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                    <text>AMERIKA DIENST

1. März 1989
INHALT

DOKUMENTATION
Bush: Behebung des konventionellen Ungleichgewichts noch In weiter
Ferne
- Interview mit dem amerikanischen Präsidenten Mosbacher; Vereinigte Staaten für offeneren europäischen Markt
- Rede des US-Handelsministers bei der Columbia Institute Conference Hills zur US-Handelspolitik 1989
- Erklärung der amerikanischen Handelsbeauftragten vor dem Senat WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Ozonschicht über der Nordhalbkugel gefährdet
- Erste Ergebnisse einer internationalen Studie in der Arktis -

* * * * *

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�AMERIKA DIENST
Dokumentation

9

1. März 1989
BUSH:

BEHEBUNG DES KONVENTIONELLEN UNGLEICHGEWICHTS
NOCH IN WEITER FERNE

- Interview mit dem amerikanischen Präsidenten WASHINGTON - (AD) - Präsident Bush zufolge liegt "die Behebung des konventionellen Ungleichgewicht durch den Warschauer Pakt noch in weiter Ferne",
selbst wenn der von den Sowjets angekündigte Truppenabbau in vollem Umfang
durchgeführt worden ist.
In einem Interview mit der japanischen Nachrichtenagentur Kyodo vom 16.
Februar 1989, das vom Weißen Haus am 22. Februar veröffentlicht wurde, nannte
Bush den vorgesehenen Truppenabbau auf sowjetischer Seite "einen positiven
Schritt in die richtige Richtung". Der Präsident räumt konventioneller Rüstungskontrolle in seiner Administration hohe Priorität ein und sieht den Verhandlungen über Konventionelle Streitkräfte in Europa (VKSE) erwartungsvoll
entgegen.
Nachfolgend veröffentlichen wir das Interview in der Fassung des Weißen
Hauses.
Frage:
Welche
Rolle
mißt
die
Bush-Administration Japan im Bereich
der Weltwirtschaft und der Sicherheit
des Westens bei?
Antwort: Zunächst möchte ich etwas
zur Rolle der Vereinigten Staaten in
der Welt während meiner Präsidentschaft sagen.
Japan und die Welt
können darauf bauen, daß die Vereinigten Staaten ihre unermüdliche Arbeit zur Verwirklichung von Frieden,
Demokratie, Freiheit und Gerechtigkeit auf der Welt fortführen werden.
Wir haben eine globale Sicht der Welt
und werden wie bisher die Verantwortung übernehmen, die einer Weltmacht
zukommt.
Gleichzeitig ist es natürlich von
vorrangiger Bedeutung, daß unsere

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Verbündeten größere Verantwortung für
die Sache des Friedens und Wohlstands
in der Welt übernehmen. Es steht mir
nicht zu, Japan seine Rolle in der
Welt zuzuweisen. Diese Entscheidung
liegt bei der japanischen Regierung
und dem japanischen Volk.
Während
des jüngsten Besuches von Ministerpräsident Takeshita in Washington waren wir uns einig, daß es viele Mittel und Wege gibt, mit denen Japan zu
Frieden und Wohlstand weltweit beitragen kann.
Unsere Zusammenarbeit
im Bereich der Verteidigung ist einer
dieser Wege. Ein anderer besteht in
Wirtschaftshilfe an das Ausland. Ich
begrüße das von Japan gegebene Versprechen einer weiteren beträchtlichen Aufstockung der Entwicklungshilfeprogramme in Übersee. In diesem
Sinne waren Ministerpräsident Take-

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�shita und ich einer Meinung, wie
wichtig die Unterstützung von Demokratie, anhaltendem Wirtschaftswachstum und Reformen auf den Philippinen
sind. Um dies zu verwirklichen, werden wir alles in unserer Macht stehende tun, um noch in diesem Jahr die
multilaterale Initiative zur Unterstützung der Philippinen in die Wege
zu leiten.
Darüber hinaus begrüße ich die
Entscheidung Japans, an Aktionen zur
Erhaltung des Friedens teilzunehmen
sowie das großzügige Angebot finanzieller Unterstützung für Afghanistan
und das südliche Afrika. Auch das
sind Mittel und Wege, einen Beitrag
zu leisten.
Den beiden größten Industrienationen der Welt - Japan und den Vereinigten Staaten - kommt eine besondere Verantwortung bei der Aufrechterhaltung des freien Handels zu. Ministerpräsident Takeshita hat in Washington die Entschlossenheit Japans
bekräftigt, starkes Wachstum im Inland und strukturelle Anpassungen zu
fördern. Im Bereich von multilateraler Zusammenarbeit
und weltweitem
Wirtschaftswachstum kamen wir überein, daß wir unsere politischen Maßnahmen weiterhin über die traditionellen Foren, insbesondere den Wirtschaftsgipfel, koordinieren werden.
Wir sehen dem nächsten Gipfeltreffen
in Paris bereits erwartungsvoll entgegen. Ferner waren wir uns über die
Bedeutung einer erfolgreichen Uruguay-Runde sowie häufiger Konsultationen über Wirtschaftsthemen auf allen
Ebenen einig.
Frage:
Wie sehen Sie die Zukunft
der amerikanisch-japanischen Beziehungen unter Ihrer Administration?
Einige Ihrer Berater haben die Gründung einer "neuen Partnerschaft" mit
Japan empfohlen. Was halten Sie von
dieser Empfehlung?
Antwort:
Wir
haben den Begriff
"Partnerschaft" verwendet, um unsere
Beziehungen über nunmehr eine Reihe
von Jahren hinweg zu beschreiben, und

im Verlauf der Reagan-Administration
haben wir diesem Begriff eine neue
Bedeutung verliehen. Unsere Partnerschaft ist bilateral, regional und
global. Wir halten häufig Konsultationen ab und arbeiten eng bei praktisch jedem Thema von Belang zusammen. Es handelt sich hierbei nicht
um eine "neue Partnerschaft", sondern
eine fortwährende, die sich über 40
Jahre der Zusammenarbeit entwickelt
hat. Ich bin zuversichtlich, daß sie
sich auch In Zukunft weiterentwickeln
und neue Bedeutung erlangen wird.
Aber statt einer "neuen Partnerschaft" ist es vielmehr eine kontinuierlich "erneuerte Partnerschaft".
Frage:
Der designierte Verteidigungsminister Tower hat erklärt, Japan solle seine Verteidigung der
Schiffahrtswege über den derzeitigen
Radius von 1 000 Meilen hinaus erweitern.
Unterstützen Sie diese Ansicht?
Würden Sie von Japan eine
Aufstockung seiner Verteidigungsausgaben fordern? Wenn ja, welchen Prozentsatz seines Bruttosozialprodukts
sollte Japan für die Verteidigung
aufwenden?
Antwort: Wir sind mit der beiderseitig vereinbarten
Zuweisung von
Verteidigungsaufgaben und Missionen
gemäß unseren Sicherheitsvereinbarungen, denen zufolge Japan vornehmlich
die Verantwortung zur Verteidigung
seines Territoriums, der Meere, der
Luft und der Schiffahrtswege trägt,
voll und ganz zufrieden.
Darüber
hinaus werden wir durch Japans kontinuierliche Fortschritte bei der Verbesserung seiner Verteidigungsfähigkeit im Rahmen dieser Aufgaben und
Missionen ermutigt, erkennen aber,
daß noch Spielraum für weitere Verbesserungen, insbesondere im Bereich
der
Durchhaltefähigkeit,
vorhanden
ist. Weiterhin begrüßen wir Japans
wachsenden Beitrag zu den Kosten der
Stationierung von US-Streitkräften in
Japan.
Statt
einer
akademischen
Übung, in der Sicherheit nach doppeldeutigen Kriterien wie dem Prozentsatz des Bruttosozialprodukts bemessen wird, richten die Vereinigten

�Staaten und Japan ihre Bestrebungen
auf ein produktiveres und wichtigeres
Ziel - sie wollen zur Erhaltung der
Verteidigungsfähigkeit und damit Gewährleistung unserer gemeinsamen Sicherheit zusammenarbeiten.
Frage: Würden Sie ein Freihandelsabkommen zwischen den Vereinigten
Staaten und Japan nach dem Muster des
Abkommens zwischen Amerika und Kanada
unterstützen? Das amerikanische Handelsdefizit gegenüber Japan ist in
den letzten Monaten wieder gestiegen.
Befürworten Sie eine weitere Aufwertung des Yen gegenüber dem Dollar?
Antwort:
Die Regierungen der Vereinigten Staaten und Japans sind sich
über die Notwendigkeit weiterer multilateraler und bilateraler Bemühungen einig, mit denen ein offeneres
Welthandelssystem geschaffen werden
soll. Wir messen dem multilateralen
Ansatz besondere Bedeutung bei.
Wir stehen neuen Ideen immer aufgeschlossen gegenüber. Aber unserer
Ansicht nach liegt der Schlüssel
jetzt in harter Arbeit am Erfolg der
Uruguay-Runde.
Beim jüngsten Treffen der G-7 haben die Finanzbehörden der wichtigsten Länder übereinstimmend erklärt,
daß die Situation und Perspektiven
der Weltwirtschaft positiv sind und
keine Veränderungen in ihrem Engagement zur Zusammenarbeit bei der Wechselkurspolitik erforderlich seien.
Bei unserer jüngsten Zusammenkunft haben Ministerpräsident Takeshita und ich auf Fortschritte verwiesen, die sowohl die Vereinigten
Staaten als auch Japan beim Abbau ihres Ungleichgewichts im Außenhandel
vollbracht haben; wir kamen aber auch
Uberein, daß weitere Fortschritte
notwendig seien.
Der Ministerpräsident hat mir gegenüber Japans Entschluß bekräftigt,
das Wirtschaftswachstum im Land und
strukturelle Reformen
zu fördern.
Und ich habe unseren Entschlossenheit

zum Abbau des Haushaltsdefizits betont.
Frage:
Die höchste Priorität der
Bush-Administration bei den amerikanisch-sowjetischen Abrüstungsverhandlungen nimmt die Reduzierung der konventionellen Streitkräfte ein. Wie
ist Ihre Reaktion auf Präsident Gorbatschows Ankündigung eines Abzugs
von 500 000 Soldaten? Prognostizieren Sie einen amerikanisch-sowjetischen Gipfel im nächsten Sommer?
Antwort: Es trifft zu, daß dem Bereich der konventionellen Rüstungskontrolle in meiner Administration
eine hohe Priorität zukommt. Wir begrüßen die Verhandlungen über Konventionelle Streitkräfte in Europa. Gemeinsam mit unseren Bündnispartnern
werden wir uns bei den VKSE darum bemühen, Stabilität und Sicherheit auf
einem niedrigeren Streitkräfteniveau
zu erhöhen. Aus diesem Grund wird
sich die NATO sich auch um eine Beseitigung der erheblichen Überlegenheit des Warschaur Pakts in Europa
bemühen. Im Rahmen dessen begrüßen
wir die Ankündigung von Reduzierungen
der sowjetischen Streitkräfte als positiven Schritt in die richtige Richtung und sehen der vollständigen
Durchführung der von Parteichef Gorbatschow beschriebenen Streitkräftereduzierungen entgegen. Trotz dieser
Reduzierungen liegt die Behebung des
konventionellen Ungleichgewichts in
Europa durch den Warschauer Pakt noch
in weiter Ferne.
Bevor ein Gipfeltreffen stattfindet, müssen sich beide Seiten gründlich darauf vorbereiten. Wir prüfen
im Augenblick Bestandteile unserer
Politik gegenüber der Sowjetunion und
stehen in engen Konsultation mit unseren Freunden und Verbündeten, um
sicherzustellen, daß wir eine solide
Grundlage
für
langfristige
Fortschritte in den Ost-West-Beziehungen
haben. Die Außenminister Baker und
Schewardnadze werden in den kommenden
Monaten mehrmals Gelegenheit haben,
die zahlreichen zwischen unseren Ländern anstehenden Themenkreise anzu-

- 3 -

�sprechen. Obwohl ich zuversichtlich
bin, daß in nicht allzu ferner Zukunft ein Gipfeltreffen stattfinden
wird, ist es zu früh, um über einen
genauen Termin zu sprechen.

* * * * *

- 4-

�AMERIKA DIENST
'^7

^

Dokumentation

Ä&lt;

1. März 1989

MOSBACHER:

VEREINIGTE STAATEN FÜR OFFENEREN EUROPÄISCHEN MARKT

- Rede des US-Handelsministers bei der Columbia Institute Conference -

WASHINGTON - (AD) - Handelsminister Mosbacher zufolge möchten die Vereinigten Staaten Europa dabei unterstützen, seine Wettbewerbsfähigkeit zu stärken und dem Welthandel gegenüber offener zu werden. Anläßlich der von einer
überparteilichen Gruppe von Kongreßabgeordneten zum Thema Europa 1992 veranstalteten Columbia Institute Conference erklärte der Minister am 24. Februar
1989, daß die Vereinigten Staaten im Zuge der Verwirklichung des europäischen
Binnenmarktes durch die EG bis 1992 "einen Sitz am Tisch, zumindest als Beobachter" haben sollten.
Nachstehend veröffentlichen wir die Rede des Handelsministers im Wortlaut:
Ich freue mich, heute vor Ihnen
sprechen zu dürfen. Wenige Aspekte
unserer Handelsbeziehungen sind so
bedeutend wie das Europa des Jahres
1992, und ich möchte das Columbia' Institute für die Organisation einer
solch hochkarätigen Konferenz beglückwünschen .
Zunächst möchte ich jedoch kurz
auf die Handelssituation im allgemeinen eingehen und unsere Prioritäten
im Welthandel diskutieren.
Der Präsident hat davon gesprochen, daß ein neuer Wind weht und für
die Vereinigten Staaten ein neues Kapitel aufgeschlagen wird. Dazu gehört unsere Haltung zum Handel. Wir
müssen einen neuen Kurs bestimmen,
einen Kurs, der darauf abzielt, uns

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von unserem Handelsdefizit zu befreien und eine solide Grundlage der
Wettbewerbsfähigkeit für die Vereinigten Staaten zu erhalten.
Die vom Handelsministerium vor
einer Woche veröffentlichten Handelszahlen belegen, daß das amerikanische
Handelsdefizit im vergangenen Jahr um
33 Milliarden Dollar zurückgegangen
ist. Somit ergab sich ein Abbau der
Rekordsumme von 170 Milliarden Dollar
im Jahr 1987 - das ist die gute Nachricht. Die schlechte Nachricht ist,
daß sich unser Handelsdefizit immer
noch auf 137 Milliarden Dollar beläuft - ein unannehmbares Niveau.
Unser Handelsdefizit ist im vorigen Jahr gesunken, weil unsere Ausfuhren um 27 Prozent zugenommen ha-

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�ben, während die Einfuhren nur um 8,3
Prozent gestiegen sind.
Wenn wir
diesen Trend in diesem Jahr aufrechterhalten können, könnte unsere Handelsdefizit im Jahr 1989 unter 100
Milliarden Dollar liegen.

Die Tage sind vorbei, in denen
wir bereit waren, jahrelang darüber
zu verhandeln, ob wir ein paar Kisten
Orangen, Zitronen, Zigaretten oder
sonstiger Waren mehr an sie verkaufen
dürfen.

Wir können jedoch nicht davon
ausgehen, daß sich diese Tendenzen
von selbst fortsetzen werden. Was
wir brauchen, sind intensive Anstrengungen der amerikanischen Exportwirtschaft und flankierende staatliche
Maßnahmen zur Unterstützung dieser
Bemühungen.

Die Tage sind vorbei, in denen
wir einigen wenigen Ländern, deren
Anteil am Welthandel verschwindend
gering ist, gestatten konnten, weltweiten Fortschritt bei der Verbesserung der internationalen Handelsregeln zu blockieren.

Meines Erachtens gibt es zwei Bereiche für eine intensivere staatliche Rolle, eine Rolle, die enge und
konstruktive Zusammenarbeit zwischen
Administration und Kongreß erfordert.

Handelspolitik
Der erste Bereich betrifft die
Handelspolitik.
Der
amerikanische
Markt ist einer der offensten der
Welt, und wir sind einer der größten
Importeure der Welt. Jede Runde von
Handelsgesprächen im Rahmen des GATT,
von der Genfer Runde des Jahres 1947
bis zur heutigen Uruguay Runde wurde
von uns initiiert. Was Marktoffenheit und Opfer für das Welthandelssystem betrifft, sind die Leistungen
der Vereinigten Staaten unerreicht.
Der Handel muß jedoch eine Zweibahnstraße sein. Für diejenigen, die
da glauben, sie könnten weiterhin auf
unseren Märkten verkaufen und ihre
Märkte gegen unsere Produkte abschotten, habe ich eine Botschaft: Diese
Tage sind vorbei.
Die Tage sind vorbei, in denen
manche Länder auf unseren Märkten
Produkte für Milliarden Dollar verkaufen
konnten, während
sie uns
gleichzeitig erklärten, sie seien zu
schwach, um den Verkauf amerikanischer Computer oder Versicherungen
oder anderer wettbewerbsfähiger Produkte und Dienstleistungen auf ihren
Märkten zu gestatten.

Die Tage sind vorbei, in denen
weniger entwickelte Länder die Vorteile der Handelsliberalisierung genießen konnten ohne die Verpflichtung
zu akzeptieren, gleichzeitig ihre eigenen Märkte zu öffnen.
Ein offenes Amerika ist das Beste
für uns und die ganze Welt. Aber die
Welt muß auch für Amerika offen sein.
Um Präsident Bush zu zitieren: "Amerika ist der Markt der Welt gewesen.
Jetzt ist es an der Zeit für die
Welt, unser Markt zu werden."

Die Wettbewerbsfähigkeit
nigten Staaten

der Verei-

Der zweite Bereich betrifft die
Wettbewerbsfähigkeit der Vereinigten
Staaten. Wir können uns nicht selbst
in die Tasche lügen und behaupten, an
unserem Handelsdefizit seien die anderen schuld. Tatsache ist, daß wir
selbst ein gerüttelt Maß dazu beigetragen haben.
Wir haben zugelassen, daß wir auf
den Weltmärkten und in vielen Fällen
sogar auf unserem eigenen Markt von
anderen im Handel übertrumpft wurden.
Bei Innovationen, Investitionen,
Marketing und Preisgestaltung muß die
amerikanische
Industrie mehr tun.
Hervorragende Leistungen und Qualität
müssen die Norm werden - nicht Mittelmaß.

- 2 -

�Wir können es uns nicht leisten,
auf den Weltmärkten preislich unterboten zu werden - das muß aufhören.
Wir können uns keine Position leisten, in der die amerikanische Industrie es versäumt, zusätzliche Kapazitäten für eine Ausweitung der Exportmärkte aufzubauen. Wir können es
uns nicht leisten, kurzfristig Profite zu erzielen und langfristig Märkte
zu verlieren. Die amerikanische Industrie muß lernen, zu tun, was die
anderen tun und alle Hemmnisse beseitigen, um ausländische Kunden zu gewinnen und zu behalten.
Als Handelsminister beabsichtige
ich der Industrie zu helfen und sie
zu drängen, weltweit als ernsthafter
Konkurrent aufzutreten.
In einigen
Bereichen haben wir dabei bedeutende
Fortschritte erzielt. Ich habe vergangene Woche die Automobilausstellung In Chicago besucht und kann Ihnen versichern, daß Qualität ein
Hauptmerkmal unserer Automobilindustrie ist. Der ausländische Konkurrenzdruck hat unser Qualitätsbewußtsein und unsere Effektivität verglichen mit den letzten Jahren erheblich
verbessert.
Aber wir haben gerade erst begonnen. Die amerikanische Industrie muß
doppelt und dreifach an Investitionen, Forschungstätigkeit und ihrem
Bestreben nach hervorragenden Leistungen arbeiten. Aber die Industrie
muß auch die erforderlichen Instrumente erhalten, darunter vielleicht
eine Kartellgesetzgebung, die dem
heutigen Wettbewerbsklima in der Welt
angemessen ist - statt einer Gesetzgebung
die für das erste Viertel
dieses Jahrhunderts gedacht war.
Wenn wir mehr investieren wollen,
müssen wir auch mehr sparen. Die
amerikanische Wirtschaft war bisher
zu sehr von Konsum geprägt, während
die Sparrate unzureichend war. Voriges Jahr betrug die private Spartätigkeit nur 3 Prozent unseres Bruttosozialprodukts - eine Summe, die
schon durch ein fast ebenso hohes
Haushaltsdefizit aufgezehrt wurde.

Wir müssen unser doppeltes Defizit reduzieren, so schmerzhaft das
auch sein mag. Der Schlüssel dazu
ist der von Präsident Bush dem Kongreß zugeleitete Haushalt.
Dialog
und Debatte darüber müssen so bald
wie möglich beginnen.
Die Spartätigkeit in den Vereinigten Staaten muß zunehmen.
Die
Vorschläge des Präsidenten zur Senkung der Kapitalertragssteuer werden
dazu beitragen. Mit einem Zeitrahmen
von drei Jahren wird dies Investoren
zu einer längerfristigen Perspektive
verhelfen und die Zahl der Arbeitsplätze erhöhen sowie Investitionen
und verstärkte Forschungs- und Entwicklungstätigkeit ermutigen.
Präsident Bush hat die Wettbewerbsfähigkeit zu einer seiner vordringlichsten Aufgaben bestimmt. Er
hat Vizepräsident Quayle beauftragt,
einen nationalen Ausschuß für Wettbewerbsfähigkeit zu leiten, und ich
werde eng mit ihm zusammenarbeiten,
um sicherzustellen, daß die amerikanische Wirtschaft das bestmögliche
Umfeld zur Förderung ihrer Wettbewerbsfähigkeit erhält.

Europa 1992
Welchen Stellenwert nimmt Europa
1992 in meinen bisherigen Ausführungen ein? Einen sehr hohen. Die Europäische Gemeinschaft und die Vereinigten Staaten produzieren gemeinsam
zwei Drittel des Bruttosozialprodukts
der westlichen Welt. Europa ist unser größter Kunde und gleichzeitig
unserer größter Konkurrent.
Europa 1992 ist der Versuch der
Europäischen Gemeinschaft, das im
Jahr 1958 definierte Ziel zu verwirklichen - einen Binnenmarkt ohne interne Grenzen zu schaffen. Die EGMitgliedstaaten können große Fortschritte bei dem Versuch verzeichnen,
ihre 12 einzelnen Märkte in einem
Binnenmarkt mit 320 Millionen Einwohnern zu vereinigen.

- 3 -

�Ein
wirtschaftlich
stärkeres,
konkurrenzfähigeres und technologisch
innovatives Europa liegt in unserem
strategischen
und
wirtschaftlichen
Interesse. Ein europäischer Binnenmarkt, zu dem die Welt Zugang hat,
bildet die beste Grundlage für das
Wachstum der weltweiten Wirtschaftstätigkeit und multilateraler Handelskooperation.
Die Position der Bush-Administration ist klar und deutlich. Wir wollen, daß 1992 Erfolg bei der Schaffung eines offeneren, konkurrenzfähigeren Europas hat - ein Europa, das
sowohl der Welt als auch seinen eigenen Ländern geöffnet ist. Und wir
wollen unseren europäischen Partnern
bei der Vollendung dieses Ideals behilflich sein.
In den vergangenen Monaten haben
Experten des Handelsministeriums mit
über hundert Handelsverbänden und
Tausenden einzelner Unternehmen an
einer Analyse der für 1992 vorgeschlagenen Richtlinien gearbeitet.
Die
vorläufige
Schlußfolgerung
lautet, daß die Mehrzahl dieser
Richtlinien die Geschäftsmöglichkeiten in Europa verbesseren werden.
Man ist jedoch auch der Überzeugung,
daß die Vorschläge der EG in einigen
Bereichen den Marktzugang für amerikanische Unternehmen einengen könnten, die damit im Vergleich zu europäischen Firmen im Nachteil wären.
Dies sind die Bereiche, an denen wir
mit unseren europäischen Partnern arbeiten müssen.
Die Führungskräfte aus Industrie
und Wirtschaft, mit denen ich gesprochen habe, teilen die Ansicht, daß
zwar gewisse Probleme bestehen, die
Vorschläge der EG wahrscheinlich jedoch die Marktchancen für amerikanische Untenehmen erweitern werden und zwar für Exporteure wie Investoren.
Regierungsexperten und Unternehmer teilen jedoch auch Bedenken, daß
- 4

kleinkarierte Nationalinteressen die
Liberalisierung
der
europäischen
Märkte verzögern können und besondere
Interessengruppen versuchen werden,
nicht der EG angehörigen Ländern die
Errungenschaften von 1992 zu verweigern.
Warum haben wir diese Bedenken?
Weil die Auswirkungen von 1992 nicht
nur in der Erarbeitung von Richtlinien,
sondern
deren
Durchführung
liegt. Aus diesem Grund wird es noch
Jahre dauern, bis wir wissen, wie das
Europa von 1992 gestaltet sein wird.
In Wirklichkeit befürworten viele
Europäer offenere Märkte nicht uneingeschränkt.
Einige europäische Unternehmen waren daran gewöhnt, daß
ihre mangelnde Effizienz von ihren
Regierungen gedeckt wurde. Das ist
in der Tat der Hauptgrund, warum es
der Europäischen Gemeinschaft in den
ersten 30 Jahren ihres Bestehens
nicht gelungen ist, einen Binnenmarkt
zu schaffen.
In gewisser Weise steht 1992 für
eine Verlagerung der Einstellung der
Mehrheit - weg vom Protektionismus,
hin zur Offenheit - zu einer Risikobereitschaft, daß diese Offenheit
funktionieren wird.
Aber es gibt
noch immer eine nicht unerhebliche
Minderheit, die versuchen wird, ihre

protektionistischen
Maßnahmen
aufrechtzuerhalten oder zu verstärken.
Die Verwirklichung
von Europa
1992 wird das alltägliche Gleichgewicht dieser Kräfte widerspiegeln.
Wir können nicht davon ausgehen, daß
die Kräfte des freien Handels bei jedem dieser Geplänkel den Sieg davontragen werden. Obwohl ich keine "Festung Europa" vorhersehe, wäre es
dennoch naiv zu glauben, daß es nicht
hier und da einige "Bollwerke" geben
wird. Wo immer wir diesen begegnen,
müssen wir an deren Abbau arbeiten.
Wir haben die Absicht, einen zusätzlichen Dialog zwischen der EG und
amerikanischen
Geschäftsinteressen
herbeizuführen. Unser Ziel ist, ei-

�nen substantiellen Informationsaustausch zur Verfügung zu stellen.
Was innerhalb der EG geschieht,
kann tiefgreifende Auswirkungen auf
uns sowie unsere Handels- und Investitionsinteressen haben. Teile des
Progamms für 1992 sind im übrigen bereits verwirklicht. Wir können nicht
darauf warten, daß Bestimmungen schon
hieb-und stichfest formuliert sind,
bevor wir unsere Bedenken zur Sprache
gebracht haben. Meiner Ansicht nach
gibt es drei wichtige Komponenten,
die wir ansprechen müssen:
Erstens müssen wir Europa versichern, daß wir unser Engagement für
offene Märkte aufrechterhalten und
intensivieren werden. Wir werden die
im Handelsgesetz verankerte Befugnis
nicht zur Abschottung unserer Märkte
verwenden, sondern vielmehr dazu beitragen, die Märkte weltweit zu öffnen. Darüber hinaus müssen wir mit
Europa zusammenarbeiten, um einen
scheueren und weniger kontroversen
Weg zur Lösung unserer Handelskonflikte zu finden.
Zweitens müssen wir unsere Verpflichtung zur Uruguay-Runde erneuern
und entsprechendes Engagement von der
Europäischen
Gemeinschaft
fordern.
Auch wenn die EG von ihren Bemühungen
zur Schaffung
eines Binnenmarktes
noch so sehr in Anspruch genommen
sein mag, darf sie sich nicht aus der
Uruguay-Runde zurückziehen.
Und drittens müssen wir die EG in
einen erweitertet! konstruktiven Dialog auf allen Ebenen einbinden. Wenn
wir Probleme haben, müssen wir diese
zur Sprache bringen und Lösungen anstreben.
Wir haben beispielsweise
eindeutig klargestellt, daß wir nicht
bereit sind, ein EG-Konzept der "Gegenseitigkeit" zu akzeptieren, das
die Prinzipien der nationalen Eigenständigkeit und Nichtdiskriminierung
verletzt, die die Grundfesten von internationalem Handel und Investitionen sind.
Als

Fürsprecher

amerikanischer

Unternehmen
in der Administration
werde ich mich in diesem erweiterten
Dialog für industriebezogene und andere Themen wie die Normentwicklung,
-erprobung
und -genehmigung sowie
Einzelprobleme von Industrieunternehmen engagieren.
Ich habe einen Sitz am Tisch zumindest als Beobachter - befürwortet. Darunter verstehe ich, daß amerikanische Unternehmen über Fortschritte - insbsondere im Hinblick
auf Normenentwicklung - auf dem laufenden gehalten werden.
Als Mitglieder der Administration
werden wir alle die lebenswichtigen
amerikanischen
Geschäftsinteressen
durch regelmäßige Treffen mit unseren
Amtskollegen in der EG zur Sprache
bringen.
Der erste Bereich, in dem dies
vonnöten ist, betrifft die Normenentwicklung
Die europäischen Regionalbehörden wie der Europäische Normenausschuß (CEN) und der europäische
Koordinierungsausschuß für elektrotechnische Normen (CENELEC) setzen
EG-Richtlinien in Hunderte von technischen Normen um.
Dieses Verfahren verschafft jedoch nicht die angemessene Transparenz oder Möglichkeiten für amerikanische Firmen, konstruktive Kommentare abzugeben.
Amerikanische Unternehmen sind besorgt, das Verfahren
könne von einzelnen europäischen Produzenten zur Entwicklung außergewöhnlicher Normen verwendet werden, die
ihre eigenen Produzenten bevorzugen.
Die Vereinigten Staaten verfechten sehr offene Normenverfahren und
meiner Ansicht nach sollten die europäischen Normenausschüsse amerikanischen Unternehmen entsprechenden Zugang zu ihren Verfahren gewähren.
Verbesserung der Offenheit bei
den europäischen Normen sowie deren
Erprobung und Genehmigung liegt im
Interesse von europäischen wie außereuropäischen Unternehmen.
Ich bin

- 5 -

�ferner der Auffassung, daß noch ein
langer Weg zurückzulegen sein wird,
um amerikanische Firmen davon zu
überzeugen, daß Europa nicht zur "Festung" wird.
Ich werde sowohl mit dem Normenausschuß für den Privatsektor als
auch mit der amerikanischen Geschäftswelt eng zusammenarbeiten, um
die besten Mittel und Wege für ein
gesteigertes
Engagement
amerikanischer Interessen zu erarbeiten. Und
ich beabsichtige, die EG-Kommission
und die europäischen Regierungen und
Normengruppen zu konsultieren, um die
Transparenz dieses Verfahrens zu verbessern.
Schlußfolgerung
Zusammenfassend möchte ich Ihnen
versichern, daß das Handelsministerium zur Unterstützung bereit ist. Ich
habe Europa 1992 mit die höchste Prioritäten eingeräumt, über 6 000 amerikanische Unternehmen haben sich bereits mit dem Handelsministerium in
Verbindung gesetzt und um Informationen und Unterstützung nachgesucht.
Angehörige des Ministeriums haben
über 50 000 Kopien einzelner EGRichtlinien an amerikanische Unternehmen verschickt.
Wir entwerfen ein erweitertes
Programm zur Förderung des Handels
und Unterstützung von Unternehmen,
und zwar über das Handelsministerium
in Washington und über die regionalen
Niederlassungen im ganzen Land. Die
bei dieser Konferenz zur Verfügung
gestellten Broschüren informieren Sie
darüber, wie Sie diese Dienste in Anspruch nehmen können.
Ich ermutige Sie dazu - denn 1992
steht vor der Tür. Und zwar für die
Unternehmen, die vorbereitet sind wie
für diejenigen, die es nicht sind.
Ich fordere Sie auf, zur der ersten
Gruppe zu gehören.
Abschließend möchte ich den amerikanischen
Unternehmen
empfehlen,
bereits heute für Europa 1992 zu pla-

nen, denn es ist genau das, was Ihre
Konkurrenz macht.
Es ist ein Fehler, sich aus
Furcht vor einer "Festung Europa" zurückzuziehen. Die meisten der durch
Europa 1992 geschaffenen Möglichkeiten stehen amerikanischen Unternehmen
zur Verfügung - den kleinen wie den
großen. Ich bin zuversichtlich, daß
- wo immer es Probleme geben mag sie bewältigt werden können.

* * * * *

�AMERIKA DIENST
Dokumentation
1. März 1989

HILLS ZUR US-HANDELSPOLITIK 1989
- Erklärung der amerikanischen Handelsbauftragten vor dem Senat WASHINGTON - (AD) - Der amerikanischen Handelsbeauftragten Carla Hills zufolge mißt die Bush-Administration im Bereich des Handels der Uruguay-Runde
multilateraler Verhandlungen im Jahr 1989 höchste Priorität bei, betont jedoch
gleichzeitig auf den Abbau unfairer Handelshemmnisse in den vom Handelsgesetz
des Jahres 1988 umrissenen Bereichen.
In ihrer Ansprache vor dem Haushaltsuntersausschuß des Senats für Handelsfragen am 28. Februar 1989 erklärte Hills, die Vereinigten Staaten würden auch wenn sie einen multilateralen Ansatz beim Handel verfolgen - nicht dehalb
ihre bilateralen Aktionen gegen unfaire Handelspraktiken einstellen, weil solche Praktiken die Atmosphäre der Uruguay-Runde "vergiften" würden.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Erklärung der Handelsbeauftragten im
Wortlaut.
Herr Vorsitzender,
verehrte Ausschußmitglieder,
es ist mir eine große Ehre und
ein Vergnügen, heute in dieser Runde
die Tagesordnung unserer nationalen
Handelspolitik für das kommende Jahr
erörtern zu können. Wie im Handelsgesetz des Jahres 1988 festgelegt,
muß unsere handelspolitische Tagesordnung dem Kongreß jeweils bis zum
1. März vorgelegt werden. Bei der
Vorbereitung dieser Tagesordnung haben wir den Rat des Kongresses, anderer Exekutivorgane sowie unserer Beratungsausschüsse für den Privatsektor eingeholt. Es wird eine Gemeinschaftsaktion von Kongreß, Administration und Privatsektor erforderlich sein, um eine nationale Tagesordnung erstellen und durchführen zu
können, die gleichzeitig den Wohl-

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stand des amerikanischen Volkes und
unsere Wettbewerbsfähigkeit fördert.
Es steht außer Frage, daß wir uns
in der Handelspolitik mit großen Herausforderungen
konfrontiert
sehen.
Unser Außenhandelsdefizit ist - obwohl es nicht mehr Rekordhöhen erreicht - immer noch zu hoch. Das
multilaterale
Handelssystem
bedarf
unbedingt
der
Modernisierung:
Schlüsselbereichen der Wirtschaftstätigkeit wird unsachgemäß oder überhaupt nicht Rechnung getragen. Zu
viele Länder haben ihre Märkte abgeschottet.
Unsere Handelspolitik allein kann
all diese Probleme nicht lösen. Ein
Großteil des Defizits ergibt sich aus
makroökonomischen Faktoren. Der Ab-

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�bau
ausländischer
Handelshemmnisse
wird uns Exportchancen eröffnen, aber
wir müssen sicherstellen, daß unsere
Produkte und Dienstleistungen wettbewerbsfähig sind, damit wir diese
Chance gewinnbringend nutzen können.
Dies bedingt, daß wir unsere Bildungs-, Technologie-, Verteidigungs-,
Steuer- und Geldpolitik so in den
Griff bekommen, daß sie unsere Handelspolitik positiv beeinflussen.
Unsere handelspolitische Tagesordnung für dieses Jahr ist ehrgeizig. Ich werde in meinen Ausführungen nicht versuchen, alle in unserem
schriftlichen
Bericht
aufgezählten
Punkte
anzusprechen.
Ich
möchte
vielmehr einige wenige wichtige Themen hervorheben, obwohl ich gerne bereit bin, Fragen zu allen Bereichen
der Tagesordnung zu beantworten.
Ich werde meine heutigen Ausführungen auf drei Bereiche konzentrieren:
die
Runde

Verhandlungen

der

Uruguay-

unseren Ansatz bei der Verabschiedung und Durchführung von Richtlinien und Vollmachten des Handelsgesetzes aus dem Jahr 1988, und
Probleme bei der Erarbeitung eines koordinierten Ansatzes zur Durchführung unserer Tagesordnung.

Die Uruguay-Runde
Die Uruguay-Runde nimmt eindeutig
höchste Priorität auf unserer handelspolitischen Tagesordnung für dieses Jahr ein. Unsere generellen Ziele bei diesen Verhandlungen lauten
folgendermaßen:
Erarbeitung einer multilateralen
Reform der Agrarpolitik,
Erweiterung und Verbesserung des
GATT durch zusätzliche Regelungen bei
neuen Problembereichen wie geistigem
Eigentum, handelsbezogenen Investiti-

onen und Dienstleistungen, die für
unsere Wirtschaft unabdingbar sind,
Abbau ausländischer Handelshemmnisse für amerikanische Exporte von
Gütern und Dienstleistungen, und
Verbesserung
und
Stärkung der
Glaubwürdigkeit
unseres
Handelssystems durch Erörterung der wachsenden
Probleme der Integration von Entwicklungsländern in die Handelssysteme,
der Subventionen sowie Verbesserung
der Vorschriften für Sicherungsklauseln oder Importerleichterungen für
fairen Warenhandel.
Ich habe die Absicht, unsere Ziele angesichts der erwartungsgemäß
harten Verhandlungen mit den anderen
Ländern vehement zu verfolgen.
Das Fundament für durchgreifende
Verhandlungen ist gelegt. Das Ministertreffen in Montreal vom vergangenen Dezember hat zu Absprachen bezüglich des Verfahrens in den 11 der 15
Verhandlungsgruppen der Uruguay-Runde
geführt. Für die angesprochenen Bereiche haben diese Absprachen den
meisten unserer Ziele entsprochen.
Insbesondere haben wir beachtliche
Fortschritte in folgenden Bereichen
erzielt:
Dienstleistungen: Die Ergebnisse
der mittelfristigen Bilanz werden die
Verhandlungen
eines
multilateralen
Abkommens über den Handel mit Dienstleistungen beschleunigen. Damit wird
ein toter Punkt in den Verhandlungen
bezüglich der Frage überwunden, wie
mit den Verhandlungen über ein Rahmenabkommen zur Abdeckung einzelner
Sektoren begonnen werden kann. Die
Schlüsselthemen
der
Verhandlungen
sind ausgemacht, einschließlich nationaler
Behandlung,
Transparenz,
Nicht-Diskriminierung, Meistbegünstigungsklauseln und Marktzugang bis hin
zur Schaffung neuer Märkte.
1989
wird zum entscheidenden Jahr für die
Verhandlungen über Dienstleistungen die Arbeit wird intensiviert, damit
bis Ende des Jahres Einigung über einen ersten Entwurf eines Abkommens

�erzielt werden kann.

Abkommen zu erzielen.

Institutionelle
Rahmenbedingungen:
Die Funktionsweise des GATT
wurde durch einige Verfahrensverbesserungen bei der Beilegung von Konflikten wirksamer gemacht sowie durch
Einigung auf erweiterte Überwachung
der Handelspolitik aller Vertragspartner. Ein erster Schritt wurde in
Richtung auf verbesserte Zusammenarbeit zwischen dem GATT und internationalen Finanzbehörden gemacht, indem ein Bericht zum jeweiligen Thema
vor Beendigung der Verhandlungen zur
Bedingung gemacht wurde.

Die Vereinigten Staaten haben gemeinsam mit einer Reihe von Befürwortern um einen Verhandlungsrahmen für
ein umfassendes GATT-Abkommen über
handelsbezogenes geistiges Eigentum
gekämpft. Wir haben Vorschläge zurückgewiesen, die sich mit vagen,
doppeldeutigen Lösungen zufriedengeben, mit denen die ohnehin schon komplizierten Verhandlungen nur noch
verfahrener geworden wären.

Marktzugang: Wir haben uns auf
die Aushandlung von Rahmenbedingungen
geeinigt, anhand derer wir über den
Marktzugang auf der Grundlage von Angebot und Nachfrage verhandeln können. Damit können wir einen integrierteren Ansatz anwenden, um sicherzustellen,
daß
nichttarifäre
Hemmnisse unseren Exporten nicht im
Wege stehen, wenn bestimmte Zölle
einmal abgebaut worden sind.
Unsere unmittelbare Aufgabe besteht jedoch darin, die in Montreal
offen gelassenen Probleme zu lösen:
Landwirtschaft, geistiges Eigentum,
Sicherungsklauseln und Textilien. In
Montreal war man sich einig, daß diese Probleme bis 5. April gelöst sein
sollten, wenn der die Verhandlungen
überwachende Handelsausschuß erneut
in Genf zusammenkommt.
Ich möchte
kurz auf die Hauptprobleme eingehen.
Die Vereinigten Staaten streben
nach wie vor einen Verbandlungsrahemn
für ein Agrarabkommen an, der zu einer
tiefgreifenden
Reform
führen
wird, indem handelsverzerrende Subventionen und protektionistische Maßnahmen abgebaut werden.
Da andere Länder in Montreal allen voran die EG - noch nicht bereit waren, einen Rahmen zu akzeptieren, der uns in diese Richtung führen
würde und da wir wiederum nicht zu
Abstrichen bereit waren, einigten wir
uns auf einige weitere Monate, um ein

Eine stetig wachsende Zahl anderer Länder teilt unser Ziel eines Abkommens über geistiges Eigentum, das
die Verpflichtung
zu maßgeblichen
Normen sowie deren Durchsetzung - sowohl im Inland als auch an der Grenze
-, einschließlich geistiges Eigentum
betreffender überarbeiteter Verfügungen über nationale Behandlung und
Transparenz sowie Bestimmungen über
Schlichtungsverfahren.
Die anderen beiden, seit Montreal
noch offenen Probleme betreffen einigermaßen
komplexe
Themenbereiche:
Textilien
und
Sicherungsklauseln.
Unser für April gesetztes Ziel besteht darin, in Anlehnung an die Uruguay-Runde Einigung über einen Verhandlungsrahmen zu erzielen. Während
wir davon ausgehen, daß die Verhandlungen nach April langwierig und äusserst schwierig sein werden, wird es
uns meiner Ansicht nach gelingen, uns
in diesen beiden Bereichen auf einen
Verhandlungsrahmen zu einigen, der
die Probleme und Verhandlungen der
kommenden 18 Monate nicht nachteilig
beeinflußt.
Die in Montreal vereinbarten Rahmenbedingungen sind vorbehaltlich einer Einigung über die vier verbleibenden Bereiche "auf Eis gelegt".
Obwohl in Genf keine "formellen"
Treffen
der
Verhandlungsgruppen
stattgefunden haben, einigten sich
alle Delegationen darauf, die Fristen
der
Montrealer
Verhandlungsrahmen
einzuhalten. Anlaß dazu ist die Annahme, daß wir unsere Differenzen bei
diesen vier noch ausstehenden Themen

- 3 -

�beilegen werden.
Ferner hat GATT-Generaldirektor
Dunkel in Genf mit den Delegationen
daran gearbeitet, diese vier verbleibenden Bereiche aus der Sackgasse
herauszuführen.
Seit Montreal ist
der Genfer Verhandlungsprozeß in einer konstruktiven Atmosphäre vorangekommen, für ein Fazit ist es jedoch
noch zu früh. Zweifelsohne besteht
eine Hauptschwierigkeit in den anhaltenden Differenzen zwischen den Vereinigten Staaten und der EG im Agrarbereich.
Als
Landwirtschaftsminister
Yeutter und ich vor zwei Wochen mit
unseren Amtskollegen in der EG zusammenkamen, sprachen wir über Landwirtschaft und die Uruguay-Runde.
Die
Gespräche waren nützlich - es ist uns
jedoch noch immer nicht gelungen, Einigung über die Richtung und Zielsetzung langfristiger multilateraler Reformen in der Landwirtschaft zu erzielen. Wir waren uns einig, daß das
Risiko zu groß und die Uruguay-Runde
zu wichtig ist, um sie schleifen zu
lassen.
Landwirtschaftsminister
Yeutter und ich werden nach Brüssel
reisen, um diese Gespräche mit unseren Amtskollegen in der EG am 10.
März wiederaufzunehmen.
In der Zwischenzeit werden weiterhin vorbereitende Treffen auf Arbeitsebene
stattfinden.
Bis Ende
März werde ich nahezu alle wichtigen
Teilnehmer der Landwirtschaftsgespräche getroffen oder zumindest mit ihnen gesprochen haben. Ich bin nicht
bereit, fundamentale Interessen der
Fortsetzung der Runde halber aufs
Spiel zu setzen. Meiner Ansicht nach
sind jedoch nahezu alle Länder zum
ErfoLg entschlossen, dank dem die
Runde Fortschritte machen kann ohne
wesentliche Ziel aufgeben zu müssen.
Im Inland treffen wir mit unseren
Beratern zusammen, um unsere Positionen zu entwickeln und zu verfeinern
sowie die Vorschläge anderer Länder
zu überarbeiten.
Auf allen Regierungsebenen finden Treffen statt.

Mein Stab steht in ständigen Konsultationen mit Mitarbeitern des Kongresses, so daß wir alle voll in die
Verhandlungen einsteigen können, sobald der 1. April verstrichen ist.

Bilaterale Initiativen
Diese Administration ist dem Abbau von Schranken gegen den Export
amerikanischer Güter und Dienstleistungen verpflichtet.
über unsere
multilateralen Bemühungen in der Uruguay-Runde hinaus werden wir in energischer
und
verantwortungsbewußter
Weise auf dem Wege bilateraler Konsultationen und Verhandlungen die Beseitigung von Hemmnissen durch unsere
Handelspartner anstreben. Zu diesen
Bemühungen werden Verhandlungen über
bilaterale Abkommen zum Abbau formaler und nichtformaler Schranken gegen
die Ausfuhr amerikanischer Güter und
Dienstleistungen auf die wichtigsten
Märkte in Übersee gehören. Ich möchte dem Ausschuß gegenüber drei unserer wichtigsten bilateralen Anliegen
für das kommende Jahr erläutern: Die
Verwirklichung unserer kürzlich vereinbarten
Freihandelsabkommen,
der
EG-Binnenmarkt des Jahres 1992 und
Japan.
Freihandelsabkommen:
Wir werden
weiterhin an der wirksamen Umsetzung
unserer Freihandelsabkommen mit Kanada und Israel arbeiten, in denen sich
die besonderen wirtschaftlichen, handelspolitischen und sonstigen Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und diesen beiden Ländern widerspiegeln.
Vorigen Monat begleitete ich Präsident Bush nach Ottawa, wo ich mit
Minister Crosbie nützliche Gespräche
über die wichtigsten Fragen unserer
bilateralen Tagesordnung mit Kanada
geführt habe.
Die Umsetzung des
Freihandelsabkommens mit Kanada steht
dabei eindeutig an erster Stelle.
Minister Crosbie und ich haben uns
darauf geeinigt, am 13. März das erste Treffen der von uns geleiteten
Handelskommission abzuhalten. Obwohl

- 4 -

�wir bei der Verwirklichung dieses
neuen Abkommens noch eine Reihe von
Anfangsproblemen zu bewältigen haben,
war der Beginn meines Erachtens vielversprechend.
Außer einer durchgreifenden Liberalisierung des Handels zwischen den
Vereinigten
Staaten
und
Kanada
schafft das Freihandelsabkommen einen
neuen wichtigen institutionellen Rahmen zur Lösung von Streitfällen und
für weitere Verhandlungen über die
noch verbleibenden bilateralen Handelsprobleme.
Wir
möchten
diese
durch das neue Abkommen eröffneten
Möglichkeiten in enger Konsultation
mit dem Kongreß und dem Privatsektor
nutzen.
In bezug auf das Abkommen zwischen Israel und den Vereinigten
Staaten ist festzustellen, daß wir
trotz einer Reihe von seit 1985 aufgetretenen Durchfuhrungsproblemen in
der Lage waren, diese überwiegend auf
dem Verhandlungsweg zu lösen. Wir
werden uns weiterhin dafür einsetzen,
die erfolgreiche Verwirklichung dieses Abkommens sicherzustellen.
Die Europäische Gemeinschaft und
1992: Eine weitere von uns vordringlich verfolgte Angelegenheit ist die
EG-Initiative für 1992. Das Drängen
der EG auf Schaffung eines gemeinsamen Binnenmarkts bis 1992 bietet amerikanischen
Unternehmen
Aussichten
auf bedeutende neue Chancen im Handel, falls dieses Vorhaben ohne Diskriminierung umgesetzt wird.
In einigen Bereichen könnten die
Vorschläge zur Förderung der europäischen Integration jedoch potentiell
legitimen amerikanischen Wirtschaftsinteressen in der EG zuwiderlaufen.
Um uns gegen diese möglicherweise negativen Folgen zu wappnen, werden wir
die Initiativen innerhalb der Gemeinschaft sorgfältig beobachten und eine
wirksame politische Antwort auf solche EG-Maßnahmen entwickeln, die eine
unfaire
Diskriminierung
amerikanischer Exporteure und Investoren darstellen. In dieser Frage wird der

Regierung der Vereinigten Staaten das
ganze Instrumentarium der amerikanischen Handelsgesetzgebung zur Verfügung stehen.
Japan: Das enorme bilaterale Defizit in unserem Handel mit Japan
bietet sicherlich Anlaß zur Besorgnis.
Die Reagan-Administration hat
beim Abschluß von Abkommen mit Japan
zur Reduzierung der formalen Handelsschranken Fortschritte erzielt, aber
es bleibt sicherlich noch viel zu
tun. Ich habe keine Patentrezepte,
aber ich bin doch der Ansicht, daß
die Zeit halbherziger Lösungen, die
nie zum Erfolg führen, vorüber ist.
Im vergangenen Monat erhielt ich einen wichtigen Bericht von der Arbeitsgruppe Japan unseres privatwirtschaftlichen Rats für Handelspolitik
und Verhandlungen. Der Bericht liefert eine wirtschaftliche Analyse unserer Handelsbeziehungen mit Japan
und spricht Empfehlungen für die Verbesserung dieser Beziehungen aus.
Dieser Bericht, der von uns gegenwärtig sorgfältig geprüft wird, kommt zu
einem wichtigen Zeitpunkt der Bewertung unserer Handelspolitik mit allen
unseren bedeutenden Handelspartnern
im Licht des Handelsgesetzes von
1988. Ich habe die Gruppe zur Überprüfung unserer Handelspolitik aufgefordert, unsere Handelspolitik in bezug auf Japan auf der Grundlage dieses Berichts und der Konsultationen
mit unseren Beratern im Hinblick auf
unsere anderen Handelspartner in der
Pazifikregion zu untersuchen.

Die Anwendung des Allgemeinen Handels- und Wettbewerbsfähigkeitsgesetzes
Um die Ziele unseres handelspolitischen Programms zu erreichen, müssen wir das gesamte, uns vom Allgemeinen Handels- und Wettbewerbsfähigkeitsgesetz des Jahres 1988 zur Verfügung
gestellte
Instrumentarium
kreativ nutzen und all die Rechte und
Möglichkeiten vollständig ausschöpfen, die uns gemäß den von den Vereinigten Staaten unterzeichneten inter-

- 5 -

�nationalen Abkommen eingeräumt werden.
Unser strategisches Ziel ist
die Öffnung von Märkten, nicht deren
Abschottung, die Schaffung eines stetig wachsenden internationalen Handelssystems auf der Grundlage gleicher und durchsetzbarer Regeln.
Die durch das Gesetz von 1988
verliehene Verhandlungsvollmacht wird
natürlich entscheidend für die Verhandlungen im Rahmen der Uruguay-Runde sein. Wir werden uns ferner um
Initiativen zur Öffnung der Telekommunikationsmärkte bemühen, ein Thema,
zu dem ich Ihnen unlängst einen Bericht zugeleitet habe. Mein Amt wird
ferner seine normalen Bemühungen zur
Lösung von Handelsproblemen in allen
Bereichen und mit allen unseren Handelspartnern fortsetzen.
Das
politische
Hauptaugenmerk
wird sich gegenwärtig jedoch auf den
im Gesetz von 1988 abgeänderten Abschnitt 301 richten. Ich werde mich
mit Ihnen bei der Festlegung unserer
Prioritäten für Verhandlungen in Verfahren gemäß "Super 301" und über die
besonderen unter 301 vorzunehmenden
Schritte zum Schutz der Rechte an
geistigem Eigentum beraten. Wir werden ferner energisch die Ermittlungen
im Rahmen unserer gegenwärtigen Tagesordnung nach 301 fortsetzen - sowohl die von uns eingeleiteten wie
auch die auf Petitionen privater Parteien beruhenden.
"Super 301": Ich betrachte das
Verfahren gemäß "Super 301" als hervorragende Gelegenheit für uns, um zu
bestimmen, wo wir unsere Bemühungen
in den kommenden zwei Jahren konzentrieren sollten und wo wir Abschnitt
301 am wirksamsten einsetzen können.
Wir nehmen zur Zeit eine quantitative
Einschätzung der Vorteile beim Abbau
verschiedener ausländischer Handelsschranken vor, um die Prioritäten
festzulegen. Wir werden uns vornehmlich Bereichen widmen, in denen wir
das größte Ausfuhrpotential haben.
Der
Quantifizierungsprozeß
ist
nicht leicht, aber wir haben uns das

Fachwissen anderer Behörden und unserer Berater aus der Privatwirtschaft
zunutze gemacht, um diese Aufgabe zu
erfüllen.
Der behördenübergreifende
301-Ausschuß hat begonnen, die erforderliche
Analyse
dieser
Handelsschranken vorzunehmen, und wir werden
uns eingehend mit Ihnen beraten, wenn
wir im Mai an die Erstellung der endgültigen Prioritätenliste gehen.
"Special 301": Ich unterstütze
energisch die hohe Dringlichkeitsstufe, die dem Schutz geistigen Eigentums vom Kongreß, von der Regan-Administration und von der Privatwirtschaft eingeräumt wurde.
Von Amts
wegen eingeleitete Verfahren gemäß
Abschnitt 301 können ein wirksames
Mittel sein, um verbesserten Schutz
und eine bessere Durchsetzung der
Rechte an geistigem Eigentum zu erlangen.
Abschnitt 301 kann jedoch
nicht unser einziges Instrument sein,
und wir werden weiterhin parallel zueinander unsere bilateralen Bemühungen und die multilateralen Verhandlungen innerhalb der Uruguay-Runde
fortsetzen.
Das reguläre Programm unter 301:
Gegenwärtig beschäftigen wir uns aktiv mit einem Dutzend Fällen unter
301. In einigen dieser Fälle streben
wir immer noch die Schlichtung durch
das GATT an, in anderen stehen wir in

bilateralen Verhandlungen, und in einigen beobachten wir weiterhin die
Ergebnisse von Schlichtungsabkommen
oder von Maßnahmen, die nach Abschnitt 301 getroffen wurden. In all
diesen Fällen beabsichtige ich, die
uns von Abschnitt 301 verliehenen
Druckmittel einzusetzen, um unfaire
Handelspraktiken des Auslands abzubauen.
Ich habe Ihnen die neueste
Tabelle solcher Fälle vorgelegt, die
den gegenwärtigen Stand widerspiegelt, und ich werde Ihnen schon bald
den Halbjahresbericht zu Abschnitt
301 vorlegen, der die zweite Hälfte
des Jahres 1988 behandelt.

Koordinierung der verschiedenen Elemente unseres Programms:

- 6 -

�In meiner Rede und in unserem
schriftlichen Bericht habe ich unter
verschiedenen Überschriften eine Reihe von Fragen angesprochen. Es ist
angemessen, hier einige weitere Anmerkungen zur Notwendigkeit zu machen, unsere Maßnahmen und Handlungen
zu koordinieren, um einander auf
bestmögliche Weise zu unterstützen.
Die uns von Abschnitt 301 verliehenen
Instrumente können und sollten z. B.
wichtige Druckmittel bei den von uns
in der Uruguay-Runde verfolgten Zielsetzungen liefern. In der UruguayRunde streben wir nicht Abkommen um
ihrer selbst willen an, sondern die
Öffnung ausländischer Märkte und die
Stärkung der wirtschaftlichen Vorteile für die Vereinigten Staaten.
Die Koordinierung der politischen
Maßnahmen wird nicht immer leicht
sein, es werden schwierige Entscheidungen zu treffen sein. Im weitesten
Sinne werden wir - wenn ich dazu noch
einmal die bei der Anhörung zu meiner
Bestätigung
benutzte
Formulierung
verwenden darf - zu entscheiden haben, wann wir das Zuckerbrot und wann
die Peitsche einsetzen. Wir dürfen
nicht der Versuchung erliegen, alle
Maßnahmen gegen unfaire Handelspraktiken deswegen einzustellen, weil sie
in der Uruguay Runde "die Atmosphäre
vergiften". Andererseits werden wir
unser Ziel der Marktöffnung nicht dadurch erreichen, daß wir unsere eigenen Märkte gegenüber anderen Ländern
abschotten.
Wir müssen die Tatsache akzeptieren, daß es bei den von uns getroffenen Entscheidungen häufig zu Abwägungen kommen wird. Das bedeutet, daß
unser Entscheidungsfindungsprozeß die
sorgfältige Erwägung der Optionen und
die Berücksichtigung der Ratschläge,
die wir vom Kongreß und der Privatwirtschaft
erhalten,
einschließen
muß.
Wir dürfen jedoch nicht vor
Entscheidungen deshalb zurückschrekken, weil sie einen Preis haben.
Ein anschauliches Beispiel dafür
ist der jüngste Streit über Brasiliens Verweigerung eines Patentschut-

zes für Arzneimittel und Feinchemikalien. Nachdem wir uns jahrelang auf
beiden Seiten um die Lösung dieses
Problems bemüht haben, sind wir zu
dem Schluß gelangt, daß wir Gegenmaßnahmen im Sinne von Abschnitt 301 ergreifen müssen. Es stellte sich die
Frage nach der Art der Schritte.
Nach sorgfältiger Überlegung haben
wir beschlossen, daß Maßnahmen im Bereich des geistigen Eigentums im Falle
Brasiliens
kein
angemessenes
Druckmittel wären.
Wir haben entschieden, daß Beschränkungen von Warenimporten aus Brasilien die wirkungsvollste Maßnahme wäre.
Brasilien hat gerade unsere Vergeltungsmaßnahmen im Rahmen des GATT
angefochten und behauptet, diese seien unvereinbar mit den von den Vereinigten Staaten im GATT eingegangenen Verpflichtungen. Wir haben darauf geantwortet, daß Brasiliens Anschuldigungen in diesem Fall nicht
das zentrale Problem treffen: Brasiliens fehlenden Patentschutz für Arzneimittel und Chemikalien, fehlende
internationale Vorschriften und einen
internationalen Schlichtungsmechanismus zum Schutz gegen diese unfairen
Handelspraktiken. Darüber hinaus haben wir darauf verwiesen, daß wir die
Vergeltung nicht aufheben können und
dies auch nicht wollen, ohne daß Brasilien Patentschutz für Arzneimittel
und
Feinchemikalien
verfügt.
Schließlich haben wir Brasilien und
anderen mit dem Land sympathisierenden Vertragspartnern im GATT gegenüber erklärt, man möge sich keinen
Illusionen darüber hingeben, daß ein
GATT-Ausschuß diese Angelegenheit so
einfach lösen kann, indem er Brasiliens Verstöße gegen die bestehenden
GATT-Vorschriften
untersucht.
Wir
haben in diesem Fall die Welt darüber
unterrichtet, daß wir keine den Handel einschränkenden Maßnahmen ausschließen werden, die notwendig werden könnten, um auf den Diebstahl
amerikanischen geistigen Eigentums zu
reagieren.
Ich glaube fest daran, daß wir in
diesem Fall den richtigen Kurs ein-

- 7 -

�schlagen. Hätten wir lieber auf eine
Konfrontation
im GATT verzichtet?
Sicherlich. Wir werden der Beseitigung unfairer Praktiken durch ein Abkommen eindeutig den Vorzug geben.
Wo dies nicht möglich ist, sollten
wir meiner Ansicht nach ein Druckmittel finden, das wirkungsvoll ist und
uns nicht in GATT-Streitigkeiten verwickelt. Aber wenn keine andere wirkungsvolle Maßnahme greift, müssen
wir bereit sein, unsere Prinzipien zu
verteidigen und angesichts der eklatant unfairen Maßnahmen zu unseren
Schritten stehen, auch wenn diese im
GATT Kontroversen hervorrufen.

Zusammenfassung
Ein nationales Programm für die
Handelspolitik kann nicht isoliert
von internationalen Entwicklungen im
Welthandel erstellt werden.
Unser
Programm für das nächste Jahr wird
wahrscheinlich die makroökonomische
Politik, internationale Zusammenarbeit und die steigende Interdependenz
des Welthandels beeinflussen und umgekehrt.
Obwohl die Zielsetzungen der Administration in Zusammenarbeit mit
dem Kongreß und dem Privatsektor erarbeitet worden sind, wird zu ihrer
Verwirklichung auch die Zusammenarbeit mit unseren Handelspartnern erforderlich sein. Obwohl eine Grundlage für diese Zusammenarbeit besteht, erfordert die Erhaltung dieser
Zusammenarbeit den kreativen Einsatz
der uns nach dem amerikanischen Handelsgesetz zur Verfügung stehenden
rechtlichen Mittel.
* * * * *

�AMERIKA DIENST
'/U

"**""

c&amp;

Wissenschaft und Technik

1. März 1989

OZONSCHICHT ÜBER DER NORDHALBKUGEL GEFXHRDET
Erste Ergebnisse einer internationalen Studie in der Arktis

(AD) - Was manche Wissenschafter
vermutet, andere bereits befürchtet
hatten, ist offenbar Realität. Auch
über der Arktis gibt es ein Ozonloch.
Seit Mitte Februar liegen erste, vorläufige Ergebnisse einer großangelegten internationalen Forschungskampagne vor. Sechs Wochen lang, vom 1.
Januar bis 15. Februar 1989, wurden
von Flugzeugen und Bodenstationen aus
sowie mit Instrumenten in Ballonund
Raketensonden Meßdaten aus der Atmosphäre über arktischen Breiten bis
zum Nordpol gesammelt. In die Auswertung, die allerdings bis Ende 1989
dauern dürfte, werden auch die meteorologischen Meßdaten amerikanischer
und europäischer Satelliten aus dem
gleichen Zeitraum einbezogen.
Mehr als 160 Experten aus Nord-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

amerika, Mittelund Nordeuropa sowie
der Sowjetunion waren an dieser Gemeinschaftsaktion
beteiligt.
Wie
schon bei einer ähnlichen Studie während der Monate September und Oktober
im vergangenen Jahr zur systematischen Erkundung des Ende der siebziger Jahre entdeckten "Ozonloches"
über der Antarktis sollte nun mit
gleichen Methoden und Instrumenten
die Zusammensetzung
der Hochatmosphäre über der Arktis erforscht werden. Angesichts der hohen Bevölkerungsdichte
und
der
ausgedehnten
Agrarwirtschaft auf der Nordhalbkugel
der Erde muß als Alarmsignal gewertet
werden, daß es trotz der sehr viel
stärkeren atmosphärischen Dynamik in
dieser Region und den nicht ganz so
tiefen Wintertemperaturen
im Vergleich zur Antarktis über dem nördli-

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�chen Polargebiet im Hochwinter ebenfalls zu einem Ausdünnen der Ozonschicht kommt. Auch in der Arktis
waren die stratosphärischen Polarwolken (in Fachveröffentlichungen meist
nur mit "PSC" bezeichnet) vorhanden,
die sich bei Temperaturen von minus
85 Grad Celsius und darunter bilden
und aus Wassereis und Salpetersäurekristallen, also einer Sauerstoffsäure des Stickstoffs, bestehen.
Daß
sie gemeinsam mit dem aus Fluorchlorkohlenwasserstoffen
(FCWK) freigesetzten Chlor Ozon zerstören, weiß
man erst seit ca. zwei Jahren.
Etwa 90 Prozent des Spurengases
Ozon, einem aus drei Sauerstoffatomen
bestehenden Molekül, sind in der 20
bis 35 km hohen Luftschicht in der
Stratospähre
konzentriert.
Dieses
Ozon hat eine wichtige Schutzfunktion
für alles Leben auf der Erde, weil es
schädliche Anteile aus der Ultraviolettstrahlung der Sonne absorbiert
und so davon abhält, bis zur Erdoberfläche vorzudringen. Sie können beim
Menschen Hautkrebs und Linsentrübung
hervorrufen, zu schweren Pflanzen-,
und sogar Planktonschäden führen und
selbstverständlich auch Tiere gesundheitlich und in ihren Ernährungsmöglichkeiten beeinträchtigen.
Daß die Ozondichte in der Stratosphäre mit der Jahreszeit und dem jeweiligen geographischen Breitengrad
schwankt, ist ein schon seit langem
bekanntes natürliches Phänomem. Daß
Ozon aber zusätzlich von Spurengasen,
die durch menschliche Aktivitäten in
die Atmosphäre gelangen, angegriffen
und zerstört wird, ist jetzt kaum
mehr zu bestreiten. Lange Zeit wehrten sich Industrie und Politiker gegen die Anfang der siebziger Jahre
von zwei amerikanischen Wissenschaftlern aufgestellte Hypothese, daß es
vor allem die in den unteren Luftschichten nichtreaktiven FCKW-Verbindungen seien, die der Ozonschicht in
der Stratospäre schaden. Das Problem
wird dadurch kompliziert, daß im bodennahen Bereich, innerhalb der Troposphäre,
die
Ozonkonzentrationen
stetig zunehmen, was ebenfalls auf

menschliche Aktivitäten und die Industrie zurückzuführen ist.
Zusammen
mit anderen Spurengasen wie Methan,
Kohlendioxyd und das durch den massiven Kunstdüngergebrauch aus dem Boden
sickernde
Distickstoffmonoxyd
(N2O
- Lachgas) trägt Ozon in dieser tiefen Luftschicht zur Aufheizung der
Atmosphäre, dem sogenannten Treibhauseffekt, bei.
Die einzig sinnvolle und wirksame
Gegenmaßnahme gegen diese Prozesse,
die sich offenbar beschleunigen, kann
nur in einer Reduzierung der Schadstoffemissionen bestehen.
Die Vereinbarungen des internationelen Abkommens von Montreal aus dem Jahr
1987, das u.a. bis 1999 eine Verringerung der Produktion von FCKW um 50
Prozent vorsieht, halten die Wissenschaftler
für
nicht
ausreichend.
Selbst unter diesen Voraussetzungen
würden sich die Mengen der ozonschädlichen Stoffe in der Stratosphäre, zu
denen auch Bromverbindungen gehören,
in den nächsten 50 Jahren verdoppeln.
Nach den Vereinigten Staaten und
Schweden, die bereits Ende der siebziger Jahre die Verwendung von Fluorchlorkohlenwasserstoffen als Treibgase für Sprühflaschen im Alltagsgebrauch verboten, entschlossen sich
jetzt auch einige weitere Staaten zu
dieser Maßnahme. Amerikanische Firmen sind beispielsweise seit längerer
Zeit dabei, unschädliche Ersatzstoffe
zu entwickeln - zum Teil mit gutem
Erfolg. Aber sie bilden ja nur einen
Bruchteil des Anwendungsspektrums für
FCKW.
Merklicher
Ozonrückgang
Arktis seit 15 Jahren

über

der

Im Februar und März vergangenen
Jahres fanden einige amerikanische
Wissenschaftler unabhängig voneinander erhöhte Werte von Chlorverbindungen in der Atmosphäre über der Arktis. Daniel Albritton, Direktor des
Aeronomie-Instituts der US-Bundesbehörde für Meeresund Atmosphärenforschung (NOAA) in Boulder/Colorado,
gab im Dezember 1988 bekannt, daß

- 2 -

�sich der Ozongehalt der Stratosphäre
im hohen Norden in den letzten 15
Jahren um 2,5 bis 6,5 Prozent verringert habe. Erwartet habe man nicht
mehr als 1,5 Prozent. Mit dem Verlust von 30 bis 50 Prozent über der
Antarktis sei das natürlich nicht annähernd zu vergleichen - dort herrschen im Winter sehr viel extremere
und dem Ozonabbau besonders förderliche Bedingungen.
Aber die Tendenz
signalisiere Gefahr.

f
*

Im Verlauf der jüngsten Expedition mit Wissenshaftlern aus den Vereinigten Staaten, Kanada, Großbritannien, der Bundesrepublik Deutschland,
Dänemark und Norwegen wurden unter
anderem zwei zu fliegenden Laboratorien umfunktionierte Flugzeuge von
Stavanger (Norwegen) aus eingesetzt.
Die ER-2 der US-Behörde für Luftund
Raumfahrt (NASA) operierte in ca. 20
000 m Höhe, das heißt am unteren Rande der Ozonschicht, die amerikanische
DC-8 im mittleren Flugbereich in Höhen bis etwa 13 000 m. Letztere, ein
ehemaliges Passagierflugzeug, hatte
Wissenschaftler und Techniker für die
Luftprobennahme und zur Bedienung der
Instrumente an Bord.
Die Meßdaten
wurden zum Teil sofort ausgewertet.

Schwergewicht der Forschungsaufgaben
lag hier bei der Entnahme von Proben
der
stratosphärischen
Polarwolken,
Messung
von
Windgeschwindigkeiten,
Druck, Temperaturen und vertikalen
Temperaturunterschieden, Entnahme von
Luftproben in verschiedenen Höhenbereichen, Erfassung von Spurengasen von Ozon über verschiedene Stickstoffverbindungen bis zu Bromverbindungen.
Bestimmte, von beiden Flugzeugen
gesammelte Meßdaten aus der Atmosphäre bildeten gleichzeitig Referenzwerte für ein Sonderprojekt des britischen Wetterdienstes: Wissenschaftler versuchten, für eine bestimmte
Region mittels verschiedener Computer-Modelle Vorhersagen zur Wetterentwicklung für einen längeren als
den bisher üblichen Zeitraum zu erstellen.

Die wichtigsten Instrumententypen
an Bord der DC-8 waren LIDAR-Geräte
(sie erfassen polare Stratosphärenwolken, können zwischen Wassereis und
Kristallen stickstoffhaltiger Verbindungen
unterscheiden,
registrieren
Ozon und andere Aerosole), ferner Detektoren
für
bestimmte
chemische
Stoffe in der Atmosphäre sowie Spektrometer für Ultraviolettund Infrarotstrahlung.
Letztere geben indirekte Hinweise auf schädliche Spurengase.
Die Instrumente für dieses
Projekt waren von der Kernforschungsanlage in Jülich und dem amerikanischen
Nationalen
Atmosphärenforschungszentrum bereitgestellt worden.
Der Pilot der ER-2, eines Flugzeugs von 18 m Länge und 31 m Flügelspannweite, bediente auch gleichzeitig die 13 Instrumente. Im Cockpit
ist nur Raum für eine Person. Das
- 3 -

* * * * *

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Bush: Behebung des konventionellen Ungleichgewichts noch in weiter Ferne&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Interview mit dem amerikanischen &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Präsidenten&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Mosbacher: Vereinigte Staaten für offeneren europäischen Markt&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede des US-Handelsministers bei der Columbia Institute Conference&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Hills zur US-Handelspolitik 1989&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung der amerikanischen Handelsbeauftragten vor dem Senat&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wissenschaft und Techniken&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ozonschicht über der Nordhalbkugel gefährdet&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erste Ergebnisse einer internationalen Studie in der Arktis&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST
\ o N

$ &lt;

22. Februar 1989
INHALT

DOKUMENTATION
Die neue Herausforderung für das Atlantische Bündnis
- Ansprache des Gesandten James F. Dobbins -

Baker bei Lösung der Modernisierungsfrage zuversichtlich
- Fernsehinterview mit dem Außenminister -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Start der Raumfähre "DISCOVERY" verschoben

.NASA-Etat zu knapp
- Dr. James Fletcher vor Unterausschuß des amerikanischen Senats
\
* * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�AMERIKA DIENST
"VON

Dokumentation

4

22. Februar 1989
DIE NEUE HERAUSFORDERUNG FÜR DAS ATLANTISCHE BÜNDNIS
- Rede des amerikanischen Geschäftsträgers
vor der Steuben-Schurz-Gesellschaft -

FRANKFURT - (AD) - Der Geschäftsträger der Vereinigten Staaten von Amerika
in Bonn, James F. Dobbins, hat in einer Rede vor der Steuben-Schurz-Gesellschaft am 21. Februar 1989 zu Fragen der Verteidigung und Abrüstung Stellung
genommen.
Zum derzeit in der Bundesrepublik lebhaft erörterten Problem der Tiefflüge
unterstrich der Geschäftsträger, "wenn die Piloten der NATO in der Lage sein
sollen, unter realistischen Bedingungen zu üben und damit ein angemessenes Niveau der Einsatzbereitschaft aufrechtzuerhalten, kann nur ein begrenzter Teil
dieser Ausbildung in andere Länder 'exportiert' werden". Selbst wenn es möglich und finanziell tragbar wäre, alle Ausbildungsflüge zu exportieren, würde
damit Sinn und Zweck der Vorneverteidigung durchkreuzt.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede des Geschäftsträgers im V/ortlaut:
Es ist mir eine große Ehre und
ein Vergnügen, heute abend vor Ihnen
sprechen zu dürfen.
Die SteubenSchurz-Gesellschaf t ist sowohl in der
Bundesrepublik als auch in den Vereinigten Staaten als eine der namhaftesten deutsch-amerikanischen Organisationen bekannt, die sich der Erhaltung und Förderung der tiefen und
allgegenwärtigen Bande verschrieben
hat, die unsere beiden Länder verbinden. Sie alle sind beredtes Zeugnis
der Tatsache, daß die Bande zwischen
unseren Völkern und Institutionen sowie unsere gemeinsamen Werte und
Zielsetzungen stabil und beständig
bleiben. Ich beglückwünsche Sie zu
Ihrer Weitsicht und Ihrem unermüdlichen Einsatz und begrüße diese Gelegenheit, einen Beitrag zum deutschamerikanischen Dialog leisten zu kön-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

nen.
Ich bin gebeten worden, heute
abend über das Thema Verteidigung und
Abrüstung zu Ihnen zu sprechen. Angesichts der derzeit lebhaften Verteidigungsdebatte in unseren beiden
Ländern kommt diese Einladung sehr
gelegen.
Wie Meinungsumfragen eindeutig belegen, erfreut sich die NATO
auf beiden Seiten des Atlantiks nach
wie vor überwältigender Unterstützung
in Politik und Öffentlichkeit.
Es
entbehrt daher vielleicht nicht einer
gewissen Ironie, daß sich das Grundkonzept, auf dem das Bündnis beruht,
wachsender Kritik und zunehmendem
Druck ausgesetzt sieht.
In den Vereinigten Staaten konzentriert sich dieser Druck erneut

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�auf das Thema Lastenverteilung im
Bündnis. Im Kongreß und in einigen
Kreisen der amerikanischen Bevölkerung herrscht das Gefühl vor, die
Vereinigten Staaten trügen mehr als
ihren gerechten Anteil an der Last
der
gemeinsamen
Verteidigung
des
Bündnisses, und die Europäer sollten
einen
entsprechend
größeren
Teil
übernehmen. Diese Befürworter einer
gerechteren Lastenverteilung streben
keinen Abbau der amerikanischen Verpflichtung zur Verteidigung Europas
an; ihr Ziel ist schlicht und einfach, die europäischen Mitglieder des
Bündnisses davon zu überzeugen, mehr
zu tun. Gleichzeitig ist es nur allzu verständlich, daß der Druck nach
einseitigem Abbau des amerikanischen
Engagements sich verstärken könnte,
wenn keine Reaktion auf diese Bedenken bezüglich einer gleichmäßigeren
Verteilung der Lasten des Bündnisses
erfolgt.
In der Bundesrepublik Deutschland
kommt die Unzufriedenheit mit dem
Grundkonzept und der dem Bündnis zugrundeliegenden Politik auf unterschiedliche Weise zum Ausdruck. Erstens besteht wachsender Unmut über
die physischen Lasten - den Lärm, die
Zerstörung der Landschaft, die Unterbrechung des Tagesablaufs -, die
durch die Präsenz sehr umfangreicher
militärischer Streitkräfte zwangsläufig entstehen. Der Unmut über die
physische Last der Präsenz umfangreicher
konventioneller
Streitkräfte
geht einher mit der erneuten Frage
nach der Notwendigkeit der politischen Lasten zur Aufrechterhaltung
der
nuklearen
Abschreckung.
Und
schließlich wurde die Frage erörtert,
ob die Aktivitäten der verbündeten
Streitkräfte vollständig im Einklang
mit der Souveränität der Bundesrepublik stehen.
Diese auf beiden Seiten des Atlantiks geäußerten Bedenken und kritischen Einwände sollte man im Kontext der umfassenderen Strategie des
Bündnisses betrachten. Fragen, ob es
für die Vereinigten Staaten erforderlich ist ein ziemlich beträchtliches

Potential an Menschen und finanziellen Ressourcen zur Verteidigung Europas bereitzustellen und ob für die
Bundesrepublik die Nowendigkeit besteht, alliierte Truppen aufzunehmen
und die nukleare Abschreckung zu unterstützen, können am besten beantwortet werden, wenn man sich die Erfordernisse der NATO-Strategie vor
Augen hält und fragt, ob diese Strategie nach wie vor Gültigkeit besitzt.
Die NATO-Strategie hängt von zwei
Faktoren ab: der militärischen Bedrohung, wie sie sich durch die
Streitkräfte des Warschauer Pakts
stellt und den geographischen Gegebenheiten des Bündnisses. Unmittelbar an das Territorium des Bündnisses
angrenzend ist ein massives Potential
von Truppen und Gerät stationiert,
die der größten europäischen Macht
unterstehen - der Sowjetunion. Diese
Streitkräfte verfügen über zahlreiche
Panzer, Artillerie und Flugzeuge und
sind so strukturiert und ausgebildet,
daß sie zu schnellen, raumgreifenden
Operationen fähig sind. Die geographische Lage hat zweifache Auswirkungen auf die Strategie des Bündnisses:
erstens ist das industrielle Kernland
des Bündnisses, sein reichstes und
wertvollstes Gebiet - die Bundesrepublik Deutschland - gleichzeitig dessen Achillesferse:
ein leicht erreichbares Ziel für sowjetische Panzer; zweitens
befindet
sich das
Hauptgegengewicht
zur
sowjetischen
Militärmacht - die Vereinigten Staaten - weit von der Sowjetunion und
den
europäischen
Mitgliedern
des
Bündnisses entfernt.
Die Strategie der NATO ist also
darauf ausgerichtet, zwei Aufgaben zu
erfüllen. Die erste besteht darin,
die unmittelbare Verteidigung des exponiertesten - und wertvollsten - Gebiets des Bündnisses, der Bundesrepublik Deutschland, zu gewährleisten.
Der zweite liegt in der Ankoppelung
der amerikanischen Macht an die Verteidigung Europas. Die Strategie des
Bündnisses besteht deshalb aus zwei
Elementen:
Vorneverteidigung
und
flexibler Reaktion. Im wesentlichen

�steht Vorneverteidigung für die Bereitschaft der NATO-Streitkräfte, gegen eine mögliche Invasion des Warschauer Pakts so weit vorne wie möglich Widerstand zu leisten und diese
abzuwehren,
das
heißt,
an
der
deutsch-deutschen Grenze.
Dies erfordert von der NATO die Aufrechterhaltung umfangreicher militärischer
Streitkräfte so nahe wie möglich an
der östlichen Grenze der Bundesrepublik Deutschland.
Eine Alternative
zur Vortieverteidigung - eine Verteidigung in der Tiefe - könnte von vielen Militärexperten bevorzugt werden.
Eine Verteidigung in der Tiefe würde
indessen dem Hauptzweck des Bündnisses zuwiderlaufen, der darin besteht,
allen Mitgliedstaaten gleichen Schutz
für Freiheit, Sicherheit und territoriale Integrität zu gewähren. Eine
Verteidigung in der Tiefe würde bedeuten, daß das Bündnis sich auf die
Führung eines anhaltenden konventionellen Krieges in der Bundesrepublik
vorbereiten würde, in dessen Verlauf
es sich zum Rhein und in die Niederlande zurückziehen würde, um dort
Streitkräfte für einen Gegenangriff
zu sammeln. Die gesamte Bundesrepublik würde als Kriegschauplatz jedes
europäischen Konflikts dienen, wobei
eine Aggression und darauf folgende
Gegenangriffe auf ihrem Territorium
ausgetragen würden. Ein solches Szenarium war in der Vergangenheit nie
eine akzeptable Grundlage für die
Verteidigungsplanung des Bündnisses.
Ich sehe keinen Grund, warum sich
dies in Zukunft ändern sollte.
Die Vorneverteidigung ist darauf
ausgerichtet, das Engagement amerikanischer atomarer wie konventioneller
Streitkräfte für die Verteidigung Europas zu gewährleisten und insbesondere die nukleare Abschreckung auf
ein
Land
die
Bundesrepublik
Deutschland - auszuweiten, das selbst
auf den Besitz von Kernwaffen verzichtet hat. Die flexible Reaktion
zielt darauf ab, durch Androhung einer nuklearen Reaktion selbst auf einen konventionellen Angriff jeden
Krieg zu verhindern - sei er konventionell oder nuklear. Die flexible
- 3

Reaktion bedeutet im wesentlichen,
daß das Bündnis darauf vorbereitet
sein sollte, auf eine mögliche Aggression des Warschauer Pakts auf der
Stufe militärischer Macht zu reagieren, die notwendig und ausreichend
zur Abwendung dieser Aggression und
zur Wiederherstellung der territorialen Integrität der angegriffenen Nation
erscheint.
Diese
Strategie
setzt voraus, daß das Bündnis - zumindest im Anfangsstadium - mit konventionellen Streitkräften auf einen
konventionellen
Angriff
des Warschauer Pakts antworten würde und
sich die Option offenhält, Kernwaffen
einzusetzen oder ihren Einsatz anzudrohen, falls sich eine konventionelle Reaktion als unzureichend herausstellt.
Die flexible Reaktion bedingt, daß das Bündnis ein angemessenes Arsenal unterschiedlicher Kernwaffen zur Verfügung hat, und zwar in
Europa
stationierte
Nuklearsysteme
und in den Vereinigten Staaten stationierte strategische Systeme. Die
Präsenz der amerikanischen - konventionellen wie nuklearen - Streitkräfte in Europa dient als Bindeglied
zwischen der Verteidigung der europäischen und amerikanischen Gebiete des
Bündnisses und damit der Überwindung
des zweiten von mir beschriebenen
geographischen Nachteils - der Distanz zwischen den Vereinigten Staaten und ihren europäischen Verbündeten.
Zusammenfassend kann man sagen,
daß sowohl die flexible Reaktion als
auch die Vorneverteidigung darauf
ausgerichtet sind, den Ausbruch eines
Krieges zu verhindern und - falls
dies dennoch geschähe -, die Aussichten für dessen schnelle Beendigung zu
gewährleisten, ohne weite Teile des
Bundesgebiets zu zerstören.
Ich möchte mich nun dem Verhältnis zwischen dieser BUndnisstrategie
und den besonderen verteidigungspolitischen Fragen zuwenden, die gegenwärtig in der Bundesrepublik erörtert
werden.
Zunächst zu den Tiefflügen.

Wenn

�unsere Strategie der Vorneverteidigung wirksam sein soll, muß die NATO
die Fähigkeit besitzen, nach einem
möglichen Ausbruch von Feindseligkeiten die Invasionsstreitkräfte schon
beim Anmarsch auf unsere Grenzen aufzuhalten, ihnen große Verluste zuzufügen sowie die gegnerischen Luftstützpunkte und Versorgungseinrichtungen anzugreifen. Der Besitz dieser Fähigkeiten erhöht die Wahrscheinlichkeit, daß die NATO schon
mit konventionellen Streitkräften zur
raschen Abwehr einer Aggression in
der Lage wäre und deshalb nicht auf
den Einsatz von Kernwaffen zurückgreifen müßte. Diese Art der Abriegelungsfähigkeit erfordert jedoch von
den Kampfflugzeugen der NATO das
Fliegen in äußerst niedrigen Höhen,
um das sehr engmaschige Luftabwehr- und Radarnetz des Warschauer
Pakts zu unterfliegen. Um im Konfliktfall zum Tiefstflug in der Lage
zu sein, müssen die Piloten der NATO
regelmäßig in solchen Flughöhen und
über Landstrichen Übungsfüge durchführen, die dem Einsatzgebiet im Fall
eines Krieges möglichst entsprechen.
Ein Teil dieser Tiefflugausbildung
kann andernorts, in Kanada, der Türkei und auf Sardinien durchgeführt
werden - und dies ist bereits der
Fall. Gegenwärtig berät die U.S. Air
Force mit der Bundesluftwaffe und den
Luftwaffen der anderen Verbündeten
über eine weitere Reduzierung der
Tiefflüge in der Bundesrepublik. Ich
bin zuversichtlich, daß wir diese Belastung weiter abbauen können. Wenn
die Piloten der NATO jedoch in der
Lage sein sollen, unter realistischen
Bedingungen zu üben und damit ein angemessenes Niveau der Einsatzbereitschaft aufrechtzuerhalten, kann nur
ein begrenzter Teil dieser Ausbildung
in andere Länder "exportiert" werden,
in denen andere Witterungs- und Bodenverhältnisse
herrschen.
Selbst
wenn es möglich und finanziell tragbar wäre, all unsere Ausbildungsflüge
zu exportieren, würden wir damit Sinn
und
Zweck
der
Vorneverteidigung
durchkreuzen, denn unsere Streitkräfte können nicht gleichzeitig in Kanada üben und in der Bundesrepublik Ab-

schreckung gewährleisten.
Ein zweites kontroverses Thema in
der Bundesrepublik ist die Stationierung von weiterem hochmodernem und
effektivem militärischem Gerät. Unter der Administration von Ronald
Reagan haben die Vereinigten Staaten
nach einem Jahrzehnt rückläufiger
Verteidigungsausgaben einen anderen
Kurs eingeschlagen und erhebliche
Summen für die Beschaffung neuer Ausrüstung und die Ausbildung der dafür
notwendigen
Bedienungsmannschaften
ausgegeben. Ein Großteil dieser finanziellen Investitionen - etwa bei
Panzern,
Flugzeugen,
Hubschraubern
und Schützenpanzern - war speziell
für unsere Verpflichtungen im Rahmen
der NATO bestimmt. Als Ergebnis dessen besitzen die Streitkräfte der
Vereinigten Staaten die vielleicht
modernste Ausrüstung aller Streitkräfte auf dem europäischen Kontinent.
Innerhalb der Bundesrepublik gab
und gibt es lokalen Widerstand gegen
die Einführung eines Teils dieser
Ausrüstung.
So wurde vor Gericht
Klage gegen die Modernisierung von
Schießplätzen erhoben, die für die
Ausbildung
der
Mannschaften
des
Schützenpanzers Bradley erforderlich
sind.
Ferner sind wir mit unsere
Plänen zur Stationierung des Panzerabwehrhubschraubers Apache auf Widerspruch gestoßen.
Im Hinblick auf die Strategie der
NATO ist diese neue, von den amerikanischen Streitkräften
in jüngster
Zeit in Europa stationierte Ausrüstung - Panzer, Hubschrauber, Flugzeuge - von entscheidender Bedeutung
für die Erhaltung der Vorneverteidigung. Zum Beispiel besteht die Rolle
des Panzerabwehrhubschraubers Apache
darin, in einem Konflikt einen sowjetischen Panzervorstoß so früh wie
möglich zum Stehen zu bringen und
zurückzuwerfen.
Das
amerikanische
Volk hat für die Beschaffung, Instandhaltung
und Bemannung dieser
Waffensysteme große finanzielle Opfer
gebracht und wird dies auch in Zukunft tun. Darauf ausgerichtet, den

�Fähigkeiten des Warschauer Pakts im
Bereich der schweren Panzer entgegenzutreten, wurden viele dieser Waffensysteme besonders, in manchen Fällen
sogar ausschließlich, für die Verteidigung der Bundesrepublik Deutschland
konzipiert. Es ist schwer, dem amerikanischen Steuerzahler, der Milliarden Dollar für Ausrüstung und Gerät ausgegeben hat, das nur in Mitteleuropa sinnvoll eingesetzt werden
kann, zu erklären, daß viele der Menschen, zu deren Verteidigung diese
Ausrüstung entwickelt wurde, es nicht
in ihrer Nachbarschaft stationiert
haben möchten.
Ein dritter kontroverser Bereich
steht in Zusammenhang mit militärischen Großmanövern, der Unruhe und
den Schäden, die von diesen verursacht werden können. Die Abschrekkung beruht ebensosehr auf der Qualität wie auf der Quantität der Streitkräfte des Bündnisses, und die Ausbildung ist das wichtigste Mittel zur
Aufrechterhaltung
und
Verbesserung
der Qualität. Im Frieden hat das Militär tatsächlich nur den einen Auftrag - zu üben. Selbstverständlich
tun die Kommandeure der verbündeten
und deutschen Streitkräfte ihr Bestes, um die von den Manövern verursachten Beeinträchtigungen so gering
wie möglich zu halten, und Manöverschäden werden natürlich erstattet.
Die Bundeswehr wie auch die USStreitkräfte sind dabei, neue Ausbildungskonzepte einzuführen, die weniger Großmanöver mit Truppen vorsehen und sich mehr auf Ausbildungsmaßnahmen auf Stabsebene konzentrieren.
Das Ergebnis wird in einer verbesserten Qualität der Ausbildung mit weniger Truppen und insbesondere weniger
Panzern und anderen Kettenfahrzeugen
im Gelände bestehen.
Die Aufrechterhaltung der nuklearen Abschreckung bürdet uns eine andere Art von Last auf, keine physische - man sieht diese Waffen selten
und hört sie nie -, keine finanzielle
- diese Waffen sind vergleichsweise
billig -, aber eine moralische und
politische.
Die nukleare Abschrekkung bietet der NATO eine Alternative
- 5

zu Krieg oder Kapitulation, aber diese Alternative hat ihren Preis. Wie
in den vergangenen vierzig Jahren muß
das amerikanische Volk akzeptieren,
daß die mögliche Zerstörung der Vereinigten Staaten ein angemessener
Preis ist, um den nuklearen Schutzschild auf die europäischen Verbündeten auszudehnen. Die Völker Europas
müssen akzeptieren, daß um der Glaubwürdigkeit
dieses
amerikanischen
Schutzschilds willen ein Teil davon
auf hiesigem Territorium stationiert
sein muß, zu dessen Schutz er geschaffen wurde. Unsere Völker davon
zu überzeugen, diese Lasten auch weiterhin zu akzeptieren, ist eine niemals endende Aufgabe der politischen
Führung des Bündnisses.
Selbstverständlich unterzieht das
Bündnis die Erfordernisse einer wirksamen nuklearen Abschreckung im Hinblick auf die speziellen Systeme und
die Zahl der in Europa benötigten Systeme dieser Art von Zeit zu Zeit einer Bestandsaufnahme. Seit 1979 hat
die NATO ihre in Europa gelagerten
Kernwaffen um 2 400 Gefechtsköpfe reduziert, weitere Gefechtsköpfe werden
mit der Vernichtung der INF-Raketen
abgezogen. Überdies besteht für die
Zukunft die Möglichkeit zusätzlicher
Reduzierungen dieses Arsenals. Jedoch müssen die verbleibenden Waffensysteme effektiv sein, und deshalb
müssen überholte ältere Systeme durch
neue ersetzt werden.
Eines dieser
Systeme, die Lance-Rakete, wird in
der Mitte der neunziger Jahre ersetzt
werden müssen. Wenn zu diesem Zeitpunkt ein Ersatzsystem zur Verfügung
stehen soll, müssen die Vereinigten
Staaten mit dessen Entwicklung noch
dieses Jahr beginnen.
Sicherlich
lassen sich logische Argumente für
die Beseitigung wie auch für die Beibehaltung jedes beliebigen Kernwaffensystems finden, aber es gibt keine
Argumente für die Beibehaltung von
überholten und unwirksamen Atomwaffen. Vor allem ist es wichtig, daß
die Modernisierungsdebatte nicht nur
die technischen
Fragen behandelt,
sondern auch auf die Grundsätze der
nuklearen Lastenverteilung und die

�Notwendigkeit eingeht, die Strategie
der Abschreckung des Bündnisses aufrechtzuerhalten.
Aus diesem Grund
will sich die NATO diesem Problem im
Kontext eines Gesamtkonzepts für Sicherheit und Rüstungskontrolle zuwenden, das bei einem NATO—Gipfeltreffen
in diesem Frühjahr erörtert werden
soll.
In diese anhaltende verteidigungspolitische Debatte wird der Begriff der "Souveränität" eingebracht.
Eine Reihe der von mir soeben angesprochenen Einzelfragen - insbesondere die Tiefflüge und die sogenannten
Stationierungsprobleme - werden von
manch einem nicht nur im Kontext der
Ost-West-Beziehungen und der Erfordernisse der Abschreckung betrachtet.
Es wird zusätzlich das Argument vorgebracht, die umfangreiche militärische Präsenz und Übungstätigkeit der
Verbündeten in der Bundesrepublik
Deutschland
spiegele
die
eingeschränkte deutsche Souveränität wider, ein Überbleibsel aus der Besatzungszeit.
Diese Einschätzung läßt historische Tatsachen von entscheidender Bedeutung außer acht.
Am Ende des
Zweiten Weltkriegs zogen die Vereinigten Staaten rasch den Großteil ihrer Truppen aus Europa ab, während
die Sowjets ihre Streitkräfte dort
beließen.
Die Vereinigten Staaten
hofften und erwarteten, daß die Europäer selbst in der Lage sein würden,
ihre Verteidigung - ohne das Engagement der Vereinigten Staaten - zu gewährleisten.
Mit den Jahren wurde
jedoch immer deutlicher, daß die Sowjetunion nicht die Absicht hegte,
ihre militärische Präsenz in Europa
zu verringern, sondern daß sie vielmehr versuchte, diese Präsenz zu nutzen, um ihren Einflußbereich auf dem
Kontinent nach Westen auszudehnen.
Es trat immer klarer zutage, daß es
den Europäern angesichts dieser sowjetischen Bedrohung ohne die Beteiligung der Vereinigten Staaten nicht
gelingen würde, eine eigenständige
lebensfähige
Verteidigungsstruktur
aufzubauen. Das Projekt einer Euro-

päischen
Verteidigungsgemeinschaft,
deren Kernstück eine ausschließlich
europäische Armee sein sollte, scheiterte nach schwierigen und langwierigen Verhandlungen. Erst dann haben
die Vereinigten Staaten in ihrer
Nachkriegspolitik des Rückzugs eine
Umkehr vollzogen, ihre historische
Ablehnung
von
Verpflichtungen
in
Übersee in Friedenszeiten überwunden
und sich bereiterklärt, ein langfristiges Engagement zur Verteidigung
Westeuropas einzugehen.
Der NATOVertrag, der Eintritt der Bundesrepublik Deutschland in die NATO sowie
das Truppenstatut und andere die Präsenz der BUndnisstreitkräfte in der
Bundesrepublik regelnde Vereinbarungen gehen auf dieses Engagement zurück.
Die wichtigste Grundlage der heutigen Präsenz verbündeter Streitkräfte ist jedoch kein vierzig Jahre altes Abkommen, sondern ein lebendiges,
lebensfähiges Bündnis - eine Partnerschaft
zwischen
Verbündeten
und
Freunden.
Die
Bundesrepublik
Deutschland, die Vereinigten Staaten,
Kanada, Großbritannien, Belgien, die
Niederlande
und
Frankreich
haben
grundsätzlich gemeinsame Interessen
und Werte. Diese gemeinsamen Werte
und Interessen bilden das wahre Fundament für die Präsenz all dieser
Streitkräfte. Ich spreche sicherlich
im Namen aller in der Bundesrepublik
lebenden Amerikaner, wenn ich sage,
wir sind uns der Tatsache bewußt, daß
wir in der Bundesrepublik zu Gast
sind. Wir sind hier als Freunde empfangen worden. Wir werden nur so
lange bleiben, wie wir erwünscht
sind. Wir werden die uns zuteil gewordene Gastfreundschaft niemals mißbrauchen.
Bei der Diskussion über Souveränität wird zugrundegelegt, daß Souveränität und eine starke Verteidigung
sehr unterschiedliche und zuweilen
unvereinbare Konzepte sind. Vielfach
wird argumentiert, die Bundesrepublik
habe einen Teil ihrer Souveränität
"aufgegeben", um ihren Beitrag zur
äußeren Sicherheit zu leisten. Tat-

�sächlich hat die Bundesrepublik einen
wesentlich größeren Teil ihrer Souveränität an die Europäische Gemeinschaft - eine überstaatliche Organisation - abgetreten als an die NATO,
die keine solche ist. Souveränität
und Verteidigung sind in jedem Fall
untrennbar
miteinander
verknüpft.
Souveränität ist schließlich nur Ausdruck der Fähigkeit und des Willens
eines Staates, die Interessen seines
Volkes zu schützen und zu vertreten.
Die überwältigende Mehrheit der Deutschen ist davon überzeugt, das NATOBündnis und die Präsenz der verbündeten Soldaten seien unabdingbar, um
ihre Sicherheit sowie das Fortbestehen ihrer demokratischen Institutionen und ihres offenen Wirtschaftssystems zu gewährleisten. Die NATO und
die Präsenz der Verbündeten stellen
daher einen wesentlichen Bestandteil
der Souveränität der Bundesrepublik
dar. Dies gilt in der Tat ebenso für
die Vereinigten Staaten und die anderen Mitglieder der NATO, von denen
viele verbündeten Truppen auf ihrem
Territorium Gastrecht gewähren. Ohne
diese Präsenz und ohne dieses Bündnis
würden wir alle weniger Freiheit und das heißt geringere Souveränität
- genießen.
Das im Harmel-Bericht von 1967
niedergelegte Grundkonzept der NATO
Strategie macht deutlich, das die
Aufgabe der NATO sowohl Dialog als
auch Verteidigung sein sollen.
In
den vergangenen Jahren war das Bündnis ebenso aktiv im Bestreben um Rüstungskontrollabkommen wie beim Versuch, seine Streitkräfte auf dem gebotenen Stand zu halten. Infolgedessen stehen wir heute in dem umfassendsten Dialog, den wir jemals mit
dem Ostblock geführt haben.
Wir haben bereits
Leistungen vollbracht:

beachtliche

Das im Jahr 1986 zum Abschluß der
Konferenz über Vertrauens- und Sicherheitsbildende Maßnahmen und Abrüstung in Europa (KVAE) in Stockholm
unterzeichnete Dokument sieht erstmals Vor-Ort-Inspektionen militäri- 7

scher Großmanöver in Ost und West
vor. Das ist zweifelsohne die wichtigste bis heute eingeführte vertrauensbildende Maßnahme.
Der im Dezember 1987 beim Washingtoner Gipfel unterzeichnete INFVertrag ist das erste Abkommen, mit
dem die Anzahl der Nuklearwaffen in
den amerikanischen und sowjetischen
Arsenalen tatsächlich reduziert wird.
Er enthält Bestimmungen für eingehende Vor-Ort-Inspektionen, die an sich
schon sehr wichtig sind und darüber
hinaus die Grundlage für Verifizierungsregeln
künftiger
Rüstungskontrollabkommen über Kernwaffen bilden
werden.
Die Vereinigten Staaten und die
Sowjetunion haben prinzipiell eine
sehr erhebliche Reduzierung
ihrer
strategischen Kernwaffen vereinbart
und spezielle Obergrenzen für verschiedene Waffenkategorien ausgearbeitet. Obwohl noch schwierige Verhandlungen bevorstehen, haben wir erhebliche Fortschritte erzielt.
Die Vereinigten Staaten und die
Sowjetunion haben Gemeinsame Verifizierungsexperimente auf ihren jeweiligen Atomtestgeländen durchgeführt
und damit wichtige Schritte im Hinblick
auf
die Ratifizierung
des
Schwellenvertrages und des Vertrages
über Atomexplosionen zu friedlichen
Zwecken sowie weitere verifizierbare
Begrenzungen von Atomtests unternommen. Sowjetische Regierungsvertreter
waren bei amerikanischen Atomtests
zugegen und umgekehrt. Vor einigen
Jahren wäre es noch undenkbar gewesen, daß irgendeine Regierung der anderen den Zugang zu diesen sicherheitsempfindlichen Bereichen gewähren
würde.
Sowohl das NATO-Bündnis als auch
der Warschauer Pakt setzen sich für
die Aushandlung einer verifizierbaren, umfassenden und wirksamen Konvention zur Ächtung chemischer Waffen
ein. Auch bei diesen Verhandlungen
sind große Fortschritte erzielt worden, obwohl noch Probleme bestehen
bleiben.

�Eine weitere große Herausforderung, mit der wir im Bereich der Rüstungskontrolle
konfrontiert
sind,
ist die Schaffung einer verbesserten
Regelung zur Verhinderung der Verbreitung chemischer, biologischer und
nuklearer Waffen sowie von deren Trägersystemen - insbesondere ballistischer Raketen.
Die
internationale
Staatengemeinschaft hat bereits erhebliche Fortschritte bei der Eindämmung der Weitergabe von Atomwaffen
erzielt, insbesondere durch den Atomwaffensperrvertrag und die Nuclear
Suppliers' Group. Erst in den letzten Jahren hat sich die Aufmerksamkeit ernsthaft auf die Verbreitung
von chemischen und biologischen Waffen sowie von ballistischen Raketen
konzentriert. Dieses Problem ist in
den vergangenen Wochen in der Bundesrepublik Deutschland besonders intensiv diskutiert worden, es ist aber
nicht zuletzt ein Problem, das alle
hochentwickelten Industriestaaten angeht.
Diese Frage läßt sich nur
durch eine Korabination nationaler
Maßnahmen und internationaler Zusammenarbeit angemessen bewältigen. Die
Vereinigten Staaten begrüßen deshalb
die Initiative von Außenminister Genscher und der Bundesrepublik Deutschland, in der Europäischen Gemeinschaft engere Zusammenarbeit in dieser Frage anzustreben, um die weitere
Verbreitung von Massenvernichtungswaffen zu verhindern. Die Vereinigten Staaten befürworten zur Bewältigung dieser Aufgabe die enge Zusammenarbeit mit der Bundesrepublik, der
Europäischen Gemeinschaft und anderen
Industriestaaten.
Schließlich haben die NATO und
der Warschauer Pakt im Rahmen all
dieser Leistungen und Herausforderungen im Bereich der Rüstungskontrolle
ein Mandat für neue Verhandlungen
über konventionelle Rüstungskontrolle
In Europa vereinbart, die nächsten
Monat in Wien aufgenommen werden sollen. Vor kurzem verkündete einseitige Reduzierungen des Warschauer Pakts
deuten darauf hin, daß die Sowjetunion und ihre Verbündeten ihre Überlegenheit
bei
den
konventionellen

Streitkräften in Europa erkannt und
sich der Auffassung gebeugt haben,
daß die stärkere Seite am meisten abrüsten muß. Mit 23 Teilnehmern werden die Gespräche nicht einfach oder
leicht durchführbar sein, aber die
Aussichten für Fortschritte bei konventioneller Rüstungskontrolle waren
niemals günstiger.
Für die Zukunft kann man sich eine Situation vorstellen, in der die
Verteidigung der Bundesrepublik und
des Bündnisses insgesamt auf einem
viel niedrigeren Investitionsniveau
und mit einer geringeren Truppenpräsenz
gewährleistet
werden
kann.
Vielleicht wird sogar einmal der Tag
kommen, an dem sich die Länder Westeuropas nicht stärker von der Sowjetunion bedroht fühlen werden als etwa
die Vereinigten Staaten von Kanada
oder die Bundesrepublik von Frankreich. Um das zu realisieren, wäre
weit mehr als der gegenwärtige neue
Stil in der sowjetischen Außenpolitik
und Reduzierungen bei den sowjetischen Streitkräften erforderlich.
Dazu müßten grundlegende Veränderungen im politischen System der Sowjetunion und in der sowjetischen Grundeinstellung gegenüber der Außenwelt
stattfinden - Veränderungen, die sogar den optimistischsten Prognosen
zufolge viele Jahrzehnte erfordern.
Unter den Regierungen des Westens
hat sich ein deutlicher Konsens gebildet, demzufolge insgesamt gesehen
die Bestrebungen Gorbatschows um Umgestaltung der Sowjetunion in eine
offenere, moderne, effiziente und
verbraucherorientierte
Gesellschaft
begrüßenswert sind. Gorbatschow wird
natürlich von dem Wunsch geleitet,
besser mit dem Westen konkurrieren zu
können, aber wir sind zu einem friedlichen Wettbewerb bereit.
So begrüßenswert Gorbatschows Anstrengungen zur Umgestaltung der Sowjetunion auch sein mögen, sollten
wir doch erkennen, daß er keine große
Aussicht auf Erfolg hat.
Die zu
überwindenden
Probleme
sind
fast
überwältigend. Während sich der Re-

�formprozeß in der Sowjetunion weiterentwickelt, müssen wir im Westen auf
Nummer Sicher gehen.
Wenn Gorbatschow versagt und wenn ein Umschwung
in der sowjetischen Außen- und Sicherheitspolitik, stattfindet, müssen
wir nach wie vor in der Lage sein,
uns angemessen zu schützen. Wir haben Jahrzehnte benötigt, um die politische und militärische Struktur des
Bündnisses aufzubauen. Wenige Monate
könnten genügen, um einen abrupten
Umschwung in der sowjetischen Politik
zu bewirken.
Aus diesem Grund müssen wir die
politische und militärische Struktur
des NATO-Bündnisses vollständig erhalten, auch wenn wir jede Gelegenheit wahrnehmen, um Gorbatschows Versprechungen auf die Probe zu stellen
und auf Schritte zu offeneren und
stabileren Ost-West-Beziehungen eingehen. Gerade durch die Aufrechterhaltung der Einheit des Bündnisses
und der Geschlossenheit seiner Verteidigung werden wir Gorbatschows Bemühungen unterstützen, indem wir weiterhin auf Reformen und Offenheit
drängen.
Die Aufrechterhaltung der
Einheit des Bündnisses in einer Zeit
der Hoffnung sowie positive Veränderungen in den Ost-West-Beziehungen
sind die Herausforderungen, vor denen
die NATO in den neunziger Jahren
steht. Es ist eine Herausforderung,
die aus dem Erfolg entstanden ist,
aber es ist immer noch eine Herausforderung.
Es mag in der Tat die
schwierigste sein, mit der wir je
konfrontiert worden sind.

* * * * *

- 9

�^°s?&lt;

4

^

AMERIKA DIENST
Dokumentation

^&lt;c

22. Februar 1989

BAKER BEI LOSUNG DER MODERNISIERUNGSFRAGE ZUVERSICHTLICH
- Fernsehinterview mit dem Außenminister -

WASHINGTON - (AD) - In einem Interview der Sendung *Meet the Press' erklärte der zu seinem achttägigen Besuch der NATO-Hauptstädte befragte Außenminister Baker am 8. Februar 1989, Berichte über Unstimmigkeiten zwischen den
Vereinigten Staaten und der Bundesrepublik über die Modernisierung der Kurzstreckenraketen seien "viel zu sehr hochgespielt worden".
"Wir werden das Problem lösen", erklärte Baker seinen Interviewpartnern.
"Ich bin der festen Überzeugung, daß wir zwischen dem heutigen Datum und Ende
Mai (dem für den nächsten NATO-Gipfel angesetzten Termin) zu einem befriedigenden Ergebnis kommen werden."
Nachfolgend veröffentlichen wir das Interview in wesentlichen Auszügen.
Moderator:
Reisen gehört zum Aufgabenbereich
eines Außenministers.
James Baker hat dafür gerade den besten Beweis angetreten und 16 Länder
in acht Tagen bereist. Die Annalen
der Geschichte werden belegen, daß er
mit 15 Ministern, 11 Premierministern
oder Kanzlern, einem NATO-Generalsekretär, einem König und einem Großherzog zusammengetroffen ist. Sein
Besuch der NATO-Staaten war ein Zeichen der engen Verbindungen der Vereinigten Staaten zu diesen Ländern,
aber es stellten sich ihm darüber
hinaus eine Reihe anderer Probleme
und Herausforderungen, die wir im
Rahmen dieser Sendung erörtern wollen.
Frage: Während Sie in Europa weilten, hat in Mittelamerika ein wichtiges Ereignis stattgefunden. Die fünf

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Präsidenten Mittelamerikas sind zusammengetroffen und haben ein Abkommen erzielt, das möglicherweise zu
freien Wahlen in Nicaragua sowie der
Entwaffnung und Auflösung der von
Honduras aus operierenden Contras
führen wird. Dies war der Schlüssel
der Nicaragua-Politik unter Reagan.
Unsere Reaktion darauf war recht verhalten. Sind wir für oder gegen das
Abkommen?
Antwort:
Wir befürworten einzelne
Teile des Abkommens. Aber im Hinblick auf den Teil, der die Auflösung
der Contras vorsieht, bleibt abzuwarten, wie das Kleingedruckte aussehen
wird.
Das Abkommen enthält noch
nicht alle Einzelheiten. Es bestand
lediglich eine Verpflichtung, im Hinblick auf die Contras einen Plan aus-

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Telex: 8-85432

�zuarbeiten. Einige Punkte des Abkommens sind vielversprechend, etwa das
Konzept der Demokratisierung in Nicaragua und die Idee der Nichteinmischung Nicaraguas in die Angelegenheiten seiner Nachbarn. Aber diese
Versprechen hat Nicaragua natürlich
schon früher gegeben. Der Schlüssel
wird also in der Verwirklichung liegen. Es muß also - wie wir auch für
die Abkommen von Esquipulas (II) und
Sapoa gefordert haben - einen Durchführungsmechanismus geben, der sicherstellt, daß die Sandinisten die
von ihnen bereits abgegebenen Versprechen einhalten.
Frage:
Aber wollen Sie damit sagen, daß die Vereinigten Staaten
nicht bereit sind, eine sofortige
Auflösung der Contras zu gestatten?
Und heißt das, sie werden den Kongreß
um die sogenannte "humanitäre Hilfe"
bitten, damit sie weiter operieren
können?
Antwort: Meiner An«icht nach haben
wir zumindest moralisch die Verpflichtung, den Contras weiterhin humanitäre Hilfe zu gewähren, wenn diese am 31. März ausläuft. Und meiner
Meinung nach hat Präsident Bush bereits angedeuet, daß er dies tun wird.
Frage: Sie wird also trotz des Abkommens weitergewährt?
Antwort:
Ja, und sie sollte
weiterhin gewährt werden.

auch

Frage: Es ist vielfach darauf verwiesen worden, die Ereignisse in Mittelamerika hätten Sie überrascht.
Alles

ist

während

Ihres

Aufenthalts

in Europa passiert. Der frühere Verteidigungsminister Melvin Laird hat
gesagt, Sie hätten nicht nach Europa
fahren, sondern hier die Geschäfte
weiterführen und sich um Mittelamerika kümmern sollen und daß sie noch
nicht einmal einen Abteilungsleiter
für das Lateinamerika-Ressort ernannt
hätten. Was sagen Sie dazu?
Antwort: Wir haben uns inszwischen
für einen Abteilungsleiter für das

Lateinamerika-Ressort entschieden.
Frage: Herr Außenminister, Sie haben die vergangenen Tage in Europa
verbracht. Sie haben Gelegenheit erhalten, die Meinung der Europäer zu
hören. Ist es möglich, die nuklearen
Streitkräfte In Europa zu modernisieren und die Bundesrepublik als Verbündeten zu behalten?
Antwort:
Ich denke, das ist möglich. In dieser Angelegenheit werden
wir natürlich zwischen dem heutigen
Datum und einem möglichen NATO-Gipfel
Ende Mai sehr eng mit den Deutschen
zusammenarbeiten.
Das
ist
kein
deutsch-amerikanisches Problem, sondern ein Problem des Bündnisses. Eines der Ziele dieser Reise war sicherlich, Fragen wie diese mit allen
Bündnispartnern zu erörtern, was wir
auch getan haben.
Und wir werden
insbesondere diese Frage noch vor dem
NATO-Gipfel in enger Abstimmung mit
ihnen bearbeiten.
Frage:
Aber
sind
Ihrer Ansicht
nach auch die anderen Europäer so zurückhaltend wie die Deutschen, wenn
es darum geht, alles zwingend Notwendige für die Verteidigung des Bündnisses zu tun?
Antwort:
All unsere Bündnispartner
sind zu bestimmten Grundsätzen verpflichtet, dem Prinzip der flexiblen
Reaktion, dem Prinzip der Vorneverteidigung, dem Prinzip der nuklearen
Ankoppelung, die bei unserer Haltung
in dieser Frage eine Schlüsselrolle
einnehmen. Meiner Ansicht nach haben
sie sich verpflichtet, das sogenannte
"Gesamtkonzept" für Sicherheit und
Abrüstung bis zum NATO-Gipfel zu
vollenden. Daran müssen wir weiterhin arbeiten. Dazu wird es auf beiden Seiten unterschiedliche Auffassungen geben - tatsächlich sind dazu
gegenwärtig einige Bündnispartner anderer Meinung.
Frage:
Herr
Außenminister,
sind
Sie der Ansicht, daß Sie diese Reise
und Ihren Besuch bei Helmut Kohl mit
einer
hieb- und
stichfesten
Ver-

- 2 -

�pflichtung des
Weiterbetreibung
beendet haben?

Bundeskanzlers zur
der Modernisierung

Antwort: Nein, aber ich habe diese
Reise auch nicht mit dem Anspruch einer hieb- und stichfesten Verpflichtung des Bundeskanzlers angetreten.
Das war nicht der Zweck der Reise, es
war keine Reise zur Entscheidungsfindung, sondern eher eine Reise, auf
der
Tagesordnungspunkte
festgelegt
werden sollten. Ich bin dorthin gefahren, um zuzuhören und zu lernen,
und das habe ich getan. Ihr Einwand
betrifft also nicht den Zweck der
Reise.
Frage:
Aber Kohl hat seine Verpflichtung zu einem Kommunique der
NATO-Verbündeten von 1988 ausgesprochen, demzufolge die Modernisierung
der dort stationierten Nuklearsysteme
als notwendig erwachtet wird. Betrachten Sie dies als Verpflichtung
zur Modernisierung?
Antwot: Er hat - und wir haben gemeinsam - die Verpflichtung des Brüsseler Kommuniques von 1988 bekräftigt, aus dem hervorgeht, daß diese
nuklearen Kurzstreckensysteme auf dem
neuesten Stand gehalten werden müssen.
Ich möchte noch auf einen Punkt
hinweisen. Ich habe im Verlauf meiner Reise niemanden getroffen, der
die Ansicht vertrat, wir hätten uns
auf eine dritte Null-Lösung einigen
sollen und der nicht der Meinung gewesen wäre, daß wir landgestützte Nuklearraketen in Europa beibehalten
sollten.
Frage:
Meiner Ansicht nach zielte
die Frage auf den Punkt ab, welche
Haltung Sie gegenwärtig zu Helmut
Kohl und den Deutschen einnehmen?
Sind Sie mit ihrer Position in dieser
heiklen Angelegenheit zufrieden?
Antwort:
Ja, weil wir großes Verständnis für den heiklen Charakter
dieses Problems aus ihrer Sicht haben.
Ich habe bereits bei meiner
Rückreise darauf hingewiesen, daß Be-

richte über Unstimmigkeiten zwischen
den Vereinigten Staaten und der Bundesrepublik über die Modernisierung
der Kurzstreckenraketen zu sehr hochgespielt worden sind. Es gibt keine
Unstimmigkeiten.
Wir werden dieses
Problem lösen. Wir vertreten unsere
Ansicht. Wir müssen dem Kongreß bestimmte Zusagen machen, wenn
wir
dieses Programm fortführen wollen.
Ich bin der festen Überzeugung, daß
wir zwischen dem heutigen Datum und
Ende Mai zu einem befriedigenden Ergebnis kommen werden.
Frage: Heißt das, Sie haben jetzt
1991 oder 1992 als Termin für die
Stationierung dieser modernisierten
Systeme akzeptiert?
Antwort: Nein, das heißt es absolut nicht. Es bedeutet vielmehr, daß
wir weiterhin in enger Abstimmung mit
den Deutschen und unseren anderen
Bündnispartnern an dem Problem arbeiten werden.
Frage: Zu den Deutschen möchte ich
noch eine Frage stellen. Bundeskanzler Kohl scheint die Meinung zu vertreten: "Meine politischen Probleme
sind so schwierig, daß Sie sich nach
der nächsten Wahl mit einer ungünstigeren Alternative
abfinden müssen
werden, wenn Sie mich zu sehr drängen." Werden wir auch zum Problem
der chemischen Waffen und Libyen
Stillschweigen bewahren oder es ganz
fallenlassen?
Müßten die Deutschen
nicht die Konsequenzen dafür tragen,
daß sie Libyen wissentlich beim Aufbau einer Chemiewaffenfabrik geholfen
haben?
Antwort:
Die Deutschen sind voll
und ganz auf unsere Besorgnis über
die Unterstützung dieser Fabrik durch
einige deutsche Unternehmen eingegangen. Inzwischen haben Sie ihr Außenwirtschaftsgesetz
erheblich
verschärft. Sie haben die Strafen, die
ihre Unternehmen bei zukünftigen Aktivitäten dieser Art hinnehmen müssen, drastisch verschärft, und ich
denke, sie haben gehandelt - stark
und einmütig gehandelt.

- 3 -

�Sie könnten natürlich argumentieren, das hätte schon etwas früher geschehen können. Das mag sicherlich
zutreffen, aber wir sind mit dem Geleisteten zufrieden.
Frage:
Herr
Außenminister,
ich
möchte gerne den Nahen Osten ansprechen. Die Reagan-Administration hat
den Weg für Kontakte und Gespräche
zwischen den Vereinigten Staaten,
Jassir Arafat und der PLO geebnet.
Sind Sie der Ansicht, daß die PLO ihren Teil des Abkommens während Ihrer
Amtszeit erfüllt hat? Haben sie Ihrer Meinung nach gute Absichten?
Antowrt: Bisher hat es einen Zwischenfall gegeben, den einige als man könnte sagen, Verletzung - oder,
wenn Sie wollen, Rückkehr der PLO zum
Terrorismus bezeichnen würden.
Frage:
Israel hat diese Behauptung
vorgebracht.
Antwort:
Ein Zwischenfall im Südlibanon, der die Vermutung nahegelegt
hat, wir würden den Dialog in der einen oder anderen Weise abbrechen.
Wir haben jedoch andere Konsequenzen
gezogen. Wir sind über unseren Botschafter in Tunis mit der Mahnung an
die PLO herangetreten, daß solche
Vorfälle nicht passieren dürfen und
beendet werden müssen, wenn sie den
Dialog mit den Vereinigten Staaten
fortführen wollen.
Frage: Sie haben also eine Warnung
ausgesprochen?
Antwort: Noch bevor wir den Dialog
mit ihnen eröffneten, haben wir sie
gewarnt, denn wir haben ihnen eindeutig klargemacht, daß wir nicht zum
Dialog bereit sind, solange sie sich
nicht in Worten und Taten vom Terrorismus lossagen.
Frage: Nachdem Sie den Dialog mit
der PLO eröffnet haben und Ihr sowjetischer Amtskollege mit allen Ländern
eigene Gespräche auf seiner derzeitigen Nahost-Reise führt - muß es im
Nahen Osten noch zu weiteren Krisen

kommen, bevor Sie tatsächlich eingreifen und versuchen, das Problem zu
lösen, oder kommt es zum Knall, wenn
noch weitere Krisen auftreten?
Antwort:
Der
Ansicht
bin
ich
nicht. Und ich hoffe es auch nicht,
denn wenn man die Risiken hier abzuwägen hätte, wäre das Risiko eines
vorschnellen Eingreifens größer als
etwas abzuwarten, die Situation zu
analysieren, das Terrain sorgfältig
zu sondieren und sicherzustellen, daß
man zumindest eine vernünftige Aussicht auf Erfolg hat, wenn man eingreift. Und das ist die Botschaft wenn ich es einmal so formulieren
darf -, die wir unseren Bündnispartnern übermittelt haben.
Wir haben zumindest erklärt, daß
wir uns der Bedeutung des amerikanischen Engagements bewußt sind, wenn
wir im Nahen Osten jemals Frieden
herbeiführen wollen.
Wir sind uns
dessen bewußt, sind uns jedoch nicht
sicher, ob dem Friedensprozeß am besten mit einer großen, hochrangigen,
exponierten und zu früh anberaumten
internationalen
Konferenz
gedient
ist.
Unserer Ansicht nach sollten
zunächst Konsultationen unter vier
Augen stattfinden, bevor wir den Gedanken an eine Nahost-Konferenz auch
nur erwägen können.
Frage:
Herr Außenminister, führt
Jassir Arafat auf Vermittlung der Palästinenser und europäischer Diplomaten indirekte Gespräche mit den Israelis?
Antwort:
Kenntnis.

Das

entzieht

sich

meiner

Frage:
Eine persönliche Frage zur
Administration.
John Tower wartet
noch immer auf seine Bestätigung
durch den Senat. Ein mit den Ermittlungen beauftragter FBI-Agent wird
folgendermaßen zitiert:
"Wenn die
Überprüfung eines Bewerbers um einen
Posten beim FBI dieselben Ergebnisse
erbracht hätte wie bei John Tower,
würde er vom FBI nicht eingestellt.
Halten Sie ihn in Anbetracht solcher

- 4-

�Äußerungen für den geeigneten Verteidigungsminister?
Antwort: Ja, und ich habe dem Präsidenten gestern über die Ergebnisse
meiner Reise Bericht erstattet und
kann Ihnen mitteilen, daß der Präsident den gleichen Eindruck hat.
Frage: Wann werden wir unsere Waffenlieferungen an die Rebellen einstellen, nachdem die Sowjets nun ihre
Truppen aus Afghanistan abgezogen haben?

schlicht und einfach, das alles - und
vor allem ein Kopfgeld auf Rushdie
auszusetzen - sei bedauerlich. Das
erscheint mir eine sehr gemäßigte
Antwort auf solch einen gravierenden
Vorfall. Warum so gemäßigt?
Antwort:
Wenn mich nicht alles
täuscht, habe ich auch gesagt, daß
die Vereinigten Staaten nach wie vor
Terrorismus in allen seinen Erscheinungsformen ablehnen, und insbesondere staatlich geförderten Terrorismus.
Frage:

Antwort:
Meiner Ansicht nach vertrauen wir hier auf das Prinzip der
positiven Symmetrie. Die Sowjets Frage:
Da3 ist
ausgedrückt -

sehr

diplomatisch

Antwort:
Es mag sein, daß dies
sehr diplomatisch
formuliert ist,
aber lange Zeit haben wir von negativer Symmetrie gesprochen und aus diesem Grund verwende ich den Begriff
der positiven Symmetrie. Die Sowjets
haben dort sehr viel militärisches
Gerät stationiert, um dieses Marionettenregime zu unterstützen.
Sie
haben immer wieder die Menschenrechte
verletzt und verweigern dem afghanischen Volk das Recht auf Selbstbestimmung.
Wir vertreten daher den
Standpunkt, daß wir alles in unserer
Macht stehende tun müssen, damit diesem Volk die Möglichkeit zur Selbstbestimmung gewährt wird.
Frage: Wir lange geben Sie dem Regime noch? Wie lange müssen wir noch
Waffen an die Rebellen liefern?
Antwort:
Ich weiß es nicht.
Ich
möchte mich auf keinen Termin festlegen, denn es würde sich um bloße Vermutungen handeln. Uns liegen nachrichtendienstliche Erkenntnisse vor,
die ich Ihnen jedoch nicht mitteilen
darf.
Frage: Als im Verlauf Ihrer Reise
der Stein um Salman Rushdie und sein
Buch "Die satanischen Verse" ins Rollen kam, war Ihre Antwort darauf

Aber -

Antwort: Und ich glaube, wir haben
im weiteren Verlauf der Reise hinzugefügt, daß dieses Verhalten eher ungeeignet ist, wenn der Iran wirklich
ernsthaft in Erwägung zieht, wieder
in die Gemeinschaft zivilisierter Nationen aufgenommen zu werden.
Frage:
Aber diese Situation ist
ungeheuerlich.
In den Vereinigten
Staaten wurde das Buch in einigen
Buchhandlungen aus den Regalen genommen. So etwas ist in unserem Land
noch nie vorgekommen.
Antwort:
Ja, ich bin ganz Ihrer
Meinung. Wir können eine solche Situation keinesfalls dulden und müssen
uns dagegen zur Wehr setzen.
Frage:
Versuchen wir mit dieser
realtiv gemäßigten Reaktion - die
Niederländer haben zum Beispiel einen
Besuch ihres Außenministers im Iran
abgesagt - den Iran zu ermutigen,
sich wieder in die "Völkergemeinschaft einzugliedern", um Ihre Formulierung zu gebrauchen?
Antwort:
Wir versuchen nicht, sie
in diesem Verhalten zu ermutigen absolut nicht. Offen gesagt, haben
wir
meiner
Ansicht
nach unseren
Standpunkt klar dargelegt, daß dieses
Verhalten im Grunde die Toleranzgrenze überschreitet. Ohne mir ein Urteil über das Buch erlauben zu wollen, denn das steht uns meiner Meinung nach nicht zu - und ich habe das
Buch weder gesehen noch gelesen und

- 5 -

�weiß daher nicht, was darin steht.
Ich möchte den Buch nicht meinen Segen geben, indem ich das sage.
Frage: Ich möchte Sie kurz auf das
Land ansprechen, das Sie nächste Woche besuchen werden - Asien. Als Finanzministar haben Sie des öfteren
von der Notwendigkeit einer besonderen oder anders gelagerten Beziehung
mit den Japanern gesprochen.
Sind
Sie, nachdem Sie nun dieses Amt übernommen haben, immer noch der Ansicht,
wir sollten eine besondere Beziehung
mit den Japanern anstreben, weil sie
wohlhabend und wir angeblich arm
sind?
Antwort: Meiner Ansicht nach pflegen wir besondere Beziehungen mit den
Japanern. Und was ich als Finanzminiater zun Ausdruck bringen wollte,
vir, offen gesagt, daß wir nicht nur
mit den Japanern einen besseren Dialog anstreben sollten^ sondern auch
mit jenen Demokratien In Asien, die
sich auf dem Wege der Industrialisierung befinden, und zwar Insbesondere
Im Hinblick auf Wirtschafts- und Handelsfragen. Meiner Ansicht nach unterhalten wir ausgezeichnete Beziehungen zu den Japanern. Es ist für
beide Seiten eine außerordentlich
wichtige Beziehung, was meiner Meinung nach durch die Tatsache belegt
wird, daß der Präsident an den Trauerfelerllchkelten für Kaiser Hirohlto
teilnehmen wird.
Frage:
Wird es gravierende Unterschiede zu der Politik der Reagan-Administration geben oder handelt es
sich um eine bloße Wetterführung des
Grundtenors dieser Politik?
Antwort:
In vieler Hinsicht wird
der Grundtenor der Politik der Reagan-Administration
fortgeführt
und
dies sollte meiner Ansicht nach auch
der Fall sein. Die Woge der Freiheit
macht sich überall auf der Welt bemerkbar - ich könnte eine Reihe Von
Beispielen anführen, die meiner Meinung nach Beweis dafür sind, daß es
ein schwerwiegender Fehler wäre, von
den Grundzügen dieser Politik abzu-

Weichen» Auf der anderen Seite wird
es auch Abweichungen geben. Einige
habe ich bereits in meiner Anhörung
vor deöi Auswärtigen Ausschuß des Senats angeführt! Aus Ihrer Sicht handelt es sich dabei vielleicht nicht
um Prognosen, aber ich habe dennoch
über einige dieser Unterschiede gesprochen üttd möchte hinzufügen, daß
es sich hierbei un eine ziemlich ausführliche Erklärung gehandelt hat»
Moderator:
Herr Außenminister» wir
danken Ihnen für dieses Gespräch»
Wir sehen einer Verwirklichung Ihrer
Prognosen in dert kommenden Jahren erwartungsvoll entgegen.

* * * * *

�reo s&gt;.

AMERIKA DIENST
Wissenschaft und Technik
22. Februar 1989

START DER RAUMFÄHRE "DISCOVERY" VERSCHOBEN

WASHINGTON - (AD) - Um drei Wochen, das heißt bis Mitte März, muß die NASA
(US-Behörde für Luft- und Raumfahrt) die "Mission 29" mit dem Raumtransporter
DISCOVERY verschieben. Der Grund: Bei einer Inspektion der Motoren der Raumfähre ATLANTIS nach ihrem fünftägigen Flug im November 1988 wurden in einem
Turbopumpen-Lager winzige Risse festgestellt. Da diese Teile der Haupttriebwerke typenmäßig mit jenen der Triebwerke der DISCOVERY identisch sind und den
gleichen Fabrikationsprozeß durchlaufen haben, wurde beschlossen, bei den Motoren des Orbiters DISCOVERY sämtliche Turbopumpen gegen neue, sorgfältig geprüfte Einheiten auszutauschen. Denn jegliches Risiko soll ausgeschaltet werden .

Für Montagearbeiten und Tests benötigt die Rocketdyne Division der
kalifornischen Firma Rockwell International Corporation, die die Turbopumpen baut, ca. drei Wochen. Als
Rißursache vermutet man eine belastungsbedingte
Korrosion
des
aus
Hochleistungsstahl gefertigten Lagers
infolge während der Arbeitsgänge beim
Zusammenbau eingesickerter Feuchtigkeit.
Die Raumfähre DISCOVERY, die ursprünglich am 23. Februar starten
sollte und bereits zur Rampe gebracht
wurde, dürfte frühestens an 10. März
startklar sein. Letzter Termin wäre
der 18. März. Wenn er nicht eingehalten werden kann, muß die gesamte
Flugeinheit (d.h. Trägerraketen mit
Orbiter) zum Hangar zurück, weil dann

United States Information Service
Embassy of the United States of America

die Rampe für den Raumtransporter
ATLANTIS gebraucht wird. Er soll die
Venus-Radarsonde MAGELLAN zunächst in
eine Erdumlaufbahn bringen, von der
aus sie die Reise zum Schwesterplaneten der Erde antritt. Das "Startfenster" zur Venus ist 30 Tage lang
geöffnet - vom 28. April bis zum 27.
Mai.
Innerhalb dieser Periode muß
ATLANTIS starten und die Sonde absetzen, wenn das Programm MAGELLAN Erfolg haben soll.
Während des fünftägigen Fluges,
der mit DISCOVERY unter der Führung
von Kommandant Michael Coats mit John
Blaha
als
Kopilot
sowie
Robert
Springer, James Buchli und James
Bagian als Missionsspezialisten unternommen wird, sind zahlreiche wissenschaftliche Experimente vorgese-

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�hen. Hauptaufgabe ist jedoch wiederum das Absetzen eines Spezialsatelliten flir Bahnbeobachtungen und Datenübermittlung, kurz TDRS genannt. Als
drittes Gerät dieser Art in der geostationären Bahn (36 000 km über der
Erdoberfläche) vervollständigt er das
Kommunikationsnetz der NASA, um mit
bis zu 28 unbemannten Satelliten
gleichzeitig oder mit einem bemannten
Raumschiff Verbindung zu halten. Für
die Bodenstationen, deren Zahl dann
sogar eingeschränkt werden kann, wäre
diese dann praktisch rund um die Uhr
möglich.
Zu den wissenschaftlichen und medizinischen Experimenten zählt u.a.
ein Versuch mit Ratten, an denen studiert werden soll, ob und wie gut in
der Schwerelosigkeit Knochenverletzungen heilen.
Fragen solcher Art
müssen besser als bisher beantwortet
werden können, wenn man Langzeitflüge
unternehmen will oder ein längerer
Aufenthalt auf einer Raumstation vorgesehen ist. Zur Genüge bekannt ist
ja die Tatsache, daß bei längerem
Aufenthalt im Weltraum das menschliche Skelett Mineralverluste erleidet, die allerdings nach der Rückkehr
zur Erde wieder ausgeglichen werden
können.

Vom 5. bis 7. Februar absolvierte
die Besatzung in voller flugmäßiger
Ausrüstung
eine
Generalprobe
mit
komplettem simuliertem Countdown, aktivierten Bordsystemen im Orbiter und
Erprobung der Prozeduren sowie der
Rettungsausrüstungen für den Notausstieg in verschiedenen Phasen bis unmittelbar vor dem Start. Die Astronauten hatten außerdem Gelegenheit zu
ausführlichen Gesprächen mit der Ingenieurgruppe im Kennedy-Raumfahrtzentrum.
Sie wurden u.a. über den
gegenwärtigen Stand der Umrüstung des
Fluggeräts und über alle Punkte unterrichtet, in denen noch Schwierigkeiten oder unterschiedliche Meinungen bestehen.
Zur Fortsetzung des
Trainings kehrten sie inzwischen nach
Houston zurück und finden sich erst
wenige Tage vor dem Start wieder im
Kennedy-Raumfahrtzentrum
ein.
Die
"Mission 29" ist für die Raumfähre
DISCOVERY der achte Einsatz im Weltraum.

* * * * * *

Eine weitere Aufgabe der DISCOVERY-Besatzung wird die Fotokartierung
der überflogenen Gebiete sein. Mit
leistungsstarken Kameras wird sie
versuchen, Schäden zu erfassen, die
Mensch und Natur dem Planeten Erde
zufügen.
\

�AMERIKA DIENST
Wissenschaft und Technik
22. Februar 1989

NASA-ETAT ZU KNAPP
- Dr. James Fletcher vor Unterausschuß des amerikanischen Senats -

WASHINGTON - (AD) - Das noch von der Regierung Reagan zum Haushaltsjahr
1990 für die US-Behörde für Luft- und Raumfahrt (NASA) vorgesehene Budget von
13,3 Milliarden Dollar ist "extrem knapp". Dieser Umstand habe, wie NASA-Administrator Dr. James Fletcher kürzlich vor einem Unterausschuß des amerikanischen Senats erklärte, die Raumfahrtbehörde gezwungen, wichtige Programme
entweder ganz zu streichen oder langsamer anzugehen.

Zwar stünden 2,4 Milliarden mehr
als 1989 zur Verfügung; jedoch liege
der Betrag um über eine Milliarde
Dollar unter den angeforderten Mitteln.
Die 2,4 Milliarden würden
praktisch für die im vergangenen Jahr
bewilligten Programme vollauf gebraucht - mehr Raumtransporterflüge,
Entwicklung einer neuen Feststoffrakete, die das jetzt gebräuchliche
Trägersystem für die Raumfähre ablöst, und Fortsetzung der Entwicklungsarbeiten für die Raumstation,
die Anfang der neunziger Jahre im
Weltraum zusammengebaut werden soll.
Nach dem CHALLENGER-Unglück vom
Januar 1986, das die sieben Astronauten an Bord das Leben kostete, wurden
1988 zum ersten Mal wieder zwei Raumtransporter-Einsätze
geflogen.
Im

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Haushalt jähr 1989 sind fünf, im darauffolgenden Jahr neun Missionen vorgesehen. Dennoch habe man, Fletcher
zufolge "noch einen langen Weg vor
sich, um die NASA wieder in die richtige Spur zu bringen". Der Etat sei
unzureichend und die NASA gerate in
Schwierigkeiten, weil wichtige Programme, die jetzt eingeschränkt werden müßten, ineinandergreifen.
So
werde beispielsweise auch die Entwicklung der orbitalen Manövriereinheit beeinträchtigt.
Dieses unbemannte Gerät (OMV - Orbital Maneuvering Vehicle) werde gebraucht, um
Satelliten und andere Objekte vom
Raumtransporter in höhere Umlaufbahnen zu befördern und "Hilfsdienste"
beim Zusammenbau der Raumstation im
Orbit zu leisten.

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�"Das CHALLENGER-Unglück hat uns
eine Menge gelehrt", sagte Fletcher.
"Es lehrte uns, daß wir zu wenig Leute hatten, daß unsere Einrichtungen
veraltet waren, daß wir in Wirklichkeit zu wenig auf Sicherheit achteten. .. Dies alles schlägt in dem beträchtlich höheren NASA-Budget zu
Buche... Wenn wir noch mehr kürzen
müssen, weiß ich nicht, wo wir eigentlich ansetzen sollen, weil alle
NASA-Programme miteinander verknüpft
sind."
Ein weiteres kritisches Problem
sei die Personalsituation.
Anfang
1989 hatte die NASA über 2200 Mitarbeiter zu wenig. Cirka 45 Prozent
der gegenwärtigen Mitarbeiter seien
in einem Alter, in dem sie sich pensionieren lassen könnten.
Da aber
Nachwuchskräfte noch nicht ausreichend geschult seien, hätte das Ausscheiden auch nur eines Bruchteils
der erwähnten 45 Prozent schlimme
Auswirkungen.
Viele der erfahrenen
Mitarbeiter könnten sich angesichts
der kürzlich erfolgten Ablehnung einer 51prozentigen Erhöhung der Bezüge

für Kongreßabgeordnete, Richter und
hohe Regierungsbeamte gezwungen sehen, die Behörde zu verlassen. Unter
den jetzigen Umständen könne die NASA
mit der Privatindustrie nicht konkurrieren.
Teile des Etats für 1990 seien
bei mehreren wichtigen Raumfahrtprogrammen von Investitionen der Privatwirtschaft abhängig.
Auch der Bau
von Ausrüstungen zur Entwicklung und
zum Aufbau der Raumstation gehöre dazu. Alles in allem handle es sich im
Finanzjahr 1990 um 200 Millionen Dollar. "Wir werden unser Bestes tun,
um für die Privatwirtschaft Investitionen für diese Raumfahrtprogramme
attraktiver
zu
machen",
erklärte
Fletcher vor dem Ausschuß.

* * * * * *

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die neue Herausforderung für das atlantische Bündnis&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Ansprache des Gesandten James F. Dobbins&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Baker bei Lösung der Modernisierungsfrage zuversichtlich&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Fernsehinterview mit dem Außenminister&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Start der Raumfähre "DISCOVERY" verschoben&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;NASA-Etat zu knapp&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Dr. James Fletcher vor Unterausschuß des amerikanischen Senats&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST
^7

C&amp;

15. Februar 1989

INHALT
\

DOKUMENTATION

Bush fordert Wettbewerbsfähigkeit als Schwerpunkt
- Die Rede des Präsidenten zur Haushaltsvorlage -

Mäßige sowjetische Fortschritte bei Menschenrechten
- Richard Schifters Rede vor dem Kongreß -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK

Der Drogenkrieg geht weiter
- Polizeimaßnahmen notwendig - aber Erziehung wichtiger

* * * * * *

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Embassy of the United States of America

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�AMERIKA DIENST
"VON

Dokumentation

^

15. Februar 1989

BUSH FORDERT WETTBEWERBSFÄHIGKEIT ALS SCHWERPUNKT
- Die Rede des Präsidenten zur Haushaltsvorlage -

WASHINGTON - (AD) - Arn 9. Februar 1989 forderte Präsident Bush den Kongreß
auf, gemeinsam mit der Administration am Entwurf eines Haushalts zu arbeiten,
der das Wachstum und die Wettbewerbsfähigkeit der Vereinigten Staaten fördert:,
dem illegalen Drogenhandel Einhalt gebietet und Umweltprogramme ausbaut. Bush
erläuterte ferner die Veränderungen seiner Administration zu dem von der
Reagan-Regierung im Januar vorgelegten Haushalt.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede im Wortlaut:

Vor weniger als drei Wochen habe
ich auf der Westseite dieses Gebäudes
gestanden und Ihnen - mit dem Blick
auf die Denkmäler unserer stolzen
Vergangenheit
- meine Hand ausgestreckt, um das nächste Kapitel der
amerikanischen Geschichte mit einer
Chronik
anhaltenden Wohlstands und
Friedens zu füllen. Heute abend bin
ich hierhergekommen, um Ihnen meine
Plana dazu zu unterbreiten. Die Hand
bleibt ausgestreckt, die Ärmel sind
hochgekrempelt, Amerika wartet, und
wir müssen jetzt zur Tat schreiten.
Zusammen
können
wir
ein
besseres
Amerika aufbauen.
Es ist tröstlich, in diese geschichtsträchtige Kammer zurückzukehren.
Vor 22 Jahren habe ich hier
meine Hand zum Eid auf die Verfassung

United States Information Service
Embassy of the United States of America

erhoben. Heute abend kommt es mir so
vor, als ob ich zu Freunden heimkehre.
Und ich beabsichtige, Ihnen in
den kommenden Monaten und Jahren das
zukommen zu lassen, was Freunde verdienen: Offenheit, Respekt und mein
bestes Wissen über Mittel und Wege
zur Verbesserung von Amerikas Zukunft.
Im Gegenzug bitte ich um echtes
Engagement für unsere gemeinsame Mission des Fortschritts. Wenn wir die
Chancen auf dem vor uns 1 legenden Weg
ergreifen, werden wir alle davon profitieren.
Die Menschen haben uns
nicht
hierhergeschickt,
damit
wir
streiten.
Es ist an der Zeit, daß
wir regleren.

in

Viele Präsidenten haben sich hier
Zeiten schwerer Krisen - Krieg,

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�Depression, Verlust des Nationalstolzes - eingefunden.
Vor acht Jahren
habe ich auf diesem Stuhl dort gesessen, als Präsident Reagan von der
sträflichen Inflation und den verheerend hohen Zinssätzen, den Arbeitslosen und dem verlorenen Vertrauen in
Amerika sprach. Wir sehen uns einer
anderen Herausforderung gegenüber.
Wir haben Glück - uns stellt sich
heute abend ein anderes Bild.
Ich
schlage also nicht vor, den Kurs zu
ändern.
Wir sind auf dem richtigen
Weg. Aber wir dürfen nicht ausruhen.
Wir sind ein Volk, dessen Energie und
Dynamik unseren Aufstieg zur Größe
angefacht haben. Wir sind eine Nation, die den Blick nach vorn richtet
- sowohl großzügig als auch ehrgeizig
- nicht im Hinblick auf uns selbst,
sondern auf die Welt. Gleichgültigkeit ist uns ein fremder Wesenszug tn ier Vergangeneheit, Gegenwart und
Zukunft.
Heute abend müssen wir an Amerikas Stärke denken - und es noch besser machen.
Wir müssen sehr reale
Probleme bewältigen. Wir müssen sehr
klare Prioritäten setzen.
Und wir
müssen unser Defizit im Bundeshaushalt ganz erheblich abbauen.
Manche mögen dieses Programm unmöglich finden. Aber ich lege Ihnen
heute abend einen realistischen Plan
zu seiner Bewältigung vor. Mein Plan
stellt sich in vier Grundzügen dar:
Beachtung wichtiger Prioritäten, Investitionen für die Zukunft, Inangriffnahme des Defizits und keine
neuen Steuern.
Dieser Haushalt ist ein Abbild
meines bestens Wissens darüber, wie
wir unsere Prioritäten im Einklang
mit ier Auffassung der Menschen angehen können. Es gibt viele Bereiche,
in denen wir alle mehr ausgeben wollen, als ich vorschlage, aber das
können wir nicht tun, bis wir unseren
finanziellen Überbau in Ordnung gebracht haben.
\llein im kommenden Jahr wird die

Bundesregierung dank des Wirtschaftswachstums und ohne Gesetzesänderungen
mehr als 80 Milliarden Dollar mehr
einnehmen haben als in diesem Jahr.
Ganz richtig - mehr als 80 Milliarden
Dollar Mehreinnahmen ohne Steuererhöhungen. Unsere Aufgabe ist es, diese
neuen Mittel klug zu verteilen.
Wir können es uns leisten, die
Ausgaben zu erhöhen - in bescheidenem
Ausmaß, aber dennoch ausreichend, um
in wichtige Prioritäten zu investieren und dennoch das Defizit in einem
Jahr um fast 40 Prozent abzubauen.
Damit können wir die im Gramm-RudmanHollings-Gesetz gesteckten Ziele erfüllen.
Aber um das zu tun, müssen wir
erkennen, daß ein Wachstum, das höher
ist als die Inflation, in Bundesprogrammen nicht zwangsläufig ist und
daß nicht alle Ausgabeposten für die
Ewigkeit ausgelegt sind.
Ich bitte Sie heute abend: Meine
Mitarbeiter und ich sind zur Zusammenarbeit mit dem Kongreß, zur Bildung einer Führungsgruppe, zu Verhandlungen nach bestem Wissen und Gewissen, zur Arbeit Tag und Nacht wenn das erforderlich sein sollte bereit, um die Ziele des Haushalts zu
erfüllen und einen Haushalt rechtzeitig vorzulegen.
Wir können nicht zur Tagesordnung
übergehen.
Eine Regierung, die von
immer neuen Resolutionen abhängig ist
- und eine Regierung in der Krise wird das nicht tun.
Ich bitte den Kongreß heute abend
um seine Zustimmung zu verschiedenen
Maßnahmen,
die
eine
vernünftigere
Haushaltsführung erlauben.
Wir würden Zeit sparen und rationeller arbeiten, wenn wir einen Haushalt für
zwei Jahre verabschieden würden.
43
Gouverneure haben das Recht auf ein
selektives Veto. Es sollte auch den
Präsidenten zugestanden werden.
Zumindest sollte der Kongreß über
Vorschläge des Präsidenten zur An-

�fechtung von Bundesausgaben abstimmen
müssen - und sie nicht durch Untätigkeit zunichte machen dürfen.
Und ich fordere den Kongreß auf,
den Wünschen der Öffentlichkeit durch
die Verabschiedung eines Verfassungzusatzes Rechnung zu tragen, der einen ausgewogenen Haushalt fordert.
Ein solcher Zusatz würde, wenn er
einmal eingeführt ist, sowohl den
Kongreß als auch die Exekutive disziplinieren.
Verschiedene Prinzipien umschreiben das Amerika, das ich mit Ihrer
Hilfe in den kommenden Jahren zu
schaffen hoffe.
Wir werden uns nicht erlauben
können, den leichtfertigen und verschwenderischen Ansatz zur Problemlösung anzuwenden - weil höhere Ausgaben und höhere Steuern das Wirtschaftswachstum gefährden werden.
Wirtschaftswachstum
schafft Arbeitsplätze
und
Hoffnung.
Wirtschaftswachstum versetzt uns in die.
Lage, Sozialprogramme zu finanzieren.
Wirtschaftswachstum erhöht die Sicherheit des Landes.
Und niedrige
Steuern schaffen Wirtschaftswachstum.
Ich glaube daran, daß wir den
Amerikanern mehr Freiheit und bessere
Wahlmöglichkeiten geben sollten - und
ich werde an den Wahlmöglichkeiten
für amerikanische Familien arbeiten,
ob für ihre Wohnungssituation, bei
den Schulen, in die sie ihre Kinder
schicken oder bei der Betreuung, die
sie ihren Kindern zuteil werden lassen.
Meiner Ansicht nach haben wir
eine Verpflichtung gegenüber den Bedürftigen, aber die Regierung sollte
nicht die erste Zuflucht für solche
Dinge sein, die der Privatsektor besser leisten kann.
Ich glaube an eine Gesellschaft,
die von Diskriminierung und Bigotterie frei ist. Ich werde daran arbeiten, um die Schranken niederzureißen,
- 3

die Diskriminierungen in der Vergangenheit errichtet haben und eine tolerantere Gesellschaft zu schaffen,
die
verhindern
kann, daß solche
Schranken jemals neu errichtet werden.
Ich glaube daran, daß Familie und
Religion die moralische Richtschnur
der Nation sind - und werde daran arbeiten, um sie zu stärken, weil schon
Benjamin Franklin gesagt hat: "Wenn
kein Spatz vom Himmel fallen kann,
ohne daß Gott es sieht, wie (kann)
eine (große Nation) ohne Seine Hilfe
zur Größe gelangen?"
Und ich glaube daran, daß die
Menschen die Macht haben sollten, um
ihr eigenes Leben durch Wachstum und
Chancen besser zu gestalten. Gemeinsam sollten wir die Macht in die Hand
des Volkes legen.
Vor drei Wochen haben wir den
200. Jahrestag der Amtseinführung des
ersten
Präsidenten gefeiert.
Und
wenn Sie zurückschauen, beeindruckt
eine Tatsache in der Art, wie die
Gründerväter Amerika gesehen haben.
Sie redeten nicht über sich selbst.
Sie redeten über die Nachwelt, über
die Zukunft. Ebenso müssen wir über
uns selbst hinausschauen
Wir müssen heute die Taten vollbringen, die ein besseres Morgen garantieren. Wir müssen die amerikanische Führungsrolle in der Technologie ausbauen, langfristige Investitionen ermutigen, unser Bildungssystem verbessern und die Produktivität
steigern.
Dies sind die Schlüssel
zum Aufbau einer besseren Zukunft.
Ich gebe
lungen:

dazu

folgende

Empfeh-

- Ich schlage die Bewilligung von
2,2 Milliarden Dollar für die National
Science Foundation zur
Förderung der Grundlagenforschung
vor.
- Ich schlage die dauerhafte Gewährung von Steuernachlässen für
Forschung und Entwicklung vor.

�- Ich habe Vizepräsident Quayle zum
Vorsitzenden einer neuen Arbeitsgruppe zur Wettbewerbsfähigkeit
bestimmt.
- Ich fordere Mittel für die NASA
und ein starkes Weltraumprogramm
- eine Erhöhung um fast 2,4 Milliarden Dollar im laufenden Haushaltsjahr. Wir müssen eine bemannte
Raumstation
einrichten,
ein
gesichertes
Raumfährenprogramm und die kommerzielle Nutzung des Weltraums ausbauen. Das
Weltraumprogramm
sollte
"mit
Volldampf" betrieben werden - das
ist nicht nur unser Ehrgeiz, sondern unser Schicksal.
Ich schlage vor, daß wir die
Höchstsätze der Kapitalertragssteuer
senken, um langfristige Investitionen
zu ermutigen. Die Geschichte zeigt
es deutlich: damit werden die Einnahmen gesteigert, Einsparungen gefördert und neue Arbeitsplätze geschaffen.
Wir werden nicht konkurrenzfähig
werden, wenn wir in Amerika ganze
Sektoren außer acht lassen. In diesem Jahr sollten wir städtische Gewerbegebiete schaffen und Hoffnung in
unsere Innenstädte bringen.
Aber das wichtigste Programm zur
Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit
ist das amerikanische Bildungsprogramm. Wenn einige unserer Schüler
Schwierigkeiten haben, Amerika auf
einer Weltkarte zu lokalisieren, ist
es an der Zeit, daß wir im Bildungswesen neue Methoden finden.
Wir müssen Leistung belohnen und
Bürokratie abbauen. Wir müssen den
Schulen helfen, die unsere Hilfe am
nötigsten brauchen. Wir müssen Eltern, Schülern, Lehrern und Direktoren Wahlmöglichkeiten einräumen. Und
wir müssen alle Beteiligten zur Verantwortung ziehen. Im Bildungswesen
dürfen wir keine Mittelmäßigkeit zulassen.

Ich möchte die Zahl der vorzeitigen Schulabgänger verringern und das
Analphabtentum in Amerika verringern.
Es läuft alles auf eines hinaus: je
mehr Schulabgänger mit abgeschlossener Ausbildung wir heute haben, umso
weniger Arbeitslose werden wir morgen
haben.
Heute abend schlage ich die folgenden Initiativen vor:
- die Aufnahme eines Programms im
Umfang von 500 Millionen Dollar,
um Schulen in Amerika auszuzeichnen und "beste Schulen" zu finden,
- die Einrichtung von besonderen,
vom Präsidenten verliehenen Auszeichnungen für den besten Lehrer
jedes Bundesstaats - weil sich
Leistung lohnen soll,
- die Einführung eines neuen Programms für Forschung im Dienste
des Landes - ein Wissenschaftler
in jedem Jahr für jeden Abgeordneten in Senat und Repräsentantenhaus - um dieser Schülergeneration einen besonderen Anreiz
zu bieten, sich in Naturwissenschaften und Mathematik auszuzeichnen,
- die
vermehrte
Schaffung
von
Schwerpunktschulen, die Familien
und Schülern mehr Auswahlmöglichkeiten bieten sollen.
- und ein neues Programm zur Ermutigung
"alternativer
Zulassungen", die qualifizierte Bewerber
aus allen Gebieten zum Unterrichten befähigen.
Ich habe erklärt, daß ich der
"Bildungspräsident"
sein
möchte.
Heute abend bitte ich Sie, mir dabei
behilflich zu sein, indem sie zu
einem "Bildungskongreß" werden.
In der vergangenen Woche erhielt
ich einen Brief von einer Mutter aus
Pennsylvania, die von meiner Antrittsrede
sehr
beeindruckt
war.
"Knapp 12 Stunden zuvor", schrieb

�sie, "erhielten mein Mann und ich die
Nachricht, daß unser Sohn kokainsüchtig ist. Er hatte alles, was man
sich nur wünschen kann. Er ist intelligent, begabt, sympathisch..., er
hätte alles aus seinem Leben machen
können. Er hat sich für Kokain entschieden" .
Und sie fuhr fort, "Ich flehe Sie
an, einen Weg zu finden, den Kokainhandel zu stoppen. Hart gegen die
Händler
vorzugehen.
Unser
Sohn
braucht Ihre Hilfe."
Meine Freunde - diese um Hilfe
flehende Stimme könnte die Stimme Ihres Nachbarn sein. Ihres Freundes.
Ihres Sohnes.
Im vergangenen Jahr
nahmen über 23 Millionen Amerikaner
Drogen ein - was für unser Land
schwindelerregende Kosten verursacht
hat.
Diese Zeit sollte als das Zeitalter in die Geschichte eingehen, in
dem Amerika sich erhoben und "No" zu
Drogen gesagt hat. Die Geißel "Droge" muß überwunden werden.
Heute
abend bitte ich um eine Aufstockung
von fast 1 Milliarde Dollar aus den
Hanshaltsmitteln, um den Kampf gegen
Drogen
zu
beschleunigen.
Dieser
Kampf wird an allen Fronten geführt.
Unser neuer
"Drogenzar", Bill
Bennett, und ich werden Seite an Seite an der Bewältigung dieser Aufgabe
arbeiten.
Ein Teil des Geldes wird dazu
verwendet, die Hilfe für Bedürftige
und junge Mütter zu verbessern. Damit wird vielen unschuldigen Drogenopfern die helfende Hand dargeboten ebenso wie den Tausenden von Kindern,
die aufgrund der Drogenabhängigkeit
ihrer Mutter bereits drogenabhängig
oder AIDS-infiziert geboren werden.
Ein weiterer Teil der Mittel
dient der Verkürzung von Wartezeiten
für Therapieplätze. Ein Teil ist für
jene städtische Schulen gedacht, bei
denen die Probleme am größten sind.
Und ein Großteil des Geldes dient dem
- 5

Schutz unserer Grenzen, mit Unterstützung der KUstenwache, der Zollbehörden, des Außen- und Justizministeriums und nicht zuletzt des amerikanischen Militärs.
Ich bin entschlossen, mit aller
Härte gegen die Drogenkriminalität
vorzugehen.
Lassen Sie mich dies
eindeutig klarstellen: Dieser Präsident wird diejenigen unterstützen,
die ihr Leben jeden Tag aufs Spiel
setzen - unsere Polizeibeamten.
Meine
Haushaltsvorlage
fordert
verschärftes Vorgehen und Bekämpfung
des organisierten Verbrechens sowie
die Verhängung harter Urteile - und
für die mächtigen Hintermänner bedeutet dies die Todesstrafe.
Ich möchte auch sicherstellen,
daß die Zelle bereits auf ihn wartet,
wenn ein Drogenhändler verurteilt
wird. Er sollte nicht in Freiheit
bleiben, nur weil die Gefängnisse
überfüllt sind.
Verbreitet die Nachricht:
Wenn
Ihr gefaßt und verurteilt werdet,
dann werdet Ihr eure Zeit absitzen.
Aber bei allem, was wir mit
Strafvollzug, Unterbrechung des Nachschubs und Therapie tun können, werden wir diesen Kampf gegen Drogen
niemals gewinnen, wenn wir nicht aufhören, nach Drogen zu verlangen.
Ein Teil der aufgestockten Mittel
dient dazu, die Jugendlichen über die
Gefahren von Drogen zu unterrichten.
Wir müssen Eltern und Lehrer einbeziehen.
Wir müssen die Gemeinden
einbeziehen.
Und, meine Freunde wir müssen uns einbeziehen.
Wir müssen unser Augenmerk und
Mitgefühl vertärkt auf ein Problem
richten, das mit Drogenmißbrauch Hand
in Hand geht. Es handelt sich um die
schreckliche Krankheit AIDS.
Ich
fordere 1,6 Milliarden Dollar für
Aufklärungskampagnen und für die Forschung zur Heilung dieser Krankheit.

�Wenn wir unsere Zukunft schützen
wollen, benötigen wir eine andere
Einstellung gegnüber unserer Umwelt.
Wir müssen die Luft reinhalten, die
wir atmen. In Kürze werden ich Ihnen
einen Entwurf für neues, wirksameres
Gesetz zur Reinhaltung der Luft vorlegen. Es enthält einen Plan mit dem
bis zum Tage X die Emissionen verringert werden sollen, die den sauren
Regen verursachen, denn die Zeit der
Erforschung und Prüfung ist verstrichen - jetzt ist es an der Zeit, zu
handeln.
Wir müssen saubere Kohle verwenden. In meiner Haushaltsvorlage ist
die vollständige und fristgerechte
Finanzierung des Abkommens mit Kanada
über eine neue Technologie für saubere Kohle enthalten. Wir haben die
Absicht, dieses Abkommen einzuhalten.
Wir dürfen unsere Parks nicht
vernachlässigen. Daher bitte ich im
Rahmen des Fonds zur Erhaltung von
Boden und Gewässern um die Beschaffung neuen Geländes.
Wir müssen unsere Meere schützen.
Ich befürworte neue Strafen für diejenigen, die medizinische Abfälle und
sonstigen Müll in unserem Ozean entsorgen.
Das Zeitalter der Injektionsnadel am Strand muß enden.
In einigen Fällen lassen die Gewässer vor unseren Küsten auf Öl- und
Erdgasreserven hoffen, die unser Land
sicherer und weniger abhängig von
ausländischem
Öl
machen
könnten.
Wenn die vielversprechendsten Quellen
sicher erschlossen worden sind - wie
es beim Alaska National Wildlife Refuge fast immer der Fall war - sollten wir weitermachen. Aber wir müssen vorsichtig vorgehen und unsere
Umwelt respektieren.
Heute abend bitte ich um den Aufschub von drei Leasingverkäufen auf
unbestimmte Zeit, die beunruhigende
Fragen aufgeworfen haben - es handelt
sich um zwei Gebiete vor der kalifornischen Küste und eines, das die
Everglades in Florida bedrohen könn-

te. Ein weiteres Vorgehen bezüglich
dieser drei Leasingverkäufe wird erst
erfolgen, wenn eine speziell zur Erforschung der möglichen Umweltschaden
eingesetzte
Arbeitsgruppe
ihre
Schlußfolgerungen vorgelegt hat.
Ich wende mich an den Justizminister und den Direktor der Umweltschutzbehörde, alles in ihrer Macht
stehende zu tun, um die Durchführung
von Gesetzen gegen die Entsorgung von
Giftmüll zu beschleunigen und zu verschärfen. Ich möchte, daß Umweltverschmutzungen schneller beseitigt und
die Schuldigen härter bestraft werden.
Zusätzlich zu der Sorge um unsere
Zukunft müssen wir uns um unsere Mitbürger kümmern. Eine anständige Gesellschaft zeigt Mitgefühl für die
Jugendlichen, Alteren, Schwachen und
Armen.
Unsere erste Pflicht gilt den
Schwächsten - Kleinkindern, bedürftigen Müttern, Kindern, die in Armut
leben - und meine Haushaltsvorlage
wird dem gerecht. Ich bitte um die
vollständige Finanzierung von MEDICAID - dies bedeutet eine Aufstockung
um über drei Milliarden Dollar - sowie die Einbeziehung von an der Armutsgrenze lebenden schwangeren Frauen in das Programm.
Meiner Ansicht nach sollten wir
erwerbstätigen Familien bei der Bürde
der Kinderbetreuung behilflich sein.
Unsere Unterstützung sollte auf diejenigen abzielen, die sie am meisten
benötigen - einkommensschwache Familien mit kleinen Kindern. Ich befürworte die Einführung eines Steuerfreibetrages für Kinderbetreuung, der
sich auf eben diese Familien erstreckt, ohne eine Benachteiligung
der Mütter, die es vorziehen, ihre
Kinder zu Hause zu betreuen.
Ich weiß, daß unterschiedliche
Vorschläge unterbreitet wurden. Aber
Sie sollten sich folgendes vor Augen
führen: Das Gros der Kinderbetreuung
im Vorschulalter erfolgt heute bei
Verwandten und Nachbarn, in kirch-

�liehen und kommunalen Einrichtungen.
Familien, die sich für diesen Vorschlag entscheiden, sollten ihre Unterstützung
anbieten.
Den Eltern
sollte die Wahl überlassen bleiben.
Im Falle von unerwünschten Kindern, Waisenkindern oder Kindesmißhandlungen sollten wir die Adoption
ermutigen. Ich schlage die Wiedereinführung der Steuerabzüge für Adoptionskosten und die Verdoppelung dieses Betrages auf 3 000 Dollar vor.
Wir sollten es diesen Kindern erleichtern, von liebenden Eltern aufgenommen zu werden.
Gegenüber unseren altern Mitbürgern haben wir eine moralische Verpflichtung.
Meine Haushaltsvorlage
sieht die vollständige Finanzierung
der
Sozialversicherung
vor, einschließlich einer Anpassung an die
Lebenshaltungskosten in voller Höhe.
Wir müssen diese Verpflichtung einhalten.
Wir müssen uns um diejenigen "auf
der Schattenseite des Lebens" kümmern, und wie viele Amerikaner bin
Ich zutiefst besorgt über die Misere
der Obdachlosen. Obdachlosigkeit hat
viele Ursachen, ihre Geschichte ist
lang, aber das moralische Gebot, zu
handeln, ist unleugbar.
Dank der überwältigenden Großzügigkeit, von der unser großartiges
Land gekennzeichnet ist, tragen bereits zahlreiche Organisationen zur
Unterstützung bei. Aber wir in der
Regierungsverantwortung dürfen nicht
beiseite stehen.
In meinem Haushaltsentwurf fordere Ich größere Unterstützung für Notunterkünfte und
Verteilung von Nahrungsmitteln an die
Obdachlosen, für Gesundheitsdienste
und Maßnahmen gegen Arzneimittelmißbrauch sowie psychiatrische Kliniken
- und ich schlage eine neue Initiative vor, die das gesamte Spektrum der
Regierungsbehörden einbezieht.
Wir
müssen diese nationale Schmach in den
Griff bekommen.
Ich habe beschlossen, heute abend

ein weiteres Thema zur Sprache zu
bringen. Lange Zeit war ich der Auffassung, die Puertoricaner sollten
das Recht haben, selbst über ihre politische Zukunft zu entscheiden. Ich
persönlich befürworte die Eigenstaatlichkeit. Aber ich bitte den Kongreß
zur
Veranlaßung
der
notwendigen
Schritte, damit die Entscheidung vom
Volk getroffen werden kann.
Als Folge von Jahrzehnten unvernünftiger Praktiken bedrohen einige
Probleme das Wohlergehen und die Sicherheit unseres Volkes. Wenn wir
sie vernachlässigen, werden sie sich
nur verschlimmern - aber heute können
wir sie in den Griff bekommen.
Zu Beginn der Woche habe ich meine Unterstützung eines Planes zur
Wiederherstellung
der
finanziellen
und moralischen Integrität unserer
Sparbanken angekündigt.
Ich bitte
den Kongreß, unsere Reformvorschläge
binnen 45 Tagen zu verabschieden.
Die gegenwärtige Situation ist unhaltbar.
Zweifelsohne müssen die Spareinlagen der Amerikaner weiterhin gesichert sein - versicherte Einleger
sind weiterhin in vollem Umfang geschützt. Aber jeder Plan zur Refinanzierung des Systems muß von einer
umfassenden Reform begleitet sein.
Dank unserem Vorschlag wird sich eine
solche Krise nicht wiederholen. Die
beste Antwort darauf ist sicherzustellen, daß eine solche Geschichte
nicht wieder vorkommt.
Die Mehrzahl der Sparbanken in
den Gemeinden dieses Landes haben in
aufrichtiger Absicht gehandelt; sie
haben eine wichtige Rolle dabei gespielt, den Familien bei der Verwirklichung ihres Traumes vom Eigenheim
zu helfen.
Aber seien Sie versichert: Diejenigen, die korrupt sind,
die das Gesetz brechen, müssen sich
auf einen Rausschmiß gefaßt machen
und mit Gefängnis rechnen.
Wir sehen uns mit der enormen
Aufgabe konfrontiert, den Atommüll zu

- 7 -

�entsorgen, der in Jahrzehnten der
Vernachlässigung in den Produktionsstätten
für Kernwaffen angefallen
ist. Zweifelsohne müssen wir diese
Anlagen modernisieren und sicher betreiben. Das ist unumstritten - unsere nationale Sicherheit hängt davon
ab.

opfern, und ich werde die Stärke der
Vereinigten Staaten nicht aufs Spiel
setzen.

Aber darüber hinaus müssen wir
den alten Müll beseitigen, der hinterlassen wurde - und in dieser Haushaltsvorlage habe ich mich dazu verpflichtet, unsere Anstrengungen mehr
als zu verdoppeln. Dies wird uns in
die Lage versetzen, zum Kern des jeweiligen Problems vorzudringen und es
zu bewältigen - und dazu sind wir
entschlossen.

Die eingesparten Mittel müssen
entsprechend der Prioritäten bei
unseren
Zukunftsinvestitionen
eingesetzt werden, über die ich
heute abend gesprochen habe.

In den vergangenen acht Jahren
ist es uns gut ergangen. Die Vereinigen Staaten stehen heute besser
da als im Jahr 1980. Die Moral unserer Streitkräfte
ist wiederhergestellt. Unsere Entschlußkraft wurde
unter Beweis gestellt.
Unsere Bereitschaft wurde verbessert. Wir haben Frieden. Es besteht kein Zweifel
mehr daran, daß der Frieden durch
Stärke sicherer gemacht worden ist.
Wenn die Vereinigten Staaten stärker
sind, ist die Welt sicherer.
Die meisten Menschen machen sich
nicht klar, daß nach der erfolgreichen
Wiederherstellung
unserer
Stärke der Verteidigungshaushalt in
jedem der vergangenen vier Jahre in
realen Zahlen abgebaut worden ist.
Weitere Kürzungen können wir nicht
hinnehmen.
Angesichts der zwingenden Notwendigkeit zur Senkung des Defizits unterstütze ich jedoch das Einfrieren
des Verteidigungshaushalts für ein
Jahr - wie ich es vergangenen Herbst
im Rahmen meines Plans flexibler Einfrlerungen vorgeschlagen habe.
Dieses Einfrieren wird nur für
ein Jahr gelten - danach werden Zuwächse über die Inflationsrate hinaus
erforderlich sein.
Ich werde die
amerikanische Kampfbereitschaft nicht

Ich möchte die Bedingungen, an
die meine Empfehlung für das kommende
Jahr gebunden ist, folgendermaßen erläuern:

Das Einfrieren der Verteidigungsausgaben muß Teil einer umfassenden Haushaltsübereinkunft sein,
die den im Gramm-Rudman-HollingsGesetz verankerten Zielen ohne
Steuererhöhungen entspricht und
Reformen
im
Haushaltsbewilligungsverfahren beinhaltet.
Ich habe den Nationalen Sicherheitsrat angewiesen, unsere Sicherheits- und
Verteidigungspolitik
zu
überprüfen und mir innerhalb von 90
Tagen Bericht zu erstatten, um sicherzustellen, daß unsere Fähigkeiten
und Mittel unseren Verpflichtungen
und Strategien entsprechen.
Ferner werde ich das Verteidigungsministerium beauftragen, einen
Plan zur Verbesserung des Beschaffungsverfahrens und der Verwaltung im
Pentagon auszuarbeiten - damit soll
der Bericht der Packard-Kommission
vollständig in die Praxis umgesetzt
werden»
Viele Veränderungen können
nur mit Beteiligung des Kongresses
durchgeführt werden - ich bitte also
um Ihre Hilfe.
Wir brauchen einen Abbau von Vorschriften. Wir brauchen weniger Bürokratie.
Wir brauchen mehrjährige
Beschaffungsprojekte und einen Zweijahreshaushalt. Und offen gestanden
benötigen wir weniger "Mikromanagement" des Kongresses in bezug auf
die Verteidigungspolitik unseres Landes.
Die

Sicherung

des

Weltfriedens

�ist die vielleicht vordringlichste
Aufgabe, zu der ich mich heute abend
äußern möchte. Wir kommen in einer
Zeit außergewöhnlicher Hoffnungen zusammen. Niemals in diesem Jahrhundert waren unsere Werte der Freiheit,
Demokratie und wirtschaftlichen Möglichkeiten eine solch mächtige politische und geistige Kraft in der ganzen Welt. Niemals zuvor war unsere
Führungskraft von solch entscheidender Bedeutung, denn während die Augen
der Vereinigten Staaten in die Zukunft gerichtet sind, ruhen die Augen
der Welt auf den Vereinigten Staaten.
Dies ist eine Zeit großer Veränderungen in der Welt - insbesondere
in der Sowjetunion. Vernunft und gesunder Menschenverstand zwingen uns,
den Versuch zu unternehmen, die volle
Bedeutung des dort stattfindenden
Wandels zu verstehen, unsere Politik
sorgfältig zu überdenken und Vorsichtig walten zu lassen. Ich habe Generalsekretär Gorbatschow jedoch persönlich versichert, daß wir nach Abschluß dieser Überprüfung zu Fortschritten bereit sind.
Wir werden
keine Gelegenheit ungenutzt lassen,
um für den Frieden einzutreten.
5s bleibt eine grundlegende Tatsache, daß die Sowjets eine sehr
mächtige
militärische
Maschinerie
aufrechterhalten, die Zielen dient,
die immer noch allzu oft mit den unseren in Konflikt stehen. Laßt uns
also die neue Offenheit ernst nehmen.
Laßt uns einen Schritt nach vorn machen, um zu verhandeln.
Laßt uns
aber auch realistisch sein, und laßt
uns stets unsere Stärke bewahren.
Es gibt einige vordringliche Fragen, die wir angehen müssen:
Ich
werde die Strategische Verteidigungsinitiative energisch weiterverfolgen.
Die Verbreitung und selbst der Einsatz hochmoderner Waffen bedroht die
weltweite Stabilität wie nie zuvor.
Chemische Waffen müssen vom Antlitz
der Welt verbannt werden und nie wieder zum Einsatz kommen. Dies wird
nicht leicht sein. Die Verifizierung
wird schwierig sein.
Zivilisation

-9

und menschlicher Anstand erfordern
jedoch, daß wir darauf hinarbeiten.
Auch der Verbreitung von Kernwaffen muß Einhalt geboten werden. Ich
werde mich bemühen, den Einfluß der
Internationalen Atomenergiebehörde zu
stärken. Unsere Diplomatie muß Tag
für Tag gegen die Verbreitung von
Kernwaffen eintreten.
Weiterhin müssen wir auf der ganzen Welt der Freiheit bester Freund
sein. Wir müssen an der Selbstbestimmung und Demokratie für Mittelamerika festhalten - einschließlich
Nicaraguas. Denn wenn dem Volk die
Möglichkeit gegeben wird, wird es unweigerlich für eine freie Presse, Religionsfreiheit
und
nachweislich
freie und faire Wahlen eintreten.
Wir müssen das Bündnis der demokratischen Industrieländer stärken die beständigste Kraft für den Frieden, die die Welt je gekannt hat.
Dieses Bündnis entstand durch die
Macht unserer Ideale, nicht durch die
Kleinlichkeit
unserer
Meinungsverschiedenheiten.
Laßt uns also den
Blick nach vorn richten - um statt
über Hormone in Rindfleisch zu streiten gemeinsam an einer besseren Zukunft zu arbeiten, um vom Protektionismus zum Fortschritt zu gelangen.
Ich habe den Außenminister beauftragt, nächste Woche Europa zu besuchen und mit den Europäern die ganze Bandbreite der uns gemeinsam betreffenden Herausforderungen und Möglichkeiten zu erörtern - einschließlich der Ost-West-Beziehungen.
Und
ich sehe dem baldigen Zusammentreffen
mit unseren NATO-Partnern gerne entgegen.
Auch ich werde schon bald eine
Reise antreten - an den äußeren Rand
des Pazifischen Beckens, an dem die
Winde der Demokratie neue Hoffnung
entfachen und die Macht der freien
Marktwirtschaft neue Kräfte freisetzt.
Als ich vor nur 14 Jahren als
Vertreter der Vereinigten Staaten in

�China war, hätten sich nur sehr wenige das Ausmaß der von uns seither beobachteten Veränderungen vorstellen
können. Bei der Vorbereitung auf die
kommende Reise wurde mir durch einen
chinesischen
Schriftsteller
etwas
ganz deutlich bewußt. Er sprach von
seinem Land vor einigen Jahrzehnten seine Worte berühren jedoch jeden von
uns in Amerika heute abend.
"Heute", so schrieb er, "fürchten
wir uns vor einfachen Worten wie
Rechtschaffenheit, Mitleid und Güte."
Meine Freunde, wenn wir als Nation
Erfolg haben wollen, müssen wir diese
Worte wiederentdecken.
In drei Tagen werden wir den Geburtstag Abraham Lincolns begehen des Mannes, der unsere Union rettete
und dem Begriff "Möglichkeit" neuen
Inhalt verlieh. Lincoln hat einmal
gesagt:
"Ich bin der Überzeugung,
daß es zeit seines Lebens die Pflicht
des Menschen ist, nicht nur seine eigenen Lebensbedingungen zu verbessern, sondern dazu beizutragen, die
der gesamten Menscheit zu vervollkommnen."
Es ist die Beteiligung an dieser
umfassenderen Aufgabe, zu der ich alle Amerikaner aufrufe. Denn zur Definition eines erfolgreichen Lebens
muß auch der Dienst an der Gemeinschaft gehören.
Den jungen Menschen in Amerika,
die sich bisweilen ausgeschlossen
fühlen, sage ich:
Ich bitte Euch
heute abend darum, uns an Euren Talenten und Energien durch ein neues
Programm mit dem Namen "YES" (Youth
Entering Service to America) teilhaben zu lassen.
Den Männern und Frauen im Wirtschaftsleben - denken Sie an das Endziel Ihrer Tätigkeit - ein besseren
Produkt herzustellen, ein besseres
Leben zu schaffen. Ich bitte Sie,
langfristig zu planen und der Versuchung von kurzfristigen und leicht
erzielten Profiten, die nur auf dem
Papier stehen, zu widerstehen.

Den tapferen Männern und Frauen,
die die Uniform der Vereinigten Staaten von Amerika tragen, sage ich:
Ich danke Ihnen. Sie erfüllen ein
ehrenvolle Aufgabe: als Verteidiger
und Garanten der Freiheit. Ich möchte, daß Sie wissen, daß die Nation
für Ihren Dienst dankbar ist.
Den Bauern in Amerika sage ich:
Wir wissen die von Ihnen bereitgestellten Gaben zu schätzen. Wir werden uns bemühen, die ausländischen
Märkte für amerikanische Agrarprodukte zu öffnen.
Den Eltern Amerikas: Ich bitte
Sie, sich für die Schulbildung Ihrer
Kinder zu engagieren. überprüfen Sie
ihre Schularbeiten. Gehen Sie in die
Schule, treffen Sie die Lehrer, nehmen Sie Anteil daran, was dort geschieht. Es steht nicht nur die Zukunft Ihrer Kinder auf dem Spiel,
sondern die Zukunft Amerikas.
Den Kindern in unseren Städten:
Gebt die Hoffnung nicht auf. Sagt
nein zu Drogen. Bleibt in der Schule. Und "haltet die Hoffnung leben1| •
Den 37 Millionen Amerikanern, die
in der einen oder anderen Weise behindert sind: Sie sind ein fester
Bestandteil
unseres
Wirtschaftslebens. Wir brauchen ihr Talent auf
dem
Arbeitsmarkt
der
Vereinigten
Staaten. Die behinderten Amerikaner
müssen zu vollwertigen Partnern in
der amerikanischen Gesellschaft der
Möglichkeiten werden.
Den
Familien
der
Vereinigten
Staaten, die Sie uns heute von Ihren
Wohnzimmern aus zuschauen:
Halten
Sie an Ihren Träumen fest, denn
letztlich liegt die Zukunft Amerikas
in Ihren Händen.
Und zu meinen Freunden in dieser
Kammer: Ich bitte um Ihre Zusammenarbeit, um das Wachstum der Vereinigten Staaten zu erhalten, während wir
das Defizit senken.
Das ist nur
recht und billig für diejenigen, die

- 10 -

�heute noch nicht wählen können - die
folgenden Generationen.
Sie sollen einmal zurückblicken
und sagen können, daß wir die Weitsicht besaßen, zu verstehen, daß eine
Zeit des Friedens und Wohlstands keine Zeit zum ausruhen ist, sondern
eine Zeit, um auf Fortschritte zu
drängen. Eine Zeit, um in die Zukunft zu investieren.
Und alle Amerikaner sollten daran
denken, daß kein von Menschen gemachtes Problem zu groß ist, als daß es
durch die Genialität und Energie des
Menschen und durch die unermüdliche
Hoffnung des menschlichen Geistes
nicht überwunden werden könnte. Ich
glaube daran. Ich hätte mich nicht
darum beworben, Ihr Präsident zu
sein, wenn ich dies nicht täte.
Morgen beginnt die Debatte über
den von mir vorgelegten Plan. Ich
bitte den Kongreß, seine eigenen Vorschläge zu unterbreiten, wenn diese
sich von meinen unterscheiden. Lassen Sie uns nicht die Motive des anderen in Zweifel ziehen. Lassen Sie
uns debattieren. Lassen Sie uns verhandeln.
Aber lassen Sie uns das
Problem lösen.
Jahrestage in Erinnerung zu rufen, mag nicht gerade meine Spezialität bei Reden sein - heute abend aber
gibt es einen solchen Anlaß. Am 9.
Februar 1941, heute abend vor genau
48
Jahren,
sprach
Sir
Winston
Churchill in einer Stunde der Gefahr
für Großbritannien über den Rundfunk.
Er hatte von Präsident Roosevelt
einen persönlichen Brief erhalten, in
dem Longfellow's berühmtes Gedicht
zitiert wurde: "Sail on, Oh Ship of
State. Sali on, Oh Union, strong and
great. Humanity with all its fears,
with all the hopes of future years,
Is hanging breathless on thy fate."
Churchill
antwortete an jenem
Abend in einer Rundfunkansprache an
eine Nation im Krieg, aber er richtete seine Worte an Roosevelt. "Wir
- 11

werden weder aufgeben noch wanken",
sagte er. "Wir werden weder schwach
noch müde werden. Gebt uns die Mittel, und wir werden die Arbeit zu Ende bringen."
Heute, nahezu ein halbes Jahrhundert später, mag die Gefahr, in der
wir uns befinden, weniger bedrohlich
sein, aber Hartnäckigkeit und klarsichtige Standhaftigkeit sind ebenso
notwendig.
Damals wie heute gibt es manch
einen, der meint, es werde nicht gelingen. Es gibt Stimmen, die behaupten, die besten Tage Amerikas seien
vorüber.
Denn wir seien von Beschränkungen eingeschnürt, von Problemen bedrängt, von Unruhen umringt,
die unsere Fähigkeit zu hoffen einschränkten.
Nun, heute abend bin ich voll der
Hoffnung
Wir Amerikaner haben unsere Mission der Rechtschaffenheit und
Größe erst begonnen.
Und an jene
ängstlichen Seelen gewandt, wiederhole ich die Bitte - gebt uns die Mittel, und wir werden die Arbeit zu Ende bringen.

* * * * *

�AMERIKA DIENST
Dokumentation
15. Februar 1989

MASSIGE SOWJETISCHE FORTSCHRITTE BEI MENSCHENRECHTEN
- Richard Schifters Rede vor dem Kongreß -

WASHINGTON - (AD) Der Abteilungsleiter im amerikanischen Außenministerium für Menschenrechtsfragen und humanitäre Angelegenheiten, Richard
Schifter, erklärte am 8. Februar 1989 vor dem Auswärtigen Ausschuß des Senats,
die Sowjetunion "muß noch einen weiten Weg zurücklegen, bevor ihr die Einhaltung der Schlußakte von Helsinki" über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa
"zuerkannt werden kann".
Schifter nahm im Rahmen seiner Anhörung zum Jahresbericht seines Ministeriums an den Kongreß über die Wahrung der Menschenrechte in Ländern Stellung,
die Hilfe von den Vereinigten Staaten erhalten oder Mitglied der Vereinten Nationen sind. Der Bericht über die Menschenrechtssituation in 169 Ländern wurde am 8. Februar 1989 veröffentlicht.
Nachfolgend veröffentlichen wir Schifters Rede in Auszügen:

Was die positiven Entwicklungen
anbelangt, so konnten wir in der Sowjetunion die Hinwendung zu einer offeneren Gesellschaft beobachten. Unseres Wissens ist seit mehr als zwei
Jahren niemand mehr nach den Paragraphen des sowjetischen Strafrechts
angeklagt oder verurteilt worden, denen zufolge sogenannte "anti-sowjetische
Agitation
und
Propaganda",
"staatsfeindliche
Äußerungen"
oder
nicht genehmigte religiöse Aktivitäten
schwere Verbrechen darstellen,
die mit Jahren im Gulag geahndet werden können.
Alle nach diesen Paragraphen verurteilten
Personen sind
freigelassen
worden.
Die
sowjetischen Behörden haben uns informiert, daß die von uns als Mißbrauch
der Psychiatrie erachteten Praktiken
nicht mehr angewandt werden und alle

United States Information Service
Embassy of the United States of America

ungerechtfertigt eingelieferten Personen entlassen worden sind.
Uns
liegen darüber abweichende Berichte
vor, die wir zu prüfen beabsichtigen.
Die Störung ausländischer Rundfunksender hat aufgehört.
Beeinträchtigungen nehmen erheblich zu.
Rechtmäßige Wahlen werden bald stattfinden
und dem sowjetischen Durchschnittsbürger
zumindest
eine
Möglichkeit
einräumen, seine Präferenz für einen
Kandidaten zu bekunden.
Obwohl sich im Jahr 1988 in der
Sowjetunion ein Wandel vollzogen hat,
den wir vor nur drei Jahren nicht so
schnell für möglich gehalten hätten,
müssen wir uns doch vor Augen führen,
daß die Sowjetunion noch einen weiten
Weg zurücklegen muß, bevor ihr die
Einhaltung der Schlußakte von Helsin-

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�ki zuerkannt werden kann.
Sie ist
immer noch ein Einparteienstaat. Die
Geheimpolizei spielt immer noch eine
wichtige Rolle bei der Unterdrückung
von Dissidenten.
Rechtsstaatlichkeit
ist eine geäußerte Zielsetzung, keine
Realität.
Die Medien sind in der
Hand des Staates und werden von ihm
kontrolliert.
Religion wird ebenfalls vom Staat kontrolliert.

kung erhob sich das Volk mit der Forderung nach Freiheit und Demokratie
gegen das Militärregime.
Die Erhebung wurde brutal niedergeschlagen.
Die genauen Zahlen werden niemals bekanntwerden, aber es wurden sicherlich mehrere Hundert wenn nicht Tausende Zivilisten getötet, als die
burmesische Armee ihre Gewehre auf
die Demonstranten richtete.

Wir müssen uns darüber hinaus
vergegenwärtigen, daß der Erfolg derjenigen, die um Reformen bestrebt
sind, nicht garantiert ist. Eindeutig ist, daß die sowjetische Führung
zum ersten Mal seit vielen Jahren
nicht
länger
einen
einheitlichen
Block bildet. Es bestehen eindeutig
Unterschiede zwischen denjenigen, die
eine Weiterentwicklung des Landes in
Richtung auf politische und wirtschaftliche
Freiheit anstreben und
denjenigen mit der Auffassung
die
neue Politik sei bereits zu weit gegangen und eine Beschränkung notwendig.

In Afghanistan wird es lange dauern, bis sich das Land von den tragischen Konsequenzen einer fast 10jährigen sowjetischen Besatzung erholen wird. Auch im Jahr 1988 erhielten wir Berichte über zahlreiche politische Morde und Fälle von Folter.
Eine der wichtigsten Fragen für die
internationale
Staatengemeinschaft
lautet heute, wie wir Afghanistan
helfen können, nach dem sowjetischen
Truppenabzug die geschlagenen Wunden
zu heilen, und wie der Achtung der
Menschenrechte in einem Umfeld Geltung verschafft werden kann, das in
solch starkem Maß von den Gewaltakten
der
sowjetischen
Besatzungstruppen
und ihres Marionettenregimes brutalisiert wurde.

Eine Bilanz der Entwicklungen im
Jahr 1988 läßt den Schluß zu, daß Zusammenstöße
ethnischer
Minderheiten
zur größten Zahl von Todesopfern geführt und oftmals die schrecklichsten
Menschenrechtsverletzungen
mit
sich
gebracht hat.
In diesem Zusmmenhang sollten wir
unser Augenmerk auf das Schicksal der
zahlreichen Kurden im Irak lenken.
Zweifellos haben sich wichtige Gruppierungen der irakischen Kurden gegen
die Regierung des Irak erhoben. Aber
die Art und Weise, wie die irakische
Regierung im Hinblick auf ein Ende
des Krieges mit dem Iran darauf reagiert hat, war wahrhaft schockierend.
Wenn es eines Beweises für die
Tatsache bedarf, daß die in unserer
Unabhängigkeitserklärung
verankerten
Normen staatlichen Verhaltens nicht
an eine bestimmte Kultur gebunden,
sondern universell gültig sind, können die Ereignisse des Jahres 1988 in
Burma als Beispiel genommen werden.
Nach Jahrzehnten totaler Unterdrük-

Ich wende mich nun zwei weiteren
Problemfeldern zu, die - wie eine
Analyse der Fakten zeigen wird nicht in die Kategorie
schwerster
Menschenrechtsverletzungen
fallen,
wie ich sie gerade angesprochen habe.
Ihnen wurde stattdessen aufgrund der
guten Beziehungen zwischen den fraglichen Ländern und den Vereinigten
Staaten besondere Aufmerksamkeit zuteil. Die erste Situation dieser Art
besteht in den von Israel besetzten
Gebieten.
In den vergangenen Monaten habe
ich zahlreiche Briefe mit der Aufforderung erhalten, einen ausgewogenen
Bericht zu den besetzten Gebieten zu
veröffentlichen.
Es wurde angedeutet, wir könnten in diesem Fall besonders nachsichtig verfahren.
Das
Gegenteil
ist
jedoch
der
Fall.
Selbstverständlich tun wir unser Bestes, um bei der Erstellung unserer
Berichte einheitliche Normen anzule-

�gen. Zweifellos sind jedoch unsere
Berichte über offene Gesellschaften,
über di'p wir eine Vielzahl von Informationen erhalten, unvermeidlich umfassender und detaillierter als die
über
verschlossene
Gesellschaften,
über die wir wesentlich weniger Informationen erhalten.
überdies ist
es sicherlich eine ganz natürliche
Tatsache, daß im Falle Israels ein
höherer Maßstab angelegt wird als bei
anderen Ländern. Die in unserem Länderbericht über die besetzten Gebiete
detailliert
dargelegten
Praktiken
würden
in anderen Länderberichten
entweder kurz zusammengefaßt oder
gänzlich ausgelassen.
Was nun die Substanz angeht, unterscheidet sich dieser Fall von allen anderen in der Hinsicht, daß wir
es hier nicht mit den Handlungen einer Regierung zu tun haben, die in
besetzten Gebieten sowohl zivile als
auch militärische Gesetze anwendet.
Das zugrundeliegende Problem betrifft
die Frage der Erlangung einer Friedensregelung. Vor diesem Hintergrund
haben wir in unserem Bericht über die
besetzten Gebiete die Bereiche unserer Besorgnis dargelegt. Diese konzentrieren sich auf die von den
israelischen Streitkräften getroffenen Maßnahmen, um die Welle ziviler
Unruhen zu unterdrücken, die seit dem
Dezember 1987 diese Gebiete ergriffen
hat. Wir erkennen an, daß die von
den Militärs getroffenen harten Maßnahmen von Akten wie dem Werfen von
Steinen und Molotow-Cocktails, dem
Verbrennen von Reifen und der Errichtung von Barrikaden provoziert wurden.
Unserer Ansicht nach war die Reaktion darauf jedoch eher übertrieben
denn gemäßigt, forderte zahlreiche
Verletzte, und im Verlauf des Jahres
1988 waren 366 Tote unter den Palästinensern zu beklagen. Sorge bereiteten uns ferner solche Praktiken wie
Bestrafung durch Deportation und die
Sprengung der Wohnhäuser von Personen, die der Gewaltakte beschuldigt
werden. Schließlich mußten wir feststellen, daß die gegen israelische
Soldaten wegen der Verletzung der
- 3

Verhaltensmaßregeln ergriffenen Disziplinarmaßnahmen entschieden zu mild
sind.
Der zweite Fall in dieser Gruppe
ist El Salvador. Wenn man Menschenrechtsverletzungen in diesem Land anprangert, so ist es von vorrangiger
Bedeutung, zwischen Fakten und Desinformation zu unterscheiden.
Der Hintergrund
der Menschenrechtsprobleme ist hier in der kommunistischen Rebellion zu suchen, die
bereits über ein Jahrzehnt andauert.
Im Verlauf der Jahre hat die FMLN,
die zuvor eine ernste Bedrohung für
das Überleben der salvadorianischen
Regierung darstellte, an Boden verloren. Die FMLN benutzt jedoch nach
wie vor die Ermordung gewählter Regierungsvertreter und Terroranschläge
in den Städten, um Instabilität zu
verursachen.
Es besteht kein Zweifel, daß sie
jegliche Anziehungskraft, über die
sie vielleicht einmal verfügt hat,
für das Gros der Bevölkerung verloren
hat.
Ihre politischen Verbündeten
nehmen an den Präsidentschaftswahlen
teil, werden derzeit jedoch von höchstens zehn Prozent der Bevölkerung
unterstützt.
Im Verlauf des Jahres 1988 belief
sich die Zahl der politisch motivierten Morde auf durchschnittlich 20 pro
Monat. Obwohl jeder einzelne Todesfall eine Tragödie für die betroffene
Familie ist, sollte man sich vor Augen führen, daß diese Zahl verglichen
mit den vergangenen Jahren nicht angestiegen ist... Ich möchte hier unsere Überzeugung bekräftigen, daß die
gewählte Regierung von El Salvador
für diese Morde nicht verantwortlich
ist. Ebensowenig sind wir der Auffassung, daß es irgendeinen Beweis
für die Schuld der militärischen Führung gibt. Das Problem ist auf der
unteren Ebene des Militärs sowie darin zu suchen, daß es der obersten
Führung nicht gelingt, scharf gegen
die
der
Menschenrechtsverletzungen
Schuldigen vorzugehen und insbeson-

�dere Offiziere anzuklagen.
Damit komme ich zu dem Problem
der
salvadorianischen
Gerichtsbarkeit, das damit Hand in Hand geht.
Ich bedauere, sagen zu müssen, daß
die Straftaten mit politischen Auswirkungen von der salvadorianischen
Gerichtsbarkeit
schlicht
umgangen
wurden, gleichgültig, ob der Angeklagte mit der politischen Rechten
oder Linken in Verbindung steht. Ich
muß hinzufügen, daß El Salvador nicht
das einzige Land ist, das in diese
Kategorie fällt. Starke, unabhängige
Rechtssysteme sind weltweit noch rarer als demokratisch gewählte Regierungen.

* * * * *

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AMERIKA DIENST
Wissenschaft und Technik
15. Februar 1989

DER DROGENKRIEG GEHT WEITER
- Polizeimaßnahmen notwendig - aber Erziehung wichtiger -

WASHINGTON - (AD) - "Diese Geißel wird gestoppt werden", erklärte Präsident George Bush in seiner Antrittsrede. Jedoch sei die Lösung in erster Linie in der Drosselung der Nachfrage, nicht in Polizei- und Justizmaßnahmen
oder Schließung der Grenzen zu suchen. Der gesamte private Sektor und die
Schulen müßten in die Erziehungskampagnen einbezogen werden, erläuterte Bush
später auf einer Pressekonferenz.

Dem Berater des Senatsunterausschusses für Ermittlung und Fahndung,
John Sopko zufolge wäre es eine Illusion, anzunehmen, daß sich die Vereinigten Staaten mit ihren mehr als
10 000 km langen Festlandsgrenzen gegen das Einschleusen von Rauschgift
abschotten könnten.
Das neue AntiDrogengesetz konzentriere sich deshalb auf die Entwicklung von Programmen, die der Nachfrage entgegenwirken, eine wirksame Vorbeugung ermöglichen und die Bürger davon abbringen, sich Drogen überhaupt in Erwägung zu ziehen.
An der Spitze des 1988 vom Kongreß geschaffenen Amtes für Drogenbekämpfung (Office of Drug Control Policy) steht William J. Bennett, der
in der Regierung Reagan von 1985 bis

United States Information Service
Embassy of the United States of America

September 1988 das Amt des Bildungsministers innehatte.
Schon als Präsident des "Nationalen Zentrums für
Geisteswissenschaften"
in Nordkarolina (1979 bis 1981) ging ihm der Ruf
voraus, für "Gewährenlassen" und undiszipliniertes Verhalten nichts übrig zu haben. In seinen philosophischen Vorlesungen an der Universität
North Carolina wie in seinen Veröffentlichungen aus jener Zeit betonte
er stets den konservativen Standpunkt.
Nicht zuletzt aufgrund der reichen Erfahrungen, die Dr. Bennett
während seiner Tätigkeit in Regierungsämtern sammelte, wurde ihm die
Leitung des Amtes für Drogenbekämpfung übertragen.
Der "Drogenzar",
wie man ihn bereits nennt, hat Kabinettsrang, ist aber nicht dessen Mitglied.

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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Der neue Justiznrinister Richard
Thurnburgh stimmt mit Bennett darin
überein, daß zur Verbesserung der Situation
im Zusammenhang mit dem
Rauschgiftproblem die Justiz allein
wenig ausrichten kann, wenn es nicht
gleichzeitig zu einem grundlegenden
Umdenken in der Gesellschaft kommt.
Die Nachfrage nach Drogen müsse durch
umfassendere Aufklärungsprogramme unbedingt eingedämmt werden. Es seien
wirksamere Anstrengungen in den Bereichen Therapie und Rehabilitation
erforderlich.
Aber
nicht
minder
wichtig seien andere Wertmaßstäbe und
Standpunkte bei großen Teilen der Bevölkerung, um einer Anfälligkeit für
Drogen vorzubeugen.
Nach dem neuen Drogenbekämpfungsgesetz stehen derzeit 1,4 Milliarden
Dollar für den Kampf gegen illegale
Rauschmittel zur Verfügung. Strafen
wurden verschärft, der Rechtsvollzug
wird strikter gehandhabt. Zum ersten
Mal sind 55 Prozent des Budgets für
erweiterte Therapie, Rehabilitation
und Aufklärung vorgesehen. Ab September 1989 müssen Personen, die in
den Vereinigten Staaten eines Drogenvergehens überführt wurden, auch wegen des Besitzes von Drogen mit hohen
Geldstrafen
rechnen.
Schüler und
Studenten verlieren den Anspruch auf
Darlehen und andere Formen staatlicher Unterstützung.
Von den zu erwartenden Maßnahmen
der 107 übrigen Länder, die im Dezember 1988 in Wien gemeinsam mit den
USA
internationale
Zusammenarbeit
vereinbarten, um den Drogenhandel zu
unterbinden und Händlern das Handwerk
zu legen, versprechen sich die Vereinigten Staaten auch eine größere
Effektivität ihrer Drogenbekämpfungspolitik im Inland. Der Ausgang der
Konferenz bedeutete "einen enormen
psychologischen Auftrieb für jene,
die im Drogenkrieg in den Schützengräben
stehen", sagte jetzt Ann
Wrobleski, Staatssekretärin im amerikanischen Außenministerium für das
Ressort Internationale Suchtstoffangelegenheiten, in einem Interview.

Sie ist sich jedoch im klaren
darüber, daß der härteste Teil der
Aufgaben noch bevorsteht, wenn die
einzelnen Länder mit der Ratifizierung der Konvention auch entsprechende Gesetze zu ihrer Durchführung verabschieden müssen. "Papier ist geduldig", sagte sie. "Wir werden erleben, daß manche Länder in ihren
Parlamenten Schwierigkeiten bekommen
und sich sogar großangelegten Einschüchterungskampagnen
gegenübersehen." Die Drogenkartelle dürften erhebliche Geldmittel
aufbieten, um
Entscheidungen in ihrem Sinne durchzusetzen. Auch gebe es noch manche
unangenehme Streitfragen wie zum Beispiel die Kontrolle von chemischen
Stoffen, die zur Drogenherstellung
gebraucht werden oder Zwischenprodukte sind. Diese Kontrolle stelle ein
großes Problem in Ländern dar, die
als wichtige Chemie-Produzenten gelten.
Der UN-Konvention zufolge, die am
19. Dezember 1988 von der Konferenzversammlung
angenommen wurde, ist
Drogenhandel als eine "internationale
kriminelle Aktivität" anzusehen. Sie
verpflichtet jedes Land, Handlungen
im Zusammenhang mit der Produktion,
dem Handel und dem Verkauf illegaler
Drogen ebenso wie mit Geldwäsche als
verbrecherisch einzustufen. Die Konvention befaßt sich außerdem mit Gesetzen zum Bankgeheimnis und der Beschlagnahme von Erträgen aus Drogenhandel. Sie verpflichtet die Länder,
Drogenhändler auszuliefern oder gerichtlich zu verfolgen. Die Konvention tritt in Kraft, wenn sie von 20
der 108 Signatarstaaten ratifiziert
worden ist. Sie ist die erste, die
"ausschließlich auf das grenzühergreifende Verbrechen des Drogenhandels abgestellt ist", sagte Wrobleski.
Die Idee äußerte als erster
Jaime Lusinchi, der Präsident von Venezuela. Er machte darauf aufmerksam, daß Drogenhandel - im Gegensatz
zur Drogenproduktion - ein Verbrechen
ist, das die Grenzen vieler Länder
überschreite und deshalb eine Körperschaft wie die Vereinten Nationen berechtigt und zuständig für entspre-

�chende Untersuchungen sei. Fast kein
Land bleibe vom Drogenhandel unberührt, meinte die Staatssekretärin.
Zur Ratifizierung der Konvention
beretten das amerikanische Außenministerium und andere Behörden für den
amerikanischen Senat eine Dokumentation vor, die jeden Punkt der Übereinkunft samt der rechtlichen Auswirkungen und Nebeneffekte erklärt und
erläutert.
Sie soll noch in diesem
Jahr dem Senat zugeleitet werden.
Allerdings sei der Zeitpunkt der Ratifizierung durch den Senat nicht abzusehen.

* * * * * *

- 3 -

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Bush fordert Wettbewerbsfähigkeit als Schwerpunkt&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Die Rede des Präsidenten zur Haushaltsvorlage&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;Mäßige sowjetische Fortschritte bei Menschenrechten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Richard Schifters Rede vor dem Kongreß&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wissenschaft und Techniken&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Der Drogenkrieg geht weiter&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Polizeimaßnahmen notwendig - aber Erziehung wichtiger&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST
Sonderdienst

VION ^

14. Februar 1989

i
PRESSEKONFERENZ VON US-AUSSENMINISTER JAMES BAKER
IN BONN AM 13. FEBRUAR 1989

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Außenminister Baker: Ich möchte eine offizielle Erklärung über unsere
Zusammenkunft vorlesen. Ich bitte Sie um Entschuldigung, daß ich nicht lange
bleiben kann, aber der Verteidigungsminister erwartet uns schon. Wir haben
unser Treffen um 15 bis 20 Minuten überzogen.
Zunächst möchte ich sagen, daß
unser Treffen in einer sehr freundschaftlichen
Atmosphäre
stattfand,
weil es sich um ein Gespräch zwischen

Ferner über eine Erklärung, die von
der Bundesregierung in Kürze veröffentlicht werden wird und in der alle
diesen Vorfall betreffenden Fakten

alten

aus

Freunden

handelte

-

und

wenn

ich das sage, bediene ich mich hierbei der Formulierung des Bundeskanzlers, und ich mache mir seine Worte
zu eigen. Der Tenor dieses Treffens
bestand meiner Ansicht nach darin,
daß die deutsch-amerikanische Partnerschaft stark ist. Wir sind starke
Partner, und wir vertrauen einander.
Wir haben über die Frage der
Chemiewaffenfabrik in Libyen gesprochen sowie über die von der Bundesrepublik im Hinblick auf Änderungen
ihrer Exportkontrollgesetze und ihrer
Vorschriften zur Bestrafung von Gesetzesbrechern getroffenen Maßnahmen.

ihrer

Sicht

dargelegt

werden.

Ich erklärte hierzu, wir seien über
die von der Bundesregierung getroffenen und uns gegenüber dargelegten
Maßnahmen sehr erfreut.
Wir haben
einige Zeit darüber gesprochen. Wir
haben ziemlich lange über die OstWest-Beziehungen
diskutiert.
Was
dieses Thema angeht, haben wir produktive Gespräche über Ost-West-Sicherheitsfragen, einschließlich der
KurzstreckenSysteme geführt. Wir haben über das Brüsseler NATO-Kommunique von 1988 gesprochen und dieses
bekräftigt. Das gilt auch für die
Bedeutung, die der Aufrechterhaltung
der Strategie der Vorneverteidigung

�und der flexiblen Reaktion beizumessen ist. Wir waren uns über die Notwendigkeit einig, ein Gesamtkonzept
für die Haltung des Bündnisses in
Fragen der Sicherheit und Rüstungskontrolle beim nächsten NATO-Gipfel
zu verabschieden und stimmten überein, die Gespräche zu diesem Thema
fortzuführen. Der Bundeskanzler hat
keinen Zweifel daran gelassen, daß
seine Erklärungen in dem Interview
mit der Financial Times vollkommen im
Einklang mit dem NATO-Kommunique vom
Mai 1988 stehen, und er hat mehrmals
uns gegenüber festgestellt: "Ich habe meine Position nicht geändert."
Er hat uns autorisiert, Ihnen dies
mitzuteilen.
Ich werde jetzt gerne einige Fragen beantworten, bevor ich zu meinem
Treffen mit dem Verteidigungsminister
fahre.
Frage:
Bedeutet das, daß die
Debatte über die Kurzstreckensysteme
jetzt vorüber ist?
Daß sie beim
NATO-Gipfel erörtert werden wird und
daß sie nicht länger...
Antwort:
Es bedeutet, daß ein
Engagement besteht, diese Frage durch
weitere Gespräche und Verhandlungen
zu lösen.
Frage:
Und es wird zwischendurch keine Gespräche geben, die Frage wird dann innerhalb der NATO behandelt werden, ....
Antwort:
Nun, die Frage wird,
wenn man es formell betrachtet, beim
nächsten NATO-Gipfel behandelt werden, aber wir werden natürlich in der
Zwischenzeit weitere Gespräche darüber führen.
Frage:
Glauben
Sie,
den
Kongreß dazu bewegen zu können, die
weitere Modernisierung der LANCE-Rakete finanziell zu unterstützen, wenn
wir nicht bis - sagen wir einmal vor 1991 oder 1992 eine Entscheidung
oder eine Verpflichtung zur Stationierung hervorbringen?

Antwort: Wir wollen die Ereignisse des nächsten NATO-Gipfels, wo
die Entscheidungen getroffen werden,
abwarten.
Ich habe bereits darauf
hingewiesen, daß diese Reise nicht
als Unternehmen der Entscheidungsfindung geplant war. Bei diesen Zusammenkünften sollen die Tagesordnungspunkte festgelegt werden: es handelt
sich um Konsultationen.
Ich bin
hier, um zuzuhören. Wir können diese
Frage also bis zum Zeitpunkt des Gipfels - wann immer dieser auch stattfinden wird - nicht beantworten.
Frage:
Ich möchte auf einige
Bemerkungen eingehen, die Sie gestern
im Flugzeug über den START-Vertrag
gemacht haben - ihre eigene Ansicht
dazu und die Möglichkeit, ihn im
Kongreß
durchzusetzen.
Vielleicht
können Sie diese Bemerkungen im einzelnen erläutern, weil hier noch etwas Verwirrung herrscht.
Antwort:
Wenn
darüber
noch
Verwirrung herrscht, möchte ich diese
gern ausräumen. Alles, was ich sagen
wollte - und ich habe dies bereits
erörtert, vielleicht nicht bei der
Anhörung zu meiner Bestätigung, obwohl ich in dieser Anhörung etwas
Ähnliches gesagt habe - ist:
wir
wollen die Verhandlungspositionen erneut überprüfen. Betrachten Sie das,
was auf dem Verhandlungstisch liegt.
Wir wollen die Angebote überprüfen,
so daß wir unter der Voraussetzung
weiterer Fortschritte einen Vertrag
aushandeln, der auch ratifiziert werden kann. Das war alles, was ich sagen wollte.
Frage:
In den Gesprächen gestern haben Sie auf Mängel im bestehenden Entwurf hingewiesen, die eine
Verabschiedung durch den Kongreß in
der gegenwärtigen Form fraglich machen.
Antwort:
Ich denke, wenn Sie
sich die Formulierungen durchlesen,
was ich nochmals getan habe, geht
daraus eindeutig hervor, daß ich Vorbehalte gegen die potentielle Ratifizierbarkeit des Abkommens geäußert

- 2 -

�habe.

Wir wollen sicherstellen ...

Frage:
gen Form?

...

in

gemeint hat - es klingt, als sei Ihnen das noch nicht gelungen.

der gegenwärti-

Antwort:
Ich habe wiederholt
darauf hingewiesen, daß wir in den
Vereinigten Staaten eine Entscheidung
über die Modernisierung strategischer
Waffen treffen müssen. Und wir müssen uns vor Augen führen, daß wir und ich betrachte dies nicht etwa als
Mangel in unserer Verhandlungsposition - eine Position gegen mobile Raketen eingenommen haben.
Eine der
Fragen, die wir bei der Modernisierung unserer strategischen Waffen zu
überprüfen haben werden, ist das Problem mobiler Raketen.
Aber worauf
ich wirklich hinweisen wollte, ist
der allgemeine Grundsatz, gewährleisten zu wollen, daß alles, was wir
mit nach Hause nehmen, auch ratifiziert werden kann. Wir möchten kein
SALT-Abkommen mit nach Hause bringen
und vergleichbare Probleme mit dem
von uns ausgehandelten START-Abkommen
vermeiden.
Frage:
Zurück zu SNF - die
Deutschen drängen auf Verpflichtungen
im Gesamtkonzept - Verpflichtungen
für Verhandlungen über SNF - sind Sie
bereit, das zu unterstützen?
Antwort:
Ich kann nur wiederum
darauf hinweisen, daß dies keine Zusammenkunft zur Entscheidungsfindung
war. Mit diesem Treffen sollte nur
die Tagesordnung abgestimmt werden.
Ich habe Ihnen erläutert, worüber wir
gesprochen haben und wie weit wir gegangen sind. Dabei möchte ich es belassen.
Weitere Gespräche werden
stattfinden, und ich bin sicher, daß
Fragen dieser Art im Hinblick auf
einen NATO-Gipfel in künftigen Gesprächen erörtert werden.
Frage:
Bundeskanzler Kohl erklärte, er sage er damit nichts Neues. Sie hingegen erklären, es werde
weitere Diskussionen geben - dies
läßt den Schluß zu, daß hier noch
Meinungsverschiedenheiten
bestehen.
Uns würde interessieren, was genau er

Antwort:
Meiner Ansicht nach
ist er nicht von früheren Positionen
abgewichen, was man weithin angenommen hatte. Dies hat er gesagt und
mir gestattet, es Ihnen so weiterzugeben. Mir scheint, daß wir Einigung
erzielt haben.
Frage:
Können Sie uns erläutern, wie Sie ihn verstehen, wenn er
davon spricht, er stehe im Einklang
mit dem Kommunique vom Mai 1988. Was
heißt das für Sie?
Antwort:
Im Hinblick auf Paragraph 5 dieses Kommuniques - um nur
einen Paragraphen zu zitieren - heißt
das für mich konkret (Außenminister
Baker liest das Dokument vor): "Unser Ziel besteht darin, weiterhin
jegliche Art von Krieg oder Einschüchterung zu verhindern.
Durch
die Aufrechterhaltung einer glaubwürdigen Abschreckung hat das Bündnis
nahezu vierzig Jahre lang Frieden in
Europa gesichert. Die konventionelle
Verteidigung allein kann dies nicht
gewährleisten. In der unmittelbaren
Zukunft gibt es keine Alternative zur
Strategie des Bündnisses zur Verhinderung eines Krieges.
Es handelt
sich hierbei um die Strategie der Abschreckung, die sich auf angemessene
Arsenale ausreichender und wirksamer
nuklearer und konventioneller Streitkräfte gründet, die auf dem gebotenen
Stand gehalten werden, wo immer dies
erforderlich ist.
Frage: Wann wird die Entscheidung zur Modernisierung der LANCE
fallen? In diesem oder im nächsten
Jahr?...
Antwort:
Ebenso
wie
andere
Fragen bedarf auch diese Entscheidung
noch weiterer Erörterung vor dem
nächsten Gipefeltreffen. Aus unserer
Sicht wäre es wünschenswert, wenn die
Entscheidung beim nächsten Gipfel getroffen werden könnte. Und wir werden versuchen, dies unter Berücksichtigung der Interessen all unserer

�NATO-Partner zu verwirklichen.
Frage:
Dieses Treffen kam für
sie zu einem Zeitpunkt noch ungeklärter Fragen bezüglich der Entscheidung
über die Stationierung, die Sie gerade angeschnitten haben. Zwischen den
beiden Regierungen bestehen jedoch
offensichtliche
Meinungsverschiedenheiten im Hinblick auf Verhandlungen
über dieses Thema. Haben Sie das Gefühl, daß hier eine nenneswerte Annäherung hin zu einem Konsens zwischen
Ihnen und Bundeskanzler Kohl und der
Bundesregierung über Verhandlungen zu
den Kurzstreckenraketen stattgefunden
hat?
Antwort:
Meiner Ansicht nach
wird es im Hinblick auf beide anhaltende Erörterungen geben, obwohl ich
nochmals betonen möchte, daß es sich
hierbei nicht um eine Zusammenkunft
gehandelt hat, mit dem Ziel, Entscheidungen zu treffen.
Das war
nicht der eigentliche Grund unserer
Gespräche. Ich hoffe, ich konnte einige der hier in der Öffentlichkeit
bestehenden Ungereimtheiten klären.
Frage:
Nachdem Sie Gespräche
mit Bundeskanzler Kohl und einigen
der anderen Verbündeten geführt haben, und nachdem Sie die politischen
Probleme in der Bundesrepublik erörtert haben, die auch in Großbritannien zur Sprache gebracht wurden verstehen Sie jetzt besser, wie die
NATO vorgehen sollte, um auf Bundeskanzler Kohl nicht den Druck auszuüben, der ihm bei den Wahlen im nächsten Jahr Probleme bereiten könnte?
Antwort:
Nun, ich glaube, ich
kann guten Gewissens sagen, nachdem
ich soviel Zeit in diesem und den anderen Ländern verbracht habe, werde
ich - hoffentlich - zu einem besseren
Verständnis gelangen - denn das ist
ja schließlich der Zweck meiner Reise.

* * * * * *

�</text>
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AMERIKA DIENST

8. Februar 1989

INHALT

DOKUMENTATION
Tower: Enormes Ungleichgewicht zwischen NATO und Sowjets
- Rede des designierten Verteidigungsministers bei der
Wehrkundetagung Asymmetrien zwischen NATO und Warschauer Pakt weiterhin problematisch
- Interview mit James Blackwell vom CSIS -

HINTERGRUNDMATERIAL
Strategiepolitik erfordert überparteilichen Konsens
- Auszüge aus dem Bericht über nukleare Abschreckung Die Verhandlungen über konventionelle Streitkräfte in Europa - VKSE
- Eine Übersicht der ACDA -

WIRTSCHAFT
Yeutter fordert harte Gangart bei hormonbehandeltem Fleisch
- Der Streit zwischen den Vereinigten Staaten und der EG Regierungen benutzen Gesundheitsvorschriften zur Einfuhrbegrenzung
- Hintergrundartikel zu Handelsgesprächen im Rahmen der Uruguay-Runde

* * * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�AMERIKA DIENST
'VON

Dokumentation

^

8. Februar 1989

TOWER:

ENORMES UNGLEICHGEWICHT ZWISCHEN NATO UND SOWJETS

- Rede des designierten Verteidigungsministers bei der Wehrkundetagung MÜNCHEN - (AD) - Den Ausführungen des designierten Verteidigungsministers
John Tower zufolge "wird ein enormes Ungleichgewicht zwischen den Fähigkeiten
der Sowjets und denen des westlichen Bündnisses bestehenbleiben", selbst wenn
die Sowjetunion ihr Versprechen zur Reduzierung der konventionellen Streitkräfte einlöst.
In meiner Rede bei der jährlich stattfindenden Wehrkundetagung in München
am 29. Januar 1989 bekräftigte Tower ferner das Engagement der Bush-Administration für die NATO und ihre "Entschlossenheit, gemeinsam mit dem Bündnis an
der Stärkung des Wesens und der Qualität der Verteidigung des Westens zu arbeiten."
Sachfolgend veröffentlichen wir die Ausführungen des künftigen Verteldigungsinintsters. Es gilt das gesprochene Wort.

Ms
designierter
Verteidigungsminister
der
Bush-Administration
möchte ich zunächst das Engagement
der Vereinigten Staaten für die NATO
unter
Präsident
Bush
bekräftigen.
Seit; dem Zweiten Weltkrieg war jede
Ilegi ^rungszei t eines
Präsidenten
sei pr Republikaner oder Demokrat von Kontinuität geprägt, die das Konzept gegenseitiger Sicherheit beinhaltet und der sich die Bush-Administration
verschrieben
hat:
Unsere
Entschlossenheit, gemeinsam mit dem
Bündnis an der Stärkung des Wesens
und der Qualität der Verteidigung des
Westens zu arbeiten...
Viele von Ihnen haben meine Ausführungen bei der jüngsten Anhörung
vor dem Streitkräfteausschuß des Senat«; der Vereinigten Staaten gelesen,

United States Information Service
Embassy of the United States of America

in dessen Hand mein Schicksal im Hinblick auf meine Bestätigung liegt.
Sollten meine ehemaligen Kollegen zu
der Überzeugung gelangen, daß ich für
das Amt des Verteidigungsministers
nicht geeignet bin, werde ich mich
wieder ins Privatleben zurückziehen
und über sehr viel mehr Freiheit und
Wohlstand verfügen. Aber trotz mancher sicherlich sehr schwierigen Zeiten begrüße ich diese Herausforderung.
Alles, was andere Vertreter der
Bush-Administration und ich in den
vergangenen Tagen gesagt haben, muß
im Zusammenhang mit der Tatsache gesehen werden, daß die Vereinigten
Staaten
sich
mit einem
beträchtlichen, vielleicht sogar Schwindelei—
regenden Ungleichgewicht
im Handel
und
einem enormen
Haushaltsdefizit

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�konfrontiert sehen, das - wenn es
nicht ausgeglichen wird - nicht nur
das wirtschaftliche Wohlergehen der
Vereinigten Staaten, sondern auch aller anderen Nationen bedroht, die
Mitglieder der NATO sind...
Diese
Budgetzwänge und alle größeren Ausgaben der Vereinigten Staaten müssen
sorgfältig überprüft werden, und dies
beinhaltet
auch
nationale
Sicherheitsinteressen.
In den Anhörungen
habe
ich
öffentlich
erklärt, daß
nichts in der Militärorganisation unanatastbar ist und wir alles eingehend prüfen werden, jedes einzelne
Programm, jedes Forschungs- und Entwicklungsvorhaben.
Wir werden uns
die Streitkräftestruktur, die Operationsgeschwindigkeit, Militäreinrichtungen sowie jeden einzelnen Aspekt
der Verteidigungsausgaben vornehmen.
Dies betrifft auch unsere umfangreichen Stationierungen weltweit und
den Umfang dieser Stationierungen.
Ich hoffe jedoch, daß Sie meine Ausführungen nicht dahingehend interpretieren, unser Engagement gegenüber
der NATO würde erheblich verringert.
Ich bin mir nicht nur des militärischen Wertes, sondern auch der
politischen Notwendigkeit der amerikanischen Präsenz bewußt.
7arner bin ich mir darüber im
Viaren, daß wir nicht aus reinem
Altruismus in Westeuropa sind, sondern weil es in unserem nationalen
Interesse
liegt.
Die Bush-Administration wird daher alles in ihrer
Macht stehende tun, um unsere nationalen Ziele klar zu umreißen und eine
Strategie zu entwerfen, die auf die
Verwirklichung
dieser Ziele ausgerichtet ist. Und dann wird es meine
Aufgabe
sein, unsere Streitkräftestruktur
und unsere
operationeilen
Verpflichtungen im Hinblick auf ihre
Rolle und Ziele zu überprüfen... Unsere Verteidigungsausgaben stehen an
erster Stelle der Prioritätenliste,
aber wir müssen rational vorgehen und
uns eindeutig klar machen, was erforderlich ist, um der Bedrohung für
Frieden und Sicherheit des Westens zu
begegnen, die sich uns durch die Fähigkeiten
eines
mächtigen
Gegners

Ferner stellen wir fest, daß eine
Modernisierung
unerläßlich
ist.
Vielleicht müssen wir in anderen Bereichen um der Modernisierung willen
Opfer bringen.
Wir können es uns
nicht leisten, anders zu handeln, wir
können die Zukunft nicht verpfänden.
Eines sollte klar verstanden werden:
Selbst wenn wir Abkommen erlangen wie im Fall der nuklearen Mittelstreckenwaffen -, die eine erhebliche
Reduzierung der strategischen Fähigkeiten zur Folge haben, selbst wenn
wir das vielleicht am schwierigsten
zu Erreichende, ein Abkommen über die
asymmetrische Reduzierung der konventionellen Streitkräfte, zuwege bringen und selbst wenn wir uns auf wirksame Maßnahme zur Beendigung des Einsatzes chemischer und
biologischer
Waffen verständigen, müssen wir auch
nach all diesen Abkommen eine militärische
Streitmacht
aufrechterhalten, die so modern... und so schlagkräftig wie möglich ist. Die auf unserer Seite verbleibenden Streitkräfte müssen die besten sein, die aufzustellen wir in der Lage sind, denn
Sie können versichert sein, daß die
Sowjets bei der Auswahl ihrer nach
solchen Vereinbarungen verbleibenden
Systeme die besten nehmen werden, die
sie herstellen können und daß ihr
Vorgehen bei der Beschaffung und Stationierung dieser Systeme nicht darauf beruhen wird, was sie sich finanziell leisten können. Es wird vielmehr von dem Gedanken geleitet sein,
der
Sowjetunion
die
bestmögliche
Kampffähigkeit
in
einem
möglichen
Xriegseinsatz bereitzustellen.
Der einzige bedeutende Bereich,
in dem wir den Sowjets zahlenmäßig
überlegen
sind,
sind
die
großen
Schiffe. Und das ist für uns natürlich eine Frage geostrategischer Notwendigkeit,
die
von
den
geographischen Gegebenheiten der Vereinigten Staaten, des westlichen Bündnisses, der anderen Verbündeten der Vereinigten Staaten in der ganzen Welt
und der Sowjetunion geprägt wird und
stark von der Sicherung der Verbindungswege abhängt.

�Ferner muß ich feststellen, daß
die Sowjets nichts für uns tun werden, was wir nicht selbst für uns
tun. Mit anderen Worten: Wir dürfen
nicht erwarten, daß sie durch ihre
einseitigen Handlungen unsere Sicherheit verbessern.
Wir müssen alles
erforderliche unternehmen, um unsere
eigene Sicherheit zu verbessern. Es
wurde in den vergangenen eineinhalb
Tagen hier vieles für mich Ermutigende gesagt, was meiner Meinung nach
eine gesunde Skepsis gegenüber den
Initiativen Gorbatschows widerspiegelt.
Tatsache ist:
Selbst wenn
Herr Gorbatschow aufrichtig ist und
selbst wenn er in gewissem Maß Erfolg
hat, können wir nicht außer acht lassen, daß eine enorme Bedrohung der
Sicherheit der Vereinigten Staaten
und
ihrer
Verbündeten
bestehenbleibt. ..
In den 14 Monaten meiner Tätigkeit als Unterhändler bei den Verhandlungen mit den Sowjets über strategische Waffen habe ich gelernt, daß
sie wirklich keine Zugeständnisse ohne Gegenleistung machen. Vielleicht
können wir alle etwas Hoffnung und
Ermutigung aus Gorbatschows öffentlich bekundeter Absicht ziehen, seine
konventionellen Streitkräfte um 10
Prozent zu verringern.
Aber selbst wenn er dies in gutem
Glauben tun sollte, wird immer noch
ein enormes Ungleichgewicht zwischen
den Fähigkeiten der Sowjets und denen
des westlichen Bündnisses bestehenbleiben.
Wir sollten die Lehren der Geschichte beherzigen. Ein weiser Man
hat einmal gesagt: Ich denke, die
einzige Lehre, die wir aus der Geschichte ziehen, besteht darin, daß
wir keine Lehren aus der Geschichte
ziehen.
Ich hoffe, wir sind nicht
dazu verdammt, unsere Fehler der Vergangenheit zu wiederholen. Wenn wir
vielleicht die Lehren der Zeit vor
hundert Jahren oder selbst die Lehren
aus der Zeit vor 50 Jahren vergessen,
währe es unverzeihlich, wenn wir die
Lehren der vergangenen zwei Jahr- 3

zehnte nicht beherzigen, die uns alle
noch lebhaft vor Augen stehen. Wir
sollten uns in Erinnerung rufen, daß
es in den siebziger Jahren - im Zeitalter der Entspannung - geschah, daß
wir Amerikaner - vielleicht aus Naivität und Torheit - unsere Militärausgaben real reduzierten, während
die Sowjetunion
ihre militärische
Aufrüstung unerbittlich fortsetzte.
Ich hoffe, wir können uns dieser Lehre erinnern. Es gibt wirklich Tauwetter im Kalten Krieg. Wir freuen
uns über diese beabsichtigten Reduzierungen, aber ich wiederhole nochmals: Die Bedrohung hat sich nicht
verringert.
Und lassen Sie mich nun auf eines
unserer Lieblingsthemen, die Lastenverteilung, eingehen.
Ich erinnere
mich an meine erste Wehrkundetagung
vor 22 Jahren, und damals sprachen
wir auch über die Lastenverteilung.
Und heute, 22 Jahre danach, reden wir
immer noch über die Lastenverteilung.
Diese Frage wird von den Amerikanern
sehr ernst genommen.
Der Durchschnittsbürger
in den Vereinigten
Staaten fragt, ob wir für die Verteidigung Europas und darüber hinaus für
die Verteidigung europäischer Interessen außerhalb des definierten NATOGebiets Mittel in diesem Ausmaß bereitstellen sollten, wenn der Eindruck besteht, daß unsere Verbündeten
nicht so viel für sich selbst tun,
wie sie sollten.
Ich denke, wir alle können uns
noch an den Mansfield-Verfassungszusatz in der Mitte der siebziger Jahre
erinnern, mit dem erhebliche Truppenreduzierungen in Europa vorgeschrieben werden sollten. Wie wir uns erinnern, wurde dieses Vorhaben im Senat der Vereinigten Staaten mit knapper Mehrheit abgewiesen. In der jüngeren Vergangenheit können wir uns an
eine Initiative von Senator Nunn einem großen Freund des Bündnisses erinnern, der in anderen gesetzgeberischen Angelegenheiten so viel getan
hat, um die Zweibahnstraße zu fördern. Er stellte im Senat einen Verfassungszusatz zur Diskussion, mit

�dem gewisse Kriterien aufgestellt
worden wären, die im Falle der Nichterfüllung durch das Bündnis stufenweise
Reduzierungen
vorgeschrieben
und (die Vereinigten Staaten) verpflichtet hätte, die amerikanischen
Truppen in Westeuropa zu verringern.
Auch dieser Zusatz wurde mit knapper
Mehrheit abgewiesen.
Aber im Nachhinein denke ich, wir
können über den Zusatz von Senator
Nunn froh sein, da dieser eine heilsame Wirkung hatte und zusammen mit
der Initiative Lord Carringtons erhebliche höhere Beiträge der Verbündeten zur Verbesserung des militärischen Einsatzkonzepts in Westeuropa
hervorbrachte.
Aber wir dürfen nicht nur im Zusammenhang mit Westeuropa an Lastenverteilung
denken, sondern müssen
über den von der NATO abgesteckten
Rahmen hinausblicken.
Und was die
bündnisfremden Gebiete betrifft, so
hat mich Senator Glenn gestern abend
an den Umfang der amerikanischen Verpflichtungen auf der ganzen Welt erinnert.
Die US-Marlne bildet den
wesentlichen Punkt für die Fähigkeiten der Vereinigten Staaten, militärische Macht zu projizieren.
Wir
alle sind auf die Seeverbindungen angewiesen.
Die Vereinigten Staaten,
die den Verbündeten während des Zweiten Weltkrieges soviel Unterstützung
geleistet haben, sind jetzt wirtschaftlich gesehen eine Insel und
ebenso wie Sie bei Rohstoffen, Energie, neuen Märkten abhängig von ausländischen Quellen.
Darüber hinaus
hängen von unserer geostrategischen
Position die Verteidigung unserer Interessen und die Erhaltung der Fähigkeit zur Verteidigung jener ausländischen Quellen und Seewege ab, die
einen wichtigen Bestandteil der Verteidigung des Westens bilden, die
wiederum größtenteils von den Vereinigten Staaten übernommen wird...
Unser Aktionsradius ist enorm groß:
unsere Präsenz im Persischen Golf und
die rechtzeitige und schwer aufzuwiegende
Unterstützung
durch
unsere
westlichen Verbündeten bringen meiner

Ansicht nach eine Lösung des Krieges
zwischen Iran und Irak hervor, der
eine Bedrohung für eine lebenswichtige Energiequelle darstellt, eine Bedrohung für die sehr notwendige Stabilität im Nahen Osten, eine Bedrohung für ihre strategische Position
in der Region.
Ein Flugzeugträger gilt manchmal
als Präzisionsinstrument der Diplomatie.
Ich muß Ihnen sagen, meine
Freunde, daß er auch ein teures Instrument der Diplomatie ist, ein sehr
notwendige Instrument nicht nur der
Diplomatie, sondern auch ebenso zur
schnellen Reaktion auf Situationen,
die militärische Aktion erfordern,
insbesondere, wenn Sie die Tatsache
berücksichtigen,
daß
stationäre
Stützpunkte auf der Welt nicht immer
in sehr sicheren Gebieten liegen, wir
die Fähigkeit zum Einsatz der Luftstreitkräfte haben und unsere Überlegenheit in vielen Teilen der Welt dokumentieren müssen.
Ich bin mir bewußt, daß unsere
Verbündeten weltweit nur einen begrenzten militärischen Beitrag leisten. Ich bin mir bewußt, daß unsere
Verbündeten nicht die Fähigkeiten zur
Machtprojektion haben wie die Vereinigten Staaten.
Aber andere Bestandteile der Machtprojektion sind
vielleicht
genauso
(unverständlich)... die Verbündeten sehr wohl in
der Lage sind, die Lasten zu teilen.
Ich denke dabei an Wirtschaftshilfe
an für uns wichtige Länder und Regionen. Das ist eine Teillast, die von
unseren sehr wohlhabenden europäischen Verbündeten übernommen werden
kann.
Zur Militärhilfe: Es gibt viele
kleine Länder, die dem Westen friedlich gegenüberstehen, aber schwierige
Nachbarn haben und sich Bedrohungen
ausgesetzt sehen, wie zum Beispiel
Tunesien und Ägypten, die von Oberst
Gadhafi,
seinen
expansionistischen
Absichten und seinen erheblichen militärischen Fähigkeiten bedroht werden. Meiner Ansicht nach könnten unsere Verbündenten mehr Unterstützung

�im Bereich der Militärhilfe leisten.
Und dann gibt es noch das Schuldenproblem der Dritten Welt: Diese
Last wird vor allem von den Vereinigten Staaten getragen, und sie könnte
meiner Ansicht
nach von unseren
Freunden im Westen und insbesondere
von den Japanern mitgetragen werden.
Und deshalb müssen wir erkennen,
daß wir ungeachtet der Definitionen
über die Grenzen der NATO und den
Vertrag selbst keine Inselmentalität
entwickeln dürfen und zusammenarbeiten müssen, um mit diesen Krisen und
Bedrohungen fertigzuwerden, denen wir
uns ohne diesen abgesteckten Rahmen
ausgesetzt sind.
Und wenn man sich an eine kluge
Äußerung erinnert, die vor 15 Jahren
auf der Wehrkundetagung von einem
klugen Mann namens Gerd SchmUckle der hier unter uns weilt und dessen
Haar in all den Jahren kaum grauer
geworden ist - vorgebracht wurde, der
etwas Kluges gesagt hat, das heute
noch mehr Gültigkeit hat als nach der
Krise im Nahen Osten vor 15 Jahren:
"Wenn wir nicht als Bündnis handeln
können, müssen wir lernen, uns wie
Verbündete zu benehmen."

- 5

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•&lt;!&gt;

AMERIKA DIENST
Dokumentation

'VON**

8. Februar 1989

ASYMMETRIEN ZWISCHEN NATO UND WARSCHAUER PAKT WEITERHIN PROBLEMATISCH
- Interview mit James Blackwell vom CSIS -

WASHINGTON - (AD) - Die Ungleichgewichte zwischen der NATO und dem
Warschauer Pakt bei den konventionellen Streitkräften in Mitteleuropa werden
dem Washingtoner Rüstungsexperten James Blackwell Jr. zufolge wahrscheinlich
auch nach dem vom sowjetischen Staats- und Parteichef Michail Gorbatschow angekündigten Truppenabbau fortbestehen. Blackwell, ein erfahrener Verteidigungsexperte des Zentrums für Strategische und Internationale Studien (CSIS),
erklärte in einem Interview mit einem Vertreter des US-Informationsamts am 1.
Februar 1989, daß selbst nach dem von Gorbatschow versprochenen Abbau um
500 000 Soldaten und 10 000 Panzer (5 000 aus Osteuropa) Asymmetrien zwischen
NATO und Warschauer Pakt bestehen blieben. "Die größte Bedrohung für die Sicherheit des Westens besteht seit 1945 in der Anwesenheit von über 50 000 Panzern von Warschauer Pakt/Sowjetunion westlich des Urals."

"Wenn Gorbatschow es ernst meint
und 5 000 der modernsten russischen
Panzer verschrottet, dann wird dies
sicherlich ihre Angriffsfähigkeit in
gewisser Weise einschränken. Es bedeutet jedoch keine erhebliche Reduzierung der Bedrohung für die NATO,
fall sie nicht wesentlich mehr als
5 000 Panzer abbauen."
Wenige Tage
zuvor hatte der
Warschauer Pakt einen Streitkräftevergleich veröffentlicht, der bei
Panzern eine Überlegenheit von 2:1
gegenüber der NATO ausweist. Ein
amerikanischer Sprecher bei der NATO
nahm das Eingeständnis der Überlegenheit bei Kampfpanzern seitens des
Warschauer Pakts zur Kenntnis und betonte die Fähigkeit dieses Waffensystems zu "Überraschungsangriffen und

United States Information Service
Embassy of the United States of America

großangelegten Offensivoperationen".
Blackwell geht davon aus, daß
Gorbatschow keine weiteren einseitigen Zugeständnisse bei Panzern machen
wird. "Ich denke, er hat mit seinen
Militärs verhandelt, und dies ist das
Maximum, was er bei ihnen erreichen
konnte."
Obwohl
Gorbatschow
versprochen
habe, in den kommenden Jahren die Militärausgaben zu verringern, "sollten
wir in unserer Wachsamkeit nicht
nachlassen". "Nach vier Monaten der
Rhetorik können wir Gorbatschow kein
Verdienst für einen Wandel des von
den Sowjets in den vergangenen 40
Jahren
gezeigten Verhaltens zugestehen."

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�Dem Verteidigungsexperten zufolge
besteht das vorrangige Ziel der Sowjetunion in Europa nach wie vor darin, Zwietracht unter den NATO-Verbündeten zu säen.
Laut Blackwell
entspricht die von Gorbatschow im Dezember 1988 und von den anderen osteuropäischen Politikern im vergangenen Monat angekündigte Reduzierung
der Streitkräfte "höchstens einem 10prozentigen Abbau
ihres Verteidigungshaushaltes. Dies entspricht den
Kürzungen, die von den Vereinigten
Staaten bereits bei der Neufestsetzung des Etats für das Haushaltsjahr
1989 vorgenommen wurden".
"Wenn man auf beiden Seiten Kürzungen vornimmt, aber von einem enormen Ungleichgewicht ausgeht, dann ist
mit ausgewogenen Kürzungen nichts gewonnen", fügte Blackwell hinzu.
Die militärische Situation könnte
seiner Ansicht nach noch sehr viel
gefährlicher sein.
"Wenn wir die
Streitkräfte durch einseitige Kürzungen im Verteidigungshaushalt auf beiden Seiten oder durch beiderseitig
vereinbarte ausgewogene Reduzierungen
ausdünnen, hätten wir am Ende dieselbe Asymmetrie bei den Streitkräften. Als Ergebnis würden wir in Europa eine lange Front mit weniger
Streitkräften
verteidigen und den
Verteidiger damit in eine schwierigere Position manövrieren", erklärte er.
In einer Studie mit dem Titel
The Military Impact of the Gorbachev
Reductions (Die militärischen Auswirkungen
der
Truppenreduzierungen
unter Gorbatschow) stellt Phillip
Karber,
Vizepräsident
der
VerteidIgungs-Forschungsinstitution
BDM
mit
Sitz
in
Washington,
fest,
Gorbatschows Unilateralismus habe wiewohl nicht ohne Reiz - seine Grenzen.

rungsmaßnahmen oder eine beiderseitig
vereinbarte "Form oder Definition der
Erwartungen".
Zweitens ist die Glaubwürdigkeit
der Sowjets der Schwachpunkt: In der
Vergangenheit haben sie den Abzug von
Truppen aus Osteuropa vorgetäuscht,
so Karber. Als Beispiel zitiert er
den mit erheblichem Propagandaaufwand
durchgeführten einseitigen Abzug sowjetischer Truppen aus der DDR unter
Breschnew im Jahr 1979. Es stellte
sich heraus, daß man die Flagge der
Einheit zwar in die Sowjetunion zurückgebracht hatte, Soldaten und Gerät jedoch in ganz Osteuropa umverteilt wurden.
Drittens wäre Karber zufolge eine
Verifizierung der sowjetischen Reduzierungen außerordentlich schwierig,
da über die Streitkräfteniveaus kein
Datenaustausch erfolgen würde, wie es
beim INF-Vertrag der Fall war. "Eine
Verifizierung der über einen Zeitraum
von mehreren Jahren erfolgten Neustationierugen
vorzunehmen,
gestaltet
sich als äußerst schwierig, wenn diese Stationierungen noch nicht abgeschlossen sind", so Karber.
Im Hinblick auf die militärische
Offensivstratgie befürwortet Karber
eine abwartende Haltung gegenüber den
Behauptungen der Sowjets, ihre der
NATO an der zentralen Front gegenüberstehenden Streitkräfte würden zu
solchen mit rein defensivem Charakter
umstrukturiert.
"Wenn die Sowjets tatsächlich eine neue, große, defensive Struktur
der Art einer 'Division' im Sinn haben", erklärte Karber, "so existiert
kein bekanntes Modell ihrer Organisations- und GeräteaufStellungen - weder in Osteuropa noch in der Sowjetunion."

Karber zufolge kann erstens "alles, was unilateral vorgenommen wird
auch unilateral wieder rückgängig gemacht werden". Da es sich hierbei
nicht um ein unterzeichnetes Abkommen
handelt, gibt es keine Verifizie- 2 -

* * * * * *

�AMERIKA DIENST
'^7

""" &lt;Ä

Hintergrundmaterial

6

8. Februar 1989
STRATEGIEPOLITIK ERFORDERT ÜBERPARTEILICHEN KONSENS
- Auszüge aus dem Bericht über nukleare Abschreckung -

WASHINGTON - (AD) - Der am 3. Februar 1989 veröffentlichte Bericht
Deterring through the T u m of the Century (Abschreckung bis zum Ende des
Jahrhunderts) fordert einen Konsens bei der atomaren Strategiepolitik und unterstreicht die Modernisierung der landgestützten Atomstreitkräfte. Dem ehemaligen Verteidigungsminister Harold Brown zufolge sind landgestützte Raketen
"das unsicherste Element" der strategischen Streitkräfte der Vereinigten Staaten und die Wiederherstellung der Uberlebensfähigkeit dieser Raketen gegen
einen Erstschlag der Sowjetunion sei unabdingbar. Der Bericht stellte ferner
fest, die Strategische Verteidigungsinitiative (SDI) solle weiterhin im bisherigen Umfang unterstützt werden. Der Bericht wurde vom Zentrum für strategische und internationale Studien und dem Johns Hopkins Institut für auswärtige Politik in Washington in Auftrag gegeben.
Nachfolgend veröffentlichen wir den Bericht in wesentlichen Auszügen.

Die Bedrohung
Die zur Zeit vordringlichste Frage im Bereich der Abschreckung lautet, ob eine ausreichende Anzahl amerikanischer Streitkräfte einen sowjetischen Angriff überleben wird, um
wirksam Vergeltung zu üben. Heute
vertrauen wir darauf, daß der Großteil amerikanischer Bomber (mit ca.
1 300 Waffen bestückt) und U-Boote
auf See (mit ca. 3 000 Waffen) selbst
in ihrer Aufstellung in Friedenszeiten einen möglichen Angriff der Sowjetunion überleben wird.
Dieses Vertrauen erstreckt sich
jedoch nicht auf unsere landgestützten Raketen in Silos. Einem Überraschungsangriff sowjetischer Streitkräfte, bei dem nur ungefähr ein

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Drittel ihrer derzeit verfügbaren Gefechtsköpfe auf Interkontinentalraketen (ICBMs) zum Einsatz kommt, würden
nur ca. 5 Prozent der amerikanischen
ICBMs standhalten. Selbst wenn die
Begrenzungen des Vertrages über nuklear-strategische Waffen (START) in
Kraft getreten sind, wird sich diese
Situation in Zukunft nicht verbessern
und könnte sich sogar verschlechtern,
es sei denn, wir nehmen Veränderungen
bei der Stationierung unserer Interkontinenatalraketen
und
vielleicht
bei den Raketen selbst vor.
Die Sowjetunion hat derzeit ca.
11 000 strategische Waffen stationiert, von denen mindestens 3 000
(wahrscheinlich mehr) unsere Interkontinentalraketen-Silos wirksam angreifen könnten. Das START-Abkommen

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�würde diese Anzahl auf 9 000 (oder
vielleicht weniger) Waffen verringern, aber diese Streitkräfte hätten
immer noch ungefähr 3 000 ICBMs zur
Verfügung, die alle durch Verbesserung ihrer Zielgenauigkeit wirksam
gegen unsere Silos eingesetzt werden
können.
Ein beunruhigender Unsicherheitsfaktor betrifft die technologischen
Fortschritte der Sowjets, mit denen
die Wirksamkeit ihrer Streitkräfte
erhöht werden könnte. Verbesserungen
der Zielgenauigkeit ihrer U-Bootgestützten
ballistischen
Raketen
(SLBMs) sowie der Sprengkraft ihrer
Gefechtsköpfe könnte die Uberlebensfähigkeit der ICBMs in Silos weiter
unterminieren und - was noch wichtiger ist - einige Optionen zur Verbesserung der Überlebensfähigkeit dieser
Raketen zunichte machen.
Anlaß zu noch größerer Besorgnis
böten neue sowjetische Waffen - seegestützte ballistische Raketen mit
niedrigerer Flugbahn und getarnte
seegestützte Marschflugkörper (SLCMs)
- deren Angriff mit geringer Vorwarnzeit erfolgen würde. Solche Waffen
könnten ein wesentliches Merkmal unserer Streitkräftestruktur unterminieren. Logik und Verbesserungen des
heutigen Standes der Technik legen
die Vermutung nahe, daß sie bis zum
Ende des Jahrhunderts in den sowjetischen Arsenalen verfügbar sein werden.
Derzeit ist das Zusammenwirken
von amerikanischen Bombern und silogestützten Raketenstreitkräften entscheidend. Diese beiden StreitkrMfteelemente komplizieren die zeitliche
Berechnung
eines sowjetischen Angriffs, da ein Angriff auf beide genügend Vorwarnzeit für zumindest eines der beiden Elemente läßt, um zu
einem
wirksamen
Vergeltungsschlag
auszuholen.
Diese neuen sowjetischen Waffen
(seegestützte
ballistische
Raketen
mit niedrigerer Flugbahn und größerer
Zielgenauigkeit sowie getarnte seege-

stützte ballistische Raketen) könnten
dieses Zusammenwirken jedoch unterminieren und damit die gleichzeitige
Zerstörung unserer ICBMs in Silos und
alarmbereiten
Bomber
ermöglichen.
Sollte dies der Fall sein, könnten
die Vereinigten Staaten in eine potentiell gefährliche Situation geraten. Die Erhaltung unserer Strategie
der Abschreckung würde dann einzig
und allein auf einem Streitkräfteelement ruhen - den seegestützten Raketen. Die Sicherheit - und nicht zuletzt die Freiheit und tfberlebensfähigkeit - unserer Nation einzig und
allein auf der Lebensfähigkeit eines
bestimmten Waffensystems
ruhen zu
wissen, wäre zweifelsohne ein unannehmbares Risiko.
Die heute bestehende und sich in
der Zukunft möglicherweise ergebende
Bedrohung ist eine Bestätigung der
Grundstruktur
der
strategischen
Streitkräfte der Vereinigten Staaten.
Diese Struktur besteht aus einer Triade land- und seegestützter ballistischer Raketen und aus teilweise mit
Marschflugkörpern bestückten Bombern.
Die Entwicklung und Stationierung
moderner
sowjetischer
Streitkräfte
und Technologien, die wir heute beobachten und unschwer in die Zukunft
projizieren können, kann den Verlust
eines oder vielleicht zweier Säulen
der Triade zur Folge haben. Wenn den
Vereinigten Staaten Zeit zur Verfügung steht, können sie darauf reagieren. Sie können das neue Wesen der
Bedrohung verstehen lernen, ihre eigenen Technologien zu deren Bewältigung anwenden und die Abschreckung
kontinuierlich aufrechterhalten.
Um
diese Strategie lebensfähig zu machen, müssen wir jedoch stets eine
zweite und dritte Reserve haben. Die
Sicherheit der Vereinigten Staaten
kann sich zu keinem Zeitpunkt eine
vorübergehende Lücke leisten, die sowjetische Politiker zu der Annahme
verleiten könnte, in einer Krisensituation sei ein Atomkrieg zu gewinnen
oder sie verfügten über das entscheidende Kriterium, das sie in die Lage
versetzen würde, durch Einschüchte-

�rung der Vereinigten Staaten oder deren Verbündete politischen Druck auszuüben.
Über
diese
"Uberbrückungsfunktion" hinaus trägt jede Säule der
Triade dazu bei, die sowjetischen Bestrebungen zur Unterhöhlung der anderen Säulen abzuwehren. Gemeinschaftlich zwingen sie die Sowjets, ihre
Ressourcen zur Neutralisierung dreier
absolut unterschiedlicher Technologien auszudehnen. Um dies aufzuheben, sind unterschiedliche sowjetische Technologien und Streitkräfte
erforderlich.
Ballistische Raketen
unterstützen Bomber beim Angriff auf
die
sowjetsiche
Luftverteidigung.
Bomber und ICBMs arbeiten ebenfalls
zusammen, da ein Angriff auf einen
von beiden den Grund zum Abschuß des
anderen liefert.
Schließlich hat jedes Element der
Triade einzigartige Fähigkeiten, unterschiedliche
Typen
sowjetischer
Ziele zu bedrohen; beispielsweise
verfügen ICBMs über eine große Zielgenauigkeit, gute Führungs- und Kommunikattonselnrichtungen sowie unverzügliche Ankunft am Ziel.
Gemeinschaftlich bietet die Triade dem Präsidenten ein breites Spektrum von Optionen, angemessen auf die vielfältigen Formen einer sowjetischen Aggression zu reagieren. So gesehen stärkt
die Triade die Abschreckung, indem
sie die politisch Verantwortlichen in
der Sowjetunion von dem Irrtum befreit, sie könnten einen Angriff so
gestalten, daß es dem Präsidenten
entweder an Willen oder der Fähigkeit
zur Reaktion mangeln würde.
Wenn wir den Gedanken einer festen Triade akzeptieren, sollten wir
den Stand und die Aussichten jeder
einzelnen Säule überprüfen, um Prioritäten bezüglich dessen zu entwikkeln, was getan werden muß, damit unsere Strategie in den kommenden Jahren weiterhin funktioniert.

Seegestützte Raketen
Diese Raketen bilden das zuverlässigste Element
unserer Triade.
Gegenwärtig oder in unmittelbarer Zukunft gibt es keine bekannte sowjetische Technologie, die ihr überleben
angesichts
eines
Präventivschlages
bedroht.
Wir müssen jedoch nach wie vor
wachsam sein, falls sich die derzeitige Situation verändert. Eine beunruhigende Tendenz ist beispielweise
die Absicht der Vereinigten Staaten,
weniger U-Boote mit mehr Raketen zu
bestücken.

Mit Waffen bestückte Bomber
Heute scheinen unsere Bomber gegen einen Erstschlag der Sowjetunion
in hohem Maße überlebensfähig zu
sein, gleichgültig, ob der Schlag von
einer durch START begrenzten oder einer sehr viel größeren Streitmacht
ausgeführt wird. Die zukünftigen sowjetischen Dislozierungen (zum Beispiel seegestützte ballistische Raketen mit niedrigerer Flugbahn) könnten
diese Situation jedoch drastisch verändern.
Die großen Investitionen der Sowjetunion in massive Luftverteidigung
sind ebenfalls eine Quelle möglicher
Besorgnis.
Heute scheinen unsere
Bomber und Marschflugkörper fähig,
diese Verteidigung mit akzeptablen
Verlusten
zu durchdringen, obwohl
Probleme mit der Verteidigungsaviontk
des B-l beuruhigend sind. Wenn die
Sowjets in Zukunft die Fähigkeit unserer ballistischen Raketen zur Unterdrückung
der
Luftverteidigung
(durch Präventivschläge
oder eine
Verteidigung mit ballistischen Raketen) unterhöhlen, könnte die Wirksamkeit der Bomber und Marschflugkörper
abnehmen.
Getarnte
Bomber
und
Marschflugkörper könnten diese Situation verbessern, werden jedoch einen
Kampf zur Folge haben, bei dem Maßnahmen mit Gegenmaßnahmen vergolten
-werden.

�Landgestützte Raketen
Die Fähigkeit dieses Elements der
Triade zur vollständigen Wahrnehmung
seiner Abschreckungsfunktion - Vergeltung nach einem sowjetischen Erstschlag - unterliegt heute sicherlich
Zweifeln.
Die sowjetischen ICBMs,
insbesondere die SS-18, sind zahlenmäßig und technisch in der Lage, einen erheblichen Teil unserer in Silos
stationierten landgestützten Raketen
zu vernichten.
In der Zukunft werden die für sowjetische Raketen im Rahmen von START
auferlegten Reduzierungen die Verwundbarkeit
unserer
silogestützten
Raketen nicht unbedingt vermindern,
wenn wir keine Maßnahmen treffen, um
ihre Uberlebensfähigkeit durch mobile
oder versteckte Stationierung zu erhöhen. START wird die Zahl der sowjetischen SS-18 - gegenwärtig die
wirksamste Waffe der Sowjets gegen
Silos - halbieren.
Wahrscheinlich
werden die Sowjets aber insgesamt ca.
3 000 ICBMs zurückbehalten. Aufgrund
möglicher Verbesserungen bei Zielgenauigkeit und Sprengkraft wäre diese
Streitmacht ausreichend, um die Mehrzahl unserer Silos zu zerstören. Mit
den uns zur Verfügung stehenden Varianten, einschließlich versteckter
oder mobiler Stationierung, könnte
sie jedoch nicht fertig werden.
Während der zehn Jahre oder mehr,
in denen dieses Problem offen zutage
trat, wurden zahlreiche Optionen zu
dessen Lösung entwickelt. Keine davon hat jedoch die grundlegenden Kriterien der militärischen Wirksamkeit,
Finanzierbarkeit und politischen Akzeptanz erfüllt. Es wäre nicht nützlich, erneut Optionen in Erwägung zu
ziehen, die schon in der Vergangenheit diesen Voraussetzungen nicht gerecht werden konnten.
Heute werden drei Optionen in Betracht gezogen. Keine von diesen hat
die Grundlage für einen Konsens geschaffen, aber es ist auch keine entschieden zurückgewiesen worden. Diese Optionen sind:

Schienengestutzte MX. Diese Option fordert die Stationierung von
MX-Raketen auf Eisenbahnwaggons. Im
Frieden würden diese in einigen wenigen
Garnisonen
auf
militärischen
Stützpunkten gelagert.
Bei einer
strategischen Warnung (eine Frage von
Stunden) würden die Raketen über das
öffentliche
Schienennetz
verteilt,
und ein Angreifer müßte deshalb große
Teile des Schienennetzes unter Feuer
nehmen, um die Zerstörung der Raketen
sicherzustellen.
Straßenmobile Midgetman.
Diese
Option verlangt die Stationierung
kleiner, mit Einzelgefechtskopf ausgerüsteter Midgetman ICBMs auf gehärteten Fahrzeugen, die entweder schon
in Friedenszeiten oder im Falle einer
taktischen Warnung (eine Frage von
wenigen Minuten) aufgelockert stationiert würden. Dies würde einen Angreifer zwingen, weite Landstriche
unter Feuer zu nehmen, um die Zerstörung der Raketen zu gewährleisten.
Carry-Hard.
Bei dieser Option
würde eine Rakete
(beispielsweise
eine MX, Midgetman oder Minuteman
III) in einer gehärteten Kapsel untergebracht, die in irreführender
Weise in einem von mehreren tausend
preisgünstig zu errichtenden Silos
stationiert würde.
Ein Angreifer
müßte einen Schlag gegen Tausende von
Silos durchführen, um die Vernichtung
einer weit geringeren Zahl von Raketen sicherzustellen.
Bei Option 1, die schienengestützte MX, wären die Kosten relativ
gering (12 Milliarden Dollar für den
gesamten Lebenszyklus). In Situationen, in denen wohlüberlegte Entscheidungen zur Verteilung der MX über das
öffentliche Schienennetz viele Stunden vor einem Angriff getroffen werden können, wäre ihre Uberlebensfähigkeit sehr hoch. Eine entscheidende Frage ist jedoch, ob Situationen
wahrscheinlich sind, in denen diese
Zeit für die Verteilung der MX auf
Schiene nicht zur Verfügung stünde,
zum Beispie] vor einem Angriff. So
könnten die Sowjets etwa ihre Vorbe-

�reitungen beschränken oder verbergen,
um ihre Absichten zu vernebeln. Sie
könnten versuchen, die strategischen
Streitkräfte bis unmittelbar vor einem Angriff nicht in einen höheren
Bereitschaftsgrad zu versetzen als in
Friedenszeiten.
Eine weitere Möglichkeit bestünde
darin, daß der Präsident Anzeichen
erhielte, die auf einen Angriff hindeuten, er aber die Entscheidung
treffen würde, die MX-Züge nicht zu
verteilen. Der Präsident könnte etwa
besorgt sein, daß die MX-Stationierung über das öffentliche Schienennetz von der amerikanischen Öffentlichkeit, unseren Verbündeten oder
den Sowjets als unmittelbarer Vorläufer eines offensiven Atomschlages der
Vereinigten
Staaten
mißverstanden
werden könnte, obwohl die Absicht
rein defensiv ist. Schließlich ist
noch festzustellen, daß wir im Falle
ausreichender Zeit für die Stationierung der MX-Züge mit weit geringerem
Aufwand eine gleiche oder größere
Zahl von Alarmgefechtsköpfen auf andere Art und Weise, wie untenstehend
besprochen, stationieren könnten.
Option
2,
die
straßenmobile
Midgetman, hat zwei Varianten. Bei
der ersten Variante würden im Frieden
mobile Midgetman-Abschußvorrichtungen
auf den bestehenden Midgetman-Stützpunkten im Norden der Vereinigten
Staaten stationiert. Bei einer taktischen Angriffswarnung würden sie in
der Umgebung verteilt.
Die andere
Variante beinhaltet die Verteilung
von Midgetman-Raketen über große Teile weitläufiger Militärstützpunkte im
Südwesten. Bei einer taktischen Angriff swarnung würden diese über noch
weiträumige Gebiete sowohl innerhalb
als auch außerhalb der Stützpunkte
verlegt.
Mobile Midgetman im Südwesten wären die teuerste Lösung (39 Milliarden Dollar während des gesamten Lebenszyklus).
Eine Stationierung im
Norden würde die bestehende Minuteman-Infrastruktur der Air Force ausnutzen und etwas weniger kostspielig

sein (36 Milliarden Dollar im Lebenszyklus) .
Diese Kosten sind hoch und bilden
das Hauptargument gegen die Midgetman. Sie könnten jedoch um ca. ein
Drittel verringert werden, wenn jede
Midgetman doppelt bewaffnet würde.
Damit würde die Zahl der Abschußvorrichtungen und zu stationierenden Raketen halbiert.
Diese Zunahme der
Nutzlast würde jedoch den Aktionsradius derart einschränken, daß eine
Stationierung
im Südwesten ausgeschlossen wäre.
Bei einer taktischen Warnung würden alle Varianten der Midgetman-Lösung im Falle eines Angriffs durch
eine von START begrenzte sowjetischen
Streitmacht ein sehr Uberlebensfähiges Element darstellen, obwohl bei im
Norden stationierten, weniger weiträumig verteilten Midgetman weniger
Raketen überleben würden. Alle Varianten würden die Sowjets von einem
Bruch des START-Vertrags abschrecken
und die Sowjets im Falle eines solchen Bruchs zwingen, für jede Midgetman, die sie vernichten wollen, viele
zusätzliche Raketen einzusetzen.
Die
Uberlebensfähigkeit
der
Midgetman kann durch technische Verbesserungen bei den Sowjets teilweise
verringert werden (zum Beispiel durch
erhöhte Sprengkraft oder Angriffe mit
SLBMs
mit
niedrigen
Flugbahnen).
Trotzdem würde die Midgetman auch
diesen Verbesserungen begegnen können
(im Falle einer Stationierung im Südwesten mehr als im Norden).
Falls
notwendig könnte eine noch weiträumigere Verteilung die Uberlebensfähigkeit weiter erhöhen.
Option 3, Carry-Hard, kann für
die Stationierung verschiedener Raketentypen verwendet
werden
- MX,
Midgetman oder Minuteman III. Die
Kosten würden je nach gewähltem System variieren (Kosten pro Lebenszyklus wären ca. 24 Milliarden Dollar
für die MX, 40 Milliarden oder mehr
für Midgetman - reduzierbar auf vielleicht 27 Milliarden bei der Version

- 5 -

�mit zwei Gefechtsköpfen - und 19 Milliarden für die Minuteman III).
Der Carry-Hard-Option liegt dasselbe Prinzip zugrunde wie dem vom
ehemaligen Präsidenten Carter für die
MX
vorgeschlagenen
Stationierungsmodus in Silos - eine kleine Anzahl
von Raketen (etwa 50 MX, 500 Midgetman oder 167 Minuteman III) in einer
Vielzahl von Silos (zum Beispiel
2 300).

Die Rolle der Rüstungskontrolle
Die Bewahrung der Abschreckung
hängt zuallererst von der Bereitschaft des Präsidenten und des Kongresses ab, die harten Entscheidungen
zu treffen, die für Entwicklung und
Stationierung effektiver, überlebensfähiger
strategischer
Streitkräfte
erforderlich sind. Rüstungskontrollvereinbarungen mit den Sowjets sollten weiterhin in dem Maße angestrebt
werden, in dem sie eine stabile Abschreckung
bewahren
und
stärken.
Dennoch möchten wir betonen, daß das
Hauptaugenmerk der Vereinigten Staaten darauf liegen sollte, zu bestimmen, welche Streitkräftestruktur eine
stabile Abschreckung am besten gewährleistet und die Wahrscheinlichkeit eines Angriffs verringert und
dann erst damit in Einklang stehende
Rüstungskontrollabkommen anzustreben,
nicht umgekehrt.
Das bevorstehende START-Abkommen
ist in diesem Zusammenhang von vorrangigem Interesse. Obwohl noch eine
Vielzahl von Einzelheiten der Klärung
bedürfen, scheint eine Übereinkunft
zu Bestimmungen in greifbare Nähe gerückt zu sein, mit denen die heutigen
Streitkräfteniveaus auf beiden Seiten
reduziert werden. Ob diese Reduzierungen vorteilhaft für die Vereinigten Staaten sein werden hängt davon
ab, wie wir unsere Systeme im Umfeld
nach START stationieren. Den in Betracht gezogenen Vertragsbedingungen
zufolge könnten die amerikanischen
Streitkräfte von heute 12 300 Waffen
auf 10 600 begrenzt werden und die

sowjetischen Streitkräfte von 10 600
auf 9 000. In der Kategorie der Gefechtsköpfe auf ballistischen Raketen
werden die Zahlen von ca. 9 400 sowjetischen und 7 500 amerikanischen
Gefechtsköpfen auf je 4 900 begrenzt
werden.
Insgesamt wird die Verteilung auf die einzelnen Elemente der
Triade eine verstärkte Stützung auf
Bomber bedingen als heute der Fall
ist.
Wenn man eine Bewertung unserer
Fähigkeit zur Erfassung der möglichen
sowjetischen Ziele vornimmt, wird die
Situation nach START zufriedenstellend
bleiben.
Die heutigen USStreitkräfte besitzen die Fähigkeit,
einen erheblichen Teil der sowjetischen Streitkräfte und politischmilitärischen Infrastruktur zu bedrohen, obwohl diese Fähigkeit abnehmen
wird, wenn die Sowjets ihre Mobilität
und Auflockerung in Krisenfällen ausbauen. Unter START können die Vereinigten Staaten die erforderliche
Fähigkeit nur dann aufrechterhalten,
wenn sie ihre Streitkräfte effektiv
modernisieren.
Eine relevantere Frage ist jedoch, ob die Streitkräfte der Vereinigten Staaten einem sowjetischen
Angriff so flexibel entgegentreten
können wie heute (oder, vorzugsweise,
noch flexibler). Im Zuge unserer Modernisierungs- und
Verhandlungsbemühungen muß unser Ziel darin bestehen,
das Verhältnis zwischen zielgenauen
sowjetischen Gefechtsköpfen und den
von diesen zu zerstörenden amerikanischen Zielen auf dem gleichen oder
- vorzugsweise - einem niedrigeren
Niveau zu halten wie heute, um den
Sowjets den Anreiz zu einem solchen
Angriff zu nehmen. Insgesamt würden
Reduzierungen keinen Gewinn bedeuten,
wenn die Sowjets von ihren verbleibenden Waffen eine größere Zahl auf
Uberproportional
weniger
amerikanische Ziele richten könnten.
Mit diesem Umstand vor Augen haben sich die für die Modernisierung
der ICBMs verantwortlichen amerikanischen Militärplaner darauf konzen-

- 6 -

�triert, wie man den Umfang der in den
Vereinigten Staaten vorhandenen Ziele
vergrößern kann.
Die verschiedenen
real in Betracht gezogenen Vorschläge
beruhen alle auf Täuschung - das
heißt, ICBMs werden auf Bahnlinien,
an Straßen oder in zahlreichen Silos
versteckt - so daß die Anzahl der von
den Sowjets anzugreifenden Punkte
größer würde als heute. Es ist vorstellbar, daß die Sowjets ohne eine
Obergrenze bei Gefechtsköpfen genug
Waffen für einen Angriff bauen könnten, um die Täuschung wettzumachen,
indem sie Waffen auf jeden Ort richten, an dem sich unsere ICBMs befinden könnten - zugegebenermaßen eine
große Zahl, aber im Prinzip wäre dies
angesichts eines fehlenden Abwehrkonzepts oder zahlenmäßiger Beschränkungen möglich.
Die niedrigeren Obergrenzen für
Gefechtsköpfe bei START bedeuten somit - trotz des Spielraums für Täuschungen und Vertragsbrüche - eine
Bedrohung für unsere ICBMs, machen es
jedoch zwingend erforderlich, daß unsere
Modernisierungspläne
soviele
Ziele wie möglich auf unserer Seite und möglichst noch mehr als heute vorsehen.
Die Vereinigten Staaten schlagen
gegenwärtig ein Verbot aller mobilen
ICBMs als eine Möglichkeit vor, um
die amerikanische Besorgnis über die
Schwierigkeiten bei der Gewährleistung einer genauen Verifizierung der
Anzahl dieser Systeme zu betonen. Im
Prinzip sind mobile ICBMs so konzipiert, daß sie zur Sicherstellung ihrer Überlebensfähigkeit leicht verborgen werden können; daraus folgt
jedoch, daß leicht zu verbergende Systeme auch leichter illegal zu dislozieren sind. Aus diesem Grund sind
die amerikanischen Unterhändler zu
Recht besorgt.
Wenn sich die Sowjets jedoch zur
Täuschung entschließen, wäre es Ihnen
praktisch unmöglich, genügend Streitkräfte illegal zu stationieren, um
ihre Fähigkeit zum erfolgreichen Angriff auf mobile amerikanische Syste-

me erheblich zu verbessern. Wenn Sie
jedoch diesen Versuch unternehmen
würden, wäre für uns die Ausweitung
unseres
Stationierungsgebietes
wesentlich einfacher zu bewerkstelligen
als für sie die Bereitstellung der zu
einem Angriff benötigten Gefechtsköpfe.
Zum Gleichgewicht vertreten wir
die Auffassung, daß die Gewinne bei
der Stabilität und die der versteckten Stationierung immanenten mangelnden Anreize zu Täuschungsmanövern die
Risiken einer tatsächlichen Täuschung
mehr als aufwiegen. Wir kommen daher
zu dem Schluß, daß die Position der
Vereinigten Staaten so verändert werden sollte, daß sie die Stationierung
mobiler Systeme auf beiden Seiten gestattet. Dieses Urteil setzt natürlich voraus, daß die Vereinigten
Staaten sich tatsächlich einem Plan
der versteckten Stationierung zuwenden.
(Die Sowjets besitzen bereits
eine große Zahl - wahrscheinlich mehr
als 100 - mobile ICBMs, die mit einem
Gefechtskopf ausgerüstete, auf Strassen bewegliche SS-25.) Es wäre unverzeihlich, den Sowjets mehr Möglichkeiten zum Rückzug aus START zu
gestatten, während wir selbst darauf
verzichten, ein wirklich angemessenes
Gegenmittel zu stationieren.
Einschneidendere
Reduzierungen
über START hinaus erfordern die sorgfältige Lösung einer Reihe von Problemen. Das erste ist die Uberlebensfähigkeit der Streitkräfte und
damit die bereits erörterte Frage des
Verhältnisses von Gefechtsköpfen und
Zielen. Das zweite betrifft die amerikanische Fähigkeit, wichtige Einrichtungen auf sowjetischer Seite zu
treffen.
Wie bereits ausgeführt,
stellen die von START begrenzten
Streitkräfte genug Waffen bereit, um
die meisten der jetzt zur militärischen Planung verwendeten Ziele abzudecken, ohne daß viele nicht abgesteckte
Ziele
übrigblieben.
Mit
niedrigeren Niveaus würden wir hinter
den Stand zurückfallen, der jetzt von
Militärplanern als vernünftig erachtet wird. Wir müssen erneut UberprU-

- 7 -

�fen, ob diese Reduzierungen einen
wünschenswerten Eeffekt auf die Abschreckung haben.
Das dritte Problem betrifft die
Auswirkung auf eine erweiterte Abschreckung. Einige Verbündete haben
Vorbehalte im Hinblick auf die Unterschreitung der von START festgesetzten Niveaus geäußert, wenn nicht zunächst das konventionelle Ungleichgewicht der Streitkräfte in Europa ausgeglichen würde. Wir benötigen eine
klare Vereinbarung, daß wir unsere
Verpflichtungen für eine über amerikanisches Territorium hinausgehende
Abschreckung einhalten können, und
diese Botschaft müssen wir in engen
Konsultationen mit unseren Verbündenten vermitteln.

Zusammenfassung
Die Sicherheit der Vereinigten
Staaten muß in absehbarer Zukunft auf
Abschreckung und Offensivstreitkräften basieren; kurzfristig gibt es
keine Alternative.
Zur Gewährleistung der Abschreckung müssen die
Vereinigten Staaten weiterhin Streitkräfte stationieren, die einen Gegner
unbedingt davon überzeugen, daß jede
Aggression
gegen
die
Vereinigten
Staaten oder ihre Verbündeten eine
Reaktion hervorruft, die ihm untragbare Kosten aufbürden würde. Praktisch bedeutet das die Beibehaltung
einer Triade von Streitkräften, die
insgesamt die Fähigkeit besitzt, einen Präventivschlag zu überleben und
die
sowjetische
Verteidigungslinie
mit
einem
Vergeltungsschlag
von
nichtakzeptablem Ausmaß zu durchbrechen. Die Vereinigten Staaten müssen
die zur Erfüllung dieser Maßgabe erforderliche Modernisierung
in den
nächsten Jahren im Rahmen ihres niedrigeren Verteidigungshaushalts durchführen.
Wir sprechen folgende Empfehlungen aus:
- Die Modernisierung der ICBM sollte erste Priorität sein.
Die
Midgetman (mit einem Gefechtskopf) in einer straßenbeweglichen

Konfiguration im Südwesten stationiert oder eine Midgetman (mit
zwei Gefechtsköpfen) in zahlreichen "carry-hard" Silos sind
die zwei vielversprechenden Ansätze
mit
der
erforderlichen
tfberlebensfähigkeit.
Die
Entwicklung und Stationierung einer
dieser Möglichkeiten sollte vorrangig finanziert werden.
Die
Entscheidung für eine von ihnen
sollte davon abhängig sein, welche Möglichkeit die besten Aussichten auf Erlangung eines politischen Konsenses hat, der für
die Bewilligung und Durchführung
erforderlich ist. Bis diese Entscheidung getroffen wird, sollten
wir weiterhin umfangreiche silogestützte Streitkräfte unterhalten.
Diese Streitkräfte werden
eine wirksame Fähigkeit für bestimmte Anwendungsbereiche, insbesondere die Unterstützung der
erweiterten Abschreckung haben.
Die MX-Rakete sollte, wenn sie
nicht
"carry-hard"
stationiert
wird, in ihren gegenwärtig 50 Silos beibehalten werden. Wenn in
den neunziger Jahren mehr Mittel
zur Verfügung stehen, sollte die
Stationierung aus den Silos auf
die Schiene verlegt werden.
- Pläne für die Stationierung der
Trident U-Bootflotte einschließlich der D-5 Rakete sollten ebenfalls vollendet werden.
Einige
kleinere Verzögerungen sind jedoch bei diesem Programm akzeptabel.
Die seegestützte Modernisierung sollte Möglichkeiten für
die Bereitstellung einer größeren
Zahl von Schiffen, insbesondere,
wenn Begrenzungen
durch START
vorgenommen
werden,
vorsehen.
Kurzfristig würde dies die Stationierung einer größeren Zahl
von
Trident-U-Booten
bedeuten,
von denen jedes mit weniger als
dem Maximum von 24 Abschußvorrichtungen
ausgerüstet
ist.
Langfristig würde das heißen, eine neue Generation kleinerer UBoote zu entwickeln.

�der MX gegen die SS-24 bedarf
eingehender Prüfung
Die Zustimmung zu mobilen Systemen setzt
natürlich voraus, daß die Vereinigten Staaten ihr Recht auf
Entwicklung einer der hier erörterten
Konfigurationen
erhält
(auf
Straßen
beweglich
oder
"carry-hard").
Als letztes Detail
sollten
die
Vereinigten
Staaten
die
gegenwärtige
Beschränkung von Abschußvorrichtungen (1 600) weiter lockern oder
abschaffen.
Solch
eine
Einschränkung steht dem Wunsch zur
Verbesserung
des
Verhältnisses
von Gefechtsköpfen zu Zielen entgegen.

- Gegenwärtige Pläne zur Modernisierung von Bombern und deren Bewaffnung
sollten
verwirklicht
werden. Das vollständige B-l Geschwader sollte weiter stationiert werden.
Die Entwicklung
des B-2 sollte sorgfältig und
gründlich vollendet werden. Wenn
das
Entwicklungsprogramm
abgeschlossen ist, sollte der B-2
stationiert werden.
- Eine Untersuchung sollte durchgeführt werden, um zu bestimmen, ob
die nuklear bestückten SLCMs in
unserem Interesse zu liegen versprechen und ob die nuklearen und
nichtnuklearen SLCMs verifizierbar sind.
- Das Programm der Strategischen
Verteidigungsinitiative
sollte
wie bisher finanziert werden, mit
bescheidenen jährlichen Erhöhungen, und es sollte weiterhin auf
das bereits erörterte Ziel hin
ausgerichtet sein.
- Im Hinblick auf Rüstungskontrolle
sind die vorgeschlagenen zahlenmäßigen Beschränkungen im bevorstehenden START-Abkommen vernünftig und werden vorsehen, daß ausreichende amerikanische Streitkräfte die Abschreckung unterstützen.
Die möglichen Bestimmungen dieses Abkommens können
nützliche Verbesserungen für die
Sicherheit der Vereinigten Staaten hervorbringen, insbesondere
in Zusammenhang mit der Stationierung moderner, überlebensfähiger, landgestützter Raketen. Die
Vereinigten Staaten haben bereits
begonnen, Ansätze zur Verifizierung mobiler Systeme zu erörtern
und werden wahrscheinlich ihren
Vorschlag eines Verbots fallenlassen, wenn geeignete Vereinbarungen getroffen werden.
Wir
sollten dennoch erwägen, weiterhin ein Verbot von Mehrfachgefechtsköpfen (MIRVs) auf mobilen
Systemen
auszusprechen,
angesichts ihrer besseren Wirkung bei
Täuschungsmanövern.
Ein Tausch

Wie zu Beginn erklärt, waren die
vergangenen 15 Jahre im Hinblick auf
die Erhaltung einer stabilen Abschreckung für die Vereinigten Staaten eine Zeit enormer Herausforderungen. Zu Beginn der achtziger Jahren
hat das Land kurzzeitig den regelmäßig
wiederkehrenden
Enthusiasmus
seiner Bevölkerung für eine selbstbewußtere Rolle der Vereinigten Staaten
in der Welt genossen. Einige, aber
nicht alle Aspekte dieses Enthusiasmus haben Eingang in vernünftige Programme zur nationalen Sicherheit gefunden. Die Verluste waren das Ergebnis einer konzeptionellen Unsicherheit darüber, was zu tun sei.
Andere waren auf politische Parteilichkeit zurückzuführen. Gegenwärtig
treten die Vereinigten Staaten in eine Phase begrenzter Mittel ein. Anhaltende Streitigkeiten und ambivalente Konzepte werden reale Kosten
verursachen, die sich in zunehmender
Anfälligkeit für Zwang und Einschüchterung äußern werden. Diese Publikation ist eine überparteiliche Bemühung, diese Kosten zu verhindern.
Die nächsten zehn Jahre versprechen so turbulent zu werden wie die
vergangenen - aufgrund finanziellen
Drucks, technologischer Entwicklungen
und dem normalen Ausschlag des politischen Pendels im Westen.
Es ist
der letzte nicht vorhersagbare Trend,
der beunruhigt. Im Gegensatz zu den

- 9-

�vergangenen Zeiten» als ihre Stärke
den Vereinigten Staaten einön bestimmten Fehlerquotienten beim Experimentieren
mit
unterschiedlichen
Konzepten zur Wahrung unserer Interessen zugestand, wenn diese Umschwünge stattfanden, kann sich das Land
diesen Luxus nicht mehr leisten. Es
ist viel wichtiger geworden, daß die
Vereinigten Staaten ihre strategische
Politik klar Und einstimmig darlegen
und das Land von einem konkreten Verständnis der anstehenden Bedrohung
und dem Umgang mit ihr geleitet wird.

* * * * *

�AMERIKA DIENST
VON

Hintergrundmaterial

4

8. Februar 1989

DIE VERHANDLUNGEN ÜBER KONVENTIONELLE STREITKTÄFTE IN EUROPA - VKSE
- Eine Übersicht der ACDA -

WASHINGTON - (AD) - Die amerikanische Behörde für Rüstungskontrolle und
Abrüstung (ACDA) hat eine Übersicht zu den Zielen der Verhandlungen über konventionelle Streitkräfte in Europa (VKSE) veröffentlicht, an denen 16 Mitgliedstaaten der NATO und sieben Warschauer Pakt Staaten teilnehmen.
Diese Übersicht wurde bei Ankunft von Außenminister Shultz in Wien veröffentlicht, wo er sich zur Abschlußerklärung der 35 Teilnehmerstaaten der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) einfand.
Nachfolgend der Text der Übersicht:
Die Verhandlungen über
konventionelle Streitkräfte in Europa
(VKSE)
-

Die Beseitigung des militärischen
Ungleichgewichts zwischen Ost und
West im konventionellen Bereich
durch Rüstungskontrolle und Verbesserung der Verteidigung hat
seit Jahren Priorität in der NATO.

- Auch nach Durchführung der von
Gorbatschow angekündigten einseitigen Reduzierungen
hätte der
Warschauer Pakt bei Panzern und
Artillerie einen Vorteil von mehr
als 2:1.
- Die Landstreitkräfte
des Ostblocks sind in der Lage, eine
Großoffensive einzuleiten.
Die

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Reduzierung
von Streitkräften,
die eine Offensive denkbar erscheinen lassen, Territorium besetzen und halten können, ist
vordringliches Ziel der RUstungskontrollstrategie
der NATO im
konventionellen Bereich.
Die NATO ist um die Beseitigung
von Asymmetrien bei den Streitkräften und die Erlangung eines
höheren Maßes an Stabilität und
Sicherheit auf einem niedrigeren
Streitkräfteniveau bestrebt.
Die NATO wird dieses Ziel einer
Verbesserung der Sicherheit durch
die Wiener Verhandlungen über
konventionelle
Streitkräfte
in
Europa (VKSE) verfolgen.
Teilnehmer der VKSE sind die 16 Mit-

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�gliedsstaaten der NATO und sieben
Warschauer Pakt-Staaten.
- Weiterhin wird sich eine besondere Verhandlungsreihe Fragen der
Sicherheit durch Vertrauens- und
sicherheitsbildende
Maßnahmen
(VSM) zuwenden. An diesen Verhandlungen werden alle 35 europäischen und nordamerikanischen
Mitglieder der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in
Europa (KSZE) teilnehmen.

e NATO schlägt für die VKSE unter
derem folgende Punkte vor:
- Eine generelle Begrenzung des Gesamtbestandes
konventioneller
Waffen in Europa auf ein erheblich niedrigeres als das gegenwärtige Niveau, bei Panzern etwa
eine Anzahl von 40 000 und damit
die Hälfte des gegenwärtigen Bestandes.
- Eine Bestimmung, daß kein Staat
mehr als 30 Prozent des Gesamtbestandes in Europa besitzen darf
und damit kein Land den Kontinent
mit
Waffengewalt
beherrschen
kann. Zum Beispiel könnte kein
Land mehr als 12 000 Panzer besitzen - die Sowjetunion hat im
Augenblick etwa 37 000.

- Besondere
Einschränkungen
für
Streitkräfte, die auf dem Territorium anderer Länder stationiert
sind, um sowjetische Streitkräfte
in Osteuropa zu beschränken.
- Zusätzlich zur Streitkräftereduzierung wird sich die NATO um
stabilisierende
Maßnahmen
zur
Verbesserung von Offenheit und
Stabilität bemühen. Darüber hinaus wird die NATO ein strenges
System der Verifizierung vorschlagen.
- Die VKSE und die VSM sollen nicht
später als sieben Wochen nach Abschluß
der
KSZE-Folgekonferenz
aufgenommen werden.

* * * * * *

�AMERIKA DIENST
r

1,

^

ck

Wirtschaft

8. Februar 1989

YEUTTER FORDERT HARTE GANGART BEI HORMONBEHANDELTEM FLEISCH
- Der Streit zwischen den Vereinigten Staaten und der EG -

WASHINGTON - (AD) - Der designierte amerikanische Landwirtschaftsminister
Clayton Yeutter erklärte, die Vereinigten Staaten sollten in ihrem Streit mit
der Europäischen Gemeinschaft über den Import von Rindfleisch nicht nachgeben.
"Wenn die EG zu weiteren Vergeltungsmaßnahmen greift, würde ich vorschlagen, daß wir dagegen wiederum
mit Vergeltungsmaßnahmen vorgehen",
erklärte Yeutter bei der Anhörung zu
seiner Bestätigung vor dem Landwirtschaftsausschuß des Senats.

Strafzöllen ausgenommen bleiben.

Am 1. Januar 1989 hat die Europäische Gemeinschaft alle Importe von
mit
Wachstumshormonen
behandeltem
Fleisch verboten, worauf die Vereinigten Staaten als Vergeltungsmaßnahme auf eine Reihe von Exportgütern
der EG Zölle von 100 Prozent erhoben
haben.

Ein anderer Vertreter der amerikanischen Regierung erklärte, solch
eine Bitte würde möglicherweise die
Zustimmung der Vereinigten Staaten
finden.

Beide Seiten vereinbarten eine
Frist von 30 Tagen, in der alle
strittigen Waren, die sich bereits
auf dem Exportweg befanden, von den

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Die Frist endete am 1. Februar,
und ein Mitarbeiter aus dem Büro des
amerikanischen
Handelsbeauftragten
erklärte, den Vereinigten Staaten läge keine Bitte um Verlängerung vor.

Wenn jedoch keine Fristverlängerung vereinbart wird, so hat die Europäische Gemeinschaft erklärt, sie
werde wiederum Vergeltungsmaßnahmen
gegen die erhöhten amerikanischen
Zölle ergreifen, obwohl sie noch keinen Termin für das Inkrafttreten ih-

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�rer Vergeltungsmaßnahmen
hat.

festgesetzt

Der Staat Texas hat angeboten,
der Europäischen Gemeinschaft Fleisch
zu verkaufen, das nicht mit Hormonen
behandelt wurde.
Aber das amerikanische
Landwirtschaftsministerium
hat sowohl der EG als auch dem Staat
Texas Schreiben zukommen lassen, denen zufolge es nicht - wie von der EG
gefordert - garantieren kann, daß das
texanische Rindfleisch den EG-Normen
für hormonfreies Fleisch entspricht.

* * * * *

�^°^&gt;
'V,oN

AMERIKA DIENST
Wirtschaft

4

8. Februar 1989

REGIERUNGEN BENUTZEN GESUNDHEITSVORSCHRIFTEN ZUR EINFUHRBEGRENZUNG
Hintergrundartikel zu Handelsgesprächen im Rahmen der Uruguay-Runde -

WASHINGTON - (AD) - Eine der einfachsten Möglichkeiten für ein Land Einfuhrverbote für bestimmte Produkte zu rechtfertigen, besteht darin, zu behaupten, diese Produkte verletzten dessen nationale Gesundheits- und Hygienebestimmungen.

Dies ist deshalb so einfach, weil
es die internationalen Regelungen
nach dem Allgemeinen Zoll- und Handelsabkommen (GATT) jedem Staat gestatten, solche Beschränkungen zu
verhängen. Innenpolitisch ist dabei
kaum Widerspruch zu erwarten, wenn
der Schutz der Gesundheit und Verbesserung der Sicherheit auf dem Spiel
stehen.
Wenn jedoch Anbieter in anderen
Ländern den Verdacht schöpfen, daß
solche Regelungen mehr auf wirtschaftlichen Motiven als auf stichhaltingen
gesundheitspolitischen
Gründen beruhen, kann diese Art der
Einfuhrbeschränkung
weltweit
verstärkt zu einer Quelle des Unmuts
werden.

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Dieses Problem
tritt nirgends
deutlicher zutage als beim gegenwärtigen Streit zwischen den Vereinigten
Staaten und der Europäischen Gemeinschaft (EG) über die Verwendung von
Hormonen bei der Tiermast. Mit Wirkung vom 1. Januar 1989 verhä'ngte die
EG ein Einfuhrverbot für Fleisch von
Tieren, denen Wachstumshormone zugeführt wurden. Die Vereinigten Staaten reagierten darauf unmittelbar,
indem sie für eine Reihe europäischer
Exporte in die Vereinigten Staaten
einen lOOprozentigen Einfuhrzoll verhängten.
Der EG zufolge stellen die Hormone für den Menschen eine Gesundheitsgefährdung dar. Unter Berufung auf
die GATT-Bestimmungen erklärt die EG,
sie besitze das Recht, ein weltweit

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�gültiges Verbot solcher Importe zu
verhängen. Die Vereinigten Staaten,
die sich ebenfalls auf die GATT-Regeln berufen, erklären, das Einfuhrverbot koste amerikanische Fleischproduzenten jährlich 100 Millionen
Dollar, für die ihnen eine Entschädigung zustehe.
"Es kann sehr häufig vorkommen,
daß gesundheitspolitische Anliegen zu
einer unfairen Handelspraxis führen
können, die unter dem Deckmantel einer Gesundheitsgefä'irdung besteht",
erklärte der stellvertretende amerikanische
Handelsbeauftragte
Alan
Holmer am 5. Januar 1989 vor Journalisten. "Und wenn dieses Hormonverbot
einer
wissenschaftlichen
Grundlage entbehrt, werden sich die
Vereinigten Staaten mit einem solchen
Vorgehen nicht abfinden können. Das
war der Grund, warum wir der Meinung
waren, die von uns eingeleiteten Maßnahmen ergreifen zu müssen."
Obwohl über die wissenschaftliche
Dimension dieses Falles weiterhin
Meinungsunterschiede bestehen, sind
sich die meisten Länder darin einig,
daß ein Ausufern des gegenwärtigen
Fleischstreits zwischen den Vereinigten Staaten und der EG - der fast
schon das Ausmaß eines Handelskrieges
erreicht - hätte vermieden werden
können, wenn die gültigen GATT-VerfUgungen zu Gesundheits- und Hygienefragen eindeutiger gefaßt wären und
wenn es besondere, verläßliche internationale Regelungen zur Schlichtung
von Streitfällen gegeben hätte.
Als Teil der Uruguay-Runde multilateraler Handelsgespräche haben sich
in den vergangenen zwei Jahren Unterhändler aus den 96 Mitgliedstaaten
des GATT in Genf getroffen, um Bestimmungen zu verbessern, die Auswirkungen von Meinungsverschiedenheiten
über nationale Gesundheits- und Hygienevorschriften auf den Handel betreffen.
In einer Zusammenfassung der bis
heute geleisteten Arbeit erklärte ein
führender
Vertreter
des
amerika-

nischen
Landwirtschaftsministeriums
gegenüber dem US-Informationsamt, daß
heute "eine recht gute Grundlage für
eine Übereinkunft besteht".
Amerikanischen Vertretern zufolge
herrscht allgemein Einigkeit darüber,
daß Artikel 20 des GATT die Grundlage
für eine Reform der GATT-Bestimmungen
über Gesundheit und Sicherheit enthält«
Dieser Artikel gestattet gegenwärtig
die
Verabschiedung
und
Durchführung von Maßnahmen, die zum
Schutz menschlichen, tierischen oder
pflanzlichen Lebens oder der Gesundheit erforderlich sind. Darin wird
jedoch ebenfalls festgestellt, daß
solche Maßnahmen weder als Deckmantel
für Beschränkungen des internationalen Handels benutzt noch in willkürlicher oder in einer anderen Art und
Weise angewendet werden sollten, die
zwischen Ländern, in denen gleiche
Bedingungen herrschen, ungerechtfertigt Diskriminierung schaffenDie
Aufgabe
der
Unterhändler
bestehe
jetzt darin, zur Klärung von Artikel
20 im Hinblick darauf beizutragen,
welche Handlungen als willkürlich
oder ungerechtfertigt zu betrachten
sind.
Einem
amerikanischen
Vertreter
zufolge könnte sich die EG dabei als
Haupthindernis erweisen. Obwohl sich
die EG den Forderungen anderer Länder
nach Vereinheitlichung - in der Handelsterminologie als "Harmonisierung"
bezeichnet - nationaler Gesundheitsbestimmungen
angeschlossen
hat,
scheint sie weniger als andere GATTMitglieder bereit zu sein, der Notwendigkeit eines wirksamen Schlichtungsverfahrens für den Fall zuzustimmen, daß ein Land sich dieser
Harmonisierung widersetzt.

Die Ziele der Vereinigten Staaten
Von
offizieller
amerikanischer
Seite werden die folgenden fünf Ziele
der Vereinigten Staaten als entscheidend für dieses Element der UruguayRunde genannt:

- 2 -

�- Alle Gesundhelts- und Hygienebestimmungen müssen auf solidem und
Überprüfbarem
wissenschaftlichem
Beweismaterial beruhen.

nalen Gremien die Festlegung der spezifischen Normen vornehmen sollten,
auf die sich alle nationalen Bestimmungen gründen:

- Harmonisierung der nationalen Gesundheits- und
Hygienevorschriften in dem Maß, in dem die Harmonisierung Gesundheit und Sicherheit nicht gefährdet, um so die
Einhaltung international vereinbarter Normen zu gewährleisten.

Die
Kodex
Alimentarius-Kommission. Als Unterorganisation der
Ernährungs- und
Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen und der Weltgesundheitsorganisation wurde der Kodex Alimentarlus im Jahr 1963 geschaffen,
um die Gesundheit der Konsumenten
zu schützen, faire Praktiken im
Welthandel
mit
Nahrungsmitteln
sicherzustellen und die Koordinierung aller von internationalen
Regierungs- und
zwischenstaatlichen Organsationen entwickelten
Nahrungsmittelnormen zu fördern.
Der Kodex Alimentarius enthält
Normen für alle Grundnahrungsmittel - nicht verarbeitet, halb
verarbeitet oder verarbeitet
die zum Verzehr geeignet sind.
Die Kommission besteht aus einen
Exekutivausschuß und 25 Unterorganisationen.
Die
Ausschüsse
sind ein Forum für Wissenschaftler, die technische Daten im Zusammenhang mit der Entwicklung
von
Produktnormen
überprüfen.
Nach Genehmigung durch die jeweiligen Regierungen werden die Normen im Kodex Alimentarius veröffentlicht. Zusätzlich zur Aufgabe der Normierung ist die Kommission gleichzeitig ein informelles
Forum für Diskussionen zwischen
internationalen
Vertretern
von
Regierung und Industrie.

- Anerkennung des Konzepts "gleichwertiger Garantien". Dies bedeutet, daß jedes Land seinen eigenen Ansatz zur Erreichung eines
bestimmten Sicherheitsniveaus eines Produkts wählen kann und daß
Einfuhren dieses Produkts nicht
lediglich deshalb beschränkt werden können, weil eine bestimmte
von dem exportierenden Land angewandte Methode zur Gewährleistung
der Sicherheit nicht mit der vom
importierenden Land angewandten
identisch ist.
- Entwicklung angemessener Schlichtungsmechanismen,
die
speziell
auf Gesundhelts- und Hygienefragen eingehen.
- Rechtzeitige Benachrichtigung und
Konsultationen vor der Einführung
von Gesundhelts- und Hygienevorschriften.
Einige der Maßnahmen, bei denen
amerikanische
Regierungsvertreter
eine Harmonisierung begrüßen würden,
betreffen die Unbedenklichkeit von
Nahrungsmitteln (z.B. Nahrungsmittelzusätze, maximale Rückstände an Pestiziden, veterinärmedizinische Arzneimittel), Gesundheit von Tieren und
Pflanzen und diesbezügliche Quarantänevorschriften sowie Analysemethoden
und Stichprobenerhebung.

Harmonisierung der nationalen Normen
Die Vereinigten Staaten haben den
Vorschlag
unterbreitet,
daß
ausschließlich folgende drei internatio- 3 -

Das Internationale Tierseuchenamt. Hierbei handelt es sich um
die älteste internationale veterinärmedizinische
Organisation,
die auf das Jahr 1924 zurückgeht
und sich primär mit Tiergesundheit und Hygienevorschriften für
den Import und Export von Tieren
und Tierprodukten befaßt.
Sie
hat ein weltweites Informationssystem ins Leben gerufen, das zur
Beschleunigung des internationalen Handels ohne ein Krankheitsrisiko bei Nutzvieh gedacht ist.

�Die Hauptbüros befinden sich in
Paris, wo die jährlichen Generalversammlungen einberufen werden,
das Amt hat jedoch über 100 Länder als Mitglieder. Das Internationale Tierseuchenamt unterhält
regionale Kommissionen für Afrika, Lateinamerika, Europa, Asien
und Ozeanien. über die wissenschaftliche Arbeit hinaus stellt
es ein Netz von Regierungsvertretern zur Verfügung, die für die
Gewährleistung der Tiergesundheit
in ihren jeweiligen Ländern verantwortlich sind.
Die
Internationale
Pflanzenschutzkonvention
(IPPC).
Im
Jahr 1950 gegründet und der Verwaltung der Ernährungs- und Landwirtschaftsorgansation
unterstellt, hat die IPPC derzeit 88
UnterzeJchnerstaaten.
Ihre Arbeit ist darauf ausgerichtet, die
internationale
Verbreitung
von
Pflanzenseuchen
und
sonstigen
Krankheiten
durch
Pflanzenseuchenüberwachung in den Mitgliedstaaten,
die
Entwicklung
von
PflanzenquarantänebeStimmungen,
Kontrolle der Pflanzenseuchen und
Ausgabe von Zertifikaten mit der
Bescheinigung zu verhindern, daß
Pflanzenladungen oder Pflanzenprodukte inspiziert und als frei
von schädlichen Seuchen befunden
worden sind.
Die Vereinigten Staaten vertreten
die Auffassung, daß keine anderen
Gremien über die Kapazität oder den
internationalen
wissenschaftlichen
Ruf und die Glaubwürdigkeit dieser
drei Organisationen verfügen.
Die EG beruft sich jedoch auf
eine Reihe regionaler Gruppen, von
denen einige in den Vereinten Nationen konzentriert sind, die ebenfalls
Arbeit im Bereich der Gesundheit und
Sicherheit von Tieren und Pflanzen
leisten. Während die Europäische Gemeinschaft
der Ansicht
ist, die
Standpunkte
dieser
Organisatioen
so!lten in den Prozeß der Normierung
einbezogen werden, glauben die Ver-

einigten Staaten nicht, daß regionale
Organisationen über die erforderliche
Objektivität und Weitläufigkeit verfügen, die in diesem heiklen Bereich
vonnöten sind.

Schlichtungsverfahren
Ein Hauptproblem wird die Gestaltung des GATT-Verfahrens bei der
Schlichtung von Kontroversen über Gesundheits- und
Hygienevorschriften
sein, einschließlich der Verbingung
zwischen GATT und einem internationalen Gremium wie dem Kodex Alimentarius.
Einigen Quellen zufolge könnte
der Ansatz grundsätzlich ähnlich dem
derzeitigen GATT-Verfahren zur Beilegung von Konflikten gestaltet sein.
Mit anderen Worten: ein Land, das
eine Beschwerde über die Gesundheitsund Hygienevorschriften eines anderen
Landes vorbringt, würde diese Beschwerde im Rahmen des normalen GATTVerfahrens zur Beilegung von Konflikten führen. Zu Beginn macht dies bilaterale Konsultationen erforderlich.
Wenn diese Konsultationen scheitern,
könnte das beschwerdeführende Land
den GATT-Beschwerdeausschuß bitten,
seinen Fall zu prüfen, und daraufhin
würde ein Ausschuß gebildet.
In diesem Bereich kann das hygienische
und
pflanzenhygienische
Verfahren vom GATT-Ansatz zu herkömmlichen
Handelsproblemen
abweichen.
Man geht davon aus, daß der Ausschuß
zur Behandlung des Problems auf geltende
internationale
wissenschaftliche Erkenntnisse zurückgreifen müßte, und dies würde bedeuten, Anleitungen von Gremien wie der Kodex Alimentarius-Kommission in Angelegenheiten der Nahrungsmittelsicherheit zu
Hilfe zu nehmen. Der Ausschuß würde
dann auf der Grundlage der GATT-Vorschriften
und
relevanter
wissenschaftlicher Informationen eine Entscheidung treffen.

von

Die Aufgabe der Harmonisierung
Gesundheits- und
Hygienevor-

�Schriften ist Teil der umfassenderen
Arbeit, die von der Verhandlungsgruppe für Landwirtschaft der UruguayRunde geleistet wird.
Das nächste
Treffen dieser Gruppe findet vom 13.
- 14. Februar 1989 in Genf statt und
Regierungsvertreter hoffen, unmittelbar im Anschluß daran ein kleineres
Treffen über Gesundheits- und Hygienevorschriften abhalten zu können.
Auf der Grundlage der bisher unter den Mitgliedstaaten des GATT geführten Diskussionen besteht amerikanischen RegierungsvertretPrn zufolge
Grund zu Optimismus im Hinblick auf
das Verfahren zur Harmonisierung der
Gesundheits- und
Hygienevorschriften
in der Uruguay-Runde.

* * * * * *

- 5 -

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Tower: enormes Ungleichgewicht zwischen NATO und Sowjets&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede des designierten Verteidigungsministers bei der Wehrkundetagung&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Asymmetrien zwischen NATO und Warschauer Pakt weiterhin problematisch&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Interview mit James Blackwell vom CSIS&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Strategiepolitik erfordert überparteilichen Konsens&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Auszüge aus dem Bericht über nukleare Abschreckung&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Verhandlungen über konventionelle Streitkräfte in Europa - VKSE&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Eine Übersicht der ACDA&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Yeutter fordert harte Gangart bei hormonbehandeltem Fleisch&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Der Streit zwischen den Vereinigten Staaten und der EG&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Regierungen benutzen Gesundheitsvorschriften zur Einfuhrbegrenzung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Hintergrundartikel zu Handelsgesprächen im Rahmen der Uruguay-Runde&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>1 . Februar 1989

INHALT

DOKUMENTATION
Bumst

Erfolg der Pariser Erklärung muß ausgebaut werden

- Erklärung vor dem auswärtigen Ausschuß des Senats -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK

Technologie für Behinderte
- Computer - Mittler zur Umwelt

*

United States Information Service
Embassy of the United States of America

* * * * *

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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�«&amp;*?*&lt;

AMERIKA DIENST
Dokumentation
1. Februar 1989

BURNS:

ERFOLG DER PARISER ERKLÄRUNG MUSS AUSGEBAUT WERDEN

- Erklärung vor dem auswärtigen Ausschuß des Senats -

WASHINGTON - (AD) - Dem Direktor des US-Amts für Rüstungskontrolle und Abrüstung, William Burns, zufolge müssen sich die Teilnehmerstaaten der Pariser
Konferenz über chemische Waffen noch energischer um die Beseitigung dieser
Waffen bemühen.
Vor dem auswärtigen Ausschuß des Senats lobte Burns am 24. Januar 1989 die
Erklärungen der beteiligten Staaten gegen chemische Kriegführung sowie die
eingebrachten Vorschläge für deren Abschaffung. Es müsse aber noch mehr getan
werden. "Unsere Aufgabe besteht jetzt darin, auf dem Erfolg von Paris aufzubauen", erklärte er.
Die Erklärung von Burns vor dem Ausschuß hat folgenden Wortlaut:

Ich freue mich über die Gelegenheit, mich heute morgen mit Ihnen
treffen zu können, um über die Ergebnisse der kürzlich in Paris abgehaltenen Konferenz zum Einsatz chemischer Waffen zu berichten. Wie Sie
wissen, fand diese Konferenz, an der
149 Staaten teilnahmen, vom 7. bis
11. Januar 1989 statt. Die Delegation der Vereinigten Staaten wurde
von Außenminister Shultz geleitet.
Ich war zunächst sein Stellvertreter
und wurde nach seiner Abreise aus
Paris am 8. Januar Delegationsleiter.
Unserer Delegation gehörten Senator
Nickles und der Abgeordnete Cheney
sowie Vertreter verschiedener Regierungsbehörden an.
Am 28. September des vergangenen
Jahres forderte Präsident Reagan die
Parteien des Genfer Protokolls sowie
andere betroffene Staaten auf, eine

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Embassy of the United States of America

Konferenz zu veranstalten, um Maßnahmen zur Stärkung der Normen gegen den
völkerrechtswidrigen Einsatz chemischer Waffen zu beraten. Diese Aufforderung war ein Zeichen unserer Besorgnis über die gefährliche Verbreitung und den neuerlichen Einsatz chemischer Waffen.
Die Administration
hatte es sich zum Ziel gesetzt, die
vorgeschlagene Konferenz zu nutzen,
um der Aushöhlung
internationaler
Normen gegen den verbotenen Einsatz
chemischer Waffen Einhalt zu gebieten, Normen, die sich in der Vergangenheit bewährt hatten.
Präsident Mitterrand aus Frankreich, dessen Regierung als Treuhänder des Genfer Protokolls von 1925
fungiert, machte sich unsere Besorgnisse zu eigen und bot an, die vorgeschlagene Konferenz in Paris auszurichten.
Aufgrund außergewöhnlicher

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Telex: 8-85432

�Bemühungen seitens der französischen
Regierung wurde die Konferenz in der
kurzen Frist von vier Monaten organisiert und abgehalten.
Selten hat die internationale
Staatengemeinschaft so rasch und mit
solch
einhelliger
Entschlossenheit
auf ein dringliches internationales
Problem reagiert. Nahezu jedes Land
der Erde war bei der Konferenz vertreten, fast die Hälfte auf Außenministerebene.
Die Konferenz hat einen überwältigenden weltweiten Konsens geschmiedet.
In ihren Erklärungen vor dem
Plenum sowie in der einmütig verabschiedeten AbSchlußerklärung nahmen
die teilnehmenden Staaten energisch
und prinzipiell gegen den verbotenen
Einsatz und die gefährliche Verbreitung
chemischer
Waffen
Stellung.
Ferner bekräftigten sie ihre Unterstützung für die andauernden Bemühungen der Genfer Abrüstungskonferenz,
ein umfassendes, wirksam verifizierbares und wirklich weltweites Verbot
von Entwicklung, Herstellung und Lagerung chemischer Waffen auszuhandeln.
Das Ziel der Pariser Konferenz
bestand nicht darin, einzelne Länder
wegen des Einsatzes chemischer Waffen
in der Vergangenheit an den Pranger
zu stellen.
Wäre dies tatsächlich
unser Ziel gewesen, hätten mehrere
äußerst wichtige Staaten des konfliktgeschüttelten Nahen Ostens nicht
teilgenommen. Stattdessen sollte die
Konferenz den Blick in die Zukunft
richten: Um den Einsatz generell zu
verurteilen und das weltweite politische Engagement für die internationalen Normen gegen den verbotenen
Einsatz chemischer Waffen zu bekräftigen. Auch war die Konferenz nicht
als Verhandlungsforum
gedacht, um
diese internationalen Normen zu überarbeiten. Ihre Aufgabe bestand vielmehr darin, die Gültigkeit der bestehenden Beschränkungen, insbesondere
des Genfer Protokolls, wiederherzustellen.
Darüber hinaus gab es einige andere Bereiche, in denen sich die Vereinigten Staaten - wie Außenminister

Shultz in seiner Rede
Fortschritte erhofften:

ausführte

- Internationale Unterstützung für
die Überprüfung von Behauptungen
über den Einsatz chemischer Waffen durch den Generalsekretär der
Vereinten Nationen.
- Unterstützung
angemessener
Schritte im Einklang mit der
Charta der Vereinten Nationen für
den Fall eines zukünftigen verbotenen Einsatzes chemischer Waffen.
Wir fordern die Nationen
auf, in solchen Fällen Saktionen
gemäß Kapitel sieben in Erwägung
zu ziehen.
- Unterstützung humanitärer Hilfe
für die Opfer eines Einsatzes mit
chemischen Waffen durch die Völkergemeinschaft.
Im Verlauf der fünftägigen Konferenz haben über 100 Nationen im Plenum das Wort ergriffen. In der Größe
variierten sie von den führenden Nationen bis hin zu den winzigkleinen
Pazifikinseln.
Mit
erstaunlicher
Einmütigkeit drängten sie die Konferenz, über die bloße Artikulierung
der Besorgnis hinauszugehen und bei
der Pariser Konferenz eine Schlußerklärung zu verabschieden, die eine
Vielzahl von Themen konstruktiv behandelt.
Die im Plenum abgegebenen Erklärungen enthielten eine Reihe von Gemeinsamkeiten: Die Teilnehmerstaaten
bekräftigten ihre Verpflichtung zur
Einhaltung
des Genfer Protokolls.
Darüber hinaus haben 14 Staaten ihre
Absicht bekundet, dem Protokoll beizutreten.
- Die Teilnehmer unterstrichen die
Bedeutung der derzeit in Genf
stattfindenden Verhandlungen sowie die Notwendigkeit, ein vollständiges Verbot chemischer Waffen zu erzielen. In diesem Zusammenhang betonten sie, ein solches
Verbot
müsse
umfassend,
wahrhaft weltweit und wirksam verifizierbar sein.
Ferner wurde
nahezu einmütig der Wunsch zum

�senden und wirksam verifizierbaren Verbots von unbegrenzter Dauer für alle chemischen Waffen.
Die Abschlußerklärung erkennt an,
daß ein Verbot chemischer Waffen,
wenn es Wirkung zeitigen soll,
weltweit gelten muß und fordert
alle Staaten auf, einer Konvention beizutreten, sobald diese
vereinbart ist.

Ausdruck gebracht, einen Beitrag
zu den Genfer Abrüstungsverhandlungen zu leisten.
- Die Nationen unstrichen wiederholt die Bedeutung des Verfahrens, mit dem der Generalsekretär
den Einsatz chemischer Waffen
überprüft.
Darüber hinaus forderten die unterschiedlichste Regionen und politische Gruppierungen vertretenden Nationen die Einführung von Kontrollen
für die Ausfuhr von Materialien, die
mit chemischen Waffen in Verbindung
stehen, mit dem Zweck, die gefährliche Verbreitung chemischer Waffen
zu unterbinden.
Die Schlußerklärung der Pariser
Konferenz spiegelt die Zielsetzung
der Vereinigten Staaten in diesen
wichtigen Bereichen wider:
- Die Konferenz
verurteilte den
Einsatz chemischer Waffen als
eine Verletzung des Völkerrechts
und der bestehenden Normen.
- Die Teilnehmer betonten die Bedeutung und fortwährende Gültigkeit des Genfer Protokolls.
- Die Teilnehmer brachten ihre tiefe Besorgnis über die Verbreitung
chemischer Waffen zum Ausdruck
und forderten alle Staaten auf,
Zurückhaltung zu üben und sich
verantwortungsbewußt zu verhalten.
- Die Konferenz bekräftigte die uneingeschränkte Unterstützung des
Generalsekretärs bei der Ausübung
seiner Pflichten zur Überprüfung
von Berichten über den Einsatz
chemischer Waffen und brachte ihre Unterstützung geeigneter und
wirksamer
Schritte
gemäß
der
Charta der Vereinten Nationen zum
Ausdruck.
- Die Teilnehmer unterstützten ferner humanitäre Hilfe für die Opfer chemischer Waffen.
- Die Konferenz forderte die Aushandlung eines weltweiten, umfas-

In den Plenarsitzungen und in Erörterungen über den Text der AbSchlußerklärung suchten eine Reihe
von Teilnehmerländern
ein Junktim
zwischen chemischen Waffen und Nuklearwaffen herzustellen, mit dem Argument, erstere könnten nicht beseitigt
werden, wenn letztere existieren.
Die Vereinigten Staaten und viele andere Länder widersetzten sich diesem
vorgeschlagenen
Junktim
vehement.
Darüber hinaus wurden Forderungen
nach einem Moratorium für die Herstellung chemischer Waffen laut. Als
Reaktion darauf erklärte die amerikanische Delegation, für die Vereinigten Staaten sei die Beibehaltung
einer glaubwürdigen Vergeltungsfähigkeit mit chemischen Waffen erforderlich, um die Abschreckung eines Angriffs mit chemischen Waffen gegen
ihre eigenen und verbündete Streitkräfte sowie den Anreiz für andere
Staaten aufrechtzuerhalten, ernsthaft
über ein Verbot chemischer Waffen zu
verhandeln.
Die Vereinbarung einer Abschlußerklärung war für die amerikanischen
Zielsetzungen bei der Konferenz kein
wesentliches Kriterium.
Die Tatsache, daß 149 Länder dem Ruf zur
Pariser Konferenz folgten und sich
mit den Gefahren des Einsatzes und
der Weiterverbreitung chemischer Waffen auseinandersetzten, hat dieses
Problem auf die internationale Tagesordnung gesetzt. Das wirkliche Ergebnis liegt darin, daß jeder künftige Einsatz chemischer Waffen von den
Ländern der Welt streng verurteilt
wird und ihr Bewußtsein im Hinblick
auf die Gefahren der Weiterverbreitung chemischer Waffen und der Notwendigkeit eines weltweit gültigen
Verbots solcher Waffen geschärft ist.

- 3 -

�Die Abschlußerklärung ist dennoch
insofern eine bemerkenswerte Leistung, als daß 149 Länder andere,
sonst in diesen Foren häufig vorherrschende Belange im Interesse einer
einmütig
verabschiedeten
Erklärung
beiseite gelassen haben. Hätte die
volle Verantwortung für den Text der
Erklärung bei der amerikanischen Delegation gelegen, wäre die Notwendigkeit
starker Exportkontrollen als
Maßnahme zur Nichtweiterverbreitung
ausdrücklich darin niedergelegt worden. Darüber hinaus wäre der Erwägung von Sanktionen gegen Übertretungen größere Bedeutung beigemessen und
die Verurteilung des Einsatzes eindeutiger formuliert worden. Aber wir
tragen die Verantwortung für die AbSchlußerklärung zusammen mit 148 anderen Ländern und werten sie daher
als zusätzlichen Erfolg der Konferenz.
Die Pariser Konferenz hat im Hinblick auf chemische Waffen einen
Schlußstrich unter die tragischen Ereignisse der Vergangenheit gezogen.
Wir haben ein neues Kapitel aufgeschlagen. Die Abschlußerklärung und
die Verlautbarungen der Plenarsitzungen liefern uns eine gute Grundlage
für unsere zukünftige Arbeit - unsere
Anstrengungen, künftig den illegalen
Einsatz chemischer Waffen zu verhindern, Bestrebungen, der gefährlichen
Verbreitung dieser Waffen Einhalt zu
gebieten und unsere Bemühungen, die
für uns einzig vernünftige Lösung all
dieser Probleme zu finden - ein weltweites, verifizierbares Verbot chemischer Waffen.
Die Staatengemeinschaft hat in Paris anerkannt, daß
diese Ziele über alle nationalpolitischen oder ideologischen Erwägungen
hinausgehen. Unsere Aufgabe ist es
nun, auf dem Erfolg von Paris aufzubauen.

•

* * * * * *

�AMERIKA DIENST
Wissenschaft und Technik

1. Februar 1989

TECHNOLOGIE FÜR BEHINDERTE
Computer - Mittler zur Umwelt -

- (AD) - Bestimmte Muskel- und Nervenerkrankungen oder ein schwerer Unfall
können bedeuten, daß die Betroffenen die gewohnte Unabhängigkeit nie wieder
erlangen. Aber unter Nutzbarmachung moderner Technologien, insbesondere der
in Industrie, Wirtschaft, Medizin und auch im privaten Bereich so vielfältig
angewandten Elektronik und Computertechnik, kann für Menschen mit schwersten
Beeinträchtigungen ihrer Bewegungsfähigkeit doch ein gewisser Freiraum geschaffen werden. Durch intelligent eingesetzte "High-Tech"-Elemente - oft in
Verbindung mit recht simplen Hilfsmitteln - kann es bei entsprechender Anpassung an die individuellen Gegebenheiten dem Behinderten z. B. möglich werden,
sich mit Personen in seiner Umgebung und auch in einer der Menschenwürde eher
entsprechenden Weise zu verständigen. Für nicht wenige öffnet "angepaßte
Technik" das Tor zu Aktivitäten, die sogar ins Berufsleben führen und die Entfaltung persönlicher Begabungen unterstützen.

Ein
Paradebeispiel
ist
das
Schicksal eines inzwischen promovierten jungen Biologen an der Universität Colorado. Mit 19 Jahren hatte er
infolge von Verletzungen im Halswirbelbereich bei einem Autounfall eine
Querschnittlähmung
erlitten.
Arme
und Beine sind seitdem nicht mehr zu
gebrauchen.
Im Krankenhaus lernte
er, mit einem Elektrorollstuhl umzugehen und, mit Hilfe eines mit dem
Mund geführten Stabes, Maschine zu
schreiben. Den Wunsch, zu studieren,
gab er trotz seiner mißlichen Lage
nicht auf, obgleich die Hindernisse
oft allzu mächtig zu sein schienen.
Schließlich öffnete ihm die Anschaffung eines Personalcomputers den Zugang zu Bibliotheken und anderen
wichtigen
Informationsquellen, erleichterte das Schreiben und gab ihm

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Embassy of the United States of America

die Möglichkeit, sein für den Beruf
eindeutig vorhandenes Talent praktisch zu nutzen. Am wichtigsten aber
ist ihm die Tatsache, daß er jetzt
für seine Tätigkeiten keine Hilfsperson mehr bemühen muß.
Bei einer 40jährigen Patienten
der Universität Washington in Seattle
hatte der Unfall nicht nur eine Lähmung aller Gliedmaßen, sondern auch
der Sprechmuskeln zur Folge. Sie erhielt einen der ersten computergesteuerten Elektrorollstühle. Gleichzeitig verschafft ihr der Computer
ein gewisses "Sprechvermögen". Mit
dem im Stirnband angebrachten Lichtdetektor deutet sie auf eine am Rollstuhl befestigte Anzeigekonsole. In
diese sind nicht nur die Steuerungselemente
für Geschwindigkeit
und

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�Fahrrichtung ihres Rollstuhls eingebaut, sondern sie enthält auch Buchstaben des Alphabets, Zahlen und ein
paar einfache Sätze wie zum Beispiel
"Ich habe Hunger". Durch Bewegung
des Kopfes richtet die Patientin den
Lichtdetektor auf einen Buchstaben,
eine Zahl oder ein anderes "Signal"Kästchen auf der Konsole und setzt so
ihre Botschaften zusammen. Der Computer macht diese auf einem kleinen
Bildschirm sichtbar, kann sie auch
ausdrucken oder in seiner synthetischen Sprache akustisch weitergeben.
Zuvor war Kommunikation nur
über eine Hilfsperson möglich, die
nacheinander auf die auf einer Tafel
aufgemalten Buchstaben des Alphabets
zeigte.
Hatte sie den richtigen
Buchstaben getroffen, nickte die Patienten mit dem Kopf. Buchstabe um
Buchstabe ließen sich so zu Wörtern
zusammensetzen - eine überaus mühsame
Prozedur.
An der Staatsuniversität Michigan
wurde ein "Eyescan"-Kommunikator entwickelt, der eine größere Arbeitsgeschwindigkeit hat und sprechunfähige
Personen in die Lage versetzt, mit
den Augen zu "reden". Dem kommt der
Umstand zugute, daß die Funktion der
Augenmuskeln von allen Muskelfunktionen im menschlichen Körper am längsten erhalten bleibt. Der Patient
trägt eine Spezialbrille, auf deren
eines Glas ein fünf cm langer Zylinder mit einer Art Bildtafel am Ende
aufgesetzt ist. Diese ist in sechs,
um ein gleichgroßes Mittelfeld gruppierte Kästchen unterteilt, die jeweils fünf um ihren Mittelpunkt angeordnete Buchstaben oder andere Zeichen enthalten. Der Patient visiert
den gewünschten Buchstaben und anschließend den Mittelpunkt des betreffenden Kästchens an, und sofort
erscheint der Buchstabe auf dem Bildschirm des angeschlossenen Computers
als Teil des Wortes, das "gesagt"
werden soll und relativ rasch zusammengesetzt werden kann.
Kernstücke des Zylinders sind
sechs ringförmig angeordnete Dioden,
die
Infrarotlicht
aussenden, und

sechs empfindliche Sensoren, die das
an der Retina reflektierte Licht erfassen. Aus der Intensität des am
Auge reflektierten Lichtes kann der
Computer die Richtung und damit auch
das im Gitter anvisierte Zeichen errechnen. Apparaturen dieser und ähnlicher Art dürften nach Meinung von
Experten immer häufiger gebraucht
werden, weil die Zahl der Patienten
steigt, die einen schweren Unfall
oder Schlaganfall überleben.
Auch
nach der Manifestation einer neurologischen Erkrankung wie ALS (amyotrophische Lateralsklerose) leben heute
die Betroffenen durchschnittlich länger als ihre Leidensgenossen noch vor
etwa einem Jahrzehnt.
Man schätzt, daß allein unter den
etwa 600 000 mehr oder weniger stark
körperbehinderten Personen in den USA
(von ca. 13 Millionen im arbeitsfähigen Alter, die mit Behinderungen verschiedenster Art behaftet sind) bis
zu 50 000 solche Hilfen benötigen
würden. Bei größerem Bedarf könnten
die Herstellungskosten gesenkt werden.

Biotechnik als Freizeithobby
In der regelmäßig am Jahresende
erscheinenden Ehrenliste der amerikanischen Fachzeitschrift "Aviation
Week &amp; Space Technology" zur Würdigung von Verdiensten im technischen
und organisatorischen Bereich wurde
in der Ausgabe vom 2. Januar 1989 unter der Rubrik "Elektronik" John R.
Staehlin genannt. Er ist leitender
Beratungsingenieur in der Elektronikbranche und wurde für seine Verdienste um die gemeinnützige Organisation
"Volunteers for Medical Engineering"
(VME) ausgezeichnet, die er 1981
gründete. Ziel dieser Gruppe ist es,
Entwicklungen der Wehrtechnik so umzugestalten, daß sie sich für Hilfsmittel und Anwendungsverfahren eignen, die Behinderten das Leben erleichtern können oder in der Medizin
zu verwenden sind. Eine Schreibmaschine, die der Benutzer mit Hilfe
eines durch Anvisieren gesteuerten
Bildschirmzeigers bedient, war eines

�der ersten Resultate.
Inzwischen gehören ca. 600 Personen aus 75 amerikanischen Firmen dem
Verband an und basteln in ihrer Freizeit an Projekten für Behinderte.
Neuentwicklungen werden an interessierte Personen und Stellen ausgeliehen und, wenn sie sich in der Praxis
bewähren, weiter verbessert, um sie
eventuell in Serie bauen zu können.
Die der Vereinigung angeschlossenen
Firmen gestatten ihren Mitarbeitern,
Konstruktionspläne, wissenschaftlichtechnische Ausrüstungen und Fabrikationswerkzeuge in der Freizeit für
VME-Zwecke zu benutzen.
Staehlin begann sein Programm mit
ein paar Ingenieuren. Inzwischen arbeiten auch Konstrukteure, technische
Zeichner, Metallfacharbeiter der verschiedensten Spezialbereiche und andere technische Fachkräfte mit. Eines der ersten Projekte war die Verbesserung des Handschlusses einer
Orthese für Patienten, die ihre Finger nicht gebrauchen können. "Aviation Week" berichtet, daß auf der Basis eines komplexen Antennenantriebs
für ein Flugzeug-Radargerät ein einfacher
Servomechanismus
entwickelt
wurde, der die Benutzung des Hilfsmittels für den Behinderten vereinfachte und zuverlässiger machte.

Rollstuhl angewiesen und praktisch
den ganzen Tag über zum Sitzen verurteilt. VME-Enthusiasten entwickelten
ein mobiles Haltegestell, das diese
Personen in die Lage versetzt, sich
auch in aufrechter Haltung im Raum
sicher zu bewegen. Mit Computerhilfe
arbeiteten Konstruktionszeichner Entwürfe aus, die die verschiedenen
Größen der Benutzer berücksichtigen,
und Ingenieure führten Belastungstests für das System durch. Inzwischen wurden ein Prototyp und fünf
für die Produktion geeignete Modelle
gebaut. Tagsüber zumindest ab und zu
stehen zu können ist nicht nur für
Kreislauf
und Muskeltonus besser,
sondern gibt auch psychische Hilfe.
Es sei wichtig, dem Gesprächspartner
auch einmal Auge in Auge gegenüberstehen zu können, anstatt sich mit
ihm stets nur aus der tiefen Sitzposition heraus unterhalten zu können,
meinte ein Patient, der an Muskeldystrophie leidet.

In der Entwicklung befinden sich
unter anderem eine Miniatur-Antenne
von nur 0,1 mm Durchmesser, um Gehirntumoren mit Mikrowellenstrahlung
behandeln zu können, und künstliche
Muskelfasern, die sich unter Strom
zusammenziehen. Ein von der Freiwilligen-Organisation gebauter Universaladapter erlaubt, einen Computer
mit der Stimme oder mit der von
Blicksensoren aktivierten Schaltanlage anstatt mit einer Tastatur zu bedienen. Die Anrengung dazu gab ein
amerikanisches Bundesgesetz vom Oktober 1986, das Regierungsbehörden vorschreibt,
behinderten
Angestellten
den Zugang zu allen neuen elektronischen Büromaschinen zu ermöglichen.
Querschnittgelähmte

sind auf den
- 3 -

* * * * * *

�</text>
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&lt;div&gt;Burns: Erfolg der Pariser Erklärung muß ausgebaut werden&lt;/div&gt;&#13;
&lt;div&gt;&lt;em&gt;Erklärung vor dem auswärtigen Ausschuß &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;des Senats&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Technologie für Behinderte&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Computer - Mittler zur Umwelt&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;&lt;/div&gt;</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST
%

^

c&amp;

25. Januar 1989

INHALT
DOKUMENTATION
Shultz: Die Welt tritt In eine Phase der Hoffnung ein
- Ansprache von Außenminister Shultz vor der KSZE in Wien

Baker nennt fünf wichtige Veränderungen in der Welt
- Erklärung vor dem auswärtigen Ausschuß des Senats -

INFORMATION

Mulford neuer Unterstaatssekretär für Internationale Angelegenheiten
im Finanzministerium
- Porträt von David C. Mulford -

Gelb bringt langjährige Erfahrung aus dem Privatsektor mit zu USIA
- Porträt des designierten USIA-Direktors Bruce Gelb -

* * * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�AMERIKA DIENST
'VON**

Dokumentation

4

25. Januar 1989
SHULTZ: DIE WELT TRITT IN EINE PHASE DER HOFFNUNG EIN
- Ansprache von Außenminister Shultz vor der KSZE in Wien -

WIEN - (AD) - Außenminister Shultz zufolge "tritt die Welt in eine Phase
großer Hoffnung ein, in der die Gefahr eines Krieges durch Beendigung von Expansionismus und durch Abrüstungs- und Rüstungskontrollprozesse gebannt werden
kann".
In seiner Rede vor der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) in Wien am 17. Januar 1989 erklärte Shultz ferner, dies sei eine
Phase "der Chancen für jene Länder, die zur Unterstützung und Erweiterung eines offenen internationalen Wirtschaftssystems bereit sind; eine Periode, in
der internationale Zusammenarbeit zur Bewältigung gemeinsamer Bedrohungen wie
der Verbreitung chemischer Waffen, Terrorismus und Drogenhandel unabdingbar
ist".
Nachfolgend veröffentlichen wir die Ansprache von Außenminister Shultz im
Wortlaut. Es gilt das gesprochene Wort.
Die heutige Wiener Konferenz findet im Anschluß an eine Reihe von
Treffen statt, die ihren Ausgangspunkt in Helsinki hatten. In Helsinki haben unsere Regierungen zum
ersten Mal das Versprechen abgelegt,
die Verpflichtungen gegenüber anderen
Ländern und gegenüber unseren Völkern
zu erfüllen - Verpflichtungen, die
darauf abzielen, ein Europa mit mehr
Freiheit, Wohlstand und Sicherheit zu
schaffen.
Glücklicherweise
haben
unsere
Bürger - in Zeiten der Spannungen,
Unstimmigkeiten und Enttäuschungen an der in Helsinki angekündigten
vielversprechenden Vision der Zukunft
festgehalten. Und durch ihr Verhalten haben sie dieses Versprechen zu
einer positiven Kraft des Wandels ge-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

macht. Dieser Prozeß hat dazu beigetragen, die Zukunft Europas zu gestalten.
Das von uns hier in Wien verabschiedete Dokument ist bis heute der
umfassendste Ausdruck der in Helsinki
festgelegten
Prinzipien.
Es fügt
dem, was Präsident Reagan in seiner
Rede in der Finlandia Halle im vergangenen Frühjahr als "einen Wegweiser durch den Dschungel gegenseitiger
Feindseligkeit" bezeichnet hat, eine
neue Dimension hinzu.
Ein weiter Weg liegt jedoch noch
vor uns. Die KSZE kann nur Erfolg
haben, wenn wir uns mit den Realitäten auseinandersetzen, die uns nach
Helsinki, Belgrad, Madrid und Wien
geführt haben.

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D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Wir leben noch immer mit dem Vermächtnis des Kalten Krieges. Er war
keine Überraschung. Es war das Ergebnis von Versuchen, den Völkern
Osteuropas mit Gewalt ein politisches
System
aufzuzwingen:
Grenzen
zu
schließen,
Volkswirtschaften
abzuschotten, den Informationsfluß zu unterbinden, die Freiheit der eigenen
Entscheidung zu verweigern.

durch Versprechen erzielt werden.
Aus diesem Grund haben die Vereinigten Staaten bei der KSZE von Anfang
an die zentrale Bedeutung der Durchführung betont.

Die Folgen dieser Politik sind
noch immer spürbar:
die gesellschaftliche und politische Teilung
Europas, die Militarisierung der OstWest-Beziehungen, der Aufbau zweier
diametral
entgegengesetzter
Wirtschaftssysteme sowie das Entstehen
zweier absolut gegensätzlicher Arten
politischer
und
gesellschaftlicher
Organisation - eine, in der der Bürger vom Staat beherrscht und die andere, in der die Staatsgewalt vom
Bürger definiert und gelenkt wird.

Europa ist heute über den gesamten Kontinent hinweg sehr viel offener als zu der Zeit, als wir uns im
November 1986 zum ersten Mal in Wien
versammelten.

Dennoch tritt die Welt in eine
Phase großer Hoffnung ein, in der die
Gefahr eines Krieges durch Beendigung
von Expansionismus und durch die Abrüstungs- und RUstungskontrollprozesse abgebaut werden kann. Eine Phase
der Chancen für jene Länder, die zur
Unterstützung und Erweiterung eines
offenen internationalen Wirtschaftssystems bereit sind; eine Periode, in
der internationale Zusammenarbeit zur
Bewältigung gemeinsamer Bedrohungen
wie der Verbreitung chemischer Waffen, Terror!smus und Drogenhandel unabdingbar ist.

Wenn die Durchführung das Kernstück des gesamten KSZE-Prozesses
bildet, so ist Offenlegung seine
Triebfeder.

In den zwei Jahren der Wiener
Treffen hat sich das Bild der Sowjetunion und einiger Länder des Ostblocks in bedeutender Hinsicht positiv gewandelt.
Aber es gibt noch
dunkle Bereiche, die vom Licht der
Offenheit noch nicht erhellt worden
sind.
- Das Stören von Rundfunksendungen
wurde beendet. Heute können alle
Bürger unterschiedliche Meinungen
hören und für sich selbst entscheiden, welche der Wahrheit
entspricht. Unser Schlußdokument
verpflichtet uns alle, den Äther
beständig offenzuhalten.
Warum
jetzt nicht noch einen Schritt
weitergehen und alle bestehenden
Störeinrichtungen beseitigen.

Wiens Vermächtnis der Offenlegung

- In der Sowjetunion haben sich die
Gefängnistore für über 600 politische Gefangene geöffnet, einschließlich der Mitglieder der
KSZE-Beobachtergruppe; Minderheiten, Dissidenten und Gläubige
können ihre Rechte freier wahrnehmen und erzielen in einigen
Fällen Fortschritte. Andere jedoch werden immer noch unterdrückt oder ungerechterweise für
die Inanspruchnahme ihrer Rechte
festgenommen.
Wir dürfen sie
nicht vergessen.

Fortschritte in den Ost-West-Beziehungen müssen durch Taten, nicht
durch Worte, durch Leistung und nicht

- Neue Offenheit besteht in größerer Rede- und Versammlungsfreiheit in den Ländern, wo diese

Am wichtigsten ist jedoch, daß
wir in eine Phase eintreten, in der
die Wahrung der Menschenrechte Fortschritte macht - in der allen klar
wird, daß der Vorrang des einzelnen
und die Achtung seiner fundamentalen
Freiheiten
Merkmal
aller
erfolgreichen Gesellschaften bedeutet.

�Grundrechte
bisher
verweigert
wurden. Wir begrüßen die gegenwärtig zu verzeichnenden Fortschritte in Ungarn, Polen und der
Sowjetunion, von denen wir mehr
zu sehen hoffen. Dennoch bedauern wir die Zurückhaltung der
Deutschen
Demokratischen
Republik, Rumäniens, Bulgariens und
der Tschechoslowakei, die keine
ähnlichen
Schritte
unternommen
haben.
- Erst am Sonntag, eine Stunde nach
der Verabschiedung
der Wiener
Schlußakte und in direkter Verletzung der gerade feierlich von
der tschechoslowakischen Regierung eingegangenen Verpflichtungen
wurden
Teilnehmer
einer
friedlichen Demonstration in Prag
von der Polizei mit Schlagstökken, Tränengas und Wasserwerfern
traktiert.
Berichten
zufolge
wurden 91 Demonstranten festgenommen.
- Und am gleichen Tag - dem Tag der
Verabschiedung der Wiener Schlußakte - erhalten wir Kenntnis davon, daß die Behörden der DDR 190
aktive Verfechter der Menschenrechte bei einer Demonstration in
Leipzig festgenommen haben. Die
meisten von ihnen scheinen ebenso
wie in Prag freigelassen worden
zu sein. Aber gestern abend waren einige von ihnen noch in Haft
- in krassem Wiederspruch zu der
fast zur gleichen Zeit in internationalem
Rahmen
abgegebenen
feierlichen Erklärung.
- In Rumänien werden die wirtschaftlichen und sozialen Bedingungen wie auch die politischen
und bürgerlichen Rechte aller
Bürger in entmutigendem Ausmaß
untergraben. Und sowohl in Rumänien als auch in Bulgarien sind
Minderheiten von der staatlichen
Politik der jüngsten Zeit besonders stark betroffen.
- Es gibt mehr Offenheit in bezug
auf verbesserte Beweungsfreiheit
- 3 -

der Menschen.
Im vergangenen
Jahr sind mehr als sieben Millionen DDR-Bürger in den Westen gereist, und mehr als fünf Millionen Bundesbürger besuchten die
DDR - Rekordzahlen auf beiden
Seiten. Darüber hinaus sind uns
vorliegenden Informationen zufolge
im vergangenen Jahr etwa
77 000 Menschen aus der Sowjetunion ausgewandert und viele andere - darunter Andrej Sacharaow
durften ins Ausland reisen.
Dennoch streben wir immer noch
nach vollständiger Verwirklichung
des Rechts auf Bewegungsfreiheit
in allen Unterzeichnerstaaten des
Ostblocks.
- Die vollständige Verwirklichung
der von uns eingegangenen Verpflichtungen, jedem das Recht
"auf Verlassen seines Landes" zuzugestehen, wird in den nächsten
Jahren zu einem offeneren Europa
führen. Wir haben uns dabei auf
vernünftige Fristen für die Entscheidungen über Reiseanträge ins
Ausland geeinigt. Und die Unterzeichnerstaaten sind übereingekomen, die Häufigkeit und Willkür
der Verweigerung von Reisen aus
Sicherheitsgründen einzuschränken.
- Wir erwarten, daß bei der Durchführung der Wiener Verpflichtungen zur "schnellen und ungehinderten" Postzustellung und den
Verpflichtungen, die den Respekt
vor der Vertraulichkeit und Integrität von Post- und Fernmeldeverkehr garantieren, zu größerer
Offenheit ermutigt wird.
- Und die Offenheit des Wiener
Treffens selbst - ein Tribut an
unsere österreichischen Gastgeber
wie auch an den KSZE-Prozeß sollte Vorbildcharakter für das
Verhalten bei künftigen Zusammenkünften haben. In der Schlußakte
von Wien verpflichten sich alle
Gastgeberländer - Frankreich, Dänemark, die Sowjetunion, Malta,
Polen, Großbritannien, Spanien,
Bulgarien, Österreich, die Bun-

�desrepublik Deutschland und Finnland
ausländischen
Journalisten, nicht-staatlichen Organisationen und einzelnen Bürgern
Zugang zu gewähren und ihren Bürgern den ungehinderten Umgang mit
Delegierten und Besuchern zu gestatten.
Insgesamt ist die von uns hier in
Wien so eindeutig und laut erhobene
einhellige Forderung nach Einhaltung
und Offenheit stärker geworden und
hat einen Wandel zum Besseren besiegelt, einen Wandel, der den Alltag
von Millionen von Menschen, ihre
Hoffnungen, Rechte und ihre Zukunft,
unmittelbar
betreffen
wird.
Das
Schlußdokument von Wien, zu dessen
vollständiger Veröffentlichung sich
all unsere Regierungen verpflichtet
haben, kann - wie bereits die Schlußakte von Helsinki - ein Motor für
fortgesetzte Veränderungen sein.

Kein Ende, ein Anfang
Aus diesem Grund bezeichnet das
Wiener Treffen nicht das Ende unserer
Reise seit Helsinki, sondern vielmehr
einen neuen Anfang.
Der berühmte
amerikanische Dichter Robert Frost
hätte auch Wien meinen können als er
seine Heimat Neuengland beschrieb:
"The woods are lovely, dark and
deep, but we have promises to keep,
and miles to go before we sleep, and
miles to go before we sleep."
Es ist noch ein langer Weg bis
zur Erlangung echten Friedens in Europa - eines dauerhaften Friedens,
der sich auf Grundrechte, Rechtsstaatlichkeit
und
die
Integrität
freier und souveräner Staaten gründet. Es ist eine Herausforderung für
uns, so weit zu gehen. Was wir hier
in Wien getan haben, ist ein Zeichen
dafür, daß wir diese Herausforderung
wirklich annehmen wollen.
Die in Wien anerkannte umfassende
Tagesordnung zu den Menschenrechten
Ist ein wichtiges Zeichen für unseren
Neubeginn.

Wien steht auch für einen weiteren neuen Anfang - die Aufnahme wichtiger
Rüstungskontrollverhandlungen
über konventionelle Waffen. In einigen Wochen wird die 35 Teilnehmer umfassende Folgekonferenz über Vertrauens- und Sicherheitsbildende Maßnahmen die Arbeit der Stockholmer Konferenz fortführen, die das Konzept der
Offenheit im militärischen Bereich
ins Leben gerufen hat.
Darüber hinaus werden 23 unserer
Staaten unabhängige Verhandlungen im
Rahmen des KSZE-Prosesses aufnehmen,
die Stabilität bei den konventionellen Streitkräften in Europa zum Ziel
haben.
Zwischen Wien und Helsinki im
Jahr 1992 wird eine Reihe von Treffen
geben, die Bereiche der Kooperation
zwischen Ost und West - oder anhaltende
Meinungsverschiedenheiten
aufdecken können: im Informationswesen, der Wirtschaft, Umwelt, dem Mittelmeer, Kultur, bei der friedlichen
Beilegung von Konflikten und - was am
wichtigsten ist - bei den Menschenrechten. Das Wiener Treffen hat einen Mechanismus geschaffen, der es
allen Ländern ermöglicht, jederzeit
alle Menschenrechtsfragen mit jedem
anderen Land zu erörtern.
Dieser
Mechanismus wird zusammen mit den
Treffen in Paris, Kopenhagen und
Moskau einen anhaltenden Prozeß der
Überprüfung von Menschenrechtsfragen
ergeben.
Darüber hinaus wird der KSZE-Prozeß weiterhin eine bedeutende Rolle
spielen, da er die Lage in Europa widerspiegelt und mitbestimmt. Eigeninitiative, Erfindungsgabe, der freie
Fluß von Informationen und Ideen und
Freizügigkeit sind Qualitäten, mit
denen die einzelnen Staaten am besten
die Herausforderungen und Möglichkeiten der Zukunft bewältigen können.
Dies sind die Ideale der Schlußakte
von Helsinki. Der Erfolg des KSZEProzesses wird daran gemessen werden,
wie gut diese Ideale in das internationale Beziehungsgeflecht eingebunden werden.

�Bereits
heute
beobachten
wir
Schritte in die richtige Richtung.
Heute wird die Behauptung, daß in unserer zunehmend interdependenten Welt
nationale Sicherheit nicht mit militärischen Mitteln allein gemessen,
geschweige denn vollständig erreicht
werden kann, weit häufiger akzeptiert. Mit militärischer Macht läßt
sich eine bestimmte Art von Frieden
sichern, aber es ist ein Friede ohne
Seelenfrieden.
Und
überwältigende
militärische Stärke bringt keine dauerhafte Sicherheit, wenn sie zu Lasten internationaler Spannungen geht
und mit großen Kosten für das nationale Wachstum verbunden ist. Erst
vor wenigen Wochen hörte wir Generalsekretär Gorbatschow vor uen Vereinten Nationen sagen, daß "der einseitige Rückgriff auf militärische Macht
letztlich andere Komponenten der nationalen Sicherheit schwächt".
Ferner ist man zunehmend zu der
Erkenntnis gelangt, daß die Freisetzung von Marktkräften und menschlicher Kreativität die wahre Grundlage für dauerhaften Wohlstand und nationalen Erfolg bildet. Unser Vertrauen in die Lebenskraft freier Gesellschaften und offener Märkte ist
stark und fest in unseren eigenen Erfahrungen und unseren Beobachtungen
der Erfahrungen anderer verankert.

Die anhaltende Herausforderung der
Durchführung
In meinem Amt als Außenminister
kam ich vor sechs Jahren zum ersten
Mal nach Europa. Ich kam als Freund
Europas, als jemand, der an die Größe
Europas glaubte. Nach diesem, meinem
letzten offiziellen Besuch werde ich
überzeugter als je von dier-er Ansicht
nach Kalifornien zurückkehren.
Söhne und Töchter Europas haben
mein Land gegründet und eine Gesellschaft auf von Locke, Montesquieu und
Rousseau abgeleiteten Ideen aufgebaut.
Tatsächlich war die Distanz
zwischen den Vereinigten Staaten und
Europa niemals sehr groß und wir wa-

ren ihm niemals näher als heute. Geschichte, Sprache und Traditionen
bilden ein gemeinsames Band - ein
Band, das jedes der hier vertretenen
Länder mit allen anderen verbindet.
Vor allem jedoch ist es die Macht der
demokratischen Ideen - Ideen, die vor
200 Jahren auf beiden Seiten des Atlantiks ihren Widerhall fanden und
die Welt auf den Kopf stellten - die
unsere Völker auch weiterhin vereinen
und Europas Bestimmung die Richtung
weisen.
Als ich im Jahr 1986 anläßlich
der Eröffnungssitzung dieser Konferenz eine Rede hielt, blickte ich in
die Zukunft zu dem Tag, an dem alle
Völker der KSZE-Gemeinschaft an dem
Geist der Offenheit und Kreativität
teilhaben würden - dem Tag, an dem
alle sich an der Freisetzung geistiger und gesellschaftlicher Energie
beteiligen könnten. Durch die Arbeit
dieser Konferenz sind wir glaube ich
dem von mir beschriebenen Tag ein
Stück näher gekommen - nicht einfach
durch den Lauf der Zeit, sondern weil
wir den Abstand zwischen Versprochenem und Geleistetem, zwischen Wort
und Tat, verkürzt haben. Es bleibt
aber noch eine große Distanz zu überbrücken.
Ich möchte Sie noch einmal an die
großen Worte Puschkins erinnern, der
im Jahr 1703 schrieb, Peter der Große
habe "ein Fenster nach Europa" aufgestoßen. Dieses Bild trifft auch auf
die in Wien geleistete Arbeit zurück.
Der KSZE-Prozeß hat dazu beigetragen,
Fenster und Türen des Verständnisses
sowie hilfreiche Kommunikationswege
zu öffnen.
Für viele Männer und
Frauen hat er dazu beigetragen, das
Tor zur Freiheit aufzustoßen.
Wir
müssen diesen Prozeß der Offenheit in
beide Richtungen
fortsetzen.
Wir
wissen, daß noch viele Schranken zwischen Ost und West durchbrochen werden müssen - ob dies physische
Schranken wie die Berliner Mauer,
starre Wirtschaftssysteme, entmutigende bürokratische Hemmnisse gegen
Freizügigkeit und Redefreiheit oder
starre Denkgewohnheiten sind.

- 5 -

�Ich möchte Ihnen einige persönliche Gedanken über die KSZE vortragen. Während meiner Amtszeit bin ich
zu diesen Sitzungen gereist und habe
mich an deren Rand mit Kollegen getroffen. Und wo immer ich sonst hingereist bin - zu den Vereinten Nationen oder anderen Orten in der Welt,
nicht nur in Europa - habe ich Menschen kennengelernt, die auf die eine
oder andere Weise an diesem Prozeß
teilhaben
und
interessiert
sind.
Diejenigen, mit denen ich zusammentraf, teilten die Haltung meines Landes zu tagespolitischen Problemen
nicht immer.
Ohne das Bindeglied
KSZE hätte es für uns weder einen Anlaß für ein Treffen gegeben noch irgendeine gemeinsame Grundlage für ein
Gespräch.
Die KSZE lieferte jenes
erste verbindende Band, daß die Konversation erleichterte.
Dies war gewiß der Fall, als
Außenminister Schewardnadse und ich
zum ersten Mal zusammentrafen. Wie
Sie sich vielleicht erinnern, begegneten wir uns während des 10. Jahrestages der KSZE-Schlußakte.
Meine
Frau und ich beschlossen, daß wir die
Schewardnadses als Menschen kennenlernen müßten, unabhängig von unseren
politischen Meinungsverschiedenheiten.
Wahrscheinlich waren sie derselben Meinung. Wir haben unsere jeweiligen Kinder und Enkelkinder kennengelernt - mit anderen Worten: unsere
gemeinsame Zukunft. Dieser zwischenmenschliche Kontakt verkörpert in
vieler Hinsicht den Wesensgehalt des
KSZE-Prozesses. Die KSZE half uns
also dabei, den Stein ins Rollen zu
bringen und konstruktive Arbeit zu
leisten. Seit jenem Tag waren wir
nicht immer einer Meinung, aber wir
haben uns immer engagiert. Ich bin
sicher, daß Sie alle ähnliche Erfahrungen gemacht haben. Ferner glaube
ich, daß die von der KSZE gebotenen
Chancen für diese einzigartige Art
zwischenmenschlicher
Kontakte
ein
weiterer wichtiger Grund dafür sind,
daß dieser Prozeß so nützlich ist.

Im Verlauf der Wiener Konferenz
haben
Bevölkerung
und
Regierung
Österreichs uns allen Grund gegeben,
uns hier willkommen zu fühlen. Ihre
Gastfreundschaft hat uns viele Gelegenheiten beschert, miteinander zu
arbeiten und uns in einer Atmosphäre
besonderer Herzlichkeit kennenlernen
zu können.
Im Namen des amerikanischen Volkes und von Präsident
Reagan möchte ich dem Volk und der
Regierung von Österreich aufrichtig
danken.
Wenn wir uns nun den neuen Herausforderungen, die wir in Wien definiert haben, stellen, befindet sich
meine Regierung in einer Periode des
demokratischen Wechsels und der Erneuerung. Doch ich kann allen heute
hier Versammelten versichern, daß der
neue Präsident Bush, seine Regierung
und das amerikanische Volk in den
kommenden Jahren eine aktive und konstruktive Rolle in diesem Prozeß
spielen werden.
Wie von Anfang an, werden die
Vereinigten Staaten auch weiterhin
auf den Tag hinarbeiten, an dem endlich jenes große Ziel des KSZE-Prozesses verwirklicht ist - den Tag, an
dem Europa frei, sicher, offen und
ungeteilt sein wird.

* * * * * *

�AMERIKA DIENST
%

^

Dokumentation

Ä&lt;

25. Januar 1989

BAKER NENNT FÜNF WICHTIGE VERÄNDERUNGEN IN DER WELT
- Erklärung vor dem auswärtigen Ausschuß des Senats WASHINGTON - (AD) - Dem designierten Außenminister der Vereinigten Staaten, James Baker, zufolge vollziehen sich weltweit gegenwärtig fünf bedeutende
Veränderungen: eine demokratische Revolution, die Ausbreitung des freien Unternehmertums, wirtschaftspolitische Experimente in den kommunistischen Staaten, technologische Fortschritte im Bereich der Information und Kommunikation
sowie neue militärische Tendenzen.
In der Anhörung vor dem auswärtigen Ausschuß des Senats, der über die Bestätigung Bakers als Außenminister zu befinden hat, bezeichnete Baker am 17.
Januar 1989 amerikanische Werte und Ideale wie "Freiheit, Demokratie, Gleichberechtigung, Achtung der Menschenwürde, Fairplay" als Grundlage und "einzig
sichere Leitlinie für diesen Wandel".
Die Ausführungen Bakers haben folgenden Wortlaut:

Herr Vorsitzender, verehrte Ausschußmitglieder!
Es ist mir eine Ehre, als der vom
neuen Präsidenten Bush für das Amt
des Außenministers Nominierte vor Ihnen zu sprechen.
Ich danke Ihnen
ferner für Ihre Bereitschaft, diese
Anhörungen noch in der Ubergangsphase
zu veranstalten. Jede Administration
möchte einen fliegenden Start, anstatt zunächst in den Startlöchern zu
bleiben.
An diesem Freitag (20. Januar)
wird ein npuer Präsident sein Amt antreten. Er wird ein Land regieren,
das sich von dem, wie wir es noch zu
Beginn dieses Jahrzehnts kannten, erheblich
unterscheidet.
Als sich
George Bush zum ersten Mal um die

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Präsidentschaft bewarb, wurden die
amerikanischen Institutionen und Werte in Frage gestellt. In den vergangenen acht Jahren haben wir sie bekräftigt. Als Ergebnis dessen wurde
unsere Nation sowohl nach innen wie
nach außen wesentlich gestärkt. Dafür schulden wir Außenminister Shultz
und zuallererst Präsident Reagan unseren Dank.
Das Vermächtnis der Reagan-Ara
ist ein kraftvolleres Amerika. Wir
haben bewiesen, daß unser Präsident
führen kann, unsere Regierung funktioniert und Fortschritte möglich
sind. Die Kreativität des Einzelnen
und die Achtung seiner Rechte - die
Prüfsteine der Demokratie - erleben
einen neuen Aufschwung.

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Ein Teil dieser Lebenskraft spiegelt sich in den internationalen Entwicklungen unserer Zeit wider. Bei
unserem mächtigster Gegner, der die
noch vor einem Jahrzehnt so aggressiven Sowjetunion vollzieht sich eine
ideologische Gewissenserforschung von
historischem Ausmaß. Regionale Konflikte, die lange Zeit als unlösbar
galten - zum Beispiel in SUdwestasien
und im südlichen Afrika -, sind mit
Hilfe der kreativen amerikanischen
Diplomatie ihrer Lösung ein Stück näher gerückt. Die von der längsten
wirtschaftlichen Aufschwungphase der
Geschichte in den Vereinigten Staaten
angetriebene Weltwirtschaft hat neue
Hoffnung auf Fortschritte geweckt.

Eine Welt im Wandel
Diese Entwicklungen
sind symptomatisch für die großen Veränderungen und Herausforderungen, denen wir
uns im kommenden Jahrzehnt stellen
müssen. In unserer Welt vollziehen
sich fünf bedeutende Veränderungen:
Erstens, die demokratische Revolution: In Lateinamerika haben viele
Staaten unlängst die Demokratie errungen oder bemühen sich darum, während sich in Asien die Philippinen
und Südkorea den Demokratien zugesellt haben. Viele dieser jungen Demokratien sind noch nicht gefestigt.
Ihre Institutionen benötigen Zeit, um
Wurzeln zu schlagen, und der Erfolg
ist nicht sicher. Wir wissen ferner,
daß, diese Forderungen nach Freiheit
- wenn überhaupt - nicht immer friedlich gewährt werden, obwohl Millionen
von Menschen in anderen Ländern freie
politische Institutionen fordern.
Zweitens, die Ausbreitung des
freien Unternehmertums: freie Märkte
und
Privatinitiative
sind
neue
Schlüsselbegriffe
der
wirtschaftlichen Entwicklung - weil sie in der
Praxis funktionieren. Der klassische
Sozialismus und Varianten staatlich
gelenkter Wirtschaft sind in Mißkredit geraten. Insbesondere die Staaten des pazifischen Beckens haben be-

wiesen, wie das Modell des freien Unternehmertums in Entwicklungsländern
erstaunlich gut funktioniert, nicht
nur in gereiften Volkswirtschaften.
In vielen Regionen werfen Probleme
der Verschuldung, großer Ungleichgewichte im Handel sowie protektionistischen Drucks einen Schatten auf diese Fortschritte und bedrohen die Zukunft.
Drittens, Veränderungen in der
kommunistischen Welt: Praktisch jede
kommunistische Regierung experimentiert heute mit einst als Häresie
verschrienen
wirtschaftspolitischen
Ideen, darunter auch Marktwirtschaft.
Die Krise der kommunistischen Systeme
ist deren eigenem Eingeständnis zufolge wesentlich tiefgreifender. Politische Veränderungen, insbesondere
die Forderung nach freieren Institutionen, stehen auf der Tagesordnung
ganz oben.
Trotzdem steht nicht
fest, daß die Reformen erfolgreich
sein oder zur Demokratie führen werden.
Viertens, technologischer Fortschritt: Rasche Fortschritte in der
Informations- und Kommunikationstechnologie haben dazu beigetragen, eine
Weltwirtschaft zu schaffen, Zeit und
Raum ihre Bedeutung zu nehmen und die
traditionellen Grenzen des Nationalstaats zu überwinden. Es ist jetzt
bereits klar, daß in der Weltwirtschaft von heute die Binnenwirtschaftspolitik nicht mehr unabhängig
von ihren internationalen Auswirkungen betrachtet werden kann. Es steht
jedoch noch nicht fest, daß wir die
Zusammenarbeit, die wir benötigen,
erreichen werden. Auf unfairem Verhalten
beruhende
Handelsvorteile
könnten ferner verstärkt zu wirtschaftlichen Auseinandersetzungen und
letztlich zu einer Zunahme des Protektionismus führen.
Fünftens, neue militärische Tendenzen: der sich auf die Weltwirtschaft
auswirkende
technologische
Wandel verändert ebenso die militärstrategischen
Beziehungen.
Präzisionsfeuer leittechnologien
gestatten

�es den konventionellen Waffen von
heute, Ziele zu zerstören, die in der
Vergangenheit hauptsächlich den Kernwaffen zugewiesen wurden. Die Forschungsarbeiten im Rahmen der Strategischen Verteidigungsinitiative untersuchen das Potential zur Veränderung der künftigen Zusammensetzung
von Offensiv- und Defensivpotential.
Wir müssen die Auswirkungen dieser
Veränderungen auf Abschreckung und
Rüstungskontrolle
weiterhin
untersuchen.
Es gibt einen weiteren, zu größerer Besorgnis Anlaß gebenden Gesichtspunkt der neuen militärischen
Tendenzen. Eine gefährliche Verbreitung von Spitzentechnologie hat eingesetzt. Während wir gerade im Begriff sind, einige Kernwaffen zu kontrollieren oder zu beseitigen, sind
chemische Gefechtsköpfe und ballistische Raketen Regierungen und Gruppen
in die Hände gefallen, die sich erwiesenermaßen der Aggression und des
Terrorismus schuldig gemacht haben.

Die Gegensätze unserer Zeit und
unsere Haltung
Diese fünf Wandlungsprozesse konfrontieren uns mit einer Reihe von
Gegensätzen und Paradoxen. Wir könnten zu einer zunehmend demokratischen
Welt gelangen oder - sollten die neuen, noch ungefestigten Demokratien
scheitern - die Sache der Demokratie
könnte zurückgeworfen werden.
Die
Weltwirtschaft könnte weiter wachsen
oder der Wettbewerbsdruck könnte zu
Protektionismus und miteinander rivalisierenden Handelsblöcken führen
letztlich zum Nachteil aller Beteiligten. Ein vernünftig durchdachter
Ansatz des Atlantischen Bündnisses
könnte die mit der Sowjetunion erreichten Fortschritte weiter ausbauen.
Oder diese Chance könnte aufgrund von beiderseits des Eisernen
Vorhangs gemachten Fehlern vertan
werden. Schließlich könnten neue militärische Technologien größere Stabilität auf niedrigeren Streitkräfteniveaus herbeiführen. Oder wir könn-

ten auf ein neues und dunkleres Zeitalter zusteuern, wenn es uns nicht
gelingt, der Verbreitung von Waffen
Einhalt zu gebieten, mit denen Staaten - insbesondere in politisch instabilen Regionen - an den Rand eines
Krieges getrieben werden.
Ich bitte um Ihre Bestätigung als
Außenminister.
Es ist deshalb nur
billig und recht, daß ich Ihnen - so
gut ich kann - über meine Haltung zu
dieser Welt der Herausforderungen und
Gegensätze Auskunft gebe.
Während meiner juristischen Ausbildung las ich in einer Vortragssammlung von Richter Benjamin Cardozo
mit dem Titel "Der Charakter des juristischen Prozesses". Ich erinnere
mich daran, wie ich von seiner Beobachtung gefesselt wurde, daß "jedem
von uns eine Tendenz innewohnt, ob
man es nun Philosophie nennen möchte
oder nicht, die unseren Gedanken und
Handlungen Kohärenz und Richtung verleiht".
Einige haben meine Philosophie als "pragmatisch" bezeichnet.
Ich gebe zu, daß Etikette irreführend
sein können - tatsächlich bin ich ein
texanischer Republikaner, die ja alle
konservativ sind. Ich bin jedoch mit
dem Etikett Pragmatismus einverstanden, wenn Sie damit meinen, daß man
die Welt realistisch betrachtet und
es als wichtig empfindet, Aufgaben zu
erfüllen.
Mein Ziel besteht nicht darin,
die Welt zu verstehen um sie zu akzeptieren, sondern sie zu verstehen,
um sie zu verändern, wo dies nötig
ist - manchmal mit großen, häufig gezwungenermaßen mit kleinen Schritten,
aber immer nach vorn gerichtet. Die
einzig sichere Leitlinie für solche
Veränderungen ist der Kompaß der amerikanischen Ideale und Werte - Freiheit, Demokratie, Gleichberechtigung,
Achtung der Menschenwürde, Fairplay die Prinzipien, denen ich treu bin.
Ich glaube an die Freiheit des
Einzelnen, weil sie ein von Gott gegebenes Recht und die Quelle menschlicher
Schöpfungskraft
ist.
Die

- 3-

�Gründer unseres Landes erkannten, daß
diese Freiheit am besten durch eine
begrenzte Regierung bewahrt wird das System der "checks and balances",
das immer noch den Rahmen für unseren
Erfolg liefert. Teil dieses Systems
ist eine dezentralisierte Regierung,
eine volksnahe Regierung, eine Regierung des Volkes. Ich möchte des weiteren argumentieren, daß wirtschaftliche Freiheit, das System der freien
Marktwirtschaft,
ein
unerläßlicher
Bestandteil
dieses
Rahmens
ist.
Schließlich und zuallererst bin ich
wie Lincoln der Meinung, daß die Vereinigten Staaten in der Welt eine besondere Rolle haben, einen besonderen
Beitrag leisten müssen - wie er es
ausdrückte "die letzte, beste Hofnung
der Erde".

Führung und Überparteilichkeit
Mein Sinn für Realismus, meine
Einschätzung des Trends, sagen mir,
daß wir Fortschritte zu diesen Idealen erzielen können, wenn wir bei
zwei Fragen fest bleiben.
Die erste ist die Notwendigkeit
amerikanischer Führung. Als Finanzminister sprach ich vor einigen Jahren von der "Wahl" der Führung - aber
tatsächlich gibt es keine Wahl. Als
mächtigste Demokratie, größte Wirtschaft, reichste Gesellschaft und
größte Ansammlung wissenschaftlicher
Talente werden wir - bewußt oder unbewußt - die Zukunft in erheblichem
Maße beeinflussen. Wir können eine
Kraft für Freiheit und friedlichen
Wandel sein, die mit keiner anderen
Kraft der Welt zu vergleichen ist.
Gelingt uns dies jedoch nicht, werden
wir uns nicht vor den Folgen verstecken können.
Die amerikanische Führungsrolle
muß sich einer Welt anpassen, die der
Nachkriegszeit entwachsen ist. Die
Vereinigten Staaten sind gleichzeitig
Tribun der Demokratie, Katalysator
für internationale Zusammenarbeit und
Wächter unserer nationalen Interessen. Wir leben in einer Welt mächti-

ger Gegner. Wir dürfen das überleben
der Demokratie nicht als selbstverständlich ansehen oder annehmen, daß,
wenn wir unsere Interessen nicht
selbst schützen, jemand anderes oder
irgendeine internationale Organisation dies für uns tun wird. Wir leben ferner in einer Welt zunehmend
einflußreicher Verbündeter, deren Zusammenarbeit unerläßlich ist, wenn
wir gemeinsame Probleme überwinden
wollen. Es gibt neue, weltweite Gefahren wie etwa Terrorismus, internationaler Drogenhandel und die weltweite Zerstörung der Umwelt, die
nicht von einer Nation allein bewältigt werden können, wie mächtig sie
auch sein mag.
Diese Realitäten erlauben keinen
blinden
Isolationismus
oder rücksichtslosen
Unilateralismus.
Nur
durch eine realistische Haltung können wir im Hinblick auf die amerikanische Führungsrolle in einer sich
rasch wandelnden Welt ein neues Kapitel aufschlagen.
Es gibt noch ein zweites Problem,
das von uns gelöst werden muß. Es
betrifft die Beziehungen zwischen
Exekutive und Kongreß im Bereich der
Außenpolitik.
Schlicht ausgedrückt:
wir benötigen zum Erfolg die Zusammenarbeit beider Parteien. Das entspricht dem Urteil der Geschichte und
der jüngsten Erfahrung.
Überparteilichkeit
bedeutet
nicht, daß wir immer übereinstimmen
müssen. Es gibt und wird immer Unterschiede in Ansatz und Substanz geben. Die Äußerung dieser Meinungsverschiedenheiten in einer Art und
Weise, die das Recht des anderen auf
eine andere Meinung achtet, ist eine
deutliche Bekräftigung des demokratischen Prozesses.
Aber letztlich
müssen wir handeln, und wenn wir dies
tun, ist es am besten, es zusammen zu
tun, wenn wir nationale Interessen
verwirklichen wollen.
Zu diesem Thema möchte ich Dean
Acheson zitieren. Offensichtlich war
er mit einigen unserer texanischen

�Bräuche vertraut, denn er sagte, daß
es in den Saloons des alten Westens
ein Gesetz gab:
"Erschieß niemals
den Klavierspieler." Und er schrieb,
daß in der Außenpolitik der Präsident
der Klavierspieler sei.
Ja, dies ist ein Appell für einen
gütigeren, sanfteren Kongreß. Aber
Überparteilichkeit ist auch mehr als
Achesons "Weihwasser der politischen
Notwendigkeit". Sie ist das Schmiermittel, mit dem die verschiedenen
Zweige des Staates in die Lage versetzt werden, ihre natürliche, von
der Verfassung bewußt angelegte Reibung zu überwinden, eine Reibung, die
aus unseren unterschiedlichen Perspektiven
und
Verantwortlichkeiten
herrührt.
Als Realist weiß ich, daß wir der
Zusammenarbeit zwischen den Parteien
bedürfen, um erfolgreich zu sein.
Während die Exekutive für das Vorschlagen und die Ausführung der Aussenpolitik zuständig ist, wird eine
Handlungsweise von der Legislative
unterstützt, modifiziert oder in manchen Fällen mit einem Veto belegt.
Aus diesem Grund wird über die Zusammenarbeit zwischen den Parteien in
der Praxis entschieden.
So laßt uns also die jüngste Erfahrung unser Lehrmeister sein. Als
wir zu Afghanistan oder während der
INF-Verhandlungen eine gemeinsame Linie verfolgt haben, waren wir erfolgreich. Als wir dies nicht taten bei Mittelamerika - war das Resultat
für jedermann unbefriedigend.
Die Schlußfolgerung daraus ist
unausweichlich. Um Erfolg zu haben,
müssen wir zusammenarbeiten.
Und
eine von beiden Parteien getragene
Außenpolitik beruht auf drei Grundsätzen:
- Erstens: Vertrauen darauf, daß
jeder von uns an das öffentliche
Interesse denkt, daß wir unser
Bestes tun, um unserer Verantwortung gerecht zu werden.

- 5

- Zweitens Konsultationen als Beweis dafür, daß wir versuchen zu
kommunizieren, einen gemeinsamen
Weg einschlagen und gemeinsam ans
Ziel gelangen wollen.
- Drittens
konsequente
Durchführung, die belegt, daß die einmal
erzielten Entscheidungen und Abkommen in der Tat Entscheidungen
und Abkommen sind, die eingehalten werden.
Die Senatoren Danforth und Boren
haben den Vorschlag einer neuen Art
von Konsultationen zur Erörterung der
umfassenderen
und
langfristigeren
Probleme unterbreitet - einschließlich regelmäßiger Treffen der Kongreßabgeordneten mit dem Außenminister und gelegentlich mit dem Präsidenten. Am 18. November 1988 schrieb
der künftige Präsident Bush an Senator Danforth diesbezüglich, "sobald
mein Nationales Sicherheitsteam seine
Arbeit aufgenommen hat, werde ich ein
Treffen dieser Gruppe mit Ihnen zur
Erörterung Ihrer hervorragenden Vorschläge anberaumen". Ich sehe diesem
Treffen erwartungsvoll entgegen.
Lassen Sie uns nun gemeinsam Exekutive und Kongreß -, vom Vertrauen in die amerikanische Führungsrolle
und der Praxis der Überparteilichkeit
geleitet, das vor uns liegende Programm in Angriff nehmen.

Die internationale Tagesordnung:
Nord- und Südamerika
An erster Stelle unserer Tagesordnung stehen unsere Nachbarländer die Länder, die an uns angrenzen, die
Länder unseres Kontinents und unserer
Hemisphäre. Die Vereinigten Staaten
sind sowohl eine Land- als auch eine
Seemacht, was uns eine einzigartige
geopolitische Perspektive verschafft.
Die alte Lehre, daß Außenpolitik zuerst einmal das eigene Land betrifft,
gilt jedoch auch für uns. Sie wurzelt in unseren Werten und dies muß
so sein. Und sie gewinnt Stärke und
Kraft
durch
unsere
unmittelbaren

�Nachbarländer - abhängig von unseren
Beziehungen mit unseren Freunden und
Nachbarn im Nordea und Süden.
Vor kurzem haben wir gemeinsam
mit Kanada ein Freihandelsabkommen
geschlossen - etwas, das beide Nationen hundert Jahre lang erfolglos angestrebt hatten.
Die wirtschaftlichen Auswirkungen dieses Abkommens
auf bestimmte Industriezweige haben
ein vielfältiges Echo und einige Besorgnis ausgelöst.
Meiner Ansicht
nach liegt das Freihandelsabkommen in
unserem
beiderseitigen
Interesse.
Aber es gibt geopolitische Folgen,
die weit über die wirtschaftliche Bedeutung dieser Errungenschaft hinausgehen.
Das amerikanisch-kanadische Abkommen stellt den richtungweisenden
Erfolg einer Strategie dar, die darauf ausgerichtet ist, alle Länder zu
einem
offeneren
Handelssystem
zu
bringen. Es belegt, daß die beiden
größten Handelspartner der Welt nicht
nur Zollschranken abbauen, sondern
auch Lösungen in solchen Bereichen
wie Dienstleistungen und Investitionen - beide zunehmend transnational
ausgelegt - bei gleichzeitiger Wahrung der nationalen Souveränität aushandeln können. Es ist ein Beweis
dafür, daß eine aktive, internationalistische
Freihandelspolitik
eine
überparteiliche Koalition im Inland
beschleunigen und protektionistische
Bestrebungen abwenden kann. Es ist
also möglich. Und wir sehen der Zusammenarbeit mit Kanada bei anderen
vorrangigen Problemen - einschließlich internationaler Umweltprobleme erwartungsvoll entgegen, während wir
den Rahmen unserer neuen Zusammenarbeit erweitern.
Mit Blick auf den Süden haben wir
eine nicht weniger bedeutende Reihe
von Themenkomplexen zu berücksichtigen.
Unser Nachbarland Mexiko ist
hochverschuldet
und
seine Sozialstruktur sieht sLch mit ernsthaften
Herausforderungen konfrontiert. Andererseits verfügt Mexiko jedoch über
viele Vermögenswerte - die Fähigkei-

ten seines Volkes und seine bedeutenden Rohstoffe. Unter der Leitung von
Präsident Salinas hat die mexikanische Regierung den Weg wirtschaftlicher und politischer Reformen eingeschlagen. Es ist ein schwieriger
Weg und wir sind zur Unterstützung
entschlossen.
Es liegt in unserem Interesse,
dies zu tun. Es ist an der Zeit, daß
wir Mexiko den Respekt und die Ernsthaftigkeit entgegenbringen, die es
verdient. Unabhängig von der Vergangenheit müssen wir uns darüber im
klaren sein, daß die Beziehungen der
Vereinigten Staaten zu Mexiko sehr
viel bedeuten: Sie sind ebenso wichtig wie unsere Beziehungen mit jedem
anderen Land der Welt. Ich bin davon
überzeugt, daß wir gemeinsam Fortschritte erzielen können, wenn wir
Gerechtigkeit und gegenseitigen Respekt
zu unserer Ausgangsposition
machen.
Ich weiß, daß der neue Präsident
Bush baldigen Konsultationen mit Präsident Salinas und Premierminister
Mulroney
erwartungsvoll
entgegensieht, um den vor uns liegenden Kurs
festzulegen.
Ein anderes Thema auf unserer Tagesordnung für diesen Kontinent betrifft Mittelamerika.
Wir blicken
auf nahezu zehn Jahre frustrierender
und
gelegentlich
widersprüchlicher
amerikanischer Politik gegenüber dieser Region zurück.
Einige Erfolge
sind erzielt worden.
Die meisten
mittelamerikanischen Nationen haben
sich der Demokratie und Wahrung der
Menschenrechte verschrieben. Und wir
müssen helfen, diese Errungenschaften
gegen Bedrohungen der Menschenrechte
zu verteidigen, gleichgültig, ob diese Bedrohung von rechts oder von
links kommt.
Der größte Makel bleibt jedoch
bestehen:
der verheerende Konflikt
zwischen Nicaragua und seinen Nachbarländern und zwischen den nicaraguanischen Marxisten und dem eigenen
Volk, das zum Teil zu den Waffen ge-

- 6 -

�griffen hat und amerikanische Unterstützung verdient.
Im Jahr 1987 kamen alle Regierungen der Region lange genug zu sich,
um sich auf eine Reihe von Grundsätzen für den Frieden zu einigen. Das
Abkommen von Esquipulas - bekannt als
Esquipulas II und von Präsident Arias
von Costa Rica verfaßt - brachte die
Ziele aller sehr gut zum Ausdruck.
Es ist eine gute Friedensplattform.
Was ihm jedoch fehlt, ist ein Mechanismus für seine Durchsetzung. Dieses Problem trat klar und deutlich im
Verlauf der Verhandlungen nach der
Übereinkunft von Sapoa zwischen den
Sandinisten und dem demokratischen
Widerstand zutage.
Bis heute sind
weder Demokratie - wie in Esquipulas

II niedergelegt - noch die Wiedereingliederung des Widerstandes - wie in
der Sapoa-Ubereinkunft gefordert
verwirklicht worden.
Zweifellos benötigen wir einen
anderen Ansatz, einen Ansatz, der
hier in Washington von beiden Häusern
des Kongresses getragen sein muß,
wenn er in der Region Erfolg haben
soll. Die Ereignisse haben belegt,
daß nur solch ein überparteiliches
Vorgehen Einfluß auf die Sandinisten
hat.
Aus diesem Grund müssen wir uns
auf klare Ziele für Mittelamerika einigen - Demokratisierung, Entwicklung
und Sicherheit für jeden einzelnen
Staat der Region. Sie alle müssen
frei von Angst vor subversiven Nachbarländern sein.
Sie alle müssen an einem Plan zur
wirtschaftlichen Entwicklung teilhaben können - vielleicht unterstützt
von unseren europäischen und japanischen Verbündeten. Aber dies alles
kann nicht verwirklicht werden, bevor
nicht die Versprechen von Demokratie
und Sicherheit Realität werden. Wir
müssen auf dem Schutz der Menschenrechte in Nicaragua, El Salvador und
Ihren Nachbarländern bestehen - indem
wir alle gleich behandeln und allen
gerecht werden.

Diese Ziele der amerikanischen
Diplomatie bergen große Verantwortung. Wir können und dürfen den demokratischen Widerstand nicht aufgeben. Wir müssen ihm beistehen, bis
unsere gemeinsamen Ziele erreicht
worden sind.
Schließlich möchte ich einen Vorschlag unterbreiten.
Im Jahr 1992
werden wir den 500. Jahrestag der
Entdeckungsreise
von
Christoph
Kolumbus feiern.
Ich möchte vorschlagen, daß wir uns heute auf eine
Entdeckungsreise begeben - in die Karibik und nach Südamerika.
Unsere
Nachbarn in dieser Hemisphäre streben
nach größerer Freiheit und wirtschaftlichem Fortschritt. Wir teilen
zahlreiche
ihrer Interessen.
Und
auch die Geißel der Drogen müssen wir
gemeinsam bekämpfen.
Jetzt ist es an der Zeit, diese
Probleme erneut einer Überprüfung zu
unterziehen und mehr aus unseren Möglichkeiten zu deren Bewältigung zu
machen.

Veränderungen bei unseren
Verbündeten und Freunden
Lassen Sie mich nun von unserer
unmittelbaren Nachbarschaft zur der
umfassenderen Welt unserer Freunde
und Verbündeten kommen. Durch Handel, politische Bündnisse und Verteidigungsabkommen verbinden die Vereinigten Staaten zwei höchst dynamische, fortschrittliche Regionen
Westeuropa und die Länder des Pazifiks. Wir sind gleichzeitig eine atlantische und ein pazifische Macht
und wir sollten uns zu keiner Zeit
dem Gedanken hingeben, eine dieser
Beziehungen auf Kosten der anderen zu
erweitern.
Realismus zwingt uns die umfassenden Veränderungen zu verstehen,
die unter unseren Verbündeten und
Freunden in beiden Regionen stattfinden. In diesem Jahr begehen wir den
40. Jahrestag der Gründung der NATO des erfolgreichsten Bündnisses aller

- 7 -

�Zelten. Aber das Westeuropa von heute ist nicht mehr das erschöpfte Europa, das sich von seiner eigenen
Verwüstung erholt, noch ist es das
ungeteilte Europa der politischen
Propheten. Von unserer wie von ihrer
Seite ist eine Neueinschä'tzung erforderlich, wie wir uns an die sich wandelnden Umstände als eine Kraft für
den Frieden anpassen können.
An erster Stelle erfordert dies wie der neue Präsident vorgeschlagen
hat - gedankliche Überstimmung, wie
wir mit einer sich wandelnden Sowjetunion umgehen sollen. In einem Zeitalter gekürzter Verteidigungshaushalte benötigen wir einen gemeinsamen
Ansatz zu den neuen militärischen Gegebenheiten, die durch den INF-Vertrag geschaffen worden sind - die
Notwendigkeit zur Modernisierung unserer nuklearen und konventionellen
Waffen.
Wir benötigen eine Reihe
realistischer und vernünftiger Normen
für konventionelle Rüstungskontrolle.
Wir brauchen ferner einen gemeinsamen
Ansatz zu den Problemen der Darlehen
und Kredite für sowie Handel und
Technologietransfer nach Moskau und
Osteuropa.
Schließlich müssen wir
eine gerechtere und kreativere Grundlage schaffen, auf der wir unsere
Verpflichtungen teilen. Unsere Erörterungen und Konsultationen sollten
so offen und ehrlich sein, wie es
seit langem Verbündete verdient haben.
Der Einsatz ist gleich geblieben.
Unser Engagement für die NATO ist
stärker, da wir als Nationen stärker
sind. Solange Europa der am schwersten bewaffnete Kontinent ist, auf
dem sich amerikanische und sowjetische Truppen an der Frontlinie gegenüberstehen, bleibt das Atlantische
Bündnis unsere erste Verteidigungslinie.
Das Jahr 1989 ist gleichzeitig
der 32. Jahrestag der Unterzeichnung
der Römischen Verträge, mit denen der
Gemeinsame Markt offiziell ins Leben
gerufen wurde. Und in nur drei weiteren Jahren wird die erweiterte Europäische Gemeinschaft das Ziel die-

ser Verträge erreicht haben - die
Schaffung
eines einzigen Marktes.
Aber wird dieses neue Europa - eine
wachsende wirtschaftliche Supermacht
- den Blick nach außen oder innen
richten? Wird es ein weiterer Baustein in dem neuen Gebäude eines offeneren,
weltweiten
Handelssystems
oder ein massiver Block sein, der gegen Wettbewerb von außen abgeschottet
ist? Wird es eine gesunde, dynamische Wirtschaft haben, die eine Fülle
von Abreitsplätzen schafft oder eine
vorsichtige, stagnierende Region, die
sich mit anhaltender Arbeitslosigkeit
zufriedengibt? Die richtigen Antworten auf diese Gegensätze müssen meiner Ansicht nach in einem Europa gefunden werden, das nach außen und
nicht nach innen orientiert ist, das
Strukturreformen
fördert, Handelshemmnisse
abbaut,
wirtschaftliche
Chancen für alle Nationen und nicht
nur für Europa eröffnet.
Als Verbündeter und wichtiger Handelspartner
werden die Vereinigten Staaten an
dieser Veränderung lebhaftes Interesse bekunden.
Wenn wir uns dem Pazifischen
Becken zuwenden, können wir einen
sich bereits abzeichnenden beeindrukkenden Erfolg beobachten. Kein Gebiet kann vergleichbare Leistungen
bei der Schaffung fortschrittlicher
Volkswirtschaften in Rekordzeit vorweisen.
Der wirtschaftliche Fortschritt ist in der beachtlichen,
jetzt vier Jahrzehnte währenden Partnerschaft zwischen den Vereinigten
Staaten und Japan verankert.
Ich
erwarte, daß diese Partnerschaft noch
weiter gestärkt und erweitert wird.
Viele haben über das pazifische
Jahrhundert gesprochen und das Pazifische Becken als die Welt der Zukunft bezeichnet. Eines ist gewiß.
Bis Ende dieses Jahrhunderts hängt
die Weltwirtschaft davon ab, wie gut
die Vereinigten Staaten und ihre
Partner im Pazifik ihre Angelegenheiten in den Griff bekommen. Unsere
Beziehungen mit der pazifischen Region müssen - ebenso wie unsere Beziehungen mit Europa und auch auf un-

t
»

'

�serem eigenen Kontinent - in einer
nach außen gerichteten Wirtschaftspolitik bestehen, die Handel und Wachstum fördert. Ich unterschätze die
Herausforderungen in Asien oder in
anderen Regionen zur Erlangung freien
und fairen Handels, zur Vermeidung
jeglicher Form von Protektionismus,
einschließlich der Manipulation von
Wechselkursen, nicht. Nach fast 10
Jahren, in denen die amerikanische
Wirtschaft Motor des internationalen
Wachstums war, sehen wir uns alle mit
einer sich wandelnden Welt konfrontiert. Die Regel, daß Erfolg Verantwortung zeugt, wird ihren Niederschlag in besserer Weise finden, wenn
die Nationen des Pazifiks eine wichtigere Rolle in Wirtschaft und Politik übernehmen.
Darüber hinaus haben wir im Pazifik lebenswichtige
politische und
strategische Interessen.
Diese Interessen werden durch in Japan, auf
den Philippinen und in Korea stationierte militärische Fähigkeiten geschützt - und durch unsere enge Zusammenarbeit mit diesen Ländern. Wir
müssen diese Zusammenarbeit erweitern, während wir "iie gemeinsame Verantwortung für Verteidigung und Entwicklung übernehmen.
Die Beziehungen der Vereinigten
Staaten zur Volksrepublik China, die
an sich schon von Bedeutung sind,
tragen darüber hinaus maßgeblich zur
gesamten Stabilität der internationalen politischen Ordnung bei. Die vom
künftigen Präsidenten Bush in China
gesammelten
tiefgreifenden
persönlichen Erfahrungen werden die Erweiterung unserer wichtigen und vielschichtigen Bindungen erleichtern.
Unsere Politik gegenüber dem pazifischen Raum insgesamt muß alle Aspekte
berücksichtigen:
Gewährleistung des Wirtschaftswachstums der
Region mit seinen weltweiten Auswirkungen im Kontext einer sicheren regionalen Abschreckung.
Meiner Ansicht nach werden wir in Asien die
Notwendigkeit zu engerer Koordinierung mit den ASEAN-Ländern und ande- 9

ren regionalen Gruppen beobachten
können - und vielleicht sogar neue
institutionelle Vereinbarungen.
Beim Eintritt in ein neues, von
größerer Stärke unserer Freunde gekennzeichnetes Zeitalter kann die vor
uns liegende Herausforderung folgendermaßen formuliert werden:
Unser
gemeinsamer Erfolg sollte den Weg zu
engeren Verbindungen ebnen und nicht
in die Sackgasse kontraproduktiver
Rivalität geraten. Das ist der Weg,
den wir gemeinsam ebnen müssen.

Transnationale Themenkomplexe
Die Zukunft unserer Zivilisation
fordert auch, daß wir gemeinsam bei
der Bewältigung einer neuen Art von
Problemen vorgehen, die transnationaler Natur sind. Terrorismus ist zum
Mittel
kleiner,
gelegentlich
von
Staaten unterstützter Gruppierungen
geworden, unschuldige Menschen auf
der ganzen Welt anzugreifen.
Die
Drogenhändler sind mächtig genug geworden, um Regierungen zu unterminieren, selbst während ihre Drogen ganze
Länder vergiften. Fanatiker verbreiten ihre Botschaft der Intoleranz und
des Hasses unter Einsatz von grenzüberschreitenden
Massenkommunikationsmitteln.
Jedes Land ist sich
auch bewußt, daß wir uns großen ökologischen
Herausforderungen
gegenübersehen.
Umweltschäden
können
durch Wind und Wasser bis hin zu Kontinenten und Hemisphären getragen
werden, die vom unmittelbaren Katastrophenherd weit entfernt liegen.
Wissenschaftler haben uns wiederholt
vor den möglichen Konsequenzen einer
langfristigen Erwärmung - dem sogenannten Treibhauseffekt - gewarnt.
Der neue Präsident Bush hat eine
internationale Konferenz über weltweite Umweltprobleme gefordert. Ich
bin der Überzeugung, daß die Vereinigten Staaten bei diesen Bestrebungen eine Führungsrolle übernehmen
sollten. Wir müssen dazu beitragen,
einen Gesinnungswandel, eine Kombination der herausragenden Forderungen

�nach wirtschaftlicher Entwicklung einerseits und einer sicheren Umwelt
andererseit herbeizuführen. Als Finanzminister habe ich die multilateralen Entwicklungsbanken zur Berücksichtigung umweltverträglicher, anhaltender Entwicklung gedrängt und
dazu beigetragen, Schuldenerlaß im
Austausch für Gegenleistungen zur Erhaltung der Umwelt in Entwicklungsländern einzuführen.
Als Außenminister hoffe ich, auf diese Bilanz
aufbauen zu können.
Noch niemand konnte bisher den
politischen Rahmen für die gemeinsamen Maßnahmen perfektionieren, die
wir bei der Bewältigung dieser besonderen Art weltweiter Probleme benötigen. Aber der Einsatz ist zu hoch,
als daß wir aufgeben könnten. Wir
werden mit unseren Verbündeten beginnen, unsere Freunde einbeziehen und
unsere Gegner auffordern, sich die
Bewältigung dieser Probleme zum gemeinsamen Anliegen zu machen.

Reduzierungen bei Truppen und Panzern
in Europa erschlichen. Die Bedeutung
und die Dauerhaftigkeit der neuen sowjetischen Politik werden in den Vereinigten Staaten wie im Ausland eingehend erörtert.
Sowohl für eine optimistische als
auch für eine pessimistische Betrachtungsweise der heutigen Sowjtunion
gibt es berechtigte Gründe. Zweifellos haben sehr greifbare Veränderungen stattgefunden, von denen viele
noch vor einigen Jahren unvorstellbar
waren. Die SS-20 sind zerstört worden. Sowjetische Truppen ziehen aus
Afghanistan ab.
Einige politische
Gefangene sind befreit worden. Bald
werden amerikanische Arzte psychiatrische Kliniken besuchen, in die man
Gefangene aus Gewissensgründen eingeliefert hat.
Die sowjetische Geschichte selbst wird manchmal einer
genauen Prüfung unterzogen. Mit anderen Worten: die Schlagworte Glasnost und Perestrojka gewinnen an Inhalt.

Über Nord- und Südamerika, engere
Partnerschaft mit unseren Verbündeten, über
internationale Probleme
hinaus gibt es noch die amerikanischsowjetischen Beziehungen.
Dank der
in den vergangenen acht Jahren verfolgten Politik des Friedens durch
Stärke sind unsere Beziehungen zu
Moskau
spürbar
weniger
gespannt.
Fortschritte gäbe es im Bereich der
Rüstungskontrolle - hervorzuheben wäre der INF-Vertrag -, bei den Menschenrechten, bilateralen Beziehungen
und regionalen Konflikten. Wir sehen
dem Tag entgegen, an dem alle sowjetischen Truppen aus Afghanistan abgezogen sein werden.

Es besteht Grund zur Hoffnung.
Aber die Realität erfordert Vorsicht.
So faszinierend die Drehungen und
Wendungen der Perestrojka und so fesselnd der in den sowjetischen Zeitungen beschriebene Rückzug auch sein
mögen, so sehr bleibt die Sowjetunion
doch eine schwer bewaffnete Supermacht.
Trotz anderslautender Äußerungen haben sich ihre weitreichende
Interessen und Vasallenstaaten unterstützende
Streitkräftestruktur
und
ihre Politik nicht nennenswert gewandelt.
Vielfach sind diese Politik
und diese Vasallenstaaten amerikanischen Werten gegenüber feindlich
gesonnen und stellen eine Bedrohung
für unsere Interessen wie auch für
unsere Verbündeten dar. Das ist eine
Tatsache.

Es wurden vielfach Vorschläge
laut, denen zufolge dieser Fortschritt eine radikal andere amerikanische Politik verdient. Ferner Befürchtungen, Michail Gorbatschow habe
einen Pluspunkt bei den Demokratien
durch solche Aktionen wie einseitigen

Ich würde auch die Auswirkungen
der innenpolitischen Schwierigkeiten
Moskaus auf die sowjetische Außenpolitik
nicht
unterschätzen.
Der
Marxismus-Leninismus muß als Gesellschaftsform zweifelhaft sein, wenn
das System nach 70 Jahren einen Rück-

Realismus in den amerikanischsowjetischen Beziehungen

�gang der Volksgesundheit, Mangel an
Nahrungsmitteln und Konsumgütern und
eine überholte
industrielle Basis
verzeichnet. Die jetzt vorgenommenen
politischen
Veränderungen
spiegeln
ein anhaltendes Paradoxon wider: Obwohl das Ziel der Reform offensichtlich darin besteht, wiederkehrenden
Mißbrauch eines Diktators zu verhindern, hängt die Reform selbst von der
Machtkonzentration in der Hand eines
Mannes ab.
In der Zwischenzeit gibt es Unruhen in den osteuropäischen Ländern,
da die Prinzipien ihrer eigenen Regierungen und ihre Beziehungen zur
Sowjetunion neu festgelegt werden.
Darüber hinaus haben das Baltikum und
Armenien der Welt die seit langem mit
stalinistischen Methoden unterdrückten Probleme ethnischer Minderheiten
in Erinnerung gerufen. Diese Tatbestände dürfen nicht außer acht gelassen werden.
Angesichts von Veränderungen und
Kontinuität in der Sowjetunion sollte
eine realistische amerikanische Politik von folgenden Grundsätzen geleitet sein:
Erstens sollten wir weiterhin Reformen und Veränderungen in der Sowjetunion begrüßen, die mehr Freiheit
zuhause, am Arbeitsplatz oder in öffentlichen Institutionen verspricht.
Wir sollten aber den Fortschritt von
Gorbatschows Reformen niemals an den
von uns eventuell gewährten Krediten,
Zugeständnissen oder Gefälligkeiten
messen, mit denen wir ihm bei seinen
innenpolitischen Plänen zum Erfolg
verhelfen. Letztlich geben die Sowjets selbst zu, daß Perestrojka
nicht nur von auswärtiger Hilfe, sondern von politischen, bürokratischen
und soziologischen Veränderungen in
der Sowjetunion abhängt.
Zweitens: Obwohl wir sehen, daß
die Politik Moskaus von einem neuen
Realitätsbewußtsein
geprägt
ist,
sollten wir erkennen, daß unsere Politik zu diesem Realitätsbewußtsein
beigetragen hat. Unsere Bereitschaft

zur Unterstützung der Mujahedin - und
nicht nur wirtschaftliche Dilemmas in
der Sowjetunion - haben zum Rückzug
der Sowjets aus Afghanistan geführt.
Unsere zusammen mit der NATO bekundete Bereitschaft zur Stationierung der
Pershing und Marschflugkörper - und
nicht nur der Mangel an Nahrungsmitteln - haben zum INF-Vertrag geführt.
Wo wir nicht den Preis für Abenteurertum oder Aggression erhöht haben,
nehmen wir kaum Veränderungen wahr.
Kann es Zufall sein, daß wir bei dem
einzigen regionalen Konflikt, bei dem
wir
keinen
anhaltenden
wirksamen
Druck ausgeübt haben - in Mittelamerika - kaum Spuren einer neuer Denkweise in der sowjetischen Außenpolitik wahrnehmen?
Drittens müssen wir weiterhin
Moskau zu jedem Punkt unserer Tagesordnung - Rüstungskontrolle, Menschenrechte, regionale Konflikte und
bilaterale Beziehungen - auf die Probe stellen. Wir sind an Kooperation
und an Verhandlungen interessiert, um
in möglichst vielen Bereichen Fortschritte zu erzielen. Rüstungskontrolle sollte konventionelle und chemische Waffen wie auch die Weiterverbreitung ballistischer Raketen umfassen, über die Formulierung allgemeiner Prinzipien hinausgehen und praktische Details erarbeiten. Und Menschenrechte bedeuten die vollständige
Einhaltung der Schlußakte von Helsinki. Wir dürfen nicht von unseren
Maßstäben in diesem Bereich abrücken.
Viertens müssen wir den regionalen Konflikten in Mittelamerika, Südasien, dem südlichen Afrika, dem Persischen Golf oder dem israelisch-arabischen Konflikt zusätzliche Aufmerksamkeit widmen. Liegen ein Abbau von
Spannungen und Verhandlungen wirklich
im ureigenen Interesse der Sowjetunion?
Wir dürfen weder zulassen,
daß Gespräche über Begrenzungen ein
Ersatz für Begrenzungen werden noch
dürfen wir gestatten, daß Interesse
an diplomatischen Prozessen bei mangelndem Engagement für echte Fortschritte ausreichend ist.

- 11 -

�Fünftens müssen wir vielleicht
einen neuen Bereich in unseren Beziehungen definieren, der internationale
Probleme wie Terrorismus, Drogen und
Umwelt abdeckt. Wir sollten herausfinden, ob Moskau bei diesen Problemen Hilfe leisten kann und oder wenn nicht - aus welchen Gründen.
Ich bin überzeugt, daß die Stärke
des Westens und die innenpolitische
Schwäche der Sowjetunion dem bemerkenswerten
Realitätssinn,
der
Gorbatschows Amtszeit bis jetzt gekennzeichnet hat, den Weg bereitet
haben. Unsere Aufgabe besteht darin,
die Angelegenheiten so zu ordnen, daß
ungeachtet aller Ergebnisse der Perestrojka eine verantwortungsbewußtere,
konstruktivere sowjetische Außenpolitik weiterhin im Interesse Moskaus
liegt. Wir möchten, daß sich diese
Politik nicht nur mit alten Problemen
beschäftigt, sondern auf die uns betreffenden neuen Gefahren und Themen
eingeht. Ein großer Teil der Hoffnung der ganzen Welt auf eine stärker
von Frieden geprägte internationale
Ordnung hängt von diesem Ergebnis ab.

Die Lösung regionaler Konflikte
Ich möchte mich jetzt den sehr
regionalen Konflikten zuwenden, durch
die den Völkern im südlichen Afrika,
Süd- und Südostasien und im Mittleren
Osten Frieden und Freiheit vorenthalten yarden« Wir haben in den jüngst
durch Vermittlung
der Vereinigten
Staaten zustande gekommenen Vereinbarungen ermutigende Fortschritte erzielt, die Unabhängigkeit für Namibia
und den Abzug kubanischer und südafrikanischer Truppen aus Angola vorsehen. Und wir werden sorgfältige Beobachtungen vornehmen, um sicherzugehen, daß Kuba seinen Verpflichtungen
nachkommt.
Aber es ist noch mehr
notwendig. Angola braucht unbedingt
eine nationale Aussöhnung. Und bis
sie stattfindet, werden wir weiterhin
lie UNITA und ihren Führer Jonas
Sawimbi unterstützen, wie der neue
Präsident Bush angedeutet hat. Namibia wir! ein neuer, leicht zu er- 12

schotternder Staat sein. In Südafrika selbst werden die das unvermeidliche Ende der Apartheid begleitenden
Spannungen und Belastungen alle Beteiligten auf eine harte Probe stellen. Wir müssen in diesem Land unsere Rolle und die Auswirkungen unserer Handlungsweise sorgfältig überdenken, nicht um unseres eigenen
Selbstwertgefühls, sondern um der
Menschen willen, denen wir helfen
wollen. Schließlich dürfen wir auch
den sehr unmittelbaren Bedarf an humanitärer und Entwicklungshilfe der
Menschen im Afrika südlich der Sahara
nicht vergessen.
In Südasien hoffen wir auf den
endgültigen Abzug sowjetischer Truppen aus Afghanistan und darauf, daß
dieses Land zu unabhängiger Neutralität mit einer Regierung findet, die
das afghanische Volk voll und ganz
akzeptieren kann. Und mit einem Abbau der Spannungen in Afghanistan
hoffen wir auch, auf dem jetzt von
den politisch Verantwortlichen Indiens und Pakistans geschaffenen konstruktiveren Verhältnis aufbauen zu
können. Es ist unerläßlich, daß wir
unsere Beziehungen sowohl zu Indien
als auch zu Pakistan verbessern, wenn
wir diesen Prozeß fördern wollen.
Alle Länder Südostasiens und der
internationalen Gemeinschaft insgesamt sollten den Abzug vietnamesischer Truppen aus Kambodscha anstreben. Dort muß ebenfalls eine schwierige nationale Aussöhnung erfolgen.
Die Vereinigten Staaten werden weiterhin an einem neuen Kambodscha arbeiten, befreit sowohl von der vietnamesischen Besatzung als auch von
den Roten Khmer.
Im Mittleren Osten beansprucht
der
israelisch-arabische
Konflikt
seit langem die Aufmerksamkeit, Ressourcen und den guten Willen der Vereinigten Staaten. Unsere Vermittlung
hat teilweise im Friedensvertrag zwischen Israel und Ägypten - dem Teil
des Camp David-Abkommens für eine umfassende Regelung - Früchte getragen.
Und unsere Politik im Mittleren Osten

�Ist wahrhaft überparteilich.
Jede
Administration hat ihren Beitrag dazu
geleistet. Ich war stolz darauf, unter Reagan an der Ausweitung unseres
Verhältnisses mit Israel in ein echtes strategisches Bündnis zu arbeiten, das auch unsere Verpflichtungen
im Persischen Golf erfüllt hat.
Jetzt hat Präsident Reagan einen
Dialog mit der PLO gestattet, nachdem
Jassir Arafat erklärt hat, seine Organisation erkenne das Recht Israels
auf friedliche Existenz an, unterstütze die UN-Resolutionen 242 und
338 und sage sich vom Terrorismus
los.
Durch Dialoge entstehen Botschaften. Und wir vermitteln der PLO
eine Botschaft über Terrorismus und
die Notwendigkeit eines stärkeren Realitätssinns, der praktische Fortschritte auf vorhandenen Grundlagen
schafft. Aber das Bestehen des Dialoges sollte niemanden dazu verleiten, unsere Politik insgesamt mißzuverstehen oder unsere anhaltende Unterstützung des Staates Israel in
Zweifel zu ziehen.
Wie der neue Präsident Bush es
beschrieben hat, besteht ein solider
Konsens über Ziele und Mittel der Erlangung des Friedens zwischen Israel
und seinen arabischen Nachbarn. Dazu
zählt die Zielsetzung der Verhandlungen, die vor allem in einem gerechten, anhaltenden Frieden besteht, der
die Sicherheit Israels gewährleistet
und die legitimen Rechte der Palästinenser berücksichtigt. Wir sprechen
uns für direkte Verhandlungen auf der
Grundlage der UN-Resolutionen 242 und
338 aus, die einen Austausch von Territorium als Gegenleistung für den
Frieden vorsehen.
Realisitisch betrachtet, muß Jordanien in jedes Abkommen einbezogen werden. Die Palästinenser müssen an der Bestimmung
ihrer eigenen Zukunft teilhaben. Wir
sind jedoch auch weiterhin der Auffassung, daß ein unabhängiger Palästinenserstaat keine Quelle der Stabilität sein oder zu einem gerechten
und dauerhaften Frieden beitragen
wird. Dies sind gesunde Prinzipien,
von denen wir uns leiten lassen sollten.

Heute fliegen Steine und es gibt
Blut - böses Blut - zwischen den Palästinensern und den Israels in den
militärisch von Israel verwalteten
Gebieten. Wir sind entschlossen, auf
den Leistungen unserer Vorgänger aufzubauen und die Situation so zu verändern, daß sie eine Grundlage für
echten Frieden bildet. Und wir wollen mit allen Beteiligten in der Region zusammenarbieten, um dies hervorzubringen.
Eine sich ausschließlich auf den
israelisch-arabischen Konflikt konzentrierende
Politik
im Mittleren
Osten wäre jedoch zu eng gefaßt. Libyen ist weiterhin ein destabilisierender Faktor in Nordafrika und an
anderen Orten der Region. Der Libanon macht alle Hoffnungen auf eine
Wiederherstellung von Stabilität und
Unabhängigkeit in diesem tragischen
Land zunichte. Ein dauerhafter Frieden zwischen Iran und Irak muß noch
geschaffen werden. In der Zwischenzeit erfordern die Probleme chemischer Kriegführung und der Weiterverbreitung ballistischer Raketen unsere
Aufmerksamke11.
Wir werden weiterhin mit anderen
Ländern zusammenarbeiten, um bei diesen Problemen die Initiative zu ergreifen.
Ganz sicher fordern die
tragischen Erfahrungen, die Verluste
und die Opfer des iranisch-irakischen
Krieges eine zivilisiertere Ordnung
in der Region und von der Welt.
Darüber hinaus werden wir einige
dieser regionalen Konflikte auch vor
den Vereinten Nationen erörtern. Die
Vereinten Nationen sollten als das
gesehen werden, was sie sind - als
Ausdruck des weltweiten Wunsches nach
Frieden aber auch allzuoft als Bühne
solcher Auftritte, die den Frieden
verhindern. Die Erfahrung lehrt uns,
daß die Vereinten Nationen ein nützliches Forum zur Erzielung von Fortschritten sind, wenn Nationen Mittler
brauchen und Einigkeit über Verfahrensweisen und die meisten grundsätzlichen Fragen herrscht. Wir unterstützen dies und auch die Vereinten

- 13 -

�Nationen. Dennoch können die Vereinten Nationen letztlich weder Ersatz
für eine amerikanische FUhrungsrolle
noch eine Entschuldigung für nicht
unternommene Bemühungen sein.

Chemische Kriegführung und Weitergabe von Technologie
Der letzte Punkt, den ich heute
erörtern möchte, ist die Weitergabe
neuer und gefährlicher Waffen an
Staaten, die oftmals auf eine von
Terrorismus und Aggression geprägte
Geschichte zurückblicken. Die größte
Furcht jagt dabei vielleicht die Kombination von ballistischen Raketen gegen die es gegenwärtig noch keine
Verteidigung gibt - mit chemischen
Waffen - die als Verbrechen an der
Zivilisation geächtet werden - ein.
Dennoch bleibt die Tatsache bestehen,
daß diese Waffen eingesetzt werden.
Die internationale Reaktion auf diesen Einsatz war nicht stark und
rechtzeitig genug. Diese Waffen werden jetzt von einigen Nationen gelagert. Und oft genug lassen die wenigen zur Herstellung der todbringenden
Chemikalien fähigen Staaten nicht genug Vorsicht walten, um ihre Weiterverbreitung zu verhindern.
Waffen fangen jedoch keinen Krieg
an. Ein Krieg wird durch Konflikte,
Haßgefühle, Ehrgeiz und manchmal Zufall, begonnen.
Dennoch müssen wir
besondere Maßnahmen ergreifen, um die
Ansammlung von Waffen zu verhindern,
die von Natur aus Furcht und überstürzte Reaktionen provozieren. Ich
weiß, daß dies ein besonderes Anliegen des neuen Präsidenten Bush ist,
und wir sind entschlossen, auf der
gerade beendeten Pariser Konferenz
aufzubauen und bald Fortschritte zu
erzielen.

Schlußfolgerung
Wir sehen uns zweifelsohne einem
gewaltigen Programm gegenüber, wenn
wir die Gegensätze unseres Zeitalters
lösen wollen. Dennoch haben wir als

Ausgangspunkt die starke Hand eines
starken Amerikas.
Und wir werden
weitermachen, weil wir wissen, daß
sehr viel auf dem Spiel steht.
In einigen Jahren könnten wir
wissen, ob dauerhafte, konstruktive
Beziehungen mit der Sowjetunion möglich sind.
Ob die Weltwirtschaft
Fortschritte machen wird. Ob unsere
Verbündeten in Europa und Asien ihren
Blick nach außen richten. Ob wir Rüstungskontrolle und Abschreckung ausbauen können. Ob wir erfolgreich mit
internationalen Problemen wie Umwelt,
Terrorismus und Drogen fertigwerden
können. Ob wir den Entwicklungsländern einen neuen Rahmen schaffen können, damit sie sich frei vom Fluch
regionaler Konflikte bewegen können.
Für mich und meine Generation
sind dies großartige Aussichten, aber
sie sind noch großartiger für die
nächste Generation von Amerikanern.
Der neue Präsident Bush hat für uns
alle gesprochen, als er im Westminister College zu einer Gruppe von
Studenten sagte:
"Wir haben unser
Leben teilweise auf der Sonnenseite,
aber immer im Schatten von Kämpfen
verbracht ... Dieser Kampf ist noch
nicht vorüber." Und dann erklärte er
den jungen Amerikanern: "Ihre Generation hat die Möglichkeit, aus diesem
Schatten
herauszutreten
und
schließlich furchtlos die Sonne zu
genießen."
Herr Vorsitzender, verehrte Ausschußmitglieder. Ich bin sicher, daß
eine realistische amerikanische Führung diese Gelegenheit ergreifen und
in ein friedlicheres und wohlhabenderes Zeitalter aufbrechen kann.
Es
ist die Chance, den Schatten des
Kampfes wegzureißen und Amerika eine
bessere Welt zu hinterlassen, die
mich motiviert. Dafür bitte ich Sie
heute um Ihre Unterstützung. Zusammen und unter Leitung unseres Präsidenten können wir es schaffen.

* * * * * *

�AMERIKA DIENST
Information

25. Januar 1989

MULFORD NEUER UNTERSTAATSSEKRETÄR FÜR INTERNATIONALE ANGELEGENHEITEN
IM FINANZMINISTERIUM
- Porträt von David C. Mulford -

WASHINGTON - (AD) - David Mulford, treibende Kraft hinter den Initiativen
der Reagan-Administration zur stärkeren internationalen Koordinierung der
Wirtschaftspolitik und Entwicklung eines Plans zur Bewältigung der Schuldenkrise der Dritten Welt, wurde von Präsident George Bush als neuer Unterstaatssekretär für internationale Angelegenheiten im Finanzministerium ausgewählt.
Der seit 1984 als Leiter der Abteilung für internationale Angelegenheiten im Finanzministerium tätige
Mulford hat einen Großteil der vergangenen vier Jahre mit Reisen zwischen den Industriestaaten verbracht,
um mit führenden Vertretern der Finanzwelt Möglichkeiten verbesserter
weltweiter Koordinierung und Wechselkursstabilität zu erörtern.
"Mulford wird mehr oder weniger
dasselbe tun, was er immer schon getan hat," erklärte ein Sprecher des
Ministeriums.
Mulford wird jedoch
als Erster formal den Titel eines Unterstaatssekretärs für internationale
Angelegenheiten im Finanzministerium
führen.
In der Vergangenheit war der Un-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

terstaatssekretär für Währungsangelegenheiten auch für den internationalen Bereich zuständig. Nachdem Beryl
Sprinkel im Jahr 1984 diesen Posten
aufgegeben hatte und Vorsitzender des
Rates der Wirtschaftsberater Präsident Reagans wurde, waren diese Aufgaben von Abteilungsleiter Mulford
wahrgenommen worden.
In den vergangenen vier Jahren
profilierte Mulford sich als energischer Befürworter staatlicher Interventionen auf den Devisenmärkten,
wann
immer
solche
Interventionen
durch
andere
wirtschaftspolitische
Maßnahmen unterstützt wurden.
"Wenn offizielle Interventionen
positive Auswirkungen haben sollen",
erklärte Mulford während einer Rede

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�1

am 28. Mai 1988, "müssen sie bestimmte Kriterien erfüllen. Am wichtigsten ist, daß offizielle Interventionen andere wirtschaftspolitische Maßnahmen unterstützen und mit diesen in
Einklang stehen...
(Zweitens), daß
die Marktteilnehmer auf die Bereitschaft der Behörden zur Anpassung ihrer Maßnahmen vertrauen müssen, wenn
es scheint, daß letztere den gewünschten Zweck nicht erreichen...
(Drittens), daß die führenden Länder
auf den Devisenmärkten auf konzertierter und kooperativer Grundlage
auftreten müssen, die eindeutige Vereinbarungen zu den Zielen und Pflichten jedes Teilnehmers bei bestimmten
Maßnahmen widerspiegeln muß."

hielt er mehrfach Forschungsstipendien und schrieb zwei Bücher, die
beide von der Oxford University Press
verlegt wurden.
Mulfords Nachfolger als Abteilungsleiter für internationale Angelegenheiten wird
Charles Dallara.
Seit 1984 war Dallara leitender amerikanischer Direktor des Internationalen Währungsfonds.

Er hat sich solchen Vorschlägen
widersetzt, die einen drastischen und
formaleren Umbau des gegenwärtigen
Weltwährungssystems
forderten.
Stattdessen betrachtet er die Bemühungen der Industrieländer, binnenwirtschaftliche Maßnahmen stärker mit
den international vereinbarten Zielen
in Einklang zu bringen, als den korrekten Ansatz zum Abbau der Instabilität auf den Weltmärkten. In dieser
Hinsicht ist Mulford davon überzeugt,
daß die Industriestaaten ihre Koordinierungsbemühungen auf die Bereiche
Steuerreform, Liberalisierung der Finanzmärkte, Abbau von Hemmnissen für
die Mobilität der Arbeitnehmer, Reform der Landwirtschaft, staatliche
Subventionen und Handelsschranken erweitern müssen.
Mulford, der 20jährige Erfahrung
im internationalen Bankwesen mitbringt, war vor seiner Tätigkeit im
Finanzministerium leitender Berater
der saudi-arabischen Währungsbehörde
in Riad. Davor war er einer der Direktoren
des
Finanzunternehmens
Merril, Lynch, Pierce, Fenner and
Smith sowie Direktor von White, Weld
and Company. In den Jahren 1965 und
1966 war er Sonderberater des Finanzministers im Rahmen des White House
Fellow Program.
Mulford promovierte im Jahr 1965
an der Oxford University. Ferner er- 2 -

* * * * * *

�AMERIKA DIENST
^7

^

Information

C&amp;

25. Januar 1989

GELB BRINGT LANGJXHRIGE ERFAHRUNG AUS DEM PRIVATSEKTOR MIT ZU USIA
- Porträt des designierten USIA-Direktors Bruce Gelb -

WASHINGTON - (AD) - Der von Präsident Bush zum Leiter des US-Informationsamtes (USIA) designierte Bruce Gelb hatte noch keine öffentlichen Ämter oder
Aufgaben in der Regierung inne, bringt aber als langjähriger Topmanager in der
pharmazeutischen Industrie einen großen Erfahrungsschatz in Führungsaufgaben
mit in die international tätige USIA.

Gelb begann seine Laufbahn in der
pharmazeutischen Industrie 1950 bei
der Kosmetikfirma Clairol, kehrte jedoch ein Jahr später wieder auf die
Schulbank zurück, um an der Universität Harvard einen Abschluß (MBA) in
Betriebswirtschaft zu erwerben.
Nach Abschluß seiner Studien im
Jahr 1953 wurde er Manager bei einem
anderen führenden Unternehmen der
pharmazeutischen Industrie, Procter
und Gamble, wo er bis 1957 tätig war.
1958 ging er zu Clairol zurück, und
wurde 1961 zum Vizepräsidenten befördert.
Im Jahr 1965 wurde er dann
Präsident der Firma.
1981 trat er in das Unternehmen
Bristol Myers ein, das vor allem Arzneimittel herstellt.
1984 übernahm

United States Information Service
Embassy of the United States of America

er dort die Abteilungen Konsumgüter
und Gesundheitsfürsorge.
Gelb ist
gegenwärtig Stellvertretender Vorsitzender von Bristol Meyers.
Der am 18. Januar 1989 für das
höchste Amt bei USIA nominierte Gelb
erinnert sich an sein erstes Zusammentreffen mit Bush vor 47 Jahren,
als beide die Privatschule Andover in
Massachusetts besuchten und der künftige Präsident ihm bei einem Streit
in der Schule beistand.
Bush und Gelb trafen sich erst
1978 wieder. Gelb arbeitete bei der
Sammlung von Spendengeldern für Bushs
Kampagne, mit der er die Nominierung
der Republikaner für die Präsidentschaftswahl 1980 erringen wollte.
Ihm wird das Verdienst dafür zuge-

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�schrieben, für Bush bei den Vorwahlen
der Republikaner und der Präsidentschaftswahlkampagne des Jahres 1988
große Summen aufgebracht zu haben.
Gelb wurde am 24. Februar 1927 in
New York geboren. Sein Vater war der
Gründer von Clairol. Er besuchte die
Universität Yale, wo er 1950 sein
Examen ablegte.
Kurz nach Beendigung seines Studiums in Harvard heiratete Gelb Lueza
Denise Thirkield.
Die Gelbs haben
vier Kinder: John, Joan, Richard und
Mary.

* * * * *

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BUSH:&#13;
&#13;
"DAS ZEITALTER DES TOTALITARISMUS IST VORÜBER"&#13;
.- Die Antrittsrede des neuen Präsidenten -&#13;
&#13;
United States Information Service&#13;
Embassy of the United States of America&#13;
&#13;
Postfach 20 03 00&#13;
D 5300 Bonn 2&#13;
&#13;
Tel.: 0228-339 2035&#13;
Telex: 8-85432&#13;
&#13;
�'&#13;
&#13;
WASHINGTON - (AD) - In seiner Antrittsrede vor dem Kapitol erklärte der&#13;
neue Präsident Bush am 20. Januar 1989, er übernehme die amerikanische Präsidentschaft in einem "Augenblick voller Hoffnung", in dem auf der ganzen Welt&#13;
ein "neuer Wind" in Richtung auf Demokratie und Freiheit weht.&#13;
&#13;
"Große Nationen der Welt bewegen sich auf Demokratie zu - durch das Tor&#13;
der Freiheit", erklärte Bush. "Die Menschen gehen weltweit auf freie Märkte&#13;
zu - durch das Tor des Wohlstands. Auf der ganzen Welt kämpfen Menschen für&#13;
Rede- und Gedankenfreiheit."&#13;
&#13;
Nachfolgend veröffentlichen wir die Antrittsrede Präsident Bushs im Wortlaut:&#13;
Herr Oberster Richter, Herr Präsident, Herr Vizepräsident Quayle,&#13;
Senator Mitchell, Herr Wright, Senator Dole, Herr Abgeordneter Michel,&#13;
liebe Mitbürger, Nachbarn und Freunde.&#13;
Es gibt einen Mann, der einen&#13;
festen Platz in unseren Herzen - und&#13;
in unserer Geschichte - verdient hat.&#13;
Präsident Reagan, im Namen unseres&#13;
Landes danke ich Ihnen für die Leistungen, ''ie Sie für Amerika vollbracht haben.&#13;
&#13;
wir uns heute an Washington erinnern,&#13;
nicht nur, weil 200 Jahre seit der&#13;
ersten Amtseinführung vergangen sind,&#13;
sondern weil Washington nach wie vor&#13;
Vater unseres Landes ist. Meiner Ansicht nach hätte ihn dieser Tag erfreut. Denn der heutige Tag ist konkreter Ausdruck einer überwältigenden&#13;
Tatsache: 200 Jahre Kontinuität seit&#13;
Anbeginn unserer ersten Regierung.&#13;
&#13;
Ich habe gerade wortwörtlich den&#13;
Eid wiederholt, den George Washington&#13;
vor 200 Jahren geleistet hat, auf&#13;
dieselbe Bibel, auf die er seinen Eid&#13;
geschworen hat.&#13;
&#13;
Wir treffen uns am Tor zur Demokratie.&#13;
Einem guten Ort, um als&#13;
Nachbarn und als Freunde miteinander&#13;
zu sprechen. Denn dies ist ein Tag,&#13;
an dem unsere Nation zu einem Ganzen&#13;
wird und unsere Meinungsverschiedenheiten einen Augenblick lang in den&#13;
Hintergrund treten.&#13;
&#13;
Es ist nur recht und billig, daß&#13;
&#13;
Meine erste Amtshandlung als Prä-&#13;
&#13;
�sident ist ein Gebet:&#13;
"Vater im Himmel, wir verneigen&#13;
uns vor Dir und danken Dir für Deine&#13;
Liebe.&#13;
Nimm unseren Dank für den&#13;
Frieden, der uns heute zuteil wird&#13;
und für den gemeinsamen Glauben, der&#13;
seine Bewahrung wahrscheinlich macht.&#13;
Gib uns Stärke für unsere Arbeit, die&#13;
Bereitschaft, Deinen Willen zu erkennen und zu befolgen und lege in unser&#13;
Herz diese Worte: 'Nutzet die Macht,&#13;
um den Menschen zu helfen.' Denn die&#13;
Macht wird uns nicht gegeben, um unsere eigenen Ziele zu verfolgen, uns&#13;
in der Welt damit zu brüsten und einen Namen zu machen. Es gibt nur ein&#13;
Ziel der Macht, und das besteht darin, den Menschen zu dienen. Herr,&#13;
hilf uns, dies im Gedächtnis zu bewahren. Amen."&#13;
Ich trete vor Sie und übernehme&#13;
die Präsidentschaft in einem Augenblick voller Hoffnung. Wir leben in&#13;
einer friedlichen Zeit des Wohlstands, die wir noch verbessern können.&#13;
Denn es weht ein neuer Wind, und&#13;
es scheint, daß eine durch Freiheit&#13;
erquickte Welt neu ersteht - denn zumindest in den Herzen der Menschen&#13;
ist die Stunde der Diktatur vorbei.&#13;
Das Zeitalter des Totalitarismus geht&#13;
vorüber, seine alten Ideen werden&#13;
weggefegt wie Blätter eines alten toten Baumes.&#13;
Es weht ein neuer Wind - und eine&#13;
durch Freiheit erquickte Welt ist zu&#13;
neuen Taten bereit: es müssen neue&#13;
Wege eröffnet und neue Taten vollbracht werden.&#13;
Es gibt Zeiten, wenn die Zukunft&#13;
im Nebel zu liegen scheint - man wartet untätig, in der Hoffnung, daß der&#13;
Nebel aufsteigen und den richtigen&#13;
Weg enthüllen wird.&#13;
Aber dies ist eine Zeit, in der&#13;
die Zukunft als ein Tor erscheint,&#13;
durch das man ungehindert gehen kann&#13;
- in einen Raum mit Namen "Morgen".&#13;
&#13;
Große Nationen der Welt bewegen&#13;
sich auf Demokratie zu - durch das&#13;
Tor der Freiheit.&#13;
Die Menschen gehen weltweit auf&#13;
freie Märkte zu - durch das Tor des&#13;
Wohlstands.&#13;
Auf der ganzen Welt kämpfen Menschen für Rede- und Gedankenfreiheit&#13;
- für die moralische und intellektuelle Erfüllung, die nur Freiheit&#13;
gestattet.&#13;
Wir kennen das Rezept: es heißt&#13;
Freiheit.&#13;
Wir wissen, was richtig&#13;
ist: die Freiheit. Wir wissen, wie&#13;
ein gerechteres Leben in Wohlstand&#13;
für alle Menschen auf der Welt gewährleistet werden kann: durch freie&#13;
Märkte, Redefreiheit, freie Wahlen&#13;
und die Ausübung freien, nicht durch&#13;
den Staat eingeschränkten Willens.&#13;
Zum ersten Mal in diesem Jahrhundert - und vielleicht zum ersten Mal&#13;
in der Geschichte - muß der Mensch&#13;
kein neues Lebensmuster erfinden.&#13;
Wir müssen nicht nächtelang die bessere Regierungsform erörtern.&#13;
Wir&#13;
müssen nicht Königen Gerechtigkeit&#13;
abringen - wir müssen sie vielmehr&#13;
aus uns selbst schöpfen.&#13;
Wir müssen auf der Grundlage unseres Wissens handeln.&#13;
Mein Motto&#13;
ist die Hoffnung eines Heiligen: bei&#13;
entscheidenden Dingen Einigkeit, bei&#13;
wichtigen Dingen Vielfalt und in allen Dingen Großzügigkeit walten lassen.&#13;
Die Vereinigten Staaten von heute&#13;
sind ein stolzes, freies Land, anständig und zivilisiert - ein Ort, zu&#13;
dem wir uns hingezogen fühlen müssen.&#13;
Ohne viel Aufhebens darum zu machen,&#13;
erkennen wir intuitiv, daß dieses&#13;
Land eine Bedeutung jenseits des unmittelbar Wahrnehmbaren hat, und daß&#13;
unsere Stärke Gutes hervorbringen&#13;
wird.&#13;
Aber haben wir uns denn als Nation in dieser Zeit verändert? Stehen wir ganz im Bann materieller Din-&#13;
&#13;
- 2 -&#13;
&#13;
�ge und haben wir weniger Achtung vor&#13;
der Würde von Arbeit und Opferbereitschaft/&#13;
Meine Freunde, wir sind nicht die&#13;
Summe unserer Besitztümer. An ihnen&#13;
wird unser Leben nicht gemessen. In&#13;
unserem Herzen wissen wir, was wichtig ist. Unsere Hoffnung kann nicht&#13;
nur darin bestehen, unseren Kindern&#13;
ein größeres Auto, ein größeres Bankkonto zu vererben. Wir müssen hoffen, ihnen einen Sinn dafür zu vermitteln, was es bedeutet, ein aufrichtiger Freund zu sein, ein liebender Elternteil, ein Bürger, der sein&#13;
Haus, sein Wohnviertel und seine&#13;
Stadt in besserem Zustand verläßt,&#13;
als er sie vorgefunden hat.&#13;
Was sollen die Männer und Frauen,&#13;
die mit uns arbeiten, sagen können,&#13;
wenn wir einmal nicht mehr sind? Daß&#13;
wir mehr von Erfolgstreben getrieben&#13;
waren als alle anderen um uns herum?&#13;
Oder daß wir innehielten, um zu fragen, ob es einem kranken Kind besser&#13;
geht und daß wir einen Augenblick&#13;
verweilten, um ein paar freundliche&#13;
Worte zu wechseln?&#13;
Kein Präsident, keine Regierung&#13;
kann uns lehren, woran wir uns in der&#13;
Zukunft als unserer größten Leistung&#13;
erinnern sollen. Aber wenn der Mann,&#13;
den Sie zur Führung dieser Regierung&#13;
gewählt haben, dazu beitragen kann,&#13;
etwas besser zu machen, wenn er die&#13;
stilleren, tiefgreifenderen Erfolge&#13;
feiern kann, die sich nicht in Samt&#13;
und Seide darstellen, sondern aus&#13;
besseren Herzen und Seelen bestehen,&#13;
wenn er dies tun kann, dann muß er&#13;
entsprechend handeln.&#13;
Die Vereinigten Staaten werden&#13;
ihrem Wesen nie vollkommen gerecht,&#13;
wenn sie sich nicht für hohe moralische Grundsätze engagieren.&#13;
Wir&#13;
als Volk haben heute solch ein Ziel.&#13;
Es besteht darin, das Antlitz der Nation gütiger zu gestalten und dem&#13;
Antlitz der Welt mehr Sanftmut zu&#13;
verleihen.&#13;
Meine Freunde, es liegt viel Ar-&#13;
&#13;
beit vor uns. Da sind Obdachlose,&#13;
die ziellos umherstreifen - da sind&#13;
Kinder, die nichts haben, keine Liebe&#13;
und kein normales Leben - da sind&#13;
diejenigen, die sich nicht aus der&#13;
Abhängigkeit von einer Sucht befreien&#13;
können - Drogen, Sozialhilfe, der Demoralisierung, die die Slums beherrscht. Das Verbrechen muß besiegt&#13;
werden, die rohe Gewalt auf den&#13;
Straßen. Es gibt junge, hilfsbedürftige Frauen, die Kinder zur Welt&#13;
bringen werden, für die sie nicht&#13;
sorgen und die sie vielleicht nicht&#13;
lieben können. Sie bedürfen unserer&#13;
Sorge, unserer Anleitung und unserer&#13;
Erziehung, auch wenn wir sie preisen,&#13;
weil sie das Leben gewählt haben.&#13;
Früher bestanden die Lösung und&#13;
der Weg dorthin in der Annahme, allein mit öffentlichen Geldern könnten&#13;
wir diesen Problemen ein Ende bereiten. Wir haben jedoch gelernt, daß&#13;
dies nicht der Fall ist. Und ohnehin&#13;
ist es so, daß die öffentlichen Kassen leer sind. Wir müssen das Defizit senken. Wir haben mehr Willenskraft als Geld, aber es ist der Wille, den wir brauchen.&#13;
Wir werden schwierige Entscheidungen treffen. Wir werden prüfen,&#13;
was wir haben, und dies dann vielleicht anders aufteilen. Wir werden&#13;
unsere Entscheidungen auf der Grundlage wirklichen Bedarfs und kluger&#13;
Sicherheitserwägungen treffen.&#13;
Schließlich werden wir das Vernünftigste tun: Wir werden uns der&#13;
einzigen Hilfsquelle zuwenden, die in&#13;
Zeiten der Not immer kräftiger sprudelt: die Güte und der Mut des amerikanischen Volkes.&#13;
Ich spreche von einer neuen Anteilnahme am Leben anderer - einem&#13;
neuen, engagierten und tatkräftigen&#13;
Aktivismus, mit dem die Aufgabe bewältigt wird. Wir müssen alle Generationen daran beteiligen, indem wir&#13;
die ungenutzten Fähigkeiten der Alteren und die ziellose Energie der Jugend einsetzen. Denn nicht nur die&#13;
Führung wird von Generation zu Gene-&#13;
&#13;
- 3 -&#13;
&#13;
�ration weitergereicht, sondern auch&#13;
die Verwaltung. Und die Nachkriegsgeneration ist erwachsen geworden.&#13;
Ich habe von Tausenden Punkten&#13;
des Lichts gesprochen - von all den&#13;
Organisationen&#13;
der&#13;
verschiedenen&#13;
Gruppen und Gemeinschaften, die wie&#13;
Sterne über das ganze Land verteilt&#13;
sind und Gutes tun.&#13;
Wir werden Hand in Hand arbeiten,&#13;
Zuspruch&#13;
geben,&#13;
manchmal&#13;
führen,&#13;
manchmal geführt werden und belohnen.&#13;
Wir werden daran im Weißen Haus und&#13;
im Kabinett arbeiten. Ich werde auf&#13;
die Menschen zugehen und mein Augenmerk auf die Programme richten, die&#13;
sich von der Masse abheben, und ich&#13;
werde jedes Mitglied meiner Regierung&#13;
auffordern, sich zu engagieren.&#13;
Die Begriffe von früher sind wieder modern, weil sie nicht alt, sondern zeitlos sind:&#13;
Pflichtgefühl,&#13;
Opferbereitschaft,&#13;
Engagement&#13;
und&#13;
Patriotismus, der sich darin ausdrückt, daß man Anteil nimmt und&#13;
einen Beitrag leistet.&#13;
Auch zwischen Exekutive und Kongreß bedürfen wir eines neuen Engagements. Die vor uns liegenden Herausforderungen werden zusammen mit&#13;
Repräsentantenhaus und Senat bewältigt werden. Wir müssen das Defizit&#13;
im Bundeshaushalt ausgleichen.&#13;
Wir&#13;
müssen sicherstellen, daß die Vereinigten Staaten der Welt gegenüber&#13;
einheitlich auftreten: stark, friedlich und mit soliden Finanzen. Sicherlich&#13;
mag&#13;
dies&#13;
im&#13;
einzelnen&#13;
schwierig sein.&#13;
Wir benötigen den Kompromiß, während es früher den Dissens gab. Wir&#13;
benötigen Harmonie, während es früher&#13;
einen Chor dissonanter Stimmen gab.&#13;
Denn auch der Kongreß hat sich in&#13;
unserer Zeit verändert.&#13;
Eine bestimmte Art der Auseinandersetzung&#13;
hat sich dort entwickelt. Wir haben&#13;
verhärtete Mienen gesehen und Erklärungen vernommen, in denen nicht die&#13;
Gedanken des anderen, sondern dessen&#13;
&#13;
Motive in Frage gestellt wurden. Unsere großen Parteien haben oft zu&#13;
weit auseinander gestanden und sich&#13;
gegenseitig&#13;
zuwenig Vertrauen geschenkt.&#13;
Das ist seit Vietnam der Fall.&#13;
Jener Krieg spaltet uns immer noch.&#13;
Aber, meine Freunde, dieser Krieg begann ernsthaft vor einem Vierteljahrhundert, und die Verjährungsfrist ist&#13;
sicherlich erreicht. Dies ist eine&#13;
Tatsache:&#13;
Die letzte Lektion von&#13;
Vietnam besteht darin, daß keine Nation es sich lange leisten kann, sich&#13;
von der Erinnerung entzweien zu lassen.&#13;
Es weht ein neuer Wind - und die&#13;
alte Überparteilichkeit muß erneuert&#13;
werden.&#13;
Meinen Freunden - und ich meine&#13;
Freunde -, in der loyalen Opposition&#13;
- und ich meine loyal - reiche ich&#13;
die Hand.&#13;
Ich reiche Ihnen die Hand, Herr&#13;
Wright.&#13;
Ich reiche Ihnen die Hand, Herr&#13;
Mitchell.&#13;
Denn darum geht es: Dies ist das&#13;
Zeitalter der ausgestreckten Hand.&#13;
Wir können und wollen die Uhren&#13;
nicht zurückdrehen. Aber als unsere&#13;
Väter jung waren, Herr Wright, endeten unsere Differenzen an den Landesgrenzen. Wir wollen die Zeit nicht&#13;
zurückdrehen, aber als unsere Mütter&#13;
jung waren, Herr Mitchell, waren Kongreß und Exekutive zur Zusammenarbeit&#13;
fähig und in der Lage, einen Haushalt&#13;
zustande zu bringen, mit dem diese&#13;
Nation leben konnte. Lassen Sie uns&#13;
bald - und intensiv - verhandeln.&#13;
Aber lassen Sie uns letztlich ein Ergebnis hervorbringen.&#13;
Das amerikanische Volk erwartet&#13;
Taten. Es hat uns nicht hierher entsandt, damit wir streiten. Es fordert uns auf, über rein parteipolitische Belange hinauszugehen.&#13;
In&#13;
&#13;
- 4 -&#13;
&#13;
�entscheidenden&#13;
Angelegenheiten&#13;
ist&#13;
Einigkeit das Gebot der Stunde - und&#13;
dies, meine Freunde, ist eine solche&#13;
Stunde.&#13;
Auch der Welt bieten wir neues&#13;
Engagement und erneuern unser Gelöbnis: Wir werden stark bleiben, um&#13;
den Frieden zu bewahren. Die "ausgestreckte Hand" wird nur widerstrebend&#13;
zur Faust geballt; aber die einmal&#13;
geballte Faust ist stark und kann mit&#13;
großer Wirkung eingesetzt werden.&#13;
Es gibt Amerikaner, die heute gegen ihren Willen im Ausland festgehalten werden und Amerikaner, die&#13;
vermißt werden. Hier kann etwas getan werden, dessen man sich lange erinnert.&#13;
Guter Wille erzeugt guten&#13;
Willen. Vertrauen kann einer Spirale&#13;
vergleichbar s«in, die sich endlos&#13;
dreht.&#13;
Große Nationen müssen, wie große&#13;
Männer auch, ihr Wort halten. Wenn&#13;
die Vereinigten Staaten etwas sagen,&#13;
dann meinen die Vereinigten Staaten&#13;
das auch - ob es um einen Vertrag&#13;
geht oder eine Übereinkunft oder um&#13;
ein Versprechen, das auf Marmorstufen&#13;
abgelegt wird. Wir werden stets versuchen, uns klar und deutlich auszudrücken - denn Freimütigkeit ist etwas Positives. Aber auch Feinsinnigkeit hat ihre guten Seiten und ist&#13;
angebracht.&#13;
Während wir Bündnisse und Freundschaften rund um die Welt stärken,&#13;
werden wir die neue Nähe zur Sowjetunion beibehalten, die sowohl mit Sicherheitsbelangen als auch mit Fortschritten im Einklang steht.&#13;
Man&#13;
könnte sagen, daß unsere neuen Beziehungen zum Teil den Triumph von Hoffnung und Stärke über die Erfahrung&#13;
widerspiegeln.&#13;
Hoffnung&#13;
ist gut.&#13;
Aber dasselbe gilt für Stärke. Und&#13;
Wachsamkeit.&#13;
Heute sind Hunderttausende unserer Mitbürger hier versammelt, die&#13;
die verständliche Befriedigung derjenigen verspüren, die am demokratischen Prozeß teilgenommen und die&#13;
&#13;
Erfüllung&#13;
haben.&#13;
&#13;
ihrer&#13;
&#13;
Hoffnungen&#13;
&#13;
gesehen&#13;
&#13;
Aber in den vergangenen Tagen haben sich meine Gedanken denjenigen&#13;
zugewandt, die dem Geschehen zu Hause&#13;
vor dem Fernseher beiwohnen.&#13;
Dem älteren Mitbürger, der vor&#13;
der vorbeiziehenden Flagge salutiert&#13;
und der Mitbürgerin, die ihren Söhnen&#13;
den Text&#13;
der Nationalhymne vorspricht. Dies ist nicht sentimental&#13;
gemeint.&#13;
Ich meine, an Tagen wie&#13;
diesem sollten wir uns vor Augen führen, daß wir alle Teil eines kontinuierlichen Ganzen sind, unentrinnbar&#13;
in ein Geflecht eingebunden.&#13;
überall in unserem großartigen&#13;
Land verfolgen unsere Kinder in ihren&#13;
Schulen diese Zeremonie. Und an sie&#13;
gewandt sage ich: Ich danke euch,&#13;
daß ihr an diesem großen Tag der Demokratie teilnehmt. Denn Demokratie&#13;
steht uns allen zu, und Freiheit ist&#13;
einem&#13;
wunderschönen&#13;
Drachen&#13;
vergleichbar, der im Aufwind höher und&#13;
höher fliegen kann.&#13;
Und an alle gewandt, sage ich:&#13;
Gleichgültig, unter welchen Umständen&#13;
und an welchem Ort Sie auch sein mögen - Sie alle sind Teil dieses Tages, Sie alle sind Teil des Lebens&#13;
unserer großen Nation.&#13;
Ein Präsident ist weder Prinz&#13;
noch Papst und ich suche kein "Fenster in der Seele des Menschen". Ich&#13;
strebe vielmehr nach größerer Toleranz und Umkompliziertheit bei der&#13;
Begegnung mit dem anderen und dessen&#13;
Lebensstil.&#13;
Es gibt einige wenige, klar umrissene Bereiche, über die wir uns&#13;
als Gesellschaft einmütig empören und&#13;
in denen wir uns unnachgiebig zeigen&#13;
müssen. Der Offenkundigste ist das&#13;
Drogenproblem. Als das erste Kokain&#13;
auf einem Schiff ins Land geschmuggelt wurde, hätte es sich ebensogut&#13;
um tödliche Bakterien handeln können,&#13;
in dem Sinne, daß sie Körper und Seele unseres Landes angreifen.&#13;
Hier&#13;
&#13;
- 5 -&#13;
&#13;
�bleibt viel zu tun und ich gebe Ihnen&#13;
mein Wort: Dieser Geißel wird ein&#13;
Ende bereitet.&#13;
Es bleibt also viel zu tun.&#13;
morgen nehmen wir die Arbeit auf.&#13;
&#13;
Und&#13;
&#13;
Ich habe Vertrauen in die Zukunft.&#13;
Ich fürchte mich nicht vor&#13;
dem, was vor uns liegt. Denn unsere&#13;
Probleme mögen groß sein, aber unsere&#13;
Herzen sind größer. Die Herausforderungen sind groß, aber unser Wille&#13;
ist größer. Und wenn wir auch unzählige Fehler haben mögen, so ist Gottes Liebe wahrhaft grenzenlos.&#13;
Einige sehen politische Führung&#13;
als ein großes Drama an und hören die&#13;
Fanfarenstöße. Und manchmal ist das&#13;
auch so. Aber ich sehe die Geschichte als ein Buch mit vielen Seiten an&#13;
- und jeden Tag füllen wir eine Seite&#13;
mit Taten voller Hoffnung und Bedeutung.&#13;
Es weht ein neuer Wind, eine Seite wird aufgeschlagen, die Geschichte&#13;
entfaltet sich vor uns - und so beginnt heute ein neues Kapitel: eine&#13;
kurze und erhabene Geschichte der&#13;
Einheit, Mannigfaltigkeit und Großmütigkeit - gemeinsam erlebt und geschrieben.&#13;
Ich danke Ihnen.&#13;
Gott&#13;
schütze&#13;
Sie.&#13;
Und Gott&#13;
schütze die Vereinigten Staaten von&#13;
Amerika.&#13;
&#13;
* * * * * *&#13;
&#13;
�</text>
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                <text>Amerikadienst 23.01.1989 - Sonderdienst</text>
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                <text>Bush: "das Zeitalter des Totalitarismus ist vorüber"&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Die Antrittsrede des neuen Präsidenten&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST

18. Januar 1989

INHALT

DOKUMENTATION
Pariser Konferenz verurteilt den Einsatz chemischer Waffen
- Die Gemeinsame Abschlußerklärung -

INFORMATION
Botschafter Vernon A. Walters
- Porträt des zukünftigen amerikanischen Botschafters in Bonn Atomexperte soll Energieministerium leiten
- Porträt von James David Watkins Eagleburger bringt langjährige Erfahrung in Bushs Außenpolitik ein
- Porträt des designierten Stellvertretenden Außenministers William Bennett für Härte im Kampf gegen Drogen
- Porträt des designierten Direktors für die Anti-Drogenpolitik -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Koordinierung der Wissenschaftspolitik gefordert
- Vorschläge der Nationalen Akademie der Wissenschaften

Themenindex AMERIKA DIENST 1988

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Dokumentation
18. Januar 1988

PARISER KONFERENZ VERURTEILT DEN EINSATZ CHEMISCHER WAFFEN
- Die Gemeinsame Abschlußerklärung -

PARIS - (AD) - Die Teilnehmerstaaten der Pariser Konferenz über das Verbot chemischer Waffen haben den Einsatz von Chemiewaffen verurteilt und ihr
Engagement dafür bekräftigt, daß solche Waffen nicht verwendet werden.
Die am 11. Januar veröffentlichte Abschlußerklärung betont ferner die Notwendigkeit zur "baldigen Verabschiedung einer Konvention über das Verbot der
Entwicklung, Herstellung Lagerung und des Einsatzes chemischer Waffen und
über deren Zerstörung".
Nachfolgend veröffentlichen wir den einmütig verabschiedeten Text der Abschlußerklärung :
Die Vertreter der Teilnehmerstaaten an der vom 7. bis 11. Januar in
Paris abgehaltenen Konferenz über ein
Verbot chemischer Waffen, zu denen
die Unterzeichner des Genfer Protokolls von 1925 wie auch andere interessierte Staaten
zählen, erklären
feierlich:

verurteilen.
Sie erinnern an ihre
ernsthafte Besorgnis angesichts jüngster Verletzungen, die bei den zuständigen Stellen der Vereinten Nationen registriert und verurteilt
wurden. Sie unterstützen die den Opfern chemischer Waffen geleistete humanitäre Hilfe.

1. Die Teilnehmerstaaten sind entschlossen, im Einklang mit der Charta
der Vereinten Nationen den Frieden
und die Sicherheit auf der Welt sowie
wirksame Abrüstungsmaßnahmen zu fördern.
In diesem Zusammenhang sind
sie entschlossen, jeden Rückgriff auf
chemische Waffen zu verhindern, indem
sie diese vollständig beseitigen werden. Sie bekräftigen feierlich ihre
Verpflichtung
keine chemischen Waffen einzusetzen und deren Einsatz zu

2. Die Teilnehmerstaaten
erkennen
die Bedeutung und anhaltende Gültigkeit des am 17. Juni 1925 in Genf unterzeichneten
Protokolls über das
Verbot des Einsatzes von Giftgas, Erstickungs- und anderen Gasen sowie
biologischen Methoden der Kriegführung. Die Unterzeichner des Protokolls bekräftigen erneut das damals
niedergelegte Verbot.
Sie fordern
alle Staaten, die das noch nicht getan haben, dazu auf, dem Protokoll

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�beizutreten.
3. Die Teilnehmerstaaten betonen die
Notwendigkeit
der baldigen Verabschiedung einer Konvention über das
Verbot der Entwicklung, Herstellung,
Lagerung und des Einsatzes chemischer
Waffen und über deren Zerstörung.
Diese Konvention soll weltweit gelten, umfassend und wirksam verifizierbar und von unbefristeter Dauer
sein. Aus diesem Grunde forderen sie
die Genfer Abrüstungskonferenz auf,
ihre Anstrengungen zu erhöhen, um die
verbleibenden Probleme vordringlich
und so schnell wie möglich zu lösen
und baldmöglichst eine Konvention zu
verabschieden.
Alle Staaten sind
aufgefordert, auf angemessene Art und
Weise und durch Anstrengungen in den
entsprechenden Bereichen einen bedeutenden Beitrag zu den Genfer Verhandlungen zu leisten. Die Teilnehmerstaaten vertreten daher die Auffassung, daß jeder Staat, der den Wunsch
hegt, sich an den Verhandlungen zu
beteiligen, dies tun sollte. Darüber
hinaus rufen sie alle Staaten auf,
dieser Konvention unmittelbar nach
deren Abschluß beizutreten und ihr
somit den unerläßlichen allgemeingültigen Charakter zu verleihen.
4. Die Teilnehmerstaaten sind, solange es chemische Waffen gibt und
diese verbreitet sind, tief besorgt
über die zunehmende Gefahr für Frieden und Sicherheit auf der Welt durch
das Risiko ihres Einsatzes. In diesem Zusammenhang betonen sie die Notwendigkeit eines baldigen Abschlusses
und Inkrafttretens dieser Konvention,
nach der alle Staaten gleich behandelt werden sollen. In der Zwischenzeit sehen sie die Notwendigkeit für
jeden Staat, sich Zurückhaltung aufzuerlegen und im Einklang mit den
Zielen der vorliegenden Erklärung
verantwortlich zu handeln.
5. Die Teilnehmerstaaten bestätigen
den Vereinten Nationen bei der Ausübung ihrer unerläßlichen Rolle gemäß
ihrer Charta ihre volle Unterstützung. Sie bestätigen, daß die Vereinten Nationen den Rahmen abstecken

und ein Instrument der internationalen Staatengemeinschaft sind, um im
Hinblick auf das Verbot des Einsatzes
chemischer Waffen Wachsamkeit walten
zu lassen. Sie bestätigen ihre Unterstützung für entsprechende angemessene und wirkungsvolle Maßnahmen
der Vereinten Nationen gemäß ihrer
Charta.
Sie erneuern ferner ihre
volle Unterstützung für den Generalsekretär bei der Ausübung seiner
Pflicht der Nachforschungen im Falle
mutmaßlicher Verletzungen des Genfer
Protokolls.
Sie
bekunden
ihren
Wunsch nach baldigem Abschluß der Arbeit, die unternommen wurde, um die
Wirksamkeit bestehender Verfahrensweisen zu stärken und fordern die Zusammenarbeit aller Staaten, um die
Tätigkeit des Generalsekretärs zu erleichtern.
6. Die Teilnehmerstaaten erinnern an
das Schlußdokument der ersten Sondersitzung der Vollversammlung der Vereinten Nationen über Absrüstung im
Jahr 1978 und unterstreichen die Notwendigkeit, entschiedene Anstrengungen zu verfolgen, um überall eine
vollständige Abrüstung unter effektiver internationaler Kontrolle durchzuführen und das Recht aller Staaten
auf Frieden zu Sicherheit zu gewährleisten.

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18. Januar 1989

BOTSCHAFTER VERNON A. WALTERS
- Porträt des zukünftigen US-Botschafters in Bonn -

WASHINGTON - (AD) - Vernon A.
Walters wurde am 8. Februar 1985 von
Präsident Reagan zum Ständigen Vertreter der Vereinigten Staaten bei
den Vereinten Nationen ernannt und
wurde am 22. Mai 1985 nach einstimmiger Bestätigung durch den Senat vereidigt. Als Chefdelegierter der Vereinigten Staaten bei den Vereinten
Nationen ist er gleichzeitig Mitglied
in Reagans Kabinett.
Vor seiner Berufung in die Vertretung der Vereinigten Staaten bei
den Vereinten Nationen diente Botschafter Walters als ranghöchster Berater von Außenminister Alexander
Haig bis zu seiner Nominierung durch
den Präsidenten zum Sonderbotschafter
- eine Position, die er von Juli 1981
bis Mai 1985 innehatte. In dieser

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Funktion bereiste er über 108 Länder
und legte als höchster diplomatischer
Friedenstifter der Reagan-Administration anderthalb Millionen Meilen zurück.
Botschafter Walters diente von
1941 bis 1976 in der Armee der Vereinigten Staaten und trat im Rang
eines Generalleutnants in den Ruhestand. Während seiner militärischen
Laufbahn fand er Verwendung als Sonderberater und Dolmetscher für eine
Reihe von amerikanischen Regierungsvertretern, hochrangigen Diplomaten
und Präsidenten. Im Anschluß an Reisen nach Italien, Brasilien, Vietnam
und Frankreich, in deren Verlauf er
ebenfalls als Sonderberater und Dolmetscher für die Präsidenten Truman,
Eisenhower und Nixon auf deren Aus-

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�landsreisen tätig war, wurde General
Walters im Jahr 1972 zum stellvertretenden Direktor des amerikanischen
Nachrichtendienstes
CIA
ernannt.
Während
seiner
viereinhalbjährigen
Amtszeit beim CIA war er auch fünf
Monate lang geschäftsführender Direktor. Von 1976 bis 1981 arbeitete er
als Berater, Referent und Autor.
Im Ruhestand schrieb General Walters seine Memoiren, "Silent Missions", eine Autobiographie, die im
Jahr 1978 von Doubleday herausgegeben
wurde. Unter seinen Werken sind ferner "Sunset at Saigon" und "The Mighty And The Meek". Er ist auch Verfasser zahlreicher Artikel und Buchrezensionen.
Am 3. Januar 1917 in New York geboren, lebte Botschafter Walters dort
bis 1923, als er mit seinen Eltern
nach Europa ging. Er blieb mehr als
10 Jahre lang in Europa, besuchte die
St. Louis Gonzaga Schule in Paris und
Stonyhurst College in Großbritannien.
Von mehreren Universitäten wurden im
akademische Grade ehrenhalber verliehen.

Botschafter Walters spricht sieben Sprachen fließend: Französisch,
Protugiesisch, Spanisch, Italienisch,
Deutsch, Holländisch und Russisch.
Ihm wurden zahlreiche Auszeichnungen
und Dekorationen für herausragende
Dienste verliehen: die amerikanische
National Security Medal, die Distinguished Service Medal (mit doppeltem
Eichenlaub), die Legion of Merit
(Eichenlaub), der Bronze Star, die
Air Medal, die Distinguished Intelligence Medal und zahlreiche andere, im
Kampf erworbene Medaillen. Er wurde
von den Regierungen der Länder Frankreich (Legion of Merit), Italien,
Brasilien, Vietnam, Spanien, Protugal, Marokko und Peru ausgezeichnet.

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18. Januar 1989

ATOMEXPERTE SOLL ENERGIEMINISTERIUM LEITEN
- Porträt von James David Watkins -

WASHINGTON - (AD) - Der neue
Präsident George Bush schloß die Zusammenstellung seines Kabinetts mit
der Ernennung von James David Watkins
als Leiter des Energieministeriums ab.
Der
Kernenergieexperte
Watkins
wird in seiner neuen Stellung schwierige Aufgaben übernehmen müssen, deren vordringlichste darin besteht,
eine Möglichkeit zu finden, um Produktionsstätten
für Kernwaffen zu
säubern und wieder in Betrieb zu nehmen.
Im Rahmen seiner Ernennung erklärte Bush am 12. Januar, er habe
aufgrund der besonderen Probleme, die
sich gegenwärtig bei der Kernenergie
stellen, einen Atomexperten statt eines Fachmanns für Öl und Gas als Mi-

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nister ausgewählt.
"Ich verpflichte mich, die Probleme im Rahmen des Komplexes der mit
der Verteidigung zusammenhängende unklaren Produktinosstätten zu lösen,"
erklärte Bush. "Ich bin sicher, daß
mir dies mit Jim Watkins an meiner
Seite gelingen wird."
Der neue Präsident erklärte, er
werde sich "voll und ganz" für die
Säuberung von Kernreaktoren entsetzen. Aber er verwies darauf, daß die
Energieprobleme des Landes nicht allein durch die Entwicklung von aus
Kohle hydrierten Brennstoffen und
passiven Energiequellen gelöst werden
kann.
"Wir

müssen

Kernenergie

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sicher

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�nutzen", erklärte er.
Watkins erklärte nach der Mitteilung Bushs gegenüber Reportern^ er
habe "in Fragen der sicheren und effizienten Betreibung von Kernreaktoren viele Jahre Erfahrung in Ausbildung und Praxis bei der Armee und in
jüngster Zeit im Privatsektor. Diese
Erfahrung hat meine seit langem bestehende Überzeugung bestätigt, daß
die Ziele der Umwelt- und Energiepolitik miteinander vereinbart werden
können. Ich vertraue darauf, daß ...
ich dazu beitragen kann, das gewünschte und ausgewogene Konzept zu
finden, demzufolge Sicherheit niemals
untergraben, die Umwelt angemessen
geschützt wird und die nationale Sicherheit und andere Ziele im Bereich
der Energie im Einklang miteinander
erreicht werden können."
Der 61jährige Watkins schloss
1949 die U.S. Naval Academy ab und
erwarb sein M.A. in Maschinenbau an
der U.S. Naval Post Graduate School,
ein Examen, das einen sechsmonatigen
Kurs über Reaktortechnologie an der
Oak Ridge School umfaßt.
Im Jahr 1959 wurde er von Admiral
H.G. Rickover, dem "Vater" der atomgetriebenen U-Boote für die Teilnahme
am Programm für Atom-U-Boote augewählt. Zusätzlich zu seinen Einsätzen auf Atom-U-Booten war Watkins
verantwortlich für die Auswahl, Ausbildung und Weiterbildung des mit
Wartung und Betrieb von Produktionsstätten für die nuklearen Triebwerke
der Marine befaßten Personals.
Zu Beginn der sechziger Jahre war
er drei Jahre lang Assistent von
Rickover und später Leiter einer Abteilung für Kernenergie im Personalbüro der Marine. Er war darüber hinaus für die Atomenergiekommission Manager von Reaktoren der Marine, Kommandeur der Kreuzer- und Zerstörereinheit der Siebten Flotte, NATO-Befehlshaber der Sechsten Flotte und
Stellvertretender
Personalchef
für
Marineoperationen und Stellvertretender Leiter für Marineoperationen.

Watkins wurde im Juni 1982 in die
höchste Position der Marine, zum Chef
des Operationstabes
berufen.
Als
Mitglied der Vereinigten Stabschefs
war er ein starker Verfechter des
Konzepts, daß nukleare Abschreckung
zur Verhinderung eines Nuklearkrieges
notwendig ist.
Nach seinem Ausscheiden aus der
Marine im Juni 1986 wurde Watkins von
Präsident Reagan zum Leiter der Arbeitsgruppe des Präsidenten über AIDS
ernannt. Im Entwurf seines Berichts
an den Präsidenten forderte er eine
neue Bundesgesetzgebung, mit der die
Diskriminierung
aller
Virusträger
verhindert wird.
Im Juni 1988 wurde Watkins zum
Leiter der Elektrizitätswerke von
Philadelphia gewählt und in den Kernenergieausschuß dieses Unternehmens
berufen, wo ihm die Überwachung aller
kerntechnischen Operationen oblag.
"Er ist ein energischer Manager
und eine Führungskraft, die keine
Verschwendung oder nachlässige Arbeit
duldet", bemerkte ein Marineexperte
zu Beginn der 80er Jahre über Watkins.
Ein anderer Experte erklärte im
vergangenen Jahr gegenüber der New
York Times, Watkins "betrachtet jedes
Problem aus moralischer und aus praktischer Sicht.... Es macht nichts,
wenn andere seine Meinung nicht teilen. Wenn er ein Problem überdacht
hat und zu einem Schluß gekommen ist,
ist er nur schwer umzustimmen, auch
wenn er sich mit seiner Meinung unbeliebt macht.
In seiner militärischen Laufbahn
wurde Watkins mehrmals mit Orden ausgezeichnet, darunter dreimal der Legion of Merit für besonders verdienstvolle Leistungen bei der Ausübung herausragender Aufgaben und dem
Bronze Star für Heldentum ausgezeichnet.
Watkins ist verheiratet und hat
sechs Kinder.

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18. Januar 1989

EAGLEBURGER BRINGT LANGJÄHRIGE ERFAHRUNG IN BUSHS AUSSENPOLITIK EIN
- Porträt des designierten stellvertretenden Außenministers -

WASHINGTON - (AD) - Die Nominierung von Lawrence S. Eagleburger für
den Posten des stellvertretenden Aussenministers stellt erneut die Entschlossenheit der künftigen Bush-Administration unter Beweis, gemäßigte
und erfahrene Pragmatiker für außenpolitische Schlüsselpositionen zu ernennen.
Wie der für das Amt des nationalen Sicherheitsberaters von Bush ernannte Brent Scowcroft - mit dem zusammen Eagleburger bis vor kurzem bei
der Beratungsfirma Kissinger Associates tätig war - ist Eagleburger ein
erfahrener außenpolitischer Experte,
der in weiten Kreisen der mit außenpolitischen Angelegenheiten Vertrauten hohes Ansehen genießt.

Der
27 Jahre im auswärtigen
Dienst der Vereinigten Staaten tätige
Eagleburger erregte zum ersten Mal
als Berater des damaligen Außenministers Henry Kissinger in den siebziger Jahren landesweit Aufsehen. Zu
jener Zeit war er Verwaltungschef des
Außenministeriums und eignete sich in
dieser Funktion detaillierte Kenntnisse in der Gestaltung der Außenpolitik an.
Während der Carter-Administration
war er Botschafter in Jugoslawien und
unter Reagan Unterstaatssekretär für
politische Angelegenheiten.
Dieser
Posten ist der Position, für die er
jetzt nominiert wurde, direkt untergeordnet .
Berichten

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in der Öffentlichkeit

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�zum Trotz, er leide an einem Emphysem
- Eagleburger, 58, ist als Kettenraucher bekannt -, wird Eagleburgers Gesundheit als gut genug beurteilt, um
diesen Posten auszuüben.
Während seiner Amtszeit als Unterstaatssekretär für politische Angelegenheiten wurde Eagleburger - der
für seine persönliche Offenheit und
manchmal etwas informelle Kleidung
bekannt ist - als einflußreichster
Berater von Außenminister Shultz angesehen, eine wichtige Rolle, da
Shultz bei seinem Amtsantritt nur geringe unmittelbare Erfahrung in der
Außenpolitik besaß.
In dieser Stellung spielte Eagleburger Presseberichten zufolge die
Rolle des "Erzkonservativen" im Aussenministerium, obwohl ultrakonservative Reagan-Anhänger
ihm aufgrund
seiner Verbindung zu Kissinger, dem
Vater der Entspannungspolitik der
siebziger Jahre, mißtrauten.
Die Wirkung seines freimütigen
Führungsstils wurde während seiner
gesamten Laufbahn dadurch gemildert,
daß er viele seiner Kollegen persönlich kennt und viele von ihnen beim
Vornamen nennt.
Nach dem Studium an der University of Wisconsin trat Eagleburger 1957
im Alter von 27 Jahren In den auswärtigen Dienst ein; er hatte ein Plakat
gesehen, auf dem zur Teilnahme am
Auswahlverfahren für den auswärtigen
Dienst aufgerufen wurde und nahm aus
einer Laune heraus daran teil. Bis
Mitte der sechziger Jahre hatte er
sich schon den Ruf eines der besten
Europa-Kenner des US-Außenministeriums erworben.
Der große Sprung in Eagleburgers
Laufbahn fand im Jahr 1968 statt, als
er während des Übergangs von der
Johnson- zur
Nixon-Administration
Verbindungsmann zu Henry Kissinger
wurde. Kissinger mochte den Karrierediplomaten und noch vor seinem
vierzigsten Geburtstag war er Kissingers Spitzenberater im Stab des na-

tionalen Sicherheitsrats.
Eagleburger sagt, er sei gerne in
der Gesellschaft von Kissinger wegen
dessen "Intellekt - da sprühen die
Funken und man wird angeregt. Am Ende merkt man, das man wirklich seinen
Verstand anstrengen mußte."
Eagleburger wurde von Präsident
Carter aus dem Zentrum der Macht entfernt, der ihn als Botschafter nach
Jugoslawien entsandte.
Nachdem er
zum ersten Außenminister unter Präsident Reagan ernannt wurde, holte Alexander Haig ihn zurück.
Eine von
Shultz' ersten Amtshandlungen nach
der Ablösung von Haig bestand darin,
Eagleburger auf seinem Posten zu belassen.
Im Jahr 1984 wurde Eagleburger
Präsident von Kissinger Associates in
New York (Scowcraft war Repräsentant
der Firma in Washington), eines Consultingunternehmens,
in
dem
die
fähigsten Köpfe im Bereich der Außenpolitik zusammenarbeiten.
In
jüngsten
Erklärungen
ist
Eagleburger ausführlich auf das eingegangen, was er als widersprüchliche
Tendenzen in der amerikanischen Aussenpolitik seit der Zeit betrachtet
als Vietnam und Watergate das Vertrauen der Öffentlichkeit in die
Grundsätze der Außenpolitik erschütterten.
Dennoch ist dies Eagleburger zufolge von einem "wichtigen Führungswechsel" in der Sowjetunion aufgewogen worden.
In einer Monographie von 1985
kritisiert Eagleburger die "amerikanische Unberechenbarkeit und Naivität" und warnt vor sozialen und kulturellen Spannungen, die die NATO
schwächen oder spalten könnten. Ferner weist er darauf hin, daß ein
wirtschaftlich wenig wettbewerbsfähiges Westeuropa sich eher der Sowjetunion zuwenden könnte.
In der Monographie wägt

er die

�Schwächen
des
Westens
ab
und
schreibt, die Sowjets befänden sich
angesichts der Entwicklung der Informationstechnologie
gegenwärtig
im
"Abseits".
"Sie werden sicher im Bereich der
Informatik viel bessere Fähigkeiten
entwickeln, als sie gegenwärtig besitzen" so Eagleburger "und sie werden diese wirkungsvoll für militärische Zwecke nutzen. Dennoch geht die
Entwicklung einer umfassenden neuen
Informationstechnologie, die auch die
Gesellschaftsform verwandelt, meiner
Ansicht nach sicherlich über ihre
Leistungsfähigkeit hinaus."
"Die Sowjetunion wird immer mehr
dem Dinosaurier gleichen, der sich
ebenfalls nicht an seine Umgebung anpassen konnte. Der Dinosaurier starb
jedoch langsam aus und war in der
Zwischenzeit gefährlich." So wie die
Sowjetunion ihre "Haltung gegenüber
den Vereinigten Staaten verändert,
könnte sie eher in stärkerem als in
geringerem Maße gefährlich werden."
In anderen Kommentaren erklärte
Eagleburger in jüngster Zeit, wenn
der Westens nicht fest und einmütig
auf den Terror reagiere, würde sich
der Terror wie eine Epidemie ausbreiten.
Eagleburger war zweimal verheiratet und hat drei Kinder.

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\ o N

Information

$ &lt;

18. Januar 1989

WILLIAM BENNETT FÜR HÄRTE IM KAMPF GEGEN DROGEN
- Porträt des designierten Direktors für die Anti-Drogenpolitik -

WASHINGTON - (AD) - William Bennett bringt den Ruf von Aggressivität
und unabhängigem Denken in das neue
Amt des Direktors für die Anti-Drogenpolitik, das Kabinettsrang hat.
Der neue Präsident Bush nominierte Bennett am 12. Januar 1989 für
dieses vom Kongreß im vergangenen
Jahr geschaffene Amt. Bennett bedarf
noch der Zustimmung des Senats.
In seinen vorherigen Regierungsämtern als Vorsitzender der Nationalen Stiftung für die Geisteswissenschaften und Erziehungsminister profilierte sich Bennett mit scharfen
Verurteilungen von Institutionen und
Ideen, die er dem Wohl der Vereinigten Staaten für abträglich hielt.
Voraussichtlich wird er diese Haltung

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an der Spitze des Kampfes gegen Drogenhandel und -mißbrauch beibehalten.
Bennett wurde am 31. Juli 1943 in
New York geboren.
Seinen Aussagen
zufolge haben seine streng jesuitische Erziehung und seine sportlichen
Leistungen in der Schule erheblich zu
seiner Standhaftigkeit in allen Lebensbereichen beigetragen.
Seine Familie zog nach Washington
um, als Bennett im Teenager-Alter
war. Er besuchte das Williams College in Massachussetts, an dem er im
Jahr 1965 sein Abschlußexamen ablegte. Danach ging er zur University of
Texas und promovierte dort im Jahr
1970. Im Jahr 1971 schloß er ein Jura-Studium an der Harvard University
ab.

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�Bennett war nach seiner Ausbildung als Dozent und Verwaltungsexperte an der Boston University tätig.
Er kam bald zu der Schluß, daß "jegliche Erziehung Erziehung des Charakters ist". Er trat 1976 in das Nationale Zentrum für Geisteswissenschaften in North Carolina ein und
wurde im Jahr 1979 dessen Präsident
und Direktor.
Während dieser Zeit
lehrte er zudem Philosophie an der
University of North Carolina und
schrieb Artikel über konservative
Standpunkte für verschiedene Publikationen.
Er unterstrich die seiner
Meinung nach durch Quotenregelungen
zur Durchsetzung rassischer Ausgewogenheit in öffentlichen und privaten
Institutionen zum Ausdruck gebrachte
Unmoral.

ment .

Präsident Reagan bat Bennett im
Dezember 1981, die Leitung der Nationalen Stiftung für die Geisteswissenschaften zu übernehmen. Während der
drei Jahre an der Spitze der Stiftung
beendete Bennett deren liberalen Kurs
und straffte ihren Haushalt.
Er
hielt sich an eine enge Auslegung des
Begriffs "Geisteswissenschaften" und
förderte geisteswissenschaftliche Seminare an den höheren Schulen.

Bennett trat im September 1988
vom Posten des Erziehungsministers
zurück, um eine bildungspolitische
Denkfabrik aufzubauen, die als Madison Center bekannt geworden ist.
Ferner unternahm er landesweite Vortragsreisen.

Zum Teil aufgrund von Bennetts
Arbeit und Ansichten bei der Stiftung
ernannte Präsident Reagan ihn im Januar 1985 zum Nachfolger von T.H.
Bell als Erziehungsminister. Bennett
wurde vom Senat einstimmig bestätigt.
Eine seiner ersten Amtshandlungen
im Erziehungsministerium bestand darin, auf eine Kürzung der Darlehen an
Studenten zu dringen, da er davon
überzeugt war, viele Personen gehörten nicht auf die Colleges. Er behauptete, viele Studenten an den höheren Bildungsanstalten seien nicht
ausreichend an akademischer Arbeit
interessiert, um aus dieser Erfahrung
Nutzen zu ziehen.
Er bestand darauf, daß der Erziehungsminister für "das amerikanische
Volk" arbeiten solle, und nicht für
"das
bildungspolitische
Establish-

Er sprach sich für Erziehungsgutscheine
(education
vouchers) und
Steuergutschriften für Studenten sowie für Zulagen an Lehrkräfte für
außergewöhnliche Leistungen aus.
Er unterstützte einen Verfassungszusatz, der es dem Kongreß verwehren würde, das Schulgebet vorzuschreiben oder zu verbieten.
Die Reform der Lehrpläne war
ebenfalls ein wichtiges Anliegen von
Bennett. Er bemühte sich ferner um
die Reorganisierung des Erziehungsministeriums und die Schaffung eines
neuen Systems der Sammlung von Daten
zu bildungspolitischen Fragen.

Er nahm weiterhin dezidiert zu
öffentlichen Problemen Stellung, was
sein anhaltendes Interesse an der
Entscheidungsfindung
innerhalb
der
Regierung unterstreicht.
Er befürwortete umfassende AIDS-Tests und den
Einsatz des Militärs im Kampf gegen
den Drogenhandel. Diese und andere
Positionen sowie seine Regierungserfahrung ließen ihn zum logischen Kandidaten für die Führung im Kampf gegen Drogen werden.
Bennett, der selbst starker Raucher ist, versprach am 12. Januar
1989, er werde ein Beispiel geben,
indem er sofort mit dem Rauchen aufhöre. Seinem Ruf für Entschlossenheit getreu, verkündete er:
"Sie
werden keinen Direktor für Anti-Drogenpolitik haben, der raucht."

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Wissenschaft und Technik

18. Januar 1989

KOORDINIERUNG DER WISSENSCHAFTSPOLITIK GEFORDERT
Vorschläge der Nationalen Akademie der Wissenschaften

Ein von der amerikanischen Nationalen Akademie
der Wissenschaften
(NAS), der Nationalen Akademie für
Ingenieurwissenschaften und dem Instituts für Medizin berufenes Sonderkomitee fordert in einem am 20. Dezember 1988 veröffentlichten Bericht
eine Umstrukturierung der Etataufstellung für Forschung und Entwicklung. Der größte Mangel im gegenwärtigen Verfahren sei darin zu sehen,
daß die Erfordernisse für Programme,
in die mehrere Ministerien bzw. Regierungsbehörden eingeschaltet sind,
nicht ordnungsgemäß bewertet werden
können. Regierung und Kongreß müßten
daher Wege finden, um vorrangige nationale
Wissesschaftsprogramme
wie
AIDS-Forschung, Weltraumforschung und
kommerzielle Erschließung der Supraleitfähigkeit wirksamer und nutzbrin-

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gender als bisher zu finanzieren.
NAS-Präsident Frank Press verwies
darauf, daß beispielsweise Reaktionen
auf Veränderungen in weltweiten Umweltbedingungen wie die allgemeine
Erwärmung Programme berührten, die
unter die Zuständigkeit der Bundesumweltschutzbehörde EPA, des Energieministeriums, der US-Behörde für Luftund Raumfahrt (NASA) und einer Reihe
anderer Behörden fielen.
Um entscheiden zu können, ob für dieses
Spezialgebiet genügend Bundesmittel
vorgesehen sind, seien behördenübergreifende Prüfungen erforderlich, die
im Rehmen der jetzt angewandten Verfahrensweisen kaum zu erreichen seien.
Die Kommisssion empfahl, daß der

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�Präsident mit Unterstützung des Wissenschaftsberaters im Weissen Haus
und des Direktors des Amtes für Management und Budget Prioritäten im Wissenschaf tsund
Technologieprogrammen
setzt, mit denen verschiedene Behörden befaßt sind. Auch wurde hervorgehoben, daß von den mehr als 62 Milliarden Dollar, die im Haushaltsjahr
1989 für wissenschaftliche und technologische Aktivitäten bewilligt wurden, mehr als 30 Milliarden dem Verteidigungsministerium für die Entwicklung modernster Technologien und
militärischer Ausrüstungen zugeteilt
wurden. Das restliche Budget sei für
Grundlagen- und angewandte Forschung
sowohl für zivile als auch militärische Zwecke bestimmt.
Nach Dr. Robert White, dem Präsidenten der Nationalen Akademie für
Ingenieurwissenschaften,
führt
das
Zusammenwerfen von Forschungsund Entwicklungsaufgaben militärischer und
ziviler Behörden "zu Verzerrungen in
unserer Bewertung der Frage, wieviel
Geld wir in Forschung und Entwicklung
investieren.
Auch Gemeinschaftsprogramme von Regierung und Industrie
dürften immer mehr an Bedeutung gewinnen. Das gelte vor allem für die
Supraleiter-Technik
und die neuen
Technik der Röntgenstrahlen-Lithographie, die nach Ansicht von Experten
die "Dichte", d.H. die Speicherfähigkeit von Chips für Daten, tausenfach
vergrößern und gleichzeitig die Größe
von Computern um ein Vielfaches verringern könnte.
Ein weiterer Bericht, den das der
NAS angeschlossene Institut für Medizin veröffentlichte, empfiehlt höhere
Gehälter und mehr Unaghängigkeit für
wissenschaftliche Führungskräfte an
den "Medizinischen Bundesforschungsanstalten der USA" (NIH - National
Institutes of Health in Bethesda, Maryland).
Dort befinden sich die
wichtigsten regierungseigenen Institute, in denen sich Forscher mit der
Entwicklung neuer bzw. verbesserter
Strategien zur Bekämpfung von AIDS
und anderer Erkrankungen befassen.
Nach Ansicht des neugeschaffenen "Na- 2

tionalen Komitees zur Überprüfung gegenwärtiger Genehmigungsverfahren für
neue Krebsund AIDS-Medikamente" müsse
man angesichts des bisher üblichen
Modus nach Möglichkeiten suchen, um
neue Entwicklungen früher in die Therapie einzubringen. Auch die pharmazeutische Industrie sei gefordert,
ihre Forschungsanstrengungen, wo immer möglich, besser zu organisieren
oder zu integrieren, um so ihren Beitrag noch effektiver zu gestalten.
Vorschläge, die NIH-Institute in
eine unabhängige Behörde umzuwandeln
oder ihre Projekte an private Unternehmen zu vergeben, werden von den
Vertretern des Instituts für Medizin
nicht gutgeheißen.

* * * * *

&gt;

�THEMENINDEX AMERIKA DIENST
Nachstehend eine Liste der Themen, die im AMERIKA DIENST 1988
erschienen sind. Sie gibt einen Überblick über die wichtigsten
Themenkreise. Angegeben ist jeweils die Nummer der Ausgabe, in der das
betreffende Thema behandelt wird.

THEMENKREIS

NUMMERN DER AUSGABEN

Afghanistan

1, 15, 16

Mittelamerika

1, 4, 12, 13

Ost-West-Beziehungen,
sicherheitspolitische Themen
Ost-West-Beziehungen allg.
Reagan-Go rbat schow-Tre f fen Moskau
Nuklear- und Weltraumwaffen
Chemische Waffen
Sicherheitsstrategie
Rüstungskontrolle
Konventionelle Rüstung
SDI
INF
NATO
START
Desinformationen

17, 20, 23, 25, 29, 30,
31, 45, 46
20, 21, 22
3, 6, 25, 43, 44
20, 29
3, 4
11, 18, 28, 32, 36, 42,
47
10
15
5, 9, 17, 19
9, 10, 18, 31, 33, 37,
44, 47
13, 35
15

Vereinigte Staaten
Bericht zur Lage der Nation
Präsident Reagans Haushaltsvorlage
Jahreswirtschaftsbericht des Präsidenten
Wirtschaft/Handel

Die Wahlen in Amerika 1988

Präsidentschaftskandidaten
Notninierungen
Porträts
Pre!sverleihungen
Rentner-Krankenversicherung
Reagans Prokl. Tag der Deutsch-Amerikaner
Arafat Einreiseverweigerung

4
8
8
2, 10, 13, 14, 16, 23,
29, 31, 34, 38, 40, 41,
43, 45, 46
1, 15, 16, 20, 23, 24,
26, 27, 28, 29, 30, 33,
34, 35, 37, 38, 39, 41
5, 6
2, 23, 29,
42, 43, 44, 45, 46, 47
7
28
36
44

�Internationale Probleme
Außenpolitik
Naher Osten/Golf
KSZE
OECD
Drogen
AIDS
Ozon
Antarktis
Menschenrechte

6, 7, 9, 40
12, 14, 16, 26, 27, 28
10
20
5, 18, 37, 40, 45
10, 26, 29, 32
12
24, 35
33, 46

Wissenschaft und Technik
Forschung

1, 2, 7, 9, 11, 14, 15,
16, 19, 22, 24, 27, 30,
33, 35, 42, 43, 44, 46,
47
11
3, 9, 14, 31, 34, 36, 46
8, 39

Krebs
NASA/Shuttle-Programm
Raumfahrt

- 2 -

�Reden, Artikel und Erklärungen des amerikanischen Botschafters
Richard R. Burt
20. Januar 1988
Der INF-Vertrag:
AD Nr. 3

Die richtigen Lehren ziehen

24. Februar 1988
Singularisierung:
AD Nr. 8

Ein Produkt der Phantasie

13. April 1988
Die Sicherheitspolitik des Bündnisses im Zeitalter sich wandelnder
Ost-West-Bezlehungen
Rede vor den Delegierten beim außenpolitischen Kongreß der CDU
(Sonderdienst)
13. Juli 1988
Burt: Vereinigte Staaten unterstützen europäischen Binnenmarkt
- Ansprache bei Grundsteinlegung für Frankfurter Messeturm AD Nr. 27
7. September 1988
Gedenken an die Opfer von Ramstein
- Ansprache von Botschafter Burt bei Trauerfeier AD Nr. 32

SONDERDIENST

4. Mai 1988
Die sowjetische Militärmacht 1988
- Siebte Dokumentation des amerikanischen Verteidigungsministeriums

- 3 -

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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Pariser Konferenz verurteilt den Einsatz chemischer Waffen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Die Gemeinsame Abschlußerklärung&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Botschafter Vernon A. Walters&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Porträt des zukünftigen amerikanischen Botschafters in Bonn&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Atomexperte soll Energieministerium leiten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Porträt von James David Watkins&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Eagleburger bringt langjährige Erfahrung in Bushs Außenpolitik ein&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Porträt des designierten Stellvertretenden Außenministers&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;William Bennett für Härte im Kampf gegen Drogen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Porträt des designierten Direktors für die Anti-Drogenpolitik&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Koordinierung der Wissenschaftspolitik gefordert&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Vorschläge der Nationalen Akademie der Wissenschaften&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
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AMERIKA DIENST
Sonderdienst

V O N **

13. Januar 1989

REAGAN BETONT FRIEDEN UND HOFFNUNGEN FÜR DIE ZUKUNFT
- Abschiedsrede des Präsidenten -

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�REAGAN BETONT FRIEDEN UND HOFFNUNGEN FÜR DIE ZUKUNFT
- Abschiedsrede des Präsidenten -

WASHINGTON - (AD) - In seiner am 11. Januar vom 'Oval Office' des Weißen
Hauses gehaltenen Abschiedsrede erklärte Präsident Reagan, seine Wirtschaftspolitik habe "den längsten Aufschwung in Friedenszeiten" in der Geschichte der
Vereinigten Staaten mit sich gebracht während die Modernisierung der amerikanischen Streitkräfte den "Jahren der Schwäche und Konfusion" ein Ende bereitet
habe.
Er verwies ferner auf die komplexen Herausforderungen, denen sich die Vereinigten Staaten gegenübersehen, "weil wir ein großes Volk sind. Das wird immer so sein. Aber solange wir unserer Grundsätze gedenken und an uns selbst
glauben, wird uns die Zukunft gehören."
Nachfolgend veröffentlichen wir den Text der Abschiedsrede im Wortlaut:
Meine amerikanischen Mitbürger,
ich spreche heute zum 34. und letzten
Mal zu ihnen aus dem Oval Office.
Wir haben jetzt acht Jahre zusammen
verbracht, und bald wird es Zeit für
mich sein, zu gehen. Aber bevor ich
gehe, möchte ich Ihnen einige meiner
Gedanken darlegen, die mir zum Teil
schon lange durch den Kopf gehen.

f

»

Es war für mich die wichtigste
Ehre meines Lebens, Ihr Präsident zu
sein. So viele von Ihnen haben mir
in den vergangenen Wochen geschrieben, um mir Dank zu sagen, aber ebenso muß ich Ihnen danken. Nancy und
ich sind Ihnen dankbar für die Gelegenheit, daß wir Ihnen dienen durften.
Eine Besonderheit der Präsidentschaft ist es, daß man sich immer et-

was ausgeschlossen fühlt. Als ob man
zu schnell in einem Auto fährt, das
jemand anders steuert, und die Menschen draußen durch getönte Scheiben
betrachtet - die Eltern, die ein Kind
hochhalten und das zu spät erkannte
Winken, das nicht erwidert werden
konnte. Und so oft wollte ich anhalten, hinter dem Glas hervortreten und
die Verbindung herstellen.
Vielleicht gelingt mir das heute abend.
Ich werde gefragt, wie ich mich
bei meinem Abschied fühle und bekanntlich "hat Abschied eine positive
und eine negative Seite". Die positive Seite heißt Kalifornien und meine Ranch und mehr Freiheit. Die negative? Natürlich 'Auf Wiedersehen'
sagen und diesen schönen Ort zu verlassen.

�Wie Sie wissen, befindet sich
quasi gegenüber von diesem Büro der
Teil des Weißen Hauses, wo der Präsident mit seiner Familie wohnt. Es
gibt dort ein paar Fenster, an die
ich gerne trete und früh morgens hinausschaue. Man blickt dort über die
Wiesen hinweg auf das Washington Monument, die Mall und das Jefferson
Memorial.
Aber morgens, wenn die
Luft noch klar ist, kann man an Jefferson vorbei auf den Fluß Potomac
und das Ufer von Virginia sehen. Jemand hat einmal gesagt, dies sei genau die Aussicht, die Lincoln hatte,
als er den Rauch der Schlacht von
Bull Run sah. Ich sehe prosaischere
Dinge: das Gras am Ufer, den morgendlichen Verkehr, wenn die Menschen zur
Arbeit fahren und dann und wann ein
Segelboot auf dem Fluß.
An diesem Fenster kamen mir einige Gedanken. Ich habe darüber nachgedacht, was mir diese vergangenen
acht Jahre bedeutet haben und jetzt
bedeuten.
Und das wiederholt vor
meinem inneren Auge erscheinende Bild
kommt aus der Seefahrt - eine kleine
Geschichte über ein großes Schiff
einen Flüchtling und einen Matrosen.
Anfang der achtziger Jahre auf
dem Höhepunkt des Problems der ' Boat
People' arbeitete ein Matrose an Deck
der 'Midway', die im Südchinesischen
Meer patroullierte. Der Seemann war
wie die meisten amerikanischen Soldaten jung, klug und ein scharfer Beobachter. Die Besatzung machte am Horizont ein leckes kleines Boot aus voll besetzt mit Flüchtlingen aus Indochina, die ihren Weg nach Amerika
zu finden hofften.
Die 'Midway'
sandte ein Rettungsboot aus, um sie
an Bord und in Sicherheit zu bringen.
Als die Flüchtlinge ihren Weg über
das rauhe Meer nahmen, erblickte einer von ihnen den Seemann an Deck,
stand auf und schrie: "Hallo, amerikanischer Matrose - Hallo, Mann der
Freiheit".
Ein winziger Moment von großer
Bedeutung und ein Augenblick, der dem
Matrosen, der ihn in einem Brief

festhielt, nicht aus dem Kopf ging.
Als ich dies las, ging es mir ebenso.
Genau das bedeutete es in den
achtziger Jahren Amerikaner zu sein:
Wir standen für Freiheit. Ich weiß,
daß wir das immer taten, aber die
Welt - und vielleicht auch wir selbst
- haben es in den letzten Jahren wiederentdeckt.
In den letzten zehn Jahren haben
wir eine große Strecke zurückgelegt
und in stürmischer See fest zusammengehalten. Und am Ende erreichen wir
zusammen unser Ziel.
Tatsache ist, daß wir von Grenada
bis zu den Gipfeltreffen von Washington und Moskau, von der Rezession der
Jahre 1981 und 1982 bis zu dem Aufschwung, der im Jahr 1982 seinen Anfang nahm und bis heute fortdauert,
Zeichen gesetzt haben.
Wie ich es sehe, haben wir zwei
große Triumphe errungen, zwei Dinge,
auf die ich am stolzesten bin. Eine
davon ist der wirtschaftliche Aufschwung, im Rahmen dessen das amerikanische Volk 19 Millionen Arbeitsplätze geschaffen - und ausgefüllt
hat. Die andere ist die Wiederherstellung unserer Moral: Amerika wird
in der Welt wieder respektiert und
bekommt eine Führungsrolle zugewiesen.
Eines meiner Erlebnisse in den
vergangenen Jahren spiegelt etwas davon wider. Im Jahr 1981 habe ich an
meinem ersten großen Wirtschaftsgipfel teilgenomen, der damals in Kanada
stattfand.
Der Tagungsort ist abwechselnd einer der Mitgliedsstaaten.
Das Eröffnungstreffen war ein Diner
der Staats- und Regierungschefs der
sieben Industrieländer. Ich saß dort
wie ein Erstkläßler und hörte zu, wie
man sich mit Francois und Helmut anredete. Sie ließen die Titel weg und
nannten sich beim Vornamen, warauf
ich in die Unterhaltung eingriff und
mich als "Ron" vorstellte.
In diesem Jahr haben wir die Maßnahmen
ergriffen, von denen wir

- 2 -

�glaubten, daß sie den wirtschaftlichen Aufschwung hervorbringen würden:
Steuersenkungen und Abbau von Vorschriften, Einschränkung der Ausgaben.
Bald darauf begann der Aufschwung.
Zwei Jahre später fand ein weiterer Wirtschaftsgipfel in etwa derselben Besetzung statt. Beim großen Eröffnungstreffen trafen wir uns alle
wieder und ich bemerkte, daß mich einen Augenblick lang alle ansahen.
Dann durchbrach einer von ihnen das
Schweigen:
"Erzählen Sie uns vom
amerikanischen Wunder", bat er.
Als ich 1980 für die Präsidentschaft kandidierte, war alles anders.
Einige Experten sahen uns mit unseren
Programmen in die Katastrophe schlittern. Unsere Ansichten zur Außenpolitik würden in einen Krieg münden,
unsere Wirtschaftspläne die Inflation
in die Höhe treiben und zu einem Zusammenbruch der Wirtschaft führen.
Ich erinnere mich sogar daran, daß
ein hochangesehener Wirtschaftswissenschaftler 1982 erklärte: "Die Motoren des Wirtschaftswachstums sind
hier und auf der ganzen Welt zum
Stillstand gekommen und sie werden
auch in den nächsten Jahren stillstehen ..."
Nun, er hatte - wie auch die anderen "Meinungsmacher" Unrecht. Was
sie als "radikal" ansahen, erwies
sich als "richtig", was sie für "gefährlich" hielten, war "dringend erforderlich".
In der ganzen Zeit erwarb ich einen Spitznamen - "Der große Kommunikator". Aber ich habe niemals geglaubt, daß dies auf meinen Stil oder
die von mir verwendeten Worte zurückzuführen war - es war vielmehr der
Inhalt. Ich war kein großer Kommunikator, sondern ich hatte wichtige
Dinge zu vermitteln, nicht so mir
nichts dir nichts entstanden sind,
sondern einer großen Nation aus dem
Herzen sprachen - sie entsprangen unserer Erfahrung, unserer Weisheit und
unserem Vertrauen in die Prinzipien,

die uns zwei Jahrhunderte
lenkt haben.

lang ge-

Man hat es als Reagan-Revolution
bezeichnet, was ich akzeptiere, aber
mir kam es vor wie eine bedeutende
Wiederentdeckung: Eine Wiederentdekkung unserer Werte und unseres gesunden Menschenverstandes.
Der
gesunde
Menschenverstand
lehrt uns, daß die Menschen ein Produkt in geringerem Umfang produzieren, wenn es hoch besteuert wird.
Deshalb haben wir die Steuersätze gesenkt und die Menschen haben mehr als
je zuvor produziert. Die Wirtschaft
blühte wie eine Strauch, der zurückgeschnitten worden war und jetzt
schneller und stärker wachsen konnte.
Unser Wirtschaftsprogramm
hat den
längesten Aufschwung in Friedenszeiten in der Geschichte der Vereinigten
Staaten mit sich gebracht: das Familieneinkommen ist gestiegen, die Zahl
der Armen gesunken, Unternehmensgründungen erleben einen Boom und
Forschung und neue Technologien nehmen rapide zu. Wir exportieren mehr
als je zuvor, weil die amerikanische
Industrie wettbewerbsfähiger geworden
ist und wir gleichzeitig auf nationaler Ebene den gemeinsamen Willen haben, protektionistische Schranken im
Ausland niederzureißen statt sie im
Inland zu errichten.
Der gesunde Menschenverstand hat
uns darüber hinaus gelehrt, daß wir
zur Erhaltung des Friedens nach Jahren der Schwäche und Konfusion wieder
stark werden mußten. Deshalb haben
wir unsere Verteidigung aufgebaut und zum Neuen Jahr auf die neue Friedensbereitschaft auf der ganzen Welt
angestoßen.
Die Supermächte haben
nicht nur tatsächlich mit dem Abbau
ihrer Nuklearwaffenarsenale begonnen
- und wir dürfen dabei auf weitere
Fortschritte hoffen - sondern die
weltweiten und bedenklichen regionalen Konflikte werden zunehmend eingestellt. Der Persische Golf ist kein
Kriegsschauplaz mehr, und die Sowjets
ziehen aus Afghanistan ab, die Vietnamesen bereiten ihren Abzug aus Kam-

- 3 -

�bodscha vor und dank einer von den
Amerikanern vermittelten Vereinbarung
werden bald 50 000 kubanische Soldaten aus Angola abziehen.
Dies alles hat uns gelehrt, daß
unsere
Herausforderungen
komplex
sind, weil wir ein großes Volk sind.
Das wird immer so sein.. Aber solange wir unserer Grundsätze gedenken
und an uns selbst glauben, wird uns
die Zukunft gehören.
Und wir haben noch etwas anderes
gelernt. Wenn man etwas in Bewegung
bringt, kann man es nicht so einfach
aufhalten. Wir wollten eine Nation
verändern und wir haben stattdessen
die Welt verändert.
Länder auf der ganzen Welt wenden
sich der freien Marktwirtschaft und
der Freiheit der Rede zu - und von
den Ideologien der Vergangenheit ab.
Für sie war die große Wiederentdekkung der 80er Jahre die Tatsache, daß
die moralische Art zu regieren die
praktische Art zu regieren ist. Die
grundsätzlich gute Demokratie ist
ebenfalls grundsätzlich produktiv.
Wenn man an den Punkt kommt, wo
man seinen 39. Geburtstag feiert,
lehnt man sich manchmal zurück, läßt
das Leben vorüberziehen und sieht den
Rest vor sich liegen. Für mich war
es wie die Gabelung eines Flusses und
bezeichnete genau die Mitte meines
Lebens.
Ich wollte nie in die Politik gehen - diese Absicht hatte ich nicht,
als ich jung war. Aber ich wuchs in
der Überzeugung auf, daß man das Gute, was man erhält, zurückgeben muß.
Ich war mit meiner Karriere in der
Unterhaltungsbranche zufrieden, aber
ich ging schließlich in die Politik,
weil ich etwas Wertvolles schützen
wollte.
Unsere Revolution hat als erste
in der Geschichte der Menschheit der
Regierung eine neue Richtung gegeben,
und dies mit nur drei Worten: "Wir,
das Volk."

"Wir, das Volk" sagen der Regierung, was sie tun soll, nicht umgekehrt.
"Wir, das Volk" sind die
treibende Kraft - und die Regierung
ist das ausführende Organ. Und wir
entscheiden, wohin sie sich wenden
soll, auf welchem Weg
und wie
schnell. Fast alle Verfassungen auf
der ganzen Welt sind Dokumente, in
denen die Regierungen den Menschen
ihre Privilegien zuteilen.
Unsere
Verfassung ist ein Dokument, in dem
"Wir, das Volk" der Regierung sagen,
was sie tun darf. "Wir, das Volk"
sind frei.
Dieses Prinzip war die Grundlage
all dessen, was ich In den vergangenen acht Jahren zu tun versucht habe.
Aber als ich in den sechziger
Jahren anfing, hatte ich den Eindruck, daß wir die Ordnung der Dinge
umzukehren begonnen hatten - daß uns
die Reierung durch immer mehr Vorschriften, Regeln und ruinöse Steuern
immer mehr Geld abnahm, unsere Möglichkeiten und unsere Freiheit einschränkte. Ich bin auch in die Politik gegangen, um meine Hand zu erheben und "Stop" sagen zu können. Ich
war ein politisch bewußter Bürger und
das schien mir für einen Bürger angemessen zu sein.
Meiner Ansicht nach haben wir
vieles gestoppt, was gestoppt werden
mußte. Und ich hoffe, daß wir den
Menschen nochmals vor Augen geführt
haben, daß der Mensch nicht frei ist,
wenn der Regierung keine Beschränkungen auferlegt werden. Hier besteht
ganz klar ein Verhältnis von Ursache
und Wirkung, so eindeutig und vorhersehbar wie ein physikalisches Gesetz:
wenn sich die Regierung ausbreitet,
nimmt die Freiheit ab.
Nichts ist unfreier als Kommunismus in seiner reinsten Form und dennoch haben wir in den vergangenen
Jahren eine zufriedenstellende neue
Annäherung
zur Sowjetunion hergestellt. Ich bin gefragt worden, ob
dies kein gewagtes Spiel ist, aber
die Antwort darauf lautet nein, weil

�wir unsere Handlungsweise nicht auf
Worte sondern auf Taten stützen.
Die Entspannung der siebziger
Jahre stützte sich nicht auf Taten,
sondern auf Versprechungen. Sie haben versprochen, ihr eigenes Volk und
die Menschen auf der ganzen Welt besser zu behandeln, aber der Gulag war
immer noch der Gulag, der Staat verfolgte immer noch eine expansionistische Linie und führte Stellvertreterkriege in Afrika, Asien und Lateinamerika.

*

Dieses Mal ist bis jetzt alles
anders:
Generalsekretär Gorbatschow
hat innenpolitische demokratische Reformen eingeleitet und mit dem Abzug
aus Afghanistan begonnen. Er hat Gefangene befreit, deren Namen ich ihm
bei jedem Besuch genannt habe.
Aber das Leben erinnert einen in
der Regel mit Kleinigkeiten an große
Dinge. Einmal während der hektischen
Tage des Moskauer Gipfels trafen
Nancy und ich eines Nachmittags die
Entscheidung, uns von unseren Begleitern zu entfernen und die Geschäfte
der Arbatstraße nahe der Haupteinkaufsgegend Moskaus zu besuchen.

^

Obwohl unser Besuch nicht geplant
war, erkannte uns jeder Russe dort
sofort, nannte uns beim Namen und
schüttelte uns die Hand. Wir waren
gerührt über die Freundlichkeit - man
konnte die Möglichkeiten in all dieser Freude spüren.
Aber innerhalb
von Sekunden bahnte sich eine Einheit
des KGB ihren Weg zu uns und begann
die Menschenmenge aufzulösen.
Das
war interessant zu sehen. Das zeigte
mir, daß der Mann auf der Straße sich
nach Frieden sehnt, die Regierung das heißt, ihre Vertreter - jedoch
kommunistisch ist und deshalb betrachten wir Themen wie Freiheit und
Menschenrechte aus ganz verschiedenen
Blickwinkeln.
Wir müssen wachsam sein - aber
wir müssen auch weiterhin zusammenarbeiten, um Spannungen und Mißtrauen
abzubauen.

Ich vertrete die Auffassung, daß
Generalsekretär Gorbatschow sich von
früheren sowjetischen Staatschefs unterscheidet.
Meiner Ansicht nach
kennt er die Schwachstellen seiner
Gesellschaft und sucht sie auszuräumen.
Dazu wünschen wir ihm viel
Glück. Und wir werden weiterarbeiten, um sicherzustellen, daß die aus
diesem Prozeß möglicherweise hervorgehende Sowjetunion weniger bedrohlich ist.
Es läßt sich alles auf einen
Punkt bringen: Ich möchte, daß die
neue Offenheit anhält. Und das wird
sie tun, wenn wir klarstellen, daß
wir in einer bestimmten Weise handeln
werden, wenn sie aufgeschlossen bleiben. Wenn sie das nicht tun, werden
wir uns zunächst zurückhalten. Wenn
sie insistieren, müssen wir den Kontakt abbrechen.
Es heißt immer noch: Vertrauen
ist gut, Kontrolle ist besser.
Das Spiel geht weiter: aber die
Karten müssen ehrlich gemischt werden.
Es gilt immer noch, wachsam zu
sein - aber wir dürfen vor dem, was
wir sehen, keine Angst haben.
Ich bin gefragt worden, ob ich
etwas bedaure. Das tue ich.
Zum Beispiel das Defizit. Darüber habe ich in letzter Zeit viel
geprochen, aber heute abend ist nicht
der Zeitpunkt, um zu argumentieren,
und deshalb werde ich das Thema nicht
anschneiden.
Nur eine Beobachtung: Ich hatte
meinen Teil an Siegen im Kongreß,
aber nur wenige haben bemerkt, daß
ich niemals etwas gewonnen habe, was
Sie nicht für mich gewonnen haben.
Sie sahen niemals meine Soldaten,
Reagans Regimenter.
Das amerikanische Volk hat jede Schlacht mit jedem
Telephonanruf und jedem Brief mit der
Bitte um Taten gewonnen.

- 5 -

�Nun, Handeln ist immer noch notwendig. Wenn wir die Arbeit zu Ende
führen wollen, dann müssen die Regimenter Reagans die Brigaden Bushs
werden. Bald wird er an der Spitze
stehen, und er wird Ihre Hilfe ebenso
benötigen wie ich dies tat.
Schließlich gibt es beim Abschied
von Präsidenten noch die große Tradition, Warnungen auszusprechen, und
ich habe hier eine, die mich schon
seit einiger Zeit beschäftigt.
Merkwürdigerweise beginnt sie jedoch mit einer Errungenschaft der
vergangenen acht Jahre, auf die ich
am stolzesten bin: mit der Wiedergewinnung unseres nationalen Stolzes,
die ich als "den neuen Patriotismus"
bezeichnet habe. Dieses Nationalgefühl ist gut, aber es wird nicht viel
zählen und nicht lange anhalten, wenn
es sich nicht auf Nachdenken und Wissen gründet.
Was wir erreichen möchten, ist
ein informierter Patriotismus. Und
bemühen wir uns wirklich ausreichend
darum, unsere Kinder zu lehren, was
Amerika ist und was es in der langen
Geschichte der Welt darstellt?
Diejenigen unter uns, die älter
sind als 35, sind in einem anderen
Amerika großgeworden. Uns wurde sehr
direkt beigebracht, was es heißt,
Amerikaner zu sein, und wir nahmen
fast mit der Atemluft eine Liebe für
das Land und Dankbarkeit für seine
Institutionen in uns auf. Wenn man
diese Dinge nicht in der Familie vermittelt wurden, dann von der Nachbarschaft, von dem Vater am anderen Ende
der Straße, der in Korea gekämpft
hatte oder der Familie, die ein Mitglied in Anzio verloren hatte. Oder
man konnte sich einen Sinn für Patriotismus in der Schule erwerben.
Und wenn alles andere fehlschlug,
wurde einem der Patriotismus vielleicht über die Populärkultur vermittelt. In den Spielfilmen wurden demokratische Werte gefeiert und ausdrücklich der Gedanke verstärkt, daß
Amerika etwas Besonderes darstellte.

Bis Mitte der sechziger Jahre war
dies auch im Fernsehen der Fall.
Aber heute stehen wir an der
Schwelle zu den neunziger Jahren, und
einiges hat sich verändert. Jüngere
Eltern sind sich nicht mehr so sicher, daß sie den Kindern von heute
eine ungeschmälerte Bewunderung der
Vereinigten Staaten beibringen sollten. Und für diejenigen, die Populärkultur schaffen, ist wohlbegründeter Patriotismus nicht mehr in Mode.
Unser Geist ist zurückgekehrt,
aber wir haben ihn nicht wieder institutionalisiert.
Wir müssen uns
erfolgreicher darum bemühen, die Botschaft zu verbreiten, daß Amerika
Freiheit bedeutet - Redefreiheit, Religionsfreiheit ,
unternehmerische
Freiheit - und daß Freiheit ein besonderes und rares Gut ist. Sie ist
zerbrechlich, und sie benötigt Schutz.
Wir müssen Geschichte nicht auf
der Grundlage dessen vermitteln, was
gerade in Mode ist, sondern aufgrund
dessen, was wichtig ist: Warum die
Pilgerväter hierher kamen, wer Jimmy
Doolittle war und was jene 30 Sekunden über Tokio bedeuteten... Wie Sie
wissen, las ich vor 4 Jahren, am 40.
Jahrestag der Landung in der Normandie, den Brief einer jungen Frau an
ihren verstorbenen Vater, der am Omaha Beach gekämpft hatte. Ihr Name
war Lisa Zanatta Henn und sie sagte,
wir würden uns immer daran erinnern,
wir würden niemals vergessen, was die
Männer in der Normandie getan haben.
Nun, wir sollten ihr helfen, Wort zu
halten.
Wenn wir vergessen, was wir getan
haben, werden wir nicht wissen, wer
wir sind. Ich warne vor einer Auslöschung der Erinnerung, die letzlich
zur Erosion des amerikanischen Geistes führen könnte.
Lassen Sie uns mit einigen grundsätzlichen Dingen anfangen - indem
wir der Geschichte Amerikas mehr Aufmerksamkeit schenken und staatsbürgerliche Rituale stärker betonen.
6 -

X

\
'

^

(

�Als erste Lektion über Amerika möchte
ich Ihnen folgendes sagen:
Alle
großen Veränderungen in den Vereinigten Staaten beginnen am Eßtisch. Ich
hoffe also, daß nun morgen abend in
der Küche die Gespräche einsetzen
werden. Und, Kinder, wenn Eure Eltern Euch nicht gelehrt haben, was es
heißt, Amerikaner zu sein - laßt es
sie wissen und nagelt sie fest. Das
wäre eine sehr amerikanische Reaktion.

/

Das ist so ungefähr alles, was
ich heute abend zu sagen habe. Nur
noch eines:
Als ich in den letzten Tagen an
jenem Fenster im Obergeschoß stand,
habe ich ein wenig über die leuchtende "Stadt auf dem Hügel" nachgedacht.
Dieses Bild wurde von John Winthrop
benutzt, um das Amerika zu beschreiben, wie er es sich vorstellte. Was
er sich ausmalte war wichtig, weil er
einer der ersten Pilger war - ein
"Mann der Freiheit" der ersten Stunde. Er benutzte für seine Reise nach
hier ein Gefährt, das wir heute als
kleines hölzernes Boot bezeichnen
würden. Wie die anderen Pilger suchte er nach einer Heimat, die frei
sein sollte.

&lt;
\

Und wie steht es um diese Stadt
am heutigen Winterabend?
Sie ist
wohlhabender, sicherer und glücklicher als vor acht Jahren. Aber mehr
noch: nach 200 Jahren, zwei Jahrhunderten, steht sie immer noch stark
und unverrückbar an diesem Grat aus
Granit, und ihr Leuchten hat alle
Stürme überdauert. Und sie ist immer
noch ein Leuchtfeuer, ein Magnet für
alle, die frei sein müssen, für all
die Pilger von den verlorenen Orten,
die durch die Dunkelheit nach Hause
eilen.
Wir haben unseren Beitrag geleistet. Und wenn ich mich jetzt anschicke, in die Straßen der Stadt zu
gehen, möchte ich noch ein letztes
Wort an die Männer und Frauen der
Reagan-Revolution richten - die Männer und Frauen in den ganzen Vereinigten Staaten, die acht Jahre lang
die Arbeit getan haben, mit der Amerika zu neuer Größe gelangt ist:
Meine Freunde, wir haben es geschafft. Wir haben nicht nur einem
Zeitabschnitt unseren Stempel aufgedrückt, wir haben etwas bewegt. Wir
haben die Stadt stärker gemacht - wir
haben die Stadt freier gemacht - und
wir haben sie in gute Hände gegeben.

Ich habe in meinem gesamten politischen Leben von der leuchtenden
Stadt
gesprochen, aber
ich weiß
nicht, ob ich jemals genau das vermittelt habe, was ich sah, wenn ich
darüber sprach. In meinen Gedanken
war sie eine hoch aufragende stolze
Stadt, die auf Felsen stärker als
Ozeane gebaut, von Winden umtost, von
Gott gesegnet war und von Menschen
aller Art bewohnt, die in Eintracht
und Frieden lebten - eine Stadt mit
freien Häfen, die voller Handel und
Kreativität waren, und falls diese
Stadt Mauern benötigte, hatten diese
Mauern Tore, und diese Tore standen
jedermann offen, der den Willen und
die Kraft hatte, dorthin zu gelangen.
So sah ich es, und so sehe ich es
immer noch.

- 7 -

�</text>
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