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1 1 . Januar 1988

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I N H A L T

INFORMATION
Sulllvan wird erster schwarzer Minister Im Kabinett Bush
- Porträt des neuen Gesundheitsministers -

DOKUMENTATION
Shultz drängt auf Beendigung des Einsatzes chemischer Waffen
- Rede vor der Pariser Konferenz Reagan legt Haushaltsentwurf für 1989/90 vor
- Zielsetzung bleibt Abbau des Defizits -

HINTERGRÜNDMATERIAL
Amerikanische Wissenschaftler führen Sicherheit von Hormonen an
- Artikel über bei der Tiermast eingesetzte Wachstumshormone -

Die Kontroverse über den Einsatz von Hormonen bei der Tiermast
- Der Hintergrund

* * * * *

United States Information Service
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Tel.: 0228-339 2035
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�AMERIKA DIENST
Information

11. Januar 1989

Sulllvan wird erster schwarzer Minister im Kabinett Bush
- Porträt des neuen Gesundheitsministers -

(AD). - Dr. Louis Sullivan, Präsident der "Morehouse School of Medicine" in Atlanta (Georgia), wurde von
George Bush als künftiger Minister
für das Gesundheitsund Sozialwesen
nominiert.
Der 55jährige wird der
erste Schwarze im Kabinett des nächsten
Präsidenten
der
Vereinigten
Stiiten
sein.
Beide kennen und
schätzen sich seit vielen Jahren, wie
Vizepräsident Bush kürzlich vor Journalisten erklärte. Wissenschaftliche
Fachgebiete Sullivans sind die Erforschung der Sichelzellen-Anämie sowie
verschiedener
Anämieformen
infolge
ernährungsbedingten Mangels an Vitamin B 12 oder gestörter Resorption
des Vitamins bzw. erhöhten Bedarfs an
Vitamin B 12.
George Bush möchte Sullivan vor

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allem deshalb an der Spitze des Gesundheitsund
Sozialministeriums
sehen, weil er weitreichende Erfahrungen sowohl als Mediziner als auch
im Gesundheitswesen und im akademischen Bereich besitzt. Gemeinsam mit
ihm beabsichtigt er die Realisierung
vom Kongreß verabschiedeter Sozialreformen, die "dazu bestimmt sind, benachteiligten Bürgern die notwendigen
Hilfsmittel an die Hand zu geben, um
unabhängig von Fremdhilfe zu werden".
Auch werde man eng zusammenarbeiten,
"um zu versuchen, der schrecklichen
AIDS-Tragödie Herr zu werden".
Sullivan selbst bezeichnete es
als eines seiner wichtigsten Ziele,
allen Amerikanern gute Gesundheitsfürsorge zugänglich zu machen "und
insbesondere Wege zu finden, diese

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Telex: 8-85432

�Fürsorge für die Angehörigen von Minderheiten und für unsere benachteiligten Bürger zu verbessern". Vorrangig will er, die explodierenden
Kosten auf dem Sektor Medizin unter
Kontrolle bringen, den speziellen Bedürfnissen von Kindern und alten Menschen gerecht werden, sich mit dem
Problem des Drogenmißbrauchs auseinandersetzen und Anstrengungen in der
biomedizinischen Forschung verstärken,
die
Heilungsaussichten
bei
Krebs, Herzerkrankungen und AIDS erhöhen.
In letzter Zeit war Sullivan von
Abtreibungsgegnern angegriffen worden, weil in einem Zeitungsartikel
behauptet worden war, er habe sich
für das Recht der Schwangeren auf Abbruch ihrer Schwangerschaft ausgesprochen. Dagegen erklärte Dr. Sullivan am 22. Dezember, er lehne Abtreibung ab, sofern die Schwangerschaft nicht Folge von Vergewaltigung
oder Inzest ist oder für das Leben
der Schwangeren gefürchtet werden
muß. "Mit Ausnahme des letztgenannten Falles bin ich auch dagegen, eine
Abtreibung auf Staatskosten vornehmen
zu lassen", sagte Sullivan.
Sein
Standpunkt sei in dieser Frage identisch mit dem des künftigen Präsidenten Bush, "mit dem ich voll übereinstimme". Im Verlauf der Wahlkampagne
war das Thema "Abtreibung" zu einer
stark emotionalisierten Streitfrage
geworden.
Während Bush das "Recht
auf Leben" betonte, bestand der demokratische Kandidat Michael Dukakis
darauf, daß die Entscheidung über die
Durchführung
einer Abtreibung der
Schwangeren überlassen werden müsse.
Der Forschertätigkeit Sullivans
sind zahlreiche Studien zu verdanken,
u.a. über den täglichen Mindestbedarf
an Vitamin B 12, und Folsäure sowie
die Auswirkungen von Alkoholkonsum
und anderer Faktoren auf die Bildung
roter Blutkörperchen. Für den letztgenannten Vorgang ist das in der Leber gespeicherte Vitamin B 12, das
auch hilft, Energie aus der Nahrung
freizusetzen, von großer Bedeutung.

Die Sichelzellenanämie, um deren
Erforschung sich Sullivan große Verdienste erwarb, beruht auf einem angeborenen Defekt der Erythrozyten
(rote Blutkörperchen). Sie enthalten
ein durch Mutation verändertes Hämoglobin-Molekül.
Die Erkrankung ist
im Verbreitungsgebiet
der Malaria
Tropica, vor allem in Schwarzafrika
besonders häufig. In den USA ist etwa jeder vierhundertste in Amerika
geborene Schwarze davon betroffen.
Auch bei Personen spanisch-mexikanischer Herkunft oder solchen aus Mittelost- und Mittelmeerländern sind
häufiger Fälle von Sichelzellenanämie
zu verzeichnen, während sich die
Krankheit unter Personen mitteleuropäischer Herkunft äußerst selten findet.
Die normalerweise runden Erythrozyten erhalten durch Auskristallisieren des pathologischen Hämoglobins
eine sichelähnliche Form.
Dadurch
wird das Blut dickflüssiger, Gefäße
und wichtige Organe wie die Milz können blockiert werden. Es kommt verbreitet zu kleineren Infarkten, die
Nieren- und
Lungenfunktion
beeinträchtigen und zu neurologischen Ausfällen führen können.
Gefürchtet
sind die Schmerzzustände an Knochen,
Gelenken und Wirbelsäule bei Infektionen, aber auch schon nach körperlicher Anstrengung.
In einem im vergangenen Jahr im
"New England Journal of Medicine"
veröffentlichten
Artikel
erörterte
Sullivan die Ergebnisse einer Studie,
die zeigte, daß bei Trägern der Anlage für die Erkrankung während oder
nach starken körperlichen Anstrengungen das Risiko eines plötzlichen Todes erhöht ist. Diese Personen, die
als "heterozygote Träger" bezeichnet
werden, sind meist symptomfrei. Ihr
Blut enthält sowohl normales Hämoglobin als auch die pathologischen Moleküle. Sind jedoch beide Eltern Sichelzellen-Träger, ohne selbst krank
zu sein, ist für das Kind Sichelzellenanämie vorprogrammiert.

�Die Studie basierte auf fünfjährigen Untersuchungen an Rekruten während der Grundausbildung. Das Todesrisiko war für schwarze Rekruten, die
Träger sind, 28 Mal größer als für
schwarze Nicht-Träger der Anlage, und
40 Mal größer als für alle anderen
Rekruten. Die Forschungen erbrachten
keine Beweise für die Ursache des
plötzlichen Todes von Anlageträgern
im Zusammenhang mit körperlicher Anstrengung. Sullivan entwickelte dazu
die Hypothese, daß die Existenz eines
anomalen
Hämoglobin-Moleküls
die
Blutzellen veranlaßt, die sichelähnliche Form anzunehmen, wenn für längere Zeit die Sauerstoffversorgung
vermindert ist, wie es beim harten
Training während der militärischen
Grundausbildung der Fall sein kann.
Gleichzeitig
verwies
der Wissenschaftler darauf, daß normale Alltagsaktivitäten diese Gefahr für Anlageträger
ausschlössen.
Deshalb
seien Vorbehalte seitens der Versicherungsgesellschaften oder von Arbeitgebern
gegenüber
Anlageträgern
nicht gerechtfertigt.

Louis Sullivan wurde am 3. November 1933 in Atlanta (Georgia) geboren
und studierte an der Universität Boston Medizin. Nach der Promotion im
Jahr 1958 spezialisierte er sich auf
Pathologie und arbeitet einige Jahre
am Massachusetts General Hospital.
Von 1970 bis 1977 war er als außerordentlicher Professor für Medizin und
Physiologie an der Universität Boston
tätig, bis ihn der Ruf an die "Morehouse School of Medicine" in Atlanta
erreichte. An dieser vor allem von
Schwarzen besuchten Hochschule hatte
er von 1977 bis 1985 die Ämter des
Dekans und Direktors inne und bekleidete seit drei Jahren das Amt des
Präsidenten.
Sullivan ist Inhaber
zahlreicher akademischer und anderer
Auszeichnungen, mit denen er sowohl
für wissenschaftliche Leistungen als
auch für seine Beiträge zur Ausbildung von Angehörigen von Minderheiten
in der Medizin geehrt wurde.

- 3 -

* * * * *

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AMERIKA DIENST
Dokumentation

'VON**

11. Januar 1989
SHULTZ DRÄNGT AUF BEENDIGUNG DES EINSATZES CHEMISCHER WAFFEN
- Rede vor der Pariser Konferenz -

PARIS - (AD) - Der amerikanische Außenminister George P. Shultz hat am 7.
Januar vor der Konferenz über chemische Waffen in Paris an die politisch Verantwortlichen in über 140 Ländern appelliert, dem Einsatz chemischer Waffen
abzuschwören und sie nicht in die Hände von Terroristen gelangen zu lassen.
Er forderte die Staatengemeinschaft auf, sich zusammenzuschließen und die Ziele und Grundsätze des Genfer Protokolls aus dem Jahre 1925 zu bekräftigen.
Nachfolgend
Wortlaut.

veröffentlichen wir die Ansprache des US-Außenministers im

Zu Beginn unserer Gespräche über
diese große Herausforderung, der sich
die Weltsicherheit durch die chemischen Waffen ausgesetzt sieht, habe
ich die Ehre, Ihnen eine Botschaft
des Präsidenten der Vereinigten Staaten, Ronald Reagan, zu übermitteln.
Sie lautet folgendermaßen:
"Verehrte Delegierte: Vor weniger als drei Monaten habe ich die
Parteien des Genfer Protokolls
und andere betroffene Staaten
aufgefordert, eine Konferenz zu
dem Zweck einzuberufen, die Einhaltung
internationaler
Normen
gegen den illegalen Einsatz chemischer Waffen zu erneuern. Heute haben sich dank der Initiative
des
französischen
Präsidenten
Mitterrand und der französischen

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Regierung Vertreter von über 145
Staaten in Paris versammelt, um
ihr Engagement für das Ziel der
Beendigung der Weiterverbreitung
dieser gefürchteten Waffen und
für die Verhinderung ihres Einsatzes zu bekräftigen.
Mit Ihrer Teilnahme wird die allen Ländern gemeinsame tiefe Besorgnis und Unruhe über die gefährliche Verbreitung
und den
wiederauflebenden Einsatz einer
der von der Menschheit am meisten
gefürchteten und fürchterlichsten
Formen der Kriegführung unterstrichen. Sie zeigt ferner, daß
Sie den Wunsch teilen, die notwendigen Schritte zu unternehmen,
um zu verhindern, daß solche Waffen erneut eingesetzt werden.

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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Das Genfer Protokoll von 1925
bleibt ein ungemein wertvoller
und notwendiger Vertrag, aber
seine Ziele können nur erreicht
werden, wenn die Staaten sich daran halten. Eine erneute Bekräftigung der Ziele des Genfer Protokolls ist nicht nur eine Frage
des Rechts, sondern ein bedeutender Schritt zu einer sichereren
Zukunft der Menschheit. Es ist
meine Hoffnung, daß die Teilnehmer der Pariser Konferenz diesen
wichtigen Schritt tun werden.
Regierung und Volk der Vereinigten Staaten übermitteln ihre Gebete und besten Wünsche für das
Gelingen dieses lebenswichtigen
Unternehmens, das von Ihnen in
Angriff genommen wird."
In d er Tat hat uns ein Grauen
heute hier zusammengeführt, das wie
ein Damoklesschwert seit nahezu einem
Jahrhundert
über
der
Menschheit
schwebt - die Bedrohung durch und der
Einsatz von chemischen und biologischen Waffen.
Die Geschichte verzeichnet, daß
am Vorabend dieses geplagten Jahrhunderts - eines Jahrhunderts, das von
einer Reihe vom Menschen geschaffenen
Schrecken erfüllt sein sollte -, die
Teilnehmer an der ersten Haager Friedenskonferenz im Jahr 1899 sich bereiterklärten, chemische Waffen zu
verurteilen.
Aber die Warnungen der Haager Erklärung gegen den Einsatz von Giftgas
wurden nicht beherzigt. Im Jahr 1915
wurden auf den Schlachtfeldern von
Flandern nahe Ypern - nur 200 Kilometer von unserem Tagungsort entfernt chemische Waffen zum ersten Mal in
großem Umfang im Krieg eingesetzt.
Im Ersten Weltkrieg wurden über eine
Million Menschen, Soldaten wie Zivilisten, von chemischen Waffen getötet
oder verletzt - ein grauenvolles Vorzeichen für die Hunderttausenden, die
von dieser Geißel noch zu Tode gebracht werden sollten.

Das Schicksal der Überlebenden
war kaum besser als das derjenigen,
die sofort getötet wurden. Ein Augenzeuge beschrieb sie später folgendermaßen:
"Gesichter, Arme, Hände waren von
glänzend
grau-schwarzer
Farbe.
Mit offenen Mündern und glasigen
Augen taumelten sie vor und zurück und versuchten, zu Atem zu
kommen während sie um ihr Leben
kämpften."
Im Ersten Weltkrieg senkten sich
die todbringenden chemischen Wolken
über die Fronten im Westen wie im
Osten. Sie kannten keine Grenzen und
vereinten in ihrem Schrecken und gemeinsamen Leid viele der am heutigen
Tage hier vertretenen Nationen. Diese Art der Vernichtung brachte keinen
militärischen Vorteil.
Sie machte
das Patt dieses Konflikts schlicht
noch verheerender - so furchtbar, daß
die Staatengemeinschaft sich schließlich zum Handeln gezwungen sah.
Die Maßnahmen erfolgten rasch und
gipfelten im Genfer Protokoll des
Jahres 1925 ihren Höhepunkt, mit dem
die führenden Staaten der Welt - unter ihnen die Regierung der Vereinigten Staaten - eine Übereinkunft schufen, die den Einsatz chemischer und
biologischer Waffen im Krieg verbot.
Die Arbeit der Konferenz blieb
über sechs Jahrzehnte hinweg gültig.
Allerdings wurden die in Genf aufgestellten rechtlichen und moralischen
Schranken auf tragische Weise in den
dreißiger und vierziger Jahren gebrochen. Deshalb hatte Franklin Roosevelt Recht, als er sagte, es sei "die
Menschheit
allgemein
davon
überzeugt" , daß chemische Waffen verboten
werden sollten.
Haben wir die Lehren der Geschichte
vergessen?
Dies ist weiterhin eine begründete Ansicht. In den letzten Jahren
sind die internationalen Normen gegen

�chemische Waffen in der Praxis allmählich ausgehöhlt worden - zuerst im
Nahen Osten und unlängst in regionalen Konflikten von Südostasien bis zu
Afghanistan und dem Persischen Golf
Und selbst, wenn der Frieden in
diese konfliktgeschüttelten Gebieten
Einzug halten sollte - und wir hoffen
und beten für den Tag, an dem dies
geschieht -, wird diese Hinterlassenschaft des Einsatzes chemischer Waffen für sie noch auf Jahre hinaus
eine wirkliche Belastung sein. Der
Bericht der Weltgesundheitsorganisation von 1970 kam zu dem Schluß:
"Chemische und biologische Waffen
bilden eine ernste Bedrohung für die
Zivilbevölkerung.
Der
umfassende
Einsatz chemischer und biologischer
Waffen könnte dauerhafte Veränderungen unvorhersehbarer Art in der Umwelt zur Folge haben."
Die Konsequenzen des Einsatzes
chemischer Waffen in der Vergangenheit belasten Europa heute immer
noch. Nicht detonierte chemische Munition aus dem Ersten Weltkrieg setzt
weiterhin in den Gewässern, in denen
sie versenkt wurden, ihren alternden
- aber immer noch tödlichen - Inhalt
frei.
Nordseefischer und Schwimmer
in Küstengewässern tragen immer noch
Senfgasverbrennungen von versenkter
und korrodierender Munition davon.
Auch in den Gewässern des Schatt
al Arab wird nicht detonierte chemische Munition auf Jahrzehnte hinaus
Menschenleben und Umwelt bedrohen.
Wir können keinen Aufschub mehr
zulassen.
Die Zeit arbeitet gegen
uns.
Die Technologie bleibt nicht
stehen. Noch tödlichere und heimtükkischere chemische Waffen befinden
sich in der Entwicklung - Waffen, mit
denen Verteidigungssysteme überwunden
werden und die verheerende Auswirkungen haben. Die Fähigkeit zur Herstellung solcher Waffen verbreitet
sich rasch - und mit ihr die Technologie der Herstellung ballistischer
Raketen als Trägersysteme.

Zusätzlich sehen wir uns mit dem
noch groteskeren Schreckgespenst der
Verbreitung biologischer Waffen konfrontiert. In Verletzung der Konvention über biologische und toxische
Waffen von 1972 werden von Staaten
noch
tödlichere
und
resistentere
Krankheitserreger entwickelt, produziert und gelagert.
Es ist keine
Übertreibung, zu sagen, daß die bloße
Existenz
dieser Waffen eine der
ernsthaftesten Bedrohungen für das
überleben der Menschheit darstellt.
Mutet es nicht wie grausame Ironie an, daß diese neuen und todbringenden Bedrohungen uns gerade zu der
Zeit zunehmend in Schrecken versetzen, da wir begonnen haben, Fortschritte bei der Kontrolle und Reduzierung von Kernwaffen zu erzielen?
Ein Alptraum für jedermann wäre folgerichtig die Kombination ballistischer Raketen, chemischer Gefechtsköpfe und biologischer Waffen in der
Hand von Regierungen, die sich in der
Vergangenheit terroristischer Gewalttaten schuldig gemacht haben.
Der Zugang von Terroristen zu
chemischen und biologischen Wirkstoffen ist eine weitere Bedrohung für
die
internationale
Staatengemeinschaft.
Es gibt keinerlei unüberwindliche technische Hindernisse, die
terroristische Gruppen vom Einsatz
chemischer Waffen abhalten könnten.
Die Bedrohung ist real. Einige Regierungen, die als Förderer des Terrorismus bekannt sind, besitzen heute
beträchtliche Fähigkeiten bei chemischen Waffen.
Welche Maßnahmen müssen wir ergreifen?
In einer Rede vor der Vollversammlung der Vereinten Nationen hat
Präsident Reagan den Vorschlag für
diese Konferenz unterbreitet.
Wir
wollen uns seine Worte ins Gedächtnis
rufen:
"Giftgas.
Chemische Waffen ...
Diese Schrecken. Dieses Grauen ...
Es obliegt allen zivilisierten Natio-

- 3 -

�nen, Kriegführung unter Einsatz von
chemischen Waffen und Giftgas ein für
alle mal zu verbieten."
Die internationale Gemeinschaft
muß heute an verschiedenen Fronten
vorgehen, um die Bedrohung durch chemische Waffen auszumerzen, ihren illegalen Einsatz zu verhindern und ihrer gefährlichen Verbreitung Einhalt
zu gebieten.
Selbst während wir bei den Genfer
Verhandlungen über ein Verbot der
Entwicklung,
Herstellung, Beschaffung, Lagerung, Beibehaltung oder des
Transfers chemischer Waffen Fortschritte erzielen, muß jeder von uns
jetzt Schritte zur Stärkung unserer
politischen Verpflichtung zur Offenlegung der Bedrohung und Kontrolle
der Verbreitung und des Einsatzes
dieser verabscheuungswürdigen Waffen
unternehmen.
Meine Regierung hat die Schwierigkeiten - vor allem der Verifizierung - niemals unterschätzt, die bei
der Verwirklichung dieses vordringlichen Ziels überwunden werden müssen. Als Vizepräsident Bush im Jahr
1984 im Namen von Präsident Reagan
den Vertragsentwurf in Genf auf den
Verhandlungstisch legte, erklärte er,
ein umfassendes Verbot chemischer
Waffen könne erst dann funktionieren,
wenn die Staaten bereit seien, "sich
zu einem neuen, aber absolut notwendigen Maß an Offenheit zu verpflichten" - "einer neuen Art und Weise,
miteinander
umzugehen".
So eindrucksvoll diese Herausforderung auch
sein mag, sollte die Völkergemeinschaft die Entschlossenheit der Vereinigten Staaten nicht unterschätzen,
diese Probleme zu überwinden und
einen wirksamen Vertrag in Kraft zu
setzen.
Vor kurzem hat der künftige Präsident Bush erklärt, eine seiner
höchsten Prioritäten liege darin,
das, was er so treffend als "diese
schreckliche Geißel" bezeichnet, zu
bekämpfen. Er führte aus, er wolle
als ein Präsident in der Erinnerung

verhaftet bleiben, der gemeinsam mit
den Verbündeten, der Sowjetunion und
anderen Nationen die Beseitigung chemischer Kriegführung und chemischer
Waffen herbeigeführt hat.
Die Staatengemeinschaft muß sich
vereinigen und sich erneut - entschlossen und wirksam - den Zielen
und Grundsätzen des Genfer Protokolls
aus dem Jahr 1925 verpflichten. Kein
Land sollte angesichts der Bedrohung
durch chemische Waffen nur auf sich
selbst gestellt sein, denn kein Land
ist dagegen immun. Wir müssen bereit
sein, Staatskunst auszuüben, zu kooperieren und die Durchführung zu erzwingen.
Aus diesem Grund fordern wir diese Konferenz
auf, die folgenden
Schritte unverzüglich zu unterstützen:
Jede Nation muß die politische
Verpflichtung auf sich nehmen,
die internationalen Normen über
den Einsatz chemischer Waffen
einzuhalten;
Nationen, die dem Genfer Protokoll aus dem Jahr 1925 noch nicht
beigetreten sind, sollten dies
tun;
Die Fähigkeit des Generalsekretärs der Vereinten Nationen, Beschuldigungen über den illegalen
Einsatz chemischer Waffen bei bewaffneten Konflikten unverzüglich
nachzugehen, sollte gestärkt und
erweitert werden.
Es bleibt noch viel zu tun, sowohl im Verlauf dieser Konferenz als
auch im Anschluß daran.
Wir sollten Verfahren für humanitären Beistand für Opfer eines Angriffs mit chemischen Waffen in Erwägung ziehen.
Wir müssen die Unterstützung für
die in der Charta der Vereinten Nation verankerten Maßnahmen verstärken, wenn es in Zukunft zum illegalen
Einsatz
chemischer
Waffen
kommen

- 4 -

�sollte - und hierbei denke ich vor
allem an die Sanktionen in Kapitel
7. Um den künftigen Präsidenten Bush
zu zitieren, "... die Nationen, die
sich
der
chemischen
Kriegführung
schuldig gemacht haben, müssen einen
Preis bezahlen. Sie müssen wissen,
daß die Verletzung des Verbots über
den Einsatz solcher Waffen schwere
Bestrafung nach sich zieht. Nicht
nur ein Bußgeld oder eine kleinere
Sanktion, die man ignorieren kann."
Es besteht die dringende Notwendigkeit für Schritte zur Erlangung
größerer Zurückhaltung auf internationaler Ebene bei Export von Technologien, Chemikalien und Waffen, die mit
chemischer Kriegführung in Zusammenhang stehen.
Seit 1985 haben die
Vereinigten Staaten mit 18 anderen
Nationen bei der Koordinierung von
Bestrebungen zur Kontrolle des mit
chemischen Waffen in Verbindung stehenden internationalen Handels zusammengearbeitet. Wir sollten Möglichkeiten für wirksamere Mittel zur Kontrolle des Transfers von Vorläufern
chemischer Waffen, Technologie und
Waffen zur chemischen Kriegführung
erforschen, ohne den legitimen Handel
und die friedliche Anwendung zum Nutzen der Menschheit zu unterbinden.
Schließlich möchte ich Sie bitten, mit mir gemeinsam unsere Regierungen zu verpflichten, nicht nur den
Einsatz chemischer Waffen bei bewaffneten Konflikten zu verhindern, sondern terroristischen Gruppen den Zugang zu chemischen Waffen zu verweigern.
Das Problem der Verbreitung chemischer Waffen ist ebenso schwierig
wie gefährlich. Die Herausforderung,
die sie für die Sicherheit der Welt
darstellen, ist so vordringlich, daß
internationale Bestrebungen in diesem
Bereich nicht von anderen schwierigen
RUstungskontrollthemen wie der Verbreitung von Nuklearwaffen abhängig
gemacht werden sollten. Wenn wir der
Bedrohung durch chemische Waffen in
jeder Hinsicht wirksam begegnen wollen, müssen wir zum Kern des Problems

vordringen.
Die Verbreitung chemischer Waffen
ist kein Problem zwischen Entwicklungs- und
Industrienationen.
Es
geht nicht darum, daß einige Nationen
versuchen, ein Monopol an chemischen
Waffen aufrechtzuerhalten, indem sie
es anderen Ländern unmöglich machen,
in ihren Besitz zu gelangen. Alle
Nationen haben den größtmöglichen
Vorteil, wenn sie sich auf das wirkliche Problem konzentrieren:
die
Verbreitung und den Einsatz dieser
Waffen zu verhindern, auch dann, wenn
wir uns der Befreiung der Welt von
den bereits bestehenden chemischen
Waffen verschrieben haben.
Was die Vereinigten Staaten anbetrifft, so haben wir seit 1971 aktiv
an den Verhandlungen bei der Abrüstungskonferenz
teilgenommen.
Wir
engagieren uns für den Erfolg dieser
Verhandlungen, und wir werden so lange wie nötig am Verhandlungstisch
bleiben. Wir werden das Genfer Protokoll aus dem Jahr 1925 und alle anderen Bestimmungen des Völkerrechts
im Zusammenhang mit dem Einsatz chemischer Waffen, einschließlich der
Genfer Konvention von 1949 einhalten.
Und wir fordern alle hier versammelten Länder - und alle Länder der Welt
- auf, ein ebensolches Versprechen
abzugeben.
Es bedarf weltweiter Anstrengungen
Wir sind der Regierung Frankreichs und Präsident Mitterrand zu
Dank verplichtet, daß sie als Antwort
auf Präsident Reagans Aufforderung
vor der Vollversammlung der Vereinten
Nationen die Staatengemeinschaft hier
in Paris zusammengerufen haben.
Die Wiederaufnahme der chemischen
Kriegführung in den vergangenen 25
Jahren bedeutet für die Menschheit,
die Vernunft und die Zivilisation
einen
gefährlicheren
Rückschritt.
Der künftige Präsident Bush hat den
Ausbruch eines Krieges mit chemischen
Waffen und die Verbreitung ballistischer Raketen als "deutliche Erinne-

- 5 -

�rung, wie leicht Nationen vom Wege
abkommen und auf den Abgrund zusteuern können", bezeichnet. Und zu seiner "feierlichen Mission" hat er die
zur Zusammenarbeit mit der internationalen Gemeinschaft erklärt, "dies
zu beenden und zwar heute".
Jetzt ist es an der Zeit, daß wir
uns zu unserer Verantwortung bekennen. Lassen Sie uns gemeinsam unsere
Aufgabe bewältigen, unsere feierlichen moralischen und rechtlichen Verpflichtungen zu erfüllen.
Ein von dem großen amerikanischen
Schriftsteller Carl Sandburg - seinerzeit Kriegsberichterstatter in Europa - im Jahr 1916 verfaßtes Gedicht
geht mir nicht aus dem Kopf.
Es
heißt Gras und endet mit diesen
eindrucksvollen und bitteren Zeilen:
"Stapelt die Körper ... in Ypern
und Verdun.
Begrabt sie und laßt mich an die
Arbeit gehen.
Zwei Jahre, zehn Jahre später und
die Fahrgäste fragen den Schaffner:
Was ist dies für ein Ort?
Wo sind wir jetzt?
Ich bin das Gras.
Laßt mich an die Arbeit gehen."
Heute sage ich Ihnen: Laßt uns
unsererseits an die Arbeit gehen und
sicherstellen, daß wir die Opfer der
chemischen Kriegführung niemals vergessen. Laßt jeden einzelnen von uns
sicherstellen, daß wir uns weder
durch den Lauf der Zeit noch die Notwendigkeiten des Augenblicks jemals
wieder aus der Verantwortung stehlen,
die wir der Menschheit gegenüber tragen.

* * * * *

- 6

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AMERIKA DIENST
Dokumentation

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*

11. Januar 1989

REAGAN LEGT HAUSHALTSENTWURF FÜR 1989/1990 VOR
- Zielsetzung bleibt Abbau des Defizits -

WASHINGTON - (AD) - Mit der am 9. Januar 1989 dem Kongreß zugeleiteten
Vorlage des Entwurfs für das am 30. September 1990 endende Haushaltsjahr befürwortet Präsident Reagan eine Kürzung des Ausgabenumfangs, um das Haushaltsdefizit abzubauen.
Die Begleitbotschaft des Präsidenten zur Haushaltsvorlage hat folgenden
Wortlaut.
An den Sprecher des Repräsentantenhauses und den Präsidenten des Senats:
Vor acht Jahren waren viele in
diesem Land besorgt über die Zukunft
der Wirtschaft, unserer Regierung und
nicht zuletzt unserer Nation selbst.
Die Arbeitslosenquote war hoch und im
Steigen begriffen.
Inflation und
Zinssätze
erreichten
Rekordhöhen.
Die
Verteidigungsfähigkeit
unseres
Landes war vernachlässigt worden und
somit geschwächt. Das internationale
Ansehen der Vereinigten Staaten befand sich auf einem Tiefpunkt.
Um die Wirtschaftsprobleme zu lösen, mit denen wir uns damals konfrontiert sahen, schlug unsere Administration
ein
Gesundungsprogramm

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vor, das sich auf vier Grundprinzipien konzentrierte:
Senkung der Einkommens- und Unternehmenssteuersätze .
Verringerung
der
bei Bundesausgaben.

Wachstumsrate

Verringerung der Fülle von Bundesvorschriften durch Abbau unnötiger Einschränkungen bei gleichzeitigem Schutz der Interessen
und der Sicherheit der Öffentlichkeit.
Unterstützung
einer
gemäßigten
und kontinuierlichen Geldmarktpolitik zur Eindämmung der Inflation.

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�Um unsere Verteidigungsfähigkeiten wiederaufzubauen und die Stellung
der Vereinigten Staaten in der Welt
zu erneuern, haben wir erweiterte nationale Sicherheits- und internationale Programme vorgeschlagen.

Arbeitslosenquote
um mehr als
fünf Prozentpunkte auf 5,4 Prozent - ihren niedrigsten Stand
seit 14 Jahren - zurückgegangen
ist.
Die in den vier Jahren vor meiner
Amtszeit
durchschnittlich
10,4
Prozent betragende Inflation ist
im Verlauf der vergangenen sechs
Jahre auf durchschnittlich weniger als ein Drittel dieses Wertes
zurückgefallen.

Ferner haben wir das umfassendste
Programm zur Verbesserung der Verwaltung in die Wege geleitet, das je
in Angriff genommen wurde, um die jeweiligen Beziehungen zwischen den Regierungen des Bundes, der Einzelstaaten, der Kommunen und dem Privatsektor wiederherzustellen, Verschwendung
bei Bundesprogrammen abzubauen und
Kontrollen im Verwaltungsablauf sowie
eine Steigerung der Leistungsfähigkeit bei gleichzeitiger Verbesserung
der Dienstleistungen einzuführen.
Heute kann das amerikanische Volk
stolz auf die Fortschritte sein, die
in jedem dieser Bereiche erzielt worden sind. Als Ergebnis dieser Fortschritte haben die Vereinigten Staaten ihre Position im Inland gestärkt,
sind auf internationaler Ebene sicherer geworden und stehen in den Augen
der Welt besser da als vor acht Jahren.

Gleichzeitig sind die Realeinkommen nach Steuerabzug seit 1982 um
24 Prozent gestiegen und mit ihnen unser Lebensstandard insgesamt.
Steuergesetzgebung
stimmungen

Be-

Seit 1981 ist die vom Bürger für
das Ausfüllen von Formularen für
die Bundesregierung aufgewandte
Zeit jährlich um 600 Millionen
Stunden verkürzt worden, und die
Anzahl der Seiten von jährlich im
Bundesanzeiger
veröffentlichten
Verfügungen ist um mehr als 45
Prozent verringert worden.

In gemeinsamer Arbeit haben wir
in den vergangenen acht Jahren viel
erreicht.
Die Wirtschaft

Seit Beginn dieser Expansion sind
19 Millionen neuer Arbeitsplätze
geschaffen worden, während die

sonstige

Zwischen 1981 und 1987 sind die
Steuergesetze
durch
Änderungen
der Bundessteuergesetzgebung gerechter geworden und die Einkommenssteuersätze wurden gesenkt.
Für 4,3 Millionen einkommensschwache Familien ist die Abgabe
von Stuererklärungen nicht länger
erforderlich.

Die Bilanz der vergangenen acht Jahre

Die nunmehr im sechsten Jahr anhaltende wirtschaftliche Expansion hat alle vorherigen Aufschwungperioden in Friedenszeiten
in der Geschichte der Vereinigten
Staaten ilbertroffen. Betriebliche Investitionen und Exporte
steigen an und das Wirtschaftswachstum wird voraussichtlich bis
in die neunziger Jahre anhalten.

und

Haushalt
-

Die Ausgabenexplosion bei Bundesaufwendungen ist eingedämmt worden und die Haushaltsprioritäten
wurden auf solche Aufgaben verlagert, die von der Bundesregierung
zur Verfügung
gestellt werden
sollten, wie beispielsweise nationale
Verteidigung,
wissenschaftliche
Grundlagenforschung
und Wahrung der Rechte aller Bürger.

�-

Das System der Sozialversicherung
konnte vor der drohenden Zahlungsunfähigkeit gerettet werden
und ist bis ins nächste Jahrhundert sichergestellt.

Abschreckung durch die Bedrohung
eines nuklearen Vergeltungsschlages gründet sondern auf Verteidigungssysteme, die niemanden bedrohen.

Die Ausgabenexplosion der siebziger Jahre bei vermögensabhängigen
Leistungsprogrammen
ist
eingedämmt worden.
Bestimmungen für
die Inanspruchnahme wurden verschärft, um die Leistungen wieder
den wirklich Bedürftigen zufliessen zu lassen. Die GrundVergütungen
für
Einkommensschwache,
Ältere und andere von Unterstützung durch den Staat Abhängige
sind beibehalten worden.

Unsere Bereitschaft, die Freiheit
auf der ganzen Welt zu verteidigen hat bei der Verbreitung der
Demokratie und der Eindämmung der
Flut
kommunistischer
Expansion
Erfolge gezeitigt.
Verwaltung und Regierung
Die
Bundesbehörden
haben
ein
wichtiges Programm zum Abbau der
Verwaltungsbürokratie - "Reform
'88" - eingeleitet, mit dem die
Maßnahmen der Bundesregierung im
Bereich der Finanzverwaltung rationeller durchgeführt und Verschwendung, Betrug und Mißbrauch
beseitigt werden sollen.

Wir haben Schritte eingeleitet,
um andere Leistungsprogramme auf
eine soliderer Grundlage zu stellen. Dazu zählt die Krankenhausversicherung Medicare, die von
einem Zuschußprojekt in ein System umgewandelt wurde, mit dem
Wettbewerb gefördert und Kosten
niedrig gehalten werden.
Verteidigung und
gelegenheiten

internationale

Einige von der Bundesregierung
wahrgenommene Aufgaben sind wieder an den Privatsektor oder die
Regierungen
der
Bundesstaaten
oder Kommunen zurückgegeben worden.

An-

Unsere Verteidigungsfähigkeit ist
gestärkt und Waffensysteme sind
modernisiert und verbessert worden. Wir rekrutieren und halten
besser qualifiziertes Personal.
Bereitschaft, Ausbildung und Moral unserer Truppen sind entschieden gesteigert worden.
Aufgrund
unserer
verbesserten
Stärke konnten wir mit der Sowjetunion einen verifizierbaren
Vertrag aushandeln, der eine gesamte Kategorie von Nuklearwaffen
vollständig beseitigt.
Wir haben das Forschungs- und
Technologieprogramm der Strategischen Verteidigungsinitiative in
die Wege geleitet, das Anlaß zu
berechtigter Hoffung auf eine sicherere Welt gibt, in der unsere
eigene Sicherheit und die unserer
Verbündeten sich nicht länger auf

Kostenbeteiligungsprogramme
und
NutzergebUhren wurden in höherem
Maße in Anspruch genommen, damit
die Kosten von Projekten und Programmen - wo immer dies angemessen erscheint - wieder von denjenigen getragen werden, die davon
profitieren.
Das Haushaltsdefizit
Ein Bereich, der mir im gesamten
Verlauf meiner Amtszeit stets Enttäuschung bereitet hat, waren die Bestrebungen, den Haushalt in den Griff
zu bekommen. Immer wieder habe ich
Maßnahmen zur Eindämmung der Ausgabenprogramme des Bundes im Inland
vorgeschlagen.
Immer wieder wurden
diese Vorschläge vom Kongreß abgelehnt.
Die Gründe für den Anstieg des
Haushaltsdefizits zu Beginn der acht-

- 3 -

�ziger Jahre liegen auf der Hand. Erstens erlebten wir die stärkste Rezession
in
der
Nachkriegszeit.
Schätzungen zufolge sind 81 Prozent über 640 Milliarden Dollar - der Zunahme des Defizits über die in meiner
Haushaltsvorlage vom März 1981 vorgesehenen Obergrenzen hinaus auf diese
Rezession zurückzuführen. Der zweite
Grund ist, daß selbst nach Einbeziehung der notwendigen Erhöhung der
Verteidigungsausgaben
meine
Haushaltsvorlage vom März 1981 Ausgabenkürzungen in Höhe von insgesamt 331
Millarden Dollar netto im Verlauf von
fünf Jahren forderte; aber der Kongreß hat weniger als 40 Prozent dieser Einsparungen genehmigt.
Verschwenderische Programme wurden weiterhin finanziert.
Die notwendigen
Kürzungen sind noch immer nicht vorgenommen worden.
Wenn dem Defizit nicht Einhalt
geboten wird, indem wir der Regierung
Zügel anlegen, gefährden wir das, woran wir jahrelang hart gearbeitet haben. Durch unmäßige Ausgaben verursachte größere Defizite unterminieren
den Anreiz zu arbeiten und zu sparen,
da die Ersparnisse verschlungen werden, die ansonsten produktiv investiert worden wären. Dies dürfen wir
nicht zulassen.
Ich bin stolz auf die Errungenschaften der Vereinigten Staaten.
Unsere Wirtschaft floriert, unsere
Verteidigung ist verbessert und unsere Position in der Welt ist von Neuem
unerreicht.
Dieser Haushalt verringert bis 1990
das Defizit unter die durch das
Gramm-Rudman-Gesetz
vorgeschriebene
Grenze und wird bis 1993 ausgeglichen
Die Vorlage für das Haushaltsjahr
1990 - meine letzte - stellt eine
Fortführung meiner Bestrebungen dar,
das
Defizit
des
Bundeshaushaltes
durch Zurückhaltung bei den Ausgaben
im Inland abzubauen.

Der heute von mir vorgelegte
Haushaltsentwurf steht in Einklang
mit dem im Gramm-Rudman-Gesetz verankerten Ziel, da er Maßnahmen vorschlägt, die nicht über die für 1990
festgelegte Obergrenze von 100 Milliarden Dollar hinausgehen und den
kontinuierlichen Abbau des Defizits
bis hin zu einem ausgegelichenen
Haushalt im Jahr 1993 sicherstellen.
Meinen Vorschlägen zufolge würde
das Defizit auf weniger als 2 Prozent
des BSP im Jahr 1990 zurückgehen und
die öffentliche Verschuldung als Anteil des BSP würde sich ebenfalls
verringern.
Der vorliegende Haushalt zeigt,
daß ein schrittweiser Abbau des Defizits möglich ist, ohne die Steuern zu
erhöhen, Einschnitte bei unerläßlichen
Sozialprogrammen
vorzunehmen,
ohne die Verteidigung zu demontieren
und andere vorrangige nationale Aufgaben zu vernachlässigen. Der Abbau
kann auf vernünftige, verantwortungsbewußte Weise erfolgen - diszipliniert und fair. Neue Steuern sind
nicht erforderlich. Aufgrund unseres
Wirtschaftswachstums werden die Einnahmen in den Jahren 1989 und 1990
drastisch steigen. Mit diesem Haushalt wird ganz einfach vorgeschlagen,
die Ausgaben langsamer steigen zu
lassen als die Steuereinnahmen und
somit das Defizit abzubauen.
Die
vorgeschlagenen Reformen werden in
den kommenden Jahren zusätzliche Reduzierungen des Defizits bringen.
Dieses Jahr haben wir die Chance, den
schlimmsten Teil des Defizitproblems
hinter uns zu lassen und es der nächsten Administration zu ermöglichen,
ihre Amtszeit mit einem reinen Tisch
und mit der Aussicht auf eine Fortdauer des Wohlstandes zu beginnen.
Die Finanzierung
tionaler Aufgaben

vordringlicher

na-

Um die vordringlichen nationalen
Aufgaben innerhalb der vom Gramm-Rudman-Hollings-Gesetz festgelegten Defizitgrenzen zu bewältigen, wird in
meinem Haushalt vorgeschlagen, die

�Ausgaben für einige Programme - wie
etwa diejenigen für die Erforschung
und Eindämmung von AIDS, der Bekämpfung
des
Drogenhandels
und -mißbrauchs sowie technologische Entwicklung - erheblich zu steigern und die
Ausgaben für andere Programme zu reduzieren, umzuschichten und in einigen Fällen zu streichen.
Verteidigung
Die Bewahrung des Friedens und
der Schutz unseres Landes sind die
wichtigsten Aufgaben der Bundesregierung.
Die für Verteidigungszwecke
bewilligten Mittel sind im Jahr 1989
mit einem Gesamtvolumen von 299 Milliarden Dollar im vierten Jahr hintereinander
real
(inflationsbereinigt) zurückgegangen.
Dieser Trend
kann nicht ohne einschneidende Folgen
für die Kampfbereitschaft fortgesetzt
werden.
Deshalb beantrage ich mit
diesem Haushalt Mittel für die Verteidigung in Höhe von 315 Milliarden
Dollar an Zahlungsverpflichtungen und
303 Milliarden Dollar an Ausgaben für
1990 sowie von 331 Milliarden Dollar
an Zahlungsverpflichtungen und 314
Milliarden Dollar an Ausgaben für
1991. Diese Zahlen bedeuten bei den
Zahlungsverpflichtungen einen realen
Anstieg von 2 Prozent gegenüber dem
Niveau des Jahres 1989. Im Jahr 1989
wird inflationsbereinigt das Niveau
des Jahres 1984 wieder erreicht werden. Der Haushalt geht auch für die
Jahre danach bei diesen Programmen
von einem realen Wachstum von 2 Prozent aus.
Wir müssen ferner unser atomares
Abschreckungspotential aufrechterhalten. Für das Jahr 1990 schlägt dieser Haushalt 9 Milliarden Dollar für
atomare Verteidigungsprogramme vor,
eine Steigerung um 900 Millionen Dollar gegenüber 1989.
Insgesamt 2,8
Milliarden Dollar sind für die Modernisierung des Komplexes zur Produktion spaltbaren Materials und zur
Steigerung der Bemühungen für die Beseitigung von Umweltschäden und Entsorgung von atomarem Sondermüll vorgesehen.

Außenpolitik
Um die außenpolitischen Erfolge
der vergangenen acht Jahre zu konsolidieren und weiter auszubauen, benötigen wir zusätzliche Mittel für internationale Angelegenheiten, mit denen unsere Außenpolitik und nationale
Sicherheitsinteressen im Nahen Osten,
in Mittelamerika und andernorts unterstützt würden. Ein Sonderprogramm
wird zur Förderung eines starken
Wirtschaftswachstums auf den Philippinen gefordert, um die Rückkehr dieses Landes zur Demokratie zu unterstützen. Weitere zusätzliche Mittel
für Auslandshilfe würden eingesetzt,
um rückständige Beiträge zu multilateralen Kreditinstitutionen zu entrichten und Zahlungen an die Vereinten Nationen und deren Unterorganisationen zu leisten.
Drogenmißbrauch
kämpfung

und

Verbrechensbe-

Unser Kampf gegen Drogenmißbrauch
muß ebenso wie unsere Bemühungen zum
Schutz des einzelnen vor Verbrechen
fortgesetzt werden:
Für Verbrechensbekämpfung, Vorbeugung und Behandlungsprogramme
schlage ich für das Jahr 1990 5,7
Milliarden Dollar vor, ein Zuwachs von 164 Millionen Dollar
gegenüber 1989. Zusammen mit den
im Gesetz gegen den Drogenmißbrauch von 1988 enthaltenen Ermächtigungen und Sanktionen werden es uns diese Mittel ermöglichen, auf unser Ziel eines drogenfreien Amerikas hinzuarbeiten.
Um der Uberfüllung der Gefängnisse abzuhelfen und eine zunehmende
Zahl von Strafgefangenen angemessen unterzubringen, beantrage ich
1,6 Milliarden Dollar für den Bau
und Betrieb von Gefängnissen, 193
Millionen Dollar mehr als 1989
für diesen Zweck veranschlagt
sind.
AIDS-Forschung und Aufklärung

- 5 -

�Dieser Haushalt spiegelt meine
feste Überzeugung wider, daß die Behandlung des AIDS-Problems eine vordringliche Aufgabe bleiben muß:

Verbesserung der Leistungsfähigkeit und Zuverlässigkeit unseres
Raumtransporters, für die Einleitung zweier neuer und bedeutender
wissenschaftlicher Missionen zur
Erforschung von Planeten auf internationaler Ebene sowie zur Unterstützung der kommerziellen Erschließung des Weltraums.

Vorbeugung
und
Linderung
des
durch das HIV-Virus, das die
Krankheit AIDS auslöst, herbeigeführten Leidens ist unsere höchste Priorität im Bereich des öffentlichen
Gesundheitswesens.
Die Unterstützung des Bundes für
Forschung, Prävention und Behandlung übersteigt im Jahr 1989 2,1
Milliarden Dollar und wird 1990
nahezu 2,8 Milliarden Dollar erreichen. In diesem Haushalt werden 1,6 Milliarden Dollar oder 24
Prozent mehr als 1989 für die Finanzierung von Maßnahmen gegen
HIV durch den öffentlichen Gesundheitsdienst beantragt.

Für das Jahr 1990 beinhaltet der
Haushalt
ferner
250 Millionen
Dollar als Bundesanteil zur Förderung des Baues des supraleitenden Teilchenbeschleunigers (SSC).
Ein Drittel der Projektkosten
werden aus Nicht-Bundesmitteln zu
finanzieren sein.
Der heutigen
Planung zufolge wird der SSC das
größte je in Angriff genommene
rein wissenschaftliche Vorhaben
sein.
Es wird dazu beitragen,
unserem Land bis ins nächste
Jahrhundert eine Spitzenstellung
in der Hochernergiephysik zu sichern.

Forschung
Eine
unserer
vordringlichsten
Aufgaben besteht darin, die amerikanische Technologie zu stärken und die
Vereinigten Staaten wettbewerbsfähiger zu machen. Zum Beispiel:
Ich schlage einen dauerhaften Zuwachs in aus Bundesmitteln geförderter Grundlagenforschung vor,
die längerfristige Verbesserungen
bei Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit unseres Landes in
der Welt zum Ziel hat. Dieser
Haushalt setzt unser Engagement
zur Verdopplung der Fördermittel
der Nationalen Wissenschaftsstiftung für akademische Grundlagenforschung bis 1993 fort, erhöht
die Unterstützung für die Ausbildung künftiger Wissenschaftler
und Ingenieure und beschleunigt
die Weitergabe der Ergebnisse
staatlich geförderter Grundlagenforschung an die Industrie.

Weitere Prioritäten
Andere Bereiche, denen in diesem
Haushalt Priorität bei der Mittelzuweisung eingeräumt werden, sind:

Unser Weltraumprogramm wird 13,1
Milliarden Dollar für die andauernde
Entwicklung
der
ersten
ständig bemannten Raumstation der
Vereinigten
Staaten
enthalten,
für zusätzliche Unterstützung zur
- 6 -

Zur Fortsetzung des sich über
mehrere Jahre erstreckenden Programms der Zivilluftfahrtbehörde
(FAA) zur personnellen Aufstokkung bei Fluglotsen und Inspekteuren sowie zur Modernisierung
der Flugsicherung unseres Landes
werden im Haushalt 7,7 Milliarden
Dollar bereitgestellt - 17 Prozent mehr als 1989.
Um die Probleme unsere Sparkassen
zu mildern, schlage ich vor, daß
die Bundesspareinlagen- und Kreditversicherungsgesellschaf t
(FSLIC) im Jahr 1989 16 Milliarden Dollar und 1990 9 Milliarden
Dollar ausgibt, um die größten
Probleme bei Sparkassen in den
Griff zu bekommen. Der Finanzminister
entwickelt
gegenwärtig
einen umfassenden Plan, um die
Probleme der Kreditwirtschaft zu

�lösen und die Struktur des Vorschriftenwesens im Bereich der
Finanzinstitutione sowie das Einlagensicherungssystem zum reformieren und damit eine Wiederkehr
dieser Probleme auszuschließen.
Ich erwarte, daß der Minister
seine Vorschläge in Kürze dem
neuen Präsidenten vorlegt.
Um die Koordinierung von Bundesprogrammen zur Entwicklung des
ländlichen Raums zu verbessern
und Mittel an besonders bedürftige Gegenden und Empfänger umzuverteilen, unterstütze ich weiterhin die vom Landwirtschaftsminister
koordinierte
Initiative
zur Erschließung ländlicher Gebiete.
Durch
verstärkte
Vergabe
von
Wohnberechtigungsscheinen
würde
ich
im Jahr 1990 zusätzlich
132 000 einkommensschwache Haushalte mit Wohnraum versorgen, 5
Prozent mehr als die 126 124 zusätzlichen Haushalte, die im Jahr
1989
Wohngeld
erhalten.
Mit
Wohnberechtigungsscheinen
kann
einkommensschwachen
Haushalten
bei geringeren Kosten für den
Bundeshaushalt
besser
gedient
werden, und diese Familien werden
damit eher in die Lage versetzt,
Wohnraum ihrer Wahl zu mieten.
Um die bei der Förderung von Reformen des Bildungswesens auf
Staats- und Gemeindeebene erzielten Fortschritte
zu bewahren,
würde ich das gegenwärtige Ausgabenniveau von 18,5 Milliarden
Dollar für frei verfügbare Bildungsprogramme
aufrechterhalten,
diese Mittel jedoch so umschichten, daß mehr Geld dort eingesetzt wird, wo der Bedarf von benachteiligten
und
behinderten
Studenten am größten ist.
Um die von uns bei der Beseitigung von Umweltschäden erzielten
bedeutenden Fortschritte weiterzuführen, empfehle ich einen Anstieg von 153 Millionen Dollar
- 7 -

für die Programme der Umweltbehörde (EPA) in den Bereichen Vorschriftenwesen,
Forschung
und
Durchführung. Ferner schlage ich
einen Zuwachs von 315 Millionen
Dollar für den Superfonds zur Beseitigung von Sondermüll vor, um
die Schwungkraft dieses Programms
zu erhalten und eine stärkere
Rolle der Durchführung zu unterstützen.
Da Veränderungen in den natürlichen Ökosystemen der Erde enorme
wirtschaftliche und gesellschaftliche Auswirkungen haben können,
werden weltweite Klimaveränderungen zu einem besonders wichtigen
Anliegen. Unsere Fähigkeit, diese Veränderungen zu verstehen und
vorherzusagen, sind gegenwärtig
begrenzt, und ein besseres Verständnis dieses Phänomens ist für
die Entwicklung von Maßnahmen unerläßlich.
In diesem Haushalt
wird ein koordiniertes und wirksames Bundesforschungsprogramm zu
den weltweiten Veränderungen vorgeschlagen.
Diesem
Haushalt
liegt ein Bericht des Ausschusses
zu den Geowissenschaften bei, der
dieses Programm und seine Strategie beschreibt.
Die Waldbrände des vergangenen
Jahres auf Bundesterritorien haben die Notwendigkeit für eine
zeitgerechtere Finanzierung der
Kosten für die Bekämpfung von
Waldbränden unterstrichen.
Ich
schlage deshalb vor, daß zwei
neue Ausgabenposten für die Bekämpfung von Waldbränden bei den
Ministerien
für
Landwirtschaft
und des Innern eingerichtet werden.
Zur weiteren Stärkung unserer
Energiesicherheit schlage ich ein
Gesetz zum Verkauf der Marinepetroleumreserven an den Privatsektor im Tausch gegen Geld und Öl
vor, das der strategischen Petroleumreserve
hinzugefügt
werden
soll.
Ferner schlage ich die
Schaffung
eines
Lagerbestandes

�von 10 Millionen Faß Petroleum zu
Verteidigungszwecken vor.
Um die fristgerechte Vollendung
meines Programms zur Verbesserung
der Verwaltungseffizienz mit dem
Titel "Reform '88" zu sichern,
schlage ich die zusätzliche Bewilligung von 103 Millionen Dollar für das Jahr 1990 vor, um unsere Verwaltungs- und Kreditsysteme weiter zu verbessern.

Wichtige
Programme
werden
reformiert, um das Defizit zu reduzieren
Programmstruktur und die den vielen innenpolitischen Reformprogrammen
des Bundes immanenten Anreize müssen
geändert werden, um zu mehr Effizienz
und Kostenwirksamkeit beizutragen.
Die gegenwärtigen Programme zur
Stützung der Agrarpreise sind
viel zu kostspielig. Im Zeitraum
von 1986 bis 1989 wurden mit
einer geschätzten Summe von 130
Milliarden Dollar aus Bundesmitteln für mit der Landwirtschaft
in Verbindung stehende Hilfsprogramme
durchschnittlich
nahezu
600 000 Dollar an jeden einzelnen
Bauern ausgeschüttet. Ein großer
Teil dieser Hilfe geht an Bauern
mit hohem Einkommen - die um mehr
als doppelt so hoch liegen wie
das durchschnittliche Familieneinkommen
in
den
Vereinigten
Staaten.
Ich schlage deshalb
eine Reduzierung der Ausgaben für
die
Preis- und
Einkommensstützungsprogramme um 2 Milliarden
Dollar im Jahr 1990 und zusätzlich jährliche Reduzierungen zwischen 2 und 2,5 Milliarden Dollar
von 1991 bis 1994 vor. Des weiteren setze ich mich nachdrücklich dafür ein, das kontraproduktive Programm zur Stützung des
Zuckerpreises zu reformieren.
Der rapide Anstieg der Kosten des
Medicare-Programms muß gebremst
werden.
Ich schlage eine vernünftige Erhöhung der Beiträge zu
- 8 -

Medicare sowie Reduzierungen bei
den Leistungen an Krankenhäuser
und bei bestimmten Zahlungen für
die Ärzteausbildung vor. Um ferner das exzessive Wachstum bei
den Kosten für die ergänzende
Krankenversicherung (SMI) einzudämmen, schlage ich die Ausweitung der gegenwärtigen gesetzlich
vorgeschriebenen
Beitragssätze,
eine Begrenzung der Arzthonorare,
eine Senkung der Zahlungen für
bestimmte kostenträchtige Verfahren und Reformen bei den Leistungen für langlebige medizinische
Geräte vor. Die Ausgaben für Medicare würden auch bei Verwirklichung dieser Vorschläge in den
Jahren 1989 und 1990 um 9 Prozent
steigen - nicht jedoch um die 13
Prozent, die sich den heutigen
Gesetzen zufolge ergeben würden.
Ich schlage des weiteren eine Reform des Medicaid-Programms vor,
um das Ausgabenwachstum in den
Jahren 1989 und 1990 auf 1,7 Milliarden Dollar oder 5 Prozent zu
begrenzen, anstatt der 3,3 Milliarden Dollar oder 9 Prozent,
die dem heutigen Gesetz zufolge
entstehen würden. Mit diesen Reformen werden in den frühen achtziger Jahren angewandte erfolgreiche Anreize wiedereingeführt.
In meinem Haushalt wird ferner
vorgeschlagen, die Finanzierung
von Verwaltungsausgaben durch den
Bund neu zu strukturieren, um den
Einzelstaaten größere Anreize zu
bieten, ihre Verwaltungssysteme
so effizient wie möglich zu führen.
Die Regierung führt auf Bundesebene häufig Programme fort, die
entweder eine Duplizierung bedeuten, nicht länger benötigt werden
oder die auf anderen Regierungsebenen oder vom Privatsektor angemessener ausgeführt werden können. Dazu zählen die Behörde für
wirtschaftliche Entwicklung, Amtrak, frei verfügbare Zuschüsse
für den öffentlichen Personennahverkehr sowie die meisten der Be-

�triebssubventlonen für den Postdienst. Bemühungen, diese Situation umzukehren, sind von den
meisten früheren Administrationen
und auch von meiner unternommen
worden. Diese Programme sollten
abgeschafft werden. Der Haushalt
schlägt die Streichung von 82
Programmen vor, die zur Befriedigung
vordringlicher
nationaler
Aufgaben nicht benötigt werden.
Den heutigen Gesetzen zufolge
wird der Anstieg bei den Ausgaben
für die Pensionen und Krankenversicherungen von Bundesbediensteten von 51,3 Milliarden Dollar im
Jahr 1989 auf 55,9 Milliarden
Dollar im Jahr 1990 geschätzt.
Ich schlage vor, die Anpassung
der Pensionen an den Lebenshaltungskosten-Index (COLA) einzufrieren sowie weitere Reformen
durchzuführen, um das Niveau des
Jahres 1990 nur wenig über dem
von 1989 zu halten und den normalerweise zu erwartenden Anstieg
um 4,4 Milliarden Dollar zu verringern.

Angemessene
Aufgabenerfüllung
der
Bundesregierung und Verbesserung der
Verwaltung
Mit zunehmendem Wachstum der Bundesregierung hat diese unangemessene
Aufgaben übernommen und ihre Programme unwirtschaftlich verwaltet. Wir
wollten der Bundesregierung wieder
ihre angemessene Rolle zuweisen. Wir
haben ebenfalls ein wichtiges Programm ins Leben gerufen, um die Verwaltung der bestehenden Programme zu
verbessern. Diese Prioritäten werden
fortgesetzt und in dieser Haushaltsvorlage erweitert.
Privatisierung
Die Regierung und der Privatsektor sollten jeweils das tun, was sie
am besten leisten können. Die Bundesregierung sollte keine Waren und
Dienstleistungen anbieten, die Privatunternehmen preiswerter und besser

bereitstellen können.
Demgemäß sieht meine Haushaltsvorlage vor, daß eine Reihe bundeseigener Unternehmen durch Ausschreibungen oder ganz einfach Verkäufe für
den Privatsektor geöffnet werden.
Nach unserem erfolgreichen Verkauf
von Conrail und 21 Milliarden Dollar
ausgewählter Bundesanleihen schlage
ich die Veräußerung der Petroleumreserven der Marine (Naval Petroleum
Reserves - NPR), der Energiebehörde
Alaskas und der Energiebehörde für
den Südosten vor. Ferner befürworte
ich den Verkauf der Helium-Vermögenswerte der Bundesregierung, überschüssiger Immobilien und weiterer 4,3
Milliarden Dollar an Bundesanleihen.
Darüber hinaus schlage ich in meiner
Haushaltsvorlage als ersten Schritt
zur eventuellen Privatisierung der
Legislative
die Einrichtung einer
Körperschaft des Bundes für Verfahren
der Urananreicherung vor.
Die Bundesregierung sollte sich
darüber hinaus im Hinblick auf zusätzliche und unterstützende Dienstleistungen für Aktivitäten, die weiterhin der Bundesregierung obliegen,
stärker auf den Privatsektor verlassen. Deshalb schlage ich eine Reihe
von Pilotprojekten und Untersuchungen
in Bereichen wie etwa der privaten
Zustellung
von Werbesendungen und
Eilpost sowie auch bei den vom Justizministerium verwalteten Gefängniskrankenhäusern vor.
Verbesserung
Verwaltung

der

Effizienz

in

der

Im Jahr 1981 habe ich dem amerikanischen Volk ein Versprechen gegeben, "die Regierung auf ihre angemessene Rolle zu beschränken und sie zum
Diener und nicht zum Herrn des Volkes
zu machen". Mein "Programm zur Verbesserung der Effizienz in der Verwaltung: Reform 88" hat zur erhöhten
Leistungsund
Reaktionsfähigkeit
der Regierung beigetragen. Wir haben
bei Programmen der Bundesregierung
Verschwendung und Betrug eingedämmt,
indem wir die Arbeit der Generalin-

- 9 -

�spekteure in den Rat des Präsidenten
für Integrität und Effizienz eingegliedert haben, wodurch 110 Milliarden Dollar eingespart oder einer besseren Verwendung
zugeführt werden
konnten - und diese Arbeit wird fortgeführt.
Ich habe erkannt, daß der Bundesregierung weder effektive Konzepte
zur Verfügung standen, um eine jährliche Geldmenge im Umfang von nunmehr
2 Billionen Dollar zur bearbeiten
noch hatte sie ein einheitliches Kreditprogramm für Anleihen in der Grössenordnung von 1 Billion Dollar.
Dies führte zur Verschwendung von
Milliarden Dollar pro Jahr. Wir haben in beiden Bereichen die notwendigen behördenübergreifenden Kontrollmechanismen errichtet und dadurch die
Aufzehrung der Mittel gestoppt.
Darüber hinaus haben wir das erste
behördenübergreifende
Buchhaltungssystem eingerichtet, das über
400 vorher unvereinbare Systeme einzelner
Behörden
vereinheitlicht.
Dies ist für jede gut geführte Regierung unerläßlich und wird gerade eingeführt.
Die Bundesregierung nimmt starken
Einfluß auf das tägliche Leben, indem
sie Steuern und Abgaben erhebt,
Dienstleistungen direkt bereitstellt,
mittels verschiedener Leistungsprogramme für bestimmte Bevölkerungsgruppen finanzielle Unterstützung gewährt und den Handel regelt. Durch
Modernisierung,
bessere
Verwaltung
und automatisierte Dienstleistungen
konnte die Regierung das Angebot von
Dienstleistungen an die Öffentlichkeit den erforderlichen Zeitraum erheblich verringern.
Angesichts des
bevorstehenden 21. Jahrhunderts muß
die Bundesregierung ihre Rolle in unserer Gesellschaft an veränderte Bedingungen und neue Technologien anpassen. Beim Eintritt in das neue
Jahrhundert wird die Bevölkerung der
Vereinigten Staaten sich auf mehr als
268 Millionen Menschen belaufen, wovon ältere Menschen den größten Teil
ausmachen werden.
Veränderungen in

Technologie und Kommunikation werden
Volkswirtschaften, Handel und Kapitalverkehr zunehmend verbinden und
sich wie niemals zuvor ausbreiten.
Der dem Kongreß als Teil der
Haushaltsvorlage für 1990 vorgelegte
Bericht zur Verbesserung der Effizienz in der Verwaltung bis 1990
spiegelt die wichtigsten Punkte des
mir vom Haushaltsbüro (0MB) vorgelegten Berichts über die "Regierung der
Zukunft" wider.
Dieser Organisationsbericht ist erweitert worden als
Beginn eines Planungsprozesses, der
zum Teil die Vorschläge in dieser
Haushaltsvorlage mitgestaltet hat und
Teil des alljährlichen Haushaltsprozesses werden sollte.

Die Reform des Verfahrens zur Einbringung des Haushalts ist zum weiteren Defizitabbau unbedingt erforderlich
Das anhaltende Haushaltsdefizit
ist der überwältigende Beweis dafür,
daß das Verfahren zur Einbringung des
Bundeshaushalts grundlegende Mängel
aufweist. Bestrebungen in der Vergangenheit um "Reform" zielten größtenteils darauf ab, einen großen Teil
der nationalen Ausgaben vor dem Zugriff des Fiskus zu schützen. Vierzehn Jahre nach der Verabschiedung
des Haushaltsgesetzes durch den Kongreß und drei Jahre nach Verabschiedung des Gesetzes über einen ausgewogenen Haushalt und zur Kontrolle des
Defizits ist das Verfahren zur Einbringung des Bundeshaushalts immer
noch schwer durchführbar und wenig
geordnet. Das amerikanische Volk erwartet etwas bbsseres von seinem politischen System und verdient es auch.
Gemäß dem Haushaltsgesetz des
Kongresses werden vom Kongreß jedes
Jahr Resolutionen zum Haushalt
Haushaltssvorlagen - verabschiedet.
Sie werden dem Präsidenten nicht zur
Genehmigung vorgelegt und haben damit
keine Gesetzeskraft.
Sie enthalten
Empfehlungen an die Kongreßausschüsse, die jedoch oftmals zu spät kommen

- 10 -

�und mehrdeutig sind. Die Resolutionen werden in der Regel erheblich
später als zum gesetzlich vorgeschriebenen Termin vorgelegt und lange nachdem sie von den Finanz- , Genehmigungsund
Bewilligungsausschüssen benötigt werden.
Darüber
hinaus herrscht im Kongreß wenig
Übereinstimmung über die ausgesprochenen Empfehlungen.
Das Repräsentantenhaus und der Senat stimmen außer in den sehr allgemein gehaltenen Bereichen - nicht den Prioritäten
zu, wie sie in den beiderseits verabschiedeten Resolutionen niedergelegt
sind.
Außer der termingerechten Abwicklung im vergangenen Jahr sind die vom
Kongreß selbst gesetzten Fristen für
den Haushalt in der Regel überschritten worden und zusätzliche Resolutionen und Ausgleichsgesetze waren eher
die Regel als die Ausnahme. Diese
umfangreichen und hinderlichen Gesetzesvorlagen bieten den Hunderten von
eigennützigen
Zusätzen
bequeme
Schlupfwinkel, die der Präsident bei
Gewährung eines selektiven Vetos anfechten könnte.
Eine Reihe von Veränderungen bei
der Einbringung des Haushalts - von
denen ich die meisten bereits empfohlen habe - sind erforderlich, um das
gesamte
Gesetzgebungsverfahren
für
den Haushalt diszipliniert durchzuführen. Ich fordere den Kongreß zur
Verabschiedung der folgenden Maßnahmen auf:
Verfassungszusatz für
glichenen Haushalt

einen

ausge-

Ich setze mich weiterhin energisch für die Zustimmung zu einem
Verfassungszusatz ein, der einen ausgewogenen
Haushalt
zwingend
vorschreibt.
Der Zusatz sollte für
Steuererhöhungen eine große Mehrheit
(von mindestens 60 Prozent) im Kongreß fordern.

sein, gegen einzelne Artikel in den
jährlichen Bewilligungsgesetzen sein
Veto - das jedoch vom Kongreß überstimmt werden kann - einzulegen, gegen Gesetze, die die Finanzierung bestimmter
Programme
gewähren
oder
zwingend vorschreiben und gegen Steuergesetze. Mit dieser Vollmacht würde erheblicher Verschwendung Einhalt
geboten und sie wäre ein wirkungsvolles Mittel, um Haushaltsdisziplin
durchzusetzen.
Erweitertes
nehmen

Recht,

Kürzungen

vorzu-

Um dem Präsidenten eine bessere
Möglichkeit zur Kontrolle der Ausgaben der Regierung zu gewähren, schlage ich vor, daß die Ermächtigung zu
einem selektiven Veto mit einer Gesetzesänderung einhergeht, derzufolge
der Kongreß über jede vom Präsidenten
vorgeschlagene Kürzung im Haushalt
mit "Ja" oder "Nein" abstimmen muß.
Die gegenwärtige Gesetzgebung gestattet es dem Kongreß, sich der Verantwortung zu entziehen, da er KUrzungsvorschläge 45 Tage lang ignorieren
kann.
ZweiJahresintervall
des Haushalts

zur

Einbringung

Das jährlich durchgeführte Verfahren zur Haushaltsvorlage kostet
zuviel Zeit und Energie. Ein zweijähriger Haushaltsrahmen würde die
sich jährlich wiederholenden Aufgaben
bei der Aufstellung des Haushalts
vermindern, mehr Zeit zur Erörterung
von Ausgaben- und Steuerentscheidungen in Schlüsselbereichen und weniger
Spielraum für Tricks lassen, die
"Einsparungen" suggerieren - wie etwa
eine Verlagerung von Ausgaben von
einem Jahr ins nächste - und die Realisierung echter Einsparungen ermöglichen, die mit einer gesicherteren
Verfügbarkeit von Mitteln möglich wären. Aus diesen Gründen empfehle ich
das Zweijahresintervall zur Einbringung des Haushalts.

Selektives Veto
Gemeinsame Haushaltsresolution
Mein Nachfolger sollte berechtigt
- 11 -

�Um die bessere Überwachung und
strengere Disziplin zu gewährleisten,
die im Kongreß bei der Behandlung des
Haushaltes erforderlich sind, schlage
ich vor, daß der Kongreß eine Haushaltsresolution ausarbeiten muß, die
einen ZweiJahreszeitraum umfaßt, einzelne Vorschläge für zusätzliche Einnahmen ausweist und Ausgabeprioritäten aufzeigt. Ferner soll der Kongreß dem Präsidenten seine Haushaltsvorlage zur Unterschrift oder zur Abgabe seines Vetos vorlegen. Weitere
Gesetzgebung, die über diese Bestimmungen hinausgeht, darf nicht ohne
Zustimmung der großen Mehrheit erwogen werden.
Einzelübergabe
setze

der

Bewilligungsge-

Die Praxis der Übergabe von Haushaltsfortschreibungen für das ganze
Jahr hinweg, die eine Reihe von Bewilligungsgesetzen zugleich betreffen, gestattet es der Legislative und
der Exekutive nicht, diese Gesetze
angemessen zu überwachen. Nur allzu
oft haben diese Fortschreibungen eigennützigen Ausgaben, die einer näheren Überprüfung nicht standgehalten
hätten, Tür und Tor geöffnet. Um
dieses Risiko auf ein Minimum zu beschränken, schlage ich vor, daß die
Bewilligungsgesetze dem Präsidenten
einzeln vorgelegt werden.

regierung vergeben werden und sie mit
den Kosten anderer Programme der Bundesregierung vergleichen. Diese Veränderung muß ein integraler Bestandteil der Reform des Verfahrens der
Haushaltserstellung sein.
Bewertung der Ergebnisse
haltsverfahrens

des Haus-

Disziplin im Haushalt und anhaltender Abbau des Defizits würden erleichtert, wenn die Legislative und
die Exekutive sich einen gemeinsamen
Katalog von Grundsätzen zur Bewertung
von Haushaltsvorschlägen und Aktionen
auferlegen würden. Ich fordere, daß
der Haushaltsbehörde des Kongresses
und dem Haushaltsbüro die Aufgabe
übertragen wird, in enger Abstimmung
mit den Haushalts- , Finanz- , Ermächtigungsund
Bewilligungsausschüssen einen gemeinsamen Katalog
von Bewertungskriterien aufzustellen,
nach dem sich die Legislative und die
Exekutive richten.
Die Annahme dieser Reformen sollte die Bundesregierung in die Lage
versetzen, sachlich begründete Entscheidungen so zu treffen, daß damit
vernünftige
Prioritäten
gefördert
werden. Das amerikanische Volk verdient nichts anderes von seinen gewählten Vertretern.
Schlußfolgerung

Kreditreform
Die Auswirkungen der Kreditvergabe werden in den gegenwärtigen Berechnungen des Haushalts nur unzureichend festgehalten. Die Subventionskomponente des Bundeskreditprogramms
tritt nicht zutage.
Um diesem entscheidenden Mangel
im Haushaltssystem abzuhelfen, habe
ich vor zwei Jahren eine Gesetzgebung
über die Reform der Kreditvergabe
vorgeschlagen. Diese jetzt von mir
erneut empfohlene Gesetzgebung würde
die echten Kosten - den gegenwärtigen
Wert - der Subventionen errechnen,
die mit Kreditprogrammen der Bundes- 12

Die Leistungen des amerikanischen
Volkes in den vergangenen acht Jahren
werden für mich immer Anlaß bieten,
stolz zu sein. Dennoch müssen wir
unsere jüngsten Fortschritte zum Abbau des Defizits im Bundeshaushalt
fortsetzen.
Der Abbau des Defizits ist eine
wichtige nationale Priorität, die im
Gramm-Rudman-Hollings-Gesetz
ihren
Niederschlag findet, das trotz all
seiner Mängel einem Prozeß zur Erlangung eines ausgewogenen Haushalts Gesetzeskraft verleiht.
Dieser Haushalt erreicht das für
1990 gesetzte Ziel des Gesetzes und

�seiner Zusätze und sieht für das Jahr
1993 einen ausgewogenen Haushalt vor.
Es erhält berechtigte Programme für
die älteren und bedürftigen Mitbürger, gewährt eine angemessene nationale Sicherheit, stellt mehr Mittel
für andere Aktivitäten von hoher Priorität bereit und leistet all dies
ohne eine Steuererhöhung. Steuererhöhungen sind nicht erforderlich.
Die Geschichte lehrt uns, daß diese
lediglich zu höheren Ausgaben des
Kongresses führen würden.
Bei den
letzten drei Präsidentschaftswahlen
sind Steuererhöhungen immer mit überwältigender Mehrheit überstimmt worden.
Ich fordere den Kongreß auf, diesen Haushalt zu verabschieden. Höhere Steuern sind nicht notwendig - wie
dieser Haushalt zeigt - sondern ein
echter Abbau des Defizits durch Einschränkung des Ausgabenwachstums ist
erforderlich, damit die nächste Administration und der Kongreß das Programm für die Zukunft dieser Nation
gestalten können.
In den vergangenen acht Jahren
haben wir Amerikaner unsere Welt zu
einem sichereren Ort für die Freiheit
gemacht, weil wir die Willenskraft
hatten, unsere Wirtschaft zu beleben,
unsere Verteidigung wiederaufzubauen
und für die weniger Begünstigten unter uns zu sorgen. Gemeinsam haben
wir in unserem Land einen neuen Anfang gemacht und der nächsten Administration den Weg geebnet, damit sie
auf unseren Leistungen aufbauen kann.

- 13 -

�Zusammenfassung der Haushaltsaufwendungen
(in Millarden Dollar)

1988

1989

1990

1991

909,0
1 064,0

975,5
1 137,0

1 059,3
1 151,8

1 140,5
1 207.3

Überschuß/Defizit (-)

- 155,1

- 161,5

-

92,5

-

66,8

Überschuß/Defizit (-)
ohne Veräußerung
von Bundesvermögen

- 155,1

- 161,5

-

98,6

-

69,2

- 144,0

- 136,0

- 100,0

-

64,0

11,1

25,5

3,2

3,2

Einnahmen
Ausgaben

Gramm-Rudman-Defi z i t
Obergrenzen
Differenz

-

1,4

5,2

1,7

1,1

Nachtrag
Überschuß/Defizit (-)
als Prozentsatz des BSP

Zusammenfassung der Haushaltsaufwendungen (Fortsetzung)

1992

1993

1994

Einnahmen

1 212,2

1 281,4

1 345,0

Ausgaben

1 244,4

1 279,0

1 311,6

Überschuß/Defizit (-)

-

32,2

2,4

33,4

Überschuß/Defizit (-)
ohne Veräußerung von
Bundesvermögen

-

34,3

1,6

32,6

-

28,0

0,0

Gramm-Rudman-Defizit
Obergrenzen

Differenz

6,3

-

- 14 -

1,6

*

�Nachtrag
Überschuß/Defizit (-)
als Prozentsatz des BSP

-

0,5

0,0

0,5

Anmerkung: Die Zahlen schließen die Sozialversicherung ein, die im
Haushalt nicht berücksichtigt wird.
*

Die Zahlen liegen nicht vor.

* * * * *

- 15 _

�AMERIKA DIENST
VON

^

Hintergrundmaterial

11. Januar 1989

AMERIKANISCHE WISSENSCHAFTLER FÜHREN SICHERHEIT VON HORMONEN AN
- Artikel über bei der Tiermast eingesetzte Wachstumshormone -

WASHINGTON - (AD) - Amerikanische
Wissenschaftler und Regierungsvertreter berichten, daß in den Vereinigten
Staaten bei der Tiermast eingesetzte
Wachstumshormone zur Steigerung des
Protein- sowie Verringerung des Fettgehalts und der Kalorien in Fleisch
weltweit mit am gründlichsten getestet sind und somit keine Gefahr für
die Gesundheit der Konsumenten darste Llen.
Den Experten zufolge haben umfangreiche
wissenschaftliche
Forschungen belegt, daß die fünf in den
Vereinigten Staaten zugelassenen Hormone - Testosteron, Östradiol, Progesteron sowie zwei synthetische Verbindungen, Zeranol und Trenbolon unschädlich sind. Sie betonen ferner, daß die bei Vieh zum schnelleren

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Embassy of the United States of America

Wachstum verwendete Menge natürlicher
Hormone verglichen mit der Menge vom
menschlichen
Körper
produzierter
gleicher Hormone minimal ist.
Ihren Berichten zufolge werden
bei der Viehzucht nicht nur in den
Vereinigten Staaten sondern auch in
anderen führenden fleischproduzierenden Ländern wie Kanada, Australien,
Brasilien und Argentinien häufig Hormone verwendet.
Lester Crawford, Verwalter des
Nahrungsmittelsicherheits- und
Inspektionsdienstes des amerikanischen
Landwirtschaftsministeriums
erklärte
vergangenen Monat einem Prüfungsausschuß des Europäischen Parlaments,
daß die fünf Wachstumshormone eingesetzt werden, um den Fettgehalt im

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D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Fleisch zu reduzieren und die zur
Aufzucht benötigte Zeit sowie den
Einsatz von Futtermitteln zu verringern.
"Wenn man sich die Liste der
weltweit bei Menschen und Tieren verwendeten medizinischen Präparate betrachtet, zählen diese Verbindungen
zu den unschädlichsten", erklärte
Crawford, der promovierter Pharmakologe und Tiermediziner ist.
Die Europäische Gemeinschaft hat
mit Wirkung vom 1. Januar 1989 als
Reaktion auf den Druck von Verbrauchergruppen, die behaupten, die Hormone seien gesundheitsgefährdend, ein
Einfuhrverbot für sämtliches Fleisch
von hormonbehandelten Tieren aus den
Vereinigten Staaten verhängt.
Die
Vereinigten Staaten exportieren pro
Jahr ca. 50 000 metrische Tonnen
Fleisch im Wert von ungefähr 125 Millionen Dollar in die 12 Länder der
Europäischen Gemeinschaft und machen
Europa damit zu ihrem zweitgrößten
Rindfleisch-Exportmarkt.
Das Problem entstand 1980, als
der Einsatz eines nicht genehmigten
synthetischen Hormons, Diäthylstilböstrol (DES) durch europäische Viehzüchter mit Gesundheitsschäden in
Italien, der Bundesrepublik und Holland in Verbindung gebracht wurde.
Dies rief eine Verbraucherbewegung
auf den Plan, die ein gesetzliches
Verbot für alles von hormonbehandelten Tieren stammende Fleisch in ganz
Europa bewirkte.
Die Anwendung von DES bei der
Viehzucht, das den Erkenntnissen zufolge Krebs verursacht, wurde nach
einer gründlichen Untersuchung durch
Wissenschaftler und nationale Regierungen weltweit verboten. Das synthetische Hormon wurde in den Vereinigten Staaten von Ende der sechziger
Jahre bis 1978 verwendet, als die Genehmigung dafür entzogen wurde.
"Bedauerlicherweise waren es die
weltweiten Erfahrungen mit diesem gefährlichen Präparat, die Entscheidun-

gen über als unschädlich und wirtschaftlich nützlich für die Völker
der Welt erwiesene wachstumsfördernde
Hormone über Gebühr beeinflußt haben", führte Crawford aus.
Dem Professor für Veterinärmedizin an der Auburn University, Robert
Wilson, zufolge haben die fünf in den
Vereinigten Staaten bei Tieren, die
zur Nahrungsmittelproduktion verwendet werden, zugelassenen Hormone eines wurde im Jahr 1969, die anderen
in den achtziger Jahren zugelassen das strengste Arzneimittelzulassungsverfahren in der Welt durchlaufen.
Zu diesem Verfahren gehören Tests von
Veterinärmedizinern,
Toxikologen,
Chemikern und Umweltwissenschaftlern.
Kleinste Mengen von drei natürlichen Hormonen - Östrogen, Testosteron
und Progesteron - kommen ohnehin bei
allen Säugetieren und auch im menschlichen Körper vor.
Diese von bestimmten Drüsen abgesonderten Hormone
haben unterschiedliche Wirkungsweisen
auf die Funktionen des Körpers. Die
gleichen, in großen Mengen mittels
Gentechnik hergestellten Hormone können bei Tieren direkt injiziert werden, um die natürliche Hormonproduktion zu ergänzen und das Wachstum der
Tiere zu fördern, indem der Körper in
die Lage versetzt wird, mehr Nährstoffe aus Futtermitteln in Muskelwachstum anstatt in Fett umzusetzen.
"Die in amerikanischen Produkten
eingesetzten Hormonmengen erhöhen den
Gehalt des betreffenden Hormons im
Tierkörper um maximal 1 Prozent und
um Null Prozent beim menschlichen
Verbraucher des von diesem Tier erzeugten Fleischs", erklärte Wilson.
Er fügte hinzu, das in Europa
weithin verzehrte Bullenfleisch weise
Konzentrationen des Hormons Testosteron auf, die wesentlich höher liegen
als die im Fleisch von mit Hormon-Implantaten
behandelten Ochsen oder
Jungkühen.
Wilson zufolge besteht ein weiterer Grund für das Urteil des amerika-

-f-

�nischen Bundesgesundheitsamts (FDA)
über die Unschädlichkeit von Hormonen
darin, daß lediglich winzige Rückstände von Hormonen im Fleisch behandelter Tiere zurückbleiben. Dies beruht teilweise auf der Tatsache, daß
die Bestimmungen der FDA es nicht zulassen, Hormone in eßbare Partien der
Tiere zu injizieren.
Stattdessen
werden die Hormone in den Ohren der
Tiere appliziert, von wo aus die Substanz dann langsam in den Blutkreislauf eingeführt wird.
Wilson stellte fest, neue wissenschaftliche Tests, bei denen mit radioaktiven Molekülen verbundene Antikörper zur Identifizierung und Qualifizierung von Wirkstoffen eingesetzt
werden, zeigten, daß die Zunahme des
Hormongehalts im Fleisch behandelter
Tiere im Vergleich zur körpereigenen
Produktion
derselben Hormone beim
Menschen verschwindend gering ist.
"Eine
500-Gramm-Portion
von
Fleisch mit Östradiol behandelter
Tiere enthält 15 000 mal weniger
Östradiol als die Menge, die ein Mann
durchschnittlich pro Tag produziert",
erklärte er. Er fügte hinzu, daß sogar bei Kindern vor der Pubertät, die
den geringsten
Hormonspiegel beim
Menschen aufweisen, das zusätzliche
mit dem Fleisch behandelter Tiere
aufgenommene Östradiol 1 000 mal geringer ist als die Tagesproduktion
des menschlichen Körpers. Ähnliches
treffe auf Progesteron und Testosteron zu.
"Es gibt noch einen weiteren Sicherheitsfaktor",
stellte
Wilson
fest.
"Diese natürlichen Hormone
werden vom Körper sehr gut absorbiert
und umgewandelt.
Tatsächlich würde
nur ein sehr geringer Teil eines aufgenommenen Hormons aktiv bleiben,
vielleicht 10 Prozent.
Dies würde
lediglich 0,1 Prozent der Tagesproduktion eines Kindes vor der Pubertät
ausmachen."
Die FDA ist zu dem Schluß gekommen, daß keinerlei physiologische
Auswirkungen auf den Verbraucher beim

Verzehr von Fleisch zu erwarten seien, das zusätzliche Hormone mit einem
Gehalt aufweist, der bis zu einem
Prozent der vom Menschen täglich produzierten Menge aufweist.
Im Gegensatz zu natürlich vorkommenden Hormonen gibt es keine tägliche Produktionsquote für die synthetischen Verbindungen Trenbolonacetat
und Zeranol. Daher fordert die FDA
umfangreiche toxikologische Untersuchungen bei Tieren, um einen unbedenklichen Höchstwert dieser Verbindungen im Fleisch festzusetzen. Sie
fordert darüber hinaus Beweise der
Fleischverarbeiter, daß die Menge der
nach der Behandlung im Fleisch verbleibenden Hormone unter dieser unbedenklichen Höchstgrenze liegt.
Das Programm der FDA über toxikologische Tests für synthetische Hormone erfordert langfristige Untersuchungen über die Behandlung zweier
Tierrassen - in der Regel Ratten und
Mäuse - bei denen als Ergebnis keine
wahrnehmbare hormonelle Wirkung auftreten darf sowie eine zweite Reihe
langfristiger Untersuchungen, um eine
Höchstgrenze für Hormone festzusetzen, die keine hormonellen Auswirkungen auf Primaten in der Tierwelt hat.
Ein im vergangenen April von
einem Ausschuß des Nationalen Forschungsrates - einer Zweigstelle der
Nationalen Akademie der Wissenschaften - veröffentlichter wichtiger Bericht über tierische Nahrungsmittel
fordert weitere Erforschung der Verwendung
von Wachstumshormonen für
Tiere, die Muskel- statt Fettgewebebildung fördern.
Das 16 Teilnehmer umfassende Komitee aus Ernährungswissenschaftlern
und Vertretern anderer Fachrichtungen
wies darauf hin, daß tierische Produkte in unserer Nahrung mehr als die
Hälfte des gesamten Fettanteils, drei
Viertel der gesättigten Fettsäuren
und den Gesamtanteil an Cholesterin
ausmachen. Bei zu großen Mengen dieser Nährstoffe sind Zusammenhänge mit
Herzkrankheiten, Schlaganfällen und

- 3 -

�einigen
Krebserkrankungen
stellt worden.

festge-

Das Komitee sieht die "richtige
Lösung" für zu hohe Fettaufnahme "in
der Produktion magerer Tiere". Dem
Gremium zufolge könnte dies durch die
Anwendung
verfügbarer
Technologien
wie auch den Einsatz von Wachstumshormonen bei der Aufzucht, Fütterung
und Haltung von Vieh erreicht werden.
Fedesa - einer europäischen Vereinigung
der
veterinärpharmazeutischen Industrie - zufolge, "besteht
das Endergebnis der Anwendung von
Hormonen in besserer Qualität, geringeren Kosten und magererem Fleisch."
Fedesa kommt zu dem Schluß, daß die
fünf in den Vereinigten Staaten zugelassenen Hormone von allen zuständigen Behörden und internationalen Ausschüssen, die dazu Statistiken geprüft haben, als unbedenklich bezeichnet wurden.
Der Codex Alimentarius-Ausschuß,
eine hochgeachtete internationale Organisation im Zuständigkeitsbereich
der Weltgesundheitsorganisation und
der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen,
hat die Hormone überprüft und den
Schluß gezogen, die natürlichen Verbindungen seien so unbedenklich, daß
für ihre Anwendung keine Einschränkungen erforderlich sind. Der Ausschuß hat sich zum Ziel gesetzt, die
Gesundheit der Verbraucher zu schützen und weltweit faire Handelspraktiken bei Futtermitteln zu gewährleisten.
In den Vereinigten Staaten spielen drei
Bundesbehörden
bei der
Durchführung von Verfahren zum Schutz
der Öffentlichkeit von Rückständen in
Nahrungsmitteln eine wichtige Rolle.
Crawford zufolge prüft das Landwirtschaftsministerium verarbeitende Betriebe und analysiert Gewebe des
Viehs, um sicherzustellen, daß dieses
verarbeitete Fleisch zum Verzehr geeignet ist. Die Umweltschutzbehörde
ist mit Pestiziden und industriellen
Che.-nikal ien befaßt, die bei der Nah

rungsmittelverareitung Anwendung finden können, und die Nahrungsmittelbehörde legt Höchstgrenzen für Rückstände von Tierarzneimitteln in eßbarem Gewebe fest.
"Die Vereinigten Staaten haben
ein sehr strenges Programm zur Kontrolle von Rückständen, dank dem eine
gefahrlose Versorgung mit Fleisch und
Geflügel sichergestellt werden kann",
erklärte Crawford. "Das Zulassungsverfahren ist extrem komplex, detalliert und zeitaufwendig".

* * * * *

�AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

11. Januar 1989

DIE KONTROVERSE ÜBER DEN EINSATZ VON HORMONEN
BEI DER TIERMAST - DER HINTERGRUND

BONN - (AD) - Der nachstehende Beitrag wurde vom Büro des Landwirtschaftsattaches der US-Botschaft in Bonn erarbeitet. Fragen, die der vorliegende
Text nicht beantwortet, können dorthin gerichtet werden - Tel. (0228) 339-2133.

Am 31. Dezember 1985 verabschiedete der EG-Ministerrat die Richtlinie 85/649 "Verbot der Anwendung anabolischer Substanzen bei der Tiermast". Mit dieser Richtlinie wurde
beabsichtigt, die Anwendung von Hormonen in der EG sowie Einfuhr und
Verkauf von außerhalb der EG mit dieser Methode erzeugtem Fleisch zu verbieten.
Die "Hormon-Richtlinie" trat am
1. Januar 1988 in Kraft, jedoch gewährte der Ministerrat aufgrund energischer Intervention der amerikanischen Regierung im Herbst 1987 einen
einjährigen Aufschub der Durchführung
- bis zum 31. Dezember 1988.
Ebenfalls im Herbst 1987 veröffentlichte die Regierung der Verei-

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Embassy of the United States of America

nigten Staaten eine am 1. Januar 1988
in Kraft getretene Liste von Vergeltungsmaßnahmen-'-.
Die
Anwendung
dieser Liste wurde jedoch bis zur
Einführung der Hormon-Richtlinie ausgesetzt.
Am Montag, dem 19. Dezember 1988
beschloß der Ministerrat, die Durchführung der Richtlinie nicht über den
1. Januar 1989 hinaus zu verschieben.
Er erklärte
sich jedoch bereit,
Fleischimporte
zur
Verwendung
in
Heimtierfutter von dieser Maßnahme
auszunehmen. Der Rat beschloß ferner, weitere Gegenmaßnahmen zu ergreif en^,
falls
die
Vereinigten
Staaten ihre Vergeltungsmaßnahmen in
Kraft setzen sollten. Dieser Schritt
wurde jedoch vertagt, um die Auswirkungen der Aussetzung des Verbots bei

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�Heimtierfutter auf die Liste von Vergeltungsmaßnahmen
der
Vereinigten
Staaten abzuwarten. Der Ministerrat
wies die EG-Kommission an, die Möglichkeit zu prüfen, die Vereinigten
Staaten wegen ihres "einseitigen" Beschlusses
von
Vergeltungsmaßnahmen
vor das GATT zu zitieren. Die Kommission versuchte dies tatsächlich
sehr bald, aber der Versuch wurde von
den Vereinigten Staaten verhindert,
die anführten, daß gerade die EG seit
langem jeden amerikanischen Versuch
blockierten, das ganze Problem dem
GATT zu unterbreiten.
Die amerikanischen Rindfleischexporte in die EG im Wert von 145 Millionen Dollar bestehen zum größten
Teil aus Innereien, wie etwa Leber,
Zunge, Herz, Nieren etc. für die
fleischverarbeitende Industrie (einschließlich Heimtierfutter) und einer
winzigen Quote von 10 000 Tonnen an
qualitativ hochwertigem Rindfleisch
(Hilton Beef).
Zum Vergleich: Argentinien exportiert 380 000 Tonnen
an
qualitativ
hochwertigem
Rindfleisch in die EG.

Warum dieser Konflikt?
Warum sind die Vereinigten Staaten in ihrer Ablehnung des Hormonverbots so unnachgiebig, insbesondere
wenn man bedenkt, daß sie von anderen
Anbietern, wie etwa Argentinien, Australien und Neuseeland praktisch
keine Unterstützung in dieser Angelegenheit erfahren?
Hierfür gibt es zwei Gründe: am
wichtigsten ist, daß das Hormonverbot
jeglicher wissenschaftlichen Grundlage entbehrt. Zu Beginn versuchte die
EG-Kommission, das Hormonverbot als
Maßnahme darzustellen, die der "Gesundheit"
oder
dem
"Verbraucherschutz" diene. Aufgrund erdrückender
wissenschaftlicher
Beweise^ mußten
die Kommission und die Mitgliedstaaten sich darauf zurückziehen, es als
"politische" Maßnahme zu bezeichnen "weil unsere Verbraucher dies wünschen" .

Die amerikanische Position geht
davon aus, daß das gesamte System der
gesundheitspolitischen
Beziehungen
zwischen den Staaten in Gefahr geraten würde, "politischen" Maßnahmen zu
unterliegen, wenn solche Angelegenheiten nicht auf wissenschaftlicher
Grundlage behandelt werden.
Ferner
erkennen weder die Vereinigten Staaten noch das GATT politische Gründe
als eine legitime Basis für eine Beschränkung des Handels an. Die amerikanische Regierung ist der Auffassung, daß im Falle einer politisch
motivierten Handelsbeschränkung die
dafür verantwortlichen Staaten nicht
überrascht sein dürfen, wenn die geschädigte Partei Retorsionsmaßnahmen
ergreift.
Der zweite Grund, aus dem die
Vereinigten Staaten dieses Problem so
ernst nehmen, ist, daß trotz der in
Anbetracht des Gesamthandelsvolumens
zwischen den USA und der EG relativ
unbedeutenden Summe von 145 Millionen
Dollar dies für die hiervon betroffenen Erzeuger und Exporteure schwer zu
Buche schlägt. überdies mußten sich
die in die EG exportierenden amerikanischen Fleischwarenhersteller gerade
erst
an
die
EG-Richtlinie
für
fleischverarbeitende
Betriebe
in
Drittstaaten anpassen. Diese Richtlinie hält sich nicht an das Prinzip
der
Gleichwertigkeit-*,
sondern
schreibt spezielle Anforderungen für
Konstruktion und Betrieb fleischverarbeitender Betriebe vor. Zu allem
Übel muß sich die Mehrheit der
fleischverarbeitenden Betriebe in der
EG nicht an diese Richtlinie halten lediglich diejenigen, die im grenzüberschreitenden Handel tätig sind.
Die Drittlandsrichtlinie hatte zur
Folge, daß die Fleischwarenhersteller
in den Vereinigten Staaten 20 Millionen Dollar investieren mußten, um ihre Betriebe anzupassen - ohne Gewinn
an Wirtschaftlichkeit oder Verbesserungen des Produkts.

Die Funktionsweise
schen Systems

des

amerikani-

�Seit der Besiedlung des amerikanischen Westens boten die weiten, offenen Weideflächen einen Anreiz für
die Entwicklung der Rinderhaltung in
großem Stil. Dabei trat schnell zutage, daß Bullenkälber schon früh kastriert werden mußten, wenn wenige
Arbeiter große Herden auf offenen
Weideflächen unter Kontrolle halten
wollten. Aus diesem Grund wurde es
in den Vereinigten Staaten die Norm,
Ochsen zum Schlachten aufzuziehen und
Bullen lediglich zu Zuchtzwecken zu
verwenden.
Diese Praktiken wurden
auch in Kanada, Südamerika, Australien, Neuseeland und anderen Ländern
eingeführt.
Wegen der grundverschiedenen Bedingungen in Europa setzte sich hier
die Praxis der Aufzucht von Ochsen
zur
Rindfleischherstellung
nicht
durch - außer in begrenztem Maße in
Frankreich, Großbritannien und Irland
nach dem Zweiten Weltkrieg.
Der
Großteil des Rindfleischs von männlichen Tieren in Europa stammt von Bullen, die in Ställen gehalten und 18
Monate bis 2 Jahre lang mit einem Nasenring vor einem Futtertrog angepflockt sind.
In den Vereinigten
Staaten werden Rinder 14-16 Monate
lang auf offenen Weideflächen gehalten und dann etwa 120 Tage in "feedlots" mit Mais und Sojaschrot gemästet.
In den späten vierziger Jahren
ermöglichten Fortschritte in der Medizin die Entwicklung von Hormonanwendungen für Menschen und Tiere.
Diese Technologie stellte sich bei
der Rindermast als besonders wirksam
heraus, insbesondere bei Ochsen, da
deren
natürliche
Hormonproduktion
durch die frühzeitige Kastration erheblich reduziert wird. Die Verabreichung einer minimalen Dosis bestimmter Hormone führt zu einer deutlichen Steigerung der Futterverwertung, d.h., es wird eine geringere
Menge Futter pro Kilogramm Zunahme
benötigt.
Gleichzeitig
verbessert
sich die Fleischqualität durch Reduzierung des Fettanteils. Der Einsatz
von Hormonen führte also zu einer Er-

höhung der Rentabilität für den Mäster und zu einer besseren Fleischqualität für den Verbraucher.
Fünf hormonelle Substanzen sind
in den Vereinigten Staaten bei der
Rindermast erlaubt. Das sind einmal
"natürliche" (natürlich vorkommende,
aber im Labor produzierte) wie Ö'stradiol, Progesteron und Testosteron sowie die "synthetischen" Substanzen
Zeranol und Trenbolon. Bei richtiger
Anwendung werden die natürlichen Hormone umgewandelt
und hinterlassen
keine Spuren.
Das heißt, es ist
schwer, wenn nicht unmöglich, an Hand
von Fleischproben herauszufinden, ob
zur Tiermast natürliche Hormone verwendet wurden - wenn diese nicht unsachgemäß angewandt wurden. Die synthetischen Hormone hinterlassen hingegen Rückstände oder Signaturen, die
meßbar sind und an Hand derer festgestellt werden kann, ob die Substanzen
richtig eingesetzt wurden. Das synthetische Hormon Zeranol wurde vom
amerikanischen
Bundesgesundheitsamt
(FDA) 1969 genehmigt, mit Hilfe modernster Technologie neu überprüft
und 1983 erneut mit einem empfohlenen
Rückständewert von 0,5 ppB (pro Pfund
Rindfleisch)
genehmigt.
Trenbolon
wurde nach neunjährigen Untersuchungen 1987 von der FDA genehmigt, und
für Rückstände wurde ein Wert von 0,1
ppB empfohlen.
Hormone für die Tiermast sind in
den Vereinigten Staaten nicht verschreibungspflichtig.
Sie sind in
speziellen Kapseln erhältlich und
werden mit einem besonderen Apparat
im Ohr des Tieres implantiert. Die
Verbindung gelangt über einen längeren Zeitraum hinweg in kleinsten Mengen in den Blutkreislauf des Tieres.
Ein Kontakt zu Muskelgewebe wird
nicht hergestellt. Bei der Schlachtung des Tieres wird das behandelte
Ohr abgeschnitten und beseitigt. Besondere Erwähnung sollte in diesem
Zusammenhang finden, daß Färsen auch
Hormonimplantate erhalten, so daß das
Fleisch dem der Ochsen qualitativ
gleichzusetzen ist.

- 3 -

�Zusätzlich zur Transparenz und
Offenheit des amerikanischen Systems
bildet das vom amerikanischen Landwirtschaftsministerium
landesweit
durchgeführte umfangreiche Programm
zur Überprüfung und Stichprobenerhebung ebenfalls einen wichtigen Bestandteil, um das Vertrauen der Verbraucher und Gesetzgeber zu erhalten.
Dieses obligatorische Programm prüft
nicht nur den Hormongehalt, sondern
auch auf Pestizide, Arzneimittel und
andere Rückstände.
Die Ergebnisse
des Programms werden jährlich veröffentlicht. Unterstützung leisten dabei die auf lokaler Ebene tätigen
amtlichen Veterinäre, die regionalen
Labors des Ministeriums und der auf
Bezirksebene tätige Auswertungs- und
Informationsdienst.
In Anbetracht des von der EG verhängten totalen Hormonverbots wirkt
es wie Ironie, daß der Hormongehalt
in amerikanischem Ochsenfleisch sehr
viel geringer ist als in europäischem
Fleisch.
Dies
trifft
auch
bei
Fleisch von Kühen zu.
Der Grund
liegt darin, daß die natürliche Hormonproduktion eines Bullen in nur
vier Tagen den 200 Milligramm der im
Ohr eines amerikanischen Ochsen implantierten Kapsel entspricht und darüber hinausgeht. Dabei muß die implantierte Dosis für die gesamte
Mastperiode ausreichen.
N.B.: Hier sind jedoch nicht die auf
dem schwarzen Markt erhältlichen Verbindungen berücksichtigt, die ebenfalls in europäischen Fleischlieferungen vorhanden sein können (d.h.
illegal hergestellte und gemischte
"Cocktails" aus Hormonen, mißbräuchlich
angewandte
Arzneimittel
wie
"Clenbuterol" und das international
verbotene "DES"). Das genaue Ausmaß
des europäischen Schwarzmarktes für
diese illegalen Substanzen ist unbekannt , wird jedoch als sehr groß betrachtet.

Schlußfolgerung

Die Bundesregierung hat die Anwendung von Hormonen für die Tiermast
innerhalb ihrer Grenzen im Jahr 1959
verboten. Während es In Frankreich,
Großbritannien und Irland in den folgenden 30 Jahren kaum Skandale im Zusammenhang mit illegalen Substanzen
gab, wurde in der Bundesrepublik und
den anderen EG-Staaten wiederholt die
weitverbreitete Anwendung von (illegal hergestellten und illegal verbreiteten)
Schwarzmarkt-Drogen
bei
der Tiermast aufgedeckt. Gleichzeitig führten zunehmend verfeinerte
Technologien und Testtechniken dazu,
daß immer mehr wissenschaftliche Gremien den Einsatz von Hormonen bei der
Rindermast befürworteten (Anhang II).
Die Reaktion der europäischen Regierungen auf die Schwarzmarkt-Probleme mit "Hormon-Cocktails" und Arzneimitteln sowie die zunehmende Empörung der Öffentlichkeit wogen die
Vorteile einer Legalisierung der Anwendung sicherer, international genehmigter Hormonpräparate nicht auf
sondern führten zur Entwicklung und
Durchsetzung der EG-Hormon-Richtlinie.
Interessanterweise
lehnten
Frankreich^, Großbritannien und Irland die Verabschiedung der Verordnung ab, jedoch nicht vehement genug,
um eine Sperrminorität zu bilden.
Auch hier siegte politischer Eigennutz über wissenschaftliche Beweise.
Die Vereinigten
Staaten haben
vergeblich versucht, das Problem auf
der Grundlage der internationalen
wissenschaftlichen
Erkenntnisse
zu
lösen. Bereits frühzeitig erklärten
sich die Vereinigten Staaten freiwillig bereit, alle von der EG für ihr
Fleisch gefordertenn Höchstmengen für
Hormone und Rückstände zu befolgen.
Die EG lehnte diesen Vorschlag jedoch
ab.
Amerikanische Vorschläge, die
Frage dem Normenausschuß des "GATT zur
Entscheidung vorzulegen, wurden von
der EG wiederholt blokkiert. Im Verlauf der einjährigen Aussetzungsperiode vom 1. Januar 1988 bis zum 31.
Dezember 1988 zeitigten die Diskussionen zwischen der EG und den Vereinigten Staaten keinerlei Ergebnisse,

�da die Kommission keine Anweisungen
hatte, das Thema zu verhandeln. Das
für September 1988 vorgesehene bilaterale Treffen zwischen der EG und
den Vereinigten Staaten fand nicht
statt, da die Kommission erklärte,
sie habe nichts Neues zu sagen. Im
Dezember 1988 entschied der EG-Ministerrat dann, keine Maßnahmen zu ergreifen, um die Einführung des Verbots weiter zu verzögern.
Die einzige daraus zu ziehende
Schlußfolgerung lautet, daß die EG
beabsichtigt, die Hormon-Richtlinie
durchzuführen, selbst unter dem Vorbehalt,
sie
sei
wissenschaftlich
nicht haltbar.
Die folgende Tabelle zeigt, daß
unbehandeltes Bullenfleisch einen 10
bis 44mal höheren Gehalt an männlichen Hormonen hat als das Fleisch behandelter Tiere:

4 NB: Mit dem 1. Januar 1988 wurde
Frankreich und allen anderen europäischen Mästern legaler Zugang zu genehmigten
Präparaten
verweigert.
Seitdem wurde auch in Frankreich beachtlicher Mißbrauch von Clenbuterol
festgestellt.

�Tabelle 1
Vergleich männlicher und weiblicher Hormone
im Fleisch implantierter und unimplantierter Tiere

Weibliche Hormone
(Nanogramm)

Gewicht der Portion
(500 g)

Bulle
Ochse
Ochse
Ochse
Ochse
Färse
Färse
Kuh*

20
6,1
(m.weibl.Hormon implantiert)
(mit Zeranol implantiert)
(mit Trenbolon implantiert)
(mit Trenbolon implantiert)
(m.mann 1.Hormon implantiert)

Männliche Hormone
(Nanogramm)

1560-2000

20
20
20

11,4

7,0
75*
75*

135-150
135-150

35

75

Zum Zeitpunkt der Abfassung dieses Berichts waren detaillierte Informationen über den Östrogengehalt bei ungedeckten Färsen nicht
verfügbar. Es kann jedoch mit Sicherheit angenommen werden, daß
er nicht höher sein wird als bei Kühen.
Quellen: "Hormoneinsatz in der Tiermast," Prof. Dr. Heinrich Karg, Technische Universität München, Weihenstephan, und "Was sind Anabolika,"
Bundesverband für Tiergesundheit e.V., Bonn.

Tabelle 2
In verschiedenen Nahrungsmitteln natürlich vorkommende
Menge weiblicher Hormone (Östrogene)
Nahrungsmittel

Hühnerei
Kohl
Erbsen
Weizenkeime
Sojaöl
Milch

Gewicht der Portion
(Gramm)

50-60

100
100
10
10 ml
500 ml

Quelle: Bundesverband für Tiergesundheit e.V., Bonn.

- 6 -

Östrogenaufnähme
(Nanogramm)

1750
2400

400
200
20000

75

�Tabelle 3
Produktion natürlicher -Hormone beim Menschen
Alter/Geschlecht

Junge (vor der Pubertät)
Erwachsener Mann
Mädchen (vor der Pubertät)
Nicht schwangere Frau
Schwangere Frau

Östrogenproduktion
(ng/24 Std.)

41
136
54
540
20 000

000
000
000
000
000

Quelle: Bundesverband für Tiergesundheit e.V., Bonn.

- 7 -

Androgenproduktion
(ng/24 Std)

65
6 500
32
320
320

000
000
000
000
000

�ANHANG I
Liste der von den amerikanischen Vergeltungsmaßnahmen betroffenen Produkte (lOOprozentige Einfuhrzölle)
Rindfleisch ohne Knochen, frisch, gekühlt oder gefroren
Schweineschinken und -schultern, verarbeitet oder konserviert
Tomaten (außer Tomatenmark), verarbeitet oder konserviert
Löslicher Kaffee oder Kaffee-Extrakte
Fruchtsäfte, konzentriert oder nicht konzentriert
Alkoholische Getränke
(außer Bier)

mit weniger

als

7 Prozent Alkoholgehalt

Für den Einzelhandel verpacktes Heimtierfutter
(Naturdärme für die Wurstproduktion wurden aufgrund der Aussetzung
bei Heimtierfutter von der Liste gestrichen).
Gesamtwert der amerikanischen Importe

100 Millionen Dollar

Liste der von EG-Gegenmaßnahmen betroffenen Produkte
Honig
Walnüsse in Schale
getrocknetes Obst
-

Mais in Dosen
Gesamtwert der EG-Importe

- 8 -

144 Millionen Dollar

�ANHANG II
Wissenschaftliche Gremien, die der sachgerechten Anwendung von
Hormonen als nicht gesundheitsgefährdend zugestimmt haben

1981

Gemeinsame Expertenkommission für Nahrungsmittelzusätze
der Weltgesundheitsorgansation (WHO) und der Ernährungsund Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen
(FAO)

1981

Wissenschaftlicher Beirat der Bundesärztekammer
Bundesrepublik Deutschland

1981/1985/1987

Kommission für Hormontoxikologie, Deutsche Gesellschaft
für Endokrinologie

1982

EG-Arbeitsgruppe5

1987

Wissenschaftliche Arbeitsgruppe
("Lamming Bericht")5

1988

Kommission für Rückstände veterinärmedizinischer Präparate in Nahrungsmitteln, Codex Alimentarius

1
2
3
^

5

in der

(EG) "Anabolic Agents"

siehe Anhang I
siehe Anhang II
Das Prinzip der Gleichwertigkeit erlaubt unterschiedliche Technologien, wenn das Endprodukt identisch ist, wie etwa gesundes Fleisch
NB: Mit dem 1. Januar 1988 wurde Frankreich und allen anderen europäischen Mästern legaler Zugang zu genehmigten Präparaten verweigert.
Seitdem wurde auch in Frankreich beachtlicher Mißbrauch von Clenbuterol festgestellt.
Diese Gruppe wurde 1980 von der EG-Kommission gegründet. Sie gab ihre erste positive Stellungnahme zur physiologischen Hormontechnologie
im Jahr 1982 ab. Im Jahr 1985 wurde sie zur Überprüfung von Zeranol
und Trenbolon erneut einberufen, aber die EG-Kommission löste die
Gruppe vor Fertigstellung des Berichts auf. Die Gruppe trat auf privater Ebene wieder zusammen, beendete ihre Aufgabe und veröffentlichte ihre Stellungnahme im Jahr 1987 im "Lamming Report".

* * * * *

- 9 -

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Sullivan wird erster schwarzer Minister Im Kabinett Bush&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Porträt des neuen Gesundheitsministers&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Shultz drängt auf Beendigung des Einsatzes chemischer Waffen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede vor der Pariser Konferenz&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Reagan legt Haushaltsentwurf für 1989/90 vor&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Zielsetzung bleibt Abbau des Defizits&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Amerikanische Wissenschaftler führen Sicherheit von Hormonen an&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Artikel über bei der Tiermast eingesetzte Wachstumshormone&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;Die Kontroverse über den Einsatz von Hormonen bei der Tiermast&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Der Hintergrund&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST
VON

*
4. J a n u a r 1989

INHALT

INFORMATION
Dole bringt lange Regierungserfahrung mit
- Porträt der zukünftigen Arbeitsministerin Elizabeth Dole Minister für Transport und Verkehr bringt Erfahrung mit
- Porträt von Samuel Skinner Bush nominiert Hispano-Amerikaner zum neuen Innenminister
- Porträt von Manual Lujan Designierter Chef der Umweltbehörde befürwortet weltweiten
Umweltschutz
- Porträt von William Reilly -

DOKUMENTATION
Vereinigte Staaten verhängen Handelssanktionen gegen EG
- Erklärung des Handelsbeauftragten, Kommentar des Weißen Hauses

HINTERGRUNDMATERIAL
"Zentrale Rolle" für Mujahedin in neuer afghanischer Regierung
- Bericht des US-Außenministeriums Liste der als Vergeltungsmaßnahme gegen das Fleisch-Importverbot
der EG verhängten Sanktionen
- Amerikanische Sanktionen gegen EG-Produkte -

* * * * *

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%r,oN^

4. Januar 1989

DOLE BRINGT LANGE REGIERUNGSERFAHRUNG MIT

- Porträt der zukünftigen Arbeitsministerin Elizabeth Dole -

WASHINGTON - (AD) - Die vom gewählten Präsidenten Bush als Arbeitsministerin in seine Administration
berufene ELizabeth Dole ist aus hohen
Regierungämtern nicht mehr wegzudenken.

dentschaftswahlkampfes 1988 nur zum
Teil spaßig gemeint, als Robert ein
echter Konkurrent von Bush war; einige vertraten die Ansicht, Elizabeth
wäre eine gute Wahl für den Posten
der Vizepräsidentin.

Dole, eine 52jährige Juristin,
hat in fünf vorherigen Administrationen bereits unter Präsident Lyndon
Johnson im Jahr 1966 gedient und leitete unter Präsident Reagan das Ministerium für Transport und Verkehr.

Elizabeth Dole nahm den Gedanken
immerhin soweit ernst, daß sie Journalisten auf die Frage, ob ihrer Ansicht nach nicht etwas an der Kandidatur von zwei Ehepartnern auszusetzen sei, antwortete:
"Theoretisch
nicht. Wir haben jeder unsere eigene
Karriere. Es wäre jedoch etwas ungewöhnlich."

Sie und ihr Gatte Robert, der den
Vorsitz der Republikaner im Senat
führt, werden häufig als "das Paar
mit der größten Macht" in Washington
bezeichnet. In der Tat war das Gerede vom "Ehepaar Dole" auf der Wahlliste in der Anfangsphase des Präsi-

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Als Bush die Nominierung seiner
Partei gewann, hielten sich die Gerüchte, Elizabeth Dole würde als Vizepräsidentin
aufgestellt.
Aber

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�schließlich wurde Senator Dan Quayle
benannt.

die Präsident Carter wegen angeblicher Falschaussagen angriff.

In North Carolina geboren und
aufgewachsen bevor sie für ihre juristische Ausbildung und Karriere in
der Bundesregierung nach Norden ging,
wurde "Liddy" Dole - sie machte sich
den weitverbreiteten Kosenamen als
junges Mädchen zu eigen - stets dem
sprichwörtlichen Charme des Südens
gerecht.

Mit der Wahl von Präsident Reagan
wurde Dole zu seiner Assistentin für
Öffentlichkeitsarbeit ernannt und damit zur ersten Frau auf einem hochrangigen Posten in seiner Administration. Zu Beginn des Jahres 1983 beförderte Reagan sie zur Ministerin
für Transport und Verkehr im Kabinett. Ihre Wahl wurde im großen und
ganzen als Bestreben angesehen, die
Benachteiligung der Frau zu verringern und die Position des Präsidenten
gegenüber Frauen im Vorfeld der Wahlen 1984 zu verbessern.

Ihr wird ein beruhigender Einfluß
auf Senator Dole nachgesagt, den sie
im Jahr 1975 heiratete und der in dem
Ruf steht, aufbrausend und scharfzüngig zu sein.
Im Anschluß an ihr Examen an der
Harvard Law School kam sie 1966 nach
Washington und begann ihre Karriere
in der Regierung als Mitarbeiterin im
Gesundheitsministerium, ein Amt, in
dem sie sich auf die Ausbildungsprobleme von Behinderten spezialisierte.
Später hatte sie Positionen als
stellvertretende Direktorin für juristische Angelegenheiten im Büro für
Konsumentenbelange
unter
Präsident
Johnson und als geschäftsführende Direktorin der Kommission zur Wahrung
von Konsumenteninteressen unter Präsident Nixon inne. Nixon berief sie
dann zu einer siebenjährigen Amtszeit
beim Bundeskartellamt (FTC), einer
unabhängigen Behörde, die sich mit
der Förderung des Wettbewerbs im Binnenhandel und der Bekämpfung unlauteren Wettbewerbs, wie beispielsweise
mutwillige Täuschung durch Werbeversprechen befaßt. Ihre Amtszeit wurde
bis in die Administration von Ford
und Carter verlängert.
Demokratin, als sie nach Washington kam, wurde Dole bei ihrer Berufung zum FTC als politisch unabhängig
bezeichnet. Mit ihrem Rücktritt von
diesem Amt im Jahr 1979 hatte sie den
Übe rgang zur Republikanerin vollzogen
und
beim
Präsidentschaftswahlkampf
des Jahres 1980 war sie Vorsitzende
der Wähler für Reagan-Bush und Mitglied des "truth squad" einer Gruppe,

Zu Doles Leistungen während ihrer
Amtszeit als Transportministerin zählen der erfolgreiche Verkauf von Conrail, dem ehemals regierungseigenen
Gütertransportsystem, sowie die Übergabe von zwei Washingtoner Flugplätzen an eine regionale Behörde.
Dole trat wie auch von ihrem Amt
beim FTC von ihrem Posten als Transportministerin zurück, um eine aktive
Rolle in dem erfolglosen Präsidentschaftswahlkampf
ihres
Mannes
zu
übernehmen.
Für ihn unternahm sie
zahlreiche Reisen und Robert Dole bezeichnete sie scherzhaft als "meine
Strategie für den Süden".
Mit ihrer Ernennung zur Arbeitsministerin erfüllt Bush - vorbehaltlich der Bestätigung durch den Senat
- sein Versprechen, eine Frau in sein
Kabinett zu berufenn. Diesen Posten
hat derzeit die einzige Frau in
Reagans Kabinett - Ann McLaughlin inne.

Nachdem die Wahl auf sie gefallen
war, erklärte Dole, sie strebe "die
Verbesserung und den Schutz des Wohlergehens der amerikanischen Arbeitnehmer" an.
Dole legte ihr Examen in politischen Wissenschaften an der Universität Duke im Jahr 1958 ab und wurde
Mitglied in der studentischen Vereinigung hervorragender Akademiker (Phi

- 2 -

�Beta Kappa).
Sie studierte an der
Universität Oxford in Großbritannien,
erwarb dann den Magister in Pädagogik
und Staatskunde an der Universität
Harvard im Jahr 1960, bevor sie ihre
Studien an der juristischen Fakultät
aufnahm.
Im Jahr 1974 wählte das Time Magazine sie zu einem der 200 "Gesichter der Zukunft" Amerikas.
Sie und Senator Dole haben keine
Kinder. Der Senator hat eine Tochter, Robin, aus einer vorherigen Ehe.

* * * * *

- 3 -

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e&lt;

4. Januar 1989

MINISTER FÜR TRANSPORT UND VERKEHR BRINGT ERFAHRUNG MIT
- Porträt von Samuel Skinner -

WASHINGTON - (AD) - Der vom neu gewählten Präsidenten George Bush für das
Ministerium für Transport und Verkehr ausgewählte Samuel Skinner bringt sowohl
Erfahrungen auf seinem Gebiet als auch die politischen Verbindungen mit nach
Washington, die seinen Ansichten Gewicht verleihen.
Der Jurist Skinner ist seit 1984
Vorsitzender der regionalen Verkehrsbetriebe von Chicago (Chicago Regional Transit Authority - RTA), dem Betreiber von Pendlerzügen und Buslinien in und um Chicago. Die RTA sind
mit 2,4 Millionen Verkehrsteilnehmern
dem Umfang nach die zweitgrößten in
den Vereinigten Staaten nach den New
Yorker
Verkehrsbetrieben.
Skinner
ist im Besitz einer Instrumentenflugberechtigung.

"Sicherheit muß für uns immer an
erster
Stelle
stehen",
erklärte
Skinner gegenüber Journalisten auf
einer Pressekonferenz am 22. Dezember, auf der seine Nominierung und
die anderer Kabinettsmitglieder bekanntgegeben wurde. Er will das amerikanische Flugverkehrssystem verbessern und die Anstrengungen der KUstenwache unterstützen, dem Drogenverkehr in die Vereinigten Staaten
Einhalt zu gebieten.

Ferner sind Skinners enge Verbindungen zum neu gewählten Präsidenten
von Bedeutung. Er war zweiter Vorsitzender von Bush Kampagne um die
Präsidentschaft im Jahr 1980 gegen
Ronald Reagan und Anfang dieses Jahres Leiter des erfolgreichen BushWahlkampfes in Illinois.

Der 50jährige Skinner wurde unter
der Ford-Administration 1975 Staatsanwalt für den nördlichen Verwaltungsbezirk von Illinois. 1983 wurde
er Stellvertretender Vorsitzender in
der Kommission des Präsidenten gegen
das organisierte Verbrechen und gegenwärtig ist er Sozius im Chicagoer

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�Büro der internationalen Anwaltskanzlei Sidley und Austin.
Skinner begann seine Laufbahn in
der International Business Machines
Corporation (IBM), wo er von 1961 bis
1968 in der Marketingabteilung arbeitete.
1967 wurde er zusammen mit
zwei anderen Kollegen zum besten IBMVerkäufer in den Vereinigten Staaten
gewählt.
1966 legte er an der De
Paul
University
sein
Examen
in
Rechtswissenschaften
ab und wurde
1968 erster Assistent
von James
Thomson, dem damaligen Staatsanwalt
für den nördlichen Verwaltungsbezirk
von Illinois. In diesem Zeitraum erhielt er zweimal eine Auszeichnung
des Justizministeriums für hervorragende Leistungen.

Thompson hat sich als Gouverneur
von Illinois für die Berufung von
Skinner auf den Posten des Verkehrsministers stark gemacht.
Skinner war darüber hinaus Vorsitzender im Ausschuß für Kapitalentwicklung in Illinois, in der Kommission des Gouverneurs gegen Betrug und
der Arbeitsgruppe des Gouverneurs zur
Energieeinsparung und Kohleverarbeitung.
Er legte 1960 an der University
of Illinois seine Prüfung in Rechnungswesen ab und diente von 1960
bis 1961 als Offizier in der Armee.
Skinner hat drei Kinder.

* * * * * *

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*

4. Januar 1989

BUSH NOMINIERT HISPANO-AMERIKANER ZUM NEUEN INNENMINISTER
- Porträt von Manual Lujan -

WASHINGTON - (AD) - Der langjährige Abgeordnete im Repräsentantenhaus,
Manual Lujan, ist für das Amt des Innenministers in der nächsten Administration nominiert worden. Der im Jahr 1968 zum ersten Mal für den Staat New
Mexico in den Kongreß gewählte Lujan bekleidet im Innenausschuß des Repräsentantenhauses bei den Republikanern die zweitwichtigste Position. Im Unterausschuß für Energie und Umwelt ist er ein wichtiges Mitglied der Minderheitsfraktion. Ferner hält er einen Sitz im Unterausschuß für Wasser- und Elektrizitätswirtschaft. Im Ausschuß für Wissenschaft, Weltraumforschung und Technologie steht er bei den Republikanern an führender Stelle.
In letzterer Funktion war er eines von vier Mitgliedern des Kongresses in der vom Präsidenten gebildeten
Nationalen Kommission für Weltraumforschung, die für die Langzeitplanung der amerikanischen Weltraumpolitik zuständig war. In dem von dieser
Kommission im Jahr 1986 veröffentlichten Bericht wurde ein 50-JahresPlan vorgeschlagen, in dessen Verlauf
permanente Stützpunkte auf dem Mond
und dem Mars eingerichtet werden
sollten, mit denen der Abbau von Bodenschätzen auf Mond und Mars ermöglicht würde.
Während der Reagan-Administration
war Lujan schon drei Mal für den Posten des Innenministers im Gespräch.
Als Kongreßmitglied blockierte er ein
Gesetz für die Verpachtung von Land

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in bestimmten noch im Urzustand belassenen Gebieten New Mexicos zum
Zweck der Erschließung von Öl- und
Erdgasvorkommen.
Letztlich stimmte
er jedoch einem Kompromißvorschlag
zu, mit dem eine solche Verpachtung
nach dem Jahr 2000 ermöglicht würde.
In bezug auf die Zuständigkeit
des Innenministeriums für Nationalparks und andere große Landflächen in
Staatsbesitz erklärte Lujan auf einer
Pressekonferenz am 22. Dezember, in
deren Verlauf Bush seine Nominierung
ankündigte: "Wie Sie wissen, engagiere ich mich sehr für den Erhalt
dieses Erbes, das uns hinterlassen
wurde und das wir unseren Kindern und
deren Kindern in besserem Zustand
vererben wollen, als wir es vorgefunden haben." Weiter sagte er, wenn

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�"ein kleines Stück des uns allen Anvertrauten entweiht wird, leiden wir
alle darunter".
Seine Bilanz im Kongreß ist konservativ. So stimmte er für Kürzungen der Haushaltsmittel für Wasserwirtschaftsprojekte und im öffentlichen Wohnungsbau.
Im allgemeinen
befürwortete er Verteidigungsvorhaben, wie etwa die Produktion der MXRakete und die Hilfe an die Contras
in Nicaragua.
Er ist ein vehementer Verfechter
der Atomenergie. Der Staat New Mexico ist einer der Hauptlieferanten
für Uran in den Vereinigten Staaten.

Lujan, der eigentlich vorgehabt
hatte, nach 20jähriger Tätigkeit im
Kongreß im Januar in den Ruhestand zu
treten, ist der zweite Amerikaner
hispanischer Abstammung im Kabinett
Bush.
Der andere, Bildungsminister
Lauro Cavazos, wird von der ReaganAdministration übernommen.
Der 60jährige Lujan studierte am
College of Santa Fe. Er ist ehemaliger
Vizepräsident
der
Republikanischen Partei im Staat New Mexico.
Ferner war er Präsident der Vereinigung selbständiger Versicherungsvertreter des Staates New Mexico. Er
hat vier Kinder.

* * * * * *

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4

4. Januar 1989

DESIGNIERTER CHEF DER UMWELTBEHÖRDE BEFÜRWORTET WELTWEITEN UMWELTSCHUTZ

- Porträt von William Reilly -

WASHINGTON - (AD) - Der vom gewählten Präsidenten George Bush für
das Amt des Leiters der Umweltbehörde
(EPA) ausgesuchte
William
Reilly
bringt für diese Tätigkeit große Erfahrung in Umweltschutzfragen sowohl
auf internationalem wie auch auf heimischem Parkett mit.

ste Präsident seine Wahlkampfversprechen ernst nehmen und Umweltfragen
einen höheren Stellenwert einräumen
wird.

Die Nominierung von Reilly am 22.
Dezember 1988 wurde von fast allen
namhaften Umweltschützern in den Vereinigten Staaten begrüßt. Viele hoben Reillys Fähigkeit zum Konsens und
Ausgleich zwischen Umweltschutz- und
Wirtschaftsinteressen hervor.

Der
geschäftsführende
Direktor
des Fonds zur Verteidigung der Umwelt, Frederic Krupp, hatte - wie die
meisten UmweltSchützer - einen positiven Eindruck von Reillys Nominierung.
Ihm zufolge hat die Gemeinschaft
der
UmweltSchützer
jetzt
"Grund zum Optimismus, daß diese Administration große Fortschritte bei
der Bewältigung dieser Probleme machen wird".

Die Wahl einer Persönlichkeit,
die praktisch ihr gesamtes Berufsleben Umweltanliegen unterstützt hat,
ist ein Hinweis darauf, daß der näch-

Der Sprecher einer anderen Umweltschutzinitiative
(Environmental
Action), Dan Becker, vertrat dagegen
eine der allgemein positiven Stimmung

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�zuwiderlaufende Auffassung und äußerte sich besorgt, da Reilly in der
Vergangenheit zu viele Kompromisse
mit der Wirtschaft eingegangen sei.
Seiner Ansicht nach "wird die wichtigste von ihm zu bestehende Herausforderung darin liegen, Umweltverschmutzern gegenüber eine harte Haltung einzunehmen statt mit ihnen zu
verhandeln".

Aufstellung von Normen und Zielvorgaben bei saurem Regen und in der Erzielung von Fortschritten bei der
Entwicklung von Technologie zur Säuberung der Kohle.
Er hob hervor,
Reilly habe umfassende Kenntnisse
über das zwischen den Vereinigten
Staaten und Kanada unterzeichnete Abkommen über die Reduzierung des sauren Regens.

Der designierte Leiter der EPA
wird voraussichtlich keine leichte
Aufgabe bei der Förderung umweltpolitischer Prioritäten haben. Dies beruht teilweise darauf, daß durch das
enorme Defizit im Bundeshaushalt der
finanzielle Spielraum für Umweltprogramme eingeengt wurde.

Zu saurem Regen zählt man Niederschläge in Form von Regen, Schnee,
Nebel und sogar Staub, die über das
normale Maß hinausgehende Säurewerte
aufweisen.
Umweltschützern zufolge
wird dieses Phänomen verursacht, wenn
Emissionen bestimmter chemischer Substanzen, insbesondere Schwefeldioxyd
aus
Kohleverbrennungsanlagen
sowie
Stickoxide aus Automobilen sich in
der Atmosphäre verändern.

Ferner wird mit dem designierten
Innenminister Manuel Lujan ein Mann
dem Kabinett Bush angehören, der in
seiner 20jährigen Mitgliedschaft im
Kongreß
bei
Abstimmungen
zumeist
Wirtschaftsinteressen
vor
Anliegen
des Umweltschutzes den Vorrang gegeben hat, wie den jedes Jahr von Umwelt- und Wirtschaftsgruppen verteilten Noten für Kongreßabgeordnete zu
entnehmen ist.
Die Umweltschutzbehörde überwacht
die Einhaltung einer Reihe von Umweltschutzgesetzen, darunter die Gesetze zur Reinhaltung von Luft und
Wasser, zur Kontrolle von Pestiziden
und anderen giftigen Substanzen sowie
Sondermüll.
"Obwohl die EPA nicht im Kabinett
vertreten ist, erfüllt diese Behörde
in meinen Augen eine für die Zukunft
Amerikas immens wichtige Aufgabe",
erklärte Bush bei der Bekanntgabe
seiner Wahl für den Posten des Leiters. "Ich habe großes Interesse an
der Arbeit dieser Behörde ... (Reilly) ist sich nicht nur der zwingenden
Notwendigkeit zum Schutz unserer eigenen Umwelt bewußt, er weiß auch um
die Notwendigkeit der internationalen
Zusammenarbeit in diesem Bereich."
Der gewählte Präsident erklärte,
eines seiner Ziele bestehe in der

Saurer Regen, der häufig weit von
seinem Ursprungsort entfernt niedergeht, vermischt sich am Boden mit Erde oder Wasser. Es gibt stichhaltige
Beweise dafür, daß übersaures Wasser
Fauna und Flora der Gewässer abtötet
und übersäuerte Böden den Ertrag von
Ernten und Wäldern senken.
Eigener Einschätzung zufolge ist
Reilly der erste Vorsitzende einer
wichtigen
UmweltSchutzorganisation,
der je zum Leiter der Umweltschutzbehörde ernannt wurde. "Ich werde sehr
eng mit dem Kongreß zusammenarbeiten,
um die notwendige überparteiliche Unterstützung zur Gewährleistung wirklicher und dauerhafter Fortschritte
in der Umweltpolitik aufzubauen," erklärte Reilly.
Reilly ist seit Oktober 1985 Präsident des World Wildlife Fund in den
Vereinigten Staaten.
Damals schloß
sich diese Organisation mit der seit
1973 von ihm geführten Conservation
Foundation zusammen.
Mit Programmen in Lateinamerika,
Afrika und Asien, insbesondere in den
tropischen
Regenwäldern,
ist
der
World Wildlife Fund eine der führenden internationalen Umweltorganisati-

- 2 -

�onen. Er hat ca. 1 350 Projekte in
103 Ländern unterstützt, um gefährdete Tierarten und deren Lebensraum zu
schützen. Er zählt etwa 600 000 Mitglieder und hat ein Jahresbudget von
30 Millionen Dollar.
Die Conservation Foundation beschäftigt Wissenschaftler, Rechtsanwälte, Volkswirtschaftler, Städteplaner und Wirtschaftsexperten zu Fragen
der Landschaftsplanung, der Kontrolle
toxischer Abwässer, der Stadterhaltung und Energie. In Umweltschutzfragen strebt sie Lösungen vorwiegend
durch Verhandlungen statt durch den
Rechtsweg an.
In den Jahren 1970-72 war Reilly
führend im Rat des Präsidenten für
die Qualität der Umwelt sowie als geschäftsführender Direktor der Projektgruppe Landnutzung und städtisches Wachstum tätig.
Ferner war er stellvertretender
Direktor des Urban Policy Center und
diente als Hauptmann bei den amerikanischen Streitkräften in Europa.
Reilly,
der
in
Chicago
als
Rechtsanwaltspraktizierte, legte an
der Harvard Law School in Rechtswissenschaft und an der Columbia University in Städteplanung Examina ab.
Ferner besuchte er das College der
Yale University. Er spricht Französisch und Spanisch und hat Kenntnisse
in Deutsch und Italienisch. Er hat
zwei Kinder.

* * * * *

- 3 -

�AMERIKA DIENST
Dokumentation

VN'^

4. Januar 1989

VEREINIGTE STAATEN VERHÄNGEN HANDELSSANKTIONEN GEGEN EG

- Erklärung des Handelsbeauftragten, Kommentar des Weißen Hauses

WASHINGTON - (AD) - Die Vereinigten Staaten werden am Vergeltung für
einen EG-Beschluß, der Einfuhren von
hormonbehandeltem Rindfleisch aus den
USA untersagt, Handelssanktionen im
Gegenwert von 100 Millionen Dollar
gegen die Europäische Gemeinschaft
verhängen.
Einer Ankündigung des
US-Handelsbeauftragten
Clayton
Yeutter zufolge treten diese Sanktionen am 1. Januar 1989 zugleich mit
dem von der EG erklärten Einfuhrverbot in Kraft.
Obwohl der Anteil des hiervon betroffenen Handels am Gesamthandelsstrom zwischen diesen beiden Handelspartnern relativ gering ist, besitzt
das Problem alle Attribute eines Handelskrieges. Ein Vertreter des Weissen Hauses äußerte jedoch die An-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

sicht, daß beide Seiten es nicht so
weit kommen lassen werden.
"Natürlich sind wir der Ansicht,
daß wir die von uns eingenommene Position zur Handelsfrage aggressiv
vertreten müssen, aber die EG-Staaten
sind unsere Verbündeten", erklärte
die stellvertretende Pressesprecherin
des Weißen Hauses, Leslye Arsht, im
Anschluß an Yeutters Ankündigung bei
einer Pressekonferenz in Los Angeles.
"Wir sind wichtige Handelspartner.
Wir hatten vereinzelte Handelskonflikte. Wir besitzen einen Rahmen,
innerhalb dessen wir diese lösen können. Und ... es besteht kein Grund
zu der Annahme, daß dieser Streit
nicht ebenso gelöst werden kann."
Die

Vereinigten

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D 5300 Bonn 2

Staaten

werden

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Zölle von 100 Prozent auf bestimmte
Rindfleischprodukte, Schweineschinken
und -schultern, verarbeitete oder
konservierte Tomaten, löslichen Kaffee, alkoholische Getränke mit weniger als 7% vol. Alkohol, bestimmte
Fruchtsäfte und auf einzelne verpackte, aus Getreide hergestellte Arten
von Haustierfutter verhängen.
Die Liste der Produktkategorien
bot keine Überraschungen, da sie
schon vor einem Jahr, als die EG ursprünglich die Verhängung des Einfuhrverbots für den 1. Januar 1988
angekündigt
hatte,
veröffentlicht
worden war. Allerdings verschob die
EG dann den Termin auf den 1. Januar
1989.
Die einzige in der ursprünglichen
Liste enthaltene und dieses Mal nicht
betroffene Produktkategorie waren bestimmte Tierdärme und Produkte, die
bei der Herstellung von Wurstdärmen
Verwendung finden. Auf diese wurde
Yeutter zufolge verzichtet, da die EG
die Einfuhr von hormonbehandeltem
Fleisch zur Herstellung von Haustierfutter auch weiterhin gestatten wird.
Wie US-Vertreter mitteilten, werden die Vergeltungsmaßnahmen der Vereinigten Staaten in etwa den gleichen
Wert ausmachen, wie die durch das EGVerbot verursachten Verluste bei amerikanischen Fleischexporten. Die Anhebung der Zollsätze wird solange in
Kraft bleiben, wie der amerikanische
Handel durch das Einfuhrverbot behindert wird, erklärten sie.
"Ich bedaure, daß die Vereinigten
Staaten gezwungen sind, Vergeltungsmaßnahmen gegen das von der EG verhängte Einfuhrverbot für mit Wachstumshormonen behandeltes Fleisch zu
treffen", so Yeutter.
"Wir haben
wiederholt
versucht,
diese
Frage
einem
wissenschaftlichen
Schlichtungsausschuß gemäß dem Allgemeinen
Zoll- und Handelsabkommen zu unterbreiten, um sie zu lösen. Unsere europäischen Handelspartner haben unsere Bemühungen jedoch ständig blokkiert."

"Trotz der Behauptung der EG, daß
das Verbot von Hormonen bei der Tiermast auf gesundheitlichen Bedenken
beruht, muß die EG weiterhin stichhaltige Beweise dafür vorlegen, daß
die sachgerechte Anwendung der in
Frage kommenden wachstumsfördernden
Hormone eine Gefahr für die Gesundheit des Menschen darstellt.
Aus
diesem Grund stellt der Beschluß zur
Einführung des Verbots eine unfaire
Handelspraxis dar."
Einer von Yeutters Behörde veröffentlichten Erklärung zufolge hat die
US-Lebensmittelbehörde (FDA) berichtet, daß die tägliche Produktion von
Hormonen im menschlichen Körper weit
höher ist als die minimalen Rückstände im Fleisch von behandelten Tieren.
Das Fleisch unbehandelter Tiere können einen Gehalt von natürlich vorkommenden Hormonen haben, der ebenso
hoch oder noch höher liege als
Fleisch von behandelten Tieren. Das
Ergebnis der FDA wird dieser Erklärung zufolge von einem hochkarätigen
Ausschuß
internationaler
Wissenschaftler
in
der
Ernährungs- und
Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) unterstützt,
der zu dem Schluß kam, daß bei sachgerechter Anwendung die von der EG
verbotenen Hormone keinerlei Gesundheitsrisiken darstellen.

* * * *

�AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

\ON'$&lt;

4. Januar 1989

'ZENTRALE ROLLE" FÜR MUJAHEDIN IN NEUER AFGHANISCHER REGIERUNG
- Bericht des US-Außenministeriums -

WASHINGTON - (AD) - Den meisten Beobachtern zufolge wird sich das Najibullah-Regime nach der im Rahmen der Genfer Vereinbarungen vorgesehenen Beendigung Abzugs der sowjetischen Truppen aus Afghanistan am 15. Februar 1989 nicht
mehr lange halten können. Ein am 27. Dezember 1988 vom US-Außenministerium
veröffentlichter Sonderbericht kommt zu dem Schluß, daß das Regime "schon zerfällt, da sich immer mehr Parteimitglieder absetzen und die Fraktionskämpfe
zunehmen, wobei jede Gruppe die andere für die drohende Krise verantwortlich
macht". Bemühungen zur Einbindung von Elementen des Widerstandes in eine Koalitionsregierung der "nationalen Aussöhnung" hätten die Widerstandsbewegung
"unbeeindruckt und uninteressiert" gelassen.
Wir veröffentlichen nachfolgend Einleitung und Zusammenfassung
richts:
Obwohl das Jahr 1988 einen Wendepunkt bedeutete, hält der blutige
Konflikt in Afghanistan unvermindert
an. Langwierige Verhandlungen unter
Schirmherrschaft der UNO wurden am
14. April mit der Unterzeichnung
einer Übereinkunft zwischen Afghanistan und Pakistan in Genf beendet;
die UdSSR und die Vereinigten Staaten
unterzeichneten als Garantiemächte.
Am 15. Mai begannen die Sowjets im
Einklang mit dem Genfer Abkommen, ihre Truppen aus Afghanistan abzuziehen; bis Mitte August hatten sie etwa
die Hälfte ihrer Truppen abgezogen.
Die Verschiebung der militärischen
Initiative zugunsten des Widerstands,
der Mujahedin, ist wahrscheinlich unumkehrbar. Aufgrund dieser Entwicklungen hat sich die Demoralisierung
des von den Sowjets unterstützten Re-

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Embassy of the United States of America

des Be-

gimes in Kabul beschleunigt.
Falls die Sowjetunion ihrer Verpflichtung gerecht wird, bis zum 15.
Februar 1989 alle ihre Truppen abzuziehen, wird das neunte das letzte
Jahr der sowjetischen Besetzung Afghanistans
sein.
Generalsekretär
Michail Gorbatschow ist zu dem Schluß
gekommen, daß die sowjetische Verwicklung in Afghanistan eine "blutende Wunde" darstellt und arbeitete
stetig auf seine Beendigung hin.
Seine Entscheidung wurde unzweifelhaft von mehreren Gesichtspunkten beeinflußt: Im Jahr 1987 hatten die
Mujahedin in ihrem Kampf gegen die
sowjetischen und afghanischen Regierungstruppen ein Patt herbeigeführt.
Die Afghanistan-Politik Moskaus hatte
die UdSSR von den islamischen, west-

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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�liehen und blockfreien Staaten entfremdet. Schließlich gelang es den
Sowjets nicht, einen ihnen treu ergebenen Führer in Kabul zu finden, der
die Loyalität des afghanischen Volkes
für sich gewinnen konnte. Des weiteren blieben über 5 Millionen Afghanen, ungefähr ein Drittel der Vorkriegsbevölkerung
des Landes, als
Flüchtlinge in Iran und Pakistan.
Trotz
systematischen
Luftterrors,
Flächenbombardements und Artilleriefeuer über die Grenze hinweg stellte
Pakistan seine Unterstützung des afghanischen Widerstands nicht ein.
Der Washingtoner Gipfel zwischen
Präsident Reagan und Generalsekretär
Gorbatschow im Dezember 1987, eine
letzte Rundreise des UNO-Unterhändlers Diego Cordovez nach Pakistan,
Afghanistan und Iran im Januar 1988
und die Ankündigung Gorbatschows vom
8. Februar 1988, er habe sich zum Abzug der sowjetischen Truppen aus Afghanistan
entschlossen,
bereiteten
den Weg für die letzte Runde der unter der Schirmherrschaft der UNO abgehaltenen Genfer Verhandlungen, die
im Jahr 1982 begonnen hatten. Die
Parteien fanden sich Anfang März zum
letzten Mal in Genf ein. Nach zweimonatigen Verhandlungen wurde am 14.
April 1988 eine Vereinbarung unterzeichnet, die am 15. Mai in Kraft
trat: Danach würde die UdSSR bis zum
15. August 1988 eine Hälfte ihrer
Truppen und bis zum 15. Februar 1989
die andere Hälfte abziehen. Afghanistan und Pakistan verpflichteten sich
zur Nichteinmischung in die inneren
Angelegenheiten des anderen.
Der ersten Phase des sowjetischen
Abzugs folgte eine Serie militärischer Rückschläge für das Regime. In
der Folge intervenierten sowjetische
Truppen, um die Eroberung von wichtigen Städten durch die Mujahedin zu
verhindern. Ende Oktober führte die
UdSSR hochmoderne Flugzeuge und Boden-Boden-Raketen in den Konflikt ein
und erklärte, sie würde den Beginn
der letzten Abzugsphase aussetzen.
Trotzdem sind die Sowjets verpflichtet, den Rest ihrer Truppen bis zum

15. Februar 1989 abzuziehen.
Den meisten Beobachtern zufolge
wird sich das Najibullah-Regime nach
dem Rückzug der Sowjets nicht mehr
lange halten können. Der Zerfall des
Regimes hat schon begonnen, da sich
immer mehr Parteimitglieder absetzen
und die Fraktionskämpfe zunehmen, wobei jede Gruppe die andere für die
drohende Krise verantwortlich macht.
Im Bemühen, Elemente des Widerstandes
in eine Koalitionsregierung der "nationalen Aussöhnung" einzubinden, haben Najibullah und sein "parteiloser"
Premierminister, Hassan Sharq, die
Rolle von Mitgliedern der Volksdemokratischen Partei Afghanistans (PDPA)
in der Kabuler Regierung ständig verringert, den Kommandeuren des Widerstands hohe Regierungsposten angeboten und den ethnischen Minderheiten
mehr Autonomie versprochen. Der Widerstand zeigt sich davon jedoch weiterhin unbeeindruckt und ohne Interesse an solch einer Koalition.
Mit einer zunehmend instabilen
Lage konfrontiert entsandte Moskau im
Oktober den Ersten Stellvertretenden
Außenminister Julij Woronzow als Botschafter nach Kabul. Eine Säuberung
der Partei und die anschließende
Kaltstellung des Führers der KhalqFraktion Gulabzoi, der als Botschafter nach Moskau geschickt wurde,
sollten die Gegner von Kompromissen
und der "nationalen Aussöhnung" entmachten und den Fraktionskämpfen innerhalb der PDPA ein Ende bereiten.
Es ist weiterhin unklar, ob die Sowjets bereit oder in der Lage sind,
die PDPA zum Rückzug zu zwingen und
die Macht auf friedlichem Wege an
eine Ubergangsregierung zu übergeben.
Falls nicht, sind Partei und Regierung als Folge einer wahrscheinlichen
militärischen Niederlage
zum Verschwinden verurteilt.
Die Konturen einer Regierung nach
Najibullah sind noch nicht erkennbar,
aber die Mujahedin sollten darin eine
zentrale Rolle spielen. Die Vereinten Nationen setzen ihre Bemühungen
für einen friedlichen Machtwechsel

- 2 -

�und die Bildung einer "Ubergangsregierung" fort. Für eine solche Regierung wurden zahlreiche Möglichkeiten vorgeschlagen, so auch von der
Widerstandsallianz in Peschawar am
31. Oktober 1988. Die Allianz schlug
die Abhaltung von Wahlen in Afghanistan zu einer großen, repräsentativen
Versammlung (Schura) vor, die einen
neuen Staatschef wählen und eine neue
Übergangsregierung bestimmen würde.
Die Einleitung
direkter Gespräche
zwischen Vertretern der Sowjets und
des Widerstandes in Taif (Saudi-Arabien) Anfang Dezember bedeutete einen
neuen Meilenstein und könnte zu einer
politischen Lösung führen.
Eine Wiederherstellung des Friedens zusammen mit einem Regierungswechsel würde zur Rückkehr von Millionen von Flüchtlingen führen. Unter der Führung des UNO-Koordinators
für die Hilfsmaßnahmen für Afghanistan, Sadruddin Aga Khan, haben Bemühungen für die Wiederansiedlung und
für den Wiederaufbau der zerstörten
Infrastruktur
Afghanistans
bereits
begonnen.

Innenpolitisch hatte der Krieg
die wirtschaftlichen und sozialen Belastungen verschärft, und die wachsende Zahl der Gefallenen und Verwundeten hatte zu vermehrter Unruhe in
der Bevölkerung geführt. Durch einen
Abzug hoffte Moskau ferner, sein Internationales Image aufpolieren zu
können, einschließlich der Verbesserung seiner Beziehungen mit den Vereinigten Staaten, dem Westen, der
Volksrepublik China und der islamischen Welt. Der Abzug stand außerdem
im Einklang mit Gorbatschows gesamter
Innen- und
Außenpolitik.
Zusammen
mit dem INF-Vertrag betrachten sie
Sowjets eine Lösung des Afghanistanproblems als Sieg von Gorbatschows
"neuem Denken". Schließlich hat Gorbatschow erklärt, die Afghanistan-Regelung sei ein Modell für andere regionale Konflikte.

Das Angebot Gorbatschows
Die von Gorbatschow in seiner Erklärung vom 8. Februar 1988 angebotenen Modalitäten des Abzugs beinhalten:
Beginn des sowjetischen Truppenabzugs am 15. Mai 1988, falls die
Vereinbarungen bis zum 15. März
unterzeichnet würden;

Die sowjetische Entscheidung zum Abzug
Der
beim
amerikanisch-sowjetischen Gipfeltreffen in Washington
Ende 1987 eingeschlagenen Richtung
folgend
verkündete
Generalsekretär
Gorbatschow am 8. Februar 1988 die
Entscheidung
Moskaus,
die
sowjetischen Truppen aus Afghanistan abzuziehen.
Die Erklärung bildete den
Höhepunkt eines langen und schwierigen Entscheidungsprozesses, der nahezu drei Jahre gedauert hatte. Die
sowjetische Führung erkannte, daß ohne eine massive Erhöhung ihres militärischen Engagements eine militärische Lösung in Afghanistan unmöglich
sei. Letztlich war Moskau nicht bereit, die für einen militärischen
Sieg notwendige Unterstützung bereitzustellen.
Für die Beendigung der
Verluste und einen Rückzug bestand
keine realistische Alternative.

Abzug innerhalb
oder weniger;
-

von

10 Monaten

Zustimmung, daß der Abzug des
Großteils der Truppen zu Beginn
des Prozesses In den Verhandlungen diskutiert werden könnte;
die Erwartung einer
der "Einmischung von
Afghanistan.

Beendigung
außen" in

Gorbatschow
erklärte
ausdrücklich, die Bildung einer Ubergangsregierung sei "eine rein afghanische
Angelegenheit", die nicht an den sowjetischen Abzug gekoppelt sei. Er
fügte hinzu, Moskau werde an Gesprächen zu diesem Thema nicht teilnehmen. Gorbatschow vermied ferner Angriffe auf die Vereinigten Staaten

- 3 -

�und Pakistan und schien - wie auch
Außenminister Schewardnadse während
seines Besuchs in Kabul im Januar seine heimische Zuhörerschaft auf
mögliche Kämpfe in Afghanistan nach
dem Abzug der sowjetischen Truppen
vorzubereiten. Insbesondere lobte er
die sowjetischen Soldaten, die in Afghanistan gedient hatten - ein Thema,
das er auch während des 19. Parteikongresses und des Moskauer Gipfeltreffens im Sommer ansprach.

* * * * *

- 4

�AMERIKA DIENST
'VON

Hintergrundmaterial

4

4. Januar 1989

LISTE DER ALS VERGELTUNGSMASSNAHME GEGEN DAS
FLEISCH-IMPORTVERBOT DER EG VERHÄNGTEN SANKTIONEN
- Amerikanische Sanktionen gegen EG-Produkte -

WASHINGTON - (AD) - Der amerikanische Handelsbeauftragte Clayton Yeutter
hat eine Liste bestimmter Produkte veröffentlicht, die von den Vergeltungsmaßnahmen der Vereinigten Staaten gegen das europäische Importverbot für hormonbehandeltes amerikanisches Rindfleisch betroffen sind. Die Maßnahmen beider
Seiten sollen am 1. Januar 1989 in Kraft treten.
Nachfolgend bringen wir die am 27. Dezember 1988 als Anhang zu der Yeutter-Erklärung veröffentlichte Liste von Produkten, auf die ein lOOprozentiger
Einfuhrzoll erhoben wird:
Anhang zur Presseerklärung des amerikanischen Handelsbeauftragten
Angeglichene Zollverordnung der Vereinigten Staaten
Kapitel 99
Abschnitt III

beint und gekocht und in luftdichten
Behältern verpackt worden sind), verarbeitet oder anderweitig bearbeitet
oder konserviert (siehe Unterüberschrift
0210.11,
1602.41.90
oder
1602.42.40).

Produkte der Europäischen Gemeinschaft
(Belgien,
Bundesrepublik
Deutschland,
Dänemark,
Frankreich,
Griechenland, Großbritannien, Irland,
Italien, Luxemburg, die Niederlande,
Portugal und Spanien):

9903.23.15.
Tomaten,
anderweitig
als mit in Kapiteln 7 oder 11 oder in
Überschrift 2002 (siehe Unterüberschrift 2002.10, 2002.90 oder 2103.20.40) festgelegten Verfahren bearbeitet oder konserviert (außer Tomatenmark) .

9903.23.00.
Rindfleisch ohne Knochen (außer Abfällen), frisch, gekühlt oder gefroren (siehe Unterüberschrift 0201.30.60 oder 0302.30.60).
9903.23.05.
Schweineschinken
und
-schulter (außer solchen, die ent-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

9903.23.20.
Löslicher Kaffee, Extrakte und Konzentrate (die keine Zumischung von Zucker, Getreide oder
anderen Zusätzen enthalten) (siehe
Unterüberschrift 2101.10.20).

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Telex: 8-85432

�9903.23.25.
Andere
alkoholische
Getränke, die weniger als 7% vol. Alkohol enthalten
(siehe Unterüberschrift 2206.00.90).
9903.23.30.
Nicht näher definierte
Fruchtsäfte, konzentriert oder nicht
konzentriert, gesüßt oder ungesüßt,
ungemischt und die nicht mehr als
0.5%
vol. Äthylalkohol
enthalten
(siehe Unterüberschrift 2009.80.60).
9903.23.35.
Für den Einzelhandel
verpacktes Tierfutter aus Nebenprodukten, die durch das Mahlen von Getreide, Mischfutter und MischfutterZusätzen gewonnen wurden (siehe Unterüberschrift 2309.10).

* * * * *

�</text>
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Al

ERIKA DIENST

2 1 . Dezember 1988

47
INHALT

INFORMATION
Tower bringt Sachkenntnis In Rüstungskontrollfragen Ins Pentagon
- Porträt des designierten Verteidigungsministers -

Bush nominiert Yeutter als Landwirtschaftsminister
- Porträt von Clayton Yeutter -

Kemp für das Wohnungsbauressort nominiert
- Porträt des designierten Wohnungsbauministers -

HINTERGRUNDMATERIAL
Gorbatschows Reduzierungen stellen die NATO vor Herausforderungen
- Von Senator Sam Nunn -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Klimaveränderung;

Ein Hauptproblem unserer Zeit

- Überschwemmungskatastrophen, LandVerlust, Dürre und Hunger
können die Folge sein -

Wir wünschen unseren Beziehern ein
frohes und gesegnetes Weihnachtsfest
und ein
friedliches und erfolgreiches Neues Jahr

* * * * * *

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�^DST-,

VON

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Information

4

21. Dezember 1988

47

TOWER BRINGT SACHKENNTNIS IN RÜSTUNGSKONTROLLFRAGEN INS PENTAGON
- Porträt des designierten Verteidigungsministers -

WASHINGTON - (AD) - Der neu ernannte Verteidigungsminister John Goodwin
Tower bringt umfangreiche Sachkenntnis in Fragen der Verteidigung und Rüstungskontrolle mit ins Pentagon.

Auf Präsident Reagans Wunsch leistete Tower 1988 beim Ratifizierungsprozeß des INF-Vertrages im Kongreß
informelle Hilfestellung.
Tower diente ferner von 1985 bis
1986 als Reagans Unterhändler bei den
mit der Sowjetunion abgehaltenen Genfer Verhandlungen über Verteidigung
im Weltraum, wo er während seiner 14monatigen Amtszeit den Rang eines
Botschafters bekleidete und vordringlich mit
technischen Einzelheiten
strategischer Waffen befaßt war.
Der frühere Senator war ebenfalls
vier Jahre lang Vorsitzender des einflußreichen
Streitkräfteausschusses
im Senat (1981-1985).
Tower ist ein unabhängiger Bera-

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ter in Fragen der Verteidigung und
nationalen Sicherheit. Er gehört dem
nachrichtendienstlichen Beratungsausschuß des Präsidenten an und sitzt im
Aufsichtsrat zweier wichtiger Verlagshäuser, die Schriften zur Verteidigung herausgeben.
Towers Nominierung durch den neu
gewählten Präsidenten Bush am 16. Dezember erfolgte lange nach Gerüchten
über ihn als wahrscheinlichen Kandidaten. Bei seiner ersten Zusammenkunft mit Bush im November legte der
designierte Verteidigungsminister ein
Fünf-Punkte-Programm zur Lösung der
Probleme im Pentagon vor.
Die Nominierung wurde aufgeschoben, während das FBI eine Untersuchung seiner persönlichen und finan-

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�ziellen Verhältnisse durchführte.
Er wurde trotz Berichten über Widerstand gegen ihn seitens einiger
dem Vizepräsidenten nahestehender Berater ernannt. Der Widerstand beruhte zum Teil auf der Annahme, Tower
könne unfähig sein, im Pentagon Ausgabenkürzungen vorzunehmen, nachdem
er als Mitglied des Streitkräfteausschusses zahlreiche Waffenprogramme
unterstützt hat.
Dennoch hat Tower vor vier Jahren
noch als Ausschußvorsitzender der
Reagan-Administration zu einem Kompromiß mit dem Kongreß über den Verteidigungshaushalt geraten.
Obwohl
Tower sich gegen Verschwendung und
Betrug im Pentagon ausgesprochen hat,
erklärte er doch, die Summe dessen
sei "bemerkenswert niedrig".
Einwände wurden auch über Towers
enge Verbindungen zu wichtigen Rüstungsfirmen laut. Er ist Mitglied
im ^ufsichtsrat von Unternehmen wie
etwa British Aerospace, und seine eigene Beraterfirma hat Verbindungen zu
Luftfahrtgiganten wie Rockwell International und Martin-Marietta. Obwohl
diese Praxis durchaus üblich ist, besteht angesichts von Beschaffungsproblemen im Pentagon im Zusammenhang
mit Nominierungen für das Kabinett
größere Sensibilität im Hinblick auf
solche Verbindungen und ethische Fragen.
Sowohl Tower als auch Bush sind
Texaner, und aus ihrer langjährigen
Freundschaft resultiert auch Towers
Beraterrolle zu »nilitärischen Fragen
im Wahlkampf von Bush und Quayle.
Der Wahlsieg in Texas wird ihm ebenfalls als Verdienst angerechnet.
Angesichts der Möglichkeit eines
niedrigeren
Verteidigungshaushaltes
hat Tower in diesem Herbst angedeutet, daß die Beseitigung von Waffensystemen nicht angemessen sei und er
Kürzungen bei Einsätzen, Wartung,
Personal sowie Forschung und Entwicklung anstrebe.

Tower erklärte, die neue Administration solle "unsere nationalen
Zielsetzungen definieren" und solche
Elemente wie Waffensysteme und die
Streitkräftestruktur untersuchen
"mit einem Blick auf ihre Rollen und
Aufgaben sowie darauf, welche Rollen
und Aufgaben für die Durchführung der
Strategie entscheidend sind, wonach
dann die Ausgaben gewichtet werden
müssen".
"Ferner muß entschieden werden,
ob die Rollen und Aufgaben, die diese
Streitkräfte
und Systeme erfüllen
sollen, auch für die erarbeitete
Strategie zur Verfolgung der selbstgewählten Zielsetzung relavant sind",
so Tower.
Die Kandidatur des 63jährigen
Tower als Verteidigungsminister hatte
die einhellige Unterstützung des neuen Vizepräsidenten Dan Quayle. Die
Freundschaft
zwischen
Tower
und
Quayle reicht in die Zeit zurück, als
Quayle Mitglied im Streitkräfteausschuß war und Tower dort den Vorsitz
führte.
Tower übertrug Quayle die
Leitung einer Arbeitsgruppe über die
Reform des Beschaffungswesens.
Tower unterstützte Quayle in der
schwierigen Zeit, nachdem Bush ihn zu
seinem VizepräsidentSchaftskandidaten
ausgewählt hatte.
Gegen Ende des
Konvents der Republikaner im August
wurde er mit der Aufgabe betraut, der
Wahl von Quayle eine positive Wendung
zu geben.
Obwohl er in den politischen
Kreisen der Republikaner Erfolg hätte
haben können, war Tower ursprünglich
Demokrat. Seit 1948 ist er Republikaner konservativen Zuschnitts. 1962
schrieb er ein Buch mit dem Titel A
Program for Conservatives, das einen
ausgewogenen Bundeshaushalt als Mußvorschrift fordert. Tower nahm 1968
aktiv am Wahlkampf für Richard Nixon
teil.
Die Washington Post beschrieb
Tower als "verdienten Kämpfer und
klassischen Konservativen". Die New

�York Times nannte ihn einen "rhetorisch starken Redner". Er ist für
seine
Neigung
bekannt
Winston
Churchill zu zitieren.
Der stellvertretende Führer der
Republikanischen
Partei,
Senator
Allan Simpson, beschreibt Tower als
"hartnäckig" und "ein wahrer Bulldog
bei den Dingen, an die er glaubt."
Auf dem Capitol Hill hatte er aufgrund seiner Fähigkeit, mehr Durchhaltevermögen bei Verhandlungen an
den Tag zu legen als seine Gegner,
den Spitznamen "Iron-butt".
Der 1,63 m große Tower lockert
die Atmosphäre gern mit folgendem
Wortspiel auf: "Mein Name ist Tower
(Turm) - aber Sie sehen ja, daß ich
Sie nicht überrage."
Präsident Reagan hat ihn im November 1986 mit der Bildung einer
Sonderkommission betraut, die nach
dem geheimen Verkauf von Waffen an
den Iran - der im Gegensatz zur offiziellen Politik der Vereinigten Staaten stand - und der Umleitung der
daraus abgezweigten Gewinne an die
Contras in Nicaragua die Operationen
des Nationalen Sicherheitsrats untersuchen sollte. Der am 26. Februar
1987 von der Tower-Kommission veröffentlichte Bericht kam zu dem Schluß,
daß Präsident Reagan keinerlei Kenntnis "von einer solchen Umleitung" besaß.
Senator Malcolm Wallop hat einmal
erklärt, Tower habe sich in außenpolitischen Fragen den Ruf "von Klugheit und Vernunft" erworben.
Als Senator traf er häufig mit
ausländischen Politikern zusammen und
unternahm ausgedehnte Reisen in Länder wie die Türkei, Israel, Oman, Libanon, Ägypten, Syrien und Saudi-Arabien. Tower wurde von der Republik
Tunesien mit dem Verdienstorden sowie
von der Bundesrepublik Deutschland
mit dem Großen Verdienstkreuz mit
Stern des Verdienstordens ausgezeichnet.

Er lehnte den Abzug der amerikanischen Truppen aus dem Libanon sowie
den War Powers Act ab, mit dem das
Recht des Präsidenten zur Entsendung
von Truppen nach Übersee beschnitten
werden sollte.
Tower unterstützt die Strategische Verteidigungsinitiative.
Schon
in den sechziger Jahren befürwortete
er eine begrenzte Abwehr gegen feindliche Raketen und erklärte, diese
werde benötigt, um sich gegen einen
irrationalen Angriff einer Nicht-Supermacht und gegen einen sowjetischen
Angriff aus Versehen zu verteidigen.
Ferner ist er für den B 1-Bomber und
die Interkontinentalrakete MX.
Während sich Tower im Kongreß den
Ruf eines Anwalts der meisten militärischen Ausgabenprogramme für große
Waffensysteme erwarb, war er im Hinblick auf Regierungsbehörden weniger
großzügig. In seiner ersten Amtszeit
als Senator zum Beispiel brachte er
mit seiner Stimme eine Aufstockung
der Mittel für die US-Informationsbehörde zu Fall. Er lehnte einen Gesetzeszusatz ab, mit dem das US-Amt
für Rüstungskontrolle und Abrüstung
Forschungsaufgaben im Abrüstungsbereich übernehmen sollte und stimmte
ein Gesetz zur Schaffung einer Abrüstungsbehörde im amerikanischen Aussenministerium nieder.
Der Senator wurde im Jahr 1925 in
eine Methodistenfamilie in Houston
(Texas) geboren.
Sein Vater war
Pfarrer, und seine beiden Großväter
waren ebenfalls Geistliche. Er besuchte die High School in Beaumont,
die er im Jahr 1942 abschloß.
Tower ging danach ein Jahr lang
aufs College und meldete sich dann
freiwillig zum Dienst in der Marine.
Während des Zweiten Weltkriegs diente
er drei Jahre lang im Westpazifik als
Obermaat auf einem Landungsboot.
Nach dem Marinedienst besuchte er
die
Southwestern
University
in
Georgetown (Texas) und studierte dort
in den Hauptfächern Politische Wis-

- 3 -

�senschaften und Theaterwissenschaften. Im Jahr 1948 legte er sein Abschlußexamen ab.
Nach dem Examen war er zunächst
als Ansager für Rundfunkstationen in
Beaumont und Taylor (Texas) tätig.
Zwei Jahre später arbeitete Tower
kurz als Versicherungsvertreter.
Im Jahr 1951 ging er zurück an
die Universität und wurde Dozent für
Politische Wissenschaften an der Midwestern University In Wichita Falls
(Texas).
Seine eigene Bildung vervollkommnete er gleichzeitig an der
Southern
Methodist
University
in
Dallas. Im Jahr 1952 ging er zu weiterführenden Studien an die London
School of Economics, wo er die Organisation der Konservativen Partei
Großbritanniens untersuchte.

Die Politik entwickelte eine magische
Anziehungskraft
auf
ihn.
Tower kandidierte in einer Sonderwahl
für den Senat und nahm im Jahr 1961
seinen Sitz dort ein, den vor ihm der
zum Vizepräsidenten der Vereinigten
Staaten ernannte Lyndon Johnson gehalten hatte. Mit 35 war Tower der
erste republikanische Senator, der
seit den siebziger Jahren des 19.
Jahrhunderts eine solche Abstimmung
in Texas gewonnen hatte. Er behielt
seinen Senatssitz 24 Jahre lang.
Der designierte Minister hat drei
Töchter - Penelope, Marian und Jeanne
- aus seiner ersten Ehe mit Josa Lou
Bullington, von der er 1976 geschieden wurde.
Seine zweite Ehe mit
Lilla Burt Cummings, der Schwester
des
internationalen
Waffenhändlers
Sam Cummings, endete ebenfalls mit
einer Scheidung.
* * * * * *

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21. Dezember 1988

47

BUSH NOMINIERT YEUTTER ALS LANDWIRTSCHAFTSMINISTER
- Porträt von Clayton Yeutter -

WASHINGTON - (AD) - Als der Vorsitzende des Landwirtschaftsausschusses des
amerikanischen Repräsentantenhauses, E. de la Garza, erfuhr, daß Clayton
Yeutter vom Amt des Handelsbeauftragten der Reagan-Administration unter der
Präsidentschaft von Bush in das Landwirtschaftsressort Überwechseln würde,
verlieh er seiner Hoffnung Ausdruck, daß Yeutter weiterhin die Verantwortung
für die internationalen Verhandlungen über Agrarprodukte ausüben werde. Es
Ist allerdings wenig wahrscheinlich, daß die Verhandlungspartner der anderen
Länder - insbesondere aus der Europäischen Gemeinschaft - den Wunsch de la
Garzas teilen.

Im Kongreß gilt Yeutter (dessen
Name sich im Englischen mit "Fighter"
- Kämpfer - reimt) als Befürworter
des freien Handels im allgemeinen und
der amerikanischen Agrarexporte im
besonderen. Bei internationalen Konferenzen ist Yeutter als Verhandlungspartner bekannt, der sich unerbittlich für die letztliche Beseitigung aller, den Handel mit Agrarprodukten verzerrender Subventionen einsetzt, ein Ziel, das von den Europäern ebenso hartnäckig abgelehnt wird.
Jedenfalls erklärte der gewählte
Präsident Bush in seiner Ankündigung
vom 14. Dezember 1988, der zufolge er
Yeutter im Januar für das Amt des
Landwirtschaftsministers
nominieren
werde, die HauptVerantwortung für die
internationalen Verhandlungen werde

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weiterhin dem Handelsbeauftragten obliegen.
Es wird jedoch erwartet, daß
Yeutter - wie auch der gegenwärtige
Landwirtschaftsminister - weiterhin
großen Einfluß auf die Gestaltung der
amerikanische Handelspolitik bei Agrarprodukten nehmen wird.
Der 58jährige Yeutter sowie die
für das Amt des Handelsbeauftragten
nominierte Carla Hills benötigen die
Bestätigung durch den Senat. Senator
Patrick Leahy, der Vorsitzende des
Landwirtschaftsausschusses
des Senats, der die Anhörungen zu Yeutters
Nominierung durchführen wird, nannte
ihn "einen Mann, den ich respektiere".
Seit seinem Amtsantritt als Han-

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�delsbeauftragter im Jahr 1985 widersetzte sich Yeutter einigen Versuchen
des Kongresses, bestimmte Importe zu
beschränken, wie etwa Textilien und
Schuhwerk.
Andererseits
bereist
Yeutter unermüdlich solche Länder,
die ihre Märkte gegen amerikanische
Produkte abschotten.
Ein Grund dafür, daß der hochgewachsene, breitschultrige Yeutter zur
Leitung des Agrarressorts sowie davor
zum für den industriellen Bereich zuständigen Handelsbeauftragten berufen
wurde, ist sein landwirtschaftlicher
Hintergrund.
In seinem Heimatstaat
Nebraska besitzt der promovierte Agrarökonom eine 100-Hektar-Ranch für
Viehzucht und Maisanbau.

Er trat im Jahr 1970 in das Landwirtschaftsministerium ein und wurde
vier Jahre später zum Abteilungsleiter für internationale Angelegenheiten ernannt. Von 1975 bis 1977 war
er
Stellvertretender
Handelsbeauftragter der Vereinigten Staaten.
Im Jahr darauf wurde er Leiter
der Chicagoer Warenbörse, des größten
Markts für den Handel mit Waren und
Rohstoffen sowie für Termingeschäfte.
Mit seiner Frau Jeanne hat
vier Kinder und lebt in Virginia.

* * * * * *

er

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47

21. Dezember 1988

KEMP FÜR DAS WOHNUNGSBAURESSORT NOMINIERT
- Porträt des designierten Wohnungsbauministers -

WASHINGTON - (AD) - Die Wahl des tatkräftigen, lebhaften Kongreßabgeordneten Jack Kemp zum designierten Minister für Wohnungs- und Städtebau signalisiert sowohl ein starkes Gefühl der Sicherheit seitens des neu gewählten Präsidenten George Bush als auch einen einschneidenden Wandel im Arbeitstempo des
betreffenden Ministeriums.
Der nach 18 Jahren aus dem Kongreß ausscheidende konservative Kemp
war einer von Bushs erfolglosen Rivalen im Kampf um die diesjährige Nominierung zum Präsidentschaftskandidaten der Republikaner.

Was jedoch die Gegenwart angeht,
so hat Kemp sich verpflichtet, ein
loyales - und wie es seinem Verhalten
in der Vergangenheit entspricht innovatives - Mitglied des Bush-Teams zu
sein.

Als einzigem der von Bush bis
heute benannten Kabinettsmitglieder
werden dem 53jährigen Kemp eine unabhängige Wählerschaft sowie weiterbestehende Hoffnungen auf ein nationales Wählermandat zugeschrieben. Er
hat nichts unternommen, um diese Ansicht zu zerstreuen, als er während
einer am 19. Dezember 1988 abgehaltenen gemeinsamen Pressekonferenz, bei
der seine Ernennung von Bush verkündet wurde, auf Fragen von Reportern
erklärte, daß "ich nicht ausgeschlossen habe, mich eines Tages um ein Amt
zu bewerben".

Bush hat seinerseits erklärt, er
werde sich freuen, wenn Kemp seine
Kritikerrolle, wie ein Reporter es
ausdrückte, nicht abstreifen würde.
"Ich möchte sein objektives Urteil
hören. Und wie ich Jack kenne, wird
er es mir nicht vorenthalten," meinte
Bush.

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Kemps dynamischer Stil, der seiner Vorliebe für die Entwicklung neuer Ideen entspricht, wird dem Wohnungsbauministerium gewiß neue Aufmerksamkeit zuteil werden lassen, das
während der Reagan-Ära als eine Art

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�Elfenbeinturm
wurde.

im Kabinett

angesehen

Der gegenwärtige Minister Samuel
Pierce Jr. hielt sich angesichts der
während seiner Amtszeit vorgenommenen
scharfen Einschnitte in den Wohnungsbauprogrammen auf Bundesebene in der
politischen Diskussion zurück.
Bei den Bundesmitteln für die Sanierung der Innenstädte und die Bewältigung des Obdachlosenproblems erwartet Kemp keine bedeutende Aufstokkung
und
befürwortet
diese auch
nicht. In der Theorie hat er sich
stets als Anwalt von Lösungen profiliert, die - wo immer möglich - auf
freies Unternehmertum gegründet waren. In der Praxis ist er sich der
Grenzen bewußt, die durch das enorme
Defizit
im Bundeshaushalt gezogen
sind.
Er unterstützt deshalb Bush bei
seiner Forderung nach einer "Partnerschaft zwischen öffentlichem und privatem Sektor". Einer seiner marktwirtschaftlich
orientierten
Lieblingsvorschläge für die Innenstädte
ist die Schaffung von "unternehmerischen Zonen", in denen die Gründung
neuer Unternehmen durch Steuererleichterungen und weitere Anreize gefördert werden soll.
Ferner setzte er sich für ein
Programm zur Schaffung "städtischer
Heimstätten" ein, mit dem, wie er
kürzlich vor dem Institut des Nationalen Städteverbandes erklärte, "den
Mietern von Sozialwohnungen dadurch
zur Selbstbestimmung über ihre Zukunft verholfen würde, daß sie ihre
Wohungen erwerben und ihre Gemeinden
selbst verwalten".
Kemp stellte jedoch ebenso deutlich fest, daß er weitere zum Ausgleich des Haushalts vorgenommene
Kürzungen bei aus Bundesmitteln geförderten Wohnungsbauprogrammen nicht
kampflos hinnehmen wird.
"Ich bin
nicht der Auffassung, daß wir den
Haushalt durch Kürzungen beim Wohnungsbau ausgleichen werden", erklärte er bei der Pressekonferenz. "Ich

glaube nicht, daß wir den Haushalt
durch einen Anstieg der Arbeitslosigkeit ausgleichen können. Ich glaube,
wir
können
die
Haushaltsprobleme
nicht lösen, wenn wir keine gesunden
Innenstädte haben. Ich möchte betonen, daß man den Haushalt nicht auf
dem Rücken der Armen ausgleichen
kann," erklärte er.
Diese Sorge um die Armen und insbesondere um Minderheiten ging während der gesamten Karriere Kemps
stets einher mit einer äußerst konservativen außenpolitischen Haltung
und innovativen - manche würden sagen
nonkonformistischen - wirtschaftlichen Ideen.
In der Außenpolitik war er der
Liebling der konservativen Republikaner, die ihn allgemein als legitimen
Nachfolger Reagans ansahen. Als er
im April 1987 seine Bewerbung um die
Nominierung als Präsidentschaftskandidat ankündigte, wollte er die Präsidentschaftswahl zu einem nationalen
Referendum über die von Reagan vorgeschlagene Strategische Verteidigungsinitiative machen.
Er war ein energischer Befürworter der Hilfe an die Contras in Nicaragua und hat sich für Guerilla-Bewegungen auf der ganzen Welt eingesetzt, wenn diese dazu beitragen
konnten, kommunistisch beherrschten
Ländern "die Freiheit wiederzugewinnen".
In der Wirtschaftspolitik war er
einer der ersten und energischsten
Anwälte
des
"angebotsorientierten"
Konzepts von niedrigen Steuern und
starkem Wirtschaftswachstum, das ein
Hauptbestandteil
der
sogenannten
Reagan-Revolution wurde.
Sein im
Jahr 1979 erschienenes Buch American
Renaissance:
A Strategy for the
1980s enthielt die Grundlagen dessen, was später als Reaganomics bekannt wurde.
Zusammen mit dem republikanischen
Senator William Roth kämpfte Kemp an
vorderster Front für die Einkommensteuerreform von 1981, die das Kern-

- 2 -

�stück von Reagans Programm darstellte. Als in den darauffolgenden Jahren die Haushaltsdefizite schwindelnde Höhen erreichten, erregte er Aufsehen mit der Behauptung, die Defizite seien nicht besonders wichtig.
Ein weiterer seiner umstrittenen
Vorschläge in der Wirtschaftspolitik
war folgender: Er befürwortete die
Rückkehr zu einer größeren Rolle des
Goldes bei der Festlegung der Wechselkurse.
Kemp zog seine Bewerbung um die
Präsidentschaftskandidatur
im
März
nach schlechten Resultaten in den ersten Vorwahlen zurück und war später
der erste von Bushs besiegten Konkurrenten, die seine Nominierung unterstützten. Er machte bei seinem Rückzug deutlich, daß er ein Angebot für
die Vizepräsidentschaft begrüßen würde. Diese Rolle fiel dann jedoch Senator Dan Quayle zu.

Wie er Reportern gegenüber erklärte, hat Bush ihm versichert, daß
seine Stimme im Kabinett gehört werde,
"zur
Binnenwirtschaftspolitik
ebenso wie zu Wohnungsbau und Stadtentwicklung.
Ich werde also ein
mannschaftsdienlicher Spieler sein,
nicht nur im Kabinett, sondern auch
in meiner neuen Position."
Der in Los Angeles geborene Kemp
legte im Jahr 1957 sein Abschlußexamen am Occidental College ab. Danach
unternahm er weiterführende Studien
in Pädagogik und Politischen Wissenschaften an der Long Beach University
und an der California Western University.
Als noch aktiver Football-Spieler
war er im Jahr 1967 Sonderberater des
damaligen Gouverneurs von Kalifornien, Ronald Reagan.
Mit seiner Frau Joanne hat Kemp
zwei Söhne und zwei Töchter.

Kemps Annahme des weniger bedeutenden Wohnungsbauressorts kommt angesichts seines Hintergrunds etwas
überraschend.
* * * * * *

Über 13 Spielzeiten als professioneller Football-Spieler war er
Quarterback
seiner Mannschaft und
hatte damit die wichtigste Position
inne. Auch während seiner neun Amtszeiten als Kongreßabgeordneter aus
dem Staat New York war er sein eigener Herr.

- 3 -

�^°s?&lt;

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Hintergrundmaterial

21. Dezember 1988

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GORBATSCHOWS REDUZIERUNGEN STELLEN DIE NATO VOR HERAUSFORDERUNGEN
- Von Senator Sam Nunn -

(Der Autor ist demokratischer Senator aus Georgia und Vorsitzender des Streitkräfteausschusses. )

WASHINGTON - (AD) - Generalsekretär Gorbatschows Ankündigung weitreichender Reduzierungen in den sowjetischen Streitkräften hat die politische Landschaft verändert, auf deren Grundlage die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten in den kommenden Monaten und Jahren das militärische Konzept der NATO
sowie RUstungskontrollvorschläge formulieren müssen.

Dabei bestehen sicherlich Ungewißheiten und Risiken:
- Kann Gorbatschow seine Entscheidung umsetzen oder werden seine
Gegner sie erfolgreich verwässern
oder sogar rückgängig machen können?
- Wird der chinesisch-sowjetische
Gipfel im nächsten Jahr zu erheblichen zusätzlichen Reduzierungen
der Streitkräfte an ihrer gemeinsamen Grenze führen?
Wenn das
der Fall
ist:
werden diese
Streitkräfte
dann
verschrottet
oder als Bedrohung der NATO erneut stationiert?
- Werden die Reduzierungen auf ehrliche Art und Weise erfolgen das heißt, mit proportionalen Re-

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duzierungen
von
Streitkräften,
die jetzt nahe der Grenze zwischen Ost und West (insbesondere
in der DDR) vorne stationiert
sind, oder werden sie bei den
rückwärtigen Einheiten erfolgen?
Wo werden die 10 000 Panzer,
8 500
Stück
Artillerie,
800
Kampfflugzeuge und Sturmeinheiten
zur Uberquerung von Flüssen neu
stationiert werden?
Wird Gorbatschow "starken Produktionszweigen", die jetzt 3 400
moderne sowjetische Panzer pro
Jahr fertigen, Grenzen setzen?
Wird der Westen in der Lage sein,
die Reduzierungen in der Zentralregion trotz der Tatsache zu verifizieren,
daß
die
Sowjets

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�gleichzeitig die größte Reorganisation der Roten Armee seit dem
Zweiten Weltkrieg durchführen?
Eine angemessene Analyse der Initiative Gorbatschows erfordert ferner
eine offene Selbsteinschätzung des
gegenwärtigen
Einsatzkonzeptes
der
NATO:
- Aufgrund des starken Ungleichgewichts im konventionellen Bereich
vertraut die NATO auf die Bedrohung mit dem frühzeitigen Einsatz
von Kernwaffen, um einen nichtnuklearen Angriff des Warschauer
Paktes abzuschrecken.
- Das NATO-Bündnis steuert keinen
Kurs der Verbesserungen konventioneller Streitkräfte, mit denen
die nukleare Schwelle auf bedeutende
Weise
angehoben
werden
könnte und dennoch wird der Widerwillen der Öffentlichkeit gegen
Nuklearwaffen
jedes
Jahr
stärker.
- Die Glaubwürdigkeit der Androhung
eines Ersteinsates der NATO wird
dadurch unterlaufen, daß die Nuklearwaffen längerer Reichweite
des Bündnisses gemäß dem INF-Vertrag verschrottet werden und die
öffentliche Meinung im Westens
sich auf die in Mitteleuropa verbleibenden nuklearen Kurzstrekkenwaffen konzentriert.
- Das entscheidende Interesse der
NATO, sich vom Vertrauen auf den
frühzeitigen Ersteinsatz von Nuklearwaffen abzuwenden, ohne die
Abschreckung zu verringern, kann
erheblich verbessert werden, wenn
der NATO zusätzliche Vorwarnzeit
vor einer möglichen Großoffensive
des Warschauer Paktes zugesichert
wird.
Gegenwärtig vertritt die NATO die
Auffassung, daß die in Osteuropa vorne stationierten sowjetischen Streitkräfte ausreichende Fähigkeiten haben, um mit sehr geringer Warnung
einen Großangriff von einem unbeweglichen Startpunkt aus durchzuführen.

uberschlägige
Vorausberechnungen
deuten darauf hin, daß die von
Gorbatschow
angekündigten
Reduzierungen bedeuteten, daß die Sowjets
wahrscheinlich keinen solchen Angriff
versuchen würden, ohne die verbleibenden Streitkräfte zu verstärken.
Die Bewegung der 5 000 Panzer und ihrer
Besatzung,
die
dem
Plan
Gorbatschows zufolge zurück auf ihre
Position vorne abgezogen würden, würde etwa eine Woche dauern.
Gorbatschows Reduzierungen könnten der NATO sieben zusätzliche Tage
verschaffen, um sich auf einen sowjetischen Angriff mit kurzer Vorwarnzeit vorzubereiten - vorausgesetzt
die Kürzungen werden vollständig und
ehrlich durchgeführt.
Damit meine
ich, daß Gorbatschow auf das sowjetische Militär einwirken kann, um sicherzustellen, daß der Effekt der Reduzierungen nicht durch geschickte
Maßnahmen verwässert wird.
Die Bedeutung von sieben Tagen
zusätzlicher Vorwarnzeit für die NATO
sollte nicht unterschätzt werden.
Zum Beispiel würde zusätzlich Zeit
gewonnen, damit:
-

Belgien und die Niederlande ihre
im Inland stationierten Brigaden
nach vorn zu ihren vorbestimmten
Positionen in die Norddeutsche
Tiefebene bringen - das wahrscheinliche Terrain für einen Angriff des Warschauer Paktes - und
damit die in der Bundesrepublik
stationierten
amerikanischen,
britischen
und
bundesdeutschen
Streitkräfte vorrücken können;

- unsere Verbündeten ihre Reserven
mobilisieren können und Frankreich und Großbritannien ihre im
Inland stationierten Streitkräfte
nach vorn vorrücken lassen können
- und damit der Verteidigungsfront der NATO das Äquivalent von
weiteren sechs Divisionen hinzugefügt werden kann;
- die Ingenieure der NATO Minenfelder installieren und andere Hindernisse zur Verteidigung errichten können;

�- die amerikanische Luftwaffe 500
Kampfflugzeuge auf Flugfelder in
Westeuropa bringen kann - eine
Verstärkungsflotte, die etwa den
Umfang der Hälfte unseres in den
Vereinigten Staaten stationierten
wiederstationierbaren Flugzeuginventars hat;
- die amerikanischen Streitkräfte
die Leitstaffel der Verstärkungsdivisionen schicken kann, um das
voreingelagerte Gerät
zu entnehmen;
- Die Armeen der NATO empfindliches
Gerät
schützen,
Munition
und
Nachschub verteilen und ihre Logistik und FUhrungs- und Kommunikationseinrichtungen
auf
den
Kriegsfall einrichten können.
Mit anderen Worten: Gorbatschows
Ankündigung
könnte
die
Bedrohung
durch einen möglichen Angriff des
Warschauer Paktes mit kurzer Vorwarnzeit merklich verringern. Gleichzeitig muß die NATO erkennen, daß
Gorbatschows Vorschlag eine erhebliche Herausforderung für das westliche Bündnis darstellt.
Selbst wenn die Einschnitte vollständig und energisch ausgeführt würden, bliebe im Bereich der konventionellen Streitkräfte immer noch ein
Vorsprung von 2 : 1 zugunsten des
Warschauer Paktes bestehen. Darüber
hinaus wird eine aufrichtige Durchführung des Plans von Gorbatschow die
politische Wirkung haben, die Interessen der NATO bei der Förderung verstärkter Beiträge zur Verteidigung
auf Seiten zahlreicher Verbündeter
und die Modernisierung der atomaren
Streitkräfte der NATO erheblich zu
komplizieren.
Bei der Erwiderung der außergewöhnlichen
Herausforderungen,
die
Gorbatschows Rede aufwirft, muß die
NATO mehr als nur fest zusammenhalten: sie muß Ideen entfalten. Ein
grundsätzliches überdenken des Einsat zkonzepts des Bündnisses und seiner Haltung in der Rüstungskontrollfrage ist dringend notwendig.

Auf dem Gebiet der Rüstungskontrolle sollte die NATO einen frühen
Austausch von Daten zu allen relevanten Streitkräften der NATO und des
Warschauer Paktes anstreben.
Dies
muß der Ausgangspunkt für die bevorstehenden Gespräche über konventionelle Stabilität
und gleichzeitig
eine wesentliche Voraussetzung für
die Beantwortung der Frage sein, ob
Gorbatschows einseitige Reduzierungen
auch energisch durchgeführt werden.
Zweitens sollte die NATO Zwischenübe rprüfungen vor Ort vorschlagen, die von Inspektionsteams an allen militärischen Mobilisierungszentren, wie beispielsweise auf Flugplätzen,
an
Eisenbahnknotenpunkten
und sogar in militärischen Hauptquartieren durchgeführt werden.
Drittens sollten wir eine Serie
von Pilotprojekten über Verifizierungsexperimente vorschlagen, die gegebenenfalls von den gleichen Inspektionsteams vorgenommen werden, die
auch
vor
Überraschungsangriffen
schützen. Diese Pilotprojekte sollten rechtzeitig ins Leben gerufen
werden, um die Durchführung der einseitigen Reduzierungen durch die Sowjets in den kommenden zwei Jahren zu
überprüfen.
Viertens muß die NATO auf militärischem Gebiet eine verstärkte Spezialisierung der Rolle und des Auftrags jeder Nation anstreben. Jedes
Mitglied des Bündnisses sollte das
Instrument spielen, das es am besten
beherrscht, statt zu versuchen, eine
ganze Symphonie
aufzuführen.
Die
NATO muß ferner bedenkliche konventionelle Lücken beseitigen und fortschrittliche Technologien entwickeln,
mit denen der erhebliche Vorsprung
bei sowjetischen Panzern hinfällig
wird, der auch nach Durchführung der
vorgesehenen Truppenreduzierungen erhalten bleibt.
Schließlich muß die NATO einen
Plan zur dauerhaften und nachdrücklichen Information der Öffentlichkeit
entwerfen. Hierzu gehören auch deutliche Erklärungen unserer militär-

- 3 -

�ischen Notwendigkeiten und der Grundlagen unserer Rüstungskontrollpolitik. Ohne ein weit verbessertes öffentliches Verständnis über das Verhältnis zwischen Lücken im konventionellen Bereich und dem Vertrauen der
NATO auf den frühen Erstschlag mit
nuklearen Waffen kann das Bündnis
nicht erwarten, die notwendige öffentliche Unterstützung
für einen
vernünftigen Ansatz bei der Beseitigung der Asymmetrien hervorzurufen,
die nach Abschluß der sowjetischen
Reduzierungsmaßnahmen im Jahr 1991
erhalten bleiben.
Die westeuropäische Öffentlichkeit muß verstehen und akzeptieren,
daß ihr Gebiet im Falle eines sowjetischen Angriffs mit konventionellen
Waffen ohne den Gebrauch nuklearer
Waffen in den ersten Tagen eines
Krieges nicht verteidigt werden kann,
wenn weder die Rüstungskontrolle noch
die eigenen Anstregungen der NATO bei
der Verbesserung ihrer konventionellen Streitkräfte zu dem Erfolg führen, die weiterhin bestehenden Lücken
bei der Vorneverteidigung des Bündnisses zu schließen.

•

-4

Vielleicht wird ja sogar das sowjetische Militär unter Gorbatschows
neuer Doktrin der "Verteidigung auf
ausreichendem Niveau" einsehen, daß
Sicherheit und Stabilität kein Nullsummen-Spiel ist. In einem Zeitalter
wachsamer, intelligenter und mutiger
sowjetischer Führung muß das sowjetische Militär bereit sein, eine
schwierige Frage zu beantworten: Wie
soll die Sicherheit der Sowjetunion
erhöht werden, wenn eine bedrohliche
Offensivstrategie
aufrechterhalten
wird, die die sowjetische Wirtschaft
ausblutet, Spannungen bei den Nachbarn hervorruft und die NATO ständig
kurz vor dem Abzug eines nuklearen
Krieges hält?

* * * * * *

�AMERIKA DIENST
"VON

Wissenschaft und Technik

4

47

21. Dezember 1988

KLIMAVERÄNDERUNG:

EIN HAUPTPROBLEM UNSERER ZEIT

- Überschwemmungskatastrophen, Landverlust, Dürre und Hunger
können die Folge sein -

WASHINGTON - (AD) - Ein Teil der Meßdaten des jüngsten Wetterbeobachtungssatelliten der amerikanischen Behörde für Meeres- und Atmosphärenforschung,
NOAA-11, liefert täglich ein komplettes "Ozonbild" unseres Planeten. Der Satellit, der die Erde auf nahezu polarer Umlaufbahn umkreist, hat ein Instrument an Bord, das die von der Erdatmosphäre reflektierte ultraviolette Strahlung quantitativ erfaßt und so Rückschlüsse auf die Ozonkonzentration in der
Stratosphäre zuläßt.
Daß die Ozonschicht durch die von
Menschen verursachten Schadstoffemissionen bereits angegriffen ist, steht
außer Zweifel. Nach Ansicht der Experten bedeutet die im September/Oktober 1988 gemessene "Ausdünnung" der
Ozonschicht über der Antarktis von 15
Prozent gegenüber 50 Prozent im Jahr
1987 keine Entwarnung. Diese Schwankung in der Größe des sogenannten
Ozonloches mache nur deutlich, daß
die stratosphärische Ozonkonzentration nicht ausschließlich von chemischen Stoffen wie Chlorfluorkohlenwasserstoffen
und
Stickstoffoxyden
beeinflußt werde, sondern auch von
dynamischen Vorgängen in der höheren
Atmosphäre.
Das
Ausmaß
des Ozonverlustes
dürfte Dr. Jerry Mahlman von der Uni-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

versität Princeton zufolge auch davon
abhängen, wie ruhig - und das heißt
wie kalt - die Hochatmosphäre über
den Polen ist. "Polare Stratosphärenwolken", kurz als PSC bezeichnet,
wirken an der Ozonzerstörung mit,
weil an der Oberfläche der Eiskristalle aktives Chlor aus den in der
Luft vorhandenen Schadstoffen freigesetzt wird. Sie entstehen in Höhen
zwischen 18 und 25 km, wenn die Temperaturen über den Schnee- und Eisflächen der Antarktis im Winter und
am Frühjahrsanfang minus 80° C und
darunter erreichen.
Und wegen der
Beschaffenheit der Erdoberfläche in
dieser weiten Region sind strömungsdynamische Veränderungen in der Atmosphäre, die einer Bildung oder Erhaltung von PSCs entgegenwirken könnten,
viel seltener und weniger stark aus-

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�geprägt als zum
Nordpolargebiet.

Beispiel

über dem

Dennoch kann es auch dort zu einem Ozonloch kommen - dann nämlich,
wenn die PSC die Erwärmung der unteren Erdatmosphäre
verstärkt.
Sie
wird
von Gasen wie Kohlendioxyd
(CO2, Methan und wiederum den halogenierten Kohlenwasserstoffen verursacht, weil sie Infrarotstrahlung (=
Wärme) absorbieren und das Abstrahlen
von Wärme in den Weltraum blockieren.
Dr. Donald Wuebbles (Lawrence Livermore National Laboratory, Kalifornien) , der sich mit der Ausarbeitung
von Klimamodellen befaßt, sieht bei
Erwärmung der unteren Atmosphäre eine
dramatische Abkühlung der Stratosphäre voraus, in der sich zwischen 12
und 50 km Höhe die Ozonschicht befindet. Diese Ozonschicht ist aufgrund
ihrer Fähigkeit, die gefährlichen Anteile der UV-Strahlung von der Sonne
zu absorbieren, ungemein wichtig für
alles Leben auf der Erde. Und da die
Freisetzung von Gasen, die den Treibhauseffekt hervorrufen, in erster Linie auf der Nordhalbkugel erfolgt,
scheint ein "nördliches Ozonloch" nur
noch eine Frage der Zeit zu sein.
Die Warnungen der Wissenschaftler
auf Konferenzen, die unter Teilnahme
von Politikern und Ökologen jetzt nahezu ständig stattfinden, hört man
wegen der wirtschaftlichen Auswirkung
von geforderten Produktions- und Verbrauchseinschränkungen bei den "inkriminierten" Chemikalien nicht gerne. Noch immer wird die nach wie vor
sehr schwierige Beweisbarkeit für die
komplexen Abbauvorgänge als Vorwand
benutzt, wirksame Gegenmaßnahmen vorläufig zu verzögern oder abzuschwächen.
Mit Delegierten aus Nord- und
Zentralamerika, der Karibik, aus Europa und Asien hielt das "Climate Institute" in Washington vom 6. bis 8.
Dezember seine zweite internationale
Konferenz ab. Dies ist eine gemeinnützige Organisation, der Wissenschaftler, Politiker und Ökologen angehören.
Auch sie forderte, wie

schon einen Monat zuvor die die Internationale
Klima-Kommission
in
Genf, Maßnahmen, die über das am 1.
Januar 1989 in Kraft tretende Protokoll von Montreal noch hinausgehen.
Die "Internationale Klima-Kommission" setzt sich aus Vertretern der
WMO (UN-Organisation für Meteorologie) und von UNEP (UN-Umweltschutzprogramm)
zusammen.
Klimatologen,
Wissenschaftler anderer Disziplinen
und Regierungsvertreter waren sich
einig, daß "einzelne Nationen angesichts der Probleme, die die ganze
Welt angehen, nichts ausrichten können" . Das im vergangenen Jahr unterzeichnete
Protokoll
von
Montreal
schreibt vor, im Verlauf von zehn
Jahren die Mengen an Chlorfluorkohlenwasserstoffen, von denen zum Zeit
ca. zwei Millionen Tonnen freigesetzt
werden, zu halbieren. Wichtigste Anwendungsgebiete sind Kühlmittel, geschäumte Kunststoffe, Reinigungsmittel in der Mikroelektronik und Treibmittel.
"Wir wissen noch nicht, ob oder
wann ein wesentliches Ansteigen der
Mengen von Treibhausgasen zu einer
irreversiblen
Erwärmung
der
Erde
führt", erklärte der amerikanische
Unterstaatssekretär
vom
amerikanischen Außenministerium
in Genf,
"oder welche Konsequenzen sich daraus
ergeben. Aber die potentiellen Konsequenzen sind so einschneidend, daß
wir die Möglichkeit der Erwärmung
einfach nicht ignorieren dürfen."
Senator Rudy Boschwitz (Minnesota) wird in der nächsten Sitzungsperiode des amerikanischen Kongresses
Gesetzesvorlagen zu Umweltfragen einbringen, die einer Vielzahl von Quellen gelten, welche zur weltweiten Erwärmung beitragen. Dabei stützt er
sich auf ein bereits gültiges Gesetz,
das in den Vereinigten Staaten praktisch die Eliminierung von halogenen
Kohlenwasserstoffen bis zum Jahr 2000
und die Verringerung der Emission von
CO2 um 35 Prozent bis zum Jahr 2010
vorsieht. Die ganze Welt sollte zusammenarbeiten, um gegen die Auswir-

- 2 -

�kung der Wäldervernichtung etwas zu
tun, und Neuanpflanzungen fördern.
Nobel Brown, der Vertreter der USA
bei der UNEP-Organisation, setzte
sich für verstärkte Investitionen
ein, um den Nutzeffekt bei der Energieverwendung merklich zu verbessern.
Der Treibhauseffekt dürfte nicht
nur dazu führen, daß durch Abschmelzen der Polkappen der Meeresspiegel
ansteigt und weite KUstenregionen in
der ganzen Welt bedroht werden, sondern es werden auch Dürreperioden
verursacht, die die Welternährung bedrohen.
Einer Studie der amerikanischen Umweltschutzbehörde EPA zufolge wäre zum Beispiel zu erwarten,
daß bei einem Temperaturanstieg um
wenige Grad bis zur Mitte des nächsten Jahrhunderts allein die Vereinigten Staaten 18 200 Quadratkilometer Küstengebiete
verlieren und
Ernteeinbußen von 25 Prozent zu verzeichnen hätten.

Die Komplexität des Systems Erde
lasse zwar auch Spielraum für Entwicklungen mit weniger dramatischen
Folgen, erklärte ein Wissenschaftler
für Planetenforschung von der Harvard-Universität.
Aber die heute
noch gar nicht- übersehbare Vielfalt
von Wechselwirkungen der Prozesse in
der Atmosphäre, in den Meeren, den
Eiskappen, der festen Erde und der
Biosphäre, die zu Klimaveränderungen
beitragen, verlange, die Erde als ein
Ganzes zu sehen und die Probleme unter diesem Aspekt anzugehen.

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                <text>&lt;strong&gt;1. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Tower bringt Sachkenntnis In Rüstungskontrollfragen Ins Pentagon&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Porträt des designierten Verteidigungsministers &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Bush nominiert Yeutter als Landwirtschaftsminister&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Porträt von Clayton Yeutter&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Kemp für das Wohnungsbauressort nominiert&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Porträt des designierten Wohnungsbauministers&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Gorbatschows Reduzierungen stellen die NATO vor Herausforderungen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Senator Sam Nunn&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Klimaveränderung: ein Hauptproblem unserer Zeit&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Überschwemmungskatastrophen, LandVerlust, Dürre und Hunger können die Folge sein&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST

46

14. Dezember 1988

I N H A L T

{

INFORMATION
Neuer Handelsminister Ist alter Freund von Bush
- Porträt von Robert Mosbacher Bush benennt ehemalige Wohnungsbauministerin zur Handelsbeauftragten
- Porträt von Carla Hills -

HINTERGRUNDMATERIAL
Reagan: Gespräche mit Gorbatschow positiv und ermutigend
- Artikel zur Rede beim American Enterprise Institute Shultz; Sowjetischer Vorschlag behebt Ungleichgewicht in Europa nicht
- Artikel über Pressekonferenz mit Shultz Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte
- Verlautbarung des Außenministeriums zum 40. Jahrestag -

WIRTSCHAFT

i

Yeutter: Einigung über Agrarsektor bis April unerläßlich
- Erklärungen von Yeutter und Crosbie in Montreal -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Raumtransporter "ATLANTIS'' zurückgekehrt
- Zweiter Shuttle-Flug nach zehn Wochen Neuer Impfstoff gegen Rinderpest

* * * * * *

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Information

'SroN$&lt;

46

14. Dezember 1988

NEUER HANDELSMINISTER IST ALTER FREUND VON BUSH
- Porträt von Robert Mosbacher -

WASHINGTON - (AD) - Bushs Favorit für das Amt des Handelsministers, Robert
Mosbacher, ist ein alter Freund des neu gewählten Präsidenten und hat den
gleichen Hintergrund einer wohlhabenden Ostkllstenfamilie und einer erfolgreichen Karriere im Ölgeschäft in der Gegend von Houston.
Das Amt des Handelsministers ist
Mosbachers erster Posten in der Regierung, aber der 61jährige gestaltet
seit langem im Hintergrund die Politik der republikanischen Partei mit
und hat sich einen Ruf als erfolgreicher Manager von Geldsammelaktionen
erworben.
Bei Präsident Fords erfolglosem
Kampf um die Wiederwahl gegen Jimmy
Carter im Jahr 1976 leitete er den
Finanzierungsausschuß, und in dieser
Eigenschaft war er auch für Bush im
gerade beendeten Wahlkampf tätig, wobei es ihm gelang, mehr als 75 Millionen Dollar aufzubringen. Er war
darüber hinaus Zweiter Vorsitzender
des nationalen Finanzausschusses der
Republikaner.

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Embassy of the United States of America

Mit der Wahl von Mosbacher setzt
Bush einen Trend fort, im Rahmen dessen er mehrere andere Texaner für hohe Regierungsämter
nominiert hat.
Zwei hat er bereits in sein Kabinett
berufen - James Baker als Außenminister und Lauro Cavazos als Erziehungsminister.
Alle
Nominierungen
müssen noch vom Senat bestätigt werden.
Als
Handelsminister
wird
Mosbacher sowohl eine wichtige Rolle
bei der Durchführung des harten neuen
Handelsgesetzes spielen, das ausländische Märkte für amerikanische Produkte öffnen soll als auch bei der
Einführung des Freihandelsabkommens
mit Kanada, das nach der Ratifizierung durch Kanada in Kraft treten
wird.

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�Er bringt den Ruf eines hartgesottenen Geschäftsmannes mit, den er
sich in mehr als 30 Jahren als Leiter
des
Unternehmens
seiner
Familie,
Mosbacher Energy Co., erworben hat.
Mosbacher wurde in Mount Vernon
(New York) geboren und wuchs auch
dort auf. 1948, ein Jahr nachdem er
sein Examen in Betriebswirtschaft an
der Washington and Lee University abgelegt hatte, ging er nach Houston.
Ein paar Jahre später wurde er in
der New York Times mit den Worten zitiert, er "habe sich schon bei seiner
Ankunft in Houston verliebt". Er erklärte seinen Umzug:
"ich wollte
'Wildcatter'
(unabhängiger
Öl- und
Gasproduzent) sein und deshalb im Westen oder Südwesten leben."
Bush und er wurden Ende der fünfziger Jahre Freunde, und Mosbacher
sammelte erstmals Geld, als der künftige Präsident Anfang der sechziger
Jahre seine politische Laufbahn als
Kongreßabgeordneter begann.

Mosbacher, zu dessen geschäftlichen Interessen auch Immobilien und
Rinderzucht zählen, war Direktor der
Texas Commerce Bancshares in Houston
un der New York Life Insurance Company.
Es gehört zu den reichsten
Bürgern Amerikas,
Der begeisterte Segler Mosbacher
hat in zwei olympischen Segelklassen,
Drachenbooten und Soling, Medaillen
errungen. Über die von ihm und seiner dritten Frau Georgette veranstalteten Reisen und Parties wird oft in
den Klatschspalten der Zeitungen berichtet.
Das neue Kabinettsmitglied hat
vier erwachsene Kinder und fünf Enkelkinder.
Sein einziger Sohn Rob
bewarb sich 1984 erfolglos um die Nominierung der Republikaner für einen
Sitz im amerikanischen Senat.

* * * * * *

�AMERIKA DIENST
VON

Information

4

46

14. Dezember 1988

BUSH BENENNT EHEMALIGE WOHNUNGSBAUMINISTERIN ZUR HANDELSBEAUFTRAGTEN
- Porträt von Carla Hills -

WASHINGTON - (AD) - Binnen zwei Jahren nach ihrer Ankunft in Washington
Mitte der siebziger Jahre war Carla Anderson Hills bereits Ministerin für Bauwesen und Städtebau und als mögliche Oberste Bundesrichterin und Vizepräsidentschaftskandidatin im Gespräch.
Jetzt ist sie von dem gewählten
Präsidenten George Bush zur amerikanischen Handelsbeauftragten ernannt
worden, einem der exponiertesten Regierungsposten in Washington.
Bush beschreibt Frau Hills - die
als eine von Washingtons "Superjuristinnen" gilt als "harte, sachliche
Anwältin", die aggressiv an der Erschließung von Möglichkeiten für die
amerikanische Wirtschaft im Ausland
arbeiten wird.
"Sie befürwortet freien und fairen Handel", erklärte Bush am 6. Dezember 1988. Er wird ihre Nominierung zur Bestätigung nach seiner
Amtsübernahme am 20. Januar 1989 an
den Senat weiterleiten.

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Embassy of the United States of America

Bushs erste Entscheidung für eine
Frau in seinem Kabinett fiel inmitten
der im Rahmen des Allgemeinen Zollund
Handelsabkommens
(GATT)
in
Montreal stattfindenden Verhandlungen
der Handelsminister aus 96 Ländern.
Bei der aus Anlaß ihrer Ernennung
einberufenen Pressekonferenz erklärte
Frau Hills, sie werde nicht gemeinsam
mit dem derzeitigen Handelsbeauftragten Clayton Yeutter an den Verhandlungen teilnehmen. Sie lehne es ab,
ihre Ansicht zu den sich dort im Verhandlungsstadium befindlichen Themen
zu äußern.
In Montreal brachte Yeutter seine
Begeisterung über die Nominierung von
Frau Hills zum Ausdruck.
"Sie ist
eine ausgezeichnete Wahl.
Sie ist

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�eine außerordentlich talentierte Persönlichkeit und ich hege den größten
Respekt für sie", erklärte er.
"Carla verfügt dank ihrer Arbeit
im Privatsektor über einen umfassenden internationalen Hintergrund und
reichliche Regierungserfahrung - eine
wichtige Qualifikation für eine Position wie der des amerikanischen Handelsbeauftragten, der für die Entwicklung politischer Richtlinien und
Verhandlungspositionen zwischen den
Behörden verantwortlich ist", fügte
Yeutter hinzu.
Frau Hills ist geschäftsführender
Partner im Washingtoner Büro der
Rechtsanwaltssozietät Weil, Gotshal
und Manges und Vorstandsmitglied von
Corning Glass Works, International
Business Machines, Chevron und American Airlines.

Frau Hills war als Mitglied der
Ford-Administation erst die dritte
Frau im Kabinett. Bush und seine Berater haben erklärt, sie würden besondere Anstrengungen zur Berufung
von Frauen in die nächste Administration unternehmen,.
Frau Hills ist 54 Jahre alt, hat
vier Kinder und ist mit Roderick
Hills verheiratet, der unter der
Ford-Administration Vorsitzender der
Wertpapierkommission war. Ihren Aussagen zufolge wird sich ihr Ehemann der
heute
eine
Beraterfirma
in
Washington betreibt - von allen handelsbezogenen Geschäften zurückziehen, die mit ihrer Rolle als Handelsbeauftragte kollidieren könnten.

* * * * *

Frau Hills kam im Jahr 1974 aus
Los Angeles nach Washington, um die
Abteilung für Zivilrecht im Justizministerium zu leiten. Bei ihrer Nominierung zur Wohnungsbauministerin ein
Jahr später äußerten Senat und Industrie Opposition, da sie über keine
Erfahrung auf dem Gebiet verfügte.
Obwohl es über einige der von ihr
in die Wege geleiteten politischen
Maßnahmen geteilte Meinungen gab,
verdiente sie sich den Ruf, schnell
zu lernen und energisch durchzugreifen.
Solche Eigenschaften sind unabdingbar für die Position des Handelsbeauftragten. Yeutter hat die ganze
Welt bereist, um über kontroverse
Handelspraktiken und Richtlinien zu
verhandeln und übernahm in der amerikanischen Regierung die Führungsrolle, um die Regierungsvertretern
zufolge unfairen Handelshemmnisse für
amerikanische Waren und Dienstleistungen im Ausland abzubauen und den
amerikanischen Markt gegen solche
ausländische Produkte abzuschotten,
bei denen man unfaire Subventionierung vermutet.

�reo ST&gt;

AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

46

14. Dezember 1988

REAGAN:

GESPRÄCHE MIT GORBATSCHOW POSITIV UND ERMUTIGEND

- Artikel zur Rede beim American Enterprise Institute -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Reagan erklärt, wenn die Sowjets die vom
sowjetischen Staats- und Parteichef Gorbatschow am 7. Dezember angekündigten
einseitigen Truppenreduzierungen "sofort und vollständig" durchführen, werde
sich dies als für die Geschichte wichtig und "bedeutungsvoll" erweisen.
In einer Rede beim American Enterprise Institute in Washington sprach
Reagan über seine Gespräche mit dem sowjetischen Generalsekretär am 7.
Dezember in New York.

Der Präsident beschrieb den Meinungsaustausch - seine fünfte und
letzte Zusammenkunft mit Gorbatschow
seinem Ausscheiden aus dem Amt - als
"positiv und ermutigend".
Er bezog sich auf Gorbatschows
Ansprache vor der Vollversammlung der
Vereinten Nationen, derzufolge die
Sowjetunion
ihre Streitkräfte bis
1991 einseitig um eine halbe Millionen Soldaten verringern und ihre konventionellen Waffen erheblich abbauen
will.
"Zum
einseitigen
sowjetischen
Truppenabbau kann ich nur sagen, daß
sich dieser als für die Geschichte
wichtig und bedeutungsvoll erweisen
wird", erklärte Reagan.

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Reagan bemerkte weiter, er habe
Gorbatschow seine Zuversicht darüber
ausgesprochen, daß die von den beiden
Spitzenpolitikern bei ihrer ersten
Zusammenkunft 1985 in Genf aufgenommene Arbeit "unter der Bush-Administration fortgeführt wird".
"Das
heutige Treffen war eine Gelegenheit
zu Reflexion und Kontinuität", so
Reagan.
Die Gespräche umfaßten Reagan zufolge alle vier Teile der amerikanisch-sowjetischen Tagesordnung, Menschenrechte, Rüstungskontrolle, regionale Konflikte und bilaterale Fragen. "Wir haben insbesondere das betrachtet, was seit unserer letzten
Zusammenkunft in Moskau erreicht worden ist und was noch in Zukunft erreicht werden soll," fügte er hinzu.

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�Reagan erklärte, er habe die Bedeutung der Menschenrechte im amerikanisch-sowjetischen Verhältnis betont und Gorbatschow erklärt, daß die
Amerikaner die von ihm in der Sowjetunion begonnenen Veränderungen begrüßt hätten.
"Wir hoffen, daß zum Wohl des sowjetischen Volkes und für die Beziehungen zwischen unseren beiden Ländern noch viel mehr getan wird", so
Reagan.
"Ich denke, wir haben beide unserer Befriedigung über unsere Leistungen der letzten Jahre Ausdruck verliehen",
erklärte
der
Präsident.
Aber wir haben auch erkannt, daß in
vielen Bereichen grundsätzliche Meinungsverschiedenheiten zwischen unseren beiden Ländern bestehen und in
den kommenden Monaten und Jahren entschlossene Bemühungen auf beiden Seiten notwendig sind, um diese Meinungsverschiedenheiten auszuräumen."
In seiner Rede beim American
Enterprise Institute, einer konservativen politischen Forschungseinrichtung, legte Reagan eine umfassende
Beurteilung der Außenpolitik seiner
Administration dar.
"Ich bin stolz darauf, sagen zu
können, daß ich immer noch ein Antikommunist
bin,"
erklärte
Reagan.
"Und ich bin weiterhin auf die Idee
eingeschworen, daß wir unsere Überzeugungen laut verkünden und unsere
amerikanischen Ideale allen Völkern
der Welt vermitteln müssen, bis die
Festungen der Tyrannen zu Staub zerfallen."
Reagan erklärte, daß "Tyrannei
scheitert" und "Freiheit funktioniert" und daß "diese vor nur zehn
Jahren in so geringem Maße akzeptierten Tatsachen jetzt unstreitig sind".
"Die Experimente mit wirtschaftlicher Liberalisierung im Ostblock
und die zunehmende Freiheit in der
Volksrepublik China sind der schlagkräftige Beweis für die verzweifelten

Bemühungen der kommunistischen Welt,
einen Ausweg aus dem wirtschaftlichen
Sumpf im Sozialismus zu finden."
Reagan
verwies
ferner
darauf:
"Gleichzeitig
liefert der völlige
Fehlschlag der Sandinisten in Nicaragua ... eindeutige Beweise für die
dem Kommunismus eigene Unfähigkeit,
einer versklavten Bevölkerung etwas
anderes als Leiden zu bescheren."
Die Freiheitskämpfer Nicaraguas,
"die für die Seele ihres Vaterlandes
gekämpft haben, sind weiterhin die
beste Hoffnung für Freiheit und Demokratie in diesem Land", erklärte
Reagan.
Lateinamerika,
"einstmals
die
Hochburg der Despoten, ist jetzt zu
90 Prozent demokratisch", so Reagan.
"Das tapfere Volk von El Salvador hat
diejenigen gestürzt, die es mundtot
machen wollten, indem es sich in
großer Zahl zu den Wahlen eingefunden
haben." Er erklärte ferner, daß im
Fernen Osten "die Demokratie gewaltige Fortschritte gemacht hat", insbesondere in Ländern wie Südkorea und
den Philippinen.
Der Präsident bezeichnete sich
als Optimist: "Wir haben mit unserer
Politik des Friedens durch Stärke demonstriert, daß Frieden und Freiheit
sich durchsetzen werden, wenn wir
stark sind."
Reagan führte die NATO als bestes
Beispiel dafür an: "Wir müssen den
weniger begünstigten Völkern der Welt
zeigen, wie Freiheit und Demokratie
Freundschaft und gutes Einvernehmen
zwischen Völkern und Nationen schaffen."

Reagan erklärte, trotz seiner Ansicht, daß die NATO-Verbündeten ihre
Verteidigungslasten im Bündnis besser
verteilen könnten, "müssen wir uns
immer die reale Last vor Augen führen, die unsere Verbündeten tragen" niemals aber die Vereinigten Staaten
- "sie stehen wirklich an der Frontlinie des Westens".

�"Unsere
günstige
geographische
Lage hat die Kriege des 20. Jahrhunderts weit vom amerikanischen Festland ferngehalten, aber in Europa ist
die Erinnerung noch so frisch wie die
Erinnerung eines 50jährigen und die
Geschichten eines Großvaters", erklärte Reagan. "Ihre Soldaten, ihre
Kinder, ihre Häuser und ihre Zivilisation stehen jeden Tag auf dem
Spiel.
Das können und dürfen wir
nicht vergessen."

- 3

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AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

14. Dezember 1988

46

SHULTZ:

SOWJETISCHER VORSCHLAG BEHEBT UNGLEICHGEWICHT IN EUROPA NICHT
- Artikel über Pressekonferenz mit Shultz -

BRÜSSEL - (AD) - Der amerikanische Außenminister George Shultz erklärte am
9. Dezember 1988 in Brüssel, trotz der konventionellen Abrüstungsvorschläge
des sowjetischen Staats- und Parteichefs Michael Gorbatschow bleibe ein "sehr
asymmetrisches" Streitkräfteverhältnis in Europa.
Auf
einer
Pressekonferenz
im
NATO-Hauptquartier in Brüssel erklärte Shultz, die Welt solle "nicht verdaß auch nach dem "sehr
gessen
willkommenen" einseitigen Truppenabzug (im wesentlichen 10 000 Panzer
und 500 000 Soldaten), den der sowjetische Staatschef am 7. Dezember in
New York angekündigt hatte, immer
noch ein Ungleichgewicht bestehen
bleibe.
Shultz zufolge würde demnach die
Überlegenheit des Warschauer Pakts
gegenüber den Divisionen der NATO in
Europa von derzeit 2,99 : 1 auf lediglich 2,91 : 1 verringert, wenn die
Reduzierungen Gorbatschows in die Tat
umgesetzt würden. Außerdem würde die
Überlegenheit des Ostblocks bei Panzern . von derzeit 2,76 : 1 auf nur

United States Information Service
Embassy of the United States of America

2,18 : 1 abgebaut, der Vorsprung bei
der Artillerie würde von 2,3 : 1 auf
1,74 : 1 schrumpfen und das Verhältnis bei Kampfflugzeugen würde von einer Überlegenheit von 3,2 : 1 auf
3,0 : 1 fallen, fügte der Außenminister hinzu.
"Daran können Sie erkennen, daß
die Reduzierungen
zwar willkommen
sind, doch wird Ihnen meines Erachtens ebenfalls auffallen, warum die
derzeit
bestehende
grundsätzliche
Asymmetrie
erhalten
bleibt," hob
Shultz hervor. Darum "begrüßen" die
Vereinigten Staaten und ihre 15 NATOPartner die Verhandlungen über konventionelle Stabilität
(KRK), die
voraussichtlich im kommenden Jahr in
Wien von der derzeitigen KSZE-Tagung
zur Überprüfung der Schlußakte von

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�Helsinki aufgenommen werden.
Am ersten Tag der zweitägigen
Konferenz des Nordatlantikrats verständigten sich die Außenminister auf
den Entwurf eines Vorschlags der
NATO, der auf den KRK-Verhandlungstisch gelegt werden soll. Die Minister fordern einen 50prozentigen Abbau der Panzer und andere Begrenzungen bei stationierten konventionellen
Streitkräften, sowie auch eine VorOrt-Inspektion der Reduzierungen.
Der amerikanische Außenminister
nannte die Vorschläge der NATO "konstruktiv und kreativ" und betonte,
daß diese "erheblich stärkere" Verringerungen fordere als die Initiative Gorbatschows.
Shultz nahm zum letzten Mal an
einer
NATO-Ministerkonferenz
teil,
nachdem er während seiner sechseinhalbjährigen Amtszeit als Außenminister 30 mal nach Brüssel gereist war.
Shultz erklärte:
"Das Bündnis
... ist in einer sehr guten Verfassung.
Es ist geschlossen; es ist
über die Abläufe informiert und gibt
seine Kenntnisse an die Öffentlichkeit weiter. Wir begrüßen nun die
von uns seit langem angestrebten Gespräche über konventionelle Rüstungskontrolle nach dem Konzept vom Atlantik bis zum Ural.
Auf die Frage, ob seiner Meinung
nach der "Kalte Krieg" zwischen Ost
und West nun angesichts der Veränderungen
in der Sowjetunion unter
Gorbatschow,
einschließlich
seiner
Initiative zum Rüstungsabbau, nun beendet sei, erklärte Shultz, dies hoffe er. In den vergangenen Jahren habe es "positive Entwicklungen" in den
Ost-West-Beziehungen gegeben, die an
den Tatsachen gemessen werden müßten,
meinte Shultz.
Er fügte hinzu: "Es gibt noch
immer Spannungen und unterschiedliche
Interessen. Und es gibt noch immer
jene
unbestreitbaren
Streitkräftestrukturen. Auch die Berliner Mauer

steht noch immer. Wenn es ein Symbol
für den Kalten Krieg gibt, dann ist
es diese Mauer."
Shultz verwies darauf daß sich
außerdem bei den Fähigkeiten der Vereinigten Staaten und der Sowjetunion
sowie auch beim Osten und Westen ganz
allgemein ein "gewaltiger Wandel"
vollzogen habe, gemeinsam Probleme
anzugehen und "sie sorgfältig und
konstruktiv zu diskutieren und etwas
dagegen zu unternehmen".
Dieses geänderte Verhalten, so
Shultz, werde bei der Rüstungskontrolle, regionalen Konflikten und
Menschenrechten ersichtlich.
"All diese Sachverhalte haben
sich verglichen mit früher geändert.
Meiner Ansicht nach haben sie sich in
eine gute und positive Richtung verlagert, eine Richtung, die (uns) ein
wenig mehr Zuversicht gibt", erklärte
Shultz.
"Meiner Meinung nach ist
dies ganz ausgezeichnet."
Shultz hob hervor, daß die Geschlossenheit der NATO, ihre Fähigkeit zu Selbstverteidigung, Abschrekkung von Aggression und Friedenssicherung zu Rüstungskontrollverhandlungen geführt hat, wie beispielsweise die bevorstehenden Verhandlungen
über konventionelle Stabilität. "Und
wenn es eine Lektion gibt," die man
lernen müsse, "dann ist es diese,"
fügte der Außenminister hinzu.

* * * * * *

�AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

'V,oN *

46

14. Dezember 1988

DIE ALLGEMEINE ERKLÄRUNG DER MENSCHENRECHTE
- Verlautbarung des Außenministeriums zum 40. Jahrestag -

WASHINGTON - (AD) - Die nachstehende Verlautbarung ist Teil einer vom Büro
für Öffentlichkeitsarbeit im amerikanischen Außenministerium herausgegebenen
Broschüre aus Anlaß des 40. Jahrestages der Allgemeinen Erkärung der Menschenrechte.
Die Allgemeine Erkärung der
Menschenrechte nach 40 Jahren
Am 10. Dezember 1988 jährt sich
die Verabschiedung der Allgemeinen
Erkärung der Menschenrechte durch die
Vereinten Nationen zum 40. Mal. Die
Erklärung ist die erste umfassende
weltweite
Verlautbarung
über
die
Grundrechte des Menschen, und sie
schließt zahlreiche der von Amerikanern immer schon vertretenen Werte
ein. Die amerikanische Außenpolitik
stützt sich auf das Konzept, wonach
die Rechte des Einzelnen von der Regierung respektiert werden müssen.
Diesen Gedanken will die Allgemeine
Erklärung weltweit vorantreiben.
Die Erklärung gibt den Vereinigten Staaten und anderen Nationen so-

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Embassy of the United States of America

wie auch Organisationen und Einzelpersonen Richtlinien an die Hand, an
denen sie die Behandlung von Bürgern
messen können. Der erste Absatz bezieht sich auf die "gleichen und unveräußerlichen Rechte aller Mitglieder des Menschengeschlechts".
Die
grausame Lektion des Zweiten Weltkriegs bewies, daß Regierungen, die
ihrem eigenen Volk grundsätzliche
Menschenrechte verweigerten, zur Anwendung von Aggression neigen, um
auch den Menschen anderer Staaten
diese Rechte streitig zu machen. Vor
dem Hintergrund dieser Überzeugung
zielten die einleitenden Sätze der
Erklärung gegen die "Mißachtung der
Menschenrechte", welche zu "barbarischen Vorgehensweisen" führte, "die
das Gewissen der Menschheit empörten".
Der damalige amerikanische

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�Außenminister George Marshall äußerte
sich in ganz ähnlicher Weise, als er
die Vollversammlung der Vereinten Nationen zur Annahme der Allgemeinen
Erklärung drängte.
Marshall wörtlich:
"Die systematische und vorsätzliche Ablehnung der Menschenrechte sind der Ursprung unserer meisten
Schwierigkeiten."
Die
grundlegenden
Rechte
und
Freiheiten in der Allgemeinen Erklärung schlagen praktisch die Begrenzung der Regierungsgewalt vor, mit
der das Verhalten einzelner Bürger in
eine bestimmte Richtung gedrängt oder
kontrolliert werden kann. Die Allgemeine Erklärung nennt auch soziale
und wirtschaftliche
"Rechte", wie
beispielsweise das Recht auf eine
Ausbildung, das Recht auf Arbeit in
einem
Beschäftigungsverhältnis
der
eigenen Wahl, das Recht auf Eigentum
und das Recht auf Eheschließung mit
dem Partner der eigenen Wahl. Die
Vereinigten Staaten erkennen an, wie
wünschenswert diese Normen sind, gehen aber gleichzeitig davon aus, daß
sie von der Befriedigung der wesentlichen politischen, Bürger- und Menschenrechte einer wahrhaft freien und
demokratischen Gesellschaft abhängig
sind, ja sogar hieraus erwachsen.
Die Allgemeine Erklärung beinhaltet zahlreiche derjenigen Bürgerrechte, die auch in den ersten zehn Zusatzartikeln der amerikanischen Verfassung garantiert werden. Der philosophische Ausgangspunkt
ist der
gleiche, den auch unsere Gründungsväter übernommen haben, als sie zu ihrem obersten Prinzip erhoben, daß
"alle
Menschen
gleich
geschaffen
sind". Die Allgemeine Erklärung beinhaltet jedoch gleichzeitig Rechte,
die auf die heutige internationale
Staatengemeinschaft
eher
anwendbar
sind, zum Beispiel das Recht, Informationen auszusenden oder aus sämtlichen Quellen über internationale
Grenzen hinweg zu erhalten und das
Recht, sein Herkunftsland zu verlassen und dorthin wieder zurückzukehren.
Die Prämisse, wonach die in der

Allgemeinen
Erklärung
dargelegten
grundsätzlichen
Menschenrechte
auf
jedermann in der Welt, gleich in welchem politischen oder Wirtschaftssystem er lebt, anwendbar sind, ist ein
wesentlicher Bestandteil der Charta
der Vereinten Nationen. Die Charta
ruft zu einer "allumfassenden Einhaltung der Menschenrechte und grundsätzlichen Freiheiten aller" auf und
fordert deren "Beachtung, ohne Unterschiede im Hinblick auf Rasse, Geschlecht, Sprache und Religion".

Frühe amerikanische Erfahrungen
Amerikaner haben deutlich erfahren, daß friedvolle Beziehungen und
eine dynamische Wirtschaft in einem
Umfeld gedeihen, in dem die Rechte
des Einzelnen respektiert werden.
Ein wichtiges Prinzip, für das sich
die amerikanischen Gründerväter eingesetzt haben, war die zwangsläufige
Verbindung zwischen Demokratie, Freiheit und Menschenrechten, In der Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten konstatierten sie, daß
Regierungen, die "ihre rechtmäßige
Macht aus der Zustimmung der Regierten herleiten", für die Menschen eingerichtet werden, um die unveräußerlichen Rechte des Menschen zu sichern
und zu beschützen. Diese Tendenz ist
in der heutigen amerikanischen Menschenrechtspolitik so deutlich wie
damals. Die derzeitige amerikanische
Menschenrechtspolitik beruht auf der
Überzeugung, daß auf lange Sicht die
Förderung der Demokratie in der ganzen Welt der beste Weg zur Unterstützung der Menschenrechte ist. Der vom
Außenministerium letztes Jahr veröffentlichte Länderbericht über Vorgehensweisen bei Menschenrechten sagt
hierzu folgendes:
"Es liegt in unserem nationalen
Interesse, demokratische Prozesse zu
fördern, um beim Aufbau eines Umfelds
in der Welt zu helfen, das für die
Achtung der Menschenrechte günstiger
und somit auch für Stabilität und
Frieden förderlicher ist. Daher haben wir eine zweigleisige Politik

- 2 -

�entwickelt. Diese ist insofern reagierend, als wir auch weiter ganz bestimmten
Menschenrechtsverletzungen
entgegentreten, wo immer sie auftreten. Gleichzeitig ist sie agierend
bei der langfristigen Arbeit an der
Stärkung der Demokratie."
Die gleiche Auffassung spiegelt
sich in der Allgemeinen Erkärung der
Menschenrechte wieder:
Artikel 22
bestimmt, daß "jeder das Recht hat,
an der Regierung seines Landes teilzuhaben", und führt weiter aus: "Der
Wille der Menschen soll die Grundlage
der Regierungsgewalt sein...."
Ein anderer wichtiger Aspekt der
frühen amerikanischen Erfahrung war
die Überzeugung, daß die Ideale der
Freiheit, Demokratie und der Menschenrechte nicht nur Amerikanern,
sondern der ganzen Welt zuteil werden
sollten. Dieser Glaube an den allgemeingültigen Charakter der amerikanischen Erfahrung gab eine Überzeugung wieder, die von vielen Amerikanern geteilt wurde, daß nämlich Amerika - als eine junge Gesellschaft
mit
einem
einzigartigen
demokratischen politischen System und weit
entfernt von europäischen Machtkämpfen - in der Lage war, der ganzen
Welt moralische und geistige Führung
anzubieten.

•

Der Glaube an die Allgemeingültigkeit der amerikanischen Erfahrung
durchzieht die wichtigsten Dokumente
der frühen amerikanischen Geschichte.
Der Gedanke des Schutzes der natürlichen Rechte des Einzelnen findet
sich auch in zahlreichen Verfassungen
von Bundesstaaten und in der Bill of
Rights der amerikanischen Verfassung.
Diese Dokumente verteidigen vielleicht auf das energischste und lebendigste den Gedanken der Menschenwürde, Demokratie und Freiheit. Die
Allgemeingültigkeit dieser Dokumente
wurde' als eine nahezu selbstverständliche Vorstellung
betrachtet, die
Thomas Jefferson in einem Brief an
James Madison im Jahr 1787 zu der
Feststellung veranlaßte, daß "eine
Bill of Rights das enthält, was den

Menschen gegen jede Regierung der Erde zusteht".

Multilaterale Bemühungen
Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte ist eine moderne Fassung
von Jeffersons "internationaler Bill
of Rights".
In all den 40 Jahren
seit Verabschiedung der Erklärung haben die Vereinigten Staaten an führender Stelle daran gearbeitet, die
Einhaltung der Prinzipien dieser Erklärung in der ganzen Welt auszubauen.
Die Regierung der Vereinigten
Staaten beteiligt sich aktiv an multilateralen Bemühungen wie etwa der
interamerikanischen
Menschenrechtskommission der Organisation Amerikanischer Staaten sowie an der Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa, im Rahmen derer die
Allgemeingültigkeit dieser Normen bekräftigt wurde.
Aber gerade durch die Vereinten
Nationen selbst - im Sicherheitsrat,
der Vollversammlung und ihren Ausschüssen sowie insbesondere in der
Menschenrechtskommission der Vereinten Nationen (UNHRC) - haben die Vereinigten Staaten einen Großteil ihrer
multilateralen Anstrengungen konzentriert, um Menschenrechtsverbesserungen in der ganzen Welt zu erlangen.
In der Kommission haben die Vereinigten Staaten zahlreiche "thematische" Fragen initiiert oder unterstützt. So schlugen die Vereinigten
Staaten im Jahr 1983 zusammen mit den
Niederlanden und Irland vor, die
UNHRC solle sich einem neuen Tagesordnungspunkt mit dem Titel "Verwirklichung der Erklärung über die Beseitigung aller Formen von Intoleranz
und Diskriminierung aufgrund religiöser Überzeugungen" widmen. Im Jahr
1986 spielten die Vereinigten Staaten
eine führende Rolle bei einer Resolution, die das Amt eines "Sonderberichterstatters über religiöse Intoleranz" ins Leben rief, der ein besonderes Mandat zur Überprüfung von
Vorfällen religiöser Intoleranz auf

- 3 -

�der ganzen Welt besitzt und über diese Vorfälle der Kommission Bericht
erstattet und Abhilfemaßnahmen vorschlägt.
Ferner unterstützten die
Vereinigten Staaten die Einsetzung
weiterer Sonderberichterstatter, um
andere
menschenrechtsverletzende
Praktiken zu untersuchen, wie etwa
die Anwendung der Folter oder grausamer und ungewöhnlicher Bestrafung.
Zusätzlich zur Konzentration auf
diese "thematischen" Menschenrechtsfragen hat sich die Regierung der
Vereinigten Staaten energisch dafür
eingesetzt, daß internationale Gremien wie die Menschenrechtskommission
und die Vollversammlung der Vereinten
Nationen
auf
spezielle
Menschenrechtsprobleme in einzelnen Ländern
eingehen.
Im Lauf der Zeit haben
amerikanische Delegationen bei diesen
Organisationen
Resolutionen
eingebracht, in denen Regierungen aufgefordert wurden, Menschenrechtsverletzungen einzugestehen und zu behandeln, und sie haben die Notwendigkeit
energisch betont, daß die Menschenrechte überall zu gewähren sind.
Zu den wichtigsten Durchbrüchen
der vergangenen acht Jahre gehört die
Einsetzung eines Sonderberichterstatters zu Polen im Jahr 1982 sowie die
Erneuerung seines Mandats im folgenden Jahr.
Resolutionen, mit denen
ebensolche Berichterstatter zu Afghanistan und Iran eingesetzt wurden,
waren Anzeichen für die wachsende Bereitschaft der Menschenrechtskommission der Vereinten Nationen, sich mit
politisch unpopulären und schwierigen
Problemen zu befassen. Ähnliche Bemühungen wurden unter anderem für
Guatemala, Chile und El Salvador bewilligt, obwohl in Guatemala mit der
Zeit eine ausreichende Verbesserung
erzielt wurde, die es gestattete, das
Mandat des Sonderberichterstatters in
das eines Beraters für Menschenrechtsfragen umzuwandeln.
Ahnliche
Fortschritte werden in El Salvador
erwartet.
Die Vereinigten Staaten befassen
sich ferner unmittelbar mit den be-

troffenen Regierungen.
Bemühungen,
um die Erfüllung der in der Allgemeinen Erklärung enthaltenen Menschenrechtsnormen zu ermutigen, sind wesentlicher Bestandteil der Arbeit
amerikanischer Diplomaten in ausländischen Hauptstädten. An jeder Botschaft gibt es mindestens einen Diplomaten, der sich primär der Beobachtung
von und Berichterstattung
über Entwicklungen in diesem Bereich
widmet.
Beim Vergleich der Leistungen einer Regierung im Bereich der Menschenrechte mit den von der Allgemeinen Erklärung gesetzten Normen werden
von den Vereinigten Staaten auch solche Faktoren wie etwa die Haltung einer Regierung gegenüber Untersuchungen angeblicher Menschenrechtsverletzungen
durch
internationale
und
nichtstaatliche Organisationen, Beweise für Diskriminierung aufgrund
von Rasse, Geschlecht, Religionszugehörigkeit, Sprache und gesellschaftlicher Stellung sowie die Arbeitsbedingungen (das Recht auf Gewerkschaftsbildung und TarifVerhandlungen,
annehmbare
Arbeltsbedingungen
etc.)
berücksichtigt.
Allgemeine
wirtschaftliche und politische Faktoren besitzen ebenfalls großes Gewicht, aber die Allgemeine Erklärung
der Menschenrechte bleibt unverändert
bestehen - als die Norm, an der das
Gesamturteil gemessen wird.
In jedem Land, in dem die Menschenrechtsnormen der Allgemeinen Erklärung anscheinend
nicht erfüllt
werden, strebt die amerikanische Regierung danach, die Lage unabhängig
zu prüfen und Maßnahmen zu treffen,
die am besten zu einer Verbesserung
beitragen können. Dies findet häufig
in Form Gesprächen auf Diplomatenebene mit den betroffenen Regierungen
statt, bisweilen auf höchster Ebene.
Manchmal halten wir formellere Gespräche ab, wie etwa bilaterale Menschenrechtskonferenzen.
Häufig sind
Kongreßmitglieder
aktiv an diesem
Prozeß beteiligt.
Aber unabhängig
davon, ob Verbesserungen möglich erscheinen oder nicht, die amerika-

- 4 -

�nische Regierung wird ihre Ansichten
öffentlich oder vertraulich der betroffenen Regierung kundtun, wann immer es scheint, daß die Allgemeine
Erklärung der Menschenrechte nicht
eingehalten wird.

Die Beseitigung doppelter Moral
In den vergangenen 40 Jahren hat
die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte eine klare und objektive
Norm gesetzt, an der die internationale Staatengemeinschaft die Leistungen einer Regierung im Bereich der
Menschenrechte
messen
kann.
Es
bleibt jedoch noch viel zu tun, sowohl in bezug auf die Lage in einzelnen Ländern als auch im Hinblick auf
die internationale Gesamtsituation.
Zum Beispiel sind die Vereinigten
Staaten davon überzeugt, daß die
Richtlinien der Allgemeinen Erklärung
von allen Mitgliedern der Vereinten
Nationen in gleicher und fairer Weise
angenommen und angewendet werden, ohne Rücksicht auf das jeweils herrschende politische oder wirtschaftliche System. Dennoch scheinen heute
viele Länder doppelbödige Richtlinien
anzulegen und kritisieren relativ geringe Verstöße gegen die Menschenrechte insbesondere in Industrieländern auf das schärfste, während sie
die ernstlichen anhaltenden Menschenrecht sver letzungen
selbsterrichteter
progressiver Staaten oder Entwicklungsländer ignorieren. Die internationale Staatengemeinschaft neigt dazu, massive Verletzungen der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte
herunterzuspielen, nach der Theorie,
daß wichtige Bürgerrechte, die Würde
des Menschen und die Respektierung
der Gesetze geringere Bedeutung haben
sollten als zum Beispiel wirtschaftliche Entwicklung.
Die Vereinigten Staaten suchen
die Bedeutung der unparteiischen Anwendung "gemeinsamer Richtlinien" der
Erklärung für die ganze Menschheit
dauerhaft zu unterstreichen. Wir haben uns insbesondere bemüht, "doppel-

bödige Richtlinien" in der Behandlung
der Menschenrechte in internationalen
Organisationen und insbesondere in
der Kommission für die Menschenrechte
selbst auszuschalten - oftmals eine
schwierige Aufgabe.
Zum Beispiel
wollen wir die . Menschenrechtskommission der Vereinten Nationen überzeugen, Chile dieselbe Behandlung zukommen zu lassen wie anderen Ländern,
deren Fall gerade geprüft wird. Dies
würde im Einklang mit den "gemeinsamen Richtlinien" stehen, mit denen
die Behandlung von Menschenrechtsfragen durch die internationale Staatengemeinschaft festgelegt wird.
Während einige Länder von der
Kommission der Menschenrechtsverletzungen bezichtigt wurden, sind gegen
andere Länder, die sich mehr zuschulden kommen ließen, keine Vorwürfe erhoben worden. Zum Beispiel hat die
amerikanische Delegation 1987 eine
Resolution vorgelegt, die ungeheuerliche Menschenrechtsverletzungen in
Kuba anprangerte - sie wurde mit einer Stimme Mehrheit abgelehnt. Obwohl der UNHRC nicht auf der Basis
der amerikanischen Resolution von
1988 handelte, entschied er sich doch
zur Entsendung eines sechsköpfigen
Untersuchungsausschusses der Vereinten Nationen nach Kuba, um die dortige Situation der Menschenrechte zu
bewerten und der Kommission bei ihrer
Sitzung im Jahr 1989 Bericht zu erstatten.
Es gibt noch weitere "doppelbödige Richtlinien". Trotz der Tatsache,
daß der Entwurf und die Annahme der
Allgemeinen Erklärung eine der ersten
Amtshandlungen der neu gegründeten
Vereinten Nationen war, schienen einige Mitglieder ihre Prinzipien lediglich als Lippenbekenntnisse zu betrachten. Im allgemeinen trifft dies
eher auf Regierungen zu, die sich das
alleinige Recht der Entscheidung darüber vorbehalten, was für ihre Bürger
gut ist und ihnen nicht selbst die
Entscheidung darüber überlassen. Sie
wollen ihren Bürgern - wenn nötig,
mit Gewalt - ihre Entscheidungen aufzwingen.
Verfassungsrechtliche Ga-

- 5 -

�rantien für die Rechte des Einzelnen
haben geringe Bedeutung, wenn sie
allgemeine, ungenau formulierte Verbote beinhalten, die diese Rechte
tätsächlich verweigern, wenn die Regierung das will. Wie Richter Oliver
Wendeil Holmes sagte, sind diese
"Richtlinien" so gut wie "überhaupt
keine Richtlinien".
Trotz all dieser Probleme haben
die Sache der Menschenrechte und der
Rechte des Einzelnen in den vergangenen 40 Jahren Fortschritte gemacht.
Gerade wegen der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte - die inzwischen in 70 Ubersetzugnen vorliegt sind die Unterdrückten sich eher ihrer Rechte bewußt als noch vor 40
Jahren.
Angesichts dieser breiten
Akzeptanz konnten sich diejenigen,
die sie verletzen, nicht länger darauf berufen, daß Kritik an Menschenrechtsverletzungen mit "Einmischung
in innere Angelegenheiten" gleichzusetzen ist. Und dieses Wissen wie
auch die Akzeptanz bedeuten, daß sich
diejenigen, die gegen Menschenrechte
verstoßen, jetzt aufgrund der heftigen öffentlichen Kritik kaum noch eine Strategie der Unterdrückung anwenden.

obwohl in diesen und in anderen Ländern noch viel zu tun bleibt, bis die
Richtlinien der Allgemeinen Erklärung
vollständig greifen.
Die Vereinigten Staaten verbessern auch weiterhin innerhalb ihrer
Grenzen die Situation der Menschenrechte, und es steht daher außer Frage, daß ihre Förderung ein institutionalisierter und grundlegender Aspekt unserer Außenpolitik bleibt.
Dies ist ein Thema, das weiterhin in
der Öffentlichkeit wie auch in beiden
Parteien weithin Beachtung findet.
Die Vereinigten Staaten verpflichten
sich zur Förderung der Menschenrechte
auf der ganzen Welt, gemäß den Grundsätzen, auf denen unser Land aufgebaut ist und wie sie für die gesamte
Menschheit in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte niedergelegt
ist.

Mit dem 40. Jahrestag der Allgemeinen Erklärung hat es die Welt mit
ihren Bestrebungen um stärkere und
breitere Einhaltung der weltweiten
Richtlinien für die Menschenrechte
weit gebracht und ihre Vorteile kommen allen Menschen zugute.
Schutz
der Menschenrechte ist seit der Unterzeichnung der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte ein wichtiges
Thema in der Außen- und Innenpolitik
der meisten Länder geworden. Freiheit hat mit der zunehmenden Unabhängigkeit von Kolonien weitere Verbreitung gefunden. Im Zuge dessen haben
auch sie die Richtlinien der Allgemeinen Erklärung anerkannt und politische Strukturen gebildet, die diese
Prinzipien widerspiegeln.
In jüngster Zeit sind viele Fortschritte bei
der Förderung der Menschenrechte und
Rechtsstaatlichkeit in der Sowjetunion und Osteuropa erzielt worden,
- 6 -

�AMERIKA DIENST
Wirtschaft

V,oN ^

14. Dezember 1988

46

YEUTTER: EINIGUNG ÜBER AGRARSEKTOR BIS APRIL UNERLÄSSLICH
- Erklärungen von Yeutter und Crosbie in Montreal -

MONTREAL - (AD) - Dem amerikanischen Handelsbeauftragten Clayton Yeutter
zufolge müssen sich die Vereinigten Staaten und die Europäische Gemeinschaft
innerhalb der nächsten vier Monate auf eine Reform des Welthandels mit Agrarprodukten verständigen. Ohne eine solche Einigung könnten andere Länder ihre
Unterstützung für die im Rahmen der vom 5. bis 9. Dezember 1988 abgehaltenen
"Zwischenbilanz"-Konferenz der Uruguay-Runde getroffenen Vereinbarungen wieder
zurückziehen, wie Yeutter Reportern in Montreal unmittelbar vor Beginn der Abschlußsitzung mitteilte.

"Wenn
bei
der
Landwirtschaft
nichts geschieht, wird selbstverständlich das gesamte Paket im April
erneut zur Diskussion gestellt," erklärte Yeutter.
Die Handelsminister aus 96 Mitgliedstaaten des Allgemeinen Zollund Handelsabkommens (GATT), unter
dessen Schirmherrschaft die Gespräche
der Uruguay-Runde stattfinden, einigten sich am 9. Dezember 1988 darauf,
in der ersten Aprilwoche des Jahres
1989 ein Treffen "auf hoher Beamtenebene" zu veranstalten, wie dem Abschlußbericht der Konferenz zu entnehmen ist.
"Die bei dieser Konferenz in
Montreal erreichten Ergebnisse ...
werden bis zu diesem Treffen ausgesetzt", wird in dem Bericht erklärt.
Ferner
wird
GATT-Generaldirektor

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Arthur Dunkel aufgefordert, "Konsultationen auf höchster Ebene" zu vier
Themenbereichen aufzunehmen - Textilien, Landwirtschaft, Recht an geistigem Eigentum sowie Schutzklauseln
-, damit beim April-Treffen Vereinbarungen in diesen Bereichen verabschiedet werden können.
Yeutter zeigte
sich zufrieden
über die in anderen Bereichen erzielten Ergebnisse:
ein Rahmenabkommen
über einen Ansatz für Verhandlungen
über multilaterale Regeln zum Handel
mit Dienstleistungen, ein verbessertes
und
schnelleres
System
zur
Schlichtung
von
Handelskonflikten,
einen Mechanismus
zur Überprüfung
handelspolitischer
Maßnahmen
der
GATT-Mitgliedstaaten
sowie
Vereinbarungen zum Abbau von Handelsschranken bei tropischen Produkten und zur
erheblichen Senkung von Zöllen.

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�' Was diese Woche geleistet worden
ist, bedeutet eine hervorragende Vorbereitung für die letzten zwei Jahre"
der Uruguay-Runde, erklärte Yeutter.
Sechs Verhandlungsmonate
seien in
diese eine Woche hineingepackt worden. Er hätte es vorgezogen, wenn es
den Handelsministern vor ihrer Abreise aus Montreal gelungen wäre, die
Vereinbarungen über die Bereiche, in
denen Einigung erzielt wurde, zu verabschieden. Dies sei jedoch an der
Weigerung einer Gruppe lateinamerikanischer Staaten gescheitert. Australischen Vertretern zufolge wurde
diese Gruppe von Brasilien, Argentinien und Chile angeführt.
Laut Yeutter liegen nach Ansicht
einiger dieser Länder viele der erzielten Vereinbarungen nicht im Interesse der lateinamerikanischen Länder. Es sei schwierig, ihren Bevölkerungen zu erklären, wie sie diese
Vereinbarungen ohne Einigung in der
Landwirtschaft verabschieden könnten.

Die Europäische Gemeinschaft sei
mit der Vorstellung in die Konferenz
gegangen, sie könne eine Vereinbarung
mit lediglich bescheidenen Reformen
im Agrarbereich erlangen. "Wir haben
gezeigt, daß wir nur geringfügigen
Reformen nicht. zustimmen würden,"
meinte Yeutter.
"Wir bedauern, daß die Europäische Gemeinschaft entweder nicht bereit oder nicht in der Lage war, bei
ihrer Haltung zu dieser Frage mehr
Flexibilität zu zeigen," erklärte der
kanadische
Handelsminister
John
Crosbie in einer am 9. Dezember 1988
veröffentlichten
Stellungnahme.
"Hätte sie dies getan, hätten die
Vereinigten Staaten vielleicht entsprechend darauf reagieren können.
Das wird mehrere Monate lang nicht
geschehen.
Dieses
Ereignis
in
Montreal könnte sich als genau die
benötigte Therapie herausstellen."

* * * * * *

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VON

4

Wissenschaft und Technik

46

14. Dezember 1988

RAUMTRANSPORTER "ATLANTIS" ZURÜCKGEKEHRT
- Zweiter Shuttle-Flug nach zehn Wochen -

WASHINGTON - (AD) - Viereinhalb Tage umkreiste die am 2. Dezember 1988 gestartete Raumfähre ATLANTIS die Erde. Am 6. Dezember setzte sie kurz nach
Mitternacht MEZ in Kalifornien auf einem als Landebahn dienenden Trockenseebett auf.
Da es sich bei dem Flug um eine
militärische Mission gehandelt hatte,
war die Öffentlichkeit bei der Landung ausgeschlossen. Zehn Wochen zuvor waren bei der Landung der DISCOVERY 400 000 Menschen Zeuge der glücklichen Rückkehr des Raumtransporters
und seiner fünfköpfigen Besatzung.
Nach der CHALLENGERKatastrophe vom
Januar 1986 waren mit diesem Unternehmen die Shuttle-Flüge wieder aufgenommen worden.
Während des ATLANTIS-Fluges wurde
der Funkverkehr mit den Astronauten
aus Geheimhaltungsgründen für die Öffentlichkeit gesperrt und keine Informationen über den Ablauf der Mission erteilt. Fachzeitschriften und
privaten
Raumfahrtexperten
zufolge
setzte die Besatzung einen Satelliten
einer neuen Generation in der Umlaufbahn ab, der mit hochempfindlichen

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Radargeräten ausgerüstet ist. Seine
wichtigste Aufgabe: Überwachung der
Einhaltung
der
Abrüstungsverträge
durch die Sowjetunion. Er soll als
erstes Gerät dieser Art in der Lage
sein, bei jedem Wetter und auch bei
Nacht detaillierte Bodenaufnahmen zu
machen.
Der nächste Start des Raumtransporters DISCOVERY ist für den 18.
Februar 1989 vorgesehen. Ob es dabei
bleiben kann, Ist jedoch nicht sicher, weil infolge eines Fehlers bei
den üblichen Überprüfungen vor einem
Start die erste Trägerstufe der Rakete beschädigt wurde, mit der die
Nutzlast - ein Fernmeldesatellit
aus der Umlaufbahn zu seinem "Standort" im All transportieren werden
soll.
* * * * * *

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�;eo ST&gt;

'VON

^

AMERIKA DIENST
Wissenschaft und Technik
14. Dezember 1988

46

NEUER IMPFSTOFF GEGEN RINDERPEST

WASHINGTON - (AD) - Der Rinderpest fallen in Afrika und Asien pro Jahr etwa zwei Millionen Tiere zum Opfer. In westlichen Industrieländern schon seit
geraumer Zeit kein Problem mehr, bedeutet diese Viruserkrankung von Rindern
und Büffeln für viele Menschen in Entwicklungsländern eine Tragödie.

Hunger und noch mehr Armut in
ganzen Landstrichen sind die Folge.
Denn die Tiere stellen häufig den
einzigen Familienbesitz
dar.
Sie
liefern Milch, Käse und Fleischprodukte, aber auch Häute und Leder für
Bekleidung. Bisher unternommene Versuche, die Krankheit auszurotten,
hatten relativ wenig Erfolg - zum
Teil deshalb, weil die verfügbaren
Impfstoffe zuverlässiger Kühlung bedurften, und weil eine tierärztliche
Überwachung unerläßlich war.
Alan Woods, der Administrator des
US-Amtes für Internationale Entwicklung (A.I.D.), informierte kürzlich
in Washington Reporter über einen
Impfstoff, der nicht speziell behandelt werden oder gekühlt aufbewahrt
werden müsse. Er sei leicht herzu-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

stellen, gut transportierbar und einfach anzuwenden. Im Rahmen eines Kooperationsabkommens von A.I.D. mit
der Universität Kalifornien wurde die
Vakzine in den letzten drei Jahren
entwickelt.
Professor Tilahun Yilma, Virologe
an der Universität Kalifornien und
Leiter des zuständigen Wissenschaftlerteams, hält das Präparat für Entwicklungsländer selbst unter schwierigsten Bedingungen, wie sie zum Beispiel in manchen Regionen Afrikas bestehen, für besonders geeignet. Sobald die Exportgenehmigung des amerikanischen
Landwirtschaftsministeriums vorliege, seien weitere Feldversuche an Vieh in kleineren eingezäunten Arealen in Afrika vorgesehen.
Aber es dürften noch 12 bis 18 Monate

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�vergehen, bis allgemeine Impfaktionen
aufgenommen werden können.
Bei Feldversuchen in den Vereinigten Staaten an 15 geimpften Rindern, die mit dem Virus in tödlicher
Dosis infiziert worden waren, überlebten die Tiere. Dagegen verendeten
vier nicht geimpfte Rinder sieben Tage nach der Exposition. Es handelt
sich um einen rekombinanten Impfstoff
aus zwei Genen des Rinderpest-Virus,
die auf Vaccinia-Viren (Pockenviren)
übertragen wurden. Diese Gene kodieren für Proteine des Rinderpest-Virus, die bei den geimpften Tieren
eine Immunreaktion zum Schutz gegen
die Erkrankung auslösen.

* * * * * *

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Neuer Handelsminister Ist alter Freund von Bush&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Porträt von Robert Mosbacher&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Bush benennt ehemalige Wohnungsbauministerin zur Handelsbeauftragten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Porträt von Carla Hills&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Reagan: Gespräche mit Gorbatschow positiv und ermutigend&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Artikel zur Rede beim American &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Enterprise Institute&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Shultz: sowjetischer Vorschlag behebt Ungleichgewicht in Europa nicht&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Artikel über Pressekonferenz mit Shultz&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Verlautbarung des Außenministeriums zum 40. Jahrestag&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Yeutter: Einigung über Agrarsektor bis April unerläßlich&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärungen von Yeutter und Crosbie in Montreal&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Raumtransporter "ATLANTIS'' zurückgekehrt&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Zweiter Shuttle-Flug nach zehn Wochen&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Neuer Impfstoff gegen Rinderpest</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST
'VON**

45

7. Dezember 1988

INHALT

DOKUMENTATION
NATO sollte sich auf Modernisierung und Rüstungskontrolle
konzentrieren
- Rede von Paul Nitze zur Verleihung des Atlantic Award -

INFORMATION
Barbara Bush erhebt Kampf gegen Analphabetentum zu ihrer Priorität
- Porträt der künftigen First Lady -

HINTERGRUNDMATERIAL
Powell; Bush wird amerikanisch-sowjetische Beziehungen festigen
- Artikel über eine Pressekonferenz mit Colin Powell -

WIRTSCHAFT
Handelskonferenz in Montreal mit umfassender Tagesordnung
- Überblick über die zu erörternden Themen -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Eltern formieren sich
- EURAD - Europäische Elternliga gegen Drogenmißbrauch -

* * * * * *

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�AMERIKA DIENST
'VON

4

4ri

Dokumentation

7. Dezember 1988

NATO SOLLTE SICH AUF MODERNISIERUNG UND RÜSTUNGSKONTROLLE KONZENTRIEREN
- Rede von Paul Nitze zur Verleihung des Atlantic Award -

BRÜSSEL - (AD) - Um auch in den neunziger Jahren ein starkes Abschrekkungspotential gegen eine Aggression seitens des Warschauer Pakts aufrechtzuerhalten, sollte die NATO dem Berater der amerikanischen Regierung in Rüstungskontrollfragen, Paul H. Nitze, zufolge weiterhin an zwei Fronten vorgehen: Modernisierung der Streitkräfte und Rüstungskontrolle. Nitze erklärte
dies im Anschluß an die Entgegennahme des von der NATO verliehenen Atlantic
Award in Brüssel.
Die Modernisierung der NATO-Streitkräfte sollte die stationären, landgestützten Raketen sowie die nach Beseitigung der INF-Systeme verbleibenden
"veraltenden" Systeme umfassen, sagte Nitze, dessen Rede wir nachfolgend im
Wortlaut veröffentlichen.
Herr Generalsekretär, Exzellenzen, meine Damen und HerrenI
Ich fühle mich durch die Verleihung des Atlantic Award 1988 und auch
durch Ihre freundlichen Worte, Herr
Generalsekretär, tief geehrt. Es ist
wahrlich ein Privileg, in die erlesene Gesellschaft der früheren Preisträger Dr. Markussen, Professor Van
Der Beugel, Dr. Kaiser und Herrn
Harmel aufgenommen zu werden. Hätte
es insbesondere den Harmel-Bericht
nicht gegeben, so wäre zweifelhaft,
ob der politische Konsens, der nützliche
RüstungskontrollVerhandlungen
mit den Sowjets ermöglicht hat, jemals .zustande gekommen wäre.
Lassen Sie mich ein paar Worte
über den Weg sagen, den das Bündnis

United States Information Service
Embassy of the United States of America

in den acht Jahren der Reagan-Administration zurückgelegt hat.
Danach
werde ich mich Themen zuwenden, die
vielleicht wichtiger sein mögen - die
vor uns liegenden Herausforderungen
in der Verteidigung sowie die Lehren,
die wir aus unseren jüngsten Erfahrungen bei der Bewältigung solcher
Herausforderungen ziehen sollten.

Die Bemühungen in der Sicherheitsund Rüstungskontrollpolitik 1981-88
Die vergangenen acht Jahre umspannen einen Zeitraum, in dem die
NATO vor enormen Herausforderungen
stand, die aufgrund von Entschlossenheit, Geduld und vor allem Einigkeit
mit großem Erfolg bewältigt wurden.

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�Zu Beginn des Jahres 1981 gab die
Lage im INF-Bereich Anlaß zu erheblicher Besorgnis. Die Sowjets setzten im großen Stil ihre Aufrüstung
mit SS-20 fort während die NATO damit
beschäftigt war, sich die Unterstützung der Öffentlichkeit für den Doppelbeschluß aus dem Jahr 1979 zu bewahren. Nach einigem Widerstand hatten sich die Sowjets zu Verhandlungen
über die INF-Systeme bereiterklärt.
Sie bestanden jedoch darauf, daß diese Verhandlungen nur solange stattfinden könnten, wie die NATO auf die
Stationierung amerikanischer INF-Raketen verzichtete.
Ob die NATO den Stationierungsteil des Doppelbeschlusses erfolgreich durchführen könnte, unterlag
angesichts der sowjetischen Haltung,
des verbreiten öffentlichen Widerstands gegen die Stationierung und
der im Jahr 1983 in wichtigen Stationierungsländern anstehenden Wahlen,
bei denen INF ein Hauptthema sein
würde, erheblichen Zweifeln.
Wenn wir uns diese Lage erneut
vor Augen führen, so können wir feststellen, wie erfolgreich die Anstrengungen des Bündnisses bei INF gewesen
sind.
Die Stationierungen wurden
planmäßig durchgeführt, und dieser
Erfolg machte den heute gültigen INFVertrag möglich.
Auch in anderen Bereichen wurden
Fortschritte erzielt. Die Grundzüge
eines START-Vertrages wurden formuliert. Zusammen mit mehreren Verbündeten starteten die Vereinigten Staaten ein Programm mit Namen SDI, um
die Durchführbarkeit defensiver Technologien als sichereres Mittel der
Abschreckung zu erforschen.
Ferner
haben wir mit den Sowjets einen Rahmen abgesteckt, wie SDI und deren
vergleichbares Programm in eine RUstungskontrollregelung
einbezogen
werden könnten.
Gespräche über Atomtests haben
die Fertigstellung eines Protokolls
zum bestehenden Schwellenvertrag und
zum Vertrag über Kernexplosionen zu

friedlichen Zwecken in greifbare Nähe
gerückt, das die Verifizierung dieser
Abkommen erleichtern und die amerikanische Administration in die Lage
versetzen würde, das Ratifizierungsverfahren für diese Verträge einzuleiten.
Wichtige vertrauensbildende Maßnahmen wurden im Rahmen der Stockholmer KVAE, durch den Ausbau des
Heißen Drahts und die Errichtung von
Zentren zur Verringerung des nuklearen Risikos sowie durch den Abschluß
des Abkommens über die Benachrichtigung beim Abschuß ballistischer Raketen geschaffen.
Im nichtnuklearen Bereich wurden
Fortschritte auf dem Weg zu einem umfassenden Verbot chemischer Waffen
erzielt, und wir scheinen heute einem
Mandat für Gespräche über konventionelle Stabilität sehr nahe zu sein.
Dieser Rückblick ist jedoch keine
Litanei
abgeschlossener
Aufgaben,
sondern guter Anfänge, die noch zu
Ende gebracht werden müssen. Selbst
das INF-Problem wird nicht passe
sein, bis der Vertrag erfolgreich
verwirklicht worden ist. In anderen
Bereichen liegt noch ein langer Weg
vor uns. Lassen Sie mich also nun
auf die vor dem Bündnis liegenden
Aufgaben eingehen.

Die zukünftigen Herausforderungen
Auch in der Zukunft wird das
grundsätzliche Ziel des Bündnisses
unverändert bleiben - die Fähigkeit
seiner Mitgliedstaaten zu schützen,
in Frieden und Freiheit zu leben und
dies durch die Abschreckung eines
Krieges zu erreichen.
Zur Aufrechterhaltung eines starken Abschreckungspotentials bis in
die neunziger Jahre hinein muß die
NATO nach wie vor an zwei Fronten
vorgehen. Sie muß durch Modernisierung der Streitkräfte die Schritte
unternehmen, die zur Bewahrung eines
lebensfähigen Abschreckungspotentials

�notwendig sind, und sie muß durch Rüstungskontrolle weiterhin versuchen,
das Ausmaß der Konfrontation zwischen
Ost und West zu begrenzen und zu verringern.

Erfordernisse der Streitkräftemodernisierung
In allen Bereichen der NATO-Triade besteht die Notwendigkeit einer
Streitkräftemodernisierung.
Im Hinblick auf den strategischen
Bereich sind die Vereinigten Staaten
bei der Modernisierung ihrer seegestützten
Streitkräfte
- mit dem
U-Boot Trident, der Rakete D-5 und
dem seegestützten Marschflugkörper und ihrer luftgestützten Streitkräfte
- mit dem B 1 und dem Tarnbomber sowie dem luftgestützten Marschflugkörper - ein gutes Stück vorangekommen.
Die landgestützten Systeme stehen
jedoch auf einem anderen Blatt, und
hierauf müssen sich die Modernisierungsbemühungen in der nahen Zukunft
konzentrieren.
Unsere stationären,
landgestützten
Raketen
sind schon
seit einiger Zeit für einen sowjetischen Angriff verwundbar, und das
Problem verschlimmert sich zusehends.
Mehrere amerikanische Administrationen haben Pläne für die überlebensfähige Stationierung
moderner ICBMs
vorgelegt. Diese Pläne stießen jedoch nicht auf dauerhafte Unterstützung. Die Bush-Administration muß in
diesem Bereich zu einem besseren Ergebnis kommen, wenn die Vereinigten
Staaten eine überlebensfähige strategische Triade aufrechterhalten wollen.
Auch im Bereich der strategischen
Verteidigung sollten die Anstrengungen fortgesetzt werden. Ein solides
SDI-Forschungsprogramm
ist
wichtig
und notwendig, und zwar als Absicherung gegen das bedeutende sowjetische
SDI-Programm, das seit über zwei
Jahrzehnten existiert, sowie aufgrund
der sichereren Welt, die mit einer
auf
Verteidigung
gegründeten
Abschreckung potentiell erreicht werden

kann.
Es bleibt jedoch weiterhin entscheidend, daß SDI von den Kriterien
Überlebensfähigkeit
und Kostenwirksamkeit geleitet ist. Die Stationierung eines weltraumgestützten Verteidigungssystems, das selbst für Angriffe verwundbar ist, würde die Sowjets dazu ermutigen, dieses System
in einem frühen Stadium einer Krise
anzugreifen. Die Stationierung eines
nicht kostenwirksamen Systems würde
die UdSSR ermutigen, ihrerseits mehr
billigere offensive Systeme zu produzieren.
Im Hinblick auf den nichtstrategischen nuklearen Bereich der NATOTriade besteht die wichtigste Aufgabe
in der Modernisierung des veraltenden
Arsenals nuklearer Systeme, das die
NATO nach Beseitigung der INF-Systeme
beibehalten wird.
Dazu gehört als
wichtigstes eine neue Luft-Boden-Rakete für die Mehrzweckkampfflugzeuge
der NATO sowie ein Nachfolgesystem
der Lance.
Letztere Frage bedarf
selbstverständlich besonderer Sensibilität.
In Zusammenhang mit einer
solchen Modernisierung könnte es möglich sein, den Gesamtumfang des
kriegsschauplatzgebundenen
Kernwaffenarsenals zu verringern.
In bezug auf die konventionellen
Streitkräfte der NATO möchte ich nur
sagen, daß es unklug wäre, anzunehmen, das riesige Ungleichgewicht zwischen den konventionellen Fähigkeiten
der NATO und des Warschauer Pakts
könne lediglich durch Verhandlungen
über konventionelle Rüstungskontrolle
behoben werden, insbesondere, wenn
die NATO in solchen Gesprächen kein
Druckmittel In Gestalt von erheblichen, kontinuierlichen Mondernisierungsbemühungen besitzt.
Dabei muß
auch die Tatsache berücksichtigt werden, daß angesichts früherer Versuche
der konventionellen Rüstungskontrolle
jegliche Erleichterung in diesem Bereich wahrscheinlich erst in einigen
Jahren zu erreichen ist.

- 3-

�rungsvorschläge
werden.

Rüstungskontrollbemühungen
Im Hinblick auf das Rüstungskontrollprogramm der NATO in den kommenden Jahren haben die NATO-Minister
Prioritäten festgelegt, die mir als
richtig erscheinen und die sich wahrscheinlich im Gesamtkonzept widerspiegeln werden.
Ich habe auch am
Programm an sich nichts auszusetzen,
sondern vielmehr an dem, wie ich finde, vorherrschenden Eindruck, der
Großteil dieses Programms liege bereits hinter uns.
Dieses Problem tritt am deutlichsten im Hinblick auf den STARTVertrag zutage. Wie ich bereits ausführte, ist der START-Vertrag in seinen Grundzügen fertiggestellt - eine
annähernde
Halbierung
der strategischen nuklearen Gefechtsköpfe sowie
beim Wurfgewicht
der sowjetischen
ballistischen
Raketen auf gleiche
Obergrenzen, mit etwas geringfügigeren Reduzierungen bei. Trägersystemen
und mit Untergrenzen für die destabilisierendsten
Systeme.
Bei START
bleiben jedoch immer noch schwierige
Fragen zu lösen, und deshalb liegen
noch langwierige Verhandlungen vor
uns.
Zum Beispiel liegen die Standpunkte der Vereinigten Staaten und
der UdSSR bei der Frage der SLCMs
noch weit auseinander. Die Sowjets
beharren darauf, daß der START-Vertrag eine strikte Begrenzung der
SLCMs und Verifizierungsbestimmungen
für diese Flugkörper enthält, die denen für andere strategische Systeme
vergleichbar sind. Wir haben den Sowjets erklärt, daß wir zahlenmäßigen
Begrenzungen für nuklear bestückte
SLCMs zustimmen könnten, wenn eine
wirksame Verifizierungsregelung erarbeitet werden könnte. Bis jetzt müssen wir jedoch noch ein Mittel finden, um die SLCM-Begrenzungen effektiv zu verifizieren ohne zu sehr in
geheimhaltungsbedürftige Sektoren der
Marine einzudringen und andere bedeutende Sicherheitsinteressen zu gefährden, und wir sind überzeugt davon, daß die sowjetischen Verifizie- 4

nicht

funktionieren

Aufgrund des Fehlens einer wirksamen
Verifizierungsregelung
haben
wir vorgeschlagen, daß beide Seiten
Erklärungen über ihre Stationierungspläne bei nuklear bestückten SLCMs
austauschen, aber die Sowjets haben
uns mitgeteilt, daß sie an einem solchen Ansatz nicht interessiert sind.
Ferner bleiben weiterhin erhebliche Meinungsverschiedenheiten bei
den Zählregeln sowie anderen, auf
ALCMs anwendbaren Verfügungen, bei
den Verifizierungsmaßnahmen und Begrenzungen für mobile ICBMs, falls
diese erlaubt werden, bei einer Untergrenze für ICBM-Gefechtsköpfe sowie dem Junktim zwischen einem STARTVertrag
und
Begrenzungen
strategischer Verteidigungssysteme bestehen.

*

Es müssen weiterhin noch Hunderte
von Einzelheiten ausgearbeitet werden, insbesondere bei den Verifizierungsverfahren.
Ich sage dies nicht, um die bis
jetzt
erzielten
Fortschritte
zu
schmälern. Der gemeinsame START-Vertragsentwurf
dokumentiert
einen
großen Schritt nach vorn im Hinblick
auf den Abschluß einer Vereinbarung
und bietet eine gute Möglichkeit für
einen solchen Abschluß in den kommenden zwei Jahren.
Aber bis der
Schlußstrich darunter gezogen wird,
müssen noch viele Hürden überwunden
werden, und es steht noch nicht von
vornherein fest, daß dies auch gelingt.
Dasselbe gibt für die Verhandlungen über Verteidigung im Weltraum.
Hier ergibt sich die Hauptschwierigkeit aus den unterschiedlichen Interpretationen der vereinbarten, aber
nicht eindeutigen Formulierung in der
Gemeinsamen Erklärung des Washingtoner Gipfeltreffes, daß beide Seiten
in einem bestimmten Zeitraum "den
ABM-Vertrag in seiner 1972 unterzeichneten Fassung anerkennen und
gleichzeitig ihre Forschung, Entwick-

»

*•

�lung und Erprobung wie vorgesehen
weiterführen, wie dies nach dem ABMVertrag auch gestattet ist". Natürlich legen die Sowjets diese Formulierung als strengere Einschränkung
der Entwicklung und Erprobung weltraumgestützter ABM-Systeme und ihrer
Komponenten aus als wir das tun.

fizierungssystem
zu schaffen, das
neue Technologien, die zunehmende
Verbreitung, eine flexible chemische
Industrie und die Notwendigkeit berücksichtigt ,
geheimhaltungsbedürftige Informationen, die nicht unmittelbar chemische Waffen betreffen,
bei Inspektionen zu schützen.

Die Sowjets schlagen den Abschluß
eines Vertrages über Verteidigung im
Weltraum vor, der die Sprachregelung
der Erklärung von Washington lediglich in rechtsgültige Form umsetzt.
Das scheint ganz einfach zu sein, beinhaltet
jedoch gefährliche Fallstricke.
Angesichts einer fehlenden
Übereinkunft über die Bedeutung dieser Sprachregelung könnten die Sowjets aus dieser Doppeldeutigkeit
Vorteile ziehen und jede der amerikanischen Aktivitäten zur Entwicklung
und Erprobung als Verletzung des Abkommens werten, um im Hinblick auf
diese Aktivitäten den Widerstand der
Öffentlichkeit und Beschränkungen des
Kongresses zu mobilisieren.

Schließlich dürfen wir uns in bezug auf die Gespräche über konventionelle Stabilität keine Sorgen darüber
machen, daß wir unsere Leistungen
überbewerten, da die Gespräche noch
aufgenommen werden müssen. Aber wir
sollten uns vor Augen führen, wie
wichtig es ist, der Versuchung zu widerstehen ,
Rüstungsbeschränkungen
vorherzusagen und die Struktur unserer Streitkräfte sowie Modernisierungspläne vorzeitig anzupassen. Erfahrung und Logik lehren uns, daß
solche Aktionen die Wahrscheinlichkeit reduzieren, daß die vorgesehenen
Beschränkungen
jemals
vorgenommen
werden, wenn wir der anderen Seite
den Anreiz nehmen, daß unsere Reduzierungen ihren Preis haben.

Daher ist es erforderlich, über
die Sprachregelung der Gemeinsamen
Erklärung hinaus eindeutig klarzustellen, welche Aktivitäten zur Entwicklung und Erprobung beide Seiten
in dem festgesetzten Zeitraum des
Nicht-Rückzugs vom ABM-Vertrag durchführen dürfen. Und es ist erforderlich, andere Probleme zu lösen und
etwa die Verpflichtung, sich nicht
vom ABM-Vertrag zurückzuziehen, so zu
definieren, daß beide Seiten ihre
souveränen Rechte zum Schutz ihrer
höchsten nationalen Interessen behalten und am Ende des Nicht-RUckzugszeitraums
die
Stationierungsrechte
beider Seiten detailliert niederzulegen.
Möglicherweise
machen uns die
Verhandlungen über chemische Waffen
die vor uns liegenden Schwierigkeiten
eher bewußt. Man darf die komplexen
Zusammenhänge
nicht
unterschätzen,
die mitspielen, um die Teilnahme aller Staaten zu gewährleisten, die
chemische Waffen besitzen und einsetzen können und um ein wirksamen Veri-

All das heißt, das Bündnis muß
sich über die Modernisierung seiner
Streitkräfte hinaus einem höchst umfangreichen Programm von Rüstungskontrollanstrengungen stellen.
Es besteht die Möglichkeit zu großen Fortschritten, wenn der Umfang militärischer Konfrontation zwischen Ost und
West auf der ganzen Linie reduziert
wird.
Gleichgültigkeit ist jedoch
nicht gerechtfertigt - wenn dieses
Ziel verwirklicht werden soll, liegt
viel harte Arbeit vor uns.

Lektionen für die vor uns liegenden
Herausforderungen
Das Bündnis kann seine Aufgaben
in den Bereichen Modernisierung und
Rüstungskontrolle am wirksamsten angehen, wenn es sich die aus den Erfahrungen der Vergangenheit zu ziehenden Lehren vor Augen führt. Ich
möchte sechs Lektionen als Leitlinien
für die Bestrebungen des Bündnisses
vorstellen.

- 5 -

�Lektion Nummer eins:
Die richtige Rolle der
Rüstungskontrolle
Erstens sollten wir uns immer die
angemessene Rolle der Rüstungskontrolle vergegenwärtigen und uns klarmachen, was Rüstungskontrolle leisten
kann und was nicht.
Rüstungskontrolle kann eine wichtige Rolle spielen, wenn es darum
geht, unsere Sicherheit zu verbessern
und
stabilere
Ost-West-Beziehungen
hervorzubringen. Aber sie kann kein
Ersatz für eine angemessene Verteidigung sein. Statt dessen ist sie lediglich ein Bestandteil unserer gesamten Sicherheitspolitik, eine Ergänzung der Maßnahmen, die wir von
unserer Seite aus treffen müssen, wie
die Unterhaltung der für eine angemessene Abschreckung notwendigen Waffen und Streitkräfte.
Tatsächlich
lehrt die Erfahrung, daß alles, was
wir als Bündnis für uns selbst zu tun
bereit und in der Lage sind, wichtiger ist als das, was wir durch Rüstungskontrolle erreichen können.
Dieser Punkt wird insbesondere
für die Beurteilung des Beitrages
wichtig, den der künftige START-Vertrag für unsere Sicherheit leistet.
Damit wird es wünschenswert, unseren
gegenwärtigen Kurs bei den START-Verhandlungen weiter fortzusetzen.
Wie Sie wissen, behaupten einige
frühere amerikanische Regierungsvertreter wie etwa Henry Kissinger, daß
der künftige START-Vertrag die Verwundbarkeit
amerikanischer
strategischer Streitkräfte erhöhen und damit die Stabilität abbauen würde.
Dieser Ansicht bin ich nicht. Das
Argument von Kissinger basiert auf
übertriebenen Erwartungen im Hinblich
darauf, was Rüstungskontrolle leisten
kann.
Rüstungskontrolle
allein
kann
nicht die Probleme der Uberlebensfähigkeit unserer Streitkräfte lösen.
Aber sie kann es uns leichter machen,
die notwendigen Schritte einzuleiten,
um die Überlebensfähigkeit unserer

Streitkräfte zu verbessern, indem wir
die angemessenen Möglichkeiten zu ihrer Modernisierung schützen und die
sowjetische
Bedrohung
abbauen und
eingrenzen, die andernfalls die Wirkung dieser Verbesserungen aufheben
würde. START kann dies leisten.
Wie ich bereits erwähnte, besteht
das Problem der Überlebensfähigkeit
amerikanischer strategischer Streitkräfte vor allem bei landgestützten
Systemen. Unsere festen Silos sind
jetzt und in Zukunft verwundbar, daran kann kein Rüstungskontrollabkommen etwas ändern. Es ist also wichtig, sicherzustellen, daß Rüstungskontrolle keine Maßnahmen blockiert,
mit denen die Uberlebensfähigkeit von
ICBMs gesteigert werden kann, sondern
die Verbesserung der Uberlebensfähigkeit mittels solcher Maßnahmen erleichtert.
Es wird keinen START-Vertrag geben, der mobile und transportable
ICBMs verbietet. Das mobile System
würde schienenbewegliche und straßenbewegliche ICBMs sowie andere Möglichkeiten der Stationierung überlebensfähiger ICBMs schaffen. Darüber
hinaus würde START durch den erheblichen Abbau sowjetischer Gefechtsköpfe auf ballistischen Raketen und
Wurfgewichte die Fähigkeit der Sowjets beschränken, solcherart stationierte ICBMs durch Großangriffe zu
zerstören. Damit würde START uns die
notwendigen Rechte zur Stationierung
überlebensfähiger ICBMs einräumen und
die Bedrohung für diese Streitkräfte
verringern.
Was die seegestützten Streitkräfte anbelangt, so besteht für die Vereinigten Staaten die Möglichkeit zur
Reduzierung auf 18 SSBN, was manche
für eine gefährlich niedrige Zahl
halten. Aber wir planen auch ohne
START eine Verringerung auf etwa 20
Trident, da diese - leiser und in
größeren Meeresgebieten einsatzfähig
als die Poseidons - überlebensfähiger
sind. Dieser Plan ist von niemandem
in Zweifel gezogen worden.

�Es stellt sich also die Frage,
warum die Zahl von 20 U-Booten akzeptiert wird, nicht aber die Zahl 18,
oder genauer gesagt, warum 13 U-Boote
auf See akzeptiert werden, aber nicht
12. Darüber hinaus haben wir im Rahmen von START vorgeschlagen, daß einige überholte U-Boote von der Zählung der Gefechtsköpfe ausgenommen
werden; diese Bestimmung würde uns
gestatten, unter START so viele SSBNs
mit jeweils 20 Gefechtsköpfen zu stationieren wie ohne START geplant.
Aber ob wir 18 oder 20 SSBNs stationieren, so sehen die amerikanischen Nachrichtendienste zumindest
bis zum Ende des Jahrhunderts keine
erhebliche
Bedrohung
für
unsere
SSBNs. Sollte sich diese Ansicht ändern und sollten wir über die Uberlebensfähigkeit unserer SSBNs besorgt
sein, dann gibt es START zufolge keine Beschränkung, die eine Verteilung
unserer SLBM-Gefechtsköpfe auf einer
größeren Zahl von Plattformen durch
die Stationierung einer geringeren
Zahl von Gefechtsköpfen auf jedem
U-Boot verhindert.
Im Hinblick auf die Luftstreitkräfte haben wir aufgrund unseres Erfolges bei der Aushandlung der Zählregeln von Waffen in Bombern unser
Recht bewahrt, alle Bomber, die wir
auch ohne START stationieren wollten,
zu dislozieren.
Insgesamt würde START die Probleme der Uberlebensfähigkeit unserer
Streitkräfte nicht verschärfen.
Es
würde
den
notwendigen
Spielraum
schaffen, um sie abzuwenden und den
Abbau und die Eingrenzung der sowjetischen Bedrohung erleichtern.
Es
erfüllt alle Bedingungen eines guten
Rüstungskontrollabkommens.
Meiner
Ansicht nach wäre die Bush-Administration gut beraten, den gegenwärtigen Kurs der START-Verhandlungen mit
Unterstützung der NATO fortzuführen.
Lektion Nummer zwei:
Die Bedeutung der Berücksichtigung des richtigen Ziels.

Die zweite Lektion besteht in der
Notwendigkeit, stets das vordringliche Ziel unserer Rüstungskontrollund Sicherheitsbemühungen im Auge zu
behalten, das da lautet:
Erhöhung
der Stabilität.
Wir streben nach dem Abbau möglicher Anreize für die andere Seite,
in einer Krise den Erstschlag auszuführen oder eine Krise heraufzubeschwören, die zu einer militärischen
Konfrontation führen könnte. Um den
Warschauer Pakt davon abzubringen,
ein rücksichtsloses Vorgehen in Betracht zu ziehen, sollten unsere
Streitkräfte insgesamt die notwendigen Eigenschaften der Wirksamkeit,
Flexibilität, Vielfalt und Überlebensfähigkeit gegenüber einem direkt
gegen sie gerichteten Angriff besitzen.
Es ist gelegentlich zu hören, der
Abbau der Streitkräfte sei an sich
ein achtbares Ergebnis von RUstungskontrollbemühungen, als ob dies unser
vordringliches Ziel wäre. Doch Reduzierungen per se sind nicht notwendigerweise positiv zu bewerten. Wenn
die verbleibenden Streitkräfte gegenüber einem Erstschlag verwundbarer
sind oder wenn das Niveau der verbleibenden Streitkräfte der anderen
Seite einen größeren Anreiz zu rücksichtslosem Vorgehen bietet, verringert sich die Stabilität. Reduzierungen sollten vielmehr als ein Mittel betrachtet werden, das bei richtiger Nutzung dem Ziel der Steigerung
von Stabilität dienen kann.
Dies ist der Grund, warum wir uns
bei den START-Verhandlungen durch die
Festlegung von Untergrenzen für Gefechtsköpfe auf Reduzierungen bei den
am meisten destabilisierenden Systemen konzentriert haben. Darum haben
wir auch bei dem INF-Vertrag darauf
bestanden, daß zur Erzielung des
gleichen Niveaus Reduzierungen asymmetrisch vorgenommen wurden.
Dies ist eine Lektion, die im
Vorfeld der Gespräche über konventio-

- 7 -

�nelle Stabilität ganz besonders wichtig wird.
Einige Vorschläge zum Abbau der
konventionellen Streitkräfte und sogar asymmetrische Einschnitte zugunsten des Westens mögen verlockend
scheinen, tatsächlich aber verschärfen sie die Situation im Hinblick auf
unsere Sicherheit. Es wird von grosser Bedeutung sein, daß sich das
westliche Bündnis nicht auf den Umfang der Reduzierungen konzentriert,
sondern vielmehr auf die nach diesen
Reduzierungen verbleibenden Streitkräfte, um festzustellen, ob das Ergebnis eine größere oder geringere
Stablität als die heutige Situation
hervorbringt.
Lektion Nummer drei:
Beharrlichkeit bei Prinzipien,
Kreativität auf anderen Gebieten.
Die dritte Lektion bezieht sich
auf die zahlreichen Probleme, die im
Verlaufe jeder Verhandlungen auftauchen werden. Um Verhandlungen wirkungsvoll voranzutreiben, ist die
Kenntnis der Unterschiede zwischen
prinzipiellen Problemen und anderen
Themen entscheidend. Bei den erstgenannten muß man geduldig an seiner
eigenen Position festhalten, bei der
letztgenannten ist zur Problemlösung
Kreativität gefragt.
In der Frühphase der INF-Verhandlungen hat die NATO die fünf Prinzipien genannt, von denen die amerikanischen Bemühungen gekennzeichnet waren: Gleichheit der Rechte und Begrenzungen für die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion; Einschränkungen ausschließlich bei amerikanischen und sowjetischen Systemen ohne Kompensation von Systemen aus
Drittländern;
die weltweite Anwendung der Obergrenzen; keine Schwächung des amerikanischen Beitrags zur
konventionellen Abschreckung der NATO
und wirkungsvolle Überprüfung.
Trotz Widerständen auf Seiten der
Sowjetunion und erheblicher Skepsis
in der Öffentlichkeit haben wir ge-

duldig an diesen Prinzipien festgehalten und haben schließlich einen
Vertrag erarbeitet, der all diesen
Prinzipien gerecht wird.
Doch ein
solcher Vertrag wäre nicht möglich
gewesen, wenn wir nicht dazu bereit
gewesen wären, kreativ und bei einer
ganzen Bandbreite anderer INF-Probleme flexibel zu arbeiten.
Verhandlungen müssen immer von
Geben und Nehmen gekennzeichnet sein.
Ein guter Verhandlungspartner muß
nicht nur ein guter Verfechter seiner
Sache, sondern auch ein guter Zuhörer
sein. Wir müssen die legitimen Sicherheitsbedenken der anderen Seite
anerkennen und unseren Ideenreichtum
einsetzen, um für beide Seiten zufriedenstellende Kompromisse zu finden.
Eine Rüstungskontrollverhandlung sollte kein Nullsummen-Spiel
sein, sondern eine Suche der Verhandlungspartner nach Lösungen, die eine
Verbesserung der Situation für beide
mit sich bringt.
Daher müssen wir uns bei der
Fortsetzung laufender Verhandlungen
und beim Eintritt in Verhandlungen
über konventionelle Waffen über unsere Prinzipien ebenso im klaren sein
wie über die minimalen Bedingungen,
die ein Abkommen annehmbar machen.
Wir müssen darauf vorbereitet sein,
an diesen Prinzipien unnachgiebig
festzuhalten.
Gleichzeitig
müssen
wir in Kauf nehmen, daß die Verhandlungen fehlschlagen, wenn die einzige
Alternative darin besteht, ein Abkommen zu unterzeichnen, das diesen
grundsätzlichen
Sicherheitsanforderungen nicht gerecht wird. Innerhalb
dieser prinzipiellen Rahmenbedingungen müssen wir jedoch zu einer flexiblen Arbeit bereit sein, um zu beiderseitig akzeptablen Ergebnissen zu
gelangen.
Lektion Nummer vier:
Die richtige Methode für die
Einhaltung
Die vierte Lektion bezieht sich
auf die Politik der Einhaltung von
Verträgen, auf die Art, wie wir der
anderen Seite Anreize geben, Verein-

�barungen zu befolgen. Hierzu gehören
zwei wesentliche Aufgaben: die Fähigkeit, die Einhaltung vertraglicher
Verpflichtungen zu verifizieren, und
der Nachweis, daß im Falle der festgestellten Nichtbefolgung der Wille
zur Reaktion vorhanden ist.
Im Hinblick auf die Verifizierung
ist es für uns wichtig, angemessene
Richtlinien
für ausgehandelte und
einzuhaltende Regularien festzulegen.
Es wäre hervorragend, wenn wir zu einer perfekten Verifizierung gelangen
könnten, wenn wir also sicher sein
könnten, jede Verletzung einer vertraglichen Bestimmung sofort zu ermitteln. Ein solcher Standard jedoch
ist unerreichbar, selbst mit dem weitestgehenden vorstellbaren Verifizierungsregularien.
Darüber hinaus müssen wir klar
erkennen, daß wir mit der Durchsetzung des Rechts, das unseren Inspektoren Zugang zu den Einrichtungen der
anderen Seite verschafft, gleichzeitig auch die Voraussetzung für den
gleichen Zugang ihrer Inspektoren zu
unseren Anlagen schaffen.
Und es
gibt zahlreiche stark gefährdete Anlagen, denen durch Inspektoren der
anderen Seite Schaden für unsere Sicherheit zugefügt würde.
Daher sehen wir uns bei der
Schaffung von Verifizierungsregularien mit dem unvermeidlichen Dilemma
konfrontiert, das durch zwei schwer
zu vereinbarende Ziele geschaffen
wird: dem Wunsch nach Zugang zu möglichst vielen Anlagen der anderen
Seite, um Betrug zu ermitteln und abzuwenden, und die Notwendigkeit des
Schutzes unserer eigenen gefährdeten
Anlagen vor Inspektoren der anderen
Seite. Keine Lösung dieses Problems
kann
vollkommen
zufriedenstellend
sein; wir müssen eine Lösung anstreben, die Sorgen über die Verifizierung und unsere Sicherheitserfordernisse in angemessener Weise miteinander in Einklang bringt.
Wir sind der Meinung, daß ein
solcher Ausgleich im INF-Vertrag er-

reicht wurde. Wir sind uns bewußt,
daß wir uns der Aufdeckung jedes
denkbaren Vorfalls einer sowjetischen
Verletzung des INF-Vertrages nicht
sicher sein können.
Gleichzeitig
sind wir uns darüber im klaren, daß
wir hierzu nicht zwangsläufig in der
Lage sein müssen. Vielmehr sollten
wir zuversichtlich sein, daß wir eine
sowjetische Vertragsverletzung erkennen, diese wirksam erwidern und dadurch den Sowjets den Vorteil einer
Vertragsverletzung
nehmen
könnten,
falls sie sich auf irgendeine militärisch bedeutsame Weise außerhalb
der Grenzen des Vertrages bewegen.
Diese Anforderungen nennen wir
wirksame Verifizierung. Es ist eine
Notwendigkeit, daß die Uberprüfungsrichtlinien zum INF-Vertrag ausreichen. Dies ist die Richtlinie, der
wir bei den anderen Verhandlungen
ebenso folgen sollten.
Auf der anderen Seite der Medaille steht die Frage, was zu tun ist,
wenn eine Vertragsverletzung ermittelt wird.
Sicherlich genügt es
nicht, die Fähigkeit zur Ermittlung
von Vertragsverletzungen zu besitzen.
Wenn wir der anderen Seite deutliche
Anreize zur Einhaltung von Vereinbarungen geben wollen, müssen wir ihr
gegenüber unsere Entschlossenheit zur
Erwiderung jeder Vertragsverletzung
in einer Weise verdeutlichen, die ihr
den Vorteil verweigert, den sie sich
von einer derartigen Nichteinhaltung
versprechen könnte.
In den vergangenen Jahren konzentrierten sich Probleme der Einhaltung
von Verträgen zunächst auf den SALT
II- und dann auf den ABM-Vertrag.
In beiden Fällen hatten wir Schwierigkeiten, eine angemessene und entsprechende Erwiderung zu erarbeiten,
als die Sowjets sich unseren Bemühungen widersetzten, sie zu einem überdenken ihrer Vertragsverletzungen zu
bewegen.
Die meisten Alternativen
erschienen entweder ohne Bezug, unangemessen im Hinblick auf die Vertragsverletzungen oder auch politisch
nicht durchsetzbar.

- 9-

�Im Falle der sowjetischen Vertragsverletzungen von SALT II entschied Präsident Reagan schließlich,
daß wir uns nicht länger an die Beschränkungen des Vertrages gebunden
fühlen und doch gleichzeitig bei der
Strukturierung unserer strategischen
Streitkräfte auch weiter Zurückhaltung üben würden. Diese Entscheidung
hatte nicht die von vielen befürchteten Konsequenzen.
Es kam nicht zu
einer massiven Aufrüstung jenseits
der vom SALT II-Vertrag gesetzen
Grenzen. Tatsächlich mag sich diese
Entscheidung langfristig als ein die
Rüstungskontrolle fördernder Faktor
entpuppen, wenn den Sowjets dadurch
klar wird, daß die Vereinigten Staaten bei nicht zurückgenommenen Vertragsverletzungen Maßnahmen der Erwiderung ergreifen.
Beim derzeitigen Ringen um das
Problem des Radars von Krasnojarsk
wollen wir hoffen, daß unsere Maßnahmen beim SALT II-Vertrag, die einhellige Ansicht des Westens über die
klare Verletzung des ABM-Vertrages
durch das Radar und unser Beharren,
bis zur Korrektur der Vertragsverletzungen keine weiteren strategischen
Rüstungsabkommen
zu
unterzeichnen,
ausreichen werden, um die Sowjets von
einer Behebung dieses Problems zu
überzeugen.
Beim Abwägen von Reaktionen auf
die Nichteinhaltung müssen wir eine
langfristige Perspektive im Auge behalten. Der unmittelbar angebrachte
Kurs könnte so aussehen, daß wir Verletzungen ignorieren und uns gegenseitig versichern, sie hätten keine
so großen Auswirkungen. Kurzfristig
gesehen könnte dies tatsächlich so
sein, aber damit wird der anderen
Seite eine Botschaft übermittelt, die
langfristig
beträchtliche
Probleme
mit der Einhaltung hervorrufen könnte.
Lektion Nummer fünf:
Die Bedeutung der Einheit des
Bündnisses und der Unterstützung
durch Parlament und
Öffentlichkeit

Die fünfte Lektion ist uns allen
wohl bekannt. Ich möchte sie dennoch
wiederholen, da sie in den vergangenen fünf Jahren noch an Bedeutung gewonnen hat. Die Lektion besteht in
der vorrangigen Bedeutung der Entwicklung von Programmen und Positionen, mit denen die Einheit des Bündnisses gefördert und Unterstützung
durch Parlament und Öffentlichkeit
geboten wird.
Ein Großteil der Geschichte der
INF-Verhandlungen besteht in sowjetischen Versuchen, das Bündnis zu
spalten und unsere Bevölkerungen und
Parlamente gegen uns aufzubringen.
Entsprechend ist der Vertrag ein Tribut an und ein Produkt der Einheit
des Bündnisses - die Entschlossenheit
der Stationierungsländer, die Dislozierung vorzunehmen, die Geschlossenheit der NATO bei jeder Phase der
Verhandlungen sowie die Solidarität
unserer Verbündeten und Freunde in
Asien, die in so entschiedenem Maße
zu der weltweiten Null-Lösung beigetragen haben.
Solche Einheit und Unterstützung
werden bei den Verhandlungen über
konventionelle Stabilität ebenso wie
bei anderen Verhandlungen unabdingbar
sein.
Während wir neue Positionen
erwägen, müssen wir uns daher beständig die Frage stellen: Können wir
mit einer solchen Haltung den Konsens
im Bündnis und die Unterstützung
durch Öffentlichkeit und Parlament
angesichts der Bestrebungen des Ostblocks aufrechterhalten, diese zu unterminieren?
Lektion Nummer sechs:
Der richtige Ansatz beim Junktim
Die letzte Lektion betrifft eine
umfassendere Perspektive - das Junktim zwischen den jeweiligen Rüstungskontrollbestrebungen und zwischen den
anderen Aspekten der Ost-West-Beziehungen.
Wir Ihnen bekannt sein dürfte,
hat die Reagan-Administration darauf
beharrt, daß die amerikanisch-sowje-

- 10 -

�tischen Gespräche sich nicht nur auf
Rüstungskontrolle konzentrieren, sondern vielmehr eine umfassende Tagesordnung abdecken, die auch Menschenrechte, regionale Konflikte sowie bilaterale Angelegenheiten einschließt.
Dies ist eine Anerkennung der Tatsache, daß die Beziehungen zwischen
unseren Ländern sehr viel mehr beinhalten als das Rüstungsniveau, das
tatsächlich nur eine von vielen Ursachen für Spannungen und Mißtrauen
ist.
Eine ebenso umfassende Perspektive wird im KSZE-Prozeß aufrechterhalten, wo wir darauf beharren, daß die
Fortschritte zwischen Sicherheitsbelangen und Menschenrechtsfragen ausgewogen sind.
Ich unterstütze diesen Ansatz,
stimme jedoch nicht mit jenen überein, die ihn zu weit auslegen, indem
sie darauf bestehen, daß der Abschluß
eines jeden Vertrages eng an Verträge
oder das zufriedenstellende Verhalten
der anderen Seite in anderen Bereichen geknüpft sein muß.
Man hat beispielsweise das Argument vorgebracht, wir sollten keinen
INF-Vertrag mit den Sowjets schliessen, bevor sie ihre Truppen aus Afghanistan abgezogen oder ihr Verhalten zu Menschenrechtsfragen verbessert hätten. Dies ging an der Tatsache vorbei, daß wir den INF-Vertrag
nicht ausgehandelt haben, um den Sowjets einen Gefallen zu erweisen und
ihnen damit Konzessionen bei anderen
Problemen als Gegenleistung abzuverlangen. Wir haben den Vertrag ausgehandelt, um uns selbst einen Gefallen
zu erweisen, indem wir unsere Sicherheit verbesserten.
Als wir einen
solchen Vertrag schließen konnten,
gab es keinen Grund, uns die unmittelbare Verwirklichung seiner Vergünstigungen zu verweigern.
Wir haben natürlich auf Fortschritte bei Themen wie Afghanistan,
Menschenrechten sowie anderen OstWest-Problemen gedrängt und sie im
einzelnen erörtert, während wir ihren

Stellenwert in den Beziehungen insgesamt stets im Auge behalten haben.
Und wir haben auch in diesen Bereichen Fortschritte erzielt.
Das vorherrschendere Junktim, von
dem heute gesprochen wird, besteht
zwischen START und den Verhandlungen
über konventionelle Stabilität und
zwar dahingehend, daß die einen nicht
vor den anderen abgeschlossen werden
sollten. Ein solches Junktim impliziert, daß ein START-Vertrag unsere
Abschreckung gegen einen konventionellen Angriff schwächen würde oder
daß die Sowjets einen START-Vertrag
so unbedingt benötigen, daß sie - um
dies sicherzustellen - ein konventionelles RUstungsabkommen unterzeichnen
würden, das sie unter anderen Umständen nicht akzeptieren würden. Aber
keiner dieser Umstände trifft zu.
Ein START-Vertrag und ein gut
formuliertes Abkommen über konventionelle Rüstung liegen beide im Interesse des Westens, unabhängig davon, ob sie getrennt oder gemeinsam
erwogen werden. Jedes dieser Abkommen sollte seinen eigenen Verhandlungsverlauf nehmen.

Nachsatz - Wie die NATO auf
Gorbatschow reagieren sollte
Meinen sechs Lektionen möchte ich
einen Nachsatz darüber hinzufügen,
wie die NATO auf Generalsekretär
Gorbatschow und den sich in der UdSSR
vollziehenden Wandel reagieren sollte.
Es besteht kein Zweifel mehr darüber, daß sich in der Sowjetunion
Außerordentliches abzeichnet.
Dies
wurde während der sechs Reisen offensichtlich, die ich in den vergangenen
drei Jahren dorthin unternommen habe.
Noch nicht klar ist jedoch, in welche
Richtung diese Veränderungen gehen,
ob sie andauern und welche Auswirkungen sie langfristig auf die sowjetischen Beziehungen zum Westen haben
werden.

- 11 -

Gorbatschow scheint heute unter-

�schiedlichem Druck im Inland ausgesetzt, das internationale Verhalten
der Sowjetunion zu mäßigen und Fortschritte bei der Aushandlung ernsthafter Rüstungskontrollmaßnahmen zu
erzielen.
Eine Art von Druck ergibt sich
aus der Schwierigkeit, das Ziel der
Perestrojka im Inland zu verwirklichen und gleichzeitig die Bürde
wirklich außerordentlich hoher Militärausgaben der Vergangenheit auf die
Wirtschaft aufrechtzuerhalten.
Ein
anderer Druck resultiert aus der
wachsenden Erkenntnis in der Sowjetunion, daß aufgrund von Glasnost die
Bedrohung eines Angriffs der NATO auf
den Warschauer Pakt eine ganz und gar
überzogene Illusion war.
Die sowjetische Rhetorik einer
"defensiven Verteidigung" und eines
"militärisch vernünftigen und ausreichenden Niveaus" liefert Grund zu der
Annahme, daß dieser Druck eines Tages
ein wünschenswertes Ergebnis produziert. Wir dürfen jedoch nicht vergessen, unsere Sicherheitspolitik auf
die sowjetischen Fähigkeiten statt
auf Hoffnungen oder Absichtserklärungen zu gründen. Bis heute gibt es
keinen Beweis dafür, daß sich ihre
militärischen
Fähigkeiten
geändert
haben.
Ferner sind optimistische Anzeichen aus der Sowjetunion nicht nur
das Ergebnis des Drucks im Inland,
sondern auch der Anreize aus dem Ausland, die mit der Fähigkeit und Entschlossenheit der NATO, sich inakzeptablem Verhalten der Sowjets zu widersetzen, unter Beweis gestellt werden. Wenn wir die Chancen einer Verwirklichung der erhoften Verbesserungen maximieren wollen, müssen wir
diese Anreize beibehalten.

Perestrojka zu verzögern. Ebensowenig klar ist, ob der NATO aus solcher
Hilfe langfristig ein Vorteil erwachsen würde.
Während wir die Vorgänge in der
Sowjetunion sorgfältig im Auge behalten, sollten wir vielmehr weiterhin
vehement unsere eigenen Interessen
verfolgen. Wir sollten alles erforderliche zur Aufrechterhaltung angemessener
Abschreckungsfähigkeiten
tun. Wir sollten den Sowjets nach
wie vor Anreize bieten, bedeutungsvolle und stabilisierende Rüstungskontrollabkommen zu schließen.
Und
wir sollten Möglichkeiten eröffnen
und vorbereitet sein, kreativ auf
Chancen für konkrete Leistungen in
den Ost-West-Beziehungen zu reagieren.

Schlußbemerkung
Im Verlauf der vergangenen acht
Jahre ist viel gute Arbeit geleistet
worden. Meiner Ansicht nach können
wir ruhig sagen, daß sich die NATO
seit 1981 entscheidend verbessert
hat. Aber es nicht an der Zeit, sich
auf den Lorbeeren auszuruhen.
Es
bleibt noch viel zu tun, und große
Leistungen können noch erbracht werden.
Wenn wir bei unseren Fortschritten von klarem Zweckdenken und
von Einigkeit geleitet sind, kann das
Bündnis den Herausforderungen der vor
uns liegenden Jahre begegnen und noch
bessere Gewährleistung dafür bieten,
daß unsere Fähigkeit, in Frieden und
Freiheit zu leben, aufrechterhalten
wird.

Wir sollten uns inständigem Bitten um "Beistand für Gorbatschow" widersetzen. Es ist nicht klar, ob die
Wirtschaftshilfe der NATO an die
UdSSR mehr bewirken würde als den
Druck nach Durchführung der vordringlichsten und schwierigsten Teile der
- 12 -

* * * * * *

�AMERIKA DIENST
Information

45

7. Dezember 1983

BARBARA BUSH ERHEBT KAMPF GEGEN ANALPHABETENTUM ZU IHRER PRIORITÄT
- Porträt der künftigen First Lady -

WASHINGTON - (AD) - Die Frau des neu gewählten Präsidenten George Bush bezeichnet sich selbst als "Spätzünder", der an "Lebensabschnitte" glaubt - an
Zeiten, in denen man sich im Leben mit aller Kraft für eine Sache einsetzt.

"Meiner Ansicht nach tut es gut,
sich alle zehn Jahre ein neues Thema
vorzunehmen", erklärt sie. "Es tut
gut, den Arbeitsplatz zu wechseln,
neue Menschen zu treffen und neue
Projekte in Angriff zu nehmen."
Im Weißen Haus wird sie jedoch
wahrscheinlich ihr Lieblingsprojekt,
"den nationalen Kreuzzug zur Ausmerzung des Analphabetentums" weiterführen.
"Bei all meinen Anliegen - Umwelt, AIDS, Schwangerschaft von Minderjährigen - könnte Besserung eintreten, wenn mehr Menschen lesen und
schreiben könnten", so Barbara Bush.
"Eine Million amerikanischer Kinder pro Jahr erhalten keinen Schulab-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

schluß", erklärt sie. "Wenn einer
von uns nicht lesen kann, zahlen wir
alle dafür."
Das Problem betrifft diese eine
Million vorzeitige Schulabgänger sowie schätzungsweise
1,4 Millionen
Flüchtlinge und legale und illegale
Einwanderer. In der langen Reihe von
Arbeitslosen fehlen mehr als der
Hälfte die Fähigkeiten zur Kommunikation und die Motivation, schreibt
Mrs. Bush. "Schätzungsweise 23 Millionen Amerikaner stehen wegen ihres
Analphabetentums im Schatten." Ihr
zufolge gibt das Land etwa sechs Milliarden Dollar pro Jahr für Soziales
und Arbeitslosenprogramme aus, die
sich direkt auf Analphabetismus zurückführen lassen.

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Mrs. Bush ist jedoch der Ansicht:
"Wir stehen jetzt kurz vor der Lösung
eines großen, aber größtenteils verborgenen nationalen Problems."
Mehrere tausend Freiwillige helfen etwa 100 000 Schülern pro Jahr
beim Lesenlernen.
Mit Mrs. Bushs
Hilfe wurde ein "Heißer Draht für Lesen und Schreiben" eingerichtet, um
Schiller und Lehrer in Kontakt zu
bringen. Barbara Bush freut sich auf
die Zeit, wenn jedes Kind nicht nur
lesen und schreiben, sondern auch einen Computer bedienen kann.
Mrs. Bush war "eine treibende
Kraft hinter der Sensibilität von
George Bush im Hinblick auf das Bildungswesen", erklärte ein Mitarbeiter
des neu gewählten Präsidenten.
Ihr Interesse an dem Thema wurde
entfacht als bei ihrem Sohn Neil eine
Leseschwäche
diagnostiziert
wurde.
Sie fand Lehrer, die mit ihm arbeiteten, und er konnte schließlich seinen
Magister an der Universität machen.
Seit dem Zeitpunkt, als die dreijährige Tochter Robin der Familie
Bush 1953 an Leukämie starb, hat
Barbara Bush auch Interesse an der
Bekämpfung dieser Krankheit bekundet.
Sie ist Ehrenvorsitzende der Gesellschaft zur Bekämpfung der Leukämie in
Amerika.
Die Obdachlosen sind ihr ein weiteres wichtiges Anliegen, insbesondere die 30 Prozent der Frauen mit Kindern. Die Väter "werden nicht für
die Kinder zur Verantwortung gezogen", erklärt sie, "sie gründen neue
Familien und helfen nicht den Frauen
und ihren Kindern, um die ich am meisten besorgt bin."
Mrs. Bush weigert sich, ihre persönliche politische Überzeugung zu
diskutieren.
In der Vergangenheit
hat sie Abtreibung befürwortet, während sich ihr Mann dagegen ausspricht. "Wenn ich zu kontroversen
Themen befragt werde, sage ich immer
'Lassen Sie mich Ihnen erklären was

George Bush dazu meint'. Ich bin mit
George über verschiedene Fragen geteilter Meinung, die ich aber nicht
preisgeben möchte.
Ich habe seine
Ansichten in 43 Jahren nicht verändert, und wüßte nicht, warum ich
jetzt damit anfangen sollte."
Barbara Bush erklärt: "Ich nehme
keine politischen Standpunkte ein,
weil ich mich als Ehepartner eines
gewählten Regierungsvertreters genauso fühle wie der Vizepräsident gegenüber dem Präsidenten. Man schuldet
dieser Person - diesem gewählten Vertreter - in der Öffentlichkeit Unterstützung. Hinter verschlossenen Türen kann man seine eigene Meinung
vorbringen. Aber ich bin kein gewählter
Regierungsvertreter.
Wenn
ich es wäre, würde ich auch von
George Bush verlangen, daß er mich
unterstützt."
Dennoch erklärt Mrs. Bush, daß
sie als First Lady eine Zwischenlösung zwischen Rosalynn Carters öffentlichem Engagement und dem privaten Stil von Nancy Reagan anstrebt.
Barbara Bush ist 63, Mutter von
vier Söhnen und einer Tochter und
zehnfache Großmutter.
Sie ist die
Tochter des Präsidenten der Zeitschrift McCall's und besuchte exklusive Mädchenschulen. Sie traf ihren
Mann bei einer Weihnachtsfeier, als
sie 16 und er 17 war. Kurz bevor er
im Zweiten Weltkrieg als Kampfpilot
nach Übersee geschickt wurde, verlobten sie sich, und Barbara Bush
verließ 1945 das College, um zu heiraten.
Nachdem George Bush in Yale Examen gemacht hatte, zog das Ehepaar
Bush in den Westen von Texas, wo
George Bush im Ölgeschäft ganz unten
anfing.
Seine
Familie lieh ihm
schließlich das Geld zur Gründung einer eigenen Firma.
Von dort aus zog Barbara Bush mit
ihrem Mann im Laufe seiner Zeit als
Regierungsvertreter 17 mal um, auch
nach Peking, wo er Leiter des Verbin-

- 2 -

�dungsbüros war, bevor die Vereinigten
Staaten und die Volksrepublik. China
formell Beziehungen aufnahmen.
Es
existiert ein Photo von ihnen mit ihren Fahrrädern auf dem Platz des
Himmlischen Friedens, und seitdem interessiert sich Mrs. Bush für chinesische Geschichte und Kunst. Nach
ihrer Rückkehr bereiste sie Amerika
mit einer Diavorführung über China,
das damals Ausländern weitgehend verschlossen war. Insgesamt hat sie 68
Länder und alle 50 amerikanischen
Bundesstaaten besucht.
Bei ihren Reden im Wahlkampf erzählte sie gerne Witze über sich
selbst. Um Geld für ihre Anliegen zu
sammeln, gab sie ein Buch mit Geschichten heraus, die im Namen des
Hundes der Familie namens C. Fred geschrieben sind. Bei einer Autogrammstunde für das Buch wollte ihr zufolge eine Frau wissen, wo C. Fred denn
sei. Auf die Antwort, er sei zuhause
in Washington, war die Dame beleidigt
und erwiderte: Sie meinen also, ich
bin umsonst hierher gekommen?
Beim Empfang einer Botschaft für
Vizepräsident Bush, so erinnert sie
sich, wurde sie von einem Gast mit
einem
freundlichen
"Hallo,
Mrs.
Shultz" begrüßt, während ein anderer
ihr mit den Worten "Willkommen in unserem Land" die Hand schüttelte.
Bei einem Auftritt mit dem Vizepräsidenten im Wahlkampf rief ein
Fotograph: "Würde die Dame im roten
Kleid bitte aus dem Bild gehen?"
Nach einem Blick auf ihr Kleid erkannte sie dann: "Mein Gott, er meint
mich."

* * * * * *

- 3-

�AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

7. Dezember 1988

45

POWELL: BUSH WIRD AMERIKANISCH-SOWJETISCHE BEZIEHUNGEN FESTIGEN
- Artikel über eine Pressekonferenz mit Colin Powell -

WASHINGTON - (AD) - Reagans Nationalem Sicherheitsberater zufolge wird
Präsident Reagan Generalsekretär Gorbatschow nächste Woche davon unterrichten,
daß der neu gewählte Präsident Bush die ausgezeichneten Beziehungen zwischen
Washington und Moskau weiter ausbauen will.
Generalleutnant Colin Powell erklärte am 2. Dezember 1988 gegenüber Journalisten, Reagan sei "stolz auf die in den letzten Jahren erzielten Fortschritte - wozu er auch allen Grund hat. Ich bin sicher, er wird dies auch
dem Generalsekretär übermitteln."
Bush dem beipflichten wird."

Reagan vertritt die Auffassung,
daß seine Zusammenkünfte mit Gorbatschow den Beziehungen eine neue und
in der Geschichte einmalige Richtung
gegeben haben - durch das Abkommen
über die Beseitigung einer gesamten
Kategorie von Kernwaffen, den Abbau
regionaler Konflikte, die Verbesserung der Menschenrechte in der Sowjetunion und den Ausbau der bilateralen Beziehungen.

Die Vereinigten Staaten "haben
keine wichtigen neuen Vorschläge zu
unterbreiten" erklärte Powell, "und
Entwürfe sind mir nicht bekannt".
Wenn es Vorschläge von seiten der Sowjets gibt, wird Reagan Powell zufolge bereit sein, "diese aufmerksam anzuhören und darauf zu antworten oder
sie gegebenenfalls zu überdenken."

Powel erklärte im Rahmen seines
Gesprächs mit Journalisten über das
bevorstehende
Treffen von Reagan,
Gorbatschow und Bush am 7. Dezember,
der Präsident werde "dem Generalsekretär bedeuten, daß unsere Leistungen
der letzten drei Jahre von Vizepräsident Bush fortgeführt werden, und ich
bin sicher, daß auch Vizepräsident

Die Spitzenpolitiker werden angesichts des Ablaufs der Reagan-Jahre
eine Bilanz über Fortschritte im Bereich der Rüstungskontrolle ziehen
und erörtern, "welche Schritte Vizepräsident Bush bei seiner Amtsübernahme im Januar generell zu unternehmen gedenkt. Ich erwarte keine detaillierten Vorschläge" . .. Reagan

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�und Gorbatschow wird mit diesem letzten Zusammentreffen die Möglichkeit
geboten, "eine Bestandsaufnahme der
gegenwärtig stabilen und sich verbessernden Beziehungen vorzunehmen und
dem Vizepräsidenten Gelegenheit zu
einem kurzen Gespräch mit dem Generalsekretär über den weiteren Ausbau
dieser Beziehungen gegeben".
Powell erklärte, unter protokollarischen Gesichtspunkten werde Bush
als Vizepräsident und nicht als designierter Präsident an der Zusammenkunft auf Governor's Island teilnehmen.
Er fügte hinzu, entgegen anderslautender Spekulationen sei ein
privates Treffen zwischen Bush und
Gorbatschow nicht vorgesehen.
Gorbatschow wird sich nach seiner
Ansprache vor der Vollversammlung der
Vereinten Nationen mit dem Schiff zu
der Insel begeben, um dort mit Reagan
und Bush in der Residenz des Kommandeurs der Küstenwache der amerikanischen Atlantikflotte (Quarters One)
zusammenzukommen. Zum Auftakt ihrer
Gespräche werden die drei Politiker
auf privater Ebene zusammentreffen
und anschließend gemeinsam mit ihren
Beratern ein Arbeitsessen einnehmen.
Auf Seiten der Vereinigten Staaten
werden Reagan und Bush begleitet von
Außenminister George Shultz, Powell,
Rozanne Ridgway, Abteilungsleiterin
für europäische Angelegenheiten im
Außenministerium, dem Stabsschef im
Weißen Haus, Ken Duberstein, und Jack
Matlock, amerikanischer Botschafter
in Moskau.
Nach dem Essen werden die drei
Staatsmänner vom auf der Insel gelegenen Liberty Village aus Sehenswürdigkeiten im Hafen von New York besichtigen, einschließlich der nahegelegenen Freiheitsstatue. Anschliessend werden Reagan und Gorbatschow
zur Verabschiedung des Generalsekretärs zur Anlegestelle der Insel fahren.
Powell geht von einem inhaltsreichen Arbeitsessen aus, erwartet aber
keine Überraschungen.
Die Diskus-

sion, so Powell, werde der vereinbarten vierteiligen Tagesordnung folgen,
welche auch bei den Gipfeltreffen
zwischen Reagan und Gorbachev eingehalten wurde. Wie üblich werde, fuhr
Powell fort, in den Diskussionen auch
die Frage der Menschenrechte "vorrangig behandelt".
Auch Rüstungskontrolle, regionale Konflikte und bilaterale Fragen würden erörtert, fügte
Powell hinzu.
Powell hob hervor, daß Gorbatschow seit seinem letzten Besuch vor
einem Jahr in Washington "seine Führungsrolle in der Sowjetunion gestärkt hat und vielerlei Änderungen
erfolgt sind". Er sagte, Washington
sei durch die Beendigung der Störung
westlicher Radioübertragungen in die
Sowjetunion und die Gewährung von
Ausreisegenehmigungen an eine Zahl
von langjährigen Regimekritikern "ermutigt".
Powell erklärte, die Sowjetunion
sehe sich mit erschreckenden Problemen konfrontiert, zu denen die Aufstände in den sowjetischen Republiken, insbesondere im Kaukasus, und
der schwierige Kampf zur Verbesserung
wirtschaftlicher Leistungen gehöre.
Er fügte hinzu, die Vereinigten
Staaten begrüßten "Fortschritte in
einigen für die Supermächte kontroversen Bereichen" regionaler Konflikte, insbesondere in Afghanistan, Angola und Kambodscha. Von Gorbatschow
erwarte er eine recht eingehende Erörterung sowjetischer Vorschläge zu
einer Ubergangsregierung in Afghanistan, wobei die Genfer Vereinbarungen über den sowjetischen Truppenabzug bis zum 15. Februar überprüft
werde.
Powell sagte, Reagan werde
seine Haltung hierzu wiederholen,
nämlich daß die Parteien selbst über
eine dem derzeitigen Regime nachfolgende Regierung in Kabul entscheiden
sollten und dies nicht von Moskau
oder Washington durchgesetzt werden
könne.
Powell zufolge wird der Präsident
erklären, daß "Fortschritte (bei der

- 2 -

�Beilegung regionaler Konflikte) ohne
Rückschläge andauern sollen", und erwarte eine Erneuerung des Moskauer
Versprechens, die Truppen bis zum 15.
Februar 1989 aus Afghanistan abzuziehen.
Auf eine Frage erwiderte Powell,
er sehe in dem Besuch Gorbatschows in
Kuba keinen Auftakt für den Versuch
Moskaus, seine Prioritäten in Nicaragua zu verlagern.
Die sowjetische
Seite ist sich nach Powells Ansicht
der
traditionellen
amerikanischen
Übe rzeugung bewußt, daß die Situation
in Mittelamerika entschieden verbessert würde, "wenn die 500 Millionen
Dollar an Militärhilfe", die sie dem
sandinistischen Regime in Managua zur
Verfügung stellen, "einem anderen Regime gegeben würden, das sich dem
Wohlstand und Wohlergehen der Menschen mehr verpflichtet fühlt".

reitungsgesprächen zwischen dem amerikanischen und sowjetischen Außenminister.)
"Auf beiden Seiten besteht Interesse an einer Belebung der Beziehungen", erklärte Powell, "und an Fortschritten.
Andererseits
sind die
Termine zu Beginn der Amtszeit der
neuen Administration bereits dichtgedrängt und ich weiß, daß auch die andere Seite Anfang des Jahres einige
Vorhaben hat ... Ich möchte mich hier
keinen Spekulationen darüber hingeben, was in Generalsekretär Gorbatschow und Vizepräsident Bush vorgeht."

Powell verlieh seiner Hoffnung
Ausdruck, Gorbatschow möge erkennen,
"daß es immer einen Störfaktor in unseren Beziehungen geben wird, solange
nichts im Hinblick auf das durch Kuba
und Nicaragua entstandene Problem getan wird und wir nicht so weit gehen
können, wie wir es bei den regionalen
Problemen gerne täten".
Seinen Worten zufolge erwartet er
einen Abzug der kubanischen Truppen
aus Angola entsprechend dem Zeitplan,
wenn das noch ausstehende Abkommen
zwischen Angola und Namibia unterzeichnet wird, und betonte die "konstruktive Rolle" der sowjetischen
Diplomatie bei der Schlichtung von
Konflikten im südlichen Afrika.
Seiner Aussage nach war ihm nicht
bekannt, ob die Möglichkeit eines
frühen
Gipfeltreffens
zwischen
Gorbatschow und Bush erörtert würde.
Nach seinen allgemeinen Gesprächen
mit Bush gehe er davon aus, daß der
Vizepräsident keinen festen Termin
mit nach Governor's Island nehmen
werde. (Bush hat erklärt, er wünsche
ein Treffen mit Gorbatschow zu einem
frühen Zeitpunkt, aber erst nach Konsultationen mit der NATO und Vorbe-

- 3-

* * * * * *

�AMERIKA DIENST
Wirtschaft

'V,oN *

7. Dezember 1988

45

HANDELSKONFERENZ IN MONTREAL MIT UMFASSENDER TAGESORDNUNG
- Überblick über die zu erörternden Themen -

WASHINGTON - (AD) - Wenn die Handelsminister aus 105 Ländern nächste Woche
für eine "Zwischenbilanz" der Uruguay-Runde multilateraler Handelsgespräche in
Montreal zusammenkommen, werden in 15 verschiedenen Bereichen Verhandlungen
geführt.
Obwohl einige Entscheidungen bereits getroffen wurden, sind Abkommen
bei zahlreichen Schlüsselthemen noch
nicht in greifbare Nähe gerückt.

darüber erzielt werden können,
was die Minister bis 1990 verwirklichen wollen:
Geistiges Eigentum
Dienstleistungen
Zölle
Handelsbezogene
Investitionsmaßnahmen
Nichttarifäre Maßnahmen

Aus Sicht amerikanischer Reglerungsvertreter können die in Montreal
zu erörternden Themen in drei Bereiche unterteilt werden:

Themen, bei denen greifbare Ergebnisse erzielt werden können:
Landwirtschft
Tropische Produkte
Beilegung von Konflikten
Funktionsweise des GATT-Systems

2.

Themen, bei denen Rahmenabkommen

United States Information Service
Embassy of the United States of America

3.

Übrige Bereiche, zu den Berichte
über den Stand der Verhandlungen
vorgelegt werden:
Textilien
Natürliche Ressourcen
Sicherungsklauseln
GATT-Abkommen (z.B. Zahlungsbilanzbestimmungen,
Umgang
mit

Postfach 20 03 00
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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�nicht
marktorientierten
Wirtschaften)
Subventionen
GATT-Kodizes (z.B. Regierungsbeschaffung, Zolldeklarierung).
Die Vereinigten Staaten werden
die Mitglieder der GATT-Runde in
Montreal auch dazu drängen, sich in
einem Abkommen zur Beendigung der
Runde im Jahr 1990 zu verpflichten,
und sie nicht bis in die neunziger
Jahre fortzusetzen.

Ein verwandtes Thema, das voraussichtlich Gegenstand bilateraler Gespräche bei dem Treffen sein wird,
betrifft die Erklärung des amerikanischen Handelsbeauftragten Yeutter
vom vergangenen Monat, er sei im Begriff, Maßnahmen gegen Japan wegen
der kontinuierlichen unfairen Handelspraktiken dieses Landes zu ergreifen, es sei denn, Japan erkläre
sich beim Treffen von Montreal bereit, Reis als einen Bereich einzubeziehen, in dem die Handelsschranken
abgebaut werden müssen.

Landwirtschaft
Tropische Produkte
Eindeutig eines - wenn nicht das
umstrittenste - Thema bei den Verhandlungen ist die Forderung der Vereinigten Staaten nach der Abschaffung
aller handelsverzerrenden staatlichen
Subventionen für Bauern zu einem noch
auszuhandelnden Zeitpunkt. Die Europäische Gemeinschaft hat dagegen Einspruch erhoben und fordert stattdessen kurzfristige Maßnahmen zur Verringerung der derzeitigen Überproduktion - eine Situation, die sich kostenintensiv auf die Haushalte ausgewirkt und zum Dumping von Überschüssen auf andere Märkte geführt hat.
Das Treffen in Montreal könnte zu einem Abkommen über ein Einfrieren dos
derzeitigen Niveaus an staatlicher
Unterstützung,
Subventionen
und
Schutzmaßnahmen
führen. Diese Aussicht erscheint vielen Gruppen verlockend - der EG, der Cairns-Gruppe
(eine Gruppe von 13 Agrarexportländern) und den Entwicklungsländern.
Aber die Vereinigten Staaten erklären, sie würden sich einem solchen
Abkommen widersetzen, es sei denn, es
würde an die Verpflichtung gekoppelt,
die
langfristigen
Strukturprobleme
der Agrarsubventionen anzusprechen.
Die Cairns-Gruppe ist der Ansicht,
daß ein Zurückschrauben der Subventionen erforderlich sein könnte, um
einen Rückfall in protektionistische
Praktiken zu vermeiden, und daß unverzügliche Maßnahmen - wie ein Einfrieren - selbst ohne langfristige
Verpflichtungen
ergriffen
werden
sollten.

Die Entwicklungsländer sehen ein
Abkommen in diesem Bereich als Lackmustest für die Aufrichtigkeit der
Industrienationen an, die Entwicklungsländer
in den multilateralen
Handelsprozeß einzubeziehen.
Grundsätzlich beinhaltet dies Zollsenkungen und den Abbau anderer nichttarifärer Handesschranken bei tropischen
Agrarprodukten (Kaffee, Kakao, Reis,
Pflanzenöle, Bananen usw.) sowie tropischen Industrieprodukten (Holz und
Gummi, Jute, Hartfasern usw.). Amerikanische Regierungsvertreter haben
Fortschritte bei diesen Verhandlungen
an Fortschritte im umfassenderen Bereich des Agrarhandels geknüpft. Um
ein Abkommen in Montreal zu erzielen,
müssen die Entwicklungsländer - ebenso wie Japan und die Europäische Gemeinschaft - amerikanischen Regierungsvertretern zufolge größere Verantwortung beim Abbau der Handelshemmnisse
für
tropische
Produkte
übernehmen. In dieser Hinsicht haben
nach Aussage der amerikanischen Regierungsvertreter Brasilien, Kolumbien, Malaysia, Thailand - und in begrenztem Maße - Mexiko Fortschritte
erzielt.

Beilegung von Konflikten
Zahlreiche Länder sehen die Art
und Weise, in der das GATT Handelskonflikte behandelt, als lästig und
übertrieben langwierig an. Verände-

- 2 -

�rungen werden bei den Bestimmungen
angestrebt, um das Verfahren zur Beilegung von Konflikten zu beschleunigen, indem dem GATT-Generaldirektor
eine verstärkte Schlichtungsrolle zugewiesen und die Auswahl und das Vorgehen von Schlichtungsgremien verbessert wird. Die Vereinigten Staaten
würden gerne einen Zeitraum von insgesamt 15 Monaten zur Vervollständigung des Schichtungsverfahrens festlegen.
Aussagen amerikanischer Regierungsvertreter zufolge wurde bereits Einigung zu zahlreichen Themen
erzielt und ein vorläufiges Abkommen
von Montreal, das 1989 in Kraft
tritt, ist wahrscheinlich. Ein noch
umstrittener Bereich betrifft die Art
und Weise, wie die in einem Konflikt
unterlegene Partei davon abgehalten
werden kann, die Durchführung einer
vom GATT-Ausschuß getroffenen Entscheidung zu verhindern, wie es zur
Zeit noch möglich ist.

Funktionsweise des GATT-Systems
Bestrebungen in diesem Bereich
zielen darauf ab, die Rolle des GATT
dahingehend zu erweitern, mehr entsprechend den Richtlinien des Internationalen Währungsfonds (IWF) zu arbeiten.
Dies würde die Einführung
einer
in
regelmäßigen
Abständen
durchgeführten rigorosen Überwachung
der Handelspolitik der Mitgliedsländer des GATT, mindestens alle zwei
Jahre ein Treffen auf Ministerebene
der GATT-Mitglieder sowie erweiterte
Zusammenarbeit zwischen dem GATT und
Institutionen wie dem IWF beinhalten.
Einer der umstritteneren Vorschläge
in diesem Bereich sieht vor, daß eine
kleine Gruppe von HandelsminiStern
aus etwa 12 bis 15 Entwicklungs- und
Industrienationen
sich
häufiger
trifft, um zur Steuerung der GATT-Politik beizutragen. Amerikanische Regierungsvertreter sind der Ansicht,
zu öinigen dieser Themen könnte in
Montreal Einigung erzielt und mit Beginn des Jahres 1989 deren Einführung
auf vorläufiger Basis vorgenommen
werden.

Geistiges Eigentum
Einem der kontroversen Themen bei
den Verhandlungen, verbesserte internationale Normen für den Schutz von
Patenten, Urheberrechten, Warenzeichen, den Aufbau von Halbleitern sowie Geschäftsgeheimnisse, gilt das
besondere
Interesse
der
amerikanischen Industrie und des Kongresses.
Die Haltung der Vereinigten Staaten geht davon aus, daß der unzureichende Schutz der Rechte an geistigem
Eigentum amerikanische Firmen jährlich über 43 Milliarden Dollar kostet, die wirtschaftliche Entwicklung
in allen Ländern bremst sowie von Investitionen in Forschung und Entwicklung abschreckt, die zu technologischen Durchbrüchen führen könnten.
Während einige Entwicklungsländer
wie Hongkong, Singapur, Thailand, Argentinien, Chile und Industriestaaten
wie
Australien,
Neuseeland,
die
Schweiz, Schweden, die EG-Staaten,
Japan und Kanada schärfere Regelungen
in diesem Bereich unterstützen, lehnt
eine von Brasilien und Indien angeführte Gruppe von Entwicklungsländern
jegliche Rolle des GATT bei dieser
Frage ab.
Letztere argumentieren,
die bestehenden Organisationen, wie
etwa die Weltorganisation für geistiges Eigentum (WIPO), seien der richtige Ort, um solche Vereinbarungen
auszuhandeln.
Die Vereinigten
Staaten haben
keine Bedenken gegen Verhandlungen
über einen besseren Schutz geistigen
Eigentums innerhalb der WIPO, wie ein
führender amerikanischer Handelsvertreter am 30. November 1988 einem Reporter erklärte, solange ein solcher
Schutz bis zum planmäßigen Ende der
Uruguay-Runde im Jahr 1990 vereinbart
werden kann. Er bezweifelte jedoch,
daß in der Wipo bis zu diesem Termin
ein angemessener Schutz ausgehandelt
werden könne.
Ferner bestehen Meinungsverschiedenheiten darüber, ob an den internationalen Grenzen schärfere Uberwa-

�chungsmaßnahmen benötigt werden, um
den Handel mit Gütern zu stoppen, die
Rechte an geistigem Eigentum verletzen, und ob diese Maßnahmen im Inland
angewandt werden sollten.

Dienstleistungen
In bezug auf einen der am schwierigsten faßbaren Verhandlungsbereiche
streben die Vereinigten Staaten in
Montreal eine politische Übereinkunft
dazu an, welche allgemeinen Handelsprinzipien auf einen Dienstleistungskodex anzuwenden seien, sowie einen
Zeitplan für Verhandlungen darüber,
welche Dienstleistungsindustrien genau von diesen allgemeinen Prinzipien
erfaßt würden und wie diese Verhandlungen abgewickelt werden sollten.
Zum Beispiel könnten sich die Unterhändler darauf verständigen, die Verhandlungsgruppe Dienstleistungen in
Untergruppen wie etwa Bankwesen, Versicherungswesen, Tourismus etc. aufzuteilen. Der Handel mit Dienstleistungen umfaßt
schätzungsweise 25
Prozent des gesamten Welthandels.
Und obwohl dies der am schnellsten
wachsende Sektor der amerikanischen
Wirtschaft ist, der zudem 62 Prozent
des amerikanischen Bruttosozialprodukts erwirtschaftet, werden Dienstleistungen gegenwärtig nicht von den
GATT-Regeln erfaßt.
Führende
Handelsvertreter
der
Vereinigten Staaten erklären, der von
der Verhandlungsgruppe Dienstleistungen in Montreal den Ministern vorzulegende Textentwurf sei kaum lesbar,
da er soviele strittige Punkte enthält. Während die amerikanische Position von den meisten Industriestaaten und einigen Entwicklungsländern
unterstützt wird, ist eine andere
Gruppe von Ländern, unter ihnen Brasilien, Indien, Peru, Nigeria, Tansania, Jugoslavien, Kuba und Nicaragua,
der Auffassung, die amerikanischen
Vorschläge würden zu einer Monopolisierung der Märkte von Entwicklungsländern durch die Dienstleistungsindustrien der Industriestaaten führen.
Diese Länder streben einen Sondersta-

tus für Entwicklungsländer an, darunter bevorzugten Marktzugang zu den
Dienstleistungsmärkten der Industriestaaten, das Recht zur Beschränkung
ausländischer Geschäftspraktiken sowie Regelungen, die ihnen den Technologietransfer zu Vorzugsbedingungen
garantieren würden. Die Vereinigten
Staaten lehnen einen solchen Sonderstatus ab, räumen jedoch ein, daß
Entwicklungsländer
einen
längeren
Zeitraum für die Einführung neuer Regelungen zu Dienstleistungen benötigen könnten und anfangs vielleicht
bestimmte Maßnahmen aus entwicklungspolitischen Gründen aussetzen müßten.

Handelsbezogene Investitionsmaßnahmen
Als die Uruguay-Runde im Jahr
1986 initiiert wurde, vereinbarten
die Minister lediglich, handelsbeschränkende Maßnahmen im Hinblick auf
Investitionen zu untersuchen, wobei
die Möglichkeit einer Ausdehnung der
bestehenden GATT-Verfügungen ins Auge
gefaßt wurde, "die zur Vermeidung
solch gegenteiliger Effekte für den
Handel notwendig sein könnten".
Obwohl neue GATT-Sanktionen in
diesem Bereich von den Entwicklungsländern scharf abgelehnt werden, die
der Meinung sind, Regierungen besäßen
das souveräne Recht, ausländische Investitionen in ihren Volkswirtschaften zu kontrollieren, erwarten die
Vereinigten Staaten in Montreal eine
Vereinbarung
der zufolge Maßnahmen
in bezug auf Investitionen dem GATTKodex unterworfen werden. In diesem
Zusammenhang soll bis 1990 Übereinstimmung über eine Liste von Maßnahmen erzielt werden, die als handelsverzerrend betrachtet werden sowie
darüber, welche bestehenden GATT-Kodizes oder neuen GATT-Regelungen zur
Beseitigung solcher Maßnahmen notwendig sind. Vertreter der Vereinigten
Staaten betrachten dies gegenwärtig
nicht als kontroverses Thema, teilweise aufgrund einer Erklärung im
Vertragsentwurf, die eine Berücksichtigung entwicklungspolitischer Ziele

- 4 -

�bei der Schaffung neuer GATT-Verfügungen in diesem Bereich gestatten
würde.
Ein Beispiel handelsbezogener Investitionsmaßnahmen wäre die Bedingung, der zufolge ein Tochterunternehmen in ausländischem Besitz einen
festgelegten Prozentsatz der Produktion oder eine Mindestanzahl oder einen Mindestwert an Waren exportiert.
Bis heute haben die Unterhändler 13
verschiedene handelsbezogene Investitionsmaßnahmen bestimmt.

Zölle
Die meisten Länder haben Einigung
über die Notwendigkeit erzielt, die
Zollsätze erheblich zu senken.
Es
bestehen jedoch weiterhin Meinungsverschiedenheiten darüber, ob alle
Zölle mit der gleichen mathematischen
Formel gesenkt werden sollten oder ob
die Länder Zugeständnisse bei den
Zöllen in bilateralen Verhandlungen
erreichen sollten, deren Ergebnisse
auf der Grundlage der Meistbegünstigung (die Verpflichtung, daß ein Land
einem anderen Land die niedrigsten
einem Drittland zugestandenen Zollsätze gewährt) verwirklicht würden.
Amerikanischen
Vertretern
zufolge
würden bei Anwendung des Formelansatzes alle Länder daran teilnehmen müssen, während bei Verhandlungen in der
Vergangenheit einige Länder sich entschieden, keine Senkungen der Zölle
durchzuführen, gleichzeitig aber von
den Zollsenkungen
anderer Staaten
profitierten.
Obwohl die meisten
Staaten sich bereit erklärt haben,
überwiegend "gebundene" Zölle einzuführen - unter der Voraussetzung, daß
das Zollniveau nicht angehoben wird
-, muß noch ausgehandelt werden, wie
umfassend diese Bindung sein würde.
Die Vereinigten Staaten haben
ferner unlängst vorgeschlagen, alle
Zölle der Industriestaaten auf Produkte aus den ärmsten Entwicklungsländern abzuschaffen. Eine Vereinbarung zu diesem Vorschlag wird in
Montreal nicht erwartet.

Subventionen und Gegenmaßnahmen
Der Schwerpunkt der Verhandlungen
in diesem Bereich liegt auf der Verbesserung der gegenwärtigen GATT-Vereinbarung über Subventionen, die der
Auffassung zahlreicher Länder zufolge
unter mangelnder an Klarkeit und unzureichenden Bestimmungen über Sanktionen leidet. Im jetzigen Stadium
sind die Länder jedoch in höchstem
Maße gespalten darüber, welche Subventionen als zulässig zu erachten
sind, in welchem Umfang ein Land gegen eine Subventionierung vorgehen
kann und ob einem Entwicklungsland
Sonderbehandlung zugestanden werden
sollte.
Einem amerikanischen Regierungsvertreter zufolge wird von den Ministern in Montreal erwartet, daß sie
ein vom Vorsitzenden der Arbeitsgruppe Subventionen verfaßtes Rahmenabkommen "zur Kenntnis" nehmen, ohne
entsprechende Verpflichtungen einzugehen. Dieses Abkommen würde Subventionen in drei Kategorien unterteilen: verbotene Subventionen, gestattete, aber anfechtbare sowie erlaubte
Subventionen. Es betrifft ebenfalls
verbesserte Abhilfe und gestraffte
Schlichtung von Streitigkeiten. Amerikanische Regierungsvertreter erwarten, daß die letzten zwei Verhandlungsjahre schwierig und kontrovers
verlaufen werden.
Obwohl die Vereinigten Staaten das Konzept des Rahmenabkommens befürworten, haben sie
ernsthafte Vorbehalte gegen Bestimmungen, die Subventionen, Erhebung
von Ausgleichszöllen
und erlaubte
Subventionen definieren.

Nichttarifäre Handelshemmnisse
Zielsetzung der Uruguay-Runde in
diesem Bereich ist die Abschaffung
nichttarifgebundener
Handelshindernisse (NTB) - unter anderem Quoten,
Subventionen
und
diskriminierende
staatliche
Beschaffungspraktiken
die
von
bestehenden
GATT-Kodizes
nicht ausreichend erfaßt werden. Eine Reihe dieser NTBs wird von anderen

- 5 -

�Verhandlungsgruppen der Uruguay-Runde
abgedeckt. Die Gruppe ist angesichts
der von den Vereinigten Staaten vorgelegten Liste der von 32 Ländern
aufgebauten 150 Hindernissen gegenwärtig damit befaßt, diese Hindernisse zu identifizieren. Der im Rahmen
der Zwischenbilanz vorgelegte Bericht
soll ein Statusbericht vergangener
Treffen wie auch eine Richtlinie für
zukünftige Verhandlungen sein.

Bei den Runden erzielte
Vereinbarungen und Kodizes
Im Rahmen der letzten 1979 abgeschlossenen Runde von Handelsverhandlungen wurden sechs Kodizes ausgehandelt und damit neue Regeln zur staatlichen Beschaffung, Normen, Zolldeklarierung, Importlizenzen, Antidumping, Subventionen und Ausgleichszölle festgesetzt. Die Direktive dieser
Gruppe liegt gegebenenfalls in der
Klärung und Verbesserung der Kodizes.
Bis jetzt haben sich die Verhandlungen auf Normen, Importlizenzen und
Antidumping konzentriert. Im Rahmen
des Normencodes unterstützen die meisten Länder Bestrebungen zur besseren
Disziplin bei Zustimmungs-, Inspektionsund
Testverfahren.
Neue
Sanktionen bei Importlizenzen stießen
auf wenig Zustimmung. Und eine Reihe
von Ländern streben Änderungen an, um
einem Land Antidumpingmaßnahmen zu
erschweren.
Es wird erwartet, daß
die Minister in Montreal den gegenwärtigen Stand der Gespräche zur
Kenntnis nehmen, Bereiche der Übereinstimmung umreißen und intensivierte Verhandlungen fordern.

Sicherungsklauseln
Artikel 19 des GATT gestattet gegenwärtig
einem Importland, seine
heimische Industrie zeitweise zu sichern, wenn eine Zunahme der Importe
ernsthafte Nachteile mit sich bringt
oder mit sich zu bringen droht. Dennoch sind die Vorschriften vage und
werden oftmals umgangen.

Angesichts der den Entwicklungsländern zugestandenen hohen Priorität
sind die Verhandlungen dennoch nur
langsam vorangekommen, weil Vereinbarungen darüber fehlten, ob es einem
Land gestattet sein soll, nur Maßnahmen gegen die .Länder zu ergreifen,
die das Problem angeblich verursachen
oder ob gegen alle Länder einheitliche Maßnahmen ergriffen werden sollen. Die Zwischenbilanz wird die Unterhändler
erwartungsgemäß
auffordern, bis Mitte 1989 Verhandlungen
über die Bestandteile der neuen Sicherungsklauseln aufzunehmen.

Artikel des GATT
Die Zielsetzung dieser Gruppe ist
die Überarbeitung bestehender GATTArtikel, Bestimmungen und Sanktionen
auf Wunsch der GATT-Mitglieder. Unter den von dieser Gruppe erörterten
Problemen befindet sich eine Bestimmung, die es einzelnen Ländern gestattet, Handelsschranken zu errichten, wenn sie sich im Hinblick auf
ihre Zahlungsbilanz in Schwierigkeiten befinden wie auch eine Bestimmung
über die Behandlung der nicht marktwirtschaftlich
orientierten
Volkswirtschaften des GATT.
Die Länder
befinden sich immer noch im Prozeß
der Prüfung, und über einzelne GATTArtikel sind noch keine Verhandlungen
aufgenommen worden.

Stillstand und Rückschläge
Im Jahr 1986 haben die Mitgliedstaaten des GATT gefordert, daß die
Errichtung
neuer
Handelsschranken
vermieden und alle den Handel einschränkenden oder verzerrenden Maßnahmen abgeschafft werden, die nicht
mit gegenwärtigen Bestimmungen des
GATT im Einklang stehen. Gegen die
Verletzung dieser Forderung sind viele Einwände
erhoben worden.
In
Montreal wird die Wirksamkeit dieser
Verpflichtung überprüft und das GATT
wahrscheinlich gebeten werden, bis
Juli 1989 eine eingehende Bewertung
dazu durchzuführen.
Ferner werden

�die Handelsminister kommenden Monat
zur Bestätigung ihrer Verpflichtung
aufgefordert werden.

Textilien
Die Länder haben Informationen
ausgetauscht, aber noch keine Verhandlungen aufgenommen. Die Entwicklungsländer haben ein Ende des bestehenden Multifaser-Abkommens (Multifiber Arrangement - MFA) gefordert,
mit dem den Importländern gestattet
wird, Länderquoten mit den einzelnen
Textilherstellern auszuhandeln.
Obwohl die Vereinigten Staaten ihre
Verhandlungsposition noch nicht dargelegt haben, behandeln alle bisher
vorgelegten Dokumente Verfahrensweisen zur Einstellung des MFA.

Produkte aus Rohstoffen
Die Vereinigten Staaten haben
vorgeschlagen, daß das ursprünglich
die Überprüfung von Problemen des
Marktzugangs bei nicht eisenhaltigen
Metallen, forstwirtschaftlichen Produkten und Fischereierzeugnissen umfassende Mandat der Gruppe jetzt auf
energiewirtschaftliche Produkte ausgedehnt werden soll.
Die Gruppe
überprüft gegenwärtig noch Marktzugangsbeschränkungen und berät andere
Gruppen der Uruguay-Runde über Möglichkeiten der Verbesserung von GATTSanktionen im Hinblick auf diese Produkte.

* * * * * *

- 7 -

�^°s?&lt;

'^7

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C&amp;

AMERIKA DIENST
Wissenschaft und Technik
7. Dezember 1988

45

ELTERN FORMIEREN SICH
- EURAD - "Europäische Elternliga gegen Drogenmißbrauch" -

WASHINGTON - (AD) - "Einer der wichtigsten Beiträge, den die Vereinigten
Staaten zu den internationalen Anstrengungen bei der Bekämpfung von Drogenproduktion und Drogenhandel leisten können, besteht in der Verringerung der Nachfrage bei uns." Ann Wrobleski, Unterstaatssekretärin für Internationale Drogenangelegenheiten im amerikanischen Außenministerium, stellte sich auf der
ersten PRIDE-Konferenz in der Bundesrepublik Deutschland am 22. November 1988
in Stuttgart uneingeschränkt hinter das von Präsident Reagan am 18. November
unterzeichnete neue Anti-Drogengesetz mit seinen außerordentlich verschärften
Maßnahmen. Es soll außerdem "... jenen ein Mittel an die Hand geben, deren
tägliche Aufgabe darin besteht, die Straßen und Städte Amerikas von der Geißel
illegaler Drogen zu säubern".

PRIDE bedeutet "Parents Resources
Institute for Drug Education". Die
Organisation ging aus einer vor 12
Jahren in Atlanta (Georgia) gegründeten Elterninitiative hervor, sowohl
die Jugend wachsam gegenüber Drogen
zu machen und sich der Verführung zu
widersetzen, als auch die Eltern über
die Fakten gründlich zu informieren
und zur strikten Überwachung ihrer
Kinder zu "erziehen".
Eine solche
Überwachung sei natürlich bei 17jährigen nicht mehr möglich, sagt Dr.
Thomas Gleaton, Präsident der amerikanischen PRIDE-Organisation.
"Aber
bei Kindern bis 16 wollen wir zum
mindesten vorbeugen." So ist die Arbeit der kommunalen PRIDE-Vereinigungen mit Aktionen aller Art in ganz
Amerika verbunden.

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Inzwischen haben sich nach dem
Modell von Atlanta auch in einer Reihe
anderer Länder oder Regionen
PRIDE-Organisationen
konstitutiert.
Die jüngste mit Namen EURAD (European
Parents against Drug Abuse), wurde in
Stuttgart aus der Taufe gehoben wurde. Dr. Gleaton vom US-Informationsamt (USIA) hatte als Vertreter von
AMPART, der amerikanischen PRIDE-Sektion, an der Stuttgarter Konferenz
teilgenommen.
Nach
der
Rückkehr
zeigte er sich sehr beeindruckt von
der Entschlossenheit der Partner in
Europa, sich der Drogenflut entgegenzustemmen und auch schon gegen gelegentlichen Drogenkonsum hart vorgehen
zu wollen.
Die Äußerungen der ca. 700 Teilnehmer aus zehn europäischen Ländern

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�hätten erkennen lassen, daß EURAD eine "viel militantere Position" einnimmt, als dies bei den amerikanischen Bürgergruppen
anfangs der
Fall war. Der europäisch Regionalorganisation gehören die Staaten Bundesrepublik
Deutschland,
Dänemark,
Großbritannien, Frankreich, Irland,
Niederlande,
Norwegen,
Portugal,
Schweden und Spanien an. "Die Europäer wissen sehr genau, was in ihren
Ländern vorgeht, und vertreten deshalb schon von Anfang an einen härteren Standpunkt", meinte Gleaton. Die
Regierung kann unterstützen, sie kann
ermutigen, sie kann etwas erleichtern
- aber das Drogenproblem braucht Initiativen aus der Bevölkerung.
Und
die Europäer sagen, auch der gelegentliche Konsument dürfe nicht ungestraft davonkommen."
EURAD wurde ins Leben gerufen, um
Eltern, Bürgerschaft und Politikern
ein Forum für engere Zusammenarbeit
und
Informationsaustausch
zwischen
den Staaten zu geben.
Gegenwärtig
sei man dabei, so Gleaton, das "Netzwerk" betroffener Personen - Eltern,
Behördenvertreter, Experten - enger
zu knüpfen. Vor Stuttgart waren Konferenzen in verschiedenen Regionen
der Welt, zuletzt In Tel Aviv und
Kairo, abgehalten worden. Kairo wurde 1988 die sechste PRIDE-Sektion im
Ausland. Dr. Gabriel Nahas, der in
Ägypten geborene
Pharmakologe und
Psychiater, wandte sich als einer der
ersten gegen den Mythos, Marihuana
sei harmlos. Der Schwede Dr. Nils
Bejerot ist Spezialist in der Suchtforschung. Dem Amerikaner Dr. Mark
Gold sind die meisten Erkenntnisse
über die sekundären Auswirkungen von
Kokain zu verdanken.
Alle von diesen und vielen anderen Forschern erarbeiteten Erkenntnisse werden den PRIDE-Elternvereinigungen sofort zur Kenntnis gebracht.
Sie arbeiten erfolgreich, wie nicht
zuletzt durch die Tatsache belegt
wird, daß nach dem amerikanischen Modell ähnliche Initiativen in Belize,
Bolivien, Australien, Kanada, den
Caum-Inseln, Honduras, Panama und

Nigeria entstanden.
Die Mitarbeit der Eltern kann gar
nicht hoch genug bewertet werden.
Denn selbst die wirksamste, professionell durchgeführte Drogen-Rehabilitation hat "bestenfalls 50 Prozent
Erfolg", berichtet Gleaton. Außerdem
sei ein Erfolg nur zu halten, wenn er
extensiv von Therapie und der verständnisvollen Mithilfe von Familie
und Umwelt gestützt werde. Dr. Gold
schätzt, "daß bestenfalls auf eine
Dauererfolgsrate von 25 Prozent, das
heißt Heilung, gehofft werden kann".
Und aus diesem Grund kommt der Vorbeugung die allergrößte Bedeutung zu.
Die nächste Jahreskonferenz in
Atlanta, zu der auch die Delegierten
aller ausländischen PRIDE-Sektionen
kommen, ist für April 1989 vorgesehen.

* * * * * *

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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;NATO sollte sich auf Modernisierung und Rüstungskontrolle konzentrieren&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Paul Nitze zur Verleihung &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;des Atlantic Award&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;&lt;strong&gt;2. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Barbara Bush erhebt Kampf gegen Analphabetentum zu ihrer Priorität&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Porträt der künftigen First Lady&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Powell: Bush wird amerikanisch-sowjetische Beziehungen festigen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Artikel über eine Pressekonferenz mit Colin Powell&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Handelskonferenz in Montreal mit umfassender Tagesordnung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Überblick über die zu erörternden Themen&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Eltern formieren sich&lt;br /&gt;&lt;em&gt;EURAD - Europäische Elternliga gegen Drogenmißbrauch&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>^£° s ^&lt;
SAfl

AMERIKA DIENST

30. November 1988

44

I N H A L T

INFORMATION
Paul Nltze - Veteran im Staatsdienst
- Porträt des Sonderberaters für Rüstungskontrollfragen Scowcroft bringt große Erfahrung für seinen Posten mit
- Porträt des neuen Nationalen Sicherheitsberaters -

HINTERGRUNDMATERIAL
Entscheidung über Verweigerung von Visum für Arafat
^^fest und endgültig"
- Informationen zur Entscheidung des amerikanischen Außenministeriums Die Verhandlungen Ober Kern- und Weltraumwaffen:
Amerikanische und sowjetische Vorschläge
- Eine Übersicht der ACDA Sowjetische Landstreitkräfte sind der NATO zahlenmäßig weit überlegen
- Artikel zum Bericht über die konventionellen Streitkräfte der NATO "
WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Lungenentzündung Haupttodesursache bei Kindern der Dritten Welt
- Besjsere Diagnosekenntnisse erforderlich Superbeschleuniger kommt nach Texas
- Entscheidung über endgültigen Standort im Januar 1989 -

* * * * * *

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�AMERIKA DIENST
VON

Information

&amp;

30. November 1988

44

PAUL NITZE - VETERAN IM STAATSDIENST
- Porträt des Sonderberaters für Rüstungskontrollfragen -

WASHINGTON - (AD) - Paul Nitzes Laufbahn In der Regierung umspannt nahezu
ein halbes Jahrhundert und die Amtszeiten von neun Präsidenten, von denen er
den meisten, angefangen mit Franklin D. Roosevelt während des Zweiten Weltkrieges, diente. Aber im Alter von 81 Jahren scheint Nitze nicht an Ruhestand
zu denken. "Ich mache nur meine Arbeit und bewältige einen Tag nach dem anderen", erklärt er dazu.

Er hatte einige Staatsämter inne
und war Marineminister unter John F.
Kennedy, Stellvertretender Verteidigungsminister unter Lyndon Johnson
und ist gegenwärtig Sonderberater von
Präsident Reagan und Außenminister
Shultz für Rüstungskontrolle.
In einem Exklusivinterview mit
einem Vertreter des US-Informationsamtes erläuterte der altgediente Experte für Verteidigung, Rüstungskontrolle
und
Bündnisangelegenheiten
seine vielen Jahre in der Regierung,
die Debatten und Entscheidungen, an
denen er mitarbeitete und die vor uns
liegenden Herausforderungen.
In der Öffentlichkeit wird er zumeist mit dem INF-Vertrag von 1988
und dem ABM-Vertrag von 1972 identi-

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Embassy of the United States of America

fizert, an deren Ausarbeitung er beteiligt war. Er ist stolz auf diese
Leistungen. Aber er erklärt, ebenso
stolz auf weniger bekannte Beiträge
zu sein, "wie etwa seinen Beitrag zur
Lösung der Kubakrise im Jahr 1962."
Nitzes Einfluß auf die Politik
der Vereinigten Staaten geht jedoch
noch weiter zurück zu der Zeit vor
dem Kalten Krieg. Es war ein Besuch
im Nazi-Deutschland im Jahr 1937, der
sein Interesse an Außenpolitik weckte. Davor wollte der Harvard-Absolvent (1928) Nitze sein Glück in Wall
Street machen, was ihm auch gelang:
Durch geschickte Investitionen wurde
er noch vor seinem 30. Lebensjahr
Millionär.
Aber

die

grausame

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Realität

der

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�Hitler-Diktatur war für ihn niederschmetternd. Kurz nach seiner Rückkehr in die Vereinigten Staaten ging
er wiederum nach Harvard, um sich in
das Studium weltpolitischer Ereignisse zu vertiefen. Im Jahr 1940 nahm
er eine Tätigkeit in der RooseveltAdministration auf. Er blieb während
des Krieges in Washington und arbeitete vor allem an der Untersuchung
über strategische Bombardierungen, in
der die Wirkung von Bombenangriffen
auf feindliche Ziele untersucht wurde.
In den Jahren Trumans gewann er
rasch an Einfluß und ist besonders
stolz darauf, "am Marshallplan mitgearbeitet zu haben" Er war einer der
Autoren der Truman-Doktrin und des
Memorandums Nr. 68 vom Nationalen Sicherheitsrat, mit dem den Vereinigten
Staaten die erhebliche Steigerung ihrer Verteidigungsausgaben empfohlen
wurde. Dieser Vorschlag hat einige
Kritiker dazu veranlaßt, ihn als Vater des Kalten Krieges zu bezeichnen,
ein Etikett, von dem er behauptet, es
sei "eine zu große Auszeichnung".
Nitzes Ansicht nach ist die Verantwortung für den Kalten Krieg einzig und allein Joseph Stalin zuzuschreiben. "Wenn überhaupt, dann waren wir zu nett", erklärt er. Als
einer, der das Gefühl hat, den wahren
Hintergrund von Stalins Ambitionen
eher als die meisten anderen erkannt
zu haben, vertritt Nitze eindeutig
die Ansicht, daß der Schlüssel zur
Erarbeitung einer wirksamen Außenpolitik in der Wahl der richtigen Leute
liegt. Seiner Argumentation zufolge
"hängt sie eher von den Menschen als
von Organigrammen ab".
"Meiner persönlichen Meinung nach
hat dies in der Zeit am besten funktioniert, als Harry Trumann Präsident
und Dean Acheson Außenminister war
und George Marshall in diesem Team
mitarbeitete. Dieses Triumvirat hat
außerordentlich gut zusammengearbeitet.
Obwohl Nitzes scharfer Intellekt
und harte Arbeit den meisten in den

Jahren unter Truman wohl bewußt war,
wurde er nicht in die Eisenhower-Administration berufen. Dies war nicht
der einzige Zeitraum, in dem er aussenpolitisch aktiv war, ohne Mitglied
der Regierung zu sein.
Er wurde auch von Präsident Jimmy
Carter angegriffen, der ihn Berichten
zufolge als arrogant und unflexibel
bezeichnete.
Die Feindschaft zwischen beiden war jedoch nicht rein
persönlicher
Natur.
Nitze
fand,
Carters RUstungskontrollpolitik ließe
einiges zu wünschen übrig. Insbesondere hegte er starke Vorbehalte gegenüber dem SALT II-Vertrag über die
Begrenzung strategischer Rüstungen,
der vom Senat nicht ratifiziert wurde.
Eine
Administration,
auf
die
Nitze gerne zurückblickt, war die von
John
F.
Kennedy.
Nitze
kannte
Kennedy bereits aus seiner Zeit als
Senator und attestierte ihm "Scharfsinn und großes Interesse" an einer
Vielzahl
außenpolitischer
Themen.
Bei der Berlin-Krise und bei Verteidigungsproblemen
leitete
er
für
Kennedy einen Krisenstab und hatte
unter ihm das Amt des Marineministers
inne. Was das Land zu jener Zeit
brauchte, "war der Auftrieb durch einen Angehörigen einer anderen Generation". Ihm zufolge lieferte Kennedy
diesen Auftrieb.
Nitze ist seit 1981 Mitglied der
jetzigen Administration und war in
jeder Hinsicht ein enger Berater des
Präsidenten und Außenministers in
Fragen der Rüstungskontrolle, insbesondere bei den Verhandlungen mit der
Sowjetunion über strategische Waffen
(START) und ein Abkommen über die
Verteidigung im Weltraum. Obwohl er
sich der sowjetischen Intentionen
wohl bewußt ist, hofft er weiterhin
auf ein Abkommen, "wenn auch nicht
vor dem 20. Januar 1989".
Einige seiner Kritiker vertreten
die Ansicht, er sei jetzt zu optimistisch über RUstungskontrollabkommen mit den Sowjets. Aber Präsident
Reagan setzt starkes Vertrauen in ihn

�und betont seine "unvergleichliche
Erfahrung und Fachkenntnis, die weit
über Rüstungskontrolle hinaus bis zu
den Beziehungen zwischen den Supermächten im allgemeinen geht".
Im Hinblick auf die Aussichten
für
die
Ost-West-Beziehungen
ist
Nitze weiterhin von gedämpftem Optimismus geleitet. Es gebe immer noch
zu wenige Beweise, die auf einen
grundlegenden Wandel im internationalen Verhalten der Sowjetunion hindeuteten. "Es ist viel offensichtlicher
zu sehen, was er (der sowjetische
Staats- und
Parteichef
Michail
Gorbatschow) bei Glasnost und Perestrojka unternimmt, als die Modifikationen in der sowjetischen Strategie
einzuschätzen", meint er.
Nitze
ist
andererseits
davon
überzeugt, daß der "enorme Zuwachs an
Gesprächen und Kontakten zwischen der
Sowjetunion und uns" eine der bedeutendsten Leistungen der Reagan-Administration darstellt.
"Hoffentlich
wird sich dies als anhaltende Veränderung im Verhältnis zwischen Ost und
West erweisen", erklärt er.

wirklicht. Bei seinen Kritikern verstärkte dies jedoch den Eindruck,
Nitze werde immer mehr zur Taube, eine Klage, die er schwer verständlich
findet, da er von anderen aufgrund
seiner harten Haltung gescholten wurde. Während söine Amtszeit in der
Reagan-Administration ihrem Ende entgegengeht, ist Nitze jedoch offenkundig befriedigt über seinen Beitrag zu
den Leistungen der Regierung in der
Rüstungskontrolle und über seine Rolle bei der Eindämmung des Wettrüstens
der Supermächte, das schon in den ersten Tagen seines Staatsdienstes vor
über vier Jahrzehnten begonnen hatte.
Ein neues, gerade veröffentlichtes Buch über ihn stellt teilweise
eine Hommage an sein langes Wirken
als führender Nuklearstratege dar.
Es heißt Master of the Game und
wurde von Strobe Talbott verfaßt.
Darin bezeichnet Talbott Nitze als
"die graue Eminenz der nuklearen Diplomatie" seit nahezu 40 Jahren. "Obwohl es mir immer peinlich ist, etwas
über mich selbst zu lesen", erklärt
Nitze, "habe ich das Buch gelesen und
meine, daß es eine faire Darstellung
ist."

Auf die künftigen Herausforderungen möchte Nitze Anfang Dezember eingehen, wenn er zur Überreichung des
Atlantik-Preises 1988 nach Brüssel
reist. Der Preis wird jedes Jahr von
der NATO für den herausragendsten
Beitrag zum Bündnis verliehen.
Nur selten gelangt ein Abrüstungs-Unterhändler sowohl am Broadway als auch in den Geschichtsbüchern
zu Ruhm. Nitze ist eine Ausnahme.
Sein berühmter "Waldspaziergang", den
er im Jahr 1982 in Genf mit seinem
sowjetischen
Verhandlungspartner
Julij Kwizinski unternahm, wurde zum
Thema eines Broadway-Stücks.
Darin
wird der Plan der beiden Männer dramatisiert, für jede Supermacht die
Zahl der Raketenabschußvorrichtungen
auf 75 zu begrenzen und die Stationierung der Pershing II in Europa zu
verhindern.
Die Vereinbarung wurde nicht ver-

- 3-

* * * * *

�AMERIKA DIENST
Information
^A

30. November 1988

SCOWCROFT BRINGT GROSSE ERFAHRUNG FÜR SEINEN POSTEN MIT
- Porträt des neuen Nationalen Sicherheitsberaters -

WASHINGTON - (AD) - Die Erklärung des neu gewählten Präsidenten Bush, er
habe mit seiner Ernennung von Brent Scowcroft zum Nationalen Sicherheitsbera
ter eine "wichtige Maßnahme" für die Zusammenstellung eines "starken Teams für
nationale Sicherheit" unternommen, wird ihm sicher die Zustimmung der meisten
Beobachter in Washington eintragen.

Der pensionierte Generalleutnant
der Luftwaffe und altgediente Fachmann für sicherheitspolitische Fragen
in Washington wird von einem seiner
Biographen als "gemäßigter, von Konservativen wie Linken respektierter
Republikaner" bezeichnet und ist möglicherweise einer der intelligentesten und fähigsten Regierungsvertreter im Bereich der nationalen Sicherheit der Vereinigten Staaten.
Er
diente bereits unter Präsident Ford
als Nationaler Sicherheitsberater.
Scowcroft ist für seine vorsichtige Position in den amerikanisch-sowjetischen
Beziehungen
bekannt.
Presseberichten zufolge stieß das für
den 7. Dezember geplante improvisierte Treffen von Präsident Reagan, dem
neuen Präsidenten Bush und dem sowje-

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Embassy of the United States of America

tischen Generalsekretär Gorbatschow
bei ihm auf wenig Zustimmung, und er
besteht in der Regel auf eingehenden
Vorbereitungen von Rüstungskontrollverhandlungen.
Scowcroft wird in verteidigungs
politischen Kreisen in Washington re
spektiert und erhielt 1986 von Präsident Reagan den Auftrag, unter der
Ägide der Tower-Kommission die Rolle
des Nationalen Sicherheitsrates bei
der Iran-Contra Affäre zu untersuchen. 1983 war Scowcroft in die Firma Kissinger Associates, ein internationales
Consultingunternehmen
des
früheren
Außenministers
Kissinger,
eingetreten.
Scowcroft gilt als
Verwaltungsleiter
mit

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vorsichtiger
ausgeprägtem

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�politischem Gespür und der Fähigkeit,
sowohl zu Konservativen als auch zu
Links liberalen guten Kontakt zu pflegen. Er ist ein Theoretiker im Bereich
der
Rüstungskontrolle
und
spricht Russisch.
Scowcroft
ist Mormone, raucht
nicht, trinkt nicht und gilt als ruhig und fleißig. Er ist ein begeisterter Sportler.
Scowcroft wurde 1925 in Ogden
(Utah) geboren, machte 194 7 sein Examen in West Point und schien sich auf
eine Laufbahn als Militärpilot vorzubereiten. Nach einem frühen schweren
Unfall bei einer Übung, verlegte sich
Scowcroft auf eine eher akademische
Laufbahn. Er arbeitete als Verwaltungsbeamter bei der US-Air Force,
legte 1953 an der Columbia University
ein Examen in internationaler Politik
ab und wurde Spazialist für slavische
Sprachen. 196 7 promovierte er ebenfalls in internationaler Politik an
der Columbia University.
Während dieser Zeit hatte Scowcroft verschiedene Positionen in der
Verwaltung und an der Universität inne. Mitte der fünfziger Jahre lehrte
er in West Point russische Geschichte, und in den sechziger Jahren unterrichtete er politische Wissenschaften an der Air Force Academy.
Er diente ferner im Air Force Hauptquartier in Washington in einem Planungsstab und war Dozent am National
War College.
Scowcroft gelang im Pentagon ein
schneller Aufstieg, und wurde 19 73
Präsident Nixons Militärberater. Im
dieser
Eigenschaft
begleitete
er
Nixon auf dessen legendärer Reise
nach China und zeichnete sich insbesondere als geschickter Verhandlungspartner aus, als es darum ging, 1972
in der schwierigen Phase gegen Ende
des Vietnamkrieges Nixons Reise in
die Sowjetunion zu organisieren.

heit.
In dieser Stellung bestand
eine von Scowcrofts Aufgaben darin,
den Präsidenten jeden Morgen über die
jüngsten nachrichtendienstlichen Erkenntnisse im sicherheitspolitischen
Bereich zu informieren.
Presseberichten zufolge, gewann er mit seiner
zurückhaltenden Art Kissinger, der
später große Stücke auf ihn hielt.
1975 wurde er mit Kissingers Zuspruch Präsident Fords Nationaler Sicherheitsberater. In dieser Stellung
- und später auch als Berater der
Carter-Administration - war Scowcroft
an der Formulierung der amerikanischen Position des 19 79 unterzeichneten SALT II-Vertrages beteiligt.
Unter der Reagan-Administration
arbeitete Scowcroft - der vielen
Reagan-Anhängern, die SALT II als einen Fehler betrachteten, als zu liberal galt - nicht direkt in der Administration, sondern erstellte Bewertungen für eine mögliche Stationierung von MX-Raketen und Konzepte zur
Abschreckung und Rüstungskontrolle.
Im Jahr 1984 reiste Scowcroft in
die Sowjetunion und versuchte, dem
damaligen Generalsekretär Tschemenko
eine persönliche Botschaft Präsident
Reagans zu überbringen, wurde aber
nicht empfangen.
Nach dem Besuch
äußerte sich Scowcroft in Erklärungen
an die Öffentlichkeit pessimistisch
über
die
amerikanisch-sowjetischen
Beziehungen, billigte jedoch beiden
Seiten "gemeinsame Interessen" zu.
Im Rahmen der Iran-Contra-Affäre
leitete Scowcroft für die Tower-Kommission eine eingehende Untersuchung
im Nationalen Sicherheitsrat, die ihren Niederschlag in einem Bericht
fand, der zu dem Ergebnis kam, daß
hier einzelne Personen und nicht der
Aufbau und Auftrag des NSC selbst
verantwortlich zu machen seien.
Scowcroft ist verheiratet und hat
eine Tochter.

1973 wählte Henry Kissinger Scowcroft als Stellvertretenden Berater
des Präsidenten für nationale Sicher- 2 -

* * * * * *

«

�AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

44

30. November 1988

ENTSCHEIDUNG ÜBER VERWEIGERUNG VON VISUM FÜR ARAFAT "FEST UND ENDGÜLTIG"
- Informationen zur Entscheidung des amerikanischen Außenministeriums -

WASHINGTON - (AD) - Die Entscheidung über die Verweigerung eines Einreisevisums für den Vorsitzenden der Palästinensischen Befreiungsorganisation
(PLO), Jassir Arafat, ist "fest und endgültig" und wird von Außenminister
Shultz "ohne Wenn und Aber getragen", erklärte der Sprecher des amerikanischen
Außenministeriums Charles Redman am 28. November 1988.

"Unsere Entscheidung, für Arafat
keine Ausnahmegenehmigung zu beantragen, gründet sich auf amerikanische
Gesetze, die Politik der Administration und Besorgnis über die Sicherheit amerikanischer Bürger", betonte
Redman, der daran erinnerte, daß er
zu Monatsanfang bereits mitgeteilt
hatte, falls Arafat einen Visumantrag
stelle, werde dieser "streng geprüft".

Im Weißen Haus erklärte dessen
Sprecher, Marlin Fitzwater, auch Präsident Reagan unterstütze diese Entscheidung.
Ihm zufolge habe Shultz
nach Konsultationen mit dem Nationalen Sicherheitsberater Colin Powell
und anderen die Entscheidung über das
Arafat-Visum getroffen und sich anschließend telefonisch mit dem Präsidenten beraten.

"Genau dies ist geschehen. Als
der Antrag eintraf, wurde er vom Aussenminister sehr sorgfältig erwogen.
Er hörte alle Seiten zu diesem Thema
und traf seine Entscheidung", erklärte Redman. "Diese Entscheidung ist
fest und endgültig, und wird vom Aussenminister ohne Wenn und Aber getragen."

"Natürlich hätte der Präsident
diese Entscheidung verwerfen können",
wenn er dies gewollt hätte, sagte
Fitzwater.
"Er wollte es jedoch
nicht, und in der Tat unterstützt der
Präsident diese Entscheidung."

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Embassy of the United States of America

Fitzwater erklärte, die Vereinigten Staaten würden an einer zur Behandlung der Palästina-Frage nach

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�Genf einberufenen Sondersitzung der
Vollversammlung der Vereinten Nationen teilnehmen, falls diese - wie von
einigen vorgeschlagen - stattfinde.
Nach den Gründen hierfür gefragt,
antwortete Fitzwater:
"Um nochmals
zu betonen, daß unsere Ablehnung einer Aussetzung der bestehenden rechtlichen Regelungen zwecks Gestattung
der Einreise von Jassir Arafat in unser Land nichts mit den Vereinten Nationen zu tun hat - daß wir keinerlei
Erklärung über die UNO abgegeben haben, sondern über Herrn Arafat und
die Terrorakte der Palästinensischen
Befreiungsorganisation."
Redman nannte eine solche Sitzung
"unnötig", erklärte jedoch, die Vereinigten Staaten würden sich einem
solchen Schritt nicht widersetzen.
Auf Fragen zu dem Beschluß über
Arafat antwortete Fitzwater:
"Ich
meine, wir müssen hier auf die Terrorakte verweisen, die sowohl kürzlich als auch in den vergangenen Monaten stattgefunden haben - am bekanntesten sind wohl die Aktionen des
Abu Abbas, der Mitglied des Exekutivrats der PLO ist und von einem italienischen Gericht für seine Beteiligung an der Ermordung von Leon Klinghoffer im Oktober 1985 in Abwesenheit
zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe
verurteilt wurde. (Anhänger von Abu
Abbas entführten das Kreuzfahrtschiff
"Achille Lauro" und erschossen Klinghoffer, einen an den Rollstuhl gefesselten amerikanischen Juden, und warfen ihn über Bord.) ... Es gibt eine
Reihe weiterer Beispiele für von der
PLO geförderten und von Jassir Arafat
gebilligten Terrorismus, die zu dieser Entscheidung geführt haben."
Auf die Frage, warum israelische
RegierungsVertreter trotz der Ermordung von Palästinensern in den israelisch besetzten Gebieten in die Vereinigten Staaten einreisen dürfen,
antwortete Fitzwater, "wir können
nicht alle anderen Gewaltakte auf der
Welt unter dem Aspekt dieses einen
Falles betrachten. Wir beklagen die

Gewalt auf beiden Seiten im Westjordanland und im Gaza-Streifen. Wir
haben diese Position mehrfach eindeutig klargestellt und unerschütterlich
daran festgehalten. Das Problem, mit
dem wir uns konfrontiert sehen, ist
jedoch der Auftritt von Jassir Arafat
in den Vereinigten Staaten."
Während einer längeren Pressekonferenz betonte Redman wiederholt, daß
die Gründe für die Verweigerung eines
amerikanischen Visums für Arafat mit
der Bekanntgabe von Außenminister
Shultz's Entscheidung in einer Erklärung vom 26. November 1988 im einzelnen erörtert wurden.
"Diese Erklärung macht eindeutig
einen Unterschied zwischen der Erteilung eines Visums und den Gründen,
aus denen der Außenminister sich gegen die Erteilung einer Ausnahmegenehmigung entschieden hat" sowie der
Frage des Friedensprozesses im Nahen
Osten, der Palästina-Frage und der
ganzen Bandbreite von Themen, "die,
wie die Erklärung eindeutig klargestellt hat, von den Vereinigten Staaten weiterhin uneingeschränkt unterstützt werden und für die sie eintreten" , führte der Sprecher des Weißen
Hauses aus.
"Es handelt sich hierbei um zwei
getrennte Probleme", erklärte Redman.
"Einerseits geht es um die Frage des
Visums, und diese Entscheidung wurde
aus
Sicherheitsgründen
getroffen.
Dann geht es um ein anderes Problem,
und das ist die Erörterung der Palästina-Frage vor den Vereinten Nationen."
"Wir stehen der Anhörung des Palästina-Problems vor den Vereinten
Nationen nicht ablehnend gegenüber.
Es handelt sich hierbei um eine wichtige Angelegenheit und dies wurde in
unserer Erklärung vom 26. November
deutlich klargestellt", fuhr er fort.
Es gibt PLO-Sprecher, die ihre Position in New York frei zum Ausdruck
bringen können.
Wir haben dagegen
keine Einwände. Jeder Vorschlag zur
Einberufung einer Vollversammlung der

�Vereinten , Nationen in Genf erübrigt
sich somit, da die PLO derzeit in der
Lage ist, ihre Ansichten vor der UNVollversammlung in New York vorzubringen."
"Daher würden wir einen solchen
Schritt weder begrüßen noch ablehnen", erklärte Redman.
Der Sprecher des Außenministeriums betonte, die vom Außenministerium veröffentlichte Erklärung vom
26. November "ist ein eindeutiges Bekenntnis der tiefgreifenden Besorgnis
über Terroranschläge und Organisationen, die den Terrorismus unterstützen
und in diesem Fall über Jassir Arafat
als Führer der PLO".
Alle von PLO-Mitgliedern eingegangenen Visaanträge werden "von Fall
zu Fall" entschieden, fuhr Redman
fort und stellte fest, den Mitgliedern der PLO-Vertretung in New York
sei "routinemäßig" ein Visum erteilt
worden. "Aber in diesem Fall handelt
es sich um eine andere Person - eine
Person, die Vorsitzender der Organisation ist", führte der Sprecher des
Außenministeriums aus.
Er betonte, die Vereinigten Staaten stimmten nicht mit einer von den
Vereinten
Nationen
herausgegebenen
Erklärung überein, der zufolge die
Entscheidung, Arafat ein Einreisevisum zu verweigern, eine Verletzung
des 1947 geschlossenen UN-Headquarters Agreement bedeute.
"Die Vereinigten Staaten erkennen
an, daß sie durch das Headquarters
Agreement verpflichtet sind, den Mitgliedern der PLO-Vertretung ungehinderten Zugang zu Sitzungen der UN zu
gewähren.
Solchen
Personen wurde
routinemäßig eine Ausnahmegenehmigung
für ein Visum erteilt, und seit 1975
ist eine PLO-Vertretung bei den Vereinten
Nationen
tätig",
erklärte
Redman.
"Das
Headquarters
Agreement
zwingt uns jedoch nicht, jeder von
den Vereinten Nationen eingeladenen

Person die Einreise in die Vereinigten Staaten zu gewähren", fuhr er
fort. "Wie in unserer Erklärung vom
26. November angedeutet, haben die
Vereinigten Staaten ihre Annahme des
Headquarters Agreement davon abhängig
gemacht, daß sie zur Gewährleistung
ihrer eigenen Sicherheit das Recht in
Anspruch nehmen können, sich die Einreise von Ausländern vorzubehalten,
die in Beziehung zu den Vereinten Nationen stehen oder von ihnen eingeladen sind".
"Als Folge dieses Vorbehalts haben die Vereinigten Staaten in der
Vergangenheit von ihrem Recht Gebrauch gemacht, denjenigen Personen
die Einreise zu verweigern, die eine
Bedrohung für ihre Sicherheit darstellen", erklärte er.
Redman verwies darauf, daß in den
achtziger Jahren "einer Reihe von
Vertretern des Iran", die zu den Vereinten Nationen reisen wollten, amerikanische Visa verweigert wurden.
Unsere nationale Sicherheit gründet sich nicht allein auf die Bedrohung für unsere New Yorker Bürger",
erklärt er.
"Wenn wir den Schutz
amerikanischer Bürger erörtern und
über die Bedrohung des Terrorismus
reden, geht dies über die Grenzen einer einzelnen Stadt hinaus."
Auf die Frage nach Behauptungen
einiger
Vertreter
aus dem Nahen
Osten, die Vereinigten Staaten hätten
eine Chance verspielt, die PLO zu einer gemäßigteren Haltung zu ermutigen, um die Möglichkeit für eine
Friedensregelung zu verbessern, betonte der Sprecher, hier handele es
sich um "zwei unterschiedliche Probleme" .
"Zu dem Problem, daß die PLO zu
Schritten in die richtige Richtung
ermutigt werden soll, habe ich nach
der Tagung des Palästinensischen Nationalrates Stellung genommen und auf
die Ergebnisse insbesondere dieses
Treffens
hingewiesen",
bemerkte
Redman.
"Was den Friedensprozeß im

- 3 -

�allgemeinen betrifft, so arbeiten wir
sehr hart daran".
"Es gibt wahrscheinlich kein anderes Land auf der Welt, das ebenso
viel für den Friedensprozeß getan hat
wie die Vereinigten Staaten", erklärte er. "Und wir haben sicherlich die
besten Absichten, dies auch weiterzuführen" .
Dennoch, so betonte Redman, "gibt
es noch andere Probleme auf der Welt.
Eines der wichtigsten ist der Terrorismus. Und das ist das Problem, dem
wir uns bei der Bearbeitung dieser
Bitte um eine Einreisegenehmigung gegenübersehen" .
Bei der Behandlung des Terrorismus, so Redman, machen Begriffe wie
"Ermutigung oder Mißbilligung" keinen
Sinn.
Es mache ebenfalls keinen
Sinn, darauf hinzuweisen, daß ein
Preis für die Mäßigung beim gegenwärtigen Kampf gegen Terrorismus gezahlt
werden muß.
"Die Gemeinschaft aller Länder
der Welt versteht jetzt, daß Terrorimus keinen Platz hat", so der Sprecher. "Er wird immer wieder vorkommen, aber es besteht auf internationaler Ebene ein Konsens darüber, daß
Terrorimus auf der Welt keinen Platz
hat".

* * * * * *

- 4

�AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial
30. November 1988

44

DIE VERHANDLUNGEN ÜBER KERN- UND WELTRAUMWAFFEN:
AMERIKANISCHE UND SOWJETISCHE VORSCHLÄGE
- Eine Übersicht der ACDA -

- (AD) - (Die folgende Übersicht "Kern- und Weltraumwaffen: Amerikanische
und Sowjetische Vorschläge" wurde am 22. November 1988 von der amerikanischen
Behörde für Rüstungskontrolle und Abrüstung (ACDA) veröffentlicht.)

GESPRÄCHE ÜBER DIE VERRINGERUNG DER
STRATEGISCHEN WAFFEN (START)

Allgemeine Haltung:
Vereinigte Staaten - 50prozentige
stufenweise Reduzierung strategischer
Offensivwaffen bis auf einen beiderseitigen Gleichstand innerhalb von
sieben Jahren nach Inkrafttreten des
Vertrags.
Sowjetunion - 50prozentiger Abbau
der strategischen Offensivwaffen auf
einen beiderseitigen Gleichstand in
zwei Phasen innerhalb von sieben Jahren nach Inkrafttreten des Vertrags,
mit nachfolgenden Verhandlungen über
eine weitere Reduzierung.

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Vereinigte Staaten - Das Abkommen
ist nicht abhängig von der Lösung von
Problemen bei der Verteidigung im
Weltraum.
Es können jedoch keine
weiteren
RUstungskontrollabkommen
über strategische Waffen mit der Sowjetunion abgeschlossen werden, solange diese nicht ihre Verletzung des
ABM-Vertrages unter besonderer Berücksichtigung des Radars von Krasnojarsk auf eine verifizierbare Art
und Weise, die amerikanischen Kriterien entspricht, einstellt.
Sowjetunion - Durchführung der
50prozentigen
Reduzierung
abhängig
von der Problemlösung bei der Weltraumverteidigung .

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Trägersysteme;

Schwere ICBMs:

Vereinigte Staaten - Obergrenze
von 1 600 für die Zahl der strategischen offensiven Trägersysteme; dazu gehören die stationierten Interkontinentalraketen (ICBMs), die stationierten U-Boot-gestützten ballistischen Raketen (SLBMs) und die schweren Bomber.

Vereinigte Staaten - Begrenzung
auf 1 540 Gefechtsköpfe auf 154 stationierten schweren ballistischen Raketen. Verbot der Produktion, Flugerprobung oder Modernisierung neuer
oder bereits bestehender Typen von
schweren ICBMs.

Sowjetunion
Obergrenze
von
1 600 strategischen offensiven Trägersystemen; dazu gehören die stationierten
Abschußvorrichtungen
für
ICBMs und SLBMs sowie die stationierten schweren Bomber.

Sowjetunion
Begrenzung
auf
1 540 Gefechtsköpfe auf 154 stationierten schweren ICBMs. Produktion,
Flugerprobung oder Modernisierung bereits bestehender Typen von schweren
ICBMs gestattet. Entwicklung, Erprobung und Stationierung neuer Typen
von schweren ICBMs verboten.

Gefechtsköpfe;
Wurfgewicht:
Vereinigte Staaten - Obergrenze
von 6 000 Gefechtsköpfen, einschließlich der stationierten Gefechtsköpfe
auf ICBMs und SLBMs sowie luftgestützten, nuklear bewaffneten Marschflugkörpern
längerer
Reichweite
(ALCMs); jeder nur mit Freifallbomben
und Angriffsraketen kurzer Reichweite
(SRAMs) ausgerüstete schwere Bomber
zählt als ein Gefechtskopf.
Sowjetunion - Identisch mit der
Position der Vereinigten Staaten.

Vereinigte Staaten - Das Gesamtwurfgewicht sowjetischer ICBMs und
SLBMs wird auf 50 Prozent ihres am
31. Dezember 1986 bestehenden Wurfgewichtniveaus verringert. Keine Seite
wird während
der Vertragslaufzeit
dieses Niveau überschreiten.
Sowjetunion - Im Prinzip identisch mit der amerikanischen Position, jedoch Reduzierung aufgrund des
Wurfgewichtniveaus bei Vertragsunterzeichnung.

Untergrenzen bei Gefechtsköpfen:
Vereinigte Staaten - Untergrenzen
von 4 900 Gefechtsköpfen auf ballistischen Raketen und 3 000 bis 3 300
ICBM-Gefechtsköpfe.
Sowjetunion - Untergrenze von
4 900 Gefechtsköpfen auf ballistischen Raketen; falls eine Untergrenze
von
3 300
ICBM-Gefechtsköpfen
festgelegt wird, muß ebenfalls eine
Untergrenze von 3 300 SLBM-Gefechtsköpfen vereinbart werden. Untergrenze von 1 100 Bomber-gestützten Gefechtsköpfen.

Gefechtsköpfe auf ballistischen
Raketen:
Vereinigte Staaten - Für bereits
bestehende Typen wird eine bestimmte
Anzahl von Vor-Ort-Inspektionen vereinbart, um zu überprüfen, ob die
stationierten Raketen nicht mehr als
die beim Washingtoner Gipfeltreffen
vereinbarte Zahl von Gefechtsköpfen
enthalten.
Sowjetunion - Für bereits bestehend und künftige Typen wird eine bestimmte Anzahl von Vor-Ort-Inspektionen vereinbart, um zu überprüfen, ob
die stationierten Raketen nicht mehr
als die vereinbarte Zahl von Gefechtsköpfen enthalten.
Für beste-

- 2 -

�hende Typen wurde deren Zahl beim
Washingtoner Gipfeltreffen vereinbart.
Vereinigte Staaten - Für künftige
Typen sowie für Veränderungen in der
Zahl von Gefechtsköpfen auf bestehenden Typen müssen neue Verfahrensweisen vereinbart werden.
Sowjetunion - Keine Angaben.

geschriebenen ALCMs soll der maximalen Anzahl entsprechen, für die jeder
Typ ausgerüstet ist. Nuklear bewaffnete ALCMs sollen durch die vorgeschlagene Untergrenze von 1 100 für
alle von Bombern getragenen Gefechtsköpfe begrenzt werden.

SLCMs;

Mobile ICBMs:
Vereinigte Staaten - Verboten,
falls
Verifizierungsprobleme
nicht
gelöst werden können. In diesem Fall
strikte Begrenzung der zu vereinbarenden Zahl von Gefechtsköpfen.
Sowjetunion - Erlaubt, mit Begrenzung von Abschußvorrichtungen und
Gefechtsköpfen.

Schwere Bomber;
Vereinigte Staaten - Jeder schwere Bomber zählt wie ein strategisches
Trägersystem (SNDV).
Jeder nur für
Freifallbomben und SRAMs ausgerüstete
schwere Bomber würde wie ein Gefechtskopf auf die Obergrenze von
6 000 angerechnet.
Sowjetunion - Identisch mit der
amerikanischen Position.

Vereinigte Staaten - Die Seiten
sollen eine beiderseitig akzeptable
Lösung für die Frage der Begrenzung
der Stationierung nuklear bewaffneter
SLCMs (seegestützte Marschflugkörper)
längerer
Reichweite
ausarbeiten.
Solche Begrenzungen werden die Anrechnung dieser SLCMs auf die Begrenzungen von 6 000 Gefechtsköpfen und
1 600
strategischen
Trägersystemen
nicht berühren.
Beide Seiten verpflichten sich, im Hinblick auf diese
Flugkörper Obergrenzen aufzustellen
und beiderseitig akzeptable und wirksame Methoden der Verifizierung solcher Begrenzungen anzustreben, zu denen die Anwendung Nationaler Technischer Mittel, kooperativer Maßnahmen
und
Vor-Ort-Inspektionen
gehören
könnten. Bis jetzt haben die Vereinigten Staaten noch keine wirksame
Vertifizierungslösung für SLCMs gefunden. Bei Fehlen eines Plans für
die wirksame Verifizierung haben die
Vereinigten
Staaten
vorgeschlagen,
daß beide Seiten nicht bindende Erklärungen über die Anzahl der nuklear
bestückten SLCMs abgeben.

ALCMs;
Vereinigte Staaten - ALCMs werden
als luftgestUtzte, nuklear bewaffnete
Marschflugkörper mit einer Reichweite
von über 1 500 km definiert. Eine
vereinbarte Zahl von ALCMs soll jedem
der für ALCMs ausgerüsteten Bomber
zugeschrieben werden, um auf die
Obergrenze von 6 000 Gefechtsköpfen
angerechnet zu werden.
Sowjetunion
luftgestUtzte,
Marschflugkörper
von über 600 km
der ALCM-fähigen

- ALCMs werden als
nuklear
bewaffnete
mit einer Reichweite
definiert. Die Zahl
schweren Bombern zu-

Sowjetunion - Die Sowjets akzeptieren grundlegende Prinzipien. Besondere Begrenzungen auf 400 für nuklear bewaffnete und 600 für konventionell bewaffnete SLCMs, aber die
Sowjets haben keine wirksamen Verifizierungsmaßnahmen gefunden. Der sowjetische Ansatz würde ferner die
amerikanische
Politik
untergraben,
der zufolge das Vorhandensein atomarer Waffen an irgendeinem bestimmten
Ort weder bestätigt noch dementiert
wird - ein wichtiger Bestandteil der
Abschreckung.

- 3 -

�Verifizierung der Vertragseinhaltung;

zierbare, den amerikanischen Kriterien entsprechende Art und Weise aufgeben.

Vereinigte Staaten - Es müssen
mindestens folgende Regelungen enthalten sein: Datenaustausch vor und
nach Durchführung der Reduzierungen;
Vor-Ort-Inspektionen zur Verifizierung des Datenaustauschs und zur Beobachtung der Beseitigung von Waffen;
dauernde Vor-Ort-Beobachtung von Umkreis sowie Ein- und Ausgängen wichtiger Produktionsstätten; kurzfristig
anberaumte Inspektionen von Orten, an
denen vertraglich begrenzte Systeme
sowohl während als auch nach der Reduzierungsphase
stationiert
sind.
Inspektionen an Orten, an denen eine
Partei heimliche Produktion, Lagerung, Reparatur oder Stationierung
vermutet. Einzelheiten bleiben noch
auszuarbeiten.
Sowjetunion - Im Prinzip identisch mit der amerikanischen Haltung.
Unterschiede bei den Einzelheiten.
Die sowjetischen Regelungen sind für
eine wirksame Verifizierung nicht angemessen.

VERTEIDIGUNG IM WELTRAUM

Allgemeine Haltung:
Vereinigte Staaten - Fragen der
Verteidigung im Weltraum sollen in
einem neuen separaten Vertrag auf der
Grundlage der Gemeinsamen Erklärung
vom Washingtoner
Gipfel behandelt
werden. Die Vereinigten Staaten haben am 22. Januar 1988 einen Vertrag
über Verteidigung im Weltraum im Entwurf vorgelegt. Sie haben die Sowjets erfolglos gedrängt, einen gemeinsamen Vertragsentwurf auszuarbeiten. Mit der Sowjetunion können keine weiteren RUstungskontrollabkommen
über strategische Waffen geschlossen
werden, wenn sie nicht ihre Verletzung des ABM-Vertrages durch das Radar von Krasnojarsk auf eine verifi-

Sowjetunion - Fragen der Verteidigung im Weltraum sollen in einem
neuen separaten Abkommen auf der
Grundlage der Gemeinsamen Erklärung
behandelt werden.
Die Sowjetunion
hat am 22. April 1988 ein Abkommen im
Entwurf unterbreitet.
Die Sowjets
verweigern die Erarbeitung eines gemeinsamen Vertragsentwurfs.

Verpflichtung zur Einhaltung des
ABM-Vertrages
Vereinigte Staaten - Mit dem Abkommen würden sich beide Seiten verpflichten, den ABM-Vertrag in seiner
1972 unterzeichneten Form einzuhalten, gleichzeitig die im Rahmen des
ABM-Vertrages gestattete Forschung,
Entwicklung und Erprobung weiterzuführen und sich in einem bestimmten
Zeitraum nicht zum Zweck der Stationierung oder Erlangung strategischer
Fähigkeiten vom Vertrag zurückzuziehen.
Sowjetunion - Mit dem Abkommen
würden sich beide Seiten zur Beachtung des ABM-Vertrages in seiner 1972
unterzeichneten Form verpflichten und
gleichzeitig die notwendige im ABMVertrag gestattete Forschung, Entwicklung und Erprobung durchführen
und sich während eines bestimmten
Zeitraums (9-10 Jahre) aus keinem
Grund vom ABM-Vertrag zurückziehen.
(N.B.: Die Sowjets legen hier eine
Interpretation des ABM-Vertrages zugrunde, die restriktiver ist als die
1972 von beiden Parteien vereinbarte.)

Aktivitäten in der Phase der Einhaltung
Vereinigte Staaten - Die Vereinigten Staaten haben Inititativen
vorgeschlagen, mit deren Hilfe der
Terminus "notwendige Forschung, Entwicklung und Erprobung, wie sie der
ABM-Vertrag
gestattet"
eindeutiger

- 4 -

�geklärt werden soll.

Regelung nach der Phase des NichtRückzugs

Sowjetunion - keine Vorschläge.
Vereinigte Staaten - Um zu demonstrieren, daß die Erprobung weltraumgestützter Komponenten, die in der
Lage sind, eine ABM-Abfangrakete zu
ersetzen - nach dem ABM-Vertrag gestattet - nicht gleichbedeutend ist
mit der Stationierung solcher Komponenten, sind die Vereinigten Staaten
bereit, diese erlaubte Erprobung nur
von bestimmten ABM-Testsatelliten aus
vorzunehmen. Die Vereinigten Staaten
vertreten die Auffassung, daß die Anzahl von Satelliten, die sich gleichzeitig in der Erdumlaufbahn befinden,
keinesfalls über der realistischen
Anzahl gegebenenfalls stationierter
Systeme liegen sollte. Die Vereinigten Staaten sind der Meinung, daß die
Anzahl von 15 erheblich unter dieser
Grenze liegt.
Sowjetunion - keine Vorschläge.
Vereinigte Staaten - Im Protokoll
über die Berechenbarkeit würde die
Benachrichtung über Tests von Raketenabwehrsystemen im Weltraum festgehalten.
Sowjetunion - Keine Vorschläge.
Vereinigte Staaten - Die Vereinigten Staaten haben ferner vorgeschlagen, daß sich keine Partei auf
der Grundlage des ABM-Vertrages der
Entwicklung, Erprobung oder Stationierung von weltraumgestutzten Sensoren der anderen Partei wiedersetzen
sollte.
Dementsprechend kann jede
Partei weltraumgestützte Sensoren ohne Einschränkung entwickeln, erproben
oder stationieren.
Sowjetunion - Die anfängliche Reaktion der Sowjetunion war ablehnend,
sie hat jedoch Interesse an der weiteren Erörterung dieser Frage geäußert.

Vereinigte Staaten - Eingehende
Gespräche über Stabilität im strategischen Bereich sollen nicht später
als drei Jahre vor Ende des festgesetzten Zeitraums aufgenommen werden,
nach dem - vorbehaltlich anderer Vereinbarungen beider Parteien - jede
Seite ihre Vorgehensweise frei bestimmen kann. Jede der beiden Parteien kann dann frei über die Stationierung einer Raketenabwehr entscheiden und damit über die Beschränkungen
des ABM-Vertrages, denen zufolge die
andere Seite sechs Monate im voraus
schriftlich über eine entsprechende
Absicht benachrichtigt werden muß,
hinausgehen.
(N.B. Die Vereinigten
Staaten streben einen gemeinsamen
Übergang zu einem strategischen System an, das sich eher auf Verteidigung stützt, wenn sich eine effektive
strategische Verteidigung als durchführbar erweist.)
Sowjetunion - Eingehende Gespräche über strategische Stabilität sollen nicht später als drei Jahre vor
Ende des vereinbarten Zeitraums aufgenommen werden. (N.B. Die Sowjets
schlagen als Ziel der Gespräche eine
Vereinbarung über "die weitere Stärkung der strategischen Stabilität"
vor, beide Parteien sollten "die Probleme der ABM-Verteidigung unter Berücksichtigung der neuen Situation
erörtern, die sich aus den Reduzierungen strategischer Offensivwaffen
ergibt".) Im Falle, daß beide Seiten
in ihren Gesprächen nichts anderes
vereinbart haben, kann jede Seite
nach Ablauf des Vertrages selbst ihre
weitere Vorgehensweise im Hinblick
auf den ABM-Vertrag und den STARTVertrag bestimmen, vorbehaltlich der
Einhaltung entsprechender Verfahrensweisen dieser Verträge

Inkrafttreten/Dauer/Bedingungen
Vereinigte Staaten - Das Inkrafttreten ist abhängig vom Inkrafttreten
des START-Vertrages, der Vertrag über

- 5 -

�Verteidigung im Weltraum wäre unbegrenzt gültig, wobei der "bestimmte
Zeitraum"
des
Nicht-Rückzugs
vom
ABM-Vertrag und die Beachtung des
ABM-Vertrages in diesem Zeitraum bis
zur Änderung des Kurses durch eine
der beiden Parteien noch ausgehandelt
werden müßten.
Sowjetunion - Dieses Abkommen
würde gleichzeitig mit dem START-Vertrag in Kraft treten. Die Sowjets
schlagen vor, daß das Abkommen zum
Ende der Nicht-Rückzugs ausläuft.
Der START-Vertrag läuft aus, wenn irgendeine Partei den ABM-Vertrag oder
dieses Abkommen verletzt.

Rücktrittsrecht
Vereinigte Staaten - Die Vereinigten Staaten bestehen darauf, daß
beide Seiten das vom Völkerrecht zugebilligte Rücktrittsrecht beibehalten, auf das sie sich berufen könnten, wenn die höchsten Interessen einer Seite in Gefahr sind. Im Falle
eines
Vertragsbruchs
besteht
das
Recht auf Kündigung oder Aussetzung.
Sowjetunion - Die Sowjets schlagen eine "unbedingte" Verpflichtung
zur Einhaltung vor, derzufolge eine
Partei sich aus keinem Grund vom Abkommen zurückziehen könnte.

Berechenbarkeit
Vereinigte Staaten - Beide Seiten
sollten Möglichkeiten erörtern, um
die Berechenbarkeit der Entwicklung
der amerikanisch-sowjetischen Beziehungen im strategischen Bereich zu
gewährleisten, unter den Bedingungen
von Stabilität und zum Abbau des Risikos eines Nuklearkrieges. Im Zusammenhang
mit
vertrauensbildenden
Maßnahmen, die für jede Seite die
Programme zur strategischen Verteidigung der jeweils anderen Seite berechenbar machen sollen, haben die Vereinigten Staaten am 15. März 1988 ein
Protokoll über die Berechenbarkeit
vorgelegt, in dem folgende Punkte auf

freiwilliger Basis gefordert werden:
jährlicher Austausch von Statistiken
über Aktivitäten zur strategischen
Verteidigung, gegenseitige Informationsgespräche über die jeweiligen
Bestrebungen
in der strategischen
Verteidigung, .gegenseitige
Besuche
von Forschungseinrichtungen und die
gegenseitige Beobachtung von Tests
zur strategischen Verteidigung. Beide Seiten arbeiten an einem gemeinsamen Entwurf für das Protokoll.
Sowjetunion - Die Sowjets sind
über die Gemeinsame Erklärung vom
Washingtoner Gipfel hinaus nicht näher auf Berechenbarkeit eingegangen.
Die Sowjets haben prinzipiell einige
der von den Vereinigten Staaten vorgeschlagenen vertrauensbildenden Maßnahmen akzeptiert, einschließlich des
Datenaustauschs, der Expertentreffen
und Beobachtung von Tests der strategischen Verteidigung. Dennoch würde
der von den Sowjets am 12. April 1988
unterbreitete Vorschlag zur Verifizierung
solche Maßnahmen zwingend
vorschreiben, um eine Einhaltung des
ABM-Vertrages und des ausgehandelten
Abkommens über Verteidigung im Weltraum sicherzustellen. Darüber hinaus
schlagen sie den Austausch von Informationen zur Klärung zweifelhafter
Situationen vor, ferner Vor-Ort-Inspektionen bestimmter Einrichtungen,
die Anlaß zur Besorgnis bieten und
die Lösung von Fragen der Einhaltung
im
Ständigen
Konsultativausschuß.
Beide Seiten arbeiten an einem gemeinsamen Entwurf für das diesbezügliche Protokoll.

Mittelstreckenraketen
Am 8. Dezember 1987 haben Präsident
Reagan
und
Generalsekretär
Gorbatschow in Washington den INFVertrag unterzeichnet. Der amerikanische Senat hat am 26. Mai 1988 eine
zustimmende Resolution verabschiedet,
und beim Gipfeltreffen in Moskau wurden am 1. Juni 1988 Ratifizierungsurkunden ausgetauscht, mit denen der
Vertrag rechtskräftig wurde. Dieser
Vertrag sieht die Beseitigung aller

- 6 -

�amerikanischen und sowjetischen landgestützten
INF-Raketensysteme
der
Reichweite von 500 bis 5 500 Kilometer vor sowie die Abschaffung oderr
Umwandlung entsprechender Einrichtungen innerhalb von drei Jahren nach
Inkrafttreten des Vertrages.
Der
Vertrag verbietet die Herstellung und
Flugerprobung dieser Raketen unmittelbar nach seinem Inkrafttreten.
Nach abgeschlossener Beseitigung wird
der Vertrag alle Einrichtungen der
Stationierung, Lagerung, Wartung und
Herstellung für diese Raketensysteme
verbieten. Der Vertrag sieht die umfassendsten
Verifizierungsbestimmungen in der Geschichte der Rüstungskontrolle wie auch verschiedene Arten
kurzfristiger Inspektion und die Inspektion durch vor Ort stationierte
Expertengruppen vor.
Nach Inkrafttreten
begann die
Verwirklichung der Vertragsbestimmungen.
Im Juli und August wurden
grundlegende
Inspektionen
durchgeführt, um das von jeder Seite gelieferte Datenmaterial über die Anzahl
und den Standort ihrer INF-Raketen
und Einrichtungen zu verifizieren.
Im Rahmen dieser Inspektionen haben
amerikanische Teams 130 sowjetische
Einrichtungen an 115 Standorten in
der Sowjetunion und Stationierungsländern in Osteuropa inspiziert. Die
Sowjetunion hat 31 INF-Einrichtungen
an 21 Orten in den Vereinigten Staaten und Stationierungsländern Westeuropas inspiziert. Jede Seite hat einen ständigen Beobachterposten an den
Ein- und Ausgängen einer Raketenmontage- oder Produktionsstätte auf dem
Territoriums des Vertragspartners bezogen, und im Augenblick werden dort
technische
Überwachungsanlagen
installiert. Seit Beginn der Beseitigung Anfang September haben beide
Seiten im Einklang mit den Vertragsbestimmungen und in Anwesenheit von
Inspektoren der anderen Seite INF-Raketen, Abschußvorrichtungen und entsprechende Ausrüstungsgegenstände demontiert.

* * * * * *

- 7

�AMERIKA DIENST
VON

4

Hintergrundmaterial

30. November 1988

44

SOWJETISCHE LANDSTREITKRÄFTE SIND DER NATO ZAHLENMÄSSIG WEIT ÜBERLEGEN
- Artikel zum Bericht über die konventionellen Streitkräfte der NATO -

WASHINGTON - (AD) - Dem jüngsten Bericht der NATO zufolge hat die Sowjetunion mehr Panzer, Artillerie und Schützenpanzer in Europa stationiert als die
anderen 22 Nationen der NATO und des Warschauer Pakts zusammengenommen.
Der Bericht wurde am 25. November 1988 unter dem Titel Konventionelle
Streitkräfte in Europa: Die Fakten veröffentlicht. In graphischen Darstellungen und Tabellen wird der beträchtliche zahlenmäßige Vorteil im einzelnen
dargestellt, den die Sowjetunion bei den konventionellen Fähigkeiten in der
Region vom Atlantik bis zum Ural aufrechterhält. Dieses Gebiet soll von den
vorgesehenen Verhandlungen über konventionelle Stabilität in Europa (KRK) sowie bei der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) und
den Verhandlungen über Vertrauens- und Sicherheitsbildende Maßnahmen (VSBM)
abgedeckt werden.
Mit der Vornestationierung einer solch überlegenen Zahl an Panzern, Artillerie, Hubschraubern, Flugzeugen und Brückenbaugerät steht den Sowjets eine
schnelle, raumgreifende, offensive Kampffähigkeit zur Verfügung, der das Bündnis nichts entgegenstellen kann. Die Mitgliedstaaten der NATO sehen dieses
Ungleichgewicht als den einzigen militärischen Faktor mit der größten destabilisierenden Wirkung in Europa an.
Der NATO-Bericht unterstreicht nicht nur den Vorteil der Sowjetunion gegenüber dem Bündnis bei Panzern, gepanzerten Fahrzeugen und Artillerie, der
beL über zwei zu eins liegt, sondern veranschaulicht auch die zahlenmäßige
Überlegenheit der sowjetischen Waffen und Truppen bei den Streitkräften des
Warschauer Pakts.

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Der Bericht stützt sich auf seit Januar 1988 vom internationalen Stab der
NATO zusammengetragene Zahlen aus den 16 Mitgliedstaaten des Bündnisses. Im
Gegensatz zu dem vorliegenden Bericht schloß der letzte, im Jahr 1984 herausgebene Bericht der NATO die Zahlen für Frankreich und Spanien nicht ein.
Mit Veröffentlichung der Daten betont die NATO ihre Verpflichtung zu "Offenheit bei militärischen Angelegenheiten und zunehmender. Transparenz", stellt
der Bericht fest. "Eine vergleichbare Verpflichtung des Ostblocks zu Transparenz wäre ein begrüßenswerter und entscheidender Schritt zur Verbesserung
der Sicherheit in Europa", fährt der Bericht fort.
Da der Warschauer Pakt keine Zahlen zur Verfügung gestellt hat, gründen
sich die Daten über Streitkräfte und Gerät des Warschauer Pakts auf Schätzungen der NATO.
Nachfolgend bringen wir einige der wichtigsten Erkenntnisse des Berichts:
- Kampfpanzer. Die Sowjetunion allein hat 37 000 Panzer. Zusammengenommen verfügen die sechs anderen Nationen des Warschauer Pakts über zusätzliche 14 500 Panzer. Im Gegensatz dazu haben die Vereinigten Staaten
l 800 Panzer, während den anderen NATO-Mitgliedstaaten insgesamt 14 624
Panzer zur Verfügung stehen.
- Schützenpanzer. Die Sowjetunion hat 19 000 Schützenpanzer, während die
übrigen Staaten des Warschauer Pakts über 3 400 verfügen. Die Vereinigten
Staaten besitzen 550; die anderen NATO-Länder 3 603.
- Artillerie. Die Sowjetunion verfügt über 33 000, die übrigen Staaten
des Warschauer Pakts über 10 400 Geschütze. Die Vereinigten Staaten haben
1 100 und die anderen NATO-Mitgliedstaaten 13 358 Geschütze.
- Panzerabwehrwaffen. Die Sowjetunion hat 36 500 Panzerabwehrwaffen zur
Verfügung, die übrigen Staaten des Warschauer Pakts 7 700. Die Vereinigten Staaten haben 3 300 und die anderen NATO-Mitgliedstaaten 14 940.
- Hubschrauber. Die Sowjetunion verfügt über 2 850, die übrigen Staaten
des Warschauer Pakts über 850. Die Vereinigten Staaten haben 700 Hubschrauber, die anderen NATO-Mitgliedstaaten 1 719.
- Ständig vollbemannte Landstreitkräfte. Die Sowjetunion verfügt über
2 200 000 ständig vollbemannte Landstreitkräfte, verglichen mit 890 000
der übrigen Warschauer Pakt-Staaten. Die Vereinigten Staaten haben
216 000, die anderen NATO-Mitgliedstaaten 1 997 593.
- Flugzeuge. Die Sowjetunion verfügt über 6 050 und die übrigen Staaten
des Warschauer Pakts über 2 200 Flugzeuge. Die Vereinigten Staaten haben
800, die übrige NATO 3 177.
Nachfolgend bringen wir eine Auswahl der im Bericht enthaltenen Tabellen
mit nach Ländern aufgelisteten Kampfgerät, das die 16 Mitgliedstaaten der NATO
und die sieben Staaten des Warschauer Pakts im Einsatz haben:

- 2 -

»

[

�Kampfpanzer (1)

Land

Belgien
Kanada
Dänemark
Frankreich
Bundesrepublik
Griechenland
Island
Italien
Luxemburg
Niederlande
Norwegen
Portugal
Spanien
Türkei
Großbritannien
Vereinigte Staaten

Gesamtzahl (2)

320
60
228
1 250
4 330
1 420

Land

Bulgarien
CSSR
DDR
Ungarn
Polen
Rumänien
UdSSR

-

Gesamtzahl (2)
1
3
3
1
3
1
37

800
800
000
300
400
200
000

1 500
-

750
117
66
866
3 000
717
1 800

(1) Beinhaltet folgende Typen: Challenger, M 1, Leopard I und
Leopard II, AMX 30, M 60, Chieftain, Centurion, M 47 und M 48 für die
Mitgliedstaaten der NATO und T 80, T 72, T 64, T 62, T 55/54 und T 10/10M
für die Mitgliedstaaten des Warschauer Pakts.
(2) Die Gesamtzahlen pro Land beinhalten Kampfpanzer in vollständig
oder teilweise bemannten Einheiten. Die Mitgliedstaaten der NATO haben
insgesamt 5 800 Kampfpanzer gelagert. Der Lagerbestand an Kampfpanzern
der Mitgliedstaaten des Warschauer Pakts liegt schätzungsweise über dem
der Mitgliedstaaten der NATO.

- 3 -

�Schützenpanzer (1)

Land

Gesamtzahl (2)

Land

Gesamtzahl (2)
.

Belgien
Kanada
Dänemark
Frankreich
Bundesrepublik
Griechenland
Island
Italien
Luxemburg
Niederlande
Norwegen
Portugal
Spanien
Türkei
Großbritannien
Vereinigte Staaten

208
—

750
1 960
100
&amp;
_

Bulgarien
CSSR
DDR
Ungarn
Polen
Rumänien
UdSSR

100
1 100
800
300
1 100
-

19 000

m

585
_
_
_
_

550

(1) Beinhaltet folgende Typen: Marder^ AMX 10P, M 2 (Bradley) und
YPR 765 (25 mm) für die Mltglledstaaten der NATO und BMP 1/2 und BMD 1
für die Mitgliedstaaten des Warschauer Pakts.
(2) Die Gesamtzahlen pro Land beinhalten Schützenpanzer in vollständig oder teilweise bemannten Einheiten. Die Mitgliedstaaten der NATO
haben insgesamt 575 Schützenpanzer gelagert; Die entsprechende Zahl für
die Mitgliedstaaten des Warschauer Pakts liegt schätzungsweise über der
für die Mitgliedstaaten der NATO angegebenen Zahl.
(3) Schützenpanzer und andere gepanzerte Kampffahrzeuge können der
folgenden Tabelle entnommen werden, die in zweiter Linie als Plattform
für Panzerabwehrsysteme dienen, auf die auch in der Tabelle über Panzerabwehrwaffen Bezug genommen wird.

�Artillerie

Einschließlich Artillerie, Mörsern und Mehrfach-Raketenwerfern mit
Rohrdurchmesser von 100 mm und darüber.

Land

Gesamtzahl (1)

Land

Gesamtzahl (1)

Belgien
Kanada
Dänemark
Frankreich
Bundesrepublik
Griechenland
Island
Italien
Luxemburg
Niederlande
Norwegen
Portugal
Spanien
Türkei
Großbritannien
Vereinigte Staaten

248
35
542
780
2 220
1 752

Bulgarien
CS SR
DDR 1 700
Ungarn
Polen
Rumänien
UdSSR

2 000
2 100

-

800
2 500
1 300
33 000

2 100
-

667
522
260
1 038
2 800
394
1 100

(1) Die Gesamtstärke pro Land beinhaltet vollständig oder teilweise
bemannte Einheiten. Die Mitgliedstaaten des Nordatlantischen Bündnisses
besitzen insgesamt 2 870 gelagerte Artilleriegeschütze. Die geschätzte
Zahl der von den Mitgliedstaaten des Warschauer Pakts gelagerten Artilleriegeschütze übertrifft die der NATO-Mitgliedstaaten.

5 -

�Panzerabwehrwaffen
Beinhaltet auf Fahrzeugen montierte und nicht auf Fahrzeugen montierte Abschußvorrichtungen für Panzerabwehr-Lenkflugkörper, Panzerabwehrgeschütze sowie rückstoßfreie Gewehre. Schützenpanzer sowie Hubschrauber,
deren primäre Rolle nicht der Panzerabwehr dient, die aber mit Panzerabwehr-Lenkflugkörpern ausgerüstet sind, werden ebenfalls aufgeführt. (1)

Land

Gesamtzahl (1) Land

Belgien
Kanada
Dänemark
Frankreich
Bundesrepublik
Griechenland
Island
Tta1ien
Luxemburg
Niederlande
Norwegen
Portugal
Spanien
Türkei
Großbritannien
Vereinigte Staaten

518
45
330
1 460
1 710
2 267

Bulgarien
CSSR
DDR 1 700
Ungarn
Polen
Rumänien
UdSSR

-

Gesamtzahl. (1)

500
2 000
800
2 000
70Q
36 500

i—i

2 200
6
674
550
362
1 222
2 400
196
3 300

(1) Hie Gesamtzahl der Schützenpanzer und Hubschrauber, die aufgrund
ihr-er Sekundärrolle als Plattformen für Panzerabwehrwaffen aufgeführt
sin", beträgt für die Mitgliedstaaten der NATO 2 400 Systeme sowie für
die Mitgliedstaaten des Warschauer Pakts 23 000 Systeme. Diese Schützenpanzer und Hubschrauber werden ebenso in den jeweiligen Tabellen aufgeführt.
(2) Die Gesamtstärke pro Land beinhaltet Panzerabwehrwaffen in vollständig oder teilweise bemannten Einheiten. Die Mitgliedstaaten der NATO
haben insgesamt 2 700 Panzerabwehrwaffen gelagert. Die geschätzte Zahl
der von den Mitgliedstaaten des Warschauer Pakts gelagerten Panzerabwehrwaflren übertrifft die der NATO-Mitgliedstaaten.

- 6 -

�Hubschrauber
Beinhaltet mit Panzerabwehr-Lenkflugkörpern sowie Maschinengewehren
ausgerüstete Angriffshubschrauber und Transporthubschrauber.

Land

Belgien
Kanada
Dänemark
FrankreIch
Bundesrepublik
Griechenland
Island
Italien
Luxemburg
Niederlande
Norwegen
Portugal
Spanien
Türkei
Großbritannien
Vereinigte Staaten

Gesamtzahl (2) Land

-

Bulgarien
CSSR
DDR
150
Ungarn
Polen
Rumänien
UdSSR

270
554
64
-

Gesamtzahl (2)

100
200
100
200
100
2 850

170
-

54
-

160
160
287
700

(1) Die Gesamtstärke pro Land beinhaltet Hubschrauber in vollständig
oder teilweise bemannten Einheiten. Die Mitgliedstaaten der NATO haben
insgesamt 180 Hubschrauber dieser Kategorie gelagert. Die geschätzte
Zahl der von den Mitgliedstaaten des Warschauer Pakts gelagerten Hubschrauber übertrifft die der NATO-Mitgliedstaaten.
(2) Hubschrauber, die als Plattformen für Panzerabwehr-Waffensysteme
eingesetzt werden, sind ebenso in der Tabelle "Panzerabwehrwaffen" aufgeführt.

- 7 -

�Mannschaften
Dazu zählen die Angehörigen der Landstreitkräfte einschließlich der
Soldaten im Heer, die Pflichten der landgestützten Luftverteidigung übernehmen. Dazu gehören ferner Angehörige von Stabseinheiten sowie von Einheiten zur allgemeinen Unterstützung und andere Truppen des Verteidigungsministeriums, aber keine paramilitärischen Einheiten.

Land

Gesamtzahl

Land

Gesamtzahl

Belgien
Kanada
Dänemark
Frankreich
Bundesrepublik
Griechenland
Island
Italien
Luxemburg
Niederlande
Norwegen
Portugal
Spanien
Türkei
Großbri tannien
Vereinigte Staaten

68
5
20
267
35i
116

Bulgarien
CSSR
DDR 120 000
Ungarn
Polen
Rumänien
UdSSR

135 000
145 000

000
000
540
000
800
900

-

297 000
695
68 000
25 059
46 949
210 000
380 000
140 560
216 000

80 000
230 000
180 000
2 200 000

�Struktur
Dazu zählen die aktiven Kampf- und Artilleriedivisionen sowie unabhängige Kampf- und Artilleriebrigaden, die gegenwärtig mit etwa 5 Prozent
ihrer Kriegstärke bemannt sind.

Aktive Kampf- und Artilleriedivisionen

Land
(NATO)

auf nationalem
Territorium

Belgien
Kanada
Dänemark
Frankreich
Bundesrepublik
Griechenland
Island
Italien
Luxemburg
Niederlande
Norwegen
Portugal
Spanien
Türkei

1
2
12
12
12
2 2/3
5
13
1
-

Großbritannien

Vereinigte Staaten

außerhalb
nat. Terrotoriums

2
15
12
12

1/3
5
13
4
4

3
4

(Warschauer Pakt)

Bulgarien
CSSR
DDR
Ungarn
Polen
Rumänien
UdSSR

8
11

6

6
13
10
125

31

0
11
6
6
13
10
156

Insgesamt

�Aktive unabhängige Kampf- uod Artlllerlebrlgaden

Lan^
(NATO)

Belgien
Kanada
Dänemark
Frankreich
Bunilesrepubli k
Griechenland
Island
Italien
Luxemburg
Niederlande
Norwegen
Portugal
Spanien
Türkei
Grotßbritannien
Vereinigte Staaten

auf nationalem
Territorium

1
-

außerhalb
nat. Territoriums
1
1

1
-

2

1

4
11

-

-

11

24
-

1
5
8
23
6
—

24
-

\
2
5

23
8
5

(Warschauer Pakt)

Bulgarien
CSS^
DDR
Ungarn
Polen
Rumänien
UdSSR

6
3
1
4
7
5
9

I
1
4
7
5
17

Insgesamt

�Kampfflugzeuge (1)

Land

Belgien
Kanada
Dänemark
Frankreich
Bundesrepublik
Griechenland
Island
Italien
Luxt;mlurg
Niederlande
Norwegen
Portugal
Spanien
Türkei
Großbritannien
Vereinigte Staaten

Insgesamt
(3,4,5)

Land

Insgesamt

144
40
87
450
547
319

Bulgarien
CSSR
DDR 350
Ungarn
Polen
Rumänien
UdSSR

(2,3,4,5)

-

250
400
150
700
350
6 050

250
-

162
78
99
186
370
445
800

(1) Dazu gehören die folgenden Kampfflugzeuge: Bei den Mitgliedsländern des Nordatlantischen Bündnisses: F-16, F-4, F-5, NF-5, F-104,
F-100, F-18, CF-18, F-lll, F-35/RF-35, T-2E, A-7/TA-7, A-10, Alphajet,
G-91, Buccaneer, Harrier, Jaguar, Mirage Fl/3/5, Tornado, F-15, Mirage
2000, Lightning, RF-4, TR-1, C-212, PD808, EF-111, EC-130HY, DC-8
Sarigue, C-160 Gabriel, RF-5, RF-16, RF-84, Hunter, Canberra.
Für die Mitgliedstaaten des Warschauer Paktes: MiG-15, MiG-17,
MiG-21, MiG-23, MiG-25, MiG-27, MiG-29, MiG-31, SU-7, SU-15, SU-17,
SU-22, SU-24, SU-25, SU-27, YAK-28, YAK-28P, L-29, L-39, IL-28, AN-12,
TU-16, TU-22, TU-128, TU-22M.
(2) Dazu zählt der TU-22M (Backfire), wie er für Missionen im Gebiet
zwischen Atlantik und Ural eingesetzt werden kann. Er kann jedoch ebenfalls als Interkontinentalbomber eingesetzt werden und ist gegenwärtig
Thema der START-Verhandlungen.
(3) Dazu gehören landgestützte Marineflugzeuge.
(4) Die Gesamtzahlen betreffen Kampfflugzeuge in Einheiten. Die
Mitglledstaaten des Nordatlantlschen Bündnisses lagern insgesamt 530
Kamp fflugzeuge. Die entsprechende Zahl für die Mitgliedsstaaten des
Warschauer Paktes wird höher geschätzt als die der NATO-Mitgliedsstaaten.
(5) Einsatzfähige Ubungsflugzeuge sind in den Gesamtzahlen nicht
enthalten. Sie machen insgesamt für die NATO etwa 530 Flugzeuge aus und
für die Mitgliedstaaten des Warschauer Paktes über 5 700.

* * * * * *

- 11 -

�AMERIKA DIENST
VON

*

Wissenschaft und Technik

44

30. November 1988

LUNGENENTZÜNDUNG HAUPTTODESURSACHE BEI KINDERN DER DRITTEN WELT
- Bessere Diaenosekenntnisse erforderlich -

IRVINE, KALIFORNIEN - (AD) - Die biologischen Ursachen und die Epidemiologie akuter Infektionskrankheiten der Atmungsorgane bei Kindern in der Dritten
Welt war Hauptthema einer Konferenz in Irvine (Kalifornien).
Bei der Erörterung der ersten,
seit 1982 laufenden multinationalen
Studie zu diesem Fragenkomplex wur le
offenbar, daß Infektionen der Atmungsorgane, insbesondere Lungenentzündungen, inzwischen sogar häufiger
als Todesursachen in Frage kommen a's
Durchfall
verschiedener
Ursachen.
Jährlich sterben etwa v*cr Millionen
Kinder unter fünf Jahren, die meisten
in Ländern der Dritten Welt, an solchen Infektionen.
Die unter der Regie der amerikanischen Nationalen Akademie der
Wissenschaften durchgeführten Studie
wird vom amerikanischen Amt für Internationale Entwicklung (AID) finanziert.
Man will di&lt;.' Ursachen für
diese Infektionen herausfinden und
Risikofaktoren ermitteln, die wahrscheinlich daran beteiligt sind, daß
Kinder erkranken.
Die Entwicklung

United States Information Service
Embassy of the United States of America

von Programmen zur Gesundheitspolitik
der Länder in diesem Teil der Welt
zählten ebenso zu Aufgaben der Studie
wie das Ausfindigmachen von Möglichkeiten zur Vorbeugung und zur Heilung
akuter Atemwegsinfektionen.
In 12
Ländern wurden Tausende von Müttern
und Kindern untersucht.
Einbezogen
sind Argentinien, Bangladesch, Brasilien, Guatemala, Kenia, Kolumbien,
Nigeria, Pakistan, Papua-Neuguinea,
die Philippinen, Thailand und Uruguay. Ende 1989 soll die Studie endgültig abgeschlossen werden, die Veröffentlichung der Ergebnisse in amerikanischen Fachzeitschriften dürfte
in etwa sechs Monaten beginnen.
Die Teilnehmer am Symposium - 64
Ärzte und Verwaltungsfachleute aus 15
Ländern - kamen zu dem Schluß, daß
die Krankheitserreger überall ähnlich
seien.
Bei den Viren habe man es

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D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�hauptsächlich mit Synzytium-Viren in
Atmungsorganen, mit Parainfluenza-Viren vom Typ 1 und 3, mit Influenzaviren vom Typ A und B und nit Adenoviren zu tun. Bei den Bakterien handle
es sich um "Streptococcus pneumoniae"
und um die drei Haemophilus-Typen.
Die Häufigkeit der Atemwegserkrankungen bei Kindern unter fünf Jahren sei
bei Kindern in Industrieländern und
Ländern der Dritten Welt ziemlich
gleich. Aber die Schwere der Erkrankung sei bei letzteren größer, die
Todesrate um bis zu 50 Prozent höher.
Risikofaktoren ergäben sich vor allem
durch Unterernährung, schlechte hygienische Verhältnisse und übervolle
Schlafräume. Bei armen Familien liege auch die Pflege im argen, weil die
Eltern weder über die notwendigen
Kenntnisse noch die Mittel verfügen,
gegen die Krankheiten der Kinder in
der richtigen Weise anzugehen.
Dennoch könnten durch klinische
Information wenigstens einige Risikofaktoren vermindert werden, meinte
Dr. Thelma Tupasi, Präsidenten der
"Stiftung tropische Krankheiten" mit
Sitz in Makati (Philippinen). Würden
beispielsweise Masern durch Impfen
verhindert, verringere sich das Risiko der Atemwegserkrankungen. Unterund Fehlernährung könne durch einfache Medikamente korrigiert werden.
So habe sich gezeigt, daß Kinder mit
Vitamin-A-Mangel häufiger als andere
von Infektionen des unteren Atmungstraktes befallen werden. Sowohl Erkrankungen als auch Todesfälle waren
nach Vitamin-A-Gaben geringer. Dazu
bedarf es nicht zusätzlichen Personals, sondern nur der richtigen Maßnahmen.
Die Teilnehmer waren sich einig,
daß das Gesundheitspersonal lernen
müsse, bakterielle Pneumonie besser
zu diagnostizieren. "Offenbar haben
wir die Rolle der Bakterien unterschätzt", meinte Tupasi. "Wir müssen
begreifen, wie bedeutsam Bakterien
sind, weil die Therapie der Kinder
von der richtigen Diagnose abhängt.
Die meisten Kinder in Entwicklungsländern sind mit Bakterien infiziert,
wir brauchen viel empfindlichere Erfassungsmethoden."

Außerdem wurde mehr Genauigkeit
in der Beschreibung klinischer Erkrankungen gefordert, die zum Komplex
der akuten Atemwegserkrankungen gehören. Tupasi hält es für erforderlich, biologische Ursachen dieser Erkrankungen zu .identifizieren, damit
Vorbeugungsstrategien
ausgearbeitet
werden können.
"Wir müssen beispielsweise herausfinden", sagte sie,
"ob Viren bei der Entwicklung schwerer Bakterieninfektionen
im Spiel
sind.
Dann könnten wir vielleicht
einen Impfstoff gegen diese Viren
entwickeln.
Außerdem
wissen
wir
nicht genug darüber, welche krankheitsverursachenden
Organismen
in
Neugeborenen existieren.
Auch die
Auswirkung des Gesundheitszustandes
der Mutter auf das Kind ist von grosser Bedeutung. Stillen kann die Widerstandsfähigkeit des Kindes gegen
Infektionskrankheiten stärken.
Muttermilch enthält Zellen, die eindringende Bakterien vernichten.
Daten
aus jüngster Zeit zeigen auch, daß
Muttermilch verhindern kann, daß sich
Bakterien im oberen Teil der Luftwege
festsetzen und später in die Lunge
vordringen, wo sie die Infektion verursachen."
Alles in allem müsse es mehr
grundlegende Informationen und Wissen
über die eingeschlagene Therapie und
die Behandlung mit Antibiotika geben.
Gesundheitsfürsorger könnten für die
Therapie angelernt werden. Die Weltgesundheitsorganisation
(WHO) habe
Richtlinien für Personen ohne medizinische Ausbildung herausgegeben, so
daß diese Leute entscheiden können,
welche Kinder Antibiotika bekommen
sollen.
Dorfgesundheitsfürsorger
könnten nach kurzem Training therapeutische Aufgaben sehr gut wahrnehmen.
"Wir müssen alle verfügbaren
Quellen für medizinische Dienste ausschöpfen", meinte die Wissenschaftlerin, und befürwortete, die traditionellen "Heiler" davon nicht auszunehmen.

* * * * * *

�AMERIKA DIENST
Wissenschaft und Technik
30. November 1988

44

SUPERBESCHLEUNIGER KOMMT NACH TEXAS
- Entscheidung über endgültigen Standort im Januar 1989 -

WASHINGTON - (AD) - John Herrington, Chef des amerikanischen Energieministeriums, gab kürzlich bekannt, daß sich die Regierung für den Bundesstaat
Texas als Standort für den größten und leistungsstärksten Teilchenbeschleuniger der Welt entschieden habe.

Elektromagnet«, die auf so tiefen
Temperaturen gehalten werden, daß der
elektische Widerstand praktisch verschwindet
("Supraleiter"),
werden
Protonen auf nahezu Lichtgeschwindigkeit (300 000 km/sec) beschleunigen.
Der Umfang des Beschleunigerringes
beträgt ca. 85 km. Verständlich, daß
für eine so riesige Anlage ein großes
Gelände benötigt wird.
Es umfaßt
6 400 Hektar. Protonenstrahlen werden gegenläufig auf diese "Rennbahn"
geschickt, so daß bei der Kollision
selbst jene Kräfte überwunden werden,
die elementare Partikel zusammenhalten. Dabei entstehen Kaskaden kleinerer Teilchen, die beobachtet und
analysiert werden können. Dies gibt
den Wissenschaftlern die Möglichkeit,
zum besseren Verständnis der Beschaffenheit von Materie und den Gründen
für ihr Verhalten.

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Die Kosten werden sich auf ca.
4,4 Milliarden Dollar belaufen. Jedoch hat der Kongreß im laufenden
Haushaltjahr nur sog. Nebenkosten in
Höhe von 100 Millionen Dollar für
StandortStudien,
ingenieurwissenschaftliche Arbeiten und gewisse Forschungs- und Entwicklungsaufgaben bewilligt. Es ist vorgesehen, 20 Laborgebäude mit etwa 4 000 Arbeitsplätzen zu errichten. Später sollen
dort 2 000 Wissenschaftler und Ingenieure arbeiten, 1 300 weitere Personen werden mit Wartung und Technik
betraut.

* * * * * *

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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

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                <text>&lt;strong&gt;1. Information&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Paul Nitze - Veteran im Staatsdienst&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Porträt des Sonderberaters für Rüstungskontrollfragen&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Scowcroft bringt große Erfahrung für seinen Posten mit&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Porträt des neuen Nationalen Sicherheitsberaters&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Entscheidung über Verweigerung von Visum für Arafat "fest und endgültig" &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Informationen zur Entscheidung des amerikanischen Außenministeriums&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Verhandlungen über Kern- und Weltraumwaffen:&lt;br /&gt;Amerikanische und sowjetische Vorschläge&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Eine Übersicht der ACDA&lt;/em&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Sowjetische Landstreitkräfte sind der NATO zahlenmäßig weit überlegen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Artikel zum Bericht über die konventionellen Streitkräfte der NATO&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Lungenentzündung Haupttodesursache bei Kindern der Dritten Welt&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Bessere Diagnosekenntnisse erforderlich&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Superbeschleuniger kommt nach Texas&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Entscheidung über endgültigen Standort im Januar 1989&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST
A

^r-

6

43

23. November 1988

INHALT

DOKUMENTATION
Amerikanische Vorschläge zum Agrarhandel modifiziert
- Präsident Reagans Rede vor der Amerikanischen Handelskammer Reagan: USA und Sowjets auf dem Weg zu Abkommen über Kernwaffen
- Erklärung zu den Gesprächen über Nuklear- und Weltraumwaffen -

INFORMATION
Thornburgh bekannt für Härte in der Verbrechensbekämpfung
- Porträt von Justizminister Richard Thornburgh Cavazos Leistungen führen zu seiner Wiederernennung durch Bush
- Porträt des Erziehungsministers Lauro Cavazos Darman kehrt in die Regierung zurück
- Porträt des neuen Haushaltsdirektors Sununu bringt konservative Haltung in Führung des Weißen Hauses ein
- Porträt des designierten Stabschefs John Sununu -

HINTERGRUNDMATERIAL
Präsident Reagans Rede zum Handel
- Eine"Übersicht des Weißen Hauses -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Halfan - ein neues Medikament gegen Malaria

* * * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�AMERIKA DIENST
\ ü N

4

Dokumentation

23. November 1988

43

AMERIKANISCHE VORSCHLÄGE ZUM AGRARHANDEL MODIFIZIERT
- Präsident Reagans Rede vor der Amerikanischen Handelskammer WASHINGTON - (AD) - Im Rahmen einer von der Amerikanischen Handelskammer
veranstalteten "Konferenz über das Erbe der Reagan-Administration" erklärte
Präsident Reagan am 17. November, die Vereinigten Staaten seien nunmehr bereit, ihre im Hinblick auf die Uruguay-Runde multilateraler Verhandlungen vorgelegten Reformvorschläge zum internationalen Agrarhandel in zwei Punkten abzuändern. Der ursprüngliche amerikanische Vorschlag forderte alle Teilnehmerländer auf, innerhalb von zehn Jahren Quoten, Subventionen und andere Hemmnisse für den Agrarhandel abzuschaffen.
Reagan verwies ferner auf die Fortführung seiner Handelspolitik unter dem
neu gewählten Präsidenten Bush.
Nachfolgend veröffentlichen wir diese Rede im Wortlaut:
Acht Jahre lang und durch erbitterte Kämpfe hindurch haben uns die
Handelskammer und die National Chamber Foundation als Verbündete beigestanden - in schlechten Zeiten, als
aridere schwach wurden, sind sie für
die Sache der Freiheit eingestanden.
Und wenn ich all das bedenke, was wir
erreicht haben, muß ich daran denken,
was der berühmte und wortgewaltige
Hollywood-Produzent
Samuel
Goldwyn
einmal über ein Drehbuch gesagt hat:
"Diese Geschichte ist wunderbar. Sie
ist ausgezeichnet. Daraus läßt sich
etwas machen."
Und genau das ist unsere Geschichte auch - sie ist wunderbar,
ausgezeichnet, und daraus läßt sich
auch etwas machen. Ich habe die Geschichte unserer wirtschaftlichen Er-

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folge im ganzen Land schon hundertmal
erzählt - wie wir das Amt angetreten
und die größte wirtschaftliche Katastrophe der vergangenen 50 Jahre angetroffen haben; wie wir unsere Ärmel aufgekrempelt, die Steuern gesenkt und die Vorschriften abgebaut
haben und wie die Wirtschaft reagiert
hat, als Inflationsrate und Zinssätze
aus Rekordhöhen auf den niedrigsten
Stand der letzten zehn Jahre fielen,
während Wachstum, Produktivität und
Löhne wieder zum Leben erweckt wurden. Heute haben mehr Menschen Arbeit als jemals zuvor in der Geschichte der Vereinigten Staaten.
Wir haben in den vergangenen Jahren Geschichte gemacht, wie sie geradewegs aus "Frag mich was'" stammen
könnte: sechs Jahre - das sind 72

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�Monate - anhaltenden Wirtschaftswachstums: der längsten jemals dokumentierten Wachstumsperiode in Friedenszeiten; 18 Millionen während dieser
Expansion
neugeschaffener
Arbeitsplätze: mehr als alle anderen Industrieländer zusammen; die Produktivität in der verarbeitenden Industrie
anderthalb mal so hoch wie der Durchschnitt nach dem Zweiten Weltkrieg.
Und als ich nach Washington kam, mußte ich erkennen, daß das, was die
Statistiker
Arbeitskräftepotential
nennen, Junge und Alte umfaßt, von 16
Jahren aufwärts. Dazu zählen Schüler, Mütter, die zuhause ihre Kinder
versorgen sowie Pensionäre. Und heute ist ein größerer Teil dieses Arbeitskräftepotentials beschäftigt als
jemals zuvor - 62,7 Prozent.
Aber die Geschichte, die wir geschrieben haben, betrifft nicht nur
die Wirtschaft. Der Philosoph Ludwig
von Mises schrieb: "Eine Nation ist
heute umso wohlhabener, umso weniger
sie versucht, dem Geist des freien
Unternehmertums und der privaten Initiative Hindernisse in den Weg zu legen."
In den Jahren vor unserem
Amtsantritt hatten viele Menschen die
dauerhafte und in ihren Grundsätzen
moralische Verbindung zwichen Freiheit und Wohlstand aus den Augen verloren - Länder, die einstmals die
Wohltaten der Freiheit gekannt hatten, waren in eine Art Erstarrung gefallen und erlebten den Niedergang
ihres Lebensstandards. Andere sanken
tiefer in den Morast der staatlich
gelenkten Wirtschaft.
Vor 200 Jahren stand ein freiwilliger Soldat auf der Concord Bridge
und feuerte den Schuß ab, der auf der
ganzen Welt vernommen wurde, und irgendwann in diesen acht Jahren haben
die Freiwilligen unserer Zeit - Amerikas Unternehmer - einen weiteren
auf der ganzen Welt hörbaren Schuß
abgefeuert.
Als wir die Steuern,
Zinssätze, die Inflationsrate gesenkt
und die Vorschriften abgebaut haben,
haben wir nur das getan, was Paul
Revere getan hat, als er die zwei Laternen in der alten North Church
- 2

brennen sah - wir sind übers Land geritten und haben die Tapferen aufgefordert, mitzukommen, alles zu riskieren, um das Land neu aufzubauen.
Und ebenso wie damals die Freiwilligen sind sie gekommen. Die meisten
der in unserer Wachstumsperiode geschaffenen neuen Arbeitsplätze wurden
von fünf oder weniger Jahre alten
Firmen und von Unternehmen mit unter
20 Mitarbeitern eingerichtet - Firmen
mit Unternehmergeist, die ein Produkt
der Freiheit in Amerika sind.
Und auf der ganzen Welt haben die
Menschen ihre Geschichte - die Geschichte Amerikas - vernommen und
sind aus ihrer Erstarrung erwacht.
In Großbritannien und der Bundesrepublik Deutschland, in Indien und Japan
sind die Steuersätze gefallen und unnötige Vorchriften abgebaut worden.
In Europa wird der Gemeinsame Markt
bald zu einem Markt werden, der wirklich allen Mitgliedern offensteht,
wenn im Jahr 1992 die Beseitigung der
innereuropäischen
Handelsschranken
ansteht.
Und sogar in China, der Sowjetunion und Osteuropa ist unser Beispiel in den Zitadellen des Kommunismus nicht ungehört verhallt und hat
einen Umschwung eingeleitet, den vor
zehn Jahren noch niemand für möglich
gehalten hätte. Eine Wahrheit, die
Sie jüngst vernommen haben und die
mir wiederholt von anderen Politikern
bstätigt worden ist, lautet: Amerika
wird von der ganzen Welt beneidet.
Obwohl wir der Welt in diesen
acht Jahren ein neues Gesicht verliehen haben, bleibt noch viel zu tun.
Und in keinem Bereich sind die
Schritte nach vorn so wichtig für die
Zukunft Amerikas und der Welt wie im
Welthandel. Der große britische Historiker und Staatsmann des 19. Jahrhunderts, Thomas Macauley, schrieb,
daß "freier Handel, eine der Segnungen, mit denen eine Regierung ein
Volk bedenken kann, in nahezu jedem
Land unbeliebt ist."
Nicht so in
Amerika. Im letzten Jahr des Wahlkampfes waren Protektionismus und hö-

�here Steuern mit einem Todesstoß
gleichzusetzen. Und warum? Seit der
Zeit George Washingtons über die
Große Depression der dreißiger Jahre
bis zum heutigen Tag an dem Amerikas
Handel mit dem Ausland expandiert,
ist die Zahl der Arbeitsplätze gestiegen - wenn er zurückging, so verringerte sich auch die Zahl der Arbeitsplätze. Und heute sind mehr als
zehn
Millionen
amerikanische
Arbeitsplätze Import- oder exportabhängig oder beides. Und wir exportieren
mehr als jemals zuvor in unserer Geschichte.
Was die Verbraucher anbelangt, so
haben uns die Schlagzeilen vor nur
zwei Jahren eine Lektion über den
Preis der Protektion erteilt.
Das
geschah, als der Staat New York unter
dem Druck der Handelskommission der
Bundesregierung eine Handelsschranke
abbaute.
Er ließ die Einfuhr von
Milch aus New Jersey zu. Und unmittelbar darauf fiel der Durchschnittspreis für eine Gallone Milch auf der
Lower East Side von Manhattan um 40
Cents.
Und dies ist nicht einmal
Beispiel für den Handel mit einem
Produkt zwischen zwei Ländern, sondern zwischen zwei Bundesstaaten.
Wenn wir das auf eine weltweite Ebene
transponieren, wissen Sie, warum Amerikaner in diesem Jahr wiederholt erklärt haben, daß Protektionismus mit
Destruktivität gleichzusetzen ist und
sie daran nicht teilhaben wollen. So
einfach ist das: Amerika und die
Welt brauchen mehr, nicht weniger
Handel. Und wir sind entschlossen,
den Handel am Leben zu erhalten.
Heute verfolgen wir eine Politik
der drei Schritte. Beim Plaza-Abkommen, dem Tokioter Gipfel und in diesem Jahr beim Weltwirtschaftsgipfel
In Toronto haben wir mit den anderen
wichtigen Industrieländern am ersten
Schritt zusammengearbeitet - der Erweiterung internationaler Zusammenarbeit bei der Währungs- und Steuerpolitik sowie in anderen makroökonomischen Bereichen.
In der Zwischenzeit haben wir als

zweiten Schritt jedes uns im Rahmen
internationaler Abkommen zur Verfügung stehende Instrument benutzt, um
ausländische Märkte zu öffnen. Und
wir sind die erste Administration,
die jemals Fälle unfairer Handelspraktiken aufgegriffen und nicht abgewartet hat, bis die Industrie die
Initiative ergreift. Und vor nicht
allzu langer Zeit haben wir die - von
der Administration und der Industrie
aufgegriffenen - Fälle addiert und
sind zu dem Ergebnis gekommen, daß
die Vereinigten Staaten unter dieser
Administration mehr Fällen unfairer
Handelspraktiken den Kampf angesagt
hat als alle Administrationen in der
Geschichte.
Und wir haben- viel Erfolg gehabt
- bei Agrargütern und juristischen
Dienstleistungen bis zu Bauvorhaben
in Japan, bei Versicherungsfällen und
geistigem Eigentum in Korea sowie
beim Agrarhandel mit Europa.
Die
Märkte sind geöffnet worden. Vor 40
Jahren hat Amerika die Hälfte der
Weltwirtschaft bestritten. Wir waren
im Vergleich zu allen anderen so
groß, daß wir die meisten unfairen
Handelspraktiken im Ausland ignorieren konnten. Heute sind wir auf ein
Viertel zurückgefallen. Und es ist
Zeit, daß sich jeder, der mit uns
Handel treiben will, an die Spielregeln hält.
Dies ist nicht, wie manche behaupten, ein Fall vom Niedergang Amerikas. Tatsächlich ist unser Anteil
am Welthandel seit 1980 gestiegen.
Aber die Depression und der Zweite
Weltkrieg haben uns gelehrt, daß unser Frieden, Wohlstand und unsere
Freiheit nur solange gewährleistet
sind wie der Frieden, Wohlstand und
die Freiheit unserer Freunde.
Im Handel gewinnt jeder, wenn die
Märkte größer werden. Das ist kein
Kampf mit einem Verlierer, obwohl einige Kritiker genau das über den Handel zu denken scheinen.
Allseitige Vorteile sind genau
der Grund, aus dem wir den dritten

- 3 -

�Schritt unserer Strategie der drei
Schritte unternehmen: Bilaterale und
multilaterale Verhandlungen.
In einigen Wochen wird die Zwischenbilanz
der Uruguay-Runde von Handelsgesprächen in Montreal stattfinden.
Ich
kenne kein Problem der letzten acht
Jahre, das in unserer Regierung eine
ähnlich breite Basis der Unterstützung gefunden hätte wie diese Gespräche. Der Kongreß hat seine Unterstützung dokumentiert, indem er dem
Handelsgesetz schnell durchführbare
Bestimmungen beigab. Der neu gewählte Präsident Bush hat bei jedem
Schritt daran mitgewirkt. Jeder, der
sich dem Gedanken hingibt, diese Politik würde sich unter der neuen Administration oder mit dem neuen Kongreß ändern, macht sich etwas vor.
Tatsächlich
beabsichtigen
der
neue Präsident und ich, noch vor der
Zwischenbilanz mit dem Handelsbeauftragten Clayton Yeutter und Landwirtschaftsminister Dick Lyng zusammenzutreffen, um unsere allseitige Unterstützung dieser Verhandlungen zu bekräftigen. Was Handelsgespräche anbelangt, so schreiten diese mit voller Kraft voran.
Vor Aufnahme meiner gegenwärtigen
beruflichen Tätigkeit habe ich als
Vertreter
der
Schauspielergewerkschaft bei den Vertragsverhandlungen
mit den Studios Verhandlungstaktik
gelernt.
Nach
den
Studios
war
Gorbatschow ein Kinderspiel.
Aber
ich habe gelernt, daß es nicht Besseres als einen einzuhaltenden Termin
gibt, um die Verhandlungen wunderbar
zu lenken. Und das ist hier geschehen.
Die Tatsache der anstehenden
Zwischenbilanz hat die Gespräche so
intensiviert und beschleunigt, daß
sie meiner Ansicht nach bereits zu
Beginn dieses Treffens von Erfolg gekrönt sein werden.
Wir versuchen jetzt nicht, die
gesaraten Verhandlungen der UruguayRunde in Montreal durchzuführen. Wir
gehen schrittweise vor, und die hier
zu unternehmenden Schritte sind ganz
einfach. Wie Bergsteiger, die sich

auf die letzte Etappe ihres großen
Aufstiegs vorbereiten, wollen wir sicherstellen, daß wir uns alle darüber
einig sind, wo der Gipfel ist, welchen Weg wir dahin nehmen und wann
wir dort ankommen wollen. Auf dem
Programm stehen geistiges Eigentum,
Dienstleistungen, Investitionen, der
Abbau von Handelsschranken für unsere
Produkte im Ausland und die Verbesserung des Schlichtungsmechanismus bei
Streitigkeiten im Rahmen des GATT.
Dies sind heute die Pfähle im Fleisch
des Welthandels und die großen Lücken
im GATT-System.
Obwohl der Handel mit Dienstleistungen schneller wächst als irgendein anderer Bereich des Welthandels,
gibt es zum Beispiel im Rahmen des
GATT dazu keine Vorschriften, und es
bestehen ganz einfach keine Bestimmungen zum Schutz geistigen Eigentums. Allein im Jahr 1986 haben die
Computer- und
Softwarebranche
aufgrund
fehlender
Vorschriften
zum
Schutz geistigen Eigentums Verluste
im Wert von mehr als vier Milliarden
Dollar erlitten. Es ist an der Zeit,
daß wir etwas dagegen unternehmen,
und ich bin zuversichtlich, daß wir
dies tun werden.
Einer der wichtigsten von uns zu
behandelnden Bereiche ist die Landwirtschaft. Wer kann heute über die
weltweite
staatliche
Agrarpolitik
glücklich sein?
Hat es jemals ein
besseres Beispiel dafür gegeben, wie
sich alles ins Negative verkehren
kann, wenn Regierungen sich zu stark
einmischen? Teuer, destruktiv - insgesamt gesehen bringt die staatliche
Rolle in der Landwirtschaft Nachteile
für die Verbraucher, sie schadet den
Volkswirtschaften der Entwicklungsländer und auch den Bauern.
Die Aussagen von Mises über Nationen treffen auch auf Industriezweige ud einzelne Sektoren zu - umso
geringer die Hindernisse gegenüber
der Privatinitiative, umso besser
geht es ihnen allen.

- 4 -

Wir haben erwähnt, daß die Mit-

�glieder des GATT bis zum Ende des
Jahrhunderts eine Beendigung von politischen Maßnahmen vereinbaren sollten, die den Agrarhandel verzerren.
Andere Länder sagen, dieser Zeitplan
sei unrealistich. Sie könnten teilweise Recht haben. Und deshalb möchte ich heute verkünden, daß unsere
Unterhändler in Montreal bereit sein
werden, eine flexible Anpassung zu
erörtern. Sie werden im Hinblick auf
den Zeitplan solange flexibel sein,
wie alle darüber einig sind, einen
Plan über eine Anpassung mit festen
Terminen für die Beseitigung handelsverzerrender Subventionen und Marktzugangsbeschränkungen zu verabschieden. Was wichtig ist, ist das Endziel.
Einige Länder sind auch besorgt
darüber, daß sie bei wegfallenden
Handelsschranken
in der Landwirtschaft der Gnade anderer ausgeliefert
sind, wenn die Nahrungsmittelvorräte
knapp werden. Auch sie könnten zum
Teil recht haben. Deshalb werden wir
in Montreal auch bereit sein, über
die staatliche Lagerbestände, Erwerb
von Grundeigentum und andere Möglichkeiten der "Nahrungsmittelsicherheit"
zu sprechen.
Man könnte es so formulieren, daß
wir in Montreal bereit sein werden,
über Geflügel, Weizen, Hirse und all
das zu sprechen. Unseren Informationen zufolge liegt der Hemmschuh der
Verhandlungen über den Agrarhandel
bei den starren Zeitplänen und der
Nahrungsmittelsicherheit.
Dieser
Vorschlag dokumentiert das Bestreben
der Vereinigten Staaten, diesen Hemmschuh zu lösen, die Schäden zu beheben und sicherzustellen, daß sich die
Verhandlungen auf ihr Ziel im Jahr
1990 zubewegen.
Es steht mehr auf dem Spiel als
nur ein paar Produkte oder ein paar
Verhandlungen. Die Welt steht an der
Schwelle
eines
neuen
Zeitalters.
Neue Technologien und neue Möglichkeiten, die sich vor einigen Jahren
noch unserer Vorstellungskraft entzogen, werden jetzt verwirklicht. Sie

stellen für die Menschheit eine unvergleichliche Hoffnung dar.
Biotechnologie,
Kommunikationstechik,
medizinische Technik und vieles mehr
können Krankheiten besiegen, dem Hunger auf der Welt ein Ede bereiten und
all das tun, was wir jetzt tun - und
noch mehr - und gleichzeitig in der
Umwelt weniger Schaden anrichten.
Dennoch ist ganz sicher, daß der Weg
zum Eintritt in dieses neue Zeitalter
über den Abbau von Handelsschranken
weltweit führt.
Denken Sie nur an die Computer.
In den sechziger Jahren kostete ein
Computer, der eine Million Instruktionen pro Minute verarbeiten konnte,
fast zwei Millionen Dollar.
Heute
kostet er nur 1 000 Dollar. Die heutigen Tischcomputer sind keine Errungenschaft eines einzigen Landes, sondern die Leistung von drei der vier
Länder, und ihre Halbleiter können
aus irgendeinem von über zehn Ländern
stammen, wobei nicht genau zu sagen
wäre, aus welchem. Wir können die
aufstrebenden
neuen
Technologien
nicht von dem Markt fernhalten, der
sie hervorgebracht hat.
Vor einigen Jahren schrieb der
Wirtschaftswissenschaftler und Philosoph Friedrich Hayek, ich zitiere:
"Während es in den modernen technischen Entwicklungen nichts gibt, das
uns zu umfassender Wirtschaftsplanung
zwingt, beinhalten diese Entwicklungen vieles, das die einer solchen
Planungsgewalt gegebene Macht unendlich gefährlich macht."
Und doch
könnte die gegenwärtig stattfindende
technologische Revolution dieser zentralen Autorität Macht nehmen anstatt
sie mächtiger zu machen. Ein TischPC hat heutzutage eine größere Rechenkapazität als ein ganzer Raum
voller Computer im Jahr 1960. Trotzdem hat vor kurzem ein führender amerikanischer
Forscher
vorausgesagt,
daß in 15 Jahren ein einziger Computer-Chip die gleiche Kapazität wie
die modernsten Supercomputer von heute haben werde.
Der Schriftsteller George Gilder

i-

�hat argumentiert, daß die Kalkulationen zentraler Planer immer bedeutungsloser würden, wenn solche Macht
in die Hände jedes Hackers und jedes
Unternehmers gelegt wird. Je schneller das Tempo der Innovationen, desto
vergeblicher werden sich staatliche
Autoritäten bemühen, Schritt zu halten, Druck auszuüben oder eine Führungsrolle zu Ubenehmen. Das Äußerste, was die Regierungen noch tun
können, besteht darin, große und ungezügelte Märkte bereitzustellen, die
befruchtend für Innovationen wirken
können und solchen Unternehmen, die
im internationalen Wettbewerb bestehen wollen, eine solidere heimische
Grundlage zu bieten.
Aus diesem Grunde haben wir uns
im Verlauf unserer Anstrengungen zum
Abbau der Handelsschranken in der
ganzen Welt darum bemüht, die meisten
Schranken gegenüber unserem wichtigsten Partner, Kanada, zu beseitigen.
Was die Vereinigten Staaten betrifft,
so ist das Freihandelsabkommen ein
Beispiel für Kooperation par excellence. Es ist ein Beweis für das Engagement unserer Regierungen für die
Prinzipien des offenen Markts und der
wirtschaftlichen Zusammenarbeit. Wie
die führenden Politiker der wichtigsten Industriestaaten beim Gipfel von
Toronto folgerten, stellt es ferner
einen Katalysator für die übrigen
Mitglieder des Welthandelssystems dar.

zusammen einen Schritt nach vorn in
Richtung auf freieren Handel gegangen
sind, waren die Ergebnisse genau wie
erwartet - produktivere und wettbewerbsfähigere Volkswirtschaften, mehr
Arbeitsplätze und größere Vorteile
für die Bürger jedes Landes.
Alle Staaten der Welt stehen vor
der gleichen Frage:
Voranschreiten
oder zurückweichen? Und ich glaube,
es liegt etwas in der Seele des Menschen - der Geist der Hoffnung, ein
Verlangen nach einer besseren Zukunft
für die Kinder, ein Gebet für den
Frieden -, das uns alle letztlich,
vielleicht erst nach langem Zögern,
nach vorn katapultieren wird.
Es
wird uns den Mut geben, uns der Zukunft zu stellen, uns dem Licht des
Morgens zuzuwenden und - wie unsere
Vorfahren dies für uns taten, eine
bessere Welt für unsere Kinder und
deren Kinder in den kommenden Generationen aufzubauen.

Während wir weltweite Verhandlungen über den Handel anstreben, sind
die Vereinigten Staaten der Überzeugung, daß die Zukunft denen gehört,
die Handelsschranken abbauen.
Dies
sind die Länder, die bei der Technologie an vorderster Front stehen.
Dies
sind
die Länder, die den
schnellsten Anstieg des Lebensstandards erleben werden. Dies sind die
Länder, die in den kommenden Jahren
eine führende Rolle in der Welt spielen werden. Wir können nach vorn in
diese Zukunft schreiten oder in die
Vergangenheit des Protektionismus zurückfallen.
Auf einen Nenner gebracht heißt das:
Jedesmal, wenn
Länder in irgendeiner Region der Welt
- 6 -

* * * * * *

�^os^

AMERIKA DIENST
Dokumentation

23. November 1988

A3

REAGAN:

USA UND SOWJETS AUF DEM WEG ZU ABKOMMEN ÜBER KERNWAFFEN

- Erklärung zu den Gesprächen über Nuklear- und Weltraumwaffen -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Reagan hat am 16. November 1988 erklärt, er
hinterlasse seinem Nachfolger George Bush "eine solide Grundlage" für den Abschluß von Abkommen mit Moskau in den Gesprächen über Nuklear- und Weltraumwaffen.
In einer schriftlichen Erklärung zum Abschluß der 10. Runde der Gespräche
über Nuklear- und Weltraumwaffen teilte Reagan mit, es bestünden weiterhin
"Meinungsverschiedenheiten in wichtigen Bereichen". Die Vereinigten Staaten
und die UdSSR befänden sich jedoch "auf dem Weg" zum Abschluß eines Abkommens
zuc "erheblichen Reduzierung" ihrer strategischen Kernwaffenarsenale.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Erklärung des Präsidenten im Wortlaut.

Heute wurde die 10. Runde der Gespräche über Nuklear- und Weltraumwaffen zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion abgeschlossen. Im Verlauf dieser Verhandlungen
bestand mein Ziel darin, mit der Sowjetunion ein Abkommen über einschneidende, gleichgewichtige und verifizierbare Reduzierungen
in den
strategischen
Kernwaffenarsenalen
beider Seiten als Teil umfassender
Bemühungen zur Verbesserung der strategischen Stabilität und der Verringerung des Kriegsrisikos zu erlangen.
Wir haben in diesen Verhandlungen
bedeutsame Fortschritte erzielt. Wir
haben den INF-Vertrag abgeschlossen
und mit dessen Durchführung begonnen,
den ersten Vertrag, der eine gesamte
Kategorie amerikanischer und sowje-

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tischer Raketen beseitigt, mit den
umfangreichsten je in einen Vertrag
aufgenommenen
Verifizierungsbestimmungen. In den Gesprächen zur Reduzierung
der
strategischen
Waffen
(START) sind wir ebenfalls unserem
Ziel, Reduzierungen bei den destabilisierendsten
Kernwaffen,
den
schnellfliegenden ballistischen Raketen, hier insbesondere bei den schweren Interkontinentalraketen mit Mehrfachgefechtsköpfen,
nähergekommen.
Die Unterhändler haben in einem gemeinsamen Vertragsentwurf umfangreiche und bedeutsame Bereiche der Übereinstimmung fixiert - sowie auch Bereiche, in denen noch Meinungsverschiedenheiten herrschen. Dieser gemeinsame
Vertragsentwurf
spiegelt
ferner
die
von
Generalsekretär
Gorbatschow und mir bei unseren Be-

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�gegnungen in Genf und Reykjavik sowie
bei den Gipfeltreffen in Washington
und Moskau erzielten
Bereiche der
Übereinstimmung sowie die Fortschritte wider, die bei den amerikanischsowjetischen Ministertreffen und in
zehn Verhandlungsrunden in Genf erreicht wurden.
Bei START machen wir gute Fortschritte auf dem Weg zu einem Abkommen, das den Umfang der amerikanischen
und
sowjetischen
strategischen Kernwaffenarsenale erheblich
reduzieren wird. Es besteht Einvernehmen über die Halbierung der stationierten strategischen Streitkräfte
auf eine Obergrenze von 6 000 Gefechtsköpfen auf 1 600 strategischen
Trägersystemen sowie über Untergrenzen von 4 900 ballistischen Gefechtsköpfen sowie 1 540 Gefechtsköpfen auf
154 schweren Raketen. Beide Seiten
haben sich geeinigt, daß das Wurf gewicht der sowjetischen ballistischen
Raketen um ca. 50 Prozent verringert
wird, so daß auf beiden Seiten gleiche Obergrenzen bestehen.
Einvernehmen wurde über die Zahl der jedem
bestehenden Typ ballistischer Raketen
zugeordneten Gefechtsköpfe sowie über
einige Regeln für das Zählen der Bewaffnung auf schweren Bombern erzielt.
Ferner wurde Einigung über
die Umrisse einer Verifizierungsregelung erlangt, darunter mehrere Arten
von Vor-Ort-Inspektionen, Datenaustausch
sowie Maßnahmen, um Täuschungsmöglichkeiten
einzuschränken.
Beide Seiten haben in diesen Bereichen detaillierte Vorschläge gemacht.
Es bleiben Meinungsverschiedenheiten in wichtigen Bereichen bestehen, darunter solche in Bezug auf mobile Interkontinentalraketen, seegestützte Marschflugkörper, die Berechnung der Zahl luftgestützter Marschflugkörper, Untergrenzen bei ICBM-Gefechtsköpfen, Modernisierung schwerer
ICBMs sowie sowjetische Versuche, den
START-Vertrag mit Verfügungen zu verknüpfen, die SDI verstümmeln würden.
Bei den Gesprächen über Weltraumverteidigung haben wir unsere Bemü-

hungen fortgesetzt, Einvernehmen darüber zu erzielen, wie wir und die Sowjets gemeinsam einen stabilen Übergang zu verstärkter Stützung auf
wirksame Verteidigungssysteme vornehmen könnten, falls diese sich als
machbar erweisen. SDI stellt unsere
größte Hoffnung auf eine sicherere
Welt dar, in der sich Abschreckung
zunehmend auf - niemand bedrohende Verteidigungssysteme stützt statt auf
die Androhung von Vergeltung. Ferner
ist SDI für die Sowjets ein wichtiger
Anreiz gewesen, über die Reduzierung
von Kernwaffen zu verhandeln.
Wir
werden SDI nicht zum Verhandlungsgegenstand machen oder Beschränkungen
für SDI akzeptieren, die über die im
ABM-Vertrag vereinbarten hinausgehen.
Schließlich bleibt auch die fortgesetzte mangelnde Bereitschaft der
Sowjets zum Abbau des phasengesteuerten Großradars in Krasnojarsk, das
eine erhebliche Verletzung zentraler
Bestandteile des ABM-Vertrags darstellt, ein Anlaß zu tiefer Besorgnis. Wir haben den Sowjets gegenüber
verdeutlicht, daß wir nichts außer
der vollständigen Einhaltung des Vertrags akzeptieren werden und daß wir
keine weiteren Abkommen über die Verringerung der strategischen Waffen
abschließen können, bevor nicht diese
Verletzung auf eine überprüfbare, unseren Kriterien gerecht werdende Art
und Weise korrigiert worden ist.
Zum Abschluß dieser Runde möchte
ich den Botschaftern Max Kampelman,
Read Hanmer und Henry Cooper sowie
ihren Verhandlungsgruppen meine Anerkennung für die hervorragende Arbelt
aussprechen, die sie in diesen Verhandlungen geleistet haben.
In den Gesprächen über Kern- und
Weltraumwaffen haben wir erhebliche
Fortschritte auf dem Weg zu Vereinbarungen gemacht, die unsere Sicherheit und die unserer Verbündeten
stärken werden. Wir streben jedoch
nach guten, nicht nach schnellen Verträgen, und wir werden auf diesem Weg
keine Abkürzungen nehmen. Wir hinterlassen der nächsten Administration

- 2 -

�eine solide Grundlage, auf der diese
in Zukunft aufbauen kann, und ich bin
zuversichtlich, daß wir - falls die
Sowjets bereit sind, weitere Fortschritte zu erzielen - in der Lage
sein werden, die schwierigen, noch
ausstehenden Probleme zu lösen.

* * * * *

- 3 -

�AMERIKA DIENST
VON

Information

4

23. November 1988

43

THORNBURGH BEKANNT FÜR HARTE IN DER VERBRECHENSBEKÄMPFUNG
- Porträt von Justizminister Richard Thornburgh -

WASHINGTON - (AD) - Der von dem neu gewählten Präsidenten George Bush in
seinem Amt bestätigte Justizminister Richard "Dick" Thornburgh genießt den Ruf
eines "harten Mannes in der Verbrechensbekämpfung" und unerbittlichen Strafverfolgers.

Er ist bekannt für seinen "methodischen Arbeitsstil" und für einen
kühlen Kopf
in Krisensituationen.
Ferner wird er als "Arbeitstier" beschrieben.

tion vollziehen wird. Thornburgh zufolge wird ihm die Wiederernennung
"Gelegenheit geben, den wie ich hoffe
positiven und produktiven Kurs des
Ministeriums weiterzusteuern".

Bush verkündete am 21. November
1988, daß er den gemäßigten Republikaner als Leiter des Justizministeriums behalten möchte, weil er "das
Ministerium gut kennt" und "eine Bilanz unbestrittener Integrität sowie
Engagement für die Aufrechterhaltung
höchster ethischer Normen" vorweisen
kann.

Neben der Führungsrolle im Kampf
gegen Drogen wird das Justizministerium Thornburgh zufolge seine Bemühungen in der Bekämpfung von Wirtschaftsverbrechen
fortsetzen.
Im
Hinblick auf Korruption im Staatsapparat sagte Thornburgh, es "sollte
wichtig sein, hohe ethische Normen im
Staatsdienst und in unseren Wirtschaftsinstitutionen
zu gewährleisten". Er deutete an, daß Korruption
in Zusammenhang mit Umweltangelegenheiten und Bürgerrechten von den Mitarbeitern des Ministeriums besondere
Aufmerksamkeit gewidmet werde.

Aufgrund
des
Verbleibs
von
Thornburgh an der Spitze des Ressorts
wird allgemein erwartet, daß dieses
Ministerium einen nahtlosen Übergang
von der Reagan zur Bush-Administra-

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�Thornburgh leitet das Justizministerium seit 12. August 1988, als er
zum Nachfolger von Edwin Meese und
76. Justizminister ernannt wurde.
Bei seiner Nominierung im vergangenen Sommer hob Präsident Reagan
Thornburghs "hervorragende Laufbahn"
als ehemaliger Gouverneur von Pennsylvania sowie als erfolgreicher Bekämpfer des organisierten Verbrechens
und des Drogenhandels hervor.

Wiederherstellung der Moral in seinem
Ressort, nachdem ein Sonderstaatsanwalt Ermittlungen gegen seinen Vorgänger Meese geführt hatte. (Meese
wurde nicht angeklagt und behauptete,
die Ermittlungen des Sonderstaatsanwalts hätten seine Unschuld erwiesen.)
Während seiner kurzen Amtszeit
bemühte sich Minister Thornburgh
- die
Moral
wiederherzustellen,
teilweise indem er die Posten auf
der Leitungsebene neu organisierte;

Thornburgh trat sein Amt mit dem
Versprechen an, "Drogenhandel und
Drogenmißbrauch
zum
öffentlichen
Feind Nummer eins zu machen". Zur
zweiten Priorität seines Ministeriums
erklärte er das organisierte Verbrechen sowie Wirtschaftsstraftaten und
Korruption im Amt.
Vor seiner Nominierung durch Präsident Reagan hatte Thornburgh aktiv
am Wahlkampf für Bush teilgenommen.
Sein Name war sogar als möglicher
Kandidat für die Vizepräsidentschaft
genannt worden.
Schließlich entschied Bush sich jedoch für Senator
Dan Quayle.
Schon vor dem republikanischen
Konvent im August hatte es Presseberichte gegeben, denen zufolge Bush
Thornburgh im Amt behalten wollte.
Der republikanische Senator Gordon
Humphrey
zum Beispiel bezeichnete
Thornburghs Nominierung im Juli als
"die erste Nominierung einer Bush-Administration" .
Obwohl der neu gewählte Präsident
angeblich erwogen hatte, Thornburgh
durch jemand anderen abzulösen, geht
das Justizministerium nun nach seiner
Bestätigung
mit
einem
fliegenden
Start in die neue republikanische Administration.
Thornburghs ursprüngliche Nominierung, die eine Bestätigung durch
den Senat erforderte, wurde von beiden Parteien unterstützt.
Der neue Leiter des Justizministeriums unternahm rasch Schritte zur

- den innerhalb des Ministeriums
herrschenden Arbeitsstil von der
Konfrontation zum Kompromiß zu
wandeln;
- neue Bestimmungen für Dienstreisen einzuführen, die Dienstreisen
untersagen, wenn sie nicht unmittelbar mit der Arbeit des Ministeriums in Zusammenhang stehen.
Ferner stellte er eine Anweisung
seines Vorgängers in Frage, die es
Sonderanklägern gestattet hätte, Ermittlungen gegen Mitglieder des Kongresses durchzuführen, die Verfehlungen beschuldigt wurden.
Thornburgh wird wahrscheinlich in
den kommenden Monaten auf die Probe
gestellt werden, wenn sein Ministerium mit erwarteten Haushaltskürzungen konfrontiert wird.
Der Christian Science Monitor
schrieb, von ihm werde erwartet, Mittel umzuverteilen "wo immer dies möglich ist, um die Verwaltung zu verkleinern und die Strafverfolgungsund Ermittlungsbehörden zu verstärken
- insbesondere die Abteilung für Verbrechen sowie die Behörde zur Bekämpfung
des
Drogenhandels
und -mißbrauchs".
Zum Miranda-Urteil, das die Rechte eines Verdächtigen garantiert, hat
Thornburgh erklärt, dieses Urteil
könne noch etwas "Verfeinerung" vertragen. Er ist jedoch nicht der Mei-

- 2 -

�nung, es sei möglich oder nützlich,
es abzuschaffen.
Vor dem Posten
sters war Thornburgh
stitute of Politics
School of Government
versity.

des JustizminiDirektor des Inan der Kennedy
der Harvard Uni-

Thornburgh wurde im Jahr 1932 als
Sohn einer Familie von Ingenieuren in
einem Vorort von Pittsburgh geboren.
Er trat in die Fußstapfen seiner Vorfahren und machte im Jahr 1954 sein
Diplom als Tiefbauingenieur an der
Yale University. Später entschloß er
sich jedoch, Rechtswissenschaft zu
studieren und erlangte im Jahr 1957
einen Abschluß an der University of
Pittsburgh.
Im Jahr 1958 wurde er in Pennsylvania als Anwalt zugelassen und
nahm im folgenden Jahr eine Anwaltstätigkeit
für die Kanzlei Kirkpatrick,
Lockhart,
Johnson
and
Hutchinson in Pittsburgh auf. Dort
arbeitete er fast zehn Jahre lang und
kehrte auch von 1977 bis 1979 für
zwei Jahre zu dieser Kanzlei zurück.
Thornburgh war ferner von 1967
bis 1969 Direktor der American Civil
Liberties Union in Pittsburgh.

sierte Verbrechen verwickelten Straftätern. Seine Erfolge wurden vom damaligen Präsidenten Gerald Ford zur
Kenntnis genommen und führten im Jahr
1975 zu seiner Ernennung zum Stellvertretenden Staatsanwalt der Abteilung Verbrechensbekämpfung im Justizministerium. Er schuf die Abteilung
für die Integrität des Staatsdienstes, die der Verfolgung von Korruption im Amt diente.
Drei Jahre später wurde Thornburgh zum Gouverneur von Pennsylvania
gewählt. Seine Fähigkeit als Krisenmanager wurde ernsthaft auf die Probe
gestellt, als er nach nur drei Monaten im Amt den Unfall im Atomreaktor
von Three Mile Island bei Harrisburg,
der fast eine Kernschmelze zur Folge
hatte, zu bewältigen hatte.
Im Jahr 1987 schlug Thornburgh
das Angebot aus, zum Direktor des FBI
ernannt zu werden.
Thornburgh, der als unersättlicher Leser und Sportfan beschrieben
wird, ist verheiratet und hat vier
Söhne, drei von seiner ersten Frau
Virginia, die im Jahr 1960 bei einem
Autounfall ums Leben kam, und einen
von seiner zweiten Frau, die ebenfalls den Namen Virginia trägt.

Im Jahr 1969 wurde er zum Staatsanwalt für das westliche Pennsylvania
ernannt und erwarb sich bald einen
Ruf als unerbittlicher Verfolger von
in den Drogenhandel oder das organi-

- 3 -

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23. November 1988

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CAVAZOS LEISTUNGEN FÜHREN ZU SEINER WIEDERERNENNUNG DURCH BUSH
- Porträt des Erziehungsministers Lauro Cavazos -

WASHINGTON - (AD) - Der neu gewählte Präsident Bush verlieh seiner Befriedigung über die Leistungen von Lauro Cavazos Ausdruck, der erst seit kurzer Zeit Erziehungsminister ist, und bestätigte am 21. November den HispanoAmerikaner auch unter der neuen Administration in seinem Amt.
Cavazos ist einer der wenigen Minister in der Geschichte, die unter
einem neuen Präsidenten ihre Position
behalten.
Dennoch wird wenigstens
zwei weiteren Ministern in der BushAdministration diese Ehre zuteil.
Der Justizminister Richard Thornburgh
wird weiterhin das Justizministerium
leiten und Nicholas Brady wird Finanzminister bleiben.
Cavazos, damals Präsident der
Texas Technical University, wurde von
Präsident Reagan am 9. August nominiert und kam so ins Erziehungsministerium. Er ist für seinen Einsatz
für Hispano-Amerikaner
und andere
Minderheiten bekannt - insbesondere
für seine Bemühungen um eine Reduzierung der Quote vorzeitiger Schulabgänger bei dieser Gruppe.

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Cavazos ist Texaner in der sechsten Generation und wurde nach der
Bestätigung seiner Nominierung durch
den Senat der erste Hispano-Amerikaner im einem Ministeramt.
Der amerikanischen Verfassung zufolge ist eine erneute Nominierung
und Bestätigung nicht erforderlich.
In einer Rede vor Schulleitern in
Texas betonte Cavazos 1986, daß Hispano-Amerikaner, die zu 45 Prozent
vorzeitig die Schule verlassen, "Ende
dieses Jahrhunderts in unserem Schulsystem die Mehrheit darstellen werden, und es wird schwierig sein, sie
zum weiteren Besuch der Schule zu bewegen." Er fügte hinzu: "Wir werden
niemals die Welt bekommen, die wir
haben möchten, wenn unsere Kinder ungebildet sind."

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Telex: 8-85432

�Cavazos erklärte ebenfalls, Bildung sollte nicht nur den entsprechenden
Berufsgruppen
überlassen
bleiben, sondern jeder Bürger sollte
sie als entscheidenden Bestandteil
der demokratischen Gesellschaft Amerikas unterstützen.
"Es ist sicher wichtig, zur militärischen Verteidigung des Landes bereit zu sein, aber ebenso wichtig ist
die innere Bereitschaft, jedem Kind
eine qualitativ gute Erziehung angedeihen zu lassen."
Obwohl Cavazos Demokrat ist, hat
Reagan ihn den "idealen Kandidaten"
genannt, der William Bennett als Leiter des Erziehungsministeriums ablösen soll. "Sein Engagement für den
Lehrberuf und die Qualität der Erziehung, sein Glauben an die Notwendigkeit grundlegender Veränderungen, und
vor allem seine Betonung der besonderen Bedeutung der Erziehung für Amerikas Minderheiten sind Botschaften,
die hoffentlich überall im Land Gehör
finden werden," erklärte Reagan.

1980 erhielt Cavazos als erster
Absovent der Texas Technical University und erster Hispano-Amerikaner
zwei Posten - als Präsident dieser
Universität und ihrer medizinischen
Fakultät.
Von 1964 bis 1980 war er Professor für Anatomie an der medizinischen
Fakultät der Tufts University und
wurde 1975 ihr Dekan. Von 1954 bis
1964 lehrte er am Medical College in
Virginia als Dozent für Anatomie.
Von 1949 bis 1951 lehrte Cavazos an
der Texas Technical University.
Er hat Abschlüsse der Texas Technical University (1949 B.A., 1951
M.A.) und promovierte 1954 an der
Iowa State University. Von 1945 bis
1946 diente er in der US-Army.
Cavazos ist 1927 geboren und hat
mit seiner Frau Peggy zehn Kinder.
Wohnsitz der Familie ist Lubbock,
Texas.
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4

23. November 1988

43

DARMAN KEHRT IN DIE REGIERUNG ZURÜCK
- Porträt des neuen Haushaltsdirektors -

WASHINGTON - (AD) - Für Richard Darman hatte sein Verlassen des Staatsdienstes zugunsten einer Laufbahn in der Privatwirtschaft lediglich den Charakter einer Stippvisite.
Als der fleißige Darman - in der
Reagan-Administration ein wichtiger
Planer der Außen- und Wirtschaftspolitik - seine Position als Stellvertretender Finanzminister im vergangenen April gegen einen hohen Posten in
Wall Street eintauschte, gab er dafür
"familiäre Verpflichtungen" an, die
"sich im Privatsektor besser erfüllen
ließen".
Am 21. November verkündete der
neu gewählte Präsident George Bush,
Darman werde als Direktor seines
Haushaltsbüros (OMB) wieder für die
Regierung in den Ring steigen. Damit
wird dem 45jährigen Darman die wichtigste Rolle bei der Aufgabe zugewiesen, die manche als die größte Herausforderung der Bush-Administration
betrachten:
die Senkung des hohen

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Haushaltsdefizits.
Bei der Ankündigung seiner Wahl
erklärte Bush, die Position erfordere
"eingehende Kenntnis der Bundesregierung, die Fähigkeit zur Zusammenarbeit mit dem Kongreß und das Verständnis seiner Arbeitsweise sowie
die Fähigkeit, Einzelheiten von Regierungsprogrammen aufzugreifen und
sie in eine umfassendere Strategie
für die Zukunft unseres Landes einzupassen".
Darman hat in fünf Ministerien
gearbeitet, und als wichtiges Mitglied im Stab des Weißen Hauses unter
Präsident Reagan qualifiziert er sich
Bush zufolge "in allen Punkten".
Bei

seiner

sechsjährigen

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Arbeit

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�unter Präsident Reagan wurde der neue
Leiter des OMB als einer der führenden Köpfe bei der Ausarbeitung des
Programms der Administration betrachtet.
Bei der Formulierung der Strategie über Steuersenkungen und Kürzungen im Bundeshaushalt wurde ihm 1981
eine Schlüsselrolle zugewiesen, ebenso bei den Waffenverkäufen an SaudiArabien 1982 und der Überarbeitung
des Sozialversicherungssystems 1983.
Ferner war er 1985 einer der Wegebereiter des Plaza-Abkommens, in dessen
Rahmen sich die Finanzminister der
wichtigsten Industrieländer zur Wertminderung des Dollars verpflichteten,
damit das Haushaltsdefizit abgebaut
werden konnte.
Darman war einer der wichtigsten
Wegbereiter von Bemühungen der Regierung, die amerikanische Steuergesetzgebung zu ändern, eine Aufgabe, die
1986 mit der Verabschiedung des Gesetzes zur Steuerreform durch beide
Parteien im Kongreß erfolgreich abgeschlossen wurde.
Darman machte auf dem Capitol
Hill viele Überstunden um das zu erarbeiten, was vielen als unerreichbarer Kompromiß erschien. Der damalige
Vorsitzende des Finanzausschusses im
Senat, Senator Robert Packwoood, lobte ihn als "Juwel, ein richtiges Juwel".
Andere haben Darman vielfach als
brillianten, engagierten, kreativen
Mitarbeiter mit Talent beschrieben manchmal mit soviel Selbstbewußtsein,
daß er sich an der Grenze zur
Schroffheit bewegt.
Als Darman die Regierung verließ,
um eine Stelle als Geschäftsführer
der Investmentbank Shearson Lehman
Hutton Inc. anzunehmen, hieß es, er
sei von der Auffassung getrieben, der
Reagan-Administration sei die Luft
ausgegangen und sie könne, geschwächt
durch den Iran-Contra Skandal nichts
Grundlegendes mehr hervorbringen.

Er stritt dies ab und erklärte,
"es gibt für die Reagan-Administration noch interessante Dinge zu tun".
Eines dieser Dinge: der Abschluß eines Kompromisses zum Haushalt mit dem
Kongreß - eine Aufgabe, die er jetzt
in der Bush-Administration leiten
wird.
Obwohl ein großer Teil seiner Arbeit unter der Reagan-Administration
im
Hintergrund
stattfand,
konnte
Darman dennoch Kontroversen in der
Öffentlichkeit hervorrufen. Im Jahr
1987 hielt er eine Rede als Stellvertretender Finanzminister, in der er
die größten Unternehmen des Landes
als aufgebläht und ineffizient bezeichnete.
Er sprach von "einem Problem, das
oftmals unter der Bezeichnung 'corpocracy' zusammengefaßt wird und ein
Hinweis auf die Tendenz von Amerikas
Großunternehmen ist, wie eine Bürokratie zu funktionieren, über die von
Amerikas FUhrungskräften gern gelästert wird: sie sei aufgebläht, wenig risikofreudig, ineffizient und
phantasielos".
Als er im Jahr 1987 zu Shearson
ging, gab Darman in einem Interview
mit der Washington Post zu, daß
jährliche Haushaltsdefizite, die während der Reagan-Administration bis
auf 221 Milliarden Dollar angestiegen
waren, "ein Element der Fehleinschätzung" beinhalteten.
Neben anderen Punkten - so Darman
- "sah das ursprüngliche Wirtschaftsprogramm der Reagan-Regierung den Abbau von Ausgaben im Inland in größerem Umfang vor als sich dies politisch durchführen ließ. Und da ich
zur Gruppe derer gehörte, die die ursprüngliche Strategie ausgearbeitet
und später auch an der Entwicklung
dieser Strategie gearbeitet hat, muß
ich einen Teil der Verantwortung dafür übernehmen."
Im Gegensatz zu manch anderen
Vertretern der Reagan-Administration
hat Darman eindeutig dargelegt, daß

- 2 -

�er an die Fähigkeit der Regierung
glaubt, eine positive Kraft in der
Gesellschaft zu sein. In einem 1983
erschienenen Buch über die Reagan-Administration
schreibt
Lawrence
Barrett, "Darmans schmutziges kleines
Geheimnis lautete, daß er an den
Staat und auch an die Bundesregierung
glaubte."
In
dem
Interview
mit
der
Washington Post sprach Darman über
eine Meinungsverschiedenheit zwischen
ihm
und Reagan.
Während Reagan
glaubt, die enorme Komponente der Sozialversicherung
im
Bundeshaushalt
"muß und kann abgebaut werden", erklärt Darman, politisch betrachtet,
würden die Ausgaben in diesem Bereich
"nahezu auf ihrem jetzigen Stand
bleiben".

Darman wurde 1943 in Charlotte
(North
Carolina) geboren, erhielt
1964 seinen B.A. cum laude und schloß
1967 sein Examen in Betriebswirtschaft ab - beide an der Harvard University.
Im Laufe seiner früheren
Tätigkeit im Staatsdienst hatte er in
den siebziger Jahren verschiedene Positionen inner Unterabteilungsleiter
für Gesundheit und Soziales, Assistent
des
Verteidigungsministers,
Sonderberater
des
Justizministers,
Abteilungsleiter im Handelsministerium und Stellvertretender Vorsitzender der amerikanischen UN-Delegation
bei der Seerechtskonferenz.
Er war von 1977 bis 1980 Dozent
für
Politik
und
Verwaltung
in
Harvard, 1981 wurde er im Weißen Haus
Assistent von Präsident Reagan und
erhielt 1985 seine Stellung im Finanzministerium.
Darman und seine
haben zwei Söhne.

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Frau

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23. November 1988

43

SUNUNU BRINGT KONSERVATIVE HALTUNG IN FÜHRUNG DES WEISSEN HAUSES EIN
- Porträt des designierten Stabschefs John Sununu -

WASHINGTON - (AD) - Der neu gewählte Präsident Bush hat mit seiner Wahl
des Gouverneurs von New Hampshire, John Sununu, einen fähigen Manager und konservativen Ideologen zum neuen Stabschef des Weißen Hauses bestimmt.

Sununu, der einen tief in der
Tradition
möglichst
geringfügiger
staatlicher
Eingriffe
verwurzelten
Staat regiert, wird seine republikanischen Werte der Nichteinmischung
in die Wirtschaft, niedriger Steuern
und Staatsausgaben sowie einer starken Verteidigung mit nach Washington
nehmen.
Diese Haltung könnte den neuen
Stabschef in einer Zeit, in der vielfach Forderungen nach einem Ausgleich
laut werden, auf Kollisionskurs zum
demokratisch kontrollierten Kongreß
bringen. Andere Stimmen sehen jedoch
in Sununus Härte einen positiven Faktor bei der Bildung der neuen Administration, die Bush frei machen wird,
selbst im Kongreß um Unterstützung
seiner Politik zu werben.

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Beobachtern zufolge wird Sununu
den Stil eines als Ingenieur ausgebildeten Menschen mit politischem
Temperament ins Weiße Haus einbringen. Es wird ihm nachgesagt, daß er
peinlich genau ist und viele Aufgaben
lieber selbst in die Hand nimmt als
sie zu delegieren.
Sununu wurde am 2. Juli 1939 in
Havana geboren, als sich seine Eltern
im Rahmen einer Geschäftsreise auf
Kuba aufhielten. Sein Vater, ein Libanese, war Inhaber einer Import-Export-Firma in Boston. Seine Mutter
stammt aus El Salvador. Seine Eltern
leben heute als Rentner in Florida.
Sununu machte zunächst mehrere
akademische Abschlüsse in Ingenieurwissenschaft am Massachussetts Insti-

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�tute of Technology (MIT).
Er war
Professor für Ingenieurwissenschaft
und schließlich Stellvertretender Dekan an der Tufts University.

will, einem Problem, das Notenbankchef Alan Greenspan zufolge in die
wirtschaftliche
Katastrophe
führen
könnte.

In seinen drei zweijährigen Amtszeiten als Gouverneur war Sununu beim
Abbau des jährlichen Haushaltsdefizits seines Staates von 44 Millionen
Dollar erfolgreich.
Es gelang ihm
ferner, die Arbeitslosenrate weit unter dem Bundesdurchschnitt zu halten.

"Meiner Ansicht nach liegt ein
wichtiger Faktor zum Abbau des Defizits in der Zusammenarbeit zwischen
dem Weißen Haus und dem Kongreß," erklärte Sununu.
"Im Kongreß deuten
viele Anzeichen darauf hin, daß dies
jetzt als ein Bestreben beider Parteien anerkannt wird, eine Partnerschaft zwischen Exekutive und Legislative."

Er war stellvertretender Vorsitzender von Bushs Wahlkampfleitung,
und Bushs Sieg in der Vorwahl des
Staates New Hamshire, der seiner nach
der Niederlage in den Caucus-Versammlungen von Iowa ins Trudeln geratenen
Kandidatur neuen Auftrieb verschaffte, wird weithin Sununus Unterstützung zugeschrieben.
Sununu wird ein lebhaftes Temperament nachgesagt. Eigenen Aussagen
zufolge war er jedoch sehr gut in der
Lage, mit den Mitgliedern des Staatsparlaments
zusammenzuarbeiten.
Er
könne sehr wohl eine kompromißbereite
Haltung einnehmen, wenn dies nötig
sei.
Kritische Verweise auf seine
mangelnde Erfahrung
in Washington
konterte Sununu unlängst wie folgt:
"Einer meiner Pluspunkte besteht darin, daß ich auf beiden Seiten in
Haus und Senat eine Menge guter
Freunde habe. Ich komme sehr gut mit
ihnen aus."
Trotzdem ist Sununu der Meinung,
daß sich hauptsächlich der neue Präsident um die Unterstützung des Kongresses bemühen wird.
"Eine der besten Voraussetzungen
in der Auseinandersetzung mit dem
Kongreß ist ein Präsident, der das
System versteht - er war früher Mitglied des Kongresses - und ein Präsident, der ein gutes Verhältnis zu Republikanern und Demokraten hat", erklärt Sununu.
Und er versichert, daß der Kongreß mit dem Präsidenten am Abbau des
Haushaltsdefizits
zusammenarbeiten

"Der Vizepräsident hat erklärt,
er wolle dabei persönlich die Führung
übernehmen. Und ich denke, in diesem
Bereiche werden Sie viele Aktivitäten
beobachten
...
der
Vizepräsident
selbst wird mit der Führungsspitze
zusammentreffen und die notwendige
Kommunikation einleiten. Meiner Ansicht nach werden Kongreß und Präsident tatkräftig und schnell an der
Bewältigung dieses Problems zusammenarbeiten."
Eine der schwierigsten Kontroversen, denen sich Sununu aussetzte, war
seine Weigerung, sich an der Verurteilung einer Resolution der Vereinten Nationen zu beteiligen, die Zionismus mit Rassismus gleichsetzt.
Als Vorsitzender der Vereinigung der
Gouverneure war er 1986 der einzige
von 50 Gouverneuren, der nicht unterschrieb.
Aber Sununu stellte zahlreiche
Kritiker zufrieden, als er bei einer
Pressekonferenz am 17. November nach
der Ankündigung seiner Ernennung für
das Weiße Haus erklärte, warum er
diese Verurteilung nicht unterschrieben hatte. Er verwies darauf, daß
der Gouverneur eines Staates zwar die
Gelegenheit zum Gedenken an außenpolitische Ereignisse ergreifen kann,
als Vertreter des Bundesstaates aber
keine formelle Zustimmung zu außenpolitischen Erklärungen abgeben sollte.
Aber er erklärte seine Unterstützung für die Verurteilung der UN-Re-

- 2 -

�Solution gegen den Zionismus als einer Angelegenheit der amerikanischen
Außenpolitik. "Die Haltung der Vereinten Nationen muß geändert werden,"
erklärte Sununu.
Sununu wird als Außenseiter in
Washington eine der wichtigsten Positionen innehaben.
Aber er glaubt,
sein Erfolg könnte von seiner Fähigkeit abhägen, im Hintergrund zu wirken. "Vielleicht habe ich Glück und
bleibe in diesem Prozeß unsichtbar,
aber im Hinblick auf den Druck der
Presse denke ich, daß es sich um einen harten Job handelt."
"Aber wenn es mir gelingt, unsichtbar zu bleiben, habe ich viel
geleistet. Der Schlüssel liegt darin, den Präsidenten zu unterstützen
und ihm das Material für Entscheidungen an die Hand zu geben, aus dem er
dann seine eigenen Schlußfolgerungen
ziehen muß. Und wenn ich hinter ihm
zurücktrete, stimmt das Bild."

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Hintergrundmaterial

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23. November 1933

PRÄSIDENT REAGANS REDE ZUM HANDEL
- Eine Übersicht des Weißen Hauses -

WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir eine am 17. November
vom Weißen Haus herausgegebene Übersicht zu Präsident Reagans Rede aus Anlaß
der "Konferenz über das Erbe der Reagan-Administration" der Chamber of Commerce Foundation:

Präsident Reagan hat heute vor
der National Chamber of Commerce
Foundation erklärt, daß " in keinem
Bereich die Schritte nach vorn so
wichtig für die Zukunft Amerikas und
der Welt sind wie im Welthandel".
Der Präsident umriß die Tagesordnung der Vereinigten Staaten für die
im nächsten Monat in Montreal stattfindende Zwischenbilanz der UruguayRunde des Allgemeinen Zoll- und Handelsabkommens (GATT).
Die wichtigsten von den Vereinigten Staaten bei
der Uruguay-Runde eingebrachten Vorschläge betreffen die Bereiche Landwirtschaft, Schutz geistigen Eigentums, Dienstleistungen, Investitionen
und Beilegung von Streitigkeiten.
Von

Beginn

an

war

Präsident

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Reagan ein starker Befürworter der
Uruguay-Runde und ihrer Vollendung
innerhalb des in Punta del Este im
Jahr 1986 vorgesehenen Zeitraums von
vier Jahren. Falls eine fristgerechte Beendigung der Verhandlungen nicht
erreicht werden kann, könnte dies
eine gefährliche Wiedergeburt des
Protektionismus zur Folge haben. Die
Zwischenbilanz ist ein bedeutender
Meilenstein auf diesem Weg. Der Präsident erwartet, daß "wir sichergestellen, daß wir uns alle darüber
einig sind, wo der Gipfel ist, welchen Weg wir dahin nehmen und wann
wir dort ankommen wollen".
Bis heute waren die Verhandlungen
über Landwirtschaft besonders schwierig, was weitgehend auf Besorgnis
über den Zeitplan für Reformen und

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Telex: 8-85432

�über Nahrungsmittelsicherheit zurückzuführen ist. Der Präsident kündigte
in diesem Zusammenhang eine Politik
der "flexiblen Anpassung" an, der zufoLge die Vereinigten Staaten bei den
Zeitplänen eine flexible Haltung einnehmen werden, falls die anderen sich
bereiterklären, einen Anpassungsplan
zur
Beendigung
handelsverzerrender
Subventionen und Handelsschranken sowie zur Harmonisierung der Gesundheits- und
HygienebeStimmungen
mit
angemessenen internationalen Normen
zu fixieren.
Der Präsident erklärte ferner,
die Vereinigten Staaten seien bereit,
über
"Nahrungsmittelsicherheit"
zu
sprechen.
Dies betrifft die Frage
des Zugangs zu Nahrungsmitteln für
jedes Land nach Abbau der Handelsschranken.
Er erwähnte dabei ausdrücklich staatliche Vorräte, Landaufkäufe und andere Methoden zur Bewältigung des Problems der Nahrungsmittelknappheit als Ergebnis von Natur- und anderen Katastrophen.
Der Präsident betonte ausdrücklich die Kontinuität der amerikanischen Politik in bezug auf die Verhandlungen der Uruguay-Runde und berief sich dabei auf die Unterstützung
des neu gewählten Präsidenten Bush
für die gegenwärtigen Ziele der amerikanischen Politik. Ferner stellte
er fest, daß er und der neu gewählte
Präsident sich vor der am 5. Dezember
beginnenden Zwischenbilanz mit dem
amerikanischen
Handelsbeauftragten
Clayton Yeutter treffen werden.

Schutz geistigen Eigentums - Der
amerikanische
Vorschlag
zum
Schutz geistigen Eigentums betrifft Handelsprobleme im Hinblick auf Nachahmung oder Produktpiraterie. Er erstreckt sich
auf sämtliche Formen von Rechten
an
geistigem
Eigentum,
einschließlich Patenten, Warenzeichen und Geschäftsgeheimnissen.
Dienstleistungen - Der amerikanische Vorschlag zum Welthandel
mit Dienstleistungen - heute der
wichtigste Sektor der amerikanischen Wirtschaft - würde zum
ersten Mal multilaterale Regelungen über den Handel mit Dienstleistungen einführen.
Investitionen und andere Ziele Weitere amerikanische Ziele in
der Uruguay-Runde sind die Erweiterung der GATT-Regeln und Vorschriften
auf
handelsrelevante
Investitionsmaßnahmen, die Ausweitung
des
Zugangs
amerikanischer Exporteure
zu ausländischen Märkten sowie die Verbesserung des GATT-Mechanismus für
die Schlichtung von Streitfällen.

Hintergrund; Allgemeines Zoll- und
Handelsabkommen (GATT)
Die Vereinigten Staaten waren die
treibende Kraft hinter der Gründung
des GATT im Jahr 1947. Es stelLt das
wichtigste multilaterale Forum dar,
durch das die Reagan-Administration
das Welthandelssystem zu verbessern
versucht hat.

Die amerikanische Tagesordnung
1. Landwirtschaft - Der ursprüngliche Vorschlag der Vereinigten
Staaten in bezug auf den Welthandel mit Agrarprodukten fordert
die gänzliche Abschaffung aller
den Agrarhandel verzerrenden Maßnahmen bis zum Jahr 2000. Dies
ist der umfassendste und weitreichendste Vorschlags für die Reform des Weltagrarhandels, der
jemals unterbreitet wurde.

- GATT ist sowohl ein Regelkodex
als auch ein Forum, in dessen
Rahmen Verhandlungen und andere
Arten
von
Handelsgesprächen
stattfinden. Im Januar 1988 waren 96 Staaten, die über vier
Fünftel des Welthandels ausmachen, Vertragsparteien, wie die
Mitglieder bezeichnet werden.

�Die Uruguay-Runde
Sieben
multilaterale
Verhandlungsrunden sind innerhalb des GATT
durchgeführt worden. Die letzte war
die im Jahr 1979 beendete Tokio-Runde.
Am 20. September 1986 trafen
sich die Handelsminister aus 74 GATTStaaten in Punta del Este (Uruguay),
um eine neue Runde multilateraler
Handelsgespräche einzuleiten, die als
Uruguay-Runde bekannt sind.
- Die Verhandlungsstruktur der Uruguay-Runde wurde im Januar 1987
verabschiedet.
Sie besteht aus
speziellen Verhandlungsgruppen in
15 Themenbereichen.
Die erste
Serie von Gruppentreffen begann
im Februar 1987, die zweite Phase
im Januar 1988.
- Im Dezember 1987 wurde zwischen
den GATT-Vertragsparteien vereinbart, zur Halbzeit ein Treffen
auf Ministerebene abzuhalten, um
die im Verlauf der Uruguay-Runde
erzielten Fortschritte zu bewerten.

einigten Staaten hat zu einer Rekord-Beschäftigungsquote
beigetragen. Seit Beginn des heutigen
Wirtschaftsaufschwungs im November 1982 wurden 18,4 Millionen
neue Arbeitsplätze geschaffen.
Die Beschäftigung in der Textilindustrie wuchs allein im Jahr
1987 um 22 000 Arbeitsplätze. In
den vergangenen zwei Jahren stieg
die Beschäftigung in der verarbeitenden Industrie um 768 000.
Die Vereinigten Staaten haben in
den vergangenen fünf Jahren mehr
Arbeitsplätze geschaffen als alle
anderen westlichen Industriestaaten und Japan zusammen. Der Prozentsatz neugeschaffener Arbeitsplätze lag in den Vereinigten
Staaten doppelt so hoch wie in
Großbritannien, dreimal so hoch
wie in Japan, viermal so hoch wie
in der Bundesrepublik Deutschland
und betrug achtmal soviel wie in
Italien.

Beispiellose Schritte gegen unfaire
Handelspraktiken
Bedeutende Fortschritte im
amerikanischen Handel und deren Auswirkungen auf die Beschäftigung
In der heutigen Rede hat Präsident Reagan viele Leistungen seiner
Administration
aufgezählt.
Durch
harte Maßnahmen gegen die unfairen
Handelspraktiken
anderer
Staaten,
durch die Stärkung der Koordinierung
internationaler Handelspolitik sowie
durch Verhandlungen zur Liberalisierung des Welthandels hat die Administration bedeutende Fortschritte im
amerikanischen Handel erzielt.

Die Reagan-Administration war die
erste Regierung, die aus eigenem Antrieb Fälle unfairer Handelspraktiken
gemäß Abschnitt 301 des Handelsgesetzes von 1974 untersucht hat anstatt
auf Beschwerden der Industrie zu warten, wie dies in der Vergangenheit
üblich war. Während der Reagan-Administration
haben
die
Vereinigten
Staaten mehr Fälle unfairer Handelspraktiken geprüft als jede andere Administration in der Geschichte der
Vereinigten Staaten.

- Seit dem dritten Quartal des Jahres 1986 sind die Exporte amerikanischer Waren real um 40 Prozent gestiegen. Ein Großteil des
enormen Anstiegs der amerikanischen Exportaktivität wurde im
Produktionssektor erzielt.

- Seit der Präsident im September
ein energisches Vorgehen gegen
die unfairen Handelspraktiken anderer Staaten ankündigte, hat die
Administration aufgrund der ihr
in
Abschnitt
301
verliehenen
Macht in 26 Fällen Handelspraktiken untersucht.

- Das

- In 20 Fällen führte dieses Vorge-

Exportwachstum

in

den Ver- 3

�hen zu einer Liberalisierung des
Handels.
In acht dieser Fälle
verfügte Präsident Reagan Sanktionen gemäß Abschnitt 301.

Verstärkte wirtschaftspolitische
Zusammenarbeit
Bei aller Bedeutsamkeit dieses
Vorgehens sind den meisten Wirtschaftswissenschaftlern zufolge unfaire Handelspraktiken doch nur für
einen Bruchteil des amerikanischen
Handelsdefizits verantwortlich. Weit
wichtiger ist der Anteil der makroökonomischen Maßnahmen.
- Die
Reagan-Administration
hat
sich energisch darum bemüht, die
internationale
Koordinierung
wirtschaftspolitischer
Maßnahmen
als Mittel zur Reduzierung der
Ungleichgewichte im Handel, zur
Stabilisierung der Devisenmärkte
und Förderung des Wirtschaftswachstums zu stärken.
- Der
Erfolg
dieser
Bemühungen
spiegelt sich in den von der
Gruppe der sieben führenden Industriestaaten (G-7 = USA, Japan,
Frankreich,
Bundesrepublik
Deutschland, Großbritannien, Kanada und Italien) erzielten Vereinbarungen über den grundsätzlichen Kurs ihrer Wirtschaftspolitik wieder sowie in den speziellen Verpflichtungen, die sie
zur Erlangung dieses Ziels eingegangen sind.
- Der gegenwärtige Export-Boom sowie der erhebliche Rückgang des
Handelsdefizits sind unmittelbar
auf die Tatsache zurückzuführen,
daß die Koordinierung der internationalen Wirtschaftspolitik die
amerikanischen Exporte auf einem
wachsenden
Weltmarkt
preislich
extrem wettbewerbsfähig gemacht
haben.

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Wissenschaft und Technik

43

23. November 1988

HALFAN - EIN NEUES MEDIKAMENT GEGEN MALARIA

- WASHINGTON - (AD) - Trotz der intensiven Bemühungen um die Ausrottung
der Malaria steht das "Sumpffieber" noch immer als Todesursache bei Kindern in
der Dritten Welt an erster Stelle. Etwa drei Millionen Menschen fallen ihm
alljährlich zum Opfer. Maßnahmen zur Ausrottung sowohl der Parasiten-Überträger (Anopheles-MUcken) als auch zur Bekämpfung der Krankheitserreger (Plasmodien) im Blut scheitern letztlich immer wieder an der Bildung resistenter
Stämme dieser Organismen. Einen wirksamen Impfstoff gibt es noch nicht, obgleich schon seit vielen Jahren daran gearbeitet wird.

Der Hartnäckigkeit der Forscher
sind aber immer wieder Teilerfolge zu
verdanken. Als solcher ist auch die
Entwicklung
des Präparates "Halofantrine"
(in der Pharmazie als
"Halfan" bezeichnet) zu werten, mit
dem Malaria noch bekämpft werden
kann, wenn andere Medikamente infolge
Resistenz der Erreger nichts mehr bewirken. Auf dem 12. Weltkongreß für
Tropische Medizin und Malaria in
Amsterdam (Ende September 1988) wurde
ausführlich darüber berichtet. Mitarbeiter des Arzneimittelunternehmens
"Smith Kline and French Laboratories
International", dem Hersteller des
Präparates, sprachen von einer Heilungsrate von mehr als 95 Prozent sowohl bei Infektionen mit Plasmodium
falciparum (Verursacher von 85 Prozent der Malariafälle mit meist töd-

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lichem Ausgang) als auch bei Infektionen mit Plasmodium vivax, dem
zweithäufigsten Erreger.
Dies traf
auch dort zu, wo das bewährte Chloroquin versagt hatte.
Das ursprünglich im Walter Reed
Army-Forschungsinstitut
(Washington)
entwickelte Halfan wurde seit 1986 in
Malawi, Kenia, Gabun, Pakistan, Thailand und auf den Salomon-Inseln klinisch erprobt. Beteiligt waren daran
einheimische Mediziner und Forscher
aus England sowie Mitarbeiter der
Arzneimittelfirma.
Angesichts der
guten Ergebnisse hat Frankreich das
Medikament
inzwischen
zugelassen;
sechs westafrikanische Länder dürften
es noch 1988 freigeben, die weltweite
Freigabe wird bis Ende 1989 erwartet.

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�Halfan ist ein rasch wirksames
Mittel in der Schizontenphase der
komplexen Zyklen bei der Vermehrung
der Parasiten. Es wird in Tablettenform verabreicht - dreimal in zwölf
Stunden je zwei Tabletten zu 250 mg.
Diese Dosis normalisiert die Temperatur des Patienten in 24 bis 36 Stunden und macht das Blut in 36 bis 48
Stunden parasitenfrei.
Für Kinder
ist das Medikament in Form eines Saftes verfügbar. Dennoch sei das Präparat "nicht als endgültige Antwort,
sondern eben nur als wertvolle Hilfe
bei
Resistenzentwicklung
gegenüber
Standardmedikamenten" zu betrachten,
sagte Dr. Paul Klein vom Walter-ReedInstitut. Irgendwann werde es gegen
Halfan ebenfalls Resistenz geben, wie
diese bei Chloroquin und Meflouin,
auf das man vor Jahren viele Hoffnungen setzte, zu beobachten sei. Dennoch erweisen sich mancherorts diese
Präparate noch immer als wirksam.

die mithelfen, zu verhindern, "daß
Menschen den Parasiten bis zum Entwicklungsstadium als Wirt dienen".
Mit Einzelmaßnahmen sei Malaria wohl
nie auszurotten. Sie müsse von vielen Seiten her gleichzeitig attakkiert werden.

Bei der Suche nach einem Impfstoff, mit dem die Krankheit besiegt
werden könnte, arbeitet Dr. Klein zufolge das Walter-Reed-Institut eng
mit der pharmazeutischen Industrie
zusammen.
Bis er gefunden werde,
müsse aber alles erdenkliche unternommen werden, um, angefangen bei der
Bekämpfung der Moskito-Überträger, in
den gesamten Entwicklungs- und Lebenszyklus der Parasiten einzugreifen, wo immer dies nur möglich ist.
Bis Anfang der vierziger Jahre
war Malaria auch in den Vereinigten
Staaten ein Problem. Man habe damals
mit Insektenvernichtungsmitteln, Wasserbaumaßnahmen und Besprühen stehender Gewässer mit Öl zur Ausrottung
von Moskito-Brutstätten sowie mit der
Verabreichung vorbeugender Medikamente an gefährdete Bevölkerungsgruppen
versucht, die Ubertragungsmechanismen
und Entwicklungszyklen zu unterbrechen. Aus heutiger Sicht könne das
allein jedoch nicht bewirkt haben,
daß Malaria in den USA praktisch verschwunden sei, meinte Dr. Klein.
Eine überzeugende Erklärung gebe es
dafür noch nicht. Allerdings komme
Medikamenten doch große Bedeutung zu,
- 2 -

* * * * * *

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Amerikanische Vorschläge zum Agrarhandel modifiziert&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Präsident Reagans Rede vor der Amerikanischen &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Handelskammer&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Reagan: USA und Sowjets auf dem Weg zu Abkommen über Kernwaffen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung zu den Gesprächen über Nuklear- und Weltraumwaffen&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;&lt;strong&gt;2. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Thornburgh bekannt für Härte in der Verbrechensbekämpfung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Porträt von Justizminister Richard Thornburgh&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Cavazos Leistungen führen zu seiner Wiederernennung durch Bush&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Porträt des Erziehungsministers Lauro Cavazos&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Darman kehrt in die Regierung zurück&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Porträt des neuen Haushaltsdirektors&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Sununu bringt konservative Haltung in Führung des Weißen Hauses ein&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Porträt des designierten Stabschefs John Sununu&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Präsident Reagans Rede zum Handel&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Eine Übersicht des Weißen Hauses -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt; Halfan - ein neues Medikament gegen Malaria</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST
"VoN^

17. November 1988

42

INHALT
-

DOKUMENTATION

Bums erwartet einschneidende Reduzierungen bei konventionellen
Streitkräften
- Rede des Direktors der ACDA in Boston -

INFORMATION
James Baker;

Politischer Stratege und Wirtschaftspolitiker

- Porträt des neuen Außenministers -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Strahlung durch Radon in Raumluft
- Bauliche Schutzmaßnahmen zur Verringerung von Gesundheitsrisiken empfohlen -

* * * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�AMERIKA DIENST
%

""v"

Dokumentation

A

17. November 1988

42

BURNS ERWARTET EINSCHNEIDENDE REDUZIERUNGEN
BEI KONVENTIONELLEN STREITKRÄFTEN
- Rede des Direktors der ACDA in Boston -

BOSTON - (AD) - Der Direktor des US-Amts für Rüstungskontrolle und Abrüstung, William Bums, hat bei einer Rede in Boston erklärt, er erwarte in den
nächsten Jahren "die ersten einschneidenden Reduzierungen bei den konventionellen Streitkräften in Europa". Die bevorstehenden Verhandlungen über konventionelle Stabilität "sollten nicht lediglich Obergrenzen festlegen, sondern
Reduzierungen der konventionellen Streitkräfte herbeiführen".
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede des ACDA-Direktors im Wortlaut.

Ich freue mich, hier anwesend zu
sein und möchte Ihnen einige Gedanken
darüber vortragen, von welchem Punkt
wir ausgegangen sind, wo wir heute
stehen und was wir in Zukunft in der
Rüstungskontrolle erreichen können.
Ein konzeptionelles Problem der
Rüstungskontrolle besteht darin, daß
sich unsere Vorstellung davon mit den
Jahren verändert hat. Vor 20 oder 25
Jahren behandelten wir das Thema Rüstungskontrolle unter dem Blickwinkel, das "Wettrüsten" aufzuhalten wie es damals von den Menschen verstanden wurde.
Um das Wettrüsten
aufzuhalten, versuchten wir gewissermaßen, vor dem Zug herzulaufen und
sein Tempo ein wenig zu drosseln.
Dabei waren wir nur wenig erfolgreich.

United States Information Service
Embassy of the United States of America

In diesem Jahrzehnt haben wir
einen etwas veränderten Ansatz verfolgt. Anstatt zu versuchen, den Zug
dadurch zu verlangsamen, daß wir ihm
Grenzen setzten, haben wir tatsächlich versucht, ihn zu stoppen und
dann zur Rückfahrt zu bewegen - und
zwar so, daß wir nicht an der Zulassung höherer Obergrenzen für Waffen
interessiert waren, sondern an deren
Reduzierung. Ich muß beim Rückblick
auf die Jahre 1980/81 sagen, daß wir
ziemlich naiv ans Werk gingen, indem
wir annahmen, alle Menschen guten
Willens würden die Qualität von Reduzierungen erkennen und deshalb darauf
eingehen. Das war nicht notwendigerweise der Fall. Ich möchte dies erklären, indem ich kurz über die Politik der Rüstungskontrolle und die Art
und Weise spreche, in der diese von

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�der Administration verfolgt wurde.
Zunächst möchte ich in diesem
Rahmen über die innenpolitische Dimension der amerikanischen Rüstungskontrollpolitik sprechen. Viele mögen der Ansicht
sein, Präsident
Reagan sei wohl der am wenigsten
wahrscheinliche Kandidat gewesen, um
Abrüstungsmaßnahmen
herbeizuführen.
Erinnern Sie sich an den Wahlkampf
des Jahres 1980 und dessen Konzentration auf Defizite in der nationalen
Sicherheit und die Notwendigkeit, unsere Verteidigung wiederaufzubauen.
Glücklicherweise bestand
zu jener
Zeit über diese Notwendigkeit allgemeine Übereinstimmung. Über mehrere
Jahre nach der Amtsübernahme dieser
Administration hinweg wurde unser
Verteidigungspotential
wiederaufgerüstet und einige argumentierten,
dies mache ein Streben nach Rüstungskontrolle unmöglich.
Das Konzept der Administration
bestand darin, daß die nationale Sicherheit auf zwei Säulen beruht. Einer ist eine starke nationale Verteidigung in Form von militärischer
Macht und dem Willen, sie einzusetzen, falls man dazu herausgefordert
wird. Die andere ist der Dialog mit
potentiellen Gegnern.
Zu letzterem
gehören als wichtiges Element Verhandlungen über Abrüstung, da dies
ebenso Sicherheit schafft wie eine
Aufrüstung mit zusätzlichen Waffen.
Mit dieser Politik wurde versucht, die Sowjetunion davon zu überzeugen, daß ausgewogene und wirksam
verifizierbare Abrüstung auf gleiche
Niveaus ebenso in ihrem wie auch in
unserem Interesse liegt. Die Wiedergewinnung der Glaubwürdigkeit und Lebensfähigkeit des amerikanischen Verteidigungspotentials war für diese
Strategie unabdingbar. Ich bin davon
überzeugt, daß die Sowjetunion nur
deshalb ein Interesse an der Abrüstung entwickelte, weil sie einsah,
daß die Alternative die amerikanische
Aufrüstung sein würde.
Die

Besorgnis

der

sowjetischen

Seite besteht nicht so sehr darin,
daß wir sie zahlenmäßig übertreffen,
sondern daß wir sie technologisch
ausstechen würden.
Sie erinnerten
sich an das Manhattan Project, als
die Vereinigten Staaten innerhalb
kürzester Zeit Kernwaffen entwickelten. Sie erinnerten sich an unseren
Entschluß, den Weltraum zu erforschen.
Sie erinnerten sich daran,
daß die Vereinigten Staaten angesichts eines erheblichen sowjetischen
Vorsprungs im Weltraum zumindest einen Gleichstand erreichten und in
einigen
Weltraumtechnologien
wahrscheinlich sogar einen Vorsprung erwarben. Die Sowjets haben über amerikanische technologische Entwicklungen und Nebenprodukte unseres Weltraumprogramms gelesen, die es uns ermöglicht haben, den Vereinigten Staaten den technologischen Vorsprung zu
gewähren, der - zumindest in gewissem
Maß - sowjetische Übermacht im konventionellen Bereich wettmachen kann.
Ich denke also, daß die Sowjetunion
diesen "technologischen" Faktor in
ihr Kalkül bei der Rüstungskontrolle
einbeziehen muß.
Die
Reagan-Administration
ging
ferner von der Überzeugung aus, daß
Abrüstungsmaßnahmen auf überparteilicher Unterstützung beruhen müssen.
Diese Unterstützung herzustellen war
schwierig, solange im Kongreß sehr
unterschiedliche Ansichten über Rüstungskontrolle herrschten. Trotzdem
versuchte die Administration, auch
abweichende Ansichten aus dem ganzen
politischen Spektrum in ihre Rüstungskontrollbemühungen
einzubeziehen.

Dies

geschah

auf

verschiedene

Art und Weise.
Erstens ist Paul Nitze, der die
amerikanische RUstungskontrollpolitik
dieses Jahrzehnts maßgeblich geprägt
hat,
kein
Republikaner.
Max
Kampelman, ebenfalls ein wichtiger
Beteiligter an der Formulierung der
Rüstungskontrollpolitik dieser Administration, ist kein Republikaner.
Ich selbst war in den vergangenen 34
Jahren Offizier und in diesem Sinn
unpolitisch, aber mir wurde die Ver-

�antwortung für die Abrüstungsbehörde
übertragen.
Diese überparteiliche Unterstützung wurde auch schon früh durch die
abrüstungspolitische Beobachtergruppe
des Senats gefördert, zu der Vertreter des gesamten politischen Spektrums gehören. Gegenwärtig sind etwa
12 Senatoren aktiv in dieser Beobachtergruppe tätig. Der Vorsitzende des
auswärtigen Senatsausschusses gehört
dazu ebenso wie Sam Nunn und Senator
Daniel Patrick Moynihan. Die Beobachtergruppe ist jederzeit in Genf
willkommen, um an Diskussionen teilzunehmen, die Sowjets zu treffen und
die sowjetische Reaktion auf die amerikanischen RüstungskontrollVorschläge selbst auszuloten.
Ihre Präsenz in Genf, ihr Rat,
ihr in vielen Jahren angesammeltes
Wissen und ihre Unterstützung für bestimmte Initiativen waren meiner Meinung nach sehr wichtig.
Heute gibt es meiner Einschätzung
nach keine Differenzen zwischen den
Parteien über die allgemeine Unterstützung unserer gegenwärtigen Rüstungskontrollinitiativen.
Es
scheint vielmehr ein überparteilicher
Konsens über die Politik der Administration einer Reduzierung der verschiedenen Waffenkategorien auf gleiche Niveaus zu bestehen, anstatt eine
weitere Aufrüstung auf gleiche Niveaus zuzulassen.
Wir
wollen
zum Beispiel die
START-Gespräche betrachten, die seit
1982 stattfinden, als wir Gespräche
über einschneidende Reduzierungen der
Streitkräfte beider Seiten aufnahmen.
Ich muß zugeben, daß innerhalb der
Regierung viele unter uns - und ausserhalb der Regierung sogar noch mehr
Menschen - skeptisch waren, ob solche
Kürzungen wirklich möglich seien. Zu
Anfang forderten wir einschneidende
Reduzierungen in einer Größenordnung
von 20 oder 30 Prozent des Gesamtarsenals.
Die Sowjets

brachen im November

1983 die START-Verhandlungen wegen
der INF-Stationierungen ab. Im Jahr
1985 kehrten sie jedoch nach Genf zurück. In der Folgezeit verständigten
sich im Jahr 1985 Präsident Reagan
und der neue Mann an der Spitze der
Sowjetunion, Generalsekretär - heute
auch Staatspräsident - Gorbatschow in
Genf auf eine 50prozentige Reduzierung. Diese Konzeption wurde soweit
entwickelt, daß uns heute der gemeinsame Entwurf eines Vertrags zur Reduzierung der Strategischen Waffen vorliegt, der die amerikanisch-sowjetische Vereinbarung zur Halbierung
dieser Waffen beinhaltet. Der Rest
des Vertrages ist soweit fertiggestellt, daß man die wichtigen noch zu
lösenden Probleme wahrscheinlich an
einer Hand abzählen kann. Wir führen
gegenwärtig in Genf Gespräche zu deren Lösung. Ich bin der Meinung, daß
es unter der Voraussetzung sowjetischer Bereitschaft zur Zusammenarbeit an einem Vertrag mit den Vereinigten Staaten, der einschneidende
Reduzierungen zur Folge hat, zur
strategischen Stabilität beiträgt, zu
gleichen
Streitkräfteniveaus
führt
und wirksam verifiziert werden kann,
keinen Grund gibt, daß ein Vertrag
über die Reduzierung Strategischer
Waffen nicht zu Beginn der Amtszeit
der nächsten Administration dem Senat
zugeleitet werden könnte.
Dieser Vertrag wird zu einer Verringerung auf etwa 6 000 Gefechtsköpfe auf jeder Seite führen. Dies wird
grob geschätzt eine Halbierung der
auf beiden Seiten stationierten strategischen Gefechtsköpfe bedeuten. Es
wird bedeuten, daß die Zahl der amerikanischen und sowjetischen strategischen Kernwaffenträger, der landund seegestützten ballistischen Raketen sowie Bomber auf 1 600 begrenzt
wird. Der Vertrag wird Beschränkungen für neuere Arten von Trägersystemen beinhalten, wie etwa der luftgestützten Marschflugkörper.
Ist dies ein perfekter Vertrag?
Ganz und gar nicht.
Ist er ein
Schritt in die richtige Richtung?
Ganz sicher. Er bedeutet sicherlich

- 3 -

�nicht das Ende des Prozesses, aber er
ist ein Schritt auf dem Weg zur Begrenzung strategischer Systeme auf
Niveaus, die sicherer und wahrscheinlich viel erträglicher sind. Das Interessante daran ist, daß die sowjetische Regierung sich mit uns Schritt
für Schritt zu genau dieser Position
bewegt hat.
Ich möchte mich nun einer weiteren
RUstungskontrollinitiative
der
Vereinigten Staaten zuwenden.
Im
Jahr 1984 hat Vizepräsident Bush der
Genfer Abrüstungskonferenz den amerikanischen Entwurf einer Konvention
zur Beseitigung
chemischer Waffen
vorgelegt. Obwohl wir für den Beginn
des kommenden Jahres eine internationale Konferenz nach Paris einberufen
haben, um die Weltmeinung gegen chemische Waffen zu mobilisieren, bleiben die Vereinigten Staaten diesem
Entwurf einer Konvention weiterhin
verpflichtet. Eine der Schwierigkeiten bei der Verwirklichung dieses
Entwurfs besteht darin, daß im Gegensatz zu den START-Verhandlungen, bei
denen sich die Sowjetunion und die
Vereinigten Staaten gegenübersitzen,
an der Abrüstungskonferenz 40 Staaten
teilnehmen. Je mehr Nationen, desto
größer die Schwierigkeiten. Da sind
nicht nur die Vereinigten Staaten und
die Sowjetunion als FUhrungsmächte
des Westens und des Ostblocks, sondern auch die sogenannten neutralen,
blockfreien Nationen.
Deshalb gestalten sich die Verhandlungen so
schwierig.
Es bestehen weitere schwierige
Probleme bei den Verhandlungen über
die Beseitigung der chemischen Waffen.
In der Vergangenheit bestand
weltweit eine psychologische Schranke
gegen den Einsatz chemischer Waffen.
Diese war das Vermächtnis des massiven Gaseinsatzes im Ersten Weltkrieg
und spiegelte den Schrecken und die
Verabscheuung von chemischen Waffen
wieder, die in der Folgezeit in der
ganzen Welt entwickelt wurden.
Im
Jahr 1925 wurde das Genfer Protokoll
unterzeichnet.
Dieses verpflichtete
die Unterzeichner, niemals chemische

Waffen einzusetzen.
Die amerikanische Position bestand zu jener Zeit
darin, daß chemische Waffen nur deshalb gelagert wurden, um andere Länder von deren Einsatz abzuschrecken.
Es bleibt offen, ob diese Politik den
Einsatz chemischer Waffen im Zweiten
Weltkrieg verhindert hat, aber Tatsache ist, daß es keinen massiven Einsatz dieser Waffen gab.
Heute jedoch betrachtet manch einer chemische Waffen als des armen
Mannes Waffe zur Massenvernichtung
und als Waffen, die man in einem Konflikt erfolgreich einsetzen kann.
Überdies ist fast jedes Land in der
Lage, chemische Waffen herzustellen,
und die Trägersysteme für chemische
Waffen können ziemlich primitiv sein
- ein Flugzeug für das Besprühen von
Feldern mit Insektenvertilgungsmitteln in Afrika kann für den Abwurf
chemischer
Kampfstoffe
eingesetzt
werden.
Dies hat uns bei den Genfer Verhandlungen mit einer neuen Lage konfrontiert.
Verbreitung und Einsatz
chemischer Waffen erschweren die von
uns angestrebte Erlangung eines umfassenden Verbots chemischer Waffen.
Obwohl wir uns aktiv bei den Verhandlungen über einen Vertrag zum
Verbot chemischer Waffen in der ganzen Welt engagieren - die Sowjetunion
befaßt sich, wie ich meine, ebenso
ernsthaft mit diesem Problem wie wir
-, haben wir es bei den chemischen
Waffen mit einem internen Problem zu
tun, das die Verhandlungen über die
Konvention zu den chemischen Waffen
stark erschwert hat.
Seit fast 15 Jahren nehmen wir an
den Wiener Verhandlungen über die Begrenzung der konventionellen Rüstung
teil, bekannt unter dem Namen MBFR.
Wir stehen gegenwärtig im Begriff,
neue Gespräche auf den Weg zu bringen, die Gespräche über konventionelle Stabilität, deren Mandat im Rahmen
der
KSZE-Folgekonferenz
entwickelt
wird. Die KSZE war in der Vergangenheit sehr erfolgreich bei der Ent-

�Wicklung von Wegen und Modalitäten,
um den irrtümlichen oder durch Fehleinschätzungen bedingten Einsatz von
Gewalt in Europa zu verhindern.
Die Vereinigten Staaten und ihre
Verbündeten haben sich allgemein darauf verständigt, daß diese Gespräche
nicht lediglich eine Obergrenze für
die
konventionellen
Streitkräfte,
sondern deren Reduzierung zum Ziel
haben sollten.
Die Sowjets haben
eingeräumt, daß bei den Streitkräftestrukturen in Europa Asymmetrien bestehen. Sie haben beispielsweise zugegeben, daß sie bei Panzern und Artillerie Überlegenheit besitzen, und
sie sind bereit, bei diesen Streitkräften asymmetrische Reduzierungen
vorzunehmen.
Dies stellt eine wesentliche Bewegung der sowjetischen
Seite dar. Wir haben vereinbart, daß
Reduzierungen auf Niveaus unterhalb
der gegenwärtigen NATO-Niveaus stattfinden sollten, damit auch auf Seiten
des Westens Verringerungen vorgenommen werden.
Diese Verhandlungen werden meiner
Meinung nach schwierig sein, aber ich
denke auch, daß wir in den nächsten
Jahren
wahrscheinlich
die
ersten
wirklichen Reduzierungen der konventionellen Streitkräfte in Europa aushandeln werden.
Ich sprach bereits über die KSZEVerhandlungen.
Sie haben ein ganz
interessantes Konzept herbeigeführt,
das als Vertrauens- und sicherheitsbildende Maßnahmen bezeichnet wird.
Wir trauen den Sowjets und deren Verbündeten nicht, und sie trauen uns
nicht. Wie können wir also zwischen
beiden Seiten Vertrauen aufbauen?
Eine Möglichkeit besteht darin, den
Warschauer Pakt zu mehr Offenheit in
einigen der von ihm durchgeführten
Schritte zu bewegen. Bis vor kurzem
waren militärische Informationen, die
im Osten als Staatsgeheimnisse eingestuft wurden, im Westen Allgemeingut.
Bei uns werden zum Beispiel im Magazin Time Informationen abgedruckt,
für deren Veröffentlichung ein Sowjetbürger ins Gefängnis wandern würde.

Vor nahezu zwei Jahren haben die
Sowjets zugestimmt, daß wir uns gegenseitig von unsere.! militärischen
Übungen in Europa in Kenntnis setzen
und Beobachter zu diesen Übungen entsenden sollten, um Vertrauen dafür zu
gewinnen, daß eine Übung nicht etwa
Tarnung für einen Überraschungsangriff ist.
Beide Seiten kamen Uberein, daß
es in diesem Zusammenhang nützlich
sei, wenn man im Falle von Zweifeln
einer Seite über den Umfang oder
Zweck der angekündigten Übung des anderen das Recht hätte, daran teilzunehmen und die Übung zu inspizieren,
um herauszufinden, ob Höchstgrenzen
wirklich überschritten worden sind.
In den vergangenen zwei Jahren haben
mehr als ein Dutzend solcher Inspektionen stattgefunden und zum Aufbau
einer Vertrauensbasis unter den Ländern Europas beigetragen. Da keine
Seite dies je angezweifelt hat, haben
wir bald darauf Besuche bei Übungen
abgestattet, um herauszufinden, ob
Höchstgrenzen überschritten werden.
Tatsächlich hat nach mehr als einem
Dutzend beendeter Inspektinoen keine
Seite die andere der Überschreitung
von Höchstgrenzen bezichtigt, und das
sowjetische Militär nimmt westliche
Inspektoren als Selbstverständlichkeit hin.
Die erste Inspektion von Übungen
des Warschauer Paktes fand im August
1987 statt, und seitdem haben die Sowjets eine gewisse Offenheit in diesen Dingen entwickelt. Nicht nur die
Vereinigten Staaten, sondern auch andere Mitglieder des Bündnisses haben
das Recht zur Inspizierung von Übungen, und sie machen ebenso davon Gebrauch wie einige Mitglieder des Warschauer Paktes Übungen im Westen inspiziert haben.
Wir untersuchen die Möglichkeit
weiterer vertrauensbildender Maßnahmen, die bei militärischen Aktivitäten der Sowjets und des Warschauer
Paktes eine ähnliche Offenheit hervorbringen wie dies bei militärischen
Aktivitäten im Westen bereits der

- 5 -

�Fall ist.
Schließlich möchte ich auf die
INF-Verhandlungen und den Ratifizierungsprozeß des INF-Vertrages eingehen und darlegen, wo wir stehen. Vor
fast sieben Jahren, am 17. November
1981, verkündete der Präsident die
Position der Vereinigten Staaten zu
INF - die vollständige Beseitigung
amerikanischer und sowjetischer landgestützter INF-Raketen.
Wir würden
unsere Raketen nicht stationieren,
wenn die Sowjets ihre Raketen - allen
voran die SS-20 als neue Rakete mit
drei Gefechtsköpfen, die als modernste Mittelstreckenrakete galt - beseitigen.
Die Vereinigten Staaten haben
ebenfalls darauf bestanden, daß dies
wegen der Reichweite der SS-20 eine
weltweite und nicht allein auf Europa
beschränkte Beseitigung sein sollte.
Sie haben darauf bestanden, daß nur
Systeme der Vereinigten Staaten und
der Sowjetunion einbezogen und Kernwaffensysteme
Großbritanniens
und
Frankreichs ausgenommen werden sollten. Wir haben ferner darauf bestanden, daß nur landgestützte Raketen
erfaßt werden. Wie früher wurde der
sowjetische Versuch, die Mehrzweckkampflugzeuge des Westens einzubeziehen, zurückgewiesen.
Die Sowjetunion wie auch vielfach
die Medien und ein großer Teil der
öffentlichen Meinung im Westen betrachteten diese Position als extrem.
Sie wurde bestenfalls als interessante Ausgangsbasis bei den Verhandlungen angesehen.
Meine sowjetischen
Kollegen ließen erkennen, sie einige
Monate tolerieren zu können, wenn wir
dies unbedingt wollten, aber mit dieser Haltung würden wir nicht weit
kommen.
Ein Jahr später bestand die Position der Vereinigten Staten immer
noch. Wir hatten nichts anderes auf
den Verhandlungstisch gelegt.
Die
Sowjets hatten drei oder vier Positionen dargelegt, von denen jede den
Umgang der von den Sowjets beibehal-

tenen Streitkräfte reduzieren, aber
einen festen Bestandteil enthalten
würde, demzufolge keine amerikanische
Systeme in Europa stationiert sein
sollten. Die Sowjets waren in einem
Jahr von 600 auf unter 300 heruntergegangen.
Der sowjetische Plan basierte
meiner Ansicht nach auf der Annahme,
daß die öffentliche Meinung in den
Vereinigten Staaten und Europa sowie
die ständigen Veränderungen in den
Regierungen der 15 Verbündeten Druck
auf die Reagan-Regierung ausüben würde, sich der sowjetischen Position zu
beugen.
Sogar noch im Sommer des
Jahres 1983 waren sie wohl davon
überzeugt, daß nach den Wahlen in der
Bundesrepublik und Großbritannien weder Bundeskanzler Kohls noch Premierministerin Thatchers Regierung dem
Druck einer Reihe von Vertretern der
Rechten und der Linken widerstehen
könnten, entweder die Verhandlungen
fortzuführen oder sie abzubrechen.
Die Sowjets haben zu spät erkannt
- erst im November 1983 - daß wir es
mit unseren Fortschritten bei der
Stationierung sehr ernst gemeint haben. Als wir im November 1983 weitere Stationierungen vorgenommen haben,
hatten sich die Sowjets zurückgezogen
und konnten lediglich die Verhandlungen in der Schwebe halten, was sie
dann auch getan haben. Damit gerieten sie in eine sehr eigenartige Situation.
Sie hatten sich von den
Verhandlungen zurückgezogen, stationierten aber weiterhin ihre Systeme.
Wir hatten erklärt, nicht die Systeme
gegeneinander aufrechnen, sondern 572
Raketen dislozieren zu wollen. Damit
hatten wir bereits begonnen.
Die
"Friedens"-Bewegung, von der die Sowjets sich eine buchstäbliche Verhinderung der Stationierung erhofft hatte, erreichte dies nicht. Zum Beispiel fanden die fast täglich in Genf
abgehaltenen Demonstrationen sowohl
vor der sowjetischen als auch vor der
amerikanischen Botschaft statt.
Es bestand erhebliche Besorgnis
darüber, daß die INF-Verhandlungen

�scheitern würden und damit alles zu
Ende sei.
Tatsächlich scheiterten
sie nicht. 16 Monate später kehrten
die Sowjets an den Verhandlungstisch
zurück. Die Sowjets hatten ursprünglich erklärt, unter keinen Umständen
mit uns zusammentreffen zu wollen,
solange wir weiterhin Raketen in Europa stationieren würden.
Tatsächlich haben sie erklärt, kein Treffen
abhalten zu wollen, wenn wir nicht
unsere Pershing II aus Europa abziehen würden. Bis März 1985 hatten wir
mehr als 70 Pershing II in Europa
stationiert und es kam zu einem Treffen.
Die Sowjets erklärten, sie würden
nur eine regionale Lösung akzeptieren. Sie würden hingegen keine Lösung hinnehmen, die nicht zu einem
Abzug aller amerikanischen INF-Raketen führen würde. Sie würden keine
Lösung befürworten, im Rahmen derer
britische und französische Systeme
nicht gezählt würden.
Sie würden
keine Situation befürworten, in der
keine amerikanischen Mehrzweckkampfflugzeuge erfaßt würden. Sie bestanden ferner auf dem Recht zur Beibehaltung einiger SS-20-Raketen in Europa und erklärten, diese im Hinblick
auf Bedrohungen gegenüber der Sowjetunion in Europa wie auch in Asien zu
benötigen. Als Beispiele führten sie
Afghanistan und China an. Ich bemerkte dazu, leider schienen die Sowjets völlig von feindlichen kommunistischen Regimen eingekesselt zu
sein.
In den Jahren 1986 und 1987 wurde
plötzlich klar, daß die Sowjets sich
unserer
Position annäherten.
Wir
hatten angedeutet, wenn es garnicht
anders ginge, unsere Position abändern und einem Interimabkommen zustimmen zu können, bei dem es für
Pershing II, landgestützte Marschflugkörper und SS-20 die gleiche Anzahl von Gefechtsköpfen gäbe.
Im Dezember 1987 unterzeichneten
die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion einen Vertrag, der die
vollständige Beseitigung der neuen

SS-20, SS-4 und SS-5 forderte, den
Abzug und die nachfolgende Baseitigung aller
landgest"t.zten Marschflugkörper - die Mehrzweckkampfflugzeuge oder britische und französische
Systeme wurden nicht erwähnt - und
die weltweite Beseitigung dieser Systeme, nicht nur der Systeme in Europa.
Dieses Ergebnis hätten offengestanden viele von uns 1981 niemals
für möglich gehalten. Ich denke, es
war ein Zusammenspiel vieler Dinge:
des Wandels in der Sowjetunion - den
wir nicht unterschätzen dürfen. Die
Ära Gorbatschow leitete eine realistischere Betrachtungsweise der Welt
ein als dies bei seinen Vorgängern
der Fall war. Sie bedeutete ebenfalls eine realistischere Sichtweise
der
innenpolitisch
notwendigen
Schritte und das Verständnis, daß
Breschnews Ansicht über die Welt und
innenpolitische Veränderungen in der
Sowjetunion unvereinbar waren.
Zweitens vertrete ich die Ansicht, daß Präsident Reagans starke,
aber maßvolle Position bei den INFVerhandlungen dazu beigetragen hat,
sicherzuustellen, daß wir die Gelegenheit zur Beseitigung sowjetischer
Systeme ganz sicher nutzen würden,
wenn sie sich uns böte.
Schließlich waren unsere Verbündeten standhaft gegenüber der sowjetischen Herausforderung
durch die
SS-20, und sie haben sich an unseren
bereits im Jahr 1979 konzipierten
Plan der Stationierung amerikanischer
Raketen gehalten. Ohne dies wäre ein
Vertrag niemals möglich geworden.
Ich möchte drei Bereiche näher
erläutern, zunächst das Konzept der
Veränderungen in der Sowjetunion.
Meiner Ansicht nach haben in der
Sowjetunion drastische Veränderungen
stattgefunden.
Ich kann und will
nicht sagen, daß die Veränderungen
allein durch die Politik der Vereinigten Staaten hervorgebracht wurden. Aber ich vertrete die Auffas-

- 7 -

�sung, daß die amerikanische Politik
der Aufrüstung unserer Streitkräfte
für unsere nationale Sicherheit und
die Berfolgung
einer Rüstungskontrollpolitik, die eine Reduzierung
von Systemen sowie einen Abbau der
Fähigkeiten auf gleiche Niveaus zum
Ziel hatte, für Gorbatschows Handlungsweise
den Weg geebnet hat.
Gorbatschows Haltung hat anerkannt,
daß die Vereinigten Staaten es ernst
meinten, aber daß sie keinen Vorteil
aus dem ziehen wollten, was die sowjetishe Regierung vielleicht als ihre Schwäche ansah. Gorbatschow hat
ebenfalls anerkannt, daß wir fair mit
ihm umgehen würden, daß aber die Sowjetunion sich ändern müßte, damit
wir dazu in der Lage sind.
Im Verlauf der vier Gipfelgespräche und der 28 Ministertreffen, die
in den vergangenen drei Jahren stattgefunden haben, haben wir ein Vierpunkteprogramm verfolgt, bei dem Rüstungskontrolle nur ein Punkt war.
Rüstungskontrolle
hatte nicht die
höchste Priorität auf der Tagesordnung, obwohl die Sowjets dies wollten
und das Thema auch anderen als zentraler Punkt erschien. Der zentrale
Punkt waren vielmehr Menschenrechte,
und wir haben in diesem Bereich mit
der Sowjetunion große Erfolge erzielt.
Regionale Fragen waren von Bedeutung. Der Abzug der Sowjets aus Afghanistan, zumindest die Verbesserung
der Lage in Angola und Verbesserung
der Situation im Nahen Osten, insbesondere im Persischen Golf sind meiner Meinung nach durch die amerikanisch-sowjetischen
Ministertreffen
wie auch Treffen auf höchster Ebene
gefördert wurden. Bei diesen Zusammenkünften haben wir versucht, der
Sowjetunion zu zeigen, daß die Lösung
regionaler Probleme in beiderseitigem
Interesse liegt. Ich denke, daß die
Sowjetunion das jetzt einsieht.
Den vierten Programmpunkt bilden
bilaterale Beziehungen wie etwa der
zunehmende Austausch zwischen beiden
Seiten, zum Beispiel Austauschprogramme für Studenten sowie der Kul-

turaustausch.
Im Rahmen dessen arbeiten wir auch an Schwierigkeiten,
die sich in der Vergangenheit ergeben
haben, etwa die Behandlung unseres
Verbindungsbüros in Potsdam oder unserer diplomatischen Vertreter in der
Sowjetunion.
In all diesen Bereichen sind bei
den Gipfeln und Ministertreffen erhebliche Fortschritte erzielt worden,
und das ist meiner Ansicht nach sehr
wichtig.
Ich habe bereits auf die Erarbeitung eines Konsens zwischen beiden
Parteien in den Vereinigten Staaten
in der Rüstungskontrolle hingewiesen.
Wir konnten ebenfalls mit unseren
Verbündeten einen Konsens im Bereich
der
Rüstungskontrolle
entwickeln.
Die Verbündeten hegen bisweilen Bedenken gegen rein amerikanisch-sowjetische Lösungen für Probleme der Rüstungskontrolle, weil sie eine Gefährdung ihrer Interessen fürchten.
Bei den INF-Verhandlungen waren zum
Beispiel die Briten und die Franzosen
besorgt, daß die Vereinigten Staaten
und die Sowjetunion ihre Probleme auf
Kosten ihrer Kernwaffensysteme lösen
könnten. Wir haben die Briten und
Franzosen wiederholt beruhigt, Konsultationen mit ihnen und anderen
NATO-Partner abgehalten, um sicherzugehen, daß sie im voraus wissen, welchen Kurs wir einschlagen und warum.
Es ergab sich insoweit ein zusätzliches
Problem,
als
unsere
Pershing
II
und
landgestützten
Marschflugkörper in fünf europäischen
Ländern stationiert waren. Als wir
Gespräche über Verifizierung aufnehmen wollten, wurde diesen Ländern
plötzlich klar, daß wir über ihre
souveränen Rechte sprachen. Könnten
wir zum Beispiel im Rahmen eines bilateralen Vertrages sowjetischen Inspektoren Zugang
zu italienischen
Stützpunkten gewähren, über denen die
italienische Flagge wehte und die von
italienischen
Carabinieri
bewacht
wurden.
Wir erkannten, daß unter den Ver-

�bündeten ein eng geknüpftes Netz von
Abkommen existierte. Tatsächlich waren dies im allgemeinen bilaterale
Abkommen, die zu anderen Zeiten, unter anderen Umständen erarbeitet worden waren. Einige unserer Rechte gehen sogar, wie etwa in der Bundesrepublik, auf Besatzungsrecht nach dem
Krieg zurück. Manche Rechte in Großbritannien gehen auf Abkommen zurück,
die zwischen Präsident Roosevelt und
Premierminister Churchill geschlossen
wurden.
Wir benötigten neun Monate, um
die Rechtslage der fünf NATO-Staaten,
in denen wir Stützpunkte unterhalten,
wie auch die der Vereinigten Staaten,
der Sowjetunion und ihrer zwei Stationierungsländer aufzuarbeiten. Und
ich muß sagen, dies geschah im Westen
in einer gesunden Atmosphäre.
Die
Sowjetunion zeigte Verständnis für
unsere Probleme.
Zunächst fragten
sie achselzuckend: "Aber informieren
Sie nicht Ihre Verbündeten? Wir informieren Sie ganz einfach." Worauf
wir antworteten, daß dies bei uns
nicht ganz so einfach sei.
Das ist ein Beispiel für die Probleme, die wir bei der Behandlung der
komplexen Rüstungskontrolle angehen Probleme, die wir im Jahr 1981 noch
nicht erkannten.
Ein weiteres Besipiel
Problem der Verifizierung.

ist

das

Im Februar 1982 haben wir den ersten Entwurf eines 14 Seiten umfassenden INF-Vertrages vorgelegt. Wir
erachteten ihn als fairen und vollständigen Vertrag. Der einzige nicht
enthaltene Punkt war der Zusatz zur
Verfizierung. Statt dessen war eine
Seite mit dem Vermerk "Wird nachgeliefert" eingefügt. Diese "Nachlieferung" umfaßte dann 200 Seiten. Der
Vertrag selbst umfaßte etwa 100 Seiten, und wir liefern ständig im Rahmen der sich weiterentwickelnden Verifizierungspraxis bei INF Ergänzungen nach.
Das Problem der Verifizierung war

größer als vorhergesehen und erforderte, die Kooperation der Verbündeten eingeschlossen, einen ungeheuren
Arbeitsaufwand bis zu seiner Lösung.
Der INF-Vertrag bietet jedoch eine
ausgezeichnete Vorarbeit für zu erwartende komplexere Verträge wie etwa
START.
Der letzte Punkt, auf den ich
hier eingehen möchte, ist eine der
Schwierigkeiten der vergangenen Jahre: die Garantie sowjetischer Einhaltung von Rüstungskontrollverträgen.
Wir hatten zum Beispiel ernsthafte
Probleme mit der sowjetischen Einhaltung des ABM-Vertrages. Bei Amtsantritt der Administration sind wir
über die Notwendigkeit einheitlicher
Vorschriften zur Einhaltung sowie ein
Verifizierungssystem übereingekommen,
um zu gewährleisten, daß wir uns der
Nichteinhaltung bewußt sind.
In den vergangenen sieben Jahren
haben wir eine Reihe von Bestimmungen
und Verfahrensweisen zur Verfizierung
erarbeitet, die jetzt von beiden Seiten anerkannt werden.
Die Sowjets
widersetzten sich im Jahr 1981 energisch jeder Art eindringlicher Inspektion - nationale technische Mittel waren alles, was die Sowjets zu
akzpetieren bereit waren. Sie wollten möglicherweise die Verbesserung
nationaler technischer Mittel, keinesfalls
aber
Vor-Ort-Inspektionen
zulassen. Heute fordern die Sowjets
in all ihren Vorschlägen Vor-Ort-Inspektionen in irgendeiner Form. Zumindest teilweise haben sie ihre
Furcht überwunden, Ausländern Zugang
zu den entlegenen Teile der Sowjetunion zu gewähren. Und ich kann berichten, daß im Rahmen von INF inzwischen vier Monate vergangen sind,
in denen Inspektionen stattgefunden
haben, und die Sowjets waren kooperativ und sogar hilfsbereit bei der
Verwirklichung der Vertragsbestimmungen.
Es hat Meinungsverschiedenheiten
zwischen uns gegeben, aber diese Meinungsverschiedenheiten waren die zu
erwartenden Mißverständnisse, keine

- 9 -

�Versuche der Sowjetunion oder der
Vereinigten Staaten, etwas zu verbergen, was dem Vertrag zufolge nicht
verborgen bleiben sollte oder von
vereinbarten Vertragsbestimmungen abzuweichen.
Was die Zukunftsaussichten anbetrifft, so vertrete ich die Auffassung, daß der Konsens in beiden Parteien der Vereinigten Staaten weiterhin beibehalten wird. Ich denke, der
auf Reduzierungen basierende und der
RUstungskontrollpolitik des Westens
zugrundeliegende Konsens über Rüstungskontrolle wird weiter bestehen.
Meiner Ansicht nach wird die Sowjetunion, zumindest unter Gorbatschow,
weiterhin ein schwieriger Verhandlungspartner sein.
Ich denke, die
Möglichkeit, schnelle Ergebnisse in
allen Bereichen zu erzielen, ist relativ gering, aber der Prozeß, in unterschiedlichem Tempo in unterschiedlichen Bereichen etwas zu bewegen,
ist eingeleitet und dieser Herausforderung muß sich meiner Meinung nach
die nächste Administration stellen.

* * * * * *

�^°s?&lt;

'VON

AMERIKA DIENST
Information

4

42

17. November 1988

JAMES BAKER:

POLITISCHER STRATEGE UND WIRTSCHAFTSPOLITIKER

- Porträt des neuen amerikaniscnen Außenministers -

WASHINGTON - (AD) - Der designierte Außenminister James Baker, seit 30
Jahren Freund und politischer Berater des neu gewählten Präsidenten George
Bush, war über sieben Jahre lang in der Reagan-Administration ein führender
politischer Stratege und Wirtschaftspolitiker.
Der frühere Stabschef Reagans und
Finanzminister ist für seinen politischen Scharfsinn und seine ausgezeichneten
FUhrungsqualitäten
bekannt. Er gilt als "äußerst pragmatisch" - als Insider in Washington,
den Resultate stärker interessieren
als Ideologie.
Baker gab sein Amt als Finanzminister im vergangenen August auf, um
Wahlkampfleiter für Bush - einem
Texaner wie er - zu werden. Dieser
Schritt wurde von republikanischen
Strategen und Wahlkampfhelfern später
als Schlüsselfaktor für Bushs Vorsprung vor dem demokratischen Kandidaten Michael Dukakis angesehen.
Einem hochrangigen Regierungsvertreter in Bushs Wahlkampf zufolge hat

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Bakers Konzept der Kampagne "ein Tempo verliehen, wie wir es früher niemals vorgelegt haben".
Bei der Ankündigung seiner Entscheidung für Baker als Leiter des
Außenministeriums am 9. November hat
Bush dessen "erwiesene Fähigkeiten
als Unterhändler" herausgestellt und
erklärt, "der seiner Person entgegengebrachte Respekt wird ihm behilflich
sein, als unser nächster Außenminister sein Bestes zu geben."
Außenminister Shultz bezeichnete
die Nominierung als "begrüßenswerte
und ermutigende Entscheidung".
Shultz zufolge ist Baker mit aussenpolitischen Fragen "engstens vertraut" und "genießt das Vertrauen der

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Telex: 8-85432

�Staats- und Regierungschefs auf der
ganzen Welt, denen er aufgrund seiner
hervorragenden Leistungen" als Finanzminister bekannt ist.
Als
ehemaliger
Stabschef
im
Weißen Haus kennt Baker "unser Regierungssystem wie seine Westentasche,
und die Bewunderung und das Vertrauen
des Kongresses sind ihm sicher", fügte Shultz hinzu.
"Vor allem hat
Baker sich intensiv mit der Politik
unserer Demokratie auseinandergesetzt
und kennt die Bedürfnisse und Hoffnungen des amerikanischen Volkes.
Seine enge, herzliche und produktive
Beziehung zum neu gewählten Präsidenten Bush machen ihn genau zu dem
Mann, den der Präsident als hochrangigen
außenpolitischen
Berater
braucht wie auch zum Sprecher für den
Präsidenten und die Interessen unseres Landes in der neuen und glänzenden Epoche, in die wir jetzt eintreten."
Als Stabschef des Präsidenten vom
Januar 1981 bis Januar 1985 erlangte
Baker den Ruf eines klugen politischen Strategen. 1981 trieb er die
Steuer- und
Ausgabenkürzungen
im
Kongreß voran und spielte 1983 eine
Schlüsselrolle bei der Aushandlung
eines Kompromisses, durch den die
Mittel für die Sozialversicherung
weiter bereitgestellt wurden.
Bei Bakers Amtsantritt als Finanzminister im Jahr 1985 bezeichnete
Regan ihn als "einen erwiesenermaßen
erfolgreiches Mitglied unserer Beauftragten für Sicherheit, Gesetzgebung
und Wirtschaftspolitik".
Im Finanzministerium errang Baker
Beifall, weil er im Kongreß darauf
drängte, eine eingehende Überprüfung
der Steuergesetzgebung zu beschliessen, mit der viele Steuervergünstigungen beseitigt und der Einkoramenssteuersatz
verringert
wurde.
Er
führte den Vorsitz bei Verhandlungen
über ein Freihandelsabkommen mit Kanada und gab Anstöße für Abkommen mit
führenden Industrieländern, die eindeutig die amerikanische Position im

Handel verbessert haben, indem sie
den Dollar auf ein niedrigeres Niveau
brachten. Sein Vorschlag für die Bewältigung des Schuldenproblems der
Dritten Welt ist zur grundsätzlichen
Strategie der Industrieländer für die
Behandlung dieses Problems geworden.
Die Washington Post bezeichnete
Baker als "dominierende internationale Persönlichkeit und vielleicht den
einflußreichsten amerikanischen Finanzminister unserer Zeit."
"In den siebeneinhalb Jahren der
Reagan-Administration",
so
die
Washington Post weiter "blieb er
von Skandalen verschont.
Und die
ernsthafteste
Fehleinschätzung
des
Präsidenten - das Geschäft Waffen gegen Geiseln - fand nicht während seiner Amtszeit als Stabschef unter
Reagans statt".
Baker, der schon die Präsidentschaftswahlkämpfe des ehemaligen Präsidenten Ford im Jahr 1976 sowie von
Vizepräsident Bush in den Jahren
1979/80 geleitet hatte, war maßgeblich an Reagans überwältigendem Sieg
bei dessen Wiederwahl im Jahr 1984
beteiligt.
Wie die New York Times schrieb,
beinhaltet Bakers politischer Stil
einige Qualitäten, die "einem erfolgreichen Trainer von Vollblutpferden
gut anstehen würden". Baker hat "ein
Geschick für Wahlkampfarithmetik bei
Aufgaben wie der Berechnung von Wahlkampfbudgets oder der Einschätzung
der Wählerschaft zu einem bestimmten
Thema", so die Times.
"Baker hat
ferner einen sechsten Sinn dafür,
wann es Zeit für einen Kompromiß oder
eine neue Initiative ist sowie den
ausgesprochenen Willen, als erster
die Ziellinie zu überqueren. überdies hat er eine geradezu jungenhafte
Freude am Wettstreit, was ihn zu einem guten Begleiter bei Wahlkämpfen
macht."
Der 58jährige Baker und seine
Frau Susan haben acht Kinder. Er ist
ein direkter Nachfahre eines der

- 2 -

�Gründerväter von Houston (Texas).
Bakers Urgroßvater war Mitbegründer
von Baker and Botts, heute eine der
12 größten Anwaltskanzleien in den
Vereinigten Staaten. In der Folgezeit gründete und leitete sein Großvater die South Texas Commercial
Bank, die später zur Texas Commerce
Bank wurde.
Der
hochgewachsene,
schlanke
Baker erwarb sich seine politische
Sachkenntnis, für die er heute weithin anerkannt ist, relativ spät.
Nach der Abschlußprüfung an der
Prlnceton University im Jahr 1952
diente er zwei Jahre bei der Marineinfanterie. Im Jahr 1957 bestand er
das juristische Examen an der University of Texas Law School mit Auszeichnung.
Im selben Jahr begann
seine 23jährige berufliche Laufbahn
bei
der
Houstoner
Anwaltskanzlei
Andrews, Kurth, Campbell and Jones.
Von August 1975 bis Mai 1976 war
er Abteilungsleiter im Handelsministerium
und
gab
diesen
Posten
schließlich auf, um am Wahlkampf für
Gerald Ford teilzunehmen. "Unspektakulär" und "unprätentiös" waren die
von Beobachtern häufig benutzten Ausdrücke, um Bakers Tätigkeit im Handelsressort zu beschreiben.
Frank Hodsoll, Bakers Hauptberater im Handelsministerium, zufolge
besitzt Baker ein hochentwickeltes
"Gespür für Menschen, einen Sinn dafür, jedem das Gefühl zu vermitteln,
daß er eine wichtige Rolle spielt".
Baker hat das Talent, "die richtigen
Themen anzuprechen, geeignete Maßnahmen zu bestimmen und danach sicherzustellen, daß diese Maßnahmen auch
durchgeführt
werden,"
erklärte
Hodsoll.
Nach einem erfolglosen Versuch,
im Jahr 1978 als republikanischer Bewerber für das Amt des Justizministers von Texas nominiert zu werden,
leitete er 1980 die Kampagne von
George Bush für die Nominierung als
republikanischer Präsidentschaftskandidat.

Bei Reagans erstem Präsidentschaft swahlkampf übernahm Baker die
Rolle eines Krisenmanagers und führte
die Verhandlungen über die Fernsehdebatten zwischen den Kandidaten. Gerade seine Leistung in dieser letzteren Funktion überzeugte Reagan angeblich davon, Baker während seiner ersten Amtszeit zu seinem Hauptberater
zu machen.
Dem Christian Science Monitor
zufolge spielte sich das folgendermaßen ab:
"Es war Baker, der bisweilen ganz
auf sich gestellt darauf bestand, daß
Reagan
dem
früheren
Präsidenten
Carter im Fernsehen gegenübertreten
solle, selbst in der Endphase des
Wahlkampfs, als Reagan in den Meinungsumfragen vorn lag und man hätte
argumentieren können, daß Carter die
Konfrontation im Fernsehen benutzen
könnte, Reagans Schwungkraft zu bremsen ... Reagan hörte auf Bakers Rat.
Die nach der Debatte durchgeführten
Meinungsumfragen zeigten, daß das sichere Auftreten und der Humor des
Herausforderers ihm einen deutlichen
Vorteil gegenüber einem zu nüchternen
und fast verbissenen Präsidenten eingebracht hatten ... Reagan nahestehende Persönlichkeiten behaupten, der
Präsident betrachte die Debatte mit
Carter als Wendepunkt in seinem Wahlkampf - der Schachzug, der Ihn an die
Spitze geführt hat."
Baker wurde schon häufig eine unabhängige politische Zukunft vorhergesagt. Vor einigen Jahren wurde ein
enger Mitarbeiter der Reagan-Administration mit dem Ausspruch zitiert,
Baker werde "in den nächsten zehn bis
15 Jahren eine wichtige Kraft auf der
politischen Szene sein, egal was mit
dem Präsidenten geschieht - fast unabhängig davon, was mit der Republikanischen Partei geschieht".

- 3-

* * * * * *

�AMERIKA DIENST
VON

4

Wissenschaft und Technik

17. November 1988

42

STRAHLUNG DURCH RADON IN RAUMLUFT
- Bauliche Schutzmaßnahmen zur Verringerung von
Gesundheitsrisiken empfohlen -

WASHINGTON - (AD) - Radon, eines der sechs geruch- und farblosen Elemente
aus der Gruppe der reaktionsträgen Edelgase, bereitet den Baubiclogen und der
Bautechnik zunehmend Sorgen. Grund: Es ist radioaktiv und wird in der Raumluft von Gebäuden, ohne ständigen Austausch von Außenluft angereichert. Aus
dem Untergrund sickert es durch winzige Risse im Fundament in das Gebäude ein;
in den unteren Geschossen ist deshalb seine Konzentration größer als in höheren Stockwerken.

Für Bewohner oder in den Gebäuden
tätige Personen kann Radon im Laufe
der Zeit zu einem Gesundheitsrisiko
werden, denn es fördert - indirekt die
Entstehung
von Lungenkrebs.
Schuld daran ist nicht Radon selbst
bzw. das häufigste seiner 16 Isotope
(Radon 222), sondern das unter Aussendung von Alpha-Teilchen (elektrisch positiv geladene Heliumkerne)
daraus entstehende feste Zerfallsprodukt Polonium.
Mit der Atemluft gelangt Polonium
in Bronchien und Lunge. Es ist radioaktiv und gibt wiederum AlphaTeilchen ab, die eine ionisierende
Wirkung auf das umliegende Körpergewebe haben. Bereits 1964 berichtete
die
amerikanische
Zeitschrift
Science über das als "Verunreinigung" in Zigarettentabak stets vor-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

handene Polonium als möglichen Mitverursacher von Lungenkrebs.
Die
Konzentration sei allerdings unterschiedlich und vom Standort der Tabakpflanzen abhängig.
Ebenso besteht ein regionaler Unterschied bei der Konzentration von
Radon in Gebäuden. Sie hängt - von
der Bauisolierung des Fundaments einmal abgesehen - weitgehend von der
Art der Masse an uran-, thorium- und
radiumhaltigem Gesteins im Untergrund
sowie von der Beschaffenheit der oberen Bodenschichten ab. Auch meteorologische Bedingungen wie Luftdruck
und Feuchtigkeit spielen eine Rolle.
Als natürliches Zwischenprodukt des
radioaktiven Zerfalls von Uran bzw.
Radium
und
anderen
radioaktiven
Schwermetallen dieser Gruppe ist es
praktisch überall in der Erdrinde

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�vorhanden und sickert an der Oberfläche in die Atmosphäre. Auch in
der Außenluft sind seine Konzentrationen infolge der unterschiedlichen
Gesteinsformationen
im
Untergrund
verschieden - sie liegen etwa zwischen 7,4 und 25 Becquerel pro Kubikmeter/Luft ("Becquerel" ist eine Maßeinheit für die Strahlungsaktivität
und gibt die Anzahl der Zerfälle pro
Sekunde an). Liegt beispielsweise
Granit im Untergrund, ist die Aktivität an der Oberfläche größer als über
dicken Kalkschichten.
Vor allem in den USA und in
Schweden werden bereits seit einigen
Jahren Studien zur Erforschung der
Konzentrationen und Auswirkungen von
Radon durchgeführt.
Inzwischen hat
sich auch das amerikanische Amt für
Umweltschutz (EPA - U.S. Environmental Protection Agency) des Problems angenommen. In sieben Bundesstaaten ließ die Behörde Tausende von
Wohnhäusern untersuchen, was angesichts der ziemlich komplizierten und
vor allem zeitaufwendigen Meßverfahren erhebliche Schwierigkeiten bereitete. Jetzt liegen erste Ergebnisse
vor: In fast jedem dritten Haus wurden Aktivitäten von mehr als 150
Becquerel pro Kubikmeter Raumluft ermittelt
(was vier Picocurie/Liter
Raumluft nach dem älteren Meßverfahren entspricht). Diesen Wert hatte
die EPA als noch unbedenklichen
Grenzwert angegeben, obgleich er nach
Aussage von Experten für die Bewohner
etwa das gleiche Risiko für eine Erkrankung an Lungenkrebs in sich berge
wie das tägliche Rauchen einer halben
Packung Zigaretten.
Die EPA empfahl, alle Häuser auf
Radon hin zu inspizieren und bei höheren als den noch für unbedenklich
gehaltenen Aktivitäten Sanierungsmaßnahmen vornehmen zu lassen.
Das
könnte vor allem durch Abdichten des
Fundaments und Verbesserung der Ventilation geschehen. Im Oktober 1988
billigte der amerikanische Kongreß
das "Gesetz zur Kontrolle der RadonKontamination", das landesweit - allerdings erst auf längere Sicht - die
Verringerung von Radon-Konzentratio-

nen in Gebäuden auf Außenluft-Aktivität anstrebt, das heißt auf 7,4 bis
25 Becquerel.
Es gewährt für die
nächsten drei Jahre 43 Millionen Dollar, um den Bundesstaaten bei der
Entwicklung von Meß- und Schutzprogramme zu helfen. Außerdem sieht es
die Schaffung einer Zentralstelle für
Informationen über Technologien zur
Reduzierung von Radon in Innenräumen
vor.
Einige Bundesstaaten haben bereits selbst die Initiative ergriffen. Der Staat New York wendet im
kommenden Jahr 2,75 Millionen Dollar
auf, um Hausbesitzern bei der Beseitigung des Radon-Risikos zu helfen.
In den vergangenen drei Jahren gaben
New York, New Jersey und Pennsylvanien fünf Millionen Dollar für Radon-Programme aus.
EPA-Berechnungen
lassen die Annahme zu, daß Radon für
mindestens 5 000, vielleicht für bis
zu 20 000 Todesfälle pro Jahr durch
Lungenkrebs verantwortlich ist. Viele solcher Todesfälle beträfen Zigarettenraucher, und bei diesen potenziere sich zweifellos durch Radon die
Gefahr, an Lungenkrebs zu sterben.
Im Jahr 1987 verzeichneten die Vereinigten Staaten 136 000 Todesfälle
durch Lungenkrebs.
Den Statistiken
der "American Cancer Society" zufolge
sind 85 Prozent davon auf Rauchen zurückzuführen.
Der Nationale Forschungsrat der
USA schätzt für den Bürger das durchschnittliche Risiko, an Lungenkrebs
durch Radoneinwirkung zu sterben, auf
0,4 Prozent. Es ist also wesentlich
größer als das von anderen Umweltgefahren wie Asbest, Pestiziden oder
Aerosolen wie Benzoldämpfen ausgehende und mit 0,001 Prozent angesetzte
Risiko. Die Berechnungen zum Lungenkrebsrisiko basieren auf Studien an
Bergarbeitern in Uranminen der USA,
Schwedens und Kanadas. Durch Extrapolation kam man zu den Zahlen für
Radon-verursachten Lungenkrebs in Gebäuden.
Der
Geologe
Christopher
Mathewson (A&amp;M Universität, Texas)
verweist darauf, daß die RadongasProbleme geologisch bedingt seien und
es eine Reihe von Regionen im Lande

- 2 -

�gebe, in denen man sich keine Sorgen
zu machen brauche.
Ein Gebiet mit besonders hoher
Radon-Konzentration
ist
"Reading
Prong", eine uranreiche geologische
Formation, die
sich von Reading
(Pennsylvanien) durch den nördlichen
Teil New Jerseys bis in den Staat New
York hinzieht. In vielen Häusern der
Region ist die Raumluftkonzentration
von Radon deutlich erhöht; bei 60
Prozent liegt sie über dem Grenzwert
von 150 Becquerel/cbm.
Ähnliches gibt es auch in anderen
Ländern. Der Physiker Bernard Cohen
(Universität Pittsburgh) stellte in
Häusern im südöstlichen Finnland Radonaktivitäten von knapp 300 Becquerel/cbm Raumluft fest, was dem Achtfachen des weltweiten Durchschnittswertes entspricht.
In einem Regierungsbezirk in Schweden wurden bei
einer anderen Studie gar 450 Becquerel/cbm Raumluft gemessen - der höchste
bisher
überhaupt
ermittelte
Durchschnittswert in einem großen Gebiet.
Das amerikanische Bundesenergieministerium, die Umweltschutzbehörde
EPA und mehrere amerikanische Bundesstaaten sind im ganzen Land dabei,
"heiße" Punkte, das heißt besonders
strahlungsaktive Gebiete, zu identifizieren. In Florida beispielsweise,
wo vor allem reichhaltige Uranlagerstätten für das Radonproblem verantwortlich zu machen sind, wird an bestimmten Stellen Bauland von der
staatlichen
Gesundheitsbehörde
als
besonders risikobehaftet für Neubauten ausgewiesen. Derzeit wird erwogen, die Eintragung von Radon-Meßwerten in Grundstücksdokumente gesetzlich vorzuschreiben.
Aus dem Geologischen Bundesamt
der USA verlautet, daß in solchen
Häusern die höchste Radon-Konzentration gefunden wird, die auf stark
durchlässigem
Gletschersand
oder
Gletscherkies über uranreichem Gestein in der Tiefe liegen. Dies hätten Studien gezeigt, bei denen Bodentyp, Bauweise und Außentemperatur mit

Radon-Meßdaten
verglichen
wurden.
Der Geologe Allan Tanner berichtete
kürzlich, "wir kommen jetzt an den
Punkt, wo wir schon vor dem Bau eines
Hauses oder für dieses oder jenes
Haus sagen können, wann es größere
Probleme gibt".
Radon-Experten sind der Ansicht,
daß nicht nur das Abdichten von Wänden und Boden des Fundaments von Gebäuden, sondern in erster Linie die
Durchlässigkeit oder Nichtdurchlässigkeit des Grundes, auf dem das Haus
steht, eine Rolle spielt. Auch diffundiere das gasförmige Radon nicht
einfach in das Haus ein, sondern werde regelrecht eingesaugt, wenn durch
natürliche Ursachen oder auf mechanische Weise Luft aus dem Haus nach
außen gedrückt und der Innendruck
verringert wird. Der Saugeffekt entsteht zum Beispiel durch Kaminfeuer,
Öfen und Heizungen, Wind, der ums
Haus weht, und durch die "Kaminwirkung" wärmerer Luft, die im Haus aufsteigt und durch Öffnungen am bzw. im
Dach entweicht. Am besten sei es,
durch Öffnungen im Kellerboden die
radonhaltige Luft ständig nach draussen zu pumpen. Mit diesem Verfahren
sei es schon gelungen, Radonkonzentrationen
von
7400
Becquerel/cbm
Raumluft auf weniger als 150 Becquerel zu verringern.
Die einfachste
Ausrüstung dafür koste ca. 1 000 Dollar.
Welche Grenzwerte für Radon in
Innenräumen gelten sollen, wird nicht
einheitlich bewertet.
So empfiehlt
beispielsweise die Nationale Strahlenschutzkommission in England bis zu
370 Becquerel pro cbm Innenluft in
bereits errichteten Gebäuden und ca.
90 Becquerel in Neubauten zuzulassen.
Die Internationale Strahlenschutzkommission hat für bereits bestehende
Bauten 550 Becquerel für noch zulässig erklärt.

- 3 -

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Burns erwartet einschneidende Reduzierungen bei konventionellen&lt;br /&gt;Streitkräften&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede des Direktors der ACDA in Boston&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;&lt;strong&gt;2. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;James Baker: politischer Stratege und Wirtschaftspolitiker&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Porträt des neuen Außenministers&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Strahlung durch Radon in Raumluft&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Bauliche Schutzmaßnahmen zur Verringerung von Gesundheitsrisiken empfohlen&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST

9. November 1988

41
INHALT

DOKUMENTATION
DIE WAHLEN IN AMERIKA 1988
Nach seinem Wahlsieg appelliert Bush an Einigkeit der Nation
- Ansprache des neu gewählten Präsidenten -

HINTERGRUNDMATERIAL
DIE WAHLEN IN AMERIKA 1988
Bush will als Präsident Reagans Programme fortführen
- Artikel über die Ergebnisse der Präsidentschaftswahl

Rüstungskontrolle als Erbe der Reagan-Administration
- Von George P. Shultz -

WIRTSCHAFT
Yeutter; Drei Schlüsselbereiche für Montreal-Gespräche
- Rede des amerikanischen Handelsbeauftragten vor dem
Commonwealth Club Yeutter nennt Airbus-Subventionen "beunruhigend"
— Erklärung des amerikanischen Handelsbeauftragten zum Airbus

* * * * * *

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�AMERIKA DIENST
Dokumentation

'SroN$&lt;

9. November 1988

41

DIE WAHLEN IN AMERIKA 1988
NACH SEINEM WAHLSIEG APPELLIERT BUSH AN EINIGKEIT DER NATION
- Ansprache des neu gewählten Präsidenten -

WASHINGTON - (AD) - Der am 8. November 1988 zum neuen Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählte Vizepräsident George Bush versprach in einer kurzen,
landesweit im Fernsehen übertragenen Rede aus seinem WahlkampfZentrum in
Houston (Texas), er werde nach dieser häufig mit Schärfe geführten Wahlkampagne ein "Präsident des ganzen Volkes" sein. Er appellierte an seine Mitbürger,
"Zusammenhalt zu beweisen - wie wir das nach Wahlen immer getan haben".
Bushs Ansprache hat folgenden Wortlaut:

Ich habe soeben einen Anruf von
Gouverneur Dukakis erhalten, und ich
möchte Ihnen mitteilen, daß er sich
sehr großmütig verhalten hat. Sein
Anruf war sehr persönlich und herzlich und stand im Einklang mit der
großen Tradition der amerikanischen
Politik. Wir können heute die erhebendsten Worte aussprechen, die einer
Demokratie eigen sind: "Das Volk hat
gesprochen."

genauso ist er eben. Er ist einfach
einer der anständigsten Menschen, die
ich je kennengelernt habe.

Aus ganzem Herzen und mit großen
Hoffnungen danke ich all den Menschen
in ganz Amerika, die uns zu diesem
großen Sieg verholfen haben. Und ich
danke Ronald Reagan; ich danke ihm
dafür, daß er das Ruder in unserem
Land herumgeworfen hat und dafür, daß
er mein Freund ist und sich im Wahlkampf so sehr engagiert hat. Aber

Ich möchte mich bei meinem großartigen Freund Jim Baker, einem Sohn
der Stadt Houston, bedanken sowie
auch bei meinem Wahlkampfleiter Lee
Atwater sowie den Wahlhelfern, allen
Mitarbeitern, dem Republican National
Committee (RNC), all unseren Parteivorsitzenden in den Bundesstaaten,
den Organisationen und politischen

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Ich möchte meinem Freund, dem Vizepräsidentschaftskandidaten
Dan
Quayle und seiner Familie danken.
Sie haben trotz scharfer Kritik große
Stärke bewiesen und unermüdlich gekämpft. Ich bin stolz auf ihn und
seine Familie.

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�Clubs.
Insbesondere danke ich den
jungen Leuten, die so viele Nächte
aktiv waren und Wahlplakate geklebt
haben, den Leuten, die so viele Telefongespräche führten und um Stimmen
geworben haben.
Gerade zu dieser Stunde findet im
Washingtoner Hilton-Hotel ein großes
Treffen von freiwilligen Wahlkampfhelfern statt. In Gedanken bin ich
bei Euch - vielen, vielen Dank für
alles, was Ihr von der Bundeshauptstadt aus geleistet habt.
Nun möchte ich mich meiner Familie zuwenden. Tatsache ist, daß ich
ohne sie nichts wäre. Unsere vier
Söhne, unsere Tochter Doro und meine
Frau Barbara. Wahrscheinlich sollte
ich nicht mehr meine Barbara sagen,
denn schon bald wird sie die First
Lady der Vereinigten Staaten sein.
Ich danke Gott für die Zuversicht, die er mir geschenkt hat. Mit
zunehmendem Alter werde ich mir immer
mehr des göttlichen Elements im Leben
bewußt, und ich bitte um Gottes Hilfe.
Ich danke den Männern und Frauen
von Texas; ich sehe Menschen hier
versammelt, die mit mir 1962 in der
Politik angefangen haben. Ihr habt
niemals Eure Zuversicht verloren, Ihr
habt mich niemals verlassen und Ihr
seid ein Quell meiner Stärke.
Dies ist für uns alle eine bewegende Nacht. Man muß gerührt sein,
wenn das eigene Land die Hoffnungen
und die Bewerbung um das Präsidentenamt billigt.
Die Gefühle sind so
persönlich, daß diese Entscheidung
umso schwerer wiegt.
Und jetzt werden wir an einem
Amerika arbeiten, das der Welt Stärke
und Entschlossenheit demonstriert und
auch im Inland Stärke und Großmut beweist. Und wenn ich eine gütigere
und sanftere Nation schaffen möchte,
habe ich das so gemeint, wie ich es
sagte, und ich meine es auch jetzt
noch so.

Ein Wahlkampf ist eine Kontroverse.
Und Kontroversen entzweien.
Aber eine Wahl ist eine Entscheidung,
und Entscheidungen ebnen den Weg für
Harmonie und Frieden.
Ich möchte ein Präsident des ganzen Volkes sein und nicht nur die
Hoffnungen und Interessen meiner Anhänger, sondern auch die des Gouverneurs und derjenigen, die nicht gewählt haben, vertreten.
Meinen Anhängern gegenüber werde
ich versuchen, mich ihres Vertrauens
würdig zu erweisen, und bei meinen
Gegnern werde ich versuchen, ihr Vertrauen zu erwerben. Ich reiche Ihnen
meine Hand und möchte auch Ihr Präsident sein.
Ich denke, ich weiß, wie sich
Gouverneur Dukakis jetzt fühlt. Ich
habe selbst in meiner Laufbahn Niederlagen erlitten, und es schmerzt.
Aber wir sind beide in den Ring gestiegen und haben einen langen und
harten Kampf geführt. Der Gouverneur
kann zufrieden damit sein, daß seine
tapfere Familie - Kitty, Kara, Andrea
und John - ihm alle Ehre gemacht hat.
Und jetzt weiß ich, daß wir - wie
immer - Zusammenhalt beweisen und auf
200 Jahre der Harmonie in der ältesten und größten Demokratie seit
Menschengedenken zurückblicken.
Ich
bin viel gereist, habe vielen Menschen die Hand gereicht, und, wir das amerikanische Volk und ich - haben Gespräche geführt, es hat ein
Austausch
stattgefunden und einen
Dialog gegeben, die nicht außer acht
gelassen werden können. Nicht jetzt,
wenn es für mich am notwendigsten ist.
Und deshalb möchte ich die Gespräche weiterführen und auf Sie zugehen, mit Ihnen sprechen und Ihnen
meine Hand reichen.
Und noch etwas. Ich werde alles
in meiner Macht Stehende tun, um mit
dem Kongreß der Vereinigten Staaten
konstruktiv zusammenzuarbeiten.

�Und abschließend möchte ich noch
ein Wort hinzufügen, was Sie - meine
Freunde hier im Saal - mir bedeuten.
Jedes Mal, wenn Barbara und ich nach
Texas kommen, ist es eine Heimkehr.
Wir verbrachten hier unsere Jugend,
haben vor 40 Jahren - im Sommer des
Jahres 1948 - hier auf den Ö'lfeldern
angefangen, und - wie Sie wissen ein Unternehmen aufgebaut und ich bin
in die Politik gegangen. 40 Jahre
der
Arbeit,
Pflichterfüllung
und
Freundschaft.
Und jetzt werde ich dieses hier
im Raum spürbare Entgegenkommen und
die Freundschaft annehmen und bewahren, wenn ich nach Washington gehe,
wo manchmal Kälte herrscht ... und wo
es weiß Gott viel Arbeit zu tun gibt.
Ich danke Ihnen, Gott schütze Sie
und noch eins. In weniger freudvollen Tagen habe ich ein Verprechen gegeben, das ich jetzt einlösen möchte.
Vielen Dank, New Hampshire.
Vielen Dank für alles.
Gott schütze Amerika.
Vielen Dank Ihnen allen.

* * * * * *

- 3-

�AMERIKA DIENST
'VON

Hintergrundmaterial

4

9. November 1988

41

DIE WAHLEN IN AMERIKA 1988

BUSH WILL ALS PRÄSIDENT REAGANS PROGRAMME FORTFÜHREN
Artikel über die Ergebnisse der Präsidentschaftswahl

WASHINGTON - (AD) - Nach seinem eindeutigen Sieg über Michael Dukakis und
seiner Wahl zum 41. Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika versprach
Vizepräsident Bush, "alles in seiner Macht Stehende" zu tun, um bei der Fortführung und Erweiterung von Maßnahmen und Programmen der Reagan-Administration
mit dem mehrheitlich aus Demokraten bestehenden Kongreß zusammenzuarbeiten.

Präsident Reagan beglückwünschte
Bush und seinen Vizepräsidentschaftskandidaten Dan Quayle zu ihrem "historischen Sieg" und erklärte in einer Verlautbarung des Weißen Hauses
er sehe "einer reibungslosen Machtübergabe an George und seinen Stab"
gerne entgegen.
Einem Mitarbeiter
zufolge genoß Reagan den Triumph, zum
ersten Mal nach 152 Jahren einem Vizepräsidenten zur amerikanischen Präsidentschaft verholten zu haben.

den Meinungsumfragen zufolge stieg
die Popularität des Vizepräsidenten
Zug um Zug mit der Reagans.

Entscheidend für Bushs Sieg war
seine Bindung an Präsident Reagan,
der höher in der Wählergunst stand
als irgendein anderer Präsident seit
Dwight Eisenhower vor 28 Jahren. Der
Präsident beteiligte sich in den
letzten Wochen vor der Wahl in starkem Maße am Wahlkampf für Bush, und

Aber bei Bekanntgabe der Ergebnisse nach Schließung der Wahllokale
an der Ostküste sprach alles für einen Sieg Bushs, insbesondere durch
die hohe Zahl der Wahlmännerstimmen.
Die drei großen Fernsehsender riefen
ihn bald darauf im Süden und in verschiedenen Staaten des Mittelwestens

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Die Umfragen zeigten Bush in Führung vor Dukakis in einem Wahlkampf
voller Angriffe und Gegenangriffe,
aber sie deuteten ebenfalls auf einen
knappen Wahlausgang und die Unzufriedenheit zahlreicher Wähler mit den
negativen Aspekten des Wahlkampfes
hin.

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�- wo die Wahllokale früh schlössen zum Sieger aus.
Noch bevor Dukakis seine ersten
Wahlmännerstimmen erringen konnte - 3
aus dem District of Columbia - konnte
Bush bereits 100 auf sich vereinigen
und erhielt nach Bekanntwerden der
Ergebnisse aus dem Mittelwesten noch
weitere Stimmen.
Der Vizepräsident
gewann In Ohio, Michigan, Missouri
und Texas - den Staaten, die Dukakis
als für den Sieg entscheidend angesehen hatte.
Der Gouverneur von Massachussetts
gewann jedoch in seinem Heimatstaat
sowie in sieben weiteren Bundesstaaten, darunter New York.
Nach
der
Auszählung
von
71
Prozent der Wahlkreise hatte Bush
35 324 090 Stimmen oder 54 Prozent
auf sich vereinigt und in 35 Staaten
mit 341 Wahlmännerstimmen gewonnen.
In vier weiteren Staaten mit zusätzlich 82 Wahlmännerstimmen lag er
vorn.
Auf
Dukakis
entfielen
29 974 906 Stimmen oder 46 Prozent.
In den von ihm gewonnenen Staaten erhielt er 95 Stimmen im Wahlmännerkollegium; er führte in zwei weiteren
Staaten mit 17 Wahlmännerstimmen.
Noch vor Schließung der Wahllokale an der Westküste hatten die Fernsehanstalten Bushs Sieg verkündet und
Dukakis daraufhin seine Niederlage
eingestanden. Vor seinen enttäuschten Anhängern in Boston erklärte er,
die Nation stehe vor großen Herausforderungen und er werde mit Bush bei
deren Bewältigung zusammenarbeiten.

nem Wunsch nach "einer gütigeren und
sanfteren Nation" Ausdruck verliehen
habe.
Es wird erwartet, daß Bush nach
seinem Amtsantritt am 20. Januar 1989
eine Serie von Treffen auf höchster
Ebene zu Fragen wie dem amerikanischen Haushaltsdefizit, den außenpolitischen Prioritäten und - mit den
Sowjets - über Abrüstung anstreben
wird.
Vor
seiner
Rückkehr
nach
Washington zu einer Siegesfeier und
einem anschließenden viertägigen Urlaub hat er für den 9. November in
Houston eine Pressekonferenz anberaumt. Nächste Woche wird der gewählte nächste Präsident mit der britischen
Premierministerin
Thatcher
und
Bundeskanzler
Kohl
zusammentreffen.
Zur Vorbereitung eines späteren
Gipfeltreffens mit dem sowjetischen
Staats- und Parteichef Gorbatschow,
auf dem über das weitere Vorgehen bei
strategischen
und
konventionellen
Waffen entschieden werden soll, hat
Bush bereits ein Gipfeltreffen der
NATO vorgeschlagen. Weitere von Bush
angeregte Gipfeltreffen sind eine
Weltumweltkonferenz, ein Treffen der
verantwortlichen nord- und lateinamerikanischen Politiker zum Drogenproblem sowie ein Treffen mit den Gouverneuren aller Bundesstaaten, um
über einheitliche Normen im Bildungswesen zu sprechen.

Zur selben Stunde sprach Bush vor
einer Gruppe begeistert applaudierender Anhänger in Houston und dankte
dabei dem amerikanischen Volk für
seine Wahl und Dukakis für seine
großmütige Haltung, die "im Einklang
mit der großen Tradition der amerikanischen Politik" stehe. Er erklärte, er werde sich bemühen, alle möglicherweise in diesem Wahlkampf geschlagenen Wunden zu heilen und daß
er es ernst gemeint habe, als er sei- 2 -

* * * * * *

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Hintergrundmaterial

4

9. November 1988

41

RÜSTUNGSKONTROLLE ALS ERBE DER REAGAN-ADMINISTRATION
- Von George P. Shultz -

- (AD) - (Der amerikanische Außenminister hielt die hier in Form eines Artikels vorliegende Rede bei den Amerikanischen und Europäischen Gesellschaften
für Kernenergie sowie beim Forum für Kernenergie.)
Vor 25 Jahren haben Experten die
unaufhaltsame Verbreitung von Kernwaffen angenommen.
Ihren Prognosen
zufolge sollten Ende der achtziger
Jahre etwa 15 bis 25 Länder im Besitz
von Nuklearwaffen sein. Sie hatten
unrecht.
Allen Schwierigkeiten zum
Trotz haben die Bestrebungen, die
Weiterverbreitung von Kernwaffen zu
verhindern, Erfolg gezeitigt.

bieten suchen. Sie haben nicht erkannt, daß der Wille der Völker auf
der ganzen Welt im Vertrag über die
Nichtverbreitung von Kernwaffen verankert ist. All dies hat allgemeines
Vertrauen in die Bestrebungen zur
Nichtverbreitung geschaffen, und dies
wiederum spiegelt sich in einer zunehmenden Zahl von Vertragspartnern
wider.

Diese frühen Schwarzseher haben
nicht mit der Fähigkeit von Ländern
wie den Vereinigten Staaten und anderen gerechnet, die dieser Bedrohung
für den Weltfrieden mit einem Netzwerk internationaler Vereinbarungen,
rechtsverbindlicher
Verpflichtungen,
technologischer
Sicherungsmaßnahmen
und alternativen Maßnahmen im Bereich
der Sicherheitspolitik Einhalt zu ge-

Bei der Förderung von Bestrebungen um die Nichtverbreitung haben wir
uns die grundsätzliche Tatsache vor
Augen geführt, daß Grundwissen über
Kernwaffen nicht geheimgehalten werden kann.
Die Unmöglichkeit einer
totalen Geheimhaltung wurde bereits
1953 von Präsident Eisenhower erkannt, als dieser ein Programm internationaler Zusammenarbeit im nuklea-

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�ren Bereich vorschlug. Und das lag
als Grundprinzip auch der Schaffung
der Internationalen Atomenergie-Organisation und dem Vertrag über die
Nichtverbreitung von Kernwaffen zugrunde, das heißt, die Entwicklung
der Kernenergie zu friedlichen Zwekken sollte durch die Vereinbarung gewährleistet werden, sich nicht an der
Entwicklung von Kernwaffen zu beteiligen.
Nichtverbreitung steht im Einklang mit einer Politik der Kooperation
im nuklearen Bereich.
Das
Schlüsselelement der Sicherheit sind
strenge Beschränkungen für die Verbreitung von nuklearem Know-how und
Ausrüstungsgegenständen für Kernenergie. Aus diesem Grund leisten wir
auch weiterhin solchen Staaten keine
Hilfe im Nuklearbereich, deren Absichten zweifelhaft oder unklar sind.
Ein Aufhalten der Weiterverbreitung von Kernwaffen und Waffentechnologie reicht nicht aus. Die ReaganAdministration hat hart und erfolgreich an Rüstungskontrollabkommen gearbeitet.
Kreatives und anhaltendes diplomatisches Engagement haben zu fairen
und allseits vorteilhaften Abkommen
geführt, mit denen eine größere internationale Sicherheit gewährleistet
wird. Das Zusammenwirken von Stärke
und Diplomatie war der Leitgedanke
unseres Ansatzes bei den amerikanisch-sowjetischen Beziehungen.
Aber wir wenden unsere Aufmerksamkeit nicht allein der Rüstungskontrolle und dem RUstungsabbau zu. Unter Präsident Reagan haben sich die
Vereinigten Staaten mit beispiellosem
Engagement und ebensolcher Effektivität in allen Bereichen unserer Tagesordnung mit der Sowjetunion auseinandergesetzt, - Menschenrechte, bilaterale Fragen, Rüstungskontrolle und
regionale Konflikte.
In diesem Umfeld haben sich die
stärkeren Bemühungen in den Bereichen
Rüstungskontrolle und Sicherheit bei

der Kernenergie bezahlt gemacht. Ein
realistischer Prozeß der Verhandlungen, Durchführung und Verifizierung
hat sorgfältig ausgehandelte Abkommen
hervorgebracht und gründete sich auf
streng befolgte Prinzipien. Der Ausgangspunkt dafür ist das von Präsident Reagan vorgeschlagene und vom
sowjetischen
Generalsekretär
Gorbatschow beim ersten Genfer Gipfel
befürwortete Konzept:
"Ein Nuklearkrieg kann nicht gewonnen und darf
niemals gführt werden."
Wir haben das historische Abkommen über Mittelstreckenraketen ausgehandelt, das erste Abkommen, das Reduzierungen in den Kernwaffenarsenalen erfordert und nicht nur die Zunahme der nuklearen Fähigkeiten verlangsamt.
Der INF-Vertrag beseitigt eine
gesamte Kategorie von Kernwaffen. Er
zeigt, daß Rüstungskontrolle mehr
leisten kann als eine Festschreibung
bestehender
Stationierungspläne.
Dieses Abkommen baut Kernwaffenarsenale ab und gestaltet sie um, es fördert eine sichere und stabilere Welt.
Der Vertrag enthält strenge Bestimmungen zur Inspektion, Überwachung
und zum Datenaustausch, wodurch sich
eine effektive Verifizierung ergibt
und wertvolle Maßstäbe für weitere
Abkommen gesetzt werden. Diese Bestimmungen werden Offenheit und kooperative Kontakte über sensible militärische Fragen hervorbringen, die
mit der Zeit tiefgreifenden Einfluß
darauf haben, wie die Sowjets und wir
uns gegenseitig einschätzen.
Bei den Verhandlungen über die
Verringerung strategischer Rüstungen
(START) verfolgen wir genau diesen
Kurs des Abbaus von Nuklearwaffen.
Wir stehen kurz vor dem Abschluß eines Vertrages, der die 50prozentige
Reduzierung strategischer Offensivwaffen fordert. Einige Schlüsselbereiche sind noch ungelöst. Aber das
Abkommen und viele seiner Teilbereiche liegen bereits in groben Zügen
vor und bieten eine gute Basis für
die Fertigstellung des Vertrages kurz

- 2 -

�nach dem Amtsantritt der nächsten Administration.
START wird zur Abschreckungspolitik beitragen. Bis zur Einsatzreife
eines alternativen Sicherheitssystems
müssen wir uns weiterhin auf die nukleare Abschreckung verlassen.
In
absehbarer Zukunft muß unser Ziel in
der Stärkung der nuklearen Abschrekkung und deren Funktionstüchtigkeit
auf einem geringeren und sichereren
Streitkräfteniveau bestehen. Das ist
die Zielsetzung von START.

Aber
trotz besserer strategischer
Stabilität auf geringeren Niveaus offensiver Nuklearwaffen und trotz unserer echten Fortschritte bei der
Nichtverbreitung von Kernwaffen ergeben sich neue Gefahren. Eine zunehmende Zahl von Ländern setzt chemische Waffen ein.
- Die
fen
zur
hier

- Erstens das zunehmende Angebot
relativ weitreichender Boden-Boden-Raketen auf dem internationalen Waffenmarkt.
Im Golfkrieg
setzten beide Kriegsparteien sowjetische
SCUD-Flugkörper
ein.
Saudi-Arabien beschafft chinesische
CSS-2-Raketen
mit
einer
Reichweite von über 2 400 km.
Weitere
Staaten des Mittleren
Ostens und anderer Regionen erwerben
ballistische
Raketen.
Waffen mit enormem Zerstörungspotential gelangen in die Hände von
Parteien, die wenig Rücksicht auf
die
traditionell
restriktiven
Kontrollen nehmen.

START gestattet uns die Beibehaltung verschiedenartiger und überlebensfähiger
Vergeltungsstreitkräfte.
Obwohl START einen erheblichen Abbau
amerikanischer
und
sowjetischer
Streitkräfte erfordert, einschließlich einer 50prozentigen Reduzierung
sowjetischer schwerer Interkontinentalraketen (ICBM), können unsere Programme zur Verbesserung der Uberlebensfähigkeit und Wirksamkeit unserer
ICBMs,
seegestützten
ballistischen
Raketen (SLBMs) und Bomber weitergeführt werden. Mit der richtigen Kombination von START-Beschränkungen für
die Bedrohung und unsere eigenen Modernisierungsprogramm werden wir im
Hinblick auf die dauerhafte Uberlebensfähigkeit unserer Abschreckung in
einer stärkeren Position sein als ohne ein solches Abkommen.

- Zweitens stellen wir ein Wiederaufleben der chemischen Kriegführung fest, sicherlich die verachtenswerteste und abscheulichste
Entwicklung unserer Zeit.
Die
Staatengemeinschaft
sieht
sich
mit Verletzungen des ältesten und
weitestgehend eingehaltenen Rüstungskontrollabkommens
konfrontiert - des Genfer Protokolls von
1925, das den Einsatz von Giftgas
und chemische Kriegführung untersagt.
Diese Geißel greift um
sich. Das Protokoll wird wiederholt verletzt.

Mit START sollen Reduzierungen
stabilisiert werden - Reduzierungen,
die so strukturiert sind, daß sie den
Anreiz zum Erstschlag verringern.
Der in Genf erarbeitete Vertragsentwurf wird genau das tun. Je eher er
fertigestellt wird, um besser wird es
uns gehen.

Das Rüstungskontrollprogramm
kunft

Verfügbarkeit modernster Wafhat schwerwiegende Probleme
Folge.
Insbesondere sind
zwei Gefahren zu nennen:

der Zu-

Anhaltende
Bestrebungen
zur
Nichtverbreitung und intensivere Verhandlungen über Rüstungskontrolle und
Rüstungsabbau können dazu beitragen,
den Herausforderungen im Zeitalter
der
Kernenergie
entgegenzutreten.

Der schrecklichste Alptraum wäre
die mögliche Kombination von chemischen Gefechtsköpfen auf ballistischen Raketen in Händen von Staaten,
die der weltweiten Ablehnung ihres
Einsatzes wenig Beachtung schenken.
Aus diesem Grund haben die Vereinigten Staaten die Führungsrolle dabei

- 3 -

�übernommen, die Verbreitung
Technologien einzudämmen:

beider

- In bilateralen Gesprächen mit den
Sowjets sowie im UNO-Abrüstungsausschuß
fanden
Verhandlungen
über ein umfassendes Verbot chemischer Kriegführung statt, die
auf einen im Jahr 1984 von den
Vereinigten Staaten vorgelegten
Entwurf einer entsprechenden Konvention
zurückgingen.
Ferner
möchten wir die chemischen Exportkontrollen harmonisieren und
stärken. Schließlich hat Präsident Reagan am 26. September 1988
eine Konferenz der Vertragsparteien des Genfer Protokolls von
1925 einberufen, um die Normen
gegen den Einsatz jener abscheulichen Waffen zu stärken. Diese
Konferenz wird Anfang Januar in
Paris stattfinden.
- Die Vereinigten Staaten und ihre
wichtigsten westlichen Partnerländer haben das Regelwerk zur
Kontrolle von Raketentechnologie
entwickelt, um die Weiterverbreitung ballistischer Raketen unter
Kontrolle zu halten. Wir sprechen gegenwärtig mit Sowjets und
Chinesen, um dieser wachsenden
Gefahr Herr zu werden.
Unsere Bemühungen in bezug auf
Nichtverbreitung,
Rüstungskontrolle
und Abrüstung haben uns dabei geholfen, den Herausforderungen der Vergangenheit und Gegenwart ins Auge zu
blicken.
Diese Erfahrung verweist
auf die sieben Elemente, die zu einer
erfolgreichen Bewältigung der Herausforderung der Rüstungskontrolle in
der Zukunft unerläßlich sind:
- Erstens müssen wir uns weiterhin
primär auf unsere eigenen Verteidigungsprogramme
stützen.
Rüstungskontrollbemühungen
können
diese Programme ergänzen und einen bedeutenden Beitrag zu unserer Sicherheit leisten. Sie können sie jedoch nicht ersetzen.
- Zweitens hängt der Verhandlungs-

erfolg für unsere Sicherheit von
der Einsatzbereitschaft ab, mit
der wir unsere Sicherheit selbst
gewährleisten.
Aktive amerikanische Verteidigungsprogramme geben den Sowjets einen Anreiz zu
flexibler Verhandlungsführung.
Drittens müssen wir, damit die
Bemühungen zur Rüstungskontrolle
wirksam werden, in allen Bereichen unserer außenpolitischen Tagesordnung Fortschritte anstreben. Vor dem Hintergrund sowjetischer
Menschenrechtsverletzungen und regionalen Abenteurertums
läßt sich unsere Politik politisch
nicht
aufrechterhalten.
Während Vereinbarungen zwischen
den Supermächten über Streitkräfteniveaus und -strukturen ausgehandelt werden, müssen beide Seiten Bereiche gegenseitigen Vertrauens finden und Sensibilität
gegenüber Menschenrechten, regionalen Konflikten und anderen bilateralen Problemen entwickeln.
Viertens leitet sich unsere Stärke bei Verhandlungen zum großen
Teil von der Unterstützung durch
unsere Verbündeten, den Kongreß
und die amerikanische Öffentlichkeit ab. Der INF-Vertrag ist das
Verdienst und Produkt der Einheit
des Bündnisses - der Entschlossenheit der Stationierungsländer,
die Dislozierungen durchzuführen,
des Zusammenhalts der NATO in allen Verhandlungsstadien und der
Solidarität unserer Verbündeten
und Freunde in Asien, die so erheblich zum Ergebnis - der weltweiten Null-Lösung - beigetragen
haben.
Ebenso unerläßlich ist
die Unterstützung des amerikanischen Kongresses und der amerikanischen Bevölkerung. Die Notwendigkeit, die Vertraulichkeit
heikler
Verhandlungspunkte
zu
schützen, muß in einem ausgewogenen Verhältnis zu der Erfordernis
stehen, den Kongreß und die Öffentlichkeit zu informieren.
- Fünftens

muß

ein

angemessenes

�haben sich im Juni 1987 darauf
verständigt, daß die wichtigsten
künftigen Aufgaben in der Rüstungskontrolle der Abschluß eines START-Abkommens, die Erlangung eines stabileren Gleichgewichts bei den konventionellen
Streitkräften sowie Verhandlungen
über ein wirksam verifizierbares
weltweites Verbot chemischer Waffen sein werden. Diese Prioritäten sind korrekt.
Zusätzlich
müssen wir weiterhin unsere Bemühungen verstärken, um der Weitergabe von Kernwaffen und anderen
destabilisierenden
Waffentechnologien Einhalt zu gebieten.

Verhältnis zwischen Besonnenheit
und
Entschlossenheit
erreicht
werden. Sorgfalt, Geduld und Festigkeit sind unabdingbar bei der
Formulierung von Verhandlungszielen und hartnäckigem Aushalten am
Verhandlungstisch bis zu deren
Realisierung.
Es
muß
jedoch
ebenso Mut vorhanden sein, um einen Abschluß zu erreichen - während man gleichzeitig energisch
auf Regelung
der Einzelheiten
drängt.
Eine starke und entschlossene Führung ist erforderlich, um einen Abschluß zu erzielen wie Präsident Reagan beim
INF-Vertrag.
- Sechstens müssen wir eine realistische Haltung zur Verifizierung einnehmen. Die sowjetische
Bilanz der Nichteinhaltung früherer RUstungskontrollabkommen verlangt ein höchstmögliches Maß der
Verifizierung.
Es sind jedoch
nicht alle einschneidenden Verifizierungsmaßnahmen für die Vereinigten Staaten oder die Sowjetunion akzeptabel; auf unserer
Seite dürfen bestimmte Einrichtungen einfach nicht für sowjetische Inspektoren geöffnet werden.
Realistisch gesehen wird
also kein Rüstungskontrollabkommen perfekt verifizierbar sein.
Die Schlüsselfrage lautet, ob bestimmte Vereinbarungen auf Gegenseitigkeit
gerechtfertigt
sind
und ob die daraus resultierende
Verifizierungsregelung
die Sicherheit der Vereinigten Staaten
schützt, indem sie die rechtzeitige Entdeckung jeglicher militärisch bedeutsamer Verletzungen
gewährleistet.

Die vor uns liegenden Herausforderungen
Tempo und Ausmaß des Wandels sind
heute groß. Dies gilt auch für das
Potential
wissenschaftlichen
und
technologischen Wandels. Vor 45 Jahren begegneten die Vereinigten Staaten der Herausforderung von Faschismus und Aggression mit einem Engagement für die Wissenschaft, das zu einer neuen Welt der Kreativität und
Entdeckungen führte. In den folgenden Jahrzehnten haben wir die Herausforderung des Nuklearzeitalters bewältigt, indem wir uns für den Aufbau
unseres eigenen Abschreckungspotentials sowie auch für die Nichtverbreitung, Rüstungskontrolle und Abrüstung eingesetzt haben.
Die vor
uns liegende Zeit wird nicht weniger
herausfordernd sein.

* * * * * *

Die neue sowjetische Offenheit
gegenüber Inspektionen ist höchst begrüßenswert, aber der Kern unserer
Verifizierungsfähigkeit wird weiterhin von unseren Nationalen Technischen Mitteln gebildet, die modernisiert und ausgebaut werden müssen.
- Schließlich müssen wir Prioritäten setzen.
Die NATO-Minister
- 5 -

�WMSuSanmMi
Wirtschaft

41

9. November 1988
YEUTTER:

DREI SCHLÜSSELBEREICHE FÜR MONTREAL-GESPRÄCHE

- Rede des amerikanischen Handelsbeauftragten vor dem Commonwealth Club WASHINGTON - (AD) - Der amerikanische Handelsbeauftragte Clayton Yeutter
wird der Liberalisierung des Handels in drei Schlüsselbereichen während des
bevorstehenden Treffens der Handelsminister in Montreal hohe Priorität beimessen. Das Ministertreffen - eine Zwischenbilanz der Uruguay-Runde multilateraler Handelsgespräche - wird am 5. Dezember 1988 in Montreal beginnen.
In einer Ansprache vor dem Commonwealth Club of California in San Francisco erklärte Yeutter am 4. November 1988, Fortschritte in 15 Bereichen seien
unabdingbar, er sei jedoch "vor allem besorgt" über Landwirtschaft, geistiges
Eigentum und Probleme im Dienstleistungsbereich. Yeutter zufolge sehen sich
die Vereinigten Staaten bei der Liberalisierung des Handels in diesen Bereichen dem Widerstand einiger Länder ausgesetzt.
Nachfolgend bringen wir die Ausführungen des amerikanischen Handelsbeauftragten in wesentlichen Auszügen:

Vor 40 Jahren - nach dem Zweiten
Weltkrieg - beschlossen die führenden
Handelsnationen das Allgemeine Zollund Handelsabkommen (GATT), mit dem
die Richtlinien und Prinzipien zur
Regelung des internationalen Handels
festgelegt wurden. Seit jener Zeit
haben alle Länder von niedrigeren
Zöllen und dem Abbau der Handelsschranken profitiert.
Der internationale Handel hat sich enorm ausgeweitet, hat das Wirtschaftswachstum
gefördert und zu ungeahntem Wohlstand
geführt.

Um diesen beunruhigenden Tendenzen entgegenzutreten, greift die Welt
wiederum auf das GATT zurück bei dem
Versuch, Wachstum durch Handelsliberalisierung zu erzielen. Die im September 1986 in Punta del Este ins Leben gerufene Uruguay-Runde hat die
ehrgeizigste Tagesordnung für Verhandlungen, die es in der Geschichte
des GATT je gegeben hat.

Trotz des offensichtlichen Nutzens offener Märkte ist das internationale
Handelssystem
heute
mit
ernsthaften Problemen befrachtet. In
zunehmendem Maße benutzen die Länder
Exportsubventionen und nichttarifäre

Die Verhandlungen der UruguayRunde sind in 15 Verhandlungsgruppen
unterteilt, die sich jeweils mit unterschiedlichen Aspekten des internationalen Handels befassen.
Während
es unerläßlich ist, Fortschritte in

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Importbeschränkungen, um sich Vorteile gegenüber ihren Konkurrenten zu
verschaffen.

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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�allen diesen Gruppen zu erzielen,
sind wir vor allem über drei Bereiche
besorgt - die sogenannten "neuen Probleme" bei Landwirtschaft, Dienstleistungen und dem Schutz geistigen Eigentums. Diese Probleme sind natürlich nicht neu für den internationalen Handel, sie sind nur neu für das
GATT und aus diesem Grund sehen wir
uns dem Widerstand einiger Mitglieder
des GATT ausgesetzt.
Landwirtschaft.
Die
Landwirtschaft befindet sich weltweit am Rande des Chaos, da die nationalen Regierungen die Handelspolitik als Waffe einsetzen, um sich Vorteile für
ihre eigenen Bauern zu verschaffen.
In zahlreichen Ländern halten Importbeschränkungen und Preissubventionen
die Agrarpreise im Inland künstlich
hoch und stimulieren dadurch zur
Überproduktion.
Wenn
Überschüsse
entstehen, werden die Exportsubventionen dafür verwendet, um sie auf
den Weltmärkten abzuladen, und als
Folge können die Bauern in den anderen Ländern nicht mehr ihren Lebensunterhalt verdienen.
Trotz der Tatsache, daß die Landwirte effektiver und produktiver sind
als jemals zuvor, wird dadurch eine
Welt geschaffen, in der die Menschen
in einigen Ländern nicht über ausreichende
Nahrungsmittel
verfügen.
Trotz
erheblicher
Agrarüberschüsse
wird dadurch eine Welt geschaffen, in
der die Verbraucher gezwungen sind,
unnötig hohe Preise für Nahrungsmittel zu zahlen.
Die Vereinigten Staaten haben auf
die Uruguay-Runde zurückgegriffen, um
einen Weg aus dieser erschreckenden
Situation herauszufinden. Wir haben
bei den Agrarverhandlungen den Vorschlag unterbreitet, daß alle Länder
ihre handelsverzerrende Politik so
schnell wie möglich abschaffen. Wir
haben vorgeschlagen, daß dies bis zum
Jahr 2000 verwirklicht werden soll.
Unser Vorschlag umfaßt alle Exportsubventionen, Importschranken und
Subventionen auf nationaler Ebene,

die den Handel beeinträchtigen. Er
schließt nicht die bona fide gewährten Nahrungsmittelhilfe-Programme und
solche Zahlungen an Landwirte aus,
die keinen Einfluß auf Preisgestaltung oder Produktionsentscheidungen
haben.
Schließlich
fordert unser
Vorschlag die Schaffung einheitlicher
Hygienevorschriften für Nahrungsmittel auf der ganzen Welt, um sicherzustellen, daß solche Vorschriften für
den Handel mit Agrargütern keine
nichttarifären Hemmnisse darstellen.
Einige Verhandlungspartner haben
unverzügliche, kurzfristige Schritte
vorgeschlagen, um den Prozeß des Abbaus international handelsverzerrender Maßnahmen einzuleiten. Die Vereinigten Staaten unterstützen das
Konzept
kurzfristiger
Maßnahmen.
Tatsächlich haben wir ein sofortiges
Einfrieren
von
Exportsubventionen,
nationalen Subventionen und Marktzugangsbeschränkungen gefordert.
Ich
möchte jedoch eins klarstellen. Wir
werden - kurz- oder langfristig - nur
Maßnahmen in die Wege leiten, die
auch von unseren Handelspartnern ergriffen werden. Und wir werden kurzfristig keine Maßnahmen verabschieden, die nicht langfristig zu einer
umfassenden Reform führen.
Es erübrigt sich, darauf hinzuweisen, daß unser Vorschlag auf erheblichen Widerstand - insbesondere
aus der EG - gestoßen ist. Einige
Europäer sind der Ansicht, der Abbau
handelsverzerrender
Praktiken
sei
"unrealistisch". Ich vertrete hingegen die Meinung, es ist unverantwortlich, bis in alle Ewigkeit auf dem
Status quo zu bestehen. Bei unserer
Zusammenkunft in Montreal werden die
Vereinigten Staaten am Verhandlungstisch auf der Verpflichtung zum Handeln bestehen.
Schutz geistigen Eigentums.
In
den vergangenen vier Jahren sind die
Vereinigten Staaten international in
die Offensive gegangen, was die Verbesserung des Schutzes geistigen Eigentums anbelangt, etwa bei Patenten,
Warenzeichen, Copyrights und Handels-

�geheimnissen. Das ist aufgrund der
jüngsten, drastisch zunehmenden Piraterie bei Gütern, die mit Patenten
oder Copyrights belegt sind, ein
wichtiges Thema. Allein im Jahr 1986
verzeichnete die Unterhaltungsbranche
Verluste von über zwei Milliarden
Dollar aufgrund unzureichenden Schutzes von geistigem Eigentum. Die Computer- und Softwareindustrie erlitt
Verluste von über vier Milliarden
Dollar.

nen wichtigen Stellenwert ein. Trotz
der
zunehmenden
Verflechtung
der
Weltwirtschaft bestehen - wenn überhaupt - nur wenige Regelungen für den
Handel in solch grundlegenden Wirtschaftsbereichen wie Bank- und Versicherungswesen, Verkehr, Bauindustrie
und Tourismus. Wenn mit GATT Ordnung
und Fairneß auf dem Weltmarkt geschaffen werden sollen, so muß dieses
den Realitäten des modernen Handels
Rechnung tragen.

Im Rahmen der Uruguay-Runde haben
wir versucht, unsere Handelspartner
davon zu überzeugen, daß dieses Thema
in einem Forum des GATT angemessen
besprochen werden muß, da die Verletzung geistigen Eigentums Auswirkungen
auf den Handel hat. Die Vereinigten
Staaten haben ein umfassendes GATTAbkommen vorgeschlagen, das echte
Maßstäbe für den Schutz von Patenten,
Copyrights, Warenzeichen, Handelsgeheimnissen und das Design von Halbleiterchips setzen würde.
Darüber
hinaus würde das Abkommen Regierungen
verpflichten, auf nationaler und internationaler Ebene das Recht auf den
Schutz geistigen Eigentums anzuerkennen.

Um das GATT zu modernisieren, haben die Vereinigten Staaten vorgeschlagen, daß dessen Prinzipien auch
auf internationale Transaktionen im
Dienstleistungsbereich Anwendung finden. Der von den meisten Industrieländern
übernommene
amerikanische
Vorschlag fordert die Geltung solch
traditioneller Handelsprinzipien wie
Transparenz,
Nichtdiskriminierung,
nationale Behandlung, Niederlassungsfreiheit, Zurückhaltung bei staatlich
geförderten Monopolen und Subventionen,
nichtdiskriminierende
Zulassungsverfahren sowie einen Konsultations- und Schlichtungsmechanismus im
Dienstleistungsbereich.

Ich bin enttäuscht darüber, daß
wir in diesem Bereich keine größeren
Fortschritte erzielt haben. Für Piraterie gibt es keine Entschuldigung.
Ich kann nicht verstehen, wie irgendein Land sie verteidigen kann. Genau
das geschieht jedoch, wenn Länder,
die sich der Produktpiraterie schuldig gemacht haben, formaljuristische
Bedenken über den Umfang des Mandats
der
Verhandlungsgruppe
vorbringen.
Beim Treffen in Montreal werden die
Vereinigten Staaten bestrebt sein,
einen Konsens in bezug auf die Rahmenbedingungen
einer
GATT-Regelung
über geistiges Eigentum herbeizuführen.

In Montreal wird unser Ziel darin
bestehen, einen Konsens über die Konturen eines Dienstleistungsabkommens
zu erreichen.
Ich fühle mich bestärkt, da viele Entwicklungsländer
die Erkenntnis gewonnen haben, daß
ihnen aufgrund ihrer Wettbewerbsfähigkeit in vielen Dienstleistungsindustrien Regelungen für den Handel
mit Dienstleistungen helfen würden.

Dienstleistungen.
Aufgrund der
wachsenden Bedeutung von Dienstleistungen in der amerikanischen Wirtschaft nimmt die Festsetzung von Regeln für den Handel mit Dienstleistungen auf unserer Tagesordnung ei- 3 -

* * * * * *

�AMERIKA DIENST
Wirtschaft

41

9. November 1988

YEUTTER NENNT AIRBUS-SUBVENTIONEN "BEUNRUHIGEND"
- Erklärung des amerikanischen Handelsbeauftragten zum Airbus -

WASHINGTON - (AD) - Der amerikanische Handelsbeauftragte Clayton Yeutter
hat scharfe Kritik an der Bundesregierung geäußert, die im Rahmen der Übernahme des führenden deutschen Luft- und Raumfahrtkonzerns MBB durch DaimlerBenz nach wie vor Subventionen für die Produktion des Passagierflugzeuges
gewähren will.
In einer am Abend des 7. November 1988 in Washington veröffentlichten Erklärung nannte er die Entscheidung zur Beibehaltung der Subventionen, die Vertreter der Bundesregierung dem hohen Kurs der D-Mark gegenüber dem amerikanischen Dollar zuschreiben, "eine sehr beunruhigende Entwicklung".
Nachfolgend veröffentlichen wir die Erklärung des amerikanischen Handelsbeauftragten im Wortlaut:

Es liegen uns Berichte vor, denen
zufolge das Bundeskabinett vorbehaltlich eines Bundestagsvotums seine Zustimmung zu einem Plan erteilt hat,
im Rahmen dessen Daimler-Benz Mehrheitsaktionär
von
MesserschmidtBölkow-Blohm (MBB) wird - einem Unternehmen der Rüstungsindustrie und
Muttergesellschaft der Deutschen Airbus, dem deutschen Partner im AirbusKonsortium. Den vorliegenden Angaben
zufolge würde Daimler-Benz die Kontrolle von MBB als Gegenleistung für
die weitere Bereitstellung erheblicher Subventionen
zum Ausgleich
möglicher Verluste bei der Herstellung des Airbus übernehmen, die deutsche Regierungsvertreter dem hohem
Kurs der D-Mark gegenüber dem amerikanischen Dollar zuschreiben.

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Ich werde vermutlich in Kürze mit
Vertretern der Bundesregierung zusammentreffen, um dieses Vorgehen zu erörtern. Anhand der Veröffentlichungen der Bundesregierung halte ich
dies für eine höchst beunruhigende
Entwicklung.
Vor allem die Entscheidung zur
Bereitstellung zusätzlicher Subventionen für den Airbus ist inakzeptabel, da sie mitten in die laufenden
Gespräche zwischen den Airbus-Partnerregierungen und den Vereinigten
Staaten über die Schlüsselbestimmungen des GATT-Flugzeugkodex fallen,
mit denen die Bedingungen und Konditionen für staatliche Unterstützung
des zivilen Flugzeugbaus festgelegt
werden sollen.
Diese Entscheidung
würde das Fundament der bilateralen

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Telex: 8-85432

�Verhandlungen
erschüttern und sie
möglicherweise zum Erliegen bringen.
Ein solches einseitiges Vorgehen der
Bundesregierung zu eisten; Zeitpunkt
und in solcher Art und Veise wird zu
einer gravierenden Verschärfung der
Spannungen im Handel führen«
Ferner :iu ich über den hiermit
gesc't.df fenev. Prä_-.":er.zf all zutiefst
beunruhigt. Es ist ein ungeschriebenes Gesetz der Privatwirtschaft, daß
Firmen die mit ihren Transaktionen
verbundenen Risiken übernehmen, bis
hin z'J Wechselkurseinbrüchen. Weltweit schützen sie?: Tausende von Firmen gegen ihre eigenen Wechselkursschwankungen. Warum sollte bei Flugzeugherstellern eine Ausnahme gemacht
werden? Und warum sollte der Airbus
eine Sonderstellung einnehmen? Wechselkursschwankungen sind ein bei internationalen Geschäften zu zahlender
Preis; sie sollten von den Beteiligten und nicht vom deutschen Steuerzahler oder Arbeitnehmern in anderen
Industriezweigen - sei es in der Bundesrepublik Deutschland oder in den
Vereinigten Staaten - getragen werden.

men der freien Wirtschaft und seine
internationale Wettbewerbsfähigkeit.
Wir hatten uns der Hoffnung hingegeben, daß die Airbus-Partnerregierungen den Airbus auf der Grundlage
von marktwirtschaftlichen Prinzipien
größerer Privatisierung unterwerfen
würden. Dieses Vorgehen wird unsere
Hoffnung zunichte machen; es scheint
sich um eine massiv subventionierte
Privatisierung zu handeln. Man muß
sich fragen, wie die Bundesregierung
reagieren würde, wenn ihre Handelspartner anfangen würden, all ihren
Exportfirmen Wechselkursgarantien zu
gewähren. Es ist ein bedauerliches
Beispiel, das hier im Falle des Airbus geboten wird.
Wir werden das endgültige Vorgehen in Bonn sorgfältig im Auge behalten und prüfen, inwieweit eine solche
Unterstützung mit den internationalen
Verpflichtungen
der
Bundesrepublik
Deutschland im Einklang steht.

Die Vereinigten Staaten haben Anfang der achtziger Jahre nicht auf
den starken Dolllar und den damit
einhergehenden Verlust unserer Wettbewerbsfähigkeit bei den Preisen reagiert, indem die Regierung die Wechselkursschwankungen aufgefangen hat,
oder indem wir neue Wege zur Subventionierung amerikanischer Exporte erschlossen haben. Entsprechend erwarten wir von anderen Ländern, solchen
Versuchungen nicht zu erliegen. Ein
anderes Verhalten vereitelt den internationalen Anpassungsprozeß.
Es
ist im übrigen widersinnig und unvertretbar
für
die
Bundesrepublik
Deutschland - ein Land, das sich eines enorm hohen Handelsüberschusses
erfreut - durch Wechselkursgarantien,
Neukapitalisierung und/oder Schuldenerlaß oder andere Mechanismen ein
primär für den Export bestimmtes Produkt zu subventioneiren.
Es steht
auch nicht im Einklang mit dem gerecht iertigten Stolz der Bundesrepublik Deutschland auf seine Unterneh- 2 -

* * * * * *

f

»

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Die Wahlen in Amerika 1988&lt;br /&gt;Nach seinem Wahlsieg appelliert Bush an Einigkeit der Nation&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Ansprache des neu gewählten Präsidenten&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Wahlen in Amerika 1988&lt;br /&gt;Bush will als Präsident Reagans Programme fortführen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Artikel über die Ergebnisse der Präsidentschaftswahl &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Rüstungskontrolle als Erbe der Reagon-Administration&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von George P. Shultz&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Yeutter: drei Schlüsselbereiche für Montreal-Gespräche&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede des amerikanischen Handelsbeauftragten vor dem Commonwealth Club&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Yeutter nennt Airbus-Subventionen "beunruhigend"&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung des amerikanischen Handelsbeauftragten zum Airbus&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST
%

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Ä&lt;

2 . November 1988

40

*

INHALT

DOKUMENTATION

Reagan kündigt "energisches Vorgehen" In der Außenpolitik an
- Rede des Präsidenten vor dem World Affairs Council in
Los Angeles -

INFORMATION

Kampf gegen Drogen - eine Aufgabe der Gesellschaft
- Einzelaktionen können nichts mehr ausrichten -

WIRTSCHAFT

Zusammenarbeit für ein Vereintes Europa
- Von C. William Verity -

* * * * * *

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�AMERIKA DIENST
\ o N

^

Dokumentation

2. November 1988

40

REAGAN KÜNDIGT "ENERGISCHES VORGEHEN" IN DER AUSSENPOLITIK AN
- Rede des Präsidenten vor dem World Affairs Council von Los Angeles LOS ANGELES - (AD) - Mit der Feststellung, seine Administration habe in
acht Jahren "in kürzerer Zeit mehr" erreicht als selbst die "größten Optimisten hätten annehmen können", versprach Präsident Reagan in einer am 28. Oktober 1988 vor dem World Affairs Council von Los Angeles gehaltenen Rede während
der ihm noch verbleibenden Amtszeit ein "energisches Vorgehen" in wichtigen
außenpolitischen Fragen. Dazu gehören unter anderem weitere Portschritte zur
Beilegung regionaler Konflikte in Angola, Afghanistan, Kambodscha und insbesondere Mittelamerika, die entschiedene Weiterführung von "Forschung, Entwicklung und Erprobung" der Strategischen Verteidigungsinitiative sowie die Aufrechterhaltung einer starken Verteidigung.
Nachfolgend veröffentlichen wir Reagans Ansprache im Wortlaut:

Ich freue mich, wiederum vor dem
World Affairs Council sprechen zu
dürfen. Vieles von dem, über das ich
heute sprechen möchte, betrifft den
wesentlichen Zweck dieser Organisation:
Durch öffentliche Diskussion
einen demokratischen Konsens zur Unterstützung einer starken amerikanischen Außenpolitik zu entwickeln.
Vor diesem Hintergrund hat der Council eine bemerkenswerte und sehr notwendige Arbeit geleistet.
Die Bedeutung Ihrer Arbeit tritt
besonders heute in der Endphase eines
Wahlkampfes zutage, eines Wahlkampfes, im Verlauf dessen das amerikanische Volk sich zu den Themen Krieg
und Frieden, Demokratie und Totalitarismus äußern - und Entscheidungen
treffen wird, die die Welt und unse-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

ren Konsens in der Außenpolitik auf
lange Zeit beeinflussen werden.
Diese Wahl findet ferner nach
einem der wichtigsten und bedeutendsten Jahre in der Geschichte dieser
Außenpolitik statt. Heute sind wir
hoffnungsvoll - und in diesem Moment
müssen wir uns vergegenwärtigen, daß
dies nur Hoffnungen sind -, daß unsere Kinder das Jahr 1988 einmal als
Wendepunkt in jenem großen Kampf zwischen Licht und Finsternis betrachten
werden, den wir als den Kalten Krieg
bezeichnen.
In einer Reihe von Reden - zuletzt vor den Vereinten Nationen habe ich dieses Jahr über die außergewöhnlichen Fortschritte gesprochen,
die wir an so vielen Fronten erzielt

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�haben, daß wahrhaft "an allen Ecken
und Enden der Frieden ausbricht".
Selbst in den wenigen Wochen nach
meiner Rede vor der Vollversammlung
konnten wir feststellen, wie weitere
Fortschritte zur Beilegung regionaler
Konflikte, etwa in Angola, Kambodscha, Afghanistan, dem Persischen
Golf und andernorts stattfanden - regionale Konflikte, die einst als unlösbar galten.
Der INF-Vertrag ist in Kraft getreten; wir waren Zeugen, wie russische und amerikanische Raketen - die
vormals immer zahlreicher wurden und
bereitstanden, massive Zerstörungen
zu bewirken - in den Vereinigten
Staaten und der Sowjetunion selbst
zerstört wurden. In einer Reihe anderer Bereiche finden Rüstungskontrollgespräche statt oder stehen kurz
bevor: chemische Waffen, konventionelle Rüstung, Kernwaffenversuche und
natürlich die START-Gespräche über
strategische Offensivwaffen.
Wiederholt haben wir auf folgende
Tatsache hingewiesen:
Was in der
Vergangenheit Fortschritte in diesen
Bereichen verhindert hat - ja, was
den Kern des Kalten Krieges gebildet
hat - war nicht ein Zusammenbruch der
Kommunikation oder ein riesiges Mißverständnis zwischen Ost und West.
Ganz im Gegenteil, die grundlegende
Ursache war das Verständnis, nicht
ein Mißverständnis. Und hiermit meine ich den klaren Konsens, der sich
im Westen kurz nach dem Zweiten Weltkrieg
in
mehreren
entscheidenden
Punkten bildete:
über den wahren
Charakter des sowjetischen Regimes,
den fundamentalen Unterschied zwischen Totalitarismus und Demokratie
sowie die moralische Pflicht, der
durch den sowjetischen Expansionismus
hervorgerufenen internationalen Bedrohung der Menschenrechte entgegenzutreten. Es waren diese Realitäten
- kein unglückliches oder vermeidbares Mißverständnis -, die zu den
Spannungen zwischen Ost und West
führten. Und wenn wir diese Lehre
vergessen, setzen wir uns höchster
Gefahr aus.

Glücklicherweise stellen wir aber
auch gerade in diesem Bereich die ermutigendsten Veränderungen fest. Jede neue Ausgabe der Morgenzeitungen
scheint Nachrichten darüber zu enthalten, daß in der Sowjetunion Dinge
in Frage gestellt werden - die staatliche Kontrolle über die Industrie,
die Einschränkung der Menschenrechte
und sogar die Ideologie der Weltherrschaft, des Klassenkampfes in der
Weltpolitik, alles Punkte, die zwischen unseren Nationen unüberwindbare
Schranken geschaffen hatten.
Die Diskussionen über demokratische Reformen in der Sowjetunion
sind noch unverbindlich, kaum geeignet, sichere
Prognosen abzugeben.
Trotzdem erscheinen diese Veränderungen denjenigen unter uns, die an die
monolithische
Struktur der sowjetischen Gesellschaft gewöhnt sind,
bemerkenswert.
Noch nicht überzeugend, aber sicherlich bemerkenswert.
Wie ich selbst, so würden unter Ihnen
die meisten vor Jahren bei dem damaligen Stand der Beziehungen sicherlich Schwierigkeiten gehabt haben,
sich vorzustellen, wie ein amerikanischer Präsident mit seinem sowjetischen Gegenüber auf dem Roten Platz
spazierengeht, oder daß derselbe Präsident in den Leninhügeln zu den Studenten der Moskauer Staatsuniversität
über das Wunder und die Großartigkeit
der menschlichen Freiheit sprechen
würde.
Ferner stellen wir auch in Osteuropa Unruhe fest, wo Völker, denen
das Recht auf Selbstbestimmung seit
vier Jahrzehnten vorenthalten wurde,
nun die Grenzen eines neuen, scheinbar toleranteren Umfeldes erkunden.
In Polen sehen wir das Wiederaufleben
der freien Gewerkschaftsbewegung Solidarität, mit der zu verhandeln sich
die Regierung heute nach Jahren versuchter
Unterdrückung
gezwungen
sieht.
In
Ungarn
werden
kühne
Schritte in Richtung auf wirtschaftliche Reformen unternommen. In der
ganzen Region nimmt der Druck auf
Veränderungen - und auf Freiheit zu. Und falls es immer noch jemanden

- 2 -

�gibt, der das immense Ausmaß der in
den vergangenen acht Jahren erfolgten
Veränderungen bezweifelt, dann sollte
er vielleicht mit Amerikanern sprechen, die aus jenen Regionen stammen
und sie um ihre Meinung bitten. Er
sollte polnisch- oder ungarischstämmige Amerikaner fragen, solche, die
aus Estland, Lettland oder Litauen
stammen, er sollte sie fragen, ob es
etwas bedeutet, wenn Verwandte in der
alten Heimat zumindest in einer lange
Zeit geschlossenen Kathedrale beten
oder über die Arbeitsbedingungen auf
einer Werft vehandeln können. Ja,
Amerikaner, die von dort stammen,
werden es bestätigen: solche Veränderungen, wie lange sie auch schon
überfällig sein mögen, sind sehr
vielversprechend; und heute beten wir
darum, daß dieses Versprechen in Erfüllung gehen möge.
Veränderungen sind in der Tat unausweichlich. Niemand sollte an der
Instabilität der heutigen Lage in
Osteuropa zweifeln, in der sich ein
seit langem gegen den Willen der Osteuropäer
aufrechterhaltenes
künstliches wirtschaftliches und politisches System zunehmend als bankrott
und diskreditiert erweist. Wir begrüßen das neue Maß an Toleranz und
Experimentierfreude.
Niemand sollte
jedoch bezweifeln, daß Moskaus Haltung gegenüber dem wachsenden Trend
zur Selbstbestimmung innerhalb seines
europäischen Imperiums von uns als
entscheidender Prüfstein dafür verstanden wird, wie tiefgreifend die
Umgestaltung der sowjetischen Außenpolitik in einem neuen Zeitalter
wirklich ist.
Was immer auch in Zukunft geschehen mag, können wir eines mit Sicherheit sagen: Wir haben große Fortschritte erzielt, und dies ist eine
verheißungsvolle Zeit. Wir sollten
uns ins Gedächtnis rufen, daß wir in
den vergangenen Jahren große Schritte
unternommen
haben,
Schritte,
um
Schutzmaßnahmen gegen unsere Erzfeinde zu ergreifen - von einer Zerstörung der Welt ganz zu schweigen. Natürlich sollten wir uns damit nicht

zufrieden geben und ^,anz gewiß nicht
selbstgefällig werden.
Wir sollten
jedoch das, was gesc1-hen ist, entsprechend würdigen und entschlossen
sein, auf diesen Fortschritten aufzubauen.
In anderen hier gehaltenen Ansprachen ist mir aufgefallen, daß die
Erhaltung dieses Fortschritts gleichbedeutend mit einem bemerkenswerten
Umschwung ist, den unsere Außenpolitik in diesen vergangenen acht Jahren
erfahren hat: wir vertreten jetzt
die Auffassung, daß Containment nicht
mehr ausreicht und wenden daher eine
konstruktive Strategie für die Freiheit an. Und diese Strategie bedeutet nicht nur, unsere Verteidigung
und ein starkes diplomatisches Engagement
aufrechtzuerhalten,
sondern
auch Offenheit gegenüber unseren Verbündeten, Unterstützung
der Freiheitskämpfer auf der ganzen Welt und
Förderung von Menschenrechten und demokratischen Reformen im Ostblock.
Obwohl diese Elemente einen Umschwung
bedeuten, müssen wir uns dennoch vor
Augen führen, daß sie alle auf dem
unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg vereinbarten und von beiden
Parteien getragenen Konsens basieren
- dem Konsens, der in den ersten
Jahrzehnten der Nachkriegszeit die
Grundlage der Führungsrolle amerikanischer Außenpolitik bildete.
Manche von Ihnen wissen vielleicht, daß Winston Churchills Regierung nach Beendigung des Zweiten
Weltkrieges bei der anstehenden Wiederwahl eine Niederlage erlitt - eine
Niederlage, die mit der Konferenz von
Potsdam zusammenfiel. Als Churchill
die Konferenz verließ, bedrückten ihn
die zunehmend aggressiven Tendenzen
in der sowjetischen Regierung, und er
war äußerst bestürzt über die Unfähigkeit seiner eigenen Regierung, unter neuer Führung der sowjetischen
Weigerung,
ihre
Abkommen
über
Deutschland, Polen und die anderen
Länder Mitteleuropas einzuhalten, den
Kampf anzusagen.

- 3 -

Es war aber genau der Mann, den

�viele als Krämer und Roosevelts
schlecht vorbereitete zweite Besetzung verachteten - der neue amerikanische Präsident Harry Truman - der
Churchill Beistand leistete. Es war
Harry Truman, der entschieden der sowjetischen Bedrohung für den Weltfrieden
entgegentrat.
Tatsächlich
erarbeitete
Trumans
Administration
genau zu dem Zeitpunkt, als Europa am
verwundbarsten schien - zusammen mit
einem republikanischen Kongreß - den
Rahmen für eine Strategie des Überlebens:
die
Truman-Doktrin,
den
Marshall-Plan und die NATO.
Man sollte sich vor Augen führen,
daß sich die Truman-Doktrin, die sowohl Griechenland als auch die Türkei
vor der drohenden sowjetischen Herrschaft bewahrte und die freiheitlichen Kräfte in vielen anderen Ländern wiederbelebte, auf zwei wichtige
Postulate stützte:
Erstens müssen
die Vereinigten Staaten "bereit sein,
freien Menschen bei der Erhaltung ihrer freien Institutionen und nationalen Integrität gegen aggressive Bestrebungen, die ihnen totalitäre Regime aufzwingen wollen, zu helfen".
Und zweitens:
"Dies ist lediglich
eine ehrliche Erkenntnis, daß den
freien Völkern durch direkte oder indirekte Aggression aufgezwungene totalitäre Regime die Grundlage des
Weltfriedens und damit die Sicherheit
der Vereinigten Staaten untergraben."
Ich denke, daß diese Postulate
weiterhin gültig sind. Und sie sind
von dieser Administration weniger
verändert als vielmehr erweitert worden. Wiederum beziehe ich mich hier
nicht nur auf das Konzept militärischer Hilfe für Freiheitskämpfer,
sondern auch auf das Konzept des Vorantreibens - durch private Kontakte
aber insbesondere durch Öffentlichkeitsarbeit - demokratischer Reformen
und Menschenrechte im Ostblock und
selbst in der Sowjetunion. Und dennoch kann dieser Fortschritt vom
Containment zu einer konstruktiven
Strategie mißverstanden werden, wenn
er
im
streng
amerikanisch-sowjetischen Kontext betrachtet wird.

Wie die Tatsachen belegen, hat
dieses neue Streben nach Freiheit unsere Außenpolitik durchdrungen und
tritt in allen multilateralen Beziehungen zutage.
Die Forderung nach
einem weltweiten Kreuzzug für Freiheit und Demokratie, die ich erstmals
1982 in Westminister gestellt haben,
betraf alle Nationen und alle Völker.
Und in diesem Zusammenhang haben wir
insbesondere die Bedeutung der Freiheit in der Wirtschaft hervorgehoben
- Freiheit als Quelle von Kreativität
und Wohlstand des Menschen.
Es gab eine größere und sogar
tiefgreifendere Veränderung in unserer Außenpolitik.
Es handelt sich
hierbei weniger um eine politische
Entscheidung, sondern vielmehr um eine eingehende Erneuerung von Amerikas
Engagement für die Freiheit. Deren
Früchte sehen wir heute täglich in
den Schlagzeilen. auf den Philippinen und in Südkorea, aber auch in
Chile, Burma und Haiti streben die
Völker nach Demokratie.
Am Anfang
der achtziger Jahre lebte zum Beispiel lediglich ein Drittel der Völker Lateinamerikas unter einer demokratischen Regierung: heute sind es
nahezu 90 Prozent. In Südostasien,
Taiwan, Hongkong, Sri Lanka, Korea
und selbst in der Volksrepublik China
finden Wirtschaftswunder statt. Darüber hinaus ist in Afrika eine spezielle Vollversammlung der Vereinten
Nationen abgehalten worden, um einen
Konsens für weniger staatliche Kontrolle und mehr marktwirtschaftliche
Anreize zu entwickeln.
Und wenn wir dies eingehend genug
betrachten, sehen wir nicht nur eine
Außenpolitik, die erfolgreich die Sache der Freiheit interpretiert, sondern eine Außenpolitik, die eben deshalb erfolgreich ist, weil ihre Ziele
und Inhalte sich aus dieser Sache definieren und aus der größten aller
Ideen westlichen Gedankengutes und
westlicher
Zivilisation
entstanden
sind - der Freiheit und der Würde des
Menschen vor Gott.

- 4 -

Hier

möchte

ich

kurz

auf

eine

�Ironie verweisen, die darin besteht,
daß während diese westlichen Gedanken
und Traditionen Grundlage und Iriebfeder der Freiheit des Menschen sind
und auf der ganzen Welt Verbreitung
finden, sie in unserem Land aber in
Frage gestellt und sogar ihre Berechtigung als Unterrichtsfach an Universitäten angezweifelt wird.
Ich habe kürzlich in der Zeitschrift
Time
ein
Interview
mit
Allan Bloom, dem Verfasser von "Der
Niedergang des amerikanischen Geistes" gelesen, in dem er seine tiefe
Bestürzung darüber zum Ausdruck gebracht, daß ein allzu großer Teil der
wissenschaftlichen Welt die Einzigartigkeit und moralische Überlegenheit
westlicher Werte - wie Freiheit, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit
aus den Augen verloren hat.
"Die
westliche Kultur muß verschwinden"
lauteten die Parolen auf dem Campus,
überall in den Vereinigten Staaten
haben wir andere Äußerungen der Besorgnis vernommen, wie etwa vom früheren
Erziehungsminister
William
Bennett, der Interessenvertretungen
oder politische Programme kritisiert,
die den Unterricht über die in den
wichtigen Werken und Lehren der westlichen Zivilisation enthaltenen Erkenntnisse abbauen oder einschränken
wollen.
Unser Chefunterhändler
in Rüstungskontrollfragen, Max Kampelman,
hat dazu ein von ihm gern vorgebrachtes Zitat. Er erwähnt gern, daß niemand besser über den Wert dieses Erbes oder seine Relevanz für außenpolitische Fragen gesprochen hat als
der frühere Präsident der UN-Vollversammlung, der inzwischen verstorbene
Charles Malik - ein Freund der Vereinigten Staaten und Wegbereiter der
Freiheit. Er schrieb: "Eine Zivilisation, die ihre Ursprünge auf Homer,
Plato und Aristoteles zurückführt,
auf das Alte und Neue Testament, auf
Cicero und Augustinus, Shakespeare
und Goethe, Newton und Einstein,
Puschkin und Dostojewski und die
Freude und Begeisterung, den Unternehmergeist und die Freiheit der

großen amerikanischen Erfahrung und
all das, für das diese Namen konkret
stehen - kann solch eine Zivilisation
für ihre Überzeugung ohne höchste
Werte und ohne Triebkraft für ihren
Willen sein? Wer besitzt sonst noch
etwas, das sich an diesem unvergleichlichen Erbe messen läßt? Amerika und der Westen unterschätzen ihr
unermeßliches Potential ... Und der
Westen hat nicht nur ein Problem,
sondern auch die Lösung. Sie liegt
in seiner einzigartigen Größe. Und
die Lösung liegt wahrhaftig im höchsten Gut des Westens: der Vorherrschaft des Geistes und der Freiheit
der Seele."
Dank des Durchhaltevermögens des
amerikanischen Volkes und seiner Verbündeten hatte der Kampf zwischen
Licht und Finsternis nicht die Nacht
einer totalitären Herrschaft zur Folge. Statt dessen erstrahlen im Jahr
1988 die Lichter der Freiheit überall
auf der Welt. An diesem entscheidenen Wendepunkt müssen wir sicherstellen, daß dies Bestand hat, daß die
Quelle dieses Lichts, die großen Errungenschaften westlichen Denkens und
westlicher Kultur geschützt und bewahrt und vor allem hier in den Vereinigten Staaten studiert werden.
Die Frontlinie
der amerikanischen
Verteidigung ist ebensosehr in unseren Universitäten und den großen Werken humanitärer Lehren zu finden wie
in allen unseren
Panzerdivisionen
entlang der deutschen Grenze. Und
die Richtung
unserer Außenpolitik
gründet
sich ebensosehr auf den
großen Gedanken, der die freien Nationen der Welt verbindet, wie auf
die Fortschritte der Friedenskonferenzen in Genf. Daher fordere ich
heute die Lehrkörper der amerikanischen Colleges und deren Leitungen
auf, den folgenden Vorschlag zu erwägen: Die Rückkehr zu einer soliden
Ausbildung, die Besinnung auf das Wesentliche beinhalten nicht nur vermehrte Konzentration auf richtige
Grammatik oder bessere Mathematik,
sondern Hinwendung zu den wahren Ursprüngen der menschlichen Freiheit der Pflege des wertvollen intellek-

- 5 -

�tuellen Vermächtnisses der westlichen
Kultur und Hinwendung zu der Kostbarkeit des Gedankens der menschlichen
Freiheit.
Und in eben diesem Geiste können
wir die großen Probleme angehen, die
nach wie vor bestehen, die noch unerledigte Tagesordnung unserer Außenpolitik der Nachkriegszeit. In diesem
Geiste können wir die noch verbleibende Amtszeit dieser Administration
bewältigen und an die nächste herangehen, indem wir uns die wichtigsten
Ziele unserer Außenpolitik vor Augen
halten.
Erstens
müssen
wir
weiterhin
Fortschritte bei der Beilegung regionaler Konflikte erzielen, Konflikte,
die leicht in einen größeren Krieg
eskalieren könnten. Insbesondere in
diesem Bereich ist es von vorrangiger
Bedeutung, die Politik in Mittelamerika fortzuführen, die Fortschritte
in Angola, Afghanistan und Kambodscha
mit sich bringt.
Der Kongreß muß
aufhören, mit zweierlei Maß zu messen
- einmal zugunsten der Freiheitskämpfer in den entlegensten Winkeln der
Welt und einmal zuungunsten der Freiheitskämpfer, die nur einige Tagesreisen von unseren Grenzen entfernt
sind. Bis die Sandinisten ihr Versprechen der Demokratie erfüllen bis Daniel Ortega aufhört, die Bürgerrechte einzuschränken -, müssen
wir die Contras unterstützen.
Zweitens müssen wir Forschung,
Entwicklung und Erprobung unserer
Strategischen Verteidigungsinitiative
entschieden verfolgen. In den vergangenen Monaten konnten wir entscheidende Durchbrüche in der Forschung beobachten - Durchbrüche, die
uns glauben machen, die Stationierung
könne weniger kostenintensiv sein als
ursprünglich angenommen. Unsere Forschungsbemühungen waren so erfolgreich, daß wir die geplanten Kosten
unseres
vielversprechendsten
Programms um Milliarden Dollar senken
konnten. Jetzt ist es an der Zeit,
unsere Anstrengungen zu verdoppeln nicht, sie zurückzuschrauben.
Für

eine gegen einen Angriff - insbesondere einen versehentlichen oder begrenzten Abschuß - mit ballistischen
Raketen geschützte Nation ist dies
nicht nur eine Option der Politik,
sondern ein moralisches Muß.
Drittens müssen wir unter allen
Umständen eine starke Verteidigungsstruktur beibehalten.
Das amerikanische Volk hat in den vergangenen 40
Jahren enorme Opfer gebracht, um die
Einsatzbereitschaft der Vereinigten
Staaten aufrechtzuerhalten.
Dieses
Opfer findet jetzt sichtbaren Niederschlag in den Friedensinitiativen auf
der ganzen Welt, einer Welt mit mehr
Sicherheit und Freiheit und einem
Ostblock, der gezwungen ist, seine
eigenen Probleme in Angriff zu nehmen. Gerade jetzt, in diesem Augenblick der Chance, ist es an der Zeit,
unsere militärische Stärke aufrechtzuerhalten, die all dies ermöglicht
hat.
Viertens müssen wir weiterhin
Menschenrechtsverletzungen öffentlich
anprangern und die fundamentalen moralischen Unterschiede zwischen Totalitarismus und Demokratie hervorheben. Wir dürfen nicht müde werden,
aggressiv für die Sache der menschlichen Freiheit einzutreten und nicht
davor zurückschrecken, unseren Finger
auf das moralische Unrecht derjenigen
zu legen, die die Freiheit unterdrücken. Wir müssen voller Stolz darauf
verweisen,
daß
Wirtschaftswachstum
und materieller Wohlstand das Ergebnis von wirtschaftlicher Freiheit und
nicht einer zentral gelenkten Wirtschaft sind.
Fünftens müssen wir unsere Politik des diplomatischen Engaments bei
den Abrüstungsverhandlungen fortführen. Ein START-Vertrag ist für die
nächsten Jahre in greifbare Nähe gerückt.
In wenigen Monaten werden
neue Verhandlungen über konventionelle Rüstungen aufgenommen.
Es gibt jedoch noch andere Bereiche der Besorgnis. Es grenzt an Ironie, daß gerade zu einer Zeit, in der

�wir den Abbau der Nukleararsenale und
neue Verhandlungen über konventionelle Rüstungen beobachten können, die
Geißel einer älteren und ebenso tödlichen Drohung wiederauflebt.
Ich
beziehe mich hier auf die chemischen
Waffen - Giftgas -, deren Einsatz im
Golfkrieg die zivilisierte Welt in
Schrecken versetzt hat.

*

Und wir sehen uns mit der Aussicht konfrontiert, daß immer mehr
Länder in der Lage sind, solche Waffen herzustellen oder zu beschaffen.
Wir müssen die Wahrung der internationalen Normen gegen den illegalen
Einsatz chemischer Waffen wiederherstellen und darauf achten, daß dies
nicht zu einem Kapitel der Geschichte
des 21. Jahrhunderts wird. Ich habe
eine internationale Konferenz gegen
den Einsatz chemischer Waffen einberufen, die im Januar in Paris zusammenkommt. Zusammen mit den derzeitigen Verhandlungen über ein umfassendes,
wirksam
verifizierbares
und
weltweites Verbot chemischer Waffen
liegt in dieser Konferenz unsere
größte Hoffnung, diesem Schrecken ein
Ende zu bereiten.

unsere berechtigten Sorge müssen gehört werden.
Für die noch verbleibende Amtzeit
dieser Administration ist dies ein
umfangreiches Programm und dies gilt
zweifelsohne für jede zukünftige Regierung. Aber ich bin der Ansicht,
daß wir in diesen vergangenen acht
Jahren in kürzerer Zeit mehr erreicht
haben als selbst die größten Optimisten hätten annehmen können.
Ich
denke, dieser Prozeß kann jetzt fortgeführt werden - solange wir unerschütterlich an die großen Werte und
Traditionen der westlichen Zivilisation glauben und unseren Glauben an
die Freiheit und den letztlichen
Triumph des menschlichen Geistes bewahren. Dieser Glaube muß uns leiten, bis - wie Winston Churchill in
den ersten Tagen des Jahres 1945 an
Harry Truman schrieb - "die dunklen
Tage der Welttragödie vergangen sind".

Ein anderes Problem, das den ansonsten vielversprechenden Horizont
überschattet, ist die stete Nichteinhaltung entscheidender Verpflichtungen im Bereich der Rüstungskontrolle
durch die Sowjetunion.
An erster
Stelle steht hier die große Radaranlage von Krasnojarsk, die den Hauptbestandteil des ABM-Vertrages entschieden verletzt. Wir haben die Sowjetunion darauf hingewiesen, daß wir
keinerlei neue Abkommen über strategische Rüstungskontrolle abschließen
können,
solange
diese
Verletzung
nicht in verifizierbarer Art und Weise behoben wird. Nichts ist der Integrität des Rüstungskontrollprozesses abträglicher als daß eine Seite
in der Lage ist, zu entscheiden, welche Bestandteile eines feierlichen
Abkommens sie zu erfüllen gewillt
ist. Die Sowjets haben sich gestern
zu diesem Thema erneut geäußert.
Zweifelsohne werden wir uns anhören,
was sie zu sagen haben. Aber auch
- 7 -

* * * * * *

�AMERIKA DIENST
'VON

Information

*

2. November 1988

40

KAMPF GEGEN DROGEN - EINE AUFGABE DER GESELLSCHAFT
- Einzelaktionen können nichts mehr ausrichten -

WASHINGTON - (AD) - Die Woche vom 24. bis 31. Oktober 1988 brachte Millionen von Amerikanern auf die Straße, die ihr Engagement gegen den Konsum von
Drogen und für Gesundheit und Wohlbefinden demonstrieren wollten.
Rote Bänder und Abzeichen ließen
erkennen, wer sich gegen Drogenmißbrauch einzusetzen gedenkt. Besonders aktiv waren die "Elternvereinigungen für drogenfreie Jugend" und
die Gruppen "Drogenfreie Jugend von
Amerika", die allein etwa eine Million Mitglieder haben. Schulen und
Kraftfahrer waren gebeten worden,
sich durch das Tragen roter Bänder zu
beteiligen. Polizei und Feuerwehren
luden zu Sonderveranstaltungen ein.
In öffentlichen Bibliotheken, die umfassendes Informationsmaterial anboten, gab es Vorträge, Filmvorführungen und Tonbildschauen. Die Fernsehstationen
brachten
häufig
"AntiRauschgift-Spots". Einige der großen
und die meisten kleineren Tageszeitungen veröffentlichten Sonderartikel
zum Thema "Drogen". Bekannte Sport-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

ler, Schauspieler, Künstler und andere Persönlichkeiten des öffentlichen
Lebens ebenso wie der Religionsgemeinschaften stellten sich für Sonderaktionen zur Verfügung.
Nur wenige Tage vor Beginn der
"Woche für ein drogenfreies Amerika"
hatte der amerikanische Kongreß ein
Gesetz verabschiedet und dem Präsidenten zur Unterzeichnung zugeleitet,
das nicht nur zahlreiche Weisungen
zur Vorbeugung und Erziehung gegen
den Drogenmißbrauch (bei Jugendlichen
gegen den Gebrauch aller illegalen
Substanzen
einschließlich
Alkohol)
gibt, sondern unter anderem auch die
Bestrafung von Rauschgiftkonsumenten
und -händlern erheblich verschärft.
So müssen künftig die Hintermänner
von Drogengeschäften, bei denen Men-

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�sehen ermordet wurden, mit der Todesstrafe rechnen. Wer mit Rauschgift
handelt, Jugendliche zum Verteilen
benutzt oder es an Jugendliche verkauft, wird sehr viel härter bestraft
als bisher. Polizei und Justizbehörden sind gehalten, in der Öffentlichkeit und auf den Straßen hart durchzugreifen.
Lokale Stellen sollen
Programme entwickeln und durchsetzen,
die darauf abzielen, den illegalen
Drogenkonsum in Schulen und auf allen
kommunalen Ebenen drastisch zu reduzieren.
Wer verbotene Drogen benutzt, soll von den Anklagenbehörden
dafür belangt werden.
Das Gesetz basiert zum großen
Teil auf den mehr als hundert Empfehlungen des 238 Seiten starken Berichtes, der in sieben großen Konferenzen
mit insgesamt 5 000 Teilnehmern aus
allen Bereichen der amerikanischen
Gesellschaft in eineinhalb Jahren erarbeitet und in seiner endgültigen
Fassung am 21. Juni 1988 verabschiedet worden war.
Mitte Juli 1988
richtete die "Konferenz des Weißen
Hauses für ein drogenfreies Amerika"
unter Hinweis auf den Bericht einen
dringenden Appell an die amerikanische Bevölkerung, jetzt energisch
gegen den Drogenmißbrauch vorzugehen.
Andernfalls sei der Kampf "um eine
drogenfreie Gesellschaft" verloren.
Das neue Gesetz fordert die Einsetzung eines Nationalen Drogenbeauftragten mit Kabinettsrang sowie die
Schaffung einer nationalen Behörde
zur Vorbeugung gegen Drogenkonsum.
Vorbeugende Maßnahmen wird im Kampf
gegen Rauschgift überragende Bedeutung zuerkannt.
Diese beginnen in
der Familie, weshalb auch Eltern und
Erziehungsberechtigte
verantwortlich
dafür zu sein hätten, den Gebrauch
verbotener Drogen aller Personen im
Haushalt zu verhindern.
In allen
Kommunen sollen Elternvereinigungen
eingerichtet werden, um rechtzeitig
Informationen und Rat zu geben und
nicht zu warten, bis die Kinder mit
Drogen bereits in Berührung gekommen
sind. Für die Jugend sollten mehr
als bisher Begegnungszentren einge-

richtet werden, in denen ein drogenfreies Leben anschaulich und überzeugend demonstriert und von jungen Menschen der verschiedensten sozialen,
kulturellen und ethnischen Herkunft
selbst geplant und organisiert wird.
Schulen, Colleges und Universitäten sind gehalten, den Konsum von
Rauschgift generell und von Alkohol
für Minderjährige zu verbieten. In
die Lehrpläne für alle Altersstufen
müssen auch die neuesten Informationen über die Gefahren von Drogen,
über die zu erwartende Bestrafung und
über Therapiemöglichkeiten bzw. Therapiemaßnahmen
eingebaut
werden.
Lehrer aller Schulformen und Fachrichtungen müssen für die staatliche
Anerkennung ihre Kenntnisse über Fragen, die mit Drogen und Alkohol zusammenhängen, nachweisen.
Nicht nur in Behörden aller Art,
sondern auch in der Privatwirtschaft,
bei Gewerkschaften und Angestelltenverbänden sei unter allen nur erdenklichen Aspekten eine "Anti-Drogen-Politik", unter anderem mit Erziehungsund
Rehabilitationsprogrammen
und,
falls erforderlich, mit Drogentests
sowie mit Spezialkursen für Personen
in leitender Funktion durchzusetzen.
Die Arbeitgeberanteile bei Versicherungen für die Sektoren Haftpflicht,
Krankenversicherung und Krankengeld
sollen für Unternehmen, die Anti-Drogen-Programme eingeführt haben, gesenkt werden.
Bundesstaatliche und einzelstaatliche Behörden sowie Kommunalverwaltungen sollen die Therapiekapazitäten
für Suchtkranke wesentlich erweitern.
Dazu gehören unter anderem die Verstärkung des Personals in den zuständigen Institutionen, deren Zusammenarbeit über die Grenzen der einzelnen
Bundesstaaten hinaus und die Einführung stärker gegliederter und vielfältiger Behandlungsmodalitäten. Soweit möglich soll der Patient die
Therapiekosten selbst tragen.
Das Ergebnis einer Narkotika-Therapie soll anhand standardisierter,

�objektiver Methoden bewertet werden,
die das Amt für Alkohol-, Drogenmißbrauch und Geistige Gesundheit (Alcohol, Drug Abuse and Mental Health Administration - ADAMHA) entwickelt.
Therapieprogramme sollen primär auf
ihrer Wirksamkeit, dem Nutzeffekt und
dem Prozentsatz der Klienten, die danach drogenfrei bleiben, basieren.
Das Bundesministerium
für Gesundheits- und Sozialwesen
setzt eine
multidisziplinäre Arbeitsgruppe ein,
die den gegenwärtigen und künftigen
Personalbedarf für den Therapiesektor
untersucht und entsprechende Empfehlungen gibt.
Die Träger von Therapiemaßnahmen
haben dafür zu sorgen, daß die Therapeuten mit der Familie, mit der Schule, mit sozialen Diensten und der Justiz in jedem einzelnen Fall zusammenarbeiten.
Staatliche und lokale
Behörden sollen die Bereitstellung
der Mittel für alle gerichtlich verfügten Therapiemaßnahmen gewährleisten.
Die medizinischen Fakultäten
der Universitäten und Fachhochschulen
müssen eine umfassende Ausbildung für
die Diagnose und Behandlung Drogensüchtiger in ihre Lehrpläne aufnehmen. Die Bundesregierung soll außerdem einen AIDS-Ausbildungskursus entwickeln, der von allen in der Drogentherapie tätigen Personen absolviert
werden muß.

1963 in New York galt "Daytop Village" als die erste drooenfreie Wohngemeinschaft in den Vereinigten Staaten. Mit Selbsthilfe und Unterstützung durch die Familien Süchtiger
wurden Tausende von Männern, Frauen
und Kindern rehabilitiert. Die Einrichtung in New York diente als Vorbild für viele weitere Rehabilitationszentren in den USA und in 40 anderen Ländern. Im Raum New York werden laut Stan Satlin, dem Sprecher
der Organisation, gegenwärtig 1 600
Personen in DAYTOP-Zentren behandelt.
Satlin konnte keine Angaben darüber machen, wieviele Suchtkranke
derzeit in Deutschland, Großbritannien, Italien, Irland, Schweden, Argentinien oder auf den Philippinen
von DAYTOP-Programmen erfaßt sind.
Er verwies aber darauf, daß 92 Prozent der Rehabilitanten ein drogenfreies Leben führten, nicht auf die
Hilfe anderer angewiesen seien, verantwortungsbewußt handelten und vielfach selbst ähnliche Programme in aller Welt eingeführt hätten. Nach der
DAYTOP-Methode
steht der Süchtige
ständig unter strikter Kontrolle seiner unmittelbaren Umgebung, bis feststeht, daß die Therapie erfolgreich
war. (Anfragen können gerichtet werden an "DAYTOP for a Drug Free World,
59 West 40th Street, New York, New
York 10018.)

Der amerikanischen Regierung wird
empfohlen, die diplomatischen Bemühungen sowie den Rechtsvollzug zur
Durchsetzung einer besseren internationalen Kontrolle und Bekämpfung von
Rauschgiften weiter zu intensivieren.
Die im Ausland unterstützten Maßnahmen, die bisher meist der Vernichtung
von Anbauflächen für Drogenpflanzen
galten, sollten mehr auf die Aushebung und Zerstörung von Drogenlabors
und
Produktionsausrüstung
konzentriert werden.
Das älteste amerikanische Zentrum
zur Vorbeugung und Drogentherapie,
DAYTOP, wurde im Oktober 25 Jahre
alt. Zur Zeit seiner Gründung durch
Monsignore William O'Brien im Jahr
- 3 -

�musMfiwwm^
Wirtschaft

2. November 1988

40

ZUSAMMENARBEIT FÜR EIN VEREINTES EUROPA
- Von C. William Verity -

Der folgende Artikel des amerikanischen Handelsministers wurde am 26. Oktober
1988 im Journal of Commerce veröffentlicht:
Die aus zwölf Staaten bestehende
Europäische Gemeinschaft hat sich ein
ehrgeiziges Programm vorgenommen, um
zu vollenden, was sie vor über 30
Jahren begonnen hatte: Den Abbau interner
Handelshemmnisse
und die
Schaffung eines einzigen großen Binnenmarktes bis 1992 mit Freizügigkeit
für Güter, Menschen und Dienstleistungen. Das Ergebnis wird ein Markt
von vier Billionen Dollar mit über
340 Millionen Verbrauchern sein.
Jeder Wirtschaftsbereich in Europa wird hiervon berührt werden, sei
es in Form von neuen gemeinsamen
Zolldokumenten, harmonisierten Produktnormen und der Liberalisierung
des Kapitaltransfers bis zur Harmonisierung der Richtlinien für Unternehmenszusammenschlüsse und -übernahmen.

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Das EG-Programm hat schon an Schwungkraft zugenommen, aber es bleibt noch
viel zu tun.
Für die Vereinigten Staaten ist
die erfolgreiche Schaffung eines gemeinsamen europäischen Marktes von
enormem Interesse. Die EG ist bei
weitem unser größter Handelspartner.
Zählt man die amerikanischen Exporte
in die EG und die Lieferungen von in
Europa
ansässigen
amerikanischen
Tochtergesellschaften
zusammen, so
belief sich der Gesamtumsatz amerikanischer Unternehmen in der Europäischen Gemeinschaft im vergangenen
Jahr auf über 500 Milliarden Dollar.
Das ist mehr als das Doppelte des
amerikanischen Absatzes in Kanada und
über dreimal so viel wie der Absatz
von amerikanischen Produkten in Japan.

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�EG-Schätzungen zufolge könnte der
Abbau gegenwärtig bestehender Handelsschranken und die Vollendung des
Binnenmarktes zu einem Anstieg der
europäischen Produktionsleistung um
260 Milliarden Dollar führen. Das
bedeutet einen erheblichen Zuwachs
der europäischen Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen - einschließlich amerikanischer Güter und
Dienstleistungen.
Die gesamte Weltwirtschaft wird
von einem europäischen Binnenmarkt
profitieren. Der Abbau von Schranken
innerhalb der EG wird einige der
strukturellen Verkrustungen aufbrechen, die in den vergangenen Jahren
die Wachstumsrate in Europa so niedrig hielten. Die Unternehmen werden
konkurrenzfähiger werden, da sie sich
die kontinentale Dimension des Marktes zunutze machen können.
Dies
sollte zu einer erhöhten Beschäftigungsquote führen und eine dauerhaft
robuste europäische Wirtschaft nach
sich ziehen.
Die Vereinigten Staaten unterstützen den Abbau von Binnengrenzen
innerhalb Europas und die Vollendung
des "Gemeinsamen Marktes".
Dies findet nicht nur aus - auf
der Hand liegenden - politischen,
sondern auch aus wirtschaftlichen
Gründen unsere Unterstützung.
Im
Großen und Ganzen bestehen zwischen
den Vereinigten Staaten und der Europäischen Gemeinschaft offene Handelsbeziehungen. Es gibt jedoch Ausnahmen, wie etwa europäische Subventionen für Landwirtschaft und Kohle.
Aber insgesamt hat der bilaterale
Handel zugenommen und beiden Seiten
Vorteile verschafft. Seit 1965 war
der Handel der Vereinigten Staaten
insgesamt mit Europa in etwa ausgewogen. Tatsächlich konnten wir einen
leichten Überschuß erzielen.
Die Offenheit im Handel der Vereinigten Staaten mit der EG könnte
sich infolge des Programms von 1992
verändern.
Es darf keine "Festung
Europa" geben. Protektionismus würde

das gesamte Konzept für 1992 zerstören.
Die europäische Industrie kann
weltweit keinesfalls wettbewerbsfähiger werden, wenn sie sich dem Wettbewerb gegenüber abschottet. Die Planer des europäischen Programms für
1992 - weitsichtige europäische Politiker und Industrievertreter - haben
das erkannt. Sie wollen eine "Festung Europa" verhindern.
Bedauerlicherweise sind die Planer des Binnenmarktes ins Kreuzfeuer
der Kritik geraten. Es gibt Anzeichen dafür, daß Rückfälle, engstirnige Eigeninteressen und Protektionismus zunehmen könnten, je näher das
Jahr 1992 heranrückt. Wir müssen besorgt darüber sein, daß bestimmte Interessengruppen die Durchführung der
Liberalisierung verzögern oder die
Vorteile der Liberalisierung außereuropäischen Firmen nicht zugänglich
machen wollen.
F.s gibt zum Beispiel Stimmen in
Europa, die ein Prinzip der Gegenseitigkeit fordern, das auf ausländischen Märkten nahezu identische
Vorschriften fordert, bevor die Vorzüge einer Liberalisierung im Rahmen
der EG gewährt werden. Dieses Konzept ist vor allem im Zusammenhang
mit Dienstleistungen der Handelsbanken erwähnt worden, die gegenwärtig
nicht vom allgemeinen Zoll- und Handelsabkommen erfaßt werden. Wie vorgeschlagen, würde Gegenseitigkeit zu
einer Absage an die Bearbeitung auf
nationaler Ebene führen, die bisher
für internationales Investment galt
und könnte amerikanische Unternehmen
ernsthaft gefährden. Die Vereinigten
Staaten sollten das nicht akzeptieren.
Die Regierung
der Vereinigten
Staaten muß eng mit der EG-Kommission
und den Mitgliedsstaaten zusammenarbeiten, um das Konzept von 1992 zu
bewahren und sicherzustellen, daß ein
EG-Markt wirklich offen ist. Wenn
spezielle Interessen dieses Ziel gefährden, müssen wir etwas dagegen unternehmen.

- 2 -

*

(

\

�Ich möchte den Vorschlag unterbreiten, daß die Vereinigten S aaten
und die Europäische Gemeinschaft eine
Reihe bilateraler Beratergruppen für
verfahrenstechnische Fragen und Vorschriften ins Leben rufen, die Wege
empfehlen, wie wir unsere Zielsetzungen im Hinblick auf die Vorschriften
erreichen und gleichzeitig miteinander zu vereinbarende wirtschaftliche
Umfelder schaffen können. Ich hoffe,
die EG wird diesen Vorschlag unterstützen.
i

i

Im Januar wird in Brüssel eine
neue EG-Kommission ihre Arbeit aufnehmen.
Gleichzeitig wird in den
Vereinigten Staaten eine neue Administration ihr Amt antreten. Eine neuerlich
eingegangene
Verpflichtung
wird in der Europäischen Gemeinschaft
im Hinblick auf das Grundkonzept des
Binnenmarktes und die Vorteile, die
ein offener und einheitlicher EGMarkt für die Bürger Europas und die
Weltwirtschaft mit sich bringt, erforderlich sein. Wir müssen mit Europa zusammenarbeiten, um diesen Erfolg sicherzustellen.

* * * * * *

- 3 -

�</text>
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