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                    <text>9. Mai 1984

19

I N H A L T

DOKUMENTATION
Präsident Reagan unterstreicht Bedeutung der KVAE
- Erklärung zum Beginn der zweiten Konferenzrunde Reagan: Brutale Taktiken der Sowjets in Afghanistan
- Erklärung des US-Präsidenten zur jüngsten Sowjet-Offensive
Abschlußbericht der Scowcroft-Kommission

HINTERGRUNDMATERIAL
Die XXIII. Olympischen Spiele in Los Angeles
- (3) Training für Höchstleistungen -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Neue Strategien gegen Malaria gesucht
- Resistenzentwicklung größtes Problem

Um Uber/endung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�9. Mai 1984

19

PRÄSIDENT REAGAN UNTERSTREICHT BEDEUTUNG DER KVAE
- Erklärung zum Beginn der zweiten Konferenzrunde -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Reagan hat erneut auf die Bedeutung der
Stockholmer Konferenz über Vertrauens- und Sicherheitsbildende Maßnahmen und
Abrüstung in Europa (KVAE) hingewiesen und betont, es sei jetzt wichtig, in
ernsthafte Verhandlungen über die konkreten Vorschläge einzutreten, die der
Westen in der ersten Konferenzrunde unterbreitet habe.

Der Westen, so unter-

strich der amerikanische Präsident in einer am 5. Mai 1984 veröffentlichten
Erklärung, sei zu einem ernsthaften Dialog bereit.
Die Erklärung Reagans hat folgenden Wortlaut:
Die zweite Runde der Konferenz über Vertrauens- und Sicherheitsbildende
Maßnahmen und Abrüstung in Europa beginnt in Stockholm am Dienstag, den 8.
Mai 1984. Die KVAE entstand aus dem "Helsinki-Prozeß", in dessen Rahmen wir
und unsere Verbündeten ausgewogene Fortschritte im Bereich der Sicherheit
und der Menschenrechte anstreben.

Die KVAE-Verhandlungen begannen im Januar

dieses Jahres und stellen einen vielversprechenden neuen Teil des Dialoges
über Fragen der europäischen Sicherheit dar.

Zu den Teilnehmerländern gehö-

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Teilnehmerländern gehören die Vereinigten Staaten, Kanada, unsere europäischen
Verbündeten, die neutralen Staaten Europas sowie die Mitglieder des Warschauer
Paktes.
Die KVAE ist ein wichtiger neuer Weg zur europäischen Sicherheit.

Wir

und unsere Verbündeten streben ein Abkommen über praktische und vernünftige
Möglichkeiten an, um das Risiko eines Überraschungsangriffes sowie die Unsicherheit und das Potential für Mißverständnisse hinsichtlich militärischer
Aktivitäten in Ost und West zu vermindern.

Die Einheit des Westens war ein

entscheidend wichtiger Faktor in dem erzielten Fortschritt und wird es auch
bleiben.
Während der Unterbrechung der Konferenz haben wir enge Konsultationen
mit unseren Verbündeten und anderen Teilnehmerstaaten geführt. Auf mein Ersuchen hin hat unser Botschafter bei der KVAE, James Goodby, soeben Konsultationen auf höherer Ebene in mehreren Hauptstädten, darunter auch Moskau,
abgeschlossen.

Er hatte einen umfassenden und nützlichen Meinungsaustausch

mit sowjetischen Regierungsvertretern.
Jetzt ist es wichtig, in ernsthafte Verhandlungen über die konkreten
Vorschläge einzutreten, die der Westen während der ersten Runde unterbreitet
hat.

Diese Vorschläge sollen:

- das beiderseitige Wissen und Verständnis in bezug auf militärische
Streitkräfte und Aktivitäten in Europa vertiefen;
- die Möglichkeit eines Krieges aufgrund von Fehleinschätzungen vermindern;
- die Fähigkeit aller fördern, mit potentiellen Krisen fertig zu werden;
und
- die Möglichkeit, daß militärische Aktivitäten zur politischen Einschüchterung benutzt werden, auf ein Mindestmaß herabsetzen.
Die westlichen

�Die westlichen Nationen sind zu einem ernsthaften Dialog über diese
Fragen bereit.

Wir hoffen, daß dies auch für den Osten gilt.

Unsere der

Stockholmer Konferenz unterbreiteten Vorschläge sind Teil unserer weitergehenden Anstrengungen, in einem Geist echter Zusammenarbeit im Hinblick auf
die Rüstungskontrolle und die Ost-West-Beziehungen voranzukommen.

Vor zwei

Wochen hat Vizepräsident Bush der Abrüstungskonferenz in Genf einen neuen
amerikanischen Vorschlag für ein umfassendes, weltweites Verbot der chemischen
Waffen unterbreitet.

In der gleichen Woche haben wir und unsere NATO-Verbün-

deten bei den Wiener Verhandlungen über eine beiderseitige und ausgewogene
Truppenreduzierung (MBFR) einen neuen Vorschlag eingebracht.

Diese Initiative

soll den toten Punkt bei den Verhandlungen über eine Verminderung der konventionellen Streitkräfte in Mitteleuropa überwinden.
Bei all diesen drei Verhandlungen bemühen wir uns nachdrücklich um echte
Fortschritte. Genauso entscheidend wichtig ist es jedoch, in der dringenden
Frage der Verminderung der nuklearen Rüstung voranzukommen. Ich hoffe zutiefst, daß die Sowjetunion dem Wunsch der Völkergemeinschaft - und ihres
eigenen Volkes - nachkommt und zu den Verhandlungen über strategische und
nukleare Mittelstreckenraketen zurückkehren wird. Die Möglichkeit für vernünftige Fortschritte auf dem Gebiet der Rüstungskontrolle ist vorhanden.
Die sowjetischen Führer sollten dies nützen. Unsere Vertreter sind bereit,
an die zwei Verhandlungstische zurückzukehren, und wir werden in gutem Glauben verhandeln. Wie ich schon früher gesagt habe: Wann immer die Sowjetunion dazu bereit ist, werden wir ihr auf halbem Wege entgegenkommen.

- 3 -

�9. Mai 1984

19

REAGAN: BRUTALE TAKTIKEN DER SOWJETS IN AFGHANISTAN
Erklärung des US-Präsidenten zur jüngsten Sowjet-Offensive

FAIRBANKS, ALASKA - (AD) - Die jüngste sowjetische Offensive in
Afghanistan unterstreiche erneut die brutalen, gegen die Zivilbevölkerung
gerichteten Taktiken Moskaus, erklärte Präsident Reagan am 1. Mai in Fairbanks, Alaska.

In der vom Weißen Haus veröffentlichten Verlautbarung verur-

teilte Reagan mit allem Nachdruck die Angriffe der Sowjets im Pandschir-Tal
in Afghanistan, die der dortigen Zivilbevölkerung unsägliches neues Leid zufügten.

Der amerikanische Präsident hatte auf dem Rückflug von der Volksre-

publik China nach den USA in Alaska einen Zwischenaufenthalt eingelegt.
Die Erklärung Reagans hat folgenden Wortlaut:
Wir verurteilen mit allem Nachdruck die sowjetische Eskalation der
Kriegführung im Pandschir-Tal in Afghanistan.

Diese neuen militärischen Hand-

lungen der Sowjets sind in verschiedener Hinsicht beispiellos; dazu gehören
die große Truppenstärke, die im Pandschir-Tal gegen die afghanischen Widerstandskämpfer aufgeboten wird, sowie die für Afghanistan erstmalige Flächenbombardierung aus großer Höhe, die der Zivilbevölkerung unsägliches neues
Leid zufügt.
Diese jüngste

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Telex: 8-85432

�Diese jüngste sowjetische Offensive, die massivste in der vierjährigen
Geschichte der sowjetischen Besetzung Afghanistans, unterstreicht erneut die
brutalen, gegen die Zivilbevölkerung gerichteten Taktiken der Sowjetunion in
ihrem Bemühen, ein unabhängiges Land zu unterwerfen.

Dies verschlimmert die

Instabilität der Region und wirft ernsthafte Fragen hinsichtlich der Aufrichtigkeit sowjetischer Erklärungen auf, wonach Länder keine Gewalt gegeneinander anwenden sollten.
Diese neuen sowjetischen Handlungen untergraben in ernsthafter Weise die
Suche nach einer auf dem Verhandlungswege erreichten politischen Lösung, die
sich auf die vier Elemente der wiederholten Afghanistan-Resolutionen der Vollversammlung der Vereinten Nationen stützt:
1. Abzug der sowjetischen Truppen;
2. Wiederherstellung des unabhängigen und blockfreien Status Afghanistans;
3« Selbstbestimmung für das afghanische Volk; und
4. Erlaubnis für die zwangsweise geflüchteten Afghanen, sicher und ehrenhaft in ihr Land zurückzukehren.
Die Vereinigten Staaten verpflichten sich weiterhin, diese international
vereinbarten Ziele zu verwirklichen.

Es ist allerhöchste Zeit, daß die Sowjet-

union die Wünsche der Völkergemeinschaft respektiert und die Qualen und das
Leid beendet, die sie dem afghanischen Volk auferlegt hat.

+ + + + +

�9. Mai 1984

19

ABSCHLUSSBERICHT DER SCOWCROFT-KOMMISSION

WASHINGTON - (AD) - Die von Präsident Ronald Reagan eingesetzte Kommission für die strategischen Streitkräfte - Scowcroft-Kommission - hat dem
Präsidenten einen Abschlußbericht vorgelegt, den das Weiße Haus am 23. März
1984 veröffentlicht hat.

Dieser Bericht hat folgenden Wortlaut:

Sehr geehrter Herr Präsident,
in ihren Bericht vom 11. April 1983 hat Ihre Kommission für die strategischen Streitkräfte Ihnen ein integriertes strategisches Programm empfohlen,
das Sie dann gebilligt haben.

Seine Hauptelemente sind eine begrenzte Dislo-

zierung der MX-Rakete, die Entwicklung einer kleinen Interkontinentalrakete
mit einem Gefechtskopf und eine Rüstungskontrollstruktur, die den Schwerpunkt
auf die Förderung der strategischen Stabilität legt.

Die Kommission ist der

Überzeugung, daß es auf jedes dieser Elemente ankommt, wenn das Programm auch
wirklich von Nutzen sein soll.

Die Kommission hat ständig betont, daß ein

überparteiliches Vorgehen für die Formulierung und die Annahme amerikanischer
strategischer Programme wie auch für die Rüstungskontrolle von entscheidender
Bedeutung ist. Alle bisherigen Erfolge der Kommission hingen wesentlich von
diesem überparteilichen Prozeß ab; und wenn ein weiterer Erfolg erzielt werden

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�erzielt werden soll, dann muß der Dialog zwischen Exekutive und Kongreß
genährt und verstärkt werden.
Nachdem die Kommission ihren Bericht unterbreitet hat, haben Sie sie darum gebeten, an den Erörterungen über die Revision Ihrer START-Vorschläge teilzunehmen, die den Sowjets auf der Sitzungsperiode im Oktober 1983 unterbreitet
wurden.

Ein Großteil dieses Dialogs war wegen der Vertraulichkeit der Verhand-

lungen nicht öffentlich.
wohl bei der MX-Rakete

Es liegt auf der Hand, daß weiterer Fortschritt soals auch bei der kleinen Rakete entscheidend von dem

Verlauf der Rüstungskontrollverhandlungen abhängt.

Daher ist die Kommission

bei Betonung all ihrer Empfehlungen der Auffassung, daß es wichtig ist, sich
in diesem Abschlußbericht an Sie auf die Rüstungskontrollaspekte ihrer früheren
Empfehlungen zu konzentrieren.

Die MX-Rakete
Der Bericht der Kommission - und ein Großteil der Debatte, die sich
an Ihre Billigung anschloß - konzentrierten sich verständlicherweise auf die
Empfehlungen bezüglich der MX-Rakete. Das war die Frage, die eine sofortige
gesetzgeberische Maßnahme erforderte. Das MX-Programm erhielt 1983 zwar in
der Öffentlichkeit und im Kongreß wesentliche Unterstützung. Es muß jedoch
auch in diesem Parlamentsjahr mit erheblicher Opposition im Kongreß rechnen.
Die weitere Verwirklichung des MX-Programms ist nach dem Urteil der Kommission
daher nicht nur weitgehend von nachhaltigen Bemühungen der Administration abhängig, sondern auch von dem parallelen Fortschritt bei den anderen Elementen
des integrierten Programms.

Die kleine

�Die kleine Rakete

Die Kommission hat die ersten Schritte überprüft, die in Verfolg des Programms für die Entwicklung einer kleinen Interkontinentalrakete mit einem Gefechtskopf unternommen worden sind.

Es wurde eine unabhängige Beratungs-

gruppe auf hoher Ebene unter dem Vorsitz des im Ruhestand lebenden Luftwaffengenerals Bernard Schriever eingesetzt, um die Luftwaffe in dem Entwicklungsprogramm für die kleine Rakete zu beraten.

Dieser Ausschuß unterbreitete

im August vorigen Jahres seine sorgfältige abgewogenen Empfehlungen, die eine
feste Grundlage für

ein gesundes Entwicklungsprogramm bilden.

Es gibt Elemen-

te in diesem Programm, die anhaltende Aufmerksamkeit auf hoher Ebene verdienen,
wie etwa die Größe der Rakete, das Lenksystem, das Datum des ersten Probeflugs
und die Gesamtkosten des Systems.

Die Kosteneffektivität der kleinen Rakete

wird weitgehend von der Existenz eines RüstungskontrollUmfeldes abhängen, das
die Zahl der Gefechtsköpfe und das Wurfgewicht von Interkontinentalraketen
stark einschränken würde.

Es ist daher eine entscheidend wichtige Aufgabe

der MX-Rakete, einen Anreiz für ein solches Rüstungskontrollumfeld zu bieten.

Rüstungskontrolle

Zu Beginn der Diskussion über die Vorschläge der Kommission erhielten
deren Rüstungskontroilempfehlungen die am wenigsten detaillierte Aufmerksamkeit.

Diese Empfehlungen basierten auf unserer festen Überzeugung, daß sich

die Rüstungskontrolle weniger auf reine Zahlenadditionen, sondern mehr auf
die strategische Stabilität insgesamt konzentrieren sollte.

Dieser Standpunkt

wurde in dem Bericht durch das Beispiel der negativen Auswirkung der Zählregeln der Rüstungskontrolle auf die Stabilität verdeutlicht.

Der enttäuschende bisherige Verlauf der amerikanisch-sowjetischen
Rüstungskontrollverhandlungen könnte zu der Frage führen, warum wir überhaupt versuchen sollten, formelle Rüstungskontrollmaßnahmen anzustreben.

Wa-

rum sollten wir uns nicht einfach auf die natürliche Vernunft und Klugheit

- 3 -

�und Klugheit der beiden Supermächte und die Einschränkungen durch die Rüstungskosten verlassen, um die strategische Konkurrenz im Rahmen zu halten?

Diese

Frage ist angesichts der vielen Erwartungen, die wir in der Vergangenheit bezüglich der Rüstungskontrolle gehegt haben, besonders aktuell. Gerade wegen dieser vielen Enttäuschungen in der Rüstungskontrolle ist es wichtig, daß wir unsere Erwartungen im Rahmen halten und erkennen, was Rüstungskontrolle erreichen
kann und was nicht.
Rüstungskontrolle kann die Drohung eines Atomkrieges nicht beenden.
Obwohl zwar die Wahrscheinlichkeit eines Atomkrieges verringert werden kann,
werden wir mit der Drohung leben müssen, denn wir können die Erfindung der
Kernwaffen nicht ungeschehen machen.

Wenn wir uns etwas anderes vorstellen,

dann ergibt sich für uns die paradoxe Situation, daß das unerreichbare Beste
der Feind des erreichbaren Guten ist. Die Rüstungskontrolle selbst wird kaum
die Verluste und die Schäden verringern, wenn es zu einem Atomkrieg kommen
sollte.

Man braucht nur eine kleine Zahl von Kernwaffen, um der Zivilbevöl-

kerung unvorstellbaren Schaden zuzufügen.

Wenn man versuchte, die Arsenale

jeder Seite auf "sichere" Mengen zu verringern, so hieße das, Instabilitäten
zu riskieren, die selbst wieder die Wahrscheinlichkeit eines Atomkrieges erhöhen würden.

Stabilität auf höherem Niveau ist einer Instabilität auf nied-

rigerem Niveau vorzuziehen.
Nukleare Rüstungskontrolle wird es uns nicht ermöglichen, starke oder
baldige Kürzungen unserer Verteidigungshaushalte vorzunehmen. Günstigstenfalls kann sie das Tempo der Zunahme des Haushalts verringern. Strategische
Nuklearstreitkräfte machen überlicherweise weniger als 15 Prozent des Gesamtverteidigungshaushaltes aus. Wenn man die Rüstungskontrolle auf die nichtnuklearen Streitkräfte ausdehnt, dann könnte das potentiell eine günstige Auswirkung auf den Verteidigungshaushalt haben, aber die Probleme, um die es sich
bei der nuklearen Rüstungskontrolle handelt, sind einfach im Vergleich zu
denen der Kontrolle der konventionellen Streitkräfte. Wenn also vielleicht
einige Einsparungen gemacht werden können, so darf man nicht mit großen Einsparungen rechnen. Es ist sogar so, daß eine Verringerung der Nuklearstreit-

�der Nuklearstreitkrä'fte die Notwendigkeit für eine Erhöhung der Stärke und
damit der Kosten für konventionelle Streitkräfte hervorrufen könnte.

Während

die Rüstungskontrolle demnach zwar keine solchen illusorischen Ziele erreichen
kann, so kann sie doch einen wesentlichen Beitrag zur Sicherheit der Vereinigten Staaten leisten.

Ein nuklearer Konflikt wäre so verheerend, daß wir - bei

allem Schutz unserer Freiheit und unserer Lebensinteressen - keinen Weg unversucht
lassen

dürfen, um die Möglichkeit zu verringern, daß ein solcher Konflikt

überhaupt entsteht.

Die zentrale Zielsetzung unserer Rüstungskontrollan-

strengungen sollte daher darin bestehen, die Sicherheit der Vereinigten Staaten durch eine Erhöhung der strategischen Stabilität zu fördern.

Erhöhte

strategische Stabilität verringert die Möglichkeit, daß ein nuklearer Konflikt
zwischen beiden Seiten - den weder die eine, noch die andere Seite will - ausbrechen wird.

Bei all dem, um das es geht, ist dies von großer Bedeutung.

Es gibt noch andere Ziele, die die Rüstungskontrolle erreichen kann.
Durch Rüstungskontrolle mag es manchmal möglich sein, einige der Ausgaben
für Waffensysteme zu vermeiden, die sonst disloziert würden.

Ein wichtiges

Beispiel ist der Vertrag über Raketen-Abwehrraketen (ABM-Vertrag) von 1972.
Er erlaubte beiden Seiten, auf große Ausgaben für Systeme zu verzichten, die
bei dem damaligen Stand der Technologie nur von geringer Wirksamkeit gewesen
wären.
Allein die Tatsache, daß RüstungskontrollVerhandlungen stattfinden, ist
von Nutzen.

Die Erörterungen, die stattgefunden haben, haben im Laufe der

Jahre auf beiden Seiten das Verständnis erweitert für die strategischen Konzepte, die Prioritäten, die Hoffnungen und die Befürchtungen der jeweils anderen Seite. Auch wenn dieser Dialog gelegentlich mühsam sein mag, so kann
er doch das Element der Überraschung verringern und das Verständnis für bestimmte militärische Programme oder Handlungen fördern, die andernfalls in
gefährlicher Weise fehl interpretiert werden könnten.
Und schließlich sollte Rüstungskontrolle betrieben werden, weil die
Völker der Welt das von ihren Führern erwarten.

- 5 -

Das ist ein Grund, der in

�der in einer Demokratie besondere Bedeutung hat.

Aber auch wenn es ein Man-

dat für Rüstungskontroilbemühungen ist, so verpflichtet es doch die Regierungen dazu, keine übertriebenen Erwartungen bezüglich der Resultate aufkommen
zu lassen, die irgendein

Rüstungskontrollprozeß bringen könnte.

Selbst nach

den Enttäuschungen der letzten Jahre machen sich noch viele Menschen übertriebene Vorstellungen von den Beiträgen, die die Rüstungskontrolle leisten kann.
Daß es nicht gelungen ist, diese Erwartungen zu erfüllen, wird nur zu häufig
der Unfähigkeit oder der Obstruktion der VerhandlungsfUhrer zugeschrieben,
statt den großen Schwierigkeiten, bei der ideologischen Kluft und der Asymmetrie der Streitkräftestrukturen bestimmte Gebiete gemeinsamen Interesses
zu finden.
Manche Leute betrachten natürlich Rüstungskontrolle als eine Falle für
demokratische Gesellschaften - als ein Instrument, das von den Sowjets manipuliert wird, um den Westen von wesentlichen militärischen Entwicklungs- und
Dislozierungsprogrammen wegzulocken.

Während eine solche Gefahr zwar nicht

außer acht gelassen werden darf, so dürften doch sorgfältige Definition und
Verfolg realistischer Rüstungskontrollmaßnahmen ausreichen, diese Gefahr zu
verhüten.
Wir können kein Ende der amerikanisch-sowjetischen Konkurrenz absehen,
die immer wieder zu Krisen führen wird. Was wir durch eine Kombination von
Rüstungskontroll- und Waffenprogrammen tun können und tun müssen, ist, die
Chancen zu verringern, daß solche Krisen zu einem Atomkrieg führen.

Strategische Streitkräfteentwicklung und Asymmetrien
Es ist eine Voraussetzung für weiteren Fortschritt, daß wir bezüglich
dessen, was wir von der Rüstungskontrolle fordern und erwarten, realistischer
sind. Eines der Haupthindernisse, die es zu überwinden gilt, ist eben die
unterschiedliche Zusammensetzung der strategischen Streitkräfte der beiden
Seiten und die Art und Weise, in der sie sich entwickelt haben. Solche Asym-

�Solche Asymmetrien lassen die unterschiedlichen historischen Erfahrungen,
strategischen Ziele und militärischen Traditionen der beiden Supermächte
erkennen.

In den Vereinigten Staaten haben die strategischen Vorteile der Vielfalt, unsere eigene militärische Tradition als Luft- und Seemacht sowie ein
gewisses Maß an Konkurrenz unter den Teil Streitkräften starke Streitkräfte
an strategischen Bombern und Unterseebooten wie auch eine landgestützte
Streitmacht an Interkontinentalraketen hervorgebracht.

Dies führte zu der

sogenannten Triade an Bombern, landgestützten und seegestützten Raketen.
Die strategischen Streitkräfte äer Sowjetunion entwickelten sich in ganz anderen Bahnen.

Die Sowjets hatten vor oder während des Zweiten Weltkriegs

keine Tradition der strategischen Bombardierung.

Die sowjetischen Luft-

streitkräfte waren den Landstreitkräften zugeteilt und dienten zu deren Unterstützung.

Die Sowjetunion war auch bis vor kurzem keine Seemacht.

Sie

verfügt zwar über eine Reihe großer Seehäfen, aber nur Murmansk und
Petropawlowsk haben das nanze Jahr über freien Zugann zu den Weltmeeren.
Die Ausgänge aus der Ostsee, den Schwarzen Meer und den Häfen in Asien Wladiwostok - können alle von feindlichen Streitkräften blockiert werden.
Geographie und Geschichte haben Rußland zu einer kontinentalen Landmacht
werden lassen mit einer Tradition des großen Machdrucks auf massive Artilleriestreitkräfte.

Wie man unter solchen Umständen erwarten konnte, hat

sich die Entwicklung der sowjetischen strategischen Nuklearstreitkräfte sehr
stark auf Interkontinentalraketen ausgerichtet.

In den ersten Stadien der

Entwicklung der Interkontinentalraketen waren die sov/jetischen Flüssigtreibstoff-Raketen weniger leistungsfähig, ihre Steuer- und KontrollSysteme wenig
platzsparend und ihre Gefechtsköpfe noch nicht so treffsicher, was zu größeren
Gefechtsköpfen als Ausgleich führte.

Nach den ersten Generationen von Inter-

kontinentalraketen entwickelten sich die landgestützten Raketen beider Seiten
in ganz verschiedenen Bahnen.

Während sich die Vereinigten Staaten auf viel

kleinere Raketen verlegten, legten die Sowjets selbst nach wesentlichen technoionischen Fortschritten den Nachdruck weiterhin auf die Größe der Raketen.

Das Ergebnis

�Das Ergebnis all dieser unterschiedlichen Traditionen und technischen
Fähigkeiten sind strategische Streitkräfte, die sich sehr wenig ähnlich sind.
Darüber hinaus hat jede Komponente der strategischen Streitkräfte ihre eigenen
Stärken und Schwächen, die meist von denen der anderen Komponenten verschieden
sind.

Dies wiederum macht es sehr schwierig, den Aufbau der Streitkräfte zu

vergleichen, und jede Seite neigt dazu, bestimmte Aspekte der Streitkräfteposition der anderen Seite als besonders bedrohlich herauszustellen.
So betrachten die Vereinigten Staaten mit Berechtigung die gewaltigen
sowjetischen Raketentriebwerke für Interkontinentalraketen mit großer Besorgnis.

Der technologische Fortschritt der Sowjets, einschließlich der größeren

Treffsicherheit, hat diese Triebwerke für mehr oder größere Gefechtsköpfe für
den Angriff oder für Täuschungsobjekte und andere Durchdringungshilfen verfügbar gemacht, die wertvoll wären, sollte es zu einem Zusammenbruch

oder einer

Verletzung des ABM-Vertrages kommen.
Die Sowjetunion hat auf der anderen Seite Besorgnisse über die amerikanische, mit Marschflugkörpern bestückte, Bomberstreitmacht geäußert.

Eine

Hauptbesorgnis der Sowjets ist, daß die amerikanische Bomberstreitmacht mit
ihren Marschflugkörpern sie mit treffsicheren Gefechtsköpfen überwältigen
könnte, - ungeachtet der längeren Flugzeit und der Verwundbarkeit durch die
Luftabwehr.
Wenn man sich mit Asymmetrien der Streitkräfte befaßt, dann ist es daher
eine der schwierigsten Aufgaben der Rüstungskontrolle, sich auf eine Norm einen Maßstab - für den Vergleich unterschiedlich zusammengesetzter Streitkräfte beider Seiten zu einigen. Es gibt zwei theoretische Methoden, um zu
einem solchen Maßstab zu gelangen. Die erste besteht in einer numerischen
Aufzählung, die festlegt, daß eine bestimmte Mischung - Mix - von Gefechtsköpfen und Trägerwaffen auf der einen Seite erlaubt ist und auf der anderen
Seite eine andere Mix. Dazu bedarf es der Festlegung getrennter Höchstgrenzen
für die Zahlen der land-, see- und luftgestützten Raketen und Gefechtsköpfe
bestimmter Typen, über die jede Seite verfügen kann. Die andere Methode ver-

- 8 -

�Methode versucht für jeden Waffentyp einen Index zu schaffen nach solchen
Maßstäben wie "Zerstörungspotential", so daß es jeder Seite freisteht, jeden
Mix von Waffen zu besitzen, solange er im Rahmen des vereinbarten Maßes an
gesamtem "Zerstörungspotential" oder eines vergleichbaren Maßstabes bleibt.
Natürlich gibt es auch zahllose Kombinationen beider Methoden.
Die Ausarbeitung einer genauen Methodologie für den Vergleich der Streitkräfte beider Seiten ist ein wichtiger Schritt. Jedes vorgeschlagene Rüstungskontrollabkommen trägt zumindest aus der jeweiligen Sache heraus seinen eigenen
Index oder seine eigene Methodologie in sich. Wenn man die Methodologie deutlich macht, dann kann man die Voraussetzungen vergleichen, mit denen unterschiedliche Personen und Gruppen das strategische Gleichgewicht betrachten.
Ein genauer Index könnte also von beträchtlichem Nutzen sein, wenn es darum
geht, die innere Debatte in den Vereinigten Staaten dahingehend zu klären,
wie unser Gesamtindex und das Gleichgewicht aussehen sollten.

Die Methode

eines genauen Indexes sollte auch von Wert sein, wenn es um die Ausarbeitung
strategischer Rüstungskontrollvorschlage geht, die den Sowjets unterbreitet
werden - ob man sich auf die Methodologie als Bestandteil des Verhandlungspakets geeinigt hat oder nicht.
Wenn man erst einen Index der Gleichwertigkeit akzeptiert hat, dann kann
man gleichwertige Verminderungen festlegen. An diesem Punkt spielt die objektive Förderung der Stabilität eine entscheidende Rolle.

Die sowohl für die

Verminderung als auch für die Modernisierung getroffenen Maßnahmen müssen die
Stabilität betonen.

Es gibt zwei generelle Aspekte der Stabilität. Wenn man

beispielsweise, wie Ihre Kommission hervorgehoben hat, Verminderungen ins Auge faßt, dann ist es wichtig, das Verhältnis von Gefechtsköpfen und Zielen
zu verkleinern.

Der am meisten destabilisierende Aspekt der Konzentration

eines großen Teils der eigenen Streitmacht auf Mehrfachgefechtsköpfe (MIRV)
auf Interkontinentalraketen ist der, daß sie es ermöglichen, Interkontinentalraketen mit zahlreichen Gefechtsköpfen zu vernichten, während der Angreifer
das nur mit ein oder zwei Gefechtsköpfen bezahlt.
Der andere

- 9 -

�Der andere Aspekt der Stabilität ist der des Gesamtgleichgewichts der
Streitkräfte.

Wenn nicht beide Aspekte der Stabilität vorhanden sind, dann

könnte das eine Belohnung für einen Erstschlag bedeuten, was zu Instabilität
in einer Krise beitragen würde.

Die Kommission hat die kleine Rakete zum

Teil deswegen empfohlen, um das Verhältnis von Gefechtsköpfen und Zielen zu
verkleinern.

Die begrenzte Dislozierung der MX-Rakete bietet den Sowjets

einen Anreiz, selbst zu kleinen Interkontinentalraketen zu greifen,und leistet
einen unerläßlichen Beitrag zum Gesamtgleichgewicht der Streitkräfte.
Wenn man Regeln für die Modernisierung aufstellt, dann ist es wichtig
zu erkennen, daß in der Technologie sowohl stabilisierende als auch destabilisierende Tendenzen liegen.

Wenn wir auch nicht zu Systemen zurückkehren

können, die zu ihrer Zeit so unverwundbar waren wie die MINUTEMAN- und POLARISRaketen, so sollten doch Rüstungskontroi labkommen auf die Einschränkung destabilisierender und die Förderung stabilisierender Entwicklungen ausgerichtet
sein.

Zu Modernisierungsmaßnahmen könnten auch solche Dinge wie die Härtung

(Verbunkerung), Täuschung oder bestimmte Typen von Defensivsystemen gehören,
um die Kosten des Angreifers zu erhöhen und einen Erstschlag nicht lohnend
zu machen.
Als ein Mittel, um diese Rüstungskontrollziele zu erreichen, ist das
Konzept des Abbaus vorgeschlagen worden. Abbau erfordert die Vernichtung
älterer Gefechtsköpfe als Preis für die Zulassung der Dislozierung moderner
Gefechtsköpfe. Die Zahl der Gefechtsköpfe, die vernichtet werden müßten,
kann variiert werden, um die Dislozierung neuer Systemen größerer Stabilität
zu fördern. Abbau kann eine sehr nützliche Methode sein, aber sie müßte mit
großer Sorgfalt angewandt werden. Es ist beispielsweise wesentlich, daß die
erforderlichen Verminderungen nicht auf eine Weise formuliert werden, daß sie
zur Instabilität beitragen, indem sie das Verhältnis von Gefechtsköpfen und
Zielen vergrößern.
Das erste Ziel der nuklearen Rüstungskontrollbemühungen sollte sein,
dafür zu sorgen, daß die Art der Streitkräfte jeder Seite keinen militärischen

- 10 -

�keinen militärischen Anreiz bietet, in einer Krise einen Erstschlag mit
Kernwaffen zu führen.

Ein Abkommen sollte, wenn irgend möglich, das Gegen-

teil eines militärischen Anreizes für einen Erstschlag schaffen, d.h. das
Kräfteverhältnis sollte für einen Angreifer nach einem Angriff schlechter
sein als zuvor.

Ein solches gegenseitiges Kräfteverhältnis wird - wenn es

überhaupt erreichbar ist - erst nach langwierigen und anhaltenden Bemühungen
über viele Jahre hinweg zustande kommen.
rasche Lösungen.

Es gibt keine Abkürzungswege oder

Mit dem Ziel der Krisenfestigkeit hat jedoch jeder erfolg-

reich ausgehandelte Schritt die unmittelbare Wirkung, den Charakter des strategischen Gleichgewichts zu verbessern.

Verminderung des Risikos eines Krieges aus Zufall

Andere Mittel, mit denen die Stabilität gefördert werden kann, sind ein
Bündel von Maßnahmen, die die Wahrscheinlichkeit eines Krieges aus Zufall vermindern sollen.

Zu solchen Maßnahmen könnten beispielsweise gehören:

ein

bilateraler Informationsaustausch über Schritte, die fälschlicherweise so ausgelegt werden könnten, als seien sie Hinweise auf einen Angriff (Manöver),
ein Dialog zwischen amerikanischen und sowjetischen Verteidigungsexperten sowie Abkommen zur Verbesserung der Verläßlichkeit und Überlebensfähigkeit von
Raketenwarnsystemen.

Eine Vielfalt solcher Maßnahmen, die die Kommunikation

und Berechenbarkeit verbessern sollen, würde

zur Stabilität beitragen, indem

das beiderseitige Verständnis erhöht sowie das Überraschungsmoment und Fehleinschätzung vermindert werden.

Wenn solche Übereinkünfte auch weniger ins

Auge fallen als Abkommen, die direkt mit dem zentralen nuklearen Gleichgewicht
in Zusammenhang stehen, so können sie doch einen sehr wertvollen Beitrag zu
den Zielen der Rüstungskontrolle leisten.

Verifizierung und Einhaltung

Zwei wesentliche und ungelöste Probleme der Rüstungskontrolle sind die
beiden zueinander gehörigen Fragen der Verifizierung und der Einhaltung.

Der

�Einhaltung.

Der RüstungskontroiIprozeß kann auf Zeit nur fortgeführt werden,

wenn die Einhaltung von Abkommen zufriedenstellend und die Verifizierung ausreichend ist, um eine Einhaltung festzustellen und vor einer Nichteinhaltung
abzuschrecken.

Sonst könnte die Zurückhaltung im Hinblick auf Rüstungskontroi 1-

abkommen einseitig erscheinen, und die unerläßliche Unterstützung der Öffentlichkeit würde schwinden»

Weil wir eine offene Gesellschaft haben, die sowje-

tische jedoch geschlossen ist, ist die Verifizierung für uns wichtiger, aber
auch schwieriger zu erlangen als für die Sowjets.

Wir müssen in der Lage

sein, festzustellen - und zwar durch einen Prozeß, zu dem beide Seiten Vertrauen haben - , daß Rüstungskontroll Verpflichtungen in fairer Weise überwacht
werden.

Da beide Seiten sich in zunehmendem Maße strategischen Systemen zu-

wenden, die sich im Hinblick auf ein überleben auf Verschleierung und Mobilität stützen, werden die Probleme der Verifizierung komplexer, und neue Verifizierungstechniken werden vielleicht erforderlich.

Worauf es bei einem ef-

fektiven Verifizierungsprozeß vor allem ankommt, ist die Tatsache, daß er
mit einem hohen Maß an Zuverlässigkeit jede Serie von Verletzungen entdeckt,
die eine bedeutsame Auswirkung auf das strategische Gleichgewicht haben würden.

Die Kommission ist der Ansicht, daß dieses Ziel in unserer Reichweite

bleibt.

Einhaltung besteht aus Verifizierung und einem Konsultations- und

Erklärungsverfahren bei fragwürdigen Ereignissen oder Vorgängen plus einer
daraus resultierenden Feststellung, ob die beobachtete Handlung oder der beobachtete Umstand tatsächlich eine Verletzung darstellen.

Für den Fall der

Nichteinhaltung muß der erste Schritt darin bestehen, Maßnahmen bezüglich
jeder Verletzung zu ergreifen, die in signifikanter Weise das strategische
Gleichgewicht berührt.

Der zweite Schritt muß sein, zu entscheiden, was

hinsichtlich anderer Aktivitäten oder Umstände zu tun ist, die zwar eine Verletzung von Abkommen darstellen, jedoch nur marginale oder unwichtige militärische Bedeutung haben.

Entscheidungen hinsichtlich geringfügiger Verlet-

zungen können sehr schwierig sein.

Wenn sie vielleicht auch keine bedeut-

samen militärischen Auswirkungen haben, unterhöhlen solche Verletzungen dennoch das Vertrauen des amerikanischen Volkes und der amerikanischen Regierung
in die Abkommen selbst.

Darüber hinaus könnte das Nichtergreifen von Maßnahmen

die Sowjets zu der Ansicht ermutigen, sie könnten ungestraft handeln.
- 12 -

Mög-

�handeln.

Möglicherweise wird man jedoch nicht immer auf wirksame Antworten

zurückgreifen können, die in einem angemessenen Verhältnis zu der Verletzung
selbst stehen.

Der richtige Aktionskurs ist daher, ein Kommunikationssystem

für eine Überprüfung und eine Korrektur solcher Verfälle aufrechtzuerhalten.

Die Rolle der strategischen Verteidigung
Die ballistische Raketenverteidigung ist ein entscheidend wichtiger
Aspekt des strategischen Gleichgewichts und steht daher im Mittelpunkt der
Rüstungskontrolle.

Eines der erfolgreichsten Rüstungskontrollabkommen ist

der Raketen-Abwehr-Raketenvertrag (ABM) aus dem Jahr 1972. Dieser Tatsache
sollte es jedoch nicht erlaubt sein, die Möglichkeit zu verschleiern, daß irgendwann einmal technologische Entwicklungen es im Interesse beider Seiten
liegend erscheinen lassen, den gegenwärtigen Vertrag zu verbessern.

Wenn man

sich diesen Fall vor Augen hält, dann ist wichtig, zu unterscheiden zwischen
defensiven Systemen, die die Überlebensfähigkeit offensiver Systeme fördern
sollen, und jenen, die über weite Bereiche der Vereinigten Staaten oder der
Sowjetunion oder sogar über das ganze Gebiet dieser Länder einen Schild legen sollen.

In Richtung auf die Dislozierung einer aktiven Verteidigung

sollte jedoch kein Schritt gemacht werden ohne die sorgfältigste Erwägung
möglicher strategischer Auswirkungen auf dem Gebiet der Rüstungskontrolle.
Die Kommission war ersucht worden, den Vorschlag der Regierung für Forschung
auf dem Gebiet der strategischen Verteidigung zu überprüfen.

Nach Ansicht

der Kommission ist die aufgrund des ABM-Vertrages gestattete Forschung wichtig, um die realistischen Möglichkeiten festzustellen, die die Technologie
bieten mag, genauso wie man gegenüber der Möglichkeit eines Ausbrechens der
anderen Seite aus dem ABM-Vertrag auf der Hut sein muß.

Die strategischen

Auswirkungen der Raketenverteidigung sowie die entscheidend wichtige Bedeutung des ABM-Vertrages für weitere Rüstungskontrollabkommen machen äußerste
Vorsicht notwendig, wenn man mit technischen Entwicklungen auf diesem sensitiven Gebiet vorangeht.
Einfrieren der

- 13 -

�Einfrieren der Kernwaffen
Ein Aspekt der Rüstungskontrolle, der überaus populär geworden ist,
ist das Einfrieren der Kernwaffen

Es gibt verschiedene Varianten eines

solchen Einfrierens; im allgemeinen soll jedoch darunter eine beiderseitige,
verifizierbare Beendigung der Dislozierung nuklearer Waffen, ihrer Entwicklung und Erprobung verstanden werden wie auch die Beendigung der Herstellung
und Erprobung nuklearer Gefechtsköpfe und Gefechtskopfmaterials«

Oberfläch-

lich gesehen erscheint dies überaus attraktiv aufgrund der Annahme, dies sei
einfach und Verhandlungen seien leicht zu führen.
Eine genauere Überprüfung eines solchen Schrittes läßt jedoch eine Anzahl ernsthafter Fehler und Schwachstellen erkennen« Der erste dieser Denkfehler bezieht sich auf die angenommene Leichtigkeit von Verhandlungen, SALT I
war ein teilweises Einfrieren, d,h« ein Einfrieren nur hinsichtlich einiger
Kategorien und Aspekte der Raketenabschußeinrichtungen« Darüber mußte man
vier Jahre lang verhandeln,, SALT II weitete das Einfrieren auf zusätzliche
Kategorien aus und schloß auch einige zusätzliche andere Punkte ein,, Darüber
mußte sieben Jahre lang verhandelt werden« Keiner dieser beiden Verträge
schloß so etwas wie die Zahl und die Komplikationen der vielen Aspekte ein,
die nunmehr in den aktuellsten Definitionen eines Einfrierens enthalten sind«
Ist es nützlich, so viel Zeit und so viele Anstrengungen, wie sich dies in
der Vergangenheit als erforderlich erwiesen hat, hierauf zu verwenden, wenn
das einzige Ziel nur die Hoffnung ist, daß wir nicht schlechter aufhören, als
wir angefangen haben? Eines der Hauptziele eines Einfrierens der Kernwaffen
ist, eine Modernisierung zu verhüten« Doch der einzige Weg, mit dessen Hilfe
die strategische Stabilität gefördert werden kann, ist kontrollierte Modernisierung - beispielsweise die Einführung neuer Raketen mit nur einem Gefechtskopf, Ein Einfrieren würde keinesfalls dazu beitragen, die Stabilität zu
vergrößern.

Darüber hinaus würden nichtnukleare Systeme, die jedoch eine direkte
Auswirkung auf das strategische Nukleargleichgewicht haben, durch ein Ein-

- 14 -

�durch ein Einfrieren der Kernwaffen nicht abgedeckt werden.

Dies könnte

sich auf die Überlebensfähigkeit nuklearer Systeme durch Entwicklungen auf
Gebieten wie der U-Bootbekämpfung und der Luftverteidigung auswirken, was
möglicherweise im Laufe der Zeit zu wichtigen Veränderungen hinsichtlich der
Stabilität des strategischen Gleichgewichts führen könnte.
Und schließlich - was jedoch von Bedeutung für die Abschreckung ist würde ein Einfrieren der Kernwaffen die Vereinigten Staaten im Hinblick auf
äußerst treffgenaue Gefechtsköpfe mit hoher Sprengkraft in einen permanenten
Nachteil bringen, d.h., bezüglich der prompten Gegenschlagkapazität.

Mit die-

ser Disparität sollte man sich umgehend sowohl durch Waffenprogramme als auch
durch Rüstungskontrolle befassen.

Ein Einfrieren der Kernwaffen würde also

- weit davon entfernt, daß wir uns mit den ernsthaften Fragen befassen, denen
wir uns gegenübersehen - praktisch die Fähigkeit verzögern oder verhindern,
daß wir diese Fragen in den Griff bekommen.

Zusammenfassung
Das von unserer Kommission vorgeschlagene integrierte und dreiteilige
Programm für die strategischen Streitkräfte soll ein realistischer Weg sein,
um das von uns allen getragene Ziel zu erreichen:

die Möglichkeiten eines

nuklearen Konfliktes zu vermindern.
- Die Rüstungskontrolle ist ein unerläßliches Element dieses Zieles. Unsere Rüstungskontollempfehlungen tragen hierzu bei, indem sie beiden
Seiten einen Ansporn dafür geben, Stabilität durch ein vermindertes
Streitkräfteniveau zu untermauern.
- Die kleine, mit nur einem Gefechtskopf ausgerüstete Rakete trägt zu
diesem Ziel bei und zwar durch ihre größere Überlebensfähigkeit, die
durch den Einzelgefechtskopf sowie durch die Optionen der Stationierung
erreicht wird, was zusammengenommen sich wiederum dahingehend auswirkt,

- 15 -

�dahingehend auswirkt, daß sich für einen Angreifer ein unattraktives
Verhältnis zwischen eingesetzten und zerstörten Gefechtsköpfen ergeben
würde„
- Die MX trägt auf zweifache Weise zu diesem Ziel bei.

Sie beweist

einmal die Bereitschaft der Vereinigten Staaten, alles Notwendige zu
tun, um die sowjetischen Gegenschiagvorteile auszugleichen,,

Sie bietet

ferner der Sowjetunion den notwendigen Anreiz, vernünftige Voraussetzungen für die kleine Rakete anzustreben und sich ernsthaft in RüstungskontrollVerhandlungen zu engagieren, die die Stabilität fördern sollen«
Die MX ist im eigentlichen Sinne des Wortes kein"Tauschobjekt" ,aber die
Zahl und die Dislozierung der MX sollen - wie alle strategischen Systeme auf die sowjetische Reaktion abgestellt sein»

Es ist nach wie vor die

Ansicht der Kommission, daß im Hinblick auf das gegenwärtige und erwartete Umfeld wie geplant eine Dislozierung von 100 Raketen ausreichend
ist.
Alle drei Elemente des Programms sind zusammengenommen wesentlich für
die Erreichung dieses Zieles» Eines der wichtigen Ziele und Zwecke der Empfehlungen der Kommission war die Entwicklung eines Konsenses, der unsere
Gesellschaft in die Lage versetzen soll, die bittere Spaltung der letzten
Jahre zu überwinden und sich in Richtung auf ein Ziel für die Modernisierung
unserer strategischen Streitkräfte und die Rüstungskontrolle hinzubewegen,
das der Einigung und nicht der Trennung dienlich sein soll» Wir sind der
Oberzeugung, daß nunmehr eine Grundlage für die Entwicklung dieses Konsenses
geschaffen worden ist« Sie ist gegenwärtig jedoch noch überaus zerbrechlich,
und ihr Fortbestand und ihre Stärkung erfordern ständige Aufmerksamkeit und
zwar durch eine entschlossene Verfolgung aller Elemente des vom Kongreß gebilligten Programms und durch die Fortsetzung des wertvollen Dialogs, der
jetzt in Gang gekommen ist.
Die Kommission ist überaus dankbar für das Verständnis und die nachhaltige Unterstützung, die Sie sowie eine überparteiliche Mehrheit des

- 16 -

�Mehrheit des Kongresses ihr in jeder Phase der langanhaltenden Überlegungen
gewährt haben.

Es war für uns alle eine Ehre, die Gelegenheit zu haben, ei

nen Beitrag auf einem Gebiet zu leisten, das für die nationaler. Interessen
der Vereinigten Staaten so lebenswichtig ist.

Hochachtungsvoll
gez

+ + + + +

- 17 -

Brent Scowcroft

�19

9. Mai 1984

DIE XXIII. OLYMPISCHEN SPIELE IN LOS ANGELES
- (3) Training für Höchstleistungen -

- (AD) - Für Sportler aller Staaten sind Training und Vorbereitung auf
die Wettbewerbe bei den Olympischen Spielen lang und mühsam.

Den amerikanischen

Athleten, die in diesem Sommer in Los Angeles antreten, werden allerdings neue
Regeln hinsichtlich des Amateurstatus behilflich sein, die die Vereinigten Staaten stärker mit den Praktiken anderer Länder in Einklang bringen; dazu kommen
neue Sportanlagen und modernste Trainingsmethoden, wie sie bei den bisherigen
Olympiaden noch nicht zur Verfügung standen.
Avery Brundage, der verstorbene langjährige Präsident des Internationalen Olympischen Komitees, hatte auf einem strikten Amateurkodex bestanden,
wobei er die Hingabe des Sportlers mit der eines Künstlers verglich, der in
seiner Dachkammar hungert.

Aber es lag an den einzelnen Ländern, zu beschei-

nigen, wer diesem Ideal gerecht wurde - und jedes Land legte an den Amateurstatus seinen eigenen Maßstab an.
Lange bemühten sich die Vereinigten Staaten, Brundages strikte Definition anzuwenden.

Als Folge hiervon bestritten die amerikanischen Sportler

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�amerikanischen Sportler normalerweise ihre Wettbewerbe während ihrer Universitätsjahre - also etwa bis 23, 24 - und gaben dann den Amateursport auf, um
sich ihrer beruflichen Karriere zuzuwenden und eine Familie zu gründen.

Vom

rein physischen Aspekt her gesehen lagen die besten Jahre noch vor ihnen,
aber aus finanziellen Erwägungen heraus war ihre sportliche Karriere - von
seltenen Ausnahmen abgesehen - zu Ende-

Im Gegensatz hierzu konnten Sport-

ler mancher anderer Staaten - frei von finanziellen Sorgen - noch lange nach
Beendigung ihrer Ausbildung weitermachen.
Seit einigen Jahren verfährt die International Amateur Athletic Federation
nach neuen, liberaleren Regeln, den Amateurstatus betreffend.

So können etwa

Leichtathleten bei einem Wettbewerb Start- und Werbegelder annehmen, solange
diese in einen Treuhänderfonds gezahlt werden, den die Sportler nach Beendigung ihrer sportlichen Karriere verwenden dürfen.
Allerdings können sie davon auch ihre Lebenshaltungskosten bestreiten,
so daß ein Leichtathlet, der früher gezwungen war, in realtiver Armut zu leben, sich nunmehr eines weit angenehmeren Lebensstandards erfreuen kann.
Infolgedessen gehen viele amerikanische Medaillenanwärter - wie etwa
der Hürdenläufer Edwin Moses oder die Läuferin Mary Decker - ganztägig ihrem
Training oder den Wettkämpfen in einem Alter nach, wie dies noch vor einem
Jahrzehnt für die meisten amerikanischen Leichtathleten undenkbar gewesen
wäre - und doch für die Athleten vieler anderer Staaten durchaus nichts Ungewöhnliches. Ein spezielles Stellenprogramm für jüngere Sportler ermutigt
etwa Firmen dazu, potentiellen Teilnehmern künftiger Olympiaden eine Stelle
zu geben - und gleichzeitig genügend freie Zeit, um einem bezahlten Training
nachzugehen und zu Wettkämpfen zu reisen.
Die zweite große Veränderung für die amerikanischen Sportler kam 1978
mit der Umstrukturierung des Amateursports, wobei auch hier die Situation
in den Vereinigten Staaten mehr derjenigen in anderen Ländern angeglichen
wurde. (Eine Ausnahme allerdings gibt es noch immer: In den Vereinigten

- 2 -

�In den Vereinigten Staaten werden keine Staatsgelder zur Unterstützung des
Sports verwendet).
So wurde z.B. durch Mittel privater Geldgeber in Colorado Springs ein
Trainings- und Forschungszentrum errichtet, wo jährlich Tausende vom Sportlern unter Aufsicht von Trainern und Sportmedizinern an sich arbeiten können.
Ein neugeschaffenes landesweites Sportfest ermöglicht es, Teilnehmer
von Mannschaftssportarten schon weit vor den Olymppischen Spielen auszuwählen und dies nicht erst - wie in der Vergangenheit der Fall - in letzter
Minute zu tun. Bestes Beispiel für dieses System war die junge amerikanische
Eishockeymannschaft: Nachdem man ihr genügend Zeit gegeben hatte, sich als
Team zusammenzufinden und einzuspielen, sorgte sie mit dem Gewinn der Goldmedaille bei den Winterspielen 1980 für die größte Überraschung.
Die Sportmediziner in Colorado Springs setzen dabei auch Computer ein,
um die Sportler auf die Spiele vorzubereiten.
unendlich viel

"Wir können dabei geradezu

lernen ", meint Charles Dillman, Chef des Biomechanischen

Labors des Sportzentrums.
Das dortige Projekt "Eliteathleten" konzentriert sich auf die besten
30 Sportlerinnen und Sportler des Landes: Man fotografiert praktisch jede
ihrer Bewegungen im Wettkampf, zählt jeden Herzschlag und mißt jeden Atemstoß.

Dadurch ermittelt der Computer z. B. ein Profil des Weitspringers

Carl Lewis, das dann anderen als Trainingsmodell dient.

Spezialaufnahmen

- mit 2000 Bildern pro Sekunde - analysieren auf das Genaueste, was Lewis
macht.
"Der Computer sagt, wieviel Kraft, wieviel Schnelligkeit notwendig
ist, um die besten Resultate zu erzielen", meint der Arzt Gideon Ariel.
"Dann simuliert eine computerisierte Maschine für Gewichtstraining die Bewegungsabläufe beim Weitsprung, damit der Sportler zu seiner Höchstleistung
gelangen kann." Und der Arzt fügt hinzu: "Der Computer hilft dabei, ein
Talent ausfindig zu machen, es auszubilden, es mit anderen Talenten zu ver-

�zu vergleichen - und es dann zu verbessern."
Computer im Wert von einer halben Million Dollar analysieren alles von den Bewegungsabläufen eines Kugelstoßers bis hin zu Geschwindigkeit
und Drehmoment eines gespielten Volleyballes.

In Sekundenschnelle kann

ein Computer das herausfinden, was 100 Trainer erst nach 1000 Jahren durch
die Analyse normaler Filme gesehen hätten.
So fand der Computer z. B. heraus, daß der Diskuswerfer Mac Wilkens
an einem bestimmten Punkt seiner Drehbewegung vor dem eigentlichen Abwurf
zu schnell war. Wilkins veränderte seine Technik entsprechend - und es gelang ihm ein neuer Weltrekord.

Ohne Computer hätte er vielleicht zehn Jahre

gebraucht, um auf dieses Problem zu stoßen»
Das Computerprogramm zeigte auch, daß der Sprinter Calvin Smith im
Antritt zwar geschmeidig und leichtfüßig wie eine Katze ist, auf den letzten Metern jedoch ermüdet.

Darauf hingewiesen, beschäftigte sich Smith

mit dem Problem - und schaffte gleichfalls einen neuen Weltrekord über 100
Meter.

+ + + + +

�Wi//en/chaft
und Technik
United States Information Service
Embassy of the United States of America

19

9. Mai 1984

NEUE STRATEGIEN GEGEN MALARIA GESUCHT
- Resistenzentwicklung größtes Problem -

- (AD) - Vor wenig mehr als einem Jahrzehnt glaubte man die Malaria
unter Kontrolle zu haben. Oberall auf der Welt wurden Großaktionen zur Bekämpfung der Anophelesmücken durchgeführt, die Malaria-Erreger von Mensch
zu Mensch übertragen. Mit Insektenvertilgungsmitteln, der Entwässerung von
Sümpfen und der Sanierung von Gewässern führte man den Kampf gegen sie an
ihren Brutstätten. Gleichzeitig wurden von medizinischer Seite vorbeugende
Maßnahmen für gefährdete Personen intensiviert und Behandlungsmethoden, soweit möglich, verbessert.
Jetzt aber entwickelt sich die Malaria vor allem in tropischen Ländern
wieder zu einer ernsthaften Gefahr.

Nach Angaben der UN-Weltgesundheitsor-

ganisation (WHO) sind 108 Länder betroffen.

Im Jahr 1981 waren 365 Millionen

Malariakranke (viermal mehr als 1971) amtlich erfaßt.

Bei 150 Millionen der

Fälle handelt es sich um Neuerkrankungen. WHO und FAO (UN-Organisation für
Ernährung und Landwirtschaft) beriefen eine internationale Gruppe von Wissenschaftlern als Berater, um neue Mittel und Wege zu suchen, der Malaria wieder
besser Herr zu werden.

Denn die Hauptursache für die Rückkehr dieser Infek-

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Telex: 8-85432

�dieser Infektionskrankheit ist Resistenzentwicklung - Resistenz sowohl der
blutausgenden Fiebermücken gegen Insektizide, als auch wachsende Resistenz
der Parasiten im infizierten menschlichen Körper gegen Malariamedikamente.
Die verschiedenen Arten von Plasmodien, die Malaria verursachen und Entwicklungsstufen im Zwischenwirt (Anophelesmücke) und im menschlichen Organismus
durchlaufen, gehören zu bestimmten Untergruppen der einzelligen Protozoen.
Besondere Sorge bereiten derzeit Infektionen mit dem Plasmodium falciparum,
das die perniziöse Malaria (Tropenfieber) auslöst. Mit Medikamenten sind sie
sehr schwer zu bekämpfen.

Unbehandelt sterben etwa 40 Prozent der Opfer an der

Infektion - in Afrika allein jedes Jahr über Jahr eine Million Kinder.

In

einer ganzen Anzahl der 108 Länder hat der Erreger bereits Resistenz gegen
Chloroquin, ein wichtiges sog. Suppresivmittel gegen Parasiten, entwickelt.
Experten im öffentlichen Gesundheitswesen fürchten daher, daß diese Malariaform durch Touristen vor allem aus den westlichen Ländern weiterverbreitet
werden könnte.
Die Gefährlichkeit der Malaria tropica beruht auf der Tatsache, daß sich
die Erreger unter Zerstörung roter Blutzellen überaus schnell vermehren. Die
infizierten Zellen lagern sich an der Wandung von Kapillargefäßen an, die tief
ins Gewebe lebenswichtiger Organe hineinreichen. Vor den Immunreaktionen des
Körpers sind sie dort geschützt. Und sie verstopfen die Gefäße regelrecht,
was zu schweren Komplikationen führt. Es kommt zu inneren Blutungen und zur
Blockierung der Versorgung von Gewebe mit dem lebenswichtigen Sauerstoff.
Der amerikanische Biologe Irwin Sherman und seine Arbeitsgruppe an der
Universität von Kalifornien in Riverside, die der UN-Beratergruppe angehören,
befassen sich mit der detaillierten Erforschung aller Vorgänge im menschlichen
Körper nach einer Infektion mit Plasmodium falciparum. Kürzlich veröffentlichten
sie einige der ersten Aufnahmen,in starker Vergrößerung mit dem Rasterelektronenmikroskop gemacht, von den durch die Infektion veränderten roten Blutzellen.
Die gesunde Zelle, ein bikonkaver scheibenförmiger Körper mit glatter Oberfläche, wird durch die Infektion in einen unregelmäßig geformten Klumpen mit

- 2 -

�Klumpen mit stark narbiger, ja kantiger Oberfläche verwandelt,

48 Stunden

nach dem Eindringen des Erregers platzt die Zelle und setzt viele neue Parasiten im Blutstrom frei.

Der Organismus

reagiert mit Fieber und Schüttel-

frost auf Parasiten und Toxine; die pockige Oberfläche der infizierten roten
Blutzellen trägt zusätzlich zu den Komplikationen in der Form schwerer Schädigungen von Organen und Kreislaufsystemen bei.
Die Arbeitsgruppe Sherman konzentriert sich gegenwärtig darauf, ein
noch detaillierteres Bild von den Vorgängen innerhalb der Zelle zu bekommen.
Dabei interessiert z.B. ganz besonders, wie der Parasit Proteine aufbaut,
die er für seine Vermehrung braucht. "Wir wollen die Stoffwechsel unterschiede
zwischen Parasit und Wirtszelle herausfinden, die möglicherweise zur Entwicklung einer wirksamen medikamentösen Behandlung genutzt werden können", sagt
Sherman. Das Prinzip ist ähnlich wie bei der Chemotherapie von Krebs. Der
Parasit soll überlistet werden, defekte und funktionslose Moleküle bei dem
Versuch, zu wachsen und sich zu vermehren, zu benutzen. Wenn dies gelingt,
vermag er die für die Reproduktion notwendige DNS (Desoxyribonucleinsäure)
in seinem Zellkern nicht zu synthetisieren. "Ob sich Malaria auf weite Sicht
beherrschen läßt", so Sherman, "hängt sowohl von der Forschung als auch von
umfassender Unterstützung aller Maßnahmen ab, mit denen diese Seuche zu bekämpfen ist'"

+ + + + +

- 3-

�</text>
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16.

Mai 1984

I N H A L T

DOKUMENTATION
Ronald Reagan: Mittelamerika braucht die Hilfe der USA
- Fernsehansprache des amerikanischen Präsidenten US-Innenminister bekräftigt deutsch-amerikanische Freundschaft
- Rede von Clark anläßlich des 35. Gedenktages der Berliner
Luftbrücke -

WIRTSCHAFT
Neue Arbeitsplätze - der größte Erfolg der US-Wirtschaft
- USIA-Interview mit dem Wirtschaftswissenschaftler Martin Baily
Feldstein scheidet als Wirtschaftsberater Reagans aus

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
USA wollen Fertigstellung von Kernkraftwerken beschleunigen
USA melden bessere Luftqualität

Um Über/endung von
Belegexemplaren
wird gebeten

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�20

16. Mai 1984

RONALD REAGAN: MITTELAMERIKA BRAUCHT DIE HILFE DER USA
- Fernsehansprache des amerikanischen Präsidenten -

WASHINGTON _ (AD) - Präsident Reagan erklärte in seiner am 9. Mai
1984 landesweit übertragenen Fernsehansprache zum Thema Mittelamerika,
die Vereinigten Staaten müßten sowohl die gewählte Regierung von

El

Salvador als auch die demokratischen Bemühungen des Volkes von Nicaragua
unterstützen.

Die Rede des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,
in der vergangenen Woche war ich in Peking und in Schanghai - und in
drei

Wochen wird es nach Dublin, in die Normandie sowie zum jähr-

lichen Wirtschaftsgipfel nach London gehen.

Es freut mich, daß unsere Reise nach China ein Erfolg war.
hatte mit der chinesischen Führung lange und ernste Gespräche.

Ich
Obgleich

unsere beiden Länder sehr unterschiedlich sind, bauen wir eine starke
Beziehung in einem Geist echter Zusammenarbeit auf, und dies ist der
Sache des Friedens sicher dienlich.

Dies war unsere zweite Reise nach Asien in den vergangenen sechs
Monaten.

Das beweist, wie bewußt wir uns der Verantwortung Amerikas

hinsichtlich einer Führungsrolle im pazifischen Becken sind - einem
Gebiet gewaltiger wirtschaftlicher Lebenskraft.

Ich bin davon überzeugt,
daß unsere

Postfach 20 03 00 Tel 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�daß unsere Beziehungen zu unseren asiatischen Verbündeten und Freunden
nie besser gewesen sind.

Aber das ist es nicht, worüber ich heute zu Ihnen sprechen möchte.

Ich habe um diese Sendezeit gebeten, um Ihnen einige grundsätzliche
Entscheidungen zu nennen, die Sie zu treffen haben.

Ich bin der

Überzeugung, daß es zu meiner verfassungsmäßigen Verantwortung gehört,
Ihnen diese Probleme vorzulegen.

Sie beziehen sich auf unsere nationale

Sicherheit und die Gewährleistung dieser Sicherheit ist die bei weitem
wichtigste Funktion, die die Bundesregierung auszuüben hat. In diesem
Kontext ist es meine Pflicht, Probleme vorauszusehen, vor Gefahren zu
warnen und so zu handeln, daß Gefahren von unseren Küsten ferngehalten
werden.

Unsere diplomatischen Ziele werden nicht allein durch guten Willen
und edle Bemühungen erreicht.

In den vergangenen 15 Jahren hat der

Zuwachs der sowjetischen Militärmacht zu einer radikalen Veränderung der
Welt geführt, in der wir leben. Dies bedeutet nicht - wie manche uns
glauben machen wollen -, daß die Gefahr eines Atomkrieges unmittelbar
bevorsteht.

Dem ist nicht so.

Solange wir das strategische Gleichgewicht aufrechterhalten und es
dadurch stabiler machen, daß wir die Zahl der Waffen auf beiden Seiten
verringern, können wir auf die grundsätzliche Klugheit der sowjetischen
Führung zählen, diese Art der Herausforderung uns gegenüber zu vermeiden.

Derzeit fordert sie uns mit einer anderen Art von Waffe heraus:

mit Subversion und mit dem Einsatz von Stellvertreterstreitkräften - den
Kubanern zum Beispiel.

Wir sind in den vergangenen zehn Jahren Zeugen einer Intensivierung
geworden, indem die Sowjetunion und ihre Stellvertreter daran gingen, die
Kontrolle über Vietnam, Laos, Kamputchea, Angola, Äthiopien, Südjemen,
Afghanistan sowie - erst kürzlich und unserem Lande näher - in Nicaragua
und jetzt in El Salvador zu übernehmen.

Es ist das Schicksal dieser

Region, Mittelamerika, über das ich heute abend zu Ihnen sprechen möchte.
Esgeht
- 2 -

�Es geht um unsere Anstrengung, Demokratie und wirtschaftliches
Wohlergehen angesichts der kubanischen und nicaraguanischen Aggression,
unterstützt und verstärkt durch die Sowjetunion, zu fördern.

Es geht

hier ganz sicherlich nicht um Pläne, amerikanische Truppen in Mittelamerika in den Kampf zu schicken. Jedes Jahr stellt die Sowjetunion Kuba
vier Milliarden Dollar Hilfsgelder zur Verfügung und sie schickt Tonnen
von Waffen, um die Revolution in unserer Hemisphäre zum Gären zu
bringen.

Die Verteidigungspolitik der Vereinigten Staaten gründet sich auf
eine schlichte Prämisse: Wir beginnen keine Kriege. Wir werden niemals
der Aggressor sein. Wir bewahren unsere Stärke, um vor einer Aggression
abzuschrecken und uns gegen eine solche zu verteidigen - um Frieden und
Freiheit zu bewahren. Wir helfen unseren Freunden, sich selbst zu
verteidigen.
Mittelamerika ist eine Region großer Bedeutung für die Vereinigten
Staaten. Und sie liegt so nahe - San Salvador ist von Houston nicht so
weit entfernt wie etwa Houston von Washington
Amerika und es liegt

vor unserer Haustür.

D.C.

Mittelamerika ist

Es ist zum Schauplatz eines

dreisten Versuches der Sowjetunion, Kubas und Nicaraguas geworden, den
Kommunismus mit Gewalt in der gesamten Hemisphäre zu verbreiten.

Wenn die Hälfte unserer verschifften Tonnage und des importierten
Erdöls durch die karibischen Schiffswege geht und nahezu die Hälfte
unseres gesamten Außenhandels durch den Panamakanal und die karibischen
Gewässer geht, dann geht es auch um Amerikas Volkswirtschaft und um
Amerikas Wohlergehen.

Derzeit zwingt die von Kuba unterstützte Aggression in El Salvador
400 000 Männer, Frauen und Kinder dazu, aus ihrer Heimat zu fliehen. Und
in ganz Mittelamerika sind über 800 000 auf der Flucht, viele, wenn nicht
die meisten davon, leben dabei in unglaublichem Elend. Die Besorgnis
über die Aussicht auf Hunderttausende von Flüchtlingen, die der
kommunistischen
Unterdrückung entkommen

�Unterdrückung entkommen wollen und Einlaß in unser Land suchen, ist
durchaus begründet.

Was wir in El

Salvador sehen, ist ein Versuch, die gesamte Region

zu destabilisieren und schließlich Chaos und Anarchie an die amerikanischen Grenzen heranzutragen.

So kam die Nationale Überparteiliche Kommission für Mittelamerika
unter dem Vorsitz von Henry Kissinger zu dem Schluß, daß wir, sollten wir
nichts tun oder sollten wir weiterhin zu wenig Hilfe bieten, nichts
anderes bliebe als ein kommunistisches Mittelamerika mit zusätzlichen
kommunistischen Militärbasen auf dem Festland dieser Hemisphäre sowie
kommunistische Subversion, die sich von dort nach Süden und nach Norden
ausbreitet.

Diese kommunistische Subversion stellt die Drohung dar, daß 100
Millionen Menschen von Panama bis hin zu den offenen Grenzen in unserem
Süden unter die Kontrolle prosowjetischer Regime kommen könnten.

Wenn wir dies zu spät erkennen, wenn unsere vitalen Interessen sogar
noch direkter bedroht sind, und wenn ein Mangel an amerikanischer Unterstützung unseren Freunden die Fähigkeit zur Selbstverteidigung raubt,
dann werden die Gefahren für unsere Sicherheit und für unsere Lebensweise
unendlich größer.

Es gibt jedoch einen Weg zur Vermeidung dieser Risiken, empfohlen
von der Nationalen Überparteilichen Kommission über Mittelamerika.

Er

erfordert langfristige amerikanische Unterstützung für demokratische
Entwicklung, Wirtschafts- und Sicherheitshilfe sowie eine Diplomatie des
starken Willens.

Es gab eine Anzahl bilateraler Treffen auf hoher Ebene mit der
nicaraguanischen Regierung, wo wir konkrete Friedensvorschläge vorgelegt
haben.

Ich habe zwei Sonderbotschafter ernannt, die im vergangenen Jahr

über zehn Reisen in die Region unternommen haben, um zu einem Frieden zu
gelangen. Und die demokratischen Nachbarn Mittelamerikas - Mexiko,
Venezuela, Kolumbien und Panama - haben eine umfassende Friedensinitiative ergriffen,

�initiative ergriffen, die als der CONTADORA-Prozeß bekanntgeworden ist.
Die Vereinigten Staaten unterstützen die Ziele dieses Prozesses voll und
ganz.

Wir können und müssen Mittelamerika helfen.

Dies liegt in unserem

nationalen Interesse und auch vom Moralischen her ist es das einzig
Richtige.

Aber helfen bedeutet auch wirklich genug tun - genug, um

unsere Sicherheit zu schützen und genug, um das Leben unserer Nachbarn zu
schützen, damit sie in Frieden und Demokratie und ohne die Bedrohung
kommunistischer Aggression und Subversion leben können.

Dies ist die

Politik unserer Administration seit über drei Jahren gewesen.

Diese Entscheidung zu treffen, bedeutet aber auch, daß wir alle eine
Verpflichtung eingehen - unsere Administration, das amerikanische Volk
und der Kongreß. Bislang sind wir diese Verpflichtung noch nicht eingegangen. Wir haben nur gerade so viel Hilfe zur Verfügung gestellt, um
die totale Katastrophe zu vermeiden, aber nicht genug, um die Krise einer
Lösung zuzuführen, so daß El Salvador noch immer einem langsamen Ausbluten ausgesetzt ist.

Teil des Problems ist nicht, wie ich vermute, daß Mittelamerika etwa
nicht wichtig sei, sondern daß manche Leute denken, unsere Administration
könne die Bedrohung übertreiben, vor der wir stehen. Nun, wenn dem so
ist, so lassen sie mich diesen Gedanken aus der Welt schaffen.

Ich möchte Ihnen heute abend ein paar Dinge über die wirkliche Natur
des sandinistischen Regimes in Nicaragua sagen.

Die Sandinisten, die in Nicaragua herrschen, sind Kommunisten, deren
Beziehungen und Verbindungen zu Fidel Castro ein ViertelJahrhundert zurückreichen.

Eine ganze Anzahl der Sandinisten wurde in Lagern ausge-

bildet, die von Kuba, dem Sowjetblock und der PLO unterstützt werden. Es
ist wichtig, sich zu vergegenwärtigen, daß Kuba, die Sandinisten, die
salvadorianische kommunistische Guerilla und die PLO seit vielen Jahren
zusammenarbeiten.

1978 beteiligten sich die Sandinisten und Elemente der

PLO an einer "Kriegserklärung" gegen Israel.
Im Herbst

�Im Herbst 1978 unternahmen die von Kuba unterstützten Sandinisten
einen größeren Versuch, das Somoza-Regime in Nicaragua zu Fall zu
bringen. Damals wurden sie nach Havanna gerufen, wo Castro sie zynisch
hinsichtlich der Mittel erfolgreicher kommunistischer Aufstände unterwies.

Er erklärte ihnen, der Welt zu sagen, sie würden um politische
Demokratie, nicht für den Kommunismus kämpfen. Am wichtigsten aber war,
daß er sie anwies, eine breitgefächerte Allianz mit der wirklich demokratischen Opposition des Somoza-Regimes zu bilden.

Castro erklärte, dies

würde die öffentliche Meinung im Westen täuschen, potentielle Kritiker
verunsichern und es den westlichen Demokratien schwierig machen, sich
gegen die nicaraguanische Revolution zu stellen, ohne dabei innenpolitisch auf großen Widespruch zu stoßen.

Sie sehen, genauso führte Castro auch seine Revolution durch. Und
wir müssen gestehen, daß er eine ganze Menge Leute auch hier in unserem
eigenen Land zum Narren hielt - oder erinnern Sie sich nicht mehr daran,
daß man ihn in einem Teil unserer Presse den George Washington Kubas
nannte?

Die Sandinisten hörten zu und lernten.

Sie kamen nach Nicaragua

zurück und versprachen, eine Demokratie zu errichten.

Die Organisation

Amerikanischer Staaten (OAS) verabschiedete am 23. Juni 1979 eine Resolution, in der es hieß, daß eine friedliche Lösung in Nicaragua es erforderlich mache, daß Somoza gehe und daß sobald wie möglich freie Wahlen
abzuhalten seien, um eine wirklich demokratische Regierung einzusetzen,
die Frieden, Freiheit und Gerechtigkeit garantieren würde.

Die Sandinisten versprachen damals der OAS schriftlich, daß sie all
dies tun würden.

Somoza ging, und die Sandinisten kamen an die Macht.

Es handelte sich hierbei um eine Verhandlungslösung auf der Grundlage
einer Machtteilung zwischen Kommunisten und echten Demokraten, wie dies
heute auch für El Salvador von einigen vorgeschlagen worden ist. Aufgrund dieser Versprechungen, versuchten die letzte amerikanische Administration sowie

�stration sowie andere westliche Regierungen hoffnungsvoll, einen Erfolg
der Sandinisten zu ermutigen.

Es brauchte einige Zeit, um zu erkennen, was wirklich stattfand;
daß nahezu von dem Zeitpunkt an, da die Sandinisten und ihr Kader von 50
kubanischen Geheimberatern im Juli 1979 in Managua die Macht ergriffen,
die interne Repression der demokratischen Gruppen, der Gewerkschaften und
der bürgerlichen Gruppierungen begann. Das Recht auf Opposition wurde
verwehrt.

Die Freiheit der Presse und die Versammlungsfreiheit wurden

praktisch abgeschafft.

Einfach verweigert wurde das Abhalten echter Wahlen, verbunden mit
der wiederholten Versprechung, dies später zu tun. Das jüngste Versprechen bezieht sich jetzt auf Wahlen Im November 1984. In der Zwischenzeit gab es einen Versuch, eine gesamte Kultur - die Miskito-Indianer auszulöschen, von denen Tausende umgebracht oder in Lagern zusammengetrieben wurden, wo sie hungern und mißhandelt werden.

Ihre Dörfer,

Kirchen und Ernten wurden verbrannt.

Die Sandinisten unternahmen auch antisemitische Schritte gegen die
jüdische Gemeinschaft.
einzelne Priester.

Und sie verfolgten Katholiken und erniedrigten

Als Papst Johannes Paul II. im vergangenen Jahr

Nicaragua besuchte, organisierten die Sandinisten öffentliche
Demonstrationen und beleidigten Ihn und seine Friedensbotschaft.

Am Karfreitag hielten etwa 100 000 katholische Gläubige eine Demonstration ab. Wahrscheinlich hören Sie von dieser Demonstration zum
ersten Mal. Es wurde nicht viel darüber berichtet. Der nicaraguanische
Bischof Pablo Antonio Vega erklärte kürzlich: "Wir leben mit einer totalitären Ideologie, die in diesem Land niemand haben will."

Die Herrschaft der Sandinisten ist eine kommunistische Schreckensherrschaft.

Viele von jenen, die neben den Sandinisten gekämpft hatten,

sahen, wie ihre Revolution betrogen wurde; ihnen wurde eine Beteiligung
an der neuen Regierung verwehrt, manche wurden ins Gefängnis geworfen,
andere ins Exil getrieben. Tausende, die Seite an Seite mit den Sandinisten gekämpft
- 7 -

�nisten gekämpft hatten, haben nun gegen sie zu den Waffen gegriffen; es
sind die Contras, es sind Freiheitskämpfer.

Es ist eine Tragödie, was die Sandinisten mit Nicaragua gemacht
haben.

Aber wir Amerikaner müssen begreifen und mit der Tatsache fertig-

werden, daß die Sandinisten sich nicht damit zufrieden geben, ihr eigenes
Land zu brutalisieren.

Sie sind bestrebt, ihren Terror in jedes andere

Land dieser Region zu exportieren.

Ich bitte Sie, bei folgendem Zitat genau hinzuhören: "Wir haben das
brilliante revolutionäre Beispiel Nicaragua...

Der Kampf in El Salvador

ist schon weit fortgeschritten: Das gleiche gilt für Guatemala und in
Honduras entwickeln sich die Dinge rasch... Sehr bald wird Mittelamerika
eine revolutionäre Einheit sein..." Diese Erklärung stammt von einem
salvadorianischen Guerillaführer vom März 1981.

Kurz nach ihrer Machtübernahme begannen die Sandinisten in Partnerschaft mit Kuba und der Sowjetunion damit, die Aggression und den Terrorismus gegen El Salvador, Honduras, Costa Rica und Guatemala zu unterstützen.
Sie eröffneten Ausbildungslager für die Guerilla aus El Salvador,
damit diese in ihr eigenes Land zurückkehren und dort ihre Regierung
angreifen könne. Diese Lager gibt es noch immer. Nicaragua ist noch
immer das Hauptquartier für kommunistische Guerillabewegungen.

Und nica-

raguanische Agenten und Diplomaten wurden in Costa Rica und in Honduras
dabei ertappt, wie sie Angriffe überwachten, die von kommunistischen
Terroristen durchgeführt wurden.

Die Rolle, die Kuba schon seit langem für die Sowjetunion spielt,
wird nun auch von den Sandinisten übernommen.

Sie sind Kubas Kubaner

geworden. Waffen, Material und Mittel werden vom Sowjetblock aus nach
Kuba gebracht, von Kuba nach Nicaragua, von Nicaragua zu der salvadorianischen Guerilla.

Diese Tatsachen wurden im vergangenen Jahr durch

den Geheimdienstausschuß des Repräsentantenhauses bestätigt.
Seit dem August

�Seil dorn August 1979 lebt das sandinistlsche Regime mit seinen Nachbarn Im Krieg.

Dazu gehören militärische Überfälle in Honduras und Costa

Rica, die es auch heute noch gibt.

Und von ihren Freunden bekommen sie dabei reichlich Hilfe. 1979 gab
es in Nicaragua 165 Kubaner.
angewachsen.
berater in

Heute ist diese Streitmacht auf 10 000

Und wir werden dafür kritisiert, daß wir 55 Militär-

El Salvador haben. Hilfe kommt aber auch aus anderen Teilen

des Terrornetzes:
Diktator Ghaddafi.

So hat die PLO Männer geschickt, und auch Libyens
Die kommunistischen Länder schicken neue Militär-

hilfe, einschließlich Panzer, Artillerie, Raketenwerfer, und helfen beim
Bau von Militärbasen und ähnlichen Anlagen.

Erst letzte Woche begann ein sowjetisches Schiff mit dem Löschen
schwerer Militärlastwagen im nicaraguanischen Hafen Corinto.

Ein anderes

sowjetisches Schiff mit weiteren Lastwagen und 155 sowjetischen Jeeps ist
unterwegs.

Nicaraguas eigene Streitkräfte sind gewaltig gewachsen.

Seit 1979

stieg die Zahl der ausgebildeten Soldaten von 10 000 auf über 100 000.
Warum braucht Nicaragua diese ganze Streitmacht?

Warum baut dieses Land

mit seinen lediglich 2,8 Millionen Menschen diese große Militärmacht
auf?

Ihrer Behauptung nach ist diese Aufrüstung das Ergebnis der antisandinistischen Kräfte. Aber das ist eine Lüge. Der militärische Ausbau
der Sandinisten begann zweieinhalb Jahre bevor die antisandinistischen
Freiheitskämpfer zu den Waffen griffen.

Ihrer Behauptung nach ist diese Aufrüstung das Ergebnis der
Bedrohung durch ihre Nachbarn. Aber auch das ist eine Lüge. Nicaraguas
unmittelbarer Nachbar, Costa Rica, verfügt nicht einmal über eine Armee.
Ein anderer Nachbar, Honduras, verfügt über eine Armee von lediglich
16 000 Mann.

Der Behauptung der Sandinisten nach findet diese Aufrüstung als
Reaktion auf eine amerikanische Aggression statt. Dies ist die
zynischste Lüge

von allen.

�von allen. Die Wahrheit ist, daß sie an ihrem ersten Jahrestag im Juli
1980 verkündeten, daß ihre Revolution sich über ihre eigenen Grenzen
hinweg ausbreiten würde.

Als die Sandinisten gegen das Somoza-Regime kämpften, war es die
Politik der Vereinigten Staaten, sich in keinster Weise einzumischen und
nicht den Versuch zu unternehmen, Somoza zu stützen. Die Vereinigten
Staaten taten alles, um ihre Offenheit gegenüber den Sandinisten zu
zeigen, ihre positive Einstellung und ihre Bereitschaft dazu, Freunde zu
werden.

Die Carter-Regierung leistete den Sandinisten in den ersten 18
Monaten mehr Wirtschaftshilfe als irgend ein anderes Land.

Im Januar

1981 aber schickte die Carter-Regierung Militärhilfe nach El Salvador,
nachdem sie zu dem Schluß gekommen war, daß die Sandinisten die salvadorianische Guerilla bewaffneten.

Unmittelbar nach meiner Amtsübernahme bemühten wir uns, den Sandinisten gegenüber Freundschaft zu zeigen und boten Nicaragua Wirtschaftshilfe an. Aber es half nichts. Sie exportierten auch weiterhin den
Terrorismus.

Die Worte ihrer offiziellen Parteihymne beschreibt uns, die

Vereinigten Staaten, als den Feind der ganzen Menschheit.

So viel zu unseren ernstgemeinten, aber unrealistischen Hoffnungen
darauf, daß Nicaragua im Glänze unserer Freundschaft blühen und Freiheit
für sein Volk schaffen würde, wenn wir uns nur noch mehr darum bemühten,

Freunde zu sein.

Die Wahrheit ist: Nichts dergleichen geschah.

1958 schwur Fidel Castro, daß er nach dem Erfolg seiner Revolution
einen noch weit längeren und größeren Krieg beginnen werde - einen Krieg
gegen die Amerikaner.

Dieser Krieg, so Castro, "wird meine wirkliche

Berufung sein."

Seit 26 Jahren - über republikanische und demokratische Administrationen hinweg - hält sich Castro an seinen eigenen Weg der
revolutionären
- 10 -

Gewalt. Heute

�Gewalt.

Heute bietet Kuba sogar d&gt;n Drogenhändlern sicheres Geleit, die

unsere Kinder vergiften.

Im Gegeiv.ug hierfür bekommt Kuba natürlich

hartes Bargeld, um mehr Waffen für den Krieg kaufen zu können.

Wir befinden uns mitten in dem, was Präsident John F. Kennedy "einen
langen Kampf im Zwielicht" nannte, um die Freiheit in der Welt zu verteidigen.
will.

Er begriff das Problem Mittelamerika.

Er wußte, was Castro

Und er erfaßte die langfristigen Ziele der Sowjetunion in dieser

Region.
Vor 23 Jahren hat Präsident Kennedy vor der Gefahr einer kommunistischen Durchdringung unserer Hemisphäre gewarnt.

Er sagte damals:

"Ich möchte es klar verstanden wissen, daß meine Regierung nicht zögern
wird, wenn es darum geht, ihren hauptsächlichen Verpflichtungen nachzukommen, die die Sicherheit unseres Landes angehen."
Das Repräsentantenhaus und der Senat unterstützten ihn mit überwältigender Mehrheit, indem ein Gesetz verabschiedet wurde, das die Vereinigten Staaten aufrief, Kuba an der Ausweitung seiner aggressiven und
subversiven Aktivitäten auf irgendeinen Teil unserer Hemisphäre zu hindern. Würde John F. Kennedy heute noch leben, so wäre er meiner Ansicht
nach entsetzt über die Leichtgläubigkeit mancher Leute, die heute in
seinem Namen sprechen.

Ich habe dargelegt, daß das gegenwärtige Ziel Kubas und Nicaraguas
El Salvador ist. Und ich möchte jetzt zu Ihnen über dieses Land
sprechen, weil es in dieser Beziehung eine Menge Mißverständnisse gibt.

Auch El

Salvador erlebte vor mehreren Jahren eine Revolution, und

es ringt jetzt mit großem Mut darum, eine funktionierende Demokratie und
gleichzeitig ein stabiles Wirtschaftssystem zu erreichen und die historischen Ungerechtigkeiten zu beseitigen. Aber die Sehnsucht El Salvadors
nach Demokratie wurde stark beeinträchtigt durch in Kuba ausgebildeten
und bewaffneten Guerilleros, die Gewalt gegen die Bevölkerung anwenden
sowie Brücken, Straßen, Kraftwerke, Lastwagen, Busse und andere für die
Wirtschaft wichtige Dinge zerstören.

Die Zerstörung dieser Infrastruktur
hat weitere

- 11 -

�hat weitere Arbeitslosigkeit und Armut für die Bevölkerung El

Salvadors

mit sich gebracht.

Einige Leute argumentieren, in El Salvador gebe es nur politische
Extreme - die gewalttätige Linke und die gewalttätige Rechte -, zwischen
denen wir wählen müßten. Das ist einfach nicht wahr. Die demokratischen
politischen Parteien reichen von der demokratischen Linken zur Mitte und
zu den Konservativen.

Ferner gibt es Gewerkschaften, religiöse Organi-

sationen, bürgerliche Gruppen sowie wirtschaftliche Vereinigungen, die
zahlreich und aktiv sind.

Es gibt einen kleinen gewalttätigen rechten Flügel, der die Demokratie genauso ablehnt, wie die Guerilla das tut, aber er ist kein Teil
der Regierung. Wir haben uns immer wieder gegen beide Extreme ausgesprochen, und das hat auch die Regierung von El Salvador getan. Im
Dezember vergangenen Jahres entsandte ich Vizepräsident Bush mit einem
persöhnlichen Schreiben nach

El Salvador, in dem ich erneut meine

nachhaltige Opposition gegenüber beiden gewalttätigen Extremen zum
Ausdruck brachte. Dies hatte eine positive Auswirkung.

Die Bodenreform macht Fortschritte.

Seit März 1980 haben mehr als

550 000 Bauern Nutzen aus diesem Programm gezogen - das entspricht etwa
einem Viertel der ländlichen Bevölkerung.

Viele können jedoch ihr Land

nicht bebauen; sie werden von den Guerllleros getötet, wenn sie dies tun.
Die Menschen in Mittelamerika wollen Demokratie und Freiheit. Sie
wollen und hoffen auf eine bessere Zukunft. Costa Rica Ist eine gefestigte und gesunde Demokratie. Honduras unternahm 1982 einen friedlichen
Übergang zur Demokratie. Und in Guatemala funktionieren politische
Parteien und Gewerkschaften.
es gibt reelle

Dort ist im Juli eine Wahl angesetzt, und

Aussichten, daß dieses Land 1985 zu einer voll verfas-

sungsmäßigen Regierung zurückkehren kann. Tatsächlich sind 26 von 33
lateinamerikanischen Ländern Demokratien oder streben danach. Aber sie
sind verletzlich.
Durch die
- 12 -

�Durch die Unterstützung der kommunistischen Guerilla in El Salvador
versucht die nichtgewählte Regierung von Nicaragua die rechtmäßige Regierung eines Nachbarlandes zu stürzen. Wie in Nicaragua wurde auch die Regierung von

El Salvador aus einer Revolution heraus geschaffen, aber an-

ders als in Nicaragua hat es dort drei Wahlen gegeben - die jüngste, eine
Präsidentschaftswahl, erst am vergangenen Sonntag. Das Land hat große
Fortschritte in Richtung auf die Demokratie gemacht.
Wahl trotzten 80 Prozent der Bevölkerung von

Bei der letzten

El Salvador kommunistischen

Drohungen und der Gewaltanwendung der Guerilla und stimmten für Frieden
und Freiheit.

Lassen Sie mich noch ein weiteres Beispiel für den Unterschied
zwischen diesen beiden Ländern - El Salvador und Nicaragua - anführen.
Die Regierung in El Salvador hat den Guerilleros eine Amnestie angeboten
und sie aufgefordert, sich an den Wahlen sowie an den demokratischen
Prozessen zu beteiligen.

Die Guerilleros haben dies abgelehnt; sie

wollen sich den Weg an die Macht frei schießen und eine totalitäre
Herrschaft errichten.

Im Gegensatz dazu haben die Contras - die Freiheitskämpfer in Nicaragua - angeboten, ihre Waffen niederzulegen und an demokratischen Wahlen
teilzunehmen, aber dies hat die kommunistische Regierung der Sandinisten
abgelehnt.

Deshalb müssen die Vereinigten Staaten sowohl die gewählte Regierung
von El Salvador als auch die demokratischen Bestrebungen der Bevölkerung
Nicaraguas unterstützen.

Wenn die Kommunisten einen Krieg gegen die Bevölkerung von El
Salvador beginnen können, dann ist es doch gerechtfertigt, daß El
Salvador und seine Freunde sich verteidigen, indem sie den Waffenfluß
blockieren. Wenn die Sowjetunion die Subversion in unsere Hemisphäre
unterstützen und fördern kann, dann haben die Vereinigten Staaten ein
legales Recht und eine moralische Pflicht, zu helfen, daß dieser Entwicklung entgegengetreten wird.

Dies liegt nicht nur in unserem stra-

tegischen Interesse, es ist auch moralisch richtig. Es wäre zutiefst
unmorallsch, würden
- 13 -

�rausch, würden wir es zulassen, daß friedliebende Freunde die von
unserer Hilfe abhängig sind, durch brutale Gewalt überwältigt werden,
wenn wir doch über die Fähigkeit verfügen, dies zu verhindern.

Wenn unser politischer Prozeß sich in ein und dieselbe Richtung
bewegt, dann kann die von der Sowjetunion und Kuba unterstützte Aggression abgewehrt werden.

Der hundertjährige Geburtstag Präsident Trumans

ist ein geeigneter Anlaß, um an die Worte zu erinnern, die er in einer
ähnlichen Situation auf einer gemeinsamen Sitzung des Kongresses ausgesprochen hat: "Die freien Völker der Welt erwarten von uns Unterstützung
bei der Wahrung ihrer Freiheiten. Wenn wir zaudern..., dann können wir
den Frieden der Welt gefährden, und ganz sicherlich werden wir das Wohlergehen unseres Landes gefährden."

Truman hielt diese Rede im Jahr 1947. Das Problem war damals die
seit zwei Jahren von den Sowjets unterstützte indirekte Aggression gegen
Griechenland.

Die Kommunisten standen kurz vor dem Sieg. Präsident

Truman appellierte an den Kongreß, der griechischen Regierung die entscheidende Hilfe zu gewähren.

Beide Parteien kamen dem Appell Präsident

Trumans nach, die demokratischen Kräfte waren erfolgreich, und Griechenland wurde eine parlamentarische Demokratie.

Die kommunistische Subversion ist keine unabänderliche Flutwelle.
Wir haben erlebt, wie sie in Venezuela und erst kürzlich in Grenada
zurückgedrängt wurde. Und wo die Demokratie gedeiht, sind die Menschenrechte und der Friede sicherer.

Die Flutwelle der Zukunft kann eine der

Freiheit sein. Alles, was nötig ist, sind der Wille und die Hilfsmittel,
um diese Arbeit zu tun.

Im April 1983 sprach ich auf einer gemeinsamen Sitzung des
Kongresses und ersuchte um überparteiliche Zusammenarbeit hinsichtlich
unserer Politik, Freiheit und Demokratie in Mittelamerika zu schützen.
Kurz danach ermutigte der inzwischen verstorbene Senator Henry Jackson zu
der Einsetzung einer erstklassigen, überparteilichen Kommission, die langfristig einen Kurs für Demokratie, wirtschaftliche Verbesserungen und
Frieden in Mittelamerika abstecken sollte. Ich ernannte 12 prominente
Amerikaner aus
- 14 -

�Amerikaner aus beiden politischen Parteien zu Mitgliedern der Nationalen
Überparteilichen Kommission für Mittelamerika.

Die überparteiliche Kommission hat allen Amerikanern einen wichtigen
Dienst geleistet - allen von uns von Pol zu Pol in dieser westlichen
Hemisphäre.

Im Januar dieses Jahres unterbreitete die Kommission posi-

tive Empfehlungen, die die demokratische Entwicklung unterstützen, die
Lebensbedingungen verbessern und dieser uns so naheliegenden geplagten
Region den langersehnten Traum von Frieden bringen sollen.
fehlungen stärken die

Diese Emp-

geistigen Grundlagen der Politik meiner Regierung,

daß die Unterstützung für unsere Nachbarn in erster Linie wirtschaftlicher und humanitärer Natur sein sollte, daß sie jedoch auch ausreichende militärische Hilfe einschließt.

Im Februar unterbreitete ich dem Kongreß einen umfassenden Gesetzesvorschlag, der die Empfehlungen der Kommission ausführen würde. Und weil
dieser Bericht einen überparteilichen Konsens darstellte, hoffe ich, daß
der Kongreß baldige Maßnahmen treffen wird.

Dieser Vorschlag sieht die

vermehrte Bereitstellung von Hilfsmitteln vor; es soll unmittelbar damit
begonnen werden und sich regelmäßig über die nächsten fünf Jahre erstrekken.

Dieses Programm ist eine ausgewogene Kombination von Unterstützung
für die Demokratie, die wirtschaftliche Entwicklung, die Diplomatie und
für Sicherheitsmaßnahmen, wobei 70 Prozent der Mittel für wirtschaftliche
und soziale Entwicklung aufgewendet werden sollen. Mit diesem Programm
können wir unser Ziel erreichen.

Die Nationale Überparteiliche Kommission für Mittelamerika hat ihre
Arbeit getan. Unsere Administration hat ihre Arbeit getan. Wir erwarten
nunmehr Maßnahmen des Kongresses.

Inzwischen häufen sich die Hinweise,

daß Kuba beabsichtigt, seine Unterstützung für die Guerilla in El Salvador zu verdoppeln und die neugewählte Regierung im Herbst zu stürzen.
Wenn wir die Hilfsmittel nicht zur Verfügung stellen, werden die Kommunisten wahrscheinlich Erfolg haben.
Denken Sie
- 15 -

�Denken Sie daran:

Der Sowjetblock gewährte Kuba und Nicaragua im

vergangenen Jahr 4,9 Milliarden Dollar an Unterstützung, während die
Vereinigten Staaten allen ihren Freunden in Mittelamerika nur einen
Bruchteil dieser Summe zur Verfügung stellten.

Die Fragen, die sich hier stellen, sind ganz einfach: Werden wir
die Freiheit in dieser Hemisphäre unterstützen oder nicht?

Werden wir

unsere lebenswichtigen Interessen in dieser Hemisphäre verteidigen oder
nicht?

Werden wir der Ausbreitung des Kommunismus in dieser Hemisphäre

Einhalt gebieten oder nicht?

Werden wir handeln, solange es noch Zeit

ist?

Es gibt Kreise in unserem Lande, die der Versuchung nachgeben
möchten, nichts zu tun. Sie sind die neuen Isolationisten und gleichen
sehr den Isolationisten der späten dreißiger Jahre, die wußten, was in
Europa vor sich ging, es aber vorzogen, sich der schrecklichen Herausforderung, die die Geschichte ihnen auferlegt hatte, nicht zu stellen.
Sie zogen eine Politik des Wunschdenkens vor und sagten sich, wenn nur
ein weiteres Land geopfert würde, wenn nur ein weiterer internationaler
Übergriff gestattet würde, dann wäre ohne Frage über kurz oder lang der
Appetit des Aggressors gestillt.

Nun, sie haben die Aggressoren nicht aufgehalten, sie haben diese
vielmehr noch kühner gemacht. Sie verhinderten den Krieg nicht, sie
sorgten dafür, daß er kam.

Dem Kongreß liegen nunmehr Gesetze vor, die die Empfehlungen der
Nationalen Überparteilichen Kommission ausführen werden.

Ersuchen um

Interimsbewilligungen, mit deren Hilfe den in El Salvador um ihr Land
kämpfenden Soldaten und den freiheitsliebenden Menschen in Mittelamerika
die benötigten Mittel gegeben werden sollen, erwarten ebenfalls Maßnahmen
seitens des Repräsentantenhauses.

Während der vergangenen vier Jahre ist nur die Hälfte der für El
Salvador angeforderten Militärhilfe gebilligt worden, obwohl die
Gesamthilfe für El Salvador nur etwa fünf Prozent unserer weltweiten
Unterstützung ausmacht.
- 16 -

�Unterstützung ausmacht.

Ich ersuche den Kongreß, die von mir für das

Haushaltsjahr 1984 angeforderten Mittel zu billigen und den gesamten Plan
der Nationalen überparteilichen Kommission für Demokratie, wirtschaftliche Entwicklung und Frieden in Mittelamerika zu verabschieden.

Während ich heute abend zu Ihnen spreche, gibt es junge salvadorianische Soldaten in ihrem Land, die sich Terroristen und Guerillas
gegenübersehen, wobei die Magazine in ihren Gewehren die einzige Munition
sind, über die sie verfügen. Der Mangel an Evakuierungshubschraubern für
die Verwundeten und der Mangel an Medikamenten nach ihrer Evakuierung
haben dazu geführt, daß einer von drei Verwundeten stirbt. Auf solche
Weise unterstützt man keine Freunde - insbesondere nicht, wenn ihre
Unterstützung auch Unterstützung für uns selbst bedeutet.

Als ich in der vergangenen Woche über den ungeheuer großen pazifischen Ozean nach Alaska zurückkehrte, konnte ich nicht umhin bewegt
darüber zu sein, wie gesegnet unser Land ist. über 200 Jahre lang haben
die Ozeane uns vor vielen Dingen geschützt, die die Welt geplagt haben.
Aber es kann kein Zweifel daran bestehen, unsere Welt wird kleiner. Wir
dürfen uns nichts vormachen, wenn wir unsere Freiheit , unsere wirtschaftliche Lebenskraft und unsere kostbare Lebensart schützen wollen.

Wir alle müssen etwas tun - die Regierung, Sie als

Bürger und

unsere Vertreter im Kongreß. Die Menschen in Mittelamerika können erfolgreich sein, wenn wir die Unterstützung gewähren, die ich vorgeschlagen
habe.
Wir Amerikaner

- 17 -

�Wir Amerikaner sollten stolz auf das sein, was wir in Mittelamerika
zu tun versuchen, und stolz auf das, was wir gemeinsam mit unseren Freunden in Mittelamerika tun können, nämlich die Demokratie, die Menschenrechte und das wirtschaftliche Wachstum zu unterstützen, während der
Friede so nahe an unserer Grenze gewahrt bleibt. Lassen Sie uns der Welt
zeigen, daß wir hier auf dem amerikanischen Kontinent - im Süden, in der
Mitte oder im Norden - keine feindlich gesonnenen kommunistischen
Kolonien wollen.

Ich danke Ihnen, Gott segne Sie und Gute Nacht.

+ + + + +

- 18 -

�20.

16. Mai 1984

US-INNENMINISTER BEKRÄFTIGT DEUTSCH-AMERIKANISCHE FFEUNDSCHAFT

- Rede von Clark anläßlich des 35. Gedenktages der Berliner
Luftbrücke -

BERLIN - AD - der Innenminister der Vereinigten Staaten, William P.
Clark, hat in einer Ansprache anläßlich des 35. Gedenktages der Berliner
Luftbrücke am 11. Mai 1984 die deutsch-amerikanische Freundschaft unterstrichen und die Entschloßenheit der westlichen Verbündeten betont, "die
häßliche Teilung der Stadt - und der deutschen Nation - nicht zu akzeptieren". Berlin sei heute sicher, "weil die Westallierten zu ihrer Verpflichtung gegenüber Berlin stehen".

Die Ansprache des amerikanischen Innenministers in Berlin hat folgenden Wortlaut:
Herr Regierender

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Herr Regierender Bürgermeister,
meine Damen und Herren,
Es ist für mich eine Ehre, anläßlich des 35. Jahrestages der
Beendigung der Blockade Berlins hier zu sein. Präsident Reagan hat mich
gebeten, den Teilnehmern dieses hervorragenden Ereignisses seine persönlichen Grüße sowie die des amerikanischen Volkes zu überbringen.

Diese Gedenkveranstaltung ist ein Akt der Freiheit und Gerechtigkeit. Als Präsident Reagans persönlicher Vertreter und Leiter der
bedeutenden amerikanischen Delegation möchte ich Amerikas fortdauernde
Verpflichtung für die Freiheit Berlins bekräftigen und unsere tief
empfundene Bewunderung für die Menschen dieser großartigen Stadt erneut
zum Ausdruck bringen.

Unsere Anwesenheit hier ist ein Zeichen für die engen Bande, die im
Laufe der 35 Jahre seit jener heldenhaften Berliner Luftbrücke zwischen
den Vereinigten Staaten und Berlin gewachsen sind. Diese Bande wurden
während der Luftbrücke - in Tempelhof, Tegel und Gatow, während der
Operation Little Vittles, und in den Herzen unserer beiden Völker - begründet und haben sich seitdem weiterentwickelt.

Die Amerikaner erfüllt es mit Stolz, dazu beigetragen zu haben, den
demokratischen Geist dieser großen Stadt während jener düsteren Tage der
Jahre 1948 und 1949 aufrechtzuerhalten.

Und heute erfüllt es die Ameri-

kaner noch immer mit Stolz, Schulter an Schulter mit den Berlinern zu
stehen.

Berlin ist ein bemerkenswerter Hort der Demokratie und zeigt der Welt
in unmissverständlicher Weise, was auf dem Spiele steht und worum es
zwischen Ost und West geht. Wer immer Zweifel hat am Unterschied
zwischen Freiheit und Unterdrückung, zwischen Hoffnung und Verzweiflung,
zwischen Recht und Unrecht, denen sage ich: "Laß sie nach Berlin kommen".

Vor zwei Jahren besuchte Präsident Reagan Ihre große Stadt und
verkündete eine neue Initiative, als er die sowjetischen Führer aufforderte, zusammen

�forderte, zusammen mit der freien Welt für die Sache des Friedens
einzutreten. Der Präsident hat mich gebeten, diesen Aufruf heute zu
wiederholen, ein Aufruf, der, würden die Sowjets darauf positiv
reagieren, eine friedlichere Welt, ein Nachlassen der Spannungen zwischen
Ost und West und eine erhebliche Reduzierung der Waffenarsenale bewirken
würde. Wenngleich weder wir noch die Sowjetunion die Unterschiede
zwischen unseren Gesellschaftsystemen und unserer Denkweise wegwünschen
können, so sollten wir uns doch auf die gemeinsamen Interessen besinnen,
die wir teilen und deren wichtigste, so hoffen wir, die Verhinderung von
Krieg und der Rüstungsabbau sind.
Wenn die sowjetische Führung diesem Aufruf folgt, werden sie die
Vereinigten Staaten nur allzubereit finden, ihnen auf halbem Wege entgegenzugehen - und die Hoffnungen von heute können die Erfolge von morgen
sein. Aber, wie der Präsident hier in Berlin sagte, "wir haben gelernt,
daß ein gesundes militärisches Gleichgewicht nötig ist, damit man am
Verhandlungstisch Erfolg hat".

Wir sind optimistisch, aber auch realistisch. Nirgends ist diese
Wahrheit augenscheinlicher als in Berlin. Die Berliner Luftbrücke war
eine Mission des Friedens und der Anteilnahme, die mit den Werkzeugen des
Krieges durchgeführt wurde.

Indem sie bewiesen, daß der Westen nicht

angesichts von Tyrannei und ausserordentlichem Druck zurückweicht, haben
die Alliierten, die Berliner, erklärt, Berlins Zukunft heisse Frieden,
Recht und Freiheit.

General Lucius Clay bezeichnete die Luftbrücke als eine moralische
und geistige Antwort der westlichen Zivilisation auf die Herausforderung
eines totalitären Systems. Weiter sagte er, "die Luftbrücke, die dazu
diente, die Stadt am Leben zu erhalten, hat die feste Entschloßenheit der
Westmächte bewiesen und gab denen neuen Mut, die an die Freiheit glauben,
wo immer es auch sei".

In der Tat, die Berliner Luftbrücke war der Beweis für die Beharrlichkeit freier Menschen. Die Luftbrücke war Berlins Rettungsleine und
war von tiefer Wirkung auf die gesamte westliche Welt.

Zurückschauend
sind wir uns

�sind wir uns ganz besonders unserer Verpflichtung denjenigen gegenüber
bewußt, die ihr Leben für die Freiheit Berlins und das Wohlergehen seiner
Bewohner gaben.

Ich freue mich, daß heute Verne Orr, der Minister für

die Luftstreitkräfte unter uns ist, der Tausende von amerikanischen
Männern und Frauen vertritt, die als Angehörige der Streitkräfte diese
historische Leistung ermöglichten. Mit der alliierten Luftbrücke wurden
fast 2,3 Millionen Tonnen Lebensmittel, Brennstoffe und Versorgungsgüter
nach Berlin geflogen. An Ostern 1949 - an einem einzigen Tag - landeten
1398 alliierte Flugzeuge in Berlin.

Diese heroische Luftbrücke - die vom 26. Juni 1948 bis 30. September 1949, als die Bevorratungslager in Berlin zufriedenstellend
gefüllt waren, lief, war nicht möglich ohne einen hohen Preis menschlichen Leidens. Wir alle sind den vielen Männern und Frauen, die Berlins
Freiheit verteidigten, zutiefst dankbar.

Mein Dank gilt auch den 6000 amerikanischen Angehörigen der Streitkräfte, Männer und Frauen, die zusammen mit ihren bri- tischen und französischen Partnern weiterhin der Sache dieser stolzen Stadt dienen. Sie
setzen eine stolze Tradition fort.

Ohne die Berliner jedoch wäre der Luftbrücke kein Erfolg beschieden
gewesen. Wir können den Geist Berlins niemals in Vergessenheit geraten
lassen. Berlin lehrt uns, daß Freiheit mehr ist, als die Zurückweisung
von Tyrannei, daß Partnerschaft mehr ist, als einfach gemeinsam Macht zu
haben.

Berlin lehrt uns, daß Goethe recht hatte, als er uns sagte, daß

die "höchste Weisheit", das Beste, das die Menschheit jemals erfuhr, die
Erkenntnis ist, daß nur der seine Freiheit und sein Leben verdient, der
diese täglich aufs neue erringt.

Berlin blieb fest entschloßen, trotz großer Härten.
Berlin widerstand fortgesetzter Propaganda; trotz der aus dem Osten
kommenden Verhöhnung, trotz der ständigen Aufforderung, aufzugeben. Die
Berliner blieben unverzagt. Berlin trug stolz seine Last als den Preis
für die Freiheit.

Auch die Stärke,
- 4 -

�Auch die Stärke, Einigkeit, Festigkeit und Ausdauer des Westens
trugen dazu bei, Berlin am Leben zu erhalten. Ohne diese Eigen- Schäften
wäre Berlin vielleicht verloren gewesen. Dank ihrer wurde Berlin gerettet. Und ich meine, es ist wichtig, sich zu erinnern, daß die
Alliierten trotz ernster Provokationen den Frieden bewahrten. An keiner
Stelle suchten sie die Konfrontation und zu keiner Zeit nahmen sie
Zuflucht zur Konfrontation.

Die Luftbrücke rückte Berlin auch unmissverständlich in den Mittelpunkt des amerikanischen Interesses in Europa, wo es auch heute noch
liegt. Berlin ist gewißermassen der Lackmus-Test für die Ost-West Beziehungen.

In der ersten Nachkriegszeit ging es dabei meistens darum,

die Entschloßenheit zu testen. Auch heute noch besteht Gefahr, aber
Berlin beweist auch, daß eine praktische Zusammenarbeit zwischen Ost und
West möglich ist.

Das Viermächtabkommen von 1971 war ein eindrucksvoller Erfolg und es
muß weiterhin in allen vier Sektoren der Stadt strikt eingehalten und
voll angewendet werden. Das Abkommen bewirkte ein Nachlassen der Spannungen und bedeutet eine erhebliche Er- leichterung für Reisen und
Besuche von Berlinern und anderen Deutschen in diesem Gebiet. Durch das
Viermächteabkommen ist Berlin heute sicherer und stabiler.

Die Einheit und Beharrlichkeit des Westens führte in Berlin zum
Erfolg: Wir gaben die Hoffnung in jenem langen kalten Winter 1948/49
nicht auf, obgleich viele meinten, Berlin könne nicht gerettet werden.
In den über 18 Monate dauernden Verhandlungen der Jahre 1970/71 rückten
wir nie von unserer Entschloßenheit ab, mit der Sowjetunion ein Abkommen
zu erzielen, das die alli- ierten Rechte unangetastet ließ und gleichzeitig praktische Fortschritte für diese Stadt bringen würde.

Die Grundsätze, die uns, vor allem während der Luftbrücke, so dienlich waren, können auch dazu beitragen, Frieden und Wohlstand in ganz
Europa in den kommenden Jahrzehnten zu stärken.
Es heißt,

- 5 -

�Es heißt, die historische Demonstration der Einigkeit, die den
westlichen Verbündeten 1983 - angesichts ständiger propagandistischer
Attacken - gelang, habe Moskau verärgert und Fortschritte zwischen Ost
und West erschwert. Einige meinen, wir müssen Entgegenkommen in unserer
Verteidigungsbereitschaft zeigen, um die Sowjets davon zu überzeugen, daß
wir wirklich Fortschritt anstreben. Andere vertreten die Auffaßung, daß,
wenn durch das Verhalten der Sowjets formelle Rechtsausführungen verletzt
werden - wie es während der Berliner Blockade der Fall war - oder die
menschliche Moral verletzt wird, wie es heute bei der Verfolgung Andrei
Sacharows der Fall ist, wir dies nicht zur Kenntnis nehmen sollten.

Dies sind nicht die Lehren, die wir aus unserer Erfahrung in Berlin
gezogen haben.

Die Berliner Luftbrücke war ein Erfolg, trotz der Drohungen, der
Friede würde zerstört, wenn wir in bezug auf unsere Grundsätze kein Entgegenkommen zeigten. Aber wir vertrauten uns und unseren Idealen. Wir
bewiesen, daß es mit Geduld und Entschloßenheit möglich ist, bedeutsame
Fortschritte in den Ost-West-Beziehungen zu erzielen.

Vor allem aber lehrt uns Berlin, wie wichtig Einigkeit ist. Ohne
unsere Solidarität wäre die Luftbrücke gescheitert und Berlin vielleicht
gefallen. Und ohne die westliche Zusammenarbeit und Einigkeit hätte es
kein Berlin-Abkommen gegeben.

Meine Damen und Herren, heute ist Berlin stolz, blühend und sicher.
Aus der Zerstörung erwuchs Hoffnung. Aus der Hoffnung kam Fortschritt.
Berlin ist wieder eine dynamische und vorwärts- schauende Stadt, ein
kulturelles, wissenschaftliches und indus- trielles Zentrum der Welt.
Man spürt hier einen Geist der Zuver- sieht. Herr Regierender
Bürgermeister, ich darf Ihnen sagen, daß die Amerikaner während Ihres vor
kurzem erfolgten Besuches der Vereinigten Staaten tief beeindruckt waren
von Ihrer Bot- schaft der Begeisterung und des Fortschritts in Berlin.
Wir teilen Ihr Vertrauen.
Berlins Zukunft

�Berlins Zukunft ist sicher. Sie ist sicher, weil die Westalliierten
zu ihrer Verpflichtung gegenüber Berlin stehen; sie ist sicher dank der
engen Bindungen zwischen den Westsektoren und der Bundesrepublik Deutschland und weil die Berliner entschloßen sind, ihre Freiheit zu bewahren.
Aber die früheren Gefahren könnten erneut auftreten.

Uneinigkeit zwischen den Alliierten würde die Gefahren in nie
dagewesenem Maße wiederentstehen lassen. Unsere Verteidigung ist stark,
aber sie muß noch stärker werden, um als Abschrekkung wirksam zu sein.
Unsere Länder verfügen über eine starke Wirtschaft, aber wir müssen
zusammenarbeiten, um sie noch stärker zu machen. Die Einheit unserer
Allianz wird nicht angezweifelt; wir müssen aber auch dafür eintreten,
daß es dabei bleibt.

In der heutigen Welt müssen unsere Einheit, unser

Wille und unsere Entschloßenheit, frei zu bleiben, unsere wichtigste
Stütze sein. Die Vereinigten Staaten werden sich von ihrer Verantwortlichkeit gegenüber Berlin nicht abwenden.

Zum Wohle dieser Stadt und der

freien Menschen überall in der Welt werden wir unsere Rechte ausüben und
unseren Verpflichtungen nachkommen.

Berlin ist ausserdem sicher dank der engen persönlichen Beziehungen
zwischen der Bevölkerung der Vereinigten Staaten und Berlins. Die
Luftbrücke hat die Beziehung zwischen den Alliierten und den Berlinern
für immer verändert. Die Amerikaner sowie unsere britischen und französischen Kollegen tun ihren Dienst in Berlin nicht als Besatzungsmächte, sondern als Hüter der Freiheit West-Berlins und seiner tapferen
Einwohner.

Die Anwesenheit der Alliierten in Berlin dient auch der Wahrung einer
Nation - der deutschen Nation. Der besondere Status Berlins und die
Ausübung alliierter Rechte und Verantwortlichkeiten in allen vier Sektoren der Stadt verdeutlichen weiterhin unsere gemeinsame Verpflichtung,
dazu beizutragen, Selbstbestimmungsrecht und letztlich die Wiedervereinigung des deutschen Volkes in Frieden und im Rahmen einer europäischen
Lösung zu erlangen.

In der Ausübung unserer Rechte in Berlin kommt am

besten zum Ausdruck, wie provisorisch die Situation in Mitteleuropa ist.
Durch unsere Anwesenheit hier erbringen wir den sichtbaren Beweis für die
Entschloßenheit der

�Entschloßenheit der Westalliierten, die häßliche Teilung der Stadt - und
der deutschen Nation nicht zu akzeptieren.

Bevor ich schließe, möchte ich noch eine kurze persönliche Bemerkung
machen. Meine Frau kam kurz nach dem 2. Weltkrieg nach Berlin. Nachdem
sie aus ihrer Heimat im Sudetenland, in der heutigen Tschechoslowakei,
vertrieben worden war, war ihr erster sicherer Hafen im Westen Berlin West-Berlin.

Sie wurde als freier Mensch aufgenommen, es wurde für sie

gesorgt, und dann fuhr sie weiter nach Amerika. Hier in Berlin hat
Johanna, jetzt Joan, voll und ganz verstanden und empfunden, was Demokratie bedeutet. Es ist daher für meine Frau und mich eine besondere
Freude, heute hier bei Ihnen zu sein.

Sie wissen, daß es niemals schlecht ist, seinen Chef zu zitieren.
Ich möchte daher meine Ausführungen mit dem schließen, was Präsident
Reagan vor zwei Jahren vor dem Charlottenburger Schloß gesagt hat. Es
ist ein Gedanke, der niemals vergessen werden sollte. Er sagte: "Berlin
ist für uns alle eine ständige Inspiration - für unsere Hoffnungen und
Ideale und für die menschlichen Eigenschaften des Mutes, der Standhaftigkeit und des Glaubens, die die einzigen Geheimwaffen des Westens sind,
denen kein totalitäres Regime etwas Gleichwertiges entgegensetzen kann.
Solange Berlin besteht, kann es keinen Zweifel an der Hoffnung für die
Demokratie geben."
Gott segne Sie. Danke schön.
+ + + + +

- 8 -

�United States Information Service
Embassy of the United States of America

20

16. Mai 1984

NEUE ARBEITSPLÄTZE - DER GRÖSSTE ERFOLG DER US-WIRTSCHAFT

USIA-Interview mit dem Wirtschaftswissenschaftler Martin Baily

- (AD) - Der britische Wirtschaftswissenschaftler Martin Baily
arbeitet seit 1979 an der Brookings Institution, einer privaten
Forschungsorganisation in Washington, wobei er sich besonders auf
Fragen der Beschäftigung und der Produktivität konzentriert. Baily
promovierte 1972 am Massachusetts Institute of Technology und
unterrichtete dort wie auch an der Yale Universität.

FRAGE:

Ich möchte mich nicht so sehr auf die Rekordzahlen bei der

Schaffung von neuen Arbeitsplätzen in den Vereinigten Staaten konzentrieren als vielmehr auf die Gründe hierfür. Aber beginnen wir vielleicht damit, daß Sie zusammenfassen, was Ihrer Meinung nach diesen
Rekord darstellt.

ANTWORT: Es ist wohl deutlich, daß die amerikanische Wirtschaft,
auch wenn sie eine Reihe ernster Probleme hatte, in den vergangenen zehn
oder fünfzehn Jahren äußerst erfolgreich bei der Schaffung neuer Arbeitsplätze war.

Es hat hier einen der größten Anstiege an Arbeitsplätzen

verglichen mit praktisch allen anderen Industriestaaten gegeben.
Die Vereinigten

Postfach 20 03 00 Tel.:0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Die Vereinigten Staaten hatten in den fünfziger Jahren einen

aus-

geprägten Babyboom, der dann in den sechziger und siebziger Jahren zu
einer gewaltigen Nachfrage nach Arbeitsplätzen führte. Etwa zur selben
Zeit stieg auch die Nachfrage nach Arbeitsplätzen seitens der Frauen
stark an. Und wenn es auch stimmt, daß dies eine gewisse Auswirkung auf
die Arbeitslosigkeit hatte -die Arbeitslosenrate war höher als in den
ersten Jahrzehnten des Jahrhunderts-, so gab es doch eine erhebliche
Zunahme der Arbeitsplätze.
Der größere Teil dieser neuen Arbeitsplätze wurde außerhalb der
industriellen Bereiche geschaffen: Sie entstanden vielmehr im Bereich der
Dienstleistungen - Bereiche wie Restaurants, der Medizin u.s.w.

Das ist das doch recht Ungewöhnliche an der amerikanischen Wirtschaft. Andere Volkswirtschaften erlebten Ähnliches hinsichtlich des
Rückgangs oder zumindest der Nichtzunahme von Arbeitsplätzen etwa im
industriellen Bereich, nicht aber den großen Zuwachs an Arbeitsplätzen
außerhalb dieses Bereichs.

FRAGE: Können andere Länder davon ausgehen, daß sich bei ihnen in
absehbarer Zeit eine ähnliche Entwicklung der Schaffung neuer Arbeitsplätze im Dienstleistungsbereich vollziehen wird?

ANTWORT: In vielen Ländern scheint man der Ansicht zu sein, daß es
zur Schaffung von Arbeitsplätzen gehört, den industriellen Sektor zu
stimulieren, daß also der industrielle Sektor im Mittelpunkt der
Volkswirtschaft steht und daß man zu hoher Arbeitslosigkeit oder zu
wirtschaftlichem Versagen verurteilt sei, wenn man nicht dort zur
Schaffung von Arbeltsplätzen anregt. Ich glaube aber nicht, daß dies
richtig ist.

Es kann gar nicht ausbleiben, daß in bestimmten Bereichen der
wirtschaftlichen Produktivität das Wachstum nur geringfügig ansteigt und
daß als Folge dessen

die Arbeltsplätze in diesen Bereichen abnehmen

werden. Man kann also davon ausgehen, daß man langfristig im Produktionsbereich Zeuge einer Verringerung

der Arbeitsplätze werden wird.
Wenn die

�Wenn die Politiker nur erkennen würden, daß Arbeitsplätze in den
nächtsten zehn bis fünfzehn Jahren generell außerhalb des Produktionsbereichs geschaffen werden bzw.

geschaffen werden können, dann wäre

dies, wie ich meine, schon sehr hilfreich.

FRAGE: Wie sieht es hinsichtlich der Auswirkungen von staatlichen
Arbeitslosengeldern und anderen Sozialprogrammen bei Arbeitslosigkeit aus

ANTWORT: In Europa haben die Programme zur Einkommensstützung
astronomische Ausmaße angenommen - etwa bei Arbeitslosenversicherung, bei
Arbeitsunfähigkeit, bei den unterschiedlichsten Arten des Kindergeldes
und ähnlichen Programmen. Dadurch gingen viele Anreize für Arbeitsplätze
verloren. Das amerikanische Progrmm für Arbeitslosenversicherung wurde
insgesamt gesehen kein bißchen großzügiger. Ein kleinerer Anteil an
Arbeitslosen erhielt 1982, Arbeitslosengelder als dies etwa in der
Rezession von 1975 der Fall war.

In den Vereinigten Staaten war man vielmehr dafür, hier Einhalt zu
gebieten.

Sicher sind die Zahlen bei der Sozialversicherung gestiegen,

aber man war in den Vereinigten Staaten eher bereit, einen Anreiz zum
Arbeiten beizubehalten.

Die Leute wollten daher immer arbeiten und haben

sich nach Arbeit umgesehen, und die Arbeitsplätze wurden zur Verfügung
gestellt.

FRAGE: Hat die höhere Zahl an Arbeitssuchenden zu geringeren Löhnen
geführt?

ANTWORT: Ja. Das Realeinkommen -also das Einkommen nach Anpassung
an die Inflation- ist für die amerikanischen Arbeiter dasselbe geblieben
oder sogar leicht gefallen.

Das ist ein weiterer Grund dafür, daß so

viele neue Arbeitsplätze geschaffen wurden. Die Löhne sind nicht so
stark gestiegen wie die Preise - oder nur genauso -, so daß sich die
Arbeit- nehmer nicht selbst aus

dem Markt hinausgedrängt haben.

FRAGE: Für die letzten Jahre mag dies gelten - mit Lohnverhandlungen, die zu Ergebnissen führten, die gegenüber den vorangegangenen
Trends nach

�Trends nach unten wiesen. Aber galt dies auch für die siebziger Jahre?
ANTWORT: Ja. Es ist wichtig, zwischen Nominallöhnen - also den
Löhnen lediglich in Dollar ausgedrückt- und Reallöhnen -also in ihrer
Beziehung zu den Preisen- zu unterscheiden.

In der Mitte der siebziger

Jahre stiegen die Löhne und Gehälter beträchtlich, aber sie stiegen nicht
so sehr wie die Preise. Die Reallöhne fielen sogar. Und dies war in der
Tat Grund dafür, daß nach 1975 wieder mehr Arbeitsplätze geschaffen
werden konnten.

Obgleich die Lohnerhöhungen - lediglich an Dollar gemessen - in den
vergangnenen zwei, drei Jahren gering ausfielen, so steht es um die
Reallöhne doch besser. Das ist ja immer das Paradox: In den Zeiten, wenn
die Arbeitnehmer den größten Erfolg dabei erzielen, ihre Nominallöhne
nach oben zu treiben, sind sie gewöhnlich recht erfolglos dabei, ihren
Lebensstandard zu verbessern.

FRAGE: Wie würden Sie den strengen Arbeitsmarkt in den Vereinigten
Staaten mit dem anderer Länder vergleichen - hinsichtlich der Flexibilität und Reaktionsfähigkeit gegenüber gewandelten Verhältnissen?

ANTWORT: Beobachter, die lediglich auf die Vereinigten Staaten
sehen, konzentrieren sich oft auf die strengen Verhältnisse dort; aber
verglichen mit anderen Volkswirtschaften gibt es in den Vereinigten
Staaten große Flexibilität.

Im Vergleich zu anderen Volkswirtschaften

ist die amerikanische sehr reaktionsfähig.

Ein Hauptfaktor hierbei ist,

daß es in den Vereinigten Staaten stets eine große Mobilität bei den
Arbeits- platzen gab. Man tendiert eher dazu, zu kündigen und sich nach
einem anderen Arbeitsplatz umzuschauen, als daß man sich kündigen läßt.
Es gehörte immer zu den Charakteristiken der amerikanischen Arbeitnehmerschaft, daß man bereit war, von einer Stadt in die andere umzuziehen. Dies ist ein Merkmal der amerikanischen Kultur.

Als teilweise Folge dessen wurde in den Vereinigten Staaten auch
immer die allgemeine Ausbildung und nicht so sehr die Spezialausbildung
gefördert, so daß die amerikanische Arbeitnehmerschaft insgesamt einen
recht vielfältigen

�recht vielfältigen Ausbildungsstand hat. Die amerikanischen Arbeitnehmer
gehen länger zur Schule. Manche Leute denken zwar, daß ein Jahr Unterricht in den Vereinigten Staaten nicht dasselbe sei wie ein Jahr - Unterricht in anderen Ländern, aber ich glaube, sogar wenn man dies in Rechnung stellt, so muß man sagen, daß die amerikanischen Arbeitnehmer gut
ausgebildet sind und daß das Schulsystem eher die Allgemeinbildung betont
als ganz spezielle Fertigkeiten.

Das ist sicher ein Vorteil, wenn es um

die Flexibilität geht.

Ein weiterer Unterschied liegt darin, daß die Arbeitskräfte in den
Vereinigten Staaten weniger gewerkschaftlich organisiert sind als in
anderen Ländern. Das bietet gute Aspekte und schlechte Aspekte. Die
Gewerkschaften bringen viele Vorteile und Funktionen, aber ich glaube,
man könnte sagen, daß nichtgewerkschaftlich organisierte Arbeiter meist
flexibler sind.

Es ist leichter, Arbeitsregeln zu ändern, und vielleicht

auch leichter, Menschen von einem Ort zu einem anderen zu bewegen, während Gewerkschaften gerne die Arbeitsregeln und den Arbeitsplatz festgelegt sehen. Daher sind die Arbeitskräfte in den Vereinigten Staaten, von
denen heute nur rund 20 Prozent gewerkschaftlich organisiert sind - rund
25 Prozent der nicht in der Landwirtschaft beschäftigten gehören Gewerkschaften an - nach meiner Meinung flexibler als die Arbeitskräfte in
enigen anderen Ländern.

Selbst innerhalb der Gewerkschaftsbewegung hat man, wie ich meine,
in den letzten Jahren mehr und mehr die Notwendigkeit der Flexibilität
erkannt. Viele der Arbeitsregeln, die in Stein gemeißelt zu sein
schienen, werden heute angesichts der Notwendigkeit verändert. Viele
Industriezweige sind teilweise gewerkschaftlich organisiert und teilweise
nicht, und wo der nichtorganisierte Teil flexibel ist, muß auch der
organisierte Teil flexibel sein, denn gewerkschaftlich organisierte
Firmen sind sonst nicht mehr konkurrenzfähig.

Das hat sich besonders in

der Luftfahrtindustrie, im Transportgewerbe und in einer Reihe von
Industriezweigen gezeigt, wo die Konkurrenz innerhalb der Vereinigten
Staaten oder ausländische Konkurrenz dazu gezwungen haben, den Wandel zu
akzeptieren.

FRAGE: Welche

�FRAGE:

Welchen Einfluß hat der technologische Wandel auf den

amerikanischen Arbeitsmarkt gehabt?

ANTWORT:

Es besteht eine große Angst vor dem technologischen Wandel

unter den Arbeitern - die Angst, daß

Automation, mehr Kapital und mehr

Technologie Arbeitsplätze vernichten könnten.
ist diese Angst berechtigt.

In bestimmten Situationen

Die Mechanisierung und neue Technologien

vernichten hier und dort Arbeitsplätze.

Für die Wirtschaft als

Ganzes können Technologie und Kapitalin-

vestitionen vorteilhaft sein.

Es gibt keine spezifischen Beweise, daß

Perioden des raschen Produktivitätswachstums für die Beschäftigungslage
im allgemeinen schädlich seien oder daß Länder mit raschem Produktivitätszuwachs notwendigerweise Beschäftigungsprobleme hätten.

Der technologische Wandel kann einen allgemeinen Zuwachs an Arbeitsplätze fördern, auch wenn er bestimmte Arbeitsplätzen vernichtet.

FRAGE:

Würden Sie sagen, daß die

rung gemacht haben?

Vereinigten Staaten diese

Erfah-

Die Vereinigten Staaten haben ein hohes Maß an tech-

nologichem Wandel erlebt.

ANTWORT:
ten.

Wollen wir einmal die geschichtliche Entwicklung betrach-

In der Zeit vom Ende des Zweiten Weltkrieges bis heute ist der

technologishe Wandel rascher gewesen als in der Zeitspanne von 1900 bis
zum Beginn des Zweiten Weltkrieges.

Und doch lag die Arbeitslosigkeit

sicherlich im Durchschnitt seit dem Zweiten Weltkrieg niedriger als
zuvor.

Es ist den Vereinigten Staaten gelungen, ihre

Volkswirtschaft so

gut zu handhaben, daß es möglich wurde, daß die Technologie die Produktion steigerte, den Lebensstandard erhöhte und die Arbeitsplätze nicht
verringerte.

Ein rascher technologischer Wandel kann strukturelle Probleme
verschärfen.

Er erhöht die Notwendigkeit der Flexibilität und macht es

in verstärktem Maße notwendig, daß die Menschen sich ausbilden und umschulen, daß sie von einem Industriezweig zu einem anderen wandern, von
einem Arbeitsplatz

�einem Arbeitsplatz zum anderen, von einer Fabrik zu einer anderen. Aber
er schränkt die Zahl der insgesamt verfügbaren Arbeitsplätze nicht ein ,
solange die Menschen bereit sind, die notwendigen Veränderungen
vorzunehmen.

Selbst wo Arbeitsplätze vernichtet werden, tritt ein fairer Anteil
an natürlicher Reduzierung ein. Menschen sterben, Menschen gehen in
Pension, Menschen scheiden freiwillig aus. Die natürliche Reduzierung
kann eine große Rolle bei den notwendigen Anpassungen spielen, so daß es
gar nicht notwendig ist, eine große Anzahl von Menschen zu entlassen.
Die meisten Freisetzungen in den Vereinigten Staaten rühren aus konjunkturellen oder kurzfristigen Veränderungen in der Nachfrage her und weniger aus dem technologischen Wandel.

FRAGE:

Bieten die neueren Technologien in den Vereinigten Staaten

eine beträchtliche Zahl neuer Arbeitsplätze?
ANTWORT:

Ich glaube, einer der Unterschiede zwischen der ameri-

kanischen Volkswirtschaft und den europäischen Volkswirtschaften besteht
darin, daß die Vereinigten Staaten bei der Entwicklung ihres Hochtechnologiesektors sehr viel erfolgreicher waren. Dieser Sektor bringt jedoch
noch immer nur einen kleinen Bruchteil der Gesamtarbeitsplätze. Das
Fleisch und Blut der Volkswirtschaft sind noch immer die alten Industriezweige, die seit langer Zeit bestehen. Aber es ist ermutigend zu erleben, daß die hochtechnologischen Industrien rasch wachsen, sowohl was
Produktion als auch Arbeitsplätze in den Vereinigten Staaten angeht dies
gilt für andere Länder - außer für die asiatischen Volkswirtschaften nur
in geringerem Umfang .

FRAGE: Manche Publizisten haben in jüngerer Zeit die Bedeutung der
Verfügbarkeit von Kapital für die Schaffung von
strichen.

Arbeitsplätzen unter-

Ist das in den Vereinigten Staaten ein wichtiger Faktor?

ANTWORT: Die Verfügbarkeit von Kapital ist in gewisser Weise ein
besonderer Faktor. Die Vereinigten Staaten sind ein Land mit geringer
Spartätigkeit. Mit anderen Worten, ein kleinerer Teil des amerikanischen
Einkommens geht
- 7 -

�Einkommens geht auf ein Sparkonto, ein kleinerer Anteil des amerikanischen Bruttosozialprodukts geht In die Investition als In den meisten
unserer verbündeten Länder, Japan und Europa.

Von diesem Standpunkt also kann man eigentlich nicht sagen, daß die
Vereinigten Staaten ein Land seien, in dem Kapital zur Verfügung stünde.
Dies gilt, wie ich meine, besonders dahingehend, daß die Einrichtungen,
die Geld verleihen - die Banken - in Europa konservativ sind, und wie es
scheint, zögerlich Geld für Vorhaben mit hohem Risiko verleihen.

Viele

der neuen Industrien sind mit einem mehr oder weniger hohen Risiko verbunden und haben somit in Euorpa nicht jenen Zugang zu Startkapital, wie
sie ihn hier haben.

Ich glaube, hier besteht eine größere Bereitschaft zum Risiko, aber
was die

Gesamtverfügbarkeit von Spareinlagen und Investitionen anbe-

trifft, so ist das Reservoir hier kleiner als in einigen der anderen
Länder.

+ + + + +

�20

16. Mai 1984

FELDSTEIN

WASHINGTON

SCHEIDET ALS W I R T S C H A F T S B E R A T E R

- (AD) - Der Vorsitzende

R e a g a n s , Martin

F e l d s t e i n , wird

um

seine

im September

am

Lehrtätigkeit

REAGANS

AUS

des Wirtsc haftsbeirat es

1 0 . Juni

l°8A aus

seinem

Präsident

Amt

an der H a r v a r d - U n i v e r s i t ä t

ausscheiden,
wieder

aufzu-

nehmen.

In einem
am

Schreiben

8. M a i , die

begrenzten
Feldstein

hatte

den

sein

war.

er an die

"absolut

inflexiblen

die Abwesenheit

m e n , nachdem
getreten

an den a m e r i k a n i s c h e n

von der

Vorsitz

während

Harvard-Universität

In dem

Schreiben

B e s t i m m u n g e n " der
Hochschule

auf

im W i r t s c h a f t s b e i r a t

V o r g ä n g e r , Murray

Er hatte

Präsidenten

seiner

Amtszeit

Feldstein

Harvard-Universität

höchstens
im August

zwei
l°82

W e i d e n b a u m , von diesem

zurückkehren

Feldsteins

betonte

Jahre.
übernom-

Posten

immer wieder

zurück-

betont, daß

wolle.

an Präsident

Reagan

heißt

e s , das

Wirt-

sc haf t sp rog ramm des U S - P r ä s i d e n t e n

habe den "Kurs der

Wirtschaftsgeschichte

Amerikas

sei

w o r d e n , und

geändert."

Die

Inflation

Währungspolitik

folge einem

tion

sollte.

verhindern

Reagan

erreicht

Vorgängerinnen.

Die Verminderung

S c h r e i b e n , "spiegeln

diese
Ihre

reduziert

K u r s , der eine Rückkehr

habe, unterscheide
"All

stark

seine

zu v e r m e h r t e r

der R e g i e r u n g s a u s g a b e n ,
Administration

L e i s t u n g e n " , so erklärte

Vision einer guten

von

jeder

Feldstein

Gesellschaft

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

in

wider:

die
Infladie
ihrer
seinem
niedrige

Tel 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Inflation,

eine

weniger

aufdringliche

steuerung

und

ein

äußerstes

Ausmaß

Marktes.

Ich

bin

s t o l z auf

meine

folgung

dieser

In e i n e m
tiere

mit

Schreiben

Bedauern

amerikanische
beirates

wirtschaftlichen

für

den

Präsident
dessen

vom

des

eine

potentiellen

Zusammenarbeit

mit

weniger

Beitrages
Ihnen

lästige
des

in d e r

Be-

freien
Ver-

Ziele."

9. M a i

Rücktritt
dem

Regierung,

erklärte

Feldsteins.

bisherigen

Unterstützung

Präsident

und

Gleichzeitig

Vorsitzenden
Einsatz.

+ + + + +

Reagan,

seines

er

akzep-

dankte

der

Wirtschafts-

�Uli/zen/chcift
und Technik

i
20

United States Information Service
Embassy of the United States of America

16. Mai 1984

USA WOLLEN FERTIGSTELLUNG VON KERNKRAFTWERKEN BESCHLEUNIGEN

WASHINGTON - (AD) - Das amerikanische Energieministerium prüft gegenwärtig Wege "zur Fertigstellung von im Bau befindlichen Atomkraftwerken, bei
denen hinsichtlich Sicherheit und Wirtschaftlichkeit keine Bedenken bestehen."
Dies erklärte Energieminister Donald Hodel in einer Rede vor Vertretern der
amerikanischen Atomwirtschaft Anfang Mai in Washington. Es mache keinen Sinn,
sagte Hodel, in letzter Minute, wenn ein sicheres Atomkraftwerk betriebsbereit
sei, erneut Umwelt-, Sicherheits- und Qualitätsfragen aufzuwerfen, die bei dem
betreffenden Projekt bereits erwogen und zufriedenstellend gelöst worden seien.
Das amerikanische Energieministerium beabsichtigt folgende Maßnahmen:
1) Ermutigung und Unterstützung der NRC (Nuclear Regulatory Commission - unabhängige Bundesbehörde, die Bau und Sicherheit von Kernkraftwerken überwacht)
zur Vornahme von "Bereitschafts-Überprüfungen" der im Bau befindlichen Atomkraftwerke, damit eventuelle Probleme frühzeitig, d.h. zu einem Zeitpunkt ausfindig gemacht werden, an dem auf die wirksamste und wirtschaftlichste Weise
Abhilfe geschaffen werden kann.
2) Der NRC

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Telex: 8-85432

�2) Der NRC wird dringend nahegelegt, auf in letzter Minute vorgebrachte
Behauptungen über Sicherheits-, Umwelt- und Qualitätsprobleme bei Anlagen, die
in Kürze fertiggestellt wären, mit Verfahrensweisen zu reagieren, wie sie von
ihrem Vorsitzenden vorgeschlagen werden.
3) Überprüfung von Baugenehmigungen und Betriebslizenzen von vorübergehend "eingemotteten" Anlagen durch das Ministerium, wenn das zuständige Versorgungsunternehmen entscheidet, daß der Weiterbau wirtschaftlich tragbar sei.
4) Beratung und Unterstützung der Nuklearindustrie hinsichtlich der Anwendung bundes- und einzelstaatlicher Vorschriften, damit gewährleistet wird,
daß die Maßnahmen mit den energiepolitischen Zielen der Regierung in Einklang
stehen.
5) Ermutigung einzelstaatlicher Kontroll- und Weisungskommissionen, die
Kosten der in Bau befindlichen Anlagen in die Berechnung der Stromproduktionskosten von Versorgungsunternehmen einzubeziehen, um so festzulegen, welche Gebühren das Unternehmen seinen Kunden abverlangen darf.
Der Energieminister forderte außerdem die baldige Verabschiedung des Reformgesetzes der Regierung über die Zulassung nuklearer Anlagen. Diesem Gesetz zufolge könnten nukleare Anlagen in sieben Jahren, statt, wie heute üblich, in 12
bis 14 Jahren gebaut werden. Gegenwärtig sind in den Vereinigten Staaten 80
Reaktoren für den Betrieb zugelassen, für 40 weitere wurde die Erlaubnis für
den Bau erteilt.

Beseitigung von Atommüll aus nichtmilitärischen Reaktoren
Das amerikanische Energieministerium gab am 8. Mai 1984 seinen neuesten
Plan für die Beseitigung von Atommüll aus nichtmilitärischen Reaktoren bekannt.
Er sieht die sichere, unter Gesichtspunkten des Umweltschutzes akzeptable Beseitigung radioaktiver Abfälle an Orten vor, die von ihrem geologischen Aufbau

�geologischen Aufbau her als sichere Deponien bestätigt und zugelassen sind.
Er fordert jedoch auch die Benennung natürlicher oder angelegter Deponien, die
kurzfristig Abfälle aufnehmen sollen, wenn die Lagerung in geeigneten geologischen Formationen wesentlich verzögert wird.

Der neue Plan würde gewähr-

leisten, daß die Bundesregierung ab 1998 die Verantwortung für die sichere und
wirtschaftliche Lagerung aller verbrauchten Brennstoffelemente nichtmilitärischer
Herkunft am Standort kommerzieller Reaktoren übernimmt, wenn die Lagerung an anderer Stelle nicht durchführbar ist.
Bereits jetzt wird von allen amerikanischen Versorgungsunternehmen, die
zur Stromerzeugung Kernreaktoren benutzen, eine Nuklear-Entsorgungsgebühr von
0,1 Cent pro Kilowattstunde erhoben. Wie Beamte des Energieministeriums erklären, erwarte man, mit dieser auch künftig zu erhebenden Gebühr die Kosten für
die Lagerung verbrauchter Nuklearbrennstoffe aus allen bestehenden und geplanten
zivilen Kernreaktoren in den Vereinigten Staaten decken zu können.
In seiner Ansprache vor den Vertretern der Atomwirtschaft räumte Energieminister Hodel ein, daß seit dem Jahr 1972 insgesamt 109 Vorhaben annulliert
und seit 1978 keine neuen Atomkraftwerke in den Vereinigten Staaten in Auftrag
gegeben worden seieno

Jedoch begannen 1982 vier neue Blöcke mit mehr als 4000

Megawatt Leistung Strom in das Versorgungsnetz einzuspeisen.
men drei weitere Blöcke hinzu.

Im Jahr 1983 ka-

1984 und 1985 wird die Inbetriebnahme von kom-

merziellen Reaktoranlagen mit einer Gesamtleistung von 20 000 Megawatt erwartet.
Laut Hodel lag im Jahr 1983 der Anteil von Strom aus Atomkraftwerken an
der gesamten Stromproduktion in den Vereinigten Staaten bei 13 Prozent.

Das

entspricht dem Energiewert von 1,4 Millionen Barrel ül pro Tag (1 Barrel =
159 Liter) und 35 Prozent der amerikanischen ölimporte im vergangenen Jahr.
Insgesamt 225 000 Personen arbeiten in den Atomkraftwerken der USA.

+ + + + +
- 3 -

�Wi//en/chaft
und Technik
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Embassy of the United States of America

20

16. Mai .984

USA MELDEN BESSFRE LUFTQUALITÄT

- (AD) - Bemerkenswerte Fortschritte in der Verbesserung der Luftqualität
haben die Vereinigten Staaten zu verzeichnen. Dem neu &gt;n Bericht der amerikanischen Umweltschutzbehörde EPA zufolge, der Anfang Mai veröffentlicht wurde,
ermittelte man in den Jahren von 1975 bis 1982 sowohl hinsichtlich der Konzentration bestimmter Schadstoffe in der Luft als auch in bezug auf den Ausstoß von
Schadstoffen immer günstigere Werte.
Joseph A. Cannon, Leiter der EPA-Abteilung "Luft und Strahlung", führte
auf einer Pressekonferenz in Washington einige Einzeldaten aus dem Bericht
"National Air Quality and Emissions Trends Report, 1982" als Beispiel an. Demnach sind für den genannten Zeitraum im Durchschnitt Verbesserungen bei
Schwefeldioxid in der Atmosphäre um 33 Prozent
Staubkonzentrationen um 15 Prozent
Kohlendioxid um 31 Prozent
Ozon um 17 Prozent und
Blei um 64 Prozent
zu verzeichnen.

Dagegen stieg die Konzentration von Stickstoffdioxid

zwischen 1975 und 1979 zunächst weiter an, ging aber in der Folgezeit wieder
zurück.

Ihr Mittelwert hat sich somit gegenüber früher nicht verändert.
Der Bericht

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�Der Bericht basiert auf Daten, die von 5000, über das ganze Land verteilten Meßstationen gesammelt wurden.

Er zeige, so Cannon, daß "das Gesetz über

Luftreinhaltung funktioniert ' Allerdings gelte es in der gegenwärtigen Fassung nicht der Kontrolle der Umweltauswirkungen jener Schadstoffe, die im sauren Regen gefunden werden.

- 2 -

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;Ronald Reagan: Mittelamerika braucht die Hilfe der USA&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Fernsehansprache des amerikanischen Präsidenten -&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;US-Innenminister bekräftigt deutsch-amerikansiche Freundschaft&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rede von Clark anläßlich des 35. Gedenktages der Berliner Luftbrücke -&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;&lt;strong&gt;2. Wirtschaft&lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;Neue Arbeitsplätze - der größte Erfolg der US-Wirtschaft&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- USIA-Interview mit dem Wirtschaftswissenschaftler Martin Baily -&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;Feldstein scheidet als Wirtschaftsberater Reagans aus&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA wollen Fertigstellung von Kernkraftwerken beschleunigen&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;USA melden bessere Luftqualität</text>
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                    <text>nu'ifiiiiiTHi

und
Dokumenlolio
United States Information Service
Embassy of the United States of America

23. Mai 1984

21

INHALT

DOKUMENTATION
Pressekonferenz des US-Präsidenten vom 22. Mai 1984
- Auszüge -

William P. Clark: Deutliche Fortschritte im amerikanischen
Umweltschutz
- Auszüge aus einer Rede des US-Innenministers in Wien -

HINT5RGRUNDMAT5RIAL

US-Vizepräsident übergibt Scheck für Afghanistan-Flüchtlinge i n
Pakistan
USA setzen sich für Familie Sacharow ein
- US-Botschafter s p r i c h t vor dem ECOSOC -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Gesundheit - auch eine Frage der Eigenverantwortung
- Dr. C. Everett Koop vor der Weltgesundheitskonferenz i n Genf

Um Über/cndung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 B o n n 2
Telex: 8-85432

�Dokumentation
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23. Mai 1984

21

PRESSEKONFERENZ DES US-PRÄSIDENTEN VOM 2 2 . MAI 1984

- Auszüge -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Ronald Reagan nahm in einer vom amerikanischen Fernsehen übertragenen Pressekonferenz am 22. Mai 1984 zu
einer Reihe außenpolitischer Themen Stellung. Bezüglich des Verhältnisses zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion vertrat
Reagan die Meinung, daß vor den amerikanischen Wahlen im November dieses
Jahres keine wesentlichen Änderungen eintreten würden. Der Präsident hob
hervor, daß nicht die Vereinigten Staaten den Verhandlungstisch verlassen
hätten und daß die USA weiterhin zu Rüstungskontrollverhandlungen bereit
seien.

Zu den sowjetischen Drohungen, daß mehr Raketen-Unterseeboote vor

den amerikanischen Küsten stationiert seien, meinte Reagan, diese Drohungen enthielten nichts Neues, und wenn es Grund zur Beunruhigung gäbe,
dann würde er sicherlich nicht weiterhin ruhig im Weißen Haus schlafen.

Reagan sagte ferner, die NATO sei heute geschlossener denn je, und
die Entscheidung über die Stationierung amerikanischer Marschflugkörper
in den Niederlanden sei eine Sache der dortigen Regierung und Bevöl-

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Telex: 8-85432

�und Bevölkerung.

Auf die hohen Zinsen - und die diesbezüglichen Vorwürfe aus Europa angesprochen, wies der Präsident darauf hin, daß die Zinsen heute effektiver seien als zu seinem Amtsantritt.

Zum Fall Sacharow wollte sich der Präsident nicht Öffentlich äußern,
da dies vertrauliche Bemühungen stören könnte.

Großen Raum auf der Pressekonferenz nahmen Mittelamerika und der Persische Golf ein. Der Präsident gab zunächst eine Erklärung zu Mittelamerika ab, die wir, wie die Fragen und Antworten zu diesem Thema, im Wortlaut wiedergeben; ebenso wie anschließend die Fragen und Antworten zum
Persischen Golf:

DER PRÄSIDENT:

Ich habe eine Erklärung abzugeben. Wir haben einen

wichtigen Besucher in Washington, Jose Napoleon Duarte, den gewählten Präsidenten von El

Salvador. Der gewählte Präsident und ich haben gestern

eine Erklärung herausgegeben, in der wir über drei Hauptziele in Mittelamerika übereinkamen: Stärkung der demokratischen Institutionen, Verbesserung des Lebensstandards und Erhöhung des Standes der amerikanischen Sicherheitshilfe zur Verteidigung gegen Gewalt von der extremen Linken wie
der extremen Rechten.

Die Wahl von Jose Napoleon Duarte ist das jüngste Kapitel einer Entwicklung zur Demokratie in ganz Lateinamerika.

In Mittelamerika stellt

sich jetzt El Salvador an die Seite von Costa Rica und Honduras mit demokratisch gewählten Regierungen. Demokratie in Mittelamerika ist ein
Grundziel unserer Politik in dieser Region. Aber anhaltender Fortschritt
auf dieses Ziel hin erfordert unsere Unterstützung.

Der größte Teil unserer Unterstützung - drei Viertel - besteht aus
Wirtschaftshilfe. Aber auch die Sicherheitshilfe ist wesentlich, um all
jenen zu helfen, die sich selbst gegen den wachsenden Export der Subversion durch den Sowjetblock, Kuba und Nicaragua schützen müssen.

Und, wie

�Und, wie ich in meiner Rede an die Nation am 9. Mai erklärt habe, wir
müssen die demokratischen Erwartungen und Wünsche der Bevölkerung von Nicaragua unterstützen und uns der sandinistischen Aggression gegen ihre
Nachbarn widersetzen und jene unterstützen, die echt demokratische Wahlen
in Nicaragua anstreben, wie sie die Sandinisten in der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) 1979 versprochen haben.

Frieden in Mittelamerika kann nur erreicht werden, wenn die Kräfte
der Demokratie stark sind. Wir unterstützen nachdrücklich multilaterale
Bemühungen um den Frieden, vor allem den CONTADORA-Prozeß. Es kann jedoch keine dauerhafte Friedensregelung geben, solange nicht gleichzeitig
alle Ziele der CONTADORA-Gruppe verwirklicht werden, einschließlich echter demokratischer Wahlen in Nicaragua.

Die Freiheitskämpfer in Nicaragua haben versprochen, die Waffen niederzulegen und sich an echten demokratischen Wahlen zu beteiligen, wenn
die Sandinisten dies zulassen.

Unser Kongreß steht in dieser Woche vor einer historischen Entscheidung.

Jene, die überall für die Freiheit kämpfen, blicken auf uns, ob

man noch immer auf Amerika zählen kann, wenn es um die Unterstützung
ihrer Ideale geht. Die Bevölkerung von El Salvador blickt auf uns, die
Freiheitskämpfer in Nicaragua blicken auf uns, die bedrohten Nachbarn
Nicaraguas blicken auf uns - und die Feinde der Freiheit blicken auf uns.

Unsere ausgewogene Politik kann Erfolg haben, wenn der Kongreß die
notwendigen Mittel für alle Elemente dieser Politik bewilligt, wie sie in
den überparteilichen Empfehlungen der Kissinger-Kommission zum Ausdruck
kamen. Aber wenn der Kongreß zu wenig Hilfe bewilligt, dann wäre das
schlimmer als überhaupt nichts zu tun. Dieser übertriebene Kommunismus
in Mittelamerika stellt eine Bedrohung dar, daß 100 Millionen Menschen
von Panama bis zu unseren offenen Grenzen im Süden unter die Kontrolle
prosowjetischer Regime geraten könnten. Wir könnten einen massiven Exodus von Flüchtlingen nach den Vereinigten Staaten erleben.

Der Kongreß hat die Chance, unsere Verpflichtung gegenüber den tapfe-

- 3 -

�den tapferen Menschen zu bekräftigen, die ihr Leben für die Sache der
Freiheit und Demokratie in Mittelamerika aufs Spiel setzen. Der Kongreß
hat auch die Chance, unsere überparteiliche Tradition zu stärken, die der
Welt klar macht, daß wir einig sind, wenn es um unsere Lebensinteressen
geht.

Ich ersuche die Mitglieder des Kongresses, diese Verpflichtung

einzugehen.

+ + +

FRAGE: Sie haben gesagt, daß es in Mittelamerika um amerikanische Lebensinteressen geht. Was werden Sie tun müssen, wenn der Kongreß die
Sicherheitshilfe nicht bewilligt, um diese Drohung prosowjetischer Regime
in all den Ländern jenseits unserer südlichen Grenzen abzuwenden? Stellen Sie sich vor, der Kongreß bewilligt das Geld nicht, das für die Freiheitskämpfer, wie Sie sie nennen, gebraucht wird. Was würden Sie dann
tun müssen, um eine solche Entwicklung zu verhindern?

ANTWORT: Wir wären in einer sehr schwierigen Lage und sie ebenfalls.

Ich hege jedoch große Hoffnung, daß nach Präsident Duartes Besuch

hier und seinem Zusammentreffen mit vielen Mitgliedern des Kongresses einiger Grund zum Optimismus besteht.

FRAGE: Es gibt Berichte, daß die Administration den Kongreß umgangen
und die militärischen und geheimdienstlichen Tätigkeiten in Mittelamerika
erhöht habe, indem es Geld mittels Verschiebung auf Konten durch das Verteidigungsministerium an den CIA gegeben habe. Sie können zwar nicht
über verdeckte Tätigkeiten sprechen, aber können Sie dem amerikanischen
Volk wenigstens versichern, daß Sie nicht veranlaßt haben, daß diese Administration über den Willen des Kongresses hinausgeht und die Ausgaben
für militärische Tätigkeiten in Mittelamerika erhöht?

ANTWORT: Wir haben keine Verfahren angewandt, die sich irgendwie
von dem unterscheiden würden, was von früheren Administrationen angewandt
wurde, noch haben wir irgend etwas ohne Wissen des Kongresses getan.
FRME:

Können

�FR£GE: Können Sie also erklären,warum dem Kongreß vor etwa einem
Monat gesagt wurde, die vom CIA unterstützten Contras hätten bald kein
Geld mehr, würde der Kongreß nicht das Geld bewilligen?

Heute wird dem

Kongreß gesagt, daß der CIA genug Geld habe, um für den Rest des Sommers
durchzuhalten. Wie ist das möglich, ohne daß er geheimes Geld bekommt?

ANTWORT: Vielleicht haben sie (der CIA) sich in der ersten Erklärung
verschätzt - ich dachte, sie seien mit ihrem Geld eher am Ende als sie
offensichtlich sind - aber ich kann nur sagen, nichts dergleichen kann
ohne Wissen des Kongresses geschehen.

FRAGE: Sie haben in der Vergangenheit erklärt, daß Sie keine Absicht
hätten, amerikanische Truppen nach El Salvador zu entsenden, und Präsident Duarte erklärte gestern, daß er nicht die Absicht habe, um die Entsendung amerikanischer Soldaten zu bitten. Aber trotz dieser Dementis
bleiben Zweifel. Walter Mondale behauptet, daß Ihre Politik zu einer
amerikanischen Verwicklung in Mittelamerika führen werde. Können Sie
heute abend eindeutig erklären, daß Sie keine Truppen nach El Salvador
entsenden werden, selbst wenn es so aussähe, daß El Salvador in die Hände der Kommunisten fallen könnte?

ANTWORT:

Zunächst einmal hat Präsident Duarte ganz eindeutig er-

klärt, daß El Salvador niemals um die Entsendung amerikanischer Truppen
ersuchen werde. Wir haben niemals derartige Überlegungen angestellt, wir
haben niemals an so etwas gedacht. Ich weiß nicht, wie ich jedermann
überzeugen soll; aber Sie brauchen nur auf unsere Freunde und Nachbarn in
Lateinamerika zu blicken - vielleicht ist all das noch ein Überbleibsel
aus der Vergangenheit. Wir würden unsere ganzen Freunde und Nachbarn
verlieren, wenn wir das täten (Truppen zu entsenden).
Hilfe.

Sie wollen unsere

Sie wissen, daß sie unsere Hilfe brauchen, wirtschaftlich - und

in der Art, wie wir militärische Unterstützung gewähren - durch Ausbildung, Nachschub und Ausrüstung usw; aber sie wollen keine
amerikanischen Soldaten dort.

FRAGE: Wenn El

Salvador klar an die Kommunisten fiele, würden Sie

�würden Sie meinen, daß es im amerikanischen Interesse läge, unsere Truppen dorthin zu entsenden und dem Einhalt zu gebieten, oder würden Sie zulassen, daß das Land kommunistisch würde?

ANTWORT: Sie stellen mir eine hypothetische Frage, und eine Frage,
die zu beantworten sehr töricht wäre.

Persischer Golf

FRAGE: Es wurde berichtet, daß Sie bereit wären, die amerikanische
Luftwaffe einzusetzen, um die Fahrt der Öltanker durch den Persischen
Golf zu sichern. Können Sie uns sagen, wie die Antwort der Saudis auf
Ihren Vorschlag lautete und unter welchen Umständen die Vereinigten Staaten in dieser Region militärisch verwickelt werden könnten?

ANTWORT:

Ich habe all diese Berichte gelesen und viele davon basie-

ren auf Spekulation. Nein, wir stehen im Kontakt mit den Golfstaaten und
mit unseren eigenen Verbündeten und tun dies auch weiterhin. Aber wir
haben keinen freiwilligen Einsatz vorgeschlagen und wir sind auch nicht
gebeten worden, zu intervenieren. Wir haben ihnen das mitgeteilt und bisher sieht es so aus, daß die GolfStaaten das alles selbst in die Hand nehmen wollen. Sie sind besorgt, und ich glaube, wir sollten alle besorgt
sein, daß dieser Krieg sich nicht ausweitet.

FRAGE: Haben wir einen Notstandsplan für den Fall, daß sie (die Golfstaaten) nicht selbst damit fertig werden können?

ANTWORT: Wir haben natürlich darüber nachgedacht, was wir tun könnten, wenn sie uns um Hilfe ersuchen.

Aber ich glaube nicht, daß das ein

Thema ist, über das ich sprechen sollte.

FRAGE: Sie haben vorhin gesagt, die Vereinigten Staaten würden die
GolfStaaten unterstützen, um die Straße von Hormus offen zu halten.
Gibt es irgendwelche umstände, unter denen amerikanische Interessen so
bedroht sein könnten, daß die Vereinigten Staaten einseitig oder ohne ein

- 6 -

�ohne ein Ersuchen der Golfstaaten handeln würden?

ANTWORT:

Ich kann nur wieder sagen, daß ich mir das nicht vorstellen

kann. Wir wären wahrscheinlich unter all den ölimportierenden Ländern
diejenigen, die durch eine solche Schließung am wenigsten betroffen wären. Es sind unsere Verbündeten - Japan, unsere Freunde in Westeuropa -,
die wirklich in Schwierigkeiten wären, wenn das Öl aus dem Mittleren
Osten nicht mehr fließen würde.

Praktisch kornnen - dank der Freigabe der Ölpreise und der Erhöhung
unserer einheimischen Förderung - nur drei Prozent unseres Öls aus dem
Persischen Golf. Und wir haben unsere Vorratslager an Öl um das Vierfache der Menge erhöht, die wir zu unserem Amtsantritt antrafen.

Ich

kann mir also keinen Notfall vorstellen, der ein solches Handeln bewirken würde.
Aber vergessen Sie nicht, daß wir auch in Konsultation mit unseren
Verbündeten stehen - mit jenen Ländern, die betroffen wären, weil wir uns
hier kein einseitiges Handeln vorstellen können. Das ist ein Problem,
das uns alle angeht.

FRAGE: Was würden die Vereinigten Staaten tun, um im Falle einer
Sperrung der Ölzufuhr ihren Verbündeten zu helfen? Würden wir ihnen Öl
aus unserer strategischen Reserve geben?

ANTWORT: Wir haben Leute, die in Konsultation mit unseren Verbündeten stehen, und sie haben sich getroffen, um über Notfälle dieser Art
zu sprechen. Wir würden nicht zögern, sofort zu unserer Reserve zu greifen, aber ich bin nicht bereit zu erklären, daß wir spezifische Pläne ausgearbeitet haben.

+ + + + +
- 7 -

�Dokumentation
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23. Mai 1984

21

WILLIAM P. CLARK: DEUTLICHE FORTSCHRITTE IM AMERIKANISCHEN
UMWELTSCHUTZ

- Auszüge aus einer Rede des US-Innenministers in Wien -

WIEN - (AD) - Der amerikanische Innenminister William P. Clark umriß
in einer Rede am 15. Mai 1984 in Wien Probleme und Leistungen des Umweltschutzes in den Vereinigten Staaten. Die wesentlichsten Auszüge aus der
Rede des Innenministers haben folgenden Wortlaut:

Mit der jüngsten Einbeziehung mehrerer neuer Naturparks in Alaska umfaßt das System der Nationalparks nunmehr 335 verschiedene Anlagen, zu
denen Naturparks, Naturdenkmäler, Gedenkstätten sowie historische Anlagen
und Schlachtfelder gehören.

Zu diesen Schätzen zählen der majestätische

Grand Canyon in Arizona ebenso wie die ehrwürdige Unabhängigkeitshalle in
Philadelphia, der schneebedeckte Gipfel des Mount McKinley in Alaska wie
die Sümpfe der Everglades in Florida und das Schlachtfeld des Bürgerkieges bei Gettysburg.

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�Heute umfaßt das Parksystem 32 Millionen Hektar - ein Gebiet von der
annähernden Größe Österreichs und der Bundesrepublik Deutschland zusammengenommen. Und natürlich kommt dies Gebiet noch zu dem Gelände hinzu,
das als Parks der Bundesstaaten und der Städte dient. Das System der
Nationalparks ist der Welt größtes Reservat an natürlichem oder fast
natürlichem Land. Und es ist einer der größten Schätze Amerikas. Im
vorigen Jahr kamen 336 Millionen Menschen - ein neuer Rekord - in diese
Parks, und viele dieser Besucher, alle stets willkommen, kamen aus dem
Ausland...

Derzeit unternehmen wir eine umfassende Anstrengung, um die Freiheitsstatue zu renovieren, die einer solchen Renovierung dringend bedarf.

Unser Ziel ist es, 230 Millionen Dollar an privaten Spenden zu

bekommen, um die Restaurierungsarbeiten rechtzeitig zum 100. Jahrestag
der Statue beenden zu können, der in zwei Jahren begangen wird, zumal die
Statue ja auch immer weiter an jene Millionen Einwanderer erinnern soll,
die zum Aufbau unseres Landes beitrugen. Die Verantwortung für die Beschaffung dieser Mittel haben der Aufsichtsratsvorsitzende der amerikanischen Automobilfirma Chrysler sowie andere Freiwillige übernamnen.
Erst vor zwei Wochen haben wir von der Firma "U.S. Tobacco Co." eine
Spende von 10 Millionen Dollar erhalten, und auch die amerikanischen
Schüler beteiligen sich: Bislang sind durch ihre Pfennige schon eine
halbe Million Dollar zusammengekommen. Mit dieser Unterstützung werden
wir unser Ziel erreichen, ohne daß der Bundeshaushalt zusätzlich belastet
wird.

In den 112 Jahren seit der Gründung des Yellowstone-Nationalparks hat
sich der Gedanke von Nationalparks in 140 verschiedenen Ländern verbreitet und gilt nunmehr für über 2000 Gebiete in der ganzen Welt. Eine weitere Fortentwicklung dieses Gedankens hat 1972 zur Unterzeichnung der
"World Heritage Convention" geführt, einer Konvention, die als erstes von
den Vereinigten Staaten und anschließend von 82 weiteren Staaten ratifiziert wurde. Diese Konvention ist eine Reaktion auf die Notwendigkeit
internationaler Zusammenarbeit zur Bewahrung unersetzlicher natürlicher
und kultureller Güter, die eine ganz besondere Bedeutung haben. Derzeit
gibt es eine Liste mit weltweit 165 solcher Orte, wobei 12 davon in den

- 2 -

�Vereinigten Staaten liegen.

Über die Jahre hinweg hat der Naturschutz in den Vereinigten Staaten
das ganze Land mit seinen Ressourcen einbezogen, einschließlich Boden,
Wälder, Tiere und menschliche Umwelt - und hier besonders die Qualität
des Wassers und der Luft. Und erst in jü'ngster Zeit wurden Gesetze verabschiedet, um die Küstengebiete, die Sumpflandschaften, Wildwasser und
landschaftlich besonders reizvolle Flüsse sowie Wildnisgebiete zu
schützen.

Dieser Gesetzgebung ging 1964 der "Wilderness Act" voraus, ein Gesetz, mittels dessen festgelegt wurde, daß bestimmte ursprüngliche Gebiete in einer völlig natürlichen Umgebung zur Erholung und Freude des Menschen belassen werden sollten. Das Gesetz definiert "Wildnis" als "ein
Gebiet, wo die Erde selbst und ihre Flora und Fauna vom Menschen ungehindert sind, wo der Mensch selbst nur ein Besucher ist und nicht
bleibt." Bislang sind auf diese Weise 32 Millionen Hektar als "Wildnis"
ausgewiesen worden. Der Kongreß behandelt derzeit mehrere weitere Gesetze, durch die weitere vier Millionen Hektar in dieses System eingegliedert werden könnten.

Wie ich bereits sagte, beschränkt sich Amerikas Bemühen um die Umwelt
nicht nur auf den Boden und seine physikalischen Ressourcen. Unsere Sorge gilt zugleich dem Schutz von Flora und Fauna. Ergebnis dessen ist ein
umfassendes System nationaler Wildparks, um die sich der amerikanische
"Fish and Wildlife-Service" kümmert.

Im Jahre 1973 verabschiedete der Kongreß das Gesetz über die bedrohten Arten, eines der weitreichendsten Gesetze, die je von einem Land zur
Verhinderung des Aussterbens bedrohter Pflanzen- und Tierarten verabschiedet wurden. Durch dieses Gesetz wurde ein landesweites Programm
geschaffen, an dem heute unsere Bundesregierung, die Bundesstaaten, Naturschutzorganisationen, einzelne Bürger, private Firmen sowie schließlich Regierungen anderer Staaten in dem Bemühen beteiligt sind, gefährdete Arten nicht nur in den Vereinigten Staaten, sondern in der ganzen
Welt zu retten.

Zur Liste der bedrohten Tiere und Pflanzen gehören nun-

- 3 -

�gehören nunmehr 300 in den Vereinigten Staaten zu findende Arten und
nahezu 500 weitere in der ganzen Welt. Bislang wurden Pläne zur Erhaltung von 110 gefährdeten Arten in Amerika ausgearbeitet - einschließlich des Singkranichs, des kalifornischen Kondors und des Weißkopfadlers,
unseres Nationalsymbols. Die Bemühungen um Erhaltung solcher Arten sind
bei einer Anzahl von Tieren bereits so erfolgreich gewesen - so etwa beim
amerikanischen Alligator -, daß diese Tiere nicht mehr vom Aussterben
bedroht sind.

Ein großer Teil dieser unserer Arbeit beinhaltet Bemühungen um die
Bewahrung oder Wiederherstellung unseres natürlichen Ökosystems, einschließlich der Einschränkung des Einsatzes von Pestiziden. Solche Einschränkungen sind auch Ergebnis unserer Sorge wegen der Umweltverschmutzung und ihrer Auswirkungen auf die menschliche Umwelt.

Mit wachsendem Bewußtsein der Gefahr, die die Umweltverschmutzung für
die Gesundheit des Menschen bedeutet, wurde auch immer deutlicher, daß es
eines stärkeren Bundesorganes bedurfte, um ein in weitem Maß uneinheitliches Bemühen um den Umweltschutz zu koordinieren und rechtlich durchzusetzen.

Daher wurde 1970 das Umweltschutzamt (EPA) gegründet. Die Zuständigkeiten dieses neuen Amtes kommen in einer Reihe von Bundesgesetzen zum
Ausdruck, die erlassen wurden, um eine ganze Bandbreite von Umweltproblemen anzugehen...

In großem Maße aufgrund dieser Gesetze ist die Luft

unserer Städte heute sauberer und sind unsere Seen und Flüsse weit weniger verschmutzt.

So gingen zum Beispiel zwischen 1970 und 1981 landesweit die Emissionen insgesamt um 63 Prozent zurück, die Schwefeldioxyd-Bmissionen um
25 Prozent und die Kohlendioxyd-Emissionen um 26 Prozent.

Obwohl die Kapazität der Stromgewinnung seit 1970 um 60 Prozent anstieg, fielen die Kraftwerksemissionen aufgrund der wirksamen Emissionskontrollen unter das Niveau von 1970 zurück.

- 4 -

�Desgleichen gab es im selben Zeitraum einen 40prozentigen Anstieg bei
der von Autos und Lastwagen gefahrenen Kilometerzahl. Dennoch ging in
dieser Zeit der Abgasausstoß von Motorfahrzeugen um fast 20 Prozent
zurück.

Außerdem wurden wir überall im Land Zeuge einer Verbesserung der
Wasserqualität.

Zwischen 1970 und 1982 verdoppelte sich die Zahl der

Kläranlagen nahezu:

fast 65 Prozent der Bevölkerung erhalten jetzt ihr

Wasser über Kläranlagen.

Infolgedessen kommen auch Lachse und Forellen

wieder in Flüsse zurück, wo sie seit Generationen nicht mehr gesehen
worden waren.

Es ist uns weiterhin gelungen, einen dramatischen Rückgang bei den
Spuren giftiger Chemikalien zu erreichen, die im menschlichen Körper gefunden werden. Sowohl DDT und Dieldrin wurden 1972 verboten, und seither
gingen die Überreste dieser Produkte - genau wie von Hexachlorbenzol - um
über die Hälfte zurück. Während etwa des gleichen Zeitraums erlebten wir
einen entsprechenden Rückgang von Giftrückständen bei Fischen. Die D D T —
Mengen gingen um zwei Drittel zurück, während die PCP-Anteile um über die
Hälfte sanken.

Diese Leistungen konnten durch die gemeinsamen Bemühungen der Bundesregierung und der Einzelstaaten erreicht werden. Während der Reagan-Administration wurde der Beteiligung des Staates noch größere Aufmerksamkeit geschenkt, und unser Fortschritt in all diesen Bereichen ist
gleichermaßen auf die Bemühungen der Einzelstaaten wie jener der Bundesregierung zurückzuführen.

Hinsichtlich der Gefahr, die das Blei für die Gesundheit der Bürger
in den Vereinigten Staaten darstellt, haben wir bereits die Bleiemissionen drastisch gesenkt, insbesondere jene bei den Automobilen. Die
Reagan-Administration hat zusätzliche Schritte unternommen, die praktisch
alles Blei im Benzin beseitigen werden.

Für den Haushalt 1985 hat der Präsident 640 Millionen Dollar vom
Kongreß gefordert, um verlassene Giftmülldeponien zu säubern. Über 500

- 5 -

�solcher Deponien sind bereits für eine solche Reinigung im Rahmen eines
1,6 Milliarden Dollar-Fonds ausgewählt worden, der über Steuern von
Gesellschaften finanziert wird, die im Erdöl- und Chemie- bereich tätig
sind.

Der Fortschritt, den Arierika auch weiterhin bei der Verbesserung seiner Umwelt macht, beweist, wie weit wir gekommen sind, seit wir Anfang
der siebziger Jahre mit diesem großen nationalen Experiment begonnen haben.

In seinem Verlauf haben wir sowohl Erfahrung als auch größere Ach-

tung für die Komplexität der Umweltfragen gewonnen, die wir mit anderen
Ländern teilen.

Selbstverständlich sieht die Reagan-Administration heute in der Giftmüllbeseitigung eine oberste Priorität. Um des Wohls unserer Bürger willen werden wir keine unsicheren Praktiken bei der Lagerung von Giftmüll
zulassen.

Die Vollmacht des Umweltschutzamtes zur Kontrolle von Giftmüll ergibt
sich aus dem "Resource Conservation And Recovery Act" und dem "Superfund
Law". Ersteres deckt alle vorhandenen Deponien ab. Umfassende Regelungen schreiben präzise die Bewegungen des Mülls vom Entstehungsort bis hin
zur letztendlichen Lagerung vor. Es gibt bei uns sehr strenge Lizenzbestimmungen für den Transport und Ablagerung sowie wirksame Mittel zur
Einhaltung der Vorschriften. Das Amt hat die Befugnis, Strafen zu verhängen, zu denen Bußgelder in Höhe von bis zu einer Million Dollar gehören.

Das "Superfund Law" bezieht sich auf verlassene Deponien. Bis-

lang hat das Amt landesweit über 567 Mülldeponien ausgemacht, die als
erste beseitigt werden sollen. Diejenigen Deponien, die auf der nationalen Prioritätenliste stehen, werden unter Verwendung eines 1,6 Milliarden Dollar umfassenden "Superfund"-Programms gereinigt.

Präsident Reagan

hat in diesem Jahr bereits den Kongreß davon in Kenntnis gesetzt, daß er
fest dazu entschlossen ist, eine Verlängerung des Superfond-Gesetzes herbeizuführen, wenn es im nächsten Jahr ausgelaufen ist.

Die Amerikaner sind zutiefst besorgt über die Umweltbelastung durch
Säureablagerung. Im Jahre 1980 hat der Kongreß das Gesetz zur Erforschung

- 6 -

�der Säureablagerung verabschiedet. Es handelt sich dabei um ein von der
Bundesregierung finanziertes interministerielles Forschungsprogramm. Der
Mittelaufwand für die Forschung, die Entlastung empfindlicher Ökosysteme
und die Entwicklung von Technologien, die uns bei der Eindämmung von
Umweltschäden helfen sollen wird sich in diesem Jahr auf 127,5 Millionen
Dollar belaufen. In seinem Bericht über die Lage der Nation hat Präsident
Reagan die Entschlossenheit seiner Administration bekräftigt, das Problem
der Säureablagerung ernsthaft anzugehen, und er hat die wohlerwogenen
Maßnahmen, die getroffen werden sollen, dargelegt. Ich bin zuversichtlich, daß unsere Regierung, nachdem wir die uns vorliegenden neuen Forschungsergebnisse analysiert haben, rasche Schritte unternehmen wird, um
ein Programm zu entwickeln, mittels dessen wir diesem beunruhigenden
Phänomen wirksam begegnen können.

Es steht außer Frage, daß der saure Regen in den Vereinigten Staaten
ein Problem darstellt. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt wissen wir jedoch noch
nicht, welchen Umfang dieses Problems hat, mit welchem Tempo es um sich
greift und welche physikalischen und ökologischen Mechanismen am Werke
sind.

Mir ist klar, daß Sie wie auch andere europäische Nationen wegen der
Schäden, die Ihre Wälder erleiden, beunruhigt sind. Auch bei uns ist es
in den Waldgebieten im Osten in größeren Höhenlagen zu einem Waldsterben
gekommen. Aber wie schnell schreitet es fort ? Handelt es sich dabei um
das gleiche Phänomen, mit dem Sie hier in Europa konfrontiert sind ?
Welches sind die Ursachen ? Es könnte auf Schwefeldioxyd zurückzuführen
sein oder auf Ozon, auf Schwermetalle oder sogar auf Insektenbefall oder
Trockenheit. Wir wissen es einfach nicht.

Was wir jedoch wissen, ist, daß ein Programm zur Bewältigung der
Folgen des sauren Regens enorm aufwendig sein würde. Wir können es uns
ganz einfach nicht leisten, derartig umfangreiche Mittel auf der Grundlage fadenscheiniger Kenntnisse zu investieren. Es könnte damit enden,
daß wir ein äußerst kostspieliges Programm zur Eindämmung der Schwefeldioxydemissionen durchführen nur um dann später herauszufinden, daß dies
nicht den gewünschten Effekt hat. Die Administration wird daher kein
- 7 -

�größeres Programm zur Bewältigung des Problems des sauren Regens vorschlagen, bis wir mehr wissen.

Es sollte jedoch darauf hingewiesen werden, daß in den Vereinigten
Staaten die Emission der Schadstoffe, von denen man annimmt, daß sie bei
der Entstehung des Phänomens des sauren Regens eine Rolle spielen, im
Rahmen des Bundesgesetzes zur Reinerhaltung der Luft einschränkenden
Bestimmungen unterliegt. Die Emission all dieser Schadstoffe ist vermindert worden. Die Bestimmungen unseres Bundesgesetzes zur Reinerhaltung
der Luft sind in ihrer Art die komplexesten und umfassendsten der Welt.
Alle Hauptgruppen von Schadstoffen, die von dem Gesetz zur Reinerhaltung
der Luft erfaßt werden, unterliegen in dreierlei Hinsicht Beschränkungen.
Erstens müssen alle Bundesstaaten Richtwerte über die Reinheit der Luft
beachten, die so angesetzt sind, daß eine Beeinträchtigung der Gesundheit
und des Wohlergehens der Öffentlichkeit ausgeschlossen ist. Zweitens müssen alle neuen Industrieanlagen und alle neuen Kraftfahrzeuge mit technischen Einrichtungen ausgestattet werden, durch die die Luftverschmutzung
herabgesetzt wird. Drittens muß in den Teilen unseres Landes, in denen
die Reinheit der Luft gegenwärtig den gesetzten Richtwerten genügt, bei
der Errichtung neuer Anlagen bewiesen werden, daß ihr Betrieb die Luftqualität nicht verschlechtert.

All dies war nicht billig. Die technischen Einrichtungen zur Eindämmung der Schadstoffemission haben den amerikanischen Verbraucher mehr als
40 Milliarden Dollar gekostet. Seit 1970 haben die Einführung von schwefelarmem Benzin und die Betriebskosten der Einrichtungen zur Einschränkung der Luftverschmutzung die Gesamtkosten der Eindämmung von Schadstoffemissionen auf mehr als 150 Milliarden Dollar hochgetrieben. Die Vereinigten Staaten wenden heute jährlich über 60 Milliarden Dollar für die Eindämmung der Luftverschmutzung auf.

Die Luftqualität hat sich merklich verbessert. Die Emission von zwei
der Schadstoffe, von denen man annimmt, daß sie bei der Entstehung des
Phänomens des sauren Regens eine Rolle spielen - Schwefeldioxyd und KohlenwasserstoffVerbindungen - ist vermindert worden. Wie erheblich diese
SchadstoffVerminderung tatsächlich ist, wird besonders dann sichtbar,

- 8 -

�wenn man sie in Zusammenhang mit dem Wirtschaftswachstum in unserem Lande
seit 1970 stellt. Seit 1973 beobachten wir eine Abnahme der Belastung
durch Schwefeldioxyd um 25 Prozent sowie eine Verminderung der Luftverschmutzung um 43 Prozent gegenüber dem Wert, den sie ohne einschränkende
Maßnahmen erreicht haben würde.

Ungeachtet der Maßnahmen, die die Vereinigten Staaten zur Verminderung der Luftverschmutzung und zum Schutz der öffentlichen Gesundheit
bereits getroffen haben, und ungeachtet der bedeutsamen Leistungen, die
sie auf diesem Gebiet bereits vorzuweisen haben, sind wir doch der Meinung, daß eine Reihe von wissenschaftlichen Fragen beantwortet werden
muß, bevor wir zusätzliche milliardenschwere Ausgaben für die Umrüstung
der bestehenden Kraftwerke veranlassen können. Die vorliegenden Vorschläge aus dem Kongreß zur Verringerung der Emissionen von Schwefeldioxyd und
Stickstoffoxyd um 50 Prozent würden jährliche Ausgaben in Höhe von drei
bis sieben Milliarden Dollar erforderlich machen.

Wir begrüßen die in der jüngeren Vergangenheit in Europa in die Wege
geleiteten Schritte zur Verminderung der Belastung durch Schwefeldioxyd.
Wir sähen es gern, wenn alle Nationen in Ost und West Richtwerte für die
Luftqualität festlegen und auch praktisch durchsetzen würden, die den
Schutz der Gesundheit wie auch den der Umwelt gewährleisten könnten. In
den 14 Jahren, in denen unser Gesetz zur Reinerhaltung der Luft nun in
Kraft ist, haben wir umfangreiche Kenntnisse erworben über die Auswirkungen auf die Gesundheit, über die wirtschaftlichen Folgen von Maßnahmen
zur Verminderung der Schadstoffbelastung und über entsprechende Technologien, und wir möchten diese Kenntnisse von Herzen gern mit Ihnen teilen.

Am heutigen Nachmittag habe ich versucht, darzulegen, daß sich Amerikas Sorge um die Umwelt aus unseren Erfahrungen beim Aufbau einer neuen
Welt entwickelt hat. Ich habe auch versucht, Ihnen eine Vorstellung zu
vermitteln von der großen Spannbreite unserer Bemühungen im Bereich des
Umweltschutzes und von den Erfolgen, die wir auf vielen Gebieten errungen
haben. Ich habe mich auch bemüht, einige der schwerwiegenden Probleme, denen wir uns noch widmen müssen, in aller Offenheit darzulegen.

- 9 -

�Ich wünschte, ich könnte Ihnen versichern, daß die Antworten, die wir
suchen, einfach sein werden. Leider werden sie nicht einfach sein. Vor
allen Dingen müssen Lösungen gefunden werden, die die Spannung zwischen
Entwicklung und Erhaltung, zwischen Kosten und Nutzen sowie zwischen gesellschaftlichen Ansprüchen und der Freiheit des einzelnen in einer gerechten Art und Weise auflösen, wobei überdies stets den lebenswichtigen
nationalen Sicherheitsinteressen Rechnung getragen werden muß.

Für einen gerechten Ausgleich zu sorgen, ist die Pflicht von Staatsmännern. In diesem Falle ist dies ebenso sehr eine Frage der Klugheit wie
eine Frage der Wissenschaft. Es ruft uns den Rat des Aristoteles in Hinblick auf den idealen Staat in Erinnerung:

"Das Beste ist oft unerreichbar, und der Gesetzgeber und Staatsmann
sollte daher nicht nur wissen, was in einem abstrakten Sinne das Beste
ist, sondern auch, was unter den gegebenen Umständen das Beste ist."
(Politik, 4. Buch, 1. Kapitel)

Das ist die Art und Weise, in der wir in den Vereinigten Staaten zu
verfahren versuchen. Wenn wir Erfolg haben - und ich glaube, das haben
wir - so liegt es daran, daß uns allen die Sorge um unser nationales
Erbe, um unser Land und seine Tierwelt und um die Qualität seiner Unweit
gemeinsam ist. Den Amerikanern ist schon klar geworden, daß all dies
geschützt werden muß. Gemäß der besten Tradition unserer Republik arbeitet die Administration in diesen Fragen nicht gegen die Bürger, sondern auf eine überparteiliche Weise mit ihnen gemeinsam, wobei sie sich
gleichermaßen auf private Initiative, auf die Wirtschaft, auf die Regierungen der Bundesstaaten und auf die kommunalen Verwaltungen stützt. Was
diese Dinge anbelangt, sind wir wahrhaft ein einiges Volk.
Wie Präsident Reagan in seinem Bericht über die Lage der Nation vom
Januar dieses Jahres feststellte: "Der Schutz unserer Unweit ist keine
liberale oder konservative Aufgabe - der gesunde Menschenverstand fordert
ihn."

+ + + + +
- 10 -

�23. Mai 1984

21

US-VIZEPRÄSIDENT ÜBERGIBT SCHECK FÜR AFGHANISTAN-FUJCHTLINGE IN
PAKISTAN

ISLAMABAD - (AD) - Der amerikanische Vizepräsident George Bush hat in
dem Lager für afghanische Flüchtlinge in Nasir Bagh in Pakistan einen
Scheck über 14 Millionen Dollar überreicht, um Menschen zu helfen, die
vor der sowjetischen Invasion geflohen sind.

In Pakistan leben über drei

Millionen Flüchtlinge aus Afghanistan.

Vizepräsident Bush hielt am 17. Mai 1984 eine Ansprache in dem
Flüchtlingslager, die folgenden Wortlaut hat:
Meine lieben afghanischen Brüder

Ich möchte Ihnen für die Einladung danken, dieses Flüchtlingsdorf zu
besuchen. Den Vertretern der pakistanischen Regierung, Präsident Zia und
anderen sowie den Vertretern der Hilfsorganisationen möchte ich ebenfalls
Dank sagen, daß sie diesen unvergeßlichen Besuch ermöglicht haben.

Ich habe heute aus erster Hand die tragischen Folgen der Invasion
Ihres Heimatlandes erlebt.

Ich habe in der sehr kurzen Zeit, in der ich

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�der ich hier bin, sehr viel Leid gesehen, viel Not und viel Schmerz.
Aber ich habe auch mutige und stolze Menschen gesehen, die trotz Mangel
gastfreundlich und großzügig bleiben - ein starkes und edles Vojlk,
dessen Hingabe an Freiheit und Glauben an einen liebenden Gott trotz
mißlicher Umstände ungebrochen ist.

Jenseits der Grenze wird ein brutaler Krieg gegen die Bevölkerung von
Afghanistan geführt. Aus diesem unglücklichen Lande kommen Berichte über
wahllose Bombardierungen der Zivilbevölkerung und eine Taktik der verbrannten Erde. Diese Taktiken verwüsten das Land und schaffen Millionen
heimatloser Menschen und Tausende von Toten.

Meine lieben afghanischen Brüder, Sie und Ihr Volk haben viel gelitten. Sie haben über das übliche Maß hinaus Mut und Kraft gezeigt. Sie
genießen meine ehrliche Bewunderung und die unserer Administration und
die des ganzen amerikanischen Volkes. Sie haben die Bewunderung aller
freier Menschen verdient.

Ich habe den unzähmbaren Geist der Freiheit erlebt, der in diesem
Flüchtlingslager herrscht. Sie können ihn hier und jetzt spüren. Ihre
Heimat, das tapfere Afghanistan, ist niemals erobert worden. Die Tapferkeit und Unabhängigkeit des afghanischen Volkes ist zur Legende geworden. Jene, die versuchen, Sie der Freiheit zu berauben und Sie in
Fesseln zu legen, werden, dessen bin ich sicher, erfahren, daß das Licht
der Freiheit, das in Ihrem tapferen Land so hell brennt, niemals
ausgelöscht werden kann.

Die Sowjets müssen ihre Militärmaschinerie zurückziehen und aufhören,
sich in die inneren Angelegenheiten des souveränen Staates Afghanistan
einzumischen. Wir wollen nicht, daß das Leiden andauert - wir wollen so
rasch wie möglich eine Lösung auf dem Verhandlungswege. Aber die entscheidende Frage ist und bleibt der Abzug der sowjetischen Streitkräfte.
Ich weiß, Ihr Widerstand wird anhalten, bis die Sowjets erkennen, daß sie
niemals in der Lage sein werden, Afghanistan zu unterwerfen.

Bevor ich Sie verlasse, möchte ich den Regierungsvertretern und den
- 2 -

�und den Bürgern Pakistans - von denen viele heute hier bei uns weilen und die über drei Millionen afghanische Flüchtlinge mit solchem Mitgefühl
und unter solchen Opfern in diesem Lande willkommen geheißen haben, meine
Anerkennung zollen.

Ich möchte auch den Mitarbeitern aus aller Welt

meine Hochachtung aussprechen, die im Auftrag der Hilfsorganisationen die
Flüchtlinge betreuen. Die Arbeit, die Sie alle hier leisten, ist sicherlich außergewöhnlich.

Ich bin stolz auf den Beitrag der amerikanischen

Regierung zu diesem Hilfsprogramm.

Ich freue mich, im Rahmen unserer anhaltenden Bemühungen, den afghanischen Flüchtlingen zu helfen, bekanntgeben zu können, daß ich einen
Scheck über 14 Millionen Dollar vom amerikanischen Volk an das afghanische Volk mitgebracht habe. Und gestern ist ein Transportflugzeug
eingetroffen, das Medikamente im Werte von einer Million Dollar für Sie
mitgebracht hat.
In diesem Dorf hier überlebt inmitten der Verzweiflung die Hoffnung.
Durch die Tyrannei aller materiallen Dinge beraubt, kämpft die Bevölkerung von Pakistan um den köstlichen Besitz - und das ist die Freiheit.
Sie kämpfen für die gerechte Sache.

Ich bin sehr stolz, Ihnen die Hand

schütteln zu dürfen. Wenn ich mit Ihnen zusammenkomme, dann bin ich
sicher, daß das stolze afghanische Volk eines Tages seine Heimat zurückgewinnen wird - daß die Sache der Freiheit den Sieg davontragen wird.
Sie stehen nicht allein.

Lang lebe Afghanistan.

Ich danke Ihnen und Gott segne Sie.

+ + + + +
- 3 -

�21

23. Mai 1984

USA SETZEN SICH FÜR FAMILIE SACHAROW EIN
- US-Botschafter spricht vor dem ECOSOC -

VEREINTE NATIONEN, NEW YORK - (AD) - Der amerikanische Vertreter im Wirtschafts- und Sozialrat der Vereinten Nationen (ECOSOC), Botschafter Alan
Keyes, hat sich mit Nachdruck für den verbannten sowjetischen Nobelpreisträger
Andrei Sacharow und dessen Frau Elena Bonner eingesetzt.

Auch der amerikanische Kongreß hat am 16. Mai in einer Resolution die
Sowjetunion aufgefordert, der Frau Sacharows die Ausreise zur medizinischen
Behandlung außerhalb der Sowjetunion zu gestatten und den Sacharows zu erlauben, ihre innere Verbannung zu verlassen und "in dem Land ihrer Wahl zu
leben".

In seiner Rede vor dem ECOSOC am 16. Mai 1984 ging Keyes auf die Menschenrechtslage in der ganzen Welt und die Arbeit der 40. Sitzung der Menschenrechtskommission der Vereinten Nationen ein und forderte alle im Rat vertretenen Delegationen und Regierungen sowie alle Mitglieder der Vereinten Nationen auf, die Sowjetunion zu einer positiven Regelung des Falles Sacharow zu

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Sacharow zu bewegen.

Die diesbezüglichen Auszüge aus der Rede von Botschafter Keyes haben
folgenden Wortlaut:

...Wenn wir über die Arbeit der nicht regierungsamtlichen Organisation auf
dem Gebiet der Menschenrechte sprechen, dann müssen wir einsehen, daß Meinungs- und Ausdrucksfreiheit für diese Arbeit wesentlich sind. Der freie
Austausch von Informationen und Meinungen ist ein entscheidender Faktor, um zu
gewährleisten, daß die Opfer von Menschenrechtsverletzungen nicht einsam und
in Schweigen leiden. Die Stimme des Gewissens findet nur Gehör, die unglaublichen Ereignisse des physischen und psychischen Leidens können nur vor die
Augen der Welt gebracht werden, weil in manchen Ländern, einschließlich meines
eigenen, diese Grundfreiheit geachtet wird. Wir können es uns nicht leisten,
zuzulassen, daß die Regierungen, die die Menschenwürde mißachten, sich als legitime Schiedsrichter darüber aufspielen, ob solche Mißstände ans Tageslicht
gebracht und veruteilt werden oder nicht. Das ist der Grund, warum sich meine
Regierung so nachdrücklich dem restriktiven Konzept widersetzt, das der sogenannten neuen Internationalen Informationsordnung zugrunde liegt. Darum haben
wir zum Thema des Rechts auf Meinungs- und Ausdrucksfreiheit so gerne die Resolution 184/26 unterstützt, die auf Initiative der kanadischen Delegation von
der Kommission verabschiedet wurde. Trotz eines dreisten Versuchs der sowjetischen Delegation, den Inhalt dieser Resolution durch die Einführung beschneidender Abänderungen zunichte zu machen, hat sich ein Konsens ergeben,
der folgenden Wortlaut hat:

"Die Menschenrechtskommission...
aus der Besorgnis heraus, daß in vielen Teilen der Welt in großem Umfang
Menschen festgehalten werden, die das Recht auf Meinungs- und Ausdrucksfreiheit ausüben, wie es in der allgemeinen Menschenrechtserklärung und im internationalen Vertrag über die zivilen und politischen Rechte niedergelegt ist;

appelliert erstens an alle Staaten, für die Respektierung und Unterstützung der Rechte aller Personen zu sorgen, die das Recht der Meinungs- und Ausdrucksfreiheit ausüben, sowie dafür, daß jemand, der nur wegen der Ausübung

�der Ausübung des Rechts auf Meinungs- und Ausdrucksfreiheit, wie es im
internationalen Vertrag über die zivilen und politischen Rechte niedergelegt
ist, inhaftiert wurde, sofort freigelassen wird;

appelliert zweitens an die Staaten, die das bisher nicht getan haben,
Schritte zu unternehmen, um die volle Verwirklichung des Rechts auf Meinungsund Ausdrucksfreiheit zu erlauben..."
Herr Vositzender, nach Auffassung meiner Delegation weist diese Resolution
auf das entscheidende Element im Kampf um die Menschenrechte auf der ganzen
Welt hin. Alles in allem wären auf dem Felde der Menschenrechte keine Normen
oder Richtlinien, keine Tatsachen oder praktischen Maßnahmen möglich ohne die
tapferen Anstrengungen von Einzelpersonen und Gruppen, die inmitten der Unterdrückung ihre Karriere, ihr Eigentum, ihre Freiheit, ja selbst ihr Leben für
die Sache der Menschenwürde aufs Spiel setzen. Manche leben und sterben unbekannt - lebendig begraben in den schrecklichen Verliesen der Tyrannei - ohne
Zeremonie eingescharrt in den anonymen Gräbern der totalitären Unterdrückung.
Manche werden in der lebendigen Hölle politischer psychiatrischer Kliniken
eingesperrt, wo die Kunst, die den Geist des Menschen heilen soll, dazu angewandt wird, die natürliche Sehnsucht nach Freiheit zu zerbrechen.

Nicht alle bleiben jedoch unbekannt. Wir kennen sie zu Tausenden, ja zu
Millionen als die Führer und Mitglieder der polnischen Gewerkschaft Solidarität. Wir kennen sie als Genies, wie Alexander Solschenizyn oder Dr.
Koriagin, die die persönliche und gesellschaftliche Realität des totalitären
Alptraums ans Tageslicht bringen. Wir kennen sie wegen ihrer Leistungen,
wegen ihres Mutes, wegen ihrer Bereitschaft, alles zu opfern, um der Menschheit die Botschaft der Menschenwürde und der Freiheit zu bringen, die allein
uns aus dem dunklen Tal des Todes erheben wird, das das 20. Jahrhundert bisher
war.

Wir kennen sie beim Namen, wie Andrei Sacharow und seine Frau Elena

Bonner.

Niemand, der sich der jetzigen tragischen Lage der Sacharows bewußt ist,
kann überrascht sein, daß sich die sowjetische Regierung so nachhaltig einer
Resolution widersetzt hat, die darauf abzielt, die Rechte zu stärken und die
Verfolgung jener zu verurteilen, die "nur wegen der Ausübung des Rechts auf

�Rechts auf Melnungs- und Ausdrucksfreiheit...

inhaftiert wurden .

das "Vergehen" Sacharows gegen das Sowjetregime.

Das war

Nach den Bestimmungen der

MenschenrechtserklMrung der Vereinten Nationen und des internationalen Vertrages ist dies ein Recht, das die sowjetische Regierung zu achten verpflichtet ist.

Weil er es jedoch ausgeübt hat, wurde Dr. Sacharow - ein

hervorragender Physiker, ein herausragender Führer der internationalen
Menschenrechtsbewegung und Träger des Nobelpreises von 1975 - ins innere Exil
gezwungen, seine Karriere zerstört, seine Gesundheit gebrochen, sein Leben
sogar des Trostes des normalen menschlichen Kontakts mit seiner Familie und
seinen Freunden beraubt.

Ein Leitartikel in der heutigen "New York Times"

läßt das ganze tragische Schicksal der Sacharows erkennen:

"In der Stadt Gorki, 260 Meilen östlich von Moskau, stellt sich eine Tragödie der Menschheit dar.

Am 2. Mai begann Dr. Andrei Sacharow...

seinen

Hungerstreik, und erklärte, er werde 'bis zum bitteren Ende fasten', wenn die
sowjetische Regierung nicht seiner Frau, Elena G. Bonner, die Ausreise gestatten würde, um die dringend notwendige medizinische Behandlung vorzunehmen.

Am

12. Mai hat sich Frau Bonner trotz eines schweren Herzleidens dem Hungerstreik
ihres Ehemannes angeschlossen.

Die Regierung reagierte darauf, indem sie Frau

Bonner einer Untersuchung wegen 'Diffamierung des Sowjetsystems' aussetzte,
ihr verbot, Gorki zu verlassen, und ihr eine Anklage wegen Hochverrats androhte...

Dr. Sacharow und seine Frau sind in einem sehr schlechten Gesundheits-

zustand.

Wenn ihr Hungerstreik weiter andauert, dann werden sie in Gorki

sterben."

Sie werden in Gorki sterben.

Nichts könnte stärker und berechtigterweise

dem Ruf des Sowjetregimes schaden als die Maßnahmen der sowjetischen Regierung
selbst...

Letztlich muß die Arbeit der Menschenrechtskommission und auch dieses
Rates hier danach beurteilt werden, wie unsere Antwort auf die Realität des
banalen, sinnlosen Übels ausfällt, das die Verfolgung der Sacharows ist und
darstellt.

Meine Delegation und meine Regierung appellieren an alle hier ver-

tretenen Delegationen und Regierungen und an alle Mitglieder der Vereinten Nationen, denen die Menschenrechte mehr bedeuten als nur eine zynisch vorgetragene Abstraktion, mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln zu versuchen, die

�versuchen, die sowjetische Regierung dazu zu bewegen, der Stimme des Gewissens
und den Geboten der Menschlichkeit zu folgen. Wir appellieren an diese Regierungen, so nachhaltig wie nur möglich und auf höchster Ebene gegen das Festhalten von Elena Bonner zu protestieren und die sowjetische Regierung aufzu
rufen, den durch den Hungerstreik Ausdruck gegebenen Forderungen Sacharows
nachzukommen.

Die Sowjetische Regierung sollte alle Anschuldigungen gegen

Elena Bonner fallen lassen und ihr ein Ausreisevisum erteilen, damit sie sich
außerhalb der Sowjetunion in medizinische Behandlung begeben kann...

+ + +++

5 -

�Wi//cn/chaft
und Technik

i

United States Information Service
Embassy of the United States of America

23. Mai 1984

21

GESUNDHEIT - AUCH EINE FRAGE VON EIGENVERANTWORTUNG
- Dr. C. Everett Koop vor der Weltgesundheitskonferenz in Genf -

- (AD) - Vor einiger Zeit forderte die Weltgesundheitsorganisation (WHO)
"Gesundheit für alle bis zum Jahr 2000".

Politiker und Fachleute aus allen

Bereichen der Medizin mußten inzwischen einsehen, daß dieses Ziel sehr schwer
zu erreichen sein wird.

Jedoch wären manche Hürden leichter zu nehmen, wenn

jedermann mehr Verantwortungsbewußtsein für die Erhaltung seiner Gesundheit
entwickelte und gesundheitsbewußter lebte. Dies ist einer der Punkte, die Dr.
C. Everett Koop, Chef des Gesundheitswesens der Vereinigten Staaten, in seiner
Rede vor der Jahreskonferenz der WHO in Genf erörterte. Die auf zwei Wochen
angesetzte Konferenz begann am 7. Mai. Mehr als 1000 Delegierte aus 163
Staaten nehmen an ihr teil.

Gesündere Ernährung, rechtzeitige Behandlung von Bluthochdruck und Ausschaltung von Risikofaktoren, Unfallverhütung, Vorsorgeuntersuchungen für
schwangere Frauen, für Neugeborene und Kleinkinder sowie Eindämmung und Verhinderung von Berufskrankheiten sind wichtige Schwerpunkte bei den gegenwärtigen Gesundheitskampagnen in den Vereinigten Staaten. Ein weiteres Ziel,
das bis 1990 erreicht werden soll, ist die Schutzimpfung von mindestens

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Telex: 8-85432

�von mindestens 95 Prozent aller Kinder im schulpflichtigen Alter gegen Masern,
Mumps, Polio, Keuchhusten, Diphtherie, Röteln und Tetanusinfektion.

Innerhalb

von drei Jahren gingen dank der umfassenden Impfprogramme die Erkrankungen an
Infektionen dieser Art um 71 Prozent zurück - von unsgesamt 28 000 Fällen im
Jahr 1980 auf 8000 im Jahr 1983. Einige der genannten Infektionskrankheiten
mit ihren oft verheerenden Folgen bzw. Komplikationen seien in den Vereinigten
Staaten nahezu ausgerottet, erklärte Dr. Koop.

"Aber es gibt natürlich viele Gesundheitsprobleme wie z.B. Infektionen,
die nicht so rasch auf Präventivmaßnahmen reagieren. Heute sterben mehr
Amerikaner an Krebs und Herzkrankheiten als an irgendwelchen anderen Erkrankungen. Die Zahl der Personen, die wegen Krebs- oder Herzkrankheit nicht
mehr arbeiten können, ist enorm hoch. Wir haben begonnen, zurückzuschlagen."
Dr. Koop verwies in diesem Zusammenhang auf das von Margaret M. Heckler, der
amerikanischen Ministerin für das Gesundheits- und Sozialwesen, eingeleitete
Programm zur Vorbeugung gegen Krebs.

"Wir wissen", so Dr. Koop, "daß fast 80 Prozent aller Krebserkrankungen
auf Umweltfaktoren zurückzuführen sind. Häufig haben sie mit persönlichen
Verhaltensweisen wie Zigarettenrauchen und Eßgewohnheiten zu tun. Deshalb
will diese Kampagne die Menschen vor allem mit Tatsachen vertraut und ihnen
klar machen, daß sie selbst viel dazu beitragen können, eine Erkrankung an
Krebs zu verhindern.

In diesem Jahr hat das Nationale Krebsinstitut (NCI) zum erstenmal ein
klar definiertes Ziel gesetzt - Verringerung der Krebssterbefälle um 50 Prozent bis zum Jahr 2000.

Dies würde die Erhaltung von 200 000 Menschenleben

bedeuten. Als der ranghöchste beamtete Arzt der Vereinigten Staaten muß ich
hinzufügen, daß allein die Reduzierung des Tabakgenusses um die Hälfte mehr
als ein Drittel dieser 200 000 retten könnte. Tatsächlich zeigen jüngste Umfragen, daß unsere Bemühungen um Einschränkung des Rauchens sehr erfolgreich
sind.

In den letzten 15 Jahren beobachten wir auch einen ständigen Rückgang der
Todesfälle durch Herzerkrankungen. Wir sind überzeugt, daß dieser Trend anhält und im Jahr 1990 Herzkrankheiten bei Personen unter 65 Jahren nicht

�Jahren nicht mehr an erster Stelle der Todesursachen stehen. Ein Hauptgrund
für diesen dramatischen Rückgang ist sowohl die Erkennung und Beherrschung von
Risikofaktoren als auch das persönliche Gesundheitsbewußtsein.

Grundlage für

unsere Ziele zur Vorbeugung gegen Krankheiten und für unsere Hoffnungen für
das Jahr 2000 ist die Bewußtmachung der Tatsache, daß unser Erfolg davon abhängt, inwieweit die Menschen unseres Landes fähig und willens sind, mit ihrem
Lebensstil zum Schutz gegen Krankheiten beizutragen."

Die beharrliche Mitarbeit von Institutionen und Personen aus allen Bereichen des sozialen GefUges sei dabei unerläßlich, sagte Dr. Koop.

Einer der

größten Erfolge von Gesundheitskampagnen der Verbraucherverbände der letzten
Jahrzehnte sei in der Durchsetzung von Angaben über den Salzgehalt auf allen
Lebensmittelpackungen zu sehen.

In der Zeit zwischen 1978 und 1982 stieg die

Zahl der Verbraucher, die zu hohe Mengen von Kochsalz und anderen Salzen vermeiden wollen, ohnehin schon von 14 auf 40 Prozent.

Zahl der älteren Bürger nimmt ständig zu

Um die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf die Anliegen alter Menschen
zu lenken, erklärte Präsident Reagan den Mai 1984 zum "Monat der älteren Amerikaner".

Die tiefgreifende Wandlung im Anteil einzelner Altersgruppen an der

Bevölkerungsstruktur werde dazu führen, so Dr. Koop, daß Anfang des nächsten
Jahrhunderts in den Vereinigten Staaten 50 Millionen Bürger, d.h. 20 Prozent
der Bevölkerung, 65 Jahre und älter sind.

Das müsse bei den für das Gesund-

heitswesen gesteckten Zielen berücksichtigt werden.

Im amerikanischen Mi-

nisterium für das Gesundheits- und Sozialwesen werden gegenwärtig Programme
zur Zusammenarbeit mit einzelstaatlichen und kommunalen Behörden ausgearbeitet, die ältere Menschen durch Verbesserung ihres Gesundheitszustandes und
Erhaltung ihrer Unabhängigkeit mehr Lebensqualität sichern sollen. Unfallverhütung, bessere Ernährung, richtige Anwendung von Medikamenten und Ausschöpfung der Möglichkeiten für körperliches Training stehen dabei im Vordergrund .

Unverzichtbare Forschung

�Unverzichtbare Forschung

Ich darf hinzufügen, daß die Möglichkeiten unserer für das Gesundheitswesen arbeitenden Wissenschaftler zur Erweiterung von Erkenntnissen, die uns
allen helfen, unsere nationalen Ziele auf dem Gebiet der Gesundheit zu erreichen, durch Gedankenaustausch und Zusammenarbeit auf internationaler Ebene
immens verbessert werden... So sollen auch alle Nationen Daten, an denen sich
unsere Anstrengungen orientieren, sammeln, analysieren und verwenden - können...

Jeder von uns hat sein Teil dazu beizutragen, Gesundheit für alle der

Verwirklichung näher zu bringen - auf nationaler wie internationaler Ebene.
Jedoch werden alle unsere Anstrengungen umsonst sein, wenn wir unseren Bürgern
nicht die Bedeutung von wichtigen Faktoren der individuellen geistigen und
körperlichen Gesundheit bewußt machen.

Ein Grundprinzip von 'Gesundheit für Alle' ist Eigenverantwortlichkeit
jedes einzelnen für seine Gesundheit. Das mag im einen Fall bedeuten, daß man
weiß, wie mit einer Lösung von Salzen und Zucker in Wasser Babies mit schwerer
Durchfallerkrankung zu helfen ist. Es bedeutet vielleicht im anderen Fall,
blutdrucksenkende Mittel weiterzunehmen, obgleich man sich gesund fühlt. Und
für wieder andere heißt es, zu erkennen, daß weniger Fett und Salz in der Nahrung, Verzicht auf Zigarettenkonsum und mehr körperliches Training der eigenen
Gesundheit und dem Wohlbefinden nur nützen können.

In den nächsten 16 Jahren können wir alljährlich hier zur Konferenz zusammenkommen. Aber wenn wir nichts anderes tun, als nur miteinander zu reden,
werden wir unser Ziel für das Jahr 2000 nie erreichen. Vielmehr müssen wir
wissenschaftliche Informationen austauschen und allen klarmachen, daß ein längeres, gesünderes Leben möglich ist... Die Menschen sollen wissen, daß ihr
Wohlergehen auch zu einem großen Teil von ihnen selbst abhängt."

+ + + + +

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Pressekonferenz des US-Präsidenten vom 22. Mai 1984&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Auszüge -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;William P. Clark: Deutliche Fortschritte im amerikanischen Umweltschutz&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Auszüge aus einer Rede des US-Innenministers in Wien -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;US-Vizepräsident übergibt Scheck für Afghanistan-Flüchtlinge in Pakistan&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;USA setzen sich für Familie Sacharow ein&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- US-Botschafter spricht vor dem ECOSOC -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Gesundheit - auch eine Frage der Eigenverantwortung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Dr. C. Everett Koop vor der Weltgesundheitskonferenz in Genf -&lt;/em&gt;</text>
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30. Mai 1984

INHALT

WIRTSCHAFT
US-Handelsminister weist auf starke wirtschaftliche Bindungen
zwischen Amerika und Europa hin
- Rede von Baldrige vor der amerikanischen Handelskammer in London

HINTERGRUNDMATERIAL
Die XXIII. Olympischen Spiele in Los Angeles
- (4) - "Drogendetektive" im Kampf gegen chemisch aufgeputschte
Athleten -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Saturn-Ringe überraschend dünn
Nukleare Phasenanalyse
- Kostengünstiges Verfahren zur exakten Diagnose von
Herzfunktionsstörungen -

Um Uber/enduno von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�30. Mai 1984

22

US-HANDELSMINISTER WEIST AUF STARKE WIRTSCHAFTLICHE BINDUNGEN
ZWISCHEN AMERIKA UND EUROPA HIN

- Rede von Baldrige vor der amerikanischen Handelskammer in London -

LONDON - (AD) - Der Handelsminister der Vereinigten Staaten, Malcolm
Baldrige, hat in einer Rede vor der Amerikanischen Handelskammer in London am
21. Mai 1984 die starken wirtschaftlichen Bindungen zwischen den Vereinigten
Staaten und Europa hervorgehoben.

Die Exporte der Europäischen Gemeinschaft

nach Amerika lägen heute um 40 Prozent höher als im Vorjahr und trügen wesentlich zum Aufschwung in Europa bei. Nur fünf Prozent dieses Handels seien umstritten und man habe bisher protektionistischen Tendenzen erfolgreich widerstanden.

Die Rede des amerikanischen Handelsministers hat folgenden Wortlaut:

Ich bin gerade von der Ministertagung der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) zurückgekehrt, wo wir über eine
Reihe von politischen Maßnahmen gesprochen haben, um das internationale Handels- und Finanzsystem mittelfristig zu stärken. Wir haben jenen politischen

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�jenen politischen Maßnahmen besondere Aufmerksamkeit geschenkt, die den
wirtschaftlichen Aufschwung verlängern werden, der heute in all unseren
Ländern stattfindet - und zwar auf eine Weise, die dazu beiträgt, ein dauerhaftes Wachstum der Arbeitsplätze zu schaffen.

Ich bin überzeugt, daß

diese Maßnahmen eine wichtige Rolle in der Neubelebung des Verhältnisses
zwischen den Vereinigten Staaten und der Europäischen Gemeinschaft spielen
werden.
Es ist in den letzten Monaten viel über die wirtschaftlichen Beziehungen
zwischen den USA und der EG gesagt worden, und wenn wir all den Presseberichten Glauben schenken wollten, dann haben wir nicht nur unter der Drohung
eines amerikanisch-europäischen Handelskrieges gelebt, sondern die Vereinigten Staaten haben sich auch entschlossen, Europa zugunsten Asiens aufzugeben.
Das sind völlig übertriebene Vorstellungen, und ich möchte heute dazu
etwas sagen.
Erstens, wovon man in jedem Falle ausgehen sollte, ist die absolute Bedeutung der amerikanisch-europäischen Beziehungen. Viele Europäer scheinen
zu glauben, die Vereinigten Staaten seien zu dem Schluß gekommen,daß ihre
Zukunft in Japan und den Ländern des Pazifischen Beckens liege - nicht in
Europa. Und sie folgern daraus, daß die Vereinigten Staaten bereit seien,
ohne Rücksicht auf die Belange Europas zu handeln.
Sicherlich hat das Wachstum der asiatischen Wirtschaft im letzten Jahrzehnt amerikanische Handelsinteressen berührt und einen großen Teil unserer
Aufmerksamkeit in Anspruch genommen - und damit tritt eine Veränderung der
Perspektive ein. Dies bewirkt jedoch keine Verschlechterung der amerikanischeuropäischen Wirtschaftsbeziehungen, sondern wir müssen härter daran arbeiten, unsere wirtschaftlichen Beziehungen zu verbessern und die Vorteile aus
unserer starken wirtschaftlichen Interdependenz zu vergrößern.
Unsere globalen Wirtschaftsinteressen sind kein "Nullsummen-Spiel".

So

einfach läßt sich das nicht ausdrücken. Die wachsende Bedeutung Asiens verringert nicht die gegenseitige Bedeutung Europas und der Vereinigten Staaten.

Die Vereinigten Staaten sehen ihre Zukunft in Asien und in Europa - wie

auch in anderen Teilen der Welt. Wir geben niemanden auf, welche Meinungs- 2 -

�welche Meinungsverschiedenheiten wir auch haben mögen. Niemand in Europa
sollte daran zweifeln, wie ernst die Reagan-Administration diese Tatsache
nimmt.

Unser Verhältnis zur EG stellt die größte wirtschaftliche Partnerschaft
in der Welt dar. Zusammen schaffen wir A3 Prozent des Bruttosozialprodukts
der ganzen Welt. Jene, die darauf hinweisen, daß unser zweiseitiger Handel
im Werte von 90 Milliarden Dollar geringer sei als der amerikanisch-asiatische Handel, haben vergessen, das amerikanisch-europäische Investitionsverhältnis in Rechnung zu stellen. Und heute kann man nicht von Handel reden, ohne von Investitionen zu reden.

Zum Jahresende 1982 beliefen sich die amerikanischen Direktinvestitionen
in Europa auf rund 100 Milliarden Dollar - oder fast die Hälfte der amerikanischen Auslandsinvestitionen, und die europäischen Investitionen in den Vereinigten Staaten in Höhe von 68 Milliarden Dollar stellen zwei Drittel der gesamten ausländischen Investitionen in den Vereinigten Staaten dar.

Diese wirtschaftlichen Bindungen werden auf dem Hochtechnologie-Sektor
besonders deutlich.

Die Europäer ziehen Vorteile aus amerikanischen Tech-

nologien - wie Mikroelektronik, Software und Digitalschaltung - und amerikanische Firmen profitieren von der europäischen Führung auf solchen Gebieten
wie schnelle Landverkehrsmittel, elektronische Kontenführung und Videotext.

Handels- und Wirtschaftsprobleme zwischen USA und EG

Einige unserer Handelsprobleme sind ziemlich ernsthafter Natur. Sie
werden sich nicht leicht lösen lassen. So sind die Vereinigten Staaten
beispielsweise sehr besorgt über Absichten der EG, den Marktzugang amerikanischer Erzeuger von Nichtgetreide-Futtermitteln zu begrenzen. Wir haben
seit langem - und haben heute noch - große Sorgen über die landwirtschaftlichen Subventionen auf Märkten von Drittländern.

Darüber hinaus geben

jüngste Schritte der EG, den Marktzugang auf Gebieten der Hochtechnologie
zu verringern, ebenfalls Anlaß zu ernster Besorgnis.

Die Europäische Gemeinschaft wiederum ist besorgt über protektionistische
- 3 -

�über protektionistische Gesetzesvorlagen, die im amerikanischen Kongreß
eingebracht wurden, vor allem jene, die die Einfuhr von Wein und Stahl
beschränken würden. Auch die Anträge auf Anwendung der Befreiungsklausel der
Hersteller von unlegiertem Stahl und der Schuhindustrie sind Anlaß zur Sorge
in der EG. Und die EG macht sich auch Sorgen, daß das jetzt dem amerikanischen Kongreß vorliegende Gesetz über einheimische Anteile an Automobilen
den Protektionismus stärken würde, wenn es verabschiedet würde.
Unsere Aufgabe ist es, diese Probleme in befriedigender Weise zu lösen.
Wenn die Aufgabe auch schwer sein wird, so bin ich doch überzeugt, daß wir
über die Intelligenz und den Willen verfügen, sie zu lösen. Wir müssen uns
auch eine richtige Perspektive bewahren. Tatsache ist, daß nur etwa fünf
Prozent unseres Handels aktiv umstritten sind - nur fünf Milliarden Dollar
von 90 Milliarden Dollar. Unsere Aufgabe ist, dafür zu sorgen, daß diese
fünf Prozent nicht überquellen und sich auf die restlichen 95 Prozent auswirken, und das Aufkommen von protektionistischen Gefühlen zu unterdrücken.
Im großen und ganzen ist der transatlantische Handel recht offen und frei
von Schranken. Trotz unserer derzeitigen wirtschaftlichen Schwierigkeiten
haben wir bisher den Forderungen nach Protektionismus auf beiden Seiten des
Atlantik erfolgreich widerstanden. Das müssen wir auch weiterhin tun.
Trotz des soliden wirtschaftlichen Aufschwungs in den Vereinigten Staaten
stehen wir in einigen Schlüsselindustrien noch immer vor ernsten strukturellen Problemen. Die wirtschaftlichen Probleme in der Europäischen Gemeinschaft sind sogar noch ernster. Während sich in Europa ein ermutigender Aufschwung abzuzeichnen beginnt, sind in der Gemeinschaft wenig Anzeichen für
einen Rückgang der Arbeitslosigkeit - von oft zweistelligen Zahlen - zu erkennen, und das ist Anlaß zu großer Sorge.
Wir haben einige wirtschaftliche Probleme gemeinsam. Wir leiden beide
unter strukturellen Problemen in unseren traditionellen Schwerindustrien.
Wir haben beide große Haushaltsdefizite. Und wir haben beide hohe Zinssätze.
Wir können diese Probleme nicht lösen, indem wir uns nach innen kehren
und unsere Märkte schützen wollen. Mehrere amerikanische Industriezweige

�amerikanische Industriezweige streben Schutz vor Importen an - und versuchen
den politischen Druck eines Wahljahres zu ihren Gunsten auszunutzen. Die
Gesetzesvorlagen für weltweite Stahlquoten und für die Forderung nach einheimischen Anteilen (bei Fahrzeugen) gehören zu den schlimmsten, die ich je
erlebt habe. Die Administration wird in ihrer Opposition gegen diese protektionistischen Forderungen nicht wankend werden - ob Wahljahr oder nicht. Protektionistische Maßnahmen würden nur zu höheren Preisen führen, Unzulänglichkeiten verewigen und unsere Handelspartner zwingen, ebenfalls zu protektionistischen Maßnahmen zu greifen.

Ich bin daher immer wieder überrascht, wenn ich höre, daß Europäer die
Vereinigten Staaten als protektionistisch bezeichnen - vor allem wenn ich Be
hauptungen höre, die Vereinigten Staaten würden Exportkontrollen als Mittel
benutzen, um amerikanischen Firmen einen Handelsvorteil zu verschaffen, indem
sie Westeuropa den Zugang zur Technologie verwehrten.

Exportkontrollen betreffen unsere eigenen Firmen und Exporte ebenso wie
europäische Firmen. Die Vereinigten Staaten sind der Überzeugung, daß diese
Kontrollen notwendig sind - nicht nur für unsere Sicherheit, sondern auch für
die Sicherheit Europas.

Ich möchte hier klarstellen, daß wir nicht versuchen, den Technologietransfer zu unseren Verbündeten zu stoppen. Was wir versuchen ist, unsere
nationalen Sicherheitsanliegen mit der unbedingten Notwendigkeit offener
Märkte ins Gleichgewicht zu bringen. Und ich kann Ihnen versichern, die Vereinigten Staaten werden keine Maßnahmen ergreifen, die mit unseren Verpflichtungen im Rahmen unseres Koordinationskomitees (COCOM) nicht vereinbar wären.

Trotzdem sind einige europäische Beobachter der Ansicht, die Vereinigten
Staaten würden eine

Wirtschaftspolitik betreiben, die auf die Auswirkungen

keine Rücksicht nimmt- die diese auf Europa und die übrige Welt hätte, wobei
sie unterstellen, die hohen amerikanischen Zinsen würden Europa dazu zwingen,
gleichfalls die Zinsen hoch zu halten und die amerikanischen Zinsen würden
zur Folge haben, daß das Kapital Europa verläßt und in die Vereinigten Staaten abwandert. Dies sei ihrer Ansicht nach der Grund dafür, daß die europäischen Volkswirtschaften nicht rascher expandieren.

- 5-

Sicher erschweren

�Sicher erschweren die amerikanischen Zinssätze die wirtschaftlichen Probleme in Europa, aber auch wenn es politisch gelegen kommt, so ist es doch
unrichtig, zu behaupten, das amerikanische Haushaltsdefizit und die amerikanischen Zinsen seien der Hauptgrund für das langsame Wachstum in Europa.
Eine ganze Menge europäischer Wirtschaftsprobleme sind eindeutig hausgemacht
und sollten auch als solche angesehen werden, einschließlich natürlich mancher umfangreicher Defizite der öffentlichen Haushalte.

Lassen Sie mich darauf hinweisen, daß jüngste Erklärungen über Kapitalabflüsse aus Europa in die Vereinigten Staaten sich auf die relativ großen und ungewöhnlichen - Kapitalströme des zweiten und dritten Quartals 1983 beziehen. Die jüngsten Daten zeigen keine signifikanten Abflüsse aus Europa
zum Jahresende.

In Wirklichkeit ist die Stärke der amerikanischen Volkswirtschaft einer
der Hauptfaktoren hinter der derzeitigen wirtschaftlichen Erholung in Europa.

Die diesjährigen Exporte der Gemeinschaft in die Vereinigten Staaten

liegen um erstaunliche 40 Prozent über dem Niveau vom vergangenen Jahr. Dieser Exportaufschwung stellt 0,5 Prozent des zweiprozentigen Zuwachses des
Bruttosozialproduktes dar, den die EG für 1984 erwartet - mit anderen Worten,
etwa ein Viertel des für dieses Jahr erwarteten Gesamtzuwachses der Gemeinschaft.

Und ich meine, man sollte darauf hinweisen, daß die amerikanische Regierung bereit ist, dieses Jahr ein noch nie dagewesenes Gesamthandelsdefizit
von 115 Milliarden Dollar zu akzeptieren, ohne in größerem Maß zu protektionistischen Maßnahmen zu greifen. Dies hat den Entwicklungsländern mit ihrem
so überaus ernsten Schuldenproblem weit mehr geholfen, als dies durch irgendeine direkte Hilfsmaßnahme hätte geschehen können.

Daher sind die Unterstellungen, die Vereinigten Staaen würden die europäische Volkswirtschaft ernsthaft schwächen, unglücklich, schaffen sie doch
eine Atmosphäre der Enttäuschung in unseren Beziehungen.

Zudem stellen sie

nicht das in Rechnung, was die Vereinigten Staaten zum Vorteil Europas tun.

Ich bin der Überzeugung, daß das wichtigste, was wir für Europa tun kön-

�tun können, die Fortsetzung einer soliden, nichtinflationären Konjunkturbelebung in den Vereinigten Staaten ist. Dies aber bewirkt die Politik des
Präsidenten.

Die Vereinigten Staaten befinden sich in einer Periode der starken Expansion.

Unser Bruttosozialprodukt stieg im vergangenen Jahr um über sechs Pro-

zent, dürfte dieses Jahr um fünf Prozent und im nächsten Jahr um vier Prozent
steigen. Der Grund hierfür sind harte Entscheidungen, die der Präsident getroffen hat und zu denen er auch steht. Es liegt aber auch daran, daß die
Produktionskosten gesenkt werden konnten und die Arbeitnehmer ihre Forderungen zurückgeschraubt haben.

Das Hauptproblem ist natürlich das Haushaltsdefizit sowie die Befürchtung, daß es die Zinsen in die Höhe treiben und die Wirtschaft schädigen
könnte.
Aus mehreren Gründen heraus kann ich nicht sehen, warum das Defizit und
die Zinssätze die amerikanische Volkswirtschaft dieses Jahr bedrohen sollten.

Erstens deuten jüngste Daten darauf hin, daß sich unser Wachstum abzuschwächen beginnt, wie dies in diesem "tadium der wirtschaftlichen Expansion
typisch ist. Wir erwarten keine überhitzte Volkswirtschaft, die die Inflation und die Zinsen nach oben treiben würde.

Zweitens haben Steuergesetzänderungen sowie vermehrte Unternehmensgewinne
die Notwendigkeit für die Wirtschaft verringert, sich Gelder auf dem Kapitalmarkt zu beschaffen.

Drittens verzeichneten die einzelnen Bundesstaaten sowie die Kommunen
insgesamt ein Plus, was bedeutet, daß für den Privatsektor mehr Mittel für
Kredite bereitstehen.

Mittel- und langfristig gesehen müssen wir jedoch daran arbeiten, das
Defizit zu senken. Wir haben mit dieser Arbeit begonnen, indem wir uns mit
dem Kongreß um ein Abkommen bemühen, nunmehr eine erste Tranche von 1,4 Milliarden Dollar von dem Defizit zu begleichen. Und die erste Aufgabe der nächsten Administration - die, wie ich meine, der Anfang von Präsident Reagans
- 7 -

�Präsident Reagansweiter Amtsperiode sein wird - wird darin bestehen, dieses
Defizit noch weiter zu verringern. Das Defizit wird diesen Herbst im Wahlkampf eine der wesentlichsten Fragen sein. Und die Frage ist nicht- ob man
das Defizit auf einen Weg nach unten bringen soll oder nicht - denn jeder ist
natürlich dafür. Die Frage ist, wie man es stärker verringern kann: Durch
Kürzung der öffentlichen Ausgaben oder durch Erhöhung der Steuern. Aber ich
bin zuversichtlich, daß wir es schaffen werden.
Der Präsident steht zu seinem Wirtschaftsprogramm des stabilen Wachstums,
das sich darauf gründet, unproduktive Regelungen und Vorschriften zu beseitigen, die Steuern und die Ausgaben im Zaum zu halten und den Geldumlauf nur
moderat ansteigen zu lassen. Dies ist seit vielen Jahrzehnten seine Wirtschaftsphilosophie - und das ist der Grund, warum er als Präsident so beständig ist. Diese Beständigkeit der Zielsetzung ist für die Vereinigten Staaten
gut - und ich glaube, sie ist auch für Europa gut.
Nächsten Monat, wenn der Präsident nach London zum Wirtschaftsgipfel
kommt, wird er erneut die engen Bande der Vereinigten Staaten mit Europa
bekräftigen.

•

�30. Mai 1984

22

DIE XXIII. OLYMPISCHEN SPIELE IN LOS ANGELES
- (4) "Drogendetektive" im Kampf gegen chemisch aufgeputschte Athleten -

-(AD)- Die Olympischen Spiele in Los Angeles werden die drogenfreieste Veranstaltung dieser Art seit Jahrzehnten sein. Mittels des
ausgefeiltesten Drogentestverfahrens in den Annalen der Olympischen
Spiele wird es möglich sein, jeden Athleten ausfindig zu machen, zu
überführen und zu disqualifizieren, in dessen Organismus sich auch nur
die geringste Spur einer verbotenen Droge findet.

"Die Überprüfungen werden so gut wie unfehlbar sein," warnt Dr. Kenneth Clarke, der Leiter der Abteilung Sportmedizin des Olympischen Komitees der Vereinigten Staaten.

Könnte dies bei der Absage der Teilnahme der sowjetischen und ostdeutschen Mannschaften eine Rolle gespielt haben ?

Daß im Ostblock Drogen verwendet werden, "wird allgemein angenommen,"
sagt Clarke, obwohl ein Beweis nicht geführt werden kann. Aber "jedes
Land, dessen Sportlern es in der Vergangenheit gelungen ist, die Kontroll-

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�die Kontrollverfahren zu überlisten, sollte sich eindeutig vorsehen, wenn
es sie nach Los Angeles reisen läßt," meint Clarke.

Wie er darlegt, sind die Osteuropäer nicht die einzigen, die man im
Verdacht hat. "Jedes Land weiß, daß seine Sportler jetzt getestet werden
können. Es ist allgemein bekannt, daß die Verwendung von Drogen nicht zu
verbergen ist," sagt er.

Laut Clarke hat bereits die Drohung, daß sie getestet werden könnten,
viele Sportler vom Drogengebrauch abgehalten.

Bei der Olympiade wird jeder Medaillengewinner nach jedem Wettkampf
überprüft werden - und ebenso eine Reihe von Athleten, die man in einem
Zufallsverfahren herausgreifen wird. Wenn ein solcher Test positiv ausfällt, wird man dem oder der Betreffenden die gewonnene Medaille aberkennen - und ebenso der ganzen Mannschaft, falls es um eine Mannschaftsdisziplin geht.

Die amerikanischen Sportler werden eine doppelte Hürde zu nehmen
haben. Bei den Ausscheidungswettkämpfen für die amerikanische Olympiamannschaft wird jeder rigoros getestet werden, noch bevor er bei den
Spielen eintrifft. Jeder, der den Test nicht besteht, wird ausgeschlossen
werden.

Jeder Mannschaftsführer, Arzt oder Trainer, der dabei ertappt wird,
daß er einem Sportler beim Drogengebrauch behilflich ist oder daß er ihn
dazu ermutigt hat "zumindest" die gleichen Strafen zu gewärtigen, warnt
das Olympische Komitee der Vereinigten Staaten.

"Wie lange ein Athlet gesperrt bleibt, mag von Sportart zu Sportart
verschieden sein," meint Clarke. "Wir sagen nur: Die Mannschaftsuniform
bei den Olympischen Spielen darfst du nicht tragen."
Obwohl Clarke nur einem kleinen Teil der amerikanischen OlympiaAnwärter den Gebrauch verbotener Drogen zutraut, meint er, daß "innerhalb
dieser kleinen Gruppe wohl die meisten begriffen haben, wie die Dinge

- 2 -

�die Dinge liegen." Die, die es nicht begriffen haben, "werden es dann
eben bei der Überprüfung auf die harte Tour beigebracht bekommen," fügt
er hinzu.

Die große Mehrheit der amerikanischen Sportler befürwortet das Testverfahren. Hürdenläufer Edwin Moses drückt es so aus: "Ich meine, daß ich
von vornherein im Nachteil bin, wenn ich gegen Leute antreten muß, die
Steroide oder sonst etwas gebrauchen."
Bei Lauf- und Schwimmwettkämpfen und bei den Ausscheidungswettkämpfen
für die Winterolympiade haben sich bereits 300 amerikanische Sportler formellen Drogentests unterzogen.

"Es ist schon eine sehr positive Sache," meint Clarke. "Sie hatten es
satt, sich Anschuldigungen wegen Drogengebrauch anzuhören, nur weil sie
gewonnen hatten. Jetzt können sie den Kopf hoch tragen; niemand kann ihnen mehr vorwerfen, daß sie Drogen nehmen."

Die ersten olympischen Drogentests wurden im Jahre 1968 bei den
Spielen in Mexico City angeordnet - ein primitiver Test auf Aufputschmittel wie z.B. Amphetamine und Kokain.

In München im Jahre 1972 kamen dann anabolische Steroide hinzu. Bei
den Weltmeisterschaften in Helsinki im Sommer letzten Jahres wurden Tests
auf Steroide und Testosteron durchgeführt, aber das Laborverfahren war
noch unvollkommen. Obwohl sich Berichten in der europäischen Presse zufolge herausgestellt hatte, daß der Organismus einiger Sportler einen hohen
Testosteronspiegel aufwies, wurde offiziell keiner namhaft gemacht, weil
er den Bedingungen des Tests nicht genügt habe.

Zwei Wochen später bei den panamerikanischen Spielen in Caracas,
Venezuela, wandelte sich das Bild bei den Drogentests dann von Grund auf.

Diesmal wurden die Tests von Dr. Manfred Donike aus Köln durchgeführt. Seine von der amerikanischen Firma Hewlett-Packard hergestellten
Gaschromatographen und Massenspektrometer, die von einer eingespielten

- 3 -

�einer eingespielten Mannschaft bedient wurden, konnten noch Spuren von
Drogen in einer Größenordnung von nur einem Teil auf eine Milliarde
nachweisen.

Insgesamt wurden 15 Sportler aus zehn Ländern ertappt - und viele
andere zogen es vor, die Stadt unvermittelt zu verlassen anstatt sich dem
Test zu stellen. Einigen, darunter dem amerikanischen Gewichtheber Jeff
Michels, wurden die gewonnenen Medaillen aberkannt.

Michels wurde von den olympischen Ausscheidungswettkämpfen ausgeschlossen, obwohl er behauptete, daß die Testergebnisse falsch gewesen
seien. Es gelang ihm, eine einstweilige Verfügung zu erwirken, die es ihm
gestattete, sich an den Qualifikationswettbewerben für die amerikanische
Olympiamannschaft zu beteiligen, und er konnte sich für einen Platz als
Ersatzmann qualifizieren, den er so lange innehaben wird, bis das Gericht
zu einem endgültigen Urteil kommt. Vor den Ausscheidungswettbewerben
mußte er sich natürlich einem Test unterziehen; die Laborergebnisse liegen noch nicht vor.

"Bis zu dem Zeitpunkt war die Haltung aller Länder immer zynischer
geworden," meint Clarke. "Ganz gleich, was wir auch sagten, unsere Sportler nahmen an, daß die Haltung unserer Gesellschaft nichts als Heuchelei
sei und daß sie sie in Wirklichkeit passive ermutige."

"Nach Caracas merkten sie dann aber, daß es uns um den Schutz ihrer
Gesundheit ging," fügt Clarke hinzu.
Im November letzten Jahres wurde dann offiziell bestätigt, daß das
Labor der Universität von Kalifornien in Los Angeles den gleichen Leistungsstandard erreicht habe, wie das in Köln. "Wir fingen sofort mit
unserem Programm an," sagt Clarke.

Das Labor der Universität von Kalifornien wird alle Tests für die
amerikanischen Ausscheidungswettkämpfen für die olympischen Spiele und
auch für die olympischen Spiele selbst durchführen; Köln wird nötigenfalls Hilfestellung leisten.
Dr. Don Catlin

�Dr. Don Catlin ist der Leiter des neuen, mit einem Kostenaufwand von
zwei Millionen Dollar errichteten Labors, dessen Mitarbeitern vom Internationalen Olympischen Komitee offiziell die Rolle von "Doping-Detektiven" bei den Sommerspielen zugewiesen worden ist.
F. Don Miller, der geschäftsführende Direktor des amerikanischen Olympischen Komitees, sagt: "Wir müssen diese Gefahr ein für allemal beseitigen und das Image des "chemisch aufgeputschten Athleten" aus der Welt
schaffen. Wir wollen die beste Olympiamannschaft der Geschichte aufstellen, eine Mannschaft, die über alle Zweifel erhaben ist." Er hat "dem Drogengebrauch den Krieg erklärt" und allein für das erste Jahr des Programms Mittel in Höhe von 250 000 Dollar bereitgestellt.

Eine der ersten Entscheidungen, die getroffen wurden, war, jedes Mitglied der amerikanischen Mannschaft für die Winterolympiade zu testen,
und zwar bevor er oder sie auch nur das Flugzeug nach Sarajevo besteigen
konnte.
"Wir haben vollkommen freie Hand," sagt Clarke. "Wir haben die modernste Ausrüstung der Welt. Das Labor der Universität von Kalifornien bekommt seine Gelder vom Organisationskomitee für die olympischen Spiele in
Los Angeles. Wir sind im Vorteil weil die Spiele in unserem Land stattfinden."
Die meisten anderen Labors haben ihren Sitz in Europa. Wie Clarke
sagt, gibt es in Skandinavien zwar modern eingerichtete Labors, denen
aber die gewaltigen Geldmittel fehlen, die für das amerikanische Programm
zur Verfügung stehen.

"Wir würden anderen Labors in jeder erdenklichen Weise helfen, ihre
Leistungsfähigkeit zu steigern," beteuert Clarke. Die Vereinigten Staaten
seien ganz besonders bemüht, Afrika und Lateinamerika bei der Entwicklung
eigener wirksamer Testprogramme behilflich zu sein. "Wir hoffen, daß das
Internationale Olympische Komitee den Labors überall auf der Welt Geldmittel zukommen lassen wird, so daß alle Sportler getestet werden können,"
erklärt Clarke.
Das Gefährliche

�Das Gefährliche an den Drogen ist nicht einfach nur der Vorteil, den
sie denen, die sie gebrauchen, im Wettkampf verschaffen - oder auch
nicht. Das eigentliche Problem liegt in der Gefährdung der Gesundheit der
Sportler.

"Zum gegenwärtigen Zeitpunkt sind dies alles jedoch ziemlich akademische Fragen," sagt Clarke. "Diejenigen, deren Organismus jetzt nicht sauber ist, werden ihn bis zu den olympischen Ausscheidungswettkämpfen oder
bis zu den eigentlichen Spielen auch nicht mehr sauber bekommen."

Wie Clarke meint, gibt es nur einen Weg, das Testsystem zu überlisten: Er besteht darin, ganz einfach keine der Drogen zu nehmen, die auf
der schwarzen Liste stehen.

+ ++ ++

- 6-

�22

30. Mai 1984

SATURN-RINGE ÜBERRASCHEND DÜNN

- (AD) - Für die Signale, die die Raumsonde VOYAGER 1 aus einer Position 200 000 km jenseits des Planeten Saturn zur Erde schickte, war das
Ringsystem ein Störfaktor. Diesen Funkschatten nutzten Prof. G. Leonard
Tyler und Howard A. Zebker, beide vom Department für Elektrotechnik der
Stanford-Universität, für ein neues Verfahren zur Dickenmessung der Saturn-Ringe. Die Physiker kamen zu dem Ergebnis, daß zum Beispiel der Außenring A höchstens 45 m, der planetennahe Ring C sogar nur 9 m dick sein
könne.

Entgegen früheren Meßergebnissen mit stationären Fernrohren, die

Dicken bis zu 1260 m vermuten ließen, hatten die von den beiden VOYAGERSonden übermittelten Daten schon bald vermuten lassen, daß diese Werte
viel zu hoch angesetzt waren.

Der Außenring hat 274 000 km Durchmesser, was dem Zehnmillionenfachen
seiner Dicke entspricht. Die mehr oder weniger deutlich voneinander abgesetzten Ringe - zwölf, in Tausende von Segmenten unterteilt, wurden bisher ausgemacht - scheinen aus Milliarden von Eisbrocken zu bestehen, deren Größe von der eines kleinen Kieselsteins bis zu neun Meter großen
Blöcken reicht. Die meisten dürften zwischen drei und sieben Zentimeter

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Telex: 8-85432

�sieben Zentimeter Durchmesser haben. Obgleich die Partikel deutlich eingegrenzt sind, befinden sie sich nicht alle in derselben Ebene. Zebker
nimmt als Ursache einen Kopplungseffekt mit einer äußeren Kraft an. Die
Störungen könnten sich durch Satelliten des Saturn, das Innere oder das
Magnetfeld des Planeten, vielleicht auch durch das Eindringen von
Meteoriten in den Ringbereich ergeben.

Es sei anzunehmen, so Prof. Tyler, daß die Dicke der Ringe um den Planeten ziemlich konstant sei. Man habe Dickengrenzen an einer Anzahl von
Punkten ausgemacht; der Bereich liege überall unter der Grenze von 150
bis 180 m.

Andere Wissenschaftler errechneten, daß die einzelnen Parti-

kel auf ihrer Bahn um den Saturn eine "Lebensdauer" von 100 000 bis eine
Million Jahren haben. Sie schmelzen nicht, kollidieren aber ständig mit
anderen Partikeln und werden dadurch aufgebrochen oder allmählich zermahlen.

Aber zu einem späteren Zeitpunkt können Partikel auch wieder zusam-

menkommen, sich an andere anlagern und wachsen - ein ständiger Zyklus des
Ab- und Aufbaus.
Für die Farbunterschiede gibt es noch keine zufriedenstellende Erklärung.

Zebker vermutet unterschiedliche Spurenelemente innerhalb eines,

jeden Ringes, andere Forscher nehmen das Vorhandensein mehrerer verschiedener chemischer Verbindungen an. Auch könnten die leichten Farbunterschiede nur oberflächlicher Natur sein und vielleicht nur für die äußerste Schicht der Partikel gelten. Als interessant wird die Feststellung gewertet, daß die offenbar zwischen den Ringen vorhandenen Bänder
mit den gleichen Partikeln angefüllt sind, diese jedoch eine ganz andere
Verteilung haben. Die Partikel, die das Ringsystem bilden, rotieren
nicht als Masse, sondern einzeln um den Planeten; die Umlaufgeschwindigkeit ist im inneren Bereich höher als bei größerem Abstand vom Saturn.
Da das Ringsystem zur Ebene des Sonnensystems geneigt ist, wird je nach
"Jahreszeit" einmal die eine und dann die andere Oberfläche von der Sonne
angestrahlt. Ein Saturnjahr dauert ca. 29,5 Erdenjahre.

Die von VOYAGER übermittelten, auf ihrem Weg zur Erde von den
Ringpartikeln gestörten Funksignale wurden in Madrid empfangen und dort
auf Magnetbändern aufgezeichnet.

Im Jet Propulsion Laboratory (Pasadena,
- 2 -

�Laboratory (Pasadena, Kalifornien) wurden die Magnetbandaufnahmen zunächst für die Computerauswertung aufbereitet. Seit Mitte 1981 befassen
sich die Wissenschaftler an der Stanford-Universität mit der Analyse.
Wenn VOYAGER 2 im Januar 1986 am Planeten Uranus eintrifft, sollen Messungen zur Untersuchung des Uranus-Ringsystems nach dem gleichen Verfahren
wie bei Saturn durchgeführt werden.

*

�22

30. Mai 1984

NUKLEARE PHASENANALYSE

Kostengünstiges Verfahren zur exakten Diagnose von
Herzfunktionsstörungen -

- (AD) - Eine genaue Diagnostik bei bestimmten Funktionsstörungen in einzelnen Herzabschnitten, die bisher nur durch Einführen eines Katheders über
eine Vene ins Herz, eventuell kombiniert mit Kontrastmitteldarstellungen, möglich war, erlaubt das nicht-invasive Verfahren der sogenannten nuklearen Phasenanalyse. Zunächst für Forschungszwecke entwickelt, wurde es unter der Leitung von Dr. Michael W. Dae am Klinikum der Universität von Kalifornien in San
Francisco und an einigen Zentren in den Vereinigten Staaten erprobt. Angesichts der guten Ergebnisse wird jetzt in San Francisco mit der klinischen Anwendung begonnen.

Die Technik ist in zwei Abhandlungen beschrieben, die Mitarbeiter Dr. Daes
zur Tagung der American Federation for Clinical Research" in Carmel, Kalifornien, einreichten.

Die schwache Strahlung eines in ein Blutgefäß einge-

spritzten radioaktiven Isotops, das in die Herz- und Lungenregion gelangt,
wird von einer Spezialkamera erfaßt. Aufgrund der Verteilung bzw. Anreiche-

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
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�bzw. Anreiche ung des Indikators im schlagenden Herzen lassen sich beispielsweise anomale Kontraktionsvorgänge mit zu raschem oder unregelmäßigem Herzschlag (hervorgerufen durch elektrische Überleitungsstörungen) beobachten.
Ebenso ist der Grad von Herzfunktionsstörungen besser zu erkennen, die durch
geschädigte und undichte Herzklappen verursacht werden. Wie Dr. Dae erklärte,
existierten keine anderen nicht-invasiven Diagnoseverfahren, die die visuelle
Beobachtung und Analyse erlauben.

+ + + + +

- 2-

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;US-Handelsminister weist auf starke wirtschaftliche Bindungen zwischen Amerika und Europa hin&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rede von Baldrige vor der amerikanischen Handelskammer in London -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die XXXIII. Olympischen Spiele in Los Angeles&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- (4) - "Drogendetektive" im Kampf gegen chemisch aufgeputschte Athleten -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Saturn-Ringe überraschend dünn&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nukleare Phasenanalyse&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Kostengünstiges Verfahren zur exakten Diagnose von Herzfunktionsstörungen -&lt;/em&gt;</text>
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6. Juni 1984

INHALT

DOKUMENTATION
Rede des US-Präsidenten vor dem irischen Parlament am 4. Juni 1984
- Wortlaut Reagan fordert Solidarität und Einigkeit in der NATO
- Sowjets sollen an Verhandlungstisch zurückkehren Reagan sieht Fortschritte am Persischen Golf
- Interview des Präsidenten mit Fernsehjournalisten Ansprache von Botschafter Burns in Heidelberg
- Gehalten vor Examensabsolventen der Universität Maryland am 27. Mai 1984
HINTERGRUNDMATERIAL
Die XXIII. Olympischen Spiele in Los Angeles
- (5) - Ein Rückblick auf die Spiele des Jahres 1932

Um Uber/endung von
Bclcgcxcmplorcn
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

23

6. Juni 1984

REDE DES US-PRÄSIDENTEN VOR DEM IRISCHEN PARLAMENT AM 4. JUNI 1984
- Wortlaut -

DUBLIN - (AD) - Präsident Ronald Reagan hielt am 4. Juni 1984 eine
vielbeachtete Rede vor dem irischen Parlament in Dublin, in der er auf
zahlreiche außenpolitische Themen einging und vor allem die Sowjetunion
zur Wiederaufnahme der Rüstungskontrollverhandlungen drängte. Er sei
auch bereit, so führte Reagan aus, über die Forderung Moskaus nach einer
Gewaltverzichtserklärung zu sprechen.

Die Rede des amerikanischen Präsidenten vor einer gemeinsamen Sitzung
beider Häuser des Parlaments der Republik Irland hat folgenden Wortlaut:
Ich bin mir der großen Ehre bewußt, die mir durch Ihre Einladung,
hier zu sprechen, zuteil geworden ist. Ich danke Ihnen. Und ich kann
nicht anders als mich zu fragen, ob wir uns auch immer der Tatsache
bewußt sind, daß es noch heute Länder in der Welt gibt, in der die Volksvertreter nicht in der Lage sind, so zu sprechen, wie sie es hier können.

Als ich vor einigen Tagen die Airforce One auf dem Flugplatz Shannon
verließ und Irland sah - schön und grün - und die Herzlichkeit seiner

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�Herzlichkeit seiner Menschen spurte, da wurde ich tief gerührt. Wer
weiß, aber eines Tages werden Wissenschaftler den komplexen genetischen
Prozeß erklären, durch den Generationen über all die Zeit, ja selbst über
Ozeane hinweg ihre teuersten Erinnerungen fortzupflanzen scheinen. Bevor
sie es erklären, muß ich mich auf die Worte von Präsident Lincoln
verlassen von den "mystischen Fäden der Erinnerung" - und Ihnen sagen,
daß in den letzten Tagen hier in Ihrem Lande diese Fäden mich immer
wieder leise und rührend gestreift haben.

Ich hoffe, daß Sie mich nicht für zu kühn halten, wenn ich sage, daß
meine Gefühle heute morgen am besten mit den Worten zusammengefaßt werden
können: "Endlich wieder daheim".

Ich weiß natürlich, daß einige von uns

Irisch-Amerikanern sich leicht von ihrer Abstammung davontragen lassen
und gerne ihre Verwandten hier mit dem beeindrucken wollen, was sie in
der Neuen Welt erreicht haben. Viele von uns sind noch keine fünf Minuten in Irland, und schon wollen sie, wie es in dem amerikanischen Lied
heißt, Onkel Mike die Hände schütteln und das Mädchen küssen, mit dem sie
einst im Garten gespielt hatten.

Ich möchte Sie aber wissen lassen, daß für Nancy und mich diese letzten Tage hier für immer einen festen Platz in unseren Herzen haben werden. Von Shannon bis Galway, von Ballyporeen bis Dublin haben Sie uns
das Gefühl gegeben, willkommen zu sein wie die Blüten im Mai, und dafür
werden wir Ihnen und dem irischen Volk immer dankbar sein.
Natürlich haben wir nicht mit einem kühlen Empfang gerechnet. Wenn
ich mich hier im Saal umsehe, dann weiß ich, daß ich zwar nicht behaupten
kann, ein besserer Ire zu sein, - dies aber schon länger als die meisten
von Ihnen. Und es gibt immer wieder jene, die sich weigern, mich das
vergessen zu lassen.

Ich habe noch andere Empfehlungen: Ich bin Urenkel eines Mannes von
Tipperary; ich bin Präsident eines Landes mit den engstmöglichen Bindungen an Irland; und ich war ein Freund von Barry Fitzgerald. Ein Ire
sagte mir, ich würde ganz gut passen. "Herr Präsident", so meinte er,
"Sie lieben eine gute Erzählung, Sie lieben Pferde, Sie lieben die

�lieben die Politik - mit Ihrem Akzent werden wir schon noch fertig".

Aber ich kam auch in das Land meiner Vorväter, um zwei Schulden zu
begleichen: meine Dankbarkeit für ein leichtes Herz und eine starke
Konstitution zum Ausdruck zu bringen; und dem Mittel zur Beflügelung so
vieler politischer Erfolge in Amerika meine Anerkennung zu zollen: dem
Blarney-Stein.

Ich brauche Ihnen nicht zu sagen, was der Blarney-Stein

vollbringt (Wer ihn küßt, dem wird die Gabe der Beredtsamkeit verliehen;
Anm. der Redaktion) Ich habe die Italiener oft zur Entdeckung Amerikas
durch Christoph Columbus beglückwünscht, aber das kann mich nicht abhalten, Sie zu dem großen Seefahrer Brendan zu beglückwünschen.

Ich glaube, Sie wissen, daß ich seit den ersten Tagen im Amt oft an
Irland gedacht habe. Ich bin stolz, daß die erste Botschaft, die ich als
Präsident besuchte, die irische Botschaft war, und ich freue mich, daß
unsere Administration mit so vielen Kabinettsmitgliedern irischer Abkunft
gesegnet ist. Ich mußte sie sogar daran hindern, mitzufliegen, denn
sonst wäre niemand drüben, um Stallwache zu halten. Und von den vielen
Irisch-Amerikanern, die heute sehr hohe Stellungen im amerikanischen
Kongreß innehaben, will ich gar nicht reden.

Ich kann Ihnen versichern, daß die Irisch-Amerikaner über die Bedeutung der Freundschaft unser beider Nationen und über die Bande der
Zuneigung zwischen uns mit einer Stimme sprechen. Das amerikanische Volk
weiß, wie tiefgreifend Irland unser nationales Erbe und unser Heranwachsen zu einer Weltmacht beeinflußt hat. Und ich weiß, es möchte, daß
ich Ihnen heute versichere, daß Ihre Interessen und Anliegen die unsrigen
sind, und daß Sie in den Vereinigten Staaten treue und feste Freunde haben.

Unser Besuch ist ein freudiger Augenblick und wird es auch bleiben.
Aber das sollte uns nicht von ernster Arbeit und ernsten Worten abhalten. Heute abend möchte ich direkt zu einigen Punkten Stellung nehmen.

Ich weiß, viele von Ihnen werden sich noch der tragischen Ereignisse
von Weihnachten vorigen Jahres erinnern: An die fünf Menschen, die getö-

- 3 -

�die getötet und die 92, die verletzt wurden, als eine von Terroristen
gelegte Bombe im Kaufhaus Harrods in London explodierte. Erst am Tage
zuvor wurden der Rekrut Gary Sheehan und der Soldat Patrick Kelly, ein
junger irischer Soldat und Vater von vier Kindern, von Kugeln der Terroristen niedergestreckt. Diese beiden Ereignisse, die 350 Meilen voneinander entfernt - das eine in Irland, das andere in Großbritannien stattfanden, zeigten die erbarmungslose, wahllose Gewalttätigkeit der
Terroristen - ein gewalttätiges Übel bis ins Mark, und in all seinen
Formen zu verurteilen. Und sie zeigten, daß die Probleme Nordirlands
einen Blutzoll von den Menschen in Großbritannien und in Irland - Nord
und Süd - fordern.

Aber die Unruhe im Norden berührt mehr als nur diese beiden großen
Inseln. Als Ihr Ministerpräsident im März in Amerika war, verurteilte er
mutig die Unterstützung, die eine kleine Zahl fehlgeleiteter Amerikaner
diesen Terroristengruppen gewährt. Ich habe mich in dieser Verurteilung
angeschlossen, wie die große Mehrheit der Irisch-Amerikaner.

Ich wiederhole es heute: Es ist kein Platz für die brutale, feige
Gewalt des Terrors - nicht in Großbritannien, nicht in Irland, nicht in
Nordirland. Alle Seiten sollten ein Ziel vor Augen haben. Wollen wir es
einfach und direkt ausdrücken: Die Gewalt zu beenden, so völlig zu beenden und sie jetzt zu beenden.

Der Terror, das Gefühl der Krise, das in Nordirland existiert, hat
von allen einen hohen Preis gefordert. Aber wollen wir nicht die legitimen Gründe zur Hoffnung in den Entwicklungen der letzten Monate übersehen. Wie Sie wissen, ist zwischen der Regierung hier in Dublin und der
Regierung in London ein aktiver Dialog im Gange. Dann gibt es noch die
konstruktive Arbeit des Forums für ein neues Irland. Der jüngste Bericht
des Forums fand Beifall. Er stieß auch auf Kritik. Aber das Wichtige
ist, daß Anhänger des Friedens Gehör finden und man über ihre Botschaft
der Versöhnung spricht.

Die Position der Vereinigten Staaten in all dem ist eindeutig: Wir
dürfen und wir werden nicht in innere irische Angelegenheiten eingreifen,

�Angelegenheiten eingreifen, und wir werden auch keine Lösungen oder
Formeln verschreiben. Aber ich möchte, daß Sie wissen, daß wir an Ihren
guten Willen und Ihre Unterstützung appellieren, und daß wir, wenn Sie
für den Frieden arbeiten, an Ihrer Seite stehen.

Ich bin nicht übertrieben optimistisch, wenn ich heute sage, daß ich
daran glaube, daß Sie eine friedliche und demokratische Versöhnung der
beiden unterschiedlichen Traditionen und Gemeinschaften Irlands zustande
bringen werden. Abgesehen davon, daß Irland ein Land ist, das für sein
Eintreten für Freiheit und Selbstbestimmung legendär ist, ist es auch ein
Synonym für die Hoffnung. Es ist dieses Gefühl der Hoffnung, das sich
durch Hungersnot und Krieg erhalten hat; das so viele irische Männer und
Frauen ins Ausland geschickt hat, um ein neues Leben zu suchen und neue
Nationen aufzubauen; das der Welt Heilige und Gelehrte geschenkt hat, die
die westliche Kultur erhielten, die Missionare und Soldaten, die von Menschenwürde und Freiheit sprachen und den Funken des Strebens nach Unabhängigkeit in meinem eigenen Lande und in anderen Ländern mit entzündet
haben.

Sie sind noch heute das Land der Hoffnung. Das kommt nirgendwo so
deutlich zum Ausdruck wie in den wirtschaftlichen Veränderungen, die hier
herbeigeführt werden.

Ich weiß, daß Irland vor der ernsten Herausfor-

derung steht, mehr Arbeitsplätze für seine Bevölkerung zu schaffen, aber
Sie haben eindrucksvolle Fortschritte gemacht und die modernsten Technologien und Industrien der Welt angezogen und den Lebensstandard Ihres
Volkes verbessert. Und Sie haben all das getan, ohne Ihre traditionellen
Werte und Ihr religiöses Erbe aufzugeben; Sie haben Ihre Kultur und Ihre
Sprache erneuert und Sie spielen weiterhin eine Schlüsselrolle in der
Völkergemeinschaft.

Auf der Grundlage der traditionellen Neutralität Irlands in
internationalen Angelegenheiten können Sie ebenso stolz sein wie auf
Ihren Beitrag zum Streben nach Frieden.

Irische Soldaten haben acht

Friedensoperationen der Vereinten Nationen mitgemacht, seit Sie der
Weltorganisation beitraten.
Auch im

- 5 -

�Auch im wirtschaftlichen Bereich sind wir Amerikaner stolz, daß
unsere Unternehmen die Möglichkeit erhielten, im neuen wirtschaftlichen
Umfeld Irlands zu gedeihen. Wie Sie wissen, gibt es hier über 300 amerikanische Firmen, die zwischen 35 000 und 40 000 Arbeitsplätze stellen.
Wir ermutigen diese Investitionen weiterhin. Und ich versichere Ihnen
heute, daß wir in Zukunft solche Investitionen noch stärker ermutigen
werden.

Ich glaube, der wirtschaftliche Fortschritt, den Sie hier in Irland
machen, läßt sich zum Teil mit der historischen Achtung der persönlichen
Freiheit in Ihrem Lande erklären. Der Zusammenhang von Prosperität und
Freiheit wird zu oft übersehen. Und doch bietet er eine feste Grundlage
für eine wachsende Kooperation, nicht nur zwischen unseren beiden Ländern, sondern zwischen allen Ländern der Erde, die diesen Zusammenhang
erkennen.

Männer und Frauen überall auf unserer immer kleiner werdenden Welt
haben die gleiche Erfahrung gemacht. Für die meisten Menschen heute
bedeuten die Ozeane keine furchterregenden Entfernungen mehr wie damals,
als mein Urgroßvater, Michael Reagan, noch Wochen bis Amerika brauchte.
Aber noch heute machen sich Männer und Frauen mit ihren Kindern in kleinen Booten auf, um vor Tyrannei und Entbehrung zu fliehen. Für die
meisten von uns sind die Ozeane und die Luftwege heute friedliche Wege,
gedrängt voller Ideen, Menschen und Güter in allen Richtungen. Diese Wege
führen uns zusammen. Langsam aber sicher kommen immer mehr Menschen in
den Genuß der Werte des Friedens, der Prosperität und der Freiheit, die
Irland und Amerika vereinen.

Im vorigen Jahr habe ich zwei Reisen zu Amerikas Nachbarn über den
Pazifik hinweg nach Asien unternommen. Dieses Jahrhundert hat den pazifischen Nationen viel Not gebracht, und viele Schwierigkeiten und Differenzen bleiben bestehen. Aber was ich überall vorfand, waren Energie,
Optimismus und Begeisterung. Einige Länder Asiens haben erstaunliche
wirtschaftliche Wachstumsraten hervorgebracht, indem sie Anreize boten,
die die Initiative belohnen, weil sie Freiheit ermöglichten. All die
Völker dieser großen Region kommen mehr und mehr zu einem Gefühl des

�Gefühl des gemeinsamen Schicksals und der gemeinsamen Chancen. Der
riesige Pazifik ist kleiner geworden, aber die Zukunft jener, die um ihn
herum leben, ist größer als je zuvor.

Hier in Irland hatte ich das gleiche Gefühl von Rührigkeit, Optimismus und Erwartung einer besseren Zukunft.

Ich glaube, die Zukunft wird uns eine reelle Chance bieten, endlich
die Bedrohung durch Krankheit, Hunger und Not zu überwinden, die seit
Menschengedenken auf uns lastet. Aber Zeiten großen Fortschritts können
gleichzeitig auch Zeiten großer Prüfung sein. Als Präsident Kennedy hier
weilte, bemerkte er, daß wir zwar in einer "Zeit großen Aufschwungs" lebten, gleichzeitig aber auch in "die schwierigste und gefährlichste Auseinandersetzung der Weltgeschichte" verwickelt seien. Was er meinte, war der
welthistorische Kampf, den unser Jahrhundert erlebt, der Kampf zwischen
den Kräften der Freiheit und denen des Totalitärismus - ein Kampf, der,
wie wir alle nur zu gut wissen, vor dem Hintergrund der Existenz furcht4arer Vernichtungswaffen auf beiden Seiten stattfindet.

Glauben Sie mir, wenn man das Amt innehat, daß ich gegenwärtig innehabe, so ist man sich in jedem wachen Augenblick des Tages der drückenden
Verantwortung für die Sicherung des Friedens und die Bewahrung der Existenz der Menschheit bewußt. Dieser Verantwortung kann man nicht mit halbherzigen Wünschen gerecht werden; man kann ihr nur gerecht werden, indem
man sich mit Entschlossenheit bemüht, den Frieden mit all der Macht zu sichern, die Amerika in die Waagschale werfen kann.

Mein tiefstes Anliegen ist, einen stabilen Frieden zu erlangen nicht nur durch die Gewährleistung einer Abschreckung gegen jede Art von
Aggression, sondern auch durch die Sicherung einer wirtschaftlichen Stärke, die zu größerer Stabilität beiträgt, indem sie für Wachstum und Fortschritt des Menschen sorgt. Wir fühlen uns zutiefst verpflichtet, eine
Verminderung der Rüstung auf jedem gangbar erscheinenden Weg anzustreben.
Unser Streben nach einem stabilen Frieden beruht auf der stärksten Kraft,
die es gibt - der geistigen Kraft und dem Selbstbewußtsein, das uns befähigt, unserem Gegner die Hand zur Versöhnung zu reichen. Ich möchte heute

- 7 -

�mochte heute sowohl unseren Gegnern als auch Ihnen allen, die Sie uns
stets als Freunde lieb und teuer gewesen sind, aus ganzem Herzen
versichern, daß Amerika zum Frieden bereit ist.

Wir bemühen uns gegenwärtig, in der amerikanischen Außenpolitik für
Beständigkeit zu sorgen, insbesondere im Streben nach Rüstungsverminderungen.

In der Vergangenheit haben wir zu oft versucht, grandiose Ziele und
weitreichende Abkommen Übernacht zu erreichen; dann wieder haben wir unsere Ansprüche so heruntergeschraubt, daß die Abkommen, wenn sie schließlich geschlossen wurden, eine zahlenmäßige Vermehrung der Waffen wie auch
die Einführung neuer Waffenkategorien zuließen.

Beispielsweise hat eine der beteiligten Nationen in dem Zeitraum von
der Unterzeichnung des SALT-2-Abkommens bis zur Gegenwart ihr Arsenal um
3950 Gefechtsköpfe aufgestockt. Mag sein, daß das Rüstungsbegrenzung ist;
Rüstungsverminderung ist es sicherlich nicht. Im Endeffekt war es nicht
einmal Rüstungskontrolle. Ich fürchte, daß während dieser ganzen Zeit sowohl unsere Freunde als auch unsere Gegner durch unsere wechselnden Vorschläge und politischen Kursänderungen zeitweise verwirrt und verunsichert worden sind.

Deshalb haben wir ganz systematisch eines der umfassendsten Rüstungskontrollprogramme der Geschichte ausgearbeitet und vorgelegt. Wir sind
der Meinung, daß es für alle Völker nur eine Maxime geben kann, wenn wir
in unserem heutigen Zeitalter den Fortbestand der Zivilisation gewährleisten wollen: Ein Atomkrieg ist nicht zu gewinnen und darf niemals
geführt werden.

Auf fünf Gebieten haben wir wichtige Vorschläge unterbreitet:
- Vor weniger als zwei Monaten hat der Westen in Wien neue Vorschläge
über die Verminderung der konventionellen Streitkräfte in Europa
vorgelegt.
- In der gleichen Woche stellte Vizepräsident Bush in Genf den Entwurf
eines Abkommens über ein weltweites Verbot chemischer Waffen vor, das

�vor, das auch die Giftgase, die in Afghanistan und Kamputschea
eingesetzt worden sind, abdecken würde.
- In Stockholm verfechten wir auf der Europäischen Abrüstungskonferenz
eine Reihe von Vorschlägen, die dazu beitragen würden, die Gefahr
eines militärischen Konflikts zu verringern.
- Darüberhinaus haben wir - wie den meisten von Ihnen bekannt ist - in
Genf bis vor kurzem an zwei Fronten über Rüstungsverminderung verhandelt: bei den START-Verhandlungen, wo es um die Verminderung interkontinentaler Nuklearwaffen ging, und bei den INF-Verhandlungen, die um
die Frage der Mittelstreckenraketen kreisten.
- Außerdem bemühen wir uns, die Weiterverbreitung von Atomwaffen zu
verhindern und zu erreichen, daß alle Exporte von nuklearem Material
umfassenden Sicherheitsvorkehrungen unterworfen werden.

Während der Monate, in denen die START- und INF-Verhandlungen liefen,
ergriffen die Vereinigten Staaten siebenmal mit Vorschlägen die Initiative. In keinem Fall verfuhren die Vereinigten Staaten dabei nach dem Grundsatz des "Alles oder Nichts." Wir haben sogar eine Reihe von Abänderungen
vorgenommen, um den von der sowjetischen Seite geltend gemachten Vorbehalten Rechnung zu tragen. Obwohl die Flexibilität der Sowjets der unseren
nicht gleichkam, taten sie doch einige Schritte der Art, die bei ernsthaften Verhandlungen erforderlich ist.

Aber nachdem die Stationierung von Mittelstreckenraketen hier in Europa begonnen hatte, verließen die Sowjets den Verhandlungstisch. Nun handelte es sich bei dieser Stationierung keineswegs um etwas, was uns hochwillkommen gewesen wäre; vielmehr hatten sowohl ich selbst als auch die
europäischen Staatschefs gehofft, daß diese Stationierung durch die Verhandlungen überflüssig gemacht werden würde. Unglückseligerweise ließ uns
die sowjetische Haltung bei diesen Verhandlungen dann aber keine andere
Wahl. Nach 1977, d.h., während einer Zeit, in der wir keine Waffen stationierten, sondern vielmehr die Sowjets zum Verhandeln drängten, stellten
diese rund 370 SS-20-Raketen auf, die in der Lage sind, jede beliebige
Stadt in jedem Land Europas zu treffen. Wir und unsere Verbündeten konnten vor dieser Bedrohung nicht auf unbegrenzte Zeit die Augen verschließen.
Ich meine

�Ich meine aber, daß es auch heute immer noch möglich ist, ein Abkommen zu erreichen. Seien Sie versichert, daß wir sowohl bei den START- als
auch bei den INF-Verhandlungen gern sowjetische Vorschläge hören würden,
daß wir möchten, daß die Sowjets sich unsere Vorschläge anhören, und daß
wir bereit sind, darüber noch am morgigen Tag zu verhandeln, wenn die
Sowjets das wollen. Ich wäre bereit, die Stationierung unserer Mittelstreckenraketen in Europa zu stoppen oder sogar rückgängig zu machen,
wenn ein dahingehendes verifizierbares und faires Abkommen geschlossen
werden könnte. Damit aber solche Ergebnisse erzielt werden können, müssen
die Sowjets an den Verhandlungstisch zurückkehren. Hier vor diesem Forum
und vor allen Bürgern Europas fordere ich die Sowjets dazu auf.

Ich meine, wir dürfen uns nicht zufriedengeben und uns keine Ruhe gönnen, bis diese schrecklichen Waffen für immer von Angesicht der Erde verbannt sind. Was ich zutiefst hoffe und erträume, ist, daß sich, wenn wir
den Weg der Rüstungsverminderung erst einmal gemeinsam eingeschlagen haben, dann auch der gesunde Menschenverstand einstellen wird, der uns veranlaßt, diesen Weg bis zum Ende zu gehen, so daß unsere Kinder und Kindeskinder nicht mehr mit dieser Bedrohung leben müssen, die gegenwärtig auf
der Welt lastet.

Ich möchte heute nicht nur die Bedeutung von Rüstungskontrollverhandlungen unterstreichen, sondern auch die Tatsache, daß die Vereinigten
Staaten den Dialog in zwei weiteren entscheidenden Bereichen der Ost-WestBeziehungen verbessern möchten. Wir möchten nicht nur die Rüstungslasten
vermindern, sondern auch Mittel und Wege finden, den Einsatz der militärischen Potentiale in konfliktträchtigen lokal begrenzten Situationen, die
zu schwierigen Verwicklungen führen können, zu begrenzen. Wir streben
ernsthafte Gespräche mit den Sowjets darüber an, wie wir sicherstellen
können, daß es in unruhigen oder strategisch heiklen Gebieten der Welt
nicht zu Fehleinschätzungen oder Mißverständnissen kommt. Ich möchte
heute nochmals unterstreichen, daß den Vereinigten Staaten hieran ernsthaft gelegen ist.

Auf der Stockholmer Konferenz, die ich soeben erwähnte, verhandeln
die Vereinigten Staaten und 34 andere Nationen über Maßnahmen zur Ent-

- 10 -

�zur Entkrampfung des Ost-West-Verhältnisses und zur Verringerung von
Ungewissheiten, die sich aus militärischen Aktivitäten in Europa ergeben,
wo sich mehr Streitkräfte zusammenballen als irgendwo sonst auf der Welt.
Die 16 Nationen des atlantischen Bündnisses haben konkrete Vorschläge
unterbreitet, die die Wahrscheinlichkeit eines militärischen Konflikts in
Europa herabsetzen würden. Die Sowjetunion hat diese Vorschläge nicht
angenommen, sondern rückt die Frage einer Gewaltverzichtserklärung in den
Vordergrund.

Eine bloße Wiederholung eines Grundsatzes, auf den sich alle Nationen
in der Charta der Vereinten Nationen und anderswo bereits verpflichtet
haben, wäre jedoch ein unzulängliches Endergebniss für eine Konferenz,
deren Mandat weitaus mehr verlangt. Wir müssen diese Idee in praktische
Maßnahmen umsetzen, die wirksame Sperren gegen den Gebrauch von Gewalt in
Europa errichten. Wenn die Sowjetunion solchen konkreten Maßnahmen zustimmen würde, die von anderen Teilnehmerstaaten der Stockholmer Konferenz
augenscheinlich bereits akzeptiert werden, so wäre dies ein wichtiger
Schritt vorwärts in dem Bestreben, eine friedlichere Welt zu schaffen.

Falls Verhandlungen über eine erneute Verpflichtung auf das Prinzip
des Gewaltverzichts - ein Prinzip, an das wir aus innerster Überzeugung
heraus glauben - die Sowjets dazu veranlassen könnten, auch über Abkommen
zu verhandeln, die diesem Prinzip eine neue und konkrete Bedeutung verleihen würden, so wären wir gern bereit, solche Gespräche aufzunehmen. Ich
appelliere an dieser Stelle an die Sowjetunion, sich allen anderen Teilnehmerstaaten der Stockholmer Konferenz anzuschließen in ihrem Wunsch
nach unverzüglichen Schritten dieser Art, die dazu beitragen würden, Friede und Stabilität in Europa zu sichern.

Wir versuchen, auf Gebieten von beiderseitigem Interesse zwischen uns
und den Sowjets eine Atmosphäre des Vertrauens zu schaffen, indem wir
unsere bilateralen Beziehungen auf breiter Front entwickeln. Auf dem Gebiet der Wirtschaft ergreifen wir Schritte zur Erweiterung des Handelsaustauschs im Bereich solcher Güter, die nicht von strategischer Bedeutung sind. Was andere Gebiete angeht, so haben wir beispielsweise die
Geltungsdauer unseres sehr nützlichen Abkommens über die Vermeidung von

- 11 -

�Vermeidung von Zwischenfällen auf See um eine Periode verlängert. Ferner
haben wir vorgeschlagen, Gespräche aufzunehmen über besondere Schritte
zur Erweiterung und Vermehrung von Kontakten, die im Interesse unserer
Völker liegen. Ich möchte in diesem Zusammenhang hinzufügen, daß alle
Demokratien die unbedingte Pflicht haben, sich für Fortschritte im
Bereich der Menschenrechte einzusetzen. Positive sowjetische Schritte in
diesem Bereich würden von den Vereinigten Staaten als ein bedeutsames
Signal verstanden werden.

Zusammenfassend kann gesagt werden, daß wir vermehrte Gespräche und
Verhandlungen anstreben mit dem Ziel der Rüstungsverminderung, der Lösung
regionaler Probleme und der Verbesserung der bilateralen Beziehungen.
Wenn in diesen Bereichen Fortschritte erzielt werden könnten, so würde
dies dazu beitragen, den Frieden und die Sicherheit für die Menschen
überall auf der Welt besser zu gewährleisten.

Ich fürchte jedoch, daß die sowjetische Reaktion enttäuschend ist. Anstatt gemeinsam mit uns zu versuchen, Spannungen abzubauen und Abkommen
auszuhandeln, scheinen die Sowjets beschlossen zu haben, sich zurückzuziehen und zu versuchen, ihre Ziele durch Propaganda statt durch Verhandlungen zu erreichen.

Die Sowjets versuchen, die Schuld für ihre selbst auferlegte Isolation den Amerikanern zu geben. Tatsächlich ist das, was sie getan haben,
jedoch keineswegs in unserem Sinne. Wir sind weiterhin bereit, sie gemeinsam mit uns und der übrigen Völkergemeinschaft mitwirken zu lassen am Aufbau einer friedlicheren Welt. Unseren Verbünden in Solidarität verbunden
und auf unsere Stärke vertrauend, bedrohen wir keine andere Nation. Friede und Wohlstand liegen genauso im Interesse der Sowjets wie in unserem
eigenen. Also laßt uns handeln.

Beständigkeit in der Verfolgung unseres Konzepts der Rüstungsverminderung und das Bemühen um Verbesserung der Ost-West-Beziehungen werden
schließlich Früchte tragen. Aber auch bei der Verfechtung der Sache der
Freiheit des Menschen ist Beständigkeit gefragt.
Während meines

- 12 -

�Während meines letzten Besuchs in Europa sprach ich von einem Kreuzzug für die Freiheit, d.h., davon, wie die Demokratien ein Programm zur
Förderung des Wachstums demokratischer Institutionen überall auf der Welt
in die Wege leiten könnten. Dies Programm läuft jetzt. Es kann vielerlei
Auswirkungen an vielerlei Orten haben und sich als Kraft des Guten erweisen.

Manche Leute argumentieren natürlich, daß ein Kreuzzug für die Werte
der Demokratie undurchführbar oder zum Scheitern verurteilt sei, wobei
sie insbesondere auf die Völker hinweisen, die ihre Freiheit in der Nachkriegszeit verloren haben. Aber wir müssen langfristig denken. Zu Beginn
dieses Jahrhunderts gab es erst wenige Demokratien. Heute gibt es mehr
als 50, die ein Drittel der Erdbevölkerung umfassen, und es ist kein Zufall, daß es diese Völker sind, die sich des höchsten Lebensstandards
erfreuen; hier weise ich wieder auf den Zusammenhang zwischen politischer
und wirtschaftlicher Freiheit und materiellem Fortschritt hin.
Die Geschichte wird gemacht von freien Männern und Frauen; sie ist
nicht das Ergebnis unwandelbarer Gesetze. Ihr Gang ist niemals zwangsläufig. Dennoch ist sie von bestimmten Strömungen und Trends geprägt, und
einer dieser Trends ist eindeutig - die Demokratien nehmen nicht nur der
Zahl nach, sondern auch an Stärke zu. Heute sind sie stark genug, um der
Sache der Freiheit Platz zum Wachstum einzuräumen, und das ist eigentlich
alles, was die Freiheit braucht. "Die Masse der Menschen ist nicht mit
Sätteln auf ihren Rücken geboren worden." Thomas Jefferson hat das gesagt. Die Freiheit ist das Flaggschiff der Zukunft und das edelste, wonach die menschliche Seele strebt. Diejenigen, die glauben, daß die westlichen Demokratien versuchen, das Rad der Geschichte zurückzudrehen, verstehen nicht, worum es geht. Die Geschichte bewegt sich in Richtung auf
die Selbstbestimmung und auf die Menschenwürde, die sich in ihr verkörpert. Die Zukunft gehört den freien Menschen.

An diesem Punkt des demokratischen Entwicklungsprozesses erscheint es
mir äußerst wichtig, sich zu vergegenwärtigen, was in der westlichen Hemisphäre, und zwar besonders in Lateinamerika, vor sich geht. In den letzten Jahren sind große Fortschritte erzielt worden. Tatsächlich sind heute

- 13 -

�sind heute 26 von den 33 Staaten Lateinamerikas Demokratien oder
versuchen zumindest, Demokratien zu werden. Ich meine, es ist ebenfalls
äußerst wichtig, sich klar zu machen, daß die Unterstüzung, die die
Vereinigten Staaten gegenwärtig einigen mittelamerikanischen Staaten
angedeihen lassen, genau dazu bestimmt ist, dem Prinzip der demokratischen Selbstherrschaft zum Durchbruch zu verhelfen.

Ich weiß jedoch, daß manche Leute der Meinung sind, daß sich die Vereinigten Staaten, ein großes und mächtiges Land, in die Angelegenheiten
der kleineren Länder im Süden einmischen, und sie ziehen die Schlußfolgerung, daß wir dort selbstsüchtige oder interventionistische Ziele verfolgen. Nun, wenn jemand die Amerikaner wirklich kennt, dann sind es die
Iren. Wir sind bestrebt, Gewalttätigkeiten und Konflikte zu vermeiden.
Die Geschichte ist in dieser Hinsicht unser Zeuge. Nach dem Ende des Zwei'
ten Weltkrieges hatten die Amerikaner für eine Reihe von Jahren ein Monopol auf Atomwaffen. Wir haben dies Monopol nicht ausgenutzt, um territoriale oder machtpolitische Zugewinne zu erzielen. Wir haben alles getan,
was in unserer Macht stand, um Wohlstand und Demokratie in Europa zu fördern. Man könnte mit einigem Recht fragen, ob der Welt während der letzten 40 Jahre genauso viel Friede beschert gewesen wäre, wie es tatsächlich der Fall war, wenn nicht die Vereinigten Staaten, sondern ein anderes Land diese Waffen besessen hätte.

In wenigen Tagen werde ich in Frankreich vor dem einzigen Stück Land
in Europa stehen, das von den Vereinigten Staaten besetzt ist: jenen Erdhügeln nämlich mit ihren Kreuzen und Davidsternen, den Gräbern der Amerikaner, die nicht mehr in ihre Heimat zurückkehrten und die ihr Leben gaben, damit andere in Freiheit und Frieden leben können. Und Freiheit und
Frieden sind es auch, was die Menschen in Mittelamerika heute wollen.

Dreimal in wenig mehr als zwei Jahren haben die Menschen in El
Salvador in freien Wahlen ihre Stimme abgegeben. Jedesmal mußten sie mit
Drohungen der Guerilla leben, die von dem sandinistischen Regime in
Nicaragua sowie von Kuba und der Sowjetunion unterstützt wird. Diese
Guerilla wendet Gewalt zur Unterstützung ihrer Drohungen an.

Ihr Slogan

bei allen diesen Wahlen war: "Wähle heute und stirb' heute nacht". Und

- 14 -

�nacht". Und doch haben 1,4 Millionen Menschen in El Salvador sich tapfer
gegen diese Angriffe gewendet, sind kilometerweit gelaufen und haben sich
stundenlang angestellt, bis sie an der Reihe waren, um ihre Stimme für
die Freiheit abzugeben. Viele unserer Beobachter, die dorthin gegangen
waren - und von denen nicht wenige davon überzeugt waren, daß das, was
wir zu tun versuchten, falsch sei -, kamen anderen Sinns zurück, überzeugt von einer einzelnen Frau, die, obgleich durch einen Schuß verwundet, dennoch stundenlang anstand und jede medizinische Behandlung ablehnte, bevor sie nicht die Möglichkeit zum Wählen hatte. Sie kamen in der
Überzeugung zurück, daß das Volk von El Salvador die Demokratie will. Die
Vereinigten Staaten versuchen nichts weiter - mit nur 55 Militärberatern
und 474 Millionen Dollar, von denen drei Viertel der wirtschaftlichen und
sozialen Entwicklung vorbehalten sind -, als den Menschen von El Salvador
die Möglichkeit zur demokratischen Selbstbestimmung zu geben - und dies
ohne Einmischung von außen.

Aber die Regierung von Nicaragua ist entschlossen, dies nicht zuzulassen. Wie sie selbst zugibt, hat sie die Salvadorianische Guerilla
versorgt und ausgebildet, in ihrem eigenen Land nie eine Wahl zugelassen,
nichts anderes getan als die Freiheit der Presse zu unterdrücken und
gegen die Gewerkschaften vorzugehen, die politischen Freiheiten zu verbieten und sogar den Mob gegen die unabhängige Menschenrechtskommission
Nicaraguas aufzuhetzen und deren Direktor ins Gefängnis zu werfen.

Trotz solcher Repressionen versammelten sich diesen Karfreitag
100 000 nicaraguanische Katholiken, um ihre Unterstützung der Kirche zum
Ausdruck zu bringen, die durch die kommunistische Diktatur der Sandinisten verfolgt wird; ein Bischof hat inzwischen sogar einen Hirtenbrief
geschrieben, der diese Verfolgung der Kirche durch die Regierung beim
Namen nennt. Aber nicht einmal in unserem eigenen Land erfuhren wir
etwas von dieser Demonstration.

Irgendwie gelangte kein Wort davon durch

die Nachrichtenkanäle an die Welt.

In einer Predigt vor 4 000 Nicara-

guanern, die die Don-Bosco-Kirche vor einigen Wochen füllten, sagte das
Oberhaupt der nicaraguanischen Bischofskonferenz, Bischof Pablo Antonia
Vega: "Die Tragödie des nicaraguanischen Volkes besteht darin, daß wir
mit einer totalitären Ideologie leben, die keiner in diesem Land will".
Und auch
- 15 -

�Und auch folgendes werden Sie noch nicht gehört haben - ich zitiere
die Worte des nicaraguanischen Erzbischofs Obando y Bravo: "Jenen, die
sagen, der einzige Weg für die mittelamerikanischen Länder sei der Marxismus-Leninismus, müssen wir Christen einen anderen Weg weisen. Und der
ist, Christus zu folgen, dessen Weg der der Wahrheit und der Freiheit
ist".

Die überwältigende Mehrheit jener, die derzeit in Nicragua um die
Freiheit kämpfen sind - ganz im Gegensatz zu dem, was die Sandinisten die
Welt glauben machen wollen - gute und ehrenwerte Leute, die die Diktatur
Somozas nicht wollten und die auch die kommunistische Diktatur nicht
wollen. Die Tragödie ist, daß sie nicht die Möglichkeit erhielten,
anders zu wählen. Die Menschen in Nicaragua und in El Salvador haben ein
Recht darauf, dem Alptraum Widerstand entgegenzubringen, den Kräfte von
außen ihnen aufoktroyieren wollen - genauso wie sie das Recht haben,
gegenüber der extremistischen Gewalt Widerstand zu leisten, die - gleich,
ob von Rechts oder von Links - im Innern herrscht.

Die Vereinigten Staaten dürfen den demokratischen Bemühungen der
Menschen Mittelamerikas nicht den Rücken kehren. Darüber hinaus aber ist
dies eine weltweite Auseinandersetzung.

Der irische Prediger James

Philpot Curran sagte einmal: "Die Bedingung, unter der Gott dem Menschen
Freiheit gegeben hat, ist ewige Wachsamkeit". Ja, militärische Stärke
ist für die Freiheit unabdingbar.

In meinem Leben hat es vier Kriege

gegeben. Keiner von ihnen brach aus, weil etwa die Kräfte der Freiheit
zu stark gewesen wären.

Auf bewegende Weise brachte dies die tschechoslowakische Gruppe
"Charta 77" gerade vor einer Woche als Antwort auf Anhänger der Abrüstungsbewegung im Westen zum Ausdruck, als sie sagte: "Im Gegensatz zu
euch haben wir die persönliche Erfahrung anderer, vielleicht weniger auffälliger, aber darum nicht weniger wirksamer Mittel der Zerstörung der Zivilisation gemacht als jener, die der thermonukleare Krieg darstellt;
nicht wenige unter uns aber ziehen in jedem Fall das mit der Aufrechterhaltung einer festen Haltung gegenüber der Aggression verbundene Risiko
der Gewißheit der katastrophalen Konsequenzen einer Besänftigungspolitik
vor".
Der Kampf
- 16 -

�Der Kampf zwischen Freiheit und Totalitarismus heute ist letztlich
kein Test der Waffen und Raketen, sondern eine Probe von Geist und
Glaube. Und in diesem geistigen Kampf sind Verstand und Wille des
Westens die entscheidende Arena. Wir dürfen nicht zögern, unserem Traum
von der Freiheit Ausdruck zu verleihen; wir dürfen nicht nachlassen, den
entscheidenden Unterschied zwischen Recht und Unrecht zu verkünden zwischen den auf Freiheit gegründeten politischen Systemen und jenen, die
sich auf eine schreckliche Verleugnung des menschlichen Geistes stützen.
Wenn unsere Gegenspieler glauben, wir würden unsere Selbstachtung dadurch
schmälern, daß wir angesichts immer neuer Verbrechen gegen die Humanität
schweigen oder uns besänftigen lassen, so täuschen sie sich. Überall in
der Welt sind wir Zeuge eines Aufbruchs des Geistes und des Willens.

Lech Walesa hat es so gesagt: "In unseren Seelen lebt genau das
Gegenteil von dem, was jene wollten. Sie wollten nicht, daß wir an Gott
glauben, aber unsere Kirchen sind voll. Sie wollten, daß wir materialistisch sind und nicht mehr zu Opfern fähig, aber wir sind antimaterialistisch und zu Opfern fähig. Sie wollten, daß wir uns vor den
Panzern, den Gewehren fürchten, aber stattdessen fürchten wir sie
überhaupt nicht".

Lassen wir nicht unsere Furcht zum Ratgeber werden. Bieten wir
stattdessen der Welt eine Politk der Hoffnung, eine Vorwärtsstrategie für
die Freiheit. Die Worte William Faulkners anläßlich der Verleihung des
Nobelpreises vor über drei Jahrzehnten sind eine eloquente Antwort auf
all jene, die das nukleare Jüngste Gericht oder den letztendlichen
Triumpf des Superstaates voraussagen: "Der Mensch wird nicht nur erdulden," sagte Faulkner, "er wird obsiegen...denn er wird zu den alten
Tugenden und Wahrheiten des Herzens zurückkehren. Er ist unsterblich,
denn er hat als einzige der Kreaturen eine Seele, einen Geist, der zu
Mitleid, zu Opfer und zu Geduld fähig ist".

Diese alten Wahrheiten des Herzens - menschliche Freiheit unter Gott
- sind überall auf der Welt im Vormarsch - auf den Schiffswerften von
Danzig, den Hügeln von Nicaragua, den Reisfeldern von Kamputschea, den
Bergen von Afghanistan - und der Schlachtruf heißt Freiheit. Und die

- 17 -

�Und die Ursache ist dieselbe, wie jene, von der vor über zwei Jahrzehnten
ein junger amerikanischer Präsident vor dieser Kammer sagte: "Eine
Zukunft des Friedens und der Freiheit". Gegen Ende seines Besuches hier
sagte John Fitzgerald Kennedy: "Ich werde zurückkommen, und mir wieder
den alten Shannon anschauen". Und an seinem letzten Tag in Irland
versprach er: "Ich werde bestimmt im Frühling wiederkommen". Es war ein
nicht einlösbares Versprechen auf einen Frühling, der nie mehr kam. Aber
sicherlich ist in unseren Herzen noch immer die Erinnerung an einen
jungen Führer, der bewegende Worte über ein helleres Zeitalter für die
Menschheit fand, über eine neue Generation, die die Fackel der Freiheit
in die Höhe halten und der Welt leuchten würde. Für die Sache der
Humanität einzutreten, das Gewissen der Welt auzurütteln und - wie in
alten Zeiten - für die Sache der Freiheit gemeinsamen Weges zu gehen: Das
ist die Aufgabe, die vor uns liegt

+ + + + +

- 18 -

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Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

23

6. Juni 1984

REAGAN FORDERT SOLIDARITÄT UND EINIGKEIT IN DER NATO
- Sowjets sollen an Verhandlungstisch zurückkehren -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Ronald Reagan traf im Rahmen der Ministertagung des Nordatlantikrates in Washington vom 29. bis 31. Mai 1984 am 30. Mai
zu einem Essen mit den Außenministern zusammen und empfing sie nach Abschluß der
Tagung am 31. Mai im Weißen Haus.
In einem Trinkspruch im Verlauf des Essens am 30. Mai forderte Reagan verstärkte Solidarität und Einigkeit im Atlantischen Bündnis.
Der Trinkspruch hat folgenden Wortlaut:
Heute abend bietet sich eine besondere Gelegenheit, den beispiellosen Erfolg
unserer dauerhaften Partnerschaft zu feiern - eines Bündnisses, das sich dem
Frieden und der Freiheit verpflichtet hat. Vor 35 Jahren kamen in den Nachwehen
eines tragischen Konflikts 12 Nationen hier in Washington zusammen, um den Nordati antikvertrag zu unterzeichnen. Dieses Ereignis war ein Akt des Realismus.
Die Mitgliedstaaten erkannten die Bedrohung ihrer Sicherheit und verpflichteten
sich zum Zusammenschluß. Die Gründung des Nordatlantischen Bündnisses war auch
ein Akt des Optimismus - eine Bekräftigung der anhaltenden Lebenskraft der westlichen Zivilisation.
Die 35 Jahre des Friedens in Freiheit sind ein Beweis für die Klugheit und

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Klugheit und Weitsicht jener Länder und der vier weiteren Länder, die seither
der NATO beigetreten sind.

Obwohl die Gründer die dramatischen Veränderungen

nicht voraussehen konnten, die seit 1949 stattgefunden haben, traf ihr Weitblick
ins Schwarze.

Durch die Vereinigung von Europa und Nordamerika hat die NATO die

längste Periode des Friedens und des Wohlstandes in der modernen Geschichte ermöglicht.

Und heute bleibt unser stolzes Bündnis vereint in der Verpflichtung

zur Verteidigung der Demokratie und der Freiheit des einzelnen.
Aber wir dürfen uns nicht mit den Leistungen der Vergangenheit zufrieden
geben.

Wenn wir nach vorne sehen, dann gibt es zwingende Gründe, unsere Soli-

darität und Einigkeit noch weiter zu stärken.
Unsere Verpflichtung zur kollektiven Sicherheit wird weiterhin ein unerläßliches Bollwerk gegen Aggression, Terrorismus und Tyrannei sein.

Unsere Einig-

keit wird den wesentlichen Rahmen bilden, um einen konstruktiven Dialog mit
unseren Gegnern aufzubauen und die Risiken des Krieges und den Stand der nuklearen
Rüstungen zu verringern.

Und ich weiß, daß es unsere Gesellschaften, die Demo-

kratien, sein werden, die unseren Völkern und den Völkern überall eine helle und
hoffnungsvolle Zukunft bieten werden.
Wir dürfen zuversichtlich sein.

Die Ereignisse des vergangenen Jahres haben

uns herausgefordert, und die westlichen Demokratien standen fest angesichts einer
intensiven sowjetischen Einschüchterungskampagne, die darauf abzielte, die Verpflichtung der NATO zur Verteidigung Europas und zur Erhaltung des Friedens zu
untergraben.

Und heute sind wir stärker und unserer Einigkeit bewußter denn je.

Das ist von entscheidender Bedeutung, denn wenn die Sowjetunion zu der Oberzeugung kommt, daß die NATO nicht zu erschüttern ist, dann wird sie vielleicht
endlich einsehen, daß sie ein eindeutiges und zwingendes Interesse daran hat, an
den Konferenztisch zurückzukehren. Wir werden warten, und wir sind bereit, ihr
auf halbem Wege entgegenzukommen.
Joseph Luns

- 2 -

�Joseph Luns ist ein hervorragender Diplomat und ein Mann vieler Tugenden.
Erst als niederländischer Außenminister und dann am Ruder der NATO stand er fast
30 Jahre lang im Mittelpunkt der transatlantischen Brücke.

Sein Weitblick, sein

Humor und seine Geduld haben uns in guten und schlechten Zeiten getragen.

Als

Generalsekretär hat er niemals die Ziele unseres Bündnisses aus den Augen verloren.

Sein Beruf war der Friede.

Sie sind uns ein vertrauter Freund, ein ehrlicher Makler, ein geachteter
Kollege und vor allem ein unschätzbarer Führer des Atlantischen Bündnisses
gewesen.
Joseph, Sie haben gesagt, der Zustand unseres Bündnisses sei wie die Musik
Wagners - besser als sie klingt. Ich darf Ihnen sagen, daß ich, weitgehend dank
Ihrer Anstrengungen, den Klang des Bündnisses schätze. Und ich hoffe, daß Sie
selbst noch im Ruhestand nicht zögern werden, uns Ihren Rat zu erteilen.
Meine Damen und Herrn, in Anerkennung der außergewöhnlichen Hingabe von
Joseph Luns an die Ideale unseres Bündnisses und in Anerkennung seiner hervorragenden Dienste und bleibenden Beiträge zu unserer Freiheit und Sicherheit ist
mein großes Privileg, Generalsekretär Luns die höchste zivile Auszeichnung
Amerikas, die Medal of Freedom (Freiheitsmedaille) zu verleihen.

Bevor ich ihm

jedoch die Medaille überreiche, möchte ich Sie alle bitten, Ihr Glas zu erheben
und mit mir auf Generalsekretär Joseph Luns und auf die Organisation zu trinken,
der er so treu gedient und die er so fähig geleitet hat.
Bei dem Abschlußempfang im Weißen Haus am 31. Mai richtete Präsident Reagan
erneut das Wort an die Außenminister des Bündnisses und erklärte:
Es war mir ein Vergnügen und eine Ehre, die Minister des Nordatlantikrates
im Weißen Haus zu begrüßen.

Und ich freue mich, daß die Vereinigten Staaten das

Gastland dieser Tagung sind, denn wir feiern auch den 35. Jahrestag der Unterzeichung des Nordatlantikvertrages in Washington.
Gestern abend

- 3 -

�Gestern abend auf dem Essen und erneut heute vormittag hatten wir die Gelegenheit, über die großen Herausforderungen zu sprechen, vor denen das Bündnis
steht, einschließlich der Sicherheit und der Verteidigung des Westens, der Beziehungen zur Sowjetunion und der Rüstungskontrolle.
Wir alle sind uns darüber im klaren, daß es keine wichtigeren Überlegungen
gibt als die Entwicklung eines besseren Arbeitsverhältnisses zur Sowjetunion einer Beziehung, die durch größere Kooperation und bessere Verständigung gekennzeichnet sein sowie zu stabilen, sicheren und friedlichen Beziehungen führen so11.
Dies ist und bleibt weiterhin ein Hauptziel der Vereinigten Staaten und des NATOBündnisses.
Das Bündnis hat sich dem Frieden verschrieben.

Und Dank des Mutes und des

Weitblicks unserer Mitgliedstaaten und ihrer Führer können wir voller Stolz an
die Vergangenheit denken und voller Zuversicht in die Zukunft blicken.
Für uns ist unsere NATO-Partnerschaft ein Anker, ein ruhender Pol in einer
turbulenten Welt. Und es ist unsere ehrliche Hoffnung, daß die Sowjetunion bald
zu der Einsicht des tiefen Wunsches nach Frieden kommt, der uns bewegt. Und ich
hoffe, daß die sowjetische Führung endlich einsehen wird, wie nutzlos es ist, wenn
sie Anstrengungen um eine Spaltung des Bündnisses fortsetzt. Wir werden uns nicht
spalten lassen. Wir werden uns nicht einschüchtern lassen. Der Westen wird die
Demokratie und die Freiheit des einzelnen verteidigen. Und der Westen wird den
Frieden schützen.
Gleichzeitig bleiben wir auch weiterhin bereit, fair, flexibel und ohne Vorbedingungen zu verhandeln. Es ist unsere Hoffnung, daß die Sowjetunion bald an
den Verhandlungstisch zurückkehren wird. Unsere Verpflichtung zu Dialog und
Rüstungsverminderung ist fest und unerschütterlich. Kein anderer Schritt in naher
Zukunft würde so viel für die Sache des Friedens und der Stabilität bedeuten wie
eine Rückkehr zu konstruktiven Verhandlungen und Abkommen über die Verringerung
des Standes der Kernwaffen.
Ich habe
- 4 -

�Ich habe es oft gesagt und sage es erneut: Wenn die Sowjetunion an den Verhandlungstisch zurückkehrt, werden wir ihr auf halbem Wege entgegenkommen.

Ich

hoffe auch, daß die sowjetische Führung positiv auf das Vorschlagspaket reagieren
wird, das wir uns als Bündnis auch für andere Bereiche der Rüstungskontrolle vorgelegt haben.
Unsere Vorschläge dienen der Sache des Friedens:

der Vertragsentwurf für

die Abschaffung chemischer Waffen, den Vizepräsident Bush in Genf unterbreitet
hat; der jüngste NATO-Vorschlag, um den toten Punkt bei den Verhandlungen über
konventionelle Streitkräfte in Wien zu überwinden; und die in Stockholm von der
NATO vorgeschlagenen Maßnahmen in unseren Bemühungen um eine Verringerung des
Risikos eines Überraschungsangriffs in Europa.
Morgen werde ich nach Europa abreisen. Ich freue mich auf die Reise und die
Gelegenheit, die dauerhafte Bedeutung der politischen, kulturellen und wirtschaftlichen Bindungen zu unterstreichen, die uns mit den demokratischen Industriestaaten verbinden.
Die Tagung der NATO-Außenminister hat mein eigenes Vertrauen in

die Stärke

und Haltbarkeit des Bündnisses und in das gemeinsame Schicksal freier Gesellschaften bekräftigt.
Und so möchte ich all den Ministern der NATO danken.

Wir freuen uns, daß

Sie alle unsere Gäste waren, und wir sind stolz, Sie als unsere Partner zu haben.

- 5 -

�Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

6. Juni 1984

23

REAGAN SIEHT FORTSCHRITTE AM PERSISCHEN GOLF
- Interview des Präsidenten mit Fernsehjournalisten -

Washington -(AD)- In einem Interview mit europäischen und japanischen
Fernsehjournalisten am 31. Mai 1984 in Washington antwortete Präsident
Reagan auf Fragen über die Lage am Persischen Golf, die Rüstungskontrollbemühungen der Vereinigten Staaten, die Handelsbeziehungen zu Japan, die
amerikanische Wirtschaft sowie den bevorstehenden Weltwirtschaftsgipfel
in London.

Das Interview hat folgenden Wortlaut:

FRAGE: Herr Präsident, es scheint oft, als neigten diese Wirtschaftsgipfel dazu, Opfer der jeweils aktuellen Krise zu werden. Im Moment ist
dies eindeutig die Lage im Persischen Golf. Ich möchte daher gern zwei
Fragen stellen: Welche Art von Verpflichtung erwarten Sie von Ihren Verbündeten und Freunden hinsichtlich des Golf-Problems; und wie weit würden
Sie gehen, wenn die Diplomatie versagen sollte, damit das Öl weiter fließen kann?
ANTWORT: Nun,

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�ANTWORT; Nun, ich habe einmal erklärt, ich könne mir nicht vorstellen, daß die westliche Welt zuschaut, wie dieses Gebiet vom Verkehrsfluß
und von der Ölversorgung abgeschnitten wird. Diese ist für die Staaten,
die einige von Ihnen hier vertreten, weit wichtiger als für uns, denn der
Großteil unserer Importe kommt mittlerweile aus Quellen in unserer eigenen Hemisphäre. Gleichzeitig stehen wir aber nunmehr in enger Konsultation mit Repräsentanten Ihrer Regierungen, und wir alle halten engen Kontakt mit den GolfStaaten.

Nun vertreten die GolfStaaten sehr konsequent die Position, daß sie
mit dem Problem selbst fertigwerden wollen. Sie wollen nicht, daß es sich
ausweitet und sich mehr zu einem Krieg hinentwickelt, wie dies vielleicht
geschehen könnte, wenn andere miteinbezogen würden. Sie haben jedoch deutlich gemacht - wie sich dies gerade jetzt in den Medien widerspiegelt daß sie eine gewisse Art von Hilfe benötigen, nämlich in bezug auf Material, auf Waffen. Und wir haben daher auf ihr Verlangen mit einigen Lieferungen reagiert. Aber wir sollten auch weiterhin in Konsultation stehen
und auf der Hut sein für den Fall, daß es dort zu einer vollständigen
Sperrung kommt.

Nimmt man jedoch die letzten paar Tage, so scheint es, als habe sich
die Lage nicht verschlimmert, sondern eher etwas beruhigt. Es scheint zum
Beispiel in den vergangenen Tagen keine Angriffe gegeben zu haben und so
könnte sich die Lage vielleicht letztlich doch zum Guten wenden.
FRAGE: Herr Präsident, zu Beginn des Zweiten Weltkriegs schickte im
Nahen Osten ein amerikanischer Admiral ein berühmt gewordenes Telegramm
nach Hause. Er war verwirrt und schrieb: "Erbitte Rat - wer ist der
Feind?" Ich könnte mir vorstellen, daß derzeit hier in Washington eine
ganze Reihe von Leuten sich die gleiche Frage stellt. Wer ist der Feind
am Golf? Iran oder Irak?

ANTWORT: Nun, betrachten wir die Dinge so: Der Irak beschränkte seine
Angriffe auf Schiffstransporte, die für die iranische Wirtschaft von lebenswichtiger Bedeutung sind. Der Iran hingegen beschränkte sich bei seinen Reaktionen nicht auf den Irak: Er attackierte Schiffe neutraler Staa-

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�neutraler Staaten, die lediglich Öl transportierten und ihrem Geschäft
mit Staaten wie Saudi-Arabien, Kuweit und anderen nachgingen. Und so muß
man sich fragen: "Was denkt sich der Iran dabei?"

Man war wohl immer der Meinung, daß in Kriegszeiten die Wirtschaft
und der Handel des Gegners ein verständliches Ziel waren, somit auch das
Bestreben, dem andern auch wirtschaftlich zu schaden. In diesem Sinn also
hat der Irak nicht die Grenze so überschritten, wie dies der Iran getan
hat.
Inzwischen hat der Irak auch - obgleich er, wie wir zugestehen müssen, derjenige war, der den Krieg vor vier Jahren angefangen hat - mehrmals Angebote unterbreitet, zu einer Verhandlungslösung zu kommen und den
Krieg zu beenden. Der Iran hat sich geweigert. Der Iran nimmt also mehr
oder minder die Position ein, den bedingungslosen Sieg zu fordern. Gäbe
es irgendetwas, was wir anderen tun könnten, um diesen Kampf zu einem
Ende zu bringen, so würden wir sicherlich nichts unversucht lassen, denn
was sich dort abspielt, ist ein gewaltiges und schreckliches Blutvergießen. Und der Iran, wie ich sagte, ist nunmehr derjenige, der sich gegen
jede Bemühung zu stellen scheint, den Krieg ohne einen totalen Sieg zu
einem Ende zu bringen.

FRAGE: Herr Präsident, im vergangenen Monat erklärte George Shultz,
Frankreich sei Ihr bester Verbündeter in Europa. Denken Sie - vor dem
Londoner Gipfel - ebenfalls so?
ANTWORT: Ich glaube, es handelt sich hinsichtlich dessen, was der
Außenminister sagte, um ein kleines Sprachproblem. Er sagte: "Wir haben
keinen besseren Verbündeten als Frankreich." Das bedeutet doch aber auch,
daß die anderen Verbündeten gleich gut sind, nur, daß wir uns eben keinen
noch großartigeren Verbündeten als Frankreich vorstellen können und sicherlich keinen, der länger unser Verbündeter gewesen wäre als Frankreich. Es war also nur eine kleine Sprachschwierigkeit, die daraus ein
"bester" machte. Dies wäre doch recht unfair von uns.

FRAGE: Herr Präsident, viele Europäer halten die amerikanische Ein-

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�amerikanische Einstellung gegenüber der Sowjetunion für zu wenig kompromiGbereit. Sie befürchten, daß die kleineren kommunistischen Satellitenstaaten in Osteuropa das bißchen Luft und Freiheit verlieren könnten, das
sie haben. Insbesondere wir Westdeutschen fürchten, unsere Beziehungen zu
Ostdeutschland könnten Schaden nehmen. Könnten Sie dazu etwas sagen?

ANTWORT: Ja, das kann ich. Ich weiß nicht, warum immer die anderen
Schuld sein sollen, nie die Sowjetunion. Wir haben zum Beispiel der Sowjetunion einen Vertrag angeboten, die nuklearen Mittelstreckenwaffen in
Europa total zu beseitigen. Zu jenem Zeitpunkt hatte sie etwa 800 Gefechtsköpfe auf Europa gerichtet, nicht auf die Vereinigten Staaten. 1979
baten uns die NATO-Verbündeten, eine Kombination aus Pershing II und
Marschflugkörpern als Abschreckung gegen die SS 20 der Sowjetunion mit
ihren jeweils drei Gefechtsköpfen zur Verfügung zu stellen.

Mein Vorgänger und die damalige Regierung dieses Landes stimmten dem
zu. Ich erbte also dieses Programm, das bereits lief, indem die Waffen,
die dorthin sollten, von uns gebaut und erprobt wurden. Schließlich dislO'
zierten wir.
Als ich sagte: "Null - Null. Es werden keine solchen Waffen disloziert, wenn ihr euch einverstanden erklärt, die eurigen zu eliminieren,"
weigerte sich die Sowjetunion. Also sagten wir: "Nun gut. Wenn ihr Null Null nicht wollt, dann bleibt uns die Hoffnung, daß ihr irgendwann in der
Zukunft einmal den Nutzen dieses Vorschlags erkennt. Wenn nicht, so sind
wir auch bereit, uns hinzusetzen und eine Verringerung der Anzahl auszuhandeln, die für beide Seiten fair ist." Aber die Sowjets verliessen den
Verhandlungstisch wegen unserer Dislozierung.

Zunächst gaben sie noch eine Antwort. Sie wollten die Anzahl ihrer
Raketen reduzieren, wir aber sollten überhaupt keine haben. Mit anderen
Worten, sie nahmen die Hälfte meines Null-Null-Vorschlags. Wir nämlich
sollten keine Raketen haben, sie aber - nun, wie es jetzt steht, haben
sie etwa 1 350 Gefechtsköpfe auf Europa gerichtet. Sie fügten ihren Gefechtsköpfen, ihren Raketen neue hinzu - die ganze Zeit über, während wir
am Verhandlungstisch über Verringerungen sprachen. Sie verstärkten ihre

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�verstärkten ihre Rüstung immer weiter.

Die Zeitschrift "Economist" spricht in einem Artikel von "Winterschlaf" und vermutet, daß die Sowjetunion derzeit vielleicht keine Antworten hat und sich deshalb zu einem Winterschlaf entschlossen hat, sich
zurückzuziehen und überhaupt nichts zu sagen.

Aber wir haben nicht den Eindruck, in diesem Zusammenhang im Unrecht
zu sein. Sie haben den Verhandlungstisch verlassen. Sie haben die STARTVerhandlungen verlassen, die sich auf die Gesamtlage im Nuklearbereich
bezogen.

Wir haben ihnen immer wieder gesagt, wie flexibel zu sein wir bereit
seien. Wir sind auf einige ihrer Punkte eingegangen, wo sie der Meinung
waren, unser erster Vorschlag erkenne ihre Problematik nicht. Wir sagten
also: "Nun gut, sagt uns, was das für Probleme sind und wir werden sie
lösen."

Ich glaube aber, daß ihr Schweigen keine große Gefahr darstellt. Ich
glaube, sie sind nicht sehr glücklich darüber, daß wir unsere Streitkräfte modernisiert haben, nachdem wir vorher jahrelang einseitig abgerüstet
hatten, in der Hoffnung darauf, daß sie Gleiches tun würden, was aber
nicht geschah. Sie fuhren mit der größtmöglichen Aufrüstung fort.

Wir sind bereit. Und wir führen überdies Verhandlungen mit ihnen - in
aller Stille und hinsichtlich einer ganzen Reihe von Themen, die für sie
von Interesse sind. Wir haben ihnen gesagt, daß wir bereit sind, daß wir
gewillt sind, über all diese speziellen Fragen zu sprechen; und diese Gespräche finden statt, es gibt da auch eine gewisse Produktivität.

Aber wenn ich immer wieder der harschen Rhetorik beschuldigt werde...
Gerade gab es diese so überaus bewegende Feier am Grab des unbekannten
Soldaten. Und da denke ich, es geht schon etwas weit, wenn die Sowjetunion dies öffentlich als "eine militaristische Orgie" bezeichnet. Ich
weiß ganz einfach nicht, wie man dies aus einer Zeremonie für einen jungen Mann herauslesen kann, dessen Name nur Gott kennt, aber der sein

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�der sein Leben im Dienst für sein Land gab und den man hier auf dem
Arlington-Friedhof beerdigt hat.

Deshalb meine ich, es ist an der Zeit, daß die Welt zu fragen beginnt, wann die Sowjetunion endlich in Bewegung geraten will, wann sie
mit einem Vorschlag kommt. Gegenwärtig setzen wir uns in Stockholm bei
diesen Treffen mit ihnen auseinander. Und zusammen mit unseren NATOVerbündeten setzen wir uns mit ihnen bei den Wiener Gesprächen über
Truppenabbau auseinander. Aber sie verweigern hartnäckig ein Gespräch
über Kernwaffen.

Das sollte uns nicht überraschen. Unsere Bemühung, sie in Nukleargespräche einzubinden, ist, glaube ich, die zwanzigste dieser Art seit
dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Und das einzige erfolgreiche Abkommen
war der ABM-Vertrag. Aber erinnern Sie sich doch, wie dieser Vertrag
zustande kam. Wir versuchten eine ganze Zeitlang, einen solchen Vertrag
zu bekommen - und die Sowjets weigerten sich. Dann stimmte unser Kongreß
eines Tages Geldern für Forschung und Bau einer Raketenabwehr-Rakete zu.
Plötzlich erklärten sie sich bereit, an den Verhandlungstisch zu kommen
und über einen Vertrag zum Verbot dieser Waffen zu sprechen. Nun, ich
glaube, sie sind jetzt am Zuge. Wir sind bereit, falls es etwas geben
sollte, was wir tun können. Aber wir werden ihnen keine großen Konzessionen als Belohnung dafür machen, daß sie den Verhandlungstisch verlassen
haben.

FRAGE: Herr Präsident, seit einigen Jahren hören wir von dem unsicheren Bündnis. Es ist eine amerikanische Klage hinsichtlich der europäischen Verbündeten. Jetzt aber hört man in Europa von der Sorge hinsichtlich einer sogenannten Verlagerung vom Atlantik hin zum Pazifik. Wie ist
Ihre Reaktion hierauf? Was sagen Sie dazu?

ANTWORT: Nun, das ist ganz einfach. Lassen Sie mich nur einfach sagen, daß wir erst letzten Abend in diesem Raum, in dem wir jetzt sind,
ein sehr angenehmes Essen mit den 16 Außenministern der 16 Staaten des
Bündnisses hatten. Ich glaube nicht, daß diese Beziehungen jemals enger,
besser oder stärker waren als eben jetzt. Da haben wir wirklich keinerlei

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�wirklich keinerlei Bedenken.

Gleichzeitig sind die Vereinigten Staaten - so, wie sie hier in der
westlichen Hemisphäre am Rand des pazifischen Beckens liegen - immer auch
eine pazifische Nation gewesen. Und so sehen wir denn auch keinerlei Einschränkungen hinsichtlich unserer engen Beziehungen zum europäischen Bündnis, erkennen aber, daß wir auch Freunde und Verbündete auf der anderen
Seite des Pazifik haben. Unser Bemühen gilt denn auch der Erhaltung und
Stärkung dieser Beziehungen, um Frieden und freundschaftliche Beziehungen
in diesem Teil der Welt zu haben.
Deshalb ist Japan einer unserer engen Freunde und Verbündeten und ist
sicherlich auch ein enger Freund und Verbündeter Europas. Und ich meine,
daß auch die Reise, die wir in die Volksrepublik China unternahmen, sehr
fruchtbar gewesen ist. Die asiatischen Staaten weiter südwärts, in Südwestasien, sind bemüht, den Frieden zu wahren und eine Lösung des Kamputschea-Problems zu erreichen... Nein, ich meine, wir haben einmal im
Osten und im Westen an zwei Fronten gleichzeitig Krieg geführt und können
sicherlich auch im Osten wie im Westen gleichermaßen jetzt Nachbarn und
Freunde sein.

FRAGE: Ich möchte Ihnen gern eine Frage über ein handelspolitisches
Thema stellen. Ich glaube, daß Sie aus dem Kongreß heraus mit einem sehr
starken protektionistischen Trend konfrontiert sind. Die Japaner sind
sich dessen bewußt und tun was sie können, um ihren Markt zu öffnen. Ich
möchte gern wissen, wie Sie diese japanischen Bemühungen zur Marktöffnung
bewerten. Noch eine weitere Frage in diesem Zusammenhang: Glauben Sie,
daß Japan auch nach Ablauf des nächsten Jahres an der Politik der Selbstbeschränkung bei den Automobileinfuhren in Ihr Land festhalten sollte ?

ANTWORT: Ich freue mich, daß Sie die Dinge beim richtigen Namen genannt haben, denn unsere eigene Presse hat - ohne bewußt falsch informieren zu wollen - den Bürgern unseres Landes den Eindruck vermittelt, daß
es sich bei diesen Einfuhrbeschränkungen um etwas handelt, was wir den
Japanern aufgezwungen haben bzw. daß wir sie zu einer Kontingentierung
ihrer Automobileinfuhren aufgefordert haben. Ich möchte die Gelegenheit

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�die Gelegenheit ergreifen und wiederholen, was Sie bereits sagten, nämlich, daß Japan sich angesichts der enormen Schwierigkeiten, in die unsere Autoindustrie in Folge der großen Rezession gekommen war, aus freien
Stücken zu diesem Schritt entschlossen hat. Wir konnten mit den japanischen Herstellern preismäßig einfach nicht mehr mithalten. Japan selbst
hat sich dann aus freien Stücken bereit erklärt, den Automobilabsatz auf
dem amerikanischen Markt zu beschränken.

Bis zu einer Verlängerung dieser Maßnahme - falls sie sich überhaupt
als notwendig erweisen sollte - ist noch einige Monate Zeit, und sie
stünde völlig im Ermessen Japans. Was nun die Handelspolitik im Allgemeinen angeht, so möchte ich bemerken, daß sich Ministerpräsident Nakasone
als ein förmlicher Turm an Stärke erwiesen hat in seinem Glauben an die
Handelsbeziehungen zwischen unseren beiden Ländern und an die Notwendigkeit, sie zu verbessern und bestehende Ungerechtigkeiten auszuräumen. Es
sind bereits große Fortschritte erzielt worden. Wie Sie wissen, hat mich
meine vorletzte Reise nach Japan geführt, wo ich mit Ministerpräsident
Nakasone zusammengetroffen bin. Seitdem haben weitere Begegnungen auf
Kabinettsebene stattgefunden, an denen Finanzminister Regan und andere
beteiligt waren. Ministerpräsident Nakasone und sein Kabinett haben sich
in Zusammenarbeit mit ihren amerikanischen Kollegen bemüht, einige Ungerechtigkeiten zu korrigieren. Ich glaube, wir haben als Handelspartner
größere Fortschritte erzielt als im ganzen vorhergehenden Vierteljahrhundert, und wir sind uns dieser Tatsache in vollem Umfang bewußt.

FRAGE; Herr Präsident, das leitet glatt über zu einer Frage zum
Gipfeltreffen in London, das auf Ihrer Reiseroute liegt. Wir nehmen an,
daß die Amerikaner sich dort wegen der steigenden Zinssätze und Haushaltsdefizite in den Vereinigten Staaten einigem Druck ausgesetzt sehen
werden. Bringen Sie eine Botschaft mit nach London ?
ANTWORT; Ja. Ich möchte den anderen Teilnehmern darlegen, daß, wenn
man diese Defizite in Prozenten vom Bruttosozialprodukt ausdrückt, wir
mit unseren Defiziten gar nicht so weit ab liegen von den Defiziten unserer auf dem Gipfel vertretenen Verbündeten. Sie haben ebenfalls Defizite
zu verzeichnen, meines Erachtens wahrscheinlich alle von ihnen, wenn auch

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�!

wenn auch nicht in gleichem Umfang.

Wir arbeiten hart an der Bewältigung unseres Defizits. Was ich in
London mitzuteilen habe, ist, daß wir nun das Repräsentantenhaus und den
Senat veranlaßt haben, sich in einem Vermittlungsausschuß um einen Ausgleich ihrer Meinungsgegensätze über das zu bemühen, worum ich zuvor nachgesucht hatte, nämlich um eine sofortige Verringerung des Defizits um
eine erste Tranche in der Größenordnung von 150 Milliarden Dollar während
der nächsten drei Jahre. Ich glaube, daß wir das so machen können. Es
bleiben nur noch einige Einzelheiten, über die noch Übereinstimmung erzielt werden muß.

Eine andere Botschaft, die ich übermitteln kann, ist, daß ich einen
ausgeglichenen Haushalt anstrebe. Ich bemühe mich, die Verpflichtung zu
einem ausgeglichenen Haushalt in einem Verfassungszusatz verankern zu
lassen. Weiterhin bemühe ich mich, das Recht zum "selektiven Veto" zu
bekommen. Es gibt da diese alte politische Gepflogenheit, irgendein Haushaltsgesetz, das nicht allzu viel taugt, mit einer wirklich guten Gesetzesvorlage zu koppeln, und weil man für diese gute Gesetzesvorlage ist,
verabschiedet man schließlich notgedrungen auch die schlechte. Als Gouverneur von Kalifornien hatte ich ein "selektives Vetorecht". Ich hatte die
Möglichkeit, einzugreifen und durch Veto das unerwünschte Anhängsel aus
der guten Gesetzesvorlage herauszutilgen. Der Legislative blieb dann immer noch die Möglichkeit, mein Veto niederzustimmen, wozu es allerdings
einer Zweidrittelmehrheit bedurfte. Nun, in acht Jahren habe ich 943 mal
mein Veto eingelegt, ohne daß es je niedergestimmt worden wäre, denn wenn
sie erst einmal gezwungen waren, über das schlechte Gesetz gesondert abzustimmen, d.h., ohne daß die gute Gesetzesvorlage die Aufmerksamkeit von
ihm ablenkte, entschieden sie sich dann doch dagegen. Nun, das gleiche
Verfahren hätte ich gern jetzt wieder.

Wenn wir die erste Tranche einer Defizitverringerung bewilligt bekommen, werden wir ab nächstem Jahr außerdem damit beginnen, die rund
2400 Empfehlungen in die Tat umzusetzen, die uns von einer Gruppe von
Privatleuten unterbreitet worden sind. Mehr als 2000 von den Wirtschaftsführern unseres Landes sind aus freien Stücken zusammengekommen und haben

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�\

und haben auf unsere Einladung hin jeden Bereich der Regierungsgeschäfte
untersucht und diese Tausende von Empfehlungen erarbeitet, mit denen sie
versucht haben, aufzuzeigen, wie man die Effektivität der Regierungsarbeit durch Einführung von modernen, im Wirtschaftsleben erprobten Methoden erhöhen könnte. Wenn man so verfahren würde, könnten astronomische
Summen eingespart werden.

Einige dieser Empfehlungen sind auf meine Anweisung hin bereits verwirklicht worden. Die meisten würden zweifellos zu Veränderungen führen,
die gesetzgeberische Maßnahmen des Kongresses erforderlich machen würden,
aber wir verfolgen diese Sache weiter. Wir haben eine Arbeitsgruppe eingesetzt, die diese Empfehlungen und den erforderlichen gesetzgeberischen
Rahmen untersucht ... Wir werden das Problem der Defizite also anpacken.

Wie ich im zweiten Teil meiner Botschaft darzulegen gedenke, glaube
ich nun aber nicht, daß die Defizite mit unseren hohen Zinssätzen irgendetwas zu tun haben, denn genau zu dem Zeitpunkt, an dem wir die Zinssätze, die wir von der vorhergehenden Administration geerbt hatten, von
21,5 Prozent auf ein nur noch halb so hohes Niveau heruntergebracht hatten, begann das Defizit zu wachsen.

Wie konnte das denn so kommen, und was für ein Zusammenhang besteht
dann mit den niedrigeren Zinssätzen, die wir ja schon wieder erreicht
haben, wenn es stimmt, daß Defizite hohe Zinssätze bedingen ?
Tatsächlich haben die letzteren nur eine einzige Ursache. Der Kapitalmarkt ist noch nicht davon überzeugt, daß wir die Inflation im Griff
haben. Seit dem 2. Weltkrieg haben wir etwa acht Rezessionen erlebt, und
jedesmal hat die Regierung versucht, im Schnellverfahren mit ihnen fertig
zu werden, was aber auch jedesmal zu einem Ansteigen der Inflation führte.

Wir erleben die am längsten anhaltende Phase weltweiter Inflation in
der Weltgeschichte. Seit zwei Jahren haben wir jedoch eine Inflationsrate
von weniger als 4 Prozent gegenüber 12,4 Prozent früher. Im ersten Quartal dieses Jahres lag sie wieder unter 4 Prozent. Ich meine, wir haben

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�wir haben die Inflation im Griff, und wir sind entschlossen, sie auch im
Griff zu behalten.

Ich glaube, wenn der Kongreß erst einmal die bewußten gesetzgeberischen Schritte in Bezug auf das Defizit getroffen hat, und wenn die Wirtschaft sieht, daß wir den Markt nicht mit Geld überschwemmen und keine
schnellen Patentlösungen suchen, dann wird sich der Markt auch wieder vernünftiger verhalten, und wir werden ein Sinken der Zinssätze erleben. Mag
sein, daß es in diesem Prozeß hier und da kleinere Störungen geben wird,
aber ich glaube, so etwas ist nur Ausdruck eines wirtschaftlichen Prinzips, von dem ich während meiner eigenen wirtschaftswissenschaftlichen
Studien hörte: Nichts ist so scheu wie eine Million Dollar. (Gelächter)

FRAGE: Herr Präsident, Ihr Botschafter in Ottawa, Herr Paul Robinson,
ist ein recht offenherziger Zeitgenosse, und in seiner offenherzigen Art
kritisierte er kürzlich den Umfang der kanadischen Verteidigungsausgaben,
wobei er sagte, daß Kanada seinen Verpflichtungen gegenüber der NATO
nicht nachkomme. Außerdem meinte er, daß die scheidende Regierung Trudeau
amerikanische Anleger sehr schlecht behandelt habe. Sind das nur Herrn
Robinsons persönliche Ansichten, oder werden diese Ansichten von Ihnen
und Ihrer Administration geteilt ?

ANTWORT: Da ich all dies in diesem Augenblick zum ersten Mal höre,
muß es sich wohl um seine persönlichen Ansichten handeln. Ich weiß allerdings, daß Kanada in der jüngsten Vergangenheit getan hat, was einige von
unseren KongreGabgeordneten auch gern tun würden, wenn man sie ließe, nämlich die Verteidigungsausgaben zu kürzen. Wenn schon gekürzt werden muß,
dann würden sie lieber beim Wehretat als irgendwo sonst kürzen. Was die
Frage der Auslandsinvestitionen angeht, so hatten wir darüber bereits Gespräche und werden auf dem Gipfel wahrscheinlich noch weitere haben. Unsere Standpunkte gehen in dieser Frage etwas auseinander, aber damit werden
wir uns auf dem Gipfeltreffen befassen.

FRAGE: Sie glauben also nicht, daß die Regierung Trudeau amerikanische Anleger schlecht behandelt hat ?
ANTWORT: Sie

- 11 -

�ANTWORT: Sie versuchen doch nicht etwa, einen Zusammenstoß zwischen
mir und unserem Botschafter zu provozieren ? Ich möchte nicht mehr sagen,
als daß es zwischen unseren beiden Ländern einige Meinungsunterschiede in
der Frage der Auslandsinvestitionen gibt, was aber nichts daran ändert,
daß Kanada unser Haupthandelspartner bleibt und daß wir nach wie vor glauben, daß Kanada ein so enger Freund ist, wie ihn sich ein Volk nur wünschen kann.

+ + + + +

- 12 -

�I7]T37

Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

6. Juni 1984

23

ANSPRACHE VON BOTSCHAFTER BURNS IN HEIDELBERG
- Gehalten vor Examensabsolventen der Universität Maryland
am 27. Mai 1984 -

-(AD)- Anläßlich der Examensfeierlichkeiten der Universität Maryland
hielt der Botschafter der Vereinigten Staaten in der Bundesrepublik,
Arthur F. B u m s , am 27. Mai 1984 in Heidelberg vor den Absolventen der
Universität eine Rede.
Die Ansprache des Botschafters hatte folgenden Wortlaut:
Als amerikanischer Botschafter in der Bundesrepublik Deutschland und
als ehemaliger Hochschulprofessor fühle ich mich doppelt geehrt, daß ich
zusammen mit Ihnen diesem wichtigen Ereignis beiwohnen darf.
Dieser ExamensJahrgang unterscheidet sich von allen anderen, zu denen
ich je gesprochen habe oder von denen ich auch nur Näheres gehört habe.
Die Examensklasse eines typischen amerikanischen College besteht aus jungen Männern und Frauen, von denen die meisten nahezu ihr gesamtes Leben
in der Schule verbracht haben, von denen nur sehr wenige bereits nennenswerte praktische Erfahrungen in der Arbeitswelt gewonnen haben, von denen

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�von denen die meisten noch nicht die Verantwortung für eine Familie übernommen haben, von denen nur sehr wenige jemals außerhalb der Vereinigten
Staaten gelebt haben, und von denen viele nur deshalb auf dem College
sind, weil ihre Eltern darauf bestanden haben.

Sie, die ich hier nach bestandenem Examen vor mir sehe, bilden jedoch
eine Gruppe ganz anderer Art. Sie sind älter als der typische CollegeAbsolvent. Sie leben, arbeiten und studieren außerhalb ihres Heimatlandes. So gut wie alle von Ihnen gehen in der einen oder anderen Weise
einer anspruchsvollen beruflichen Tätigkeit nach. Die meisten von Ihnen
sind verheiratet und haben Kinder, die einer liebevollen Fürsorge und
Förderung bedürfen. Trotz der Anforderungen, die Ihnen aus Ihrer Berufstätigkeit erwachsen, und trotz der Verpflichtungen gegenüber Ihren Familien haben Sie die innere Kraft aufgebracht, Abende und Wochenenden im
Hörsaal eines College oder beim Studium zu Hause zu verbringen, wobei
Ihnen in vollem Umfang bewußt war, daß Sie dies über viele Jahre hinweg
durchhalten mußten, bevor Sie einen akademischen Grad erwerben konnten.
Sie haben diese Opfer bewußt und gänzlich aus eigener Kraft heraus gebracht. Sie haben all dies getan, weil es Ihnen um die Erlangung von
Wissen und Wahrheit um ihrer selbst willen ging und auch, weil Sie entschlossen waren, in Ihrem erwählten Beruf und als Bürger Ihres Heimatlandes eine konstruktive Rolle zu spielen.

Der heutige Examenstag kennzeichnet daher für jeden von Ihnen nicht
nur die Erfüllung eines lange gehegten Traumes. Er legt auch beredtes
Zeugnis dafür ab, daß man im Leben durch Charakterstärke, Opferbereitschaft und innere Kraft Großes und Dauerhaftes erreichen kann. Sie alle
haben die Gratulationen und guten Wünsche, die Ihnen nun von Ihren Lehrern, Familien und Freunden zuteil werden, voll und ganz verdient, und es
ist mir in der Tat eine ganz besondere Ehre, mich hierin Ihren Freunden
und allen anderen, die sich mit Ihnen freuen, anzuschließen.

Als gereiften Männern und Frauen ist Ihnen allen bewußt, daß wirkliches Lernen ein niemals endender Prozeß ist. Es gibt indessen bei diesem
Erkenntnisprozeß nützliche Pausen und sicherlich auch neue Richtungen,
die man im Streben nach Vervollkommnung der eigenen Persönlichkeit ein-

- 2 -

�Persönlichkeit einschlagen kann. Nachdem Sie nun an dieser ausgezeichneten Hochschule akademische Grade erworben haben, bleibt vielen von Ihnen
noch eine gewisse Zeit, die Sie in Deutschland verbringen werden. Sie haben nun mehr Zeit für Ihre Familien und auch für die vielen Dinge, die
Deutschland zu bieten hat. Dies bemerkenswerte Land bietet Ihnen und
Ihren Familien Möglichkeiten, die sich Ihnen vielleicht nie wieder eröffnen werden. Ich hoffe daher, daß Sie ein wenig Zeit dafür aufwenden werden, sich die Gegenden von Deutschland anzuschauen, die Sie noch nicht
besucht haben. Ich hoffe, daß Sie nun einige von den Dingen tun werden,
die Sie aufgeschoben haben, weil Ihnen Ihr Studium am College so wenig
Freizeit gelassen hat. Vielleicht gehen Sie nun ein wenig häufiger ins
Konzert oder in die Oper, besuchen einen Dom oder ein Museum, verbringen
ein oder auch zwei Tage am Rhein, speisen in einem berühmten Restaurant
oder wohnen einer Sportveranstaltung bei. Am meisten hoffe ich jedoch,
daß einige Ihrer Bekanntschaften mit Deutschen während Ihres verbleibenden Aufenthalts hier sich zu echten und dauerhaften Freundschaften fortentwickeln werden. Ich meine, es gibt keine bessere Erinnerung, die man
von Deutschland mit nach Hause nehmen kann, als das Erlebnis der Freundschaft mit einigen der liebenswerten Bürgern dieses Landes.

Das zwischenmenschliche Verstehen ist immer unvollkommen. Das ist das
Geschick des Menschen auf Erden. Wir wissen dies aus unserer Alltagserfahrung. Eltern verstehen nicht immer ihre Kinder oder Kinder ihre Eltern.
Zwischen Ehegatten ist dies genauso und auch zwischen Arbeitgebern und ihren Beschäftigten, zwischen Vermietern und Mietern, zwischen Bankiers und
Kreditnehmern und - wie ich hier an diesem Ort kaum hinzufügen muß - auch
zwischen Hochschullehrern und Studenten. Wenn es nun aber schon innerhalb
unserer Familien, Schulen und Arbeitsstätten zu Mißverständnissen kommen
kann, dann können sie noch weitaus leichter zwischen Nationen entstehen
und sogar gedeihen, weil Unterschiede in Geschichte und Sprache zusammen
mit der Begrenztheit direkter Kontakte zwischen den Völkern Mißverständnisse und manchmal unglückseligerweise sogar Mißtrauen hervorbringen können. Ich habe meine Position als Botschafter in diesem Lande nun schon im
dritten Jahr inne, aber immer noch erstaunen mich die seltsamen Ansichten
über die Vereinigten Staaten, die hochrangige Europäer hin und wieder zum
Ausdruck bringen. Ich sollte hinzufügen, daß umgekehrt das gleiche gilt.
Zu den

�Zu den Hauptaufgaben eines Botschafters gehört es, das Gestrüpp von
falschen Vorstellungen auszulichten, das zuweilen die Beziehungen zwischen seiner eigenen Regierung und der, bei der er akkreditiert ist, beeinträchtigt. Was ein Botschafter oder seine Mitarbeiter in dieser Hinsicht erreichen können, ist jedoch immer sehr begrenzt. Die Herstellung
echten Verständnisses zwischen zwei Regierungen hängt ganz fundamental
von der Art der Beziehungen zwischen ihren Völkern ab, nicht so sehr von
ihren Außenministern oder von den offiziell ernannten Botschaftern. In
demokratischen Staaten werden Regierungen unweigerlich vom Denken ihrer
Bürger beeinflußt, und zwar dergestalt, daß ihre Politik dies Denken sogar in erheblichem Umfang widerspiegelt. Das macht das Bestehen eines aus
gedehnten Geflechts persönlicher Kontakte zwischen Deutschen und Amerikanern so außerordentlich wichtig. Wenn wir ein besseres Verständnis dafür
erlangen, wie in unseren beiden Ländern Arbeit und Spiel geregelt sind,
wie das Leben in unseren Privathaushalten und Gemeinden abläuft, welche
Sorgen unsere beiden Völker haben und wonach sie streben, so ist dies die
bestmögliche Art und Weise, zu gewährleisten, daß sich die westliche Welt
auch weiterhin des Friedens, der Freiheit und des Wohlstands erfreut.

Als Amerikaner, die hier arbeiten, leben und studieren, haben Sie
natürlich dabei mitgewirkt, den Bürgern der Bundesrepublik Deutschland
ein besseres Verständnis unseres Landes zu vermitteln. Auch wenn Sie dies
Land verlassen haben werden, wird ihre Rolle bei der Förderung des Verständnisses zwischen Deutschen und Amerikanern noch nicht beendet sein,
denn wenn Sie in die Vereinigten Staaten heimkehren, in die großen und
kleinen Gemeinden überall in unserem Lande, werden die Leute natürlich
fragen: "Wie war es ? Wie sind die Deutschen wirklich ?" Obwohl wahrscheinlich wenige von Ihnen vorgeben würden, Experten für Deutschland
oder die Deutschen zu sein, besitzen doch die meisten von Ihnen mehr
Kenntnisse und Erfahrungen als ihre Verwandten, Freunde und Nachbarn in
den Vereinigten Staaten. Das wird viele veranlassen, Ihren Erzählungen
aufmerksam zu lauschen.

In den nächsten Jahren werden Sie daher bei der Schaffung von gutem
Willen zwischen den Völkern eine gewichtige Rolle spielen. Wie Sie wissen, besteht in den Vereinigten Staaten vielfach Sorge über politische

- 4 -

�über politische Trends in Deutschland. Wegen der Anti-Raketen-Demonstrationen im Herbst letzten Jahres haben viele Amerikaner einen schlechten
Eindruck von den Deutschen bekommen. Viele haben den Eindruck gewonnen,
daß die Deutschen, und zwar insbesondere die jungen Deutschen, nicht mehr
zur NATO und zu den demokratischen Werten stehen, zu deren Schutz sie
geschaffen wurde. Viele haben die Raketendemonstrationen als Manifestationen von Anti-Amerikanismus verstanden.

Seit einiger Zeit fragen daher viele Amerikaner: "Warum sollen wir
weiterhin die Deutschen und andere Europäer schützen, wenn sie augenscheinlich nicht mehr bereit sind, sich selbst zu verteidigen und unsere
Hilfe nicht einmal zu würdigen wissen ?" Ihre Reaktionen auf solche Fragen von besorgten Amerikanern können eine positive Wirkung ausüben. Meistens beruhen die Sorgen dieser Amerikaner auf einem Mangel an hinlänglichen und korrekten Informationen. Beispielsweise ist nur wenigen Amerikanern bekannt, daß unsere europäischen Verbündeten etwa 90 Prozent der in
Europa stationierten Bodentruppen der NATO stellen oder daß auch bei den
Luft- und Seestreitkräften, die die NATO in Europa unterhält, rund 75 Prozent der Mannschaftsstärke von unseren Verbündeten gestellt wird. Außerdem erkennen viele Amerikaner nicht, daß wir unsere verteidigungspolitischen Verpflichtungen in Europa nicht aus reiner Menschenfreundlichkeit
übernommen haben, d.h., daß wir nicht einfach nur deshalb hier sind, weil
wir ein solch großzügiges Volk sind. Nein, vielmehr sind amerikanische
Militäreinheiten hier stationiert, weil die Stärke und der Wohlstand unseres Amerika erheblich beeinträchtigt würde, wenn der Friede und die Freiheit unserer demokratischen Partner in Westeuropa untergraben würden.

Sie, die sie ihr Examen bestanden haben, wissen dies, weil sie hier
in Deutschland gelebt haben. Sie wissen auch, daß diejenigen, die gegen
die Politik der Vereinigten Staaten und gegen die amerikanische Präsenz
in Europa protestieren, nicht für alle Deutschen sprechen. Aus vielfältigen deutsch-amerikanischen Begegnungen und aus Einzelkontakten mit Deutschen wissen Sie, daß die amerikanischen Verpflichtungen im Rahmen der
NATO und die Opfer, die amerikanische Soldaten und ihre Familien für die
Sicherung des Friedens und der Freiheit dieses Landes bringen, von der
großen Mehrheit des deutschen Volkes anerkannt und gewürdigt werden.
Sie alle

�Sie alle sind während ihres Aufenthalts in Deutschland schon seit Jahren Teilzeit-Botschafter der Vereinigten Staaten. Es erscheint mir nur logisch, anzunehmen, daß es nach Ihrer Rückkehr in die Vereinigten Staaten
bis zu einem gewissen Grade zu einem Rollentausch kommen wird, so daß sie
dann Teilzeit-Botschafter der Bundesrepublik Deutschland sein werden.
Ich gratuliere Ihnen allen dazu, daß sie die Bedingungen für den
akademischen Grad des Bakkalaureats erfüllen konnten, und ich wünsche
Ihnen und Ihren Familien alles Gute für die Zukunft.

+ + + + +

�23

6. Juni 1984

DIE XXIII. OLYMPISCHEN SPIELE IN LOS ANGELES

- (5) - Ein Rückblick auf die Spiele des Jahres 1932 -

- (AD) - Los Angeles war schon einmal Austragungsort der Olympischen
Spiele:

1932 litt die Welt unter den Auswirkungen der Depression, kämpf-

ten die Organisatoren mit den Schwierigkeiten, die Spiele überhaupt veranstalten zu können und unternahm Deutschland den Versuch, die Spiele zu
boykottieren.

Trotz all dieser Hindernisse erklärten Zuschauer, Organisatoren und
die Spieler selbst die X. Olympischen Spiele zu einem Erfolg. Kaliforniens sprichwörtlich goldenes Klima bildete den idealen Hintergrund für
die Menschenmengen, die lautstark die Sportler zu neuen Rekorden anfeuerten.

Die Organisatoren hatten befürchtet, daß einige Staaten - als Folge
der Wirtschaftskrise, die die Welt in ihrem Würgegriff hielt - es sich
nicht würden leisten können, ihre Sportler nach Los Angeles zu senden.

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Telex: £-85432

�zu senden. Doch derlei Ängste waren unbegründet.

Zweitausend Sportler

aus 39 Staaten kamen nach Los Angeles. Fehlte es an Mitteln, so siegte
der Einfallsreichtum.

Zuletzt schickten auch die Deutschen 125 ihrer

besten Sportler.

Die wahrscheinlich ungewöhnlichste Mannschaft wurde durch die "Employers Casualty Company" - eine Versicherungsgesellschaft - in Dallas gefördert:

Bei den vorolympischen Ausscheidungen an der Northwestern Univer-

sity in Illinois landete sie im Kugelstoßen, im Speerwerfen, im Weitsprung sowie im 80-Meter-Hürdenlauf auf dem ersten Platz, teilte sich den
ersten Platz im Hochsprung und wurde beim Diskuswerfen Vierte. Diese
Mannschaft aus Texas bestand aus einer einzigen Person: Mildreci "Babe"
Didrikson. Kaum 18 Jahre alt, sechstes Kind eines aus Norwegen eingewanderten Kunsttischlers, gewann sie den landesweiten Wettkampf der
Frauenmannschaften; die Frauenriege des Illinois Women's Athletic Club
wurde zweiter.

Durch die Regelung beschränkt, wonach jeder Sportler bei den Olympischen Spielen nur an höchstens drei Wettbewerben teilnehmen kann, wählte sie Hochsprung, Hürdenlauf und

Speerwerfen - und schaffte in allen

drei Disziplinen einen neuen Weltrekord.

Allerdings gewann sie im Hoch-

sprung nicht die Goldmedaille, weil sie wegen "Tauchens" disqualifiziert
wurde - sie war, entgegen den damals geltenden Regeln, nicht mit den
Füßen zuerst über die Latte gekommen.

So blieb ihr immerhin noch die

Silbermedaille.

Paul Gallico, ein Reporter der "New York Daily News", fragte sie:
"Gibt es überhaupt eine Disziplin, die sie nicht betreiben?" "Ja", erwiderte sie, "Puppenwagenfahren."

Auch die Spiele des Jahres 1932 hatten ihre Helden. Eddie Tolan, ein
Kurzstreckenläufer aus Michigan, erzielte Weltrekord über 100 Meter und
olympischen Rekord über 200 Meter - kaugummikauend, mit einer mit Klebeband festgehaltenen Hornbrille und mit bandagiertem Knie.

Beim Rudern

�Beim Rudern besiegte der Achter der Universität von Kalifornien ganz
knapp die italienische Mannschaft: "In der ganzen Geschichte des amrikanischen Rudersports", schrieb ein Reporter der "New York Times" hat es
noch kein spannenderes oder kampfbetonteres Bootsrennen gegeben".

Insgesamt gewannen die Vereinigten Staaten AI Goldmedaillen. Die
amerikanische Leichtathletikmannschaft, der es darum ging, ihre schlechten Leistungen bei den Spielen 1928 vergessen zu machen, gewann 11 von 23
Wettbewerben, setzte zehn olympische Rekorde und brach fünf Weltrekorde
in der Leichtathletik.

Aber natürlich gingen Goldmedaillen in die ganze Welt:

Italien er-

rang 12, vier davon im Turnen; Frankreich zehn, drei davon im Gewichtheben; Schweden neun, vier davon im Ringen, und Japan sieben, wobei die
Schwimmer fünf davontrugen.

Indien schließlich gewann das Hockey-

Turnier, nachdem die Vereinigten Staaten 24-1 besiegt worden waren.

Bei den Schwimmwettbewerben der Männer dominierten die Japaner.

Ihre

Vierermannschaft bei den 800 Metern unterbot den Olympiarekord um 38 Sekunden.

Aber noch erstaunlicher war ihr Alter. Kusuo Kitamura, der die

anstrengenden 1500 Meter Freistil gewann, war nur 14; Masaji Kiyokawa,
Gewinner der 100 Meter Rücken, war 16 und Yasuji Miyazaki, der die 100
Meter Freistil gewann, war 17.

Eine Amerikanerin, Clarence "Buster" Crabbe, durchbrach das japanische Monopol und unterbot den olympischen Rekord in den 400 Metern
Freistil, zwei weitere Amerikaner, Michael Galitzen und Harold Smith,
wurden Erste im Kunstspringen.

(Crabbe wurde später als "Flash Gordon"

in den Science-fiction-Filmen Hollywoods bekannt.)

Um Kosten zu einzusparen, errichtete das Olympische Komitee von Los
Angeles für die Sportler das erste Olympische Dorf, wo diese für zwei
Dollar täglich essen, übernachten und sich vergnügen konnten. Das Dorf
erstreckte sich über 130 Hektar, bestand aus 550 Bungalows, 40 Küchen,
einem Krankenhaus, einer Bibliothek und einem Postamt. Es wurde ein

�Es wurde ein solcher Erfolg, daß das Olympische Komitee von Los Angeles
mit dem Argument, dadurch internationales Verständnis gefördert zu haben,
für einen Friedensnobelpreis vorgeschlagen wurde.

Das Komitee hatte mit seinen Planungen für die Spiele schon lange vor
deren Beginn angefangen: Bereits 1923 wurde beim Bau des 96 000 Personen
fassenden Los Angeles Memorial Coliseum an die Olympiade gedacht. Zu den
anderen Anlagen, die für die Spiele 1932 errichtet wurden, gehörte eine
Olympiahalle für die Box- und Ringerveranstaltungen, die Plätze für
10 000 Zuschauer hatte; außerdem ein Kunstmuseum für den Olympischen
Kunstwettbewerb; schließlich ein Schwimmbecken, ein Bowlingplatz, eine
Schießanlage und Tennisplätze.

Viele der für die Spiele des Jahres 1932 errichteten Anlagen wurden
renoviert und werden auch bei der Olympiade 1984 verwendet.

+ + + + +

- 4-

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Rede des US-Präsidenten vor dem irischen Parlament am 4. Juni 1984&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Reagan fordert Solidarität und Einigkeit in der NATO&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Sowjets sollen an Verhandlungstisch zurückkehren -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Reagan sieht Fortschritte am Persischen Golf&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Interview des Präsidenten mit Fernsehjournalisten -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ansprache von Botschafter Burns in Heidelberg&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Gehalten vor Examensabsolventen der Universität Maryland am 27. Mai 1984 -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die XXIII. Olympischen Spiele in Los Angeles&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- (5) - Ein Rückblick auf die Spiele des Jahres 1932 -&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>13. Juni 1984

24

I N H A L T

DOKUMENTATION
Der Westen ist auf dem richtigen Weg
- Pressekonferenz des US-Außenministers nach dem Wirtschaftsgipfel in London
Regan zufrieden mit Wirtschaftsgipfel
- Pressekonferenz am 9. Juni 1984 WIRTSCHAFT
USA streben seit 1934 Liberalisierung des Handels an
HINTERGRUNDMATERIAL
Mykotoxine: Streitfrage unter Wissenschaftlern
- Von William Kucenicz WISSENSCHAFT UND TECHNIK
"DISCOVERY" startet zum Jungfernflug
- Drittes Fluggerät für die Raumtransporterflotte der USA

Um Übei/endung von
ßckgcKcmplorcn
wird gebeten

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Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

13. Juni 1984

24

DER WESTEN IST AUF DEM RICHTIGEN WEG
- Pressekonferenz des US-Außenministers nach dem Wirtschaftsgipfel
in London -

LONDON - (AD) - Der Westen sei "grundsätzlich auf dem richtigen Weg",
indem er einen konstruktiven Dialog mit der Sowjetunion anstrebe und
gleichzeitig die Stärke aufrechterhält, die notwendig ist, um vor einer
Aggression abzuschrecken. Dies erklärte der amerikanische Außenminister
George Shultz auf einer Pressekonferenz am 9. Juni 1984 in London nach
Abschluß des zehnten Wirtschaftsgipfels der sieben wichtigsten Industriestaaten der westlichen Welt.

Der amerikanische Außenminister nahm auf seiner Pressekonferenz vor
allem zu den außenpolitischen Aspekten des Treffens der Staats- und
Regierungschefs Großbritanniens, der Bundesrepublik Deutschland, Frankreichs, Italiens, Japans, Kanadas und der Vereinigten Staaten Stellung.
Die Pressekonferenz hat folgenden Wortlaut:

Außenminister Schultz: Die erste von dieser Gipfelkonferenz herausgegebene Erklärung ist eine Erklärung über die demokratischen Werte. Und

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�Werte. Und ich glaube, man kann ohne weiteres sagen, daß die folgenden
Erklärungen und die allgemeine Diskussion, die zum heutigen Zeitpunkt
notwendig ist, diese Werte maximal unterstützen.

Natürlich ist der wirtschaftliche Wiederaufschwung mit kontrollierter
Inflation ein Schlüsselelement. Und natürlich

sind die Beziehungen der

verschiedenen, hier auf dem Gipfel vertretenen Volkswirtschaften untereinander und zu den Entwicklungsländern ein Schlüsselelement. Wenn wir
schließlich die Sicherheitsdimension betrachten, dann haben ebenso natürlich unsere Rüstungskontrollverhandlungen und die Notwendigkeit ganz
allgemein, wie es in der Ost-West-Erklärung zum Ausdruck kommt, für den
Westen, für die freien Länder, ihre Stärke und ihre Entschlossenheit
aufrechtzuerhalten und ständig zu einem vernünftigen Dialog mit der
Sowjetunion und ihren Verbündeten bereit zu sein, großen Nachdruck und
viel Aufmerksamkeit erhalten.

Und schließlich verlangt in unserer heutigen Zeit ganz besonders das
Problem des Terrorismus verstärkte Aufmerksamkeit und wurde daher auf
diesem Gipfeltreffen ausführlich behandelt.
Sie können sich also, wie ich meine, vorstellen, wie dieses Gipfeltreffen verlaufen ist, nachdem es zunächst mit den Werten begann und sich
dann sozusagen auf der ganzen Bandbreite den Schlüsselaspekten der Unterstützung dieser Werte im Jahre 1984 zuwandte.
FRAGE: Hatte jemand der Führer irgenwelche Ideen, wie man die Sowjets
an den Verhandlungstisch zurückbringen könne?

ANTWORT: Der Schlüssel ist natürlich, da zu sein, an diesem Punkt
festzuhalten - Entschlossenheit, Festigkeit und auch Vernunft zu bewahren.

Ich darf darauf hinweisen, daß die herausgegebene Erklärung die
Tatsache feststellt, daß es eine Menge Orte gibt, wo Gespräche stattfinden.

Sie meinen natürlich die Verhandlungen über Kernwaffen, aber es

gibt eine ganze Menge Verhandlungstische, an denen beträchtliche Aktivität herrscht. Und es gibt viele bilaterale Verhandlungstische, wie man

- 2 -

�wie man sie nennen könnte - Staatspräsident Mitterrand wird nach Moskau
reisen, drei der hier anwesenden Außenminister haben mit ihrem Kollegen
(dem sowjetischen Außenminister) gesprochen oder werden in Kürze mit ihm
sprechen. Es werden also viele Gespräche geführt.

FRAGE: Besteht irgend eine Absicht, daß Präsident Mitterrand etwas
von dieser Gruppe hier mitbringt, wenn er in die Sowjetunion reist irgend eine Äußerung dieser Gruppe?

ANTWORT: Es liegt mir absolut fern, für Präsident Mitterrand zu
sprechen. Er spricht für sich selbst. Aber ich habe keinen Zweifel an
der Tatsache, daß das, was hier besprochen wurde und die Entschlossenheit
- sowie der Wunsch nach einem Dialog - sehr wahrscheinlich von ihm hervorgehoben werden dürften.

FRAGE: Hat jemand versucht, den Präsidenten zu einem neuen Anlauf zu
ermutigen, um die Sowjets an den Konferenztisch zurückzubekommen?

ANTWORT: Ich kann nur immer wieder die Tatsache unterstreichen, daß
es vielerlei Kontakte in vielerlei Foren gibt - manche bilateral, manche
multilaterial.

Es wurde nicht darüber gesprochen, irgend etwas ganz besonderes zu
tun über die Erklärung hinaus irgend welche Konzessionen zu machen, um
den anderen zurückzuholen und daß es ein Fehler ist, wenn jemand seine
Tasche nimmt und den Verhandlungssaal verläßt. Tatsache ist, daß die von
den Vereinigten Staaten bei den INF- und den START-Verhandlungen eingenommenen Positionen vernünftige Positionen sind. Vor allem im Falle der
INF-Verhandlungen wurden sie in ausführlichen Konsultationen mit unseren
Verbündeten erarbeitet. In beiden Fällen sind diese Positionen so angelegt, daß sie sich für ein "Geben und Nehmen,, anbieten; und das ist der
Geist, in dem unsere Vertreter bereit sind, an diese Verhandlungstische
zu gehen - wie es in der Erklärung heißt "überall, jederzeit und ohne
Vorbedingungen".

FRAGE: Können Sie uns erläutern, warum die Erklärung nicht so weit

- 3 -

�so weit geht, die Sowjets zur Rückkehr an den Verhandlungstisch aufzufordern, sondern lediglich erklärt, wir hofften, daß die Sowjetunion in
konstruktiver und positiver Weise handeln werde?

ANTWORT: Wir laden zu einer Antwort der Sowjetunion ein, was sie
davon hält, und die Rückkehr an den Verhandlungstisch ist natürlich das
letztliche Ziel. Und das ist genau das, was wir wollen. Der Präsident
hat das erklärt. Und ich glaube, alle die Führer haben das auf die eine
oder andere Weise gesagt.

FRAGE: Aber würde es die Gefühle nicht richtiger ausdrücken, die
Sowjets zu einer Rückkehr aufzufordern?

ANIWORT: Das ist eine Formulierung, die schon gebraucht wurde. Und
ich glaube, die Leute haben gedacht, wir sollten es einmal mit einer
etwas anderen Formulierung probieren. Aber die Idee ist grundsätzlich
die gleiche.

FRAGE: Glauben Sie, daß die Führer Lateinamerikas die in dieser
Deklaration enthaltene Forderung nach einer Umschuldung auf mehrere Jahre
als ausreichende westliche Antwort auf den Ernst der Probleme ihrer
Schuldenrückzahlung betrachten werden?

ANTWORT: Sie werden für sich selbst sprechen müssen. Ich meine, daß
Ausgezeichnetes geleistet worden ist, wie wir uns durch das internationale Schuldenproblem durchgewunden haben. Es bleibt noch immer viel zu
tun. Der Gedanke einer Umschuldung auf mehrere Jahre, d.h. der Versuch,
einen großen Teil der Schulden aus dem laufenden und dem kurzfristigen
Bereich herauszunehmen und in längerfristige Verpflichtungen umzuwandeln,
gibt mehr Stabilität. Und ich halte es im Grunde auch für die richtige
Idee.

Ich möchte Ihre Aufmerksamkeit auf die Tatsache lenken, daß es

eine lange Liste von Dingen ist, die in dieser Erklärung vorgeschlagen
wurden - die einen breiten Aktionsplan und ein Bewußtsein der Probleme
sowie Fähigkeit und Bereitschaft, mit ihnen fertig zu werden, erkennen
lassen.
Die wichtigsten

- 4 -

�Die wichtigsten Dinge, die bei der Bewältigung des Schuldenproblems
sicherlich getan werden müssen, haben nicht unbedingt direkt etwas mit
den Schulden selbst zu tun. Das Wichtigste ist, daß die Weltwirtschaft
Fortschritte macht. Und je stärker die Bewegung ist, desto besser geht
es den Völkern, weil es der Prozeß des Handels und der Entwicklung ist,
der etwas mit ihrem Schuldenproblem zu tun hat. Und das gleiche gilt für
die anderen Vorschläge, die gemacht wurden.

FRAGE: Zur Frage des Terrorismus ist uns diese Woche gesagt worden,
daß es wichtiger sei, vertrauliche Abmachungen zu erreichen statt öffentlicher Erklärungen. Eine zweiteilige Frage: Was glauben Sie, daß die
öffentliche Erklärung zum Terrorismus bewirkt?

Und zweitens, die Sprache ist, was konkrete Maßnahmen anbetrifft, so
schwach - es wird nur von Vorschlägen gesprochen, die Unterstützung
fanden. Sind die Staaten übereingekommen - ohne in Details zu gehen -,
konkrete Maßnahmen gegen den Terrorismus zu ergreifen?

ANTWORT: Natürlich ist ein vertrauliches Vorgehen in solchen Dingen
entscheidend wichtig. Aber große Bedeutung kommt auch der öffentlichen
Identifizierung dieses Problems zu, damit die Menschen sehen können, daß
die hier versammelten Staats- und Regierungschefs es für wichtig genug
befanden, so viel Zeit darauf zu verwenden und im Detail auszuarbeiten,
wie dies hier auch geschehen ist. Das Thema ist in größerer Einzelheit zumindest breiter angelegt - behandelt worden als je in der Vergangenheit.

Es wird Folgemaßnahmen im Sinne verschiedener nationaler Gesetze
geben. Und ich möchte sagen, daß die aufgeführten Dinge Beispiele für
die Maßnahmen sind, die getroffen werden. Aber all die aufgeführten
Dinge können nach meiner Auffassung hilfreich sein. In gewissem Umfang
werden sie bereits durchgeführt, aber sie können fester gestaltet werden,
und dieses Thema wird weiter behandelt werden.

FRAGE: Zum gleichen Thema: Handelt es sich hier um ein richtiges
Abkommen? Reicht es so weit wie ein Abkommen? Und was sind die
Vereinigten Staaten bereit von dem zu tun, was auf der Liste steht? Mit

- 5 -

�steht? Mit welchen Ausführungsbestimmungen wird die Administration folgen?

ANTWORT: In der Erklärung ist das niedergelegt, worauf man sich
geeinigt hat. Ich glaube nicht, daß irgendwelche dieser Dinge Abkommen
im eigentlichen Sinn, im Sinne eines Vertrages sind. Aber die Vereinigten Staaten werden ohne Frage so verfahren, wie hier niedergelegt.
Wir haben beispielsweise Gesetzesentwürfe eingebracht, die dazu dienen
sollen, die Lücken zu schließen, wie es in dem Dokument heißt. Wir arbeiten heute und in Zukunft beim Austausch von Informationen und Geheimdiensterkenntnissen zusammen, und wir werden das in noch stärkerem
Umfange tun.

Es wird ohne Frage nützlich sein, wenn bekannte Terroristen noch
genauer identifiziert werden. Und wenn jemand von Land A ausgewiesen
wird, dann ist es interessant, die Gründe zu kennen. Und wenn sie etwas
mit Terrorismus zu tun haben, dann kann man, wenn sich die gleiche Person
um Einwanderung in Ihr Land B bewirbt, die Sache noch einmal überlegen;
und man kann sich fragen, ob man diese Person im Lande haben möchte oder
nicht. All diese Dinge sind also Beispiele für Maßnahmen, die
wahrscheinlich alle treffen werden.

FRAGE: Wurden Präventivschläge als geeignete Politik auf dem
Gipfeltreffen oder auf Ministerebene erörtert?

ANTWORT: Worüber auf der Ministerkonferenz gesprochen wurde, kann ich
sagen; die Gespräche der Staats- und Regierungschefs habe ich nicht alle
gehört, aber sicherlich das meiste, was zu diesem Thema gesagt wurde.
Auf der Konferenz der Außenminister haben wir eingehend über dieses Thema
gesprochen, aber ich möchte hier nicht ins Detail gehen; ich glaube jedoch, das verzweigt sich in Dinge hinein, die über rein defensive Maßnahmen hinausgehen.

FRAGE: Bedeutet das, daß wir Präventivschläge in Erwägung ziehen
könnten?
ANTWORT: Ich möchte Sie ganz einfach auf die Antwort verweisen, die

- 6 -

�verweisen, die ich gerade sehr gewissenhaft zu diesem Thema gegeben habe.

FRAGE: Die Vereinigten Staaten haben mehrmals an die Sowjets
appelliert, nach Genf zurückzukommen. Erst gestern haben Sie wieder
einen Vorschlag aufgegriffen, für den sie sich vorher in Stockholm stark
gemacht hatten, und doch scheint es seitens der Sowjets keinerlei zustimmende Reaktion zu geben. Gab es bei der Diskussion der Ost-West-Erklärung oder bei den anderen Gesprächen ein Gefühl des Pessimismus hinsichtlich der Beziehungen zu den Sowjets, da es auf nichts eine positive Reaktion ihrerseits gibt, was immer man auch unternimmt?

ANTWORT: Nein, ganz im Gegenteil. Ich glaube, die allgemeine Einstellung - genau wie beim Treffen der NATO-Außenminister vor gerade einer
Woche - ist von Vertrauen, ruhigem Vertrauen gekennzeichnet sowie von der
Überzeugung, daß wir grundsätzlich auf dem richtigen Weg sind und daß es
für uns wichtig ist, unsere Fähigkeit und unseren Willen beizubehalten,
unsere Interessen zu verteidigen und bereit zu sein, in einen Dialog einzutreten, wenn sie dazu bereit sind. Ich glaube, überall in der Welt
ziehen die Menschen die Haltung der Vereinigten Staaten und unserer Verbündeten derjenigen der Sowjets vor, die - aus Gründen, die sie besser
kennen als ich - zu sagen scheinen, es sei besser für sie, über all diese
Fragen nicht zu sprechen. Wir hoffen jedoch, daß sie ihre Einstellung
ändern, denn wir sind der Ansicht, wie es die Erklärung sagt, daß es auch
in ihrem Interesse liegt, diese Frage zu besprechen. Nicht wenige, die
mit den Sowjets über diese Themen sprachen, berichteten später, daß die
Sowjetunion ihnen sehr rasch versicherte, daß die amerikanischen Wahlen
natürlich nichts mit ihrer Haltung zu tun hätten .. Ich glaube, wir sind
in einer sehr guten Position.

FRAGE: Wenn wir beim Thema Terrorismus noch einmal auf den Punkt
zurückkommen, wonach es kein echtes Abkommen über einige der Prinzipien
gibt, die unter Punkt 6 genannt sind: Ist es denn nicht schädlicher, eine
Erklärung abzugeben, über die es keine Übereinstimmung gibt hinsichtlich
gemeinsamer nachrichtendienstlicher Ergebnisse...?

ANTWORT: Oh, es herrscht Übereinstimmung.

Ich weiß nicht, warum Sie

�warum Sie der Meinung sind, diese Erklärung zeige keine Übereinstimmung.
Sie zeigt in ruhiger, gewissermaßen britisch-zurückhaltender Sprache mit
leichter Tendenz zur Untertreibung, daß wir diese Probleme diskutiert
haben, daß es Dinge gibt, die wir auf individueller Basis tun können und
Dinge, die gemeinsam getan werden können. Wir hoffen, daß all dies sich
entwickeln wird gemäß unserer Vorstellung.

FRAGE: Wäre es dann richtig zu sagen, daß alle sieben Staaten übereingekommen sind, sich nachrichtendienstliche Informationen und technisches Wissen zu teilen?

ANTWORT: Die Formulierung "fand Unterstützung" ist, wie ich sagte,
ein sehr guter Ausdruck, den die Briten zu dem Entwurf beitrugen. Ich
glaube, er wird beidem gerecht: Der Tatsache, daß alle dieser Liste
zustimmten und daß bei der Umsetzung in die Realitäst jedes Land dies
seinen eigenen Bedingungen anpassen muß, die bisweilen erheblich voneinander verschieden sind. Dies also ist zu erwarten. Aber ich bin wirklich erfreut, daß bei diesem Treffen dem Thema so viel Aufmerksamkeit
zuteil wurde und die Erklärung so umfassend und so weitsichtig war.
Zudem kam es ohne alle Schwierigkeiten dazu: Jedermann ist besorgt und
möchte hier Fortschritte sehen, wobei wir gleichzeitig auch nicht überreagieren und zu viel reden wollen.

FRAGE: Erwarten Sie auch von Frankreich Mitarbeit?
ANTWORT: Sicherlich.

FRAGE: Es ist zu einem großen Teil der Administration zuzuschreiben,
daß es dadurch zu einer Annäherung der Wirtschaftspolitiken kam, daß die
Europäer auf die Haltung des Präsidenten hinsichtlich der Wirtschaftspolitik eingingen. Stellt man bei den Ost-West-Beziehungen das frühere
"Reich des Bösen" mit der derzeitigen Betonung des Dialogs gegenüber:
Könnte man dann sagen, daß die Vereinigten Staaten sich auf die europäische Position zubewegen?

ANTWORT: Was die Ost-West-Beziehungen anbelangt, so haben die

- 8 -

�haben die Vereinigten Staaten immer wieder gesagt, daß die erste Voraussetzung Stärke sei. Die zweite Voraussetzung ist Realismus hinsichtlich
dessen, was sich abspielt. Man sollte nicht davor zurückschrecken, die
Dinge beim Namen zu nennen. Die dritte Voraussetzung ist die Bereitschaft, in einen Dialog mit der Sowjetunion einzutreten und den Versuch
zu machen, die Probleme aus der Welt zu schaffen.

Und wenn sie sich die früheren Erklärungen der Regierung ansehen,
dann werden sie überall die Früchte dieser Politk erkennen. So haben wir
zum Beispiel bei dem umfassenden Thema der Rüstungskontrolle die konsistente Verwirklichung des Gedankens, daß wir Verringerungen wollen - keine
Kontrolle, kein Einfrieren, sondern Verringerungen. Und dies wurde immer
und immer wieder betont.

FRAGE: Hinsichtlich der Gefahr eines Überraschungsangriffes: Spiegelt
sich in diesem Teil der Erklärung die Sorge unter Ihren Kollegen in bezug
auf die sowjetischen Befürchtungen über die PERSHING II wider?

ANTWDRT: Nein, ich glaube, dieser letzte Paragraph ist eine Bemühung,
ihnen, ja der ganzen Welt zu sagen, daß es Dinge gibt, die wir als etwas
ansehen sollten, was wir gemeinsam haben. Gemeinsam aber ist uns die
Bedeutung des Friedens; was die Einzelheiten angeht, die Sie erwähnen,
wie die vertrauensbildenden Maßnahmen, die mit der Vermeidung eines
Überraschungsangriffs und dergleichen zu tun haben, so ergibt sich dies
aus den Vereinbarungen von Helsinki. Darüber wurde auf der KSZE-Folgekonferenz in Madrid gesprochen und dies ist auch ein wesentlicher Teil
der NATO-Position, die wir in Stockholm vertreten und über die wir mit
der Sowjetunion und anderen dort anwesenden Staaten reden wollen. Jetzt
geht es darum, dem Gedanken, der den Sowjets wichtig ist, konkrete
Gestalt zu verleihen, nämlich dem Gedanken des Gewaltverzichtes.

FRAGE: Können Sie sagen, warum es eine Erklärung von Frau Thatcher
zum Iran-Irak-Konflikt gab, nicht aber eine Deklaration hinsichtlich der
anderen Punkte?
ANTWORT: Nun, es ergab sich einfach so. Ohne Ihnen hierauf letztlich

�hierauf letztlich eine Antwort geben zu können, würde ich sagen, daß es
wichtig schien, in einer Wirtschaftserklärung auch der Lage bei der Ölver
sorgung Aufmerksamkeit zu schenken. Wie auch wir in den Vereinigten
Staaten gelangte man zu der Schlußfolgerung, daß die Lage weit besser als
früher ist. Selbst eine Unterbrechung wäre also in den Griff zu bekommen.

Im Verlauf der Diskussion nun kamen wir zu der Überzeugung, daß es

nicht ausreiche, dies zu sagen, denn wir sind über die umfassenderen
Aspekte besorgt - wie etwa über den Blutzoll, den dieser Krieg fordert
und andere Aspekte dieses Krieges. Ausgehend von der Wirtschaftserklärung hatten wir daher den Eindruck, die Vorsitzende sollte - auch wenn es
keiner speziellen Erklärung hierzu bedurfte - zeigen, daß wir Sorge hinsichtlich dieser umfassenderen Aspekte haben. Auf diese Weise kam das
denn zustande.

FRAGE: Zum Iran-Irak-Konflikt: Die Erklärung sagt, der Grundsatz der
Freiheit der Seefahrt im Golf müsse respektiert werden.

ANTWORT: Nein, überall würde ich sagen - das bezieht sich nicht nur
auf den Golf. Aber sicherlich ist der Golf derzeit das Operationsgebiet.
FRAGE: Gab es Gespräche darüber, welche Schritte, einzeln oder
kollektiv, ergriffen werden könnten, sollte dieser Grundsatz nicht
respektiert werden? Wir sprechen dabei jetzt vom Golf...?

ANTWORT: Natürlich prüften wir die Positionen der verschiedenen
Länder und beschrieben und analysierten die Situation, wobei es eine
ganze Menge Konsultation gab. Aber ich will es dabei belassen.

FRAGE: Zum Terrorismus: Gab es einen Versuch, eine Liste von Ländern
zu erstellen, die man für staatlich unterstützten Terrorismus verantwortlich macht? Und wurde über die Beziehungen diskutiert, die einige der
Partner zu einigen Ländern unterhalten, von denen die Vereinigten Staaten
der Ansicht sind, sie seien in staatlich unterstützten Terrorismus
verwickelt?
ANTWORT: Nein, man bemühte sich um keine Liste. Aber man war sich

- 10 -

�war sich der besonderen Dimension des staatlich unterstützten Terrorismus
bewußt.

FRAGE: Man sagte uns, das Thema Sacharow sei diskutiert worden. In
welchem Umfang sah man diese Frage als für die Ost-West-Agenda wichtig an?

ANTWORT: Nun, sie ist Teil der Sorge, die wir uns alle um die Rechte
und das Wohlergehen aller Menschen, umso mehr um die einer so herausragenden Person - und Frau Bonners - machen. Darüber wurde natürlich gesprochen. Ich glaube aber, daß es unter diesen Umständen nicht unbedingt sehr
produktiv wäre, an diesem Punkt der Entwicklung eine öffentliche Erklärung hierüber abzugeben.

FRAGE: Können Sie uns sagen, was der Präsident von den Demonstranten
hielt? Und können Sie uns sagen, ob es Momente während der Sitzung gab,
da es laut zuging?
ANTWORT: ...Ich habe auf diese Frage in einem unmittelbaren Sinn
keine Antwort: Als der Präsident die Halle betrat, hatten wir kaum Zeit,
da Frau Thatcher mit ihrer Erklärung begann; und auch danach konnte ich
kaum mit dem Präsidenten reden, da die Staats- und Regierungschefs vor
den Ministern den Raum verließen.

Zur zweiten Frage: Natürlich schreit

man sich bei derlei Gelegenheiten nicht an, aber ich würde sagen, die
Gespräche waren geistreiche Gespräche. Es handelt sich ja hier um Probleme, über die wir uns alle Sorgen machen. Und selbst wenn man gleicher
Ansicht ist, so gibt es Unterschiede darüber, wie man etwas formuliert,
wie man die richtige Nuance findet. Bei diesen Gesprächen - Williamsburg
und diesen hier, bei denen ich selbst dabei war und andere, über die man
berichtet hat - kümmern sich die Staats- und Regierungschefs um die
Sache. Der Großteil der Diskussionen war ihre Diskussion und die Resultate sind von ihnen erarbeitet worden. Natürlich helfen andere mit Entwürfen usw., aber es ist doch ihr Gipfel. Und alle sind ja überaus erfahrene Leute, die diese Fragen kennen und die es gewohnt sind, daß man
ihnen zuhört. Ich meine also, daß es sehr wichtig ist, daß diese Art von
Gesprächen stattfindet und daß es als Ergebnis dieser Gespräche zu umfassenden und wichtigen Resultaten kommt.
+ + + + +
- 11 -

�Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

13. Juni 1984

24

REGAN ZUFRIEDEN MIT WIRTSCHAFTSGIPFEL
- Pressekonferenz am 9. Juni 1984 -

London -(AD)- In einer Pressekonferenz am 9. Juni 1984 in London
äußerte sich der amerikanische Finanzminister Donald Regan zufrieden mit
den Ergebnissen des vorausgegangenen Weltwirtschaftsgipfels in der britischen Hauptstadt.

Die Pressekonferenz hatte folgenden Wortlaut:
REGAN; Wie Sie wissen, haben wir das Gipfeltreffen soeben abgeschlossen. Es gab drei Deklarationen, von denen die wirtschaftspolitische natürlich die wichtigste ist. In den anderen geht es um den internationalen
Terrorismus und um die Ost-West-Beziehungen und die Rüstungskontrolle.
Ferner gab es eine Erklärung zum Krieg Iran-Irak.
In wirtschaftspolitischer Hinsicht haben wir, so meine ich, das meiste von dem, was wir angestrebt haben, erreicht. Ich glaube, im Mittelpunkt stand wohl die Tatsache, daß der Wirtschaftsaufschwung in allen
Teilnehmerstaaten des Gipfels begonnen hat und weitgehend auch in allen

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Telex: 8-85432

�in allen anderen Industriestaaten. Wir sind übereingekonmen, diesen
Wirtschaftsaufschwung weiter voranzutreiben, wobei wir darauf achten
werden, daß dabei nicht die Inflation angeheizt wird.

Die Bereiche, denen wir uns am intensivsten gewidmet haben, waren,
abgesehen von der wirtschaftlichen Situation unserer Länder, die internationale Verschuldung und die Lage, in der sich viele der Entwicklungsländer und unterentwickelten Staaten befinden. Ein großer Teil des Schlußprotokolls ist den Hilfsmaßnahmen gewidmet, auf die wir uns geeinigt haben, d.h., auf Maßnahmen zur Bewältigung der internationalen Verschuldung
und auf Hilfsmaßnahmen und zusätzliche Mittel für die Entwicklungsländer.

Wir waren einhellig der Meinung, daß ein einzelfallweiser Ansatz, bei
dem man jedes Land für sich betrachtet, der angemessene sei. Die gute
Arbeit, die der IWF (Internationale Währungsfond) auf diesem Gebiet bis
heute geleistet hat, haben wir vermerkt.

Ferner stimmten wir darin überein, daß sowohl den Schuldnerländern
als auch anderen Entwicklungsländern am besten durch eine Ausweitung des
Handels zu helfen sei. In diesem Zusammenhang haben wir auch erklärt, daß
unseres Erachtens viele dieser Länder zur Schaffung neuer Arbeitsplätze
nicht nur Kredite, sondern mehr Kapitalanlagen brauchen. In dem Schlußprotokoll wird eine ganze Menge ausgesagt über Mittel und Wege zur Verringerung der Arbeitslosigkeit und zur Schaffung neuer Arbeitsplätze für die
Menschen in unseren Ländern, insbesondere in den europäischen Ländern.

Weiterhin stimmten wir überein, daß, soweit es den Handel anbelangt,
offene Grenzen notwendig sind und daß der Protektionismus bekämpft werden
sollte.

Wir haben auch erklärt, daß allen internationalen Finanzinstitutionen
nach Möglichkeit größere Mittel zur Verfügung gestellt werden sollten,
und daß alle Länder aufgerufen sind, bei der Vergabe multilateraler wie
bilateraler Hilfe großzügiger zu sein.

Im Hinblick auf die internationale Verschuldung waren wir der Mei-

- 2 -

�der Meinung, daß man mit betroffenen Ländern, die sich selbst erfolgreich
bemühen, zu korrigieren, was mit ihrer Wirtschaft nicht stimmt, über eine
mehrjährige Umschuldung verhandeln solle.

Das Schlußprotokoll enthält auch einen Absatz über den Umweltschutz,
in dem es heißt, daß alle Maßnahmen sorgsam geprüft werden sollten, bevor
sie tatsächlich getroffen werden, weil die wissenschaftliche Lehrmeinung
bei vielen dieser Probleme immer noch geteilt ist.

Ferner enthält das Schlußprotokoll eine Erklärung über die Ölversorgung und die Notwendigkeit, sich in das Vorhandene zu teilen.
Schließlich enthält es noch eine Einladung der Vereinigten Staaten an
die übrigen Länder, bei den amerikanischen Projekten im Bereich der bemannten Raumfahrt mitzuarbeiten.

Wenn ich den Verlauf der Sitzungen in einem Satz beschreiben soll, so
würde ich sagen: es gab lebhafte Diskussionen, aber am Ende konnten wir
Übereinstimmung erzielen.

FRAGE; Sie sagten, Sie hätten das meiste von dem, was Sie angestrebt
hatten, erreicht. Was haben Sie nicht erreicht ?

REGAN; Zu den Dingen, die wir ursprünglich wollten, gehört ein Termin
für eine neue GATT-Runde. Wir hatten gehofft, daß noch 1985 Gespräche
stattfinden und dann 1986 zu einer Verhandlungsrunde überleiten würden.
Die meisten Teilnehmerstaaten wollten aber keinen festgelegten Termin,
weil sie fürchteten, daß sie dann im Wettlauf mit der Zeit liegen und gar
nicht dazu kommen würden, sich wirklich eingehend Gedanken darüber zu
machen, worüber sie bei den Verhandlungen eigentlich sprechen wollten.
Deshalb ist jetzt nur von "so bald wie möglich" die Rede und nicht mehr
konkret von 1985.

FRAGE: Gibt es noch etwas, das ...

REGAN: Nun ja, es heißt hier, daß einige Länder den Gemeinsamen

- 3 -

�den Gemeinsamen Rohstoff-Fond wieder eröffnen wollen. Wir sehen das mit
gemischten Gefühlen. Wir haben das Abkommen über den Fond nicht ratifiziert, und wir glauben, daß es zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht ratsam
wäre, ihn zu aktivieren. Wir glauben, er würde eher wie ein Mechanismus
zum Festschreiben der Preise wirken. Wir sind nicht der Meinung, daß das
sehr produktiv wäre, aber die bewußte Aussage steht nun eben doch im
Schlußprotokoll.

FRAGE; Es gibt da noch einen Abschnitt, den Frau Thatcher in ihrer
Erklärung ausgelassen hat. Es geht darin um die Neuverhandlung des
Verschuldungsproblems der armen Länder auf Regierungsebene. Heißt das,
daß Sie sich darauf nicht festlegen wollen ?

REGAN; Aber nein. Frau Thatcher hat in der Kürze der Zeit lediglich
versucht, einige der wichtigsten Aspekte hervorzuheben. Ich nehme an, daß
sie die Dinge in ihrer Pressekonferenz ausführlicher darlegen wird. Sie
hat bestimmt nicht versucht, sich aus dieser Sache wieder herauszumogeln.

FRAGE; Wenn Sie sagen, die Teilnehmer haben vereinbart, daß den
internationalen Organisationen mehr Mittel zur Verfügung gestellt werden
sollen, heißt das dann, daß sie über eine Erhöhung der Quoten für den IWF
oder über die Zuteilung von Sonderziehungsrechten gesprochen haben ? Wenn
ja, wieviel ?

REGAN; Das ist nicht genau das, worüber wir gesprochen haben. Während
der Gespräche wurde, wie Sie wissen, darauf hingewiesen, daß die Gesamtsumme für IDA VII, d.h., für die siebente Quotenerhöhung für die Internationale Entwicklungsgesellschaft (International Development Association,
eine Unterorganisation der Weltbank, die zinsgünstige Kredite an die ärmsten Länder vergibt, Anm. der Redaktion), in den entsprechenden Verhandlungen bereits auf 9 Milliarden Dollar festgesetzt worden ist. Viele Länder haben angedeutet, daß sie bereit seien, darüber hinaus Zuwendungen zu
machen. Nun, wenn andere Länder der IDA mehr Mittel zuwenden wollen, dann
ist das ihre Sache. Wir Amerikaner haben dagegen darauf hingewiesen, daß
wir unsere bilaterale Hilfe erheblich erhöht haben, z.B. im Rahmen unserer Initiative für das Karibische Becken und unserer Bemühungen für

- 4 -

�Bemühungen für Mittelamerika sowie durch den Afrika-Fond, den wir eingerichtet haben. Tatsächlich haben die meisten anderen Teilnehmer dann ja
auch gesagt, daß jedes Land, das es sich leisten könne, seine bilaterale
Hilfe zu erhöhen, dies tun solle.

FRAGE; Worum ging es bei den "lebhaften Diskussionen" ? Um die
Zinssätze und Haushaltsdefizite ?

REGAN; Nein. Es ging ein bißchen lebhaft zu. Ich würde sagen, es war
eine recht gute Diskussion.

FRAGE; Haben die Vereinigten Staaten in irgendeiner Frage nachgeben
müssen ?

HOCHRANGIGER REGIERUNGSBEAMTER; Nein. Wir waren uns darin einig, daß
alle Teilnehmerstaaten Defizite haben und daher versuchen sollten, sie zu
beseitigen. Wir, wie auch die anderen, bedauern die hohen Zinssätze. Und
wir waren alle der Meinung, daß es großartig wäre, wenn sie gesenkt werden könnten.

FRAGE; Hat einer der anderen Staatschefs der amerikanischen Auffassung beigepflichtet, daß Defizite keinen Einfluß auf die Zinssätze haben ?

HOCHRANGIGER REGIERUNGSBEAMTER; Nun, sie haben das diskutiert und
gesagt, daß sie schon einen Zusammenhang sehen. Wie Sie wissen, fanden
die Gespräche getrennt statt - die Staats- und Regierungschefs in einem
Saal, die Außenminister in einem anderen, die Finanzminister wieder in
einem anderen. Der größte Teil der Diskussion über Zinssätze fand in der
Sitzung der Finanzminister statt und nur in geringerem Umfang auch im
Plenum, wo sich dann alle drei Gruppen wieder trafen.

Wir haben die anderen darauf hingewiesen, daß es keine Studie gibt,
die diesen Zusammenhang belegt. Die Leute sagen das zwar immerzu, aber
wir haben nun schon auf den letzten vier Gipfeltreffen um einen Beweis
gebeten, aber bis jetzt hat noch niemand einen vorgelegt.
Andererseits gibt

- 5 -

�Andererseits gibt es aber mindestens 20 Studien von Professoren, Wirtschaftswissenschaftlern usw., in denen es heißt, daß unsere Auffassung
die richtige sei. Angesichts dieser Indizien meinten die anderen zwar,
sie glaubten weiterhin, daß es einen Zusammenhang gebe, aber sie wissen
wohl nicht genau, was für einen.

FRAGE; Um daran anzuknüpfen: Sie sagten, daß die anderen Länder alle
der Meinung gewesen seien, daß ein Zusammenhang bestehe, daß Ihnen aber
bislang noch keine entsprechende Studie vorgelegt worden sei. Wenn nun
aber all die anderen Industriestaaten meinen, daß ein Zusammenhang bestehe, könnte es dann nicht sein, daß die amerikanische Auffassung falsch
ist ?

REGAN; Nein. Ich meine, die anderen haben keinen Beweis für ihre
Behauptungen. Wir dagegen können beweisen, was wir sagen. Deshalb meinen
wir, daß unsere Auffassung richtig ist. Das soll natürlich nicht heißen,
daß wir für Defizite sind. Mißverstehen Sie uns nicht. Wir haben den
anderen eindeutig gesagt - und stimmen darin mit ihnen überein - daß wir
die Defizite gern abbauen möchten. Aber unser hauptsächlicher Beweggrund
dafür liegt darin, daß wir glauben, daß die Ausgaben der amerikanischen
Bundesregierung zu hoch sind. Daher möchten wir die Ausgaben kürzen,
womit wir auch die Defizite verringern würden.

FRAGE: Fand die "lebhafte Diskussion" zwischen den Ministern,
zwischen den Staats- und Regierungschefs oder zwischen allen statt ?
REGAN: Zwischen allen. Sehen wir es doch einmal, wie es ist. Da waren
vierundzwanzig Personen versammelt, die alle daran gewöhnt sind, vor Publikum zu sprechen, die meisten davon Mitglieder von Parlamenten und Volksvertretungen oder was es auch immer gibt. D.h., keiner der Teilnehmer war
besonders schüchtern oder hatte Hemmungen, seinen oder ihren Standpunkt
darzulegen.

FRAGE: Sie haben in der Vergangenheit gesagt, daß hohe Zinssätze die
konjunkturelle Erholung in den Vereinigten Staaten bislang nicht behindert haben. Im vierten Absatz des Schlußprotokolls heißt es nun aber, daß

- 6 -

�aber, daß der konjunkturelle Aufschwung in Gefahr geraten könne, wenn die
Zinsen hoch bleiben und wenn man es versäumt, die Inflation weiter zu
vermindern und die Inflationserwartungen zu dämpfen. Stellt das einen
Meinungswandel oder eine leichte Veränderung des gegenwärtigen Standpunkts der Vereinigten Staaten dar ?

REGAN: Nein. Es ist richtig, daß der weltweite Aufschwung in Gefahr
geraten könnte, wenn die Zinsen auf dem gegenwärtigen Stand blieben oder
sogar stiegen. Aber die Mahnung in Absatz Vier, wo es heißt, daß der
konjunkturelle Aufschwung in Gefahr geraten könne, wenn die Zinsen hoch
blieben und wenn man es versäume, die Inflation weiter zu vermindern,
richtet sich ebenso an die Schuldnerländer wie an die Teilnehmerstaaten
des Gipfels.

FRAGE; Wurde beim Treffen der Finanzminister oder beim Gipfeltreffen
angedeutet, daß die Zinsen in der Tat wahrscheinlich noch weiter steigen
werden ?
REGAN; Über das Thema wurde viel gesprochen. Präsident Reagan setzte
einen Fixpunkt, indem er sagte, er glaube, die Zinsen würden sinken. Ich
weiß, daß sich Außenminister Shultz dieser Meinung angeschlossen hat, und
ich selbst habe nie daran gezweifelt.

FRAGE; Enthält das Kommunique irgend etwas, was Sie entweder als neue
Initiative oder als Abweichung von der gegenwärtigen amerikanischen Politik einstufen würden ?

REGAN; Nichts, was mir gegenwärtig wäre. Ich weiß von keiner neuen
Initiative, d.h., von etwas, was wir nicht schon vorher besprochen hätten
und was jetzt erst neu ins Gespräch gebracht worden wäre.

FRAGE; Und etwas, was von der gegenwärtigen amerikanischen Politik
abweicht oder sie revidiert ?

REGAN; Nein, nichts außer der einen Stelle über den Agrarfond, die
ich schon erwähnt habe ...
FRAGE: Und

�FRAGE: Und die mehrjährige Umschuldung ?

REGAN: Nein, das Thema der Umschuldung ist daheim in den Vereinigten
Staaten schon lange bevor wir hierher kamen diskutiert worden. Erst letzte Woche wurde es in Philadelphia bei einer Zusammenkunft von Bankiers
erörtert. Das ist keine neue Idee.

FRAGE: In einem früheren Entwurf war eine Erklärung enthalten, in der
die Verringerung des amerikanischen Defizits um eine erste Tranche begrüßt wurde. In der Endfassung wurde diese Erklärung fallengelassen. Gehört sie zu den Dingen, die die Vereinigten Staaten eigentlich gern realisiert gesehen hätten ?

REGAN: Nun, die anderen haben den amerikanischen Schritt zur Verringerung des Defizits in der Tat begrüßt. Nur entspräche es nicht den Gepflogenheiten bei der Abfassung von Kommuniques, hervorzuheben, daß wir in
der Frage der Defizite aktiv geworden sind, aber unerwähnt zu lassen, was
die anderen zum Abbau ihrer Defizite unternommen haben. Deshalb wurde diese Erklärung fallengelassen.

FRAGE: Die Administration will zwar das Defizit abbauen, aber sie
sagt ja, daß das keinen Einfluß auf die Zinsen habe. Wie wollen Sie denn
nun die Zinsen senken ?

REGAN: Indem wir das Geldmengenwachstum und die Bundesausgaben im
Griff behalten. Man muß schließlich zugeben, daß die Währungspolitik die
Zinssätze beeinflußt. Deshalb achten wir darauf. Und dann sind da noch
unsere Bestrebungen zur Beseitigung der staatlichen Reglementierung der
Wirtschaftstätigkeit, einer Praxis also, die ihrer Natur nach zur inflationären Verteuerung von Produkten beiträgt. In dieser Beziehung haben
wir eine Menge unternommen.

FRAGE: Wird die Administration erhöhten Druck auf die Notenbank
ausüben ?

REGAN: Die Administration übt auf die Notenbank keinen Druck aus.

�Druck aus. Gelegentlich haben wir uns zu den Maßnahmen der Notenbank
ziemlich freimütig geäußert, aber wir üben keinen Druck aus.

FRAGE: In diesem Zusammenhang heißt es in dem Schlußprotokoll, die
Teilnehmer an dem Gipfel seien übereingekommen, "das Geldmengenwachstum
zu regulieren und Haushaltsdefizite zu verringern, wo dies notwendig
ist." Gibt es denn Fälle, in denen die Verringerung von Haushaltsdefiziten unnötig ist ?

REGAN: Einige der teilnehmenden Staaten waren der Meinung, daß sie
ihre Defizite bereits so weit abgebaut hätten, wie es in Hinblick auf
ihre hohe Arbeitslosigkeit möglich sei. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt waren
sie daher nicht bereit, sich auf eine weitergehende Verringerung ihrer
Defizite festzulegen. Sie glaubten, daß der Stand, auf den sie ihre Defizite heruntergeschraubt haben, angesichts der wirtschaftlichen Lage, in
der sie sich befinden, ein nicht mehr weiter reduzierbares Minimum darstellt.

FRAGE: Haben die Vereinigten Staaten gesagt, welches Niveau ihnen für
ihre Defizite akzeptabel erscheinen würde ?

REGAN: Nein, über so etwas ist nicht gesprochen worden.

FRAGE: Sie sagten, Ihnen lägen keine Studien vor, die einen Zusammenhang zwischen Defiziten und Zinssätzen belegen. Was ist denn mit dem Bericht der Wirtschaftsberater des Präsidenten ? Haben Sie den schon einmal
aufmerksam gelesen, oder glauben Sie immer noch, dieses Dokument sei gegenstandslos ?

REGAN: Dabei handelte es sich nicht um eine Studie. Das Dokument
enthielt zwar Aussagen, aber keine Beweise oder Belege; es war keine
Studie im eigentlichen, klassischen Sinne.

FRAGE: Es gibt aber eine ganze Menge anderer Studien ...

REGAN: Wenn das so ist, würde es Ihnen dann etwas ausmachen, sie zu

�sie zu meinen Händen ins Finanzministerium zu senden ? Ich habe sie
bisher nicht zu sehen bekommen.

FRAGE; Für wie hoch halten Sie die Wahrscheinlichkeit, daß es 1986
eine neue GATT-Runde geben wird ?

RBGAN; Ich glaube, die Chancen sind gut, weil wir versuchen werden,
den Vorbereitungsprozeß nach Möglichkeit zu beschleunigen. Zuerst müssen
wir die Runde in Tokio abschließen und dann mit dieser Sache beginnen.
Botschafter Brock, der Beauftragte des Präsidenten für Handelsverhandlungen, wird mit seinen ausländischen Kollegen sprechen, um die Dinge voranzutreiben. Immerhin sind bis 1986 noch 18 Monate Zeit, und in 18 Monaten
kann man eine Menge Gespräche führen, und genau das beabsichtigen wir zu
tun.

FRAGE: Können Sie erläutern, worauf man sich hinsichtlich der Sicherheit der Weltölversorgung geeinigt hat ? Hat man entschieden, daß die Notfallpläne der Internationalen Energieagentur hinreichend sind oder wurde
der japanische Vorschlag einer ergänzenden Notfallplanung angenommen ?

RBGAN: Abschnitt 11 wurde gemeinsam ausgearbeitet. Wir sind dabei
keinem besonderen Plan gefolgt. Jeder Teilnehmerstaat legte dar, über
welche Ölreserven er verfügt, und alle stimmten überein, daß sie, wenn
sie an ihrer Bevorratungspolitik festhielten, wahrscheinlich mit eventuellen Problemen fertigwerden würden.

+ + + + +

- 10 -

�24

13. Juni 1984

USA STREBEN SEIT 1934 LIBERALISIERUNG DES HANDELS AN

WASHINGTON - (AD) - In einer am 12. Juni 1984 vom amerikanischen Außenministerium veröffentlichten Erklärung wird des 50. Jahrestags eines 1934 vom
amerikanischen Kongreß verabschiedeten Gesetzes über Gegenseitigen Handel gedacht,
das seither durch einen Abbau von Handelsschranken und einen verstärkten Warenaustausch allen Ländern zum Vorteil gereichte.
Die Erklärung hat folgenden Wortlaut:
Heute ist der 50. Jahrestag des Gesetzes über Gegenseitigen Handel von 1934,
zu dem das Außenministerium ein besonderes Verhältnis hat. Dieses Gesetz bedeutete
den Beginn von 50 Jahren amerikanischer Handelsliberalisierung. Bezeichnenderweise
kam es zu diesem Gesetz nur vier Jahre nach dem Smoot-Hawley-Zollgesetz von 1930,
aufgrund dessen die durchschnittlichen amerikanischen Zölle auf 55 Prozent angehoben wurden und demzufolge nach Ansicht vieler Wirtschaftswissenschaftler aus
einer kleineren Rezession die Weltwirtschaftskrise wurde. In Erkenntnis des Schadens, der dadurch sowohl unserer Volkswirtschaft als auch unseren internationalen
Beziehungen zugefügt wurde, überzeugte Außenminister Cordell Hüll Präsident Franklin
Roosevelt, seinen Kurs zu ändern.
Die mit

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�Die mit dem Gesetz über Gegenseitigen Handel einsetzende Handelsliberalisierung ermöglichte es dem Welthandel, zwischen 1948 und 1973 um nahezu 50 Prozent
schneller zu wachsen als die Weltproduktion, brachte die weltweiten Exporte auf
das neutige Niveau von 2 Billionen Dollar und wird bis 1987 zu einer Verringerung
der Durchschnittszölle eines Industrielandes auf drei bis vier Prozent führen.
Angesichts der Tatsache, daß die moderne Technik die Welt - sowohl im Positiven
wie im Negativen - immer kleiner werden läßt, werden Handelsbeziehungen immer
wichtiger.

Wenn wir Güter und Dienstleistungen austauschen, dann tauschen wir auch

Ideen aus.

Wenn jemand eine bessere Mausefalle baut, dann kommen die Leute nicht

nur zu ihm, um diese neue Mausefalle zu kaufen, sondern auch, um auf das Geheimnis
seines Erfolgs zu kommen.

Angesichts der zunehmenden Bedeutung des amerikanischen

Handels für unsere Volkswirtschaft haben auch andere erkannt, daß es in Bereichen
denen der
der
wie etwa/Landwirtschaft und/fortgeschrittenen Technologie hinter unserem gewaltigen Produktionsausstoß vieles gibt, das eine Nachahmung lohnt. Und mit der Herausforderung, vor der die traditionellen amerikanischen Industriezweige angesichts der
Importe stehen, lernen auch wir, daß es in so unterschiedlichen Bereichen wie
Lagerhaltung, Beziehungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern oder Qualitätsmaßstäben im Ausland vieles gibt, was wir zu unserem eigenen Vorteil übernehmen
können. In dieser Hinsicht nützt ein Abbau der Handelsschranken zwischen den einzelnen Staaten uns allen.
In den 50 Jahren seit Verabschiedung des Gesetzes über Gegenseitigen Handel
von 1934 sind wir ein großes Stück vorangekommen. Aber noch immer liegt ein weiter
Weg vor uns. Zölle und andere Handelsschranken begrenzen noch immer den Welthandel
und es gilt, Herausforderungen wie etwa im Handel von Dienstleistungen und fortgeschrittener Technologie zu bestehen. Wir hoffen, auf dem Erreichten der letzten
50 Jahre aufbauen zu können, damit nach weiteren 50 Jahren die nach uns Kommenden
auf die achtziger Jahre als eine Zeit zurückblicken können, in der es zu einem
gleichermaßen bedeutsamen Neubeginn der Liberalisierung des Welthandels kam.
+ + + + +

- 2 -

�24

13. Juni 1984

MYKOTOXINE: STREITFRAGE UNTER WISSENSCHAFTLERN
- Von William Kucenicz -

Der Verfasser ist Kolumnist des "Wall Street
Journal". Nachdruck nur ungekürzt mit Nennung des Autors und dem Vermerk "Mit Genehmigung von 'The Wall Street Journal', Copyright by Dow Jones &amp; Company, INC., 1984"
gestattet.

- (AD) - Die Säle eines ehemaligen Klosters aus dem 14. Jahrhundert in Gent
in Belgien schienen zunächst ein etwas seltsamer Rahmen für eine internationale
wissenschaftliche Konferenz über "Gelben Regen" zu sein.

Drei Tage lang tobte der

Streit, und für Reputationen gab es auf beiden Seiten manche Blessur.

Aber diese

Universitätsstadt mit ihrer an religiösem, politischem und geistigen Umbruch so
reichen Vergangenheit war genau der richtige Ort für die bisher am klarsten umrissene wissenschaftliche Konferenz über die Anwendung von chemischen Kampfstoffen und Toxinen in Südostasien, Afghanistan und im Iran.
Die Konferenz mit Dutzenden von Wissenschaftler, Ärzten und Journalisten aus
28 Ländern beim "Ersten Weltkongreß über neue Verbindungen in der biologischen
und chemischen Kriegführung" war von Aubin Heyndrickx, dem Leiter des Departments
für Toxikologie der Universität Gent einberufen worden.

In den letzten paar

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�letzten paar Monaten hatte Heyndrickx weltweit Schlagzeilen gemacht, nachdem er
behauptet hatte, daß er Mykotoxine - dieselben Pilzgifte, die im Gelben Regen
von Südostasien identifiziert worden waren - in Körperflüssigkeiten mehrerer
iranischer Soldaten gefunden habe, die zur Behandlung von Verletzungen nach
Angriffen des Irak mit chemischen Waffen nach Europa gebracht worden waren.
Neben der Überprüfung der von Prof. Heyndrickx gefundenen Ergebnisse wollte
die Konferenz u.a. auch die These des Biologen Matthew Meselson der HarvardUniversität erörtern, daß es sich um Bienen-Fäkalien handle. Seit der CarterAdministration sammeln die Vereinigten Staaten zunehmend Beweise, daß chemische
Waffen gegen Hmong-Volksangehörige und Soldaten in Kambodscha eingesetzt wurden.
Im September ]981 warf die Reagan-Administration der Sowjetunion vor, durch die
Anwendung und Lieferung von tödlichen Toxinwaffen in Südostasien und Afghanistan
Verträge zu verletzen - insbesondere von Waffen mit Trichothecen-Mykotoxinen aus
dem Fusarium-Pilz. Wiederholt, aber nicht immer bestätigten Labortests an Umweltproben von Gelbem Regen sowie an Blut-, Urin- und Gewebeproben von Opfern aus
Südostasien das Vorhandensein von Mykotoxinen.
Von Anfang an war Meselson skeptisch hinsichtlich der Gültigkeit der amerikanischen Beweise und entwickelte eine Gegentheorie zur Erklärung des Gelbem
Regens und des Vorhandenseins von Toxinen.
Wie er vor Konferenzteilnehmern in
Gent erklärte, sei Gelber Regen nichts anderes als von Bienen bei ihren Reinigungsflügen ausgeschiedene Pollen, und bei den Trichothecen-Komponenten handle
es sich wahrscheinlich um eine Nahrungsmittelinfektion infolge eines natürlichen
Vorkommens in Südostasien. Im März begaben sich er und andere amerikanische
Wissenschaftler nach Thailand, wo sie Bienen fanden, die regelrechte "Schauer"
gelblicher Fäkalien produzierten. Meselson sammelte Proben dieser Bienenfakalien
und zeigte sie Hmong-Flüchtlingen in thailändischen Lagern. Eine Anzahl von ihnen
bezeichnete die Proben als "Chemi" oder Gelber Regen'.
Nachdem Meselson seine Gegenthese dargelegt h a U e , gingen mehrere amerikanische und kanadische Wissenschaftler, die sich seit geraumer Zeit mit den mit

�mit den mit Gelbem Regen zusammenhängenden Daten befassen, zum Angriff über.
Huguette Cohen, Wissenschaftlerin im kanadischen Landwirtschaftsministerium,
stellte die Erklärung mit Bienenfäkalien total in Frage und erklärte:"Wir haben
uns an die Tatsachen und an das zu halten, was geschehen ist.

Es gibt Opfer.

Es gibt Menschen, die daran gestorben sind". Meselson unterbrach: "Wir wissen das
nicht .. wir wissen nur, daß es sich bei dem, was uns als 'Gelber Regen' präsentiert wird, um Bienenexkremente handelt".
Frau Cohen legte erdrückende Beweise gegen die Meselsonsche Hypothese mit
einer Arbeit über Experimente mit Pollen von Bienen und Pilzen der Gattung Fusarium
vor. Die in Südostasien gesammelten Fusarien produzierten selbst unter idealen
Laborbedingungen keinerlei Trichothecene in Verbindung mit Bienenpollen. Frau
Cohen erklärte, die Beweislast liege nun bei jenen, die behaupten, bei den im
Gelben Regen gefundenen Mykotoxinen handle es sich um ein natürliches Phänomen jenem nämlich, daß in Südostasien Pollenexkremente von Bienen mit Trichothecenen
verseucht seien.
Das sei ihrer Ansicht nach unwahrscheinlich, weil eine Mykotoxinverseuchung der Nahrungskette in Südostasien "ein langsam fortschreitendes
Phänomen mit sehr weit verbreiteter Krankheit wäre". Die gesamte Bevölkerung in
diesem Raum würde erkranken, und man würde Anzeichen für die Verseuchung im Blut
und im Gewebe der gesamten Bevölkerung finden. "Dem ist aber nicht so", sagte sie.
"Einige erkranken ganz plötzlich nach einem Angriff, und Personen in einem benachbarten Gebiet, die dem Angriff nicht ausgesetzt waren, zeigen keinerlei Symptome
oder Beweise für die Vergiftung. Auch gibt es keinen Beweis dafür, daß Fusarien
spontan den Verdauungskanal von Bienen besiedeln und das Toxin produzieren, das
angeblich beim Reinigungsflug ausgeschieden wird. Würde die Biene verseuchte
Pollen mit hoher Konzentration an Trichothecenen aufnehmen, würde sie nicht überleben".

Außerdem experimentierte der kanadische Toxikologe Bruno Schiefer, der früher
für die kanadische Regierung Studien an Gelbem Regen durchführte, mit 13 aus südostasiatischem Material isolierten Fusarienarten, um unter idealen Laborbedingungen
Trichothecene zu produzieren.

Nur mit einer der Proben gelang es, ein Toxin zu

gewinnen, und das nur mit sehr geringer Ausbeute.

- 3 -

"Unter natürlichen Bedingungen",

�natürlichen Bedingungen", sagte er, "wären niemals genügend Trichothecene erzeugt
worden, und eine Erkrankung auszulösen". Er erklärte außerdem, daß es in Südostasien keinerlei Anzeichen für natürlich auftretende Erkrankungen gebe, die durch
Trichothecene hervorgerufen würden.
In einer weiteren Abhandlung räumte Schiefer mit der Vorstellung einiger
Wissenschaftler auf, daß Trichothecene nicht toxisch genug seien, um die schwerwiegenden Symptome und auch zum Tode führenden Schädigungen zu verursachen, wie
sie von überlebenden von Angriffen mit Waffen, die Gelben Regen freisetzen, beschrieben werden. Unter Verwendung einer Mischung von drei verschiedenen Trichothecen-Typen (T-2, DAS und DON), ähnlich der in Proben von Gelbem Regen tatsächlich
gefundenen Mischung, kam er bei seinen Untersuchungen zu dem Ergebnis, daß "der
Cocktail innerhalb von 24 bis 48 Stunden für jedes Versuchstier der Gruppe (Mäuse
und Ratten) absolut tödlich war". Die Mischung der Mykotoxinen, so erklärte er,
"wirkte schneller als jeder einzelne Typ für sich". Er entdeckte außerdem, daß
die Trichothecene über die Haut eine toxischere Wirkung hatten, als wenn sie den
Tieren oral verabreicht wurden. Bei früheren agrarwissenschatlichen Studien zu
den Auswirkungen von Trichothecenen, bei denen es um mögliche Gefahren durch eine
Verseuchung von Lebensmitteln ging, hatte man nur mit dem Zusatz der Gifte zum
Futter experimentiert und dabei außerdem nur jeweils ein Toxin verwendet. Schiefers
Ergebnisse bestätigten die Berichte von Hmong-Leuten über die überaus raschen Auswirkungen von Gelbem Regen nach Kontakt mit der Haut und infolge Einatmen des Gifts.
Bei einer weiteren kontroversen Frage, die von den am Gelben Regen zweifelnden
Konferenzteilnehmern angeschnitten wurde, ging es darum, ob die Trichothecene noch
längere Zeit nach einer Exposition im Körper verbleiben oder rasch ausgeschieden
werden. Die Kritiker behaupteten, die Befunde von Trichothecenen und ihren Stoffwechsel Produkten in Körperflüssigkeiten und Geweben bei Hmong-Leuten und Opfern
aus Kambodscha seien irreführend, ehester Mirocha, ein Trichothecen-Experte von
der Universität Minnesota, der viele der amerikanischen Proben von Gelbem Regen
untersuchte, führte eigene Tierversuche durch und zeigte, daß die Mykotoxine tatsächlich nach einer Exposition in ähnlichen Anteilen im Körper verbleiben, wie

- 4 -

�verbleiben, wie man sie bei Opfern von Gelbem Regen findet.
Eine Abgrenzung gegen das natürliche Auftreten von Mykotoxinvergiftungen in
Südostasien machte Joseph Rosen, Professor für Ernährungswissenschaften am Cook
College der Rutgers-Universität. Er bestätigte erneut, daß er in einer Probe von
Gelbem Regen, die er im Jahr 1981 für "ABC NEWS" untersuchte, eine nicht in der
Natur vorkommende Substanz gefunden habe.

Es handelte sich um Polyäthylen-Glykol,

das möglicherweise als Träger zum Verbreiten der Toxine diente.

Diese Substanz habe

nicht, wie einige behaupteten, von einer zufälligen Verseuchung der Probe stammen
können, erklärte er.
Außer in seinem eigenen Bericht wurde in keiner der auf der Genter Konferenz
vorgelegten Abhandlungen Meselsons Behauptung unterstützt, daß Gelber Regen nichts
anderes sei als Exkremente von Bienen, und daß Trichothecene ein natürliches
Produkt seien, das in Südostasien in die Nahrungskette gelange. Aber auch die Ergebnisse
Prof. Heyndrickx bei seinen Untersuchungen an iranischen Soldaten waren wenig überzeugend.
Niemand bezweifelte, daß gegen iranische Soldaten Senfgas und wahrscheinlich
auch das Nervengas Tabun eingesetzt worden war. Analysen des Inhalts von Blindgängern, klinische Untersuchungen iranischer Opfer in europäischen Krankenhäusern
und Aufnahmen von den eigenartigen Hautverletzungen und Verfärbungen der Körper
überzeugten jeden, daß chemische Waffen gegen den Iran eingesetzt worden waren.
Hinsichtlich der Mykotoxine kam es jedoch nicht zu einer derartigen Obereinstimmung.
Heyndrickx und Mitarbeiter von der Universität Gent berichteten, in 16 biologischen Proben von 10 verschiedenen Opfern aus dem Iran Trichothecene gefunden
zu haben.
worden.

Aber in keinem der untersuchten Blindgänger waren Mykotoxine gefunden
Dr. Herbert Mandl und Dr. Gernot Pauser, zwei österreichische Ärzte,

erklärten, die klinischen Daten bei den von ihnen behandelten Opfern aus dem Iran
hätten die Trichothecen-Exposition bestätigt.

- 5 -

Dr. Pauser hob noch hervor, daß

�hervor, daß vor allem die Enzymaktivität in der Lunge von zwei der drei Opfer ihn
überzeugt hätten, daß man es mit Mykotoxinen zu tun habe.
Mehrere andere Wissenschaftler und Ärzte standen diesen Ergebnissen kritisch
gegenüber.

Was die chemische Analyse betreffe, so habe Prof. Heyndrickx versäumt,

an seine zu Beginn positiven Befunde mittels der Gaschromatographie eine massenspektroskopische Analyse anzuhängen.

Es sei möglich, so sagten die Wissenschaftler,

mit dem zuerst und ausschließlich angewandten Verfahren "falsche Positiv-Befunde"
zu bekommen.

"Es gab eine Anzahl von Unvereinbarkeiten in den von Prof. Heyndrickx

gefundenen Resultaten von Mykotoxinen bei den iranischen Proben", meinte Prof. Rosen.
Auch der Arzt Dr. Arnos Townsend, der während der letzten Jahre in Thailand
Opfer von Gelbem Regen behandelte, äußerte "Vorbehalte" gegenüber den klinischen
Daten der Patienten und fragte, ob denn die Symptome überhaupt einer MykotoxinExposition entsprachen.
herzustellen", meinte er.

"Für mich wäre es schwierig, hier eine direkte Beziehung
"Ich weiß nicht genug davon; in Bezug auf den Bericht

über Mykotoxine im Iran habe ich noch zu wenig gehört ... Das Ganze ist noch ein
bißchen dünn".
Jan Willems, der ärztliche Leiter des belgischen Armee-Departments zum Schutz
gegen nukleare, biologische und chemische Waffen, äußerte sich ähnlich kritisch.
Nach seiner Meinung konnten die bei den iranischen Soldaten gesehenen Auswirkungen
auch von Senfgas und Nervengas stammen. Er machte darauf aufmerksam, daß Opfer
von Angriffen mit Senfgas von Ärzten zum letzten Mal während des ersten Weltkrieges
gesehen wurden. Und damals sei der Medizin über die Aktivität von Enzymen in der
Lunge nichts bekannt gewesen. Zum klinischen Nachweis des Einsatzes von Mykotoxinen im Iran sagte er: "Es kann zutreffen, aber man kann es nicht beweisen".
Prof. Heyndrickx hielt in einem späteren Interview daran fest, daß seine
Laboranalysen mittels Gaschromatographie ausreichten, um Mykotoxine zu finden,
überdies habe das Chemiedepartment der Universität Gent, so sagte er, an "vier
oder fünf" seiner Proben, bei denen er zu einem positiven Ergebnis gekommen war,
eine massenspektroskopische Analyse durchgeführt und die My&lt;otoxin-Befunde

- 6 -

�Mykotoxin-Befunde bestätigt.
Konferenz vorzulegen.

Jedoch versäumte er, diese Befunde während der

In der Zwischenzeit konnte "The Wall Street Journal" in

Erfahrung bringen, daß in zwei oder drei amerikanischen Laboratorien iranische
Blut- und Urinproben, in denen laut Heyndrickx der Nachweis für Trichothecene
positiv ausgefallen war, untersucht worden sind.

Die amerikanischen Laboratorien,

die in Toxintests sehr viel mehr Erfahrung haben, vermochten keine Trichothecene
zu finden.
Es spricht für sich, daß es sich bei den Wissenschaftlern, die Meselsons
Bienentheorie und Heyndrickx' Iran-Ergebnisse anzweifeln, um jene Personen handelt,
die Trichothecene in Proben von Gelbem Regen aus Südostasien gefunden haben.

Nur

wenige Wissenschaftler zweifeln noch daran, daß in Südostasien in Verletzung internationaler Verträge Toxin-Waffen eingesetzt wurden.

Während der Beweis für eine

Toxin-Anwendung in Afghanistan weniger zwingend ist - ihm liegen Tests an einer
verseuchten sowjetischen Gasmaske zugrunde -, berichtete ein afghanischer Vertreter
auf der Konferenz, daß sowjetische Truppen weiterhin chemische Waffen einsetzten.
Und der Nachweis von Senfgas im Iran steht außer Frage.

Die Gruppe in Gent kam

zu dem Schluß, daß heutzutage chemische und biologische Kriegführung ein ernstes
internationales-Problem darstelle - wenigstens darüber war man sich einig.

- 7 -

i

�13. Juni 1984

24

"DISCOVERY" STARTET ZUM JUNGFERNFLUG
- Drittes Fluggerä't für die Raumtransporterflotte der USA

- (AD) - Der Jungfernflug der DISCOVERY, des dritten Raumtransporters der
Vereinigten Staaten, wird voraussichtlich am 22. Juni 1984 beginnen und sieben
Tage dauern.

Die Landung wird

in Kalifornien erwartet.

im Gebiet der Edwards Air Force Base

Kommandant des 12. Raumfähren-Unternehmens ist

Astronaut Henry Hartsfield, der beim vierten COLUMBIA-Flug vor fast zwei Jahren
als Kopilot dabei war.

Diese Funktion hat dieses Mal Astronaut Mike Coats.

Als Missionsspezialisten wurden Steve Hawley, Judy Resnik, Mike Mullane und
Charles Walker ausgewählt.

Dr. Judith Resnik ist Ingenieurin für Elektro-

technik, Walker Ingenieur bei dem Privatunternehmen McDonnell-Douglas.
Wichtigste Fracht an Bord sind ein neuartiger, sieben Tonnen schwerer Nachrichtensatellit, ein großer, entfaltbarer Sonnenenergiekollektor, eine Apparatur
für die Produktion einer pharmazeutischen Substanz nach dem Elektrophoreseprinzip (zum ersten Mal im kommerziellen Maßstab) und eine neue GroßformatKamera für kartographische Erdaufnahmen. Mit der Namensgebung DISCOVERY wollte
die NASA (US-Amt für Luft- und Raumfahrt) bekunden, daß man sich mit Hilfe der
heute verfügbaren Mittel der Technik bemüht, die jahrhundertealte Tradition der
Entdeckungen fortzusetzen. Fünf Schiffe trugen diesen Namen. Eines davon war

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�davon war das Schiff von Henry Hudson, der im siebzehnten Jahrhundert von der
Mündung aufwärts den nach ihm benannten Hudson-Fluß erkundete.

Wie Hartsfield

in einer Pressekonferenz erwähnte, waren auch drei britische Schiffe "DISCOVERY"
getauft, mit denen Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts Forscher in
antarktische Gewässer vordrangen.
Der zylinderförmige Nachrichtensatellit SYNCOM (Abkürzung für "Synchronous
Communications Satellite") soll am zweiten Flugtag im Orbit abgesetzt werden,
um dann mit eigenem Antrieb in eine erdsynchrone Bahn (ca. 36 000 km über dem
Äquator) aufzusteigen.

Die Energie dafür liefert ein

Flüssigkeitstriebwerk,

das 45 Minuten nach dem mit Federkraft bewerkstelligten Absetzen aus dem
DISCOVERY-Laderaum gezündet wird.

SYNCOM wurde eigens nach den Maßen des Raum-

fähren-Frachtraums konstruiert und kann nur von einem Raumtransporter aus gestartet werden.

Das erste Gerät dieses Typs wird nach seiner Stationierung auf

der 36 000 km-Bahn an die US-Marine vermietet (Jahresgebühr: 16,75 Millionen
Dollar).
Ken Renshaw, Programmdirektor für Nachrichtensatelliten und Kommunikationstechnik bei de, Firma Hughes Aircraft Company, betonte, daß das jetzt verwendete
Antriebsaggregat seit 20 Jahren in zahllosen Tests erprobt worden sei.

Es unter-

scheide sich grundsätzlich vom PAM-Feststoffraketen-Triebwerk, mit dem die beiden
Nachrichtensatelliten PALAPA B-2 und WESTAR 6 ausgerüstet waren.

Der Einschuß

dieser Satelliten in die vorgesehenen Umlaufbahnen nach dem Absetzen aus der
CHALLENGER beim letzten Raumflug mißlang.

Die in der Zwischenzeit vorgenommene

intensive Fehlersuche brachte Fehlstellen in der Materialdichte des Verbundwerkstoffs zutage, der für Teile der zweiten Antriebsstufe verwendet wird.

Möglicher-

weise sind diese mitverantwortlich für das Versagen. (PAM ist die Abkürzung für
"payload assist module" - Zusatztriebwerk zur Weiterbeförderung von Nutzlasten
aus einem Erdorbit.)
Dr. Judy Resnik ist für das Solarenergie-Experiment verantwortlich.

Voll

entfaltet hat die Kollektorflache eine Ausdehnung von 32 Metern, verpackt ist

- 2 -

�verpackt ist sie jedoch nur 18 cm hoch.
befestigt.

Die Struktur bleibt an

der Raumfähre

Sie trägt die Bezeichnung OAST-1 (OAST = Abteilung für "Aeronautics

and Space Technology" der NASA) und ist das erste Exemplar eines großflächigen,
leichten Solarkollektors, der nach Gebrauch im Weltraum zusammengefaltet und
zurückgebracht werden kann.
zeugen.

Mit dieser Struktur lassen sich 12,5 kW Strom er-

Sie wird als Stromlieferant für künftige Raumstationen erprobt, kann

aber ebenso als Zusatz-Stromquelle für Raumfähren bei längeren Weltraumflügen
dienen, wie sie später vorgesehen sind.
Die Elektrophorese-Apparatur betreut Charles Walker von der Konstruktionsabteilung der "McDonnell-Douglas Astronautics Company".

Das Verfahren zur Ab-

trennung bestimmter Komponenten aus biologischen Substanzen wurde bereits bei vier
früheren Raumtransportereinsätzen erprobt.

Jedoch handelte es sich nur um Experi-

mentierausrüstungen, und die dabei gewonnenen Mengen waren entsprechend gering.
"Der bevorstehende Flug ist wichtig", so Walker, "weil wir von dem Material,
einem gereinigten Hormon, eine so große Menge erhoffen, daß wir damit klinische

Tests auf der Erde beginnen können.

peutische Zwecke zu verwenden".
Walker nicht.

Wir haben vor, es ab 1987 für thera-

Nähere Angaben zur Art des Hormons machte

Er verwies nur darauf, daß McDonnell-Douglas mit der Ortho

Pharmaceuticals Corporation, einem Tochterunternehmen von Johnson &amp; Johnson,
zusammenarbeite, um Verfahren zur Produktion besserer oder neuartiger pharmazeutischer Präparate unter Schwerelosigkeit bis zur technischen Reife zu ententwickeln.

+ + + + +

- 3 -

�</text>
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und
Dokumentation

11

United States Information Service
Embassy of the United States of America

20. Juni 1984

25
INHALT

DOKUMENTATION
Reagan zu Gipfeltreffen mit Tschernenko bereit
- Pressekonferenz vom 14. Juni 1984 Sowjets müssen Haltung zur Rüstungskontrolle ändern
- Stellvertretender US-Außenminister vor dem Senat •

HINTERGRUNDMATERIAL
Shultz: Terrorismus eine Bedrohung des zivilisierten Lebens
- Erklärung des US-Außenministers vor dem Außenpolitischen Ausschuß
des Repräsentantenhauses -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Raumstation als internationales Projekt
- Einladung Präsident Reagans an Freunde und Verbündete zur
Mitarbeit Ruckeishaus: "Vernünftige Ziele für Umweltschutz"
- Industriegesellschaft wird nie risikofrei existieren können -

Um Über/endung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�I

Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

20. Juni 1984

25

REAGAN 2Ü GIPFELTREFFEN MIT TSCHERNENKO BEREIT
- Pressekonferenz vom 14. Juni 1984 -

Washington -(AD)- Auf einer Pressekonferenz in Washington am 14.
Juni 1984 äußerte sich Präsident Reagan zum Stand der amerikanisch-sowjetischen Beziehungen und erklärte seine Bereitschaft zu einem Gipfeltreffen mit dem sowjetischen Staats- und Parteichef Tschernenko. Im folgenden geben wir die Eingangserklärung Reagans und Auszüge aus dem außenpolitischen Teil der Pressekonferenz wieder.

Die Eingangserklärung Präsident Reagans hat folgenden Wortlaut:

Heute vor einer Woche traf ich in London mit den Staats- und Regierungschefs von sechs großen demokratischen Industrienationen zu unserem
jährlichen Wirtschaftsgipfel zusammen. Wir kamen zusammen, um der Weltwirtschaft den Puls zu fühlen, um die Auswirkungen der Politik zu beurteilen, die wir während der letzten drei Jahre verfolgt haben, und um uns
weiter um die Stärkung der uns allen gemeinsamen Werte der Freiheit, des
Wohlstandes und des Friedens zu bemühen.
In der

Postfach 20 03 00
D 5300 B o n n 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�In der Außenpolitik vollziehen sich Wandlungsprozesse weder schnell
noch leicht. In London waren wir uns jedoch darüber einig, daß wir uns
auf dem richtigen Weg befinden, obwohl wir uns weiterhin drängenden Herausforderungen gegenübersehen. Durch Zusammenarbeit und Festhalten an
unserer Politik haben wir seit 1981 eindrucksvolle Fortschritte gemacht.
Die westlichen Demokratien haben den Weg aus der Schwäche zur Stärke und
aus Enttäuschung und Pessimismus zu Zuversicht und Hoffnung auf eine bessere Zukunft gefunden.

Im Jahre 1981 betrug das durchschnittliche Wachstum unserer Volkswirtschaften nur 1,8 Prozent bei einer Inflationsrate von 8,5 Prozent.
Aber infolge der wirtschaftlichen Erholung und des Konjunkturaufschwungs
in den Vereinigten Staaten ist unsere durchschnittliche Wachstumsrate auf
nunmehr vier Prozent gestiegen, während die Ihflationsrate auf die Hälfte
gesenkt werden konnte.

Die Teilnehmer des Londoner Gipfels erkannten an, daß die Anstöße
des amerikanischen Konjunkturprogramms, denen wir unseren Wirtschaftsaufschwung und die Schaffung von mehr als sechs Millionen Arbeitsplätzen
im Verlaufe der letzten 18 Monate verdanken, einen wesentlichen Beitrag
zur Verbesserung der gegenwärtigen Lage der Weltwirtschaft wie auch ihrer
Zukunftsaussichten geleistet haben.

Ich habe unseren Verbündeten erneut versichert, daß Amerika unerschütterlich am Nordatlantischen Bündnis und an seiner Aufgabe des Schutzes von Frieden und Freiheit in der westlichen Welt festhält. Europa und
Amerika erfreuen sich einer nun schon fast 40jährigen Ära des Friedens.
Wenn die NATO stark und einig bleibt - und ich glaube, sie ist heute
stärker und einiger als je zuvor -, dann werden Europa und Amerika auch
weiter in Freiheit und Sicherheit leben.

Wir haben eine Stärke und Zuversicht wiedererstehen lassen, die über
die Küsten des amerikanischen Kontinents hinausgreifen bis nach Europa
und ins pazifische Becken, und wir streben darüber hinaus bessere und

- 2-

�bessere und realistischere langfristige Beziehungen mit der Sowjetunion
an. Deshalb haben wir und unsere Verbündeten so häufig die Initiative
ergriffen und Vorschläge unterbreitet, deren Ziel es war, die nuklearen
Waffenarsenale zu vermindern, chemische Waffen zu verbieten, den toten
Punkt in den Ost-West-Verhandlungen über die Verminderung konventioneller
Waffen zu überwinden, der Weiterverbreitung von Atomwaffen einen Riegel
vorzuschieben und ein Abkommen über Maßnahmen zur Verbesserung des gegenseitigen Vertrauens und zur Verminderung der Gefahr eines Überraschungsangriffs in Europa herbeizuführen.

Der Westen tut, was er kann, aber bis heute sind die Sowjets immer
noch nicht bereit, an die Verhandlungstische zurückzukehren, um die Gespräche über Kernwaffen fortzuführen. Amerikas Stellung in der Welt ist
heute wieder respekteinflößender, aber wenn wir auf dem Weg zu einer
friedlicheren Welt, in der es den Menschen besser geht, weiter voranschreiten wollen, brauchen wir die volle Unterstützung des Kongresses.
Der Kongreß muß das Modernisierungsprogramm für unsere strategischen
Waffen unterstützen, um die Stärke Amerikas zu bewahren und um die
Sowjets davon zu überzeugen, daß es in ihrem ureigensten Interesse liegt,
den Weg der Verhandlungen, nicht den der Konfrontation einzuschlagen, so
daß wir die Rüstung getrost herunterschrauben und dabei doch Frieden und
Stabilität erhalten können.

Der Kongreß muß den Empfehlungen der überparteilichen MittelamerikaKommission und den beiden ihm nun vorliegenden Ergänzungsanträgen entsprechen, um die Demokratie und die wirtschaftliche Entwicklung in dieser
für uns so lebenswichtigen Region südlich unserer Grenzen zu fördern und
um ihr zu größerer Sicherheit zu verhelfen.

Ferner muß der Kongreß ohne Umschweife unser Programm zum Abbau der
Haushaltsdefizite verabschieden, um zu gewährleisten, daß der Konjunkturaufschwung in seiner jetzigen Stärke anhält.

FRAGE; Herr Präsident, Sie weisen zwar auf das hin, was Sie getan

- 3 -

�Sie getan haben, aber dennoch meinen zwei führende Politiker der Republikanischen Partei, daß Sie noch nicht genug getan haben, und da die Gefahr
besteht, daß wir, die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion, uns gegenseitig in die Luft jagen, drängen diese Politiker Sie zu regelmäßigen
Gipfeltreffen mit den Sowjets ohne Vorbedingungen bezüglich der Gesprächsthemen oder Ergebnisse. Sowohl Sie als auch die Sowjets haben sich
zu einem Gipfeltreffen bereit erklärt, falls es gründlich vorbereitet
werde. Ich möchte gern wissen, wie heute der Stand der Dinge ist. Sind
Sie bereit zu einem Gipfeltreffen, um die Kugel ins Rollen zu bringen?

REAGAN; Was die beiden Senatoren angeht, so habe ich mit ihnen gesprochen, und das Ziel, das sie genannt haben, ist sicherlich wünschenswert und wird, wie ich meine, von uns allen geteilt. Darüber waren wir
uns einig, und ich haben ihnen einige der Schwierigkeiten und Probleme
dargelegt, mit denen wir zu kämpfen hatten. Ich bin jederzeit bereit, mit
der sowjetischen Führung zu Gesprächen zusammenzutreffen. Bis zum gegenwärtigen Zeitpunkt waren die Sowjets diejenigen, die es an Resonanz haben
fehlen lassen, aber wir sind in Verbindung geblieben. Es gibt über die
Rüstungskontrolle hinaus noch eine Reihe anderer Themen, über die wir
ihnen Gespräche vorgeschlagen haben, und wir versuchen hinter den Kulissen weiter, das mit den Mitteln der Diplomatie in die Wege zu leiten.

FRAGE; Herr Präsident, verstehen wir recht, daß Sie jetzt bereit
sind, von der Meinung abzurücken, die Sie so lange vertreten haben, daß
ein Gipfeltreffen vorab sorgfältig vorbereitet sein und Aussichten auf
nennenswerten Erfolg bieten müsse?
REAGAN: Von dem Standpunkt brauche ich eigentlich gar nicht abzurücken, weil auch die Russen sagen, daß genau das gewährleistet sein müsse, bevor es ein Gipfeltreffen geben könne - sorgfältige Vorbereitung
usw. Lassen Sie mich etwas genauer erklären, worum es mir geht. In der
Vergangenheit haben sich Vertreter der freien Welt, darunter auch Vertreter unseres Landes, in einigen Fällen nur zum Zwecke des Kennenlernens
auf Gespräche mit den Sowjets eingelassen. Diese Gespräche haben zu
großen Erwartungen und schließlich zu großen Enttäuschungen geführt.

- 4 -

�Enttäuschungen geführt. Daher bin ich nicht der Meinung, daß wir uns
erneut auf so etwas einlassen sollten. Gleichzeitig spreche ich aber
nicht von einem vorab inszenierten Treffen, bei dem man nur eine Reihe
von Punkten abhakt. Wenn man sich einfach nur auf eine Tagesordnung
einigen könnte, in der ganz allgemein die Themen aufgeführt sind, von
denen man glaubt, daß ihre Erörterung zu einem besseren gegenseitigen
Verständnis führen könnte, dann würde mir das schon genügen.

FRAGE: Sir, wenn ich hier nachhaken darf: Sind Sie bereit, jetzt
Schritte zur Ausarbeitung einer Tagesordnung zu unternehmen, so daß ein
Gipfeltreffen stattfinden könnte?

REAGAN: Wir unternehmen solche Schritte. Das habe ich gemeint, als
ich von diplomatischen Aktivitäten hinter den Kulissen sprach. Ich selbst
stehe mit der sowjetischen Führung in schriftlicher Verbindung. Auf eines
möchte ich gern hinweisen: Seit ich Präsident bin, hat es drei sowjetische Staatsoberhäupter gegeben. Einen dieser Männer habe ich persönlich
kennengelernt. Der zweite war, wie wir heute wissen, in schlechter gesundheitlicher Verfassung, weil er während seiner Amtszeit praktisch für
niemanden ansprechbar war. Und der dritte ist erst einmal damit beschäftigt, eine Regierungsmannschaft zusammenzustellen. Es ist also nicht so,
als ob wir hier nur dreieinhalb Jahre herumgesessen und uns mit irgendjemandem herumgestritten hätten ... Es hat große Veränderungen gegeben
dort drüben. Aber wir sind bereit, willens und in der Lage, Gespräche
aufzunehmen.

FRAGE: Sir, in den Reden, in denen Sie in diesem Jahr über das Verhältnis zu den Sowjets gesprochen haben, haben Sie ihnen eine Friedenspalme dargeboten. Gleichzeitig haben Sie aber entweder ihr System oder
ihr Verhalten verurteilt. Wäre es nicht besser - wenn man den Dialog entweder auf Gipfelebene oder in Genf wieder in Gang bringen will - es bei
der Friedenspalme zu belassen, ohne den Sowjets gleichzeitig auf die Füße
zu treten?

REAGAN: Ich glaube kaum, daß ich entgleist bin oder mich zu reinen

�zu reinen Beschimpfungen habe hinreißen lassen. Ich habe lediglich auf
Dinge hingewiesen, die ihren Beteuerungen zuwiderlaufen, daß sie Frieden
und Zusammenarbeit wollen. Ihr Auszug bei den Abrüstungsgesprächen gehört
bei- spielsweise dazu.

FRAGE; Ich weiß nicht, ob ich der einzige bin, dem immer noch nicht
klar ist, wie es um einen amerikanisch-sowjetischen Gipfel steht. Laden
Sie Herrn Tschernenko ein, herzukommen und sich mit Ihnen zu treffen? Und
wollen Sie, daß Ihre Berater sich mit seinen Beratern zusammensetzen, um
die Vorplanung durchzuführen, die von beiden Seiten für notwendig gehalten wird?

REAGAN; Wir stehen mit ihnen wegen einer Reihe von Themen in Verbindung, von denen wir glauben, daß sie besprochen werden sollten. Alles was
ich Ihnen sagen kann, ist, daß wir im Rahmen dessen, was ich diplomatische Aktivität hinter den Kulissen genannt habe, mit den Sowjets in
Verbindung stehen und versuchen, eine Basis für Gespräche zu schaffen.

FRAGE; Ist das eine Einladung an Tschernenko?
REAGAN; Soweit sind wir noch nicht.

FRAGE; Wären Sie auch dann bereit, sich mit Herrn Tschernenko zu
treffen, wenn er seine Delegationen nicht zurück zu den Gesprächen über
nukleare Rüstungskontrolle schicken würde?
REAGAN; Ja, ich bin bereit, mich mit ihm zu treffen.

FRAGE; Herr Präsident, wenn ich mich recht entsinne, haben Sie einmal
in Bezug auf ein Gipfeltreffen gesagt, daß es zu konkreten Ergebnissen
führen müsse. Wären Sie jetzt zu einem Gipfeltreffen bereit, bei dem weder ein konkretes Abkommen, noch ein Stück Papier wie z.B. ein neuer
SALT- oder START-Vertrag, noch ein neuer Vorstoß in Richtung auf einen
SALT- oder START-Vertrag herauskommt?

REAGAN: So

�REAGAN: So etwas habe ich mir nie vorgestellt. Wie ich schon sagte,
sollte es eine Tagesordnung geben, ein Thema, das beide Seiten erörtern
und irgendwie auch regeln wollen. Das eröffnet dann die Möglichkeit, daß
etwas erreicht wird. Ich möchte meine Vorgänger nicht kritisieren, aber
Lyndon Johnson hat sich einmal auf ein Treffen nur zum Zwecke des Kennenlernens eingelassen, und weiter ist dabei nichts herausgekommen. Es hat
auch ein solches Treffen zwischen Chruschtschow und Kennedy gegeben, und
es hat nicht zum Abbau der Spannungen beigetragen oder die Lage irgendwie
verbessert. Ich meine das Treffen in Wien. Es hat die Spannungen sogar
verschärft. Solch ein Treffen ist also eine zweischneidige Angelegenheit.
Wir wollen natürlich etwas erreichen, aber wir wollen auch sicher sein,
daß wir die Lage nicht noch schlimmer machen.

FRAGE; Was ich wissen wollte, war, ob Sie zu einem Gipfeltreffen
bereit sind, das nicht zur Unterzeichnung eines Vertrags oder Abrüstungsabkommens führt?
REAGAN: Das bin ich, das habe ich hier doch schon gesagt.

FRAGE: Herr Präsident, heute erklärte ein Sprecher des Kreml: "Wir
wollen Verhandlungen mit den Vereinigten Staaten über einen ganzen Fragenkomplex." Das ist gewiß etwas ganz anderes als das, was Herr
Tschernenko vorher sagte. Sehen Sie hierin eine Änderung der sowjetischen Politik oder Taktik? Gibt es hier eine rasche Veränderung in den
Beziehungen zwischen beiden Staaten?

REAGAN: Wir werden sicherlich alles tun, um das herauszufinden, denn
- wie ich schon sagte -, besteht zwischen uns Kommunikation. Und wenn
sie bereit zu Gesprächen sind, so sind wir das auch.
FRAGE: Herr Präsident, Sie sagten, sie sind bereit und willens zu Gesprächen mit den Sowjets. Aber Herr Tschernenko hat Verhandlungen über
ein Verbot von

Antisatellitenwaffen und andere Weltraumwaffen vorge-

schlagen. Können Sie uns sagen, warum - über die Tatsache hinaus, daß
Sie der Ansicht sind, es könne hier keine Verifizierbarkeit geben, wie

- 7-

�geben, wie Sie letztes Wochenende sagten - kann eine Verifizierbarkeit
denn nicht Verhandlungsgegenstand sein, wenn Sie sich erst einmal mit den
Sowjets an den Tisch setzen und über diese Waffen sprechen?

REAGAN; Es gibt hier eine ganze Reihe von Dingen, die wir prüfen.
Noch sagen wir hierzu ja nicht einfach "nein". Wir analysieren das Ganze.

Die Sowjets sind uns auf diesem Gebiet weit voraus. Sie arbeiten in

diesem Bereich seit über zehn Jahren. Und wir beginnen hier gerade mit
den Forschungen. Und ich glaube, wir haben sehr konkrete Gründe dafür,
daß wir erst einmal Wissen erlangen, bevor wir verhandeln. Aber wir haben deswegen die Tür noch keineswegs zugeschlagen.

FRAGE; Können Sie auch Berichte zur Verifizierungsfrage bestätigen,
wonach es seit 1958 beträchtliche Verletzungen aller Verträge durch die
Sowjets gegeben haben soll?

REAGAN; Wir haben dem Kongreß einen 200 Seiten starken vertraulichen
Bericht übergeben, und wir haben eine Zusammenfassung davon veröffentlicht. Der Großteil ist immer noch wegen der Gefahr des Bekanntwerdens
der Quellen geheim. Aber es ist ein Bericht über klare Verletzungen
vieler Verträge in der Vergangenheit, allerdings auch einiger Zwiedeutigkeiten - vielleicht gegründet auf Sprachschwierigkeiten oder dergleichen
-, wobei sie auf eine unterschiedliche Interpretation des jeweiligen Vertrages pochen und ihn unter diesen Umständen also nicht verletzen. Sie
tun hier also das, was ihrer Meinung nach der Vertrag vorschreibt. Aber
zwischen diesen beiden Punkten gab es Verletzungen.

FRAGE; Herr Präsident, vor Ihrem Amtsantritt sprach man davon, daß es
zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion Parität bei den jeweiligen Streitkräften gebe.

Ihre Anhänger, die 1980 die republikani-

schen Thesen niederlegten, forderten militärische Überlegenheit gegenüber
der Sowjetunion. Seither gibt es etwas Verwirrung, sprachen Sie doch in
einigen Reden einmal vom Sternenkrieg und dann wieder von Parität. Wie
wird Ihrer Meinung nach bei den Republikanern über diese Frage gesprochen? Wo liegt der Weg zwischen diesen beiden Wörtern 'Überlegenheit"

- 8 -

�Wörtern 'Überlegenheit" und "Parität"?

Kl-WGAN: Meine eigene Ansicht ist, daß man über die Stärke und die
Abschreckung verfügen sollte, die notwendig ist, um im möglichen Maß
sicherzustellen, daß es keine Konfrontation gibt, denn der Preis dafür
wäre zu hoch. Gleichzeitig kann ich nur betonen, daß wir nichts lieber
hätten, als zusammen mit ihnen die Zahl der Waffen zu verringern.

Wir hatten Verhandlungen und Verträge über die Begrenzung von Waffen
und all dies, bis hin sogar zu den SALT-Verträgen.

All das hat nur das

Wettrüsten legalisiert. Es handelt sich hierbei um Begrenzungen, um Regeln und Verfahrensweisen, wie viele Waffen man noch mehr haben durfte.

Tatsache ist, daß die Sowjetunion nach Unterzeichnung des SALT IIAbkommens ihrem Arsenal fast 4000 Gefechtsköpfe hinzufügte. Das aber ist
nicht meine Vorstellung davon, was wir wirklich brauchen, um die Spannungen in der Welt abzubauen. Was wir brauchen, ist eine Verringerung und
hoffentlich eine Beseitigung der strategischen Kernwaffen.

FRAGE; Hierzu noch: Sie haben bereits mindestens zweimal gesagt, daß
wir nichts weiter als Parität anstreben. Würde daher nicht eine Wahlplattform, die hierüber hinausgeht und die Forderung nach Überlegenheit
wieder aufgreift, nicht der Sowjetunion ein falsches Signal geben?

REAGAN: Ich hätte es lieber, wenn man nicht Uberlegenheit fordern
würde, nachdem wir mit ihnen und mit anderen Ländern in zwei Verhandlungsbereichen engagiert sind, wo die Sowjets nicht aufstanden und den
Verhandlungstisch verließen. Ja, ich glaube, es könnte das Gegenteil
bewirken, wenn man jetzt so etwas fordern würde.

* * * * *

- 9-

�Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

25

20. Juni 1984
SOWJETS MÜSSEN HALTUNG ZUR HJ STUNGSKONTROLLE ANDERN
- Stellvertretender US-Außenminister vor dem Senat -

WASHINGTON - (AD) - "Ein Erfolg in der Rüstungskontrolle wird eine
wesentliche Änderung in der Haltung der Sowjets erfordern", betonte der
Stellvertretende amerikanische Außenminister Kenneth Dam am 13. Juni
1984. Vor dem Außenpolitischen Ausschuß des Senats wies Dam darauf hin,
daß die Sowjetunion sich trotz des amerikanischen Angebots, "auf halbem
Weg" entgegenzukommen, weiterhin weigere, den Dialog über nukleare
Rüstungskontrolle wieder aufzunehmen.
Die Ausführungen des Stellvertretenden amerikanischen Außenministers
haben folgenden Wortlaut:
Es gibt keine Frage, die für die Administration oder das amerikanische Volk von größerer Bedeutung ist, als Krieg und Frieden. Wie Präsident Reagan sagte: "Wir müssen sowohl die Freiheit verteidigen als
auch den Frieden bewahren. Wir müssen unseren Prinzipien und unseren
Freunden treu bleiben und gleichzeitig eine Katastrophe verhindern." Wir

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�verhindern." Wir können dieser doppelten Verantwortung nicht entgehen.
Ja, die Aufgabe, unsere Freiheit und Sicherheit zu erhalten, ist niemals
wichtiger oder komplexer gewesen als heute.
Eine gesunde nationale Sicherheitspolitik beruht auf der Überzeugung,
daß die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion - welche Differenzen wir
auch haben mögen - ein tiefes gemeinsames Interesse haben, einen Atomkrieg und seine unvorstellbaren Folgen zu vermeiden. Zu einer nationalen
Sicherheits- politik muß auch eine feste Entschlossenheit zur Aufrechterhaltung von Ab- Schreckungsstreitkräften wie auch ein aktives Streben
nach Rüstungskontrolle zur Eindämmung des Wettbewerbs gehören.
Rüstungskontrolle ist kein Allheilmittel für unsere Probleme in der
Welt. Sie ist nur eine Facette unseres Verhältnisses zur Sowjetunion,
wenn auch eine sehr wichtige.
Man muß immer im Auge behalten, was nukleare Rüstungskontrolle
bewirken kann und was nicht. Rüstungskontrolle kann nicht:
- die Drohung eines Atomkrieges beseitigen; die Erfindung der
Kernwaffen ist nicht rückgängig zu machen;
- große Summen einsparen; die Nuklearstreitkräfte beanspruchen nur etwa
15 Prozent des Verteidigungshaushaltes;
- die Verluste oder Schäden wesentlich vermindern, sollte es zu einem
Atomkrieg kommen; schon eine kleine Zahl von solchen Waffen kann
katastrophale Schäden verursachen.
Rüstungskontrolle kann jedoch:
- die Nuklearstreitkräfte wesentlich verringern;
- wenn richtig durchgeführt - d.h., wenn die Beschränkungen zur
Entwicklung kleinerer, überlebensfähigerer und stabilerer Streitkräfte

�stabilerer Streitkräfte auf beiden Seiten ermutigen - die Stabilität
fördern und das Risiko eines Krieges vermindern.
Wir dürfen nicht vergessen, daß Fortschritt in der Rüstungskontrolle
ein Verhandeln in gutem Glauben auf beiden Seiten voraussetzt und auch
von vielen Faktoren abhängt, die über den sachlichen Inhalt unserer
Vorschläge hinaus- reichen. Wenn Rüstungskontrolle Erfolg haben soll,
müssen wir uns bemühen, die Umstände zu schaffen, die einen Erfolg
ermöglichen: Wir müssen das Gleichgewicht der Kräfte aufrechterhalten
und die Stärke unseres Bündnisses gewährleisten, während wir die
legitimen Sicherheitsinteressen unserer Gegner berücksichtigen.
Die Modernisierung unserer Streitkräfte ist ein wichtiges - und
wesent- liches - Element unseres Vorgehens zur Erhaltung des Gleichgewichts und zur Schaffung von Verhältnissen, unter denen Rüstungskontrolle gelingen kann. Wie Sie wissen, sind in den letzten zehn bis
15 Jahren die sowjetischen Militär- ausgaben in vielen lebenswichtigen
Kategorien weit höher gewesen als die uns- rigen. Das Modernisierungsprogramm des Präsidenten ist dazu gedacht, das Gleichgewicht wiederherzustellen, die Abschreckung zu stärken und die Anreize für die Sowjets zu
erhöhen, über gerechte verifizierbare Rüstungskontroll- abkommen zu verandeln. Die Modernisierung ist also ein integraler Bestand- teil unserer
nationalen Sicherheitspolitik, zu der wirksame Abschreckung wie auch
wirksame Rüstungskontrolle gehören.
Bei all den vielen Rüstungskontrollanstrengungen, die diese
Administration unternommen hat, haben wir uns von vier Zielsetzungen
lenken lassen:
- Verringerungen: Wir streben Abkommen an, die tatsächlich die
militärische Kapazität der Beteiligten durch eine wesentliche Verringerung der Waffen und Streitkräfte einschränken und sie nicht lediglich auf dem jeweiligen oder einem noch höheren Stand einfrieren.
- Gerechtigkeit:

Das Endergebnis muß ein Gleichstand oder gleich-

�oder gleichwertiger Stand der Streitkräfte auf beiden Seiten sein. Ein
Abkommen, das ungleiche Streitkräfte festschreibt, schafft Instabilität,
die das Abkommen aus den Angeln heben kann, und vergrößert auf längere
Sicht sogar das Risiko eines Konflikts.
- Stabilität: Ein Abkommen muß die Stabilität der Abschreckung in
einer Krise verbessern. Wenn die Streitkräfte beider Seiten sicher genug
sind, einen Großangriff überleben zu können, dann wird der Anreiz, im
Falle einer Krise oder Konfrontation einen Präventivschlag zu führen,
geringer. Das ist eine wichtige Aussage des Berichtes der überparteilichen Scowcroft-Kommission über die Zukunft unserer strategischen
Streitkräfte.
- Verifizierbarkeit: Schließlich müssen Rüstungskontrollabkommen
wirksam überprüfbar sein. In der Vergangenheit haben Abkommen, deren
Einhaltung nicht verifizierbar war, Mißtrauen und Argwohn hervorgerufen,
statt die Aussichten durch größere Stabilität zu fördern. Der Bericht
des Präsidenten an den Kongreß vom Januar dieses Jahres, der auf
sowjetische Verletzungen oder wahrscheinliche Verletzungen mehrerer
Rüstungskontrollabkommen hinweist, unterstreicht die Notwendigkeit
wirksamer Verifizierung.
Auf diesen vier Prinzipien aufbauend hat die Administration eine bei
spiellose Fülle von Rüstungskontrollverhandlungen auf dem ganzen Spektrum
der Sicherheitsfragen zwischen Ost und West in Angriff genommen. Im
Rahmen unserer Bemühungen, für erfolgreiche Verhandlungen günstige Umstände zu schaffen, hat die Administration die Politik eingeschlagen,
keine Maßnahmen zu treffen, die die bestehenden Abkommen über strategische Waffen unterlaufen würden, vorausgesetzt, die Sowjetunion übt die
gleiche Zurückhaltung. Dies wird auch weiterhin unsere Politik bleiben.
Lassen Sie mich jetzt zu einigen der wichtigeren Punkte kommen.

START
Das Hauptziel
- 4-

�Das Hauptziel unserer Bemühungen um eine Kontrolle der strategischen
Rüstungen besteht darin, die Stabilität zu fördern und das Risiko eines
Krieges durch wesentliche Verringerungen der amerikanischen und sowjetischen Raketenstreitmacht, vor allem der Interkontinentalraketen (ICBM),
zu vermindern. Sie sind sich hier alle darüber im klaren, daß diese
Systeme besondere Probleme mit sich bringen. Ein geringerer Verlaß auf
ICBM - vor allem große ICBM mit Mehrfachgefechtsköpfen - würde den Anreiz
für eine Seite direkt verringern, ihre Kernwaffen in einer Krise als
erste gegen Elemente der strategischen Abschreckung der anderen Seite
einzusetzen.
Der Kern unserer Position bei START ist also eine wesentliche Verringerung der Zahl von Raketengefechtsköpfen. Nach enger Konsultation
mit dem Kongreß haben wir vorgeschlagen, diese Verringerungen durch einen
sogenannten "Abbau" zu erreichen, d.h., mehr Waffen abzubauen als zu dislozieren, bis der vereinbarte Stand erreicht ist.
Darüber hinaus sind wir Besorgnissen der Sowjets entgegengekommen,
daß unsere Position eine umfassende Neustrukturierung ihrer strategischen
Streitkräfte erfordern würde. Aus diesem Grunde haben wir im vergangenen Jahr mehrere Abänderungen unseres ursprünglichen Vorschlages vorgenommen. Wir haben einen Vertragsentwurf vorgelegt, in dem die in unserem
ursprünglichen Vorschlag vorgesehenen zwei Phasen in ein einziges Abkommen zusammengelegt werden und aus dem klar und deutlich hervorgeht, daß
von Anfang an alle Systeme begrenzt werden sollen. Wir haben auch Flexibilität gezeigt und sowjetische Ideen aufgegriffen, wie die gegenwärtige
große Disparität im Wurfgewicht der Raketen abgebaut werden könnte. Und
schließlich hat der Präsident unsere Bereitschaft signalisiert, über einen Ausgleich zwischen Gebieten amerikanischen und sowjetischen Vorteils
zu verhandeln.
Das sowjetische Entgegenkommen gegenüber unseren Anliegen war im
Verlauf der fünf Verhandlungsrunden geringer, als wir gewünscht hätten,
aber die Sowjets haben einige positive Schritte getan. Obwohl unsere

�Obwohl unsere Positionen noch weit auseinanderliegen, haben die Sowjets '
ihre Bereitschaft erkennen lassen, über einige Änderungen ihrer eigenen
Trägerwaffen zu sprechen, und einige Änderungen ihrer eigenen Position
angeboten. Die Vorschläge der Sowjets zielten jedoch zum größten Teil
darauf ab, daß ihnen erlaubt würde, ihren Vorteil an Zerstörungskraft
ihrer Raketen beizubehalten und die Zahl ihrer Raketensprengköpfe sogar
noch zu erhöhen.
Wir sind der Überzeugung, daß unser Vorschlag für einen Ausgleich den
Weg für einen künftigen Fortschritt ebnen könnte. Aber leider haben die
Sowjets einen Fortschritt bei START mit der Verhinderung der Dislozierung
nuklearer Mittelstreckensysteme (INF) in Europa verknüpft. Im Dezember
vorigen Jahres weigerten sie sich, einem Datum für die Wiederaufnahme der
START-Verhandlungen zuzustimmen, offensichtlich aus Enttäuschung darüber,
daß es ihnen nicht gelungen ist, die Dislozierung von PERSHING II-Raketen und Marschflugkörpern zu verhindern. Was jetzt nötig ist, ist, daß
die Sowjets an den Verhandlungstisch zurückkehren. Das liegt ebenso in
ihrem Interesse wie in dem unsrigen.

INF
Unsere Vorschläge bei den Verhandlungen über nukleare Mittelstreckensysteme (INF) lassen unsere Verpflichtung auf das Ziel der Verringerung
der Kernwaffen noch deutlicher erkennen. Das allen bekannte Ziel des
Präsidenten bei diesen Verhandlungen war sogar noch weiterreichend als
das bei START - eine ganze Kategorie von Raketen soll auf globaler Basis
eliminiert werden. Als die Sowjetunion diesen Weg als zu weitreichend
befand, schlugen wir eine Zwischenlösung vor, durch die wir unsere geplanten Dislozierungen wesentlich verringern wollten, wenn die Sowjetunion die Zahl ihrer Raketen vom Typ SS-4, SS-5 und SS-20 auf eine
gleiche Zahl von Gefechtsköpfen verringern würde. Die Sowjets lehnten
jedoch diese Zwischenlösung ebenso ab, da jedes Ergebnis, das die Dislozierung auch nur einer einzigen amerikanischen Mittelstreckenrakete
gestatten würde, mit ihrer Politik unvereinbar ist, ein Monopol an solchen Raketen in Europa und Asien aufrechtzuerhalten. Wir haben unsere

�* haben unsere Position während des Jahres 1983 immer wieder abgewandelt,
um ausdrücklichen Besorgnissen der Sowjets bezüglich der PERSHING II,
Flugzeugbegrenzungen und globalen Einschränkungen entgegenzukommen.
Trotzdem blieben die Sowjets unzugänglich und wollten ihr Monopol an
diesen Raketen behalten. Jeder sowjetische Vorschlag verweigert den Vereinigten Staaten solche Waffen. Der letzte Vorschlag, den die Sowjets
unmittelbar vor dem Abbruch der Verhandlungen unterbreiteten, sieht eine
Verminderung der tatsächlichen oder geplanten Dislozierungen um 572 Gefechtsköpfe vor - was für sie 700 Gefechtsköpfe und für uns null bedeuten
würde.
Die Sowjetunion schrieb ihr Verlassen der Verhandlungen dem Beginn
der amerikanischen Dislozierung von INF-Flugkörpern in Europa zu. Es
gibt für diesen sowjetischen Abbruch der Verhandlungen keine Rechtfertigung. Wir haben in gutem Glauben verhandelt trotz der Tatsache, daß
während der zwei Jahre der Verhandlungen die Sowjetunion über 100 neue
SS-20-Raketen mit über 300 Gefechtsköpfen disloziert hat. Darüber hinaus
sind viele amerikanische Kernwaffen aus Europa abgezogen worden oder
werden gerade abgezogen, weil die NATO-Minister dies 1979 und 1983 beschlossen haben. Zu dem Zeitpunkt, an dem unsere INF-Dislozierungen abgeschlossen sein werden, werden für jeden neu dislozierten Gefechtskopf
mehr als fünf* abgezogen sein.
Wir sind bereit, die Verhandlungen - sowohl bei START als auch bei
INF - zu jedem Zeitpunkt und an jedem Ort ohne Vorbedingungen wieder
aufzunehmen. Unsere Vorschläge sind fair und praktikabel. Alle Elemente
für ein Abkommen liegen auf dem Tisch. Wir hoffen, daß die Sowjetunion
zu der Einsicht ge- langen wird, daß ihre Politik des Nichtverhandelns
und der Gegenmaßnahmen die Öffentlichkeit im Westen nicht einschüchtern
kann.

Nuklearversuche
Was die
- 7-

�Was die Begrenzung von Nuklearversuchen angeht, so hat die Administration entschieden, daß der Schwellenvertrag für Nuklearversuche von
1974 und der Begleitvertrag über friedliche Kernversuche von 1976 in
ihrer gegenwärtigen Form nicht wirklich verifizierbar sind. Bei einer
Reihe von Gelegenheiten sind wir im vorigen jähr an die Sowjets herangetreten und haben sie eingeladen, mit uns über eine Verbesserung der
Verifizierung dieser Abkommen zu sprechen. Jedes Mal hat die Sowjetunion
unser Ersuchen um solchen Gespräche abgewiesen. Wir sind weiterhin entschlossen, auf diesem Gebiet Fortschritte zu erzielen, aber unsere Bemühungen sind durch die sowjetische Haltung sehr stark erschwert worden.
Mögliche nächste Schritte in dieser Frage werden aktiv erwogen.

Rüstungskontrolle im Weltraum
Die Vereinigten Staaten haben sich seit langem der Erforschung und
Nutzung des Weltraums für friedliche Zwecke verschrieben. Wir spielten
eine führende Rolle bei der Formulierung des beachtlichen Kodex internationalen Rechts bezüglich des Weltraums. Der begrenzte Teststoppvertrag aus dem Jahr 1963, der Weltraumvertrag von 1967 und das Abkommen
über die Rettung von Astronauten sowie das Abkommen über die Rückgabe
von in den Weltraum gestarteten Objekten aus dem Jahr 1968 sind bemerkenswerte Beispiele. Die Charta der Vereinten Nationen enthält ebenfalls
Bestimmungen zugunsten des Weltraums.
Die Vereinigten Staaten wollen kein Wettrüsten im Weltraum, aber wir
un- terschatzen auch nicht die gegenwärtigen und potentiellen künftigen
Gefahren sowjetischer Antisatellitenwaffen. Die Administration hat die
Frage ernsthaft geprüft, ob Einschränkungen für Waffen oder Tätigkeiten
im Weltraum gefunden werden könnten, die gerecht verifizierbar und mit
der Sicherheit der Vereinig- ten Staaten vereinbar wären. Der Bericht
des Präsidenten über die amerika- nische Politik bezüglich einer Antisatelliten-Rüstungskontrolle, der dem Kongreß im April zugeleitet wurde,
enthält die ersten Ergebnisse dieser Studie. Wir setzen unsere Studien
auf dringlicher Basis fort, um herauszufinden, ob annehmbare Maßnahmen

�annehmbare Maßnahmen für ein Verbot oder eine Begrenzung spezieller
Waffensysteme festgelegt werden können.

MBFR
Über unsere Bemühungen hinaus, die Zahl der Kernwaffen zu verringern,
haben wir und unsere Verbündeten anhaltende Verhandlungen mit den Ländern des Warschauer Paktes über eine beiderseitige und ausgewogene Verringerung der konventionellen Streitkräfte in Mitteleuropa geführt. Die
Vereinigten Staaten spielen eine konstruktive Rolle, um den Bereich der
Tagesordnung bezüglich der Rüstungskontrolle zwischen Ost und West zu
erweitern und Verringerungen der konventionellen Streitkräfte auf einen
niedrigeren gleichen Stand zu erzielen. Das Haupthindernis war lange
Zeit die Diskrepanz zwischen den vom Warschauer Pakt angegebenen Zahlen
der Truppenstärke und unseren Schätzungen dieser Truppenstärke. Wir
haben erst kürzlich zusammen mit unseren NATO-Verbündeten eine neue Initiative vorgeschlagen, die darauf abzielt, dieses Problem zu lösen, und
wir hoffen, daß diese Initiative zu ernsthaften Verhandlungen über verifizierbare Verringerungen auf einen Gleichstand führen wird. Die erste
sowjetische Reaktion ist jedoch nicht ermutigend.

Chemische Waffen
Unsere größte Herausforderung auf dem Gebiet der chemischen Waffen
besteht darin, den lange bestehenden Kodex der Zurückhaltung bezüglich
des Einsatzes chemischer Waffen neu zu beleben. Die Vereinigten Staaten
wollen die totale Abschaffung chemischer Waffen.
Im April hat Vizepräsident Bush der Abrüstungskonferenz in Genf einen
Vertragsentwurf für ein umfassendes Verbot der Entwicklung, Herstellung,
Lagerung, Weitergabe und Anwendung unterbreitet. Der Vertragsentwurf
enthält ferner neuartige Verifizierungsbestimmungen, die, wie wir hoffen,
die Sowjetunion zu prüfen bereit sein wird. Wir sind der festen Über-

�festen Überzeugung, daß das Problem der chemischen Waffen eine radikale
Lösung verlangt, und wir sind zu einer solchen bereit.

Vertrauensbildende Maßnahmen
Als Ergänzung unserer Vorschläge zur Verringerung der nuklearen und
konventionellen Streitkräfte schlagen wir vertrauensbildende Maßnahmen
vor, die dazu dienen, das Risiko eines Krieges aufgrund eines Überraschungsangriffs, eines Zufalls oder einer Fehleinschätzung zu verringern. Im vorigen Jahr haben die Sowjets und wir eine Reihe von
konstruktiven Zusammenkünften über eine Verbesserung des "Heißen Drahtes", der direkten Fernmeldeverbindung zwischen Washington und Moskau,
abgehalten.
Bei den START- und INF-Verhandlungen haben wir eine Reihe von Vorschlägen gemacht hinsichtlich der Vorankündigung von Raketenstarts und
großer Manöver und einer Ausweitung des Datenaustausches über Streitkräfte.
Auf der Stockholmer Konferenz über Abrüstung in Europa streben die
Vereinigten Staaten zusammen mit ihren Verbündeten weitere Maßnahmen über
die Ankündigung und Beobachtung von militärischen Übungen an. Die
Sowjetunion hat diese Vorschläge nicht angenommen und sich statt dessen
auf eine Gewaltverzichtserklärung konzentriert. Der Präsident hat dazu
in Dublin gesagt: "Falls Verhandlungen über eine erneute Verpflichtung
auf das Prinzip des Gewaltverzichts - ein Prinzip, an das wir aus
innerster Überzeugung heraus glauben - die Sowjets dazu veranlassen
könnten, über Abkommen zu verhandeln, die diesem Prinzip eine neue und
konkrete Bedeutung verleihen würden, so wären wir gerne bereit, solche
Gespräche aufzunehmen."
Und schließlich tauschen Ost und West routinemäßig Ankündigungen von
Übungen aus, die sonst falsch gedeutet werden könnten. Wir sind der
Überzeugung, diese Praxis sollte ausgeweitet und zur Pflicht gemacht
- 10 -

�Pflicht gemacht werden.
Der Erfolg dieser Rüstungskontrollbemühungen wird letztlich von einer
Reihe von Fakten abhängen: von glaubwürdigen Abschreckungsstreitkräften,
einem starken Bündnis und einer Bereitschaft, zusammenzuarbeiten, um zu
ausgewogenen und wirksamen Abkommen zu gelangen, die das Interesse eines
jeden Landes wahren. Aber solche Umstände werden umgekehrt von den
Qualitäten abhängen, die wir als Nation an den Verhandlungstisch bringen: Geduld, Ausdauer und Einigkeit. So, wie der Zusammenhalt unter den
Verbündeten von entscheidender Bedeutung für die Position des Westens in
solchen Verhandlungen wie START und INF ist, so ist die Einigkeit in unserem eigenen Land von entscheidender Bedeutung für den Fortschritt all
dieser Verhandlungen. Wenn wir uneinig erscheinen, dann werden die
Sowjets glauben, daß sie zumindest einige ihrer Ziele auch ohne Verhandlungen, ohne Kompromisse und ohne Einschränkung ihrer eigenen Streitkräfte erreichen können. Auf der anderen Seite wird eine überparteiliche
Unterstützung unserer Rüstungskontrollvorschläge und strategischen Modernisierungsprogramme die Aussichten auf Rüstungskontrolle fördern.
Präsident Reagan hat oft von seinem Wunsch gesprochen, ein konstruktives Verhältnis zur Sowjetunion herzustellen. Seine Einstellung basiert auf einer glaubwürdigen Abschreckung, friedlichem Wettbewerb und
konstruktiver Kooperation. Leider haben die Sowjets diese Herausforderung noch nicht angenommen. Der schrille Ton jüngster sowjetischer
Erklärungen gegenüber den Vereinigten Staaten ist enttäuschend. Während
'wir bei unseren START- und INF-Vorschlägen Flexibilität gezeigt und immer
wieder gesagt haben, daß wir den Sowjets auf halbem Weg entgegenkommen
wollen, wenn sie nach Genf zurückkehren, weigern sie sich noch immer,
den Dialog über nukleare Rüstungskontrolle wieder aufzunehmen. Ein Erfolg der Rüstungskontrolle wird eine wesentliche Änderung in der Haltung
der Sowjets erfordern.
Wir bringen weiterhin unsere Bereitschaft zum Ausdruck, diese Verhandlungen zu jeder Zeit ohne Vorbedingungen wieder aufzunehmen. Wir
haben nicht die Absicht, unsere grundlegenden Ziele der Verringerung,
- 11 -

�der Verringerung, Gleichheit, Stabilität und Verifizierung zu opfern.
Aber wir müssen einsehen, daß es mehr als einen Weg geben mag, um diese
Ziele zu er- reichen, und der Präsident hat klar gesagt, daß unsere
Einstellung flexibel ist. Wir stehen bereit; wir haben den ersten
Schritt getan. Jetzt liegt es an den Sowjets zu antworten.

* * * * *

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United States Information Service
Embassy of the United States of America

25

20. Juni 1984

SHULTZ: TERRORISMUS EINE BEDROHUNG DES ZIVILISIERTEN LEBENS
Erklärung des US-Außenministers vor dem Außenpolitischen Ausschuß
des Repräsentantenhauses -

WASHINGTON - (AD) - In einer Erklärung vor dem Außenpolitischen Ausschuß
des Repräsentantenhauses am 13. Juni 1984 in Washington nannte Außenminister
Shultz den internationalen Terrorismus eine Bedrohung des ziviliserten Lebens
und unterstrich, daß "der Präsident und der Kongreß es diesem Land schuldig
(sind), alles Notwendige zu tun, um unser Volk, unsere Interessen und unsere
Grundprinzipien zu schützen".
Die Erklärung des Außenministers hat folgenden Wortlaut:
Ich begrüße diese Gelegenheit, mit Ihnen über das Problem des internationalen Terrorismus sowie die Herausforderung zu sprechen, die er für unser
Land darstellt. Dieses Thema wurde auf dem jüngsten Gipfeltreffen in London
von den Staats- und Regierungschefs sowie von ihren Außenministern eingehend
behandelt. Am 9. Juni wurde eine Erklärung herausgegeben, die Ihnen meine Mitarbeiter zur Verfügung gestellt haben. In dieser Erklärung brachten die Führer
ihre Entschlossenheit zum Ausdruck, diese Drohung mit allen zur Verfügung ste-

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Verfügung stehenden Mitteln zu bekämpfen, die vorhandenen Möglichkeiten zu
stärken und wirksame neue zu entwickeln."

Einer der Punkte dieser Erklärung

forderte alle Staaten dazu auf, bestehende Lücken ihrer Gesetzgebung zu schließen.

Und dies ist auch einer der Gründe dafür, daß ich heute hier erscheine.

Zunächst möchte ich jedoch das Problem mit Ihnen im allgemeinen behandeln und
darlegen, warum es dem Präsidenten und mir wachsende Sorge bereitet.
Der Terrorismus ist seit 1968, als unser Botschafter in Guatemala ermordet wurde, zu einem immer größeren Problem geworden.

1979 erreichte die Zahl

der Terroranschläge ihren Höhepunkt.und seither hat sich hinsichtlich der Anzahl derartiger Ereignisse nicht allzu viel geändert.

1983 gab es über 500

Anschläge internationaler Terroristen, über 200 davon gegen die Vereinigten
Staaten.

Dies aber war nur die Spitze des Eisberges, denn es gab zumindest

ebenso viele Drohungen und blinden

Alarm.

Dadurch schafft man auf billige

Weise eine Atmosphäre der Furcht,und dadurch wird eine beträchtliche Menge unserer Mittel wie auch jener unserer Gastregierungen gebunden.

Darüber hinaus

gibt es noch die nationalen und innnenpolitischen Terrortätigkeiten, die wahrscheinlich noch um das Hundertfache das übersteigen, was wir als den internationalen Terrorismus definieren.
Dieses Problem läßt sich nicht auf ein bestimmtes geographisches Gebiet
eingrenzen. Glücklicherweise gibt es in den Vereinigten Staaten selbst relativ
wenige Vorkommnisse - das Problem für die Vereinigten Staaten liegt hauptsächlich in anderen Regionen der Welt. Die meisten Vorkommnisse insgesamt und gegen die Vereinigten Staaten ereignen sich in Europa, gefolgt von Lateinamerika
und dem Nahen Osten.
Warum machen wir uns solche Sorgen?

Hier eine kurze Zusammenfassung:

- 1983 wurden durch Terroranschläge mehr Amerikaner getötet und verwundet
als in den 15 vorausgegangenen Jahren, für die es Belege gibt.
- Die Anschläge

- 2 -

�- Die Anschläge des Jahres 1983 waren einzigartig im Ausmaß ihrer Gewalttätigkeit.

Für uns waren die schlimmsten Tragödien die Zerstörung un-

serer Botschaft und der Kaserne der Marines in Beirut sowie unseres Botschaftsannexes in Kuweit.

Aber wir waren nicht die einzigen Opfer.

Es

gab den Bombenanschlag bei Harrods in London, die Bomben im Flughafen Orly
in Paris, die Ermorderung von vier südkoreanischen Kabinettsmitgliedern in
Rangoon, die Zerstörung eines Flugzeuges der Emirate durch eine Bombe und
auch noch andere.
- In enger Zusammenarbeit mit der zunehmenden Gewalt steht die willkürliche
Einbeziehung von Unschuldigen - von Menschen, die in keinster Weise mit
der Verursachung oder der Verschlechterung der von den Terroristen angeklagten Mißstände zu tun haben.
- Ursache wachsender Besorgnis ist die umfangreiche Reisetätigkeit der
Terroristen außerhalb ihrer eigenen Länder und Regionen, um im Ausland
Terrorakte zu begehen.

Auch hier sagen uns nachdrichtendienstliche Erkennt-

nisse, daß dies in besonderer Weise für den Nahen und Mittleren Osten, für
Europa und Lateinamerika gilt, wobei die Berichte von verstärkter Reisetägigkeit in die Vereinigten Staaten

sprechen.

Und wir wissen auch, daß

einige Amerikaner die terroristische Aktivität anderer Staaten und Gruppen
unterstützen.
- Am beunruhigendsten ist jedoch, in welchem Umfang die offiziellen Vertretungen von Staaten an terroristischen Akten beteiligt sind.

1983 kam

es zu über 70 Vorfällen, bei denen staatliche Unterstützung oder Beteiligung in beträchtlichem Maß erkennbar war.

Der Terrorismus - bislang eher

ein Zufallsprodukt isolierter Gruppen oder lokaler Fanatiker - ist mittlerweile zu einer Methode der Kriegsführung geworden.

Und dies umso mehr,

weil diese Art des Krieges nicht erklärt und sogar - wenn auch nicht immer - abgeleugnet wird.
- Etwa 40 Prozent

�- Etwa 40 Prozent aller Vorfälle sowie ein großer Teil aller Drohungen
und Falschalarme zielen auf die Vereinigten Staaten - auf unsere Diplomaten, auf die Angehörigen unserer Streitkräfte, auf Geschäftsleute und
andere Amerikaner.
Wir stehen hier vor einem Problem von großer und wachsender Bedeutung.
Das Problem zeigt sich nicht nur in den grausamen Statistiken, sondern auch
durch die Drohung, die der Terrorismus für das zivilisierte Leben darstellt.
Das Hauptziel der Terroristen sind nicht nur einzelne Menschen,sondern das
grundlegende Interesse und die Werte der Demokratien.

Es handelt sich hier um

eine Form der Kriegsführung auf niedriger Ebene, die hauptsächlich auf die westlichen /Nationen und Institutionen sowie deren Befürworter und Verbündete abzielt.
Wir sind die Ziele, weil unser Glaube an die Rechte des Einzelmenschen ein Hindernis für jene bildet, die ihren Willen anderen aufoktroyieren wollen.

Und

gerade weil die demokratischen Nationen die Rechte des einzelnen achten und die
offensten und aufgeschlossensten Gesellschaften haben, sind sie gegenüber den
Terroristen so verletzlich.

Ziel der Terroristen ist es, Anarchie und Unord-

nung zu schaffen, denn ihre Hoffnung ist es, aus dieser Unordnung heraus Furcht
zu verbreiten, Regierungen zu diskreditieren, die Gesellschaften zu demoralisieren oder die Politik eines Staates zu verändern.
Was tun wir dagegen?
- Wir arbeiten mit unseren engsten Verbündeten zusammen, um einen Konsens
darüber zu entwickeln, wie wir mit dem internationalen Terrorismus und
den Sicherheitsproblemen fertigwerden können, die er uns stellt. Der
Konsens, enthalten in der Londoner Erklärung vom 9. Juni, ist ermutigend.
Auf früheren Gipfeltreffen der Sieben haben wir spezielle Fragen wie die
Entführung von Flugzeugen und den Schutz unserer Diplomaten besprochen.
In diesen Bereichen haben wir auch erheblichen Fortschritt zu verzeichnen.
Diesmal aber diskutierten wir über das grundlegende politische Problem
von Staaten, die am Terrorismus beteiligt sind,und stellten den internationalen Charakter des Problems fest. Wir erkannten auch, daß es in

- 4 -

�daß es in unseren jeweiligen Ländern Lücken in der Gesetzgebung zur Bekämpfung des Terrorismus gibt.
- Die heute vor dem Kongreß anstehenden Gesetzesvorlagen werden in bezug
auf die Vereinigten Staaten nicht all jene Lücken füllen, aber doch einige von ihnen. Teil unserer Gesetzesvorschläge sind zwei internationale
Konventionen, denen der Senat bereits zugestimmt hat und die nunmehr verabschiedet werden sollen.

Beide sind nicht sehr kontrovers,und es ist da-

her Zeit, daß es zu ihrer Verabschiedung kommt.

Die beiden anderen, die-

sem Ausschuß vorliegenden Gesetze beziehen sich auf rechtliche Bereiche,
wo wir der Meinung sind, daß gesetzliche Verbesserungen uns beim Kampf
gegen den Terrorismus unterstützen können.

Wir begrüßen diese Gelegen-

heit, mit dem Kongreß darin zusammenzuarbeiten, die bestmöglichen gesetzgeberischen Antworten auf die komplexen Fragen zu finden, die uns der Terrorismus stellt.

Der Gesetzentwurf hinsichtlich Ausbildung und Ausrüstung

der entsprechenden Dienststellen wurde beträchtlich modifiziert, um den Einwänden des Kongresses Rechnung zu tragen.

Mr. Trott vom Justizministerium

ist bereit, dies mit Ihnen im einzelnen zu besprechen.
- Wir arbeiten in dieser Administration daran, die ganze Bandbreite der
zur Verfügung stehenden Optionen zu überprüfen und anzuwenden.

Wir ha-

ben keine einzelne Antwort,von der wir meinen, sie könnte für immer
tionieren.

funk-

Wir müssen daher das Problem an vielen verschiedenen Fronten

angehen:
- Wir haben uns innerhalb der Exekutive besser organisiert, um mit diesen
Problemen fertigzuwerden. Innerhalb des Außenministeriums wurde die Verantowrtung für Politik, Planung und Operationen hinsichtlich dieser Fragen im Amt des Staatssekretärs für Management zusammengefaßt. Politik und
Planung für das Ministerium ebenso wie für die Regierung im allgemeinen ist
Aufgabe des Direktors des Büros für Terrorbekämpfung und Notstandsplanung,
während für die Operationen selbst das Sicherheitsamt zuständig ist.
- Wir haben

�- Wir haben für das Sammeln von nachrichtendienstliche;n Material mehr Mittel
zur Verfügung gestellt und die Zusammenarbeit mit anderen Regierungen verstärkt.

Auch unsere Verfahren zur Information unserer Posten im Ausland

hinsichtlich möglicher Drohungen und der Analyse ihrer Sicherheitsprobleme
haben wir verfeinert.

Wir sind der Überzeugung, daß dieses Verfahren nun-

mehr weit besser funktioniert.

Dennoch meine ich, daß noch mehr zu tun

ist.
- Wir haben die Ausbildung intensiviert und veranstalten Übungen für unser
Personal im Ausland hinsichtlich der Arten von Terroranschlägen, mit denen
sie zu rechnen haben könnten.

So haben wir zum Beispiel beim Institut

für den auswärtigen Dienst den entsprechenden Kursen weiteres Material hinzugefügt, wie man sich in derlei Situationen zu verhalten hat.
- Der Kongreß stimmte im vergangenen Jahr einem Programm zu, das es uns
ermöglicht, ausländisches Sicherheitspersonal dafür auszubilden, wie es
mit Terroanschlägen fertigwerden kann.
Programm in die Tat umzusetzen.

Wir sind derzeit dabei, dieses

Obgleich dieses Programm dazu dienen soll,

anderen Regierungen dabei zu helfen, mit diesem Problem in dem Maß fertigzuwerden, in dem sie davon betroffen sind, so dürfte es auch die Reaktion
anderer um ein Beträchtliches verbessern, wenn umgekehrt wir bei einem unserer Posten Hilfe brauchen.
- Bei allen unseren Posten, die vor einer besonderen Bedrohung stehen, führen wir Programme zur Verstärkung der Sicherheit durch. Unser Dank gilt
der konsequenten Unterstützung, die wir bei dieser Bemühung von diesem
Ausschuß erhalten.
- Wir haben außerdem Schritte unternommen, um unsere Fähigkeit zur Reaktion
auf Vorfälle im Ausland zu verbessern. Es stehen nunmehr Teams für Unterstützungsaufgaben bei Krisenbewältigung, bei Sicherheits-, Kommunikationsund anderen Fragen bereit.
- Die Zusammenarbeit
- 6 -

�- Die Zusammenarbeit anderer Regierungen hängt oft davon ab, wieviel Bereitwilligkeit wir hinsichtlich der Sicherheitsprobleme ihrer diplomatischen
Vertretungen hier in den Vereinigten Staaten zeigen.

Der Kongreß hat den

entsprechenden Gesetzen zugestimmt, die sicherstellen, daß wir über ein umfassendes Programm zum Schutz ausländischer Diplomaten nicht nur in
Washington und in New York, sondern auch an anderen Orten der Vereinigten
Staaten verfügen.

Wir bemühen uns auch beim derzeitigen Haushalt um Mit-

tel für dieses Programm.
- Schließlich bemühen wir uns auch intensiv um eine verstärkte Möglichkeit
zur Verhinderung von Anschlägen gegen unsere Interessen im Ausland. Die
Erklärung des Londoner Gipfels sprach unter anderem von "engerer Kooperation und Koordination zwischen Polizei und Sicherheitskräften sowie anderen relevanten Organisationen insbesondere in bezug auf den Austausch
von Information, nachrichtendienstlichem Material und technischem Wissen."
Die Regierung der Vereinigten Staaten selbst prüft auch weiterhin alle Mittel und Wege, um in Einklang mit dem herrschenden Recht alle möglichen
terroristischen Bedrohungen abzuschrecken oder im Vorgriff zu verhindern.
Die Ihnen vorliegenden Gesetzesentwürfe stellen bescheidene, aber notwendige Schritte dar.

Es handelt sich um notwendige Schritte, weil das Problem

nicht von selbst verschwindet:

Sicherlich werden Sie hier nicht zum letztenmal

von dem Problem des Terrorismus gehört haben.
Aber wir brauchen Ihre Hilfe.

Der Präsident und der Kongreß sind es die-

sem Land schuldig, alles Notwendige zu tun, um unser Volk, unsere Interessen
und unsere Grundprinzipien zu schützen.

+ + + + +

- 7 -

�20. Juni 1984

25

RÄJMSTATION ALS INTERNATIONALES PROJEKT

- Einladung Präsident Reagans an Freunde und Verbündete zur Mitarbeit -

- (AD) - Die auf dem Wirtschaftsgipfel in London vertretenen Länder
lud Präsident Reagan ein, sich an dem Projekt zum Bau einer permanenten
bemannten Raumstation zu beteiligen. Er bezeichnete die Einladung als
Symbol der Kooperation, die zwischen den Partnerländern bei der friedlichen Nutzung des Weltraums bestehe. Gemeinsam mit befreundeten und
verbündeten Ländern wollten die Vereinigten Staaten die Raumstation errichten, die als internationale Einrichtung von allen Nationen benutzt
werden solle, um dort zu arbeiten und zu lernen.

In einer am 9. Juni

1984 in London vom Weißen Haus vorgelegten Informationsschrift sind eine
Anzahl von Punkten im einzelnen behandelt. Sie hat folgenden Wortlaut:

Die Gipfelkonferenz ist ein wichtiger und konstruktiver Schritt im
Prozeß der Entwicklung sich ergänzender internationaler Programme auf dem
Gebiet des Raumstation-Projekts. Die Vereinigten Staaten heißen die Länder willkommen, die überzeugt sind, daß die Beteiligung an der Raumsta-

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�der Raumstation für alle von Vorteil sein werde.

Im Januar dieses Jahres legte US-Präsident Ronald Reagan sein Land
darauf fest, bis Anfang der neunziger Jahre eine ständig besetzte Raumstation zu entwickeln, um den nichtmilitärischen und kommerziellen Erfordernissen der USA im Weltraum gerecht zu werden. Gleichzeitig lud er
die Freunde und Verbündeten Amerikas ein, sich an dem Programm zu beteiligen. Eine solche Raumstation wäre weit bis in das 21. Jahrhundert das
Zentrum für Weltraumaktivitäten der freien Welt, und internationale Zusammenarbeit bei diesem Programm stellte ein gut sichtbares Symbol für
den Glauben an die Zukunft und die Verpflichtung der Gipfelnationen zur
Zusammenarbeit dar. Sie wäre auch eine praktische Demonstration der führenden Rolle der freien Welt durch Kooperation. Präsident Reagan hat
eine Partnerschaft auf lange Zeit in der friedlichen Nutzung des Weltraums vor Augen - eine permanente, voll und ganz internationale Raumstation, die von den Vereinigten Staaten zusammen mit ihren Freunden und
Verbündeten gebaut wird und von allen Nationen als eine Einrichtung genutzt wird, wo man arbeiten und lernt.

In der Einladung des Präsidenten zu internationaler Zusammenarbeit
spiegelt sich die lange Geschichte produktiver internationaler Zusammenarbeit bei der friedlichen Nutzung des Weltraums, ebenso wie das hohe
Niveau technologischer Entwicklung in den Raumfahrtprogrammen der Gipfelnationen. Die Beteiligung an der Raumstation wird allen Partnern die
Möglichkeit geben, die Vorteile dieses wichtigen neuen Unternehmens wahrzunehmen. Neben den indirekten Vorteilen aus der Entwicklung von Technologien, welche z. B. neue Anwendungsmöglichkeiten für erdgebundene Aktivitäten aufzeigen können, neue Arbeitsplätze schaffen und die Wirtschaft
beleben und junge Menschen anregen, sich mit Naturwissenschaften und
Technik zu befassen, eröffnet die Raumstation Chancen für die verstärkte
zivile und kommerzielle Nutzung des Weltraums. Zum ersten Mal ist permanent eine technische Einrichtung verfügbar, mit der langfristig wissenschaftliche Forschungen und Beobachtungen in der Erdumlaufbahn betrieben
werden können. Die Produktion im Weltraum und der Zusammenbau großer
Strukturen wie Antennen für Kommunikationszwecke werden mit Hilfe einer

�Hilfe einer ständig besetzten Raumstation möglich. Auch könnten in Zukunft noch ehrgeizigere Projekte wie z. B. die weitere Erforschung des
Mondes sowie die Erforschung anderer Himmelskörper im Sonnensystem durch
Astronauten in Angriff genommen werden.

Auf Wunsch Präsident Reagans besuchte James M. Beggs, der Chef des
US-Amtes für Luft- und Raumfahrt (NASA), im März dieses Jahres die Teilnehmerstaaten der Gipfelkonferenz. Er traf mit hochrangigen Politikern
und Spezialisten zusammen, um ausführlich über die amerikanische Entscheidung für den Bau einer Raumstation zu berichten und jeder Regierung
die persönliche Einladung des Präsidenten, sich an dem Programm zu beteiligen, zu überbringen. Diese Konsultationen bereiteten Verhandlungen den
Boden, die aufgenommen werden, sobald sich die einzelnen Länder zur Teilnahme an dem Programm entschlossen haben. Die Vereinigten Staaten sind
an der Entwicklung dauerhafter Beziehungen zu internationalen Partnern
interessiert - an Engagements zur Beteiligung an der Nutzung und am Betrieb der Station sowie an ihrer Entwicklung. Bevorzugten Zugang erhielten jene Länder, die im Entwicklungsstadium wichtige Investitionen
leisten. Beggs hob hervor, daß ein Einstieg in das "Programm Raumstation" bis Anfang 1985 wünschenswert sei, wenn internationale Partner
die Auslegung der Station mitgestalten wollen. Nach diesem Termin liege
das Konstruktionsschema fest, so daß alle späteren Zusatzwünsche diesem
angepaßt werden müßten.

Die Vereinigten Staaten beabsichtigen, mit einem Kostenaufwand von
schätzungsweise acht Milliarden Dollar eine funktionelle, jedoch bescheidene Raumstation zu bauen. Sie ist von vornherein auf Erweiterung angelegt, weil selbst in diesem frühen Stadium eine Reihe von Anbauten absehbar sind.

Internationale Beteiligung an der Entwicklung der Station

könnte die Entwicklung solcher Vergrößerungssegmente schon in einem frühen Stadium ermöglichen, was die Leistungsfähigkeit der Raumstation im
Interesse aller Benutzer erhöhen würde.

Das Konzept sieht eine bemannte Basis in einer zur Äquatorebene nur
wenig geneigten Bahn sowie zwei dazugehörige unbemannte Plattformen vor.

�Plattformen vor. Die Besatzung soll aus sechs bis acht Mann bestehen.
Neben Wohn- und Arbeitszellen sind Versorgungsausrüstungen (für elektrischen Strom, Heizung und Temperaturregelung, Lagesteuerung und Datenverarbeitung) erforderlich, dazu Vorratsbuchten und KoppelVorrichtungen
zum Andocken des Raumtransporters. Dieser wird als Transportvehikel zur
Raumstation und zu rück zur Erde benutzt. Er schafft auch die Segmente
heran, aus denen die Station im Orbit zusammengebaut werden wird.
Schichtwechsel für die Besatzung soll nach jeweils drei bis sechs Monaten
erfolgen, auch für die Nachschubversorgung sind diese Intervalle vorgesehen. Die Arbeit auf der Station spielt sich sowohl in Druckzellen auf
der Basis als auch auf den frei fliegenden Plattformen ab, die jedoch
nicht über Druckzellen verfügen. Die Labors in der Station, auch "Arbeitsmodul" genannt, ermöglichen die Durchführung wissenschaftlicher
Forschungs- und technischer Entwicklungsaufgaben durch Mitglieder der
Besatzung. Auf den unbemannten Plattformen werden austauschbare Apparaturen für Arbeitsprozesse installiert, die praktisch störungsfrei ablaufen müssen und vor Einflüssen von Aktivitäten auf der Basis selbst
(z. B. Verschmutzung) geschützt werden müssen.

Die Vorteile, die eine bemannte Raumstation bietet, sind ungemein
vielfältig. Sie erlaubt z. B. eine umfassende kommerzielle Nutzung
außerirdischer Umweltbedingungen, zu denen die Wirtschaft auf der Erde
derzeit keinen Zugang hat. Diese Möglichkeiten ergeben sich, weil die
Raumstation menschliche Tätigkeit mit unbegrenzter Verbleibdauer im Orbit, modernsten automatischen Systemen und der Fähigkeit verbindet, in
der Erdumlaufbahn zu montieren und zu reparieren.

Die Herstellung von Materialien und chemischen Präparaten wie pharmazeutischer Substanzen höchster Reinheit, die unter irdischen Bedingungen
nicht produzierbar sind, wird dort in kommerziellem Maßstab möglich.
Viele solche Prozesse laufen nicht automatisch ab. Vielmehr verlangt der
geregelte Fortgang in bestimmten Stadien das Eingreifen des Fachmanns.
Übrigens stehen in der Raumstation auch Mietplätze für wechselnde Nutzlasten und Instrumente für kommerzielle Projekte im Weltraum zur Verfügung.

Die Raumstation

�Die Raumstation dient als permanente Basis für eine effiziente Bedienung, Wartung und Reparatur unbemannter Plattformen und Satelliten, die
kommerziellen und wissenschaftlichen Zwecken dienen. Dies erhöht die aktive Lebensdauer dieser kostspieligen Geräte und gibt die Möglichkeit,
mit fortschreitender technischer Entwicklung schon in Gebrauch befindliche Systeme weiter zu modernisieren. Diese Leistungsfähigkeit im Verein mit Flexibilität basiert z. T. auf der Tatsache, daß für einzelne Arbeiten erforderliche Ausrüstungen nicht erst in jedem Fall mit dem Raumtransporter herangeschafft werden müssen. Außerdem wird die Raumstation
als Basis dienen, um große Strukturen wie Antennen, Teleskope für astronomische Aufgaben und Satelliten im Orbit zu montieren und durchzuprüfen,
ehe sie im Weltraum abgesetzt und aktiviert werden.

Die Forschung in allen Teilnehmerländern wird von der Raumstation
profitieren.

Sie gibt die Möglichkeit, Forschungsprojekte auf zahl-

reichen Gebieten, u.a. der Astrophysik, der Geologie, Geophysik und
anderer Geowissenschaften samt Anwendungstechniken, von Biologie und
Medizin, Astronomie, Materialgewinnung und -Verarbeitung sowie der Kommunikationstechnik, vom Weltraum aus durchzuführen.

Forschung und Technik in Verbindung mit der Raumstation könnten
außerdem wichtige Beiträge zur Vorbereitung künftiger bemannter Weltraumexpeditionen leisten. Somit würde, längerfristig gesehen, die Raumstation den notwendigen ersten Schritt und ein Basislager für die Errichtung einer ständigen Mondbasis, für eine bemannte Mission zum Mars, für
eine Expedition zur Erforschung von Asteroiden, für eine bemannte Forschungs- und Kommunikationsstation im geostationären Orbit (d.h. 36 000
km über dem Äquator) oder für einen ganzen Komplex modernster wissenschaftlicher und industrieller Anlagen in niedriger Erdumlaufbahn darstellen. Darüber hinaus diente sie als Startbasis für künftige unbemannte Missionen, um beispielsweise unbemannte Geräte auf Planeten abzusetzen und mit Bohr- und Luftproben zurückkehren zu lassen.

* * * * *

- 5-

�25

20. Juni 1984

RJCKELSHÄJS: "VERNJNFTIGE ZIELE RJR UMWELTSCHJTZ"
Industriegesellschaft wird nie risikofrei existieren können

- (AD) - In den ersten zehn Jahren des Bestehens der 1971 geschaffenen
amerikanischen Umweltschutzbehörde EPA (Environmental Protection Agency)
verminderten sich in den USA Staubemissionen um 53 Prozent, die Emission von
Schwefeloxiden (die weitgehend für sauren Regen verantwortlich gemacht werden) um 21 Prozent und von Kohlenmonoxid um 20 Prozent. Außerdem gingen
seit der Einführung von bleifreiem Benzin im Jahr 1975 die Bleikonzentrationen in der Luft (bis zum Jahr 1982) vielerorts um 64 Prozent zurück.
Diese Statistiken zeigten, so erklärte kürzlich EPA-Chef William D.
Ruckeishaus, daß bei vorgegebenen "vernünftigen Zielen auch vernünftige
Fortschritte zu erreichen sind."

Viele Leute sträubten sich dagegen, Umweltprobleme als unterschiedliche
und veränderliche Fragen zu betrachten und zu behandeln. Beispielsweise sei
es bei toxischen Stoffen - ob in der Form von Produkten, Emissionen oder
Giften im Sickerwasser von Deponien - nicht möglich, ganz allgemein von
einer noch zulässigen Dosis oder einem Sicherheitsspielraum zu sprechen.
Vielmehr müsse man hier je nach Sachlage Risiken abwägen.

"Viele mögen das

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 21
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�mögen das nicht", meinte Ruckeishaus. Sie forderten als Ziel das "NullRisiko". Das aber sei in einer Industriegesellschaft nicht erreichbar.
Jedoch könne und müsse alles daran gesetzt werden, die Risiken deutlich zu
verringern.

"Den Umfang dieser Reduzierung festzulegen...und der Öffent-

lichkeit klarzumachen, wie der so gewonnene Schutz mit anderen sozialen und
wirtschaftlichen Werten im Gleichgewicht gehalten werden kann, ist heute ein
wichtiger Teil der Aufgaben unserer Behörde", erklärte Ruckeishaus.

Auch bei dem Problemkomplex "saurer Regen", der ja nicht nur in den
Vereinigten Staaten, sondern - teilweise sogar noch viel stärker als dort in Mittel- und Nordeuropa sowie in Kanada Sorgen bereitet, muß ein vernünftiges Verhältnis zwischen Gegenmaßnahmen und Kosten gefunden werden. So sei
es laut Ruckeishaus dringend notwendig, erst einmal die wissenschaftlichen,
technischen und administrativen Fragen im Zusammenhang mit Gegenmaßnahmen
besser zu verstehen, ehe man ein kostspieliges Programm zur Kontrolle des
sauren Regens anlaufen läßt. Aus Kanada, einigen europäischen Ländern, von
zahlreichen Umweltschutz-Gruppen und manchen Abgeordneten des US-Kongresses
wird dem entgegengehalten, daß, wie S. David Freeman vom Direktorium der TVA
(Tennessee Valley Authority) kürzlich sagte, "saurer Regen verbreitet Schädigungen hervorruft...Sie könnten leicht irreversibel werden, wenn die Bundesregierung nicht handelt."

Der erhöhte Säuregrad in Regen, Schnee, Nebel und sogar von Staubablagerungen wird durch den Ausstoß bestimmter chemischer Verbindungen, insbesondere Schwefeldioxid aus Kohlekraftwerken und Stickstoffoxiden aus
Autoabgasen verursacht, die sich in der Luft unter der Einwirkung verschiedener Faktoren verändern. Strömungs- und Zirkulationsvorgänge in der Atmosphäre lassen "sauren Niederschlag" häufig weit entfernt von der Quelle der
Schadstoffe zur Erdoberfläche gelangen. Es ist erwiesen, daß übersäuerte
Gewässer den Tod von Fischen und anderen Lebewesen bedeuten und daß durch
Niederschlag übersäuerte Böden die Produktivität von Äckern, Plantagen und
Wäldern verringern. Auch scheint saurer Regen Schwermetalle wie Quecksilber
und Blei, deren Vorhandensein im Boden natürliche Ursachen hat, zu mobilisieren, so daß u.a. Trinkwasser damit verunreinigt werden kann. Für das
Blattwerk der Bäume ist saurer Regen unmittelbar schädlich, an Bauwerken und
anderen Materialien werden Zerstörungsprozesse ausgelöst oder beschleunigt.
- Das Problem -

�- Das Problem -

In Nordamerika werden durch sauren Regen die größten Probleme in den
nordöstlichen Bundesstaaten der USA und im Südosten Kanadas verursacht. Es
sind Gebiete, zu denen unter der meist vorherrschenden Windrichtung Schadstoffe aus weit entfernten Emissionsquellen gelangen. Einem Bericht des
US-Senats von 1984 zufolge gilt als "Hauptquelle saurer Verbindungen...die
Verbrennung fossiler Brennstoffe, vor allem von Kohle." Der Kohleverbrauch
von Kraftwerken in den Vereinigten Staaten nahm von 1951 bis 1981 um mehr
als 450 Prozent zu.

Zwar seien die Schwefeldioxid-Emissionen, so der

Bericht, nach einem rapiden Anstieg in den fünfziger und sechziger Jahren in
den siebziger Jahren beständig geblieben oder sogar zurückgegangen. Jedoch
werde, solange es kein umfassendes Kontrollprogramm gebe, kurz- und mittelfristig wieder mit einem wenn auch weniger krassen Anstieg der Konzentrationen gerechnet. Jede Art von Kontrollprogramm für sauren Regen "bedeutet
eine große Investition für Umwelt, Wirtschaft und Gesellschaft unseres
Landes", erklärte Ruckeishaus Ende April 1984 vor einem Kongreßausschuß.
Deshalb seien "spezielle Kenntnisse, wie und wo ein solches Programm ansetzen müsse, wie unfangreich es sein soll und was davon zu erwarten ist,
ganz entscheidend, um die kluge und vernünftige Durchführung einer solchen
Investition zu gewährleisten."

- Bisherige Kontrollmaßnahmen -

Man versuchte, durch Umstellung auf Kohle mit niedrigerem
Schwefelgehalt, Waschen von Kohle vor dem Verfeuern und durch den Einbau von
Filteranlagen zur Reinigung der Abluft die Emission von Schwefeldioxid zu
verringern.

Seit 1982 bemühen sich Kongreßabgeordnete um gesetzgeberische

Maßnahmen zur Kontrolle von saurem Regen.

Im April 1984 stimmte ein Senats-

ausschuß einer Gesetzesvorlage zu, derzufolge bis 1995 in einer 31 Bundesstaaten umfassenden Region der Ausstoß von Schwefeldioxid um zehn Millionen
Tonnen pro Jahr verringert werden müßte. Jedoch besteht zum gegenwärtigen
Zeitpunkt wenig Aussicht, daß solche Vorschläge Gesetzeskraft erlangen.
Hauptpunkt für

- 3 -

�Hauptpunkt für die Gegner von Kontrollmaßnahmen ist die Kostenfrage.
Einige Vorschläge sehen vor, daß die Verursacher, d.h. die Kraftwerksgesellschaften und somit deren Kunden, für die Kosten zur Verbesserung der
Abluft aufkommen. Anderen Vorschlägen zufolge sollen die Kosten auf alle
Stromabnehmer in den USA umgelegt werden.

Zahlreiche Gruppen von Versor-

gungsbetrieben behaupten, die Kosten seien untragbar, während Gruppen von
Umweltschützern sie für vernünftig halten.

Eine der weniger kostspieligen Alternativen wäre die Umstellung auf
schwefelarme Kohle. Jedoch fürchten die Bergwerksunternehmen in den nördlichen Appalachen und im Mittelwesten, wo sich in erster Linie die Gruben
mit stark schwefelhaltiger Kohle befinden, daß dadurch eine Welle verbreiteter Arbeitslosigkeit ausgelöst wird. Ein Kongreßbericht von 1984 stellt
fest, daß ein Kontrollprogramm für sauren Regen in einigen Gebieten die
Arbeitsmöglichkeiten einschränken, in anderen ausweiten würde.

Angesichts des gegenwärtigen Standes wissenschaftlicher Erkenntnisse
sei, wie Ruckeishaus im April vor einem Kongreßausschuß erklärte, die
Reagan-Administration derzeit nicht bereit, weitere Vorschriften zu
empfehlen. US-Energieminister Donald P. Hodel ergänzte: "Wir müssen so
sicher wie nur irgend möglich sein, daß die aus unserem Vorgehen erwachsenden Vorteile die Bürde rechtfertigen, die wir den Betroffenen auferlegen."

Ungewiß sind vor allem Zusammenhänge zwischen Emissionen und der tatsächlichen Ablagerung von Schadstoffen am Boden oder in Gewässern. Einer Untersuchung des Nationalen Forschungsrates von 1983 zufolge handle es sich, längerfristig und großräumig betrachtet, um einen "im wesentlichen linearen
Vorgang" - d.h., die Konzentrationen aus Niederschlägen im Nordosten Amerikas sind der Emission direkt proportional. Jedoch sagte J. Christopher
Bernabo, der Direktor des "Nationalprogramms für die Bewertung von saurem
Niederschlag", kürzlich vor einem Senatsausschuß, daß ein solches LinearVerhältnis in bezug auf kürzere Zeiträume und kleinere Gebiete wahrscheinlich nicht angenommen werden könne.

Ein weiterer Unsicherheitsfaktor ist die Beziehung zwischen speziellen

- 4 -

�zwischen speziellen Emissionsquellen und Gebieten, die von saurem Regen in
besonderer Weise betroffen sind. Über den relativen Beitrag bestimmter
Regionen zu den sauren Niederschlägen in bestimmten Gebieten wisse man noch
nichts, stellte der Nationale Forschungsrat fest. Wichtige Fragen harren
noch der Lösung. So sei nicht bekannt, welche Rolle Vegatation und Boden um
ein Gewässer spielen, um Ausmaß und Art seiner Reaktion auf sauren Regen zu
ermitteln. Über die relative Bedeutung von gasförmigen Schadstoffen, Insekten, Pflanzenkrankheiten und Trockenheit sowie von saurem Regen als Ursache
des Waldsterbens seien sich die Wissenschaftler keineswegs einig. Ebensowenig gebe es exakte Anhaltspunkte für die Materialschäden durch sauren
Regen, den Grad von Zerstörungsprozessen und für zuverlässige Schätzungen
des Risikos für Materialien. Die Reagan-Administration sei daher, so
Ruckeishaus, bemüht, durch erhebliche Ausweitung der Forschungsanstrengungen
Wissenslücken zu schließen, damit für gezielte und wirksame Maßnahmen eine
bessere Grundlage geschaffen werde.

- Programme -

Zum ersten Mal wurde 1970 gegen Luftverschmutzung vorgegangen, als der
US-Kongreß das Gesetz über Luftreinhaltung verabschiedete. Spätere Zusätze
zum Gesetz berücksichtigten Schwefel- und Stickstoffoxide, um deren Ausstoß
im Interesse der menschlichen Gesundheit zu verringern. Jedoch waren die
Vorschriften nicht so beschaffen, daß auch die Auswirkungen von Schadstoffen
auf Pflanzen, Tiere und Materialien damit zu kontrollieren wären.

Auf Grund der Bestimmungen des Gesetzes zur Luftreinhaltung setzte die
EPA Emissionshöchtstwerte für neue Kohlekraftwerke fest. Dies bewirkte in
12 Jahren, d.h. bis 1982, einen Rückgang der Schwefeldioxid-Emissionen um 25
Prozent, trotz Steigerung des Verbrauchs an fossilen Brennstoffen,

im Jahre

1983 stellten jedoch die Autoren eines vom Kongreß in Auftrag gegebenen
Forschungsberichtes fest, daß von älteren, im wesentlichen nicht kontrollierten Anlagen auch künftig große Schadstoffmengen ausgestoßen werden. Die
Betriebsdauer solcher Kraftwerke werde verlängert, um Aufwendungen für Neubauten zu umgehen.

Im Jahr 1980 verabschiedete der US-Kongreß ein Gesetz zum Problem

- 5 -

�zum Problem saurer Niederschläge, mit dem ein auf zehn Jahre ausgelegtes
Bundesforschungsprogramm eingerichtet wurde, um Ursachen und Auswirkungen
von saurem Regen zu identifizieren und Maßnahmen zur Begrenzung oder teilweisen Korrektur seiner Auswirkungen auszuarbeiten.

Für dieses Programm ist

eine interministerielle Arbeitsgruppe zuständig, der Vertreter der EPA, des
Landwirtschaftsministeriums und der NOAA (Bundesbehörde für Meeres- und
Atmosphärenforschung) angehören.

Für das mit dem 30. September 1985 endende Haushaltjahr suchte die
Reagan-Regierung eine erhebliche Aufstockung der Mittel für Forschungsprogramme im Zusammenhang mit dem sauren Regen. Etwa 55 Millionen Dollar
sollen für das nationale Bewertungsprogramm, 72 Millionen für Forschungen
über Kontrollverfahren und über Wege zur Abschwächung der Auswirkungen von
saurem Regen verwendet werden.

Zu den vorgesehenen Projekten gehören u.a.:

- Untersuchungen an ca. 2500 Seen in betroffenen Gebieten, um mehr
Erkenntnisse über das Ausmaß des Problems zu gewinnen;

- Entwicklung und Ausdehnung von Meßnetzen zur Überwachung feuchter und
trockener Niederschläge, um Informationen über längerfristige Trends zu
erhalten;

- Forschungsvorhaben zum weiträumigen Transport von Schadstoffen, um
Zusammenhänge zwischen Emissionsquellen und Niederschlagsgebieten aufzudecken.
Außerdem finden unter der Schirmherrschaft der EPA Konferenzen und
Feldbeobachtungen für europäische und amerikanische Wissenschaftler statt,
bei denen es vor allem um die Mechanismen bei der Schädigung von Wäldern
geht. Die US-Regierung sei durchaus bereit, wie Ruckeishaus betont, wissenschaftlichen Fragen auf den Grund gehen zu lassen und nach einer Lösung für
das komplexe Problem des sauren Regens zu suchen. Sobald die fundamentalen
Ungewißheiten überwunden seien, werde sie geeignete praktische Maßnahmen
ausarbeiten und deren Durchsetzung unterstützen.

+ + + + +

- 6 -

�</text>
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                <text>Amerikadienst 20.06.1984</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Reagan zu Gipfeltreffen mit Tschernenko bereit&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Pressekonferenz vom 14. Juni 1984 -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Sowjets müssen Haltung zur Rüstungskontrolle ändern&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Stellvertretender US-Außenminister vor dem Senat -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Shultz: Terrorismus eine Bedrohung des zivilisierten Lebens&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärung des US-Außenministers vor dem Außenpolitischen Ausschuss des Repräsentantenhauses -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Raumstation als internationales Projekt&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Einladung Präsident Reagans an Freunde und Verbündete zur Mitarbeit -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ruckelshaus: "Vernünftige Ziele für Umweltschutz"&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Industriegesellschaft wird nie risikofrei existieren können -&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>und
Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

27. J u n i 1984

26

INHALT

DOKUMENTATION
US-Chefdelegierter wendet sich gegen östliche Hinhaltetaktik auf der
]

KVAE in Stockholm
- Erklärung von Botschafter Goodby -

HINTERGRUNDMATERIAL
Adelman: Amerikanisch-sowjetische Beziehungen sind sicher

USA für Zusammenarbeit beim Kampf gegen die Luftverschmutzung
- Erklärung von Umweltschutzdirektor Ruckeishaus -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Was fördert die Blitzentstehung?
- Umfangreiches Forschungsprojekt in den USA

Schichtaufbau für Stähle
- Superplastisch und schlagfest -

Um Über/endung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

27. Juni 1984

26

US-CHEFDELEGIERTER WENDET SICH GEGEN OSTLICHE HINHALTETAKTIK
AUF DER KVAE IN STOCKHOLM

- Erklärung von Botschafter Goodby -

STOCKHOLM - (AD) - Der amerikanische Chefdelegierte bei der Konferenz
über Vertrauens- und Sicherheitsbildende Maßnahmen und Abrüstung in Europa (KVAE) in Stockholm, Botschafter James Goodby, wandte sich am 21. Juni
1984 gegen die Hinhaltetaktik der östlichen Teilnehmer. Aufgabe und Ziel
der Konferenz - die Androhung oder Anwendung von Gewalt zur Lösung internationaler Streitigkeiten zu verringern und schließlich abzuschaffen dürfte nicht in Frage gestellt werden.

Nach sechs Monaten in Stockholm

sei es endlich an der Zeit, in wirkliche Verhandlungen einzutreten.

Die Erklärung von Botschafter Goodby hat folgenden Wortlaut:

Herr Vorsitzender,

am 4. Juni hat Präsident Reagan einen Rahmen für die Politik der Ver-

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
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Telex: 8-85432

�der Vereinigten Staaten auf dieser Konferenz abgesteckt, als er sagte:
"Wir möchten nicht nur die Rüstungslasten vermindern, sondern auch Mittel
und Wege finden, um den Einsatz der Waffen in unruhigen oder potentiell
schwierigen regionalen Situationen zu begrenzen.

Wir streben ernsthafte

Gespräche mit den Sowjets darüber an, wie wir sicherstellen können, daß
es in unruhigen oder strategisch heiklen Gebieten nicht zu Fehleinschätzungen oder Mißverständnissen kommt.

Ich möchte heute nochmals unter-

streichen, daß es den Vereinigten Staaten hieran ernsthaft gelegen ist."
Der Präsident bezog sich ganz ausdrücklich auf die Arbeit dieser Konferenz hier, als er erklärte:

"Wir müssen diese Idee in praktische Maß-

nahmen umsetzen, die wirksame Sperren gegen die Anwendung von Gewalt in
Europa errichten.

Wenn die Sowjetunion solchen konkreten Maßnahmen zu-

stimmen würde, die von anderen Teilnehmerstaaten der Stockholmer Konferenz augenscheinlich bereits akzeptiert werden, so wäre dies ein wichtiger Schritt vorwärts in dem Bestreben, eine friedlichere Welt zu schaffen."

In der gestrigen Erklärung des Vertreters der Sowjetunion war jedoch
leider wenig herauszuhören, was die Überzeugung ermutigen würde, daß es
dieser Konferenz dieses Mal vergönnt sein wird, die Aufgaben zu erfüllen,
die nach dem ihr gegebenen Mandat vorgesehen sind.

Meine Delegation hat seit Beginn dieser Konferenz versucht, einen
Dialog über jene konkreten und wirksamen Maßnahmen in Gang zu bringen,
die das Ziel unterstützen, die Androhung oder Anwendung von Gewalt zur
Lösung internationaler Streitigkeiten zu verringern und schließlich abzuschaffen. Meine Delegation hat diese Anstrengung praktisch im gleichen
Lichte gesehen wie Botschafter Andropow, als er von "dynamischen" Maßnahmen zur Unterstützung der "statischen" Verpflichtung sprach.

Diese Bemü-

hungen meiner Delegation, in unserer Arbeit hier neue Gebiete der Übereinstimmung zu finden, wurden jedoch von Delegationen, die den sowjetischen Vorschlag unterstützen, weitgehend zurückgewiesen. Es wurde vielmehr eine systematische Anstrengung unternommen, Schwierigkeiten zu übertreiben und eine konstruktive, zukunftsweisende Diskussion zu vermeiden.

�zu vermeiden.

Ich teile den

Eindruck, den der Vertreter Portugals in

seiner scharfen Intervention vom 19. Juni zum Ausdruck brachte, daß nämlich einige Delegationen Lösungen hinausschieben möchten.

Meine Regierung und natürlich auch meine Delegation sind entschlossen, zu einer Atmosphäre der Ruhe und nicht der Krise in internationalen Beziehungen beizutragen.

Wir möchten auf eine konstruktive Koopera-

tion mit der Sowjetunion wie mit allen anderen Ländern hinarbeiten.
Diese Botschaft ist bei verschiedenen Gelegenheiten und auf höchster Regierungsebene übermittelt worden.

Aber hier in Stockholm sind wir nach

sechs Monaten noch immer nicht in Verhandlungen eingetreten.

Ich kann,

Herr Vorsitzender, nur sagen, daß es an der Zeit, ja daß es höchste Zeit
ist, mit der schwierigen Aufgabe zu beginnen, uns ernsthaft den Vorschlägen zuzuwenden, die auf dem Tisch liegen.

Hier ist viel Arbeit zu

leisten, und wir haben wenig Zeit, sie zu vollenden.

Herr Vorsitzender, die erste Erklärung, die vor dieser Konferenz abzugeben ich die Ehre hatte, enthielt folgenden Gedanken:

"Das amerika-

nische Ziel bei diesen Verhandlungen besteht darin, das Risiko des Krieges - aller Kriege überall - zu verringern."

Dies ist, wie ich hoffe,

doch unser aller Zielsetzung - eine Zielsetzung, auf die wir uns alle in
Madrid geeinigt hatten.

Um diesem Ziel zu dienen, werden wir, wie Außen-

minister Shultz gesagt hat, "alle Vorschläge eines jeden Mitgliedstaates
begrüßen und in positiver Weise prüfen...

Wir werden sie an den in

Madrid vereinbarten Kriterien messen."

Gestern hat der Vertreter der Sowjetunion auch von dem Mandat gesprochen, das unsere Arbeit hier leiten sollte.

Ich hatte es bis dahin

nicht für nötig gefunden, mich über die Geschichte der Verhandlungen über
dieses Dokument auszulassen.

Aber jetzt besteht Grund zu der Annahme,

daß die Grundzielsetzung dieser Konferenz in Frage gestellt wird.

Es

scheint so, als ob Abkommen, die dazu gedacht waren, unsere Arbeit hier
zu leiten und zu umgrenzen, neu interpretiert werden.

Es scheint, um es

kurz zu sagen, ein Versuch im Gange zu sein, die Charta der Stockholmer
Konferenz zu revidieren, um sie mit der speziellen seit langem herr- 3 -

�langem herrschenden Auffassung eines Landes über das Grundprinzip dieser
Konferenz in Einklang zu bringen.

Herr Vorsitzender, die Stockholmer Konferenz ist das Produkt dreijähriger Verhandlungen in Madrid.

Die Aufgabenstellung für unsere Arbeit

wurde sorgfältig ausgearbeitet und nach mühsamen Verhandlungen gebilligt.

In diesen Verhandlungen wurden alle Standpunkte auf gleicher Basis

erörtert, und jeder souveräne und unabhängige Staat schloß sich freiwillig dem Konsens über die genaue Formulierung des Auftrages an.

Es wurde von einigen Seiten vorgebracht, daß jeder Vorschlag legitim
sei, wenn sich ein Staat dazu entschließt, ihn einzubringen.

Ein solches

Konzept unserer Arbeit würde, wenn man ihm folgen würde, uns immer weiter
von jeder Möglichkeit wegführen, wirksame und konkrete Maßnahmen zu ergreifen, um der Pflicht von Staaten Wirksamkeit und Ausdruck zu verleihen, sich der Androhung oder Anwendung von Gewalt in ihren gegenseitigen
Beziehungen zu enthalten.

Stellungnahmen, die

im Festhalten an dem

Madrider Mandat wurzeln, als formalistisch abzutun, ist etwa das Gleiche,
wie den Eckstein eines Gewölbes zu verwerfen, dessen Form einem Kritiker
eben nicht gefällt.

Unsere Tagesordnung erstreckt sich, wie der Vertre-

ter Irlands am 14. Juni festgestellt hat, nicht auf den ganzen Bereich
von Problemen oder Mißverständnissen in den Beziehungen zwischen Teilnehmerstaaten.

Die ausdrückliche Festlegung des Mandats wurde während der Madrider
Verhandlungen durchaus akzeptiert.

Es wurden mehrere erfolglose Versuche

gemacht, Worte in die Formulierungen einzuschieben, die zur Folge gehabt
hätten, daß das Mandat die Vorlage und Erörterung von Maßnahmen "eines
anderen

Charakters"

nicht

ausgeschlossen

hätte.

Diese

Worte

waren

schließlich so bekannt geworden, daß man generell schon von der "Ausweichklausel" sprach.

Um es zu wiederholen, Herr Vorsitzender, es gab

keinen Konsens, politische und rechtliche Maßnahmen in die Tagesordnung
dieser Konferenz aufzunehmen.

Zu argumentieren, daß die Tatsache, daß

ein Punkt nicht ausdrücklich ausgeschlossen sei,seine stillschweigende
Aufnahme bedeute, heißt doch nichts anderes als zu argumentieren, daß der

�daß der Abgewiesene sich schließlich doch der Früchte seines abgewiesenen
Antrages erfreuen solle - eine romantische Vorstellung, aber wohl kaum
realistisch.

Der von den meisten Mitgliedern der Organisation des Warschauer Paktes in Madrid unterstützte Vorschlag lief darauf hinaus, daß die Konferenz "Schritt für Schritt geeignete Maßnahmen prüfen und spezifische Abkommen aushandeln soll, beginnend mit einfacheren Maßnahmen und stufenweise zu komplexeren und weitergehenden Schritten führend, wobei im Auge
behalten wird, daß jede Stufe sich aus der vorangegangenen entwickelt."
Dieser Gedanke kommt in dem Mandat zum Ausdruck.

Die wesentliche Vorstellung, daß es eine Weiterentwicklung von einer
Stufe zur anderen geben soll, ist praktisch die Grundprämisse für die
Stockholmer Konferenz, denn dies wurde aus unserer Erfahrung mit den
Helsinki-Maßnahmen heraus entwickelt.

Seltsamerweise finden wir wenig

Anzeichen dafür, daß der Antragsteller des Dokuments SC.4 und diejenigen,
die ihn unterstützten, ihren eigenen Antrag sehr ernst nehmen.

Selbst ein so klarer Punkt wie der geographische Geltungsbereich dieser Konferenz, wird angezweifelt.

Ist es wirklich notwendig, daß wir sa-

gen, daß es bei dieser Konferenz um Sicherheit in Europa geht?

Kann ir-

gend jemand wirklich fragen, daß der Teil der Welt, mit dem wir uns befassen, sich nicht auf den asiatischen Teil der UdSSR oder auf Nordamerika erstreckt?

Es ist übrigens vielleicht angebracht, darauf hinzuwei-

sen, daß die amerikanischen Streitkräfte, die an militärischen Aktivitäten in Europa beteiligt sind, selbstverständlich unter vereinbarte Maßnahmen im Rahmen des Mandates hier fallen. Die Vereinigten Staaten haben
über 300 000 Mann in Europa statoniert - das viertgrößte militärische
NATO-Kommando in Europa.

Darüber hinaus stellen die in Europa statio-

nierten Einheiten der amerikanischen Armee fast 50 Prozent der vergleichbaren Truppenstärke in den Vereinigten Staaten selbst dar.

Herr Vorsitzender, das Mandat enthält Elemente aller fünf in Madrid
unterbreiteten Vorschläge, aber das Mandat schließt nicht die Wünsche
- 5-

�die Wünsche aller Staaten ein.

Es bietet uns eine Richtschnur, der wir

folgen können, um bestimmte Ziele zu erreichen, die, wenn sie erreicht
sind, die Tür für eine Ausweitung unserer Horizonte aufstoßen werden.
Wenn wir diesen Richtungsinn verlieren, dann wird es uns sicherlich nicht
gelingen, etwas von wirklicher Konsequenz zu erreichen.

Ich möchte, Herr Vorsitzender, damit schließen, daß ich die Hoffnungen meiner Regierung auf eine Verbesserung im internationalen Klima
wiederhole.

Präsident Reagan hat von den gemeinsamen Interessen ge-

sprochen, die wir mit der Sowjetunion haben - das oberste ist das Interesse, einen Krieg zu vermeiden und den Stand der Rüstungen zu verringern.

Das ist natürlich eine gemeinsame Aufgabe, und sie kann nur durch

Dialog und durch die Anerkennung der Interessen beider Seiten bewältigt
werden.

In seiner Rede in

Dublin am 4. Juni erkannte Präsident Reagan ein

Interesse an, das unsere sowjetischen Kollegen als den "Hauptpunkt" dieser Konferenz bezeichnet haben.

Es war für meine Delegation schwer, in

der gestrigen Erklärung der sowjetischen Delegation irgendeine Anerkennung der Interessen der westlichen Länder an dieser Konferenz zu erkennen.

Trotzdem haben meine Delegation und die Befürworter des Dokuments

SC.l damit begonnen, die auf dem Tisch liegenden Vorschläge zu erörtern,
und wir werden das auch fortsetzen. Wir hatten gehofft, daß wir im Laufe
der Konferenz einen Weg finden könnten, diesen Prozeß zu intensivieren.
Wir hoffen das auch weiterhin und werden auf dieses Ziel hin weiterarbeiten.

Ich danke Ihnen.

- 6 -

�Hinlcrgrundmolciiol

i
26

United States Information Service
Embassy of the United States of America

27. Juni 1984

ADEIMAN: AMERIKANISCH-SOWJET ISCHE BEZIEHUNGEN SIND SICHER

- (AD) - Der Direktor des amerikanischen Amtes für Rüstungskontrolle und
Abrüstung (ACDA), Kenneth L. Adelman,
hat sich in einem Artikel in der
"Washington Post" vom 17. Juni 1984 gegen die Behauptung gewandt, die Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten
und der Sowjetunion seien auf dem tiefsten Punkt der Nachkriegszeit angelangt.
Der Artikel, der den Originaltitel "Wer
hat recht, wie man mit den Russen richtig umgeht - Reagan oder seine Kritiker?" trägt, hat folgenden Wortlaut:

Es ist heute Mode geworden, die amerikanisch-sowjetischen Beziehungen
so darzustellen, als ob sie auf ihren tiefsten Punkt in der Nachkriegszeit zutaumelten. Ja, es wird oft ein Bild gezeichnet, als ob wir uns
auf dem Wege zu einem Atomkrieg irgendwann in nicht allzu ferner Zukunft
befänden.
Bevor diese

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�Bevor diese Wortlawine weiter an Tempo gewinnt, sollten wir einmal
einhalten und uns fragen:

Ist das alles wirklich so?

Viele Worte aus Moskau in der jüngsten Zeit waren hart. Die sowjetische Führung spricht über Italien, als ob es das Schicksal von Pompei
erleiden, Skandinavien und Japan in nuklearen Feuern lodern könnten und
Präesident Reagan eine Politik wie Adolf Hitler verfolgen würde. Solche
Erklärungen sind natürlich verschärfend. Die Weigerung der Sowjets, an
Verhandlungen über nukleare Rüstungskontrolle teilzunehmen, ist bedauerlich. Das verstärkte Auftreten sowjetischer Unterseeboote vor den Küsten
der Vereinigten Staaten ist beunruhigend, selbst wenn sie diese Gewässer
schon seit vielen Jahren durchstreift haben. Und auch der Boykott der
Olympischen Spiele durch die Sowjets ist bedauerlich.

Aber sind wir wirklich in einer Situation, in der die Möglichkeit eines amerikanisch-sowjetischen Konfliktes und eines Atomkrieges größer ist
als in der Vergangenheit?

Sind wir wirklich heute weniger sicher als vor

vier Jahren?

Ich glaube nicht. Ganz im Gegenteil. Die beiden wahrscheinlichsten
Wege zum nuklearen Konflikt - die Anwendung durch einen Führer der Dritten Welt, der in irgendeinem regionalen Konflikt die Bombe in die Hände
bekommt, oder die Anwendung in einem sowjetisch-amerikanischen Konflikt sind heute weniger wahrscheinlich als in der Vergangenheit.

Die erste dieser Möglichkeiten könnte nur eintreten, wenn es eine
WeiterVerbreitung der Kernwaffen gäbe. Darin liegt überraschenderweise
eines der Erfolgserlebnisse auf dem Gebiet der Rüstungskontrolle. Eines
der gescheitesten Parkinsonschen Gesetze besagt, daß der Erfolg einer
Politik an den Katastrophen gemessen werden kann, die nicht eintreten.
Nach diesem Maßstab haben wir hier einen erfreulichen Erfolg.

Und es ist ein Maß an Erfolg, wie es eigentlich gar nicht zu erwarten
- 2 -

�zu erwarten war.

Im Jahr 1958 sagte ein Sonderausschuß der Nationalen

Planungsgesellschaft in einer Schrift voraus, "daß bis 1970 die meisten
Länder mit beträchtlicher militärischer Stärke in ihren Arsenalen über
Kernwaffen verfügen werden - strategische oder taktische oder beides."
Anfang der sechziger Jahre warnte Präsident Kennedy vor einer Welt im
Jahr 1975 mit 15 oder 20 Kernwaffenmächten.

Solche trüben Voraussagen haben sich nicht erfüllt, vor allem, weil
wir seit über 30 Jahren zusammen mit anderen Ländern daran gearbeitet haben, die politischen, rechtlichen und moralischen Schranken gegen eine
Weiterverbreitung der Kernwaffen aufzubauen und zu festigen.

Das wurde auf relativ undramatische aber letztlich wirksame Weise
erreicht und trug dazu bei, die Weiterverbreitung in Schach zu halten.
Die Verstärkung - und wo notwendig Revision - der Politik und der Programme, die der Ausbreitung von Kernwaffen Einhalt gebieten sollen, hat
bei Präsident Reagan oberste Priorität bekommen.

Auch darin liegt, was nicht überraschen kann, ein entscheidend wichtiges Gebiet des amerikanisch-sowjetischen Dialogs und der entsprechenden Kooperation.
eingehend.

In den letzten Jahren war dieser Dialog umfassend und

Er wurde ebenso wie die Verhandlungen über Kernwaffen nicht

eingestellt. Dieser Dialog dauert an, weil die Sowjets ebenso wie wir
die tiefe Sorge über die Ausbreitung von Kernwaffen teilen. Die Aussicht, daß ein Khomeini, Gadhafi, Amin oder ein anderer Führer dieser Art
Kernwaffen erwerben könnte, macht den Sowjets ebenso Unbehagen wie uns.

Obwohl wir zwar auf dem Gebiet der Nichtweiterverbreitung noch viel
zu tun haben, wird dieser Weg zum Einsatz von Kernwaffen in der Zukunft
heute als weniger wahrscheinlich gehalten denn in früheren Jahren. Ein
früherer Mitarbeiter der ACDA unter der Carter-Administration, Barry
Blechman, hat es kürzlich so formuliert:

"Eine derzeitige realistische

Beurteilung der potentiellen Zahl von Kernwaffenstaaten wäre heute um
etwa ein Drittel niedriger als 1980." Wir streben danach, diese Schät- 3 -

�diese Schätzungen noch weiter herunterzudrücken, und machen gute
Fortschritte.

Der zweitwahrscheinlichste Weg zum Atomkrieg, nämlich der durch eine
sowjetisch-amerikanische Konflikteskalation, ist heute ebenso weniger
wahrscheinlich als in früheren Jahren. Wir haben unbestreitbar ernste
Probleme in Mittelamerika und im Nahen und Mittleren Osten,vor allem im
Persischen Golf. Trotzdem sind die Brennpunkte der Welt heute weniger
zahlreich und weniger heiß als vorher.

Gehen wir doch nur zwei Jahrzehnte zurück und vergleichen Präsident
Kennedys 1000 Tage im Amt mit den ersten 1200 Tagen von Präsident
Reagan. An die Kennedy-Ära erinnert man sich im allgemeinen als an eine
angenehme und gekonnte Führung der außenpolitischen Geschäfte Amerikas.
Jedoch haben wir in diesem kurzen Zeitraum das Fiasko der Schweinebucht,
ein katastrophales amerikanisch-sowjetisches Gipfeltreffen in Wien, eine
Steigerung des amerikanischen Engagements in Vietnam, den Bau der Berliner Mauer und last not least die Kuba-Raketenkrise erlebt. Die Ereignisse, die im Laufe der letzten drei Jahre und einigen Monaten eingetreten sind, mögen zwar unangenehm gewesen sein, aber sie sind sicherlich
nicht mit jener Kaskade von Krisen zu vergleichen.

So war dies auch in den siebziger Jahren, als trotz des vielfältigen
amerikanisch-sowjetischen Dialogs und trotz der großen Hoffnungen auf
Entspannung die regionalen Krisen ernster Natur waren. Während die amerikanische und sowjetische Führung fünf Gipfel abhielten und eine ganze
Bandbreite von Rüstungskontrollverhandlungen miteinander führten, unterstützte die Sowjetunion ohne Vorbehalt die anhaltende Infiltration nordvietnamesischer Truppen nach Südvietnam hinein, sorgte für deren Bewaffnung und machte damit eine friedliche Regelung des Konfliktes unmöglich.

Dann kam es zur Eruption im Nahen Osten, und die Sowjets drohten, mit
ihren eigenen Truppen in diesem Konflikt zu intervenieren, was uns dazu
zwang, strategische Nuklearwarnung zu geben. Auch das waren gefährliche
Tage.
m vieler

�In vieler Hinsicht steht das Jahr 1975 symbolisch für das ganze Jahrzehnt.

In jenem Jahr gab es sowohl einen umfassenden amerikanisch-

sowjetischen Dialog - einen Gipfel Ford-Breschnew in Helsinki und vier
Treffen zwischen Kissinger und Gromyko - sowie auf regionaler Ebene
ernsthafte Rückschläge oder Drohungen: den Fall dreier Länder in Südostasien; die ernsthafte Bedrohung eines NATO-Verbündeten, Portugals,
durch kommunistische Subversion und die Bewaffnung wie den Transport Tausender Kubaner nach Angola, um die Marxisten in die Lage zu versetzen,
den Bürgerkrieg dort zu gewinnen. Während der ersten sechs Monate trafen
sich Außenminister Vance und Botschafter Dobrynin etwa fünfundzwanzigmal,
dann kam das Gipfeltreffen zwischen Carter und Breschnew in Wien. Dennoch gab es kein Ende der regionalen Krisen. Es gab das Problem mit einer sowjetischen Brigade in Kuba; die falschen sowjetischen Erklärungen
nach der Geiselnahme der Amerikaner im Iran, wodurch noch zusätzlich Öl
ins Feuer geschüttet wurde, und - am schwerwiegendsten - die massive
sowjetische Invasion Afghanistans, die Präsident Carter die größte Krise
seit dem Zweiten Weltkrieg nannte.

Bemerkenswert ist, daß in jedem Jahr zwischen 1975 und 1980, Armeen,
die zu einem Großteil von Moskau ausgerüstet wurden, oder sowjetische
Streitkräfte selbst immer wieder entweder in ein anderes Land einmarschierten oder über eines die Kontrolle errangen: 1975 Südvietnam,
1975-76 Angola, 1977 Äthiopien, 1978 Kampuschea und 1979 Afghanistan.

In den vergangenen drei Jahren haben sich keinerlei Krisen solchen
Ausmaßes ereignet. Das ist gut so, nicht nur für jene in der Welt, die
davor bewahrt blieben, vom Totalitarismus unterdrückt zu werden, sondern
auch deshalb, weil eine größere regionale Stabilität die Möglichkeit eines amerikanisch-sowjetischen Konfliktes verringert.

Die Sowjets sind seit 1981 auf Widerstand gestoßen. Dies ist die unvermeidliche Folge ihrer eigenen Handlungsweise. Gleichzeitig wurden die
Stärke und die Führungskraft Amerikas wieder hergestellt.
Sogar ein
- 5-

�Sogar ein solch scharfer Kritiker der Haltung der Administration gegenüber der Sowjetunion wie Strobe Talbott von TIME schrieb jüngst unter
dem Titel "Die Russen und Reagan":

"Der sowjetische Expansionismus wurde

zurückgeschraubt; verbittert und verkeilt wie die sowjetisch-amerikanischen Beziehungen auch sind - so waren sie doch auf bemerkenswerte Weise
frei von wirklich tiefen Krisen" während der Regan-Administration. Und
er verweist darauf, daß von den drei großen Kriegen in diesem Zeitraum Iran-Irak, Libanon und die Falkland-Inseln - "keiner zu einer Konfrontation zwischen den Supermächten wurde."

Das ist der zentrale Punkt. Die Welt ist heute nicht gefährlicher.
Die Faktoren, die sie stabiler machen und die Möglichkeit eines atomaren
Konflikts verringern, sind aktive amerikanische Diplomatie und Beziehungen, durch die potentielle Reibeflächen geglättet und regionale Sicherheit vergrößert werden; dazu kommt eine größere amerikanische Abschreckungskapazität, die einem potentiellen Aggressor zeigt, daß jeder
Angriff zu kostspielig sein würde und die antizipierten Leiden bei weitem
jeden vorstellbaren Gewinn aufwiegen. Unsere Rüstungskontrollvorschläge,
die darauf abzielen, die Zahl der Kernwaffen auf beiden Seiten zu verringern und die Gefahr eines Krieges einzudämmen, könnten diese Faktoren
verstärken, wenn die Sowjets zu einem Abkommen bereit wären.

Diese Faktoren zeigen, daß die jüngsten Worte von Präsident Reagan
ins Schwarze getroffen haben, wonach "die Welt heute etwas sicherer ist
als in der Vergangenheit."

Sicherlich ist Raum für eine Verbesserung der derzeitigen Lage. Und
sie braucht deutliche Verbesserung. Präsident Reagan hat versucht, genau
dies zu tun, indem er die Beziehungen zu den Verbündeten und auch sonst
verstärkt hat; indem wieder eine glaubwürdige militärische Position der
Stärke geschaffen wurde und indem mit einem breitangelegten Rüstungskontrollprogramm begonnen wurde. Er ist darum bemüht, den amerikanisch-sowjetischen Dialog wieder zu eröffnen und zu vertiefen - wie dies
- 6 -

�wie dies in seiner Rede vom 16. Januar und durch eine Vielzahl privater
Kanäle deutlich wird. Ein besserer Dialog und aktive Gespräche über
Nuklearwaffen wären einer fortgesetzten sowjetischen Abwesenheit von den
Verhandlungen vorzuziehen, wären die Sowjets bereit, an ernsthaften Gesprächen teilzunehmen.

Dem ist aber in den vergangenen sechs Monaten nicht so gewesen. Sie
verließen die Genfer Gespräche über europäische Nuklearwaffen und haben
noch immer nicht unserem Vorschlag zugestimmt, die START-Gespräche über
Langstreckenwaffen wieder aufzunehmen. Dies nicht wegen der Haltung der
Reagan-Administration gegenüber den Sowjets, dies nicht wegen früherer
oder derzeitiger Rhetorik und nicht wegen der ehrgeizigen "tiefen Einschnitte", die wir bei den Kernwaffen anstreben.

Sie verließen diese

Gespräche einzig deshalb, weil die NATO den Kurs beibehielt, den sie im
Dezember 1979 eingeschlagen hatte. Dieser aber erforderte eine Dislozierung der Raketen, um der ständig wachsenden Zahl von hochmobilen und
bedrohlichen SS-20-Atomraketen zu begegnen für den Fall, daß die
Rüstungskontrolle sich als erfolglos herausstellen sollte.

Man kann sich nur schwer eine amerikanische Regierung vorstellen, die
hinsichtlich der Dislozierungen unterschiedlich vorginge - angesichts des
sowjetischen Beharrens auf ihrer "Halb-Null"-Option - also Hunderte von
Gefechtsköpfen für die sowjetische Seite und Null für unsere Seite. Und
man kann sich nur schwer eine amerikanische Regierung vorstellen, die
eine solche einseitige Rüstungskontroll-"Lösung" akzeptieren würde (ganz
abgesehen davon, ob ein amerikanischer Senat solch ein schiefes Abkommen
ratifizieren würde).

Die Administration hofft noch immer, daß die Sowjets sich ihrer Interessen bewußt und danach handeln werden, indem sie zu den Kernwaffengesprächen zurückkehren. Gleichzeitig hoffen wir auf eine konstruktive
Reaktion der Sowjetunion auf unsere neuen Vorschläge für ein weltweites
Verbot chemischer Waffen, für die Verringerung der konventionellen
Streitkräfte in Europa und für Maßnahmen zur Verringerung der Gefahr

�der Gefahr eines Überraschungsangriffs in Europa.

Aber unsere Rufe unterscheiden sich von ihrem Rückzug. Und das
erinnert etwas an die Frage Hotspurs, als dessen Vetter im ersten Teil
von "Heinrich IV." prahlt, er könne alle Geister der Tiefe zu seiner
Hilfe rufen. Das könne er auch, das könne jeder. Aber: Kommen sie
auch, wenn man sie ruft?

&gt;

- 8 -

�Hinteigiund
materiell
United States Information Service
Embassy of the United States of America

26

27. Juni 1984

USA FÜR ZUSAMMENARBEIT BEIM KAMPF GEGEN DIE UJFTVERSCHMUTZUNG
- Erklärung von Umweltschutzdirektor Ruckeishaus -

München -(AD)- Die Vereinigten Staaten sind bereit, bei der Lösung
des

Problems der

grenzüberschreitenden

Luftverschmutzung

mit anderen

Ländern zusammenzuarbeiten. Das versicherte der Direktor der amerikanischen Umweltschutzbehörde, William D. Ruckeishaus. In einer Erklärung vor
den versammelten Delegierten auf der Internationalen Umweltkonferenz in
München am 25. Juni betonte er die Notwendigkeit einer multinationalen
Lösung des Problems der Säureemissionen und wies darauf hin, daß die
Vereinigten Staaten auf diesem Gebiet bereits beträchtliche Erfolge erzielt hätten.

Die Erklärung von Direktor Ruckeishaus, die wir in Auszügen wiedergeben,
hat folgenden Wortlaut:

Es steht außer Zweifel, daß die Ablagerung saurer Niederschläge zu
einem der ernstesten und verwirrendsten Umweltprobleme der Welt geworden
ist. In den vergangenen 15 Jahren haben die Vereinigten Staaten vor allem
versucht, dem Problem der Luftverschmutzung in lokalem Rahmen zu begeg-

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�zu begegnen. Bei den Versuchen, Schadstoffemissionen unter Kontrolle zu
bekommen, richtete man das Augenmerk hauptsächlich auf die Auswirkungen
auf Gesundheit und Unweit, die diese Emissionen im unmittelbaren Umfeld
ihrer Quelle hervorriefen. Im Laufe der Jahre hat sich unser Wissen über
atmosphärische Prozesse vervollkommnet, so daß uns heute klar ist, daß
Schadstoffemissionen noch in einer Entfernung von hunderten von Kilometern von ihrem Ursprungsort Umweltschäden von erheblichem Umfang hervorrufen können. Wir können unsere Aufmerksamkeit daher nicht mehr länger
auf solche Auswirkungen beschränken, die innerhalb des gleichen Landstrichs oder auch innerhalb des gleichen Landes auftreten. Das Problem
der langfristigen, grenzüberschreitenden Verschmutzung kann nicht gelöst
werden, wenn wir es nicht von einer multinationalen Grundlage aus angehen. Zusammenarbeit bei der Lösung dieses Problems ist keine Angelegenheit, die in unser Belieben gestellt ist, sondern eine Notwendigkeit.

Die Sorgen wegen des besonderen Problems der Säureablagerungen haben
unsere Aufmerksamkeit erneut auf die Emission von Schwefeldioxyd und
Stickoxyden gelenkt. Das Problem dieser Schadstoffe ist keinem von uns
neu. Wegen der vielfältigen Auswirkungen, die diese Substanzen auf Umwelt
und Gesundheit haben, sind sie in den Vereinigten Staaten schon seit
Anfang der 70er Jahre Gegenstand unserer Bemühungen zur Eindämmung von
Schadstoffemissionen. Zwischen 1973, dem Jahr der höchsten Emissionswerte, und 1982 haben wir in den Vereinigten Staaten den Ausstoß von Schwefel um 26 Prozent vermindert. Dies wurde dadurch erreicht, daß mehr als
100 Kraftwerke die Auflage bekamen, Abgasreinigungssysteme zu installieren, und daß tausende von anderen Anlagen auf Brennstoffe mit geringerem
Schwefelgehalt umgestellt wurden. Gemäß unserem Gesetz zur Reinerhaltung
der Luft mußte in jeder neuen Anlage, die seit 1977 in den Vereinigten
Staaten errichtet worden ist, ein Abgasreinigungssystem eingebaut werden,
und zwar sogar in solchen Anlagen, die schwefelarme Kohle verbrennen.
Diese gesetzliche Regelung gilt immer noch.

Diese Verringerung des Ausstoßes von Schwefeldioxyd wurde nur zu
einem sehr geringen Teil durch Umstellung auf Kernenergie erreicht.
Außerdem wurde diese Verminderung während einer Zeit erzielt, in der die
Elektrizitätserzeugung

in unserem Lande erheblich ausgebaut wurde. Im

- 2 -

�wurde. Im Jahre 1980 haben wir über 40 Prozent mehr Strom erzeugt als im
Jahre 1970. Wenn wir nicht seit 1970 eine energische Politik der Eindämmung der Schwefeldioxydemissionen verfolgt hätten, so würden sie heute um
43 Prozent über dem tatsächlichen Wert liegen.

Auch im Bereich der Stickoxyde hatten wir beachtliche Erfolge zu verzeichnen. Ungefähr 40 Prozent der Stickoxydemissionen in unserem Lande
werden von Fahrzeugmotoren erzeugt. Heute stoßen neue Automobile 75 Prozent weniger Stickoxyde aus, als dies im Jahre 1968 der Fall war.

All diese Maßnahmen zur Verringerung der Luftverschmutzung haben sich
die Amerikaner seit 1970 mehr als 150 Milliarden Dollar kosten lassen.
Die Verpflichtung zur Reinerhaltung der Luft, die sich das amerikanische
Volk auferlegt hat, ist nicht nur Gerede. Wir haben erhebliche Geldmittel
aufgewendet - mit dem Ergebnis, daß der Ausstoß von Schadstoffen, die
Vorstufen des sauren Regens bilden, merkbar gesenkt werden konnte.
In den letzten Jahren ist unsere Besorgnis über die Langzeitwirkungen
des Ausstoßes von Schwefeldioxyd

und Stickoxyden

in dem Maße größer

geworden, in dem unser wissen gewachsen ist. Es genügt natürlich nicht,
einfach nur zu wissen, daß wir Auswirkungen auf die Umwelt hervorrufen.
Es muß auch gewährleistet sein, daß die Lösungen, die wir entwickeln, die
Probleme, die wir erkannt haben, zu beseitigen vermögen, gleichzeitig
aber die nachteiligen sozialen und wirtschaftlichen Begleitumstände auf
ein Mindestmaß beschränken. Wir meinen, daß es bestimmte Schlüsselbereiche gibt, in denen weitere Informationen gewonnen werden müssen, um die
Vereinigten Staaten in die Lage zu versetzen, eine angemessene Reaktion
auf die beobachteten ökologischen Auswirkungen zu entwickeln.

Erstens kennen wir nicht das Ausmaß der von der Ablagerung saurer
Niederschläge hervorgerufenen Schäden. Eine begrenzte Anzahl von Seen in
den Vereinigten Staaten

ist untersucht worden, aber eine umfassende

Schätzung der Schäden ist z.Z. nicht möglich.

Zweitens haben wir keine Vorstellung von der Geschwindigkeit, mit der
die Schäden um sich greifen. Für die Entwicklung vernünftiger Maßnahmen

- 3 -

�vernünftiger Maßnahmen wäre es wichtig zu wissen, ob wir es mit einem
sich über Jahrzehnte hinziehenden Problem oder mit einer rascheren Verschlimmerung der Lage zu tun haben.

Drittens haben wir nur lückenhafte Kenntnisse darüber, woher die
Säureablagerungen in einem bestimmten geographischen Gebiet kommen. Dies
ist das Dilemma von Ursache und Wirkung. Anhand unserer gegenwärtigen
Modelle der atmosphärischen Prozesse können wir nicht mit hinreichender
Zuverlässigkeit vorhersagen, welche Auswirkungen der Ausstoß in bestimmten Ursprungsgebieten in den Vereinigten Staaten und Kanada in bestimmten
Ablagerungsgebieten entweder in unserem eigenen Lande oder in Kanada hervorruft.

Viertens müssen wir herausfinden, wie schnell Seen und Bäche auf
Säureablagerungen reagieren. Viele Gewässer in Nordamerika verfügen über
genug natürliche Abwehrkräfte, um selbst dann ohne Schaden zu überdauern,
wenn sie der Belastung durch sauren Regen im gegenwärtigen Umfang ausgesetzt bleiben. Andererseits können einige Gewässer weitere Säurebelastung
nur noch in geringem Umfang oder gar nicht mehr absorbieren, da sie bereits in starkem Maße mit Säure angereichert sind. Wenn wir feststellen
würden, daß es in der Tat eine größere Zahl von vom Umkippen bedrohten
Seen gibt, die überdies in einem Gebiet liegen, in dem die Säureablagerungen beständig hoch sind, so würde der Zwang zum Handeln wesentlich
akuter erscheinen.

Schließlich haben wir zwar Nachweise für schädliche Einwirkungen auf
unsere Wälder, wissen aber nicht, welche Rolle die Ablagerung saurer Niederschläge bei der Verursachung dieser Schäden spielt.

Diese Ungewißheiten und Wissenslücken sind von unmittelbarer Bedeutung für die politischen Entscheidungen darüber, was in bezug auf die
Säureablagerungen in Nordamerika unternommen werden sollte. Seit 1980
haben wir auf der Suche nach Antworten auf diese und ähnlich gelagerte
Fragen 93 Millionen Dollar für die Erforschung des Phänomens der Säureablagerungen aufgewandt. Präsident Reagan hat den Kongreß für das nächste
Jahr um weitere 55 Millionen Dollar gebeten, womit die Forschungsanstren-

- 4 -

�die Forschungsanstrengungen dieses Jahres verdoppelt werden würden.

Viele Wissenschaftler glauben, daß die Luftverschmutzung die Hauptursache für all diese Schäden ist, aber man kann noch nicht mit Sicherheit sagen, ob Schwefeldioxyd, Stickoxyde, Oxydationsmittel, Schwermetalle oder irgendeine Kombination von Schadstoffen den kritischen Faktor
bilden. Dies zu wissen, wäre aber wichtig für die Entwicklung einer Strategie zur Eindämmung der Schäden.

Sobald diese grundlegenden Ungewißheiten bezüglich der Ausbreitung
von Luftverschmutzung über weite Entfernungen ausgeräumt sind, wird die
Regierung der Vereinigten Staaten angemessene Maßnahmen treffen, um diesen Problemen in Nordamerika zu Leibe zu rücken. Es ist offenkundig, daß
wir mit unseren Freunden in Kanada zum Schutz unserer gemeinsamen Ressourcen eng zusammenarbeiten müssen. Das Tempo und der Umfang der Maßnahmen gegen Säureablagerung in Europa braucht sich nicht unbedingt nach
unseren Plänen zu richten. Der Umfang der Emissionen, die gefährdeten
Gebiete, die geographischen Begrenzungen, die Bemühungen um die Eindämmung von Schadstoffen in der Vergangenheit und die wirtschaftlichen Auswirkungen unterscheiden sich in Europa wesentlich von denen in Nordamerika. Wir sind davon überzeugt, daß wir, wie schon in der Vergangenheit,
aus den Erfahrungen Europas lernen können. Die Vereinigten Staaten sind
entschlossen zur Zusammenarbeit mit den betroffenen Regierungen Kanadas
und Europas, um das Wissen über Probleme der grenzüberschreitenden Luftverschmutzung zu vervollkommnen und um für die internationale Gemeinschaft die beste Lösung zu finden.

- 5 -

�27. Juni 1984

26

WAS FORDERT DIE BLITZENTSTEHJNG?
- Umfangreiches Forschungsprojekt in den USA -

- (AD) - Mit einem intensiven Forschungsprogramm sollen im Sommer
1984 meteorologische Bedingungen und atmosphärische Phänomene beobachtet
und untersucht werden, die wesentliche Faktoren für die Blitzentstehung
in Gewitterwolken sein könnten. Das Projekt wird von der Nationalen
Forschungsstiftung der USA (NSF) finanziert. Angesichts der Bedeutung
einschlägiger Fragenkomplexe leistete die NSF auch einen wesentlichen
Beitrag zu der Anfang Juni 1984 in Albany (Bundesstaat New York) abgehaltenen sechstägigen Konferenz, auf der Hunderte von Meteorologen und
Atmosphärenforschern aus allen Teilen der Welt Aspekte von Luftelektrizität erörterten.

In den Vereinigten Staaten allein werden jedes Jahr

etwa 350 Personen durch Blitzschlag getötet oder verletzt. Der Sachschaden durch

Brände wird auf 260 Millionen Dollar geschätzt.

Das auf sechs Wochen angesetzte Forschungsprojekt beginnt am 14. Juli
im Bundesstaat Neu Mexiko unter der Regie des Langmuir-Laboratoriums für
Atmosphärenforschung, einem Institutskomplex auf dem Gipfel des 3000 m

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�des 3000 m hohen South Baldy Peak im Magdalenen-Gebirge in der Nähe von
Socorro. Neunzehn Wissenschaftlergruppen von neun bedeutenden Instituten, davon fünf Universitäten, nehmen daran teil. An technischen Hilfsmitteln stehen u.a. ein Düsenflugzeug, zwei Segelflugzeuge, mindestens 20
Forschungsballons, sechs Radaranlagen und Forschungsraketen zur Verfügung.

Der Physiker Dr. William P. Winn ( New Mexico Institute of Mining and
Technology), einer der Organisatoren des Projekts, sieht in der Anwendung
von leichten, mit modernster Elektronik ausgestatteten Instrumenten einen
Durchbruch für die Beobachtungstechnik. Ungeachtet der umfangreichen
Studien zur Gewitterforschung, die ja schon seit längerer Zeit betrieben
werden, könne man z. B. noch immer nicht erklären, wie die elektrische
Aufladung von Wolken vor sich gehe. Vermutlich spielt das Vorhandensein
von Wasser- und Eispartikeln eine wichtige Rolle, jedoch seien Einzelheiten und erforderliche Wechselwirkungen oder das Zusammenwirken einzelner Faktoren ungelöste Fragen.

Viele der neuen Instrumente haben eingebaute Mikrocomputer, was heute
Sturm-Messungen ermöglicht, an die noch vor fünf Jahren wegen der Kostenfrage bei den damaligen Ausrüstungen nicht zu denken war. Die Wissenschaftler wollen versuchen, mehr Erkenntnisse darüber zu gewinnen, welche
Rolle Niederschlagspartikel wie Regentropfen, Hagel oder Eis beim Aufbau
elektrischer Ladungen in Gewitterwolken spielen. Außerdem hoffen sie,
durch die Beobachtung von Wind, Böen und Luftbewegungen, die ja elektrische geladene Teilchen mit sich tragen, eher Einsicht in die komplizierten Vorgänge zu erhalten.

Sechs Radargeräte liefern Informationen über die Bewegungen von Eisund Wasserpartikeln. Von Bord des Düsenflugzeuges aus will man das Einund Ausströmen von Luft an den Rändern sich aufbauender Gewitterwolken
messen. Eines der Segelflugzeuge verfügt über eine Spezialkamera zur
Aufnahme von NiederSchlagspartikeln, und beide Segelflugzeuge sind mit
elektrischen Feldmessern ausgerüstet. Auch von Ballonen aus werden die
elektrischen Felder gemessen. Kleine Raketen, die bis zum Boden reichende Drähte schleppen, werden gestartet, um Blitze auszulösen, sobald man
- 2 -

�sobald man die Bedingungen dazu für gegeben hält.

Eines der Radargeräte, eine Spezialkonstruktion des Instituts für
Bergbau und Technik von Neu Mexiko, tastet die gesamte Gewitterwolke alle
20 Sekunden ab - zehnmal schneller, als dies mit herkömmlichen Radarausrüstungen möglich ist. Zweck dieses Versuches ist es, mehr Aufschlüsse
zur Frage der Beziehungen zwischen elektrischer Ladung, Niederschlag und
Blitzentwicklung zu erhalten. Ein ebenfalls an diesem Institut entwikkeltes Höchstfrequenz-Interferometer liefert dreidimensional eine Art
Röntgenbild von den Kanälen, die Blitze innerhalb einer Gewitterwolke
nehmen.

- 3 -

�27.Juni 1984

26

SCHICHTAUFBAU FÜR STAHLE
- Superplastisch und Schlagfest

(AD). - Über die Entwicklung superplastischer Stähle, die ein bis zwei
Prozent Kohlenstoff enthalten statt der bei Baustählen üblichen 0,02 bis
1 Prozent berichtete Prof. Oleg Sherby (Department für Werkstoffwissenschaften und Werkstofftechnik der Stanford-Universität) zum ersten Mal im
August 1980. Sie zeichnen sich durch außergewöhnlich gute Verformbarkeit
aus, die weder bei den niedriger gekohlten Baustählen noch bei irgendwelcher anderen Stahlsorte gegeben ist. Auf 600 bis 800 Grad C erwärmt,
lasse sich dieser Stahl z.B. auf das mehr als 15fache der ursprünglichen
Länge strecken, erklärt der Wissenschaftler.

Deshalb könne er auch zu

sehr kompliziert geformten Werkstücken verarbeitet werden, ohne daß Rißbildung zu befürchten sei. Dieser Umstand verbilligt die Bearbeitungskosten ganz erheblich. Die Superplastizität wird dem besonders feinen
Gefüge zugeschrieben.

Die Korngröße beträgt im Vergleich zu der von ge-

wöhnlichem Stahl weniger als ein Hundertstel. Das von Sherby und Mitarbeitern entwickelte Verfahren wurde damals unter Einschaltung der Abteilung für Verfahrenslizenzierung der Stanford-Universität patentiert.
Das ultrafeine

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�Das ultrafeine Gefüge des hochgekohlten Stahles (Sherby bezeichnet
ihn als "ultrahigh-carbon steel", kurz "UHC"-Stahl genannt) macht es auch
möglich, ihn im Schichtaufbau mit anderen Stählen bei Temperaturen
zwischen 600 und 800 Grad C zu verbinden und auf diese Weise besondere
Eigenschaften der Schichtwerkstoffe zu kombinieren.

Entsprechende versuche, die seit 1983 laufen und bei denen es vor
allem um optimale Verfahren zur Verbindung in Wärmebehandlung ging,
führten inzwischen dazu, daß nicht-superplastische Stähle durch Verbinden
mit superplastischem Stahl als "Kernschicht" dessen Verformbarkeit annahmen.

Zunächst wurden Flußstahl und andere niedrig gekohlten Stähle

verwendet. Dann konzentrierte sich Sherby auf Kombinationen von hochgekohltem superplastischem Stahl mit rostbeständigen Stählen. Diese sind
wegen der Legierungsanteile Chrom und Nickel weitaus teurer als gewöhnlicher Stahl.

Rostbeständiger Stahl, allein verwendet, könne nicht superplastisch
gemacht werden, erklärt Sherby. Jedoch verwendete das Team UHC-Stahl als
eine Art "Katalysator", um superplastischen und gleichzeitig rostbeständigen Stahl herzustellen. Auf einen Kern aus UHC-Stahl wurde legierter
Stahl mittels spezieller Wärmebehandlung unter Preßdruck wie eine Furnierschicht aufgebracht. Diese nimmt die Dehnungsfähigkeit des Kernmaterials an und gibt dem Produkt Rostbeständigkeit, obgleich nur zehn
Prozent der Menge von legiertem Stahl benötigt werden, die Massivmaterial
erfordern würde. Superplastischer rostbeständiger Stahl besitzt laut
Sherby alle Eigenschaften des massiven Legierungsstahls, insbesondere
dessen Korrosionsfestigkeit, und kann auch zu Werkstücken sehr großer
Dimensionen geformt werden.

* * * * * * * * * *

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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;US-Chefdelegierter wendet sich gegen östliche Hinhaltetaktik auf der KVAE in Stockholm&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärung von Botschafter Goodby -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Adelman: Amerikanisch-sowjetische Beziehungen sind sicher&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;USA für Zusammenarbeit beim Kampf gegen die Luftverschmutzung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärung von Umweltschutzdirektor Ruckelshaus -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Was fördert die Blitzentstehung?&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Umfangreiches Forschungsprojekt in den USA -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Schichtaufbau für Stähle&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Superplastisch und schlagfest -&lt;/em&gt;</text>
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4 . J u l i 1984

INHALT
DOKUMENTATION
Reagan sucht Intensivierung der Kontakte zur Sowjetunion
- Rede des Präsidenten auf der Smithsonion-Konferenz Weinberger-Interview mit NATO-Journalisten
- Auszuge HINTERGRUNDMATERIAL
Die amerikanisch-sowjetischen Beziehungen
- Informationspapier des Weißen Hauses Die Geschichte der amerikanischen Politik in der Frage des Dialogs mit
Nicaragua
US-Regierung: Kein Verzicht auf Synthesebrennstoffe
- Konkurrenzfähigkeit Ziel der technischen Weiterentwicklung WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Erster Besuch bei einem Kometen
- Forschungssatellit ICE auf dem Weg zum Rendezvous -

HINWEIS FÜR UNSERE BEZIEHER
Der Themenindex der während des 2. Halbjahres 1983 und des 1. Halbjahres 1984 im "Amerika Dienst" erschienen Artikel ist jetzt verfügbar. Auf Anforderung senden wir Ihnen die Liste gerne zu.

Um Ubei/end ung von
Belegexemplaren
uiircl gebeten

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D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�I

Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

4. Juli 1984

27

REAGAN SUCHT INTENSIVIERUNG DER KONTAKTE ZUR SOWJETUNION
- Rede des Präsidenten auf der Smithsonian-Konferenz -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Ronald Reagan hat auf der SmithsonionKonferenz über amerikanisch-sowjetischen Austausch am 27. Juni 1984 erneut den Wunsch nach einer Verstärkung der Kontakte zur Sowjetunion ausgesprochen.

Wenn die Sowjets so sehr für den Frieden seien, wie sie er-

klärten, dann sollten sie auch zu Verhandlungen bereit sein, so sagte
Reagan.

Die Rede des Präsidenten war vorher vom amerikanischen Außenmi-

nisterium angekündigt worden.

Das Ziel der Vereinigten Staaten in allen

bilateralen Bemühungen, so erklärte ein Vertreter des Außenministeriums
vor der Presse, seien stabilere und konstruktivere Ost-West-Beziehungen.

Die Ausführungen des Präsidenten haben folgenden Wortlaut:

Seit vielen Monaten habe ich die Sowjetunion ermutigt, sich uns in
einer großen Anstrengung anzuschließen, um herauszufinden, ob wir nicht
in folgenden allgemeinen Problemkreisen Fortschritte erzielen könnten:

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D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�erzielen könnten: Verringerung der Androhung und Anwendung von

Gewalt

zur Lösung internationaler Streitigkeiten; Verringerung der Rüstungen der
Welt und Herstellung besserer Arbeitsbeziehungen miteinander.

Vor den Vereinten Nationen, vor dem japanischen Reichstag, vor der
Georgetown-Universität und vor dem irischen Parlament habe ich unsere Bemühungen um eine Verringerung der Waffen, vor allem der Kernwaffen, und
die Herstellung eines nützlichen Dialogs über regionale Fragen dargelegt. Lassen Sie mich einige wenige der vielen Bemühungen aufzeigen, die
wir

unternehmen, um bessere Arbeitsbeziehungen zur Sowjetunion herzu-

stellen.

Wir haben die sowjetische Regierung in Kenntnis gesetzt, daß wir bereit sind, in Verhandlungen über ein neues Austausch-Abkommen einzutreten, und wir haben unsere Vorbereitungen für diese Verhandlungen abgeschlossen.

Wir haben vorgeschlagen, die Vorbereitungen für die Eröffnung von
Konsulaten in New York und in Kiew wieder aufzunehmen.

Wir haben Schrit-

te unternommen, um unsere Abkommen über Zusammenarbeit auf den Gebieten
des Umweltschutzes, des Wohnungsbaus, des Gesundheitswesens und der Landwirtschaft neu zu beleben.

Die Tätigkeiten im Rahmen dieser Abkommen ha-

ben in den letzten Jahren nachgelassen, weil keine Sitzungen unserer gemeinsamen Ausschüsse stattgefunden haben, um Projekte zu planen.

Wir haben vorgeschlagen, daß Vorbereitungen für solche Sitzungen beginnen sollen, um die Zahl der aktiven Projekte zu vergrößern.

Wir sind

dabei, mehrere bilaterale Abkommen zu erneuern, die sonst in diesem Jahr
ausgelaufen wären, und wir sind übereingekommen, unser Fischereiabkommen
um 18 Monate zu verlängern, und wir suchen nach Möglichkeiten, die Zusammenarbeit im Rahmen des Abkommens zu verstärken.

Wir haben vorgeschlagen, unser Abkommen zur Erleichterung der wirtschaftlichen, industriellen und technischen Kooperation auf weitere zehn
Jahre zu verlängern und mit Vorbereitungen für eine Sitzung unserer ge- 2 -

�unserer gemeinsamen Handeismission zu beginnen.
Die amerikanische Marinedelegation hielt im vorigen Monat mit der
entsprechenden Delegation der sowjetischen Marine im Rahmen unseres Abkommens über die Vermeidung von Zwischenfällen auf See Besprechungen ab,
und wir sind übereingekommen, dieses nützliche Abkommen um weitere drei
Jahre zu verlängern.

Wir überprüfen das Abkommen über die Weltmeere, das sich als nützlich
erwiesen hat für die Förderung der gemeinsamen ozeanographischen Forschung, und wir werden sorgfältig überlegen, dieses Abkommen vor seinem
Ablauf zu erneuern.

Wir haben auf mehreren anderen Gebieten Vorschläge gemacht, um den
Dialog zu fördern, die Zusammenarbeit zu verstärken und Probleme zu lösen.

Wir haben eine faire und gerechte Lösung unserer Meinungsverschiedenheiten bezüglich der Seegrenzen vor der Küste von Alaska vorgeschlagen.

Wir haben eine gemeinsam simulierte Rettungsmission im Weltraum vorgeschlagen, in deren Rahmen Astronauten und Kosmonauten eine kombinierte
Übung im Weltraum durchführen sollen, um Techniken für die Rettung von
Menschen bei Funktionsstörungen in Weltraumfahrzeugen zu entwickeln.

Und schließlich führen wir derzeit eine weitere Gesprächsrunde über
konsularische Fragen durch, mit der wir versuchen, die Visa-Verfahren zu
verbessern und Reisen zwischen unseren beiden Ländern zu erleichtern.

Wir haben Besprechungen zwischen der amerikanischen Küstenwache und
dem sowjetischen Ministerium für die Handelsschiffahrt über die Verfahren
für die Suche und die Rettung von Bürgern aller Länder in Seenot vorgeschlagen.

Und wir haben Erfolge bei unseren Verhandlungen über die Verbesserung
des "Heißen Drantes" erreicht, indem wir Gespräche über potentielle nu-

�potentielle nukleare TerrorZwischenfälle, über die Errichtung einer gemeinsamen militärischen Fernmeldeverbindung und über die Verbesserung der
FernmeldeVerbindungen der Botschaften in beiden Ländern geführt haben.

Wir haben ferner regelmäßige Kontakte von Militärs unserer beiden
Länder auf hoher Ebene vorgeschlagen.

Wir haben also, wie Sie selbst sehen können, umfassende und vernünftige Vorschläge gemacht, um den amerikanisch-sowjetischen Dialog und unsere Arbeitsbeziehungen zu verbessern.

Und wenn sich die Sowjets ent-

schließen, sich uns in diesen Bemühungen anzuschließen, dann würden sich,
wie ich meine, neue Wege für unsere Anstrengungen eröffnen.

Es ist noch zu früh, um über die Ergebnisse zu urteilen.

Einige Vor-

schläge sind einer Einigung nahe; viele andere sind noch in der Diskussion; und einige werden, zumindest für jetzt, abgelehnt.

Echte Kontakte mit einer geschlossenen Gesellschaft werden niemals
leicht sein. Und ich bin, ebenso wie Sie, über Berichte aus jüngster Zeit
beunruhigt - über Berichte über neue Maßnahmen der sowjetischen Behörden,
die Kontakte zwischen sowjetischen Bürgern und Ausländern einzuschränken.
Diese Einschränkungen kommen noch zu der verstärkten Unterdrückung jener
tapferen sowjetischen Bürger hinzu, die es gewagt haben, Auffassungen zu
äußern, die im Gegensatz zu denen der politischen Elite in der Sowjetunion stehen.

Die Menschen in der Sowjetunion zahlen einen hohen Preis für die
Handlungen ihrer Regierung - ja, wir alle zahlen einen Preis.

Wenn die

sowjetische Regierung repressive Maßnahmen gegen ihre eigene Bevölkerung
ergreift und versucht, sie von der Außenwelt abzuriegeln, dann leidet ihr
eigenes geistiges und kulturelles Leben darunter.

Gleichzeitig wird der

übrigen Welt der kulturelle Reichtum des sowjetischen Volkes vorenthalten.

Was wäre die klassische Musik ohne Tschaikowski oder die Literatur

ohne Tolstoi oder die Chemie ohne Mendelejew.

Zivilisierte

Menschen

�Zivilisierte Menschen in der ganzen Welt haben ein Interesse daran,
soviel weitgehende, intensive und freie Kontakte, Verbindungen und schöpferische Anregungen wie möglich zu pflegen.

Das zentrale Problem ist und

bleibt, daß die Sowjets darauf beharren, ihre Bevölkerung abzuriegeln und
Kontakte und den Informationsfluß zu filtern und zu kontrollieren.

Wenn durch sowjetische Handlungen der Frieden bedroht oder ein feierliches Abkommen verletzt wird oder die grundlegenden Normen der zivilisierten Welt mit Füßen getreten werden, dann können und werden wir nicht
schweigen.
verraten.

Wenn wir das täten, dann würden wir unsere höchsten Werte
Es würde unser Gewissen verletzen und letztlich die Stabilität

der Welt und unsere Fähigkeit zur Erhaltung des

Friedens unterminieren.

Wir müssen über Wege unterhalb der Schwelle der militärischen Drohung
verfügen, die absolut klar erkennen lassen, daß sowjetische Handlungen
ernst genommen werden und daß manche Handlungen unausweichlich die Qualität der Beziehungen beeinflussen.

Diese Reaktionen führen zu einer Verringerung der Kontakte mit der
Bevölkerung der Sowjetunion, und das ist das Dilemma.

Wir haben jedoch

keinen Streit mit dem russischen Volk oder dem ukrainischen Volk oder mit
irgendeiner der anderen stolzen Nationalitäten in jenem multinationalen
Staat.

Wir müssen also in unseren Reaktionen auf Handlungen der sowje-

tischen Regierung vorsichtig sein, damit wir unseren Unmut nicht an jenen
auslassen, die nicht verantwortlich sind.

Und aus diesem Grund sind wir der Meinung, daß wir die Möglichkeiten
für amerikanische und sowjetische Bürger ausweiten sollten, sich gegenseitig besser kennenzulernen.

Aber unsere Vorschläge in dieser Richtung

sind kein "Signal", daß wir Afghanistan vergessen hätten.

Wir werden

weiterhin unsere Sympathie und unsere nachhaltige Unterstützung für das
afghanische Volk zum Ausdruck bringen.

Die Vereinigten Staaten werden

seinen Kampf um die Beendigung der sowjetischen Besatzung und die Wiederherstellung eines unabhängigen und neutralen Afghanistan unterstützen.

Und unsere Vorschläge bedeuten auch nicht, daß wir Verletzungen der
- 5 -

�Verletzungen der Schlußakte von Helsinki oder das Elend von

Andrei

Sacharow, Jelena Bonner, Anatol Schtscharanski, Juri Orlow und vieler anderer ignorieren werden.

Die Verfolgung dieser tapferen, noblen Menschen

wiegt in unseren Herzen schwer.

Es wäre falsch zu glauben, daß ihre Be-

handlung und ihr Schicksal unsere Fähigkeit zu verstärkter Kooperation
nicht beeinflussen würden. Aus unserem Gewissen heraus, aus dem Gewissen
des amerikanischen Volkes und der freiheitsliebenden Menschen in der ganzen Welt heraus haben wir keine andere Wahl.

Ich weiß, daß diese Überlegungen das Dilemma nicht lösen, vor dem wir
stehen. Aber es ist ein Dilemma für uns alle.

Und ich werde gerne Ihren

Rat hören.
Ich weiß, daß Sie nicht annehmen, daß irgend etwas, zu dem wir die
sowjetischen Führer ermutigen, nicht auch ebenso in ihrem wie in unserem
Interesse läge. Wenn sie sich dem Frieden so verschrieben haben, wie sie
erklären, dann sollten sie sich uns in unserem Bemühen anschließen und
mit uns zusammenarbeiten.

Wenn sie ernsthaft die Rüstungen verringern

wollen, dann gibt es keine Entschuldigung dafür, Verhandlungen zu verweigern, und wenn sie wirklich mit uns als gleichwertige Partner verhandeln wollen, dann sollten sie Gesprächen über echte Probleme nicht ausweichen.

Manche Leute sagen, für die sowjetischen Führer gehe es in Wirklichkeit nicht um den Frieden, sondern es gehe vielmehr um den Versuch, die
Herrschaft durch den Einsatz militärischer Gewalt als Mittel zur Einschüchterung auszubreiten, und es gibt hinreichend
Auffassung.

Beweise für diese

Aber es sollte heute klar geworden sein, daß eine solche

Strategie nicht funktionieren wird, und wenn die Sowjets das eingesehen
haben, dann werden sie vielleicht begreifen, daß sie viel zu gewinnen
haben, wenn sie den Dialog verbessern, die Rüstungen verringern und Probleme lösen.

Der beste Weg, den Regierungen einschlagen können, um Kontakte zwischen Menschen zu fördern, ist, nicht im Wege zu stehen.

Unsere Admi-

�unsere Administration wird alles in ihren Kräften Stehende tun, um nicht
im Wege zu stehen und die sowjetische Regierung dazu zu bewegen, ebenso
zu handeln.

Wir wissen, daß das nicht über Nacht kommen wird.

Aber wenn

wir Erfolg haben wollen, dann müssen wir uns weiterhin engagieren und
mehr Amerikaner in einen umfassenderen und bedeutsameren Kontakt mit viel
mehr sowjetischen Bürgern bringen.

Es mag wie ein unerfüllbarer Traum aussehen zu glauben, daß eine Zeit
kommen könnte, in der amerikanische und sowjetische Bürger aus allen Lebensbereichen frei hin- und herreisen können, sich gegenseitig zuhause
besuchen können, in allen möglichen Problemen zusammenarbeiten können und
- wenn sie das wollen - die ganze Nacht zusammensitzen und über den Sinn
des Lebens und die unterschiedlichen Betrachtungsweisen der Welt reden
können.

In den meisten Ländern der Welt betrachten die Menschen solche Kontakte als etwas Selbstverständliches.
akzeptieren, daß amerikanische

Wir sollten niemals den Gedanken

und sowjetische Bürger sich nicht der

gleichen Kontakte und Verbindungen erfreuen könnten.

Ich glaube nicht,

daß dies ein unerfüllbarer Traum ist, und ich glaube, auch Sie sind nicht
dieser Meinung.

Und so möchte ich Ihnen zum Abschluß danken und für Ihre Tätigkeit
Gottes Segen wünschen.

- 7 -

�Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

4. Juli 1984

27

WEINBERGER-INTERVIEW MIT NATO-JOURNALISTEN
- Auszüge -

WASHINGTON - (AD) -

Der amerikanische Verteidigungsminister Caspar

Weinberger hat in einem Interview mit NATO-Journalisten am 26. Juni 1984
in Washington mit allem Nachdruck unterstrichen, daß Europa keinerlei Befürchtungen zu haben brauche, eine neue strategische Verteidigungsinitiative der Vereinigten Staaten könnte zu einem Abrücken der USA führen. Die
Vereinigten Staaten, so sagte Weinberger, "könnten nicht in einer Welt
leben, in der Europa überrollt wäre."

Die Eingangserklärung des amerikanischen Verteidigungsministers und
die wesentlichen Europa betreffenden Fragen haben folgenden Wortlaut:

Ich möchte zunächst auf zwei Punkte eingehen und mich dann so vielen
Ihrer Fragen stellen, wie Ihre Zeit erlaubt.

Der erste Punkt ist der Technologietransfer und die Art und Weise,

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�und Weise, wie wir unsere kollektiven gemeinsamen Technologien nutzen
können, um unsere Kräfte zu vervielfachen und unsere Verteidigungsorganisationen besser zu nutzen, unsere Abschreckungskapazität zu stärken
und damit die Grundaufgabe der NATO zu erfüllen, die natürlich darin besteht, den Krieg zu verhüten.

Die Technologien, von denen wir sprechen, sind zum Teil entwickelt.
Sie können durchaus erst ein Konzept oder eine Idee in den Köpfen von ein
oder zwei Menschen sein, aber es gibt viele Mittel und Wege, wie wir den
technologischen Fortschritt nutzen können.

Das ist einer der großen Vor-

teile, den der Westen gegenüber der Sowjetunion und dem Warschauer Pakt
hält.

Und wir können diesen Fortschritt so nutzen, daß er unsere Vertei-

digung verbessert, ohne daß wir mehr Soldaten brauchen, ohne daß wir versuchen, mit den Sowjets Panzer für Panzer oder Mann für Mann gleichzuziehen, und es ist von lebenswichtiger Bedeutung, daß wir diese großen Ressourcen auf diesem Gebiet, auf dem wir noch immer einen Vorsprung haben eines der sehr wenigen - nutzen.

Um das zu tun, sind zwei Dinge entscheidend wichtig.

Das eine ist,

daß wir zusammenarbeiten, d.h., daß wir uns von allen Ideen freimachen,
daß entstehende Technologien oder der Gebrauch dieser Technologien nur
zum wirtschaftlichen Wohle eines Landes bestimmt seien.

Das Wesen der

Idee der aufkommenden Technologien und der Idee der damit verbundenen
Kräftevermehrung besteht darin, daß wir zusammenarbeiten und daß wir das
auf eine Art und Weise tun, die, wie ich meine, die besten Arten von Waffensystemen hervorbringt.

Und das sind die, bei denen wir im Entwurf, in

der Entwicklung und der Herstellung und der Dislozierung gemeinsam zusammenarbeiten.

Und dafür gibt es viel Spielraum.

Der andere Aspekt ist der, daß wir besonders vorsichtig sein müssen,
diesen Vorsprung, den wir besitzen, auch zu halten.

Ich weiß, daß es

viele Leute gibt, die meinen, daß verstärkter Handel der beste Weg zum
Frieden sei. Das ist eine schöne Theorie, und ich wünschte mir, sie
stimmte.

Aber leider hat verstärkter Handel mit Ländern des Warschauer

Paktes bedeutet, daß sie in zunehmendem Maße etwas von unserer Techno-

�unserer Technologie erworben haben und unser Vorsprung zurückging und daß
sie große militärische Stärke erlangt haben, die sie sonst nicht hätten
beschaffen können - sicherlich nirgendwo so rasch wie bei uns. Wenn ich
also auch keineswegs Embargos errichten oder den Handel mit den Ländern
des Warschauer Paktes blockieren will, so ist es doch ganz wesentlich, zu
erkennen, daß diese Länder eine der unsrigen überlegene Fähigkeit besitzen, Technologien, die keine augenscheinliche militärische Anwendungsmöglichkeit haben - oder vielleicht Anwendungsmöglichkeiten sowohl als auch
- direkt zu ihrem militärischen Vorteil auszunutzen.

Wir müssen daher

sehr viel vorsichtiger sein, als irgend jemand von uns sein möchte - denn
wir alle ziehen natürlich den freiest möglichen Handel vor - um zu gewährleisten, daß wir ihnen nicht die Mittel an die Hand geben, die dazu
beitragen, uns zu vernichten, und wir haben ihnen bereits eine ganze beträchtliche Menge gegeben - oder sie haben sie gestohlen.

Dies ist ein

Gebiet sehr ernster Besorgnis, daß wir nämlich zu ihrer Stärke beitragen
und uns unsere eigene Aufgabe selbst schwerer machen.

Das ist der eine Punkt, den ich herausstellen möchte, und der andere
bezieht sich natürlich auf diese ganze Frage des Nunn-Gesetzeszusatzes
und der Versuche, Europa zu mehr Aktion anzufachen; oder durch Angst oder
Verdeutlichung, wie wichtig eine zusätzliche NATO-Stärke ist (durch irgendeinen der zahlreichen Gründe, die Senator Nunn und jene, die ihn unterstützen, hervorgebracht haben), einen größeren militärischen Beitrag
zu erreichen, eine zusätzliche größere militärische Stärke in den NATOLändern - und das alles durch einen Prozeß zu erreichen, den ich als Nötigung oder Drohung bezeichne, der in dem Nunn-Gesetzeszusatz zusammengefaßt ist. Die Idee ist die, daß Amerika - wenn es keinen größeren europäischen Beitrag zur NATO gibt - die NATO und die amerikanische Verpflichtung zur NATO schwächen würde, indem wir einen beträchtlichen Teil
unserer Truppen abziehen würden.

Dabei sollte natürlich alles sorgfältig

geplant sein und über drei Jahre ausgedehnt werden - und es würde natürlich niemandem wehtun, und es sei der einzige Weg, andere Länder dazu zu
bewegen, ihre Lasten zu übernehmen - und all solche Argumente.

Ich bin der Meinung, daß dies schon einmal der völlig falsche Ansatz

�falsche Ansatz ist. Wir müssen alle mehr tun. Es steht außer Frage, daß
bei der sowjetischen Bedrohung und mit der Welt, in der wir leben, es
einfach zwingend ist, daß alle NATO-Länder - die Vereinigten Staaten ausdrücklich eingeschlossen - mehr tun.

Wir dürfen nicht vergessen, daß

während der siebziger Jahre, als wir in unseren Verteidigungsausgaben und
-Investitionen um rund 20 Prozent zurückgingen, die europäischen NATOLänder die ihrigen steigerten.

Es gibt noch andere Beiträge, die viele

NATO-Länder leisten, die nicht umbedingt in ihren Verteidigungshaushalten
zum Ausdruck kommen.

Es ist richtig, daß viele von ihnen das Ziel der

sogenannten Dreiprozenterhöhung nicht erreicht haben, aber dafür gibt es
viele mildernde Umstände - die wirtschaftlichen Verhältnisse -, und es
ist in Amerika und in NATO-Ländern - in liberalen demokratischen Gesellschaften - immer schwer, für militärische Ausgaben sehr viel öffentliche
Unterstützung zu finden und zu organisieren.

Das sind sehr unpopuläre

Tätigkeiten.

... Ich habe niemals irgendeine Diskussion mit irgendeinem meiner
Kollegen, mit irgendeinem der Verteidigungsminister geführt, bei der mit einer Ausnahme - diese nicht das Gefühl gehabt hätten, daß es für
alle notwendig sei, mehr zu tun, und das in so wirkungsvoller Weise wie
nur möglich zu tun.

Aber sie alle hatten große Schwierigkeiten, es zu

tun - und zwar wegen des Zustandes der öffentlichen Meinung - in manchen
Fällen natürlich von der Sowjetunion manipuliert, in manchen Fällen einfach der natürliche Ausdruck, daß Menschen nicht gerne ihr Geld für die
Verteidigung ausgeben - wie das auch hier der Fall ist.

Aber die Frage ist nicht, ob es getan werden sollte oder nicht oder
ob es wünschenswert ist oder nicht. Darüber gibt es, wie ich meine, keine Zweifel - und sicherlich keine Zweifel seitens dieser Administration
und was unsere eigene Politik angeht.
sen, daß mehr getan werden muß.

Wir wollen mehr tun, und wir wis-

Die Frage ist lediglich, ob man dieses

Resultat durch ein Stück Gesetzgebung erreicht, das praktisch besagt, daß
wir, wenn ihr eure Verteidigungsausgaben nicht erhöht - was ihr nach unserer Meinung bisher nicht getan habt - euch ancircSori/ amerikanische
Truppen abzuziehen.

Und wenn ihr es tut, dann werden wir die amerika-

�die amerikanischen Truppen dort lassen. Daran ist vieles falsch.
Das ist nicht die Art und Weise, mit Verbündeten umzugehen.

So geht

man nicht mit einem Bündnis um, das außerordentlich erfolgreich war und
gerade seinen größten Sieg errungen hat, indem es Dislozierungen vornahm
gegen alle Propagandapläne, die die Sowjets nur erdenken konnten, und den
notwendigen Anfang einer Abschreckungskapazität machte, um das gegenwärtige sowjetische Monopol an Mittelstreckenwaffen auszugleichen.

Diese

Art von Gesetzeszusatz ist nicht das Richtige, um das gewünschte Resultat
zu erzielen.

Dies muß die NATO schwächen, wenn andere Länder nicht das

Ziel der dreiprozentigen Erhöhung erreicht haben - das ohnehin mit Unrealität verbunden ist -, und es wird nach meiner Meinung nichts weiter bewirken, als Länder zu entmutigen und damit den Sowjets direkt in die Hände spielen.

Ich kann mir nichts vorstellen, was den Sowjets mehr gefal-

len würde, als daß amerikanische Truppen abgezogen und das Bündnis gesprengt wird.

Und die Vorstellung, daß die europäischen Länder mehr Eigenleistung
bringen würden, wenn das Bündnis geschwächt würde, die müßte meiner Meinung nach erst noch bewiesen werden.

Dies ist ein Gebiet, das zu schwie-

rig und zu riskant ist, als daß man hier experimentieren dürfte.

Und schließlich ist Amerika nicht aus reiner Nächstenliebe Mitglied
der NATO.

Es dient den amerikanischen Interessen ebenso wie denen der

anderen Mitglieder,daß die NATO besteht und so stark wie möglich ist. Wir
helfen uns selbst, wenn sie in der NATO sind, und es ist wesentlich, daß
wir immer an Gegenseitigkeit denken und danach handeln.

Der Gedanke, daß

wir allen einen Gefallen tun, wenn wir in der NATO sind - den wir dann
aber zurückziehen, wenn die anderen nicht so handeln, wie wir es wollen ist meiner Meinung nach nicht nur ganz falsch, sondern findet leider in
unserem Lande, wie Sie gesehen haben, große Unterstützung.

Es besteht noch immer ein Hang zur Isolation, der sehr stark und
dicht unter der Oberfläche anzutreffen ist - und solche Gesetzeszusätze
kommen dem entgegen.

Das ist einer der Gründe, warum ich so nachdrück-

�so nachdrücklich gegen den Gesetzeszusatz war, weil es sich nach meiner
Meinung um eine unverantwortliche Handlungsweise handelt, wie sie in
Wahljahren vorkommt.

Sie kann das

Bündnis nur schwächen und - obwohl

nach einer harten Debatte abgelehnt und deutlich angelehnt -, kann sie
Ländern große Sorgen bereiten, die versuchen, das gleiche zu tun wie wir
- nämlich eine glaubwürdige Abschreckung aufrechtzuerhalten als bestes
Mittel zur Wahrung des Friedens.

Das sind die beiden Themen, zu denen ich grundsätzlich etwas sagen
wollte.

Ich werde jetzt gerne versuchen, Fragen dazu und zu anderen The-

men zu beantworten...

FRAGE: Wenn ich es richtig verstehe, so gab es am vergangenen Dienstag für den Nunn-Gesetzeszusatz eine Mehrheit und es scheint zu einem
Kompromiß gekommen zu sein, wonach... Wird Ihrer Meinung nach der Zusatz
in der einen oder anderen Form später im Jahr wiederkehren?

ANTWORT: Ich glaube nicht. Und ich hoffe es nicht. Aber er wird
wahrscheinlich seiner Natur nach jedes Jahr doch regelmässig wiederkehren, weil eine Reihe Leute den politischen Vorteil suchen, der ihrer Meinung nach darin steckt. Der sogenannte Kompromiß, der ihn ersetzte, war
ein Gesetzeszusatz, der sicher dieses Jahr keinerlei Probleme schaffen
wird, weil er nämlich die NATO-Streitkräfte bei genau der Zahl begrenzt,
die wir als notwendig ansetzten, nämlich bei 326 000.

Der Grundgedanke wird nicht verschwinden. Er ist ja nicht so ganz
neu.

Aber er würde uns auf den Gesetzeszusatz von Mansfield zurückwer-

fen, bei dem es vor einigen Jahren viele Mühe kostete, davon loszukommen.
FRAGE: Wie ist es Ihrer Meinung nach derzeit um das Bündnis bestellt?

ANTWORT: Ich meine, das Bündnis ist in guter Verfassung, und es ist
sehr stark. Meiner Meinung nach wurde hier ein Element ins Spiel gebracht, das leider entzweienden Charakter hat. Aber ich persönlich bin
der Ansicht, daß das Bündnis stark ist und hoffe, daß

6 noch stärker

�noch stärker werden wird, daß alle Staaten - einschliesslich der Vereinigten Staaten - mehr tun werden und höhere Verteidigungshaushalte haben werden, weil dies die Zeiten meiner Meinung nach erforderlich machen.
Und ich meine ganz einfach, daß dieser Gesetzeszusatz der schlechteste
Weg ist, um dies zu erreichen.

FRAGE: Sie sagten, der Nunn-Gesetzeszusatz sei nicht der Weg, wie
man auf die Verbündeten Druck ausüben könne. Aber wären Sie denn mit einer anderen Methode zufrieden?
ANTWORT: Nun, ich versuche, diesen anderen Weg zu gehen, nämlich den
der stillen Diplomatie und der Kraft der Argumente.
FRAGE: Ich denke nicht nur an die drei Prozent, sondern auch an die
Dislozierung bestimmter Marschflugkörper.
ANTWORT: Nun, die NATO trug ganz eindeutig einen Sieg davon und ging
aus all dem erheblich verstärkt hervor. Dies deshalb, weil man allen propagandistischen Bemühungen der Sowjetunion und ihren Manipulierungsversuchen der öffentlichen Meinung im Westen widerstand - wobei es keine öffentliche Meinung in der Sowjetunion gibt, die vielleicht auch wir beeinflussen könnten - und sich für eine Dislozierung aussprach. Dies geschah,
weil die Regierungen davon überzeugt waren, dass hier eine sehr reale Gefahr bestand, mit der man sich auseinanderzusetzen hatte, indem man sich
eine abschreckende Vergeltungskapazität beschaffte, über die man bislang
nicht verfügt hatte. Die Sowjets wollten sich hier ein Monopol erhalten
und als der Sieg der NATO erzielt war, verHessen die Sowjets alle Verhandlungen , die wir bis dahin mit solch großer Geduld geführt hatten und

sind

bislang

auch

noch

nicht

wieder

an

den

Verhandlungstisch

zurückgekehrt.

Ich meine, der beste Weg ist folgender: Darlegung der Fakten und Bereitschaft zur Zusammenarbeit, Beteiligung aller an den Technologien und
bei der Bereitstellung der notwendigen Waffensysteme - wobei der Öffentlichkeit stets alle Fakten dargelegt werden müssen. Dies ist auch der

�auch der Grund dafür, daß wir auf Ersuchen der Verteidigungsminister hin
vor drei Jahren mit der Veröffentlichung der Publikation "Die sowjetische
Militärmacht" begannen, die das Höchstmaß dessen darstellt, was unsere
Nachrichtendienste an Einblick gewähren konnten. Hier haben wir die Fakten. Jetzt kam die dritte Auflage mit zwischen 400 000 und 500 000 Kopien
heraus - und ich meine, das ist der richtige Weg: Darlegung der Fakten
und der entsprechenden klaren Schlußfolgerungen. Dies scheint mir auch
wirkungsvoller zu sein, als eine Pressekonferenz einzuberufen, auf den
Tisch zu schlagen und dieses oder jenes Land aufzufordern, mehr zu leisten und auf Bestrafung zu drängen, falls darauf keine Reaktion erfolgt.
Die Tragödie ist, daß wir alle bestrafen - die Freiheit und uns selbst -,
wenn wir so vorgehen.

FRAGE: In welchem Maß würde eine Verbesserung bzw. eine Neuaufnahme
der amerikanisch-sowjetischen Beziehungen Ihre Anstrengungen sowohl militärisch als auch politisch untergraben?

ANTWORT: Das würde unsere Bemühungen überhaupt nicht untergraben. Wir
wären hocherfreut, wenn wir ihre Zustimmung

zu größeren Waffenverringe-

rungen bekämen - insbesondere bei den strategischen Kernwaffen, wo sie so
in Führung gegangen sind. Das würde es uns ermöglichen, die Abschreckung
auf einem wesentlich niedrigeren Niveau aufrechtzuerhalten. Unsere Sorge
ist, daß bislang alle Verhandlungen, Gespräche und unterzeichnete Abkommen mit ihnen sich nicht in einer Verringerung der Waffen niederschlugen.
Vielmehr war immer eine Expansion die Folge - und zwar normalerweise immer auf dem Weg, den die Sowjets gehen wollten. Deshalb werden wir auch
immer wieder versuchen - wie auch bislang -, in jedem Forum und auf jede
mögliche Weise, bei allen Waffen zu umfassenden Verringerungen zu kommen.
Es ist für diese Administration und für diesen Präsidenten sicher frustrierend, daß wir irgendwie diesen unseren Wunsch der andern Seite nicht
begreiflich machen können, den Wunsch nach Rüstungsverringerungen und Abrüstungsvereinbarungen, die auch etwas bedeuten und die auch verifizierbar sind. Ein Rüstungsbegrenzungsabkommen, das beiden Seiten Expansion
ermöglicht, ist nicht sehr nützlich. Und Rustungsbegrenzui

abkommen, die

auf Parität hinauslaufen, gründlich verifizierbar sind und zu echten Ver-

�echten Verringerungen führen, sind eben das, worum wir uns bemühen und
auch weiterhin bemühen werden.
FRAGE: Wie würden Sie die Chancen eines Gipfeltreffens noch in diesem
Jahr beurteilen?

ANTWORT: Ich weiß wirklich nicht. Es scheint offenkundig, daß die
Sowjets in diesem Wahljahr kein Treffen haben wollen. Aber ich hoffe,
dass eine allgemeine Atmosphäre sinnvolle Gespräche ermöglichen würde.
FRAGE: Wie steht es um die informellen Gespräche, die in den letzten
Monaten zwischen der Sowjetunion und den Vereinigten Staaten stattgefunden haben?

ANTWORT: Nun, sie sind informell und haben eine ganze Reihe von Fragen abgedeckt, vertrauensbildende Maßnahmen und dergleichen. So gab es
etwa vor einem Jahr Übereinstimmung dahingehend, daß der "Heisse Draht"
der Modernisierung bedürfe, nachdem er in den fünfziger Jahren eingerichtet worden war. Bislang haben die Sowjets viel darüber gesprochen, ob
es sich hierbei um ein informelles Schreiben handeln sollte oder um ein
Memorandum oder eher um eine umfassende Vereinbarung. Sie legen erhebliches Zögern an den Tag, überhaupt etwas zu unterzeichnen. Wir hatten
Verhandlungen, Gespräche, und diese dauern an, aber noch ist nichts abgeschlossen. Dies als Beispiel dafür, wo es zu Beginn prinzipiell Übereinstimmung gab.

FRAGE: Was sagen Sie zu der offenkundigen Opposition gegen die Strategische Verteidigungsinitiative (SDI), die aus Europa kommt - und zwar
nicht nur aus Europa allgemein, sondern auch von den Regierungen der Verbündeten in Europa?

ANTWORT: Ich glaube, vieles dieser Opposition gegen die Strategische
Verteidigungsinitiative hat mit einem Mangel an Wissen zu tun. Wann immer
wir Gelegenheit hatten, darüber zu sprechen, verschwand ich eine Menge
Mißverständnisse.

Die

SDI

�Die SDI interessiert den Präsidenten und uns alle, weil es ein Versuch ist, ein Waffensystem zu entwerfen, das Waffen - und nicht Menschen
- zerstören soll. Wie der Präsident richtig sagte: Es soll Schützer und
nicht Rächer der Menschen sein. Es ist dies etwas, woran wir arbeiten in
der Hoffnung, ein absolut verläßliches System zu erhalten. Und wenn dem
auch jetzt noch nicht so ist, so besteht doch sehr viel Grund zu der Annahme, daß wir es erreichen können. Wir werden daran weiterarbeiten, weil
wir im Erfolgsfalle - wie der Präsident viele Male gesagt hat - die Technologie mit den Sowjets teilen könnten und dadurch der Schatten dieser
Kernwaffen von der Erde verbannt und diese machtlos werden könnten. Es
wäre dies ein überaus edles und wünschenswertes Ziel.

Derzeit bemühen wir uns um die Unterstützung mehrerer bekannter und
ausgezeichneter Wissenschaftler, und es ist unsere Hoffnung, daß noch
viele weitere an dieser Bemühung teilhaben werden. Wir haben unsere
produktiven und innovativen Fähigkeiten und unser technisches Geschick.
Es gibt erste, vielversprechende Ergebnisse. Bislang war der Kongreß bereit, erhebliche Summen dafür zur Verfügung zu stellen. Ich hoffe sehr,
daß wir Erfolg haben werden.

Es herrscht in Europa Nervosität und Furcht darüber, daß wir vielleicht eine SDI entwickeln und dann Europa einfach so dasitzen lassen
könnten. Das ist recht absurd. Wir haben insgesamt rund 350 000 Mann
dort, die Beweis dafür sind, was wir von einem Überleben Europas halten
und daß wir nicht in einer Welt leben könnten, in der Europa überrollt
wäre.

Die Grundideen des Systems wären auf die Mittelstreckenwaffen genauso
anwendbar wie auf die strategischen Waffen. Es ist natürlich ein neues
Konzept. Die Grundidee in der Vergangenheit war, daß jeder völlig sicher
sei, wenn weder die eine, noch die andere Seite überhaupt eine Verteidigung hat. Dem stimmt der Präsident nicht zu. Seiner Ansicht nach ist der
Versuch einer Entwickung dieser Verteidigung keineswegs cV stabilisierend,
sondern genau das Gegenteil. Wir befinden uns in einem frühen Stadium. Es
- 10 -

�Stadium.

Es wird lang dauern. Es bedarf erheblich mehr Computertechnik,

als wir sie bislang haben, aber ich zweifle nicht daran, daß wir das
schaffen können. Erste positive Ergebnisse liegen vor.

Der andere Hauptfaktor ist der, daß die Sowjets ebenfalls schon seit
1977 daran mit einigem Erfolg arbeiten. Sollten die Sowjets ein solches
System haben, das unsere Raketen machtlos werden liesse, ohne daß wir ein
gleiches hätten, so wäre dies in der Tat eine sehr gefährliche Situation.
Daher scheint es mir absolut notwendig, daran zu arbeiten.

Wir wollen vor allem verhindern, daß jemand auf die Idee kommen könnte, dies bedeute, daß wir die NATO verlassen würden oder daß wir uns dadurch irgendwie weniger auf unsere konventionelle Abschreckung verließen.
Beweis dafür sollten die sehr hohen Summen sein, die wir zur Modernisierung und Stärkung dieser Triade der bestehenden Verteidigung bereitstellen.

Wir arbeiten an der SDI, denn wenn wir ihre Raketen zerstören können,
bevor sie hier anlangen, und wenn wir dadurch eine ganze Waffengattung
machtlos machen, dann wäre dies sehr wertvoll und dieser Gedanke findet
Anklang beim Präsidenten. Wir versuchen alles, um die Mißverständnisse
aus der Welt zu schaffen, die es diesbezüglich gibt. Viele davon gründen
sich auf den Gedanken, daß man irgendwie sicherer sei, wenn man überhaupt
keine Verteidigung hat. Aber dieser stützt sich auf zweierlei. Einmal
darauf, daß man nichts als ein Verteidigungssystem rund um die Hauptstadt
hat, zum andern, dass man bei der Offensivkraft relativ gleichstark ist.
Leider ist keine der beiden Bedingungen vorhanden.

Wir arbeiten also daran, weil es unserer Meinung nach ein höchst wünschenswertes Ziel ist und weil wir daran arbeiten müssen. Die andere Seite arbeitet gleichfalls daran, und wir können uns nicht zurücklehnen und
es sie zuerst entwickeln lassen.
* * * * *

- 11 -

�27

4. Juli 1984

DIE AMERIKANISCH-SOWJETISCHEN BEZIEHUNGEN
- Informationspapier des Weißen Hauses -

Washington -(AD)- In einer Rede am 27. Juni 1984 erwähnte Präsident
Reagan eine Reihe von Vorschlägen, die die Vereinigten Staaten der Sowjetunion mit dem Ziel der Verbesserung der bilateralen Beziehungen unterbreitet haben. Das Weiße Haus gab ein Informationspapier heraus, in dem
diese Vorschläge erläutert werden. Es hat folgenden Wortlaut:

- Neues Austauschabkommen: Wir haben ein neues allgemeines Abkommen
über Kontakte, Austauschbeziehungen und Zusammenarbeit erörtert und
werden den Sowjets in sehr naher Zukunft einen Entwurf für formelle
Verhandlungen vorlegen. Das bisherige Abkommen, das oft als "Kulturabkommen" bezeichnet wird, lief 1979 aus. Es gehörte zu einer Reihe
von ZweiJahresabkommen, die bis 1958 zurückreicht. Unser neuer Entwurf sieht unter anderem die Wiederaufnahme der offiziellen Förderung
des Austauschs von größeren Ausstellungen und von Einzelpersonen und
Gruppen aus den Bereichen des akademischen und kulturellen Lebens und
des Sports vor, außerdem die Wiederbelebung des Austauschs von Filmen. Die amerikanische Delegation bei den formellen Verhandlungen

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Telex: 8-85432

�formellen Verhandlungen wird vom amerikanischen Botschafter in Moskau, Arthur Hartman, geleitet werden.

- Neue Generalkonsulate: Im Jahre 1974 vereinbarten die Vereinigten
Staaten und die Sowjetunion, in Kiew und New York neue Generalkonsulate zu errichten. Wir unterhalten bereits ein Generalkonsulat in
Leningrad, und die Sowjets unterhalten eines in San Francisco. Nach
dem sowjetischen Einmarsch in Afghanistan im Jahre 1979 setzte die
amerikanische Regierung das Abkommen über die neuen Generalkonsulate
aus. Zu diesem Zeitpunkt hielt sich in Kiew bereits seit zwei Jahren
ein amerikanisches Vorkommando auf; von der offiziellen Eröffnung des
Konsulats waren wir nur noch etwa sechs Monate entfernt. Eine ähnliche sowjetische Gruppe hielt sich in New York auf. Beide Vorkommandos
wurden abgezogen. Seitdem haben wir über das Thema der Konsulate bei
zahlreichen Gelegenheiten gesprochen, wobei es im vergangenen Jahr
hauptsächlich um konkrete Schritte ging, die den Weg zur Eröffnung
der Konsulate ebnen könnten. Wir haben kürzlich vorgeschlagen, die
Sache in Angriff zu nehmen und eine Gruppe nach Kiew zu entsenden,
die die dort vorhandenen Liegenschaften in Augenschein nehmen soll.

- Umweltschutzabkommen: Das amerikanisch-sowjetische Abkommen zur Zusammenarbeit beim Umweltschutz wurde am 23. Mai 1972 von Präsident
Nixon und Staatspräsident Podgorny in Moskau unterzeichnet. Es ist
dreimal um jeweils fünf Jahre verlängert worden und wird am 23. Mai
1987 auslaufen. Zu den Aktivitäten im Rahmen dieses Abkommens gehörten u.a. Seminare, gemeinsame Veröffentlichungen, Besucheraustausch
sowie gemeinsame Projekte in verschiedenen Gebieten, so z.B. dem des
Schutzes gefährdeter Arten, dem der Erarbeitung von Modellen der
langfristigen Luftverschmutzung und dem der Erdbebenvorhersage. William D. Ruckeishaus, der Direktor der amerikanischen Umweltschutzbehörde (EPA), hat die Position des amerikanischen Mitvorsitzenden des
gemeinsamen Umweltausschusses übernommen und wird bestrebt sein, dieses Forum zur Wiederbelebung des Abkommens zu nutzen. Mr. Ruckeishaus
vertritt gegenwärtig die Vereinigten Staaten auf der Internationalen
Umweltkonferenz in München, wo er das Abkommen mit den sowjetischen
Vertretern erörtert hat.
Bauwesen:

Das

�- Bauwesen: Das amerikanisch-sowjetische Abkommen über Zusammenarbeit
im Bauwesen wurde am 28. Juni 1974 von Präsident Nixon und Ministerpräsident Kossygin in Moskau unterzeichnet. Im Dezember

1983 be-

schlossen wir, das Abkommen um weitere fünf Jahre zu verlängern. Die
Verlängerung tritt am 28. Juni 1984 in Kraft. Abgesehen von Seminaren
und Besucheraustausch wurden im Rahmen des Abkommens gemeinsame Projekte organisiert, so z.B. im Bereich der Bautechnik unter extremen
klimatischen und ungewöhnlichen geologischen Bedingungen, der Kanalisation unter Permafrost-Bedingungen und des Brandschutzes bei der
Entwicklung von Baustoffen. Dank der Entscheidung des Präsidenten,
die Aktivitäten im Rahmen des Abkommens zu verlängern, wird es zur
Einberufung der ersten Sitzung des gemeinsamen Ausschusses für Bauwesen seit 1978 und zu einer Zunahme der bereits umfangreichen privatwirtschaftlichen Mitarbeit bei gemeinsamen Projekten kommen. Unsere
Tätigkeiten im Rahmen des Abkommens werden unter der Federführung des
Ministers für Wohnungsbau und Städteplanung, Samuel Pierce jr., stehen.

- Gesundheitswesen: Die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion nahmen
die Zusammenarbeit im Gesundheitswesen im Rahmen von zwei Abkommen
auf, die Anfang der 70er Jahre unterzeichnet wurden: das Abkommen
über Zusammenarbeit im Bereich der medizinischen Wissenschaften und
der öffentlichen Gesundheit (unterzeichnet in Moskau am 23. Mai 1972
von Außenminister Rogers und Gesundheitsminister Petrovsky) und das
Abkommen über

Zusammenarbeit bei der Erforschung

und

Entwicklung

künstlicher Herzen (unterzeichnet in Moskau am 28. Juni 1974 von den
Außenministern Kissinger und Gromyko). Das Gesundheitsabkommen ist
bis zum 23. Mai 1987 verlängert worden, während die Laufzeit des
Kunstherzabkommens am 28. Juni 1987 enden wird. Der Präsident hat für
die nahe Zukunft Schritte angeordnet, die der Verstärkung der Zusammenarbeit im Rahmen dieser Abkommen dienen sollen, und zwar durch
Wiederaufnahme der Besuche hochrangiger Vertreter beider Seiten, gemeinsame Ausschußsitzungen und die Vorbereitung neuer Projekte und
möglicher neuer Abkommen. Ein Zeitplan für solche Schritte ist noch
nicht aufgestellt worden. Im Rahmen der Abkommen kam es u.a. zu gemeinsamen Forschungsanstrengungen auf den Gebieten der Laserbehand-

- 3 -

�der Laserbehandlung des grünen Stars, der angeborenen Herzkrankheiten, des mechanisch unterstützten Blutkreislaufs in künstlichen Herzen und der Krebsvorsorge und -behandlung.

- Landwirtschaft: Das Landwirtschaftsabkommen, das am 19. Juni 1973 in
Washington von Landwirtschaftsminister Butz und Außenminister Gromyko
unterzeichnet wurde, ist bereits dreimal verlängert worden und wird
erst am 19. Juni 1988 auslaufen. Das Landwirtschaftsministerium wird
nun das Abkommen, das während der letzten Jahre geruht hat, durch
eine gemeinsame Ausschußsitzung, Besuche hochrangiger Vertreter beider Seiten und Anregung neuer Projekte mit neuem Leben erfüllen. In
früheren Zeiten waren im Rahmen des Abkommens wissenschaftliche Arbeiten auf den Gebieten der Pflanzen- und Tierzucht und der Bodenforschung (Keimplasmastudien) sowie der Austausch von Wirtschaftsinformationen im Bereich des Getreideanbaus gefördert worden. Der Besucheraustausch war besonders rege und erstreckte sich auch und gerade
auf Vertreter der Privatwirtschaft. All diese Programme werden wiederangekurbelt werden.

- Fischereiabkommen: Im April kamen die Vereinigten Staaten und die
Sowjetunion überein, das bestehende Fischereiabkommen um 18 Monate zu
verlängern. Das Abkommen ist bereits zweimal verlängert worden, jedoch nur um jeweils 12 Monate. Die endgültige Zustimmung des Kongresses steht noch aus. Das Fischereiabkommen wurde erstmals im November
1976 unterzeichnet. Der Sowjetunion wird jedoch z.Z. keine Fangquote
eingeräumt. Nach dem sowjetischen Einmarsch in Afghanistan entzogen
die Vereinigten Staaten der UdSSR die Fangrechte innerhalb der amerikanischen 200-Meilen-Zone. Bis dahin war der Sowjetunion eine jährliche Fangquote von 400 000 - 500 000 Tonnen eingeräumt worden. Die
Verarbeitung der Fänge amerikanischer Fischer an Bord sowjetischer
Fabrikschiffe auf hoher See im Rahmen eines "Joint Venture" wurde
auch weiterhin zugelassen, da die amerikanischen Fischer davon profitierten. Z.Z. überprüfen die Vereinigten Staaten die amerikanischsowjetischen Fischereibeziehungen, um zu einer Entscheidung darüber
zu kommen, ob Schritte zu einer engeren Zusammenarbeit, die beiden
Seiten zum Vorteil gereichen würden, möglich erscheinen.
Das
- 4 -

langfristige

�- Das langfristige Kooperationsabkommen: Die Vereinigten Staaten haben
vorgeschlagen, das amerikanisch-sowjetische Abkommen zur Erleichterung der wirtschaftlichen, industriellen und technischen Zusammenarbeit um zehn Jahre zu verlängern. Das Abkommen wurde von Präsident
Nixon und Staats- und Parteichef Breschnew während ihres Gipfeltreffens in Moskau im Jahre 1974 unterzeichnet. Es ist am 28. Juni 1984
ausgelaufen. Im Rahmen der wichtigsten Bestimmungen des Abkommens
sind beide Parteien gehalten, die Zusammenarbeit in den Bereichen der
Wirtschaft, der Industrie und der Technik nach bestem Vermögen zu erleichtern. In der Praxis ist das Abkommen ausschließlich im Wirtschaftsbereich angewandt worden und hat bestimmte Geschäfte zwischen
den beiden Staaten vereinfacht. Falls das Abkommen verlängert werden
sollte, so würden wir erwarten, daß die Expertenarbeitsgruppe gemäß
Artikel III zusammenkommt, um die Handelsaussichten zu prüfen. Falls
diese Zusammenkunft erfolgreich wäre, könnte eine Sitzung der gemeinsamen Komission für gewerbliche Wirtschaft anberaumt werden, wann immer dies sinnvoll erschiene.

- Das amerikanisch-sowjetische Abkommen zur Vermeidung von Zwischenfällen auf hoher See: In diesem Abkommen, das im Jahre 1972 geschlossen
wurde, wurden bestimmte "Verkehrsregeln" festgelegt, die in besonderen Situationen gelten sollten, an denen Überwasser-Marineeinheiten
und Flugzeuge der beiden Nationen beteiligt sind. Es enthält auch
Bestimmungen über die Einrichtung direkter Kommunikationskanäle zwischen den Marineleitungen beider Länder, die eine sofortige Lösung
von Problemen, die im Rahmen dieses Abkommens auftreten können, ermöglichen sollen. Ranghohe Offiziere der amerikanischen und der sowjetischen Marine treffen sich einmal im Jahr zu einer allgemeinen
Beurteilung der Einhaltung des Abkommens und zur Erörterung von Möglichkeiten zu seiner weiteren Verbesserung. Die jüngste Begegnung
dieser Art fand Ende Mai in Moskau statt. Zum damaligen Zeitpunkt
waren sich die amerikanische und die sowjetische Seite über die Verlängerung des Abkommens um weitere drei Jahre einig.

- Das Abkommen über die Meeresforschung: Das amerikanisch-sowjetische
Abkommen über die Meeresforschung wurde 1973 unterzeichnet und 1981

- 5-

�und 1981 um drei Jahre verlängert. Es war insofern nützlich, als es
zur Förderung der ozeanographischen Forschung beigetragen hat. In
seinem Rahmen haben Seminare, Besucheraustausch und gemeinsame Meeresforschungsunternehmen stattgefunden. Die Bundesverwaltung für die
Erforschung der Atmosphäre und der Meere ist auf amerikanischer Seite
federführend für dieses Abkommen.
- Der Grenzverlauf auf See: Zwischen den Vereinigten Staaten und der
Sowjetunion gibt es Meinungsgegensätze im Hinblick auf die genaue
Lage und kartographische Darstellung der Grenzlinie, die in der Konvention von 1867 über die Abtretung Alaskas festgelegt wurde. Die
Meinungsunterschiede ergeben sich aus der Tatsache, daß die Vereinigten Staaten diese Linie, die den Grenzverlauf auf See markiert, in
Kreisbögen darstellen, während die Sowjetunion diese Linie in Loxodromen darstellt. Wir haben eine faire und gerechte Lösung dieses
Problems vorgeschlagen. Auf technischer

Ebene haben bereits drei

Gesprächsrunden stattgefunden, und der Beginn einer vierten Runde
steht für die nahe Zukunft zu erwarten.

- Rettungsunternehmen im Weltraum: Der Vorschlag der Vereinigten Staaten sieht Zusammenarbeit zwischen der NASA und den sowjetischen Raumfahrtbehörden im Rahmen einer Rettungsübung im Weltraum vor. Eine
amerikanische Raumfähre würde bei dieser Übung an der sowjetischen
Raumstation anlegen, um Verfahren zu erproben, die sich eines Tages
als notwendig erweisen könnten, wenn es darum geht, in Not befindliche Besatzungen der anderen Seite zu bergen. Einzelheiten dieses Vorschlags müßten noch ausgearbeitet werden.

- Gespräche über Konsularfragen: Die Runde der amerikanisch-sowjetischen Gespräche über Konsularfragen, die gerade in Moskau begonnen
hat, ist die jüngste in einer Reihe solcher Gespräche, die 1976 eröffnet wurde, als Vertreter der Vereinigten Staaten und der Sowjetunion zusammentrafen, um eine Lösung der offenen Konsularfragen zwischen beiden Ländern zu versuchen. Bei diesen Problemen ging es in
erster Linie um Visafragen und um Verwaltungsfragen, die mit der
Arbeitsweise

unserer

diplomatischen

- 6 -

Vertretungen

zusammenhingen.

�Vertretungen

zusammenhingen. Gespräche über diese Thematik

fanden

1976 in Moskau und 1979 und 1983 in Washington statt.

- Gespräche über Such- und Rettungsaktionen: Im Oktober 1981 wurde die
amerikanische
direkter

Küstenwache

ermächtigt, zum

Notfallverbindungsleitungen

mit

Zwecke der

den

Einrichtung

sowjetischen

Seenot-

rettungsbehörden im Pazifik tätig zu werden. Bei den nachfolgenden
Fühlungnahmen wurde im Juni 1983 vereinbart, auf Arbeitsebene eine
Zusammenkunft abzuhalten, bei der eine breite Palette von Gesichtspunkten des Such- und Rettungsdienstes erörtert werden sollte. Diese
Zusammenkunft war für Anfang Dezember 1983 anberaumt, wurde aber auf
Ersuchen der sowjetischen Seite vertagt. Wir haben vorgeschlagen, einen neuen Termin festzulegen.

- Gespräche über die Verbesserung der Fernmeldeverbindungen zwischen
den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion: Auf der Grundlage der
Vorschläge des Präsidenten vom Mai 1983 ist eine Gruppe amerikanischer Fachleute dreimal mit sowjetischen Fachkollegen zusammengetroffen, um zu erörtern, wie die amerikanisch-sowjetischen Fernmeldeverbindungen, derer sich beiden Seiten sowohl in Zeiten politischer Ruhe
als auch in Krisenzeiten bedienen, verbessert werden könnten. Das
jüngste Treffen fand Ende April in Moskau statt. Hinsichtlich der
Herstellung von Einverständnis mit den Sowjets darüber, daß eine
Ergänzung der bestehenden direkten Fernmeldeverbindung

(des "Heißen

Drahts") durch Möglichkeiten zur störsicheren Übermittlung von Faksimilevorlagen wünschenswert sei, wurden bei diesen Gesprächen bemerkenswerte Fortschritte erzielt. Solche Zusatzeinrichtungen würden die
Arbeitsgeschwindigkeit des bestehenden Systems ebenso erhöhen wie
seine Zuverlässigkeit und es darüber hinaus vielfältiger einsetzbar
machen. Wir gehen davon aus, daß es in Kürze zu einer weiteren Zusammenkunft kommen wird. Außerdem haben die Vereinigten Staaten vorgeschlagen, die fernmeldetechnische Ausstattung der amerikanischen und
sowjetischen Botschaft im jeweils anderen Land zu verbessern, eine
gemeinsame militärische Fernmeldeverbindung zur Übermittlung eiliger
technischer Daten zu schaffen und die Vorkehrungen für Konsultationen
für den Fall eines von Terroristen verübten oder angedrohten nuklea-

- 7 -

�angedrohten nuklearen Anschlags zu vereinfachen.

- Amerikanisch-sowjetische Militärkontakte: Seit der einmaligen Begegnung des Verteidigungsministers und des Chefs des gemeinsames Stabes
der Vereinigten Staaten mit ihren sowjetischen Amtskollegen am Rande
des Wiener Gipfeltreffens von 1979 hat es kein amerikanisch-sowjetisches Forum für Kontakte zwischen hochrangigen Militärs beider Seiten
mehr gegeben. Eine Ausnahme bilden lediglich die besonderen Gespräche
zwischen den Marineleitungen beider Länder gemäß dem Abkommen über
die Vermeidung von Zwischenfällen auf hoher See von 1972 und die Gespräche im Bereich der Rüstungskontrolle. Zu einem früheren Zeitpunkt
in diesem Jahr hat der Präsident die sowjetische Führung darauf hingewiesen, daß es wünschenswert sei, zu erörtern, ob man nicht den für
die Landesverteidigung Verantwortlichen beider Seiten ein reguläres
Forum für Kontakte und Meinungsaustausch schaffen könne, um das gegenseitige Verständnis zu fördern und die Gefahr von Mißdeutungen und
Fehleinschätzungen nach Möglichkeit zu verringern.

- Menschenrechtsfälle:

- Andrei Sacharow: Dr. Andrei Sacharow, der als Physiker und Mitglied
der Akademie der Wissenschaften bei der Entwicklung der sowjetischen
Wasserstoffbombe eine maßgebliche Rolle spielte, ist als nachdrücklicher Verfechter der Menschenrechte in der Sowjetunion hervorgetreten. 1975 wurde ihm in Anerkennung dieses Einsatzes der Friedensnobelpreis verliehen. Seit 1980 ist er gezwungen, in der gesperrten
Stadt Gorki im inneren Exil zu leben. Anfang Mai trat er in einen
Hungerstreik, um durchzusetzen, daß seine Frau Jelena Bonner zu einer
dringend erforderlichen medizinischen Behandlung ins Ausland reisen
darf. Seitdem gibt es über seine gesundheitliche Verfassung und seine
Lebensumstände keinerlei bestätigte Informationen mehr.

- Jelena Bonner: Jelena Bonner, eine ausgebildete Ärztin, ist die Gattin von Dr. Sacharow und gehörte zu den Gründungsmitgliedern der Moskauer Helsinki-Gruppe. Seit sich Dr. Sacharow im Exil in Gorki befindet, sind seine Verbindungen zur Außenwelt haupsachlich über sie

- 8 -

�über sie gelaufen. Man nimmt an, daß auch sie Anfang Mai in einen
Hungerstreik getreten ist, um die Erlaubnis zu einer Auslandsreise
zwecks einer lebenswichtigen medizinischen Behandlung zu erzwingen.
Sie leidet sowohl unter einer Herzschwäche als auch unter ernsthaften
Sehstörungen.
- Juri Orlow: Juri Orlow, der die Moskauer Helsinki-Gruppe mitbegründete und leitete, hat sich lange Zeit für die Menschenrechte in der
Sowjetunion eingesetzt. Er ist Gründungsmitglied der Moskauer Sektion
von Amnesty International und hat an nichtoffiziellen wissenschaftlichen Seminaren teilgenommen, die für regimekritische Wissenschaftler
organisiert worden sind. Er wurde im Februar 1977 verhaftet und im
Mai 1978 der "anti-sowjetischen Agitation und Propaganda" für schuldig befunden. Er wurde zu sieben Jahren verschärfter Zwangsarbeit
verurteilt, aber Anfang dieses Jahres entlassen und für weitere fünf
Jahre ins innere Exil geschickt.

- Anatol Schtscharanski: Anatol Schtscharanski

ist seit langem ein

Verfechter der Menschenrechte und der jüdischen Kultur in der Sowjetunion. Er gehörte zu den Gründungsmitgliedern der Moskauer Helsinki-Gruppe und zu den Führern der jüdischen Auswanderungsbewegung und
fungierte als Kontaktmann zwischen westlichen Journalisten und sowjetischen Dissidenten. Im März 1977 wurde er verhaftet und im Juli 1978
der "anti-sowjetischen Agitation und Propaganda" und des "Verrats"
für schuldig befunden. Er befindet sich z.Z. im Gefängnis von Tschistopol; seine Frau Avital lebt in Israel.

- 9 -

�4. Juli 1984

27

DIE GESCHICHTE DER AMERIKANISCHEN POLITIK
IN DER FRAGE DES DIALOGS MIT NICARAGUA

Washington -(AD)- Den Vereinigten Staaten ist wiederholt vorgeworfen
worden, daß sie am Dialog mit der Regierung Nicaraguas nicht interessiert
seien. Tatsächlich sind die" Vereinigten Staaten jedoch seit der Machtübernahme der Sandinistas im Juli 1979 bereit - und waren dies sogar
schon vorher - mit ihnen alle Themen zu erörtern, die für beide Seiten
von Belang sind. Sie haben diese Bereitschaft zum Gespräch durch konkrete
Handlungen unter Beweis gestellt.

Die Vereinigten Staaten, die mittelamerikanischen

Demokratien und

andere Mitglieder der Staatengemeinschaft dieser Hemisphere haben wiederholt versucht, das sandinistische Regime zu einem Dialog zu bewegen, der
den Belangen jedes Landes der Region, also auch denen Nicaraguas, Rechnung tragen würde.

Die Vereinigten Staaten waren an folgenden bilateralen und multilateralen Versuchen, auf Nicaragua zuzugehen, beteiligt:
1978

beteiligten

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�- 1978 beteiligten sich die Vereinigten Staaten an einer unter der
Schirmherrschaft der OAS von drei Nationen übernommenen Mission der
"Freundschaft und des Friedens" in Nicaragua, deren Ziel es war, eine
friedliche Lösung des Konflikts in diesem Lande zu finden und einen
Dialog zwischen dem damaligen Präsidenten Somoza und der Breiten
Oppositionsfront

(FAD) herbeizuführen. Die FAD war eine gemäßigte

Gruppe, zu der auch der FSLN-Vertreter Sergio Ramirez gehörte, der
jetzt eines der drei Mitglieder der regierenden Junta in Nicaragua
ist. Diese Mission scheiterte an der ünnachgiebigkeit Somozas.

- Im Jahre 1979 nahmen die Kämpfe zwischen der FSLN und der Nationalgarde zu. Während dieser Zeit unterhielten die Vereinigten Staaten
Kontakte mit der sandinistischen Führung, fuhren fort, Somoza zum
Rücktritt zugunsten einer gemäßigteren Koalition

zu drängen, und

bemühten sich um Zusicherungen der Sandinistas, daß sie eine demokratische, pluralistische Regierung unterstützen würden, die die Rechte
der politischen Oppositionsparteien, die Menschenrechte, die Pressefreiheit und das Wahlrecht respektieren würde. In ihrem Grundstatut
vom 9. Juli 1979 und in ihrem Brief an die OAS vom 12. Juli 1979
gaben die Sandinistas schließlich entsprechende Zusagen ab, Zusagen,
die sie bis heute nicht eingehalten haben.

- Nach dem Sturz Somozas im Jahre 1979 bedienten sich die Vereinigten
Staaten nahezu zwei Jahre lang des Mittels der Wirtschaftshilfe und
der diplomatischen Unterstützung, um die Sandinistas dazu anzuhalten,
ihren Verpflichtungen zu politischem Pluralismus, freien Wahlen, einer gemischten Wirtschaft und einer blockfreien Außenpolitik nachzukommen. Zwischen Juli 1979 und Januar 1981 sagten die Vereinigten
Staaten Wirtschaftshilfe im Werte von 118 Millionen Dollar zu und
befürworteten Anleihen der Weltbank und der Interamerikanischen Entwicklungsbank an Nicaragua im Werte von 200 Millionen Dollar. Darüberhinaus ermutigten die Vereinigten Staaten andere westliche Staaten zur Hilfeleistung und drängten amerikanische und ausländische
Banken zu einem Umschuldungsabkommen mit Nicaragua.

Dennoch

hatte

�- Dennoch hatte sich der amerikanische Kongreß ausbedungen, daß die
Gewährung amerikanischer Auslandshilfe davon abhängig gemacht werden
solle, daß die Sandinistas sich der Unterstützung

terroristischer

Aktivitäten in Drittländern enthielten. Ende 1980 lagen unumstößliche
Beweise dafür vor, daß die Sandinistas den Salvadorianischen Guerillas materielle Unterstützung einschließlich Waffenlieferungen sowie
Ausbildungshilfe zukommen ließen.

- Am 11. August 1981 reiste Unterstaatssekretär Enders nach Managua und
bot der sandinistischen Führung einen 5-Punkte-Friedensplan an, um
die beiderseitigen Spannungen zu vermindern. Der Plan, der auf der
Voraussetzung beruhte, daß die Unterstützung

der

Sandinistas für

Guerillagruppen eingestellt werden müsse, sah öffentliche Nichteinmischungserklärungen vor; ferner eine Erklärung der Vereinigten Staaten zur Frage der Durchsetzung der amerikanischen Gesetze, denen die
Aktivitäten nicaraguanischer Exilgruppen in den USA unterliegen, eine
Beendigung der Aufrüstung Nicaraguas, die Wiederaufnahme der amerikanischen Wirtschaftshilfe und die Wiederherstellung der kulturellen
Bindungen zwischen beiden Ländern. Die Sandinistas hielten es nicht
für angebracht, auf den amerikanischen Vorschlag einzugehen.

- Am 7. Oktober 1981 verdammte der Koordinator der Junta der Republik
Nicaragua in einer Rede vor der Vollversammlung der Vereinten Nationen die Politik der Vereinigten Staaten in aller Welt.

- Im Dezember 1981 führten Außenminister Haig und sein nicaraguanischer
Amtskollege D'Escoto am Rande eines OAS-Treffens in St. Lucia ein Gespräch. D'Escoto bestritt, daß Nicaragua die Guerillas in El Salvador
unterstütze und daß sich in Nicaragua irgendwelche kubanische Militär- und Sicherheitsberater aufhielten.

- Am 8. April leitete Botschafter Quainton der nicaraguanischen Regierung in Managua einen Friedensvorschlag zu, der acht Punkte umfaßte.
Dieser Plan sah folgendes vor: Einstellung der Unterstützung Nicaraguas für Untergrundaktivitäten in anderen Ländern, eine Zusage der
amerikanischen Regierung, die Einhaltung der Gesetze zu gewährlei-

- 3-

�zu gewährleisten, denen die Aktivitäten von Exilgruppen in den Vereinigten Staaten unterliegen, eine gemeinsame Verpflichtung zur Nichteinmischung in die inneren Angelegenheiten des anderen oder in die
inneren Angelegenheiten anderer Staaten der Region, ein für die ganze
Region gültiges, allseitiges Verbot des Imports schwerer Angriffswaffen, eine allseitige Verminderung der Zahl ausländischer Militärberater in der Region, internationale Verifizierung des letztgenannten
Punktes, Wiederaufnahme der amerikanischen Wirtschaftshilfe an Nicaragua, Austausch von Gruppen von Kulturschaffenden und eine Bestätigung der schon früher von den Sandinistas eingegangenen Verpflichtungen zur Gewährleistung von Pluralismus, freien Wahlen und einer gemischten Wirtschaft.

- Am 14. April 1982 erwiderten die Sandinistas darauf mit einer Reihe
von Anschuldigungen und Forderungen. Sie gingen auf die amerikanische
Initiative nur pro forma, aber nicht inhaltlich ein und schlugen vor,
weitere Verhandlungen in Mexiko mit den Mexikanern als "Zeugen" zu
führen.

- Am 29. April 1982 reagierten die Vereinigten Staaten auf die von
Nicaragua am 14. April in Managua veröffentlichte Note und sprachen
dabei alle von der Regierung Nicaraguas erhobenen Anschuldigungen und
Forderungen an. Die Vereinigten Staaten ersuchten die Regierung Nicaraguas, auf den ihr unterbreiteten 8-Punkte-Vorschlag einzugehen.

- Am 7. Mai 1982 reagierte die Regierung Nicaraguas mit einem langen
Dokument, in dem, verbrämt mit sandinistischer Rabulistik, die acht
Punkte der Vereinigten Staaten erörtert wurden. Das Dokument enthielt
viel Polemik und versuchte in keiner Weise, den Dialog zur Erlangung
eines Kompromisses fortzuführen. Die Regierung Nicaraguas bestand
darauf, daß Verhandlungen in einem Drittland und mit einer dritten
Partei als Zeugen stattzufinden hätten.

- Am 3. Juli ersuchten die Vereinigten Staaten die sandistische Regierung, die in Nicaragua gelegene Führungs- und Kommandozentrale der
Salvadorianischen Guerillas zu schließen. Die Vereinigten

- 4-

Staaten

�Vereinigten Staaten nahmen damit ein Stichwort aus der Erwiderung der
nicaraguanischen Regierung vom 7. Mai auf, in der sie versichert hatte, daß sie gewillt sei, ihren "internationalen Verpflichtungen nachzukommen." Die Vereinigten Staaten gaben zu verstehen, daß sie eine
Schließung der Guerillazentrale als Anzeichen des ernsthaften Friedenswillens der Regierung Nicaraguas betrachten würden und daß beide
Länder daraufhin zu substantielleren Gesprächen übergehen könnten.
Die Vereinigten Staaten boten ferner an, eine Gruppe technischer Spezialisten zu entsenden, die der Regierung Nicaraguas bei der Lokalisierung der Führungs- und Kommandozentrale behilflich sein würden.

- In ihrer Erwiderung vom 13. August 1982 ignorierte die Regierung
Nicaraguas den amerikanischen Vorschlag vom 3. Juli bezüglich der
Schließung der Führungs- und Kommandozentrale der Salvadorianischen
Guerillas. Die Regierung Nicaraguas wiederholte lediglich ihre Forderung nach Verhandlungen auf hoher Regierungsebene und in Gegenwart
einer dritten Partei.

- Im Oktober 1982 unterzeichneten die Vereinigten Staaten gemeinsam mit
sieben anderen Demokratien aus der Region die Deklaration von San
Jose, in der die Signatarstaaten u.a. ihre Verpflichtung auf die
Demokratie und auf die Achtung für das Selbstbestimmungsrecht und das
Prinzip der nationalstaatlichen Souveränität unterstrichen. Die Sandinistas weigerten sich, den Außenminister Costa Ricas zu Gesprächen
über die Eignung der Deklaration als Grundlage für eine die ganze Region umfassende Verhandlungsrunde zu empfangen.

- Am 10. Juni besuchte Richard Stone, der Sondergesandte des Präsidenten der Vereinigten Staaten, Nicaragua, wo er mit verschiedenen Gesprächspartnern

zusammentraf, u.a. mit Vertretern der politischen

Parteien, der Kirche und der Privatwirtschaft sowie mit nicaraguanischen Regierungsvertretern, zu denen auch der Koordinator der Junta, Daniel Ortega, und Außenminister Miguel D'Escoto gehörten. Zwischen dem 10. Juni 1983 und dem

5. Januar 1984 traf Botschafter

Stone bei zumindest vier Gelegenheiten mit Vertretern der Sandinistas
zusammen.
Seit
- 5-

Anfang

�- Seit Anfang

1983 ermutigen die Vereinigten

multilateralen

Bemühungen

der

Staaten außerdem die

Contadora-Gruppe, die

Konflikte

in

Mittelamerika einer friedlichen politischen Lösung zuzuführen.
- Auf Verlautbarungen von Ende 1983 hin, die besagten, daß die Sandinistas einen gemäßigteren politischen Kurs erwägten, gaben die Vereinigten Staaten den Sandinistas in öffentlichen Erklärungen wie auch
durch informelle Kanäle zu verstehen, daß sie solche Anzeichen der
Mäßigung begrüßen würden. Die Vereinigten Staaten erklärten, daß sie
zwar zunächst abwarten wollten, ob die verbalen Beteuerungen der
Sandinistas tatsächlich einen substantiellen Kern hätten, daß sie
jedoch bereit seien, auf bedeutsame, konkrete Schritte in gleicher
Weise zu reagieren.

Während die Vereinigten Staaten auf eine substantielle Erwiderung der
Sandinistas auf die amerikanischen Bemühungen um einen Dialog warteten,
war deren Reaktion leider stets völllig unzweideutig. Die Sandinistas
haben

- die Zahl der Nicaraguaner unter Waffen auf 75 000 erhöht (während
Somozas Nationalgarde zum Zeitpunkt ihrer zahlenmäßigen Höchststärke
nur etwa 14 000 Mann umfaßte);

- zumindest 3 000 kubanische Militärberater wie auch eine kleinere Anzahl sowjetischer und osteuropäischer Sicherheitsexperten ins Land
geholt;

- ihr Waffenarsenal

mit

sowjetischen

Panzern, Raketen, Artillerie-

geschützen, Hubschraubern und Schützenpanzerwagen

sowie mit Mili-

tärlastkraftwagen osteuropäischen Ursprungs aufgestockt;

- gemäßigte Oppositionsgruppen unterdrückt, die Vorzensur für die Medien aufrechterhalten, religiöse Gruppen bedrängt, einheimische indianische Gruppen verfolgt und die Schaffung eines mit der Sowjetunion
und mit Kuba verbündeten Staatswesens in die Wege geleitet;
in

Zusammenarbeit

�- in Zusammenarbeit mit Kuba den Guerillagruppen in El Salvador aktive
militärische Unterstützung geleistet sowie Gruppen von Untergrundkämpfern ausgebildet und nach Honduras eingeschleust.

Diese Trends hatten ihren Anfang während der ersten 18 Monate des
Regimes und ungeachtet der Bemühungen der Vereinigten Staaten, Einvernehmen mit der neuen Regierung herzustellen.

Dennoch kam es im Juni 1984 zu erneuten Gesprächen zwischen amerikanischen Regierungsbeamten und Vertretern der sandinistischen Junta. Nachdem Außenminister Shultz am 1. Juni in Managua mit Juntachef Daniel Ortega zusammengetroffen war, gab der Sprecher des amerikanischen Außenministeriums, John Hughes, am 26. Juni bekannt, daß diese Gespräche am Vortag
im mexikanischen Seebad Manzanillo mit einem Treffen zwischen Botschafter
Harry Shlaudeman, dem Sonderbeauftragten der amerikanischen Regierung für
Mittelamerika, und dem stellvertretenden Außenminister Nicaraguas, Victor
Hugo Tinoco, ihre Fortsetzung gefunden hatten.

"Gemäß der Übereinkunft, die Außenminister Shultz mit seinen nicaraguanischen Gesprächspartnern getroffen hat, werden wir weder Erklärungen
abgeben noch Informationen über den Inhalt dieser Gespräche veröffentlichen," sagte Hughes. Auf Fragen von Journalisten hin erinnerte er an eine
Erklärung des mexikanischen Außenministeriums, die besagte, daß mexikanische Regierungsvertreter an den Gesprächen nicht teilnehmen würden. Später erfuhren Reporter von amerikanischen Regierungsbeamten, daß es bei
den Gesprächen am 25. Juni eher um prozedurale als um inhaltliche Fragen
gegangen sei. Einzelheiten gaben die Regierungsbeamten jedoch nicht bekannt.

- 7 -

�27

4. Juli 1984

US-REGIERUNG: KEIN VERZICHT AUF SYNTHESEBRENNSTOFFE
- Konkurrenzfähigkeit Ziel der technischen Weiterentwicklung -

WASHINGTON - (AD) - "Als Teil unserer Strategie, ein ausgewogenes und
gemischtes System von Energieressourcen zu fördern, sollten wir auch bei
Synthesebrennstoffen über gewisse Grunderfahrungen verfügen;

Falls es

der Markt irgendwann verlangt, könnte dann die amerikanische Industrie
ordnungsgemäß, rechtzeitig und in vernünftiger Weise die erforderlichen
Anlagen zur Produktion synthetischer Brennstoffe erstellen und betreiben." Dies war ein wesentlicher Punkt in der Stellungnahme des amerikanischen Energieministers Donald F. Hodel vor einem Kongreßausschuß, mit der
er kürzlich den Standpunkt der Reagan-Administration in der Frage der
Beibehaltung der "Synthetic Fuels Corporation - SPC" erläuterte.

Die SPC

- staatliche Gesellschaft für Synthesebrennstoffe - war im Jahr 1980 geschaffen worden, um die Industrie bei der Erprobung und Einführung wirtschaftlicher Verfahren zur Produktion synthetischer Brennstoffe vor allem
auf der Basis von Erdgas, Kohle und Ölschiefer zu unterstützen.

Jedoch

stellen heute angesichts der geringeren Nachfrage nach Öl und des Rückgangs der Preise viele die Existenzberechtigung der mit einem Milliarden-

Postfach 20 03 00 Tel.:0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�einem Milliarden-Etat ausgestatteten SFC in Frage.

Im Mai 1984 unterbreitete Präsident Reagan dem US-Kongreß eine Gesetzesvorlage, die eine Kürzung der SFC-Gelder um neun Milliarden Dollar
(von 14,1 auf 5,1 Milliarden) vorsieht.

Die Regierung versuche damit,

wie Hodel erklärte, einen Mittelweg zur Lösung des Fragenkomplexes "Synthesebrennstoffe" zu gehen, der den weiteren Ausbau des technischen Knowhow ermögliche, jedoch dem Fiskus zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht zu
verantwortende Ausgaben erspare.

Der amerikanischen Wirtschaft würde es

nur schaden, wenn eine umfangreiche Synthesebrennstoff-Industrie aufgebaut würde, die auf Regierungssubventionen angewiesen ist, um überleben
zu können.

Es gebe derzeit vielerlei Wege, um Energie einzusparen oder

zu niedrigeren Kosten, als die meisten Synthesebrennstoffe sie jetzt erfordern, zu produzieren.

Die der SFC verbliebenen 5,1 Milliarden Dollar sollten, wie Hodel erklärte, auf Projekte beschränkt bleiben, mit denen Brennstoffe produziert
werden können, deren Preis nicht wesentlich über den Marktpreisen konkurrierender anderer Brennstoffe liege.

Allerdings liege es, längerfristig

gesehen, im nationalen Interesse, sich auch weiterhin um die Entwicklung
synthetischer Brennstoffe zu bemühen.

Gegenwärtige Schätzungen über den

künftigen Energiebedarf ließen zwar für die nächste Zukunft weder Versorgungsschwierigkeiten noch große Preissteigerungen erkennen.

Jedoch könn-

te im kommenden Jahrhundert das Ziel, eine angemessene Energieversorgung
zu vernünftigen Kosten zu erreichen, die Vereinigten Staaten veranlassen,
herkömmliche Brennstoffe immer mehr durch synthetische Brennstoffe zu ersetzen.

Aber auch in einer solchen Situation werde, so betonte Hodel, das
Tempo der Ausweitung bei der Synthesebrennstoff-Industrie durch Marktkräfte bestimmt.

Zum gegenwärtigen Zeitpunkt seien nur einige wenige

Anlagen wünschenswert - Anlagen, die im Sinne technischer, umweltpolitischer und finanzpolitisher Aspekte sowie für die Ermittlung eines geeigneten regulativen Rahmens durch den Staat Schrittmacherdienste leisten.
Die Bundesregierung fördere derzeit vier Projekte (Kohlevergasung und Öl-

�und

Ölschiefer-Aufbereitung), die

Industrie

unterhalte

bereits

ohne

staatliche Zuschüsse zwei weitere Projekte (Kohlevergasung sowie Kohlevergasung in Verbindung mit einem Chemiewerk).

Diese Betriebe liefern

wertvolle Informationen und Erfahrungen, die nur mit großtechnischen Anlagen zu bekommen sind.

* * * * *

- 3-

�4. Juli 1984

27

ERSTER BESUCH BEI EINEM KOMETEN
- Forschungssatellit ICE auf dem Weg zum Rendezvous -

-

(AD) - Mit Hilfe eines mit modernsten elektronischen Detektoren

ausgerüsteten 4 rn-Teleskops auf dem Kitt Peak bei Tuscon, Arizona, konnte
der Komet Giacobini-Zinner geortet und fotografiert werden.

Er ist noch

äußerst lichtschwach - seine Leuchtkraft betrug nur ein Fünfmillionstel
der Helligkeit eines Sterns, der mit dem Auge gerade noch wahrgenommen
werden kann.

Aber seine exakte Positionsbestimmung ist eine wesentliche

Voraussetzung für das Gelingen eines Experiments, das Astronomen rund um
die Erde fasziniert:

Im September 1985 soll zum ersten Mal ein For-

schungssatellit den Schweif eines Kometen passieren.

Und dieser Komet

ist der im Jahr 1900 von dem Italiener Giacobini entdeckte, im Jahr 1913
von dem Deutschen Zinner wiedergefundene und seitdem nach beiden Forschern benannte SchweifStern.

Wie die Auswertung der Aufnahmen ergab, war der Komet vier Bogensekunden von der Position entfernt (das entspricht ca. 10 000 km), wo man
ihn zum Zeitpunkt der Aufnahmen Anfang April 1984 erwartet hatte.

Er

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D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�hatte.

Er kommt alle sechseinhalb Jahre in Sonnennähe und wurde seit

seiner Wiederauffindung zehnmal beobachtet - das letzte Mal im Jahr
1979.

Obgleich es sich um einen relativ kleinen Himmelskörper handelt,

zeichnet sich Giacobini-Zinner durch eine besondere Aktivität unter Sonneneinstrahlung aus, so daß er infolge des Verdampfens von Materie seines
Kerns in Sonnennähe hell leuchtet.

Das dabei

ausgestoßene Material

- Gase

und Staub - bildet den

Schweif, den der "International Cometary Explorer" (ICE) am 11. September 1985 in ca. 15 000 km Abstand vom Kern des Kometen durchqueren und
sondieren soll.

Die Bewegung des Kometen gilt jedoch wegen der Kräfte,

die das verdampfende Material (ähnlich wie beim Austritt von Gasen aus
der Düse einer Rakete) auf die Kernmasse ausübt, als nicht genau vorausberechenbar.

Aus diesem Grund sei die optische Beobachtung schon mög-

lichst lange vor dem Rendezvous sehr wichtig, erklärte Dr. Michael Beiton
vom "Kitt Peak National Observatory".

Die im August 1978 unter der Bezeichnung ISEE-3 (International SunEarth Explorer - gestartete Sonde war ursprünglich nur zur Erforschung
des Sonnenwindes sowie bestimmter Vorgänge und Bedingungen im Raum zwischen Sonne und Erde bestimmt. Umlaufbahn, Aufgaben und die Zuverlässigkeit von ISEE-3, dazu sein geringer Verbrauch an Treibstoff für Manöver
zur Nachsteuerung brachten jedoch NASA-Wissenchaftler auf die Idee, seinen Kurs so zu ändern, daß er vorübergehend zur Nahbeobachtung von Kometen eingesetzt werden kann.

Nach sorgfältigen Berechnungen wurde er

schließlich 1982 zum ersten Mal so weit in Mondnähe manövriert, daß der
Erdtrabant, ähnlich wie schon mehrmals mit PIONIER- und VOYAGER-Sonden an
den Großplaneten Jupiter und Saturn durchexerziert, als bechleunigende
Kraft wirkte und gleichzeitig den Kurs beeinflußte.

Das letzte "Swing-

by"-Manöver dieser Art vollführte der inzwischen in ICE umbenannte, knapp
500 kg schwere Forschungssatellit am 22. Dezember 1983.

Die Sonde wird, wenn sie im September 1985 durch den Schweif von
Giacobini-Zinner hindurchgeht, fast 71 Millionen km von der Erde entfernt
sein. Wenn ein Jahr später der Halleysche Komet, der etwa alle 76 Jahre
- 2-

�76 Jahre seine größte Sonnennähe erreicht, Ziel von Forschungssonden aus
mehreren Ländern sein wird, ist die bis dahin wieder aufgenoninene Beobachtung des Sonnenwindes durch ICE von großer Bedeutung.

Die ICE-Daten

können helfen, z. B. Ionisationseffekte am Schweif des sehr viel massereicheren Kometen Halley durch Sonnenmaterie oder andere Wechselwirkungen
genauer zu untersuchen.

- 3 -

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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Reagan sucht Intensivierung der Kontakte zur Sowjetunion&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rede des Präsidenten auf der Smithsonion-Konferenz -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Weinberger-Interview mit NATO-Journalisten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Auszüge -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die amerikanisch-sowjetischen Beziehungen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Informationspapier des Weißen Hauses -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Geschichte der amerikanischen Politik in der Frage des Dialogs mit Nicaragua&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;US-Regierung: Kein Verzicht auf Synthesebrennstoffe&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Konkurrenzfähigkeit Ziel der technischen Weiterentwicklung -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Erster Besuch bei einem Kometen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Forschungssatellit ICE auf dem Weg zum Rendevous -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;</text>
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UftCl

Dokumcnlolion
United States Information Service
Embassy of the United States of America

28

1 1 . J u l i 1984

INHALT
INFORMATION
Vereinigte Staaten akzeptieren Gesprächsvorschlag über Weltraumwaffen
- Äußerungen von Außenminister Shultz -

DOKUMENTATION
James Goodby sieht Grund für vorsichtigen Optimismus
- Erklärung von Botschafter Goodby vor KVAE-Vollversammlung -

HINTERGRUNDMATERIAL
30 Jahre amerikanische Nahrungsmittelhilfe
Chemikalien für Industrie- und Wirtschaftszwecke
- Anwendung toxischer Stoffe soll nicht völlig verboten werden Chronologie der Ereignisse in Afghanistan
- 2. Quartal 1984 Ziel: Zerschlagung der Händlerringe
- Sonderprogramm amerikanischer Bundesbehörden gegen organisiertes
Verbrechen und Rauschgiftschmuggel -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Studie zu Kombinationstherapie bei Psoriasis

Um Übcr/cndung von
ßcicgcxcmplorcn
wird gebeten

Postfach 20 03 00 Tel 0228- 339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�11. Juli 1984

28

VEREINIGTE STAATEN AKZEPTIEREN GESPRÄCHSVORSCHLAG ÜBER WELTRAUMWAFFEN
- Äußerungen von Außenminister Shultz -

Hongkong -(AD)- Außenminister George Shultz hat unterstrichen, daß
die Vereinigten Staaten den sowjetischen Vorschlag für Gespräche über
Weltraumwaffen

ohne

Vorbedingungen

akzeptieren. Die Gespräche

sollen

Mitte September in Wien aufgenommen werden.

Dies erklärte Shultz am 7. Juli vor Journalisten, die ihn an Bord
seiner Maschine auf dem Flug nach Hongkong begleiteten. Shultz befindet
sich gegenwärtig auf einer Rundreise durch Asien. Er wird an der Konferenz der ASEAN-Gruppe am 12. und 13. Juli in DJakarta und am Jahrestreffen der Staaten der ANZUS-Organisation, der Australien, Neuseeland und
die Vereinigten Staaten angehören, am 16. und 17. Juli in Wellington
teilnehmen. Weitere Stationen seiner Reise sind Hongkong, Malaysia, Singapur, Australien und Honolulu.

Wie Shultz weiter bemerkte, sind die Vereinigten Staaten der Auffassung, daß auch offensive Waffensysteme, d.h., Interkontinentalraketen,
eine "Militarisierung des Weltraums darstellen." "Deshalb werden wir auch

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�wir auch verschiedene Typen von strategischen Systemen auf die Tagesordnung bringen," fuhr Shultz fort.

Er bemerkte, daß zwar verschiedene Äußerungen von sowjetischen Regierungsvertretern, darunter auch Außenminister Gromyko, darauf hindeuteten,
daß die Sowjets nicht bereit seien, über die von ihnen vorgeschlagene Tagesordnung, die nur die Weltraumwaffen umfasse, hinauszugehen, daß Moskau
aber andererseits auf die weitergehenden

amerikanischen Vorstellungen

bisher "nicht offiziell reagiert" habe. Shultz betonte, daß die Vereinigten Staaten nach wie vor bereit seien, "die Verhandlungen über strategische und nukleare Mittelstreckenwaffen wieder aufzunehmen."

Man geht davon aus, daß die Sowjets bei den von ihnen vorgeschlagenen
Gesprächen vor allem bestrebt sein werden, die Entwicklung von Anti-Satelliten-Waffen Beschränkungen zu unterwerfen. Während das von den Vereinigten Staaten entwickelte System jetzt erst ins Erprobungsstadium eintritt, verfügen die Sowjets bereits über ein einsatzfähiges Anti-Satelliten-System.

"Wir sind nach wie vor der Meinung, daß Abkommen auf diesem Gebiet
äußerst

schwierige

Verifikationsprobleme

aufwerfen

würden",

meinte

Shultz. Er fügte jedoch hinzu: "Wir hätten uns aber nicht bereit erklärt,
nach Wien zu kommen, wenn wir nicht glaubten, daß es zumindest einige
verhandlungsfähige Aspekte gibt."

Er sagte weiterhin, daß die Vereinigten Staaten den sowjetischen Gesprächsvorschlag "ernst nehmen" und entsprechend reagieren. Er wies darauf hin, daß die Eröffnungsrunde der Gespräche im September prozeduraler
Natur sein und sich auf die Verhandlungs"modalitäten" konzentrieren werde. Zu den Themen, die zu erörtern sein werden, gehören u.a. die Zusammensetzung der beiden Delegationen und der politische Rang der Delegationsleiter.
Bereits am 6. Juli hatte Alan Romberg, der stellvertretende Sprecher
des amerikanischen Außenministeriums, erklärt, daß die Vereinigten Staa-

�Vereinigten Staaten den sowjetischen Vorschlag "ohne Vorbedingungen" akzeptiert hätten, und zwar noch "an dem gleichen Tag, an dem er unterbreitet wurde." Er fügte hinzu, daß "Einzelheiten der Gespräche weiterhin mit
den Sowjets über diplomatische Kanäle erörtert" würden.

- 3 -

�Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

11. Juli 1984

28

JAMES GOODBY SIEHT GRUND FÜR VORSICHTIGEN OPTIMISMUS
Erklärung von Botschafter Goodby vor KVAE-Vollversammlung -

STOCKHOIM - (AD) - In einer Erklärung vor der Vollversammlung der
Konferenz

über

Vertrauens- und Sicherheitsbildende Maßnahmen und Ab-

rüstung in Europa

(KVAE) sagte der amerikanische Chefdelegierte James

Goodby am 6. Juli 1984 in Stockholm, bestimmte Staaten "kultivieren eine
Atmosphäre der Krise anstatt der Aussöhnung."

Gleichzeitig betonte er

jedoch, daß es Anlaß zu "vorsichtigem Optimismus" gebe, da viele der Delegationen - einschließlich jener, die für den mangelnden Fortschritt
verantwortlich seien - in eine tatkräftigere und analytischere Debatte
eingetreten seien.

Die Erklärung von Botschafter Goodby vor der KVAE-Vollversammlung hat
folgenden Wortlaut:
Von Beginn dieser Konferenz an hat meine Delegation auf das Ziel
hingearbeitet, eine gemeinsame Basis für die
schaffen, die uns unterbreitet wurden.

Ideen und Vorschläge zu

Wir haben in allen Einzelheiten

die Elemente unserer Vorschläge dargelegt und auf Fragen reagiert, die
bezüglich dieser Vorschläge an uns herangetragen wurden. Wir haben andere

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�haben andere Vorschlage geprüft und diskutiert und dargelegt, was wir als
Bereiche möglicher Übereinstimmung ansehen. Meine Delegation verzichtete
immer wieder darauf, Themen nachzugehen, die außerhalb des eigentlichen
Verhandlungsrahmens lagen, um so der Stockholmer Konferenz eine größere
Chance einzuräumen, jene Probleme zu lösen, die uns vorlagen.
Meine Regierung ist sehr aufmerksam den Ausführungen unserer Verhandlungspartner gefolgt und hat die besondere Bedeutung festgestellt, die
manche von ihnen dem beigemessen haben, was sie einmal das "Hauptproblem"
genannt haben - die Verpflichtung nämlich, bei unseren wechselseitigen
Beziehungen keine Gewalt anzuwenden.

Der Präsident der Vereinigten Staa-

ten hat die Bereitschaft seiner Regierung zum Ausdruck gebracht, dieses
zentrale Anliegen vieler Delegationen zu diskutieren, damit die Besorgnisse vieler weiterer Delegationen in einem konkreten Dialog angegangen
werden können.

Am 4. Juni sagte Präsident Reagan: "Falls Verhandlungen

über eine erneute Verpflichtung auf das Prinzip des Gewaltverzichts - ein
Prinzip, an das wir aus innerster Überzeugung heraus glauben - die Sowjets dazu veranlassen könnten, auch über Abkommen zu verhandeln, die diesem Prinzip eine neue und konkrete Bedetung verleihen würden, so wären
wir gern bereit, solche Gespräche aufzunehmen."

Unsere Bemühungen wurden Teil der Bemühungen vieler anderer Delegationen hier in Stockholm. Was ich gerade über die amerikanische Haltung
gesagt habe, könnte auch von vielen anderen hier am Tisch bezüglich ihrer
eigenen Position gesagt worden sein.

Aber noch immer ist es nicht mög-

lich zu sagen, daß echte Verhandlungen begonnen hätten. Einer der Hauptgründe hierfür ist die Tatsache, daß einige wenige Delegationen die konzerierte Anstrengung unternommen haben, unsere Meinungsverschiedenheiten
eher zu übertreiben als hier für einen Ausgleich zu sorgen.

Sie haben

eher eine Atmosphäre der Krise denn des Kompromisses kultiviert.

Sie ha-

ben systematisch themenfremde Fragen aufgeworfen, die eigentlich in anderen Verhandlungsforen behandelt werden sollten, wo dies aber von einer
jener Delegationen verhindert wird.

Sogar die Qualität der Diskussionen

wurde durch Beschuldigungen beeinträchtigt, die oft genug die Fakten verdrehten.
Die

meisten

�Die meisten Delegationen haben indessen die Grundprobleme, um die es
uns geht, immer wieder auf konstruktive und bedachte Weise definiert und
diskutiert.

Dieser Prozeß ist ein notwendiger und wichtiger Vorläufer

der Verhandlungen.

Ich stelle mit vorsichtigem Optimismus fest, daß vie-

le Delegationen - einschließlich einiger derjenigen, auf die ich eben angespielt habe - angefangen haben, sich einer lebendigen Debatte zu stellen.

Daß dieser Meinungsaustausch in den letzten Wochen doch analyti-

scher und konkreter geworden ist, ist ein Zeichen des grundsätzlich guten
Zustandes dieser Konferenz und ihres Wertes als Kommunikationskanals. Die
Vereinigten Staaten begrüßen dieses lebhaftere Tempo unserer Gespräche.

Im Laufe dieses Meinungsaustausches wurde deutlich, daß es auf dieser
Konferenz eine solide Grundlage dafür gibt, die Aushandlung dynamischer
und praktischer Maßnahmen zum Aufbau von Vertrauen und Sicherheit zu unterstützen.

Ich glaube, die meisten von uns können nunmehr damit begin-

nen, eine gewisse gemeinsame Basis festzulegen, von der aus wir - sollte
es uns erlaubt sein - darauf hinarbeiten können, eine Reihe ergänzender
Maßnahmen einzuführen:

- Die meisten Delegationen haben die Notwendigkeit erkannt, bei den
Bestimmungen von Helsinki erhebliche Verbesserungen vorzunehmen, insbesondere
- scheinen sich die Meinungen dahingehend anzunähern, daß wir die bestehenden Maßstäbe der

in Helsinki

vereinbarten

Ankündigungsverfahren

verbessern sollten - etwa durch Standardisierung der in einer Ankündigung
enthaltenen Information, durch Verlängerung des Zeitraums einer Ankündigung und durch eine wirksamere Ankündigungsschwelle.

- Eine Annäherung der Meinungen gibt es auch hinsichtlich Verbesserung der derzeitigen Bedingungen in bezug auf die Einladung von Beobachtern.

- Es besteht Einverständnis darüber, daß wir die Ankündigung auch
- 3 -

�Ankündigung auch ausweiten sollten auf zusätzliche Arten militärischer
Aktivitäten; in dieser Hinsichtscheint ein gewisses Maß an Einverständnis
darüber zu bestehen, daß Landungsübungen für eine Ankündigung ausgewählt
werden sollten; möglicherweise könnte auch ein Konsens hinsichtlich der
Ankündigung von Alarmübungen erreicht werden.

Generelles Einverständnis herrscht dahingehend, daß wir weitere Maßnahmen erarbeiten sollten, die das Grundkonzept von Helsinki verstärken
und vervollkommnen würden. In diesem Zusammenhang

- ist die Anerkennung der Notwendigkeit angemessener Verifizierbarkeit jeder Maßnahme ein Punkt, den alle Vorschläge gemein haben.

- Der Gedanke des Austausches eines jährlichen Kataloges von Aktivitäten, die einer Ankündigung bedürfen, findet gewisse Unterstützung und soweit ich sehen kann - keine Gegner; schließlich

- scheint der Gedanke, die Kommunikation zwischen unseren 35 Staaten
zu verbessern, im Prinzip von allen Delegationen unterstützt zu werden.
Wir haben also den Punkt festgelegt, wo wir mit der nächsten Phase
unserer Arbeit fortsetzen könnten.

Die meisten von uns würden nunmehr

diese Arbeit ohne weitere unnötige Verzögerungen angehen.
Herr Vorsitzender, meine Delegation wird sich all den anderen dabei
anschließen, die angemessenen Formen und konkreten Methoden zu finden, um
für die in Helsinki eingegangenen Verpflichtungen greifbare Konsequenzen
zu schaffen. Wir werden auch weiterhin für die von unseren Verhandlungspartnern vorgebrachten Besorgnisse Abhilfe zu schaffen suchen; und wir
erwarten das gleiche umgekehrt.

Herr Vorsitzender, die vor uns liegenden Probleme sind schwierig und
von komplexer Natur. Unsere Arbeit sollte nicht zusätzlich durch künstliche Abschweifungen belastet werden.

Ich hoffe zum Beispiel, daß diese

Konferenz bei der nächsten Runde nicht mehr jene Ausrede
- 4 -

: mangelnden

�für mangelnden Fortschritt erleben wird:

Die Aufspaltung zwischen dem

Politischen und dem Militärischen nämlich, die einige uns machen möchten.

Könnte irgend jemand leugnen, daß Rüstungskontrollvereinbarungen -

wie immer technisch und militärisch ihr Inhalt auch sein mag - bedeutsame
politische Auswirkungen haben? Könnte irgend jemand leugnen, daß wir genug politische Deklarationen ohne dauerhafte Folgen gehört haben?

Bei

unserer Arbeit hier können politische Entscheidungen zu Abkommen mit militärischer Bedeutung führen, die wiederum dauerhafte politische Folgen
haben können.

Diese Wechselseitigkeit wurde von jenen sehr wohl begrif-

fen, die die Schlußakte entwarfen - und sicherlich auch von denjenigen,
die dem Mandat für diese Konferenz zustimmten.

Die Durchführung der Maß-

nahmen, wie sie von den 16 Befürwortern des Dokuments SC. 1 vorgeschlagen
wurden, hätte ganz gewiß weitreichende politische Folgerungen - einschließlich besserer politi- scher Beziehungen, eines stabileren Sicherheitsumfeldes und einer Grund- läge für weitere kooperative Maßnahmen.
Herr Vorsitzender, Fortschritt wird dann möglich sein, wenn man es
dieser Konferenz erlaubt, ihre ganz besondere, eigene Aufgabe wahrzunehmen, die potentiell von so großer Bedeutung für die Stärkung des Friedens
in Europa ist.

Diese Aufgabe besteht darin, neue und praktische Formen

der Zusammenarbeit zwischen 35 Staaten im militärischen Bereich zu sondieren mit dem Ziel einer Verringerung der Gefahr militärischer Konfrontation und Konfliktes in Europa.

Dies ist ein ehrgeiziges und ungewöhn-

liches unterfangen, aber nichts weniger würde tatsächlich die historische
Aufgabe dieser Konferenz erfüllen.

Es ist die Zusammenarbeit, die die einzig echte Chance auf sinnvollen
Fortschritt hier in Stockholm sowie darauf bietet, daß man über Konfrontation hinaus zu Vereinbarungen gelangt, welche die Hindernisse überwinden, die Europa teilen. Die 16 Staaten des Atlantischen Bündnisses haben
sich dazu verpflichtet, alle nur möglichen Wege zu konkreter und wirksamer Zusammenarbeit zu prüfen; und wir sind uns des gemeinsamen Interesses zur aktiven Verfolgung der Sache des Friedens bewußt.

Damit diese

Konferenz ein Erfolg wird, müssen sich der großen Mehrheit der Delegationen, die für Zusammenarbeit und nicht für Konfronta ' -n sind, auch

�sind, auch jene anschließen, die sich bislang auf einem anderen Kurs befanden.

Herr Vorsitzender, wir haben in den vor uns liegenden Wochen Zeit für
Reflexion und für Konsultation.
erneut den

Und es sollte auch Zeit dafür sein, sich

Zielen zu verpflichten, wie sie das Mandat zum Ausdruck

bringt, sowie für eine neue Verpflichtung zu ernsthaften Verhandlungen.

Wir sollten die Vorstellung zurückweisen, derzufolge hier nicht viel
geschehen kann, solange es nicht auch außerhalb dieser Konferenz eine gewisse Verbesserung der Beziehungen gibt.
Paralyse.

Das wäre ein Rezept für eine

Auf der Stockholmer Konferenz sind 35 unabhängige Staaten ver-

treten, die alle Nutzen aus verstärkter Stabilität und größerer regionaler Sicherheit ziehen würden.

Fortschritt hier sollte nicht zur Geisel

anderer Ereignisse oder der Lösung von Fragen werden, die außerhalb des
Aufgabenbereiches dieser Konferenz liegen.

Der hervorragende Vertreter

Dänemarks faßte es, wie stets, in genau die richtigen Worte, als er sagte, daß "wir uns nicht passiv zurücklehnen dürfen, um darauf zu warten,
daß der Fortschritt automatisch kommt, wenn in Zukunft eine Verbesserung
der internationalen Beziehungen günstigere Bedingungen für unsere Unternehmungen geschaffen hat.

" Wirklich: In unseren Händen liegt die Ver-

antwortung für eine Verbesserung der derzeitig unbefriedigenden Beziehungen zwischen Ost und West in Europa.

Können wir uns dieser Herausfor-

derung nicht stellen? Und wird es denn eine noch günstigere Gelegenheit
geben als jetzt?

- 6 -

�28

11. Juli 1984

30 JAHRE AMERIKANISCHE NAHRUNGSMITTELHILFE

Washington - (AD) - Im Laufe der letzten 30 Jahre hat sich ein Programm, das ursprünglich dazu gedacht war, den amerikanischen Farmern beim
Absatz ihrer Überschüsse zu helfen, zu einem Instrument der amerikanischen Außenpolitik entwickelt und Millionen von Menschen überall auf der
Welt neue Hoffnung und neue Chancen der Existenzsicherung gegeben.

Seit seiner Verabschiedung im Juli 1954 sind im Rahmen des Programms
"Nahrungsmittel-für-den-Frieden" - auch unter der Bezeichnung "öffentliches Gesetz Nr. 480" bekannt - rund 327 Millionen Tonnen von landwirtschaftlichen Erzeugnissen im Werte von mehr als 33 Milliarden Dollar an
über 1,8 Milliarden Menschen in 100 Ländern geliefert worden. Zusätzlich
haben die Vereinigten Staaten rund 4,9 Milliarden Dollar an Transportkosten aufgebracht.

Dieses Programm hat die Vereinigten Staaten zum größten Nahrungsmittelspender der Welt gemacht. Sie tragen zur Ernährung der Hungernden dieser Welt mehr bei, als alle anderen Nationen zusammen.

In

dem

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�In dem Haushaltsjahr, das am 30. September 1984 endet, werden die
Vereinigten Staaten im Rahmen des "Öffentlichen Gesetzes Nr. 480" etwa
1,5 Milliarden Dollar für den Ankauf und den Transport von rund sechs
Millionen Tonnen rund 25 verschiedener Arten von

landwirtschaftlichen

Erzeugnissen aufwenden, die in mehr als 80 Länder verschifft werden.

Der Großteil dieser Spenden wird an Länder Südostasiens, vor allem
aber in die afrikanischen Länder am Südrand der Sahara gehen, die sich
infolge einer Dürre und sinkender Nahrungsmittelerzeugung einer Hungersnot gegenübersehen, die Millionen von Menschenleben bedroht.

Abgesehen von seinem unmittelbaren Zweck besteht eines der Hauptziele
des amerikanischen Programms darin, den ärmsten Ländern dabei zu helfen,
ihre eigene Ernährung sicherzustellen. Amerikanische Fachleute sind der
Ansicht, daß man den Hunger zwar kurzfristig lindern kann, wenn man Nahrungsmittelhilfe in Länder mit zerrütteter Wirtschaft pumpt, daß man auf
diese Weise aber der Ursachen des Hungers nicht Herr wird.

Wie Präsident Reagan einmal sagte, ist "diese Art von Auslandshilfe
nichts weiter als Sozialfürsorge in weltweitem Maßstab und genauso unwirksam und letztlich demütigend, wie die entsprechenden

inländischen

Wohlfahrtsleistungen."

Deshalb wird im Rahmen des Programms "Nahrungsmittel für den Frieden"
versucht, die Hilfe so eng wie möglich mit einer übergreifenden Entwicklungsstrategie in den Empfängerländern zu verknüpfen. Man verwendet die
Nahrungsmittelhilfe nur, um den Menschen ihr Selbstvertrauen zurückzugeben, ist aber sorgsam darauf bedacht, der einheimischen Landwirtschaft
der Empfängerländer nicht den Anreiz zur Erzeugung zu nehmen. Das amerikanische Programm trägt außerdem dazu bei, die Wirtschaft der Empfängerländer zu entlasten, indem es sie der Notwendigkeit enthebt, Nahrungsmittel, die sie sich eigentlich gar nicht leisten können, zu importieren und
damit ihre Zahlungsbilanz ins Defizit zu bringen.

In den Anfangsjähren konzentrierten sich die Leistungen des Programms
auf die von Kriege zerrütteten Länder Westeuropas und auf Japan. Seit den

- 2 -

�Seit den 60er Jahren kommen sie jedoch hauptsächlich den Entwicklungsländern zugute. Rund 80 Prozent aller Lieferungen im Rahmen des Programms
sind in die ärmsten Länder geflossen. Das Programm macht etwa 30 Prozent
der gesamten bilateralen Wirtschaftshilfe aus, die die Vereinigten Staaten den Entwicklungsländern nach 1954 geleistet haben.

Die

Hauptempfänger

amerikanischer

Nahrungsmittelhilfe

sind

Indien

(6,2 Milliarden Dollar), Ägypten (2,7 Milliarden Dollar), Pakistan
(2,3 Milliarden Dollar), Südkorea (1,9 Milliarden Dollar) und Indonesien
(1,7 Milliarden Dollar).

Obwohl viele der Armen dieser Welt immer noch unter Hunger und Unterernährung leiden, haben die Entwicklungsländer insgesamt seit 1965 ihre
Nahrungsmittelerzeugung nahezu verdoppelt, teilweise dank landwirtschaftlicher Programme, die von den Vereinigten Staaten gefördert wurden. Während des gleichen Zeitraums haben die Entwicklungsländer ihr Pro-KopfEinkommen mehr als verdreifacht und ihre landwirtschaftlichen Einfuhren
aus den Vereinigten Staaten verfünffacht.

Nahrungsmittelhilfe wird durch drei verschiedene Kanäle geleistet:
Konzessionsverkäufe (Titel I ) , Spenden im eigentlichen Sinne (Titel II)
und Entwicklungshilfe (Titel III).

Unter Titel I wird der Verkauf von landwirtschaftlichen Erzeugnissen
an befreundete Länder von der amerikanischen Regierung finanziert. Die
Verkäufe werden von Privatunternehmen auf Ausschreibung der Einfuhrländer
hin getätigt. Sie werden durch langfristige Kredite finanziert, die auf
diplomatischem Wege ausgehandelt werden. Mehr als 70 Prozent aller Lieferungen im Rahmen des amerikanischen Hilfsprogramms fallen unter Titel I.

Unter Titel II werden Nahrungsmittelspenden gewährt, um die Folgen
von Hungersnöten und Naturkatastrophen zu lindern, die Unterernährung,
vor allem von Kindern, zu bekämpfen und gemeinnützige Schul- und Vorschulspeisungsprogramme im Ausland zu unterstützen. Unter diesen Titel
fallen auch Spenden, die von Regierung zu Regierung vergeben werden sowie
Spenden, die den Empfängern über internationale Organisat- ien und ameri-

- 3 -

�und amerikanische freiwillige Hilfsorganisationen zufließen.

Im Mittelpunkt von Titel III steht die Entwicklungshilfe an die ärmsten Länder, d.h., an die mit einem jährlichen Pro-Kopf-Einkommen von weniger als 805 Dollar. Titel III ähnelt im Grunde Titel I, nur werden die
Zuwendungen nicht als Anleihe, sondern als verlorener Zuschuß vergeben.

Das Gesetz Nr. 480, das die Grundlage für das Nahrungsmittelprogramm
bildet, wurde im Juni 1954 vom Kongreß gebilligt und von Präsident Dwight
D. Eisenhower am 10. Juli 1954 unterzeichnet. Seit jener Zeit machen Nahrungs- und Futtergetreide annähernd die Hälfte der Gesamtaufwendungen für
die gelieferten landwirtschaftliche Erzeugnisse aus. Allein die Weizenlieferungen hatten einen Wert von 11,8 Milliarden Dollar. Die Lieferungen
von Futtergetreide haben einen Wert von fast 3,1 Milliarden Dollar erreicht. Die Lieferungen umfaßten auch Baumwolle (2,6 Milliarden Dollar),
Sojaöl (2,1 Milliarden Dollar) und Milchpulver (1,5 Milliarden Dollar).

Von den 10 Ländern, in die im Jahre 1983 die umfangreichsten amerikanischen Agrarexporte gingen, waren alle bis auf zwei - Kanada und die
Sowjetunion - zu irgendeinem Zeitpunkt in der Vergangenheit einmal Empfänger amerikanischer Nahrungsmittelhilfe. Die wichtigsten Beispiele bilden Japan (dessen Markt heute amerikanische Landwirtschaftserzeugnisse im
Wert von 6 Milliarden Dollar aufnimmt), Mexiko (heute ein 4,2-MilliardenDollar-Markt für die Vereinigten Staaten) und Südkorea (heute ein 1,5Milliarden-Dollar-Markt). Weiter sind Ägypten und Taiwan zu nennen, die
heute für jeweils eine Milliarde Dollar AgrarerZeugnisse aus den Vereinigten Staaten importieren. Zu den Ländern, die gegenwärtig dabei sind,
von Hilfsempfängern zu Handelspartnern der Vereinigten Staaten zu werden,
gehören die Dominikanische Republik, Marokko und Tunesien.

- 4 -

�11. Juli 1984

28

CHEMIKALIEN FÜR INDUSTRIE- UND WIRTSCHAFTSZWECKE
- Anwendung toxischer Stoffe soll nicht völlig verboten werden -

GENF - (AD) - Der von den Vereinigten Staaten vorgelegte Vertragsntwurf zum Verbot chemischer Waffen wird die berechtigte Anwendung toxischer Chemikalien zu nicht-militärischen Zwecken nicht behindern.

Dies

erklärte Botschafter Louis G. Fields als Vertreter der Vereinigten Staaten am 28. Juni auf der Abrüstungskonferenz in Genf.

Zu dem von Vizeprä-

sident George Bush im April vorgelegten Entwurf sagte Field im Rahmen der
jetzt laufenden Diskussionsrunde:

"Erlaubte Aktivitäten

sollten auch

solche einbeziehen, die der friedlichen Anwendung von Chemikalien in unserer chemischen Industrie und Schutzmaßnahmen dienen."

Die zugelassenen

Aktivitäten seien im wesentlichen in den Artikeln II und III des amerikanischen Textes für den Vertragsentwurf behandelt.

In einer früheren Er-

klärung gegenüber den Konferenzteilnehmern erläuterte Fields die Grundbestimmungen (Artikel I), denen zufolge alles verboten werden soll, was mit
chemischen Waffen zu tun hat - einschließlich ihrer Entwicklung, Produktion, Bevorratung, Verlegung bzw. Weitergabe und Anwendung.

"Unter 'erlaubte

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D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�"Unter 'erlaubte Zwecke' verstehen wir in erster Linie industrielle,
landwirtschaftliche, medizinische Zwecke und Forschungsaufgaben oder andere friedliche Gebiete", sagte Fields.

"Die Anwendung von Chemikalien

für derartige Zwecke hat handgreifliche Vorteile
Menschheit.

für die ganze

So kann beispielsweise die Anwendung bestimmter Pestizide

die Erträge von Agrarland erheblich steigern und Möglichkeiten schaffen,
die Weltbevölkerung besser zu ernähren."

Gleichzeitig warnte Fields vor der Gefahr, daß Aktivitäten im Zusammenhang mit toxischen Chemikalien insgeheim zur Herstellung chemischer
Waffen genutzt werden könnten.

"Dies ist ein sehr ernstes Problem, da

viele in der Industrie benutzte Chemikalien auch in der chemischen Kriegführung wirksam eingesetzt werden können", meinte der Vertreter der USA.
Deshalb schlagen die Vereinigten Staaten "einen gewissen Grad der Regulierung zugelassener Aktivitäten für Zwecke vor, die direkt mit dem
Schutz gegen chemische Waffen, aber nicht direkt mit den Waffen selbst zu
tun haben.

Wenn beispielsweise ein Vertragspartner Senfgas nicht für

chemische Kriegführung herstellen darf, dürfte er dennoch eine geringe
Menge Senfgas produzieren, die für Tests mit Anzügen notwendig ist, welche seine Truppen gegen Angriffe mit chemischen Waffen schützen sollen."

Die Gesamtmenge hochtoxischer, tödlich wirkender Chemikalien und der
dafür erforderlichen Stoffe, die ein Vertragspartner zu Schutzzwecken
produzieren dürfte, wäre dem US-Vorschlag zufolge auf eine Tonne pro Jahr
begrenzt.

Für die Produktion dürfte nur, wie Fields hervorhob, eine ein-

zige Anlage mit begrenzter Leistungskapazität benutzt werden, die als
Herstellungsort angegeben und bestimmten Verifizierungsmaßnahmen unterworfen würde.

Botschafter Fields erwähnte als weitere zulässige Anwendungen u.a.
"jeden militärischen Gebrauch, bei dem das chemische Verhalten eines toxischen Stoffes nicht den Tod oder Verletzungen herbeiführen soll."

Dies

würde beispielsweise der Armee erlauben, eine toxische chemische Verbindung als Raketentreibstoff zu verwenden.

Weitere Punkte wären, einem

Vertragspartner die Möglichkeit zu geben, einen anderen Partner bei der
- 2 -

�bei der Zerstörung chemischer Waffen zu helfen oder toxische Chemikalien
und Ausrüstungen für friedliche Anwendungszwecke zur Verbesserung der
wirtschaftlichen und technischen Entwicklung und Zusammenarbeit auf dem
Gebiet nicht-militärischer chemischer Aktivitäten auszutauschen.

"Der

Vorschlag der Vereinigten Staaten würde keine ungebührlich Einmischung in
notwendige, zulässige Aktivitäten bedeuten, aber dennoch wirksam gewährleisten, daß ein Mißbrauch solcher Aktivitäten für verbotene Anwendungszwecke verhindert wird", sagte der Botschafter.

- 3 -

�11. Juli 1984

28

CHRONOLOGIE DER EREIGNISSE IN AFGHANISTAN
- 2. Quartal 1984 -

1. April 1984
Nach Auskunft von Sprechern der afghanischen Widerstandsgruppen, die
ihre Hauptquartiere in Peshawar in Pakistan haben, verstärkten die sowjetischen Besatzungstruppen und die Streitkräfte des Kabuler Regimes ihre
umfassenden Bombardements gegen Dörfer sowie gegen Nachschublinien der
Mujahedin. Die Angriffe dienten offenkundig der Vorbereitung der feindlichen Frühjahrsoffensive.

3. April

Der Beigeordnete UN-Generalsekretär und persönliche Afghanistan-Beauftragte des Generalsekretärs, Diego Cordovez, traf in Teheran ein, wo
er Konsultationen über die Möglichkeit einer dritten Runde der indirekten
Gespräche in Genf über eine politische Regelung für Afghanistan führen
wollte. Cordovez beabsichtigte, zu weiteren Konsultationen nach Kabul und
Islamabad weiterzureisen. Gemäß einer Resolution der UN-Vollversammlung

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�der UN-Vollversammlung von 1980 hatte Cordovez bereits in den Jahren 1982
und 1983 zwei Konsultationsrunden in den südasiatischen Hauptstädten geführt und an zwei Runden der indirekten Gespräche in Genf teilgenommen,
die zwischen Vertretern Pakistans und des Kabuler Regimes stattfanden.
(Der Iran nahm an den Genfer Gesprächen nicht teil, wurde aber auf dem
Laufenden gehalten.) Ungeachtet der Berichte über Fortschritte bei der
schriftlichen Formulierung einer politischen Regelung geht man davon aus,
daß das Kernproblem nach wie vor darin besteht, daß die Sowjetunion nicht
bereit ist, einem Zeitplan für den Abzug ihrer Streitkräfte aus Afghanistan zuzustimmen.

5. April
Im Zusammenhang eines Berichtes über eine Ansprache von Babrak Karmal, dem Chef des Kabuler Regimes, gab Bakhtar, die Presseagentur des Regimes, zu verstehen, daß Moskaus und Kabuls Haltung in der Frage einer
Verhandlungslösung für Afghanistan unverändert ist. Karmal sagte, Pakistan und Iran müßten sich zu direkten Gesprächen mit seinem Regime bereiterklären, sich verpflichten, von "weiterer" Einmischung in die Angelegenheiten seines Landes und von jeglicher Aggression gegen dasselbe
Abstand zu nehmen, und internationale Garantien hierüber akzeptieren.
"Danach wäre die Entscheidung über die Heimkehr des begrenzten Kontingents der sowjetischen Truppen aus der Demokratischen Republik Afghanistan ausschließlich eine Angelegenheit zwischen Afghanistan und der Sowjetunion," fügte Karmal hinzu.

9. April

Das Internationale Komitee des Roten Kreuzes in Genf berichtete, daß
die Zahl von Verwundeten, die aus Afghanistan ins Nachbarland Pakistan
verbracht worden seien, seit Ende 1983 beständig gestiegen sei. Im Januar
und Februar waren 2156 Afghanen in den Rotkreuzhospitälern in Peshawar
und Quetta ambulant behandelt worden; 717 hatten sich größeren Operationen unterziehen müssen.
11.

- 2 -

April

�11. April

Das Kabuler Regime gab bekannt, daß es die Ausweisung von Richard S.
Vandiver, dritter Sekretär an der Botschaft der Vereinigten Staaten, wegen "Spionage, Sammeins von Feindinformationen" und anderen Aktivitäten
veranlaßt habe. Das Außenministerium in Washington wies die Vorwürfe als
"unbegründet" zurück und vermerkte, daß sie "keinerlei Substanz enthalten." Im Jahre 1983 waren drei amerikanische Diplomaten aufgrund ähnlicher Anschuldigungen ausgewiesen worden.

15. April
Nach Abschluß der Konsultationen, die er am 3. April aufgenommen
hatte, informierte der Beigeordnete UN-Generalsekretär

Diego Cordovez

iranische Regierungsvertreter in Teheran über die Gespräche, die er in
Islamabad und Kabul über die Möglichkeit einer dritten Runde der Gespräche in Genf über eine umfassende Regelung für Afghanistan geführt hatte.
Cordovez hatte jede der beiden Hauptstädte dreimal besucht. Er sagte, daß
er dem Generalsekretär in New York Bericht erstatten werde, (vgl. den
Eintrag unter dem 12. Juni unten)

21. April

Die Sowjetunion eröffnete ihre siebente und bislang größte Offensive
zur Eroberung des strategische wichtigen Panjsher-Tals nördlich von Kabul
mit Flächenbombardements auf der gesamten Länge des 110 Kilometer langen
Tals. Nach späteren Berichten folgte den Bombenangriffen, die z.T. direkt
von sowjetischem Boden aus geflogen wurden, der Vormarsch einer Streitmacht von 15 - 20 000 Mann mit einigen Hundert Kampfpanzern und anderen
gepanzerten Fahrzeugen. Die Offensive im Panjsher-Tal ebenso wie auch andere im Gebiet von Herat im Nordwesten, bei Jalalabad im Osten und im
Norden im Grenzgebiet zur Sowjetunion sind als Teil des fortgesetzten Bemühens zu betrachten, der afghanischen Widerstandsbewegung

im fünften

Jahr der sowjetischen Besetzung des Landes eine entscheidende Niederlage
beizubringen.
24. April

- 3 -

�24. April

Radio Kabul meldete einen Sieg im Panjsher-Tal und behauptete, daß
"die völlige Sicherheit im Panjsher-Tal wiederhergestellt und die letzten
Überbleibsel der Streitmacht von Ahmad Shah Massoud gefangengenommen worden" seien. Massoud, der mehrere Tausend Mujahedin in dem Tal befehligte,
hatte sich im März 1983 zu einer sechsmonatigen, von sowjetischen Regierungsbeamten vorgeschlagenen Waffenruhe bereit erklärt, die inoffiziell
bis in die Zeit kurz vor der jüngsten Offensive verlängert worden war.

26. - 30. April

Aus Zeitungsberichten, in denen Sprecher der Mujahedin in Peshawar
und Islamabad zitiert wurden, wie auch aus Informationen aus westlichen
diplomatischen und nachrichtendienstlichen Quellen ließ sich entnehmen,
daß die Kämpfe im Panjsher-Tal im Gegensatz zu den Behauptungen des Kabuler Regimes keineswegs abgeschlossen waren. In den Berichten hieß es, daß
die sowjetischen Angreifer die untere, südwestliche Hälfte des Tals besetzt hätten und daß das Tal von den Bewohnern der in ihm gelegenen Dörfer vor dem Angriff weitgehend geräumt worden sei. Massouds Männer hatten
den Eindringlingen keinen direkten Widerstand geleistet, sondern sich in
Stützpunkte und Höhlen hoch in den Panjsher-Bergen und in den Seitentälern des Hindukush zurückgezogen. Nach Meinung von Fachleuten bestand die
Strategie Massouds, wie schon bei früheren Angriffen, darin, abzuwarten,
bis die Eindringlinge entlang des Panjsher-Tals isolierte Stützpunkte
einrichteten, und diese dann einzeln anzugreifen.

1. Mai
Aus westlichen diplomatischen Quellen in Neu Delhi verlautete, daß
Massoud, der Befehlshaber im Panjsher-Tal, am 18. oder 19. April, also
zwei oder drei Tage vor Beginn der sowjetischen Offensive, aus dem Tal
entkommen sei. Inzwischen stand fest, daß es sich bei dieser Offensive um
die größte handelte, die seit mehr als vier Jahren stattgefunden hatte.
Nach Informationen aus Kabul gab es in dem Tal kaum wirkliche Kämpfe.
Sowjetische Truppen, die nach Norden das Tal hinauf vorrüc'

- 4 -

n, zerstör-

�vorrückten, zerstörten, wie berichtet wurde, systematisch Dörfer, Viehbestände und Ernten.

14. Mai
Die Außenminister der Europäischen Gemeinschaft, die im Rahmen der
Europäischen Politischen Zusammenarbeit tagten, verabschiedeten ein Kommunique, in dem sie erneut an die Sowjetunion appellierten, den Generalsekretär der Vereinten Nationen "bei seinen Bemühungen zu unterstützen,"
die Resolutionen der UN-Vollversammlung über eine Afghanistan-Regelung
durchzusetzen. Die Minister nahmen Kenntnis von den jüngsten sowjetischen
"Großoffensiven in mehreren Provinzen" und "besonders von den Flächenbombardements, die nur zu vermehrtem Leid und noch größeren Zerstörungen
führen können."

15. Mai
Nach Verlautbarungen aus diplomatischen Quellen in Neu Delhi und Islamabad trat die sowjetische Offensive im Panjsher-Tal in den ersten Maitagen in eine neues Stadium. Angrenzende und Seitentäler waren einem intensiven Bombardement durch Jagdbomber und Kampfflugzeuge ausgesetzt. Wie
es hieß, hatten die Truppen der Sowjets und des Kabuler Regimes "erhebliche" Verluste erlitten, teilweise durch von den Mujahedin gelegte Minen.
Die sowjetischen Angriffe konzentrierten sich auf das Andarab-Tal, die
nördliche "Hintertür" zum Panjsher-Tal, und auf die südlichen Seitentäler, die sich zur Ebene von Bagram hin öffnen. Die Sowjets versuchten augenscheinlich, die Mujahedin im Panjsher-Tal einzuschließen. Mehrere Hundert Verwundete der kommunistischen Verbände waren in der vorhergegangenen Woche in die Krankenhäuser Kabuls verbracht worden; andere wurden Berichten zufolge zum Luftstützpunkt Bagram nördlich von Kabul und in die
Sowjetunion ausgeflogen.

22. Mai

Berichte aus Neu Delhi und Islamabad über die Offensive im PanjsherTal besagten, daß die sowjetischen Streitkräfte in dem Tal befestigte

- 5 -

�Tal befestigte Lager anlegten und daß sie das angrenzende Andarab-Tal
durchquert hätten. Es blieb unklar, wie tief die Sowjets in das Tal vorgestoßen waren und in welchem Umfang es zu Kämpfen gekommen war. Nach erheblichen Verlusten zogen sich die Sowjets am 10. oder 11. Mai aus dem
südlichen Hazara-Tal zurück; anschließend lag das Tal unter Bombenhagel
und schwerem Raketenbeschuß. Sprecher des afghanischen Widerstands in Peshawar behaupteten, eine Botschaft des Panjsher-Befehlshabers Massoud vom
17. Mai erhalten zu haben, in der er mitteilte, daß "wütende Kämpfe" entbrannt seien und in der er Munition, Verpflegung und Gasmasken anforderte.

23. Mai
JANE'S DEFENCE WEEKLY, London, berichtete, daß sowjetische Flugzeuge
die Mujahedin mit Bomben belegten, die mit "flüssigem Feuer" gefüllt seien, sowie mit Pressluftbomben, die bei der Explosion Schockwellen auslösen, die jeden im Umkreis einer Viertelmeile töten. In der Zeitschrift
hieß es weiter, die sowjetischen Streitkräfte setzten diese Waffen seit
dem Sommer letzten Jahres in Ost-Afghanistan im Rahmen eines großen Waffenerprobungsprogramms auf dem Schlachtfeld ein.
Nach Berichten aus Peshawar lief ein afghanischer Diplomat namens
Abdul Majid Mangal, der früher Charge d1Affaires an der Botschaft in
Moskau gewesen war, nach Pakistan über, wo er angab, daß er sich dem
Widerstand anschließen wolle. Als Beweggründe gab er Protest gegen die
Zerstörungen und den Völkermord an, die von sowjetischen Truppen in Afghanistan verübt würden.

27. Mai
In einer militärischen Analyse in der NEW YORK TIMES von Drew Middleton hieß es, daß die sowjetischen Streitkräfte nach Meinung von Nachrichtendienstexperten in Washington und anderen NATO-Hauptstädten sowie in
Pakistan mit ihrer Frühjahrsoffensive in Afghanistan einen "erheblichen,
aber keineswegs entscheidenden Erfolg" erzielt hätten, der sie aber "höhere Verluste gekostet habe, als erwartet." Nach einer von Middleton angeführten britischen Quelle lagen die sowjetischen Verla.ce im Panjsher-

- 6 -

�im Panjsher-Tal bei etwa 500 Mann; dazu kamen noch weitere 2 000 im übrigen Afghanistan.

12. Juni

Der Beigeordnete UN-Generalsekretär Diego Cordovez gab bekannt, daß
er Ende August in Genf eine weitere Verhandlungsrunde mit Vertretern Pakistans und des Kabuler Regimes über eine politische Regelung für Afghanistan führen werde. Die Gespräche werden erstmalig auf der Grundlage
"räumlicher Nähe" geführt werden, d.h., die Vertreter beider Seiten werden in angrenzenden Tagungssälen sitzen, während sie sich bei den früheren "indirekten" Gesprächen in verschiedenen Gebäuden aufhielten. Cordovez, der zwischen dem 3. und 15,. April Teheran, Islamabad und Kabul besucht hatte, sagte, die Verhandlungen befänden sich in einem "entscheidenden Stadium."
Wie Diplomaten in Islamabad und Neu Delhi sagten, kam es in der vorhergehenden Woche zu ausgedehnten sowjetischen Bombardements und Angriffen der Mujahedin. Das Kabuler Regime erklärte, daß in 14 der 29 Provinzen gekämpft werde. Im Süden wurden die Außenbezirke der zweitgrößten
Stadt Afghanistans, Kandahar, und nahegelegene Dörfer jeden Tag von sowjetischen Bombern angegriffen. Im Nordwesten konzentrierten sich die sowjetischen Operationen am Boden und in der Luft auf die drittgrößte Stadt,
Herat. In einem Bericht der iranischen Nachrichtenagentur IRNA vom 9. Juni hieß es, daß über 500 Dorfbewohner getötet oder verwundet worden seien, während Hunderte obdachlos geworden seien. Die Nachrichten aus dem
Panjsher-Tal blieben spärlich.

16. Juni

Professor Burhanuddin Rabbani, der Führer der Jamiat-i-Island (Islamische Gesellschaft Afghanistans), einer der großen Widerstandsorganisationen, sagte vor Journalisten in Peshawar, daß im Verlaufe der sowjetischen Operationen im Gebiet von Herat über 1 000 Zivilisten getötet und
1 500 Häuser zerstört worden seien. Radio Karatschi meldete, daß die
Kämpfe im Ostteil der Stadt weitergingen und daß die Muj. edin eine drei-

- 7 -

�eine dreitägige Belagerung durchbrochen und die sowjetischen Truppen sowie ihre afghanischen Verbündeten gezwungen hätten, sich aus dem Westteil
zurückzuziehen. Radio Kabul behauptete, daß eine Anzahl von "Konterrevolutionären" der Jamiat-i-Island und vier ihrer Führer "zermalmt" worden
seien.

19. Juni

Westlichen diplomatischen Quellen in Islamabad zufolge waren in die
Kämpfe um Herat sowjetische Truppen in Stärke bis zu 10 000 Mann mit 300
Kampfpanzern und anderen Panzerfahrzeugen verwickelt. Die Kämpfe begannen
um den 4. Juni, als die Stadt umstellt und die Ausfallstraßen gesperrt
wurden. Daraufhin begannen sowjetische Truppen, die von Regierungssoldaten und Geheimpolizei begleitet wurden, in einer zweiwöchigen Aktion Haus
für Haus nach Mujahedin und ihren Sympathisanten zu durchsuchen. Während
die Suchaktion noch lief, wurden Dörfer in einem weiten Umkreis westlich
und südlich der Stadt bombardiert.

21. Juni
Der Generalsekretär der Vereinten Nationen erhielt einen Brief des
ständigen Vertreters Pakistans, in dem der Vorwurf erhoben wurde, daß am
16. Juni zwei Flugzeuge mit afghanischen Hoheitskennzeichen den pakistanischen Luftraum nördlich von Landikotal in der Nähe des Khyber-Passes
verletzt hätten. Die Maschinen warfen mehrere Bomben ab, die sechs afghanische Flüchtlingskinder töteten und eine Frau verletzten. Es war die
28. Verletzung des pakistanischen Luftraums in diesem Jahr.

26. Juni

Wie Diplomaten in Neu Delhi und Islamabad berichteten, kehrte Massoud, der Befehlshaber des Panjsher-Tals, um den 12. Juni herum in das
Tal zurück und übernahm wieder die Leitung der Angriffe auf sowjetische
Stellungen und Patrouillen in dessen oberem Teil. Im Südteil des Tals
fuhren sowjetische Truppen und die Streitkräfte der Kahuler Regierung
damit fort, Militärlager, Schulen und Gesundheitsstationt * zu errichten.

- 8 -

�zu errichten. Nach den neuesten Schätzungen, die diplomatischen Quellen
vorliegen, blieb in Kandahar im Süden nur ein Viertel bis ein Drittel der
Vorkriegsbevölkerung von 134 000 Menschen zurück; die Hälfte der Gebäude
wurde zerstört. Tausende und Abertausende flohen vor den nahezu unausgesetzten Bombardements und Kämpfen in Flüchtlingslager in Pakistan. Obwohl
die Stärke der Mujahedin im Gebiet von Kandahar ungebrochen blieb, wird
die Stadt, die es schafft, unter nahezu anarchischen UnStänden zu überleben, weder von ihnen noch von den kommunistischen Verbänden beherrscht.

- 9 -

�28

11. Juli 1984

ZIEL:

ZERSCHLAGUNG DER HANDLERRINGE

Sonderprogramm amerikanischer Bundesbehörden gegen organisiertes
Verbrechen und Rauschgiftschmuggel -

- (AD) - Erfassung und Zerschlagung der Rauschgifthändlerringe in den
Vereinigten Staaten ist das Ziel eines von der amerikanischen Bundesregierung im Frühjahr 1983 aufgenommenen Sonderprogramms.

Drogenfahnder

und Spezialisten einer ganzen Anzahl von Bundesbehörden sind darin in Arbeitsgruppen vereint, denen die Ressourcen und Techniken sowohl des Bundesamtes für Drogenüberwachung

(DEA), des Bundeskriminalamtes

(FBI) als

auch der Finanz- und Zollbehörden sowie der einzelstaatlichen und lokalen
Polizei und einiger weiterer Bundesstellen zur Verfügung stehen.

Die

Bosse der Händlerringe sollen gefaßt, vor Gericht gestellt und abgeurteilt werden.
von

Das Ergebnis des ersten Jahres ist ermutigend:

Hunderte

Drahtziehern des Rauschgifthandels sitzen inzwischen hinter Gittern,

große Mengen von Rauschgift, Verkaufsgewinne in Höhe vieler Millionen
Dollar und von Händlern erworbene Sachwerte, dazu für den Rauschgifttransport benutzte Fahrzeuge, Boote und Flugzeuge wurden beschlagnahmt.
Wie

ein

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Wie ein hoher Beamter des BundesJustizministeriums erklärte, konzentrieren sich die Mitarbeiter des landesweit gezogenen Fahndungsnetzes auf
die Großverteiler, weniger auf Handler der "unteren Ebene".

Die Schaf-

fung der Arbeitsgruppen bilden den Kern des im Oktober 1982 von Präsident
Reagan agekündigten Acht-Punkte-Programms, mit dem Drogenhandel und organisiertes Verbrechen in den Vereinigten Staaten unter Einsatz aller Kräfte bekämpft werden sollen.

Modell für das jetzige Vorgehen auf dem Ge-

biet der Drogenkriminalität waren die erfolgreichen Maßnahmen, die zuvor
schon Sondereinheiten des Justizministeriums gegen das organisierte Verbrechen und Arbeitsgruppen aus Angehörigen verschiedener Behörden zur
Ausschaltung der Drogenschleuse Südflorida praktiziert hatten.

Das Landesweite Programm umfaßt 13 regionale Arbeitsgruppen, einschließlich des für Südflorida zuständige Teams.

Ca. 1200 Staatsanwälte

und Fahnder der beteiligten Bundesbehörden sind hauptamtlich dafür tätig.
Jede regionale Arbeitsgruppe entscheidet selbständig über das in ihrem
Gebiet geplante Vorgehen.

Diese Dezentralisierung macht es möglich, sich

auf Besonderheiten des organisierten Verbrechens und des Drogenhandels in
der betreffenden Region einzustellen und entsprechend zu handeln.

Sowohl

amtsbekannte Syndikate wie "La Casa Nostra", spezialisierte Drogenhändlerorganisationen und Motorrad- und Gefängnisbanden als auch mit Verbrechern aus der Drogenszene zusammenarbeitende Anwälte, Finanziers und Ärzte werden unter die Luge genommen.

Bis Mitte Juni 1984 waren im Rahmen

des neuen Programms 620 Fälle aufgenommen worden.

2624 Personen wurden

unter Anklage gestellt, 701 von ihnen inzwischen verurteilt.

Allein aus

den Syndikaten wurden 421 Personen gefaßt und vor Gericht gestellt (zum
Vergleich:

In dem nach Erlaß des verschärften Gesetzes von 1970 abgelau-

fenen Jahrzehnts waren es lediglich 85).

Die Paragraphen zur Bekämpfung

von "fortdauerndem organisiertem Verbrechen" ("continuing criminal enterprise - GCE") werden in besonders schwerwiegenden Fällen, u.a. schwerer
Drogenkriminalität, angewandt und können Verurteilungen zu langjähriger
bis lebenslanger Haft ohne Bewährung zur Folge haben.

Wie Dr. Lowell Jansen vom amerikanischen Justizministerium erklärte,

�Justizministerium erklärte, sind durch das neue Arbeitsgruppen-System,
das auf langfristige Tätigkeit ausgerichtet ist, auch mehr Fahndungserfolge im Zusammenhang mit den internationalen Verbindungen der Händlerringe zu erwarten.

Solche Verbindungen wurden bei etwa 40 Prozent der im

Jahr 1983 vor Gericht gebrachten Fälle offenbar.

Unter Hinweis darauf,

daß die Bekämpfung des Drogenmißbrauchs "eine Art von Montage" aus vielen
verschiedenen Einzelelementen sei, ist laut Jensen mit Fahndung allein
das Problem nicht zu lösen. "Wir müssen auch etwas in bezug auf die Nachfrage nach Rauschgift unternehmen", sagt er.

"Der Konsum ist ja auch ein

internationales Problem. Viele Länder, die bisher Rauschgifthandel als
amerikanisches Problem betrachteten, erkennen jetzt, daß es sich um ein
internationales Problem handelt.
zunehmend selbst betroffen.

Die Herkunfts- und Transitländer sind

Je stärker sich die Sucht weltweit ausbrei-

tet und Drogenmißbrauch zum internationalen Problem wird, desto mehr müssen wir international unternehmen, um sowohl die Nachfrage als auch das
Angebot an Rauschgiften zu reduzieren."

- 3 -

�11. Juli 1984

28

STUDIE ZU KQMBINATIONSTHERAPIE BEI PSORIASIS

- (AD) - Auf die Kombination von Medikamenten mit Laserstrahlung ist
eine Studie ausgerichtet, die jetzt von Wissenschaftlern der Universität
Kalifornien in Irvine (UCI) zur Entwicklung einer wirksamen Therapie für
Psoriasis-Kranke in Angriff genommen wurde.

Bei Psoriasis

(Schuppen-

flechte) handelt es sich um eine der häufigsten Hautkrankheiten.

Ca. ein

bis zwei Prozent der Bevölkerung sind davon befallen, über die Ursachen
ist so gut wie nichts bekannt. Sie hat viele Erscheinungsformen mit z. T.
schweren Krankheitsbildern und tritt u.a. auch in Verbindung mit rheumatoiden Gelenkveränderungen auf.

Psoriasis entwickelt sich meist zu einem

chronischen Leiden, dessen Behandlung erhebliche Schwierigkeiten bereitet.
Die Studie, für die das New Yorker Pharmazie-Unternehmen Photofrin
Medical Inc. 680 000 Dollar zur Verfügung stellte, wollen Assistenzprofessor Dr. Jerry L. McCullough, Dr. Gerald Weinstein, der Leiter des Departments für Dermatologie, und Dr. Michael Berns, Professor für Chirur-

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�für Chirurgie und Direktor des Laser-Mikrostrahlprogramms der Universität
von Irvine, in ca. zwei Jahren abschließen.

Sie konzentriert sich zu-

nächst auf Tierversuche und Zellkulturexperimente.

Die Forscher erhoffen

sich davon wichtige Informationen, um klinische Versuche zur sogenannten
fotochemischen Therapie für Psoriasis in Angriff nehmen zu können.

Eine Kombinationstherapie mit dem Medikament Psoralen und ultraviolettem Licht ist zwar vor einiger Zeit eingeführt worden, jedoch besteht
der Verdacht, daß bei Langzeit-Anwendung Hautkrebs entstehen könnte.

Die

UCI-Porscher hoffen, das Medikament Photofrin in Verbindung mit anderen
Formen von Licht so einsetzen zu können, daß die Gefahr von Nebenwirkungen verringert wird.

Laserlicht bestimmter Wellenlängen und Photofrin

werden bereits von Prof. Berns und Dr. Alan Wile am UCI-Klinikum in Orange

(Kalifornien) zur Krebsbehandlung eingesetzt.

Für die Entwicklung

besserer Therapiemethoden für Psoriasis soll nun Photofrin zusammen mit
der Strahlung von Laserapparaten und anderen Lichtquellen erprobt werden.

- 2 -

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                <text>&lt;strong&gt;1. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Vereinigte Staaten akzeptieren Gesprächsvorschlag über Weltraumaffen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Äußerungen von Außenminister Shultz -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;James Goodby sieht Grund für vorsichtigen Optimismus&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärung von Botschafter Goodby vor KVAE-Vollversammlung -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;30 Jahre amerikanische Nahrungsmittelhilfe&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Chemikalien für Industrie- und Wirtschaftszwecke&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Anwendung toxischer Stoffe soll nicht völlig verboten werden -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Chronologie der Ereignisse in Afghanistan&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- 2. Quartal 1984 -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ziel: Zerschlagung der Händlerringe&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Sonderprogramm amerikanischer Bundesbehörden gegen organisiertes Verbrechen und Rauschgiftschmuggel -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Studie zu Kombinationstherapie bei Psoriasis</text>
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