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                    <text>AMERIKA DIENST
'"V

•"*"

Ä&lt;

26. Oktober 1988

39

INHALT
HINTERGRUNDMATERIAL
DIE WAHLEN IN AMERIKA 1988
Bush;

Sowjetische Reformen sind vielversprechend

Trotzdem ist Vorsicht angebracht
- Rede in Fulton (Missouri) -

Bush würde Weltumweltkonferenz einberufen
- Artikel über einen Vorschlag im Wahlkampf Die Kandidaten scheuen das Thema Steuererhöhungen
- Die wirtschaftspolitischen Positionen von Bush und Dukakis Mittelwesten ist Feuerprobe für Dukakis-Wahlkampagne
- Von C. David Kotok Die Wahlbeteiligung in Amerika: Warum sie so niedrig aussieht
- Von Raymond E. Wolfinger -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK

Schrott im Weltraum

* * * * * *

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�AMERIKA DIENST
'VON

H intergrundmaterial

4

26. Oktober 1988

39
DIE WAHLEN IN AMERIKA 1988
BUSH:

SOWJETISCHE REFORMEN SIND VIELVERSPRECHEND
TROTZDEM IST VORSICHT ANGEBRACHT
- Auszüge aus einer Rede in Fulton (Missouri) -

WASHINGTON (AD) - (Nachstehend bringen wir einen vom US-Informationsamt
(USIA) herausgegebenen Beitrag im Rahmen einer Reihe von Veröffentlichungen,
in denen die amerikanischen Präsidentschaftokandidaten des Jahres 1988 ihre
Positionen zur Außenpolitik und anderen Themen von internationalem Interesse
in ihren eigenen Worten darlegen. Die heutige Ausgabe enthält wesentliche
Auszüge aus einer am 18. Oktober 1988 von Vizepräsident George Bush am Westminster College in Fulton (Missouri) gehaltenen Rede, jenem Ort, an dem Winston Churchill seine berühmte "Eiserner-Vorhang-Rede" hielt. Bush erklärte
den Studenten von Westminster, daß der Eiserne Vorhang heute "Rost ansetzt"
und dahinter "neue Hoffnung auf einen Wandel" bestehe. Er mahnte jedoch auch
zur Vorsicht. Seinen Worten zufolge "bleibt abzuwarten, ob die Versprechen
der Sowjets im Hinblick auf Veränderungen wirklich umgesetzt werden". Trotz
guter Aussichten, so Bush, "sollten wir unser Engagement für Frieden durch
Stärke keinesfalls verringern".)
Ich bin hierher gekommen, um über
Frieden und Außenpolitik zu sprechen.
Vor zwei Jahren hatte ich
Privileg, zu Ihnen aus Anlaß des
Jahrestags von Winston Curchills
rühmter
Eiserner-Vorhang-Rede
sprechen. Heute fühle ich mich
tiefst geehrt, erneut an diesem
storischen Ort zu sein.

das
40.
bezu
zuhi-

Als Winston ChurchiLl im Jahr
1946 hierherkam, war es ein kalter
Märztag. Der Winter lag noch über
dem Land. Und Churchill hatte eine
kalte Botschaft zu übermitteln, so
kalt, wie die Wahrheit selbst.
Hier stand Winston Churchill, der
Mana, der durch seine Ablehnung des
Ausverkaufs von München seine politi-

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sche Karriere aufs Spiel gesetzt hatte und der aus der politischen Vergessenheit wiederaufgestiegen war, um
sein Land in der Stunde tödlicher Gefahr zu fuhren.
Nun, nach einem
siegreichen Krieg, sah Churchill sich
gezwungen, erneut eine Wahrheit zu
verkünden. Die Freiheit war wieder
in Gefahr. Der Friede war wieder in
Gefahr. Das mit dem Sieg über Hitler
auf die Welt herabstrahlende Sonnenlicht wurde von der dunklen Wolke
sowjetischer Ambitionen überschattet.
Churchill hat dies in einer seiner
berühmtesten Äußerungen
so formuliert:
"Von Stettin an der Ostsee
bis nach Triest an der Adria hat sich
ein eiserner Vorhang über den Kontinent gesenkt." Es war ein eiserner
Vorhang, der das Licht der Freiheit
und des Fortschritts aus den alten

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�Hauptstädten Ost- und Mitteleuropas Warschau, Berlin, Prag, Budapest,
Belgrad, Bukarest, Sofia - verbannt
hatte. Diese seit Jahrtausenden in
der westlichen Zivilisation verwurzelten und Hitler entrissenen Städte
standen jetzt unter der Herrschaft
Stalins. Und Churchill erkannte an
anderen Stellen Europas und auf anderen Kontinenten Anzeichen für sowjetische Aggression und Expansion.
"Die Sicherheit der Welt erfordert in Europa eine neue Einigkeit.
Zweimal mußten die Vereinigten Staaten MiLlionen ihrer Männer über den
Atlantik in den Krieg schicken."
Churchill zufolge konnte nur durch
die Kraft demokratischer Einheit ein
neuer Krieg verhindert und Hoffnungen
auf einen dauerhaften Frieden wiederbelebt werden. Als Grund dafür nannte er: "Aufgrund meiner Erfahrungen
mit unseren russischen Freunden und
Verbündeten während des Krieges bin
ich davon überzeugt, daß sie Stärke
über alles schätzen, und sie haben
vor Schwäche - insbesondere militärischer Schwäche - den geringsten Respekt."
Und ich möchte hinzufügen, daß
dies bis heute so geblieben ist.
Obwohl dies eine hoffnungsvolle
Botschaft
für
die
Zukunft
war,
schenkten
viele
Menschen
Winston
Churchill kein Gehör. Wir waren gerade dabei, zu demobilisieren. Wir
wollten lediglich wieder ein normales
Leben führen - ebenso wie Sie. Einen
neuen Kurs einschlagen.
Um dieses
Sonnenlicht zu genießen, für das wir
so hart gekämpft und viel geopfert
hatten. Churchill wurde in den Vereinigten Staaten und im Ausland kritisiert und seine Äußerungen in Zweifel gezogen.
Aber Churchill hatte
Recht.
Jetzt hat er nach vier Jahrzehnten Bestätigung
erfahren.
Unsere
Verbündeten und wir haben nicht verhindert, daß der Eiserne Vorhang das
Licht aus dem Osten verbannt hat.
Aber wir haben dem Westen Frieden und
- 2

Freiheit bewahrt. Und wir haben ihre
Basis erweitert und sie über Europa
hinaus nach Asien und in andere Region getragen. Das war nicht leicht.
Es v/urden Fehler gemacht und Rückschläge verzeichnet.
Aber da wir
Churchills Rat des Friedens durch
Stärke - die Stärke der demokratischen Einigkeit - befolgt haben, hatten wir Erfolg.
Meine Generation hat im Schatten
des Krieges gelebt - des Weltkrieges
und des Kalten Krieges. Wir haben
unser Leben teilweise auf der Sonnenseite, immer aber im Schatten von
Streitigkeiten und Rivalität mit der
Sowjetunion gelebt. Diese Streitigkeiten und diese Rivalität sind noch
nicht beigelegt. Aber ich weise Sie
darauf hin, daß Ihre Generation die
Möglichkeit hat, aus diesem Schatten
herauszutreten
und
schließlich
furchtlos auf der Sonnenseite zu stehen. Der Eiserne Vorhang erstreckt
sich immer noch von Stettin bis
Triest.
Aber er setzt Rost an.
Lichtstrahlen durchbrechen von unserer westlichen - der freien und wohlhabenden - Seite die Finsternis des
Versagens und der Verzweiflung der
anderen Seite. Der Kreml, der einstmals in die unheilvollen Fußstapfen
Stalins trat, wendet sich nunmehr vom
Stalinismus ab.
Es besteht neue
Hoffnung auf einen Wandel. Die Wahrheit ist begehrt wie nie zuvor. Die
Völker Osteuropas und selbst die Völker der Sowjetunion fordern mehr
Freiheit und ihren Platz an der Sonne.
Einige Beobachter dieser Situation ziehen den Schluß, Moskau sei zu
schwach, um Unannehmlichkeiten zu bereiten.
Ich habe mit Herrn Gorbatschow gesprochen, und ich kenne
einige seiner Berater.
Sie sehen
sich einer sehr ernsten Lage gegenüber. Das von ihnen regierte Volk
möchte wissen, warum es ihm an Brot
mangelt und warum es nicht in Freiheit lebt, warum die Lebenserwartung
zurückgeht, warum öffentliche Dienstleistungen und Verbrauchsguter so
schlecht
und
außerdem
Mangelware
sind. Siebzig Jahre nach der Okto-

�berrevolution ist die Glanzzeit des
Marxismus vorbei.

Verständigung mit Moskau
Punkten" einzusetzen.

Es wäre jedoch zu einfach und sogar gefährlich, daraus die Schlußfolgerung zu ziehen, wirtschaftliche
Schwäche allein sei die Triebfeder
sowjetischer Außenpolitik.
Rußland
war vor der Revolution eine Großmacht, und die Sowjetunion ist heute
eine militärische Supermacht. In Europa und in anderen Teilen der Welt
bleibt abzuwarten, wie die hoffnungsvollen sowjetischen Versprechungen in
echte Veränderungen umgesetzt werden.
Wo wir Flexibilität beobachten, ist
sie herbeigeführt worden, weil der
Preis der Aggression zu hoch war weil wir die Mujahedin in Afghanistan
unterstützt haben.

Genau darauf konzentriert sich
unsere Tagesordnung. Wir - und unsere Verbündeten - setzen unsere Stärke
ein, um Fortschritte auf allen Ebenen
zu erzielen. Wir setzen den INF-Vertrag bereits in die Praxis um. Vor
wenigen Wochen konnte ich in Marshall
(Texas) einem historischen Augenblick
beiwohnen, als zwei dieser INF-Waffen
vernichtet wurden. Ich war stolz stolz auf die Einigkeit und Entschlußkraft der NATO - stolz auf unsere Stärke und unseren Mut bei der
Verwirklichung eines solchen Abkommens. Jetzt streben wir die weitere
Reduzierung strategischer Waffen an.
In Zusammenarbeit mit unseren Verbündeten wollen wir ein Gleichgewicht
bei den konventionellen Waffen in Europa herstellen. Ein Gleichgewicht,
das sich auf asymmetrische Reduzierungen der Sowjetunion bei Panzern
und Artillerie gründet - Waffengattungen, die einen Angriff denkbar erscheinen lassen. Konventionelle Rüstungskontrolle nimmt bei mir einen
hohen Stellenwert ein und ist zur Erhaltung des Friedens unabdingbar. Es
ist an der Zeit, unsere Anstrengungen
gegen die Weiterverbreitung von Nuklearwaffen zu verdoppeln und das
endgültige Verbot chemischer und biologischer Waffen anzustreben.
Auch
die Menschenrechte - den höchsten Garant einer friedlichen Welt - wollen
wir verbessern.

Sie ist entstanden, weil die Einschüchterung gescheitert ist - weil
wir die Pershing-Raketen und Marschflugkörper in Europa stationiert haben. Heute zieht die sowjetische Armee aus Afghanistan ab. Wir haben
den INF-Vertrag ausgehandelt, der zum
ersten Mal in der Geschichte eine gesarate Kategorie nuklearfähiger Raketen beseitigt.
Die Beweise liegen auf der Hand.
Die Tatsachen sprechen für sich.
Auch heute müssen wir uns die Motivation der Sowjetunion stets vor Augen
führen. Ja - die Sowjets sind durch
ihre Probleme in ihrer Handlungsfähigkeit eingeschränkt. Aber sie werden auch durch unsere Stärke, unsere
Fähigkeit
zur
Abschreckung
von
Aggressionen und die Einheit der Demokratien in die Schranken verwiesen.
Diese Werte aufzugeben, von diesem
Kurs abzuweichen, hieße den Problemen
Tür und Tor öffnen.
Ein Verzicht auf die Politik des
Friedens durch Stärke in der Hoffnung
auf
selbstauferlegte
Zurückhaltung
seitens der Sowjets bedeutet gleichzeitig, eine entscheidende Chance zu
verpassen. Es ist die Chance, von
der Churchill sprach, als er einen
geeinten Westen aufforderte, seine
Stärke zur Erlangung "einer guten

in

allen

Die Hoffnung auf Fortschritte ist
also vorhanden. Die Achtung vor den
Vereinigten Staaten und ihren Verbündeten steigt. Und mit Generalsekretär Gorbatschow und Außenminister
Schewardnadse - so unerbittlich sie
auch sein mögen - ist eine neue und
aufgeklärtere Generation sowjetischer
Politiker in den Kreml eingezogen,
die sehr viel besser in der Lage ist,
mit dem Westen zu kommunizieren und
sich größerer Offenheit und innenpolitischen Reformen verschrieben hat.
Dies berechtigt zu Hoffnungen,
sollte jedoch in keiner Weise unsere

- 3 -

�Verpflichtung zu Frieden durch Stärke
mindern.
An dieser Politik müssen
wir festhalten.
Dieses Ziel einer stabileren und
weniger spannungsgeladenen Beziehung
mit der Sowjetunion ist Teil der weiterreichenden Vision einer Welt in
Frieden und Freiheit - eine Vision,
die für Ihre Generation auf eine Art
und Weise in greifbare Nähe gerückt
ist, während sie für den weitblickenden Churchill nur ein Schimmer am Horizont sein konnte. Es ist die Herausforderung an uns Amerikaner, dies
zu verwirklichen.
Eine wachsende
Zahl von Nationen blickt auf unsere
Führungsrolle bei der Verwirklichung
dieses Ziels. Und ich bin fest davon
überzeugt - Amerika kann es schaffen'.

* * * * *

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Hintergrundmaterial

' V o N **

26. Oktober 1988

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DIE WAHLEN IN AMERIKA 1988

BUSH WÜRDE WELTUMWELTKONFERENZ EINBERUFEN
Artikel über einen Vorschlag im Wahlkampf

WASHINGTON - (AD) - Vizepräsident Bush erklärte, bei seiner Wahl zu Präsidenten würde er eine internationale Konferenz führender Politiker einberufen,
um einen Aktionsplan zur Behandlung der Umweltprobleme auf der ganzen Welt zu
konzipieren.
Einer Stellungnahme seines Wahlkampfbüros zufolge würde sich eine
solche Konferenz vordringlich mit den
klimatischen Veränderungen auf der
Erde, der Zerstörung der Ozonschicht
und dem sauren Regen auseinandersetzen.

verhindert werden soll, indem man die
Emission von Chemikalien beschränkt.

Der Erklärung zufolge würde Bush
zu der vorgeschlagenen Konferenz führende Politiker aus der Sowjetunion,
China, Westeuropa und den Ländern der
westlichen Hemisphäre einladen.

Dieser von 31 Ländern getragene
und in Montreal unterzeichnete Vertrag soll am 1. Januar 1989 in Kraft
treten, wenn ihn genügend Signatarstaaten unterzeichet haben. Er fordert weltweit eine 50prozentige Verringerung bei der Herstellung und
beim Einsatz von Chemikalien wie
Fluorchlorkohlenwasserstoff und Halon
in den nächsten zehn Jahren.

Aus der Verlautbarung geht hervor, daß diese Konferenz ein internationales
Umweltschutzabkommen
nach
dem Vorbild der 1987 unterzeichneten
Vereinbarung
hervorbringen
könnte,
mit der eine Zerstörung der die Erde
in großer Höhe umgebenden Ozonschicht

Die im Rahmen des Wahlkampfes
herausgegebene Erklärung bezeichnet
die allgemeine Erwärmung der Erde
aufgrund des sogenannten Treibhauseffektes als "internationales Problem,
das auf internationaler Ebene gelöst
werden muß". Der Treibhauseffekt ist

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�darauf zurückzuführen, daß durch die
vermehrte Verbrennung von fossilen
Brennstoffen zunehmend Kohlenwasserstoff - der mehr Hitze freiwerden
läßt als andere Gase - in der Atmosphäre gespeichert wird.
Zum Problem des sauren Regens
wird erklärt, Bush unterstütze Bestrebungen zum Emissionsschutz bei
Schwefeldioxyd
und
Stickstoffoxyd,
die für Schäden mitverantwortlich
sind.
Die Verlautbarung weist darauf
hin, daß Bush "internationale Verhandlungen unter seiner Leitung führen will, um die Emission der Verbindungen einzuschränken, die zur Luftverschmutzung auf der Erde beitragen".

* * * * * *

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"VON'^

39

26. Oktober 1988

DIE WAHLEN IN AMERIKA 1988

DIE KANDIDATEN SCHEUEN DAS THEMA STEUERERHÖHUNGEN
D e wirtschaftspolitischen Positionen von Bush und Dukakis

WASHING ON - CAD) - Steuererhöhungen? Absolut ausgeschlossen, erklärt der
re; 'lblikanisehe Präsidentschaftskandidat George Bush.
Nur als letztes Mittel, falls alle anderen Bemühungen zur Senkung des
en.-mei: DefLzits im Bundeshaushalt fehlscilagen, meint sein demokratischer Gege. spicler Micha 31 Dukakis.

Im Verlauf dieser gesamten Kampa le, die von Linken und rechten Beobachtern gleichermaßen als substanzlos verschrien wird, haben sowohl Vizepräsident Bush wie auch Gouverneur
Dukakis im allgemeinen detaillierte
Er Läuterungen dazu vermieden, wie sie
ihr.i Ziele zur Ausgleichung des HaushaLlsdef izit:
verwirklichen
wollen,
während
sii gleichzeitig für neue
Ausj'abenpro^ramme eintreten.
Ihre Haltung zum heiklen Thema
St -uererhöhungen wird weithin auf das
zur Vorsicht mahnende Beispiel Walter
Momlales zurückgeführt, der im Wahlkampf 1984 den amerikanischen Wählern
erklärt hatte,
ihre Steuern müßten,
unabhängig davon, wer in jenem Jahr
zum Präsidenten gewählt würde, erhöht
werden.
Mondale mußte danach eine

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vernichtende
Niederlage
einstecken
und verlor in 49 von 50 Staaten gegen
Reagan - ein Ergebnis, das von den
meisten Beobachtern unmittelbar auf
eine unverdauliche Uberdosis Offenheit zurückgeführt wurde.
Bush hat seine entschiedene Ablehnung von Steuererhöhungen am deutlichsten bekundet.
Einer von seiner
Wahlkampfleitung
herausgegebenen
Grundsatzerklärung
zufolge
ist er
strikt gegen jegliche Steuererhöhung.
"Als Präsident werde ich Ihre Steuern
nicht erhöhen, Punkt", wird er zitiert.
Überdies hat sich Bush die seit
langem von Präsident Reagan vertretene angebotsorientierte wirtschaftspolitische Philosophie zu eigen gemacht

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�und fordert im Einklang mit dieser
Position weitere Steuererleichterungen, darunter eine Senkung der Kapitalertragssteuer von 28 auf 15 Prozent.
Der höhere Steuersatz "schreckt
neue Investitionen ab und lähmt das
Wirtschaftswachstum",
argumentiert
Bush. Seiner Ansicht nach wird eine
Absenkung "unsere Wirtschaft erheblich stärken, da neue Investoren in
der Lage sein werden, unbesteuerte
Gewinne in die Wirtschaft zu investieren.
Langfristig bedeutet dies
mehr Investitionen und größere Steuereinnahmen aus anderen Steuerquellen. "
Abgesehen von dem Ankurbelungseffekt, den er sich von einer Senkung
der Kapitalertragssteuer verspricht,
erwartet Bush ein sinkendes Haushaltsdefizit durch Anwendung eines
von ihm so benannten "flexiblen Einfrierens" der Ausgaben.
Aus Bushs Sicht würde sich der
Ausgabenzuwachs in etwa mit der Inflationsrate aller Aufwendungen mit
Ausnahme der Sozialversicherungsleistungen und Zinszahlungen der Inlandsverschuldung decken. In einigen
Ausgabenbereichen könnten die Ausgabenzuwächse unterhalb der Inflationsrate gehalten werden, um den rascheren Anstieg von Ausgaben in anderen
Bereichen einschließlich der Krankenversicherungsleistungen im Rahmen der
Medicare- und Medicaid-Programroe aufzufangen.
Während Bush davon Abstand genommen hat, öffentlich Programmbereiche
zu benennen, in denen verstärkt Einsparungen vorgenommen werden, haben
die Wahlkampfberater die Ausgaben für
Autobahnen,
Militärstützpunkte
und
die Unterstützung der Städte als mögliche Bereiche angeführt.
Im Verlauf der Kampagne hat Bush
wiederholt eine Formulierung verwendet, die an Präsident Reagan erinnert: "Die amerikanischen Arbeitnehmer zahlen nicht zu wenig Steuern -

die Bundesregierung gibt nach wie vor
zu viel aus."
Dukakis wiederum erklärt, alles
in seinen Kräften Stehende tun zu
wollen, um eine Steuererhöhung zu
vermeiden. Er hat jedoch die Position wiederholt bekräftigt, die er
vor knapp einem Jahr in einer Rede an
der Harvard Law School bezogen hat,
die immer noch von seinem Wahlkampfbüro verteilt wird: "Kein verantwortungsbewußter Bewerber um die Präsidentschaft
kann
Steuererhöhungen
vollständig ausschließen, sofern sie
erforderlich sind."
Dukakis erklärt, er selbst habe
keine weiteren Steuererhöhungen versprochen, als er im Jahr 1974 zum
Gouverneur von Massachussets gewählt
wurde und "sein Lehrgeld dafür bezahlen müssen", daß dies keine sonderlich kluge Entscheidung gewesen sei.
Mit dem Vermächtnis eines enormen Defizits konfrontiert, stellt er fest,
"Ich mußte Programme kürzen, die ich
in meiner Zeit als Anwalt befürwortet
hatte. Ich mußte die Steuern erhöhen.
Ich habe politisch Blessuren
davongetragen, nicht nur, weil ich
schwierige Entscheidungen getroffen
habe, sondern auch weil ich im Wahlkampf den leichteren Weg gegangen
bin."
In der zweiten der beiden Fernsehdebatten mit Bush erklärte Dukakis
jedoch am 13. Oktober, ein kontinuierlicher, schrittweiser Abbau des
jährlichen
Haushaltsdefizits
könne
durch eine Kombination von "eindeutigen Entscheidungen bezüglich der Ausgaben" erzielt werden, indem das
Wirtschaftswachstum ermutigt und Maßnahmen in die Wege geleitet würden,
um bereits fällige Steuern einzuziehen.
"Meiner Ansicht nach ist es gewissenlos, daß wir davon sprechen
oder daran denken, dem Durchschnittsamerikaner neue Steuern aufzubürden,
wenn Milliarden verfügbar sind - über
100 Milliarden Dollar an ausstehenden
Steuern - die noch nicht entrichtet

- 2 -

�rargesetz von 1985 als "hervorragende
Gesetzesgrundlage".

sind", stellte er fest.
Was die schwerwiegenden Entscheidungen bezüglich der Ausgaben angeht,
schlägt Dukakis vor, viele davon müßten im Bereich der Verteidigung getroffen werden. Im Verlauf des Wahlkampfes hat er sich insbesondere auf
eine Kürzung der massiven Ausgabenpläne für die Strategische Verteidigungsinitiative (das von der ReaganAdministration energisch betriebene
und auch von Bush befürwortete weltraumgestützte System), die MidgetmanRakete sowie die mobile Version der
MX-Rakete eingeschossen.

Obwohl die Kandidaten versuchten,
sich gegenseitig als Bedrohung für
das Wohlergehen der Nation darzustellen - wobei Dukakis behauptete, Bush
würde Haushaltseinsparungen auf Kosten des Sozialversicherungssystems
erzielen wollen, während Bush Dukakis
als eingefleischten Gegner von Verteidigungsausgaben
bezichtigte
scheinen die Meinungsverschiedenheiten eher rhetorischen als realen Charakter zu haben.

So wichtig Verteidigung auch sein
ma;$, argumentierte er in der Debatte
vom 13. Oktober, "man kann unsere militärische Sicherheit nicht losgelöst
von unserer wirtschaftlichen Sicherheit betrachten".

So hat Dukakis versprochen, sich
für starke konventionelle und nukleare Defensivstreitkräfte einzusetzen,
während Bush im Rededuell am 13. Oktober versprach, "ein gesundes Sozialversicherungssystem"
aufrechtzuerhalten und weiterhin "Engagement für
die älteren Mitbürger zu zeigen.

"Wie können wir ein militärisch
starkes Amerika aufbauen, das auf
einem Berg von Schulden balanciert?",
fr igte er.
Dukakis erklärte in den beiden
Debatten, die er mit Bush im Wahlkampf führte, ein weiterer Bereich
möglicher
erheblicher
Einsparungen
sei die Landwirtschaft. "Wir sollten
für dieses Land eine Agrarpolitik
entwerfen können, die unseren Farmern
und ihren Familien faire Preise und
eine aussichtsreiche Zukunft gewährt,
ohne dafür jährlich 20 bis 25 Milliarden Dollar aufzuwenden, wie wir es
unter dieser Regierung getan haben,"
erklärte er am 25. September.
Dukakis favorisiert seinen Äußerungen zufolge eine Agrarpolitik, die
"eine Kontrolle des Angebots und vernünftige Stützung der Preise" vereinigt, wobei die Gewinne den "landwi rtschaftlichen
Familienbetrieben
zufließen sollen, die sie am dringlichsten benötigen".
Bush reagierte darauf im zweiten
Fernsehduell und erklärte, er sei gegen
Produktionskontrollen
und betrachte das gegenwärtig gültige Ag-

Beide Kandidaten haben innenpolitische Vorschläge unterbreitet, die
der Regierung zusätzliche Kosten verursachen würden.
In Dukakis Programm haben die
Ausweitung
der
Krankenversicherung
auf alle Arbeitnehmer und die Entwicklung eines neuen Förderprogramms
für
Collegestudenten
Vorrang, die
beide größtenteils mit privaten Mitteln finanziert werden sollen. Bush
hat erklärt, er wolle als "Präsident
des Bildungswesens" bekannt werden
und sich als engagierter Umweltschützer erweisen, wobei er in diesen Bereichen Mehrausgaben vorschlug.
Bei einem Wahlkampf, in dem "der
Wert der Familie" im Mittelpunkt
steht, wenden beide Kandidaten ihre
Aufmerksamkeit der Betreuung von Kindern berufstätiger Eltern zu. Dabei
steht Bushs Vorschlag im Einklang mit
seiner Theorie der Steuersenkung: er
würde
einkommensschwachen
Familien
Steuerfreibeträge gewähren, mit denen
die Einnahmen zunächst jährlich um
etwa 1,5 Milliarden Dollar verringert
würden.

- 3 -

�Obwohl
die
allgemeine
Wirtschaftslage ihr Schlaglicht auf den
gesamten Wahlkampf geworfen hat, bekundeten beide Kandidaten bestenfalls
vage Vorstellungen über einzelne Maßnahmen, die sie ergreifen würden, um
ein Haushaltsdefizit abzubauen, das
sich immer noch auf jährlich nahezu
150 Milliarden Dollar belauft.
Dukakis, dem zufolge das Defizit
das "vorrangigste Problem" der Regierung darstellt, hat über die zahlreichen im Rahmen seines Wahlkampfes erarbeiteten Informationsblätter hinaus
niemals eine definitive Stellungnahme
abgegeben.
Während Dukakis weite Bereiche
potentieller Einsparungen klar definierte, hat Bush es abgelehnt, dies
zu tun. Auf wiederholte Fragen bei
einer Pressekonferenz am 16. Oktober,
genaue Pläne zum Abbau des Defizits
vorzulegen, erklärt er: "Ich konzentriere mich auf den 8. November (den
Wahltag), und ich möchte nicht zu
voreiligen Schlüssen verleitet werden, weil sich die Dinge jetzt gut
entwickeln."

* * * * * *

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Hintergrundmaterial

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26. Oktober 1988

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DIE WAHLEN IN AMERIKA 1988

MITTELWESTEN IST FEUERPROBE FÜR DUKAKIS-WAHLKAMPAGNE
- Von C. David KGLok -

(Der nachfolgende Artikel ist der vierte in einer Reihe von Beobachtungen zum
Präsidentschaftwahlkampf von Autoren aus unterschiedlichen Regionen der Vereinigten Staaten. Mr. Kotok ist Chefredakteur des politischen Ressorts beim
Omaha World-Herald.)
OMAHA - (AD) - Die riesige, als
Mittelwesten bekannte Region der Vereinigten Staaten wird zur Feuerprobe
für Michael Duakakis bei seinen Bestrebungen, dem republikanischen Vizepräsidenten George Bush bei den
Wahlen am 8. November 1988 eine Niederlage beizubringen.
Sämtliche Prognosen über einen
Sieg von Dukakis beginnen damit, daß
er in seinem Geburtsstaat im Nordosten und in den an der Pazifikküste
gelegenen Staaten Kalifornien, Oregon
und Washington eindeutig vorne liegt.
Da sowohl die demokratischen als auch
die republikanischen Wahlkampfbeobachter nahezu den gesamten oder doch
den größten Teil des Südens Bush zugestehen, ist der Mittlere Westen zum
entscheidenen Schlachtfeld für beide

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Kandidaten geworden.
Dukakis konnte gleich zu Beginn
einen Vorteil in den 12 Staaten des
Mittelwestens verzeichnen, die sich
entlang der großen Seen zu den unendlichen Weizenfeldern und Farmen an
der westlichen
Grenze der Rocky
Mountain-Staaten erstrecken. Im Anschluß an seine Nominierung in New
Orleans hat Bush jedoch in vielen
dieser Staaten aufgeholt oder die
Führung übernommen.
Der Mittelwesten ist eine charakteristische Region, deren Wirtschaft
auf Landwirtschaft und die verarbeitende Industrie ausgerichtet ist.
Während Bush landesweit mit dem derzeitigen Wirtschaftsaufschwung wirbt,
war die Konjunktur im Mittelwesten

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�sehr viel schwächer als In zahlreichen anderen Landesteilen. Die beiden Wirtschaftszweige, von denen der
Mittelwesten abhängig ist - verarbeitende Industrie und Landwirtschaft haben in den achtziger Jahren im
großen und ganzen mäßig abgeschnitten.
Der Mittlere Westen hat ein Symbol - den Maiskolben. Von den Industriestaaten Ohio, Indiana, Michigan
und Illinois bis zu den Präriestaaten
Kansas, Nebraska, North und South
Dakota ist das eine konstante Element
der Maisanbauer.
In unterschiedlichem Umfang ist die Landwirtschaft
ein Schlüsselelement der Wirtschaft
in jedem dieser Staaten.
Da fünf bis zehn Prozent der Bauern ihr Land Mitte der achtziger Jahre verloren hatten und die Dürre des
Jahres 1988 der sich erholenden Landwirtschaft schwere Schäden zufügte,
sah man dies als eine günstige Region
für die Demokraten an. Der amerikanische Senator Charles Grassley, ein
Republikaner aus Iowa, und Senator
J.J. Exon, ein Demokrat aus Nebraska,
stimmen darin überein, daß es Dukakis
und den Demokraten nicht gelungen
ist, aus den Schwächen der Landwirtschaft Kapital zu schlagen. Dies ist
teilweise auf eine Bemerkung von
Dukakis zurückzuführen, die er vor
über einem Jahr bei einer Wahlkampfveranstaltung in Iowa gemacht hat,
als er den Mais und Sojabohnen anbauenden Farmern erklärte, sie sollten
sich nach alternativen Getreidesorten
umsehen,
einschließlich
belgischer
Endivien, einer teuren Salatsorte.
Diese Bemerkung schien das mangelnde
Wissen des Gouverneurs von Massachusets über Landwirtschaft zu unterstreichen.
Wann immer Bush und sein Vizepräsidentschaftskandidat Dan Quayle In
den ländlichen Gebieten des Mittelwestens
Wahlkampfveranstaltungen
durchführen, erinnern sie die Wähler
an die Bemerkung über die belgischen
Endivien.
Quayle schreckte sogar
nicht davor zurück, eine belgische
Endivie
mitzubringen,
um
damit

Dukakis noch lächerlicher zu machen.
Ein weiteres Thema von Bush bei
den Bauern des Mittelwestens ist das
von Präsident Jimmy Carter als Reaktion auf die Invasion Afghanistans
beschlossene und im Jahr 1980 verhängte Embargo auf Getreideverkäufe
an die Sowjetunion. Bush erklärte,
das Embargo bilde den Kern der landwirtschaftlichen Probleme der achtziger Jahre.
Bei einem Angriff der
Konservativen gegen die Demokraten
stellte Bush fest, Dukakis strebe
staatliche Kontrollen über die jeweiligen Entscheidungen der Farmer an.
In der letzten Debatte versuchte
Dukakis diesen Angriffen mit der Erklärung zu begegnen, er wolle keine
staatlichen Interventionen
in der
Landwirtschaft, die über die im heutigen Landwirtschaftsgesetz vorgesehenen Produktionskontrollen hinausgehen. "Ich bin gegen Embargos", sagte
Dukakis in der letzten Debatte. "Ich
bin ferner gegen das Pipeline-Embargo, das Sie (die Republikaner) verhängen wollten; das war ein weiterer
Fehler, der Tausenden von amerikanischen Arbeitern im Mittelwesten ihren Arbeitsplatz gekostet hat."
Im Mittelwesten ist der Handel
das
beherrschende
außenpolitische
Thema.
Bei über der Hälfte ihrer
Mais-,
Soja- und
Weizenproduktion
hängen die amerikanischen Bauern vom
Export ab.
Die Landbevölkerung im
Mittelwesten neigt zur Verteidigung
des freien Handels, weil sie auf die
ausländischen Märkte angewiesen ist.
Hingegen machen sich die Arbeitnehmer
In städtischen Gebieten eher Sorgen
über ausländische Konkurrenz bei Industrieprodukten und tendieren deshalb
zu einer eher protektionistischen Haltung.
In einer Region
ohne Küstenstreifen ist Handel das
außenpolitische Thema.
Inmitten der Mais- und Sojabohnenfelder im Zentrum dieses flachen
Landes
erheben
sich
unvermittelt
große Städte wie Chicago, die heimliche Hauptstadt dieser Region. Vie-

�le Industriezweige, auf denen vormals
das Schwergewicht dieser Industriestädte lag, darunter die Stahlhütten
um Chicago, die Automobilfabriken in
Detroit und in ganz Ohio, die verarbeitende Industrie in Milwaukee und
St. Louis, wurden stillgelegt oder
mußten starke Einbußen hinnehmen, als
sie durch den überbewerteten Dollar
Mitte der achtziger Jahre an Konkurrenzfähigkeit verloren.
Als Dukakis in diesen Städten als
Wahlkämpfer auftrat, der von einer
"Wirtschaft wie ein Schweizer Käse"
sprach, die Teilen des Landes den
Wohlstand in den Bereichen Hochtechnologie und Dienstleistungen vorenthalte, wie er an der Ost- und Westküste offen zutage tritt, so brachte
dies den Demokraten zu Anfang Pluspunkte in der öffentlichen Meinung
ein.
Allerdings zeigten sich in den
Jahren 1987 und 1988 sowohl in der
Landwirtschaft als auch in den verarbeitenden Industrien der Region erste
Ansätze von Verbesserungen, wodurch
Bushs Kampagne unter dem Schlagwort
"Frieden und Wohlstand" an Glaubwürdigkeit gewann.
Da viele ehemalige Beschäftigte
in der Automobil- und Stahlindustrie
sowie in anderen Industriezweigen die
ausländische Konkurrenz für ihr Dilemma verantwortlich machen, haben
Dukakis und sein Kandidat für die Vizepräsidentschaft,
Lloyd
Bentsen,
versucht, härtere Maßnahmen beim Handel - oder "ökonomischen Nationalismus" - zu benutzen, um Unterstützung
in den Städten zu gewinnen. Während
einer Rede in einer Fabrik in St.
Louis erklärte der demokratische Kandidat: "Vielleicht möchten die republikanischen Kandidaten, daß unsere
Kinder für ausländische Besitzer arbeiten, ausländischen Besitzern Miete
zahlen und ihre Zukunft ausländischen
Besitzern verdanken."
Das Thema kam im Mittelwesten
durchaus an, aber Dukakis benutzte es
an der falschen Stelle und über-

raschte seine Zuhörerschaft von Fabrikarbeitern
damit.
Dukakis war
sich nicht bewußt, daß die Firma, bei
der er seine Rede hielt, seit längerem erfolgreich geführt wird und der
italienischen Familie gehört, die
Hauptanteilseigner bei Fiat ist. Die
Attacke gegen ausländischen Besitz
war ein weiterer auf einer ganzen
Liste von Dukakis-Fehlern; ein lokaler Vertreter der Republikaner erklärte, "jedesmal, wenn Dukakis in
unseren Staat kommt, gewinnen wir
Stimmen".
Jede Seite verläßt sich auf den
zweiten Mann auf der Wahlliste, um
die Botschaft der Partei in den Mittelwesten zu tragen. Quayle, ein Senator aus Indiana, führt seinen Wahlkampf als Sohn einer Kleinstadt des
Mittelwestens.
Obwohl Bentsen als
nüchterner Patrizier erscheinen kann,
findet der Senator aus Texas als
Ranch-Besitzer
und Verfechter der
Handelsgesetzgebung Anklang bei der
Bevölkerung dieser Region.
Es war deshalb offenkundig, daß
sich die beiden Kandidaten zu ihrer
einzigen Debatte in Omaha trafen.
Einem ehernen Gesetz der amerikanischen Politik zufolge fällt die
Auswahl des Kandidaten für das Amt
des Vizepräsidenten kaum ins Gewicht.
In dieser Wahl wurde den amerikanischen Wählern wiederholt ins Gedächtnis gerufen, daß der Vizepräsidentschaftskandidat sich sehr wohl
als wichtig erweisen kann. Drei Präsidenten der jüngeren Vergangenheit Harry Truman, Lyndon Johnson und
Gerald Ford, sahen sich unversehens
von der normalerweise unbedeutenden
Position des Vizepräsidenten in das
höchste Amt katapultiert.
Aufgrund dieser Erfahrung wurde
der Bentsen-Quayle-Debatte besondere
Bedeutung beigemessen, insbesondere
in Anbetracht der weiteren Fragen
über
Quayles
Qualifikationen.
Bentsen sprach mehrere wichtige gegen
die Republikaner gerichtete Themen
an, die er in seiner Kampagne in der
gesamten Region vertreten würde: daß

- 3 -

�sich die Illusion des Wohlstandes auf
öffentliche Verschuldung gründe, daß
Ausländer Unternehmen und Immobilien
aufkauften, daß er im Gegensatz zu
Quayle befähigt sei, das Amt des Präsidenten auszufüllen.
Der Republikaner Quayle sprach
die meiste Zeit über Bush und griff
Dukakis an - er ignorierte Bentsen
nahezu völlig. Ständig porträtierte
er Dukakis als jemanden, der die
Steuern erhöhen, die militärische
Einsatzbereitschaft
reduzieren
und
eine Reihe liberaler Maßnahmen durchführen würde.
Der
kritische
Augenblick
der
Fernsehdebatte kam, als Quayle zum
dritten Mal im Verlauf der 90 Minuten
währenden Debatte die Frage gestellt
wurde, wie er vorgehen würde, wenn er
plötzlich das Präsidentenamt übernehmen müßte. Quayle erwiderte, seine
Erfahrung in Senat und Repräsentantenhaus ließen sich mit denen Präsident John F. Kennedys bei seinem
Amtsantritt 1960 vergleichen. Damit
wurde einer der dramatischsten Wortwechsel
des
gesamten
Präsidentschaftswahlkampfes entfacht.
Bentsen: "Senator, ich habe mit
Jack Kennedy zusmamengearbeitet. Ich
habe Jack Kennedy gekannt.
Jack
Kennedy war mein Freund. Sie sind
kein Jack Kennedy, Senator."
Quayle:

"Das war unangebracht."

Bentsen:
"Sie sind derjenige,
der Vergleiche anstellt, und ich bin
derjenige, der ihn gut gekannt hat.
Und offen gesagt sind meiner Ansicht
nach ihre für ihr Land gewählten
Zielsetzungen so abwegig, daß ich den
Vergleich für nicht ganz angebracht
halte."
Die Republikaner reagierten auf
die sich vor allem auf Wirtschaftsfragen und Bushs Entscheidung für
Quayle konzentrierenden Angriffe der
Demokraten, indem sich sich auf Wertvorstellungen beriefen. Die Bewohner
des Mittelwestens betrachten die Wah-

rung traditioneller Werte als ihre
Pflicht. In dieser Region ist die
klassische amerikanische Kleinstadtfamilie im Holzhaus mit Lattenzaun
anzutreffen. Dies ist immer noch das
vorherrschende und wahrheitsgetreue
Bild im Herzen des Landes.
"Recht und Unrecht bilden immer
noch das Kernstück des Lebens im Mittelwesten, wo ich aufwuchs und wo Sie
leben", erklärte Quayle seinem Publikum in einer Kleinstadt in Ohio.
"Ich habe die Werte dieses Landesteils nicht vergessen."
Der demokratische
Senator von
Nebraska, Exon, gibt offen zu, daß
die Republikaner mit ihrer sich auf
WertVorstellungen
konzentrierenden
Kampagne
sehr
erfolgreich
waren.
Bush konnte bei den zu Beginn gegen
Bushs privilegierte Herkunft und Erziehung
voreingenommenen
Bewohnern
des Mittelwestens mit dem Problem des
Fahneneides Erfolge verzeichnen. Obwohl nationale Verteidigung - ebenso
wie Außenpolitik - im Mittelwesten
eine geringere Rolle spielt als im
Süden, wird die Fahne verehrt. Bushs
Kritik an Dukakis, weil dieser ein
Gesetz des Bundesstaates nicht unterzeichnete, das Lehrer auffordert, mit
ihren Schülern den Fahneneid zu sprechen, beeinflußte die Wähler im Mittelwesten, zumal diese wenig über den
Gouverneur von Massachusetts wußten.
Außer beim Problem des Fahneneides errang Bush positive Reaktionen
mit seiner Kritik an Dukakis, daß
dieser Verbrecher mit Samthandschuhen
anfasse, gegen die Todesstrafe sei
und die Kontrolle des Waffenbesitzes
befürworte.
"In diesen Staaten, in
denen die Familie eine hohe Priorität
einnimmt, kommt Werten große Bedeutung zu", erklärte Exon. "Recht oder
Unrecht - Dukakis hat im Hinblick auf
alle Werte Unrecht."
Beide Seiten sind ins Kreuzfeuer
der Kritik geraten, weil sie nebensächliche Fragen behandelt haben anstatt die speziellen Probleme der Bewohner des Mittelwestens anzuspre-

- 4 -

�chen.
Die Agrarpolitik des Landes
wird im nachten Jahr neu erarbeitet,
und kein Präsidentschaftskandidat hat
dazu in einer längeren Rede Stellung
genommen. In dieser vom Export betroffenen Region hat keine Seite dargelegt, wie sie mit Wechselkursschwankungen umgehen will.
Da keiner der Kandidaten aus dem
Mittelwesten stammt und beide offen
zugeben, nicht viel von Agrarpolitik
zu verstehen, muß der Präsidentschaftswahlkampf 1988 im Mittelwesten
noch Interesse wecken.
Bush wird
nicht auf dieselbe Art und Weise verehrt wie der aus Illinois stammende
Ronald Reagan in den Jahren 1980 und
1984. Dukakis gilt als reservierter
Intellektueller von der Ostküste und
hat es bisher versäumt, die Unzufriedenheit mit Bushs Kandidatur in einen
Vorteil für sich umzumünzen.
Dukakis konzentriert sich auf die
Industriestaaten, wenn es um die für
seine Wahl entscheidenden Stimmen
geht. Ein Sieg von Bush in den drei
Industriestaaten des Mittelwestens Ohio, Michigan und Illinois - würde
seine Wahl gewährleisten.
Quayles
Heimatstaat Indiana wird sicher zusammen mit den Hochburgen der Republikaner - Nebraska und Kansas - Bush
beistehen.
Das ländliche Iowa ist Dukakis
stärkster Staat, gefolgt von den liberalsten Staaten der Region, Minnesota und Wisconsin. Missouri, North
und South Dakota tendieren zu Bush.
Die Bewohner des Mittelwestens
haben in ihrem Wahlverhalten Unabhängigkeit bewiesen, und erwartungsgemäß wird Bush seiner Partei nicht
dabei helfen, in dieser Region Sitze
im Senat und Repräsentantenhaus zu
erlangen. In zahlreichen Staaten, in
denen Bush wahrscheinlich den Sieg
davontragen wird, liegen die demokratischen Kandidaten für den Senat erheblich vor ihren republikanischen Gegnern.

* * * * * *

- 5

�AMERIKA DIEN
Hintergrundmaterial

26. Oktober 1988

39

DIE WAHLEN IN AMERIKA 1988

DIE WAHLBETEILIGUNG IN AMERIKA:

WARUM SIE SO NIEDRIG SCHEINT

- Von Raymond E. Wolfinger WASHINGTON - (AD) - Der Autor, dessen Beitrag wir nachstehend "eröffentlichen, ist Professor für politische Wissenschaften und Direktor des State
Data Program an der University of California, Berkeley. Der Verfasser zahlreicher Bücher und Artikel über Wahlen und Wähler ist ehemaliger Vorsitzender
des Sachverständigenrats der National Election Studies.
Jeder weiß, daß Wahlen in Amerika
von einer geringen Wahlbeteiligung
geprägt sind.
1980 und 1984 haben
nur 53 Prozent der Personen im Wahlalter ihre Stimme für einen Präsidentschaf tskandidaten
abgegeben.
Dies steht im krassen Gegensatz zu
den zwischen 70 und 90 Prozent liegenden Wahlbeteiligungen in europäischen Demokratien.
Nur bei den
Schweizern liegt der Prozentsatz noch
unter dem in Amerika. Dies ist keine
nenere Entwicklung, sondern war während des gesamten 20. Jahrhunderts
ein amerikanisches Phänomen.
Die geringe Wahlbeteiligung ist
in den Vereinigten Staaten immer
schon ein bedeutendes Thema gewesen
und
von ausländischen Beobachtern
wird sie ganz allgemein registriert -

United States Information Service
Embassy of the United States of America

und beklagt. Bedauerlicherweise wird
dieses Thema von den hiermit befaßten
Personen häufig fälschlicherweise mit
der Motivation einzelner Bürger verbunden. Im Vergleich zu Bürgern anderer Demokratien werden Amerikaner
als vermeintliche Gelegenheitswähler
betrachtet, die - von der Politik gelangweilt und von der Gesellschaft
entfremdet - Politikern mißtrauisch
und der Regierung argwöhnisch gegenüberstehen und das Ergebnis eines
möglichen eigenen politischen Engagements
pessimistisch
beurteilen.
Bei Europäern ist das angeblich nicht
der Fall, daher auch die 94prozentige
Wahlbeteiligung in Italien, eine 89prozentige in Österreich und Belgien,
und so weiter.
Die Tatsachen aber sehen anders

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�aus. Vor einigen Jahrzehnten führten
zwei politische Wissenschaftler von
der Princeton University erstmalig
eine vergleichende Untersuchung der
öffentlichen Meinung in verschiedenen
Ländern durch.
Sie wollten beispielsweise wissen, auf welche Merkmale ihrer Heimatländer die Befragten
besonders stolz sind. 85 Prozent der
Amerikaner gaben an, sie seien auf
ihr politisches System, auf die Verfassung
und
vergleichbare
Werte
stolz. In Italien, wo die Wahlbeteiligung bei 94 Prozent liegt, waren
nur drei Prozent der Bevölkerung auf
politische Einrichtungen und Abläufe
stolz.
In
aktuelleren
Untersuchungen
wurden die Ansichten gegenüber politischen Institutionen in den Vereinigten Staaten und einigen europäischen
Ländern
erforscht.
Die
Schweizer drückten die größte Zufriedenheit mit ihrer Regierung als Ganzes aus, Amerikaner waren nur geringfügig weniger zufrieden. Ganz am Ende der Skala rangierten die Italiener
als die unzufriedensten.
Die Vereinigten Staaten stehen im Hinblick
auf politisches Interesse unter fast
einem Dutzend Nationen beharrlich an
der Spitze. Die Frage, wie negativ
sie die Möglichkeit eigener Einflußnahme in der Politik beurteilen würden, wenn sie sich selbst politisch
engagierten, beantworteten Amerikaner
und
Bürger
der
Bundesrepublik
Deutschland am wenigsten pessimistisch, die Österreicher am meisten.
Auf die Frage nach der Beurteilung
ihres persönlichen Einflusses auf die
Politik äußerten Amerikaner und Griechen die stärkste Zuversicht, Belgier
die geringste. Die Ergebnisse solcher
vergleichender
Untersuchungen
sind stets die gleichen: wenn die
mögliche Höhe der Wahlbeteiligung in
jedem Land nur aufgrund der Motivation beurteilt würde, stünden die
Vereinigten Staaten an der Spitze
statt an vorletzter Stelle.
Würde bei der Ermittlung der
Wahlbeteiligung nicht danach gefragt,
wieviel Prozent der Personen im Wahl-

alter auch tatsächlich ihre Stimme
abgegeben haben, (die in den USA angewandte
Methode),
sondern
würde
vielmehr der Prozentsatz derjenigen
Wähler zugrundegelegt, die in den
Wählerlisten eingetragen
sind und
tatsächlich an der Wahl teilnehmen
(die in Europa übliche Methode), dann
stünden die Vereinigten Staaten gar
nicht so schlecht da. Nach dieser
Methode liegen die Vereinigten Staaten im internationalen Vergleich an
elfter Stelle - lediglich acht Prozentpunkte hinter dem Ranglistenersten und volle 38 Punkte vor dem
Schlußlicht.
Die Schlußfolgerung daraus lautet
natürlich folgendermaßen:
die wesentliche Erklärung für die niedrige
Wahlbeteiligung in den Vereinigten
Staaten besteht darin, daß hier die
Registrierung vergleichsweise schwierig ist.
Das bedeutet keineswegs,
die amerikanische Wahlbeteiligung sei
in
Wirklichkeit
höher
als
sie
scheint, aber es richtet die Aufmerksamkeit auf die wesentliche Ursache
des Problems.
In einigen wenigen demokratischen
Gesellschaften
besteht
angeblich
Wahlpflicht, wobei NichtWähler mit
einem Bußgeld belegt werden könnten.
Diese Strafe ist aber nicht sehr hoch
und der Katalog berechtigter Entschuldigungen lang. Das Ergebnis der
gesetzlichen
Verpflichtung
scheint
eher moralischer denn finanzieller
Natur zu sein.
Das mit Abstand verbreiteste System zur Durchführung einer Wahl ist
die mehr oder weniger automatische
Registrierung. In den meisten europäischen Ländern ist es dem gesetzestreuen Bürger eine Pflicht, seinen
Wohnsitz den örtlichen Behörden zu
melden. Und bei einem Umzug von einem Ort zum anderen muß man laut Gesetz seine Adressenänderung mitteilen. Das im Zuge dieser Praxis geführte
Personenstandsregister
ist
gleichzeitig ein Wahlregister.
Mit
anderen Worten: wenn man dem Gesetz
folgt, ist man automatisch für die

- 2 -

�sich vor der Stimmabgabe registrieren
zu lassen.

Wahl registriert.
In Italien gibt es zwar keine gesetzlich vorgeschriebene Wahlpflicht,
aber in der Verfassung heißt es, jeder Bürger der Republik habe die
Pflicht zu wählen. Es kann sein, daß
NichtWählern ein entsprechender Vermerk über ihr Fernbleiben von der
Wahl in ihren Personalausweis gestempelt wird.
Darüber hinaus gewährt
die italienische Regierung Personen,
die zur Wahl in ihre Heimatdörfer zurückkehren wollen, eine freie Zugfahrt. Es überrascht niemanden, daß
Wahlen eine Gelegenheit zum Besuch
der Familie in der Heimat bieten.
In Großbritannien gibt es zwar
keine automatische Registrierung, die
Regierung führt aber eine jährliche
Erhebung durch, in deren Verlauf jeder Haushalt zwecks Aktualisierung
des Wahlregisters aufgesucht wird.
Die Briten sagen, es sei ein "Verstoß", sich nicht an dieser Erhebung
zu beteiligen. In Kanada unterstützen alle regionalen Regierungen die
beiden wichtigsten politischen Parteien vor jeder Wahl bei der Durchführung einer Erhebung in allen Haushalten, um die Bürger zur Wahl zu registrieren. Ein Verzeichnis der so
erfaßten Personen wird auffällig für
jedermann sichtbar ausgehängt, so daß
Kanadier stets genau wissen, ob sie
wählen dürfen und, wenn nicht, ob sie
deshalb etwas unternehmen können.
Andererseits trägt jeder Bürger
in den Vereinigten Staaten die Verantwortung, sich als Wähler registrieren zu lassen. In einigen Bundesstaaten ist diese Registrierung
relativ unkompliziert, in anderen etwas schwieriger. Es ist gang und gäbe, daß politisch interessierte Neuankömmlinge in einer Stadt sich nicht
rechtzeitig mit dem Registrierungsverfahren vertraut machen konnten, um
bei einer bestimmten Wahl ihre Stimme
abzugeben. Man muß sich nicht für
jede Wahl neu registrieren lassen, es
sei denn, man hat über einen Zeitraum
von mehreren Jahren hinweg nicht gewählt.
Es ist jedoch unerläßlich,

Die Zahl der abgegebenen Stimmen
ist nicht nur bei den eingetragenen
Wählern allgemein sehr hoch, sondern
auch bei Gruppen eingetragener Wähler, die zumeist als Gelegenheitswähler eingeschätzt werden. Von denjenigen Amerikanern, die noch nie eine
High School von innen gesehen haben,
geben 51 Prozent ihre Stimme ab, verglichen mit 84 Prozent derjenigen,
die mindestens ein Jahr lang weiterführende Studien betrieben haben; die
Kluft zwischen diesen beiden Gruppen
beträgt 33 Prozentpunkte.
Andererseits beläuft sich die Wahlbeteiligung der als Wähler registrierten
Amerikaner ohne Hochschulausbildung
auf 79 Prozent verglichen mit 96 Prozent derjenigen, die weiterstudiert
haben.
Der Unterschied macht hier
nur 17 Prozentpunkte aus. (Aus technischen Gründen ist die in Statistiken genannte Zahl der abgegebenen
Stimmen - auf die sich meine Daten
für bestimmte Teile der Bevölkerung
stützen - stets beträchtlich höher
als die "offizielle", für die Gesamtbevölkerung maßgebliche Zahl. Diese
Disparität hat jedoch keinen Einfluß
auf Vergleiche zwischen den statistisch Erfaßten).
Es ist allseits bekannt, daß insbesondere junge Amerikaner nur gelegentlich wählen und die Wahlbeteiligung mit zunehmendem Alter steigt.
Unter den eingetragenen Wählern bestehen jedoch keine Unterschiede zwischen den einzelnen Altersgruppen und
dem Wahlverhalten. Personen unter 25
werden - wenn sie registriert sind ebenso häufig zur Wahl gehen wie diejenigen im Alter von 55 Jahren. Aus
dem gleichen Grund werden 74 Prozent
der angeblich nicht an Politik interessierten Personen - wenn sie eingetragen sind - dennoch wählen.
Bei einer Analyse dieser Erkenntnisse könnte man sich fragen, welche
Lebensumstände gegen eine Registrierung sprechen.
Ein Wohnsitzwechsel
zählt hier zu den wichtigsten Fakto-

- 3 -

�ren. Die jüngsten Studien des amerikanischen
Statistischen
Bundesamts
über geographische Mobilität belegen,
daß ganze 20 Prozent aller Amerikaner
nicht einmal ein Jahr lang unter derselben Adresse wohnhaft waren.
Im
Jahr 1980 hatten ein Drittel aller
erwachsenen Einwohner zwei Jahre lang
nicht an ihrem damaligen Wohnsitz gelebt. Von hier an werde ich mich auf
die Wahlen des Jahres 1980 beziehen,
da eine der besten Datenquellen zur
Wahlbeteiligung - die Wählerbeilage
der aktuellen Bevölkerungsumfrage des
amerikanischen Statistischen Bundesamts - nach 1980 bedauerlicherweise
keine Erhebungen mehr zur geographischen Mobiltät anstellte. In jenem
Jahr gingen 48 Prozent derjenigen,
die zwei Jahre lang nicht den gleichen Wohnsitz hatten, zur Wahl, verglichen mit 65 Prozent derjenigen,
die über einen längeren Zeitraum hinweg keinen Wohnsitzwechsel vorgenommen hatten. Mehrfache Analysen dieser Daten belegen, daß es hierfür offenkundige Ursachen gibt; jemand, der
gerade umgezogen ist, wird wahrscheinlich aus genau diesem Grund
nicht wählen:
er lebt noch nicht
sehr lange an seinem heutigen Wohnsitz.

Wenn jemand an einen anderen Wohnsitz
zieht, scheinen zahlreiche Dinge entschieden wichtiger als sich in die
Wahlliste eintragen zu lassen. Die
Hälfte der Umzüge findet im Sommer
statt. Wenn jemand im Sommer eines
Wahljahres umzieht, bleibt ihm im
allgemeinen ungefähr nur ein Monat
zur Registrierung vor Ablauf der Eintragungsfrist, die in den meisten
Fällen 30 Tage bis zum Wahltermin beträgt. Wenn er in einem Jahr umzieht, in dem keine Wahlen stattfinden, besteht kein großer Anreiz, sich
registrieren zu lassen.

Dies bringt uns zum zweiten Grund
mangelnder Motivation als Erklärung
für eine niedrige Wahlbeteiligung:
die "Wohnsitzwechsler", also diejenigen, die an ihrem heutigen Wohnsitz
weniger als zwei Jahre lang lebten,
waren ganz und gar nicht weniger interessiert,
informiert,
aufmerksam
oder im politischen Geschehen engagiert als die anderen zwei Drittel
der Bevölkerung, aber es war dennoch
entschieden unwahrscheinlicher, daß
sie zur Wahl gingen. Sie waren Gelegenheitswähler, da sie noch nicht dazu gekommen waren, sich als Wähler
registrieren zu lassen. Zwei Jahre
sind im Zusammenhang zwischen Mobilität und Registrierung kein maßgeblicher Faktor; je länger jemand an seinem heutigen Wohnsitz lebt, umso eher
geht er zur Wahl, wobei mindestens
sechs Jahre eine Obergrenze bilden.
Der Grund dafür liegt auf der Hand.

Da einige Amerikaner - vor allem
die jungen und ungebildeten - wahrscheinlich nicht zur Wahl gehen, sind
die tatsächlichen Wähler kein repräsentativer Querschnitt der Gesamtbevölkerung.
Sie sind eher älter,
wohlhabender und gebildeter.
Diese
soziologischen Erwägungen sind jedoch
politisch nicht von solcher Bedeutung
wie ideologische Richtungen, parteipolitische Präferenzen und Meinungen
zu bestimmten Themen. Wie repräsentativ sind die Wähler in diesen eindeutig
politischen
Denkkategorien?
Die Antwort darauf erhält man durch
den einfachen Vergleich zwischen den
tatsächlichen Wählern und der Gesamtbevölkerung
unter
Berücksichtigung
aller dieser politischen Faktoren.
Die Antwort ist überraschend.
Die
Demokraten sind in den beiden Gruppen
zu gleichen Teilen vertreten, die Republikaner liegen 3,7 Prozent höher

Wenn man an zunehmender Wahlbeteiligung interessiert ist, liegen
die Auswirkungen einiger der hier
vorliegenden
Erkenntnisse
auf der
Hand.
Einerseits wäre es sinnlos,
Zeit mit Patentrezepten zu vergeuden,
wie beispielsweise den Wahltag zum
Feiertag zu machen, Wahlen an einem
Sonntag abzuhalten oder die Wahllokale 24 Stunden geöffnet zu halten.
Mit anderen Worten - die Aktivisten,
die davon überzeugt sind, daß ein
Mittel zu höherer Wahlbeteiligung in
der Registrierung einer größeren Zahl
von Einwohnern liegt, sind auf dem
richtigen Weg.

- 4 -

�und diejenigen ohne Parteizugehörigkeit - die Unabhängigen - schlagen
unter den Wählern kaum zu Buche. Insofern als die Stimmen der Unabhängigen für den Wahlsieger im allgemeinen
unerheblich sind, liegt die Schlußfolgerung nahe, daß selbst eine 100prozentige Wahlbeteiligung höchtwahrscheinlich keine anderen Wahlergebnisse hervorbringen würde.
Alle anderen politischen Unterschiede zwischen den Wählern und der
Gesamtbevölkerung
sind
entschieden
unerheblicher als diese Kluft von weniger als vier Prozentpunkten. Darüber hinaus bilden diese anderen Unterschiede kein gleichmäßiges Muster.
Bei einigen Themen tendieren die Wähler eine Idee mehr nach links, zu anderen sind sie eher konservativ eingestellt; und am wenigsten repräsentiert sind gelegentlich diejenigen,
die zu einem bestimmten Thema überhaupt keine Position bezogen haben.
Diese Unterschiede sind so geringfügig, daß sie bei allen Statistiken
innerhalb der Fehlergrenze liegen.
Mit anderen Worten, es ist wissenschaftlich belegt, daß eine geringe Wahlbeteiligung in den Vereinigten
Staaten weder Hoffnungslosigkeit und
Verdrossenheit des Bürgers widerspiegelt noch ein Wahlverhalten produziert, das absolut nicht repräsentativ für die politischen Präferenzen
der gesamten amerikanischen Bevölkerung ist.

* * * * * *

- 5 -

�; eo

s&gt;

VoN^

AMERIKA DIENST
Wissenschaft und Technik

26. Oktober 1983

39

SCHROTT IM WELTRAUM

WASHINGTON - (AD) - Mehr als 7 000 Objekte von 10 cm Größe aufwärts werden
routinemäßig von Radargeräten des "Kommandos Weltraum" der amerikanischen
Luftstreitkräfte überwacht. Diese Objekte, die in niedrigen Bahnen u= die Erde kreisen, sind zum allergrößten Teil Schrott von Raumflugunternehmen - ausgebrannte Raketen, Raketentrümmer, nicht mehr funktionsfähige Satelliten, Abfälle aller Art und Tausende Bruchstücke von im Laufe der Zeit aufgebrochenen
Satelliten.

Wie die Zeitschrift
"Aviation
Week &amp; Space Technology" kürzlich berichtete, handelt es sich bei nur
fünf Prozent der beobachtbaren Objekte
um
betriebsfähige
Satelliten.
Zwölf Prozent sind "Verpackungsabfall", zum Beispiel Instrumentenverkleidungen, Linsenkappen, etc., 14
Prozent Raketenschrott, 20 Prozent
inaktive Nutzlasten und die restlichen 49 Prozent Fragmente aller
Art. Da sie sich mit 8 - 1 0 km/sec
bzw. 28 800 - 36 000 km/st bewegen,
kommen sie infolge ihrer hohen Geschwindigkeit
geballten
Ladungen
gleich.
Wesentlich größer aber seien die
Gefahren, wie Joseph Mahon, Stellvertretender Direktor für Flugsysteme
der US-Behörde für Luft- und Raum-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

fahrt (NASA) vor einem Kongreßausschuß erklärte, die von den vielen
Zehntausenden sehr kleiner Partikel
erwachsen könnten. Mit den heutigen
Mitteln der Technik seien sie von der
Erde aus nicht aufzuspüren, geschweige denn kontinuierlich zu beobachten.
Berechnungen des Europäischen Raumfahrtzentrums (ESOC) in Darmstadt zufolge dürften manche von ihnen Geschwindigkeiten von ca. 15 OOOm/sec
haben. Selbst ein Farbpartikel kann,
wie vermutlich bei einem Raumtransporter im Jahr 1983 geschehen, unter
solchen Umständen beachtliche Wirkungen erzielen: Nach der Landung wurde
ein regelrechter Krater im CockpitFenster festgestellt, der durch den
"Treffer" erzeugt worden war. Mahon
schätzt anhand der gegenwärtig vermuteten Partikeldichte in Flughöhe der

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Telex: 8-85432

�amerikanischen Raumtransporter (ca.
300 km), daß für diese Flugsysteme
die durchschnittliche Treffergefahr
mit Schadensauswirkung auf 1:30 pro
Flug anzusetzen sei. An Teilen des
Forschungssatelliten SOLAR MAX, die
im Jahr 1984 von Astronauten nach der
Reparatur des Satelliten im Weltraum
zur Erde zurückgebracht wurden, zählte man 3 000 winzige Einschlagkrater.
Die meisten waren durch Partikel oder
Fragmente verursacht, die infolge der
Raumfahrtaktivitäten in den Weltraum
gelangt waren.

größere Sicherheit gegen ein späteres
Aufbrechen in immer mehr Fragmente zu
schaffen.
Man ändere außerdem die
Konstruktion von Raketen, um Explosionen im Weltraum zu verhindern.
Ferner werde die Möglichkeit untersucht, Raumfahrtgeräte, die lange
Zeit einsatzfähig bleiben sollen oder
die künftige Raumstation aus Gefahrenbereichen zu manövrieren.
Spezielle Neuentwicklungen bei der Radartechnik könnten helfen, auch die
kleineren Schrottfragmente zu erfassen und zu beobachten.

Im Laufe der 31 Jahre seit Beginn
des "Zeitalters der Raumfahrt" hat
sich in dem Bereich bis ca. 2 000 km
Höhe, wo auch die meisten Wetter- und
Navigationssatelliten, Satelliten für
Forschungszwecke aller Art und für
Fernerkundung um die Erde kreisen,
eine regelrechte Wolke von Schrottpartikeln angesammelt.
NASA-Wissenschaftler vermuten, daß sich mindestens 35 000 Teile in der Größe von
Murmeln darunter befinden. Ein weiterer "Schrottgürtel" existiert und
wächst in 36 000 km Abstand von der
Erde. Dort sind die Nachrichtensatelliten stationiert. Allerdings ist
in dieser Zone das Abfallproblem noch
nicht so schwerwiegend. Alles in allem müsse aber künftig eher mit Treffern durch Objekte, die von Raumfahrtaktivitäten herrühren, als durch
Objekte natürlicher Herkunft - zum
Beispiel Mikrometeoriten - gerechnet
werden.
Dennoch dürfte gegenwärtig
das Risiko noch gering sein, denn
"unseres Wissens wurde noch kein
Raumfahrtgerät
durch
Objekttreffer
funktionsunfähig gemacht oder zerstört", sagte Mahon.

Angesichts der Tatsache, daß immer mehr Nationen eigene Raumfahrtprogramme aufbauen, entwickle sich
"Abfall im Weltraum" zu einem wachsenden internationalen Problem. Nach
Angaben von Philip Kunsberg vom amerikanisches
Verteidigungsministerium
nahm der Anteil der Sowjetunion als
Verursacher von Schrott im Weltraum
seit 1981 "drastisch zu". Europa und
China starten ebenfalls routinemäßig
Raumfahrtgeräte - Japan, Indien und
andere Nationen sowie private Organisationen werden bald folgen. Somit
wird auch die juristische Frage der
Haftung immer komplexer.

Allerdings sei es an der Zeit,
daß sich technische Experten wie auch
Politiker mit der Frage befassen, wie
dem Problem "Schrott im Weltraum"
beizukommen sei. Denn dieses könne
unter anderem die kommerzielle Nutzung der Raumfahrt erheblich beeinträchtigen. In den USA bemühe man
sich, so Mahon, derzeit darum, Raumfahrtgeräte besser gegen mögliche
Treffer abzuschirmen und so auch

In den Vereinigten Staaten wurde
eine interministerielle Arbeitsgruppe
eingerichtet, die sich nun mit den
einschlägigen technischen und politischen Fragen solcher Aktivitäten
befaßt.
Sie wird auch Vorschläge
ausarbeiten, wann und unter welchen
speziellen Aspekten sich die USA mit
den Regierungen anderer Länder in
Verbindung setzen sollten, wie mit
Hilfe der Technik wenigstens für die
Zukunft MUllmengen im Weltraum verringert und wie rechtliche Fragen geklärt und gelöst werden könnten.

- 2 -

* * * * * *

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Wahlen in Amerika 1988&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Bush: sowjetische Reformen sind vielversprechend trotzdem ist Vorsicht angebracht&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede in Fulton (Missouri)&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Bush würde Weltumweltkonferenz einberufen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Artikel über einen Vorschlag im Wahlkampf&lt;/em&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Kandidaten scheuen das Thema Steuererhöhungen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;die wirtschaftspolitischen Positionen von Bush und Dukakis&lt;/em&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Mittelwesten ist Feuerprobe für Dukakis-Wahlkampagne&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von C. David Kotok&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Wahlbeteiligung in Amerika: Warum sie so niedrig aussieht&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Raymond E. Wolfinger&amp;nbsp;&lt;/em&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Schrott im Weltraum</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST
VoN^

19. Oktober 1988

38

INHALT

DOKUMENTATION
Yeutter; Amerika muß Handelshemmnisae für Hochtechnologie
bekämpfen
- Rede vor Vertretern der Halbleiterindustrie -

HINTERGRUNDMATERIAL
DIE WAHLEN IN AMERIKA 1988

Bush und Dukakis bekennen sich zu politischen Unterschieden
- Artikel über das letzte Fernsehduell der Präsidentschaftskandidaten

WIRTSCHAFT

Warum das Händeringen ein Ende haben muß
- Von Clayton Yeutter und Richard Lyng -

* * * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�AMERIKA DIENST
'VON

Dokumentation

^

19. Oktober 1988

38
YEUTTER:

AMERIKA MUSS HANDELSHEMMNISSE FÜR HOCHTECHNOLOGIE BEKÄMPFEN
- Rede vor Vertretern der Halbleiterindustrie -

WASHINGTON - (AD) - In seiner Rede vor der "Dataquest"-Konferenz der Halbletterindustrie in San Diego erklärte der amerikanische Handelsbeauftragte
Clayton Yeutter, die Vereinigten Staaten müßten gegen Länder vorgehen, die
Entwicklungen im Bereich der Hochtechnologie in wettbewerbsverzerrender Art
uni Weise fördern und dürften sie nicht etwa nachahmen. Er verwies auf Erfolge seiner Behörde bei der Bekämpfung ausländischer Subventionen, staatlicher
Unterstützung und Marktzugangsbeschränkungen beim Handel mit Hochtechnologie,
erklärte aber, "es muß noch viel mehr getan werden. Wir dürfen nicht der Versu:hung erliegen, mit unseren Handelspartnern in einen eskalierenden Krieg
st'indig zunehmender staatlicher Einmischung in den Handel mit Hochtechnologie
ei lzutreten".
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede im Wortlaut:

Es ist mir eine Ehre und ein Vergnügen, heute an der "Dataquest "-Konferenz in San Diego teilnehmen zu
körnen. Da es sich hier um eine Zusammenkunft von Hochtechnologie-Experten handelt, möchte ich diese Gelegenheit ergreifen, um auf einige
der wichtigsten Probleme einzugehen,
di&lt;! insbesondere beim Handel mit
Hochtechnologie auftreten.
Der Bereich der Hochtechnologie
ist eine der schwierigsten Herausforderungen in der Handelspolitik. Das
sclwindelerregende Tempo, in dem sich
di2
Technologie
weiterentwickelt,
stallt Wirtschaftspolitiker vor neue
Herausforderungen. Und auf der ganze I Welt sind Regierungen an der Entwitklung der Hochtechnologie auf eine
Art und Weise beteiligt, die den

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Wettbewerb
verzerrt
schafft, die unserer
dringend bedürfen.

und
Probleme
Aufmerksamkeit

Diese Probleme nehmen in unterschiedlicher Form Gestalt an - als
Subventionen,
verschiedene
Formen
zielgerichteter
staatlicher
Unterstützung, als restriktive Maßnahmen
zur Einschränkung des Marktzugangs
und unfaire oder nicht wettbewerbsfähige Marktpraktiken. Aber sie haben
Beispielcharakter und spiegeln die
starke Einflußnahme von Regierungen
In den Handel mit Hochtechnologie in
der Vergangenheit wie auch heute wider.
Wir unternehmen sowohl auf bilateraler als auch auf multilateraler
Ebene erhebliche Anstrengungen, um

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�dieses Problem in den Griff zu bekommen. Wir haben bereits Erfolge erzielt, es muß aber noch viel mehr getan werden. Die Bedeutung dieser Anstrengungen darf nicht unterschätzt
werden. Es wird von ihren Ergebnissen abhängen, ob der Handel mit Hochtechnologieerzeugnissen von der Kreativität der Ingenieure und Unternehmer und den Wettbewerbskräften freier
Märkte oder von den "bodenlosen Tascnen" der jeweiligen nationalen Finanzministerien
und
bürokratischer
Akrobatik geprägt sein wird.
Im Vorfeld ist dazu meiner Ansicht nach der Hinweis wichtig, daß
die bei Hochtechnologiefirmen stattfindende staatliche Einmischung sich
nur wenig von den Erfahrungen unterscheidet, wie sie in anderen Industriezweigen - wie etwa in der
Stihl-, Agrar- und Automobilindustrie
- gemacht wurden.
Das heißt, die
sich in den Industriezweigen der
Hochtechnologie ergebenden Probleme
im Handel spiegeln oftmals Probleme
wider, die bereits in anderen Industriezweigen aufgetaucht sind.
Einzelne Faktoren machen jedoch
den Hochtechnologiebereich sehr anfällig für verzerrende Handelspraktlkei. Wie Sie wissen, betreiben solche Unternehmen in hohem Maße Forschung und Entwicklung, und ihre Produkte haben vielfach eine kurze Lebensdauer. In dieser kurzen Lebensdauer der Produkte müssen die Firmen
nicht nur ihre Herstellungskosten und
einen vernünftigen Gewinn, sondern
auch Mittel für weitere Forschung und
Entwicklung erwirtschaften. Wenn ein
Unternehmen der Hochtechnologie einmal durch unfaire Praktiken ausländischer Regierungen aus einer Position technischer und finanzieller
Wettbewerbsfähigkeit
herauskatapultiert wird, kann der Niedergang eines
solchen Unternehmen rasant erfolgen nn i endgültig sein. Die Kosten für
einen Wiedereintritt in den Markt wären unerschwinglich und einmal brachliegende
hochspezialisierte
technische Fähigkeiten sind nicht leicht
wiederzubeleben.

Ich möchte auch hinzufügen, daß
die mit der Hochtechnologie verknüpften Überlegungen zum nationalen Prestige die Handelsprobleme, von denen
diese Industriezweige betroffen sind,
noch hartnäckiger erscheinen lassen.
Zu jener Zeit, als die amerikanische Technologie eine unangefochtene Vormachtstellung innehatte, konnten wir es uns vielleicht leisten,
die Einmischung ausländischer Regierungen zu ignorieren.
Aber diese
Zeit ist vorbei.
Die Einmischung
ausländischer Regierungen hat unseren
Zugang zu ausländischen Märkten eingeschränkt und die Entwicklung leistungsfähiger
Konkurrenten
begünstigt, die auf offenen Märkten Marktanteile erobern.
Und das Problem
löst sich nicht von selbst.
Wir sollten einige der Maßnahmen
betrachten, die uns Sorge bereiten.
Marktzugang
Hindernisse gegen den Marktzugang
können so direkt und verbreitet sein
wie Zölle - und in zahlreichen Entwicklungsländern wie auch in einigen
Industrienationen bilden Zölle nach
wie vor ein wichtiges Hindernis gegen
den Handel mit Hochtechnologie. Oder
es gibt wie in Japan eine komplexe
Mischung aus nichttarifären Hemmnissen, staatlicher Lenkung und "Kauft
japanische Produkte"-Kampagnen.
Zu
den Hindernissen im Bereich der Telekommunikation zählen formelle und informelle Bestimmungen mit dem Tenor
"Kauft einheimische Erzeugnisse" in
Beschaffungsverträgen der jeweiligen
Ministerien für Post und Fernmeldewesen. In allen Fällen verzerren diese
Handelshemmnisse den freien Markt,
schädigen
ausländische
Lieferanten
und einheimische Benutzer von Hochtechnologieerzeugnissen.
Durch die
Schaffung eines gesicherten Marktes
im Inland können Zugangsbeschränkungen auch dazu führen, daß Unternehmen
mit einer gesicherten Verkaufsgrundlage auf dem geschlossenen Markt die
Preise unterbieten.

- 2 -

�Bedauerlicherweise hat der japanische Erfolg bei der Entwicklung einer sehr konkurrenzfähigen Hochtechno Logieindustrie
und
gleichzeitigen
Importbeschränkungen bei anderen Ländern zu der Annahme geführt, die japanische Methode sei das Patentrezept
für Wettbewerbsfähigkeit
in diesem
Bereich.
Als vorzügliches Beispiel e*ner
Regierung,
die sich
fehlgeleiteter
Einmischung dieser Art bedient, kann
Brasilien mit einem Paket von Zugangsbeschränkungen, Subventionen und
nachlässigem Schutz geistigen Figentuns dienen, die zusammen eine umfasse ide Politik für die Hochtechnologie
bi den. Das Land schlägt in den Bere Lehen "Informatik" und Telekoirmunika ion eine Politik ein, mit der Impo te substituiert und in brasilianische! Hand befindlicher Besitz gefö dert werden.
Brasiliens Sonderst »b für Informatik kann den Iwport
vo l Hechtechnologieerzeugnissen verbieten, wenn ein ähnliches Produkt
von einem brasilianischen Unternehmen
in Brasilien hergestellt wird.
Impo te der meisten Digitalrechner und
ähnlicher Produkte - einschließlich
Mii.ro- und Minicomputern, Geräte der
Te:ekommunikation,
Faseroptik
und
So tware - können vom brasilianischen
Ma--kt verbannt werden, und das ist in
de- Vergangenheit auch geschehen.
Als
Ergebnis
dessen
sind
die
Preise für Computer in Brasilien etwa
dreimal so hoch wie auf dem Weltmarkt, und modernste Computer sind
nu:
als
Schmuggelware
erhältlich.
Da:; schadet dem brasilianischen Verbraucher, den brasilianischen Unternehmen, die «it Computern arbeiten
wie auch den Vereinigten Staaten und
anderen
ausländischen
Firmen,
die
Ho&lt;:htechnologieerzeugnisse in Brasilien absetzen wollen.

Staatliche Subventionen und PCrder•intel "
Die Vereinigten Staaten erkennen
di&lt; legitime Rolle an, die einer Re-

gierung bei der Förderung der Grundlagenforschung
und
der Entwicklung
von Technologie für die Landesverteidigung zukommt, haben selbst aber von
der Entwicklung
rein
kommerzieller
Technologie Abstand genommen. Im Gegensatz dazu haben Regierungen auf
der ganzen Welt die Entwicklung und
Vermarktung
von
Hochtechnologieerzeugnissen zur grundlegenden nationalen Zielsetzung erhoben.
Staatliche Subventionen und Fördermittel
beschränkten
sich
dabei
nicht allein auf Forschung und Entwicklung. Hierfür liefert Airbus Industries ein gutes Beispiel. Die Regierungen von Großbritannien, Frankreich, der Bundesrepublik Deutschland
und Spanien haben beschlossen, daß
ihre Länder auf nationaler Ebene in
der
zivilen
Luftfahrt
tätig
sein
sollten.
Um dieses Ziel zu erreichen, haben diese drei Regierungen
dem
Airbus-Konsortium
umfangreiche
finanzielle
Unterstützung
gewährt.
Diese Unterstützung erfolgte in Form
staatlicher
Finanzierung
von
Forschung und Entwicklung für die Luftfahrt und durch umfangreiche staatliche Kredite, mit denen Verluste bei
der Flugzeugproduktion abgedeckt werden sollten.
Bei der Kreditvergabe
waren die RUckzahlungszeiträume und
-bedingungen für Airbus sehr großzügig
bemessen.
Als
Folge
dieser
staatlichen Unterstützung konnte Airbus seine Anteile am Weltmarkt erheblich steigern und zu einem ernstzunehmenden Konkurrenten für amerikanische Unternehmen werden.
In Japan prüft die Regierung routinemäßig
vielversprechende
neue
Technologien
und
finanziert
Forschungs- und
Entwicklungsprogramme,
die japanische Firmen zusammenführen,
damit der kommerziellen Nutzung dieser Technologien Vorschub geleistet
wird.
Das bekannteste Beispiel dieser Aktivitäten liefert das Projekt
VLSI (Integration in großem Umfang Very Large Scale Integration), das
japanische Unternehmen Ende der siebziger Jahre
in die
DRAM-Industrie
(Dynamische Speicher mit wahlfreiem

- 3 -

�Zugriff - Dynamic Random Access Memory) katapultierte, aber darüber hinaus werden zahlreiche Projekt" durchgeführt, die uns Anlaß zu großer Besorgnis bieten. Die japanische Regierung unterstützt wichtige kommerzielle Forschungs- und Entwicklungsprogramme für Supraleiter, Optoelektr&gt;nik,
Galliumarsenid,
keramische
Werkstoffe, neue Computergenerationen
un 1 Software.
In den aufstrebenden Industrieländern haben Regierungen die Beteiligung an Hochtechnologiefirraen zur
nationalen Priorität erklärt. Es ist
vo1 besonderer Bedeutung, daß die
jü igstr Entwicklung der Halbleiterpr xiukt ion in einer Reihe von asiatischer Entwickjungs]ändern in nahezu jedem Falle auf Anstrengungen der
Re;ienng zurückzuführen •'st.
In einigen Fällen wurden staatli herseits industrielle Strukturen
ge.örd*rt, die zu Verzerrungen beim
Ha idel geführt haben. Bisweilen resultiert dies aus Haltungen und Gesetzen zur Durchsetzunp von Antitrjst-hestimmungen, die sich stark
vo) den in den Vereinigten Staaten
an .ewatidten unterscheiden. In Japan
ha Jen ::um Beispiel dfe Hersteller von
Fernsehgeräten von den späten fünfzige - bi; zu den fruhtn siebziger Jahre i b(i der Festsetzung der Preise
un ! Produktionsquoten zusammengearbeitet. Dieses Verhalten verhinderte
dei Zugang neuer Konkurrenten zum
Ma kt und führte zum Dumping japanischer Fernsehgeräte in den Vereinijten Staaten. Die Preise außerhalb
Japans fielen auf ein Niveau, durch
da &gt; die meisten amerikanischen Produ:enten vom Markt verdrängt wurden.
Auch die Struktur der japanischen
Halbleiterindustrie hat zu den Hände Isprcblemen beigetragen, mit denen
wi • in diesem Bereich zu kämpfen habe i. Sie ist viel stärker konzentriert und vertikal integriert als
di ? amerikanische Industrie, und aufgrjnd der weitverzweigten KeiretsuIn lustriegruppierungen in Japan bestehen Verbindungen zwischen Halblei-

terherstellern, Benutzern und Vertreibern sowie Finanzinstitutionen,
die dort wesentlich weitreichender
sind als alles, was in unserem Land
existiert.
Diese Struktur fördert
eine Haltung des "kauft japanisch"
und
erleichtert
Dumping-Praktiken,
indem sie eine indirekte Subventionierung aus anderen Produktlinien
oder langfristige Finanzierung von
Bemühungen zur Marktdurchdringung ermöglicht.

Der Schutt geistigen Eigentums
Eine Aufzählung der Probleme im
Handel mit Hochtechnologie wäre unvollständig, ohne den Schutz geistigen Eigentums zu erwähnen. Im vergangenen Jahr schätzte die Welthandelsorganisation, daß amerikanische
Firmen weltweit aufgrund von Verletzungen des Schutzes geistigen Eigentums bis zu 60 Milliarden Dollar pro
Jahr verlieren. Einige Länder - besonders Entwicklungsländer - gestatten die unerlaubte Nachahmung von Innovationen mit dem Argument, dies sei
eine wirksame Methode zur Entwicklung
ihrer nationalen Industrien. In anderen Ländern bestehen Gesetze über
das geistige Eigentum an Büchern, die
einfach nicht durchgesetzt werden.

Die Reaktion der Vereinigten Staaten
Ich habe soeben eine ziemlich beängstigende Reihe von Problemen im
Hochtechnologiebereich
aufgezählt.
Ich möchte nun darüber sprechen, was
wir zu deren Lösung getan haben oder noch tun müssen.
Zunächst müssen wir ein Klima des
Wettbewerbs schaffen. Wenn wir unsere Unternehmen mit hohen Steuern, unnötigen Vorschriften und anderen Beschränkungen
belasten, denen ihre
ausländischen Konkurrenten nicht unterliegen, werden sie kaum Erfolgschancen haben. Aus diesem Grund ist
die Beibehaltung der von Präsident
Reagan durchgeführten Steuersenkungen, Reformen der Besteuerung und des

�staatlichen
wichtig.

Vorschriftenwesens

so

Als nächstes mlissen wir in der
Wi tschaft ein stabiJes internationale:. Umfeld mit vernünftigen Wechselkursparitäten sicherstellen. Die von
de
gegenwärtigen Administration in
den vergangenen drei Jahren durchgeführte internationale wirtschaftliche
Zusammenarbeit hat Wechselkursparitäten zur Folge gehabt, die amerikanische Firmen außergewöhnlich konkurrenzfähig machen, i nd wir stellen
hei te fest, daß sich diese Bemühungen
langsam auszahltn.
Unser Handelsdefi. it ist seit dem dritten Quartal
19 6 real um übe- 40 Prozent gesunken.
Es reicht jedoch nicht aus, lediglich die makroökonomischen Faktoren zu behandeln.
Die Bundesregierung (sowie die Regierungen der Einze Staaten und Gemeinden) mUssen alle: in ihrer Macht Stehende tun, um
da:; Wettbewerbflumfelc; zu verbessern,
einschließlich Unterstützung von Forschung, Entwicklung und Bildung sowie
Beseitigung
von
Antitrust-Beschränkungen, die amerikanische Firmen dabe
behindern könnten, auf dieselbe
Ar
und Weise zusammenzuarbeiten wie
in e Konkurrenten.
Präsident Reagans
In tiative
zur
Wettbewerbsfähigkeit
aun dem Jahre i987 wurde entworfen,
um diese Faktoren zu behandeln. Vielen seiner Empfehlungen wurde im Allgeneinen Handels- und Wettbewerbsgesetz des Jahres 1938 Gesetzeskraft
ve liehen, aber es gibt noch eine
Re he anderer Empfehlungen, die wir
uns als Nation zu eigen machen können
und sollten.

Ein Blick auf das Chaos im Welthandel mit Agrarprodukten ist in dieser Hinsicht
sehr '..struktiv.
In
diesem
Bereich
ist die staatliche
Einmischung so sehr außer Kontrolle
geraten, daß das überleben der Bauern
nicht von ihrer Wettbewerbsfähigkeit,
sondern von den Launen staatlicher
Maßnahmen und Programme abhängt. Und
den
Verbrauchern
und
Steuerzahlern
werden die Taschen geleert.
Nein, die Antwort besteht nicht
darin, sich den Sündern anzuschliessen, sondern sie zu bekehren.
Wie
stellen wir das an? Zuallererst müssen wir aggressiv gegen die unfairen
Handelspraktiken anderer Staaten vorgehen.
Diese
Administration
hat
durch die Anwendung der ihr in Abschnitt 301 verliehenen Vollmachten
und eine Reihe anderer ihr zur Verfügung stehender Mittel energisch die
Beseitigung unfairer Handelspraktiken
und Schranken gegen unsere Exporte
angestrebt.
Diese Bemühungen werden
fortgesetzt.
Das neue Handelsgesetz
wird dazu beitragen, sicherzustellen,
daß die nächste Administration diese
aggressive Handelspolitik weiterverfolgt, hoffentlich
ohne
Hinwendung
zum Protektionismus.
Insbesondere im Hochtechnologiebereich sind wir schon tätig geworden:

Wir dürfen jedoch nicht der Versuchung erliegen und mit unseren Hände, spartnern in einem eskalierenden
Kr eg mit ständig zunehmender staatlicher Einmischung in den Handel mit
Ho( htechnologie einzutreten.
Es ist
schwer, auf staatliche Interventionen
nicht unsererseits mit Engagement für
industriepolitische Programme zu reagieren, aber eine solche Haltung würde letztlich seibstzerstörerisch wirken.
- 5 -

- Wir haben selbst einen Fall gemäß
Abschnitt 301 in bezug auf Marktzugang, geistiges Eigentum
und
Investitionsaspekte der Informatikpolitik in Brasilien eingeleitet. Obwohl die Ergebnisse unserer Gespräche mit Brasilien meiner Ansicht nach immer noch weit
von einer befriedigenden Lösung
entfernt
sind, haben wir beim
Schutz geistigen Eigentums Fortschritte
feststellen
können.
Überdies hat unser Vorgehen gegen
Brasilien
meiner
Ansicht
nach
dort zunehmend zu der Einsicht
geführt, daß eine solche Politk
kontraproduktiv Ist.
- Wir haben bilaterale Verhandlungen und Konsultationen mit Japan,

�Korea
und
vielen
europäischen
Ländern aufgenommen, um die Liberalisierung ihrer Regelungen im
Telekommunikationsbereich zu fördern. Diese Bemühungen haben positive
Ergebnisse
gezeitigt.
Insbesondere im Licht der Telekommunikationsverfügungen
des
Handelsgesetzes müssen und sollten wir in den nächsten Jahren
noch stärkere Fortschritte machen.
- Wir haben energische Anstrengungen unternommen, um mit den europäischen Regierungen Einvernehmen
über Disziplin im Bereich staatlicher
Unterstützung
der Flugzeugindustrie zu erzielen.
Wir
streben
eine Verpflichtung
an,
derzufolge sie finanzielle Hilfen
für den Airbus zu marktüblichen
Konditionen bereitstellen würden
- kein unvernünftiger Vorschlag.
Bit
jetzt
sind die Ergebnisse
dieser Bemühungen noch nicht sehr
positiv.
Wir werden uns bald
eingehend mit den uns in dieser
Frage zur Verfügung stehenden Optionen bescl äftigen müssen - insbesondere, falls die Regierungen
der am Airhus-Programm beteiligten Länder weitere Unterstützung
bereitstellen.
- Durch
bilaterale
Verhandlungen
unter Zuhilfenahme von Abschnitt
301 sowie unseres GSP-Programms
(Generalized
System of Preferences - Allgemeines Meistbegünstigungssystem)
haben
wir
beträchtliche Erfolge bei der Verbesserung des Schutzes geistigen
Eigentums in einer Reihe von Ländern
erzielt,
darunter
Korea,
Taiwan, Singapur, Indonesien und
Chile.
- Mit Hilfe der von Abschnitt 301
und unseren Antidumpinggesetzen
bereitgestellten Machtmittel haben wir das
amerikanisch-japanische
Halbleiterabkommen
geschlossen.
Aufgrund der Zusammensetzung dieses Forums möchte
ich näher auf diese Vereinbarung
eingehen.
Wie Sie wissen, soll

dieses Abkommen ein Dumping von
Halbleitern verhindern und Zugang
zum
japanischen
Halbleitermarkt
herstellen.
Nach
einem
schwierigen
Beginn
sind die Antidumping-Bestimmungen des
Abkommens
ausgesprochen
erfolgreich
gewesen.
Das
Dumping
japanischer
Halbleiter in den Vereinigten Staaten
und auf anderen Weltmärkten wurde gestoppt. Leider haben die Japaner die
Marktzugangsbestimmungen
nicht
entsprechend eingehalten.
Als Ergebnis
dessen haben die Vereinigten Staaten
aufgrund
von
Vertragsverletzungen
Sanktionen in Höhe von 185 Millionen
Dollar gegen Japan verhängt.
Ähnliche, wegen der Verletzung der Antidumping-Bestimmungen
des
Abkommens
gleichzeitig
verhängte
Sanktionen
wurden nach der Einstellung dieser
Praxis aufgehoben.
Beim Marktzugang machte der amerikanische
Anteil
am
japanischen
Halbleitermarkt
im zweiten
Quartal
dieses Jahres nur 10,2 Prozent aus.
Ungeachtet erheblicher Verschiebungen
bei den Wechselkursen ist dieses Ergebnis nicht besser als der höchste
seit 1970 von amerikanischen Unternehmen in Japan erzielte Marktanteil.
Ein zehnprozentiger Marktanteil steht
nicht im Einklang mit der erwiesenen
Wettbewerbsfähigkeit
amerikanischer
Halbleiterhersteller
auf
anderen
Weltmärkten und erfüllt nicht die Erwartungen der amerikanischen Regierung bezüglich des Marktzugangs.
Trotz unserer Enttäuschung über
die bis heute erzielten Ergebnisse
beim Marktzugang sind wir der Ansicht, daß Fortschritte möglich sind,
wenn die Regierung Japans und die japanischen
Halbleiteranwender
zwei
Dinge tun: Erstens müssen sie erkennen, daß das Ziel dieser Vereinbarung
darin besteht, den ausländischen Anteil am japanischen Halbleitermarkt
den wirtschaftlichen Grundbedingungen
anzupassen und zweitens die notwendigen
marktwirtschaftlichen
Schritte
unternehmen, um dieses Ziel zu erreichen. Diese Schritte würden den Weg

�für die Art konkreter Verbesserungen
bei der ausländischen Beteiligung am
japanischen Markt ebnen, die eine
Aufhebung der Sanktionen gestatten
würden.

wird - meiner Ansicht nach weiterhin
Bestand und müssen verwirklicht werden.

Die Uruguay-Runde
Ich bin mir darüber im klaren,
daß bezüglich dieses Abkommens heftige Kritik im Inland geäußert wurde
- angeheizt durch den rapiden Anstieg
der DRAM-Preise im vergangenen Jahr und erneut Bedenken über die mögliche
Manipulation der DRAM-Produktion und
-Lieferungen durch japanische Unterne lmen laut wurden. Im Hinblick auf
diesen letzten Punkt hat die amerikanische Regierung stets Produktionskoitrollen seitens der japanischen
Regierung abgelehnt und wir werden
solche Kontrollen oder die willkürliche Zuteilung von DRAMs oder andere i Halbleiter-Produ&lt;cten nicht dulden. In der Tat gründete sich die
Entscheidung des Präsidenten, die gege I Japan verhängten AntidumpingSa lktionen aufzuheben, auf die vom
jaianischen Ministerium für internationalen Handel und Industrie (MITI)
abgegebene Erklärung, die japanische
Haibleiterproduktion

werde

keinerlei

Koitrollen unterworfen. Bei den Konsultationen im August hat unsere Regierung dieses Thema mit der japanischen Regierung erörtert und zusätzliche Informationen über die japanische DRAM-Produktion und deren
Exporte gefordert. Dies ist ein Problem, das wir weiterhin sorgfältig im
Auge behalten werden.
Bezüglich der angeblichen Mängel
dieses Abkommens möchte ich nur feststellen, daß wir die gemeinsam von
den
amerikanischen
Verbänden
der
Elektronik- und dem Halbleiterindustrie (AEA und SIA) entwickelten Verbesserungsvorschläge objektiv überprüfen werden. Das Halbleiter-Abkommen versucht, einige höchst schwierige Probleme in den Griff zu bekommen.
Obwohl es nicht perfekt sein mag, haben einige seiner Zielsetzungen - zu
verhindern, daß ein lebenswichtiger
amerikanischer Industriezweig durch
eine Kombination von Dumping und eingeschränkten
Marktzugang
zerstört

Während unsere bilateralen Bemühungen zum Abbau unfairer Handelspraktiken
unvermindert
fortgesetzt
werden, müssen wir im Auge behalten,
daß den Bedürfnissen amerikanischer
Unternehmen langfristig am besten mit
einer soliden Grundlage weltweit respektierter und durchsetzbarer internationaler
Handelsbestimmungen
gedient ist, die nicht nur die traditionellen Problembereiche des GATT
abdecken, sondern auch neue Bereiche
wie geistiges Eigentum, Dienstleistungen und Investitionen umfassen.
Aus diesem Grund haben wir unnachgiebig auf die Eröffnung der UruguayRunde der Handelsgespräche gedrängt,
die jetzt bereits eine Zwischenbilanz
ziehen kann.
Die Uruguay-Runde ist sehr viel
umfassender und ehrgeiziger als jede
vorherige Runde multilateraler Handelsgespräche. Unsere Hauptziele bei
der Uruguay-Runde - Stärkung des
GATT-Systems, Verbesserung der internationalen Bestimmungen in solch traditionellen Bereichen wie Subventionen, Schutzmaßnahmen und Landwirtschaft, weitere Liberalisierung des
Handels sowie die Erarbeitung einer
gemeinsamen GATT-Diszlplin bei den
sogenannten neuen Bereichen wie geistigem Eigentum, Investitionen und
Dienstleistungen - liegen im Interesse aller Sektoren der amerikanischen
Wirtschaft. Ich dränge auf Ihre uneingeschränkte Unterstützung unserer
gemeinsamen Bestrebungen zur Verwirklichung dieser Ziele.
Ferner möchte ich einige Bereiche
der Runde erwähnen, die für die Hochtechnologieindustrie von besonderem
Interesse sind.

- 7 -

- Subventionen:
Exportsubventionen für Industrieprodukte sind im
Rahmen des GATT verboten, aber

�die Bestimmungen, die bei Subventionen im Inland Anwendung finden
- die zweifelsohne die gleiche
verzerrende Wirkung haben können
wie Exportsubventionen
- sind
sehr dehnbar.
Die Vereinigten
Staaten haben einen umfassenden
Vorschlag zur Verbesserung der
Disziplin bei Inlandssubventionen
und zur Schaffung eines wirksamen
Mechanismus zur Klärung internationaler Konflikte über die Anwendung von Subventionen unterbreitet. Diesem Vorschlag wurde
bis heute weder die Aufmerksamkeit noch die Unterstützung zuteil, die er verdient.
In der zweiten Hälfte der Uruguay-Runde werden wir uns verschärft darum bemühen müssen, in
diesem Bereich ernsthafte Verhandlungen in die Wege zu leiten.
Dabei müssen wir sorgfältig zwischen legitimer staatlicher Unterstützung für Forschung, Entwicklung
und
technologischen
Fortschritt einerseits und übertriebenen und verzerrenden Programmen andererseits unterscheiden.
- Geistiges Eigentum:
Unser vorrangiges Ziel in diesem Bereich
besteht in der Erarbeitung eines
internationalen
Abkommens
über
eine Reihe von Normen zum Schutz
des geistiges Eigentums sowie
wirksamer Mechanismen zu deren
Durchsetzung.
Die
Europäische
Gemeinschaft, Japan und die meisten
anderen
Industrienationen
stehen den Vereinigten Staaten
bei der Unterstützung diese Konzepts zur Seite. Einige Entwicklungsländer lehnen diese Bestrebungen ab, aber wir erwarten, daß
es uns schließlich gelingen wird,
ein GATT-Abkommen über den Schutz
geistigen Eigentums auszuhandeln.
Solch ein Abkommen sollte wirksame Mechanismen zur Beilegung von
Konflikten enthalten und strengere
internationale
Normen
zum
Schutz geistigen Eigentums definieren als derzeit in den meisten

Ländern üblich.
- Investitionen:
Zahlreiche Vorschriften zur Regelung von Investitionen, wie zum Beispiel der
Investitionsumfang im Inland und
Bestimmungen über die Exportleistung haben erhebliche Auswirkungen auf den Handel. Diese müssen
vom GATT anerkannt und eine wirksame Disziplin muß zu deren
Durchsetzung erarbeitet werden.
- GATT-Verhaltenskodizes:
Staatliche Beschaffungspraktiken und
Vorschriften
zur Regelung der
Normen können Auswirkungen auf
den Handel mit Hochtechnologiegütern haben. Sie können zur Abschottung von ausländischen Märkten angewandt werden, wie dies in
der Vergangenheit der Fall war.
Wir streben eine Überarbeitung
des staatlichen Beschaffungskodex
im Rahmen des GATT an, um die
staatlichen
Einkaufsabteilungen
abzudecken, die bisher von den
Bestimmungen des Kodex über offene, transparente und dem Wettbewerbsprinzip unterliegende Ausschreibungen ausgenommen waren.
Wir drängen insbesondere die Europäische
Gemeinschaft,
das
Transportwesen und die für schweres elektrisches und Telekommunikationsgerät
zuständigen
Einkaufsabteilungen
der
Disziplin
des Kodex zu unterwerfen. Sollte
uns dies gelingen, würden sich
den
amerikanischen
Unternehmen
zum ersten Mal lukrative staatliche Märkte eröffnen. Wir versuchen ferner, den GATT-Normenkodex zu verbessern, um sicherzustellen, daß die einzelnen Länder
diese Normen nicht als Handelshemmnis anwenden.
Abbau von Zöllen und nichttarifären Maßnahmen (NTMs): Seit seiner Gründung im Jahr 1947 waren
die größten Erfolge des GATT beim
weltweiten Abbau der Zollschranken zu verzeichnen, und im Verlauf der jetzigen Runde werden
sich weitere Gelegenheiten zum

�Abbau von Zöllen ergeben. Insgesamt gesehen stellen Zölle nicht
mehr das wichtigste Hemmnis gegen
den
Marktzugang
von
amerikanischen
Hochtechnologieexporten
dar, aber in bestimmten Fällen,
wie beispielweise in zahlreichen
Entwicklungsländern,
können
sie
ein Haupthindernis für den Handel
sein.
Um zu gewährleisten, daß
diese Verhandlungen tatsächliche
Verbesserungen für den Zugang zu
ausländischen Märkten zur Folge
haben, befürworten wir die vollständige
Einbeziehung
der Verhandlungen über Zölle und spezifische
nichttarifäre
Maßnahmen
für einzelne Produkte.

rikanischer
Unternehmen
gerechtfertigt scheint und mögliche Vorfälle
wie Produktionskontrollen
oder die
benachteiligende Zuteilung von Halbleitern sorgfältig im Auge behalten.
Abschließend möchte ich eine persönliche Bemerkung hinzufügen.
Ich
freue mich ganz besonders Über die
Möglichkeit,
den
Herausforderungen
begegnen zu können, die sich unserer
Halbleiterindustrie stellen.
Es ist
von vorrangiger Bedeutung, daß unser
Land
eine
konkurrenzfähige
industrielle
Grundlage
im Bereich der
Hochtechnologie - einschließlich einer
starken
Halbleiterindustrie
aufrechterhält.
Ich werde Ihre zukünftigen Erfolge mit großem Interesse beobachten.

Sc hlußbemerkung
Die Herausforderungen, mit denen
wir uns durch staatliche Interventionen des Auslands konfrontiert sehen,
sollten nicht unterbewertet werden.
Gleichzeitig ist sich unsere Regierung langfristig gesehen sehr wohl
der Gefahren für unsere Wettbewerbsfähigkeit bewußt, die durch eine solche Einmischung entstehen und begegnet diesen Praktiken mit einer Vielzahl von Ansätzen, die immer größere
Wirkung zeitigen.
Das neue Handelsgesetz ist uns beim Abbau unfairer
Handelspraktiken behilflich.
Gleichzeitig
werden wir
unsere
Bestrebungen
bei den
Verhandlungen
der Uruguay-Runde fortsetzen, um eine
wirksame
GATT-Disziplin
gegen handelsverzerrende Praktiken zu erarbeiten und die wichtigsten Handelshemmnisse anzubauen, denen sich amerikanische Unternehmen - einschließlich
der Hochtechnologie-Firmen - gegenüber sehen.
Und schließlich werden wir unseren bestehenden Abkommen Geltung verschaffen.
Im Rahmen des amerikani seh-japanischen
Halbleiter-Abkommens werden wir beispielsweise unvermindert auf den Anteil des japanischen
Halbleitermarktes
drängen,
der für die Wettbewerbsfähigkeit ame-

- 9 -

�AMERIKA DIENST
w^;
VON

Hintergrundmaterial

&amp;

19. Oktober 1988

38

DIE WAHLEN IN AMERIKA 1988
BUSH UND DUKAKIS BEKENNEN SICH ZU POLITISCHEN UNTERSCHIEDEN
Artikel über das letzte Fernsehduell der Präsidentschaftskandidaten

WASHINGTON - (AD) - Bei ihrer zweiten und letzten Fernsehdebatte im Rahmen
des Präsidentschaftswahlkampfes 1988 bekräftigten Vizepräsident Bush und der
Gouverneur von Massachusetts, Michael Dukakis, am 13. Oktober ihre stark unterschiedlichen Auffassungen zu außen-, verteidigungs- und innenpolitischen
Fragen.

Der
republikanische
Präsidentschaftskandidat Bush und sein demokratischer Gegenspieler Dukakis bekundeten auf dem Campus der University of California in Los Angeles ihre stark divergierenden Meinungen bis
zur Uneinigkeit darüber, worum es bei
der diesjährigen Wahl eigentlich geht.
Bush erklärte bei der Sendung den
etwa 100 Millionen Zuschauern, die
wichtigste Frage laute, mit welchem
Konzept das Land regiert werden kann.
Dukakis zufolge liegt hingegen in
kompetentem Management der Schlüssel
für eine effiziente Regierung. Bush
erhob den Vorwurf, die Verweise auf
Kompentenz lenkten von der wenig beliebten "liberalen" Politik Dukakis
ab.
Dukakis verwies darauf, seine
Erfahrungen als Leiter der Exekutive

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Embassy of the United States of America

eines Bundesstaates böten ihm bessere
Voraussetzungen
zur Führung eines
Landes als Bush, der Präsident Reagan
als Stellvertreter gedient habe.
"Wir wollen Etiketten vermeiden",
erklärte Dukakis. Aber Bush, dessen
Wahlkampf bis jetzt in hohem Maße davon gekennzeichnet ist, daß er seinen
Gegenspieler als zu linksgerichtet
für den größten Teil der Amerikaner
bezeichnet, weigerte sich, das Argument zurückzunehmen.
"Sein linkes
politisches
Programm
gefällt
mir
nicht", erklärte Bush.
Dukakis konzentrierte sich auf
Bushs Unterstützung für Reagans Politik der hohen Verteidigungsausgaben
und behauptete, das Land könne sich
die massiven Ausgaben des Pentagon

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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�der vergangenen sieben Jahre nicht
weiterhin leisten. Er erklärte, effizientes Management sei erforderlich, um in den nächsten Jahren bei
den Verteidigungsaufwendungen solide
Entscheidungen
treffen zu können.
"Ich bin darauf vorbereitet, sie zu
treffen," erklärte der Gouverneur zu
diesen Entscheidungen. "Der Vizepräsident ist es nicht."
"Unseren Ausgaben sind Grenzen
gesetzt", sagte Dukakis.
Er fügte
jedoch hinzu, daß er sich nicht der
Modernisierung amerikanischer Kernwaffen widersetzen werde und eine
Aufrüstung bei konventionellen Waffen
stattfinden sollte.
Bush wies darauf hin, der Verteidigungshaushalt enthalte "keine Verschwendung" und erhob den Vorwurf,
Dukakis gefährde die Sicherheit der
Vereinigten Staaten und des Westens,
indem er die Streitkräfte beschränke,
ohne die Maßnahmen der Sowjetunion zu
berücksichtigen.
"Man nimmt keine
einseitigen Kürzungen in der naiven
Hoffnung vor, daß sich die Sowjets
gut benehmen", erklärte der Vizepräsident.
Bush erklärte, "Liberalen" wie
Dukakis wäre es sicherlich nicht gelungen, genügend militärische Stärke
der Vereinigten Staaten aufzubauen,
um den INF-Vertrag erfolgreich auszuhandeln und stellte fest, Dukakis habe zeitweise das Einfrieren der Kernwaffenpotentiale befürwortet.
In seinen abschließenden Bemerkungen fügte Bush jedoch hinzu, als
Präsident wolle er Verhandlungen über
ein Verbot chemischer und biologischer Waffen führen.
Beide Kandidaten verurteilten das
im Jahr 1979 als Reaktion auf die sowjetische Invasion in Afghanistan gegen Moskau verhängte Getreide-Embargo. Keiner der Kandidaten gab einen
Kommentar zum amerikanischen Haushalts- und Handelsdefizit ab.
Auch zu der gesamten Bandbreite

von innenpolitischen Themen äußerten
die Kandidaten keine neuen Ansichten.
Bush unterstrich erneut, daß er praktisch jegliche Indikation für eine
Abtreibung ablehnt. Dukakis erklärte, die Entscheidung für eine Abtreibung liege einzig und allein bei der
Frau selbst. Bush zufolge werden zum
Teil so schreckliche Verbrechen begangen, daß die Todesstrafe in gewissen
Fällen
gerechtfertigt
ist.
Dukakis erklärte, die Todesstrafe
würde Verbrechen nicht abschrecken
und solle daher abgeschafft werden.
Bush verwies darauf, daß der Präsident nur solche Richter ans Oberste
Bundesgericht
berufen sollte, die
eine enge Auslegung der Gesetze vertreten, im Gegensatz zu rechtlichem
Aktivismus, wie er durch eine großzügige Auslegung der Gesetze gekennzeichnet ist. Dukakis zitierte die
gescheiterte Berufung von Robert Bork
als Beispiel für eine solche Berufung.
Zum Thema Steuern bekräftigte
Bush, die wirtschaftliche Expansion
der Reagan-Ära könne nur durch die
vollständige Absage an jede Art von
Steuererhöhungen, die eine Lähmung
der Wirtschaftsaktivitäten zur Folge
haben würden, aufrechterhalten werden. Dukakis griff Bushs Plan zur
Senkung der Kapitalertragssteuer für
höhere Einkommensschichten heftig an.
Dukakis kritisierte die Bestrebungen
der Reagan-Bush-Administration, die
Ausgaben für den Umweltschutz zu kürzen. Bush bekräftigte, er halte sich
gerne in der freien Natur auf und
verurteilte die starke Verschmutzung
des Bostoner Hafens, die er Dukakis
anlastete.
Die Kandidaten waren entgegenkommender und weniger auf Konfrontation
aus als bei ihrer ersten Fernsehdebatte vor drei Wochen. Bezüglich der
Außen- oder
Innenpolitik
eröffnete
keiner der beiden neue Perspektiven
oder geriet bei der Beantwortung von
Fragen ins Stocken. Dukakis gelang
es nicht, den "klaren Sieg" zu erringen, den er den meisten Beobachtern
zufolge benötigte, um den Vorsprung,
den er zunächst gegenüber Bush in den

- 2 -

�Meinungsumfragen zu verzeichnen hatte, wieder aufzuholen.
Würden heute Wahlen abgehalten,
läge Bush der Mehrzahl der Demoskopen
zufolge in der Wählergunst etwas vorne. Sein Vorsprung bei den Wählerstimmen - nach der "winner-take-all"Methode wird der Kandidat mit allen
Stimmen eines Staates belohnt - wäre
jedoch sehr viel größer.
Ein Journalist schnitt kurz die
Möglichkeit einer weiteren Debatte
an. "Keine weiteren Debatten", erwiderte Bush. "Ich habe meine Positionen klar umrissen."
Die Wahlkampftruppe von Dukakis
war bestrebt, zusätzliche Fernsehdebatten der Präsidentschafts- und Vizepräsidentschaf tskandidaten durchzuführen.

* * * * * *

•

- 3-

�AMERIKA DIENST
'VON

Wirtschaft

4

38

19. Oktober 1988

WARUM DAS HANDERINGEN EIN ENDE HABEN MUSS
Von Clayton Yeutter und Richard Lyng

(Clayton Yeutter ist Handelsbeauftragter und Richard Lyng Landwirtschaftsminister der Vereinigten Staaten. Der folgende Artikel erschien am 12. Oktober 1988 in der Financial Times.)

- (AD) - Eine unsolide Landwirtschaftspolitik gefährdet alle: reiche und arme Nationen, Exporteure und
Importeure, Bauern, Verbraucher und
Steuerzahler.
Die Bauern werden von ihrem Land
vertrieben, Nahrungsmittel werden in
falschen Mengen und am falschen Ort
produziert, der Verbraucher ißt weniger gut als er sollte, und der Steuerzahler zahlt die Rechnung für all
diese Verzerrungen. Die Industrienationen sind mit Haushaltskrisen konfrontiert während die Entwicklungsländer mit den Budgets der Großen
einfach nicht konkurrieren können.
Diese
beängstigende
Situation
wurde von Regierungen herbeigeführt,
und es sind Regierungen, die sie lö-

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sen müssen. Alle führenden Handelsnationen sind daran mitschuldig, und
alle müssen sich an der Lösung des
Problems beteiligen.
Das geeignete Forum, um diesem
Wahnsinn ein Ende zu bereiten, ist
die Uruguay-Runde
des Allgemeinen
Zoll- und
Handelsabkommens
(GATT).
Alle haben im Jahr 1986 zu Beginn der
Uruguay-Runde in Punta del Este dem
Versuch einer weltweiten Reform der
Landwirtschaft zugestimmt. Wir führen jedoch immer noch eine heftige
Debatte darüber, wie weitgehend und
wie rasch diese Reform stattfinden
soll - eine Frage, die im Dezember
beim Treffen der Handelsminister des
GATT in Montreal behandelt werden muß.
Dieses

umstrittene

Postfach 20 03 00
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Problem wur-

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�zeit in dem Versuch einiger Länder,
ihren Bauern Vorteile gegenüber deren
Konkurrenten zu verschaffen. Letztere haben natürlich auf die gleiche
Weise reagiert, und damit wurde der
Welt eine eskalierende Spirale staatlicher Einmischung beschert - zu hohen Kosten für Steuerzahler, Konsumenten oder beide zusammen und häufig
mit wenigen oder gar keinen langfristigen Vorteilen für die Bauern.
In vielen Staaten halten Einfuhrbeschränkungen und Preissubventionen
die Preise für landwirtschaftliche
Produkte im Inland künstlich hoch und
stimulieren dadurch zu Überproduktion. Bei Auftreten von Überschüssen
werden Exportsubventionen benutzt, um
diese auf den Weltmarkt zu werfen,
wodurch es den Bauern in anderen Ländern unmöglich gemacht wird, ihren
Lebensunterhalt zu verdienen. Jedes
Land, das sich weigert, diese Torheit
mitzumachen, verliert Marktanteile.
Nahezu jede Regierung unterhält
in der einen oder anderen Weise verzerrende landwirtschaftliche Programme. Unsere europäischen Kollegen haben wiederholt erklärt, daß es beim
Handel mit Agrarprodukten keine Engel
gibt. Wir teilen diese Meinung. Die
Frage ist jedoch: Wie kommen wir dem
Himmel ein Stück näher?
Einige unter uns haben von Zeit
zu Zeit den Versuch unternommen, im
Alleingang Reformen anzustreben, und
haben dafür mit dem Verlust von
Marktanteilen bezahlt. Die Vereinigten Staaten haben zum Beispiel in den
vergangenen Jahren fast 30 Millionen
Hektar
landwirtschaftlicher
Anbaufläche stillgelegt und zusätzlich die
Garantiepreise gesenkt. Die EG hat
ihre eigene "Erhaltungsreserve" verabschiedet, jedoch auf wesentlich
niedrigerem Niveau von ca. einer Million Hektar.
Die Haushaltsdiziplin
der Gemeinschaft im Jahr 1988 ist
ebenfalls ein Schritt in die richtige
Richtung. Obwohl diese Disziplin bescheiden ist, stellt sie doch eine
erhebliche politische Errungenschaft
dar. Die Gemeinschaft hat zumindest

die Tendenz zu immer umfangreicheren
staatlichen Interventionen in der europäischen Landwirtschaft verlangsamt.
Diese Maßnahmen waren sowohl für
die EG als auch für die Vereinigten
Staaten schwierig.
Ihre Schwierigkeit besteht darin, daß Politiker
verständlicherweise zögern, auf vermeintliche wirtschaftliche Vorteile
zu verzichten, wenn andere nicht zu
dem gleichen Schritt bereit sind.
Einseitige Abrüstung ist wirtschaftlich wie militärisch unattraktiv.
Aus diesem Grunde müssen wir die Verzerrungen in der Landwirtschaft multilateral bekämpfen. Wir müssen Lösungen finden, die allseits akzeptabel sind - Lösungen, die niemandem
einen unfairen Vorteil anderen gegenüber verschaffen.
Sollten wir die Motivation zur
Auffindung solcher Lösungen haben?
Ganz sicher sollten wir das. Eine
jüngste Studie des Center for International Economics in Canberra belegt, daß allen ungeheure Vorteile
sicher sind, wenn wir dieses weltweite Problem lösen können. Dieser Untersuchung zufolge würden durch die
Liberalisierung der Landwirtschaft in
der Europäischen Gemeinschaft insgesamt weitere drei Millionen Arbeitsplätze geschaffen werden, der japanische Arbeitnehmer könnte eine 2,5prozentige Steigerung seines Reallohnes verzeichnen, für das Realeinkommen der Entwicklungsländer bedeutete
dies eine jährliche Zuwachsrate von
26 Milliarden Dollar und das amerikanische Haushaltsdefizit könnte um
37 Milliarden Dollar abgebaut werden.
Ist das etwa nicht lohnenswert?
Da wir alle unter dem heute herrschenden Chaos leiden, die Verantwortung dafür in staatlicher Intervention zu suchen ist und da Reformen
auf multilateraler Ebene stattfinden
müssen, vertreten die Vereinigten
Staaten die Auffassung, daß die Uruguay-Runde der Handelsverhandlungen
ein geeigneter Ort zur Entwicklung
von Lösungen ist und die grundlegende
Zielsetzung darin bestehen sollte,

- 2 -

�alle Nationen von der schnellstmöglichen Beseitigung ihrer handelsverzerrenden Politik zu überzeugen. Unsere Vorschläge zielen darauf ab, daß
dies bis zum Jahr 2000 geschehen soll.
Unser Vorschlag ist von denjenigen als unrealistisch bezeichnet worden, deren Ansicht zufolge Regierungen sich nicht völlig aus der Landwirtschaft heraushalten können oder
sollen. Aber die Kritiker haben absichtlich oder versehentlich - unseren Ausführen keine Aufmerksamkeit
geschenkt.
Die Vereinigten Staaten
haben niemals vorgeschlagen, daß Regierungen sich vollständig aus der
Landwirtschaft zurückziehen sollten.
Wir wollen ganz einfach, daß Regierungen nicht weiter den Handel verzerren und Uberschußproduktion stimulieren, die niemand kaufen will.

menden Zwischenbilanz weitere Impulse
für diese Aufgabe zu gewinnen. Was
die Welt jetzt braucht, sind Engagement und Taten am Verhandlungstisch.
Wenn das gelingt, können wir weltweit
einen dramatischen Durchbruch in der
Landwirtschaftspolitik erzielen. Genau das macht die politische FUhrungskraft aus.

Ist es unbillig, dies bis zum
Jahr 2000 versuchen zu wollen? Unserer Ansicht nach nicht. Die wirtschaftlichen Gründe für eine Reform
könnten nicht zwingender sein - der
Widerstand
ist politischer Natur.
Man kann nur hoffen, daß Steuerzahler
und Verbraucher ihre Politiker entrüstet befragen, warum sie den Markt
bis ins nächste Jarhundert hinein zu
verzerren gedenken? Warum können sie
nicht ihre politische Führungsrolle
dafür einsetzen, um dieses Problem in
den nächsten zehn Jahren zu lösen?
Was ist der Grund für ihr Zögern?
Und wie kann die augenblickliche Lage
gegenüber den Entwicklungsländern der
Welt verteidigt werden, die unter
diesen Verzerrungen am meisten leiden?
Die Vereinigten Staaten engagieren sich in der Landwirtschaft unwiderruflich für multilaterale Verhandlungen. Wir haben einen klaren Vorschlag - mit vernünftigem Konzept und
ebensolchen Grundsätzen - auf dem
Verhandlungstisch.
Jetzt ist es an
der Zeit, zu verhandeln und nicht,
die Hände zu ringen.
Es ist von entscheidender Bedeutung, bei der im Dezember in Montreal
im Rahmen der Uruguay-Runde vorzuneh- 3 -

* * * * * *

�</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST
'VON**

37

12. Oktober 1988

INHALT

DOKUMENTATION
Taft hält Einigung über Bericht zur Lastenverteilung für
wahrscheinlich
- Der Stellvertretende Verteidigungsminister bei der

NATO-Pcessekonferenz -

HINTERGRUNDMATERIAL
Quayle und Bentsen behandeln viele Themenkreise
- Artikel zur Fernsehdebatte der Vizepräsidentschaftskandidaten

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Legalisierung von Drogen wäre unverantwortlich
- Amerikanische Politiker und Drogenexperten vor ausländischen
Journalisten -

* * * * * *

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�AMERIKA DIENST
Dokumentation

12. Oktober 19(

37

TAFT HÄLT EINIGUNG ÜBER BERICHT ZUR LASTENVERTEILUNG FÜR WAHRSCHEINLICH
-Der Stellvertretende Verteidigungsminister bei der NATO-Pressekonferenz-

BRUSSEL - (AD) - Innerhalb der NATO besteht Einigkeit darüber, daß die Bedrohung des Bündnisses "militärische Bedingungen erzwingt", die dem Stellvertretenden amerikanischen Verteidigungsminister William H. Taft zufolge einen
effizienteren Einsatz der zur Verfügung stehenden Ressourcen und mehr Mittel
zur Durchführung aller Aufgaben erfordern.
Bei einer Pressekonferenz im NATO-Hauptquartier in Brüssel verlieh Taft am
5. Oktober seiner Hoffnung Ausdruck, daß sich dies auch in dem gegenwärtig für
das Treffen der NATO-Verteidigungsminister im Dezember vorbereiteten Bericht
zur Lastenverteilung widerspiegeln wird.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Pressekonferenz im Wortlaut:

Ich werde nicht viel von der uns
für Fragen zur Verfügung stehenden
Zeit beanspruchen, möchte aber dennoch eine kurze Erklärung zu meinem
Europa-Besuch abgeben.
Heute morgen
habe ich hier in Brüssel Gespräche
mit Vertretern der NATO geführt. Der
Hauptgrund dieses Besuchs ist eine
Überprüfung zum gegenwärtigen Stand
des Berichts, den die Arbeitsgruppe
den
NATO-Verteidigungsministern
im
Dezember zur Beurteilung der Aufgaben, Risiken und Pflichten des Bündnisses und deren gerechter Verteilung
vorlegen wird.
Die Arbeit an diesem Bericht wurde im Mai aufgenommen. Sie hat gute
Fortschritte gemacht, und wir haben
mit den ständigen Vertretern Punkte
besprochen, die unserer Ansicht nach

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dort Eingang finden sollen - und von
denen viele auch berücksichtigt wurden - sowie Punkte, die noch hinzugefügt werden müssen, damit der Bericht
für das Bündnis von größtmöglichem
Nutzen ist. Mein Empfang dort und
die von allen Delegierten und insbesondere vom Generalsekretär eingenommene konstruktive Einstellung zu dieser Aufgabe haben mir Mut gemacht.
Ich werde noch weitere Hauptstädte Luxemburg, Den Haag, Bonn, Rom und
Madrid - besuchen, dort im Laufe der
nächsten Woche das Problem der Lastenverteilung
wie auch
bilaterale
Fragen erörtern
und nächste Woche
nach Washington zurückkehren.
Jetzt
zu Ihren Fragen.
Frage:
Könnten Sie nähere Ausführungen zu den Punkten machen, die

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�von der Arbeitsgruppe noch nicht aufgenommen worden sind, der Regierung
zufolge aber in dem Bericht enthalten
sein sollten?
Antwort:
Ich möchte dazu lediglich sagen, daß der Entwurf noch
nicht vollständig ist. Es geht hier
nicht um das grundsätzliche Problem,
welche Ansätze enthalten sein sollten
oder nicht.
Ich wollte mit meiner
Aussage nur deutlich machen, daß einige Abschnitte des Berichts noch
nicht geschrieben worden sind.
Frage:
Sie haben kürzlich in
einer
Worldnet-Ansprache
auf
drei
Ländergruppen verwiesen: solche, die
überdurchschnittlich
oder
durchschnittlich viel leisten und solche,
die erheblich unter dem Durchschnitt
liegen. Dabei haben Sie fünf Länder
erwähnt, die weniger leisten als der
Durchschnitt. Ist im Nordatlantikrat
etwas getan worden oder wird etwas
getan, damit diese Länder den Erwartungen gerecht werden?
Antwort:
Die notwendigen Maßnahmen können im Grunde nur in den
Hauptstädten getroffen werden, indem
man mehr Mittel für die Verteidigung
aufwendet.
Der Rat drängt bereits
die
Länder
mit
unterdurchschnittlichen Leistungen, ihre Anstrengungen
zu erhöhen, so daß hier keine weiteren Maßnahmen erforderlich sind. Ich
weiß, daß der Rat sein Augenmerk nach
wie vor auf diesen Punkt richtet.
Natürlich sind darauf Reaktionen erfolgt, und die Verpflichtungen und
Mittel müssen aus den einzelnen nationalen Haushalten der betreffenden
Länder kommen. Ich möchte dazu noch
sagen, daß meine Bezeichnung der Ländergruppe keineswegs ein Hinweis darauf sein sollte, andere Länder - einschließlich der Vereinigten Staaten müßten nicht auch mehr leisten oder
sich tatsächlich an die vom Ministerrat ausgesprochenen Forderungen nach
mehr Mitteln halten:
eine allgemein
geltende Aufstockung der Mittel um
drei Prozent jährlich.
Frage:

Das

Konzept

oder

die

Aussicht den gemeinsamen Europäischen
Binnenmarkt im Jahr 1992 scheint bei
den Vereinigten Staaten gleichzeitig
Hoffnung
und Furcht hervorzurufen.
Hoffnung
vielleicht, weil sie der
Auffassung sind, ein stärkeres Europa
könnte einen größeren Teil der Last
tragen und Furcht, weil sie in einem
stärkeren Europa einen härteren Konkurrenten sehen. Wie denken Sie darüber?
Antwort:
Meine
Hoffnungen
übertreffen all unsere möglichen Einwände bei weitem.
Und unsere möglichen Einwände hätten nichts damit
zu tun, daß die Europäische Gemeinschaft ein härterer Konkurrent wäre.
Unserer Ansicht nach bringen harte
Konkurrenten andere harte Konkurrenten hervor und ermutigen uns, ein
starker Konkurrent zu werden, was wir
begrüßen.
Daraus ergeben sich auch
stärkere
Handelspartner,
was
den
Wohlstand unseres Volkes und der Menschen in Europa mehrt.
Wir sind also sehr optimistisch
im Hinblick auf die Vorteile, die
sich die Europäer selbst von diesem
für 1992 geplanten Schritt erhoffen.
Und wir sehen auch für uns große Vorteile aufgrund der damit einhergehenden höheren Qualität der europäischen
Wirtschaft wie auch aufgrund der sich
für uns daraus ergebenden Herausforderung.
Aus dem steigenden Wohlstand, zu dem Europa in den vergangenen 20 Jahren gelangt ist, haben sich
für die amerikanische Wirtschaft keine Nachteile ergeben. Ganz im Gegenteil: Es war ebensosehr zum Vorteil
der vereinigten Staaten wie Europas.
Ähnlich liegen die Fälle in Japan und
bei unseren anderen Handelspartnern:
je besser es ihnen geht, umso besser
geht es uns.
Die einzigen Einwände, die wir in
diesem
Zusammenhang
haben
könnten,
beträfen
Handelsschranken, die bei
der Schaffung des Binnenmarktes gegenüber Ländern außerhalb der Gemeinschaft zusätzlich zu den bereits bestehenden errichtet werden könnten.
Unser Anliegen im Verteidigungsmini-

�sterium gilt natürlich
insbesondere
dem Gerät zur Verteidigung. Aber es
gilt gleichermaßen auch für andere
Waren. Wenn die Europäische Gemeinschaft dazu übergehen würde, protektionistische Schranken zu errichten,
wäre das sehr bedauernswert.
Aber
das würde, wie ich bereits erwähnt
habe, nicht im Interesse der Gemeinschaft liegen und sollte auch nicht
durchgeführt werden.
Vielmehr liegt
eine starkes Gleichgewicht in ihrem
Interesse, was auch in den Vereinigten Staaten Unterstützung findet.
Frage:
Können Sie bestätigen,
ob Herr Carlucci auf sein kürzlich an
die europäischen Mitglieder der Gruppe, die unter das "unabhängige europäische Gruppenprogramm" fällt - das
sich hauptsächlich mit der Rüstungszusammenarbeit europäischer Bündnispartner
beschäftigt
gerichtetes
Schreiben von irgendeinem Land auf
seine Bitte, keine Handelsschranken
für Material oder Waffen zu errichten, bereits eine positive Antwort
erhalten hat?
Antwort:
darunter auch
erhalten.

Wir
haben
einige,
zustimmende, Antworten

Frage:
Lastenverteilung
wird
vielfach als gerechte Verteilung von
Aufgaben
und Pflichten
bezeichnet,
und ich frage mich, in welchem Umfang
die verschiedenen Aktivitäten darauf
Einfluß nehmen?
Antwort:
Meiner
Ansicht
nach
waren die von verschiedenen - in der
Regel nicht von allen, das heißt,
aufgrund der unterschiedlichen Ausgangssituationen nie von allen - Mitgliedern des Bündnisses unternommenen
Aktivitäten in bündnisfremden Gebieten im vergangenen Jahr eine sehr begrüßenswerte Entwicklung, insbesondere die Beteiligung zahlreicher Verbündeter durch Förderung der WEU im
Persischen Golf.
Diese in den Vereinigten Staaten anerkannten und begrüßten
Aktivitäten
gereichen
dem
Bündnis und denjenigen Partnern, die
sich ausdrücklich daran beteiligt ha-

ben, zur Ehre.
Diese Aktivitäten gehen über den
Rahmen des üblichen Blickwinkels, der
Übungen und Aktivitäten des Bündnisses hinaus, die zur Sicherheit der
NATO beitragen. Ganz sicher auch der
Begleitschutz und die Friedenssicherung im Golf. Der Schutz der Schifffahrt in der Region hat wesentlich
zur Stabilität und zum Schutz wichtiger Energiequellen und darüber hinaus
erheblich zum Waffenstillstand
zwischen Iran und Irak beigetragen. Bis
zu dessen Vereinbarung stellte der
Krieg eine ständige Bedrohung für die
Energiequellen
dar, von denen das
Bündnis und das gesamte Westeuropa
abhängen. Das war also eine gute Sache. Jeder Fall muß jedoch gesondert
betrachtet werden. Aber es gibt natürlich Fälle wie diese, bei denen
das Bündnis selbst - sowohl im Hinblick auf die Einstellung dazu als
auch tatsächlich - durch solche gemeinsamen Aktionen in bündnisfremden
Gebieten gestärkt wird.
Frage:
Könnten Sie noch etwas
zu dem Bericht über die Lastenverteilung sagen:
in welchem Stadium er
sich befindet, ob bereits im Vorfeld
bestimmte Empfehlungen gegeben wurden
und welche Ergebnisse er Ihrer Ansicht nach bei seiner- Veröffentlichung im Dezember hervorbringen wird?.
Antwort:
Er macht Fortschritte, die meisten Abschnitte liegen bereits im Entwurf vor, aber es muß
noch sehr kritisch daran gearbeitet
und die Zustimmung aller eingeholt
werden.
Die verschiedenen Delegierten müssen Gelegenheit zur Überprüfung und zu eingehenden Überlegungen
erhalten, bevor sie den gesamten Inhalt unterschreiben können. Und dieser Prozeß liegt jetzt vor uns. Und
natürlich wird keine endgültige Zustimmung gegeben werden, bevor nicht
alle Minister den Text gesehen haben
- erst dann wird man Übereinkommen,
daß dies der Bericht ist.
Das ist
das Schwierigste daran, sich zu versichern, daß innerhalb des Bündnisses
ein Konsens zu den Problemkreisen und

�den im Bericht
besteht.

enthaltenen

Punkten

Meiner Ansicht nach besteht Einigkeit bei einigen wichtigen Dingen,
die ich in dem Bericht enthalten erwarte. Es besteht Einigkeit darüber,
daß die Bedrohung für die Sicherheit
der NATO als militärisches Problem
bestehen bleibt, das militärische Bedingungen im Bündnis erzwingt, an deren Schaffung wir gemeinsam arbeiten
müssen, und das wird einen effizienteren und wirtschaftlicheren Einsatz
der zur Verfügung stehenden Ressourcen und noch mehr Mittel erfordern.
Meiner Ansicht nach besteht Einigkeit darüber, daß die Erarbeitung
von Normen wünschenswert ist, um zu
bestimmen, wie die Pflichten gerecht
verteilt werden sollen. Das ist keine leichte Aufgabe, weil die Beiträge, Risiken und Pflichten auf sehr
unterschiedliche Art und Weise übernommen werden - manchmal finanziell,
manchmal auf andere Weise.
Und wir
müssen sicher sein, daß sich jeder
darüber
bewußt
ist, was geleistet
wird und das auch anerkennt.
Dabei
sind gute Fortschritte erzielt worden, es gibt jedoch noch keine Zustimmung aller Seiten, und es ist
noch nicht erschöpfend behandelt worden. Aber das ist sicher eine wichtige Aufgabe, der sich die Verfasser
des Berichts verschrieben haben - die
Aufstellung von Verhaltensnormen, die
im gesamten Bündnis Zustimmung und
Unterstützung finden - wenn bestimmte
Länder Anstrengungen gegen sie richten - darüber, wer was tut und ob es
fair gegenüber den anderen ist. Oder
ob mehr getan werden sollte, oder ob
jemandem eine Aufgabe abgenommen und
jemand anderem übertragen werden soll.
Dies sind die Hauptpunkte, die in
den Bericht aufgenommen werden und
die ich in der Endfassung des Bericht
in verschiedenen Formen wiederzufinden hoffe.
Frage:
Mr. Taft, sind Sie der
Ansicht, daß die dreiprozentige Zuwachsrate bei den Verteidigungsausga-

ben immer noch ein wichtiger Bestandteil für die NATO ist, und könnten
Sie noch näher darauf eingehen, welche Elemente abgesehen vom Verteidigungshaushalt bei der Lastenverteilung berücksichtigt werden müssen?
Antwort:
Ich vertrete die Auffassung, daß für die militärischen
Bedingungen, die die Streitkräfte erfüllen müssen und zur Gewährleistung
einer wirkungsvollen Abschreckung gegen den Warschauer Pakt und die Sowjetunion sicher drei Prozent zur Finanzierung dieser Bedingungen benötigt werden. Wir haben bei der NATO
Mängel festgestellt:
Mängel bei der
Truppenstruktur, bei Ausbildung und
Munition, Mängel auch bei der Modernisierung - dem könnte man mit mehr
Geld
besser
gerecht
werden.
Die
dreiprozentige
Zuwachsrate
bei den
Ressourcen, die 1979 als jährliches
Ziel festgesetzt wurde, ginge in keiner Weise über die Bedingungen hinaus, wie wir sie vorfinden. Als militärisches Problem und als Frage der
Sicherheit scheint mir das Ziel der
drei Prozent heute noch dieselbe Gültigkeit zu besitzen wie zur Zeit seiner Festsetzung, und es bleibt eine
angemessene Reaktion auf unsere Gegebenheiten.
Wenn wir die Ergebnisse beim Abbau der Spannungen hervorbringen wollen, wie wir sie in den vergangenen
drei oder vier Jahren erstmals beobachten konnten, wenn wir deren Fortsetzung wünschen, müssen wir unsere
Bereitschaft zur Finanzierung der Bedingungen für unsere Sicherheit dokumentieren, die meiner Ansicht nach zu
diesem Abbau der Spannungen geführt
haben.
Sollten die Bedingungen im
militärischen
Bereich
der
einzige
Faktor sein, der als Triebfeder für
diese Beschlüsse dient?
Im Hinblick
auf die Mittel, die von den NATO-Ländern schon heute für die Sicherheit
aufgewendet werden, sollte dies der
Fall sein. Wenn ein Land zehn oder
15 Prozent
seines Bruttosozialprodukts für Verteidigung bereitstellen
würde, könnten wir sagen:
natürlich
ist eine dreiprozentige Zuwachsrate

�unvernünftig, weil damit der Volkswirtschaft
dieses
Landes
eine
zu
große Last aufgebürdet würde.
Das
tut jedoch kein Land.
Kein Land
zwingt heute seiner Volkswirtschaft
solche Kosten auf, daß es sich keine
dreiprozentige Erhöhung leisten könnte, die gerade dem Wachstum - und in
vielen Fällen einem geringeren Wert entsprechen würde, das viele Länder
für ihre gesamte Vokswirtschaft prognostizieren.
Beim
gegenwärtigen
Stand der Dinge würde ich dies als
eine erschwingliche Aufstockung betrachten, und im militärischen Bereich sollten die Bedingungen dafür
akzeptiert und erfüllt werden.
Frage:
Werden
in dem Bericht
Zielsetzungen für die einzelnen Länder erwähnt, die die Verbündeten dann
als neue Ziele akzeptieren werden?
Antwort:
Ich denke nicht, daß
über das von den Ministern festgelegte und von einigen Ländern schon vor
einiger
Zeit akzeptierte Ziel der
drei Prozent hinaus neue Überlegungen
erwogen werden, und ich würde auch
nicht darauf drängen.
Frage:
Vielleicht
habe
ich
mich nicht klar genug ausgedrückt.
Wird der Bericht genaue Zielsetzungen
für einzelne Länder aufstellen?
Es
geht doch hier wohl nur um Finanzen?
Antwort:
Nein.
Der
Bericht
könnte jedes einzelne Land eingehender behandeln.
Das muß meiner Ansicht nach in der Endfassung des Berichts entschieden werden.

* * * * * *

- 5

�^°J^&lt;

VON

AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

&amp;

37

12. Oktober 1988

DIE WAHLEN IN AMERIKA 1988

QUAYLE UND BENTSEN BEHANDELN VIELE THEMENKREISE
Artikel zur Fernsehdebatte der Vizepräsidentschaftskandidaten

WASHINGTON - (AD) - Am 5. Oktober erklärten Dan Quayle und Lloyd Bentsen
einer großen Schar von Fernsehzuschauern im ganzen Land, warum sie jeweils
nächster Vizepräsident der Vereinigten Staaten werden sollten und nicht ihr
Gegenkandidat.

Bei
ihrem
Rededuell
in Omaha
(Nebraska)
legten
beide
Kandidaten
ihre Auffassungen
zu einer großen
Bandbreite von innen- und außenpolitischen Themen dar, wobei der Demokrat
Bentsen
die
Leistungen
der
Reagan-Regierung kritisierte und der
Republikaner Quayle die Politik von
Dukakis als Gouverneur
von Massachusetts angriff.

stungen als auch Erfahrung in Betracht", erklärte Quayle.
"Und eine
der Leistungen, die mich mit dem
größten Stolz erfüllen, ist meine Urheberschaft beim Partnerschaftsgesetz
zur beruflichen Ausbildung, in dessen
Rahmen mehr als drei Millionen wirtschaftlich benachteiligte Jugendliche
und Erwachsene eine Ausbildung und
Anstellung erhielten."

Quayle verteidigte seine Befähigung als Mitstreiter von George Bush
und bezeichnete sich "als meistüberprüften Anwärter für ein öffentliches
Amt" , da die Medien ihre Aufmerksamkeit insbesondere auf seinen Dienst
in der
Nationalgarde
während
des
Vietnamkrieges und seine Schulnoten
gerichtet hatten.
"Wenn man die Befähigung prüft, zieht man sowohl Lei-

Auf die Frage nach seiner erfolglosen Kandidatur für die Präsidentschaft im Jahr 1976 noch während seiner ersten Amtsperiode im Senat räumte Bentsen ein, "die Bewerbung war
keine gute Idee", fügte aber hinzu,
"heute wollen wir erneut versuchen,
das Erfahrungsspektrum und die Reife
der Person zu beurteilen, die eine
Aufgabe dieser Art übernehmen will."

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�Bentsen erklärte, bei dieser Debatte ginge es "um die Präsidentschaft selbst" da ein Vizepräsident
"ohne Spielraum für Fehler und ohne
Vorbereitungszeit"
einspringen
und
das Land regieren muß, falls der Präsident dazu aus irgendeinem Grund
nicht in der Lage sein sollte.
Bentsen wurde zu seiner abweichenden
Meinung
über
verschiedene
wichtige Themen gegenüber Dukakis befragt
und
erklärte,
"es
bestehen
einige
Meinungsverschiedenheiten,
aber insgesamt gibt es viele Bereiche
der Übereinstimmung."
Der Gouverneur
von Massachussetts "wollte kein Abbild seiner selbst", als er seinen
Kandidaten
für
die
Vizepräsidentschaft wählte, erklärte Bentsen und
fügte hinzu, er sei "erfreut und
stolz, mit ihm gemeinsam zu kandidieren" .
Quayle erklärte, "im Hinblick auf
die drei wichtigsten Herausforderungen, denen sich Amerika stellen muß Rüstungskontrolle und nationale Sicherheit, Arbeits- und Ausbildungsplätze und das Haushaltsdefizit - habe ich mehr Erfahrung und mehr aufzuweisen als der Gouverneur von Massachusetts.
Ich war Kongreßabgeordneter und habe an diesen Problemen gearbeitet."
"Wenn man Rüstungskontrolle betrachtet und mit der Sowjetunion zu
verhandeln sucht, kann man das nicht
aus einer naiven Haltung heraus tun.
Man muß die Sowjetunion verstehen.
Man muß ihre Reaktion verstehen. Ich
habe acht Jahre im Streitkräfteausschuß des Senats gearbeitet und dort
die Erfahrung zum Umgang mit der Sowjetunion und die Fortsetzung unserer
Beziehungen erworben."
Bentsen, der nicht mit Dukakis
übet die Contra-Hilfe übereinstimmte
- die der Gouverneur als "unmoralisch
und illegal bezeichnet hat -, erklärte, "sein großer Unterschied zu
dieser Regierung besteht darin, daß
sie das Hilfsprogramm für die Contras
als einzige Möglichkeit zur Lösung

dieses Problems betrachtet ...
und
ich bin der Ansicht, wir sollten dem
Frieden eine Chance geben."
Bentsen verwies auf seine Unterstützung des Arias-Friedensplans in
Mittelamerika.
"Ich
vertrete
die
Auffassung, daß man mit den Politikern der anderen mittelamerikanischen
Länder zusammenarbeiten muß, um die
Demokratisierung
Nicaraguas
durch
Verhandlungen, durch Druck, durch Beratung und mit diplomatischen Mitteln
herbeizuführen."
Quayle antwortete darauf, "es besteht kein Zweifel darüber, daß unter
einer Regierung Dukakis die Hilfe an
den demokratischen Widerstand in Nicaragua eingestellt werden wird, und
das ist bedauerlich... Es übersteigt
meinen Horizont, warum die Sowjetunion Milliarden Dollar zur Unterstützung der kommunistisch orientierten Sandinisten aufwenden kann, die
Vereinigten Staaten aber aus irgendeinem Grund dem demokratischen Widerstand nicht ein paar Dollar zufließen
lassen dürfen."
Quayle erklärte ferner, daß sich
Dukakis mit seiner Kritik an der amerikanischen Rettungsaktion in Grenada
- von der er sagte, daß sie von 85
Prozent aller Amerikaner unterstützt
wurde - nicht im Einklang mit dem
überwiegenden Teil der Amerikaner befindet."
Auf die Frage, ob im Fall der
südamerikanischen Drogenkartelle und
des panamaischen Machthabers Manuel
Noriega
militärische Maßnahmen
ergriffen
werden
sollten,
erklärte
Quayle, die Reagan-Regierung
"nutzt
das Verteidigungsministerium zur Koordinierung von Aufklärungsmaßnahmen,
aber meiner Meinung nach sollten wir
das Verteidigungsministerium nicht in
ein Polizeipräsidium umwandeln.
Wir
setzen
unsere militärischen
Mittel
vorsichtig ein, wenn wir gegen einen
Übergriff vorgehen müssen.
Und in
diesem Bereich haben wir bereits Erfolge
erzielt:
70 Tonnen
Kokain
konnten gestoppt werden."

�Bentsen beschuldigte seinen Gegner, im Senat gegen eine Resolution
gestimmt
zu haben, derzufolge die
Vereinigten Staaten mit Noriega keine
Geschäfte machen wollten, und laut
Bentsen habe es zuviele Beamte und
Behörden gegeben, die im Kampf gegen
den Drogenhandel um führende Positionen wetteiferten.
Ihm zufolge würde
eine
Regierung
unter
Dukakis
"im
Kampf gegen Drogen einer Person die
Leitung übertragen und sie für ihre
Arbeit mit den entsprechenden Ressourcen ausstatten."
Auf die Frage, ob er einen realistischen Plan zur Befreiung amerikanischer Geiseln im Nahen Osten habe, erklärte Bentsen: "Das ist eines
der
schwierigsten
Probleme,
denen
sich jeder Leiter der Exekutive gegenübersehen wird ... aber wir sollten uns darüber im klaren sein, daß
man nicht hingehen und geheime Geschäfte
mit
dem
Ajatollah
machen
kann.
Man darf keine Waffen gegen
Geiseln tauschen. Wenn man das tut,
ermutigt man
zweifellos noch mehr
Geiselnahmen."
Alles, was getan werden kann, ist
Bentsen zufolge "weiterhin Druck ausüben, vor
allem
jedes
verfügbare
diplomatische Druckmittel einzusetzen
sowie darüber hinaus jede Art von
wirtschaftlichem
Druck
auszuüben,
wenn das möglich ist."
Quayle erklärte, der Tausch Waffen gegen Geiseln sei falsch.
"Wie
soll das durchgeführt werden?
Niemand weiß die Antwort darauf.
Wenn
sie bekannt wäre, würden wir das sicherlich tun. Aber wir versuchen es
weiterhin. Wir halten die Tür offen.
Und möglicherweise werden eines Tages
der Iran und andere Geiselnehmer in
die zivilisierte internationale Staatengemeinschaft zurückkehren wollen.
Sie können das jetzt tun, indem sie
die unrechtmäßig festgehaltenen Geiseln freilassen."
Auf die Frage nach seiner Politik
zum Abbau des Haushaltsdefizits erklärte Bentsen, er würde "eine ag- 3

gressive Handelspolitik verfolgen...
dem Handel erste Priorität einräumen
und ihn nicht zugunsten einer außenpolitischen
Zielsetzung
des Augenblicks vernachlässigen."
Quayle erklärte, eine Möglichkeit
zum Abbau des Haushaltsdefizits bestünde darin, dem Präsidenten das selektive Veto zu gewähren, mit dem 43
Gouverneure gegen einzelne Programme
stimmen
können, ohne
die
gesamte
Haushaltsvorlage zu zerstören.

�AMERIKA DIENST
' V O N **

Wissenschaft und Technik

12. Oktober 1988

37

LEGALISIERUNG VON DROGEN WÄRE UNVERANTWORTLICH
- Amerikanische Politiker und Drogenexperten vor
ausländischen Journalisten -

WASHINGTON - (AD) - Bis Dezember 1988 soll ein Dokument unterschriftsreif
ausgearbeitet sein, das die Bekämpfung des internationalen Diogenhandels merklich erleichtern dürfte:
Es verlangt von UN-Mitgliedstaaten gesetzliche
Grundlagen dafür zu schaffen, daß Geldwäsche verboten wird und Gewinne aus
Rauschgiftschmuggel eingezogen und Besitztümer von Rauschgiftschmugglern beschlagnahmt werden. über den Entwurf verhandeln die Vereinigten Staaten und
mehr als 100 weitere Länder im Rahmen der Vereinten Nationen seit Februar 1985.

Die Vereinbarungen sind dazu angetan, die internationale Zusammenarbeit in der Drogenpolitik zu fördern
und enger zu gestalten. Wie unterschiedlich diese von Land zu Land
noch ist, wurde während eines im September 1988 von der "Stimme Amerikas"
in Washington veranstalteten Seminars
wieder einmal deutlich.
Zwei Wochen
lang diskutierten prominente Journalisten aus Europa, Afrika, Asien und
Lateinamerika Drogenprobleme.
Einer
der Punkte war beispielsweise die
Frage, ob Drogen legalisiert und damit offiziell zum Verkauf freigegeben
werden sollen, um dem Drogenhandel
die Profite zu entziehen.
Von den anwesenden amerikanischen
Politikern, unter ihnen Außenminister
George Shultz (von Beruf National-

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ökonom) und Dr. Donald
Macdonald,
Präsidialberater
für
Drogenpolitik
und Direktor der Abteilung des Weißen
Hauses zur Bekämpfung von Drogenmißbrauch, wurde diese Idee als "unverantwortlich"
zurückgewiesen.
Man
würde damit etwas legalisieren, was
bekanntermaßen den Menschen schlimmen
Schaden zufüge und sie außerdem in
die Lage versetze, anderen ebenfalls
zu schaden.
Shultz nannte als Beispiel die
Niederlande, wo "liberale Drogenpolitik nicht erfolgreich war". Der bekannte holländische Fernseh Journalist
Gerard Bergers pflichtete ihm bei.
"Unsere liberale Politik... ruiniert
uns. Wir haben 14 Millionen Einwohner
und
15 000
Fälle
schwerster
Rauschgiftsucht.
Legalisierung funk-

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�tioniert nicht", erklärte er. Außenminister Shultz hob hervor, die lebhafte Diskussion in den Vereinigten
Staaten über eine Legalisierung von
Drogen sei ein Zeichen dafür, daß
"wir in diesem Lande unsere Meinung
frei äußern und jede Idee verwirklichen
können".
Das bedeute aber
nicht, daß man solche Ideen auch gutheißen müsse.
Ann Meyer, die Vizepräsidenten
der amerikanischen
"Nationalen Elternföderation für eine drogenfreie
Jugend"
(NFP), verwies darauf, daß
sich jetzt die amerikanische Bevölkerung enger zusammenschlösse, um soziale Normen zu verändern. Die Haltung "keine Toleranz gegenüber Drogen" komme immer stärker zum Ausdruck.
An dieser Entwicklung seien
nicht nur die Eltern, sondern auch
die amerikanischen Medien beteiligt.
Illegaler
Drogenkonsum
werde nicht
mehr einfach ignoriert oder stillschweigend geduldet.
Die NFP-Vizepräsidentin, die im Auftrag des USInformationsamtes
(USIA) Länder
in
Europa, Lateinamerika, Asien und im
Mittleren Osten bereiste, gab dort
wesentliche Anregungen zum Aufbau von
Vorbeugungs-,
Informations- und
Erziehungsprogrammen sowie zur Einrichtung von Organisationen für Eltern
und Jugendliche.
"Wir haben das Problem nicht gelöst und noch einen weiten Weg vor
uns", erklärte sie vor den Teilnehmern des Seminars. Aber es komme Bewegung in die Szene.
"Wir sind dabei, für unsere Kinder einen Wall der
Ermutigung, einen Schutzwall aufzubauen. Und die Jugend bekommt heute
überall zu hören, daß 'Drogenkonsum
nicht akzeptabel1 ist."
Die Herstellung von Drogen und
der Handel damit lähmen die Wirtschaft auf nationaler und internationaler Ebene - ganz im Gegensatz zu
der Ansicht, man könne sie damit entwickeln
oder
ankurbeln,
erklärte
Shultz.
"Das
Problem
wirtschaftlicher Entwicklung - mit oder ohne
Drogenproblem - verlangt Aufmerksam-

keit... aber ich meine, das Drogenproblem als solches blockiert bereits
die
wirtschaftliche
Entwicklung."
Die Vereinigten Staaten setzten sich
nach wie vor für die Unterstützung
von Ländern ein, die Drogen produzieren, damit sie ihre Agrarwirtschaf t
auf andere Erzeugnisse umstellen und
den Bauern helfen könnten, ihr Einkommen zu sichern.
"Letzten Endes
ist das Ganze eine finanzielle Frage", so shultz, "und wir sollten uns
Mühe geben, alternative Einkommensquellen ausfindig zu machen".
Dr. Macdonald äußerte sich als
absoluter
Gegner der
Legalisierung
von Rauschmitteln. Er lehnte es ab,
auch nur an Diskussionen über dieses
Thema teilzunehmen. Es sei ein Fehler, es im Kongreß überhaupt erörtern
zu wollen.
Illegale Drogen sollten
nach wie vor an allen Fronten bekämpft werden.
Und das Beste, was
die Medien dazu beitragen könnten,
sei die Weitergabe von Informationen
und deren Vermittlung an eine breite
Öffentlichkeit.
Er selbst habe begonnen, sich für den Kampf gegen Drogen einzusetzen, als er entdecken
mußte, daß sein damals 15jähriger
Sohn Drogen nahm. Durch eine elf Monate währende Therapie konnte ihm geholfen werden. Jetzt sei er 24 Jahre
alt und Assistent an einer hervorragenden Universität.
"Therapie kann
großartig und voll wirksam sein, wenn
das
Problem
früh
genug
angepackt
wird."
Macdonald zufolge waren nie zuvor
"die Konsequenzen von Drogenmißbrauch
in diesem Lande schlimmer als jetzt".
Vier von fünf Straftäter hätten den
gerichtlichen Untersuchungen zufolge,
in irgendeiner
Form mit
illegalen
Drogen zu tun gehabt.
Die Zahl der
Menschen, die jetzt in ein Therapieprogramm aufgenommen werden wollen,
sei heute siebenmal höher als vor
zehn Jahren bei der Behandlung Kokainsüchtiger. Und die Zahl der Toten durch Kokain allein liegt zur
Zeit viermal höher als vor vier Jahren.
Die
Infektionen
mit
HIV
(menschliches
Immunschwäche-Virus)

�und AIDS (Syndrom der erworbenen Immunschwäche) hingen zum großen Teil
eng mit Drogenkonsum zusammen, insbesondere bei Fixern, die sich Drogen
spritzen. Große Besorgnis verursacht
die wachsende Zahl der Babies, die
drogengeschädigt zur Welt kommen und
die von der Mutter in der Schwangerschaft oder bei der Geburt mit AIDS
angesteckt werden.
Eine Untersuchung an 36 amerikanischen Kliniken mit Entbindungsstationen ergab, daß nicht nur in
größeren
Städten, sondern auch in
ländlichen Regionen ca. elf Prozent
der Frauen während der Schwangerschaft illegale Drogen genommen hatten.
Dies lasse auf das ganze Land
übertragen nach Meinung mancher Fachleute befürchten, daß jährlich bis zu
375 000 Babies mit
drogenbedingten
Gesundheitsschäden
zur Welt
kommen
könnten.
Gerade Kokain bedeute ein
großes Risiko für das Kind, selbst
wenn das Gift nur kurzfristig oder
nur zu Beginn der Schwangerschaft genommen wurde.
Es könne beim Fötus
Schlaganfälle mit Lähmungen, schwere
Gehirnschäden und Mißbildungen an inneren
Organen
verursachen.
Selbst
das häufig als "harmlos" angesehene
Marihuana könne zahlreiche neurologische Störungen und eine oft bedenkliche
Entwicklungsverzögerung
beim
Kind hervorrufen.
Ab 1989 soll ein einfacher Bluttest an jedem dritten Neugeborenen
mehr Erkenntnis darüber bringen, wie
groß der Durchseuchungsgrad mit AIDS
unter Frauen im gebärfähigen Alter
ist. Die Studie wird anonym durchgeführt, Namensnennungen oder Berichte
an
infizierte Personen bzw. deren
Arzte gibt es nicht. Die Blutproben
werden bei den Tests abgezweigt, die
an jedem Neugeborenen routinemäßig mit Entnahme eines Tropfens Blut an
der Ferse auf verschiedene angeborene
Stoffwechselkrankheiten
durchgeführt werden.

* * * * * *
- 3

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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Taft hält Einigung über Bericht zur Lastenverteilung für wahrscheinlich&lt;br /&gt;&lt;em&gt;der Stellvertretende Verteidigungsminister bei der NATO-Pressekonferenz&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Quayle und Bentson behandeln viele Themenkreise&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Artikel zur Fernsehdebatte der Vizepräsidentschaftskandidaten&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Legalisierung von Drogen wäre unverantwortlich&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Amerikanische Politiker und Drogenexperten vor ausländischen Journalisten&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST
'VON

*

5 . Oktober 1988

36

f.

I N H A L T

DOKUMENTATION

Präsident Reagans Proklamation zum Tag der Deutsch-Amerikaner

Vernachlässigung der Verteidigungsanstrengungen belasten das Bündnis
- Rede des Stellvertretenden Verteidigungsministers Taft -

UdSSR hat offensives militärisches Einsatzkonzept nicht geändert
- Rede von General Galvin vor dem Repräsentantenhaus -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK

Rückkehr in den Weltraum
&lt;,

- DISCOVERY-Mission:

Testflug des verbesserten Raumtransporters -

* * * * * *

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�AMERIKA DIENST
A?

"***"

Ä&lt;

Dokumentation

5. Oktober 1988

36

PRÄSIDENT REAGANS PROKLAMATION ZUM TAG DER DEUTSCH-AMERIKANER

WASHINGTON - (AD) -Nachfolgend veröffentlichen wir die von Präsident
Reagan am 23. September 1988 unterzeichnete Proklamation zum Tag der DeutschAmerikaner 1988 sowie den Beschluß des Kongresses im Wortlaut:

Vor 305 Jahren landeten 13 Familien aus Krefeld am Rhein in der Nähe
von Philadelphia.
In den seither
vergangenen drei Jahrhunderten sind
ihnen über sieben Millionen Deutsche
auf der Suche nach Freiheit und einer
vielversprechenderen Zukunft für sich
und ihre Kinder nach Amerika gefolgt.
Heute kann praktisch
jeder vierte
Amerikaner sein Erbe auf deutsche Abstammung zurückführen.
Diese Tatsachen und die Anerkennung dessen, was Amerikaner deutschen
Ursprungs für unsere Nation geleistet
haben, sind der Anlaß für die Feiern
zum Tag der Deutsch-Amerikaner 1988.
Unsere Geisteshaltung und unsere
Lebensart sind von Amerikanern deutschen Ursprungs stark beeinflußt wor-

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den. Sie haben Leben, Kultur, Fortschritt und Wohlstand in den Vereinigten
Staaten
in Bereichen wie
Kunst, Geisteswissenschaften,
Religion, Handel und Industrie, Wissenschaft
und
Technik,
Staatswesen,
Sport und Unterhaltung unauslöschlich
geprägt.
Dies veranlaßte Benjamin
Franklin vor vielen Jahren zu der Bemerkung:
"Amerika kultiviert das am
besten,
was
Deutschland
hervorgebracht hat...".
Die Bande internationaler Freundschaft sind heute zwischen Deutschen
und Amerikanern enger geknüpft als
jemals zuvor. Die Vereinigten Staaten und die Bundesrepublik Deutschland arbeiten als Partner im NATOBündnis Seite an Seite für die Erhaltung des Friedens.

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�Die
Geschlossenheit
und
Entschlußkraft des Bündnisses hat die
erfolgreiche Unterzeichung des INFVertrages
zwischen den Vereinigten
Staaten und der Sowjetunion möglich
gemacht.
Als zwei der führendsten
Welthandelsländer haben die Vereinigten Staaten und die Bundesrepublik
Deutschland gemeinsam eine tiefverwurzelte Verpflichtung zu einer offenen
und
expandierenden
Weltwirtschaft.
Die persönlichen Bande zwischen unseren beiden Nationen gehen
heute über Einwanderung hinaus und
umfassen zahlreiche Austauschprogramme, florierenden Tourismus in beide
Richtungen sowie in der Bundesrepublik Deutschland stationierte amerikanische Streitkräfte und deren Angehörige. Die großartige Stadt Berlin
und ihre Bürger stehen als Symbol für
die Entschlossenheit unserer beiden
Nationen zur gemeinsamen Verteidigung
der Freiheit des Westens.

dieses Tages zu erlassen.
Aufgrund
dessen
erkläre
ich,
Ronald Reagan, Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, hiermit
den 6. Oktober
1988 zum Tag der
Deutsch-Amerikaner.
Ich bitte alle
Amerikaner, mehr über den Beitrag der
deutschen Einwanderer zu Leben und
Kultur der Vereinigten Staaten in Erfahrung zu bringen und diesen Tag mit
angemessenen Feiern und Veranstaltungen zu begehen.
Unterzeichnet am dreiundzwanzigsten Tag des September, im Jahr des
Herrn
neunzehnhundertachtundachtzig
und im Jahr zweihundertdreizehn der
Unabhängigkeit der Vereinigten Staaten
(unterzeichnet) Ronald Reagan

* * *
Der Besuch von Bundeskanzler Kohl
in Washington zu Beginn dieses Jahres
hat die Vorrangstellung anschaulich
bekräftigt, die unsere beiden Regierungen dem Erhalt und der Förderung
der deutsch-amerikanischen Beziehungen beimessen.
Gemeinsame Traditionen,
Überzeugungen
und
Interessen
verpflichten uns zu verstärkter Zusammenarbeit auf allen Ebenen, um den
Herausforderungen der Zukunft begegnen zu können. Die kürzlich fertiggestellte Parkanlage zum Zeichen der
deutsch-amerikanischen
Freundschaft,
die - am Einkaufszentrum der Hauptstadt unseres Landes gelegen - in
diesem Herbst ihrer Bestimmung übergeben wird, steht als Symbol für die
engen und freundschaftlichen Beziehungen
zwischen der
Bundesrepublik
Deutschland und den Vereinigten Staaten von Amerika.
Sie erinnert uns
auch an die Notwendigkeit, unsere besonderen Bande zu kultivieren, damit
sie weiter gedeihen können.
Durch Gesetz Nr. 100-104 hat der
Kongreß den 6. Oktober 1988 zum "Tag
der Deutsch-Amerikaner" erklärt und
den Präsidenten ermächtigt und ersucht, eine Proklamation zur Feier

Beschluß des Kongresses

In
Anbetracht
dessen,
daß
Deutsch-Amerikaner durch ihre Arbeit
und ihren Beitrag zur Kultur der Vereinigten Staaten seit Ankunft der ersten deutschen Einwanderer
in den
Vereinigten
Staaten
am 6. Oktober
1683 diesen besonderen Tag als Anerkennung für ihre Leistungen verdient
haben in Anbetracht dessen, daß Amerikaner deutscher
Abstammung
in der
Vergangenheit zum Leben und zur Kultur der Vereinigten Staaten beigetragen haben und dies auch in Zukunft
tun werden und im Hinblick darauf,
daß sie für die Regierung der Vereinigten Staaten, ihre demokratischen
Grundsätze und die Freiheit aller
Menschen auf der ganzen Welt arbeiten
und eintreten in Anbetracht dessen, daß solche
Beiträge anerkannt und im Jahr 1988
und danach jährlich - gewürdigt werden sollen - und

�in Anbetracht dessen, daß zwischen den Vereinigten Staaten und der
Bundesrepublik Deutschland sowie anderen deutschsprachigen Ländern enge
Bande und dauerhafte Freundschaft bestehen:
aus diesem Grunde erklären
der Senat und das Repräsentantenhaus
der Vereinigten Staaten von Amerika,
die hier im Kongreß zusammengekommen
sind, den 6. Oktober 1988 zum Tag der
Deutsch-Amerikaner, und der Präsident
ist ermächtigt und angewiesen, eine
Proklamation zu veröffentlichen, mit
der das Volk der Vereinigten Staaten
aufgefordert wird, diesen Tag mit
Feiern und Veranstaltungen angemessen
zu begehen.

(unterzeichnet) Jim Wright
Sprecher des Repräsentantenhauses
(unterzeichnet) John C. Stennis
Präsident des Senats pro tempore
genehmigt am 11. August 1988
(unterzeichnet) Ronald Reagan

* * * * * *

- 3 -

�AMERIKA DIENST
Dokumentation

5. Oktober 1968

ob

VERNACHLÄSSIGUNG DER VERTEIDIGUNGSANSTRENGUNGEN BELASTEN DAS BÜNDNIS
- Rede aes Stellvertretenden Verteidigungsministers laft -

SAN BERNARDINO (KALIFORNIEN) - (AD) - Diejenigen Mitgiiedstaaten des Nordatlantischen Bündnisses, die nicht genug zur gemeinsamen Verteidigung beitragen, haben einen "aushöhlenden Effekt" auf das Bündnis, erklärte der Stellvertretende US-Verteidip,ungsmini ster William Taft am 28. September 1988 während
eLner Rede in Kalifornien. Im Lauf der Zeit werde ein solches Verhalten "das
Vertrauen in die gemeinsamen Anstrengungen untergraben".
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede Tafts im Wortlaut:
Den Herausforderungen der
ven Sicherheit begegnen

kollekti-

Ich möchte heute über die kollektive Sicherheit sprechen - das Bündnissystem, das den Eckpfeiler der nationalen Sicherheit der Vereinigten
Staaten bildet, und die Herausforderungen, mit denen es sich heute konfrontiert sieht. Ich werde mich kurz
der Bedrohung widmen, zu deren Bewältigung das Bündnissystem geschaffen
wurde, und werde dann näher auf die
Frage eingehen, wie wir und unsere
Bündnispartner zusammenarbeiten müssen, um weiterhin in Freiheit, Sicherheit und Frieden zu leben.
Die kollektive Sicherheit war die
Antwort unseres Landes auf die Bedrohung durch die Sowjetunion, die sich

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in den sowjetischen Aktionen in Osteuropa und Korea im ersten Jatirzehnt
nach dem Kriege manifestierte.
über
vierzig Jahre hinweg war die kollektive Sicherheit ein schlagender Erfolg, der die Bedingungen für kontinuierliches und biswellen spektakuläres Wirtschaftswachstum
innerhalb
unserer Bündnissysteme hervorbrachte
und gleichzeitig eine sowjetische Aggression abschreckte.
Es besteht jedoch heute - zumindest in einigen Kreisen - das Gefühl,
der
ursprüngliche
Anstoß
für
die
Gründung unserer Bündnissysteme - die
sowjetische Bedrohung - nehme ab.
Die Veränderungen im Charakter der
amerikanisch-sowjetischen Beziehungen
- wie auch der sich gegenwärtig in
der Sowjetunion selbst vollziehende

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�Wandel - haben zu diesem Gefühl beigetragen.
Es ist richtig, daß wir einen
außerordentlich nützJichen Dialog mit
der
Sowjetunion
über
ein
breites
Spektrum von Prägen hinweg, von den
Menschenrechten
bis
zu
regionalen
Problemen, Rüstungskontrolle und anderen Sicherheitsbelangen erzielt haben - einen Dialog, von dem wir hoffen, daß er sich weiter entwickeln
wird.
Ferner werden innerhalb der
Sowjetunion entscheidende Veränderungen - offen - diskutiert.
Die Begriffe Glasnost und Perestojka sind
zum Bestandteil des Wort Schatzes amerikanischer Sov. jetexperten geworden,
und die gegenwärtig im sowjetischen
politischen
und
kulturellen
Leben
stattfindenden Veränderungen könnten
sich als weitreichend herausstellen.
Diese Fortschritte verdienen unsere
Auimerksamkeit nicht zuletzt deshalb,
weil sie sich gerade erst im Anfangsstadium befinden - und weil es heute
noch unklar ist, wo sie hinführen
werden.
Es gibt in der Tat viele Facetten
des sowjetischen Regimes, die bis
jetzt von der Perestrojka unberührt ge.schv.eige denn umgestaltet - sind.
Diese sollten uns zum Nachdenken veranlassen, bevor wir so tun, als ob
die sowjetische Bedrohung nachgelassen habe, selbst, wenn wir in bezug
auf andere Entwicklungen hoffnungsvoll sind. Insbesondere im militärischen Bereich hat es bei den Sowjets
wenig Veränderung gegeben. Unter dem
Gorbatschow-Regime
sind die Mittel
des sowjetischen Militärwesens weiterhin Jahr für Jahr stetig und deutlich erhöht worden.
Diese machen
heute schon zwischen 15 und 17 Prozent aer wirtschaftlichen Ressourcen
der UdSSR aus, etwa das dreifache des
Anteils am Bruttosozialprodukt, den
die Vereinigten Staaten für die Verteidigung ausgeben. Die UdSSR arbeitet weiterhin an der Einführung einer
neuen Generation von Kernwaffen sowie
am Ausbau und an der Verbesserung ihrer Land-, See- und Luftstreitkräfte.
Um nur einige Beispiele zu nennen:

Die sowjetische Luftwaffe erhält
jeden lag zwei neue Kampfflugzeuge - über 700 pro Jahr.
Die Armee ernält jeden Tag acht
neue Panzer und sechs Artilleriegeschütze.
Der sowjetischen Marine wird alle
37 Tage ein neues Atom-U-Boot zugeführt.
Perestrojka hat sicherlich keine
Verlangsamung beim Wachstum der sowjetischen Militärmacht bedeutet.
Es steht außer Frage, daß wir jede sich bietende Chance zur Förderung
des heute stattfindenden Dialogs sondieren sollten, als Kittel zum Abbau
von Spannungen mit der Sowjetunion.
Wir müssen uns jedoch vor Augen führen, daß ein riesengroßer Unterschied
zwischen Übergang
und
Umgestaltung
besteht - und es ist ziemlich klar,
daß wenig darauf hindeutet, in der
Sowjetunion habe sich eine Art der
Umgestaltung vollzogen, die sie nicht
länger zu einer Bedrohung der Vereinigten Staaten und des Bündnisses
macht.
Der
neue
Generalsekretär
der
NATO, der ehemalige Verteidigungsminister der Bundesrepublik Deutschland, Manfred Wörner, charakterisierte unlängst die unmittelbare Zukunft
des Bündnisses als eine doppelte Herausforderung.
Er erklärte:
"Einerseits muß die NATU
das
richtige
Gleichgewicht
zwischen
Verteidigung
und Dialog gegenüber einem sich wandelnden aber militärisch nicht weniger mä'chtigen Osten finden. Andererseits müssen wir ein Gleichgewicht
zwischen den Rollen und Verantwortlichkeiten im Bündnis herstellen."
Ich möchte mich nun der zweiten
Herausforderung zuwenden - die wir
als die Herausforderung zur Bewältigung des Wandels in unserem Bündnis
bezeichnen können.
Während die Zielsetzung der Bund-

�nisstruktur gleichgeblieben ist, haben sich die Bedingungen innerhalb
der
Bündnisse
in
den
vergangenen
vierzig
Jahren
stark
verändert
weitgehend
als Ergebnis der durch
diese Eündnisse ermöglichten Stabilität. Mit anderen Worten: In diesem
Fall müssen wir unsere Erfolge bewältigen. Im Fernen Osten ist Japan zur
wirtschaftlichen
Supermacht
aufgestiegen, und die Republik Korea entwickelt sich rasch zu einer der führenden Wirtschaftsmächte.
In Europa
erfreuen sich die Bürger vieler NATOStaaten eines Lebensstandards, der zu
den höchsten der Welt zählt - und mit
der weiteren wirtschaftlichen Integration Europas werden die NATO-Staaten in der Weltwirtschaft an Statur
zunehmen.
Während unsere Verbündeten - mit
wenigen Ausnahren - in der Wirtschaft
zunehmenden Einfluß ausüben, spiegeln
die von ihnen für die gemeinsame Verteidigung veranschlagten Mittel ihre
he raus ragenden
wirtschaftlichen
Fähigkeiten
nicht vollständig wider.
Diese Tatsache hat mehr als jede andere ein Wiederaufleben der sogenannten
"Lastenverteilungs"-Debatte
zur
Folge gehabt
- über die Frage, welchen Anteil an den Kosten des Bündnisses jedes Land übernehmen kann und
sollte.
Als Leiter der Sonderkommission
zur
Lastenverteilung
im Verteidigungsm'nisterium war ich unmittelbar
daran beteiligt, diese Frage zusammen
mit unseren Verbündeten in Fernen
Osten und Europa zu untersuchen - und
habe eine gleichmäßigere Verteilung
der verschiedenen Rollen, Risiken und
Verantwortlichkeiten innerhalb unserer Bündnisse gefordert.
Ich werde
diese Bemühungen nächste Woche wiederaufnehmen, wenn ich zum dritten
Mal in diesem Jahr Europa besuchen
werden, und zwar das NATO-Kauptquartier in Brüssel und sechs Haupstädte
von
XATO-Ländern.
Meiner
Ansicht
nach erzielen wir Fortschritte - im
Firnen Osten, wo Japan und Korea zum
Ausdruck gebracht haben, daß sie zusätzliche Kosten für die dort statio- 3

nierten amerikanischen Truppen übernehmen werden, und in Europa, wo die
NATO gegenwärtig an einer büaänisweiten Bewertung des Piublems der Lastenverteilung arbeitet. Ihr Bericht
soll den NATO-Verteidigungsministern
im Dezember vorgelegt werden.
Aber um die mögliche Bedeutung
neuer Entwicklungen zu erkennen, müssen wir wissen, was wir meinen, wenn
wir sagen, daß die Lastenverteilung
gerechter sein muß - und das heißt,
wir müssen über einige der eindimensionalen Ansätze hinausgehen, die in
der Debatte über Lastenteilung nur
allzu oft als Analyse ausgegeben werden.
Kritiker
unseres
Bündnissystems
verweisen darauf, daß die Vereinigten
Staaten von den Kosten für das Bündnis mehr als ihren fairen übernehmen.
Die zur Unterstützung dieser These
vorgebrachten
Beweise
sind
zumeist
statistischer Art:
insbesondere die
Tatsache, daß die Vereinigten Staaten
gemessen am Prozentsatz ihres Bruttosozialprodukts nahezu doppelt soviel
für Verteidigung ausgeben wie die
NATC-Verbündeten im Durchscnitt und
mehr als das fünffache der Japaner.
Für die Kritiker stützen diese Tatsachen ihre These, und es bleibt lediglich die Entscheidung darüber offen,
ob wir auf höheren Verteidigungsausgaben
unserer Verbündeten
bestehen
oder ganz einfach unsere Bemühungen
verringern sollen.
Haben diese Kritiker nun recht
oder unrecht'/1
Die Antwort lautet:
sov^ohl als auch. Sie haben insofern
unrecht, als sie den Anteil unserer
Verbündeten an der gemeinsamen Verteidigung nicht in seinem vollen Umfang anerkennen - all die von unseren
Verbündeten
übernommenen
Aufgaben,
Risiken und Pflichten, die. sich nicht
in Dollar aufwiegen Lassen. Und sie
haben in einem anderen Funkt recht:
es stimmt, daß viele unserer Bündnispartner in Europa und im Fernen Osten
mehr tun können und sollten.
Lassen

Sie

mich

Ihnen

erklären

�was ich mit meiner Bemerkung meine,
daß sich die Beiträge eines Landes
zur gemeinsamen Verteidigung nicht
immer in Dollar und Cent aufwiegen
lassen. Da bei den meisten unserer
europäischen Verbündeten Wehrpflicht
besteht - und es keine aufwendigere
Armee aus Freiwilligen wie in den
Vereinigten Staaten gibt - können sie
ihre Armeen mit geringeren Kosten ins
Feld schicken.
Tatsächlich stellen
unsere Verbündeten 90 Prozent aller
in Europa zu Friedenszeiten stationierten Landstreitkräfte der NATO sowie 60 Prozent aller NATO-Kampfflugzeuge. Im Krieg würden unsere europäischen Verbündeten - sogar nach
einer Mobilisierung - den größten
leil der Land- und Luftstreitkräfte
der NATO stellen. Aufgrund der allgemeinen Wehrpilicht müssen die Aufwendungen nicht so hoch sein wie bei
einer Armee aus Freiwilligen wie in
den Vereinigten Staaten.
Darüber hinaus
stellen unsere
Verbündeten den auf ihrem Territorium
stationierten amerikanischen Streitkräften in großem Umfang Liegenschaften und kostenfreie Einrichtungen zur
Verfügung. Betrachten wir zum Beispiel iie Bundesrepublik Deutschland,
wo etwa eine Million Soldaten aus
sieben verbündeten Nationen in einem
Raum von etwa der Größe des Staates
Oregon stationiert sind - mit dem
entscheidenden Unterschied, daß die
Bundesrepublik im Gegensatz zu Oregon
65 Millionen Einwohner hat.
Die
Schäden an zivilem Eigentum bei NATOUbungen, die Belästigung durch dauernde Tiefflüge von Flugzeugen der
NATO und nächtliche Manöver sind Beispiele für echte Lasten, deren Preis
sich nicht so einfach festlegen läßt.
Aber wenn die Kritiker in der Debatte über Lastenverteilung - wie ich
gerade aufgezeigt habe - sich oftmals
zu eingehend auf Zahlen konzentrieren
um; aus diesem Grunde nicht mehr
e;rige der schwerer aufzuwiegenden
Leistungen des Eündnisses betrachten,
so stimmt es auch, daß auf selten
einiger unserer Verbündeten die Tendenz besteht, Zahlen insgesamt zu ig- 4

norieren oder ihre Bedeutung abzuwerten. Das ist ebenfalls ein Fehler obwohl uns die Zahlen allein kein
vollständiges Bild liefern, so vermitteln sie uns doch etwas Wichtiges
über den Grad der Verteidigungsbemühungen eines Landes. Von zu vielen
Verbündeten vernehmen wir jedoch, daß
sie mehr tun könnten.
Natürlich kann man nicht all unsere Verbündeten auf die gleiche Stufe stellen. Es ist vielmehr wichtig,
sich im einzelnen Ihre jeweiligen
Beiträge zu vergegenwärtigen, bevor
man Veränderungen vorschlägt. Lassen
Sie uns deshalb bei den einzelnen
Ländern kurz untersuchen, wie die
Beiträge unserer Verbündeten zur gemeinsamen
Verteidigung
gegenwärtig
aussehen und wo Mängel bestehen. Bereits ein kurzer Abriß dieser Art ist
meiner Ansicht nach hilfreich, um die
vielfältige Art und Weise aufzuzeigen, in der unsere Verbündeten zu unserer gemeinsamen Sicherheit beitragen - und der Umfang, in dem dies geschieht.
Ich möchte mich zunächst Japan
als unserem wichtigsten Verbündeten
im Fernen Osten und häufigsten Zielscheibe in der Debatte über die Lastenteilung zuwenden.
Die Kritiker
Japans verweisen darauf, daß dort nur
ein Prozent des Bruttosozialprodukts
für Verteidigung aufgewendet wird.
Diese Kritiker lassen aber außer
acht, daß Japan in den 80er Jahren
mehr Verteidigungsaufgaben übernommen
hat und für deren Erfüllung zehn Jahre lang eine jährliche Erhöhung der
Verteidigungsausgaben
von
durchschnittlich 5 Prozent hinnahm. Darüber hinaus hat Japan seine strategisch wichtige Entwicklungshilfe in
Übersee proportional erhöht, und diese Hilfe ist jetzt in absoluten Zahlen (in Dollar) umfangreicher als unsere. Ich habe in meinen Diskussionen mit japanischen Politikern darauf
hingewiesen, daß Japan diese - wie
auch weitere - Erhöhungen verkraften
kann. Aber wir müssen berücksichtigen was Japan leistet, auch wenn wir
das Land zu weiteren Leistungen auf-

�fordern.
In ähnlicher Weise hat sich die
Republik Korea mit ihren 47 000 amerikanischen Soldaten für unser Anliefen der Lastenteilung offen gezeigt.
Trotz der Tatsache, daß Korea - im
Gegensatz zu Japan und unseren NATOVerbündeten - immer noch in starkem
Maße ein Entwicklungsland ist, hat es
seine Absicht bekundet, den Beitrag
zu den Kosten für die Unterhaltung
der dort stationierten amerikanischen
Streitkräfte zu erhöhen.
In Europa ergibt sich ein komplizierteres Bild. Die NATO als Institution ist weiterhin höchst erfolgreich. Vor kurzem hat das Bündnis
den Status des 401. Geschwaders geklärt und beschlossen, dessen Stationierung in Italien zu finanzieren.
Zum Ihema Lastenteilung direkt zeigt
sich die Erkenntnis seiner Bedeutung
in dem gegenwärtig von der NATO erstellten Bericht.
Eine länderspezifische Überprüfung unterstreicht die Tatsache, daß
nicht alle Verbündeten gleich sind weder im Hinblick auf Verteidigung
noch bei den schwer vergleichbaren
Beiträgen zur gemeinsamen Verteidigung. Großbritanniens Verteidigungsausgaben betragen zum Beispiel etwa
4,5 Prozent seines Bruttosozialproduktes, was gegenüber den frühen 80er
Jahren einen Rückgang darstellt, aber
iir.mer noca erheblich höher ist als
die
durchschnittlich
von
unseren
NATO-Verbündeten aufgewendeten 3 Prozent. Darüber hinaus übernimmt Großbritannien untor den fünf im Persischen Golf aktiven NATO-Ländern eine
Führungsrolle und ist eines von fünf
Ländern,
das
Mittelstreckenraketen
stationiert.
Zusätzlich
unterhält
und modernisiert Großbritannien einen
wichtigen Teil des Abschreckungspotentials strategischer Nuklearwaffen
der NATO insgesamt.
Frankreich wendet kontinuierlich
4 Prozent seines Bruttosozialprodukts
für Verteidigung auf, ungeachtet der
Tatsache,
dab
die
französischen

Streitkräfte militärisch nicht in die
NATO integriert sind. Frankreich unterhält ein umfangreiches unabhängiges nukleares Absch^ckungspotential
und ist im Begriff, die Kommunikationswege mit den NATO-Streitkräften
zu verbessern, nimmt aktiv an den Bestrebungen zur Rüstungszusammenarbeit
teil und hat eine Reihe von Pflichten
außerhalb des Bündnisgebiets übernommen.
Griechenland und die Türkei
sind zwei weitere Länder, die mit ihren Verteidigungsausgaben weit über
dem Durchschnitt
der europäischen
Verbündeten liegen. Für die Stärke
des Bündnisses wäre es jedoch von
vorrangiger Bedeutung, wenn die Bemühungen dieser beiden Bündnispartner
zur Beilegung ihrer Differenzen Erfolge zeitigen würden. Solange dieser Konflikt schwelt, ist das Bündnis
geschwächt.
Im Mittelfeld liegen im Hinblick
auf die Verteidigungsausgaben fünf
Länder, die mehr oder weniger den
durchschnittlichen Beitrag der NATOLänder von 3 Prozent aufwenden: Norwegen, die Niederlande, Spanien, Portugal und die Bundesrepublik Deutschland. Hier können wir sowohl positive als auch negative Entwicklungen
beobachten. Zweifellos war die von
Spanien getroffene Entscheidung, seine Stützpunkt-Vereinbarung mit dem
401. Geschwader nicht zu verlängern,
potentiell
ein
ernsthafter
Rückschlag, der nur durch unverzügliche
Maßnahmen des Bündnisses abgewendet
werden konnte. Derzeit stehen wir in
Stützpunkt-Verhandlungen mit Portugal
und hoffen, dort stärkere Verteidigungsbande schmieden zu können. Indem sie ein holländisches Patrouillenboot in den Persischen Golf entsandten, haben die Niederlande der
Tatsache Rechnung getragen, daß die
NATO-Partner Interessen außerhalb des
Bündnisgebiets haben. Die für Verteidigungsfragen zuständigen Verantwortlichen in den Niederlanden haben
ferner im Nordatlantikrat unermüdlich
die Bedeutung der Lastenverteilungsproblematik unterstrichen. In Norwegen wiederum wird zur Zeit Teamwork
'88 abgehalten, eine größere Übung

- 5 -

�auf 1 000 Quadratkilometern norwegischen Territoriums, an der 45 000
Soldaten aus neun NATO-Ländern teilnehmen.
In
der
Bundesrepublik
Deutschland liegen die Verteidungsausgaben bei knapp über 3 Prozent des
BSP und im kommenden Jahr wird sich
die Entwicklung der vergangenen drei
Jahre umkehren, in denen die Verteidigungsauf..'endungen nicht mit der Inflation Schritt halten konnten. Darüber hinaus leistet die Bundesrepublik maßgebliche Wirtschaftsund Militärhilfe an wirtschaftlich eher benachteiligte Bündnispartner wie Portugal, Griechenland und die Türkei eine Maßnahme, die wir gerne auch bei
anderen Verbündeten beobachten würden.
Und während andere Seestreitkräfte der NATO Patrouillenfahrten im
Persischen Golf durchgeführt haben,
hat die Bundesmarine verstärkt Aufgaben Im Mittelmeer übernommen.
In der Rangfolge der Verteidigungsausgaben
kommen
als
nächstes
drei NATO-Mitgliedstaaten, die im Begriff sind, ihre Aufwendungen für die
Verteidigungsbestrebungen der NATO zu
erhöhen.
In den vergangener. Jahren
hat Italien seinen Verteidigungshaushai t aufgestockt, aber trotz dieser
Erhöbung belaufen sich die Verteidigungssusgsben Italiens noch auf 2,2
Prosent seines bSP. In anderer Hinsicht waren die italienischen Beiträge beträchtlich und reichen von der
Entsendung der italienischen Marine
in den Persischen Golf bis zur Stationierung von INF-Raketen auf italienischem Territorium und dem jüngstes) \ngebot, einen Stützpunkt für
das 40i . Geschwader zur Verfügung zu
stellen. In den kommenden Jahren erwarten wir einen stabileren Verteidigungsbausbslt
in
Italien, da
die
Wirtschaft nach wie vor expandiert
un.' Italien damit mit unter die erEten
der europäischen Wirtschaftsnächte rückt.
Auch Luxemburg nimmt
A m Stockungen
vor, wenn
auch
von
einem
noch
geringeren
Prozentsatz
ausgehend als Italien.
Obwohl ohne
Zugang zum Meer, hat Luxemburg sein
Verständnis
für die Bedeutung der
freien Schiffahrt im Persischen Colf

unter Beweis gestellt und finanziell
zu den Patrouillenoperationen in der
Region beigetragen. Eine in jüngster
Zeit vorgenommene deutliche Aufstokkung der Verteidigungsprogramme hat
in Kanada die Verteidigungsausgaben
auf 2,3 Prozent des BSP erhöht. Darüber hinaus leistet Kanada einen erheblichen Beitrag zur nordamerikanischen Sicherheit und ist auch in Zukunft dazu bereit.
Am Ende der Liste der Verteidigungsausgaben stehen zwei NATO-Länder;
Belgien kämpft mit einem gekürzten
Verteidigungshaushalt,
der
die Modernisierung seiner Luftverteidigung
verhindert
oder
verzögern
wird, was für die NATO insgesamt von
Nachteil
ist.
Andererseits
stand
Belgien fest zur Stationierung der
INF-Raketen auf belgischem Gebiet und
ensandte Seestreltkräfte zu Operationen im Persischen Golf.
Dänemarks
Aufwendungen schließlich nehmen kontinuierlich ab und sind von nur 2,5
Prozent Anfang der achtziger Jahre
auf derzeit 2 Prozent gesunken. Dänemark gibt nicht vor, irgendwelche
Versuche zur Aufstockung der Ausgaben
zu unternehmen und erhält das offizielle Ziel von realem Nullwachstum
aufrecht - und selbst das wird nicht
erreicht.
Welchen Platz würden die Vereinigten Staaten bei einem solchen Vergleich einnehmen?
Im Hinblick auf
die Verteidigungsausgaben wenden die
Vereinigten Staaten 5,7 Prozent ihres
BSP für Verteidigung auf - obwohl
1989 das vierte aufeinanderf clger.de
Jahr sein wird, in dem die Verteidigungsausgaben in realen Zahlen abgenommen haben. Trotz dieser Kürzungen
haben wir nach wie vor 400 000 amerikanische Soldaten in Europa und im
Fernen Osten stationiert - dies entspricht einem Fünftel unserer Streitkräfte.
Und schließlich ist es uns
zumindest in diesem Jahr gelungen,
der Versuchung zu widerstehen, unseren Beitrg an das Bündnis zu kürzen
oder den Bündnispartnern Strafen aufzuerlegen, die in unseren Augen weniger als ihren gerechten Anteil lel-

- 6 -

�sten. Angesichts der derzeitigen Bestrebungen innerhalb der NATO und
seitens unserer asiatischen Verbündeten zur Bewältigung des Problems der
Lastenverteilung ist dies ein gemässigtes Vorgehen.
Aus dieser Bilanz sollten verschiedene Schlußfolgerungen gezogen
werden. Wir müssen die beträchtlichen und unterschiedlichen Beiträge
würdigen, die von unseren Verbündeten
heute geleistet werden - ebenso wie
wir die Länder, die wenig beitragen,
drängen müssen, mehr zu tun und diejenigen, die jedes Jahr weniger leisten - auch uns selbst - auffordern,
diesen Abstieg aufzuhalten und einen
anderen Kurs einzuschlagen.
Selbst
Verbündete, die sich nahe am nichtamerikanischen Durchschnitt der Verteidigungsausgaben
bewegen
müssen
sich vor Augen halten, daß 3 Prozent
nicht ausreichen, um die zur Abschreckung der sich uns stellenden
Bedrohung erforderlichen Streitkräfte
aufrechtzuerhalten - noch sind dies
gerechte Anstrengungen gemessen an
den beträchtlichen Verteidigungslasten, die selbst einige der weniger
wohlhabenden
Bündnispartner
tragen
müssen. Es gibt keinen einleuchtenden Grund, warum einige unserer europäischen Partner bis zu 5 Prozent ihres nationalen Einkommens für Verteidigung aufwenden, während ganze fünf
unserer fünfzehn NAIC-Partner, die
alle eigentlich wohlhabend sind, nur
ungefähr die Hälfte ausgeben - und
einige sogar nur 2 Prozent.

gen unweigerlich zu der Annahme, daß
die Bündnispartner, die weniger leisten, entschieden haben, die anderen
ihre Last für sie tragen zu lassen.
Und der aushöhlende Effekt solcher
Vergleiche besteht darin, daß sie im
Verlauf der Zeit das Vertrauen in die
gemeinsamen Anstrengungen untergraben, die das Fundament eines jeden
Bündnisses bilden.
Die Vereinigten Staaten und ihre
Verbündeten haben ein gemeinsames Interesse daran, dies zu vermeiden.
Wir müssen zusammenarbeiten, um das
Fundament des Bündnissystems zu festigen, das uns über mehr als vier
Jahrzehnte Freiheit und Frieden beschert hat.
Dazu ist besseres Verständnis unter den
Bündnispartnern vonnöten.
Die Vereinigten Staaten - als Staat
wie als Volk - müssen ihre Verbündeten davon überzeugen, daß sie in vollem Umfang die von ihnen geleisteten
Beiträge verstehen und zu würdigen
wissen.
Unser Bündnis muß seinerseits die Vereinigten Staaten davon
überzeugen, daß es die Lastenverteilung ernst nimmt und die von den
Bündnispartnern
geforderten
unterschiedlichen Rollen, Risiken und Verantwortlichkeiten zu übernehmen bereit ist - in einem Umfang, der den
tatsächlichen wirtschaftlichen Fähigkeiten eines jeden Landes entspricht.

* * * * *

Jedes Land sieht sich natürlich
öffentlichem Druck ausgesetzt, eine
Vielzahl sozialer Programme zu finanzieren - Forderungen, die es erschweren, angemessene Verteidigungsausgaben kontinuierlich aufrechtzuerhalten. In einer Demokratie war es noch
nie leicht, Unterstützung für eine in
der Hoffnung errichtete Verteidigung
zu erhalten, sie käme - sofern alles
nach Plan verliefe - niemals zum Einsatz.
Diejenigen Nationen, die zur
der politisch schwierigen Entscheidung einer angemessenen Verteidigunr.sfinanzierung bereit sind, gelan- 7-

�AMERIKA DIENST
'1-7

"""

C&amp;

Dokumentation

5. Oktober 1988

36

UdSSR HAT OFFENSIVES MILITÄRISCHES EINSATZKONZEPT NICHT GEÄNDERT
- Rede von General Galvin vor dem Repräsentantenhaus -

WASHINGTON - (AD) - Dem Obersten Alliierten Befehlshaber Europa der NATO,
General John R. Galvin, zufolge hat die Sowjetunion ihr offensives militärisches Einsatzkonzept nicht geändert.
"Ich kann weder eine Veränderung bei sowjetischen Stationierungen noch bei
Übungen und Beständen feststellen", erklärte der General am 30. September 1988
vor dem verteidigungspolitischen Ausschuß des Repräsentantenhauses. Es heißt,
"gebt den Sowjets Zeit", aber Generalsekretär Gorbatschow hat in seiner mehr
als dreijährigen Amtszeit keinen Vorschlag zum Abbau der Rüstungsproduktion
unterbreitet, fügte General Galvin hinzu, der gleichzeitig Oberbefehlshaber
der amerikanischen Streitkräfte in Europa ist.
Nachfolgend bringen wir die Ansprache von General Galvin im Wortlaut:

Herr Vorsitzender, sehr geehrte
Ausschußmitglieder, ich begrüße diese
Gelegenheit, meine Ansicht zu entscheidenden Problemen des Verteidigungsprogramms der NATO äußern zu
können. Sie haben mir einen Katalog
freimütiger Fragen vorgelegt, die ich
in dieser Eröffnungsrede zu beantworten versuche.
Frage:
Wie definieren Sie konventionelle
Stabilität, und welche
Schritte sollten wir Ihrer Ansicht
nach in diese Richtung unternehmen?

te hat es niemals eine lange andauernde konventionelle Abschreckung gegeben; tatsächlich sind Kriege zwischen Gegnern ausgebrochen, deren relative Stärke im großen und ganzen
vergleichbar war oder sogar in Fällen, in denen der Angreifer dem Verteidiger unterlegen war. Eine Strategie,
die
nuklearen
Fähigkeiten
Rechnung trägt, hat sich als überzeugende Abschreckung eines Krieges erwiesen.
Wir im Westen müssen eine
glaubwürdige nukleare Reaktionsfähigkeit aufrechterhalten.

Antwort:
Konventionelle
Stabilität kann nicht losgelöst vom nuklearen Kontext definiert werden. In
jüngster Zeit war die nukleare Abschreckung zentraler Bestandteil der
Stabilität. Im Verlauf der Geschich-

Wir können jedoch Nuklearwaffen
abbauen, solange wir die Modernisierung dieser Waffen und die Fähigkeiten unserer konventionellen Streitkräfte gewährleisten. wir dürfen die
Sowjets nicht zu der Annahme verlei-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�ten, daß sie im Falle eines Angriffs
strategische Ziele mit konventionellen Mitteln erreichen könnten, bevor
die NATO mit Nuklearwaffen reagiert.

nehmen, um Sie zu überzeugen?
Wie
sollte die Reaktion der NATO auf die
bisherigen
Initiativen der
Sowjets
aussehen?

Unsere beste Option besteht in
einer von Nuklearwaffen unterstützten
starken konventionellen Verteidigung.
Wir müssen:

Antwort:
Es
liegt
auf
der
Hand, daß Generalsekretär Gorbatschow
einige kühne Initiativen im Inland in
die Wege geleitet hat, es ist jedoch
weniger
offensichtlich,
daß
diese
kurzfristig Veränderungen in der Verteidigungspolitik oder langfristig in
der Außenpolitik zur Folge hatten.

- operativ entscheidende Durchbrüche
der
ersten
strategischen
Staffel des Warschauer Pakts vermeiden ;
- das Vorrücken der nachfolgenden
operativen
und
strategischen
Streitkräfte des Feindes in die
am stärksten bedrohten Bereiche
unserer Verteidigung verzögern;
- die Geschlossenheit unserer rückwärtigen Gebiete und deren Fähigkeit, Nahgefechte und Operationen
in der Tiefe durchzuführen, aufrechterhalten;
- die NATO rasch genug mit
sprechenden
Streitkräften
stärken, um dem Warschauer
seine strategischen Ziele zu
wehren; und

entverPakt
ver-

- konventionelle Operationen lange
genug andauern lassen, um einen
Angriff des Warschauer Pakts zu
vereiteln, und - falls erforderlich - eine beabsichtigte Eskalation zuzulassen.
Konventionelle Verteidigung könnte jedoch zur Aufrechterhaltung der
Geschlossenheit
des
NATO-Gebietes
nicht ausreichen.
Die Strategie des
Bündnisses trägt dieser Tatsache mit
der "Triade" von Optionen Rechnung.
Diese lauten:
direkte Verteidigung,
beabsichtigte Eskalation und allgemeine nukleare Reaktion.
Frage:
Welches sind Ihrer Ansicht nach die von den Sowjets angekündigten Veränderungen in Militärdoktrin und Strategie?
Sofern Sie
diese nicht überzeugen - welche Veränderungen müssten die Sowjets vor-

Bei kurzfristigen Entscheidungen
im Hinblick auf die Verteidigungspolitik müssen wir eher Fähigkeiten als
Absichten bewerten.
Die Fähigkeiten
der Sowjetunion haben verglichen mit
den unseren weiterhin zugenommen. In
dem Gebiet vom Atlantik bis zum Ural
sind wir bei Panzern zahlenmäßig 3 zu
1, bei Artillerie 3 zu 1 und bei
Kampfflugzeugen 2 zu 1 unterlegen.
Bei einem Krieg mit kurzer Vorwarnzeit wären wir bei Panzern 2 zu 1,
bei Artillerie 2 zu 1 und bei Kampfflugzeugen 2 zu 1 unterlegen.
Die Sowjets produzieren modernste
Panzer und Artillerie weiterhin in
einer Geschwindigkeit, die ausreicht,
um eine Division und vier Artillerieregimente pro Monat neu auszurüsten.
Dies führt zu einem kontinuierlich
wachsenden
Ungleichgewicht
bei den
Fähigkeiten, die eher für Offensivais für Defensivoperationen bestimmt
und ausgerüstet sind.
Wir haben beobachtet, wie das sowjetische Militär die Lektion seiner
letzten Offensivoperationen im Zweiten Weltkrieg gelernt und geübt hat Vorausabteilungen als Angriffsspitze
und operative Manövergruppen.
Dies
ist genau die Art von Taktik und operativen Geschicks, die für unsere
Vornestrategie
der Verteidigung
am
gefährlichsten ist. Wir haben beobachtet, wie sie in den vergangenen
fünf bis acht Jahren ihre Streitkräfte für genau die Art von "Blitzkrieg"
umstrukturiert und ausgerüstet haben,
zu der sie sich in ihren ideologischen Schriften bekennen.
Die ra-

- 2 -

�sehe
und umfassende
Modernisierung
ihrer Panzertruppen mit Panzern, die
zu bekämpfen für uns - selbst mit unseren moderneren Panzerabwehrsystemen
- immer schwieriger wird, verbessert
ihre Offensivfähigkeit mehr als ihre
Defensivfähigkeit.
Welche
Veränderungen
sollten
stattfinden, um uns zu überzeugen?
Ich würde eine entscheidende Verringerung der militärischen Produktion
insbesondere bei den Panzern begrüssen. Wir würden es befürworten, wenn
die sowjetischen Streitkräfte so stationiert, ausgerüstet
und strukturiert wären, daß sie ihre eigene Verteidigungsdoktrin widerspiegeln.
Wenn die Sowjets ihre Streitkräftestruktur so optimal gestalten würden, daß
ihre Verteidigungsdoktrin
und ein Verteidigungsplan darin ihren
Niederschlag finden, sollten wir eine
Verlagerung beim Übergewicht der gepanzerten und vorne stationierten Divisionen hin zu mehr Infantrie mit
von Pionieren unterstützten Panzerabwehrwaffen beobachten können - Einheiten, die eher als Besatzung von
Stützpunkten und zum Bau von Barrieren und Hindernissen geeignet sind.
Bei den rückwärtigen Formationen und
Staffeln sollte eine größere Panzerdichte herrschen als - wie wir heute
beobachten können - bei den vorne
stationierten.
Depots für Nachschub und Logistik
sollten tiefer im rückwärtigen Bereich liegen: ein Offensivplan sieht
vor, daß sich der Nachschub so nah
wie möglich am Ausgangspunkt des Angriffs befindet, um die zügige Verlagerung des Nachschubs nach vorne zu
gewährleisten.
Dies entspricht den
sowjetischen Gegebenheiten.
Ein Defensivplan erfordert, daß sich der
Nachschub tiefer im rückwärtigen Bereich befindet, um seine Eroberung
und Zerstörung zu verhindern und eine
umfassende Verteidigung sicherzustellen (wie es die sowjetische Doktrin
vorschreibt).
Wir

würden

es

ferner

begrüßen,

wenn die Sowjets bei ihren Ansätzen
im Bereich der Vertrauens- und Sicherheitsbildenden Maßnahmen und in
den Mandatsgesprächen über konventionelle Stabilität größeres Entgegenkommen zeigten.
Wir würden Fortschritte im Hinblick auf größere "Transparenz" militärischer Aktivitäten auf beiden Seiten begrüßen, damit wir nicht durch
Kriegsvorbereitungen überrascht werden. Wir würden ferner gerne ein Angebot des Warschauer Pakts vorliegen
haben,
das
eine
Reduzierung
der
Streitkräfte vorsieht, die sich stärker im Einklang mit ihrer Verteidigungsdoktrin befindet, eine defensive
Abschreckungshaltung und strategische
Planung sowie ein etwas reduziertes
EJ"satzkonzept der NATO-Streitkräfte.
Wie sollen wir auf die bisherigen
sowjetischen
Initiativen
reagieren?
Wir sollten weiterhin unsere Kontakte
zwischen
den
zivilen
und
militärischen Vertretern
von NATO und
Warschauer Pakt ausbauen, um das gegenseitige Verständnis zu verbessern.
Wir sollten nach wie vor die in der
Schlußakte von Helsinki festgelegten
Verfahren zur Benachrichtigung, Beobachtung und Inspektion von Manövern
anwenden, um die Transparenz zu erhöhen.
Und wir sollten bereit sein,
beim Beginn der Gespräche über konventionelle Stabilität (CST) eine gemeinsame Position der NATO vorzulegen, die Parität als erstes Ziel auf
dem Weg zu größerer Stabilität und
einer
Verringerung
des
Konfrontationsniveaus vorsieht.
Dises Gespräche werden durch die
Tatsache erschwert, daß sie nicht
zwischen NATO und Warschauer
Pakt
stattfinden,
sondern
zwischen
den
souveränen Staaten beider Bündnisse insgesamt 23 Teilnehmerstaaten. Dies
erschwert die Koordinierung der Positionen und schränkt die Rolle des
Obersten
Alliierten
Befehlshabers
Europa (SACEUR) erheblich ein.
Zur
Aufrechterhaltung
eines
glaubwürdigen
Abschreckungskonzepts

�mit Nuklearwaffen
bis ins nächste
Jahrhundert
muß die Modernisierung
jetzt erfolgen. Die Lance-Rakete und
viele der von der Artillerie abgefeuerten Waffen werden bald nicht
mehr erforderlich sein.

entscheidender Bedeutung sind.
Die
damals von den Ministern festgestellten gravierndsten Mängel ziehen sich
durch alle fünf der oben genannten
Bedingungen. Die folgenden Beispiele
mögen dies verdeutlichen:

Eine ausreichende konventionelle
Abschreckung gegen die konventionellen
Streitkräfte
des
Warschauer
Pakts, wie sie sich uns heute darstellt, muß folgende Bedingungen erfüllen:

Defizite
bei den
stationierten
Landstreitkräften und die Abhängigkeit von Verstärkung aus dem
Ausland schränken die Fähigkeit
ein,
die
Leitstaffeln
des
Warschauer
Paktes
zu besiegen.
Die Reserveeinheiten des Bündnisses sind im Hinblick auf ihre
Ausbildung, Ausrüstung
personelle Ausstattung und Verfügbarkeit
sehr unterschiedlich strukturiert.

- Sie muß einen Durchbruch der ersten strategischen Staffel gegen
eine noch um Verstärkung bemühte
NATO-Verteidigung verhindern.
Sie muß das Vorrücken der zweiten
operativen und der zweiten strategischen
Staffel
lange
genug
aufhalten, um die Verstärkung der
Verteidigung zu gewährleisten und
die erste operative Staffel zu
besiegen.
Sie muß die Häfen, Depots, Luftwaffenstützpunkte,
Kommunikationswege,
Reserven,
Verstärkungseinheiten und das Abschrekkungspotential der Nuklearstreitkräfte vor einem Luftangriff, vor
Sabotage und den Landstreitkräften wie etwa Luftlande- und Luftsturmeinheiten und den SpetznatzStreitkräften schützen.
Sie muß schnell für Verstärkung
aus Nordamerika sorgen und
sie muß konventionelle Operationen lange genug führen, um einen
Angriff des Warschauer Pakts zu
vereiteln, und - falls erforderlich - eine beabsichtigte Eskalation zuzulassen.
Im Dezember 1984 haben sich die
NATO-Minister zur Initiative für eine
Verbesserung der konventionellen Verteidigung
(CDI)
zusammengeschlossen
und wichtige Zielsetzungen für die
Streitkräfte
der
Mitgliedstaaten
festgelegt, die für die Verbesserung
der konventionellen Verteidigung von
- 4

- Die Mittel
zum Aufhalten,
Spaltung
oder
Zerstörung
nachfolgenden
Streitkräfte
Feindes sind unzureichend.

zur
der
des

- Wir sind von der raschen Verstärkung
durch
ausländische
Luftstreitkräfte abhängig, um in der
Luft eine vorteilhafte Situation
beizubehalten.
Es bestehen Mängel bei den Einrichtungen
für
Aufnahme, Schutz und Stationierung der Flugzeuge, die zur Verstärkung dienen.
Bei der Luftverteidigung
bestehen
Schwachstellen, insbesondere durch das
Fehlen eines gemeinsamen, konkurrenzfähigen und sicheren NATO-Systems
zur
Identifizierung
von
Flugzeugen.
- Eine bedeutende Schwäche auf See
besteht
im Mangel an Begleitschutz,
Minensuchbooten
und
Patrouillenbooten,
um
Missionen
zur Abwehr
von Unterseebooten,
Flugzeugen und zur Auffindung von
Minen durchzuführen.
- Schließlich könnten Defizite bei
der Durchhaltefähigkeit zur einer
frühzeitigen
Entscheidung
über
den
Einsatz
von
Nuklearwaffen
führen.
Seit ihrer Gründung haben die
NATO-Länder im Hinblick auf die Ver-

�wirklichung der von CDI hervorgehobenen Ziele bei den Streitkräften weit
bessere Ergebnisse erzielt als andere
Länder, und es ist bereits viel zur
Verbesserung der oben genannten Bedingungen getan worden.
Es ist seit langem bekannt, daß
unsere vorne stationierten
Streitkräfte
keine angemessenen
Reserven
haben. Die Ziele der CDI sehen mehr
als 19 Reservebrigaden vor, die in
den einzelnen Ländern aus anderen Reserven gebildet werden.
Der Mangel
an verfügbaren Ressourcen zur Ausrüstung dieser Einheiten mit wirksamen
Waffen hat deren Aufbau bis nach
1994, der Frist für die gegenwärtigen
Zielsetzungen, aufgeschoben. Die Geschwindigkeit des technischen Fortschritts und die Modernisierung sowjetischer
Panzer
bedeuten,
daß
Streitkräfte besiegt werden können,
wenn sie mit veralteten Waffen ausgerüstet sind. Im gesamten Oberkommando Europa modernisieren wir in nicht
ausgewogenem Maße. Meine größte Sorge gilt der Möglichkeit, daß Panzerabwehrsysteme - auch in der Hand der
Soldaten unserer am besten ausgerüsteten Einheiten - gegen einen großen
Teil der gegenwärtigen Panzereinheiten des Warschauer Pakts nicht wirksam einsetzbar sind. Der Kongreß muß
unsere Bedingungen für moderne Panzerabwehrsysteme unterstützen.
Das Aufhalten der zweiten Staffel
hängt vom Konzept zur Bekämpfung der
Folgestaffeln (FOFA) ab. Obwohl Verbesserungen bei den Waffen die potentielle Stärke von FOFA erhöhen werden, stellt dieses Konzept doch bereits einen wesentlichen Bestandteil
unserer heutigen Verteidigung dar.
Das Oberste Hauptquartier der alliierten Mächte in Europa (SHAPE) hat
das FOFA-Konzept veröffentlicht, und
die NATO hat für alle Mitgliedstaaten
Leitlinien zur Planung und Zielsetzungen für die Streitkräfte veröffentlicht.
Wir machen Fortschritte
beim Erarbeiten von Möglichkeiten zum
Austausch nachrichtendienstlichen Materials zwischen den NATO-Ländern.

Wir werden zur Verbesserung der Eindringfähigkeit und Allwetterfähigkeit
unserer Flugzeuge und der Fähigkeit
unserer
nachrichtendienstlichen
Systeme
zur Auffindung, Analyse und
Verbreitung
entscheidender
Informationen
weiterhin
die Unterstützung
des Kongresses benötigen.
Es gibt eine Reihe von Initiativen zur Verbesserung der konventionellen Streitkräfte, die die ersten
beiden Bedingungen erfüllen und nicht
sehr kostenintensiv sind.
Wir verbessern
unsere
Verteidigungsdoktrin
oberhalb der Korpsebene, wo die Luftund
Landstreitkräfte
vieler
Länder
zusammengeführt werden. Das betrifft
das Einsatzniveau im Krieg, ein Niveau, auf dem unsere potentiellen
Gegner überlegen sind. Wir verfolgen
aktiv die Möglichkeit, unsere hochrangigen Offiziere zur Kommandoführung unter Anwendung von Computertechnologie auszubilden.
Die Verbreitung von Technologie
im Bereich der Planspiele wird uns zu
besseren und kostengünstigeren Möglichkeiten zur Ausbildung großer Formationen verhelfen.
Es gibt neben
der Kostensenkung viele gute Gründe,
den Umfang unserer Übungen einzuschränken.
Mit der Verbreitung von
Planspielen können wir mehr Kommandobereiche
realistischer
für
den
Kriegsschauplatz
trainieren,
die
Kosten dämpfen und die Umwelt schonen.
Im Kriegsfall werden viele wichtige Funktionen von unseren rückwärtigen Gebieten wahrgenommen. Das ist
das Gebiet, aus dem wir unsere Stärke
für Luftgefechte und unser nukleares
Abschreckungspotential
gewinnen.
Dort wird die Verstärkung aufgenommen, formiert und nach vorne verlagert, und von dort aus versorgen Depots und Pipelines unsere vorne stationierten Kampfeinheiten.
All dies
muß geschützt werden.
Die Bedrohung unserer rückwärtigen Gebiete durch Agenten, Saboteure,
Luftlande- und Luftsturmeinheiten ist
beträchtlich, und wir setzen eine

- 5 -

�große Zahl von Reserveeinheiten zum
Schutz dieser Bereiche ein.
unsere
landgestützte Luftverteidigung muß im
gesamten
Alliierten
Befehlsbereich
Europa verbessert werden, wir müssen
ferner unsere passiven Maßnahmen wie
etwa Flugzeughallen und getarnte Landebahnen weiter verbessern.
Einige
unserer
Mitgliedstaaten
haben sich
zur Entwicklung eines Systems zur Abwehr taktischer ballistischer Raketen
zusammengeschlossen. Wir werden nach
wie vor die Unterstützung des Kongresses . für moderne Flugabwehrraketen
und moderne Luftverteidigungssysteme
benötigen.
Die rechtzeitige Verstärkung für
Europa aus Nordamerika ist von entscheidender
Bedeutung.
Der
größte
Teil der Verstärkung aus Nordamerika
könnte zu spät eintreffen, um zur
konventionellen Verteidigung und Abschreckung beizutragen.
Zur Lösung
dieses Problems gibt es viele Ansätze, aber der größte Bedarf besteht
bei
der
Verbesserung
der
strategischen Transportfähigkeit.
Wir haben erst kürzlich unsere Bedingungen
für den Transport vereinfacht und unsere Pläne zum effektiveren Einsatz
des
verfügbaren
Seetransportpotentials verbessert. Wir benötigen die
Hilfe des Kongresses bei vielen Teilbereichen des Problems der Verstärkung, wenn wir in naher Zukunft Fortschritte erzielen wollen.
Die Feuerprobe einer glaubwürdigen Abschreckung im konventionellen
Bereich besteht darin, ob sie bei den
im Falle eines Krieges wahrscheinlichen
schweren
Kämpfen
angemessen
eingesetzt werden kann. Wir haben im
Rahmen der CDI für alle Länder in
diesem Bereich Zielsetzungen aufgestellt. Wir arbeiten ferner an wissenschaftlicheren und zuverlässigeren
Wegen, um den Bedarf an Munition
festzulegen.
Der Warschauer Pakt hat in den
vorderen Abschnitten genug Nachschub
gelagert, um 60 bis 90 Tage lang Operationen durchzuführen.
unser Nachschub wird wahrscheinlich sehr viel

eher verbraucht sein.
Meine größte
Sorge gilt dem Mangel an der zur Panzer- und
Flugabwehr
entscheidenden
Munition.
Auch bei größeren Ausrüstungsgegenständen, die im Kriegsfall
schwer beschädigt werden, ist der Bestand knapp.
Wenn wir uns alle fünf Bedingungen für eine wirkungsvolle konventionelle Abschreckung vergegenwärtigen, wird uns bewußt, daß sie wie jedes einzelne Glied einer Kette stark
und effektiv sein müssen.
Die Vernunft gebietet, daß wir die von mir
beschriebenen Mängel weiterhin entschlossen
beheben
und
gleichzeitig
nach Möglichkeiten suchen, um ein für
beide
Seiten
vorteilhaftes
neues
Gleichgewicht auszuhandeln.

* * * * * *

�AMERIKA DIENST
Wissenschaft und Technik

5. Oktober 1988

36

RÜCKKEHR IN DEN WELTRAUM
DISCOVERY-Mission:

Testflug des verbesserten Raumtransporters -

WASHINGTON - (AD) - Die "Mission 26" der amerikanischen Bundesbehörde für
Luft- und Raumfahrt (NASA) mit dem Raumtransporter DISCOVERY und seiner fünfköpfigen Besatzung ist erfolgreich beendet. Nach dem Start am 29. September
1988 um 16.37 Uhr MEZ von der Rampe 39 B in Kap Canaveral und einem ViertageFlug um die Erde in Höhen zwischen 250 und 300 km landete DISCOVERY am 3. Oktober um 17.37 Uhr MEZ in der Mojave-Wüste (Kalifornien).

Neben
der
Computer-Überwachung
aller technischen Funktionen während
Start, Flug und Landephase kommt den
Beobachtungen der Astronauten größte
Bedeutung zu. Alle fünf - Kommandant
Frederick
Hauck,
Kopilot
Richard
Covey, sowie David C. Hilmers, Mike
Lounge und George D. Nelson als Missionsspezialisten
- waren
bereits
mehrmals im Weltraum, einige von ihnen bei früheren Einsätzen der DISCOVERY.
Nach dem CHALLENGER-Unglück vom
28. Januar 1986, das 73 Sekunden nach
dem Start infolge der Explosion von
Trägerraketen und Orbiter den sieben
Astronauten an Bord das Leben kostete, unterzog die NASA das gesamte Sy-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

stem einer eingehenden Überprüfung.
Die seitdem mit einem Aufwand von
mehr als zwei Milliarden Dollar betriebenen
technischen
Veränderungen
und Neukonstruktionen
stellen
nach
Ansicht
der beteiligten
Ingenieure
wie auch der NASA-Vertreter das Menschenmögliche
zur Verbesserung der
Sicherheit dar. Aber erst die Eignung Hunderter neuer oder verbesserter Komponenten unter Raumflugbedingungen kann Gewißheit bringen, ob das
Richtige getan wurde. Die Auswertung
der damit zusammenhängenden Meßdaten,
aber auch der wissenschaftlichen Daten von den mitgeführten oder an Bord
vorgenommenen
elf Forschungsexperimenten, dürfte geraume Zeit in Anspruch nehmen.

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Ein KoloB wurde ausgesetzt
Eine•der Hauptaufgaben der Besatzung, nämlich das Absetzen des Nachrichtensatelliten (Tracking and Data
Relay Satellite - TDRS) , wurde bereits sechs Stunden nach dem Start in
Florida erfüllt.
Nachdem Kommandant
Hauck nach Freisetzen der fast elf
Meter langen und 18,5 Tonnen schweren
Nutzlast mittels eines Federmechanismus die DISCOVERY in Sicherheitsabstand manövriert hatte, wurde die erste der beiden TDRS-Raketenstufen gezündet. Damit begann 250 km über der
Erde der zweitägige Aufstieg des Satelliten zur geostationären Bahn in
36 000 km Höhe, wo nach mehrwöchigen
Tests und funkgesteuerten Vorbereitungen für den regulären Betrieb der
nun als TDRS-2 bezeichnete Nachrichtensatellit auf dem 171. Längengrad
über dem Zentralpazifik stationiert
werden soll.
Von den Trägerrakten
befreit, ist seine Masse auf 2,25
Tonnen geschrumpft.
Die Spannweite
beträgt in der Achse der beiden ausgefahrenen
Sonnenenergie-Kollektoren
17 Meter, im 90-Grad-Winkel dazu in
der Achse der beiden Parabolantennen
13,5 Meter.
Zusammen mit dem Pendant TDRS-1
bietet dieses System die Möglichkeit,
die direkte Funkverbindung zwischen
Bodenstationen
und bemannten
sowie
unbemannten
Raumschiffen
wesentlich
zu verbessern und gleichzeitig einige
kostspielige
Bodenstationen
einzusparen.
Mit einem
Raumtransporter
oder mit anderen Satelliten in niedrigen Umlaufbahnen wird über 85 Prozent der Flugbahn um die Erde ständiger Kontakt möglich. Dabei fungieren
die
beiden
leistungsstarken
TDRSNachrichtensatelliten
in 36 000 km
Höhe als Relaisstationen. Bereits im
Februar 1989 plant die NASA ein weiteres TDRS-Gerät für Bahnbeobachtung
und Datenübermittlung in den Weltraum
zu schicken, um den seit April 1983
über
dem
Atlantik
stationierten
TDRS-1, zu ersetzen und diesen dann
nur noch als Reservegerät zu verwenden.
Für
die
Forschungsprojekte
MAGELLAN (Radar-Sondierung des Plane-

ten Venus, Start April 1989), GALILEO
(Sondierung des Planeten Jupiter und
seiner Atmosphäre, Start im Oktober
1989)
und
WELTRAUMTELESKOP
(Start
1990) ist das TDRS-System ebenfalls
von besonderer Bedeutung. im übrigen
sind diese von der amerikanische Firma CONTEL gebauten Satelliten von der
NASA angemietet.

Experimente in der Schwerelosigkeit
Bei einer Reihe von Experimenten
wurde die Schwerelosigkeit (korrekter
wäre die Bezeichnung "Mikrogravitation"
statt "Schwerelosigkeit", da
die Masse des Raumschiffs auch eine allerdings geringe - Gravitationswirkung hat) genutzt, um z.B. Kristallwachstum, Phasentrennung von Flüssigkeit verschiedener Viskosität, Kornbildung für metallisches Gefüge und
anderes zu studieren.
So schickten
Wissenschaftler
der
Firmen
Upjohn
Company, DuPont Corporation, Merck
Pharmaceuticals,
Schering-Plough,
Burroughs
Wellcome
Co.
(USA) und
Wellcome Research Laboratories (Großbritannien) Proben in Spezialbehältern mit, die bestimmte Proteinsubstanzen enthielten.
In einem Fall
war auch das Enzym Reserve Transkriptase beteiligt, das eine Schlüsselrolle bei der Vermehrung von AIDSViren spielt. Bei einem Wachstum der
Proteinkristalle unter Mikrogravitation können sich diese groß genug
ausbilden, um die
dreidimensionale
molekulare
Struktur
zu
erkennen.
Dies wiederum ist wichtig für die
Entwicklung geeigneter Medikamente nicht
nur gegen AIDS-Erkrankungen,
sondern beispielsweise auch gegen andere Immunstörungen, gegen Bluthochdruck, Emphysem, Schmerzzustände und
Entzündungen.
AgrarWissenschaftler
sind im Hinblick auf die Entwicklung
besserer Fungizide zur Behandlung von
Pilzkrankheiten bei Pflanzen an den
Experimenten interessiert.
Die Firma 3M setzte ihre Versuche
fort, bei denen festes organisches
Material bis zum Dampfzustand erhitzt
wird und sich dann als Kondensat in

- 2 -

�einem dünnen Film niederschlägt. Die
sich
dabei
bildenden
Kristallenen
sind in einer Weise geordnet arrangiert, wie sie unter irdischen Bedingungen niemals erreicht würde.
Mit
solchen
und ähnlichen
Experimenten
könnten z.B. der Computertechnik neue
Dimensionen eröffnet werden.
In einem
anderen
Experiment
wird
ein
Schmelzofen
zur
Herstellung
einer
Mangan-Wismuth-"Legierung"
benutzt,
die
möglicherweise
Bemühungen
zur
Entwicklung
besserer
magnetischer
Werkstoffe weiterbringen kann.
Von
der Universität Sydney kam ein Experiment, mit dem an menschlichem Blut
der Verklu.iipungsvorgang
von Zel len
studiert werden
kann.
Man hofft,
aufgrund der jetzt gewonnenen Ergebnisse überblicken zu können, ob künftige Versuche unter Schwerelosigkeit
die klinische Forschung auf dem Gebiet von Anomalien bei roten Blutzellen fördern könnten.
Die
Astronauten
erprobten
ein
Verfahren, im Orbiter über Infrarotwel'en statt über die üblichen Radiowellen miteinander zu telefonieren.
Dieses Verfahren würde die Unterhaltung völlig abhörsicher machen, weil
Infrarotwellen nicht nach außen dringen.
Fallt sich das Verfahren als
qeeignet erweist, könnte es später in
der geplanten Raumstation, aber auch
auf Kriegsschiffen sowie in Militärflug- und Fahrzeugen eingesetzt werden .
Ein weiteres Experiment, das die
Astronauten ausführten, galt der Beobachtung (mit Foto- und Fernsehkameras) von Blitzen auf der Nachtseite
der Erde.
Geophysiker sehen in dem
Versuch eine Möglichkeit, mehr Erkenntnisse
über
die
gegenseitigen
Auswirkungen
von
Blitzentladungen,
übei die Auswirkung von Blitzentladungen auf benachbarte Sturmfronten
und auf die wechselnde Struktur von
WinJströmungen über weiträumigen Gebieten zu gewinnen. Astronaut Nelson
hatte dabei die Aufgabe, mit einer
35-mm-Kamera und Spezialfilm zu genau
angegebenen Zeiten Aufnahmen vom Erdhorizont zu machen.
Das geschah im

Auftrag eines Unternehmens, das verbesserte Horizont-Sensoren für Satelliten in erdsynchroner Bahn - das
heißt in 36 000 km Höhe - herstellen
will.
Schließlich
durften
auch
die
Schülerexperimente nicht fehlen. Eines galt der Erzeugung möglichst fehlerfreier
Blei-Jodid-Kristalle,
die
eines Tages vielleicht in astrophysikalische Instrumente zum Erfassen von
Gamma- und Röntgenstrahlen im Universum eingebaut werden und die Leistung
solcher Apparaturen verbessern könnten.
Beim zweiten ging es um die
gleichmäßigere Kornbildung im Gefüge
von Titan.
Am dritten Flugtag legten Ilauck
und Nelson ihre Druckanzüge an und
machten die zum ersten Mal installierte Vorrichtung für einen Notausstieg
betriebsbereit.
Sie probten
den Ernstfall, um sich zu vergewissern, daß das Gerät auch bei Schwerelosigkeit funktionsfähig ist.
Während des Trainings für "Mission 26" kam dem Einsatz des Rettungsgeräts
in den
verschiedensten
Situationen
entscheidende
Bedeutung
zu.
Es handelt sich um einen durch
eine Seitenluke des Orbiter teleskopähnlich ausfahrbaren Tragmast, an dem
die Astronauten einer nach dem anderen bis zum Absprung in sicherem Abstand vom Fluggerät entlanggleiten.
Im Schutzanzug ist u.a. ein Fallschirm und ein aufblasbares Boot eingebaut.
Das Rettungssystem kann jedoch nur während des gesteuerten Fluges in der Atmosphäre verwendet werden .

- 3 -

* * * * * *

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Präsident Reagans Proklamation zum Tag der Deutsch-Amerikaner&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Vernachlässigung der Verteidigungsanstrengungen belasten das Bündnis&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede des Stellvertretenden Verteidigungsministers Taft&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;UdSSR hat offensives militärisches Einsatzkonzept nicht geändert&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von General Galvin vor dem Repräsentantenhaus &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Rückkehr in den Weltraum&lt;br /&gt;&lt;em&gt;DISCOVERY-Mission: Testflug des verbesserten Raumtransporters&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
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S

T&gt;

AMERIKA DIENST

28. September 1988

35

I N H A L T

DOKUMENTATION
Reagan hält START-Abkommen Innerhalb des nächsten Jahres für möglich
- Rede aes Präsidenten vor den Vereinten Nationen HINTERGRUNDMATERIAL
Frieden, Chancengleichheit und Führungsstärke bestimmen die Debatte
- Artikel zum ersten Fernsehduell Bush-Dukakis -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Organtransplantationen sind Routine geworden
- Lange Wartezeiten für Empfänger Antarktisforschung begann vor 150 Jahren
u

* * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�^° s ^&lt;

AMERIKA DIENST
Dokumentation

28. September 1988

35

REAGAN HÄLT START-ABKOMMEN INNERHALB DES NÄCHSTEN JAHRES FÜR MÖGLICH
- Rede des Präsidenten vor den Vereinten Nationen VEREINTE NATIONEN - (AD) - Trotz erheblicher Zweifel, ob es zwischen den
Vereinigten Staaten und der Sowjetunion innerhalb der nächsten Monate zum Abschluß eines Vertrags über den Abbau strategischer Waffen kommen wird, erklärte Präsident Reagan in seiner Rede vor der Vollversammlung der Vereinten Nationen am 26. September 1988, es "sei mehr als wahrscheinlich", daß innerhalb
des nächsten Jahres ein solches Abkommen zwischen beiden Seiten erzielt werden
kann.
Reagan verwies ferner auf den Einsatz chemischer Waffen im Krieg zwischen
Iran und Irak und forderte die Signatarstaaten des Genfer Protokolls von 1925
über ein Verbot chemischer Waffen auf, gemeinsam mit anderen Interessenten
"gemeinsame Maßnahmen zur Abwendung der ernstzunehmenden Aushöhlung dieses
Vertrages zu erörtern".
Nachfolgend veröffentlichen wir den Text der Rede im Wortlaut:
Herr Präsident, Herr Generalsekretär,
sehr verehrte Delegierte. Auf der
anderen Seite der Erde - und weit
entfernt von diesem Ort des Friedens
- haben zum ersten Mal in der jüngsten Zeit Kämpfe, Mord und Blutvergießen in zwei gnadenlosen Konflikten
nahezu ein Ende.
Nachdem wir zunächst der Liste von Schreckenstaten
neue Namen hinzufügen konnten - Namen
wie Halabja, Maidan Schar und Spin
Buldak - besteht heute im Persischen
Golf und in Afghanistan Hoffnung auf
Frieden.
Über Frieden wird auch in den
Hochebenen und Küstenstädten des südlichen Afrika - Stätten des Bürgerkrieges und der Besetzung durch ausländische
Truppen
gesprochen:
Frieden für das geplagte Angola.

United States Information Service
Embassy of the United States of America

6 500 Meilen weiter östlich besteht
jetzt in dem südostasiatischen Land
Kambodscha Hoffnung auf eine Einigung, Hoffnung auf den Abzug der
vietnamesischen
Besatzungstruppen.
Und schließlich leben auf unserem
Kontinent heute etwa 90 Prozent der
Völker Lateinamerikas in einer demokratischen Regierungsform - vor nur
zwölf Jahren waren es lediglich ein
Drittel. Insbesondere in Mittelamerika haben jetzt Länder wie El Salvador, die einstmals durch Todesschwadrone und das Gespenst totalitärer
Herrschaft von Anarchie bedroht waren, Hoffnung auf Selbstbestimmung
und Aussichten auf wirtschaftliches
Wachstum.
Und es gibt noch eine weitere
Veränderung, Herr Generalsekretär -

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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�eine Veränderung steht bevor, die,
wenn sie sich fortsetzt, als eine der
bemerkenswertesten Leistungen der Geschichte gelten wird und uns verwundert den Kopf schütteln läßt - eine
Veränderung, die an die Wurzel der
Spannungen
in
der
Nachkriegszeit
rührt und den einstmals scheinbar unerfüllbaren Traum vom Ende der beiden
eng verknüpften Bedrohungen unserer
Zeit aufgreift - Totalitarismus und
einen thermonuklearen Weltkrieg.
Zum ersten Mal bestehen bei den
Unterschieden zwischen Ost und West grundlegenden
Unterschieden
über
wichtige moralische Fragen zum Wert
des Einzelnen und dem Problem, ob Regierungen die Menschen kontrollieren
sollten oder umgekehrt - Anzeichen
für eine Annäherung und zwar bis zu
einem Punkt, an dem nicht nur wie etwa in Afghanistan ein Abzug von Truppen stattfindet, sondern vielmehr im
Ostblock Gespräche über Reformen und
größere Presse- , Versammlungs- und
Religionsfreiheit
geführt
werden.
Dennoch bestehen weitere grundlegende
Unterschiede. Aber wenn die Gespräche über Reformen darüber hinausgehen
und zur Realität werden, besteht die
Aussicht, daß nicht nur ein neues
Zeitalter in den amerikanisch-sowjetischen Beziehungen, sondern ein neues Jahrhundert des Friedens in der
Welt anbricht. Denn solche Reformen
können Frieden hervorbringen; die Geschichte lehrt uns - und mein Land
hat immer daran geglaubt -, daß die
Achtung der Rechte des Einzelnen und
des Volkes den Krieg in weite Ferne
rücken läßt, denn es sind nicht Menschen, die Krieg führen, sondern lediglich Regierungen.
Ich stehe also in einem Augenblick der Hoffnung an diesem Pult Hoffnung nicht nur für die Menschen
in den Vereinigten Staaten oder der
Sowjetunion, sondern für alle Völker
der Welt. Und Hoffnung auch für den
Traum vom Frieden unter den Völkern,
den Traum, der zur Gründung der Vereinten Nationen führte.
Aufgrund

eben dieser Veränderun-

gen haben die Vereinten Nationen heute eine Lebensfähigkeit und Arbeitsmöglichkeiten wie nie zuvor.
Herr
Generalsekretär, Sie haben bereits
durch Ihre Beharrlichkeit, Geduld und
ihre unerschütterliche Willenskraft
bei der Arbeit am Frieden in Afghanistan und im Persischen Golf bewiesen,
welcher Wert den Vereinten Nationen
zukommen kann. Und wir würdigen Ihre
Leistungen.
Genau in diesem Augenblick finden
in
Genf
zahlreiche
Verhandlungen
statt:
multilaterale Verhandlungen
bei der Abrüstungskonferenz sowie bilaterale Verhandlungen zu einer Reihe
von Problembereichen
zwischen der
Sowjetunion und den Vereinigten Staaten.
Und diese Verhandlungen, von
denen einige unter der Schirmherrschaft der Vereinten Nationen stehen,
beinhalten ein umfangreiches Programm
im Bereich der Rüstungskontrolle bei den strategischen Offensivwaffen,
der strategischen Verteidigung im
Weltraum, Atomtests und der Kriegführung mit chemischen Waffen, deren
Dringlichkeit uns erst vor einigen
Tagen wieder bezeugt wurde.
Herr Generalsekretär, die Verhandlungen sind in vollem Gange und
waren in den vergangenen Jahren weit
mehr als nur eine akademische Fingerübung. Bewegung findet statt. Der
tote Punkt ist überwunden.
Erst
kürzlich wurde mit der Unterzeichnung
des INF-Vertrages zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjtunion
eine ganze Kategorie amerikanischer
und sowjetischer Nuklearwaffen abgeschafft. Weitere Fortschritte werden
bei Verhandlungen
zur Reduzierung
einer großen Zahl strategischer Waffen bei wirkungsvoller Verifizierbarkeit erzielt. Und in Kürze werden
Gespräche über einen Abbau konventioneller Streitkräfte in Europa aufgenommen.
Viele der Gründe für all dies
liegen meiner Ansicht nach in Genf
selbst - in dem kleinen Schloß am
See, in dem ich zum ersten meiner Kamingespräche mit dem Generalsekretär

- 2 -

�der Sowjetunion zusammentraf und wo
der Austausch von Offenheit, aber
auch Wohlwollen gekennzeichnet war.
Ich habe beim ersten Genfer Gipfeltreffen erklärt, daß dies eine einzigartige Zusammenkunft zweier Menschen war, die genug Macht besitzen,
um den Dritten Weltkrieg oder ein
neues Zeitalter des Friedens unter
den Völkern zu beginnen. Und ich habe ebenfalls darauf verwiesen, daß
Friedenskonferenzen,
Riistungskontrollverhandlungen und Vorschläge für
Verträge nur sinnvoll sein können,
wenn sie Teil eines umfassenderen
Kontextes sind - ein Kontext, in dem
die tiefer zugrundeliegenden Unterschiede zwischen uns erforscht und
gelöst werden. Ich habe damals Herrn
Gorbatschow wie jetzt auch Ihnen hier
erklärt:
Nationen hegen kein Mißtrauen gegeneinander, weil sie bewaffnet sind, sondern sie sind bewaffnet, weil sie einander mißtrauen.
An diesem Ort, an diesem friedlichen See in der neutralen Schweiz,
sind Herr Gorbatschow und ich eine
neue Beziehung eingegangen, die sich
nicht allein auf das Engagement zu
dem Einzelproblem der Rüstungskontrolle gründete, sondern auf ein umfangreicheres Programm über unsere
grundlegenden Unterschiede; ein Programm üter Menschenrechte, regionale
Konflikte und den Austausch zwischen
unseren Völkern. Sogar bei der Rüstungskontrolle selbst haben wir beschlossen, über die Vergangenheit
hinauszugehen und nicht nur nach Verträgen zu streben, die uns den Bau
von Waffen auf höherem Niveau erlauben, sondern nach revolutionären Abkommen, mit denen eine ganze Kategorie von Nuklearwaffen tatsächlich reduziert und sogar beseitigt werden
würde.
Was an diesem Morgen in Genf begonnen wurde, hat Früchte getragen:
den INF-Vertrag, meinen jüngsten Besuch in Moskau, meine Chance, mit
sowjetischen Bürgern und Dissidenten
zu Gesprächen über Menschenrechte zusammenzutreffen. Und ich konnte auf
dem Lenin-Hügel in Moskau zu den jun-

gen Menschen in der Sowjetunion über
das Wunder und die Qualität der Freiheit des Menschen sprechen. Die Ergebnisse dieses Morget.s. in Genf zeigen sich in den Friedenskonferenzen,
die jetzt auf der ganzen Welt zu regionalen Konflikten stattfinden und
auch in der Arbeit der Vereinten Nationen hier in New York und in Genf.
Herr Generalsekretär, die Geschichte mahnt dennoch zur Vorsicht:
tatsächlich ist das Gebäude in Genf,
in dem wichtige Verhandlungen stattgefunden haben - beispielsweise das
Genfer Afghanistan-Abkommen, die Verhandlungen zwischen Iran und Irak steinernes Zeugnis eines unerfüllten
Traums vom Frieden in einem anderen
Zeitalter.
Der Palais des Nations
war der Sitz des Völkerbundes - einer
Institution, die das Ende des Krieges
überhaupt symbolisieren sollte. Und
dennoch fanden diese Institution und
ihre edlen Ziele mit dem Zweiten
Weltkrieg ihr Ende, weil die Länder
der Welt in den dreißiger Jahren
nicht die Chance für den Frieden genutzt und die Menschheit nicht den
Mut gefunden hat, die Aggressoren zu
isolieren und Regierungsformen zu
verwerfen, die dem Staat und nicht
den Menschen dienen.
Herr Generalsekretär, wir haben
uns heute mit der Entschlossenheit
hier eingefunden, daß den Vereinten
Nationen ein solches Schicksal erspart bleiben soll. Wir wollen, daß
den Vereinten Nationen Erfolg beschieden ist und sie der Sache des
Friedens für die Menschheit dienen.
Herr Generalsekretär, wir sind
uns aber auch in dieser Zeit der
Hoffnung der Tatsache bewußt, daß die
Möglichkeit des Scheiterns real vorhanden ist. Dieses Wissen entmutigt
uns jedoch nicht. Es beflügelt uns
vielmehr. Denn der Einsatz ist hoch:
Werden wir jetzt schwanken und versagen und den gerechten Zorn künftiger
Generationen über uns heraufbeschwören? Oder setzen wir die Arbeit der
Gründer dieser Institution fort und
sorgen dafür, daß letzten Endes die

- 3 -

�Freiheit
geachtet
wird
und
die
Menschheit keine Kriege mehr kennt?
Und daß dieser Ort, dieser Boden hier
wahrhaftig
"der
Welt
letztes
Schlachtfeld" sein wird.
Wir sind entschlossen, dies zu
erreichen.
Deshalb wenden wir uns
nun dem Programm des Friedens zu.
Lassen Sie uns zunächst ein Anliegen
ansprechen, daß mich während meines
Treffens mit Herrn Gorbatschow im
Kreml wie auch die sowjetischen Bürger, denen ich in Moskau begegnet
bin, beschäftigt hat. Wie ich weiß,
ist dies auch ein Problem mit unmittelbarer Bedeutung für die Delegierten dieser Versammlung, die diesen
Herbst den 40. Jahrestag der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte
begehen.
Jene Erklärung drückt ganz klar
das aus, was diejenigen, die nach
Frieden streben, nur unter äußerster
Gefahr vergessen können, nämlich, daß
der Frieden auf einer Grundlage beruht: der Beachtung "der unveräußerlichen Rechte aller Mitglieder der
menschlichen
Familie".
In
einem
Jahrhundert, in dem totalitäre Regierungen die Menschenrechte verweigert
haben, wie nie zuvor in der Geschichte - wobei so viele Millionen Menschen aufgrund staatlicher Politik
willkürlich dem Hungertod preisgegeben oder vernichtet wurden -, einer
Geschichte aus Blut, Dummheit und
Stacheldraht, wie einmal gesagt wurde, da kann sich kaum jemand wundern,
daß sich der Frieden als so schwer
erreichbar erwiesen hat.
Wir sollten folgendes verstehen:
wenn wir Frieden möchten, dann müssen
wir die Grundrechte unserer Mitmenschen anerkennen. In unserem eigenen
Land und in anderen Ländern. Wenn
wir den Frieden wollen, dann darf der
menschliche Geist nicht länger mit
Füßen getreten werden. Menschenrechte gelten nicht nur für einige und
für eine befristete Zeit. Die Menschenrechte gelten, wie in der von
dieser Versammlung im Jahr 1948 verabschiedeten
Allgemeinen
Erklärung

proklamiert, "für alle Menschen und
alle Staaten". Und für alle Zeit.
Diese Beachtung der Menschenrechte als Grundlage des Friedens bildet
den Kern der Vereinten Nationen. Die
Verhungernden in Äthiopien, die Kurden, die dem Tod preisgegeben sind,
diejenigen, die mit rassischer Ungerechtigkeit in Südafrika konfrontiert
sind, diejenigen, die in der Sowjetunion immer noch nicht frei schreiben
oder sprechen können, diejenigen in
der Ukraine, die ihre Religion nicht
ausüben können und diejenigen, die
auf Booten im Südchinesischen Meer um
ihr Leben und ihre Freiheit kämpfen,
diejenigen in Managua, die nicht frei
publizieren oder sich versammeln können - all dies ist mehr als nur ein
Tagesordnungspunkt auf ihrem Terminkalender. Es muß ein vordringliches
Anliegen sein; ein Problem, das den
anderen übergeordnet
ist.
Denn,
wenn die Menschenrechte nicht bei den
Vereinten Nationen an erster Stelle
stehen - wenn die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte nicht in diesen Hallen und Konferenzzimmern respektiert wird -, dann steht die
Glaubwürdigkeit dieser Organisation
auf dem Spiel, ist der Zweck ihrer
Existenz in Frage gestellt.
Aus diesem Grund werden die Vereinten Nationen stärker, wenn Fortschritte im Bereich der Menschenrechte erzielt werden, und die Vereinigten Staaten sind darüber sehr erfreut. Nach zweijährigen Bemühungen
unter der Führung der Vereinigten
Staaten hat die UNO-Menschenrechtskommission zum Beispiel einen wichtigen Schritt zur Beendigung von Doppelmoral und Zynismus unternommen,
die sie so lange geprägt hatten.
Jahrelang war Kuba, ein eklatanter
Verletzer der Menschenrechte seiner
Bürger, der Mißbilligung oder auch
nur Überprüfung durch die Vereinten
Nationen entgangen. In diesem Jahr
hat Kuba auf den von der Menschenrechtskommission ausgeübten Druck reagiert, indem es eine Untersuchung
seiner Menschenrechtsverletzungen akzeptierte.
Fidel Castro hat schon

�begonnen, einige politische Gefangene
freizulassen, die Bedingungen in den
Gefängnissen zu verbessern und die
Existenz einer kleinen, unabhängigen
nationalen
Menschenrechtsgruppe
zu
tolerieren.
Es muß noch mehr getan werden;
die Vereinten Nationen müssen beim
Streben nach Veränderungen schonungslos und unnachgiebig sein. In Kuba
und andernorts. Und wir müssen uns
ebenso darum bemühen, daß die Allgemeine Erklärung nicht durch einzelne
Vorgänge entwertet wird, wie etwa die
Resolution "Zionismus ist Rassismus".
Die Beachtung der Menschenrechte ist
die erste und fundamentale Mission
dieses Gremiums, die grundlegendste
Verpflichtung seiner Mitglieder. Wohin man sich in der heutigen Welt
auch wendet, gibt es ein neues Bewußtsein, eine wachsende Leidenschaft
für die Menschenrechte - die Menschen
der Welt werden sich immer einiger;
neue Gruppen, neue Koalitionen bilden
sich; Koalitionen, die die Regierung
beobachten, die sich gegen Diskriminierung wehren, die gegen religiöse
oder politische Unterdrückung kämpfen, gegen unrechtmäßige Inhaftierung, Folter oder Exekution. Mit den
Worten derjenigen, mit denen ich im
vergangenen Juni im Spaso-Haus gesprochen habe: solche Bewegungen machen einen Unterschied.
Wenn wir uns nun den regionalen
Konflikten zuwenden, so spüren wir
wiederum Auftrieb für Hoffnungen. Im
Golf-Krieg zwischen Iran und Irak einem der blutigsten Konflikte seit
dem Zweiten Weltkrieg - gibt es einen
Waffenstillstand.
Die Entschlossenheit und Festigkeit der verbündeten
Nationen, den Persischen Golf für die
internationale Schiffahrt offen zu
halten, hat nicht nur die Herrschaft
des Gesetzes gewahrt, sondern auch
zur Verhinderung der weiteren Ausbreitung des Konflikt beigetragen und
die Grundlage des Friedens geschaffen.
Die entschlossene Resolution
des Sicherheitsrats vom Juli vergangenen Jahres ist zum Plan für einen
friedlichen Golf geworden. Laßt die-

sen Krieg - einen Krieg, in dem es
weder Sieger noch Besiegte, sondern
nur Opfer gab - laßt dieser. Krieg
jetzt zu Ende gehen. Sowohl der Iran
als auch der Irak sollte mit dem Generalsekretär und dem Sicherheitsrat
bei der Anwendung der Resolution 598
zusammenarbeiten.
Laßt den Frieden
einziehen.
Wenden wir uns einer zweiten Region zu. Als ich Jahr 1983 zum ersten Mal vor der Vollversammlung der
Vereinten Nationen sprach, konzentrierte sich die Aufmerksamkeit der
Weltöffentlichkeit auf die brutale
Invasion und illegale Besetzung Afghanistans.
Nach fast neun langen
Kriegsjahren haben sich der Mut und
die Entschlossenheit des afghanischen
Volkes und der afghanischen Freiheitskämpfer durchgesetzt - und heute
ist ein Ende der Besetzung in Sicht.
Am 14. April unterzeichnete die UdSSR
die Genfer Vereinbarungen, die unter
Schirmherrschaft der Vereinten Nationen von Pakistan und dem Kabuler Regime ausgehandelt wurden. Wir ermutigen die Sowjetunion, ihren Truppenabzug zum frühestmöglichen Zeitpunkt
abzuschließen,

damit

das

afghanische

Volk ohne weitere Einmischung von
außen frei über seine Zukunft entscheiden kann.
Auch im südlichen Afrika beginnen
Jahre geduldiger Diplomatie und Unterstützung derjenigen in Angola, die
nach Selbstbestimmung streben, sich
auszuzahlen. Wir sehen einem Abkommen zwischen den Regierungen Angolas,
Kubas und Südafrikas mit Zuversicht
entgegen, das einen vollständigen Abzug aller ausländischen Truppen - vor
allem der Kubaner - aus Angola vorsieht.
Ebenso zuversichtlich sind
wir im Hinblick auf die vollständige
Anwendung der UNO—Sicherheitsratsresolution 435 und unser seit langem
bestehendes Ziel der Unabhängigkeit
von Namibia.
Wir werden weiterhin
den wachsenden Konsens unter den führenden afrikanischen Politikern fördern, die ebenfalls der Meinung sind,
daß ein Ende des Konflikts in der Region unmöglich ist, solange es keine

- 5 -

�nationale Aussöhnung in Angola gibt.
Herr Generalsekretär, es bestehen
neue Hoffnungen in Kambodscha, einer
Nation, für deren Freiheit und Unabhängigkeit wir ebenso leidenschaftlich eintreten wie wir dies für die
Freiheit und Unabhängigkeit Afghanistans taten. Wir fordern den zügigen
Abzug aller vietnamesischen Truppen
und eine Lösung, die die Rückkehr der
Roten Khmer an die Macht verhindert
und stattdessen die Errichtung einer
wirklich
repräsentativen
Regierung
erlaubt
einer
Regierung,
die
schließlich die Rechte der Bürger
Kambodschas vollständig respektieren
und dem unsäglichen Leid, das sie so
mutig und unnötigerweise ertragen haben, ein Ende bereiten wird.
In anderen wichtigen Bereichen
begrüßen wir die Bemühungen des Generalsekretärs, ein Referendum über die
West-Sahara zu entwerfen.
Und im
Mittelmeerraum finden direkte Gespräche zwischen griechischen und türkischen Zyprioten statt, die große Aussichten auf ein Abkommen in diesem
geteilten
Inselstaat
bieten.
Schließlich
hoffen
wir auf eine
friedliche Lösung des arabisch-israelischen Konflikts. Und auch die unnatürliche
Teilung Europas bleibt
weiterhin ein bedeutendes Hindernis
für die amerikanisch-sowjetischen Beziehungen.
In der Mehrzahl dieser Bereiche
können wir also erfreulicherweise
Fortschritte beobachten.
Noch vor
wenigen Jahren, Herr Generalsekretär,
gerieten diese und andere Konflikte
in gefährlichem Maße außer Kontrolle.
In der Tat schien die Invasion Afghanistans und die offensichtlich fehlende Willenskraft der demokratischen
und friedliebenden Nationen zur Abschreckung solcher Vorfälle eine Atmosphäre zu schaffen, in der die Aggression großer und wie auch kleiner
Nationen zu einer Epidemie wurde eine Atmosphäre, wie sie die Welt
seit den dreißiger Jahren nicht mehr
erlebt hatte. Nur wurde dieses Mal
ein größerer Krieg verhindert, weil

die freien und friedlichen Nationen
der Welt ihre Willenskraft und Entschlossenheit
wiedergewannen.
Und
die Vereinten Nationen leisten heute
wertvollen Beistand bei der Bekämpfung dieser Epidemie.
Und da wir diesen Zustand aufrechterhalten wollen, käme es einer
Vernachlässigung
meiner
Pflicht
gleich, wenn die eine Ausnahme unter
den regionalen Konflikten unerwähnt
bliebe, bei der keine Fortschritte zu
verzeichnen waren. Ich beziehe mich
auf die kontinuierliche Verschlechterung der Menschrechtssituation in Nicaragua und die Weigerung der verschwindend kleinen Elite, die heute
dieses Land regiert, das Versprechen
der Demokratisierung zu erfüllen, das
sie ihrem eigenen Volk und der internationalen Völkergemeinschaft gegenüber abgelegt haben.
Wiewohl sie
sich selbst als revolutionär bezeichnet, sucht diese Elite keine echte
Revolution; diesen Ausdruck zu verwenden ist eine Täuschung zur Verschleierung des Lasters, das zu den
ältesten und korruptesten der Menschheit gehört - des uralten Willens des
Menschen nach Macht, seine Lust, das
Leben anderer zu kontrollieren und
ihnen die Freiheit zu stehlen.
Aus diesem Grund werde ich als
Präsident weiterhin den Kongreß und
die
amerikanische
Öffentlichkeit
drängen, sich hinter diejenigen zu
stellen, die diesem Versuch widerstehen, dem Volk von Nicaragua ein totalitäres Regime aufzuzwingen; die Vereinigten Staaten werden nach wie vor
denjenigen Beistand gewähren, die von
der Aggression dieses Regimes gegen
seine Nachbarn in Mittelamerika bedroht sind.
Ebenso appelliere ich heute an
die Sowjetunion, in Mittelamerika
denselben konstruktiven Realismus an
den Tag zu legen, wie sie ihn in anderen regionalen Konflikten unter Beweis gestellt hat. Ihren Teil zur
Beendigung des Konflikts in Mittelamerika beizutragen, indem der Strom
von Waffen und Munition in Milliar-

�denhöhe an das sandinistische Regime
unterbrochen wird, ein Regime, dessen
Ziel der regionalen Beherrschung wenn auch letztlich zum Scheitern
verurteilt - weiterhin großes Leiden
für das Volk in diesem Gebiet verursachen kann und ein Risiko für die
sowjetisch-amerikanischen Beziehungen
birgt.
Wenn nicht jetzt Maßnahmen
ergriffen werden.
Zum Thema Rüstungskontrolle habe
ich bereits die Bedeutung des INFVertrages und die bei den START-Verhandlungen erzielten Fortschritte erwähnt. Der START-Vertragsentwurf ist
ein umfangreiches Dokument, in dem
zahlreiche Formulierungen zur Kennzeichnung solcher Abschnitte noch in
Klammern stehen, bei denen die Meinungsverschiedenheiten zwischen den
beiden Vertragsparteien noch nicht
ausgeräumt sind. Aber im Verlauf der
Somtnersitzungen in Genf konnte eine
Vielzahl dieser Formulierungen in
endgültiger Version vorgelegt werden
und es besteht aller Grund zu der Annahme, daß dieser Prozeß fortgesetzt
werden kann. An die Adresse der hier
Anwesenden gerichtet kann ich sagen,
daß es höchst unwahrscheinlich ist,
einen solchen Vertrag in wenigen Monaten fertigzustellen - ich kann Ihnen aber versichern, daß der Zeitraum
eines Jahres von heute an gerechnet
wahrscheinlich, sogar mehr als wahrscheinlich ist. Wir haben uns jedoch
keine Frist gesetzt. Kein Abkommen
ist besser als ein schlechtes Abkommen.
Die Vereinigten Staaten sind
weiterhin optimistisch und erkennen
die von der Sowjetunion bei diesen
Verhandlungen bewiesene Kooperation
an. Wir erwarten, daß diese Einstellung auch bei unserer Besorgnis über
die Einhaltung der bestehenden Abkommen zum Tragen kommt.
Unsere Gespräche über Atomtests,
Verteidigung und den Weltraum waren
ebenfalls sehr nützlich. Ich möchte
hier vor der Vollversammlung jedoch
betonen, daß ein Großteil der bei den
Rüstungskontrollverhandlungen erzielten Fortschritte dem technologischen
Fortschritt selbst zu verdanken sind,

insbesondere im Hinblick auf das Potential für weltraumgestützte Defensivsysteme. Ich bin der Überzeugung,
daß die Entschlossenheit der Vereinigten Staaten, solche Defensivsyteme
- Systeme die der Vernichtung von Raketen und nicht von Menschen dienen zu erforschen, zu entwickeln und
wenn es soweit ist - zu stationieren,
in hohem Maße für die in den vergangenen Jahren in Genf erzielten Fortschritte verantwortlich ist. Im Falle eines versehentlichen Raketenabschusses oder der Tat eines Wahnsinnigen irgendwo auf der Welt werden
die Weltmächte mit solchen Systemen
zum ersten Mal nicht mit der alleinigen Option massiver Vergeltung konfrontiert sein, sondern stattdessen
die Möglichkeit zu einer weiseren
Entscheidung haben - sich gegen einen
Angriff zu schützen, anstatt ihn zu
rächen. In dem Maße, in dem Defensivsysteme an Wirksamkeit zunehmen,
verringern sie also die Bedrohung und
den Wert immer größerer Ofxensivarsenale. Noch vor kurzem habe ich aus
Informationsgesprächen im Oval Office
den Eindruck gewonnen, daß Fortschritte in Richtung auf solche Systeme noch rascher erzielt werden und
weniger kostenintensiv sein könnten,
als wir zunächst angenommen haben.
Heute
bekräftigen die Vereinigten
Staaten ihre Verpflichtung zur Strategischen Verteidigungsinitiative und
unserem Angebot, den Nutzen strategischer Verteidigung mit anderen zu
teilen.
Und selbst während diplomatische
und technologische Fortschritte zu
Hoffnungen Anlaß geben, den schrecklichen Alptraum nuklearen Terrors, in
dem wir während der Nachkriegszeit
gelebt haben, aus der Welt zu schaffen - selbst in diesem Augenblick
breitet sich ein anderes bedrohliches
Gespenst des Schreckens auf der Welt
aus. Ein Grauen, von dem wir annahmen, es läge ninter uns, ein Grauen,
das nun aus der lange begrabenen Vergangenheit
bedrohlich
näherrückt:
aus der gespenstischen, traumatischen
Erfahrung der Schützengräben und den
gequälten, fahlen Gesichtern von Mil-

- 7-

�lionen Toten in einem der unmenschlichsten Konflikte aller Zeiten.
Giftgas. Chemische Waffen. Herr
Generalsekretär, verehrte Delegierte
- diese Schrecken.
Dieses Grauen.
Wir verurteilen sie.
Der Einsatz
chemischer Waffen im iranisch-irakischen Krieg bringt - über den tragischen menschlichen Tribut hinaus die Schranken von Moral und Gesetz
ins Wanken, die diese Waffen seit dem
Ersten Weltkrieg unter Kontrolle gehalten haben. Diese Tragödie muß zu
einer erneuten Bekräftigung des Genfer Protokolls führen, das den Einsatz chemischer Waffen für ungesetzlich erklärt. Ich fordere die Unterzeichnerstaaten
dieses
Protokolls
ebenso wie die anderen betroffenen
Staaten zur Einberufung einer Konferenz auf, um gemeinsam zu ergreifende
Maßnahmen zur Abwendung der ernstzunehmenden Aushöhlung dieses Vertrages
zu erörtern. Und wir drängen alle
Nationen zur Zusammenarbeit bei der
Verhandlung
eines
verifizierbaren,
wirklich weltweiten Verbots chemischer Waffen bei der Abrüstungskonferenz in Genf.
Es obliegt allen zivilisierten
Nationen, Kriegführung unter Einsatz
von chemischen Waffen und Giftgasen
ein für allemal - auf einer verifizierbaren Basis und weltweit - zu
verbieten.
Darüber hinaus müssen wir, Herr
Generalsekretär,
unsere
Bemühungen
verdoppeln, der Weiterverbreitung von
Nuklearwaffen auf der Welt Einhalt zu
gebieten. Auch andere hochentwickelte Waffen wie die ballistischen Raketen sind nahezu weltweit verbreitet
und verschärfen somit regionale Rivalitäten in einer Art und Weise, die
weltweite Auswirkungen haben kann.
Die
Anzahl
potentieller
Anbieter
nimmt in alarmierendem Maße zu und es
muß mehr getan werden, um die Verbreitung dieser Waffen zu stoppen.
Dies war ein Thema bei den in der
vergangenen Woche zwischen den Außenministern Shuitz und Schewardnadse
geführten Gesprächen.
Gespräche zu

diesem Thema werden heute zwischen
amerikanischen und sowjetischen Experten aufgenommen. Und wir setzen
unsere Hoffnung auf multilaterale Bestrebungen, damit Krisenherde wie der
Nahe Osten nicht noch tödlichere
Schlachtfelder werden, als sie bereits sind.
Aber in der Mehrzahl dieser Bereiche können wir nicht nur Fortschritte sondern auch das Potential
für die immer maßgeblichere Rolle
multilateraler Bestrebungen und Institutionen wie der Vereinten Nationen beobachten.
Aus diesem Grund
müssen die Vereinten Nationen ihre
Effektivität mehr denn je durch Haushalts- und Programmreformen verbessern. Die Vereinten Nationen nehmen
bereits einschneidende Kürzungen vor,
die Personalabbau, Konsens bei der
Budgeterstellung und die Formulierung
der
Programmprioritäten
betreffen.
Diese Maßnahmen sind von vorrangiger
Bedeutung. Dank der Fortschritte bei
den Reformen konnte ich Mittel freigeben, die Restriktionen des Kongresses unterlagen. Ich gehe davon aus,
daß die Reformprogramme fortgeführt
und weitere Mittel im kommenden Haushaltsjahr freigegeben werden.
Und lassen Sie mich an dieser
Stelle hinzufügen:
wir beglückwünschen die Vereinten Nationen zu der
Arbeit, die sie auf drei besonders
wichtigen Gebieten geleistet hat.
Erstens muß unser Kampf gegen die
Geißel des Terrorismus und staatlich
geförderten Terrorismus unvermindert
anhalten. Ebenso müssen wir Geiselnahmen ein Ende bereiten. Zweitens
ist die Arbeit der Weltgesundheitsorganisation bei der Koordinierung und
der Förderung von Forschungsvorhaben
zur Bekämpfung von AIDS lebenswichtig. Die internationalen Bestrebungen auf diesem Gebiet müssen verstärkt werden. Die AIDS-Problematik
ist bedrohlich - wir müssen ihr gemeinsam begegnen.
Das gleiche trifft auf das Drogenproblem zu.
Ein neues Abkommen
zur Bekämpfung des Drogenhandels ist

�in greifbare Nähe gerückt.
Dieser
wichtige Vertrag wird im Dezember
fertiggestellt sein und ich bin zuversichtlich, daß andere maßgebliche
Programme der Vereinten Nationen zur
Drogenkontrolle folgen werden.
Das
amerikanische Volk ist äußerst besorgt und zutiefst verärgert. Drogenhandel werden wir nicht tolerieren. Wir sind entschlossen, dagegen
zu Felde zu ziehen - und wir glauben,
daß dies ein Krieg ist, den die Vereinten Nationen unterstützen und an
dem sie sich beteiligen können.
Die Vereinten
Nationen stehen
besser da als noch vor acht Jahren dies gilt ebenso für die Welt. Doch
die wirkliche Reformproblematik in
den Vereinten Nationen ist nicht lediglich auf finanzielle oder verwaltungstechnische
Verbesserungen
begrenzt, sondern umfaßt auch eine höhere Ebene von Reformen intellektueller und philosophischer Natur, die
Reform althergebrachter Anschauungen
über die Beziehungen zwischen dem
Einzelnen und dem Staat.
Nur wenige Entwicklungen waren
beispielsweise für die Vereinigten
Staaten ermutigender als jene Sondersitzung, die dieses Organ vor zweieinhalb Jahren über Afrika abgehalten
hat.
Bei dieser Sitzung sprachen
sich die Vereinten Nationen mit einer
Stimme für freie Marktanreize und den
Abbau staatlicher Kontrollen zur Förderung wirtschaftlicher Entwicklungen
aus.
Bei einer der ersten internationalen Versammlungen unter meiner Präsidentschaft erklärte ich im mexikanischen Cancun, die Geschichte beweise stets erneut, daß Wirtschaftswachstum und menschlicher Fortschritt
den größten Auftrieb in Ländern erhalten, die wirtschaftliche Freiheit
fördern. Jene Landwirte, Arbeitnehmer, Eigentümer, Händler und Geschäftsführer sind das Kernstück der
Entwicklung.
Vertraut ihnen.
Denn
wo immer sie etwas schaffen und erbauen dürfen, wo ihnen eine persönliche Beteiligung
an Entscheidungen

über Wirtschaftspolitik und an den
Früchten
ihrer
Arbeit
eingeräumt
wird, werden Gesellschaften dynamischer, erfolgreicher, fortschrittlicher und freier. Wir glauben an die
Freiheit. Wir wissen, daß sie funktioniert.
Und dies, Herr Generalsekretär
und sehr geehrte Delegierte, ist die
unwiderrufliche
Lektion der Nachkriegszeit:
die Freiheit funktioniert. Ich möchte sogar noch weitergehen:
Freiheit und Frieden gehen
Hand in Hand. Jedes Jahr findet diese Lektion weitere Verbreitung auf
der Welt, von der Volksrepublik China
bis zum Kamerun, von Bolivien bis
Botswana, und sogar in der Hochburg
des Marxismus-Leninismus. Nein, mein
Land hat dieses Zusammenwirken von
Frieden und Freiheit nicht erfunden,
aber - seien Sie versichtert - wir
werden dem freien Export unserer in
über zwei Jahrhunderten gesammelten
Erfahrung damit keine Beschränkungen
auferlegen. Freie Menschen, die von
den Segnungen wirtschaftlicher Chancen profitieren und die von Gesetzen
geschützt sind, die die Würde des
Einzelnen wahren, werden nicht in den
Krieg oder die Herrschaft über andere
getrieben. Darin liegt der Weg zum
Weltfrieden,
Und wir Amerikaner verfechten die
Freiheit nicht nur, weil sie praktisch und nutzbringend ist, sondern
auch weil sie gerecht und moralisch
richtig ist. Und ich hoffe, daß Sie,
Herr Generalsekretär, mir an dieser
Stelle erlauben darauf hinzuweisen,
daß ich vor dieser Versammlung häufiger als jeder meiner Vorgänger gesprochen habe, und daß dies zugleich
auch das letzte Mal sein wird. Ich
hoffe, Sie gestatten mir einige abschließende Bemerkungen.
Die Welt ist heute Zeuge einer
anderen Feier internationaler Zusammenarbeit. Bei den Olympischen Spielen beobachten wir, wie Nationen gemeinsam in den sportlichen Wettkampf
eintreten, und erleben junge Menschen, die so herzlich wenig von den

- 9 -

�Ressentiments ihrer Väter wissen, wir
sehen Sie als eine Gemeinschaft zusammenkommen.
Eine unserer jüngeren - aus bescheidenen Verhältnissen stammenden Athletinnen sagte, sie schöpfe die
Kraft für ihre Leistungen aus einer
anderen Quelle des Reichtums. Über
die Liebe, die ihr gegeben, und die
Werte, die ihr vermittelt wurden, erklärte sie: "Als Familie waren wir
reich."
Herr Generalsekretär, ich wage zu
hoffen, daß wir in den Empfindungen
dieser jungen Athletin ein Zeichen
des Wiedererwachens althergebrachter
und erprobter Werte - wie beispielsweise der Familie - erblicken werden.
Dies ist die erste und wichtigste
Einheit der Gesellschaft, in der alle
Werte und alles Lernen beginnt, eine
Institution, die bewahrt und geschützt werden muß. Das gilt auch
für Werte wie Arbeit, Gemeinschaft,
Freiheit und Glauben.
Denn genau
hier finden wir die logische Grundlage für die Sache der Menschenrechte
und des Weltfriedens.
Und unsere eigene - amerikanische
- Erfahrung auf diesem Kontinent konfrontierte uns bei all ihrer Kürze
ganz unverkennbar mit dem Beharren
auf der Bewahrung einer heiligen
Wahrheit.
Es handelt sich um die
Wahrheit, die unser erster Präsident
- unser Gründervater - erstmals in
seiner Abschiedsrede an das amerikanische Volk weitergab. Es ist eine
Wahrheit, die ich mit Ihrer Erlaubnis
nun in meinen Abschiedsbemerkungen
zitieren möchte.
Es handelt sich um eine Wahrheit,
die in unserer Unabhängigkeitserklärung verankert ist: daß die Sache
der unveräußerlichen Rechte, der Gedanke der Menschenwürde, der Stellung
&lt;1es Gewissens über den Zwang nur im
Zusammenhang mit einem höheren Recht
vertreten werden kann. Nur im Zusammenhang mit dem, was einer der Gründer dieser Organisation, Generalsekretär Dag Hammarskjold, die "Hingabe

an etwas, das größer und höher ist
als wir selbst" genannt hat.
Dies ist ein endloser Kreislauf,
die letzte Wahrheit, zu der die
Menschheit anscheinend immer wieder
zurückkehrt. Daß Religion und Moral
und der Glaube an ein höheres Wesen
die
Voraussetzungen
für
Freiheit
sind. Und daß Gerechtigkeit und innerer Frieden der erste Schritt zu
Gerechtigkeit und Frieden auf der
Welt und für alle Zeiten ist.
Dies ist der Ort langer Debatten
und ernsthafter Diskussionen.
Und
dennoch muß ich an dieser Stelle darauf hinweisen, daß einer unserer
Gründerväter, der weltlich gesinnte
und zugleich international orientierte Benjamin Franklin den Ablauf unserer verfassungsgebenden Versammlung
unterbrach, um im Grunde das Gleiche
zu sagen.
Und ich muß am heutigen Vormittag
an andere Anfänge denken. Daran, wo
und wann ich zum ersten Mal jene Worte las: "und sie sollen ihre Schwerter zu Pflugscharen machen..." und
"ihre jungen Menschen sollen Visionen
haben und ihre alten Menschen sollen
Träume träumen..." An diesem Vormittag gehen meine Gedanken an sie, die
mir so viel im Leben gegeben hat, deren wichtigstes Geschenk aber die Gewißheit ihres Glücks war und der
Trost, den man im Gebet findet. Es
ist die größte Hilfe, die mir in meiner Präsidentschaft zukam. Ich erinnere mich hier an Lincolns Worte, der
gesagt hat, nur der dümmste Mensch
könnte annehmen, die Pflichten des
von mir derzeit übernommenen Amtes
erfüllen zu können, ohne sich an jemanden Stärkeren zu wenden, eine
Macht,
die
über
allem
anderen
steht...
Wenn also zukünftige Generationen
wirklich von uns sagen, daß in unserer Zeit der Friede nähergekommen ist
und wir tatsächlich ein neues Zeitalter der Wahrheit und Gerechtigkeit
hervorgebracht haben, dann wird dies
ein Grund, stolz zu sein. Aber es

- 10 -

�wäre sogar Grund zu noch größerem
Stolz, wenn dann auch gesagt wird,
wir wären klug genug gewesen zu erkennen, daß die Erwägungen großer
Staatsmänner und großer Gremien nur
eine Overtüre sind - daß die wahrhaft
königliche Musik - die Musik der
Freiheit, der Gerechtigkeit und des
Friedens - die Musik ist, die entsteht, wenn wir nicht nur an uns
selbst denken und uns dem Willen des
Schöpfers beugen.
Ich danke für den
Empfang, den Sie mir in
ren bereitet haben und
mich nun von Ihnen.
Sie.

freundlichen
all den Jahverabschiede
Gott schütze

* * * * *

- 11 -

�: e ° S7&gt;

V,aN

AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

4

28. September 1988

35

FRIEDEN, CHANCENGLEICHEIT UND FÜHRUNGSROLLE BESTIMMEN DIE DEBATTE

- Artikel zum ersten Fernsehduell Bush-Dukakis -

WINSTON-SALEM (North Carolina) (AD) - In der ersten Fernseh-Debatte
der Präsidentschaftskandidaten am 25.
September 1988 betonte Vizepräsident
George Bush Frieden und Chancengleichheit, während sein Gegenspieler, der Gouverneur von Massachusetts
Michael Dukakis, den Schwerpunkt auf
eine starke Flihrungsrolle legte.
Beide Kandidaten haben in ihrer
Wahlkampagne immer wieder auf diese
Bereiche verwiesen und sie auch in
der neunzig Minuten langen Debatte,
die in der Wake Forst University
stattfand, erneut selbstbewußt und
überzeugend vertreten. Die Kandidaten beantworteten Fragen von Journalisten, wobei die Antworten landesweit
an ein Fernsehpublikum von
schätzungsweise
100 Millionen Zu-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

schauern gerichtet waren.
Keinem
Kandidaten unterlief bei der erneuten
Darstellung seiner Ansichten und Qualifikationen gegenüber den Wählern
ein größerer Schnitzer.
Bush verteidigte die Leistungen
der Reagan-Administration und erklärte, mit Frieden durch Stärke sei es
möglich gewesen, ein Rüstungskontrollabkommen mit der Sowjetunion zu
erzielen, das niemand für möglich gehalten hätte. Bush wörtlich: "Jetzt
erkennt jeder, daß Frieden durch
Stärke funktioniert."
Er erklärte, die Bilanz mit der
Vereinbarung eines Vertrages über die
Reduzierung strategischer Waffen und
eines Verbots zum Einsatz chemischer
Waffen noch verbessern zu wollen.

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Der andere zentrale Punkt der
Wahl Ist Bush zufolge Chancengleichheit, die er als die Möglichkeit definierte, Amerika Arbeitsplätze - vor
allem im Privatsektor - zu erhalten.
Dukakis bekannte sich als leidenschaftlicher Verfechter der Führungsrolle, da ihm an den Menschen liegt
und er sich aus diesem Grunde um Probleme wie Gesundheitsfürsorge und den
Wohnungsmarkt kümmert. Er erklärte,
das Land benötige eine starke und
wirkungsvolle Abschreckung mit Nuklearwaffen, er befürworte dennoch nur
eine begrenzte Forschung im Rahmen
der Strategischen Verteidigungsinitiative
der
Reagan-Administration,
und seiner Ansicht nach sei die Ausgabe von Milliarden Dollar für das
Programm sinnlos. "Unsere nationale
Sicherheit und die Sicherheit unserer
Wirtschaft sind untrennbar", erklärte
Dukakis.

* * * * *

�AMERIKA DIENST
Wissenschaft und Technik

28. September 1^88

35

ORGANTRANSPLANTATIONEN SIND ROUTINE GEWORDEN
- Lange Wartezeiteten für Empfänger -

(AD) - Seit der ersten Herztransplantation durch Dr. Christiaan Barnard vor mehr als 20 Jahren in Kapstadt (Südafrika; wurden chirurgische
Techniken und spezielle Medikamente
entvickelt, die heute
den Erfolg
einer Organübertragung in den allermeisten Fällen sichern können. Stets
geht es darum, ein unheibar krankes
oder funktionsunfähiges Organ - Herz,
Leber, Niere - durch ein gesundes Organ von einer anderen Person zu ersetzen. Bei den Spendern handelt es
sich meist um Unfallopfer, seltener
um Menschen mit plötzlicher massiver
Hirnblutung.
Ihre
Hirnfunktionen
sind irreversibel zum Stillstand gekommen, obgleich das Herz mit apparativer Hilfe noch schlägt. Sie hatten
verfügt - oder ihre Angehörigen hatten zugestimmt -, in eiern solchen

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Fall Organe zu entnehmen und anderen
Menschen mit einer Organspende zu
helfen.
Den größten Fortschritt für das
Gelingen
von
Organübertragungen
brachte zweifellos die Entdeckung von
Cyclosporin, eines Medikaments, das
die Abstoßung von Fremdgewebe drastisch verringert, ohne gleichzeitig
die körpereigenen Abwehrkräfte gegen
Infektionen völlig auszuschalten. Es
wurde Ende der siebziger Jahre gefunden, als man Bodenpilze auf mögliche
antibiotische
Eigenschaften
untersuchte.
Noch vor weniger als einem Jahrzehnt war das Einheilen eines Fremdorgans infoige von Abstoßungsreaktionen des körpereigenen
Immunsystems

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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�ernsthaft behindert. Aber schon 1986
konnten dank des nun verfügbaren Cuclosporings z.B. alleine in den Vereinigten Staaten 8 900 Nieren übertragen werden. Im gleichen Jahr kam
es zu 1 300 Herztransplantationen,
dreimal mehr als 1984 bis 1986, wurde
die Anzahl von Leberübertragungen
verdoppelt - auf 924. Eine Transplantation
der
Bauchspeicheldrüse,
die noch immer als risikoreiche Prozedur gilt, wurde im Jahr 1986 140
mal vorgenommen, dreimal so oft wie
zwei Jahre zuvor.
Der erste Transplantationspatient
Barnards starb 18 Tage nach Empfang
des neuen Herzens an Lungenentzündung. Heute ist damit zu rechnen, so
Dr. Glenn Barnhart, Chefarzt für Chirurgie am Herztransplantationszentrum
aes Virginia Medical College (Washington) , daß zwei Drittel der Organempfänger länger als ein Jahr, 50
Prozent länger als fünf Jahre leben.
Allerdings kann Cyclosporin Nebenwirkungen, u.a. Nierenschädigungen, hervorrufen. Aber es gibt dem Arzt auch
die Möglichkeit, Patienten über 50
Jahren, die zuvor von solchen Operationen ausgeschlossen waren, ein neues Organ einzupflanzen.
So kann
jetzt auch ein 58jähriger Patient ein
neues Herz erhalten, und er hat die
Chance, damit 65 Jahre oder älter zu
werden.
Der bisher älteste Organempfänger war 67 Jahre alt.
Die Zeit, in der ein Spenderorgan
transplantationsfähig bleibt, konnte
ebenfalls verlängert werden: Nieren
lassen sich jetzt für ca. 50 Stunden
(noch vor kurzem höchstens 24 Stunden) konservieren.
Eine Leber muß
innerhalb von 24 Stunden, ein Herz
innerhalb von 12 bis 14 Stunden implantiert werden. Derzeit wird intensiv daran gearbeitet, diese Fristen durch verbesserte Konservierungstechniken zu verlängern. Ebenso
werden die Untersuchungen auf Gewebeverträglichkeit zwischen Spender und
Empfänger immer weiter verfeinert, um
ein möglichst komplikationsloses Einheilen des Spenderorgans zu gewährleisten.

Im Jahr 1984 verabschiedete der
US-Kongreß ein "National Organ Procurement and Transplantation Act".
Dieses Gesetz über die "Bereitstellung von Spenderorganen und deren
Transplantation" verlangte die Schaffung privater Organisationen zur Förderung der Bereitschaft, Organe zu
spenden, sowie eines privaten gemeinnützigen Netzwerks, um die Gewebetypisierung und die Entscheidung über
die
Gewebeverträglichkeit
zwischen
Spender und Empfänger zu erleichtern.
Dieses zentralisierte Netzwerk trägt
den Namen "United Network for Organ
Sharing"
(UNOS).
Es gewähleistet
eine faire Verteilung von Spenderorganen.
Einem im November 1987 verabschiedeten Bundesgesetz zufolge muß
jedes Hospital, in dem Organtransplantationen vorgenommen werden, der
Transplantationsorganisation UNOS angehören und genau spezifizierten Anforderungen genügen, um auch in die
zur medizinischen Versorgung alter
und minderbemittelter Bürger eingerichteten
Bundesprogramme
MEDICARE
und MED1CAID einbezogen werden zu
können. Das Gesetz verlangt außerdem
von allen Kliniken "schriftliche Protokolle über die Identifizierung potentieller Organspender".
Ca. 97
Prozent der 6 800 privaten und öffentlichen Krankenhäuser in den Vereinigten Staaten partizipieren am
MEDICAREoder
MEDICAID-Program,
häufig auch an beiden.
Wie Dr. Keith Johnson, der Präsident von UNOS, berichtet, sei die
UNOS-Organisation verpflichtet, spezielle Daten über alle Spender und
Empfänger von Organen zu sammeln, die
innerhalb der USA transplantiert wurden - "gleichgültig, ob die Spender
bzw. Organe aus den Vereinigten Staaten...oder aus anderen Ländern stammen und zur Vornahme der Transplantation in die USA verbracht wurden".
John Gold, Stallvertretender Direktor
der Abteilung Organtransplantation am
US-Bundesministerium für Gesundheit
und soziale Dienste (HHS), fügte hin-

- 2 -

�zu, daß im allgemeinen keine Organe
aus anderen Ländern, Kanada ausgenommen, eingeführt werden. Von UNOS arrangiert würden allerdings bestimmte
Organe in andere Länder gesandt,
hauptsächlich nach England und in
einige weitere europäische Staaten.
Aufgrund des Gesetzes sei es ferner
ausdrücklich
verboten,
menschliche
Organe für Transplantationen zu kaufen oder zu verkaufen. Sämtliche im
Zusammenhang mit einer Transplantation ergriffenen Maßnahmen müssen den
Vorschriften der nationalen Organisation UNOS entsprechen.
Andernfalls
verlieren die betreffenden Kliniken
jeglichen Anspruch auf Zahlungen im
Rahmen von MEDICARE- und MEDICAIDProgrammen, was als sehr harte Strafbestimmung gilt.

Die Zahl der Zentren, in denen
Chirurgenteams Spenderorgane implantieren, hat sich in den letzten Jahren deutlich erhöht. Landesweit gibt
es in den Vereinigten Staaten z. Zt.
123 Kliniken die Herztransplantationen durchführen (vor vier Jahren waren es erst 37). Obgleich die amerikanische Öffentlichkeit zum größten
Teil
Organtransplantationen
unterstützt, besteht ein erheblicher Mangel an Spenderorganen.
Mehr als
13 000 Menschen warten auf eine neue
Niere, erwa 900 auf ein Spenderherz.
Bei jedem dritten aus der letztgenannten Gruppe ist der Zustand so bedenklich, daß er den Zeitpunkt nicht
erleben dürfte, and dem für ihn ein
vielleicht ein geeignetes Spenderherz
zur Verfügung stünde.

Die mehr als 70 gemeinnützigen
Verbände zur Organbeschaffung in den
USA stellen dort die wichtigste Verbindung zwischen Spendern und Empfängern dar. Es gibt sie in fast jedem
amerikanischen Bundesstaat.
Gewöhnlich sind sie großen Kliniken angeschlossen. Sie verfügen über hochspezialisierte
medizinische
leams,
die potentielle Organspender identifizieren, Familien über Gewebeund Organspenden beraten, die Krankheitsgeschichten potentieller Spender prüfen
und Informationene über Spender and
die nationale Organisation
(UNOS)
weiterleiten.
UNOS speichert diese sofort in
einem permanent auf dem neuesten
Stand gehaltenen Computer, wo die Informationen mit den Daten aller in
den USA inzwischen erfaßten Personen,
die auf eine Organspende warten, verglichen werden. Spezielle Computerprogramme machen es möglich, den für
ein in Frage kommendes Organ am besten geeigneten Empfänger ausfindig
zu machen. Dann arrangiert UNOS den
Transport und sorgt für die sofortige
Kontaktaufnahme zwischen dem Zentrum,
wo die Explantation vorgenommen wird,
und dem Empfängerzentrum.
Täglich
rettet UNOS auf diese Weise Menschenleben.

- 3-

* * * * *

�AMERIKA DIENST
Wissenschaft und Technik

28. September 1988

35

ANTARKTISFORSCHUNG BEGANN VOR 150 JAHREN

(AD) - Vor 150 Jahren begann eine
der wichtigsten Forschungsexpeditionen der Geschichte - eine Expedition,
in deren Folge geographische Karten
um eine bis dahin fast völlig unbekannte Region und entsprechende Bücher um ein neues großes Kapitel ergänzt wurden. Unter der Leitung des
amerikanischen
Marineleutnants
Charles Wilkes brach am 18. August
1838 eine wissenschaftliche Expedition aus den Vereinigten Staaten zu
den südlichsten Gewässern des Stillen
Ozeans auf. Am 30. Januar 1840 sichtete Wiikes Land. Er nannte es den
"Antarktischen Kontinent".
Als erster hatte Wilkes erkannt, daß man es
mit einer riesigen Landmasse, einem
"Kontinent", nicht nur mit unendlichen Eis- und Schneefeldern zu tun
hatte.

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Generationen von Entdeckern und
Wissenschaftlern haben seitdem in der
Antarktis geforscht.
Während der
weltweiten als "Internationales Geophysikalisches Jahr" bezeichneten Gemeinschaftsaktien 1957/58 bildete sie
sogar einen der Schwerpunkte. Wissenschaftler aus 13 Ländern waren an
der Errichtung von 60 Forschungsstationen beteiligt. Der "Weiße Kontinent" wurde zu einem riesigen Laboratorium und ist es bis heute geblieben. In noch weitestgehend unberührter Natur studieren dort Wissenschaftler Erdgeschichte aus Zeiträumen, die Hunderte von Millionen Jahren zurückreichen. Sie suchten - und
fanden - Meteoriten aus Materie, die
vom Mond und vom Planeten Mars
stammt. Im Eis der Antarktis waren
sie unverändert erhalten geblieben.

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�Und die Forscher stellten z.B. fest,
daß der antarktische Kontinent eine
weite Strecke gewandert sein mußte,
bis er seine jetzige Position am Südende unserer Welt erreichte.
Versteinerungsfunde
und
Kohleschichten
geben Kunde von einer Zeit, in der
sich die Antarktis in einer tropischen Klimaregion befand.
Angesichts der Erfolge im "Internationalen
Geophysikalischen
Jahr"
setzten die USA ihr Antarktisprogramm
bis zum heutigen Tag fort. Eine Reihe anderer Nationen richteten ähnliche Programme ein, um die einzigartigen Forschungsmöglichkeiten in dieser
Region zu nutzen. Die Nationale Forschungsstiftung
der USA ("National
Science Foundation" - NSF) wendet
derzeit mehr als 115 Millionen Dollar
im Jahr für die Antarktisforschung
auf, an der etwa 100 000 Amerikaner
mitarbeiten.
Die
USA
unterhalten
jetzt ganzjährig vier Forschungsstationen, von denen aus Untersuchungen
auf den Gebieten Meeresund Landbiologie, Biomedizin, Geologie und Geophysik, Meteorologie
und
Physik
der
Hochatmospäre vorgenommen werden.
Dem 1959 abgeschlossenen Antarktis-Vertrag sind mittlerweile 32 Länder beigetreten.
Zusammen repräsentieren sie zwei Drittel der Erdbevölkerung. Der Vertrag schuf den rechtlichen Rahmen für internationale Zusammenarbeit in der Antarktis, für
freie Forschung in der Region und für
den Austausch von Forschungsplänen,
von Personal, Beobachtungen und von
Forschungsergebnissen.
Er verbietet
ausdrücklich nukleare Explosionen und
das Deponieren radioaktiver Abfälle
in diesem Gebiet und garantiert das
Recht
jedes
Teinehmerstaates,
die
Stationen und Ausrüstungen der anderen Partner zu inspizieren.

* * * * *
- 2 -

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Reagan hält START-Abkommen Innerhalb des nächsten Jahres für möglich&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede des Präsidenten vor den Vereinten Nationen&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Frieden, Chancengleichheit und Führungsstärke bestimmen die Debatte&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Artikel zum ersten Fernsehduell Bush-Dukakis&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Organtransplantationen sind Routine geworden&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Lange Wartezeiten für Empfänger&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Antarktisforschung begann vor 150 Jahren</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST

34

21. Setpember 1988

I N H A L T

HINTERGRUNDMATERIAL
DIE WAHLEN IN AMERIKA 1988
Nach erfolgreichster Wahlkämpfwoche;
Dukakis bereitet sich auf Fernsehdabatte mit Bush vor
- Erläuterungen zu den Wahlkampfreisen Dukakis und Bush nehmen gemäßigte Haltung zur Handelspolitik ein
- Erläuterungen zu den Ansichten der Kandidaten WIRTSCHAFT
Wie die Vereinigten Staaten mit Fällen unfairen Handels umgehen werden
- Eine Übersicht zum Verfahren gemäß Abschnitt 301
des Handelsgesetzes -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Sicherheit an erster Stelle
- DISCOVERY-Raumtransporter mit vielen Veränderungen -

* * * * *

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�AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

VON«*

21. September 1988

34

DIE WAHLEN IN AMERIKA 1988
NACH ERFOLGREICHSTER WAHLKAMPFWOCHE:
DUKAKIS BEREITET SICH AUF FERNSEHDEBATTE MIT BUSH VOR
- Erläuterungen zu den Wahlkampfreisen -

WASHINGTON - (AD) - Angespornt
von einer gefühlsbetonten Verabschiedung aus Kalifornien, einem für den
Ausgang
der
Wahl
entscheidenden
Staat, wird Michael Dukakis diese Woche seine Wahlkampfreisen praktisch
abbrechen, um sich auf die erste seiner beiden Fernsehdebatten mit George
Bush vorzubereiten.
Nach Abstechern nach Florida und
Kentucky zu Anfang der Woche wird
sich der Gouverneur von Massachusetts
mit einigen bewährten Wahlkampfberatern nach Boston zurückziehen, um
seine Kenntnisse über die Themen aufzufrischen, die er in der am 25. September ausgestrahlten Fernsehdebatte
mit Vizepräsident George Bush in Winston-Salem (North Carolina) ansprechen will, und um sich gleichzeitig

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auf mögliche Fallen vorzubereiten.
Wenn man von seiner bisherigen
Wahlkampfrhetorik ausgeht, wird Dukakis dieses Forum dazu nutzen, um vor
90 Millionen Amerikanern - dem wahrscheinlich größten Publikum dieses
Wahlkampfes - zu verdeutlichen, daß
seine Wahl mehr Jobs zu besseren Löhnen, eine mehr auf die konventionelle
Bewaffnung gestützte festere Haltung
zu Verteidigungsfragen, eine größere
Bereitschaft zu Verhandlungen mit der
Sowjetunion über die Begrenzung der
strategischen Waffen als bei Bush,
und wirksamere Bemühungen zur Verbesserung des Umweltschutzes, zum Abbau
des sauren Regens, von Wasserverschmutzungen und giftigen Chemikalien
bedeuten würde.

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�Die notwendige moralische Unterstützung erhielt der demokratische
Präsidentschaftskandidat während der
vergangene Woche unternommenen Abstecher nach Illinois, Michigan, Washington, Maryland, Montana und Kalifornien. Hierzu trug auch die Gewißheit bei, daß sein Name die Kassen
seiner
WahlkampfSpendenorganisation
klingeln läßt. Dukakis konnte am 17.
September echte Begeisterung wecken,
als er vor demokratischen Arbeiternehmern sprach, die sich bemühen werden, für die Partei Wahlbezirke in
Orange County, einer Hochburg der Republikaner, zu organisieren.
über
1 000 freiwillige Helfer - ein Rekord
in diesem County - ließen Dukakis
hochleben und stimmten Sprechchöre
an, als dieser Bush beschuldigte, er
würde zu dem im umweit bewußten Südkalifornien heiklen Thema der Ö'lförderung vor der Küste mehr Purzelbäume
schlagen als die amerikanische Olympiamannschaft.
Dukakis verließ Kalifornien mit
einer Spendensumme von einer Million
Dollar, die er im Rahmen einer Wahlkampfveranstaltung für den Landesverband seiner Partei in Los Angeles
sammelte.
Eine ähnlich hohe Summe
konnte er für San Diego erzielen. In
Annapolis (Maryland), Chicago (Illinois) und Springfield (Missouri) sammelte er geringere Beträge, wobei die
letzte Station nur dem Auftanken seiner Maschine diente.
Alles in allem hat Dukakis nach
selaer erfolgreichsten Woche seit der
Nominierung im Juli zu seinem Debattenstil gefunden - doch das ist
nichts, womit er sich angesichts seines sechswöchigen Abrutschens in den
Meinungsumfragen
besonders
brüsten
sollte.
Trotz
des
anhaltenden
Gerüchts, wonach Dukakis' Kampagne
immer noch um die Nominierung kämpft,
hat der demokratische Kandidat den
Niedergang in einigen Meinungsumfragen sogar abfangen können und hat immerhin in zwei der Umfragen eine
kleinen Vorsprung erreicht (in der
Umfrage von der Washington Post zusaimen mit der Fernsehgesellschaft

ABC vom 16. September und der RoperMeinungsumfrage vom 15. September).
Andere Befragungen geben Bush einen
kleinen Vorsprung.
Die vergangene Woche konnte Dukakis erfolgreich nutzen, um solche
Schwächen anzusprechen, auf die sich
die Kritiker konzentriert hatten.
Gemeint ist sein Fachwissen auf innen- und außenpolitischen Gebieten,
sein Versagen bei der vollständigen
Ausnutzung aller Möglichkeiten zur
Schaffung eines optischen Images und
seine vermeintliche Unfähigkeit, eine
gewisse gefühlsmäßige Wärme unter den
Wählern zu wecken.
"Er hat keinen Killer-Instinkt",
beschwerte sich ein Zeitungsreporter.
"Er haut Bush nicht in die Pfanne,
wenn sich eine Gelegenheit dazu bietet. Man könnte ja noch behaupten,
Dukakis täte sich selbst einen Gefallen, weil er nicht wie Bush unterhalb
der Gürtellinie argumentiert, um Dukakis' Partiotismus in Frage zu stellen, aber er könnte Bush doch wenigstens bei einigen Themen festnageln."
Über Verteidigungspolitik hat Dukakis beispielsweise an der Georgetown University eine Rede gehalten,
die bei seinen Zuhörern gut ankam,
und in der er darlegte, welche Verteidigungssysteme
er
unterstützen
würde und welche verringert werden
müßten. Er hat sich jedoch nicht zu
der Tatsache geäußert, daß die konventionellen Streitkräfte verringert
werden müßten, wenn Bush die von ihm
befürworteten
Waffensysteme
finanziert, da der Kongreß aller Wahrscheinlichkeit nach die Verteidigungsausgaben nicht anheben wird.
Bush hat bis jetzt noch nicht dargelegt, welche Ausgabenposten er kürzen
wird, und Dukakis hat ihn auch noch
nicht zu einer Stellungnahme hierzu
aufgefordert.
Dukakis und seine Mannschaft sind
bei der Wahl des visuellen Umfelds
für Auftritte des Kandidaten geschickter geworden, können es jedoch
noch nicht mit dem Vizepräsidenten

- 2 -

�oder Ronald Reagan aufnehmen, deren
Mitarbeiter anerkannte Meister in
diesem Fach sind.
Der Auftritt des Gouverneurs im
Yellowstone-Nationalpark, der vor den
Naturwundern in Szene gesetzt wurde,
brachte nicht den vollen Erfolg, was
teilweise auf Unzulänglichkeiten bei
den Mitarbeitern und teilweise auf
äußere Ereignisse zurückzuführen ist.
Nach seiner Ankunft in dem Nationalpark gelang es Dukakis nicht, eine
publikumswirksame Attacke gegen Bush
zu starten. Die Fernsehanstalten sahen deshalb wenig Anlaß, über seinen
Auftritt in den Abendnachrichten zu
berichten, die für die meisten Amerikaner meinungsbildend sind. Außerhalb der Kontrolle des Gouverneurs
lag die karibische Odyssee des Hurrikans Gilbert, des schlimmsten Wirbelsturms in diesem Jahrhundert, dem die
vollständige Aufmerksamkeit der Fernsehsender galt. (Während die landesweiten Medien ihm wenig Raum einräumten, wurde der Kandidat von den regionalen Fernseh- und Rundfunkstationen und Zeitungen mit Aufmerksamkeit
förmlich überschüttet.)
Andere Elemente unterliegen der
Kontrolle der Wahlkampfführung, aber
das Zusammenwirken von Eigensinn des
Kandidaten und Mangel an Erfahrung
der Mitarbeiter
haben nachteilige
Auswirkungen.
Am 16. September 1988 traf sich
Dukakis zum Beispiel mit 30 Polizisten aus Chula Vista und umliegenden
Gerichtsbezirken im Kreis Diego in
Kalifornien.
über 30 Minuten lang
führte der Gouverneur eine ruhige und
eindrucksvolle Diskussion über Verbrechen und Bestrafung mit den Polizisten, hörte sich deren Vorschläge
an, beantwortete Fragen und sprach
über die Bilanz der Fortschritte bei
der Verbrechensbekämpfung in Massachussetts. Doch obwohl seinen Mitarbeitern schon mehrfach erklärt worden
war, daß die Tonqualität des von Dukakis bevorzugten, an der Kleidung zu
befestigenden
drahtlosen
Mikrofons
für Rundfunk- und Fernsehzwecke zu

schlecht sei, wurde ein solches vom
Kandidaten benutzt.
Das Ergebnis:
von der Neonbeleuchtung an uer Decke
verursachte
elektrische
Störungen
machten den Ton weitgehend unbrauchbar.
Jegliche logistische oder planerische Fehler werden durch den mitreisenden
Pressetroß
noch
aufgebauscht.
Dies liegt sowohl daran,
daß einige der Teilnehmer zum ersten
Mal über einen Präsidentschaftswahlkampf berichten sowie auch, daß 'per
definitionem'
alles
ungewöhnliche
eine Nachricht ist.
Bis vor kurzem ermangelte es dem
Dukakis-Stab bekanntermaßen auch an
wahlkampferprobten Veteranen.
Sein
Mit-arbeiterstab hatte den Gouverneur
natürlich in den zermürbenden Monaten
des Vorwahlkampfs unterstützt und ihm
schließlich zur Nominierung verholten.
Nicht jeder Mitarbeiter wird
jedoch durch die - lediglich in einem
oder zwei Staaten gleichzeitig ausgetragenen - Vorwahlkämpfe befähigt,
die Anforderungen eines Rennens um
270 Wahlmännerstimmen von Küste zu
Küste zu bestehen.
Dukakis hat sich inzwischen um
zusätzliche Hilfe bemüht und Thomas
Donilon, einen Washingtoner Anwalt
und
Veteranen
der
demokratischen
Wahlkämpfe der Jahre 1980 und 1984,
zur Mitarbeit an der Debattenstrategie und anderen Aufgaben gewonnen.
Seine Wahlkampfleiterin
ist Susan
Estrich, eine Professorin der Harvard
Law School; John Sasso, sein vormaliger Wahlkampfleiter, der den Ruf
eines politischen Neuerers genießt,
hat sich wiederum seinem Team angeschlossen. Paul Brountas, ein Anwalt
und langjähriger Freund, begleitet
den Kandidaten als Berater. In der
vorigen Woche ernannte der Gouverneur
ein Dutzend stellvertretende Wahlkampfleiter, darunter die Senatoren
Bill Bradley und Sam Nunn sowie den
Gouverneur von New York, Mario Cuomo.
Beide Kandidaten haben in den
seit den Nominierungsparteitagen ver-

- 3 -

�gangenen Wochen ihren Wahlkampf besonders auf die lokale Basis konzentriert, indem sie hier eine Rede
hielten und dort an einer WahlkampfVeranstaltung
teilnahmen.
Am 25.
September verlagert sich das Schwergewicht auf die landesweite Ebene,
wenn sie Millionen und nicht nur Tausenden von Wählern ihre Ansichten
vortragen. Die Parteigänger von Dukakis sind der Ansicht, daß ihr Mann
dabei gut abschneiden wird, solange
seine Selbstsicherheit nicht wie Arroganz aussieht und sein intellektuelles Format bei der Behandlung der
meisten Probleme nicht herablassend
wirkt.

* * * * *

�AMERIKA DIENST
'VON

Hintergrundmaterial

4

34

21. September 1983

DIE WAHLEN IN AMERIKA 1988
DUKAKIS UND BUSH NEHMEN GEMÄSSIGTE HALTUNG ZUR HANDELSPOLITIK EIN
- Erläuterungen zu den Ansichten der Kandidaten -

WASHINGTON - (AD) - Wenn man der
Rhetorik. von Präsidentschaf tswahlkäinpfen glauben schenken soll, werden
wahrscheinlich weder Michael Dukakis
noch George Bush im Fall der Wahl zum
Präsidenten der Vereinigten Staaten
eine protektionistische Haltung einnehmen.
Beide Kandidaten haben in ihren
offiziellen Verlautbarungen und Reden
der vergangenen Monate ihren Willen
bekundet, bei unfairen Handelspraktiken energisch durchzugreifen aber
gleichzeitig Situationen aus dem Wege
zu gehen, die zu einem Handelskrieg
führen würden.
In einer kürzlich gehaltenen Rede
trug Bush vor: "Als Präsident ...
•rfi'rde ich Handelsschranken nieder-

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reißen und dabei in einem vernünftigen Zeitrahmen hartnäckig Verhandlungen zum Abbau von Subventionen führen, die Märkte verzerren und den
Handel behindern." Bush fügte hinzu:
"Dabei müssen wir jedoch gemeinsam
mit unseren Handelspartnern vorgehen.
Einseitige Schritte werde ich nicht
ergreifen."
Bush erläuterte in einem hierzu
gesondert veröffentlichten Wahlkampfpapier, andere Länder ausgrenzende
Zölle
würden
"der amerikanischen
Wirtschaft die Anreize zu einem internationalen Wettbewerb nehmen, ausländische
Investionen
in unserer
Wirtschaft verhindern und die Wachstumskräfte unserer Industrien zum Export von Gütern in andere Länder hemmen."

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�Diese Stellungnahmen könnten genausogut von Dukakls stammen.
"Ein Handelskrieg wird - wie jeder Krieg - nur Opfer fordern, aber
keine Sieger hervorbringen", hob Dukakis in einem Thesenpapier zum internationalen Handel hervor. "Unfaire Handelspraktiken sind nur zum Teil
der Grund für unser Handelsbilanzdefizit...
Wenn
sämtliche Handelsschranken für amerikanische Güter
tatsächlich schon morgen fallen würden, hätten wir immer noch ein Handelsdefizit von 125 Milliarden Dollar."
Wie Bush betont auch Dukakis, daß
er gegen unfaire Handelspraktiken
vorgehen würde, die darauf hinauslaufen, ausländische Waren zu verschleudern und Märkte gegen amerikanische
Güter abzuschotten. Er fügte hinzu,
er sei zur Verhängung von Handelssanktionen bereit, wenn es in einigen
Ländern zur Verletzung von Handelsabkommen oder einer systematischen Verletzung von Arbeiterrechten kommt.
Gleichzeitig unterstützt er Kompensationsmaßnahmen
für
bestimmte
amerikanische
Industriezweige
als
Ausgleich für Einfuhren aus dem Ausland, doch nur, wenn es sich um eine
vorübergehende Unterstützung handelt
und diese Industriezweige sich zu Modernisierungsmaßnahmen verpflichten.
Wörtlich fügte Dukakis hinzu:
"Wir müssen darauf achten, daß die in
den Genuß jener Kompensation gelangenden
Industriezweige
Investionen
vornehmen, modernisieren und wettbewerbsfähiger werden."
* * * * *

- 2

�AMERIKA DIENST
VON

Wirtschaft

*

21. September 1988

34

WIE DIE VEREINIGTEN STAATEN MIT FALLEN UNFAIREN HANDELS UMGEHEN WERDEN
- Eine Übersicht zum Verfahren gemäß Abschnitt 301 des Handelsgesetzes -

In dem von Präsident Reagan am 23. August 1988 unterzeichneten Allgemeinen
Handels- und Wettbewerbsgesetz wird nicht nur Abschnitt 301 über uufaire Handelspraktiken verschärft, sondern es werden auch neue Fristen für die Behandlung solcher Probleme gesetzt.
Nachfolgend wird der Weg eines einfachen Falles gemäß Abschnitt 301 durch
die verschiedenen Instanzen der amerikanischen Regierung beschrieben (falls
keine ungewöhnlichen Verzögerungen oder Komplikationen auftreten):
Fälle gemäß Abschnitt 301
-

von sich aus
einleiten.

eine

Überprüfung

Jeder aus einer Reihe "interessierter Personen" kann beim USHandelsbeauftragten
(USTR) eine
Eingabe machen. Zu diesen Personen zählen amerikanische Unternehmen und Arbeitnehmer, Verbrauchergruppen, Exporteure und industrielle Nutzer der betreffenden
Waren und Dienstleistungen.

Am Tag des Beginns einer Überprüfung durch den USTR, muß dieser
sich um Konsultationen mit dem
davon betroffenen Land bemühen.
Falls der Streitfall nicht durch
Konsultationen bereinigt werden
kann, muß der USTR eine weitere
Maßnahme ergreifen.

Innerhalb von 45 Tagen nach Einreichung des Antrags muß der USTR
entscheiden, ob eine Überprüfung
eingeleitet werden soll.
Entscheidet der USTR gegen eine
Überprüfung, ist der Fall erledigt.

Berührt die Überprüfung ein Handelsabkommen, muß der USTR sich
bemühen, den Streitfall binnen
150 Tagen nach Aufnahme der Konsultationen mit den eventuell von
diesem Abkommen gewährten Mechanismen zu lösen.

Der USTR kann andererseits auch

In

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bestimmten

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Fällen,

in denen

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�ein solches Handelsabkommen eine kürzere Frist für diese Konsultationen
vorschreibt, ist für den USTR der
Zeitrahmen zur Beilegung des Falles
noch enger gesteckt.

dermaßen ablaufen:

Verlaufen die Konsultationen und
Verhandlungen über die Beilegung
des Streitfalls ergebnislos, muß
der USTR entscheiden, ob das betreffende Land unfair gehandelt
hat und ob die Vereinigten Staaten 1. binnen 12 Monaten nach
Einleitung
der Überprüfung in
Subventionsfällen und in Fällen,
dii? kein Handelsabkommen berühren, und 2. innerhalb von 18 Monaten in Fällen, die Handelsabkommen berühren, aber keine Subventionen betreffen, Gegenmaßnahmen ergreifen sollten.
In bestimmten Fällen, in denen
ein Fall durch Instrumente zur Beilegung von Streitfällen schnell gelöst
werden können, ist für den USTR die
Frist, um eine solche Entscheidung zu
fällen, noch kürzer.
Der USTR muß innerhalb von 30 Tagen nach einem solchen Beschluß
übor unfaire Handelspraktiken Gegenmaßnahmen einleiten.
Ausnahme: Der USTR kann Gegenmaßnahmen bis zu 180 Tagen aussetzen,
wenn der Antragsteller darum bittet
oder wenn der USTR entscheidet, daß
erhebliche Fortschritte erzielt werden oder daß ein solcher Aufschub zur
Lösung des Streitfalls beitragen würde.
-

Jegliche
Gegenmaßnahmen
werden
automatisch nach vier Jahren eingestellt.
Der USTR kann zuvor
unter bestimmten Bedingungen diese
Gegenmaßnahmen
modifizieren
oder beenden.

Ein gänzlich neuer Bereich gesetzlicher Vorschriften gegen unfairen Handel unter der Bezeichnung "Super 301" zielt darauf ab, unverzüglich gegen eine Reihe unfairer Praktiken vorzugehen. Dies würde folgen- 2 -

Im Jahr 1989 und 1990 muß der USHandelsbeauftragte
dem
Kongreß
binnen 30 Tagen nach Vorlage des
vorgeschriebenen
Jahresberichts
über
unfaire
Handelspraktiken
eine Liste derjenigen Praktiken
und Länder präsentieren, die der
amerikanischen Wirtschaft in bezug auf verlorene Exportaufträge
den größten Schaden zufügen. Der
Bericht für 1989 muß zum 30.
April vorliegen.
Innerhalb von 21 Tagen nach Vorlage des Berichts muß der USTR
gemäß Abschnitt 301 Überprüfungen
aller vorrangig zu behandelnden
Praktiken einleiten, die für jedes Land je nach Priorität aufgelistet werden.
Der USTR muß mit jedem dieser
Länder Verhandlungen über Abkommen zum schrittweisen Abbau dieser unfairen Praktiken oder über
Kompensationsmaßnahmen aufnehmen,
die innerhalb von drei Jahren abgeschlossen sein müssen. Die Erlangung eines solchen Abkommens
würde die Überprüfung gemäß Abschnitt 301 beenden.
Falls dem USTR der Abschluß eines
solchen Abkommens nicht gelingt,
oder falls das betreffende Land
ein solches Abkommen nicht einhält, wird die Überprüfung gemäß
Abschnitt 301 den einschlägigen
Bestimmungen zufolge - mit möglichen Gegenmaßnahmen - weitergeführt.

* * * * *

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r

V,oN^

Wissenschaft und Technik

21. September 1988

34

SICHERHEIT AN ERSTER STELLE
DISCOVERY-Raumtransporter mit vielen Veränderungen

(AD) - Mit Hunderten von Änderungen an den Hauptsystemen wird der
Raumtransporter
DISCOVERY
starten.
Sie wurden nach dem CHALLENGER-Ungliick von 28. Januar 1986 in langwierigen und sorgsamen Prozeduren geplant und durchgeführt. Wie Flugdirektor Larry Bourgeois erläuterte,
sei neben ihrer Erprobung unter Flugbedingungen die wichtigste Aufgabe
beim
bevorstehenden
Unternehmen,
einen 2,25 Tonnen schweren Nachrichtensatelliten vom Typ TDRS im Weltraum abzusetzen.
Zusammen mit dem
seit April 1983 die Erde umkreisenden
identischen Gerät ermöglicht er nicht
nur ständige Funkverbindung zwischen
Raumtransporter
und Erde, sondern
kontinuierliche Bahnbeobachtung sowie
Erfassung und Übermittlung der Meßdaten von mehr als 20 der DISCOVERY-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Forschungssatelliten.
Die elf wissenschaftlichen Experimente an Bord
der Discovery dienen u.a. der weiteren Erforschung von Auswirkungen der
"Mikrogravitation" (nahezu schwereloser Zustand) auf Proben verschiedener
Art und der Untersuchung elektrischer
Stürme.
Für die fünfköpfigen Besatzung
wird zum ersten Mal ein Rettungssystem mitgeführt. Es kann allerdings
nicht in der Startphase, sondern nur
während des kontrollierten Gleitfluges bei der Rückkehr zur Erde benutzt
werden. Falls der Orbiter zu einer
unvorhergesehenen Landung gezwungen
ist und keine sichere Piste erreicht
werden kann, erlaubt ein von einer
Seitenluke ausfahrbarer langer Ausleger aus Aluminium und Stahl, daß die

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�Astronauten dem Bereich der Tragflächen oder der Motorabgase entkommen,
um dann mit ihren in die Schutzanzüge
eingebauten Fallschirmen sicher zu
Boden zu gelangen.

die Überwachung bzw. Kontrolle des
Raumtransporter-Starts
wurden
in
38 000 Punkten geändert, um mehr
Sicherheiten einzubauen.

Die seinerzeit vom Präsidenten
eingesetzte Kommission zur Untersuchung des CHALLENGER-Unglücks stellte
fest, daß den Astronauten in der damaligen Situation kein Rettungssystem
hätte helfen können.
Alle sieben
starben bei der Explosion, die sich
kurz nach dem Start ereignete. Die
Kommission empfahl jedoch eine Vorrichtung, die im Notfall das Aussteigen während des gesteuerten Fluges
ermöglicht.

* * * * *

Richard Kohrs, der stellvertretende Direktor des Shuttle-Programms,
gab einen Überblick über die wichtigsten technischen Veränderungen. Sie
galten keineswegs nur den Dichtungen
zwischen den Segmenten der Feststoffraketen.
Jeweils dreißig entfallen
auf die drei Haupttriebwerke am Heck
des Orbiters - u.a. Verstärkung der
Turbinenschaufeln bei den Turbopumpen, um zu verhindern, daß Schaufelblätter Risse bekommen und robustere
Bauweise der Ventilgehäuse bei den
Treibstoffhauptleitungen.
Kohrs zufolge wurden am Orbiter 210 Veränderungen vorgenommen:
Sie betreffen
die Verkabelung, Verbesserung der
Steuerungsfähigkeit, Strukturverstärkung der Tragflächen und Triebwerksverkleidungen sowie Verbesserungen an
den Kacheln des Hitzeschilds. Das
mit Problemen behaftete Fahrwerk wurde mit neuen, abriebfesteren Bremsen,
versteifter
Achse
und
spezieller
Elektronik
zur
Verbesserung
der
Bremsfunktion ausgerüstet.
Am Außentank, der die riesigen
Mengen von flüssigem Sauerund Wasserstoff als Treibstoff für die Haupttriebwerke in der Startund Aufstiegsphase aufnimmt, wurden acht technische Änderungen vorgenommen.
Dazu
gehört z.B. ein verbessertes System
zum Trennen von Stromkabeln, solange
sich das Fluggerät noch am Startplatz
befindet. Die Computerprogramme für
- 2 -

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                <text>&lt;strong&gt;1. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Wahlen in Amerika 1988&lt;br /&gt;Nach erfolgreichster Wahlkämpfwoche:&lt;br /&gt;Dukakis bereitet sich auf Fernsehdabatte mit Bush vor&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erläuterungen zu den Wahlkampfreisen&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Dukakis und Bush nehmen gemäßigte Haltung zur Handelspolitik ein&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erläuterungen zu den Ansichten der Kandidaten&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Wie die Vereinigten Staaten mit Fällen unfairen Handels umgehen werden&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Eine Übersicht zum Verfahren gemäß Abschnitt 301&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;des Handelsgesetzes&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Sicherheit an erster Stelle&lt;br /&gt;&lt;em&gt;DISCOVERY-Raumtransporter mit vielen Veränderungen&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST

14. September 1988

33

INHALT
DOKUMENTATION
Vernachlässigung der Lastenverteilung wäre schlechter Dienst am
Bündnis
- Rede von John Kornblum -

HINTERGRUNDMATERIAL
Allgemeine Erklärung der Menschenrechte ist allgemeingültig
- Rede von Richard Schifter bei Mailand-Workshop -

DIE WAHLEN IN AMERIKA 1988
Die Haltung der Kandidaten zu Verteidigungsfragen
- Eine Übersicht von Erklärungen zu den jeweiligen Positionen

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Galaktosämie; Fehlerhaftes Gen kloniert
- Ein wichtiger Schritt auf dem weiten Weg zur Gentherapie -

* * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

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�AMERIKA DIENST
Dokumentation

33

14. September 1988

VERNACHLÄSSIGUNG DER LASTENVERTEILUNG WÄRE SCHLECHTER DIENST AM BÜNDNIS
- Rede von John Kornblum in Den Haag -

DEN HAAG - (AD) - "Ein anhaltendes Gefühl der Abhängigkeit von den Vereinigten Staaten" im Bereich der Verteidigung "wird nicht zu der Art von gesundem Selbstvertrauen führen, die Europa zur Bewältigung der vor ihm liegenden Aufgaben benötigt," erklärte der Stellvertreter des amerikanischen Ständigen Vertreters bei der NATO, John Kornblum, während einer Rede in Den Haag am
2. September 1988. "Wenn unsere Verbündeten die europäischen Aspekte der Debatte über die Lastenverteilung außer acht lassen, erweisen sie unserem Bündnis und vor allem sich selbst einen schlechten Dienst," sagte er weiter.
Nachfolgend bringen wir Kornblums Rede im Wortlaut:

Wenn man bei einem Treffen von
Experten zu solch entscheidenden Problemen Stellung nimmt, ist man gezwungen, an einen berühmten Witz zu
erinnern, der schon in unzähligen
Versionen erzählt worden ist.
Er betrifft zumeist ein kompliziertes und bedrückendes Thema. Dem
Erzähler zufolge gibt es nur drei
Menschen auf der Welt, die das Problem verstehen. Einer von ihnen ist
tot, der andere ist verrückt geworden
und der Dritte hat es vergessen.
Die meisten unter Ihnen haben
schon viele Versionen gehört. Das
Thema ist im allgemeinen internationales Finanzwesen, der Goldmarkt, die
Schleswig-Holstein-Frage oder die Baseballmeisterschaft in der American
League.

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Ich möchte schon im voraus klarstellen, daß ich zu keinem der Themen
unserer Tagesordnung
ein Fachmann
bin. Ich versuche, beide zu verstehen, aber beruflich befasse ich mich
mit anderen Dingen. Die US-Mission
bei der NATO ist Mitveranstalter dieser Konferenz. Wir haben uns mit dem
Thema befaßt, weil wir in unserer Tätigkeit zunehmend mit den ökonomischen Auswirkungen der Sicherheitspolitik konfrontiert werden.
Bei unserer Arbeit mit Freunden
in der Niederländischen Atlantikkommission haben wir versucht, die besten Köpfe für diese komplizierte Anhäufung von Problemen zusammenzuführen. Ich hoffe, Sie werden in der
Lage sein, uns einige Ideen zur Wechselbeziehung dieser beiden "trostlo-

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�sen Wissenschaften" zu liefern. Im
Gegenzug werde ich heute abend versuchen, Ihnen einige Perspektiven aus
dem NATO-Hauptquartier vorzutragen.
Bismarck wird das Zitat zugeschrieben, daß jeder, der erfahren
würde, wie Gesetze und Wurst wirklich
gemacht werden, nie wieder friedlich
schlafen könnte.
Zugegebenermaßen
verlaufen
die
Prozesse innerhalb der NATO nicht
ganz so chaotisch , aber die Konsensfindung zwischen 16 souveränen Nationen fixiert unsere Tätigkeit eher auf
das Machbare als auf die bestmöglichen Lösungen.
Ich kann Ihnen heute abend keine
kühnen neuen Programme enthüllen.
Das Bündnis funktioniert nicht auf
diese Weise.
Ich kann jedoch ein
Bild unseres Bündnisses aus der Perspektive eines amerikanischen Regierungsvertreters geben, der mit der
Herstellung dieser Wurst, die wir als
NATO bezeichnen, beauftragt ist.

Kontinuität und Wandel
Dean Acheson pflegte jungen Attaches beim Verfassen von Telegrammen
für gewöhnlich zu sagen:
"Junger
Mann, das amerikanische Außenministerium MEINT nicht und es DENKT auch
niemals." Dieser einfache Rat gilt
auch für die NATO.

oft wie von selbst vor sich hin zu
tuckern scheint.
Nichts könnte der Wahrheit weniger entsprechen. Unser Konsens ist
hart umkämpft und steht häufig auf
schwachen Füßen. Die Diskussionen im
Atlantikrat in Brüssel sind meines
Erachtens eine atlantische Version,
die den in unseren nationalen Parlamenten geführten ziemlich nahe kommen. Würde jemand die Tagesordnung
der vergangenen zehn Jahre untersuchen, so würde er feststellen, daß
die NATO über nahezu jedes wichtige
Anliegen unserer Nationen debattiert
hat.
Der
Verantwortungsbereich
der
NATO erstreckt sich hauptsächlich auf
die Sicherheit und damit auf das
Überleben unserer Gesellschaften und
unseres Lebensstils. Nimmt es wunder, daß im Falle einer Bedrohung der
Gesellschaft - sei sie militärisch
oder nicht - unser Bündnis zu den ersten gehörte, die die Auswirkungen zu
spüren bekämen?
Und ist es nicht unerläßlich, daß
die Politik des Bündnisses auf diesem
hart erkämpften demokratischen Konsens beruht?
So langwierig dieser
Prozeß auch sein mag, es gibt keinen
besseren Weg, um sicherzustellen, daß
die Interessen aller Mitgliedstaaten
- großer und kleiner - geschützt werden.

Während wir uns einem neuen JahrDie NATO meint nicht, sie denkt •'•' hundert nähern, scheint der Westen
sich an der Schwelle zu einer Xra
nicht und kann deshalb auch nicht
noch größeren Wohlstandes zu befinverwirrt
sein.
Wenn
überhaupt
den. Der Weg bis hierhin ist jedoch
Schritte unternommen werden, dann
schwierig und häufig erschöpfend gekommen sie durch den Konsens zwischen
wesen.
Grundsätzliche
Fragen und
den von uns vertretenen Staaten und
Richtungen sind heftig umstritten.
Regierungen zustande.
Ich stelle diese einfache Tatsache klar, weil es häufig leichter
ist, die NATO als Organismus zu betrachten, der wirklich etwas entscheiden kann. In der Tat ist es uns
unter dem Dach der NATO gemeinsam gelungen, in den vergangenen 40 Jahren
so viel zu erreichen, daß das Bündnis

Was auch immer der Standpunkt
sein mag, es besteht auf beiden Seiten des Atlantiks ein Gefühl, daß wir
vor neuen Herausforderungen stehen.
Es liegt eine Erwartung von Veränderungen in der Luft.

- 2 -

Im Jahr 1969, als die NATO kurz

�vor ihrem 20. Jahrestag stand, bestand in unserem Bündnis das gleiche
Gefühl des Wandels. Nur waren damals
viele Kommentatoren der Meinung, daß
sich die Nützlichkeit der NATO überlebt habe. Heute wird dies praktisch
von niemandem behauptet.
Die Tatsache, daß sie auch weit nach ihrem
40. Geburtstag fortbestehen sollte,
scheint außer Frage zu stehen.
Ebenso dauerhaft ist das amerikanische Engagement in Europa. Wir
debattieren ständig über Bedeutung
und Richtung unseres Engagements. Im
Gegensatz zu den späten sechziger
Jahren gibt es jedoch gegenwärtig in
den Vereinigten Staaten keine verantwortliche Gruppe, die unseren Austritt aus der NATO oder den Abzug
amerikanischer Truppen aus Europa befürwortet.
Die Grundlage ist auf die Probe
gestellt worden und hat sich als für
die Interessen unserer Völker notwendig erwiesen. Zahlreiche bedeutende
Einflüsse auf unsere Zusammenarbeit
scheinen sich jedoch zu verändern.
Unter solchen Umständen erscheint es
mir besonders wichtig, zwei Extreme
zu vermeiden, und zwar den Widerstand
gegen Veränderungen unter dem Motto
"wenn etwas nicht kaputt ist, dann
sollte man nicht daran herumreparieren" oder das andere Extrem, das in
der Annahme besteht, unsere Strategie
bedürfe - gerade weil sie so lange
gut funktioniert hat - einer Überholung.
Im Hauptquartier der NATO schütteln wir oft die Köpfe über die Verfechter
beider
Lager.
Es
wäre
selbstzerstörerisch, die Folgen neuer
Probleme außer acht zu lassen. Andererseits fragen wir uns, warum einige
Leute der Meinung sind, unsere Strategie sei nicht mehr gültig, wenn sie
so gut zu funktionieren scheint.
Erfüllung unseres Auftrags bedeutet für uns, die Grundlage unseres
Erfolgs zu bewahren.
Wir können
nicht wissen, wohin die Dinge sich
entwickeln, aber wir können bestim-

men, wo wir stehen. Das sollte unsere erste wichtige Aufgabe sein.
Wenn man den Prozeß des Wandels
untersucht, sollte man sich vielleicht jener großen Neuerung im Denken der NATO zuwenden - dem HarmelBericht. Dieses Dokument entstand in
einer Epoche, die nicht weniger kompliziert als die unsrige war. Die
sechziger Jahre waren ein Zeitalter
tiefgreifender und häufig entzweiender Debatten im Westen. Der HarmelBericht stellte eine demokratische
Synthese dar, die nach - nicht vor dieser emotionalen Periode zustande
kam.
Meines Erachtens sollten wir die
heutige Debatte im selben Licht betrachten.
Zweifellos sollten wir
viele unserer Annahmen überdenken.
Schon bald wird sich ein Konsens ergeben, der die veränderten Haltungen
der neunziger Jahre widerspiegelt.
Und genau das ist der Punkt.
Dieser Konsens sollte das Ergebnis
einer demokratischen Debatte in allen
BUndnisstaaten sein. Bei allem gebotenem Respekt vor dem hier versammelten Fachwissen bezweifle ich, daß es
heute selbst den besten Köpfen im Westen möglich wäre, einfach eine Strategie zu entwerfen, die in allen
Bündnisstaaten politisch akzeptabel
wäre.
Hätte das Bündnis im Jahr 1962
eine Gruppe von Weisen berufen, was
wäre das Ergebnis gewesen? Wäre die
wunderbare Symmetrie des Harmel-Berichts im Jahr 1964 oder 1965 zu erzielen gewesen? Ich bezweifle es.
Dasselbe gilt für unsere gegenwärtige Diskussion.
Viele der im
Verlauf dieser Konferenz erörterten
Ereignisse sind Gegenstand tiefgreifender
Kontroversen
zwischen
den
BUndnisstaaten. Demokratisch gewählte Regierungen müssen sich mit diesen
Kontroversen befassen. Bis wir die
Auswirkungen von Rüstungskontrolle,
Gorbatschow, neuer wirtschaftlicher
Herausforderungen und zahlreicher an-

- 3 -

�derer vordringlicher Fragen durchdacht haben, ist die beste Grundlage
die auf der wir stehen.

Die Rolle der Wirtschaft
Sie leitet zu einem der hier erörterten Theraenkomplexe über.
Wenn
wir ehrlich mit uns selbst sind,
sollten wir zugestehen, daß die Wirtschaft in der gesamten Geschichte der
NATO praktisch nur eine zweirangige
Rolle in unseren politischen Diskussionen gespielt hat.
Verteidigungshaushalte waren natürlich stets von Bedeutung, ebenso
wie die Kosten der Streitkräfte, für
deren Stationierung wir uns entschieden hatten. In den ersten 30 Jahren
der Geschichte der NATO konnten wir
jedoch ein nahezu ungebremstes Wachstum beobachten. Der Wohlstand in allen Teilen Europas - einschließlich
des Ostblocks - erreichte ein nie zuvor gekanntes Niveau.
Wissenschaft
und Technologie wurden als Retter der
Menschheit angesehen.
Unser
Bündnis wurde auf der
Grundlage von Wachstum und wirtschaftlicher Dominanz der Vereinigten
Staaten geschaffen. Es handelte sich
nicht um eine gleich mächtige und
gleich wohlhabende Staatengruppe, die
sich zum gegenseitigen Nutzen zusammengefunden hatte. Ein Hauptziel bestand im Schutz der Vereinigten Staaten für ein Europa, das sich in einem
Prozeß des Wiederaufbaus und der
wirtschaftlichen
Gesundung
befand.
Auf der Grundlage dieser entscheidenden Divergenz der wirtschaftlichen
und politischen
Stärke entwickelt
sich ein bestimmtes Muster an Beziehungen.
Diese einfache Tatsache sollte
man sich bei der Erörterung der Tagesordnungspunkte vor Augen halten.
Sie bildet auch den Hintergrund der
immer wieder aufflammenden Debatte
über die Lastenverteilung, die erneut
unserer Aufmerksamkeit bedarf.

Ich beziehe mich nicht nur auf
die Frage der Verteidigungsausgaben.
Die Vereinigten Staaten haben Verständnis dafür, daß die Verteidigungsbeiträge der Europäer variieren
und von beträchtlicher Höhe sind.
Wie Staatssekretär Taft kürzlich ausführte, sind wir auch der Überzeugung, daß weiterhin ein Ungleichgewicht zwischen den Beiträgen der Vereinigten Staaten und denen unserer
Verbündeten besteht.
Von ebensolcher Bedeutung ist jedoch die Rolle, die der Debatte über
die Lastenverteilung als Spiegel des
psychologischen Zustands des Bündnisses zukommt. Hier sind wir wieder
bei der alten Frage angelangt: Wer
war zuerst - die Henne oder das Ei?
Nahezu 45 Jahre nach dem Zweiten
Weltkrieg sind die europäischen Nationen häufig zu Recht verärgert über
eine den Vereinigten Staaten untergeordnete Rolle in der NATO.
Die
jüngere Generation in vielen europäischen Ländern ist über ein Gefühl
der Ohnmacht aufgebracht, das sich
aus einer scheinbar nicht ebenbürtigen Partnerschaft ergibt.
Ebenso fragen sich viele Amerikaner, warum die europäischen Verbündeten uns in Handel und Wirtschaft herausfordern
können,
während
sie
gleichzeitig zögern, den vollen Anteil der Risiken und Verantwortung zu
übernehmen, die ihre wirtschaftliche
Stärke erst ermöglicht haben.
Was immer wir über die Höhe unserer Verteidigungshaushalte denken mögen - ich bin sicher, wir stimmen
auch dahingehend überein, daß dieses
Bild der Partnerschaft angesichts der
wirtschaftlichen und politischen Realitäten der heutigen Welt aus den Fugen geraten ist.
Als der Seniorpartner in diesem
Unternehmen müssen die Vereinigten
Staaten selbst intensiv über die Auswirkungen ihrer Rolle als führende
Weltmacht
nachdenken.
Auf
wirtschaftlichen Wettbewerb durch Kürzung

�unserer Ausgaben in der NATO zu realeren, deckt sich nicht mit den ReaItäten dieser Rolle.

f

Die Aufgabe innerhalb Europas ist
ebenso kompliziert.
Die Bewahrung
der amerikanischen Führungsrolle
selbst auf die intelligenteste und
weitsichtigste Art - wird nicht notwendigerweise das zunehmende Gefühl
der Frustration unter den jungen
Nachkriegsgenerationen
wettmachen,
die jetzt erwachsen werden.
Ein anhaltendes Gefühl der Abhängigkeit von den Vereinigten Staaten
wird nicht zu der Art von gesundem
Selbstbewußtsein führen, die Europa
zur Bewältigung der vor ihm liegenden
Aufgaben benötigt. Weder die westliche Einigung noch die Überwindung
der Teilung dieses Kontinents werden
ohne d ieses Gefühl des Vertrauens und
der Weitsicht möglich sein.
Die Entwicklung dieses neuen Bewußtseins ist nicht Aufgabe der Vereinigten Staaten. Es wird als Folge
eines schwierigen Prozesses innerhalb
Europas entstehen. Es ist nicht angebracht, daß ich hier Vorschriften
mache. Aber ich kann soviel sagen:
Wenn unsere Verbündeten die europäischen Aspekten der Debatte über die
Lastenverteilung außer acht lassen,
erweisen sie unserem Bündnis und vor
allen sich selbst einen schlechten
Dienst.

Eine Grundlage für den Wandel
Ich habe von Kontinuität und Wandel und der Rolle der neuen Herausforderungen - wie beispielsweise der
Wirtschaft - gesprochen, mit denen
wir uns in den kommenden Jahren konfrontiert sehen. Aber keine unserer
Nationen wird bereit sein, für die
Kosten dieser neuen Probleme ohne
eine Vision der Zukunft aufzukommen.
Trotz großer Fortschritte sind
die zugrundeliegenden Probleme nicht
behoben worden. Der Westen ist nach
wie vor durch die Projektion sowje-

tischer Militärmacht nach Mitteleuropa bedroht. Der Frieden ist weiterhin durch die wirtschaftliche und politische Instabilität im Ostblock* in
Gefahr.
Am schmerzlichsten jedoch
ist vielleicht die Begrenzung unseres
eigenen Bildes der Menschheit auf die
westliche Hälfte dieses Kontinents.
Die Unterdrückung der Freiheit in
einem Teil Europas hat auch Auswirkungen auf die Qualität der Freiheit
in unseren Ländern. Unsere Reaktion
auf die Hoffnungen der Völker im Ostblock werden viel über unser eigenes
Engagement für die Werte aussagen,
die wir so laut predigen.
Wir bemerken Zeichen des Wandels.
Und wir sollten uns darüber im Klaren
sein, daß das Modell, das zu Hoffnungen im Ostblock Anlaß gibt, sich auf
unsere Ideale gründet - Freiheit, Offenheit, Demokratie.
Die sowjetische Führung räumt öffentlich ein, daß ihre Wirtschaft
stagniert. Beobachtern in Moskau zufolge ist die Nahrungsmittelversorgung seit Jahren nicht so schlecht
gewesen.
Demographen stellen fest,
daß die Lebenserwartung in der Sowjetunion abnimmt.
Plötzlich sehen wir uns mit einer
neuen Herausforderung konfrontiert einem gefährlichen Gegner, dessen
wirtschaftliche Grundlage zerbricht.
Diese Entwicklung könnte zu einer
ebenso tiefgreifenden Diskussion über
die Ziele des Westens führen. Werden
wir genug Geduld für den Erhalt unserer Stärke aufbringen, während sich
die komplizierten Prozesse im Ostblock von selbst lösen?
Oder werden wir die Werte, von
denen wir so lange geleitet waren, in
dem Maße in Frage stellen, wie sie
von der anderen Seite übernommen werden? Niemand kann diese Frage beantworten, aber ich kann eine Folgerung
vorhersehen.
In meiner Vorstellung wäre die
schlimmste Entwicklung für die west-

- 5 -

�liehen Demokratien, in Generalsekretär Gorbatschow den Vorkämpfer des
demokratischen Wandels in Europa zu
sehen. Wir müssen uns vor Augen halten, wie das "Friedenskonzept" durch
sowjetische Rhetorik pervertiert wurde.
Wenn wir uns nicht vorsehen,
könnten unsere Grundwerte durch einen
Politiker gegen uns gerichtet werden,
der keinerlei Absicht hegt, sie zu
übernehmen.

einzige Art und Weise, den uns im
NATO-Hauptquartier
konfrontierenden
Problemen einen Sinn zu geben, darin
besteht, sich diese vornehmsten Ziele
vor Augen zu halten. Eine ähnliche
Sicht der Dinge kann meiner Ansicht
nach auch Ihnen behilflich sein.

* * * * * *

Für mich bedeutet dies, daß unsere erste Reaktion auf den Wandel im
Ostblock besseres Verständnis dafür
sein muß, wie wir den Wandel im Westen angehen wollen. Die Rolle von
Offenheit und Demokratie in unseren
Beziehungen zu kommunistischen Staaten muß eindeutiger definiert werden.
Letztlich bedeutet dies, unsere
Haltung gegenüber dem Ostblock auf
diese demokratischen Werte zu gründen. Dies ist nicht der Ruf nach einer neuen Politik des Rollback. Es
ist die Erkenntnis, daß die bloße
Aufrechterhaltung guter Beziehungen
mit kommunistischen Ländern nicht
notwendigerweise die Art des Wandels
unterstützt, die wir als vordringlich
erachten. Vor allem sollten wir uns
nicht von Anschuldigungen vom Kurs
abbringen lassen, das Streben nach
Verwirklichung westlicher Werte berge
das Risiko einer Unterminierung der
Reformen im Ostblock.
Ich gebe zu, daß diese Gedanken
nicht eine Vision als solche ergeben.
Ich bin jedoch der Überzeugung, daß
solche Erwägungen von besonderer Bedeutung sind, wenn man die Art von
komplexen Themen erörtert, mit denen
wir uns hier befassen.
Der Westen betreibt Rüstungskontrolle nicht vornehmlich zur Einsparung von Kosten. Und unsere wirtschaftliche Stärke ist nicht die einzige Determinante bei unserem Wettbewerb mit dem Ostblock. Sie alle stehen im Zusammenhang mit den bei der
Gründung der NATO festgelegten vornehmsten Zielen unserer Gesellschaften. Ich habe festgestellt, daß die

•

�AMERIKA DIENST
'VON**

33

Hintergrundmaterial

14. September 1988
ALLGEMEINE ERKLÄRUNG DER MENSCHENRECHTE IST ALLGEMEINGÜLTIG
- Rede von Richard Schifter bei Mailand-Workshop -

MAILAND - (AD) - Dem Leiter der Abteilung für Menschenrechte und humanitäre Angelegenheiten im US-Außenministerium, Richard Schifter, zufolge sind
die Ziele der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte wahrhaft allgemeingültig und nicht nur auf die reichen Länder des Westens anwendbar. In einer Ansprache beim europäischen Workshop über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft
der von den Vereinten Nationen am 10. Dezember 1948 verabschiedeten Erklärung
stellte Schifter am 7. September 1988 ferner fest, daß "der menschlichen Erfahrung zufolge die Wechselwirkung zwischen Demokratie und Achtung der Rechte
des Einzelnen sowie zwischen Diktatur und Nichtachtung dieser Rechte ziemlich
ausgeprägt ist".
Nachfolgend bringen wir Schifters Ansprache im Wortlaut (es gilt das gesprochene Wort):
"...daß
zur
Sicherung
dieser
Rechte Regierungen unter den Menschen
eingesetzt werden, die ihre Macht aus
der Zustimmung der Regierten herleiten," ist in der Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten niedergelegt. Die Rechte, auf die Bezug
genommen wird, sind die Rechte auf
Leben, Freiheit und das Streben nach
Glück.
Die Erklärung hat damit der so
lange Zeit gültigen grundsätzlichen
Vorstellung vom Gottesgnadentum der
Könige eine Absage erteilt, derzufolge der Herrscher durch Geburt das
Recht zur Ausübung der Macht und die
Untertanen die Pflicht des Gehorchens
hatten. Sie kehrte dieses Verhältnis
um, indem sie das Recht des Bürgers
als Hauptgrund
für die Existenz

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staatlicher Autorität definierte.
Die Verfasser der amerikanischen
Unabhängigkeitserklärung im Jahr 1776
waren nicht die Schöpfer dieser Idee.
In die Erklärung sind Gedanken eingeflossen, über die schon über ein
Jahrhundert lang diskutiert und geschrieben wurde - die Gedanken der
Aufklärung.
Dreizehn Jahre später,
im Jahr 1789, spiegelte die französische Erklärung der Rechte des Menschen und des Bürgers dieselben Gedanken wider. Und fast zur gleichen
Zeit vervollständigten die Vereinigten Staaten ihre Erklärung mit der
Bill of Rights.
Jeder, der diese Dokumente des
späten 18. Jahrhunderts mit der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte

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�vergleicht, wird natürlich ihre starke Ähnlichkeit erkennen.
Die Leistung der Allgemeinen Erklärung besteht sicherlich darin, daß sie die
von den Schriftstellern und Denkern
des Zeitalters der Aufklärung formulierten Prinzipien des Staatswesens
auf eine internationale Ebene gestellt hat.
Unterstütze ich mit diesen Beobachtungen die Kritiker der Allgemeinen Erklärung, denen zufolge sie
einer bestimmten Kultur zugehörig ist
und nur Haltung und Denken dessen widerspiegelt, was gemeinhin als westliche Zivilisation bezeichnet wird
und das sich wirklich nicht auf Gesellschaften mit anderen kulturellen
Wurzeln anwenden läßt? Mit anderen
Worten: Habe ich die Behauptung unterstützt, die Allgemeine Erklärung
der Menschenrechte sei nicht wahrhaft
allgemeingültig?
Um das hier zutagetretende Problem zu behandeln, schlage ich vor,
daß wir uns daran erinnern, wie ein
britischer Beobachter der politischen
Entwicklungen im Frankreich des Jahres 1789 auf die Nachricht von der
Verkündung der Erklärung der Rechte
des Menschen und der Bürger reagiert
haben könnte. Der Zeitpunkt lag etwas über 100 Jahre nach der Glorious
Revolution und viele Jahrzehnte nachdem die Entwicklung einer konstitutionellen Monarchie in Großbritannien
begonnen hatte. Hätte es nicht nahegelegen, daß zahlreiche Beobachter in
London ausgerufen hätten:
"Rechte
des Bürgers in Frankreich?
Alles,
was diese Leute je gekannt haben, ist
die absolute Monarchie. Was versteht
der Durchschnittsfranzose von Bürgerrechten?"
Lassen Sie uns auch die amerikanische Erfahrung betrachten. Natürlich repräsentierten die Verfasser
der Unabhängigkeitserklärung und der
Bill of Rights ein aufstrebendes neues Land, in dem Regierung mit Zustimmung der Regierten und die Achtung
der Rechte des Einzelnen anerkannte
Vorstellungen waren. Hieß dies je-

doch Regierung mit Zustimmung aller
Regierten? Und wurden die Rechte jedes Einzelnen respektiert? Die Antwort auf beide Fragen lautete "Nein".
Die ungeheuerlichste Form der Unterdrückung, die Sklaverei, wurde in
vielen der Staaten praktiziert, aus
denen sich jenes neue Land zusammensetzte, das im Jahr 1776 durch die
Unabhängigkeitserklärung
entstanden
war. Die Sklaverei war eine Institution, die, nachdem die Gründer des
Landes stolz erklärt hatten, "alle
Menschen sind gleich geschaffen",
noch 87 Jahre Bestand hatte. Und es
mußte erst ein Bürgerkrieg geführt
werden - der schlimmste Krieg in der
amerikanischen Geschichte -, um die
Sklaverei aus dem Leben Amerikas zu
tilgen.
Ich will damit sagen, daß die in
Dokumenten wie der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung oder der französischen Erklärung der Rechte des
Menschen und der Bürger niedergelegten Prinzipien nicht in der Praxis
dieser Länder verwurzelt waren. Es
waren Aussagen über ein Ideal, das
genügend Unterstützung besaß, um eine
nationale Bestrebung zu bilden, auf
deren
Verwirklichung
hinzuarbeiten
sich beide Länder und andere, von
diesem Ideal in ähnlicher Weise erfaßte, verpflichteten.
Die in den Dokumenten des 18.
Jahrhunderts enthaltenen und von mir
genannten Vorstellungen waren nicht
gänzlich neu.
Die Staatstheorien,
auf denen sie fußten, reichten über
2 000 Jahre bis zu Schriftstücken und
Praktiken in einigen Stadtstaaten des
antiken Griechenlands zurück.
Ich
möchte in diesem Zusammenhang darauf
verweisen, daß, wenn wir vom philosophischen Erbe des antiken Griechenlands sprechen, wir natürlich vom Erbe des antiken Athen und nicht vom
antiken Sparta reden. Die Schriftsteller und Denker des Zeitalters der
Aufklärung hatten einige ihrer bemerkenswerten Inspirationen vom Athen
vor zwei Jahrtausenden erhalten.
Man

könnte

sagen,

daß

dieses

�Band, das die Aufklärung mit dem antiken Athen verbindet, einen lebendigen Beweis für die Tatsache darstellt, daß wir es hier mit einem
kulturspezifischen Phänomen zu tun
haben. Aber ist dies wirklich so?
Welche kulturellen Bande haben die
alten Athener mit den Barbaren verknüpft, die im Zeitalter des Aristoteles die Wälder Nord- und Mitteleuropas bevölkerten? Warum sollten die
Nachfahren dieser Barbaren dem mehr
Aufmerksamkeit gewidmet haben, was
sie über die griechische Demokratie
gelernt hatten als anderen Lehren und
Traditionen, die ihnen überliefert
wurden? Könnte es sein, daß sie nach
reiflichem Nachdenken über die verschiedenen Modelle politischer Organisation zu dem Schluß gelangten, daß
das demokratische Modell am besten
taugt, um die Bedürfnisse und Bestrebungen der Menschen zu erfüllen? Und
ist das der Grund, warum es Wurzeln
schlug? Könnte es sein, um Winston
Churchill zu zitieren, daß die Demokratie wirklich die schlechteste Regierungsform ist, abgesehen von allen
anderen?
Dies - so scheint mir - sind die
Fragen, die wir uns stellen müssen,
wenn wir heute über die Allgemeine
Erklärung der Menschenrechte nachdenken.
In diesem Vortrag habe ich unter
dem Terminus "Menschenrechte" zwei
verschiedene Konzepte zusammengefaßt:
Erstens, das der Regierung mit Zustimmung der Regierten und - zweitens
- das der Achtung der Rechte, Integrität und Würde des Einzelnen. Es
ist denkbar, daß eine demokratisch
gewählte Regierung einige Menschen
ihrer individuellen Rechte beraubt.
Ebenso ist es vorstellbar, daß eine
Diktatur, die nicht frei vom Volk gewählt ist, die meisten Rechte des
Einzelnen
wohlwollend
respektiert,
natürlich außer dem Recht, seine Regierung zu wählen. Zu diesem Thema
läßt sich sagen, daß der menschlichen
Erfahrung zufolge die Wechselwirkung
zwischen Demokratie und Wahrung der
Rechte des Einzelnen einerseits sowie

zwischen Diktatur und Nichtachtung
dieser Rechte ziemlich stark ist.
Wir können es als Tatsache hinnehmen,
daß ein gutes Mittel, um die Wahrung
der Rechte des Einzelnen durch staatliche Institutionen sicherzustellen,
darin besteht, diese Institutionen
dem Volk gegenüber rechenschaftspflichtig zu machen.
Ein weiteres Problem verdient in
diesem Zusammenhang unsere Beachtung.
Es ist die Frage der Beziehung zwischen dem, was wir als Bürger- und
politische
Bürgerrechte
bezeichnen
einerseits und den ökonomischen und
sozialen Rechten andererseits. Analytiker der Allgemeinen Erklärung der
Menschenrechte werden der Tatsache
Aufmerksamkeit schenken, daß, während
22 Artikel ausdrücklich eine Reihe
bürgerlicher und politischer Rechte
beschreiben, fünf weitere eine Reihe
von Rechten aufzählen, die wir als
ökonomische und soziale Rechte bezeichnen.
Meiner Ansicht nach haben wir im
Lauf der Jahrzehnte eine ziemlich
sterile Debatte darüber beobachtet,
was ein "Recht" ist und was nicht.
Wir können diese Debatte abkürzen,
indem wir den fraglichen Themen verschiedene Kennzeichen zuordnen. Wenn
wir uns auf die unter dem Begriff
"bürgerliche und politische Rechte"
zusammengefaßten
Fragen
beziehen,
können wir von den Grenzen staatlicher Gewalt sprechen.
"Ökonomische
und soziale Rechte" können hingegen
als Aufgaben des Staates gekennzeichnet werden.
Ein bedeutender Unterschied zwischen den beiden Kategorien besteht
darin, daß erstere relativ leicht zu
verwirklichen ist. Alles, was vom
Staat zur Erfüllung seiner Verpflichtungen in diesem Bereich getan werden
muß, ist, etwas zu unterlassen. Gute
Leistungen im zweiten Bereich zu erbringen erfordert Geschick, Überlegung und Ressourcen. Fortschritte in
diesem Bereich erfordert Entscheidungen über den grundsätzlichen Ansatz
in der Wirtschaftspolitik, was häufig

- 3-

�erst nach der Überwindung erheblicher
Meinungsverschiedenheiten über geeignete Analysen und Abhilfemaßnahmen
möglich ist.
Denn die Leistungen
eines Staates auf sozialem und wirtschaftlichem Gebiet werden letztlich
nicht aufgrund gemachter Versprechungen beurteilt, sondern aufgrund dessen, wieviele dieser Versprechungen
erfüllt werden.
Das umfassende Problem der wirtschaftlichen und sozialen Programme
des Staates ist ein bedeutendes - ein
Problem, das des Nachdenkens, der
Analyse und Diskussion bedarf.
Es
verdient eine solche Diskussion in
geeignetem Rahmen, die Diskussion unter Experten mit praktischer Erfahrung, die Diskussion durch Wirtschaftswissenschaftler, durch Experten in den Bereichen Gesundheitswesen,
Wohnungswirtschaft,
landwirtschaftliche
Produktion,
Vertrieb
u.s.w.
Diese Diskussionen unterscheiden sich jedoch von jenen, die
sich mit den Grenzen staatlicher Gewalt befassen, die am zweckmäßigsten
von Fachleuten zu staatlicher Struktur und Gesetzen zu führen sind.
Um zur Erklärung zurückzukehren:
Sie wurde vor dem Höhepunkt der Welle
der Dekolonialisierung verabschiedet.
Sie wurde verabschiedet, als die
Mehrheit der Stimmen in den Vereinten
Nationen von den Ländern Süd-, West-

und Nordeuropas sowie des amerikanischen Kontinents abgegeben wurde.
Und, wie ich schon festgestellt habe,
spiegelte der Text die Vorstellungen
vom Staat und von den Rechten des
Einzelnen wider, die sich schon zweihundert Jahre zuvor in Westeuropa und
Nordamerika
herauszukristallisieren
begonnen hatten.
Aber bedeutet die Tatsache, daß
Menschen französischer und englischer
Herkunft die führende Rolle bei der
Formulierung des Konzepts der Freiheit des Einzelnen - und des Staates
als Diener anstatt als Herr des Bürgers - spielten, daß sie nur für
Franzosen und Engländer und deren
Nachfahren in Nordamerika sprachen?

Könnte es nicht vielmehr so sein, daß
sie Prinzipien des Staatswesens von
universeller
Gültigkeit
erkannten,
daß sie eine Sprache sprachen, die an
die Logik und die innersten Sehnsüchte aller Männer und Frauen jeglicher
kultureller Strömung appellierte?
Wie ich schon feststellte, waren
zu jener Zeit, als die Schriftsteller
und Denker der Aufklärung ihre Gedanken zu Papier brachten, die Erfahrungen ihrer Gesellschaften mit den Konzepten, die diese zu erklären versuchten, entweder begrenzt oder nicht
vorhanden.
Ich behaupte, daß das,
was die Denker der Aufklärung taten
und was auch die Verfasser der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte
anstrebten darin bestand, eine Reihe
von Idealen zu formulieren, allgemeingültige
Ideale der Begrenzung
staatlicher Gewalt, eine Reihe erstrebenswerter Ziele und vor allem,
die Achtung vor dem Menschen als
einem von Gott geschaffenem Wesen und
ein Leben frei von Furcht zu garantieren.
Von manchen wird behauptet, daß
ein Festhalten an den Prinzipien der
Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte ein Luxus sei, den sich die
reichen Industriegesellschaften leisten können, der jedoch in Staaten,
die sich zunächst auf die grundlegenden Elemente der Aufrechterhaltung
eines minimalen Lebensstandards konzentrieren, nicht funktioniert. "Wir
können uns nicht den Kopf über Pressefreiheit zerbrechen, wenn Menschen
verhungern," lautet ein häufig vernommener Kommentar.
Dem läßt sich einiges entgegenhalten.
Erstens schlugen die Vorstellungen von der Freiheit des Einzelnen, über die wir heute sprechen,
in Ländern wie dem meinigen zu einer
Zeit Wurzeln, die vorwiegend von der
Landwirtschaft geprägt war und in der
die überwältigende Mehrheit der Bevölkerung nach heutigen Begriffen
"arm" war. Tatsächlich wurden diese
Vorstellungen am hartnäckigsten in
jenen Regionen des Landes vertreten,

�die fast ausschließlich landwirtschaftlich geprägt und fast ausschließlich "arm" waren.
Und was die Pressefreiheit und
den Bedarf an Nahrungsmitteln anbelangt: Wir sollten uns überlegen, ob
Länder, in denen Menschen hungern,
den verhängnisvollen politischen Maßnahmen im Agrarbereich gefolgt wären,
die zu einer drastischen Verringerung
der Nahrungsmittelproduktion führten,
wenn sie eine freie Presse gehabt
hätten, eine Presse, die höchstwahrscheinlich diese Maßnahmen kritisiert
und die unvermeidlichen Konsequenzen
solch tiefgreifender politischer Fehler aufgezeigt hätte.
Lassen Sie uns nun einige der
Einzelbestimmungen
der
Allgemeinen
Erklärung der Menschenrechte betrachten. Wir sollten uns fragen, ob diese wirklich das exklusive Eigentum
einer einzigen Zivilisation sind oder
als allgemein gültig angesehen werden
sollten.
Was sollen wir von dem
Prinzip halten, daß jeder "das Recht
auf Leben, Freiheit und Sicherheit
der Person hat?" Was sollen wir von
dem Verbot der Sklaverei, der Folter
sowie grausamer, unmenschlicher und
entwürdigender Behandlung oder Bestrafung halten?
Und was von der
Vorstellung, daß alle vor dem Gesetz
gleich sind und ohne Diskriminierung
Anspruch auf Gleichbehandlung vor dem
Gesetz haben? Und wie ist es mit der
Vorschrift gegen willkürliche Eingriffe in Privatleben, Familie, Wohnung oder Schriftverkehr eines Menschen?
Und wie mit dem Recht auf
Freizügigkeit innerhalb eines Landes
und über Staatsgrenzen hinweg? Und
wie mit der Gedanken-, Gewissens- und
Religionsfreiheit sowie mit der Redefreiheit? Und wie - als letztes mit dem Recht, die Regierung in freien Wahlen zu wählen?
Ist es nicht
eine wahrhaft verabscheuungswürdige
Art von Rassismus, die Auffassung zu
vertreten, dies sollten allein die
Ziele der westlichen Zivilisation
sein, ohne Einfluß oder Relevanz für
den Rest der Welt?

-5

Wir sollten uns deshalb wirklich
Gedanken machen, was wir alle als Angehörige der menschlichen Rasse gemeinsam haben; wie wir uns am besten
organisieren können, um zusammen zu
arbeiten und die Probleme zu lösen,
vor denen unsere Gemeinschaften und
unsere Gesellschaften stehen und wie
wir es am besten anstellen können,
uns selbst zu regieren. Wir sollten
uns vor Augen halten, daß wir bei der
Benutzung des Rades, beim Rechnen mit
arabischen Ziffern, beim Einschalten
einer Lampe, um uns Licht zu geben,
bei der Verabreichung von Penicillin
zur Heilung Kranker uns nicht damit
aufhalten, zu fragen, welche Kultur
den Erfinder oder Entdecker hervorgebracht hat. Das gleiche sollte auch
für die weltweite Anwendung der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte
gelten.

�AMERIKA DIENST
VON

Hintergrundmaterial

^

14. September 1988

33

DIE WAHLEN IN AMERIKA 1988

DIE HALTUNG DER KANDIDATEN ZU VERTEIDIGUNGSFRAGEN
Eine Übersicht von Erklärungen zu den jeweiligen Positionen -

WASHINGTON - (AD) - Was das Thema
Verteidigung angeht, so sind sich die
beiden Präsidentschaftskandidaten der
großen Parteien in einem Punkt einig
- daß eine starke Verteidigung für
die Sicherheit der Nation unerläßlich
ist.
Scharfe Unterschiede bestehen jedoch zur Strategie und zur Verwendung
von Mitteln für die Verteidigung.
Dem Gouverneur von Massachussetts, Michael Dukakis, zufolge möchte dessen republikanischer Gegenspieler jedes irgend denkbare Waffensystem weiterentwickeln und beschaffen.
Sein Kommentar: "Man kann nicht alles haben, weder, wenn man es ernst
mit der Bereitstellung der für unsere
konventionellen Streitkräfte erfor-

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derlichen Mittel meint, noch, wenn
man ernsthaft die Reduzierung des
Haushaltsdefizits anstrebt."
Vizepräsident George Bush nimmt
seinen demokratischen Opponenten mit
dessen Vorstellungen zu den Verteidigungsausgaben beim Wort: "Es ist naiv, zu denken, wenn man selbst kein
Geld für Verteidigung ausgibt, dann
würde der Gegner es auch nicht tun,"
erklärt er. Unter Hinweis auf die
anhaltende Modernisierung der sowjetischen Streitkräfte vertritt der Vizepräsident die Auffassung, die Unterschiede zwischen Bush und Dukakis
zu Fragen der nationalen Sicherheit
der Vereinigten Staaten seien "groß
und tiefgreifend".
Nachfolgend

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stellen

wir

einige

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�Positionen der Kandidaten zu Fragen
der Verteidigung gegenüber:
Ausgabenpolitik
Dukakis: "Wir müssen unsere Mittel für die Verteidigung dort
einsetzen, wo der Bedarf am größten ist, wir müssen diese Mittel
zur Beschaffung von Waffen verwenden, die funktionieren, und
wir müssen diese Mittel so verwalten, daß sie unsere Streitkräfte stärken, und nicht, um die
Taschen betrügerischer RUstungsunternehmen zu füllen."
Bush:
"Wir geben heute sechs
Prozent unseres Bruttosozialprodukts für die Verteidigung aus;
das sind 25 Prozent weniger als
zu Zeiten Eisenhowers und Kennedys. Wir müssen den Bewilligungsprozeß im Kongreß verbessern
und die Mittelvergabe auf eine
stabilere Grundlage stellen. Der
Kongreß muß bereit sein, unsere
strategischen Programme beständig
und langfristig zu unterstützen."
Chemische Waffen
Dukakis: "Wir müssen die Unterstützung möglichst vieler Staaten
für die Bemühungen zum Verbot von
Giftgas und die Verhängung harter
Sanktionen gegen jedes Land gewinnen, das so dumm und brutal
ist, diese Waffen gegen Menschen
einzusetzen."
Bush:
"Ich werde chemische und
biologische Waffen von dieser
Welt tilgen."

Reagan-Administration
begonnen
Ausbau der Marine auf 600 Schiffe
und tritt für die Beibehaltung
des gegenwärtigen Umfangs der
Flugzeugträgereinsatzverbände ein.
Strategische
(SDI)

Verteidigungsinitiative

Dukakis:
"Wir
brauchen
SDI
nicht; wir brauchen CDI.
Wir
sollten die von den führenden Politikern im Kongreß eingeleitete
Konventionelle
Verteidigungsinitiative weiterverfolgen, um mit
dem Einsatz moderner Technologien
die Herausforderung zu bewältigen, einen konventionellen Krieg
führen - und gewinnen - zu können." Er würde die Mittel für
das SDI-Forschungsprogramm einschneidend kürzen.
Bush: Ein energischer Befürworter des Programms der Reagan-Administration, der die Auffassung
vertritt, ein ausgefeiltes SDI
würde "Waffen anstatt Menschen
gefährden" und "die Gefahr eines
Angriffs aus Versehen reduzieren".
Er würde auf "intensive
Forschung" drängen, um herauszufinden, ob eine SDI-Verteidigung
funktioniert, und er würde SDI
stationieren, "wenn es funktioniert".
START-Verhandlungen
Beide Kandidaten treten für den
in den START-Verhandlungen angestrebten 50prozentigen Abbau der
strategischen Waffen ein.
Atomwaffensperrvertrag

Ausbau der Marine
Dukakis:
Befürwortet eine Verringerung der Marine und die Ausserdienststellung
zweier
Flugzeugträgergruppen.
Er
spricht
sich gegen die kurzfristige Ausweitung der US-Marinepräsenz im
Persischen Golf aus.

Dukakis:
"Wir müssen alles in
unserer Macht Stehende tun, um
der Verbreitung von Kernwaffen
Einhalt zu gebieten." Er hat zu
verstehen gegeben, daß es aufgrund dieses Themas zu einer Einschränkung amerikanischer Hilfen
für Pakistan kommen könnte.

Bush:

Bush:

Unterstützte den von der

"Die Ära der Verbreitung

�von Atomwaffen muß aufhören,"
sagt er und fügt hinzu, es sei
"unsere moralische Verpflichtung,
alles menschenmögliche zu tun, um
nukleare Erpressung durch Verrückte wie Gadhafi in Libyen oder
Chomeini im Iran auszuschließen.
Er würde alle Möglichkeiten ausschöpfen, um "Islamabad und Neu
Delhi zu einem bilateralen Abkommen zu bewegen," das die weitere
Entwicklung von Atomwaffen in den
beiden Ländern "nachprüfbar einschränken" würde.
Landgestützte
ten (ICBM)

len, daß die Vereinigten Staaten
ihre Führungsposition im Weltraum
wiedererlangen.
Bush
zufolge
sind die Sowjets "seit Jahren aktiv bemüht, die militärische Vorherrschaft im Weltraum zu erringen," und es sei verhängnisvoll,
wenn Amerikaner "naive Ansichten
über diese Bedrohung hätten."
Truppen in Europa
Keiner der beiden Kandidaten würde amerikanische Truppen aus Europa abziehen.

InterkontinentalrakeDer Nahe Osten
Dukakis: Die Vereinigten Staaten
müssen ihre fortdauernde Verpflichtung zur "Stärke, Sicherheit und Verteidigung des Staates
Israel" erneuern.
Dukakis fügt
hinzu:
"Wir müssen unsere Anstrengungen verdoppeln, dem Nahen
Osten bleibenden Frieden zu bringen, der Israel sichere Grenzen
und genauso dem palestinensischen
Volk eine Zukunft garantiert."

Dukakis: Mit den Argumenten, die
Vereinigten Staaten sollten die
Zahl der Interkontinentalraketen
mit Mehrfachgefechtsköpfen (MIRV)
einzuschränken versuchen und weil
die kleineren Interkontinentalraketen zu teuer seien, befürwortet
er weder das MXnoch das Midgetman
ICBM-Programm. Er hat jedoch die
Möglichkeit einer neuen Interkontinentalrakete als Alternative zu
den beiden anderen Programmen
nicht ausgeschlossen.
Bush: Er ist der Auffassung, daß
der ' Peacekeeper' und die 'Midgetman'
unbedingt
erforderlich
sind, um eine glaubwürdige Abschreckung der Vereinigten Staaten aufrechtzuerhalten. Wörtlich
fügt er hinzu: "Meines Erachtens
müssen wir sie beide am Leben
halten."

Bush:
"Israel bleibt das Bollwerk der Demokratie im Nahen
Osten, ein treuer Verbündeter,
ein Wirtschaftspartner und ein
Licht der Hoffnung. Wir werden
sein Volk niemals im Stich lassen."
Der Persische Golf

Der Weltraum

t

Dukakis:
Er
befürwortet
die
Gründung eines Weltraumrates und
würde
seinen
Vizepräsidentschaftskandidaten zu dessen Vorsitzenden ernennen. Er betrachtet die Entwicklung einer ständig
bemannten Raumstation als "eine
unserer wichtigsten Prioritäten."
Bush:
Er unterstützt das Programm einer amerikanischen Weltraumstation. Er will sicherstel- 3 -

Dukakis: Er trat nicht für die
amerikanische Politik der Umflaggung kuwaitischer
Öltanker im
Persischen Golf ein und wollte
keine
einseitig
durchgeführte
Verlegung der amerikanischen Marine in den Golf. Er war gegen
jede wahrnehmbare Parteinahme für
den Irak, und verwies dabei auf
das irakische Regime als Kriegsauslöser, auf dessen Angriffe gegen ausländische Öltanker und den
versehentlichen Angriff gegen die
•U.S.S. Stark' im Jahr 1987.
Bush:

Er unterstützt die ameri-

�kanische Golfpolitik der freien
Schiffahrt in internationalen Gewässern und die Resolution der
Vereinten Nationen zur Beendigung
des Krieges. Er unterstützte das
Programm zur Umflaggung der Tanker und wies darauf hin, daß die
Vereinigten Staaten Marineaktivitäten im Golf ergreifen mußten,
um multilateralen Verpflichtungen
für die Region den Weg zu ebnen.
"Da wir uns an die Spitze gestellt haben, unterstützen uns
derzeit fünf europäische Marineverbände beim Abbau der Bedrohung
für die Schiffahrt. Hätten wir
uns nicht an die Spitze gestellt,
wären Ohnmacht und Rückzug die
Folge gewesen," fügt er hinzu.
Lateinamerika und die Karibik
Dukakis:
Er hat Einheiten der
Nationalgarde in seinem Heimatstaat die Genehmigung verweigert,
an Übungen in Panama oder Honduras teilzunehmen, weil er unbeirrbar gegen eine Unterstützung
für die nicaraguanischen antisandinistischen
Widerstandskämpfer, die Contras, eintrat. Die
amerikanische
Entscheidung,
in
Grenada einzumarschieren, hat er
ebenfalls kritisiert.
Bush: Unterstützt Hilfe für die
Contras und andere Freiheitskämpfer in der ganzen Welt. Er war
für die Bemühungen, Versuche der
Kubaner zu unterbinden, "die winzige Insel Grenada zu zersetzen".

* * * * *

-4

�AMERIKA DIENST
Wissenschaft und Technik

14. September 1988

33

GALAKTOSÄMIE:

FEHLERHAFTES GEN KLONIERT

Ein wichtiger Schritt auf dem weiten Weg zur Gentherapie

(AD) - Seitdem Jürgen Reichardt,
ein Doktorand am Institut von Nobelpreisträger Dr. Paul Berg (Stanford
University, Kalifornien), in der amerikanischen Fachzeitschrift "Molecular Biology and Medicine" die Ergebnisse seiner dreijährigen Suche nach
jenem Gen veröffentlichte, das für
die
Stoffwechselstörung
"Galaktosämie" verantwortlich ist, steht das
Telefon nicht mehr still. Kollegen
aus dem Inund Ausland wollen mit ihm
sprechen.
Mit Briefen melden sich
viele Eltern von Kindern, die an der
Krankheit leiden, um ihm für seine
gründliche Ursachenforschung zu danken.
"Vielleicht ist doch noch zu
Lebzeiten unseres Sohnes - jetzt vier
Monate alt - auf eine Heilung zu hoffen", schrieb ein Ehepaar aus Texas.

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Reichardt ist es gelungen, das
Gen zu isolieren und zu klonieren
(d.h., auf gentechnischem Wege zu
vermehren), das normalerweise für die
Produktion des Enzyms Galaktose-1Phosphat-Uridyltransferase
zuständig
ist. Bei Galakosämie, einer rezessiv
vererbbaren
StoffWechselstörung,
fehlt das Enzym, so daß der Metabolit
Galaktose
nicht
umgesetzt
werden
kann. Zu große Mengen davon verbleiben im Blut und werden mit dem Urin
ausgeschieden. Man spricht auch von
"Galaktosediabetes".
Galaktose ist ein Bestandteil von
Laktose, die als Hydrat (Anlagerung
von Wassermolekülen) unter der Bezeichnung Milchzucker bekannt ist.
In Verbindung mit Glukose und einem
weiteren Molekül bildet dieses Disac-

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�charid ein spezifisches Produkt der
Milchdrüsen.
Zwar ist schon seit
vielen Jahren bekannt, daß der erwähnte Enzymmangel die Ursache für
die Unverträglichkeit von Muttermilch
oder Kuhmilch und deren Produkten bei
manchen Säuglingen und Kleinkindern
ist. Galaktit bzw. Galaktose-1-Phosphat kann nicht abgebaut werden und
staut sich vor allem in der Leber und
im Gehirn. Schon bald nach der Geburt verweigern diese Babies die herkömmliche Nahrung. Ständiges Erbrechen und Gelbsucht sind erste Anzeichen der Stoffwechselkrankheit.

netisch aufgepfropft wurde, um ihren
Verlauf im Detail zu erforschen. So
beabsichtigt Reichardt zunächst einen
Gen-Austausch bei ursprünglich gesunden Mäusen mit dem Enzymmangel-Gen,
um an diesen Tieren die Gewebeveränderungen bis hin zu molekularen Vorgängen zu studieren. "Meine Hoffnung
ist, daß wir dann endlich herausfinden, warum die Probleme infolge des
Anstauens der Stoffe auftreten, von
denen die Galaktosämie-Symptome verursacht werden," meint der Biochemiker. Dann erst könne man Strategien
entwickeln, um den Problemen von
Grund auf entgegenzuwirken.

Für Säuglinge wurde eine spezielle milchfreie Nahrung aus Sojamehl,
Olivenöl, Reismehl und Calciumphosphat entwickelt.
Denn eine sofort
einsetzende und während der ersten
Lebensjahre konsequent weitergeführte
Diät kann schwere gesundheitliche
Schädigungen verhindern.
Zu diesen
zählen in erster Linie chronische Erkrankungen
der
Leber,
Anämie,
Schwachsinn und Trübung der Augenlinsen.
In manchen Fällen wird beim
Kleinkind anhand dieses dem Grauen
Star ähnlichen Symptoms der Enzymmangel überhaupt erst erkannt. Unter
günstigen Umständen ist jedoch die
Linsentrübung durch Diät noch rückgängig zu machen, lassen sich weitere
Gesundheitsschäden abwenden oder zumindest mildern.

Die Isolierung des Gens gibt den
Biochemikern außerdem die Möglichkeit, seine verschiedenen Mutationsformen zu analysieren.
Denn der
Schweregrad der Erkrankung ist unterschiedlich, und das bedeutet, daß
auch in bezug auf die Genveränderungen, die zum Enzymmangel führten, Unterschiede vorhanden sind. Ein weiterer Grund für das Interesse der
Forscher an Galakosämie ist darin zu
sehen, daß mit dem Studium dieser
Krankheit vielleicht ein Weg zu einer
Gen-Therapie
erkennbar wird.
Von
Gen-Therapie wird zwar viel geredet,
aber es ist noch nicht gelungen, defekte Gene durch gesunde zu ersetzen.

Die Häufigkeit von Galaktosämie
ist regional unterschiedlich. In den
Vereinigten Staaten tritt ein Fall
unter ca. 50 000 Einwohnern auf.
Weshalb sich aber die Medizin bisher
mit der Behandlung von Galaktosämie
relativ schwer tat, ist darauf zurückzuführen, daß die Krankheit nicht
am Tiermodell studiert werden konnte
und man die Prozesse zum Teil nicht
verstand, die die verschiedenartigen
Schädigungen - bei Frauen beispielsweise Funktionsstörungen der Eierstöcke - verursachten.
Dank der Arbeitsergebnisse von
Jürgen Reichardt eröffnet sich jetzt
aber ein Weg, Versuche mit Tieren zu
unternehmen, denen die Krankheit ge- 2 -

* * * * *

\

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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Vernachlässigung der Lastenverteilung wäre schlechter Dienst am Bündnis &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von John Kornblum&lt;/em&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrungmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Allgemeine Erklärung der Menschenrechte ist allgemeingültig &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Richard Schifter bei Mailand-Workshop &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Wahlen in Amerika 1988 - Die Haltung der Kandidaten zu Verteidigungsfragen &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Eine Übersicht von Erklärungen zu den jeweiligen Positionen&lt;/em&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Galaktosämie: fehlerhaftes Gen kloniert &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur Gentherapie&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST
*

'VON

7. September 1988

32

INHALT

DOKUMENTATION

Gedenken an die Opfer von Ramstein
- Ansprache von Botschafter Burt bei Trauerfeier -

Sowjetisch-amerikanische Beziehungen fördern wirksame
Rüstungskontrolle
- Rede von ACDA-Direktor Burns in Den Haag -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK

Neuer Weg zur AIDS-Bekämpfung

••

- Medikament soll Zellen vor Virus-Infektion schützen
(

* * * * * *

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�AMERIKA DIENST
"VON

Dokumentation

*

32

7. September 1988

GEDENKEN AN DIE OPFER VON RAMSTEIN
- Ansprache von Botschafter Burt bei Trauerfeier -

RAMSTEIN - (AD) - Aus Anlaß der Trauerfeier für die Opfer des Unglücks von
Rarastein sprach der amerikanische Botschafter, Richard R. Burt, am 3. September 1988 in der St. Nikolauskirche zu Ramstein den Angehörigen sowie den Verletzten in den Krankenhäusern sein tiefes Mitgefühl aus und versprach, daß
"wir aus den Ereignissen lernen und sicherstellen (werden), daß sich eine solche Tragödie niemals wiederholt".
Die Ansprache des Botschafters hat folgenden Wortlaut:

Wir sind heute hier versammelt,
um den Verlust und das Leid derer zu
beklagen, die erst vor sechs Tagen
auf der Ramstein Air Base an einem
Fest der Freundschaft teilgenommen
haben. Ich wende mich an diejenigen,
die Angehörige oder Freunde verloren
haben und an diejenigen, die in den
Krankenhäusern liegen:
wir können
heute hier Ihren Schmerz nicht lindern und ihren Verlust nicht ungeschehen machen. Wir können Ihnen nur
durch unser Mitgefühl beistehen und
Ihnen in Ihrem Leid Trost spenden.
Schon immer war es der Traum des
Menschen, fliegen zu können.
Der
Flug hat den Menschen Freiheit geschenkt und sie näher zusammengeführt.
Vergangenen
Sonntag
sind
Hunderttausende
gekommen,
um die

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Flugtechnik und diejenigen zu bewundern, die sie beherrschen. Aber der
Tod ist, wie Johann Wolfgang von
Goethe sagte, "eine Unmöglichkeit,
die plötzlich zur Wirklichkeit wird".
Und mit dieser Wirklichkeit sehen wir
uns heute konfrontiert. Die Tragödie
vom vergangenen Sonntag hat einem jeden von uns die Vergänglichkeit des
Lebens vor Augen geführt und uns erneut erkennen lassen, daß der Beherrschung der Welt durch den Menschen
Grenzen gesetzt sind.
Eine weitere Tragik besteht darin, daß eine Feier zur deutsch-amerikanischen Freundschaft und Solidarität im Bündnis der Anlaß für Verlust und Leid werden sollte. Ich
möchte unseren deutschen Freunden
versichern, daß wir in Ihrem Land zu

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�Gast sind. Wir sind Ihnen für die
Aufnahme dankbar, die Sie uns bereitet haben. Sie haben uns in guten
wie in schlechten Zeiten ihr Herz und
Ihr Land geöffnet. Wir werden Ihre
Gastfreundschaft niemals vergessen.
Und wir werden sie niemals mißbrauchen.
Unseren italienischen Kameraden
sage ich, daß wir den Verlust Ihrer
mutigen Flieger betrauern. Wir bewundern Ihren Beitrag zu Frieden und
Freiheit.
Unsere gemeinsame Trauer
bringt uns einander noch näher.
Und meinen Landsleuten in der
amerikanischen Luftwaffe sage ich,
daß Ihre Präsenz hier in der Bundesrepublik
Deutschland
hochgeschätzt
und dankbar anerkannt wird. Vor acht
Wochen flog ich zusammen mit Oberst
Guy Halvorsen an Bord eines derjenigen Flugzeuge nach Berlin, die er und
seine jungen Kameraden in der amerikanischen Luftwaffe während der Blokkade durch die Winternächte des Jahres 1948 nach Berlin steuerten. Die
Erinnerungen daran sind in Berlin
noch sehr lebendig. Sie sind es auch
in der Bundesrepublik Deutschland und
in der amerikanischen Luftwaffe. Vor
40 Jahren flog die amerikanische
Luftwaffe für die Freiheit, und dies
tut sie auch heute noch.
Vom ersten Moment der Katastrophe
am Sonntag an haben Deutsche, Amerikaner und die anderen Bündnispartner
zusammengearbeitet, um den Verletzten
zu helfen und denjenigen Trost zu
spenden, die Angehörige verloren haben. Obwohl nicht im Dienst, boten
zahlreiche deutsche und amerikanische
Ärzte und Sanitäter spontan ihre Hilfe an. 60 französische Soldaten reisten an, um Blut zu spenden. Zwei
Ärzte, selbst bei der Explosion verletzt, mit blutenden Wunden und versengten Kleidern, eilten anderen Menschen zu Hilfe, die noch schwerer
verwundet waren als sie selbst. Ihnen allen - aus den umliegenden deutschen und amerikanischen Gemeinden,
die Verletzte versorgt und denjenigen
Trost gespendet haben, die außer sich

waren, unter Schock standen oder
trauerten - sei gedankt. Unser Dank
ist unermeßlich.
In den nächsten Tagen werden wir
die Ereignisse des vergangenen Sonntags untersuchen. Amerikanische und
italienische Offiziere werden unter
der Leitung ihrer deutschen Kameraden
alle Aspekte dieser Tragödie, der ihr
vorausgehenden Entscheidungen und der
auf sie folgenden Handlungen überprüfen. Ich verspreche Ihnen, daß wir
aus den Ereignissen lernen und sicherstellen werden, daß sich eine
solche Tragödie niemals wiederholt.
Wir alle werden diesen Ort voller
Trauer verlassen.
Jeder unter uns
kann nur in seinem persönlichen Bild
von der Stellung des Menschen im Universum Trost finden. Über zwei Generationen haben Deutsche und Amerikaner Freud und Leid geteilt. Wir tun
dies auch heute. Indem wir uns hier
im Leid versammeln, indem wir zusammen trauern, erneuern wir unsere Verpflichtung auf diese Freundschaft und
wird uns diese Freundschaft eine
Stütze sein.

* * * * * *

�AMERIKA DIENST
'1*

"v"

Dokumentation

Ä&lt;

7. September 1988

32

SOWJETISCH-AMERIKANISCHE BEZIEHUNGEN FÖRDERN WIRKSAME RÜSTUNGSKONTROLLE
- Rede von ACDA-Direktor Bums in Den Haag -

DEN HAAG - (AD) - Dem Direktor der amerikanischen Behörde für Rüstungskontrolle und Abrüstung (ACDA), Generalmajor a. D. William Burns, zufolge
"könnte der gegenwärtige Zustand der Ost-West-Beziehungen für eine wirksame
Rüstungskontrolle günstiger sein als jemals zuvor in der jüngsten Geschichte".
Dies "gilt insbesondere für die konventionelle Rüstungskontrolle," erklärte
Burns am 2. September 1988 in einer Rede in Den Haag, die wir nachfolgend veröffentlichen.
Ich danke Ihnen für die Gelegenheit, an einem Zeitpunkt zu Ihnen
sprechen zu können, an dem wir alle
mit Befriedigung des 40. Jahrestages
der Gründung
des Nordatlantischen
Bündnisses und des Friedens in Europa
gedenken, den die NATO in all diesen
40 Jahren gefördert und aufgebaut
hat. Das Bündnis ist ein Erfolg ein Segen, den wir alle zu schätzen
wissen, nicht nur unter dem Gesichtspunkt unserer grundlegenden Sicherheitsinteressen, sondern auch aufgrund des Zusammenschlusses in einer
Gemeinschaft freier Nationen mit gemeinsamen moralischen und demokratischen Werten. Als Amerikaner versichere ich Ihnen erneut, daß die
NATO weiterhin der Eckpfeiler der nationalen Sicherheitspolitik der Vereinigten Staaten bleibt.

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Als die NATO vor 40 Jahren gegründet wurde, war ihr Ziel der
Schutz der Freiheit und die Abschrekkung eines sowjetischen Angriffs auf
den Westen. Der Harmel-Bericht trug
vor über 20 Jahren der Tatsache Rechnung, daß sich das Bündnis ausreichende militärische Stärke und politische Solidarität bewahren muß, um
eine Aggression abzuschrecken, das
Territorium der NATO im Falle einer
Aggression zu verteidigen und in einem Klima des Friedens ein stabileres
Verhältnis anzustreben, in dem die
zugrundeliegenden politischen Probleme gelöst werden können. Im Lauf der
Zeit haben sich weder die Zielsetzung
der NATO noch der Charakter der Bedrohung geändert. Heute wie in der
Vergangenheit
- trotz "Glasnost",
trotz "Perestrojka", trotz des "neuen

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�Denkens" - bleibt die Herausforderung
durch die Sowjetunion, und hier insbesondere die anhaltende und weit
über legitime Verteidigungsbedürfnisse hinausgehende Aufrüstung der militärischen Fähigkeiten des Warschauer
Pakts - nuklear wie konventionell die größte Bedrohung der Sicherheitsinteressen des Bündnisses.
Im Zuge des anhaltenden Strebens
der NATO nach Frieden in Europa ist
es jedoch bisweilen zu Ereignissen
gekommen, die eine Neubewertung der
vom Bündnis zur Bewahrung seiner Sicherheit
angewandten
Ansätze
und
Strategien erforderlich machten. Das
vielleicht bemerkenswerteste Beispiel
des evolutionären Wandels in der
NATO-Strategie war die Verabschiedung
der Strategie der flexiblen Reaktion
vor über zwei Jahrzehnten. Während
also die Ziele und der Zweck des
Bündnisses in der ganzen Zeit identisch geblieben sind, müssen die Methoden, um diese Ziele zu erreichen
und die Art und Weise, in der wir die
Verteidigung des Bündnisses planen,
notwendigerweise den weltweiten Entwicklungen angepaßt werden.
Heute sind wir uns alle der Tatsache bewußt, daß der von Präsident
Reagan
und
Generalsekretär
Gorbatschow am 8. Dezember des vergangenen Jahres unterzeichnete INFVertrag einen Meilenstein in unserem
Bemühen um , mehr Stabilität und die
Verbesserung der westlichen Sicherheit darstellt. Diese bemerkenswerte
Errungenschaft ist einer der herausragenden Erfolge der Sicherheitspolitik des Bündnisses in diesem Jahrzehnt. Natürlich hat der INF-Vertrag
nicht all unsere Sicherheitsprobleme
gelöst.
Das eklatante Ungleichgewicht bei den konventionellen Streitkräften, mit dem wir schon seit vielen Jahren leben, bleibt bestehen.
Der INF-Vertrag hat jedoch erneut die
Aufmerksamkeit auf die Lage im konventionellen Bereich gelenkt und die
politische Bedeutung einer Behandlung
dieser Frage durch eine Kombination
von Rüstungskontrolle und Verbesserungen in der Verteidigung verstärkt.

Die Durchführung des INF-Abkommens
wird unweigerlich die Verteidigungsplanung der NATO in den kommenden
Jahren beeinflussen.
Der lange und schwierige Prozeß,
der im Jahr 1979 mit dem Doppelbeschluß begann und im vergangenen Jahr
im INF-Vertrag kulminierte, hat allen
gezeigt, daß in der Rüstungskontrolle
wesentliche Fortschritte erzielt werden können, wenn das Bündnis aus einer Position der Einigkeit und Stärke
verhandelt. Präsident Reagan hat zu
Beginn dieses Jahres in einem Bericht
an den amerikanischen Kongreß zur nationalen Sicherheitsstrategie bekräftigt, daß
"Rüstungskontrolle kein
Selbstzweck ist, sondern lediglich
eines von mehreren Mitteln zur Stärkung unserer nationalen Sicherheit.
Unsere Ziele in der Rüstungskontrolle
sind vollständig in unsere nationale
Sicherheitspolitik integriert, um die
Abschreckung zu stärken, das Risiko
zu verringern, die Beziehungen im
Bündnis zu fördern und sicherzustellen, daß die Sowjets keinen wesentlichen einseitigen Vorteil erringen."
Unserer Auffassung nach ist diese Politik der Rüstungskontrolle in Verbindung mit einer starken Verteidigung auch für die NATO unerläßlich,
wenn sie mit dem Warschauer Pakt Verhandlungen über Rüstungskontrolle im
konventionellen Bereich aufnimmt.
Ich muß jedoch hervorheben, daß
der INF-Vertrag uns weder von der
Last der Verteidigung entbindet noch
die für Europa bestehende Bedrohung
durch sowjetische Nuklearwaffen beseitigt hat. Der Oberste Alliierte
Befehlshaber, General Galvin, hat dazu erklärt: "Obwohl die nuklearen Fähigkeiten der NATO durch Abschaffung
der Pershing II und bodengestützten
Marschflugkörper verringert werden,
reichen die nuklearen Fähigkeiten auf
dem europäischen Kriegschauplatz für
die weitere Anwendung der NATO-Abschreckungsstrategie aus und die Sicherheit Europas und der Vereinigten
Staaten wird nicht abgekoppelt. Weit
über 4 000 amerikanische Nuklearwaffen - und 326 000 amerikanische Sol-

�daten - werden im Gebiet des Oberkommandos Europa stationiert bleiben."

i

*

Darüber hinaus erkennen die Spitzenpolitiker des Bündnisses seit langem die Notwendigkeit für Verbesserungen im Bereich der konventionellen
Verteidigung zur Förderung der Stabilität, auch wenn gerade Rüstungskontrollverhandlungen stattfinden, die
darauf abzielen, den Umfang der gegnerischen konventionellen Streitkräfte in Europa zu verringern. Als Folge dessen widmet das Bündnis enscheidenden Notwendigkeiten größere Aufmerksamkeit, wie etwa größeren Munitionslagern und anderen Kriegsreserven, verbesserten Einrichtungen zur
Landung und zum Schutz von Flugzeugen
der Verbündeten, die Europa Verstärkung liefern, besseren Fähigkeiten
zur Neutralisierung angreifender Folgestaffeln des Ostblocks und modernisierten Fähigkeiten zur Verteidigung
in der Luft und auf See.
Obwohl ich mich in meinen folgenden Ausführungen auf konventionelle
Rüstungskontrolle als Aspekt der Sicherheit des Bündnisses konzentrieren
möchte, sollten diese dennoch im Zusammenhang mit meiner uneingeschränkten Unterstützung für die vereinbarte
Bündnispolitik von Verbesserungen im
konventionellen Bereich der Verteidigung verstanden werden, die ich soeben angesprochen habe. Rüstungskontrolle und Abrüstung sind nicht die
einzigen Mittel, um das in Euopa bestehende militärische Ungleichgewicht
zu beheben. Für die Sicherheit des
Westens müssen zur Erhaltung einer
glaubwürdigen Strategie der Abschrekkung eines Krieges bestimmte Bedingungen erfüllt sein und dabei die effektive Mischung nuklearer und konventioneller Waffen Vorrang haben.
Sorgfältig geplante Verbesserungen im
Bereich der konventionellen Verteidigung müssen mit Rüstungskontrollabkommen einhergehen, um sicherzustellen, daß die Bedingungen für die Sicherheit des Bündnisses erfüllt und
nicht verschlechtert werden.

Meiner Ansicht nach könnte der
gegenwärtige Zustand der Ost-West-Beziehungen für eine wirksame Rüstungskontrolle günstiger S'-in als jemals
zuvor in der jüngsten Geschichte.
Das trifft insbesondere für Rüstungskontrolle im konventionellen Bereich
zu. Stürmische Veränderungen in der
Sowjetunion werden von sowjetischen
Politikern als neue Denkweise propagiert, die bei westlichen Beobachtern
ein offenes Ohr findet. Begriffe wie
"Glasnost" und "Perestrojka", Behauptungen über eine neue defensive Militärdoktrin des Warschauer Pakts, die
außenpolitische
"Friedensoffensive"
des Ostblocks und die Bereitschaft,
umfassendere Verifizierungen und echte Truppenreduzierungen zu akzeptieren, üben auf die westliche Öffentlichkeit einen gewissen Reiz aus.
Sie sind tatsächlich so reizvoll, daß
ungeduldige Vertreter der westlichen
Presse kürzlich westliche Politiker
und
Regierungen
wegen
mangelnder
Fortschritte in der Rüstungskontrolle
kritisiert hat. Es ist sogar vielfach klar und deutlich festgestellt
worden, daß die Vorschläge des Warschauer Paktes weitreichender seien
als die des Westens.
Gorbatschows Bestrebungen in der
Öffentlichkeitsarbeit haben zugegebenermaßen Auswirkungen auf Verhaltensweisen im Westen, auch in Westeuropa.
Die Auffassung, es bestehe nunmehr
geringere Bedrohung durch die Sowjetunion breitet sich in der jüngeren
Generation aus, die nicht automatisch
den Ernst der Lage in den Ost-WestBeziehungen oder deren Geschichte erkennt .
Andere wiederum verweisen auf die
Einsparungen, die sich ihrer Ansicht
nach bei einem Rüstungskontrollabkommen bei Mitteln ergeben werden, die
andernfalls für die Entwicklung und
Unterhaltung von Waffensystemen aufgewendet würden. Solche Mittel könnten ihrer Auffassung nach der Verbesserung sozialer Bedingungen zufließen.
Aber wir fechten diese Annahme
an, weil sie illusorisch ist. RU-

�stungskontrollabkommen führen nicht
automatisch zu Einsparungen für die
beteiligten Regierungen, insbesondere
nicht in marktwirtschaftlich orientierten westlichen Volkswirtschaften.
Es ist ein Fehler westlicher Regierungen,
Rüstungskontrollinitiativen
im Hinblick auf mögliche finanzielle
Einsparungen zu planen, weil es ganz
einfach keine Garantie dafür geben
kann, daß RUstungskontrollabkommen zu
solchen Einsparungen führen.
Vorschläge zur Rüstungskontrolle müssen
darauf abzielen, die Sicherheit des
Westens zu verbessern und nicht auf
echte oder mögliche Einsparungen.
Gleichzeitig wird es für das Bündnis
bei unseren weiteren Verhandlungen
über konventionelle Streitkräfte von
Bedeutung sein, daß wir den wirkungsvollsten Einsatz der verfügbaren Verteidigungsressourcen des Bündnisses
und eine gerechte Verteilung der Rollen und Pflichten zur Teilung dieser
Last gewährleisten.
Obwohl die jüngsten Rüstungskontrollvorschläge des Warschauer Pakts
und die angeblich in der Sowjetunion
stattfindenden Veränderungen auf einige einen gewissen Reiz ausüben, muß
man sich doch den Charakter dieser
Veränderungen vor Augen führen. Eine
eingehendere und durchdachtere Betrachtung als sie im Großen und Ganzen in der westlichen Presse erfolgte, wird belegen, daß diese Veränderungen aus anderen Gründen erfolgen,
als das Entstehen einer "neuen Sowjetunion" suggeriert. In Wirklichkeit zeigt vieles von dem, was wir
jetzt in der UdSSR beoachten, die zunehmende sowjetische Erkenntnis, daß
man sich an das anpassen muß, was als
qualitative Revolution bei den Entwicklungen im militärischen Bereich
betrachtet wird, möglicherweise auf
Umfang und Auswirkungen der Entwicklungen von Nuklearwaffen. Zum Beispiel haben westliche Entwicklungen
der Doktrin für Luftlandeoperationen
und der Strategie vorne stationierter
Seestreitkräfte, neuer Waffensysteme
und
bei
Technologien
wie
etwa
"Stealth" sowie das veränderte Konkurrenzverhältnis zur Volksrepublik

China die Sowjets gezwungen, mit einer anderen Art von Kriegführung fertigzuwerden und traditionelle Ansätze
zur Taktik, Durchführung von Operationen und Strategie in Frage zu
stellen.
Die Behauptung des Warschauer Pakts, eine auf Verteidigung
ausgerichtete Militärdoktrin zu haben, ist in Wirklichkeit eher ein
Versuch zur Verteidigung sowjetischer
Interessen als eine zuvorkommende
Geste gegenüber dem Westen. Und sie
sollte als das erkannt werden, was
sie ist.
Der schlagende Beweis wird nicht
die Veränderung in den kürzlich vernommenen öffentlichen Erklärungen der
Sowjets sein, sondern eine geänderte
Militärstruktur
und
Stationierung.
Offensichtliche Tatsache ist, daß bis
heute weder positive oder ermutigende
Veränderungen
in der sowjetischen
Truppenstärke und Disposition noch
bei der Lagerung von Munition oder
anderem Material nahe dem mittleren
Abschnitt stattgefunden haben.
Im
Gegenteil, selbst in den Jahren unter
Gorbatschows Führung herrscht in der
sowjetischen Militär- und Außenpolitik eine bemerkenswerte Kontinuität,
indem die Sowjetunion weiterhin militärisch aufrüstet und sich gleichzeitig zu ihren defensiven Absichten
"bekennt". Präsident Reagan hat erklärt, daß "wir auch in Zukunft die
Sowjets eher an ihren Taten als an
ihren Worten messen und unsere nationale Sicherheitsstrategie auf eine
realistische Sicht der sowjetischen
Ziele und Fähigkeiten gründen werden".
Ferner besteht seitens der Sowjetunion die Tendenz, ihre RUstungskontrollinitiativen zuerst in die Öffentlichkeit zu tragen und den Vereinigten Staaten oder anderen NATOPartnern Initiativen auf bilateraler
Ebene zu präsentieren, die zwischen
den beiden Bündnissen ausgehandelt
werden müssen. Der Westen muß ein
Gelingen dieser Taktik vereiteln.
Die Vereinigten Staaten haben es in
den vergangenen Monaten abgelehnt,
eine ganze Reihe sowjetischer Angebote zur konventionellen Rüsutungskon-

- 4 -

�trolle auf bilateraler Ebene zu erörtern und zwar genau deshalb, weil es
sich hierbei um multilaterale Bündnisprobleme handelt, die besser im
Rahmen der Genfer Gespräche behandelt
werden, wo derzeit die Diskussionen
zwischen Ost und West über ein Mandat
für neue konventionelle Gespräche
stattfinden. Während die Erarbeitung
eines Konsenses zwischen den unterschiedlichen Standpunkten innerhalb
der NATO einige Zeit erfordern mag,
gibt es letztlich keine Alternative
zu einer sorgfältig abgestimmten Position der NATO bei Verhandlungen,
die alle Bündnispartner direkt betreffen.
Im Hinblick auf konventionelle
Rüstungskontrolle bietet sich den Sowjets auch ein nicht zu leugnender
wirtschaftlicher Anreiz, konstruktive
Verhandlungen mit dem Westen aufzunehmen. Solange es den Sowjets nicht
gelingt, die Truppenstärken der NATO
durch Abrüstungsgespräche zu reduzieren - insbesondere im Bereich neuer
Technologien - haben sie das Gefühl,
sie müßten Schritte zum Ausgleich
dieser
Truppenstärken
unternehmen.
Während die gängigen sowjetischen
konventionellen Streitkräfte wie Panzer, Artillerie und Menschenpotential
entschieden billiger sind als vergleichbare
NATO-Streitkräfte,
sind
Hochtechnologiewaffen, bei denen die
Sowjets nur schwer mit dem Niveau der
westlichen Entwicklungen Schritt halten können, sehr viel teurer. Daher
haben sie ein beachtliches Interesse
daran, die Verhandlungen zur Begrenzung neuer Entwicklungen im Bereich
der Hochtechnologie zu benutzen und
Zeit zum Aufholen zu schinden. Aus
sowjetischer Sicht ist die Alternative zu konventioneller Rüstungskontrolle wahrscheinlich ein massiver
Einsatz von Ressourcen bei dem weiteren Versuch, die technologische Kluft
zu verringern, die für sie immer unüberbrückbarer wird.
Für die sowjetische Führung wäre
dies eine zu schwierige Entscheidung
in einer Situation, in der sie versucht, sich zunehmend im zivilen Be-

reich zu engagieren und dem Militär
immer weniger an Ressourcen zuzugestehen. Daher ist zentraler Bestandteil der neuen sowjetischen Politik,
ein vernünftigeres und zuvorkommenderes Bild der Sowjetunion zu liefern.
Ein weiteres Element ist die Verringerung der
"westlichen Bedrohung"
durch politische Mittel wie Rüstungskontrollverhandlungen, die dann die
militärischen Bedürfnisse des Ostens
reduzieren, oder zumindest die Kosten
der militärischen Aufrüstung zu vermeiden. Es ist kein Zufall, daß das
Thema des neuen sowjetischen Entgegenkommens bei der Rüstungskontrolle
einen zentralen Stellenwert in der
Öffentlichkeitsarbeit
der
Sowjets
einnimmt.
Wir geben uns nicht der Illusion
hin, die Zukunft der konventionellen
Rüstungskontrolle sei leicht.
Sie
befaßt sich nicht mit einer einzigen
Kategorie von Waffen wie die INF-Verhandlungen. Konventionelle Rüstungskontrolle konzentriert sich auf ein
breites Spektrum von Bestandteilen
wie Streitkräftestruktur, Organisation, Gerät und Doktrin. Die diesen
Bestandteilen innewohnende Komplexität muß ferner noch mit der Zahl der
an
den
bevorstehenden
Gesprächen
teilnehmenden
Länder
multipliziert
werden, da es sich hierbei nicht um
bilaterale
amerikanisch-sowjetische
Verhandlungen, sondern um Gespräche
zwischen den 23 Nationen der beiden
Bündnisse handelt.
Auf westlicher
Seite müssen wir uns effektiv mit den
Belangen der 16 souveränen, unabhänigen Staaten auseinandersetzen.
Die
Probleme werden sehr vielschichtig
sein und die Art von Standhaftigkeit
und Geschick erfordern, die das Bündnis erfolgreich durch die INF-Probleme geleitet haben. Wir alle dürfen
nicht vergessen, daß kollektive Verteidigung
kollektive
Verantwortung
bedeutet.
Die INF-Erfahrung sollte
uns jedoch lehren, daß die NATO-Bündnispartner in gemeinsamer Arbeit Rüstungskontrollabkommen
erarbeiten
können, mit denen die Sicherheit der
NATO wirklich verbessert werden kann.

- 5 -

�Zweifelsohne muß der Westen die
potentiellen Möglichkeiten der sich
angeblich in der Sowjetunion abzeichnenden neuen Einstellung ebenso in
Erwägung ziehen wie die scheinbare
Bereitschaft, die traditionellen OstWest-Probleme in einem neuen Licht zu
betrachten - was immer die Motive des
Ostblocks dafür sein mögen. Im Hinblick auf konventionelle Waffen und
die Angst des Westens vor konventioneller
Überlegenheit
hat
Michail
Gorbatschow erklärt, "Laßt uns dies
alles in einem neuen Licht betrachten. Bei den Waffenkategorien, bei
denen der Westen eine größere Anzahl
besitzt, soll er die entsprechenden
Reduzierungen vornehmen, und bei den
Kategorien, von denen wir mehr besitzen werden wir ohne zu Zögern diesen
'Überschuß' abbauen.
Mit anderen
Worten, wir streben ein Gleichgewicht
auf einem niedrigeren Niveau an."
Wir dürfen uns von solchen Bekenntnissen der sowjetischen Bereitschaft zur Verringerung der Streitkräfte nicht einlullen lassen und
glauben, diese Gefühle signalisierten, der Osten mache sich unsere
Sicht der Natur des Problems der konventionellen Sicherheit in Europa zu
eigen.
Wir müssen jedoch bereit
sein, jede Gelegenheit für wirkliche,
auf
dem
Verhandlungsweg
erzielte
Fortschritte bei der konventionellen
Rüstungskontrolle zu nutzen in unserem andauernden Bestreben zur Behebung des konventionellen Ungleichgewichts in Europa, das die größte Bedrohung eines anhaltenden Friedens
darstellt.
Ich danke Ihnen.

* * * * *

- 6

�AMERIKA DIENST
'VON

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Wissenschaft und Technik

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7. September 1988

NEUER WEG ZUR AIDS-BEKÄMPFUNG
Medikament soll Zellen vor Virus-Infektion schützen

WASHINGTON - (AD) - Im Nationalen Krebsforschungsinstitut (U.S. National
Cancer Institute - NCI) der Vereinigten Staaten in Bethesda (Maryland) wird an
50 Patienten mit AIDS-Erkrankung im fortgeschrittenen Stadium seit kurzem ein
neues Medikament erprobt, das NIV-Viren "abfangen" soll, bevor sie in die Immunzellen des menschlichen Körpers eindringen und das Abwehrsystem des Organismus lahmlegen.

Es handelt sich um synthetisches
CD4, ein gentechnisch hergestelltes
Präparat.
Dieses imitiert gewissermaßen das natürliche CD4-Protein, das
sich an der Oberfläche der Immunzellen befindet. Im Gefolge einer HIVInfektion heftet sich ein spezielles
Protein der Hülle des AIDS-Virus an
das natürliche CD4-Protein, was das
Einschleusen des Virus in die Zelle
ermöglicht.
Dort vermehrt es sich
und
löst eine katastrophale Reaktionskette aus.
Die Forscher hoffen, daß das gentechnische Produkt AIDS-Viren vom natürlichen CD4-Protein abzulenken und
zu binden vermag, bevor sie gesunde
Zellen infizieren.
Viele AIDS-Spezialisten halten es für den bislang
aussichtsreichsten Wirkstoff in der

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Embassy of the United States of America

Entwicklung
von Medikamenten
gegen
die tödliche Immunschwächekrankheit.
Es ist das erste Präparat, bei dem
von Erkenntnissen
Gebrauch
gemacht
wird, die man beim Studium der Struktur des AIDS-Virus gewinnen konnte.
Die am 10. August 1988 am NCI begonnenen Versuche werden
in Kürze
durch weitere Erprobungsaktionen an
Kliniken in San Francisco und Boston
ergänzt. Vorläufig dienen sie in erster Linie dazu, festzustellen, ob
der Wirkstoff auch beim Menschen sicher ist und ob er die Vermehrung von
AIDS-Viren
verhindern
kann.
Bei
Tierversuchen
konnten
mit
dieser
"chemischen Falle" die Viren völlig
absorbiert werden, ehe sie in der Lage waren, Zellen zu infizieren. "Alle ersten Tests brachten gute Ergeb-

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�nisse",
berichtete
Dr.
Stephen
Sherwin, Direktor für klinische Forschung bei der Firma Genentech in Kalifornien, eine der Biotechnik-Firmen, die das synthetische CD4-Protein
herstellen.
Dr. Samuel Broder (NCI) sieht in
der Verwendung des Wirkstoffs einen
der wichtigsten Schritte, die bisher
im Kampf gegen die Immunschwächekrankheits AIDS überhaupt unternommen
werden konnten.
Es sei anzunehmen,
daß eine in dieser Richtung ständig
weiter verfeinerte Technik dazu beiträgt,
AIDS-Viren
zu
blockieren.
Dennoch sei es noch viel zu früh, um
etwas darüber sagen zu können, wie
gut und wie wirksam das Präparat tatsächlich sei.
Das einzige Medikament, das von
der zuständigen amerikanischen Behörde bisher zugelassen wurde und in
Apotheken
gegen
Rezept
erhältlich
ist, ist AZT.
In bestimmten Fällen
kann es das Leben von AIDS-Patienten
verlängern. Seine Nebenwirkungen erfordern allerdings ständige Beobachtung und regelmäßige Blutkontrollen.
Inzwischen
räumt die Bundesbehörde
für
Nahrungs- und
Arzneimittelüberwachung (Food and Drug Administration
- FDA) AIDS-Patienten auch die Möglichkeit ein, sich aus dem Ausland
kleine Mengen von Medikamenten zu beschaffen, die
in
den
Vereinigten
Staaten noch nicht zugelassen sind
und dort nicht für den Markt produziert werden. Die importierten AIDSMedikamente dürfen nur für den persönlichen Gebrauch bestimmt sein und
ausschließlich den Bedarf von drei
Monaten decken.
Die FDA hat bisher 178 Anträge
amerikanischer Stellen genehmigt, Medikamente gegen AIDS-Erkrankungen zu
testen. In den meisten Fällen dürfte
jedoch ein weiter Weg zurückzulegen
sein, bis - wenn überhaupt - das getestete Präparat zur Behandlung eingesetzt werden
kann.
Angaben des
amerikanischen
Zentrums
für Krankhoitsüberwachung
(Atlanta, Georgia)
zufolge wurde in den letzten sieben

Jahren AIDS bei 66 464 Amerikanern
diagnostiziert; 37 535 Personen sind
inzwischen
daran gestorben, allein
etwa 13 000 im vergangenen Jahr.
Auch im Zusammenhang mit der Erprobung von synthetischem CD4 am Menschen sind noch viele Fragen offen:
So darf beispielsweise der Wirkstoff
nicht die normalen Funktionen des natürlichen
CD4-Proteins
stören, die
man noch nicht völlig versteht. Manche Forscher nehmen an, daß das natürliche CD4-Protein mit anderen Proteinen
zusammenwirkt, die
an
der
"Kommunikation" zwischen Zellen des
Immunsystems und damit einem wichtigen Teil der normalen Immunreaktionen
des Körpers beteiligt sind.

* * * * * *

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Gedenken an die Opfer von Ramstein&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Ansprache von Botschafter Burt bei Trauerfeier&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Sowjetisch-amerikanische Beziehungen fördern wirksame Rüstungskontrolle&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von ACDA-Direktor Burns in Den Haag&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wissenschaft und Technik&lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;Neuer Weg zur AIDS-Bekämpfung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Medikament soll Zellen vor Virus-Infektion schützen&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>;e° s&gt;,

AMERIKA DIENST

3 1 . August 1988

31

I N H A L

T

HINTERGRUMPflATERIftL
Da» sowjetische Militär:

Offene Worte aber keine Taten

Von Frank C. Carlucci -

Ein« Aufgabe der neuen Administration:

Anpassung der NATO

an neue Realitäten
- Von Sen. William V. Roth 3r. , Bill Richarcison und Ooug Bereutet

WIRTSCHAFT
Oll nichtprotaktionistlache amerikanische Handelsgesetz
- Von Judith Hippler Bello, Ständige Beraterin des amerikanischen
Hände 1sbeauftragten -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Erfolgreiche Brenntests mit DISCOVERY-Antriebsmotoren
- Veränderte Haupttriebwerke und Zusatzraketen erprobt

* * * * * H

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�AMERIKA DIENST
VON

Hintergrundmaterial

^

31

31. August 1988

DAS SOWJETISCHE MILITäR:

OFFENE WORTE ABER KEINE TATEN

- Von Frank C. Carlucci -

WASHINGTON - (AD) - Frank C. Carlucci ist amerikanischer Verteidigungaminister.
Der folgende Artikel, wurde erstmals im Wall Street Journal vom 30,
August 1988 veröffentlicht.

Anfang dieses Monats konnte ich
vier Tage lang eine Seite des sowjetischen Militärs beobachten, die bis
dahin dem größten Teil der Welt hermetisch
verschlossen
war
ein
schließlich Millionen Bürgern in der
Sowjetunion.
Die Begegnung war die
dritte in einer Reihe von Treffen mit
dein
sowjetischen
Verteidigungsminister Dimitri Jasow,

Besuch gekennzeichnet war, zu beweisen, daß Glasnost auch ins sowjetische Militär Einzug hält. Der Zu
gang und die Freimütigkeit waren in
der Tat bemerkenswert gemessen an dem
bisher von den Sowjets zugrunde gelegten Standard.
Ich konnte jedoch
nicht: umhin, die sowjetische Art der
Offenheit mit dem Standard der westlichen Seite zu vergleichen.

Der Besuch war faszinierend, der
Gedankenaustausch
freimütig,
offen
und engagiert.
Die sich jetzt stel
Lende Frage lautet:
Wo stehen wir
heute, und was wird als nächstes geschehen?

Lassen sie mich ein Beispiel aus
dem Bereich der nationalen Sicherheit
nennen. Eis ist allseits bekannt, daß
der sowjetische Verteidigungshaushalt
in realen Zahlen abgenommen hat und
wir als Folge dessen den Umfang unserer Streitkräfte im Verlauf der kommenden zwei Jahre um eine Anzahl von
Schiffen, drei Fluggeschwader, einige
Einheiten des Heeres- und Marinekorps

Zweifelsohne versuchten die Sowjets, mit der Offenheit und dem ungehinderten Zugang, von denen mein

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�und nahezu
worden.

45 0 0 0 Soldaten

reduzieren

Über die militärischen F ä h i g k e i ten der Sowjets ist entschieden weniger bekannt.
Unseren Schätzungen z u folge sind die gegenwärtigen Militärausgaben
der
Sowjets
mindestens
sechsmal höher als die im Haushalt
angegebene Zahl.
Im Verlauf meiner
Gespräche habe ich den Vorschlag unterbreitet, daß die Sowjets ihr M i l i tärbudget
offen legen und
erklären,
welche Veränderungen vorgenommen w e r den könnten und welche Auswirkungen
dies auf die sowjetische Streitkräftestruktur haben würde.
Es wurde mir erklärt, die sowjetische Regierung sei aus technischen
Gründen nicht in der Lage, solche I n formationen zu liefern.
Dies hinge
mit; d e r Verteilung des sowjetischen
Militärhaushalts
über mehrere Mini
sterien zusammen, was eine d e r u n s r i gen vergleichbare Haushalt saufschlüsselung erschwere.
Die
sowjetischen
Regierungsvertreter vers icherten mir,
daß sie sich mit diesem Problem b e fassen werden, und ich bin bereit,
die Möglichkeit in Betracht zu z i e hen, daß die Veröffentlichung
eines
detai 11 ierten Mi 1 itärhaushaIts
ihnen
be s o nd e r e
S c hw i e r i g k e i t e n
b e re i t e n
mag.
Trotzdem sind wir noch weit d a von entfernt, das sowjetische Mil i
tärwesen als offen bezeichnen zu k ö n ne n, be v o r d :i e s e g ru nd 1 eg e nd e n I n f o rmalionen nicht d e r Öffentlichkeit z u gänglich gemacht werden.
Ich habe meine sowjetischen Gesprächspartner ferner gedrängt, z u sätzliche Einzelheiten über ihre neue
"Verteidigungsdoktrin" und das P r i n zip des "vernünftigen und ausreichen
den Niveaus" zur Verfügung zu s t e l len, die angeblich heute die Grundla
go
der
sowjetischen
Strategie
und
Streitkräftestruktur
bilden.
Ich
sprach dieses Thema an, da wir im
Westen noch kein Wach lassen im kontinuierlichen Wachstum der sowjetischen
Militärmacht feststellen konnten.
20 Jahre nach dem Prager

Frühling

unterhält die Rote Armee m e h r D i v i sionen in der Tschechoslowakei
als
die Vereinigten Staaten in ganz Europa, und mehr Divisionen in d e r DDR
als die Vereinigten Staaten in ihrem
gesamten aktiven Hoar haben.
Auf d e r
Halbinsel
Kola,
drei
norwegischen
Grenzbatail.Ionen mit leichter I n f a n terie gegenüber, haben die
Sowjets
drei Divisionen, eine Flotte und eine
Marineinfanteriebrigade
stationiert.
Vor der Küste Japans unterhalten sie
umfangreiche
Landstreitkräfte,
die
von
zahlreichen
Flugzeugen
unterstützt der Verteidigung gegen
eine
angebliche Invasionsbedrohung seitens
d e r japanischen
Selbstverteidigungsstreitkräfte dienen sollen.
Trotz d e r Tatsache, daß die S o wjetunion eine wesentlich größere M i litärmacht besitzt, als sie zu ihrer
Verteidigung benötigt, g a b V e r t e i d i gungsminister Jasow keinen Anlaß zu
d e r Annahme, daß - außer bei mit dem
We s ten au sgehande1ten be iderse i t igen
Reduzierungen - ein Abbau der sowjetischen
Streitkräfte
stattfinden
könnte.
Wie dies
mit den
sowjetischen Äußerungen über ein "vernünftiges und ausreichendes Miveau" der
militärischen Fähigkeiten in Einklang
zu bringen ist, bleibt abzuwarten.
Ich habe meinen sowjetischen G e sprächspartnern
gegenüber
verdeutlicht, daß die Vereinigten
Staaten
nichts lieber sähen als die Abkehr
d e r Sowjets von einer offensiv o r i e n tierten
militärischen
Haltung.
Gleichzeitig habe ich festgestellt,
daß gewisse Elemente in d e r sowjetischen
Streitkräftestruktur
die
starke Betonung von Panzern, motorisierter Artillerie, vorne stationiertem Brückenlegegerät, hochbeweglicher
operativer Manövergruppen und s c h w e rer Atomraketen vorn T y p SS 18 mit ihrem Erstschlagpotential - in scharfem
Gegensatz zu sowjetischen Erklärungen
über die Verteidigungsdoktrin
stünden. Meine G a s t g e b e r erwiderten, ihre Streitkräfte könnten auch defensiv
eingeschätzt werden und wir sollten
die sowjetischen Versicherungen
akzeptieren, daß sie keine
Bedrohung

... 2 -

�für uns oder unsere Verbündeten darstellten.
Selbstverständlich
- und
dies erklärte ich den sowjetischen
Offizieren, mit denen ich sprach ••wäre kein kluger Soldat bereit, dies
zu tun.
Die Sowjetunion mag im Hinblick
auf Reformen zögernde Schritte unternehmen, aber im Umfang oder beim Einsatzkonzept ihres Militärs ist immer
noch keine nennenswerte Veränderung
zu verzeichnen.
Die "neue Doktrin"
hat weder zur Zerstörung oder Ausmusterung
eines
einzigen
Schiffes,
Flugzeuges oder Panzers geführt noch
zu einem Abzug von Truppen aus Europa
oder
Ostasien.
Die
sowjetischen
Streitkräfte sind ihrem Aufbau und
ihrer Ausrüstung nach immer noch in
der Lage, mächtige
Offensivschläge
auszuführen, um Territorium zu erobern und zu halten.

Erhaltung eines starken Amerika. Die
Reagan Administration verfolgt im Bereich der Verteidigung ein Modern!
sierungsprogramm, mit dem gewährleistet werden soll, daß wir die Fähigkeit und auch die Bereitschaft zur
Verteidigung unserer Interessen besitzen.
Genau
diese
Politik
der
Stärke hat den Weg für bessere Beziehungen zur Sowjetunion geebnet.
Das ist die Realität, die mit der
Hoffnung einhergehen muß, daß die Zukunft eine weniger bedrohliche Sowjetunion bringen wird.
Inzwischen
werden wir auf Veränderungen warten,
danach Ausschau halten - und den von
uns aufgenommenen Dialog vorantreiben.

x K x x x x
Bis jetzt; liegen also keine Hinweise dafür vor, daß die in der Sowjetunion geführte Debatte über militärische Strategie über das Stadium
von Diskussionen hinaus gediehen ist.
Dennoch besteht eine bemerkenswerte
ßere i 19 cha f t, Me i nungs versc hiedenhe iten zwischen den Vereinigten Staaten
und der Sowjetunion offen anzusprechen.
Das genügt, um mich davon zu
überzeugen, daß unsere Zusammenkünfte
fortgeführt werden können und sollen.
Gleichzeitig
ist es notwendig,
eine
realistische
Betrachtungsweise
darüber
beizubehalten,
was
dieser
Dialog
zu
leisten
vermag.
Meine
Treffen mit Herrn Jasow sind beispielsweise kein Ersatz für Verhandlungen zum Abbau strategischer oder
konventioneller
Streitkräfte.
Sie
sind vielmehr eine Möglichkeit, uns
gegenseitig persönlich unsere Ansich
ten zur Sicherheit darzulegen.
Wir müssen uns vergegenwärtigen,
daß der Fortschritt, den wir im Hinblick
auf
die
Behandlung
unserer
größten
potentiellen
Bedrohung ei—
zielt haben, auf mehr basiert als nur
auf Gesprächsbereitschaft
- er basiert auch auf unserem Entschluß zur

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;0 S&gt;.

'%r,oN

4

Hintergrundmaterial

31

31, August 198 8

EINE AUFGABE DER NEUEN ADMINISTRATION:
AN NEUE REALITSTEN

ANPASSUNG DER NATO

Von Senator William V. Roth Jr., Bill Richardson und Doug Bereuter

(AD)
(Senator William V. Roth Jr., ein Republikaner aus dem Staat
Delaware, der Abgeordnete im Repräsentantenhaus Bill Richardson, ein Demokrat
aus New Mexico und der Abgeordnete im Repräsentantenhaus Doug Bereuter, ein
Republikaner aus Nebraska, sind Mitglieder im Ausschuß zur NATO in den neunziger Jahren.
Der folgende Artikel ist ein Nachdruck einer zuerst im Christian Science
Monitor erschienenen Veröffentlichung des Philadelphia Inquirer vom 2.9. August
1988. )

Der Amisantritt der nächsten amerikanischen Administration findet zu
einer Zeit außergewöhnlicher Chancen
statt.
Begünstigt durch zahlreiche
positive Tendenzen in den Ost-WestBeziehungen und unter dem Zwang zur
Sanierung des amerikanischen Bundes
haushalts sollte sich die Administration mit ihren Verbündelen in der
NA 10 zusammensetzen, um neue transat I ant :i. sehe Vere inbarungen auszuhandeln, die beiden Entwicklungen Rechnung tragen.
Ein neues Mandat für das Bündnis
sollte den anhaltenden Bedarf &lt;m Maßnahmen zur Sicherung der Abschreckung
widerspiegeln
und
gleichzeitig die
Ausweitung
von
Zusammenarbeit
und
Dialog mit den Staaten des Warschauer
Pakts anstreben; diese beiden Prin-

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zipien sind
im Marmel-Bericht von
196/ festgeschrieben.
Das neue Mandat muß jedoch zusätzlich die Eni
sehlossenheit
widerspiegeln,
eine
wirklich europäische Säule innerhalb
des Atlantischen Bündnisses zu errichten, mit dar die Grundlage für
die schrittweise Übernahme weiterer
Verteid igungs und Führungsverantwor
tung durch die europäischen Bündnispartner geschaffen wird.
Der Plan für eine solche Verein
barung wird in einem kürzlich von
e iner transatlant i sehen
Parlamenta
riergruppe aus Demokraten und Republikanern, Nordamerikanern und Europäern, Christdemokraten und Sozialdemokraten
verabschiedeten
Sonderbe
rieht der Nordatlantischen Versammlung mit dem Titel "Die NATO in den

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�gen, und wir sollten keine grundsätzlichen Änderungen vornehmen.

neunziger Jahren" dargelegt.
Dieser
Ausschuß
hat
Präsident
Reagan seinen Bericht vorgelegt, jedoch wird die Aufgabe, dessen Empfehlungen
umzusetzen,
weitgehend
der
nächsten Administration zufallen. In
den vergangenen Monaten hat Präsident
Reagan mit seiner ausdrücklichen Unterstützung
der europäischen
Säule
innerhalb der NATO und mit den jüngsten Verbesserungen in den Ost-West
Beziehungen bereits das Fundament für
solche Bemühungen gelegt.
Die NATO stellt auch weiterhin
für die Vereinigton Staaten, Kanada
und die westeuropäischen Bündnispartner das beste Mittel dar, um die nationale Sicherheit zu garantieren und
ein stabileres Sicherheitsgefüge ohne
Bedrohung in Europa anzustreben.
Es
hat sich jedoch im amerikanisch-europäischen Verhältnis ein grundlegender
Wandel vollzogen, der sich im Anstieg
der wirtschaftlicher Stärke und dos
politischen Potentials der westeuropäischen Verbündeton niederschlägt.
Einige
amerikanische
Beobachter
haben auf diesen Wandel dergestalt
reagiert, daß
sie die Vereinigten
Staaten zu einschneidenden Kürzungen
ihrer Beiträge zur IMATO auffordern,
wobei einige von ihnen hoffen, die
Europäer so zu zwingen, diesen Ausfall
wettzumachen.
Diese
Haltung
könnte jedoch leicht den gegenteiligen
Effekt
haben.
Generalsekretär
Gorbatschows Öffentlichkeitsarbeit in
Westeuropa ist nicht ohne Wirkung ge
blieben.
Deshalb würde ein Abzug
amerikanischer Truppen - ob angedroht
oder de facto - nicht notwendigerweise zu verstärkten europäischen Vei—
teidigungsanstrengungen führen.
Andere Beobachter wiederum argumentieren nach dem bekannten Motto
"Wenn etwas nicht kaputt ist, sollte
man nicht daran herumreparieren."
Mit anderen Worten:
Die IMATO hat
über 40 Jahre lang unseren Interessen
gut gedient, zur
Aufrechterhaltung
des Friedens und Sicherung der politischen Einheit des Westens beigetra
- 2

Der Bericht über "Die IMATO in den
neunziger Jahren" fordert, die meisten Teilbereiche der gegenwärtigen
Struktur und Politik der IMATO auf
Dauer beizubehalten. Die Vereinigten
Staaten sollten eine umfangreiche militärische Präsenz
in Europa aufrechterhalten und gleichzeitig ihre
IMuklearstreitkräfte so aufbauen, daß
damit die Abschreckung
einer jeglichen Bedrohung für die Sicherheit
des Westens gewährleistet wird. Alle
Mitglieder sollten ihre Beteiligung
am Bündnis bekräftigen.
Die gegenwärtige IMATO-Strategie
und - noch
mehr - ihre Doktrin der flexiblen Reaktion, mit der Optionen zur Vertei
digung offenstehen, sollten beibehalten werden.
Aber das Bündnis muß sich auch
verändern.
Das Wetz seines Zusammenhalts wird allmählich von Unmut zerfressen:
dem amerikanischen
Unmut
darüber, daß die Vereinigten Staaten
den Löwenanteil zur Verteidigung der
IMATO zahlen und dem europäischen Unmut, daß die Vereinigten Staaten immer den Ton angeben.
Kurzfristig
wäre es einfacher,
nichts zu tun. Die Bürokratien aller
NATO-Staatan neigen ihrem Wesen nach
zu dem Ratschluß, alles seinen Gang
gehen zu lassen.
Manche der amerikanischen RegierungsVertreter fürchten, größerer Einfluß der Europäer
auf
Entscheidungen
des
Bündnisses
würde die Position der Vereinigten
Staaten innerhalb der NATO "unterminieren" .
Aber die Verfasser von "Die NATO
in den neunziger Jahren" sind davon
überzeugt, daß Veränderungen stattfinden müssen, wenn wir in Zukunft
ein starkes und tragfähiges Bündnis
zwischen Nordamerika und Westeuropa
aufrechterhalten
wollen.
Dieses
Bündnis trägt dazu bei, zwischen den
Weltmächten Frieden und Stabilität in
einem Umfang zu gewährleisten, der in
der Geschichte seinesgleichen sucht.

»

*

�reich führen.
Verbesserte Zusammen
arbeit zwischen Ost und West könnte
ebenfalls dazu
beitragen, daß die
Probleme der Dritten Welt nicht zum
Zankapfel
zwischen den
Vereinigten
Staaten und der Sowjetunion werden.
Aber ob diese Rüstungskontrollbestrebungen Erfolg zeitigen und zum Abbau
von Konflikten in der Dritten Welt
Bald nach der Amtseinführung dar
beitragen - die NATO-Verbündeten müsneuen
Administration
in Washington
soll ei n IM ATO--G i p f e 1 das E ng ag e m e n tsen sich zusammenschließen, um sicherzustellen, daß ihr Bündnis in den
für eine Politik bekräftigen, deren
neunziger Jahren denselben Erfolg hat
Leitlinie die Notwendigkeit für Vei—
wie in den ersten vier Jahrzehnton
teidigung, Dialog und Entwicklung eiseines Bestehens.
nes echten europäischen Pfeilers der
NATO bi1det. Mitg1ieder so111en sich
verpflichten, jede künftige Entscheidung der NATO im Hinblick auf dieses
Engatngent zu prüfen.
K tt K tt * K
Zur Absicherung dieser Dauerhaftigkeit müssen Veränderungen erfolgen.
Irn nächsten
Jahrzehnt sollten die
NATO-Verbündeten eine bewußte Umverteilung der Lasten und Pflichten voi—
nehmen, um für die NATO eine echte
Zwei-Säulen-Basis zu schaffen.

Wir sind ferner übereingekommen,
daß alle NATO-Länder ohne Entschädigung
die
von
den
amerikanischen
Stre i tkräf ten benötigten Stützpunkte
zur Verfügung stellen sollten und daß
nicht nur die Vereinigten Staaten,
sond e rn
alle
wohlhabe nd eren
NATOStaaten den
ärmeren Mitgliedern
Portugal, Griechenland, Türkei - Unterstützung leisten sollten.
Wir haben darüber hinaus die Einrichtung einer "Arbeitsgruppe westlicher Länder zu Fragen internationaler
Sicherheitspolitik"
empfohlen,
die einen Rahmen für Konsultationen
und die Planung für Eventualitäten
abstecken soll, um zusätzliche Ansätze zu entwickeln, wie den Herausforderungen aus bündnisfremden Gebieten
für die Sicherheit des Westens begegnet werden kann. Angesichts der formalen und politischen Beschränkungen
des Mandats der NATO sollte eine solche Gruppe von der NATO abgetrennt
sein und auch NATO-Verbündete, Japan
und
solche Demokratien
Westeuropas
Mitglieder werden können, die eine
Te i 1 nähme an st re be n.
Wenn wir Glück haben, wird die
Verbesserung der Ost-West-Beziehungen
zu weiteren soliden und verifizierbaren
RüstungskontrollVereinbarungen
für
Nuklearstreitkräfte,
chemische
Waffen und den konventionellen Be- 3

�AMERIKA DIENST
'VON

Wirtschaft

«*

31

31. August 1908

DAS WOfTPROTEKTICmSTISCHE flflERXKMtt8GHE MMDCUOCMTZ
Von Judith Hippler Bello, Ständige Beraterin des
amerikanischen Hande1sbeauftragten -

— (AD)
Im Jahr 1986 charakterisierte Präsident Reagan ein vom Reprä
sentantenhaus verabschiedetes Handelsgesetz als "Rambo, . . . Kamikaze"-Gesetzgebung.
Im August 1988 verlieh Präsident Reagan mit seiner Unterschrift dem
Allgemeinen Handels- und Wettbewerbsfähigkeitsgesetz von 1988 Gesetzeskraft.

Hatte sich der Präsident eines
anderen besonnen?
Gewiß nicht. Was
sich dramatisch vorändert hatte, war
das
Gesetz.
Die
führenden
Wirtschaftsberater des Präsidenten hätten
ihm dringend nahegelegt, gegen ein
Gesetz, wie es im Jahr 1987 von R e präsentantenhaus
oder
Senat
verabschiedet worden wäre, sein Veto einzulegen.
Mach den im Verlauf der
Mammuthandelskonferenz mit 199 Teilnehmern zu Beginn des Jahres 1988 e r folgten Veränderungen wird das Gesetz
jedoch unter dem Strich einen Beitrag
zur Öffnung ausländischer Märkte und
zur Liberalisierung des Handels leisten und darüber hinaus die multilateralen Handelsgespräche fördern. Es
ist kein protektionistisches
Gesetz
mehr, das eine "Festung Amerika" zur
Folge hat.

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Das Gesetz erneuert das Engagement
der Vereinigten Staaten für die
multilateralen Handelsgespräche
Was leisten die den Handel betreffenden Verfügungen des Gesetzes?
Ihr Herzstück bildet die Ermächtigung
des amerikanischen Kongresses zur beschleunigten Überprüfung der vom Präsidenten und seinen Mitarbeitern a u s g e ha nd e 11 e n
Ha nd e 1 s v e r e i n ba r u ng e n,
wobei weitere Abänderungen nicht zulässig sind.
Diese Ermächtigung zu
schnellem
Handeln
symbolisiert das
Engagement
dar
Vereinigten
Staaten
für die Liberalisierung des Handels
durch multilaterale Verhandlungen und
wird die zur Halbzeit der Verhandlungen der Uruguay Runde im Dezember in
Montreal fällige Überprüfung fördern.
Die wichtigsten den Handel betreffen

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�den Verfügungen des Gesetzes werden
demnach das G A U und das internationale Handelssystem stärken, anstatt
es zu untergraben.
In diesem Licht
betrachtet, erhält und erneuert das
Gesetz das amerikanische
Engagement
für die Liberalisierung des W e l t h a n dels und das Streben nach zügigen und
konstruktiven Lösungen von Handelsproblemen und dadurch hervorgerufenen
Spannungen.

Gegensatz
zu
zahlreichen
früheren
Versionen ist das G e s e t z d e s h a l b b e merkenswert, weil es keinerlei dem
G A L T zuwiderlaufende Zusätze zu den
Antidumping- und Ausgleichszollgesetzen enthält.
Zum Beispiel fehlen in
dem
Gesetz
frühere
vom
Reprä
sentantenhaus
verabschiedete
Verfügungen, die folgendes vorgesehen hätten:
- erhöhte Strafzahlungen für
derholungsfälle von Dumping,

Wie

Das G e s e t z verwirklicht andere V e r -

alnbftr.Mnatn xur Liberal i»iarunci da»

- ein Klagerecht für Privatpersonen
und -Institutionen
vor
amerikanischen Gerichten sowie a d m i n i strative Verfahren g e g e n das D u m ping sowie

Handais

Andere Verfügungen spiegeln das
amerikanische Engagement für das mult i 1 a t e ra 1. e H a nd a 1 s s y s t a m wider.
1. u m
Beispiel vorleiht das Gesetz d e r Exe
- die Einbeziehung des sog. "Down
kutive die Vollmacht, das N a i r o b i stream"-Dumping, so d a ß weitere
Protokoll d e r Konvention von Florenz
Fertigwaren nur d e s h a l b den A n t i umzusetzen, das Importen für die Bedumping-Zöllen
unterworfen
würreiche Bildung, Wissenschaft und Kulden,
weil sie zu Dumpingpreisen
tur Zollfreiheit gewährt.
Es vei—
verkaufte Komponenten enthalten.
wirklicht
das
harmonisierte
Tarifschema, mit dem der Handel dadurch
Auf
Drängen
der
Administration
erleichtert wird, d a ß es Im- und Exlehnte die Handelskonferenz auch eine
porteuren
aller
beteiligten
Länder
vom Senat verabschiedete
Vorschrift
die Benutzung d e r gleichen "Sprache"
ab,
mit d e r d i e W a h r s c h e i n l i c h k e i t
für
Zo 1 lange legenhe i tan
gestattet.
von Antidumpingzöllen in den Fällen
Es gewährt die Vollmacht für das Inerheblich erhöht worden w ä r e , in de
ternationale Kaffeeabkommen und r e d u nen ein ausländisches Unternehmen in
ziert bestimmte amerikanische Zölle,
den Vereinigten Staaten durch eine
um ein mit der Europäischen G e m e i n Filiale oder eine anderweitig mit ihm
schaft
geschlossenes
Abkommen
zur
verbundene Firma Handel treibt.
TatBeilegung
langwieriger
Auseinandersächlich
sind
d:i.e Anti.dumping - und
setzungen über diskriminierende
EGAusgleichszölle betreffenden
Zusätze
Zölle auf Zitrusfrüchte d u r c h z u f ü h von
allen
Experten
allgemein
als
ren.
(Ein GATT-Ausschuß hatte e n t "sauberstes" Paket solcher Zusätze in
schieden, daß die Praktiken der EG
Jahrzehnten bezeichnet worden.
nicht mit dem GATT in Einklang stünden, aber die EG blockierte die V e r Desgleichen wurde eine Vielzahl
abschiedung des Berichts durch den
von
Repräsentantenhaus
oder
Senat
(oder
von beiden z u s a m m e n )
verabGAIT Rat.)
schiedeter störender Verfügungen e i n fach fallengelassen.
Aus dem Gesetz
gestrichen
wurden:
Dar Kongreß verwarf eine Vielzahl zu
beanstandender Verfügungen
- Quoten
für
Importe
von
Lammfleisch und Drahtzaunelementen,
Ebenso wie durch seinen Inhalt
spiegelt
das Gesetz
amerikanisches
Engagement
für
das
internationale
- eine umfassende Erweiterung
der
Handelssystem auch durch das w i d e r ,
Zollrückvergütungs Verfügungen
was nicht in ihm enthalten ist. Im
bei Zucker,
2 -

�- besondere
Handelsbeschränkungen
für Länder, die als Unterstützer
des
internationalen
Terrorismus
gekennzeichnet sind,
die Verfügung zur Abschaffung der
Meistbegünstigung
für
Produkte
aus Rumänien und Angola,
und so weiter.
Das Ausmaß, in dem
von
der
Administration
abgelehnte
Verfügungen
nicht nur beschnitten,
sondern
komplett
verworfen wurden,
war benie rk en swert.
Einige Skeptiker äußern sich jedoch immer noch besorgt über die im
Gesetz verbliebenen, den Handel betreffenden Verfügungen, gleichgültig,
wie viel schlechter es gewesen wäre,
wenn diese vielen Streichungen nicht
stattgefunden hätten.
Um auf dieses
verbleibende
Anliegen
einzugehen,
sollte man zunächst eine Überprüfung
der Errungenschaften dieses Gesetzes
abgesehen von der Wiederbelebung
der amerikanischen Beteiligung an und
des amerikanischen Engagements
für
die multilateralen Handelsgespräche ••vornehmen.

Die durch dieses Gesetz vorgenommenen Änderungen in Abschnitt 301
werden keine Handelskriege auslösen
Sicherlich wird durch das Gesetz
Abschnitt 301, das wichtigste Gegenmittel der Vereinigten Staaten gegen
unfaire ausländische Handelsschranken
für amerikanische Investitionen oder
Exporte von Waren und Dienstleistungen sowie gegen den unzureichenden
oder unwirksamen Schutz geistigen Eigentums, abgeändert.
Die meisten Änderungszusätze
werden die Art und
Weise, in der diese Gegenmittel bis
1985 angewendet wurden, jedoch nicht
grundlegend verändern.
Die
dem
Händelsbeauftragen
im
Rahmen des Gesetzes verliehenen Befugnissse 1. zu entscheiden, ob bestimmte Praktiken einer ausländischen
Regierung unfair sind und 2. Maßnahmen als Reaktion darauf zu ergreifen
- 3

(gegebenenfalls vorbehaltlich spezifischer Richtlinien des Präsidenten)
werden
höchstwahrscheinlich
in bestimmten Fällen kein anderes Ergebnis
zeitigen.
Die Hauptverantwortung bei
der Formulierung von Empfehlungen an
den Präsidenten oblag schon in der
Vergangenheit dem Handelsbeauftragten
und er hat dazu alle interessierten
Behörden
konsultiert.
Da er
vom
Wohlwollen des Präsidenten abhängt,
ist es höchst unwahrscheinlich, daß
er Maßnahmen verabschiedet, die dem
Präsidenten nicht genehm sind.
Ferner hat der Präsident eindeutig das
verfassungsmäßige Recht, allen Verwaltungsbeamten Weisungen zu erteilen.
Und da im Bereich des Handels
vielfältige Interessen zusammenlaufen
und
zahlreichen Behörden
beteiligt
sind,
wird
der
Handelsbeauftragte
weiterhin den
Rat dieser Behörden
einholen
und
berücksichtigen.
Aus
diesen Gründen ist es unwahrscheinlich, daß sich die Grundsatzentscheidungen ÜQr unter Abschnitt 301 genannten Fälle als Folge der neuen gesetzlichen Befugnisse des Handelsbeauftragten verändern werden.
In ÖQr geänderten Version von Ab
schnitt 301 ist der Handelsbeauftragte zum ersten Mal verpflichtet (gegebenenfalls vorbehaltlich spezifischer
Richtlinien des Präsidenten), als Reaktion auf Verletzungen von Handelsabkommen durch eine ausländische Regierung Maßnahmen zu ergreifen. Abschnitt 301 sieht jedoch zahlreiche
Ausnahmen dieses begrenzten Mandats
vor, so daß in folgenden Fällen keine
Maßnahmen in die Wege geleitet werden:
- Das allgemeine Zoll- und Handelsabkommen
GATT - (oder andere
entsprechende internationale Organisationen
im Rahmen
anderer
Handelsabkommen) beschließt, daß
die fragliche Handelspraxis der
ausländischen
Regierung
nicht
unfair ist;
- die ausländische Regierung verab
schiedet zufriedenstellende Maßnahmen, um den Vereinigten Staaten im Rahmen eines Händelsabkom

�mens die ihnen zustehenden Rechte
zu gewähren;
- die ausländische Regierung ei—
klärt sich zur Beendigung oder
schrittweisen
Einstellung
der
Handlungen bereit; die Anlaß zur
Beschwerde gegeben haben oder zu
einer
unverzüglichen
Aufhebung
der Belastung oder Beschränkung
des amerikanischen Handels;
- die ausländische Regierung bietet
den Vereinigten Staaten hinreichende Entschädigung an oder
- der Handel»beauftragte gelangt in
Ausnahmefällen zu der Schlußfolgerung, daß die Gegenmaßnahmen
nachteilige Auswirkungen auf die
amerikanische
Wirtschaft
haben
würden, die in keinem Verhältnis
zum Mutzen solcher Schritte stehen würden.
Dabei müssen auch
die
Auswirkungen
unterlassener
Maßnahmen auf die Glaubwürdigkeit
des in Abschnitt 301 beschriebenen Programms in Betracht gezogen
werden.
Zu diesem Mandat sind einige entscheidende Beobachtungen anzustellen.
Erstens findet es nur dann Anwendung,
wenn eine ausländische Regierung ein
Abkommen vorletzt hat und nicht,
wenn die Vereinigten Staaten ausländische Praktiken einseitig als unvernünftig oder diskriminierend erachten.
Zweitens sehen die genannten
Ausnahmen einen ausreichenden Ermessensspielraum \ior, um im Ergebnis eine Handelsliberalisierung zu gewährleistenen und unnötige Handelskriege
zu vermeiden. Drittens ist dar Handel sbeauftragte im Rahmen des Gesetzes befugt, sich bei jedem in Betracht kommenden Handelsabkommen auf
die formellen Bestimmungen zur Beilegung einer Kontroverse zu berufen.
Dieser Rückgriff auf internationales
Vorgehen bei der Beilegung von Kontroversen gewährleistet, daß die Vei—
einigten Staaten eher eine einheitliche Interpretation des Begriffs unfair anstreben als einseitig eine
solche Entscheidung zu treffen.

Zusammenfassend
ist das Gesetz
schlicht eine Erweiterung der bisher
unter Abschnitt 301 angewandten Praxis.
Handelspartner haben keinen
vernünftigen Grund zu der Annahme,
internationale Handelsabkommen ungestraft verletzen zu können.
Solch
unverantwortliches Verhalten, das dem
GATT und dem internationalen Handelssystem abträglich ist und den internationalen Bestrebungen zur Beilegung
von Kontroversen zuwiderläuft, untei—
ruiniert das GATE und seine Bestrebungen zur Liberalisierung des Handels
und kann somit nicht toleriert werden.
Eine weitere Neuerung
in Abschnitt
301
ist die
zusätzliche
Sprachregelung bezüglich der Verweigerung
international
anerkannter
Rechte der Arbeitnehmer, gezielter
Exportoffensiven sowie staatlich ge
duldeter
privater Aktivitäten zur
Wettbewerbsbeschränkung.
Abschnitt
301 war jedoch bereits umfassend genug ausgelegt, um unfaire Handelspraktiken einer Regierung abzudecken,
einschließlich
der
obengenannten,
wenn sie die in Abschnitt 301 festgelegten Kriterien erfüllten. In der
neuen Version macht Abschnitt 301
auch in keinem dieser Eälle Maßnahmen
zwingend erforderlich. Wie unter dem
vorherigen Gesetz ist der Handelsbeauftragte befugt, aber nicht verpflichtet, Maßnahmen als Reaktion auf
"unzumutbare" oder "diskriminierende"
ausländische Praktiken zu ergreifen
(aber selbst dann findet die Befugnis
nur dann Anwendung, wenn diese Praktiken eine Belastung oder Einschränkung des amerikanischen Handels darstellen) .
Dem sogenannten "Super 301-Zusatzartikel", der den Handelsbeauftragten
im Wesentlichen
nur vei—
pflichtet, in den Jahren 1989 und
1990 jeweils eine nicht näher definierte Anzahl von Überprüfungen von
Abschnitt 301 vorzunehmen, wurde unverhältnismäßig viel Aufmerksamkeit
gewidmet. Abschnitt 301 schreibt weder
zwingende
Vergeltungsmaßnahmen
oder verkürzte Fristen vor, noch werden öffentliche Beschuldigungen aus-

�gesprochen.
Der
Handelsbeauftragte
wird nur aufgefordert, in den Jahren
1989 und 1990 die an erster Stelle
für eine Liberalisierung des Handels
stehenden Praktiken und Länder zu be
nennen und diese Praktiken zu überprüfen.
Die im Zusammenhang mit Abschnitt
301 stehenden Zusatzartikel über eine
beschleunigte Überprüfung der geistiges Eigentum betreffenden Praktiken
sind etwas präziser formuliert.
Sie
fordern den Handelsbeauftragten auf,
die "an erster Stelle stehenden" Länder in Übersee zu benennen, die angemessenen Schutz oder Marktzugang für
das Recht an geistigem Eigentum \/ei—
wehren.
Ferner muß er diese Praktiken im Rahmen von Abschnitt 301 überprüfen,
jedoch
in einem
kürzeren
Zeitraum (nur sechs Monate).
Unter
bestimmten Umständen ist eine Verlängerung dieser Frist jedoch möglich,
und für solche Länder sind Ausnahmen
vorgesehen, die in gutem Glauben Verhandlungen
aufgenommen
haben
oder
Fortschritte bei Verhandlungen über
angemessenen und wirksamen Schutz der
Rechte an geistigem Eigentum erzielen.
Darüber hinaus kann der Handels beauftragte der Liste neue Länder
hinzufügen und aufgrund veränderter
Gegebenheiten vorher genannte Länder
streichen.
Folglich gewährt das Ge
setz ausreichende
Flexibilität, um
die
gesetzmäßige
Durchführung
dar
Verfügungen sicherzustellen.

Das Gesetz sieht Verhandlungen über
eine Liberalisierung des Handels mit
Produkten und Dienstleistungen im
Telekommunikationssektor vor

nicht,
ihn mit
protektionistisehen
Maßnahmen zu belegen. Mit ihm sollen
eher gegenwärtig geschlossene Märkte
geöffnet
als
bereits
zugängliche
Märkte geschlossen werden.
Wie bei
Abschnitt 301 besteht auch das Konzept des Titels über Telekommunika
tion darin, die Möglichkeiten und
Aussichten für erfolgreiche Verhandlungen zu erhöhen, mit denen der Handel verbessert und erleichtert werden
kann.
Im Grunde wird damit der Hände 1sbeauftragte
zunächst
aufgefordert, Länder nach ihrer Priorität zu
benennen - wobei er sich bei veränderten Umständen anders entscheiden
und Zusätze und Streichungen auf der
Liste dieser Länder vornehmen kann.
Zweitens muß er für jedes dieser Länder Zielsetzungen für Verhandlungen
zur Liberalisierung des Handels festlegen und dabei die im Gesetz vorgesehenen umfassenden Rahmen-Leit1i nien
sowie eine Auswahlliste detaillierterer
Zielsetzungen
berücksichtigen.
Im Falle schließlich, daß die Administration kein befriedigendes Abkommen
zur besseren Durchführung eines liberaleren Handels erzielen kann, muß
der Präsident "Maßnahmen ergreifen,
die ... angemessen sind und mit denen
dies e
a1lgemei nen Ve rhand1ungszie le
höchstwahrscheinlich
am besten erreicht werden können."
Wer könnte
berechtigte Beschwerden über eine gesetzliche Direktive vorbringen, mit
deren Hilfe der Präsident angemessene
Maßnahmen ergreifen kann, die höchstwahrscheinlich der Verwirklichung des
Ziels von Verhandlungen zur Liberalisierung des Handels dienen werden?

Insgesamt sind die Zusatzartikel
zu Abschnitt 301 und dem Kapitel Telekommunikation
des Gesetzes
weder
Die Verfügungen des Gesetzes zum
radikal noch drakonisch.
Sie wären
Tele kommuni k at i o ns be re i c h s i nd gele-richtig beschrieben, wenn man aus
gentlich als angeblich protektionist führte, daß sie nicht mehr tun, als
ische, bestimmten Interessen dienende
unter künftigen Administrationen eine
Gesetzgebung kritisiert worden. Dies
Politik fortzuführen, wie sie dem in
ist jedoch schlicht und einfach unAbschnitt 301 beschriebenen Programm
richtig.
Der Titel Telekommunikation
zufolge seit 1980 durchgeführt wurde.
des Gesetzes zielt darauf ab, den inEs wird vielfach behauptet, daß das
ternationalen
Handel
mit Produkten
in Abschnitt 301 beschriebene Pround Dienstleistungen im Telekommunigramm allzu oft die Zuflucht zu ein
kationssektor zu liberalisieren und
seitigen Maßnahmen bedeutet hat. Un-

�sere Antwort darauf lautet, daß es
(ITC) der Vereinigten Staaten befinLänder gibt, die ihre internationalen
det, daß höhere Importe eine wichtige
Verpflichtungen ignorieren, damit unUrsache ernstlicher Schädigung sind.
klugerweise unsere Bestrebungen zur
Und selbst wenn die ITC eine solche
Beilegung
\/on Streitigkeiten gemäß
Schädigung feststellt, muß der Präsiden
i n t e rnati o na1e n
Handeis ab k ommen dent keine Entlastung gewähren, wenn
blockieren und den Handel eher behiner der Ansicht ist, daß solche Maßdern als fördern. Natürlich ist die
nahmen nicht im Interesse der natioReagan-Administration nicht \/or dem
nalen Wirtschaft liegen. Damit bleiGebrauch
einseitiger Maßnahmen
zuben die grundlegenden Parameter dierückgeschreckt, wenn dies als Reakses Gegenmittels unverändert bestehen.
tion auf anhaltende, unfaire ausländische Handelspraktiken erforderlich
Der Gegenstand einiger Zusatzarwar.
Aber in den meisten Fällen hat
tikel zu Abschnitt 2.01 ist dennoch
die
Reagan Administration
bei Hanvon Bedeutung, weil hier hervorgehodelsabkommen
unterliegenden
Angeleben wird, daß die Verfügungen des Abgenheiten weiterhin dem GATT Verfahschnitts 2.01 darauf abzielen, ameriren für die Beilegung von Streitigkanische Hersteller gegenüber der Im
keiten den Vorzug gegeben, und bei
portkonkurrenz
anpassungsfähiger
zu
anderen
Angelegenhe iten
bilaterale,
machen.
Es ist nicht erforderlich,
für beide Seiten befriedigende Lösundaß die Antragsteller Pläne zur Angen vorgezogen. Einseitige Maßnahmen
passung vorlegen oder einzelne Unterder Vereinigten Staaten verdienen wenehmen
Verpflichtungen
für
Anpasgen ihres vergleichsweise seltenenen
sungspläne eingehen.
Und als wichVorkommens besondere Erwähnung.
tigster Punkt gilt, daß keine Regierungsbearnten den betroffenen
Industriezweigen
oder Unternehmen vorschreiben, wie sie sich an die ImDas Gasatz führt die Praxis in bezug
portkonkurrenz
anpassen sollen. Aber
auf Rücktrittsklauseln fort und
entsprechende
Pläne
können vorgelegt
verändert sie nicht wesentlich.
und Verpflichtungen eingegangen werden, und die ITC muß diese Informa
Abschnitt 201 ist das Hilfsmittel
im Handel, mit dessen Hilfe die Vertionen berücksichtigen, wenn sie Emeinigten Staaten ihre Rechte gemäß
pfehlungen über Entlastungsmaßnahrnen
Artikel XIX des GATT zur vorübergeformuliert (wenn sie entsprechenden
henden Einschränkung steigender ImSchaden für die amerikanische Induporte, die der amerikanischen Industrie feststellt).
Die ITC muß solstrie Schaden zufügen, ausüben.
Arche Maßnahmen empfehlen, die nicht
tikel XIX unterstreicht dieses Recht,
nur auf die Schädigung eingehen, sonlegt aber eine damit einhergehende
dern auch wirkungsvoll die positive
Verpflichtung fest: betroffene HanAnpassung der heimischen Industrie an
delspartner müssen für diesen vordie
Importkonkurrenz
fördern.
In
übergehenden "Rücktritt" von den norähnlicher Weise muß der Präsident die
M 1 e n V e r p f 1 i c h t u ng e n, wie s i e im
Bestrebungen der Industrie zur AnpasG AIT e i ng eg a ng e n wu rd e n, e nt s c häd i g tsung berücksichtigen
(einschließlich
werden.
der Anpassungspläne oder Verpflichtungen, die der ITC vorgelegt wurden).
Abschnitt 201 war - in der Vergangenheit - und ist - in Gegenwart
und Zukunft das Mittel zur Ausübung
Das Gesetz ist von ftntidumpinq- und
dieses Rechts und Verwirklichung dieAusglaichszöllan "gereinigt"
ser Verpflichtung.
Die Zusatzartikel
von 1988 bedeuten keine erhebliche
Es wurde bereits erwähnt, daß die
Veränderung:
eine Befreiung kann vom
Zusatzartikel
des Gesetzes zu den
grundsätzlichen Bestimmungen über AnPräsidenten nur gewährt werden, wenn
tidumping- und
Ausgleichszölle
werdie Internationale HändeIskommission

�gleichsweise gemäßigten Charakter haben.
Der vielleicht interessanteste
Zusatzartikel verbessert die Befugnis
des Handelsministeriums (nach Berück
sichtigung der Empfehlungen des ITC)
im Hinblick auf die Umgehung von Verfügungen über Antidumping- oder Aus
gleichszölle durch geringfügige Veränderungen der betroffenen Waren oder
durch deren Endmontage in den Vereinigten Staaten oder Drittländern.
Diese Verfügungsgewalt bei einer Umgehung bezieht sich jedoch nur auf
Produkte derselben Warenkategorie wie
das bereits den Gesetzen über Antidumpingoder Ausgleichszölle unter
liegende Produkt.
Diese Veränderung
ist im Vergleich zu den bei spielswei
se gerade verfügten und durchgefühi—
ten Antidumping-Praktiken der Euro
päisehen Gemeinschaft
ziemlich zurückhaltend .

des Handeln eher fördert als aus höhlt.
Aus diesen Gründen sollten
die über das Gesetz: besorgten Handelspartner mit ihrem Urteil bis zu
dessen endgültiger Anwendung warten,

* * * * *

Zusammenfassung
Die Bestimmungen des Allgemeinen
I lande 1 s - und We11bewerbs f äh igke itsge••setzes haben die Öffnung und Libera
lisierung des Handels zum Ziel, nicht
den Schutz amerikanischer Unternehmen
oder Arbeitnehmer oder die Schließung
des amerikanischen Marktes.
Durch
die Verfahrensweisen wird der Druck
auf den Präsidenten und insbesondere
auf den Handelsbeauftragten erhöht,
um die gewünschte und wünschenswerte
Liberalisierung im Handel zu erreichen.
Aber dadurch werden keinesfalls internationale Verpflichtungen
der Vereinigten Staaten verletzt oder
etwa die Administration zu einem protektionistischen Kurs gezwungen.
Es
liefert dar Exekutive Werkzeuge zur
Liberalisierung des Handels und befugt sie zur Entscheidung im Einzelfall.
Sicherlich
könnte
das
Gesetz
von einer künftigen Administration in
protektionistischem Sinne angewendet
werden.
Aber das trifft auch für
frühere Gesetze zu, und es gilt gleichermaßen, daß das Gesetz auf eine
Weise durchgeführt werden kann, die
eine
mu11 ilatera1e
Li be ra1i s i e ru ng
7 ....

K

�^osr&lt;

VON

AMERIKA DIENST
*

Wissenschaft und Technik

3i

31. August 1988

ERFOLGREICHE BREHMTESTS PUT DISOWERY-rfWTRlEßSmröfi'ElI*
Veränderte Haupttriebwerke und Zusatzraketen erprobt •

MASHINGTON - (AD) - Zwar ist die Auswertung des letzten Brenntests der
Feststoff-Zusatzraketen für den Raumtransporter DISCOVERY vom 18. August 1988
noch nicht beendet. Dennoch spricht alles dafür, daß der Versuch auf dem Gelände der Herstellerfirma Morton T'hiokol (Utah) ebenso erfolgreich verlief wie
der 22 Sekunden lange Brenntest dar drei Orbiter -Haupttriebwerke vom 10. August im Kennedy- Raumfahrtzentrum (Kap Canaveral). Die größten Hürden für den
Start der Raumfähre, der nunmehr für Ende September oder Anfang Oktober vorgesehen ist, wären damit überwunden.

Von technischen Veränderungen an
den Antriebseinheiten gegenüber den
Versionen, die bis zum CHAL IE IMGER Unglück am 28. Januar 1986 benutzt wurden, erwartet man mehr Sicherheit für
die
Astronauten.
So besitzen die
beiden Feststoffraketen, die zusammen
mit den drei mit Flüssigtreibstoff
arbeitenden Hauptmotoren den Transport in die Erdumlaufbahn ermöglichen, jetzt u.a. jeweils drei statt
zwei Dichtungsringe, eine verstärkte
Isolierung und einen zusätzlichen Metallring als Schutzvorrichtung zwischen ihren Segmenten.
Die Zerstörung einer Dichtung an einem der unteren Segmente war die Ursache dafür,
daß heiße Gase austreten und die Wandung
des großen
Flüssigtreibstofftanks durchschmelzen konnten, was zur
Explosion und zum Absturz des Orbiter

United States Information Service
Embassy of the United States of America

CHAlLENGER mit sieben Astronauten an
Bord führte. In den zweieinhalb Jahren wurden so viele Veränderungen am
Shuttle-System vorgenommen, daß die
DISCOVERY heute als neues experimentelles Fluggerät betrachtet wird.
Die zwei 38 Meter hohen Feststoffraketen sind zu beiden Seiten
des riesigen Außentanks angebracht,
der den
flüssigen Wasserstoff und
Sauerstoff für die Haupttriebewerke
des Orbiter aufnimmt.
Beim tatsächlichen Start brennen sie, mit je 500
Tonnen
festem
Treibstoff
gefüllt,
zwei Minuten lang und werden dann abgeworfen.
Für weitere sechs Minuten
übernehmen die drei Haupttriebwerke
allein den Transport bis zum Eintritt
des Fluggeräts in die Erdumlaufbahn.
Beim bevorstehenden DISCOVERY-Flug -

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�von der NASA als "Mission 26" bezeichnet - werden sich fünf Astronauten vier Tage im Weltraum aufhalten.
Als Nutzlast wird ein tonnenschwerer
TORS-Satellit
(Tracking
and
Data
Relay Satellite
Satellit zur Beobachtung
und
Datenübermittlung) mit
seinem Antriebss'ystern an Bord genommen, das ihn nach dem Absetzen im Orbit zu seinem "Stationierungsplatz"
in 36 000 km Höhe weiterbefördert.

tt * tt tt K *

�</text>
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                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
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                <text>Amerikadienst 31.08.1988</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Das sowjetische Militär: offene Worte aber keine Taten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Frank C. Carlucci&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Eine Aufgabe der neuen Administration: Anpassung der NATO an neue Realitäten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Sen. William V. Roth Jr., Bill Richardson und Doug Bereuter&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;&lt;strong&gt;2. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Das nichtprotektionistische amerikanische Handelsgesetz&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Judith Hippler Bello, Ständige Beraterin des amerikanischen Handelsbeauftragten&amp;nbsp;&lt;/em&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Erfolgreiche Brenntests mit DISCOVERY-Antriebsmotoren&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Veränderte Haupttriebwerke und Zusatzraketen erprobt&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST
1?

"""

c$-

30

24. August 1988

I N H A L T

DOKUMENTATION
Berliner flauer Beweis des gescheiterten Traums vom Kommunismus
- Präsident Reagans Erklärung zum Jahrestag des Mauerbaus -

HINTERGRUNDMATERIAL
Neuer Bericht fordert bessere Lastenverteilung
- Auszüge aus der Kongreßstudie -

DIE MAHLEN IN AMERIKA 1988
Die Außenpolitik der Republikaner: Stärke, Realismus, Dialog"
- Auszüge aus der außenpolitischen Wahlplattform der Republikaner Wahlplattform der Republikaner wertvolle Aussage für Bush-Kampagne
- Artikel über die Positionen beim Parteikonvent Quayle Vertreter einer neuen Generation in politischer Verantwortung
- Porträt des republikanischen Kandidaten für die Vizepräsidentschaft

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Gesundheitsvorsorge durch vernünftige Ernährung
- Umfassender Bericht der amerikanischen Regierung mit Studien aus
allen einschlägigen Forschungsgebieten -

* * * * * *

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�AMERIKA DIENST
Dokumentation

24. August 1988

30

BERLINER MAUER BEWEIS DES GESCHEITERTEN TRAUMS VOM KOMMUNISMUS
- Präsident Reagans Erklärung zum Jahrestag des Mauerbaus -

WASHINGTON - (AD) - In einer Erklärung zum 27. Jahrestag des Baus der
Berliner Mauer bestätigte Präsident Reagan am 12. August 1988 das Engagement
der Vereinigten Staaten für Berlin. "Die Amerikaner glauben, daß Ost und West
die Stadt Berlin mit Phantasie und Willenskraft noch vor dem nächsten Gedenktag zum Symbol eines neuen Zeitalters machen können, das die wahren Hoffnungen
des menschliches Geistes widerspiegelt".
Nachfolgend veröffentlichen wir die Erklärung im Wortlaut:

Der 13. August ist als Jahrestag
des Mauerbaus in Berlin ein trauriger
Gedenktag.
Diese Mauer zieht sich
nicht
nur
wie
eine
Narbe
durch
Berlin, sondern ist auch ein Symbol
der Teilung der deutschen Nation und
Europas.
Angesichts der verhaltenen
Anzeichen von Offenheit, von denen
jetzt die Gesellschaftssysteme
des
Ostblocks aufgerüttelt werden, steht
die Mauer heute in krassem Gegensatz
zu dem Kampf der Menschen um Freiheit, der jetzt in ihrem Schatten
stattfindet.
Es gibt keinen drastischeren Beweis für den gescheiterten
Traum des Kommunismus als die Mauer.
überall lassen sich freie Menschen von dem Mut der Menschen in
Berlin inspirieren.
Ihre Entschlossenheit zum Schutz ihres Bollwerks

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Embassy of the United States of America

der Freiheit ist nach wie vor unerschütterlich trotz wiederholter Herausforderungen durch diejenigen, die
ihnen die Freiheit versagen wollen
und
ihr
Beispiel
fürchten.
Die
Berliner
engagieren
sich
weiterhin
für
die
Erhaltung
ihrer
demokratischen Lebensform und den Abbau der
Schranken, die Deutschland teilen.
Die Vereinigten Staaten haben die
Ehre, gemeinsam mit den Briten und
Franzosen fest zusammenzustehen, um
die Freiheit Berlins zu verteidigen
und das Wohlergehen Berlins zu fördern.
Dieses standhafte Engagement
bleibt der Eckpfeiler amerikanischer
Politik in Europa.

ich

Im Juni vergangenen Jahres stand
vor dem Brandenburger Tor und

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�schlug eine Inititive vor, die das
Leben der Berliner im positiven Sinne
verändern sollte:
verbesserten Zugang aus der Luft; mehr Konferenzen
in der gesamten Stadt, die Veranstaltung internationaler sportlicher Ereignisse, einschließlich der Olympiade und die Förderung des Jugendaustauschs
zwischen
beiden
Teilen
Berlins.
Im vergangenen Dezember haben wir
den Sowjets gemeinsam mit den Briten
und Franzosen diesbezügliche detaillierte Konzepte unterbreitet.
Wir
warten immer noch auf eine Antwort.
Beim Gedenken an die Errichtung
der Mauer im Jahr 1961 bekräftigen
die Vereinigten Staaten ihr Engagement für Berlin und entbieten den
tapferen Menschen ihren Gruß.
Die
Amerikaner glauben, daß Ost und West
die Stadt Berlin mit Phantasie und
Willenskraft noch vor dem nächsten
Gedenktag
zum
Symbol
eines
neuen
Zeitalters machen
können, das die
wahren
Hoffnungen
des menschliches
Geistes widerspiegelt.

* * * * *

�AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

'VoN^

24. August 1988

30

NEUER BERICHT FORDERT BESSERE LASTENVERTEILUNG
- Auszüge aus der Kongreßstudie -

WASHINGTON - (AD) - Einem kürzlich veröffentlichten Kongreßbericht zur
Frage der Lastenverteilung zufolge sollten die europäischen Verbündeten der
Vereinigten Staaten "sich sehr wohl auf die Verteidigung ihres eigenen Territoriums ohne ein Engagement umfangreicher amerikanischer Landstreitkräfte vorbereiten müssen, weil dieses Engagement nicht für immer garantiert werden
kann". In dem Bericht, der von der Kommission für militärische Lastenverteilung des Streitkräfteausschusses erstellt wurde und der das Ergebnis einer
Reihe von Anhörungen über die bessere Verteilung der Kosten zur Sicherstellung
der Verteidigung des Westens darstellt, wird jedoch ebenfalls erklärt, daß die
"Vornestationierung amerikanischer Truppen kurzfristig weiterhin den Eckpfeiler der Militärstrategie der Vereinigten Staaten bilden sollte".
Nachfolgend veröffentlichen wir den Bericht in Auszügen:

Das Problem der Lastenverteilung
ist so alt wie die NATO und unser
Bündnis mit Japan selbst, und Veränderungen in den internationalen militärischen,
politischen
und
wirtschaftlichen Entwicklungen haben dazu
geführt, daß das Thema Lastenverteilung in den vergangenen 40 Jahren mit
unterschiedlicher
Intensität
zutage
getreten ist.
Da die Vereinigten Staaten nach
dem Zweiten Weltkrieg das einzige
Land
waren, dessen
wirtschaftliche
Stärke ausreichte, um auf die enormen
Bedürfnisse der vom Krieg verwüsteten
Länder zu reagieren, gaben sie in der
Nachkriegszeit über 33,9 Milliarden
Dollar für den Marshall-Plan und andere Hilfsleistungen zum Wiederaufbau
der verbündeten wie auch der feind-

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Embassy of the United States of America

lichen Nationen
des Zweiten Weltkriegs aus. (Entsprechend dem heutigen Stand des Dollars hätten die Vereinigten Staaten 184,8 Miliarden Dollar für Hilfsmaßnahmen nach dem Kriege ausgegeben.)
Diese beispiellose
Aktion ging von der Voraussetzung
aus, daß wirtschaftliche Stärke und
die Wiederbelebung der Demokratie allen freien Nationen zugute kommen und
einen Beitrag zu dauerhaftem Frieden
leisten würden.
Ferner engagierten
sich die Vereinigten Staaten nach dem
Kriege mit umfangreichen Truppenverbänden auf dem europäischen Kontinent
und in Japan.
Insbesondere die Geschichte des Ratifizierungsverfahrens
für den Nordatlantikvertrag verdeutlicht jedoch, daß die starke militärische
Präsenz
der
Vereinigten
Staaten in Europa nicht als ein dau-

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Tel.: 0228-339 2035
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�erndes Engagement gedacht war - vielmehr war sie als Interimslösung zur
Verteidigung Westeuropas vorgesehen,
während Westeuropa sich vom Krieg erholte.
Bis heute ist die Welt über 40
Jahre lang von einem Weltkrieg verschont geblieben (obwohl seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs 158 regionale Kriege stattgefunden haben). In
Westeuropa und Japan ist die Demokratie fest verwurzelt und die einst
verwüsteten
Volkswirtschaften
sind
gesundet.
Im selben Zeitraum haben
sich die weltweiten Verpflichtungen
der Vereinigten Staaten wie auch deren wirtschaftliche Stärke erheblich
vergrößert. Die relative wirtschaftliche Stärke der Vereinigten Staaten
gegenüber dem Rest der Welt hat jedoch merklich abgenommen.
Im Jahr
1988 hat sich aufgrund der Besorgnis
über das Bundeshaushaltsdefizit, das
Ungleichgewicht im Handel, hohe Bundesausgaben im allgemeinen und die
hohen Verteidigungsausgaben im besonderen eine nationale Debatte über unsere
künftigen
Verteidigungsbedürfnisse und eine Neueinschätzung der
weltweiten
militärischen
Verpflichtungen der Vereinigten Staaten entzündet.
Viele Amerikaner sind der
Ansicht, daß wir mit unseren militärischen Bündnispartnern wirtschaftlich zu 100 Prozent im Wettbewerb
stehen.
Einige haben erklärt, daß
die Vereinigten Staaten alle Lasten
eines Weltreichs trügen und nur wenig
von dieser Rolle profitieren, wenn
überhaupt.
Die wichtigsten Fragen, die von
der Kommission als Ergebnis dieser
veränderten Bedingungen an die Regierungen der europäischen Staaten und
Japans gestellt werden, lauten: Warum erwartet ein demokratisches und
zunehmend
geeintes
Europa,
dessen
Bruttosozialprodukt
und
Bevölkerung
zusammengenommen größer sind als die
der Vereinigten Staaten, immer noch
einen solch umfangreichen Beitrag zu
seiner territorialen Verteidigung von
den Vereinigten Staaten?
(Schätzungen des Verteidigungsministeriums zu-

folge werden ca. 60 Prozent des amerikanischen
Verteidigungshaushalts
für Verpflichtungen
im Rahmen der
NATO aufgewendet. Das bedeutet, daß
die Vereinigten Staaten 160 bis 170
Milliarden Dollar für die NATO ausgeben - erheblich mehr als die Beiträge
der anderen 15 NATO-Länder zusammengenommen) .
Warum scheinen ferner die Japaner
- deren Elan und Genialität sie in
nur 40 Jahren von totaler Zerstörung
zum Status einer wirtschaftlichen Supermacht geführt hat - nicht bereit
zu sein, Lasten der freien Welt in
einem Ausmaß zu tragen, das ihrer
heutigen
Zahlungsfähigkeit
entspricht?
Welche neuen Rollen und
Verantwortlichkeiten
sollte
Japan
übernehmen?
Bei
der
Beantwortung
dieser Frage sollten seinem Status
als wirtschaftliche Supermacht, seiner Verfassung sowie seiner besonderen Geschichte, die für die Nachbarstaaten in Asien immer noch von erheblicher Bedeutung ist, Rechnung getragen werden.
Wie sind die Aussichten für die
Verteilung und eventuell die Senkung
der
Verteidigungslasten
für
alle
freien Staaten in den kommenden Jahrzehnten und welches sind die Hindernisse?
Sind die angeblich von der sowjetischen Führung erwogenen Veränderungen in bezug auf Wirtschaft, politische Rechte und militärische Strategie politisch lebensfähig und werden sie zur Reife gelangen? Was bedeutet all dies für die Verteidigung
des Westens?
Wie kann der Staatshaushalt der Vereinigten Staaten
der heute schon, unter anderem aufgrund der Besorgnis über die Konfrontation zwischen Ost und West sowie
der langfristigen militärischen Verpflichtungen in Europa und dem Fernen
Osten, bis zur Grenze des Erträglichen angespannt ist - in Zukunft
die Probleme der Dritten Welt besser
angehen, insbesondere die Bedürfnisse
der
Nachbarstaaten
in
Mittel- und
Südamerika und des Mittleren Ostens?

�Im Grundsatz geht es bei der Debatte über die Lastenverteilung im
Jahr 1988 darum, wie die wirtschaftliche und militärische Sicherheit der
Vereinigten Staaten und ihrer Verbündeten im 21. Jahrhundert gewährleistet und sichergestellt werden kann,
daß die entwickelten Länder mit gemeinsamen Verteidigungsinteressen die
Kosten dieser Verteidigung gerechter
unter sich aufteilen und gleichmäßiger zur Sicherheit und zum wirtschaftlichen und politischen Wohlergehen der weniger entwickelten Länder
beitragen.
Diese
Aufgabe
wird
sicherlich
nicht leicht zu bewältigen sein, aber
die Kommission hofft, daß die Daten,
Erkenntnisse
und
Empfehlungen
des
vorliegenden
Berichts der
nächsten
Administration
bei
der
Behandlung
dieses Problems helfen wird.
Die Kommission legt die folgenden
vorläufigen Schlußfolgerungen und Empfehlungen vor:

nischer
Politik
und
nischen Interessen.

amerika-

2.
In den vergangenen Jahrzehnten befanden sich die Verteidigungsausgaben
der
Vereinigten
Staaten in einem Zyklus dessen
Motto lauten könnte:
"Entweder
Expandieren
oder
Kaputtgehen."
Stabilität
und
Berechenbarkeit
sollten die Eckpfeiler künftiger
Verteidigungsbudgets
sein,
und
die nächste Administration sollte
energische Schritte unternehmen,
um einen Teil der gegenwärtig von
den Vereinigten Staaten getragenen Verteidigungslasten auf andere entwickelte Bündnispartner zu
verlagern, damit die Vereinigten
Staaten in Zukunft besser in der
Lage sind, ihre Verpflichtungen
mit dem gleichen oder möglicherweise
einem
niedrigeren
Niveau
der Verteidigungsausgaben zu erfüllen.

Die Bedrohung und mögliche Veränderungen in der sowjetischen Haltung
Herausforderungen für die politisch
Verantwortlichen in den Vereinigten
Staaten
1.
In den neunziger Jahren und
danach stellen sich für die Vereinigten Staaten die Herausforderungen, 1. wirtschaftliche Stabilität und Wachstum
im eigenen
Land zu ermöglichen, 2. die Sicherheit amerikanischer Interessen in der ganzen Welt zu definieren und zu gewährleisten und
3. zur internationalen Ordnung,
insbesondere in der Dritten Welt,
beizutragen. Da all diese Anforderungen unauflöslich miteinander
verbunden sind, könnte das Versäumnis, sie alle in ausgewogener
Art und Weise zu behandeln, die
Vereinigten
Staaten
ernsthaften
inneren und internationalen Gefahren aussetzen, einschließlich
des
möglichen
wirtschaftlichen
Abstiegs der Vereinigten Staaten
und einer zunehmenden Entfremdung
der Dritten Welt von amerika- 3

1.
Eines der
Haupthindernisse
bei der Erlangung einer gleichmäßigen Lastenverteilung besteht
darin, daß die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten bei der
Bewertung der Dringlichkeit oder
des Ausmaßes der Bedrohung nicht
übereinstimmen, obwohl beide in
Europa und im Fernen Osten demselben
Gegner
gegenüberstehen.
Die
Vertreter
der
Vereinigten
Staaten und der Verbündeten müssen
sobald
wie
möglich
eine
ernsthafte Bedrohungsdebatte aufnehmen, um Übereinstimmung über
das Ausmaß der Bedrohung und über
die Aufteilung
der Verantwortlichkeiten zu erzielen, um dieser
Bedrohung
gerecht
zu
werden.
Wenn wir uns nach diesen Diskussionen letztlich darauf einigen
sollten, daß die
amerikanische
Einschätzung der Bedrohung "realitätsbezogener" ist, sollten die
Verbündeten
ihre Verteidigungsausgaben
entsprechend
erhöhen.

�Wenn wir uns andererseits darauf
einigen, daß die Einschätzung der
Verbündeten
"realitätsbezogener"
ist, würde dies darauf hinweisen,
daß die Vereinigten Staaten ihre
Ausgaben
reduzieren
sollten
einschließlich ihrer Truppen in
Übersee - wenn sie dann der Bedrohung
immer
noch
angemessen
entgegentreten können.
Die Kommission ist der Auffassung, daß
die gegenwärtige Situation - ein
hohes Niveau der amerikanischen
Verteidigungsausgaben und wesentlich niedrigere Niveaus bei den
Verteidigungsausgaben der Verbündeten - für die Vereinigten Staaten nicht fair ist. Obwohl die
Kommission
prognostiziert,
daß
die
Verbündeten
wahrscheinlich
der Beibehaltung des Status quo
den Vorzug geben werden (da hohe
amerikanische Verteidigungsausgaben ihnen eine kostenlose Versicherungspolice
gewähren,
falls
sich unsere Bedrohungsanalyse als
richtig und ihre als falsch erweisen sollte) , ist sie der Überzeugung,
daß
die
Verbündeten
nicht erwarten sollten, "beides
haben zu können".
2.
Der Kommission ist zu Ohren
gekommen, daß einige hohe Vertreter der Verbündeten mit Verantwortung im Bereich der Verteidigung über die Bedrohung und andere wichtige
Verteidigungsfragen
nicht
informiert sein
könnten.
Als
Minimum
sollten Premierminister
(oder Präsidenten) , Finanz- und
Außenminister
regelmäßig über die Bedrohung informiert
werden.
Die
Kommission
empfiehlt, daß die Vereinigten
Staaten - über die NATO und die
japanische Regierung - vorschlagen sollen, daß Regierungsvertreter in Schlüsselstellungen, deren
Positionen Auswirkungen auf die
Verteidigungsbudgets haben, obligatorisch an - zumindest einmal
jährlich abgehaltenen - Informationsgesprächen über die Bedrohung teilnehmen, bevor wichtige
Entscheidungen
über
Verteidi-

gungsausgaben gefällt werden.
3.
Da die öffentliche Meinung
ein wichtiger Faktor mit Auswirkungen auf die Verteidigungsausgaben aller verbündeter Regierungen ist, empfiehlt die Kommission, daß die Vereinigten Staaten
und ihre Verbündeten einen koordinierten Plan zur besseren Information der Öffentlichkeit über
den Charakter der einvernehmlich
festgestellten Bedrohung, das Niveau der zur Abwehr dieser Bedrohung
erforderlichen
Verteidigungsausgaben sowie die möglichen
Konsequenzen
der
Verweigerung
ausreichender Mittel zur nationalen Verteidigung entwickeln.

ie Messung der Verteidigungslasten
1.
Berücksichtigt man sämtliche
Maßstäbe der Lastenverteilung einschließlich der aufgewendeten
Finanzmittel und der erbrachten
Verteidigungsleistungen
-,
so
tragen
die Vereinigten
Staaten
eine erheblich größere Verteidigungslast
als
ihre
sämtlichen
Verbündeten, und dies seit vielen
Jahren. Das bedeutet nicht, daß
einzelne Verbündete nicht erhebliche Verteidigungslasten trügen;
es besagt vielmehr, daß Europa
und Japan nicht zu Sicherheitsressourcen und Fähigkeiten beitragen oder in dem Maße produzieren, wie sie mit ihrer wirtschaftlichen
Zahlungsfähigkeit
oder ihrem vitalen Interesse an
der Sicherung der Freiheit ihrer
Heimat im Einklang stehen.
2.
Politische, gesellschaftliche
und andere, von den Verbündeten
häufig angeführte, nicht quantifizierbare Faktoren spielen zusammen mit der öffentlichen Meinung
bei
der
Lastenverteilung
eine Rolle, ändern jedoch nichts
an der Schlußfolgerung, daß die
Vereinigten Staaten einen unverhältnismäßig großen Teil der Verteidigungslast tragen.
Auch die

�Vereinigten Staaten haben politische und gesellschaftliche Probleme sowie Schwierigkeiten mit
der öffentlichen Meinung.
Unter
diesem Druck stehen alle Länder
der freien Welt, und er ist kein
auf Japan oder Europa begrenztes
Einzelphänomen.
3.
Den Welthandelsmächten steht
es nicht zu, ihren Verteidigungsbeitrag und ihre Verteidigungsfähigkeiten
auf
regionaler
Ebene
aufzurechnen. Solange 20 Prozent
des europäischen und 44 Prozent
des
japanischen
Handelsvolumens
in
den
nichtindustrialisierten
Ländern erzielt wird, sollten die
Verbündeten
nicht das Argument
vorbringen, sie seien nur regionale Mächte.
4. Die Vereinigten Staaten tragen zur Verteidigung Europas und
des Fernen Ostens bei, weil sie
wirtschaftliche und sicherheitspolitische Interessen in diesen
Gebieten
haben.
Die
amerikanischen Interessen in Europa und
im Fernen Osten sind jedoch nicht
so groß oder so vordringlich wie
das Interesse der Europäer und
Japaner am Schutz ihrer Lebensweise.
Sollten die Verbündeten
der Ansicht sein, daß ihre Verteidigungshaltung angemessen und
ihre Lebensweise
nicht bedroht
ist, so könnte der amerikanische
Steuerzahler nach Auffassung der
Kommission vielleicht nicht bereit sein, in Zukunft weiterhin
soviel für die Verteidigung dieser Gebiete aufzuwenden wie bisher.
5. Obwohl die Vereinigten Staaten den Vorteil genießen, mehr
Verteidigungsprodukte an die Europäer
zu verkaufen als umgekehrt, wurde das Ungleichgewicht
in den vergangenen Jahren deutlich abgebaut. Insgesamt belegen
die
Handelsstatistiken
ferner,
daß die Verbündeten der Vereinigten Staaten die Hauptnutznießer
des
amerikanischen
Handelsdefi- 5 -

zits sind.
Damit kann man sich
nicht mehr auf das Argument der
Gegenseitigkeit berufen.
6. Dem ehemaligen Abteilungsleiter
im
Verteidigungsministerium
für internationale Sicherheitspolitik, Richard Perle zufolge ist
einer der Bereiche, der in der
Diskussion über die Lastenverteilung im Bündnis mehr Aufmerksamkeit verdient, die Vergabe von
nicht
zweckgebundenen
Krediten
westlicher Banken an Länder des
Warschauer
Pakts.
Wenn
diese
nicht überprüft werden, könnten
die Kredite an unsere Hauptgegner
eine
zusätzliche Belastung
des
amerikanischen Verteidigungshaushalts darstellen und damit die
ungerechten
Lastenverteilung
im
Bündnis noch verschärfen.
Seit
jeher haben
amerikanische
Banken
weniger
als
5 Prozent
nicht zweckgebundener KrediLe an
den Ostblock vergeben, wohingegen
westeuropäische Banken mehr als
die Hälfte dieser Kredite zur
Verfügung stellen und die Japaner
- Schätzungen des CIA - zufolge
den Rest. Die durch die Vergabe
nicht zweckgebundener Kredite unserer Verbündeten herbeigeführte
Stärkung des sowjetischen Militärs hatte einen nicht genau kalkulierbaren,
aber
zweifelsohne
beträchtlichen Zuwachs der amerikanischen
Verteidigungsausgaben
zur Folge.
Die Kommission hat die Absicht,
in der bevorstehenden sechsmonatigen Anhörung dieses Problem genau zu überprüfen.
Ferner ist
die Kommission der Auffassung,
daß die Vereinigten Staaten in
der
NATO, im Koordinationsausschuß für Ost-West-Handel (COCOM)
oder anderen zuständigen multilateralen
Foren angemessene Kontrollen über die Vergabe nicht
zweckgebundener
Kredite an die
Sowjetunion erarbeiten sollten.

�7. Die Vereinigten Staaten sind
und sollten nicht der "Boss" im
Bündnis sein, und die Verbündeten
können von den Vereinigten Staaten nicht die Übernahme höherer
Verteidigungsausgaben
erwarten,
um der "Boss" zu sein. Die Verbündeten der Vereinigten Staaten
sind souveräne Staaten und zu
Recht in einigen politischen Fragen anderer Meinung. Die Kommission vertritt die Ansicht, daß
Lastenverteilung auch eine Umverteilung der Macht bedeutet und
daß die Vereinigten Staaten bereit sein sollten, etwas von ihrer Macht und Kontrolle über den
Entscheidungsprozeß abzugeben und
die Verbündeten mehr Verantwortung bei ihrer eigenen Verteidigung übernehmen.
8. Die Präferenzen und Defizite
in den Budgets der
jeweiligen
Länder sind ein wichtiger Indikator
für die Ausgabeprioritäten
der Vereinigten Staaten und der
Verbündeten.
Die
Vereinigten
Staaten wenden einen deutlich geringeren Teil ihres Bundeshaushalts in allen Ausgabebereichen
auf als die Mehrzahl der Industrienationen
im
Bündnis, mit
Ausnahme von Verteidigung, Wohnungsbau und Gemeindeeinrichtungen. Wenn die Vereinigten Staaten
denselben
Prozentsatz
des
Volksvermögens
für
Verteidigung
ausgeben würden wie die Bundesrepublik Deutschland und Japan,
könnten sie das Haushaltsdefizit
abbauen
und sogar einen Haushaltsüberschuß erwirtschaften.

Strategien für die Bedrohungen und
Herausforderungen der Zukunft
1. Die Vornestationierung amerikanischer Truppen sollte kurzfristig weiterhin den Eckpfeiler der
Militärstrategie der Vereinigten
Staaten bilden, jedoch nicht notwendigerweise auf dem Niveau, das
sie heute in allen Gebieten der
Welt aufrechterhalten.
(Mit an- 6 -

deren Worten, das amerikanische
Streitkräfteniveau
im
Ausland
sollte
kontinuierlich
überprüft
werden).
Die Kommission ist gegen einen kurzfristigen, umfangreichen
Abzug
amerikanischer
Truppen solange die Möglichkeit
zu Verhandlungen über einen asymmetrischen Abbau konventioneller
Streitkräfte mit der Sowjetunion
besteht.
Langfristig
vertritt
die Kommission die Ansicht, daß
eine auf der "Null-Lösung basierende" Studie des militärischen
Engagements und der Stützpunkte
der vereinigten Staaten im Ausland
in
folgender
Reihenfolge
vorgenommen
werden sollte:
1.
Bewertung und Schwerpunktsetzung
amerikanischer Interessen in den
jeweiligen Ländern und Regionen
der Welt und 2.
Anpassung und
möglicher
Abbau
amerikanischer
Streitkräfteniveaus
in
einigen
Regionen in Übersee im Einklang
mit den sich wandelnden amerikanischen Interessen und der Fähigkeit unserer Verbündeten zur eigenen Verteidigung
mit weniger
direkter militärischer Unterstützung der Vereinigten Staaten und
angesichts einschneidender Verlagerungen der Bedrohung.
Obwohl das amerikanische Verteidigungsministerium
jährlich
Material
über die
amerikanischen
Interessen sowie die zur Wahrung
dieser Interessen erforderlichen
Streitkräfte
veröffentlicht,
stellt die Kommission fest, daß
die vom Verteidigungsministerium
vorgenommene Analyse anscheinend
die Prioritäten und Streitkräfteniveaus im Ausland vom Vorjahr
zum Ausgangspunkt für die Prioritäten und Streitkräfteniveaus der
nachfolgenden Jahre macht. Diese
Praxis tendiert zu einer Fortschreibung
des Status quo und
trägt dem sich verändernden internationalen Umfeld nicht in gegebenem Maße Rechnung.
Ein auf
der "Null-Lösung basierender" Ansatz beim militärischen Engagement und den Stützpunkten der

�Vereinigten Staaten im Ausland der Null zum Ausgangspunkt macht,
radikales
politisches
Umdenken
und eine Rechtfertigung von Bedarf, Kosten und Alternativen erzwingt - ist seit langem überfällig.
2. Die Kommission ist der Überzeugung, daß amerikanische Stützpunkte in einem bestimmten überseeischen
Gebiet
entweder
für
Verteidigungszwecke
notwendig
sind oder nicht. Ob und in welchem Umfang ein Land Militärhilfe
von den Vereinigten Staaten erhält, hat keinen Einfluß auf die
militärische Notwendigkeit eines
Stützpunkts. Daher empfiehlt die
Kommission, das Junktim zwischen
Auslandshilfe und dem Recht der
Vereinigten Staaten auf Errichtung von Stützpunkten bei der zukünftigen
Neuverhandlung
von
Stützpunkt-Vereinbarungen
strenger zu handhaben.
3.
Entgegen früherer Empfehlungen vertritt die Kommission die
Auffassung, daß Auslandshilfe von
entscheidender
Bedeutung
ist.
Einige Bündnispartner
der Vereinigten
Staaten
haben
einen
enormen
Bedarf
an
wirtschaftlicher und militärischer Modernisierung, und die Kommission ist
der Ansicht, daß es in der Verantwortung aller Industrienationen im Bündnis liegt, den weniger
wohlhabenden Verbündeten bei der
Befriedigung
ihrer
wirtschaftlichen und militärischen Bedürfnisse zur Seite zu stehen. Entsprechend empfiehlt die Kommission, daß ein oder mehrere neue
Fonds geschaffen werden
(vielleicht ähnlich dem Infrastrukturfonds der NATO), so daß die Industrienationen
ihre
Ressourcen
bündeln und sie strategisch wichtigen Ländern von gemeinsamem Interesse
zufließen
lassen.
Die
Kommission ist überzeugt, daß ein
solcher Fonds von der NATO zugunsten
der
weniger
entwickelten
Länder der NATO in Europa einge- 7 -

richtet werden
könnte und die
Vereinigten
Staaten, Japan und
Korea einen weiteren Fonds schaffen könnten, um einigen der größten Mangel im Fernen Osten abzuhelfen
(insbesondere
auf
den
Philippinen).
Die
Europäische
Gemeinschaft
(EG) unterhält ein
ähnliches Hilfsprogramm für ihre
weniger
weit entwickelten
Mitgliedsstaaten und die Kommission
ist der Ansicht, daß das EG-Modell eingehender geprüft werden
sollte.
4.
Insgesamt sollten die Bündnisspartner
eine größere Rolle
bei der Entscheidung spielen, ob
sie
amerikanische
Truppen
und
Stützpunkte auf ihrem Gebiet als
zur Verteidigung notwendig erachten und wenn ja, die den Vereinigten Staaten durch die Stationierung ihrer Streitkräfte in
Übersee entstehenden zusätzlichen
Kosten ganz oder teilweise übernehmen, einschließlich:
1. Bautätigkeit
auf
amerikanischen
Stützpunkten in Übersee; 2. Gehälter und Vergütungen für vor
Ort zur Arbeit auf diesen Stützpunkten eingestelltem Zivilpersonal; 3.
Ausgleichszahlungen für
die Lebenshaltenskosten des amerikanischen Personals in Übersee;
4. Betriebs- und Unterstützungskosten
für
die
amerikanischen
Stützpunkte
in Übersee und 5.
Reisekosten
für
amerikanische
Truppen, die permament ins Ausland oder zurück in die Vereinigten Staaten verlegt werden.
in
vollem Umfang durchgeführt, würden diese Optionen zur Verringerung der amerikanischen Verteidigungslast um mehr als 7,7 Milliarden Dollar pro Jahr beitragen.
Obwohl sich die Kommission der
Tatsache bewußt ist, daß Kritiker
dieser
Empfehlung
das Argument
vorbringen könnten, die Finanzierung dieser Bereiche durch die
Bündnispartner mache die amerikanischen Truppen in Übersee zu
"Söldnern", stellt die Kommission

�fest, daß einige Länder bereits
durch
Unterstützungsleistungen
des Aufnahmestaats
ein Drittel
der fünf oben genannten Ausgabenbereiche bezahlen. Diese Empfehlung zielt daher nach Ansicht der
Kommission darauf ab, die Leistungen
des Aufnahmestaats zur
Unterstützung
amerikanischer
Streitkräfte
in Übersee aufzustocken.

Lastenverteilung in der NATO
Die Kommission betont, daß die
nationalen
Interessen
der
europäischen Länder in Zukunft verstärkte
militärische Zusammenarbeit und Einheit
zwingend
erforderlich machen.
Die Tatsache, daß Europa aus vielen
Nationen besteht und kein einheitliches Ganzes darstellt, sollte nicht
als Vorwand für einen unangemessenen
Beitrag zur Verteidigung durch die
Europäer angeführt werden. Verstärkte militärische
Zusammenarbeit
und
Einheit sollten vielmehr in Zukunft
als vorrangige Priorität der verbündeten Regierungen angesehen werden.
2. Die einzelnen NATO-Mitgliedsstaaten
leisten
einen
unterschiedlichen Beitrag zur Verteidigung. Daten des amerikanischen
Verteidigungsministeriums
über
die nichtamerikanischen NATO-Länder (Luxemburg, Kanada, Dänemark,
Portugal, Norwegen, Bundesrepublik Deutschland, die Niederlande, Belgien, Spanien und Italien)
zufolge
scheinen
diese
Länder
entschieden weniger als ihren angemessenen Anteil zu entrichten,
oder die fraglichen Indikatoren
für die Verteidigungslast geben
ein
uneinheitliches Bild.
Die
größeren Beitragszahler unter den
nichtamerikanischen
NATO-Länder
sollten die anderen Länder, die
ihr Verhalten im Verteidigungsbereich
nicht ändern, konsequent
und nachhaltig dazu drängen.
3.
Die
jüngsten

Kommission
Bemühungen

begrüßt die
zu Stärkung
- 8

des
sogenannten
europäischen
Pfeilers der NATO und ist der Ansicht, die Europäer sollten bei
der Entscheidung über die zukünftige Verteidigung des europäische
Kontinents
die
Führungsrolle
übernehmen.
Diese
Empfehlung
signalisiert keinen Rückzug aus
der NATO, sondern die längst fällige Neuanpassung bei der militärischen Verantwortung.
In den
kommenden sechs Monaten wird die
Kommission Mittel und Wege zu einer Verbesserung der eigenen Verteidigung durch die Europäer ausloten, einschließlich verbessertem und zunehmendem Einsatz von
Reservisten und defensiven Strategien.
Die Kommission hat ferner die Absicht, eine Reihe von
Ideen und alternativen Verteidigungsstrategien
weiterzuverfolgen, die ihr von Regierungsvertretern und Privatpersonen (etwa
von Leonard Sullivan, dem ehemaligen Abteilungsleiter im Verteidigungsministerium für Programmanalysen und Auswertung) vorgetragen wurden.
Die Kommission kennt die innenpolitischen Einflüsse in Japan und
Europa, vertritt aber dennoch die
Auffassung, daß unsere Verbündeten sich über den starken politischen Druck nicht hinreichend
im klaren sind, der sich in den
Vereinigten Staaten im Hinblick
auf den Abbau unserer militärischen Verpflichtungen gegenüber
unseren Verbündeten aufbaut, wenn
sie nicht
zur Übernahme eines
größeren Teils der Lasten bereit
sind.
Der Kongreß teilt diese
Ansicht.
Aus diesem Grund verweist die
Kommission
ausdrücklich
darauf,
daß die Europäer sich sehr wohl
auf die Verteidigung ihres eigenen Territoriums ohne ein Engagement umfangreicher amerikanischer
Landstreitkräfte vorbereiten müssen, weil dieses Engagement nicht
für immer garantiert werden kann.
Wenn die Europäer zu der Ansicht

�gelangen, daß eine Luftbrücke zum
Transport
amerikanischer
Landstreitkräfte in Zukunft noch erforderlich sei, um einen Krieg in
Europa
zu führen, sollten die
nichtamerikanischen NATO-Mitglieder gemeinsam 60 Prozent der Anschaffungs- und
Betriebskosten
der Luftflotte (Flugzeuge vom Typ
C-17) zahlen.
(Die C-17 ist das
größte
und modernste Flugzeug,
mit dem amerikanische
Soldaten
und Kriegsgerät im Falle eines
Krieges nach Europa transportiert
würden.)
Zum
Beispiel
würden
sich bei einem Einsatz der gesamten Flotte von 210 Flugzeugen des
Typs C-17 nach Schätzungen des
Haushaltsausschusses
im
Kongreß
die von den Vereinigten Staaten
erbrachten
Anschaffungskosten
zwischen 1988 und dem Jahr 2000
um 19,4 Milliarden Dollar und die
von den Vereinigten Staaten übernommenen
Betriebskosten
um 950
Millionen Dollar pro Jahr verringern. Obwohl dieses Konzept noch
weitreichender
ist,
entspräche
dieser Ansatz dem gegenwärtigen
Plan der NATO, einsatzfähige Aufklärungsflugzeuge (AWACS) zu erwerben, die in Europa stationiert
würden.

Der Beitrag Japans
1.
Japan steht mit seinen Verteidigungsausgaben
weltweit
an
fünfter stelle, aber dennoch sind
die von Japan zu seiner Verteidigung geleisteten Beiträge und Fähigkeiten angesichts seiner wirtschaftlichen stärke unzureichend.
2.
Die japanische Verfassung,
die
Kabinettsentscheidung
zur
Aufwendung
von
"1 Prozent des
Bruttosozialprodukts" und die in
Ostasien verbreitete Furcht vor
einer erneuten japanischen Militarisierung
sind Faktoren, die
japanische
Verteidigungsausgaben
beschränken.
Dennoch
können,
sollten und müssen die Japaner
bei der Verteidigung und in an- 9 -

deren Bereichen der Sicherheitspolitik mehr leisten.
3. Die Vereinigten Staaten sollten Japan bei der Förderung grösserer politischer Einheit und Zusammenarbeit unter seinen Nachbarn
unterstützen.
Ebenso wie
die Bundesrepublik als ehemaliger
Feind
des
Zweiten
Weltkriegs
jetzt integraler Bestandteil Europas ist, kann Japan das Vertrauen seiner Nachbarn erlangen.
Minister treffen
und
parlamentarische Strukturen wie die Westeuropäische Union (WEU) und die
Eurogroup sollten ermutigt werden.
4.
Die japanische Unterstützung
für die Stationierung
amerikanischer Soldaten wird übertrieben
dargestellt.
Die vielfach genannte Zahl von 45 000 Dollar pro
amerikanischem
Soldat
umfaßt
"Nicht-Ausgaben" wie etwa den geschätzten Wert des den amerikanischen
Streitkräften
kostenlos
zur
Verfügung
gestellten
Terrains, Einnahmeverluste aufgrund
der Befreiung von Steuern, Anlege- und Hafengeführen sowie Zölle. Andererseits war die Errichtung amerikanischer Einrichtungen
durch die Japaner sehr hilfreich,
aber dennoch auf das begrenzt,
was die Japaner als "nichtoffensive" Einrichtungen betrachten.
5. Angesichts der erheblich eingeschränkten japanischen Bereitschaft
zu
Verteidigungsausgaben
vertritt die Kommission die Auffassung, es sei zwingend erforderlich, daß die japanische Regierung zumindest ihre Fähigkeit
zur
Selbstverteidigung
ausbaut
und bei Bedarf ihre Missionen der
"1000 Meilen"-Grenze und "Sperrung der Seewege" auch ohne direkte amerikanische Hilfe duchführen kann. Darüber hinaus ist
die Kommission der Ansicht, andere Länder in der Region sollten
Gespräche
über
ihre gemeinsame
Sicherheit aufnehmen.

�6. Japan sollte sein offizielles
Entwicklungshilfebudget erheblich
ausbauen und den Ländern mehr
nichtzweckgebundene Hilfe gewähren, die für Japan und die Vereinigten Staaten wirtschaftliche
und strategische Bedeutung haben
(zum Beispiel die Türkei und die
Philippinen).

Lastenverteilung in bündnisfremden
Gebieten
1. Mit wenigen Ausnahmen sollten
die Vereinigten Staaten nicht erwarten, daß die Verbündeten notwendigerweise einer Politik oder
einem Einsatz in bündnisfremden
Gebieten zustimmen. Die wichtigste Ausnahme betrifft den Fall,
wenn die Verbündeten in einer Region starke wirtschaftliche, politische und militärische Interessen haben. In diesem Fall müssen sich die Verbündeten der Kommission zufolge unbedingt beteiligen.
Eine Region, in der die
Verbündeten eine gemeinsame Verpflichtung
mit den Vereinigten
Staaten haben, ist der Persische
Golf.
2. In vieler Hinsicht bietet die
Umflaggung
kuwaitischer
Tanker
ein gutes Beispiel für die gerechte
Lastenverteilung:
ohne
Kommentar über die Zweckmäßigkeit
der Politik an sich haben die
Vereinigten Staaten umfangreiche
Streitkräfte
zur Verfügung gestellt, ohne zunächst mit den
Verbündeten
über eine mögliche
Beteiligung ihrerseits und deren
Form Übereinkunft
zu erzielen.
Einigen Beobachtern - einschließlich der früheren Botschafterin
Jeane Kirkpatrick - zufolge war
das Ergebnis dieses "großen Einsatzes" in mancher Hinsicht von
Nachteil.
Die Vereinigten Staaten hätten eine ausgewogenenere
Lastenverteilung mit den Verbündeten erzielt, wenn wir sie vor
Ankündigung unseres eigenen Engagements konsultiert hätten.
Die
- 10 -

Kommission ist der Ansicht, daß
ein
geringeres
Engagement
der
Vereinigten Staten bei künftigen
Einsätzen im Golf vorzuziehen ist.
3. Die Vereinigten Staaten sollten mit der NATO und Japan Gespräche
darüber
aufnehmen, wie
man in Zukunft Probleme in bündnisfremden
Gebieten
behandeln
soll.
Der Persische Golf zählt
sicher zu den Gebieten von gemeinsamem Interesse für die Vereinigten Staaten, Europa und Japan und sollte daher den Kernpunkt dieser
Gespräche bilden.
Das Ziel dieser Gespräche sollte
die Erarbeitung eines Mechanismus
sein, mit dessen Hilfe die Verbündeten Konsultationen durchführen und Abkommen erzielen können,
wie man Bedrohungen ihrer Interessen
in der Region bekämpfen
kann.
Es besteht Grund zu der
Annahme, daß die Verbündeten in
bestimmten Regionen delikate diplomatische
Missionen
besser
durchführen könnten als die Vereinigten Staaten, und dazu sollten sie ermutigt werden.
4.
Alle
NATO-Verbündeten
betrachten den Terror ismus als Bedrohung unserer gemeinsamen Sicherheitsinteressen.
Dieser Konsens hat Zusammenarbeit bei der
nachrichtendienstlichen Tätigkeit
und der gemeinsamen militärischen
Planung
herbeigeführt, die für
die bessere Koordinierung innerhalb der NATO bei Sicherheitsproblemen in Gebieten außerhalb des
eigentlichen Bündnisbereichs Modellcharakter
annehmen
könnte.
Die Kommission vertritt die Auffassung,
daß
gegenwärtige
Anstrengungen
zur
Terrorismusbekämpfung durch die Bildung eines
gemeinsamen
NATO-Koordinierungsausschusses
zur Bekämpfung
des
Terrorismus (ein Mechanismus, der
als Modell für erweiterte Zusammenarbeit von Institutionen dienen könnte) noch erhöht werden
könnten.

�Die amerikanische Haltung zur
Lastenverteilung
1. Trotz der Versicherungen von
Vertretern der amerikanischen Regierung,
daß
die
Verbündeten
ständig
zur
Übernahme
eines
größeren Anteils der Verteidigung
aufgefordert würden, liefern Statistiken Grund zu der Annahme,
daß die diplomatischen Bemühungen
der Vereinigten Staaten keine gerechtere Lastenverteilung hervorgebracht haben.
2. Dem US-Rechnungshof (GAO) zufolge hat Japan eher auf die Initiativen zur Lastenverteilung reagiert als die europäischen Verbündeten (obwohl die europäischen
Verbündeten für ihre Verteidigung
größere Opfer bringen als die Japaner) .
3. Die Verbündeten haben im Laufe der Jahre zur Lastenverteilung
unterschiedliche Signale aus den
Vereinigten Staaten aufgefangen der Kongreß hat seine große Unzufriedenheit bekundet und dennoch
hat die Administration die Botschaft verbreitet, die Beiträge
der Verbündeten würden oftmals
unterschätzt
und
amerikanische
Präsenz
in Übersee liege sehr
wohl im Interesse der Vereinigten
Staaten.
4. Insgesamt scheint es, daß die
Vereinigten Staaten die Lastenverteilung
mit den Verbündeten
nicht
angemessen
betont haben.
Wenn Japan dem Schluß des GAO zufolge auf amerikanische Initiativen positiv reagiert hat, liegt
es auf der Hand, daß die Vereinigten Staate nicht genug gefordert haben.
5.
Programme der Zusammenarbeit
waren erfolgreich, um eine Duplizierung
von
Waffensystemen
zu
vermeiden, Ressourcen der Vereinigten Staaten und ihrer verbündeten für wichtige Projekte zu
bündeln und größere Leistungsfä- 1

higkeit der Vereinigten Staaten
und ihrer Verbündeten zu erlangen.
Die Programme sollten so
weit wie möglich erweitert werden, insbesondere im Hinblick auf
Japan. Dennoch verweist die Kommission darauf, daß zusätzliche
Sicherheitsmaßnahmen erforderlich
sein könnten, um den Schutz sicherheitsempfindlicher
amerikanischer
Technologie
zu gewährleisten.
6. Schließlich vertritt die Kommission die Auffassung, daß die
Verbündeten uns solange eine unverhältnismäßig große Last übernehmen lassen, wie wir die Bereitschaft dazu zeigen. Dazu erklärte die frühere Botschafterin
Jeane Kirkpatrick vor der Kommission:
"Wenn die Verbündeten erkennen,
daß wir nicht vortreten und unverhältnismäßig große Verantwortung übernehmen, dann - und nur
dann - werden sie vortreten und
ihren Anteil an der Verantwortung
tragen."
Verschiedenen
Quellen
zufolge
scheinen manche Bereiche der amerikanischen
Regierung
(zum
Beispiel
Handels- und
Verteidigungsministerium) aneinander vorbei zu arbeiten
und deshalb nutzen die Vereinigten
Staaten nicht ihre Macht in einem Bereich, um bei der Verteidigung eine
bessere Lastenverteilung zu erzielen.
Dem früheren Abteilungsleiter im Verteidigungsministerium für Internationale
Sicherheitspolitik,
Richard
Perle, zufolge
"... vergeht kaum ein Tag, an dem
nicht ein Verbündeter der Vereinigten
Staaten eine Entscheidung in Washington verlangt, die in seinem Interesse
- und oftmals in seinem innenpolitischen Interesse - liegt, die als
Grundlage eines vernünftigen und unsererseits
wünschenswerten
Handels
dienen könnte. Wenn man dies auf der
Basis entschlossener
Gegenseitigkeit
angeht... kann man Ergebnisse erzielen.

�Es sind Verträge zu vergeben. Es
gibt Handelsbeziehungen, die vielfach
der Intervention von Regierungsbehörden bedürfen. Es gibt zahlreiche andere wirtschaftliche Probleme und Finanzfragen - im Flugverkehr, Handelsbeziehungen im allgemeinen, Fischerei. Die Liste der in Washington getroffenen Entscheidungen, die Interessen unserer Verbündeten betreffen,
ist lang. Diese Entscheidungen sollten in einigem Umfang unsere Erfolge
im Hinblick auf eine ausgewogene Lastenverteilung widerspiegeln."
Die
Kommission
stimmt
diesem
Prinzip eines "Junktims" zu und vertritt die Auffassung, daß ein Mechanismus geschaffen werden muß, um zu
gewährleisten, daß
Lastenverteilung
auf allen Ebenen der amerikanischen
Beziehungen zu verbündeten Regierungen Beachtung findet.

* * * * * *

- 12

�AMERIKA DIENST
'VON

Hintergrundmaterial

4

30

24. August 1988
DIE WAHLEN IN AMERIKA 1988

DIE AUSSENPOLITIK DER REPUBLIKANER:

"STARKE, REALISMUS, DIALOG"

- Auszüge aus der außenpolitischen Wahlplattform der Republikaner NEW ORLEANS - (AD) - Der Wahlplattform der republikanischen Partei zufolge
bilden "Stärke, Realismus und Dialog" drei "Eckpfeiler", die einer republikanischen Administration als Leitlinie für ihre Außenpolitik dienen werden.
Diese Eckpfeiler waren bereits in der Reagan-Administration die Grundprinzipien der Außenpolitik und "die Welt von 1988 ist ein Beweis für Frieden
durch Stärke".
Nachfolgend veröffentlichen wir Auszüge aus dem vom nationalen Parteikonvent in New Orleans verabschiedeten außenpolitischen Teil der Wahlplattform:

Amerika und seine Führungsrolle in
der Welt
In der republikanischen Partei
verfolgen wir traditionell außenpolitische Zielsetzungen, die von Weitblick und Führungskraft zeugen. Darüber hinaus wenden wir zur Verwirklichung dieser Ziele eine realistische
Langzeitstrategie an. Die vordringlichen außenpolitischen Ziele sollten
darin bestehen, die Nation und ihre
Menschen zu schützen und zu verteidigen, entscheidende nationale Interessen der Vereinigten Staaten im Ausland zu wahren, sowie Frieden, Stabilität und Sicherheit auf der ganzen
Welt durch demokratische Selbstbestimmung und wirtschaftlichen Wohlstand zu fördern.

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Wir vertreten die Auffassung, daß
sich unsere Politik auf die drei Eckpfeiler Stärke, Realismus und Dialog
gründen muß, wenn wir diese Ziele
verwirklichen wollen.
Die Außenpolitik der Republikaner
basiert auf einem Frieden, der durch
stetige Vorkehrungen für unsere nationale Sicherheit bewahrt wurde und
hat den INF-Vertrag hervorgebracht,
mit dem eine gesamte Kategorie von
Nuklearwaffen abgeschafft wurde. Die
Entschlossenheit
und
Willenskraft
Amerikas brachten zusammen mit der
zuverlässigen Unterstützung unserer
europäischen Verbündeten die Sowjets
zurück an den Verhandlungstisch und
ermöglichten eine einschneidende Reduzierung
der Nuklearwaffen.
Der
INF-Vertrag wurde nicht einseitig

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�durch Konzessionen oder die Aufhebung
von Waffenprogrammen erzielt.
Die heutige Außenpolitik der Republikaner wurde auf die Probe gestellt und hat sich bewiesen. Unsere
Formel für den Erfolg basiert auf einer realistischen Einschätzung der
Welt von heute, und nicht auf einer
Wunschvorstellung.
Der sowjetische
Rückzug aus Afghanistan ist nicht das
Ergebnis glücklicher Umstände oder
der für den Kreml notwendigen Einsparung einiger Rubel. Er ist ein direktes Resultat republikanischer Aussenpolitik, der sogenannten ReaganDoktrin:
unserer Entschlossenheit,
denjenigen Menschen die entscheidende
Hilfe zu leisten, die lieber aufrecht
sterben als sich dem Joch einer von
sowjetischer Seite aufgezwungenen Unterdrückung beugen wollen.
Unterstützung für die Freiheitskämpfer und
damit einhergehende Verhandlungsbereitschaft können als Modell für unseren Widerstand gegen die Verbreitung des Marxismus in der übrigen
Welt dienen.

len wir die massiven Interventionen
der
gegenwärtigen
demokratischen
Mehrheit im Kongreß in diesem Bereich, die versucht, den Anschein von
Schwäche und Verwirrung zu erwecken
und die erfolgreiche Durchführung der
amerikanischen Außenpolitik zu gefährden.
Die Welt von 1988 beweist den Erfolg des Konzepts von Frieden durch
Stärke und der Reagan-Doktrin zur
Förderung der nationalen Interessen
Amerikas. Unsere Beziehungen zur Sowjetunion gründen sich nunmehr auf
diese entschlossene und realistische
Politik. Ergebnisse wie der INF-Vertrag liefern ein konkretes Beispiel
für die Folgerichtigkeit dieses Konzepts:
- Das afghanische Volk steht kurz
vor der Befreiung seines Landes
von sowjetischer Besatzung und
kann mit unserer anhaltenden Unterstützung seine wirkliche Freiheit sichern.
- In Südostasien haben unsere Politik der Isolation gegenüber Vietnam und unsere Unterstützung des
Widerstands
in Kambodscha zur
Entscheidung Vietnams über den
Rückzug aus Kambodscha beigetragen.

Die Welt erwartet, daß die Vereinigten Staaten die Führungsrolle
übernehmen.
Die Republikaner sind
der Ansicht, daß dies sehr wohl im
Interesse unseres Landes liegt. Aus
diesem Grund werden wir sowohl unsere
Freunde als auch unsere Feinde in die
Pflicht nehmen. Überleben und friedlicher Wettbewerb liegen in unserem
gemeinsamen Interesse.
Dennoch hat
die Reagan-Bush-Administration bewiesen, daß Dialog und Engagement nur
aus einer Position der Stärke heraus
Erfolg zeitigen können. Uns ist bewußt, was die Demokraten anscheinend
vergessen haben: wenn sich Außenpolitik auf Schwäche oder eine unrealistische
Einschätzung
der
Welt
stützt, ist sie zum Scheitern verurteilt.
Wenn sie auf Naivität basiert, wird sie in eine Katastrophe
münden.

Mittel- und Lateinamerika

Unserem Verfassungssystem zufolge
zählt die Durchführung der Außenpolitik zu den ersten Pflichten der Exekutive. Aus diesem Grunde verurtei-

Mittelamerika war für die Vereinigten Staaten immer eine Region
von strategischer Bedeutung.
Dort
ist jetzt Nicaragua - ebenso wie Kuba

- Im südlichen Afrika könnten die
kubanischen Truppen bald aus Angola abziehen und Namibia möglicherweise unabhängig werden.
- Der Krieg zwischen Iran und Irak
steht aufgrund der starken Führungsrolle der Reagan-Bush-Administration bei den Vereinten Nationen und der amerikanischen
Präsenz im Persischen Golf kurz
vor seiner Beendigung.

- 2 -

�- zu einem sowjetischen Vasallenstaat
geworden.
Der Demokratisierungsprozeß in der Region ist nunmehr durch
die sandinistische Militärmasch^nerie
und den aus Nicaragua, Kuba und der
Sowjetunion exportierten bewaffneten
Untergrundkampf direkt bedroht. Die
Sandinisten sind jetzt mit sowjetischen Waffen ausgerüstet, die qualitativ und quantitativ ihren eigenen
Verteidigungsbedarf weit überschreiten.
Dem Volk von Nicaragua werden von
der sandinistischen Junta grundlegenden Menschenrechte, das Recht auf Religionsfreiheit und politische Rechte
verweigert.
Heute schließen sich
Tausende von Nicaraguanern im Kampf
zur Befreiung ihres Heimatlandes von
einem totalitären Regime zusammen.
Die republikanische Partei steht ihnen in diesem Kampf zur Seite und
verpflichtet sich, sie sowohl mit humanitären als auch mit militärischen
Hilfsleistungen
zu
unterstützen.
Frieden ohne Freiheit für das nicaraguanische Volk reicht nicht aus.
Wenn sich die Demokratie nicht
durchsetzt, wenn Nicaragua eine kommunistische Diktatur bleibt, die weiterhin ihre Revolution exportiert,
sind die zerbrechlichen Demokratien
Mittelamerikas in Gefahr. Die republikanische Partei hält in ihrem
Kampf um Frieden, Freiheit und Wirtschaftswachstum zu ihnen. Wir erklären den Menschen und der Regierung in
El Salvador, einem Ziel der aus dem
Ausland gesteuerten Rebellionen, unsere einhellige Unterstützung. Unter
republikanischer Führung sollten die
Vereinigten Staaten auf die Bitte unserer Nachbarn in Mittelamerika um
Militärhilfe eingehen, um die aufstrebenden Demokratien vor den Sowjets, Kuba oder von anderer Seite
unterstützten Revolten zu schützen.
Wir vertreten die Auffassung, daß
die Regierungen
Lateinamerikas im
Kampf gegen den blühenden Drogenhandel in der Region zusammenhalten müssen.
Wir müssen die Anstrengungen
voll und ganz unterstützen, mit denen

Hersteller illegaler Drogen zu anderen Einnahmequellen bewegt werden.
Die Republikaner "erden sich so
lange jeder Normalisierung der Beziehungen mit der kubanischen Regierung
widersetzen, wie Fidel Castro das kubanische Volk unterdrückt und internationalen Terrorismus und Drogenhandel unterstützt. Wir werden die Einführung direkt vom kubanischen Volk
gewählten repräsentativen Regierungsform weiterhin vehement unterstützen.
Wir bekräftigen unsere Hilfe für Radio Marti und fordern die Gründung
von TV Marti, um das unterdrückte kubanische Volk besser erreichen zu
können.
Panama stellt die in den vergangenen acht Jahren erzielten Fortschritte in der Region vor eine andere Herausforderung.
Unsere Politik
muß dem autoritären Militärregime und
dem Drogen-Terrorismus ebenso entschieden entgegentreten wie der kommunistischen Tyrannei und der Subversion durch die Guerilla. Diese Politik muß entschieden dafür eintreten,
alle
bekannten
Drogen-Terroristen
oder Drogenhändler in ihren Heimatländern oder vor den Gerichten der
Vereinigten Staaten ihrer gerechten
Bestrafung zuzuführen. Die Republikaner betrachten den Panamakanal als
entscheidende strategische Verbindung
zwischen Atlantik und Pazifik. Wir
vertreten die Auffassung, daß der
freie und ungehinderte Zugang zum Panamakanal gewährleistet sein muß, wie
er im Panamakanal-Vertrag als Grundprinzip niedergelegt ist. Wir bekennen uns zur der historischen Partnerschaft und Freundschaft zwischen den
Menschen in Amerika und Panama.

Die Sowjetunion; Neue Herausforderungen und bleibende Realitäten
Die Republikaner sind stolz darauf, daß es ein republikanischer Präsident war, der die Botschaft der
Freiheit in die Sowjetunion trug.
Ein neuer republikanischer Präsident
wird auf diesen Erfolgen am besten

- 3-

�aufbauen können und aufgrund der langen Geschichte des sowjetischen Expansionismus und der falschen Versprechungen stets auf der Hut sein.
Wir sind bereit, echte Reformen anzuerkennen, aber Amerika darf nicht unvorbereitet sein, sollte sich diese
Reform als illusorisch erweisen.
Die sowjetischen Forderungen nach
Frieden und Harmonie auf der Welt haben einen hohlen Klang, wenn man sie
mit der anhaltenden sowjetischen Unterstützung kommunistischer Guerillas
und Regierungen in der Dritten Welt
vergleicht.
Sogar in Afghanistan
treten die Sowjets den Rückzug an nicht als Ergebnis einer wohlwollenderen Sichtweise der Welt, sondern
wegen des Mutes der entschlossenen
Mujahedin-Freiheitskämpfer, die von
den Vereinigten Staaten voll unterstützt werden.
Die
sowjetische
Militärmacht
nimmt zu.
Immer mehr Panzer und
Flugzeuge verlassen sowjetische Produktionsstätten, zwei- bis dreimal so
viele wie in den Vereinigten Staaten.

stungskontrolle um ihrer selbst willen oder um jeden Preis ist naiv und
gefährlich.
Die Republikaner werden weiterhin
mit der neuen sowjetischen Führung
zusammenarbeiten. Aber die Bedingungen des Verhältnisses werden sich
nach der konsequenten Einhaltung bestimmter Grundsätze richten:
- Menschenrechte und das Recht auf
Religionsfreiheit in der Sowjetunion,
- Reform der
schaft,

sowjetischen

Wirt-

- Aufgabe der sowjetischen Unterstützung für kommunistische Regime, radikale Gruppen und Terroristen,
- Verifizierbare vollständige Einhaltung aller RUstungskontrollabkommen,
- das Recht auf freie Ausreise für
alle Bürger der Sowjetunion,

Die
sowjetische
Militärdoktrin
hat weiterhin offensiven Charakter,
wie es die einschüchternde Präsenz
großer sowjetischer Panzerdivisionen
in Osteuropa demonstriert. Das ist
die Realität des militärischen Einsatzkonzepts.

- Abbau der massiven offensiven Fähigkeiten
der
Sowjetunion
im
strategischen und konventionellen
Bereich.
Mit anderen Worten die
sowjetische
Militärdoktrin
muß im Einklang mit ihrem Text
stehen,

Mit einer realistischen Betrachtungsweise der Sowjetunion und einem
angemessenen
Stellenwert
der Rüstungskontrolle in den amerikanischsowjetischen
Beziehungen
hat
die
Reagan-Bush-Administration das historische INF-Abkommen mit der Sowjetunion geschlossen. Gegenwärtig sind
Verhandlungen mit der Sowjetunion
über einen Abbau strategischer Nuklearwaffen um die Hälfte möglich, weil
das amerikanische Volk Vertrauen in
die Führungsrolle der Republikaner
bekundet.
Das amerikanische Volk
weiß, daß für die Republikaner kein
Abkommen besser ist als ein Vertrag,
der die Sicherheit der freien Welt
gefährdet. Die Durchführung von Rü-

- keine Gewährung von nicht-zweckgebundenen Krediten mehr, insbesondere keine Kredite mehr für
allgemeine Zwecke, mit denen die
Sowjets die dringend benötigte
harte Währung erhalten, um ihre
schwache Wirtschaft zu stärken
und den illegalen Erwerb amerikanischer Technologie zu erleichtern.
Die Republikaner bekennen sich
stolz zur Reagan-Doktrin:
Amerikas
Engagement
zur
Unterstützung
der
Freiheitskämpfer gegen kommunistische
Unterdrückung, die Freiheit und den
menschlichen Geist zerstört. Wir begrüßen die Befreiung Grenadas. Wir

�bekräftigen unsere Unterstützung für
die heldenhaften Kämpfer des afghanischen Widerstandes und verpflichten
uns, ihnen bis zum Ende ihres Kampfes
beizustehen. Wir geloben den demokratischen Befreiungsbewegungen auf
der ganzen Welt unsere politishe und
materielle Unterstützung.
Die Republikaner vertreten die
Auffassung, daß Menschenrechte dort
am ehesten verwirklicht werden, wo
die Freiheit auf dem Vormarsch ist.
Wir fordern die sowjetische Regierung
auf,
ihre
politischen
Gefangenen
freizulassen, den Dissidenten und anderen Regimekritikern die freie Ausreise zu gestatten und die Religionsfreiheit
einzuführen.
Sowjetische
Juden, Christen und andere ethnische
und religiöse Gruppen werden systematisch verfolgt, das Recht auf Ausreise wird ihnen verweigert, und sie
dürfen ihren Glauben nicht praktizieren. Diese Situation ist unerträglich, und die Republikaner fordern
ein Ende all dieser diskriminierenden
Praktiken.
Wir unterstützen den Wunsch nach
Freiheit und Selbstbestimmung all jener, die in totalitär beherrschten
Staaten leben.
Die republikanische
Partei verurteilt die Unterdrückung
der freien Willens der Polen, Ungarn,
Tschechoslowaken, Bürger der DDR,
Bulgaren, Rumänen und Albanier. Wir
unterstützen den Wunsch nach Freiheit
der Esten, Letten, Litauer, Ukrainer,
der Menschen im Kaukasus und anderer
Völker, die in der Sowjetunion gefangengehalten sind.
Wir unterstützen
die Gewerkschaftsbewegung Solidarität
in Polen.
Wir halten die Verletzung der
Menschenrechte aus religiösen oder
kulturellen Gründen für unvereinbar
mit unseren Werten. Tragödien in der
Geschichte - wie etwa der Holocaust
oder die schrecklichen Verfolgungen,
die das armenische Volk erdulden mußte - sind lebhafter Beweis für die
notwendige Wachsamkeit beim Schutz
und der Förderung der Menschenrechte.
Wir müssen zusammen mit anderen si-

cherstellen, daß sich solche Tragödien niemals wiederholen.
Die Republikanische Partei begrüßt die weitsichtigen Bemühungen
der Reagan-Bush-Administration um den
Ausbau der für unsere Öffentlichkeitsarbeit
eingesetzten
elektronischen Kommunikationsmittel, mit denen wir die totalitär beherrschten
Länder erreichen. Der Stimme Amerikas, Worldnet, Radio Free Europe und
Radio Liberty kommt bei unserer Öffentlichkeitsarbeit
eine
führende
Rolle zu. Diese elektronischen Kommunikationsmittel sind die treibende
Kraft und Multiplikatoren der Wahrheit. Sie bekämpfen eines der dunkelsten Kapitel des Totalitarismus:
die Unterdrückung des Volkes durch
Kontrolle von Informationen.
Wir
drängen auf den verstärkten Einsatz
moderner Technologien wie etwa Direktübertragungssatelliten und Videobändern sowie von Fernseh- und Rundfunkübertragungen, um den Wert der
Freiheit des Einzelnen auf der ganzen
Welt zu verbreiten.

Europa und die Verteidigung des
Westens
Die Republikaner sind der Überzeugung, daß der weitere Ausbau des
Handels zwischen Europa und den Vereinigten Staaten zum Nutzen des amerikanischen Volkes und seiner europäischen Freunde ist.
Diese Wirtschaftsbeziehung muß sich jedoch auf
das Prinzip des freien und fairen
Handels gründen. Protektionismus und
andere gegen amerikanische Produkte
gerichtete
Handelshemmnisse
werden
nicht geduldet.
Das amerikanische
Volk fordert wirtschaftliche Fairneß
im amerikanisch-europäischen Handel.
Der vor kurzem unterzeichnete
INF-Vertrag hat bewiesen, daß der
NATO-Doppelbeschluß
zum Aubau der
NATO-Nuklearstreitkräfte
in
Europa
und gleichzeitige Verhandlungen über
Rüstungsbegrenzungen mit der Sowjetunion der einzige Weg waren, um die
sowjetische Führung zur Annahme be-

- 5 -

�deutender Reduzierungen bei den Nuklearwaffen zu bewegen.
Angesichts
der sowjetischen Propagandaangriffe
in den achtziger Jahren hat die NATO
als geschlossenes Bündnis ihre Flexibilität unter Beweis gestellt. Ermutigt durch die starke Führungsposition der Vereinigten Staaten nahm Europa eine unerschütterliche Haltung
gegenüber den sowjetischen Forderungen nach einem Atomstopp und einseitiger Abrüstung ein.
Amerikanische Hilfsleistungen und
der Fleiß der Europäer haben Westeuropa erneut zu einer Position weltweiter Stärke verholfen. In diesem
Zusammenhang ist die Republikanische
Partei der Auffassung, daß alle Mitgliedsstaaten der NATO ihren Teil der
Verteidigungslast tragen sollten.
Die Republikaner erachten Konsultationen und Zusammenarbeit mit unseren Verbündeten und Freunden als vorrangiges Ziel des Bündnisses, um der
Verbreitung von Technologie für ballistische Raketen Einhalt zu gebieten. Wir sind der Überzeugung, daß
die
andauernde
Unterstützung
der
Strategischen Verteidigungsinitiative
zu der Versicherungspolice im Bereich
der Verteidigung führen wird, die das
amerikanische Volk für sich und seine
Verbündeten wünscht.

Der Nahe Osten

Wir werden unsere strategische
Beziehung zu Israel weiter festigen,
indem wir zusätzlich konkrete Schritte zur weiteren Institutionalisierung
unserer
Partnerschaft
unternehmen.
Dies beinhaltet die Aufrechterhaltung
eines angemessenen Umfangs an Militär- und Wirtschaftshilfe; die Fortsetzung unserer Treffen zu militärischer, politischer und wirtschaftlicher Kooperation und Koordination;
die Bereitstellung militärischen Geräts; die Entwicklung gemeinsamer
Pläne für jedwede Eventualität und
vermehrte gemeinsame See- und Luftübungen.
Die Zunahme der sowjetischen Militärpräsenz im östlichen
Mittelmeer und entlang der Südflanke
der NATO ist Beweis für die vordringliche Entwicklung und Erweiterung der
strategischen Beziehung zwischen den
Vereinigten Staaten und Israel.
Wir lehnen die Schaffung eines
unabhängigen Palästinenserstaates ab;
seine Gründung steht den Sicherheitsinteressen Israels, Jordaniens und
der Vereinigten
Staaten entgegen.
Wir werden die Schaffung irgendeiner
palästinensischen Gruppe, die Israels
Sicherheit aufs Spiel setzen könnte,
in keiner Weise unterstützen.
Die Republikaner werden auf die
Bestrebungen der Reagan-Bush-Administration aufbauen und anhand der folgenden Prinzipien auf Frieden zwischen Israel und seinen arabischen
Nachbarn hinarbeiten:

Die Grundlage unserer Politik im
Nahen Osten war und ist die Förderung
eines stabilen und andauernden Friedens in Anerkennung unserer moralischen und strategischen Beziehungen
zu Israel. Mehr als jede vorherige
Regierung hat die Reagan-Bush-Administration diese Partnerschaft gefestigt. Als Ergebnis dessen sind die
Beziehungen zwischen den Vereinigten
Staaten und Israel enger als je zuvor.
Wir werden Israels qualitativen
Vorteil gegenüber jedem Gegner oder
jeder Gruppe von Gegnern weiterhin
aufrechterhalten.

- 6 -

- Ein gerechter und andauernder
Frieden ist unabdingbar und vordringlich und kann nur durch direkte Verhandlungen zwischen Israel und den arabischen Nationen
verwirklicht werden.
- Friedensverträge müssen durch direkte
Verhandlungen
erarbeitet
werden und dürfen niemals einem
Partner aufgezwungen werden, der
dazu nicht bereit ist.
- Die PLO sollte keine Rolle im
Friedensprozeß spielen, es sei
denn, sie erkennt Israels Exi-

�stenzrecht an, akzeptiert Resolution 242 und 338 des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen, sagt
sich vom Terrorismus los und entfernt die Sprachregelung aus ihrer Charta, mit der die Vernichtung Israels gefordert wird.

menarbeit mit den pro-westlichen arabischen Staaten aufbauen. Wir sind
uns bewußt, daß diese arabischen Länder trotz möglicher VTgeltungsschläge durch radikale Elemente im Nahen
Osten freundliche Beziehungen zu den
Vereinigten Staaten unterhalten.

Wir sind der Überzeugung, daß Jerusalem eine ungeteilte Stadt sein
soll, mit freiem und ungehindertem
Zugang zu allen heiligen Stätten für
Menschen aller Konfessionen.

Die ständigen Auseinandersetzungen im Libanon liegen nicht im Interesse der Vereinigten Staaten.
Bis
wieder Ordnung herrscht, wird der Libanon eine Quelle
internationaler
Terrorakte und regionaler Instabilität sein. Um den Normalzustand im
Libanon
wiederherzustellen,
müssen
die Vereinigten Staaten der überwiegenden Mehrheit der Libanesen hilfreich zur Seite stehen, die sich einem unabhängigem, friedlichen und demokratischen
Libanon
verpflichtet
fühlen.

Die Republikaner erachtten Ägypten als Mittler in der arabischen
Welt für die Sache des regionalen
Friedens und der Sicherheit.
Aus
diesem Grund sind die Vereinigten
Staaten unserer Ansicht nach an der
anhaltenden wirtschaftlichen Entwicklung Ägyptens äußerst interessiert.
Als einzige arabische Nation, die
formell Frieden mit Israel geschlossen hat, profitiert Ägypten jetzt davon.
Ägyptens
Unterstützung
des
Camp-David-Abkommens beweist, daß ein
arabisches Land mit Israel Frieden
schließen, ein Verbündeter der Vereinigten Staaten sein und gleichzeitig eine gute Position in der arabischen Welt beibehalten kann. Die
Republikaner unterstützen die formelle Anerkennung Ägyptens als wichtigstem Verbündeten außerhalb der NATO
durch die Reagan-Bush-Administration.
Unsere anhaltende Unterstützung
Ägyptens und anderer pro-westlicher
arabischer Staaten ist elementarer
Bestandteil der Politik der Republikanischen Partei. Zur Unterstützung
dieser Politik haben wir Seestreitkräfte in die Region entsandt, damit
sie gemeinsam mit den Verbündeten die
Schiffahrtsrouten während des iranisch-irakischen Krieges offenhalten.
Wir erkennen auch die besondere Rolle
der gemäßigten arabischen Staaten bei
der Unterstützung der amerikanischen
Sicherheitsinteressen an.
Die Republikaner werden auf die
Errungenschaften der Reagan-Bush-Administration und somit auf eine verbesserte sicherheitspolitische Zusam-

Um dieses Ziel zu verwirklichen,
werden wir die Politik der Vereinigten Staaten auf folgende Prinzipien
gründen: Einheit des Libanon; Abzug
aller
ausländischen
Streitkräfte;
territoriale Integrität des Libanon;
Wiederherstellung der Regierungsgewalt und die erneute Bestätigung der
libanesischen Souveränität im ganzen
Land in Anerkennung der Tatsache, daß
die Gewährleistung dieser Souveränität in der Verantwortung der libanesischen Regierung liegen muß. Wir
werden dem Libanon beim Wiederaufbau
seiner Gesellschaft behilflich sein,
damit religiöse Gruppierungen ebenso
wie in der Vergangenheit auch in Zukunft nebeneinander bestehen können,
der internationale Handel blühen kann
und internationaler Terrorismus der
Vergangenheit angehört.
Seit nahezu vier Jahrzehnten haben die strategischen, wirtschaftlichen und politischen Interessen der
Vereinigten Staaten in der Region ihren Niederschlag in der amerikanische
Politik am Persischen Golf gefunden.
Die republikanische Politik verfolgt
drei Hauptziele:

- 7 -

- Gewährleistung
transports.

des

freien

Öl-

�- Die Ausdehnung des sowjetischen
Einflusses zu verhindern.
- Unterstützung der Unabhängigkeit
und Stabilität der Staaten in der
Region.

Bekämpfung des internationalen
Terrorismus und Bewältigung unterschwelliger Konflikte
Die Art der Kriegsführung an sich
hat sich gewandelt. Terrorismus ist
eine einzigartige Form der Kriegsführung, mit der die Sicherheit und Stabilität weltweit angegriffen und bedroht wird. Angefangen von dem mißglückten Attentat auf den Papst über
Anschläge auf Clubs der amerikanischen Streitkräfte in Europa mit
Autobomben bis hin zur Einschleusung
von Drogen in den Westen versucht der
Terrorismus, die Freiheit als unveräußerliches Recht des Menschen niederzukämpfen.
In dieser Kampagne des Terrors
haben sich das totalitäre Lager und
anti-westliche Fanatiker zusammengetan.
Die Ziele ihres subversiven
Krieges gegen die Demokratien sind
der Abzug unserer Truppen im Ausland
und der Widerruf unserer Freiheiten
im Inland.
Die Republikanische Partei ist
der Überzeugung, daß die Vereinigten
Staaten zur Vereitelung von Terroranschlägen nachrichtendienstliche Fähigkeiten unvergleichlichen Ausmaßes
aufrechterhalten müssen. Falls Terroranschläge weder verhindert noch
abgewehrt werden können, müssen die
Vereinigten

Staaten

unserer

Ansicht

nach bereit sein, eine angemessene
Mischung von diplomatischem, politischem und militärischem Druck sowie
Mittel zur Bekämpfung des Terrorangriffs einzusetzen. Die Vereinigten
Staaten müssen weiterhin auf die Verpflichtung des Westens drängen, im
Bereich des Terrorismus eine Politik
"ohne Konzessionen" zu verfolgen.

Bush-Administration zu ihrer Bereitschaft, gegen Terroristen wie Libyens
Oberst Ghaddafi gemäßigt vorzugehen.
Wir bekräftigen unsere Entschlossenheit, sein gesetzeswidriges Regime
weiterhin zu isolieren. Wir begrüßen
die unverzügliche Verabschiedung des
Gesetzes über diplomatische Sicherheit und Terrorismusbekämpfung durch
die
Reagan-Bush-Administration
im
Jahr 1986. Wir stehen unerschütterlich zu unserer Verpflichtung, alle
von terroristischen Elementen im Nahen Osten als Geiseln gefangengehaltenen Amerikaner zu befreien. Wo immer möglich, werden wir diejenigen
zur Rechenschaft ziehen, die für solche abstoßenden Taten verantwortlich
sind. Wir unterstützen ferner ausländische Militärhilfe, dank derer
befreundete Nationen für ihre eigene
Verteidigung
sorgen
können, einschließlich der Verteidigung gegen
Terroranschläge.
Wir sind uns der wachsenden Bedrohung unserer nationalen Sicherheit
durch den Terrorismus bewußt. Wir
werden den Terrorismus aktiv bekämpfen und sind bereit, gemeinsam
mit anderen Nationen oder - falls erforderlich - auch im Alleingang, Terroranschläge zu vereiteln oder darauf
zu reagieren. Unsere Politik konzentriert sich auf präventive Maßnahmen
zur Terrorismusbekämpfung; Zusammenarbeit mit den Verbündeten und auf
internationaler Ebene; Verhandlungen
über ein internationales Abkommen,
das präventive und aktive Maßnahmen
gegen Terroristen und Drogenterrorismus erleichtert, sowie die Schaffung
einer multinationalen Einsatztruppe,
die im Einklang mit dem multinationalen Abkommen operiert und auf Terrorismusbekämpfung,
nachrichtendienstliche Ermittlungen und Zerschlagung
des Drogenhandels spezialisiert ist.

Wir beglückwünschen die Reagan-

- 8-

* * * * * *

�AMERIKA DIENST
'1*

Hintergrundmaterial

""**" ck

24. August 1988

30

DIE WAHLEN IN AMERIKA 1988

WAHLPLATTFORM DER REPUBLIKANER WERTVOLLE AUSSAGE FÜR BUSH-KAMPAGNE
- Artikel über die Positionen beim Parteikonvent -

NEW ORLEANS - (AD) - Die Wahlplattform der republikanischen Partei, mit
der die Leitlinien der bevorstehenden Präsidentschaftswahlkampagne von Vizepräsident Bush festgelegt werden, spiegelt in hohem Maße die konservativen Ansichten wider, die in den acht Jahren der Reagan-Administration vorgeherrscht
haben.

In der beim nationalen Parteikonvent am 16. August verabschiedeten,
104 Seiten starken Grundsatzerklärung
wird insbesondere die Führungsrolle
der Vereinigten Staaten in der Welt
hervorgehoben.
Im Bereich der Außenpolitik muß
der Plattform zufolge die vordringliche Zielsetzung darin bestehen, die
Nation und ihre Menschen zu schützen
und zu verteidigen, entscheidende nationale
Interessen der Vereinigten
Staaten im Ausland zu schützen, mit
Hilfe der durch Demokratie hervorgebrachten Selbstbestimmung und wirtschaftlichen
Wohlstandes
Frieden,
Stabilität
und Sicherheit auf der
ganzen Welt zu fördern.
In

anderen

wichtigen

Abschnitten

United States Information Service
Embassy of the United States of America

der Plattform wird die verbesserte
internationale Zusammenarbeit bei der
Bekämpfung des Drogenhandels gefordert wie auch strukturelle Veränderungen, mit deren Hilfe Verschwendung
in der Regierung unter Kontrolle gebracht werden kann, verbesserte Fähigkeiten in Wissenschaft und Technologie und die Wiederherstellung der
amerikanischen
Vormachtstellung
im
Weltall.
Der Vorsitzende des Wahlplattform-Ausschusses, Gouverneur Kay Orr
aus Nebraska, bezeichnete das Dokument
als "wertvolle
Aussage, die
George
Bush
in seiner
Präsidentschaftswahlkampagne
dem
amerikanischen Volk übermitteln kann".
Die

Plattform,

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D 5300 Bonn 2

die

George

Bush

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�vom 106 Mitglieder umfassenden Ausschuß erbat, ist lang und ausführlich
und unterscheidet sich erheblich von
der acht Seiten umfassenden Plattform, die die Demokraten vor einem
Monat vorgestellt haben.

- Die
Regierungen
Lateinamerikas
"müssen zusammenhalten, um den in
dieser Region blühenden Drogenhandel zu besiegen".
- "Wir sind gegen die Bildung eines
unabhängigen
Palästinenserstaates" im Nahen Osten.

Der Vizepräsident erklärte vergangene Woche in einer Rede am ersten
Arbeitstag des Ausschusses, es sei
eine Aussage erforderlich, die auf
einzelne Bereiche eingeht, um dem
"auf Täuschung angelegten Text" der
Demokraten entgegenzutreten.
Die Republikaner erklärten, die
Plattform der Demokraten ziele darauf
ab, "die linke Einstellung" und ebensolche
Ansichten
eines
Präsidentschaftskandidaten
- des Gouverneur
von Massachusetts, Michael Dukakis zu verbergen, der seine Kampagne offensichtlich eher auf Fragen der Kompetenz als auf Konzepte ausrichte.
Bush erklärte, eine sehr detaillierte Plattform anzustreben, damit
die am 8. November zu den Urnen gehenden Amerikaner sich "ein möglichst
klares Bild des Kandidaten, der Parteien und der von ihnen verkörperten
Philosophien machen zu können".
Die Plattform
der
Republikaner
umfaßt einen großen Teil der konservativen Philosophie Reagans, betont
aber auch schwerpunktartig Themen wie
Umweltschutz und berührt neue Themen
wie etwa Kinderbetreuung.
Sie beinhaltet die Forderung nach
einer baldigen Stationierung der von
den
Demokraten
abgelehnten Strategischen Verteidigungsinitiative.
Die
Demokraten
fordern
ein Verbot von
Weltraumwaffen.
Einige der
im außenpolitischen
Teil der Plattform dargelegten Punkte:
- Die republikanische Partei verpflichtet
sich
zu
"humanitären
und militärischen" Hilfsleistungen für die antisandinistischen
Kräfte in Nicaragua.

- "Die Republikaner mißbilligen das
System der Apartheid in Südafrika
und betrachten es als moralisch
verwerflich."
Im Rahmen der Weltwirtschaftspolitik geht die Plattform auf die Bereitschaft der Republikaner ein, mit
den ASEAN-Ländern und anderen Handelspartnern wie etwa Taiwan Freihandelsabkommen zu schließen.
Sie heißt Menschen anderer Länder
in den Vereinigten Staaten willkommen, fordert aber eine Erweiterung
des Rechts der Regierung auf Kontrolle der amerikanischen Grenzen. Darüber hinaus fordert sie die Verbündeten der Vereinigten Staaten auf, gemeinsam mit den Vereinigten Staaten
Verantwortung für die Wiederansiedlung von Flüchtlingen zu übernehmen.
Die Plattform beschreibt Maßnahmen zur Behandlung des Drogenproblems, fordert härtere Urteile - einschließlich
der Todesstrafe - für
führende Drogenhändler und engere Zusammenarbeit mit anderen Regierungen
bei der Vernichtung des internationale Drogenimperiums.
In der Wissenschaft befürworten
die Republikaner eine "kreative Partnerschaft zwischen Regierung und Privatsektor, damit die Dynamik und Kreativität von Forschung und Technologie in der Wissenschaft weiterhin gewährleistet ist." Die Plattform fordert ferner die Wiederherstellung der
amerikanischen Vorherrschaft auf dem
Gebiet der Erforschung des Weltraums.
Andere Abschnitte der Plattform
empfehlen strukturelle Veränderungen
im Haushaltsprozeß der Regierung, mit
denen Verschwendung unter Kontrolle

- 2 -

�gebracht werden kann sowie multilaterale Aktionen
zur Öffnung ausländischer Märkte für amerikanische Produkte etwa durch das Allgemeine Zollund Handelsabkommen (GATT).
Die Plattform der
Republikaner
enthält ferner die einhellige Absage
an Steuererhöhungen und die Unterstützung
für Mehrausgaben
im Bildungswesen. Und sie spricht sich gegen den Urlaub von Häftlingen aus,
die wegen Mordes und anderer Verbrechen verurteilt sind - eine kontroverse Frage, die Dukakis befürwortet.
Zwei Punkte, in denen beide Parteien in ihren Plattformen übereinstimmen,
betreffen
die
ablehnende
Haltung gegenüber der Legalisierung
von Betäubungsmitteln und die Unterstützung eines funktionsfähigen Sozialhilfesystems für ältere Menschen
in Amerika.
Nur
zwei Mitglieder des Wahlplattform-Ausschusses der Republikaner hielten ihr Dokument für "nicht
liberal genug", dennoch gab es keine
Forderungen
nach einem Zusatz der
Minderheit im Protokoll des Konvents,
so daß es beim Parteikonvent nicht zu
Diskussionen kam.
Der Stellvertretende Vorsitzende
des
Ausschusses,
Senator
Robert
Kasten aus Wisconsin, erklärte, die
Plattform seiner Partei konzentriere
sich auf Probleme, wohingegen die der
Demokraten eher vage sei. "Der Kampf
der Plattformen und Problembereiche
ist die wichtigste Schlacht, die in
der
Präsidentschaftswahlkampagne
zu
schlagen sein wird", erklärte Kasten.

* * * * * *

- 3

�AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

24. August 1988

30

DIE WAHLEN IN AMERIKA 1988
QUAYLE VERTRETER EINER NEUEN GENERATION IN POLITISCHER VERANTWORTUNG
Porträt des republikanischen Kandidaten für die Vizepräsidentschaft

WASHINGTON - (AD) - Der von George Bush als Vizepräsidentschaftskandidat
der Republikaner ausgewählte Senator aus Indiana, James Danforth (Dan) Quayle,
erscheint vielen als Vorbote für die Zukunft der Partei, da er als erster Politiker der Nachkriegsgeneration in dieser Partei landesweiten Einfluß gewinnt.

Bei der Vorstellung des 41jährigen Senators bezeichnete Bush ihn auf
einer Pressekonferenz am 16. August
als "einen Mann der Zukunft", und
Wahlkampfleiter James Baker begrüßte
die Wahl des Vizepräsidenten als
"kühnen Brückenschlag zwischen den
Generationen".
Viele Delegierte auf dem republikanischen Konvent brachten sogleich
ihre Hoffnung
zum Ausdruck, daß
Quayle als erster Kandidat seiner Generation für ein solch hohes Amt in
der Lage sein werde, viele junge Wähler für die Republikaner zu gewinnen.
Der
Kongreßabgeordnete
Dick
Cheney, Mitglied der republikanischen
Führung im Repräsentantenhaus, sagte
über Quayle: "Er Ist eine exzellente

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Wahl...
Es gibt viele unter uns
Vierzigern, die glücklich sind, daß
ein Kollege, einer von uns, in die
FUhrungsmannschaft aufgenommen wurde."
Der zweimalige Senator und Favorit der Konservativen in der Republikanischen Partei wurde im Jahr 1980,
dem Jahr nach Reagans erstem Erdrutschsieg, erstmalig zum Senator gewählt.
Dem Congressional Quarterly
Magazine zufolge unterstützte Quayle
in 80 bis 90 Prozent der Abstimmungen
die Politik von Präsident Reagan.
Der außerhalb seines Heimatstaates Indiana fast unbekannte Quayle
hatte durch seine Arbeit in den Senatsausschüssen für Haushalt, Arbeit
und Arbeitsmarktpolitik
sowie für
Streitkräfte Gelegenheit, solide po-

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D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�litische Leistungen zu erbringen.
Als Mitglied des Streitkräfteausschusses war Quayle ein energischer
Gegner des kürzlich von beiden Kammern verabschiedeten Verteidigungsbewilligungsgesetzes, gegen das Präsident Reagan sein Veto eingelegt hat.
Quayles Einschätzung des Gesetzes und insbesondere seine scharfe Kritik
an der Kürzung der Gelder für die
Strategische
Verteidigungsinitiative
sowie an der Einbeziehung restriktiver
RUstungskontrollvorschriften
spiegelte sich später in der Begründung Präsident Reagans für sein Veto
wider.
Quayle spielte auch bei der Reform des militärischen Beschaffungswesens zur Mitte der achtziger Jahre
eine wichtige Rolle, indem er das
Verfahren verstärkt dem Wettbewerb
unterwarf.

blembereiche in enger Übereinstimmung
mit dem Vizepräsidenten. Beide Kandidaten befürworten die Unterstützung
des
nicaraguanisehen
Widerstands,
sind gegen schärfere Kontrollen für
den Waffenbesitz und die Liberalisierung der Abtreibungsgesetze, und beide unterstützen die Todesstrafe für
führende Drogenhändler.
Trotz der ihm nachgesagten konservativen Haltung in Steuerfragen
stimmte Quayle im Jahr 1982 mit der
Mehrheit der Republikaner im Senat
für Steuererhöhungen.
In anderen Fällen vertrat er andere Meinungen als seine konservativen Mitstreiter, insbesondere in Fragen der Umwelt, der Stadtentwicklung
und der Bürgerrechte, zum Beispiel:
- Im Jahr 1983 unterstützte Quayle
eine Gesetzesinitiative der Demokraten, die den Kohleabbau auf
von der Regierung gepachtetem
Land untersagte, während eine
Überprüfung durch den damaligen
Innenminister James Watt noch
ausstand.

Obwohl er für die Ratifizierung
des INF-Vertrags stimmte, gehörte er
zu dessen aktivsten Kritikern im Senat. Seinen Anhängern zufolge trug
seine Rolle in der langen Senatsdebatte dazu bei, die Parameter für die
Gespräche
zur Reduzierung strategischer Waffen (START) zu definieren.

- Im Jahr 1987 war er unter denjenigen, die das Veto Präsident
Reagans gegen das Gesetz zur Wasserreinhaltung überstimmten.

In einem Interview am 17. August
wies Außenminister Shultz Vermutungen
zurück,
daß
Quayles
anfängliche
Opposition gegen den INF-Vertrag Uneinigkeit mit Vizepräsident Bush bedeutet, der den Vertrag von Anbeginn
unterstützte.
"Was Senator Quayle getan hat,"
erklärte Shultz, "war, ihn (den INFVertrag) in allen Einzelheiten zu untersuchen.
Er hat wirklich seine
Hausaufgaben gemacht, er hat sich
sehr sorgfältig damit beschäftigt.
Er hat sich einfach nicht auf die
Aussagen anderer verlassen, daß der
Vertrag gut sei. Und nachdem er zufriedengestellt war, hat er ihn unterstützt."

sich

Im allgemeinen befindet Quayle
bei vielen der wichtigen Pro-

- Im Jahr 1986 gehörte er zu denjenigen, die Reagans Veto gegen
Südafrikasanktionen überstimmten.
- 1982 stimmte er entgegen den Wünschen der Administration für die
Vergabe von Krediten zu niedrigen
Zinsen an Ersterwerber einer Immobilie.
Quayle ist außerdem als treibende
Kraft hinter dem Partnerschaftsgesetz
zur beruflichen Ausbildung des Jahres
1982 bekannt, einem Programm, das der
Ausbildung von Arbeitskräften für Arbeitsplätze in der Privatwirtschaft
dient. Er arbeitete eng mit dem demokratischen Senator Edward Kennedy
zusammen, und das Gesetz erhielt von
führenden Vertretern beider Parteien

- 2 -

�viel Lob.
Einer von denen, die Quayles Rolle rühmten, war der Vorsitzende des
Republikanischen
Nationalkomitees,
Frank Fahrenkopf, der seine Bemühungen als Beweis dafür zitierte, daß er
ein "mitfühlender Staatsmann ist...
(der) davon überzeugt ist, daß die
Rolle der Bundesregierung darin besteht, sicherzustellen, daß jeder
Amerikaner die gleiche Chance für einen guten Arbeitsplatz und eine schöne Zukunft hat".

Bei der Wahl zum Senat im Jahr
1980 besiegte Quayle den demokratischen Veteranen Birch Bayh.
Im
Jahr 1986 wurde er mit 61 Prozent der
Stimmen wiedergewählt - dem höchsten
jemals in Indiana erzielten Stimmenanteil.
Quayle und seine Frau Marilyn,
geb. Tucker, haben drei Kinder.

Fahrenkopf bezeichnete Quayle als
"einen der besten Experten des Senats
zur Verteidigungspolitik" und fügte
hinzu, daß der junge Senator "sich
einen Namen für konstruktive Ideen
und innovative Lösungen gemacht hat.
Er fürchtet sich nicht davor, sich
den Problemen der nächsten Generation
zu stellen - er ist die nächste Generation".
Quayle wurde am 4. Februar 1947
in Indianapolis als Sohn einer prominenten
Verlegerfamilie
geboren.
Sein Großvater war Eugene Pulliam,
der Besitzer des Indianapolis Star
und der Arizona Republic. Im Jahr
1969 machte er an der Depauw University Examen, und im Jahr 1974 verließ
er die Indiana University Law School
mit einem Abschluß In Rechtswissenschaft.
Während seines Dienstes in der
Nationalgarde von 1969 bis 1975 war
Quayle im Büro des Justizministers,
im Büro des Gouverneurs und in der
Finanzbehörde des Staates Indiana tätig.
Nach seinem Ausscheiden aus dem
Staatsdienst praktizierte er in Indianapolis als Rechtsanwalt und war
Mitherausgeber der Zeitung im Besitz
seiner Familie, der Huntington Herald
Press.
Vor seiner Wahl zum Senator war
er zwei Amtsperioden lang Abgeordneter
des
amerikanischen
Repräsentantenhauses.

- 3-

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AMERIKA DIENST
Wissenschaft und Technik

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24. August 1988

30

GESUNDHEITSVORSORGE DURCH VERNÜNFTIGE ERNÄHRUNG
Umfassender Bericht der amerikanischen Regierung mit Studien aus allen
einschlägigen Forschungsgebieten -

WASHINGTON - (AD) - Eine drastische Reduzierung des Fettkonsums fordert
Dr. C. Everett Koop, als "Surgeon General" der ranghöchste Gesundheitsbeamte
der Vereinigten Staaten, von der amerikanischen Bevölkerung.

Begründung:
Über die Zusammenhänge zwischen Ernährung und Gesundheit bzw. über langfristige Auswirkungen falscher Ernährung auf das
Auftreten
von
Herzerkrankungen,
Schlaganfall, Diabetes, einige Formen
von Krebs und bestimmte andere Krankheiten könne kein Zweifel mehr bestehen. Dies zeige der Ende Juli 1988
vom amerikanischen Gesundheitsministerium veröffentlichte neue Bericht,
der die umfassendste Sammlung von
Studien auf diesem Gebiet überhaupt
darstellt.
Ernährungswissenschaftler, Ärzte und Fachkräfte der verschiedensten Fachrichtungen im Gesundheitswesen werden ihn als ungemein reichhaltige Informationsquelle
zu schätzen wissen.
Die

Todesursache

bei

etwa

zwei

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Dritteln der im Jahr 1987 verstorbenen 2,1 Millionen Amerikaner hat dem Bericht zufolge - mit der Ernährungsweise im Zusammenhang gestanden.
Der Fettgehalt der täglichen Nahrung
liege bei 37 Prozent, also weit höher
als die von der "American Heart Association" seit langem als Maximalwert vorgeschlagenen 30 Prozent. Die
notwendige Menge an Faserstoffen
ca. 30 Gramm pro Tag - werde bestenfalls zur Hälfte erreicht.
Seine wichtigsten Empfehlungen,
nämlich Verringerung der Fett- und
Cholesterinaufnahme sowie des Kochsalz- und Alkoholkonsums, der Gewichtskontrolle, einer abwechslungsreichen Ernährung unter Einbeziehung
von Gemüse, Obst und Vollkornprodukten sind nicht neu. Aber sie stützen

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�sich nunmehr auf sehr viel Beweismaterial, das aus den verschiedensten
Gebieten der Forschung zusammengetragen wurde. Otis R. Bown, amerikanischer Minister für das Gesundheitsund Sozialwesen, bezeichnete es als
noch umfassender als das Material,
auf dessen Grundlage in den sechziger
Jahren der bahnbrechende Bericht über
"Rauchen und Gesundheit" erstellt
wurde.
Die Schwierigkeiten bei der Bestimmung kausaler Zusammenhänge zwischen Ernährung und Gesundheit werden
keineswegs verkannt. "Eine Kombination (und Wechselwirkungen) zahlreicher umweit- und verhaltensbedingter
sowie sozialer und genetischer Faktoren" trügen zu den auf die Ernährung
zurückzuführenden
Krankheiten
bei,
heißt es in dem Bericht. Welchen Anteil allein die Ernährung habe, sei
nicht genau auszumachen.
Zwar ist
eine Reihe von Experten überzeugt,
daß Ernährungsgewohnheiten ganz allgemein z.B. für etwa ein Drittel oder
mehr Fälle von Krebs verantwortlich
zu machen sind und ähnliches in etwa
für koronare Herzerkrankungen gilt.
Jedoch stützen sich diese Ansichten
auf die Interpretation von Studien,
bei denen Ernährung nicht getrennt
von genetischen Gegebenheiten, persönlichem Verhalten und der Umweltsituation betrachtet werden könnte.

Beispiel werden die Zusammenhänge
zwischen fetter Ernährung und hohem
Cholesterinspiegel mit Herzerkrankungen herausgestellt, für die eine Fülle von Beweismaterial vorliege: "Die
Ähnlichkeit in Ergebnissen der Laborforschung, der klinischen und epidemiologischen Forschung, die offensichtlichen
Zusammenhänge
zwischen
Dosis und Wirkung in diesen Studien,
die Beobachtung, daß höhere Werte des
Blutcholesterinspiegels mit gesättigten Fettsäuren, jedoch nicht mit anderen Fettsäuren etwas zu tun haben,
und die plausiblen biologischen Erklärungen für diese Beobachtungen erhärten alles in allem die Schlußfolgerung in bezug auf Kausalität - zumindesten bei bestimmten Personentypen bzw. Gruppen.
Als wichtigste allgemeine Empfehlung nennt der Bericht:

Manche Menschen seien nun einmal
aufgrund ihrer Erbanlagen für koronare Herzerkrankungen, Schlaganfall und
Diabetes disponiert.
Das Zusammenwirken solcher Anlagen mit Ernährungsgewohnheiten sei dann mitbestimmend für das individuelle Risiko.
Zum gegenwärtigen Zeitpunkt machten
es derartige Zusammenhänge noch unmöglich, den Anteil chronischer Erkrankungen, der durch Ernährungsänderungen verringert werden könnte, sicher zu ermitteln. Fest stehe nur,
daß die Ernährung wesentlich zur Entwicklung dieser Krankheiten beitrage
und ihnen durch eine Ernährungsumstellung vorgebeugt werden könne.
Als

besonders

eindrucksvolles
- 2 -

- Verminderung des Konsums von Fetten, insbesondere von gesättigten
Fettsäuren, die den Blutcholesterinspiegel ansteigen lassen, sowie von cholesterinhaltigen Nahrungsmitteln.
Vorzuziehen seien
kohlenhydrat- und
faserstoffhaltige Nahrungsmittel wie Gemüse
(einschließlich getrockneter Bohnen und Erbsen), Obst und Vollkornprodukte, außerdem Fleisch,
Geflügelfleisch ohne Haut, mageres anderes Fleisch und Molkereiprodukte mit niedrigem Fettgehalt.
Zur
Speisenzubereitung
sollte wenig oder überhaupt kein
Fett verwendet werden.
- Man sollte ein wünschenswertes
Körpergewicht anstreben und aufrechterhalten.
Dazu ist einen
Ernährungsweise angebracht, bei
der
die
Kalorienaufnahme
dem
Energieverbrauch entspricht.
An
Kalorien
relativ
reichhaltige
Nahrungsmittel, Fette und Zucker
sollten begrenzt, der Alkoholkonsum auf ein Minimum reduziert
werden. Regelmäßige und mit bestimmtem
Kraftaufwand
durchgeführte körperliche Aktivität ist
wichtig.

�- Die Kochsalzaufnahme sollte durch
die Wahl salzarmer Speisen, den
Verzicht auf zu viel Salz bei der
Speisenzubereitung und Nachsalzen
bei Tisch verringert werden.
- Zurückhaltung bei Alkohol: Man
sollte sich pro Tag keinesfalls
mehr als zwei Drinks genehmigen,
besser auf sie ganz verzichten.
Während der Schwangerschaft sollten Frauen überhaupt keinen Alkohol trinken.

Im Interesse bestimmter Personengruppen wird empfohlen:
- Trinkwasserfluoridierung in allen
gemeindeeigenen
Leitungen
zur
Verhinderung von Karies. Dieses
Verfahren hat sich in den Vereinigten Staaten als eine der erfolgreichsten Maßnahmen erwiesen.
- Begrenzter Zuckerkonsum bei Personen, speziell bei Kindern, die
für Zahnfäule besonders anfällig
sind.
- Junge
Mädchen
und
erwachsene
Frauen sollten mehr kalziumreiche
Nahrungsmittel,
einschließlich
fettarmer
Molkereiprodukte,
zu
sich nehmen, um das Risiko einer
späteren Osteoporose (Entkalkung
der Knochen) zu verringern.
- Mädchen und Frauen im gebärfähigen Alter sollten stets nur Speisen zu sich nehmen, die genügend
Eisen enthalten - beispielsweise
mageres rotes Fleisch, Fisch, bestimmte Bohnenarten, mit Eisen
angereicherte
Nährmittel
und
Vollkornprodukte. Der Konsum Vitamin-C-haltiger Nahrung erhöht
die Wahrscheinlichkeit, daß der
Körper Eisen ausreichend absorbiert und verwertet.

* * * * * *

- 3-

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Berliner flauer Beweis des gescheiterten Traums vom Kommunismus&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Präsident Reagans Erklärung zum Jahrestag des Mauerbaus&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Neuer Bericht fordert bessere Lastenverteilung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Auszüge aus der Kongreßstudie&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Wahlen in Amerika 1988&lt;br /&gt;Die Außenpolitik der Republikaner: Stärke, Realismus, Dialog&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Auszüge aus der außenpolitischen Wahlplattform der Republikaner&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wahlplattform der Republikaner wertvolle Aussage für Bush-Kampagne&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Artikel über die Positionen beim Parteikonvent&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Quayle Vertreter einer neuen Generation in politischer Verantwortung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Porträt des republikanischen Kandidaten für die Vizepräsidentschaft&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Gesundheitsvorsorge durch vernünftige Ernährung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Umfassender Bericht der amerikanischen Regierung mit Studien aus allen einschlägigen Forschungsgebieten&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
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