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Wahlen in Amerika 1984&lt;br /&gt;&lt;em&gt;(6)&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Geraldine Ferraro: Die Vizepräsidentschaftskandidaten der Demokraten -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;NOVA - Neues Lasersystem zur Zündung von Fusionsreaktionen&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Pestizide gehen in die Haut&amp;nbsp;</text>
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und
Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

1 . August 1984

31

INHALT

DOKUMENTATION
USA zu Weltraumwaffenverhandlungen ohne Vorbedingungen bereit
- Erklärungen des Weißen Hauses und des Außenministeriuias HINTEIGRLJtll^lArEKLAL
Die Wahlen in Amerika 1984

( 7 )
- Auszüge aus dem Wahlprogramm der Demokratischen Partei Die kommunistische Bedrohung der Freiheit in Lateinaiaerika
- Von Max Kampelman Bericht über die Lage in El Salvador
- Zusammenfassung Medizinische Versorgung in Afghanistan katastrophal
- Bericht eines amerikanischen Arztes WIRTSCHAFT
Die Erdölreserve als Mittel zur Preisregulierung
- IEA-Länder beschließen raschen Einsatz bei Versorgungsschwierigkeiten -

Um Übcr/cndung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�I

Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

1. August 1984

31

USA ZU WELTRAUMWAEEm^ÄNTXJJfcGEN CHNE VORBEDINGUNGEN BEREIT
- Erklärungen des Weißen Hauses und des Außenministeriums -

WASHINGTON - (AD) - Die Vereinigten Staaten haben die Behauptungen
der sowjetischen Nachrichtenagentur TASS, wonach die USA nicht bereit
seien, in Wien über Weltraumwaffen zu verhandeln, zurückgewiesen.

In

Erklärungen des Weißen Hauses - vom 27. Juli 1984 - und des amerikanischen Außenministeriums - vom 28. Juli - wird nachdrücklich betont, daß
die Vereinigten Staaten bereit sind, im September in Wien "ohne Vorbedingungen" über Weltraumwaffen zu verhandeln.

Die Erklärung des Weißen Hauses, die von dessen Sprecher Larry
Speakes verlesen wurde, hat folgenden Wortlaut:

Die TASS-Meldung von heute vormittag interpretiert unsere Haltung
falsch, d.h. wir haben den sowjetischen Vorschlag für Verhandlungen in
Wien im September ohne Vorbedingungen akzeptiert.

Unsere Vorbereitungen

laufen auf Hochdruck, und wir gehen davon aus, nach Wien zu kommen. Wir
sind nicht der Meinung, daß solche Verhandlungen unmöglich seien, und wir

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D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�und wir behandeln dieses Thema auf vertraulichem diplomatischem Wege
weiter.
Die Vereinigten Staaten betrachten es als sehr beunruhigend, daß die
Sowjets die USA als verantwortlich für den Abbruch der Iluklearverhandlungen in Genf darstellen wollen, da die ganze Welt weiß, daß die Sowjets
diese Verhandlungen verlassen haben.

Bereits vorhandene Nuklearsysteme

bedürfen unserer dringenden Aufmerksamkeit. Wenn es die Sowjets vorziehen, unsere Auffassungen zu diesem Thema nicht anzuhören, so brauchen sie
das nicht, aber für uns und für die ganze Menschheit ist dieses Thema zu
wichtig, als daß man es einfach außer acht lassen könnte.

Diese amerikanische Auffassung stellt keine Vorbedingung dar.

Wir

werden alles, was die Sowjets zu Antisatelliten-Waffen zu sagen haben,
ernsthaft anhören und konstruktiv antworten. Wir wollen lediglich darauf
hinweisen, daß wir den Gedankenaustausch über das Thema offensive Kernwaffen wiederherstellen möchten.

Die Welt hat ein Recht, von der UdSSR

und den Vereinigten Staaten einen solchen Meinungsaustausch zu erwarten.

* * *

Die Erklärung

des

amerikanischen Außenministeriums hat

folgenden

Wortlaut:

Wir äußern uns nicht zu Botschaften über diplomatische Kanäle, aber
unser Standpunkt ist klar. Wie der Sprecher des Weißen Hauses, Speakes,
gestern erklärte, haben wir den sowjetischen Vorschlag angenommen.
ist uns ernst mit sachlichen Verhandlungen in Wien.

Es

Wir sind bereit,

dorthin zu gehen und über den Weltraum, einschließlich von den

Antisa-

telliten-Waffen, zu sprechen, und wir haben keine Vorbedingungen.

Wir

sind der Meinung, daß der amerikanisch-sowjetische Meinungsaustausch über
dieses Thema in vertrauliche diplomatische Kanäle zurückgeführt werden
sollte.
Wir

sind

�Wir sind nicht der Meinung, daß die Wiener Verhandlungen "unmöglich"
sind, wenn die Sowjets ernsthaft an Verhandlungen interessiert sind.

Heute hat unsere Botschaft in Moskau eine amerikanische Antwort auf
die jüngste sowjetische Note übergeben. Aufgrund der zeitlichen Verhältnisse liegt es auf der Hand, daß die öffentlichen Erklärungen der Sowjets
heute Vormittag unsere jüngste Note nicht berücksichtigt haben.

* * * * *

- 3-

�1. August 1984

31

DIE WAHLEN IN AMERIKA 1984
( 7 )
- Auszüge aus dem Wahlprogramm der Demokratischen Partei -

SAN FRANCISCO - (AD) - Die Demokratische Partei hat auf ihrem Nationalkonvent in San Francisco vom 16. bis 19. Juli 1984 ein umfangreiches
Wahlprogramm diskutiert und verabschiedet.

Die herausragenden Punkte des

am 17. Juli gebilligten Programms sind Demokratie, Menschenrechte und
Bündnistreue.

In dem außenpolitischen Kapitel unter dem Titel "Frieden,

Sicherheit und Freiheit" heißt es, ein neuer demokratischer Präsident und
seine Administration treten für eine starke nationale Verteidigung und
nachhaltig für nukleare Rüstungskontrolle ein.

Es werden ein baldiges

amerikanisch-sowjetisches Gipfeltreffen und danach regelmäßige Gipfeltreffen sowie beiderseitige Moratorien für die Erprobung von Kernwaffen
und die Erprobung und Stationierung von Weltraumwaffen und Interkontinentalraketen sowie seegestützten Marschflugkörpern vorgeschlagen.

Die ab-

solute Verpflichtung zur Verteidigung wird aufrechterhalten.

Die wesentlichen Auszüge aus dem außenpolitischen Kapitel des Wahl-

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�des Wahlprogramms - der sogenannten platform - haben folgenden Wortlaut:

Der nächste amerikanische Präsident wird einer Periode des historischen Wandels im internationalen System vorstehen.

Die relativ stabile

Weltordnung, die seit dem Zweiten Weltkrieg geherrscht hat, wird von den
mächtigen Kräften des Wandels - der Weiterverbreitung von nuklearen und
konventionellen Waffen, der unaufhörlichen sowjetischen Aufrüstung, der
Erreichung der annähernden nuklearen Parität zwischen der Sowjetunion und
den Vereinigten Staaten, der wachsenden Interdependenz der internationalen Wirtschaftsordnung, der Wiedergesundung und den Aufschwung europäischer und asiatischer Mächte aus den Zerstörungen des Zweiten Weltkrieges und der Suche nach einem neuen politischen Konsens in Amerika im Gefolge von Vietnam und Libanon und im Schatten einer regionalen Krise in
Mittelamerika - aus allen Nähten gedrängt.

Das wichtigste außenpolitische Gebot der Demokratischen Partei und
des nächsten Präsidenten ist, aus den Fehlern der Vergangenheit zu lernen
und sich diesen Kräften anzupassen, statt ihnen Widerstand zu leisten
oder sie zu ignorieren.

Obwohl wir die sowjetische Bedrohung nicht un-

terschätzen wollen, so können wir es uns nicht länger leisten, für alle
unsere Probleme in übervereinfachter Form eine einzige "Quelle des Übels"
verantwortlich zu machen, denn die Ursachen des internationalen Wandels
liegen tiefer als die Ursachen des Wettstreits der Supermächte. Wir müssen den Wandel als Chance und als Herausforderung begreifen.

Die Demokratische Partei hat eine konstruktive und vertrauensvolle
Vorstellung von der Fähigkeit Amerikas, alle unsere wirtschaftlichen, politischen und militärischen Ressourcen einzusetzen, um unsere weitreichenden Sicherheits- und Wirtschaftsinteressen in einer mannigfaltigen
und sich ändernden Welt zu verfolgen.

Wir glauben an eine verantwor-

tungsbewußte Verteidigungspolitik, die unsere nationale Sicherheit erhöhen wird.

Wir glauben an eine Außenpolitik, die unsere Verbündeten re-

spektieren, Demokratien aufbaut und die Sache der Menschenrechte fördert.
Wir glauben, daß unsere wirtschaftliche Zukunft in unserer Fähigkeit
liegt,

vor

der

Herausforderung

des

- 2 -

internationalen

wirtschaftlichen

�internationalen wirtschaftlichen Wettbewerbs zu bestehen, indem wir unsere eigenen Industrien wettbewerbsfähiger machen.

Vor allem glauben wir,

daß unsere Sicherheit das direkte, persönliche Engagement des Präsidenten
der Vereinigten Staaten erfordert, die militärische Bedrohung durch die
Sowjets einzugrenzen und die Gefahr eines Atomkrieges zu verringern.

Die demokratische Alternative; Eine sicherere Zukunft für unser Land und
die Welt
Für die Demokratische Partei gibt es kein höheres Ziel als die Gewährleistung der nationalen Sicherheit der Vereinigten Staaten.

Das be-

deutet eine starke nationale Verteidigung, nachhaltiges Streben nach nuklearer Rüstungskontrolle und eine Außenpolitik, die sich in einer Periode des globalen Übergangs der Förderung der Interessen Amerikas und der
Kräfte der Freiheit und Demokratie verschrieben hat.

Das wird eine neue

Führung, starke Bündnisse, geschickte Diplomatie, wirksame wirtschaftliche Zusammenarbeit und eine Außenpolitik erfordern, die von der Stärke
und den Idealen Amerikas getragen wird.

Wenn unsere Führer die Unter-

stützung des amerikanischen Volkes genießen wollen, dann müssen sie auch
sorgfältig und maßvoll im Umgang mit der Macht sein.

Die Demokratische Partei hat sich einer starken nationalen Verteidigung verschrieben.

Demokraten wissen, daß eine unaufhörliche sowje-

tische Aufrüstung - weit über die Verteidigungserfordernisse hinaus - die
Sicherheit der Welt, unsere demokratischen Werte und unsere freien Institutionen direkt herausfordert. Über die Natur der sowjetischen Bedrohung
und die wesentlichen Fragen der Sicherheit unseres Landes sind sich die
Amerikaner einig. Über das gemeinsame Interesse am Überleben der Menschheit sind sich das amerikanische und das sowjetische Volk einig.

Die Aufrechterhaltung starker und wirksamer Streitkräfte ist für die
Erhaltung des Friedens und die Gewährleistung der Freiheit wesentlich.
Unsere Verbündeten und unsere Gegner dürfen niemals an unserer militärischen Stärke zweifeln, noch an unserem Willen, unsere lebenswichtigen
- 3 -

�unsere lebenswichtigen Interessen zu verteidigen.

Zu diesem Zwecke ver-

pflichten wir uns zu einer starken Verteidigung - aufgebaut im Einklang
mit unseren Verbündeten, basierend auf einer kohärenten Strategie und gestützt von einer gesunden Wirtschaft.

In einer Zeit, in der es etwa 50 000 Kernwaffen gibt, sind jedoch nukleare Rüstungskontrolle und Verringerung ebenso wesentlich für unsere
eigene Sicherheit.

Die höchste und feierliche Verpflichtung eines Präsi-

denten besteht darin, daß er oder sie verhindert, daß auch nur eine einzige Kernwaffe zum Einsatz gelangt. Die Demokraten sind der Überzeugung,
daß beiderseitige und verifizierbare Kontrollen der Kernwaffen ein ernsthafter und integraler Bestandteil der nationalen Verteidigung sein können
und sein müssen.

Echte nationale Sicherheit erfordert dringende Maßnah-

men, um das Wettrüsten einzufrieren und umzukehren - nicht das Streben
nach dem Phantom nuklearer Überlegenheit oder eitlen Plänen für einen
Krieg der Sterne.

Die Demokratische Partei ist der Überzeugung, daß die Aufgabe der
Kernwaffen darin besteht, vor einem Krieg abzuschrecken, nicht ihn zu
führen.

Die Demokraten glauben, daß Amerika die Stärke und Zähigkeit

besitzt, nukleare Rüstungskontrollabkommen auszuhandeln, die das Risiko
eines Atomkrieges verhindern und unsere militärische Sicherheit bewahren.

Wir stehen heute an einem der entscheidendsten Kreuzwege im Wettrüsten seit der Explosion der ersten Atombombe.
für die Kriegführung öffnen.

Reagan möchte die Himmel

Sein Vorschlag für den Krieg der Sterne

würde einen verwundbaren und provokativen "Schild" schaffen, der unsere
Nation in ein falsches Gefühl der Sicherheit wiegen würde.

Er würde un-

sere Verbündeten zu der Annahme führen, daß wir uns von ihrer Verteidigung zurückzögen.

Er würde das Ende des ABM-Vertrages bedeuten - des er-

folgreichsten Rüstungskontrollvertrages in der Geschichte -, und dieses
Billionen-Dollar-Programm würde ein gefährliches offensives und defensives Wettrüsten hervorrufen.

Wenn wir und unsere Verbündeten unsere Bevölkerung wirksam gegen ei- 4 -

�gegen einen Atomkrieg verteidigen könnten, dann wäre die Demokratische
Partei die erste, die sich hinter einen solchen Plan stellen würde.
Leider sind sich unsere besten Wissenschaftler darüber einig, daß ein
wirksamer Schutz der Bevölkerung wahrscheinlich unmöglich ist.

Deshalb

müssen wir uns einem Wettrüsten widersetzen, für das der Himmel keine
Grenze mehr ist.

Rüstungskontrolle und Abrüstung

Ronald Reagan ist der erste amerikanische Präsident in über 20 Jahren, der kein bedeutsames Rüstungskontrollabkommen mit der Sowjetunion
erreicht hat, und er ist der erste in über 50 Jahren, der nicht persönlich mit sowjetischen Führern zusammengetroffen ist.

Der ungerechtfer-

tigte Auszug der Sowjets aus wichtigen nuklearen Verhandlungen ist keine
Entschuldigung für das Versagen der Administration auf dem Gebiet der
Rüstungskontrolle.

Um den Dialog wieder zu eröffnen, wird ein demokratischer Präsident
ein baldiges Gipfeltreffen mit anschließenden

regelmäßigen

jährlichen

Gipfeltreffen mit den sowjetischen Führern sowie Zusammenkünften zwischen
leitenden zivilen und militärischen Regierungsvertretern vorschlagen, um
die Spannungen abzubauen und die Möglichkeiten formeller Abkommen zu sondieren.

In einer demokratischen Administration werden die Supermächte

nicht über ein Megaphon miteinander sprechen.

Eine neue demokratische Administration wird eine Strategie des Friedens verfolgen, die Rüstungskontrolle zu einem integralen Bestandteil der
nationalen Sicherheitspolitik macht.

Wir müssen die Welt wegführen vom

Abgrund der nuklearen Katastrophe und eine neue Richtung zu einem dauerhaften Frieden einschlagen, in dem niedrigere Verteidigungsausgaben möglich sein werden.

Unser letztliches Ziel muß die Abschaffung aller Kern-

waffen in einer für Frieden und Freiheit sicheren Welt sein.

Dies erfordert sofortige Schritte, um dem nuklearen Wettrüsten Ein-

�Wettrüsten Einhalt zu gebieten, mittelfristige Maßnahmen, um die Kriegsgefahr zu verringern, und langfristige Ziele, um die Welt auf einen neuen
und friedlichen Kurs zu bringen.

Der erste praktische Schritt besteht darin, am 20. Januar 1985 die
Initiative zu ergreifen und die Sowjets herauszufordern, das Wettrüsten
rasch anzuhalten.

Wie es Präsident Kennedy 1963 erfolgreich gelang,

überirdische Kernexplosionen zu stoppen, so wird ein demokratischer Präsident temporäre, verifizierbare und beiderseitige Moratorien einleiten,
die für einen festgelegten Zeitraum, in denen Verhandlungen stattfinden,
gelten sollen, solange die Sowjets das gleiche tun, und zwar für die unterirdische Erprobung von Kernwaffen und Antisatelliten-^Waffen; für die
Erprobung und Dislozierung aller Waffen im Weltraum; für die Erprobung
und Dislozierung neuer strategischer Paketen, die sich jetzt in der Entwicklung befinden; und

für die Dislozierung

nuklearer

seegestützter

Marschflugkörper.

Diese Schritte sollten sofort zu Verhandlungen über ein umfassendes,
beiderseitiges und verifizierbares Einfrieren der Erprobung, Herstellung
und Dislozierung aller Arten von Kernwaffen führen.
Auf dieser Initiative aufbauend, wird der demokratische Präsident:

- den SALT II-Vertrag ergänzen und dem Senat erneut zur Billigung und
Zustimmung (Ratifizierung) vorlegen;

- weitgehende, stabilisierende Verringerungen der nuklearen Arsenale
im Rahmen von SALT II anstreben und bis dahin die Grenzen von SALT II
einhalten und darauf beharren, daß die Sowjets das gleiche tun;

die Zusammenlegung der Verhandldungen über nukleare Mittelstreckensysteme (INF) und der Verhandlungen über die Begrenzung der strategischen Rüstungen (START) vorschlagen, wenn der Präsident zu der
Überzeugung kommt, daß dies einem umfassenden Rüstungsbegrenzungsabkommen mit der Sowjetunion dienlich wäre;
-

dem

Senat

�- dem Senat sofort den Schwellen-Teststoppvertrag von 1974 und den
Vertrag über friedliche Kernexplosionen von 1976 erneut zur Billigung
und Zustimmung (Ratifizierung) vorlegen;

- einen verifizierbaren und umfassenden Vertrag über das Verbot von
Kemversuchen abschließen;

- unser Festhalten am ABM-Vertrag erneut bestätigen und die Einhaltung von amerikanischer Seite zusichern und nachdrücklich Antwort auf
Fragen der sowjetischen Einhaltung über die Ständige Konsultativkommission und andere geeignete Gremien einholen;

- aktiv einen verifizierbaren Vertrag über Antisatelliten-Waffen und
ein Verbot über Waffen im Weltraum anstreben;
- ein verifizierbares Abkommen über die Produktion von waffentauglichem Nuklearmaterial für Raketen, wie etwa Plutonium und angereichertem Uran, anstreben;

- alle nur möglichen Anstrengungen unternehmen, um die Weiterverbreitung (Proliferation) von Kernwaffen zu unterbinden;

- die Produktion der MX-Rakete und des B-1-Bombers einstellen;

- die Produktion von Nervengas verbieten und an einem verifizierbaren
Vertrag über das Verbot chemischer Waffen arbeiten;

- amerikanisch-sowjetische Zentren zur Senkung des nuklearen Risikos
und andere verbesserte Kommunikationsmittel für eine Krise einrichten;

- die bedeutsamsten Mitglieder der wissenschaftlichen Gemeinschaft
einladen, um das weltweite menschliche Leiden und die langfristigen
Umweltschäden, die in den Tagen nach einem Atomkrieg auftreten würden, zu untersuchen und zu berichten, und die Ergebnisse einer sol- 7 -

�einer solchen Studie so weit wie möglich bei der Formulierung unserer
Politik bezüglich der Kernwaffen und Rüstungskontrolle in Rechnung
stellen;

- die breite langfristige Unterstützung der Öffentlichkeit für die
Rüstungskontrolle durch eine enge Zusammenarbeit mit Gruppen aus den
Gemeinden, Bürgergruppen, Frauengruppen, Gewerkschaften, Unternehmerverbänden, Religionsgemeinschaften und Gruppen freier Berufe, einschließlich Physikern, Naturwissenschaftlern, Rechtsanwälten und Lehrern stärken;

- nationale Führung bei wirtschaftlichen Anpassungen in betroffenen
Gemeinden und Industriezweigen gewähren und für die Umschulung von
Personen sorgen, die in der Verteidigungsindustrie gearbeitet haben
und durch die Einstellung oder Kürzung von Waffenprogrammen arbeitslos geworden sind;

- in enger Konsultation mit unseren NATO-Verbündeten eine Strategie
des Friedens in Europa in die Wege leiten, einschließlich:

- der Herbeiführung einer

Ausgewogenheit der konventionellen Streit-

kräfte, um die Abhängigkeit von Kernwaffen zu verringern und es dem
Atlantischen Bündnis zu ermöglichen, bei der Einführung einer "Nichtersteinsatz"-Politik Fortschritte zu machen;

- der beiderseitigen Rücknahme von Gefechtsfeld-Kernwaffen von den
Frontlinien in Europa, um die Notwendigkeit zu vermeiden, die Wahl
treffen zu müssen, "sie einzusetzen oder sie zu verlieren", wenn
Feindseligkeiten in Europa ausbrechen sollten;

- Verhandlungen über neue Vorstellungen bezüglich einer Begrenzung
nuklearer Mittelstreckensysteme entsprechend den Ideen des "Waldspaziergangs "-Vorschlages (in Genf) und anschließender Bemühungen, der
Null-Lösung bei der Dislozierung von nuklearen Mittelstreckensystemen
(INF) der Vereinigten Staaten und der UdSSR näher zu kommen;
Verhandlungen
- 8 -

�- Verhandlungen über wesentliche beiderseitige und ausgewogene Verringerungen der konventionellen Streitkräfte der NATO und des Warschauer Paktes und über vertrauensbildende Maßnahmen zur Verringerung
der Gefahr eines Überraschungsangriffs.

Wir machen uns keine Illusionen, daß diese Rüstungskontrollvorschläge
leicht zu verwirklichen sein werden.

Die meisten werden Geduld und Aus-

dauer verlangen und vor allem eine Führung im Streben nach Frieden, Freiheit und Sicherheit. Die Sowjets sind harte Verhandlungspartner und versuchen nur zu oft, RüstungskontrollVerhandlungen für ihre eigenen Propagandazwecke zu nutzen.

In dieser Frage - Verhütung eines Atomkrieges -

muß Amerika die Führung übernehmen, und die Demokratische Partei hat die
Absicht, diese Führung zu übernehmen.

Verteidigungspolitik

Die Reagan-Administration mißt militärische Macht mit ausgegebenen
Dollar.

Die Demokratische Partei strebt eine kluge Verteidigungspolitik

an, die auf einer gesunden Planung und einer realistischen Beurteilung
der Bedrohung basiert. Auf dem Gebiet der Verteidigungspolitik wird eine
demokratische Administration:

- mit unseren Verbündeten in der NATO und anderen Verbündeten zusammenarbeiten, um unsere kollektive Sicherheit zu gewährleisten, vor
allem durch die Stärkung unserer konventionellen Verteidigung, um
damit die Notwendigkeit zu verringern, sich auf Kernwaffen zu verlassen, und dies durch erhöhte Ausgaben zu erreichen suchen, wobei die
Ausgaben weiterhin auf einem Stand gehalten werden sollen, der unserer kollektiven Sicherheit angemessen ist.

Dies erfolgt

in der

festen Hoffnung, daß erfolgreiche Schritte zum Abbau der Spannungen
und zur Erreichung von umfassenden und verifizierbaren Rüstungskontrollabkommen unserer Nation sowohl militärische Sicherheit als
auch haushaltsmäßige Erleichterungen bringen werden;

destabilisierende

�- destabilisierende und sich überschneidende Waffensysteme aufgeben,
jedoch

mit

der

notwendigen

Modernisierung

unserer

strategischen

Streitkräfte fortfahren, solange angemessene Rüstungskontrollabkommen
fehlen;

- den Bau großer, teurer und verwundbarer Nuklearflugzeugträger einschränken;

- unsere konventionellen Streitkräfte durch eine Ausgewogenheit in
der Beschaffung von neuem Gerät mit ausreichenden Mitteln für Ausbildung, Treibstoff, Munition, Wartung, Ersatzteilen und Luftbrückenund Seebrückenkapazität modernisieren, um unsere Einsatzbereitschaft
und Mobilität zu gewährleisten, sowie durch die Beschaffung von besserem Gerät für unsere Reserveeinheiten und unsere Nationalgarde;

- Das Management des Pentagon (US-Verteidigungsministerium) reorganisieren und das System des Gemeinsamen Stabes (JCS) stärken, um Rivalitäten zwischen den Teilstreitkräften zu verringern, der militärischen Führung Vorrang vor bürokratischer Geschicklichkeit zu geben,
die wirksame Umsetzung politischer Richtlinien und Entscheidungen zu
verbessern, eine bessere Planung auf mehrere Jahre auf der Basis realistischer Darstellungen der verfügbaren Mittel zu ermöglichen und
um einen Interessenkonflikt abzubauen;

- ein offenes und faires Ausschreibungssystem für die Beschaffung des
notwendigen Geräts und der notwendigen Teile sicherstellen und ein
System der wirksamen, unabhängigen Erprobung von Waffen unter Gefecht sbedingungen einrichten;

- ein Programm der militärischen Reform durchführen; unsere Streitkräfte müssen einsatzbereit sein; unsere Doktrinen müssen darauf ausgerichtet sein, unseren Gegnern geistig voraus zu sein und sie auszumanövrieren, und unsere politischen Richtlinien müssen die militärische Organisation und den Zusammenhalt in den Einheiten stärken;

unsere euro- 10 -

�- unsere europäischen Verbündeten drängen, ihre Beiträge zur NATOVerteidigung auf einen Stand der Anstrengungen zu erhöhen, der dem
unseren vergleichbar ist - eine Einstellung, die die jetzige Administration unterlaufen hat, indem sie das von ihren demokratischen
Vorgängern abgeschlossene NATO-weite Übereinkommen aufgegeben hat -,
und verbesserte transatlantische wirtschaftliche Zusammenarbeit und
Koordination der Waffenbeschaffung anstreben;

- die Wichtigkeit der Geheimdienste anerkennen und den Nachdruck ihrer Aufgaben darauf legen, daß sie sich rechtzeitig Sammlung und Analyse von Informationen und Daten widmen; eine demokratische Administration wird auch auf die dringende Notwendigkeit eingehen, die Geheimdienste zu entpolitisieren und ihre professionelle Leitung wiederherzustellen ;

- sich der Wehrdienstpflicht in Friedenszeiten oder einer Registrierung zu diesem Zweck widersetzen; und

- Programme wie VISTA, Umweltschutzprogramme jugendlicher Erwachsener
und Friedenskorps auszuweiten suchen.

Diese und andere qualitativen Verbesserungen werden eine wirksame
amerikanische Stärke zu vertretbaren Kosten sicherstellen.

Mit dieser

Stärke werden wir das Vertrauen unserer Mitbürger und unserer Verbündeten
wiederherstellen; werden wir in der Lage sein, eine wirksame konventionelle Verteidigung aufzustellen, und werden wir unsere Gegner vor eine
glaubwürdige Fähigkeit zur Abschreckung vor einem Krieg stellen.

Außenpolitik

Eine demokratische Administration wird davon ausgehen, daß die größten politischen und sicherheitspolitischen Gefahren in der Entwicklungswelt aus Verhältnissen entstehen, die die Qiancen für die Sowjetunion und
ihre Stellvertreter eröffnen:

Armut, Unterdrückung und Verzweiflung.
- 11 -

�und Verzweiflung.
grenztem Wert.

Gegen Feinde wie diese ist militärische Macht von be-

Die leitenden Elemente unserer Präsenz und die Hauptih-

strumente des amerikanischen Einflusses in den Entwicklungsländern müssen
Wirtschaftshilfe, wirtschaftliche und politische Reform und die Unterstützung demokratischer Werte sein, indem unter anderem Stipendien zum
Studium

an

amerikanischen

Hochschulen

und

Universitäten

finanziert

werden...

Zu diesem

Zweck wird ein demokratischer

Präsident den Auswärtigen

Dienst stärken, die Praxis der Ernennung unqualifizierter

Personen

zu

Botschaftern beenden, die Programme unseres Bildungs- und Kulturaustausches ausbauen und in dem Streben nach Frieden die besten Köpfe unseres
Landes heranziehen.

Eine demokratische

Administration

wird

eine

Friedensakademie

ein-

richten. ..

Ein demokratischer

Präsident

wird die automatische

Militarisierung

der Außenpolitik in das Gegenteil verkehren und die Ursachen eines Konflikts prüfen, um herauszufinden, ob sie von innen oder von außen stammen
und ob sie politischer oder in erster Linie sozialer und wirtschaftlicher
Natur sind...

Ein demokratischer

Präsident

wird bereit

sein, militärische

Macht

einzusetzen, wenn lebenswichtige amerikanische Interessen bedroht sind,
vor allem im Falle eines Angriffs auf die Vereinigten Staaten oder ihre
unmittelbaren Verbündeten.

Aber er oder sie wird kein

amerikanisches

Leben aufs Spiel setzen oder sich einseitig militärisch engagieren:

- wenn unsere Ziele nicht klar sind;

- solange nicht alle angemessenen Instrumente der Diplomatie und der
nichtmilitärischen Einwirkung erschöpft sind;

- wo unsere Ziele mit unannehmbaren Kosten oder unvernünftig hohem
Einsatz militärischer Macht verbunden sind;
- 12 -

wc&gt;

die

�- wo die unterstützten lokalen Kräfte nicht an der Lösung der Ursachen des Konfliktes arbeiten;

- wo multilaterale oder alliierte Optionen zur Lösung des Konflikts
zur Verfügung stehen...

Europa und das Atlantische Bündnis;

Die amerikanische Führung ist

nicht dabei, gegen unsere Freunde einzustehen.
und für sie einzustehen.

Sie ist dabei mit ihnen

Wenn wir Verbündete haben wollen, dann müssen

wir wie ein Verbündeter handeln.

Die Aufrechterhaltung eines starken Bündnisses ist von entscheidender
Bedeutung.

Wir bleiben absolut der Verteidigung Europas verpflichtet,

und wir werden darauf hinarbeiten, daß unsere Verbündeten ihren fairen
Anteil an der Last der gemeinsamen Verteidigung tragen.

Eine demokra-

tische Administration wird sich umgekehrt zu verstärkter Konsultation in
Sicherheitsfragen verpflichten. Wir müssen daran arbeiten, die Einigkeit
des Westens aufrechtzuerhalten und zu stärken.

Wir müssen die nächste Generation von

Europäern überzeugen, daß Ame-

rika seine Macht verantwortungsbewußt in Bartnerschaft mit ihr einsetzen
wird. Wir Demokraten bekräftigen, daß die Sicherheit des Westens unteilbar ist. Wir haben ein vitales Interesse an der Sicherheit unserer Verbündeten in Europa.

Und es muß immer klar bleiben, daß ein Angriff auf

sie das gleiche ist wie ein Angriff auf uns - vom Vertrag und von der
Wirklichkeit her.

Ein starkes westliches Bündnis setzt offene Diskussionen unter Freunden über Fragen voraus, die uns von Zeit zu Zeit entzweien.

So müssen

wir beispielsweise in sinnvolle Verhandlungen mit der Europäischen Gemeinschaft eintreten, um deren ExportSubventionen für landwirtschaftliche
Erzeugnisse abzubauen, die in unfairer Weise die Wettbewerbsfähigkeit
amerikanischer Agrarerzeugnisse auf Märkten von Drittländern bedrohen...

Amerikanisch- 13 -

�Amerikanisch-sowjetische Beziehungen;

Die Beziehungen der Vereinig-

ten Staaten zur Sowjetunion sind ein entscheidendes Element unserer Sicherheitspolitik.

Alle Amerikaner erkennen die Bedrohung, die die Sow-

jetunion für den Weltfrieden darstellt. Die UdSSR ist der einzige Gegner
mit der Fähigkeit, die Vereinigten Staaten zu zerstören.

Darüber hinaus

sind die Amerikaner ganz allgemein über das gefährliche internationale
Verhalten der sowjetischen Führung und die totalitäre Natur des sowjetischen Regimes besorgt.

In den letzten Jahren haben die Sowjetunion und ihre Verbündeten eine
aggressivere Rolle in Ländern in der ganzen Welt gespielt.

Gleichzeitig

übersteigt das sowjetische nukleare und konventionelle Arsenal alle Erfordernisse der Verteidigung.

Und doch erkennen wir auch, daß die Sowjets ein gemeinsames Interesse
am Überleben haben.

Auch sie haben keine Verteidigung gegen einen Atom-

krieg. Unsere Sicherheit und ihre Sicherheit kann nur durch

Verhandlun-

gen und Kooperation gestärkt werden.

Um eine Politik zu gestalten, die sowohl fest als auch klug ist, müssen wir zunächst Vertrauen in uns selbst haben und dürfen niemals den
Ausgang eines Wettbewerbs unserer beiden Systeme fürchten.

Wir müssen

die Sowjetunion so sehen, wie sie ist - weder die Bedrohungen, die die
sowjetische Macht und Politik für die amerikanischen Interessen darstellen, verkleinern, noch die Stärke eines sowjetischen Regimes überschätzen, das von wirtschaftlicher Stagnation heimgesucht und von einer bankrotten und sterilen Ideologie beherrscht wird.

Wir müssen gemeinsam mit

unseren Verbündeten und Freunden eine wirksame Abschreckung gegen die
sowjetische Macht aufrechterhalten.

Wir müssen eine klare, konsequente

und feste Politik des friedlichen Wettbewerbs gegenüber der Sowjetunion
betreiben - eine stetige und pragmatische Einstellung an den Tag legen,
die weder sowjetische Aggression und Repression toleriert, noch die
sowjetische Paranoia anheizt.

Die Demokratische Partei verurteilt die Verfolgung von Dissidenten
- 14 -

�von Dissidenten und Verweigerern in der Sowjetunion, die den Nobelpreisträger Andrei Sacharow und seine Frau Jelena Bonner im inneren Exil in
Gorki an den Rand des Todes gebracht hat.

Wir werden nicht schweigen,

wenn sowjetische Maßnahmen wie die Inhaftierung von

Anatol Schtscha-

ranski und Ida Nudel und Tausende andere die grundsätzlich repressive und
antisemitische Natur des sowjetischen Regimes aufzeigen...

Osteuropa;

Wir müssen auf die Erwartungen und Hoffnungen der Völker

in Osteuropa reagieren und, wo immer möglich, die Kräfte des Wandels und
des Pluralismus ermutigen, die die Freiheit dieser Völker von der sowjetischen Tyrannei und der kommunistischen Diktatur vergrößern werden. Wir
sollten die osteuropäischen Länder ermutigen, eine unabhängige Außenpolitik zu verfolgen und eine größere Liberalisierung in innenpolitischen Angelegenheiten zu erlauben, und wir sollten unabhängige Beziehungen anstreben, um diese Ziele mit ihnen zu fördern...

Der Nahe und Mittlere Osten:

Die Demokratische Partei ist der Über-

zeugung, daß die Sicherheit Israels und das Streben nach Frieden im Nahen
und Mittleren Osten zu den fundamentalen Prioritäten der amerikanischen
Außenpolitik gehören.

Israel ist und bleibt mehr, als ein vertrauter

Freund, ein stetiger Verbündeter und eine Schwesterdemokratie. Israel ist
für die Vereinigten Staaten strategisch wichtig, und wir müssen in eine
bedeutsame strategische Zusammenarbeit eintreten.

Die Vereinigten Stataen und unsere Verbündeten haben lebenswichtige
Interessen im Persischen Golf. Wir müssen bereit sein, mit unseren Verbündeten in der Verteidigung dieser Interessen zusammenzuarbeiten.

Wir

sollten zu unserer historischen Unterstützung des Prinzips der Freiheit
der Meere stehen. Gleichzeitig sollten wir und unsere Verbündeten aktive
Diplomatie betreiben, um zur frühestmöglichen Beendigung des iranischirakischen Konflikts beizutragen.

Die westliche Hemisphäre;

Die westliche Hemisphäre liegt im argen.

Es ist höchste Zeit, dieser Hemisphäre Priorität einzuräumen. Wir müssen
Beziehungen entwickeln, die auf gegenseitige Achtung und gegenseitigem
- 15 -

�und gegenseitigem Wohl beruhen.

Über wesentliche

Sicherheitsanliegen

hinausgehend, müssen diese Beziehungen den Nachdruck

auf Diplomatie,

wirtschaftliche Entwicklung und Achtung der Menschenrechte legen.

Vor

allem müssen wir die Demokratie unterstützen...

Die Nationen der Hemisphäre müssen gemeinsam nach akzeptablen Lösungen streben, wobei Urteil und Maßnahmen auf Kriterien basieren müssen,
die auf alle angewandt werden.

Wir müssen Verletzungen der Menschen-

rechte, Aggression und Vorenthaltung der Grundfreiheiten verurteilen, wo
immer sie auftreten...

Die strategische Bedeutung Mittelamerikas steht außer Frage ebenso
wie die Tatsache, daß die Sowjetunion, Kuba und Nicaragua die Instabilität gefördert und die Revolution in der Region unterstützt haben.

Was

der Präsident jedoch außer acht läßt, sind die einheimischen Ursachen der
Unruhe.

Mittelamerika ist in seiner Geschichte mit verbreitetem Hunger

und verbreiteter Krankheit behaftet gewesen.

Und das historische Muster

des konzentrierten Reichtums hat wenig dazu beigetragen, stabile demokratische Gesellschaften hervorzubringen...

Amerika muß eine neue Einstellung finden.

Nur allzu oft denken die

Vereinigten Staaten in dem Sinne, was sie für die Länder Lateinamerikas
und der Karibik tun könnten.

Sie denken selten in dem Sinne, was sie

zusammen mit diesen Ländern tun könnten. Selbst bei besten Absichten ist
das mehr als nur ein Unterschied in Worten, denn Patemalismus läßt sich
niemals verbergen und wird immer abgelehnt - ob man ihn mit dem Etikett
einer "besonderen Beziehung" oder mit dem Etikett "Verteidigungsschild"
versieht...

Afrika;

Die Demokratische Partei wird für eine Reihe kühner neuer

Initiativen für die Länder der Dritten Welt im allgemeinen und Afrika im
besonderen eintreten.

Hunger, Dürre und Unterernährung haben für Mil-

lionen von Menschen in Afrika unermeßliches Leid gebracht. Dieses menschliche Elend - und die Armeen der Heimatlosen - erfordern eine Politik der
wesentlichen Erhöhung der humanitären Hilfe, einen starken Anstoß des

- 16 -

�Anstoß des landwirtschaftlichen Technologietransfers und eine Einstellung
der unglücklichen Tendenz, solche Hilfe zum Faustpfand der Ost-West-Konfrontation oder anderer geopolitischer Ziele zu machen.

Die Vereinigten

Staaten müssen auch wesentlich mehr Wirtschaftshilfe gewähren...

Ein de-

mokratischer Präsident wird zusammen mit unseren Freunden innerhalb und
außerhalb des Kontinents für die volle Achtung der Souveränität und territorialen Integrität aller afrikanischen Staaten eintreten...

Ein demokratischer Präsident wird die verfehlte Politik des "konstruktiven

Engagements" der

Reagan-Administration

nachdrücklich und eindeutig dem Apartheid-Regime

umkehren

und

sich

in Südafrika wider-

setzen. ..

Asien;

Unser Verhältnis zu den Ländern Asiens und des Pazifischen

Beckens wird weiterhin zunehmende Bedeutung gewinnen.

Die politischen,

kulturellen, wirtschaftlichen und strategischen Bindungen der Vereinigten
Staaten mit dieser Region dürfen nicht außer acht gelassen werden.

Mit unseren asiatischen Freunden und Verbündeten verbindet uns die
gemeinsame Sache der Erhaltung der Sicherheit und der Förderung der Demokratie in der Region.

Mit unseren asiatischen Handelspartnern verbindet uns ein gemeinsames
Interesse an der Ausweitung des Handels und eines fairen Handels untereinander, wie sich aus der Tatsache ergibt, daß 33 Prozent des amerikanischen Gesamthandels heute mit diesen Ländern abgewickelt wird.
Und mit der wachsenden Zahl von Amerikanern asiatischer und pazifischer Abkunft begrüßen wir die Stärke und Lebenskraft, die verstärkte
kulturelle Beziehungen unserem Lande bringen.

Unsere Beziehung zu Japan ist ein Schlüssel zur Aufrechterhaltung von
Frieden, Sicherheit und Entwicklung in
gion.

Asien und in der pazifischen Re-

Gegenseitige Achtung, verstärkte Zusammenarbeit und ruhige Diplo-

matie müssen unseren Umgang mit Japan bestimmen. Gleichzeitig müssen wir
- 17 -

�müssen wir als Verbündete und Freunde an der Lösung von unterschiedlichen
Auffassungen arbeiten.

Ein demokratischer Präsident wird daher auf einen

verstärkten Zugang zu japanischen wie auch anderen asiatischen Märkten
für amerikanische Firmen und Produkte drängen.

Und schließlich wird ein

demokratischer Präsident von Japan erwarten, daß es sich weiterhin bemüht, seinen fairen Anteil an der Last der kollektiven Sicherheit zu
übernehmen - in der Selbstverteidigung wie in der Auslandshilfe und demokratischer Entwicklung.

Unsere Sicherheit in der pazifischen Region ist auch eng mit dem
Wohlergehen unserer alten Verbündeten Australien und Neuseeland verknüpft.

Ein demokratischer Präsident wird unsere Sicherheitsverpflich-

tungen im Rahmen des ANZUS-Paktes wie auch gegenüber anderen Freunden in
Südostasien achten und stärken.

Auch unsere Beziehungen zur Volksrepublik China müssen genährt und
gestärkt werden. Die Demokratische Partei ist der Überzeugung, daß unsere Entwicklungsbeziehungen zur Volksrepublik China eine historische Chance bieten, ein Viertel der Menschheit in die Gemeinschaft der

Völker zu

führen, ein Gegengewicht zum sowjetischen Expansionismus zu stärken und
wirtschaftliche Beziehungen zu fördern, die ein großes Potential zum beiderseitigen Vorteil bieten.

Gleichzeitig erkennen wir unsere histori-

schen Bindungen zur Bevölkerung von Taiwan an, und wir werden weiterhin
unsere Verpflichtungen ihr gegenüber einhalten, wie es im Gesetz über die
Beziehungen zu Taiwan niedergelegt ist...

Wir müssen uns weiterhin der sowjetischen Aggression in Afghanistan
widersetzen. Wir sollen die Anstrengungen der afghanischen Freiheitskämpfer materiell unterstützen.

Weltweite Verschuldung und Entwicklung

Die Demokratische Partei wird eine Politik der wirtschaftlichen Entwicklung, der Hilfe und des Handels verfolgen, die den Ansprüchen der
- 18 -

�Ansprüchen der Völker der Entwicklungswelt entgegenkommt und die unseren
eigenen nationalen Interessen dient. Der nächste demokratische Präsident
wird eine Entwicklungspolitik unterstützen, die die Grundansprüche der
Armen auf Nahrung, Wasser, Energie, medizinische Versorgung und Unterkunft erfüllt, statt einer Gießkannenpolitik, die niemals jene ganz unten
erreicht.

Die nächste demokratische Administration wird mit ihrer Aus-

landshilfe Ländern mit demokratischen Institutionen und Achtung vor den
Menschenrechten den Vorzug geben.

Ein demokratischer Präsident wird eine Senkung des amerikanischen Rekorddefizits und der Rekordzinsen nicht nur um unseres eigenen wirtschaftlichen Wohlergehens willen anstreben, sondern auch um die Wirtschaftskrise zu mildern, vor der so viele Industriestaaten wie Entwicklungsländer stehen...

Die soziale und politische Stabilität dieser Entwicklungsländer wird
durch die Schuldenkrise ernsthaft'bedroht.

Angesichts der Interdependenz

der internationalen Wirtschaft bedroht die Krise auch die Grundlagen des
internationalen Finanzsystems selbst.

Um diesen Gefahren zu begegnen,

wird die demokratische Administration:

- sofortige Verhandlungen über die Verbesserung des Funktionierens
der internationalen Währungssysteme und über die Entwicklung eines
umassenden langfristigen Planes zur Lösung des internationalen Schuldenproblems fordern;

- das Finanzministerium anweisen, zusammen mit der amerikanischen
Bundesbank, amerikanischen BarikaufSichtsbehörden, wichtigen Privatbanken und den Finanzministern und Zentralbankpräsidenten Europas und
Japans ein kurzfristiges Programm zum Abbau der Schuldenbedienungsverpflichtungen der weniger entwickelten Länder auszuarbeiten, wobei
1. die Sicherheit und Gesundheit des internationalen Bankensystems
erhalten und 2. gewährleistet werden muß, daß die Kosten für das Programm gerecht unter allen Partnern der bestehenden und umgeschuldeten
Schulden aufgeteilt werden;
eine
- 19 -

Erhöhung

�- eine Erhöhung der Kreditvergabekapazität der Weltbank wie auch eine
Erhöhung der Kreditvergabekapazität der amerikanischen Export-ImportBank empfehlen, um zu gewährleisten, daß die Schuldnerländer ausreichendes Kapital für Investitionen in Exportindustrien erhalten;

- internationale Handelsschranken überprüfen, die die Fähigkeit dieser Länder einschränken, Devisen zu verdienen.

Sicherheitsunterstützung

kann

unter

geeigneten

Itaständen

unseren

Freunden helfen, legitime Verteidigungserfordernisse zu erfüllen.

Aber

eine Verlagerung des Schwerpunktes von Wirtschaftshilfe auf militärische
Verkäufe, wie dies in den letzten dreieinhalb Jahren der Fall war, bringt
einen Rückschritt für die Sache des Friedens und der Gerechtigkeit, heizt
regionales Wettrüsten an und gibt moderne Waffen in die Hände jener, die
sie eines Tages gegen uns und unsere Freunde und Verbündeten richten
könnten.

Die Demokratische Partei strebt heute, wie in der Vergangen-

heit, wirksame internationale Abkommen zur Begrenzung und Verringerung
des Transfers konventioneller Waffen an...

Menschenrechte und demokratische Solidarität

Ein demokratischer Präsident wird eine Außenpolitik betreiben, die
die bürgerlichen und politischen Grundsätze schützt - Redefreiheit, Versammlungsfreiheit, Freiheit des Denkens, Religionsfreiheit, Recht der
Freizügigkeit, Integrität der Person und Verbot der Folter, der willkürlichen Inhaftierung und grausamer, unmenschlicher und erniedrigender Behandlung - und die gleichzeitig versucht, wirtschaftliche, soziale und
kulturelle Grundrechte zu erreichen.

Das Anliegen eines demokratischen

Präsidenten muß sich von dem russischen GULAG bis zu den Gefängnissen
lateinamerikanischer Generäle erstrecken.

Die Verbannung südafrikani-

scher Schwarzer ist ebenso unannehmbar wie das Mundtotmachen kubanischer
Dichter.

Ein demokratischer Präsident wird die amerikanische Unterstüt-

zung für Diktatoren in der ganzen Welt, von Haiti bis zu den Philippinen,

- 20 -

�den Philippinen beenden.

Er oder sie werden die Einhaltung der Grund-

rechte des Menschen, wie sie in der Allgemeinen Menschenrechtserklärung
und der Schlußakte von Helsinki niedergelegt sind, unterstützen und verteidigen.

Er oder sie werden durch stille Diplomatie und öffentliche

Maßnahmen die Freilassung von politischen Gefangenen und die freie Auswanderung verfolgter Personen und Völker auf der ganzen Welt anstreben.
Er oder sie werden die amerikanische Ratifizierung der Konvention über
Völkermord, der internationalen Menschenrechtsverträge und der amerikanischen Menschenrechtskonvention wie auch die Einsetzung eines UN-Hochkommissars für Menschenrechte anstreben.

Er oder sie werden den Geist

und den Buchstaben unserer Gesetze einhalten, die Militär- und Wirtschaftshilfe an Regierungen verbieten, die die Menschenrechte verletzen.

Die Demokratische Partei ist der Überzeugung, daß die Außenpolitik
der Vereinigten Staaten - ob als Antwort auf Total itarismus in der Sowjetunion oder auf Unterdrückung

in Lateinamerika oder Ostasien, auf

Apartheid in Südafrika oder auf Kriegsrecht in Polen, auf Terrorismus in
Libyen oder Terrorherrschaft im Iran oder auf barbarische Aggression in
Südostasien und Afghanistan - unmißverständlich auf der Seite jener sein
muß, die die Freiheit lieben.

Als Demokraten und als Amerikaner werden wir die Unterstützung der
Demokratie, der Menschenrechte und der wirtschaftlichen und sozialen Gerechtigkeit zum Eckstein unserer Politik machen.
tionärsten Ideen auf unserem Planeten.

- 21 -

Dies sind die revolu-

�31

1. August 1984

DIE KOMJNISTISCHE BEDECKUNG DER FREIHEIT IN LATEINAMERIKA
- Von Max Kampelman -

- (AD) - Botschafter Max Kampelman
leitete die amerikanische Delegation
auf dem zweiten Folgetreffen der
Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) in Madrid;
diese Folgekonferenz von 1980-83 diente
der Überprüfung der Schlußakte von
Helsinki aus dem Jahr 1975.

Von 1960 bis Mitte der siebziger Jahre ermutigte die Sowjetunion die
ertlichen kommunistischen Parteien, sich in den jeweiligen Ländern breite
gefächerten Wahlbündnissen anzuschließen.

Dazu gehörten auch Bemühungen

um die Entwicklung enger Beziehungen zu etablierten militärischen Kräften
in Lateinamerika, da die sowjetischen Parteitheoretiker damals der Ansicht waren, daß das Militär die einzige stabile Institution in einem

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
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Telex: 8-85432

�in einem sonst oftmals chaotischen politischen Umfeld sei. Diese Bemühungen schlugen jedoch fehl, und das Kuba Castros fand sich plötzlich in
zunehmendem Maße ebenfalls in einer isolierten Situation.

Mitte der siebziger Jahre wurde das Vorgehen deutlich: Moskau finanzierte und unterstützte über Kuba und seine osteuropäischen Satelliten
örtliche Terroristengruppen.

Kuba wurde bei dieser Aggression als vor-

geschobener Stützpunkt benutzt, wobei man auf ein aktives Programm der
Guerilla-Ausbildung, des Waffenschmuggels, des Drogenhandels, der direkten militärischen Präsenz und verdeckter Geheimdienstaktivität zurückgriff.

Die wirtschaftlichen,

sozialen und politischen Verzerrungen ver-

schlimmerten sich aufgrund dieser Aggression, der gleichzeitig steigenden
Energiekosten und der bekannten strukturellen Probleme, was dann zu einer
sich ständig verschlimmernden Krise in der Region führte. Das wirtschaftliche Wachstum kam zum Erliegen, die großen Handelsdefizite traten immer
stärker zu Tage, die Arbeitslosigkeit wuchs, die Inflationsraten schnellten in die Höhe, Kapital- und Geschäftsinvestitionen wurden angesichts
der Unruhen immer geringer und die sozialen Probleme nahmen zu. Dies alles fiel mit einem wohldurchdachten Programm militärischer Aktivitäten
der Sowjetunion zusammen, die gegen die Randgebiete der Entwicklungswelt
gerichtet waren.

In einem Artikel von General Schawrow, dem Leiter der sowjetischen
Generalstabsakademie wurde 1975 eine solche Aktivität angekündigt.

Eine

militärische Unterstützung seitens der Sowjetunion bei örtlichen kriegerischen Auseinandersetzungen, so hieß es dort, sei für die sowjetischen
Interessen von entscheidender Bedeutung.

Der Aufbau einer sowjetischen

Hochseeflotte und eine immer größer werdende Luftbrückenkapazität Moskaus, so schrieb der General, erlaube es der Sowjetunion, in regionalen
Konflikten eine wesentliche Rolle zu spielen.

Kuba wurde ein integraler Teil der strategischen Planung Moskaus. Man
erlebte, wie eine gegnerische Flotte in die Karibik eindrang.

Der Bau

�Der Bau einer Dockanlage für Atomunterseeboote im Süden der Insel bot
die Möglichkeit für die Wartung solcher Unterseeboote, die damit vor
den Küsten der Vereinigten Staaten operieren können, und zwar mit einer
Reichweite, die sich über die Hälfte des Landes erstreckt.

Die gesamte Wirtschaft Kubas beruht heute auf der Energieversorgung
seitens der Sowjetunion zu subventionierten Preisen.

Der Zuckerexport

Kubas geht zum größten Teil in die Länder des Ostblocks - ebenfalls zu
subventionierten Preisen.

So besteht heute eine totale wirtschaftliche

wie auch militärische Abhängigkeit Kubas.

Kuba, das einmal von den sowjetischen Theoretikern als "Bruderstaat",
dann als Mitglied des "sozialistischen Systems der Welt" gesehen wurde,
wird heute als eines der Mitglieder der "sozialistischen Gemeinschaft"
geführt. Mit dieser Bezeichnung wird die Insel in den Schutz der destabilisierenden Breschnew-Doktrin gerückt.

In jedem Jahr erreichen Zehn-

tausende von Tonnen militärischer Güter Kuba.

Die militärischen Anlagen

auf Kuba sowie die Mannschaftsstärke seiner Streitkräfte sind heute größer als die aller anderen karibischen Länder zusammengenommen.

Kuba verfügt heute über genügend Land-, See- und Luftstreitkräfte, um
innerhalb von 24 Stunden in jedes Gebiet der Karibik vordringen zu können.

Es besitzt eine bedeutende Anzahl von großen Raketen, die mit nu-

klearen Gefechtsköpfen ausgerüstet werden können.

Die von der Sowjet-

union gelieferten Flugzeuge vom

Typ MIG-27 können konventionelle wie

auch nukleare Nutzlasten tragen.

Auf den Flugplätzen der Insel können

jetzt schwere sowjetische Interkontinentalbomber landen.

Mit seiner von der Sowjetunion gestützten enormen Militärmacht ist
die Insel ganz offen zu einer Basis für die Unterstützung terroristischer
Bewegungen in Mittelamerika und der Karibik geworden.

Terroristische

Gruppen aus nahezu jedem Land des Karibischen Beckens und anderen Teilen
der Welt, einschließlich der baskischen ETA, wurden und werden auf Kuba
sowie in Osteuropa ausgebildet.

Die

Sandinisten

�Die Sandinisten haben bereits 1979 ihren "revolutionären Internationalismus" sowie ihre Identifizierung mit sowjetischen Zielen proklamiert
-

zu einem Zeitpunkt also, als die Vereinigten Staaten Nicaragua be-

trächtliche Wirtschaftshilfe gewährten.

Der Aufbau einer sandinistischen

Militärmaschine, die allen anderen Ländern in der Region zusammengenommen
weitaus überlegen ist, begann, bevor irgendeine bedeutsame innere Opposition vorhanden war, ja, während viele der Männer, die heute eine aktive
Opposition betreiben, noch hohe Regierungsämter besetzt hielten.

Im Juni 1980 begannen die Sandinisten mit ihrer aktiven Einmischung
in die inneren Angelegenheiten El Salvadors, indem sie die salvadorianischen Guerilleros aufforderten, ihr Hauptquartier in Nicaragua zu errichten.

Über eine massive Luftbrücke wurden Waffen und Nachschubgüter

geliefert. Die Sabotageanschläge wurden immer intensiver.

Die Bemühungen El Salvadors, eine echte, auf Wahlen beruhende Demokratie als wichtigen ersten Schritt zur Erreichung einer gewissen wirtschaftlichen Stabilität und sozialen Gerechtigkeit zu schaffen, führten
zu heftiger Einmischung der von den Sandinisten unterstützten Terroristen.

Um die Wahlen zu stören, wurden Straßen vermint, Bomben gezün-

det, Menschen bedroht, die Stromversorgung unterbrochen - das alles, um
freie Wahlen unmöglich und den terroristischen Aufstand erfolgreich zu
DBChflQ«

El Salvador war nicht das einzige Opfer der sandinistischen Aggression.

Anfang 1981 fingen die Sandinisten damit an, die vertraglichen

Rechte Costa Ricas zu verletzen und die Handelsschiffe dieses Landes zu
behindern.

Diese Einschüchterungsversuche gingen weiter, wobei man sich

vor Augen halten muß, daß Costa Rica, das eine gemeinsame Grenze von 180
Meilen mit Nicaragua hat, über keine Streitkräfte verfügt.

Vor etwa zwei Jahren drangen die Sandinisten in Honduras ein - ein
erster Schritt, um die dortige Regierung zu untergraben.
jaahr als 200 Grenzzwischenfälle gegeben.

Seither hat es

Sandinistische Truppen haben

internationale Grenzzeichen zwischen Nicaragua und Honduras entfernt und

�entfernt und dann diese Landstreifen besetzt.

Das sind die Tatsachen.

Es ist also nicht verwunderlich, daß es in

der Moskauer Publikation "Neue Zeiten" am 19. August vorigen Jahres prahlend hieß, die Sandinisten hätten den Vereinigten Staaten "im Rücken" eine "strategische" Niederlage beigebracht. Wen wundert es dann noch, daß
der ideologische Status Nicaraguas in der sowjetischen Literatur der einer "Volksdemokratie" ist - ein Etikett, das unmittelbar nach dem Krieg
nur den Regimen in Osteuropa verliehen wurde.

Es ist auch nicht verwun-

derlich, daß ein sowjetischer Wissenschaftler kürzlich schrieb, Nicaragua
sei "der Beginn eines neuen Abschnittes im Kampf um den gesamten Kontinent."

Und es wundert somit auch niemanden, wenn es in autorisierten

sowjetischen Artikeln - so in der Iswestija am 6. Januar 1984 - ganz
deutlich heißt, daß die nächsten Ziele Guatemala, Honduras und Costa Rica
seien.

Es ist allerdings für viele in unserem Lande verwunderlich, daß zahlreiche Menschen guten Willens, die zutiefst an die demokratischen Werte
glauben, die ernsthafte Bedrohung dieser Werte gerne ignorieren oder als
unbedeutend hinstellen möchten - eine Bedrohung, die, wäre sie erfolgreich, für Millionen von Menschen den Verlust von Freiheit und Menschenwürde nach sich zöge.

Viele Leute sind der Ansicht, die Vereinigten Staaten sollten nicht
so sehr den kommunistischen Einfluß herausstellen, sondern vielmehr auf
die örtlichen sozialen und wirtschaftlichen Faktoren blicken, die der Reform bedürfen, anstatt militärischer Lösungen.

Wir sind uns völlig darüber im klaren, daß die politischen Unruhen in
Mittelamerika auf tiefverwurzelten sozialen und wirtschaftlichen Problemen beruhen. Wir wissen, daß dort, wo es Hunger, unzureichende Wohnverhältnisse und Analphabetentum gibt, keine Stabilität herrschen kann.

All

das ist richtig, und wir bemühen uns naclidrücklich, auf diese Erfordernisse einzugehen.

Wir wissen aber auch, daß die Kommunisten...

die Un-

gerechtigkeit und Armut für ihre Zwecke auszuschlachten suchen, zwar nur
- 5 -

�zwar nur eine kleine Gruppe darstellen, dieser Nachteil für sie voll und
ganz ausgeglichen wird durch die Waffen-, Finanz- und andere praktische
Hilfe, die sie von ihren sowjetischen Hintermännern erhalten.

Wir alle stimmen mit der Vorstellung überein, daß militärische Lösungen nicht die besten sind und mit allem Nachdruck vermieden werden sollten. Deshalb setzen wir uns so nachhaltig für Verhandlungen ein und bieten unsere Mitarbeit im Rahmen des CQNTADORA-Prozesses an. Aber wir würden doch die Augen vor unserer Verantwortung verschließen, wenn wir nicht
einräumen würden, daß militärische Lösungen angesichts der militärischen
Aggression und des bewaffneten Terrorismus manchmal die einzig möglichen
Lösungen sind.

Amerika hat sowohl Castro als auch die Sandinisten unterstützt, als
sie die Macht übernahmen. Unsere Regierung gewährte diese Unterstützung,
weil wir uns der sozialen und wirtschaftlichen Mißstände bewußt waren,
die dort herrschten.

Wir waren uns ebenfalls unserer eigenen histori-

schen Fehler bewußt, die zu diesen Problemen beitrugen.

Wir wollten

glauben, daß die Worte von Demokratie echt waren, die von diesen neuen
revolutionären Kräften geäußert wurden.
handelten wir entsprechend.

Weil wir dies glauben wollten,

Wir begingen den Fehler, die Hinweise zu

ignorieren, daß diese "revolutionären Kräfte" sich in erster Linie auf
den komraunisstischen Totalitarismus statt auf Freiheit und

emokratie

festgelegt hatten.

In dem echten Bestreben, die Demokratie in Nicaragua zu fördern und
zu stärken, unterstützten wir die Bemühungen, Somoza su stürzen.
halfen bei den Verhandlungen über seine Abreise mit.

Wir

Wir setzten uns

für die Resolution der Organisation Amerikanischer Staaten (QAS) ein, die
seine Amtsenthebung forderte.

In der ersten

Woche der Machtübernahme

durch die Sandinisten stellten wir 25 Millionen Dollar an Nahrungsmittelhilfe und medizinischer Unterstützung zur Verfügung.

Wir gewährten wei-

tere 115 Millionen Dollar an Wirtschaftshilfe. Wir befürworteten nicaraguanische Anleihen bei der Interamerikanischen Entwicklungsbank.

Während

der ersten beiden Jahre der sandinistischen Kontrolle gewährten wir dem

�wir dem neuen Regime mehr Wirtschaftshilfe, als die Somoza-Regierung in
den 20 Jahren davor erhalten hatte.

In El Salvador unterstützten die Vereinigten Staaten die Bestrebungen, die die dortige Militärdiktatur im Oktober 1979 zur Aufgabe zwangen
und die Christdemokraten an die Macht kommen ließen.

Wir förderten die

Landreformen, die durch Spezialisten des amerikanischen Gewerkschaftsverbandes AFL-CIO entworfen wurden. Wir haben in der Folgezeit den Prozeß der demokratischen Entwicklung in diesem Land ermutigt und unterstützt, so daß die Kräfte der Demokratie dort einen gewissen Spielraum
haben.

Die Bevölkerung in El Salvador ging an die Wahlurnen und lehnte

den Terrorismus ab. Um ihre Stimme für die Demokratie abzugeben, gingen die Menschen meilenweit zu den Wahllokalen und standen stundenlang an
trotz aller Drohungen und Schießereien.
Wir halten es nicht für moralisch, kleine Länder und hilflose Menschen gegenüber Terroristen im Stich zu lassen, die von Kommunisten oder
irgendeiner anderen diktatorischen Gruppe ausgebildet werden.

Wir sehen

in der Darstellung der sowjetischen Militärmacht in der westlichen Hemisphäre eine Bedrohung unserer Sicherheit und unserer Werte.

Der Grund-

satz, der die Politik unseres Landes geleitet hat und weiterhin leiten
wird, ist, daß wir immer dort Hilfe gewähren werden, wo diese Hilfe effektiv sein kann und die nach Freiheit strebenden Menschen befähigt, in
Freiheit zu leben. Wir sind uns darüber im klaren, daß weder Demokratie
noch Menschenrechte Produkte "Made in America" sind, die einfach ins Ausland exportiert werden können. Doch dies schließt nicht aus, daß wir uns
mit diesen Rechten aktiv identifizieren und uns mit jenen assoziieren,
die diese Rechte gegenüber allen Angriffen verteidigen wollen.

Wir sind

davon überzeugt, daß der Widerstand gegen militärische Aggression unverzichtbar ist für die Bewahrung unserer Werte der Menschenwürde und für
die Verwirklichung unseres Zieles einer demokratischeren, gerechteren und
stabileren Hemisphäre.

Es ist gelegentlich enttäuschend, wenn Freunde, die es eigentlich
besser wissen müßten, anscheinend mehr Sympathie für jene haben, die den

�die den Frieden, die Unabhängigkeit und die Freiheit ihrer Nachbarn bedrohen, als für die Nachbarn selbst. Es scheint manchmal mehr "Verständnis" für die Anwesenheit von vielen tausend Militärberatern aus Kuba und
dem Ostblock in Nicaragua zu bestehen als für die etwa 37 amerikanischen
Militärberater in El Salvador. Es hat für viele von uns zuweilen den Anschein, als ob einige unserer Freunde geneigt sind, den Mindesteinsatz
begrenzter Macht seitens der USA zur Verteidigung der Selbstbestimmung
der dort lebenden Menschen übertrieben darzustellen und den systematischen Einsatz brutaler Macht zur Unterjochung hilfloser Völker der Dritten Welt durch den Sowjetblock herunterzuspielen.

Eine solche unbegreifliche, kurzsichtige Entstellung der Realität
kann für alle von uns gefährlich sein. Was die Sicherheit in der Karibik
und in Mittelamerika anbetrifft, so steht für uns alle viel auf dem
Spiel.

Die Sowjetunion und die Vereinigten Staaten sind sich über die

strategische Bedeutung dieser Region im klaren.

Es ist an der Zeit, daß

unsere Freunde in Europa und anderswo in der Welt diese Bedeutung für uns
- ihrem Freund und ihrer Schwesterdemokratie - und für sich selbst richtig einschätzen.

Der größte Teil des Erdöls und anderer wichtiger strategischer Materialien, die die Vereinigten Staaten in einem Ernstfall nach Europa verschiffen würden, geht über die karibischen Seewege.

Andererseits machen

die Sowjets kein Geheimnis daraus, daß es ihr Ziel ist, die Vereinigten
Staaten durch militärische und politische Verpflichtungen so an die westliche Hemisphäre zu binden, daß es schwerer für uns ist, auf Ernstfälle
in Europa, Asien oder anderswo zu reagieren.

Es ist an der Zeit, daß die Demokratien in aller Welt moralische und
politische Festigkeit und Entschlossenheit zeigen. Wir, die wir uns mit
Demokratie und menschlicher Freiheit identifiziert haben, haben eine Verantwortung gegenüber der Geschichte und gegenüber zukünftigen Generationen.
* * * * *

- 8-

�31

1 .August 1984

Bericht über die Lage in El Salvador
-Zusammenfassung-

Washington (AD) Ein Bericht des amerikanischen Außenministeriums zur
Vorlage beim Kongreß, der am 13. Juli 1984 den Medien zugänglich gemacht
wurde, "hat die Absicht, dem Kongreß und der amerikanischen Öffentlichkeit eine umfassende Beurteilung der Situation in El Salvador zur Verfügung zu stellen."

Die zusammenfassende Darstellung des Berichtes hat folgenden Wortlaut
Jose Napoleon Duarte, der erste demokratisch gewählte Präsident in El
Salvador seit 5o Jahren wurde am 1. Juni 1984 in sein Amt eingeführt. Die
von ihm am 6. Mai gewonnenen Wählen waren die dritten freien und offenen
Wahlen innerhalb von zwei Jahren und bildeten eine Wasserscheide bei der
Stärkung des institutionellen Rahmenwerkes für politische Reform in El
Salvador.

Präsident Duarte steht vor gewaltigen Herausforderungen: Die gewalt-

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�Die gewalttätige Geschichte des Landes, eine entschlossene marxistische
Aufstandsbewegung mit starken Bindungen und mit materieller Unterstützung
Nicaraguas und des kubanisch/sowjetischen Blocks, eine stark angeschlagene Volkswirtschaft sowie schwache Institutionen der öffentlichen Verwaltung und der Justiz. Die neue Regierung hat sich dazu verpflichtet,
sich aktiv für ein Ende der Gewalt von rechts wie von links einzusetzen,
die Herrschaft des Rechts zu starken, den Dialog innerhalb des demokratischen Prozesses zu fördern sowie das wirtschaftliche Wachstum voranzutreiben und dabei gleichzeitig die sozialen Reformen zu schützen.

Der Rückgang der Zahl politisch motivierter Gewalttaten innerhalb der
letzten drei Jahre dauerte auch im ersten Halbjahr 1984 an. Nach Zusammenstellungen von Presseberichten gab es in den ersten fünf Monaten des
Jahres 1984 durchschnittlich 93 gegenüber durchschnittlich 14o politischen Morden je Monat im Jahr 1983. Es wird großer Anstrengungen bedürfen, um diese Vorkommnisse politischer Gewalt in El Salvador weiter zu
verringern. Insbesondere bedarf der Prozeß der Errichtung eines wirksamen
Justizsystems in El Salvador einer anhaltenden Anstrengung über die nächsten Jahre hinweg. Aufbauend auf der im Mai erfolgten Verurteilung der
Mörder der amerikanischen Nonnen hat Präsident Duarte tatkräftige Schritte unternommen, um an die Spitze der Sicherheitskräfte des Landes ehrenhafte Offiziere zu stellen, diese Sicherheitskräfte einer zentralen Kontrolle zu unterwerfen und die unter Verdacht stehenden Sondereinheiten
der Polizei aufzulösen. Eine Einheit für Rechtsschutz -die anfänglich
eine amerikanische Ausbildung erhielt- erfüllte ihre erste große Aufgabe
beim Schutz von Richtern und Geschworenen im Fall der Nonnen, und es gibt
derzeit auch Bemühungen, um die Untersuchungsbehörden sowie die beruflichen Fähigkeiten der dort Tätigen zu verbessern, damit Beweismaterial
zur Verfolgung von Terroraktivitäten von links und rechts erstellt werden
kann.

Die Salvadorianisehen
fassung und

beweisen

Streitkräfte zeigen eine bessere Dienstauf-

im Kampf

verstärkte Angriffsbereitschaft.

Seit

Januar zeigt sich eine eindrucksvolle Erfolgsrate. Der Verlust militärischer Ausrüstung an die Insurgenten hält sich innerhalb akzeptabler Gren- 2 -

�akzeptabler Grenzen. Dennoch erhielt die Guerilla trotz mangelnder Unterstützung in der Öffentlichkeit (was zu verstärkter Zwangsaushebung führte) auch weiterhin beträchtliche Hilfe aus dem Ausland und behält dadurch
die Fähigkeit zur Durchführung sporadischer, doch spektakulärer Aktionen.
Es gibt Anzeichen einer größeren Guerilla-Offensive für die zweite Jahreshälfte. Ohne verstärkte amerikanische Militärhilfe dürfte das sich
hinziehende Patt zwischen dem Militär und der Guerilla wahrscheinlich andauern, wobei letztere ihre Strategie der Zerstörung der salvadorianischen Volkswirtschaft noch stärker betonen würde.
Während und seit seiner Präsidentschaftskampagne hat Präsident Duarte
immer wieder
Marti

seine Bereitschaft betont, mit Vertretern der Farabundo

Nationalen

Befreiungsfront/Revolutionären

Demokratischen

Front

(FMLN/FDR) Z U sprechen. Aber er ist nicht bereit, der Guerilla einen Anteil an der politischen Macht als Alternative zu ihrer Teilnahme am demokratischen Prozeß zu gewähren.

El Salvador erlebte 1983 in seiner jüngeren Geschichte das erste Jahr
ohne wirtschaftlichen Rückgang. Dennoch steht die Wirtschaft auch weiterhin unter erheblichem Druck - das Bruttosozialprodukt ist gegenüber jenem
Mitte der siebziger Jahre um mehr als ein Drittel zurückgegangen und das
große Ausmaß an Arbeitslosigkeit wird noch durch die Kriegsschäden verstärkt. Eine zusätzliche Belastung ist die große Zahl der vor dem Konflikt Fliehenden und die Versuche der Guerilla, sich mittels Zwang zu
verstärken. Anstrengungen dauern an, die organisatorischen Fähigkeiten
und die Produktivität der Kooperativen im Rahmen der ersten Phase der Bodenreform zu verbessern. Denjenigen, die sich gemäß der dritten Phase
("Land für die Ackerbauern") um Land bewarben, wurde garantiert, daß ihre
Anträge nicht dadurch beeinträchtigt werden, daß die Frist für derlei Anträge am 30. Juni abgelaufen ist. Durch die Ernennung älterer Repräsentanten der Campesinos in leitende Funktionen des Landwirtschaftsministeriums und der Leitung des Instituts für Agrarreform erhielten die Campesino-Gruppen die Möglichkeit, diejenigen Institutionen direkt zu beeinflussen, die die Agrarreform verbessern und konsolidieren können.

Dieser

Bericht

�Dieser Bericht hat die Absicht, dem Kongreß und der amerikanischen
Öffentlichkeit eine umfassende Beurteilung der Situation in El Salvador
zur Verfügung zu stellen. Er geht auf alle Punkte ein, wie sie das
Öffentlichkeitsgesetz

98-332

erfordert:

Wahlen,

Versammlungsfreiheit,

Rechtssystem, Bodenreform, Entwicklung eines Systems der medizinischen
Ausbildung, Ausbildung der Streitkräfte, Verluste bei Waffen und kampfunterstUtzendem Material (Quantifizierung), Ausgaben für Munition (quantifiziert in einem gesonderten Bericht), Bereitstellung von unterstützendem und taktischem Fernmeldegerät sowie umfang des Einsatzes von Ersatzteilen. Um diese Punkte noch zu vertiefen, geht der Bericht auch ein
auf
Erwägungen hinsichtlich der Menschenrechtslage;
Mordfälle an amerikanischen Bürgern;
allgemeine wirtschaftliche Fragen und Beurteilung der amerikanischen
Wirtschaftshilfsprogramme;
die derzeitige militärische Lage;
die Lage der Flüchtlinge und Vertriebenen.

*****

Der volle Wortlaut des Berichtes in englischer Sprache kann angefordert
werden bei:

Amerika Dienst
Postfach 200 300
5300 Bonn 2

- 4 -

�1. August 1984

31

Medizinische Versorgung in Afghanistan katastrophal
-Bericht eines amerikanischen Arztes-

Washington - (AD) - Auf einem, von Mitgliedern des amerikanischen Repräsentantenhauses veranstalteten Forum berichtete der Arzt Dr. Robert R.
Simon über seine persönlichen Erfahrungen in Afghanistan. Der an der Universität von Kalifornien tätige Mediziner, der einer aus dem Libanon in
die USA eingewanderten Familie entstammt und selbst Moslem ist, erlebte
ein Jahr in Afghanistan unter Kampfbedingungen in einer der im Geheimen
tätigen Kliniken und beabsichtigt nunmehr, acht mobile Operationseinheiten, von Amerikanern betrieben, aufzustellen, um damit den Cpfern der
sowjetischen Besetzung zu helfen.

"In Afghanistan verwundet zu werden ist gleichbedeutend mit dem Tod,"
erklärte der 34 Jahre alte Arzt. "Die medizinische Lage allgemein wie
auch speziell die chirurgische ist katastrophal."

Seiner Schätzung zufolge stehen in 80 Prozent des Landes den Mujahedin der afghanischen Widerstandsbewegung sowie deren Sympathisanten in

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�Sympathisanten in der Zivilbevölkerung keinerlei medizinische Einrichtungen zur Verfügung. Das Gesundheitsnetz der Vorkriegszeit wurde zerstört, die sowjetischen Flugzeuge bombardieren alle krankenhausähnlichen
Einrichtungen, derer sie ansichtig werden.

Die Diapositive, die Dr. Simon von seiner Reise nach Afghanistan zurückbrachte, vermittelten den Teilnehmern des Forums einen Einblick in
das Leiden von Männern, Frauen und Kindern im Gefolge von Bombenabwürfen,
Maschinengewehr feuer sowie Tret- und Tarnminen, die von den Sowjets und
dem Regime Babrak Karmal im Land verlegt werden.

"Eine größere Wunde -etwa im Unterleib oder in der Brust- ist tödlich," so Dr. Simon, denn ein Verwundeter muß erst auf dem Rücken eines
Esels durch unwirtliches Gelände über große Entfernungen zu einem Krankenhaus jenseits der Grenze nach Pakistan gebracht werden.

Die intensiven, systematischen Bombardements der Sowjets auf Dörfer,
Felder und Bewässerungsanlagen sowie das Erschießen von Vieh in Gegenden,
wo die Mujahedin aktiv sind oder sich verborgen halten, haben zu akuter
Lebensmittelknappheit geführt. So ernähren sich die Mujahedin und die Zivilbevölkerung häufig nur noch von Getreidekörnern, Beeren, Tee und dem,
was durch einen Überfall auf einen Versorgungslastwagen der Sowjets beschafft werden konnte.

"Unterernährung grassiert," berichtet Dr. Simon. "Ich sah zum ersten
Mal in meinem Leben Fälle von Skorbut." Außerdem behandelte er Kranke,
viele davon Kinder, die an Malaria, Tuberkulose, Lungenentzündung, Masern
und Keuchhusten litten.

Durch seine afghanischen Patienten hatte der amerikanische Arzt Einblick in das Land: "Kein Zweifel", so Dr. Simon, daß die Truppen der Sowjets und des Karmal-Regimes chemische Kriegführung betreiben. "Ich verstehe nicht, wie jemand daran zweifeln kann." Dr. Simon stellt sich damit
gegen die Skepsis mancher Kreise, die dem keinen Glauben schenken wollen.
Die von ihm erkannten Symptome lassen den Schluß zu, daß zwei giftige
- 2 -

�zwei giftige Substanzen -Phosgen und Diphosgen- eingesetzt wurden.

Der Bericht von Dr. Simon über die medizinische Lage in Afghanistan
deckt sich praktisch mit dem der afghanischen Ärzte in Pakistan und dem
zweier in Paris ansässiger Organisationen -Aide Medicale Internationale
und Medecins Sans Frontieres-.

Der Arzt zeigte auch Bilder von Opfern dessen, was er "russische Folter" nannte - Versuche, von Dorfbewohnern Informationen über die Mujahedin zu erhalten. So war unter seinen Patienten ein Junge, dem russische
Soldaten in Anwesenheit der Eltern Kerosin über die Arme gegossen und
dann entzündet hatten, nachdem jene sich weigerten, die entsprechenden
Informationen zu geben. Ein weiteres Mittel zu diesem Zweck besteht
darin, Dorfbewohner dazu zu zwingen, bei eisigen Temperaturen barfuß im
Schnee zu stehen - ein Mann, den Dr. Simon behandelte, hatte auf diese
Weise alle Zehen verloren.

Kranke und Verwundete behandelte Dr. Simon in einem kleinen, temporären Behelfskrankenhaus, das in einem Tal in der noröstlichen KonarhaProvinz, 65 Kilometer von der pakistanischen Grenze entfernt, errichtet
worden war. Unterstützt von der Union afghanischer Mujahedin-Ärzte in
Peshawar, einem Zentrum afghanischer Flüchtlinge, überquerten Dr. Simon
und eine Gruppe Afghanen mit medizinischer Ausrüstung im Rucksack zu Fuß
die Grenze und marschierten durch die über 2 loo Meter hohen Berge, um
das Tal zu erreichen.

Das temporäre Krankenhaus bestand aus wenig mehr als einer aus Lehm,
Stein und Zeltleinwand konstruierten Behausung, die sich an den Fuß eines
Berges anlehnte. Der Amerikaner und seine Helfer empfingen ihren ersten
Patienten früh um halb sechs, den letzten abends gegen neun Uhr.

In Peshawar besprach Dr. Simon seinen Plan zur Einsetzung von acht
medizinisch-chirurgischen Einheiten in Afghanistan mit afghanischen Ärzten und Vertretern der Mujahedin; außerdem hat er zu diesem Zweck die
"World Medical Corps Organization" ins Leben gerufen. Spenden sollen die
- 3 -

�Spenden sollen die Einheiten, von denen jede etwa 40 000 Dollar kosten
wird, finanzieren. Weitere 12 000 Dollar sind für den Transport von Ärzten und Krankenschwestern sowie Medikamenten und medizinischen Geräten
notwendig.

Dr. Simon teilte mit, daß sich bereits eine ganze Reihe amerikanischer Ärzte und Krankenschwestern freiwillig hierfür gemeldet hätten. Für
ihn selbst erfüllt sich damit der Wunsch, einem unterentwickelten Land zu
helfen, in dem "die größte Not" herrscht und das unter "Aggression von
außen"

leidet.

*

- 4 -

�1. August 1984

31

DIE ERDOLRESERVE ALS MITTEL ZUR PREISREGULIERUNG
- IEA-Länder beschließen raschen Einsatz bei Versorgungsschwierigkeiten -

- (AD) - Was die Vereinigten Staaten bereits Anfang 1984 als ihre
politische Linie umrissen, nämlich die frühzeitige Inanspruchnahme der
strategischen Erdölreserve bei

schwerwiegenden Versorgungsschwierigkei-

ten, wurde Mitte Juli von der Internationalen Energieagentur (IEA) für
alle 21 Mitgliedstaaten vereinbart.

Nach Beendigung der Konferenz des

Gouverneursrates der IEA am 11. Juli 1984 in Paris hatte der amerikanische Energieminister Donald Hodel das beabsichtigte Vorgehen der Vereinigten Staaten nochmals erläutert und erklärt, daß man auf diese Weise
Angebot und Nachfrage für Öl in Krisenzeiten ins Gleichgewicht bringen
wolle.

Er begrüßte die grundsätzliche Zustimmung der IEA-Länder zu den

amerikanischen Plänen und zu weiteren Aktionen zur gegenseitigen Hilfe
als wesentliche Elemente, um den wirtschaftlichen Schaden durch Unterbrechungen der Ölversorgung so gering wie nur irgend möglich zu halten.

Die Partnerländer der IEA sollen laut Hodel ermutigt werden, alles zu

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Telex: 8-85432

�alles zu tun, um auch ihre eigene Position in der Reservehaltung von Öl
zu stärken.

Dies sei eine wichtige Voraussetzung für eine gerechte Ver-

teilung von Lasten, die sich für die Vereinigten Staaten und ihre Partner
im Fall schwerwiegender Störungen von Öllieferungen ergeben könnten.
Hodel verwies darauf, daß die USA in den letzten drei Jahren ihre strategische Ölreserve nahezu vervierfacht hätten und z. Zt. über Vorräte von
mehr als 410 Millionen Barrel (1 Barrel = 159 Liter) verfügten.

Das

zweite, inzwischen ebenfalls erreichte Ziel war die Schaffung geeigneter
Mechanismen innerhalb der USA, um Notstandspläne für den Fall schwerwiegender Unterbrechungen in der Ölversorgung in Aktion zu setzen und die
Funktionsfähigkeit des Systems der strategischen Erdölreserve zu gewähr-

&gt;

leisten.

Allen E. Wendt, Stellvertretender Unterstaatssekretär für internationale Energiepolitik im amerikanischen Außenministerium, gab am 25. Juli
vor der Auslandspresse in Washington weitere Abmachungen mit den Partnernländern in der IEA bekannt. So könne beispielsweise eine neugeschaffene Konsultativgruppe, die zur Freigabe von Vorräten berechtigt sei, eine "rechtzeitige, koordinierte Inanspruchnahme der Erdölreserven" in Krisenzeiten einleiten. Diese Gruppe, die allen Mitgliedern der OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) offenstehe,
stelle ein Forum für die wichtigsten Energieverbraucher dar, um rasch und
informell

Beratungen aufzunehmen.

(Gegenwärtig

Frankreichs alle IEA-Mitglieder der OECD an.)

gehören mit Ausnahme

Länder, in denen es keine

regierungseigenen Reservehaltung von Kohöl gebe, würden entsprechend der
vom IEA-Gouvemeursrat verabschiedeten politischen Richtlinien ermutigt,
auf Reserven in Privateigentum zurückzugreifen. Und von solchen Ländern,
in denen für die Gemeinschaft verwertbare Erdölreserven nicht vorhanden
seien, erwarte man entsprechende andere Beiträge, etwa durch äußerste Zurückhaltung bei der Inanspruchnahme von Importöl.

Im Fall einer völligen Einstellung von Ölexporten durch den Persischen Golf könnte, wie Wendt erklärte, der Verlust weitgehend dadurch
ausgeglichen werden, daß die USA ihrer strategischen Erdölreserve etwa
zwei Millionen Barrel pro Tag, die anderen IEA-Länder gleichzeitig entsprechende weitere Mengen ihren eigenen Reserven entnehmen.
- 2 -

"Eine koor-

*

�"Eine koordinierte Inanspruchnahme in der vom IEA-Gouverneursrat vorgesehenen Form würde dem Markt eindeutig signalisieren, daß die Regierungen
entschlossen und verantwortungsbewußt handeln, um Versorgungslücken zu
überbrücken."

Dies wiederum würde dazu führen, daß die Märkte beruhigt

und Spekulationskäufe oder Panikkäufe vermeiden würden.

Nach den Auskünften von Donald H. Pearlman vom amerikanischen Energieministerium liegt die Menge, die der Erdölreserve der USA über einen
längeren Zeitraum entnommen werden könne, bei maximal
Barrel pro Tag.

2,1 Millionen

Allerdings sei dafür zunächst eine Verfügung des Präsi-

denten zur Inanspruchnahme der Ölreserve erforderlich, und dann müsse das
Öl an kommerzielle Abnehmer zu den jeweils üblichen Marktpreisen versteigert werden.

Nach gegenwärtigen Schätzungen dürften 20 bis 24 Tage ver-

gehen, bis die ersten Lieferungen den Markt erreichten. Für das Gros der
Ölmengen mit 2,1 Millionen Barrel pro Tag seien aber angesichts der erforderlichen organisatorischen Maßnahmen bei den Aufkäufern Fristen bis
zu 45 Tagen zu erwarten.

Bei besonders schwerwiegenden Versorgungsstö-

rungen würden die Vereinigten Staaten, so Pearlman, zusätzlich zu den Regierungsmaßnahmen die Privatwirtschaft ermutigen, freiwillig Energie zu
sparen und auf andere Brennstoffe umzuschalten.

- 3 -

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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA zu Weltraumaffenverhandlungen ohne Vorbedingungen bereit&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärung des Weißen Hauses und des Außenministeriums -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Wahlen in Amerika 1984&lt;br /&gt;&lt;em&gt;(7)&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Auszüge aus dem Wahlprogramm der Demokratischen Partei -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die kommunistische Bedrohung der Freiheit in Lateinamerika&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von Max Kampelman -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Bericht über die Lage in El Salvador&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Zusammenfassung -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Medizinische Versorgung in Afghanistan katastrophal&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Bericht eines amerikanischen Arztes -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Erdölreserve als Mittel zur Preisregulierung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- IEA-Länder beschließen raschen Einsatz bei Versorgungsschwierigkeiten -&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>^^H

nrormcition
und
Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

8. August 1984

32

INHALT

DOKUMENTATION
Reagan hebt einige Sanktionen gegen Polen auf
- Erklärung des Weißen Hauses USA: Verheißungen von Helsinki noch nicht erfüllt
- Erklärung zum neunten Jahrestag der Helsinki-Vereinbarungen
McFarlane: Sowjets stellen US-Position zu Wiener Gesprächen
falsch dar

HINTERGRUNDMATERIAL
Nicaragua: Einige Richtigstellungen

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Malaria-Impfstoff in etwa fünf Jahren
- Gentechnische Methoden könnten zum Ziel führen
USA wollen Bleigehalt im Benzin drastisch senken

Um Über/endung von
ßckgcKcmplorcn
wird gebeten

Postfach 20 03 00
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T

e L : 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

8. August 1984

32

REAGAN HEBT EINIGE SANKTIONEN GEGEN POLEN AUF
- Erklärung des Weißen Hauses -

SANTA BARBARA, KALIFORNIEN - (AD) - Präsident Reagan hat am 3. August
1984 aufgrund der kürzlich durch die ponische Regierung verkündeten Freilassung von politischen Gefangenen einige Sanktionen gegen Polen aufgehoben und die Amnestie als einen Schritt zur nationalen Versöhnung bezeichnet.
Erstens wurde die Verweigerung der Landungsrechte für die staatliche
polnische Luftfahrtgesellschaft LOT in den Vereinigten Staaten aufgehoben
und der wissenschaftliche Austausch mit Polen wieder aufgenommen. Ferner,
so heißt es in der Erklärung des Weißen Hauses, könnte eine volle Verwirklichung der Amnestie zu einer Reaktivierung des Antrags Polens für
die Mitgliedschaft im Internationalen Währungsfonds führen.
Die Erklärung des Weißen Hauses hat folgenden Wortlaut:
Der Präsident hat die von der polnischen Regierung am 21. Juli angekündigte Freilassung von politischen Gefangenen zur Kenntnis genommen. Er
ist der Überzeugung, daß sie ein wichtiger Schritt in Richtung auf die

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�auf die nationale Versöhnung in Polen ist.

Daher hat er in Übereinstim-

mung mit seiner Methode, die Lage in Polen Schritt für Schritt zu behandeln, zwei Maßnahmen beschlossen.

Erstens, der Präsident hat die Aufhebung der Verweigerung der Landungsrechte für reguläre Flüge der staatlichen polnischen Luftfahrtgesellschaft LOT angeordnet, wenn unsere Beziehungen auf dem Gebiet der
Zivilluftfahrt geregelt sind, und die volle Wiederaufnahme des wissenschaftlichen Austauschs zwischen den Vereinigten Staaten und Polen genehmigt .

Zweitens, der Präsident hat zu verstehen gegeben, daß die vollständige und vernünftige Verwirklichung der Amnestieentscheidung eine positive Atmosphäre schaffen wird, die die Reaktivierung des Antrags Polens
auf Mitgliedschaft
würde.

im Internationalen Währungsfonds

(IWF) ermöglichen

Die Vereinigten Staaten würden natürlich jeden endgültigen Antrag

auf seine Berechtigung prüfen, einschließlich der Bereitschaft Polens,
die Verpflichtungen der Mitgliedschaft im IWF zu erfüllen.
Ziel und Zweck unserer Sanktionen war von Anfang an, die Bewegung weg
von der Konfrontation und hin zur Versöhnung in Polen zu ermutigen.

Die

Vereinigten Staaten sind bezüglich der Situation in Polen zwar weiterhin
besorgt, aber wir betrachten die Amnestieerklärung der polnischen Regierung als eine potentiell positive Entwicklung.

Die Vereinigten Staaten sind bereit, als Antwort auf eine weitere wesentliche Bewegung hin zur nationalen Versöhnung in Polen weitere positive Schritte zu ergreifen.

Bis dahin werden wir uns mit unseren NATO-Ver-

bündeten und anderen über die Situation in Polen und eine wesentliche
Antwort darauf konsultieren.

- 2 -

�32

8. August 1984

USA: VERHEISSUNGEN VON HELSINKI NOCH NICHT ERFÜLLT
Erklärung zum neunten Jahrestag der Helsinki-Vereinbarungen -

WASHINGTON - (AD) - Anläßlich des neunten Jahrestages der Unterzeichnung der Schlußakte von Helsinki haben die Vereinigten Staaten darauf
hingewiesen,daß die Verweigerung der grundlegenden Menschenrechte in Osteuropa und insbesondere in der Sowjetunion ein konstruktiveres Verhältnis
zwischen Ost und West behindere. In einer am 2. August 1984 vom amerikanischen Außenministerium veröffntlichten Erklärung, heißt es, die Verheißungen der Vereinbarungen von Helsinki seien allzu oft unerfüllt geblieben.
Die Erklärung des State Department hat folgenden Wortlaut:
Vor neun Jahren unterzeichneten die Vereinigten Staaten und Kanada
gemeinsam mit 33 ost- und westeuropäischen Regierungen in Helsinki die
Schlußakte der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa
(KSZE). Die Vereinbarung von Helsinki, die die Unterzeichnerländer dazu
verpflichteten, sich an universelle Normen des internationalen Verhaltens

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�internationalen Verhaltens und an die grundlegenden Menschenrechte zu
halten, sind ein Leuchtfeuer der Hoffnung für die Wurde und Freiheit des
Menschen.
Die Vereinigten Staaten sind weiterhin nachdrücklich der vollen Verwirklichung der Bestimmungen der Helsinki-Vereinbarungen verpflichtet.
Während des vergangenen Jahres hat es eine Anzahl wichtiger Entwicklungen
im Rahmen der KSZE gegeben.

Im September letzten Jahres wurde die sich

über drei Jahre erstreckende Folgekonferenz von Madrid mit der Annahme
wichtiger neuer Bestimmungen abgeschlossen, die der Förderung der Sache
der Menschenrechte, einschließlich der gewerkschaftlichen und religiösen
Freiheiten dienen soll. Die Stockholmer Konferenz über Sicherheit in Europa wurde eröffnet, auf der wir Maßnahmen zur Verminderung des Risikos
eines Überraschungsangriffes in Europa vorgeschlagen haben.

So wie die

Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten in Madrid eine wesentliche Rolle
bei der Erreichung eines positiven Ergebnisses gespielt haben, haben wir
auch in Stockholm konkrete Vorschläge vorgelegt, die die Ost-West-Sicherheit verbessern sollen.
Leider sind die in der Schlußakte von Helsinki enthaltenen Verheißungen allzu oft unerfüllt geblieben. Die Vereinbarungen von Helsinki
verpflichten die Signatarstaaten, "die Menschenrechte und die grundlegenden Freiheiten zu respektieren, einschließlich der Freiheit des Denkens, des Gewissens, der Religion oder des Glaubens - und zwar für alle,
ungeachtet der Rasse, des Geschlechtes, der Sprache oder der Religion."
Die Vereinbarungen enthalten ferner Verpflichtungen zur Förderung der gewerkschaftlichen Freiheiten, zur Bekämpfung des Terrorismus, zur Familienzusammenführung, zur Verbesserung des freien Informationsflusses sowie anderes mehr.
Im Verlaufe der Jahre hat es einige allmähliche, hart gewonnene Fortschritte gegeben. Aber zu häufig müssen wir feststellen, daß in Osteuropa und insbesondere in der Sowjetunion die Dinge anders aussehen: Unterdrückung Andersdenkender, Beschränkungen der religiösen Freiheiten, Verweigerung von Ausreisegenehmigungen für die Bürger, Störung von westlichen Rundfunksendungen, Unterstützung des Terrorismus und Auflösung
- 2 -

�und Auflösung freier Gewerkschaften.

Die schlimme Situation von Dr.

Andreij Sacharow und seiner Frau Elena Bonner ist eines der vielen sehr
wichtigen

Beispie-

le,

wo

die

Verweigerung

der

grundlegenden

Menschenrechte die Entwicklung eines von uns angestrebten konstruktiveren
Ost-West-Verhältnisses behin- dert.

Die Herausforderung ist gewaltig:

Es geht darum, den Verheißungen

des Helsinki-Prozesses durch Taten eine reale Bedeutung zu geben.

Wir

haben realistische Erwartungen und gehen mit Geduld an die Dinge heran,
und wir sind zu einem ernsthaften Dialog bereit.

Wir rufen alle KSZE-

Staaten auf, die Menschenrechte und die Freiheiten des Menschen zu fördern, indem wir die Verheißungen und Verpflichtungen der Schlußakte von
Helsinki erfüllen.

- 3 -

�32

8. August 1984

MCFARLANE: SOWJETS STELLEN US-POSITION ZU WIENER GESPRACHEN FALSCH DAR

SANTA BARBARA, KALIFORNIEN - (AD) - Der Berater Präsident Reagans für
Fragen der nationalen Sicherheit, Robert McFarlane, hat darauf hingewiesen, daß Moskau die amerikanische Position hinsichtlich der Eröffnung von
Rüstungskontrollgesprächen in Wien am 18. September 1984 wiederholt
falsch dargestellt habe. Trotz eines von den Vereinigten Staaten klar
geäußerten positiven Standpunktes, so heißt es in einer am 1. August
veröffentlichten schriftlichen Erklärung des Sicherheitsberaters, habe
die Sowjetunion behauptet, die USA hätten die sowjetischen Vorschläge
abgelehnt und Vorbedingungen gestellt.
In Washington erklärte der Stellvertretende Unterstaatssekretär für
europäische Fragen im State Department, Mark Palmer, vor dem außenpolitischen Ausschuß des amerikanischen Senats in diesem Zusammenhang, die
Sowjetunion sei hinsichtlich des Wiener Treffens "sehr unbeweglich." Die
Vereinigten Staaten seien an einem solchen Treffen sehr interessiert und
hätten ihrerseits große Flexibilität gezeigt. Sie hätten auch keinerlei
Vorbedingungen gestellt.
Die

Erklärung

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�Die Erklärung McFarlanes hat folgenden Wortlaut:
Die Vereinigten Staaten haben der sowjetischen Regierung gegenüber in
einer Reihe von Botschaften auf hoher Ebene deutlich zu verstehen gegeben, daß sie den Vorschlag der Sowjetunion vom 29. Juni akzeptieren und
zu ernsthaften Verhandlungen über den Weltraum, einschließlich der Antisatelliten-Waffen, in Wien bereit sind.

Wir haben die Ansicht zum Aus-

druck gebracht, daß das Problem der Weltraumwaffen nicht isoliert von dem
strategischen GesamtVerhältnis erörtert werden kann, daß wir jedoch keine
Vorbedingungen für die Wiener Tagesordnung stellen.
Trotz dieser klar formulierten positiven Haltung unsererseits hat die
Sowjetunion behauptet, die Vereinigten Staaten hätten den sowjetischen
Vorschlag abgelehnt.

Im Rahmen der jüngsten Presseunterrichtung in Mos-

kau wurden diese Behauptungen wiederholt, obwohl die amerikanische Position in einer Reihe von Botschaften auf hoher Ebene, die der sowjetischen
Regierung auf diplomatischem Wege übermittelt wurden, klar dargelegt
wurde.
In unseren Botschaften an die Sowjets haben wir erklärt, daß ihr Vorschlag für eine Konferenz über die "Militarisierung des Weltraums" eine
"ausgezeichnete Idee" sei und daß wir bereit seien, am 18. September in
Wien mit einer Delegation anwesend zu sein, die in solche Verhandlungen
eintreten werde.
Wir haben kürzlich einen Vorschlag für eine mögliche sowjetisch-amerikanische Erklärung über Inhalt und Ziel der Wiener Verhandlungen unterbreitet. Dieser Vorschlag macht ausdrücklich klar, daß es das Ziel dieser Gespräche sein sollte, Abkommen hinsichtlich der Militarisierung des
Weltraums, einschließlich der Antisatelliten-Systeme sowie anderer Aspekte dieser Frage, auszuarbeiten und abzuschließen.
Als Antwort auf den sowjetischen Vorschlag für ein beiderseitiges Moratorium für die Antisatelliten-Erprobung vom Beginn der Gespräche an ha-

�an haben die Vereinigten Staaten ihre Bereitschaft dazu erklärt, daß unsere Unterhändler erwägen sollten, welche beiderseitigen Beschränkungen
während des Verlaufes der Verhandlungen angemessen seien.

In den jüng-

sten sowjetischen Erklärungen wurde dieser Vorschlag in eine Vorbedingung
verdreht - eine Verdrehung, die auf eine unaufrichtige Haltung der Sowjets schließen läßt.

Wir sind weiterhin der Ansicht, daß mögliche bei-

derseitige Beschränkungen ein zweckmäßiges Thema der Verhandlungen darstellen. Die gemeinsame Erklärung sollte jedoch das Ergebnis dieser Verhandlungen nicht präjudizieren.

Die Sowjetunion hat wiederholt die amerikanische Position hinsichtlich der Eröffnung von Rüstungskontrollverhandlungen
beiden Ländern in Wien falsch dargestellt.

zwischen unseren

Nach der jüngsten sowjeti-

schen Erklärung hat es den Anschein, als hätten die Sowjets es mit ihrem
Vorschlag nicht ernst gemeint.

Wir bedauern dies.

Wie schon erklärt,

haben wir ihren Vorschlag, in Wien zusammenzutreffen, konsequent akzeptiert.

Wir ziehen es vor, daß diese Angelegenheit auf diplomatischem We-

ge behandelt wird.

* * * * *

- 3-

�Hinlcrgiund
motcrial
United States Information Service
Embassy of the United States of America

8. August 1984

32

NICARAGUA: EINIGE RICHTIGSTELLUNGEN

WASHINGTON - (AD) - Bezüglich der Politik der Vereinigten Staaten gegenüber Nicaragua gibt es eine ganze Anzahl von Mißverständnissen, die im
Folgenden richtiggestellt werden sollen.
Erstes Mißverständnis:
Die amerikanische Feindschaft gegenüber der sandinistisehen Revolution habe diese radikalisiert und in die Arme Kubas und der Sowjetunion
getrieben.
Richtigstellung:
—Nicaraguas enge militärische Bindungen zu Kuba und der Sowjetunion
sind eine Ursache - und nicht eine Folge - der Verschlechterung unserer
bilateralen Beziehungen. Die Chronologie der Ereignisse schafft hierüber

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�schafft hierüber Klarheit.
—Innerhalb einer Woche nach der Machtübernahme der Sandinisten hatte
Kuba etwa 100 Mann Militär- und Sicherheitspersonal in Nicaragua. Drei
Monate später, im Oktober 1979, war diese Zahl auf 200 angestiegen. Heute
gibt es in Nicaragua zwischen 2 500 und 3 500 kubanische Militär- und
Sicherheitsberater, mindestens 100 weitere aus der Sowjetunion und dem
Ostblock sowie etwa 50 Berater der PLO und Libyens.
— A l s die Sandinisten im Juni 1979 vor der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) die Zusage machten, ein demokratisches, pluralistisches und bündnisfreies System mit gemischter Volkswirtschaft aufzubauen,
stimmten auch die Vereinigten Staaten der OAS-Resolution zu, die eine Abdankung des Somoza-Regimes forderte.
— D i e ersten Nahrungsmittellieferungen, die nach dem Sturz Somozas in
dem vom Krieg verwüsteten Nicaragua eintrafen, waren Lebensmittelspenden
der amerikanischen Regierung im Wert von mehreren Millionen Dollar.
— D i e Vereinigten Staaten spielten eine führende Rolle bei dem internationalen Bemühen, der sandinistischen Regierung Hilfestellung zu leisten. In den ersten achtzehn Monaten der sandinistischen Regierung genehmigten die Vereinigten Staaten annähernd 118 Millionen Dollar bilateraler
Wirtschaftshilfe und unterstützten die Refinanzierung der Verbindlichkeiten Nicaraguas über private Banken. Die Vereinigten Staaten setzten sich
zudem dafür ein, daß rund 1,6 Milliarden Dollar von internationalen Kreditinstitutionen und aus den westlichen Demokratien nach Nicaragua
flössen.
— I n diesem Zeitraum stellte die amerikanische Regierung Nicaragua
mehr Hilfe zur Verfügung als jeder andere Staat. Die amerikanische Regierung machte ein Angebot zur Entsendung von Freiwilligen des Friedenskorps; doch wurde dies von dem sandinistischen Regime nicht akzeptiert.
—Erst als sich herausstellte, daß die Sandinisten die Guerilla in El
- 2 -

�Guerilla in El Salvador unterstützten, stellte die Regierung Carter ihre
Hilfszahlungen ein.
— I m Oktober 1980 - noch unter Präsident Carter - und im August 1981
sowie im April 1982 unter der Reagan-Administration bemühten sich die
Vereinigten Staaten, Nicaragua dazu zu bewegen, seine Unterstützung des
Guerilla-Aufstandes in El Salvador einzustellen. Nicaragua reagierte auf
diese diplomatischen Bemühungen nicht.
— D i e Feindseligkeit der Sandinisten gegenüber den Vereinigten Staaten läßt sich noch bis vor den Zeitpunkt ihrer Machtergreifung zurückverfolgen. Ein Beispiel hierfür findet sich in ihrer Parteihymne, die die
Vereinigten Staaten den "Feind der Menschheit" nannte - und dies noch
immer tut.
Zweites Mißverständnis:
Die Feindseligkeit der Vereinigten Staaten gegenüber dem sandinistischen Regime sei für den dortigen Ausnahmezustand sowie für die Unterdrückung der elementaren bürgerlichen Rechte durch das Regime verantwortlich.
Richtigstellung:
— D e r Hirtenbrief der nicaraguanischen Bischöfe vom 22. April 1984
zum Thema der Versöhnung weist diese Unterstellung eindeutig zurück. In
dem Brief heißt es: "Es ist unehrlich, die Aggression und Gewalt im
Innern immer wieder auf Aggression von außen zu schieben. Es ist sinnlos,
die schlimme Vergangenheit für alles verantwortlich zu machen, ohne dabei
die Probleme der Gegenwart zu sehen."
—Dieses Argument ist das politische Äquivalent zu dem Satz: "Der
Teufel hat mich dazu getrieben." Die Sandinisten wollten die Welt glauben
machen, daß die FSLN wirklich demokratische Intentionen habe, sie aber
durch die Feindseligkeit der Vereinigten Staaten zu repressiven und ex-

�repressiven und extremen Maunahmen gezwungen würde.

—Die Regierung der FSLN bedurfte zur Unterdrückung des Volkes aber
ohnehin keiner Erklärungen. Tatsächlich hatte die nicaraguanische Regierung - sogar schon zu der Zeit, da noch, während der ersten beiden Jahre
des Sandinista-Regimes, relativ freundliche Beziehungen zu den Vereinigten Staaten unterhalten wurden - damit begonnen, ihre Kritiker zu verhaften, die Presse zu zensieren, die katholische Kirche anzugreifen und die
Miskito-, Rama- und Sumo-Indianer graumsam zu behandeln.

Zwei Monate nach dem Sieg vom Juli 1979 bereitete das sandinistische
Nationaldirektorium ein Dokument vor ("Analyse der Lage und Aufgaben der
sandinistischen

Volksrevolution",

auch

als

"72-Stunden-Dokument"

be-

kannt), in dem es hieß, daß es Ziel des Direktoriums sei, im Innern die
Revolution zu konsolidieren und "den revolutionären Internationalismus"
zu fördern.

Das "72-Stunden-Dokument" stellte des weiteren fest, daß das Direktorium keinerlei Bedrohung durch mögliche Insurgentengruppen erkenne, da
diese von benachbarten Staaten abhängig sein würden. "Keiner unserer
Nachbarn könnte sich auf ein solch unsicheres Abenteuer einlassen, Honduras nicht, weil es inmitten einer recht komplexen innenpolitischen Situation neutral bleiben muß, El Salvador und Guatemala nicht, weil beide mit
sozialen Unruhen fertigwerden müssen." Dennoch machte sich Nicaragua an
eine militärische Aufrüstung, wie es sie bis dahin in der Geschichte Mittelamerikas noch nicht gegeben hatte.

In
äußerer

Nicaragua

hat

Feindseligkeit

sich

ein

diktatorisches

entwickelt,

sondern

Regime

weil

die

nicht

aufgrund

sandinistische

Führung von Anbeginn an die Absicht hatte, ein marxistisch-leninistisches
Regime aufzubauen. Zudem hat diese Führung aus ihrem politischen Glaubensbekenntnis nie ein Hehl gemacht.

—Zwischen 1979 und 1982 - noch bevor die antisandinistische Guerilla
zu einer merklichen Kraft wurde - geschah Folgendes:
— I m November 1980
- 4 -

�— I m November 1980 töteten Agenten der Sandinista den unbewaffneten
Jorge Salazar, eine Führungspersönlichkeit des privaten Sektors;
—

Im März 1981 hinderte dieser Mob die Anhänger Alfonso Robelos

daran, eine rechtmäßige politische Veranstaltung abzuhalten (Robelo war
Mitglied der ursprünglichen Junta-Regierung des nationalen Wiederaufbaus);
—

Im Juli 1981 hinderten die Sandinisten Erzbischof Obando Y Bravo

daran, im Fernsehen die Messe zu lesen;
— Ebenfalls 1981 ließen die Sandinisten mehrmals die unabhängige
Zeitung "La Prensa" schließen und drohten jenen Personen Strafe an, die
"falsche Wirtschaftsnachrichten" verbreiten würden; d a m verhafteten sie
bekannte Mitglieder der wichtigsten Organisation des nicaraguanischen
Privatsektors, COSEP; Ende 1981 und Anfang 1982 zwangen die Sandinisten
etwa 10 000 Miskito-Indianer aus ihren Heimatgebieten in entfernt
liegende Umsiedlungslager;
— Im März 1982 riefen die Sandinisten den Notstand aus und "legalisierten" dadurch die systematische und fortwährende Verhängung von Restriktionen im Bereich der Menschen- und der Bürgerrechte.
Drittes Mißverständnis;
Nicaragua habe gegen Ende 1983 mehrere positive Schritte unternommen,
um seine guten Absichten unter Beweis zu stellen und seine Beziehungen zu
den Vereinigten Staaten zu verbessern. Dies sei bei den Vereinigten Staaten auf Zynismus gestoßen.
Richtigstellung:
—

Die amerikanische Regierung hat hochrangige Regierungsvertreter

nach Managua entsandt, um Themen von beiderseitiger Bedeutung zu diskutieren. Zu den amerikanischen Schritten gehörten:

- 5 —Gespräche des amerikanischen

�—Gespräche des amerikanischen Sonderbotschafters für Mittelamerika, Harry Shlaudeman, mit dem stellvertretenden nicaraguanischen Außenminister, Victor Hugo Tinoco, vom 25. bis 27. Juni in Mexiko;

—der Besuch von Außenminister Shultz am 1. Juni 1984 und die Ernennung von Botschafter Harry Shlaudeman zum Chefunterhändler für die Gespräche mit Nicaraga;

—der Besuch von Unterstaatssekretär Motley sowie der Besuch von
Sonderbotschafter Shlaudeman in Managua am 4. April 1984;

—das

Treffen zwischen dem amerikanischen Sonderbotschafter für

Mittelamerika, Stone, mit Daniel Ortega am 4. Januar 1984; und

—die Erklärung von Außenminister Shultz vom 5. Dezember, in der er
die Ankündigung der Sandinisten über bevorstehende Wahlen und ein Amnestieangebot an die Rebellen begrüßte. Er brachte seine Hoffnung zum Ausdruck, daß ihren Worten auch die Tat folgen werde.

—Ende 1983 verkündete die nicaraguanische Regierung, daß sie die
Zahl der kubanischen Militärberater verringern, die strenge Pressezensur
lockern und ihren politischen Gegnern politische Rechte gewähren sowie
Wahlen vorbereiten werde. Während die Presse und die anderen Medien hiervon berichteten, wurden folgende Tatsachen übersehen:
—Einige Kubaner verließen Nicaragua lediglich gemäß eines
Rotationsprinzips, nicht aber als Teil einer Verringerung. Viele der abziehenden Kubaner waren in Wirklichkeit Lehrer und andere Zivilisten, die
in die Ferien gingen. Wir haben inzwischen davon Kenntnis, daß die Zahl
der kubanischen militärischen, nachrichtendienstlichen

und politischen

Berater in Nicaragua seit Ende 1983 noch zugenommen hat.

—Die FSLN-Regierung

erleichterte die Zensurbedingungen für

kurze Zeit, erlegte strikte Zensur jedoch sogleich in dem Moment wieder

�in dem Moment wieder auf, da die weltweite öffentliche Meinung von
jener"positiven" Maßnahme erfahren hatte.

— A m 50. Todestag Sandinos verbot die Zensur einen Leitartikel
von "La Prensa", in dem es hieß, Sandino sei ein national gesinnter Patriot - nicht aber ein Kommunist gewesen. Die Zensur wird derzeit immer
schärfer und hat dazu geführt, daß "La Prensa" in diesem Jahr bislang bereits 11 mal nicht erschien.

—Der

Hirtenbrief

des

Ostersonntag

1984

wurde

durch

"La

Prensa" völlig beschnitten, nachdem die Sandinisten den Brief und die
Forderung der katholischen Bischöfe nach einem Dialog öffentlich angeprangert hatten.
—Die

Sandinisten verhafteten am 29. April einen bekannten

Journalisten von "La Prensa" und zensierten diesbezügliche Artikel der
Zeitung. Später wurde auch noch ein Fotograph von "La Prensa" verhaftet.
Beide befinden sich noch immer in Haft.

—Nach dem Attentat auf Eden Pastora am 30. Mai wurde "La
Prensa" am 31. Mai nicht gedruckt. Rund 90 Prozent des Zeitungsinhaltes
wurden zensiert, einschließlich der Artikel über das Attentat auf Pastora.

—Nach längerem Hin und Her kündigte die FSLN-Regierung schließlich
an, daß am 4. November 1984 Wahlen stattfinden würden. Die FSLN-Führung
erklärte jedoch, daß es sich hierbei nicht um eine "bürgerliche" Wahl
handeln, sondern diese dazu dienen werde, die Revolution zu "ratifizieren" .

—Die Regierung senkte das Wahlalter auf 16 Jahre, wodurch die von
den sandinistischen Jugendorganisationen indoktrinierten und kontrollierten Jugendlichen die Möglichkeit zu wählen erhielten.
—Die nicaraguanische Regierung behinderte Angehörige der Opposition
dabei, sich an die Medien zu wenden und Wahlveranstaltungen zu organisie- 7 -

�WahlVeranstaltungen

zu organisieren. Außerdem wurde die Teilnahme von

Führern der bewaffneten Opposition am Wahlprozeß verboten.

— A m 10. Juli wies das sandinistische Regime nach einer Demonstration
zugunsten des Priesters Luis Amado Pena, die von Obando Y Bravo, dem Erzbischof von Managua angeführt worden war, zehn ausländische katholische
Priester aus. Pena darf staatlichen Anweisungen zufolge ein Priesterseminar nicht verlassen und es gibt Presseberichte, denen zufolge die Sandinisten den Versuch unternehmen könnten, Pena wegen angeblicher "konterrevolutionärer Aktivitäten" vor ein "Sondertribunal11 zu stellen.

—Der Notstand, der am 19. Juli 1984 auslief, wurde um weitere drei
Monate verlängert. Das sandinistische Regime hat den Wahlkampf auf die
Zeit zwischen den 1. August und den 31. Oktober beschränkt.

Viertes Mißverständnis:

Die Regierung der Vereinigten Staaten sei dem amerikanischen Volk gegenüber nicht ehrlich, was ihre Beteiligung an der Guerillatätigkeit in
Nicaragua angehe.

Richtigstellung:

— E s gehörte stets zur amerikanischen Politik, daß die Regierung der
Vereinigten Staaten öffentlich Berichte weder bestätigt noch bestreitet,
die sich auf geheimdienstliche Tätigkeiten beziehen.
—Dennoch sind einige Anmerkungen hinsichtlich der FSLN und den bewaffneten antisandinistischen Gruppen zu machen:
—Erstens versprach die FSLN 1979 in einem Schreiben an die OAS,
daß sie sich für demokratischen Pluralismus einsetzen und die Menschervrechte achten werde. Seither hat sie die Rechte des einzelnen unterdrückt
und erst seit kurzem - vor allem aufgrund des äußeren Drucks seitens der
Vereinigten Staaten und anderer Staaten - für den November 1984 Wahlen

�November 1984 Wahlen angesetzt.

—Zweitens waren die radikalen, marxistischen Elemente der Kräftekoalition, die Somoza besiegte, in der Lage, ihre Macht in der nachrevolutionären Periode vor allem deshalb zu konsolidieren, weil sie bis vor
kurzem die einzigen waren, die über Waffen verfügten.

—Drittens war die Unterstützung von Gewalt und Terrorismus im
übrigen Mittelamerika für das nicaraguanische Regime bis zu dem Zeitpunkt
weder mit wirtschaftlichen noch mit politischen Kosten verbunden, da es
sich zum erstenmal einer bewaffneten, inneren Opposition gegenüber sah.

—Viertens vermochten es weder wirtschaftlicher noch diplomatischer Druck allein, eine Veränderung der Politik des sandinistischen
Regimes herbeizuführen. Der Verlust amerikanischer Wirtschaftshilfe wurde
durch die Hilfe von seiten Mexikos, Europas und der Regierungen des Ostblocks mehr als wettgemacht.

—Fünftens sind die Antisandinisten Nicaraguaner, die eher bereit sind, ihr Leben aufs Spiel zu setzen, als unter dem sandinistischen
Regime zu leben. Sie waren enttäuscht von den gebrochenen Versprechen der
Sandinisten und dem Lauf der Revolution. Viele der Antisandinisten hatten
sich bereits gegen das Regime Somozas gestellt und dabei sogar schon damals zu den Waffen gegriffen.

—Sechstens wurde die bewaffnete Opposition von der Teilnahme am
politischen Leben Nicaraguas - einschließlich der für den November 1984
vorgesehenen Wahlen - ausgeschlossen.
—Schließlich begannen die Sandinisten erst in dem Moment, da
sich für sie aus dem Kampf gegen eine innere Opposition Kosten ergaben,
damit, eine Bereitschaft zu sinnvollen Verhandlungen mit ihren mittelamerikanischen Nachbarn zu signalisieren.

—

Zusätzliche Anreize - diplomatischer, politischer und militäri- 9 -

�politischer und militärischer Art - haben zu dem diplomatischen Fortschritt der jüngsten Zeit im Rahmen des CONTADORA-Prozesses beigetragen.
Aber es hat den Anschein, als seien erste Anzeichen eines Aufweichens der
diplomatischen

Kompromißlosigkeit

auf

sandinistischer

Seite unmittel-

bare Folge der Besorgnis über verdeckte Aufstandsbewegungen im Innern.

Fünftes Mißverständnis:

Die Vereinigten Staaten würden versuchen, Nicaragua wirtschaftlich zu
strangulieren.

Richtigstellung:

— I n den ersten achtzehn Monaten nach dem Sturz Somozas rief die amerikanische Regierung die größte Hilfsaktion ins Leben, die es für Nicaragua je gegeben hatte. Dafür wurden annähernd 118 Millionen Dollar an Entwicklungshilfe und Nahrungsmittelhilfe genehmigt. In den ersten dreieinhalb Jahren des Sandinistenregimes kam von den Vereinigten Staaten mehr
Hilfe für Nicaragua als von irgendeinem anderen Land.

—Die amerikanische Regierung half einem System, das ihrer Ansicht
nach reformistisch, pluralistisch und blockfrei sein und die bürgerlichen
Freiheiten und die Selbstbestimmung seiner Nachbarn respektieren würde.
Erst als Nicaraguas Unterstützung für Terrorismus und Guerillagruppen in
Mittelamerika deutlich wurde - nämlich ab Ende 1980 -, stellten die Vereinigten Staaten ihre Hilfe für Nicaragua ein.

—Der amerikanische Kongreß machte Wirtschaftshilfe für Nicaragua von
einem Nachweis seitens des Präsidenten abhängig, daß Nicaragua keinen Export von Subversion betreibe. Nach mehreren Warnungen auf diplomatischem
Weg an die

Nicaraguaner

hinsichtlich

zunehmender

Beweise

dafür, daß

Nicaragua die salvadorianische FMLN tatkräftig unterstützte, blockierte
die Carter-Administration im Dezember 1980 und Januar 1981 die Zahlungen
im Rahmen der Wirtschaftshilfe. Die jetzige Administration kam zu dem
Schluß, daß Nicaragua tatsächlich Subversion exportiert und stellte wei- 10 -

�und stellte weitere Zahlungen im Rahmen der Wirtschaftshilfe im April
1981 ein.
—1983 verteilte die Administration den größten Teil der nicaraguanischen Zuckerquote auf El Salvador, Honduras und Costa Rica. Die amerikanische Regierung konnte es nicht rechtfertigen, Nicaragua indirekte
Subventionen dadurch zukommen zu lassen, daß das Land auch weiterhin Zugang zu den höheren amerikanischen Zuckerpreisen hatte.

—Wir haben uns gegen einige multilaterale Darlehen an Nicaragua gestellt, weil die Wirtschaftspolitik der Sandinisten einem Wirtschaftswachstum abträgig ist. Auch andere Staaten teilen diese Ansicht. Nicaragua schuldet seinen Nachbarn Millionen von Dollar und die Olexporteure
der Region sind besorgt darüber, daß Nicaragua

seinem

Schuldendienst

nicht mehr nachkommt.

—Am

wichtigsten ist die Tatsache, daß die FSLN-Regierung willkür-

liche, ruinöse und in einigen Fällen rechtswidrige Wirtschaftsentscheidungen getroffen hat - zum Beispiel Konfiszierung von Privatvermögen sowie Verhaftung

von Führungspersonen aus dem Privatsektor wegen angeb-

licher Kritik an der Politik der Regierung.

—Die Vereinigten Staaten haben dem Handel mit Nicaragua keine Restriktionen auferlegt; die Vereinigten Staaten sind noch immer einer der
größten Exportmärkte für Nicaragua mit annähernd 15 bis 20 Prozent der
Exporte des Landes.

Sechstes Mißverständnis:

Die Vereinigten Staaten würden versuchen, die Regierung der Sandinisten zu stürzen.

Richtigstellung:

—Die amerikanische Regierung beabsichtigt nicht, das sandinistische
Regime zu stürzen.
Das
- 11 -

Boland-Amendment

�—Das Boland-Amendment zum Geheimdienst-Ermächtigungsgesetz des Haushaltsjahres 1983, an das sich diese Regierung hält, verbietet verdeckte
Aktionen zum Zweck des Sturzes der nicaraguanischen Regierung. Die Administration wird sich auch weiterhin an dieses Gesetz halten.

—Unsere Beziehungen zu Nicaragua haben sich aufgrund der immer engeren militärischen Bindungen des Landes zu Kuba und zur Sowjetunion sowie
aufgrund

der Repression im Innern, seiner Unterstützung des Guerilla-

Aufruhrs in El Salvador, des Terrorismus in Honduras und Costa Rica und
seiner extensiven Aufrüstung verschlechtert.

—Sogar jetzt noch könnten die Vereinigten Staaten konstruktive Beziehungen zu den Sandinisten unterhalten, würden diese zu den ursprünglichen Zielen der Revolution zurückkehren. Auf dieses Ziel arbeitet die
amerikanische Regierung aktiv im Rahmen des CONTADORA-Prozesses hin.

—Die Ziele unserer Politik gegenüber Nicaragua sind klar definiert.
Bei seinem Besuch am 1. Juni in Managua hat Außenminister Shultz erneut
diese vier Ziele genannt:
—Beendigung

der

Unterstützung

von

Guerillagruppen

durch

Nicaragua;
—Abbruch

der Beziehungen zu Kuba und dem Sowjetblock im

militärischen und sicherheitspolitischen Bereich;
—Rückführung
Niveau,

das

das

der militärischen Stärke Nicaraguas auf ein

militärische

Gleichgewicht

in

dieser

Region

wieder

herstellt;
—Erfüllung des ursprünglichen Versprechens der Sandinisten
hinsichtlich

einer

Unterstützung

des

- 12 -

demokratischen

Pluralismus.

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11
1l 1 ^

1»]
*

Uli//cn/choft
und Technik
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Embassy of the United States of America

32

8. August 1984

MALARIA-IMPFSTOFF IN ETWA FÜNF JAHREN
Gentechnische Methoden könnten zum Ziel führen -

- (AD) - Schätzungsweise 200 Millionen Menschen in der Welt erkranken
jedes Jahr an Malaria. In Afrika allein fordert die Seuche jährlich etwa
eine Million Menschenleben - davon viele durch die Infektion mit dem gefährlichsten Erreger, "Plasmodium Falciparum". Mit den bisher üblichen
Bekämpfungsmethoden ist ihm ebenso wie den anderen Erregertypen immer weniger beizukommen. Aus diesem Grund konzentrierten sich in jüngster Zeit
die Bemühungen in den Vereinigten Staaten, Impfstoffe gegen Malaria zu
entwickeln, zunächst auf den Falciparum-Typ. Wie M. Peter McPherson, der
Administrator des amerikanischen Amtes für Internationale Entwicklung
(AID), auf einer Pressekonferenz in Washington Anfang August bekanntgab,
bestehe nunmehr Hoffnung, daß in etwa fünf Jahren Schutzimpfungen möglich
seien.
Diese Hoffnung gründet sich auf einen an der Universität New York
erzielten Durchbruch.

Im Auftrag des AID arbeitet dort ein Forscherteam

seit drei Jahren an dem Malariavakzin-Projekt, wofür bereits mehr als

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�mehr als 12,6 Millionen Dollar bereitgestellt wurden.

AID investierte in

den letzten 20 Jahren 35 Millionen für Anti-Malaria-Projekte aller Art angefangen von der Sanierung von Sumpfgebieten, den Brutstätten der die
Erreger übertragenden Malaria-Mücken, und dem Einsatz von Insektiziden
bis zu hygienischen, medizinischen und nicht zuletzt sozial-wirtschaftlichen Programmen.

Der bedeutsamste Teil der Forschungsarbeiten an der Universität New
York wurde, wie McPherson erklärte, in den letzten zwei Jahren von einem
Team durchgeführt, dem Dr. Ruth Nussenzweig, die Leiterin der Arbeteilung
für Parasitologie, und Dr. Victor Nussenzweig, Professor in der Pathologie, vorstehen.

Es gelang mit gentechnischen Verfahren, ein Protein zu

synthetisieren (und in großen Mengen herzustellen), das den Malaria-Erreger ummantelt.

Die New Yorker Wissenschaftler sind der Meinung, daß die-

ses Protein schließlich dazu dienen könne, im menschlichen Körper eine
Immunreaktion gegen Malaria-Parasiten auszulösen.

Wenn dieses Programm,

das von den Medizinischen Bundesforschungsanstalten der USA (NIH), dem
Walter-Reed-Forschungsinstitut

der US-Armee und anderen Organisationen

unterstützt wurde, erfolgreich zu Ende gebracht werden kann, wäre der
Impfstoff nicht nur das erste vollsynthetische Vakzin, sondern auch das
erste Vakzin, das auf breiter Basis gegen Parasiten beim Menschen eingesetzt würde.

Etwa die Hälfte der Weltbevölkerung lebt in Gebieten, in denen mit
Malariaproblemen zu rechnen sei, erklärte McPherson.

Durch die in der

Nachkriegszeit immer stärker intensivierten und ständig mehr ausgedehnten
Sprühaktionen mit Insektiziden, ergänzt von einer verbreiteten Anwendung
von Medikamenten, glaubte man noch zu Beginn des letzten Jahrzehnts, die
Malaria zumindest unter Kontrolle gebracht zu haben.

Jetzt aber sehen

sich Gesundheitsbehörden und Medizin mit der Tatsache konfrontiert, daß
die überraschend große Resistenzentwicklung sowohl der Malariamücken gegen die bisher üblichen Insektizide als auch die der Malariaerreger im
menschlichen Körper gegen Medikamente die Erkrankungszahlen wieder ansteigen lassen.

Das gilt vor allem für Gebiete, in denen Malaria immer

endemisch war.

In den letzten zehn Jahren hat sich, weltweit gesehen,
- 2 -

\

�weltweit gesehen, die Zahl der Malariafälle verdoppelt.

Mancherorts hat

sie sich sogar um das Dreißig- bis Vierzigfache erhöht. Sorgloser Tourismus trägt dazu bei, daß auch in normalerweise malariafreien Gebieten immer häufiger Fälle mit z. T. schweren Krankheitsformen auftreten.

Noch müssen gründliche Sicherheits- und Wirksamkeitstests mit dem
Vakzin zunächst im Tierversuch durchgeführt werden, ehe es beim Menschen
erprobt werden kann.

McPherson schätzt, daß damit in ca. 12 bis 18 Mona-

ten zu rechnen sei.

Dann erst könne mit der Großproduktion für Massen-

impfungen begonnen werden.

Weiterentwicklungen zielen darauf ab, einen

Schutz gegen alle vier Arten der Malariaerreger herbeizuführen und nach
Möglichkeit auch Abwehrreaktionen gegen die Parasiten in mehreren Stadien
ihrer Lebenszyklen auszulösen.

Die Gentechnik, die bei dem ersten Malariavakzin angewandt wird,
könnte auch eine Chance bieten, Impfstoffe gegen andere parasitäre Krankheiten und bestimmte Tropenkrankheiten zu entwickeln.

Für die Forschung

auf dem Gebiet der Tropenkrankheiten stellt die amerikanische Regierung
jährlich ca. 100 Millionen Dollar zur Verfügung.

* * * * *

»

�T

Wi//en/chcift
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32

8. August 1984

USA WOLLEN BLEIGEHALT IM BENZIN DRASTISCH SENKEN

- (AD) - Das Tanken von bleifreiem Benzin gehört bei Neuwagen aus
amerikanischer Produktion seit mehreren Jahren zur Betriebsvorschrift. An
den Tankstellen gibt es meist nur noch eine einzige Zapfsäule für die alten Modelle.

Importwagen sind den strengen Abgasvorschriften der USA an-

gepaßt, die meisten mit Katalysatoren ausgerüstet.

Das amerikanische

Bundesamt für Umweltschutz (EPA) bereitet jetzt den nächsten Schritt vor
und will durchsetzen, daß bis zum 1. Januar 1986 der Bleigehalt des Benzins um 91 Prozent vermindert wird.

Das bedeutet eine Reduzierung des

Bleizusatzes von 290 Milligramm pro Liter auf 26 Milligramm pro Liter.
Sollte sich diese Forderung aus technischen und finanziellen Gründen in
eineinhalb Jahren nicht verwirklichen lassen, würde das EPA schrittweise
die Verringerung des Bleianteils auf 26 mg/1 bis zum Jahr 1988 zugestehen.

Der Vorschlag des EPA würde am 1. Oktober 1984, nach zwei Monaten

der Erörterung in der Öffentlichkeit und nach der Entscheidung für die
erste oder die zweite Möglichkeit, rechtswirksam werden.

Wie

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

der

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Wie der Leiter des Bundesamtes, William Ruckeishaus, auf einer Pressekonferenz am 30. Juli 1984 ausführte, erwäge das EPA ein totales Verbot
zur Verwendung von verbleitem Benzin ab 1995.

Aber bereits das jetzt

vorgestellte Programm sei geeignet, die Gefahren vor allem für Schwangere
und Kleinkinder, die durch

Blei verursacht werden können, erheblich ein-

zudämmen.

Eine Reihe von Studien, die das EPA in letzter Zeit durchführen ließ,
lieferte weitere Beweise dafür, daß ein direkter Zusammenhang zwischen
den mit Kraftfahrzeugabgasen emittierten Bleimengen und dem Bleispiegel
im menschlichen Blut bestehe, erklärte Ruckeishaus.

Verbleites Benzin

sei zu 80 Prozent für alle Bleiemissionen verantwortlich, die die Luft
belasten.

Sie haben auch einen sehr hohen Anteil am Bleigehalt von

Staub, Erde und Sand - und damit kommen Kinder ja mehr als Erwachsene in
Berührung.

Die Studien zeigten ferner, so Ruckeishaus, daß Gesundheitsschäden
durch Blei schon bei weitaus niedrigeren Konzentrationen, als bisher angenommen, ausgelöst werden können.

Erhöhte Bleispiegel im Blut führten

u.a. zu bleibenden Nervenschädigungen, zu Verhaltensstörungen, Lernbehinderungen und geistiger Behinderung.

Nach EPA-Schätzungen würden für die Mineralölindustrie die Produktionskosten des bleiärmeren Benzins um weniger als ein Prozent steigen.
Dem widerspricht allerdings das "American Petroleum Institute
eine landesweite Organisation der Mineralölindustrie.

(API)",

Ihre Vertreter

erklären, daß eine so starke Verminderung des Bleigehaltes im Benzin "wegen der Notendigkeit der Installierung neuer Raffinerie-Ausrüstungen, des
Imports von mehr und qualitativ höherwertigem Rohöl und wegen des Anfallens zusätzlicher Raffinerie-, Betriebs- und Wartungskosten die Kosten
der Herstellung aller Arten von

Benzin erhöht."

Die EPA-Maßnahme führe

zu einer Steigerung der amerikanischen Rohölimporte und zur Ausweitung
des Handelsdefizits der USA.

Die

Diskussionen

�Die Diskussionen der nächsten Wochen werden zeigen, wie man die
notwendigen Lösungen für die anstehenden Probleme anzugehen gedenkt.
Ruckeishaus ist überzeugt, daß ab 1995 ohnehin kaum mehr Fahrzeuge auf
den Straßen sein werden, die bleihaltiges Benzin benötigen.

* * * * *

- 3-

�</text>
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                    <text>und
Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

15. August 1984

33

INHALT
DQKUMEaüTATICN

Reagan u n t e r s t r e i c h t Bedeutung der Nonproliferation
- Bericht an den US-Kongreß
US-Außenpolitik zwischen Europa und Asien ausgewogen
- Rede des Stellvertretenden US-Außenministers -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
"DISCOVERY" soll am 29. August starten
Monoklonale Antikörper gegen Rhesusfaktor-Unverträglichkeit
- Von G. Weiss -

Um Über/endunQ von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�1mER1Kfa

1DlEl11SO

Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

33

15. August 1984

REAGAN UNTERSTREICHT BEDEUTUNG DER NONPROLIFERATION
- Bericht an den US-Kongress -

SANTA BARBERA - (AD) - Auf die grosse Bedeutung der Nichtweiterverbreitung von Kernwaffen (Nonproliferation) hat Präsident Reagan hingewiesen und dabei unterstrichen, daß die Initiativen, die die Vereinigten
Staaten auch im Jahre 1983 auf diesem Gebiet unternommen haben, positiv
zu dem Ziel der Verhinderung der Ausbreitung nuklearer Explosivstoffe
beigetragen hätten.
Reagan übersandte dem Kongress einen Bericht über die Aktivitäten der
Vereinigten Staaten auf diesem Gebiet im vergangenen Jahr.

In einem Be-

gleitschreiben, das vom Weißen Haus am 8. August 1984 veröffentlicht wurde, heißt es, die Weiterverbreitung nuklearer Explosivstoffe stelle eine
ernsthafte Bedrohung des Weltfriedens, der regionalen und globalen Stabilität sowie der Sicherheitsinteressen der USA und anderer Länder dar.
Das Begleitschreiben des amerikanischen Präsidenten hat folgenden
Wortlaut:
An
den

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D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�An den Kongress der Vereinigten Staaten,
Ich habe die Aktivitäten der Ministerien und der Regierungsbehörden
der Vereinigten Staaten im Kalenderjahr 1983 im Zusammenhang mit der Verhinderung der nuklearen Proliferation überprüft, und ich freue mich, gemäß Abschnitt 601 (A) des Gesetzes über die nukleare Nichtweiterverbreitung aus dem Jahre 1978 meinen Jahresbericht zu diesem Thema vorlegen zu
können.
Der Bericht kommt zu dem Schluß, daß die amerikanischen Initiativen
auf dem Gebiet der Nichtweiterverbreitung auch während des Jahres 1983
positiv zu dem Ziel der Verhinderung der weiteren Ausbreitung von nuklearen Explosivstoffen beigetragen haben.
Wie ich immer wieder erklärt.habe, würde die nukleare Proliferation
eine ernste Bedrohung des Weltfriedens, der regionalen und globalen Stabilität sowie der Sicherheitsinteressen der Vereinigten Staaten und anderer Länder darstellen. Ich betrachte die Verhinderung der Ausbreitung
nuklearer Explosivstoffe auch weiterhin als fundamentales Ziel der nationalen Sicherheit und der Aussenpolitik, und ich bin weiterhin der Verfolgung einer Politik fest verpflichtet, die unsere Ziele der Nichtweiterverbreitung fördern soll.
gez. Ronald Reagan

* * * * *

- 2-

�Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

15. August 1984

33

US-AUSSENPOLITIK ZWISCHEN EUROPA UND ASIEN AUSGEWOGEN
- Rede des Stellvertretenden US-Aussenministers -

CHICAGO - (AD) -

Der stellvertretende amerikanische Aussenminister

Kenneth Dam hat die Außenpolitik der Vereinigten Staaten als "ausgewogen"
zwischen Europa und Asien bezeichnet.

"Sicherlich nimmt Asien in poli-

tischer, sicherheitspolitischer und vor allem in wirtschaftlicher Hinsicht an Bedeutung zu," so sagte Dam, "aber unsere verstärkten Beziehungen zu Asien brauchen in keiner Weise unsere traditionellen Bindungen zu
Europa zu schwächen."
Die Rede Dams am 6. August 1984 vor der Amerikanischen Anwaltskammer
in Chicago hat folgenden Wortlaut:

Europa kontra Asien:

Ist Diplomatie ein Nullsummenspiel?

Es wird oft gesagt, daß die Gegend, in der man lebt, das Denken beeinflußt.

Zwei Jahrhunderte lang hat die Ostküste die Außenpolitik der

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Außenpolitik der Vereinigten Staaten beherrscht.

Es ist nicht über-

raschend, daß Europa im Mittelpunkt unserer internationalen Beziehungen
stand.

Aber heute glauben einige bekannte und einflußreiche Denker, daß

sich dies ändert.

Sie sagen, daß Amerika sichh neuorientiert - vom At-

lantik zum Pazifik, von Europa nach Asien. Diese Neuorientierung, so behaupten sie, wird durch eine wachsende politische Divergenz - ja Spaltung
- zwischen den Vereinigten Staaten und Europa verschärft.

In einigen

Fällen ist nicht klar, ob diese Kommentatoren eine solche Neuorientierung
begrüßen oder einfach nur glauben, daß ihre Androhung eine heilsame Wirkung auf das Denken der Europäer haben werde.
Anwälte bringen besondere Fähigkeiten in die Weltpolitik ein, und die
Amerikanische Anwaltskammer hat als Einrichtung eine konstruktive Rolle
in der Entwicklung der amerikanischen Außenpolitik gespielt.

Vielleicht

können wir heute, da hier im Herzen Amerikas Anwälte von Maine bis Kalifornien versammelt sind, einen kritischen Blick auf die Asien-kontra-Europa-Debatte werfen.

Die angebliche Verlagerung von Europa nach Asien
Wollen wir zunächst einmal die Vorstellung untersuchen, daß sich Amerika nach Asien "neige." Sicherlich scheint sich der Schwerpunkt des
amerikanischen Handels nach Westen zu verlagern. Seit 1978 hat mehr Handel den Pazifik überschritten als den Atlantik - und dieser Abstand nimmt
zu. Im Jahre 1983 betrug unser gegenseitiger Handel über den Pazifik
hinweg wertmäßig 137 Milliarden Dollar. Das waren rund 30 Milliarden
Dollar mehr als unser gegenseitiger Handel über den Atlantik hinweg. Der
"Ferne Osten" ist heute Amerikas "Naher Westen."
Darüber hinaus sind die asiatischen Volkswirtschaften gewachsen, während die europäischen stagnierten. Das wirtschaftliche Wachstum in Europa betrug im letzten Jahrzent im Durchschnitt etwa 2 Prozent jährlich.
Im Gegensatz dazu hatten die neuen Industriestaaten Asiens eine jährliche
Wachstumrate von 7 Prozent zu verzeichnen. Und ihre Ausfuhren an Fertig- 2 -

�An Fertigwaren stiegen um jährlich 18 Prozent.

Neben diesen Veränderungen in der Welt vollzogen sich Veränderungen
in den Vereinigten Staaten.

Wirtschaftliche Macht und Einfluß - wie auch

Menschen - wanderten nach dem Süden und Westen der USA.
rung spiegelte sich in den amerikanischen Exporten wider.

Diese VerlageDie neuesten

Statistiken - von 1981 - zeigen, daß Kalifornien und Texas die beiden
Hauptexporteure des Landes an Fertigwaren sind.

Die angebliche Divergenz zwischen USA und Europa
Diese angebliche Verlagerung von Europa nach Asien wurde nach Auffassung einiger Kommentatoren durch eine angebliche Divergenz zwischen den
Vereinigten Staaten und Europa in sicherheitspolitischen und wirtschaftspolitischen Fragen verschärft.

Ob diese Divergenz Ursache oder Folge der

angeblichen Verlagerung der Interessen von Europa nach Asien ist, bleibt
unklar.

Was das Gebiet der Sicherheit angeht, so liegt nach Meinung dieser
Kommentatoren das ernsteste Problem darin, daß die Vereinigten Staaten
einen unverhältnismäßig großen Anteil an den Lasten der Verteidigung
Europas tragen.

Sie stellen fest, daß wir rund 1,7 mal soviel von unse-

rem Bruttosozialprodukt für die Verteidigung aufwenden wie Westeuropa.
Aber das ist eine komplexe Frage.

Es gibt keine Einzelmaßnahme, die als

geeigneter Indikator für die relative Lastenverteilung dienen könnte.
Der Punkt ist, daß die Europäer ebenso mehr tun müssen wie wir selbst und
unsere asiatischen Freunde, um die unaufhörliche sowjetische Aufrüstung
abzufangen.

Nun hat Senator Nunn aus Georgia kürzlich im Kongreß vorgeschlagen,
daß die amerikanischen Streitkräfte in Europa jetzt auf ihrem derzeitigen
Stand eingefroren und in künftigen Jahren verringert werden sollten, wenn
die europäischen Verteidigungsanstrengungen nicht ansteigen, um festgelegte Ziele zu erreichen.

Die Administration und unsere Verbündeten ha-

�Verbündeten haben sich diesem Antrag nachdrucklich widersetzt, aber es
fehlten immerhin nur 14 Stimmen zu seiner Verabschiedung.

Im Kongress

ist offenbar ein starkes Gefühl vorhanden, daß Europa nicht seinen Anteil
an den Verteidigungslasten trage.

Auf wirtschaftlichem Gebiet hat das letzte Jahrzent eine starke Divergenz der Wirtschaftspolitik - und der Wirtschaftstätigkeit - der Vereinigten Staaten und Europas erlebt.

In den letzten zehn Jahren lag der

Hauptunterschied der amerikanischen und der europäischen Volkswirtschaften nicht im Wachstum oder in der Inflation, sondern in der Schaffung von
Arbeitsplätzen.

Zwischen 1973 und 1983 wurden in den Vereinigten Staaten

15 Millionen neue Arbeitsplätze geschaffen.

Im gleichen Zeitraum kam un-

ter dem Strich in Westeuropa kein neuer Arbeitsplatz heraus.

Das Ver-

hältnis der Beschäftigung zur arbeitsfähigen Bevölkerung ist in den Vereinigten Staaten - mit 66 Prozent - höher als in allen westeuropäischen
Ländern mit Ausnahme Schwedens.

Und das Verhältnis steigt in den Verei-

nigten Staaten, da mehr Frauen zu der arbeitenden Bevölkerung gehören,
während es in Europa fällt.

Aber warum wurden in den Vereinigten Staaten mehr Arbeitsplätze geschaffen, sei es für Männer, sei es für Frauen?

Die Antwort liegt zum

Teil darin, daß wir in Amerika einige lästige Bestimmungen abgeschafft
und die Steuern gesenkt haben, damit die Kräfte des Marktes wirksam werden können.

In Europa haben aufgespaltene Märkte - vor allem auf dem Ge-

biet der Dienstleistungen -, eine traditionelle Intervention der Regierung und unbewegliche teure Arbeitskräfte das wirtschaftliche Wachstum
behindert.

Statt des Anreizes des freien Marktes haben Europäer zu oft

zu der betäubenden Droge der Subvention und des Protektionismus gegriffen.

So kämpt Europa darum, mit der Vitalität Japans und unserem eigenen

"Silicon Valley" Schritt zu halten.
klagte:
Traum.

Wie ein europäischer Staatsmann

"Die Japaner haben eine Strategie.

Die Amerikaner haben einen

Aber wo bleiben wir?"
Die

aktuellen

�Die aktuellen Fragen
Die These, daß sich die Vereinigten Staaten von Europa weg nach Asien
hinwendeten, wirft einige grundsätzliche Fragen auf. Erstens, findet eine solche Verlagerung von Europa nach Asien wirklich statt? Zweitens,
wenn ja, hat das als Ursache oder Folge größere politische Differenzen
zwischen den Vereinigten Staaten und Europa? Und drittens, wie können
die demokratischen Industrieländer Europas, Nordamerikas und Asiens angesichts dieser Entwicklung weiterhin den gemeinsamen Herausforderungen ihrer Prosperität und ihres Friedens begegnen?
Ich möchte heute etwas näher auf diese Fragen eingehen.
Meine persönliche Auffassung ist, daß Weltpolitik kein Nullsummenspiel ist. Natürlich sind in Europa und Asien - und in den Beziehungen
Amerikas zu beiden - Veränderungen im Gange, aber unsere Politik ist
ausgewogen und nicht der einen oder der anderen Seite zugeneigt. Sicherlich nimmt Asien in politischer, sicherheitspolitischer und vor allem in
wirtschaftlicher Hinsicht an Bedeutung zu, aber unsere verstärkten Beziehungen zu Asien brauchen in keiner Weise unsere traditionellen Bindungen
zu Europa zu schwächen. Und diese Bindungen bleiben eng trotz - oder
manchmal gerade wegen - unserer Differenzen und Debatten. Ein großer Erfolg der Außenpolitik dieser Administration ist gerade, daß es uns gelungen ist, die demokratischen Industriestaaten - in Europa, Asien und
Nordamerika - dazu zu ermutigen, in der Entwicklung globaler, statt nicht
über den eigenen Bereich hinausreichender Lösungen unserer gemeinsamen
Wirtschafts- und Sicherheitsprobleme zusammenzuarbeiten.

Wie sieht die Verlagerung nach Asien wirklich aus?
Wollen wir einmal die sogenannte "Neigung" nach Asien näher betrachten.

Es scheint mir wahrscheinlich, daß das amerikanische Interesse am

�Interesse am Pazifischen Becken in den nächsten zehn Jahren zunehmen
wird.

Aber dieses verstärkte Interesse bedeutet nicht, daß die Amerika-

ner Asien gerade erst "entdeckt" haben.

Es bedeutet vielmehr die Rück-

kehr zu einer historischen Verbindung.
Wir dürfen nicht vergessen, daß Amerika seit den ersten Tagen der
Staatsgründung in Asien engagiert war.

Als George Washington in sein Amt

eingeführt wurde, lagen bereits amerikanische Clipper im Hafen von Kanton.

Seit 1945 haben wir zwei Kriege geführt - beide in Asien.

Die

Siebte Amerikanische Flotte (in Fernost) war immer größer als die Sechste
Amerikanische Flotte (im Mittelmeer).

In mindestens fünf von neun Präsi-

dentschaftswahlkämpfen nach dem Krieg haben Asienfragen eine Rolle gespielt:

1948: Wer hat China verloren?

Korea gehen;

1960: Quemoy und Matsu;

hirnwäsche unterzogen;

1952: Eisenhower: Ich werde nach
1968: Romney: Ich wurde einer Ge-

Nixon: Ich habe einen Plan; und 1972 Kissinger:

Der Frieden ist in Sicht.
Kurz gesagt, ein starkes amerikanisches Interesse an Asien war die
Norm. Was unnormal war, war das geringe öffentliche Interesse nach
Vietnam. Diese Administration hat jedoch unseren Beziehungen zu Asien
großen Nachdruck verliehen, und wir haben Ergebnisse erzielt: Die amerikanisch-chinesischen Beziehungen sind, wie es in dem kürzlichen Besuch
des Präsidenten zum Ausdruck kam, auf eine gesunde sachliche Grundlage
gestellt worden.
Die amerikanisch-japanischen Sicherheitsbeziehungen
sind besser als jemals zuvor, und es ist uns gelungen, viele weitere japanische Märkte für amerikanische Produkte und Kapital zu öffnen.

Wie sieht die politische Divergenz wirklich aus?
So wie Amerikas Interesse an Asien nichts Neues ist, so sind Dissens,
Spaltung und Debatte im Atlantischen Bündnis nichts Neues.

Wie könnte

das in einer Organisation von 16 lebendigen Demokratien auch anders sein?
Debatte innerhalb eines jeden Landes und der Länder untereinander wird
erwartet.

Und das ist besser als die Alternative.
Bevor

also

�Bevor also jemand das Ableben der NATO verkündet, sollten wir die
heutigen

Meinungsverschiedenheiten

mit

Europa

auf

den

Gebieten

der

Sicherheit und der Wirtschaft in die richtige Perspektive rücken.

Er-

innern Sie sich noch an die Debatte von 1949 darüber, ob die Vereinigten
Staaten sich überhaupt zu einem ständigen Bündnis in Friedenszeiten verpflichten sollten?

Oder an 1956, als wir uns mit Großbritannien und

Frankreich wegen Suez zerstritten?
ger Jahre mit der

Erinnern Sie sich noch an die sechzi-

Debatte über die Multilaterale Atomstreitmacht (MLF)

und den Auszug de Gaulles aus der militärischen Struktur der NATO?

Er-

innern Sie sich noch an die Debatten mit Europa in den siebziger Jahren
über Vietnam und den Nahen Osten?

Und an die Kritik am "Zick-Zack-Kurs"

der amerikanischen Außenpolitik Ende der siebziger Jahre?
Die Geschichte hat ihre Lehren. Eine davon ist, daß sie uns daran
erinnert, daß die heutige Situation keineswegs einmalig ist - und daß das
alles gar nicht so schlimm ist, wie wir uns vorstellen. Unsere Probleme
im Bündnis sind real, aber nicht annähernd von der Größenordnung wie die
eben von mir genannten.
Es ist beispielsweise richtig, daß auf dem Gebiet der Sicherheit der
Blick Westeuropas nicht über den eigenen Bereich hinausreicht. Aber wollen wir doch nicht vergessen, daß Amerikaner und Europäer die Sicherheit
schon immer in einem anderen Lichte gesehen haben. Der frühere deutsche
Bundeskanzler Helmut Schmidt wies oft darauf hin, daß sein Haus in Hamburg nur 50 Kilometer von der ostdeutschen Grenze entfernt liegt. Das
würde für einen Einwohner von Chicago etwa so viel heißen, daß der Eiserne Vorhang mitten im Michigan-See niederginge.
Und doch sind auch Fragen der internationalen Sicherheit ein echtes
Anliegen für Westeuropa. Amerikanische und euroäische Streitkräfte dienen nicht nur in Berlin zusammen, sondern auch auf dem Sinai. Frankreich
hat beispielsweise Streitkräfte, die westliche Interessen verteidigen,
nicht nur im Mittelmeer, sondern auch in Afrika stehen. Großbritannien
unterhält Streitkräfte im mittelamerikanischen Land Belize ebenso wie am

�wie am Rhein.
Es ist auch richtig, daß unsere NATO-Verbündeten mehr für die konventionelle Verteidigung Europas tun könnten.

Und doch hat das Bündnis im

Jahr 1983 - dem Raketen-Jahr - einen entschlossenen Versuch der Sowjets
zunichte gemacht, es zu spalten.

Wir und unsere

Verbündeten haben uns

vielmehr zusammengeschlossen und den NATO-Doppelbeschluß von 1979 verwirklicht.

Nachdem es RüstungskontrollVerhandlungen nicht gelungen war,

die Bedrohung durch über 200 sowjetische SS-20-Raketen in Europa zu beseitigen, haben wir damit begonnen, Gegenstreitkräfte zu dislozieren.
Die Bereitschaft der europäischen Regierungen, diese Flugkörper zu
dislozieren, ist ein weiterer Beweis ihres politischen Mutes und ihrer
Verpflichtung gegenüber dem Bündnis. Dieser Mut und diese Verpflichtung
sind nicht allein auf Regierungen beschränkt. Kürzliche Wahlen in Europa
haben gezeigt, daß die Bevölkerung den Konsens im Bündnis trägt. In Wahlen im vorigen Jahr haben die Verfechter des Bündnisses und des Doppelbeschlusses von 1979 in allen dreien der Hauptländer, die Mittelstreckensysteme als Gegengewicht gegen das sowjetische Monopol dislozieren, klare
Mehrheiten gewonnen.
Was jene wirtschaftlichen Differenzen angeht, von denen ich vorhin
gesprochen habe, so ist es richtig, daß Europa gelegentlich dem Protektionismus anheimfällt. Aber trotz des europäischen Protektionismus hat
sich unsere Leistungsbilanz mit den Ländern der Europäischen Gemeinschaft
von einem Defizit von 36 Milliarden Dollar im Jahr 1980 zu einem Überschuß von drei Milliarden Dollar im Jahr 1983 gewandelt. Und das Volumen
unseres gegenseitigen Handels mit Europa ist sehr groß - über 100 Milliarden Dollar jährlich. Wie Außenminister Shultz es bei einer Erörterung
des amerikanisch-europäischen Handels sagte, "irgendwas müssen wir doch
wohl richtig machen."

Die künftigen Aufgaben
Ich

habe

�Ich habe unsere Beziehungen zu Asien und zu Europa verglichen. Es
sollte auf der Hand liegen, daß die Stärkung unserer Bindungen zu Asien
und die gleichzeitige Ermutigung der Debatte und damit des Konsenses innerhalb des Atlantischen Bündnisses nicht nur miteinander vereinbar, sondern sich sogar gegenseitig bestärkende Tätigkeiten sind. Beide lassen
eine einfache geopolitische Tatsache erkennen: Die Vereinigten Staaten
sind eine globale Macht mit globalen Interessen. Wir können uns nicht
den Luxus leisten, für eine Region mehr zu sorgen als für eine andere.
Wir dürfen das Atlantische Bündnis nicht abschreiben oder Kuren - wie
TruppenVerringerungen im Sinne des Nunn-Vorschlages - verschreiben, die
bei weitem schlimmer wären als die Krankheit. Und ebenso wenig dürfen
wir das Aufblühen der asiatischen Volkswirtschaften ignorieren. Die
europäisch-asiatischen Beziehungen müssen im Sinne der gegenseitigen
Ergänzungen und nicht der Konkurrenz gesehen werden. Europa verliert
durch verstärkte amerikanisch-asiatische Bindungen nichts, sondern gewinnt dadurch. Und Asien verliert durch verstärkte amerikanisch-europäische Bindungen nichts, sondern gewinnt dadurch.
Kurz gesagt, wir müssen die Reihen schließen und gemeinsam an einem
Strang ziehen - nicht in verschiedene Richtungen. Das ist ganz besonders
wichtig, wenn wir die beiden bedeutsamsten Aufgaben der achtziger Jahre
lösen wollen: Kampf gegen den Protektionismus - der die Prosperität der
Welt bedroht; und Begegnung der sowjetischen Herausforderung - die den
Frieden der Welt bedroht.

Kampf gegen den Protektionismus
Die amerikanische Bevölkerung ist nach dem Süden und Westen gezogen,
nachdem die alten Schwerindustrien im Norden und Osten an Bedeutung abgenommen haben. Manche Leute glauben, wir sollten diese rückläufigen Industrien gegen Importkonkurrenz schützen. Sie alle kennen die Argumente
gegen den Protektionismus. Sie kennen die Bedeutung des Konkurrenzvorteils und der Verbraucherauswahl. Ich möchte auf diese Dinge heute nicht
näher eingehen, denn es ist uns in den Vereinigten Staaten im wesent-

�im wesentlichen gelungen, den Protektionismus zu vermeiden.

Wir haben

statt dessen die Aufhebung von Verordnungen und Steueränderungen benutzt,
um ein Klima zu schaffen,in dem neue Technologien - und neue Arbeitsplätze - gedeihen.

Es hat Ausnahmen und Einschränkungen dieser Politik

gegeben, aber im großen und ganzen haben wir daran festgehalten.
Der Rückgang unserer alten Industrien hat uns dazu geführt, mehr
Grundgüter aus dem Ausland einzuführen.
defizit bei.

Das trägt zu unserem Handels-

Bis zum vorigen Jahr betrug das größte Leistungsbilanz-

defizit, das je ein Land in einem Jahr zu verzeichnen hatte 15 Milliarden
Dollar.

Arthur B u m s hat kürzlich festgestellt, daß das Leistungsbilanz-

defizit, mit dem wir für dieses Jahr rechnen müssen und das jetzt auf 80
bis 100 Milliarden Dollar geschätzt wird, sich in erschreckender Weise
von allen Erfahrungen der Vergangenheit unterscheidet.

Dieses Defizit

macht es noch zwingender und noch schwieriger als je zuvor, zusammen mit
Europa und Asien den Protektionismus zu bekämpfen.
Die alten Industrien Europas sind wie die unsrigen ebenfalls im Rückgang. Die Stahlwerke in Lothringen und an der Ruhr sind in Schwierigkeiten. Aber anders als die Vereinigten Staaten hat es Europa im letzten
Jahrzehnt versäumt, neue Arbeitsplätze zu schaffen und neue Technologien
zu entwickeln. Versuche, sterbende Industrien durch Subventionen und
Handelsschranken zu schützen, haben die technische Innovation erstickt,
die die europäischen Volkswirtschaften brauchen. Schwache Wirtschaftstätigkeit wiederum erschwert die Anstrengungen, die Stärke der europäischen
Verteidigung zu erhöhen. Es ist daher zwingend geboten, Europa zu ermutigen, dem Protektionismus zu widerstehen.
Glücklicherweise haben die Europäer immer begriffen, daß Marktzugang
etwas Gegenseitiges sein muß - zumindest auf allen Gebieten außer der
Landwirtschaft. Die Japaner waren jedoch etwas langsamer, die Gegenseitigkeit zu akzeptieren. Die amerikanische Handelspolitik zielt darauf
ab, den gleichen Zugang zu Japans Märkten zu gewinnen, den japanische
Güter zu unserem Markt haben. Das im April dieses Jahres von Ministerpräsident Nakasone verkündete Handelspaket ist der jüngste von mehreren
- 10 -

�von mehreren erfreulichen Schritten in diese Richtung.

Es hat Fort-

schritte bei Rindfleisch, Zitrusfrüchten, Tabak, Fernmeldegerät, Halbleitern und bei der Liberalisierung des Kapitalmarktes gegeben.

Aber es

muß noch mehr getan werden auf dem Gebiet der Zölle für Holz und für
künstliche Satelliten - und vor allem etwas Wichtiges für mich wie für
Sie:

auf dem Gebiet der Rechtshilfe.

Fortschritt

weiterbauen.

Wir müssen auf dem erzielten

Die Vereinigten

Staaten, Europa

und Asien

dürfen alle nicht vergessen, daß die Errichtung von Handelsschranken zu
Vergeltungsmaßnahmen einlädt.

Und Vergeltung bedroht den einen von acht

amerikanischen Arbeitsplätzen, der vom Export abhängt.

Begegnung der sowjetischen Herausforderung

Die zweite Aufgabe, die gemeinsame Anstrengungen

der Vereinigten

Staaten, Europas und Asiens erfordert, ist die, der sowjetischen Herausforderung zu begegnen.

Wenn wir Erfolg haben wollen, dann müssen alle

drei Regionen eine globale und nicht eine regionale Einstellung an den
Tag legen.

So betrachtete bespielsweise Europa die Verhandlungen über

nukleare Mittelstreckensysteme (INF) als ein rein europäisches Problem.
Jedoch über ein Drittel der sowjetischen SS-20-Raketen sind im asiatischen Teil Rußlands disloziert.

Aus diesem Grunde betrachteten die Ver-

einigten Staaten die INF als ein globales Problem und schlugen globale
Begrenzungen vor.

Während der Verhandlungen kamen die Europäer und die

Japaner zu der Einsicht, daß die SS-20 ein globales Problem darstellen.
Angesichts dieser gemeinsamen Front akzeptierten die Sowjets schließlich
die Notwendigkeit einer globalen Lösung für die INF.

Leider wurde kein

Abkommen erzielt, weil die Sowjets ein Monopol an solchen Waffen fordern
und sich geweigert haben, weiter zu verhandeln.

Ein anderer Aspekt der Aufgabe, mit der sowjetischen Herausforderung
fertig zu werden, ist die Stärkung unserer kollektiven Verteidigung.

Die

Vereinigten Staaten erhöhen ihre Anstrengung in dem uns nötig scheinenden
Umfang. Aber auch Europa muß seinen vollen Anteil leisten.

Nur auf die-

se Weise können wir hoffen, einen Zusammenhalt im Bündnis und eine glaub- 11 -

�eine glaubwürdige Abschreckung aufrechtzuerhalten.
Die Höhe der Ausgaben ist nicht das einzige Problem.
wurde in der NATO über Nuklearraketen debattiert.

Im vorigen Jahr

In den kommenden Jah-

ren wird der Schwerpunkt auf der konventionellen Verteidigung liegen.

In

der Vergangenheit gab es unterschiedliche Auffassungen in dieser Frage,
wobei die Vereinigten Staaten für eine starke konventionelle Verteidigung
eintraten, um die Nuklearschwelle hoch zu halten, während viele Europäer
dazu neigen, sich mehr auf Kernwaffen als die einzige Garantie dafür zu
verlassen, daß auf ihrem Territorium kein konventioneller Krieg geführt
werden wird.

Heute ist das Ferment neuer Ideen in die konventionelle

Verteidigung gekommen:
cen.

neue Technologien, neue Taktiken, neue Ressour-

Wenn wir diese Chancen mit Geschick und Einfallsreichtum nutzen,

dann kann das Bündnis militärisch stärker und politisch geschlossener
daraus hervorgehen, so wie das bei der Dislozierung der INF der Fall war.
In Asien muß auch Japan mehr tun. Wir unterstützen die Verpflichtung
Japans, seinen Luftraum und seine Seewege im Umkreis bis zu 1000 Meilen
zu schützen. In den letzten Jahren sind die Verteidigungsausgaben Japans
jährlich um real beinahe fünf Prozent gestiegen. Aber wir sind der Meinung, daß das Tempo der japanischen Bemühungen angesichts der sowjetischen Bedrohung der Stabilität Asiens noch weiter gesteigert werden muß.
Und schließlich müssen sich Japan und Europa mehr Gedanken machen
über Bedrohungen unserer gemeinsamen Sicherheit in fernen Regionen. Europäer argumentieren oft, daß die Entspannung in Europa weitgehend funktioniert habe. Aber Europa hat ebenso wie die Vereinigten Staaten lebenswichtige Interessen in Gebieten, wie dem Persischen Golf, die weit
von seinen Grenzen entfernt liegen. Darum müssen die Vereinigten Staaten, Europa, Japan und andere asiatische Staaten zusammenarbeiten, um
sich dem sowjetischen Abenteurertum zu widersetzen und in der ganzen Welt
die Stabilität zu fördern.

Zusammenfassung
Wir
- 12 -

haben

�Wir haben große Fortschritte bei der Ausarbeitung aufeinander abgestimmter Politiken erzielt.

Diese Administration hat sich nicht nur da-

rum bemüht, unsere bilateralen Bindungen zu Asien und Europa zu festigen,
sondern auch eine größere Interaktion unter allen Mitgliedern der Gemeinschaft moderner demokratischer Industriestaaten herbeizuführen.

Dieser

neue und festere alliierte Konsens, der drei Kontinente überspannt, kam
auf dem Wirtschaftsgipfel in Williamsburg im vorigen Jahr deutlich zum
Ausdruck.

Mit Präsident Reagan als Gastgeber unternahmen die Führer der

sieben größten demokratischen Industriestaaten von Nordamerika, Europa
und Asien einen historischen Schritt. Bis zu jenem Zeitpunkt hatten sich
die jährlichen Gipfeltreffen, die 1975 begannen, nur mit wirtschaftlichen
Fragen befaßt.

Aber in

Williamsburg haben die sieben Führer über die

traditionelle wirtschaftliche Tagesordnung des Gipfeltreffens hinaus eine
Erklärung veröffentlicht, in der sie ausdrücklich feststellen, daß die
Sicherheit jeder einzelnen Nation unteilbar mit der Sicherheit der anderen verbunden ist.

Die Erklärung hat auch die Dislozierung von nuklearen

Mittelstreckensystemen in Europa zur Begegnung der sowjetischen Bedrohung
gebilligt.
Das diesjährigen Gipfeltreffen in London unter Leitung der Premierministerin Thatcher hat auf dem Erfolg von Williamsburg weiter aufgebaut.
Und wiederum haben die Staats- und Regierungschefs der sieben am Gipfel
beteiligter Länder einen zunehmenden politischen Konsens gezeigt, der uns
als eine Gemeinschaft demokratischer Staaten mit gemeinsamen Werten und
gemeinsamen Interessen verbindet.

Die sieben Führer erörterten einen

ungewöhnlich weiten Bereich politischer und sicherheitspolitischer Probleme.

Sie gaben eine Reihe von Erklärungen über demokratische Werte,

Ost-West-Beziehungen und Terrorismus heraus.

Der weitere Bereich ihrer

Gespräche demonstrierte, daß die wirtschaftlichen und sicherheitspolitischen Anliegen der demokratischen Industriestaaten allen gemeinsam und
wahrhaft global sind.

In der Wirtschaft wird allgemein anerkannt, daß Handel kein Nullsummenspiel ist.

Wachstum in unserem Handel mit Europa oder Asien schafft
- 13 -

�Asien schafft größere Chancen und Möglichkeiten - und Wohlstand - für
alle.
Internationale Beziehungen brauchen genauso wie der Handel kein Nullsummenspiel.

Jeder gewinnt, wenn jeder eine globale statt einer nicht

über die eigenen Grenzen hinausgehenden Einstellung

zu den Problemen

einnimmt, vor denen wir alle stehen. Kurzum, wenn wir - wie wir es müssen - der Versuchung widerstehen, unser Denken und Handeln von Engstirnigkeit bestimmen zu lassen, dann wird es keine Verlierer geben.

- 14 -

�15. August 1984

35

"DISCOVERY" SOLL AM 29. AUGUST STARTEN

- (AD) - Einer Mitteilung des amerikanischen Amtes für Luft- und
Raumfahrt (NASA) zufolge soll DISCOVERY nunmehr am 29. August 198A zum
Jungfernflug starten. Der bereits für den 26. Juni geplante erste Einsatz des dritten amerikanischen Raumtransporters der Vereinigten Staaten
mußte wegen des Startabbruchs im Juni verschoben werden. Der Hauptcomputer hatte damals die Automatik vier Sekunden vor dem Abheben, als zwei
Triebwerke bereits arbeiteten, abgeschaltet, als sich die Öffnung des
Treibstoffventils zum Triebwerk Nr. 3 um Sekundenbruchteile verzögerte.
DISCOVERY wurde vom Startplatz in die Montagehalle zurückgefahren,
die Fehlersuche begann. Ingenieure der NASA sind jetzt der Ansicht, daß
die Hydraulikflüssigkeit nicht völlig sauber gewesen sei. Allerdings
gelang es im Verlauf der zahlreichen, inzwischen durchgeführten Versuche
nicht, die Reaktion des Computers zu wiederholen. "Wir sind überzeugt,
daß sich im Hydrauliköl, das das Ventil öffnet und schließt, mikroskopisch kleine Partikel befanden, wodurch das Öffnen zur Treifstoffzufuhr
um den Bruchteil einer Sekunde aufgehalten wurde", sagte ein Sprecher.

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D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�ein Sprecher.

"Unsere Sicherheitstoleranzen sind derart eng, daß der

Computer daraufhin sofort abschaltete."

Im Hangar wurden inzwischen Veränderungen im Frachtraum des Orbiter
vorgenommen.

Denn einige für den Flug im Juni eingeplante Nutzlasten, so

die Großformatkamera der NASA, hat man vorläufig zurückgestellt, dafür
andere hinzugefügt.

So wird die DISCOVERY-Besatzung nicht nur den sieben

Tonnen schweren SYNCOM-Satelliten, der nach Erreichen seines Standortes
in 36 000 km Höhe der US-Marine zur Verfügung steht, sondern auch zwei
private Nachrichtensatelliten im Orbit absetzen.

Es handelt sich um

TELSTAR 3-C (für "American Telephone &amp; Telegraph" ATT) und um SBS-D (für
"Satellite Business Systems").

Nach dem Absetzen aus dem Frachtraum der

DISCOVERY wird ihr eigenes Feststofftriebwerk gezündet, um sie auf 36 000
km Höhe weiterzubefordern.

Ihr Start war ursprünglich für den zweiten

DISCOVERY-Flug vorgesehen.

Ein Sonnenenergiekollektor, der erst im Weltraum entfaltet wird und
dann eine Fläche von 32 m Durchmesser besitzt, verbleibt ebenso an Bord
wie das Elektrophorese-Experiment
Reihe weiterer Nutzlasten.

der Fa. McDonnell-Douglas

An der Zusammensetzung der für den Juni-Flug

vorgesehenen Besatzung hat sich nichts geändert:
Hartsfield, Kopilot Mike Coats.

Kommandant ist Henry

Als Missionsspezialisten arbeiten Dr.

Judy Resnik, Steve Hawley, Mike Mullane und Charles Walker.
soll sechs Tage dauern.

und eine

Der Flug

Am 4. September wird DISCOVERY auf dem Flugfeld

Edwards Air Force Base in Kalifornien zurückerwartet.

* * * * *

- 2-

�15. August 1984

33

MONOKLONALE ANTIKÖRPER GEGEN RHESUSFAKTOR-UNVERTRA'GLICHKEIT
- Von G. Weiss -

- (AD) - Gentechnische Methoden machen es möglich, reine monoklonale
Antikörper zu gewinnen, die Schädigungen durch eine Rhesusfaktor-Unverträglichkeit verhindern können. Eine Wissenschaftlergruppe der StanfordUniversität entwickelte eine Mischzellen-Linie (Hybridzellen), die die
spezifischen Antikörper kontinuierlich produziert. Sie entstand aus der
Verschmelzung einer menschlichen Lymphoidzelle, welche Antikörper gegen
den Rhesus-Blutfaktor bildet, mit einer zur fortlaufenden Teilung fähigen
hybriden Tumorzelle. Ein Bericht zur Entwicklung der betreffenden Hybridomlinie erschien Angaben der Stanford-Universität zufolge kürzlich in
den "Proceedings of the National Academy of Sciences". Zu den Verfassern
zählen neben Dr. Nelson Teng, Assistenzprofessor für Gynäkologie, dem z.
Zt. in Stanford tätigen belgischen Gastforscher Dr. Dominique Bron und
Mark Feinberg auch der weltbekannte Krebsforscher Prof. Henry Kaplan, der
vor wenigen Monaten verstorben ist.
Der sog.

Postfach 20 03 00 Tel.:0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Der sog. Rhesusfaktor wird im Blut von ca. 85 Prozent aller Menschen
weißer Rasse gefunden sie sind "Rhesus-positiv", (abgekürzt "Rh").
restlichen 15 Prozent sind "Rhesus-negativ" (abgekürzt "rh").

Die

Der Orga-

nismus Rhesus-negativer Personen bildet in einer Art Immunreaktion Antikörper gegen den Rhesusfaktor, sobald er Blutzellen von einer Rhesus-positiven Person aufnimmt.

Das kann z. B. die Folge einer Transfusion mit

nicht geeignetem Spenderblut sein, wenn die Blutfaktoren von Spender und
Empfänger nicht ausreichend auf Verträglichkeit getestet wurden.

Beim

Empfänger kommt es dann leicht zu einem krankhaften Abbau der roten Blutkörperchen, einer hämolytischen Anämie, infolge immunologischer Vorgänge.
Im umgekehrten Fall, d.h. mit der Übertragung von Rhesus-negativem Blut
auf einen Rhesus-positiven Empfänger, besteht diese Gefahr nicht.
Gefährdet ist auch das Kind im Mutterleib, wenn die Mutter Rhesus-negativ, der Vater Rhesus-positiv ist und beim Fötus die Blutfaktoren des
Vaters gegeben sind. Sobald Blutkörperchen des Kindes in den mütterlichen Kreislauf übertreten, können diese "Fremdfaktoren" (und das gilt
nicht nur für den Rhesusfaktor, sondern auch für Blutgruppen und andere
Blutfaktoren, die die Mutter nicht besitzt) als Antigene wirken. Sie
lösen Abwehrreaktionen aus, der mütterliche Organismus bildet gegen sie
spezifische Antikörper. Diese vermögen die Plazenta zu passieren, so daß
sie im Körper des Fötus mit den ihnen entsprechenden Antigenen in Reaktion treten können - unter Umständen mit katastrophalen Folgen für das
Kind.
Deshalb sind im Rahmen einer rh-Rh-Konstellation serologische Untersuchungen bei der Schwangeren auf das Vorhandensein von Rhesusfaktor-Antikörpern, die bei positivem Befund eine Sensibilisierung der Mutter befürchten lassen, ebenso wichtig wie die Vornahme einer Amniozentese mit
Fruchtwasseruntersuchungen zu Beginn des zweiten Schwangerschaftsdrittels. Sie kann Hinweise auf eine mögliche Gefährdung oder eine bereits
eingetretene Schädigung des Fötus geben. In diesem Fall wäre eine intrauterine Transfusion Rhesus-negativer Erythrozyten auf das Kind möglich. Beim Neugeborenen kann eine Austauschtransfusion unmittelbar nach

�unmittelbar nach der Geburt eine Heilung herbeiführen, sofern noch nicht
Systemschäden an Gefäßwänden, inneren Organen und am zentralen Nervensystem eingetreten sind.

Für die Rhesus-negative Mutter wird unmittelbar nach der Entbindung
vom ersten Rhesus-positiven Kind (auch nach einer Fehlgeburt) zur Verhütung einer bleibenden Sensibilisierung gegen den Rhesusfaktor eine spezifische Immunisierung vorgenommen.

Denn während sich in der Regel das

erste Rhesus-positive Kind einer Rhesus-negativen Mutter dank der erwähnten Therapiemöglichkeiten normal weiterentwickelt, nehmen bei den folgenden Schwangerschaften die fetalen Schädigungen erheblich zu:

Jeder neue

Kontakt des mütterlichen Blutes mit Rhesus-positiven Erythrozyten vom Fötus verstärkt nicht nur die Rh-Antikörperbildung bei der Mutter ganz erheblich, sondern setzt sie auch wesentlich früher in Gang.

Dem versucht

man zu begegnen, indem die Mutter nach der Entbindung (u.U. auch schon
während der Schwangerschaft) ein spezifisches, gegen den Rhesusfaktor
wirkendes Immunglobulin injiziert bekommt.

Dieses Serum-Protein erfaßt

die in den mütterlichen Kreislauf eingeschwemmten Rhesus-positiven Erythrozyten, so daß sie für Abwehrreaktionen in der Form von Antikörperbildung durch den Organismus der Mutter gewissermaßen uninteressant werden.

Verstärkter Sensibilisierung gegen den Rhesusfaktor wird auf diese

Weise vorgebeugt.

Wie es in einer Mitteilung der Stanford-Universität heißt, wird die
Beschaffung

dieses

wirksamen

Prophylaxe-Serums

zunehmend

schwieriger.

Außerdem bringe die Verwendung von Blutprodukten die Gefahr einer Übertragung von Krankheitskeimen mit sich (z. B. Infektion mit Hepatitis,
Cytomegalie, Masern, Malaria oder der erworbenen Immunschwäche AIDS).
Das Serum wird

aus dem Blut

von nicht-therapierten

Rhesus-negativen

Frauen gewonnen, die ein Rhesus-positives Kind geboren haben, oder von
Rhesus-negativen Personen, die Rhesus-positivem Blut (etwa durch Transfusion) ausgesetzt waren.

"Da heutzutage die meisten Rhesus-negativen

Frauen die Serumprophylaxe bekommen, stehen immer weniger von ihnen als
Serumspender zur Verfügung, erklärt Dr. Teng.
Die Wirksamkeit

�Die Wirksamkeit der monoklonalen Antikörper wird z. Zt. noch im Laboratorium getestet, klinische Versuche sollen in KJrze beginnen.

Sie

könnten, wie Dr. Teng betont, auch bei der Blutgruppe,!- und Blutfaktorenbestimmung

sowie für biochemische und genetische ! tudien des Rhesus-

Systems beim Menschen von Wert sein, dessen Funktionen man noch viel zu
wenig kenne.

* * * # #

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Reagan unterstreicht Bedeutung der Nonprofileration&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Bericht an den US-Kongress -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;US-Außenpolitik zwischen Europa und Asien ausgewogen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rede des Stellvertretenden US-Außenministers -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;"DISCOVERY" soll am 29. August starten&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Monoklonale Antikörper gegen Rhesusfaktor-Unverträglichkeit&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von G. Weiss -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;</text>
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22. August 1984

INHALT

DOKUMENTATION
Reagan: USA stehen zur Verpflichtung von Jalta

WIRTSCHAFT
US-Haushaltsdefizit geringer als erwartet
- Bericht der Bundesregierung -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Dem Sonnenwind auf den Fersen
- Drei EXPLORER-Satelliten beobachten Wechselwirkungen mit
Erdmagnetfeld Für Entwicklungsländer gratis
- INTELSAT stellt Nachrichtensatelliten für Bildungs- und Gesundheitsprogramme zur Verfügung -

Um Übcr/cndung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

22. August 1984

34

REAGAN: USA STEHEN ZUR VERPFLICHTUNG VON JALTA

WASHINGTON (AD) Bei einem Empfang für amerikanische Führungspersönlichkeiten polnischer Abstammung erklärte Präsident Reagan am 17. August 1984
im Weißen Haus, das Abkommen von Jalta sei eine Verpflichtung der Vereinigten Staaten, Großbritanniens und der Sowjetunion gewesen, "in allen,
von den Nazis nach dem Zweiten Weltkrieg befreiten Ländern die volle Unabhängigkeit wiederherzustellen und freie und demokratische Wahlen zu ermöglichen." Der Präsident betonte, daß die Vereinigten Staaten auch weiterhin auf eine vollständige Einhaltung des Abkommens von Jalta drängen
würden.
Nach einleitenden Sätzen hat die Ansprache folgenden Wortlaut:
...Wir zollen heute einer Nation Tribut, die zwei Jahrhunderte lang um
Freiheit und Unabhängigkeit gekämpft hat. Von den Aufständen von 1794
über den Nov amber-Auf stand von 1830 und erneut von 1863 an bewies das
polnische Volk einen Mut und eine Verpflichtung zur Freiheit des Men-

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Freiheit des Menschen, die freie Männer und Frauen in der gesamten Welt
inspiriert haben.
Diese zweihundertjährige Geschichte der Ausdauer und des Mutes fällt
zusammen mit der Entwicklung unserer eigenen kostbaren Freiheit hier in
den Vereinigten Staaten. Und dies ist nicht einfach nur ein Zufall. Unsere beiden Völker haben von demselben Brunnen der Freiheit getrunken, halten dieselben jüdisch-christlichen Werte hoch und achten die schlichten
Tugenden der Ehrlichkeit und der harten Arbeit. Und sogar heute noch läßt
sich oft genug feststellen, daß unsere beiden Volker - ganz im Gegensatz
zu manch anderen - ihre religiösen Überzeugungen ernst nehmen. Diese tief
im Herzen gefühlten Überzeugungen haben den Geist der Freiheit in unseren
Herzen brennen lassen, insbesondere in Zeiten größter Schwierigkeiten.
Papst Johannes Paul II. hat einmal gesagt: "Die Freiheit ist dem Menschen
von Gott als Teil seiner Würde und als Kind Gottes gegeben worden. Wir
können keine Sklaven sein."
Ich weiß, daß Sie so fühlen wie ich selbst: Wir sind in diesen Zeiten großer Bedrängnis gesegnet, einen geistigen Führer wie Johannes Paul
II. zu haben.
Die anhaltende Unterdrückung der nationalen Identität Polens brachte
Welle nach Welle polnischer Einwanderer in die Vereinigten Staaten. Hierfür können wir dankbar sein. Denn wir alle kennen die Vielzahl der Beitrage und die Namen all jener, die hier ihren Weg nach oben machten. Aber
gleich bedeutsam sind die Millionen jener, die hierher kamen und die
durch ihre harte Arbeit und ihre moralische Stärke dazu beitrugen, dem
amerikanischen Charakter Form zu geben.
In diesem Jahrhundert standen Amerikaner und Polen Seite an Seite in
jenen beiden Feuersbrünsten, die über die Welt hinweggtobten. Leider war
der Erste Weltkrieg nicht das Ende aller Kriege, aber er hatte die Wiedergeburt des polnischen Staates zur Folge.
Diesen Monat begehen wir den Jahrestag einer verzweifelten Schlacht
des Zweiten Weltkriegs, einen heldenhaften Versuch der freien Polen, ihr

2

�freien Polen ihr Land von der Unterjochung durch die Nazis zu erlösen.
Jahrelang widerstanden sie im Verborgenen der Besatzung. Und dann, 1944,
wehrten - 63 brutale und von Höllenqualen gefüllte Tage lang - schlechtausgerüstete und zahlenmäßig so unendlich unterlegene Menschen - und ich
darf sagen: Viele von Ihnen hier - die Kriegsmaschinerie der Nazis ab.
Und es ist nur zu passend, daß wir und alle anderen freien Völker uns
dieses Anlasses ganz besonders erinnern.
Ich glaube, niemand, der je für die Freiheit gekämpft oder für die
Sache der menschlichen Freiheit sein Leben aufs Spiel gesetzt hat, könnte
stolzer sein als jene, die sagen können: "Ich habe in der polnischen Heimatarmee gekämpft."
Heute ehren wir drei Männer, drei Helden der polnischen Heimatarmee,
denen nach dem Sieg der Alliierten nicht ihr Recht geworden ist. Und es
ist mir eine große Ehre, hier den Familien oder Vertretern dieser Männer
den Orden "Legion of Merit" zu verleihen.
Wir salutieren Stefan Rowecski, der den Widerstand anführte, bis er
gefangengenommen und von der Gestapo hingerichtet wurde.

Dann wird sich der Sohn von Bor-Komorowski erheben, der ein Führer
des Warschauer Aufstandes war und der in Armut im Londoner Exil starb.
Und schließlich General Leopold Okulicki, der in eine Falle gelockt
wurde und unter verdächtigen Umständen in Moskau starb.
Diese tapferen Männer und all die anderen mutigen Menschen, die unter ihrem Kommando kämpften, stehen stellvertretend für das Beste im Menschen. Sie riskierten für ihre Ideale, für ihren Gott und ihr Land alles
- in einer Zeit, da alles gegen sie war. Jetzt sind sie Teil des glänzenden polnischen Vermächtnisses.
Wenn man aus der Geschichte etwas lernen kann, so ist es die Tat-

3

�so ist es die Tatsache, daß Polen zwar geschlagen, aber nie besiegt werden kann. Es mag zur Unterwerfung gezwungen werden, aber es wird nie aufgeben. Es mag sich unter Druck fügen müssen, aber es wird niemals ausländische Beherrschung und Unterdrückung der gottgegebenen Freiheit akzeptieren. Nach zwei Jahrzehnten brutaler Unterdrückung von außen wurden wir
- vor nur kurzer Zeit - Zeugen eines Wiedererwachens des unbesiegbaren
Geistes des polnischen Volkes. Und ich versichere Ihnen, daß wir die Solidarität und die Freiheit des polnischen Volkes nicht vergessen haben
und nie vergessen werden.
Natürlich gibt es einige, die nur allzu bereit zu sein scheinen,
angesichts der sowjetischen Übergriffe ein Auge zuzudrücken, und dies
offensichtlich deshalb, um den Dialog zwischen Ost und West zu verbessern. Aber jene, die die entschlossene Unterstützung von Freiheit und
Demokratie verurteilen - und die, um ihre Ernsthaftigkeit unter Beweis zu
stellen, Schwäche signalisieren würden -, sind keine Freunde des Friedens, der menschlichen Freiheit oder des sinnvollen Dialogs. Unsere Politik gegenüber Polen und den anderen unterdrückten Nationen gründet sich
auf klar umrissene Prinzipien.
Lassen Sie mich zunächst mit Nachdruck unterstreichen, daß wir eine
jegliche Interpretation des Abkommens von Jalta zurückweisen, die ein
amerikanisches Einverständnis hinsichtlich der Teilung Europas in Einflußsphären vorschlägt.
Im Gegenteil: Wir sehen in diesem Abkommen eine Verpflichtung der
drei Großmächte, in allen von den Nazis nach dem Zweiten Weltkrieg befreiten Ländern die volle Unabhängigkeit wiederherzustellen und freie und
demokratische mahlen zu ermöglichen. Und es gibt keinen Grund, die Sowjetunion oder uns selbst von dieser Verpflichtung zu entheben.
Wir werden auch weiterhin auf seine volle Einhaltung wie auf die der
Charta der Vereinten Nationen, der Schlußakte von Helsinki und aller anderen internationalen Abkommen drängen, die die fundamentalen Menschenrechte garantieren.
Die permanente Unterdrückung

4

�Die permanente Unterdrückung der Menschen in Osteuropa passiv hinzunehmen, ist keine annehmbare Alternative. Als es 1981 so aussah, als
könnte Polen ein Schicksal erleiden, das dem von Ungarn 1956 und dem der
Tschechoslowakei 1968 ähnlich sein würde, erhoben wir unsere Stimmen zur
Unterstützung des polnischen Volkes. Und wir blieben nicht untätig, als
unter starkem sowjetischen Druck das Kriegsrecht verhängt wurde.

Viele der Kredit-, Handels- und Fischereiprivilegien, die Polen aufgrund seines etwas größeren Maßes an Freiheit gewährt wurden, als dies in
den anderen osteuropäischen Staaten der Fall ist, wurden außer Kraft gesetzt.

Gleichzeitig

unterstützten

wir

freiwillige

Organisationen,

um

durch die polnische Kirche humanitäre Hilfe zu leisten, damit es nicht
dazu käme, daß gerade dem Volk Schaden zugefügt würde, dem wir helfen
wollten.
Ich möchte hier besonders auf die Arbeit von AI Mazewski und des
Polnisch-Amerikanischen Kongresses hinweisen. In Zusammenarbeit mit der
Kirche wurden hierdurch dem polnischen Volk mehr als 40 Millionen Dollar
an Nahrungsmitteln, Kleidern und Medikamenten gespendet. Und ich weiß,
daß Nancy, meine Frau, begeistert davon ist, daß sie zur Ehrenvorsitzenden der Kinderinitiative des Polnisch-Amerikanischen Kongresses ernannt
wurde. Wir beide wünschen Ihnen bei diesem so sinnvollen Projekt alles
Gute.

Ich habe versprochen, daß unsere Sanktionen eine nach der anderen in
Reaktion auf sinnvolle Verbesserungen bei der Menschenrechtslage in Polen
aufgehoben werden können. So würde eine vollständige und sinnvolle Durchsetzung des Amnestiedekrets der polnischen Regierung eine positive Atmosphäre schaffen, die es ermöglichen würde, den Antrag Polens auf Mitgliedschaft beim Internationalen Währungsfonds zu reaktivieren.

Zwischenzeitlich

sind

wir

zusammen mit

unseren Verbündeten und

privaten Organisationen übereingekommen, bei der Ausstattung eines Fonds
für ein Programm der Katholischen Kirche behilflich zu sein, durch das

5

i

�zu ssin, durch das einzelne Bauern unterstützt werden sollen. Ich freue
mich, heute ankündigen zu können, daß wir Unterstützung für eine amerikanische Hilfe in Höhe von zehn Millionen Dollar anstreben, um das kirchliche Programm in seiner Anfangsphase zu unterstützen. Und wir werden den
Fortschritt dieses Programms sorgfältig im Auge behalten, um herauszufinden, ob zusätzliche Hilfe geboten ist.
Das vielleicht Sinnvollste, was wir tun können, besteht darin, das
polnische Volk und alle Völker Osteuropas wissen zu lassen, daß sie nicht
vergessen sind. Und aus diesem Grund auch modernisieren wir Radio Freies
Europa, Radio Liberty und die Stimme Amerikas. Unser Radioprogramm ist
dabei, wie geplant, die machtvolle Kraft des Guten zu sein. Wie es in der
Schrift heißt: Erkenne die Wahrheit und die Wahrheit wird dich frei
machen.
Unsere Sendungen werden die Wahrheit zu den unterdrückten Völkern in
der ganzen Welt tragen. Die freien Völker dieser Welt befinden sich in
einem ideologischen Wettstreit mit den Anhängern einer Doktrin, die die
grundlegenden Aspekte der Freiheit zurückweist und erklärt, daß die Anbetung Gottes ein soziales Übel sei. Wie wichtig dieser Wettstreit auch
ist, so haben doch die Demokratien - einschließlich der Vereinigten Staaten - noch bis vor kurzem den Eindruck gegeben, als seien sie durch Unsicherheit paralysiert und mangelten des Willens zum Wettstreit.
In den vergangenen dreieinhalb Jahren haben wir damit aufgehört, uns
zu entschuldigen, und erheben uns endlich, um unsere Stimme hören zu lassen. Unsere Botschafterin bei den Vereinten Nationen, Jeane Kirkpatrick,
sagte, wir haben das Zeichen "Tritt' mich!" abgenommen.
Wir sind auf unsere Lebensweise stolz; wir sind zuversichtlich, daß
die Freiheit die Oberhand behalten wird, weil sie funktioniert und weil
sie das Richtige ist. Wir sind der Meinung, daß alle freien Völker dieser
Welt all jene unterstützen sollten, die unsere demokratischen WertVorstellungen teilen.
Die nationale Stiftung

6

�Die nationale Stiftung für Demokratie, die ich zum erstenmal in
einer Rede vor dem Parlament in London vor zwei Jahren vorgeschlagen
habe, wurde ins Leben gerufen, um die demokratischen Kräfte und die Entwicklung freier Institutionen in der ganzen Welt zu ermutigen. Zu ihren
Themenkreisen gehören gewaltfreie, demokratische Bewegungen wie die Solidarität in Polen. Und der Aufstieg der Solidarität ist eine Sache von historischer Bedeutung.
Sie ist auch weiterhin eine Veranlassung für alle freien Völker,
sich bewußt zu werden, daß der marxistisch-leninistische Mythos von der
historischen Notwendigkeit am Zusammenbrechen ist. Der Kommunismus hat
nur Mangel und Tyrannei mit sich gebracht. Die Ereignisse in Polen sind
ein Zeichen dafür, daß sich das Blatt gewendet hat. Mit seinem Mut und
seiner Ausdauer wird das polnische Volk führend sein auf dem Weg zur
Freiheit und zur Unabhängigkeit - nicht nur für sich selbst, sondern auch
für all jene, die sich danach sehnen, in Freiheit atmen zu können.
Der Schlachtruf der polnischen Heimatarmee gilt auch heute noch:
"Polen kämpft. Polen wird leben. Polen wird bestehen."

7

�22. August 1984

34

US-HAUSHALTSDEFIZIT GERINGER ALS ERWARTET
- Bericht der Bundesregierung -

WASHINGTON - (AD) - Das Defizit für das am 30. September 1984 ablaufende Haushaltsjahr wird um 3,5 Milliarden Dollar niedriger liegen als
erwartet.

Dies geht aus einem am 15. August 1984 veröffentlichten Be-

richt des amerikanischen Amtes für Verwaltung und Haushalt (OMB) hervor.
Die Verringerung des Defizits durch die Reagan-Administration wird vor
allem dem stärkeren Wirtschaftswachstum, niedriger Inflation, abnehmender
Arbeitslosigkeit und höheren Zinsen zugeschrieben.

Das Bruttosozialpro-

dukt wird voraussichtlich vom vierten Quartal 1983 bis zum vierten Quartal 1984 um real 6,5 Prozent wachsen - im Februar war ein Wachstum von
4,5 Prozent erwartet worden.

Nachfolgend wesentliche Auszüge aus dem Bericht:

Die

derzeitigen

Haushaltsvoranschläge

lassen

den

robusten

schaftsaufschwung erkennen, der seit 21 Monaten vor sich geht.

Wirt-

Die Kom-

bination weiterhin niedriger Inflation und starker Zunahmen in Leistung

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�in Leistung und Beschäftigung, die sich Mitte des Jahres abgezeichnet
hat, war noch bei keinem der früheren Konjunkturzyklen der Nachkriegszeit
festzustellen.

Diese Resultate bestätigen Klugheit und Zweckmäßigkeit

der fundamentalen Neuausrichtung der Wirtschaftspolitik, die im Januar
1981 begann.

Zu den wichtigen Indikatoren, die zeigen, daß das Land auf dem Weg
zum wirtschaftlichen Aufschwung und anhaltender Prosperität ist, gehören
unter anderem:

- Die 105,4 Millionen Beschäftigten in Amerika im Juli 1984 stellen
gegenüber November 1982 einen Zuwachs von 6,4 Millionen Arbeitsplätzen und 6,1 Millionen gegenüber 1980 dar.

- Das durchschnittliche verfügbare Realeinkommen der Familie ist 1984
bis jetzt um eine Rate von 6,9 Prozent gestiegen - verglichen mit einem Rückgang von 0,6 Prozent im Kalenderjahr 1980.

- In den im Juni 1984 abgelaufenen 12 Monaten stiegen die Lebenshaltungskosten nur um 4,2 Prozent - verglichen mit einer Zunahme von
12,4 Prozent im Kalenderjahr 1980.

- Das Bruttosozialprodukt wächst nach Schätzungen im Jahr 1984 um real 7,2 Prozent - verglichen mit 0,3 Prozent im Kalenderjahr 1980.
- In den letzten 12 Monaten sind die Festinvestitionen der Wirtschaft
um eine Rate von real 23 Prozent gestiegen - verglichen mit einem
Rückgang von 2,4 Prozent im Jahr 1980.

Diese Indikatoren sind nur ein Hinweis auf die konstruktiven Veränderungen, die in der amerikanischen Wirtschaft aufgrund der Steuer-, Ausgaben-, Währungs- und Verordriungspolitik eingetreten sind, die die ReaganAdministration eingeleitet hat.

Obwohl das Haushaltsdefizit noch hoch

bleibt und eine Herausforderung für die Politik der öffentlichen Hand in
dei kommenden Jahren darstellt, hat doch die gegenwärtige starke Wirtschaftstätigkeit wesentlich dazu beigetragen, seinen Umfang einzuschrän- 2 -

�Umfang einzuschränken, und die entscheidende Bedeutung eines anhaltenden
wirtschaftlichen Wachstums unterstrichen, um in den restlichen Jahren
dieses Jahrzehnts einen Ausgleich der öffentlichen Haushalte zu erzielen.

Die Haushaltserwartungen für 1984

Nach fast völligem Abschluß der Maßnahmen und neunmonatiger Wirkung
wird das Defizit jetzt auf 174,3 Milliarden Dollar veranschlagt.

Damit

wird es voraussichtlich um 21,1 Milliarden Dollar oder elf Prozent unter
dem Defizit von 1983 liegen.

Diese Verbesserung ist Ausdruck eines Ein-

nahmenzuwachses von fast 12 Prozent - verglichen mit einem veranschlagten
Ausgabenzuwachs von knapp über sechs Prozent. Als Folge dieser Erwartungen dürfte das Defizit als Anteil des Bruttosozialproduktes 1984 um mehr
als ein ganzes Prozent zurückgehen.

GESAMTZAHLEN HAUSHALT 1984 VERGLICHEN MIT

1983

(in Milliarden Dollar)

IST

VORANSCHLAG

1983

1984

Einnahmen

600,6

670,7

Ausgaben

796,0

845,0

195,4

174,3

12,4

13,0

207,8

187,3

Haushaltsausgaben (in Prozent)

6,1

4,8

Gesamtdefizit (in Prozent)

6,4

5,2

Defizit
Ausgaben außerhalb des Haushalts

Gesamtdefizit

Anteil des Defizits am Bruttosozialprodukt

Die

Haushaltsaussichten

�Die Haushaltsaussichten für 1985-89

Die derzeitigen Haushaltserwartungen gehen von den Auswirkungen wichtiger politischer Maßnahmen und wesentlicher Revisionen der kurzfristigen
Wirtschaftsvoraussegen aus.

Zu den ersteren gehören eine Revision der

Verteidigungsvoranschläge nach unten in Übereinstimmung mit dem "Rosengarten-Vorauszahlungsplan", der Verabschiedung des Defizitsenkungsgesetzes von 1984 und den Auswirkungen damit zusammenhängender gesetzgeberischer Maßnahmen.

Die wesentlichen Revisionen der wirtschaftlichen Vor-

aussagen sind eine wesentliche Erhöhung des Bruttosozialproduktes für
1984 auf der Basis der tatsächlichen Ergebnisse der ersten zwei Quartale
und eine weitere Erhöhung der erwarteten Zinssätze für 1984-85.

Die sich daraus ergebenden Haushaltsvoranschläge bis 1989 lassen erkennen, daß unter den in den Voraussagen angenommenen Bedingungen das Defizit bis 1987 auf etwa der gleichen Höhe bleiben wird wie derzeit, um
dann in den folgenden Jahren langsam zurückzugehen.

Zu diesen Bedingun-

gen gehören ein anhaltendes Wachstum des Bruttosozialprodukts von jährlich real vier Prozent nach 1984; anhaltend niedrige Inflationsraten im
Bereich von vier Prozent während des ganzen Zeitraums sowie ein stetiger
Rückgang der nominalen und realen Zinssätze in den kommenden Jahren...
Die Voraussagen gehen ferner von weiteren Änderungsmaßnahmen aus, wie sie
jetzt vorgechlagen werden, einschließlich einer Erhöhung der Einnahmen um
rund 37 Milliarden Dollar und einer Einsparung von 28 Milliarden Dollar
in den Ausgaben im Zeitraum von 1985 bis 1989...

* * * * *

- 4-

�22. August 1984

34

DEM SONNENWIND AUF DEN FERSEN
Drei EXPLORER-Satelliten beobachten Wechselwirkungen
mit Erdmagnetfeld -

- (AD) - Rund 12 Jahre Entwicklungsarbeit waren für das amerikanischdeutsch-britische Gemeinschaftsprojekt AMPTE erforderlich, bis schließlich am 16. August 1984 mit dem Start von gleichzeitig drei Satelliten
auf der Spitze einer Trägerrakete vom Typ THOR-DELTA die praktische Phase
begann. Jim Ball, ein Sprecher des amerikanischen Amtes für Luft- und
Raumfahrt (NASA) vom Kennedy-Raumfahrtzentrum in Florida, erläuterte die
wichtigste Aufgabe: Erforschung von Wechselwirkungen zwischen Sonnenwind
und Erdmagnetfeld sowie möglichst detaillierte Beobachtung der damit zusammenhängenden physikalischen Vorgänge. Für AMPTE (Abkürzung für "Active Magnetospheric Particle Tracer Explorers") wenden die drei Staaten zusammen ca. 80 Millionen Dollar auf. Davon entfallen auf die Vereinigten
Staaten für Satellit und Betriebskosten 35 Millionen Dollar, auf die Bundesrepublik Deutschland etwa 12 Millionen Dollar, auf Großbritannien drei
bis vier Millionen Dollar. Weitere 30 Millionen Dollar sind für die Trä-

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�für die Trägerrakete zu veranschlagen.
Jeder der drei EXPLORER-Satelliten hat spezielle Funktionen und Meßaufgaben, die die internationale Wissenschaftlergruppe aufeinander abstimmte und in ihrem zeitlichen Ablauf koordinierte.

Denn eine Voraus-

setzung für den Erfolg des Unternehmens ist die "Zusammenarbeit" der drei
Satelliten.

Eine der ersten Hürden nach dem Dreifach-Start war eine er-

hebliche Geschwindigkeitsänderung

für das von den Vereinigten

beigetragene Gerät, um es in eine neue Bahnebene zu bringen.

Staaten

Während der

deutsche und der britische Satellit die Erde in der Einschußebene, 28
Grad zum Äquator geneigt, umkreisen, wurde der amerikanische EXPLORER in
eine sehr flache Bahnebene mit nur vier Grad Neigung zur Äquatorebene manövriert.

Auf seiner Umlaufbahn liegt jetzt der erdnächste Punkt bei ca.

1000 km, der erdfernste bei fast 50 000 km. Damit sind Beobachtungen in
den sog. Van Alien-Strahlungsgürteln gewährleistet, wo der amerikanische
Satellit die Konzentration ionisierter (d.h. elektrisch geladener) Partikel mißt.

Die Dichte der vom irdischen Magnetfeld eingefangenen natür-

lichen Ionen ist in diesen Bereichen am größten.

Und dort werden sich

vermutlich auch künstlich eingebrachte Ionen konzentrieren.
Lieferant der letztgenannten Partikel, die als eine Art von Markiersubstanzen dienen, ist der in der Bundesrepublik gebaute Satellit. Mit
ca. 705 km Masse wiegt er fast dreimal mehr als der amerikanische und
über neunmal mehr als der britische Satellit. Er hat vor allem die Aufgabe, gasförmiges Lithium und Barium im Weltraum freizusetzen - Substanzen, die unter der Einwirkung des Sonnenlichts rasch ionisiert werden,
sich jedoch verschieden schnell im Raum ausbreiten, so daß dieser Umstand
weitere Hinweise bei der Untersuchung physikalischer Prozesse zu geben
vermag. Die offizielle Bezeichnung für den deutschen Satelliten der
Dreierkombination: "Ion Release Module".
Seine Bahnhöhen und die des brititschen Geräts, mit dem er nach dem
Absprengen von der Trägerrakete noch eine Zeitlang verbunden war, mit der
er aber jetzt in einer Art Formationsflug die Erde umkreist, liegen zwischen 550 und 112 000 km. Kleine Kaltgasdüsen am britischen Gerät sorgen
- 2 -

�Gerät sorgen dafür, daß sich die beiden bis auf wenige Kilometer Entfernung nähern, und dann wieder bis etwa 1000 km Abstand auseinanderstreben. Er soll im natürlichen interplanetaren Plasma, d.h. in dem in elektrisch geladene Partikel aufgespaltenem Medium im Weltraum, Störungen
bzw. Veränderungen erfassen und messen, die sich möglicherweise durch die
vom deutschen Satelliten freigesetzten und ionisierten Substanzen ergeben.
Die stark exzentrische Bahn der deutsch-britischen Geräte bietet in
den erdfernen Abschnitten die Möglichkeit, aktive Experimente und Messungen in Zonen durchzuführen, wo der Sonnenwind und interplanetare Magnetfelder von Einfluß sind, nicht aber die Magnetosphäre der Erde. Diese
wird zwar bestimmt vom irdischen Magnetfeld, erweist sich aber unter der
Einwirkung des mit Überschallgeschwindigkeit anströmenden Sonnenwindes
als ungemein "elastisch" in Ausdehnung (theoretisch bis ca. 68 000 km Höhe) und Form.
Während auf der Tagseite, d.h. der der Sonne zugewandten Seite, dieser Wind eine Schockwelle erzeugt und die Magnetosphäre so stark zusammenpresse kann, daß ihre äußere Grenze einem Abstand von nur ca. fünf
Erddurchmessern entspricht, bildet sie auf der sonnenabgewandten Seite
einen kometenähnlichen Schweif mit einer Ausdehnung bis zum 20fachen Erddurchmesser und mehr.
Im Zusammenhang mit den sog. Van Allen-Strahlungszonen sind in bestimmten Höhen über der Erde Verdichtungen zu beobachten. Der untere
Gürtel beginnt oberhalb der Ionosphäre in ca. 1000 km Höhe, erreicht ca.
4000 km über der Erdoberfläche die größte Partikeldichte und liegt wie
ein "Ring" um den erdmagnetischen Äquator. In 13 000 km Höhe folgt die
zweite Van Alien-Zone mit einer höchsten Strahlungsdichte bei ca. 18 000
km und wesentlich größerer Ausdehnung. Sie umschließt die Erde schalenförmig, ist aber an den Polen "offen". In diesen Strahlungszonen sammeln
sich unter Wirkung von Kräften des Erdmagnetfeldes elektrisch geladene
Partikel aus dem Raum (Ionen und Elektronen), denen es gelang, in die
Magnetosphäre der Erde einzudringen. Sie ist nach außen begrenzt von der
sog. Magnetopause in ca. 63 400 km Höhe. Es ist dies, wie Ball erklärt,
- 3 -

�Ball erklärt, eine stromführende Grenzzone, die Sonnenwind und Magnetosphäre trennt. Wenn der Sonnenwind in den Schockwellenbereich eindringt,
wird er abgebremst und aufgeheizt.

Er umströmt die Magnetosphäre, noch

außerhalb der Magnetopause, und bildet eine Art magnetischer Hülle.

Mit

dem AMPTE-Projekt hoffe man herauszufinden, wie und wo die Sonnenwindpartikel die Magnetopause zu durchdringen vermögen (und ein Teil der vom
deutschen Satelliten ausgestoßenen, ionisierten Lithium- und Bariumpartikel wird dies auf gleichen Wegen tun) und wie die Energie dieser Partikel, wie von solaren Partikeln bekannt, dabei teilweise auf das Millionenfache verstärkt wird.

"Im Grunde wollen wir besser verstehen lernen,

wie die Sonne die Erde beeinflußt", meint Ball.

"Wir wissen ja, daß sie

eine Rolle beim Wetter und bei anderen Phänomenen spielt, die wir beobachten."

(Dazu gehören neben vielen anderen Vorgängen und Effekten z. B.

die Polarlichter, Störungen im weltweiten Funkverkehr.)
Das Ausstoßen von Markiergasen, die in patronenähnlichen Behältern am
Außenring des deutschen Satelliten gespeichert sind, wird im September
beginnen. Als erstes wird Lithium freigesetzt werden, das nach ca. einer
Stunde ionisiert ist und sich rasch über ein großes Gebiet ausbreitet.
Barium dagegen bleibt für längere Zeit "zusammengeballt" und benötigt zum
Ausbreiten sehr viel mehr Zeit, verhält sich ähnlich wie ionisierte Materie eines Kometen. So wird man im Dezember 1984 versuchen, durch Freisetzen einer Bariumwolke innerhalb des Schockwellenbereichs auf der Tagseite, und zwar genau in Bahnebene der Erde, einen "künstlichen Kometen"
zu erzeugen. Das Verhalten und der Weg der Partikel wird dann vor allem
mit Hilfe der anderen beiden AMPTE-Satelliten ständig beobachtet werden.
Für das kommende Jahr ist eine ganze Serie von Lithiumgas- und BariumgasFreisetzungen in der "Erdschweifregion" auf der sonnenabgewandten Seite
der Erde vorgesehen. Diese Region kann sich über Hunderttausende von Kilometern in den Weltraum hinaus erstrecken.
Wenn die Lithium- und Bariumvorräte aufgebraucht sind, können die
drei EXPLORER-Satelliten noch für lange Zeit Meßdaten von natürlichen
Phänomenen in ihrem Beobachtungsbereich zur Erde übermitteln. Die Signale werden im Jet Propulsion Laboratory in Pasadena (Kalifornien), im Be- 4 -

�im Beobachtungszentrum Oberpfaffenhofen der Deutschen Versuchsanstalt für
Luft- und Raumfahrt und im Rutherford Appleton Laboratory in Chilton
(Großbritannien) ausgewertet.

* * * *

- 5-

�34

22. August 1984

FÜR ENTWICKLUNGSLÄNDER GRATIS
- INTELSAT stellt Nachrichtensatelliten für Bildungs- und Gesundheitsprogramme zur Verfügung -

- (AD) - INTELSAT, die Internationale Fernmeldesatelliten-Organisation, hat ein für die Dauer von 16 Monaten vorgesehenes Demonstrationsprojekt angekündigt, das Entwicklungsländern die Möglichkeit zur kostenlosen Benutzung des weltweiten Satellitennetzes für Bildungs- und Gesundheitsprogramme geben soll. Die Aktion ist vor allem dafür gedacht, die
vom Verkehrs- und Nachrichtennetz abgelegenen Gebiete zu erreichen. Wie
Richard Colino, Generaldirektor von INTELSAT, auf einer Pressekonferenz
am 13. August 1984 erläuterte, sei das Projekt SHARE (Satelliten für Gesundheits- und Bildungsprogramme auf dem Lande) Teil der Feierlichkeiten
zum 20. Jahrestag des Bestehens der Internationalen FernmeldesatellitenOrganisation. "INTELSAT versorgt heute ca. 170 Länder und Territorien
mit Dienstleistungen auf dem Fernsprech- und Fernsehsektor. Aber mehr
als die Hälfte der Weltbevölkerung lebt in ländlichen und weit abseits
gelegenen Gebieten, wo es kaum oder überhaupt kein Fernmeldewesen gibt",

�erklärte Colino.

Diese Menschen könnten somit nicht von den Bemühungen

um Bildungs- und Gesundheitswesen und den zu erzielenden Leistungen profitieren, die normalerweise als selbstverständlich gelten.
Ein internationaler beratender Ausschuß von Fachleuten für das Kommunikationswesen auf dem Erziehungs- und Gesundheitssektor soll in Kürze
Vorschläge über einschlägige kostenlose Tests und Demonstrationsprogramme
mit Nachrichtensatelliten prüfen.

"In erster Linie werden sich regionale

Organisationen wie das 'Asiatische Medienzentrum für Unterrichtswesen'
und ähnliche Gruppen, die bereits Bildungsprogramme über Fernsehen durchführen, dafür interessieren", meinte Colino.

"Aber zum gegenwärtigen

Zeitpunkt können wir nicht genau sagen, wo die Interessen liegen, hoffen
jedoch, dies während der praktischen Anwendung herauszufinden."
Bei INTELSAT wird angenommen, daß z.B. in Gemeinden ländlicher Gebiete Informationen über landwirtschaftliche Aufgaben und Probleme erwünscht
sind. Auch erwartet man Vorschläge zu nationalen und internationalen
Rundfunksendungen im Rahmen von Unterrichtsprogrammen für den Empfang mit
Kleinantennen, zu Lehrveranstaltungen in Koferenzschaltung, zu internationalen Fernsehkonferenzen unter Teilnahme von Experten des Gesundheitswesens aus mehreren Ländern sowie für den Einsatz von Personal-Computern
im Verbund unter Einbeziehung kleiner Erde-Terminals zum Austausch medizinischer Informationen oder von Diagnosen.
INTELSAT ist eine gemeinnützige Organisation mit 109 Mitgliedstaaten,
die für internationale und nationale Dienstleistungen im Nachrichtenwesen
ein weltweites System betreibt. In ihre Regie fallen zwei Drittel der
Uberseedienstleistungen im Fernmeldewesen und praktisch alle Dienstleistungen für das Fernsehen rund um den Erdball.

* * * * *

- 2-

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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Reagan: USA stehen zur Verpflichtung von Jalta&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;US-Haushaltsdefizit geringer als erwartet&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Bericht der Bundesregierung -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Dem Sonnenwind auf den Fersen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Drei EXPLORER-Satelliten beobachten Wechselwirkungen mit Erdmagnetfeld -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Für Entwicklungsländer gratis&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- INTELSAT stellt Nachrichtensatelliten für Bildungs- und Gesundheitsprogramme zur Verfügung -&lt;/em&gt;</text>
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und
Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

35

29. August 1984

INHALT

HINTERGRUNDMATERIAL
Die Wahlen in Amerika 1984

75)
- Ronald Reagan: Der Präsidentschaftskandidat der Republikaner Die Wahlen in Amerika 1984

TV
- George Bush: Der Vizepräsidentschaftskandidat der Republikaner
Die Wahlen in Amerika 1984

W)
- Auszüge aus dem Wahlprogramm der Republikanischen Partei Todesflug KAL 007
- Chronologie der Ereignisse WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Marihuana-Konsum im Rückgang
- Aber Alkohol und Rauchen verleiten Jugendliche zum Einstieg -

Um Ubcr/cnJung von
BckgcKcmploicn
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 B o n n 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�35

29. August 1984
DIE WAHLEN IN AMERIKA 1984
( 8 )
RONALD REAGAN: DER PRÄSIDENTSCHAFTSKANDIDAT DER REPUBLIKANER

DALLAS, TEXAS - (AD) - Ronald Reagan, 40 Präsident der Vereinigten
Staaten von

Amerika und erneut Präsidentschaftskandidat der Republi-

kanischen Partei, wurde am 6. Februar 1911 in Tampico im Staate Illinois
geboren.

Sein Vater, katholisch, war irischer Abstammung; seine Mutter,

protestantisch, schottischer Herkunft. Zusammen mit einem älteren Bruder
wuchs er in bescheidenen Verhältnissen in dem ländlichen Gebiet im Norden
seines Heimatstaates auf. Als er neun Jahre alt war, fand die Familie
ihren festen Wohnsitz in Dixon, Illinois, wo er die Grundschule und dann
die höhere Schule besuchte. Bereits als Schüler fand er seine, von der
Mutter geförderte Liebe zur Schauspielkunst.

Seine Studien am Eureka

College in Eureka, Illinois, schloß Reagan 1932 mit dem Bachelor of Arts
ab und arbeitete anschließend als Sportreporter für eine Rundfunkstation
in Davensport im Staate Iowa. Er wurde weit über dessen Grenzen hinaus
bekannt, als sich sein Sender dem Netz der National Broadcasting Company
(NBC) anschloß und er vor allem über große Football- und Baseball-Spiele
berichtete (die in USA mit gleichem oder sogar noch größerem Interesse

Postfach 20 03 00 Tel.:0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�größerem Interesse verfolgt werden als in der Bundesrepublik etwa Bundesligaspiele).
Als er 1937 im Trainingslager einer bekannten Baseball-Mannschaft in
Kalifornien einen Bericht gab, verpflichtete ihn ein Beauftragter der bekannten amerikanischen Filmgesellschaft Warner Brothers als Rundfunkansager in einem Film (Love is on the Air - etwa: Wir senden Liebe).

Damit

begann seine Karriere als Filmschauspieler, in deren Verlauf er in über
500 Filmen spielte, allerdings nur einmal, in "The Killers," einen Bösewicht.

Von 1942-46 diente Reagan im Fliegerkorps der amerikanischen Armee
und war auch dort berufsnahe mit Ausbildungsfilmen befaßt.
Bereits 1947 erhielt seine Karriere als Schauspieler einen stärkeren
politischen Akzent, als er zum Präsidenten der "Screen Actors Guild",
einer der großen Gewerkschaften, gewählt wurde, die das Talent Hollywoods
vertreten.

In den sechs Jahren, in denen Reagan diesen Posten bekleide-

te, führte er mehrere erfolgreiche TarifVerhandlungen.

Eine klare Hal-

tung nahm er gegen kommunistische Einflüsse ein, und in diesem Sinne trat
er auch im Oktober 1947 vor dem Ausschuß gegen Unamerikanische Tätigkeiten des amerikanischen Repräsentantenhauses auf.

Der politische Entwicklungsprozeß Reagans begann sich nach seiner
Militärzeit 1946 zu ändern.

In seiner im Jahr 1965 veröffentlichten

Autobiographie schreibt er, daß er Ende der vierziger Jahre noch ein
"Liberater bis aufs Blut" gewesen sei, der sich für eine Sache aufgerieben habe. Als Mitglied der liberalen Gruppierung "Americans for
Democratic Action" wurde er von seinen politischen Mitstreitern mehr und
mehr enttäuscht, und er fürchtete eine kommunistische Infiltration der
Vereinigungen, deren Mitglied er war. Reagan unterstützte zunächst die
Demokratische Partei, so 1948 deren Präsidentschaftskandidaten Henry S.
Truman, jedoch arbeitete er bereits 1952 und 1956 für den republikanischen Kandidaten Dwight D. Eisenhower.

Im Jahr 1960 trat er endgültig

zur Republikanischen Partei über und unterstützte die Kandidatur von
Nixon.
Reagan gab

�Reagan gab um diese Zeit seine Tätigkeit beim Film auf und trat im
Fernsehen hervor, das ihm ein politisches Forum bot. Sein Einsatz galt
mehr und mehr dem rechten Flügel der Republikanischen Partei, und nach
seiner berühmten "Insel der Freiheit"-Rede für Goldwater im Jahr 1964
wandten sich einflußreiche Kreise in Kalifornien an ihn, ob er nicht für
das Amt des Gouverneurs in Kalifornien kandidieren wolle.

In dem Maße,

in dem Reagan an die Spitze des politischen Lebens in Kalifornien drängte, verlor die Republikanische Partei auf gesamtnationaler Ebene an Einfluß, was Reagan in das nationale Interesse rückte. Die Demokraten unterschätzten bei den Wahlen 1966 ganz offensichtlich sein politisches
Talent, und er schlug den bisherigen kalifornischen Gouverneur Brown eindeutig.
Als Gouverneur des Staates Kalifornien von 1967 bis 1975 konnte
Reagan seine politische Basis überall in den Vereinigten Staaten festigen, und die Möglichkeit einer Kandidatur für die Präsidentschaft zeichnete sich immer deutlicher ab. So beschloß er, bei den Wahlen 1974 keine
dritte Amtsperiode als Gouverneur von Kalifornien anzustreben, sondern
sich für das Amt des Präsidentschaftskandidaten der Republikanischen Partei zu bewerben. Wie gefestigt seine Position in der Partei war, geht
daraus hervor, daß er die Kandidatur gegen den amtierenden Präsidenten
Gerald Ford auf dem Parteikonvent nur um 60 Stimmen verfehlte. Als Ford
im Oktober 1979 bekanntgab, daß er für die Wahlen 1980 nicht kandidieren
wolle, war die Spitzenposition Reagans praktisch unbestritten.

Bereits als Gouverneur von Kalifornien war Reagan bekannt dafür, daß
er sich mit fähigen Beratern umgab und deren Rat hörte; was ihm auch etwas den Ruf eintrug, er lasse den Dingen ihren Lauf.

Auch wurde ihm der

Vorwurf gemacht, er vereinfache die Dinge zu sehr. Bei seiner Antrittsrede als Gouverneur in Kalifornien im Jahr 1967 antwortete er darauf jedoch: "Man hat uns gesagt, daß es auf komplexe Probleme keine einfache
Antworten gebe... Ich meine, es gibt einfache Antworten, nur keine
leichten."
Nach fast vier

- 3 -

�Nach fast vier Jahren Amtszeit als Präsident der Vereinigten Staaten
kann Reagan sagen, daß er das Selbstbewußsein und Selbstvertrauen der
Amerikaner neu gestärkt hat. Unser Kurs ist "Hoffnung, Zuversicht und
Wachstum", so erklärte er bei der Annahme seiner Kandidatur auf dem Nationalkonvent der Republikanischen Partei am 23. August 1984 in Dallas.
Reagan sprach von einem "neuen Anfang" und verwies vor allem auf seine
wirtschaftlichen Erfolge.
"Heute", so führte er wörtlich aus, "hat Amerika von allen großen
Industrienationen der Welt das stärkste wirtschaftliche Wachstum; eine
der niedrigsten Inflationsraten; die hochtste Rate bei der Schaffung neuer Arbeitsplätze - allein 6,5 Millionen Arbeitsplätze in den letzten anderthalb Jahren - ; einen Rekord von 6000 000 Geschäftsneugründungen im
Jahre 1983 und das stärkste Anwachsen des realen Personaleinkommens nach
Steuern seit dem Zweiten Weltkrieg. Wir erfreuen uns des höchsten Standes der Geschäftsinvestitionen in unserer Geschichte, und Amerika hat
wieder die Führung in der Entwicklung der gewaltigen neuen Möglichkeiten
in Wissenschaft und Hochtechnologie übernommen."
Als die größte Herausforderung der Zukunft bezeichnete Reagan die
Verringerung des Risikos eines Atomkrieges durch eine Verringerung der
Zahl der Kernwaffen. "Ich habe in den letzten dreieinhalb Jahren vor
Parlamenten in Europa und Asien gesprochen", so sagte Reagan, "und erklärt, daß ein Atomkrieg nicht gewonnen werden kann und niemals geführt
werden darf."
"Es gibt nur zwei Nationen, die durch ihr Übereinkommen die Welt von
diesen Waffen des Untergangs befreien können: die Vereinigten Staaten von
Amerika und die Sowjetunion", so betonte Reagan. "Um unserer Kinder und
um der Sicherheit der Welt willen, bitten wir die Sowjets - die unsere
Verhandlungen verlassen haben - sich uns im Abbau (dieser Waffen) anzuschließen und die Erde von dieser schrecklichen Bedrohung zu befreien."
Als erneuter Präsidentschaftskandidat erinnerte Reagan daran, daß zu

- 4 -

�daß zu dem Zeitpunkt, als er sein Amt antrat, Amerika sich "in ernsten
Schwierigkeiten" befand.

Die amerikanischen Streitkräfte hätten sich in

einem schlechten Zustand befunden.
uns", so erklärte er.

"Viele unserer Verbündeten mißtrauten

"In den vier Jahren, bevor wir unser Amt antraten,

fiel ein Land nach dem anderen unter sowjetisches Joch.

Seit dem 20.

Januar 1981 ist kein Meter Boden an die Kommunisten verloren gegangen."

Reagan bekannte sich erneut zu einem militärisch starken Amerika und
zur Bündnispolitik.

"Wir haben auch damit begonnen, unsere wertvollen

Bündnisse zu reparieren, vor allem unser historisches NATO-Bündnis. Eingehende Gespräche in Asien haben uns in die Lage versetzt, eine neue Runde des diplomatischen Fortschritts dort einzuleiten.

Im Nahen und Mitt-

leren Osten ist es weiterhin schwierig, historische Konflikte zu einem
Ende zu bringen - aber wir lassen uns nicht entmutigen.

Und wir werden

immer unser Versprechen halten, daß wir einen unserer engsten Freunde Israel - niemals verlassen werden."

Auch die Freunde der Vereinigten

Staaten in Lateinamerika würden nicht im Stich gelassen.
In der Steuerpolitik versprach Reagan, daß sie "arbeitsfreundlich,
wachstumsfreundlich und familienfreundlich" gestaltet werde.

Der Pessimismus der Vergangenheit sei überwunden, so faßte Reagan
sein Programm zusammen.

"Amerika ist wieder da und blickt mit mehr Ver-

trauen denn je in die Zukunft."
Wie bei jedem Politiker in den Vereinigten Staaten ist auch bei
Reagan die Familie aus seinem politischen Leben nicht wegzudenken. Seine
Frau, Nancy Davis Reagan, bildet ein Team mit ihm und ergänzt ihn. Sie
unterstützt seine politischen Ziele selbstlos und stellt sich voll und
ganz hinter sie. Ein enger Mitarbeiter Reagans aus der Zeit als Gouverneur in Kalifornien erklärte, daß Reagan Dinge gerne mit seiner Frau bespreche, die den Denkprozeß ergänze.

Zur Familie gehören vier Kinder, Maureen und Michael, ein Adoptivsohn, die aus erster Ehe mit der Schauspielerin Jane Wyman stammen. Aus

- 5 -

�stammen. Aus der jetzigen Ehe gingen Patti und Ronald hervor, die sich
als Vertreter der jungen Generation fühlen.
Ronald Reagan hat ein klares Programm: Nur ein wirtschaftlich gesundes Amerika kann seinen Platz in der Welt behaupten. Reagan hat bei seinem Amtsantritt seine amerikanischen Mitbürger davor gewarnt, auf die
Dauer über ihre Verhältnisse zu leben. Aber gleichzeitig hat er die Forderung erhoben, "diesen industriellen Giganten wiederzuerwecken." Er hat
den Freunden und Verbündeten zugesagt, "Loyalität mit Loyalität" zu vergelten. Er hat aber auch den Feinden der Freiheit versichert, daß die
Vereinigten Staaten "niemals um des Friedens willen kapitulieren" werden.

* * * * *

- 6\

�35

DIE WAHLEN IN AMERIKA 1984

29. August 1984

( 9 )

GEORGE BUSH: DER VIZEPRÄ'SIDENTSCHAFTSKANDIDAT DER REPUBLIKANER

DALLAS, TEXAS - (AD) - George Bush, erneut Vizepräsidentschaftskandidat der Republikanischen Partei, brachte in das Amt des Vizepräsidenten
der Vereinigten Staaten von Amerika eine eindrucksvolle Liste bisheriger
Tätigkeiten, vor allem Erfahrung im außenpolitischen Bereich sowie Kenntnisse der Washingtoner Szene, ein.

Bereits im Wahlkampf wies Bush auf die wirtschaftliche Lage und die
Stellung der Vereinigten Staaten in der Welt hin:

"Die Leute machen sich

Sorgen über die Wirtschaft, die Arbeitslosigkeit, die Inflation und den
Wohnungsbau.

Sie sind besorgt über den mangelnden Respekt gegenüber den

Vereinigten Staaten im Ausland."

Mochte George Bush als Kandidat lange unbekannt gewesen sein - als
Inhaber verantwortungsvoller öffentlicher Ä'mter hatte er sich schon lange
einen Namen gemacht.

Im Jahr 1971 ernannte ihn der frühere Präsident

Richard Nixon zum amerikanischen Botschafter bei den Vereinten Nationen.
Zwei Jahre später - während der schwierigen Monate der Watergate-Affäre -

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Watergate-Affäre - war er Vorsitzender des Republikanischen Nationalkomitees und fuhr durchs Land - nicht nur in der Absicht, die Partei wieder
moralisch aufzurüsten, sondern auch, um die Trennungslinie zwischen Parteitätigkeiten und Aktivitäten der Nixon-Administration klar aufzuzeigen.

Im Jahr 1974, als Nixon aus dem Amt schied, ernannte sein Nachfolger,
Gerald Ford Bush zum Vertreter der Vereinigten Staaten in der Volksrepublik China.

Nach einjähriger Tätigkeit im Fernen Osten wurde er zum Di-

rektor des amerikanischen Amtes für Nachrichten und Abwehr (CIA) berufen.
Als im Jahr 1977 dann die Demokraten die Regierung übernahmen, schied er
aus dem Regierungsdienst aus.

Natürlich kam eine solche politische Karriere nicht von ungefähr:
George Bush entstammt einem politischen Elternhaus - sein Vater, Prescott
Bush, war Senator von Connecticut.

George Herbert Walker Bush wurde am 12. Juni 1924 in Milton im Staate Massachusetts geboren und wuchs zusammen mit drei Brüdern und einer
Schwester in Greenwich im Staate Connecticut auf.
in Neuengland.

Seine Wurzeln liegen

Im Jahr 1942 meldete er sich zur Marine und war mit 18

Jahren jüngster Pilot.

1945 ging er als Leutnant z. See ab.

Er setzte

seine Studien an der Yale-Universität fort und erwarb 1948 den akademischen Grad eines Bachelor of Arts.
um dort nach Öl zu suchen.

Im gleichen Jahr ging er nach Texas,

Die von ihm gegründete Zapata-Qlgesellschaft

entwickelte sich zu einem Konzern mit weltweiten Geschäftsverbindungen.
Seine politische Tätigkeit begann in Houston, Texas, wo er 1959 Vorsitzender der Republikanischen Parteiorganisation seines Wahlkreises war.
Als er 1966 zum erstenmal in das Repräsentantenhaus gewählt wworden war,
verkaufte er alle seine Anteile an der Ölgesellschaft.

Zwei erfolglosen Versuchen, für Texas in den amerikanischen Senat zu
kommen, stand eine vierjährige Tätigkeit als Mitglied des Repräsentantenhauses gegenüber.

Dort setzte er sich für Gesetze ein, die selbst die

Gesetzgeber zwang, ihre persönlichen Finanzverhältnisse aufzudecken.

Politik
- 2 -

in

�Politik in den Vereinigten Staaten bedeutet nicht nur politische Aktivität des Kandidaten oder Amtsinhabers.

Es bedeutet oft genug die Mit-

wirkung auch des Ehepartnerns, ja, selbst der ganzen Familie.

Die Familie Bush ist da keine Ausnahme, vielmehr ein hervorragendes
Beispiel für die Regel:

Seine Frau Barbara geb. Price und seine fünf

Kinder haben sich alle in dem Wahlkampf engagiert, durch den Bush die Nominierung der Republikanischen Partei erringen wollte.

Als Teenager trafen sich die beiden zum erstenmal; Frau Bush sagt
heute:

"Ich fand ihn atemberaubend gutaussehend.

das immer noch."

Ich war 16.

Ich denke

Im Jahr 1945 heiratete sie den Leutnant z. See George

Bush.

Das Leben einer Politikerfamilie führte die Bushs in 26 Länder und
brachte insgesamt 27 Wohnungswechsel in 17 Städten mit sich - so die offizielle Biographie.
enthalt in China.

Die stärksten

Eindrücke kamen dabei von ihrem Auf-

Noch heute reist Frau Bush durch die Vereinigten Staa-

ten, um Vorträge über dieses Land zu halten.

Als politisch geschickt er-

wies sie sich, als sie als Befürworterin des Verfassungszusatzes für
gleiche Rechte der Frauen auf eine diesbezügliche Frage feststellte: "Ich
bin mit meinem Mann nicht in jeder Hinsicht einer Meinung.

Aber ich wer-

de ihnen nicht sagen, ob ich anderer Meinung bin, denn ich werde zunächst
einmal George sagen, was ich denke."

Auf dem Nationalkonvent der Republikanischen Partei im Juli 1980 in
Detroit reiften die Früchte des jahrelangen Einsatzes: Ronald Reagan bot
George

Bush an, als sein "running mate" für das Amt des Vizepräsidenten

zu kandidieren. Bush nahm das Angebot in einer kurzen Rede an.

Kurz ist

die Rede, denn natürlich konzentriert sich das Interesse der Versammelten, der Medien, der Millionen Zuschauer draußen auf den Hauptakteur der
Veranstaltung, den Präsidentschaftskandidaten
seine eigene Rede hält.

selbst, der anschließend

Nachdem er dessen Angebot angenommen hatte, de-

finierte Bush das Ziel der kommenden politischen Auseinandersetzung:

"Ich

unterstütze

�"Ich unterstütze mit Begeisterung Ihr Programm und versichere Sie
meiner totalen Bereitschaft und aller meiner Energie in einer gemeinsamen
Anstrengung, damit am 20. Januar Ronald Reagan der 40. Präsident unseres
Landes wird und in diesem ersten Jahrzehnt der achtziger Jahre für Amerika ein neues Zeitalter beginnt."
Zugleich wies er warnend auf gegnerische Qualitäten hin.
Und seine Rede endere mit dem Aufruf: "Laßt uns das Jahr 1980 zu einem Jahr des Sieges machen - nicht nur für Ronald Reagan und unsere Partei, sondern zugleich für die Vereinigten Staaten von Amerika und die
Sache der Freiheit in der ganzen Welt!'
Der Nationalkonvent im August 1984 in Dallas brachte die politische
Bestätigung für George Bush.

* * * * *

- 4-

�Hintergrund
materiell
United States Information Service
Embassy of the United States of America

9. August 1984

35

DIE WAHLEN IN AMERIKA 1984
(10)
- Auszüge aus dem Wahlprogramm der Republikanischen Partei -

DALLAS -(AD)- Die Republikanische Partei hat auf ihrem Nationalkonvent in Dallas, Texas, vom 20. bis 23. August 1984 ein umfangreiches
Wahlprogramm, die sogenannte "platform", diskutiert und verabschiedet.
Das am 21. August gebilligte Programm setzt als oberstes Ziel der Außenpolitik die Aufrechterhaltung der Freiheit in einer friedlichen internationalen Umwelt, in der die Vereinigten Staaten und ihre Freunde und Verbündeten sicher sind vor militärischen Bedrohungen und in der demokratische Regierungen in einer Welt steigenden Wohlstandes gedeihen. Die militärische Stärke Amerikas, so heißt es weiter, dient dem hohen moralischen Ziel der Abschreckung vor einem Konflikt und nicht der Führung eines Krieges. Als wichtigstes wirtschaftliches Ziel wird die Ausweitung
und Fortsetzung des wirtschaftlichen Aufschwungs gesetzt sowie Vollbeschäftigung ohne Inflation, niedrigere Steuern, weniger Regierungsausgaben und anhaltendes wirtschaftliches Wachstum. Innenpolitisch wird "eine
freie und gerechte Gesellschaft" gefordert mit Schutz für Minderheiten,
Schutz des ungeborenen Lebens und Gleichberechtigung der Frau.
In

dem

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�In dem Kapitel "Die Zukunft unserer Außenpolitik", das die Grundziele
Freiheit, Frieden, Demokratie umreißt, heißt es unter anderem:

Präsident Reagan hat den Glauben des amerikanichen Volkes an die
Prinzipien der liberalen Demokratie wiederhergestellt. Heute haben wir
mehr Vertrauen in die selbstverständlichen Wahrheiten der Demokratie als
jemals zuvor seit dem Zweiten Weltkrieg.

Das erste Prinzip dieses Glaubens ist, daß alle Menschen gleich geschaffen sind in dem Naturrecht des Menschen, sich selbst zu regieren.

So wie wir an dem Recht der Selbstregierung festhalten, so folgt
daraus, daß alle Menschen in der ganzen Welt sich dieses gleichen Menschenrechtes erfreuen sollen. Dieses moralische Prinzip muß das Ideal
sein, nach dem sich unsere Politik gegenüber anderen Staaten richtet.

Wir Republikaner unterstreichen, daß ein grundlegender moralischer
Unterschied zwischen dem Handeln und den Idealen marxistisch-leninistischer Regime und dem Handeln und den Idealen demokratischer Regierungen
besteht, und wir lehnen die Vorstellungen der Schuld und der Entschuldigung ab, die die Außenpolitik der Demokratischen Partei in so starkem
Maße bewegen. Wir sind der Überzeugung, daß amerikanische Außenpolitik
nur dann Erfolg haben kann, wenn sie auf dem unerschütterlichen Glauben
an eine einzige Idee beruht: die Idee, daß alle Menschen gleich geschaffen sind - der Grundidee der liberalen Demokratie.
Das oberste Ziel unserer Außenpolitik muß die Aufrechterhaltung unserer Freiheit in einer friedlichen internationalen Umwelt sein, in der
die Vereinigten Staaten und unsere Verbündeten und Freunde sicher sind
vor militärischen Bedrohungen und demokratische Regierungen in einer Welt
wachsenden Wohlstandes gedeihen.

Das versprechen wir unserem

Volk und künftigen Generationen: Wir

werden den Frieden bewahren, indem wir unser Land stärker halten als
jeder potentielle Gegner.
Die
- 2 -

Amerikas

�Die Amerikas

Unsere Zukunft ist eng mit der Zukunft der Amerikas (den Staaten
Nord- und Südamerikas) verknüpft. Abstammung, Sprache, Kultur und Handel
verbinden uns eng mit Kanada, unserem größten Handelspartner, und unseren
Nachbarn im Süden. Die Bevölkerung von Mexiko und Kanada ist von fundamentaler Bedeutung für die Bevölkerung der Vereinigten Staaten von Amerika - nicht nur wegen unserer gemeinsamen Grenze, sondern auch weil wir
Nachbarn sind, die eine gemeinsame Geschichte und ein gemeinsames Interesse an der Gegenwart und Zukunft haben ...

Sicherheit und Freiheit Mittelamerikas sind unerläßlich für unsere
eigene Sicherheit und Freiheit. Wir machen uns nicht nur Sorgen um die
Freiheit und das Wohlergehen unserer Nachbarn im Süden, sondern zwei
Drittel unserers Außenhandels passieren die Karibik und den Panamakanal.
Die gesamte Region wird jedoch schwer bedroht von der kommunistischen
Expansion, die von der Sowjetunion und Kuba inspiriert und unterstützt
wird. Wir stellen uns hinter die Monroe-Doktrin als solideste Grundlage
für die amerikanische Politik in der ganzen Region ...

Republikaner machen sich keine Illusionen hinsichtlich der brutalen
Diktatur Castros in Kuba. Nur unsere Festigkeit wird seine Versuche vereiteln, Terrorismus und Subversion zu exportieren, die Demokratie zu zerstören und Rauschgift in die Vereingten Staaten zu schmuggeln ...

Wir glauben an die Freundschaft zwischen dem kubanischen und dem amerikanischen Volk, und wir stellen uns im Geiste eine echte Demokratie in
der Zukunft Kubas vor.
Wir unterstützen den Präsidenten in der Durchführung der einstimmigen
Empfehlungen der überparteilichen Kommission für Mittelamerika ...
Heute ist die Demokratie in der ganzen Hemisphäre unter Beschuß. Das
marxistische Nicaragua bedroht nicht nur Costa Rica und Honduras, sondern
auch El Salvador

und

Guatemala. Das

sandinistische

Regime

baut die

größten Streitkräfte in Mittelamerika auf und führt sowjetisches Gerät
- 3 -

�sowjetisches Gerät und Berater aus dem Ostblock und von der PLO sowie
Tausende kubanischer Söldner ein ... Die Sandinisten haben die freien Institutionen, darunter Synagogen und Kirchen, Schulen, den privaten Sektor, die freie Presse, Minderheiten und Familien und Stämme in ganz Nicaragua systematisch verfolgt. Wir sind für die weitere Unterstützung der
demokratischen Freiheitskämpfer in Nicaragua. Es kann nicht zugelassen
werden, daß Nicaragua eine kommunistische Freistatt bleibt, von der aus
Terror und Waffen in die ganze Region exportiert werden ...
Die heroischen Bemühungen, die Demokratie in El Salvador aufzubauen,
sind von der von Kuba und den Sandinisten unterstützten kommunistischen
Guerilla brutal angegriffen worden... El Salvador liegt näher bei Texas
als Texas bei den Neuenglandstaaten, und wir können daher seinem Schicksal nicht gleichgültig gegenüberstehen. In der Tradition von Präsident
Trumans Nachkriegshilfe für Europa hat Präsident Reagan dem Volk von El
Salvador geholfen, sich selbst zu verteidigen... Wenn die Kommunisten
dort die Macht übernähmen, würden die Menschenrechte ausgelöscht und
Zehntausende aus ihrer Heimat vertrieben. Deshalb unterstützen wir den
Präsidenten in seiner Entschlossenheit, dafür einzutreten, daß das salvadorianische Volk seine eigene Zukunft gestalten kann.
Und wir bekräftigen die Erklärung Präsident Reagans in der Normandie: Es besteht ein grundlegender moralischer Unterschied zwischen der
Anwendung von Gewalt für die Befreiung und die Anwendung von Gewalt für
Eroberung und territoriale Expansion. Wir begrüßen die Befreiung des Menschen überall und sind gegen die Unterdrückung überall...
Die Initiative für das Karibische Becken ist ein gesundes Programm
zur Stärkung demokratischer Institutionen durch wirtschaftliche Entwicklung durch freie Menschen und nach den Prinzipien des freien Marktes ...
Die Sowjetunion
Stabile und friedliche Beziehungen zur Sowjetunion sind möglich und
wünschenswert, aber sie hängen von der Glaubwürdigkeit und Entschlossenheit Amerikas ab. Als unsere Macht in den siebziger Jahren zu schwinden
- 4 -

�zu schwinden begann, war unsere Schwäche provozierend. Die Sowjetunion
nützte sie aus in Afghanistan, dem Nahen Osten, in Afrika, Südostasien
und in der westlichen Hemisphäre. Unsere Politik des Friedens durch Stärke ermutigt freiheitsliebende Menschen überall und bietet jenen Hoffnung,
die auf den Tag warten, sich der Früchte der Selbstregierung zu erfreuen.

Wir betrachten die Sowjetunion nüchtern. Ihre auf die ganze Welt gerichtete Ideologie und ihre von militärischer Macht besessene Führung machen sie zu einer Bedrohung der Freiheit und des Friedens auf allen Kontinenten. Die Carter-Mondale-Administration

hat diese Bedrohung igno-

riert, und die heutigen demokratischen Kandidaten unterschätzen sie. Die
Carter-Mondale-Illusion, daß die sowjetischen Führer die gleichen Ideale,
Hoffnungen und Wünsche hätten wie wir, ist nicht nur falsch, sondern auch
eine ernste Gefahr für den Weltfrieden.

Die Republikaner bekräftigen' unsere Überzeugung, daß das sowjetische
Verhalten am Konferenztisch nicht von dem sowjetischen Verhalten anderswo
zu trennen ist. Übereifer, mit den Sowjets um jeden Preis zu Abkommen zu
gelangen - wie das bei der Carter-Mondale-Administration üblich war -,
darf uns niemals die Augen vor dieser Tatsache verschließen. Jedes künftige Abkommen mit den Sowjets muß volle Einhaltung voraussetzen, voll
verifizierbar sein und angemessene Sanktionen bei Nichteinhaltung vorsehen. Die Bemühungen der Carter-Mondale-Administration sowie die sowjetischen Verletzungen des Abkommens über die Begrenzung strategischer Rüstungen und des Vertrages über Raketenabwehr-Raketen von 1972 machten die
Sowjets nur noch dreister, ihre militärische Position weiter zu verstärken. Wir verurteilen diese Verletzungen wie auch die jüngsten Verletzungen der Verträge über das Verbot chemischer und toxischer Waffen in Afghanistan, Südostasien und im iranisch-irakischen Krieg. Wir beharren auf
der vollen Einhaltung aller Verträge und Regierungsabkommen durch die
Sowjets.

Wir versuchen, die sowjetische Politik von Aggression abzubringen und
zum friedlichen internationalen Verhalten zu bewegen. Zu diesem Zweck
werden wir wesentliche Verringerungen der Kernwaffen anstreben statt nur
eines Einfrierens der Nuklearwaffen auf ihrem gegenwärtigen gefährlichen
- 5 -

�gegenwärtigen gefährlichen Stand. Wir werden die multilateralen Bemühungen

fortsetzen, der

sowjetischen

Kriegsmaschinerie

moderne

westliche

Technologie zu verwehren.

Wir

werden

auf die Einhaltung

aller internationalen Abmachungen,

einschließlich der Schlußakte von Helsinki aus dem Jahre 1975 und der
Menschenrechtserklärung der Vereinten Nationen, durch die Sowjets drängen. Wir werden weiterhin gegen Antisemitismus und MenschenrechtsVerletzungen in der Sowjetunion protestieren. Wir bewundern den Mut solcher
Menschen wie

Andrei Sacharow

und

seiner Frau

Jelena Bonner, Anatol

Schtscharanski, Ida Nudel und Josef Begun, deren Auflehnung gegen die
sowjetische Unterdrückung ein Zeugnis der Größe des menschlichen Geistes
darstellt. Wir werden die Sowjetunion drängen, die ungehinderte Auswanderung von Juden, Christen und unterdrückten nationalen Minderheiten zuzulassen. Und schließlich werden wir, weil die Völker des sowjetischen Reiches unsere Zukunftshoffnung teilen, unsere Informationskanäle für sie
stärken, um

sie in ihrem Kampf

um

individuelle Freiheit, nationale

Selbstbestimmung und Frieden zu ermutigen.

Europa
Vierzig Jahre nach "D-Day" (dem Tag der Landung der Alliierten 1944
in der Normandie; Anm. der Redaktion) sind unsere Truppen noch in Europa.
Es war eine lange Wache, aber eine erfolgreiche. Vier Jahrzehnte lang haben wir den Frieden dort bewahrt, wo zweimal zuvor unsere Männer kämpften
und fielen. Wir haben aus ihren Opfern gelernt.

Wir wären in tödlicher Gefahr, sollte Westeuropa unter sowjetische
Herrschaft fallen. Das unmittelbare Ziel der sowjetischen Aufrüstung und
der sowjetischen Subversion ist die Aufspaltung der NATO. Während der
Carter-Mondale-Jahre verschafften sich die Sowjets beträchtliche militärische und diplomatische Vorteile in Europa. Sie besitzen heute dreimal
so viele Panzer wie wir und fast ein Monopol an nuklearen Mittelstreckensystemen (INF). Um den Frieden zu erhalten, gleicht die Reagan-Administration die sowjetische militärische Bedrohung durch die Verteidigungskraft des Bündnisses aus. Wir dislozieren Pershing II-Raketen und Marsch- 6 -

�und Marschflugkörper. In Erinnerung an das Nazi-Reich wissen sachkundige
Wähler auf beiden Seiten des Atlantik, daß sie eine militärische Überlegenheit der Sowjets in Europa nicht akzeptieren können. Das ist der
Grund, warum die Parlamente in Großbritannien, Italien und der Bundesrepublik Deutschland die Dislozierung von Euroraketen gebilligt haben und
warum neue NATO-Stützpunktabkommen mit Portugal, Spanien, der Türkei und
Griechenland geschlossen wurden.

Die Vereinigten Staaten führen erneut das Bündnis, indem sie die
Hoffnung auf eine sicherere Zukunft bieten. So wie die Stärke Amerikas
wiederhergestellt wurde, so ist das Vertrauen unserer Verbündeten in die
Zukunft der Freiheit wiederhergestellt worden. Wir werden sie ermutigen,
ihre Beiträge zu unserer gemeinsamen Verteidigung zu steigern.

Um die Südflanke der NATO zu stärken, räumen wir der Lösung des Zypernkonflikts und der weiteren Unterstützung Griechenlands und der Türkei
höchste Priorität ein, wobei wir keine Regime anerkennen, die in besetzten Gebieten errichtet wurden.

Wir teilen eine tiefe Sehnsucht nach Frieden und Gerechtigkeit in
Nordirland und verurteilen alle Gewalt und jeden Terrorismus in diesem
schwer geprüften Land.

Wir stehen solidarisch zu den Völkern Osteuropas: den Polen, Ungarn,
Ostdeutschen, Tschechoslowaken, Rumänen, Jugoslawen, Bulgaren, Ukrainern,
den baltischen Völkern, Armeniern und allen unterdrückten Nationen, die
sich täglich gegen ihre sowjetischen Herren wehren. Die heroischen Anstrengungen von Lech Walesa und der Gewerkschaftsbewegung Solidarität in
Polen sind eine Inspiration für alle Völker, die sich nach Freiheit sehnen. Wir sind in ihrem Kampf nicht neutral, wo immer die Flamme der Freiheit die dunkle Nacht der sowjetischen Unterdrückung erhellt.

Die tragische Unterdrückung des polnischen Volkes durch die sowjetisch inspirierte Militärdiktatur in Polen ist dem amerikanischen Volk zu
Herzen gegangen. Wir unterstützen politische Maßnahmen, die polnischen
Staatsbürgern, die Asyl und Zuflucht in den Vereinigten Staaten suchen,
Hilfe gewähren.

Der Nahe

�Der Nahe und Mittlere Osten

Die Politik Präsident Reagans in diesem Gebiet ist flexibel genug gewesen, sich den rasch verändernden Umständen anzupassen, und doch so in
sich geschlossen und glaubwürdig, daß alle Nationen unsere Entschlossenheit erkennen, unsere lebenswichtigen Interessen zu schützen. Das geschickte Krisenmanagement des Präsidenten im iranisch-irakischen Krieg
hat verhindert, daß dieser Konflikt unsere Lebensinteressen geschädigt
hat ...

Die sowjetische Invasion Afghanistans 1979, die die Carter-MondaleAdministration überrascht hat, brachte sowjetische Streitkräfte in eine
Entfernung

von weniger als 400 Meilen von der strategisch wichtigen

Straße von Hormus. Die Geiselnahme von Amerikanern im Iran im gleichen
Jahr fand die Vereinigten Staaten unvorbereitet und nicht in der Lage, zu
reagieren. Im Libanon herrscht trotz unserer besten Bemühungen, die Stabilität in diesem unglücklichen Land zu fördern, weiterhin Unruhe. Nachdem die syrische Führung unter wachsenden Einfluß der Sowjets gerät und
die PLO und ihre Selbstmord-Terrorgruppen sich in Syrien festsetzen, muß
die amerikanische Politik gegenüber dieser Region wachsam und stark bleiben. Die Republikaner bekräftigen, daß die Vereinigten Staaten nicht mit
der PLO verhandeln oder sie anerkennen sollten, solange diese Organisation auch weiterhin den Terrorismus fördert, Israels Existenzrecht bestreitet und sich weigert, die UN-Resolutionen 242 und 338 zu akzeptieren.

Der Eckpfeiler dieses Schutzes ist und bleibt wie in den letzten drei
Jahrzehnten unsere moralische und strategische Beziehung zu Israel. Wir
sind Verbündete in der Verteidigung der Freiheit. Israels Stärke zusammen
mit amerikanischer Unterstützung ist das Haupthindernis für eine sowjetische Beherrschung der Region. Die Souveränität, Sicherheit und Integrität
des Staates Israel ist ein moralisches Gebot. Wir verpflichten uns, die
qualitative militärische Überlegenheit Israels über seine Gegner erhalten
zu helfen ...

Unsere Entschlossenheit, uns aktiv an dem in Camp David begonnenen
Friedensprozeß zu beteiligen, hat uns in den letzten vier Jahren die
- 8 -

�Jahren die Unterstützung gemäßigter arabischer Staaten eingetragen. Israels Partner in den Abkommen von Camp David, Ägypten, ist mit amerikanischer Unterstützung eine konstruktive Kraft der Stabilität geworden. Wir
verpflichten uns zur weiteren Unterstützung Ägyptens und anderer gemäßigter Regierungen gegen sowjetische und libysche Subversion, und wir erwarten von ihnen, daß sie zu unseren Bemühungen um eine langfristige Lösung
der zerstörerischen Streitigkeiten der Region beitragen.

Wir glauben, daß Jerusalem eine ungeteilte Stadt mit freiem und ungehindertem Zugang zu allen heiligen Stätten für alle Gläubigen bleiben
sollte.

Asien und der Pazifik
Das freie Asien ist ein gewaltiger Erfolg. Den Vereinigten Staaten
wirtschaftlich und politisch nacheifernd, haben unsere Freunde in Ostasien die höchsten wirtschaftlichen Wachstumsraten der Welt erzielt. Ihre
Volkswirtschaften sind Ausdruck der Dynamik freier Märkte und freier Menschen im krassen Gegensatz zu der öden Starre und den volkswirtschaftlichen Fehlschlägen des zentral geplanten Sozialismus. Die amerikanischen
Investitionen in Asien übersteigen heute 30 Milliarden Dollar, und unser
jährlicher Handel übersteigt den mit jeder anderen Region.

Nicht in der Lage, mit diesem Fortschritt mitzuhalten, bedrohen die
Sowjetunion, Nordkorea und Vietnam die Region mit militärischer Aggression und politischer Nötigung. Die sowjetische Vergewaltigung Afghanistans, die verbrecherische Zerstörung des KAL-Flugzeuges, der Völkermord
in Vietnam, Kamputschea und Laos, das ständige Anwachsen der sowjetischen
SS-20-Streitmacht in Ostasien, der rasche Zuwachs der sowjetischen Pazifik-Flotte, die ständige Aufrüstung der nordkoreanischen Streitkräfte und
der brutale Bombenanschlag gegen südkoreanische Führer
kürzliche Dislozierung

in Ragun, die

sowjetischer Streitkräfte in Cam Ranh Bay, die

anhaltende Besetzung Kamputscheas durch die Vietnamesen sowie der Angriff
mit chemischen und biologischen Waffen auf die unschuldige Bevölkerung in
Afghanistan und Südostasien sind nur einige der offensichtlicheren Bedrohungen des Friedens in Asien und der Freunde Amerikas dort.
Die
- 9 -

Republikaner

�Die Republikaner blicken voll Achtung auf die tapferen Menschen in
Afghanistan, die um die Wiedergewinnung ihrer Freiheit und Unabhängigkeit
kämpfen. Wir werden die Freiheitskämpfer weiterhin unterstützen und verpflichten uns zu weiterer humanitärer Hilfe für die Tausenden von afghanischen Flüchtlingen, die in Pakistan und anderswo Zuflucht gesucht haben.
Um die wirtschaftlichen Fortschritte Asiens zu bewahren und unsere
Sicherheit zu fördern, werden wir den Frontstaaten Korea, Thailand und
Pakistan weiterhin Wirtschafts- und Sicherheitshilfe zukommen lassen. Wir
werden Verteidigungseinrichtungen in Korea, Japan, den Philippinen und im
Indischen Ozean beibehalten, um lebenswichtige Seewege zu schützen.

Wir werden das wirtschaftliche Wachstum fördern und gleichzeitig die
Menschenrechte und die Verpflichtung zu Demokratie und freien Märkten
stärken. Wir werden befreundeten Nationen helfen, mit der Flüchtlingsfrage fertigzuwerden und uns ihrer Hilfe beim Kampf gegen Rauschgiftanbau
und -handel versichern.

Unsere Beziehungen zu Japan sind von zentraler Bedeutung für die
Rolle Amerikas im Fernen Osten - und sie waren nie besser. Die zweitgrößte Industriemacht der Welt kann einen zunehmend wichtigen Beitrag zu
Frieden und wirtschaftlicher Entwicklung in einem großen Teil Asiens
leisten. Wir begrüßen die Verpflichtung Japans, sein Territorium, seinen
Luftraum und seine Schiffahrtswege zu verteidigen. Wir sind erfreut über
die Erhöhung seiner Verteidigungsausgaben und fordern Japan auf, seinen
Beitrag zur Verteidigung der Region weiter zu erhöhen. Wir haben in unseren Handelsbeziehungen Fortschritte erzielt und sind der festen Überzeugung, daß mit gutem Willen auf beiden Seiten ein umfassenderes Übereinkommen möglich ist.

In Übereinstimmung mit dem Versprechen im Wahlkampfprogramm von 1980
hat Präsident Reagan den Ausbau unserer Beziehungen zur Volksrepublik
China fortgesetzt. Wir begrüßen die Initiativen des Präsidenten, eine
solide Grundlage für die langfristigen Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und der Volksrepublik China aufzubauen - mit dem Nachdruck
auf friedlichem Handel und anderen Maßnahmen zur Förderung des Friedens
- 10 -

�des Friedens in der Region. Trotz fundamentaler Unterschiede auf vielen
Gebieten vereint beide Länder ein wichtiges gemeinsames Ziel: Widerstand
gegen sowjetischen Expansionismus.

Gleichzeitig bekräftigen wir ausdrücklich unsere Sorge für die Sicherheit und das Wohlergehen der 18 Millionen Menschen auf Taiwan. Wir
versprechen, daß diese Sorge von Dauer sein wird und daß wir weiterhin
jeden Versuch, den Status von Taiwan mit Gewalt zu ändern, als eine Bedrohung des regionalen Friedens betrachten werden...

Die Republik Korea ist ein fester Bundesgenosse. Um vor einer Aggression abzuschrecken, werden wir unsere Streitkräfte dort, die zu unserer
gemeinsamen Verteidigung beitragen, beibehalten. Unsere zunehmenden wirtschaftlichen Beziehungen sind gut für beide Länder und fördern unseren
Einfluß im Sinne einer demokratischen Entwicklung dort.
Wir schätzen unsere besonderen Beziehungen zu den Philippinen. Wir
werden alle Anstrengungen unternehmen, um die wirtschaftliche Entwicklung
und die demokratischen Prinzipien dort zu fördern ...

Wir begrüßen

die wirtschaftlichen

Leistungen

der

Vereinigung

der

südostasiatischen Nationen (ASEAN). Wir werden die wirtschaftlichen und
politischen Beziehungen zu ihnen stärken und ihre Opposition gegen die
vietnamesische Besetzung Kamputscheas unterstützen ...
Afrika

Afrika steht vor einem neuen Kolonialismus. Die Dreierachse der Sowjetunion, Kubas und Libyens hat Krieg und Leiden auf dem Kontinent entfesselt. Wir sind der Demokratie in Afrika verpflichtet und der wirtschaftlichen Entwicklung, die zu ihrem Gedeihen führt ... Um den Geist
der individuellen Initiative in Afrika zu fördern, arbeitet unsere neugegründete Afrikanische Entwicklungsstiftung mit afrikanischen Unternehmern
auf Dorfebene zusammen ...

Wir werden weiterhin den afrikanischen Ländern, mit denen wir gute
- 11 -

�wir gute Beziehungen haben, die notwendige Sicherheits- und Wirtschaftshilfe zukommen lassen, um ihnen dabei zu helfen, die Infrastruktur des
demokratischen Kapitalismus aufzubauen, die so wesentlich ist für das
Wirtschaftswachstum und die Verwirklichung des einzelnen. Wir werden unsere Verbündeten in Europa und Ostasien ermutigen, ihre Hilfsanstrengungen zu koordinieren, damit die Industriestaaten in der Lage sein werden,
wirksam zur wirtschaftlichen Entwicklung des Kontinents beizutragen ...

Wir werden weiterhin bedrohte afrikanische Regierungen unterstützen,
sich selbst zu schützen, und wir werden mit ihnen zusammenarbeiten, um
ihren Kontinent vor Subversion zu schützen, ebenso wie ihre strategischen
Bodenschätze. Die jetzige Administration wird weiterhin nachhaltige Anstrengungen unternehmen, um die Unabhängigkeit Namibias und den Abzug der
Kubaner aus dem besetzten Angola zu erreichen.

Wir bekräftigen unsere Verpflichtung zu den Rechten aller Südafrikaner. Apartheid ist abstoßend. In Südafrika wie überall auf dem Kontinent
unterstützen wir wohlüberlegte Anstrengungen, um Frieden, Prosperität und
Stabilität zu fördern.

Auslandshilfe und regionale Sicherheit

Entwicklungsländer erwarten von den Vereinigten Staaten Rat und Anleitung bei der Erreichung wirtschaftlicher Möglichkeiten, Prosperität
und politischer Freiheit. Demokratischer Kapitalismus hat in den Vereinigten Staaten und anderswo eine unvergleichliche Fähigkeit bewiesen, die
politischen und bürgerlichen Rechte zu erweitern und für eine immer größere Zahl von Menschen langfristigen Wohlstand zu erreichen. Wir sind
überzeugt, daß Demokratie und freies Unternehmertum überall Erfolg haben
können. Ein zentrales Element unserer Wirtschaftshilfeprogramme muß darin
bestehen, mit anderen die vorteilhaften Ideen des demokratischen Kapitalismus zu teilen, die die Vereinigten Staaten zu wirtschaftlichem Wohlstand und politischer Freiheit geführt haben.

Unser Programm bilateraler Wirtschaftshilfe muß auf die Förderung des
wirtschaftlichen Wachstums und der Prosperität in den Entwicklungsländern
- 12 -

�den Entwicklungsländern ausgerichtet sein ... Wir haben die Carter-Mondale-Politik, einen zunehmenden Teil der amerikanischen Hilfe über multinationale Institutionen, die außerhalb unserer Kontrolle stehen, abzuwikkeln, geändert ... Wir werden keine internationalen Organisationen unterstützen, die mit unseren Interessen unvereinbar sind ...

Um die bilaterale Auslandshilfe zu stärken, werden wir die Hilfe an
Länder verringern oder streichen, deren Außenpolitik unseren Interessen
zuwiderläuft, und die Vollmachten des Außenministers stärken, indem wir
seine direkte Kontrolle unserer Hilfsprogramme sicherstellen.

Militärische Auslandshilfe stärkt unsere Sicherheit, indem sie befreundete Nationen in die Lage versetzt, für ihre eigene Verteidigung,
einschließlich der Verteidigung gegen Terrorismus zu sorgen. Terrorismus
ist eine neue Form der Kriegführung gegen die Demokratien ... Von der
Sowjetunion und anderen unterstützt, reicht der Terror vom PLO-Mord bis
zum Mordversuch am Papst. Die Bekämpfung des Terrorismus erfordert eine
integrierte Anstrengung unserer Diplomatie, unserer Streitkräfte, der Geheimdienste und des Rechtsvollzuges. Gesetzliche Hindernisse für die internationale Zusammenarbeit gegen den Terrorismus müssen beseitigt werden, und es muß ein nachhaltiges Programm zur Förderung der Antiterrorkräfte befreundeter Nationen folgen. Vor allem suchen wir die Zusammenarbeit unserer Nachbarn in der westlichen Hemisphäre, um umfassend mit
dem sowjetischen und kubanischen Terror fertig zu werden, der uns heute
bedroht.

Internationale Organisationen

Amerikaner können sich nicht auf die internationalen Organisationen
verlassen, wenn es darum geht, unsere Sicherheit zu garantieren oder unsere Interessen ausreichend zu schützen. Die Vereinigten Staaten sind
Gastland des Sitzes der Vereinten Nationen, bestreiten ein Viertel ihres
Haushalts und sind im Verhältnis der größte Beitragszahler der meisten
internationalen Organisationen; aber deren Mitglieder stimmen immer wieder gegen uns. Mit dem Anwachsen des sowjetischen Einflusses in diesen
Organisationen sind Zynismus und doppelte Moral zum Alltag geworden.
Aus
- 13 -

diesem

�Aus diesem

Grunde hat Präsident Reagan angekündigt, daß wir die

schlimmste dieser Organisationen, die UNESCO, verlassen werden. Er hat
den Vereinten Nationen mitgeteilt, daß sich die Vereinigten Staaten nachdrücklich der Tatsache widersetzen werden, daß diese Organisation zur
Förderung des Antisemitismus, der sowjetischen Spionage und der Feindseligkeit gegenüber den Vereinigten Staaten benutzt wird. Der Präsident hat
die UN-Seerechtskonvention eindeutig abgelehnt und eine eigene dynamische
Seerechtspolitik eingeschlagen, die sich an unserer traditionellen Verpflichtung zur Freiheit der Meere orientiert ... Wir unterstützen diese
Schritte begeistert und fordern von allen internationalen Organisationen
die gleichen Normen. Wir werden ihre Abstimmungen und Tätigkeiten, und
vor allem das Wahlverhalten der Länder, die amerikanische Hilfe erhalten,
genau beobachten. Die Amerikaner werden die Scheinheiligkeit vieler dieser Organisationen nicht länger ruhig hinnehmen.

Menschenrechte

Das amerikanische Volk ist überzeugt, daß die Außenpolitik der Vereinigten Staaten von der Sache der Menschenrechte für alle Völker der Welt
beseelt sein muß.

Eine wohlausgewogene Menschenrechtspolitik kümmert sich um den einzelnen Menschen, dem seine Rechte von Regierungen der Rechten oder der
Linken verwehrt werden, und um ganze Völker, deren kommunistische Regierungen den Anspruch auf Menschenrechte des Einzelmenschen verwehren und
nur die "Rechte" aus der Mitgliedschaft einer wirtschaftlichen Klasse anerkennt. Republikaner unterstützen eine Menschenrechtspolitik, die sich
um beide diese Anliegen kümmert ...

Republikaner begreifen, daß die Auseinandersetzung zwischen Ost und
West tiefe menschenrechtliche Aspekte hat. Wir wissen, daß kommunistische
Staaten, die ein Lippenbekenntnis

zu den Menschenrechten ablegen, in

Wirklichkeit ihre totalitären Systeme dazu benutzen, die Menschenrechte
in organisierter, systematischer Weise zu verletzen.

Die jetzige Administration hat sich weltweit für positive Verände- 14 -

�positive Veränderungen auf dem Gebiet der Menschenrechte eingesetzt. Unsere Bemühungen reichten von den Übereinkommen von Helsinki bis zu unserer Unterstützung der Rechts- und Politikreform in El Salvador ...

Für die Republikaner ist der Kampf um die Freiheit des Menschen mehr
als ein Selbstzweck. Er ist Teil einer Politik, die die Grundlagen des
Friedens schafft ...

Der Einsatz für die Demokratie
Um die Sache der Demokratie zu fördern und weiter zu tragen, muß Amerika sich aktiv am politischen Wettstreit zwischen den Prinzipien des
Kommunismus und

der Demokratie beteiligen. Dazu braucht Amerika eine

starke Stimme und aktive Instrumente der öffentlichen Diplomatie, um den
massiven Bemühungen des kommunistischen Blocks entgegentreten zu können,
die öffentliche Meinung der Welt falsch zu informieren und zu täuschen.
Republikaner sind der Überzeugung, daß die Wahrheit die mächtigste Waffe
Amerikas ist.

Die Reagan-Administration hat den Status der öffentlichen Diplomatie
in den Gremien der Regierung erhöht und den Haushalt des amerikanischen
Informationsamtes (United States Information Agency = USIA) in vier Jahren um 44 Prozent gesteigert ...

Dieses Eintreten in der Öffentlichkeit ist heute in dem weltweiten
Kampf zwischen Totalitarismus und Freiheit wichtiger denn je.
DIE ZUKUNFT UNSERER NATIONALEN SICHERHEIT

In einem eigenen Kapitel "Die Zukunft unserer nationalen Sicherheit"
befaßt sich das Wahlprogramm der Republikaner mit Fragen der Verteidigung
und der Rüstungskontrolle. Hier heißt es unter anderem:

Republikaner blicken mit dem Vertrauen in die Zukunft, daß wir den
Willen, die Waffen und die Technologie besitzen, Amerika als das Land der
Freien und

die Heimat der Tapferen zu bewahren. Wir fühlen uns mit
- 15 -

�uns mit Präsident Ronald Reagan vereint in seiner Hoffnung, daß amerikanische Wissenschaftler und Techniker die Technologie und die Instrumente
produzieren können, die einen Atomkrieg obsolet machen.

Die Friedensaussichten sind ausgezeichnet, denn Amerika ist wieder
stark. Die Verteidigung Amerikas dient nur einem einzigen Ziel: zu gewährleisten, daß unser Volk und unsere freien Institutionen überleben und
gedeihen.

Unsere Sicherheit erfordert sowohl die Fähigkeit, sich gegen Aggression verteidigen zu können, als auch den Willen dazu. Zusammen schrecken
Willen und Fähigkeit vor einer Aggression ab. Darum ist die Gefahr eines
Krieges unter Präsident Reagan in weitere Ferne gerückt ...

Wir sind stolz auf ein starkes Amerika. Unsere militärische Stärke
dient dem hohen moralischen Ziel der Abschreckung vor einem Konflikt,
nicht der Führung eines Krieges. Die Abschreckung vor Aggression ist
ethisch zwingend. Aus diesem Grunde haben wir die Verteidigungskapazität
Amerikas wiederhergestellt und den Willen unseres Landes erneuert. ...

Wir bekräftigen das Prinzip, daß die nationale Sicherheitspolitik der
Vereinigten Staaten auf einer Strategie des Friedens durch Stärke basieren muß - ein Ziel der republikanischen "platform" von 1980.

Die Aufrechterhaltung einer technologischen Überlegenheit, die historische Grundlage unserer Politik der Abschreckung, ist und bleibt von
entscheidender Bedeutung. Auf anderen Gebieten, wie etwa der Marine, müssen wir weiterhin nach einer qualitativen Überlegenheit streben.

Präsident Reagan hat unsere Nation auf eine modernisierte strategische und taktische Nuklearstreitmacht

verpflichtet, die ausreicht, vor

einem Angriff auf die Vereinigten Staaten und unsere Verbündeten abzuschrecken, während wir gleichzeitig Verhandlungen über ausgewogene, verifizierbare Verringerungen der Kernwaffen im Rahmen von Rüstungskontrollabkommen anstreben.
Um
- 16 -

abschrecken

�Um abschrecken zu können, müssen wir ausreichend stark sein, einen
potentiellen Gegner überzeugen zu können, daß es unter keinen Umständen
seinem Vorteil dienen könnte, einen Konflikt auf gleich welcher Ebene
anzufangen.

Wir verpflichten uns, alles Notwendige zu tun, damit die Vereinigten
Staaten im Falle eines Konflikts eindeutig die Oberhand behalten würden.

Wir werden unsere Abschreckungskapazität weiter modernisieren, während wir über verifizierbare Rüstungskontrolle verhandeln. Wir werden die
Politik fortsetzen, die friedliebenden Menschen überall neue Zuversicht
und neue Hoffnung gegeben hat.

Künftige Rüstungskontrolle
Die Amerikaner sind sehr stark an Rüstungskontrolle interessiert, sie
sind sich aber darüber im klaren, daß sie kein Selbstzweck ist, sondern
eine wichtige Komponente einer Außen- und Verteidigungspolitik, die Amerika frei, stark und unabhängig erhält.

Im Sinne der realistischen Vorstellung des amerikanischen Volkes von
der Sowjetunion

hat die Reagan-Administration

Rüstungskontrollabkommen

angestrebt, die den Stand der nuklearen Arsenale der Supermächte verringern würden. Präsident Reagan hat mit Flexibilität und immer aus einer
Position der Stärke heraus verhandelt ...

Die Sowjets haben jede Einladung durch Präsident Reagan abgelehnt,
die Verhandlungen wieder aufzunehmen und sich geweigert, zurückzukehren,
solange wir nicht die Pershing II und Marschflugkörper abziehen, die wir
auf Ersuchen unserer NATO-Verbündeten in Europa stationiert haben. Die
sowjetische Unnachgiebigkeit soll den Vereinigten Staaten Zugeständnisse
abringen, noch bevor Verhandlungen begonnen haben. Wir werden uns dieser
Strategie nicht unterwerfen. Die Sowjetunion wird nur dann an den Verhandlungstisch zurückkehren, wenn sie erkennt, daß die Vereinigten Staaten weder einseitige Zugeständnisse machen noch der Sowjetunion erlauben
werden, eine nukleare Überlegenheit zu erreichen. ...
Wir
- 17 -

unterstützen

�Wir unterstützen die Anstrengungen des Präsidenten, der Weiterverbreitung von Kernwaffen Einhalt zu gebieten und die internationalen Kontrollen und Sicherheitsvorschriften für sensitive Nukleartechnologie zu
verbessern ...

Verteidigungsressourcen

Der Schaden an unserer Verteidigung durch einseitige Abrüstung kann
nicht schnell repariert werden ... Wir teilen die Entschlossenheit Präsident Reagans, die glaubwürdige Sicherheit unseres Landes wiederherzustellen. Unsere Wahl ist nicht zwischen einer starken Verteidigung oder einer
starken Wirtschaft, sondern wir müssen auf beiden Gebieten erfolgreich
sein, sonst werden wir es auf keinem sein.

Unsere Streitkräfte dürfen hinter keinen anderen zurückstehen, und
wir verurteilen die Vorstellung, daß einseitiger militärischer Abbau die
Sowjets veranlassen würde, nach Frieden zu streben. Unsere militärische
Stärke bietet nicht nur die für eine friedlichere Welt notwendige Abschreckung, sondern auch den besten Anreiz für die Sowjets, einem Abbau
der Rüstungen zuzustimmen ...

Geheimdienste

Die Kenntnis der Fähigkeiten und Absichten unserer Gegner ist unsere
erste Verteidigungslinie. ... Wir werden unsere Geheimdienste weiterhin
stärken. Wir werden gesetzliche Hindernisse der wirksamen Leitung, Tätigkeit und Sicherheit von geheimen Quellen und Methoden beseitigen. Wir
werden unsere Fähigkeit, internationale Ereignisse in Unterstützung unserer außenpolitischen Ziele zu beeinflussen, weiter verbessern, und wir
werden unsere Spionageabwehr verstärken.

Strategischer Handel

... Wir haben kooperative Anstrengungen mit unseren Verbündeten verstärkt, die Abzweigung von militärisch kritischen Technologien zu verhindern. Wir werden die Bemühungen des Gesetzesvollzuges und der Spionageab- 18 -

�der Spionageabwehr verstärken, um der Industriespionage der Sowjets und
der illegalen Nutzung unserer Technologie Einhalt zu gebieten.

Terrorismus

Der internationale Terrorismus ist keine Randerscheinung, sondern eine neue Form der Kriegführung der Kräfte des Totalitarismus gegen die Demokratie ...
Terrorismus ist ein internationales Problem. Kein Land kann ihn allein erfolgreich bekämpfen. Wir müssen die freien Nationen in einer konzertierten Anstrengung

anführen, um die Mitglieder der Terrorliga zu

zwingen, ihren Schutz und ihre Unterstützung des Terrorismus aufzugeben.

Eine sichere Zukunft
... Republikaner sind sich darüber im klaren, daß nukleare Abschrekkungsstreitkräfte der letztliche militärische Garant der Sicherheit Amerikas und der Sicherheit unserer Verbündeten sind. Aus diesem Grunde werden wir weiterhin die Programme unterstützen, die notwendig sind, um die
Verwundbarkeit unserer strategischen Streitkräfte zu verringern und diese
zu modernisieren, einschließlich der baldmöglichsten Dislozierung einer
neuen kleinen mobilen Interkontinentalrakete.

Während die Carter-Mondale-Administration

sich hinter einem Schirm

von Wunschdenken versteckte, hat die Sowjetunion alle nur möglichen Anstrengungen unternommen, um sich im Falle eines Konflikts zu schützen.
Sie verfügt über ein einsatzbereites Antisatelliten-System; die Vereinigten Staaten nicht. Ein Netz riesiger hochmoderner Radar-Anlagen, neue Raketenabfang-Raketen, neue Boden-Luft-Raketen, all das sind Beweise für
die sowjetischen Anstrengungen des Selbstschutzes.

Präsident Reagan hat eine neue kühne strategische Verteidigungsinitiative eingeleitet, um uns gegen einen nuklearen Angriff zu verteidigen.
Wir unterstützen Präsident Reagans strategische Verteidigungsinitiative
mit allem Nachdruck. Wir unterstützen mit allem Nachdruck die Entwicklung
- 19 -

�die Entwicklung nichtnuklearer, weltraumgestützter Verteidigungssysteme,
um die Vereinigten Staaten vor der Zerstörung durch anfliegende Raketen
zu schützen. Unter Anerkennung

der Notwendigkeit einer engen Konsulta-

tion mit unseren Verbündeten unterstützen wir eine umfassende und intensive Anstrengung, die Doktrin der gewährleisteten gegenseitigen Vernichtung (Mutual Assured Destruction = MAD) obsolet zu machen. Die Demokratische Partei ist für MAD. Die Republikanische Partei lehnt die Strategie
der Verzweiflung ab und unterstützt statt dessen die Strategie der Hoffnung und des Überlebens.
Wir werden damit beginnen, die Bedrohung durch strategische Nuklearraketen so bald wie möglich zu beseitigen. Unser einziges Ziel - das alle
Menschen teilen - besteht darin, die Gefahr eines Atomkrieges zu verringern. Zu diesem Zweck werden wir überlegene amerikanische Technologie
einsetzen, um so bald wie möglich weltraumgestützte und bodengestützte
Verteidigungssysteme zu entwickeln, um das Leben des amerikanischen Volkes und unserer Verbündeten zu schützen.

- 20 -

�29. August 1984

35

TODESFLUG KAL 007
- Eine Chronologie der Ereignisse -

Washington -(AD)- Am 31. August jährt sich der Tag, an dem eine koreanische Verkehrsmaschine mit 269 Personen an Bord von sowjetischen Abfangjägern abgeschossen wurde. Nachstehend bringen wir einen Überblick
über den Ablauf der Ereignisse.

31. August 1983

14.00 Uhr (GMT): Eine Boeing 747 der Korean Air Lines (KAL), die sich
auf dem Wege von New York nach der koreanischen Hauptstadt Seoul befindet, startet von Anchorage in Alaska, wo sie eine Zwischenlandung gemacht
hatte. An Bord der Maschine - Flug 007 - befinden sich 269 Passagiere und
Besatzungsmitglieder.

16.00 Uhr: Das Flugzeug wird über der Halbinsel Kamtschatka von der
sowjetischen Radarüberwachung erfaßt. Sowjetische Abfangjäger nehmen die
Suche nach der Verkehrsmaschine auf und versuchen zweieinhalb Stunden
lang, sie aufzuspüren. Der Irrflug der Maschine führt über das Ochotski-

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�das Ochotskische Meer und die Insel Sachalin.

17.10 Uhr: Funkspruch der Boeing ah das Bodenkontrollzentrum auf dem
japanischen Flughafen Narita bei Tokio: "Südspitze Kamtschatkas sicher
passiert." In dem Funkspruch wird der Kursverlauf als normal bezeichnet.

18.10 Uhr: Das Flugzeug überquert den Südteil der Insel Sachalin.

18.12 Uhr: Ein sowjetischer Pilot meldet Sichtkontakt mit der KALMaschine. Es werden keine Versuche unternommen, Flug 007 zu warnen oder
mit der Maschine Verbindung aufzunehmen.

18.15 Uhr: Die Boeing, die sich auf einer Flughöhe von 32 000 Fuß
befindet, sucht um Erlaubnis nach, auf 35 000 Fuß zu steigen. Das Kontrollzentrum auf Narita antwortet: "Bitte warten Sie einen Augenblick."

18.20 Uhr: Kontrollzentrum

Narita:

"Bestätigt,

steigen

Sie

auf

35 000."

18.21 Uhr: Der sowjetische Pilot meldet ein Flugzeug auf 33 000 Fuß
Höhe.
18.23 Uhr: Der letzte verständliche Funksprechverkehr zwischen Flug
KAL 007 und dem Kontrollzentrum Narita: "Haben 35 000 Fuß erreicht ...
Hier ist KAL 007."

18.26 Uhr: Der sowjetische Pilot meldet, daß er eine Rakete abgefeuert und das Ziel zerstört habe.

18.27 Uhr: Unverständlicher Funksprechruf der Boeing an Narita, dann
Stille.
18.30 Uhr: Die Maschine wird von der Radarüberwachung auf einer Höhe
von 16 500 Fuß erfaßt.

18.38 Uhr: Die Maschine verschwindet von den Radarschirmen. Offenbar

�Radarschirmen. Offenbar stürzte sie etwa 30 Meilen südwestlich der Südspitze der Insel Sachalin ab, etwa 700 Meilen nördlich von Tokio.

19.30 Uhr: Die Sowjets ordnen in der Nähe der letzten von der sowjetischen Luftraumüberwachung

gemeldeten Position der

koreanischen Ver-

kehrsmaschine eine Such- und Rettungsaktion an. Eines der Suchflugzeuge
meldet, daß es auf der Wasseroberfläche in diesem Seegebiet Kerosinflekken gesichtet habe.

23.00 Uhr: Die Nachricht, daß die Boeing vermißt werde, verbreitet
sich. Vertreter des amerikanischen Außenministeriums, insbesondere Unterstaatssekretär Richard Burt, nehmen Fühlung mit sowjetischen Regierungsvertretern auf, um Aufschluß über das Schicksal der Verkehrsmaschine zu
erlangen. Die Sowjets hüllen sich jedoch in Schweigen.

1. September
Sobald der Abschuß der Maschine von amerikanischen Quellen bestätigt
wird, zitieren amerikanische Regierungsvertreter, die sowohl im Namen der
Regierung der Vereinigten Staaten als auch im Namen der Regierung der Republik Korea handeln, den sowjetischen Geschäftsträger in Washington zu
sich, um der "ernsten Besorgnis" der genannten Regierungen über den Abschuß eines unbewaffneten Zivilflugzeuges Ausdruck zu verleihen. Wiederum
geben die Sowjets keinerlei Auskünfte.

Der japanische Außenminister Shintaro Abe gibt bekannt, daß die Maschine "wahrscheinlich" von den Sowjets abgeschossen worden sei.

Der amerikanische Außenminister George Shultz bestätigt, daß Flug 007
abgeschossen worden ist. Er fordert von der Sowjetunion eine Erklärung
und sagt in diesem Zusammenhang, daß er "keinerlei Entschuldigung für
diesen entsetzlichen Akt finden" könne.

Die sowjetische Nachrichtenagentur Tass veröffentlicht eine Erklärung, in der es heißt, daß ein nicht identifiziertes Flugzeug in den
Luftraum der Sowjetunion eingedrungen sei, daß es keine Navigationslich- 3 -

�keine Navigationslichter gesetzt und auf Anrufe nicht geantwortet habe.
Tass sagt, daß das Flugzeug vielmehr "seinen Flug in Richtung auf das
Japanische Meer fortgesetzt" habe.

Präsident Reagan gibt eine Erklärung ab, in der er sagt, daß "Worte
unsere Empörung über diesen schrecklichen Gewaltakt kaum ausdrücken können."

In Reaktion auf die amerikanische Forderung nach Aufklärung sendet
der sowjetische Außenminister Andrei Gromyko seinem amerikanischen Amtskollegen Shultz eine Nachricht, die auf der Linie der Tass-Erklärung
liegt. Er fügt jedoch hinzu, daß sowjetische Suchflugzeuge vor der Südwestküste Sachalins "Anzeichen eines möglichen Absturzes" entdeckt hätten.

Der Sprecher des amerikanischen Außenministeriums, John Hughes, erklärt, daß die Botschaft Gromykos an Außenminister Shultz "völlig unzureichend" sei und "eine fast wörtliche Wiederholung" der Tass-Meldung
darstelle, die zu einem früheren Zeitpunkt am gleichen Tag in Moskau veröffentlicht worden sei.
Die Vereinigten Staaten fordern eine Dringlichkeitssitzung des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen, um den Abschuß der Maschine der
koreanischen

Luftverkehrsgesellschaft

durch

sowjetische

Kampfflugzeuge

vor der Völkergemeinschaft aktenkundig zu machen. Botschafter Charles
Lichenstein, einer der amerikanischen Vertreter bei den Vereinten Nationen, teilt dem Ratsprä'sidenten in einem Brief mit, daß die sowjetische
Handlung einen flagranten und schwerwiegenden Angriff auf die Sicherheit
der internationalen Zivilluftfahrt und eine Verletzung der grundlegenden
Rechtsnormen und Maßstäbe im Verkehr der Staaten miteinander darstelle.

Der amerikanische Kongreß reagiert unmittelbar und heftig auf diese
Tragödie der Luftfahrt. In ihren Äußerungen zu dem Vorfall greifen die
Vorsitzenden beider Kongreßparteien zu Kennzeichnungen wie "barbarisch"
und "erschreckend." Howard Baker, der Vorsitzende der Mehrheitsfraktion
im Senat, sagt, "ein solch unverschämter Angriff auf ein Verkehrsflugzeug, das zivile Passagiere befördert, ist verwerflich
- 4 -

... Nicht nur

�Nicht nur unser Land und Korea, sondern die gesamte Völkergemeinschaft
müssen dieser Angelegenheit ihre volle Aufmerksamkeit widmen und für ihre
gründliche Aufklärung sorgen."

In einem Appell an den sowjetischen Botschafter Anatoly Dobrynin fordert der Internationale Verband der Luftfahrtpassagiere "sofortigen und
umfassenden Aufschluß über alle Tatsachen", die mit der Luftfahrttragödie
in Zusammenhang stehen. Der Verband, der weltweit mehr als 100 000 Menschen vertritt, die häufig im Luftverkehr reisen, bringt seine Empörung
über den "beispiellosen Angriff" zum Ausdruck und erklärt, die Sicherheit
aller Luftfahrtpassagiere "vor unprovozierten militärischen Angriffen muß
gewährleistet sein, da dem Reiseverkehr zwischen den Nationen aus geschäftlichen wie aus kulturellen Gründen lebenswichtige Bedeutung zukommt
..." Der Verband fordert daher "umfassenden Aufschluß darüber, wie dieser
empörende Vorfall ablief und wie es dazu kommen konnte." In einem Telegramm an Außenminister Shultz betont der Verband, daß "es wesentlich ist,
provokativen Handlungen Einhalt zu gebieten, die den friedlichen Ablauf
des zivilen Luftverkehrs überall in der Welt beeinträchtigen." Der Verband sichert seine Bereitschaft zu, "dazu beizutragen, daß dieser tragische Vorfall unverzüglich und in vollem Umfang aufgeklärt wird und daß
sich dergleichen nicht wiederholt."

Der Verkehrspilotenverband, der 34 000 amerikanische

Zivilpiloten

vertritt, verurteilt den "unmenschlichen Akt", den die Sowjetunion mit
"dem Abschuß eines unbewaffneten zivilen Verkehrsflugzeuges" begangen
habe. In einer Erklärung, die der Verband im Namen seiner Mitglieder abgibt, heißt es: "Wir können uns keinen Beweggrund vorstellen, der eine
solch abscheuerregende Tat zu rechtfertigen vermöchte."

2. September

Der Internationale Lufttransportverband (IATA), der die große Mehrheit der internationalen Luftverkehrsgesellschaften

vertritt, bedauert

den sowjetischen Angriff auf KAL 007. Die Organisation erklärt, daß sie
"die Geschehnisse als äußerst schwerwiegend" betrachte und daß sie es
"für unbedingt geboten" halte, daß "die betroffenen
- 5 -

Regierungen der

�Regierungen der Internationalen Zivilluftfahrtorganisation (ICAO) so bald
wie möglich alle relevanten Informationen zur Verfügung stellen, die diese als Grundlage für eine umfassende und objektive Untersuchung benötigt
...M Der Verband erklärt weiterhin, daß "die Offenlegung der wahren Tatsachen wesentlich ist, nicht zuletzt, um eine Entscheidung darüber zu
treffen, ob es zusätzlicher Schritte von Regierungsseite bedarf, um sicherzustellen, daß sich derart tragische Vorkommnisse nicht wiederholen."

Tass erklärt, die sowjetischen Kampfflugzeuge hätten auf die koreanische Maschine Warnschüsse mit Leuchtspurmunition abgegeben. Die Agentur
merkt weiterhin an, daß "die Führungskreise der Sowjetunion ihr Bedauern
über die Menschenopfer zum Ausdruck

gebracht

haben." Die

Sowjetunion

übernimmt in dieser Erklärung jedoch keineswegs die direkte Verantwortung
für den Tod der 269 Menschen an Bord der Maschine. Das Eindringen der ursprünglich

als

"nicht

identifiziertes Flugzeug"

angesprochenen

Boeing

kann, wie die Sowjets nunmehr erklären, "nicht anders betrachtet werden
als ein vorab geplantes Unternehmen." Tass: "Man hielt es offenbar für
möglich, besondere nachrichtendienstliche Ziele ungehindert zu erreichen,
indem man sich zur Tarnung ziviler Verkehrsflugzeuge bediente."

Ein hochrangiger Vertreter des amerikanischen Außenministeriums erklärt, daß die Tonbandaufzeichnungen des Sprechverkehrs des sowjetischen
Piloten, der die koreanische Maschine abschoß, "keine Anhaltspunkte" dafür liefern, daß die Sowjets zuvor versucht haben, den koreanischen Piloten zu warnen.
Während eines Besuchs auf der Marinefliegerbasis Point Mugu in Kalifornien bemerkt Präsident Reagan, der Abschuß der koreanischen Verkehrsmaschine durch die Sowjets sei "ein Schock für das Empfinden der Menschen
überall auf der Welt." Er fährt fort: "Man sollte über diese brutale
Handlung nicht mit Stillschweigen hinweggehen oder gar zynisch die jetzt
vorliegenden Beweise entstellen."

John Hughes, der Sprecher des amerikanischen Außenministeriums, kündigt vor Journalisten an, daß der Abschuß des KAL-Jumbos im Mittelpunkt
der Begegnung zwischen Außenminister Shultz und seinem sowjetischen Amts- 6 -

�sowjetischen Amtskollegen Gromyko am 8. September in Madrid stehen werde.

Shultz erklärt, die Sowjetunion halte auch weiterhin "mit den Tatsachen hinter dem Berg", die mit dem Angriff auf die südkoreanische Verkehrsmaschine in Zusammenhang stehen. Er fügt hinzu, daß die Sowjets "immer noch nicht bereit sind, die Wahrheit einzugestehen - daß sie ein unbewaffnetes Zivilflugzeug abgeschossen haben."

Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen nimmt in einer Dringlichkeitssitzung die Debatte über die Luftfahrttragödie auf. Korea, Japan,
Kanada, Australien, die Niederlande, Pakistan, Frankreich, China, Großbritannien, Zaire, Neuseeland und die Bundesrepublik Deutschland schließen sich den Vereinigten Staaten in der Verurteilung der sowjetischen
Handlung an.

Hunderte von empörten Koreanern und Amerikanern ziehen vor den Sitz
der Vereinten Nationen, verdammen die Sowjets als "Mörder" und verbrennen
die sowjetische Flagge. Die Demonstranten drängen sich über ganze Häuserblocks hinweg auf den Bürgersteigen. Mit ihrem Massenaufmarsch versuchen
sie, den UN-Delegierten, die zu der Dringlichkeitssitzung eintreffen, einen plastischen Eindruck von der Sorge und äußersten Empörung zu verschaffen, mit der sie die sowjetische Aktion gegen den Jumbo-Jet und die
Erklärungsversuche Moskaus erfüllt haben.

3. September

In seiner wöchentlichen Rundfunkerklärung sagt Präsident Reagan, die
Sowjetunion schulde der Welt für den Abschuß des südkoreanischen Verkehrsflugzeugs "möglichst umfassende Aufklärung und eine Entschuldigung."
Er merkt an, daß die Sowjets auch weiterhin die Wahrheit über ihre Handlungsweise "entstellen und leugnen."

4. September

In einer Tass-Meldung wird die Version, daß es sich bei der Boeing um
ein Spionageflugzeug gehandelt habe, weiter entwickelt. In der Meldung
- 7 -

�der Meldung wird eine Äußerung des Stabschefs der sowjetischen Luftverteidigung s verbände zitiert, der den Einflug des Jumbos als eine "grobe
und vorsätzliche Provokation" bezeichnet. In der Meldung wird wiederum
behauptet, daß die sowjetischen Abfangjäger auf die Boeing "Warnschüsse
mit

Leuchtspurmunition

abgegeben

haben."

In

den

Aufzeichnungen

des

Sprechverkehrs der sowjetischen Piloten mit ihren Leitstellen am Boden
findet sich jedoch keine Erwähnung solcher Warnschüsse.

Nach zweieinhalbstündigen Gesprächen im Weißen Haus erklären die Führer der amerikanischen Kongreßfraktionen, daß sie Präsident Reagan in der
Haltung unterstützten, die er gegenüber den Sowjets in der Frage des Abschusses einer unbewaffneten Verkehrsmaschine einnehme. "Dies ist keine
Angelegenheit, in der die Vereinigten Staaten gegen die Sowjetunion stehen. Hier steht die ganze Welt gegen die Sowjetunion", sagt Thomas "Tip"
O'Neill, der Sprecher des Repräsentantenhauses, nach der Besprechung mit
Präsident Reagan und Experten des Nationalen Sicherheitsrats.

In einem Fernsehinterview erklärt Lawrence Eagleburger, Staatssekretär für Politische Angelegenheiten im amerikanischen Außenministerium,
die Vereinigten Staaten hofften, daß andere Nationen gemeinsam mit ihnen
Schritte ergreifen würden, um den Sowjets "schmerzhaft klarzumachen", daß
sie mit dem Abschuß der koreanischen Verkehrsmaschine die ganze Welt gegen sich aufgebracht hätten.

Richard Burt, Unterstaatssekretär für Europäische Angelegenheiten im
Außenministerium, weist darauf hin, daß sich die "grundsätzliche politische Haltung" der Vereinigten Staaten gegenüber der Sowjetunion auch nach
dem Abschuß des koreanischen Verkehrsflugzeugs "nicht ändern" werde. Als
er in einem Fernsehinterview gefragt wird, was die Sowjetunion nun, da
der Angriff geschehen sei, tun solle, führt Burt eine Reihe von Schritten
auf: die Sowjets sollten ihre Verantwortung für den Angriff eingestehen,
die Personen, denen er anzulasten ist, finden und bestrafen, sich vor der
Welt für den Angriff entschuldigen, den Familien der bei dem Angriff ums
Leben Gekommenen Wiedergutmachung und Schadenersatz leisten und anderen
Ländern gestatten, sich an der Suche nach den Leichen der Opfer zu beteiligen.
Im
- 8 -

Lafayette-Park

�Im Lafayette-Park gegenüber dem Weißen Haus in Washington versammeln
sich schätzungsweise 2 500 Demonstranten zu einer Trauerkundgebung für
die 269 Opfer des sowjetischen Raketenangriffs auf das südkoreanische
Verkehrsflugzeug. Fast zweieinhalb Stunden lang skandiert die zumeist aus
Koreanern

und

Amerikanern

bestehende

Menge

anti-sowjetische Parolen,

lauscht Rednern und stimmt Gesänge an, bevor sie in Richtung auf die nahegelegene sowjetische Botschaft marschiert und sich ihr bis auf einen
Häuserblock nähert.

5. September
In einer Rede an die Nation schlägt Präsident Reagan Maßnahmen vor,
die in Reaktion auf den Angriff auf KAL 007 getroffen werden sollten. Zu
den vorgeschlagenen Maßnahmen gehört auch die Aussetzung der Verhandlungen über mehrere bilaterale Übereinkommen. Reagan kündigt an, daß die
Vereinigten Staaten sich gemeinsam mit den 13 Ländern, aus denen sich
Reisende an Bord der koreanischen Maschine befunden hatten, um Wiedergutmachungsleistungen für die Familien der Getöteten bemühen würden. Im Hinblick auf die Wirtschaft sagt er, die Vereinigten Staaten werden "zusammen mit unseren Verbündeten unsere Anstrengungen verdoppeln, den Fluß militärischer und strategischer Güter in die Sowjetunion zu einem Ende zu
bringen." Wie der Präsident weiter sagt, haben die Vereinigten Staaten
ihre frühere Entscheidung bestätigt, der

sowjetischen Luftverkehrsge-

sellschaft Aeroflot die Landerechte in Amerika zu verweigern. Er unterstreicht die Entschlossenheit der Vereinigten Staaten, auf eine vollständige Aufklärung der Geschehnisse, auf eine Entschuldigung, auf ein Eingeständnis der sowjetischen Verantwortlichkeit, auf Abhilfe und auf konkrete Zusicherungen, daß dergleichen sich nicht wiederholen werde, zu dringen.

Botschafterin Diana Dougan, die amerikanische Chefdelegierte auf einer Konferenz über Fernmeldewesen, deren Veranstalter die Erziehungs-,
Wissenschafts- und Kulturorganisation der Vereinten Nationen ist und die
unter Teilnahme von 35 Ländern in Taschkent stattfindet, geht mit der
Sowjetunion wegen des Abschusses des unbewaffneten koreanischen Verkehrsflugzeuges scharf ins Gericht. Frau Dougan erklärt, "das Mißtrauen, die
- 9 -

�Mißtrauen, die Unsicherheit und die Furcht, mit denen solche Willkürakte
das internationale Klima belasten, machen es noch schwieriger, gegenseitiges Verständnis zwischen den Völkern zu entwickeln."

Kanada setzt die Lande- und Auftankrechte der sowjetischen Luftverkehrsgesellschaft Aeroflot für die Dauer von 60 Tagen aus.

6. September

In einer offiziellen sowjetischen Regierungserklärung wird bestätigt,
daß die sowjetischen Piloten "die Anweisung ihrer Leitstelle, den Flug
(KAL 007) anzuhalten, ausgeführt haben." Der Kreml läßt verlauten, man
sei deshalb zu dem Schluß gekommen, daß KAL 007 ein Spionageflugzeug gewesen sei, weil die Maschine "strategisch wichtige Gebiete der Sowjetunion" überflogen habe. In der Erklärung heißt es zwar, daß die sowjetische Regierung ihr "Bedauern" über den Tod unschuldiger Menschen zum Ausdruck bringe, aber noch im gleichen Atemzug wird wiederum jede Verantwortung für den Tod dieser Menschen geleugnet.

Staatssekretär Lawrence Eagleburger, der die Amtsgeschäfte des Außenministers wahrnimmt, betont, daß die Welt in der Frage des Abschusses der
koreanischen Verkehrsmaschine "immer noch auf klare Antworten wartet."
Das Eingeständnis der Sowjets vom gleichen Tage, daß sie die Zivilmaschine abgeschossen haben, sei erst erfolgt, "nachdem die gesamte zivilisierte Welt die sowjetische Aktion verurteilt hat", sagt Eagleburger.

Die UN-Delegationen vieler Staaten wenden sich an den Sicherheitsrat,
um ihrer Verurteilung des Abschusses der koreanischen Maschine Ausdruck
zu verleihen. Der japanische Botschafter Mizuo Kuroda stellt vor dem Rat
fest, daß die sowjetische Weigerung, dem Ersuchen seines Landes zu entsprechen, in dem Seegebiet, in dem die Maschine abstürzte, ein Such- und
Rettungsoperation durchführen zu dürfen, "eine Mißachtung

humanitärer

Grundsätze und eine Verletzung der Konvention von Chicago über die internationale Zivilluftfahrt darstellt." Kuroda hält seine Rede, nachdem die
amerikanische Botschafterin Jeane Kirkpatrick dem Rat die Tonbandaufzeichnungen des Funksprechverkehrs der sowjetischen Kampfflieger während
- 10 -

�Kampfflieger während der Verfolgung der koreanischen Zivilmaschine vorgespielt hat. Der unverschlüsselte Sprechverkehr zwischen den Abfangjägern
und ihrer Bodenleitstelle, der, wie Kuroda sagt, "den springenden Punkt
des ganzen Vorfalls betrifft", war von den japanischen Selbstverteidigungsstreitkräften aufgezeichnet worden. Nach den Worten Kurodas entschloß sich die japanische Regierung zur Veröffentlichung der Tonbänder und zur Vorlage dieser Beweisstücke durch die Vereinigten Staaten, die
Mitglied des UN-Sicherheitsrats sind - "um der Weltöffentlichkeit zu beweisen, daß die koreanische Maschine tatsächlich von einem sowjetischen
Kampfflugzeug abgeschossen wurde."

Das Leitungsgremium der Internationalen Vereinigung der Verkehrspilotenverbände dringt auf eine 60tägige Aussetzung aller Flüge nach Moskau. Nach einer Dringlichkeitssitzung gibt das Gremium eine Erklärung ab,
in der es heißt: "Wir bedauern die sowjetische Handlungsweise, die mit
der Zerstörung eines wehrlosen zivilen Verkehrsflugzeugs endete." Wie das
Gremium weiter ausführt, ist ein Protest geboten, "um die Zivilluftfahrt
vor militärischen Eingriffen einschließlich des Einsatzes von Waffen zu
schützen."

7. September

In Madrid äußert Außenminister Shultz seine Enttäuschung über die
Erklärung des sowjetischen Außenministers Gromyko vor der Konferenz über
Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa, daß ein Vorfall wie der um die
koreanische Verkehrsmaschine sich wiederholen könne, falls es abermals zu
einer Verletzung des sowjetischen Luftraums käme. Gromyko sagte, sowjetische Abfangjäger hätten dem Flug der koreanischen Maschine ein Ende gesetzt, als sie zu entkommen versuchte, nachdem sie eine "kriminelle Aktion über unseren wichtigsten strategischen Einrichtungen durchgeführt"
habe.

8. September

Vizepräsident George Bush sagt, es sei "unvorstellbar, daß irgendein
Land billigt, was die Sowjetunion tat", als sie den KAL-Jumbo abschoß.
- 11 -

�KAL-Jumbo abschoß. Auf einer Pressekonferenz für ausländische Korrespondenten verkündet Bush, der sowjetische Angriff auf die Zivilmaschine werde "die Tagesordnung" seiner bevorstehenden Reise nach Nordafrika und
Europa "ändern."

Nach seinem Zusammentreffen mit seinem sowjetischen Amtskollegen Gromyko in Madrid erklärt der amerikanische Außenminister Shultz, daß die
Antworten Gromykos auf seine Fragen über den Abschuß der zivilen Verkehrsmaschine "völlig unannehmbar" gewesen seien. "Diese brutale sowjetische Handlung hat allen das Fehlen eines jeglichen Interesses an den betroffenen Menschenleben seitens der Sowjetunion deutlich gemacht. Und die
absurde Erklärung, die die Sowjets einer Welt, die dies einfach nicht
glauben kann, angeboten haben und immer noch anbieten, hat das Problem
nur noch kompliziert", sagt Shultz.

Präsident Reagan verfügt, daß die sowjetische Luftverkehrsgesellschaft Aeroflot ihre Büros in den Vereinigten Staaten bis zum 15. September zu schließen habe. Der Präsident bittet die amerikanische Aufsichtsbehörde für die Zivilluftfahrt, mit Wirkung vom 12. September eine
Reihe von Maßnahmen zu treffen. So soll die Behörde Aeroflots Recht aussetzen, in den Vereinigten Staaten Flugscheine zu verkaufen; ferner soll
sie

amerikanischen

Fluggesellschaften

untersagen, in

den

Vereinigten

Staaten Tickets für Aeroflot-Flüge zu verkaufen und Passagiere von oder
nach den Vereinigten Staaten oder innerhalb des Landes zu befördern, auf
deren Gesamtflugschein auch ein Aeroflot-Flug steht.

Dem UN-Sicherheitsrat wird ein Resolutionsentwurf vorgelegt, in dem
eine umfassende Untersuchung der Umstände des Abschusses von KAL 007 gefordert und darüberhinaus festgestellt wird, daß der Einsatz von Waffengewalt gegen Zivilflugzeuge den internationalen Normen menschlichen Verhaltens widerspreche. Der Resolutionsentwurf, der von den Niederlanden
auch im Namen Australiens, Kanadas, Frankreichs, Japans, Neuseelands,
Großbritanniens und der Vereinigten Staaten eingebracht wird, enthält
auch eine Präambel, in der das Recht auf Entschädigungsleistungen bestätigt wird; er verurteilt jedoch nicht namentlich die Sowjetunion.
British
- 12 -

Airways

�British Airways kündigt an, daß man die planmäßigen vier Flüge pro
Woche von London nach Moskau absetzen werde. Die Gesellschaft erklärt,
sie ergreife diese Maßnahme, da sie ihre Piloten nicht zwingen wolle,
Flüge durchzuführen, die ihnen widerstrebten.

9. September

Präsident Reagan bestimmt Sonntag, den 11. September, zum nationalen
Trauertag "zum Andenken an die ermordeten Passagiere von Flug 007 der Koreanischen Luftverkehrsgesellschaft und als Ausdruck der Sorge der Öffentlichkeit." In einer vom Weißen Haus herausgegebenen Erklärung stellt
der Präsident fest, daß das "Korean-Air-Lines-Massaker" ein "Verbrechen
gegen die Menschlichkeit" gewesen sei, das "weder in unserem Lande noch
sonstwo auf der Welt jemals in Vergessenheit geraten darf."

Nach einem Gedenkgottesdienst in der Kathedrale von Washington trifft
Präsident Reagan mit den Familienangehörigen und Freunden der Opfer der
KAL-Tragödie zusammen. In der Kathedrale versammeln sich der Präsident,
Mitglieder des diplomatischen Korps und Regierungsbeamte des Außenministeriums zum Gebet für die 269 Menschen, die bei dem Angriff ums Leben
kamen.

Die Reagan-Administration wiederholt ihren Standpunkt, daß "die Sowjetunion der Weltöffentlichkeit" über den Abschuß von KAL 007 "immer noch
Antworten schuldig ist." In Erwiderung auf Ausführungen von Marschall Nikolai Ogarkow, dem Chef des Generalsstabs der Streitkräfte der Sowjetunion, auf einer Pressekonferenz in Moskau erklärt der Sprecher des amerikanischen Außenministeriums Alan Romberg: "Die sowjetische Veranstaltung
vom heutigen Tage hat uns und dem Rest der Welt eindeutig keine Antworten
auf die Fragen gegeben, die wir alle im Hinblick auf das sowjetische Verhalten bei dem Vorfall haben."

10. September

Schwedische Fluglotsen kündigen an, daß sie sowjetische Flüge boykottieren werden. Der finnische Pilotenverband kündigt an, daß seine Mit- 13 -

�seine Mitglieder Flüge nach Moskau zwei Monate lang boykottieren werden.

12. September

Eine Entschließung des UN-Sicherheitsrats, in der eine unparteiische
Untersuchung der KAL-Tragödie gefordert und der Gebrauch von Waffengewalt
gegen Zivilflugzeuge für unvereinbar mit den Regeln der Menschlichkeit
und des normalen zwischenstaatlichen Verkehrs erklärt wird, scheitert am
Veto der Sowjetunion. Für die Entschließung stimmten neun Mitglieder des
Sicherheitsrats, dagegen zwei, vier enthielten sich der Stimme. Polen
schloß sich dem sowjetischen Votum gegen die Resolution an.

Die Sowjetunion verweigert die Annahme einer diplomatischen Note, in
der die Vereinigten Staaten Schadenersatz für den Tod der amerikanischen
Staatsbürger fordern, die sich an Bord von KAL 007 befunden hatten. Die
Note wurde dem stellvertretenden Missionschef der sowjetischen Botschaft
in Washington, Oleg Sokolow, von John Kelly, dem AmtsVertreter des Unterstaatssekretärs für Europäische Angelegenheiten im amerikanischen Außenministerium, übergeben. Kelly übergab außerdem noch eine ähnliche Note,
in der Schadenersatzleistungen im Namen der Republik Korea gefordert wurden. Sie wurde ebenfalls von Sokolow zurückgewiesen.

14. September

Das amerikanische Repräsentantenhaus verurteilt die Sowjetunion mit
416 gegen Null Stimmen wegen ihres "kaltblütigen, barbarischen Angriffs"
auf Flug 007 der Korean Air Lines. In der Entschließung heißt es, die
Zerstörung der Verkehrsmaschine stelle "eine der infamsten und verabscheuungswürdigsten Handlungen der Geschichte" dar.

15. September

Präsident Reagan spricht dem amerikanischen Kongreß für die Verabschiedung der Resolution, in der die Ermordung der 269 unschuldigen Menschen an Bord der koreanischen Verkehrsmaschine verurteilt wird, seine
Anerkennung aus. Das Weiße Haus veröffentlicht Reagans Erklärung, nachdem
- 14 -

�Erklärung, nachdem auch der Senat die vom Repräsentantenhaus am Vortag
gebilligte Entschließung mit 95 gegen Null Stimmen angenommen hat.

Vor dem 33köpfigen Exekutivrat der Internationalen Zivilluftfahrtorganisation werden begründete, aber emotional

vorgetragene Forderungen

nach einer unparteiischen Untersuchung der Einzelheiten des Abschusses
von KAL 007 durch die Sowjets laut. Weiter wird gefordert, Maßnahmen zu
prüfen, durch die gewährleistet werden kann, daß es nie wieder zu einer
derartigen Tragödie kommt. Keun Park, der koreanische Beobachter bei dem
Rat, verwahrt sich entschieden gegen die sowjetischen Behauptungen, daß
sich die koreanische Passagiermaschine auf einem Spionageflug für die
Vereinigten Staaten oder Japan befunden habe. Er bezeichnet die Handlungsweise der Sowjetunion als einen Versuch, die Welt einzuschüchtern
und zu terrorisieren, und fügt hinzu, es handele sich möglicherweise auch
um einen Versuch, die Grundlagen der Zivilluftfahrt zu untergraben.
Die meisten NATO-Staaten, die Schweiz und Japan beginnen mit einer
zweiwöchigen Sperre der Flüge von und nach der Sowjetunion. Gleichzeitig
wird in Montreal eine Konferenz der Internationalen Zivilluftfahrtorganisation eröffnet. Der Boykott, der eine Vergeltungsmaßnahme
Abschuß

von KAL 007

durch die

für den

Sowjetunion darstellt, erfaßt mehr als

60 Prozent des zivilen Luftverkehrs der ganzen Welt. Nach Angaben des
amerikanischen Verkehrsministeriums betrifft der Boykott 48 Prozent aller
Flüge aus nichtkommunistischen Ländern in die Sowjetunion und 29 Prozent
aller Aeroflot-Flüge in die nichtkommunistische Welt.

16. September

Auf der Konferenz der Internationalen Zivilluftfahrtorganisation in
Montreal wird eine Entschließung verabschiedet, in der der Generalsekretär der Organisation angewiesen wird, eine Untersuchung in die Wege zu
leiten, "um die Tatsachen und technischen Aspekte zu ergründen", die mit
Flug KAL 007 und der Zerstörung der Maschine durch ein sowjetisches
Kampfflugzeug in Zusammenhang stehen. In der Resolution wird vermerkt,
daß "ein solcher Gebrauch von Waffengewalt gegen die internationale Zivilluftfahrt im Widerspruch zu den grundlegenden Geboten der Menschlich- 15 -

�der Menschlichkeit wie auch zu den Normen steht, die für den zwischenstaatlichen Verkehr gelten ..., und eine schwerwiegende Bedrohung der
Sicherheit der internationalen Zivilluftfahrt darstellt."

Zum zweiten Mal innerhalb von fünf Tagen verweigert die Sowjetunion
die Annahme einer förmlichen diplomatischen Note der Vereinigten Staaten
über den Abschuß von KAL 007. Der Sprecher des amerikanischen Außenministeriums John Hughes erklärt, in der Note werde "von der Sowjetunion
Schadenersatz gefordert für den Tod von amerikanischen und koreanischen
Staatsbürgern und für den Verlust von Sachwerten infolge des unrechtmäßigen Abschusses" von KAL 007.

Ein Sprecher des Weißen Hauses gibt bekannt, daß Präsident Reagan beschlossen habe, daß die Vereinigten Staaten Zivilflugzeugen die Nutzung
der Einrichtungen ihres erdumfassenden Systems zur Standortbestimmung gestatten werden, sobald es im Jahre 1988 einsatzbereit wird. Wie der
stellvertretende Pressesekretär Larry Speakes mitteilt, wird dieses weltraumgestützte Funknavigationssystem

"äußerst genaue, wetterunabhängige,

dreidimensionale erdumfassende Informationen zur Navigation und Standortbestimmung liefern." Er fügt hinzu, daß der Präsident nach dem KAL-Massaker "eine interministerielle Arbeitsgruppe angewiesen hat, alle Maßnahmen
zu überprüfen, die die Sicherheit der Luftfahrt erhöhen könnten. Die genannte Maßnahme ist Teil unserer Reaktion."

Der Republikanische Beratungsausschuß des Repräsentantenhauses hält
Anhörungen ab, um festzustellen, welche weiteren Sanktionen wegen der
Vernichtung von KAL 007 gegen die Sowjetunion verhängt werden könnten.
Vor dem Ausschuß, dessen Vorsitz der Abgeordnete Philip Crane führt, sagt
eine Reihe von Personen aus dem Regierungsapparat wie aus dem Privatbereich aus, die den sowjetischen Angriff, der 269 Menschenleben forderte,
verurteilen.

21. September
Eine überwältigende Mehrheit der Organisation Amerikanischer Staaten
(OAS) gibt ihre "Verurteilung" des Abschusses von KAL 007 zu Protokoll.
- 16 -

�zu Protokoll. Nachdem Paraguay die Angelegenheit auf die Tagesordnung gebracht hat, verleihen alle 24 Mitglieder der Tagung des Permanenten Rats
der OAS in einer ungewöhnlichen Bekundung von Einmütigkeit ihrer Empörung
über den Vorfall Ausdruck.

26. September

John Kelly, der Amtsvertreter des Unterstaatssekretärs für Europäische Angelegenheiten

im amerikanischen Außenministerium,

übergibt dem

stellvertretenden Missionschef der sowjetischen Botschaft in Washington,
Oleg Sokolow, eine diplomatische Note, in der gegen die Weigerung der
Sowjetunion protestiert wird, den Koreanern die Beteiligung an der Bergung der Trümmer von KAL 007 zu erlauben. In der Note werden die Sowjets
darauf hingewiesen, daß die Boeing in der Republik Korea registriert sei,
daß dieses Land außerdem der Eigentümer der Maschine sei, daß es ausschließlich die Vereinigten Staaten und Japan bevollmächtigt habe, Suchund Bergungsoperationen durchzuführen und daß daher kein anderes Land,
also auch nicht die UdSSR, berechtigt sei, in internationalen Gewässern
nach den Überresten zu suchen oder diese zu bergen.

27. September

J. Lynn Helms, der Leiter der amerikanischen Bundesluftfahrtbehörde,
erklärt, die Vereinigten Staaten unterstützten in vollem Umfang die Untersuchung des Abschusses von KAL 007, die die Internationale Zivilluftfahrtorganisation in die Wege geleitet habe, und ersuchten dringend alle
betroffenen Parteien, bei den Bemühungen mitzuarbeiten, eine Wiederholung
solcher Zwischenfälle für alle Zukunft auszuschließen.

28. September

Präsident Reagan unterzeichnet

eine Resolution

des

amerikanischen

Kongresses, in der die Sowjetunion für die Vernichtung von Flug 007 der
Korean Air Lines verurteilt wird. In einer vom Weißen Haus veröffentlichten Erklärung sagt Reagan, "alle Amerikaner verurteilen einmütig diesen
schrecklichen Akt und fordern, daß die Sowjetunion die volle Verantwor- 17 -

�volle Verantwortung für ihre Handlungsweise übernimmt."

6. Oktober

Elinor Constable, stellvertretende Unterstaatssekretärin im amerikanischen Außenministerium, sagt, der Abschuß einer koreanischen Verkehrsmaschine durch die Sowjets habe "augenfällig gemacht, daß es notwendig
ist, mit aller Sorgfalt Maßnahmen zu erwägen, um ähnliche Vorfälle in Zukunft auszuschließen." In einer Erklärung für den Unterausschuß für Ostasiatische und Pazifische Angelegenheiten des Außenpolitischen Ausschusses des Senats führt sie aus: "Wir müssen uns Gedanken über Maßnahmen und
Vorgehensweisen machen, die zur Anwendung kommen könnten, falls ein Flugzeug eines Landes sich in den Luftraum eines anderen Landes verirrt."

17. Oktober

In einem vorläufigen Bericht des Generalsekretärs der Internationalen
Zivilluftfahrtorganisation (ICAO) an den Rat der Organisation heißt es,
daß Untersuchungsgruppen dreien der vier in den KAL-Zwischenfall verwikkelten Staaten - den Vereinigten Staaten, Japan und Südkorea, nicht aber
der Sowjetunion - Besuche abgestattet hätten und daß die Nachforschungen
in den drei erstgenannten Ländern "im wesentlichen abgeschlossen" seien.
In dem Bericht wird dargelegt, daß das Ersuchen der ICAO an die Sowjetunion, ihr alle relevanten Informationen zur Verfügung zu stellen und
Nachforschungen durch eine Untersuchungsgruppe vor Ort zu gestatten, bislang ohne Antwort geblieben sei.

21. Oktober

Paul Byrnes, der Leiter der amerikanischen Delegation auf der Konferenz der Welttourismusorganisation (WTO), die vom 3. bis 18. Oktober in
Neu Delhi stattfand, erklärt vor Journalisten in Washington, daß die auf
der WTO-Tagung verabschiedete Entschließung dem Zweck diene, "die Sowjetunion Druck seitens der internationalen Völkergemeinschaft auszusetzen,
um sicherzustellen, daß dergleichen nie wieder vorkommt", und andere Länder davon abzuhalten, militärische Machtmittel gegen Zivilflugzeuge ein- 18 -

�Zivilflugzeuge einzusetzen. In der Resolution bedauert die WTO den KALZwischenfall und erklärt sich bereit, die von der ICAO am 16. September
in die Wege geleitete Untersuchung "in vollem Umfang zu unterstützen."

12. Dezember

Ein internationaler Luftfahrtausschuß kommt in seinem Bericht zu dem
Schluß, daß das von sowjetischen Abfangjägern abgeschossene koreanische
Verkehrsflugzeug irrtümlich vom Kurs abgekommen sei und sich nicht auf
einem Spinnageflug befunden habe. In dem dem Rat der ICAO in Montreal zugeleiteten Bericht heißt es, daß "sich keine Hinweise darauf gefunden haben", daß die Besatzung von KAL 007, "ungeachtet der Tatsache, daß sie
etwa 5 Stunden und 26 Minuten lang auf ihrem falschen Kurs blieb, zu irgendeinem Zeitpunkt die Abweichung von der geplanten Route bemerkt hat."
J. Lynn Helms, der Leiter der amerikanischen Bundesluftfahrtbehörde, erklärt vor dem Rat, daß der Abschuß von KAL 007 nicht auf eine Unzulänglichkeit der Regeln der internationalen Zivilluftfahrt

zurückzuführen

sei, sondern vielmehr darauf, daß die Sowjetunion diese Regeln nicht beachtet habe. Helms stellt weiterhin fest, daß die Untersuchung des Zwischenfalls durch die ICAO durch die Weigerung der Sowjets behindert worden sei, technische Informationen zur Verfügung zu stellen oder eine Untersuchungsgruppe der ICAO ins Land zu lassen.

- 19 -

�29. August 1984

35

MARIHUANA-KONSUM IM RÜCKGANG

- Aber Alkohol und Rauchen verleiten Jugendliche zum Einstieg -

-

(AD) - In den Vereinigten Staaten ist seit ca. fünf Jahren ein

Rückgang des Drogenkonsums zu beobachten. Dr. Richard Lindblad vom "U.S.
National Institute on Drug Abuse" (NIDA - Nationales Institut zur Bekämpfung von Drogenmißbrauch) sieht dies u.a. als eine Folge wachsenden Gesundheitsbewußtseins bei jungen Menschen, großer Anstrengungen seitens
vieler Eltern, die sich zu Aktionsgemeinschaften zusammengeschlossen haben, und anderer Bürgerinitiativen, sowie von Programmen

staatlicher

Stellen zur Eindämmung des Konsums von Drogen. Dazu kommen, so Lindblad,
ein bemerkenswerter Wandel in der allgemeinen Denkweise.

Drogen und Dro-

genkonsum begegne man verbreitet mit immer mehr Vorbehalten und akzeptiere dies sehr viel weniger als noch vor ein paar Jahren.

Dennoch sei

der Konsum bestimmter Suchtstoffe und Rauschgifte, insbesondere von Kokain und Heroin, nach wie vor ein großes Problem.

Vor allem für Kokain

scheine es immer mehr Quellen zu geben, und die Zahl der Todesfälle im
Zusammenhang mit Kokain habe in den letzten paar Jahren erheblich zugenommen.
Einen

kontinuierlichen

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Einen kontinuierlichen Rückgang des Drogenkonsums vor allem bei Schülern seit 1979 lassen jedoch Studien erkennen, die von NIDA und anderen
Organisationen in allen amerikanischen Bundesstaaten unter Jugendlichen
und Erwachsenen durchgeführt wurden und z.T. auch noch weitergehen.

Der

Anteil der Schüler, die irgendwann einmal Marihuana probiert haben, ging
von 51 Prozent im Jahr 1979 auf 42 Prozent im Jahr 1983 zurück.

Noch

auffallender sind die Zahlen bei jenen, die monatlich 20 Mal oder öfter
zum Joint greifen - 10,7 Prozent waren es 1978, 5,5 Prozent im Jahr 1983.

"Der Konsum von Marihuana, Kokain und Halluzinogenen war vor 1979 wie
eine Epidemie und schien ganz außer Kontrolle zu geraten",

sagt Lind-

blad. Das "gesellschaftliche Klima" habe damals diese Entwicklung begünstigt.

Mit Annoncen wurde für Drogen geworben, selbst eine Lobby begann

sich zu organisieren.

Der Drogenmißbrauch bei Jugendlichen hatte sich,

gemessen am Stand Ende der fünfziger Jahre, um das Zehn- bis Zwanzigfache
ausgeweitet.

Erst groß angelegte Kampagnen der Regierung in den Medien, dazu die
Veröffentlichung von Forschungsergebnissen über Gesundheitsschäden durch
Rauschgifte und Suchtstoffe, trugen, wie Lindblad weiter berichtet, zu
einer Wende bei.

Gleichzeitig schlössen sich immer mehr Eltern zu Akti-

onsgruppen gegen Drogenkonsum zusammen; z. Zt. gibt es mehr als 4 000
davon im Lande.

Die Regierung mit einem landesweiten Netz behördlicher

Stellen und das Präsidentenehepaar persönlich schalteten sich in die Kampagnen

ein.

Privatinitiativen

erhielten

größtmögliche

Unterstützung.

Alle diese Anstrengungen blieben nicht ohne Erfolg: Der Rückgang im Konsum von Halluzinogenen wie LSD und PCP sind nach Ansicht Lindblads Beispiele für die Wirksamkeit von Vorbeugungsprogrammen und ausführlicher
Information der Öffentlichkeit.

Der Trend der letzten fünf Jahre sei, so Lindblad, kein kurzfristiges
* oder zyklisches Phänomen, sondern der Beginn einer echten Abwärtsentwicklung im Drogenkonsum.

Dies sei u.a. darauf zurückzuführen, daß Drogen an

Symbolwert verloren haben und ihr Konsum nicht mehr das für bestimmte gesellschaftliche Gruppen Verbindende besitze. So sei die Hoffnung berechtigt, daß die jetzige Kinder-Generation relativ drogenfrei aufwach- 2 -

�drogenfrei aufwachse.
sagt Lindblad.

"Ich arbeite seit 1961 in der Drogenbekämpfung",

"Aber noch nie habe ich so viel Engagement und Enthusias-

mus erlebt wie gerade jetzt".

- Rauchen und Alkohol sind Einstiegsrisiken -

Bei Teenagern, die Zigaretten rauchen und Alkohol trinken, ist die
Wahrscheinlichkeit, auch zu Marihuana und Haschisch zu greifen, größer
als bei jenen, die es nicht tun. Eine im Staat New York unter Mitwirkung
einer Reihe von Universitäten durchgeführte

Langzeituntersuchung, die

sich auf Studien seit 1971 stützt, zeigt dies sehr deutlich.

Im Bericht

der Forschergruppe von Denise B. Kandel, Psychologin an der ColumbiaUniversität in New York (veröffentlicht im Juliheft 1984 der Zeitschrift
"American Journal of Public Health"), wird außerdem auf die Bedeutung bestimmter Faktoren wie Persönlichkeit des einzelnen und Milieu-Einfluß
hingewiesen.

Daran habe sich seit Beginn der Befragungen und Erhebungen

unter Jugendlichen und jungen Erwachsenen im Jahr 1971 nichts geändert.
Marihuana-Raucher sind meist Teil einer weitverzweigten Gruppe Gleichgesinnter und befreundeter junger Leute, die alle mit dem Suchtstoff zu tun
haben.

An Verbindungen zu Institutionen der Gesellschaft sei kaum einem

von ihnen etwas gelegen.

Aufklärung Jugendlicher über erwiesene und mögliche Auswirkungen von
Rauchen, Trinken und Marihuana-Rauchen, und die überzeugende Vermittlung
der Erkenntnis, daß es besser sei, solche Gewohnheiten gar nicht erst
aufzunehmen, seien ganz wichtige präventive Maßnahmen gegen ernste Drogenprobleme, schreibt Kandel.

Wer sich als sehr junger Mensch Rauchen

und Trinken angewöhne, greife auch mit größerer Wahrscheinlichkeit zur
Marihuana-Zigarette.

Und wer gewohnheitsmäßig Marihuana rauche, probiere

eher als andere weitere Suchtstoffe und selbst harte Drogen.

Wissenschaftliche Studien, so ein vor zwei Jahren veröffentlichter
Bericht der "National Academy of Sciences", zeigen auf, in welcher Weise
gewohnheitsmäßiger
ändert.

Marihuana-Genuß die

Persönlichkeit

allmählich ver-

Diese Veränderung erklärt auch z.T. die Gefahr, daß der "Stoff"

leicht zur Einstiegsdroge für harte Drogen wird.
- 3 -

Zuvor geistig äußerst

�geistig äußerst rege und energiegeladene Jugendliche werden, wie der Bericht "Marijuana and Health" aus dem Jahr 1982 besagt, gleichgültig gegenüber ihrer Umgebung, sind unfähig zur Konzentration, kümmern sich
nicht mehr um ihr schulisches Fortkommen und haben keinen Sinn für ein
Streben nach Zielen, wie Eltern und Lehrer sie schätzen.

Allerdings sei

offen, ob der tägliche Genuß von Marihuana die Veränderungen bewirke,
oder ob der Drogenkonsum schon die Folge von zuvor veränderten Lebensumständen war. Viele suchten ja über die Droge einen "Fluchtweg" aus einer
belastenden Situation.
gen

Jedenfalls verschlimmere Marihuana die Bedingun-

- gleichgültig, of es die primäre Ursache dafür sei oder nicht.

Auch über die körperlichen Gesundheitsrisiken des Marihuana-Rauchens
liegen bereits zahlreiche Untersuchungen vor, viele Studien sind noch in
Gang.

Die Risiken betreffen die Funktionen von Herz, Gehirn, Kreislauf

und Lunge, des Immunsystems und der Fortpflanzungsorgane.

Exakte Nach-

weise für Schädigungen auf Zellebene waren bisher ungeachtet der Tatsache, daß die rauschauslösende Verbindung der Cannabispflanze und ihre
Stoffwechselprodukte sehr lange im Körper verbleiben - vor allem in Fettgewebe im Gehirn, in den Lungen und anderen Organen -, noch kaum zu erbringen.

Allerdings zeigen z.B. neue Studien von Forschern der Univer-

sität Kalifornien (u.a. von Prof. Donald P. Tashkin, Los Angeles) eindeutige Gewebsschädigungen an Luftröhre und Bronchien sowie Beeinträchtigungen der Lungenfunktion.

So war beispielsweise bei Personen, die zwei

Jahre lang täglich eine Marihuana-Zigarette geraucht hatten, der Widerstand für den Gasaustausch in der Lunge um 25 Prozent gegenüber früher
ermittelten Werten erhöht.

- 4 -

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Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

5. September 1984

36

INHALT

DOKUMENTATION
Reaktion der Vereinigten Staaten auf Tschernenkos Interview
- Erklärung des US-Außenministeriums Luftfahrttragödie darf sich nie wiederholen
- Erklärung zum ersten Jahrestag des Abschusses von KAL 007 "Neue Welt" soll die Welt der Entdeckungen bleiben
- Präsident Reagan vor .Mitarbeitern des Goddard-Raumfahrtzentrums Fields unterstreicht US-Abrüstungsbemühen
- Erklärung des US-Chefdelegierten auf der Genfer Abrüstungskonferenz
HINTERGRUNDMATERIAL
Die Wahlen in Amerika 1984
- Sonstige Parteien und ihre Kandidaten
WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Vielgleisige Ursachenforschung für AIDS
- Studium am Tiermodell - Schimpansen erstmals infiziert

Um Über/endung von
ßckgcHcmplorcn
wird gebeten

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�5. September 1984

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REAKTION DER VEREINIGTEN STAATEN AUF TSCHERNENKQS INTERVIEW
- Erklärung des US-Außenministeriums -

Washington -(AD)- Am 1. September 1984 erklärte ein Vertreter des
amerikanischen Außenministeriums in Washington vor Journalisten, daß die
'Äußerungen des sowjetischen Staatschefs Tschernenko zu Fragen der Rüstungskontrolle in einem Interview in der PRAWDA vom gleichen Tage offenbar nicht über die bereits bekannte sowjetische Haltung hinausgingen. Der
amerikanische RegierungsVertreter sagte, die Einschätzung der Politik der
Vereinigten Staaten durch den sowjetischen Staatschef sei "leider sowohl
gänzlich vertraut als auch gänzlich falsch."
Die Erklärung, die der Beamte im Namen des amerikanischen Außenministeriums abgab, hat folgenden Wortlaut:
Wir werden Tschernenkos Äußerungen natürlich sorgfältig prüfen, aber
auf den ersten Blick scheint es, daß sie über frühere sowjetische Regierungserklärungen nicht hinausgehen. Seine Einschätzung der Politik der
Vereinigten Staaten ist leider sowohl gänzlich vertraut als auch gänzlich
falsch.
Die Vereinigten

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�Die Vereinigten Staaten sind dabei, das Ungleichgewicht im militärischen Kräfteverhältnis zwischen Ost und West, das die Sowjetunion in den
lezten Jahren hervorgerufen hat, zu korrigieren. Die Vereinigten Staaten
sind bestrebt, auf dem Verhandlungswege stabilere und konstruktivere Beziehungen zur Sowjetunion herbeizuführen, und werden ihre diesbezüglichen
Bemühungen fortsetzen.
Wir begrüßen die Erklärung Tschernenkos, daß auch die Sowjetunion
ernsthafte und konkrete Verhandlungen befürworte. Wir sind bereit, die
Genfer Verhandlungen

über die Verminderung

der strategischen Waffen

(START) und der nuklearen Mittelstreckenwaffen (INF) wiederaufzunehmen,
sobald auch die Sowjetunion ihre Bereitschaft hierzu erklärt.
Im gleichen Geiste der Verhandlungsbereitschaft sind wir auf das sowjetische Angebot eingegangen, in Wien Gespräche über Weltraumwaffen zu
eröffnen. Wir sind enttäuscht über die von Tschernenko nun wiederholte
sowjetische Weiyerung, unser "Ja" als ernstgemeinte Antwort gelten zu
lassen. Letztendlich stimmen wir jedoch mit ihm darin überein, daß es,
wie er es ausdrückte, "genug Probleme" gibt, die einer Erörterung und
Lösung bedürfen.
Wir begrüßen seine Erklärung, daß er zum Dialog bereit ist; auch wir
sind bereit zu - wie er es nennt - ehrlichen und ernsthaften Verhandlungen über Übereinkommen, die den Sicherheitsinteressen aller Staaten und
Völker Rechnung tragen.

- 2 -

�mERlIK

Dokumentation

DlElit51J
\

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5. September 1984

LUFTFAHRTTRAGÖDIE DARF SICH NIE WIEDERHOLEN
- Erklärung zum ersten Jahrestag des Abschusses von KAL 007 -

Washington -(AD)- Am 31. August 1984, dem ersten Jahrestag des Abschusses von Flug 007 der Korean Air Lines durch sowjetische Abfangjäger,
gab die Regierung der Vereinigten Staaten durch John Hughes, den Sprecher
des Außenministeriums, eine Erklärung ab, in der sie die Sowjetunion aufforderte, gemeinsam mit allen anderen Mitgliedern der Völkergemeinschaft
dafür Sorge zu tragen, daß es niemals wieder zu einer solchen Tragödie
kommt. Die Erklärung hat folgenden Wortlaut:

Seit dem tragischen Abschuß von Flug 007 der Korean Air Lines ist ein
Jahr vergangen. Heute vor einem Jahr kamen 269 unschuldige Menschen aus
13 Staaten ums Leben. Wir möchten den Familien und Freunden derer, die an
jenem Tage getötet wurden, unser Mitgefühl aussprechen. Amerika, das
durch diesen sinnlosen und ungerechtfertigten Akt 61 seiner Bürger verloren hat, teilt mit den Familien der Opfer aus Japan, Korea und zehn anderen Ländern ihre tiefe Trauer und ihr Entsetzen über den Verlust, den wir
alle erlitten haben. Das Jahr, das nun verstrichen ist, hat diese Empfindungen nicht abzuschwächen vermocht.
Wir teilen

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�Wir teilen mit den Hinterbliebenen auch ein immer noch anhaltendes
Gefühl der Empörung über den brutalen Angriff auf eine unbewaffnete zivile Verkehrsmaschine. Dieser Vorfall ist kein Problem, das in erster Linie
die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion betrifft; er geht alle Nationen an. Wir teilen die Haltung, die der Rat der Internationalen Zivilluftfahrtorganisation in seiner Entschließung vom 6. März 1984 zum Ausdruck brachte. In dieser Resolution verurteilte er den Gebrauch von Waffengewalt gegen die koreanische Verkehrsmaschine und stellte fest, daß
eine solch gewaltsame Vorgehensweise eine Verletzung des Völkerrechts
darstellt und elementarsten Grundsätzen der Menschlichkeit widerspricht.
Der Verlust an Menschenleben, der mit dieser Tragödie einherging, ist
nicht wiedergutzumachen. Dennoch erfüllt uns die Tatsache, daß die Sowjetunion sich nie entschuldigt und den Familien der Opfer nie Schadenersatz angeboten hat, mit tiefer Sorge.
Wir müssen alles tun, was wir können, um sicherzustellen, daß es niemals wieder zu einem derartigen Vorfall kommt. Die Vereinigten Staaten
appellieren daher an die Sowjetunion, wie alle anderen Mitglieder der
Völkergemeinschaft auch die allgemein anerkannten Gepflogenheiten im Hinblick auf die Sicherheit der Zivilluftfahrt zu beachten. Die Welt würde
eine Wiederholung dieser sinnlosen Tragödie keinesfalls hinnehmen.

- 2 -

�5. September 1984

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"NEUE WELT" SOLL DIE WELT DER ENTDECKUNGEN BLEIBEN
- Präsident Reagan vor Mitarbeitern des Goddard-Raumfahrtzentrums -

-

(AD) - Technologische Fortschritte schaffen neue Arbeitsplätze,

steigern die Produktivität, führen zu neuen Durchbrüchen für die Medizin
- Hauptpunkte einer Ansprache von Präsident Ronald Reagan vor Mitarbeitern des Goddard-Raumfahrtzentrums in Greenbelt (Maryland) am 30. August
1984. Die Ansprache des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:

Herzlichen Glückwunsch zum Beginn der DISCOVERY-Mission heute morgen1
Es ist eine Ehre für mich, mit Ihnen, die Sie dieses großartige Abenteuer
verwirklichen, zusammen zu sein.

Sie haben die Träume und die Phantasie

einer Nation beflügelt - von den jüngsten Schulkindern in unserem Land
bis zum Bürger, der, wie ich, sich der Obergrenze des mittleren Lebensabschnitts nähert.

Sie machen kein Aufheben von Ihrer Tätigkeit, die sich weit abseits
von Spektakeln im öffentlichen Scheinwerferlicht vollzieht.
tun, ist so wichtig!

Aber was Sie

Sie dehnen unseren Wissensbereich weiter aus.

Und

mit diesem Wissen nähren Sie eine mächtige Flut des Fortschritts, die
Zukunftshoffnungen mit Optimismus verbindet - für die Menschen hier und

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�hier und überall in der Welt.
Was Sie leisten, ist wahrhaft revolutionär.

Es ist nicht eine von

Haß, Gewalt und Eroberungswillen geprägte Revolution, sondern eine Revolution, die aus den tiefsten Sehnsüchten menschlichen Geistes kommt, die
Grenzen des Wissens in Frage zu stellen und Entdeckerkraft unseren edelsten und großmütigsten Impulsen dienstbar zu machen - für menschlichen
Anstand, für den Fortschritt und, jawohl, für den Frieden.
Im Namen einer dankbaren Nation grüße ich Sie und Ihre Kollegen in
der Wirtschaft und in der akademischen Welt.

Sie sind die Helden der

Spitzentechnik, das pulsierende Leben in der Technologiestärke Amerikas,
die Vorkämpfer eines zuversichtlichen Volkes, deren Glaube und deren Mut
Amerika vorwärts trägt zu einer Welt der Wunder für uns, für unsere Kinder und Kindeskinder.
Das Raumfahrtzeitalter ist knapp ein Viertel Jahrhundert alt, aber
wir haben bereits Riesenschritte für die ganze Menschheit unternommen.
Und unser Fortschritt ist ein Tribut, den wir dem Teamwork und den
Höchstleistungen in Amerika zollen. Wir können stolz sein, an erster
Stelle zu stehen, Beste zu sein - und wir sind dies, weil wir frei sind.
Wer ungläubiger Thomas sein will, sollte beiseite treten und uns
nicht im Wege stehen - dann können die Vereinigten Staaten alles erreichen. In einer einzigen Generation haben wir uns von den Fesseln der
Erde befreit. Wir haben unsere Fußspuren auf der Oberfläche des Mondes
hinterlassen. Wir haben unsere Instrumente für die Erforschung von Weltraum, Sonne und Schwesterplaneten genutzt. Und unsere Raumfähre ist das
erste wiederverwendbare Raumtransportersystem für Forschungszwecke, für
die Kommerzialisierung des Weltraums und für weitere wissenschaftliche
Entdeckungen.
Die Annahme dieser großen Herausforderung hat uns Vorteile gebracht,
die sehr viel höher anzusetzen sind als unsere ursprünglichen Investitionen. Die Miesmacher wurden widerlegt, die nicht den Weitblick

- 2 -

�den Weitblick besaßen, Ihre Anstrengungen zu unterstützen.

Mit ihrem

Pessimismus hätte Amerika nie den Sprung in den Weltraum tun können.
Aber mit Ihrem "Space Shuttle" unternehmen wir ihn ständig von Neuem.
Und ich bin überzeugt, daß Ihr Erfolg eine qns allen gemeinsame Vision bestätigt: ein furchtloses Amerika, .das mit Mut und Führungskraft in
den Weltraum greift, wird ein unüberwindliches Amerika sein. Wir haben
es in der Hand, eine Vielzahl neuer Jobs, Technologien und Durchbrüche
für die Medizin zu schaffen, die alles übertreffen, was wir uns je erträumten oder uns vorstellten.
Wir profitieren bereits täglich von einer modernen Revolution im
weltweiten Nachrichtenwesen. Wir können augenblicklich miteinander in
Verbindung treten, praktisch von jedem Punkt der Erde aus. Wir können
das Wetter von morgen vorhersagen und uns darauf einrichten. Unser Raumtransportersystem gibt uns Zutritt zum Weltraum für Forschung, Technologie, Kommunikation und nationale Sicherheit.
Es sind erst wenige Wochen her, daß wir die Olympischen Spiele am
Fernsehgerät verfolgten, die Aufregung mit Menschen rund um den Erdball
teilten. Ich erinnere mich recht gut an die primitive Anfangszeit des
Fernsehens - und glauben Sie mir, sie scheint wirklich noch gar nicht so
weit zurückzuliegen. Ein wichtiges Ereignis auf der anderen Seite der
Erde konnten wir erst dann sehen, wenn der Film hier eingetroffen war.
Aber dank Ihrer Forschungs- und Entwicklungsarbeit haben wir heute moderne Nachrichtensatelliten, die weltweit kristallklare Bilder übertragen.
Eine weitere stille Revolution in der Technik wurde ebenfalls - zu
einem großen Teil - durch die harten Anforderungen unseres Raumfahrtprogramms bewirkt. Neue Materialien aus reichlich vorhandenen natürlichen Ressourcen wie Kohlenstoff und Silizium sind dabei, in praktisch
allen Fabrikationsprodukten den Platz kostspieliger Metalle einzunehmen.
Unsere Autoingenieure in Detroit benutzen leichte, superfeste, kunststoffähnliche Materialien, um das Gewicht moderner Autos zu verringern und die Kunden haben den Vorteil in der Form niedrigeren Kraftstoffverbrauchs.
Computer

mit

�Computer mit Mikrochips stecken unsere Welt ständig neu ab, während
sie immer kleiner, leistungsfähiger und billiger werden.

Solche Chips

sind das Herz billiger elektronischer Rechner, wie sie heute am Arbeitsplatz, in der Gemeinschaft, in der Schule üblich sind. Manchmal vollziehen sich diese technologischen Veränderungen zeitlich so elegant, daß wir
sie kaum wahrnehmen. Unsere Kinder haben heute in größerem Umfang Zugang
zur Computerwelt, als es die Mehrzahl der Wissenschaftler und Ingenieure
in ihren Laboratorien zu Beginn des Raumfahrtzeitalters hatte.
Dr. Robert Jastrow, der Vorsitzende des ersten NASA-Ausschusses für
die Erforschung des Mondes, sagte vor fast zwei Jahren voraus, daß sich
der Umfang der Computer-Industrie bis 1986 verdoppeln und diese zum
größten Wirtschaftszweig Amerikas werden würde.

Schon heute treffen wir

im Alltag auf Zehntausende praktischer Anwendungen der Luft- und Raumfahrttechnik.

Ich habe soeben eine Ausstellung mit einer riesigen Samm-

lung neuer Produkte gesehen.

Sie reichen von lebensrettender Schutzklei-

dung für die Feuerwehr bis zu ausgeklügelten Sondierungsverfahren aus der
Luft, mit denen alles nur Erdenkliche lokalisiert und identifiziert werden kann - von Fischschwärmen bis zu Mineralvorkommen und Waldflächen mit
gesundem Holz.
In der Medizin erleben wir Technologie für den Menschen mit einem
wunderbaren Durchbruch nach dem anderen. Bei dem CT-Verfahren z.B. wird
ein Computer benutzt, um von Röntgenaufnahmen, die aus verschiedenen
Richtungen gemacht wurden, ein klares Bild zu erstellen. Häufig erhält
so der Patient die Möglichkeit, die Risiken und Unannehmlichkeiten einer
Operation zu vermeiden. Computertomographie wurde zu einem lebensrettenden Verfahren, um Erkrankungen des Gehirns und anderer lebenswichtiger
Organe zu entdecken. Versuche, mit Computerhilfe Patienten zum Gehen zu
verhelfen, geben Tausenden von gelähmten Amerikanern Hoffnung, eines Tages vielleicht doch wieder gehen zu können.
Die weitverbreitete Anwendung von Schallwellen gibt den Ärzten die
Möglichkeit, eine Anwendung der unter Umständen schädlichen Röntgenstrahlen zu vermeiden. Die Beobachtung der Entwicklung des Kindes im
- 4 -

�Kindes im Mutterleib mit Ultraschall erlaubt eine frühzeitigere Feststellung von Problemen, gibt der Mutter mehr Sicherheit für die Schwangerschaft und die Entbindung und sichert dem Baby eine bessere Gesundheit.
H.T.S. - die Abkürzung für "Human Tissue Simulator" (Simulator für
menschliches Gewebe) - sendet über Drähte elektrische Impulse in bestimmte Nervenzentren oder Regionen des Gehirns, um Schmerzen zu lindern und
unerwünschte, nicht gewollte Bewegung zu verhindern. Ich schätze mich
glücklich, an dieser Stelle hervorheben zu können, daß H.T.S. vom
Goddard-Raumfahrtzentrum gefördert worden war.
Man zeigte mir auch einen Röntgenapparat, der so klein ist, daß er in
der Hand gehalten werden kann, und das "Programmierbare implantierbare
Medikationssystem" (PIMS genannt), das im Körper automatisch ein bestimmtes Medikament abgibt. Es wäre schwierig, den Geldwert aller solcher
Dinge, die dem menschlichen Wohl dienen, ermitteln zu wollen. Aber noch
großartigere Chancen haben wir vor uns - wenn wir nur den Glauben und den
Mut besitzen, nicht nachzulassen. Jeder technologische Durchbruch versetzt uns in die Lage, von einem neuen und höheren Wissensniveau aus zu
arbeiten. Und jeder Durchbruch öffnet die Tür zu großen Sprüngen in der
Produktivität, die wir noch vor ein paar Jahrzehnten für undenkbar hielten.
Erlauben Sie mir die Bemerkung, daß die Pessimisten-Bruderschaft, die
heute behauptet, starkes Wachstum heize die Inflation an, sich mit abstrakten Statistiken, Theorien und Modellen befaßt, aber nicht mit den
Realitäten einer Welt im Wandel. Sie sieht nicht, daß wir, während wir
durch neue Technologien immer mehr Erkenntnisse bekommen, uns nicht mehr
zentimeterweise vorwärtsbewegen - wir tun dies in Sprüngen.
Unter den schwerelosen Bedingungen im Weltraum können wir in nur
einem Monat lebensrettende Medikamente in Mengen herstellen, für deren
Produktion auf der Erde 30 Jahre erforderlich wären.

Und wir können

Kristalle außergewöhlicher Reinheit züchten, die uns vielleicht in die
Lage versetzen, Supercomputer zu bauen und sogar noch größere Durchbrüche

- 5 -

�größere Durchbrüche in der Produktivität zu erzielen.
Unsere Vision ist keine Traumwelt, sondern ein Traum, bei dem wir
hellwach sind.

Wollen wir doch als Amerikaner die Kunst pflegen, Un-

sichtbares zu sehen.

Nur wenn wir die Grenzen des Wachstums in Frage

stellen, werden wir die Stärke und die Kenntnisse haben, um Amerika zu
einer Rakete der Hoffnung zu machen, die zu den Sternen strebt.
Spitzentechnologie wird aus Kapital geboren.
fortwährend

Anreize

für Risikoübernahme

und

Und mehr Kapital wird

Investitionen

Steuererhöhungen dagegen würden das Wachstum drosseln.
Spitzentechnologie,

nicht Spitzenbesteuerung.

erfordern.

Wir unterstützen

Die Bundesregierung

muß

ständig danach streben, die Privatwirtschaft zu stärken, indem sie Forschung und Entwicklung vor allem an den Universitäten unterstützt, wo die
Wissenschaftler und Ingenieure von morgen ausgebildet werden.
Nicht weniger wichtig ist unser Programm für ein hervorragendes Bildungswesen in den Grundschulen und höheren Schulen, damit Schüler wie
jene in der Jefferson Junior High School, die ich am Montag besuchte, das
zum Eintritt in die Universität erforderliche Wissen erwerben und eines
Tages auch diese lebenswichtigen Führungs- und Verantwortungspositionen
bekleiden können.
Zwischen 1981 und 1985 steigen die Investitionen des Bundes in der
Grundlagenforschung real um fast 30 Prozent - und wir werden dieses hohe
Engagement auch künftig beibehalten. Wir werden außerdem unsere Unterstützung von Steuererleichterungen für Forschung und Entwicklung in der
Industrie fortsetzen, und wir werden uns darum bemühen, daß Besorgnisse
abgebaut werden, gemeinsame Forschung und Entwicklung von Firmen könnte
die Antitrust-Bestimmungen verletzen.
Mit der Kraft wirtschaftlichen Wachstums, dazu dem Mut und der Entschlossenheit eines freien Volkes können wir unserer vorrangigen Aufgabe
im Weltraum gerecht werden - der Entwicklung einer ständigbesetzten bemannten Raumstation, und zwar innerhalb eines Jahrzehnts. In dieser

- 6 -

�In dieser Raumstation können wir jene Arbeit zur Produktion von Medikamenten und Kristallen leisten, von denen ich soeben sprach.
neue

Forschungsaufgaben

durchführen,

ferne

Planeten

Wir können

erforschen

und

gleichzeitig das riesige kommerzielle Potential des Weltraums erschließen, indem wir Steuergesetze und Bestimmungen lockern, die kommerziellem
Wagnis entgegenstehen.

Und wir werden dies alles zum Wohle einer fried-

licheren und vom Wohlstand besser bedachten Welt tun.
Amerika war immer dann am größten, wenn wir es wagten, groß zu sein.
Wir werden im Weltraum führen, weil das amerikanische Volk lieber nach
den Sternen greift, als Enschuldigungen zu suchen, weshalb wir dies unterlassen sollten. Und indem amerikanische Technologie die große schwarze Nacht des Weltraums in eine leuchtende neue Welt von Chancen verwandelt, können wir dieses Wissen nutzen, um eine neue amerikanische Gesellschaft der reichen Chancen hier zu Hause zu schaffen. Wir können gewährleisten, daß jeder nicht nur die gleiche, sondern eine viel größere
Chance hat, den amerikanischen Traum zu verwirklichen.
Um dies zu erreichen, müssen wir die Fähigkeit unserer älteren Industrien erhalten und verbessern, der Welt gegenüber konkurrenzfähig zu
sein. Wir müssen die Einführung aufsteigender Industrien fördern und der
Herausforderung gerecht werden, die amerikanische Führungsrolle und Prosperität auch für das 21. Jahrhundert zu gewährleisten. Nennen Sie mich
einen Optimisten - aber ich bin überzeugt, daß wir mit der Annahme dieser
Herausforderung, mit der Maximierung von Anreizen, mit vorbehaltloser Investition in neue Technologien und mit dem Streben nach den großen Durchbrüchen in der Produktivität in Produktion, Wettbewerb oder Absatz jedermann überall in der Welt überlegen sein werden.
Wir können ein Amerika bauen, das produktive, sichere Arbeitsmöglichkeiten für alle unsere Mitbürger bietet, von Fließbandarbeitern bis zu
Wissenschaftlern in neuen Industrien wie Biotechnik, Robotertechnik und
Informationsverarbeitung. Wir können unser Ziel erreichen, angemessene
Versorgung mit Energie zu erschwinglichen Preisen zu gewährleisten, so
daß das amerikanische Volk nie mehr zur Geisel eines ausländischen

�eines ausländischen Kartells werden kann.
Wir können neue Agrartechniken einsetzen, um unsere Böden und unsere
Umwelt zu erhalten und durch Verbesserung der Ernteerträge und der Widerstandfähigkeit der Pflanzen gegen Krankheiten und rauhe Lebensbedingungen
die Produktivität dramatisch steigern.

Wir können unsere Führungsrolle

in der Welt in der Agrarproduktion ausbauen ebenso wie in der Nahrungsmittelhilfe für Millionen, die in Amerika Hoffnung und Hilfe sehen.
Wenn wir unsere Wirtschaft gesund und stark erhalten sollen, müssen
auch wir selbst gesund und stark bleiben.

Unser Erfolg hängt von der Be-

reitschaft jedes einzelnen ab, eine gesunde Lebensweise zu akzeptieren,
von unserer gemeinsamen Fähigkeit, ein bereits effektives Gesundheitswesen weiter zu verbessern, und von unserer fortgesetzten Forschung und
Pionierarbeit bei jener Art von medizinischen Technologien, wie Sie sie
hier entwickeln.

Noch in diesem Jahrzehnt soll einem festen Programm

unserer Regierung zufolge die Sterblichkeitsrate bei allen Altersgruppen
merklich gesenkt und älteren Amerikanern gewährleistet werden, ein gesünderes, längeres, produktiveres Leben zu führen.

Das können wir, und das

müssen wir erreichen.
Der Traum von Amerika ist weitaus mehr als das, wer wir sind oder was
wir tun - er ist vor allem das, was wir sein werden. Wir müssen immer
und stets die "neue Welt" sein. Die Welt der Entdeckungen. Die Welt,
die die großen Wahrheiten ihrer Geschichte achtet, aber die auch in unbegrenztem Glauben an die Verheißungen der Zukunft vorwärtsblickt. In
meinem Herzen weiß ich, daß wir diesen Glauben haben. Der Traum lebt.
Amerika bleibt das Kind der Zukunft, die goldene Hoffnung für die gesamte
Menschheit.

* * * * *

- 8 -

�Doku

otion

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5. September 1984

FIELDS UNTERSTREICHT US-ABRUSTUNGSBEMUHUNGEN
- Erklärung des US-Chefdelegierten auf der Genfer Abrüstungskonferenz -

GENF - (AD) - Der amerikanische Chefdelegierte auf der Genfer Abrüstungskonferenz, Botschafter Louis G. Fields, hat am 28. August 1984
erneut die Bemühungen seines Landes unterstrichen, Fortschritte in der
Abrüstung zu erzielen. "Mit dem Gefühl des persönlichen Bedauerns" müsse
er am Ende der Sitzungsperiode 1984 feststellen, daß es nicht gelungen
sei, sich über Weltfraumfragen einig zu werden und mit einer Konvention
über das Verbot chemischer Waffen Fortschritte zu machen.

Den Atomwaf-

fensperrvertrag von 1970 (Nonproliferationsvertrag), dem heute 124 Staaten angehören, bezeichnete er hingegen als einen großen Erfolg für die
Sicherheit der Welt.

Die Ausführungen des amerikanischen Chefdelegierten haben folgenden
Wortlaut:
Wenn unsere Sitzungsperiode 1984 jetzt zu Ende geht, möchte ich noch
einmal einige der Frage aufgreifen, mit denen wir uns in diesem Jahr beschäftigt haben.

Ich möchte mich zunächst der Frage eines Mandats für einen Ad hocAusschuß zur Verhütung

eines Atomkrieges, einschließlich

aller damit

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�aller damit zusammenhängender Fragen, zuwenden.
seit einiger Zeit mit dieser Frage befaßt.

Diese Konferenz hat sich

Ich räume ein, daß die Dis-

kussionen im Rahmen unserer Konferenz eine nützliche Rolle gespielt haben, und wir haben uns gerne daran beteiligt.

Aber die Vereinigten Staa-

ten sind von der Nützlichkeit der Einsetzung eines Ausschusses für solche
Erörterungen nicht überzeugt gewesen.

Können wir sicher sein, daß die

Arbeit eines solchen Ausschusses nutzlose und schädliche Polemik vermeiden wird?

Die Vereinigten Staaten sind nicht der Ansicht, daß wir kon-

troversen Fragen ausweichen sollten. Wir sind hier, um uns mit solchen
Fragen zu befassen.

Aber angesichts des fundamentalen Unterschiedes der

in diesem Gremium vertretenen Positionen, vor allem in solchen lebenswichtigen Fragen wie der Rolle der Abschreckung für die Aufrechterhaltung
des Friedens und des Nonproliferationsvertrages für die Verhinderung der
Weiterverbreitung von Kernwaffen müssen wir uns fragen, wie wir dafür
sorgen können, daß diese Differenzen nicht zu Hindernissen für die Problemlösung werden, die wir auf diesem Gebiet so dringend brauchen.

Meine

eigene Befürchtung, Herr Präsident, ist die, daß ein solcher Ad hoc-Ausschuß der Abrüstungskonferenz rasch zu einem Schlachtfeld der Polemik
werden könnte und damit die unterschiedlichen Positionen unserer jeweiligen Regierung nur verhärten würde, statt die Kluften zu überbrücken.
Und ich kann mir deshalb nur schwer vorstellen, welche konkreten Ergebnisse das bringen würde.
vermeiden.

Eine solche Entwicklung wollen wir unbedingt

Und ich bitte meine Kollegen, in dieser Frage mit Vorsicht

und Überlegung vorzugehen.

Ich möchte in diesem Zusammenhang auf den Vertrag über die Nichtweiterverbreitung von Kernwaffen (Nonproliferationsvertrag) zu sprechen
kommen.

Am 26. Juli hat unser hochgeschätzter Kollege aus Brasilien,

Botschafter Celso de Souza E. Silva, die Auffassung seiner Regierung dazu
im einzelnen dargelegt.

Nach meiner Meinung bedarf diese Auffassung

einer sorgfältigen Erwiderung.

Wie Botschafter de Souza E. Silva feststellte, haben die Vorbereitungen für die Überprüfungskonferenz des Nonproliferationsvertrages im
Jahre 1985 diesen wichtigen Vertrag wieder in den Mittelpunkt des internationalen Interesses gerückt.

Mit 124 Unterzeichnerstaaten hat dieser
- 2 -

�hat dieser Vertrag mehr Vertragsparteien als irgendein anderer Rüstungskontrollvertrag in der Geschichte.

Seit der Überprüfungskonferenz von

1980 sind zehn weitere Staaten dem Vertrag beigetreten.

Das Ziel der Konferenz im Jahre 1985 besteht darin, die Handhabung
des Vertrages zu überprüfen und die Einhaltung seiner Bestimmungen festzustellen.

Die Vereinigten Staaten begrüßen eine volle, offene und kon-

struktive Erörterung dieser Fragen unter den Vertragsparteien auf der
Überprüfungskonferenz.

Nur durch solche Gespräche und Erörterungen kann

eine bessere Realisierung des groüen Wertes des Vertrages erreicht und
können Mittel und Wege gefunden werden, weitere Staaten zum Beitritt zu
bewegen.

Trotz der weitreichenden internationalen Unterstützung des Vertrages
werden von mancher Seite die fundamentale Zielsetzung und der weitere
Wert des Nonproliferationsvertrages in Frage gestellt.

Manche Leute ha-

ben sogar behauptet, der Nonproliferationsvertrag habe ein System begünstigt, das Anreize zur Weiterverbreitung biete und die friedliche nukleare Entwicklung einschränke.

Wir lehnen solche unbegründeten Behaup-

tungen kategorisch ab und halten es für notwendig, die Dinge bezüglich
des unschätzbaren Beitrags richtigzustellen, den der Nonproliferationsvertrag zu unseren allseitigen Bemühungen liefert, eine stabilere und
blühendere Welt zu schaffen.

Der Nonproliferationsvertrag

ist tatsächlich ein höchst

Mittel, um die Sicherheit der Welt zu fördern.

wirksames

Indem er die Drohung der

weiteren Ausbreitung von Kernwaffen verringert, hat der Vertrag die Aussichten auf Frieden erhöht und zur internationalen Stabilität beigetragen. Die weitgehende internationale Unterstützung des Vertrages ist Ausdruck einer generellen Einsicht, daß die Weiterverbreitung von Kernwaffen
die Sicherheit für uns alle verringern würde.

Darüber hinaus ist und

bleibt er ein entscheidendes Instrument zum Abbau des Mißtrauens und zum
Aufbau des Vertrauens unter Staaten.

Wenn der Nonproliferationsvertrag

nicht weiterhin die Norm der Nichtweiterverbreitung bekräftigen würde,
dann wäre es höchst wahrscheinlich, daß weitere Staaten sich in den letz-

- 3 -

�in den letzten 15 Jahren Kernwaffen beschafft hätten. Ohne den Nonproliferationsvertrag -

wäre es in einer ganzen Reihe von Fällen so ge-

wesen, daß der Bau friedlicher Nuklearanlagen sehr viel mehr Argwohn bezüglich ihres Zweckes hervorgerufen hätte.

Solches Mißtrauen hätte wie-

derum die Spannungen zwischen Nachbarn erhöht und die Forderungen nach
dem Erwerb von Kernsprengstoff verstärkt.

Mit dem Nonproliferationsvertrag findet der größte Teil der nuklearen
Tätigkeiten in Nichtkernwaffenstaaten in der ganzen Welt in aller Offenheit im Rahmen einer umfassenden vertraglichen Verpflichtung statt, sich
keinen Kernsprengstoff zu beschaffen, sowie unter der Verpflichtung, internationale Sicherheitsbestimmungen für alle friedlichen nuklearen Einrichtungen zu akzeptieren.

Das ist ein entscheidender Mechanismus für

die internationale Vertrauensbildung.

Ohne den Nonproliferationsvertrag

würde der internationale Nuklearhandel außerordentlich kompliziert und in
manchen Fällen praktisch unmöglich werden.

Mit dem Nonproliferations-

vertrag besteht genügend Vertrauen, um eine weitgehende Zusammenarbeit
unter Staaten bei zivilen Nuklearprogrammen zu ermöglichen.

Darüber hin-

aus hat der Nonproliferationsvertrag einen internationalen Rahmen für die
friedliche nukleare Zusammenarbeit geschaffen und dazu beigetragen, die
Segnungen der zivilen Atomkraft vielen Ländern zugänglich zu machen.

Bei

mehr als einer Gelegenheit haben die Vereinigten Staaten festgestellt,
daß ihre Fähigkeit, Nukleartechnologie, Material und Gerät zu liefern,
durch die Tatsache erleichtert wurde, daß das Empfängerland dem Nonproliferationsvertrag angehört.

Der Nonproliferationsvertrag hat also kei-

neswegs den Zugang zum friedlichen Atom behindert, sondern wesentlich zum
Transfer friedlicher nuklearer Technologie, Materialien und Einrichtungen
unter den Vertragspartnern beigetragen.

Die Staaten, die in den sechziger Jahren für die Annahme des Nonproliferationsvertrages eingetreten sind, waren überzeugt, daß er das beste
Instrument zur Schaffung einer starken internationalen Norm zur Verhinderung der weiteren Ausbreitung von Kernwaffen sei.
diese seine Rolle auch noch nach 15 Jahren.

Der Vertrag erfüllt

Diese Staaten kamen ferner

überein, allen Vertragsparteien eine Verpflichtung aufzuerlegen, in gutem
Glauben über wirksame Maßnahmen bezüglich der Einstellung des nuklearen
- 4 -

�des nuklearen Wettrüstens und der nuklearen Abrüstung zu verhandeln. Seit
Bestehen des Vertrages haben wesentliche Verhandlungen stattgefunden und
zu dem SALT I-Vertrag und anderen wichtigen Abkommen geführt.

Es ist

keine Frage, daß die Verhandlungen unter den Kernwaffenstaaten weitergehen müssen, wenn wir die Kriegsdrohung verringern und Fortschritte zur
nuklearen Abrüstung erreichen wollen.

Wenn wir jedoch den Nonprolifera-

tionsvertrag herabsetzen oder unterminieren, dann wird das weder zu diesen Zielen beitragen noch der Sache des Friedens dienen.

Es würde nur

die Sicherheit aller Länder unterhöhlen.

Was uns anbetrifft, so lehnen die Vereinigten Staaten die Behauptung
ab, wir hätten unsere Verpflichtungen nach Artikel VI des Vertrages nicht
eingehalten.

Im Gegenteil, wir haben in den Vorschlägen und Verhandlun-

gen über nukleare Rüstungskontrolle die aktive Führung übernommen.

Wir

sind bereit und wünschen dringend, die Verhandlungen über strategische
Kernwaffen und nukleare Mittelstreckensysteme wieder aufzunehmen.

Wir ermutigen alle jene Staaten, die noch nicht Vertragspartei sind,
sich wohl zu überlegen, wie der Nonproliferationsvertrag ihren nationalen
Sicherheitsinteressen dienen würde.

Wir sind sicher, daß eine solche

Analyse die vielen wichtigen Vorteile aufzeigen würde, die alle Länder
aus diesem wichtigen Vertrag ziehen.

Wir möchten daher hoffen, daß alle

nicht dem Vertrag angehörenden Staaten sich ernsthaft überlegen, dem Vertrag beizutreten und damit zusätzlich zur Stärkung des internationalen
Friedens und der internationalen Sicherheit beizutragen.

Ich will die Verpflichtung nicht eines einzigen Landes hinsichtlich
der Nichtweiterverbreitung in Frage stellen, Herr Präsident, aber einige
der Ansichten, die hier zum Ausdruck gebracht wurden, sind nicht die unsrigen und bedeuten für uns eine große Enttäuschung, verunglimpfen sie
doch die Bedeutung des Nonproliferationsvertrages.

Im besten Sinn einer

freien und offenen Debatte in dieser Konferenz sind wir der Meinung, daß
es wichtig ist, unsere Ansichten in bezug auf diese so überaus bedeutsame
Frage kundzutun.

Wir werden unsere Anstrengungen zur Unterstützung des

Nonproliferationsvertrages unvermindert fortsetzen, und wir ziehen eine

- 5 -

�ziehen eine gewisse Beruhigung aus der Tatsache, daß die überwältigende
Mehrheit der Mitglieder der internationalen Gemeinschaft unsere Einstellung teilt.

Herr Präsident, negative Sicherheitsgarantien sind ein weiteres Thema
auf der Tagesordnung dieser Konferenz zum Thema Kernwaffen. Wir haben ihm
in den vergangenen Jahren, insbesondere 1980, 1981 und 1982, beträchtliche Aufmerksamkeit gewidmet; in jüngster Zeit jedoch wurde ihm nicht
die gebührende Aufmerksamkeit zuteil. Viele Delegationen von Staaten, die
nicht über Kernwaffen verfügen, haben sich über den Mangel an "politischem Willen" seitens der Nuklearstaaten beklagt, in diesem Bereich mehr
zu tun, und sind der Ansicht, daß dies der Hauptgrund für den mangelnden
Fortschritt sei. Gestatten Sie mir hierzu zwei Punkte.

Erstens rührt das Problem nicht so sehr von dem politischen Willen
her als vielmehr von den beträchtlichen Meinungsverschiedenheiten zwischen Staaten. Wir sehen auf der einen Seite erhebliche Differenzen zwischen den Nuklearstaaten, auf der andern erhebliche Differenzen zwischen den Nuklearstaaten - wie dies in ihren einzelnen Erklärungen sich
widerspiegelt

-

einerseits

und

den

Nichtnuklearstaaten

andererseits.

Zweitens gilt es darauf hinzuweisen, daß die Stationierung von Kernwaffen
auf dem Gebiet von zumindest zwei Nichtnuklearstaaten, die Mitglieder des
Warschauer Paktes sind, öffentlich angekündigt wurde; es gilt sich daher
zu fragen, ob das "Nichtstationierungs"-Kriterium unter diesen Umständen
gültig bleiben kann. Meine Delegation ist der Ansicht, daß dies nicht der
Fall ist, und fragt: Würde nicht die Beseitigung des NichtstationierungsKriteriums die Frage der negativen Sicherheitsgarantie zur schwer erfaßbaren "allgemeinen Formel" machen?

Die Position meiner Regierung hinsichtlich dieser Frage ist allgemein
bekannt und bedarf hier keiner Wiederholung. Um der historischen Genauigkeit willen lassen Sie mich dieser Körperschaft versichern, daß die 1978
von den Vereinigten Staaten abgegebene Zusicherung auch heute noch volle
Gültigkeit besitzt. Wir sind auch weiterhin bereit, nach einer "allgemeinen Formel" zu suchen, und sind der festen Überzeugung, daß die drei

6

�die drei westlichen Kernwaffenstaaten die beste und realistischste Offerte für eine gemeinsame Grundlage abgegeben haben.

In meiner Erklärung vor dieser Versammlung am 21. August habe ich im
Detail unsere Einstellung

zu einem Kernwaffenversuchsverbot dargelegt,

und ich möchte heute nicht wiederholen, was ich damals gesagt habe. Mein
Ratschlag ist, dieses heiße Problem mit Bedacht und nicht mit Übereifer
anzugehen - mit Verständnis, nicht mit Fanatismus, mit Pragmatismus,
nicht mit Halsstarrigkeit. Lassen Sie mich die Hoffnung zum Ausdruck
bringen, daß 1985 Fortschritt die Polemik des Jahres 1984 ersetzt. Meine
Delegation wird bereit sein, ihre Beiträge zu den Bemühungen der Konferenz um einen Ad-hoc-Ausschuß zu leisten - genau so, wie wir dies fast
ein Jahrzehnt lang im Zusammenhang mit der Arbeit der Ad-hoc-Gruppe der
wissenschaftlichen Experten getan haben.

Ich hatte den Eindruck, daß wir dieses Jahr bei jenen Tagesordnungspunkten, die sich mit dem Weltraum befassen, ganz in die Nähe eines Abkommens gelangten, mittels dessen ein Ad-hoc-Ausschuß ins Leben gerufen
werden könnte, der sich im Detail um eine Überprüfung aller Aspekte dieses weiten und sensitiven Themas bemüht. Bei mehr als jedem anderen Problemkreis vielleicht habe ich hier das persönliche Gefühl des Bedauerns
darüber, daß unsere Konferenz nicht in der Lage war, zu einem Konsens zu
gelangen. Ich hatte mich darauf gefreut, an einer Untersuchung der Fragen
teilzunehmen, die sich auf den grenzenlosen Bereich Weltraum beziehen insbesondere die Frage nach der diesbezüglichen Gültigkeit des bestehenden Völkerrechts. Hoffen wir dennoch, daß es im nächsten Jahr dazu kommt.

Mit keinem anderen Thema, Herr Präsident, habe ich in diesem Jahr sowie in den beiden vorausgegangenen so viel Zeit verbracht wie mit dem so
lebenswichtigen und dringlichen Problem, chemische Waffen für immer zu
verbieten.

Während dieser drei Jahre wurde unter der fähigen Leitung der Botschafter Sujka, MacPhail und Ekeus ein gewisser Fortschritt bei der Abgrenzung

der Fragestellungen

und

ihrer

7

möglichen

Analyse

sowie

der

�sowie der Erarbeitung eindeutiger Bereiche von Übereinstimmung und Meinungsunterschieden erzielt. Dieses Jahr hat Botschafter Ekeus die Arbeit
in eine wichtige neue Phase, nämlich die der vorläufigen Ausarbeitung der
Bestimmungen einer zukünftigen Konvention, übergeleitet. Meine Delegation
begrüßt und unterstützt diese Entwicklung.

Ich bedauere, daß die Arbeit an der Konvention chemischer Waffen noch
nicht den Fortschritt zeigt, den viele von uns erwarten. Die Vereinigten
Staaten haben über die vergangenen zwei Jahre hinweg erhebliche Bemühungen investiert - so die Anfang 1983 vorgelegte detaillierte Darlegung,
das Ende 1983 in Toole, Utah, abgehaltene Seminar zur Verifizierungsfrage
sowie, als Höhepunkt, den von Vizepräsident Bush im April 1984 vorgelegten Entwurf einer Konvention - und wir hegten große Hoffnung, daß diese
Anstrengungen den Fortschritt anregen würden, was jedoch nicht der Fall
gewesen ist. Dies soll sicherlich keine Kritik an den Vorsitzenden des
Ausschusses über chemische Kriegführung und ihren Arbeitsgruppen sein.
Sie haben viel und hart gearbeitet. Meine Delegation ist stolz darauf,
mit ihnen an dieser Anstrengung teilgenommen zu haben.

Wie kann es in Zukunft rascheren Fortschritt geben? Meiner hiesigen
Erfahrung zufolge möchte ich zwei Vorschläge machen.
Die Bemühungen müßten sich auf wirkliche Kardinalfragen konzentrieren. Sind diese erst einmal beantwortet, so könnte auch bei den weniger
elementaren Problemen Klarheit geschaffen und ein Vertragsentwurf mit
weniger Schwierigkeiten erreicht werden.
Außerdem sollte man einen genauen Blick auf den Arbeitsplan und die
-methoden bei den Verhandlungen werfen. Es ist deutlich, daß hier erhebliche Verbesserungen möglich sind. So sollte die Konferenz beispielsweise
sicherstellen, daß die Arbeit so vonstatten geht, daß das gesamte Jahr
und nicht nur etwas mehr als die Hälfte davon genutzt wird.

Hinsichtlich des Ad-hoc-Ausschusses für Strahlenwaffen gab es in dieser Sitzungsperiode nur geringen Fortschritt. Obgleich die schwedische

8

�die schwedische Delegation in dem Bemühen, eine Kompromißgrundlage für
die Fortsetzung der Arbeit zu finden, einen neuen Vorschlagsentwurf einbrachte, hatte dies nur begrenzte Wirkung. Der neue Vorschlag vereinigte
im wesentlichen die beiden "Stränge" - also die sogenannte "traditionelle" Strahlenwaffenfrage und die Frage, ob weitere Maßnahmen behandelt
werden sollten, die sich auf die Verhinderung von Angriffen auf Nuklearanlagen beziehen - zu einer Einheit. Die Probleme in bezug auf die Verbindung dieser beiden "Stränge", die bereits vor deren Trennung bestanden hatten, wurden damit wiederbelebt. Aber sie wurden nicht gelöst.
Trotzdem nahm der Ausschuß eine konstruktive Prüfung einiger Aspekte der
schwedischen Initiative vor, die sich auf Angriffe von Nuklearanlagen bezogen. Wir hoffen, daß der Ausschuß für Strahlenwaffen 1985 weiteren
Fortschritt auf beiden Wegen macht.
Herr Präsident,
abschließen.

damit

möchte

ich

9

meine

heutigen

Ausführungen

�36

5. September 1984

DIE WAHLEN IN AMERIKA 1984
(11)
Sonstige Parteien und ihre Kandidaten -

WASHINGTON - (AD) - Ob Liberalisten, Kommunisten, oder Sozialisten sie alle haben im amerikanischen Wahlsystem ihre Chance.

Ob ihre Kandi-

daten je ins Weiße Haus einziehen werden, ist allerdings mehr als fraglich.

Die ganz offensichtliche Scheu des amerikanischen Wählers vor

Ideologien steht den meisten dieser Programme entgegen.

Um der Chronistenpflicht

zu genügen, sollen jedoch einige dieser

sogenannten "Drittparteien" und ihre Kandidaten sowie deren politischen
Ziele kurz genannt werden.

Die Libertarian Party (Liberalistische Partei)
Kandidat: David P. Bergland
David Peter Bergland, 48, wurde in Staate Iowa geboren und lebt heute
in Costa Mesa, Kalifornien, als Rechtsanwalt und ist Chefredakteur der
"Southern California Law Review".

Er hat sich 1976 um das Amt des

Vizepräsidenten und 1980 um einen Sitz im Senat beworben - beide Male
erfolglos.
Nach

seinen

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
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Telex: 8-85432

�Nach seinen Behauptungen ist die Libertarian Party die drittgrößte
und am raschesten wachsende Partei in den Vereinigten Staaten, denn sie
entspreche dem allgemeinen Konsens, daß die Steuern zu hoch und der Regierungsapparat zu groß seien und sich der Staat zu sehr in das Leben der
Menschen einmische.

Bergland will alle öffentlichen Schulen abschaffen

und von Privatunternehmen führen lassen; alle Naturschutzgebiete verkaufen, weil die Regierung keine Freizeitbetriebe führen solle - und alle
Straßen, Brücken und Staudämme von Privatunternehmen bauen lassen. Während er die Polizei in der öffentlichen Hand lassen würde, würde er die
Feuerwehr privatisieren
Das Programm der Libertarian Party unterstreicht die persönliche
Freiheit, die freie Marktwirtschaft, die radikale Einschränkung der Regierung und Senkung der Verteidigungsausgaben. Die Regierung soll zum
größten Teil abgeschafft werden - einschließlich der Bundesbank, der Nationalparks, der Sozialfürsorge, der Sozialversicherung und des größten
Teils des Verteidigungsministeriums.
Die 1971 gegründete Partei ist für absolut freien Handel, die Abschaffung der Einwanderungsgesetze und die Abschaffung der Reisepässe,
sowie die Aufhebung aller Antidrogen-Gesetze, die völlige Freigabe von
Pornographie und Glücksspiel. Die Partei hat versprochen, bei einem
Wahlsieg das Landwirtschafts-, Handels-, Erziehungs-, Energie-, und Gesundheitsministerium abzuschaffen; ebenso das Wetteramt, die Bundespost
und andere Bundesbehörden sowie das Zentralamt für Nachrichten und Abwehr
(CIA). Unnötig sind nach Auffassung der Partei auch die Schulpflicht und
Mindestlöhne.
Die Kommunistische Partei
Kandidat; Gus Hall
Gus Hall, 74, ist Generalsekretär der Kommunistischen Partei der Vereinigten Staaten von Amerika und Parteimitglied seit fast 60 Jahren. Als
Sohn finnischer Einwanderer wurde er als Arvo Kusta Halberg geboren, verließ mit 13 die Schule und gehörte schon zwei Jahre später dem Nationalkomitee der kommunistischen Jugendliga an. Von 1926 bis 1933 studierte

- 2 -

�1933 studierte er am Lenin-Institut in Moskau und schloß sich nach seiner
Rückkehr in die USA 1934 der KP an.

Er diente in der amerikanischen Ma-

rine und wurde 1959 Generalsekretär der Kommunistischen Partei.

Seit

1972 ist er Präsidentschaftskandidat seiner Partei, in diesem Jahr mit
Angela Davis als Vizepräsidentschaftskandidatin.

Sein Kommunismus, so behauptet Hall, habe seine Heimat in den Bergwerken und Fabriken im amerikanischen Mittelwesten, nicht im Kreml.

Das Programm der Kommunistischen Partei sieht unter anderem vor eine
Beendigung der Ost-West-Konfrontation, Abzug der Pershing II und Marschflugkörper aus Europa und die Rückkehr zur Entspannungspolitik; "Beendigung des nicht erklärten Krieges" in Nicaragua und El Salvador, Normalisierung der Beziehungen zu Kuba, wirtschaftliche Sanktionen gegen Südafrika,

Verstaatlichung

wichtiger

Industriezweige,

Abschaffung

aller

Steuern auf Familieneinkommen unter 30 000 Dollar jährlich, Erhöhung aller Sozialleistungen um 25 Prozent mit Steuerbefreiung, und gleiche Rechte für alle.

Die Citizens Party (Bürgerpartei)
Kandidatin: Sonia Johnson
Sonia Johnson ist eine bekannte Frauenrechtlerin, die sich 1978 vor
einem Unterausschuß des amerikanischen Senats für den Verfassungszusatz
über die Gleichberechtigung der Frau stark gemacht hat.

Als Angehörige

der Mormonen-Kirche - die gegen den Verfassungszusatz ist - setzte sie
sich im Gegensatz zu dieser und wurde 1979 ausgeschlossen.

Johnson, die

vier Kinder hat, ist Mitbegründerin der Internationalen Abrüstungsallianz
der Frauen und Autor des Buches "Von der Hausfrau zur Häretikerin".

Sie

promovierte an der Rutgers-Universität in New Jersey und lehrte bis zu
ihrem Kirchenausschluß Englisch und Pädagogik an verschiedenen Universitäten.

Das Programm der Bürgerpartei sieht unter anderem vor nukleare Abrüstung,

Vollbeschäftigung,

schaftliche Demokratie.

Umweltschutz,

Gleichberechtigung

und

wirt-

Die Partei wurde 1979 von liberalen Demokraten

- 3 -

�liberalen Demokraten und Republikanern gegründet, die eine Alternative
suchten.
Die Sozialistische Arbeiterpartei
Kandidat; Mel Mason
Mel Mason, 41, gehörte früher der radikalen

Farbigenorganisation

"Black Panther" an und war Stadrat in Seaside, Kalifornien.

Um Präsi-

dentschaftskandidat seiner Partei zu werden, gab er seinen Posten als
Stadtrat und als Koordinator für studentische Tätigkeiten am Montery
Peninsula College auf.

Seine Partei, so erklärte er in deren Haupt-

quartier in New York, wolle die Gesellschaft verändern und den Menschen
vor den Profit setzen.
Mason sprach sich für die kommunistische Revolution in Rußland und
China aus, räumte jedoch ein, daü beide Länder heute "keine echte Arbeiterregierung" hätten.
Das Programm der Sozialistischen Arbeiterpartei, die 1938 von Leo
Trotzki gegründet wurde, sieht unter anderem vor die einseitige nukleare
Abrüstung der Vereinigten Staaten, zwangsweise Schulintegration, Beendigung des "Rassismus und Sexismus" und das Recht auf Abtreibung, Abschaffung der Todesstrafe sowie die Gründung einer unabhängigen Arbeiterpartei.
Trotzki, der Parteigründer, lehrte bis zu seiner Ermordung 1940 den
"reinen" Kommunismus. Die von ihm gegründete Partei stellte seit 1948
alle vier Jahre einen Präsidentschaftskandidaten; im Jahre 1976 erreichte
sie als bestes Ergebnis 91 314 Stimmen. Ihre Mitgliedschaft ging von
etwa 2 500 in den sechziger auf etwa 1 000 zum heutigen Zeitpunkt zurück.
Die Sozialistische Arbeiterpartei ist nicht zu verwechseln mit der
Sozialistischen Partei USA, deren Präsidentschatskandidat seit vielen
Jahren Norman Thomas ist.

# * * * *

-4-

�5. September 1984

36

VIELGLEISIGE URSACHENFORSCHUNG FÜR AIDS
Studium am Tiermodell - Schimpansen erstmals infiziert -

- (AD) - Versuche, die erworbene Immunschwäche AIDS im Tiermodell zu
studieren, erwiesen sich als außerordentlich schwierig.

Bei Seidenäff-

chen, Rhesusaffen und Schimpansen, denen Blutzellen und Seren von AIDSPatienten injiziert wurden, zeigten sich lange Zeit keinerlei Symptome
der Erkrankung.

Zwei der zahlreichen Studien scheinen jetzt jedoch erste

positive Ergebnisse zu bringen.

Am Yerkes-Primatenzentrum

in Atlanta

konnten zum ersten Mal in weißen Blutzellen infizierter Schimpansen LAVViren (LAV - Lymphadenopathievirus) gefunden werden.

Wissenschaftler der

Medizinischen Bundesforschungsanstalten der USA (NIH) fanden außerdem bei
zwei Schimpansen Anzeichen für eine Infektion mit dem HTLV-Virus, Typ III
(HTLV - Human T-Cell Leukemia Virus).

Eines der Tiere hat die stark ver-

größerten Lymphknoten, die bei AIDS-Patienten als eines der Krankheitszeichen bekannt sind.

Die übrigen weisen jedoch außer einem Rückgang der

Lymphzeilenzahl noch keine klinischen Symptome auf.

Allerdings war schon vor einiger Zeit am California Primate Research
Center (CPRC) der Universität Kalifornien beobachtet worden, daß RhesusAffen von einer ähnlichen Erkrankung befallen werden können.

Sie wird

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�Sie wird mit SAIDS bezeichnet, der Abkürzung für "Simian Acquired Immunodeficiency Syndrome".

Diese Affen-Immunschwäche ist in den allgemeinen

klinischen Symptomen, in der Pathologie und anderen Merkmalen AIDS beim
Menschen ähnlich: allgemein vergrößerte Lymphknoten, Abnahme von Lymphozyten, schwere "opportunistische" Infektionen, mit denen der Körper fertig würde, wenn das Immunsystem intakt wäre.
Gewichtsverlust und hohe Sterblichkeitsrate.

Dazu kommen unaufhaltsamer
Bei einigen Tieren ent-

wickelten sich auch die typischen Sarkome der Haut.

Einer Forschergruppe der Universität Kalifornien und von NIH war es
im Frühjahr gelungen, den vermutlichen Erreger von SAIDS zu isolieren.
Es handelt sich um ein bislang unbekanntes Retrovirus vom Typ U, das dem
Mason-Pfizer-Affenvirus verwandt, mit ihm aber nicht identisch ist.

Wie

Preston Marx, Virologe am CPRC, erklärte, sei "der Blutstrom eine Quelle
für SAIDS-Retroviren".

Dieses Modell könne nützlich sein, um zu ermit-

teln, wie ein infektiöses Retrovirus den Rückgang von Lymphozyten bewirke, und was zu unternehmen sei, um SAIDS bei Primaten unter Kontrolle zu
bringen.

Mittlerweile fand Dr. Jay Levy vom Krebsforschungsinstitut der Universität Kalifornien in San Francisco in Blutzellen von 28 aus einer
Gruppe von 50 AIDS-Patienten direkte Hinweise auf LAV-Viren und auf
LAV-ähnliche Retroviren (Retroviren enthalten ein Enzym, das das RNSMolekül des Virus in die DNS-Form zurückkopieren kann, wodurch sich die
übliche Richtung, in der die genetische Information abläuft, umkehrt).
Levy und Mitarbeiter entdeckten in weißen Blutzellen sowohl RetrovirenEnzyme und -Proteine als auch Antikörper gegen LAV, die die Infektion
anzeigen.

Bei der aus 21 Personen bestehenden gesunden Kontrollgruppe

waren keinerlei solche Hinweise zu finden.

Ob LAV-Viren und HTLV-III-Viren tatsächlich identisch seien, konnte
laut Levy noch nicht nachgewiesen werden, obgleich es große Ähnlichkeiten
gebe.

Diese Viren spielten ganz offensichtlich eine wesentliche Rolle

bei der Entwicklung von AIDS, von der schon mehr als 5 500 Menschen befallen wurden.

Jedoch sei der letzte Nachweis noch nicht erbracht, daß

sie die eigentliche Ursache sind.
* * * * *

- 2-

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                    <text>^^T^W^

nrormniion
und
Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States ot America

37

12. September 1984

INHALT

DOKUMENTATION
Reagan empfängt Gromyko im Weißen Haus
- Erklärung des Präsidenten Die Ziele der amerikanischen Rüstungskontrollpolitik
- Rede Edward L. Rownys vor der Amerikanischen Legion WIRTSCHAFT
Strenge US-Gesetze gegen ausländische Subventionen
- USIA-Interviews mit Vertretern des Handelsministeriums
WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Raumfähre "DISCOVERY" in Dienst gestellt
Industrieaktivitäten im Weltraum
- Erste Produkte für den Markt Infrarotastronomie am Südpol
- In der Antarktis beginnt wieder die Saison Von G. Weiss

Um Über/endung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 B o n n 2

T

^-- 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�mIERin?
pDlElno *

Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

37

12. September 1984

REAGAN EMPFÄNGT GROMYKO IM WEISSEN HAUS
-Erklärung des Präsidenten-

Washington -

(AD) - Präsident

Reagan

kündigte

zu Beginn

seiner

Pressekonferenz vom 11. September 1984 an, daß der sowjetische Außenminister Gromyko die Einladung zu einem Treffen mit ihm am 28. September
im Weißen Haus angenommen hat.

Die Erklärung des Präsidenten sowie die diesen Punkt betreffenden
Fragen der Journalisten haben folgenden Wortlaut:
PRÄSIDENT REAGAN: Ich möchte gern eine kurze Erklärung abgeben und
werde dann gern auf Fragen antworten. Ich habe den stellvertretenden
sowjetischen Ministerpräsidenten und Außenminister Andrei Gromyko eingeladen, mit mir am 28. September im Weißen Haus zusammenzutreffen. Und
Herr Gromyko hat angenommen.

Ich glaube, es ist wichtig, die Gelegenheit zu nützen, die sich durch
Herrn Gromykos Aufenthalt in den Vereinigten Staaten bietet, um sich über

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�sich über eine ganze Bandbreite von Themen internationaler Bedeutung zu
unterhalten.

Eine meiner höchsten Prioritäten besteht darin, Wege zu finden, um
den Umfang der Waffenarsenale zu verringern und unser Arbeitsverhältnis
zur Sowjetunion zu verbessern. Ich hoffe, daß mein Treffen mit ihm zu
diesem Ziel beiträgt, während unsere Administration weiterhin auf eine
sicherere Welt hinarbeitet.

FRAGE: Herr Präsident, nach dreieinhalb Jahren sehr geringen Fortschritts bei den amerikanisch-sowjetischen

Beziehungen

könnte mancher

dies als eine politische List Ihrerseits ansehen, um auf Mr. Mondales Behauptung zu reagieren, Sie seien in diesem Bereich zu nachlässig gewesen.
Was würden Sie dazu sagen?

PRÄSIDENT REAGAN: Nun, ich glaube, die Tatsachen widerlegen eine solch« Unterstellung. Faktum ist, daß wir bei einer ganzen Reihe von Gelegenheiten Treffen mit der Sowjetunion vorgeschlagen haben, und dies aus
mehreren Gründen. Wir haben kein Treffen mit ihr abgebrochen. Und da gerade die Eröffnung der Vollversammlung der Vereinten Nationen bevorsteht
und er seine Absicht lautwerden ließ, daran teilzunehmen, so habe ich
eine Einladung ausgesprochen, während seines Aufenthalts doch auch gleich
nach Washington zu kommen.

FRAGE: Glauben Sie, daß die Sowjets jetzt der Meinung sind, Sie würden sicherlich wiedergewählt und wollen daher aus diesem Grund jetzt ein
Treffen?
PRÄSIDENT REAGAN: Sie müssen sie schon selbst nach den Gründen dafür
fragen.
FRAGE: Glauben Sie, Sie können mit der Einladung den Leuten zeigen,
daß Sie eben nicht der Mann sind, der den Finger rasch am Abzug hat, wie
manche Sie darstellen wollen?
PRÄSIDENT REAGAN:

- 2 -

�PRÄSIDENT REAGAN: Das Wichtigste ist, daß ich Außenminister Gromyko vielleicht davon überzeugen kann, daß die Vereinigten Staaten nichts Böses im
Schilde führen.

* * * * *

- 3-

�12. September 1984

37

DIE ZIELE DER AMERIKANISCHEN RÜSTUNGSKONTROLLPOLITIK
- Rede Edward L. Rownys vor der Amerikanischen Legion -

Salt Lake City -(AD)- Das Ziel der amerikanischen Rüstungskontrollpolitik ist die Gewährleistung einer gesicherten Abschreckung und erhöhter
Stabilität zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion. Dies erklärte der amerikanische Chefunterhändler

bei den START-Verhandlungen,

Edward L. Rowny, am 5. September 1984 in Salt Lake City in einer Rede vor
dem Verband ehemaliger Soldaten, der "American Legion". Rowny bot seinem
Publikum einen Überblick über die Rüstungskontrollvorschläge der ReaganAdministration und äußerte sich zuversichtlich über eine Wiederaufnahme
der START-Verhandlungen mit den Sowjets.
Seine Ausführungen, die wir auszugsweise wiedergeben, hatten folgenden
Wortlaut:
Im Bestreben, neue bedeutungs- und sinnvolle Rüstungskontrollabkummen
auszuhandeln, hat Präsident Reagan kühne und phantasiereiche Schritte ergriffen. Sein einziges Ziel in diesen Verhandlungen besteht darin, die
WeLt für uns und unsere Kinder sicherer zu machen. Kann man daraus vielleicht folgern, daß der Präsident unflexibel und gegen Rüstungskontrolle

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�gegen Rüstungskontrolle ist ? Sie sind sicherlich nicht dieser Meinung,
und ich kann Ihnen aufgrund meiner engen Zusammenarbeit mit ihm versichern, daß auch ich dies nicht zu glauben vermag.

Die Vorschläge, die die Vereinigten Staaten in Genf unterbreitet haben, sind fair und gerecht und geeignet, die Welt sicherer zu machen. Wir
jedenfalls würden sie sogleich annehmen, wenn sie von den Sowjets unterbreitet würden. Sie werden sowohl unseren Interessen als auch denen der
Sowjets gerecht. Man kann sogar sagen, daß sie den Interessen der ganzen
Welt dienen würden.

Was die Vereinigten Staaten überwinden wollen, ist jene Art von Rüstungskontrollabkommen der Vergangenheit, die einen weiteren Ausbau der
strategischen Waffen zuließen. Als wir die Verhandlungen über eine Begrenzung der strategischen Waffen (SALT) abgeschlossen hatten, glaubten
wir, daß es uns gelungen sei, die strategischen Rüstungsprogramme der
Sowjets zu bremsen. Daher stoppten wir unsere eigenen Großprogramme, obwohl die Sowjets gleiches nicht taten. Die gesamten 70er Jahre hindurch
fuhren die Sowjets fort, neue Waffen zu bauen, wobei sie über alle vernünftigen Sicherheitsbedürfnisse weit hinausgingen. Um es mit den Worten
des ehemaligen Verteidigungsministers Brown zu sagen: "Als wir rüsteten,
rüsteten auch die Sowjets; als wir aufhörten zu rüsten, rüsteten die Sowjets trotzdem weiter." Bei den Verhandlungen über eine Verminderung der
strategischen Waffen (START) sind wir bestrebt, dafür zu sorgen, dau die
Rüstung heruntergeschraubt, nicht aber angekurbelt wird.

Der beunruhigendste Aspekt der sowjetischen Rüstung liegt in dem massiven Ausbau der Interkontinentalraketen (ICBMs). Dieser Ausbau steht in
einem völligen Mißverhältnis zu allen legitimen Sicherheitsbedürfnissen
der Sowjetunion. Diese Systeme sind deshalb die gefährlichsten von allen,
weil sie eine kurze Flugzeit haben, weil sie eine große Anzahl äußerst
treffsicherer Gefechtsköpfe mit hoher Sprengkraft tragen können und weil
ihre Unterbringung in ortsfesten Silos sie verwundbar macht. Diese Verwundbarkeit der ICBMs kann in Krisenzeiten ein erhebliches Maß an Instabilität hervorrufen.
Während
- 2 -

nach

�Während nach den sowjetischen Vorschlägen bei den START-Verhandlungen
eine Vermehrung der Zahl der Raketengefechtsköpfe um die Hälfte des gegenwärtigen Bestandes zulässig wäre, müßte dieser Bestand nach den amerikanischen Vorschlägen um ein Drittel vermindert werden. Außerdem zielt
der amerikanische Vorschlag darauf ab, durch eine Verringerung des sowjetischen Arsenals den Vorteil von mehr als 3 : 1 abzubauen, den die Sowjets unter dem Gesichtspunkt des Wurfgewichts der Raketen haben. Das
Wurfgewicht ist deshalb so wichtig, weil man es nutzen kann, um sowohl
die Zerstörungskraft als auch die Treffgenauigkeit einer Rakete zu erhöhen. Außerdem ist die Seite, die einen Überschuß an ungenutztem Wurfgewicht besitzt, in der Lage, die Zahl der Gefechtsköpfe auf ihren Raketen
schlagartig zu erhöhen. Indem sie betonen, daß ihre Vorschläge zu einer
20prozentigen Verringerung des Wurfgewichts ihrer ICBMs führen würden,
geben die Sowjets zu erkennen, daß ihnen die Bedeutung dieses Kriteriums
mittlerweile voll bewußt geworden ist.

Der amerikanische Vorschlag zielt auf eine umfassende Verminderung
der atomaren Bestände beider Staaten ab. Während der eineinhalbjährigen
Verhandlungen haben wir den Sowjets unsere Vorschläge sorgfältig erläutert, wobei wir eines vorausgesetzt haben: daß sowohl wir als auch die
Sowjets an einem stabileren strategischen Kräfteverhältnis interessiert
sind. In einigen Fällen haben sich die Sowjets unseren Auffassungen angeschlossen; in anderen Fällen haben sie dies nicht getan. Im Bestreben,
den von den Sowjets geäußerten Bedenken Rechnung zu tragen, hatte micn
der Präsident ermächtigt, erhebliche Veränderungen in unserer Position
vorzunehmen und zusätzliche, neuartige Vorschläge einzubringen, um eine
gemeinsame Grundlage mit den Sowjets zu entwickeln. Präsident Reagan hatte mich von Anfang an angewiesen, flexibel zu sein, auf die Sowjets einzugehen und mir alles anzuhören, was sie zu sagen hatten. Kein amerikanischer Vorschlag ist jemals in ultimativer Form unterbreitet worden.

Im Verlaufe der Verhandlungen haben die Sowjets bezüglich der Folgen,
die die amerikanischen START-Vorschläge für die strategischen Waffen der
Sowjetunion haben würden, einige extreme und unbegründete Vorwürfe erhoben. Insbesondere haben sie uns vorgeworfen, daß unser Vorschlag sie gemäß den von uns vorgegebenen Kriterien zu einer völligen Umstrukturierung
- 3 -

�völligen Umstrukturierung ihrer Streitkräfte in einem "beispiellosen Umfang" zwingen würde, während die Streitkräfte der Vereinigten Staaten angeblich SO gut wie unberührt bleiben würden.

Die Grundannahme der Sowjets in diesem Zusammenhang war, daß der amerikanische Vorschlag sie zum Bau neuer strategischer Waffen zwingen würde. Die Sowjetunion versuchte, sich als ein Land zu präsentieren, daß
nichts sehnlicher wünscht, als seine Schwerter zu Pflugscharen umzuschmieden, von den Vereinigten Staaten aber gegen seinen Willen zu immensen Rüstungsanstrengungen und zum Bau von Waffen gezwungen wird, an denen
ihm eigentlich nicht das mindeste liegt. Dieses Bild hält einer genauen
Prüfung nicht stand. Tatsächlich ist offenkundig, dab die Sowjetunion
keineswegs aufgehört hat, neue Waffen zu bauen, noch hat sie aufgehört,
neue Waffen zu testen und aufzustellen. Vielmehr hat sie die Entwicklung
in allen Bereichen kräftig vorangetrieben. Beispielsweise hat die Sowjetunion mit der Einführung eines neuen Typs raketentragender U-Boote begonnen. Es handelt sich dabei um die TYPHOON, das größte U-Boot, das je gebaut worden ist. Ferner erproben die Sowjets zwei neue Typen landgestützter Interkontinentalraketen und zwei neue Typen von unterseebootgestützten Raketen, von denen einer für die TYPHOON vorgesehen ist. Was schwere
Bomber angeht, so bauen die Sowjets nicht nur weitere Maschinen der Typen
BEAR und BACKFIRE, sondern haben auch einen weiteren Typ in der Flugerprobung, nämlich die BLACK JACK, die größer ist als die B-1B, die der erste neue schwere Bomber ist, den die Vereinigten Staaten seit einem Vierteljahrhundert einführen.

Wir glauben, daß Stabilität unser gemeinsames Ziel ist. Da die Sowjets mir zu verstehen gegeben haben, daß auch sie das strategische Kräfteverhältnis auf eine stabilere Grundlage zu stellen wünschen, ist der
Abbau und die Zerstörung eines Teils der gegenwärtig vorhandenen amerikanischen wie sowjetischen Waffen notwendig.

Kritiker unserer Politik, die sagen, daß wir zu viel von den Sowjets
verlangen, sollten sich einmal fragen, was sie eigentlich wollen. Wie
können diese Kritiker uns beschuldigen, nicht genug zu tun oder es mit
der Rüstungskontrolle nicht ernst zu meinen, dann aber andererseits sa- 4 -

�andererseits sagen, daü unsere Vorschläge, die nicht nur umfangreiche RüstungsVerminderungen, sondern sogar das gänzliche Verbot einiger Arten
von Waffen vorsehen, zu weit gehen oder ein höheres Mab an Rüstungskontrolle darstellen, als die Sowjets akzeptieren werden ? Wie können wir
und die Sowjets das strategische Kräfteverhältnis

auf eine stabilere

Grundlage stellen, ohne gefährliche und destabilisierende Raketen zu beseitigen V Wie kann man die Rüstung vermindern, wenn nichts beseitigt
werden soll ? Grundsätzlich ist festzuhalten, daß wir die Sowjets keineswegs zu einer radikalen Umstrukturierung ihrer Streitkräfte zwingen wollen. Vielmehr wollen wir einen allmählichen Übergang zu Systemen anregen,
die mehr Stabilität erlauben.

Ein anderer Hauptvorwurf der Sowjets besagte, daß der amerikanische
Vorschlag

sie

zu

weitreichenden

Rüstungsverminderungen

zwinge,

die

Streitkräfte der Vereinigten Staaten aber unberührt lasse. Dies ist nicht
wahr. Auch die Vereinigten Staaten würden erhebliche Rüstungsverminderungen vornehmen müssen. Ich möchte betonen, daß die RüstungsVerminderungen
auf unserer Seite keineswegs belanglos oder auf die Beseitigung alter,
unerwünschter Systeme beschränkt sein würden, ich möchte nachdrücklich
darauf hinweisen, daß die Vereinigten Staaten gemäß dem von ihnen selbst
eingebrachten Vorschlag gezwungen sein würden, etwa ein Drittel der gegenwärtig vorhandenen Raketengefechtsköpfe zu beseitigen, u.a. einen Teil
der neuesten und schlagkräftigsten Waffen. Nach allen objektiven Maßstäben wären dies tiefgreifende Schritte, die die sowjetische Anschuldigung
widerlegen, daß der amerikanische Vorschlag nur die Sowjetunion zu Rüstungsverminderungen zwingen würde.

Seit dem Beginn der START-Verhandlungen im Jahre 1982 hat Präsident
Reagan in seinem Bestreben, zu einem Übereinkommen zu gelangen, ein hohes
Maß an Flexibilität bewiesen. Zunächst sind einige Tatsachen zu erwähnen,
vor deren Hintergrund diese Thematik zu sehen ist. In seiner Rede vor dem
Eureka-College im Mai 1982 schlug der Präsident vor, die Zahl der ballistischen Raketen auf jeweils 850 - was der Hälfte des gegenwärtigen amerikanischen Bestandes entspricht - zu verringern und die Zahl der Gefechtsköpfe auf ballistischen Raketen auf jeweils b 000 zu senken, was
gleichbedeutend mit einer Verkleinerung der gegenwärtig bestehenden ame- 5 -

�bestehenden amerikanischen und sowjetischen Arsenale um ein Drittel wäre.
In Eureka schlug der Präsident weiterhin vor, daß man sich in den Verhandlungen zunächst auf die gefährlichsten und destabilisierendsten Systeme, d.h., auf die ballistischen Raketen konzentrieren solle. Wir haben
dabei jeaoch die übrigen Elemente der strategischen Streitkräfte und die
schweren Bomber keineswegs vernachlässigt. Bei den START-Verhandlungen
haben die Vereinigten Staaten von Anfang an bezüglich der schweren Bomber
einen zahlenmäßigen Gleichstand auf einem Niveau vorgeschlagen, das deutlich unter dem liegen sollte, daß nach den Bestimmungen des SALT-II-Vertrags zulässig ist.

Die Sowjets wollten jedoch keine so umfangreichen Rüstungsverminderungen vornehmen, wie wir. Sie behaupteten, daß wir etwas zu verbergen
suchten, indem wir unser Hauptaugenmerk auf die Raketen richteten, im
Frühjahr 1983 trugen wir den sowjetischen Vorbehalten Rechnung, indem wir
unseren Vorschlag in dreierlei Hinsicht abänderten. Erstens: Da die Sowjets eine Obergrenze von 850 nicht akzeptierten, änderten wir unseren
Vorschlag so ab, dab unsere Zahl näher bei der von ihnen vorgeschlagenen
lag. Zweitens: Da die Sowjets gleichzeitig über alle Arten von Waffen
verhandeln wollten, legten wir alles auf einmal auf den Tisch. Drittens
schließlich gaben wir den Sowjets zu verstehen, daß sie ihren Vorteil von
3 : 1 beim Wurfgewicht der Raketen nicht so weit aufgeben mußten, daß ein
völliger Gleichstand erzielt worden wäre. Natürlich möchten wir einen
solchen Gleichstand lieber heute als morgen hergestellt sehen. Wir sind
an sofortigen Rüstungsverminderungen interessiert, werden aber auch weiter auf solche Verminderungen und auf Gleichstand hinarbeiten. Von der
Verfolgung dieser vorrangigen Ziele werden wir nicht ablassen. Indem wir
die genannten und andere technische, aber dennoch bedeutsame Abänderungen
an unseren Vorschlägen vornahmen, bezeugten wir unsere Bereitschaft zur
Flexibilität und einer ernsthaften Verhandlungsführung. Die Sowjets ihrerseits nahmen ebenfalls gewisse Änderungen an ihrer ursprünglichen Position vor.

Infolge unserer Bereitschaft, um eines Abkommens willen Flexibilität
an den Tag zu legen und neue Vorschläge einzubringen, wurden im Frühjahr
und Sommer 1983 große Fortschritte erzielt, größere Fortschritte, als
- 6 -

�Fortschritte, als allgemein erkannt wird.

Wir waren der Meinung, daß unser Vorschlag vom Herbst 1983, der Konzessionen in einem Bereich als Gegenleistung für Konzessionen in einem
anderen Bereich vorsah, den Weg zu einem Abkommen ebnen könne. Beispielsweise sind wir dazu bereit, die Zahl unserer unterseebootgestützten ballistischen Raketen (SLBMs) und unserer Bomber zu verringern und die Zahl
der von Flugzeugen aus gestarteten Marschflugkörper (ALCMs) zu begrenzen,
die wir an sich bauen dürften. Wir sind bereit, diejenigen Waffen, die
den Sowjets Sorge bereiten, zu vermindern oder zu begrenzen, wenn sie im
Gegenzug die Waffen vermindern oder begrenzen, die uns Sorge bereiten.
Wir brachten auch das Abbau-Konzept in die Diskussion ein, das vorsieht,
daß mehr Waffen abgebaut werden müssen als aus Modernisierungsgründen neu
gebaut werden. Dieses Konzept ist deshalb so wichtig, weil es den Beginn
der Entwicklung einer überparteilichen Position in der Rüstungskontrollpolitik im Kongreß markiert.

Im November letzten Jahres verließen die Sowjets aus Protest gegen
die Stationierung von Pershing-II-Raketen und landgestützten Marschflugkörpern (GLCMs) in Europa die Verhandlungen über nukleare Mittelstreckensysteme (INF). Wie wir uns vergegenwärtigen müssen, werden die besagten
Waffensysteme aufgrund eines entsprechenden Ersuchens unserer europäischen Verbündeten aus dem Jahre 1979 stationiert. Mit ihnen soll der großen Bedrohung begegnet werden, die sich aus der von den Sowjets im Jahre
1977 begonnenen Stationierung von über 1 000 auf Ziele in Europa gerichteten SS-20-Gefechtsköpfen ergeben hat.

Niemand kann vorhersagen, was die Sowjets tun werden. Als sie die
INF-Verhandlungen verließen, haben sie nicht gesagt, daß sie überhaupt
nicht zu den START-Verhandlungen zurückkehren würden. Sie haben einfach
nur gesagt, daß sie nicht zu den START-Verhandlungen zurückkehren würden,
bevor sie ihre Neubewertung der strategischen Lage abgeschlossen hätten.
Aufgrund meiner zehnjährigen Erfahrung, die ich in unmittelbaren Verhandlungen mit den Sowjets gewonnen habe, bin ich jedoch davon überzeugt, daß
ihre Rückkehr an den Verhandlungstisch keine Frage des "ob", sondern lediglich eine Frage des "wann" ist. Sie haben immer entsprechend ihren
- 7 -

�entsprechend ihren Interessen gehandelt, und es liegt in ihrem Interesse
- ebenso wie in unserem - dab die Gefahr eines Atomkriegs verringert wird.

All dies stellt eine gewaltige Herausforderung für die Vereinigten
Staaten dar. Eines ist klar: Wir müssen mit der Modernisierung unserer
Streitkräfte fortfahren. Dadurch bekommen die Sowjets einen Grund mehr,
mit uns zu verhandeln. Sie sind kalt rechnende Realisten. Sie haben mir
zu verstehen gegeben, daß auch sie einen Atomkrieg vermeiden wollen.
Außerdem wissen sie, daß sie langfristig keine Chance haben, mit den Vereinigten Staaten im technologischen Bereich Schritt zu halten. Daher kann
ihnen ein kostspieliger Rüstungswettlauf nichts einbringen. Ferner müssen
wir um der Stabilität willen das Ungleichgewicht korrigieren, das wir haben entstehen lassen. Wenn wir dies tun, erreichen wir zweierlei: Erstens
gewährleisten wir unsere eigene Sicherheit, indem wir für mehr Stabilität
sorgen. Zweitens sind wir dann eher in der Lage, ein Rüstungskontrollabkommen auszuhandeln. Die Sowjets haben uns schließlich oft genug gesagt,
daß sie umsonst keine Konzessionen machen. Die landgestützten Interkontinentalraketen mit Mehrfachgefechtsköpfen, die die Sowjets aufgebaut haben, verschaffen ihnen die Möglichkeit zum Erstschlag. Die Sowjets haben
über 8U0 schwere und mittelschwere ICBMs aufgestellt, darunter 308 der
Ungeheuer von Typ SS-18. Die ICBMs von Typ MINUTEMAN, über die die Vereinigten Staaten z.Z. verfügen, erreichen nur ein Drittel der Schlagkraft
der mittelschweren sowjetischen Raketen vom Typ SS-19 und SS-17 und nur
ein Sechstel der Schlagkraft der SS-18.

Die PEACEKEEPER- oder MX-Rakete stellt eine begrenzte Antwort auf den
einseitigen Vorteil dar, den die Sowjets durch ihre schweren und mittelschweren ICBMs erlangt haben, und selbst aus dieser Antwort spricht Mäßigung. Weder haben wir versucht, genauso große und schlagkräftige Raketen
zu bauen, wie die SS-18, noch haben wir versucht, genauso viele Raketen
zu

bauen,

wie

die

Sowjets

besitzen.

Wir beabsichtigen lediglich,

100 PEACEKEEPER-Raketen aufzustellen, d.h., nur die Hälfte der Zahl, die
von früheren Administrationen vorgeschlagen worden ist. Dies entzieht der
sowjetischen Behauptung, daß wir eine Erstschlagsfähigkeit

anstreben,

jegliche Grundlage.
Schließlich
- 8 -

besteht

�Schließlich besteht unser Ziel darin, einen Atomkrieg durch Abschrekkurifj zu verhindern. Dies Ziel könnten wir erreichen, indem wir mit den
Sowjets gleichziehen, aber das wollen wir gar nicht. Worum es uns geht,
ist, die Abschreckung in einer solchen Weise zu sichern, daß gleichzeitig
auch ein höheres Mab an Stabilität gewährleistet wird. Dies ist dann möglich, wenn wir zu einer Übereinkunft mit den Sowjets kommen, die dafür
sorgt, daß das Rüstungsniveau auf beiden Seiten gesenkt wird, und zwar
dergestalt, daß das Kräfteverhältnis zwischen uns auf eine stabilere
Grundlage gestellt wird.

Ich glaube, daß sich den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion eine
historische Gelegenheit bietet, die Entwicklung hin zu immer größeren
atomaren Arsenalen auf beiden Seiten umzukehren. Es steht auber Zweifel,
daß wir unsere ernsthaften Bestrebungen, solch tiefgreifende Rüstungsverminderungen herbeizuführen, fortsetzen müssen und werden. Ich glaube aber
auch, dab der Vorschlag, den wir nun auf den Tisch gelegt haben, der beste ist, den es während der zehn Jahre, in denen ich Verhandlungen mit
den Sowjets geführt habe, je gegeben hat. Er kann den Vereinigten Staaten, der Sowjetunion und sogar der gesamten Menschheit in vielfacher Weise zum Nutzen gereichen.

Als für uns nach mehreren Monaten des Verhandeins offenkundig wurde,
daß wir mit unseren ursprünglichen Vorschlägen die Sowjets überforderten
und daß sie nicht dazu bereit waren, im Interesse der Stabilität erhebliche Änderungen in der Struktur ihrer Streitkräfte vorzunehmen, veränderten wir unsere Position. Ohne unseren grundlegenden Prinzipien untreu zu
werden oder unsere langfristigen Ziele aufzugeben, änderten wir unsere
Vorschläge ab, um den Hauptvorbehalten Rechnung zu tragen, die die Sowjets gegen sie hegten. Die Sowjets ihrerseits änderten ihre ursprünglichen Vorschläge in mehrerlei Hinsicht, um unseren Vorbehalten Rechnung zu
tragen, wovon wir angenehm überrascht waren. Dies führte dazu, daß wir im Gegensatz zu der in der Öffentlichkeit vorherrschenden Meinung - bei
den START-Verhandlungen erhebliche Fortschritte erzielen konnten, bevor
die Sowjets den Verhandlungstisch verließen.

Im Hinblick auf den Umfang, den Inhalt und die Tragweite seiner Rü- 9 -

�seiner Rüstungskontrollvorschlage ist Präsident Reagan weiter gegangen,
als jeder andere Präsident vor ihm. Er hat erhebliche Verringerungen bei
mehr Typen und Kategorien von Atomwaffen - und sogar die völlige Beseitigung einiger Arten - angestrebt, als jeder seiner Vorgänger. Seien Sie
daher versichert, daß die Rüstungskontrolle eine wichtige Angelegenheit
ist und daß wir sie sehr ernst nehmen.

- 10 -

�12. September 1984

37

STRENGE US-GESETZE GEGEN AUSLANDISCHE SUBVENTIONEN
-USIA-Interviews mit Vertretern des Handelsministeriums-

WASHINGTON - (AD) - Ausländische Waren, die mit Hilfe von Subventionen
der Regierungen ihrer Ursprungsländer in die Vereinigten Staaten gelangen, werden künftig aufgrund strikter amerikanischer Gesetze mit beträchtlichen Zöllen zu rechnen haben, um damit einem unfairen Wettbewerb
auf dem amerikanischen Markt entgegenzuwirken.
Dem amerikanischen Handelsministerium zufolge haben die Vereinigten
Staaten 1984 bereits entweder formell oder informell sechs Warentypen aus
11 Ländern geprüft, die der Ansicht des Ministeriums zufolge von ihrem
Ursprungsland subventioniert sein könnten.
Die
amerikanische
Handelsgesetzgebung
ermöglicht
es
dem
Handelsministerium,
bei
subventionierten
Einfuhren
Ausgleichszölle
(Ausgleichsabgaben) zu verhängen, sollte ein inländischer Industriezweig
materiell geschädigt werden, der ähnliche Produkte herstellt, oder sollte
er aufgrund subventionierter Importe der Gefahr eines solchen Schadens
ausgesetzt sein. Zweck dieser Bestimmung ist, einen jeglichen unfairen

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�jeglichen unfairen Vorteil auszugleichen, der aufgrund ausländischer Subventionen gegenüber einem amerikanischen Hersteller erlangt werden
könnte.
Amerikanischen Regierungsvertretern zufolge steht dieses Handelsgesetz der Vereinigten Staaten auch in Einklang mit den internationalen
Handelsvereinbarungen, wie sie im Zusammenhang mit dem Allgemeinen Zollund Handelsabkommen (GATT) ausgehandelt wurden. So erlaubt GATT es beispielsweise einem Mitgliedstaat, Ausgleichszölle zu erheben, wenn es zu
dem Schluß gelangt, daß die Auswirkungen einer Subvention, die ein anderer Mitgliedstaat androht oder durchführt, einem seiner eigenen Industriezweige einen materiellen Schaden zufügt bzw. zuzufügen droht.
Während allgemeines internationales Einverständnis dahingehend zu
herrschen scheint, daß Subventionen einem Land gegenüber einem anderen
gewisse Vorteile einräumen, so herrscht eine beträchtliche Meinungsverschiedenheit dahingehend, welche Praktiken eine Subvention darstellen und
wann die GATT-Regeln es erlauben, Ausgleichszölle zu verhängen.
Gilbert B. Kaplan, beim US-Handelsministerium für solche Untersuchungen zuständig, erklärte gegenüber dem amerikanischen Informationsamt
(USIA), daß gemäß des Gesetzes über Handelsvereinbarungen von 1979 Ausgleichszölle festgesetzt werden können, um sowohl Export- als auch Importsubventionen auszugleichen.
Ihm zufolge wird eine Praxis, durch die eine Regierung den Export
unterstützt, als Exportsubvention angesehen - ganz gleich, ob diese
Praxis allen Exporten zur Verfügung steht oder lediglich den Exporten
eines einzelnen Industriezweiges.
"Am häufigsten sind Steuerabschreibungen bei Exporten, staatliche
Subventionen, die von einer Steigerung der Exporte abhängig gemacht
werden, sowie andere Praktiken, bei denen es um einen Bonus für Exporte
geht," so Roland MacDonald, der im Handelsministerium die Untersuchungen
- 2-

�die Untersuchungen über Ausgleichszolle leitet, in einem Interview mit
USIA.
Eine öffentliche Subvention ist, wie Kaplan erklärte, ein "Vorteil,
den eine Regierung einem bestimmten Industriezweig bzw. einer Reihe von
Industriezweigen gewährt, der aber in dem Land als ganzem nicht allen Industriezweigen insgesamt gewährt wird." Dies stellt für bestimmte Industriezweige einen wirtschaftlichen Vorteil dar, der sie im Wettbewerb gegenüber anderen Produzenten ähnlicher Güter begünstigt.
Zu den Kategorien von Praktiken, die gemäß dem amerikanischen Ausgleichszollgesetz Subventionen darstellen, gehören:
— Kapital, Darlehen oder Darlehensgarantien unter Bedingungen, die
nicht in Einklang mit normalen Geschäftsbedingungen stehen;
Güter oder
gewährt werden;

Dienstleistungen,

die

unter

Präferenzbedingungen

-- Bereitstellung von Mitteln oder die Erlassung von Schulden zur
Abdeckung von Verlusten, die ein bestimmter Industriezweig gemacht hat;
— Übernahme jeglicher Kosten oder Ausgaben bei Produktion und Vertrieb.
Kaplan betonte, daß Subventionspraktiken den amerikanischen Ausgleichszöllen nicht unterliegen, wenn die Hilfen der Regierung generell
allen Industrien eines Landes zugänglich seien.
MacDonald wies darauf hin, daß die gemäß amerikanischem Recht als
Subventionen definierten Praktiken diejenigen umfassen, die der GATTKodex als solche auflistet - sich jedoch nicht auf diese beschränken.
Dem Handelsministerium zufolge wurden seit 1982 unter anderem die
folgenden Subventionspraktiken aufgedeckt, die Ausgleichszölle zur Folge
haben:
— Stahlprodukte aus Korea:

�-- Stahlprodukte aus Korea: Die dortige Regierung ermöglichte eine
präfereniieile Exportfinanzierung. So bot sie steuerliche Exportanreize
für staatliche Firmen, für Stahlerzeuger, für die regionale Entwicklung
und für Firmen in ausländischem Besitz. Die koreanischen Firmen erhielten
Zollvergünstigungen auf Rohstoffe für Fertigwarenexporte und zogen Nutzen
aus den Zuschüssen zu den Transportkosten für Stahlhersteller.
— Kohlestahldraht aus Südafrika: Die südafrikanischen Hersteller
zogen Vorteile aus Programmen für Exportanreize, Vorzugspreise beim
Schienenverkehr für Transporte ins Ausland sowie staatliche Rückzahlungen
bei derlei Transporten. Die südafrikanische Regierung übernahm die Finanzierungskosten bei speziellen Industriezweigen, einschließlich der Stahldrahthersteller.
—Stahlblech und Walzstahl aus Großbritannien: Die britischen Hersteller erhielten Vorzugsdarlehen und Kapitalzuschüsse zu Bedingungen,
die nicht in Einklang mit kommerziellen Kriterien standen. So übernahm
zum Beispiel die Regierung Verbindlichkeiten der Stahlfirmen, um die Bildung einer vom Staat gestützten Gesellschaft zu ermöglichen und brachte
je nach Bedarf Mittel in diese Gesellschaft ein. Die Regierung stellte
außerdem Darlehen für regionale Entwicklung bei ausgewiesenen Produktionssektoren und Zuschüsse bei der entsprechenden beruflichen Ausbildung
zur Verfügung.
--Unlegierter Stahl aus Brasilien: Die Regierung stellte der
Stahlindustrie Kapital und langfristige Darlehensgarantien zur Verfügung,
die nicht in Einklang mit kommerziellen Bedingungen standen. Sie vergab
außerdem Vorzugsdarlehen und Steuervergünstigungen bei Stahlerzeugung und
-export, Steuerrückzahlungen an die Stahlindustrie aus Steuerzahlungen
der anderen Industriezweige sowie Steuerbefreiung bei Importerzeugnissen
für Projekte dieser Industrie.
Bei der Frage, ob es zu einem Ausgleichszoll kommen soll oder nicht,
gilt es eine weitere Unterscheidung dahingehend zu treffen, ob die
- 4-

�ob die Subvention in einer Marktwirtschaft oder einer Planwirtschaft vergeben wird. In einer grundlegenden Entscheidung vom 2. Mai 1984 kam das
amerikanische Handelsministerium zu dem Schluß, daß das amerikanische
Ausgleichszollgesetz aufgrund der Definition der Subvention "keine Anwendung auf Planwirtschaften" finden soll: Subventionen sind Maßnahmen,
die durch die Zuweisung von Mitteln die Marktkräfte des Angebots und der
Nachfrage verzerren. Kaplan gegenüber USIA: "Wir gelangten zu dem Schluß,
daß es keine Marktkräfte gibt, wenn die gesamte Wirtschaftsstruktur subventioniert wird. Gegen diese Entscheidung liegen derzeit Einsprüche vor,
aber solange der entsprechende Schiedsspruch aussteht, wird es keine Ausgleichszollfälle geben, die Planwirtschaften betreffen."
Es könne jedoch wegen der Gesetze, die sich mit subventionierten Importen befassen, zwischen verschiedenen Ländern zu Meinungsverschiedenheiten kommen, weil GATT den Regierungen keine festumrissene Ratschläge
gibt, wie der Vertreter einer anderen Behörde gegenüber USIA erklärte. So
verlangen die GATT-Regeln im Bereich Subvention und Ausgleichszölle - wie
dies im Verlauf der Tokio-Runde der Handelsverhandlungen 1973-1979 beschlossen wurde - bei Exportsubventionen für Fertig- und Halbfertigwaren
von Industriestaaten eindeutig deren Verbot; weder GATT noch der Kodex
definiere jedoch exakt, was eine Subvention ist.
GATT zufolge ergeben sich auch aus subventionierten Exporten eines
Landes, die die Exporte gleicher Natur eines Drittstaates verdrängen,
Nachteile. Aus diesem Grunde sollten im Rahmen des GATT Konsultationen
stattfinden, um über eine Begrenzung der Subventionen zu sprechen. Doch,
so ein Regierungsvertreter, ergeben sich hierbei Probleme, weil die
GATT-Bestimmungen, die sich mit Drittländermärkten befassen, nicht präzise genug sind.
So verlangen bestimmte GATT-Regelungen von einem Land, auf Rohstoffe
nicht mehr Exportsubventionen zu vergeben, als zu einem "angemessenen Anteil" dieses Rohstoffs auf dem Weltmarkt führt. Andere Regelungen wiederum erlauben

den Entwicklungsländern

Exportsubventionen

.5-

bei Fertigwaren,

�bei Fertigwaren, Halbfertigwaren und Rohstoffen, vorausgesetzt, diese
Subventionen führen nicht zur Schädigung der Exporte oder der Industrie
anderer Länder.
Allerdings, so der Regierungsvertreter, definiert GATT nicht diesen
"angemessenen Anteil" und die Staaten sind sich hinsichtlich einer
gemeinsamen Definition nicht nähergekommen.
In einem Fall etwa, in dem die Vereinigten Staaten einen Fall von
Exportsubventionen bei GATT zur Regelung einbrachten, erklärten die
Vereinigten Staaten, daß subventionierte Exporte es der Europäischen,
Gemeinschaft ermöglichten, ihren Anteil am Weizenmehlmarkt auf Kosten
anderer Weizenmehlexporteure -wie etwa der Vereinigten Staaten und
Kanadas- zu vergrößern. Bei GATT wurde indessen erklärt, man wisse nicht,
was "ein angemessener Anteil" sei und sei "praktisch nicht in der Lage,
zu einer Entscheidung zu gelangen."
"Wir", so der amerikanische Regierungsvertreter, "sind der Meinung,
daß GATT und der Subventionskodex eine Art rechtlicher Dokumente sind,
während die Europäische Gemeinschaft, unterstützt von einer Reihe anderer
Länder, die Haltung einnimmt, es handle sich hierbei um eine Art von
Verhandlungs- oder Konsultationsregelungen, nicht jedoch um rechtliche
Verpflichtungen, über die Jahre hinweg hat dies natürlich eine gewaltige
Auswirkung auf das Funktionieren von GATT."

***********

_ 6-

�T

Wi//en/ch&lt;ift
und Technik
United States Information Service
Embassy of the United States of America

37

12. September 1984

RAUMFÄHRE "DISCOVERY" IN DIENST GESTELLT

- (AD) - Acht Stunden nach dem Start der amerikanischen Raumfähre
DISCOVERY am 30. August 1984 zu ihrem sechstä'gigen Jungfernflug wurde der
erste Auftrag ausgeführt: Die Besatzung setzte den kommerziellen Nachrichtensatelliten SBS 4 in der Umlaufbahn ab, 294 km über der Erdoberfläche. Automatisch zündete 45 Minuten später das Feststofftriebwerk von
SBS 4 für den Weitertransport - zunächst in eine elliptische Übergangsbahn. Die Aktivierung eines weiteren kleinen Feststofftriebwerks führte
den Satelliten schließlich in die kreisförmige geostationäre Bahn in 36
000 km Höhe. Er ist Eigentum der Fa. Satellite Business Systems, die
Kommunikationssysteme für Wirtschaft und Industrie anbietet. Das 485 kg
schwere Gerät ist mit zehn Transpondern ausgerüstet. Fünf davon dienen
der Ausweitung des SBS-Telefondienstes, fünf werden an eine Gesellschaft
für Satellitenfernsehen vermietet. Die Drei ersten SBS-Satelliten sind
nach wie vor in Betrieb und voll ausgelastet, über SBS 4 können 1 300
Ferngespräche gleichzeitig laufen.
Auch das Absetzen und der Weitertransport der Nachrichtensatelliten
TELSTAR (im Auftrag von "American Telephone and Telegraph") und SYNCOM
(im Auftrag der Fa. Hughes für den Mietbetrieb durch die US-Marine)

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�die US-Marine) verliefen planmäßig.

TELSTAR war, wie SBS 4, mit einem

inzwischen verbesserten PAM-Antrieb ausgerüstet (PAM ist die Abkürzung
für "payload assist module").

Der von der Fa. McDonnell Douglas ent-

wickelte Nutzlasten-Zusatzantrieb war bereits einige Male mit Erfolg verwendet worden, hatte jedoch beim Start zweier Nachrichtensatelliten von
Bord der Raumfähre CHALLENGER im Februar 1984 versagt.

Sowohl PALAPA B

(Auftraggeber war die indonesische Regierung) als auch WESTAR 6 (für das
amerikanische Fernmeldeunternehmen Western Union) gerieten damals in viel
zu niedrige, nutzlose Bahnen.

Wie jetzt die NASA (US-Amt für Luft- und

Raumfahrt) mitteilte, soll bei einem Raumtransporterflug im November 1984
versucht werden, zunächst PALAPA B, vielleicht auch Westar 6 zu bergen.
Ein Neustart dieser Satelliten wäre dann Mitte 1985 möglich.

Der neun Tonnen schwere SYNCOM-Nachrichtensatellit

ist von seiner

Formgebung her auf den Raumtransporter als Trägergerät zugeschnitten und
auf diesen angewiesen.

Nach dem Ausrollen aus dem Frachtraum der Raum-

fähre wird der Koloß mit einem eingebauten, mit Flüssigtreibstoff arbeitenden Raketenmotor zur geostationären Bahn katapultiert.

Es war vor allem die Aufgabe von Dr. Judith Resnik, nach Dr. Sally
Ride die zweite Amerikanerin im Weltraum, den neuartigen Sonnenenergie-Kollektor zu betreuen.

Voll entfaltet hat die segelähnliche Kon-

struktion (Gewicht: 90,8 kg) eine Breite von 32 m, ist jedoch verpackt
nur wenige Meter lang und 18 cm hoch.

Sie kann ohne Schwierigkeiten

wieder gefaltet, zur Erde zurückgebracht und mehrfach wiederverwendet
werden.

Die Solarzellen, mit denen das "Segel" besetzt ist, erzeugen

zusammen 12,5 kW Strom.

Der Kollektor ist eine von zahlreichen Appara-

turen, die erprobt werden, um ihre Eignung zur Energieversorgung künftiger Raumstationen zu testen.

Charles Walker von der Fa. McDonnell Douglas, erster Nicht-Astronaut
an Bord eines amerikanischen Raumtransporters, war für die Überwachung
einer Elektrophorese-Apparatur

zuständig, mit der

hochreine Ausgangs-

stoffe für pharmazeutische Produkte gewonnen werden.
higkeit ist unter Weltraumbedingungen,

- 2 -

d.h.

Die Leistungsfä-

in der Schwerelosigkeit,

�der Schwerelosigkeit, 700 Mal größer als auf der Erde. Bei der jetzt erprobten Apparatur handelt es sich bereits um den Prototyp einer für den
Betrieb im Weltraum entwickelten Fabrikationsanlage.

Einsatzmaterial für

den kontinuierlichen Trennungsprozeß durch Elektrophorese war ein Hormon,
von dem zur Aufnahme klinischer Versuche größere Mengen erforderlich
sind, als bisher zur Verfügung standen.

* * * * *

- 3-

�Wi//en/chaft
und Technik
United States Information Service
Embassy of the United States of America
12. September 1984

37

INDUSTRIEAKTIVITÄTEN IM WELTRAUM
- Erste Produkte für den Markt -

- (AD) - Nachrichtensatelliten waren bisher die einzigen Entwicklungen der Raumfahrttechnik, die Unternehmen der Wirtschaft für eigene Aktivitäten im All einsetzten.

Jetzt hat der Raumtransporter der Industrie

neue Wege eröffnet, und zwar für eine "Fabrikation im Weltraum".

Sowohl

die Erprobung erster Versuchsausrüstungen für die Reinigung oder Abtrennung bestimmter Komponenten aus Mischsubstanzen oder die Herstellung winziger Latex-Kügelchen bei den ersten Einsätzen amerikanischer Raumtransporter als auch die Experimente im Europäischen Weltraumlabor SPACELAB
während des COLUMBIA-Kluges im November 1983 lieferten dazu aufschlußreiche Daten.

Beim Jungfernflug der Raumfähre DISCOVERY (30. August bis 5. September 1984), des dritten Raumtransporters der Vereinigten Staaten, wurde
ein weiterer wichtiger Schritt getan.

Die Firma McDonnell Douglas hatte

einen ihrer Ingenieure, Charles Walker, mit auf die Reise geschickt, um
eine Apparatur zu betreuen, die bereits als Prototyp für eine kommerzielle pharmazeutische Produktionsanlage gilt.

Es war eine Elektropho-

rese-Apparatur, mit der in der Schwerelosigkeit in einem kontinuierlichen

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�einem kontinuierlichen Prozeß eine hormonelle Substanz in Mengen gewonnen
wurde, die die Durchführung von Tierversuchen und die klinische Erprobung
im nächsten Jahr erlauben.

Die Betriebsdauer der Maschine an Bord der DISCOVERY betrug 100 Stunden.

Der Sprecher der Fa. McDonnell Douglas, die bei diesem Project mit

der Ortho Pharmaceutical Corporation zusammenarbeitet, machte keine Angaben darüber, um welches Hormon es sich handelte.

Er sagte lediglich, daß

es "eines Tages für die Behandlung einer Reihe von Krankheiten von Nutzen
sein soll". Mit einer größeren Maschine, die im kommenden Jahr bei "Space
Shuttle"-Flügen eingesetzt werden soll, dürfte die Produktionsmenge bereits kommerziellen Umfang erreichen.

Beide Firmen hoffen, das neue Hor-

mon 1987 auf den Markt bringen zu können. Mit diesem Verfahren wird im
elektrischen Feld aus der flüssigen Mischung von Substanzen biologisches
Material abgetrennt.

Dabei ist die Schwerelosigkeit ein ganz wichtiger

Faktor, um sehr hohe Konzentrationen, dazu in besonders großem Reinheitsgrad, zu bekommen.

Wie James Beggs, der Administrator der NASA, berichtete, stehen gegenwärtig 20 Firmen aus verschiedenen Wirtschaftsbranchen mit der NASA
wegen Fabrikationsprojekten im Weltraum in Verhandlung.

Neben pharmazeu-

tischen Produkten interessieren vor allem Elektronik-Materialien, Gläser
und neuartige Legierungen.

Das US-Bundesamt für Technische Normen wird

Anfang 1985 an Bord von Raumtransportern mit einem Speziaireaktor erzeugte Latex-Kügelchen u.a. als Eichmaterial zulassen.

Dank der schwerelosen

Bedingungen im Weltraum konnten diese Kügelchen, die z.B. auch als Trägersubstanz für Medikamente dienen, in völlig einheitlicher Größe hergestellt werden (was auf der Erde nicht gelingt).

Sie sind ein Hundertstel

Millimeter groß und dürfen als "Standard-Referenz" verwendet werden.

In

Industrie und medizinischer Forschung werden sie z.B. auch zum Eichen
empfindlicher Instrumente benutzt.

Die NASA wird ca. 600 "Einheiten" des

Latex-Materials zu je 400 Dollar verkaufen.

Eine "Einheit" ist ein Glas-

röhrchen von 5 ccm Inhalt, das etwa 15 Millionen Latex-Kügelchen in Wasser aufgeschwemmt enthält.
Anfang

- 2 -

November

�Anfang November 1984 nimmt die 3M Company ein umfangreiches Forschungsprogramm zur Herstellung von Produkten im Weltraum auf.

An Bord

des Raumtransporters wird ein Experiment aus der organischen Chemie installiert.

Firmensprecher James Schwinn erläuterte, daß man neuartige

und qualitativ besonders hochwertige Kristalle züchten wolle.

Das neue

Material werde in erster Linie im Computerbau und in der Kommunikationstechnik zur Informationsübertragung mit Licht verwendet.

Auch sei die

Herstellung ultradünner Filme für die Elektronik und andere Industrien
geplant.

Das eigentliche Programm sei sehr umfangreich und auf einen

langen Zeitraum ausgelegt.

* * * * *

- 3-

�37

12. September 1984

INFRAROTASTRONOMIE AM SÜDPOL
- In der Antarktis beginnt wieder die Saison Von G. Weiss

- (AD) - "Sonnenseismologie" werden einige amerikanische und französische Wissenschaftler

in

der

im

Oktober

schungssaison 1984/85 am Südpol betreiben.

beginnenden

Antarktis-For-

In der von den Vereinigten

Staaten unterhaltenen Amundsen-Scott-Station ist eine Gruppe französischer Astrophysiker bei ür. Martin A. Pomerantz von der Universität
Delaware und seinen amerikanischen Kollegen zu Gast, um gemeinsam mit
diesen unter Einsatz neuentwickelter Instrumente Oszillationen der Sonne
zu beobachten.

Daß die Sonne "pulsiert", wurde 1975 zum ersten Mal beobachtet.

Vier

Jahre später begann die sog. Polar-Astronomie, als zum ersten Mal in den
Polargebieten ein paar kleine Instrumente, Spezialkonstruktionen, für die
Sonnenforschung erprobt wurden.

Trotz der harten Lebensbedingungen bie-

tet der Südpol gerade für die Solarforschung manche Vorteile: Mitte September geht am Südpol die Sonne auf und verschwindet erst wieder Mitte
März, läßt also den Astrophysikern eine ungewöhnlich lange ununterbrochene Beobachtungszeit.

'Ähnlich günstige Verhältnisse finden Wissenschaft-

�finden Wissenschaftler für Sternenbeobachtungen - allerdings sind dazu
die polaren Wintermonate erforderlich.

Die Sonne kommt nicht mehr über

den Horizont, ihr Licht kann Untersuchungen mit verschiedensten Instrumenten an den Sternen nicht stören.

Allerdings wurden am Südpol im

"Austral-Winter" (Sommer auf der Nordhalbkugel) schon Temperaturen unter
minus 80 Grad Celsius gemessen.

Im Gegensatz zum Nordpol, der inmitten eines vereisten Meeres liegt,
befindet sich die Südpolstation auf einem riesigen Block von Eis, der
festem Gestein aufliegt.

Fernrohre am Südpol haben etwa die gleiche

günstige Postion wie ein Observatorium auf einem 3 300 m hohen Berg.
Auch sind Tage und Nächte am Südpol häufig klar und wolkenfrei - ganz im
Gegensatz zu dem oft unter Nebel liegenden Nordpolargebiet.
hohe Windstärken sind erfahrungsgemäß selten.

Stürme und

Und weil die Luft meist

trocken wie in der Wüste ist, bleibt die Absorption von Licht bestimmter
Wellenlängen aus - ein Faktor, der für die Infrarotastronomie eine entscheidende Rolle spielt.

Das solare Seismologieprojekt ist Teil des bisher unfangreichsten
Programms der Vereinigten Staaten für astrophysikalische Forschung in der
Antarktis.

Langzeitbeobachtungen der Sonne liefern Daten zum Aufbau des

Sonneninnern und der dynamischen Prozesse, insbesondere zur Dynamik der
sog. Konvektionszone unter der sichtbaren Sonnenoberfläche.

Der gröbte

Teil der Sonnenaktivitität hat dort ihren Ursprung.

Bei den verwendeten Kompakt-Instrumenten

(einige wurden

schon im

Antarktissommer 1982/83 erprobt) handelt es sich u.a. um ein neuartiges
optisches Teleskop und ein spezielles Resonanzspektrometer, das auf eine
einzige Spektrallinie fixiert wird.

Es vermag selbst geringste Verän-

derungen der Wellenlängen zu registrieren.
längenverschiebungen

An Hand der erfaßten Wellen-

können die Wissenschaftler ermitteln, in welchem

Ausmaß sich die Sonnenoberfläche hebt und senkt.

Mit einem Fotometer für den Submillimeterbereich wird Prof. Pomerantz
vom Südpol aus auch erstmals den südlichen Teil der galaktischen Ebene

- 2 -

�galaktischen Ebene und kosmische Molekülwolken im Nachbarbereich beobachten.

Die Untersuchungen geschehen im Zusammenhang mit der Frage, ob

die Sternenbildung ein kontinuerlicher Prozeß ist oder ob er sich stoßweise vollzieht.

Außerdem wird die "Temmperatur", d.h. die Bewegungs-

energie der Staubpartikel in bereits abgesonderten Materiezusammenballungen, die der Sternenbildung vorausgehen, gemessen.

Zur chemischen

Evolution in unserem Milchstraßensystem werden von diesen Studien ebenfalls Informtionen erwartet.

Mit einem transportablen Kompaktinstrument (Apertur: 15 cm) setzt eine andere amerikanische Forschergruppe die Beobachtung der periodisch
auftretenden Dunkeleffekte am Sonnenrand fort.
chung von Helligkeitsschwankungen der Sonne.

Dies dient der Untersu-

Die Daten werden im Natio-

nalen Sonnenobservatorium der USA in Sunspot (New Mexico) analysiert.

Für eine weitere Wissenschaftlergruppe beginnt die Arbeit erst im
Juni 1985, weil sie für ihre Untersuchungen am Stern Gamma 2 Velorum (im
Sternbild Vela) auf Lichtschwankungen und bestirnte Spektrallinien der
Elemente Helium und Kohlenstoff auf "Nachtbedingungen" angewiesen ist.
Vergleichende Beobachtungen werden an drei weiteren Sternen unternommen,
außerdem werden das veränderliche "Hintergrundleuchten" des Firmaments
und Unterschiede in der Durchlässigkeit der Erdatmosphäre für bestimmte
Wellenlängen gemessen.

- 96 Forschungsprojekte Mit insgesamt 96 Forschungskprojekten aus verschiedenen Disziplinen neben Astronomie z.B. Geologie, Atmosphärenforschung, Gletscherforschung,
Ozeanography und Biologie - wollen sich in der bevorstehenden Saison in
der Antarktis mehr als 300 Wissenschaftler befassen.

Für die Vereinigten

Staaten, die seit nunmehr drei Jahrzehnten regelmäßig Naturwissenschaftler in die Antarktis entsenden, werden die vorgesehenen Projekte von der
National Science Foundastion (NSF - Nationale Wissenschaftsstiftung) finanziert und koordiniert.
Auf Fossiliensuche

�Auf Fossiliensuche geht eine 19köpfige Gruppe aus sechs amerikanischen Universitäten und Instituten auf der Seymour-Insel (vor der Ostküste der Antarktischen Halbinsel), wo 1982 Fossilien von Säugetieren gefunden wurden.

Dies bestätigte damals Theorien, denen zufolge Landsäu-

getiere, vor allem Beuteltiere, in der einst klimabegünstigten, warmen
Antarktis zuhause waren.

Das Studium von Sedimenten aus Kreidezeit bis

Tertiär, was eine 1U0 Millionen bis 40 Millionen Jahre zurückliegende
Periode der Erdgeschichte umfaßt, gilt zahlreichen Arten pflanzlicher und
tierischer Fossilien.

Von besonderem Interesse sind Fossilien von Wir-

beltieren - von Fischen, Vögeln, Land- und Meeresreptilien sowie von
Säugetieren.

Denn die Seymour-Insel ist einer der wenigen Orte auf der

Erde, wo Überreste von Lebewesen aus dieser Periode kontinuierlich dokumentiert sind.

Bodenproben aus dem heute völlig kahlen Gebiet könnten

außerdem Hinweise liefern, ob auch hier, wie schon in einigen anderen
Teilen der Erde nachgewiesen, eine "Iridium-Anomalie" im Übergang von
Kreidezeit zu Tertiär festzustellen ist.

Die Existenz einer an Iridium reichen Schicht - eines chemischen Elements, das zu den Edelmetallen der Platingruppe zählt - wurde erstmals
1980 von vier Wissenschaftlern der Universität Kalifornien (unter ihnen
der Physiker und Nobelpreisträger Luis W. Alvarez) als mögliches Anzeichen gewertet, daß vor ca. 65 Millionen Jahren ein riesiger Komet oder
Asteroid auf die Erde gestürzt sei.

Diese Katastrophe könnte infolge

einer plötzlichen Kälteperiode, die Staub- und Schuttmassen nach dem Einschlag in der Atmosphäre über einen längeren Zeitraum verursachten, zum
Aussterben zahlreicher Tier- und Pflanzenarten geführt haben.
Der feine Staub, der in den folgenden Jahren allmählich zu Boden
sickerte,

enthielt

verhältnismäßig

viel

Iridium

und

andere

Elemente, wie sie gewöhnlich in Eisenmeteoriten vorkommen.

seltene

Die Theorie,

daß eine Vielzahl von Arten, von Einzellern bis zu Ammoniten und Dinosauriern, der Katastrophe zum Opfer fielen, wurde durch die Ergebnisse
einer neuen Studie teilweise erhärtet.

Eine amerikanische Forschergruppe

unter der Leitung von Dr. Walter Alvarez, Professor für Geologie und Geophysik an der Universität Kalifornien in Berkeley, überprüfte kritisch
- 4 -

�überprüfte kritisch die Hypothesen von sieben verschiedenen Wissenschaftlerteams, zu denen diese auf Grund ihrer Untersuchungen zum Verschwinden
niederer und höherer Spezies des Pflanzen- und Tierreiches während des in
Frage stehenden Zeitabschnitts gekommen waren.

Vor allem die Berichte

über vier Gruppen wirbelloser Meerestiere aus einem Gebiet, von dem kontinuierliche geologische Daten über die gesamte Periode vorliegen, führten Alvarez und Mitarbeiter zu der Schlußfolgerung, daß diese Arten
plötzlich, vielleicht sogar innerhalb eines einzigen Jahres ausgelöscht
wurden. Die klassische Theorie der Paläontologie, derzufolge gegen Ende
der Kreidezeit eine Reihe von Tier- und Pflanzenarten allmählich ausgestorben ist, wird von den Forschern nicht in Frage gestellt.

Sie for-

dern jedoch weitere Studien in bezug auf andere Fossiliengruppen, um mehr
wissenschaftliches Material zu bekommen, das die vermutete Katastrophe
besser als das bisher vorliegende belegen könnte.
- Reine Luft - wie lange noch? -

Ein ausgeklügeltes Experiment zum Studium großräumiger Luftströmungen
zur und aus der Antarktis unternehmen Wissenschaftler des Los Alamos National Laboratory unter der Leitung von Dr. Paul R. Guthals.

Noch hat

die Antarktis die sauberste Luft, die es auf der Erde überhaupt gibt.
Wie lange noch?

Wird die mit Staub und chemischen Verbindungen aller Art

beladene Luft aus den Industrieländern bis zur Antarktis vordringen?

Wie

wird die zunehmende Industrialisierung von Ländern der Dritten Welt auf
der Südhalbkugel schließlich die Erdatmosphäre beeinflussen?

Frühere Luftuntersuchungen in der Antarktis ergaben u.a., daß die
chemische Zusammensetzungen von Aerosolen (Luftschwebstoffen) am Südpol
in den Sommermonaten anders sind als in den Wintermonaten.

Wahrschein-

lich muß mit saisontypischen Strömungsrichtungen gerechnet werden.
Bereits im Juni und Juli 1984 hat die Gruppe Guthals angefangen, von
Flugzeugen aus über Gebieten zwischen Neuseeland und der Antarktis Schweres Methan als Spurengas in Höhen von 5 500 und 6 000 m freizusetzen.

Im

Oktober werden nochmals zwei deutlich unterscheidbare Formen von Schwermethan in 5 500 m Höhe und wenige Meter über der Wasseroberfläche frei-

�Wasseroberflacne freigesetzt.

Das Gas besteht aus seltenen schweren Iso-

topen von Wasserstoff und Kohlenstoff, so daß die mit den Luftströmungen
zur Antarktis getragenen Partikel in den dort auf Forschungsstationen von
fünf Ländern regelmäßig genommenen Luftproben auffallen werden.

Man er-

hofft sich Hinweise zur Beantwortung der Fragen, wie schnell und auf welchen Wegen die Spurengase zur Antarktis transportiert und wie stark sie
verdünnt wurden.

Die Meßdaten könnten eine bessere Basis für die Vorher-

sage des Transports von Aerosolen zur Antarktis schaffen - Aerosolen, die
natürlichen Ursprungs sind oder durch menschliche Aktivität verursacht
sein können.

Windströmungen in der Antarktis entstehen, indem das Defi-

zit an Luftmassen, die zu den Meeren hin und über den Meeren abströmen,
durch eine ständige Zufuhr von Luft aus hohen Schichten der Atmosphäre
ausgeglichen wird.

* * * * *

- 6-

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Reagan empfängt Gromyko im Weißen Haus&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärung des Präsidenten -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Ziele der amerikanischen Rüstungskontrollpolitik&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rede Edward L. Rownys vor der Amerikanischen Legion -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Strenge US-Gesetze gegen ausländische Subventionen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- USIA-Interviews mit Vertretern des Handelsministeriums -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Raumfähre "DISCOVERY" in Dienst gestellt&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Industrieaktivitäten im Weltraum&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erste Produkte für den Markt -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Infrarotastronomie am Südpol&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- In der Antarktis beginnt wieder die Saison - Von G. Weiss&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>19. September 1984

38

INHALT

DOKUMENTATION
Ziel der NATO: Abschreckung vor einem Krieg
- Schreiben Reagans an den US-KongreQ Nukleares Gleichgewicht weiter gestört
- Schreiben Präsident Reagans an den Kongreß Shultz: Die internationale Dimension des Drogenhandels
- Rede des US-Außenministers vor der Handelskammer in Miami Auch Menschenrechte zentraler Punkt der Stockholmer Konferenz
- Presseerklärung von Botschafter Kampelman HINTERGRUNDMATERIAL
Afghanistan: Katastrophale Zustände auch im medizinischen Bereich
- Bericht eines amerikanischen Arztes WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Strahlentherapie zur Vorbeugung gegen Abstoßungsreaktion
Niereninsuffizienz-Komplikation bei schwerer Lebererkrankung
- Frühsymptome in Standardtests oft nicht zu erkennen -

Um Übcr/cndung von
Belegexemplaren
uiifd gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

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1DlElnSU
V

Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

38

19. September 1984

ZIEL DER NATO: ABSCHRECKUNG VOR EINEM KRIEG
-Schreiben Reagans an den US-Kongreß-

Washington - (AD) - In einem Schreiben vom 12. September 1984 an den
Sprecher des amerikanischen Repräsentantenhauses und den Senatspräsidenten, das einen Bericht des Präsidenten über die Verbesserung der konventionellen Verteidigungskapazitäten der NATO begleitete, betonte Präsident
Reagan, Hauptziel der Nordatlantischen Verteidigungsgemeinschaft sei es,
"sicherzustellen, daö es in Europa nie zu einem Krieg kommt."

Das Schreiben des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:

Entsprechend Abschnitt 1104(b) des Wehrbewilligungsgesetzes für das
Haushaltsjahr 1984 (P.L. 98-94) enthält dieser Bericht meine Vorstellungen und Empfehlungen hinsichtlich der Verbesserung der konventionellen
Verteidigungskapazitäten der NATO. Diese Vorstellungen und Empfehlungen
berücksichtigen

die

Ergebnisse

des Berichts von Verteidigungsminister

Weinberger über die "Verbesserung der konventionellen Kapazitäten der
NATO".

Ich

habe

diesen

Bericht

überprüft

und

unterstütze

seine

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�unterstütze seine Empfehlungen. Er ist das Ergebnis sorgfältiger Analyse
und enthält eine offene Beurteilung der bisherigen Leistungen der NATO
sowie der weiteren Notwendigkeiten für die Zukunft.

Nur wenige werden nicht der Meinung sein, daß die dringende Notwendigkeit besteht, die konventionellen Streitkräfte der NATO zu verstärken,
um Abschreckung und Verteidigung zu verbessern. Die Qualität der Ausrüstung der NATO sowie Bereitschaft und Fähigkeiten der Streitkräfte, die
diese Ausrüstung bedienen, haben im Lauf der letzten Jahre beträchtlich
zugenommen. Absolut gesehen sind die Verteidigungskapazitäten der NATOStreitkräfte heute erheblich größer als vor drei oder vier Jahren. Allerdings ist der Maßstab für Angemessenheit bei Abschreckung und Verteidigung keine statische oder absolute Fähigkeit, sondern eine dynamische Beziehung zu der Bedrohung, vor der diese Verteidigung steht. Die Bedrohung
durch den Warschauer Pakt hat qualitativ und quantitativ nur noch stärker
zugenommen und dadurch für die NATO die Notwendigkeit mit sich gebracht,
umso wirksamer und leistungsfähiger zu sein.

Bei der Analyse der Notwendigkeiten im Bereich der Verbesserung der
konventionellen Streitkräfte müssen wir uns der Tatsache bewußt sein, daß
es nicht Hauptziel der NATO ist, einen Krieg auszutragen und zu gewinnen,
sondern sicherzustellen, daß es in Europa nie zu einem Krieg kommt. Weitere Verbesserungen bei den konventionellen Kapazitäten würden ein vitales Element der Gesamtabschreckung verstärken und den Druck auf frühzeitige Eskalation in Richtung nuklearer Konfrontation verringern. Gleichzeitig können aber - wie die Schlußfolgerung des Berichts des Verteidigungsministeriums belegt - die konventionellen Streitkräfte die nukleare
Dimension der Abschreckung nicht gänzlich ersetzen. Die NATO muß auch
weiterhin eine glaubwürdige nukleare Abschreckung aufrecherhalten, wie
dies in dem Bericht von Verteidigungsminister Weinberger hinsichtlich der
Nuklearsituation der NATO dargelegt wird.

Die Strategie der NATO muß sich auf die geographischen und politischen Realitäten der NATO gründen sowie auf die Tatsache, daß die NATO
als Verteidigungsbündnis zu Beginn eines Konflikts auf die Initiative

�die Initiative verzichtet. In diesem Zusammenhang bieten die flexible
Antwort und die Vorneverteidigung die einzig lebensfähige Abschreckungsund Verteidigungsstrategie des Bündnisses. Aufgabe der NATO ist es, bei
der Bereitstellung der Streitkräfte und der Doktrin zur Unterstützung der
Strategie noch besser zu werden.

Die Vereinigten Staaten können auf das Beispiel unserer Führung über
die letzten Jahre hinweg stolz sein. Wir müssen auch weiterhin jene Programme verfolgen, mit denen wir bereits begonnen haben, und dabei gleichzeitig nach noch wirksamerem Möglichkeiten Ausschau halten, um die konventionelle Verteidigung zu verstärken. Von entscheidender Bedeutung für
unsere Bemühungen ist die Unterstützung des Kongresses bei Bereitstellung
der Mittel für Operationen und Unterhaltung, für Bereitschaft, Verbesserungen und neue Ausrüstung, für Forschung und Entwicklung und andere Verteidigungsprogramme. Dennoch: Die Vereinigten Staaten können das Loch
nicht alleine stopfen. Alle Mitglieder des Bündnisses müssen sich an der
Verbesserung der konventionellen Streitkräfte beteiligen. Die Verbündeten
sind sich der Notwendigkeit bewuüt und müssen nunmehr die zusätzlichen
Opfer bringen, die nötig sind, um die militärischen Kapazitäten der NATO
noch weiter zu verbessern. Die jüngste Debatte im amerikanischen Senat
wird jene Verbündeten stärken, die den Versuch machen, ihren Anteil der
Lasten auf sich zu nehmen. Wir werden auch weiterhin alle Verbündeten dazu anspornen, noch bessere Beiträge zur Verteidigung der NATO zu leisten.

Der Bericht von Verteidigungsminister Weinberger sowie die davon

un-

abhängige Beurteilung des NATO-Oberbefehlshabers nennen die wichtigsten
Bereiche, die einer Verbesserung bedürfen. Ich stimme ihren Empfehlungen
zu. Wir müssen unsere Bemühungen sorgfältig ausbalancieren - sowohl jene
im Programmbereich (etwa die Bereitschaft) als auch die der verschiedenen
Aufgabenstellungen

(etwa die Verteidigung gegen eine erste Angriffswel-

le).

sicherstellen,

Wir

müssen

daß

die

Verteidigungsbemühungen

und

-mittel die bestmögliche Verteidigung mit sich bringen. Wir müssen die
Verwendung der Mittel so lange einer kritischen Prüfung unterziehen, bis
wir damit zufrieden sein können, daß sie die bestmögliche Verteidigungskapazität produzieren. Niemand kann sich Entwicklungsprogramme leisten,

�Entwicklungsprogramme

leisten, die durch ihre Duplizität Verschwendung

mit sich bringen; und niemand kann Programme verfolgen, die nur begrenzte
militärische

Notwendigkeit

haben. Kurz:

Wir müssen eine militärische

Strategie und eine Investitionsstrategie

haben. Und

diese

Strategien

sollten unsere eigenen Programme wie auch diejenigen unserer Verbündeten
beinhalten - in engerer Integration und Kooperation als bisher.

Die grundlegende und unausweichliche Voraussetzung für amerikanische
Zusammenarbeit und Führung besteht darin, daü eine starke NATO-Verteidigung in unserem innersten nationalen Selbstinteresse liegt und wir ganz
einfach allein nicht Erfolg haben können. Die Pläne und Programme des
derzeitigen amerikanischen Verteidigungshaushaltes und fünfjährigen Verteidigungsplanes unterstützen diese Zielsetzungen. Während wir auch weiterhin die Pläne einer Prüfung unterziehen und die Anforderungen modifizieren werden, um sie neuen Möglichkeiten und Bedürfnissen anzupassen,
ist eine fortdauernde Bereitschaft des Kongresses, die notwendigen Verteidigungsprogramme zu unterstützen, von entscheidender Bedeutung, wenn
wir die konventionelle

Verteidigung

der NATO verbessern wollen. Kein

Plan, ganz gleich, wie wohlerwogen er auch sein mag, kann Erfolg bringen,
wenn die zu diesem Erfolg notwendigen Mittel unzureichend und einander
widersprüchlich sind. Wir und unsere Verbündeten haben die Probleme der
konventionellen

Verteidigung

der

NATO

erkannt

und

haben

die

ersten

Schritte in Richtung auf eine Gesundung getan. Nunmehr müssen wir unsere
Bemühungen noch beschleunigen.

Um die zur Ergänzung bestehender oder zum Austausch überholter Pläne
notwendigen Veränderungen durchzusetzen, bedarf es mutigen Denkens und
mutiger Führung. Wir werden auch weiterhin unsere NATO-Verbündeten hinsichtlich neuer und besserer Möglichkeiten zur Verwendung der Verteidigungsmittel eng und regelmäßig konsultieren und dies auch mit dem amerikanischen Kongreß tun. Es gibt für keines der bestehenden Probleme eine
Sofortlösung. Lösungen wird es nur über einen langfristigen Einsatz geben. Dennoch müssen wir anfangen, uns auf den rechten Weg zu machen, wie
er in dem Bericht von Minister Weinberger vorgezeichnet wird.

Die amerikanischen

Programme

�Die amerikanischen Programme betonen die Notwendigkeit, die strategischen Transportkapazitäten bereitzustellen, um die Streitkräfte vor Ort
rasch ergänzen zu können und die dünnen strategischen Reserven aufzufüllen, die SACEUR zur Verfügung stehen. Wir arbeiten mit den Verbündeten
daran, um sicherzustellen, daß Europa in der Lage ist, diese Verstärkungen zu empfangen und sie dorthin zu bringen, wo sie am wirkungsvollsten
eingesetzt werden können. Wir haben die Notwendigkeit betont, die Mittel
für das vielleicht

nicht

so attraktive, aber

äußerst

kostenwirksame

Infrastrukturprogramm zu erhöhen. So können zum Beispiel durch die Bereitstellung von Hangars und anderen unterstützenden Anlagen für Flugzeuge die Uberlebensfähigkeit und somit die Möglicheiten unserer Luftwaffe erheblich verbessert werden.

Um die Abschreckung und die Verteidigung der NATO zu erhöhen, muß das
Bündnis auch bereit sein, ganz neue Richtungen einzuschlagen und bestehende Projekte zu modifizieren. "Die Nutzung neuer Technologien" ist ein
gutes Beispiel für solch neue Richtungen. Durch diese Initiative, von den
Vereinigten Staaten Mitte 1982 vorgeschlagen, wurden bereits Projekte für
beschleunigte Entwicklung ausgewählt. Auch wenn es noch mehrere Jahre
dauern wird, bis diese Initiative direkt zu den Verteidigungskapazitäten
der NATO beiträgt, so stellt diese Bemühung doch einen wichtigen ersten
Schritt dabei dar, den größten Vorteil des Westens ins Spiel zu bringen:
seine technologische Basis.

Kurzum:

Wir

müssen

die Abschreckungskapazität

des konventionellen

Teils der Abschreckungstriade der NATO dadurch verbessern, daß wir Bereitschaft und Ausdauer erhöhen. Längerfristig gesehen, müssen wir die
notwendigen Mittel bereitstellen, um alle Elemente einer wirksamen Verteidigung zu ermöglichen. Dies macht es erforderlich, daß die Öffentlichkeit in allen NATO-Staaten sich deutlich der Natur und des Umfangs
der Bedrohung bewußt ist, vor der wir alle stehen.

Ich ersuche den Kongreß, sich dem bedeutsamen Unterfangen der Stärkung

der

konventionellen

Verteidigung
- 5 -

der

NATO

anzuschließen.

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1DlEl11SO
V

Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

17. September 1984

38

NUKLEARES GLEICHGEWICHT WEITER GESTÖRT
Schreiben Präsident Reagans an den Kongreß -

Washington -(AD)- In einem Begleitschreiben zu einem Bericht über
Strategie und Streitkräfteplanung der NATO im Bereich der taktischen Nuklearwaffen, der am 12. September 1984 dem Sprecher des amerikanischen
Repräsentantenhauses und dem Präsidenten des Senats zugeleitet wurde,
stellte Präsident Reagan fest, daß sich das militärische Kräftegleichgewicht zwischen Ost und West seit 1975 stetig zuungunsten der NATO verschoben habe. Das Schreiben hat folgenden Wortlaut:
Der vorliegende Bericht, der in Zusammenhang mit Abschnitt 110i&gt;(b)
des Wehrbewilligungsgesetzes für das Haushaltsjahr 1984 (P.L. 98-94) zu
sehen ist, gibt meinen Standpunkt zu den Fragen wieder, die im Bericht
des Verteidigungsministeriums über die Strategie und Streitkräfteplanung
der NATO im Bereich der taktischen Nuklearwaffen abgehandelten sind. Der
Bericht, den ich Ihnen hiermit zuleite, ist der erste von vieren, deren
Vorlage im Wehrbewilligungsgesetz für das Haushaltsjahr 1984 gefordert
wird. Er enthält eine Analyse einiger Kernprobleme, die sich im Rahmen
der Verteidigungspolitik der Vereinigten Staaten und der NATO stellen.

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�NATO stellen. Das Gewicht dieser Probleme ergibt sich sowohl aus der Natur der Waffen, um die es dabei geht, als auch aus der Tatsache, daß den
Atomwaffen im Abschreckungskonzept der NATO ein hoher Stellenwert zukommt.

Ich habe Verteidigungsminister Weinbergers sehr ausführlichen Bericht
über das nukleare Konzept der NATO geprüft und stehe voll und ganz hinter
den dort ausgesprochenen Empfehlungen. Ich suche daher dringend um die
Unterstützung des Kongresses nach, die zur Umsetzung der innerhalb des
Bündnisses getroffenen Vereinbarungen über den Ausbau der nichtstrategischen Nuklearstreitkräfte der NATO unabdingbar ist.

Seit der Vorlage des letzten Berichts im Jahre 1975 hat sich die militärische Bedrohung, der sich das Bündnis gegenübersieht, nicht vermindert. Sowohl die Vereinigten Staaten als auch die Europäer haben in den
letzten Jahren beim Ausbau ihrer konventionellen Streitkräfte wie beim
Ausbau ihrer nichtstrategischen Nuklearwaffen erhebliches geleistet. Dennoch hat sich das numerische Kräftegleichgewicht weiter zuungunsten der
NATO verschoben. Nach wie vor geht es uns nicht darum, mit dem Warschauer
Pakt Waffe um Waffe oder Gefechtskopf für Gefechtskopf gleichzuziehen,
sondern lediglich darum, ihm Streitkräfte gegenüberzustellen, die stark
genug sind, um eine glaubwürdige Abschreckung und Verteidigung zu gewährleisten. Dieses Ziel kann die NATO erreichen, indem sie ihre Streitkräfte
weiter ausbaut, d.h., sowohl deren konventionelle als auch deren nukleare
Komponente weiter modernisiert, und indem sie von den ihr zur Verteidigung zur Verfügung stehenden Ressourcen wirksamer Gebrauch macht. Währenddessen werden wir auch weiterhin auf Rüstungskontrollabkommen hinarbeiten, die verifiziertbar sind, den Interessen aller Seiten gerecht werden und der NATO helfen können, auf einem niedrigeren Rüstungsniveau ein
höheres Maß an Stabilität und Sicherheit zu erlangen.

Im Oktober 1983 beschloß die Nukleare Planungsgruppe der NATO, im
Rahmen einer Überarbeitung ihres nuklearen Konzepts für ganz Europa zusätzlich zu den bereits im Jahre 1980 abgezogenen 1 000 Gefechtsköpfen im
Verlaufe der nächsten fünf oder sechs Jahre weitere 1 400 Gefechtsköpfe
abzuziehen. Diese Entscheidung wurde auf der Grundlage einer NATO-Studie
- 2 -

�einer NATO-Studie getroffen, die innerhalb des Bündnisses breite Zustimmung gefunden hatte. Auf dieser Studie fußt ganz wesentlich auch der Bericht des Verteidigungsministeriums der Vereinigten Staaten. Die Empfehlungen und mittelfristigen Maßnahmen, die in dem Bericht des Verteidigungsministeriums umrissen werden, stehen daher mit den Auffassungen unserer Verbündeter in vollem Einklang.

Mir ist bewußt, daß im Kongreß die Auffassung besteht, daß wir mehr
für den Ausbau unserer konventionellen Streitkräfte tun sollten. Ich
möchte jedoch beim Ausbau unserer militärischen Machtmittel in beiden Bereichen ein ausgewogenes Konzept wählen. Ein Bericht des Verteidigungsministeriums, in dem die Erfordernisse und Pläne im Bereich der konventionellen Rüstung im einzelnen untersucht werden, liegt Ihnen vor. Ich werde
darlegen, wie einige der dort ausgesprochenen Empfehlungen meines Erachtens kurzfristig verwirklicht werden können. Es ist richtig, daß wir mit
dem Ausbau unserer konventionellen Streitkräfte fortfahren müssen. Es ist
jedoch wichtig, daß wir, während wir uns den Problemen des konventionellen Bereichs widmen, nicht die Tatsache aus den Augen verlieren, daß ein
glaubwürdiges, überlebensfähiges und stabiles nukleares

Potential der

NATO auch eine ganz erhebliche und wesentliche Stärkung ihrer konventionellen

Verteidigung

bedeutet

und

daß

solche

Nuklearstreitkräfte

glaubwürdigste Abschreckungsmittel gegen einen Angriff

mit

das

chemischen

Waffen bilden, das wir zur Zeit besitzen.

Ich unterstütze insbesondere diejenigen Empfehlungen, die eine Verbesserung der Überlebensfähigkeit der Nuklearstreitkräfte der NATO zum
Gegenstand haben. Durch damit in engem Zusammenhang stehende Verbesserungen im Sicherheitsbereich kann darüberhinaus die Sicherheit unserer
Waffen im Frieden wesentlich erhöht werden. Die Durchführung

solcher

Verbesserungen hat für mich einen hohen Stellenwert. Ich werde unseren
Verbündeten nahelegen, diesen Problemen ein ähnliches Maß an Aufmerksamkeit zu widmen. Im Rahmen mehrerer NATO-Organisationen versuchen wir, unsere Verbündeten von der Notwendigkeit von Verbesserungen zu überzeugen
und sie zur Mitarbeit zu bewegen.
In

- 3 -

Montebello

�In Montebello kamen die Verteidigungsminister des Bündnisses überein,
den Bestand an Nuklearwaffen in Europa weiter zu verringern, so daß er
auf den niedrigsten Stand seit 20 Jahren gebracht wird. Gleichzeitig
herrschte unter den Verbündeten Übereinstimmung darüber, daß die NATO bestimmte Modernisierungsprogramme durchführen muß, um zu gewährleisten,
daß auch dieser verkleinerte Bestand an Nuklearwaffen immer noch ein hinreichendes und glaubwürdiges Abschreckungspotential darstellt. Ich unterstütze sowohl die Entscheidung über den Umfang des Bestandes an Nuklearwaffen als auch die Modernisierungsprogramme, die die Aufrechterhaltung
eines glaubwürdigen Abschreckungspotentials sicherstellen werden. Die gegenwärtig laufenden amerikanischen Rüstungsprogramme und der Wehretat geben uns die Mittel zur Ausführung dieser Entscheidungen an die Hand. Ich
bitte Sie, durch Ihre Unterstützung dazu beizutragen, daß dies zeitgerecht und in einer geregelten Art und Weise geschehen kann. Der Bericht
des Verteidigungsministeriums gibt die bestehenden Notwendigkeiten korrekt wieder und umreißt die Maßnahmen, die wir treffen werden, um ihnen
zu genügen. Das im gleichen Zusammenhang stehende Erfordernis der Verbesserung unserer Zielerfassungs- und Fernmeldeeinrichtungen ist in dem Bericht ebenfalls zufriedenstellend dokumentiert.
Wie ich bereits erwähnte, bilden die Nuklearstreitkrä'fte der NATO zur
Zeit das wirksamste Instrument der Abschreckung gegen einen Einsatz chemischer Waffen durch die Sowjets. Hier müssen wir eine noch bessere
Grundlage für die Abschreckung schaffen. Die Vereinigten Staaten sollten
daher ein begrenztes, aber modernes Potential an chemischen Waffen aufbauen, das als direktes Abschreckungsmittel gegen den Einsatz solcher
Waffen durch die Sowjets dienen kann. Im Verteidigungshaushalt und in den
Rüstungsprogrammen

der

Vereinigten

Staaten

ist

für

die

notwendigen

Schritte zur Entwicklung eines solchen Abschreckungspotentials Vorsorge
getroffen.

Die NATO-Verbündeten sind sich der Notwendigkeit einer Modernisierung
der Nuklearstreitkräfte und einer Verbesserung ihrer Uberlebensfähigkeit
und Sicherheit bewußt. Die Vereinigten Staaten werden in dieser Hinsicht
auch weiterhin die treibende Kraft bleiben und ihre Verbündeten dazu anhalten, bei zukünftigen Rüstungsprogrammen ihren Teil der Aufgabe zu
- 4 -

�Aufgabe zu erfüllen. Im Einklang mit dem Doppelbeschluß über nukleare
Mittelstreckenwaffen von 1979 treibt die NATO die Stationierung solcher
Waffen weiter voran, da ein zufriedenstellendes Abkommen über Rüstungsverminderungen, oie solche Stationierungen

überflüssig

machen würden,

bislang nicht ausgehandelt werden konnte. Mir liegt selbstverständlich
nach wie vor an einer Lösung durch ein faires und verifizierbares Abkommen. Wie ich schon oft betont habe, befürworten die Vereinigten Staaten
jederzeit entsprechende Verhandlungen ohne Vorbedingungen. Bis eine solche Verhandlungslösung herbeigeführt werden kann, müssen die Vereinigten
Staaten jedoch die Mittel bereitstellen, die erforderlich sind, um sicherzustellen, daß die Schlagkraft des nuklearen Potentials der NATO
nicht soweit absinkt, daß die Abschreckung fragwürdig wird.

Alle konventionellen, chemischen und atomaren Waffen der NATO stehen
unwandelbar im Dienste des einen Zieles des Bündnisses: der Gewährleistung von Abschreckung und Verteidigungsfähigkeit. Wenn wir die Abschrekkung aufrechterhalten und weiterhin in Frieden und Freiheit leben wollen,
müssen wir mit dem Ausbau unserer Streitkräfte über ihr ganzes Spektrum
hinweg fortfahren. Der Bericht von Verteidigungsminister Weinberger über
das nukleare Konzept der NATO skizziert sowohl die gegenwärtige Lage als
auch einen gangbaren Weg zur dauerhaften Weiterentwicklung dieses Konzepts. Ich stehe voll hinter seinen Empfehlungen.

- 5 -

�19. September 1984

38

SHULTZ: DIE INTERNATIONALE DIMENSION DES DROGENHANDELS
Rede des US-Außenministers vor der Handelskammer von Miami -

MIAMI -(AD)- In einer Rede vor der Handelskammer von Miami in Florida
ging der amerikanische Außenminister George Shultz am 14. September 1984
auf die Problematik des weltweiten Drogenhandels ein und forderte zu
durchgreifenden Maßnahmen im internationalen wie im nationalen Rahmen
auf: "Unser Erfolg im Kampf gegen den internationalen Rauschgifthandel
hängt von einem Erfolg unserer Kampagne gegen den Drogenmißbrauch hier in
den Vereinigten Staaten ab...Wir können nicht etwas predigen, was wir
selbst nicht praktizieren."
Die Rede hatte folgenden Wortlaut:
Ich spreche heute über ein Problem, das direkt oder indirekt das
Wohlergehen aller Amerikaner beeinflußt. Dieses Problem sind die Drogen.
Und ich möchte insbesondere die gewaltige internationale Dimension des
Problems diskutieren sowie das, was wir tun, um es anzugehen.
Sie alle wissen

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Sie alle wissen sehr genau, was die Drogen für unsere Städte und un- sere
Gesellschaft bedeuten. In Miami, in New York, in Chikago, Detroit, Los
Angeles und Washington - ja, praktisch in fast allen amerikanischen
Städten - werden wir Zeuge des Drogenproblems auf unseren Straßen und hören darüber täglich in unseren Medien.
Wir sehen, wie es Jagd auf die Jugend unseres Landes macht. Wir sehen, wie es Familien und Gemeinschaften unterhöhlt. Wir sehen das Verbrechen, das daraus erwächst - die Morde, die Überfälle und die organisierten Verbrechensringe, die daraus ein so lukratives Geschäft gemacht
haben.
Wir sehen, wie dadurch willkürlich Leben zerstört wird - von reich
und arm, von schwarz und weiß, von jung und alt. Wir können die Kosten
des Drogenmißbrauchs auf vielfältige Weise messen - an verlorengegangener
Produktivität, an steigenden Gesundheits- und Sozialkosten und - am tiefgreifendsten - an der sinnlosen Vergeudung von Menschenleben.
Wir sehen das Drogenproblem in seiner ganzen Ungeheuerlichkeit, und
manchmal fragen wir uns, wie wir es überhaupt in den Griff bekommen. Ich
will hier nicht vor Sie treten und Ihnen sagen, es gäbe leichte Lösungen.
Und natürlich können Lösungen auch nicht allein über den Weg der
staatlichen Maßnahmen gefunden werden. Drogenmißbrauch ist eines der
zähen Symptome eines tieferen sozialen und kulturellen Phänomens: Der
Schwächung der traditionellen Werte von Familie, Gemeinschaft und Glaube,
worunter wir in der westlichen Gesellschaft schon seit einiger Zeit leiden.
Unsere Gründerväter schufen ein Regierungssystem, das die Rechte und
Freiheiten des Einzelmenschen schützen konnte, aber sie waren der tiefen
Überzeugung, daß es noch eines anderen bedurfte, um die geistige Gesundheit der Nation zu schützen. Das mit Sorgfalt errichtete Bauwerk einer
freien Gesellschaft mußte verfestigt werden durch eine dauerhafte öffentliche und private sittliche Gesinnung- Und die Gründer waren zugleich da-

�waren zugleich davon überzeugt, daß Bewahrung einer solchen Gesinnung in
erster Linie nicht Aufgabe der Regierung sei, sondern unserer erzieherischen, religiösen und sozialen Institutionen, unserer Familien und unserer Gemeinden.

Wenn wir also die Drogenprobleme der Nation betrachten, so müssen wir
uns stets daran erinnern, daß auch die Regierung nicht alle Antworten auf
alle Fragen bereithalten kann. Die von staatlichen Stellen entwickelten
technischen Lösungen können nicht für sich allein diese Schwachstelle in
der moralischen Struktur unserer Gesellschaft reparieren. Wir müssen in
unserem öffentlichen Leben den Glauben in Familie, Kirche und Gemeinschaft wiederherstellen, der die Demokratie über zwei Jahrhunderte lang
stark machte.
Ich glaube, daß eine solche geistige Genesung im Gange ist. Der Glaube an diese Institutionen kehrt zurück. Und wir können das sogar in der
gewandelten Einstellung der Nation gegenüber dem Drogenproblem erkennen.
Heute herrscht über ganz Amerika hinweg zunehmend Übereinstimmung dahingehend, daß Drogenmißbrauch nicht modisch, sondern unmoralisch ist. Wir
weisen die fatalistische Einstellung zurück, daß es den Drogenmißbrauch
als nationales Phänomen immer geben wird. Eltern, gemeindliche Organisationen, erzieherische und religiöse Institutionen schenken dem Aufruf von
Präsident Reagan Aufmerksamkeit, "an der Schlacht gegen den Drogenmißbrauch teilzunehmen."

Die Strategie der Bundesregierung

Natürlich muß die Regierung energisch und entschlossen ihr Teil beitragen. Wie Sie wissen, hat diese Administration die Verringerung des
nationalen Drogenmißbrauchs zu einer ihrer Prioritäten erklärt. Wir haben
hart daran gearbeitet, neue Möglichkeiten zu finden, um das Problem in
allen seinen Aspekten anzugreifen. Präsident Reagan hat den Drogenmißbrauch als "eines der ernstesten Probleme, vor denen die Vereinigten
Staaten stehen", bezeichnet. Und unter seiner Leitung hat diese Administration eine umfassende Strategie der Bundesbehörden zur Verhinderung
des Drogenmißbrauchs und des Drogenhandels erstellt. Diese Strategie ent-

�Diese Strategie enthält fünf zentrale Komponenten, die das Problem an jedem Glied der Kette angehen, die vom Anbau bis zum Verbrauch von Drogen
reicht. So haben wir umfangreiche Programme für folgendes erstellt:
Erstens: Vorkehrungsmaßnahmen, zu denen etwa die Aufklärung unserer
Jugend hinsichtlich der Gefahren der Drogen gehört;
Zweitens: Entzugsmaßnahmen und Behandlung von Drogenabhängigen;
Drittens: Forschung mit dem Ziel des Einblicks in Ursachen und Folgen
von Drogenmißbrauch;
Viertens: Antidrogengesetze zwecks Zerschlagung von Drogenringen und
Verbot von Drogenabgabe, bevor diese an den Konsumenten gelangen;
Fünftens: Internationale Zusammenarbeit zur Kontrolle von Produktion
und Transport von Drogen.
Diese Fünf-Punkte-Strategie stellt in ihrer Summe einen energischen
Schritt dar, um dieses so vielgestaltige Problem anzugehen. Und jeder Weg
wird mit Tatkraft und Entschlossenheit verfolgt.
Sie alle sind sich dessen bewußt, was diese Administration getan hat,
um die inländischen Aspekte unseres Drogenproblems in den Griff zu bekommen. Die Frau des Präsidenten hat es sich zur persönlichen Aufgabe gemacht, unsere Jugend über die Gefahren der Drogen aufzuklären, und diese
ihre wertvollen Bemühungen haben dieser Dimension der nationalen Verhütung gewaltigen Auftrieb gegeben. Vizepräsident Bush spielt eine führende
Rolle bei der Verbesserung unserer Bemühungen, hier im Inland die entsprechenden Drogen zu verbieten.
Wie Sie wissen, leitet er die diesbezügliche Einsatzgruppe Südfloridas sowie das System zur Überwachung unserer Grenzen hinsichtlich Drogenschmuggels ("National Narcotics Border Interdiction System"). Diese sowie
andere Bemühungen haben bereits ermutigende Resultate in bezug auf den
- 4 -

�»

in bezug auf den inländischen Aspekt des Problems gezeitigt. Es dürfte
offenkundig sein, daß die Nachfrage zur Schaffung des Angebots beiträgt,
und wir können nicht erwarten, die Herausforderung des Drogenmißbrauchs
in den Griff zu bekommen, wenn wir nicht alles in unserer Macht Stehende
tun, um die Nachfrage nach Drogen hier im Inland zu verringern.

Die internationale Dimension

Es ist allerdings auch klar, daß wir mit der Herausforderung des Drogenmißbrauchs hier im Lande selbst nicht fertigwerden können, wenn nicht
zugleich das weltweite Netz der Drogenproduktion und des Drogenhandels
angegriffen wird. Sie sollten daher wissen , daß das Problem des Drogenmißbrauchs nicht nur eine der obersten Prioritäten der Innenpolitik dieser Administration ist. Es ist auch eine der obersten Prioritäten unserer
Außenpolitik.

Jedes Jahr schmuggeln Drogenhändler vier metrische Tonnen Heroin, 70
metrische Tonnen Kokain und 15 000 metrische Tonnen Marihuana in dieses
Land. Diese Drogen kommen aus der ganzen Welt: aus Kolumbien, Peru, Bolivien, Mexiko, Belize, Jamaika, Pakistan, Afghanistan, Iran, Thailand und
Birma.

Wenn erst einmal in diesen Ländern die Ernte vorüber ist, wird diese
oft zur Weiterverarbeitung an andere Orte verfrachtet, um dann in Drogenform erneut zu lokalen Anbietern in Westeuropa, in den Vereinigten Staaten und in der gesamten übrigen industrialisierten Welt zu gelangen.

Geld aus dem Drogenhandel wird auf den internationalen Finanzmärkten
reingewaschen. Mittelsmänner werden angeheuert, um die Drogen an Zoll und
Küstenwache vorbeizuschmuggeln. Es ist dies eine reibungslose und immer
effizientere Operation - eine internationale Bemühung im wahrsten Sinn
des Wortes.

Unsere Besorgnis über die wachsenden Netze des Drogenhandels haben
zweierlei Gründe. Ich habe bereits die schwerwiegenden Auswirkungen auf
- 5 -

�Auswirkungen auf unser Volk genannt. Aber sie stellen auch in anderer
Hin- sieht eine Bedrohung der amerikanischen Interessen dar. Tatsache
ist, daß es sich hier um ein Beispiel für ein umfassenderes und relativ
neuartiges außenpolitisches Problem handelt, vor dem heute die zivilisierte Welt steht. Sie sind Teil eines Trends hin zu internationaler
Rechtlosigkeit, der sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten auf bedenkliche Weise verstärkt hat.
Dieser Trend geht auf die Tage zurück, als noch das Piratentum auf
den Meeren herrschte und als die zivilisierten Nationen der Welt entweder
nicht fähig oder nicht willens waren, es systematisch zu bekämpfen. Die
modernen Formen der Piraterie sind der Drogenhandel, der Terrorismus und
ähnliche Arten ungesetzlichen Handelns.
Es ist nicht überraschend, daß es eine Menge Beweise dafür gibt, daß
alle diese unterschiedlichen Arten von Ungesetzlichkeit miteinander in
Verbindung stehen.
Gelder aus dem Drogenschmuggel unterstützen Terroristen. Terroristen
bieten den Drogenschmugglern Hilfe. Das organisierte Verbrechen arbeitet
Hand in Hand um eigenen Profites willen mit diesen anderen Verbrechern.
Und am beunruhigendsten dürften wohl die zunehmenden Beweise dafür sein,
daß sogar einige aus den unterschiedlichsten Gründen darin verwickelt
sind.
Es gibt nachweislich Verbindungen zwischen dem Drogenschmuggel, dem
Terrorismus und einigen kommunistischen Regierungen - ich werde noch
darauf zurückkommen.
Die zivilisierte Welt steht daher nicht nur vor separaten und isolierten Vorfällen der Gewalt und des Verbrechertums, sondern vor einem
systematischen, weltweiten Problem von wachsender Dimension. Und dieses
weltweite Problem stellt eine beispiellose - und vorsätzliche - Herausforderung der Weltordnung dar, die wir Amerikaner und alle anderen zivilisierten Nationen anstreben: Eine Weltordnung, die sich auf Gerechtigkeit und die Herrschaft des Gesetzes gründet.
Neue Probleme erfordern

�Neue Probleme erfordern neues Denken, neue Werkzeuge, neue Methoden.
Sie können auf mich zählen, daß das Außenministerium sich dieser Anstrengung verpflichtet fühlt. Wir arbeiten eng mit den Bundesstellen für die
Drogenfahndung zusammen, um neue Möglichkeiten zu finden, mit dem wachsenden Drogenproblem im internationalen Bereich fertigzuwerden. Und wir
tun dies nicht nur, um mit dem Elend des Drogenmißbrauchs in unserem Land
selbst fertigzuwerden, sondern auch, um gegen die wachsende Gefahr internationaler Rechtlosigkeit anzukämpfen.
Inangriffnahme des Problems
Um dem internationalen Drogenhandel entgegentreten zu können, bedarf
es vor allem der internationalen Zusammenarbeit zwischen den Ländern, die
unsere Besorgnis über diese wachsende Bedrohung unserer Gesellschaften
teilen.

Während der Amtszeit der Reagan-Administration ist weit mehr zur Förderung der internationalen Zusammenarbeit getan worden, als dies je vorher der Fall war.
Im September 1981 hat Präsident Reagan unsere Zielsetzung dargelegt;
er trat für eine Außenpolitik ein, "die mit allem Nachdruck unerlaubte
Drogen verbietet und ausrottet, wo immer sie angebaut, weiterverarbeitet
oder weitergeleitet werden."
Amerikanische Regierungsvertreter auf höchster Ebene, darunter Präsident Reagan, Vizepräsident Bush und auch ich, unsere Botschafter sowie
hochrangige Beamte des amerikanischen Außenministeriums haben immer wieder gegenüber führenden ausländischen Persönlichkeiten die Bedeutung unterstrichen, die wir ihrer Zusammenarbeit in der Drogenfrage beimessen.
Wir haben mit größtem Nachdruck bilaterale Abkommen über Erntekontrolle, Ausrottung und Verbot mit Ländern angestrebt, in denen Drogen
angebaut, verschifft und verbraucht werden. Und auch im Rahmen der Ver-

�der Vereinten Nationen haben wir energisch internationale Anstrengungen
unterstützt, um den Drogenfluß einzudämmen und die Erzeugung zu reduzieren.

Zahlreiche Länder, die wie wir über dieses Problem besorgt sind,

haben bedeutsame Schritte unternommen. In Kolumbien hat ein mit Flugzeugen durchgeführtes Vernichtungsprogramm, mit dem am 5. Juli begonnen wurde, mehr als 4 200 Morgen an Marihuana zerstört - ein wirklich bedeutsamer Durchbruch auf dem Gebiet der weltweiten Kontrolle. Mit diesem ersten
Schritt allein konnten Marihuanamengen im Wert von nahezu 3 Milliarden
Dollar von unseren Straßen ferngehalten werden - und das kolumbianische
Programm hat gerade erst seinen Anfang genommen.
In Peru haben die dortigen Behörden trotz der Drohungen von Terroristen an die 5000 Morgen von Cocasträuchern vernichtet, die für die Kokainerzeugung verwendet werden; ja, die Regierung hat kürzlich sogar Militäreinheiten in die cocaerzeugende Region entsandt.

Wir arbeiten mit

anderen südamerikanischen Ländern zusammen, um die Ausdehnung der Drogenerzeugung auf neue Anbaugebiete zu verhindern.
In Asien hält die pakistanische Regierung ihr Verbot der Ausweitung
des Anbaus von Klatschmohn auf zusätzliche Gebiete in der nordwestlichen
Grenzprovinz weiterhin aufrecht, und sie hat darüber hinaus von wesentlich vermehrten Beschlagnahmen von Heroin im ersten Quartal 1984 berichtet. Und allein in diesem Monat haben pakistanische Behörden 163 kg
Opium und 20 kg Heroin bei einem Schlag gegen ein Heroin-Laboratorium
beschlagnahmt.
Die thailändische Regierung hat ebenfalls ihre Verpflichtung zur
Kontrolle des Opiumanbaus in Dörfern verstärkt, die Entwicklungshilfe
erhalten. Die Regierung von Birma untersucht gemeinsam mit uns systematischere Methoden der Vernichtung.
Alles in allem werden wir im Rahmen weltweiter Drogenkontrollprogramme im Jahre 1985 über 100 Millionen Dollar ausgeben. Wir wissen um
die Schwierigkeiten, die es bei der Reduzierung des Ernteergebnisses
gibt. In manchen Herstellerländern ist die Drogenerzeugung zu einem
- 8 -

�zu einem wichtigen Faktum des täglichen Lebens geworden.

Es gibt Teile der Welt, wo Opium und Coca zu jahrhundertealten Traditionen geworden sind, und natürlich haben viele Nationen in wachsendem Maße eigene Suchtprobleme, die die Drogenproduktion fördern.

Und

schließlich sind zahlreiche Länder einfach zu arm, um wirksame Kontrollund Ausrottungsprogramme in Angriff nehmen zu können.

Unsere internationale Drogenpolitik ziehlt darauf ab, diese Hindernisse zu überwinden.

Wir gewähren in diesem Jahr 18 Regierungen bilate-

rale Unterstützung, deren Fachwissen oder Ressourcen nicht ausreichen, um
mit dem Problem einer Erntereduzierung fertigzuwerden.

Wir haben über

den Fonds der Vereinten Nationen für Kontrolle des Drogenmißbrauchs sowie
über andere internationale Gremien die multilaterale Unterstützung gefördert.
Das amerikanische Außenministerium hat mit der Drogenfahndung, den
Zollbehörden und der Küstenwache zusammengearbeitet, um Vertreter ausländischer Regierungen auf dem Gebiete der Drogenkontrolle, der Drogenfahndung und des Drogenverbots auszubilden.

Seit 1971 naben wir Mittel zur Verfügung gestellt, mit deren Hilfe 25
000 ausländische Fahndungsbeamte ausgebildet wurden, und 1985 werden wir
weitere Gelder bereitstellen, um zusätzliche Beamte in 30 verschiedenen
Ländern auszubilden.

Wir waren ferner bestrebt, ausländischen Regierun-

gen dabei zu helfen, ihre Öffentlichkeit auf die Gefahren des Drogenmißbrauchs für ihre Gesellschaften aufmerksam zu machen.

Aber die schwerste Aufgabe, vor der wir bis vor kurzem standen, lag
darin, andere Länder davon zu überzeugen, daß der Drogenhandel ein internationales Problem darstellt, welches internationale Anstrengung erforderlich macht.

über lange Jahre hinweg sahen ausländische Regierungen in den Drogen
ein ausschließlich amerikanisches Problem.
- 9 -

Inzwischen hat sich diese

�sich diese Einstellung geändert.
In Kolumbien, um nur ein Beispiel zu nennen, hat der Gesundheitsminister erklärt, daß Drogenabhängigkeit die größte gesundheitliche Bedrohung für die kolumbianische Jugend darstellt, und die Drogenfahndung des
Landes hat mit lobenswertem Nachdruck reagiert.
Im März entdeckte die kolumbianische Polizei große und komplizierte
Kokainaufbereitungsanlagen, die im Dschungel des Amazonas verborgen waren.

In einem Falle wurden zehn Tonnen Kokain und Kokaingrundstoffe im

Straßenverkaufswert von über 1 Milliarde Dollar vernichtet.
Die kolumbianische öffentliche Meinung war schockiert über die Entdeckung dieser Drogenlager, von denen einige Seite an Seite mit Guerillalagern operierten. Sie war empört über die dann folgende Ermordung des
kolumbianischen Justizministers, die offensichtlich von den Drogenhändlern befohlen worden war. Der kolumbianische Staatspräsident Betancur
hat einen rücksichtslosen Krieg gegen den Drogenhandel angeordnet.
Andere Länder sind mühsam zu der Erkenntnis gelangt, daß die Drogen
auch ihr Problem sind und daß die Staatengemeinschaft nur durch internationale Zusammenarbeit hoffen kann, das internationale Drogennetz zu
bekämpfen.
Die führenden Politiker anderer Andenstaaten sowie Argentiniens, die
im vergangenen Monat in Quito zusammentrafen, haben gegenüber Vizepräsident Bush ihre tiefe Besorgnis hinsichtlich der Probleme zum Ausdruck
gebracht, die durch die Drogenproduktion und den Drogenhandel in ihrer
Region verursacht werden.
Ermutigt durch die Dringlichkeit ihres Appells und durch ihre Bereitschaft zur Zusammenarbeit reagieren wir mit spezifischen Vorschlägen zur
Stärkung der regionalen Zusammenarbeit bei der Drogenfahndung, bei der
Nachrichtenübermittlung und beim Informationsaustausch.

- 10 -

Mehrere

wichtige

�Mehrere wichtige und zugleich schmerzliche Entwicklungen haben zu
dieser wachsenden internationalen Erkenntnis beigetragen.

In Westeuropa sowie in den Ländern, wo Drogen produziert werden, ist
die Drogenabhängigkeit im Begriff, alarmierende Proportionen anzunehmen.
Das Verbrechen, das unvermeidlicherweise den wachsenden Drogenmißbrauch
begleitet, ruft die Verärgerung der Öffentlichkeit selbst in jenen Ländern hervor, die aus Tradition dem Gebrauch von Drogen tolerant gegenüberstehen.

Und in einigen Ländern ist die gestiegene Korruption, die

aus der Suche nach Einflußnahme seitens des organisierten Verbrechens und
der Hauptdrogenschmuggler resultiert, zu einem nationalen Unglück geworden, das die Stabilität und das Überleben der Regierungen selbst bedroht.

Der Drogenhandel stellt eine besondere Bedrohung für die demokratischen Länder in der Entwicklungswelt dar.

Wo demokratische Institutionen

und Rechtssysteme noch in den Kinderschuhen stecken, können Korruption
und Verbrechen aufgrund von Drogenhandel für die jeweilige Regierung zu
einem Problem werden, das nicht in den Griff zu bekommen ist.

Die Wahl,

vor der diese Regierungen stehen, kann dann darauf hinauslaufen, entweder
auf undemokratische Maßnahmen zurückzugreifen oder aber vor den Verbrechern zu kapitulieren.

In jedem Fall wäre das Resultat der Verlust des

Vertrauens der Öffentlichkeit in die demokratischen Institutionen.

Ge-

wählte Politiker wie jene in Bolivien, Kolumbien und Peru sind sich der
Gefahren bewußt, die der Drogenhandel für die Demokratie sebst mit sich
bringt.

Zu all dem kommt, daß der Drogenhandel die Integrität internationaler
Finanzzentren unterminiert.

Schätzungen zufolge kann der Drogenhandel

sehr wohl 80 Milliarden Dollar jährlich umfassen, und das Drogengeld wird
häufig durch sonst respektable Finanzinstitutionen reingewaschen - darunter Bankzentren im Karibischen Becken, in Europa sowie in Hongkong und
Singapur.

Und schließlich werden - wie ich schon erwähnt habe - die internationalen Besorgnisse noch durch die Erkenntnis vermehrt, daß Drogenhänd- 11 -

�daß Drogenhändler, Terroristen und kommunistische Revolutionäre in immer
stärkerem Maüe bei ihren getrennten destruktiven Maönahmem gemeinsame
Sache machen. Ich möchte gerne einige Augenblicke darauf verwenden, ausführlicher darzulegen, welche Erkenntnisse wir im Hinblick auf diese beunruhigende Wechselbeziehung gewonnen haben.
Die Verbindungen zum Terrorismus und zu kommunistischen Untergrundaktivitäten
Die Welt hat seit Jahren guten Grund zu der Annahme, daß die Drogenschmuggler sich der Hilfe einiger Regierungen erfreuen, d.h., daß man
ihnen Geldmittel und Schutz, Unterschlupf und Unterstützung beim Einschleusen von Drogen in die Vereinigten Staaten und andere Länder gewährt. Das kommunistische Kuba gehört zu den Hauptverdächtigen.
Im Laufe der Jahre verdichtete sich der Verdacht gegen Kuba, bis
schließlich im November 1982 vor einem Schwurgericht in Miami gegen vier
hochrangige kubanische Regierungsbeamte wegen Unterstützung eines kolumbianischen Drogengroßhändlers Anklage erhoben wurde. Die Mittäter Kubas
im lateinamerikanischen Drogenhandel wurde durch diesen Fall in erschrekkender Eindringlichkeit beleuchtet.
Die Ermittlungen in dieser Sache ergaben, daß der kubanische Botschafter in Kolumbien einen kolumbianischen Drogenschmuggler namens Jaime
Guillot Lara angeworben hatte. Der Botschafter bot ihm die Hilfe seines
Landes beim Einschleusen von Drogen in die Vereinigten Staaten an. Das
Umladen von Drogen auf Boote, mit denen sie nach Miami weitergeleitet
wurden, ging im Schutze der kubanischen Hoheitsgewässer vor sich. Kubanische Behörden erhielten Anweisung, Guillot und seine Leute in Frieden
zu lassen, während sie ihren Geschäften nachgingen. Als Gegenleistung
erhielt die kubanische Regierung Zahlungen in harter Währung in Höhe von
mehreren Hunderttausend Dollar.
Bei diesem abgefeimten Geschäft ging es jedoch noch um etwas anderes. Guillot revanchierte sich für die Hilfe, die ihm bei seiner Dro- 12 -

�seiner Drogenschieberei gewährt worden war, indem er sich an Waffenlieferungen für die M-19, eine in Kolumbien aktive Terroristengruppe, beteiligte.

Man hatte schon lange etwas derartiges vermutet und erlangte

schließlich auch Gewißheit.
schmugglern, um

Terroristen

Kuba bediente sich der Hilfe von Drogenund

kummunistische

Untergrundkämpfer

mit

Waffen zu versorgen, und Kuba ist nicht das einzige Land, das in diese
dunklen Geschäfte verstrickt war.

Später ergaben sich Beweise dafür, daß auch das sandinistische Regime
in Nicaragua in den Rauschgiftschmuggel verwickelt war.

Um ihm sicheres

Geleit durch Mittelamerika zu verschaffen, bekam Guillot vom nicaraguanischen Botschafter in Mexiko ein nicaraguanisches Visum.
offenbar auf Ersuchen eines M-19-Führers hin.

Dies geschah

Ermittlungen, die von der

amerikanischen Drogenfahndung in der jüngsten Zeit geführt wurden, haben
das Ausmaß der fortdauernden Verwicklung der Sandinisten aufgedeckt.

Am 17. Juli erhob die amerikanische Regierung vor dem Bezirksgericht
in Miami Anklage gegen zwei Kolumbianer und einen nicaraguanischen Regierungsbeamten - Frederico Vaughan, ein Mitarbeiter

des Innenministers

Tomas Borge - wegen Besitzes, illegaler Verbreitung und Einfuhr von Kokain.

Zwischen März und Juli 1984 hatten sich diese Personen zusammen-

getan, um eine Ladung von rund 1500 kg Kokain aus Kolumbien über Nicaragua in die Vereinigten Staaten zu schmuggeln.

Der Mitarbeiter des nica-

raguanischen Inneministers Tomas Borge half am 4. Juni bei der Verladung
des Kokains in ein Flugzeug, mit dem es in die Vereinigten Staaten weitertransportiert werden sollte.

Den Drogenhändlern wurde gestattet, ihr

Flugzeug auf dem militärischen Teil des

Flughafens von Managua abzustel-

len, und wir besitzen Fotos, auf denen sandinistische Soldaten zu sehen
sind, die den Schmugglern bei der Verladung des Kokains in die Maschine
zur Hand gehen.

Diese Tatsachen legen den Schluß nahe, daß nicht nur

Vaughan, sondern auch noch andere nicaraguanische Regierungsbeamte an
diesem Rauschgiftgeschäft beteiligt waren.

Die Mittäterschaft kommunistischer Regierungen im Drogenhandel ist
für die Länder der freien Welt ein Anlaß zu ernster Besorgnis.
- 13 -

All dies

�All dies ist eingebettet in den größeren Zusammenhang der Mißachtung des
Völkerrechts durch kommunistische Staaten, die, wie wir gesehen haben,
auch den internationalen Terrorismus und andere Formen organisierter Gewalt gegen rechtmäßige Regierungen unterstützen. Die Verflechtung von
Drogenhandel, Terrorismus und Kommunismus ist auch nicht auf Lateinamerika beschränkt. Solche Verbindungen wurden auch in Italien und in der
Türkei beobachtet, obwohl die Regierungen dieser beiden Staaten mit aller
Härte und bemerkenswertem Erfolg dagegen vorgegangen sind. Ähnliche Netze gibt es immer noch in Birma und in Thailand. Außerdem liegen uns Indizen für eine bulgarische Beteiligung an illegalen Waffen und Rauschgif tgeschäften vor.
Wir können nur mutmaßen, was kommunistische Regierungen veranlaßt,
sich am Drogenhandel zu beteiligen.

Daß Kuba und Nicaragua ein zerrüt-

tetes Wirtschaftssystem haben und für die Einfuhr wichtiger Güter dringend harte Devisen benötigen, ist bekannt.

Außerdem haben wir erlebt,

wie Kuba sich der Hilfe von Rauschgiftschmugglern bediente, um kommunistische Untergrundkämpfer und Terroristen mit Waffen zu versorgen. Man
kann

sich

auch

unschwer

vorstellen, daß die Einschleusung

riesiger

Rauschgiftmengen in die Länder des Westens im Rahmen des allgemeineren
Ziels der Kommunisten zu sehen ist - das Gefüge der demokratischen Gesellschaft des Westens zu schwächen.
Ich will keineswegs sagen, daß die Drogenprobleme in unserem Land
überwunden oder auch nur wesentlich vermindert wären, wenn es uns gelingen würde, der kommunistischen Unterstützung des internationalen Rauschgifthandels Einhalt zu gebieten. Das Problem reicht darüber eindeutig
weit hinaus. Aber die freie Welt kann bei der Suche nach einer Lösung
für das Problem des Drogenmißbrauchs die Rolle, die kommunistische Regierungen in diesem Zusammenhang spielen, nicht ignorieren. Ich meine, daß
die Implikationen der Beteiligung dieser Regierungen an dieser Art von
internationalem Rechtsbruch über das Drogenproblem hinausweisen. Wenn
wir wirklich eine weltweit gültige Ordnung auf der Grundlage von Recht
und Gesetz schaffen wollen, dann dürfen die zivilisierten Nationen regierungsamtliche Unterstützung für Rechtsbrecher keinesfalls tolerieren.
Die
_ 14 _

Leistungen

�Die Leistungen der Reagan-Administration

Wir sehen uns bei der Bewältigung dieses Problems einer Vielzahl von
Hindernissen gegenüber, haben in den vergangenen Jahren aber dennoch
erhebliche Fortschritte gemacht.

Unsere Politik in der Frage des in-

ternationalen Rauschgifthandels beruht auf vier Grundprinzipien:

- Erstens:

Länder, in denen Rauschgift erzeugt bzw. über deren Ho-

heitsgebiet es transportiert wird, müssen zu der ihnen durch internationale Verträge auferlegten Verpflichtung

zur

Unterbindung

des

Anbaus von Rauschgiftkulturen und des Drogenschmuggels stehen.

-

Zweitens:

Die Völkergemeinschaft

muß den Ländern helfen, die

selbst nicht die Mittel besitzen, um die erforderlichen Maßnahmen
ergreifen zu können.

- Drittens:

Der Schwerpunkt muß weltweit bei der Erfassung und Un-

terbindung des Anbaus von Rauschgiftkulturen liegen.

Wie sich ge-

zeigt hat, bilden Maßnahmen gegen den Drogendhandel für sich genommen
keine Lösung.

- Viertens:

In den Herkunftsländern, die unserer Unterstützung be-

dürfen, müssen unsere wirtschaftlichen Hilfsprogramme im Rahmen der
Rauschgiftbekämpfung

an

Abkommen

zur

Eindämmung

des

Anbaus

von

Rauschgiftkulturen geknüpft werden.

Unser Ziel muß darin bestehen, die Rauschgifterzeugung in allen geographischen Regionen gleichzeitig unter Kontrolle zu bekommen.

Frühere

Mißerfolge haben uns gelehrt, daß sich Märkte verlagern können, wenn es
darum geht, eine Nachfrage zu befriedigen.

Es nützt nichts, wenn wir uns

immer nur auf einige wenige Regionen gleichzeitig konzentrieren.

Als

beispielsweise mit unserer Hilfe die Herstellung von Heroin in der Türkei
heruntergedrückt wurde, stieg die Produktion in Mexiko, so daß der Ausfall wettgemacht wurde.

Es ist daher wesentlich, wirklich in internatio- 15 -

�in internationalem Maßstab vorzugehen, und zwar in allen Herkunftsländern
gleichzeitig. Genau darauf arbeiten wir hin.
Als die gegenwärtige Administration im Jahr 1981 die Amtsgeschäfte
übernahm, hatten sich Birma, die Türkei und Mexiko verpflichtet, gegen
den Anbau von Rauschgiftkulturen vorzugehen. Dank der Bemühungen der
gegenwärtigen Administration unseres Landes und dank der wachsenden Besorgnis der politisch Verantwortlichen in den Herkunftsländern haben inzwischen auch Pakistan, Kolumbien, Belize, Peru und Bolivien solche Verpflichtungen auf sich genommen.
In Pakistan, das auf der Liste der Herkunftsländer von Heroin ganz
oben steht, konnte man bereits durchschlagende Erfolge beobachten. Dank
der außergewöhnlichen Anstrengungen der pakistanischen Regierung und
dank der Hilfe der Vereinigten Staaten konnte die Erzeugung von Rohopium
in Pakistan von einem enorm hohen Niveau von 800 Tonnen im Jahr 1979 auf
weniger als 60 Tonnen im Jahr 1983 heruntergedrückt werden. In Mexiko
konnte der Ausstoß an weiterverarbeitetem Heroin, der früher mit 7,5 Tonnen im Jahr einen erheblichen Umfang hatte, auf 1,4 Tonnen im Jahr 1983
gedrosselt werden.

Was zu tun bleibt
Vieles ist schon erreicht worden, aber unser Kampf hat erst begonnen. Vor uns liegt noch ein langer Weg. Einige Länder haben noch nicht
genug unternommen, um den Anbau von Rauschgiftkulturen auf ihrem Gebiet
zu unterdrücken. Wir müssen eine engere Zusammenarbeit anstreben und gegen den Anbau in allen Herkunftsländern wirksamer vorgehen. Es besteht
immer noch eine Überschußproduktion, die die Nachfrage nach Rauschgiften
nicht nur in den Vereinigten Staaten, sondern in der ganzen Welt weit
übersteigt. Wir wissen, daß das internationale Drogennetz verzweigter,
leistungsfähiger und ausgfeilter ist als je zuvor. Der Drogenmarkt verlagert sich ständig und paßt sich so jeder neuen Methode an, die wir zu
seiner Bekämpfung entwickeln. Es ist den Drogenschmugglern gelungen,
- 16 -

�Drogenschmugglern gelungen, neue Mittel und Wege zu finden, um ihr Geschäft unseren verstärkten Gegenmaßnahmen zu entziehen.

Schließlich haben wir die Erfahrung gemacht, daß einige kommunistische Länder den Drogenhandel nach wie vor für ihre eigenen Zwecke einsetzen und daher an seinem Weiterbestehen interessiert sind.

Das inter-

nationale Drogenproblem bildet deshalb eine wachsende Herausforderung für
unsere Nachrichtendienste, deren Aufgabe es ist, zuverlässige Schätzungen
des Umfangs der Rauschgiftproduktion zu liefern und die Verbindungen zwischen Drogenhandel, Terrorismus und kommunistischen Untergrundaktivitäten
aufzuspüren.

Wir machen aber Fortschritte.

Wir verfolgen eine Politik, die alle

Aspekte dieses internationalen Problems abdeckt - den Anbau von Rauschgif tkulturen, die Herstellung und Verteilung der Drogen, den Weg, den die
Profite nehmen und die Folgewirkungen für unser eigenes Land wie für andere Staaten.

Außerdem haben wir umfassende internationale Mittel zur

Unterdrückung des Rauschgifthandels entwickelt.

Ich glaube, daß dank unserer diplomatischen Bemühungen und unserer
Programme wie auch dank der Tatsache, daß sich die Anbauländer der verheerenden Auswirkungen des Drogenhandels zunehmend bewußt werden, die
Aussichten im Hinblick auf eine wirksame Unterdrückung des Rauschgiftgeschäfts besser geworden sind.

Ob die bemerkenswerten Erfolge, die

bereits erzielt werden konnten, wieder gefährdet werden, hängt jedoch
auch davon ab, wie die Vorgänge in den Vereinigten Staaten selbst im
Ausland wahrgenommen werden.

Unser Erfolg im Kampf gegen den interna-

tionalen Rauschgifthandel hängt in stärkerem Maße, als vielen Menschen
bewußt ist, von einem Erfolg unserer Kampagne gegen den Drogenmißbrauch
hier in den Vereinigten Staaten ab.

Es wird schwer sein, andere Länder

von der Notwendigkeit zu überzeugen, dem Anbau von Rauschgiftkulturen
Einhalt zu gebieten, wenn sie den Eindruck gewinnen, daß wir unserer eigenen Verantwortung, das Drogenproblem in unserem Land in den Griff zu
bekommen, nicht gerecht werden.
selbst nicht praktizieren.

Wir können nicht etwas predigen, was wir

Deshalb ist das, was wir hier in unserem ei- 17 -

�unserem eigenen Lande tun, so wichtig für den Erfolg unserer gesamten Bemühungen.

Die Vertreter der Obrigkeit in jeder Gemeinde überall in unse-

rem Lande müssen verstehen, daß die Wirksamkeit von außenpolitischen Anstrengungen zur Bekämpfung des Drogenhandels eindeutig mit der Wirksamkeit des Programms zur Bekämpfung des Drogenmißbrauchs in unserem Lande
selbst verknüpft ist.

Ferner muß uns klar sein, daß der Erfolg unserer

diesbezüglichen Kampagne letztlich davon abhängt, ob es uns gelingt, die
Nachfrage nach Drogen in den Vereinigten Staaten zu vermindern.
Indem wir unsere Anstrengungen landesweit verdoppeln, geben wir den
Menschen in anderen Ländern und ihren Regierungen zu verstehen, daß wir
in den Vereinigten Staaten entschlossen sind, unser eigenes Drogenproblem
in den Griff zu bekommen. Präsident Reagan hat die letzte Septemberwoche
landesweit zur Woche der Aufklärung über den Drogenmißbrauch und seine
Bekämpfung erklärt. Der Präsident ist entschlossen, bei diesen Anstrengungen die Führung zu übernehmen, da das Rauschgiftproblem eine direkte
Bedrohung der außen- wie innenpolitischen Werte und Ziele unseres Landes
darstellt.
Wir stellen uns dieser Bedrohung und machen dabei erhebliche
Fortschritte. Es wird einiger Zeit und harter Arbeit bedürfen, bis sich
der Erfolg einstellt. Aber wir schaffen eine Grundlage für die Zukunft
- für eine Zukunft, in der es nicht nur weniger Drogenmißbrauch in unserem eigenen Lande geben sollte, sondern auch eine Welt, in der es für
Rechtsbrecher keinen Platz und keine Nachsicht mehr gibt. In diesem
Kampf brauchen wir landesweit die breite Unterstützung aller Amerikaner.

- 18 -

�Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

19. September 1984

38

AUCH MENSCHENRECHTE ZENTRALER PUNKT DER STOCKHOLMER KONFERENZ
- Presseerklärung von Botschafter Kampelman -

STOCKHOLM - (AD) - In der Eröffnungserklärung auf einer Pressekonferenz am 14. September 1984 in Stockholm betonte Botschafter Kampelman,
der die amerikanische Delegation auf der Madrider KSZE-Folgekonferenz geleitet hatte, daß noch immer die "humanitären Dimensionen des HelsinkiProzesses verbessert werden müssen".
Die Eröffnungserklärung von Botschafter Kampelman hat folgenden Wortlaut:
Es ist nur zu passend, daß wir hier am Ort der Konferenz über Vertrauens- und sicherheitsbildende Maßnahmen und Abrüstung in Europa (KVAE)
zusammentreffen - einer Konferenz, um deren Zustandekommen wir uns im
Rahmen der Schlußakte von Helsinki auf dem Madrider Folgetreffen drei
Jahre lang bemühten. Als Leiter der amerikanischen Delegation in Madrid
freue ich mich außerordentlich, daß die Stockholmer Konferenz nunmehr

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Konferenz nunmehr stattfindet.

Meine Anwesenheit in Schweden ist Beweis für Präsident Reagans Verpflichtung gegenüber dem Helsinki-Prozeß und seine tiefe Besorgnis hinsichtlich der Verschlechterung der Menschenrechtslage in der Sowjetunion.
Der Präsident hat mich gebeten, mehrere europäische Staaten aufzusuchen,
um die schwerwiegenden Folgen zu besprechen, die mit dieser Verschlechterung für uns alle einhergehen. Es ist nur angemessen, daß eine solche
Aufgabe mich nach Schweden bringt, einem freien und demokratischen Land,
das den Werten der Menschenwürde verpflichtet und die Heimat von Raoul
Wallenberg ist, der für viele von uns ein herausragendes Beispiel für
jene ist, die sich um das Wohlergehen anderer sorgen.

Und es ist nur angemessen, daß ich zur Frage der Menschenrechte am
Ort einer Konferenz spreche, die sich mit der Bildung von Vertrauen zwischen den Staaten beschäftigt. Keine andere Entwicklung untergräbt so
sehr unser Vertrauen in die Intentionen der Sowjetunion wie ihre so
offensichtliche Verachtung gegenüber den humanitären Verpflichtungen, die
sie 1975 eingegangen ist, als sie die Schlußakte von Helsinki unterzeichnete.

Präsident Reagan erklärte kürzlich, "es gibt einige, die nur zu bereitwillig zu sein scheinen, angesichts der sowjetischen Übertretungen
ein Auge zuzudrücken, offenkundig in der Absicht, den Dialog zwischen
West und Ost zu verbessern. Aber diejenigen, die die standhafte Unterstützung von Freiheit und Demokratie verurteilen, sind keine Freunde des
Friedens, der menschlichen Freiheit oder des sinnvollen Dialogs". Ja,
diejenigen, die sich wirklich um den Frieden bemühen, sind Menschen wie
Dr. Andrei Sacharow, Bürger und Gewissen dieser Welt, dessen Verpflichtung zur Menschenwürde ihm die Verleihung des Friedensnobelpreises einbrachte.
Dem tragischen Schicksal von Dr. Sacharow

und

seiner Frau Elena

Bonner ist die Aufmerksamkeit der gesamten zivilisierten Welt zuteil

- 2 -

�Welt zuteil geworden. Es ist nur ein Beispiel für die vielen tausenden
anderer menschlicher Tragödien, die Folge der verstärkten Unterdrückung
sind, die wir mit großer Sorge in der Sowjetunion feststellen. Diese Verletzungen der Schlußakte von Helsinki untergraben nicht nur das Vertrauen
in die Integrität der Verpflichtungen, die die sowjetische Regierung eingegangen ist, sondern sie bedeuten auch einen unnötigen Rückschlag für
das Verlangen nach gegenseitigem Verständnis und dauerhaftem Frieden, wie
dies durch den Prozeß von Helsinki in Aussicht gestellt wurde. Die 35
Staaten, die die Schlußakte von Helsinki unterzeichneteN, verpflichteten
sich dazu, "die Menschenrechte und die Grundfreiheiten für alle zu achten". Wir müssen uns fragen, ob ein Staat, der bereit ist, internationale
Vereinbarungen in seinem Handeln gegenüber seinen eigenen Bürgern zu verletzen, das Vertrauen verdient, er werde auch den Abkommen entsprechen,
die sein Verhalten anderen Staaten gegenüber anbelangt.

Die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten erstreben angesichts
dieses untergrabenen Vertrauens auf der Stockholmer Konferenz die Verabschiedung

konkreter,

praktischer,

vertrauensbildender

Maßnahmen,

die

nicht von Vertrauen allein abhängen, sondern die durch verifizierbare Zusammenarbeit im Sicherheitsbereich Vertrauen schaffen können. Wir hoffen,
daß, langfristig gesehen, die Stockholmer Konferenz ein Abkommen in Europa bringen kann. Wir sind jedoch davon überzeugt, daß die humanitären Dimensionen des Helsinki-Prozesses verbessert werden müssen, wenn unsere
Völker, die jene Abkommen mit großer Freude aufnahmen, mit dem zufrieden
sein sollen, was wir zu erreichen hoffen. Das ist die Essenz des Gleichgewichtes, zu dem man in Helsinki und in Madrid nach schwierigen Verhandlungen gelangte.

Die Regierungen müssen eines begreifen: Wir dürfen nie vergessen, daß
jene Versprechungen, zu denen wir nach langer Arbeit in Abkommen und Erklärungen gelangt sind, von Taten begleitet sein müssen, die in Einklang
mit solchen Verpflichtungen stehen. Und wir dürfen außerdem bei unserer
täglichen gemeinsamen Arbeit, bei der es um wichtige Fragen der Diplomatie und der internationalen Beziehungen geht, nicht vergessen, daß es
auch die tägliche Realität für diejenigen gibt, die der Grundfreiheiten

- 3 -

�der Grundfreiheiten ermangeln, weil ihre Regierungen nicht in der Lage
waren, den Abkommen zu entsprechen, die sie in anderen diplomatischen Foren ausgehandelt hatten. Unsere Verpflichtung

gegenüber dem Helsinki-

Prozeß zwingt uns dazu, uns an diese menschliche Dimension zu erinnern.
Die Vereinigten Staaten hoffen zutiefst, daß bald die Zeit kommen
wird, da das echte und sinnvolle Vertrauen, nach dem den Unterzeichnern
der Schlußakte von Helsinki der Sinn stand, Früchte tragen wird. Diese
Verpflichtungen zeigen uns die klare Richtung hin auf Frieden, Zusammenarbeit und Sicherheit, die wir für uns selbst und für kommende Generationen wollen.

- 4 -

�Hintergrund
materiell
United States Information Service
Embassy of the United States of America

19. September 1984

38

AFGHANISTAN: KATASTROPHALE ZUSTÄNDE AUCH IM MEDIZINISCHEN BEREICH
-Bericht eines amerikanischen Arztes-

Washington -(AD)- Der amerikanische Arzt Dr. Robert Simon, Gründer
des World Medical Corps, zeichnete am 12. September 1984 im Kapitol in
Washington vor Reportern und Mitarbeitern des amerikanischen Kongresses
ein Bild von der medizinischen Lage in Afghanistan, die er "eindeutig die
bedenklichste auf der ganzen Welt heute" nannte.

Dr. Simon, der einzige amerikanische Arzt, der seit der sowjetischen
Invasion Afghanistans 1979 in diesem Land tätig ist und seither Hunderte
von Zivilisten behandelt hat, die Opfer sowjetischer Waffen waren, kam in
die Vereinigten Staaten, um Gelder für etwas zu sammeln, was er als "die
nahezu irreversible gesundheitliche Tragödie für das aghanische Volk" bezeichnete. Dabei wiederholte er seine bereits am 24. Juli dieses Jahres
erhobenen Vorwürfe, daß die sowjetischen Streitkräfte in Afghanistan mit
Absicht auch zivile medizinische Versorgungseinrichtungen bombardieren.

Dem müsse, so Dr. Simon, endlich Einhalt geboten werden: "Wir sind
eine rein ärztliche Organisation. Wir haben öffentlich angekündigt, daß

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D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�angekündigt, daß wir es gerne sehen würden, wenn die Sowjetunion diese
Hospitäler einer Inspektion unterziehen würde. Wir werden uns um Afghanen
kümmern; und wir werden uns um sowjetische Soldaten kümmern. Wir werden
uns um jeden kümmern, der zu uns kommt. Alles bei uns ist rein medizinisch."

Allerdings ist er in dieser Hinsicht pessimistisch: "Wir erwarten
keine Antwort. Denn das Ziel des Terrors ist ein ganz einfaches - man
will

die

Zivilbevölkerung

mit

Mitteln

der Angst

unterdrücken."

Und

weiter: "Wir würden natürlich auch gern helfen, ohne daß wir von den
MIG-Flugzeugen bombardiert werden."

Dr. Simon zeigte seiner Zuhörerschaft Diapositive, die er während
seines Aufenthaltes in Afghanistan aufgenommen hatte und die Kinder und
alte Menschen zeigen, die von den Bomben, den Raketen und den Minen der
Sowjets verstümmelt wurden und denen durch Dr. Simon und seinen Mitarbeitern oft geholfen werden konnte.

Für viele andere der Verwundeten aber fehlt meist jede Hilfe: "Seit
1979 sind rund eine Million Afghanen umgekommen. Viele Tausende hätten
aber nicht sterben müssen. Aber wenn man in Afghanistan verwundet wird
und sich nicht nahe der Grenze zu Pakistan befindet, so wird man sterben."

Seit 1979 sei die medizinische Versorgung vor allem auch deshalb
immer schlechter geworden, weil durch die sowjetische Invasion des Landes
das Rote Kreuz und andere internationale Hilfsorganisationen im medizinischen und humanitären Bereich von dort vertrieben wurden. Außerdem wurden
auch die meisten ausländischen Journalisten des Landes verwiesen, wodurch
es möglich wurde, daß die Grausamkeiten und Verletzungen des Völkerrechts
durch die Sowjets weitgehend im Dunkeln verbleiben und der Welt draußen
nicht bekannt werden.: "Sie haben um Afghanistan einen Eisernen Vorhang
gezogen."

Eine

der

Beispiel der

Verletzungen

des Völkerrechts

"erzwungene künstliche

ist

nach

Dr.

Nahrungsmittelmangel",

Simon
zu dem

zum
es

durch die Flächenbombardierung von Anbaugebieten durch die Sowjets kommt,
- 2 -

�Sowjets kommt, sowie die Hungersnot, die die große Zahl der Flüchtlinge
begleitet, die vor der Invasion fliehen. "Vier oder fünf Millionen Menschen sind Flüchtlinge. Es ist dies das größte Flüchtlingsproblem der
Welt."

Eine weitere Verletzung der Menschenrechte ist das Legen von Minen,
durch die bereits viele Kinder getötet wurden. Dabei handelt es sich, wie
Dr. Simon erklärt, um Minen in Form von Spielzeug, von Schmetterlingen
und von Bleistiften, die dazu dienen, Zivilisten zu töten.

"Wenn wir nicht sofort etwas dagegen unternehmen, wird dieses Volk
bald ausgerottet sein. In zwei oder drei Jahren wird die Situation irreversibel sein."

Die Lage werde auch durch die Tatsache verschärft, daß die Patienten
oder deren Angehörige immer wieder darauf beharren, auf die eine oder
andere Art für die ärztliche Behandlung zu bezahlen.

In Verbindung mit dem "Ausschuß für ein freies Afghanistan" bemüht
sich nunmehr Dr. Simon darum, die Aufmerksamkeit der Medien auf Afghanistan zu ziehen und Mittel für medizinische Einrichtungen im Lande dort zu
beschaffen.

Paul

Simon,

Angehöriger

des

amerikanischen

Repräsentantenhauses

(nicht mit Dr. Simon selbst verwandt) hat eine Resolution im Kongreß eingebracht, die die Reagan-Administration auffordert, die Höhe der Hilfsmittel für die Mujahedin einer Prüfung zu unterziehen. Elf Mitglieder des
Kongresses haben Resolutionen eingebracht, durch die sowjetische Flächenbombardements verurteilt werden sollen. Mehrere verwundete Afghanen, die
größerer chirurgischer Eingriffe bedürfen, wurden im vergangenen August
zu staatlichen amerikanischen Krankenhäusern in der Nähe von Washington
gebracht, und Mitarbeiter des Kongresses betonen, daß weitere Transporte
zu privaten amerikanischen Kliniken möglich seien.

* * * * *

- 3-

�38

19. September 1984

STRAHLENTHERAPIE ZUR VORBEUGUNG GEGEN ABSTOSSUNGSREAKTION

- (AD) - Mit der voroperativün Bestrahlung aller Lymphknotenregionen
(TLI = Total Lymphoid Irradiation) ist bei Empfängern einer Fremdniere
eine drastische Einschränkung der Medikamente zur Unterdrückung von Abstoßung sreaktionen möglich. Es handelt sich dabei um eine Form der
Strahlentherapie, die ursprünglich zur Behandlung der Lymphogranulomatose
(Hodgkinsche Krankheit) entwickelt wurde.
Über das neue Verfahren, das noch als Experiment gilt, berichteten
Dr. Samuel Strober (Klinikum der Standord-Universität) und Dr. Barry
Levin (Pacific Medical Center, San Francisco) auf einem von der "Transplantation Society" Ende August 1984 in Minneapolis veranstalteten internationalen Kongreß. Bei 14 der 19 Patienten, die für die Studie ausgewählt wurden, blieb nach der strahlentherapeutischen Vorbereitung auf die
Nierenübertragung die im ersten Jahr nach der Operation gewöhnlich auftretende Krise immunbiologischer Reaktionen aus. Erfahrungen über einen
längeren Zeitraum liegen noch nicht vor. Jedoch bezeichneten die beiden

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�die beiden Wissenschaftler das Verfahren bei Nirentransplantationen als
äußerst vielversprechend.

Der Effekt von TLI, eine Abstoßungsreaktion zu

verhindern, halte lange Zeit an, so daß die Abhängigkeit von massiven immunsuppressiven Medikamenten nicht mehr gegeben sei.
Immunbiologische Reaktionen des Empfängerorganismus gegen das fremde
Organ stellen eine besondere Barriere dar.

Gelingt es nicht, sie unter

Kontrolle zu bekommen, wird das implantierte Organ nicht angenommen und
ist verloren.

Aus diesem Grund werden nach herkömmlicher Technik immun-

suppressive Medikamente gegeben - z. B. Cyclosporin, Azathioprin (Imuran)
und Prednison in hohen Dosen.

Diese können jedoch bei Langzeitanwendung

schwere und problematische Nebenwirkungen haben.
Wie Strober und Levin erläuterten, konnte unter TLI auf Cyclosporin
und Azathioprin völlig verzichtet werden. Die Patienten erhielten lediglich Prednison - und dies in so niedriger Dosierung, daß sie dem natürlichen Cortisonspiegel sehr nahe kam. Für Diabetiker, von denen sich einige unter den Empfängern einer neuen Niere befanden, sei dieser Umstand
sehr wichtig, weil hohe Prednisondosen ihre Krankheit komplizierten.
Mit den Bestrahlungen beginne man bereits einige Monate vor der
Transplantation. Dabei werden jeweils die Hauptregionen des Lymphgewebes, einschließlich Thymusdrüse und Milz, niedrigdosierter Röntgenstrahlung ausgesetzt. Gesamtdosis: 2000 rad. Durch die Bestrahlung werde
die Aktivität des Immunsystems unterdrückt, jedoch die Fähigkeit des Organismus zur Abwehr von Infektionen nicht ernsthaft beeinträchtigt, erklärte Strober. Nach der Operation erhalte der Patient eine einmalige
Gabe von Antithymozytenglobulin in hoher Dosierung, dann jedoch nur noch
Prednison in kleinen Mengen, sofern es nicht zu einer Abstoßungsreaktion
komme, die Nebenwirkungen der TLI-Therapie - Übelkeit, Müdigkeit und Absinken des Spiegels bestimmter Blutkomponenten - seien gewöhnlich begrenzt und vorübergehender Natur. Als häufigste Komplikation seien Infektionen mit Herpesviren beobachtet worden, jedoch seien diese normalerweise mit entsprechender antiviraler Therapie schnell zu beherrschen. Bei
- 2

�beherrschen.

Bei einem der 19 Patienten, die in der Studie zusammenge-

faßt wurden, sei dies allerdings nicht gelungen.

Er bekam eine Herpes-

infektion, gleichzeitig entwickelte sich eine Abstoßungsreaktion;
Patient verstarb.

* * * * *

- 3 -

der

�38

19. September 1984

NIERENINSUFFIZIENZ-KO^LIKATION BEI SCHWEFER LEBERERKRANKUNG
- Frühsymptome in Standardtests oft nicht zu erkennen -

- (AD) - Bei Patienten mit einer Lebererkrankung im fortgeschrittenen
Stadium, insbesondere bei Personen, die Alkohol in übermäßigen Mengen
konsumiert haben, treten häufig die klassischen Frühsignale für ein Nierenversagen nicht in Erscheinung. Wie Dr. Maxine Papadakis und Dr. Allen
Arieff vom "Veterans Administration Medical Center" in San Francisco auf
einer Tagung der "American Society of Nephrology" in Washington berichteten, gaben die routinemäßig vorgenommenen Labortests bei der Aufnahme von
13 leberkranken Patienten zur stationären Behandlung keinerlei Hinweise
auf eine Funktionsstörung der Nieren. Aber bereits kurze Zeit danach kam
es zu schwerer Niereninsuffizienz. Dieses "hepatorenale Syndrom" ist eine Komplikation, deren Ursachen noch nicht eindeutig geklärt sind. Es
wird u.a. auf diagnostische Verfahren, aber auch auf Nebenwirkungen bestimmter Lebertherapien zurückgeführt.
Ihre Beobachtungen nahmen Papadakis und Arieff zum Anlaß, auf die
Notwendigkeit hinzuweisen, Patienten mit schweren Erkrankungen der Leber

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�der Leber besonders sorgfältig auf die Funktionsfähigkeit der Nieren zu
untersuchen.

Insuffizienzen treten häufig früher auf, als man bisher an-

genommen habe, jedoch fehlten oft die üblichen ersten Symptome.

Gegen-

wärtig gebe es für das hepatorenale Syndrom so gut wie keine Behandlungsmöglichkeit.

Dies sei einer der Gründe, so die beiden Internisten, daß

in den Vereinigten Staaten Leberzirrhose und ihre Komplikationen bei Männern über 50 Jahre als Todesursache an fünfter Stelle stehen.

Jedoch sei

der Arzt durch eine exakte Bestimmung der Nierenfunktion bei Patienten
mit Lebererkrankung im fortgeschrittenen Stadium in der Lage, Therapien
zu meiden oder abzuändern, die das Risiko eines völligen Nierenversagens
vergrößern könnten.

* • * #

*

;
1

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                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
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                <text>Amerikadienst 19.09.1984</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ziel der NATO: Abschreckung vor einem Krieg&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Schreiben Reagans an den US-Kongress -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nukleares Gleichgewicht weiter gestört&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Schreiben Präsident Reagans an den Kongress -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Shultz: Die internationale Dimension des Drogenhandels&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rede des US-Außenministers vor der Handelskammer in Miami -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Auch Menschenrechte zentraler Punkt der Stockholmer Konferenz&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Presseerklärung von Botschafter Kampelman -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Afghanistan: Katastrophale Zustände auch im medizinischen Bereich&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Bericht eines amerikanischen Arztes -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Strahlentherapie zur Vorbeugung gegen Abstoßungsreaktion&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Niereninsuffizienz-Komplikation bei schwerer Lebererkrankung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Frühsymptome in Standardtests oft nicht zu erkennen -&lt;/em&gt;</text>
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