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                    <text>AMERIKA DIENST
'VON

*

3. Juni

21

1987

I N H A L T
DOKUMENTATION

Persischer Golf sollte nicht von Iran und UdSSR beherrscht werden
- Präsident Reagan zur Situation im Persischen Golf Marshall-Plan auch heute noch inspirativ
- Präsident Reagans Proklamation zum Gedenkmonat für George C.
Marshall Reagan fordert "routinemäßigen" AIDS-Test
- Rede vor der amerikanischen Stiftung für AIDS-Forschung -

INFORMATION
Greenspan bringt reiche Erfahrungen bei der amerikanischen Bundesbank
ein
- Kurzbiographie des neuen Vorsitzenden der Bundesbank NIDA verzeichnet Erfolge bei Drogenbekämpfungskampagne
- Artikel über die Drogenkonferenz in Honolulu 9

Eltern kommt Schlusselrolle bei Bekämpfung des Drogenmißbrauchs zu
- Artikel über die Drogenkonferenz in Honolulu -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Verkehrsflugzeug mit fünffacher Schallgeschwindigkeit
- Vorreiter für das amerikanische Weltraumflugzeug -

* * * * * *

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�AMERIKA DIENST
VON

&amp;

Dokumentation

21

3. Juni 1987

PERSISCHER GOLF SOLLTE NICHT VON IRAN UND UDSSR BEHERRSCHT WERDEN
- Präsident Reagan zur Situation im Persischen Golf -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Reagan gelobte in seiner am 29. Mai 1987
gehaltenen Ansprache, die "Benutzung der wichtigen Schiffahrtswege des Persischen Golfs wird nicht von den Iranern gelenkt werden" und "sollen nicht unter die Oberaufsicht der Sowjetunion gelangen".
Der Präsident bezeichnete es als seine Pflicht, sicherzustellen, daß zur
angemessenen Abschreckung Streitkräfte in dem Gebiet unterhalten werden, falls notwendig - auch zur Verteidigung gegen jedweden zufälligen oder beabsichtigten Angriff.
Nachfolgend drucken wir die Rede des Präsidenten im Wortlaut.
Ich möchte heute nachmittag direkt über die lebenswichtigen Interessen des amerikanischen Volkes sprechen, lebenswichtige Interessen, die
im Gebiet des Persischen Golfes auf
dem Spiel stehen. Es mag nach einer
wirtschaftlichen
Erholung
in einer
Rekordzeit von 54 Monaten leichtfallen, zu vergessen, wie wichtig der
Persische Golf für unsere nationale
Sicherheit ist.
Aber ich glaube, daß sich jeder
Anwesende und jeder meiner Zuhörer an
die schmerzlichen Auswirkungen der

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Ölkrise im Mittleren Osten vor einigen Jahren erinnern kann - an die
endlosen, demoralisierenden Schlangen
an den Tankstellen, die Verknappung,
Rationierung, die steigenden Energiepreise, die zweistelligen Inflationsraten und die ungeheure Verwirrung,
die unsere Wirtschaft in ihren Grundfesten erschütterte.
Dieselbe wirtschaftliche Verwirrung durchdrang alle Teile der Welt,
beeinträchtigte
ausländische Volkswirtschaften, verschärfte internationale Spannungen und erhöhte in ge-

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�fährlichem Ausmaß die Möglichkeiten
für regionale Konflikte und weitreichende Kriege.
Die grundlegende Kraft für den
Frieden in der Welt - die Vereinigten
Staaten
und
andere
demokratische
Staaten - wurden als erheblich geschwächt angesehen.
Unsere Volkswirtschaften und unser Volk wurden
als Sklaven der ölproduzierenden Länder der Welt betrachtet. Das könnte
sich wiederholen, wenn es dem Iran
und
der
Sowjetunion
gelingt, den
friedlichen
arabischen Staaten des
Persischen Golfs ihren Willen aufzuzwingen und wenn es dem Iran erlaubt
würde, das freie Passieren neutraler
Schiffe zu blockieren.
Aber dies wird sich nicht wiederholen, nicht während der Amtszeit
dieses Präsidenten.
Ich bin entschlossen,
daß
unsere
nationale
Volkswirtschaft
niemals
wieder
zu
einer Sklavin wird; daß wir nicht zu
den Tagen der Schlangen an den Tankstellen, der Verknappung, Inflation,
wirtschaftlichen Verwirrung und internationalen Erniedrigungen zurückkehren werden.
Lassen Sie es mich
Ihnen deutlich sagen - die Benutzung
der lebenswichtigen Schiffahrtwege im
Persischen Golf wird nicht von den
Iranern
diktiert
werden.
Diese
Durchfahrten sollen nicht unter die
Oberaufsicht der Sowjetunion gelangen. Der Persische Golf wird für die
Schiffahrt aller Länder der Welt offen bleiben. Ich werde es nicht zulassen, daß der Mittlere Osten ein
Engpaß für die Freiheit oder ein Pulverfaß für internationale Konflikte
wird.
Freiheit der Schiffahrt ist im
Völkerrecht keine leere Klausel. Sie
ist für die Gesundheit und Sicherheit
Amerikas und die Stärke unseres Bündnisses lebenswichtig.

Unsere Präsenz im Persischen Golf
ist ebenso wichtig, wenn es um die
Verhinderung
größerer
Konflikte im
Mittleren Osten geht, und sie bildet
eine Voraussetzung für die Beendigung
des brutalen und gewalttätigen, jetzt
sechseinhalb Jahre währenden Krieges
zwischen Iran und Irak. Auf diplomatischer Ebene tun wir, was wir können, um diesen Krieg zu seinem Ende
zu führen, und diese Bemühungen werden anhalten.
Zusammengenommen halten die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten
ihre Präsenz im Golf aufrecht, um den
ungehinderten Umschlag des Öls zu unterstützen, um unsere Freunde und
Verbündeten in der Region unseres Engagements für ihren Frieden und ihr
Wohlergehen zu versichern, um sicherzustellen,
daß
die
Freiheit
der
Schiffahrt und andere international
vereinbarte
Grundsätze
respektiert
und beachtet werden. Kurz gesagt, um
die Sache des Friedens zu unterstützen.
Bis
zur
Wiederherstellung
des
Friedens und bis für die Schiffahrt
in der Region - besonders für die
Schiffahrt
unter
amerikanischem
Schutz - keine Risiken mehr bestehen,
müssen wir eine angemessene Präsenz
zum Zwecke der Abschreckung aufrechterhalten, und um uns, falls notwendig, gegen jedweden zufälligen oder
jeden beabsichtigen Angriff zu verteidigen.
Als Oberbefehlshaber ist
es meine Pflicht, sicherzustellen,
daß Streitkräfte in diesem Gebiet unterhalten werden, die diesem zweck
angemessen dienen.
Unser ziel ist das Streben nach
Frieden und nicht die Provokation.
Aber unsere Interessen und die unserer Freunde müssen gewahrt werden.
Wir sind im Persischen Golf, um unse-

- 2 -

�re nationalen, und zusammen mit unseren Verbündeten, die Interessen der
gesamten westlichen Welt zu schützen.
Der Frieden steht auf dem Spiel. Unsere nationalen Interessen stehen auf
dem Spiel. Und wir werden die Fehler
der Vergangenheit nicht wiederholen.
Schwäche und ein Mangel an Entschlossenheit und Stärke werden nur
diejenigen ermutigen, die den ölfluß
als Mittel zu nutzen suchen, als Waffe, um dem amerikanischen Volk im Inland Schwierigkeiten zu bereiten, uns
im Ausland zu behindern und um im gesamten Mittleren Osten und der Welt
Konflikte und Gewalt zu fördern.

- 3 -

�AMERIKA DIENST
Dokumentation
21

3. Juni 1987

MARSHALL-PLAN AUCH HEUTE NOCH INSPIRATIV
- Präsident Reagans Proklamation zum Gedenkmonat für George C. Marshall -

WASHINGTON - (AD) - In seiner Proklamation vom 1. Juni 1987 erklärte Präsident Reagan den Juni 1987 zum Gedenkmonat für George C. Marshall und nannte
dessen Plan zum Wiederaufbau des vom Krieg zerstörten Europa "ein stolzes Monument der Geschichte unserer Nation".
Wie Präsident Reagan ausführte, ist der Marshall-Plan "auch heute noch inspirativ, weil er aufzeigt, welche Möglichkeiten bestehen, wenn Nationen ihre
Differenzen beilegen, um sich einer gemeinsmen Herausforderung zu stellen".
Die Proklamation hat folgenden Wortlaut:

Am 5. Juni vor 40 Jahren legte
der
damalige
Außenminister
George
Catlett Marshall Jr. in seiner Rede
bei einer Examensfeier der Universität Harvard seinen Plan zum Wiederaufbau des durch den Krieg zerstörten
Europa vor. Es ist wahrhaft angemessen, daß wir zum 40. Jahrestag dieses
Plans, der als Marshall-Plan bekannt
wurde,
eine
Gedenkfeier
abhalten,
weil er die Grundlage für das bemerkenswerteste
Zeitalter
von Frieden
und Wohlstand in der Geschichte bildet.
Der Plan verkörperte in höchstem Maße das amerikanische Engagement für Frieden und Freiheit in Eu-

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ropa und trug angemessenerweise den
Namen George Marshalls.
Als Stabschef der Armee im Zweiten Weltkrieg
trug er entscheidend zur Befreiung
Europas
bei; nachdem
Frieden geschlossen worden war, arbeitete er
ebenso tatkräftig als Außenminister
daran, Europa auf einem neuen Niveau
der Stärke und Vitalität wiederhergestellt zu sehen.
Der Marshall-Plan ist ein stolzes
Monument der Geschichte unserer Nation, weil sein Ursprung in unserem
großen und hochherzigen Geist liegt

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�wie auch in unserem Einsatz für die
Prinzipien der wechselseitigen Abhängigkeit, Selbstbestimmung und Offenheit gegenüber einer positiven Zusammenarbeit.
Der Plan war über die
kühnsten Erwartungen hinaus erfolgreich und bleibt heute noch inspirativ, weil er aufzeigt, welche Möglichkeiten
bestehen, wenn Nationen
ihre Differenzen beilegen, um sich
einer gemeinsamen Herausforderung zu
stellen.
Wir nehmen diese Gelegenheit auch
zum Anlaß, um George C. Marshall für
seine lebenslange Hingabe an die Vereinigten Staaten von Amerika zu ehren. Er bekleidete bei unserer härtesten Waffenprobe in der Armee eine
Führungsposition, diente als Außenund Verteidigungsminister
und wurde
der erste Berufssoldat, dem der Friedensnobelpreis verliehen wurde.
Er
wird uns immer als Inbegriff des Bürgers in Uniform in Erinnerung bleiben.

Aus diesem Grunde erkläre ich,
Ronald Reagan, Präsident der Vereinigten Staaten
von Amerika, den
Juni 1987 zum Gedenkmonat für George
C. Marshall, ich fordere alle Amerikaner auf, diesen Monat mit entsprechenden
Programmen, Feierlichkeiten
und anderen Veranstaltungen zu begehen.
Dies zu bezeugen, habe ich an
diesem ersten Tag des Juni, im Jahre
des Herrn
neunzehnhundertsiebenundachtzig und im zweihundertelften Jahr
der Unabhängigkeit
der Vereinigten
Staaten
von Amerika
meine Unterschrift geleistet.

gez.
Ronald Reagan

Der Kongreß hat durch Senatsbeschluß 70 den Monat Juni zum "Gedenkmonat für George C. Marshall" erklärt
und den Präsidenten ermächtigt und
aufgefordert, zu diesem Anlaß eine
Proklamation zu unterzeichnen.

- 2 -

�AMERIKA DIENST
Dokumentation

'VON**

3. Juni 1987

21

REAGAN FORDERT "ROUTINEM&amp;SSIGEN" AIDS-TEST
- Rede vor der amerikanischen Stiftung für AIDS-Forschung -

WASHINGTON - (AD) - In seinen Ausführungen vor der Amerikanischen Stiftung
für AIDS Forschung (American Foundation for AIDS Research) forderte Präsident
Reagan am 31. Mai 1987 "routinemäßige" AIDS-Tests für alle Insassen in Bundes-, Landes- und Regionalgefängnissen, für diejenigen, die um eine Heiratsurkunde nachsuchen sowie für alle, die Kliniken zur Behandlung von Geschlechtskrankheiten oder Drogenabhängigkeit aufsuchen.
Reagan hielt seine Rede anläßlich der von der Weltgesundheitsorganisation
und zahlreichen amerikanischen Regierungsbehörden veranstalteten Dritten Internationalen Konferenz über AIDS, zu der Tausende von Wissenschaftlern und
Forschern zusammengekommen waren.
Die Rede Präsident Reagans hat folgenden Wortlaut:
Ich möchte Ihnen allen meinen
Dank dafür aussprechen, daß Sie sich
dem Kampf gegen AIDS verschrieben haben,
und ich möchte ebenfalls der
amerikanischen Stiftung für AIDS-Forschung und den Empfängern der Auszeichnungen für ihre Beiträge danken.
Es erfüllt mich mit besonderer Freude, daß sich unter den heute abend
Geehrten auch ein Mitglied der Administration befindet.
Dr. Koop verkörpert das, was man von jedem Generalarzt erwartet - er ist ein ehrenwerter Mensch, ein guter Arzt und ein
Verfechter des öffentlichen Gesund-

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heitswesens. Auch den anderen Ärzten
und Forschern, die heute abend nicht
hier anwesend sein können, möchte ich
meinen Dank aussprechen.
Sie alle
haben in den frühen Tagen der Krankheit wahrhaften Mut an den Tag gelegt, als wir uns noch nicht bewußt
waren, wie todbringend AIDS ist. Sie
haben ein persönliches Risiko für medizinische Erkenntnisse und für das
Wohlergehen ihrer Patienten auf sich
genommen.
Und dies verdient unsere
aufrichtige Dankbarkeit und Anerkennung.

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�Ich möchte heute abend über die
Krankheit sprechen, die uns alle hier
zusammengeführt
hat.
Der
Dichter
W.H. Auden hat gesagt, daß die wahren
Männer der Tat in diesen Zeiten nicht
die Politiker oder Staatsmänner sind,
sondern
die
Wissenschaftler.
ich
glaube, diese Aussage hat besondere
Gültigkeit, wenn wir uns mit der
AIDS-Epidemie auseinandersetzen.
Diejenigen unter uns, die der Regierung angehören, können unsere Bürger über die Gefahren aufklären; wir
können sicheres Verhalten ermutigen;
Tests zur Bestimmung der Verbreitung
des Virus durchführen; wir können alle
möglichen
Maßnahmen
ergreifen.
Aber nur die medizinische Wissenschaft kann jemals AIDS wirklich bekämpfen.
Und wir haben bereits beachtliche Fortschritte erzielt.
Wenn man bedenkt, daß wir von der
Existenz dieser Krankheit nicht einmal wußten, bis im Juni 1981 fünf
Fälle
in
Kalifornien
auftauchten.
Das eigentliche AIDS-Virus wurde 1984
entdeckt. Die Bluttests standen 1985
zur Verfügung.
Ein Medikament zur
Behandlung, AZT, wurde in Rekordzeit
auf den Markt gebracht, und andere
werden folgen. In zahlreichen Labors
wird an einem Impfstoff gearbeitet.
Zusätzlich zu den privaten und
gemeinschaftlichen
Forschungen, die
in unserem Land und überall auf der
Welt durchgeführt werden, hat die
Bundesregierung in diesem Haushaltsjahr 317 Millionen Dollar für die
AIDS-Forschung und insgesamt 766 Millionen Dollar vorgesehen.
Im nächsten Jahr beabsichtigen wir 30 Prozent mehr für die Forschung aufzuwenden - 413 Millionen Dollar von insgesamt 1 Milliarde Dollar. Die Ausgaben für AIDS bilden einen der Bereiche, die im Budget am schnellsten
wachsen, und, meine Damen und Herren,

sie verdienen es.
Wir reißen auch die Schranken der
Vorschriften nieder, damit die AIDSMedikamente von den pharmazeutischen
Labors so schnell wie möglich auf den
Markt kommen. Es ergibt keinen Sinn
- und es ist in der Tat sogar grausam
- sterbenden Patienten die Hoffnung
auf neue Medikamente vorzuenthalten.
Und ich verurteile nicht diejenigen,
die für die Freigabe der AIDS-Medikamente auf die Straße gingen und protestierten, bevor der letzte Federstrich gezogen war.
ich habe Verständnis für sie, und wir werden Hilfe - und Hoffnung - zur Verfügung
stellen, und zwar so schnell wir können.
Die Wissenschaft ist eindeutig zu
atemberaubenden Fortschritten fähig,
aber sie kann keine Wunder vollbringen.
Aufgrund der langen Inkubationszeit von AIDS wird es Jahre dauern, die Wirkung eines Impfstofs herauszufinden.
Die
Tests
erfordern
Zeit, und das ist ein Problem, das
nicht mit Geld gelöst werden kann.
Wir werden frühestens gegen Mitte bis
Ende der neunziger Jahre einen Impfstoff auf dem Markt haben.
Da wir keine Heilung
für die
Krankheit und keinen Impfstoff gegen
sie haben, lautet die Frage, wie wir
uns in der Zwischenzeit angesichts
dieser
Krankheit verhalten
sollen?
Wie schützen wir die Bürger unserer
Nation?
Und wo fangen wir an?
Zum
einen ist es absolut notwendig, daß
das amerikanische Volk Wesen und Ausmaß des AIDS-Problems erkennt.
Und
es ist wichtig, daß die Bundes- und
Landesregierungen dies ebenfalls tun.
Ich habe kürzlich meine Absicht
verkündet, wegen
der
Konsequenzen
dieser Krankheit für unsere Gesellschaft eine nationale AIDS-Kommission

- 2 -

�ins Leben zu rufen.
Wir benötigen
umfassende Antworten. Was können wir
zum Schutz der Amerikaner tun, die
nicht mit dem Virus infiziert sind?
Wie können wir am besten für diejenigen sorgen, die krank sind und im
Sterben liegen?
Wie bewältigen wir
eine Krankheit, die unser Gesundheitsfürsorgesystem
überschwemmen
könnte? Die AIDS-Kommission wird dazu beitragen, die besten Ideen Amerikas zur Bewältigung der AIDS-Krise
herauszukristallisieren.
Einige Dinge sind uns bereits bekannt - die
kalten Statistiken.
Aber ich werde
Ihnen nicht die grausamen Fakten darüber aufzählen, wie viele bereits gestorben sind oder höchstwahrscheinlich sterben werden. Ich werde nicht
die Zahlen und Gruppen derjenigen
aufschlüsseln, die wir verloren haben, denn ich möchte nicht, daß die
Amerikaner denken, AIDS beträfe nur
bestimmte Gruppen. AIDS betrifft uns
alle.
Unsere
Bürger
müssen
folgendes
wissen: Amerika sieht sich mit einer
Krankheit konfrontiert, die tödlich
ist und die sich ausbreitet.
Dies
erforderdert Eile, nicht Panik.
Es
erfordert Mitgefühl, nicht Verurteilung. Und es erfordert Verständnis,
nicht
Ignoranz.
Es
ist
außerdem
wichtig, daß die Amerikaner diejenigen nicht zurückstoßen, die von der
Krankheit
infiziert
sind,
sondern
würde- und liebevoll für sie sorgen.
Das letzte Urteil liegt bei Gott; es
liegt bei uns, das Leiden zu mildern
und Heilung zu finden. Wir befinden
uns in einem Kampf gegen Krankheit,
nicht
gegen
unsere
amerikanischen
Mitbürger.
Wir dürfen diejenigen, die mit
dem AIDS-Virus infiziert sind, nicht
der Diskriminierung aussetzen.
Ich
stimme mit dem Minister für Bildung
und Gesundheit Bennett überein - wir

müssen uns standhaft gegen jede Diskriminierung der mit AIDS Infizierten
zur Wehr setzen. Wir müssen die Verfolgung
unserer Mitbürger, sei es
durch
Ignoranz oder Böswilligkeit,
verhindern.
So gefährlich und tödlich AIDS
auch ist, viele der mit dieser Krankheit verbundenen Ängste sind unbegründet.
Diese Ängste gründen sich
auf Ignoranz.
Mir wurde von einem
Zeitungsfoto berichtet, auf dem ein
Baby in einem Krankenhausbettchen mit
einem Schild darüber gezeigt wurde,
auf dem zu lesen stand:
"AIDS
nicht
berühren".
Glücklicherweise
war dieses Foto vor einigen Jahren
aufgenommen worden, und wir wissen
heute, daß es für solche Ängste keinen Grund gibt.
Aber ähnliche Vorfälle ereignen
sich immer noch überall in diesem
Land. Ich habe über einen AIDS-infizierten Mann gelesen, der an seinen
Arbeitsplatz zurückkehrte und anonyme
Zettel auf seinem Schreibtisch fand
mit solchen Sätzen wie:
"Benutzung
unseres WasserSpenders verboten".
Mir wurde von einem Vorfall in
Florida berichtet, bei dem drei Brüder im Alter von 10, 9 und 7 Jahren,
alle Bluter und AIDS-Träger, beteiligt waren. Der Pastor forderte die
ganze Familie auf, nicht mehr in die
Kirche zu kommen.
Meine Damen und
Herren - dies sind altmodische Ängste, die im "Home of the Brave" keinen Platz haben.
Der öffentliche Gesundheitsdienst
hat festgestellt, daß kein medizinischer Grund dafür vorliegt, eine mit
dem Virus infizierte Person von regelmäßigem Schulbesuch oder der Arbeit
abzuhalten.
Es gibt
keinen
Grund für diejenigen, die AIDS-Träger
sind, ein scharlachrotes A zu tragen.

- 3 -

�AIDS ist nicht eine zufällig ansteckende Krankheit. Wir sind immer
noch dabei, zu lernen, wie AIDS übertragen wird, aber die Experten sagen
uns, daß man es nicht von Telephonen,
in Schwimmbädern oder von Wasserspendern
bekommt.
Wir
bekommen
AIDS
nicht, wenn wir jemandem die Hand
schütteln oder im Bus oder sonst irgendwo sitzen. Und am allerwichtigsten ist, man bekommt AIDS nicht, indem man Blut spendet.
Zum Abbau der Ängste ist Erziehung entscheidend. Und Erziehung ist
ebenfalls der entscheidende Faktor,
um die Weiterverbreitung der Krankheit zu stoppen. Da wir bisher noch
keine Heilung und keinen Impfstoff
zur Behandlung haben, ist das einzige, was die Verbreitung von AIDS im
Augenblick eindämmen kann, ein Wandel
im Verhalten derjenigen Amerikaner,
die davon bedroht sind.
Wie ich bereits ausgeführt habe,
ist es Aufgabe der Regierung, wissenschaftliche und sachdienliche Informationen zur Verfügung zu stellen.
Organisationen können dazu beitragen,
diese Informationen
zu verbreiten,
ebenso wie Gemeinden und religiöse
Gruppierungen.
und natürlich können
dies auch die Schulen - unter Anleitung der Eltern und mit der Verpflichtung, so hoffe ich, daß die
AIDS-Erziehung oder jeder Aspekt der
Sexualerziehung nicht wertneutral gehandhabt werden.
Ein Dekan der st. Pauls Kathedrale in London hat einmal gesagt: "Das
Ziel der Erziehung ist nicht die
Kenntnis der Fakten, sondern der Werte".
Und das ist von der Wahrheit
nicht allzuweit entfernt.
Erziehung
ist das Wissen, sich anzupassen, erwachsen zu werden, sich selbst und
die Welt um uns herum zu verstehen.

Und Werte sind es, die uns bei den
Entscheidungen
des
Lebens
leiten.
Eine dieser Entscheidungen betrifft
unser Sexualverhalten.
Wie Generalarzt Dr. Koop ausgeführt hat, können wir von Kindern,
denen
Selbstwertgefühl
vermittelt
worden ist, erwarten, daß sie sich
selbst und anderen mit größerem Respekt entgegentreten.
Und wo immer
Selbstrespekt und gegenseitiger Respekt vorherrschen, gibt es keinen
Dogenmißbrauch und sexuelle Promiskuität - die natürlich die beiden
Hauptursachen für AIDS sind.
Auch
Nancy hat bei ihrer Arbeit herausgefunden, daß Selbstachtung die beste
Verteidigung
gegen
Drogenmißbrauch
darstellt.
Wir wissen, daß es diejenigen geben wird, die trotzdem weitermachen.
Nachdem eine moralische Grundlage definiert worden ist, kann man präventive und andere spezifische Maßnahmen
diskutieren.
Und es gibt einen weiteren Aspekt
bei der Vermittlung von Werten, der
hier erwähnt werden muß. Als Einzelpersonen haben wir eine moralische
Verpflichtung, andere nicht in Gefahr
zu bringen - und das kann heißen, andere mit einer Pistole, einem Auto
oder mit einem Virus in Gefahr zu
bringen. Wenn eine Person Grund zu
der Annahme hat, er oder sie sei
AIDS-Träger, dann hat diese Person
die moralische Pflicht, sich einem
Test zu unterziehen. Der menschliche
Anstand gebietet dies. Und der Grund
dafür ist sehr einfach - unschuldige
Menschen werden durch das Virus infiziert, und einige von ihnen werden
AIDS bekommen und sterben.
Lassen Sie mich Ihnen eine Geschichte über junge, unwissende Menschen erzählen.
Ein Arzt in einem

- 4 -

�Landkreis in Kentucky behandelte eine
Frau, die das AIDS-Virus von ihrem
Ehemann erworben hatte, der sich Drogen intravenös spritzte. Später wurden sie geschieden, und keiner der
beiden wußte, daß sie infiziert waren. Sie heirateten wieder einen anderen Partner, und heute hat bereits
einer von ihnen die Krankheit an den
neuen Ehepartner weitergegeben.

Darüber hinaus habe ich um eine
Überprüfung anderer Verantwortungsbereiche des Bundes nachgesucht, wie
etwa der Krankenhäuser für Kriegsveteranen, um herauszufinden, ob in
diesen Bereichen Tests angemessen wären. Diese Untersuchungen finden zusätzlich zu den bei den Streitkräften
und
im Auswärtigen Dienst bereits
durchgeführten Tests statt.

Ebensowenig, wie die meisten Menschen wissen, ob sie Träger des Virus
sind, wissen wir, in welchem Maße das
Virus unsere gesamte Gesellschaft bereits infiziert hat. AIDS verbreitet
sich heimtückisch unter unserer Bevölkerung, und dennoch haben wir noch
keine präzise Vorstellung über das
Ausmaß der Verbreitung.
Es ist an
der Zeit, daß wir genau wissen, womit
wir
uns
auseinandersetzen
müssen.
Und aus diesem Grund unterstütze ich
routinemäßige Tests.

Ich möchte mich jetzt dem zuwenden, was die Einzelstaaten tun können. Einige haben die Arbeit bereits
aufgenommen.
Ich berücksichtige die
freie Entscheidung des einzelnen, ermutige aber die Staaten, denjenigen,
die sich um eine Heiratsurkunde bemühen oder Patienten von Kliniken für
Geschlechtskrankheiten
oder
Drogenentzug Routineuntersuchungen anzubieten.
Und ich ermutige die Einzelstaaten, in Staats- oder Regionalgefängnissen
Routineuntersuchungen
zu
verlangen.

Ich habe das Ministerium für Gesundheits- und
Sozialwesen
um eine
baldmögliche Feststellung des Ausmaßes gebeten, in dem das AIDS-Virus
unsere Gesellschaft bereits durchsetzt hat sowie um eine Vorhersage
der zukünftigen Dimensionen
Ich habe ferner das Ministerium
für das Gesundheits- und Sozialwesen
gebeten, das AIDS-Virus in die Liste
der ansteckenden Krankheiten aufzunehmen, aufgrund derer Einwanderern
und Personen, die um ständigen Wohnsitz in den Vereinigten Staaten nachsuchen, die Einreise verwehrt werden
kann.
Ich habe das Justizministerium
ersucht, Tests bei allen in Bundesgefängnissen
einsitzenden
Häftlingen
vorzusehen und Wege aufzuzeigen, um
nicht infizierte Insassen und ihre
Familien zu schützen.

Tests werden uns nicht nur mehr
Informationen als Entscheidungsgrundlage liefern, sondern auch im Falle
der Heiratsurkunden wenigstens einigen Babys ersparen, mit AIDS geboren
zu werden. Und jeder, der weiß, wie
schrecklich AIDS den Körper angreift,
kann sich dieser menschlichen Betrachtungsweise nicht entziehen. Ich
würde annehmen, daß sich jeder Heiratswillige testen lassen möchte.
Sie wissen, daß es ein Sprichwort
gibt, das besagt, wo die Nacht am
dunkelsten ist, leuchten die Sterne
am hellsten. Und bei dieser schrecklichen
AIDS-Seuche
gab
es
einige
lichte Momente. Ich spreche von all
den Freiwilligen im ganzen Land, die
sich um die Kranken und Hilflosen gekümmert haben.

Jahr
- 5 -

Zum Beispiel haben im vergangenen
etwa 450 Freiwillige im Rahmen

�des Shanti-Projekts 87 Prozent der
AIDS-Patienten San Franciscos 130 000
Stunden an seelischem Rückhalt und
praktischer
Unterstützung
gegeben.
Diese Art des Mitgefühls hat sich
über das ganze Land ausgebreitet und
symbolisiert die beste Tradition der
Fürsorge. Und ich ermutige die Amerikaner, diesem Beispiel zu folgen
und freiwillig ihren an AIDS erkrankten Mitbürgern zu helfen.
Abschließend möchte ich Ihnen etwas aus der Zeitung vorlesen, das
ebenfalls den amerikanische Geist widerspiegelt. Ein junger an AIDS erkrankter Mann hat gesagt:
"Obwohl
ich den Tod akzeptiere, ist der Kampf
um das Leben wichtig, und ich werde
diese Krankheit mit jedem Atemzug bekämpfen, der mir bleibt".

* * * * * *

- 6

�^£°s7&lt;

VOM

AMERIKA DIENST
Information

&amp;

3. Juni 1987

21

GREENSPAN BRINGT REICHE ERFAHRUNGEN BEI DER
AMERIKANISCHEN BUNDESBANK EIN
- Kurzbiographie des neuen Vorsitzenden der Bundesbank -

WASHINGTON - (AD) - Viele Wirtschaftswissenschaftler
haben
darauf
hingewiesen, daß es schwierig wäre,
jemanden
mit
der
Kompetenz
Paul
Volckers zu finden, der ihm als Vorsitzenden der Bundesbank folgen könnte.
Aber am 2. Juni hat Präsident
Reagan einen Kandidaten für die Nachfolge
Volckers
vorgeschlagen,
der
nach übereinstimmender Auffassung umfangreiche
Fachkenntnisse
und eine
gesunde
Handhabung
der
Geldpolitik
für den Posten mitbringt.

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Embassy of the United States of America

Der
Volkswirtschaftler
Alan
Greenspan, früherer Berater der Präsidenten Nixon und Ford, trat häufig
als Zeuge vor Ausschüssen des Kongresses auf. Er wird Volcker innerhalb der nächsten Monate ablösen,
wenn er vom Senat bestätigt wird.
Nach der Ankündigung berichtete
Volcker einigen Journalisten im Weißen Haus, er kenne Greenspan seit 30
Jahren.
Er sagte wörtlich:
"Ich
kenne einige seiner Begabungen, seine
Erfahrung, seine Fähigkeiten und sei-

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�ne Hingabe. Und ich bin erfreut, daß
der Präsident ihn gebeten hat, das
Amt anzutreten und daß er zugestimmt
hat."

Greenspans "eine ausgezeichnete Wahl"
und fuhr fort:
"Ich glaube nicht,
daß
der
Präsident
einen
besseren
Nachfolger hätte finden können."

Bei einem anderen Informationsgespräch sagte der amerikanische Finanzminister James Baker: "Ich glaube, daß die Qualifikationen von Dr.
Greenspan absolut hervorragend sind,
und ich erwarte nicht, daß es bei
seiner
Bestätigung
Probleme
geben
wird.
ich glaube, wir haben während
der
vergangenen Tage Spekulationen
darüber erlebt, ob es eine negative
Reaktion (auf den Märkten) geben würde.
Aber ich glaube wirklich, daß
wir eine Fortsetzung dieser Art von
Aktivitäten für einen längeren Zeitabschnitt nicht erleben werden, wenn
der Markt sein Augenmerk auf die Qualifikationen des Nachfolgers von Paul
Volcker richtet."

Der Vorsitzende des Bankausschusses, William Proxmire, dessen Auschuß
dafür verantwortlich ist, dem gesamten Senat zu empfehlen, ob dieser die
Berufung Greenspans unterstützen oder
ablehnen soll, sagte jedoch am 2. Juni im Senat, daß er über die Entscheidung
der Regierung
enttäuscht
sei und nicht verstünde, warum diese
getroffen worden wäre.

Die
Nominierung
von
Greenspan
stieß im Kongreß auf überwiegend positive Reaktionen beider Parteien.
Der
Mehrheitsführer
im
Senat,
Robert Byrd, nannte Greenspan "einen
Mann mit bemerkenswerter Erfahrung";
der "Einpeitscher" der Mehrheit im
Senat, Alan cranston, beschrieb ihn
als "einen sehr geachteten konservativen Volkswirtschaftler" und fuhr
fort:
"Möglicherweise
verfolgt
Greenspan
die
gleiche
Linie
wie
Volcker, aber er hat nicht volckers
gradlinigen Lebenslauf."
Der demokratische Senator Donald
Riegle, Mitglied sowohl des Finanzwie des Bankausschusses, erklärte,
Greenspan sei "ein Mann der Vernunft
und besitze außergewöhnliches berufliches Geschick."
Der Senator Jake Garn, ranghöchstes Mitglied der Minderheit im Bankausschuß
nannte
die
Nominierung

Finanzielle Kreise äußerten große
Unterstützung für Greenspan.
Der Präsident der Chase Manhattan
Bank, Thomas G. LeBrecque, erklärte
in einer Stellungnahme nach Reagans
Ankündigung:
"Ich
würde
von
Greenspan erwarten, daß er ein weiterer starker und erfolgreicher Chef
der Bundesbank sein wird, der die
Tradition einer gesunden Finanzpolitik fortsetzt."
Robert Dederick, der wichtigste
Volkswirtschaftler der Northern Trust
Company
in
Chicago,
erklärte:
"Greenspan ist ganz sicher ein besonders
fähiger
Nachfolger
für
Paul
Volcker.
Er ist ein pragmatischer,
solider
Konservativer.
Er ist in
sehr starkem Maße ein Mensch, der um
die Inflation besorgt ist, was eine
hervorragende Eigenschaft für einen
Leiter der Bundesbank ist."
Wie Volcker ist Greenspan der Ansicht, daß der Abbau des Haushaltsdefizits der Schlüssel zu einer langfristigen Stabilisierung der amerikanischen Wirtschaft ist. Vor einigen Jahren sagte er, daß "die Bundesbankpolitik durch die sie umgebenden
fiskalischen
Gegebenheiten
eingeschränkt" sei.

�in den vergangenen Jahren hat
Greenspan auch an der Wirksamkeit der
Wechselkurs-Interventionen zur Stabilisierung der Währungen einige Zweifel geäußert.
Die Berufung Greenspans erfolgte
nicht als völlige Überraschung. Wann
immer in den vergangenen Jahren Gerüchte über einen möglichen Rücktritt
Volckers aufkamen, stand Greenspans
Name als wahrscheinlicher
Kandidat
bei jedem ganz oben auf der Liste.
Er
ist derzeit
Präsident
bei
Townsend-Greenspan and Company, einer
anerkannten New Yorker Beratungs- und
Planungsfirma, der er seit 1954 angehört.

von beiden Parteien getragenes Paket
über Steuererhöhungen und einen Abbau
der Zuwendungen vorschlug, um das
kränkelnde System zu unterstützen.
Greenspan hat zahllose Auszeichnungen erhalten und war der letzte
Präsident und ein Mitglied der Nationalen Gesellschaft der Wirtschaftswissenschaftler. Er ist Mitglied des
Rates für Auswärtige Beziehungen.
Er hat an der New York University
Wirtschaftswissenschaften
studiert
und anschließend
darin promoviert.
Er hat ferner an der Colombia University studiert.
Greenspan wurde am 6.
in New York City geboren.

Eine seiner Hauptfähigkeiten bestand darin, aufgrund wirtschaftlicher Zahlen ein Bild für die weitere
Entwicklung der Wirtschaft im allgemeinen oder eines bestimmten Teiles
hieraus zu entwickeln.
Greenspan war Berater im Sachverständigenrat des Präsidenten (CEA),
im amerikanischen
Finanzministerium
und von 1970 bis 1974 bei der Bundesbank.
Während dieser Zeit trat er
gegen die von Präsident Nixon eingeführten
Lohn- und
Preiskontrollen
ein.
Von 1974 bis 1977 war er der
Vorsitzende des Sachverständigenrates
von Präsident Ford.
Während der Amtszeit von Präsident Carter war er Berater im Haushaltsbüro des Kongresses, und seit
1981 ist er Mitglied in Präsident
Reagans Beirat für Wirtschaftspolitik.
Von 1981 bis 1983 war er Vorsitzender von Präsident Reagans Konsultativkommission über die Reform des
Sozialversicherungssystems,
die
ein
- 3 -

März

1926

�AMERIKA DIENST
Information

"VoN^

3. Juni 1987

21

NIDA VERZEICHNET ERFOLGE BEI

DROGENBEKXMPFUNGSKAMPAGNE

- Artikel über die Drogenkonferenz in Honolulu -

HONOLULU - (AD) - Das Nationale Institut für Drogenmißbrauch (National Institute on Drug Abuse - NIDA) hat vor kurzem bei einer Sonderkonferenz im OstWest-Zentrum das Geheimnis seiner Erfolge gelüftet, die es gemeinsam mit einer
Gruppe von internationalen Führungskräften beim Kampf gegen Drogenmißbrauch
mit den beiden Kampagnen "Sag einfach nein" und "Kokain: die große Lüge" erzielt hat.

Laut Elaine Johnson, der Stellvertretenden Direktorin von NIDA, ist
die Erkenntnis des Problems der erste
Schritt, wenn man einen wirksamen
Werbefeldzug zur Verhütung des Drogenmißbrauchs in Angriff nehmen will.
NIDA ist als führende Bundesbehörde verantwortlich für die Verringerung der Nachfrage nach illegalen
Drogen in den Vereinigten Staaten und
wird in diesem Jahr 25 Millionen Dollar für Forschungsprojekte über illegale Drogen und die Auswirkungen ihres Gebrauchs aufwenden.

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Johnson stellte fest, daß 14 Millionen Dollar für die Erforschung von
Kokain und anderen Aufputschmitteln
vorgesehen sind.
Elf Millionen Dollar sind für die Marihuana-Forschung
bestimmt, denn Marihuana ist, laut
Johnson,
"die
am
häufigsten
mißbrauchte Droge
in den Vereinigten
Staaten.
Ihre Ausführungen konzentrierten sich jedoch im wesentlichen
auf die Entwicklung von NIDAs Kokainbekämpfungskampagne.
Zusätzlich

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

zu

einer

umfassenden

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Kenntnis des Problems, mit dem wir
uns konfrontiert sehen, ist Johnson
zufolge seitens der Planer von Werbefeldzügen auch eine umfassende Kenntnis wirksamer Interventions- und Präventionstechniken notwendig; sie müssen sicherstellen, daß nur beruflich
qualifizierte Werbeproduktionsgesellschaften beschäftigt werden, damit
der Produkttyp entwickelt wird, der
öffentliche Aufmerksamkeit und Wertschätzung erfährt; und sie müssen die
Unterstützung des Hauptkerns der Interessengruppen gewinnen, die für die
Kampagne eintreten wollen.
Johnson vermittelte ihr hart erarbeitetes Wissen und ihre Erfahrung
an 46 Vertreter aus Regierung und
Privatindustrie, die an der einwöchigen, vom Ost-West-Zentrum und dem USInformationsamt (USIA) veranstalteten
Konferenz (25. - 29. Mai) mit dem
Thema:
"Mobilisierung
der Öffentlichkeit gegen Drogenmißbrauch" teilnahmen.
Johnson betonte, daß "der scheinbare Erfolg bei der Verbreitung unserer Botschaft zum Teil sicherlich der
Qualität der staatlichen Aufklärungskampagne
(PSA) zu verdanken ist".
Sie stellte fest, daß die Fernsehspots für die "Kokain: die große Lüge"
Kampagne
beim
amerikanischen
Film- und Videofestival Preise gewonnen haben und auch für andere Wettbewerbe eingereicht worden sind.
Um ein so ausgereiftes Produkt zu
erzielen, schloß NIDA einen Vertrag
mit dem Werberat, einer freiwilligen
Gruppe von Werbeagenturen und Mediengesellschaften,
die
Organisationen
des öffentlichen
Dienstes bei der
Produktion und Verbreitung nationaler
Medienkampagnen behilflich sind. Für
ihre Kunden stellt die Gruppe die
freiwilligen kreativen Dienste einer
führenden Werbeagentur zur Verfügung.

Im Falle von NIDA hieß die Werbeagentur Needham Harper Worldwide.
NIDA hatte jedoch selbst ihre Arbeit getan, bevor die Kampagne in die
Wege geleitet wurde. Johnson stellte
fest, daß aufgrund einer von NIDA
durchgeführten
nationalen
Untersuchung der Haushalte seit 1982 schätzungsweise 20 bis 24 Millionen Amerikaner zumindest einmal in ihrem Leben
Kokain probiert hatten.
"Junge Erwachsene", erklärte sie,
"im Alter zwischen 18 und 25 Jahren,
machten den höchsten Prozentsatz beim
Kokaingebrauch aus: 28 Prozent hatten die Droge mindestens einmal im
Leben probiert".
Schenkt man den medizinischen Experten Glauben, so steht Kokain bei
den Abhängikeitsziffern an führender
Stelle. Bestimmte Formen von Kokain,
wie zum Beispiel Crack, haben Srzten
zufolge eine Abhängigkeitsziffer von
schätzungsweise
70 Prozent
bereits
nach dem ersten Experiment mit der
Droge.
Johnson erläuterte Studien, aus
denen hervorgeht, daß die Wirkung von
Kokain auf die Lustzentren des Gehirns eine hochgradige Abhängigkeit
herbeiführt, ganz abgesehen davon,
daß es die Voraussetzung für Schlaganfälle
und
Herzinfarkte
schafft.
Bisher herrschte der weitverbreitete,
aber abwegige Glaube, so Johnson, Kokain mache nicht süchtig und sei
nicht gefährlich.
"NIDAs
Kommunikationsstrategie
für
die Verhütung
des
Drogenmißbrauchs war darauf ausgerichtet, das
Bewußtsein der Öffentlichkeit zunehmend auf die ernsthaften sozialen und
gesundheitlichen Konsequenzen des Kokaingebrauchs zu lenken, wobei besondere Betonung auf die Bekämpfung be-

�stehender
Gerüchte
erklärte Johnson.

gelenkt

wurde",

"Die kreative Strategie", erläutete sie, "bestand einfach darin,
folgende
Botschaft
zu
vermitteln:
Kokain macht hochgradig süchtig und
verursacht ernsthafte soziale, medizinische
und
psychische
Probleme.
Der Spruch 'Kokain: die große Lüge1
fordert die im allgemeinen vorherrschenden
Überzeugungen
und Verhaltensweisen gegenüber Kokain und seinen Versprechungen heraus".

West-Zentrum
ist Bestandteil
eines
einmonatigen
Programms,
in
dessen
Verlauf die Teilnehmer elf Städte in
den Vereinigten Staten besuchen werden, um erste Bemühungen bei der Bekämpfung des Drogenmißbrauchs zu beobachten.
Das
Programm
wird
in
Washington, D.C., mit der Begutachtung der von der amerikanischen Regierung und dem Privatsektor in die
Wege geleiteten initiativen zum Ende
kommen.

13 staatliche Aufklärungskampagnen wurden produziert und im amerikanischen
Fernsehen gesendet.
Die
Häufigkeit, mit der sie auf den lokalen Fernsehkanälen gezeigt wurden,
wurde
aufgezeichnet,
erklärte
Johnson, und die Ergebnisse waren
hervorragend: die Zahl der Sendungen
beläuft sich auf 1 500 bis 2 500 pro
Monat.
NIDA gewann daraufhin die Unterstützung von First Lady Nancy Reagan,
bekannten
Sportgrößen,
Mitgliedern
der Nationalen Elternbewegung und anderen, die sich der Verhütung des
Drogenmißbrauchs unter den Jugendlichen des Landes verschrieben hatten,
führte Johnson aus.
Zusätzlich zu allen diesen Maßnahmen, "unterhält NIDA 24 Stunden am
Tag einen gebührenfreien Telephon-Ansagedienst, der
Informationen
über
die Wirkung von Kokain gibt und an
den man sich um Hilfe bei der Bewältigung des Abhängigkeitsproblems wenden kann".
Mehr als 7 000 Anrufe werden pro
Monat beantwortet, erklärte Johnson,
und dies ist ein guter Hinweis auf
den Erfolg der Kampagne.
Die einwöchige Konferenz

im Ost- 3 -

* * * * *

�AMERIKA DIENST
%

"""""

Information

A&lt;

3. Juni 1987

21

ELTERN KOMMT SCHLÜSSELROLLE BEI

BEKSMPFÜNG

DES DROGENMISSBRAÜCHS ZU

- Artikel Über die Drogenkonferenz in Honolulu -

HONOLULU - (AD) - Die Eltern sind es, die Thomas Gleaton, dem Geschäftsführer und Mitbegründer von PRIDE zufolge, den wichtigsten Bestandteil einer
wirkungsvollen Kampagne zur Drogenbekämpfung darstellen.
"In jeder Gesellschaftsform, sei sie
städtische Ordnung, gibt es keine bessere
Macht der kriminellen Drogenhändler als
Gleaton einer Gruppe von 46 internationalen
gen Drogen beteiligt sind.

nun ein Stammesgefüge oder eine
Waffe gegen die außergewöhnliche
die Mütter und Väter", erklärte
Führungskräften, die am Kampf ge-

PRIDE, eine Abkürzung für Parent's Resource Institute for Drug
Education Inc. (Elternhilfe-institut
zur Aufklärung über Drogen) wurde
1977 an der Georgia State University
gegründet, um Eltern aufzuklären und
zu informieren, die der kommerziellen
Drogenkultur den Kampf ansagen wollen. Seit seiner Gründung hat PRIDE
seinen Einfluß ausgeweitet, um Eltern
auf der ganzen Welt zu helfen.

Gleaton hielt seine Rede am 28.
Mai 1987 anläßlich der einwöchigen
internationalen Konferenz zur "Mobilisierung
der Öffentlichkeit
gegen
den Drogenmißbrauch", die im OstWest-Zentrum abgehalten wurde.

"Die internationale PRIDE-Initiative soll Eltern und Jugendliche auf
der ganzen Welt in einem Geflecht

Die vom US-Informationsamt (USIA)
unterstützte Konferenz soll Vertreter
der Regierung und des Privatsektors

United States Information Service
Embassy of the United States of America

verbinden, das die weltweiten Tendenzen des sich ausbreitenden Drogenmißbrauchs
abwenden
kann",
erklärte
Gleaton.

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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�aus der ganzen Welt zu einem Gedankenaustausch über Methoden der Kontrolle des Betäubungsmittelmißbrauchs
zusammenführen. Die Konferenz bildet
nur einen Teil eines einmonatigen
Programms, im Rahmen dessen die Teilnehmer
11
Städte
der
Vereinigten
Staaten besuchen werden, um vor Ort
Bemühungen zur Bekämpfung des Drogenmißbrauchs zu studieren.
Gleaton beschrieb den Konferenzteilnehmern die Arbeit von PRIDE und
forderte sie auf, in ihren Heimatländern ähnliche Organisationen ins Leben zu rufen.
Gleaton
erklärte
der
Gruppe,
"PRIDE ist der Ansicht, langfristige
Planung und Kontakte zwischen Elterngruppen und Schulsystemen bieten das
beste Mittel zur
Aufrechterhaltung
der Kontinuität von Projekten zur
Vorbeugung".
Gleaton wies darauf hin, PRIDE
und verwandte Organisationen, bei denen Eltern und Schulbehörden zusammenarbeiten,
seien
in
der
Lage,
•praktische Strategien zur Aufklärung
der
Eltern, gemeinsame Verhaltensrichtlinien und soziale Alternativen
für die Jugendlichen" zu entwickeln,
durch die Probleme von jugendlichen
mit Drogen, Alkohol und Disziplin erheblich abgebaut werden können.
Gleaton beschrieb die von PRIDE
zur Verfügung gestellten Hilfsmittel,
zu denen Broschüren, Filme, Videokassetten und Tonbänder für verschiedene
Altersstufen und lokale Interessengruppen zählen, die mit Programmen
zur Verhütung des Drogenmißbrauchs
befaßt
sind;
ferner
bestehen
per
Computer
erfaßte Kontakte
zwischen
den Eltern, mittels derer die freiwilligen PRIDE-Mitarbeiter in jedem
Staat den neu hinzugekommenen ihre
Hilfe anbieten können; es gibt einen
- 2

Koordinator
von Elterngruppen, der
bei
organisatorischen
Fragen hilft
und auf Probleme eingeht; es besteht
ferner ein gebührenfreier TelephonAnsagedienst, der laufend neueste Informationen
über
Betäubungsmittel
liefert.
Darüber hinaus stellt PRIDE eine
Fülle von Material als Teil seiner
Leistungen auf internationaler Ebene
bereit.
Gleaton zufolge haben die Vereinigten Staaten nur langsam auf die
steigenden Zahlen der Drogenabhängigen reagiert.
"PRIDE ist der Ansicht, daß die Vereinigten Staaten
den Eltern und Jugendlichen auf der
ganzen Welt gegenüber eine Gewissensschuld abzutragen haben".
Gleaton widersprach dem allgemein
vorgebrachten
Argument,
Drogenmißbrauch sei ein Verbrechen, bei dem es
keine Opfer gäbe.
Er erklärte, Benutzer von Drogen unterstützten "ein
ungeheures
Kartell von Drogenhändlern".
Er wandte sich ebenfalls gegen
das Argument, der Gebrauch von Betäubungsmitteln ließe sich mit Alkoholmißbrauch oder Tabakkonsum vergleichen. Ihm zufolge liegt die Zahl der
Alkoholabhängigen in den Vereinigten
Staaten bei etwa 10 Prozent aller Alkoholkonsumenten,
im Gegensatz dazu
werden 18 Prozent aller Raucher von
Marihuana zu Drogenabhängigen.
Bei der Konferenz im Ost-West
Zentrum sprach ferner Anne Meyer, die
stellvertretende Vorsitzende der Nationalen Elternvereinigung für eine
drogenfreie Jugend, einer freiwillige
Hilfsorganisation
für
Elterngruppen
zur Aufklärung und Verhütung des Drogenmißbrauchs.
Diese nationale Vereinigung koordiniert die Organisation

�der Teilnehmer, die in verschiedenen
Staaten an Programmen zur Verhütung
des Drogenmißbrauchs arbeiten.
Meyer berichtete ihren Zuhörern,
sie habe an ihre perfekte Familie geglaubt, bis sie eine Marihuana-Pfeife
in der Jackentasche eines ihrer fünf
Kinder gefunden hätte.
An diesem
Punkt habe sie Schritte unternommen,
um sich und ihre Kindern über Betäubungsmittel
und die Verhütung des
Drogenmißbrauchs aufzuklären.
Meyer zufolge besteht unter Eltern die Tendenz, zu leugnen, daß ein
Drogenproblem ihre eigenen Kinder betreffen könnte.
Als Ergebnis ihrer
eigenen Erfahrungen arbeitete sie aktiv bei verschiedenen Programmen zur
Verhütung
des
Betäubungsmittelmißbrauchs mit und war an der Gründung
der
Initiative
"Citizens for Drug
Awareness" (Bürger schärfen ihr Bewußtsein für Drogen) in Deerfield,
Illinois beteiligt.
Meyer betonte die Bedeutung der
Belehrung junger Menschen über die
Gefahren des Drogenmißbrauchs.
Das
wirkungsvollste
Verhütungsprogramm
bestehe
darin,
ausgebildete
junge
Menschen zu anderen Jugendlichen über
den Einfluß von Drogen sprechen zu
lassen.

* * * * *

- 3 -

�AMERIKA DIENST
VON

**

Wissenschaft und Technik

3. Juni 1987

21

VERKEHRSFLUGZEUG MIT FÜNFFACHER SCHALLGESCHWINDIGKEIT
- Vorreiter für das amerikanische Weltraumflugzeug -

WASHINGTON - (AD) - Im Rahmen einer vom US-Informationsamt (USIA) veranstalteten WORLDNET-Diskussion via Fernsehsatelliten-Schaltung mit Teilnehmern
in Paris, London, Madrid, Montreal und Den Haag wurden u.a. amerikanische Projekte zur Entwicklung eines kommerziellen Überschallflugzeuges erörtert. Dieses soll fünffache Schallgeschwindigkeit erreichen, also mehr als doppelt so
schnell wie die CONCORDE fliegen. Bis zum Jahr 2000 könnte es einsatzbereit
sein. Das Flugzeug soll bis zu 300 Passagiere aufnehmen und Strecken z.B.
zwischen Washington bzw. New York und Tokio oder L O S Angeles und sidney in
zwei bis drei Stunden zurücklegen.
Infolge seiner
großen Flughöhe
von 32 000 m sei der Überschallknall
am Boden kaum zu hören, meinte Donald
Fuqua, der Präsident des Verbandes
der
amerikanischen
Luft- und Raumfahrtindustrie.
Gemeinsam
mit
Crawford
Bubaker, der im amerikanischen Handelsministerium für kommerzielle Luft- und Raumfahrt zuständig ist, beantwortete Fuqua Fragen
von Vertretern der europäischen Luftund
Raumfahrtindustrie
sowie
von
Journalisten.
Auf dem 37. Pariser
Aero-Salon, der am 11. Juni 1987 eröffnet wird, sind Modelle des neuen

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Verkehrsflugzeuges
sowie
des
als
"Orient-Express" bezeichneten amerikanischen Weltraumflugzeuges zu besichtigen.
Für die Entwicklung des "Nationalen Raumflugzeuges", wie "Orient-Express" offiziell heißt, befürwortete
Präsident Reagan in seiner Botschaft
zur Lage der Nation vom Februar 1986.
Es handelt sich dabei um ein Hyperschallflugzeug, das Geschwindigkeiten
bis zum 25fachen der Schallgeschwindigkeit erreichen soll.
Es könnte
von Flugplatz-Rollbahnen starten und

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D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�beim Steigflug Beschleunigungen erzielen, die ihm sogar den Eintritt in
eine niedrige Erdumlaufbahn
ermöglichten.
Und das bedeutet, daß es
auch geeignet wäre, eines Tages den
Raumtransporter abzulösen.
Es ließe
sich zum Absetzen von Nutzlasten im
Weltraum, zum Einholen von Satelliten
und für Rendezvous-Manöver mit einer
Raumstation
verwenden.
Die
Forschungs- und Entwicklungskosten, einschließlich der Kosten für Flugtests,
werden auf ca. drei Milliarden Dollar
beziffert.
Die
Antriebsenergie
erhält
es
nicht, wie die jetzigen Raumfluggeräte, von Raketen mit mehreren Antriebsstufen, sondern von SCRAMJETTriebwerken.
Diese arbeiten im unteren
atmosphärischen
Bereich
als
"luftatmende" Motoren, so daß vom
Start bis zum Eintritt in eine Erdumlaufbahn nur eine einzige Antriebsstufe erforderlich wäre. Der vertikale Start, für den Raketen bestimmte
Vorrichtungen benötigen, fällt fort,
eine Rollbahn genügt.
Durch diese
Technik werden hohe Kosteneinsparungen möglich.
(Man strebt derzeit
eine Reduzierung der Kosten um 90
Prozent an.)
Luftatmende Triebwerke
für Raumfluggeräte befinden sich noch
in der Entwicklung.
Versuchstriebwerke wurden bereits im Windkanal erprobt. Bisher erzielte man Leistungen
bis
zur
achtfachen
Schallgeschwindigkeit.
Zum
Uberschall-Passagierflugzeug
erklärte Fuqua, dieses gefährde infolge seiner großen Flughöhe (mehr
als 30 000 Meter) die Ozonschicht in
der Erdatmosphäre weniger als andere
Uberschallfluggeräte, die sich in geringeren Höhen bewegen.
Wegen solcher Bedenken hatten die USA vor eineinhalb Jahrzehnten auf die Weiterentwicklung eines Uberschallverkehrsflugzeugs,
das
zweieinhalbfache

Schallgeschwindigkeit
te, verzichtet.

erreichen

soll-

Das neue Verkehrsflugzeug
soll
den nordamerikanischen Kontinent den
Staaten entlang der Pazifikküste und
anderen Teilen der Welt näherbringen,
wie dies schon durch das Düsenflugzeug in bezug auf Nordamerika und Europa geschah. Nach Ansicht der Industrie werde sich der Flugverkehr zwischen den Vereinigten Staaten und den
Anliegerstaaten des Stillen Ozeans im
Fernen Osten jährlich um fast das
Fünffache ausweiten, so daß um das
Jahr 2000 mehr als 30 Millionen Passagiere pro Jahr zu befördern wären.
In der Bedienung anderer Städte, die
mehr als 10 000 km auseinanderliegen,
müsse zur gleichen Zeit mit etwa 50
Millionen Passagieren pro Jahr gerechnet werden.
Trotz
der
Rückschläge
in der
Raumfahrt, die die USA und Europa in
letzter zeit hinnehmen mußten, werden
die Raumfahrtprogramme energisch vorangetrieben.
Dies werde auch, so
sagten die beiden Interviewpartner in
Washington, auf dem Aero-Salon in
Paris deutlich. Mehr als 1200 internationale Aussteller informieren die
Öffentlichkeit über modernste Ausrüstungen und neueste Dienstleistungen
in der Luftfahrt. Im amerikanischen
Pavillon sind u.a. eine Ausstellung
der amerikanischen Behörde für Luftund Raumfahrt (NASA) über neue flugtechnische Entwicklungen sowie erstmals eine Ausstellung der amerikanischen Luftstreitkräfte zu sehen.

- 2 -

* * * * * *

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j

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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Persischer Golf sollte nicht von Iran und UdSSR beherrscht werden&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Präsident Reagan zur Situation im Persischen Golf -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Marshall-Plan auch heute noch inspirativ&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Präsident Reagans Proklamation zum Gedenkmonat für George C. Marshall -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Reagan fordert "rountinemäßigen" AIDS-Test&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rede vor der amerikanischen Stiftung für AIDS-Forschung -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Greenspan bringt reiche Erfahrungen bei der amerikanischen Bundesbank ein&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Kurzbiographie des neuen Vorsitzenden der Bundesbank -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;NIDA verzeichnet Erfolge bei Drogenbekämpfungskampagne&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Artikel über die Drogenkonferenz in Honolulu -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Eltern kommt Schlüsselrolle bei Bekämpfung des Drogenmissbrauchs zu&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Artikel über die Drogenkonferenz in Honolulu -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Verkehrsflugzeug mit fünffacher Schnellgeschwindigkeit&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Vorreiter für das amerikanische Weltraumflugzeug -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>amcrika
dienet

U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

22

3. Juni 1992

.«#**

*£
UMWELT

BUSH ERLÄUTERT PLAN ZUR WELTWEITEN
UMWELTZUSAMMENARBEIT
Rede über Umweltfragen

USA-GUS

EAGLEBURGER: KALTER KRIEG WAR
TRAGÖDIE FÜR BEIDE SEITEN
Rede in Moskau

US-AUSSENPOLITIK

ETHNISCHE VIELFALT UND AUSSENPOLITIK
Wachsender Einfluß auf US-Außenpolitik
prognostiziert

SOZIALPOLITIK

KRANKENVERSICHERUNG FÜR SOZIAL
SCHWACHE UND SENIOREN
Vierter einer Reihe von Artikeln zur
US-Sozialpolitik

WAHLEN '92

ZWISCHENBERICHT ZU DEN WAHLEN '92
Anzahl der Delegierten und Ergebnisse
der Vorwahlen

DEMOGRAPHIE

NEUE STATISTISCHE DATEN ZEIGEN
NATION IM ÜBERGANG
Rekordeinwanderung in achtziger Jahren

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-3392372
Telex: 8-85432

�UMWELT
3. Juni 1992

BUSH ERLÄUTERT PLAN ZUR WELTWEITEN
UMWELTZUSAMMENARBEIT
Rede über Umweltfragen
WASHINGTON - (AD) - Präsident Bush hat einen Vierpunkteplan zur weltweiten Zusammenarbeit bei der Lösung
von Umweltproblemen bekanntgegeben, den er bei der Konferenz der Vereinten Nationen über Umwelt und
Entwicklung in Rio de Janeiro vorlegen wird.
In einer Rede beim Goddard Space Center erklärte Bush am 1. Juni 1992, er werde eine umfassende neue
Initiative vorschlagen, um der weltweiten Vernichtung von Wäldern bis zum Ende des Jahrzehnts Einhalt zu
gebieten.
"Als Anzahlung werden die Vereinigten Staaten ihre bilaterale Forsthilfe nächstes Jahr um 150 Millionen Dollar
erhöhen", erklärte Bush.
Nachfolgend veröffentlichen wir Bushs Rede im Wortlaut.
Diesen Monat vor zwanzig Jahren versammelten sich
die führenden Politiker der Welt in Schweden, um über
die Umwelt zu sprechen. Die von ihnen verabschiedete Erklärung von Stockholm enthielt die einfache
Schlußfolgerung, daß "... wir durch umfassenderes
Wissen und klügeres Handeln für uns und die Nachwelt ein besseres Leben in einer Umwelt erlangen
können, die stärker im Einklang mit den Bedürfnissen
und Hoffnungen des Menschen steht".
Viel ist seit jenen frühen Tagen des Umweltschutzes
geleistet worden - und viel wurde gelernt.
Wir haben gelernt, daß nur marktorientierte Volkswirtschaften und demokratische Systeme die Rechenschaftspflicht beinhalten, die zum Schutz gegen
Umweltschäden erforderlich ist. Die Rußschicht, wie
sie die Welt vorfand, nachdem der Schleier der Geheimhaltung in Osteuropa gelüftet wurde, war eine
augenfällige Demonstration dieser Tatsache.
Wir haben gelernt, daß die Wirtschaft trotz Reduzierung von Umweltbelastungen wachsen kann. Seit
1973 ist das Bruttoinlandsprodukt der Vereinigten
Staaten um über 50 Prozent gestiegen. Trotzdem
wurde die Luftqualität besser: Die Emissionen von
Kohlenmonoxid, von smogverursachendem Ozon,
Schwefeldioxid und Partikeln sind jeweils um über 20
Prozent gesunken. Die Wasserqualität wurde verbessert: Wir haben eine 80prozentige Reduzierung der
Schwebstoffe erzielt, die von Fabriken und Kläranlagen freigesetzt werden.
AMERIKA DIENST 22

Wir haben gelernt, daß die Technik - unterstützt durch
die richtigen Anreize - der Umwelt Hilfe leisten kann,
die von noch so umfassenden Vorschriften für alte
Technik niemals hätte erbracht werden können. Technischer Fortschritt kann Umweltbelastungen verringern anstatt sie zu verstärken. Gleichzeitig ist der
verbesserte Wirkungsgrad gut für die Gewinne.
Und wir haben gelernt, daß marktorientierte Mechanismen und Flexibilität - auf ehrgeizige Ziele gerichtet und
unterstützt von rigorosen gesetzlichen Bestimmungen
- uns dabei helfen können, Umweltprobleme zu geringeren Kosten zu lösen als per Dekret angeordnete
bürokratische Regelungen.
Wir haben eine neue Generation von Umweltproblemen kennengelernt, die ihrem Umfang nach weltweiten Charakter haben - und zu ihrer Lösung wird internationale Zusammenarbeit erforderlich sein.
Diese Woche werden sich über 100 Staatschefs in Rio
de Janeiro versammeln - und es wird Zeit sein, diese
Lehren anzuwenden. Und welch einen besseren Ort
könnte es für die Erörterung unserer Pläne zur Bewältigung der internationalen Umweltprobleme geben als
das Goddard Space Center.
Bei meinem kleinen Rundgang - der leider allzu kurz
war, mir aber trotzdem einen kleinen Eindruck von der
großartigen Arbeit verschaffte, die von den wunderbaren Mitarbeitern von Goddard geleistet wird - kam mir
der Gedanke, welch großartige Sache es doch wäre,
Seite 1

�wenn diese 100 oder mehr Staatschefs einmal diese
Laboratorien hier besuchen und einen praktischen
Eindruck davon gewinnen könnten, welche Arbeit Sie
hier leisten. Zu sehen, wie sie besser die Veränderungen beobachten können, über die sie sprechen oder
über die sie von ihren Umweltministern informiert
werden. Es ist eine wunderbare Sache. Und meines
Erachtens kam diese Gelegenheit für mich zum richtigen Zeitpunkt, und ich sehe dem Meinungsaustausch
mit den anderen Teilnehmern in Rio gerne entgegen.
Es ist die hier entwickelte Wissenschaft, die der Welt
ein neues Fenster gegeben hat, durch das sie die
Umwelt betrachten kann. Ein von Goddard aus gesteuertes Raumschiff hat der Menschheit das erste
Bild der Erde aus dem Weltraum geliefert. Es waren
Wissenschaftler von Goddard, die den vergangenes
Jahr gestarteten Satelliten zur Erforschung der oberen
Atmosphäre entwickelten, der uns neue Einsichten zur
Beschaffenheit der Ozonschicht liefert.
Und der Löwenanteil der Wissenschaft, die von der
Welt zum Verständnis unseres Klimas angewendet
wird, entstammt einem Programm, dessen Kernstück
sich an diesem Ort befindet - das Programm zur
Erforschung des Klimawandels, das auf der von Goddard
zur Zeit entwickelten Mission zum Planeten Erde aufbaut.
Wenn wir nach Rio gehen, werden die Vereinigten
Staaten stolz als führendes Land der Welt dorthin
gehen - nicht nur bei der Erforschung der Umwelt,
sondern auch bei umweltpolitischen Maßnahmen. Die
Vereinigten Staaten waren das erste Land, das die
Gefahr von FCKW-Emissionen durch die Beseitigung
von Treibgasen im Jahr 1978 anerkannte. Andere
Nationen folgen nun unserem Beispiel - und sie benutzen den Abbau von Treibgasen als Aktivposten, um die
Bedingungen des Montrealer Protokolls einzuhalten.
Wir sind dem von diesem Abkommen verlangten Zeitrahmen um 42 Prozent voraus. Und aufgrund von der
NASA entwickelter wissenschaftlicher Erkenntnisse
haben wir dieses Jahr bereits erklärt, unseren Fahrplan für den völligen Abbau von FCKW zu beschleunigen - bis Ende 1995.

Diejenigen, die vor 20 Jahren in Stockholm zusammentrafen und den UNCED-Gipfel forderten, stellten
ausdrücklich fest, daß die Gespräche in Rio Umwelt
und Entwicklung zum Inhalt haben sollten. Sie wußten
bereits damals, daß beide unauflöslich miteinander
verbunden sind.
Nur eine wachsende Wirtschaft kann die Ressourcen
und den Willen aufbringen, mit der Natur langfristig und
zum Vorteil aller umzugehen. Aber nur natürliche
Ressourcen, die so behandelt werden, können das
Wachstum unterstützen, auf denen die Hoffnung der
Menschen in solch hohem Maße beruht. Per definitionem muß Entwicklung, wenn sie langfristig erfolgreich
sein will, auf Dauer tragfähig bleiben.
Ich lade deshalb zum Vergleich der Bilanz ein, die wir
als Land und als Administration erreicht haben. Sie ist
aggressiv und umfassend. Sie ist ehrgeizig aber
sorgfältig ausgewogen. Was wir in dieser Administration getan haben, spiegelt das neue Umweltbewußtsein wider, das seinem Ansatz nach verfeinert ist und
die Macht des Marktes in den Dienst der Umwelt stellt.
Lassen Sie mich dafür einige Beispiele anführen.
Das von mir vorgeschlagene und unterzeichnete Gesetz
zur Luftreinhaltung von 1990 ist weltweit das ehrgeizigste Gesetz zur Eindämmung der Luftverschmutzung.
Es wird sauren Regen, Smog sowie Emissionen toxischer Chemikalien reduzieren. Es wird dies aber mit
Innovationen erreichen, die von der ganzen Welt
beobachtetwerden. Wirhabenein Handelssystem zur
Reduzierung von Schwefeldioxid, eine neue Generation sauberer Treibstoffe und sauberer Automobilie,
ein massives - und bis heute erfolgreiches - Programm
zur freiwilligen Reduzierung von Luftschadstoffen.
Unsere Nationalparks werden durch Millionen Besucher belastet. Deshalb haben wir in den vergangenen
vier Jahren über eineinhalb Millionen Morgen für Nationalparks, Wälder, Wildschutzgebiete und andere öffentliche Flächen bereitgestellt. Wir haben 57 neue
Wildschutzgebiete geschaffen - und pro Jahr über eine
halbe Million Morgen wichtiger Feuchtgebiete wiederhergestellt oder unter Schutz gestellt. Gleichzeitig
haben wir den Genehmigungsprozeß gestrafft, damit

Wir waren die erste Nation, die bereits im Jahr 1975
Katalysatoren einführte, um die Emissionen von Automobilen und Lieferwagen zu reduzieren. Im Jahr 1982
begannen wir, verbleites Benzin abzuschaffen - und
heute ist der Bleigehalt in unserer Atemluft um 95
Prozent geringer. Andere Nationen ergreifen diese
beiden Maßnahmen erst jetzt.
Ich trat mein Amt mit dem Engagement an, die Bilanz
der amerikanischen Führungsrolle bei Umweltfragen
weiter zu verbessern. Ich habe mich darum auf eine
Art und Weise bemüht, die mit Wirtschaftswachstum
im Einklang steht, weil ein solches Gleichgewicht
unerläßlich ist - und weil dies gleichrangige Ziele sind,
die einander nicht gegenseitig ausschließen.

Seite 2

Projekte, die Feuchtgebiete nicht beeinträchtigen, nicht
verzögert werden - und wir haben sichergestellt, daß
das Recht des Bürgers auf Privateigentum nicht angetastet wird.
Wir haben ein Moratorium für ö l - und Erdgasbohrungen in umweltsensiblen küstennahen Bereichen eingeführt, neue Gesetze zum Schutz vor Ölkatastrophen, zur Beendigung des Dumpings von Holz im
größten Regenwaldgebiet der Vereinigten Staaten dem Tongass - und zur Förderung von Umwelterziehung unterzeichnet. Und wir haben unsere Gesetze
mit strenger Strafverfolgung untermauert, damit die
Umweltverschmutzer die Kosten tragen - und das
Ergebnis waren Rekordbeiträge der Wirtschaft für die
Beseitigung von Altlasten.
AMERIKA DIENST 22

�Und wir haben uns der internationalen Umwelt gewidmet - mit neuen Abkommen zur Verhinderung des
unverantwortlichen Exports von Giftmüll, zum Verbot
des Elfenbeinhandels, um damit der von Wilderern
verursachten Ausrottung der Elefanten Einhalt zu
gebieten, und für den Erlaß von Schulden, um die
Umwelt durch "debt for nature swaps" zu schützen.
Kurzum, unser Land, die Vereinigten Staaten, behält
seinen Platz an vorderster Front der internationalen
Errungenschaften für die Umwelt. Unsere Gesetze
haben als Modell für Umweltgesetze in der ganzen
Welt gedient.
Die umweltpolitischen Leistungen der Vereinigten
Staaten sind nicht das Ergebnis von Mißverständnissen - sie sind das Ergebnis auf Dauer angelegter
Investitionen. Heute geben die Vereinigten Staaten 2
Prozent ihres Bruttoinlandsprodukts - über 100 Milliarden Dollar jährlich - für die Kontrolle der Umweltverschmutzung aus. Im Vergleich zu anderen Ländern
zählen wir damit weltweit zur Spitzengruppe.
Amerikaner waren stets der Meinung, daß Taten vielsagender sind als Worte. Und unser Ansatz zu den in
Rio anstehenden Fragen wurde von einer einfachen
Weisheit geleitet. Wir werden ein gutes Abkommen
über Klimaveränderungen unterzeichnen. Es gründet
sich auf die Idee, daß jede Nation eine Aktionsstrategie
erarbeiten sollte - wie wir dies in den Vereinigten
Staaten getan haben.
Wir haben unseren Plan zuerst im Februar 1991 auf
den Tisch gelegt - mit detaillierten Vorschlägen zum
Handeln und detaillierten Berechnungen darüber, wie
stark die Emissionen von Treibhausgasen reduziert
werden würden. Als sich die wissenschaftliche Erkenntnislage zu FCKW veränderte, fügten wir neue
Maßnahmen hinzu und legten unseren Plan erneut auf
den Verhandlungstisch. Wir zeigten, daß unsere
Maßnahmen die bis zum Jahr 2000 vorhergesagten
Treibhausgasemissionen um 125 - 200 Millionen Tonnen
reduzieren würdne - oder um 7 - 11 Prozent.
Kein anderes Land - mit Ausnahme der Niederlande hat einen solch detaillierten Aktionsplan vorgelegt.
Und deshalb bestanden wir auch darauf, daß der
Schwerpunkt auf Ergebnissen liegt - nicht auf Rhetorik.
Es mag in der Presse nicht viele Schlagzeilen gemacht
haben, aber in einem Bereich nach dem anderen
haben die Vereinigten Staaten detaillierte Vorschläge
gemacht und auf deren Verabschiedung hingearbeitet: Bei Wäldern, Ozeanen, Meeresorganismen, Beteiligung der Öffentlichkeit, Finanzierung.
Ich stelle eindeutig fest: Unser Engagement für
Maßnahmen hat nicht mit Rio begonnen und wird auch
nicht damit enden.

AMERIKA DIENST 22

Wenn ich also nächste Woche nach Brasilien reise,
werde ich mehrere Vorschläge mitbringen, um das
Engagement der internationalen Staatengemeinschaft
in Zukunft zu verstärken. Ich möchte Ihnen deshalb
meinen Vierpunkteplan der Zusammenarbeit vortragen:
Erstens werde ich eine wichtige neue Initiative vorschlagen, um die Wälder der Erde zu schützen und zu
verbessern. Ich erwähnte bereits Lehren, die wir in
bezug auf Kosteneffektivität gezogen haben. Nun,
den Schwund der Wälder aufzuhalten, ist einer der
preiswertesten Schritte, die wir unternehmen können,
um die Emissionen von Kohlendioxid zu verringern.
Die Wälder filtern darüber hinaus Luft und Wasser. Sie
stellen Produkte von Bau- und Brennholz bis zu Arzneistoffen und Nahrungsmitteln zur Verfügung. Beim
G-7 Gipfel in Houston vor zwei Jahren schlug ich eine
internationale Waldkonvention vor. Beim Erdgipfel
sollten wir ein Abkommen über die Prinzipien erreichen, die dorthin führen.
Ich schlage jedoch heute vor, raschere Fortschritte zu
machen. In Rio werde ich die anderen Industriestaaten bitten, mit mir gemeinsam die weltweite Forsthilfe
zu verdoppeln - mit dem Ziel, den Schwund der Wälder
bis zum Ende des Jahrzehnts aufzuhalten.
Als Anzahlung werden die Vereinigten Staaten ihre
bilaterale Forsthilfe nächstes Jahr um 150 Millionen
Dollar erhöhen.
Der Plan sieht die Ermutigung zu Partnerschaften vor
- zwischen Empfängerländern, die neue Projekte vorschlagen könnten und Investorstaaten, die um die
Unterstützung der effektivsten Vorschläge zur Begrenzung von Kohlendioxid oder zum Artenschutz
konkurrieren könnten.
Zweitens zum Klima. Die Unterzeichnung einer Konvention, die Aktionspläne fordert, ist nur ein erster
Schritt - wir müssen sie verwirklichen. Ich werde mich
also daran beteiligen, indem ich den unverzüglichen
Beginn der Verabschiedung von Klima-Aktionsplänen
vorschlage. Natürlich werden wir bei Verfügbarkeit
neuer und besserer wissenschaftlicher Erkenntnisse
über den Klimawandel unseren Aktionsplan entsprechend anpassen.
Die Lösung des Problems des Klimawandels muß die
Entwicklungsländer einbeziehen. Während sie heute
etwa ein Viertel der Weltemissionen verursachen, wird
dieser Anteil bis zum Jahr 2025 auf die Hälfte gestiegen sein. Wir müssen deshalb ihre Beteiligung haben
- und wir werden "Länderstudien" finanzieren, um
ihnen einen Anfang zu ermöglichen.
Diese Länder werden neue Technologien benötigen,
um "grünes Wachstum" zu erreichen. Und Amerika
kann sie zur Verfügung stellen. Mein Haushalt beinhal-

Seite 3

�tet deshalb eine Investition von nahezu einer Milliarde
Dollar für die Entwicklung neuer Technologien zur
besseren Energieausnutzung.

Treibhauseffekt verteilen, und wir werden dieses Jahr
eine Informationsstelle zu den Umweltveränderungen
eröffnen.

Hunderte von amerikanischen Geschäftsleuten werden als Anwälte unserer Technologie nach Rio reisen.
Aber diese Bemühungen müssen fortdauern - der
dritte Teil unseres Plans ist deshalb die Unterstützung
eines umfassenden Programms technologischer Zusammenarbeit. Insbesondere werden wir ein Korps für
technologische Zusammenarbeit (Technology Cooperation Corps) ins leben rufen, um den Bedarf von
Ländern in aller Welt an umweltverträglicher Technologie festzustellen - und dann die Schranken niederzureißen, die deren Verfügbarkeit im Wege stehen.

Diese vier Schritte - ein drastisches Programm zum
Schutz und zur Verbesserung der Wälder, schnelles
Handeln bei den Klimaveränderungen, Zusammenarbeit bei der Anwendung saubererer und effizienterer
Technologien sowie ein kontinuierliches Programm
zur Entwicklung und Weitergabe solider wissenschaftlicher Erkenntnisse - können uns helfen, diese Gelegenheit zu nutzen lange nachdem die Reden in Rio
verklungen sind und die Konferenz beendet ist.

Der vierte Punkt meines Programms für eine sauberere Zukunft ist ein kontinuierliches Programm für Forschung und Verständnis. Dieses Jahr beantragen wir
über 1,4 Milliarden Dollar für das Programm zur Erforschung des weltweiten Klimawandels - das ist mehr als
die Summe, die vom Rest der Welt insgesamt für die
Klimaforschung ausgegeben wird.
Unter der Führung von Dan Goldin hier bei der NASA
werden wir auf ein Programm drängen, das Ergebnisse schneller, preiswerter und besser liefert. In Rio
werde ich vorschlagen, die im Rahmen unseres Programms zur Erforschung der Klimaveränderungen
gesammelten Daten für Wissenschaftler und Forscher
in aller Welt verfügbar und bezahlbar zu machen.
Als Teil dieser Bemühungen werden wir bei der UNCED
Tausende von Computerdisketten mit Daten zum

Vor zwei Jahrzehnten konnten die politisch Verantwortlichen der Welt, als sie sich in Stockholm versammelten, die stürmischen Ereignisse der folgenden
zwanzig Jahre schwerlich voraussehen. Damals sorgten sie sich über Atomkriege als Hauptbedrohung der
Umwelt. Sie konnten damals noch nicht wissen, daß
heute das Gespenst des Atomkrieges - mit seiner
unvorstellbaren Zerstörung - wie nie zuvor in der
Nachkriegsgeschichte in den Hintergrund getreten ist.
Sie konnten sich nicht vorstellen, daß mit dem Fall von
Planwirtschaft und Kommunismus diejenigen, die nach
Rio kommen, die Chance haben würden, ein neues
Zeitalter sauberen Wachstums einzuleiten - geleitet
von der Klugheit freier Völker und angetrieben durch
die Macht freier Märkte.
Sie hätten niemals vorhersehen können, wie weit wir in
20 Jahren gekommen sind. Heute ist es an uns, uns
vorzustellen, wie viel weiter wir noch kommen können.

* * * *

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*

AMERIKA DIENST 22

�USA - G U S
3. Juni 1992

EAGLEBURGER: KALTER KRIEG WAR
TRAGÖDIE FÜR BEIDE SEITEN
Rede in Moskau
MOSKAU - (AD) - Dem Stellvertretenden US-Außenminister Lawrence Eagleburger zufolge war der kalte Krieg
eine "große Tragödie" für die Vereinigten Staaten und die ehemalige Sowjetunion.
In einer Rede vor dem Handels- und Wirtschaftsrat in Moskau erörterte Eagleburger am 27. Mai 1992 die
schwierige Aufgabe des demokratischen Aufbaus, die Partnerschaft zwischen dem Volk der Vereinigten Staaten
und den Völkern der ehemaligen Sowjetunion, wirtschaftliche und technische Hilfe sowie die komplexe Aufgabe
der Entwicklung freier Märkte im früheren Herrschaftsbereich des Kommunismus.
Es ist mir eine Ehre, heute abend an diesem besonderen historischen Ort bei Ihnen sein zu dürfen. Als
jemand, der den überwiegenden Teil der vergangenen
vierzig Jahre in Diensten einer vom kalten Krieg getriebenen und definierten Diplomatie gestanden hat, ist
dies in der Tat einer der befriedigendsten Momente
meiner Karriere. Nie hätte ich mir träumen lassen, daß
ich einmal vor dem Handels- und Wirtschaftsrat hier in
einem demokratischen Moskau sprechen würde, an
diesem Ort, der für mein Land einst das Symbol der
Gegnerschaft war.
Doch die letzten 24 Stunden hier in Moskau haben in
mir ein Gefühl des Erstaunens darüber ausgelöst, daß
wir jemals Gegner waren. Ich kann nur Bedauern
darüber empfinden, daß unsere Feindschaft solange
andauerte und unsere Völker der Früchte der Zusammenarbeit und friedlichen Entwicklung beraubte.
Die Ironie besteht natürlich darin, daß das amerikanische und das sowjetische Volk einander niemals ernsthaft als Feinde betrachteten. Im Gegenteil, auf beiden
Seiten fühlten wir stets eine starke Affinität füreinander
- eine Affinität, die auf der Geschichte, einem Gefühl
gegenseitiger Identifizierung und darüber hinaus auf
einem engagierten und gesunden Gefühl der Konkurrenz miteinander beruhte. Auf vielfältige Art und Weise
sind wir Spiegelbilder: als multiethnische Nationen von
kontinentaler Ausdehnung mit Völkern, die ein besonderes Gefühl für ihre einzigartige Bestimmung und
historische Mission in der Welt haben.
Selbst als Konkurrenten zeugten unsere Bemühungen, einander auszustechen, von gegenseitigem
Respekt und Bewunderung. In mehrfacher Hinsicht
brachte unser Wettbewerb sogar das Beste in uns zum
AMERIKA DIENST 22

Vorschein, da es uns zwang, nach Spitzenleistungen
in allen Bereichen zu streben, von der Raumfahrt bis zu
Olympischen Spielen.
Dennoch war der kalte Krieg in jeder Hinsicht eine
große Tragödie für uns beide. Es ist unbestreitbar, daß
wir beide teuer bezahlten und großes Leid in einem
Zeitraum erduldeten, in dem wir unsere Energien nach
unserem Sieg im Zweiten Weltkrieg besser zur Schaffung einer stabilen, friedlichen und wohlhabenden
Weltordnung eingesetzt hätten. Statt dessen verschwendeten wir diese Energien und wertvolle Ressourcen für die kolossale Torheit des kalten Krieges.
Und heute bezahlen wir dafür den Preis - wie erst
kürzlich auf den Straßen von Los Angeles.
Ich möchte deshalb klarstellen, daß wir in den Vereinigten Staaten auch uns als Opfer desselben totalitären Systems betrachten, das die Völker der ehemaligen Sowjetunion unterdrückte. Die Erlösung, die
schließlich eintrat, war das Werk aller, die sich diesem
System im Westen, in Osteuropa und hier in den
Straßen Moskaus vor gerade neun Monaten in den
Weg stellten.
Heute stehen Sie inmitten der monumentalen Aufgabe, Ihr Experiment der Demokratie und der freien
Marktwirtschaft zu konsolidieren. Ich sage bewußt
"Experiment", denn die Demokratie ist eine Regierungsform, die niemals als dauerhaft gesichert betrachtet werden kann. Sie setzt die Fähigkeit der
Menschen voraus, sich selbst zu regieren, und sie
erfordert ein größeres Maß an wirtschaftlicher und
sozialer Gerechtigkeit als die meisten anderen politischen Systeme. Kurzum, so sehr die Demokratie
unsere besten Eigenschaften belohnt, so fordert sie
Seite 1

�auch unsere besten Eigenschaften, und deshalb ist sie
auf ewig eine experimentelle Regierungsform - "die
schlechteste Regierungsform abgesehen von allen
anderen", wie Winston Churchill zu sagen pflegte.
Die Aufgabe, der Demokratie zum Erfolg zu verhelfen,
ist ein unendlicher Kampf. Der unsere begann mit der
Revolution von 1776, hielt an durch die schreckliche
Krise unseres Bürgerkriegs und geht auch heute noch
weiter. Ihre Aufgabe ist enorm: die gewaltigen menschlichen und wirtschaftlichen Kosten bei der Überwindung der Schäden zu ertragen, die von über 70 Jahren
Mißwirtschaft angerichtet wurden. Aber Sie werden
dies schließlich zumindest nicht im Einklang mit einem
Plan von Kommissaren oder einem aus dem Westen
importierten Plan, sondern im Einklang mit den Werten, Traditionen und geistigen Reichtum Ihrer Völker
tun. Und sie werden dies in dem erfrischenden Klima
der Demokratie tun, in dem die Energien Ihrer Völker
endlich freigesetzt werden, um ihr Potential voll auszuschöpfen.
Damit möchte ich sagen, daß die Arbeit des Wiederaufbaus ausschließlich Angelegenheit der Völker der
Gemeinschaft Unabhängiger Staaten ist. Wir in den
Vereinigten Staaten können keine Zauberformel anbieten, da weder wir noch andere jemals einen solchen
Übergang von Kommandowirtschaft zu freier Marktwirtschaft versucht haben.
Ich bin jedoch heute hier anwesend, um Ihnen mit
Nachdruck zu versichern, daß das amerikanische Volk
Ihnen in einer Zeit der Not ebenso beistehen wird wie
in den zwanziger Jahren, wie im Zweiten Weltkrieg und
wie im vergangenen Winter. Und ich kann Ihnen
darüber hinaus versichern, daß es unser größter Wunsch
ist, mit Ihnen gemeinsam eine historische Partnerschaft einzugehen, um Ihnen bei der Umsetzung dieses großen Experiments der Demokratie zu helfen.
Ich spreche hier nicht von irgendeiner abstrakten
Partnerschaft, einem Schlagwort von Politikern, sondern von einer echten Partnerschaft zwischen den
beiden in diesem Saal heute abend versammelten
Gruppen: den Vertretern der Wirtschaft der Vereinigten Staaten und der Gemeinschaft Unabhängiger
Staaten. Dabei handelt es sich weder um Philanthropie noch um Ausbeutung. Es geht um Handel wirtschaftliche Aktivität zum Vorteil beider Partner und
zum Vorteil aller. Dies ist ein Vorhaben, bei dem es nur
Gewinner und keine Verlierer geben sollte. In der Tat
haben die Vereinigten Staaten mit einem solchen
Engagement - Investitionen und Handel - ihren Verbündeten und ehemaligen Gegnern im Zweiten Weltkrieg geholfen, Wohlstand zu erlangen und stabile
Demokratien zu werden, und sie begründeten damit
eine dauerhafte Partnerschaft.
Genau dies möchten wir gemeinsam mit unseren
ehemaligen Gegnern des kalten Krieges erreichen.
Wir betrachten die neuen Nationen der ehemaligen

Seite 2

Sowjetunion als Vertreter eines der potentiell größten
Märkte der heutigen Welt. Wir sehen Arbeitsplätze für
Ihre Bürger ebenso wie für unsere. Wir sehen gegenseitig vorteilhafte und friedliche Beziehungen zwischen
uns. Aber wenn wir über einen möglichen Fehlschlag
Ihres Experiments der Demokratie und des freien
Markts nachdenken, so erkennen wir keinen dieser
Vorteile. Und deshalb brauchen wir Ihren Erfolg, und
wir möchten, daß Sie wirtschaftlich gedeihen.
Wir gehen davon aus, daß das, was Sie neben dem
Know-how und der Hilfe zur makroökonomischen
Stabilisierung, die von der amerikanischen Regierung
gewährt werden, benötigen - das Kapital, die moderne
Technologie und Fachwissen -, in ausreichendem
Umfang nur von unserem Privatsektor geliefert werden kann. Dies ist eine Lehre, die wir aus unseren
zweijährigen Erfahrungen bei der Hilfe für die neuen
Demokratien Osteuropas gezogen haben. Dasselbe
gilt sogar noch stärker für die Gemeinschaft Unabhängiger Staaten, in der der Schlüssel zur Wiedergewinnung raschen Wirtschaftswachstums in der Ankurbelung devisenbringender Sektoren wie Landwirtschaft,
Energiewesen und Bergbau liegt.
Um diese Partnerschaft zwischen unseren jeweiligen
Privatsektoren auf den Weg zu bringen, gibt es eine
Vielzahl erleichternder Maßnahmen, die Ihre Regierungen und die meinige heute ergreifen müssen. Ich
werde zunächst die erwogenen und bereits stattfindenden Aktivitäten meiner eigenen Regierung erläutern.
Ich freue mich erstens berichten zu können, daß wir
rasche Fortschritte im Hinblick auf den Abschluß von
Handels-, Investitions- und Steuerabkommen mit den
meisten Staaten der ehemaligen Sowjetunion erzielen
und daß wir bei der Erweiterung des Aktionsradius von
Export-Import-Bank und OPIC ebenfalls voranschreiten.
Zweitens arbeitet die Administration eng mit dem
Kongreß zusammen, um möglichst rasch das Gesetz
zur Förderung der Freiheit (Freedom Support Act) zu
verabschieden. Und eines möchte ich in diesem
Zusammenhang glasklar feststellen: Wir meinen es
mit diesem Gesetz ebenso todernst wie damit, daß wir
alles in unserer Macht Stehende tun werden, um die
Wirtschaftsreformen unserer neuen demokratischen
Freunde zu unterstützen.
Drittens ermächtigt das gleiche Gesetz unsere Regierung, technische Hilfe durch Know-how von Menschen
für Menschen zu liefern. Dazu gehören:
Ausbildung von Beamten aller Ebenen sowie
von Volkswirten, Unternehmern und Wissenschaftlern;
Hilfe in den Bereichen Energie, Wohnungswesen, Landwirtschaft und Verkehr, um Engpässe
für die weitere Entwicklung zu beseitigen;
AMERIKA DIENST 22

�Unterstützung Ihrer Regierungen bei deren
Versuchen zum Wiederaufbau der Infrastruktur
durch Machbarkeitsstudien und technische Hilfe in Zusammenarbeit mit Weltbank und EBWE;
Hilfe für amerikanische Unternehmen, um ihnen
bei der Partnersuche hier zu helfen, ihre Vorschläge zu unterstützen und Finanzmittel für
bestimmte Arten von Folgestudien und Angeboten bereitzustellen, wie wir dies in Mittel- und
Osteuropa tun;
Entsendung von Beratern, die zur Einführung
der finanziellen Institutionen, Gesetze und Vorschriften beitragen werden, mit denen die Marktwirtschaft funktionsfähig gemacht wird.
Mittlerweile hat unser Handelsministerium eine Anzahl
neuartiger Programme entwickelt, mit denen amerikanische Firmen unmittelbar unterstützt werden, die in
der ehemaligen Sowjetunion tätig werden möchten.
Erstens gewährt das Handelsministerium den GUSStaaten Zugang zu einer Datenbank, die Unternehmen in den gesamten Vereinigten Staaten unmittelbar
detaillierte Informationen über Geschäftsmöglichkeiten und örtliche Partner zur Verfügung stellt.
Zweitens arbeitet das Handelsministerium mit amerikanischen Firmen zusammen, um durch das Special
American Business Intemship Training Program (SABIT)
in den Vereinigten Staaten Trainee-Programme für
Manager von GUS-Unternehmen anzubieten.
Und drittens richtet das Handelsministerium gemeinsam mit den neuen unabhängigen Staaten Business
Development Committees (BDCs) ein, die sich auf den
Abbau allgemeiner Hindernisse für Handel und Investitionen konzentrieren und außerdem als Schiedsstellen bei bestimmten Projekten dienen werden, die durch
staatliche Tätigkeit oder Untätigkeit behindert werden.
Schließlich befindet siel t bei uns heute abend die erste
Gruppe amerikanischei Berater für die Konversion der
Rüstungsindustrie, die sich in Nischnij-Nowgorod niedergelassen haben. Sie untersuchen bereits Möglichkeiten, um russische Rüstungsfirmen mit amerikanischen Partnern zusammenzubringen und neue, private Joint Ventures zu gründen, die ausschließlich zivile
Güter produzieren werden.
Dies sind also die Maßnahmen, die von der amerikanischen Regierung durchgeführt wurden, um der Privatwirtschaft in Ihren Ländern und dem meinen zu
helfen. Es gibt jedoch auch Maßnahmen, die von den
Regierungen der neuen unabhängigen Staaten ergriffen werden müssen, um das Handels- und Investitionsklima hier so attraktiv wie möglich zu gestalten.
Es ist eine Tatsache, daß die Länder, die den Kommunismus gestürzt haben, das System des freien Unternehmertums in einer besonderen Phase seiner historischen Entwicklung aufgegriffen haben. Sie taten dies
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gerade in dem Moment, als sich der Weltmarkt zum
wichtigsten Faktor bei der Entscheidungsfindung in
Unternehmen und nationalen Regierungen entwickelt
hatte. Die Realität von heute lautet, daß insbesondere
Kapital dorthin fließen wird, wo es sich ansiedeln
möchte, unabhängig von seiner Herkunft und von den
Absichten dieser Regierungen. Selbst innerhalb der
Vereinigten Staaten haben wir entdeckt, daß Unternehmen Bundesstaaten verlassen werden, in denen
sie über Generationen hinweg ansässig waren, wenn
sie beispielsweise zu dem Schluß kommen, daß das
steuerliche Umfeld in einem anderen Bundesstaat
günstiger für sie ist. Und selbstverständlich nehmen
sie bei diesem Umzug ihre Arbeitsplätze und örtlichen
Steuerbeiträge mit an den neuen Standort. Wir mögen
den Verlust staatlicher Kontrolle beklagen, aber für die
Unternehmen selbst ist der Kampf um das wirtschaftliche Überleben für gewöhnlich so intensiv, daß sie gar
keine andere Wahl haben.
Dies ist die Wirklichkeit, der sich jede Regierung auf
der Welt ausnahmslos stellen muß. Im Fall der Regierungen der ehemaligen sowjetischen Republiken verstehen wir, daß mit dem Entstehen von Märkten Verwirrung aufkommen wird und daß westliche Unternehmen als ideale Einkommensquellen betrachtet werden. In der kurzen Zeit meines Aufenthalts in Moskau
mußte ich jedoch feststellen, daß praktisch alle amerikanischen Geschäftsleute, mit denen ich gesprochen
habe, mir erklärten, ihre Fähigkeit, als Partner zur
wirtschaftlichen Gesundung beizutragen, werde ernsthaft - wenn nicht sogar entscheidend - durch rigide
Vorschriften und steuerliche Praktiken beeinträchtigt,
die sie auf allen Regierungsebenen antreffen.
Ich möchte Sie nicht mit all den Veränderungen langweilen, die amerikanische Geschäftsleute gerne sehen würden. Ich möchte nur kurz die meistgenannten
Hemmnisse aufzählen:
1. Ständige Veränderung und Mangel an Transparenz von Gesetzen und Vorschriften.
2. Ständige Veränderungen und prohibitive
Erhöhungen der Steuersätze.
3. Ungewisse Eigentumsverhältnisse, insbesondere bei natürlichen Ressourcen, sowie sich
überschneidende Zuständigkeiten der verschiedenen staatlichen Ebenen.
4. Zahlungsrückstände der ehemaligen Sowjetunion in Höhe von über 190 Millionen Dollar
gegenüber amerikanischen Unternehmen.
Ich möchte Ihnen versichern, daß es sich bei den
amerikanischen Unternehmen, die in der ehemaligen
Sowjetunion geschäftlich tätig werden wollen, um
verantwortungsbewußte Firmen handelt; die "Räuberbarone" früherer Zeiten werden von der amerikanischen Regierung weder toleriert noch unterstützt. Wir
haben Firmen, die in lebenswichtigen Bereichen wie
Seite 3

�Nahaingsmittelvertrieb, Verkehr, Kommunikationswesen, Gesundheitsfürsorge, Energiewesen und Rüstungskonversion einen ausschlaggebenden Beitrag leisten
können. Sie können in Ihrem Land Arbeitsplätze
schaffen, und sie können dabei helfen, die von Ihnen
benötigten harten Devisen zu erwirtschaften.

einst tatsächlich Verbündete, aber wir waren gegen
etwas verbündet, das uns von außen entgegentrat gegen eine Bedrohung, der wir gemeinsam gegenüberstanden. Heute haben wir die Chance eines
Bündnisses für etwas - für den demokratischen Lebensstil und die Werte, die wir jetzt gemeinsam haben.

Sie werden jedoch zu all dem nicht in der Lage sein,
wenn das Umfeld nicht günstig ist. Sie können beispielsweise keine Geschäfte machen, wenn eine plötzliche Steuererhöhung den erwarteten Gewinn bei einem bereits ausgehandelten Projekt völlig verschlingt.
Sie können nicht tätig werden, wenn sie es mit einer
Bürokratie zu tun haben, die noch immer nicht in der
Lage ist, mit ihnen auf Arbeitsebene rasch und mit
Autorität zu arbeiten. Sie werden in der Tat abwandern, wenn dies erforderlich ist, um ein günstiges
Umfeld in den ältesten oder den jüngsten demokratischen Marktwirtschaften der Welt zu finden.

Wir sind uns der Tatsache bewu ßt, daß die Möglichkeiten zur Partnerschaft in diesem demokratischen Zeitalter umfassend und vielfältig sind und daß die neuen
unabhängigen Staaten wechselseitig fruchtbare Beziehungen mit ihren europäischen Nachbarn und anderen
entwickeln werden. Einen Punkt möchte ich hier
jedoch eindeutig klarstellen: Die Vereinigten Staaten
sind weder nur ein Partnervon vielen, noch betrachten
wir Sie lediglich als Partner unter vielen anderen. Wir
beide sind Völker mit einem besonderen Auftrag, Völker, die ihren größten Beitrag zur Geschichte und zu
unseren Zeiten noch leisten müssen. Beide wurden
wir in der Vergangenheit bereits von der Geschichte
abgeschrieben, aber bei jeder dieser Gelegenheiten
wurden wir der Herausforderung gerecht - und dasselbe gilt sicherlich auch heute.

Meine Freunde, es ist leicht, sich über die Schwierigkeiten zu ergehen, mit denen wir in dieser Zeit des
Übergangs konfrontiert sind - des Übergangs zum
freien Markt, zur Demokratie und zu einer neuen
Weltordnung. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt ist alles,
was wir sehen können, die Hindernisse auf unseren
Weg und die zu erbringenden Opfer, und wir vernehmen Stimmen, die sagen, die beiden Supermächte des
kalten Kriegs würden in der angebrochenen revolutionären neuen Ära nicht gedeihen.

Gemeinsam besitzen wir die größte Macht in der Welt.
Zwischen uns hat es keine Geschichte bewaffneten
Konflikts gegeben, unabhängig davon, wie schwerwiegend unsere Differenzen im kalten Krieg auch sein
mochten. Zwischen uns kann es deshalb eine Partnerschaft mit größerem Vertrauen und Potential für beiderseitige Fortschritte geben als zwischen allen anderen Völkern in der Welt von heute.

Ich sage jedoch, daß diese Stimmen unrecht haben
und daß jeder, der die Fähigkeiten des amerikanischen Volkes und der Völker der ehemaligen Sowjetunion anzweifelt, mit einer deftigen Überraschung zu
rechnen hat. Ja, wir waren Opfer des kalten Kriegs.
Andere machten wirtschaftliche Fortschritte, während
wir unsere Ressourcen in einer sinnlosen militärischen
Rivalität vergeudeten. Aber sehen Sie nur, welche
Macht und Kreativität wir selbst unter den erschwerten
Bedingungen dieser Rivalität unter Beweis stellten,
und stellen Sie sich vor, was wir nun leisten können, da
unsere Energien in dem gemeinsamen Streben nach
wirtschaftlicher Wiedergeburt und Aufschwung freigesetzt werden können.

Ich weiß, daß die Völker der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten, wenn sie auf die Vereinigten Staaten
von Amerika blicken, eine Nation sehen, die sich
rückhaltlos der demokratischen freien Marktwirtschaft
und einer gerechten, stabilen und friedlichen Weltordnung verschrieben hat. Und ich kann Ihnen versichern, daß wir, wenn wir auf Sie blicken, Nationen
sehen, die unter diesem System und unter dieser
Ordnung am besten gedeihen können und werden.
Mit anderen Worten: die Geschichte hat uns zu
Partnern bestimmt. In der Vergangenheit haben wir
dieses Urteil einmal mi ßachtet, und wir und die gesamte Welt zahlten dafür einen schrecklichen Preis. Aber
Gott sei Dank sind wir entschlossen, unserem gemeinsamen Schicksal nicht länger entfliehen zu wollen.

Stellen Sie sich insbesondere vor, was wir nicht als
Gegner, sondern in einer engen und beiderseitig vorteilhaften Partnerschaft leisten können. Wir waren
* *

Seite 4

*

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�US-AUSSENPOLITIK
3. Juni 1992

ETHNISCHE VIELFALT UND AUSSENPOLITIK
Wachsender Einfluß auf US-Außenpolitik prognostiziert
Die wachsende ethnische Vielfalt der amerikanischen Bevölkerung wird langfristig Auswirkungen auf den
Umgang mit auswärtigen Angelegenheiten haben. Dies ist der Tenor des nachfolgenden Artikels, der dem
Bericht der Stanley Foundation über die wachsenden Auswirkungen der ethnischen und geographischen Vielfalt
auf die US-Außenpolitik entnommen ist. Der Beitrag wurde in englischer Sprache in der Zeitschrift Dialogue,
Nr. 1, 1992, veröffentlicht.
Die Vereinigten Staaten verweisen seit langem stolz
auf ihre Rolle als Schmelztiegel kulturell verschiedenartiger Völker. Diese Vielfalt hat sich aber bisher nur
selten in der amerikanischen Außenpolitik niedergeschlagen. Ein neues Zeitalter ist jedoch angebrochen,
in dem die ethnische Vielfalt größere Auswirkungen
auf die Außenpolitik haben wird. Dies hat drei Gründe.
Erstens verändert eine demographische Revolution
die ethnische Zusammensetzung des Landes. Im Lauf
der Geschichte kamen Wellen von Einwanderern in die
Vereinigten Staaten, die eine schrittweise Diversifizierung der Bevölkerung bewirkten. In jüngerer Zeit
unterschieden sich die Einwanderer, deren Zahl seit
1960 etwa 8 Millionen betrug, erheblich von früheren
Wellen.
In den sechziger Jahren begann die Zahl der Einwandereraus Europa abzunehmen, die in der Vergangenheit die Mehrheit gestellt hatten. Dagegen stieg die
Zahl asiatischer und hispanischer Einwanderer steil
an. Auch die Zahl illegal ins Land strömender Einwanderer, insbesondere aus Mexiko, Mittel- und Südamerika nahm erheblich zu. Dieser Zustrom neuer Einwanderer hat die rassische und ethnische Zusammensetzung der Nation verändert.
Die lediglich zahlenmäßige Betrachtung der Neuankömmlinge ist jedoch teilweise irreführend. Die Einwanderer verteilen sich nicht gleichmäßig. Verschiedene Teile der Vereinigten Staaten haben eine größere Zuwanderung erlebt als andere. Infolgedessen
bilden sich neue ethnische Machtzentren. Florida, das
bereits eine große kubanische und afro-amerikanische Bevölkerung hat, wurde von Einwanderern aus
Lateinamerika und der Karibik überschwemmt. New
York, Texas, Kalifornien und Illinois waren ebenfalls
Ziel zahlreicher Einwanderer. Die Auswirkungen dieses Trends lassen sich andeutungsweise Prognosen

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entnehmen, die davon ausgehen, daß in 20 Jahren 85
Prozent der kalifornischen Bevölkerung zu neuen
ethnischen Gruppen gehören werden.
Zusätzlich zu ihrer Zunahme kann zweitens gesagt
werden, daß die Mitglieder der verschiedenen ethnischen Gruppen politisch bewußter werden. In der
Vergangenheit gab es große Unterschiede beim Ausmaßen dem ethnische Gruppen sich selbst definierten
und nach ethnischer Herkunft mobilisiert werden konnten. Einige Gruppen - zum Beispiel Amerikaner polnischer, irischer oder griechischer Abstammung und
amerikanische Juden - organisierten sich anhand der
ethnischen Zugehörigkeit und trachteten danach, die
Außenpolitik zu beeinflussen. Aber dies war eher die
Ausnahme als die Regel. Heute ist die ethnische
Mobilisierung sehr verbreitet. Zu den Beispielen
wachsenden ethnischen Selbstbewußtseins gehört die
immer wichtigere Rolle der Gruppe schwarzer Abgeordneter im US-Kongreß (U.S. Congressional Black
Caucus). Ein weiteres Anzeichen für zunehmendes
ethnisches Bewußtsein ist die Debatte über die Notwendigkeit zur Erweiterung der Lehrpläne, um die
Rolle der ethnischen Gruppen in der amerikanischen
Geschichte angemessen zu berücksichtigen, die
gegenwärtig in den amerikanischen Schulen Wellen
schlägt.
Einige Experten sind der Auffassung, daß für Gruppen, denen die volle Beteiligung an der amerikanischen Politik früher verweigert wurde, die ethnische
Mobilisierung einen Weg bietet, um in das außenpolitische Establishment einzudringen. Insbesondere für
"Farbige" ist ein verbesserter Zugang zum außenpolitischen Establishment von Bedeutung, unabhängig
davon, ob dies die Politik verändert oder nicht. Für
andere ethnische Gruppen, die noch starke Bindungen
zu ihren Herkunftsländern unterhalten, ist die ethni-

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�sehe Mobilisierung ein Weg zur Einflußnahme auf die
amerikanische Außenpolitik, die diesen Ländern zugute kommen soll.
Eine dritte Veränderung, die zur wachsenden Bedeutung der ethnischen Vielfalt in den Vereinigten Staaten
beiträgt, ist die zunehmende Rolle von Bundesstaaten
und Gemeinden bei der Gestaltung der Außenpolitik.
Dieser Trend vervielfacht die Kanäle, durch die ethnische Gruppen die Politik beeinflussen können. Nationale Interessen stehen nicht mehr notwendigerweise
mit lokalen und Bundesstaatsinteressen in Einklang.
Infolge inneren wirtschaftlichen Drucks versuchen viele
Bundesstaaten heute, sich selbst am internationalen
Wirtschaftssystem zu beteiligen, um Handelsbeziehungen zu anderen Ländern zu entwickeln. So haben
beispielsweise mehrere Bundesstaaten Handelsmissionen in Tokio eingerichtet, um japanische Investitionen anzulocken.
Der Trend zur weltumspannenden Produktion fördert
direkte Wirtschaftsverbindungen zwischen Amerikanern und anderen Gesellschaften auf nichtstaatlicher
Ebene. Eine weitere Kategorie von Verbindungen
betrifft persönliche Beziehungen zu Verwandten im
Ausland. Institutionelle Bindungen werden durch
Programme von Sister Cities, der Organisation für
Städtepartnerschaften, und andere kulturelle Organisationen geschaffen. Die Politik wird unweigerlich
beeinflußt, da Basisinitiativen immer mehr Amerikaner
mit Menschen im Ausland in Kontakt bringen.
Ein Beispiel für die Auswirkung des Engagements der
Basis auf den au ßenpolitischen Proze ß war der Erfolg
der Anti-Apartheidbewegung bei der Veränderung der
amerikanischen Politik gegenüber Südafrika. Angesichts des Drucks von Kirchen, Studenten und AfroAmerikanern stießen Bundesstaaten und Gemeinden
aus ihren Pensionsfonds Anteile an Unternehmen ab,
die in Südafrika tätig waren. Gemeindevertreter riefen
darüber hinaus Programme ins Leben, um der schwarzen Mehrheit Südafrikas zu helfen.
Während also der allgemeine Trend zu verstärkter
ethnischer Mobilisierung bei außenpolitischen Themen geht, bestehen erhebliche Unterschiede darin,
wie sich dies in den einzelnen Gruppen manifestiert.
Es ist offenkundig geworden, daß Vorgeschichte, Interessen und Programme verschiedener Gruppen stark
voneinander abweichen.
Obwohl die amerikanischen Juden de facto keine
ethnische Gruppe sind, stellen sie das meistdiskutierte
Modell einer effektiven außenpolitischen Mobilisierung dar. Mehrere Umstände haben die amerikanischen Juden in die Lage versetzt, eine mächtige Lobby
zu werden. Der erste ist die Geschichte der Verfolgung, die den Juden in der ganzen Welt ein starkes
Gefühl gemeinsamer religiöser Identität verlieh. Zweitens
gab der Holocaust der jüdischen Gemeinde ein mächtiges Symbol, mit dem sie sich mobilisieren konnten.

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Drittens gibt das Ziel, die amerikanische Unterstützung Israels sicherzustellen, einen eindeutigen Schwerpunkt politischer Aktivität vor. Schließlich ist die
amerikanische jüdische Gemeinde aufgrund ihres relativen Wohlstands und des hohen Grads politischer
Beteiligung in einer guten Position, um die Politik zu
beeinflussen. Wie von einigen bemerkt wurde, kann
es sich die jüdische Gemeinde leisten, die Israelfrage
zum wichtigsten Faktor ihrer innenpolitischen Bemühungen zu machen, was bei anderen Gruppen nicht
der Fall ist.
Afro-Amerikaner ähneln den Juden darin, daß auch sie
ein starkes ethnisches Zusammengehörigkeitsgefühl
haben, das auf ihrer historischen Erfahrung gründet:
der Sklaverei. Das Erbe der Sklaverei hat die Amerikaner afrikanischer Herkunft in der Gesellschaft wirtschaftlich und politisch benachteiligt. Trotz der Fortschritte der Bürgerrechtsbewegung kämpfen AfroAmerikaner immer noch um Chancengleichheit und
größere Beteiligung am amerikanischen politischen
System. Sie konzentrieren sich hauptsächlich auf
innenpolitische Fragen der Gerechtigkeit.
Im Bereich der Außenpolitik war es für Amerikaner
afrikanischer Herkunft aus einer Reihe von Gründen
schwierig, in das System einzudringen. Erstens haben
sie kein gemeinsames Thema, um das sie sich mobilisieren könnten. Dies wird noch verstärkt durch die
Tatsache, daß sich Afro-Amerikaner weder mit einem
einzelnen Herkunftsland identifizieren können noch
persönliche Bindungen zu einem einzelnen Land
außerhalb der Vereinigten Staaten haben. Die Lage in
Südafrika hat den Afro-Amerikanern jedoch die Gelegenheit gegeben, sich bei einem Thema zu engagieren, das ihrer historischen Erfahrung in den Vereinigten Staaten entspricht. Der Erfolg der Anti-Apartheidbewegung unterstreicht das Potential innerhalb der
afro-amerikanischen Gemeinde, um den außenpolitischen Prozeß zu beeinflussen.
Obwohl die Neigung besteht, die Amerikaner asiatischer Herkunft als homogene ethnische Gruppe zu
betrachten, ist diese Kategorie äußerst vielfältig.
Amerikaner japanischer, chinesischer und philippinischer Abstammung haben eine lange Geschichte in
den Vereinigten Staaten. In der Vergangenheit vermieden sie es jedoch, eine ethnisch geprägte Politik zu
betreiben. Die neueren Einwanderungswellen aus
Südostasien waren politisch jedoch äußerst aktiv. Wie
im Fall der amerikanischen Juden verstärkt der relative
Wohlstand der Amerikaner asiatischer Herkunft deren
Fähigkeit, das außenpolitische Establishment zu beeinflussen. Die neuen asiatischen Einwanderer sind
wohlhabender und gebildeter als frühere Zuwanderer,
und der Wohlstand der etablierten asiatisch-amerikanischen Gemeinde nimmt ebenfalls zu. Dies bedeutet,
daß die Amerikaner asiatischer Herkunft ausreichende Mittel zur Verfüngung haben, die sie bei Wahlkämpfen auf lokaler und nationaler Ebene einsetzen können.
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�Veränderungen im internationalen System verstärken
ebenfalls die innenpolitische Bedeutung der asiatischamerikanischen Gemeinde. Das Selbstverständnis
der Amerikaner japanischer Abstammung wurde durch
die wachsende Rolle Japans als wirtschaftliche Supermacht gefördert. Dies hat den Eindruck verstärkt, daß
Amerikaner japanischer Herkunft als Brücke zwischen
den Vereinigten Staaten und Japan in der Außenpolitik
dienen können. Zu den Themen, die Amerikaner
asiatischer Herkunft zu beeinflussen versuchen, gehört die amerikanische Einwanderungspolitik.
Wie bereits erwähnt, hat die hispanische Bevölkerung
der Vereinigten Staaten in den letzten Jahren erheblich zugenommen. Im Jahr 1970 hatten Hispanier
einen Anteil von 4,5 Prozent an der amerikanischen
Bevölkerung. Im Jahr 1988 war dieser Anteil auf 8
Prozent gestiegen. Wie der asiatische Bevölkerungsanteil ist auch diese Gruppe extrem mannigfaltig,
wobei Mexikaner (als zahlenmäßig stärkste), Kubaner
und Puertoricaner die drei größten Untergruppen bilden. Wirtschaftlich bestehen große Unterschiede
innerhalb der hispanischen Gemeinde, in der die
Amerikaner kubanischer Abstammung im allgemeinen
wesentlich wohlhabender sind als Mexikaner und
Puertorikaner.
Die Vielfalt der hispanischen Gemeinde hat es den
politisch Verantwortlichen erschwert, sich effektiv für
außenpolitische Themen einzusetzen. Eine bemerkenswerte Ausnahme waren die Bestrebungen der
Amerikaner kubanischer Abstammung, die amerikanische Politik gegenüber Fidel Castro zu beeinflussen.
Für die Mehrheit der Hispanier sind innenpolitische
Themen wie Zugang zu Bildungsinstitutionen, Gesundheitswesen, Recht auf die eigene Sprache und
Sozialleistungen nach wie vor am wichtigsten. Im
Hinblick auf die Außenpolitik haben unterschiedliche
hispanische Gruppen verschiedene Programme. Die
Puertoricaner sind besorgt über die möglicherweise
von den Vereinigten Staaten gewährte Souveränität
Puerto Ricos. Die Mexikaner befassen sich mit Handels- und Einwanderungsproblemen, insbesondere der
Behandlung illegaler Einwanderer.
Die arabisch-amerikanische Gemeinde weist ebenfalls eine große ethnische und politische Vielfalt auf.
Ihre Wurzeln gehen zu mehreren Ländern im Nahen
Osten und in Nordafrika zurück. Die politische Mobilisierung wurde durch Klassen- und berufliche Unterschiede bebindert. Auch die Beziehungen zwischen
den Amerikanern arabischer Abstammung und ihren
Herkunftsländern variieren. Die Libanesen waren beispielsweise außerordentlich erfolgreich beim Sammeln von Spenden für den Libanon, wohingegen die
Amerikaner syrischer Abstammung enge kulturelle,
aber relativ lockere politische Beziehungen mit Syrien
unterhalten.

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Auf innenpolitischer Ebene betrachten sich Araber, die
seit einiger Zeit in den Vereinigten Staaten leben, als
stark assimiliert, insbesondere diejenigen, die keine
sprachlichen Bindungen mehr zu ihrem Herkunftsland
haben. Obwohl diese Araber sich nicht im ethnischen
Sinne unterscheiden, wurden sie vor allem aufgrund
der Ereignisse im Nahen Osten und zunehmend als
Reaktion auf die von Amerikanern jüdischer Abstammung zugunsten Israels durchgeführten Aktivitäten in
die außenpolitische Debatte eingebracht.
Das Bild, das sich aus der Bevölkerungszusammensetzung der Vereinigten Staaten ergibt, weist unterschiedliche Gruppen auf - jede mit den ihr eigenen
Stärken und Schwächen und jede mit einer anderen
Basis für außenpolitische Kampagnen. Diese Tatsache erschwert die Gestaltung einer schlüssigen, kontinuierlichen und integrierten Außenpolitik außerordentlich.
Die amerikanische Außenpolitik war traditionell die
Domäne von weißen Männern, sowohl innerhalb als
auch außerhalb der Regierungskreise. In den vergangenen zwanzig Jahren hat sich diese Situation allmählich gewandelt, so daß heute mehr Frauen und Angehörige von Minderheiten im politischen Entscheidungsprozeß zu finden sind. Dennoch sind die Fortschritte
begrenzt. In einer kürzlich erstellten Studie über in den
letzten zehn Jahren von den Medien befragte außenpolitische Experten war die Mehrzahl weiß, männlich
und konservativ.
Begrenzter Zugang zur Außenpolitik hat es einigen
ethnischen Gruppen erschwert, selbst auf unterster
Ebene in das System einzusteigen. Für wirtschaftlich
benachteiligte Gruppen sind schlechte Bezahlung,
Anfängerpositionen und Volontariate bei außenpolitischen Organisationen keine echte Alternative. In den
wichtigsten außenpolitischen Institutionen wie Forschungszentren, Eliteuniversitäten und im auswärtigen Dienst sind Minderheiten immer noch unterrepräsentiert.
Ein Argument für die Einbeziehung lautet, daß neue
Akteure in den außenpolitischen Prozeß eingeführt
werden, deren Interessen und Erfahrungen sich von
der herkömmlichen Außenpolitik unterscheiden. Aus
diesem Grund wäre eine diversifiziertere außenpolitische Gemeinde wertvoll, unabhängig davon, ob diese
neuen Akteure den politischen Entscheidungsfindungsprozeß grundlegend ändern oder nicht. Die Einbeziehung der gesamten Bandbreite ethnischer Gruppen in
die Außenpolitik würde sowohl in der Regierung als
auch außerhalb zur Verbesserung des Bildes von
einem Land mit ethnischer Vielfalt beitragen. Durch
die Einbeziehung in die Außenpolitik könnten die Vertreter der ethnischen Gruppen schließlich als Vorbild
für ihre Gemeinden dienen.

Seite 3

�Die Einbeziehung würde auf der anderen Seite nicht
zwangsläufig zu einer tiefgreifenden Veränderung führen.
Obwohl der Zugang als Einstieg in das System dienen
kann, muß dies nicht notwendigerweise zu konstruktiver Beteiligung führen. Der Preis der Einbeziehung
könnte die pauschale Akzeptanz des Status quo sein
statt der Versuch, ihn zu ändern. Die Einbeziehung
aus rein "symbolischen" Gründen könnte zu Fetischismus führen und dadurch Probleme der Legitimität und
Glaubwürdigkeit für die Vertreter der ethnischen Gruppen schaffen.
Darüber hinaus führt die Einbeziehung aus zwei Gründen nicht zwangsläufig zu einer Erweiterung der Bandbreite von Problemen auf der au ßenpolitischen Tagesordnung: Wenn die einzigen Personen in der Politik
diejenigen wären, die dieselben Ansichten vertreten
wie die traditionellen außenpolitischen Institutionen,
oder wenn die Vertreter der ethnischen Gruppen mit
einem unterschiedlichen Weltbild gezwungen würden,
ihre Meinungen aus politischen Gründen zu unterdrükken. Obwohl es in jüngsten Administrationen beispielsweise einige Amerikaner afrikanischer Abstammung in hochrangigen außenpolitischen Positionen
gegeben hat, scheint dies keine Auswirkungen auf die
amerikanische Außenpolitik zu haben.
Die Rolle, die ethnische Gruppen im außenpolitischen
Prozeß spielen können, hängt von ihren Beziehungen
untereinander und zu ihrem Herkunftsland ab. Natürlich variiert diese Beziehung von Gruppe zu Gruppe.
Zu den ausschlaggebenden Faktoren zählt, wann die
Einwanderer in die Vereinigten Staaten gekommen
sind, warum sie ihr Land verlassen haben, welche
politische, wirtschaftliche und strategische Anziehungskraft ihr Land hat und ob seine Ideologie sich von der
der Vereinigten Staaten unterscheidet. Sind die Beziehungen gut, können sich Kampagnen der ethnischen
Gruppen zum Nutzen des Heimatlands auswirken, wie
es bei den Amerikanern jüdischer Abstammung mit
Israel der Fall war. Sind die Beziehungen zwischen
den Einwanderern und ihrem Heimatland jedoch
schlecht, kann sich das Engagement der ethnischen
Gruppen zum Nachteil ihres Heimatlandes erweisen.
Vor Castros Regime fliehende Kubaner waren vehemente Befürworter der amerikanischen Politik, die auf
die Isolierung Kubas abzielt.
Veränderungen der Verbindungen, die ethnische
Gruppen mit ihrem Heimatland unterhalten, können
maßgebliche Auswirkungen auf die Fähigkeit der Gruppe
zur Einflußnahme auf den außenpolitischen Prozeß
haben. Früher vollzog sich ein Großteil der Kontakte
zwischen ethnischen Gruppen und ihren Heimatländern durch inoffizielle, persönliche Kanäle. Die Gründung von Partnerstadtprogrammen und kulturellen
Organisationen hat zur Formalisierung, Stärkung und
Förderung der kulturellen Bande beigetragen. Zur Zeit
gewinnen jedoch die wirtschaftlichen und politischen
Bande zwischen ethnischen Gruppen und ihren Heimatländern zunehmend an Bedeutung. Dies geschieht
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häufig mit der stillschweigenden Zustimmung des
Heimatlandes, das von besseren Handels- und Wirtschaftschancen zu profitieren hofft. Die japanische
Regierung hat beispielsweise beachtliche Wirtschaftsbeziehungen mit Kanada entwickelt, das einen großen
Bevölkerungsanteil von Amerikanern japanischer
Abstammung hat, auf die 30 Prozent der gesamten
Auslandsinvestitionen des Landes zurückzuführen sind.
Diese Beziehungen sind jedoch auch mit Problemen
für beide Seiten behaftet. Das Problem für das Heimatland entsteht, wenn seine Einwandererein größeres Mitspracherecht im politischen Prozeß des Heimatlandes fordern und Einfluß auf innenpolitische
Entscheidungen nehmen möchten. Für das Heimatland ist es ein ebenso ungemütliches Risiko, wegen
der Beziehungen zu einer ethnischen Gruppe in innenpolitische Querelen der Vereinigten Staaten hineingezogen zu werden. Einige afrikanische Befreiungsbewegungen sind sehr um die Unterstützung von Amerikanern afrikanischer Abstammung bestrebt, obwohl
sie nicht gerne in die Rassenkonflikte der Vereinigten
Staaten verwickelt werden möchten.
Als anderes Extrem ergeben sich auch Probleme für
ethnische Gruppem, die nicht als Lobbyisten im Namen
ihrer ehemaligen Heimatländer, sondern vielmehr als
amerikanische Bürger mit einer eigenen Sichtweise
außenpolitischer Angelegenheiten fungieren wollen.
Aufgrund ihres Engagements für Japan fürchten
Amerikaner japanischer Abstammung eher als Japaner statt als amerikanische Staatsbürger angesehen
zu werden. Das Engagement einer ethnischen Gruppe sollte sich jedoch auch nicht auf Belange ihres
Herkunftslandes beschränken. Viele Amerikaner afrikanischer Abstammung fürchten, wenn sie zu sehr mit
Afrika in Verbindung gebracht werden, in der größeren
außenpolitischen Gemeinde politisch an den Rand
gedrängt zu werden.
In einer Weise könnte sich größeres Engagement der
ethnischen Gruppen für außenpolitische Themen als
gefährlich erweisen. Angesichts der gegenläufigen
Interessen und Programme unterschiedlicher ethnischer Gruppen besteht die Möglichkeit, daß Kampagnen der ethnischen Gruppen den außenpolitischen
Prozeß in einen Krieg zwischen ethnischen Gruppen
verwandeln könnte, die um begrenzte Ressourcen,
politische Posten und Einfluß kämpfen.
Das Ende des kalten Kriegs hat für den Prozeß der
außenpolitischen Entscheidungsfindung ein Vakuum
hinterlassen. Es gibt kein umfassenderes Gefüge
einer Supermacht, das konkurrierende Ansprüche
enthnischer Gruppen in Einklang bringen könnte und
dadurch entsteht die Gefahr, daß die ethnischen Gruppen
in den Vereinigten Staaten in Konflikte im Ausland
verwickelt werden. Wenn die Sowjetunion und andere
Länder in rivalisierende ethnische Einheiten zerfallen,
könnten ihre Kämpfe die ethnischen Konflikte in den
Vereinigten Staaten verschärfen.

AMERIKA DIENST 22

�Aus diesem Grund könnte die Einbeziehung neuer
Gesichter in die außenpolitische Gemeinde die Fähigkeit der Vereinigten Staaten zur Übernahme einer
Führungsrolle in der Welt nach dem kalten Krieg
verbessern. Einige Experten haben den Vorschlag
unterbreitet, daß Amerikaner und Ausländer sich auf
der Grundlage gemeinsamer Probleme über tiefere
soziale Bindungen mobilisieren könnten. Mit diesem
Ansatz könnte das Potential anderer Länder zur Lö-

* *

AMERIKA DIENST 22

sung interner und regionaler Kontroversen verstärkt
werden. Obwohl das Ende des kalten Kriegs eine
Konfliktquelle beseitigt hat, könnte es andere regionale und ethnische Konflikte mit wichtigen innenpolitischen und internationlaen Konsequenzen freisetzen.
Es muß ein Weg gefunden werden, um unterschiedliche ethnische Interessen und Programme in eine
schlüssige, integrierte außenpolitische Tagesordnung
der Vereinigten Staaten umzusetzen.

* *

Seite 5

�SOZIALPOLITIK
3. Juni 1992

KRANKENVERSICHERUNG FÜR SOZIAL
SCHWACHE UND SENIOREN
Vierter einer Reihe von Artikeln zur US-Sozialpolitik
WASHINGTON - (AD) - Die Vereinigten Staaten haben gegenwärtig kein einheitliches, nationales Krankenversicherungssystem für alle Bürger. Es gibt jedoch zwei Einzelprogramme, die gemeinsam die medizinische Versorgung für die meisten derjenigen gewährleisten, die keine private Krankenversicherung
haben.
Als Teil von Präsident Johnsons "Krieg gegen die
Armut" wurde im Jahr 1965 Medicare ins Leben gerufen, um älteren Menschen eine Krankenversicherung
zubieten. Darüber hinaus wurde Medicaid eingeführt,
um die Kosten für die medizinische Versorgung von
sozial Schwachen und Behinderten abzudecken, die
keinen Anspruch auf Medicare haben.
Im Jahr 1990, dem letzten Jahr, für das vollständige
statistische Daten zur Verfügung stehen, waren 87,5
Prozent aller Amerikaner während des ganzen oder
eines Teils des Jahres in irgendeiner Form krankenversichert.
Davon entfielen 14,6 Prozent auf Medicare, 11,2 Prozent auf Medicaid. 73,1 Prozent hatten einen privaten
Versicherungsschutz, der von Arbeitgebern, Gewerkschaften oder den Vorsicherten selbst finanziert wurde, und 12,5 Prozen* waren überhaupt nicht krankenversichert. (Diese Zahlen ergeben insgesamt über
100 Prozent, da ein Teil der unter Medicare und
Medicaid Versicherten daneben einen privaten Versicherungsschutz hatten.)
Schätzungen des US-Gesundheitsministeriums zufolge bezogen im Jahr 1991 35 Millionen Amerikaner
Leistungen von Medicare in einer Gesamthöhe von
113,9 Milliarden Dollar. Im gleichen Jahr erhielten 27,5
Millionen Personen Leistungen von Medicaid im Gesamtumfang von 89,1 Milliarden Dollar.
Medicare für die älteren Mitbürger
Medicare besteht aus zwei Teilen, die beide von der
Bundesregierung verwaltet werden. Alle Amerikaner
ab 65 Jahren, die aufgrund ihrer früheren Beschäftigung oder der des Ehegatten Anspruch auf Rentenzahlungen haben, können unabhängig von persönliAMERIKA DIENST 22

chem Einkommen oder Vermögen Leistungen der
Krankenhausversicherung (Teil A) beziehen. Durch
Zahlung eines minimalen monatlichen Beitrags kann
nahezu jeder Bürger über 65 eine Krankenversicherung (Teil B) abschließen, die Arzthonorare, diagnostische Untersuchungen, ambulante chirurgische Leistungen, Laboruntersuchungen und andere medizinische Leistungen für ambulante Patienten abdeckt.
Teil A wird aus Mitteln derselben Lohnsummensteuer
finanziert, die für die Finanzierung der Rentenversicherung erhoben wird, während Teil B vollkommen
aus dem von jedem Versicherten entrichteten Monatsbeitrag - 31,80 Dollar im Jahr 1991 - abgedeckt wird.
Im Jahr 1992 erstattet Teil A in den ersten 60 Tagen der
stationären Behandlung 100 Prozent aller versicherten Kosten in einem von Medicare zugelassenen
Krankenhaus - nach Zahlung eines einmaligen Selbstbehalts von 652 Dollar in jedem Leistungszeitraum.
Danach werden von Teil A alle versicherten Leistungen abgedeckt, mit Ausnahme einer "Rückversicherungs"-Zahlung, die der Patient erbringen muß.
Falls eine solche Behandlung von Medicare für notwendig erachtet wird, leistet Teil A darüber hinaus für
sämtliche versicherten Dienstleistungen während der
ersten zwanzig Tage des Aufenthalts in einem anerkannten Pflegeheim, wenn der Patient zuvor an mindestens drei aufeinanderfolgenden Tagen stationär im
Krankenhaus behandelt wurde. Vom 21. bis zum 100.
Tag muß der Versicherte eine Selbstbeteiligung von
81,50 Dollar pro Tag aufbringen. Nach dem 100. Tag
übernimmt Medicare in demselben Leistungszeitraum
keine weiteren Leistungen für den Aufenthalt in einem
Pflegeheim.
60 Tage nach Entlassung aus stationärer Krankenhausbehandlung oder Aufenthalt in einem Pflegeheim
beginnt eine neue Abrechnungsperiode, und der Versicherte kann erneut Leistungen in Anspruch nehmen.
Teil A deckt ferner von Medicare anerkannte häusliche
Pflege ab - einschließlich von Teilzeit- oder vorübergehender Pflege, sozialen Dienstleistungen, Thera-

Seite 1

�pie, Heil- und Hilfsmitteln - sowie sämtliche Leistungen der Behandlung von unheilbar Kranken in von
Medicare zugelassenen Sterbekliniken.
Nach Teil B der Krankenversicherung werden 80 Prozent
sämtlicher versicherten Leistungen für ambulante
Behandlung von Medicare übernommen nachdem der
Patient den Selbstbehalt von 100 Dollar pro Kalenderjahr bezahlt hat. Danach können die Versicherten
ihren Eigenanteil auf 20 Prozent der versicherten
Leistungen begrenzen, indem sie Ärzte und Leistungsanbieter wählen, die sich an die von Medicare genehmigten Gebührensätze halten. Andere Ärzte können
bis zu 20 Prozent über die Gebührensätze von Medicare hinausgehen, wobei der Differenzbetrag vom
Versicherten zu erbringen ist.
Versicherte in Teil A und Teil B können ihre Kosten
senken und Vorsorgeleistungen erhalten, die für
gewöhnlich nicht von Medicare abgedeckt sind, indem
sie besondere im voraus bezahlte Krankenversicherungen abschließen - etwa HMOs (Health Maintenance Organizations) und CMPs (Competitive Medical
Plans) -, die koordinierten Versicherungsschutz bieten
anstatt der traditionellen gebührenorientierten Vorsorge.

ßige Vorsorgeuntersuchungen und anschließende
Behandlung von Kindern unter 21 Jahren, Hilfe bei der
Familienplanung, Behandlungsmöglichkeiten in ländlichen Gebieten sowie den Krankentransport umfaßt.
Die Medicaid-Programme der Bundesstaaten sind
gesetzlich verpflichtet, die Prämien, Selbstbeteiligungen und Eigenanteile zu übernehmen, die gemäß Teil
A und B für Versicherte von Medicare zu zahlen sind,
wenn deren Einkommen unter der von der Bundesregierung festgelegten Armutsgrenze liegen - im Jahr
1991 waren dies 6.932 Dollar für einen Alleinstehenden. Die Bundesstaaten müssen darüber hinaus die
Prämien für Teil A bei bestimmten Behinderten übernehmen, die zwar arbeiten, deren Einkünfte und persönliches Vermögen einen Anspruch auf Medicaid
jedoch ausschließen.
Der Bundesanteil an den Leistungen von Medicaid in
Höhe von 89,1 Milliarden Dollar betrug im Jahr 1991
50,8 Milliarden Dollar, während die Bundesstaaten
38,3 Milliarden trugen. Einer vom Kongreß festgelegten Formel zufolge übernimmt die Bundesregierung in
den Bundesstaaten mit dem geringsten Pro-KopfEinkommen einen größeren Anteil an Medicaid. Der
Bundesanteil kann zwischen 50 und 80 Prozent betragen.

Medicaid für Einkommensschwache
' Die Kriterien für die Inanspruchnahme von Medicaid,
das von den Bundesstaaten nach Richtlinien der
Bundesregierung verwaltet wird, werden von den einzelnen Staaten festgelegt und variieren von einem
Bundesstaat zum anderen. In den meisten qualifiziert
sich eine Person für dieses Programm, wenn das
Familieneinkommen unter der Armutsgrenze liegt.
Alle Personen, die Leistungen entweder durch Zuschüsse für Einkommensschwache (Supplemental
Security Income - SSI) oder Hilfe für Familien mit
unterhaltsberechtigten Kindern (Aid to Families with
Dependent Children - AFDC) erhalten, sind automatisch durch Medicaid versichert. Bei SSI handelt es
sich um ein vom Bund finanziertes und verwaltetes
öffentliches Hilfsprogramm, in dessen Rahmen Kindern und Erwachsenen, die blind oder behindert sind,
kaum eigenes Vermögen oder Einkommen besitzen
und von anderen Sozialhilfeprogrammen nur unvollständig abgedeckt sind, festgesetzte monatliche Beträge bar ausgezahlt werden. AFDC unterstützt Familien
mit Bargeld, in denen ein Elternteil verstorben ist, die
Familie verlassen hat, behindert oder - in einigen
Bundesstaaten - arbeitslos ist.

Die amerikanischen Aufwendungen für das Gesundheitswesen
Die nationalen Aufwendungen für das Gesundheitswesen gehören zu den am schnellsten wachsenden
Komponenten der amerikanischen Wirtschaft und sind
von 74 Milliarden Dollar im Jahr 1970 auf heute über
800 Milliarden Dollar gestiegen. Falls keine weiteren
Schritte zur Kostendämpfung unternommen werden,
so könnten die Ausgaben im Gesundheitswesen Präsident Bush zufolge bis zum Jahr 2000 auf 1,6 Billionen
Dollar steigen.
Bush hat einen eigenen umfassenden Reformplan
vorgelegt, der sich hauptsächlich auf eine arbeitgeberfinanzierte private Krankenversicherung stützt - einen
Plan, der laut Bush die Kosten senken sowie weiteren
36 Millionen Menschen, die gegenwärtig keinerlei
Krankenversicherung haben, Versicherungsschutz
gewähren und gleichzeitig dem Bürger die Wahlfreiheit
in bezug auf die Art des Versicherungsschutzes erhalten würde.
Sonstige zur Zeit vom Kongreß behandelte Vorschläge zur Einführung einer allgemeinen Krankenversicherung umfassen einen dem kanadischen System vergleichbaren Plan, bei dem die Regierung die Krankenversicherung finanziert und verwaltet sowie das "Playor-Pay"-Modell, wonach der Arbeitgeber entweder seinen
Beschäftigten einen Krankenversicherungsschutz bieten
oder für den Arbeitnehmer die Beiträge an eine nationale Krankenversicherung übernehmen müßte.

Bei Medicaid muß jeder Bundesstaat für bestimmte
einkommensschwache Amerikaner ein Paket von
Grundleistungen bereitstellen, das auch ambulante
und stationäre Krankenhausversorguno, ärztliche
Leistungen, die Dienste ausgebildeter Krankenpfleger, Labor- und diagnostische Untersuchungen,
Schwangerschaftsvorsorgeuntersuchungen, regelmä* * * *

*
AMERIKA DIENST 22

�W A H L E N '9 2
3. Juni 1992

ZWISCHENBERICHT ZU DEN WAHLEN '92
Anzahl der Delegierten und Ergebnisse der Vorwahlen
WASHINGTON - (AD) - Die nachstehend veröffentlichte inoffizielle Übersicht zeigt die Anzahl der Delegierten,
über die jeder Kandidat zum gegenwärtigen Zeitpunkt (27. Mai) des US-Wahlprozesses verfügt sowie die
Ergebnisse der Vorwahlen in Arkansas, Kentucky und Idaho.
Bush und
Vorwahlen

Clinton

gewinnen

weitere

drei

Nach wie vor herrscht bei den Wählern in den Vereinigten Staaten große Unzufriedenheit. Dies zeigt sich
auch in den Ergebnissen der am 26. Mai 1992 veranstalteten Vorwahlen in Arkansas, Kentucky und Idaho,
wo trotz leichter Siege für Präsident Bush und Bill
Clinton ein großer Anteil an nichtgebundenen Stimmen abgegeben wurde.
Die Nominierung von Bush und Clinton bei den jeweiligen Konventen der Republikaner und Demokraten ist
zweifellos beschlossene Sache, aber es mehren sich
die Anzeichen, die auf ein Dreierrennen hindeuten, an
dem auch der bisher noch unerklärte Präsidentschaftskandidat Ross Perot teilnehmen wird.
Bush errang 87 Prozent der republikanischen Stimmen in Arkansas, 74 Prozent in Kentucky und 64
Prozent in Idaho, wo "nichtgebundene" und Stimmen
für den konservativen Herausforderer Pat Buchanan
die übrigen Stimmen unter sich aufteilten.
Clinton verbuchte 68 Prozent in seinem Heimatstaat
Arkansas, 56 Prozent in Kentucky und 50 Prozent in
Idaho. Dabei wurden mehr ungebundene Stimmen
abgegeben als für einen der demokratischen Mitbewerber in allen drei Vorwahlen. Die Anhänger von
Perot, dessen Name auf keinem der Stimmzettel erscheinen konnte, forderten die Wähler auf, ihre Unterstützung für ihn durch die Abgabe nichtgebundener
Stimmen zu bekunden.
In den Vorwahlen für Kongreßmandate verloren die
Demokraten Carroll Hubbard aus Kentucky, der bereits neun Legislaturperioden Mitglied des Repräsentantenhauses ist, und Bill Alexander aus Arkansas, der
24 Jahre Mitglied des Kongresses ist, als achter und

neunter Abgeordnete in diesem Jahr ihre Vorwahlen.
Beide hatten in dem Skandal um die Bank des Repräsentantenhauses über 100 ungedeckte Schecks ausgestellt.
Der neueste Stand der Delegierten
Demokraten (zur Nominierung erforderlich: 2.145)
Clinton
Tsongas

550,00

Nichtgebunden

546,25

Brown

394,25

Sonstige

27,00

Republikaner (zur Nominierung erforderlich: 1.105)
Bush

1.414

Buchanan

76

Nichtgebunden

16

Ergebnisse der Vorwahlen vom 26. Mai
Die nachfolgende Übersicht zeigt den Prozentsatz der
Stimmen, die jeder Kandidat bei den Vorwahlen am 26.
Mai erhalten hat.
Arkansas
Demokraten

Prozentsatz der Stimmen

Clinton

68

Nichtgebunden

18

Brown

11

Sonstige

AMERIKA DIENST 22

1.977,50

3

Seite 1

�Republikaner

Prozentsatz der Stimmen

Idaho

Bush

87

Demokraten

Buchanan

13

Clinton

50

Nichtgebunden

28

Brown

17

Kentucky
Demokraten

Prozentsatz der Stimmen

Prozentsatz der Stimmen

Clinton

56

Sonstige

Nichtgebunden

28

Republikaner Prozentsatz der Stimmen

5

Brown

8

Bush

64

Sonstige

8

Nichtgebunden

23

Buchanan

13

Republikaner Prozentsatz der Stimmen
Bush

74

Nichtgebunden

26
* * * *

Seite 2

*

AMERIKA DIENST 22

�DEMOGRAPHIE
3. Juni 1992

NEUE STATISTISCHE DATEN
ZEIGEN NATION IM ÜBERGANG
Rekordeinwanderung in achtziger Jahren
WASHINGTON - (AD) - Im Jahr 1990 waren nahezu 20
Millionen Menschen oder acht Prozent der amerikanischen Gesamtbevölkerung von 248 Millionen Einwanderer. Den neuen, am 29. Mai 1992 vom Statistischen
Bundesamt der Vereinigten Staaten veröffentlichten
Zahlen zufolge war dies der höchste jemals verzeichnete Anteil von im Ausland geborenen Amerikanern an
der Gesamtbevölkerung.
Von diesen 20 Millionen kamen 8,7 Millionen in den
achtziger Jahren in die Vereinigten Staaten, "die größte Einwanderungswelle in die Vereinigten Staaten, die
in der Geschichte des Landes während eines Jahrzehnts registriert wurde", wie der Demograph Jeffrey
Passei vom Urban Institute feststellt.
"Im Hinblick auf Nettoeinwanderung - die Zahl derer,
die kamen, minus die Zahl derer, die das Land verließen - halten die achtziger Jahre den Rekord" und
übertrafen sogar noch die massive Einwanderungswelle um die Jahrhundertwende, so Passei. Die neuen
Bevölkerungsdaten zeigten, daß "eine sehr große Zahl
von Menschen in den Vereinigten Staaten heute eine
andere Sprache spricht als Englisch".
Die Zahlen offenbarten, daß sich der Anteil derjenigen,
die zu Hause eine andere Sprache als Englisch sprechen, von 6,6 Prozent im Jahr 1980 auf 13,8 Prozent
oder über 32 Millionen Menschen im Jahr 1990 mehr
als verdoppelte. Von diesen Personen - ab 5 Jahren
aufwärts - gaben 43,9 Prozent an, Sie sprächen Englisch "nicht sehr gut".
Passei zufolge zeigen die neuen Daten darüber hinaus, daß der Anteil der im Ausland Geborenen von
Region zu Region große Unterschiede aufweist. In
den westlichen Bundesstaaten der USA seien 14,8
Prozent der Bevölkerung im Ausland geboren, im
Nordosten 10,3 Prozent, im Mittleren Westen 3,6
Prozent und im Süden 5,3 Prozent.

Die neuen Informationen über die Einwanderung in die
Vereinigten Staaten in den vergangenen 10 Jahren
beruhen auf der Volks- und Wohnstättenerhebung
des Jahres 1990, in deren Rahmen 17 Millionen Haushalte ein umfangreiches Formular auszufüllen hatten.
Die Einwanderung hatte "dramatische Auswirkungen"
auf die rassische und ethnische Zusammensetzung
des Landes, erläutert Passei: "Zwischen 80 und 90
Prozent der Einwanderer kommen heute aus asiatischen und hispanischen Ländern. Der asiatische
Bevölkerungsanteil habe sich in den achtziger Jahren
verdoppelt, und die hispanische Bevölkerung sei um
60 Prozent gewachsen. Die hispanische Bevölkerung
der Vereinigten Staaten beträgt heute 22,4 Millionen,
die asiatische 7,3 Millionen Menschen.
"Aufgrund der gegenwärtigen Einwanderungszahlen
ist ein weiterer rascher Anstieg der asiatischen und
hispanischen Bevölkerungsanteile zu erwarten", stellt
Passei fest. "Und bei diesem Umfang der Einwanderung wird der hispanische Bevölkerungsanteil den der
Schwarzen im Jahr 2010 überholen."
Die Daten über Einwanderung bilden nur einen kleinen
Teil der im Rahmen des neuen Zensus gewonnenen
überaus umfassenden Informationen, die auf wachsende Unterschiede zwischen Regionen und Bevölkerungsgruppen in den Vereinigten Staaten hinweisen.
Die Daten zeigen, daß das mittlere Haushaltseinkommen inflationsbereinigt im Landesdurchschnitt von 1979
bis 1989 um 6,5 Prozent wuchs, während die mittleren
Kosten für Besitzer von Wohneigentum, die eine
Hypothek aufgenommen hatten, zwischen 1980 und
1990 um 26,9 Prozent zunahmen.
Die Zahlen weisen ferner darauf hin, daß nahezu 60
Prozent aller Mütter mit Kindern unter sechs Jahren
zum Zeitpunkt der Erhebung erwerbstätig waren,
während dies im Jahr 1980 nur bei 46 Prozent der Fall
gewesen war.

* * * *

AMERIKA DIENST 22

*

Seite 1

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                <text>&lt;strong&gt;1. Umwelt&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Bush erläutert Plan zur weltweiten Umweltzusammenarbeit&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede über Umweltfragen&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. USA-GUS&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Eagleburger: Kalter Krieg war Tragödie für beide Seiten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede in Moskau&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. US-Außenpolitik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ethnische Vielfalt und Außenpolitik&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Wachsender Einfluß auf US-Außenpolitik prognostiziert&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Sozialpolitik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Krankenversicherung für sozial Schwache und Senioren&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Vierter einer Reihe von Artikeln zur US-Sozialpolitik&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. Wahlen'92&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Zwischenbericht zu den Wahlen'92&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Anzahl der Delegierten und Ergebnisse der Vorwahlen&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;6. Demographie&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Neue statistische Daten zeigen Nation im Übergang&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rekordeinwanderung in achtziger Jahren&lt;/em&gt;</text>
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dienet

Herausgeber: U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

Z12462 C

3. Juni 1998

11

ABRÜSTUNG

SAMUEL BERGER ZUR RUSTUNGSKONTROLLAGENDA
Rede des Nationalen Sicherheitsberaters

USA-EUROPA

DIE STÄRKUNG DER AMERIKANISCHEUROPÄISCHEN PARTNERSCHAFT
Rede von Staatssekretär Thomas Pickering

USA-DEUTSCHLAND

NEUE CHANCEN IN DEN TRANSATLANTISCHEN BEZIEHUNGEN
Rede von Botschafter John C. Kornblum

EIN MEILENSTEIN FÜR DIE DEMOKRATIE
von John C. Kornblum
»

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn

Tel. 0228-3392956
Fax 0228-333138
Internet http://www.usembassy.de

�ABRÜSTUNG
3. Juni 1998

Samuel Berger zur Rüstungskontrollagenda
Rede des Nationalen Sicherheitsberaters

WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wie Auszüge aus der Rede, die der Nationale
Sicherheitsberater Präsident Clintons, Samuel Berger, am 5. Mai 1998 an der Georgetown University gehalten
hat.

Heute möchte ich darüber sprechen, was Präsident
Clinton auf dem Gebiet der Rüstungskontrolle erreicht
hat und - noch wichtiger - unsere Pläne erörtern, noch
mehr zum Aufbau einer noch sichereren Zukunft zu
unternehmen.
Nach jahrelanger Konfrontation erzielten die Reaganund Bush-Administrationen dramatische Fortschritte
bei Rüstungskontrollabkommen mit der Sowjetunion.
Wie Sie wissen, beschränkte START I die Zahl
strategischer nuklearer Gefechtsköpfe jeder Seite auf
6.000, und unter START II soll die Obergrenze auf
3.000 bis 3.500 gesenkt werden. Noch wichtiger ist
vielleicht, daß diese Abkommen landgestützte Raketen
mit Mehrfachgefechtsköpfen - die mächtigsten,
verheerendsten und gefährlichsten Waffen beider
Seiten - ein für allemal verbieten.
Wir haben mit einer umfassenden Agenda auf diesen
Leistungen aufgebaut.
Seit 1993 ist der Präsident bestrebt, der Verbreitung
von nuklearen Explosivstoffen und ihren Tests ein
Ende zu setzen. 1995 gelang uns in Zusammenarbeit
mit anderen Ländern die unbegrenzte und bedingungslose Verlängerung des Nichtverbreitungsvertrags ( N W ) . Im darauf folgenden Jahr unterzeichneten die Nationen der Welt - einschließlich der fünf
Atommächte - den Vertrag über ein umfassendes
Atomtestverbot (Comprehensive Test Ban Treaty CTBT). Und im vergangenen Jahr legte der Präsident
diesen Vertrag dem Senat vor - mit Sicherheitsklauseln
zum Schutz unserer nationalen Interessen.
Bei den strategischen Nuklearwaffen machte der
Präsident das Inkrafttreten des START I- und des

AMERIKA DIENST 11

START Il-Vertrags sowie die Entnuklearisierung der
Ukraine, von Belarus und Kasachstan zu seiner
obersten Priorität. START I trat im Dezember 1994 in
Kraft, und dank des fortgesetzten Engagements der
Vereinigten Staaten wurden im Mai 1995 die letzten
Nuklearwaffen aus den drei Republiken der ehemaligen Sowjetunion entfernt. Wir machten Pläne für die
Umstrukturierung unserer strategischen Streitkräfte,
um noch einschneidendere Kürzungen unter Wahrung
einer wirksamen Abschreckung zu ermöglichen.
Und wir nahmen eine Umorientierung der Raketenverteidigung vor - von kostspieligen, technologisch
nahezu unmöglichen Programmen, die den ABMVertrag von 1972 unterminiert hätten, zu realistischen
Bestrebungen zum Schutz vor Angriffen mit Raketen
kürzerer Reichweite - parallel zu vernünftiger
Forschungs- und Entwicklungsarbeit an einer umfangreicheren Verteidigung. Im März 1997 einigten
sich die Präsidenten Clinton und Jelzin in Helsinki auf
einen Rahmen für einschneidendere Kürzungen im
START Ill-Vertrag. Und im September 1997 unterzeichneten unsere beiden Nationen in New York vier
äußerst wichtige Vereinbarungen im Zusammenhang
mit dem START II- und dem ABM-Vertrag, auf die ich
gleich zu sprechen kommen werde.
Wie geht es jetzt weiter? Es ist unser Ziel, am Ende
der zweiten Amtszeit Präsident Clintons ein solides
START Ill-Abkommen zu haben, das die strategischen
Nuklearwaffenarsenale um 80 Prozent ihres Höchststands im Kalten Krieg reduzieren würde - auf 2.000
bis 2.500 Gefechtsköpfe pro Seite. Der Abbau wird
sich weiterhin darauf konzentrieren sicherzustellen,
daß eine lebensfähige nukleare Streitmacht einen
feindlichen Gegner abschrecken kann.

Seite 1

�Die Präsidenten Clinton und Jelzin ebnen den Weg in
eine sicherere Zukunft. Jetzt liegen die Dinge jedoch
vorwiegend in der Hand der Legislativen unserer
beiden Länder.

Sensoren zur Unterstützung unserer nationalen
nachrichtendienstlichen Fähigkeiten und das Recht,
kurzfristig Inspektionen vor Ort in anderen Staaten zu
verlangen.

Die Zukunft der Rüstungskontrolle, an der amerikanische Administrationen - Republikaner und Demokraten gleichermaßen - seit mehr als 40 Jahren arbeiten,
könnte sich in den nächsten Monaten entscheiden,
wenn sich die russische Duma mit dem START IIVertrag befaßt und der US-Senat fünf Schlüsselübereinkünfte erörtert und darüber abstimmt: Den Vertrag
über ein umfassendes Atomtestverbot und die vier
vergangenes Jahr geschlossenen Abkommen zu
START und ABM. Um es mit den Worten des verstorbenen Trainers der Washington Redskins, George
Allen, auszudrücken: Die Zukunft ist jetzt. Was jetzt
geschieht, wird große Auswirkungen auf die
amerikanisch-russischen Beziehungen im Nuklearwaffenbereich haben - und auf unsere Bestrebungen, die
Ausbreitung von Nuklearwaffen auf der ganzen Welt
einzudämmen.

Sollte der Senat den Vertrag über ein Atomtestverbot
ablehnen oder ihn nicht erörtern, könnte das Abkommen aufgrund seiner Bestimmungen in keiner
Nation in Kraft treten. Wir würden die Tür für regionales Wettrüsten und eine noch viel gefährlichere Welt
weiter öffnen. Mit anderen Worten: Der Senat muß
tun, worum ihn der Präsident bereits in seinem Bericht
zur Lage der Nation gebeten hat: Dem Vertrag über ein
umfassendes Atomtestverbot in diesem Jahr zustimmen.

Zuerst möchte ich auf den Vertrag über ein umfassendes Atomtestverbot zu sprechen kommen. Präsident
Clinton bezeichnete ihn als den "am längsten angestrebten, am härtesten erkämpften Preis in der
Geschichte der Rüstungskontrolle". Er verbietet alle
Tests mit nuklearen Explosivstoffen. Wir sollten kurz
innehalten und überlegen, was diese Entwicklung
bedeutet: 149 Nationen unterzeichneten eine Übereinkunft, nie mehr einen Atomtest durchzuführen. Wir
dürfen nicht zulassen, daß uns diese außergewöhnliche Chance entgeht.
Vier ehemalige Vorsitzende der Vereinigten Stabschefs - Shalikashvili, Powell, Crowe und Jones - sowie
alle sechs derzeitigen Mitglieder der Vereinigten
Stabschefs stimmen überein, daß dieser Vertrag in
unserem nationalen Interesse liegt.
Die Direktoren unserer drei nationalen Atomwaffenlabors und zahlreiche unabhängige Experten haben
erklärt, daß wir auch ohne Atomtests eine verläßliche
Abschreckung aufrechterhalten können. Die Öffentlichkeit unterstützt den Vertrag entschieden - ebenso
wie während der letzten 40 Jahre, seit er von Präsident
Eisenhower erstmals vorgeschlagen wurde.
Der Vertrag wird die Entwicklung modernerer und
gefährlicherer Nuklearwaffen durch die Atommächte
eindämmen und die Möglichkeiten anderer Staaten
einschränken, in den Besitz solcher Waffen zu gelangen. Ferner wird er unsere Fähigkeit verbessern,
verdächtige Aktivitäten anderer Nationen aufzudecken.
Ob wir einen CTB-Vertrag haben oder nicht - wir
müssen solche Aktivitäten überwachen. Der Vertrag
gibt uns neue Werkzeuge zur Durchführung dieser
lebenswichtigen Aufgabe: Ein globales Netz von

Seite 2

Unsere Legislativen müssen auch bei der strategischen Rüstungskontrolle Fortschritte machen. Die
Regierung Präsident Jelzins hat neues Gewicht auf die
Ratifizierung von START II gelegt. Das ist ein Zeichen
der Hoffnung. Wir beobachten wachsende Unterstützung in der Duma, die für die zunehmende Erkenntnis
steht, daß der START-Vertrag sowohl im Interesse
Rußlands als auch der Vereinigten Staaten liegt.
Sobald die Duma START II ratifiziert hat, können wir
dem Senat die vergangenes Jahr in New York erzielten Übereinkünfte vorlegen. Diese Vereinbarungen
scheinen äußerst technisch zu sein, und ihre Unterzeichnung zog nur wenig Aufmerksamkeit auf sich.
Sie sind jedoch von elementarer Bedeutung.
Einige russische Abgeordnete machen sich Sorgen,
wir würden bald aus dem ABM-Vertrag aussteigen.
Andere sind auch besorgt über die Kosten einer so
schnellen Zerlegung so vieler Waffen. Die New Yorker
Übereinkunft zu START II befaßt sich mit diesen
Belangen, indem sie die Frist für die Zerstörung von
Waffen bis zum Jahr 2007 verlängert.
Welche Vorteile haben wir von dieser Verlängerung?
Sie schwächt entschieden die von den START IIGegnern in der Duma vorgebrachten Argumente. Wir
werden also wahrscheinlich START II zu geringen
strategischen Kosten bekommen, weil die neue
Übereinkunft immer noch verlangt, daß die diesbezüglichen russischen Waffensysteme bis zum Jahr
2003 unschädlich gemacht werden.
Die zweite New Yorker Übereinkunft dient unseren
Interessen, indem sie die Verantwortung der Nachfolgestaaten der ehemaligen Sowjetunion unter dem
ABM-Vertrag klärt.
Durch die Aufnahme von Belarus, Kasachstan und der
Ukraine als Parteien des ABM-Vertrags hilft uns dieses
neue Übereinkommen bei der Zusammenarbeit mit
diesen Nationen, damit bestehende Vereinbarungen
zu strategischen Waffen und Atomwaffen mittlerer
Reichweite aufrechterhalten werden.

AMERIKA DIENST 11

�Die letzten beiden Abkommen schaffen zumindestens
Klarheit darüber, welche schauplatzgebundenen
Verteidigungssysteme unter dem ABM-Vertrag erlaubt
sind - so daß wir uns weiterhin ernsthaft um den
Schutz unserer Truppen und Verbündeten vor Raketen
bemühen können, die von Regionalmächten abgeschossen
werden,
ohne
das
strategische
amerikanisch-russische Gleichgewicht zu stören.

Um unsere Bürger zu schützen, müssen wir uns
jedoch dafür einsetzen, daß diese Waffen sicher sind.

Die Abkommen erlangen dieses Gleichgewicht durch
die Festsetzung von Geschwindigkeit und Reichweite
von Zielflugkörpern, die von schauplatzgebundenen
Verteidigungssystemen in Tests abgeschossen
werden dürfen.

Vor zwei Wochen halfen wir gemeinsam mit Großbritannien und der Republik Georgien bei der Sicherstellung einer kleinen Menge von hochangereichertem
Uran in Georgien, das in den falschen Händen ein
Weiterverbreitungsrisiko gewesen wäre. Diese Art von
Erfolg ist das Ergebnis starker multinationaler Zusammenarbeit und überparteilicher Unterstützung
durch den Kongreß für das von Senator Richard Lugar
und dem damaligen Senator Sam Nunn geschaffene
Nichtverbreitungsprogramm - eine der klügsten von
uns in unsere nationale Sicherheit getätigten Investitionen.

Diese Übereinkünfte werden jedoch keines der vom
Pentagon derzeit durchgeführten Programme für
schauplatzgebundene Verteidigungssysteme behindern. Sie werden es jedoch beiden Seiten verbieten,
im Weltraum Abfangsysteme für schauplatzgebundene
Verteidigung zu installieren. Diese Bestimmung war
unerläßlich, weil es keine Möglichkeit gibt, zwischen
weltraumgestützten Abfangeinrichtungen für schauplatzgebundene Verteidigungssysteme und weltraumgestützen Abfangeinrichtungen für Langstreckenraketen zu unterscheiden, die bereits unter dem ABMVertrag verboten sind.
Weitere Fortschritte bei den START-Verträgen - das
heißt die vollständige Implementierung von START I
und START II sowie der Abschluß von START III werden erst dann erfolgen, wenn wir den ABM-Vertrag
einhalten. Es besteht kein Grund zu der Annahme, die
führenden russischen Politiker und Militärs würden
einer einschneidenden Reduzierung von strategischen
Nuklearwaffen zustimmen, wenn die im ABM-Vertrag
vorgesehenen Einschränkungen für Verteidigungssysteme gegen diese Flugkörper nicht wirksam sind.
Die in New York geschlossenen Abkommen sind
infolgedessen notwendig. Aber ebenso wichtig wie die
Zusammensetzung der Arsenale ist ihre Sicherheit.
Wir werden weiterhin mit den Russen zusammenarbeiten, um das angemessene Gleichgewicht zwischen Überlebensfähigkeit und Schutz vor Unfällen zu
finden. Unseres Erachtens unterstehen die russischen
Nuklearstreitkräfte weiterhin einer starken Führung.

*

AMERIKA DIENST 11

Wie unsere Verpflichtung zum CTB-Vertrag zeigt, sind
die amerikanisch-russischen Nuklearwaffenarsenale
bei weitem nicht unsere einzige Sorge. Wir müssen
uns auch vor der Ausbreitung von Massenvernichtungswaffen in andere Länder schützen.

Wir müssen auch die Verbreitung chemischer und
biologischer Waffen eindämmen, um unsere Bürger
und unsere Truppen zu schützen. Auf Drängen
Präsident Clintons ratifizierte der Senat im vergangenen Jahr die Chemiewaffenkonvention. In seinem
diesjährigen Bericht zur Lage der Nation gab der
Präsident eine neue Initiative bekannt, die Konvention
über biologische Waffen durch ein strenges Inspektionssystem zu stärken, um Betrug aufzudecken und
abzuschrecken. Wir arbeiten eng mit anderen Nationen und der amerikanischen Industrie zusammen, um
bis Ende dieses Jahres ein solches System zu schaffen.
Alle diese Bestrebungen sind unerläßlich, wenn unsere
Kinder in einer sichereren Welt aufwachsen sollen.
Präsident Clinton hat diese Herausforderung ausgeweitet. Er erklärte: "Wir wollen härter als je zuvor
arbeiten, um die nukleare Bedrohung zu beseitigen,
die die Weltbühne allzu lange verdunkelt hat. Wir
wollen diese feierlichen Aufgaben zu unserer gemeinsamen Verpflichtung, unserem gemeinsamen Engagement machen." Mit Unterstützung des amerikanischen
Volkes und unter der Führung des Senats können wir
unserer Verantwortung gerecht werden und eine
bessere Zukunft schaffen.

* * *

*

Seite 3

�USA-EUROPA

3. Juni 1998

Die Stärkung der
amerikanisch-europäischen Partnerschaft
Rede von Staatssekretär Thomas Pickering

WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede, die der Staatssekretär für politische
Angelegenheiten im US-Außenministerium, Thomas R. Pickering, am 22. Mai 1998 bei einem Forum des Europe
Magazine gehalten hat.

Der Londoner Gipfel
Wie Präsident Clinton am Montag bei einer Pressekonferenz im Anschluß an den Gipfel zwischen den
Vereinigten Staaten und der Europäischen Union
feststellte, befinden wir uns "in einem wichtigen neuen
Stadium unserer Partnerschaft". Wir haben unseren
langwierigen Disput über die amerikanische Sanktionsgesetzgebung zurückgestellt. Damit einigten wir uns
auf die Stärkung unserer Zusammenarbeit bei einem
breiten Spektrum gemeinsamer Ziele, die für unsere
Sicherheit und unser Wohlergehen wesentlich sind.
Dazu zählen:
Nichtverbreitung und Terrorismusbekämpfung,
insbesondere im Hinblick auf den Iran;
eine effektivere Koordination multilateraler
Strategien für den Umgang mit Staaten, die
internationale Normen verletzen;
die Förderung der Energiegewinnung am
Kaspischen Meer, einschließlich des Baus
zahlreicher Pipelines, um verläßlichen Zugang
zu den Weltmärkten zu gewährleisten;
der Kampf gegen illegale Enteignung in Kuba
und weltweit sowie die Förderung von Demokratie in Kuba.
Ferner einigten wir uns auf neue Schritte zur Stärkung
der wirtschaftlichen Partnerschaft zwischen den
Vereinigten Staaten und der EU, die weltweit die
umfassendsten Handels- und Investitionsbeziehungen
unterhalten. Unsere neue "transatlantische Wirt-

AMERIKA DIENST 11

schaftspartnerschaft" leitet pragmatische, breitgefächerte Bestrebungen ein, um die Hindernisse für
Handel im Umfang von Milliarden Dollar abzubauen
und die globale Liberalisierung zu fördern. Gleichzeitig
bewahren wir unser Engagement für höchste Arbeits-,
Gesundheits- und Umweltstandards. Die Vereinigten
Staaten und die Europäische Union unterzeichneten
das Abkommen über gegenseitige Anerkennung, das
der Duplizität von Produkttests für Handelsgüter im
Wert von 60 Milliarden Dollar ein Ende setzt.
Zusätzlich einigten wir uns darauf, mit Rußland an der
Stärkung nuklearer Sicherheit zusammenzuarbeiten,
insbesondere im Hinblick auf die Beseitigung und
Lagerung von Nuklearmüll im Nordwesten Rußlands.
Wir werden gemeinsam die Ukraine zu mutigen
Wirtschaftsreformen und der beschleunigten Schließung von Tschernobyl ermutigen. Zusammen haben
wir eine Informationskampagne ins Leben gerufen, um
den Handel mit Frauen - vor allem aus der Ukraine und
Polen - zu bekämpfen. Wir ehrten 50 außergewöhnliche Einzelpersonen und Gruppen aus den neuen
europäischen Demokratien für ihren Einsatz dafür, daß
die Freiheit auf dem gesamten Kontinent Fuß fassen
kann. Schließlich befaßten wir uns eingehend mit
einer Reihe drängender internationaler Probleme,
einschließlich der verschärften Spannungen im
Kosovo, der inakzeptablen Wiederaufnahme von
Nukleartests durch Indien und dem Ausbruch ethnischer Gewalt in Indonesien.
Mit anderen Worten: Die Vereinigten Staaten und die
Europäische Union zeigten sich erneut der Lage
gewachsen, befaßten sich eingehend mit unseren

Seite 1

�Differenzen und setzten neue Ziele für eine noch
produktivere europäisch-amerikanische Partnerschaft.

Fortschritte bei der Einführung einer neuen Architektur
für ein neues Zeitalter gemacht.

Die Erlangung unserer Ziele in einer sich verändernden Welt

Die Grundsatzrede Präsident Clintons vom 13. Mai in
Berlin legt dar, wie wir uns den vor uns liegenden Weg
vorstellen. Mit den Worten des Präsidenten basiert der
amerikanische Ansatz zu Europa auf einer unveränderlichen Prämisse: "Amerika steht an der Seite
Europas." Bei dieser Partnerschaft können Sie auf uns
zählen und wir auf Sie. Diese Partnerschaft sieht sich
zwei Herausforderungen gegenüber.

Während der vergangenen 50 Jahre basierten unsere
Beziehungen auf drei Grundprinzipien: Förderung von
Sicherheit, Wohlstand und Demokratie. Dies sind die
dauerhaften Prinzipien, die in den kommenden 50
Jahren und darüber hinaus die Pfeiler unserer Partnerschaft sein werden - zum Nutzen der Völker auf beiden
Seiten des Atlantiks und auf der ganzen Welt.
Was sich in den letzten Jahren radikal geändert hat, ist
das Umfeld, in dem wir diese Ziele verfolgen. Die
meisten herkömmlichen existentiellen Bedrohungen
aus der Zeit des Kalten Krieges sind durch eine
gefährliches und sich veränderndes Gemisch aus
Gefahren ersetzt worden, von denen einige neu,
andere alt sind. Sie reichen von Giftgas bis zur
globalen Erderwärmung, von ethnischer Gewalt bis zur
Festnahme von Kriegsverbrechern, von Massenvernichtungswaffen bis zu Störungen der Weltwirtschaft.
Die dramatische Ausbreitung von Demokratie und
offenen Märkten und die gleichzeitige rapide Entwicklung im Technologie- und Kommunikationsbereich sind
revolutionäre Veränderungen, die die Welt zu einem
besseren Ort machen. Sie stellen aber auch die
traditionellen außenpolitischen Instrumente vor eine
Herausforderung. Schnelle Kommunikation überwindet Hindernisse, die totalitäre Regierungen um ihre
Völker errichten; sie schafft aber auch die Nachfrage
nach schneller Reaktion, was zu schnellen politischen
Entscheidungen führt, die ungefähr so befriedigend
sind wir ein Schnellgericht.
Keine dieser Herausforderungen kann von den
Vereinigten Staaten oder Europa im Alleingang
bewältigt werden. Sie erfordern allesamt konzertierte
internationale Bestrebungen. Folglich muß sich die
Diplomatie verändern, wenn wir die uns konfrontierenden unterschiedlichen Herausforderungen erfolgreich
bewältigen wollen.

Die erste betrifft Europa: Die Vervollständigung der
Integration eines friedlichen, wohlhabenden, demokratischen Europas, eines Europas, das - so der Präsident - erstmals in der Geschichte nicht durch Waffengewalt, sondern durch die Chancen des Friedens
geeint ist.
Die zweite Herausforderung geht über Europa hinaus:
Die Bewältigung der Risiken und Bedrohungen unserer
gemeinsamen Interessen, die weltweit entstehen und
am besten gemeinsam gemeistert werden können.
Aus diesem Grund sind wir überzeugt, daß die Grundlagen unserer Partnerschaft so bleiben sollten, wie sie
sind: Gewährleistung der Sicherheit unserer Nationen,
Förderung von Wohlstand, Bewahrung der Demokratie. Die Schlüsselfrage lautet jetzt, wie wir diese Ziele
im Licht neuer Herausforderungen erlangen können.
Wir sehen 1999, den Beginn eines neuen Jahrhunderts, als einzigartige Chance. Es wird einen
NATO-Gipfel aus Anlaß des 50. Jahrestages des
Bündnisses, einen OSZE-Gipfel und zwei Gipfel
zwischen den Vereinigten Staaten und der Europäischen Union geben. Die Rede des Präsidenten in
Berlin sollte als Aufforderung an unsere europäischen
Verbündeten und Partner gesehen werden, sich uns in
dem Bestreben anzuschließen, diese Sitzungen zu
nutzen, um unseren gemeinsamen Weg ins nächste
Jahrhundert zu planen.
Die NATO

Es wird zunehmend Wert auf

Obwohl die Verteidigung unserer Grenzen gegen eine

internationale Partnerschaften und kooperative
Aktionen mit denjenigen gelegt, die unsere Werte und
Interessen teilen.

direkte militärische Invasion weiterhin die Kernfunktion
der NATO bleibt, muß die NATO von morgen unser
erweitertes Bündnis auch gegen Bedrohungen unserer
Sicherheit von jenseits unserer Grenzen verteidigen.
Mit der Zustimmung des Senats zur Ratifizierung der
NATO-Erweiterung haben wir einen weiteren Schritt
unternommen, um die ersten neuen Demokratien als
Mitglieder der NATO willkommen zu heißen. Die Tür
zum Bündnis muß für weitere Mitglieder offen bleiben,
und unsere Programme mit den Partnern müssen
diese Verpflichtung glaubwürdig machen.

Die euroatlantischen Institutionen
Aus diesem Grund haben wir in der Zeit nach dem
Ende des Kalten Krieges so eng mit unseren europäischen Verbündeten und Partnern zusammengearbeitet, um unsere Institutionen an eine flexible, ineinandergreifende Architektur anzupassen, die die NATO,
die OSZE und die Partnerschaft zwischen den Vereinigten Staaten und der Europäischen Union zu ihrem
Vorteil nutzt. Seit 1994 haben wir gemeinsam enorme

Seite 2

Die NATO bleibt die Institution der Wahl für ein gemeinsames militärisches Vorgehen der Vereinigten
Staaten und ihrer europäischen Verbündeten und

AMERIKA DIENST 11

�Partner. Wir alle müssen unseren Teil der Verantwortung übernehmen um sicherzustellen, daß uns
glaubwürdige Mittel zur Durchführung der Missionen
zur Verfügung stehen, auf die wir uns geeinigt haben.
Eine Schlüsselaufgabe der NATO besteht in der
Erweiterung und Weiterentwicklung unserer Partnerschaft mit Rußland, der Ukraine und anderen Nationen
auf dem gesamten Kontinent, die unser Interesse an
der Förderung gegenseitiger Sicherheit teilen.
Die amerikanisch-europäische Partnerschaft
Die neue transatlantische Agenda (New Transatlantic
Agenda - NTA), die 1995 von unseren führenden
Politikern verabschiedet wurde, hat uns gute Dienste
geleistet und tut das auch weiterhin, wie sich Anfang
dieser Woche in London herausstellte. Sie bietet einen
funktionierenden Rahmen für unsere Zusammenarbeit
und ihre Erweiterung. Sie hilft uns bei der Ausarbeitung einer positiven, zukunftsorientierten Agenda,
unterstützt uns bei der Beilegung von Streitigkeiten
und führt uns bei den halbjährlichen Gipfeltreffen zu
konkreten Entscheidungen.
Grundlage der NTA ist unsere Unterstützung für ein
starkes, nach außen gerichtetes Europa, das den
Vereinigten Staaten innerhalb- und außerhalb Europas
ein effektiver Partner sein kann. Ferner zeugt die NTA
von unserem Vertrauen in die Fortsetzung des europäischen Integrationsprozesses.
Amerika unterstützt schon seit langem die europäische
Integrationsbewegung.
Wir bewundern die Entschlossenheit, die zur Gründung der Wirtschafts- und
Währungsunion (EWWU) geführt hat und begrüßen die
Einführung einer einheitlichen europäischen Währung,
die durch starke makroökonomische und Strukturmaßnahmen unterstützt wird.
Wir ermutigen Schritte der EU zur Erweiterung und
Einbeziehung von Zentraleuropa und der Türkei.
Unsere künftigen Wirtschaftsbeziehungen sollten auch
den Geist der Offenheit widerspiegeln. Die am 18. Mai
beim Gipfel bekanntgebene "transatlantische Wirtschaftspartnerschaft" ist ein wichtiger Schritt zu einer
umfassenderen Vision von freiem und offenem
transatlantischem Handel mit hohen Standards für
Gesundheit, Sicherheit und Umweltschutz. Sie leitet
pragmatische, breitgefächerte Bestrebungen zum
Abbau von Hemmnissen für Handel in Milliardenhöhe
in die Wege.
Wir sollten eine intensivierte Zusammenarbeit zur
Bekämpfung von internationalem Verbrechen, Schlepperbanden und Drogenhandel in Erwägung ziehen.
Wir haben bereits nützliche Modelle erarbeitet, darunter eine gemeinsame Initiative zwischen den
Vereinigten Staaten und der EU, um den Regierungen

AMERIKA DIENST 11

der Karibik bei der Bekämpfung des Drogenhandels
behilflich zu sein, sowie ein innovatives Projekt in der
Ukraine und Polen, um den Handel mit Frauen zu
vereiteln. Aber es kann mehr getan werden, und wir
sollten kreativ nach anderen Möglichkeiten Ausschau
halten.
Die OSZE
Die OSZE von heute ist ein wichtiges Instrument zur
Stärkung und Erweiterung der Demokratie. Mit ihrer
großen Mitgliederzahl und moralischen Autorität setzt
die OSZE die ursprünglichen Prinzipien von Helsinki
vom Balkan bis Belarus in die Praxis um, damit Krisen
abgeschreckt und entschärft werden, die unsere Werte
und unsere Sicherheit bedrohen.
Wir müssen das Engagement der OSZE in Regionen
verstärken, in denen die Wurzeln der Demokratie noch
zart sind - darunter auf dem Balkan, im Kaukasus und
in Zentralasien. Wir möchten auch praktische neue
Instrumente für die OSZE zur Unterstützung der
friedenssichernden Missionen und Ausbildung der
Polizei entwickeln und die Aktivitäten erweitern, die im
Rahmen von OSZE-Missionen durchgeführt werden
können.
Rußland und die Ukraine
Das amerikanische Bild eines sicheren, freien und
wohlhabenden Europas bezieht Rußland stark ein.
Rußland ist bei vielen Instrumenten der Zusammenarbeit, die wir mit Europa haben, ein Schlüsselpartner.
Wir müssen Rußlands Beteiligung an der OSZE sowie
die Partnerschaften mit der NATO, EU und den
Vereinigten Staaten vertiefen und die neue russische
Revolution, wo immer wir können, unterstützen.
Dasselbe müssen wir für die Ukraine tun, wo der Erfolg
beim Aufbau einer Marktwirtschaft und der Entwicklung
demokratischer Institutionen sowohl die amerikanischen als auch die europäischen Interessen betrifft.
Schlußbemerkung
In einer schnelllebigen, interdependenten Welt ist
internationale Zusammenarbeit wichtiger denn je um
sicherzustellen, daß Wandel Fortschritt, nicht Unordnung bedeutet. Die geschickte Anwendung der
Instrumente der Diplomatie ist entscheidend für den
Schutz und die Förderung unserer Interessen.
Diplomatie ist das Mittel, mit dem wir Lösungen in
Problembereiche bringen und internationale Institutionen aufbauen oder anpassen können, damit sie den
sich verändernden Bedürfnissen gerecht werden.
Unsere beste Verteidigung gegen die uns heute
konfrontierenden Bedrohungen - von regionalen
Konflikten bis zu Terrorismus, Weiterverbreitung und
Drogenhandel - ist die Partnerschaft verantwortungs-

Seite 3

�voller Nationen, die im Interesse ihrer Burger an der
Sicherung der Früchte von Wohlstand und Freiheit
arbeiten. Unsere Fortschritte zu diesen Zielen sind der

Maßstab, ob wir die Chancen ergriffen und die entscheidenden Probleme unserer Zeit bewältigt haben
oder nicht.

* * * * *

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AMERIKA DIENST 11

�USA-DEUTSCHLAND

3. Juni 1998

Neue Chancen in den transatlantischen Beziehungen
Rede von Botschafter John C. Kornblum

LEIPZIG - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede, die der Botschafter der Vereinigten Staaten von
Amerika in der Bundesrepublik Deutschland, John C. Kornblum, am 8. Mai 1998 beim Jahrestreffen der American
Chamber of Commerce in Leipzig gehalten hat.

Wir feiern in diesen Tagen 3 Jahrestage, die Eckwerte
für unsere Welt darstellen.

Sei es Unterstützung der New Traditions
Conference.oderderNeue-Länder-Konferenzen.

Heute vor 53 Jahren war der 2. Weltkrieg in
Europa zu Ende. Leipzig wurde von amerikanischen Einheiten befreit.

Sei es Ihr Engagement für Deregulierung in
Deutschland.

Am 12. Mai 1949 endete die Berliner Blockade. Die Stadt und die Demokratie in Deutschland waren gerettet.
Und gestern vor 9 Jahren fanden Kommunalwahlen in Leipzig statt - die ersten demokratischen Wahlen seit 1933.
So ist die ganze europäische Nachkriegsgeschichte zu
verstehen. So wird die amerikanische Rolle in Europa
und die deutsch-amerikanische Partnerschaft definiert.
Wenn wir diese Geschichte verstehen, können wir
auch die Zukunft besser meistern.
Wir können auch die essentielle Arbeit der amerikanischen Handelskammer besser einschätzen. Der
Beitrag der Kammer zu Frieden reicht viel weiter als
Handel oder Industrie. Das 95. Mal zeigt die lange
Geschichte.
Ihr Engagement in Deutschland und die grundsätzliche
Rolle von Handel und Industrie sind ein Bestandteil
dieser Geschichte - und somit ein Bestandteil des
Friedens in Europa. Ich denke an die beeindruckende
Zahl amerikanischer Investoren in den neuen Ländern.
Ich denke auch an die vielen Aktivitäten der Kammer in
Deutschland.

Seien es die regelmäßigen Diskussionen, die
Sie überall in Deutschland veranstalten.
Für die deutsch-amerikanische Zusammenarbeit und
besonders für die neuen Länder sind Sie jederzeit
präsent.
Jetzt versteht man es besser: Warum legen die
Vereinigten Staaten so großen Wert auf diesen Teil
Deutschlands? Ein Grund wird klar: Weil das in
wirtschaftlicher Hinsicht sinnvoll ist.
Es gibt jedoch einen übergeordneten Grund, warum
die Vereinigten Staaten den neuen Bundesländern
besondere Aufmerksamkeit widmen: Die Vereinigung
Deutschlands symbolisiert unsere Ziele für ganz
Europa. Ebenso wie die Vereinigten Staaten eine
entscheidende Rolle dabei spielten, die Vereinigung
Deutschlands Realität werden zu lassen, hat Präsident
Clinton die Integration ganz Europas als eines der
grundlegenden Ziele Amerikas bezeichnet.
Konrad Adenauer hat einmal erklärt: "Deutsche Einheit
und europäische Einigung sind zwei Seiten derselben
Medaille." Und es ist klar, daß der Prozeß des Aufbaus starker und wohlhabender neuer Bundesländer
ein Teil des größeren Gesamtbildes ist. Und das
Gesamtbild ist die Vollendung Europas.
Präsident Clinton hob dieses Thema während seines
ersten Staatsbesuchs in Europa im Januar 1994

AMERIKA DIENST 11

Seite 1

�hervor. Er erklärte: "Diese Zeit entscheidet vielleicht,
ob die Nachfolgestaaten der ehemaligen Sowjetunion
in das Gefüge des transatlantischen Wohlstands und
der Sicherheit eingegliedert oder aber isoliert und im
Stich gelassen werden, während sie mit denselben
beängstigenden Veränderungen konfrontiert sind, mit
denen sich so viele Staaten in Europa auseinandersetzen." Und der Präsident stellte eine Meßlatte für
unsere heutigen Fortschritte auf. Er betonte Zusammenarbeit auf drei Gebieten: Stärkung der militärischen Zusammenarbeit, Aufbau von wohlhabenden Marktwirtschaften und Schaffung lebensfähiger
Demokratien. Wir haben solide Fortschritte gemacht:
Letzte Woche stimmte der US-Senat der
Ratifizierung der Aufnahme Polens, Ungarns
und der Tschechischen Republik als neue
Mitglieder in die NATO zu. Damit unternahm
der Senat einen historischen Schritt in dem
Prozeß der Anpassung des Bündnisses. Dies
war ein wesentlicher Schritt, der den Höhepunkt einer bereits guten Bilanz der Zusammenarbeit zwischen dem Bündnis und diesen
neuen Demokratien zur Verteidigung von
Stabilität und Demokratie in Europa und auf
der Welt bildete.
Deutschland und die Vereinigten Staaten sowohl die Regierung als auch die Wirtschaft haben die neuen Demokratien hier im Herzen
Europas zu einer Priorität für Investitionen und
Entwicklung erklärt. Und die Europäische
Union setzt ihre Erweiterung fort um sicherzustellen, daß diese Länder an der europäischen Idee teilhaben können. Unsere gemeinsame Botschaft ist einfach: Pulsierende
und offene Marktwirtschaften sind der Motor,
der uns den größten Wohlstand in der
Geschichte der Menschheit beschert hat.
Auf dem dritten Gebiet - Aufbau von Demokratie - haben wir große Fortschritte erzielt. Die
enormen wirtschaftlichen Veränderungen, die
an diesen Orten stattfanden, haben nicht zu
einem sozialen Zusammenbruch geführt. Im
Gegenteil: Die Demokratien prosperieren in
ungeahntem Ausmaß. Und die prognostizierte
"Europamüdigkeit" hat sich ebenfalls nicht
eingestellt. Die Länder Zentraleuropas haben
ein weitaus größeres Interesse an der Teilnahme an europäischen Institutionen als vor
nahezu zehn Jahren, als die Mauer fiel.
Wenn Präsident Clinton nächste Woche Deutschland
besucht, wird er sich aus erster Hand von den Fortschritten überzeugen, die hier in den neuen Bundesländern gemacht worden sind. Er wird die von Deutschen und Amerikanern unternommenen Bestrebungen sehen sicherzustellen, daß dieser Teil Deutsch-

Seite 2

lands zu einer Säule für Offenheit und Demokratie in
Europa wird.
Diese Fortschritte geben Anlaß, die Geschichte zu
überdenken. Wo genau befinden wir uns kurz vor dem
Ende des 20. Jahrhunderts? Diese Frage ist nicht so
einfach zu beantworten, wie es auf den ersten Blick
scheinen mag. Wir treten in ein neues historisches
Zeitalter ein, aber die Zukunft ist noch nicht klar zu
erkennen. Ein Blick auf die Geschichte unserer
Beziehungen kann uns beim Blick in die Zukunft
vielleicht hilfreich sein.
Für Deutschland und Amerika ist die Frage der
Geschichte besonders wichtig. Während des Großteils
der letzten beiden Jahrhunderte definierten Deutschland und Amerika den anderen und sich selbst über
dramatische Ereignisse. Unsere Kontakte, unser Bild
des anderen und sogar das Gefüge unserer beiden
Gesellschaften wurden stark von den geschichtlichen
Ereignissen beeinflußt.
In diesem Jahr feiern wir den 150. Jahrestag der
Revolutionen von 1848. Die Vereinigten Staaten
erkannten als einziges Land das Frankfurter Parlament
offiziell als souverän an.
Die Einwanderungswellen nach 1848 drückten der
amerikanischen Kultur einen deutschen Stempel auf,
der noch heute sichtbar ist.
Der Wiederaufbau nach zwei Kriegen führte uns
ebenfalls zusammen. Das einzig Positive an den
beiden Katastrophen, die die westliche Zivilisation in
der ersten Hälfte dieses Jahrhunderts heimsuchten, ist
die Tatsache, daß Amerika und Europa sich jetzt
gleichermaßen bewußt sind, daß ihre Geschicke
untrennbar miteinander verbunden sind.
Aber es ist nicht übertrieben zu sagen, daß das
Verhalten Deutschlands und die Situation in Deutschland und seinen Nachbarländern während des Großteils des vergangenen Jahrhunderts das Barometer für
den Frieden auf der Welt und das weltweite amerikanische Engagement waren. Und zwar so sehr, daß
viele auf beiden Seiten des Atlantiks nach dem Kalten
Krieg die Notwendigkeit des amerikanischen Engagements in Europa und sogar die transatlantischen
Beziehungen, wie wir sie kennen, für beendet erklärten.
Die Antwort auf die Frage zu finden, wo wir in der
Geschichte stehen, ist ein elementarer erster Schritt
bei der Definition unserer gemeinsamen Zukunft.
Womit haben wir es zu tun? War das 20. Jahrhundert
nichts weiter als eine unglückliche Unterbrechung der
Geschichte Europas? Wenn das der Fall ist, welcher
Teil der Geschichte wird dann fortgesetzt? Bedeutet
das Ende des Kalten Krieges, daß Europa wieder zu
seiner separaten und zentralen Rolle in der Welt

AMERIKA DIENST 11

�zurückkehrt? Oder bedeutet die Rückkehr der
Geschichte das Wiederauftreten nationaler und
ethnischer Konflikte? Waren die atlantischen Beziehungen nur eine Folge der Ost-West-Konfrontation?
Oder haben wir etwas Neues geschaffen - eine neue
historische, kulturelle und sogar geographische
Synthese, die an die Stelle des Gleichgewichts der Zeit
vor 1914 trat?
Die Weltkriege schwächten die Fähigkeit Europas,
selbst das komplexe Gleichgewicht zwischen der
komplizierten Geschichte und Kultur der Länder des
Kontinents zu wahren. Viele revolutionäre Veränderungen - der Aufstieg des Nationalismus, das Ende
von Monarchien und der große Sprung bei der Kriegstechnologie - zerstörten den Geist der europäischen
Zivilisation, wie wir ihn kannten.
Europas traditionelle Stärke - die dadurch entstand,
daß es über die kulturellen und nationalen Rivalitäten
hinausblickte - war in der europäischen Vision
verkörpert. Seit 1945 war diese Vision nach innen
gerichtet. Die Erholung von den Katastrophen zweier
Weltkriege hatte die Vision getrübt, die Europa für die
übrige Welt darstellte. Die Leitprinzipien der europäischen Kultur bleiben jedoch die Grundlage für die
moderne demokratische Gesellschaft.
Die euroamerikanische Synthese, die während des 20. Jahrhunderts durch große Bemühungen entstanden war,
bildete den Rahmen für die Träume des 21. Jahrhunderts. Nachdem jetzt Konfrontation und Teilung
überwunden sind, kann Europa seine Aufmerksamkeit
erneut einer umfassenderen Vision von der Welt
zuwenden.
Europa bleibt eine komplexe Mischung einiger der
reichsten und wichtigsten Länder der Welt. Integrale
Bestandteile der Beziehungen sind die Vereinigten
Staaten, Rußland, die Türkei und verschiedene
Nationen Nordafrikas und des Nahen Ostens. Amerikanische Interessen hängen ebenso vom Funktionieren dieses Gefüges ab wie die europäischen.
Die erste Aufgabe für die Zukunft besteht im Erhalt von
Gesundheit und Stärke dieses euroatlantischen
Gefüges als Grundlage für diese Vision der Menschheit, die die größte Hoffnung auf den demokratischsten
Frieden beinhaltet, den die Welt je erlebt hat.
Das Rückgrat dieser Gemeinschaft bilden die deutschamerikanischen Beziehungen. Es gibt jedoch einen
Grund für den wiederholten Rückgriff auf deutschamerikanische Formeln im Zusammenhang mit der
Zukunft der atlantischen Welt. Da ist die dramatische
Geschichte. Es gibt auch eine lange Erfolgsbilanz bei
der gemeinsamen Suche nach Lösungen für die
großen Probleme unserer Zeit. Deutsche und Amerikaner wissen, wie Dinge erledigt werden können. Am
wichtigsten ist vielleicht, daß die transatlantischen
Beziehungen, wie wir sie kennen, ohne die Vereinigten

AMERIKA DIENST 11

Staaten oder Deutschland nicht existieren könnten. So
einfach ist das.
Abgesehen davon ist aber kaum etwas einfach. Wenn
wir das Rückgrat sind - was sonst hält uns zusammen?
Deutschland ist das größte, stärkste, produktivste und
wirtschaftlich einflußreichste Land in Europa. Es
schlägt auch eine Brücke über die alte Trennlinie
zwischen Ost und West. Es grenzt an mehr Nachbarländer als jeder andere Staat. Mit anderen Worten:
Deutschland spielt bei der Definition der Zukunft
Europas eine zentrale Rolle. Ein selbstbewußtes,
nach außen gerichtetes Deutschland wird dazu
beitragen sicherzustellen, daß Europa der übrigen
Welt erneut eine Vision aufzeigt. Ein unsicheres
Deutschland wird zu einem unsicheren Europa führen.
Das kann wohl nicht anders sein.
Deutschland hat eine doppelte Aufgabe. Es ist sowohl
ein Anker der euroatlantischen Welt als auch ein
Schlüsselelement der Definition der inneren Beziehungen Europas und seiner Identität als Teil dieser
transatlantischen Synthese - eine schwierige Aufgabe,
die bisher geschickt gemeistert wurde.
Das diese Woche stattfindende Gipfeltreffen über die
Europäische Wirtschafts- und Währungsunion zeigt
erneut, wie vorausschauend Deutschland seine Rolle
spielt.
Europa und Amerika sind jetzt Teil einer zusammengefügten Welt. Europas und Deutschlands Aufgabe
besteht nicht darin, ein konkurrierendes Machtzentrum
aufzubauen. Wir haben bewiesen, daß wir erfolgreich
mit den Belastungen des Wandels umgehen können,
die wir von Zeit zu Zeit erleben. In der Tat war die
große Überraschung der vergangenen zehn Jahre, wie
wenige Belastungen es gegeben hat.
Die Vereinigten Staaten werden häufig aufgefordert,
schwierige Aufgaben zu übernehmen. Oft wird uns
das Privileg zuteil, die Last zu tragen, und dann
werden wir dafür kritisiert, daß wir es tun. Solche Kritik
scheint mit dem Einfluß zu wachsen, den wir ausüben.
Im Augenblick ist unser Einfluß besonders stark. Die
Kritik auch.
Während wir mit der Kritik fertigwerden können,
können wir nicht damit fertigwerden, daß man uns mit
einer Aufgabe alleine läßt. Gemeinsame Bedrohungen
sollten durch gemeinsame Anstrengungen bewältigt
werden. Die öffentliche Meinung in den Vereinigten
Staaten und der amerikanische Kongreß werden keine
Beziehungen tolerieren, in denen die europäischen
Verbündeten sich selbst als die geschickteren Diplomaten definieren, die die positiven Rollen des Dialogs
und der Vermittlung vorziehen und die Polizeiarbeit
den Vereinigten Staaten überlassen.

Seite 3

�Unser zweiter Tagesordnungspunkt ergibt sich aus
dieser Diskussion. Wir hoffen, daß Deutschland
innerhalb Europas zunehmend zur Entwicklung eines
Verantwortungsbewußtseins beiträgt, das über die
Rhetorik der europäischen Einheit hinausgeht. Die
Vereinigten Staaten streben weder nach Hegemonie
noch sind sie den Sorgen anderer gegenüber unsensibel.
Europa sollte jedoch nicht zulassen, daß die beiden
Herausforderungen - die amerikanische Stärke und die
Schaffung der europäischen Einheit - seine Entschlossenheit untergraben, sich jetzt mit den aktuellen
Belangen zu befassen.
Ich sage nicht, daß es einfach ist, eine neue Synthese
zu finden. Das ist nicht der Fall. Ein Teil der Schwierigkeiten liegt in der Natur der amerikanischen Macht.
Das Ende des Kalten Krieges hat neue amerikanische
Dynamik und Kreativität hervorgebracht. Die Vereinigten Staaten waren immer schon mehr als eine
Großmacht. Seit dem Beginn des Zeitalters der
Entdeckung hat die Neue Welt die Europäer sowohl
fasziniert als auch abgestoßen. Selbst bevor die
europäischen Siedler gelandet waren, hatten europäische Schriftsteller die fantastischsten Visionen von
den neu entdeckten Kontinenten. Die bloße Idee
Amerikas war seit fast vierhundert Jahren der Maßstab
für Europäer, die versuchten, besser mit ihren eigenen
Gesellschaften fertigzuwerden.

Partner, sich durch die vielen Pflichten überlastet zu fühlen, die diese Rolle mit sich bringt.
Sie werden weiterhin eine Vision des westlichen Ideals verkörpern. Diese Vision baut auf
der Botschaft des Europas auf, das nahezu
400 Jahre der Weltgeschichte gestaltete.
Und Amerika ist zunehmend zu einem Labor
und Neuerer für die Welt geworden. Unsere
offenen Gesellschaften gestatten es den
Talenten aus der ganzen Welt, fruchtbaren
Boden zu finden. Wir bieten Ressourcen und
Ermutigung ohne zu erwarten, daß diejenigen,
die wir aufnehmen, unsere Gesellschaft
akzeptieren oder sogar Amerikaner werden.
Viele deutsche Unternehmen haben von
diesem Klima profitiert und ihre Forschungsabteilungen in den Vereinigten Staaten aufgebaut. Amerika bringt Ideen und Prozesse
hervor, die von jedem genutzt werden können,
unabhängig von der Rolle der Regierung.
Niemand versteht diese neue Dynamik ganz. Wir
können auch durch den Begriff "Globalisierung"
irregeführt werden. Er legt eine Art von Zentralisierung
der Macht nahe, die meines Erachtens genau das
Gegenteil von dem ist, was geschieht. Wir suchen
immer noch nach dem richtigen Vokabular, und
diejenigen, die Amerika vornehmlich als traditionelle
Großmacht sehen, begreifen das Wesentliche nicht.

Das 20. Jahrhundert hat diesen Trend beschleunigt.
Es ist die Aussicht auf demokratischen Frieden, die die
kreativen Kräfte einer neuen Art von Gesellschaft
befreit hat, die sich von Nord- und zunehmend von
Südamerika aus abzeichnet. Der Harvard-Professor
Joseph Nye sprach von "sanfter Macht", um die wahre
Stärke der Vereinigten Staaten zu beschreiben.
Nachdem unser Land in den siebziger und achtziger
Jahren eine tiefe Vertrauens- und Gesellschaftskrise
durchgemacht hatte, stellten wir fest, daß es die in
unserer Offenheit und Flexibilität enthaltene sanfte
Macht war, die uns auf die vor uns liegenden Herausforderungen vorbereitet hatte.
Und während wir aus der systemimmanenten Konfrontation auf ein neues Jahrtausend zugehen, werden
die Vereinigten Staaten mindestens drei zentrale
Rollen in der Welt spielen:
Sie werden weiterhin der mächtigste Nationalstaat der Welt sein. Ihre wirtschaftliche und
militärische Macht wird sowohl Vorteile als
auch Lasten mit sich bringen. Die Vereinigten
Staaten werden bei jedem internationalen
Projekt von zentraler Bedeutung sein. Aber,
wie ich bereits ausführte, riskieren sie ohne
zuversichtliche und verantwortungsbewußte

Seite 4

Am interessantesten ist die Tatsache, daß während die
amerikanische Gesellschaft zunehmend den fruchtbaren Boden für solche Innovation bereitstellt, politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Einflüsse
eher zahlreicher werden. Die Technologien von heute
erlauben eine Vielfalt, die vor zehn Jahren noch
undenkbar war. Mit relativ wenigen Ressourcen
können Einzelpersonen, ein Unternehmen oder sogar
ein Staat auf die Leistungen einer ganzen Welt
zurückgreifen, bei völliger Gewährung Ihrer Unabhängigkeit und persönlichen oder nationalen
Identität.
Betrachten Sie sich die Situation in Europa. Zu einer
Zeit, in der wir alle versuchen, Strukturen für die
Entwicklung von Souveränität für Bündnisse und
politische Unionen aufzubauen, ist die Zahl unabhängiger Staaten größer als zu jeder anderen Zeit in den
vergangenen 150 Jahren. Viele dieser neuen Länder
sind sehr klein. Mehrere sind auch sehr erfolgreich.
Sie müssen nicht auf globaler Ebene konkurrieren, um
zufriedene und wohlhabende Gesellschaften zu sein.
Sie hier in Sachsen kennen die Macht von Innovation
und Kreativität. Die Beweise dafür sind jedoch nicht
nur die zahlreichen Zentren weiterführenden Lernens
und die Tradition herausragender wissenschaftlicher
Leistung, die Jahrhunderte zurückgeht. Die Beweise

AMERIKA DIENST 11

�finden sich auch in der Wirtschaft: Amerikanische
Unternehmen zeigen hier und in anderen Bundesländern ihre Anerkennung von Talent, indem sie nicht nur
Produktionsstätten, sondern auch Forschungseinrichtungen schaffen.
Mit Blick auf das neue Zeitalter müssen wir eine ganz
neue Definition für die euroatlantische Synthese
suchen. Es reicht nicht aus, von zwei Pfeilern zu
sprechen. Identitäten werden zunehmend auf der
Basis von persönlichen oder beruflichen Interessen
konzipiert. Die Scheidelinien laufen nur sehr selten
durch den Atlantik.

Unser Ziel sollte sein, uns selbst und unseren Nationen mehr Befugnisse zu verleihen, um auf der euroatlantischen Partnerschaft aufzubauen und dadurch
diese neue Synthese zu definieren. Erstens, um die
Konstruktion eines demokratischen Europas zu
vollenden. Zweitens um sicherzustellen, daß unsere
Bestrebungen hier nicht aufhören. Und drittens, um
über unsere geographischen Grenzen hinauszublicken
und die wahre Bedeutung von Europa und der euroatlantischen Welt neu zu beleben. Nur dann können
wir die Vision der Menschheit verwirklichen, die über
uns und unsere Nationen hinausgeht.

* * * * *

AMERIKA DIENST 11

Seite 5

�USA-DEUTSCHLAND

3. Juni 1998

Ein Meilenstein für die Demokratie
von John C. Kornblum

BONN - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir einen Artikel des Botschafters der Vereinigten Staaten von
Amerika in der Bundesrepublik Deutschland, John C. Kornblum, der erstmals in der Frankfurter Neue Presse
vom 14. Mai 1998 erschienen ist.

Im Mai 1848, als das Frankfurter Parlament in der
Paulskirche zusammentrat, wurde ein Meilenstein für
die demokratische Entwicklung in Europa gesetzt.
Dieses demokratische Erwachen sollte die gesamte
deutsche Geschichte durchziehen. Es ist ein Thema,
das auch eng mit der Geschichte der deutsch-amerikanischen Beziehungen verwoben ist. Und ohne diese
Zusammenkunft der deutschen Demokraten in der
Paulskirche kann man sich die Gründung der starken
transatlantischen Gemeinschaft von Demokratien, wie
sie heute existiert, nur schwer vorstellen.
Die Paulskirche sagt uns viel über die Hoffnung des
Menschen auf Veränderung. Deutsche Demokraten
vernahmen mit Interesse die Geschichten ihrer
Landsleute über den Aufbau von Demokratie in
Amerika.
Die
Unabhängigkeitserklärung
wurde
innerhalb weniger Tage nach ihrer Proklamation am 4.
Juli 1776 ins Deutsche übersetzt. Und die in der
amerikanischen Verfassung niedergelegten Grundrechte sowie die grundlegenden Ideen der Französischen Revolution wurden als Modelle für Deutschland
angesehen. Johann Georg Wirth, der Hauptredner
beim Hambacher Fest 1832 war und an der Eröffnung
des Frankfurter Parlaments teilnahm, war ein großer
Anhänger des amerikanischen Modells.
Leben, Freiheit und das Streben nach Glück waren
Ideale, die sich die Bewohner des Deutschen Bunds
zu eigen machen wollten. Die Flamme der Revolution,
die in Frankreich entzündet worden war, erfaßte
Mannheim, Köln, Frankfurt, Dresden und andere
Städte. Diese Kettenreaktion basierte auf der Erkenntnis, daß sich eine Chance bot - die Chance, in einer
Demokratie zu leben.

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Es war nur natürlich, daß die Vereinigten Staaten als
erste ausländische Nation das Frankfurter Parlament
anerkannten. Als Demokratie hatte Amerika ein
Interesse an der Entwicklung demokratischer Institutionen in Europa.
Die Paulskirche zeugt auch von verpaßten Chancen.
Daß die Demokratie nicht Fuß faßte, war ein definierendes Moment in der Geschichte Europas. Wie
wäre die deutsche Geschichte verlaufen, wenn das
Frankfurter Parlament Erfolg gehabt hätte?
Die im Juli 1849 verspürte Hoffnungslosigkeit war die
Ursache der ersten großen Einwanderungswelle von
Deutschen in die Vereinigten Staaten. 1850 kamen
nahezu eine Million Deutsche in der neuen Welt an,
um ein neues Leben zu beginnen. Heute haben fast 60
Millionen Amerikaner deutsche Vorfahren. Dazu
zählten einige der überzeugtesten Demokraten
Amerikas.
Es zeugt von unserem Optimismus, daß wir den 150.
Jahrestag dieser Revolutionen feiern. Es zeugt von
unserer Hoffnung, daß die Paulskirche zu einem
anerkannten Symbol der deutschen Demokratie
geworden ist.
Im Mittelpunkt der heutigen transatlantischen Gemeinschaft steht das demokratische Erwachen des vergangenen Jahrhunderts, selbst wenn es anfangs nicht
erfolgreich war. Es gibt vier Lektionen von 1848 und
der Zeit danach, die heute noch zutreffen.
Erstens müssen wir immer an der Demokratie arbeiten; sie ist ein Prozeß, der immer noch im Gang ist.
Wie die Geschichte meines Landes zeigt, fand das

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�Konzept von Leben, Freiheit und dem Streben nach
Glück nicht sofort universelle Anwendung. Selbst
heute arbeiten wir noch an der Perfektionierung
unserer Demokratie und ihrer Verbesserung. Die Idee
des Town Meeting - eine Fernsehdiskussion mit dem
Präsidenten oder einem hohen Regierungsvertreter ist hierfür ein Beispiel.

forderungen der gemeinsamen Interessen der transatlantischen Gemeinschaft gibt. Wenn die Herausforderung schwer zu definieren ist und wenn vielleicht
konkurrierende Interessen, wie die Entscheidung für
die beste Politik gegenüber dem Iran - sogar innerhalb
Europas - im Spiel sind, befinden wir uns häufig in
einer schwierigen Situation.

Daß Präsident Clinton dem verbesserten Verständnis
zwischen Amerikanern verschiedener Rasse und
ethnischen Zugehörigkeit besondere Aufmerksamkeit
widmet, ist ein weiteres anschauliches Beispiel. In
seinem Bericht zur Lage der Nation Anfang des Jahres
erklärte er: "Ich habe eine nationale Rasseninitiative
ins Leben gerufen, die uns helfen soll, unsere gemeinsamen Interessen anzuerkennen und die ungleichen
Chancen zu überwinden, die uns von der Möglichkeit
trennen, ein Amerika zu werden. Zunächst müssen wir
uns bewußt machen, was noch überwunden werden
muß."

In jedem Fall ist es jedoch von Bedeutung, daß wir uns
darauf zu konzentrieren versuchen, was wirklich auf
dem Spiel steht. Was nicht auf dem Spiel steht, ist
zwangsläufig das Prestige von diesem oder jenem
Mitglied der atlantischen Gemeinschaft. Und was nicht
auf dem Spiel steht, sind letztlich die Wirtschaftsinteressen eines Landes.

Eine zweite heute noch zutreffende Lektion von 1848
lautet, daß unsere transatlantische Gemeinschaft mehr
für die Stabilisierung von Demokratie und ihren Aufbau
weltweit unternehmen muß. Wir können es uns nicht
leisten, unsere Vision auf die transatlantische Welt zu
beschränken. Unser Erfolg ist ein Modell für andere
Regionen. Unsere Leistungen müssen anderen zuteil
und ausgeweitet werden, damit andere Teile der Welt
dasselbe einzigartige Ausmaß an Stabilität und
Entwicklung erlangen können.
Wo unsere atlantische Gemeinschaft ausgedehnt und
gestärkt werden kann, sollte das geschehen. Die
Erweiterung der NATO und der EU sind ausgezeichnete Beispiele für eine solche Vision. Wir müssen
unserer Vision jedoch auf zusätzliche Weise Ausdruck
verleihen.
Die internationale Gesellschaft muß sich bedauerlicherweise mit den Bedrohungen der Ordnung auseinandersetzen, die so sorgfältig geschaffen wurde. Ich
sage sorgfältig, weil die internationalen Normen, nach
denen zu leben wir streben, aus einigen der dunkelsten Kapitel der vergangenen zwei Jahrhunderte
hervorgingen. Um ihre Wiederholung zu vermeiden,
haben unsere Staats- und Regierungschefs und
Politiker Dokumente wie die Charta der Vereinten
Nationen und die Schlußakte von Helsinki verfaßt.
Die Prinzipen, die wir formuliert haben, um die internationale Gesellschaft zu regieren, bieten ausgezeichnete Richtlinien für den Umgang mit Staaten, die sich
weigern, entsprechend der internationalen Normen zu
leben. Sogenannte verbrecherische Staaten bedrohen
den Frieden und die Sicherheit nicht nur regional,
sondern auch global.
Iran, Irak, Libyen und Kuba sind Länder, in denen es
gravierende, aber schwer zu definierende Heraus-

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Aber was auf dem Spiel steht, ist die Sicherheit. Wenn
ein Regime offensichtlich die Souveränität seiner
Nachbarn, die Sicherheit anderer Nationen in seiner
Region oder das Leben von Menschen auf der ganzen
Welt bedroht, dann scheint es von elementarer
Bedeutung, daß wir in der Lage sein sollten, ein
Rezept für den Umgang mit diesem Staat zu erarbeiten.
Eine dritte Lektion von 1848, die heute noch zutrifft, ist,
daß wir von der Vergangenheit lernen können und
müssen. Von der Vergangenheit zu lernen, bedeutet
beispielsweise sicherzustellen, daß der Kosovo nicht
das gleiche Schicksal erleidet wie Bosnien. Wir sind
uns der beunruhigenden Parallelen bewußt. Wir
müssen jedoch auch beweisen, daß wir bereit sind, die
Wiederholung der von Bosnien gemachten grauenhaften Erfahrung zu vermeiden. Wir müssen die Herausforderung für die europäische Stabilität definieren und
bereit sein, das Problem nicht nur zu diskutieren,
sondern auch - wenn nötig - entschlossen zu handeln.
Von der Vergangenheit zu lernen, ist das Kernstück
der Entwicklung der Europäischen Union. Heute steht
Europa vor einem großen Schritt zur europäischen
Integration - der Wirtschafts- und Währungsunion. Die
Vereinigten Staaten sind seit langem - bis zu den
Tagen des Marshallplans zurückgehend - ein Befürworter der europäischen Integration. Aus diesem
Grund können wir ein Unternehmen nur begrüßen, das
dieses Ziel voranbringen möchte.
Eine vierte Lektion der Paulskirche, die heute noch
zutrifft, ist die Bedeutung von Vision. Vision kann uns
dabei behilflich sein, unsere Ziele zu formulieren, sich
an unsere Prinzipien zu erinnern und unseren moralischen Kompaß in Zeiten der Herausforderungen und
Veränderungen zu prüfen. Visionäre definieren selten
ein Gesamtkonzept der Geschichte. Es sind Menschen
und Gesellschaften, die Meister darin sind, den roten
Faden bei anscheinend nicht miteinander in Verbindung stehenden Gegebenheiten finden; sie sind
Meister in der Definition eines Zwecks inmitten einer
offensichtlichen Unordnung.

AMERIKA DIENST 11

�Mit anderen Worten, Vision ist nicht ein vages philosophisches Konzept. Sie ist ein praktisches Mittel,
um unseren Zielen Form und Substanz zu verleihen.
Sich auf Probleme zu konzentrieren, ohne sich erst an
die Prinzipien zu erinnern, heißt, blind im Dunkeln
herumzutappen. Heute stehen genau die Prinzipien
auf dem Spiel, für die deutsche Demokraten 1848
gekämpft haben - Demokratie, Pluralismus, Rechtsstaatlichkeit, Menschen- und Bürgerrechte. Im Jahr
1998 sollten wir die globale Ausdehnung dieser
Prinzipien nicht als abstrakte oder unerreichbare Ziele
behandeln. Die Lektionen von 1989 und der Vereinigung Deutschlands lehren uns: Wir müssen das
Optimum anstreben.
Eigeninteresse stützt diese Schlußfolgerung. Deutschen, Amerikanern und den Bürgern der transatlantischen Gemeinschaft insgesamt ist am besten
gedient, wenn sie ihre Unterstützung der Demokratie

*

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auf diejenigen auszuweiten versuchen, die sie aufbauen möchten. Das tun wir, wenn wir Diktatur überall
auf der Welt ablehnen.
Die Vereinigten Staaten wurden auf den besten
Traditionen europäischer Geschichte und Philosophie
gegründet. Durch unser Streben und unsere Frustrationen wurden wir zur mächtigsten Demokratie der
Geschichte. Amerika hat seine Stärke, seinen Wohlstand und seine Vision wirklich zum Wohl der Welt
eingsetzt.
Aber selbst die mächtigste Nation kann nicht auf sich
allein gestellt sein. Unsere Vision ist nutzlos, wenn sie
ins Leere geht. Damit die Dinge sich verändern,
müssen die Talente Amerikas mit denen gleichgesinnter Völker und Nationen in anderen Teilen der Welt
zusammengebracht werden. Nur dann können wir die
Versprechen der Paulskirche erfüllen.

* * * *

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                <text>&lt;strong&gt;1. Das Schulsystem der USA (II und Schluss)&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Erziehung zu "ganzen Menschen" im Hörsaal und auf dem Campus&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Diskussionsforum "Arden House"&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ein interessantes Experiment der Columbia-Universität macht Schule&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Kulturkurznachrichten aus den USA&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Grant Beglarian erhält George-Gershwin-Medaille&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Neues Buch über Frank Lloyd Wright&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Jazz-Ausstellung in der Kongressbibliothek&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Walter-Gropius erhält Goldmedaille der amerikanischen Architekten&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Architekturausstellung in Washington&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Radio- und Fernsehnachrichten aus den USA&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Fernseher überflügeln Fernsehsprechteilnehmer&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ford-Spende für den Fernsehunterricht&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Amerikanisches Sendenetz für Schulfernsehen geplant&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Internationaler Programmaustausch zwischen amerikanischen und ausländischen Radiogesellschaften&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Fernsehen und Presse wichtigste Propagandawaffen im Wahlkampf</text>
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Dokumentation

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3. Juli 1973

25

Inhalt
DOKUMENTATION:
Forschen und Einsparen
-Aufruf Präsident Nixons zur Verbesserung der EnergiesituationAmerikanisch-Sowjetisches Protokoll über erweiterten Luftverkehr
-Wortlaut«

WIRTSCHAFT:
Nixon: Exportkontrollen werden nur kurz sein
-Auszüge aus der Rundfunkrede vom 30. Juni»
US-Sojabohnenexporte werden trotz Kontrollen alle bisherigen Rekorde
brechen
Von John Holway
Volcker fordert internationale Zusammenarbeit in Währungsfragen
-Auszüge aus der Erklärung des Staatssekretärs vor dem Gemeinsamen
Wirtschaftsausschuß des US-KongressesBurns: Rückgang des Dollar-Kurses ungerechtfertigt
-Auszüge-

WISSENSCHAFT UND TECHNIK:
Amerikanisch-Sowjetisches Gemeinschaftsprojekt der Tiefseeforschung
Neues Dialysegerät für die Heimbehandlung
Biologisches Schädlingsbekämpfungsmittel

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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25/1973

FORSCHEN UND EINSPAREN
- Aufruf Präsident Nixons zur Verbesserung der Energiesituation -

--(AD)— In einer am 29. Juni 1973 abgegebenen Erklärung, die im Folgenden
auszugsweise veröffentlicht wird, nahm Präsident Nixon erneut zur Situation
auf dem Energiesektor Stellung:
"Eines der kritischsten Probleme, das Amerika heute in Angriff nehmen
muß, ist die Deckung unseres notwendigen Energiebedarfs. Vor zwei Monaten
kündigte ich ein umfassendes Programm an, das uns in diesem Bestreben
voranbringen sollte. Heute ergreife ich folgende zusätzlichen Maßnahmen:
Erstens ernenne ich John A. Love, Gouverneur von Colorado, zum Leiter eines Energieamtes, das für die Ausarbeitung und Koordinierung der
Energiepolitik auf Präsidialebene verantwortlich sein wird.
Zweitens ersuche ich den Kongreß, ein neues Ministerium mit Kabinettsrang zu errichten, das sich mit Energie und natürlichen Hilfsquellen befaßt,
und einen neuen unabhängigen Apparat für Forschung und Entwicklung auf dem
Energiesektor zu schaffen.
Drittens leite ich ein 10 Milliarden-Dollar-Programm für Forschung
und Entwicklung auf dem Energiesektor in die Wege, das für die kommenden
fünf Jahre gelten soll.
Und

-1-

�Und schließlich starte ich einen Feldzug zur Einsparung von Energie,
um den Eigenverbrauch im ganzen Lande während der kommenden zwölf Monate,
um fünf Prozent zu drosseln. Die Bundesregierung wird in diesen Bemühungen
vorangehen, indem sie sich vornimmt, im gleichen Zeitraum sieben Prozent
einzusparen,
Amerika sieht sich einem ernsten Energieversorgungsproblem gegenüber.
Während unsere Bevölkerungszahl nur sechs Prozent der Weltbevölkerung aus«
macht, verbrauchen wir ein Drittel der Weltenergieproduktion, Die Produktion
aus verfügbaren einheimischen Energiequellen hält mit. unserem ständig wach&lt;=
senden Energiebedarf nicht Schritt. Wenn wir nicht schnell und wirksam handeln, könnten wir uns in absehbarer Zukunft einer echten Energiekrise gegenübersehen.

Am 18. April unterbreitete ich dem Kongreß eine Botschaft, in der die
drängenden Energieprobleme und die notwendigen Schritte zu ihrer Lösung er-=
örtert wurden. Diese Botschaft hob hervor, daß wir mit. unserer Aktivität
zur Drosselung unseres Energiebedarfs auch intensive Anstrengungen unternehmen müssen, unsere Energieproduktion auszuweiten. Ich freue mich, berichten
zu können, daß viele der notwendigen Schritte bereits begonnen wurden und
sich als wirksam erweisen...
Manche der Schritte, die ich im April ankündigte, erfolgten in der
Form von Vorschlägen der Legislative zur künftigen Steigerung der Energieversorgung. Sie forderten den Bau der Ölleitung in Alaska, wettbewerbsfähige Preisgestaltung bei Erdgas, die Freigabe der Bauvorhaben für Tiefwasser»
häfen, die Straffung der Vorschriften für die Standortwahl bei Kraftwerken
und ein vernünftiges Rahmenwerk für Kontrollen für den Tagebau, Nur der
Vorschlag für den Bau der Ölleitung ist endlich in einem Ausschuß behandelt
worden. Ich hoffe, daß der Kongreß über meine anderen Ersuchen schnell und
positiv entscheidet...
Forschung

~2~

�Forschung und Entwicklung
Während wir uns auf konventionelle Formen von Brennstoff stützen müssen,
um unseren unmittelbaren Energiebedarf zu decken, ist es klar, daß die Lösung für unseren Langzeitbedarf in der Erschließung neuer Formen von Energie liegt. Angesichts dieser Notwendigkeit ergreife ich mit sofortiger Wirkung drei Maßnahmen, um unsere Anstrengungen auf Bundesebene in der Energieforschung und Entwicklung auszuweiten.
Erstens leite ich ein Bundesprogramm für Forschung und Entwicklung auf
dem Energiesektor in die Wege, das für die Dauer von fünf Jahren gelten,
mit dem Finanzjahr 1975 beginnen und einen Etat von 10 Milliarden Dollar
haben soll. Um diese Maßnahme in Gang zu setzen, gebe ich Anweisung, im
Finanzjahr 1974 zusätzliche 100 Millionen Dollar für die beschleunigte Durchführung bestimmter, bereits in Angriff genommener Projekte und die Aufnahme
neuer Projekte auf einer Reihe kritischer Gebiete von Forschung und Entwicklung zur Verfügung zu stellen. Zumindest die Hälfte der Mittel für die
n

eu e n Maßnahmen im kommenden Finanzjahr fließt der Kohleforschung und Ent-

wicklung zu, wobei die Schwerpunkte bei der Gewinnung sauberer flüssiger
Brennstoffe aus Kohle, der Verbesserung der Abbaumethoden zur Erhöhung der
Sicherheit und Produktivität der Gruben, bei der Beschleunigung unseres Programms zur Kohlevergasung und der Entwicklung verbesserter Verbrennungstechniken liegen. Die übrigen Beträge aus dem 100 Millionen-Dollar-Fonds sind für
Forschungs-und Entwicklungsprojekte auf dem Gebiet neuartiger Systeme zur
Energiewandlung, für Umweltschutz und Umwelthygiene, Dampfgewinnung aus geothemischen Quellen, Einsparung von Energie und gasgekühlte Kernreaktoren
vorgesehen. Obgleich es dringend notwendig ist, die gegenwärtige Etat-Begrenzung für das Haushaltsjahr 1974 einzuhalten, müssen und können diese lebenswichtigen Programme innerhalb dieser Grenzen finanziert werden.

Zweitens

�Zweitens weise ich die Vorsitzende der US-Atomenergiekoramission an, die
Energieforschungs-und Entwicklungsvorhaben des Bundes und der Privatwirtschaft
unter der generellen Leitung des Amtes für Energiepolitik umgehend überprüfen
zu lassen und ein auf nationaler Basis integriertes Energieforschungs-und
Entwicklungsprogramm zu empfehlen. Dieses Programm sollte die Industrie
zu kooperativen Anstrengungen im Sinne einer Erschließung und Demonstration
neuer Technologien, die eine bessere Nutzung unserer Energiequellen ermöglichen, ermutigen und sie aktiv in diese einbeziehen. Ich erteile der Vorsitzenden außerdem Weisung, unter Konsultation des Innenministeriums und
anderer Behörden bis zum 1. September dieses

Jahres spezielle Projekte

zu empfehlen, auf die die zusätzlichen 100 Millionen Dollar im Finanzjahr
1974 aufgeteilt würden. Bis zum 1. Dezember dieses Jahres erwarte ich von
ihr Empfehlungen für Energieforschungs-und Entwicklungsprogramme, die in
meinen Haushaltsvoranschlag für das Finanzjahr 1975 aufgenommen werden sollen.
Drittens errichte ich einen Beirat für Energieforschung und Entwicklung,
der dem Amt für Energiepolitik untersteht und sich aus außerbehördlichen
führenden Vertretern verschiedener Gebiete der Forschung und Entwicklung auf
dem Energiesektor zusammensetzen soll.
Ich bin der Ansicht, daß diese Maßnahmen unsere gegenwärtigen Anstrengungen der Energieforschung und -Entwicklung erheblich verbessern und ausweiten und die Entwicklung von Technologien sichern, die für die Deckung
unseres künftigen Energiebedarfs lebenswichtig sind.

Einsparung von Energie
In meiner Energiebotschaft vom 18. April kündigte ich einleitende
Schritte zur Einsparung der in Amerika verfügbaren Brennstoffe an. Ich erklärte damals, daß Einsparung an Energie zwar eine nationale Notwendigkeit sei,
Anstrengungen zur Einsparung jedoch auf freiwilliger Basis unternommen werden
könnten. Dieser Meinung bin ich auch heute noch.
Appelle

-4-

�i
Appelle in der Öffentlichkeit sind aber angesichts der Aufgabe, der
wir uns gegenübersehen, nicht genug. Die Bundesregierung ist der größte
Energiekonsument im Lande und hat insofern ihre eigene besondere Rolle dabei
zu spielen, den Energieverbrauch einzuschränken und so ein Beispiel für alle
Verbraucher zu geben.
Mit Wirkung vom heutigen Tage verfüge ich deshalb für die Bundesbehörden eine siebenprozentige Reduzierung ihres für

die nächsten 12 Monate

vorausberechneten Energieverbrauchs... Während die Einsparungsmaßnahmen im
einzelnen dem Kabinett und der Leitung der Behörden überlassen bleiben, ordne
ich an, daß die Einsparungsbemühungen folgende Maßnahmen einschließen müssen:
-- Weniger umfangreiche Raumklimatisierung in allen Gebäuden von Bundesbehörden während des ganzen Sommers.
-- Verringerung der Anzahl von Dienstreisen von Bundesangestellten.
-- Kauf oder Anmieten von Autos und anderer Fahrzeuge, die eine günsti«
gere Kilometerleistung mit dem getankten Benzin ergeben.
Von jedem Ministerium und jeder Behörde wird erwartet, daß sie alle
Aktivitäten unter dem Gesichtspunkt überprüfen, wie der eigene Energiebedarf reduziert werden könnte. Das Verteidigungsministerium, der größte
Einzelkonsument von Energie in der Exekutive, hat seine Aktivitäten bereits
überprüft

und im vergangenen Jahr Schritte unternommen, um seinen Energie-

bedarf um zehn Prozent zu kürzen - Schritte, die aber in keiner Weise unsere militärische Einsatzbereitschaft gefährden.
Ich weise auch alle Ministerien und Behörden an, eng mit Minister Morton
und dem Amt für Energiewirtschaft bei der Entwicklung lanfristiger Pläne
und Empfehlungen sowohl für den privaten als auch den öffentlichen Sektor
zusammenzuarbeiten.
Auf mein Ersuchen werden der Innenminister, der Handelsminister und
Gouverneur Love gemeinsam mit Vertretern der amerikanischen Industrie Mittel

-5-

�Mittel und Wege erörtern, um unnötigen Energieverbrauch abzubauen; die
Industrie wird dringend ersucht, sich aktiv an den Einsparungsbemühungen zu
beteiligen.
Des weiteren habe ich den Verkehrsminister angewiesen, gemeinsam mit
den amerikanischen Fluggesellschaften, der Behörde für die Zivilluftfahrt
und dem Bundesluftfahrtamt Wege zur Reduzierung der Fluggeschwindigkeiten
und, wo dies möglich ist, der

Frequenz der kommerziellen Flüge zu fin-

den. Diese Bemühungen laufen bereits. Schon mit einer geringen Herabsetzung
von Geschwindigkeiten und Anzahl der Flüge ist es möglich, den Energieverbrauch beachtlich zu senken.
Da diese Maßnahmen ein breites Aktivitätsspektrum auf dem öffentlichen
und privaten Sektor betreffen, müssen das Problem und die vorgeschlagenen
Einsparungsmaßnahmen in der richtigen Perspektive gesehen werden...
Das Innenministerium schätzt, daß unter Beibehaltung des gegenwärtigen Verbrauchs das Benzinangebot in diesem Sommer um ein bis zwei Prozent
hinter dem Bedarf zurückbleiben wird, unter ungünstigen umständen vielleicht
bis zu fünf Prozent. Um dieser drohenden Verknappung zu begegnen, könnte
meines Erachtens die Reduzierung des vorausgeschätzten Energiebedarfs jedes
Verbrauchers um fünf Prozent als ein vernünftiges und erreichbares nationales Ziel gelten...
Wenn man beispielsweise die Thermostat-Temperatur einer Klimaanlage
nur um 4 Grad höher einstellt, so spart man dadurch schätzungsweise 15 bis
20 Prozent Strom ein. Und so wie die Regierungsstellen Autos mit geringerem
Benzinverbrauch benutzen können, ist dies auch den Bürgern möglich. Fast drei
Viertel des in Amerika konsumierten Benzins wird von den Autos verbraucht.
Die Kraftfahrer können außerdem einen Beitrag leisten, indem sie langsamer
fahren. Wenn ein Wagen mit 80 km/st fährt, verbraucht er 20 bis 25 Prozent
weniger Kraftstoff als bei 110 Stundenkilometern. Eine bessere Ausnutzung der
Sitzplätze und die Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel würden ein Übriges
tun, um Brennstoff zu sparen.
Um

�Um zur Verminderung der Fahrgeschwindigkeit beizutragen, werde ich
heute außerdem ein Schreiben an die Gouverneure aller Bundesstaaten richten und sie ersuchen, in Zusammenarbeit mit dem jeweiligen Parlament die
Höchstgeschwindigkeiten für Kraftfahrzeuge auf den Fernstraßen in einer
Weise herabzusetzen, wie dies sowohl mit der Sicherheit und dem Nutzeffekt
als auch mit dem Energiebedarf vereinbar ist.
Ich ersuche außerdem den Kongreß wieder dringend, die Gesetze über den
Massenverkehr zu verabschieden, welche Bundesstaaten und kommunalen Behörden mehr Flexibilität geben, zwischen Investitionen für den Straßenbau oder
für Massenverkehrsmittel zu wählen. Die teilweise Umstellung vom Individualauf den Massenverkehr wird eine merkliche Einsparung an Energie und günstige
Auswirkungen auf die Umwelt zur Folge haben und es gleichzeitig ermöglichen,
die Straßen so wirksam zu nutzen, wie dies ursprünglich gedacht war...".

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25/1973

AMERIKANISCH-SOWJETISCHES PROTOKOLL ÜBER ERWEITERTEN LUFTVERKEHR
- Wortlaut -

WASHINGTON —(AD)-- Die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion haben am
23. Juni 1973 im Rahmen des Besuches von Parteichef Breschnew in den USA
ein Protokoll über die Ausweitung des Luftverkehrs zwischen beiden Sca.
ten unterzeichnet. Die Unterzeichnung erfolgte durch den amerikanischen
Verkehrsminister Claude Brinegar und den sowjetischen Minister für Zivilluftfahrt Boris Bugajew. Das Protokoll hat folgenden Wortlaut:
"Die Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika und die Regierung
der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken sind
in Übereinstimmung mit Punkt 7 der9Grundsätze für die Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika und der Union der Sozialistischen
Sojwetrepubliken*, die am 29. Mai 1972 in Moskau unterzeichnet wurden,
aus dem Wunsche heraus, erweiterte Kommunikationen zwischen den beiden
Ländern auf gegenseitiger Basis zu fördern,
aus der Erkenntnis der Rolle heraus, die der Luftverkehr in diesem Zusammenhang spielen kann, und
gemäß Artikel 16 des Zivilluftfahrtabkommens zwischen den beiden Regie
rungen vom 4. November 1966
wie folgt übereingekommen:
Artikel I

�Artikel I
Die im Rahmen des Zivilluftfahrtabkommens bestehenden vereinbarten
Dienste zwischen New York und Moskau sollen dahingehend erweitert werden^
daß sie Dienste der designierten Fluggesellschaft der Vereinigten Staaten
von New York nach Leningrad einschließen und für die designierte Fluggesellschaft der UdSSR von Moskau nach Washington.

Artikel II
Angesichts des wachsenden Verkehrs zwischen beiden Ländern sollen die
bestehenden Vereinbarungen im Rahmen des Zivilluftfahrtabkommens bezüglich
der Flugfrequenz dahingend abgeändert werden, daß sie eine Erhöhung der
Frequenz des Dienstes zulassen.
Artikel III
Die vorgenannten und andere damit zusammenhängende Änderungen des Zivilluftfahrtabkommens sind in dem beigefügten Anhang niedergelegt, der an
die Stelle des bestehenden Anhangs zu diesem Abkommen tritt.
Dieses Protokoll soll mit seiner Unterzeichnung in Kraft treten.

Gegeben in Washington am 23» Juni 1973 in zweifacher Ausfertigung in
englischer und russischer Sprache, wobei beide Texte gleichermaßen authentisch sind.

Anhang

�Anhang

1.

Die Regierung der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken über-

trägt dem Ministerium für Zivilluftfahrt der UdSSR die Verantwortung für
den Betrieb der vereinbarten Dienste auf den Routen, wie sie in Tabelle I
dieses Anhangs spezifiziert werden, das zu diesem Zweck wiederum die Allgemeine Abteilung für Internationalen Luftverkehr (die sowjetische Fluglinie
Aeroflot) beauftragt.
2.

Die Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika designiert Pan

American World Airways, Inc., die vereinbarten Dienste auf den in Tabelle
II dieses Anhangs spezifizierten Routen zu betreiben.
3.

Jede der designierten Fluggesellschaften wird beim Betrieb der

vereinbarten

Dienste auf den jeweiligen in Tabelle I und II dieses Anhangs

spezifizierten Routen folgende Rechte haben:
1) Das Recht, zu technischen und kommerziellen Zwecken am Endpunkt
der vereinbarten Route im Territorium der anderen Vertragsparteien zu landen, sowie auch Ausweichflugplätze und Flugeinrichtungen in diesem Territorium für solche Zwecke zu benutzen;
2) das Recht, Passagiere, Gepäck, Fracht und Post im Territorium der
anderen Vertragspartei zu landen - ohne jedoch das Recht, Passagiere, Gepäck, Fracht oder Post zu landen, die von einem Zwischenlandungspunkt in
einem dritten Land auf der gegebenen Route kommen, mit Ausnahme von Passagieren und ihrem Begleitgepäck, die von der designierten Fluggesellschaft
an diesem Zwischenlandungsplatz gelandet worden sind und während der Gültigkeitsdauer ihres Flugscheins (auf keinen Fall jedoch später als ein
Jahr nach dem Datum ihrer Unterbrechung) wieder zugestiegen sind und die
mit einem Passagierflugschein und einem Gepäckschein reisen, die die Beförderung mit planmäßigen Flügen auf jedem Abschnitt der Route zwischen

�zwischen den beiden Vertragsparteien vorsehen; und
3) das Recht, Passagiere, Gepäck, Fracht und Post im'Territorium der
anderen Vertragspartei aufzunehmen - ohne jedoch das Recht, Passagiere,
Gepäck, Fracht und Post aufzunehmen, die für irgendeinen Zwischenlandungspunkt auf der gegebenen Route in einem dritten Land bestimmt sind, mit Ausnahme von Passagieren und ihrem Begleitgepäck, die auf diesem Zwischenlandungspunkt gelandet und später von der designierten Fluggesellschaft während der Gültigkeitsdauer ihres Flugscheins (auf keinen Fall jedoch später
als ein Jahr nach dem Datum ihrer Unterbrechung) wieder aufgenommen werden
und die mit einem Passagierflugschein und einem Gepäckschein reisen, die
die Beförderung mit planmäßigen Flügen auf jedem Abschnitt der Route
zwischen den beiden Vertragsparteien vorsehen.

4.

Über die im obigen Paragraph 3 spezifizierten Rechte hinaus wird jede

designierte Fluggesellschaft das Recht haben, vorbehaltlich Paragraph 5
unten im Territorium der anderen Vertragspartei Passagiere, Gepäck, Fracht
und Post aufzunehmen und zu landen,die an irgendeinem Zwischenlandungspunkt
auf der gegebenen Route in einem dritten Land gelandet werden sollen oder
aufgenommen worden sind.
5.

Jede designierte Fluggesellschaft darf bis zum 31. März 1974 bis zu

zwei Hin-und Rückflüge pro Woche durchführen, während der Sommerreisesaison
1974 (vom 1. April 1974 bis 31. Oktober 1974) bis zu drei Hin-und Rückflügen pro Woche, in der Wintersaison 1974/75 (vom 1.November 1974 bis 31.
März 1975) bis zu zwei Hin-und Rückflüge pro Woche und danach so viele Flüge, wie von den Vertragspartein

vereinbart werden. Die designierte Flug-

gesellschaft der Vereinigten Staaten darf das oben in Paragraph 4 spezifizierte Recht auf all ihren Flügen ausüben. Die designierte Fluggesellschaft der Sowjetunion darf das oben in Paragraph 4 spezifizierte Recht
auf einem ihrer Flüge ausüben.

�6.

Zwischenlandungspunkte, von denen in Tabelle I dieses Anhangs ge-

sprochen wird, werden jeweils zwei der folgenden Städte sein: Amsterdam,
Kopenhagen, Paris, London, Frankfurt und Brüssel; und Zwischenlandungspunkte, von denen in Tabelle II gesprochen wird, werden jeweils zwei der folgenden Städte sein: London, Amsterdam, Frankfurt, Kopenhagen, Brüssel und Paris.
Zu Beginn jeder Sommer-und Winterreisesaison kann jede designierte Fluggesellschaft von einer Kombination zweier Zwischenlandungspunkte auf eine andere Kombination zweier Zwischenlandungspunkte für diese Saison wechseln.
Auf jedem Flug darf nicht mehr als ein Zwischenlandungspunkt bedient werden.
Der Zwischenlandungspunkt oder die Zwischenlandungspunkte dürfen nach Wahl
jeder der designierten Fluggesellschaften bei jedem beliebigen oder bei
allen Flügen ausgelassen werden.
7.

Jede designierte Fluggesellschaft darf an jedem der in Paragraph 6

oben aufgeführten Zwischenlandungspunkte in Europa Maschinenwechsel vornehmen, vorausgesetzt daß:
1) der Transport über den Punkt des Maschinenwechsels hinaus von einem
einzigen Flugzeug gleicher oder geringerer Kapazität (im Falle von Diensten,
die vom Heimatland wegführen) oder gleicher oder größerer Kapazität (im
Falle von Diensten, die zum Heimatland hinführen) wie der des ankommenden
Flugzeuges durchgeführt wird;und
2) das Flugzeug für solchen Weitertransport nur in Übereinstimmung mit
dem Flugplan des ankommenden Flugzeuges weitergeführt wird (unter der gleichen Flugnummer), um einen genauen und wirklich kontinuierlichen Dienst zu
gewährleisten.

Vereinbarte

-5-

�Vereinbarte Dienste
Tabelle I
Für die Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken:
Moskau nach New York oder Washington (Dulles) und zurück, über die in
Paragraph 6 oben in diesem Anhang aufgeführten Zwischenlandungspunkte.
New York und Washington werden mit getrennten Flügen bedient. Technische Landungen werden auf jene begrenzt, die in Artikel II des Zusatzabkommens in
der abgeänderten Form aufgeführt sind.

Tabelle II
Für die Vereinigten Staaten von Amerika:
New York nach Leningrad oder Moskau und zurück, über die in Paragraph
6 dieses Anhangs aufgeführten Zwischenlandungspunkte. Leningrad und Moskau
werden mit getrennten Flügen bedient. Technische Landungen werden auf jene
begrenzt, die in Artikel II des Zusatzabkommens in der abgeänderten Form
aufgeführt sind."

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NIXON: EXPORTKONTROLLEN WERDEN NUR KURZ SEIN
- Auszüge aus der Rundfunkrede vom 30. Juni -

WASHINGTON --(AD)— Präsident Nixon hat in einer Rundfunkrede am 30. Juni
betont, daß die verfügten Exportkontrollen zwar notwendig sind, aber nur
von kurzer Dauer sein werden. Langfristig gebe es, so erklärte der Präsident,
nur ein wirksames Mittel gegen Preiserhöhungen, nämlich ein zur Deckung der
Nachfrage ausreichendes Warenangebot. Die wichtigsten Teile der Rede des
Präsidenten haben folgenden Wortlaut:
"Vor 18 Tagen habe ich ein Einfrieren der Preise angeordnet und angekündigt, daß auf diesen Preisstopp ein neues und schärferes Kontrollprogramm
zur Eindämmung der Inflation folgen wird...
Seit mehreren Jahren hat es in der gesamten westlichen Welt eine hohe
Inflationsrate gegeben. In dem im April abgelaufenen Jahr sind die Verbraucherpreise in den Vereinigten Staaten wesentlich langsamer gestiegen,
als dies in Großbritannien, Frankreich, Westdeutschland, Kanada oder Japan
der Fall war. Mit der Ausweitung des Welthandels trägt dieser inflationistische Druck im Ausland auch zu einem inflationistischen Druck in den Vereinigten Staaten bei: Wenn irgendwo die Preise steigen, bietet die Jagd nach
knappen Gütern im Ausland einen gewinnträchtigeren Markt, als dies in den
Vereinigten Staaten selbst der Fall wäre.
•!, .
.

»1-

Im

�\

Im letzten Jahr sind unsere Agrarexporte allein um 50 Prozent von
noch nicht acht Milliarden Dollar auf fast 12 Milliarden Dollar gestiegen.
Gleichzeitig hatte die amerikanische Landwirtschaft 1972 unter den ungünstigsten Wetterverhältnissen zu leiden, die wir jemals hatten - sowohl für
Ackerbau wie auch für Viehzucht. Die Agrarerzeugung steigt jetzt wieder an;
die Aussichten für dieses Jahr sind im allgemeinen gut.
Beispielsweise wird die Weizenernte dieses Jahr die größte sein, die
wir jemals hatten. Die zahlreichen von uns ergriffenen Maßnahmen zur Steigerung der Agrarerzeugung - darunter auch die Freigabe von weiteren 40 Millionen Acres Land für die Bestellung - wird letztlich zu einem größeren Angebot
von Agrarerzeugnissen auf dem Markt und so zu einer Entspannung bei den
hohen Lebensmittelpreisen führen. Bis dahin müssen wir jedoch höhere Lebensmittelpreise zahlen, weil ein begrenztes Angebot und eine stärkere weltweite
Nachfrage zusammenfallen....
Die sich aus den Verknappungen ergebenden Probleme, die diese Exportkontrollen notwendig machen, sind nur vorübergehender Natur. Daher bin ich
zuversichtlich, daß die Notwendigkeit von Exportkontrollen für Agrarerzeugnisse auch nur vorübergehend sein wird. Sobald im Herbst die diesjährige
Ernte eingebracht ist, rechnen wir damit, daß wir dann den anderen Ländern
wieder Zugang zu diesen Erzeugnissen gestatten können. Während dieser kurzen Zeit, in der Kontrollen notwendig sind, werden wir alles in unseren Kräften stehende tun, um sicherzustellen, daß unsere traditionellen Abnehmer so
wenig wie möglich Schaden erleiden, und wir werden stets unser ständiges Ziel
im Auge behalten, Fortschritte in Richtung auf mehr - und nicht auf weniger Welthandel zu machen.
Einen Punkt möchte ich heute nachmittag noch ganz besonders herausstellen: Kontrollen können nur kurzfristig Abhilfe schaffen; langfristig würde
eine Abhängigkeit von Kontrollen der Volkswirtschaft abträglich sein und
unserem Wohlstand schaden.
Langfristig

-2-

�Langfristig gibt es nur eine Möglichkeit - nur die eine Möglichkeit -,
um die Preise niedrig zu halten, nämlich ein zur Deckung der Nachfrage ausreichendes Angebot, während gleichzeitig eine verantwortungsbewußte Haushalts-und Währungspolitik verfolgt wird. Kontrollen schaffen uns nicht ein
solches Angebot; genau so wenig sind sie ein Ersatz für fiskalische und
monetäre Disziplin.
Aus diesem Grunde habe ich durchschlagende Maßnahmen ergriffen, um eine
Ausweitung des Angebots bei den wichtigsten Erzeugnissen zu fördern. Wir haben versucht, in unserer Landwirtschaftspolitik eine Kehrtwendung zu vollziehen; wir haben uns von der alten Politik, die Einkommen in der Landwirtschaft durch Begrenzung des Angebots und Anheben der Preise hoch zu halten,
«
abgewandt und sind zu einer neuen Politik übergegangen, die Einkommen durch
Steigerung des Angebots und Ausweitung der Absatzmärkte hoch zu halten. Wir
haben versucht, nicht mehr benötigte Vorräte an industriellen Rohstoffen
schneller abzustoßen. Wir haben eine Handelspolitik aufgenommen, die es uns
ermöglichen wird, vermehrt solche Erzeugnisse einzuführen, die andere Länder
rationeller herstellen, und vermehrt solche Erzeugnisse zu exportieren, die
wir rationeller herstellen. Wir ergreifen

Maßnahmen zur Steigerung der Pro-

duktivität .
Was immer wir auch zur Steigerung des Angebotes unternehmen, es kann
unzulänglich sein, wenn wir nicht auch die Ausweitung der Nachfrage in vernünftigen Grenzen halten. Aus diesem Grunde müssen wir nicht nur unnützen
Regierungsausgaben fest entgegentreten, sondern auch solchen Regierungsausgaben, die zwar angebracht wären, die wir uns aber nicht leisten können.
Der Kampf gegen höhere Preise beginnt mit dem Kampf um den Bundeshaushalt.
Ich werde daher weiterhin jede Maßnahme unterstützen, die einer verantwortungsbewußten Haushaltspolitik dient, und jedem Versuch widerstehen, eine solche
Politik aufzugeben.
Die

-3

�Die von der Federal Reserve Bank verfolgte Politik des knappen Geldes
ist zur Eindämmung der Inflation notwendig. Kurzfristig kann diese Politik
zu einem Ansteigen der Zinsen führen. Aber es ist besser, eine Zeitlang mit
hohen Zinsen zu leben als mit einer noch höheren Inflationsrate - und als
Folge davon mit noch höheren Zinssätzen auf lange Zeit...".

-4-

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US-SOJABOHNENEXPORTE WERDEN TROTZ KONTROLLEN ALLE BISHERIGEN REKORDE
BRECHEN
Von John Holway

WASHINGTON --(AD)— Die amerikanischen Sojabohnenexporte werden dieses Jahr,
trotz der Kürzungen in den nächsten drei Monaten bei noch nicht ausgelieferten Kontrakten, alle bisherigen Rekorde brechen. Insgesamt dürften rund
17 Millionen metrische Tonnen Sojabohnen und Sojabohnenschrot - fast drei
Millionen Tonnen mehr als im Vorjahr und fast zwei Millionen Tonnen mehr
als im bisher besten Exportjahr - bis zum Jahresende ausgeführt werden. Von
diesen 17 Millionen Tonnen werden rund 12,3 Millionen Tonnen auf Sojabohnen und 4,7 Millionen Tonnen auf Sojabohnenschrot entfallen.
Für den inneramerikanischen Verbrauch werden mit rund 15,7 Millionen
Tonnen Sojabohnen etwa die gleichen Mengen wie im letzten Jahr benötigt werden. Somit können von der neuen Ernte, die alle Rekorde zu übertreffen verspricht, 52 Prozent exportiert werden. Dies würde prozentual wie auch mengenmäßig alle früheren Exportergebnisse brechen.
Das amerikanische Handelsministerium hat am Wochenende eine Bestandsaufnahme vorgenommen und dabei festgestellt, daß nach Abzug der zur Deckung
des inneramerikanischen Bedarfs benötigten Mengen zur Zeit nur noch etwa
800 000 Tonnen Sojabohnen für den Export verfügbar sind. Dies würde aus-

-1-

�ausreichen, um die abgeschlossenen Kontrakte etwa zu 50 Prozent zu erfüllen. Eine ähnliche Situation ergab sich bei Sojabohnenschrot, wo festgestellt
wurde, daß nach Abzug der zur Deckung des inneramerikanischen Bedarfs benötigten Mengen noch etwa 75 000 Tonnen für den Export verfügbar sind. Dagegen ergaben die angestellten Erhebungen, daß die vorhandenen Bestände bei
Baumwollsaatkuchen zur Deckung des inneramerikanischen Bedarfs sowie zur
Erfüllung der anstehenden Kontrakte ausreichten.
Daher hat das US-Handelsministerium an Stelle des Exportembargos für
die nachstehenden Agrarerzeugnisse nunmehr ein Lizenzierungssystem bekanntgegeben, das eine Erfüllung der anstehenden Exportkontrakte - Stichtag 13.
Juni - wie folgt gestattet:
-- Sojabohnen: 50 Prozent
-- Sojabohnenkuchen und Schrot: 40 Prozent
—

Baumwollsaaten: 100 Prozent

—

Baumwollsaatkuchen und Expeller: 100 Prozent

Die Exportbeschränkungen für Sojabohnen wie auch bei anderen Agrarerzeugnissen dürften aufgehoben werden, sobald die Ernte.im September eingebracht ist. Die Entscheidung darüber wird letztlich aber davon abhängen, wie
hoch die eingebrachte Ernte tatsächlich ist, wie hoch die Exportnachfrage
sein wird und wie sich die Preise dann in den Vereinigten Staaten einpendeln
werden.
Die jetzt vom Handelsministerium auf der Basis der einzelnen Kontrakte
ausgestellten Lizenzen für die Ausfuhr von Sojabohnen verlieren ihre Gültigkeit am 15. September; bei den beiden Nachfolgeprodukten ist der Stichtag
der 15. Oktober. Die erteilten Lizenzen für die Ausfuhr von Baumwollsaaten
erlöschen mit dem 15. August, bei den Nachfolgeprodukten am 15. Oktober. Unabhängig hiervon bleibt das Meldesystem für Exporte für diese wie auch alle
anderen Agrarerzeugnisse gemäß dem Export Controll Bulletin des OEC (Amt für

-2-

�für Exportkontrollen) Nr„ 84 (a) vom 13. Juni und Nr. 87 vom 28, Juni voll
in Kraft. Unter dieses Meldesystem fallen unter anderem; Weizen, Reis, Gerste,
Mais, Roggen, Hafer, Hirse, Sojabohnen und -Produkte sowie Baumwollsaaten
und -Produkte
Die Ermächtigung für die US-Regierung zur Einführung von Exportlizenzen aufgrund einer Verknappung im Inland, eines schwerwiegenden Preisaul
triebs und einer anomalen Auslandsnachfrage ist mit dem Export Administration Act von 1969 gegeben. Zwar sind die Befugnisse des Präsidenten aufgrund
dieses Gesetzes eng begrenzt, doch ist die gegenwärtige Situation so, daß die
Bestimmungen des Gesetzes erfüllt sind.
Von maßgebenden amerikanischen Stellen wird in diesem Zusammenhang unterstrichen, daß aufgrund der neuen Lizenzierungsbestimmungen kein Abnehmer
gegenüber einem anderen bevorzugt werden soll. Gleichzeitig wird darauf verwiesen, daß die amerikanischen Sojabohnenexporte in den ersten acht Monaten
dieses Jahres mit 10,3 Millionen metrischen Tonnen bereits höher sein werden als im gesamten Kalenderjahr 1972, in dem sie 10,2 Millionen metrische
Tonnen betrugen. So wird zum Beispiel die Bundesrepublik Deutschland

in den

ersten acht Monaten dieses Jahres 1,3 Millionen metrische Tonnen erhalten
gegenüber 1,29 Millionen metrische Tonnen im Kalenderjahr 1972.

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25/1973
VOLCKER FORDERT INTERNATIONALE ZUSAMMENARBEIT IN WÄHRUNGSFRAGEN
-Auszüge aus der Erklärung des Staatssekretärs vor dem Gemeinsamen Wirtschaftsausschuß des US-Kongresses-

WASHINGTON --(AD)-- Der Staatssekretär im amerikanischen Finanzministerium,
Paul Volcker, hat am 26. Juni erneut die Bedeutung einer internationalen
Zusammenarbeit in Währungsfragen unterstrichen und dabei zu der gegenwärtigen Situation auf den Devisenmärkten Stellung genommen. Die wesentlichen Teile der Erklärung des Staatssekretärs vor dem Gemeinsamen Wirtschaftsausschuß des US-Kongresses haben folgenden Wortlaut:
"Die Frage, mit der sich der Unterausschuß beschäftigt - »wie bewähren sich die schwankenden Wechselkurse1 - ist im Augenblick von besonderem Interesse, sowohl im Zusammenhang mit den jüngsten Entwicklungen
auf den Devisenmärkten wie auch aufgrund der Auswirkungen auf die Verhandlungen über eine Reform des internationalen Währungssystems. Gleichzeitig
müssen wir uns aber auch darüber klar sein, daß abschließende Antworten
noch nicht möglich sind, denn wir befinden uns weitgehend auf einem neuen
und noch nicht voll ausgeloteten Gebiet...

Ich möchte annehmen, daß auf-

grund der jüngsten Erfahrungen drei große Schlußfolgerungen gezogen werden können, wobei wir uns klar sein müssen, daß wir auf jedem dieser Gebiete noch viel zu lernen haben.
1.)

�1.) Die derzeitigen Vereinbarungen für die Devisenmärkte sind angesichts
der gegenwärtigen Übergangsperiode zu einem befriedigerenden Zahlungsbilanzgleichgewicht und zu einem reformierten Währungssystem angebracht. Diese Auffassung wird meines Erachtens von den Regierungen praktisch aller
großen Länder geteilt.
Dies besagt aber nicht, daß damit Ausmaß oder Richtung der jüngsten
Wechselkursveränderungen für richtig befunden werden. Tatsächlich entsprechen, wie ich betont habe, die im Februar festgelegten Wechselkursparitäten meiner Ansicht nach wie auch nach Ansicht der meisten Regierungen
weit stärker den langfristigen Aussichten, und die täglichen Schwankungen
der Wechselkurse waren häufig weit größer, als mir lieb war. Unter den derzeitigen Gegebenheiten sind jedoch die praktisch möglichen Alternativen
zu den gegenwärtigen Vereinbarungen unbefriedigend. Ein Versuch, jetzt ein
starres System von Wechselkursen festzulegen, würde das Risiko einer Rückkehr zu massiven Kapitalflüssen, verstärkter Restriktionen und dazwischenliegender Schließung der Märkte heraufbeschwören - genau die Bedingungen,
die wir vermeiden wollen und vermieden haben.
.... Ich habe bereits gesagt, daß nach meiner Auffassung die im Februar
und März festgelegten Wechselkurse im großen ganzen den Anpassungserfordernissen entsprechen. In diesem Lichte gesehen scheint die weitere Aufwertung
der meisten europäischen Währungen in den letzten Wochen - die zwar vorübergehend die wettbewerbliche Anpassung verstärkt - viel zu weit gegangen zu
sein, und sie dürfte in ihr Gegenteil umschlagen. Der springende Punkt ist
jedoch, daß die Geschäftsleute, Händler und Finanziers nach einer Zeit der
Veränderungen und der Unsicherheit nunmehr fest davon überzeugt werden
müssen, daß das System der Wechselkurse den gegenwärtigen und den künftigen
wirtschaftlichen Gegebenheiten voll entspricht und nicht künstlich zustandegebracht worden ist. Meines Erachtens müssen wir das Verhalten des Marktes
selbst beoachten, das uns helfen wird, zu einer solchen Auffassung zu kommen, und sie auch bekräftigen dürfte.
Wir

-2-

�Wir haben während dieser Zeit eine staatliche Intervention nicht ausgeschlossen... In unseren Ausführungen vor dem Unterausschuß im September
letzten Jahres haben der Vorsitzende (des Federal Reserve Board) Burns und
ich die von der Regierung in Bezug auf eine staatliche Intervention ganz
allgemein verfolgte Politik dargelegt und zwar zu einer Zeit, bevor noch in
stärkerem Maße von einer Freigabe der Wechselkurse

Gebrauch gemacht worden

war. Ich habe dargelegt, daß wir nicht beabsichtigen, entgegen dem allgemeinen Trend in der Entwicklung der Zahlungsbilanz den Dollar künstlich zu
stützen. Wir waren uns darüber im klaren, daß die Stärke des Dollar letztlich
auf einer anderen, grundlegenden Politik zur Verbesserung unserer Zahlungsbilanz basieren muß.
Jede aktive Intervention von unserer Seite würde von uns selbst kontrolliert sein; sie würde zu einem Zeitpunkt und in einer Größenordnung - groß
oder klein - erfolgen, wie sie uns angesichts der Marktsituation angebracht
erscheint, und sie würde zu dem Zweck erfolgen, mit zur Bekämpfung der spekulativen Kräfte beizutragen, die zugegebenermaßen zu unnötiger Unruhe und
Belastung auf den Devisenmärkten führen können.
Meines Erachtens sollte diese grundlegende Politik unser Verhalten angesichts der neuen Situationen eines weitverbreiteten Floatens weiter bestimmen... Für den Augenblick wollen wir uns ein flexibles Instrument erhalten,
das wir im Interesse geordneter Marktverhältnisse und unter Berücksichtigung
der jeweiligen besonderen Gegebenheiten einsetzen können.
2.) Die verfügbaren Informationen sind zwar langfristig nicht überzeugend, lassen jedoch darauf schließen, daß die gegenwärtigen Übergangsvereinbarungen das Volumen des Handels und der langfristigen Investitionen weder in der einen noch in der anderen Richtung ernstlich beeinflußt haben.
Die massiven Flüsse kurzfristigen Kapitals, die Teil der Schwäche früherer
Vereinbarungen waren, sind eingedämmt worden, zum Teil durch Kontrollen,
aber auch durch Wechselkursvereinbarungen
3.)

�3.) Die derzeitigen Vereinbarungen sind kein Ersatz für eine vereinbarte langfristige Reform.
Die Fragen, um die es bei einer langfristigen Reform des internationalen
Währungssystems geht, sind weit umfassender als die Frage der Wechselkurspraktiken.
Die internationale Zusammenarbeit - die durch die Gepflogenheiten der
Vergangenheit, die Anerkennung der gemeinsamen Interessen sowie die gegenwärtigen engen Konsultationen gefördert wurde

- hat meines Erachtens die derzei-

tige Herausforderung bestanden. Langfristig wird diese Zusammenarbeit aber
nicht in einem Rahmen von ad hoc-Entscheidungen gedeihen können, sondern nur
in einem Rahmen vereinbarter Regeln, die klar abgefaßt sind und im gemeinsamen Interesse liegen. Derartige Bestimmungen haben wir zur Zeit nicht. Das
ist die grundlegende Aufgabe unserer Reformbemühungen.
Bei diesen Bemühungen ist bis jetzt noch keine Übereinstimmung hinsichtlich spezifischer Wechselkursbestimmungen erreicht worden. Meines Erachtens
ist es jedoch fair, zu sagen, die jüngsten Erfahrungen scheinen die Auffassung
zu unterstützen, daß eine wesentlich größere Flexibilität in der Handhabung
der Wechselkurse, als dies unter dem System von Bretton Woods der Fall war,
notwendig und wünschenswert sein wird. Gleichzeitig wird in weiten Kreisen die
Auffassung vertreten, daß die internationale Zusammenarbeit und die Überwachung
der Wechselkurspraktiken erleichtert wird, wenn die Konzeption fester Wechselkurse - von Paritäten oder Mittelwerten - beibehalten wird. Die Frage sollte nicht lauten:»Stabilität» oder 'Instabilität», sondern vielmehr: welches
ist das beste Mittel, um im Einklang mit den anderen Zielen und der internationalen Zusammenarbeit ein Höchstmaß an Stabilität auf dem Markt zu erreichen.
Meines Erachtens können wir und die anderen viel von den jüngsten Erfahrungen lernen. Ich bin nicht allzu glücklich über die meines Erachtens unnötige Abwertung des Dollar in den letzten Wochen oder über das Ausmaß einiger der tagtäglichen Schwankungen der Wechselkurse. Aber ich bin zufrieden,

-4.

�zufrieden, daß der Druck auf dem Devisenmarkt in einer Zeit großer Unsicherheit auf den Finanzmärkten neutralisiert und in einer Form abgelassen worden ist, die im Einklang mit unseren grundlegenden Zielen und Erfordernissen
wie auch denen der anderen Länder steht. Vor allem die Wirtschaftspolitik
im In-und Ausland hat durch die Notwendigkeit, daß wir uns mit massiven
Flüssen spekulativen Kapitals in einer krisenhaften Atmosphäre befassen
mußten, keinerlei Störungen erfahren. Die internationalen Geschäfte sind
nicht beeinträchtigt worden. Der grundlegende Prozeß einer internationalen
Anpassung ist im Gange.
Die jüngsten Erfahrungen weisen uns aber auch auf bestimmte grundlegende Faktoren hin. Keine internationale Währungsvereinbarung kann hohe Stabilität schaffen, wenn unsere nationalen Volkswirtschaften instabil und inflationsträchtig sind. Das internationale Vertrauen muß aus einer stetigen
Entwicklung im Inland erwachsen. Unsere monetären Techniken werden nur dann
wirksam und von Bestand sein, wenn sie das Ergebnis einer umfassenderen
internationalen Übereinstimmung und Zusammenarbeit sind.
Alles in allem sind die derzeitigen Vereinbarungen kein Zaubermittel
zur Lösung unserer Probleme oder das Ende des Weges zu einer Reform des internationalen WährungsSystems. Aber sie scheinen sich im Augenblick zu bewähren, und sie sind uns eine Lehre und geben uns Erfahrungen, die bei unseren Planungen für die Zukunft nicht übersehen werden dürfen.'1

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25/1973
BURNS: RÜCKGGANG DES DOLLAR-KURSES UNGERECHTFERTIGT
-AuszügeWASHINGTON — ( A D ) — Der Vorsitzende des Federal Reserve Board, Arthur Burns,
hat am 27. Juni vor dem Gemeinsamen Wirtschaftsausschuß des US-Kongresses
zu den jüngsten Entwicklungen auf den Devisenmärkten Stellung genommen.
Die wesentlichen Teile der Erklärung von Burns haben folgenden Wortlaut:
"Einige Wirtschaftler werden vielleicht den jüngsten Rückgang des
internationalen Kurswertes des Dollar mit Genugtuung betrachten. Ich gehöre
nicht zu ihnen. Wenn der Wert einer Währung absinkt, so werden die Bemühungen eines Landes zur Eindämmung der Inflation immer schwieriger. Denn in
einem solchen Fall steigen die Preise für Importgüter, und dieser Preisanstieg überträgt sich sowohl auf einheimische Ersatzerzeugnisse als auch
auf solche Endprodukte, die auf importierten Rohstoffen basieren.
Inzwischen belebt sich der Export; und wenn gleichzeitig die Binnenmarktpreise direkten Kontrollen unterworfen werden, wie dies jetzt bei uns
der Fall ist, so können sich bei einheimischen Erzeugnissen störende Engpässe auf dem Markt entwickeln.
Im Gegensatz zu früheren Abwertungen, die zur Wiederherstellung des
Gleichgewichtes bei unseren internationalen Transaktionen erforderlich waren,
war der Rückgang des Dollarkurses im Mai und Juni bedauerlich. Er läßt
sich bestimmt nicht rechtfertigen, wenn man das internationale Preisniveau

-1-

�Preisniveau oder die grundlegenden wirtschaftlichen Entwicklungen realistisch
betrachtet.
Doch dies ist nicht alles. Sofern die übermäßig große Abwertung des
Dollar andauert, würde dies mit der Zeit zu einem unerwünscht großen Handelsüberschuß führen. Anders gesagt, wir würden dann alle transferierbaren
Hilfsquellen der übrigen Welt zu preislich günstigen Bedingungen zur Verfügung stellen, statt sie hier im Inland zu nutzen. Eine solche Entwicklung
wäre von unserem Standpunkt aus nicht nur sinnlos, sondern würde auch zu
Schwierigkeiten für die anderen Länder führen, von denen die meisten weit
mehr als die Vereinigten Staaten vom Außenhandel abhängig sind. Eine weitere
Überlegung, die wir berücksichtigen müssen, ist, daß die ständige Entwertung
unserer Währung mit der Zeit das Vertrauen in die Rolle des Dollar als Handelswährung untergraben würde. Damit würde aber die internationale Rolle
unseres hoch entwickelten Finanzsystems geschwächt werden.
Obwohl der Rückgang des internationalen Wertes des Dollar seit Mitte
Mai, was die Situation unserer Wirtschaft oder unserer Zahlungsbilanz anbetrifft, ungerechtfertigt ist, hat es bisher keinerlei Interventionen seitens
unserer Regierung auf den Devisenmärkten gegeben.
Diejenigen, die alle Dollar abstoßen - sei es, weil sie sichergehen
oder weil sie schnell Gewinne realisieren wollen - werden wahrscheinlich
durch die Entwicklungen auf dem Markt selbst bestraft werden. Die Zentralbanken der großen Länder werden auf jeden Fall nicht auf unbegrenzte Zeit
hinaus abseits stehen. Die Situation wird genau beobachtet.
Wie auf der Konferenz am 16. März in Paris vereinbart, stehen wir und
die Währungsbehörden der anderen Länder bereit, zu intervenieren, um die
Aufrechterhaltung geordneter Bedingungen auf den Devisenmärkten zu erleichtern. Unter den gegenwärtigen Umständen, da zahlreiche zwischen den Ländern
der Welt stehende Finanz-,Handels- und politische Fragen noch ungelöst sind,
müssen die gegenwärtigen Wechselkursvereinbarungen - die, wie ich hoffe,
nur geringe Interventionen der Zentralbanken erfordern werden - beibehalten

-2-

�beibehalten werden. Diese Vereinbarungen haben ihre Vorteile. Die Auswirkungen spekulativer Käufe und Verkäufe auf den Devisenmarkt spiegeln sich
in den Wechselkursschwankungen wider und setzen sich schließlich selbst eine
Grenze.

In den letzten Wochen waren wir in der Tat in der Lage, eine Krisen«,

atmosphäre zu vermeiden,

die sich entwickelt hätte, wenn die Währungsbehör-

den immer noch verpflichtet gewesen wären , bestimmte Wechselkurse durch unbegrenzte staatliche Interventionen zu stützen. Es ergab sich keine Notwendigkeit, den Markt zu schließen, um massive internationale Geldtransaktionen
zu verhindern. Ferner haben verschiedene Länder festgestellt, daß die gegenwärtigen Floating-Vereinbarungen es ihnen ermöglichen werden, die Ausweitung
des Geldumlaufes sowie die innere Verschuldung besser in den Griff zu bekommen. . .
,-,.

Ich möchte auf die Aussichten für die amerikanische Zahlungsbilanz

nur kurz eingehen, denn ich bin der Meinung, daß die Aussichten für unsere
Zahlungsbilanz sich aufgrund der Neufestsetzung der Wechselkurse 1970/71
und Anfang 1973 wesentlich verbessert haben.
Alles in allem ist der Dollar bis April dieses Jahres gegenüber den
anderen Ländern seit Mitte 1970 praktisch um rund 16 Prozent und gegenüber
einigen unserer stärksten Konkurrenten wie Japan und Deutschland um wesentlich mehr abgewertet worden. Dies ist eine große Anpassung, und sie hat die
internationale Wettbewerbsfähigkeit amerikanischer Erzeugnisse wesentlich
verbessert.
Die Wechselkursänderungen der letzten Jahre beginnen bereits, sowohl
bei unseren Exporten als auch bei unseren Importen greifbare Ergebnisse zu
zeitigen. Bisher hat dieses Jahr eine merkliche Verbesserung der Handelsbilanz gebracht. Das Handelsdefizit in den Monaten März bis Mai - die letzten
drei Monate, für die Zahlen vorliegen - stellte sich auf eine Jahresrate
von 1,3 Milliarden Dollar gegenüber einer Jahresrate von 6,8 Milliarden
Dollar im Kalenderjahr 1972. Ein großer Teil dieser Verbesserung ist auf die
hohen Agrarexporte zurückzuführen, die wahrscheinlich nur vorübergehend

3-

�vorübergehend waren, so daß die wirkliche Verbesserung nicht so groß ist,
wie dies die Zahlen vermuten lassen. Wir sollten in den kommenden Monaten
auf einige vorübergehende Rückschläge gefaßt sein. Der Wert der nicht-landwirtschaftlichen Exporte war in den Monaten März bis Mai um 18 Prozent höher
als noch sechs Monate zuvor. Die neuen Auslandsaufträge für Maschinen im
ersten Quartal dieses Jahres lagen um 16 Prozent höher als im dritten Quartal
des letzten Jahres. Inzwischen scheint die Zunahme unserer Gesamtimporte
nachgelassen zu haben, auch wenn im Mai ein starker Importstoß zu verzeichnen
war - wahrscheinlich weitgehend aufgrund der jüngsten Preiserhöhungen für
importierte Lebensmittel und Rohstoffe.
Im Laufe dieses Jahres und 1974 können wir mit weiteren Verbesserungen
in unserer Außenhandelsbilanz rechnen, nicht nur aufgrund der kumulierenden
Wirkung unserer verbesserten Wettbewerbsposition, sondern auch, weil der
Wirtschaftszyklus sich zu unseren Gunsten verändern dürfte.
Die Zunahme der realen Gütererzeugung in den Vereinigten Staaten hat sich
auf eine gemäßigtere und stetigere Rate zurückzubilden begonnen, was die Ausweitung unseres Importes dämpfen dürfte. Auf der anderen Seite nimmt die
Wirtschaftstätigkeit in den anderen Ländern, die unseren Export am stärksten
beeinflußt, ständig weiter stark zu. Die Verbesserung unserer Handelsbilanz
in diesem Jahr dürfte daher wahrscheinlich 1974 und 1975 noch zunehmen, so
daß wir in diesen Jahren erstmalig seit Ende der sechziger Jahre wieder einen
beträchtlichen Handelsüberschuß erzielen werden.
Gleichzeitig mit der Verbesserung der Handelsbilanz kann sich auch eine
Verbesserung bei anderen internationalen Transaktionen ergeben - vor allem
beim Kapitalverkehr. Nachdem der Dollar heute so viel billiger als vor zwei
oder drei Jahren ist, könnten ausländische Investoren mehr daran interessiert
sein, Besitz in den Vereinigten Staaten zu erwerben - Unternehmen, Grundbesitz
oder Wertpapiere. Es gibt bereits zahlreiche Anzeichen für eine solche Zunahme des ausländischen Interesses. Auf der anderen Seite dürfte der höhere
Preis, den Amerikaner heute für Devisen zahlen müssen, den Anreiz verringern,

-4-

�verringern, Unternehmen im Ausland zu errichten oder ausländische Wertpapiere
zu erwerben.
Diese günstigen Aussichten für die amerikanische Handels-und Zahlungsbilanz setzen natürlich voraus, daß der inflationistische Druck im Inland
eingedämmt wird. Ich bin über die hohe Inflationsrate, die wir in den letzten
Monaten hatten, sehr beunruhigt.
Kein Wechselkurssystem oder internationales Währungssystem kann richtig
arbeiten, wenn die großen Industriestaaten, vor allem die Vereinigten Staaten, die Inflation nicht besser unter Kontrolle bringen, als dies bis jetzt
der Fall war."

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25/1973

AMERIKANISCH-SOWJETISCHES GEMEINSCHAFTSPROJEKT DER TIEFSEEFORSCHUNG

--(AD)-- Unmittelbar nach der Unterzeichnung des Abkommens zur Zusammenarbeit in der Meeresforschung, das Präsident Nixon und der Generalsekretär der KPdSU, Leonid Breschnew, für die USA und die Sowjetunion im
Juni 1973 schlössen, hat die praktische Arbeit begonnen. Am 2. Juli 1973
lief das sowjetische Forschungsschiff AKADEMIK KURCHATOW in New York ein,

um Wissenschaftler der Columbia-Universität an Bord zu nehmen, die gemeinsam mit sowjetischen Kollegen Untersuchungen im Gebiet des MittelatlantikRückens und vor Island durchführen werden. Von Bord des sowjetischen
Schiffes aus wird Dr. Marcus G. Langseth, der vor allem durch neuartige
Meßmethoden für die Mondforschung im Rahmen des APOLLO-Programms bekannt
geworden ist, geothermische Messungen vornehmen, während Dr. John Ewing
seismische Experimente durchführt.
Die KURCHATOW-Expedition gilt in erster Linie der Vorbereitung künftiger gemeinsamer Sondierungen des Meeresuntergrundes mit Tiefbohrschiffen wie der GLOMAR CHALLENGER. Dieses amerikanische Forschungsschiff
hat seit 1968 bereits mehr als 30 Expeditionen durch die Weltmeere unternommen. Ähnlich wie das Columbia-Forschungsschiff VEMA lieferte es unschätzbar wertvolles wissenschaftliches Material zu Fragen der Veränderung
der Erdoberfläche, Z.B« der Kontinentalverschiebung, infolge dynamischer
Vorgänge in der Erdkruste,sowie zu Gesetzmäßigkeiten bezw. Lagebestimmungen für Rohstoffvorkommen.
Die

-i"

�Die Forschungsfahrten wurden unter der Leitung der US-Nationalstiftung für die Wissenschaft (National Science Foundation - NSF) bisher von
fünf amerikanischen Meeresforschungsinstituten und Universitäten geplant und
vorbereitet. Auch Wissenschaftler aus einer Reihe anderer Länder, u.a. der
Bundesrepublik, nahmen daran teil. Seit kurzem gehört auch das Sowjetische
Institut für Ozeanologie, in dessen Auftrag die KURCHATOW fährt, zu diesem
Gremium. Anläßlich des Empfangs der sowjetischen Wissenschaftler in New York
äußerte Dr. Mani Talwani, der Direktor des Geologischen Lamont-Doherty-Observatoriums der Columbia-Universität, die Hoffnung, daß sich künftig auch
einige europäische Institute beteiligen. Dann bestünde die Möglichkeit, das
Projekt "Tiefseebohrungen" über 1975 hinaus zu verlängern.
Man hofft, im Laufe der Zeit ca. 4 000 m tief in den Meeresuntergrund
vordringen zu können. (Die GLOMAR CHALLENGER vermag mit ihren gegenwärtigen
Ausrüstungen bis etwa 1 000 m Tiefe zu bohren, und zwar bei Wassertiefen
bis 6 000 m . ) . Damit ließen sich u.a. die Grenzen der Kontinentalsockel un'd
damit auch Ort und Ausdehnung der Sedimentbecken in den Meeren genauer ermittein, in denen Erdgas und Öl zu finden sind.
Mehr als bisher sollen bei den künftigen Studien mit Forschungsschiffen
auch Erdsatelliten in Anspruch genommen werden, die es ermöglichen, geographische Positionen auch auf offener See
zu bestimmen.

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auf wenige hundert Meter genau

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25/1973

NEUES DIALYSEGERÄT FÜR DIE HEIMBEHANDLUNG
- Blutdruck ersetzt mechanische Pumpe -

--(AD)-- Ein kleines kompaktes Dialyse-Gerät, das eine Blutwäsche in
nur 70 Prozent der Zeit ermöglicht, die mit den herkömmlichen "künstlichen
Nieren" gebraucht wird, wurde an der Universität Chicago entwickelt. Auf
eine mechanische Pumpe für das Blut, das an halbdurchlässigen Membranen
zum Abfiltern der giftigen Stoffwechselprodukte vorbeigeführt wird, kann
dabei ganz verzichtet werden. Der Blutdruck des Patienten genügt, um den
Weitertransport durch die Maschine in Gang zu halten.
Dr. Edmund J. Lewis, der Direktor des Haemodialyse-Zentrums der Universität Chicago, leitete bereits mehr als 70 erfolgreiche klinische
Tests mit dem neuen Gerät, das Finlay Markley, ein Physiker vom Argonne
National Laboratory,entwickelt hat. Wie bei allen Dialyse-Geräten wird
auch hier Zellophan als Membran-Material benutzt, mit dessen Hilfe Abbauprodukte im Blut, Harnstoff und Kreatinin entfernt und in einer Spezialflüssigkeit auf der Rückseite der Membran, dem sogenannten Dialysat, gesammelt werden. Bei den Tests zeigte sich, daß mit dem neuen Gerät pro
Minute 146 ccm Blut von Harnstoff gereinigt werden, während die Leistung

-l-

�Leistung der menschlichen Niere bei 75 ccm liegt. Für Kreatinin beträgt der
Wert 117 ccm pro Minute; das sind drei Kubikzentimeter weniger als bei der
gesunden menschlichen Niere.
Obgleich die Gesamtoberfläche der Membran mit 1,2 qm um ca. 20 Prozent größer ist als die anderer "künstlichen Nieren", betragen die Ausmaße
des Geräts nur 5 x 5 x 30 cm. Die kompakte Bauweise wurde dadurch möglich,
daß Markley ein neues, wasserbeständiges Klebemittel für das Zellophan entwickelte. Die Membran ist dadurch in der Form von 60 harmonikaähnlich gefalteten Platten, die von einem Netz aus Polypropylen gehalten werden, zu
benutzen, während für das bisher übliche Röhren-Arrangement viel mehr Raum
benötigt wird. Das Gerät verbraucht nur 30 ccm statt der üblichen 100
bis 250 ccm Blut für den Betrieb. Die Membraneinheit wird nur einmal benutzt und dürfte bei Serienproduktion nur wenige Dollars kosten.

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25/1973
BIOLOGISCHES SCHÄDLINGSBEKÄMPFUNGSMITTEL

--(AD)-- Die US-Behörde für Umweltschutz (EPA) hat Maßnahmen in die
Wege geleitet, die zum ersten Mal die kommerzielle Herstellung und die
Anwendung eines biologischen Schädlingsbekämpfungsmittels auf Virusbasis
ermöglichen. In fast fünfjährigen Labor-und Felduntersuchungen sowie
durch Prüfungen von Wissenschaftlern an staatlichen Instituten wurde
nachgewiesen, daß eventuelle Rückstände des Polyhedrose-Virus, das gegen
Samen-und Kapselschädlinge von Baumwollpflanzen eingesetzt werden soll,
für Mensch, Tier und nützliche Insekten unschädlich sind. Angesichts
dieser Ergebnisse wurde der Antrag der Firma International Minerals und
Chemical Corporation (IMC) in Libertyville (Illinois) befürwortet, das
von ihr hergestellte Viron/H von den Bestimmungen auszunehmen, die eine
Rückstands-Toleranzgrenze für Baumwollsamen fordern. Das Unternehmen muß
nunmehr das Präparat bei der EPA registrieren lassen, damit es zum Verkauf
an Baumwollfarmer zugelassen werden kann.
Viron/H ist der Handelsname für ein Virus, das der natürliche Feind
ausgerechnet der Insekten ist, die an Baumwoll-und Tabakpflanzungen
großen Schaden anrichten. Für die Anwendung als biologisches Schädlingsbekämpfungsmittel wird es in der Weise gewonnen, daß man in Verbindung mit
Insekten, die im Laboratorium gezüchtet wurden, Kulturen anlegt.
Bisher

�Bisher benutzte man chemische Präparate zur Bekämpfung der Baumwollkapselschädlinge, insbesondere DDT und Methylparathion. Seit dem 1. Januar
1973 ist jedoch die Anwendung von DDT weitgehend untersagt, auch für den
Schutz von Baumwollplantagen, weil die Rückstände nur sehr langsam abgebaut
werden und in alle nur erdenklichen anderen Produkte und Organismen Eingang
finden. Nach Ansicht von EPA-Wissenschaftlern könnte eine Anwendung des
neuen biologischen Präparates Viron/H auch zur Bekämpfung bestimmter Maisschädlinge in Erwägung gezogen werden. Jedoch sind dazu noch umfangreiche
Untersuchungen erforderlich.

-2-

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Forschen und Einsparen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Aufruf Präsident Nixons zur Verbesserung der Energiesituation -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Amerikanisch-Sowjetisches Protokoll über erweiterten Luftverkehr&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Nixon: Exportkontrollen werden nur kurz sein&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Auszüge aus der Rundfunkrede vom 30. Juni -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;US-Sojabohnenexporte werden trotz Kontrollen alle bisherigen Rekorde brechen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von John Holway&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Volcker fordert internationale Zusammenarbeit in Währungsfragen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Auszüge aus der Erklärung des Staatssekretärs vor dem Gemeinsamen Wirtschaftsausschuss des US-Kongresses -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Burns: Rückgang des Dollar-Kurses ungerechtfertigt&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Auszüge -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Amerikanisch-Sowjetisches Gemeinschaftsprojekt der Tiefseeforschung&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Neues Dialysegerät für die Heimbehandlung&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Biologisches Schädlingsbekämpfungsmittel</text>
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ormciuon
und
Dokumentation

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2j|

United States Information Service
Embassy of the United States of America

26

3. J u l i 1985

INHALT
DOKUMENTATION
Erklärung Präsident Reagans nach Entlassung der Geiseln
- Wortlaut Erklärung von Vizepräsident Bush bei Ankunft der freigelassenen
Geiseln
Die Vereinigten Staaten im Kampf gegen den Terrorismus
- Pressekonferenz von Außenminister Shultz A. J u l i : Wichtig f ü r die F r e i h e i t i n a l l e r Vfelt
- Erklärung Reagans zum amerikanischen Unabhängigkeitstag Präsident Reagan l e g t Nahost-Politik der USA dar
- Interview mit einem arabischen Journalisten -

HINTERGRUNDMATERIAL
Die sowjetische Aufrüstung im Bereich der strategischen Waffen
- Bericht von Sachverständigen des CIA -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
25 Jahre Wetterbeobachtung aus dem Vteltraum
* * * * *

Um Über/endung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�3. J u l i 1985

26

ERKLÄRUNG PRÄSIDENT FEAGANS NACH ENTLASSUNG DER GEISELN

- Wort Laut -

WASHINGTON -

(AD) - Präsident Ronald Reagan hat i n einer Fernsehan-

sprache i n der Nacht des 30. Juni 198!
l e t z t e i 39 Geiseln des TV\A-Fluges als
s e l b s t , für

(Ortszeit)

die Freilassung der

einer Moment der Freude für

sie

ihre Angehörigen und f ü r das armrika ilscha Vo Lk bezeichnet,

aber auch c i e T e r r o r i s t e n vor weiteren Anschlägen gewarnt.
Dil? Ansprache des Präsidenten, die e:- naci derr Abflug der Geiseln von
Damaskus nach Frankfurt/Nain h i e l t , hat folgenden l i b r t l a u t :
Die 39 Amerikaner, die von T e r r o r i s t e n

im Libanon 17 Tage lanc

Geiseln festgehalten wurden, sind f r e i , sicher und i r
auf ihrem Weg nach F r a n k f u r t .

als

diesem Augenblick

Sie werden b.ild wieder daheim s e i n .

Das

i s t e i n Moment der Freude

für s i e , für i h r e Angehörigen und für unsere

Nation; und Amerika ö f f n e t

sein Herz im Dankgebet an den Allmächtigen

Gott.

Wir dürfen dankbar s e i n , daß unser G.auben, unser Mut und unsere

F e s t i g k e i t sich ausgezahlt hahen. Aber das ist: kein Augenblick zum F e i e r n .
Wir wollen keinen

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
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Telex: 8-85432

�Wir wollen keinen Zweifel daran lassen, daß sieben Amerikaner, die
noch im Libanon gefangengehalten werden, zusammen mit weiteren unschuldigen Geiseln aus anderen Ländern freigelassen werden müssen; daß die Mörder von Robert Stethem und unseren Soldaten des Marinekorps und unseren
Zivilisten in El Salvador zur Rechenschaft gezogen werden müssen; daß jene, die in der ganzen Welt für Terrorakt? verantwortlich sind, von zivilisierten Nationen gestellt werden müsser; daß die internationale Gemeinschaft dafür sorgen muß, daß all unsere Flugplätze sicher sind und der
zivile Luftverkehr geschützt wird und daß sich die Welt zusammenschließen
muß, um entscheidende Maßnahmen zu treffen gegen Terroristen, gegen Länder, die Terroristen fördern, und gegen Länder, die Terroristen sicheren
Unterschlupf gewähren.

Dieses Drama hat uns daran erinnert, wie kostbar und zerbrechlich die
Freiheiten und die Normen des Anstandes in einer zivilisierten Gesellschaft sind, wie sehr ein zivilisiertes Leben vom Vertrauen in andere
Menschen abhängt und wie diese Werte, die wir so hoch halten, auch mit
Tapferkeit verteidigt werden müssen - einer Tapferkeit, die still und
tief in der Seele liegen mag, die aber in jeder Zeit der Gefahr hervortritt , wenn wir sie rufen.

Freiheit, Demokratie und Frieden haben Feinde.
schütterliche Freunde haben.

Sie müssen auch uner-

Die Vereinigten Staaten geben Terroristen

keine Belohnungen und keine Garantien. • Wir machen keine Zugeständnisse.
Wir machen keine faulen Geschäfte.

Länder, die Terroristen eine Heim-

statt gewähren, untergraben ihre eigene Stabilität und gefährden ihre eigene Bevölkerung.

Terroristen merkt euch:
euch zurückschlagen.

Wir werden im Libanon und anderswo gegen

Wir werden gegen eure feigen Angriffe auf amerika-

nische Bürger und amerikanisches Eigentum zurückschlagen.

Mehrere Länder haben sich aktiv an den Bemühungen beteiligt, unsere
Mitbürger frei zu bekommen.
nommen.

Syrien hat eine zentrale Verantwortung über-

Die Bemühungen der algerischen Regierung waren ebenfalls ein

�ebenfalls e i n Beispiel der konstruktiven Zusammenarbeit gegen eine d i r e k te Herausforderung durch gesetzlose T e r r o r i s t e n .

König Hussein hat früh

und nachdrücklich eine Verurteilung der Geiselnahmen ausgesprochen.

Auch

Saudi-Arabien l e i s t e t e einen wirkungsvollen B e i t r a g .
Ehrend der

l e t z t e n 17 Tage standen wir auch i n engem Kontakt

mit

I s r a e l und einer Reihe von Regierungen i n Europa und im Nahen Osten sowie
mit

i n t e r n a t i o n a l e n Organisationen, denen a l l e n die Sicherheit

Freilassung der Geiseln e i n großes Anliegen war.
vergessen und a l l
gestanden haben.
getan haben.
getan i s t .

und die

Wir werden das nicht

jenen Dank sagen, die uns geholfen und uns zur Seite
Und wir werden auch jene nicht vergessen, die das nicht

Wir werden nicht ruhen, ehe nicht der Gerechtigkeit Genüge
Wir werden nicht ruhen, ehe nicht die Weltgemeinschaft

P f l i c h t e n nachkommt.

ihren

Wir a p p e l l i e r e n an j e n e , die dazu beigetragen ha-

ben, die Freilassung dieser T WA-Passagiere s i c h e r z u s t e l l e n , noch größere
Energie und noch größeren Einsatz zu zeigen, um die Freilassung a l l e r anderen, die noch im Libanon festgehalten werden, s i c h e r z u s t e l l e n .
appellieren an die

Und w i r

Weltgemeinschaft, ihre Zusammenarbeit zu s t ä r k e n , um

dieses häßliche, gefährliche Übel des Terrorismus auszurotten.

Ich möchte h i e r noch eine persönliche Bemerkung anfügen.

Wie Sie a l -

l e haben Nancy und i c h diese Tage m i t e r l e b t ; und wie Sie haben wir beide
•um das gebetet, was j e t z t eingetreten i s t .

Und wie Sie danken wir Gott

und harren mit angehaltenem Atem auf i h r e endgültige Heimkehr an unsere
Küsten.

- 3 -

�3. J u l i 1985

26

ERKLÄRUNG VON VIZEPRÄSIDENT BUSH BEI ANKUNFT DER FREIGELASSENEN GEISELN

FRANKFURTMAIN -

(AD) - Der amerikanische Vizepräsident George Bush

gab am 1 . J u l i 1985 nach Ankunft der i n Beirut freigelassenen 39 amerikanischen Geiseln die folgende Erklärung ab:
Unsere Leute sind zurück.

Sie sind gesund und werden i n Kürze nach

Hause zu i h r e n Familien kommen.
Während dieser qualvollen Z e i t hatten Sie einen ganz besonderen Platz
i n den Herzen a l l e r Amerikaner - Tag f ü r Tag h o f f t e n und beteten sie f ü r
Ihre sichere Rückkehr.

Sie sind zurück, und Amerika wich nicht von s e i -

nen P r i n z i p i e n ab, um Sie zurückzubringen.

Freunde und Nachbarn h a l f e n

Ihren Familien während der schrecklichen und quälenden Vfertezeit - und
Amerika zeigte sich damit von seiner besten S e i t e .

Und während heute die

Nachricht von Ihrer Freilassung den Äther e r f ü l l t , heißen wir Sie gemeinsam mit Ihren Familien willkommen.

Manchmal schlägt das Schicksal zu und

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�zu und t r i f f t

eine Gruppe von Menschen, und manchmal b r i n g t das Schicksal

eben Tragik und Leiden. Als der TW\-Flug 847 gekapert wurde, bewiesen Sie
Charakter und Mut.

Sie ertrugen diese grausame und schmerzvolle Erfah-

rung tapfer und beherzt.

I h r Land i s t s t o l z auf S i e .

Aber t r a g i s c h war

vor allem auch die brutale Ermordung von Robert Stethem.

Ich stand neben

seiner F a m i l i e , a l s er seine l e t z t e Ruhe fand, und sah die Würde und das
Leid seiner Mutter und seines Vaters.
Dienst seines Landes s t a r b .
Amerikaner

gefangengehalten.

Ihr Sohn war e i n

Held, der im

Und noch heute werden irgendwo im Libanon
Und bei

aller

Freude über

Rückkehr v e r u r t e i l e n die z i v i l i s i e r t e n Menschen i n a l l e r

Ihre

sichere

Vtelt die Taten

d e r e r , deren k r i m i n e l l e s Verhalten das Leiden jener f o r t s e t z t .

Ihre Fa-

m i l i e n , die nicht an der Freude dieses Augenblicks teilhaben können, s o l len wissen, daß unsere Herzen mit ihnen sind und daß wir auch w e i t e r h i n
a l l e Anstrengungen unternehmen werden, um die sichere Rückkehr i h r e r L i e ben zu erreichen.
Sie a l l e .

Ich b i n sehr s t o l z , h i e r zu s e i n , b i n sehr s t o l z auf

Ich b i n s t o l z , mit einem Presidenten zusammenzuarbeiten, der

beim Einsatz der Stärke und der Macht unserer großen Nation Mut, Geduld
und Vfeisheit z e i g t .

Willkommen zu Hause.

* * * * *

- 2-

Gott schütze Amerika.

�3. J u l i 1985

26

DIE VEREINIGTEN STAATEN IM KAMPF GEGEN DEN TERRORISMUS
- Pressekonferenz von Außenminister Shultz -

WASHINGTON George Shultz

(AD) - Am 30. Juni 1985 gab amerikanische Außenminister

anläßlich

der Freilassung

von 39 i n

Beirut

festgehaltenen Amerikanern eine Pressekonferenz, auf der er
zu dem Problem des Terrorismus Stellung nahm.

als

Geiseln

ausführlich

Wir geben im folgenden den

Wortlaut der Pressekonferenz wieder:
FRAGE:

Herr Außenminister, können Sie e r k l ä r e n , weshalb S y r i e n , e i n

Land, das von den Vereinigten Staaten oftmals der Unterstützung von Terroristen bezichtigt

wurde, so h i l f r e i c h gewesen i s t ?

Wird sich daraus

eine Veränderung unserer Haltung gegenüber Syrien ergeben?
ANTWORT:

Ich kenne die Gründe n i c h t , hoffe aber, daß sich daraus ab-

lesen l ä ß t , daß Syrien zu der gleichen Schlußfolgerung gekommen i s t , wie
andere

Staaten auch, nämlich, daß L u f t p i r a t e r i e

und Terrorismus

etwas

Schlechtes sind.
FRAGE:

Was i s t

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�FRAGE:

Was i s t mit den Sieben, die immer noch im Libanon sind? Haf-

fen S i e , daß Syrien sich auch h i e r a l s h i l f r e i c h erweisen könnte? Und wie
steht es mit Vergeltung?
ANTWORT:

Wir haben über die Sieben mit Syrien gesprochen, und wir

haben den meines Erachtens

zutreffenden Eindruck,

daß Präsident

sich i n t e n s i v um eine Lösung dieses Problems bemüht, worüber w i r

Assad
froh

sind.
FRAGE:
ANTWORT:
FRAGE:

Und wie steht es mit Vergeltung? . . .
Kein Kommentar dazu.
Herr Außenminister, was körnen Sie uns über die Möglichkeit

einer Freilassung der i n I s r a e l festgehaltenen libanesischen Gefangenen
sagen . . . ?
ANTWORT:

I s r a e l hatte schon vor a l l diesen Ereignissen zu verstehen

gegeben, daß es die Absicht habe, diese Gefangenen f r e i z u l a s s e n , und heute habe i c h Verteidigungsminister Rabin im amerikanischen Fernsehen sagen
hören, daß diese Gefangenen nur z e i t w e i l i g i n h a f t i e r t seien - i c h glaube,
das waren seine Worte - und daß I s r a e l die Absicht habe, sie
sen.

freizulas-

Ich erwarte daher, daß dies geschehen w i r d .
FRAGE:

Wird das nicht

a l s Gegenleistung verstanden werden, selbst

dann, wenn es keine d i r e k t e Verknüpfung gegeben hat?
ANTWORT:
all

Es g i b t keine Verknüpfung, und da die I s r a e l i s

diesen Ereignissen die Absicht

h a t t e n , entsprechend

zu

schon vor
verfahren,

s o l l t e die Geiselnahme sie nicht daran hindern, das auszuführen, was sie
v o l l und ganz tun w o l l t e n .

Es g i b t also keine Verknüpfung, und i c h g l a u -

be, es i s t sehr w i c h t i g , daß wir und andere, die im Kampf gegen den Terrorismus stehen, zur Kenntnis nehmen, daß eine solche Verknüpfung n i c h t
besteht.
FRAGE:
- 2 -

Herr Außenminister,

�FRAGE:
Israel

hferr

Außenminister,

wollen

noch mit Syrien Gespräche geführt

Sie

sagen,

daß

Sie

weder

mit

haben und daß a l l e s quasi von

selbst abgelaufen i s t ?
ANTWORT:
FRAGE:

N a t ü r l i c h n i c h t . Das w o l l t e i c h n a t ü r l i c h nicht sagen.
Wie i s t es dann gelaufen?

ANTWORT:

Wir haben zahlreiche Gespräche mit v i e l e n Regierungen ge-

f ü h r t , auch mit der israelischen und i n den l e t z t e n Tagen besonders mit
S y r i e n , und wir haben s t e t s b e t o n t , daß diese Geiseln und die anderen,
die

noch

festgehalten

werden, freigelassen werden s o l l t e n .

Wir haben

ferner darauf hingewiesen, daß I s r a e l vor E i n t r i t t dieser Ereignisse dabei gewesen s e i , die Gefangenen zu entlassen, und daß die Geiselnahme daher eindeutig einen Prozeß behindere, der b e r e i t s angelaufen war.
FRAGE:

Können Sie e r k l ä r e n , warum die Dinge gestern ins Stocken ka-

men, warum es eine Verzögerung gab und welche Rolle Syrien bei der Lösung
des Problems gespielt hat?
ANTWORT:

Das Problem bestand augenscheinlich d a r i n , daß die

die sich im Gewahrsam der Hszbollah befanden, nicht

Vier,

freigegeben und mit

der Gruppe der übrigen Geiseln zusammengeführt wurden, aber mir i s t

nicht

bekannt, warum dies geschah und was die B e t e i l i g t e n s c h l i e ß l i c h anderen
Sinnes werden l i e ß .

Ich weiß nur, daß die Syrer gestern abend an uns

herantraten und sagten, daß sie es für n ü t z l i c h halten würden, wenn wir
eine Erklärung mit

einem bestimmten Teror abgäben.

Deshalb

arbeiteten

wir eine Erklärung aus, die die von uns s e i t langem eingenommene Haltung
b e s t ä t i g t e , und v e r ö f f e n t l i c h t e n s i e .
FRAGE:

Haben sie (die Syrer) bei der Abfassung dieses Freilassungs-

szenarios geholfen?
ANTWORT:

Sie haben uns wissen lassen, was die Erklärung ihres Erach-

tens sinnvollerweise

beinhalten

s o l l t e , aber geschrieben wurde sie

von

�sie von uns.

Wie ich bereits sagte, bezieht sie sich auf Dinge, die wir

ohnehin seit langem vertreten, und dürfte daher keinen Anlaß zur Beanstandung geben.

FRAGE:

Liegen Ihnen Hinweise darauf vor, daß der Iran bei der Her-

beiführung oder der Überwindung der Verzögerung zwischen der gestern gescheiterten und der heute erfolgten Freilassung irgendwie beteiligt war?

ANTWORT: Nein.

FRAGE:

Ist die Regierung, wie der Präsident sagte, zur Vergeltung

entschlossen?

ANTWORT:

Räumen Sie mir eine Minute Zeit ein, um Ihnen zu erläutern,

welche Politik wir im Hinblick auf die Bekämpfung des Terrorismus verfolgen.

Erstens

...muß innerhalb des amerikani.schen Volkes ein allgemeines

Bewußtsein der Natur dieser Bedrohung und ihrer Bedeutung bestehen, und
auch eine Einsicht, warum es notwendig ist, ihr gegenüber eine bestimmte
Art von Haltung einzunehmen.

Insbesondere muß man sich darüber im klaren

sein, warum es wichtig ist, mit Terroristen keinen Handel abzuschließen.
Zweitens bemühen wir uns sehr intensiv und mit beträchtlichem Erfolg,
unsere nachrichtendienstlichen Möglichkeiten auszubauen, so daß wir nicht
nur immer besser in der Lage sind, festzustellen, wer der Täter war,
nachdem etwas geschehen ist, sondern auch - und das ist noch wichtiger auf Dinge aufmerksam zu werden, die geschehen könnten.

Es ist wichtig, daß wir dazu in der Lage sind, es ist wichtig, daß
unsere Freunde dazu in der Lage sind, und es ist wichtig, daß die nachrichtendienstlichen Netze untereinander verflochten sind.

In den vergangenen neun Monaten waren wir in über 60 Fällen in der
Lage, Dingen auf die Spur zu kommen, die wahrscheinlich geschehen wären,
- 4 -

�geschehen wären, die wir aber ans TagesL.cht bringen oder v e r e i t e l n oder
wegen derer wir i n anderer Waise t ä t i g werden konnten.
durchaus etwas.

Wir bewirken also

Und i c h darf sagen, dalö d i e j e n i g e n , die

terroristische

Unternehmungen planen oder ausführen, wahrscheinlich recht überrascht wär e n , wenn sie wüßten, w i e v i e l wir über sie erfahren.
D r i t t e n s müssen wir offenkundig bestimmte Sclxtzmaßnahmen e r g r e i f e n .
Im Augenblick r i c h t e t sich die Aufmerksankeit der Menschen vorrangig auf
Flugzeuge und Flughäfen, und n a t ü r l i c h setzen wir uns dami; s e i t
Jahren auseinander.
Ergebnisse

vielen

Auch hier müssen wir noch mehr tun unc noch bessere

erzielen,

aber

dia

Techniken, die

entwickelt

worden

sind,

funktionieren.

So wurden beispielsweise auf amerikanischen Flughäfen i n den l e t z t e n
20 Jahren
nahmt.

rund 3 000

Waffen und Sprengkörper

jeglicher

Art

beschlag-

Eine andere Frage b e t r i f f t n a t ü r l i c h unsere Botschaftsgebäude und

ähnliche Einrichtungen; auch dort g i b t es Schutzmaß nahmen.
Viertens müssen wir unser« Möglichkeiten ausbauen, a k t i v e

Verteidi-

gungsmaßnahmen zu e r g r e i f e n , :so daß T e r r o r i s t e n i n zunehmendem Maße e r kennen, daß ihre Aktionen i h r e n Preis ha^en, und so daß wi? i n der Lage
s i n d , etwas vorbeugend zu verhindern, wem wir sehen, daß es sich zusammenbraut.
Dies sind also die v i e r Grjndzüge unserer P o l i t i k , und i c h meine, wir
kommen voran.

Es handelt sich h i e r offenkundig um etwas, woran hart und

k o n t i n u i e r l i c h gearbeitet werden muß.
FRAGE:
zu ziehen.

Der Präsident sprach davon, 1ie L u f t p i r a t e n zur Rechenschaft
Kann man realistischerweise

darauf h o f f e n , und wenn j a , wie

s o l l dies ablaufen?
ANTWORT:

Insbesondere

möchten wir

sicherlich

Robert Stethem zusammengeschlagen und erschossen h a t .
in

diesem Augenblick

der Freude über die

herausbekommen, wer
Ich meine, daß wir

Freilassung

von 39 Menschen

�39 Menschen nicht nur an die sieben denken müssen, nach denen wir immer
noch suchen, sondern auch daran, daß einer zusammengeschlagen und ermordet wurde und daß in El Salvador sechs Amerikaner und eine Reihe Salvadorianer erschossen worden sind.

Wir müssen an die Menschen in der abge-

stürzten Maschine der Air India denken.

Man muß auch an die Leute von

der Gepäckabfertigung auf dem Flughafen Narita denken.

Es gibt also eine

Menge von Schandtaten auf der Walt.

Wir möchten aber, um auf Ihre Frage zurückzukommen, auf jeden Fall
herausfinden, wer geschossen hat, und den Täter zusammen mit seinen Mitverschwörern der Justiz überantworten.

FRAGE:

ANTWORT:

Welcher Art von Justiz könnten sie überantwortet werden?

Wenn sie zu identifizieren sind, dann gibt es vermutlich

auch Rechtsprozesse, und wir werden tun, was wir können, damit sie auch
angewandt werden.

FRAGE:

Herr Außenminister, der Präsident hat seine Dankbarkeit für

die geleistete Hilfe gegenüber Syrien zum Ausdruck gebracht, meines Wissens aber Herrn Berri nicht erwähnt... Wie bewerten Sie die Rolle, die er
bei der Freilassung der Geiseln gespielt hat?

ANTWORT:

Er hat sich selbst in verschiedenen Rollen dargestellt.

hat sich als Vermittler dargestellt.
der Gruppe dargestellt.

Er

Er hat sich als Partei und Mitglied

Ich glaube daher, daß wir uns über Herrn Berri

erst noch klar werden müssen.

FRAGE:

Harr Außenminister, Sie sagten, daß die Terroristen einen

Preis zahlen müssen.

Wenn man aber die weltweite Aufmerksamkeit, die die

Forderungen der Terroristen gefunden haben, sowie die verständnisvollen
Äußerungen der Geiseln und das bisherige Ausbleiben jeder Art von Vergeltung in Betracht stellt, sieht es dann nicht so aus, als ob diese Terroristen keinerlei Preis zahlen mußten, sondern in der Tat gewonnen haben?
ANTWORT:
- 6 -

Ich glaube,

�ANTWORT:

Ich glaube, daß sie doch einen Preis gezahlt haben.

Und

dieser Kampf gegen den Terrorismus ist natürlich eine Sache, die voll in
Gang ist.

Wir stecken mittendrin.

...Jemand stellte eine Frage über die einzelnen Täter, und wir werden
sie suchen.

Ich kann auch sagen, daß in den letzten 15 Jahren 15 Prozent

aller Flugzeugentführungen außerhalb der Vereinigten Staaten auf dem Beiruter Flughafen entweder ihren Ausgang genommen, ihren Abschluß gefunden
oder ihn berührt haben. Der Beiruter Flughafen ist zu einer Art sicherem
Unterschlupf für Terroristen geworden.

Das gehört sicherlich zu den Din-

gen, die wir und andere Staaten berücksichtigen müssen.

Solange Beirut

ein Unterschlupf für Terroristen ist, sollte dieser Ort von der Völkergemeinschaft

nicht frequentiert werden.

Daher müssen wir auf diesen

Flughafen nach meiner Meinung ein waches Auge haben.

FRAGE:

Sie sagten, Sie erwarten, daß Israel die libanesischen Gefan-

genen freiläßt. Höben Sie eine Vorstellung davon, wie lang es dauern
wird, bis alle frei sind?
ANTWORT:

Darüber muß Israel entscheiden; meine Erklärung gründet

sich auf das, was Israel gesagt hat.

FRAGE:

Sehen Sie in der vergangene Nacht vom Außenministerium veröf-

fentlichten Erklärung eine Begrenzung der amerikanischen Möglichkeiten
zur Vergeltung?

ANTWORT:

Die Erklärung gibt unsere Ansichten über den Libanon wie-

der. Ähnliches wurde in der Vergangenheit mehrfach erklärt, und wir haben
nichts dagegen, diese Ansichten erneut zu bekräftigen.

FRAGE: Man sagte hier, die Beurteilung Assads und Syriens stehe noch
aus.

Auch wenn er in diesem Fall hilfreich war:

Die eigentliche Probe

besteht darin, ob er auch noch die sieben anderen herbeischaffen kann.
Ist dies also ein singuläres Moment der Zusammenarbeit oder hat er wirklich seine Position und die amerikanisch-syrischen Beziehungen verbessert?
ANTWORT:

Präsident

�ANTWORT:

Präsident Assad war auch bei anderen Gelegenheiten hilf-

reich - und bei dieser hier ganz sicherlich.

Wir haben Informationen

darüber, daß er sich auch intensiv um das Problem der anderen Geiseln bemüht, und begrüßen das natürlich.

FRAGE:

Wäre es nicht ein guter Gedanke, die Israelis zu ersuchen,

die schiitischen Gefangenen erst dann zu entlassen, wenn wir die sieben
anderen Opfer freibekommen haben?

ANTWORT:

Das würde zu einer Verbindung führen, die wir nicht wollen.

Unsere Geiseln im Libanon sollten freikommen.

Punkt.

Um nichts anderes

geht es hier. Wir wollen das mit nichts anderem in Zusammenhang bringen.

FRAGE:

Warum gab es keinen militärischen Rettungsversuch, als die

Vereinigten Staaten in Algerien eine solche Chance zu haben schienen?

ANTWORT:

Ich möchte keinen Kommentar zu militärisch möglichen Optio-

nen abgeben.

FRAGE:

Sie sagten, diese Terroristen hätten einen Preis bezahlt.

Welcher Preis ist das - nachdem es den Anschein hat, sie hätten bekommen,
was sie wollten?

ANTWORT:

Der Libanon und der Beiruter Flughafen haben sich selbst

durch ihre Handlungen vor der Staatengemeinschaft als Ausgestoßene erwiesen.

Sicherlich ist der Libanon ein Ort erheblichen Chaos, und ich glau-

be, dies allein ist schon ein hoher Preis, den die Menschen dort zahlen
müssen. Und noch ist nicht alles vorbei.

FRAGE:

Dazu noch: Fordern Sie einen weltweiten Boykott des Beiruter

Flughafens? Werden die Vereinigten Staaten Maßnahmen ergreifen, um andere
Flugzeuge bzw. unsere Flugzeuge von einem Flug dorthin abzuhalten?

Was

wollen Sie genau hinsichtlich dieses Flughafens machen?

ANTWORT:

Wir werden

�ANTWORT:

Wir werden diesbezüglich mit unseren Freunden sprechen. Wir

hoffen, ein konkretes Handlungsmuster erstellen zu können.

Wir haben je-

denfalls eine sehr klare Vorstellung von diesem Flughafen und das habe
ich hiermit gesagt.

FRAGE:

Sie sprachen von den Leuten, die Robert Stethem erschossen

haben, und daß wir versuchen, sie der Justiz zuzuführen. Sie sprachen dabei von gerichtlichen Schritten. Warden wir also nicht den Versuch machen , Vergeltung im Sinne einer Rache gegen einen größeren Personenkreis
zu üben?

ANTWORT:

Rache ist ein Gefühl, das Menschen überkommt - das geht uns

allen so. Aber vom Standpunkt der aktiven Verteidigung aus gesehen, müssen wir uns darüber Gedanken machen, wie wir Kosten aufzwingen können,
wie die Zukunft aussieht und wie wir all dem zuvorkommen können. Gleichzeitig müsssen alle, die ein Verbrechen begehen - und dies ist sicherlich
in jedermanns Verständnis ein Verbrechen -, der Gerechtigkeit zugeführt
werden; und wir werden alles in unserer Macht Stehende tun, damit dies
auch geschieht.

FRAGE:

Waren Sie nicht enttäuscht, als die Geiseln auf ihrer Presse-

konferenz nichts Positives über die amerikanische Regierung und ihre Bemühungen , aber viel Positives über die Amal zu sagen hatten?

ANTWORT:

Sie sprachen für sich selbst und sie haben ein Recht auf

ihre eigene Meinung. Sie gingen durch ein Trauma.

Gott schütze sie. Ich

bin froh, daß sie auf ihrem Wag nach Hause sind.

FRAGE:

Noch eine Frage zu den Mördern unseres Mannes.

Wollen Sie

versuchen, daß die Regierung des Libanon sie ausliefert?

ANTWORT:

Ich zeige hier keinen juristischen Wag auf.

Ich sage nur:

"Hier ist eine Person, die zusammen mit anderen einen Mord begangen hat;
kaltblütigen Mord nach brutalen Schlägen". Derlei muß bestraft werden.
FRAGE:
- 9 -

Nun gut.

�FRAGE:

Nun g u t .

Die Frage i s t doch aber, ob Sie versuchen werden,

es im S t i l l e n zu t u n , oder ob es durch die P r i n z i p i e n des i n t e r n a t i o n a l e n
Rechtes geschieht?
ANTWORT:

N a t ü r l i c h , wir sind e i n Volk mit P r i n z i p i e n . Aber i c h g l a u -

be , es s o l l t e getan werden.
FRAGE:

Was den Beiruter Flughafen angeht, so g i b t es meines Wissens

nur v i e r F l u g l i n i e n , die i h n a n f l i e g e n .

Und von der Middle East A i r l i n e

abgesehen, g i b t es nur wöchentliche Flüge.

I s t es a l s Maßnahme genug,

d r e i F l u g l i n i e n anzuweisen, i h r e wöchentlichen Flüge d o r t h i n einzustellen?
ANTWORT:

Wir werden sehen. Ich meine jedoch, daß e i n Flughafen, der

an einer so großen Zahl von Flugzeugentführungen b e t e i l i g t i s t und zu dem
man gewissermaßen kommen kann, um sich dort Verstärkung zu h o l e n , auf u n serer

"Betreten verboten"-Liste

stehen s o l l t e .

Darum geht es doch. Es

geht n i c h t um w i r t s c h a f t l i c h e Sanktionen oder ähnliches.
FRAGE:

Der Präsident sagte, man werde sich an die e r i n n e r n , die uns

geholfen haben und auch an j e n e , die uns nicht geholfen haben.

Wer waren

j e n e , die uns nicht geholfen haben?
ANTWORT:

Ich möchte dazu nichts

sagen; aber wir haben eine

klare

Vorstellung davon.
FRAGE:

Der Präsident

benutzte eine

den Terrorismus zu v e r u r t e i l e n .

ziemlich deutliche Sprache, um

Was g i b t e s , um sie zur Freilassung der

verbliebenen sieben Amerikaner zu zwingen?
ANTWORT:

Sie

werden auf

die

gleichen Überlegungen eingehen,

die

s c h l i e ß l i c h zur Freilassung der 39 anderen heute geführt haben. S i c h e r ,
wenn es Menschlichkeit g i b t , s o l l t e das getan - und zwar s o f o r t getan werden.

Auf jeden F a l l werden wir uns w e i t e r h i n darum bemühen.

Und wie

i c h schon sagte, haben wir den Eindruck, daß Präsident Assad h i e r doch
w i l l e n s i s t , und auch wir werden weiter darauf drängen.
FRAGE:

Wenn Ihnen

�FRAGE:

Wenn Ihnen so viel an Gerechtigkeit liegt und wenn es stimmt,

daß es Libanesen gibt, die schon seit zwei Jahren in Israel in Gefangenschaft sind:

Warum drängen Sie nicht auch gegenüber Israel darauf, daß

dort auch Menschen freikommen, die als potentielle Terroristen gefangengenommen wurden und niemals unter Anklage gestellt wurden?

Wir legten

vor den Vereinten Nationen und ähnlichen Foren gegen alles unser Veto
ein, was ihnen hätte helfen können?

ANTWORT:

Ich möchte hierauf nur sagen, daß die Probleme von Gefange-

nen in Israel und die unserer Geiseln in Beirut in keinem Zusammenhang
miteinander standen.

FRAGE:

ANTWORT:
Sorgen.

(Unverständlich)

Wir machen uns über Ungerechtigkeit auf der ganzen Welt

Aber was die Behandlung des Terrorismus angeht, so ist einer der

schlimmsten Fehler der, es Terroristen zu ermöglichen, Verknüpfungen zwischen unterschiedlichen Dingen zu schaffen, indem man auf sie eingeht.
Wann wir dies zulassen, kann jeder, der irgendwo in der Welt einen Grund
zur Klage hat, sich ein paar Leute greifen - etwa berühmte Leute wie Sie1.
- und sagen: Die Vereinigten Staaten müssen jetzt etwas gegen seine Sorgen tun, oder er werde sie nicht freilassen.
mitmachen. Das ist die Antwort.

- 11 -

Das aber werden wir nicht

�3. Juli 1985

26

A. JULI:

WICHTIG FÜR DIE FREIHEIT IN ALLER WELT

- Erklärung Reagans zum amerikanischen Unabhängigkeitstag -

WASHINGTON - (AD) - Der 4. Juli ist nach den Worten Präsident Reagans
der Geburtstag Amerikas, doch sei dies auch ein Tag, der wichtig für jeden ist, der an die Freiheit glaubt.
In

einer

Erklärung

Reagan die amerikanische

zum

amerikanischen

Unabhängigkeitstag

Unabhängigkeitserklärung

ein

nannte

"ausdrucksvolles

Dokument, in dem die Rechte des Menschen und das Konzept der Freiheit des
einzelnen niedergelegt sind".

Die Erklärung Reagans hat folgenden Wortlaut:
Die Unterzeichnung der Unabhängigkeitserklärung am 4. Juli 1776 kennzeichnete sowohl den Anfang einer neuen Nation als auch den Beginn einer
großen Epoche in der Geschichte der Weltpolitik.

An diesem Tag wurde in

Philadelphia eine Republik geboren, die sich auf die Idee der Freiheit
für alle stützt.

Am 4. Juli feiert Amerika seinen Geburtstag, aber dies

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 08-85432

�aber dies ist auch ein Tag, der wichtig ist für jeden, der an die Freiheit glaubt.

Die Unabhängigkeitserklärung eröffnete dem Volk eine Möglichkeit des
Regierens wie niemals zuvor.

Jedem einzelnen wurde der Besitz bestimmter

unveräußerlicher Rechte bestätigt.

Und diese Rechte wiederum setzten un-

ser Volk in die Lage, an seinem politischen System teilzuhaben.

Dies war

eine echte Revolution, der die Idee zugrunde lag, daß die Regierung der
Zustimmung derjenigen bedarf, die sie regiert.

Über Nacht wurden die

Amerikaner als Bürger eines freien Landen anerkannt, wo sie doch vorher
nur koloniale Untertanen eines weitentfernten Monarchen gewesen waren.

Bis auf den heutigen Tag ist dieses ausdrucksvolle Dokument, in dem
die Rechte des Menschen und das Konzept der Freiheit des einzelnen niedergelegt sind, richtungweisend und aktuell geblieben.
terhin eine tiefgreifende Bedeutung für uns.

Es hat auch wei-

Wir sollten uns der Worte

von John Adams erinnern, der anläßlich seiner Unterzeichnung in einem
Brief an seine Frau Abigail von "der denkwürdigsten Epoche in der Geschichte Amerikas" sprach und schrieb:

"Ich möchte glauben, daß dieser

Tag von den uns nachfolgenden Generationen als der große Jahrestag gefeiert werden wird.

Er sollte durch ernste Gebete an Gott den Allmächtigen

als Tag der Befreiung begangen werden."

Wollen wir uns an diesem Unabhängigkeitstag 1985 von der Weisheit
dieses großen amerikanischen Staatsmannes und all unserer Gründungsväter
leiten lassen.

Lassen Sie uns, wenn wir heute der 209 Jahre der Freiheit

gedenken, Gott um seinen Segen und um seine Hilfe bei der Wahrung des
kostbaren Vermächtnisses der Unabhängigkeitserklärung bitten.

* * * * *

- 2-

�3. J u l i 1985

26

PRÄSIDENT REAGAN LEGT NA HOST-POLITIK DER USA DAR
- Interview mit einem arabischen Journalisten -

WASHINGTON -

(AD) - Präsident

Ronald Reagan hat erneut b e t o n t , daß

e i n Frieden im Nahen Osten von den unmittelbar B e t e i l i g t e n ausgehandelt
werden müsse und nicht von außen a u f e r l e g t werden könne.
äußerte sich a u s f ü h r l i c h

zur Nah- und M i t t e l o s t p o l i t i k

Der Präsident
der

Vereinigten

Staaten i n einem Interview mit dem arabischen Journalisten Nasser E.'ddin
Nashashibi am 1 1 . Juni 1985, dessen Wortlaut am 26. Juni vom Weißen Haus
v e r ö f f e n t l i c h t wurde.
Die Fragen und Antworten haben folgenden
FRAGE:

Warum zögert

die

amerikanische

tortlaut:
Regierung, eine

Neubelebung

eines Nahost-Friedensplans i n die Wege zu l e i t e n ?
ANTWORT:

Meine I n i t i a t i v e , die ich i n meiner Rede vom 1 . September

1982 e r l ä u t e r t e , i s t noch immer auf dem T i s c h , und wir sind w e i t e r h i n der
Ansicht, daß sie den vielversprechendsten Vorschlag f ü r einen F o r t s c h r i t t

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�einen F o r t s c h r i t t

zum Frieden d a r s t e l l t , der j e u n t e r b r e i t e t wurde.

Wir

haben nicht gezögert, die am K o n f l i k t B e t e i l i g t e n zu drängen, M i t t e l und
Wsge zu f i n d e n , den Friedensprozeß voranzutreiben.

Die Dinge sind j e t z t

i n der Region i n Bewegung geraten, und wir werden das t u n , was angebracht
i s t , um diese Bewegung i n Gang zu h a l t e n .

Aber wir müssen uns darüber im

klaren s e i n , daß der Frieden nur e r r e i c h t werden kann, wenn die B e t e i l i g ten b e r e i t s i n d , d i r e k t miteinander zu verhandeln.
FRAGE:

Wie b e u r t e i l e n Sie den kür;:lichen Besuch von König Hussein

von Jordanien i n Washington?
ANTWORT:

Ich glaube, wir verstehen uns sehr g u t , und i c h bewundere

den Mut und die Würde des Königs.

Die jüngsten S c h r i t t e des Königs und

anderer i n der Region haben dem Friedeisprozeß

neuen A u f t r i e b gegeben.

König Hjseein l i e ß i n Washington seinen Aünsch und den seiner p a l ä s t i n e n sichen Partner nach einer f r i e d l i c h e n Lösung auf dem Verhandlungswege mit
einer

jordanisch-palästinensischen

Delegation auf

der einen und

Israel

auf der anderen Seite i n einem unterstützenden i n t e r n a t i o n a l e n Umfeld e r kennen.

Der König strebt eine f r i e d l i c h e Lösung auf der Grundlage der

Resolutionen 242 und 338 des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen an.
Der Besuch bot uns Gelegenheit, unsere Auffassungen zu b e k r ä f t i g e n , daß
e i n gerechter und dauerhafter Frieden s.ch der legitimen Rechte des palästinensischen Volkes wie auch der Sicherheit a l l e r Staaten i n der Region annehmen muß.
Der König b e k r ä f t i g t e unsere gemeinsame V e r p f l i c h t u n g , so rasch wie
möglich -

" i n diesem Jahr", sagte der König - zu d i r e k t e n Verhandlungen

zwischen den B e t e i l i g t e n zu kommen.

Wir h o f f e n , daß wir i n der Lage sein

werden, den B e t e i l i g t e n dabei zu h e l f e n , auf der Grundlage dieser Zusammenkünfte aufzubauen.

Ich b i n überzeugt, daß sich die Ereignisse i n der

r i c h t i g e n Richtung entwickeln.
FRAGE:

Würde e i n Prozeß, der eine Mischung aus dem "Fez"-Plan von

Fahd, der R e a g a n - I n i t i a t i v e , der kürzlichen Entschließung zwischen Jordanien und der PLO und der Resolution 242 d a r s t e l l t , zu einer neuen F r i e - 2 -

�neuen Friedensanstrengung führen, wenn man die Vorbehalte der Israelis in
Rechnung stellt?

ANTWORT:

Ich glaube, daß sich eine neue und zunehmend realistische

Einstellung zum Frieden entwickelt.

Sie gründet sich auf eine Reihe von

Beiträgen, einschließlich der von Ihnen angeführten.

Die Resolution 242

des Sicherheitsrates ist und bleibt die Hauptgrundlage für Verhandlungen.
Ich kann das Endergebnis nicht voraussagen, aber ich bin überzeugt, daß
Sie, wenn der Frieden erreicht sein wird, zurückblicken und sagen können,
daß viele dieser Beiträge eine wichtige Rolle gespielt haben.

Und es ist auch wichtig zu wissen, daß meine eigenen Vorschläge im
großen und ganzen das aufzeigen, was die Vereinigten Staaten in Verhandlungen unterstützen würden.

Wir haben niemandem gesagt, er müsse sich

unseren Standpunkten anschließen.

Es steht allen Beteiligten frei , ihre

eigenen Auffassungen am Verhandlungstisch
davon aus, daß sie das tun werden.

zu vertreten, und wir gehen

Das Wichtigste ist, daß direkte Ver-

handlungen beginnen, denn nur durch ein6;n solchen Prozeß des Gebens und
Nehmens werden Differenzen überwunden und ein gerechter und dauerhafter
Frieden erreicht.

FRAGE:

Da wir jetzt auf dem Wege zu Verhandlungen zwischen den Ara-

bern und den Israelis sind, was erwarter Sie von den Arabern und den Israelis, bevor sie sich zu Verhandlungen zusammensetzen?

ANTWORT:

Wir versuchen uns von allem fernzuhalten, was auch nur so

aussehen könnte, als ob wir Lösungen für die Probleme aufzwingen wollten.
Alles, was wir zu tun versuchen, ist, dazu beizutragen, daß sie zusammenkommen.

Es sieht so aus, als ob es bei den Lösungen darum geht, daß eine

Seite Territorium aufgibt, um dafür eine Grenze zu erhalten, die verteidigt werden kann und an der der Frieden garantiert wird.

Die arabischen

Staaten müssen einsehen, daß Israel das Recht hat, als Staat zu existieren, und daß der Frieden auch den Arabern Sicherheit bieten wird.

FRAGE:
- 3 -

Und was,

�FRAGE:

Und was, Herr Präsident, hoffen S i e , daß die Araber

ihrer-

s e i t s von j e t z t bis zum Beginn kommender Verhandlungen tun werden?
ANTWORT:

Ich h o f f e , daß sich die Araber stärker h i n t e r König Hussein

s t e l l e n und ihn unterstützen werden, s t a t t ihn a l l e i n zu lassen.
FRAGE:

Dieser Punkt i s t sehr w i c h t i g , l-ferr Präsident.

ANTWORT:

König Hussein verdient es zu wissen, daß die Araber ihn i n

dem u n t e r s t ü t z e n , was er zu tun versucht.
FRAGE:

Gibt es etwas, was Sie sich i n diesen Tagen von den I s r a e l i s

wünschen?
ANTWORT:

Die I s r a e l i s warten, wie e:s Peres gesagt h a t , darauf,

sich

an den Verhandlungstisch zu setzen.
FRAGE:

Kürzliche Besuche von König Fahd und Präsident Mubarak haben

diesen das Gefühl v e r m i t t e l t , die Reagan-Administration habe k e i n besonderes Interesse an einer umfassenden Lösung des Nahost-Problems.

I s t es

nicht so, daß dieser Mangel an Interesse verbunden mit den Verheerungen
im Libanon eine Supermacht wie die Vereinigten Staaten e i g e n t l i c h veranlassen müßte, sich a l l e B e t e i l i g t e n am Mahostkonflikt zu g r e i f e n und i h nen eine Lösung zu d i k t i e r e n , die für a l l e gerecht i s t ?
ATNWORT:

Mit dieser Erklärung b i n ich nicht einverstanden. Ich g l a u -

be n i c h t , daß König Fahd und Präsident Mubarak einen Mangel an Interesse
an einem Frieden im Nahen Osten seitens der Vereinigten Staaten empfinden.

Nichts wäre weiter von der Wahrheit e n t f e r n t a l s d i e s .

Die V e r e i -

nigten Staaten haben e i n t i e f e s und dauerhaftes Interesse an einer umfassenden Friedenslösung im Nahen Osten, und wir haben diese Tatsache immer
wieder a l l unseren Freunden i n der Region m i t g e t e i l t .
Ich b i n jedoch nicht der Auffassung, daß eine Lösung, die von i r g e n d einer Macht von außen aufgezwungen würde: möglich oder auch nur wünschens-

�nur wünschenswert wäre für die Beteiligten.

Wirklichkeit ist, daß ein

Frieden nur durch die Bereitschaft der Beteiligten erreicht werden kann,
sich an den Verhandlungstisch zu setzen und ihre Differenzen auszudiskutieren. Meine Initiative vom 1. September hat die Standpunkte aufgezeigt,
die die Vereinigten Staaten unterstützen würden, aber ein echter Frieden
kann nur durch die Beteiligten selbst in direkten Verhandlungen erreicht
werden.

FRAGE:

Wie lange werden die Vereinigten Staaten noch den Verlust des

Lebens unschuldiger Menschen im Libanon, im Irak, im Iran, in Israel und
im Westjordanland dulden?

Verdienen die USA dafür auch noch antiamerika-

nische Gefühle, die wir in diesem Gebiet feststellen müssen?

ANTWORT:

Die Vereinigten Staaten sind zutiefst besorgt über das Lei-

den der Menschen im Nahen Osten, das durch die vielen Konflikte in diesem Gebiet hervorgerufen wird.

Die Bemühungen, zu Lösungen dieser Pro-

bleme beizutragen, hat zu den mit an oberster Stelle stehenden Aufgaben
der letzten acht Administrationen gehört, und man sollte nicht vergessen,
daß Amerika einen hohen Preis an Menschenleben, Anstrengungen und Ressourcen bezahlt hat.

Wir werden diese Bemühungen nicht aufgeben, aber

die Wirklichkeit ist und bleibt, daß Lösungen nur gefunden werden können,
wenn die am Konflikt Beteiligten ihre eigene Entscheidung treffen, einen
friedlichen Weg zur Beilegung ihrer Differenzen zu suchen.
führen zu Ergebnissen.
und wir arbeiten aktiv

Verhandlungen

Ägypten und Israel haben das eindeutig bewiesen,
daran, den Verhandlungsprozeß

zur Lösung der

Streitigkeiten in der Region zu unterstützen.

Es ist wichtig, sich daran zu erinnern, daß Amerikaner und die Völker
des Nahen Ostens einen großen Bereich gemeinsamer Interessen und Werte
haben.

Dies ist ein Bereich, der jeden Tag größer wird durch Handelsbe-

ziehungen, wissenschaftliche Aktivitäten und gemeinsame wissenschaftliche
Anstrengungen.

Die Mitwirkung eines saudischen Astronauten bei der Aus-

setzung des (arabischen Satelliten) ARABSAT ist ein Ereignis, das ein
Ausdruck der großen wissenschaftlichen und mathematischen Leistungen der
Araber ist, lange bevor die Neue Welt entdeckt wurde.

Und es sollte uns

�sollte uns daran erinnern, wie eng unsere Zukunft miteinander verknüpft
ist.

FRAGE:

Wir lesen überall, daß der Sudan die Kornkammer der Walt sein

könnte und nicht nur für dieses Gebiet und für Ägypten, sondern auch für
Äthiopien und die dort sterbenden Massen.

Kann nicht die amerikanische

Regierung alle ihre Ressourcen und Möglichkeiten darauf konzentrieren,
mit einer Luftbrücke Menschen und Gerät in den Sudan zu bringen und Seite
an Seite mit den Einheimischen zu arbeiten, um die Lage zu retten?

ANTWORT:

Wie Sie wissen, wird der Sudan wie seine Nachbarländer in

diesem Jahr von der schlimmsten Dürre sedt 100 Jahren heimgesucht.

Der

fehlende Regen hat zu einem gewaltigen Defizit an Getreide und Millionen
hungernder Menschen geführt.

Die Vereinigten Staaten haben auf diese Ka-

tastrophe reagiert, indem sie eine Million Tonnen Lebensmittel geschickt
haben.

Diese Hilfe hat massive Anstrengungen zur Überwindung der Entfer-

nungen gekostet und ein Transportproblem aufgeworfen.

Wie ich höre, ist

jeder sechste Sudanese von amerikanischer Lebensmittelhilfe abhängig. Der
Sudan hat noch eine weitere Last auf sich genommen, indem er hunderttausende von geflohenen Opfern der Hungersnot und des Krieges in Nachbarländern aufgenommen hat.

Die Vereinigten Staaten haben auf die verschiedenen Appelle der sudanesischen Regierung und der Vereinten Nationen, diesen Flüchtlingen, deren Zahl jetzt eine Million überschritten hat, zu helfen, großzügig reagiert.

Wir sind uns trotz der Verheerungen der Dürre über das landwirt-

schaftliche Potential des Sudan im klaren.

Unsere Entwicklungshilfe legt

besonderen Wert auf die Förderung von Technologie und Einrichtungen, die
der besseren Nutzung der vielen Millionen Hektar Ackerland dienen, die
jetzt brach liegen.

Zusammen mit anderen Geberländern und internationa-

len Organisationen wenden wir uns dem Problem des Wiederaufbaus der Landwirtschaft nach der Dürre zu.

Das wird eine große Anstrengung seitens

des Sudan erfordern, und wir sind bereit zu helfen.

FRAGE:

Fürchten Sie

�FRAGE:

Fürchten Sie n i c h t , daß die Sowjets i h r e P o s i t i o n und i h r e n

Einfluß im Nahen Osten zurückgewinnen und dem Westen P a r o l i bieten könnten?
ANTWORT:

Ich b i n der Meinung, daß der Einfluß der Sowjetunion im Na-

hen Osten an i h r e r Bereitschaft gemessen werden s o l l t e , eine konstruktive
Rolle bei der Lösung der Probleme i n der Region zu s p i e l e n .

Aber die So-

wjets haben sich a l l e s andere als k o n s t r u k t i v verhalten - eine Tatsache,
auf die von den Führern i n der Region o f t hingewiesen wurde.
FRAGE:

Es h e i ß t , M i t t e l - und Südamerika seien aufgrund i h r e r Nähe zu

den Vereinigten Staaten f ü r diese von Bedeutung.

Messen Sie dem M i t t e l -

meer - besonders der T ü r k e i , Griechenland und Zypern - nicht die gleiche
Bedeutung bei?
ANTWORT:

Sowohl

die

westliche

Hemisphäre a l s

auch das Mittelmeer

sind für die Sicherheit der Vereinigten Staaten Gebiete von entscheidender Bedeutung.

Die Türkei und Griechenland sind wichtige

NATO-Partner

und sind für die Aufrechterhaltung der S : a b i l i t ä t i n diesem strategischen
Gebiet der Erde von ausschlaggebender Bedeutung.
Auch unsere Beziehungen zur Regierung von Zypern sind eng und freundschaftlich.
FRAGE:

Warum hat die Reagan-Administration nicht auf das neue Ver-

h ä l t n i s zwischen Libyen und Marokko reagiert?
ANTOWRT:
intensiver

Die marokkanische Regierung und wir hatten eine ganze Reihe

und gründlicher

marokkanisch-libyschen
schen Beziehungen.

Gespräche h i n s i c h t l i c h

Unions-Vertrags

auf

Marokko kennt unsere

die

der Auswirkungen des
amerikanisch-marokkani-

ablehnende

Haltung

zu diesem

V e r t r a g , aber wir sind damit z u f r i e d e n g e s t e l l t , daß der Vertrag n i c h t auf
eine Waise e r f ü l l t w i r d , durch die unsere b i l a t e r a l e n Beziehungen zu Marokko hätten beeinflußt

werden können.

Wir werden a l l e r d i n g s auch wei-

t e r h i n seine Verwirklichung beobachten.
Die Vereinigten
- 7 -

�Die Vereinigten Staaten schätzen i h r e Beziehungen zu Marokko
und wir h o f f e n , daß diese Beziehungen solide bleiben.

sehr,

König Hassan hat

die Gründe f ü r diesen Vertrag genannt und hat darauf hingewiesen, daß er
sich auf

die

frühere

Unsere Einschätzung
wohlbekannt.

Unterstützung Libyens

der

tadelnswerten Natur

Wir werden erst

für

die P o l i s a r i o

des libyschen

bezieht.

Regimes

ist

dann unsere Haltung gegenüber Libyen än-

d e r n , wenn Oberst Ghaddafi seine Unterstützung des i n t e r n a t i o n a l e n Terrorismus und seine Subversion anderer Regierungen e i n s t e l l t .
FRAGE:

Wie sieht die Lösung des Sahara-Konfliktes ziwschen Marokko

und der P o l i s a r i o aus?
ANTWORT:

Die Vereinigten Staaten unterstützen die Bemühungen um eine

Verhandlungslösung durch eine Feuereinstellung und e i n anschließendes Referendum.

Die Vereinigten Staaten sind der Überzeugung, daß eine p o l i -

tische Lösung der einzige Wag zur Beendigung des K o n f l i k t e s i s t .
FRAGE:

Könnte die Reagan-Administration das Gebiet

unterschiedliche Gruppen betrachten:

nicht

als

vier

1 . die Länder Nordafrikas; 2. den

Sudan und Ägypten; 3. die arabische Halbinsel und 4. das fruchtbare Land,
zu dem Jordanien, S y r i e n , der Libanon, I s r a e l und - h o f f e n t l i c h - auch
Palästina
vielleicht

gehören?
leichter

Aus geopolitischer

Sicht

könnten die Probleme dann

gelöst werden, a l s wenn man die gesamte Region a l s

e i n großes Problem b e t r a c h t e t .

V i e l l e i c h t könnten v i e r k l e i n e r e Probleme

eher i n den G r i f f zu bekommen sein a l s e i n großes?
ANTWORT:

Auf Ihre Frage g i b t es keine einfache Antwort.

Wir sehen

den Nahen Osten als eine Region großer V i e l f a l t mit v i e l e n Gemeinsamkeiten.

Wir behandeln i h n a l s eine

Region, sehen aber z u g l e i c h , daß die

einzelnen Länder ihre eigenen Probleme und Interessen haben.

Sicherlich

g i b t es e i n gewisses Maß an Zusammenhang zwischen separaten Ereignissen
und Problemen, aber dies i s t nicht i n a l l e n Fällen so.

Je nach Thema ge-

hen wir die Dinge b i l a t e r a l und m u l t i l a t e r r a l an.
FRAGE:

Wie d e f i n i e r e n

�FRAGE:

Wie definieren Sie - kurz gesagt - die derzeitigen amerika-

nisch-libyschen Beziehungen, wenn es überhaupt welche gibt?

ANTWORT:

Unsere Beziehungen sind minimal.

Wir haben in Libyen keine

offizielle Vertretung, und dies wird so iDleiben, bis Libyen sein Verhalten ändert.

Auch hier sind wir bereit, unsere Beziehungen zu Libyen zu

verbessern - aber nur, wenn Ghaddafi seine Unterstützung des internationalen Terrorismus und seine Subversion von Regierungen vollständig und
für immer aufgibt.
FRAGE:

Früheren Administrationen gelang es doch immerhin fast, das

Dilemma des Nahen Ostens einer Lösung zuzuführen.

Könnten Sie nicht

jetzt, da Sie so überzeugend wiedergewählt wurden, die im Streit liegenden Gruppoen auf Ihre Ranch nach Santa Barbara einladen, wie dies Präsident Carter in Camp David tat?
ANTWORT:

Es geht vor allem um Verhandlungen; der Ort ist nicht das

Problem.
FRAGE:

Wir sahen, wie es Ihnen auf äußerst diplomatische Weise ge-

lang, entgegen allen Erwartungen die Sov/jets wieder an den Verhandlungstisch zu bringen.

Ich kann nicht glauben, daß Sie das nicht heute auch

im Nahen Osten schaffen.

ANTWORT:
sant.

Oder?

Die Parallele mit den Abrüstungsverhandlungen ist interes-

Ich wünschte mir, die an dem Konflikt im Nahen Osten Beteiligten

würden sich an einen Tisch setzen und miteinander verhandeln; aber ich
bin sicher, daß die Entwicklung in diese Richtung geht.

Der wichtigste

Aspekt Ihrer Parellele ist der, daß beide - wir und die Sowjetunion übereinkamen, die Rüstungskontrollverhandlungen
spräch stattfinden.

müßten im direkten Ge-

Wir wissen, daß bei den Positionen keine Überein-

stimmung herrscht, und wir sind auch hinsichtlich des Ergebnisses nicht
sicher, aber wir sind davon überzeugt, daß der Versuch sinnvoll ist,
durch direktes Gespräch auf ein Abkommen hinzuarbeiten.

Auch im Nahen

Osten müssen die Parteien zu dem Schluß gelangen, daß es am besten ist,
- 9 -

�besten ist, einen gerechten und dauerhaften Frieden durch direkte Verhandlungen anzusteuern.

FRAGE:

Warum sind Sie gegen die Teilnahme der Sowjets an einer in-

ternationalen Konfrenz über den Nahen Osten - wie dies bereits von vielen
arabischen Staaten und von der Sowjetunion vorgeschlagen wurde?

ANTWORT:
ist:

Das sind eigentlich zwei verschiedene Fragen.

Die erste

Warum sind wir der Meinung, eire internationale Konferenz trage

nicht zu einer friedlichen Lösung bei?
internationale

Unserer Meinung nach würde eine

Konferenz praktisch gesehen nur zu politischem Theater

führen, aber nichts zu einer Lösung beitragen.
können echte Ergebnisse zeitigen.

Nur direkte Verhandlungen

Wir verstehen Jordaniens Wünsch nach

einem unterstützenden internationalen Kontext, in dem direkte Verhandlungen beginnen könnten.

Wir werden unsere Gespräche sowohl mit Jordanien

als auch mit Israel fortsetzen, um zu zeigen, wie ein solcher Kontext am
besten erstellt werden kann.

Die zweite Frage bezieht sich auf die Bereitschaft der Sowjets, zu
Lösungen für die Probleme des Nahen Ostens beizutragen.

Wir haben immer

wieder gezeigt, daß wir eine konstruktive Haltung der Sowjetunion bei den
Problemen der Region begrüßen würden.

Wir haben auch verdeutlicht, wel-

che Art von Aktivitäten unserer Meinung nach konstruktiv wären.

Bislang

war ihre Haltung jedoch in keinster Wr;ise hilfreich, und wir erkennen
auch keine Hinweise darauf, daß sich dies ändern könnte.

FRAGE:
genkommender

Glauben Sie, daß die neue Führung in der Sowjetunion entgesein könnte, was die Zusammenarbeit mit den Vereinigten

Staaten bei Waltfrieden und Sicherheit, insbesondere in Afrika und im
Nahen Osten, angeht?

ANTWORT:

Diese Frage muß Herr Gorbatschow beantworten.

Wir jeden-

falls sind der Ansicht, unsere beiden Länder sollten ihre Beiträge zu einer friedlichen Lösung der Probleme in diesen Regionen leisten - und sie
nicht erst noch gefährlicher machen. Wir sind auch der Meinung, wir soll- 10 -

�wir sollten Konfrontationen bei diesen Themen zu vermeiden suchen.

Wir

hoffen, daß solche Gespräche dazu beitragen können, Mißverständnisse zu
vermeiden, die sonst zur Konfrontation führen könnten.

Wir haben solche

Ge spräche über das südliche Afrika und den Nahen Osten geführt.

Aber

obgleich diese Gespräche nützlich waren, so haben sie bislang noch keine
größere Bereitschaft seitens der Sowjetunion erkennen lassen, friedliche
Lösungen zu fördern - und nicht zu behindern.

FRAGE:

Wie stellen Sie sich das Ende des Kriegs zwischen dem Iran

und dem Irak vor?

Sollen wir glauben, daß diese regionalen Kriege für

die westlichen Volkswirtschaften notwendig sind, wie wir dies an westlichen Universitäten gelernt haben?

ANTWORT:

Jede Behauptung, wonach

regionale Kriege

irgendwie den

westlichen Wirtschaftsinteressen dienen, ist marxistischer Unsinn und hat
in der Außenpolitik der Vereinigten Staaten nichts zu suchen.
Wir haben ein zwingendes humanitäres Interesse an der frühestmöglichen Beendigung dieses Blutvergießens. Außerdem würde den Sicherheitsund Wirtschaftsinteressen der Vereinigten Staaten, ihrer westlichen Verbündeten und ihrer Freunde in der Region am besten durch eine sofortiges
Ende dieses Krieges gedient - eines Kriegsendes, das, beiden Ländern ihre
Unabhängigkeit beläßt und sie in die Lage versetzt, ihre nationale Entwicklung fortzusetzen.

FRAGE:

Glauben Sie nicht, daß die anhaltende Unruhe und die Kriege

im Nahen Osten auch die Sicherheit der "Hintertür" des NATO-Bündnisses
beeinflussen?

ANTWORT:

Ja - und das ist ein sehr beunruhigendes Problem.

Die Welt

kann die Folgen der Instabilität in keinem Teil der Erde ignorieren, und
wir müssen gemeinsam alle Anstrengungen unternehmen, um Lösungen für regionale Probleme zu finden.

FRAGE:
- 11 -

Sind Sie

�FRAGE:

Sind Sie zufrieden, was die Sicherheit der Golf Staaten vor

äußerer Gefahr anbelangt?

ANTWORT:
den.

Nein, ich bin mit der derzeitigen Situation nicht zufrie-

Solange noch der iranisch-irakische Krieg anhält und solange noch

der Iran eine Politik der Unterstützung des Terrorismus verfolgt und sich
weigert, wieder eine verantwortungsbewußte

Rolle in der Staatengemein-

schaft zu übernehymen, werden Stabilität und Sicherheit der Golfstaaten
gefährdet bleiben.

Die Vereinigten Staaten haben ein lebenswichtiges In-

teresse daran, die Freiheit der Schiffahrt im Golf und die Stabilität der
Region insgesamt aufrechtzuerhalten, und wir haben uns zusammen mit unseren Freunden in dem Gebiet - einschließlich Saudi-Arabiens und der anderen Mitglieder des Gulf Cooperation Council - darum bemüht, ihre legitimen Verteidigungsbedürfnisse zu unterstützen und ihre kollektiven Sicherheitsanstrengungen zu ermutigen.

Diese Länder sind jetzt in einer besse-

ren Lage, mit ihren eigenen Mitteln ihre Souveränität und territoriale
Integrität gegen potentielle Gegner zu verteidigen, aber es bleibt noch
mehr zu tun.

Wir sind mit den Golfstaaten der Meinung, daß der einzige

W?g zur Beendigung des Krieges zwischen dem Irak und dem Iran friedliche
Verhandlungen sind, und wir haben ihre Bemühungen im Rahmen der UN und
auch in anderen Foren unterstützt.

Wir unterstützen auch die Position

Kuweits und anderer Golfstaaten, wonach der einzige Weg zur Vernichtung
des Terrorismus darin besteht, auf seine Forderungen und Provokationen
nicht einzugehen und mit anderen betroffenen Mitgliedern der internationalen Gemeinschaft zusammenzuarbeiten, um Wage zur endgültigen Beseitigung dieser Geißel zu finden.

FRAGE: Sehen Sie Lösungen für die Situation in Afghanistan?

ANTWORT:

Der Krieg in Afghanistan ist Folge der Anwesenheit von über

115 000 sowjetischen Soldaten, die versuchen, das afghanische Volk zu unterdrücken.

Es gibt nur eine Lösung für dieses Problem: den vollständi-

gen Rückzug der sowjetischen Truppen. Eine politische Verhandlungslösung
ist auch weiterhin Ziel der amerikanischen Politik.
Die sowjetischen
- 12 -

�Die sowjetischen Streitkräfte können in ihrem derzeitigen Umfang den
afghanischen

Widerstand nicht niederschlagen, aber der Widerstand kann

auch nicht hoffen, die sowjetische Armee aus Afghanistan zu vertreiben.
Es ist also notwendig, vom Schlachtfeld zum Verhandlungstisch zu gehen.
Wir unterstützen voll und ganz den starken Widerstand der Regierung von
Pakistan gegenüber Einschüchterung über die Grenze hinweg.

Wir sind durch die Ankündigung der Vereinten Nationen ermutigt, gegen
Ende Juni in Genf eine weitere Runde indirekter oder Stellvertretergespräche über Afghanistan zu führen.

Es ist unsere Hoffnung, daß es dort

Fortschritte in Richtung auf eine Lösung geben kann, auch wenn das jüngste Anwachsen der sowjetischen Militäraktivitäten keinen Anlaß zu Optimismus gibt.

In Kontakten mit den Sowjets haben wir auf den verschie-

densten Ebenen unsere Unterstützung für eine politische Verhandlungslösung betont.

Wir werden sicherlich auch weiterhin den sowjetischen Amts-

trägern gegenüber in künftigen Gesprächen unseren Standpunkt klarmachen.

FRAGE:

Wenn wir einmal Ihre offizielle Stellung als Führer der Frei-

en Welt vergessen und offen zwischen uns als Menschen sprechen:

Wie wür-

den Sie die Lage im Nahen Osten lösen?

ANTWORT:

Die amerikanische Verfassung erlaubt es mir nicht, einfach

meine Stellung als Präsident der Vereinigten Staaten zu vergessen.

Den-

noch glaube ich, daß die Vorschläge, die ich am 1. September 1982 unterbreitet habe, den sinnvollsten Weg darstellen, um zum nächsten Schritt
einer Lösung des arabisch-israelischen Konfliktes zu gelangen.

Es ist

jedoch wichtig, festzuhalten, daß es sich hierbei um Positionen handelt,
die die Vereinigten Staaten bei Verhandlungen einnehmen würden. Wir drängen die anderen Beteiligten nicht, sich ihnen von vornherein anzuschließen; ja, wir erwarten von ihnen vielmehr, ihre eigenen Vorstellungen auf
den Tisch zu legen.

Denn darum geht es ja bei Verhandlungen - daß unter-

schiedliche Standpunkte miteinander ausgesöhnt werden.

Wichtig ist, daß

solche Verhandlungen aufgenommen werden und daß die einzelnen Parteien
ihre Meinungsverschiedenheiten direkt auf friedliche Weise aus der Welt
schaffen.
FRAGE:
- 13 -

Erlauben Sie

�FRAGE:

Erlauben Sie mir, Herr Präsident, Ihnen noch einmal als einem

großen Mann des Friedens zu danken.

Wir alle sind nur eine kurze Zeit

auf dieser Erde, und worum es vor allem geht, sind das Urteil der Geschichte und die Bewertung durch die Nachwelt.

Die Geschichte aber wird

Sie als einen großen Kämpfer für Frieden und Gerechtigkeit beurteilen.
Gott schütze Sie.
ANTWORT:

Ich verspreche, daß wir uns alle bemühen werden.

Es war

mir eine Freunde, Sie hier zu diesem Gespräch gehabt zu haben. Gott
schütze auch Sie.

- 1A -

�3 . J u l i 1985

26

DIE SOWJETISCHE AUFRÜSTUNG IM BEREICH DER STRATEGISCHEN WAFFEN
- Bericht von Sachverständigen des CIA -

Washington -(AD)- Der Nationale Nachrichtendienstliche Beirat

(Natio-

nal I n t e l l i g e n c e Council), e i n zwölfköpfiges Sachverständigengremium, das
dem Direktor des US-Zentralamtes f ü r Nachrichten und Abwehr (CIA) unmittelbar u n t e r s t e l l t

i s t , s p r i c h t den Sowjets die Fähigkeit z u , ihre s t r a -

tegischen S t r e i t k r ä f t e

bis M i t t e der neunziger Jahre umfassend zu moder-

nisieren und auszubauen. Ein entsprechender Bericht wurde von V e r t r e t e r n
des Beirats am 26. Juni 1985 im Rahmen einer Anhörung vor einem KongreQausschuß vorgelegt. Er hat folgenden Wortlaut:
Einführung
Bis M i t t e der neunziger Jahre werden die Sowjets nahezu a l l e der nuklearen Offensivwaffen i n t e r k o n t i n e n t a l e r Reichweite, über die sie gegenwärtig verfügen - d . h . , ihre l a n d - und seegestützten b a l l i s t i s c h e n Raketen sowie ihre schweren Bomber - durch neue, verbesserte Systeme e r s e t z t
haben. Neue mobile Interkontinentalraketen

(ICBM) und mehrere Typen von

Marschflugkörpern stehen vor der I n d i e n s t s t e l l u n g .

Während der

nächsten

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�der nächsten fünf Jahre wird sich die Zahl der Gefechtsköpfe auf s t r a t e gischen Vfeffen um einige Tausend erhöhen; e i n roch umfassenderer Ausbau
i n den neunziger jähren i s t möglich. Wir sind besorgt über die Arbeiten
im Bereich der strategischen Verteidigung, die die Sowjets s e i t
betreiben (so u.a.

langem

e i n umfangreiches Projekt zum Schutz i h r e r Führung),

über die Tatsache, daß sie e i n ausgedehntes Abwehrsystem gegen b a l l i s t i sche Raketen a u f s t e l l e n könnten, und über i h r e erheblichen Anstrengungen
im technologischen Bereich der Richtenerciiewaffen, insbesondere der htochenergielaser.

Die energischen Anstrengurgen der Sowjets bei der

Erfor-

schung, Entwicklung und Aufstellung strategischer Kfeffen sind nichts Neues; sie ergeben sich aus der unentwegten Entschlossenheit zum Ausbau und
zur Verbesserung ihres strategischen P o t e n t i a l s , die sie i n den vergangenen beiden .Jahrzehnten an den Tag gelegt haben.

Die sowjetische Führung bemüht s i c h , ihre S t r e i t k r ä f t e auf die Möglichkeit

vorzubereiten, daß sie t a t s ä c h l i c h einen Atomkrieg führen müs-

sen. Sie haben v i e l e der Probleme der Durchführung m i l i t ä r i s c h e r

Opera-

tionen i n einem Atomkrieg ernsthaft i n A n g r i f f genommen und hierdurch i h re Möglichkeiten

verbessert,

mit

den zahlreichen möglichen Lagen, die

sich i n einem solchen K o n f l i k t ergeben können, fertigzuwerden.
Nach unserer Auffassung würde das Z i e l der Sowjets bei der Planung
i h r e r m i l i t ä r i s c h e n Operationen d a r i n bestehen, einen Atomkrieg zu i h r e n
Bedingungen zu beenden, und zwar durch Neutralisierung der Fähigkeit der
interkontinentalen

und

taktischen

Nuklearstreitkräfte

der

Vereinigten

Staaten zur Verhinderung eines sowjetischen Sieges i n einem Krieg auf dem
europäisch-asiatischen Kontinent.
1 . Strategische Offensivwaffen
Der wichtigste

neuere Trend bei den Offensivwaffen i s t

der Bau von

Stellungen für mobile strategische Raketen, und zwar f ü r M i t t e l s t r e c k e n raketen

(IR3M) vom Typ SS-20 wie auch für neue

Interkontinentalraketen

(ICBM).
- Im

Jahr

1984

leiteten

die

Sowjets

ein

bis

dahin

beispielloses

�dahin

beispielloses

Bauprogramm

für

neue SS-20-Stellungen

ein.

In

keinem der vorhergehenden Jahre i s t mit dem Bau so v i e l e r neuer S t e l lungen begonnen worden.
- Bei den Vorbereitungen

für

die Aufstellung

von zwei neuen mobilen

ICBM, der auf straßengängigen Fahrzeugen montierten SS-X-25 und der
auf

Schienenfahrzeugen montierten S5-X-24, haben die Sowjets

Fortschritte

erzielt.

Daß sich die Sowjets

zur Aufstellung

große

mobiler

ICBM entschlossen haben, i s t gleichbedeutend mit einer Grundentscheidung über den künftigen Ressourceneinsatz, denn Systeme dieser

Art

erfordern erheblich umfangreichere I n f r a s t r u k t u r e i n r i c h t u n g e n a l s s i logestützte Systeme und sind daher i n Betrieb und Wartung weitaus kostenintensiver.
Dank bestimmter P r o j e k t e , die b e r e i t s s e i t

Jahren l a u f e n , wird das

sowjetische strategische Offensivpotential b i s M i t t e der neunziger Jahre
in all

seinen Teilbereichen umfassend modernisiert worden s e i n . Die So-

wjets werden sich zwar auch weiterhin suf o r t s f e s t e , s i l o g e s t ü t z t e ICBM
s t ü t z e n , daneben aber auch eine große Zahl mobiler ICBM a u f s t e l l e n . Auch
die seegestützten Waffen und die Bomberflotte werden i n erheblichem Umfang verbessert werden. Zu den hauptsächlichen Veränderungen, die im Bereich a l l dieser Waffen vorgenommen werden, zählen u.a. die folgenden:
- Verbesserung der Einsatzmöglichkeiten

gegen gehärtete

Ziele.

Schon

heute besitzen die Sowjets für i h r e ICBM genügend zum Einsatz gegen
gehärtete

Ziele

amerikanische

geeignete

Wiedereintrittsflugkörper,

um

sämtliche

ICBM-Silos und Abschußleitzentralen angreifen zu kön-

nen. I n der Zukunft wird ihnen sogar noch eine größere Anzahl von zum
Einsatz

gegen gehärtete

Ziele

geeigneten

Wiedereintrittsflugkörpern

zur Verfügung stehen. Schon heute hätten sie bei einem solchen Angriff

gute

Chancen, MINUTEMAN-Silos

tatsächlich

zu zerstören.

Die

vorausberechneten Verbesserungen der T r e f f s i c h e r h e i t der neuen schweren ICBM, die die Sowjets nach unseren Annahmen Ende der
Jahre i n Dienst

achtziger

s t e l l e n werden, würden diese Chancen noch d e u t l i c h

erhöhen.
- Eine d e u t l i c h

�- Eine d e u t l i c h bessere Überlebensfähigkeit

des Gesamtpotentials durch

Verbesserungen im Bereich der unterseebootgestützten Raketen (SLBM)
( z . B . Einführung von l e i s e r e n Unterseebooten und von Raketen größerer
Reichweite) und durch die I n d i e n s t s t e l l u n g mobiler ICBM. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt würde e i n großer T e i l der s i l o g e s t ü t z t e n ICBM der
Sowjets einen amerikanischen A n g r i f f überleben. Vfenn die Vereinigten
Staaten

jedoch

in

den nächsten zehn Jahren t r e f f s i c h e r e r e

Raketen

a u f s t e l l t e n , würden die sowjetischen ICBM-Silos verwundbarer werden.
Die Sowjets werden sich dann zunehnend auf die

Überlebensfähigkeit

i h r e r mobilen ICBM und SLBM verlassen.
- Eine erhebliche Erhöhung der Zahl de:: durch Bomber ins Z i e l zu b r i n genden Gefechtsköpfe i n f o l g e der I n d i e n s t s t e l l u n g neuer Bombertypen,
die

mit

Langstreckenmarschflugkörpem

zum Einsatz

gegen

Landziele

ausgestattet sein werden.
1 . 1 . ICBM
Bis M i t t e der neunziger Jahre werden die gegenwärtig vorhandenen sowjetischen IC8M fast gänzlich durch neue Systeme ersetzt worden s e i n :
- Die Sowjets t r e f f e n Vorbereitungen zur Aufstellung von ICBM des Typs
SS-X-24 i n Silos im Jahre 1986 und a j f schienenbeweglichen Abschußgeräten im Jahre 1987. Wir erwarten, d;*ß die mit zehn Mehrfachgefechtsköpfen (MIRV) ausgerüsteten ICBM des Typs SS-X-24 an die S t e l l e der
silogestützten

ICBM der Typen SS-1"? und SS-19 t r e t e n werden. Auch

diese ä l t e r e n Typen tragen Mehrfachgefechtsköpfe, jedoch eine g e r i n gere Anzahl.

- Die Sowjets haben mit der Ausmusterung ä l t e r e r
des Typs SS-11 mit Einzelgefechtskopf
zeitig

Vorbereitungen

Einzelgefechtskopf

für

silogestützter

ICBM

begonnen, während sie g l e i c h -

die Aufstellung

der ebenfalls

mit

einem

versehenen, auf straßengängige Fahrzeuge montier-

ten und somit mobilen SS-X-25 t r e f f e n . Wir erwarten, daß die SS-X-25
bis Ende 1985 einsatzbereit sein w i r d .

- Wir erwarten,

�- Wir erwarten, daß im Zeitraum von 1986 bis 1990 zumindest d r e i neue
ICBM-Typen i n die Flugerprobung gehen werden:
- Eine neue s i l o g e s t ü t z t e schwere ICBM a l s Ersatz für die SS-18.
- Eine neue Version der SS-X-2A.
- Eine neue Version der mobilen SS-X-25 mit der Möglichkeit zur Ausrüstung mit Mehrfachgefechtskopf.
1.2. Die SS-20
Man kann davon ausgehen, daß der Bestand an Mittelstreckenraketen des
Typs SS-20 i n f o l g e des ausgedehnten BauProgramms für neue Stellungen b i s
1987 auf mehr a l s 450 a u f g e s t e l l t e Abschußgeräte angewachsen sein w i r d .
1984 wurde mit dem Bau von mehr neuen Stellungen begonnen a l s i n jedem
der vorangehenden Jahre. Die Gesamtzahl läge noch wesentlich höher, wenn
die Sowjets nicht i n den m i t t l e r e n Landesteilen der UdSSR gelegene SS-20Stellungen

aufgelöst

h ä t t e n , um sie

zu Stellungen

SS-X-25 umbauen zu können. Ein Nachfolgemodell

für

für

ICBM des

Typs

die SS-20, das wie

diese d r e i Gefechtsköpfe t r ä g t und wahrscheinlich eine noch höhere Vernichtungskraft haben w i r d , ging 1984 i n die Flugerprobung.
1 . 3 . SLBM
Im Rahmen eines ausgedehnten Modernisierungsprogramms wird der gesamte

sowjetische

Bestand an mit Mehrfachgefechtsköpfen ausgerüsteten SLBM

erneuert werden; außerdem werden wesentlich bessere mit b a l l i s t i s c h e n Raketen bewaffnete, atomgetriebene Unterseeboote (SSBN) e i n g e f ü h r t . Folgende größere Veränderungen werden vorgenommen werden:
- Indienstnahme von Unterseebooten der DELTA-IV-Klasse und von weiteren
Einheiten der TYPHOON-Klasse. Diese Boote weisen Verbesserungen a u f ,
die

ihre Uberlebensfähigkeit

erhöhen. Eine weitere

neue Klasse

von

Unterseebooten wird wahrscheinlich Anfang der neunziger Jahre eingef ü h r t werden.
- Ab Ende

1985 oder

Anfang

1986 Stationierung

neuer

SLBM vom Typ

�vom Typ SS-NX-23 auf Booten der DELTA-IV- und DELTA-III-Klasse. Die
gegenüber

der

gegenwärtig

auf

den

DELTA-III-Booten

stationierten

SS-N-18-Rakete erhöhte Reichweite der SS-NX-23 wird den mit

dieser

neuen Waffe ausgestatteten SSBN zu einer größeren Uberlebensfä'higkeit
v e r h e l f e n , da sie dann i n der Lage sein werden, i n geringerer E n t f e r nung zu den sowjetischen Küsten zu o p e r i e r e n , wo die sowjetische Mar i n e sie besser decken kann.

- Ein Ersatzmodell

für

die

auf SSBN der TYPHOON-Klasse

stationierte

SS-N-20 wird wahrscheinlich Ende 1985 oder 1986 i n die Flugerprobung
gehen, und eine Rakete von der A r t der SS-NX-23 wird wahrscheinlich
gegen Ende der achtziger Jahre erprobt werden.
1.4. Schwere Bomber
Die

sowjetische

Flotte

von schweren Bombern durchläuft

gegenwärtig

ihre erste große Modernisierung s e i t den sechziger Jahren; b i s M i t t e der
neunziger
sein.

Jahre

werden die

meisten der

ä l t e r e n Bomber e r s e t z t

Schwere Bomber werden dann bei A n g r i f f e n über

worden

interkontinentale

Entfernungen hinweg eine größere Rolle s p i e l e n :
- Luftgestützte Marschflugkörper
1984 e i n s a t z b e r e i t ;

mit

(ALQV) vom Typ AS-15 wurden im Jahre

ihnen wurden Flugzeuge vom Typ BEAR H aus

neuester Produktion ausgestattet.

Indem sich die Sowjets neu herge-

s t e l l t e r Flugzeuge eines ä l t e r e n Baumusters bedienten, waren sie

in

der Lage, ALCM mindestens v i e r Jahre vor dem Zeitpunkt i n Dienst zu
stellen,

zu dem dies möglich gewesen wäre, wenn sie auf den neuen

BLAQXJACK-Bomber gewartet hätten.
- Wir gehen davon aus, daß der BLACKJ^QX 1988 oder 1989 seine Einsatzr e i f e erlangt haben und sowohl ALCM a l s auch Bomben tragen w i r d .
1.5. Marschflugkörper
Die ALCM sind die ersten Modelle in einer Reihe von zum Einsatz gegen
Landziele

bestimmten

Langstreckenmarschflugkörpern,

- 6 -

deren

Einführung

�deren Einführung bevorsteht.

Wir erwarten, daß die Sowjets während der

nächsten

3 000 mit

zehn Jahre 2 000 -

ALCM, seegestützte Marschflugkörper
körper

Nukleargefechtsköpfen

versehene

(SLCM) und landgestützte Marschflug-

(GLCM) s t a t i o n i e r e n werden. Die Stationierung von Marschflugkör-

pern verschafft den Sowjets neue Moglichikeiten, Z i e l e i n den Vereinigten
Staaten aus a l l e n möglichen Richtungen anzugreifen.
1.6. Das Anwachsen des i n t e r k o n t i n e n t a l e r

Offensivpotentials

Vorausschätzungen des Anwachsens der Zahl der Gefechtsköpfe auf den
sowjetischen Offensivwaffen i n t e r k o n t i n e n t a l e r Reichweite:
- Dieses P o t e n t i a l umfaßt gegenwärtig mehr a l s 9 000 Gefechtsköpfe auf
rund 2 500 Abschußgeräten für b a l l i s t i s c h e Raketen und schweren Bombern. Die meisten Gefechtsköpfe sind auf ICBM montiert.
- Die Zahl der Gefechtsköpfe s t e i g t : Die neuen sowjetischen Unterseeboote der TYPHOON- und DELTA-IV-Klasse, die Bomber vom Typ BEAR H und
die ICBM vom Typ SS-X-24 werden wesentlich mehr Gefechtsköpfe tragen
a l s die Systeme, an deren S t e l l e sie t r e t e n .
- Wenn die Sowjets auch 1990 noch rtnd 2 500 schwere Bomber und Abschußgeräte für Raketen haben und d3bei innerhalb der im Rahmen von
SALT I I

vereinbarten Begrenzungen f ü r jede

Waffenkategorie

bleiben,

wird die Zahl der ihnen zur Verfügung stehenden Gefechtsköpfe b i s dah i n auf mehr a l s 12 000 anwachsen.
- Auch der von den Sowjets im Jahre 1983 bei den Gesprächen über eine
Verminderung der strategischen Waffen (START) u n t e r b r e i t e t e Vorschlag
würde zu einer Erhöhung der Zahl der Gefechtsköpfe führen. A l l e r d i n g s
würden die Sowjets nach den i n diesem Vorschlag vorgesehenen Begrenzungen b i s 1990 etwa 1 000 Gefechtsköpfe weniger haben, a l s sie gemäß
der Begrenzungen von SALT I I haben dürfen.
- Der amerikanische

START-Vorsehlag aus dem Jahre 1983 würde

Trend hingegen umkehren und bis
-

diesen

1990 zu erheblichen Verminderungen
7 -

�erheblichen Verminderungen führen.
- Die Sowjets werden zwar i h r i n t e r k o n t i n e n t a l e s O f f e n s i v p o t e n t i a l auch
ohne Rüstungskontrollbeschränkungen
von 12 000 lichkeit

licht

unbedingt über die Grenze

13 000 Gefechtsköpfen hinaus e r w e i t e r n , aber die Mög-

zu einem erheblichen weitergehenden Ausbau haben sie

e i n d e u t i g ; bis M i t t e der neunziger

ganz

Dahre könnten sie es auf 16 000

b i s 21 000 Gefechtsköpfe bringen. Die kleinere der beiden genannten
Zahlen ergäbe sich bei einem A n h a l t e l der i n der jüngeren Vergangenh e i t zu beobachtenden Trends beim Tenpo der Stationierung neuer Waff e n ; um hingegen die höhere Zahl zu e r r e i c h e n , wäre zwar keineswegs
die Anspannung a l l e r K r ä f t e , aber doch e i n wesentlich höherer Einsatz
von Ressourcen e r f o r d e r l i c h .

Wenn die Sowjets i n den nächsten Jahren die Flugerprobung der
stischen Raketen vorantreiben, deren Stationierungsbeginn
achtziger

und Anfang der

wichtigen Entscheidungen

neunziger
stehen.

Jahre geplant

Insbesondere

ist,

haben sie

balli-

f ü r Ende der

werden sie
rein

vor

technisch

gesehen die M ö g l i c h k e i t , neue ICBM entweder i n einer A r t und Weise zu e r proben, die den i n dem u n r a t i f i z i e r t e n SALT-II-Vertrag enthaltenen Begrenzungen f ü r die Eigenschaften und die Verbesserung von Waffensystemen
e n t s p r i c h t , oder aber e i n Testverfahren zu wählen, das sich über diese
Begrenzungen hinwegsetzt.

2. Strategische Verteidigung
Die aktiven und passiven Einrichtungen der strategischen Verteidigung
der

Sowjets

könnten

zwar

im

Falle

eines

Großangriffs

das

Entstehen

schwerster Schäden nicht verhindern, s o l l e n aber den Schutz der Führung
sowie m i l i t ä r i s c h e r Einrichtungen im engeren und weiteren Sinne zumindest
so weit gewährleisten, daß i h r e Funktionsfähigkeit unter Kriegsbedingungen erhalten b l e i b t . Da die Sowjets im Verlaufe der nächsten zehn Jahre
eine Reihe von neuen Waffentypen einführen und v i e l e der ä l t e r e n Systeme
ausmustern werden, wird sich die Schlagkraft i h r e r strategischen V e r t e i digjng wesentlich erhöhen. Folgende wichtige Entwicklungen sind zu nennen:

2 . 1 . Raketenabwehr

�2 . 1 . Raketenabwehr
- Die Sowjets befassen sich
Entwicklung

seit

und Stationierung

v i e l e n Jahren mit

der Erforschung,

von Raketenabwehrsystemen

(ABM-Syste-

men).
- Wenn das verbesserte ABM-System bei Moskau um das Jahr 1987 herum
f e r t i g g e s t e l l t sein w i r d , wird es IOC) silogestü'tzte Raketen mit hoher
Startbeschleunigung und m o d i f i z i e r t e Abfangraketen vom Typ GALOSH umfassen und damit bedeutsame Abwehrmnglichkeiten gegen begrenzte Ang r i f f e auf besonders wichtige Ziele i n Raum Moskau e r ö f f n e n .
- Man kann davon ausgehen, daß bis zum Ende des Jahrzehnts e i n neues
Netz

von

Radargroßanlagen

mit

phasengesteuerter

Abtastung

(ein-

s c h l i e ß l i c h der bei Krasnojarsk) einsatzbereit sein w i r d . Die Sowjets
werden dann über

stark

verbesserte Möglichkeiten der

Früherfassung

anfliegender b a l l i s t i s c h e r Raketen, der Angriffsbewertung und der genauen Zielverfolgung
nisch

in

verfügen. Diese Radaranlagen werden zwar t e c h -

der Lage s e i n ,

eine unterstützende

Funktion

für

die Ge-

f e c h t s l e i t u n g im Rahmen eines ausgedehnten ABM-Systems zu übernehmen,
aber es i s t

ungewiß, ob die Sowjets diesen Radaranlagen eine

Rolle

bei der umfassenden Aufstellung von A3M-Waffen zugedacht haben.
- Das SA-X-12-System, das im Zeitraum 1985/86 bei den sowjetischen Bodentruppen eingeführt werden s o l l , kann gegen Flugzeuge herkömmlicher
Bauart, Marschflugkörper

und taktische

ballistische

Raketen einge-

setzt werden. Es könnte i n gewissem Umfang auch zum Abfangen e i n i g e r
der Typen von Wiedereintrittsflugkörpern eingesetzt werden, die auf
den strategischen b a l l i s t i s c h e n Raketen der Vereinigten Staaten verwendet werden. Seine technischen Einsatzmöglichkeiten rücken das Problem i n den Vordergrund, daß durch technologische Verbesserungen der
Unterschied zwischen Flugabwehr- und ABM-Systemen verwischt w i r d . Die
Entwicklung

neuerer,

noch komplexerer

Flugabwehrraketensysteme

wird

dieses Problem noch weiter komplizieren.
Was uns besondere Sorge b e r e i t e t , i s t die Tatsache, daß die f o r t l a u -

�die fortlaufenden Entwicklungsarbeiten der Sowjets ihnen die Möglichkeit
zur Aufstellung von ABM-Systemen i n großem Umfang eröffnen könnten. Die
Sowjets besitzen b e r e i t s die Hauptkomponenten für e i n ABM-System, die f ü r
den umfassenden Aufbau von ABM-Einrichtungen über die durch den ABM-Vertrag gesteckten Grenzen hinaus genutzt werden könnten. Zu diesen Komponenten zählen Radaranlagen, e i n o b e r i r d i s c h aufzubauendes Raketenabschußgerät und die Rakete mit hoher Startbeschleunigung, die um Moskau herum
i n Stellung gebracht werden w i r d . Es besteht die M ö g l i c h k e i t , die Produktionseinrichtungen, die

i n Zusammenhang mit dem Ausbau des Moskauer

ABM-Systems geschaffen worden s i n d , auch für den umfassenden Aufbau von
ABM-Einrichtungen zu nutzen. Nach unserer Auffassung könnten die Sowjets
durchaus sehr rasch weitere ABM-Anlagen aufbauen, um die Verteidigungseinrichtungen bei Moskau zu verstärken und besonders wichtige Ziele

in

der westlichen UdSSR zu decken. Bis Anfang der neunziger Jahre könnten
auch wichtige Ziele ö s t l i c h
werden.

des Urals

Ln diese Verteidigung einbezogen

Vtenn die Sowjets derartige Maßnahmen i n Betracht ziehen, werden

sie indessen die m i l i t ä r i s c h e n V o r t e i l e , die solche Verteidigungseinrichtungen i n ihren Augen haben mögen, gegen die N a c h t e i l e , die insbesondere
aus der Reaktion der Vereinigten Staater und i h r e r Verbündeten erwachsen
könnten, abwägen müssen.

2.2. Luftverteidigung
Neue

strategische

Flugabwehrsysteme

mit

Einsatzmöglichkeiten

gegen

Ziele i n geringer Flughöhe werden i n zunehmender Zahl a u f g e s t e l l t werden.
Die Sowjets setzen die Stationierung der neuen, gegen Ziele i n b e l i e b i g e r
Flughöhe einsetzbaren Boden-Luft-Rakete

vom Typ SA-10 f o r t ,

führen neue

Flugzeuge mit verbesserten Einsatzmöglichkeiten gegen t i e f f l i e g e n d e Ziele
ein

und

werden

im

Jahre

1985

das

fliegende

Frühwarn- und

Leitsystem

(AVßCS) vom Typ MAINSTAY i n den Truppendienst übernehmen. Vtenn die

ver-

besserten Systeme zur Truppe kommen, wird es für die d e r z e i t i g verfügbaren Bomber zusehends schwieriger werden, die sowjetische L u f t v e r t e i d i g u n g
zu durchstoßen. Gegen amerikanische Marschflugkörper wäre dieses V e r t e i digungssystem

jedoch

wesentlich

weniger

wirksam.

Vfihrend der

nächsten

zehn Jahre wird die sowjetische Luftverteidigung wahrscheinlich nicht

in

dar Lage s e i n , im F a l l e eines A n g r i f f s , der von Bombern und Marschflug-

- 10 -

�und Marschflugkörpern gemeinsam vorgetragen wird, genug davon abzuschießen, um zu verhindern, daß die UdSSR schwerste Schäden erleidet. Wir
glauben jedoch, daß die Sowjets imstande sind, viele besonders wichtige
Führungs-, Befehls-, Militär- und Wirtschaftseinrichtungen, die im Kriege
eine bedeutsame Rolle spielen würden, zunehmend besser vor Luftangriffen
zu schützen.

2.3. U-Boot-Abwehr
Bis zum gegenwärtigen Zeitpunkt verfügen die Sowjets nicht über w i r k same M i t t e l zur Ortung von auf See b e f i n d l i c h e n amerikanischen Unterseebooten, die mit b a l l i s t i s c h e n Raketen bewaffnet sind (SSBN). Wir erwart e n , daß die Sowjets ihre Arbeiten i n a l l e n technologischen Bereichen der
U-Boot-Abwehr

(ASW) auch weiter

hier

Lösungen für

mögliche

mit

Nschdruck

vorantreiben werden, da

die Probleme der Bekämpfung

amerikanischer

SSBN und des Schutzes i h r e r eigenen SSBN vor amerikanischen Jagd-U-Booten
liegen.

Wir sind besorgt über die energische ASW-Forschung und die tech-

nologischen Anstrengungen der Sowjets. Wir glauben jedoch n i c h t , daß die
reale Möglichkeit besteht, daß die Sowjets i n den neunziger Jahren e i n
System einführen könnten, das eine erheb Liehe Gefahr für auf See kreuzende amerikanische SSBN d a r s t e l l e n würde.
2 . 4 . Der Schutz der Führung
Die Sowjets betreiben e i n umfangreiches Programm, das dem Schutz i h r e r Führung d i e n t .

Nach unserer Auffassung würde bei einer

Vorwarnzeit

von nur einigen Stunden e i n großer Teil der kriegsmäßigen Führungsstruktur

die ersten Auswirkungen eines amerikanischen nuklearen Großangriffs

überleben. Wir schätzen, daß für Führungskräfte der nationalen und r e g i o nalen Ebene zumindest 800, v i e l l e i c h t

sogar 1 500 Ausweichstandorte

zur

Verfügung stehen. T i e f u n t e r i r d i s c h angelegte Einrichtungen könnten das
Überleben der obersten nationalen Führung gewährleisten; h i e r i n

besteht

eines der vorrangigen Ziele der sowjetischen Pläne f ü r die Regierung i n
Kriegszeiten.
3. Führungs-

-

11 -

�3. Fuhrungs- und Kommandoeinrichtungen

In den nächsten zehn Jahren wird es zu erheblichen Verbesserungen der
Schlagkraft der strategischen Offensivwaffen der Vereinigten Staaten und
der Sowjetunion kommen, aber dennoch würden auf beiden Seiten umfangreiche Teile des militärischen Potentials selbst schwere Atomschläge überleben. Wie sicher sich die Sowjets ihrer Befähigung zum Ausfechten weltweiter Konflikte und zur Begrenzung des Schadens, den die Sowjetunion erleiden würde, sein können, hängt weitgehend von Erwägungen bezüglich der
Fuhrungs- und Kommandoeinrichtungen ab, d.h., von ihrer Fähigkeit, die
Funktionstüchtigkeit

ihrer

eigenen

Fuhrungs- und

Kommandoeinrichtungen

aufrechtzuerhalten, wie auch von ihren Möglichkeiten, die Vereinigten
Staaten und ihre Verbündeten der Fähigkeit zum Führen und Befehligen ihrer Streitkräfte ganz oder teilweise zu berauben.

- Amerikanische Angriffe könnten zwar viele bekannte, ortsfeste Befehls-,

Kommando- und

Kommunikationseinrichtungen

zerstören, aber

dank der Tatsache, daß die Sowjets s;.ch diesem Bereich schwerpunktmäßig gewidmet haben, besitzen sie he^te zahlreiche gehärtete Schlüsseleinrichtungen

sowie

Kommunikationsanlagen

in Mehrfachauslegung.

Die Sowjets könnten daher höchstwahrscheinlich die Funktionsfähigkeit
ihres Befehls- und Kommandosystems insgesamt aufrechterhalten, obwohl
es wahrscheinlich in Mitleidenschaft gezogen würde und sie sich bei
der Gewährleistung seines Weiterbetriebs Schwierigkeiten gegenübersehen könnten.

- Wir glauben, daß die Sowjets fortwährende Angriffe gegen die strategischen Befehls-, Kommando- und Komrrunikationseinrichtungen der Vereinigten Staaten und ihrer Verbündeten richten würden, um die Koordination von Vergeltungsschlägen nach Möglichkeit zu verhindern oder zu
erschweren. Hierdurch würden die Sowjets die Belastung ihrer eigenen
strategischen Verteidigung vermindern und die Fähigkeit der Vereinigten Staaten und ihrer Verbündeten herabsetzen, zur Regenerierung ihrer Streitkräfte militärische und zivile Ressourcen heranzuziehen.
Die Sowjets würden zwar im Hinblick auf diese Aufgabe erhebliche Anstrengungen unternehmen, sind wahrscheinlich aber keineswegs sicher,
- 12 -

�keineswegs sicher, daß sie diese Ziele auch wirklich erreichen könnten.
4. Das Weltraumprogramm
Das von den Sowjets mit Nachdruck
überwiegend

betriebene Keltraumprogramm ist

militärischer Natur. Mehr als 70 Prozent der sowjetischen

Weltraumunternehmen dienen ausschließlich militärischen Zwecken, und von
den übrigen haben viele eine militärisch-zivile Doppelfunktion. Die Sowjets betrachten den Weltraum als integralen Bestandteil ihres militärischen offensiven und defensiven Gesamt.konzepts und nicht etwa als getrennten oder aussparbaren Bereich. Die Sowjets würden zwar gern in der
Lage sein, dem Feind im Krieg die Nutzung des Weltraums zu verwehren,
aber ihre gegenwärtigen Möglichkeiten zur Bekämpfung von Satelliten sind
begrenzt und reichen nicht aus, um diesen offenkundigen Erfordernissen
gerecht zu werden. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt bieten nicht nur das speziell dafür konzipierte nichtnukleare Qrbitalabfangsystem, sondern auch
andere Systeme wie die nukleare ABM-Abfangrakete vom Typ GALOSH und zwei
erdgestützte hbchenergielaser die Möglichkeit, einige Satelliten in erdnahen Umlaufbahnen zu vernichten oder zu stören, aber die mögliche Bedrohung für Satelliten in höheren Umlaufbahnen ist begrenzt. Wahrscheinlich
würden die Sowjets im Verlaufe eines größeren konventionellen Krieges und
im Anfangsstadium eines Atomkriegs vergehen, die Satelliten der Vereinigten Staaten zu vernichten oder zu stören. Ihre diesbezüglichen Mittel
würden jedoch einen Nuklearangriff nicht überleben. Gewisse Verbesserungen bei den sowjetischen Einrichtungen zur Satellitenbekämpfung stehen
jedoch zu erwarten.

5. Richtenergiewaffen

und

mit

kinetischer Energie arbeitende hbchge-

schwindigkeitswaffen
Richtenergiewaffen und mit kinetischer Energie arbeitende Waffen für
eine Reihe strategischer Anwendungsmöglichkeiten könnten eventuell entwickelt werden, so z.B. zur Bekämpfung von Satelliten, zur Flugabwehr,
zum Einsatz auf dem Gefechtsfeld und langfristig auch zur Abwehr ballistischer Raketen.
- 13 -

Es agibt

�Es gibt starke Indizien dafür, daß die Sowjets an der Entwicklung von
HDchenergielaserwaffen arbeiten, und zwar in einigen Fällen schon seit
den sechziger Jahren:

- Nach unserer Schätzung würde ein Laserwaffenprogramm vom Umfang des
sowjetischen in den Vereinigten Staaten ungefähr eine Milliarde Dollar jährlich kosten.

- Man geht davon aus, daß sich in zwei Anlagen auf dem Testgelände bei
Saryshagan l-bchenergielaser befinden, die möglicherweise als Antisatellitenwaffen eingesetzt werden könnten.

- Wir sind besorgt über ein sowjetisches Großprojekt zur Entwicklung
erdgestützter Laserwaffen zur Abwehr von Wiedereintrittsflugkörpern
im Endanflug. Es ist jedoch weitgehemd ungewiß, ob die Verwendung von
erdgestützten Lasern zur Raketenabwehr machbar und durchführbar ist.
Wir erwarten, daß die Sowjets die Funktionstüchtigkeit eines solchen
Systems in den achtziger Jahren testen werden, wobei sie wahrscheinlich eine der Hochenergielaseranlagen bei Saryshagan verwenden werden. Ein einsatzfähiges System könnte erst viele Jahre später in
Dienst gestellt werden, wahrscheinlich erst nach der Jahrtausendwende.
- Die Sowjets scheinen zwei HDchenergielaserwaffen zu entwickeln, die
möglicherweise zur strategischen Luftverteidigung eingesetzt werden
könnten, und zwar zum Objektschutz am Boden und zur See.

- Die Sowjets arbeiten weiter an der Entwicklung eines in ein Flugzeug
eingebauten Lasers.

- Die Sowjets betreiben u.a. auch ein Forschungsprojekt zur Entwicklung
von HDchenergielaserwaffen für den Einsatz im Weltraum. Anfang der
neunziger Jahre könnte der Prototyp einer weltraumgestützten Hochenergielaserwaffe zur Satellitenbekämpfung in einer erdnahen Umlaufbahn erprobt werden, aber selbst wenn die Tests erfolgreich verliefen, könnte ein solches System kaum vor Mitte der neunziger Jahre die
Einsatzreife erlangen.
Ferner betreiben
- 14 -

�Ferner betreiben die Sowjets für das Militär Forschungsarbeiten mit
dem Ziel der Entwicklung von Partikelstrahlenwaffen (PBW). Wir glauben,
daß die Sowjets schließlich einen Versuch zum Bau einer weltraumgestützten PBW unternehmen werden, aber da die technischen Anforderungen ungemein hoch sind, ist es nach unserem Dafürhalten unwahrscheinlich, daß sie
noch vor dem Jahr 2000 einen Prototyp testen werden.
Die Sowjets haben im Bereich der "rechrologien, die zur Entwicklung
von Radiofrequenzwaffen

(RF-Waffen) genutzt werden können, einen hohen

Leistungsstandard erreicht, so daß sie nach unserer Meinung wahrscheinlich in der Lage sind, den Prototyp eineis RF-Waffensystems zu entwickeln.
Eine solche Vteffe kann benutzt werden, um bestimmte Komponenten von Raketen oder Satelliten zu stören oder außer Funktion zu setzen.

Wir befürchten, daß die Programme cer Sowjets im Bereich der Richtenergietechnik schon so weit fortgeschritten sein könnten, daß sie zum
Bau einsatzfähiger erdgestützter Antisatellitenwaffen in der Lage sind.

Seit den sechziger Jahren haben die Sowjets erhebliche Mittel für
Forschungs- und Entwicklungsarbeiten im Bereich von Technologien aufgewandt , die möglicherweise zum Bau von mit kinetischer Energie arbeitenden
Hbchgeschwindigkeitswaffen eingesetzt werden können.

6. Mittelaufwand für die erwarteten Entwicklungen und Rüstungskontrollerwägungen

Etwa jeweils ein Zehntel, insgesamt also ein Fünftel der gesamten Rüstungsausgaben, werden für die strategischen Offensiv- und Defensivwaffen
aufgewandt. Obwohl die Programme der Sowjets in den Bereichen der Erforschung, Entwicklung und Aufstellung strategischer

Waffen bereits einen

erheblichen Umfang haben, wird der Aufwand von Mitteln weiter erhöht. Wir
schätzen, daß die Gesamtinvestitionen und Betriebskosten für die sowjetischen Programme in dem Bereich der strategischen Offensivwaffen (Systeme
interkontinentaler Reichweite und Mittelstreckenwaffen) und in dem der
strategischen Defensivwaffen (unter Außerachtlassung der Möglichkeit eines umfassenden Aufbaus von Raketenabwehrsystemen) in den nächsten fünf

- 15 -

�nächsten fünf Jahren zu einer jährlichen Steigerung der sowjetischen Gesamtausgaben für strategische Waffen um fünf bis sieben Prozent führen
werden. (Sollte es zu einer umfassenden Aufstellung von Raketenabwehrsystemen kommen, würde sich die Zuwachsrate auf sieben bis zehn Prozent belaufen.)

Da die Wachstumsrate bei den nichtstrategischen Programmen mit ungefähr drei Prozent angenommen wird, würde eine Steigerung der Ausgaben für
strategische Programme um fünf bis sieben Prozent auf eine jährliche Erhöhung der gesamten Rüstungsausgaben um drei bis vier Prozent hinauslaufen. Gleichzeitig zeichnet sich ab, daß die sowjetische Wirtschaft für
den Rest des Jahrzehnts nur sehr geringe Zuwachsraten zu verzeichnen haben wird. Wenn nun aber der für die Rüstung aufgewandte Teil des Bruttosozialprodukts größer wird, werden die Sowjets vor der schwierigen Entscheidung stehen, ob sie die Zuwachsrate der Investitionen kürzen sollen,
obwohl diese von zentraler Bedeutung für die Modernisierung ihrer Wirtschaft sind, oder ob sie die Produktion von Verbrauchsgütern zurückschrauben sollen, obwohl diese im Rahmen der sowjetischen Bemühungen um
eine Anhebung der Arbeitsproduktivität einen hohen Stellenwert hat.

Ungeachtet der ernsten Wirtschaftsprobleme, die seit Mitte der siebziger Jahre bestehen, hatten die militärischen Beschaffungsprogramme der
Sowjets Jahr für Jahr einen erheblichen Umfang; insbesondere beschaffen
die Sowjets auch weiterhin neue strategische Waffen in großer Zahl. So
haben die Sowjets beispielsweise seit Mitte der siebziger Jahre ihr Potential an mit Mehrfachgefechtsköpfen ausgestatteten ICBM aufgestellt und
ausgebaut, neue SSBN mit Mehrfachgefechtsköpfen tragenden SLBM in Dienst
gestellt und die mobilen Raketen vom SS-20 eingeführt. In den letzten
Jahren haben die Sowjets ihren Mittelaufwand für neu entwickelte Systeme
erhöht, insbesondere im Hinblick auf die Aufstellung kostspieliger mobiler Raketensysteme. Obwohl die Sowjets vor schweren Wirtschaftsproblemen
stehen, deutet nichts darauf hin, daß sie sich genötigt fühlen, auf
wichtige strategische Rüstungsprogramme zu verzichten, oder daß sie im
Bereich der Rüstungskontrolle größere Zugeständnisse machen werden, um
den wirtschaftlichen Druck zu mildern. Ausschlaggebend für die Rüstungsund Rüstungskontrollentscheidungen der Sowjets werden wahrscheinlich auch

- 16 -

�wahrscheinlich auch weiterhin ihre Einschätzungen des politisch-strategischen Nutzens und die Dynamik der Waffentechnik bleiben. Nach unserer
Auffassung werden die strategischen Waffen bei der Mittelzuweisung auch
weiterhin oberste Priorität behalten und daher von wirtschaftlichen Problemen in geringerem Umfang betroffen werden als jeder andere Teilbereich
der Streitkräfte der Sowjetunion. Wir glauben jedoch auch, daß Entscheidungen über Umfang und Tempo der Modernisierung der strategischen Waffen
infolge der angespannten Wirtschaftslage heute wahrscheinlich in stärkerem Maße als in der Vergangenheit von wirtschaftlichen Faktoren beeinflußt

werden und

daß

einige Stationierungsprogramme

gestreckt werden

könnten.

Wir glauben, daß die Sowjets entschlossen sind, keinerlei Abstriche
an dem zuzulassen, was die UdSSR im vergangenen Jahrzehnt militärisch erreicht hat. Sie sind sich der Tatsache bewußt, daß die neuen strategischen Waffensysteme, die die Vereinigten Staaten gegenwärtig einführen
oder entwickeln, die Gefährdung ihrer silogestützten ICBM erhöhen, ihre
Anstrengungen im Bereich der U-Boot-Abwehr komplizieren und ihre Luftverteidigung vor zunehmend komplexere Probleme stellen. Durch ihr Verhalten
und ihre Propaganda haben die Sowjets zu erkennen gegeben, daß sie über
die Strategische Verteidigungsinitiative (SDI) der Vereinigten Staaten,
in deren Mittelpunkt fortgeschrittene Technologien stehen, sehr besorgt
sind. Sie glauben, daß SDI sie zwingen könnte, ihre Entwicklungsprogramme
für ballistische

Offensivraketen umzustellen, um diese

Waffen weniger

verwundbar zu machen, oder daß SDI einen kostspieligen Hochtechnologiewettlauf ohne absehbares Ende auslösen könnte, und wahrscheinlich befürchten sie, daß ihre eigenen Anstrengungen in diesem Bereich mit denen
der Vereinigten Staaten nicht Schritt halten können. Wahrscheinlich bereitet ihnen auch die Möglichkeit Sorge, daß SDI zu anhaltenden Anstrengungen der Vereinigten Staaten im Bereich der strategischen Verteidigung
führen könnte.

Die sowjetische Führung betrachtet die Rüstungskontrollpolitik als
wichtigen Faktor im Rahmen ihrer Bemühungen, strategische Vorteile zu erlangen. Die Sowjets sind dann bereit, im Hinblick auf die Erhöhung der
Leistungsfähigkeit

von Streitkräften und die Aufstellung neuer

- 17 -

Waffen

�neuer Haffen Begrenzungen auszuhandeln, wenn dies ihren Interessen dient.
Moskau glaubt seit langem, daß Rüstungskontrolle zuerst und vor allem die
Schlagkraft der Streitkräfte der Sowjetunion im Verhältnis zu der ihrer
Gegner schützen muß. Die Sowjets versuchen, die Modernisierung der amerikanischen Streitkräfte sowohl durch den Rüstungskontrollprozeß selbst als
auch durch jedes sich daraus ergebende Abkommen zu begrenzen. In Zukunft
wird im Mittelpunkt der sowjetischen Rustungskontrollpolitik der Versuch
stehen, die Möglichkeiten der Vereinigten Staaten zur Abwehr ballistischer Raketen und zur Kriegführung im Weltraum zu begrenzen; dies wird
eine ihrer hervorstechendsten Eigenarten ausmachen. Die Sowjets werden
versuchen, sich der Rüstungskontrollverhandlungen als Mittel zur Verzögerung oder Vereitelung des amerikanischen SDI-Programms zu bedienen.

* * * * *

- 18 -

�3. J u l i 1985

26

25 JAhRE WETTERBEOBACHTUNG AUS OEM WELTRAUM

-

(AD) - Mit dem S t a r t des ersten arrerikanischen TIROS-Satelliten am

1 . A p r i l 1960 öffnete sich für die Wetterkundler eine neue und, wie sich
i n 25 Jahren z e i g t e , ungemein wichtige Eeobachtungsperspektive.
nem ViertelJahrhundert

waren sie noch auf

Vor e i -

Wahrnehmungen angewiesen, die

zu Lande und auf den Meeren, v i e l l e i c h t auch noch von Flugzeugen aus gemacht wurden.

Jetzt aber ergab sich die M ö g l i c h k e i t , Strukturen und Zug-

richtung r i e s i g e r

Wblkenfelder und, mitte:ls empfindlicher Sensoren, S t r ö -

mungsmuster und Temperaturen i n den Stockwerken der Erdatmosphäre rund um
den Globus zu beobachten - und rund um cie Uhr dazu.

Die mit diesen Sa-

t e l l i t e n zunehmend umfangreicher und mit

immer größerer Genauigkeit ge-

wonnenen Informationen

b i l d e n heute

Kern der

möglichst

Vorhersagen

zuverlässige

Grundlage für den E r f o l g i s t

der

gebraucht

Wetterdaten, die

werden.

Eine

für

wesentliche

die enge i n t e r n a t i o n a l e Zusammenarbeit von

Wissenschaftlern vor allem aus den USA, Europa, Japan, Indien und der Sowjetunion und ca. 40 weiteren Ländern, die i n der

WMO (UN-Weltorgani-

s a t i o n f ü r Meteorologie) zusammengeschlossen s i n d .
Die neuen

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Die neuen Erkenntnisse aus den Gebieten der Meteorologie und Atmosphärenphysik

bedeuteten eine

besondere Förderung

für

die

"Weltwetter-

wacht" der VMO, eines überaus komplexen Beobachtungs- und Vorhersagesystems.

S a t e l l i t e n d a t e n waren gewissermaßen der Motor, um die Leistungen

der VMO k o n t i n u i e r l i c h zu verbessern - nicht nur i n bezug auf die Q u a l i tät

kurzfristigerer

Zeitdauer,

Wettervorhersagen,

sondern auch i n

bezug auf

die

f ü r die Vorhersagen mit r e l a t i v e r Genauigkeit gemacht werden

können.
Die

gegenwärtige

"Flotte"

von

Wetterbeobachtungssatelliten

besteht

zum T e i l aus geostationären Geräten, die auf ä q u a t o r i a l e r Bahn i n 35 680
km Höhe eine p r a k t i s c h feste P o s i t i o n einnehmen, w e i l die Umlaufgeschwindigkeit

eines S a t e l l i t e n i n diesem Abstand der

Rotationsgeschwindigkeit

der Erde e n t s p r i c h t , und zum anderen au:; S a t e l l i t e n auf polaren Umlaufbahnen i n ca. 800 km Höhe.

Deren Bahnebene steht senkrecht zur Bahnebene

der geostationären W e t t e r s a t e l l i t e n , die von der Europäischen Weltraumorganisation ESA, den Vereinigten Staaten, Japan und Indien g e s t e l l t
den.

wer-

Die S a t e l l i t e n auf polarer Bahn kommen aus den USA und der Sowjet-

union.

Neben ihren Aufgaben zur Wetterbeobachtung und der ständigen Aus-

strahlung von Vfetterdaten, die jeder empfangen kann, der daran i n t e r e s s i e r t i s t , nehmen sie auch Notsignale von Flugzeugen und Schiffen auf und
geben diese an große Bodenstationen weiter.

Die Umlaufbahnen über beide

Pole machen i n f o l g e der West-Ost-Drehung der Erde eine komplette Beobachtung der Erdoberfläche mit j e w e i l s gleichmäßiger Verschiebung um bestimmte Längengradeinheiten möglich.
Ein moderner W e t t e r s a t e l l i t

kostet derzeit 50 bis 100 M i l l i o n e n D o l -

lar.

Die j ä h r l i c h e n Betriebskosten liegen bei 20 b i s 40 M i l l i o n e n D o l -

lar.

Mehr a l s

80 Prozent der VMO-Mitgliedstaaten machen vom Direktem-

pfang der Satelliten-Wetterdaten Gebrauch, die durch hydrologische Meßdaten ergänzt werden.

Die übrigen M i t g l i e d e r benutzen die Vorhersagen, die

aus S a t e l l i t e n d a t e n e r a r b e i t e t und über die VMO im Rahmen eines w e l t w e i ten Nachrichtennetzes v e r m i t t e l t werden.

Die Weltwetterorganisation

för-

dert außerdem durch Ausbildungskurse und Forschungsprojekte die Aus- und
Weiterbildung von Spezialisten aus den i h r angeschlossenen Staaten.
* * * * *
- 2 -

�</text>
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U.S. Information Service
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3. Juli 1990

AUSSENPOLITIK

BAKER: NATO-GIPFEL WICHTIGER
SCHRITT ZU FREIEM EUROPA
Pressekonferenz des
US-Außenministers

NATO

DIE POLITISCHE ROLLE DER NATO:
VORSCHLÄGE FÜR EIN NEUES EUROPA
Von Botschafter John Maresca

UMWELT

SCHUTZ DER OZONSCHICHT NICHT OHNE
ENTWICKLUNGSLÄNDER MÖGLICH
Rede des Leiters der
US-Umweltschutzbehörde

UMWELTINITIATIVEN DER USA
Eine Übersicht des
US-Au ßenministeriums

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-3392366
Telex: 8-85432

�AUSSENPOLITIK
3. Juli 1990

BAKER: NATOGIPFEL WICHTIGER SCHRITT
ZU FREIEM EUROPA
Pressekonferenz des US-Außenministers
WASHINGTON - (AD) - Anläßlich einer Pressekonferenz hat Außenminister Baker am 28. Juni 1990 in
Washington die NATO als "erfolgreichstes Verteidigungsbündnis der Geschichte" und den bevorstehenden
NATO-Gipfel in London als "einen weiteren wichtigen Schritt auf dem entscheidenden Weg, der zu einem

ungeteilten und freien Europa führt" bezeichnet. Im Hinblick auf die Sowjetunion verwies der Minister darauf,
daß dieses Land zwar den Weg zur Marktwirtschaft beschreiten wolle, es aber seiner Einschätzung nach "noch
nicht den Punkt erreicht hat, an dem es die nötigen Schritte zur Erlangung dieses Ziels unternehmen kann".
Nachfolgend veröffentlichen wir den Wortlaut der Pressekonferenz in wesentlichen Auszügen.

Der bevorstehende NATO-Gipfel geht, wie Sie sicherlich wissen, auf eine Anregung des Präsidenten zur
umfassenden Überprüfung der NATO-Strategie zurück, die von unseren Verbündeten unterstützt wurde.
Um den Charakter dieser Überprüfung zu verstehen,
ist es meines Erachtens notwendig, dieses Ereignis in
seinem historischen Zusammenhang zu betrachten.
Denken Sie nur an einige der Veränderungen, die seit
den Feiern zum 40jährigen Bestehen der NATO im
vergangenen Jahr stattgefunden haben.
Während jenes Gipfeltreffens forderten wir den Abriß
der Berliner Mauer. Erst letzte Woche wurde der
Checkpoint Charlie abgebaut, und die Mauer selbst ist
bereits Geschichte. Im vergangenen Jahr forderten
wir darüber hinaus mehr politische und wirtschaftliche
Reformen in Osteuropa. Dieses Jahr existieren die
kommunistischen Regime in Osteuropa mit ein oder
zwei Ausnahmen nicht mehr. Sie wurden mit friedlichen Mitteln und durch freie Wahlen abgelöst.
Im vergangenen Jahr verpflichtete sich das Bündnis,
die Spaltung Europas und - in dessen Mitte - die
Teilung Deutschlands zu überwinden. Letzte Woche
fand das zweite Ministertreffen im Rahmen der Zweiplus-Vier-Gespräche statt, deren Zweck die Regelung
der äußeren AspeWe der schnellen Vereinigung Deutschlands ist.
Schon die bloße Aufzählung dieser Ereignisse vermittelt Ihnen einen Eindruck von der Plötzlichkeit und
Schnelligkeit des Wandels. Natürlich bringen solche

AMERIKA DIENST 26

Veränderungen nicht nur große Hoffnungen, sondern
auf große Ungewißheit und Gefahren mit sich. Die
Überprüfung der NATO-Strategie muß deshalb bestrebt sein, unser nach wie vor bestehendes Ziel eines
Bündnisses zu gewährleisten, das in der Lage ist,
neuen Herausforderungen gerecht zu werden und den
Frieden zu bewahren.
Ich möchte kurz einige Bereiche anschneiden, in denen
der Gipfel die künftige Haltung der NATO zum Ausdruck bringen wird. Erstens ist dies die Rolle der NATO
als politische Kraft. Dem Nordatlantikvertrag zufolge
sind die Verbündeten bestrebt, "die Freiheit, das
gemeinsame Erbe und die Zivilisation ihrer Völker, die
auf den Grundsätzen von Demokratie, Freiheit des
einzelnen und der Rechtsstaatlichkeit beruhen, zu
gewährleisten". Um dies zu tun, muß die NATO laut
Präsident Bush Wege finden, um zur Vereinigung
Deutschlands beizutragen und die Vollmitgliedschaft
des vereinigten Deutschlands in der NATO zu erhalten. Darüber hinaus müssen wir friedliche demokratische und wirtschaftliche Veränderungen in Osteuropa
und der Sowjetunion ermutigen.
Zweitens die Rolle der konventionellen Streitkräfte der
NATO. Die in Europa stattfindenden politischen und
militärischen Veränderungen haben sicherlich Konsequenzen für unser konventionelles Einsatzkonzept.
Bei den Gesprächen über konventionelle Streitkräfte
verhandeln wir gegenwärtig über einschneidende
Reduzierungen aller Streitkräfte in Europa. Wir hoffen,
ein solches Abkommen noch dieses Jahr zu erreichen.

Seite 1

�Mit dem Abschluß eines Abkommens über konventionelle Streitkräfte wird die militärische Landkarte in
Europa grundlegend anders aussehen. Deshalb ist
eine gründliche Überprüfung unserer gegenwärtigen
Strategie und der Streitkräftestruktur, -Zusammensetzung und -dislozierung sowie der Verstärkungsfähigkeit der NATO vonnöten.
Trotzdem werden die Sowjets auch nach dem Abzug
sowjetischer Truppen die größte Armee in Europa
unterhalten. Militärisch bedeutsame amerikanische
Streitkräfte müssen deshalb solange in Europa bleiben, wie unsere Verbündeten sie wünschen und benötigen.
Drittens die Zukunft der Atomstreitkräfte. Sowohl die
politischen als auch die militärischen Veränderungen
weisen darauf hin, daß wir einen geringeren Bedarf an
nuklearen Kurzstreckensystemen haben könnten. Die
NATO muß Mindestzahl und Art von Kernwaffen
ermitteln, die zur Aufrechterhaltung der Abschreckung
und der strategischen Stabilität erforderlich sind. Wir
sollten eine Positionsbestimmung für die Rüstungskontrollverhandlungen mit der Sowjetunion über den
Abbau der Kurzstreckensysteme vornehmen.
Als letzten Punkt muß die NATO eine Position zur
Zukunft der KSZE erarbeiten. Ich habe die KSZE als
"Gewissen des Kontinents" bezeichnet - ein Forum, in
dem die 35 Staaten Europas sowie die Vereinigten
Staaten und Kanada zusammenkommen können, um
einen Konsens zu den Normen für Sicherheit, wirtschaftliche und Menschenrechte zu finden, die von
jedem Land erfüllt werden sollten.
Heute, wo Demokratie und Marktwirtschaft auf dem
Vormarsch sind, sollten wir feststellen, wie die NATO
dazu beitragen kann, die Effektivität der KSZE zu
steigern. Ja, wir sollten herausfinden, wie die KSZE
eingesetzt werden kann, um der Sowjetunion und allen
Ländern Europas die Hand zu reichen und ein Gefühl
der Einbeziehung anstatt der Ausgrenzung zu schaffen.
Natürlich gibt es in jedem dieser Bereiche Folgewirkungen, die zur Sprache kommen könnten. Ich möchte meine heutigen Ausführungen abschließen, indem
ich eine offenkundige Tatsache wiederhole, nämlich,
daß die NATO das erfolgreichste Verteidigungsbündnis der Geschichte ist. Sie ist eine einheitliche Kraft für
den Frieden, und das muß auch in Zukunft so sein. Wir
sehen einem konstruktiven Gipfel entgegen. Er ist ein
weiterer wichtiger Schritt auf dem weiten Weg, der zu
einem ungeteilten und freien Europa führt.
Frage: Was genau möchten die Vereinigten Staaten
bei diesem Gipfel erreichen?
Antwort: Nun, es gibt eine Reihe von Punkten, die wir
erreichen wollen, aber natürlich möchte ich zu diesem
Zeitpunkt nicht näher darauf eingehen und dem Gipfel
vorgreifen. Wir haben ein sich weiter entwickelndes
Seite 2

Bündnis. Wir haben ein Bündnis, das beginnt, Flexibilität zu zeigen. Der Wandel in Europa ist ziemlich
dramatisch, wie ich in meiner Erklärung festgestellt
habe.
In London werden wir uns bemühen, Leitlinien für
unsere künftige Arbeit und die künftigen Positionen der
NATO zu entwickeln. Wie ich soeben erklärte, werden
wir unsere Strategie im Hinblick auf konventionelle und
nukleare Streitkräfte eingehend überprüfen. Wir werden einige spezielle Vorschläge in bezug auf Ausgestaltung und Institutionalisierung des KSZE-Prozesses einbringen, wie das auch andere Staaten tun
werden. Ich bin sicher, daß es eine umfassende
Diskussion über Aussichten und Stand der Gespräche
über die deutsche Vereinigung geben wird. Darüber
hinaus wird ein breiter Meinungsaustausch über die
Rolle der NATO im Hinblick auf die Länder Mittel- und
Osteuropas und die Sowjetunion sowie eine Erörterung ihrer Rolle gegenüber dem Warschauer Pakt
stattfinden, der sich gegenwärtig in einem Prozeß des
Zerfalls befindet.
Um es allgemein auszudrücken: Wir werden viel Zeit
damit verbringen, die verstärkte politische Rolle des
Atlantischen Bündnisses zu betonen, was jedoch nicht
völlig zu Lasten seiner Verteidigungs- oder Sicherheitsrolle und -pflichten gehen wird.
Frage: Die Regierung - der Präsident, Sie und andere
- hat angedeutet, daß die mögliche Beteiligung der
Vereinigten Staaten an einem westlichen Hilfsprogramm von einer Reihe bestimmter Faktoren abhängt,
wobei ein echtes Reformprogramm in der Sowjetunion
nach internationalen oder unseren Maßstäben dabei
eine wichtige Rolle spielen würde. Liegen Ihnen nach
ihren eingehenden Konsultationen mit Schewardnadse, beim Gipfel und anderen Treffen Informationen
darüber vor, ob ein solches Programm, das etwa den
Maßstäben des IWF oder internationalen Normen
gerecht würde, in der Sowjetunion eingeführt wird oder
möglich ist?
Antwort: Meiner Ansicht nach streben die Sowjets
eine Hinwendung zur Marktwirtschaft an. Ich glaube
jedoch nicht, daß sie bereits den Punkt erreicht haben,
an dem sie konkrete Schritte unternehmen können.
Sie haben jedoch bereits einige Maßnahmen angekündigt und werden diese meiner Meinung nach auch
einleiten.
Ich nehme auf Seiten der Sowjetunion eine größere
Bestimmtheit wahr als je zuvor, wenn es darum geht,
Entscheidungen zu treffen, mit denen zum Beispiel
eine Preispolitik gestaltet, der Überhang des Rubels
angegangen und ein soziales Netz geschaffen werden
kann. Wenn Sie den Überhang des Rubels wirklich
beseitigen wollen, sind dies wichtige Maßnahmen.
Damit erhält das System ein gewisses Maß an Wettbewerb und Anreizen, die es siebzig Jahre lang nicht
hatte.

AMERIKA DIENST 26

�Aber es ist eine außerordentliche Aufgabe, weil sie die
Prinzipien und Richtlinien verändern müssen, die ihre
Wirtschaftspolitik seit 70 Jahren bestimmt haben.

politische Reaktion zeigen sollten, weil man den Mittler
unterstützen muß, wenn man Veränderungen beobachten will?

Sie haben sicherlich recht. Wir - der Präsident und ich
- haben wichtige Hindernisse aufgezeigt, die wir im
Hinblick auf unbegrenzte Wirtschaftshilfe an die Sowjetunion wahrnehmen. Zunächst wollen weder wir
noch irgendjemand von unseren Verbündeten dieselben Fehler machen wie in den siebziger Jahren bei
Polen, als Geld in das Land floß, ohne daß jemand auf
Reformen bestanden hätte. Die Mittel wurden nicht
bestmöglich verwendet und manche würden sagen,
verschwendet. Und das Resultat sehen wir jetzt in
Polens Kampf um die Zukunft seiner Wirtschaft.

Antwort: Meiner Meinung nach ist dies ein logisches
Argument, das ich verstehe. Ich denke, wir sind in den
siebziger Jahren bei Polen auf dieses Argument eingegangen, und es hat nicht funktioniert. Ich will damit
sagen: Wenn wir Zeugen von Reformen würden, die
für eine Marktwirtschaft wirklich notwendig sind, wäre
es an der Zeit, die Frage direkt - oder vielleicht noch
direkter - anzusprechen. Dazu wäre es erforderlich,
daß es sich um echte Reformbestrebungen handelt,
die von Anfang bis Ende durchgeführt werden.

Ferner haben wir Probleme mit den Verteidigungsausgaben der Sowjetunion. Wir haben juristische Probleme in den Vereinigten Staaten im Hinblick auf Gesetze, die es uns verbieten, Hilfe zu leisten. Wir haben
politische Probleme mit der sowjetischen Hilfe an
Regime, die den Vereinigten Staaten in der Vergangenheit nicht freundlich gesonnen waren.
All diese Dinge müssen bei dieser Situation berücksichtigt werden. Meiner Ansicht nach werden eingehende Gespräche über die Frage der Wirtschaftshilfe
an die Sowjetunion stattfinden und dabei wird die
Meinung der Vereinigten Staaten ebenso Gehör finden
wie die Meinung anderer Länder.
Frage: Hat der Westen die Chance, die Möglichkeit zu
steigern, daß die richtigen Schritte unternommen werden,
wenn er Bedingungen stellt?
Antwort: Meiner Ansicht nach können die westlichen
Industriestaaten durch einen konzertierten Ansatz,
wie sie ihn im Hinblick auf andere Kommandowirtschaften verfolgen, positive Impulse geben, mit denen
die Sowjetunion die erforderlichen Maßnahmen ergreift, um ihre Kommandowirtschaft in eine Marktwirtschaft zu verwandeln.

i

Dabei stellt sich jedoch die Frage nach den Prinzipien,
den Leitlinien und wie das alles durchgeführt werden
und sich entwickeln soll. Und es muß eindeutig - so
scheint es mir wenigstens - eine Definition der Erfordernisse geben. Sowohl die Sowjets als auch die
Länder, die sich sagen: wir sind - wenn wir die
politischen und den Verteidigungshaushalt betreffenden Probleme einmal außer acht lassen - zu Hilfsleistungen bereit, wenn wir echte Reformen sehen. Man
muß Übereinstimmung darüber erzielen, was wirklich
notwendig ist und wer Hilfe leisten soll.
Frage: Dazu noch eine Frage. Der Unterschied
zwischen heute und Polen in den siebziger Jahren
scheint mir darin zu bestehen, daß Gorbatschow die
Mittlerrolle bei diesen Veränderungen spielt. Und Kohl
und Mitterrand sagen dazu, daß er jetzt in Not ist.
Stehen Sie dem Argument der Europäer positiv gegenüber, daß die westlichen Demokratien zumindest eine
AMERIKA DIENST 26

Damit lasse ich all die von mir erwähnten politischen
Probleme einmal beiseite.
Frage: Darf ich hier nachhaken? Ich versuche den
möglicherweise zwischen der amerikanischen und der
deutschen Haltung bestehenden Unterschied zu erkennen. Wollen Sie sagen, daß die Vereinigten Staaten für den Aufbau einer Marktwirtschaft Hilfe in einer
bestimmten Größenordnung leisten müssen?
Antwort: Nein.
Frage: Wären Sie damit einverstanden, wenn ein Teil
des Geldes verwendet würde, um Schulden an die
Deutschen zurückzuzahlen?
Antwort: Wir befinden uns immer noch im Stadium
der Erarbeitung möglicher Leitlinien und Prinzipien, die
wir noch nicht mit unseren Verbündeten besprochen
haben, was aber beim Wirtschaftsgipfel getan wird.
Die Europäer haben gerade ihren EG-Gipfel beendet
und darüber eingehendere Gespräche geführt als wir.
Frage: Da bei diesem Gipfel die künftige politische
Rolle der NATO erarbeitet werden soll, halten Sie es
für entscheidend, daß die NATO eine gemeinsame
Haltung zur Wirtschaftshilfe für die Sowjetunion einnimmt? Und wären die Vereinigten Staaten bereit,
flexibel zu sein, inwieweit das Deutschland und Frankreich ... abhalten kann ...
Antwort: Ich denke nicht, daß dieses Problem beim
NATO-Gipfel so direkt angesprochen werden wird wie
beim Wirtschaftsgipfel. Sie haben von einer gemeinsamen Haltung der NATO gesprochen. Es wird die
NATO eher marginal betreffen. Ich denke, wenn alle
wichtigen demokratischen Industrieländer sich auf die
Prinzipien einigen, wäre das sehr nützlich. Aber ich
habe Ihnen bereits erklärt, daß die Vereinigten Staten
bestimmte Probleme haben, die andere Länder nicht
haben. Es handelt sich dabei um rechtliche Probleme
und unter Umständen auch um größere politische
Probleme. Dabei denke ich insbesondere an eines,
das der Präsident und ich öfter angesprochen haben an Kuba.

Seite 3

�Frage: Minister Cheney hat dazu erklärt, der Hauptgrund, aus dem wir gegen Hilfe für die Sowjetunion
sind, sei, daß bis zur tatsächlichen Durchführung der
Reformen die Hilfe zum größten Teil dem sowjetischen
Militär zufließen würde.

Themen angesprochen wie die Frage, ob wir weniger
Nuklearwaffen kürzerer Reichweite benötigen, gingen
Sie dann davon aus, daß dieses Gipfeltreffen eine
Überprüfung dieser Themen auslösen würde oder
tatsächlich neue Positionen der NATO zu ...

Aber dies ist zweifellos nicht allein ein Problem der
Vereinigten Staaten, sondern auch der Europäer.

Antwort: Im Hinblick auf Nuklearstreitkräfte kürzerer
Reichweite werde ich eine Überprüfung bezüglich der
Verhandlungsposition des Bündnisses in die Wege
leiten, wenn die Verhandlungen beginnen. Die Verhandlungen sind natürlich durch die jüngste Ankündigung des Präsidenten beschleunigt worden, bereits
heute mit dem Abschluß eines KSE-Abkommens zu
beginnen.

Antwort: Das ist richtig. Ich habe es auch erwähnt...
Aber es ist ein Problem mit wichtigen Fragen für die
Vereinigten Staaten, wenn Sie sich das Gleichgewicht
strategischer Nuklearwaffen vor Augen führen.
Frage: Wir wären also praktisch in der Lage, einseitige
Bestrebungen der europäischen Länder zur Bereitstellung von Hilfsleistungen abzulehnen...
Antwort: Ich möchte hier nicht vorab Stellung nehmen - weder im Hinblick auf die Prinzipien, die aus
unserer Sicht angewendet werden müssen noch auf
unsere Position beim Weltwirtschaftsgipfel. Sie wird
sich entwickeln, und wir werden sie im Einklang mit
unseren Verbündeten erarbeiten. Es wäre also verfrüht, wenn ich unsere Haltung bereits jetzt exakt
darlegen würde. Meines Erachtens habe ich jedoch
die wirtschaftlichen und politischen Prinzipien erläutert, die in unserem Kalkül berücksichtigt werden müssen.
Frage: Können Sie die Deutschen in irgendeiner
Weise bremsen, den Sowjets Hals über Kopf zu Hilfe
eilen zu wollen?
Antwort: Ich habe weder gesagt, daß wir das versuchen wollen noch daß wir es tun werden. Sie nehmen
vielleicht eine andere Position ein und befinden sich in
einer anderen Lage als wir. Sie werden uns ihre
Gedanken beim Wirtschaftsgipfel im einzelnen darlegen, ebenso wie es Frankreich, Japan, Italien und die
anderen Länder tun werden.
Die Japaner haben bestimmte Probleme vorgebracht,
die nur sie haben. Jedes Land muß also die Situation
im Lichte der eigenen Gegebenheiten prüfen. Falls wir
jedoch einen multilateralen Ansatz anstreben, könnte
uns dies mißlingen. Es könnte sein, daß jedes Land
seinen eigenen Weg gehen mu ß. Wenn uns jedoch ein
multilateraler Ansatz gelingt, dann müssen wir ihn auf
der Grundlage bestimmter Prinzipien verwirklichen,
die von uns allen getragen werden können.
Frage: Aber wenn jedes Land einen eigenen Weg
geht, was geschieht dann mit unserem Bündnis?
Antwort: Sie meinen wohl den Wirtschaftsgipfel, nicht
das Bündnis. Ich habe an den letzten 10 dieser
Weltwirtschaftsgipfel teilgenommen, und bei keinem
ist je vollständige Einigung zu allen Themen erzielt
worden.
Frage: Ich möchte etwas zur Aufgabe des NATOGipfels klarstellen. Als Sie gesagt haben, es würden

Seite 4

Frage: Und im Hinblick auf die Haltung der NATO zu
größerer Institutionalisierung der KSZE - werden Sie
auch das nur zur Überprüfung vorlegen oder sehen Sie
tatsächlich neue...
Antwort: Ich glaube, das müßte getrennt behandelt
werden.
Frage: Vor einigen Wochen haben Sie den Vorschlag
unterbreitet, der Ersteinsatz von Nuklearwaffen sollte
Teil der Überprüfung sein. In den vergangenen Tagen
haben einige Mitglieder der Administration eingeräumt,
daß dieses Thema der amerikanischen Position zufolge nicht auf den Verhandlungstisch kommt. Welche
Position beziehen die Vereinigten Staaten? Sollte die
NATO diese Frage überprüfen, und wenn nicht, warum
nicht?
Antwort: Was ich bei der Anhörung vor dem Kongreß
gesagt habe - und offen gesagt, ist der Bericht in der
heutigen Presse unrichtig - war folgendes: Wenn 16
Nationen sich an einen Verhandlungstisch setzen und
eine Überprüfung der nuklearen und konventionellen
Strategien vornehmen, so ist es für mich unvorstellbar,
daß niemand ein Wort über diese Doktrin sagen wird.
Ich habe zu keinem Zeitpunkt andeuten wollen, es
gäbe eine Änderung. Ich weiß nicht, ob es eine geben
wird oder nicht, vemute jedoch, daß es keine Änderung
geben wird.
Frage: Warum nicht? Warum vertreten die Vereinigten Staaten die Position, daß keine Änderung stattfinden sollte?
Antwort: Wir sollten einen Krieg in Europa nicht
führbarer machen, das ist der Grund.
Frage: Ist das der Grund für die vorgeschlagenen
Steuererhöhungen - für Hilfe an die Sowjetunion und
andere Länder?
Antwort: Gefällt Ihnen dieser Gedanke?
Frage: Ich möchte nur wissen, ob die von uns geleistete Hilfe nicht für 1 000 Paar Schuhe für Raissa
Gorbatschow verwendet wird wie es bei Imelda Marcos der Fall war?

AMERIKA DIENST 26

�Antwort: Wie ich bereits sagte, haben wir gewisse
Probleme mit dieser Frage, die vielleicht in anderen
Ländern nicht existierten.

Antwort: Eine ganze Reihe von Themen dieser Art
sind auf dem Verhandlungstisch, die wir erörtern werden.

Frage: Welche Art von Versicherungen von Pakt zu
Pald sind Sie bereit, den Sowjets zu geben, um Deutschlands Beitritt zur NATO zu erleichtern?

Frage: Sie sagten, es wäre nützlich, wenn die Verbündeten sich auf Prinzipien bezüglich möglicher Hilfsleistungen an die Sowjetunion einigen könnten. Beabsichtigen die Vereinigten Staaten den Vorschlag einer
Reihe von Prinzipien beim Wirtschaftsgipfel in Houston? Und erwarten Sie ein Vorgehen in dieser Richtung?

Antwort: Zunächst möchte ich eine allgemeine Antwort geben. Ich möchte Sie und andere, die mit dem
Thema vielleicht nicht so vertraut sind wie Sie, auf die
neun Punkte verweisen, die wir erarbeitet und in den
vergangenen Monaten immer wieder betont haben.
Meiner Ansicht nach ist es angemessen, den Gedanken zumindest zu erwägen, von Pakt zu Pakt Erklärungen über Nichtangriff, defensive und friedliche Absichten abzugeben. Ich habe festgestellt, daß der Präsident am 27. Juni 1990 in einem Interview erklärt hat,
etwas dieser Art könnte erwogen, und aus meiner
Sicht sollte es beim NATO-Gipfel erörtert werden.
Frage: Können Sie zu Schewardnadses kürzlich in
Berlin unterbreitetem Vorschlag über einen Konsultativrat, einen Mechanismus zwischen den beiden Bündnissen, Stellung nehmen?

AMERIKA DIENST 26

Antwort: Ich möchte nicht ausdrücklich sagen, daß
wir das erwarten, da wir unser Vorgehen selbst noch
überdenken. Es könnte sich erweisen, daß dies nicht
der beste Ansatz für Houston ist, er deckt sich jedoch
im großen und ganzen mit der Vorgehensweise der
EG. Sie hat erklärt, sie wolle zunächst einmal feststellen, wo das Problem liegt und welche Schritte unternommen werden müßten. Lassen Sie uns also eine
Problemanalyse im Hinblick auf die sowjetische Volkswirtschaft vornehmen. Diese kann auf dem Weltwirtschaftsgipfel erfolgen oder auch nicht. Wir sind immer
noch dabei, unsere Position zu entwickeln.

Seite 5

�NATO
3. Juli 1990

DIE POLITISCHE ROLLE DER NATO:
VORSCHLÄGE FÜR EIN NEUES EUROPA
Von Botschafter John Maresca
Botschafter John J. Maresca ist Leiter der amerikanischen Delegation bei den Verhandlungen über Vertrauens und
Sicherheitsbildende Maßnahmen in Europa.

Mit der Auflösung des Warschauer Pakts zeichnet sich
eine klarere politische Rolle der NATO ab. Bei den
Wiener Verhandlungen über Vertrauens- und Sicherheitsbildende Maßnahmen (VSBM) hat das Bündnis
vor kurzem eine Reihe sicherheitspolitischer Maßnahmen unterbreitet, die beträchtlich von bisherigen VSBMKonzepten abweichen. Sicherheitspolitische Maßnahmen stellen eine Alternative zur herkömmlichen
Art der Rüstungskontrolle dar und sind nicht als Konfrontation gegenüber der UdSSR gedacht. Darüber
hinaus bieten sie die Möglichkeit, die aufstrebenden
Demokratien Osteuropas in kooperative Sicherheitsvereinbarungen einzubeziehen, ohne das westliche
Bündnis zu unterhöhlen.
Das sicherheitspolitische Konzept ist ein Anreiz für
diejenigen, die hoffen, bei gleichzeitiger Aufrechterhaltung des von der NATO gebotenen Schutzschilds über
die Ost-West-Konfrontation hinauszugelangen. Mit
der Unterbreitung dieser Vorschläge demonstriert die
NATO einmal mehr ihre Flexibilität und Anpassungsfähigkeit und hat beim Aufbau gesicherter Stabilität in
einer neuen europäischen Sicherheitsgleichung die
Führungsrolle übernommen.
Historische Tendenzen widerlegen gelegentlich die
Logik früherer Zeiten. Nach dem Zweiten Weltkrieg
wurden wir Freunde unserer ehemaligen Gegner, halfen
ihnen und entwickelten eine multinationale militärische
Organisation zur Verteidigung gegen unsere Verbündeten von ehedem. Die Geschichte hat die Grundlagen unserer Position umgekehrt, und sie werden entsprechend überprüft. Unsere Erfahrungen sind reich
an weniger dramatischen Beispielen desselben Phänomens.

AMERIKA DIENST 26

Es sollte uns daher nicht überraschen, daß die dramatischen Ereignisse des vergangenen Jahres in Osteuropa und der Sowjetunion viele der Prämissen verändert haben, auf die unser Ansatz in der Frage der
europäischen Sicherheit gegründet war. Diese Ereignisse fanden so plötzlich statt, und ihre Auswirkungen
sind so tiefgreifend, daß wir immer noch mit ihrer
Analyse befaßt sind und der volle Umfang der erforderlichen Anpassungen noch nicht eindeutig klar ist.
Zweifelsohne wird der Westen weiterhin der kollektiven, von der NATO gebotenen Sicherheit bedürfen.
Gleichzeitig liegt es auf der Hand, daß einige vielleicht
weitreichende Anpassungen bei den politischen, strategischen und militärischen Aspekten des europäischen Gleichgewichts notwendig sein werden. Außenminister Baker zufolge soll die Stärkung der sicherheitspolitischen Rolle der KSZE die NATO ergänzen,
nicht ersetzen. In Europa besteht weithin der Wunsch,
die neuen Demokratien Osteuropas und die Sowjetunion in einen Rahmen einzubinden, der ihre Sicherheitsinteressen berücksichtigt.
Die Notwendigkeit für Anpassungen ist bereits im
Bereich der konventionellen Rüstungskontrolle spürbar, wo eine Vielzahl von Faktoren den Druck verstärkt, relativ kurzfristig Ergebnisse hervorzubringen.
Bei den Verhandlungen über Vertrauensbildende
Maßnahmen wurden dadurch neue Aktivitäten stimuliert und neue Vorschläge zu diesen politischen Veränderungen eingebracht. Das Phänomen läßt möglicherweise Rückschlüsse auf neue Tendenzen in der
Sicherheit Europas zu.

Seite 1

�Die VSBM-Verhandlungen werden unter Beteiligung
aller Länder Europas und Nordamerikas geführt, mit
Mitgliedern beider Bündnisse und neutralen/blockfreien Staaten. Aus Prinzip nehmen alle als einzelne
Länder und nicht als Blöcke teil, obwohl das Atlantische Bündnis sich auf informeller Ebene eingehend
abstimmt. Die Zielsetzungen sind politischer als in
anderen Bereichen der Rüstungskontrolle. Dazu
gehören Offenheit in militärischen Fragen, Informationsaustausch und Instrumente für die Erhöhung
gegenseitigen Vertrauens. Es wird kein Versuch zur
Reduzierung oder Beschränkung von Streitkräften oder
ihren Aktivitäten unternommen.
Seit Anfang des Jahres haben bei den VSBM-Verhandlungen neue, dynamische Entwicklungen stattgefunden. Im Januar fand ein Seminar über Militärdoktrinen statt, bei dem sich hochrangige Offiziere zu
Gesprächen über Fragen von allseitigem Interesse
trafen. Dieser einmalige Dialog diente vor allem der
Suche nach Ideen über die strenge Verhaftung in den
Annahmen der Vergangenheit hinaus.
Seit dem Seminar haben die westlichen Verbündeten
eine Reihe neuer Vorschläge unterbreitet, die sich
qualitativ von früheren Rüstungskontrollansätzen und
auch von früheren Formen vertrauensbildender Maßnahmen unterscheiden. Die neuen Maßnahmen basieren auf sicherheitspolitischen Konzepten und spiegeln die öffentlich vorherrschende Überzeugung wider, daß es möglich geworden ist, an gemeinsame
Sicherheitsanstrengungen in bestimmten Bereichen
oder an Bestrebungen zu denken, die von einer allseitigen Bereitschaft zu gleichen Beiträgen für ein gemeinsames Unternehmen abhängen.
Diese neuen
beinhalten:

sicherheitspolitischen

Vorschläge

Eine jährliche Veröffentlichung der Militärhaushalte, die Gegenstand von Fragen und offenen
Gesprächen sein sollen. Ein solcher Vorschlag
ist bisher nicht unterbreitet worden, weil uns
keine Beweise über die sowjetische Bereitschaft
vorlagen, einen ehrlichen Beitrag zu leisten.
Ein jährliches Treffen, um über die Durchführung vertrauensbildender Abkommen zu sprechen . Dies ist eine weitere Bemühung um einen
Dialog im Sinne des Seminars über Militärdoktrinen, der bis vor kurzem nicht als fruchtbar
gegolten hätte.
Ein Kommunikationssystem für den Austausch
militärischer Daten zwischen den 35 Teilnehmerstaaten. Ein solches System wäre bis vor
kurzem durch Mißtrauen blockiert worden.
Ein Mechanismus, der Erklärungen im Falle
ungewöhnlicher militärischer Aktivitäten zwingend vorschreibt. Damit sollen Ereignisse entschärft werden, die zu Verdacht Anlaß geben
Seite 2

könnten. In dem früheren Klima militärischer
Konfrontation wäre dies nicht als nützlich erachtet worden.
Es trifft zu, daß das neuerliche Interesse an der
Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in
Europa (KSZE) darüber hinaus das Interesse an den
Rüstungskontrollbestrebungen der 35 Teilnehmerstaaten gestärkt hat. Einige der neuen VSBM-Vorschläge
stellen wichtige institutionelle Schritte dar, die den
Weg für die Institutionalisierung des gesamten KSZEProzesses ebnen könnten.
Die verstärkte Betonung eines eher politischen Ansatzes in der Rüstungskontrolle spiegelt jedoch auch
andere Tendenzen wider. Viele Europäer gehen heute
davon aus, daß die Streitkräftestrukturen auf ihrem
Kontinent mit oder ohne Rüstungskontrollvereinbarungen abgebaut werden, auch wenn sie in ihrer großen
Mehrheit den Abschluß von Rüstungskontrollabkommen unterstützen, mit denen diese einseitigen Reduzierungen festgeschrieben und noch tiefere Einschnitte und Umstrukturierungen der sowjetischen Streitkräfte erforderlich werden. Der Abzug der sowjetischen Streitkräfte wird von einem neuen, unabhängigen Osteuropa erzwungen, und alle Länder sehen sich
der wachsenden ökonomischen und politischen Notwendigkeit ausgesetzt, ihre Verteidigungsausgaben
zu senken. Die Europäer betrachten ferner zumindest
Osteuropa heute als eine befreundete Region. Sie
möchten Wege finden, um den neuen osteuropäischen
Demokratien die Hand zu reichen und sie in kooperative Sicherheitsvereinbarungen einzubeziehen, die nicht
auf Konfrontation angelegt sind und sie nicht auf ewig
zu den Überresten des Warschauer Pakts verbannen.
Das vorgeschlagene Kommunikationssystem ist das
beste Beispiel für diese Haltung, da es die
osteuropäischen Hauptstädte symbolisch mit dem
Westen verbinden würde.
Auch die sowjetische Seite scheint ein Interesse an
politischen Maßnahmen zu haben. Dieses Interesse
unterscheidet sich merklich von den traditionellen,
propagandistisch gefärbten sowjetischen Vorschlägen, da die neuen sicherheitspolitischen Maßnahmen
die Sowjets in Bereiche einbinden werden, die das Ziel

verfolgen, evolutionären Wandel zu fördern. Offenkundig sehen die Sowjets für sich selbst Vorteile, zum
Beispiel bei der Offenlegung der Militärhaushalte. Sie
sind mit aufkeimendem innerem Druck im Obersten
Sowjet konfrontiert, die Militärausgaben unter Kontrolle zu bringen. Die Sowjets sprechen in jüngerer Zeit
von der Notwendigkeit, militärische Garantien durch
"politische Garantien" zu ersetzen, und sicherheitspolitische Maßnahmen könnten es ihnen ermöglichen,
eine Situation allgemeinen militärischen Abzugs und
umfassender Reduzierungen leichter hinzunehmen.
Die Tatsache, daß die NATO die Führungsrolle bei der
Formulierung dieser sicherheitspolitischen Vorschläge übernommen hat, ist ebenfalls bedeutsam. Seit der
AMERIKA DIENST 26

�Harmel-Bericht im Jahr 1967 eine Politik der Verteidigung und Entspannung begründete, ist die NATO eine
Kraft zur Verbesserung des Ost-West-Verhältnisses.
Durch das Streben nach Maßnahmen, die über die
Ost-West-Konfrontation hinausgehen sollen, spiegelt
die NATO die ersten Reaktionen auf die Revolutionen
des Jahres 1989 wider. Denjenigen, die sich über eine
"politische Rolle" der NATO Gedanken machen, zeigen diese Vorschläge deutlich Umfang und Potential
der Bemühungen der Bündnispartner auf, ein sicheres
und stabiles Europa in einer Zeit tiefgreifender Veränderungen zu gewährleisten.

Die positiven Entwicklungen in den Verhandlungen
über Vertrauensbildung sind Ausdruck eines weit verbreiteten Wunschs, die sicherheitspolitischen Schritte
jetzt voranzutreiben. Diese Tendenz steht nicht im
Widerspruch zu den klassischen Rüstungskontrollbestrebungen. Im Gegenteil, sie können diese ergänzen,
solange die westliche Verteidigung nicht unterlaufen
wird. In jedem Fall ist sie ein verwandter und relevanter
Faktor und sollte ins Kalkül gezogen werden, wenn wir
das Bild der europäischen Sicherheit in den neunziger
Jahren betrachten.

* *

AMERIKA DIENST 26

*

Seite 3

�UMWELT
3. Juli 1990

SCHUTZ DER OZONSCHICHT NICHT OHNE
ENTWICKLUNGSLÄNDER MÖGLICH
Rede des Leiters der US-Umweltschutzbehörde
LONDON - (AD) - In seiner Rede zur Eröffnung einer dreitägigen internationalen Umweltkonferenz in London
erklärte der Leiter der US-Umweltschutzbehörde, William Reilly, am 27. Juni 1990, ein Schutz der Ozonschicht
in der Atmosphäre sei nur in Zusammenarbeit mit den Entwicklungsländern möglich.
Reilly erklärte ferner, die Vereinigten Staaten würden den Entwicklungsländern technische und finanzielle Hilfe
leisten, die das internationale Abkommen über ein Verbot von Herstellung und Einsatz der Chemikalien
ratifizieren, die die Ozonschicht schädigen.
Bei der Konferenz, an der 88 Länder teilnahmen, werden strengere Kontrollen von Fluorchlorkohlenwasserstoffen (FCKW) und anderen Chemikalien gefordert, die zur Zersetzung der Ozonschicht beitragen.
Nachfolgend veröffentlichen wir Reillys Rede im Wortlaut.

Es ist den Vereinigten Staaten eine Ehre, gemeinsam
mit anderen Ländern am Zweiten Treffen der Parteien
des Montrealer Protokolls über Substanzen teilzunehmen, die zur Schädigng der Ozonschicht beitragen.
Die Vereinigten Staten danken insbesondere der
Regierung Großbritanniens für ihre großzügige Gastfreundschaft bei der Veranstaltung dieser historischen
Zusammenkunft. Wir möchten in diesem Zusammenhang die Führungsrolle von Premierministerin Thatcher hervorheben, mit der sie bei der Londoner Konferenz im März 1989 und auch bei diesem Treffen eine
eindeutige und schnelle weltweite Reaktion auf den
Ozonschwund gefordert hat. Wir möchten darüber
hinaus den Mitgliedern der Organisation zu ihrer Wiederwahl gratulieren und Herrn Dr. Mostafa Tolba und
dem Sekretariat des Umweltprogramms der Vereinten
Nationen (United Nations Environment Programme UNEP) für sein Engagement und seine Sachkenntnis
danken. Schließlich möchten wir der im Rahmen des
Protokolls eingerichteten, zeitlich unbefristeten Arbeitsgruppe danken, die im vergangenen Jahr hart
gearbeitet hat - in Nairobi, Genf und letzte Woche hier
in London - um die Meinungsverschiedenheiten abzubauen und unsere Bemühungen zu einem erfolgreichen Abschluß zu führen.
AMERIKA DIENST 26

Im vergangenen Jahr wurde ein nie dagewesenes
Maß an Flexibilität und Kompromißbereitschaft demonstriert. Wir sind insbesondere dankbar für Führungsqualitäten und Anregungen der beiden Vorsitzenden, Botschafter llkka Ristimaki aus Finnland und
Victor Buxton aus Kanada.
Theodore Roosevelt, der in den ersten zehn Jahren
dieses Jahrhunderts Präsident der Vereinigten Staaten war, lehrte seine Kinder, wie sie eine sehr schwierige und wichtige Aufgabe lösen sollten. "Wenn man
Dich fragt, ob Du wei ßt, wie man sie löst, antwortest Du
'sicher' und machst Dich dann daran, den Lösungsweg
herauszufinden." Es scheint mir, daß die Staatengemeinschaft zunächst in diesem Sinne die Aufgabe des
Schutzes der Ozonschicht angegangen ist. Vor drei
Jahren sind die Länder der Welt erstmals in Montreal
zusammengekommen, um in die letzte Verhandlungsphase über ein Protokoll zur Wiener Konvention einzutreten. Das dort verabschiedete Protokoll schien
angesichts der damals verfügbaren Informationen
vernünftig, dennoch haben die Unterhändler - von
denen heute viele hier anwesend sind - vorausschauend die sehr innovativen Bestimmungen in Artikel 6
aufgenommen, demzufolge eine regelmäßige Überprüfung der Kontrollmechanismen und anderer BeSeite 1

�Stimmungen des Protokolls auf der Basis der neuesten
wissenschaftlichen, ökologischen, wirtschaftlichen und
politischen Informationen stattfindet.
Die Ergebnise dieser vier - im vergangenen Jahr
erstellten - Beurteilungen liefern der internationalen
Staatengemeinschaft die Informationen, auf deren
Grundlage sie handeln kann. Die wissenschaftlichen
und ökologischen Bewertungen bestätigen unsere
Erkenntnis, daß Anpassungen und Zusatzartikel dringend erforderlich sind.
Der ausgezeichnete Film, den die britische Regierung
produziert und uns heute morgen gezeigt hat, verdeutlicht den wichtigen Beitrag amerikanischer Wissenchaftler als Partner bei den internationalen wissenschaftliche Bestrebungen zur Ozonschicht und haben
bei den Arktis- und Antarktiskampagnen zu Untersuchungen über Ozonschwund geführt. Darüber hinaus
werden im nächsten Jahr startende Satelliten Informationen für die erste umfassende Untersuchung über
die Auswirkungen beschaffen, die Mensch und Natur
auf die Ozon Schicht haben.
Wissenschaftliche Forschung, Prüfungen und Satellitenbeobachtung lassen keinen Zweifel daran, daß das
Ozonloch keine graue Theorie ist, sondern Krebs und
grauem Star Tür und Tor öffnet. Diese Tür muß
geschlossen werden.
Technischen und wirtschaftlichen Schätzungen zufolge sind zusätzliche Maßnahmen zur Begrenzung des
Ozonschwunds möglich. Die Vereinigten Staaten
haben im Jahr 1978 mit dem Verbot von FCKW in
Spraydosen erste Schritte zum Schutz der Ozonschicht unternommen. Zahlreiche wirtschaftliche und
wirksame chemische Ersatzstoffe, Produkte und
Technologien stehen bereits zur Verfügung, andere
werden in absehbarer Zukunft nutzbar sein. Am 1.
Januar 1990 trat in den Vereinigten Staaten eine neue
Steuer für die Herstellung von FCKW in Kraft. Diese
Steuer ist höher als die Kosten der FCKW selbst und
wird in den kommenden Jahren drastisch angehoben.
Dank dieser Steuer können in diesem Jahr zusätzliche
Einnahmen in Höhe von 400 Millionen Dollar und in den
kommenden 5 Jahren von 5 Milliarden Dollar verbucht
werden. Diese zusätzlichen Kosten der FCKW senden ein starkes Signal aus: Ersatzstoffe müssen rasch
gefunden werden. Und sie verringern den wirtschaftlichen Vorteil, den FCKW gegenüber den teureren
Ersatzstoffen haben würden. Aufgrund dieser Steuer
haben die Vereinigten Staaten die vereinbarten Ziele
für den Abbau von FCKW bereits früher als gefordert
erreicht.
Weltweit hat der Privatsektor auf die Herausforderung
reagiert, akzeptable Ersatzstoffe für FCKW und Halone zu finden. Obwohl es sich hierbei um keine leichte
Aufgabe handelt, sind bis heute ermutigende Fortschritte erzielt worden.

Seite 2

Es liegt jetzt an der internationalen Staatengemeinschaft, auf die von den vier Bewertungsausschüssen
vorgelegten Informationen zu reagieren. Es ist an der
Zeit, die von der Arbeitsgruppe entwickelten Empfehlungen zu erörtern und entsprechend zu handeln.
Obwohl noch einige Meinungsverschiedenheiten bestehen, die in den nächsten Tagen ausgeräumt werden müssen, fühlen wir uns durch den generellen
internationalen Konsens und Geist der Zusammenarbeit ermutigt, den wir beobachten können.
Wir sind besonders erfreut, daß 59 Nationen jetzt das
Protokoll unterzeichnet haben - praktisch doppelt soviele
Staaten wie bei unserem letzten Treffen in London vor
15 Monaten. Uneingeschränkte internationale Beteiligung und die Durchführung des Protokolls sind für
seine Wirksamkeit unabdingbar. Wir fordern daher
alle Nationen auf, sowohl dem Protokoll als auch dem
Rahmenabkommen - der Wiener Konvention über den
Schutz der Ozonschicht - beizutreten.
In diesem Zusammenhang möchte ich unsere Position
im Hinblick auf die wichtigsten vorgeschlagenen Anpassungen und Zusätze erläutern. Bezüglich der fünf
bereits vom Protokoll erfaßten FCKW und aller anderen vollständig halogenierten FCKW unterstützen die
Vereinigten Staaten ein vollständiges Verbot bis zum
Jahr 2000 mit schrittweisen Reduzierungen um 20
Prozent im Jahr 1993 und 85 Prozent im Jahr 1997.
Bei Halonen befürworten wir eine 50prozentige Reduzierung bis zum Jahr 1995 und ein vollständiges Verbot (außer in von den Vertragsparteien festgelegten
und vereinbarten begrenzten Ausnahmefällen) bis zum
Ende des Jahrhunderts. Die Vereinigten Staaten
schlagen die Gründung einer Protokoll-Arbeitsgruppe
vor, die den möglichen unerläßlichen Einsatz von
Halonen prüft und dem nächsten Treffen der Vertragsparteien Bericht erstattet.
Wir hoffen, die jüngsten Ankündigungen der Industrie
über mehrere mögliche Halonsubstitute werden den
Übergang von diesen zu anderen Feuerlöschwirkstoffen erleichtern und die Notwendigkeit für Halone bis
Ende dieses Jahrhunderts minimieren, wenn nicht
sogar vollständig beseitigen.
Angesichts der Notwendigkeit, die Liste der gemäß
dem Protokoll kontrollierten Substanzen zu erweitern,
haben die Vereinigten Staaten als erste auf die Einbeziehung von Kohlentetrachlorid und Methylchloroform
gedrängt. Wir befürworten einen 85prozentigen Abbau von Kohlentetrachlorid bis 1995 und ein vollständiges Verbot bis zum Jahr 2000, wobei 1989 als
Ausgangsjahr gilt. Wir unterstützen eine Einfrierung
für Methylchloroform bis 1993, einen 30prozentigen
Abbau bis 1995 sowie eine 50prozentige Verringerung
bis zum Jahr 2000, wobei 1989 wiederum als Ausgangsjahr dient. Ferner haben wir uns für eine Resolution über ein baldmögliches Verbot dieser Substanz
ausgesprochen.

AMERIKA DIENST 26

�^

Schlie ßlich drängen wir auf Maßnahmen der Vertragsparteien zur Festsetzung eines Termins für ein schrittweises Verbot der halogenierten FCKW. Alle Parteien
sind sich meines Erachtens bewußt, daß zum gegenwärtigen Zeitpunkt die Einführung von halogenierten
FCKW unabdingbar ist, wenn FCKW dem erwogenen
beschleunigten Terminplan zufolge verboten werden
sollen. Gleichzeitig tragen wir auch der Tatsache
Rechnung, daß halogenierte FCKW nicht unbegrenzt
zunehmen dürfen, da sie Chlor enthalten. Die Festsetzung eines Termins für den vollständigen Verzicht auf
halogenierte FCKW bringt diese beiden Perspektiven
in Einklang und bietet den Unternehmen die erforderliche Sicherheit, in Herstellung und Anwendung dieser
Substanzen bei gleichzeitiger Begrenzung des Zeitraums ihrer Verwendung zu investieren, um sicherzustellen, daß sie nicht zu einer langfristigen Gefahr für
die Ozonschicht werden. Wir gehen von einem Verbot
für halogenierte FCKW bis spätestens 2040 aus.

unseren freiwilligen Beitrag zur Finanzierung der zusätzlich benötigten Mittel zu leisten, einen Beitrag, der
wahrscheinlich doppelt so hoch ist wie der des nächstgrößten Spenders.

Die Verschärfung der Kontrollen für FCKW und Halone
und die Hinzufügung neuer gechlorter Verbindungen
sind für den Schutz der Ozonschicht unerläßlich. Wir
müssen jedoch erkennen, daß sich diese Bemühungen letztlich als unwirksam erweisen, wenn sich nicht
alle Staaten diesem Vorhaben anschließen. Wir können diesen Ort am Freitag (29. Juni) nicht in dem
Gefühl verlassen, etwas geleistet zu haben, wenn wir
die Frage der Beteiligung der Entwicklungsländer nicht
erfolgreich lösen.

Diese vier Bedingungen werden im Fall des Ozonproblems erfüllt, was möglicherweise in anderen Fällen
nicht zutrifft. Aus diesem Grund sollte das von uns
befürwortete Programm nicht als Präzedenzfall für
andere Fragen oder Verhandlungen betrachtet werden.

Die Vereinigten Staaten unterstützen ein Programm,
das darauf abzielt, denjenigen Entwicklungsländern,
die dem Protokoll beitreten, technische und finanzielle
Hilfe zu gewähren. Ich möchte nun über eine Reihe
von Prinzipien sprechen, auf denen ein solches Programm basieren muß.

^

Erstens ist es für uns wichtig, daß dieses Programm
sorgfältig strukturiert ist, um die Ziele des Protokolls zu
erreichen ohne neue Bürokratie zu schaffen. Die
Vereinigten Staaten stimmen dem Programm zur finanziellen Zusammenarbeit zu, das sich 1. das
Umweltprogramm der Vereinten Nationen zunutze
macht, um die Verwendung der finanziellen Mittel zu
steuern, 2. die Weltbank in Anspruch nimmt, um die
benötigten Investitionen zu finanzieren und 3. das
Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen einsetzt, um Hilfe bei der Erstellung von Projektstudien
und Investitionsplanung zu leisten. Wir sind bereit,

*

AMERIKA DIENST 26

*

Zweitens mu ß die Aufmerksamkeit auf die schlüssigen
wissenschaftlichen Beweise im Hinblick auf den Abbau der Ozonschicht und die daraus hervorgehenden
Gefahren für das Ökosystem unseres Planeten gelenkt werden.
Drittens muß von dem Programm und den damit
einhergehenden Maßnahmen nach Sicherstellung der
Finanzierung erwartet werden, daß es das Problem
des Abbaus der Ozonschicht lösen kann.
Viertens muß die Höhe der Mittel zur Behandlung
dieses Problems begrenzt und in vernünftigem Rahmen berechenbar sein, wie bereits von internationalen
Studien empfohlen wurde.

Wir müssen jedoch ein wichtiges Problem zur Sprache
bringen. Es ist für uns als größtem Beitragszahler für
das zu beschließende Programm zur finanziellen
Zusammenarbeit von großer Bedeutung, daß wir ständig im Exekutivausschuß für dieses Programm vertreten sind. In diesem Zusammenhang erwarten wir eine
konstruktive Zusammenarbeit mit allen Parteien, um
unser Ziel des Schutzes der Ozonschicht zu verwirklichen.
Ich hoffe, die nächsten drei Tage werden auf vor
weniger als drei Jahren in Montreal erzielten bemerkenswerten Errungenschaften aufbauen. Es ist ernüchternd, festzustellen, daß selbst im Falle eines
Erfolgs unserer ehrgeizigen Bemühungen zur Abschaffung von ozonabbauenden Chemikalien, FCKW
und Halone das stratosphärische Ozon noch lange
nach unserem Tod zerstören werden.
Mit einem Gefühl verschärfter Dringlichkeit, das durch
schlüssige Beweise untermauert und durch das potentielle Vorhandensein von Ersatzstoffen unterstützt wird,
fordere ich alle Staaten zum Handeln auf.

*

*

Seite 3

�UMWELT
3. Juli 1990

UMWELTINITIATIVEN DER USA
Eine Übersicht des US-Außenministeriums
WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir eine vom US-Außenministerium herausgegebene
Übersicht über die jüngsten Umweltinitiativen und Leistungen der amerikanischen Regierung.

Zusammenfassung
Die Vereinigten Staaten können auf eine positive und
breitgefächerte Bilanz umweltpolitischer Maßnahmen
des vergangenen Jahres zurückblicken. Präsident
Bush ist bei der Bewältigung der Umweltprobleme
davon geleitet, sowohl der Notwendigkeit für zunehmenden Umweltschutz als auch für dauerhaftes Wirtschaftswachstum Rechnung zu tragen. Im folgenden
werden die Gesetzesinitiativen, Verwaltungsbestimmmungen und Initiativen zu deren Durchführung erläutert sowie eine Liste zusätzlicher Maßnahmen aufgeführt, die von den Vereinigten Staaten als Reaktion auf
Umweltbelange ergriffen wurden. Die Initiativen und
Maßnahmen bauen auf einem umfassenden gesetzlichen und institutionellen Rahmen auf, der über die
vergangenen 20 Jahre hinweg entwickelt wurde und
Auswirkungen auf die Umwelt, das Mitspracherecht
des Bürgers bei der Umweltpolitik sowie umweltpolitische Verfügungen zum anerkannten und integralen
Bestandteil öffentlicher und privater Unternehmen in
den Vereinigten Staaten macht. Die Vereinigten Staaten haben die strengsten und am weitesten entwickelten Umweltschutzmaßnahmen aller Länder und nehmen bei der Erarbeitung einer soliden Umweltpolitik
nach wie vor eine führende Rolle ein.
Gesetzesinitiativen
Die Bush-Administration hat folgende Vorschläge
unterbreitet:
Die erste umfassende Überarbeitung des Emissionsschutzgesetzes seit über 10 Jahren zur
Reduzierung von Emissionen, die sauren Regen, Smog und toxische Luftverschmutzung
verursachen. Repräsentantenhaus und Senat
haben den Gesetzentwurf bereits verabschiedet, und auch der Konferenzausschuß wird ihm
AMERIKA DIENST 26

voraussichtlich binnen kurzem zustimmen. Der
Gesetzentwurf sieht neben anderen Verfügungen ein innovatives - sowohl von Umweltschützern als auch der Industrie unterstütztes - Emissionsschutzsystem vor, demzufolge saure Ablagerungen bis zum Jahr 2000 bei geschätzten
Einsparungen von rund 1 Milliarde Dollar pro
Jahr verglichen mit den herkömmlichen Kontrollbestimmungen um 50 Prozent reduziert werden sollen.
Aufstockung der Mittel für Klimaforschung um
43 Prozent im Jahr 1990 und eine weitere 57prozentige Erhöhung auf 1 Milliarde Dollar für 1991.
Die Umweltschutzbehörde einem Ministerium
gleichzustellen.
Eine 12prozentige Etataufstockung zur Erweiterung der Programme der Umweltschutzbehörde sowie zusätzliche 750 Millionen Dollar für
umfassende Bestrebungen zur landesweiten
Beseitigung der Abfälle von Bundeseinrichtungen.
Zusätzliche Mittel für saubere Kohletechnologie.
Andere Gesetzesinitiativen für wirtschaftliche
Energienutzung und erneuerbare Energieressourcen.
Verwaltungsbestimmungen
Die Vereinigten Staaten haben:
Die Verwendung von Asbest praktisch vollständig verboten.
Den Import von afrikanischem Elfenbein in die

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�Vereinigten Staaten unterbunden - ein Schritt,
der bereits positive Auswirkungen auf den Elefantenbestand gezeitigt hat.
Ein Verbot des Pestizids "Alar" sowie des Einsatzes von 40 EBOCs vorgeschlagen, einer
Familie von Pestiziden, die häufig im Getreideanbau verwendet wird und Wissenschaftlern
zufolge vermutlich Gesundheitsrisiken birgt.
Die Grundsatzübereinkunft unterzeichnet, um
den umweltverträglichen Export von Sondermüll und Haushaltsabfällen ebenso wie der
Rückstände aus den Gemeindeverbrennungsanlagen sicherzustellen und die Erarbeitung
von Vorschlägen angeordnet, die gewährleisten, daß Sondermüll nicht widerrechtlich ins
Ausland exportiert wird.
Den Flottenverbrauch für Automobile auf 27,5
Meilen pro Gallone festgesetzt.
Einen neuen Superfonds zur Behebung von
Mängeln auf Sondermülldeponien eingerichtet.
Durchführung
Das umfassende Umweltschutzprogramm der BushAdministration hat:
Die Abfallbeseitigungsprogramme unter dem
Superfonds umfunktioniert, so daß "die Durchführung an erster Stelle steht", unter besonderer Berücksichtigung ehemaliger Sondermülldeponien. Infolgedessen wurden in den vergangenen zwei Jahren so viele Prozesse anberaumt wie in den ersten sechs Jahren des
Superfondsprogramms zusammengenommen.
Von den bis heute über 1 Milliarde Dollar an Prozeßgewinnen des Superfonds (einschließlich
Deckung der Kosten und einstweiliger Verfügungen) wurden über 50 Prozent in den vergangenen beiden Haushaltsjahren eingenommen.

mission Corporation zahlte eine Zivilstrafe in
Höhe von 15 Millionen Dollar und stimmte
Säuberungsarbeiten an 85 Standorten in 14
Bundesstaaten in Höhe von schätzungsweise
400 Millionen Dollar zu.
Den Exxon-Konzern und die Exxon-Schiffahrtsgesellschaft wegen insgesamt 10 Kapitalverbrechen und Vergehen aufgrund der Verursachung der größten Ölpest in der Geschichte der
Vereinigten Staaten in der Nähe von Valdez in
Alaska verklagt.
Eine Strafe in Höhe von 2,25 Millionen Dollar
gemäß dem Alternativen Strafgesetz gegen
Ashland Oil für ihr fahrlässiges Verhalten bei der
Wartung ihrer Öltanks (das zu deren Riß am
Fluß Monongahela führte) erwirkt.
Zivilprozesse gegen 34 Unternehmen und Personen angestrengt, um Verletzungen der Bundesgesetze bei der sicheren Entfernung von
Asbest und darauffolgenden Renovierung der
Gebäude zu unterbinden.
Wegen Verletzung der Wasserbehandlungsvorschriften gemäß dem Wasserreinhaltungsgesetz Zivil- und Verwaltungsklagen gegen 61
Städte angestrengt.
Andere Maßnahmen
Die Bush-Administration hat:
Ein Programm verabschiedet, bei dem im Rahmen der Initiative "America the Beautiful" pro
Jahr 1 Milliarde neuer Bäume in den Vereinigten
Staaten gepflanzt werden.
Ein weltweites schrittweises Verbot von FCKW
vorgeschlagen, mit entsprechenden Bestimmungen für sichere Ersatzstoffe, um die Ozonschicht der Stratosphäre zu schützen.

Im Haushaltsjahr 1989 359 mal Anklage erhoben, 353 Verurteilungen und Schuldgeständnisse wegen Umweltvergehen (einschließlich Verletzung der Umwelt- und Artenschutz bestimmungen) erreicht - mehr als je zuvor. Dies hatte
nahezu 13 Millionen Dollar an Geldstrafen und
168 Jahre an Haftstrafen zur Folge, von denen
43 Jahre zu verbüßen waren.

Eine internationale Konferenz des Weißen
Hauses über wissenschaftliche und wirtschaftliche Forschung im Zusammenhang mit den
globalen Umweltveränderungen veranstaltet und
angeboten, Gastgeber der ersten Verhandlungsrunde zu sein, bei der eine internationale Rahmenkonvention über Klimaveränderungen erarbeitet werden soll.

Im Haushaltsjahr 1989 Zivil-und Ordnungsstrafen in Rekordhöhe verhängt (etwas unter 35
Millionen Dollar).

Sich dem Ziel der Erhaltung von Feuchtgebieten verschrieben. Dazu zählen eine Reihe in
diesem Sommer abzuhaltender öffentlicher
Treffen über diese Politik.

Den höchsten Einzelbetrag an Abfindung erhalten, der je bei einem Gerichtsverfahren der
Vereinigten Staaten gegen eine Körperschaft
aufgrund von Verletzung des Bundesumweltgesetzes gezahlt wurde. Die Texas Eastem Trans-

Durch die Betonung von Umweltproblemen beim
Weltwirtschaftsgipfel und bei bilateralen Gesprächen mit Verbündeten und anderen führenden Industrienationen im vergangenen Jahr

Seite 2

AMERIKA DIENST 26

�internationale Zusammenarbeit und Engagement ermutigt.
Den osteuropäischen Ländern technische Hilfe
angeboten, die jetzt nach Jahren der Vernachlässigung versuchen, ihre Umweltprobleme im
Inland in den Griff zu bekommen.
Mit der Ausbildung von Freiwilligen des Friedenskorps in Umweltschutz und Wiederaufforstungstechniken begonnen.
4

I

des andere Land zum IPCC-Treuhandfonds für
die Teilnahme der Entwicklungsländer beigetragen.
Die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf die
notwendige Entwicklung sauberer alternativer
Brennstoffe gelenkt - Bestrebungen, die mehrere führende Ölkonzeme bereits veranlaßt haben, Benzin in anderer Zusammensetzung auf
den Markt zu bringen.

Ein Pilotprogramm in die Wege geleitet, damit
Anspülungen von medizinischem Müll verhindert werden, von denen die Strände der Vereinigten Staaten vor nur zwei Jahren heimgesucht wurden.

Einen Sieben-Punkte-Plan zur Verbesserung
der Gesetze über Nahrungsmittelsicherheit
vorgelegt. Diesem Plan zufolge können unverzüglich Maßnahmen gegen problematische
Pestizide und schärfere Strafen bei Mißbrauch
verhängt werden.

Eine führende Rolle bei der Gründung und Arbeit
der Zwischenstaatlichen Kommission zur Klimaveränderung (IPCC) unter der Schirmherrschaft der Vereinten Nationen übernommen,
den Vorsitz der Arbeitsgruppe Reaktionsstrategien geführt, zwei Arbeitstagungen und zwei
Plenarsitzungen veranstaltet und mehr als je-

Programme für Barvergütungen in Höhe von bis
zu 5 000 Dollar für Lehrer der Grund- und
Oberstufen in den 50 Bundesstaaten, dem Distrikt
von Columbia und den Gebieten vorgeschlagen, die innovative, wirksame Lehrpläne zum
Umweltschutz entwickeln.

AMERIKA DIENST 26

Seite 3

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3. Juli 1991
*

JUGOSLAWIEN

BAKER FORDERT EINHEIT UND MEHR
AUTONOMIE IN JUGOSLAWIEN
Rede des US-Außenministers

PORTRAIT

BUSH ERNENNT SCHWARZEN KONSERVATIVEN ZU MARSHALLS NACHFOLGER
Portrait von Clarence Thomas

EXPORTKONTROLLEN

EXPORTKONTROLLEN UND HANDEL
IN DEN NEUNZIGER JAHREN
Von Botschafter Allan Wendt

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-3392372
Telex: 8-85432

�JUGOSLAWIEN
3. Juli 1991

BAKER FORDERT EINHEIT UND MEHR
AUTONOMIE IN JUGOSLAWIEN
Rede des US-Außenministers
WASHINGTON - (AD) - Außenminister Baker hat am 26. Juni 1991 dazu aufgerufen, die Krise in Jugoslawien
durch Dialog und Verhandlungen statt durch Gewalt beizulegen. In einer Rede bei der Gannett Foundation, einer
Institution, die sich der Förderung der Pressefreiheit verschrieben hat, bekräftigte er, die Vereinigten Staaten
unterstützten die Einheit Jugoslawiens und stellte gleichzeitig fest: "Wir können mehr Autonomie und
Souveränität der Republiken - mit anderen Worten eine neue Grundlage der Einheit in Jugoslawien befürworten..."
Baker erklärte, die Vereinigten Staaten, die Europäische Gemeinschaft, die anderen Mitglieder der Konferenz
für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa sowie die internationale Staatengemeinschaft untersuchten zur
Zeit, "welche Maßnahmen wir jetzt ergreifen sollten, um in Jugoslawien den Dialog zu fördern und größere
Gewalt zu vermeiden".
Der Außenminister erörterte in seiner Rede ferner das KSZE-Außenministertreffen in Berlin, die Lage im Irak,
den freien Handel und die Sowjetunion.
Wir veröffentlichen die Rede Bakers nachfolgend im Wortlaut.

Ich freue mich besonders, heute abend mit Ihnen
gemeinsam für die grundlegenden Bürgerrechte, wie
sie in unserem ersten Verfassungszusatz enthalten
sind, in Mittel- und Osteuropa und der Sowjetunion
eintreten zu können. Denn es sind diese Grundrechte,
die das neue, demokratische Europa untermauern
müssen, dessen Aufbau wir alle anstreben.
Bei meiner Reise nach Berlin, Belgrad und Tirana
erhielt ich in der vergangenen Woche einen lebendigen Eindruck der Chancen und Risiken des neuen
Europas. Ich kehrte mit der erneuerten Überzeugung
zurück, daß die Werte und Interessen Amerikas den
Atlantik überbrücken. Unser Schicksal bleibt untrennbar mit einem Europa verknüpft, das ungeteilt und frei,
stabil und sicher, wohlhabend und offen für den freien
Fluß von Informationen ist.
Beim Außenministertreffen der Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa in Berlin haben wir
zusammen mit den anderen Signatarstaaten dieses
gemeinsame Ziel bekräftigt. Darüber hinaus haben wir
eine gemeinsame Erklärung im Hinblick auf die Lage in
Jugoslawien verabschiedet, in der die einhellige UnterAMERIKA DIENST 26

stützung der Menschenrechte, Demokratie und territorialen Unversehrtheit Jugoslawiens unter Beweis gestellt
wurde. Meine anschließenden Gespräche in Belgrad
mit verantwortlichen Politikern der Bundesregierung
und der Republiken ergaben Punkte der Übereinstimmung. Aber auch wenn man die schwülstige Rhetorik
berücksichtigt, stellte ich eine gewisse Realitätsferne,
eine Unfähigkeit seitens mancher führender Politiker
der Republiken fest, die gefährlichen Konsequenzen
ihrer Handlungsweise zu verstehen.
Ich reiste nach Jugoslawien wegen unserer großen
Sorgen über die dortige Lage und unseres starken
Wunschs, alles in unserer Macht Stehende zu tun, um
ein Unglück abzuwenden. Aber unsere Sorgen wurden nicht zerstreut, und die Wahrscheinlichkeit zunehmender Gewalt und wachsenden Blutvergießens und
Zerfalls wird größer. Es handelt sich um das sprichwörtliche Pulverfaß, und die Lage verschlechtert sich
weiter, während ich hier spreche.
Wir werden weiterhin die politisch Verantwortlichen
der Bundesregierung und der Republiken eindringlich
auf die Bedeutung des politischen Dialogs und einer
Seite 1

�Lösung auf dem Verhandlungsweg hinweisen. Aber
ich wäre nicht offen, wenn ich nicht auch erkennen
würde, daß die Ereignisse in Jugoslawien eine Eigendynamik entwickelt haben, die in den gestrigen Unabhängigkeitserklärungen Kroatiens und Sloweniens und
den heutigen Ereignissen zum Ausdruck kommt.
Ich möchte an der amerikanischen Haltung keinen
Zweifel aufkommen lassen: Wir unterstützen die
Anwendung der KSZE-Prinzipien und kooperative
Bemühungen zur friedlichen Beilegung politischer
Streitigkeiten. Wir werden einseitige Maßnahmen
nicht belohnen, die einen Dialog oder die Möglichkeiten einer Verhandlungslösung zunichte machen, und
wir werden Einschüchterung oder den Einsatz von
Gewalt energisch ablehnen. Die Vereinigten Staaten
anerkennen und unterstützen weiterhin die territoriale
Unversehrtheit Jugoslawiens, einschließlich der Grenzen seiner einzelnen Republiken. Gleichzeitig können
wir mehr Autonomie und Souveränität der Republiken
- mit anderen Worten eine neue Grundlage der Einheit
in Jugoslawien - befürworten, jedoch nur mit friedlichen Mitteln wie Verhandlungen und Dialog. Wir
werden weiterhin Demokratie, marktorientierte Reformen und die Wahrung der Menschenrechte jedes
Bürgers in Jugoslawien fördern. Gemeinsam mit den
Staaten der Europäischen Gemeinschaft und anderen
Mitgliedern der KSZE und der internationalen Staatengemeinschaft untersuchen wir gegenwärtig, welche
Maßnahmen wir jetzt ergreifen sollten, um in Jugoslawien den Dialog zu fördern und größere Gewalt zu
vermeiden.
Sicherlich kann niemand in Jugoslawien - und niemand
in Europa - es sich leisten, die tragischen Fehler der
Vergangenheit zu wiederholen.
Dies gilt umso mehr, wenn die Zukunft so vielversprechend sein kann, wenn die Freiheit weltweit auf dem
Vormarsch ist - und wenn demokratische Prinzipien so
umfassend aufgenommen werden wie nie zuvor. Diese
neue Realität wurde für mich lebendig, als ich am
vergangenen Samstag Albanien besuchte.
Als ich auf jenem überfüllten Platz in Tirana in die
Gesichter der nach Freiheit schreienden Menschen
sah, erlebte ich einen verfrühten 4. Juli. Dieser spontane Ausbruch echter Zuwendung und Unterstützung
für unsere Delegation war sehr bewegend und erfüllte
mich mit tiefem Stolz, Amerikaner zu sein. Unser Land
und unser Beispiel von Freiheit sind deutliche Symbole
der Hoffnung für das albanische Volk, das über einen
solch langen Zeitraum hinweg nichts zu hoffen hatte.
Diese Menschen waren nach über fünfzig Jahren der
Unterdrückung, Isolation und Unfähigkeit, ihre Meinung zu äußern, völlig von der Freiheit berauscht. Es
war fast so, als ob ein seit langem untätiger Vulkan
ausgebrochen sei. Die Menschen schrien von den
Dächern das Wort "Freiheit" - Redefreiheit, Versammlungsfreiheit, Religionsfreiheit. Mit anderen Worten:
sie nahmen freudig gerade diejenigen Menschenrech-

Seite 2

te und Grundrechte auf, die von Ihrer Stiftung seit
langem hier in unserem Land verteidigt wurden und für
die Sie heute auch im Ausland eintreten.
Und übrigens - ich möchte Sie zur Umbenennung
dieser Stiftung in Freiheitsforum beglückwünschen.
Denn genau das ist es, was wir benötigen - eine
Plattform für die Grundrechte, wie sie im ersten Zusatz
unserer Verfassung enthalten sind, die stark genug ist,
freie Gesellschaften weltweit zu unterstützen.
Im Februar 1990 habe ich in einer Rede in Prag die
Notwendigkeit betont, die freie Presse als Mittel zur
Sicherung neugewonnener Freiheit in Ost- und Mitteleuropa und der Sowjetunion zu fördern. Heute bleibt
die Stärkung der unabhängigen Medien für uns nicht
nur ein wichtiger Faktor, sondern eine vordringliche
Angelegenheit für alle, die sich wünschen, daß die
Demokratie Fuß faßt.
In Prag habe ich Thomas Jefferson zur politischen
Philosophie einer freien Presse zitiert. In meinen
darauffolgenden Gesprächen mit den demokratisch
orientierten Politikern der Regierung und der Opposition in ganz Mittel- und Osteuropa und der Sowjetunion habe ich nie gehört, daß irgendjemand mit den
allgemeinen Prinzipien freier Medien nicht übereingestimmt hätte. Ich habe jedoch vernommen, wie unbedingt notwendig unsere Hilfe ist, um diese Prinzipien so
schnell wie möglich in die Tat umzusetzen.
In Bulgarien und Rumänien haben mir die Oppositionspolitiker von ihrem verzweifelten Bedarf an Zeitungspapier berichtet. Mir wurde erklärt, daß heute allein in
Rumänien über zweitausend Zeitungen existieren, und
sie benötigen dringend Material wie etwa Zeitungspapier. In Albanien hatte die demokratische Opposition
bei den Wahlen Erfolg, sah sich jedoch mit dem
Problem konfrontiert, ihre Botschaft in das Land zu
tragen, weil die Zentralregierung die Ressourcen
kontrolliert.
Um die Vordringlichkeit dieses Bedarfs zu illustrieren,
möchte ich das Beispiel eines erfolgreichen Verlegers
anführen, der ein Zeitgenosse von Thomas Jefferson
war. Er kümmerte sich weniger um die Theorie der
Grundrechte als um die Praxis. Erst spät in seinem

Leben kam er in Berührung mit dem Aufbau der
Demokratie und Diplomatie. Ben Franklin hielt nicht
viel von Menschen, die "viel reden, aber wenig leisten". Er ist ein gutes Vorbild für uns, weil er immer
Taten vor Worte stellte.
Ich fordere Sie also auf, Ihre Energie und Ihr Geld für
das einzusetzen, was ich hier erkläre. Finanzieren Sie
konkrete Programme, mit denen unabhängige Journalisten einen guten Start haben. Ich denke, wir sind uns
alle einig, daß jetzt - da Länder im Frühstadium der
Ausarbeitung neuer Verfassungen sind, Rechtsordnungen aufarbeiten und bürgerliche Gesellschaften
aufbauen - die Zeit gekommen ist, wo es darauf
ankommt. Langfristig kann eine freie Presse nur in
AMERIKA DIENST 26

�einem demokratischen und marktwirtschaftlich orientierten Umfeld überleben. Der Schlüssel ist, daß wir
uns dort engagieren und unabhängige Stimmen unterstützen, bis sie sich selbst helfen können. Andernfalls
könnte unsere Hilfe zu spät kommen.
Es ist bereits viel gute und hilfreiche Arbeit zur Dekkung bestimmten Bedarfs geleistet worden: von Gannett,
dem US-Informationsamt, dem Internationalen Rundfunkrat, dem National Endowment for Democracy,
dem Internationalen Medienfonds, derSoros Stiftung,
der New York Times Stiftung, den Mittel- und Osteuropäern und Sowjets selbst und auch von vielen anderen. Jetzt ist die Zeit gekommmen, um praktische
Arbeit zu leisten.
Natürlich haben wir Amerikaner kein Monopol an Erfahrungen, und wir können nicht unsere eigenen Lösungen einfach übertragen. Zweifellos funktionieren
private Medien bei uns und auch bei anderen gut.
Wenn wir jedoch den Mittel- und Osteuropäern und
den Sowjets beim Aufbau unabhängiger Medien helfen, sollten wir uns nicht allzu sehr damit beschäftigen,
ob das Modell der Unabhängigkeit BBC, PBS, NBC
oder C-Span heißt - vorausgesetzt, Unabhängigkeit
heißt Freiheit von der Regierung oder von politischer
Kontrolle und politischem Einfluß.
Wir erkennen, daß Gruppen wie das Freiheitsforum
keine Fonds mit US-Regierungsstellen vermischen
wollen, obwohl sie unabhängig arbeiten. Aber wir
denken, daß kreative Möglichkeiten für parallele Arbeit
existieren. Wenn Sie also Möglichkeiten der Hilfe
erwägen, dann fordere ich Sie auf, den Bestrebungen
Priorität einzuräumen, die baldige und konkrete Ergebnisse in vier Schlüsselbereichen hervorbringen können.
Erstens: Ressourcen. Vielversprechende unabhängige Projekte werden ausschließlich mit ganz geringen
Mitteln und lokaler Initiative durchgeführt. Sie können
die Mittel bereitstellen, sie zu einer Zeit am Leben zu
erhalten, da der Übergang von Plan- zu Marktwirtschaften Maschinen und Material - wie Zeitungspapier, Computer, Satellitenschüsseln, Faxmaschinen
und Desktop-Publishing- schwer zugänglich undteuer
macht.
Zweitens: Investitionen: Sie können westliche Investitionen ermutigen, die der örtlichen Presse bei ihrem
Aufbau hilft. Sie können darüber hinaus Investitionen
fördern, um bestehende Medien zu privatisieren.

*

AMERIKA DIENST 26

Drittens: Fragen, der Kontrolle, Pressegesetze und
des Zugangs. Sie können dazu beitragen, die staatliche Kontrolle der Medien abzubauen. Die Einführung
eines angemessenen rechtlichen Rahmens ist eine
Möglichkeit zur Lösung des Problems. Ein weiteres
besteht darin, den unabhängigen Medien Zugangsrechte zu verschaffen, wo Frequenzen oder knappes
Material wie Zeitungspapier aus politischen Gründen
von offizieller Seite vorenthalten werden. Ein wichtiges Beispiel dafür ist die Unterstützung des Internationalen Medienfonds für SOTI, die rumänische Gesellschaft zur Schaffung einer unabhängigen Fernsehgesellschaft, mit seiner schwierigen Kampagne für den
Zugang zu den Frequenzen.
Viertens und letztens: Ausbildung. Ein unabhängiger
ungarischer Journalist hat es richtig formuliert: "Wir
müssen lernen, daß Fakten wichtiger sind als Ideologien ... Wir müssen lernen, die Wahrheit unter all den
Lügen und der Korruption auszugraben, lernen, andere Meinungen zu tolerieren und verstehen, daß Konkurrenten nicht unbedingt Feinde sind."
Ich kann nicht genug die konkreten Beiträge betonen,
die wir in den vier von mir gerade beschriebenen
Hauptbereichen machen können. Auch wenn es die
Anlagen zur Störung von Rundfunk und Fernsehen,
Zensurgesetze und die Berliner Mauer selbst nicht
mehr gibt, bleiben noch viele ernsthafte Schranken für
den freien Informationsfluß: autoritäre Methoden,
verkrustete alte Strukturen, isolationistische und intolerante Einstellungen.
Die Überwindung dieser Schranken wird das erfordern, was Präsident Bush als "harte Arbeit der Freiheit" bezeichnet hat. Aber wir dürfen uns oder die
Menschen in Mittel- und Osteuropa und der Sowjetunion nicht täuschen: der Aufbau der Demokratie ist eine
schwierige Aufgabe. Er hat in den Vereinigten Staaten
und Westeuropa Jahrzehnte, wenn nicht Jahrhunderte
gedauert. Die Straße der Freiheit ist oftmals eine
unwegsame - auch die Menschen in Mittel- und Osteuropa und der Sowjetunion müssen das wissen.
Aber sie müssen auch wissen, daß wir sie in ihrem
Streben nach Freiheit unterstützen. Wir können ihren
Erfolg nicht garantieren. Das können nur sie selbst.
Aber wir können ihnen eine helfende Hand reichen,
wenn sie die neue Grenze - die Grenze namens
Freiheit - überschreiten.
Ich danke Ihnen.

* * *

*

Seite 3

�PORTRAIT
3. Juli 1991

BUSH ERNENNT SCHWARZEN KONSERVATIVEN
ZU MARSHALLS NACHFOLGER
Portrait von Clarence Thomas

WASHINGTON - (AD) - Als der schwarze Konservative Clarence Thomas Anfang 1990 bestätigt wurde, um
einen von drei freien Posten im 12 Mitglieder umfassenden amerikanischen Berufungsgericht des District
of Columbia zu übernehmen, lag auf der Hand, daß er
abgesehen von seinem Sitz im einflußreichen Berufungsausschuß als Kandidat für die Nachfolge von
Thurgood Marshall - dem einzigen Schwarzen im
Obersten Gerichtshof der Vereinigten Staaten - in die
engere Wahl gezogen würde, sollte Marshall seinen
Abschied nehmen.

jedoch davon Abstand und seine Nominierung wurde
vom Rechtsausschuß mit nur einer Gegenstimme
genehmigt.

Nach Marshalls Ankündigung seines Rücktritts am
Ende der Gerichtssitzung vergangene Woche, wenn
sein Nachfolger vom Senat bestätigt ist, hat Präsident
Bush jetzt den 42jährigen Thomas für dieses Amt
benannt.

Einer seiner stärksten Befürworter, der republikanische Senator Orrin Hatch, stellte während der Anhörung fest, Thomas' für einen schwarzen Regierungsvertreter ungewöhnliche Positionen hätten ihn in eine
"unbequeme und schwierige" Lage manövriert, in der
er häufig von anderen schwarzen Politikern angegriffen würde.

Vorbehaltlich der Bestätigung durch den Senat wäre
Thomas, der in der Reagan-Administration sieben
Jahre lang Vorsitzender des Ausschusses für Chancengleicheheit am Arbeitsplatz war, nach Marshall der
einzige Schwarze, der je dem obersten Gericht der
Vereinigten Staaten gedient hat.
Der Kandidat, der für seine freimütig bekannte konservative Einstellung und insbesondere seinen Widerstand gegen Gleichstellungsprogramme einschließlich Quotenregelungen und Zeitplänen zur Unterstützung der Minderheiten vielleicht am besten bekannt
ist, hat von einigen Bürgerrechtsgruppen und Interessenvertretungen der Minderheiten Kritik geerntet.
Die Leiter von Organisationen wie dem Nationalen
Verband für die Förderung von Farbigen (National
Association for the Advancement of Colored People NAACP), die mit der Begründung, er gehe lasch bei der
Durchsetzung von Gesetzen gegen Diskriminierung
vor, Einwände gegen seine Qualifikation für das Distrikt-Berufungsgericht vorbringen wollten, nahmen

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Während der Anhörung versicherte Thomas den
Ausschußmitgliedern, die Verwirklichung der Gesetze
werde nicht durch seine persönlichen Überzeugungen
beeinträchtigt. "Meines Erachtens steht es einem
Richter nie zu", erklärteer, "seine eigenen Intentionen
vor die Intention der Gesetzgebung zu stellen. Selbst
wenn meine eigene Meinung beträchtlich abwich, habe
ich dem Gesetz Vorrang eingeräumt."

"Das ist eine Wahl zwischen Prinzip und Popularität,"
erklärte Thomas dem Ausschuß.
"Ich bestehe nachdrücklich darauf," schrieb Thomas
1987 an das Wall Street Journal, "daß die Verfassung
farbenblind ausgelegt wird. Demnach ziehe ich schwarze Selbsthilfe einer Quotenregelung und anderen
rassenspezifischen rechtlichen Kunstgriffen vor, die
das eigentliche Problem nur verschärfen."
Der Kandidat für den Obersten Gerichtshof wurde von
seinen Großeltern im ländlichen Süden in der Nähe
von Savannah, in der Stadt Pinpoint (Georgia) in Armut
aufgezogen. Sein Vater M.C. Thomas verließ seine
junge Frau, als Thomas zwei Jahre alt war. Bis zu
seinem sechsten Lebensjahr lebte er mit seiner Mutter, ihrer Tante und ihrem Onkel sowie zwei Geschwistern in einem Haus ohne fließendes Wasser und
einem Holzofen zum Heizen.

Seite 1

�Seine Mutter arbeitete als Dienstmädchen und in einer
nahegelegenen Konservenfabrik. 1955 wurden Thomas und sein jüngerer Bruder nach Savannah geschickt, um bei den Großeltern zu leben.

Als Student an der Yale Law School heiratete er seine
erste Frau, mit der er einen heute 18jährigen Sohn hat.
1983 wurde er geschieden und heiratete 1987 seine
jetzige Frau Virginia Lamp.

Zu seiner Kindheit sagt Thomas, daß Lebensmittel
knapp waren und Schuhe nur zur Schule getragen
wurden. Einem Journalisten gegenüber erklärte er:
"Man hat wirklich keine Ahnung, was Hunger ist, wenn
man nicht in der Vorstellung gelebt hat, nie genug zu
essen zu haben."

Nach seinem Juraexamen arbeitete Thomas für den
damaligen Justizminister von Missouri und heutigen
republikanischen Senator John Danforth. 1977 wurde
er Anwalt für Monsanto, eine Chemiefabrik in St. Louis.
Drei Jahre später zog er nach Washington, um als
Rechtsberater für Danforth zu arbeiten, der zu dieser
Zeit bereits Senator war.

Obwohl Thomas' Großvater kaum lesen und schreiben konnte, zwang er die beiden Jungen, regelmäßig
zur Schule zu gehen. In ihrer Freizeit halfen sie ihm,
Öl und Eis auszuliefern.

1981 trat Thomas ins Erziehungsministerium ein, wo
er Leiter der Abteilung Bürgerrechte wurde. Ein Jahr
später - Thomas war 33 - wurde er als Vorsitzender
des Ausschusses für Chancengleichheit am ArbeitsThomas kam zum ersten Mal mit der Welt der Wei ßen
platz bestätigt.
in Kontakt, als er 1964 das St. John Vianny Seminary
in Savannah besuchte. Sein erstes Jahr im College Sein gegenwärtiger Arbeitgeber, das Berufungsgeverbrachte er im Immaculate Conception Seminary in richt des District of Columbia, wird allgemein als zweitMissouri, dann wechselte er an das Holy Cross College höchstes Gericht nach dem Obersten Gericht betrachin Worcester, Massachusetts, wo er 1971 sein Bakka- tet, weil es Einsprüche von Bundesbehörden ebenso
annimmt wie Fälle aus Vorinstanzen.
laureat mit Auszeichnung ablegte.

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Seite 2

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�EXPORTKONTROLLEN
3. Juli 1991

EXPORTKONTROLLEN UND HANDEL
IN DEN NEUNZIGER JAHREN
von Botschafter Allan Wendt
BONN - (AD) - Der Autor ist im US-Außenministerium mit Fragen der strategischen Technologie befaßt. Dieser
Artikel basiert auf einer Rede, die Botschafter Wendt am 11. Juni 1991 zum Thema "US-Exportkontrollen in einer
sich verändernden Welt" beim Symposium der Nationalen Akademie der Wissenschaften in Irvine (Kalifornien)
gehalten hat.

Kein Ereignis hat in den letzten Jahren das Interesse
und die Hoffnungen der Welt so gefangengenommen
wie die Vorfälle, die dazu geführt haben, daß Europa
das Joch des Kommunismus abgeworfen und die
lange und schwierige Reise zu Demokratie und Marktwirtschaft angetreten hat. Darüber hinaus verändern
Glasnost und Perestrojka die Sowjetunion. Infolgedessen hat eine erhebliche Liberalisierung der Exportkontrollen stattgefunden, insbesondere beim Treffen
hochrangiger Vertreter (High Level Meeting) des
Koordinationsausschusses für ost-westliche Handelspolitik (COCOM) im Juni 1990 und auch beim Treffen
derselben Gruppe am 23. Mai 1991. Bei diesem
letzten Treffen einigte man sich auf eine neue gekürzte
Kernliste eindeutig strategischen Geräts und strategischer Technologie. Diese Kernliste soll ab 1. September dieses Jahres gelten.
Dennoch steht die Welt immer noch vor beängstigenden Herausforderungen, die eine vollständige Abschaffung der Exportkontrollen verhindern. Die Unterdrückung der Baltenstaaten durch die Sowjets beweist
die Notwendigkeit für Vorsicht bei der Erleichterung
von Exportkontrollen für die Sowjetunion. Darüber
hinaus waren die sowjetischen Militärausgaben trotz
der jüngsten Reduzierungen im vergangenen Herbst
noch höher als bei Gorbatschows Amtsantritt. Die
sowjetischen Interkontinentalraketen (ICBM) werden
modernisiert, nach wie vor stationiert ist die silogestützte und schienengestützte ICBM des Typs SS-24,
die straßengestützte SS-25 und eine neue Version der
SS-18 mit 10 Gefechtsköpfen (mit größerer Sprengkraft und Zielgenauigkeit). Bomber der Typen BEAR
H und BLACKJACK werden mit Marschflugkörpern
längerer Reichweite disloziert, und qualitative Verbes-

AMERIKA DIENST 26

serungen erfolgen bei den mit ballistischen Raketen
ausgerüsteten U-Booten vom Typ DELTA IV und
TYPHOON, die jeweils 16 und 20 Atomraketen an
Bord haben. Bei der strategischen Verteidigung haben
die Sowjets ihr zweistufiges Raketenabwehrsystem
um Moskau modernisiert und verfügen weiterhin über
die Fähigkeit zur Zerstörung von Satelliten. Die Forschung über noch modernere Systeme wie etwa Laser
beweist das starke sowjetische Interesse an der militärischen Nutzung des Weltraums.
Noch beunruhigender ist die Tatsache, daß die militärische Modernisierung in der Sowjetunion zu einer Zeit
großer politischer Unberechenbarkeit stattfindet.
Niemand ist sicher, ob die von Gorbatschow eingeleiteten politischen und wirtschaftlichen Reformen von
Dauer oder erfolgreich sein werden, und wir können
auch nicht wissen, wie lange Gorbatschow oder seine
potentiellen Nachfolger die Kontrolle innehaben. Unter diesen Umständen sind Exportkontrollen tatsächlich eine wichtige Form der Versicherung gegen Irrwege.
Unsere Sorge gilt nicht allein der Sowjetunion. Chinas
Politik der Weiterverbreitung von Raketen und Nukleartechnologie fordert ebenfalls Vorsicht und anhaltende Aufmerksamkeit. Ferner bekräftigen die Ereignisse am Persischen Golf die Notwendigkeit effektiver
nationaler und multilateraler Kontrollen von Waren und
Technologien, die zur Verbreitung von Massenvernichtungswaffen beitragen können.
Als Reaktion auf steigende Besorgnis über die Verbreitung solcher Waffen hat die Regierung die Initiative zur
verbesserten Kontrolle der Weiterverbreitung (Enhanced Proliferation Control Initiative - EPCI) ins Leben
Seite 1

�gerufen, um unsere Fähigkeit zur Kontrolle von Gütern
und Technologie zu verbessern, die zu unterschiedlichen Zwecken genutzt werden und für die Herstellung
chemischer und biologischer Waffen und Raketen
nützlich sein können. Erhebliche Fortschritte wurden
beim Treffen der 20 Länder umfassenden AustralienGruppe im Mai erzielt, die sich zum Ziel gesetzt hat, zur
Herstellung chemischer und biologischer Waffen verwendetes Gerät und Material zu kontrollieren und eine
Liste von zu kontrollierendem Mehrzweckgerät aufzustellen. Die Liste der Australien-Gruppe folgt im allgemeinen der Initiative des Präsidenten zur verbesserten
Kontrolle der Weiterverbreitung. Wiederum hat die
Führungsrolle der Vereinigten Staaten die internationale Staatengemeinschaft zum Handeln bewegt.
In ähnlicher Weise wird die US-Initiative zur Erlangung
multilateraler Zustimmung zur Kontrolle von unterschiedlich einsetzbaren Waren und Mehrzwecktechnologie immer stärker akzeptiert. Andauernde Gespräche mit wichtigen Lieferanten entsprechender
Anlagen haben einen zunehmenden Konsens über die
Notwendigkeit zutage gefördert, ein multilaterales
Rahmenwerk einzurichten, um Exporte zu verhindern,
die weiterverbreitenden Ländern bei der Entwicklung
nuklearer Fähigkeiten helfen könnten.
Zum Teil infolge der Ereignisse am Persischen Golf
sind mehrere neue Länder dem Kontrollregime zur
Raketentechnologie beigetreten. Die Bilder von Zivilisten, die im Golfkrieg in Erwartung eines Raketenangriffs mit chemischen Waffen Gasmasken anlegen,
haben die dringende Notwendigkeit unterstrichen, den
Erwerb solcher Raketensysteme durch instabile Regime zu unterbinden.
Im November 1990 forderte Präsident Bush Bestrebungen zur Verbesserung der multilateralen Anwendung von Exportkontrollen für Hochleistungscomputer. Auf der Basis dieser Initiative schlössen die
Vereinigten Staaten und Japan am 6. Juni 1991 Konsultationen über Exportkontrollen für Supercomputer
ab. Das Hauptziel dieser Konsultationen bestand in
der Aufrechterhaltung von Kontrollen für Exporte von
Supercomputern an zweifelhafte Bestimmungsorte,
gleichzeitig sollte aber die Belastung durch Exportlizenzen für seriöse Bestimmungsorte aufgehoben
werden. Für Exporte in Länder, die im Hinblick auf die
nationale Sicherheit oder Verbreitung Anlaß zur Sorge
geben - etwa solche, die den Vertrag über die Nichtverbreitung von Atomwaffen nicht unterzeichnet haben sind strenge Vorschriften gegen Mißbrauch notwendig. Je nach Bestimmungsort und Umständen eines
bestimmten Exports können Bestellungen nicht ausgeführt werden. Darüber hinaus wurden Supercomputer als "jeder Computer mit einer CTP, die 195 Millionen oder mehr theoretische Operationen pro Sekunde
durchführt", definiert.
Das politische Dilemma der Regierung besteht darin,
ein Gleichgewicht zwischen umfangreichen KontrolSeite 2

len, die den legitimen Außenhandel verhindern und
denjenigen Kontrollen zu finden, die die Vereinigten
Staaten und andere wichtige Wettlieferanten für notwendig erachten, um gemeinsame Sicherheitsziele zu
unterstützen.
Ein solches Gleichgewicht ist notwendig, um unser
Exportkontrollsystem an die neuen Realitäten in den
ehemals kommunistischen Ländern anzupassen und
wirksame multilaterale Kontrollen zu erarbeiten, um
die Verbreitung von Massenvernichtungswaffen in Angriff
zu nehmen.
Nirgends ist der Balanceakt schwieriger als im COCOM, und nirgends war die amerikanische Führungsrolle augenfälliger. Mit den am 23. Mai beim High Level
Meeting des COCOM getroffenen Entscheidungen
haben wir das Versprechen des Präsidenten erfüllt,
eine neue Kernliste wirklich entscheidender Güter und
Technologien zu erarbeiten. Ein Schlüssel zur erfolgreichen Verabschiedung der Kernliste war die uneingeschränkte Beteiligung der US-Industrie an der Erarbeitung amerikanischer Vorschläge für die Kernliste.
Es mag die Frage aufgeworfen werden, warum in
bestimmten Bereichen wie etwa Computer und Werkzeugmaschinen keine größere Liberalisierung erreicht
wurde. Die Antwort ist komplex, ich kann Ihnen jedoch
versichern, daß die von allen betroffenen US-Behörden einschließlich des Gemeinsamen Stabs im Pentagon unterbreiteten Vorschläge zur Kernliste der genauesten und umfassendsten technischen Überprüfung in der jüngeren Geschichte des COCOM unterzogen wurden. Auf Vorschlag des Gemeinsamen Stabs
haben die Vereinigten Staaten eine neue Maßnahme
- eine Art militärischen Gradmesser - verabschiedet,
das Ausmaß, in dem die Beschaffung von Gütern oder
Technologie durch die Sowjets zur Behebung eines
entscheidenden technologischen Gefälles beitragen
würde. Ein gutes Beispiel sind die Nachtsichtgeräte,
die - wie wir im Golfkrieg beobachten konnten - eine
entscheidende Rolle beim Sieg der Koalitionsstreitmacht gespielt haben.
Im Rahmen unserer Überarbeitung der Kemliste haben wir die dem Ausland zur Verfügung stehenden
Technologien von Avionik bis hin zu Lasersystemen
einer genaueren Überprüfung unterzogen. Wo immer
diese Technologien außerhalb des COCOM zur Verfügung standen, haben wir uns bereitwillig auf die Freigabe dieser Güter geeinigt. Wenn wir feststellten, daß
die sowjetischen Fähigkeiten dem bisherigen Kontrollniveau entsprachen oder darüber lagen, haben wir uns
ebenfalls für eine Aufhebung der Kontrolle eingesetzt.
Wo Mehrzweckgüter oder -technologien für die COCOM-Lieferanten jedoch von strategischer Bedeutung
sind und Lücken schließen, haben wir die Verbündeten
gedrängt, die Kontrollen aufrechtzuerhalten.
Die neue Kernliste beinhaltet im allgemeinen bessere
Spezifizierung bei der Beschreibung der kontrollierten

AMERIKA DIENST 26

�Güter, Anpassung der Kontrollkriterien an den derzeitigen technischen Standard der Industrie, Freigabe der
leicht verfügbaren,' 'direkt aus dem Regal" erhältlichen
Güter sowie Angleichung der Zollsysteme.
Im Hinblick auf Computer sind wir zu dem Schluß
gelangt, daß außerhalb von COCOM kein wirklicher
Markt für Computer mit einem CTP von über 23
besteht. Dasselbe gilt für Werkzeugmaschinen mit
einer größeren Genauigkeit als sechs Mikron. Infolgedessen wurde die COCOM-Kontrollgrenze genau
unterhalb dieser Werte angesiedelt. Ich verweise
darauf, daß die Kontrollkriterien für Computer von
PDR (processing data rate - Datenverarbeitungsgeschwindigkeit) zu CTP geändert wurden, weil CTP ein
genaueres Maß für die Leistung eines Computers ist.
Einigung auf eine Kernliste wird zu einer beträchtlichen
Lockerung der Kontrollen für Computer und die dazu
gehörigen Geräte führen. Die Kontrollen für praktisch
alle Personal- und Minicomputer und ihre Peripheriegeräte werden gelockert. Wir werden die Kontrollen für
nahezu alle Peripheriegeräte mit Ausnahme von
Hochgeschwindigkeits-Laufwerken, HochleistungsGraphik- und Messgeräten aufheben.
Auch die Kontrollen für genormte integrierte Schaltkreise wurden erheblich gelockert. Alle DRAM-Chips
(dynamic random access memory) werden ebenso
freigegeben wie die meisten bei Personalcomputern
verwendeten standardisierten 32 Bit-Mikroprozessoren. Die Kontrollen für Geräte zur Herstellung von
integrierten Schaltkreisen und Silikonmaterialien werden entsprechend gelockert. Und schließlich werden
alle zivilen Aufzeichnungsgeräte, die bestimmte internationale Normen erfüllen, freigegeben.
Als abschließende Bemerkung zu den COCOM-Kontrollen möchte ich das Thema der Telekommunikationssysteme und -technologie anschneiden. Die
technischen und politischen Experten haben lange
und hart gearbeitet, um Wege zu erarbeiten, die es
amerikanischen Firmen ebenso wie unseren Verbündeten gestatten werden, moderne Telephonsysteme
in der Sowjetunion und Osteuropa zu installieren. Wir
setzen jedoch unsere Sicherheitsinteressen ernsthaft
aufs Spiel, wenn wir hochmoderne Telekommunikationsgeräte und -technologien für den internen Gebrauch in die Sowjetunion exportieren. Bis sich die
Lage in der Sowjetunion berechenbarer und vielversprechender gestaltet, müssen wir bei Genehmigungen zur Lieferung von Hochgeschwindigkeits-Mikrowellen- und Faseroptiksystemen, mit denen die strategischen Fähigkeiten der Sowjetunion drastisch verbessert werden könnten, während sie gleichzeitig unsere
nachrichtendienstlichen Ermittlungsfähigkeiten erheblich verringern würden, unsere bisherige Politik weiterverfolgen.
Auch im Telekommunikationsbereich gibt es gute
Nachrichten. Die Kontrollen zur Freigabe von Digital-

AMERIKA DIENST 26

schaltem wurden gelockert und gestatten es den Sowjets,
öffentliche Netze zur digitalen Stimmübertragung und
Datennetze aufzubauen, die in ihrer Auslegung und
Funktionsfähigkeit den bereits im Westen installierten
entsprechen. Die Sowjets werden in der Lage sein,
solche Dienste wie Fax, Mobiltelephone, elektronische
Briefkästen und Sprachspeicherdienste auf dem technischen Stand zu beschaffen, dessen sich die Verbraucher im Westen bereits erfreuen.
Im Hinblick auf internationale Verbindungen kam der
COCOM überein, bestimmte Mikrowellensysteme nach
nationalem Ermessen in jedes beliebige Land zu exportieren. Im selben Tenor wurde Einigung erzielt,
unter dem Begünstigungsverfahren (die Zustimmungsvermutung) den Export von Faseroptikleitungen für
den intertnationalen Telefonverkehr in jedes beliebige
Land bis an seine internationalen Grenzen auf einer
bestimmten Laserwellenlänge zu gestatten.
Zusammengenommen werden diese Änderungen eine
enorme Verbesserung der Kommunikation zwischen
der UdSSR und dem Westen bedeuten und damit
sowohl das Unternehmenswachstum als auch persönliche Kontakte fördern und es der Sowjetunion gestatten, ein dem westlichem Standard Anfang bis Mitte der
achtziger Jahre vergleichbares Telekommunikationssystem zu beschaffen.
Für alle Bestimmungsländer mit Ausnahme der Sowjetunion und Nordkoreas wird die Kernliste ebenfalls
den Export - wiederum unter dem Begünstigungsverfahren-von Mikrowellenverbindungen für den internen
Gebrauch (das hei ßt, nicht auf internationalen Verkehr
beschränkt) und, nach nationalem Ermessen, Faseroptikverbindungen auf einer bestimmten Laserwellenlänge gestatten.
Schließlich haben sich die COCOM-Länder in umfassenden Liberalisierungsbestrebungen für Polen, Ungarn und die Tschechoslowakei geeinigt, daß alle
Telekommunikationsgeräte mit Ausnahme von Veschlüsselungsgeräten nach nationalem Ermessen
exportiert werden können.
Unseres Erachtens stehen diese Liberalisierungsbestrebungen im Einklang mit unseren gemeinsamen
Interessen und gestatten gleichzeitig eine umfassende Handelstätigkeit.
Die COCOM-Partner haben darüber hinaus die Frage
der Streichung Polens, Ungarns und der Tschechoslowakei von der Liste unzulässiger Bestimmungsorte
erörtert. Wir waren uns einig, entscheidende Fortschritte in diese Richtung würden davon abhängen,
daß diese Staaten die Kontrollen ebenso effektiv
handhaben wie die Mitgliedstaaten. Das gilt sowohl für
aus den Mitgliedstaaten importierte Produkte wie auch
für in dem betreffenden Land hergestellte Güter. Darüber
hinaus muß jedes Land eine solide rechtliche Grundlage für die Durchführung seines Exportkontrollsy-

Seite 3

�stems besitzen, um von der Liste verbotener Bestimmungsorte gestrichen zu werden. Für Polen, Ungarn
und die Tschechoslowakei besteht vorläufig ein besonderes Verfahren, das von einer Zustimmungsvermutung für alle außer den sicherheitsempfindlichsten
Gütern zur Lieferung in diese drei Länder ausgeht. Die
von uns vermittelte Botschaft lautet, daß die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten im COCOM verpflichtet sind, diesen drei Ländern bei ihren Bemühungen zu helfen, ihre Volkswirtschaften durch Umgestaltung zu einem marktorientierten System zu modernisieren.
Eine Lockerung der Exportkontrollen kann nicht ohne
parallele Bemühungen zur Verbesserung ihrer Durchführung erlangt werden. Dabei handelt es sich um
höhere Zäune, die um eine geringere Zahl von Gütern
errichtet werden müssen. Beim High Level Meeting
wurde vereinbart, daß der gemeinsame Standard effektiven Schutzes am 1. Januar 1992 in Kraft treten
soll. Mit dem gemeinsamen Standard werden die
Kriterien für ein effektives Durchführungsregime zur
Kontrolle von Gütern und Technologien festgelegt, um
deren Abzweigung für nicht genehmigte Verwendung
oder Bestimmungsorte zu verhindern. Die Anwendung des gemeinsamen Standards wird weitere Fortschritte zur Erleichterung der innerwestlichen Lizenzvergabe gestatten, indem zusätzliche Gegenstände in
die lizenzfreie Handelszone des COCOM aufgenommen werden.
Der rasche technologische Fortschritt, der Gerät binnen weniger Jahre veralten läßt sowie die Verbreitung
von Massenvernichtungswaffen als brennendes Problem waren wichtige Faktoren bei unseren Überlegungen zur Neudefinition der Kernliste des COCOM. Aber
Präsident Bush und hochrangige Berater in der Administration erkannten darüber hinaus, daß Exportkontrollen entscheidende Auswirkungen auf unsere wirtschaftliche Sicherheit haben. Wenn die Lieferländer
die Exportkontrollen nicht gleichmäßig anwenden und
durchsetzen, dann sind diese Kontrollen nicht nur
ineffektiv sondern wirken sich auch negativ auf unsere
Handelsbilanz und Wettbewerbsfähigkeit aus. Eine
solche potentielle Bedrohung unserer wirtschaftlichen
Sicherheit ist ebenso eine Angelegenheit der nationalen Sicherheit wie eher traditionelle Anliegen des strategischen Gleichgewichts, regionaler Konflikte oder
der Waffenentwicklung.
Eine unlängst von der Nationalen Akademie der Wissenschaften veröffentlichte Studie mit dem Titel "Finding Common Ground" kam zu dem Schluß, daß die
Exportkontrollen weder in der momentanen Euphorie
abgeschafft noch die strenge Anwendung der Vergangenheit wiedereingeführt werden sollten. Die von der
Administration im Rahmen des COCOM im Hinblick
auf Nichtverbreitung ergriffenen Maßnahmen sind
meines Erachtens dieser Herausforderung gerecht
geworden. Obwohl sie vielleicht nicht die Erwartungen
aller interessierten Parteien erfüllen, sind die beim
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letzten High Level Meeting des COCOM verkündeten
Veränderungen ein Schritt nach vorn auf dem Weg zu
einem Gleichgewicht zwischen verstärktem Handel
und der Aufrechterhaltung einer soliden nationalen
Sicherheitspolitik. Wir möchten unser Exportkontrollsystem den neuen Realitäten in ehemaligen kommunistischen Ländern und den Veränderungen in der
Sowjetunion anpassen. Gleichzeitig möchten wir dies
auf eine Art und Weise und in einem Tempo bewerkstelligen, daß unsere nationale Sicherheit weiterhin
vor alten und neuen Gefahren geschützt wird.
Welches sind die nächsten Schritte? Jetzt, da die
Erstellung der Kemliste abgeschlossen ist, muß die
Industrie wissen, welche Art von Exportkontrollsystem
sie erwarten kann. Ich kann Ihnen keinen detaillierten
Leitfaden geben. Ich kann Ihnen jedoch einen Einblick
in die Überlegungen der Administration vermitteln.
Die Kemliste schafft keine rote Linie oder eine absolute
Grenze. Wir werden weiterhin Exporte von Objekten
auf der Kernliste gestatten, wenn sie erwiesenermaßen zivilen Zwecken dienen und für diese geeignet
sind. Wir und unsere Verbündeten im COCOM haben
im Jahr 1990 nahezu 1.600 Lizenzen im Wert von etwa
1,7 Milliarden Dollar für zivile Endverbraucher in der
Sowjetunion erteilt. So haben wir zum Beispiel den
Export von Hochleistungscomputern für die Sicherheit
sowjetischer Kernkraftwerke sowie den Verkauf der
modernsten heute auf dem Markt befindlichen Passagierflugzeuge gestattet. Darüber hinaus hat der Präsident den Sowjets wie auch der Industrie zugesagt,
daß wir Lieferungen von Gütern und Technologien zur
Modernisierung der sowjetischen Energieversorgung
wohlwollend berücksichtigen würden, insbesondere
zur Exploration und Entwicklung von Öl- und Gasvorkommen. Im vergangenen Jahr haben wir etwa 95%
aller allgemeinen Ausnahmefälle genehmigt, und bei
Polen, Ungarn und der Tschechoslowakei lag die
Genehmigungsquote noch höher. Dem neuen "besonderen Verfahren" zufolge wird für die meisten
Exporte in diese drei Ländereine Zustimmungsvermutung gelten. Sicherlich beruht die Fähigkeit zu exportieren nicht gänzlich auf der Frage, ob ein Gegenstand
Kontrollen unterliegt oder nicht.
Der sowjetische Markt ist nicht der einzige potentielle
neue Geschäftsbereich. Insbesondere Polen, Ungarn
und die Tschechoslowakei streben die vollständige
Integration in das westliche Wirtschaftssystem an. Es
mag vielleicht überraschen, daß es gerade die Vereinigten Staaten waren, die beim Drängen nach einer
durchgreifenden Liberalisierung der Exportkontrollen
für diese Länder die Führungsrolle übernommen haben.
Der COCOM bleibt ein effektives und wichtiges Instrument der nationalen Sicherheit, weil wir in der Lage
waren, ihn den veränderten Umständen anzupassen.
Wir werden dies auch weiterhin tun, da wir erkennen,
daß wir nicht weniger tun und dabei der Unterstützung
AMERIKA DIENST 26

�unserer Verbündeten sowie der Industrie gewiß sein
können. Mit der Fertigstellung der Kernliste haben wir
eine neue internationale Industrieliste geschaffen, die
lediglich die wichtigsten Güter und Technologien kontrolliert, die erforderlich sind, um den bestehenden
technologischen Vorsprung westlicher militärischer
Systeme gegenüber solchen sowjetischen Ursprungs
zu bewahren, einen Vorsprung, der während der
Operation Wüstensturm klar zutage getreten ist. Das
Wirtschaftsministerium schätzt, daß die neue Liste bei
der Anzahl kontrollierter Güter eine 65prozentige
Reduzierung der Liste vom Juni 1990 darstellt. Wir
gehen davon aus, daß es bei Computerexporten allein
eine 70prozentige Reduzierung der Lizenzanträge geben
wird.

Die Zukunft ist sowohl vielversprechend als auch gefahrvoll. Die Veränderungen in Osteuropa und - wie wir
hoffen - in der Sowjetunion bieten Aussichten auf eine
weitere Liberalisierung der Exportkontrollen und zusätzliche Geschäftsmöglichkeiten für amerikanische
Firmen. Wir engagieren uns weiterhin für ein Gleichgewicht zwischen nationaler Sicherheit und dem Abbau
von Handelsschranken. Zur Herstellung dieses Gleichgewichts möchten wir uns auf die Geschichte des
COCOM sowie die Zusammenarbeit mit der Industrie,
unseren Verbündeten und Partnern stützen.

* * * *

AMERIKA DIENST 26

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