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3 1 . Oktober 1973

Inhalt
DOKUMENTATION:

Pressekonferenz Präsident Nixons am 26. Oktober 1973
-Wortlaut der einleitenden Erklärung des PräsidentenErklärung von Botschafter Martin zu Fragen der Rüstungskontrolle
-Auszüge-

INFORMATION:
Deutsche Lehrer als Gäste amerikanischer Familien
-Die American Host Foundation und ihr Programm für das Jahr 1974-

WISSENSCHAFT UND TECHNIK:
Dritte SKYLAB-Mannschaft vor dem Start
-Bis zu 85 Tage Aufenthalt im Weltraum vorgesehenVon G. Weiss
Mit Transportmitteln leben
-Mehr Sicherheit auf den Straßen - Abgasbekämpfung und Massenverkehrsmittel im CCMS-Programm der NATO-

BERICHTIGUNG zu Nr. 41/1973:"Die Energielücke in der Mikroweit"

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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42/1973

PRESSEKONFERENZ PRÄSIDENT NIXONS AM 26. OKTOBER 1973
-Wortlaut der einleitenden Erklärung des Präsidenten-

WASHINGTON --(AD)— Präsident Nixon hat am 26. Oktober auf einer Pressekon™
ferenz die Haltung der Vereinigten Staaten zur Nahostkrise umrissen sowie
zur Watergate-Affaire Stellung genommen. Diese beiden Hauptthemen

der Pres-

sekonferenz wurden von dem Präsidenten bereits in seiner einleitenden Erklärung behandelt, die folgenden Wortlaut hat:
"Meine Damen und Herren, bevor ich auf Ihre Fragen eingehe, habe ich
eine Erklärung zum Nahen Osten abzugeben, die meines Erachtens einen Teil
Ihrer Fragen bereits vorwegnehmen dürfte. Denn diese Erklärung wird die
Informationen auf den neuesten Stand bringen, die sich, wie Sie wissen, gerade in den beiden letzten Tagen fast überschlagen haben.
Die Waffenruhe hält. Es hat einige Verletzungen gegeben, aber ganz allgemein kann gesagt werden, daß sie im Augenblick hält. Wie Sie wissen, wird
aufgrund einer gestern mit 14 zu 0 Stimmen angenommenen UN«=ReSolution eine
Friedensstreitmacht in den

Nahen Osten entsandt werden. Diese Friedensstreit-

macht wird jedoch keine Truppen der Großmächte - und dazu gehören natürlich
die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion - einschließen.
Es

�Es hat sich jedoch die Frage ergeben, ob Beobachter der Großmächte
in den Nahen Osten entsandt werden könnten. Ich kann hierzu nach dem neuesten
Stand - und ich habe gerade 5 Minuten vor dieser Pressekonferenz mit
Dr. Kissinger gesprochen - folgendes berichten: Wir werden Beobachter nach
dem Nahen Osten entsenden, wenn wir von dem Generalsekretär der Vereinten
Nationen darum ersucht werden sollten, und wir haben Grund zu der Annahme,
daß ein solches Ersuchen gestellt werden wird.
Was nun die Friedensstreitmacht anbetrifft, so ist es meines Erachtens
für alle von Ihnen, meine Damen und Herren, und besonders für die von Ihnen,
die sich mit Hilfe von Rundfunk und Fernsehen informierten, wichtig zu
wissen, warum die Vereinigten Staaten darauf bestanden haben, daß die Großmächte sich nicht an der Friedensstreitmacht beteiligen und daß die Großmächte nicht militärische Verbände in den Nahen Osten entsenden. Am Mittwoch
dieser Woche hatte sich eine sehr schwere und potentiell explosive Krise
entwickelt. Wir erhielten Informationen, die uns zu der Annahme veranlaßten,
daß die Sowjetunion die Entsendung einer sehr beträchtlichen Streitmacht,
eines militärischen Verbandes, in den Nahen Osten plante.
Als ich diese Nachricht erhielt, habe ich am Dienstagmorgen, kurz nach
Mitternacht, angeordnet, daß alle amerikanischen Streitkräfte überall auf der
Welt in Alarmbereitschaft versetzt werden. Diese Alarmbereitschaft war eine
Vorsichtsmaßnahme. Ihr Zweck war, der Sowjetunion ein Zeichen zu setzen, daß
wir eine einseitige Maßnahme ihrerseits, Truppen in den Nahen Osten zu entsenden, nicht akzeptieren konnten. Gleichzeitig habe ich in den frühen Morgenstunden auch auf diplomatischer Ebene gehandelt. In einer Botschaft an
Herrn Breschnew, einer dringenden Botschaft, habe ich ihm unsere Auffassung
dargelegt und ihn ersucht, nicht auf diesem Wege weiter fortzuschreiten, sondern gemeinsam mit uns in den Vereinten Nationen eine Resolution zu unterstützen, die die Großmächte von einer Beteiligung an einer Friedensstreitmacht ausschließen würde.
Aufgrund

-2-

�Aufgrund dieser Kommunikation und der Antwort von Herrn Breschnew
- wir hatten, so möchte ich sagen, einen mehrmaligen Briefwechsel » gelangten
wir zu dem Schluß, daß wir gemeinsam die in den Vereinten Nationen angenommene Resolution unterstützen würden.
Wir kommen jetzt, was die Zukunft des Nahen Ostens anbetrifft, an einen
kritischen Zeitpunkt. Und hier sind die Aussichten weit hoffnungsvoller, als
dies während der letzten Woche der Fall war. Ich glaube mit Sicherheit sagen
zu können, daß die Aussichten nicht nur für eine Waffenruhe, wie wir sie gegenwärtig haben und wie wir sie bereits seit geraumer Zeit im Nahen Osten
hatten,sondern auch die Aussichten für einen dauerhaften Frieden jetzt weit
besser als seit 20 Jahren sind.
Der Grund dafür ist, daß die beiden Großmächte, die Sowjetunion und die
Vereinigten Staaten, vereinbart haben - und dies war eines der Ergebnisse
der Moskaureise Dr. Kissingers - daß wir uns an den Bemühungen um eine Beschleunigung der Gespräche zwischen den betroffenen Parteien beteiligen würden. Dies besagt jedoch nicht, daß die beiden Großmächte versuchen werden,
eine Regelung aufzuzwingen. Es bedeutet jedoch, daß wir gegenüber den Ländern
dieses Gebietes unseren Einfluß geltend machen werden, um eine Regelung zu
beschleunigen.
Der Grund, warum wir dies für wichtig halten, ist, daß einmal, was die
Länder des Nahen Ostens anbetrifft, keines von ihnen - Israel, Ägypten,
Syrien - die Schrecken eines weiteren Krieges durchmachen darf oder sollte.
Die Verluste in diesem Kriege waren auf beiden Seiten sehr, sehr schwer. Und
diese Tragödie darf sich nicht noch einmal ereignen. Es hat, wie Sie, meine
Damen und Herren wissen, in den letzten 20 Jahren vier solche Kriege gegeben. Aber darüber hinaus ist es für den Frieden in der Welt entscheidend
wichtig, daß dieser potentielle Unruheherd, der tatsächlich eines der potentiell explosivsten Gebiete der Welt darstellt, nicht zu einem Gebiet wird,
in dem die Großmächte sich in einer Konfrontation gegenüberstehen.
Die

-3-

�Die Entwicklungen der letzten Woche sollten allen von uns zeigen, daß die
Vereinigten Staaten und die Sowjetunion, die zugegebenermaßen sehr verschiedene Ziele im Nahen Osten hatten, jetzt darin übereingestimmt haben, daß eine
Konfrontation dort nicht in ihrem Interesse ist - eine Konfrontation, die zu
einer nuklearen Konfrontation werden

könnte, und keine der beiden Großmächte

wünscht dies.
Wir haben ferner darin übereingestimmt, daß wir, wenn wir das vermeiden
wollen, unseren Einfluß stärker als in der Vergangenheit geltend machen müssen, um die Verhandlungsfront wieder in Bewegung zu bringen, aber dieses Mal
bis zu einem Abschluß - nicht nur bis zu einer temporären Waffenruhe, sondern bis zu einem dauerhaften Frieden.
Ich möchte damit nicht sagen, daß dies schnell eintreten wird, denn die
betroffenen Parteien stehen immer noch weit voneinander entfernt. Ich möchte
jedoch sagen, daß es jetzt einen stärkeren Anreiz dafür gibt, in diesem Gebiet
eine friedliche Lösung zu finden - und es gibt, was die Vereinigten Staaten,
die Sowjetunion und die übrigen Großmächte anbetrifft, einen sehr starken Anreiz, eine solche Lösung zu finden.
Ich wende mich jetzt unseren Versuchen zu, eine Waffenruhe an der Heimatfront zu erreichen, was etwas schwieriger ist.
Heute hat der Rechtsbeirat des Weißen Hauses Kontakt mit Richter Sirica
aufgenommen. Wir hatten das schon gestern versucht, aber da war er, wie Sie
wissen, in Boston, und es waren Vorkehrungen für eine Zusammenkunft mit Richter Sirica am Dienstag getroffen worden, um die Übergabe der Tonbänder an
Richter Sirica zu regeln.
Ferner haben wir bei den heute im Weißen Haus geführten Konsultationen
entschieden, daß der amtierende Justizminister Bork kommende Woche einen neuen
Sonderstaatsanwalt für die sogenannte Watergateaffaire ernennen wird. Der

-4-

�Der Sonderstaatsanwalt wird unabhängig sein. Er wird von allen Teilen der
Regierung volle Unterstützung erhalten, und es wird seine Hauptaufgabe sein,
diese Angelegenheit, die dem amerikanischen Volk schon so lange Sorge bereitet hat, zu einem schnellen Abschluß zu bringen, denn wir müssen bedenken,
daß nach unserer Verfassung verzögertes Recht verwehrtes Recht ist. Es ist
an der Zeit, daß die Schuldigen belangt und die Unschuldigen freigesprochen
werden. Ich kann Ihnen, meine Damen und Herren, sowie allen Zuhörern heute
abend versichern, daß ich kein größeres Interesse habe, als dafür zu sorgen,
daß der neue Sonderstaatsanwalt die Unterstützung der Exekutive und die Unabhängigkeit hat, die er braucht, um diesen Fall zu einem Abschluß zu bringen.

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42/1973

ERKLÄRUNG VON BOTSCHAFTER MARTIN ZU FRAGEN DER RÜSTUNGSKONTROLLE
- Auszüge -

Der Delegierte der Vereinigten Staaten
bei den Abrüstungsgesprächen in Genf,
Botschafter Joseph Martin, hat am 23.
Oktober zur Eröffnung einer Abrüstungsdebatte im Politischen Ausschuß der
Vollversammlung der Vereinten Nationen
in New York eine Erklärung abgegeben,
in der er die Grundzüge der amerikanischen Politik auf dem Gebiete der Rüstungskontrolle und Abrüstung darlegte.
Im folgenden geben wir diese Erklärung
in wichtigen Auszügen wieder.

In einem Aufsatz über die Atombombe vom Jahre 1945 schrieb Albert Einstein, daß er - wenn auch mit allem Vorbehalt - eine gewisse Chance in dem
durch sie heraufbeschworenen Gespenst von Gefahren sehe. "Vielleicht wird
das Menschengeschlecht dadurch veranlaßt", so schrieb er, Ordnung in seine
internationalen Angelegenheiten zu bringen, was es ohne diesen Druck der
Furcht nicht tun würde."
Gewiß

�I
Gewiß wird niemand daran zweifeln, daß die Kernwaffen und andere Formen
modernster Technologie die einschneidendsten Wirkungen auf die menschliche
Gesellschaft gehabt haben. Hat diese Technologie aber auch einen Einfluß
auf die weltpolitischen Angelegenheiten ausgeübt, wie Einstein dies erwartete? Ganz zweifellos lautet die Antwort auf diese Frage: Ja! - aber wohl
doch nicht in dem Ausmaß, wie er es vermutet hat. Der eine Grund liegt darin, daß die Menschheit sich teilweise nahezu an alles gewöhnt, auch an die
Gefahr. Ein anderer Grund liegt darin, daß die Menschen ihre Denkgewohnheiten
nur sehr langsam ändern: viele Menschen denken heute noch in den Vorstellungen einer vergangenen Epoche konventioneller Waffentechnik.
Umsomehr Anerkennung gebührt daher denjenigen, die die Auswirkungen der
Technologie richtig erkannt haben und die gegen erhebliche Schwierigkeiten
ankämpften, um sie unter Kontrolle zu bringen. All jene, die auf dem Gebiet
der Rüstungskontrolle arbeiten, sollten - wie ich meine - auch noch aus einer
anderen Überlegung Mut gewinnen: So schwierig und enttäuschend diese Anstrengungen über die Länge der Zeit auch sein mögen, sie werden mit Sicherheit
einen Einfluß auf das Denken und die Verhaltensweisen der Regierungen haben,
und zwar schon bevor spezifische Ergebnisse erzielt werden.
Noch vor einem Jahrzehnt schienen Rüstungskontrolle und Abrüstung oft
nur eines von vielen Problemen zu sein, das trotz seiner Bedeutung in den kalten Krieg verstrickt wurde. Oft wurden Vorschläge unterbreitet, ohne daß man
sich Gedanken darüber machte, ob sie je angenommen werden könnten. Redner
schienen darauf aus zu sein, Propagandasiege zu erzielen, statt einen Fortschritt in Richtung wirklich bedeutsamer Rüstungskontrollmaßnahmen zu erreichen.
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In diesem Herbst können wir auf mehr als nur eine ganze Reihe bereits
geschlossener Abkommen hinweisen. Wir können auf vielversprechende Verhandlungen über die Begrenzung strategischer Rüstungen, über beiderseitige und
ausgewogene Truppenverringerungen in Mitteleuropa und über europäische Sicher-

-2-

�Sicherheit und Zusammenarbeit verweisen, die bereits im Gange sind oder vor
ihrem Beginn stehen. Die Konferenz des Abrüstungsausschusses (dei Vereinten
Nationen) setzt ihre Anstrengungen fort, wichtige Themen realistisch in den
Griff zu bekommen: ein umfassendes Kernwaffenversuchsverbot und Begrenzungen
für chemische Waffen.
hat
Das zurückliegende Jahr/ermutigende Anzeichen einer weiteren Bewegung
zur Stabilität gebracht. Die Abkommen über Vietnam und Laos haben den Umfang
des Konfliktes bereits verringert, der Südostasien so lange heimgesucht hat.
Obwohl im Nahen Osten erneut Kämpfe ausbrachen, ist es möglich gewesen, eine
Waffenruhe herbeizuführen. Mein Land wird selbstverständlich seine Bemühungen
fortsetzen, um zu einer friedlichen Lösung des Nahost-Konfliktes beizutragen.
Auch anderswo in der Welt ist ein Fortschritt beim Abbau der Spannungen erreicht worden

Es ist unsere eindeutige Pflicht, mit unserer Arbeit an

der Rüstungskontrolle fortzufahren, welche Schwierigkeiten sich uns auch
entgegenstellen mögen. Es liegt an uns, auf der Grundlage der bereits erzielten Abkommen aufzubauen, um jene nächsten Schritte zu tun, die jetzt durchführbar sein mögen.
SALT
In unseren Bemühungen hat die Kontrolle der Nuklearwaffen selbstverständlich Vorrang....
Im Jahre 1969 versicherte Präsident Nixon den Vereinten Nationen, daß
sich die Vereinigten Staaten einer «nachhaltigen Anstrengung1 verschrieben
haben, den »Aufbau strategischer Streitkräfte nicht nur zu begrenzen, sondern
ihn sogar umzukehren*. Im Jahre 1972 schlössen wir mit der Sowjetunion Abkommen, die jede Seite auf zwei ABM-Basen begrenzen und den Stand der ICBMund SLBM-Abschußeinrichtungen für fünf Jahre einfrieren. In dem am 21. Juni
1973 geschlossenen amerikanisch-sowjetischen Abkommen erklärten Präsident
Nixon und Parteichef Breschnew ihre Absicht, zu einem ständigen Abkommen

-3-

�Abkommen über vollständigere Maßnahmen zur Begrenzung der Rüstungen und auch
ihrer Verringerung in der Folgezeit zu gelangen.
Sie gaben ferner bekannt, daß beide Seiten ernsthafte Anstrengungen
unternehmen würden, die Bestimmungen eines ständigen Abkommens auszuarbeiten
- mit dem Ziel, es 1974 zu unterzeichnen. Amerikanische und sowjetische Verhandlungsführer kommen gegenwärtig in Genf zusammen, um dieses Ziel su erreichen zu suchen.
Die SALT-Gespräche stellen eine fundamentale Veränderung der internationalen Beziehungen dar. Jede Seite hat sich das Ziel gesetzt, die Schwungkraft des strategischen Wettrüstens zu brechen und seinen Prozeß zu mäßigen.

MBFR

Am 30. Oktober beginnen in Wien historische Gespräche, die auf eine
Verringerung des Standes der Streitkräfte abzielen, die gegenwärtig in Mitteleuropa stationiert sind. Wie wichtig diese Verhandlungen sind, geht schon
aus dem Gebiet hervor, das sie betreffen. Mitteleuropa ist seit dem Zweiten
Weltkrieg eine Region der Hauptkonfrontation zwischen Ost und West gewesen.
Es ist lange Zeit ein Schlachtfeld vieler Völker und Nationen gewesen. Die
Erhaltung der unverminderten Sicherheit in dieser Region auf einem niedrigeren Stand der Streitkräfte würde einen wesentlichen Durchbruch zu einer
vernünftigeren Weltordnung darstellen. Wir und unsere Verbündeten wollen
in Wien mit Hingabe verhandeln und daran denken, daß unser Erfolg nicht nur
den Interessen der direkt Beteiligten dienen, sondern den Weltfrieden und
die internationale Sicherheit allgemein stärken wird.

Atomsperrvertrag

-4-

�Atomsperrvertrag

Der Atomsperrvertrag spiegelt den Wunsch seiner über 100 Signatarstaaten wider, der Ausbreitung von Nuklearwaffen Einhalt zu gebieten, ehe
eine wachsende Zahl von Ländern sich gezwungen fühlt, wesentliche Mittel
in den Aufbau ihrer eigenen Abschreckungskräfte zu investieren. Die Vorteile des Vertrages sind den Staaten mit Nuklearwaffen ebenso zugute gekommen wie solchen Staaten ohne Nuklearwaffen. Die Welt als Ganzes hat
von der Tatsache profitiert, daß seit 1964 kein Land mehr dem "NuklearKlub" beigetreten ist.
.... Während des vergangenen Jahres hat der Vertrag durch den Beitritt
von sechs weiteren Staaten sogar noch wachsende Unterstützung gewonnen.
Eine weitere wichtige Entwicklung war die Unterzeichnung des Verfizierungsabkommens zwischen der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) und der
Europäischen Gemeinschaft im April dieses Jahres, durch das ein Hindernis
für einen weiteren Beitritt zum Vertrag beseitigt wurde. Wir hoffen ernsthaft, daß weitere Länder, vor allem solche mit einer fortgeschrittenen
Nukleartechnologie, dem Vertrag beitreten werden.

Versuchsverbot
Ein wichtiges Ziel, das sich mit der Kontrolle der Kernwaffen stellt,
bleibt ein umfassendes Versuchsverbot für Nuklearwaffen.... Der begrenzte
Atomstoppvertrag - als ein erster Durchbruch nach Jahren fruchtloser Rüstungsverhandlungen - verbesserte das internationale Klima und trug so dazu
bei, die späteren Rüstungskontrollabkommen zu ermöglichen.

Trotz

�Trotz seines Wertes und seiner Bedeutung hat man in dem begrenzten
Atomstoppvertrag jedoch lediglich einen Schritt -wenn .schon einen äußerst
bedeutsamen Schritt - in Richtung auf ein Verbot sämtlicher Kernwaffenversuche gesehen. Die Vereinigten Staaten sind stets für ein in angemessener
Weise verifiziertes umfassendes Versuchsverbot als eigentliches Ziel eingetreten. So erklärte Präsident Nixon in seinem außenpolitischen Jahresbericht
an den Kongreß vom 3. Mai 1973:
"Die Vereinigten Staaten sind auch weiterhin für das Ziel eines angemessen verifizierten Abkommens über ein Verbot aller nuklearen Waffenversuche eingetreten.
Einige Länder vertreten die Auffassung, daß nationale Verifizierungsmittel ausreichend sein würden, um ein solches Verbot ausreichend zu überwachen. Wir sind anderer Meinung, denn trotz eines wesentlichen Fortschrittes bei der Erkundung und Identifizierung seismischer Ereignisse einschließlich der unterirdischen Kernwaffenversuche glauben wir, daß die nationalen
Mittel der Verifizierung durch einige Inspektionen an Ort und Stelle ergänzt
werden müssen.
Die Vereinigten Staaten teilen die Auffassung

vieler anderer Staaten,

daß ein angemessen verifiziertes, umfassendes Versuchsverbot einen positiven Beitrag zur Abschwächung des Wettrüstens darstellen würde.... Aus diesem
Grunde geben wir dem Problem der Verifizierung höchsten Vorrang. Wir werden
weiterhin mit anderen Nationen zusammenarbeiten, um auf ein endgültiges Abkommen über diese wichtige Frage hinzuwirken."

Chemische Waffen
Während des vergangenen Jahres hat die Konferenz des Abrüstungsausschusses (der Vereinten Nationen) bedeutsame Arbeit bei der Vertiefung
unseres gemeinsamen Verständnisses der bei der Begrenzung der chemischen

-6-

�chemischen Waffen involvierten Faktoren geleistet. Ihr Wert als Forum trat
noch nie so deutlich zutage wie im Verlauf der detaillierten Erörterungen
über die chemischen Waffen. Diese Erörterungen, an denen sich faktisch jedes Mitglied des Ausschusses beteiligte, erstreckten sich auf den denkbar
weitesten Fragenbereich.
Die Vereinigten Staaten fühlen sich auch weiterhin verpflichtet, nach
einer wirksamen Begrenzung der chemischen Waffen zu suchen. Wir werden unsere Bemühungen um praktikable Mittel zur Eingrenzung dieser Waffen auch im
kommenden Jahr fortsetzen und uns dabei gleichzeitig in unserem eigenen Programm Zurückhaltung auferlegen. Wie ich am 30. August vor dem Ausschuß berichtete, haben wir seit 1968 keine einzige chemische Waffe produziert und
sogar Teile unserer Bestände aus den Arsenalen entfernt.

Foren
Ich möchte mich nunmehr der Frage der Abrüstungsforen zuwenden. Wie
Sie alle wissen, wurde hierzu eine Reihe von Vorschlägen gemacht. Wir möchten dazu auch unsere Auffassungen bekanntmachen.
Der Abrüstungsausschuß bleibt nach unserer Ansicht ein wertvolles Forum, das sich über mehr als ein Jahrzehnt hindurch bewährt hat. Sein begrenzter Kreis und seine Freiheit von jedem äußeren Druck haben es den Mitgliedern
dieses Ausschusses gestattet, in enge Arbeitsbeziehungen zueinander zu treten. Sie haben sich ein detailliertes Verständnis für die technischen Probleme erarbeitet, die mit den Fragen der Rüstungskontrolle verbunden sind,
und haben Verfahren entwickelt, die es dem Ausschuß ermöglichten, in seiner
Arbeit zügig voranzuschreiten. Diese Faktoren erlaubten es dem Ausschuß, zu
wahrhaft konstruktiven Resultaten zu gelangen. Wir sind der Überzeugung, daß
die Vereinten Nationen diesen Ausschuß,der für einen großen Teil des Fortschritts, den wir in der Rüstungskontrolle gemacht haben, verantwortlich ist,

-7-

�ist,auch weiterhin voll unterstützen sollten....
Die Auffassungen der Vereinigten Staaten, die wohlbekannt sind, bleiben
unverändert. Wir stimmen zwar zu, daß eine Weltabrüstungskonferenz in einem
späteren Stadium des Abrüstungsprozesses einem nützlichen Zweck dienen könnte: wir glauben jedoch nicht, daß eine solche Konferenz zum gegenwärtigen
Zeitpunkt nützliche Ergebnisse zeitigen würde. Wenn eine solche Konferenz
nicht die Hoffnungen all jener enttäuschen soll, die einen raschen Fortschritt in der Abrüstung erleben möchten, dann müßte die Konferenz in der
Lage sein, echte Aussichten auf ein Abkommen über bedeutsame Rüstungskontrollmaßnahmen zu bieten. Es ist jedoch nicht der Mangel an einem geeigneten Forum, sondern der Mangel an politischer Übereinstimmung, der uns daran hindert, weitergehende Schritte zu einer friedlicheren Ordnung mit einem
verringerten Stand der Rüstungen zu tun. Eine Weltabrüstungskonferenz wäre
wahrscheinlich weniger in der Lage, diesen Mangel an Übereinstimmung zu
überwinden,' als daß sie ihm eher zum Opfer fiele. Das Endergebnis könnte
durchaus eine Verlangsamung unserer Arbeit sein - verbunden mit einer Vereitelung der Erwartungen, die überall gehegt werden. Daher sind wir gegen
die Einberufung einer Weltabrüstungskonferenz oder die Festlegung eines Datums oder den Beginn von Vorbereitungen zum gegenwärtigen Zeitpunkt.

UNDC
Einige Redner auf der gegenwärtigen Sitzung der Vollversammlung haben
bereits von der Möglichkeit der Wiedereinberufung der Abrüstungskommission
der Vereinten Nationen (UNDC) gesprochen. Sie werden sich erinnern, daß
die Kommission zum letzten Mal im Jahre 1965 tagte, als keine Sitzung der
Vollversammlung stattfand und daher auch keine Abrüstungsdebatte. Wir können uns nur schwer vorstellen, wie die UNDC erfolgreich mit den Problemen
fertig werden könnte, vor denen wir heute stehen. Wir bezweifeln ernsthaft,

-8-

�ernsthaft, daß eine so große Konferenz trotz der besten Absichten damit fertig werden könnte, konkrete vertragliche Abmachungen auszuarbeiten. Wenn die
Konferenz auf der anderen Seite nur dazu dienen sollte, den Meinungsaustausch
fortzusetzen, den wir hier führen, dann ist nur schwer einzusehen, wie sie zur
Debatte hier in diesem Ausschuß etwas hinzufügen könnte. Darüber hinaus könnte eine hinausgezogene Debatte Anlaß zu erhitzten Wortwechseln geben, die für
die Lösung der Probleme der Rüstungskontrolle und Abrüstung nicht relevant
sind. Solche Wortwechsel würden der Sache der Abrüstung nur schaden.

Zusammenfassung
Ich habe versucht, zusammenfassend darzustellen, wo wir in unserer Arbeit stehen. Offensichtlich sind wir nicht an allen Fronten so rasch vorangekommen, wie wir es uns gewünscht hätten..In dieser Hinsicht müssen wir uns
offen eingestehen, daß es Elemente der Trennung und des Mißtrauens gibt, die
seit langem in der Welt bestanden haben. Es wird eines Prozesses der Kompromisse, der Überwindung alter politischer Differenzen bedürfen, und wir müssen
ideologische Unterschiede auf ihren rechten Platz verweisen, wenn wir ein
rascheres Tempo des Fortschritts auf allen Sektoren der Rüstungskontrolle und
Abrüstung erreichen wollen.
Aber wir müssen ebenso erkennen, daß keineswegs Anlaß zur Verzweiflung
besteht - sondern eher das Gegenteil. Auf dem Gebiet der strategischen Rüstungskontrolle ist sogar ein sehr wesentlicher Fortschritt eingetreten, und
es bestehen gute Aussichten für einen weiteren Fortschritt in nicht zu ferner
Zukunft. Auf dem Gebiet der konventionellen Streitkräfte werden wir mit dem
Beginn der tatsächlichen Verhandlungen über die beiderseitige Verringerung
der Streitkräfte und Rüstungen in Mitteleuropa bald Zeuge eines Unterfangens
von überragender Bedeutung sein.
Von

-9-

�Von all den Gebieten der gefährlichen Konfrontation hat im Laufe der
Zeit wohl keine unser Denken stärker oder nachhaltiger beherrscht als gerade
dieses, denn eine Feuersbrunst in diesem Gebiet würde wohl kaum irgendeinen
Teil der Welt unberührt lassen.
Letztlich und vor allem können wir aus dem weltweiten Wachstum einer
Idee Mut fassen - einer Idee, die das Kardinalprinzip all unserer Arbeit auf
dem Gebiet der Rüstungskontrolle und Abrüstung ist: daß Begrenzungen die
Sicherheit und Stabilität besser gewährleisten können als selbst der höchste
Stand der Rüstungen.

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DEUTSCHE LEHRER ALS GÄSTE AMERIKANISCHER FAMILIEN
Die American Host Foundation und ihr Programm
für das Jahr 1974

Die American Host Foundation, eine seit 1962 bestehende
private, gemeinnützige Stiftung mit Sitz in New York City,
lädt für das kommende Jahr 250 Lehrer aus der Bundesrepublik
Deutschland zur Teilnahme an einem Studienprogramm ein, das
Pädagogen aus europäischen Ländern einen vierwöchigen Aufenthalt in den USA als Gäste amerikanischer Familien ermöglicht.
Das gesamte Programm wird mit Zuwendungen und Spenden
amerikanischer Firmen und Privatpersonen finanziert, die es für
wichtig erachten, daß europäische Lehrer das Leben in den USA
kennenlernen. Teilnahmeberechtigt sind Lehrkräfte und in der
Schulverwaltung tätige Personen sowie deren Ehegatten. Einzige
Vorbedingung ist, daß die Bewerber sich in der englischen Sprache
ausdrücken und verständigen können und gegenwärtig im aktiven
Schuldienst stehen.
Die Anreise erfolgt per Flugzeug in Gruppen und zu verschiedenen Terminen. Die Gäste werden sich vor ihrer Weiterreise zu den Gastfamilien zwei Tage in New York aufhalten,
deren Gestaltung jedem einzelnen Teilnehmer überlassen bleibt.
Danach ist ein zweiwöchiger Aufenthalt bei einer ersten Gastfamilie vorgesehen, woran sich weitere zwei Wochen bei einer
zweiten Familie in einer anderen Stadt, meist auch in einem
anderen Staat der USA, anschließen. Am Ende der Reise treffen
alle Programmteilnehmer nochmals in New York zusammen, von wo
aus sie am nächsten Tag den Rückflug nach Europa antreten.
Die amerikanischen Familien erhalten für die Aufnahme europäischer Gäste keine Vergütung. Sie tun es, weil sie ein persönliches Interesse an der Aufnahme und Pflege von Kontakten
mit Angehörigen anderer Völker haben. In den vergangenen elf Jahren haben mehr als 5000 europäische Lehrer
- 1 -

�• I

Freundschaft mit annähernd 12 OOO amerikanischen Familien
schließen können, deren Gäste sie waren.
Die amerikanischen Familien verpflichten sich:
(1) ihrem Gast ein eigenes Zimmer zur Verfügung zu stellen;
(2) ihn in der Familie zu beköstigen;
(3) ihm die Sehenswürdigkeiten am Platz zu zeigen;
(4) ihn mit Freunden und Nachbarn bekanntzumachen und
(5) ihn in jeder Hinsicht wie einen Gast des Hauses zu behandeln.
Alles dies weist darauf hin, daß das American Host Program
nicht als Gelegenheit für eine Rundreise durch die USA verstanden
sein will, sondern als eine einzigartige Gelegenheit, Amerika
und die Amerikaner im ganz privaten Kreis, nämlich in der Familie, kennenzulernen.
Das American Host Program bietet im Sommer 1974 folgende
Gruppenreisen an:
GRUPPE I:

Abflug von einem europäischen Flughafen
(voraussichtliche Route: Paris-Amsterdam-New York
City) am 3. Juli 1974
Rückflug von New York City am 5. August 1974

GRUPPE II:

Abflug (voraussichtliche Flugroute: Paris-AmsterdamNew York City) am 17. Juli 1974
Rückflug von New York City
am 19. August 1974

GRUPPE III

Abflug (voraussichtlich Direktflüg Frankfurt-New York
City via London) am 31. Juli 1974
Rückflug von New York City via London nach Frankfurt/Main am 2. September 1974

Die Teilnahme am American Host Program ist für den Gast nicht
kostenlos. Sein Beitrag beläuft sich bei einem Aufenthalt im östlichen Teil der USA auf 390 Dollar; bei einem Aufenthalt im Mittelwesten oder im Süden der USA auf 490 Dollar; bei einem Aufenthalt an der Westküste Amerikas erhöht er sich auf 650 Dollar,
Eingeschlossen in diesen Preis sind sämtliche Reisekosten, einschließlich Hin- und Rückflug zum europäischen Ausgangspunkt,
nicht jedoch das persönliche Taschengeld, die Mahlzeiten während
des Aufenthalts in New York und die Kosten für Hin- und Rückfahrt

- 2 -

�vom Heimatort zum Flugplatz und zurück.
Wie Tom Murphy, der Begründer und Leiter des American Host
Program ausdrücklich betont, ist dieses Programm nicht für Personen gedacht, die nach Möglichkeiten für eine billige Reise
durch die USA suchen. "Wir", so Murphy, "sind nur an Teilnehmern
interessiert, denen ernsthaft daran gelegen ist, unser Land kennen und verstehen zu lernen."
Interessierte Lehrkräfte und in der SchulVerwaltung tätige
Personen bitten wir Antragsformulare direkt bei nachstehender
Adresse anzufordern:
American Host Program,
Commodore Hotel,
Park Avenue at 42nd Street,
New York, N.Y. 10017
U.S.A.
Alle Antragsteller werden in der Zeit vom 1. Dezember 1973
bis zum 1. März 1974 Gelegenheit zu einem persönlichen Gespräch
mit einem Repräsentanten des American Host Program in Europa
haben. Die für eine Reise ausgewählten Personen erhalten spätestens
bis zum 15. März 1974 eine entsprechende Mitteilung.
Trotz des rein privaten Charakters des American Host Program
wird es wegen seines bedeutenden Beitrags zur internationalen
Verständigung vom US-Außenministerium beratend unterstützt und
gefördert.

+ + + + +

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42/1973

DRITTE SKYLAB-MANNSCHAFT VOR DEM START
Bis zu 85 Tage Aufenthalt im Weltraum vorgesehen
Von G. Weiss

- (AD) - Bis auf 85 Tage könnte, wenn alles gut geht, der Aufenthalt der
dritten SKYLAB-Mannschaft mit Gerald P. Carr (Kommandant, 41), Dr. Edward G.
Gibson (Wissenschaftler, 37) und William R. Pogue (Pilot, 43) an Bord der
experimentellen Raumstation ausgedehnt werden. Der Start vom Kap Canaveral
in einer APOLLO-Kapsel auf der Spitze einer SATURN IB-Rakete ist für den
Nachmittag des 10. November 1973 (17.41 Uhr MEZ) angesetzt.

Die Flugleitung wird nach planmäßigem Ablauf der ersten zwei Monate
von Fall zu Fall entscheiden, ob der Flug fortgesetzt wird. Die Genehmigung
dazu hängt, ganz abgesehen vom Gesundheitszustand der Astronauten und den
dann noch vorhandenen Vorräten, von einer Vielzahl von Faktoren ab. So werden
die Leistungen der Besatzung und ihre Möglichkeiten zur Einhaltung des Arbeitsprogramms ebenso eine Rolle spielen, wie die Gemütsverfassung nach der
langen Zeit der Isolierung. Gerade die SKYLAB-Mission hat eindringlich gezeigt, wie schwer die Reaktionen von Raumfahrern auf die Lebensbedingungen in
der Schwerelosigkeit und in der nahezu totalen Abgeschiedenheit vorauszusagen sind.

Der "Lernprozeß", der sich aus den Berichten zurückgekehrter Astronautenmannschaften bisher ergab, dürfte, wie schon die zweite Mannschaft erfahren
- 1 -

k

�t

erfahren konnte, auch bei den drei Weltraumneulingen viel dazu beitragen,
etwa auftretende Schwierigkeiten zu überwinden und Probleme richtig anzugehen. Im Verlauf der zweiten Mission mit den Astronauten Bean, Dr. Garriott
und Lousma führte dies sogar dazu, daß die Drei schließlich weitaus mehr zustande brachten, als von ihnen auf Grund des Arbeitsprogramms erwartet wurde.
Wie sie nach der Rückkehr erklärten, hatten sie, nachdem die Schwierigkeiten
der Anpassung an die Schwerelosigkeit erst einmal überwunden waren, sogar
den Eindruck, "für dauernd dort draußen bleiben zu können". Auch die Wiederanpassung des Organismus an die Erdenschwere nach der Rückkehr vollzog sich
überraschend schnell.

Mit SKYLAB III wird eines der bemerkenswertesten Kapitel in der Geschichte der bemannten Raumfahrt abgeschlossen. Die drei Astronauten werden
die meisten der von ihren Vorgängern begonnenen Arbeiten fortsetzen, jedoch
in erster Linie sich mit Aufgaben der Erderkundung befassen. Dabei spielt
die Untersuchung des Sahel-Gürtels mit den seit Jahren von einer verheerenden
Dürre heimgesuchten Gebieten in Afrika eine besondere Rolle. Im Verein mit
den Beobachtungen des unbemannten Satelliten ERTS I werden die Astronauten
versuchen, durch regelmäßige photographische Aufnahmen den Wissenschaftlern
auf der Erde Material an die Hand zu geben, das Hinweise auf möglicherweise
nutzbare Wasservorkommen enthält. Solche Hinweise liefern nach Morris Deutsch
vom Geologischen Bundesamt der USA bestimmte geologische Strukturen, Vegetation, die Ausdehnung von Mündungsdeltas ins Landinnere, Bodenfeuchtigkeit
und die Verteilung bewässerter Gebiete.

Da SKYLAB während der Zeit der Herbst- und Wintermonate auf der nördlichen Halbkugel besetzt sein wird, haben Carr, Dr. Gibson und Pogue eine einzigartige Möglichkeit, auch die See- und Eisverhältnisse zu beobachten. Durch
Berechnung der Schnee- und Eismassen hoffen sich die Hydrologen z.B. genauere
Vorstellungen vom Ausmaß von Hochwasser infolge der Schneeschmelze im Frühjahr
machen zu können. Die Verlängerung des Fluges über die ursprünglich vorgesehenen 59 Tage hinaus würde den Astronauten Gelegenheit geben, die Erdbeobachtungskameras 10 bis 14 Mal öfter, als zunächst geplant, einzusetzen. Für
diese Aufnahmeserien müssen jeweils ganz bestimmte Bedingungen im bezug auf
- 2-

�auf Sonnenstand, wolkenfreie Sicht und Flugrichtung der SKYLAB-Station
abgewartet werden.

Einen einzigartigen Gewinn für die Astronomie verspricht man sich von
der Beobachtung des Kometen Kohoutek, der im Dezember seine größte Sonnennähe
erreicht und möglicherweise heller als der Halleysche Komet am Himmel erscheint.
Er wurde im März 1973 von Dr. Lubos Kohoutek an der Hamburger Sternwarte entdeckt. Damals zeigte er sich als verwischter, wandernder Lichtpunkt am Himmel
auf Positionen zwischen den Umlaufbahnen von Mars und Jupiter. Noch im Dezember
wird Kohoutek nach dem Mond das zweithellste Objekt am Nachthimmel sein. Der
Komet nähert sich der Sonne bis auf 20 Millionen Kilometer; den Scheitelpunkt
wird er- am 28. Dezember erreichen. Carr, Dr. Gibson und Pogue können den
Kometen mit modernsten Hilfsmitteln der Astronomie außerhalb der störenden
Lufthülle der Erde verfolgen.

SKYLAB III ist das 30. bemannte Raumfahrtunternehmen der USA, das 49. in
der Gesch-i ;hte des Raumflugs von Menschen. Wenn es sich in der letzt vorgesehenen Dauer durchführen läßt, werden die amerikanischen Astronauten allein
im Verlauf des Jahres 1973 etwa 10 000 Mann-Stunden angesamm« 1t haben - das
entspräche 415 Tagen Aufenthalt eines Astronauten im Weltraum. Die erste
SKYLAB-Gruppe blieb 28 Tage, die zweite 59 Tage an Bcrd des Himmels 1 aborator i ums.

- 3 -

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42/1973

MIT TRANSPORTMITTELN LEBEN
Mehr Sicherheit auf den Straßen - Abgasbekämpfung
und Massenverkehrsmittel im CCMS-Programm der NATO

--(AD)— Die "Internationale Resolution für Sicherheit auf den Straßen",
die die CCMS-Gruppe der NATO auf ihrer Plenarsitzung in Brüssel am 24.
Oktober 1973 verabschiedete, bildet den Rahmen für die Verwirklichung
der Empfehlungen, die bisher mit dem Projekt "Straßensicherheit" erarbeitet wurden. Bei diesem Projekt handelt es sich um eine der ersten
Leitstudien, die der "NATO-Ausschuß für Fragen der Modernen Gesellschaft"
(CCMS) unmittelbar nach seiner Konstituierung im Jahre 1969 in Angriff
nahm. Die Studie sollte Pionierarbeit dafür leisten, die Unfallforschung
zu standardisieren, Alkohol am Steuer besser zu bekämpfen, neue Verfahren
der technischen Prüfung von Kraftfahrzeugen zu entwickeln, die medizinische Unfallversorgung zu verbessern, Fußgänger mehr zu schützen, der
Kosten-Nutzen-Analyse größeres Gewicht beizumessen, gefährliche Straßenführungen zu unterbinden und "Sicherheitsautos" zu entwickeln.
An allen obengenannten Projekten wurde in der Zwischenzeit mit erheblichem Aufwand an Zeit, Geld und Spezialisten intensiv gearbeitet. Allein
auf dem Teilgebiet "Sicherheitsauto" (ESV . Experimental Safety Vehicle)

-l-

�Vehicle) haben die Autofirmen von sieben Ländern, deren Regierungen sich offiziell in das Programm einschalteten, mehr als 150 Millionen Dollar in die
einschlägige Forschung und Entwicklung investiert. Zwölf Firmen stellten
16 verschiedene Typen von Sicherheitsfahrzeugen vor. Der damit verbundene
Austausch an technischen Informationen ist sicherlich der umfangreichste
in der ganzen Geschichte der Automobilindustrie. Jetzt kommt es darauf an,
die darauf basierenden Empfehlungen für gemeinsame nationale und internationale Aktionen wirksam in die Praxis umzusetzen, um der Seuche "Verkehrsunfälle" endlich Paroli zu bieten. Deshalb ist die "Internationale Resolution für
Sicherheit auf den Straßen" als Appell an alle Länder zu verstehen, an der
Lösung dieses weltweiten Problems mitzuarbeiten.
Der gegenwärtige Stand der Entwicklung abgasarmer Antriebssysteme, mit
der sich die häufig als "Umweltausschuß" titulierte CCMS-Gruppe der NATO
ebenfalls befaßt, war schon Mitte Oktober auf einem sechstägigen Symposion
in Ann Arbor (Michigan) eingehend erörtert worden. Etwa 70 Fachleute aus
15 NATO-Ländern sowie aus Schweden, dazu 250 Delegierte von europäischen,
japanischen und amerikanischen Autofirmen nahmen an der Tagung teil. Es war
die erste dieser Art seit der Inangriffnahme des CCMS-Projekts im Jahre 1970,
das dazu beitragen soll, die Luftverschmutzung zu verringern.
In den Diskussionen zeigte sich, daß die Probleme in den einzelnen Ländern unterschiedlich bewertet werden, äo bereitet in Frankreich und England
der Lärm erheblich mehr Sorge als die Luftverschmutzung, während man in den
Niederlanden und einigen anderen Ländern sich mit beiden Gebieten gleichermassen intensiv zu befassen hat. Die holländischen Behörden wollen in den nächsten drei bis fünf Jahren z.B. die Luftverpestung und Lärmbelästigung durch
Lastwagen und Omnibusse mit Dieselmotoren stärker als bisher bekämpfen.
Eric 0. Stork von der US-Umweltschutzbehörde verwies darauf, daß nunmehr die Frage der Kilometerleistung und Wirtschaftlichkeit der Fahrzeuge
den gleichen Rang einnehme wie die Probleme des Umweltschutzes. Deshalb

-2-

�Deshalb gewinnen kleinere Fahrzeuge, Spezialbereifung und der Verzicht auf
Ausrüstungen, die den Treibstoffverbrauch erhöhen, immer größere Bedeutung.
Den Anstoß zu der Tagung von Ann Arbor gab ein im Jahre 1972 von der
Bundesrepublik Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, den Niederlanden und den USA unterzeichnetes Abkommen mit dem Ziel, ihre Forschungen
auf den einschlägigen Gebieten zu koordinieren. Diese Zusammenarbeit soll
jetzt z.B. durch den rechtzeitigen und geregelten Austausch technischer Informationen über Forschung, Entwicklung und Erprobung abgasarmer Antriebssysteme weiter verbessert werden, so daß es keinesfalls zu Parallelentwicklungen kommt.
Dr. Dieter Hartmann vom Bundesinnenministerium berichtete, daß man in
der Bundesrepublik Deutschland vordringlich Verbesserungen am konventionellen Antrieb für Kraftfahrzeuge anstrebe, um die Emission schädlicher Abgase
zu verringern. Diese sollen 1980 nur noch ein Zehntel der 1969 üblichen Mengen betragen. Außerdem soll die Treibstoffökonomie verbessert werden. Auf
längere Sicht werde man sich jedoch auch auf neuartige Antriebssysteme,
unter anderem Gasturbine und Stirling-Motor, stärker konzentrieren, um deren
Möglichkeiten auf breiter Basis auszuloten.
Den Erfahrungen Schwedens zufolge,wo bereits viel Mühe auf die Weiterentwicklung des Dampfantriebs nach dem Stirling-Prinzip verwendet wird, ist dieser Motor jedoch noch sehr kostspielig. Dennoch sei auf weite Sicht viel
von dieser Entwicklung zu erhoffen. Ollie Ljungstroem vom Schwedischen Rat
für Technische Entwicklung trat nachdrücklich für die Reduzierung des Fahrzeuggewichts von Personenkraftwagen auf weniger als eine Tonne ein. Dies helfe,
fossile Treibstoffe zu sparen und die Belastung der Atmosphäre durch Abgasverbindungen zu verringern, die zum sogenannten Gewächshauseffekt, einer unzureichenden Wärmeabstrahlung der Erdatmosphäre in den Weltraum, beitragen.

Ein

3»

�Ein "Durchbruch" in der Entwicklung elektrischer Antriebe, z.B. mit
der Verwendung von Brennstoffzellen als Energiequelle, ist nach Ljungstroem
dringend notwendig. Aber die Konferenzteilnehmer waren sich in der Beurteilung der erheblichen und zahlreichen Schwierigkeiten in bezug auf die Entwicklung brauchbarer Elektroantriebe einig. Dennoch war wiederholt zu hören,
daß der Elektromotor letztlich wohl die beste Lösung des Problems bringen
könne.
In den europäischen Ländern, wo gegenwärtig die Zahl der Kraftfahrzeuge doppelt so schnell ansteigt wie in den Vereinigten Staaten, ist man an
einem umfassenderen Informations-und Erfahrungsaustausch besonders stark
interessiert. Die Verbesserung und Ausweitung der Massenverkehrsmittel in
den Großstädten - bei zunehmender Einschränkung des Individualverkehrs im
Stadtzentrum - wird jedoch diesseits wie jenseits des Atlantik immer wichtiger werden. Dem Zweitwagen wird auf weite Sicht keine große Chance mehr
gegeben. Die in der Zukunft zu erwartenden hohen Kosten für Benzin werden
nach Ansicht Dr. Hartmanns dazu beitragen, daß sich andere Antriebsarten
durchsetzen. Aber selbst in einem solchen Fall dürfte es notwendig werden,
auf private Stadtfahrten mit dem Wagen weitgehend zu verzichten.

-H-+

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BERICHTIGUNG zu Nr. 41/1973, 25. Oktober 1973, Artikel "Die Energielücke
in der Mikroweit". Den vorletzten Absatz bitten wir wie folgt zu ersetzen:

Dr. Josephson (33) hatte bereits als 20jähriger auf dem Gebiet der
Supraleitfähigkeit zu arbeiten begonnen, um jenen von Onnes entdeckten
Effekt zu studieren, der bei extremer Abkühlung des Leiters Ströme mit so
hoher Energie fließen läßt, daß kein weiterer Strom zugeführt zu werden
braucht. Anfang der sechziger Jahre sagte Josephson im Zusammenhang mit
der Erzeugung von Suprastrom bestimmte physikalische Phänomene voraus, die
dann auch experimentell nachgewiesen wurden. Diese "Josephson-Effekte" beziehen sich auf Stromfluß und Spannung beim Anschließen von zwei nur durch
eine dünne Isolierwand getrennte Schichten superleitfähiger Metalle an
eine äußere Spannungsquelle. Der Strom überwindet - »durchtunnelt1 - die
Isolierschicht, die Spannung erlischt. Dieser Gleichstrom geht jedoch in
einen hochfrequenten Wechselstrom bei Abgabe elektromagnetischer Strahlung
aus der Isolierschicht über, wenn man die angelegte Spannung erhöht. Die
Bemühungen um eine technische Nutzung des "Tunnel-Phänomens", d. h. einen
Einsatz der Isolierschicht zur Steuerung der Passage von Strom in supraleitenden Elementen, könnte z.B. dazu führen, daß man Computer entwickelt,
die bei extrem tiefer Arbeitstemperatur sehr hohe Operationsgeschwindigkeiten erreichen.
Dr. E s a k i . . .

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Pressekonferenz Präsident Nixons am 26. Oktober 1973&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut der einleitenden Erklärung des Präsidenten -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Erklärung von Botschafter Martin zu Fragen der Rüstungskontrolle&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Auszüge -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Deutsche Lehrer als Gäste amerikanischer Familien&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Die American Host Foundation und ihr Programm für das Jahr 1974 -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Dritte SKYLAB-Mannschaft vor dem Start&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Bis zu 85 Tage Aufenthalt im Weltraum vorgesehen -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von G. Weiss&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Mit Transportmitteln leben&lt;br /&gt;&lt;em&gt;&lt;em&gt;- Mehr Sicherheit auf den Straßen - Abgasbekämpfung und Massenverkehrsmittel im CCMS-Programm der NATO -&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;&lt;/em&gt;&#13;
&lt;div class="page" title="Page 1"&gt;&#13;
&lt;div class="layoutArea"&gt;&#13;
&lt;div class="column"&gt;&#13;
&lt;p&gt;&lt;span&gt;&lt;strong&gt;Berichtigung &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;zu Nr. 41/1973:"Die Energielücke in der Mikroweit"&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&#13;
&lt;/div&gt;&#13;
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und
Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

42

31. Oktober 1979

I N H A L T

DOKUMENTATION
Senator Nunn zu MBFR und zur TNF-Modernisierung
- Wortlaut der Rede vom 22. Oktober 1979 -

HINTERGRUNDMATERIAL
US-NATO-Botschafter erörtert TNF-Modernisierungsprogramm
- Interview mit Botschafter W. Tapley Bennett,Jr. -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Magnetfeldforschung aus dem Weltraum
- MAGSAT-Meßdaten als Indikator für Bodenschätze und Schollenbewegungen
in der Erdkruste Synthesegas aus Braunkohle

Um Über/endung von
Belegexemplaren wird
gebeten

Postfach 20 03 0 0
D 5 3 0 0 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 4 0
Telex:08-85432

�Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America
42

31. Oktober 1979

SENATOR NUNN ZU MBFR UND ZUR TNF-M0DERN1SIERUNG
- Wortlaut der Rede vom 22. Oktober 1979 -

WASHINGTON - (AD) - Der demokratische Senator Sam Nunn aus Georgia
hat am 22. Oktober 1979 in Washington auf einer von dem "Institute for
Foreign Policy Analysis" und der Konrad-Adenauer-Stiftung veranstalteten
Tagung eine vielbeachtete Rede gehalten, die folgenden Wortlaut hat:

Ich freue mich und fühle mich geehrt, an einer Diskussion über einen
beiderseitigen und ausgewogenen Truppenabbau (MBFR) teilzunehmen, die von
dieser hervorragenden Gruppe veranstaltet wird.

Ich bin der Meinung - und

habe das in den vergangenen Jahren bei verschiedenen Gelegenheiten auch gesagt - daß idealerweise die MBFR-Gespräche und die SALT II-Verhandlungen
auf einem parallelen Kurs hätten ablaufen sollen.

Es ist nicht meine Absicht, mich hier heute abend ausführlich über
SALT auszulassen.

Es muß jedoch immer wieder und mit Nachdruck darauf

hingewiesen werden, daß strategische Rüstungsverhandlungen nicht in einem
Vakuum stattfinden können.

Das Ziel unserer Bemühungen um eine Rüstungs-

kontrolle sollte nicht einfach eine Reduzierung der Rüstungen sein.

Postfach 20 03 0 0
D5300 Bonn 2

Das

Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�Das Ziel sollte vielmehr sein, die Sicherheit der westlichen Welt zu fördern
und die Stabilität zu wahren, indem militärische Anreize und Befürchtungen
vermindert werden, die jede Seite zu einem Erstschlag mit irgendwelchen
Waffen ermuntern könnten, seien es nun nukleare oder konventionelle Waffen.

Unglücklicherweise glauben manche Leute in den Vereinigten Staaten, daß
man strategische Nuklearplanung und Rüstungskontrolle von der Planung für
Nuklearstreitkräfte in und für Europa (Theater Nuclear Forces - TNF) sowie
für konventionelle Streitkräfte trennen könnte.
glauben her, daß

Dies rührt aus dem Irr-

ein strategischer Nuklearangriff "aus heiterem Himmel

heraus" die größte Gefahr bedeutet,der sich die Menschheit gegenübersieht.
Wenn auch niemand diese Möglichkeit ausschließen kann und wir deshalb strategische Streitkräfte aufrechterhalten müssen, um vor ihr abzuschrecken, so
ist dies meiner Meinung nach doch der unwahrscheinlichste Hintergrund für
einen Nuklearkrieg.

Es ist viel wahrscheinlicher, daß ein strategischer

nuklearer Schlagabtausch aus einer vorhergehenden Konfrontation zwischen
der Sowjetunion und der freien Welt auf der konventionellen oder der TNFEbene herrührt.

Worauf es ankommt, ist, daß die Vereinigten Staaten, die NATO und die
freie Welt in der Lage sein müssen, vor einem Krieg mit der Sowjetunion abzuschrecken und zwar auf jeder Ebene eines potentiellen Konfliktes:
strategischer Ebene, auf TNF-Ebene und auf konventioneller Ebene.

auf

Dies ist

ein Junktim in seiner wahrsten militärischen Bedeutung, und es hat die Grundlage für die NATO-Triade seit der Formulierung der Strategie der flexiblen
Antwort durch das Bündnis im Jahre 1967 dargestellt.

Es besteht jetzt die

große Gefahr, daß die Elemente dieser Triade auseinander gekoppelt werden,
nicht so sehr aufgrund des SALT II-Protokolls und auch nicht aufgrund der
sowjetischen Bemühungen, das TNF-Modernisierungsprogramm der NATO zu sabotieren.

Die wahre Bedrohung der Integrität der NATO-Triade liegt in dem

Versäumnis des Bündnisses, seine konventionelle und seine TNF-Situation dem
Verlust der strategischen Nuklearüberlegenheit Amerikas anzupassen.

Der

Verlust dieser Überlegenheit schafft die zwingende Notwendigkeit, eine glaubwürdige Abschreckung auf der TNF-Ebene und auf der Ebene der konventionellen

- 2 -

�konventionellen Streitkräfte zu entwickeln.

Wie Sie wissen, hat der sowjetische Staats- und Parteichef Breschnew
am 6. Oktober in Ostdeutschland eine Rede gehalten, in der er ankündigte,
daß die Sowjetunion im Laufe der nächsten zwölf Monate ihre Streitkräfte in
diesem Land um 20 000 Mann und 1000 Panzer verringern wolle.

Breschnew er-

klärte ferner, daß die Sowjetunion bereit sei, ihre auf Westeuropa gerichteten TNF-Waffen zu reduzieren, falls die NATO bereit sei, auf ihre geplante Dislozierung der Pershing II und des Marschflugkörpers (Cruise Missile)
mit großer Reichweite zu verzichten.

In bezug auf jene NATO-Länder, die vielleicht bereit wären, die Pershing II
und die Marschflugkörper auf ihrem eigenen Boden zu akzeptieren, nahm
Breschnew kein Blatt vor den Mund:
"Wir müssen klar und deutlich sagen", so unterstrich er, "daß die Verwirklichung dieser Raketenprojekte radikal die strategische Situation auf
dem europäischen Kontinent verändern und die internationale Atmosphäre vergiften würde, und selbstverständlich müßten wir dann zusätzliche Schritte
ergreifen...

Sollte die Bundesrepublik Deutschland diese neuen Raketen ak-

zeptieren, so ist es nicht schwierig sich vorzustellen, welche Konsequenzen
sie erwarten würde, falls dieses Waffensystem jemals angewendet würde."

Breschnew fügte hinzu, daß die Sowjetunion "niemals Nuklearwaffen gegen
jene Staaten einsetzen wird, die sich weigern, solche Waffen zu produzieren
oder für sich zu erwerben, und sie nicht auf ihrem Territorium stationieren."

Das "Zuckerbrot" in der Rede Breschnews ist seine offensichtliche Bereitschaft, über Begrenzungen hinsichtlich der sowjetischen Mittelstreckensysteme während SALT III zu verhandeln, sowie seine Ankündigung eines einseitigen Abzugs einiger sowjetischer Truppen und Panzer aus Ostdeutschland.

Die "Peitsche" in der Rede Breschnews ist der unverblümte Versuch, die
zukünftige TNF-Struktur der NATO zu diktieren und die NATO in ein MBFR- 3 -

�MBFR-Abkommen hineinzulocken, das die Datenfrage ignoriert.

Die Botschaft

hinsichtlich einer TNF-Modernisierung ist klar. Nachdem die Sowjetunion
ihre eigenen TNF modernisiert hat, ist sie nunmehr bemüht, die NATO daran
zu hindern, ein Ähnliches zu tun.

Nach der Dislozierung des Backfire-

Bombers, der SS-20, der SS-21, der SS-22 und der SS-23 ist die Sowjetunion
bestrebt, die NATO daran zu hindern, ihre eigenen Verbesserungen einzuführen.
Nachdem sie den Propagandakrieg gegen die Neutronenwaffe gewonnen hat, scheint
die Sowjetunion zuversichtlich zu sein, daß sie das Bündnis von einem TNFModernisierungsprogramm abschrecken kann.
Seit Mitte der siebziger Jahre haben die Sowjets ihre TNF bis zu einem
Punkt erweitert und modernsiiert, wo sie jetzt vielleicht als der NATO überlegen hinsichtlich solcher entscheidender Kategorien wie der überlebensfähigkeit, der Beweglichkeit und der Reichweite angesehen werden kann. Die
Sowjets haben die Anzahl ihrer nuklearen Gefechtsköpfe, die für Ziele in
Europa bestimmt sind, verdoppelt. Sie haben zumindest zwei neue nukleare
Artilleriekaliber eingeführt. Sie ersetzen ihre alten taktischen BodenBoden-Raketen mit weitaus beweglicheren und treffsicheren Systemen. Sie
haben eine große Menge neuer taktischer Flugzeuge mit großer Reichweite beschafft, die Nuklearwaffen tragen können. Und mit der Dislozierung der
SS-20 sowie der Backfire-Bomber haben die Sowjets jene territorialen Zufluchtsorte eliminiert, derer sich die NATO einstmals in einem taktischen
nuklearen Schlagabtausch hätte erfreuen können. Darüber hinaus haben die
Sowjets im Gegensatz zur NATO ihre konventionellen Streitkräfte so ausgerichtet, ausgerüstet und ausgebildet, daß sie einen nuklearen und chemischen
Kampf überleben und sogar zu ihren Gunsten nutzen könnten.
Die taktische nukleare Situation der NATO zeigt einige beunruhigende
Kontraste auf.

Die NATO-Streitkräfte verlassen sich weiterhin auf ein In-

ventar unhandlicher und weitgehend veralteter Waffen, die Ende der fünfziger
und Anfang der sechziger Jahre entwickelt wurden.

Die NATO verfügt über zu

viele Waffen des falschen Typs, über Waffen mit zu hoher Sprengkraft, zu verwundbar gegenüber einem gegnerischen Präventivschlag und zu begrenzt in
der Reichweite.

Ja, es kann gesagt werden, daß kein geringer Anteil der etwa
- 4 -

�etwa 7000 nuklearen Gefechtsköpfe, die die NATO heute in Europa disloziert,
gefährlicher für das Bündnis als für den potentiellen Gegner sind, den sie
abschrecken sollen.

Diejenigen, die sich weitgehend vor einer TNF-Moderni-

sierung fürchten, scheinen nicht zu begreifen, daß nichts zu tun die überhaupt größte Gefahr darstellt.

Zwei Drittel der 7000 taktischen Nukleargefechtsköpfe der NATO sind an
Trägersysteme

gebunden, die über eine Reichweite von weniger als 160 Meilen

(rund 160 km) verfügen, wobei die meisten Reichweiten von 10 bis 20 Meilen
haben.

Die begrenzte Reichweite der 155 mm und 8 Inch-Nuklear-Artillerie der

NATO und ihre taktischen Boden-Boden-Raketen - einschließlich der neuen LanceRakete - würden aller Wahrscheinlichkeit nach ihren Einsatz gegen Ziele auf
NATO-Territorium beschränken.

Das Wissen, daß der Großteil der taktischen

Nuklearwaffen der NATO, wenn eingesetzt, auf Schläge gegen Ziele auf NATOTerritorium beschränkt bliebe, wird die Sowjetunion wohl kaum erschrecken
oder abschrecken.

Die Fähigkeit, Pakt-Streitkräfte der zweiten und dritten Linie in Osteuropa und in Westrußland zu neutralisieren, ist das Kernstück jeder glaubwürdigen Abschreckung durch taktische Nuklearwaffen der NATO.

Die Fähigkeit

(des Warschauer Paktes), diese Streitkräfte der zweiten Welle aufzustellen
und sie rasch durch Polen und Ostdeutschland heranzuführen, ist das Schlüsselelement der Überlegenheit des Paktes über die NATO auf konventionellem Gebiet.
Der Pakt verfügt mit der Dislozierung der SS-20 und der in Rußland stationierten
Backfire-Bomber bereits über die Fähigkeit, die Aufstellung und die Heranführung der operativen Reserven der NATO zu stören und diese zu vernichten.

Das Problem ist, daß die NATO heute nicht in der Lage ist, sowjetische
Streitkräfte in den westlichen Militärdisktrikten Rußlands glaubwürdig zu
bedrohen; ja sogar die Fähigkeit der NATO, ein Risiko für Pakt-Streitkräfte
in bestimmten Teilen Osteuropas zu schaffen, ist fraglich.

Diese Fähigkeit

beruht fast ausschließlich auf taktischen Flugzeugen mit größerer Reichweite
und den veraltenden Pershing I-Raketen.

Beide sind in zunehmendem Maße ver-

wundbar gegen präventive Vernichtung durch einen nuklearen, und, wenn es darauf
- 5 -

�darauf ankommt, sogar einen konventionellen Angriff.

Es ist ein Paradoxon,

daß jene NATO-Waffen, die am wenigsten durch einen Präventivschlag verwundbar sind - Nuklearartillerie und kleinere taktische Raketen - weniger Abschreckungswert haben, weil ihnen die Reichweite fehlt, um Pakt-Territorium
zu treffen, wo sie am meisten schaden könnten, während jene Systeme, die
eine größere Reichweite haben, zur präventiven Vernichtung förmlich einladen.
Nach meiner Auffassung besteht eine vorzeigbare Kapazität der NATO darin,
die Bewegung der Reserven des Paktes in und für Europa zu unterbinden oder
sie direkt zu vernichten, bevor sie nach Westeuropa herüberkommen. Das könnte
die Notwendigkeit weitgehend verringern, daß die Nuklearwaffen der NATO auf
das eigene Territorium der NATO abgefeuert werden müßten. Viele Analytiker
auf dem Gebiet der Verteidigung glauben, daß die erste Welle der Streitkräfte
des Paktes - wenn ihnen die ständige Verstärkung und der ständige Nachschub
durch aus Osteuropa heranrückende Streitkräfte der zweiten und dritten Welle
verwehrt wird - allein durch die konventionellen Streitkräfte der NATO isoliert und vernichtet werden könnten. Weitreichende Systeme, wie die Pershing II
und die bodengestützten Marschflugkörper, würden, indem sie Pakt-Streitkräfte
mit Vernichtung bedrohen, ehe sie NATO-Boden erreichen, die derzeitige große
Abhängigkeit der NATO von Waffen mit kurzer Reichweite verringern. Wenn ihre
Dislozierung mit wesentlichen Verbesserungen der Überlebensfähigkeit, der Befehls- und Leitsysteme und der Einsatzkonzeptionen verbunden wird, dann könnten sie den Weg zu einer Verringerung der Zahl der in Europa dislozierten
Nukleargefechtsköpfe bereiten.
Das vorgeschlagene Modernisierungsprogramm ist ein nachhaltiger erster
Schritt zur Verbesserung. Es würde die Reichweite und die Überlebensfähigkeit
wesentlich steigern. Die NATO steht noch immer vor der Aufgabe, Befehlsund Leitsysteme sowie Doktrin und Einsatzkonzeptionen zu verbessern. Die NATO
muß auch ein Programm für die Verbesserung der Überlebensfähigkeit der allgemeinen Streitkräfte unter nuklearen Verhältnissen entwickeln.
Wenn

�Wenn die Rede Breschnews vom 6. Oktober ein Hinweis sein sollte, dann
scheint es, daß die Sowjetunion tief besorgt ist über den Fortschritt, den
die NATO-Gruppe auf hoher Ebene bei der Ausarbeitung eines TNF-Modernisierungsprogramms gemacht hat.

Die Pershing II und der Marschflugkörper mit

großer Reichweite sind nicht lediglich wirksame Gegenmittel gegen die SS-20
und den Backfire-Bomber.

Die ihnen innewohnende Mobilität macht sie weniger

verwundbar durch einen Präventivangriff unter der Annahme einer minimalen
taktischen Vorwarnzeit.

Es scheint jedoch ferner, daß sich die Sowjetunion akut bewußt ist,
daß das Wissen des Bündnisses um die Dinge, die getan werden müssen, nicht
durch den entsprechenden politischen Willen, es zu tun, ergänzt wird.

Die

Sowjets wissen, daß die Niederlande, Belgien und der linke Flügel der regierenden Sozialdemokratischen Partei in Deutschland die schwächsten Glieder in der NATO-Kette bezüglich dieser Angelegenheit sind.

Sie wissen, daß

die Niederländer zögern, TNF-Waffen mit großer Reichweite auf ihrem eigenen
Boden zu akzeptieren, und sie können in den Zeitungen lesen, daß eine glatte
Ablehnung der Niederländer, das zu tun, das ganze TNF-Modernisierungsprogramm
zu Fall bringen könnte, da es entsprechende Ablehnungen durch die Bundesrepublik
Deutschland, Belgien und Italien auslösen könnte.

Paradoxerweise macht die

klaffende Lücke in der konventionellen Vorneverteidigung der NATO, als das
"Gebiet des niederländischen Korps" bekannt, die TNF-Modernisierung nur umso
zwingender.

Die Präsenz einer einzigen niederländischen Brigade in der Bun-

desrepublik Deutschland, statt des erforderlichen vollen Korps von zwei Divisionen stellt eine ständige Einladung zu einer sowjetischen Militärparade
bis hin nach Amsterdam dar.

Nach einem Bericht der New York Times vom 18. Oktober hat der Vorsitzende
der Verteidigungskommission des niederländischen Parlaments, de Vries, erklärt:

"Wenn die Niederlande der Stationierung neuer amerikanischer Mittelstreckenraketen auf ihrem Territorium nicht zustimmen sollten, dann wäre die
Regierung von Bundeskanzler Schmidt nicht in der Lage, NATO-Plänen für eine
- 7 -

�eine Dislozierung der Raketen in Westdeutschland zu folger)."
Ich neige stark zu der Annahme, daß entweder die New York Times Herrn
de Vries falsch zitiert hat oder daß Herr de Vries die Position der Regierung Schmidt falsch dargestellt hat.
Bundeskanzler Schmidt ist eine der im militärischen Bereich scharfsichtigsten Führungspersönlichkeiten der westlichen Welt, und er hätte nicht
die Notwendigkeit der TNF-Modernisierung für die NATO bekräftigt, wenn er
nicht daran glauben würde.

Nachdem er bekräftigt hat, daß die Modernisierung

für die deutsche Sicherheit und für die NATO notwendig ist, bin ich fest davon überzeugt, daß Bundeskanzler Schmidt nicht zulassen würde, daß diese Entscheidung durch das niederländische Parlament zu Fall gebracht wird.

Daher

bin ich auch ermutigt, daß die deutsche Regierung die Richtigkeit des Artikels
in der New York Times später dementiert hat.

Ich kann es nicht glauben, daß

der ehemalige bundesdeutsche Verteidigungsminister und jetzige Bundeskanzler
die künftige Sicherheit seines eigenen Landes und Westeuropas in die Hand des
niederländischen Parlaments legen würde.

Ich weiß, das britische Parlament

würde das nicht tun,und auch die Belgier und die Italiener würden es meiner
Meinung nach nicht tun.
Damit ich nicht mißverstanden werde: Ich habe die Hoffnung nicht aufgegeben, daß die niederländische Regierung und das Parlament die TNF-Modernisierung billigen werden. Ich weiß, daß es sowohl in der niederländischen
Regierung als auch beim niederländischen Militär kluge und politisch mutige
Persönlichkeiten gibt, die die Gefahr erkennen, die der Status quo in sich
birgt.
•

Jene wohlmeinenden Seelen, die die Modernisierung ablehnen, sprechen
unbeabsichtigt für einen Kurs, der
1. sich weiterhin auf eine exzessive Anzahl taktischer Nuklearwaffen
verlassen würde;
2. weiterhin

�2. weiterhin zu präventiven Angriffen auf solche Systeme bei jeder
Konfrontation einladen würde;

3. die Abschreckung vermindern und die Möglichkeit einer Fehlkalkulation erhöhen würde, die zu einem Krieg führen könnte;

4. die Aussichten auf ausgehandelte beiderseitige Verringerungen schmälern würde; und
5. zu einer NATO-Dyade führen würde, die nur aus strategischen Kernwaffen und den konventionellen Streitkräften besteht.

Wenn die TNF-Modernisierung in Europa durchkreuzt werden sollte, hätten
die Vereinigten Staaten eines Tages keine andere Wahl, als schließlich die
Möglichkeit des Abzugs jener Waffen ins Auge zu fassen.

Eine TNF-Position,

die für die NATO gefährlicher ist als für den Warschauer Pakt, muß modernisiert oder aber aufgelöst werden.

Sie kann nicht einfach ignoriert werden.

In diesem Jahrhundert sind viele Amerikaner auf den europäischen Schlachtfeldern gefallen.

Wir sind erneut dazu bereit, aber nur für ein Europa, das

sich für seine eigene Verteidigung einsetzt.

Die Alternative besteht natürlich darin, daß die Westeuropäer Präsident
Breschnew beim Wort nehmen, als er versprach, "niemals Kernwaffen gegen jene
Staaten einzusetzen, die es ablehnen, solche Waffen herzustellen oder für
sich selbst zu beschaffen ,und sie nicht auf ihrem Staatsgebiet haben".

Angenommen, Herr Breschnew und seine Nachfolger halten dieses Versprechen,
so würden unsere europäischen Verbündeten und Freunde so sicher, geschützt
und frei sein wie Ungarn und die Tschechoslowakei, die beide einen Nuklearangriff durch die Sowjets vermieden haben.

Das TNF-Modernisierungsprogramm wurde auch mit dem merkwürdigen Argument der Niederländer und einiger anderer Europäer konfrontiert, daß die
Ratifizierung von SALT II eine Vorbedingung für die Annahme des Programms
- 9 -

�Programms sei.

Das Argument scheint zu sein:

"Wenn SALT abgelehnt oder

verzögert wird, dann werden wir diesen Amerikanern eine Lektion erteilen.
Wir werden

sie zwingen, ihre gefährlichen, nichtüberlebensfähigen, wirkungs-

losen Waffen mit kurzer Reichweite auf unserem Boden zu belassen."

Dies er-

innert mich an einen Film der Marx-Brothers, in dem Chico, dessen Leben von
bewaffneten Räubern bedroht wird, sich eine Waffe an den Kopf hält und ruft:
"Wenn ihr näher kommt, drücke ich ab!".
Dazu muß ich sagen: Wenn das Modernisierungsprogramm wegen Verzögerung
oder sogar Ablehnung von SALT II durch den Senat gestrichen wird, war die
Unterstützung für die TNF-Modernisierung bei der NATO wahrscheinlich so
schwach, daß sie ohnehin nicht zustande gekommen wäre.
Unsere NATO-Verbündeten sind gleichberechtigte Partner und sollten mit
allem Respekt behandelt werden. Sie haben logische und stimmige Argumente
dafür, daß SALT II gebilligt werden sollte. Ich werde mir die Gedanken und
Ideen unserer Freunde und Verbündeten sorgfältig anhören. Die Drohung einer
Zurückweisung der TNF-Modernisierung ist jedoch kein Argument, das ich ernsthaft erwägen werde. Würde man diese Drohung als ein ernsthaftes Argument
für die Ratifizierung von SALT II akzeptieren, dann müßte man daraus schließen, daß unsere Verbündeten sich nicht für ihre eigene Verteidigung einsetzen.
Sollte dies der Fall sein, dann wäre die Zukunft des Bündnisses nicht rosig,
gleichgültig, ob SALT ratifiziert oder verworfen wird.
Die Rede Breschnews vom 6. Oktober war deutlich ein gutgezielter Torpedo,
der auf das TNF-Modernisierungsprogramm gerichtet war. Um nichts weniger
aber war sie ein kalkulierter Schritt, um den gegenwärtigen toten Punkt hinsichtlich der Daten auf der Wiener Konferenz über beiderseitige und ausgewogene Truppenverminderungen (MBFR) zu umgehen. Die Gespräche in Wien sind
festgefahren, weil der Warschauer Pakt weiterhin darauf besteht, 180 000
Mann weniger Truppen in dem durch die Richtlinien abgesteckten Gebiet stationiert zu haben,als die NATO annimmt. Entweder sind die Nachrichtendienste
der NATO völlig im Irrtum oder die Sowjetunion macht sich einer gröbl ichen

- 10 -

�gröblichen Täuschung schuldig.

Ich bin geneigt, mir die letztere Erklärung

zu eigen zu machen.
Man kann jedoch argumentieren, daß sogar eine Lösung des Zahlenstreits
über Truppenstärken, die für die NATO zufriedenstellend ausfällt, noch immer
keine Grundlage für ein vernünftiges MBFR-Abkommen abgibt.

Die beharrliche

Konzentration der NATO auf Erzielung von Verminderungen hauptsächlich im Bereich der Truppenstärken spiegelt eine grundlegend falsche Auffassung wider,
daß nämlich Truppenstärken der entscheidende Indikator der jeweiligen militärischen Kapazitäten der NATO und des Warschauer Paktes seien.
Im derzeitigen Richtliniengebiet stehen die 792 000 Mann Landstreitkräfte der NATO nicht einfach den 935 000 Mann der Truppen des Warschauer
Paktes jenseits der innerdeutschen Grenze gegenüber. Sie stehen 57 Pakt-Divisionen gegenüber, die für einen überraschenden Blitzkrieg organisiert,
disloziert, ausgebildet und ausgerüstet sind, in dem eine Angriffsgeschwindigkeit von bis zu 100 km täglich möglich wäre. Mobilität, Feuerkraft,
Organisation und Taktik regieren den Kampfverlauf auf dem modernen Schlachtfeld - nicht die Anzahl der Soldaten. Indem die NATO auch weiterhin ihre
Aufmerksamkeit auf die Gesamttruppenstärke richtet, ja, sich sogar darauf
konzentriert, verfolgt sie in Wien ein Abkommen, das für die Realitäten des
militärischen Kräfteverhältnisses in Europa irrelevant sein könnte.
Sogar wenn Mannschaftsstärke ein sinnvoller Maßstab militärischer Macht
wäre, dann würden solche Begrenzungen wahrscheinlich ohne Inspektionen vor
Ort nicht verifizierbar sein. Die Bewegungen sowjetischer Truppen nach und
von Mitteleuropa können mit nur wenig Zuversicht verfolgt werden, und aufgrund der Nähe der Sowjetunion zu Mitteleuropa würde ein vom Gedanken der
Truppenstärke beherrschtes MBFR-Abkommen in sich selbst unausgewogen sein.
Kurz: Verringerungen der Truppenstärke können sicher Teil eines MBFR-Abkommens sein, aber solange es nicht von anderen Maßnahmen begleitet wird,
wäre ein solches Abkommen Selbstbetrug.
Bisher
- 11 -

�Bisher wurden die MBFR-Verhandlungen unter dem Gesichtspunkt betrachtet,
daß allein die Präsenz umfangreicher Streitkräfte in Mitteleuropa die Quelle
militärischer Instabilität auf dem Kontinent sei.
nung.

Ich bin nicht dieser Mei-

Meiner Ansicht nach wurzelt diese Instabilität nicht in der Präsenz

von Streitkräften, sondern vielmehr in der Möglichkeit ihres plötzlichen und
unerwarteten Einsatzes.
Seit der formellen Annahme der Strategie der flexiblen Antwort durch
die NATO im Jahr 1967

ruhte die Verteidigung Westeuropas auf der Vorausset-

zung, daß die NATO bei einer größeren Invasion durch den Warschauer Pakt genügend Vorwarnzeit haben würde.

Diese Voraussetzung schien in den späten

sechziger und frühen siebziger Jahren gültig zu sein.

Die vorne dislozierten

sowjetischen Streitkräfte in Osteuropa schienen unfähig, eine solche Invasion ohne umfangreiche, zeitraubende und daher feststellbare Verstärkung aus
den westlichen Militärdistrikten der Sowjetunion durchzuhalten.

Dies ist

nicht mehr länger der Fall.
Wie in dem Bericht, den der verstorbene Senator Bartlett und ich dem
Senat im Januar 1977 vorlegten, nachgewiesen wird, hat die Modernisierung
und Verstärkung der sowjetischen Streitkräfte im Richtliniengebiet im Verlauf der letzten zehn Jahre dem Warschauer Pakt die Kapazität verliehen,
eine potentiell entscheidende Invasion Westeuropas ohne vorherige Verstärkung zu unternehmen. Sowjetische Streitkräfte in Rußlands westlichen Militärdistrikten brauchen nicht mobilisiert zu werden, bevor der Angriff begonnen
hat.
Die Folgen einer Invasion durch den Warschauer Pakt mit nur wenig oder
keiner Vorwarnung sind für die NATO weitreichend. Es ist dem Bündnis als
Verdienst anzurechnen, daß sein Langfristiges Verteididungsprogramm, wenn es
voll verwirklicht wird, die Kapazität der NATO, einem Überraschungsangriff
zu widerstehen, vergrößern wird. Wenn jedoch die Lösung der Probleme, die
sich durch die verminderte Vorwarnzeit stellen, das zentrale Ziel der Planung
der NATO-Streitmacht ist, muß eine Wiederherstellung der angemessenen Vor- 12 -

�Vorwarnzeit das überragende Rüstungskontroll ziel des Bündnisses in Wien sein.

Rüstungskontrolle muß die Dienerin der Streitkräfteplanung sein, nicht
ihr Herr.

Unglücklicherweise könnte die Verfolgung des Ziels der beidersei-

tigen Verminderung des Kräftestands das gegenwärtige Ungleichgewicht nicht
verändern.

Die Beibehaltung des bestehenden konventionellen Kräfteverhält-

nisses in Mitteleuropa auf einem niedrigeren Stand der Streitkräfte würde
keinerlei Garantie gegen die Gefahr eines Angriffs ohne Warnung bieten.

Aus meiner Sicht ist es schon lange überfällig, unser Hauptinteresse
auf der MBFR-Konferenz von der Verminderung der Präsenz militärischer Streitkräfte in Mitteleuropa auf die Verhinderung ihres Einsatzes in plötzlicher
und unerwarteter Weise zu verlagern.

Das heißt, sich auf die Schaffung eines

Rüstungskontroll Verfahrens zu konzentrieren, das einen Überraschungsangriff
unmöglich macht.

Um genauer zu sein:

Es bedeutet die Errichtung eines umfassenden Systems

miteinander verbundener Maßnahmen, gestützt auf dauernde und durchdringende
Inspektionen vor Ort in Europa.

Dies würde genaue Kenntnis jeder vermuteten

militärischen Aktivität ermöglichen.

Es ist wiederum das Verdienst der NATO,

daß solche Maßnahmen nunmehr innerhalb des Bündnisses aktiv erwogen werden.
Ich habe die Hoffnung, daß diese Überlegung wachsende Aufmerksamkeit erregen
wird, um eine Einstellung zu den MBFR-Verhandlungen zu entwickeln, die in
erster Linie auf eine Verminderung der Bedrohung durch einen Angriff aus
dem Stand abzielt.

Lassen Sie mich zum Abschluß folgendes sagen:

Ich bin durch den Fort-

schritt ermutigt, den das Bündnis bei der Formulierung eines TNF-Modernisierungsprogramms gemacht hat.

Desgleichen bin ich ermutigt durch die Annahme

des Langfristigen Verteidigungsprogramms durch die NATO, das sich den schwerwiegenden Mängeln in der Position der konventionellen Streitkräfte zuwendet.
Das ist der einzige Weg, auf dem wir bei der NATO eine glaubwürdige Ab-

- 13 -

�Abschreckung aufrechterhalten können.

Es ist der einzige Weg, auf dem wir

eine sinnvolle Rüstungskontrolle in Europa erzielen können.

Wir wissen,

was wir tun müssen, um die ungünstigen militärischen Trends der letzten zehn
Jahre umzukehren.

Das Problem ist jetzt, ob wir den politischen Willen auf-

bieten können, es zu tun.

&lt;

+ + + + +

�3

I 3

ndInternational Communication Agency
Embassy of the United States of America

42

31. Oktober 1979

US-NATO-BOTSCHAFTER ERÖRTERT TNF-MODERNISIERUNGSPROGRAMM
- Interview mit Botschafter W. Tapley Bennett,Jr. -

WASHINGTON

- (AD) - Der Ständige Vertreter der Vereinigten Staaten

im Nordatlantikrat, Botschafter W. Tapley Bennett Jr., hat in einem Interview
mit der Korrespondentin Candis Cunningham vom Amt für Internationale
Kommunikation (USICA) zu dem Programm für die Modernisierung der Nuklearstreitkräfte in und für Europa (Theater Nuclear Forces - TNF) sowie zu
anderen Problemen der NATO Stellung genommen.

Nachfolgend das Interview

im Wortlaut:
FRAGE: Herr Botschafter, die NATO prüft gegenwärtig ihre Erfordernisse
für eine Modernisierung der TNF mit großer Reichweite. Geschieht dies
als Antwort auf die Modernisierung der sowjetischen TNF mit großer Reichweite, wie sie sich beispielsweise durch die SS-20 und den BackfireBomber manifestiert? Oder liegt ein Grund dafür in der Doktrin der NATO?
Werden die TNF mit großer Reichweite zur NATO-Politik der Abschreckung
und der flexiblen Antwort beitragen?
ANTWORT:

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel:02221-89 3240
Telex: 08-85432

�ANTWORT:

Ich möchte sagen, es ist in erster Linie auf das letztere

abgezielt, nämlich unsere Abschreckung auf dem neuesten Stand zu halten,
denn - wie Sie wissen - sind die beiden Säulen der NATO die Abschreckung
und die Entspannung.
Aber man kann keine ausgewogene Entspannung haben, wenn man nicht
über eine glaubwürdige Verteidigung verfügt, um den erforderlichen Schutz
zu gewähren, den man haben will.
Programm.

Und genau das tut der Westen mit diesem

Sie werden sich erinnern, daß es Präsident Carter war, der

im Dezember 1977 in Warschau als erster öffentlich auf die SS-20 hinwies.
Nun herrscht die gemeinsame Auffassung, daß die strategische oder
interkontinentale Abschreckung noch immer in gutem Zustand ist. Aber wir
haben heute grob gesprochen eine Parität statt der überwältigenden Überlegenheit, derer wir uns einst erfreuten. Wenn wir auf strategischer
Ebene eine Parität haben und wenn gleichzeitig Westeuropa durch 600 oder
700 - über 700 - Mittel Streckenwaffen aus der Sowjetunion abgedeckt wird,
die nach Westeuropa reichen, dann sind wir offensichtlich im Nachteil,
weil unsere gegenwärtig in Westeuropa stationierten Raketen, die TNF,
nicht in die Sowjetunion reichen. Und um dieses Ungleichgewicht zu
korrigieren, sprachen wir im letzten Jahr über TNF.
FRAGE: Worin bestand in der Vergangenheit die Politik der NATO
hinsichtlich der TNF-Kapazitäten mit großer Reichweite - und warum ist
die gegenwärtige TNF-Kapazität der NATO unzureichend, um den sowjetischen
TNF-Ausbau mit großer Reichweite entgegenzuwirken? Warum haben wir es
dem Warschauer Pakt erlaubt, sich auf diesem Gebiet einen Vorteil zu
verschaffen?
ANTWORT:

Wie Sie wissen, stützt sich die grundlegende Strategie

des Westens, der NATO, auf die flexible Antwort.

Diese beinhaltet

strategische Waffen, konventionelle Streitkräfte und die TNF.

- 2 -

Wir waren

�waren damit beschäftigt, unsere strategischen Waffen auf dem neuesten
Stand zu halten und dort das Gleichgewicht beizubehalten.

Inzwischen ist die Stärke der Sowjets gewachsen.
wir das einfach so hingenommen?

Nun, warum haben

Demokratien brauchen einige Zeit, um

zu erkennen, daß die andere Seite sich einen Vorteil zu verschaffen
sucht.

Niemand denkt an einen Angriff von Seiten des Westens.

Können

Sie sich Länder wie Dänemark oder die Niederlande vorstellen, die sich
zu einem Angriff auf die Sowjetunion entschließen?

Das ist geradezu

lächerlich.

Andererseits brauchen wir eine Verteidigung gegen das, was auf uns
aus dem Osten zukommen kann; und hier gab es immer ein Ungleichgewicht
im konventionellen Bereich.

Bisher hatten wir den amerikanischen nuklear-

strategischen Schirm, der es uns ermöglichte, mit einem Ungleichgewicht
auf der konventionellen Seite zu leben.

FRAGE:

Wird die Stationierung amerikanischer Marschflugkörper mit

großer Reichweite und ballistischer Raketen in Europa einen "AbkopplungsEffekt" auf die amerikanischen strategischen Arsenale von der Verteidigung
Europas haben?

ANTWORT:

Nein, überhaupt nicht.

Sie wäre "abkoppelnd", wenn wir

dabei versagen würden, voranzugehen und diese Entscheidungen gemeinsam
zu treffen.

Wenn die Europäer allein vorangehen würden und die Amerikaner

nicht beteiligt wären - das wäre "abkoppelnd".

FRAGE:

Vizepräsident Mondale vertrat in einer Rede Anfang Oktober

die Ansicht, daß das Angebot des sowjetischen Präsidenten Leonid Breschnew,
20 000 Soldaten und 1 000 Panzer aus Ostdeutschland abzuziehen, in der
Absicht erfolgte, die NATO von den entscheidenden Anstrengungen zur

- 3 -

�zur Modernisierung der konventionellen und TNF-Waffen wegzulocken.

Wie

werden die Verbündeten auf dieses Angebot des Kremls reagieren?
ANTWORT:

Ich meine, sie haben sehr gut reagiert.

Breschnew war hinreichend augenfällig.

Die Rede von

Sie war nicht zu intellektuell,

und die Leute können die Tatsache durchschauen, daß er in einem gewissen
Sinn nur sagte: wir behalten unsere Waffen, und ihr bekommt eure nicht und daher sollte jeder glücklich sein.

Nun gut, wir sind über diese Idee

nicht glücklich.
FRAGE:

Sie haben also nicht das Gefühl, daß die Rede irgendwie von

den Anstrengungen der NATO zur Modernisierung ablenken wird?
ANTWORT:

Ich bezweifle nicht, daß einige Leute von dem Gedanken

angezogen werden, zu verhandeln, um die sowjetische Ernsthaftigkeit zu
prüfen.

Aber der entscheidende Punkt ist doch, daß der Westen sechs,

acht Jahre lang Zurückhaltung gezeigt hat und die Sowjets ständig gerüstet
haben.

Zurückhaltung angesichts ihrer fortgesetzten Aufrüstung zu zeigen,

führt nur zu weiterer Unterlegenheit unsererseits.
FRAGE: Zusammen mit der Untersuchung ihrer Bedürfnisse im Bereich
der Langstrecken-TNF-Modernisierung diskutiert die NATO auch die Möglichkeit
von Anstrengungen zusammen mit der Sowjetunion bei der Rüstungskontrolle
der TNF-Waffen mit großer Reichweite. Wäre es besser, wenn es Erfolge
bei den Anstrengungen zur Rüstungskontrolle gäbe, bevor mit der Langstrecken-TNF-Modernisierung begonnen wird?
ANTWORT: Die Geschichte und die Erfahrung bei Verhandlungen mit
den Sowjets zeigt immer wieder, daß man nie etwas für nichts bekommt.
Und bevor wir keine Waffen disloziert haben, werden wir auf die Sowjets
nicht sehr überzeugend wirken, wenn wir vorschlagen, sie sollten zurückgehen und ihre Kernwaffen reduzieren. Versprechen über künftige Absichten

�Absichten zahlen sich bei Verhandlungen mit den Sowjets nicht aus.

FRAGE:

Wird das Bündnis die Vorschläge von Breschnew im Zusammenhang

mit den stattfindenden MBFR-Gesprächen in Erwägung ziehen?

Sehen Sie

persönlich irgendwelche positiven Aspekte in diesem Breschnew-Angebot?

ANTWORT:

Nun, natürlich freuen wir uns über das sowjetische Angebot

einer Reduzierung um 20 000 Mann und 1 000 Panzer.

Es ist nicht viel,

wenn man daran denkt, wie viele Truppen sie an der zentralen Front jenseits
der Grenze der Bundesrepublik Deutschland haben.

Ein wesentliches Problem bei den MBFR-Gesprächen liegt darin, daß wir
die Frage der Daten nicht lösen können.

Unsere Nachrichtendienste sagen

uns, daß die Sowjets viele Tausend Soldaten mehr haben als sie eingestehen;
solange wir kein übereinkommen darüber erzielen, wieviele Truppen beide
Seiten haben, können wir offensichtlich auch nicht darüber zu einem
Einklang kommen, wie wir diese Truppen reduzieren sollen.

Und obgleich

wir uns also über dieses einseitige Angebot von sogar 20 000 Mann freuen,
so ist dies verhältnismäßig wenig im Vergleich zu dem, was die Sowjets
stationiert haben.

FRAGE:

Betrachten Sie die Einführung von modernisierten Systemen

bei TNF-Waffen der NATO mit großer Reichweite als Verhandlungsgrößen bei
künftigen Gesprächen über

ANTWORT:

Ich glaube,

Rüstungsbegrenzungen?

ich würde es nicht so sehen.

Wir sind wirklich

an einem Ausbau unserer eigenen Verteidigung und Abschreckung interessiert.

Wenn nun die Sowjets durch eine solche Abschreckung genügend beeindruckt
und überzeugt sind, daß wir auf eine Reduzierung des Rüstungsbestands auf
beiden Seiten zugehen können, dann ist dies sicher unser Langzeitziel:
diese Rüstungslast zu verringern, die für die Sowjets doch ebenso schwer

- 5-

�schwer sein muß wie für uns. Beide Seiten würden Vorteil daraus ziehen,
die hohe Anzahl ihrer Waffen zu reduzieren und auf einen kleineren Umfang
zu bringen.
FRAGE:

Herr Botschafter, wie werden die Bestimmungen des SALT II-

Vertrags, wenn sie vom amerikanischen Senat ratifiziert sind, die Anstrengungen der NATO bei der Langstrecken-TNF-Modernisierung und Rüstungskontrolle beeinflussen?
ANTWORT: Das SALT II-Abkommen hat bezüglich dieser Waffen auf dem
europäischen Kontinent nichts zu sagen. Bei SALT handelt es sich ausschließlich um ein strategisches Abkommen zwischen den Vereinigten Staaten
und der Sowjetunion. Es hätte keine Auswirkung auf den Aufbau unseres
Arsenals auf dem europäischen Kontinent.
Und lassen Sie mich in aller Deutlichkeit sagen: Der einzige Grund
für unseren Aufbau ist die Tatsache, daß die Sowjets bereits aufgebaut
haben. Sie versuchen das Gleichgewicht zu stören, das wir besaßen.
FRAGE:

Wie steht es um die RüstungskontroiIbemühungen?

Wird sich

SALT II negativ auf die RüstungskontroiIbemühungen auf dem Gebiet der
TNF auswirken?
ANTWORT: Nein, ich glaube nicht, denn Rüstungskontrolle ist die
andere Seite unserer Politik. Wie Sie schon gesagt haben, arbeiten wir
in der Zeit, in der wir modernisieren, gleichzeitig an Vorschlägen
und Maßnahmen für die Rüstungskontrolle. Wir wollen, daß der Fortschritt
in der Rüstungskontrolle und in der Modernisierung Hand in Hand geht.
Aber das eine ist der Wagen und das andere das Pferd.

Das Pferd

der Modernisierung zieht den Wagen der Rüstungskontrolle.
FRAGE:

�FRAGE:

Wenn sich die NATO selbst Rüstungskontrollanstrengungen mit

dem Warschauer Pakt verschreibt, die sich auf TNF mit großer Reichweite
erstrecken, wird dies dann durch den SALT-Prozeß oder durch die Verhandlungen
über beiderseitige und ausgewogene Truppenverringerung (MBFR) in Wien
geschehen?
ANTWORT: Ich glaube, man ist allgemein zu der Auffassung gelangt,
daß es SALT III sein wird - wenn wir diese Phase in dem langen Prozeß
der Abrüstungsverhandlungen erreichen -, in dessen Rahmen über die Waffen
auf dem europäischen Kontinent gesprochen werden wird. Deshalb sind ja diese
anstehenden Verhandlungen von so großem Interesse für unsere europäischen
Verbündeten, weil sie involviert sein werden.
FRAGE:

Herr Botschafter, was werden nach der TNF-Modernisierung

die höchsten Prioritäten der NATO für die achtziger Jahre sein?

Hat

es auf den anderen neun Gebieten des Langfristigen Verteidigungsprogramms
der NATO einen Fortschritt gegeben?
ANTWORT: Ja, wir arbeiten aktiv daran. Das Programm ist erst etwa
ein Jahr in Kraft, und wir haben die Ergebnisse der Diskussionen über
den Verteidigungsfragebogen von diesem Herbst noch nicht vorliegen.
Dabei berichtet jedes Land jedes Jahr, was es tut, und das wird dann
bewertet. Dieser Prozeß hat eben erst begonnen.
Die Ausschüsse und die Gruppen, die sich mit den verschiedenen
Aspekten des Langfristigen Verteidigungsprogramms befassen, waren jedoch
sehr aktiv und kommen gut voran.
FRAGE:

Können Sie hier einige spezifische Beispiele nennen, wie

etwa Schritte zur Interoperabilität?
ANTWORT:

- 7 -

�ANTWORT:

Natürlich ist gerade das letztere ein sehr wichtiges

Konzept, an dem die europäische Seite ebenso wie die amerikanische ein
großes Interesse hat - eben an diesem Konzept der Standardisierung, oder
vielleicht besser gesagt, Interoperabilität.

Hier arbeiten wir sehr

aktiv an dem sogenannten C-3-Projekt - Command, Control und Communications Befehls-, Leit- und Fernmeldesystem, wo es gerade auf Koordinierung ankommt.
Das Langfristige Verteidigungsprogramm ist genau darauf angelegt,
zu rationalisieren und eine bessere Verwaltung für diese gewaltigen
Geldsummen zu finden, die wir für unsere Verteidigung ausgeben. Mit
anderen Worten, wir wollen mehr für das Geld, das wir ausgeben.

So sind

wir beispielsweise übereingekommen, im Rahmen der Interoperabilität und
Standardisierung die deutsche Panzerkanone zu kaufen, um unsere Streitkräfte
damit auszurüsten.

Das ist für die Deutschen eine wichtige Sache, und

wir bekommen eine gute Panzer-Kanone.
Das ist die sogenannte Zweibahnstraße der militärischen Beschaffung.
Das fliegende Frühwarnsystem AWACS wird ein gemeinsames Programm all
unserer Länder sein. Das Flugzeug vom Typ F-16 ist ein Projekt, an dem
fünf Länder - die Vereinigten Staaten, Norwegen, Dänemark, die Niederlande und Belgien - beteiligt sind. Das sind nur einige der Beispiele
der Bemühungen um stärkere Standardisierung.
FRAGE:

Kürzlich hat die Bundesrepublik Deutschland erklärt, daß

sie ihre Verteidigungsausgaben nicht um real drei Prozent erhöhen werde.
Glauben Sie, daß dieses Beispiel bei anderen NATO-Verbündeten Schule machen
könnte?
ANTWORT:

Die Deutschen sind selbstverständlich in dem ganzen Aufbau

unserer Verteidigungspolitik sehr wichtig.

Wir hoffen sehr, daß sie

die dreiprozentige Erhöhung real vornehmen werden, auf die sich all

�all unsere Regierungen geeinigt haben.
Ich hoffe, daß die Deutschen das Geld aufbringen werden, um auf
drei Prozent zu gehen, weil wir uns auf diese Zahl geeinigt hatten.
Es ist wichtig, daß alle Länder diese Zusage erfüllen, soweit es in ihren
Kräften steht.

Wie ich bereits zuvor sagte, die Bundesrepublik nimmt

eine große Bedeutung in unserer ganzen Verteidigungszusammenarbeit ein.
Und was sie tut, wird offensichtlich eine Wirkung auf andere haben.
FRAGE: Wie stehen die Aussichten, daß Griechenland und die Türkei
ihre bilateralen Beziehungen verbessern werden, damit die Südostflanke
der NATO besser stabilisiert wird?
ANTWORT: Das Bündnis hat sehr hart an der Lösung dieses Problems
gearbeitet. Es ist eine lange und mühsame Geschichte mit diesen griechischtürkischen Schwierigkeiten. Der Fortschritt ist langsam, aber ich hoffe,
daß wir Fortschritte machen. Ich meine, beide Länder möchten zu einer
Lösung gelangen, beide sagen es jedenfalls. Die Führung in beiden Ländern
möchte wieder zu den kooperativeren Vereinbarungen zurückkehren, die wir
früher hatten.
Wir sind optimistisch, aber vorsichtig optimistisch.

+ + + + +

- 9 -

�a
»

3

UUi//cn/choft
und Technik
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Embassy of the United States of America

42

31. Oktober 1979

MAGNETFELDFORSCHUNG AUS DEM WELTRAUM
MAGSAT-Meßdaten als Indikator für Bodenschätze und
Schollenbewegungen in der Erdkruste

- (AD) - Vier Monate lang soll der neue amerikanische Forschungssatellit MAGSAT (dies ist die Abkürzung für "Magnetic Field Satellite"),
der auf polarer Bahn die Erde in 350 bis 500 km Höhe umkreist, das erdnahe
Magnetfeld messen. Auf Grund dieser Meßdaten können Geologen und Geophysiker Rückschlüsse auf das Vorhandensein von Mineralanreicherungen
in der Erde und den Verlauf der Grenzen zwischen Erdkrustenschollen ziehen,
was für die Erdbebenforschung von großer Bedeutung ist. Mit den Bordinstrumenten werden Stärke und Richtung sowohl des globalen Magnetfeldes
als auch der "Oberflächenfelder" der Erde erfaßt.
Magnetfelder werden durch elektrische Ströme verursacht, die durch
und um die Erde sowie in der Hochatmosphäre fließen.

Es wird vermutet,

daß das globale Magnetfeld der Erde auf Ströme zurückzuführen ist, die
im Erdkern erzeugt werden.

Die Oberflächenfelder dagegen können durch

magnetische Stürme induziert werden oder auf bestimmten Gegebenheiten in

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�in der Erdkruste beruhen - beispielsweise der Existenz eines großen
Eisenerz-Vorkommens in Afrika, das auf Grund einer starken magnetischen
Oberflä'chenanomalie vor einiger Zeit von einem Satelliten entdeckt wurde.
Die MAGSAT-Daten werden, wie Pitt Thome, Direktor der Abteilung
Ressourcenforschung bei der US-Luft- und Raumfahrtbehörde NASA, auf einer
Pressekonferenz erklärte, das Material für weltweite Magnetfeldkarten zu
Navigationszwecken, für die Ausarbeitung globaler Magnetfeldmodelle und
für Karten von der Erdoberfläche abgeben, auf denen magnetische Anomalien
wie jene in Afrika verzeichnet sind.

Diese Informationen wiederum geben

Hinweise auf die Entwicklung der Erdkruste und auf die verschiedenen
geologischen Prozesse, die zur Erzbildung und zur Entstehung von Erdölvorkommen führten. Zwar ist schon seit Jahren bekannt, so Dr. John
Denoyer, Geophysiker am Geologischen Bundesamt der Vereinigten Staaten,
daß Gesteinsformationen (d.h. Schichten der Erdrinde) je nach ihrer
Beschaffenheit elektrische Ströme verschieden gut leiten.

Und da ein

direkter Zusammenhang zwischen elektrischen Strömen und Magnetfeldern
besteht, ist es möglich, aus Magnetfelddaten Rückschlüsse auf die
Temperatur, Zusammensetzung und Struktur (z.B. Verwerfungen und Einbrüche)
von Gesteinsformationen zu ziehen. Verständlicherweise konzentriert
sich jetzt das Interesse besonders auf Formationen, die für Erdöl- und
Mineral vorkommen charakteristisch sind.
Erst in den Jahren von 1965 bis 1971 erkannten die Wissenschaftler,
daß entsprechende Untersuchungen nicht ausschließlich an der Erdoberfläche
möglich sind, sondern daß auch Satelliten dazu sehr viel beitragen können.
Dies zeigte sich bei der Analyse der Daten von sechs amerikanischen
Satelliten, die Magnetometer an Bord hatten. Mit den Instrumenten sollte
seinerzeit die Stärke des globalen Magnetfelds, das aus dem Erdkern
stammt, exakt bestimmt werden. Außerdem hoffte man, einige Erkenntnisse
darüber zu gewinnen, wie dieses Feld entsteht und weshalb es im Laufe von
Jahrmillionen immer wieder eine Umkehrung erfährt - d.h. der magnetische

- 2 -

�magnetische Nordpol zum Südpol wird und umgekehrt. "Und dabei entdeckten
wir", erklärte Pitt Thome, "daß die Daten niedrig fliegender Satelliten
auch Angaben über separate Magnetfelder enthielten, die auf Unregelmäßigkeiten im Aufbau der Erdkruste zurückzuführen sind. Dies öffnete die
Tür zu einem völlig neuen Bereich von Untersuchungen". Man kann nunmehr
aus magnetischen Meßdaten physikalische Merkmale von Gesteinen ableiten
und so Unterschiede herausfinden, die zwischen erdölhaltigen Formationen
und Muttergestein für die verschiedensten Mineralien bestehen. "Kombiniert
mit geophysikalischen Daten wie z.B. Gravitationswerten werden die Magnetfeldmessungen helfen, wirtschaftlich wichtige Mineral- und Erdölvorkommen
zu lokalisieren", meinte Dr. Denoyer.
Auch auf die Erdschollenbewegungen und damit auf den Prozeß der
sog. Kontinentaldrift geben magnetische Karten von der Erdoberfläche
Aufschluß. So sind beispielsweise gewisse magnetische Merkmale von Afrika
jenen von Südamerika auffallend ähnlich, was - neben manchem anderen darauf schließen läßt, daß die beiden Kontinente einmal miteinander verbunden
waren. Die Erdrinde besteht, wie man heute vermutet, aus Schollen (auch
"Platten" genannt), die sich in ständiger Bewegung befinden. Manche
tragen Kontinente und Meere, manche nur Kontinente, manche Teile von
beiden. Gleit- und Reibungsvorgänge an den Schollenrändern bauen Spannungen
auf, die sich ti Erdbeben entladen.
Jetzt soll die Beobachtung der Veränderung von Magnetfeldern in einem
bestimmten Zeitraum helfen, auch Erkenntnisse darüber zu gewinnen, mit
welcher Geschwindigkeit sich die Erdschollen bewegen. Die Erfassung der
Oberflächenfelder durch MATSAT kann mit einem fünfmal größeren Auflösungsvermögen erfolgen als mit den Magnetometern, mit denen höher fliegende
Satelliten ausgerüstet waren. Die Messungen aus dem Weltraum laufen
synchron mit Messungen an der Erdoberfläche auf allen fünf Kontinenten.
Von den 32 an dem Experiment beteiligten Wissenschaftlern sind nur 19
Amerikaner - die übrigen 13 vertreten die Länder Australien, Brasilien,

- 3 -

�Brasilien, Großbritannien, Frankreich, Indien, Italien, Japan und
Kanada. Die Auswertung der Meßdaten dürfte zwei Jahre in Anspruch nehmen,

+ + + + +

•

- 4 -

�I

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mid Technik
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42

31. Oktober 1979

SYNTHESEGAS AUS BRAUNKOHLE

(AD) - Die amerikanische Bundesaufsichtskommission für Energiefragen (FERC - Federal Energy Regulatory Commission) hat "im Prinzip"
der Errichtung eines großen Kohlevergasungswerkes zugestimmt, wo zum
ersten Mal in den Vereinigten Staaten Braunkohle anstatt Steinkohle
in Synthesegas umgewandelt werden soll. Damit ist die erste Hürde zur
Verwirklichung dieses Projekts überwunden. Die Anlage, deren Gesamtkosten auf ca. eine Milliarde Dollar geschätzt werden, soll in Norddakota
gebaut werden und die Energieversorgung von 30 Millionen Menschen im
Osten der USA sichern helfen.
Die stark aschehaltige Braunkohle besitzt nur etwa die Hälfte des
Heizwerts der in den amerikanischen Oststaaten gewonnenen Steinkohle.
Die FERC hat noch Bedenken wegen der zu erwartenden Gebühren für das
Kohlegas. Denn das Firmenkonsortium, das die Anlage errichten will,
ersuchte darum, mit den Kosten den gesamten Abnehmerkreis seiner
Versorgungsunternehmen belasten zu dürfen, d.h. auch jene Abnehmer, die
gar kein Gas beziehen. Dieser Vorschlag wurde von der FERC bisher nicht
genehmigt.
+ + + + +

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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Senator Nunn zu MBFR und zur TNF-Modernisierung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut der Rede vom 22. Oktober 1979 -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;US-NATO-Botschafter erörtert TNF-Modernisierungsprogramm&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Interview mit Botschafter W. Tapley Bennett, Jr. -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Magnetfeldforschung aus dem Weltraum&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- MAGSAT-Messdaten als Indikator für Bodenschätze und Schollenbewegungen in der Erdkruste -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Synthesegas aus Braunkohle</text>
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und
Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

44

31. Oktober 1984

INHALT
DOKUMENTATION
Shultz:

Dem Terrorismus mit allen Mitteln widerstehen

- Vortrag des US-Auf3enministers in New York Weinberger:

Sowjets fürchten Innovation

- Rede des US-Verteidigungsministers in Milwaukee -

Sowjets bedrohen Gleichgewicht im Westpazifik
- Interview mit Admiral Crowe -

Jahrestag der Rettungsaktion auf Grenada
- Erklärung Präsident Reagans -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Pro Satellit 2,75 Millionen Dollar Bergungsgebühr
- "DISCOVERY" soll zwei Nachrichtensatelliten zurückbringen -

Um Über/endung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00 Tel.:0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�I

Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

31. Oktober 1984

44

SHULTZ:

DEM TERRORISMUS MIT ALLEN MITTELN WIDERSTEHEN

- Vortrag des US-Außenministers in New York -

NEW YORK - (AD) - Der amerikanische Außenminister George Shultz hat
in einem Vortrag in New York am 25. Oktober betont, daß man dem Terrorismus als Form der Aggression mit allen Mitteln begegnen müsse.

Die Ver-

einigten Staaten müßten bereit sein, militärische Gewalt gegen den Terrorismus einzusetzen, wenn er sich gegen strategische Interessen Amerikas
in der ganzen Welt richte.

In dem Vortrag mit dem Titel "Terrorismus und

die moderne Welt" wies Shultz darauf hin, daß sich der Terrorismus gegen
die Demokratien richte und in seinen internationalen Zusammenhängen heute
besser erkannt werde.

Auch die Unterstützung durch die Sowjetunion und

den Sowjetblock würde heute besser durchschaut.

Der Vortrag des amerikanischen Außenministers hat folgenden Wortlaut:

Eines Tages wird man vielleicht nicht mehr über den Terrorismus zu
reden brauchen, aber dieser Tag ist noch nicht gekommen.

Vor etwa zwei

Wochen hätte eine der größten und ältesten Nationen der westlichen Welt

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
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�westlichen

Welt beinahe ihre Premierministerin Margaret Thatcher durch

die moderne Barbarei, die wir Terrorismus nennen, verloren.

Vor etwa

einem Monat wurde ein Seitentrakt der amerikanischen Botschaft in Ostbeirut durch eine Autobombe fast völlig zerstört - der dritte Angriff auf
Amerikaner im Libanon in den letzten zwei Jahren.

Es wäre unmöglich, all

die anderen Brutalitäten hier aufzuzählen, die Terroristen zivilisierten
Gesellschaften zugefügt haben, denn diese Liste ist zu lang.

Sie ist zu

lang, um sie aufzuaählen, und sie ist zu lang, um sie zu tolerieren.

Aber ich bin hier, um über den Terrorismus als Phänomen unserer mo
dernen Welt zu sprechen - darüber, was Terrorismus ist und was nicht.
Wir haben in den letzten Jahren viel über Terrorismus erfahren.

Wir ha-

ben viel erfahren über die Terroristen selbst, über ihre Helfershelfer
über ihre verschiedenen Methoden, über die zugrundeliegende Motive und
über ihre letztlichen Ziele.

Was früher noch so aussah wie willkürliche,

sinnlose Gewaltakte einiger weniger verrückter Einzelpersonen, ist heute
klarer erkennbar.
ausgebildet.

Es hat sich ein Muster der terroristischen Gewalt her-

Es ist ein alarmierendes Muster, aber es ist etwas, was wir

identifizieren könnnen, und deshalb eine Bedrohung, zu deren Bekämpfung
wir konkrete Maßnahmen treffen können.

Das Wissen, das wir im Laufe der

Jahre über den Terrorismus gesammelt haben, kann die Grundlage für eine
zusammenhängende Strategie bieten, um mit diesem Phänomen fertig zu werden, wenn wir den Willen haben, unsere Erkenntnis in Taten umzusetzen.

Was ist Terrorismus?

Wir haben gelernt, daß Terrorismus vor allem eine Form der politischen Gewalttätigkeit ist.
zung.

Er ist weder willkürlich noch ohne Zielset-

Heute haben wir es mit einem großen Sammelsurium terroristischer

Gruppen zu tun, die allein oder gemeinsam Gewaltakte verüben, um bestimmte politische Ziele zu erreichen.

Ihre erklärten Ziele können von sepa-

ratistischen Wünschen über die Rache für ethnische Verfolgungen bis zur
sozialen und politischen Revolution reichen.
so unterschiedlich sein:

Ihre Methoden können genau

von der Hinterlegung selbstgefertigter Bomben
- 2-

�selbstgefertigter Bomben an öffentlichen Plätzen über Selbstmordkommandos
mit Autobomben bis zur Entführung und Ermordung von Politikern.
alles überragende Ziel aller Terroristen ist das gleiche:

Aber das

Sie versuchen,

ihren Willen mit Gewalt durchzusetzen - eine besondere Art der Gewalt,
die eine Atmosphäre der Angst schaffen soll.

Der Schrecken, den sie ver-

breiten , ist nicht einfach ein neuer Ausdruck

traditioneller gesell-

schaftlicher Konflikte, die Terroristen sind moralisch verderbte Gegner
der Zivilisation selbst, denen die Technologie der modernen
Hilfe kommt.

Waffen zu

Terroristen wollen, daß sich die Menschen hilflos und wehr-

los fühlen; sie wollen, daß die Menschen das Vertrauen in die Fähigkeit
ihrer Regierung verlieren, sie zu schützen, wodurch sie die Rechtmäßigkeit der Regierung selbst oder ihrer Politik - oder beides - untergraben.
Die Terroristen profitieren von der durch ihre Gewalttätigkeit verursachten Anarchie.

Ihr Erfolg ist, wenn Regierungen eingeschüchtert ihre Po-

litik ändern. Aber die Terroristen können schon zufrieden sein, wenn eine Regierung auf den Terror mit der Einschränkung persönlicher Rechte und
Freiheiten antwortet.

Regierungen, die überreagieren - selbst in der

Selbstverteidigung -, können nicht nur ihre eigene Rechtmäßigkeit untergraben, sondern sie dienen sogar ungewollt den Zielen der Terroristen.
Es ist ein Erfolg der Terroristen, wenn eine Regierung auf Gewalt mit einem repressiven Verhalten antwortet, das Gräben aufreißt und die Regierung dem Volk entfremdet.

Die Bedrohung der Demokratie

Wir müssen jedoch erkennen, daß Terrorismus, wo immer er auftritt,
in einem wichtigen Sinne gegen uns, gegen die Demokratie, gegen unsere
grundlegenden Werte und oft gegen unsere fundamentalen strategischen Interessen gerichtet ist.

Weil der Terrorismus sich als einziges Werkzeug

auf brutale Gewalt stützt, wird er immer ein Feind der Demokratie sein,
denn die Demokratie lehnt die wahllose oder ungerechte Anwendung von Gewalt ab und stützt sich statt dessen auf die friedliche Beilegung von
Streitigkeiten durch legitime politische Prozesse.

Die moralischen Grundlagen der Demokratie - die Prinzipien der Rechte

�der Rechte des einzelnen, Gedanken- und Meinungsfreiheit, Religionsfreiheit usw. - sind mächtige Schranken gegen jene, die anderen ihren Willen,
ihre Ideologien oder ihre religiöse Überzeugung mit Gewalt aufzwingen
wollen.

Ob in Israel oder im Libanon, ob in der Türkei oder in Italien,

ob in der Bundesrepublik Deutschland oder in Nordirland, ein Terrorist
hat keine Geduld für die geordneten Prozesse der demokratischen Gesellschaft und sucht sie daher zu vernichten.

Der Terrorismus will in der

Tat das zerstören, was wir alle hier aufbauen wollen.

Die Vereinigten Staaten und die anderen Demokratien sind moralisch
bestimmten Idealen und einer humanen Zukunftsvision verpflichtet.
Vision ist auch nicht innerhalb unserer Grenzen eingeschränkt.

Unsere
Auch in

unserer Außenpolitik versuchen wir eine Art von Welt zu erreichen, in der
Streitigkeiten friedlich beigelegt werden und die den Wandel zum Wohl der
Allgemeinheit begrüßt.

Wir praktizieren keinen Terrorismus, und wir er-

streben eine Walt, in der kein Platz für terroristische Gewalt ist; eine
Welt, in der die Menschenrechte von allen Regierungen geachtet werden;
eine Welt auf der Grundlage der Herrschaft des Rechts.

Und es gibt noch einen anderen Grund, warum wir angegriffen werden.
Wenn Freiheit und Demokratie die Zielscheiben des Terrorismus sind, dann
liegt auf der Hand, daß der Totalitarismus sein Verbündeter ist.

Die

Zahl der terroristischen Zwischenfälle in totalitären Staaten ist minimal , und die Zahl der Anschläge gegen ihr Personal im Ausland ist wesentlich geringer als das der Anschläge gegen westliches Personal.

Das ist

nicht nur deshalb so, weil Polizeistaaten den Terroristen weniger Raum
für die Durchführung von Gewaltakten lassen.

Staaten, die terroristische

Akte unterstützen und fördern, haben in den letzten Jahren das Phänomen
des Terrorismus gezielt zur Verfolgung ihrer eigenen strategischen Ziele
benutzt und eingesetzt.

Es ist kein Zufall, daß die meisten Terrorakte in Gebieten von Bedeutung für den Westen vorkommen.

Über 80 Prozent der Terrorangriffe in der

Welt im Jahr 1983 fanden in Westeuropa, Lateinamerika und dem Nahen und
Mittleren Osten statt.

Der Terrorismus stellt in diesem Zusammenhang

�diesem Zusammenhang nicht nur eine kriminelle Handlung, sondern eine ungezügelte Form der Kriegführung dar.
Heute weiß man mehr über die internationalen Verbindungen unter terroristischen Gruppen.

Man weiß auch mehr über ihre Unterstützung durch

die Sowjets und den Sowjetblock.
von Gefahren zu tun.

Wir haben es mit einem ganzen Fächer

Der Iran und die Sowjetunion sind zwar kaum Verbün-

dete, aber sie haben eine grundsätzliche Feindseligkeit gegenüber dem
Westen gemeinsam.

Wenn Libyen und die PLO den Kommunisten in Mittelame-

rika Waffen und Ausbildung zukommen lassen, dann unterstützen sie sowjetisch geförderte kubanische Anstrengungen, unsere Sicherheit in dieser
lebenswichtigen Region zu untergraben.

Wenn die Roten Brigaden in Ita-

lien und die Rote Armee Fraktion in der Bundesrepublik Deutschland im
Namen der kommunistischen Ideologie freie Länder angreifen, dann hoffen
sie, das Selbstvertrauen, die Einigkeit und den Willen des Westens zu
erschüttern, der Einschüchterung

zu widerstehen.

Die Terroristen, die

Israel angreifen - wie auch die marxistische Provisorische IRA in Nordirland - sind ideologische Feinde der Vereinigten Staaten.

Wir werden und

wir können nicht vor Leuten wie Khomeini und Gaddafi weichen.

Wir erkennen heute auch einen engen Zusammenhang zwischen Terrorismus
und internationalem Rauschgifthandel.

Vor allem Kuba und Nicaragua haben

Rauschgiftschmuggler benutzt, um für Terroristen und Aufständische in Kolumbien Gewehre und Geld einzuschleusen.

Andere kommunistische Länder,

wie Bulgarien, haben ebenfalls bei der wachsenden Verbindung zwischen
Drogen und Terrorismus eine Rolle gespielt.
Wir müssen die Rolle der Sowjets im internationalen Terrorismus ohne
Übertreibung oder Verzerrung sehen.

Man braucht nicht zu glauben, die

Sowjets seien Puppenspieler und die Terroristen die Marionetten; gewalttätige oder fanatische Einzelpersonen und Gruppen kann es in fast jeder
Gesellschaft geben.

Aber in vielen Ländern wäre der Terrorismus längst ausgestorben, wenn
er nicht starke Unterstützung von außen erhalten würde.

Als Israel 1982

�Israel 1982 im Libanon einmarschierte, fanden israelische Streitkräfte
unwiderlegliche Beweise, daß die Sowjetunion die PLO und andere Gruppen
mit Waffen versorgt und ausgebildet hatte.

Es gibt keinen Grund zu der

Annahme, daß sich diese sowjetische Unterstützung von Terrorgruppen in
der ganzen Welt verringert hätte.

Hier besteht, wie auch auf anderen Ge-

bieten, eine weite Kluft zwischen sowjetischen Worten und sowjetischen
Taten - eine Kluft, die ganz deutlich wird, wenn man die sowjetische Unterstützung terroristischer Gruppen mit der leeren Rhetorik der Resolution gegen den sogenannten "Staatsterrorismus" vergleicht, die die UdSSR
dieses Jahr in der Vollversammlung der Vereinten Nationen unterbreitet
hat.

Die Sowjets verurteilen den Terrorismus, aber in der Praxis lassen

sie terroristische Gruppen stillschweigend gewähren, wenn sie glauben,
daß es ihren eigenen Zielen dient, und ihr Ziel ist immer das gleiche:
die liberale Demokratie zu schwächen und die Stabilität der Welt zu untergraben.

Moralische und strategische Ziele

Bei unserem Krieg gegen den Terrorismus steht viel auf dem Spiel.
Wir haben bereits erlebt, welchen schrecklichen Blutzoll an unschuldigen
Menschenleben die terroristische Gewalt gefordert hat.

Aber fast noch

schlimmer ist der Schaden, den der Terrorismus unserer modernen Zivilisation zuzufügen droht.

Jahrhundertelang hat sich die Menschheit bemüht,

eine Welt aufzubauen, in der die höchsten menschlichen Hoffnungen und
Wünsche erfüllt werden können.

Wir haben uns aus dem Zustand der Barbarei befreit und die Beleidigungen der Freiheit und der Würde des Menschen abgeschafft, die mit jenem
Zustand verbunden waren.

Wir haben danach gestrebt, uns aus jener primi-

tiven Existenz zu befreien, in der das Leben, wie Hobbes es beschreibt,
"in ständiger Angst und in Gefahr eines gewaltsamen Todes... wüst, brutal
und kurz" gelebt wird.

Wir haben versucht, statt dessen eine Welt zu

schaffen, in der die weltweite Achtung der Menschenrechte und der demokratischen Werte ein besseres Leben ermöglicht.

Wir in den demokrati-

schen Ländern können all das beweisen, was der Mensch zu ereichen in der

�in der Lage ist, wenn er auf Gewalt und brutale Macht verzichtet, wenn er
frei denken, schreiben, wählen und beten kann, wie er es will.

All diese

schwer errungenen Fortschritte werden jetzt durch den Terrorismus bedroht.

Terrorismus ist ein Schritt zurück; er ist ein Schritt zu Anarchie
und Zerfall.

Ganz generell gesehen, stellt der Terrorismus eine Rückkehr

zur Barbarei in der modernen Geschichte dar.

Wenn die moderne Welt mit

dieser Herausforderung nicht fertig werden kann, dann werden der Terrorismus und die mit ihm auftretende Gesetzlosigkeit und Unmenschlichkeit
mit der Zeit all das untergraben, was die moderne Welt erreicht hat, und
einen weiteren Fortschritt unmöglich machen.

Hindernisse auf dem Wege
Das Ausmaß der Bedrohung durch den Terrorismus ist so groß, daß wir
es uns nicht leisten können, ihm mit halbherzigen und schlecht organisierten Maßnahmen gegenüberzutreten.

Terrorismus ist eine ansteckende Krankheit und wird sich unweigerlich
ausbreiten, wenn wir nichts dagegen tun.

Wir brauchen eine Strategie, um

mit dem Terrorismus in all seinen vielfältigen Formen fertig zu werden.
Wir müssen die notwendigen Ressourcen und die notwendige Entschlossenheit
aufbringen, ihn zu bekämpfen und in internationaler Zusammenarbeit eines
Tages auszurotten.

Und wir müssen uns darüber im klaren sein, daß diese

Last auf uns, die Demokratien fällt, denn niemand kann diese Krankheit
für uns heilen.

Allerdings bestehen offensichtlich Hindernisse, und einige davon ergeben sich gerade deswegen, weil wir demokratische Länder sind.

Die Art

des terroristischen Angriffs ist uns auf vielerlei Weise fremd.

Demokra-

tien handeln gerne auf der Grundlage bekannter Tatsachen und gemeinsamer
Erkenntnisse.

Der Terrorismus arbeitet heimlich und ist seiner Natur

nach schwer zu durchschauen.

Terroristen leben von der Geheimhaltung,

und es ist daher schwer, nachzuweisen, wer eine Gewaltdtat vollbracht hat.
Demokratien

�Demokratien stützen sich auch auf Vernunft und überzeugende Logik,
wenn sie Entscheidungen treffen.

Der Fanatismus und die offensichtliche

Irrationalität vieler Terroristen, vor allem jener, die töten und Selbstmord verüben in dem Glauben, daß sie im Jenseits dafür belohnt werden,
sind für uns schwer zu begreifen.

Die psychopathische Rücksichtslosig-

keit und Brutalität des Terrorismus sind eine Verirrung unserer Kultur
und unserem Erbe fremd.

Es ist eine unglückliche Ironie der Geschichte, daß genau die Eigenschaften, die die Demokratie für die Terroristen so hassenswert machen unsere Achtung vor den Rechten und Freiheiten des einzelnen - sie auch
besonders verwundbar machen.

Gerade weil wir an ganz offenen Gesell-

schaften festhalten, haben Terroristen eine unvergleichliche Chance, gegen uns zuzuschlagen.

Terroristen suchen die Demokratien in Kampf und

Angst zu verwickeln und ihre Rechtsstaatlichkeit sowie ihre durch Gesetze
festgelegten politischen Verfahrensweisen und ihre Grundordnung zu zerstören.

Sie hoffen, daß wir zur Repression greifen oder im Chaos ver-

sinken.

Das sind die Herausforderungen, mit denen wir leben müssen.

Wir wer-

den ganz sicher die demokratischen Werte nicht ändern, die wir so hoch
halten, nur um den Terrorismus zu bekämpfen.

Wir werden Mittel und Wege

finden, um zurückzuschlagen, ohne all das zu untergraben, was uns teuer
ist.

Überwindung der moralischen Verwirrung
Aber es gibt noch ein weiteres Hindernis, das wir selbst errichtet
haben und das überwunden werden muß, wenn wir den Terrorismus wirksam
bekämpfen wollen. Dieses Hindernis ist eine Verwirrung.

Wir können dieser gewaltigen Herausforderung der auf Moral gegründeten, zivilisierten Gesellschaft nicht begegnen, ehe wir in unseren Köpfen
- 8-

�unseren Köpfen die Verwirrung - auf vielerlei Weise moralische Verwirrung
- nicht ausgeräumt haben, mit der wir immer noch behaftet zu sein scheinen.

Verwirrung kann zur Lähmung führen und ist ein Luxus, den wir uns

einfach nicht leisten können.

Die Verwirrung bezüglich des Terrorismus hat vielerlei Formen angenommen.

In den letzten Jahren haben wir einige lächerliche Verzerrungen

gehört, was das Wart "Terrorismus" eigentlich bedeute.

So kann bei-

spielsweise die Behauptung, daß, wenn man die Ausgabe von Gutscheinen für
unentgeltliche Lebensmittel verweigere, dies eine Form des Terrorismus
sei, von keinem ernsthaften Menschen akzeptiert werden.

Und Leute, die,

wie kürzlich in Großbritannien, behaupten wollen, daß physische Gewalt
von Streikenden gleichzusetzen sei mit der "Gewalttätigkeit der Arbeitslosigkeit" , sind nach den Worten der Zeitschrift "Economist" eine Bedrohung der Demokratie schlechthin.
immer schlecht.
wichtig.

In einer echten Demokratie ist Gewalt

Soche Verzerrungen

sind gefährlich, denn

W3rte sind

Wenn wir unsere Sprache verzerren, dann verzerren wir auch

leicht unser Denken, und wir erschweren unsere Bemühungen, Lösungen für
die schweren Probleme zu finden, vor denen wir stehen.

Aber es hat noch eine ernstere Verwirrung im Zusammenhang mit dem
Problem des Terrorismus gegeben:

die Konfusion zwischen dem Terrorakt

selbst und den politischen Zielen, die Terroristen angeblich anstreben.

Die Mißstände, die die Terroristen vorgeblich durch Gewaltakte zu
beheben suchen, mögen legitim sein oder auch nicht.
doch sind niemals legitim.

Die Terrorakte je-

Ein legitimes Anliegen kann niemals den Ter-

rorismus rechtfertigen oder entschuldigen.

Terroristische Mittel bringen

ihre Ziele in Mißkredit.

Wir alle haben schon die hinterlistige Behauptung gehört, "des einen
Terroristen sei des anderen Freiheitskämpfer".

Als ich im Juni dieses

Jahres über das Thema Terrorismus sprach, habe ich die harte Zurückweisung dieser Art von moralischem Relativismus durch den verstorbenen Senator Henry Jackson zitiert.

Und es lohnt sich, sein Zitat heute zu wie-

�zu wiederholen:

"Dem Gedanken, des einen 'Terroristen' sei des anderen
kämpfer' kann man nicht zustimmen.

Freiheitskämpfer oder

sprengen keine Busse mit Nichtkombattanten in die Luft.

'Freiheits-

Revolutionäre
Terroristische

Mörder tun das.

Freiheitskämpfer machen sich nicht auf, um Schulkinder zu verschleppen und abzuschlachten; terroristische Mörder tun dies.
ermorden

keine

unschuldigen

Geschäftsleute

oder

Freiheitskämpfer

entführen

unschuldige

Männer, Frauen und Kinder als Geiseln; terroristische Mörder tun dies.
Es ist eine Schande, daß Demokratien es zulassen sollten, das geheiligte
Wort Freiheit mit Akten von Terroristen in Verbindung zu bringen."

Wir können es uns nicht leisten, daß eine Orwellsche Sprachverwirrung
unsere Vorstellung

von Terrorismus

verdunkelt.

Wir kennen

den Unter-

schied zwischen Terroristen und Freiheitskämpfern, und wenn wir uns auf
der ganzen Welt umsehen, dann fällt es nicht schwer, die einen von den
anderen zu unterscheiden.

Wie tragisch wäre es, wenn demokratische Gesellschaften ihr Vertrauen
in die eigene moralische Legitimität so weit verlieren würden, daß sie
das Offensichtliche nicht mehr sähen:

daß Gewalt gegen die Demokratie

oder die Hoffnung auf Demokratie grundsätzlich keine Rechtfertigung hat.
Demokratie bietet die Chance für friedlichen
schen

Wandel, legitimen politi-

Wettstreit und die Behebung von Mißständen.

Wir müssen uns dem

Terrorismus widersetzen, unter welcher Flagge er auch segeln mag.

Der

Terrorismus ist auf jeden Fall der Feind der Freiheit.

Und wir dürfen nicht in die tödliche Falle tappen, unannehmbaren Akten von Terroristen eine Rechtfertigung

zu geben, indem wir die edel

klingenden Motive anerkennen, die sie vorgeben mögen.
die Provisorische IRA

Organisationen wie

beispielsweise machen sich öffentliche

Mißstände

und politische und religiöse Emotionen zunutze, um ihre tödlichen Zielsetzungen zu tarnen.

Ihre Angehörigen finden Mittel und Wege, durch ö'rt- 10-

�durch örtliche politische und religiöse Führer Unterstützung
brutalen Taten zu gewinnen.

für ihre

Als Ergebnis gibt es sogar Amerikaner, die -

wie wir hoffen aus Unwissenheit - eine Organisation unterstützen, die
kaltblütig und ohne jede Spur von Reue Hunderte von unschuldigen Männern,
Frauen und Kindern in Großbritannien und Irland getötet hat; eine Organisation , die hohe Beamte ermordet und versucht hat, die britische Premierministerin und ihr ganzes Kabinett zu töten, eine erklärte marxistische Organisation, die Unterstützung von Libyens Gaddafi

erhält und en-

ge Beziehungen zu anderen internationalen Terroristen unterhält.

Die Re-

gierung der Vereinigten Staaten steht fest hinter der Regierung Großbritanniens und der Regierung Irlands in der Ablehnung von allem, was auf
Hilfe oder Unterstützung für die Provisorische IRA hinauslaufen könnte.

Die moralische Verwirrung über den Terrorismus kann vielerlei Formen
annehmen.

Als beispielsweise im vorigen Monat in einem Seitentrakt unse-

rer Botschaft in Beirut zwei Amerikaner und zwölf Libanesen getötet wurden, wollten uns manche Leute erzählen, daß dieser Massenmord ein Ausdruck - wenn auch sicherlich ein extremer Ausdruck

- der arabischen

Feindseligkeit gegenüber der amerikanischen Politik im Nahen Osten gewesen sei.

Man wollte uns erzählen, daß dieser Bombenanschlag wegen unse-

rer Stimmabgabe in den Vereinten Nationen oder wegen unserer Politik im
Libanon oder wegen des Allgemeinzustandes unserer Beziehungen zu arabischen Staaten oder wegen unserer Unterstützung Israels geschehen sei.
Manche Leute wollten uns den Rat geben, daß wir - wenn wir dem Terrorismus Einhalt gebieten wollten, wenn wir diesem heimtückischen Morden ein
Ende setzen wollten - nur unsere Politik zu ändern brauchten.

Man wollte

uns praktisch erzählen, der Terrorismus sei in einem gewissen Maße unsere
eigene Schuld, und wir verdienten die Bombenanschläge.

Ich kann Ihnen

hier und heute versichern, daß sich die Vereinigten Staaten durch terroristische Brutalität nicht von ihrem Kurs abbringen lassen oder ihre Politik ändern werden.

Wir dürfen nicht zulassen, daß wir uns über die wahre Bedeutung der
terroristischen Gewalt im Nahen Osten oder sonstwo irgendwelche Illusionen machen.

Diejenigen, die im Nahen Osten wirklich den Frieden wollen,
- 11-

�Frieden wollen, wissen, daß Krieg und Gewalt keine Antwort sind.

Jene,

die sich dem Radikalismus widersetzen und für Verhandlungen eintreten,
sind selbst das Ziel des Terrorismus - seien es Araber oder Israelis.
Eine der großen Tragödien im Nahen Osten ist in der Tat die Tatsache, daß
viele der Gemäßigten auf arabischer Seite, die bereit sind, mit Israel in
Frieden zu leben, durch die Radikalen und deren Henker bedroht und dadurch in ihren eigenen Friedensbemühungen zum Schweigen gebracht werden.

Das Hauptziel der Terroristen im Nahen Osten besteht darin, jeden
Fortschritt zu einem Frieden auf dem Verhandlungswege zu unterbinden. Je
mehr Erfolg unsere Politik hat, je näher wir unseren Zielen im Nahen
Osten kommen, desto stärker werden die Terroristen versuchen, uns zu hindern.

Es ist einfach eine Tatsache, daß sich die Terroristen mehr über

einen Fortschritt im Nahen Osten ärgern als über einen angeblichen Fehlschlag, einen Fortschritt zu erreichen.

Wir sollten nicht vergessen, daß

Präsident Sadat ermordet wurde, weil er Frieden geschlossen hat, und daß
in dieser Region täglich Drohungen ausgestoßen werden aus Furcht - jawohl
aus Furcht -, daß auch andere sich für den Verhandlungsweg zum Frieden
entscheiden könnten.

Wem würden wir dienen, wenn wir unsere Politik im Nahen Osten wegen
der terroristischen Bedrohung ändern würden?

Nicht Israel, nicht den ge-

mäßigten Arabern, nicht dem palästinensischen Volk und ganz sicher nicht
der Sache des Friedens.

Es wäre wahrhaft das Schlimmste, was wir tun

könnten, wenn wir unter der Drohung der Gewalt unsere politischen Prinzipien aufgeben würden.

Was wir tun müssen, ist, unsere Freunde zu unter-

stützen und in unseren Zielen fest zu bleiben.

Wir müssen uns von dieser moralischen Verwirrung freimachen, die die
Schuld für Terrorakte uns oder unserer Politik zuschieben will.

Wir wer-

den angegriffen, nicht weil das, was wir tun, falsch ist, sondern weil
das, was wir tun, richtig ist.

Es ist richtig, wenn wir die Sicherheit

Israels unterstützen, und es gibt keinen Terrorakt und keine Drohung, die
uns von dieser festen Entschlossenheit abbringen könnten.

Wir werden

nicht angegriffen, weil wir hie und da einen Fehler machen, sondern wegen
- 12-

�sondern wegen unserer selbst und der Dinge, an die wir glauben.

Wir dür-

fen unsere Prinzipien oder unsere Rolle in der Welt oder unsere Verantwortung als Vorkämpfer der Freiheit und des Friedens nicht aufgeben.

Die Antwort auf den Terrorismus

Der Terrorismus bedroht zwar viele Länder, aber die Vereinigten Staaten haben eine besondere Verantwortung.

Es ist an der Zeit, daß unser

Land eine allgemeine nationale Anstrengung unternimmt, um der Herausforderung durch den Terrorismus mit der Dringlichkeit und Vorrangigkeit zu
begegnen, die sie erfordert.

Wie unsere Antwort aussehen muß, ist einfach zu sagen:
und Aggression muß mit festem Widerstand begegnet werden.

der Gewalt
Dieses Prin-

zip, gleich, ob wir es mit militärischen Großangriffen zu tun haben oder
mit jenen Konflikten auf niedriger Ebene, die in der modernen Welt stärker verbreitet sind.

Wir sind zunehmend besser in der Lage, vor einem allgemeinen Krieg
oder einem sowjetischen Angriff auf unsere Hauptverbundeten abschrecken
zu können.

Darum wird dieser Ernstfall am wenigsten wahrscheinlich sein.

Es liegt nicht so auf der Hand, daß wir auch wohlvorbereitet und gewappnet sind, um der "Grauzone" jener mittelschweren Herausforderungen zu begegnen , mit denen wir es mit viel höherer Wahrscheinlichkeit zu tun bekommen werden - die Konflikte geringer Intensität, zu denen der Terrorismus zählt.

Wir haben viel getan, um durch die Stärkung unserer strategischen und
konventionellen Verteidigung, durch die Wiederherstellung des Stolzes und
des Selbstvertrauens der Männer und Frauen in unseren Streitkräften und
durch die Manifestation der nationalen Entschlossenheit, der Aggression
zu widerstehen - eine Entschlossenheit, die potentielle Gegner abschrekken kann - vor einer großangelegten Aggression abzuschrecken.

Wir waren

erfolgreicher als früher, wenn es darum ging, mit vielerlei Formen der
- 13-

�Formen der Aggression auf niedriger Ebene fertig zu werden.

Wir haben

der kommunistischen Aggression und Subversion in Mittelamerika und in der
Karibik Einhalt geboten und den Weg zu friedlichen, demokratischen Prozessen in jener Region geebnet.

Und wir haben Grenada erfolgreich von

der marxistischen Herrschaft befreit und dieser keinen Insel die Freiheit
und Selbstbestimmung wiedergegeben

Aber der Terrorismus, der auch eine

Form der

Aggression auf niedri-

ger Ebene ist, hat sich bisher als eine noch schwierigere Herausforderung
erwiesen, denn die Sicherheitstechnologie ist durch die Technologie des
Mordes noch übertroffen worden.

Natürlich sind die Vereinigten Staaten

nicht das einzige Land, das Schwierigkeiten mit der Bekämpfung des Terrorismus hat.

Um den Bericht von Präsident Reagan in der Debatte am vo-

rigen Sonntag auf den neuesten Stand zu bringen, kann ich berichten, daß
seit dem 1. September 41 Terrorakte von nicht weniger als 14 Terroristengruppen gegen Menschen und Sachen in 21 Ländern verübt wurden.

Selbst

Israel konnte sich trotz seiner tapferen und vielseitigen Anstrengungen
nicht von der terroristischen Bedrohung befreien.

Kein Land hat mehr Erfahrungen mit dem Terrorismus als Israel, und
kein Land hat einen größeren Beitrag zu unserer Erkenntnis dieses Problems und der besten Mittel und Wege, um ihm zu begegnen, geleistet.
Durch die Unterstützung von Organisationen wie des Jonathan-Instituts,
das nach dem tapferen israelischen Soldaten benannt ist, der in Entebbe
voranging und fiel, hat das israelische Volk dazu beigetragen, das internationale Bewußtsein des weltweiten Ausmaßes der terroristischen Bedrohung zu wecken.

Der Beitrag Israels geht über das Theoretische hinaus.

Israel hat

große Schlachten in dem Kampf gegen den Terrorismus gewonnen - in Aktionen über seine Grenzen hinaus, auf anderen Kontinenten und im Lande Israel selbst.

Und was hoch anzurechnen ist, die israelische Regierung hat

auch innerhalb Israels zugegriffen und eigene, des Terrorismus beschuldigte Bürger vor Gericht gestellt.

Ein
- 14-

Großteil

des

�Ein Großteil des Erfolges Israels in der Bekämpfung des Terrorismus
ist der breiten öffentlichen Unterstützung der Antiterroristenpolitik zu
verdanken.

Die Bevölkerung Israels hat den Willen gezeigt und ihrer Re-

gierung die Mittel zur Verfügung gestellt, um den Terrorismus zu bekämpfen.

Sie macht sich keine Illusionen über die Bedeutung oder die Gefahr

des Terrorismus.

Vielleicht, weil sie jeden Tag vor der Bedrohung steht,

erkennt sie, daß sie sich im Krieg gegen den Terrorismus befindet.

Wir

alle täten gut daran, dem Beispiel Israels zu folgen.

Aber Teil unseres Problems hier in den Vereinigten Staaten war unsere
offenbare Unfähigkeit, den Terrorismus klar zu verstehen.

Ein jeder ter-

roristische Zwischenfall hat zuviel Selbstverurteilung und Bestürzung mit
sich gebracht - begleitet von Rufen nach einer Änderung unserer Politik
und unserer Prinzipien oder von
alarmiert sein.

Rufen nach Ab- und Rückzug.

Wir sollten empört sein.

überprüfen und nach Verbesserungen suchen.

Wir sollten

Wir sollten die Dinge genau
Weitverbreitete Angst jedoch

und Selbstverurteilung überzeugen die Terroristen nur davon, daß sie sich
auf dem richtigen Weg befinden.
ische Handlungen

zu

begehen

Dies ermutigt sie nur, weitere barbar-

in der

Hoffnung, daß die

amerikanische

Entschlossenheit geschwächt wird.

Dies ist eine besondere Gefahr in der Zeit vor unseren Wahlen.

Wenn

unsere Reaktion gegenüber Terroristen auf uns selbst zurückschlägt, statt
sich gegen die Täter zu richten, dann geben wir ihnen einen doppelten Anreiz , solche Handlungen zu wiederholen oder den Versuch zu machen, den
politischen Prozeß in unserem Lande zu beeinflussen.

Angesichts der terroristischen Bedrohung müssen wir stärker, beständiger, entschlossener und einiger sein.

Wir dürfen die Terroristen nicht

dadurch belohnen, daß wir unsere Politik ändern, unsere Prinzipien in
Frage stellen oder uns in Selbstgeißelung und Zweifeln an uns selbst ergehen.

Statt dessen sollten wir uns darüber im klaren sein, daß Ter-

rorismus Aggression darstellt und daß wir ihm wie allen Aggressionen mit
Nachdruck entgegentreten müssen.

Die
- 15-

Erfordernisse

�Die Erfordernisse einer aktiven Strategie

Wir müssen in diesem Lande Übereinstimmung darüber erzielen, daß unsere Reaktion über eine rein passive Verteidigung hinausgehen muß und daß
Mittel und Wege einer aktiven Verhinderung, Vorbeugung und Vergeltung in
Betracht gezogen werden müssen.

Unser Ziel muß es sein, zukünftige ter-

roristische Aktionen zu verhindern und vor ihnen abzuschrecken, und die
Erfahrung hat uns über die Jahre hinweg gelehrt, daß eine der besten Abschreckungen gegenüber dem Terrorismus die Gewißheit ist, daß rasche und
entschlossene Maßnahmen gegen die Täter ergriffen werden.

Wir sollten

Schritte einleiten, um solche Maßnahmen durchführen zu können.
Frage sollte es keine moralische Verwirrung geben.

In dieser

Es ist nicht unser

Ziel, Rache zu üben, sondern den gewaltsamen Angriffen gegen unschuldige
Menschen ein
machen.

Ende zu setzen, um diese Welt sicherer für uns alle zu

Ohne Frage haben die Demokratien das moralische Recht, ja die

Pflicht, sich selbst zu verteidigen.

Eine erfolgreiche Strategie zur Bekämpfung des Terrorismus verlangt
von uns, daß wir einige schwierige Fragen stellen und darauf ganz klare
Antworten finden.

Bei diesen Fragen geht es um unsere geheimdienstlichen

Mittel, um unser Konzept für den möglichen Gebrauch von Gewalt und - was
am wichtigsten ist - um die Haltung der Öffentlichkeit zu dieser Herausforderung.

Ohne ein klares Verständnis und ohne die feste Unterstützung

der "Öffentlichkeit kann unser Land den Willen zum Handeln einfach nicht
aufbringen.

Erstens:
sonell.

Unsere Geheimdienste müssen gestärkt werden, besonders per-

Entschlossenheit und Fähigkeit zum Handeln haben wenig Wert,

wenn wir bei der Beantwortung der Fragen:
weiterkommen.

Wer?

Wb? und Wann?

nicht

Wir müssen bessere Arbeit leisten, wenn es darum geht,

herauszufinden, wer die Terroristen sind, wo sie sich aufhalten, von welcher Art und Zusammensetzung die terroristischen Organisationen sind und
nach welchem Schema sie handeln.

Unsere Geheimdienste sind dabei, diese

Arbeit zu leisten; man muß sie ermächtigen und ihnen den nötigen Spiel- 16-

�nötigen Spielraum geben, Techniken der Aufdeckung zu entwickeln und zur
Abschreckung und zum Gegenschlag beizutragen.

Zweitens:

Es gibt keinen Zweifel an unserer Fähigkeit, Gewalt anzu-

wenden, wo immer und wann immer dies zur Bekämpfung des Terrorismus notwendig ist.

Unser Land verfügt über Sicherheitskräfte, die zum Handeln

bereit sind - von kleinen Teams, die ganz unauffällig arbeiten können,
bis zum vollen Gewicht unserer konventionellen Militärmacht.

Aber es

geht hier um sehr ernste Fragen - Fragen, über die man diskutieren muß,
die man verstehen muß und über die Einigung erzielt werden muß, wenn wir
unsere Kräfte klug und wirksam einsetzen wollen.

Wenn Terroristen hier in unserem Lande zuschlagen, dann ist dies eine
Sache für die Polizei und die Justiz.

In den meisten Fällen in Übersee

können Maßnahmen gegen Terroranschläge auf unsere Landsleute am wirksamsten von den Gastregierungen und deren Sicherheitskräften ergriffen werden.

Man sollte sich eines vor Augen halten:

Wie es die Verantwortung

der amerikanischen Regierung ist, für die Sicherheit der ausländischen
Botschaften in Washington zu sorgen, so fällt die Sicherheit unserer Botschaften im Ausland gemäß internationaler Vereinbarungen in erster Linie
in den Verantwortungsbereich der Gastregierungen.

Wir arbeiten mit die-

sen Regierungen zusammen, und zwar mit beträchtlichem Erfolg.

Die letzt-

liche Verantwortung liegt natürlich bei uns, und wir werden ihr mit absoluter Entschlossenheit und allen uns zur Verfügung
nachkommen.

stehenden Mitteln

Auf überparteilicher Ebene gibt uns der Kongreß die recht-

lichen Mittel und Möglichkeiten an die Hand, den Schutz unserer Einrichtungen und Landsleute im
bleiben.

Ausland zu verstärken, und dies muß auch so

Aber wenn wir auch unsere Verteidigungsmöglichkeiten verstär-

ken, so ist Verteidigung allein doch nicht genug.

Der Kern der Herausforderung ist in solchen Fällen zu sehen, wo die
internationalen Regeln und die traditionellen Gepflogenheiten nicht angewendet werden können.

Terroristen werden immer wieder von Gebieten aus

zuschlagen, wo es keine Regierungsautorität gibt, oder sie werden sich
dort festsetzen, wo sich ihnen nach ihrer Ansicht die Freistatt einer in- 17-

�einer internationalen Grenze bieten.

Sie werden ihre Angriffe so planen,

daß sie genau in diesen "Grauzonen" stattfinden, wo die vollen Fakten
nicht bekannt werden können und wo die Herausforderung keine klare und
eindeutige Gegenreaktion auslöst.

In solchen Fällen müssen wir unsere nachrichtendienstlichen Möglichkeiten sorgfältig und umfassend einsetzen.

Wir werden die ganze Band-

breite von Möglichkeiten prüfen müssen, die wir ergreifen können.

Das

Ergebnis mag sein, daß wir uns vor die Wahl gestellt sehen, entweder
nichts zu tun oder militärische Kräfte einzusetzen.

Wir sind uns jetzt

darüber im klaren, daß der Terrorismus von unseren Gegnern als ein modernes Werkzeug der Kriegführung benutzt wird.
von Wirrköpfen.

Er ist keineswegs ein Werk

Wir können in den kommenden Jahren mit weiteren terror-

istischen Aktionen gegen unsere strategischen Interessen überall auf der
Welt rechnen.

Um dem entgegenzutreten, müssen wir bereit sein, militär-

ische Machtmittel einzusetzen.

Es ist jedoch erforderlich, daß sich die Öffentlichkeit im vornhinein
über die Risiken, die die Bekämpfung des Terrorismus mit unverhüllter
Macht mit sich bringt, im klaren ist.

Die 'Öffentlichkeit muß sich ferner über die Möglichkeit im klaren
sein, daß einige unserer Soldaten oder einige unschuldige Menschen unter
Umständen ihr Leben lassen müssen.
Die Öffentlichkeit muß von vornherein wissen, daß von gewissen Kreisen der Versuch gemacht werden wird, Präventiv- oder Vergeltungsmaßnahmen
unsererseits im schlimmsten Licht erscheinen zu lassen, und daß diese
Kreise versuchen werden, unser Militär und unsere politische Führung in
die Rolle des Angeklagten zu manövrieren.

Die Öffentlichkeit muß sich im vorherein über die Tatsache im klaren
sein, daß es Anlässe gibt, da ihre Regierung handeln muß, bevor alle Fakten bekannt sind, und daß Entscheidungen nicht von Meinungsumfragen abhängig gemacht werden können.
Die
- 18-

öffentliche

�Die öffentliche Unterstützung amerikanischer Militäraktionen, um Terroristen Einhalt zu gebieten, bevor sie gräßliche Anschläge begehen, oder
um für einen Angriff auf unsere Landsleute Vergeltung zu üben, ist von
entscheidender

Bedeutung, wenn wir mit

dieser

Herausforderung

fertig

werden wollen.

Unser Militär hat die Fähigkeit und verfügt über die Machtmittel, um
den Krieg gegen den Terrorismus zu führen.
men unserer Gesetze angewandt werden.

Diese Fähigkeit wird im Rah-

Um auf lange Sicht erfolgreich zu

sein, wird die solide Unterstützung seitens des amerikanischen Volkes erforderlich sein.

Ich kann Ihnen versichern, daß unsere Maßnahmen unter dieser Regierung von der Herrschaft des Rechts bestimmt werden;

und die Maßnahmen

gegen Terroristen entsprechen der Herrschaft des Rechts.
einen gewissen Handlungsspielraum

Wir müssen über

verfügen, um auf terroristische An-

schläge reagieren zu können - und dabei müssen wir den Zeitpunkt und den
Ort des Geschehens selbst bestimmen können.

Ohne Frage werden wir auf

jeden Terroranschlag nicht immer auf die gleiche Weise reagieren.

Ja,

wir werden bestrebt sein, eine Politik der automatischen Vergeltung zu
vermeiden, die unter Umständen zu einem Teufelskreis

der eskalierenden

Gewalt führt, die dann außerhalb unserer Kontrolle wäre.

Wenn wir effektiv

zurückschlagen oder Präventivmaßnahmen ergreifen

wollen, dann muß unsere Politik ein Element der Unkalkulierbarkeit und
der Überraschung enthalten.

Und die Voraussetzung für eine solche Poli-

tik ist ein weitgesteckter Konsens in der Öffentlichkeit hinsichtlich der
moralischen und strategischen Notwendigkeit von Maßnahmen.

Wir werden

über die Fähigkeit verfügen müssen, sofort und unverzüglich zu handeln.
Wir werden nicht die Zei haben, nach jedem terroristischen Anschlag wieder in eine nationale Debatte einzutreten.

Vielleicht werden wir niemals

über die Beweise verfügen, die vor einem amerikanischen Gericht bestehen
könnten.

Aber wir dürfen es nicht zulassen, daß wir zu einer Art Hamlet

unter den Nationen werden, der sich endlos mit der Frage herumquält, ob
- 19-

�herumquält ob und wie zurückgeschlagen werden soll.

Eine große Nation

mit globalen Verpflichtungen kann es sich nicht leisten, durch Verwirrung
und Unentschlossenheit in Mitleidenschaft gezogen zu werden.

Die Bekäm-

pfung des Terrorismus ist kein sauberer oder angenehmer Wettstreit, aber
wir haben keine andere Wahl, als ihn auszufechten.

Wir brauchen auch breitere Anstrengungen innerhalb eines internationalen Rahmens.

Wenn der Terrorismus wirklich eine Bedrohung der mora-

lischen Werte des Westens darstellt, dann dürfen uns unsere Moralvorstellungen nicht lähmen; sie müssen uns vielmehr den Mut verleihen, uns dieser Bedrohung zu stellen.

Und wenn die Feinde dieser Werte geeint sind,

dann müssen auch die demokratischen Länder bei der Verteidigung dieser
Werte geeint sein.

Die Führer der Industriedemokratien, die im Juni in

London zum Gipfeltreffen zusammenkamen, vereinbarten in einer gemeinsamen
Erklärung, die Zusammenarbeit im Kampf gegen den Terrorismus wesentlich
zu intensivieren.

Diesem ersten Treffen sind andere gefolgt, und die

Vereinigten Staaten haben sich der Förderung dieses Prozesses in jeder
nur möglichen Weise verpflichtet.

Da wir - die Demokratien - am verwund-

barsten und unsere strategischen Interessen am gefährdetsten sind, müssen
wir angesichts gemeinsamer Gefahren auch gemeinsam handelnd.

Was uns an-

geht , so werden wir, wann immer dies möglich ist, eng mit unseren Freunden in den Demokratien zusammenarbeiten.

Sanktionen können, wenn sie gemeinsam mit anderen Ländern angewandt
werden, dazu beitragen, Staaten zu isolieren, zu schwächen oder zu bestrafen, die den Terrorismus gegen uns fördern.

Zu oft aber wird das ei-

ne oder das andere Land dadurch gehemmt, daß es fürchtet, kommerzieller
Möglichkeiten verlustig zu gehen oder Schikanen herauszufordern.
schaftliche Sanktionen sowie andere Formen des

Wirt-

Gegendrucks legen dem

Land, das sie anwendet, Kosten und Risiken auf; aber eindeutige Opfer
müssen einfach gebracht werden, wenn wir letztendlich nicht noch einen
höheren Preis bezahlen wollen.

Ohne Zweifel sind einige Länder gegenüber

einer Erpressung verwundbarer als andere; aber dies ist doch fraglos ein
Argument, in gemeinsamer Unterstützung zusammenzustehen, und kein Argument für eine Politik der Beschwichtigung.
Wenn
- 20-

wir

�Wenn wir wirklich an die Werte unserer Zivilisation glauben, dann
haben wir auch die Pflicht, sie zu verteidigen.

Die Demokratien müssen

das Selbstvertrauen haben, dieses bedrohliche Problem anzupacken, oder
sie werden sich eines Tages in einer Position finden, wo sie auch andere
Probleme nicht mehr anpacken können.

Wenn wir nicht bereit sind, Grenzen

dafür zu setzen, welches Verhalten tolerierbar ist, dann werden unsere
Gegner daraus den

Schluß ziehen, daß es solche Grenzen nicht gibt.

Thomas Jefferson hat einmal, als wir mit dem Problem der Piraterie konfrontiert wurden, gesagt:

"Wenn eine Kränkung ungeahndet bleibt, dann

zieht sie andere nach sich."

Um es grundlegend zu sagen:

Die Demokra-

tien müssen beweisen, ob sie an sich glauben.

Wir müssen der terroristischen Bedrohung mit der gleichen Entschlossenheit und Entschiedenheit entgegentreten, die dieses Land im Laufe seiner Geschichte immer wieder an den Tag gelegt hat.
für Schuldgefühle oder

Es gibt keine Raum

für Selbstzweifel hinsichtlich unseres Rechts,

eine Lebensart zu verteidigen, die allen Ländern Hoffnung auf Frieden,
Fortschritt und Menschenwürde bietet.
so ausgedrückt:
dann tun?

Der weise Hillel hat es treffend

"Wenn ich nicht für mich selbst eintrete, wer wird es

Und wenn ich für mich allein bin, wer bin ich dann?"

Wenn wir diesen Kampf gegen den Terrorismus führen, müssen wir uns
immer die Werte und die Lebensart vor Augen halten, die wir zu schützen
suchen.

Zweifellos werden wir es nicht zulassen, daß wir auf die Stufe

der Barbarei herabsinken, die der Terrorismus darstellt.

Wir werden un-

sere demokratischen Traditionen, unsere Respektierung der Rechte des einzelnen und die Freiheit nicht aufgeben, denn diese Werte sind genau das,
was wir bewahren und fördern wollen.

Unsere Werte und unsere Prinzipien

werden uns die Stärke und das Vertrauen verleihen, dieser großen, durch
den Terrorismus gestellten Herausforderung zu begegnen.

Wenn wir den Mut

und den Willen zeigen, unsere Freiheit und unsere Lebensart zu schützen,
dann werden wir uns erneut dieser Segnungen würdig erweisen.

- 21-

�I

Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

31. Oktober 1984

44

WIINBERGER: SOWJETS FURCHTEN INNOVATION
Rede des US-Verteidigungsministers in Milwaukee -

MILWAUKEE - (AD) - In einer Rede zum Gedächtnis von Clement Zablocki,
dem verstorbenen Mitglied des amerikanischen Repräsentantenhauses, ging
der amerikanische Verteidigungsminister Caspar Weinberger am 24. Oktober
1984 in Milwaukee im amerikanischen Bundesstaat Wisconsin auf die Möglichkeiten und Schwierigkeiten der amerikanisch-sowjetischen Beziehungen
ein.

Während er einerseits in Moskau "eine echte Furcht vor Neuerung und

Wandel" ausmachte, brachte er gleichzeitig seine Überzeugung zum Ausdruck , daß "wir die Sowjets nicht nur dazu bringen können, ihre Strategie
zu überprüfen, sondern auch dazu, ihre Augen für die neuen Möglichkeiten
der friedlichen Zusammenarbeit zu öffnen."

Die Rede des Verteidigungsministers hat folgenden Wortlaut:

Im

vergangenen Monat

trafen

der

sowjetische Außenminister Andrei

Gromyko und ich bei einem Empfang im Weißen Haus zusammen.

Herr Gromyko

Postfach 20 03 00 Toi 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Herr Gromyko grübte mich mit den Worten: "Ich weib alles über Sie.

Sie

halten viele Reuen."

Ich antwortete, daio dies richtig sei.

"J3" , sagte er, "ich lese sie alle."

Die Ehrlichkeit zwang mich zu der Antwort: "Ich fürchte, das ist
mehr, als unsere Presse tut."

Lassen Sie mich also in der Annahme, dab zumindest Heir Gromyko meine
heutige Keae lesen wiru, meine zentrale Aussage so deutlich und direkt
formulieren, wie ich es kann: Die Vereinigten Staaten wollen den Frieden.
Wir streben wecer nach neuem Territorium, nocn nach wirtschaftlicher Bewuncerung oder nach einem Triumph unseres eigenen cemokratischen Systems
in anderen Ländern, wenn diese Demokratie nicht durch die Kraft der Idee,
soriüern durch Mittel der Gewalt gestützt wirc.

Wie Piäsiuent John F.

Kennedy es vor über zwei Jahrzehnten ausdrückte: "Unser Ziel ist nicht
der Sieg der Gewalt, sondern die Geltendmachung des Rechts, nicht Frieden
auf Kosten uer Freiheit, sondern beides - Frieden und Freiheit..."

Weisheit deginnt mit dem Verständnis dei eigenen Ziele und Wünsche.
Aber sie Kann dort nicht enden.

Um Frieden und Freiheit zu bewahren,

müssen wir auch versuchen, die Ziele und Wünsche der Sowjetunion zu verstehen, dieser Nation, uie Winston Churchill einmal so treffenu als "ein
Problem, verpackt in ein Geneimnis innerhalb eines Rätsels" umschrieb.
Was labt die sowjetische Führung handeln, was labt sie reagieren? Die
Sowjets sind uns bei der Beantwortung dieser Frage nicht sehr hilfreich
Wir können nicht mit Hilfe der Abendnachrichten dabeisein, wenn die Mitglieder des Politbüros die Zukunft ihrer Nation diskutieren.

Die Sowjets

veröffentlicnen keinen jährlichen Verteidigungsbericht wie wir, um ihre
Bürger über ihr Verteidigungsprogramm zu informieren.

Dort gibt es noch

immer die klassische geschlossene Gesellschaft.

Wb

also

finden

�WD also finden wir Antworten auf dieses Problem, wie können wir das
Rätsel lösen und wie Können wir das Geheimnis begreifen, das die Sowjetunion darstellt?

Zu oft haben wir nur in einen Spiegel geblickt.

Für die politische

Führung Amerikas hat die Sicherstellung des wirtschaftlichen Itohlstandes
oberste Priorität.

Könnten wir deshalb vielleicht oie sowjetische Füh-

rung zur Zusammenarbeit bringen, indem wir ihr Handeiskredite und fortschrittliche

Technologie anbieten, die es ihr ermöglichen würde, den

Wuhlstanu ihres eigenen Volkes zu sichern?

Für einen amerikanischen Militärstrategen bestent wenig Sinn darin,
zur Sicherstellung eines Vergeltungsschlages noch mehr Kernwaffen zu bauen, nachdem wir hierfür schon genügend besitzen (dem ist so, gleich, was
Sie sonst hierüber lesen).

Könnten wir daher vielleicht die sowjetischen

Strategen dazu überreden, Zurückhaltung zu üben, indem wir einseitig unsere eigenen Waffenprogramme beschränken?

Während der siebziger Jahre machten wir einen ehrlichen Versuch mit
uieser "SpiegelLiid"-Methode.

Die Devisenimporte der Sowjetunion aus dem

Westen stiegen in ciesem Jahrzehnt um mehr als das Neunfache.
sowjetiscne Veroraucher hatte auch weiterhin

Aber der

seine Mühe, wurden doch

westliches Kapital und Technologie rasch von den Sowjets in den militärischen Sektor ihrer Volkswirtschaft umgeleitet.

Desgleichen hielten wir uns in den siebziger Jahren bei Verbesserungen unserer Atomraketenmacht zurück.

Anstatt sich unserer Zurückhaltung

anzuschließen, beschleunigten die Sowjets ihr eigenes strategisches Modernisierungsprogramm , indem sie eine neue Generation von Interkontinentalraketen entwickelten, die speziell dazu entworfen waren, amerikanische
Raketensilos zu zerstören.
Begrenzung strategischem

In den fast 15 Jahren der Gespräche über die
Waffen erhöhten die Sowjets ihre Arsenale um

rund 8 000 Gefechtsköpfe für Atomraketen mittlerer und groüer Reichweite
- ein Anstieg von über 500 Prozent.

Als

unser

Land

�Als unser Land in aas Jahrzehnt der achtziger Jahre eintrat, hatten
wir nichts von unserer Entschlossenheit verloren, den Frieden zu bewahren
und echte, gegenseitige Rüstungsverringerungsabkommen mit der Sowjetunion
auszuhandeln.

Aber wir hatten einige unserer Illusionen verloren.

Und

wir hatten zugelassen, daio unsere Stärke erodierte - die Stärke, die für
uns notwendig ist, um Frieden und Freiheit zu bewahren, die Stärke, die
lebensnotwendig ist, um die Sowjets wieder an den Verhandlungstiscn zu
bringen.

Wir entdeckten wieder die Wahrheit der Warnung von Präsident Kennedy:
"Sollten wir dabei versagen, dem Diktat unserer eigenen Sicherheit zu
folgen, so werden die Sowjets dies zwar zur Kenntnis nehmen, aber nicht
als Zeichen des guten V.illens, sondern der Schwäche."

Und wir erkannten,

dab unsere Bemühungen um einen dauerhaften Frieden nur dann erfolgreich
sein könnten, wenn wir sie auf ein realistischeres Verständnis der sowjetischen Ziele, der Unterschiede zwischen ihrem und unserem System sowie
eine realistischere Bewertung der Tatsache gründen würden, wie weit unsere eigene militärische Stärke im Verlauf der siebziger Jahre zurückgegangen war.

Viele von Ihnen nier und heute sind Studenten der Universität.

Ver-

setzen Sie sich doch bitte einmal für ein paar Minuten in uie Lage sowjetischer Studenten.

Ich werde versuchen, die Welt aus der Perspektive

meines Gegenparts im sowjetischen Verteidigungsministerium zu sehen.

Netimen wir an, Sie werden im Frühjahr Ihre Studien abschließen.

Als

sowjetischer Student werden Sie -nervös, hoffnungsvoll, ängstlich- auf
die Ergebnisse der "Raspredeleniye", der Verteilung, warten.

"Die Ver-

teilung" bedeutet die Zuweisung des Staates in bezug darauf, wo Sie leben
und aroeiten müssen - theoretisch

für die nächsten drei Jahre, aller

Wahrscheinlichkeit nach für den Rest Ihres Lebens.

Sie können nicht Ihre

berufliche Laufbann wecnseln: Sie wurden für immer auf eine Spezialisierung festgelegt, als sie siebzehn waren.

Und wenn die Verteilung Sie,

sagen wir , in eine Kleinstadt in Sibirien beordert, dann dürfen Sie nicht
einmal eine der Grobstädte für länger als drei Tage besuchen, solange
- 4-

�besuchen, solange nicht der Stempel in Ihrem Ausweis zeigt, dab Sie das
Recht haben, in der Stadt zu leben.

Wie kann man das ändern? Inuem man

in der Stadt geboren ist oder jemanden heiratet, der bereits das Recht
hat, dort zu leben.

Ich nehme an, Sie können es sich gar nicht vorstellen, was es bedeutet , ein Studiengebiet, einen Arbeitsplatz, einen Wohnort, eine Wohnung eine ganze Zukunft - vom Staat zugewiesen zu bekommen.

Machen wir aber

in Gedanken einen ähnlichen Sprung, um die Imperative des sowetischen Systems zu verstehen: Was die sowjetische Führung fürchtet, was sie achtet,
was sie fordert.

Wir müssen Verständnis üben; insbesondere können wir

die sowjetischen Befürchtungen - wie unbegründet auch immer - nicht ignorieren oder auber Acht lassen. Aber wir dürfen uns auch nicht in der Erkenntnis erschüttern lassen, dab dies ein System ist, das sich von unserem eigenen sehr unterscheidet.

Ich möchte heute kurz über vier Charakteristika des Sowjetsystems
sprechen, die meiner Meinung nach in grobem Mab seine Auüen- und Verteidigungspolitik beeinflussen - uno damit auch unsere.

Dies ist der ent-

scheidend wichtige PunKt, denn wir können weder unsere eigene Aubenpolitik, noch unsere eigene Sicherheitspolitik festlegen ohne die umfassendste Einbeziehung all dessen, was wir über die Sowjetunion in Erfahrung
bringen können. Diese vier sowjetischen Charakteristika sinu:

Erstens: Die Sicherheitsbesessenheit;

Zweitens: Die allumfassende staatliche Kontrolle über das Leben des
einzelnen sowie deren Entsprechung, nämlich das völlige Fehlen jedweder
persönlicher, individueller Freiheit,

Drittens: Die Unbeweglichkeit bei politischen Entscheidungen;

Viertens: Die Rolle der Ideologie.

David Shipler, ein Reporter der "New York Times", erzählt die Gescnichte eines Kollegen, der darüber schreiben wollte, wie in Rubland das

�Rubland das Neue Jahr gefeiert wird.

Er rief den Wetterdienst an, um

herauszufinden, wie viel Schnee am Neujahrstag gefallen war.

Da sagte

man ihm, dies sei geheime Sicherheitsinformation.

Natürlich ahben die Sowjets guten Grund, auf den militärischen Aspekt
ihrer langen, kalten Winter zu achten.

General Kutuzow, der Militärstra-

tege , der Napoleon immer weiter nach Ruüland hineinlockte, um ihn dann zu
besiegen, ist auch heute noch ein Volksheld.

Andere Helden - wie Dimitri

Donskoy, der gegen die Tataren kämpfte; Minim und Posharsky, die einen
Volksaufstand gegen die polnische Besatzung leiteten; General Schukow,
der die Sowjetarmee gegen Hitler führte: Sie alle und die Schlachten, die
sie schlugen, erinnern uns, genau wie das russische Volk, an eine lange
Vergangenheit der Invasion und des Widerstandes.

Wir in den Vereinigten

Staaten haben in diesem Jahrhundert keinen Aggressor erlebt, der unsere
Grenzen verletzt hätte; auch hier müssen wir einen Gedankensprung machen,
um die sowjetischen Befürchtungen zu verstehen.

Aber wir müssen zugleich

sehen, dab das sowjetische Gefühl der Unsicherheit fast immer auch wirkliche Unsicherheit für die Nachbarn bedeutet.

Eine Folge der sowjetischen Sicherheitsbesessenheit war stets das Beharren auf Geheimhaltung - ein Beharren, das oft einer angemessenen Verifizierung von Rüstungsverringerungsabkommen im Wege steht.

Eine weitere

Folge hiervon ist die Militarisierung der sowjetischen Gesellschaft.

Die

Kinder in der Sowjetunion beginnen schon in der Grundschule mit militärischen Spielen; die eigentliche militärische Ausbiluung ist ab dem neunten Schuljahr Pflicht.

Überschüler gehen jeden Sommer m s Militärlager,

una mit achtzenn Jahren beginnt die allgemeine Wehrpflicht.

In der So-

wjetunion gibt es 133 Militärschulen und -akademien - im Vergleich zu
zenn in den Vereinigten Staaten.

Als Folge dessen kann das sowjetische

Militär auf eine gewaltige Menge ausgebildeter Soldaten zurückgreifen.
Und weil den Wehrpflicntigen nur sehr wenig gezahlt wird, braucnen die
Sowjets nur weniger als zehn Prozent ihres Verteidigungshaushaltes für
Sold auszugeben, wohingegen der Sold bei unserem eigenen Verteidigungsoudget fast 50 Prozent ausmacht - was auch wiederum sehr viel über die
beiden Systeme aussagt.
Dei der

�Bei der Beschreibung der "Verteilung" habe ich bereits versucht, einiges über das zweite Charakteristikum des Sowjetsystems zu sagen, nämlich der umfassenden staatlichen Kontrolle über das Leben des einzelnen.
Wenn wir begreifen, wie gering der Spielraum des Sowjetbürgers ist, ohne
sofort den Staat zu beleidigen, dann verstehen wir auch besser, wie wenig
wir uns auf Widerspruch oder auf eine öffentliche Meinung innerhalb der
Sowjetuniun verlassen können, um eine Änderung der Politik der Regierung
herbeizuführen.

Der herausragende politische Tatbestand hinsichtlich der

Sowjetunion ist, dab es dort keine öffentliche Meinung gibt.

Was Andersdenkende anüelangt, so haben die Sowjets Anfang dieses Jahres ihre Strafgesetze revidiert, um noch stärker gegen die "antisowjetische Agitation" angehen zu können.

So ist zum Beispiel die Einladung an

einen Ausländer, über Nacht in der eigenen Wohnung zu bleiben, ein Verbrechen gegen den Staat.

Desgleichen stieg die Zahl der Verhaftung von

Dissidenten seit 1^79 um mehr als das Doppelte.

Ein anderer Reporter der "New York Times", Heorick Smith, berichtet
von einer Unterhaltung mit einem sowjetischen Kommunisten, der gerade von
einer Konferenz mit amerikanischen Kommunisten gekommen war.

Der sowjet-

ische Kommunist sagte über seine amerikanischen Kollegen: "Sie nehmen es
so ernst, sie glauben wirklich daran, dab sie etwas für den Frieden tun
und die politische Führung beeinflussen können... Sie glauben, sie können
tatsächlich uie Politik mitbestimmen.

Sind alle Amerikaner so?"

Ja, alle Amerikaner sind so - und wir sollten dafür zutiefst dankbar
sein.

Aber unsere eigene politische Freiheit benachteiligt bisweilen un-

sere Führung , wenn sie mit einer Führung verhandelt, die sich nicht einer
solchen Wachsamkeit des Kongresses, der Presse oder der öffentlichen Meinung wie bei uns zu stellen hat.

Henry Kissinger schrieb in seinen Memoiren, dab die "sowjetische Diplomatie einen groben Vorteil hat.

Sie ist auberordentlich hartnäckig,

sie ersetzt Einfalisreichtum durch Hartnäckigkeit.

Es gibt bei ihr kei-

�bei ihr keinen innenpolitischen toten Punkt.

Sie wird nicht der Starr-

heit bezichtigt, wenn sie Jahr für Jahr Variationen derselben Vorschläge
vorlegt.

Es gibt im Politbüro keine Belohnung für eine Erforschung immer

neuer Entwürfe, wodurch ein so grober Teil der amerikanischen Diplomatie
zu Verhandlungen mit uns selbst wird."

Natürlich macht die gleiche staatliche Kontrolle, die Geheimhaltung
erzwingt unc anuere Meinungen unterdrückt, das Sowjetsystem außerordentlich unbeweglich.

Die zentrale Planwirtschaft insbesondere kann geradezu

komische Ineffizienz produzieren.
riken in Quadratmetern fest.

Der Staat legt die Quoten der Glasfab-

Um die Quoten zu erreichen, machen die Fau-

riken das Glas so dünn wie möglich - und in den kalten Wintern brechen
die Fensterscheiben überall in der Sowjetunion.

Im Gegensatz hierzu legt

der Staat die Quoten für Autoteile in Tonnen fest. So stellen die Fabriken viel zu viele Reifen ner - aber keine Verteilerdeckel.

Aber begehen Sie nicht den Fehler, anzunehmen, daß sich diese Ineffizienz auch auf den militärischen Sektor erstreckt. Da der Staat die Ressourcen verteilt, kann er seine besten Rohstoffe, seine neuesten Fabriken
unu seine begabtesten Ingenieure und Wissenschaftler der Verteidigungsproduktion zuteilen.

Der sowjetische Verteidigungsminister steht einer

gewaltigen, parallelen Militärwirtschaft

vor, die unmittelbar Hundert-

tausende von Menschen in einem völlig selbständigen Sektor der Volkswirtschaft beschäftigt.
Arbeiter im Verteiuigungsbereich erhalten Extralohn und zusätzliche
Vergünstigungen.

Umgekehrt müssen sie oft in Städten mit begrenztem Zu-

gang leben - manche mit einer in die Zehntausende zählenden Einwohnerschaft, die auf keiner sowjetischen Landkarte zu sehen sind - und unterliegen den weit strengeren Maßstäben der sowjetischen Militärproduktion.
Dies ist ein Ausmaß der Unterdrückung, das sich Menschen, die Freiheit
als selbstverständlich erachten, sicher nicht vorstellen können.

Unbeweglichkeit und Starrheit sind jedoch nicht nur Kennzeichen der
sowjetischen

Wirtschaft.

Die

politische
- 8-

Führung

der Sowjetunion ist

�Sowjetunion ist praktisch immobil geworden: Es scheint dort eine echte
Furcht vor Neuerung und Wandel zu herrschen.

Im Bereich der Rüstungsver-

ringerung insbesondere halten die Sowjets an einer Position fest, von der
sie wissen, dau der Westen sie nicht akzeptieren kann und nicht akzeptieren will: Dem vollständigen Abbau unserer landgestützten, nuklearen Mittelstreckensysteme in Europa zu einer Zeit, da die sowjetische INF-Raketenstreitmacht
anwächst.

(einschließlich von zumindest 378 SS-20 Raketen) weiter

Ja, unsere kleine Anzahl von Mittelstreckenraketen wurde dis-

loziert, um ein potentiel tödliches sowjetisches Monopol bei diesen Waffen zu korrigieren - 600 Raketen mit fast 1 300 Gefechtsköpfen gegenüber
Null, bevor unsere Dislozierung im Dezember 1963 begann.

Unbeweglichkeit kann natürlich eine Strategie sein.

Oft hat sie sich

als sehr gute Strategie erwiesen mit dem Ziel, den Widerstand ungeduldiger Demokratien abzuschleifen.

Aber ich habe den Verdacht, Unbeweglich-

keit könnte auch zu einer Üeisteshaltung der sowjetischen Führung werden.
Wenn wir bei unserer Forderung nach echten Rüstungsverringerungen bleiben
- uno nicht nur bei der legalisierten Aufrüstung, wie sie durch die sogenannten Rüstungskontrollverträ'ge ermöglicht wurde, die wir in den siebziger Jahren erlebten -, dann, so glaube ich, können wir die Sowjets nicht
nur dazu bringen, ihre Strategie zu überprüfen, sondern auch dazu, ihre
Augen für neue Möglichkeiten der friedlichen Zusammenarbeit zu öffnen.
Staats- und Parteicnef Tscnernenko hat bereits kürzlich in einem Interwie
mit einem

Washingtoner

Reporter

auf die Möglichkeit künftigen Fort-

schritts hingewiesen.

Das

letzte

und kontroverseste

Charakteristikum

des Sowjetsystems,

über das ich heute sprechen möchte, ist die Rolle der Ideologie.

Manche

werden sagen, daU die marxistische Ideologie für die sowjetische Führung
überhaupt keine Bedeutung mehr hat. Und ich würde zustimmen, daU Tscnernenko und seine Kollegen wahrscheinlich wenig Zeit darauf verwenden, sich
in der angenehmen Vorstellung über das Absterben des Staates, die Abschaffung der Klassenunterschiede oder die vollständige Kontrolle der Arbeiter über die Produktion ergehen.

Sie haben wahrscheinlich den Witz

gehört, in dem Breschnew eines Tages seiner Mutter seine luxuriöse Dat-

�luxurioschen Datscha am Schwarzen Meer zeigt und diese dann fragt: "Aber
Leonid, wenn nun die Bolschewisten wiederkommen?"

Aber zumindest ein Teil der marxistisch-leninistischen Ideologie ist
aucn heute in der Sowjetunion noch sehr lebendig: Der Glaube - mit Lenins
Worten -, daß "die Existenz der Sowjetrepublik neuen den imperialistischen Staaten langfristig nicht vorstellbar ist.

Letztendlich wird ent-

weder der eine oder der andere siegreich sein."

"Geschichte," sagte Stalin, "fragt nicht, ob man will oder nicht...
Die ganze Welt wird kommunistisch werden."

"Der totale Triumph des Sozialismus überall in der Welt ist unvermeidlich" , erklärte Breschnew.

Er unterstützte dies in seiner Verfassung

von 1977, in der es ganz offiziell heiut, es sei das Ziel des sowjetischen Ruülands, ja sogar die Pflicht, das kommunistische System in allen
Ländern der Weit zu verbreiten.

Und er verfestigte dies noch durch die

Breschnew-Doktrin, die die sowjetische Militärmacht hinter den Vorschlag
stellt, daß der Marsch des Kommunismus nur vorwärts, niemals aber rückwärts gehen könne.

Es ist leicht, diese Behauptungen als Propaganda abzutun; aber wir
können nicht die von den Sowjets immer wieder demonstrierte Bereitschaft
kurzerhand abtun, ihre militärische Macht einzusetzen - sei es direkt,
sei es durch Stellvertreter -, um ihre Sache zu fördern.

Wir müssen auch erkennen, daß diese Behauptungen über den unvermeidlichen Sieg des Kommunismus sowie die Sinnlosigkeit des Widerstands der
sowjetischen Führung und ihrer unterdrückerischen Maschinerie der inneren
Sicherheit Rechtmäßigkeit verleihen.

Sie wurde nicht durch das Volk,

sondern durch eine kleine Anzahl von Genossen gewählt, die teilnehmen
dürfen und die das Gefühl haben, die unausweichlichen Kräfte der Geschichte - so wie sie die Geschichte verstehen - seien auf ihrer Seite.

Die gröüte Herausforderung für die Sowjetunion ist daher nicht die
- 10-

�nicht die militärische Stärke der Vereinigten Staaten.

Die sowjetische

Führung weiß, daß wir keine Kriege beginnen, daß wir keine Kontrolle über
unsere Nachbarn - oder ihre - anstreben.

Nein, unsere Herausforderung

besteht darin, daß auch wir eine Vorstellung von der Zukunft haben.

Wir

glauben daran, daß die politische und wirtschaftliche Freiheit - wenn
schon nicht die unvermeidliche - so doch die beste Zukunft der Welt ist.
Wir sind hiervon so sehr überzeugt und hierin so zuversichtlich, daß wir
diesen Glauben stets auf die Probe stellen können.

Unsere Wahlen selbst

senden dem belagerten Volk der Sowjetunion ein wichtigeres Signal als die
Männer unu Frauen, die wir wählen.

Sie sind ein Signal unseres Vertrau-

ens in uns selbst.

Wir werden dieses Vertrauen brauchen, um mit den Sowjets zu verhandeln, genauso, wie wir Stärke und ein Verständnis im Hinblick auf ein
System mit Imperativen brauchen, die sich so sehr von unseren eigenen
unterscheiden.

Ich jedenfalls glaube daran, daui eine erneuerte Zuver-

sicht , eine wiederhergestellte Stärke und ein realistischeres Verständnis
der Herausforderungen, vor denen wir stehen, uns erregende neue Aussichten auf Frieden und Zusammenarbeit noch in diesem Jahrzehnt geben.

Wenn wir in diesem Jahrzehnt noch dramatische RüstungsVerringerungsabkommen erreichen können - und ich glaube daran -, dann werden wir diese
Erfolge zu einem nicnt geringen Teil den Führern beider Parteien verdanken, die eine Vision des Friedens hatten und die wußten, dau Frieden am
besten durch Stärke und Beharrlichkeit bewahrt bleibt.
war ein solcher Führer.

Clement Zablocki

Ich danke Ihnen noch einmal für diesen so pas-

senden Tribut an seine Lebensarbeit und für die Gelegenheit, die Sie mir
gegeben haben, Ihrem Tribut den meinigen hinzuzufügen.

* * * # *

- 11-

�I

Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

31. Oktober

44

SOWJETS BEDROHEN GLEICHGEWICHT IM WESTPAZIFIK
- Interview mit Admiral Crowe -

Honolulu -(AD)- Die Sowjets bemühen sich durch massive Rüstungsanstrengungen, das militärische Kräftegleichgewicht im Westpazifik zu ihren
Gunsten zu verändern. Dies sagte Admiral William J. Crowe, Jr., der Oberkommandierende der amerikanischen Streitkräfte im Pazifik, am 23. Oktober
in einer "Worldnef'-Veranstaltung des US-Informationsamtes. Der Admiral
beantwortete von Honolulu auf Hawaii aus die Fragen von Journalisten aus
Japan, Singapur, Thailand, Südkorea und Australien, die mit ihm über eine
Direktschaltung per Fernsehsatellit verbunden waren. Im folgenden geben
wir Auszüge aus dem Interview wieder, das von Harry Ellis vom Christian
Science Monitor moderiert wurde.

ELLIS: Herr Admiral, Sie haben Ihr gegenwärtiges Amt als Oberkommandierender im Pazifik erst 1983 angetreten, aber schon in den Jahren davor
haben Sie im pazifischen Raum eine Menge Erfahrungen sammeln können. Nun
werden Sie in der jüngsten Ausgabe der Zeitschrift U.S. News &amp; World Report dahingehend zitiert, daß der Pazifik das Gebiet der heimlichen Erfolge der amerikanischen Außenpolitik sei. Was haben Sie damit gemeint ?
CRUWE: Ich

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�CROWE: Ich gestehe, daß ich diese ziemlich optimistische Äußerung getan habe. Als wir uns Anfang der 70er Jahre aus Vietnam zurückzogen, hätte ich geschätzt, daß die Vereinigten Staaten mindestens 25 Jahre brauchen würden, um ihre Beziehungen mit diesem Teil der Welt neu zu knüpfen
und das verlorene Vertrauen zurückzugewinnen

... Glücklicherweise habe

ich mich gründlich geirrt. Bei meinen Besuchen bei militärischen und zivilen Führungspersönlichkeiten überall in dieser Region kann ich gewöhnlich feststellen, daß es uns gelungen ist, ihnen erneut Vertrauen einzuflößen, und daß wir heute wahrscheinlich engere Beziehungen zu unseren
Freunden und Verbündeten in diesem Teil der Welt unterhalten, als dies
über viele, viele Jahre hinweg der Fall war ... Üer Handel der Vereinigten

Staaten

mit

dem

gesamten Fernen Osten erreicht ein Volumen von

137 Milliarden Dollar. Dieser Wert wird in keinem anderen Teil der Welt
übertroffen. All dies ist ermutigend und gibt Anlaß zum Optimismus.

Der Fortschritt und die Stabilität in dieser Region ist in erster
Linie der Tatkraft und geistigen Regsamkeit der Menschen zuzuschreiben,
die dort leben. Ich glaube aber, daß es nichtsdestoweniger. wichtig ist,
daß allgemein - besonders aber in Amerika - erkannt wird, dald auch die
Vereinigten Staaten durch ihre Diplomatie sowie durch ihre Sicherheits-,
Wirtschafts- und Verteidigungspolitik einen maßgeblichen Beitrag zu dieser Entwicklung geleistet haben. Man wird sicherlich davon ausgehen dürfen, daß unser militärischer Schutz die Sowjets von Akten der Einschüchterung und der Aggression abgehalten und es unseren Freunden und Verbündeten ermöglicht hat, ihr Geschick selbst in die Hand zu nehmen, ihren
eigenen Weg zu suchen und das Entwicklungspotential ihrer Länder zu entfalten.

Auf der anderen Seite glaube ich nicht, daß die Sowjets auch nur annähernd so große Erfolge verbuchen konnten. Was sie investiert haben, hat
sich politisch nicht besonders ausgezahlt. Wirtschaftlich spielen sie
kaum eine Rolle. Sie haben sich daher leider dem einzigen Gebiet zugewandt, auf dem sie auch im Alleingang etwas unternehmen und erreichen
können, nämlich dem Gebiet der militärischen Stärke. Seit 1969 konnten
wir ein enormes Anwachsen der militärischen Stärke der Sowjetunion im
Fernen Osten beobachten ...
FRAGE: Ich

�FRAGL: Ich habe eine Frage zur Zusammenarbeit zwischen den Vereinigten Staaten und der Volksrepublik China im Bereich der Seestreitkräfte.
Marineminister John Lehman hat im August dieses Jahres Peking besucht,
und es gab Presseberichte über eine zukünftig engere Zusammenarbeit zwischen der Marine der Volksrepublik China und der der Vereinigten Staaten.
Zuvor konnten wir japanischen Presseberichten entnehmen, daß die Chinesen
gegen eine Einführung von TOMAHAWK-Marschflugkörpern bei der Pazifikflotte Einwände erheben. Können Sie uns Genaueres über die Haltung der Volksrepublik China in der Frage der Zusammenarbeit mit der amerikanischen Marine und über deren Rolle im Pazifik im allgemeinen sagen ?

CROWE: Es wäre sicherlich voreilig, wenn ich auf diese Frage eine definitive Antwort geben würde, da, wie Sie wissen, die wirtschaftlichen
wie auch die politischen Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und
der Volksrepublik China noch in der Entwicklung begriffen sind, und ich
würde davon ausgehen, daß Beziehungen zwischen den Militärs beider Länder
erst folgen können, wenn diese auf einer grundlegenderen, politischen
Ebene miteinander ins reine gekommen sind.

Wir versuchen natürlich, diese Beziehungen auf der Grundlage gemeinsamer Interessen zu entwickeln. Ich meine, daß es recht gut läuft. Wir
wissen die Rolle zu schätzen, die China als eine an Frieden und Stabilität interessierte Macht im Fernen Osten spielt. Diese Zielsetzung haben
wir mit der Volksrepublik China gemeinsam. Sie konnten während der letzten Monate eine deutliche Annäherung unserer beiden Länder beobachten,
und ich vermute, daß dieser Trend anhalten wird.

Der Besuch von Marineminister Lehman bildete ein weiteres Anzeichen
dafür, daß wir einander näherkommen und daß wir nach Feldern gemeinsamen
Interesses suchen, besonders auch im Hinblick auf bestimmte Technologien,
zu denen China gern über die Vereinigten Staaten Zugang bekommen würde.
Es handelt sich dabei in erster Linie um Defensivsysteme; wir prüfen das
von Einzelfall zu Einzelfall.

Was jedoch militärische Zusammenarbeit - und zwar im Bereich der aktiven Streitkräfte - anbelangt, so sind wir noch nicht so weit. Ich weiß
- 3 -

�Ich weiß nicht genau, ob und wann es dazu kommen wird. Ich glaube, solche
Beziehungen müssen sich organisch entwickeln. Sie sind der Entwicklung
entsprechender politischer Beziehungen nachgeordnet ...

FRAGE: Admiral Crowe, das Volumen des amerikanischen Handels mit dem
Fernen Osten beläuft sich auf mehr als 130 Milliarden Dollar. Das bedeutet, daß die Anrainerstaaten des Pazifik zusammengenommen der größte Handelspartner der Vereinigten Staaten sind. Können Sie uns sagen, welche
strategischen Implikationen das verstärkte wirtschaftliche und politische
Engagement der Vereinigten Staaten in diesem Kaum hat ?

CROWE: Ich verwende die Zahlen, die Sie soeben anführten, oft in den
Unterredungen und Reden, die ich überall in den Vereinigten Staaten und
überall im Westpazifik führe bzw. halte. Diese Daten sind wichtig und bedeutsam, und sie führen zu der Schlußfolgerung, daß der pazifische Raum
für die Vereinigten Staaten mit jedem Tag wichtiger wird, d.h., daß die
Geschehnisse in diesem Teil der Welt sich auf das Leben jedes Amerikaners
auswirken. Die Amerikaner haben das begriffen, das kann ich aus persönlicher Erfahrung bezeugen. Wir wenden unser Augenmerk immer stärker dem Westen, dem Pazifik zu. Hauptsächlich aus diesen Gründen haben die Vereinigten Staaten unzweideutig klargestellt, daß sie die Absicht haben, im
pazifischen Raum eine einflußreiche Macht zu bleiben. Sie beabsichtigen,
im Pazifik zu bleiben und auch in Zukunft ihre Freunde und Verbündeten
dort zu unterstützen.

Ich sage oft, daß der Schwerpunkt der amerikanischen Außenpolitik
sich langsam westwärts (zum Westpazifik hin) verlagert, hauptsächlich auf
Grund der Tatsachen, die Sie eben anführten.

Botschafter Mansfield, der unser Land bei der japanischen Regierung
vertritt, charakterisiert die nächsten hundert Jahre als das "pazifische
Jahrhundert", und ich stimme dieser Einschätzung zu. Ich glaube, daß sich
meine amerikanischen Landsleute dieser Realitäten zunehmend bewußt werden, die jeden Aspekt ihres Lebens beeinflussen werden. Sie werden mit
Sicherheit das, was Amerika im Hinblick auf den Pazifik tut, und die Art
und Weise, wie es dies tut, beeinflussen. Der pazifische Raum ist ein
- 4 -

�ist ein wichtiger Teil der Welt, und er gewinnt zunehmend an Bedeutung.
Amerika fängt an, das zu erkennen ...

FRAGE: General John Vessey, der Chef des gemeinsamen Stabes der amerikanischen Streitkräfte, hat Anfang dieses Jahres erklärt, daß Amerika
im Frühsommer dieses Jahres damit beginnen werde, Marschflugkörper des
Typs TOMAHAWK an die Truppe auszuliefern. Geht die Einführung dieser Waffe planmäßig voran ? Und falls ja: Bedeutet dies eine wesentliche Änderung des militärischen Kräfteverhältnisses gegenüber der Sowjetunion im
Pazifik und im Fernen Osten ?

CRQWE: ... Die Sowjets haben während der letzten zwei Jahre und eigentlich sogar schon seit 1969 erhebliche Rüstungsanstrengungen unternommen, um die Schlagkraft ihrer Streitkräfte (in Fernost) drastisch zu
erhöhen. Ich würde dies als eine außerordentlich ernstzunehmende Anstrengung zur Veränderung des militärischen Kräftegleichgewichts bezeichnen.
Im Gegenzug nehmen auch die Vereinigten Staaten Verbesserungen im Bereich
ihrer Streitkräfte vor. Jedes Jahr werden bei unserer Flotte, unseren
landgestützten Luftstreitkräften und unseren Bodentruppen neue, moderne
Waffensysteme eingeführt. Wir versuchen

sehr nachdrücklich,

auch die

Schlagkraft unserer Streitkräfte zu erhöhen, um der Stärkung der sowjetischen Militärmacht gewachsen zu sein. Bei der TOMAHAWK handelt es sich
nur um eines von vielen neuen Systemen, die in den Truppendienst übernommen werden. Waffen dieses Typs sind jetzt im Pazifik vorhanden, wenngleich in einem äußerst bescheidenen Umfang. Es ist vorauszusehen, daß im
Verlaufe der nächsten Jahre die Zahl der mit der TOMMHAWK ausgestatteten
Kriegsschiffe steigen wird. Es handelt sich dabei um ein leistungsfähiges
Waffensystem, das, wie wir glauben, unsere Möglichkeiten zur Bekämpfung
von See- und Landzielen erheblich verbessern wird. Ich würde jedoch nicht
so weit gehen, zu behaupten, daß diese Waffe derart leistungsfähig ist,
daß sie das Kräftegleichgewicht verändert. Ich meine, das wäre übertrieben. Es ist noch etwas zu früh, um in solchen Größenordnungen zu denken.
Die TOMAHAWK ist ein wichtiges Waffensystem und von hohem Nutzen für uns.
Wenn sie uns erst einmal in größeren Stückzahlen zur Verfügung steht,
werden wir sicherlich besser in der Lage sein, unserem Auftrag gerecht zu
werden.
Gleichzeitig müssen
- 5 -

�Gleichzeitig müssen Sie sich vergegenwärtigen, daß die Sowjets, wie
schon in der Vergangenheit so auch in der Zukunft, mit aller Kraft versuchen werden, ihrerseits neue Systeme einzuführen, die Schlagkraft ihrer
Verbände weiter zu erhöhen und das Kräftegleichgewicht im Westpazifik ins
Wanken zu bringen. Was etwa den Bereich der nuklearen Mittelstreckenraketen anbelangt, so haben die Sowjets gegenwärtig in den fernöstlichen Bezirken ihres Landes 135 Abschußanlagen für SS-20-Raketen aufgestellt.
Dies bedeutet, daß sie im Verlauf der letzten zehn Jahre einen ganz erheblichen Zugewinn an militärischer Stärke erzielt haben, einen Zugewinn,
der das gesamte Kräfteverhältnis in der Region aus den Fugen zu heben
droht.

FRAGE; Können Sie uns Näheres über die Aufrüstung der Sowjets in der
jüngeren Vergangenheit in der Region berichten, insbesondere über die Art
und Weise, in der die Sowjets die Marinebasis Cam Ranh in Vietnam und den
Tiefwasserhafen Com Pong Song in Kambodscha nutzen ? Unü wie stellen sich
die Vereinigten Staaten auf diese Lage ein ?

CROWE: Von Cam Ranh aus operieren zu jedem beliebigen Zeitpunkt ungefähr sechs bis zehn Uberwasser-Kriegsschiffe, fünf bis sechs Unterseeboote und zehn bis zwölf Marineversorgungsschiffe. Gegenwärtig sind dort außerdem neun Kampfflugzeuge und etwa acht Langstreckenseeaufklärungs- und
U-Boot-Jagdmaschinen stationiert.

In den letzten Monaten sind die Luftstreitkräfte dort also nur in bescheidenem Umfang verstärkt worden. Wir erwarten aber, daß die Sowjets
weitere Verstärkungen heranführen werden. Die Ausrüstung, die die Sowjets
nach Cam Ranh verbracht haben - Lagerhäuser, Treibstoff, Fernmeldeanlagen
und andere Bodeneinrichtungen zur Unterstützung von Luftstreitkräften geht vom Umfang her erheblich über das hinaus, was die gegenwärtig dort
stationierten Verbände benötigen. Das legt meines Erachtens den Schluß
nahe, daß die militärische Präsenz der Sowjets dort in den nächsten Jahren weiter ausgebaut und verstärkt werden wird.
Ich würde so weit gehen, zu sagen, daß sich die Sowjets in Cam Ranh
auf Dauer einrichten ... Daß sie sich dort festgesetzt haben, bedeutet,
- 6 -

�haben, bedeutet, daß all unsere Militäranlagen auf den Philippinen in die
Reichweite sowjetischer Kampfflugzeuge geraten und daß die Sowjets nun
einen Stützpunkt 2 200 Meilen näher zum Indischen Ozean besitzen, was ihnen den Einsatz von Marine- und Luftstreitkräften in diesem Seegebiet insofern kolossal erleichtert, als sie solche Einheiten jetzt schneller und
mit geringerem Aufwand dorthin entsenden können.

Die militärisch-strategische Lage in diesem Teil der Welt hat sich
erheblich verändert. Ich meine, wir sehen uns dort einer alarmierenden
Entwicklung gegenüber, mit der wir uns nun für einen langen Zeitraum werden auseinandersetzen müssen ...

FRAGE: Sie haben einmal gesagt, daß sie die Verpflichtungen der Vereinigten Staaten gemäß den Bestimmungen des ANZOS-Paktes (dem Australien,
Neuseeland und die Vereinigten Staaten angehören) nicht erfüllen können,
wenn Neuseeland auch weiterhin mit Atomwaffen bestückten Schiffen das Anlegerecht verweigert. Wenn wir einmal voraussetzen, daß es immer einen
gewissen Spielraum für Kompromisse gibt - in welchen Bereichen wären Sie
dann bereit, nach einem Kompromiß zu suchen ?

CROWE: Ich halte es für wichtig, gemeinsam mit der neuseeländischen
Regierung unsere militärischen Beziehungen zu prüfen, den Stellenwert der
Übungen, Manöver und gemeinsamen Operationen zu bestimmen, die wir in der
Vergangenheit im Rahmen des ANZOS-Paktes durchgeführt haben, und dann
nach Mitteln und Wegen zu suchen, wie wir unsere Kampfkraft und Zusammenarbeit aufrechterhalten können.

Wir haben es hier mit einem sehr schwierigen Problem zu tun, und viel
mehr möchte ich dazu eigentlich nicht sagen. Sie verstehen sicherlich,
daß dies außerordentlich heikle Fragen sind. Ich bin nicht unbedingt pessimistisch, aber ernstzunehmen ist die Sache schon. Die Lösung des Problems wird einige Zeit und guten Willen auf Seiten beider Regierungen erfordern, und ich meine, letzteres ist vorhanden. Aber die Angelegenheit
ist, wie gesagt, sehr ernst zu nehmen, und ich habe in der Tat gesagt,
daß ich nicht weiß, wie ich die Aufgaben erfüllen soll, mit denen ich in
meiner Eigenschaft als amerikanischer Oberkommandierender im Pazifik und
- 7 -

�Pazifik und im Rahmen des ANZUS-Paktes betraut bin, wenn meinen Schiffen
und Mannschaften der Zugang zu den Häfen und Gewässern eines Verbündeten
verweigert wird.

FRAGE; Anknüpfend an diese Frage über den ANZUS-Pakt und unter Bezug
auf frühere Bemerkungen von Ihnen über eine Auffangposition für den Fall
eines Rückzugs von den Philippinen möchte ich fragen, ob nicht gerade im
Hinblick auf die letztere Möglichkeit sichere Stützpunkte in unserem Teil
des Pazifiks von umso höherer Bedeutung für Sie sind ...

?

CROWE; Ich wüßte nicht, warum wir in der näheren Zukunft den Zugang
zu den Philippinen verlieren sollten. Ich glaube, so weit hat sich die
Lage noch nicht zugespitzt. Von den gegenwärtigen Problemen und Schwierigkeiten dort ist noch nichts in unsere Stützpunkte hineingeschwappt.
Oder vielleicht sollte ich nicht sagen "in unsere Stützpunkte", sondern
lieber "in unseren Zugang zu den Stützpunkten, die auf den Philippinen
liegen und philippinisches Eigentum sind". Ich glaube kaum, daß wir den
Zugang zu diesen Stützpunkten verlieren werden, die Angelegenheit ist
bislang nicht politisiert worden. Ich bin zuversichtlich, daß sich eine
Lösung der innenpolitischen Probleme auf den Philippinen finden wird.
Aber ganz gleich, wie dies letzten Endes ausgeht: Ich glaube, da(3 wir auf
jeden Fall unsere sicherheitspolitischen Beziehungen und unsere vorgeschobenen Posten in diesem Teil der Welt aufrechterhalten können ...

FRAGE: Meine nächste Frage bezieht sich auf die neuen Pläne für den
Ernstfall, die das Pentagon in der jüngeren Vergangenheit entwickelt zu
haben scheint ... Sie sehen vor, daß die Vereinigten Staaten darauf vorbereitet sein müssen, gleichzeitig in Europa, am Golf und in Korea zu
kämpfen ... Welche Rolle würden die amerikanischen Streitkräfte in Korea
im Ernstfall spielen ?
CROWE: Unsere Mittel und Möglichkeiten sind leider begrenzt, und wir
haben einen Punkt erreicht, wo wir uns sagen müssen, daß wir im Ernstfall
die Dinge nicht gleichzeitig an all den von Ihnen erwähnten Fronten meistern könnten. Die Vereinigten Staaten haben das ganz freimütig eingeräumt. Wir würden vor eine sehr schmerzhafte Wahl gestellt sein, und un- 8 -

�und unsere Entscheidungen würden sowohl von unseren Prioritäten als auch
von den Umständen bestimmt sein, die die Krise hervorgerufen haben. Wir
behaupten aber nicht - und haben dies auch nie getan -, daß wir zu
gleichzeitigen militärischen Großeinsätzen an mehreren Schauplätzen rund
um den Globus in der Lage sind ...

FRAGE: Herr Admiral, in Australien und in einigen Ländern der ASEANGruppe wird heftig darüber debattiert, ob der Pazifik zu einer atomwaffenfreien Zone gemacht werden könne. Welche Auswirkungen könnte das auf
die amerikanische Strategie im Pazifik und auf die Beziehungen der Vereinigten Staaten zu den Ländern des Südpazifiks haben ?
CROWE; Nun, wir hoffen, daß es keinerlei Auswirkungen haben würde,
zumindest keine schädlichen Auswirkungen. Wir lehnen atomwaffenfreie Zonen nicht per se ab. Ich glaube, das ist Ihnen bekannt. In den Inselstaaten des Südpazifiks, einschließlich Australiens und Neuseelands, war davon die Rede, und soviel ich weiß, liegt ein diesbezüglicher australischer Vorschlag auf dem Tisch ... Wenn ich diesen Vorschlag recht verstehe, beeinträchtigt er aber nicht die sicherheitspolitischen Regelungen in
der Region. Er überläßt es jedem einzelnen Staat, darüber zu entscheiden,
ob Schiffe seine Hoheitsgewässer passieren und seine Häfen anlaufen dürfen und welche Regelungen für solche Schiffe, Einheiten und Flugzeuge zu
treffen sind. Er berührt nicht die durch Völkerrecht geschützten Rechte,
weder die Bestimmungen über den Verkehr auf hoher See noch Uurchfahrtrechte. Der Vorschlag widerspricht daher nicht unseren Kriterien, und ich
kann mir nicht vorstellen, daß die Vereinigten Staaten große Probleme damit hätten.

Mit der atomwaffenfreien Zone in Südamerika haben wir immer bequem
leben können. Wir fordern lediglich, daß solche Zonen, wenn wir sie unterstützen sollen, einer Reihe von Ansprüchen genügen müssen, daß die
Initiative zu ihrer Einrichtung von den in dieser Zone gelegenen Staaten
selbst ausgeht, daß alle betroffenen Staaten von ihrer Bedeutung überzeugt sein müssen, daß die schließlich getroffenen Regelungen den Ländern
in einer solchen Zone weder den Besitz, noch die Herstellung, noch die
Lagerung von Atomwaffen auf ihrem Boden gestatten und daß die Einrichtung
- 9 -

�die Einrichtung einer solchen Zone weder den sicherheitspolitischen Verträgen, die für das betreffende Gebiet gelten, noch den Bestimmungen des
Völkerrechts widersprechen. Wenn diese Bedingungen erfüllt wären, würden
sich die Vereinigten Staaten meines Erachtens keineswegs gegen atomwaffenfreie Zonen sträuben ...

FRAGE; Etwa seit einem Jahr sind die Sowjets dabei, ihre amphibischen
Streitkräfte im Pazifik erheblich zu verstärken ... Sie sind infolgedessen zweifellos zunehmend besser in der Lage, ihre Macht im pazifischen
Raum auszuweiten, und ich würde davon ausgehen, daß man diese Streitkräfte als ihrer Natur nach offensiv einstufen muß. Könnten Sie uns vielleicht sagen, welche Strategie die Sowjets Ihrer Meinung nach verfolgen,
indem sie diese Schiffe in den Pazifik schicken ?
CROWE; Bis zum gegenwärtigen Zeitpunkt haben diese Streitkräfte nur
einen bescheidenen Umfang erreicht, und offen gestanden meine ich, daß
die Vereinigten Staaten mit ihnen fertigwerden können. Aber wir beobachten diese Entwicklung sehr genau, weil wir nicht sicher sein können, daß
der Umfang dieser Streitkräfte wirklich immer so bescheiden bleiben wird.
Was das Zum-Tragen-Bringen der sowjetischen Machtmittel angeht, so bereiten mir andere Dinge weitaus größere Sorgen: die Stationierung sowjetischer Streitkräfte in Cam Ranh, die neueren sowjetischen Langstreckensysteme wie z.B. der BACKFIRE-Bomber, die Atom-U-Boote, die im Westpazifik
kreuzen, oder die Luftraumüberwachungsflugzeuge, in deren Reichweite ganz
Japan, ganz Korea, die gesamten Philippinen, ein großer Teil Chinas usw.
usw. liegt. Daß die sowjetischen Streitkräfte sich in Cam Ranh, Äthiopien
und SüdJemen festsetzen konnten, verbessert außerdem ganz erheblich ihre
Fähigkeit, in immer größerer Entfernung von ihren Heimatbasen und ihren
eigenen Küsten zu operieren, nicht nur amphibisch, sondern auch offensiv

* * * * *

- 10 -

�• I

Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

44

il. Oktober 1984

JAHRESTAG DER RETTUNGSAKTION AUF GRENADA
- Erklärung Präsident Reagans -

Washington -(AD)- Anläßlich ües ersten Jahrestages der Rettungsaktion
auf Grenada fand am z4. Uktober im Weißen Haus eine Feierstunde statt, an
der neben Präsident Reagan und prominenten Vertretern seiner Administrator

auch einige Soldaten der damals beteiligten Truppenteile und viele

der amerikanischen Medizinstudenten teilnahmen, deren persönliche Sicherheit ein maßgeblicher Grund für die Aktion gewesen war. Sie äußerten sich
lobend über die amerikanischen Truppen, die die Aktion durchgeführt hatten, und dankten Präsident Reagan dafür, daß er die Soldaten zu ihrem
Schitz auf die Insel entsandt hatte. "Sie haben uns gerettet. Sie haben
uns das Leben gerettet", sagte einer der Studenten. Präsident Reagan
richtete das Wort an die Teilnehmer der Feierstunde und gab folgende Erklärung ab:

Heute feiern wir gemeinsam mit großer Freude ein ehrenvolles Ereignis
für Amerika: den Jahrestag Ihrer Rettung und den der Erlösung unseres
Nacrbarlandes Grenada aus dem Griff der Unterdrückung und Tyrannei. Vor
genau einem Jahr riefen uns der Generalgouverneur

von Grenada, Paul

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Grenada, Paul Scoon, und die Organisation der Ostkaribischen Staaten zu
Hilfe.

Der Linsatz militärischer Machtmittel ist die ernsteste Entscheidung,
zu der sich ein Präsident gezwungen sehen kann. Sie stellt eine furchtbare Verantwortung dar. Aber für mich bestand damals an der Lage der üinge
keinerlei Zweifel. Auf dem Spiel standen die Freiheit der 110 000 Bürger
Grenadas, die Sicherheit der Demokratien in der östlichen Karibik und,
was am wichtigsten war, die Sicherheit und Unversehrtheit der amerikanischen Medizinstudenten, die zu Gefangenen von Ereignissen geworden waren,
die völlig außerhalb ihrer Einwirkungsmöglichkeiten lagen. Daher gaben
wir unsere Zustimmung zu einer Militäraktion, deren Ziel es war, Sie zu
retten, der Bevölkerung Grenadas zu helfen und der Ausbreitung von Chaos
und Totalitarismus über die gesamte Karibik einen Riegel vorzuschieben.

Seite an Seite mit den Streitkräften unserer demokratischen karibischen Nachbarländer führten die tapferen jungen Soldaten unseres Heeres,
der Marine, des Marinekorps und der Luftwaffe ihren Auftrag aus. Sie landeten nicht in Grenada, um es zu erobern, sondern um es zu befreien, und
das gelang ihnen auch. Sie retteten die Bevölkerung, erbeuteten Tonnen
von sowjetischem Kriegsmaterial und verhüteten eine Geiselaffaire, bevor
sie sich entwickeln konnte. Danach räumten die Kampftruppen die Insel
wieder, so daß die Bevölkerung Grenadas ein neues Leben beginnen konnte
und der Friede, die Freiheit, die Demokratie und das Selbstbestimmungsrecht neue Entfaltungsmöglichkeiten bekamen.

Im Gegensatz dazu wird Afghanistan bis zum heutigen Tag von sowjetischen Truppen in Stärke von mehr als 100 000 Mann verwüstet. Es besteht
ein grundlegender moralischer Unterschied zwischen der Rettungsaktion auf
Grenada und dem sowjetischen Einmarsch in Afghanistan, einem brutalen und
blutigen Eroberungsfeldzug, dessen Ziel die Zerstörung der Freiheit, der
Demokratie und des Selbstbestimmungsrechts ist. Es ist der Unterschied
zwischen Totalitarismus und Demokratie, zwischen Tyrannei und Freiheit.
Daß Sie diesen Unterschied erkennen, der auch anderen von Anfang an hätte
klar sein sollen, läßt uns für die Zukunft hoffen.
In der
- 2 -

�in der zweiten Hälfte der siebziger Jahre durchlebte Amerika eine Periode der Seibstzweifel und der nationalen Verwirrung. Wir sprachen und
handelten, als seien wir ein Volk im Niedergang, und die Welt glaubte dem
Eindruck, den wir ihr vermittelten. Unser Wille, auch weiterhin die Rolle
der Führungsmacht im westlichen Bündnis zu spielen und als eine Kraft des
Guten in der Welt zu wirken, wurde vielfach in Zweifel gezogen.

Ich glaube, daß diese Periode uer Selbstzweifel hinter uns liegt. In
den Geschichtsbüchern wird einmal vermerkt sein, daß eine kleine Insel in
der Karibik einen der Wendepunkte bildete, eine Insel, wo Amerika seine
eigenen Interessen schützte und ein Nachbarvolk vor der um sich greifenden Tyrannei rettete.

Unsere tapferen Soldaten haben dort Liebe zur Freiheit wie auch persönlichen Mut an den Tag gelegt, Eigenschaften, die unser Volk groß gemacht und ihm die Freiheit erhalten haben.

Ein weiteres Beispiel für solchen Mut und solche Vaterlandsliebe haben wir auch in Beirut erlebt, und wir werden das Andenken jener tapferen
Amerikaner stets in Ehren halten. Niemand sollte daran zweifeln, daß jene
tapferen Männer im Rahmen ihrer Friedensmission ebenso zu Helden wurden,
wie unsere Soldaten im Rahmen der Rettungsaktion auf Grenada.

Tagtäglich erleben wir aiese Hingabe und dieses Engagement - an der
Demarkationslinie in Korea, an den Grenzen des NATO-Gebiets in Europa,
auf Stützpunkten von Diego Garcia bis Guam und an Boru unserer Schiffe
auf hoher See. Junge Amerikaner tragen die Uniform unseres Landes mit
Stolz und verrichten ihren Dienst mit der gleichen Hingabe, wie die, aeren Nachfolge sie angetreten haben.

Ciceio sagte einmal: "Mut ist die Tugend, die der Sache des Rechts
ihre Stärke verleiht." Heute können wir unter uns eine kleine Abordnung
der damals beteiligten Truppenteile begrüßen, einige der Helden, die an
der Rettungsaktion beteiligt waren, und zwar jeweils zwei Vertreter des
Heeres, der Marine, des Marinekorps und der Luftwaffe. Es ist schön, daß
sie heute bei uns sein können. Wir sind Ihnen alle sehr dankbar.
Wir begrüßen
- 3 -

�Wir begrüßen auch Fräulein Kathleen Major, eine ausgebildete Krankenschwester, die vor einem Jahr als Medizinstudentin auf Grenada war. Als
die Kämpfe ausbrachen, kümmerte sie sich unverzüglich um die Versorgung
der Verwundeten.
19 tapfere Männer starben während der Rettungsaktion auf Grenada im
Dienste ihres Landes und der Sache der Freiheit. Einer von ihnen war Sean
Luketina, ein Fallschirmjäger, der durch eine Kakete schwer verwundet
wurde. Er wurde nach Puerto Rico abtransportiert. Während er dort im
Krankenhaus lag wachte er mehrmals aus seinem Koma auf, fiel aber immer
wieder zurück. Sein Vater, Oberst im Ruhestand Robin Luketina, der heute
bei uns weilt, eilte an sein Krankenlager. Überst Luketina, man hat mir
berichtet, daß Sie Ihren Sohn während eines der Augenblicke, in denen er
das Bewußtsein zurückerlangte, gefragt

haben: "Mein Sohn, war es das

wert ?" "Ja, Vater", hat Sean geantwortet. "Würdest du es wieder tun ?"
Und er schaute Sie an und sagte: "Zum Teufel, ja, Vater." Vor einigen Monaten erlag Sean seinen Verletzungen.

Sean Luketina opferte sein Leben für die Sache der Freiheit. Er starb
nicht umsonst. Die jungen Amerikaner, zu deren Rettung er beigetragen
hat, wissen das. Die Nachbarländer Grenadas wissen es ebenfalls. Und Sean
selbst wußte es auch. Wir wollen ihn ehren, wie er es gewünscht haben
würde - indem wir an einer Politik des Friedens und der Abschreckung
festhalten, die unsere Freiheit bewahrt und die Hoffnung auf Freiheit unter allen Menschen der Welt am Leben erhält. Dies ist die Bedeutung des
Begriffs Friede durch Stärke. Wir wollen immer daran denken, daß Amerika
das Land der Freien ist, weil es auch die Heimat der Tapferen ist.

Sean und all den Männern und Frauen, die im Dienste der Sache der
Freiheit stehen, wie auch all Ihnen, den Studenten, die sich der Erhaltung menschlichen Lebens widmen wollen, rufe ich zu: Ihr seid die Hoffnung und die Zukunft Amerikas.
Ich danken Ihnen, und Gott schütze Sie.
* * * * *

- 4-

�31. Oktober 1984

44

PRO SATELLIT 2,75 MILLIONEN DOLLAR BERGUNGSGEBÜHR
- "DISCOVERY" soll zwei Nachrichtensatelliten zurückbringen -

- (AD) - Die beiden Nachrichtensatelliten PALAPA B-2 und WESTAR 6,
die infolge technischer Fehler am Triebwerk nach dem Absestzen aus dem
Raumtransporter CHALLENGER im Februar 1984 die vorgesehene Bahnhöhe nicht
erreichten, sollen geborgen werden.

Astronauten der Raumfähre DISCOVERY,

die am 7. November 1984 zu ihrem nächsten Einsatz startet, werden versuchen , sich mit ihrem Kaltgas-Manövriergerät den Satelliten so weit zu
nähern, daß ein provisorisches Ankoppeln möglich wird.

Dies soll durch

Einschieben von dornähnlichen Halterungen in die ausgebrannten Düsen der
Nachrichtensatelliten geschehen.

Die Position im freien Raum wird an-

schließend von dem betreffenden Astronauten unter Einsatz der Kaltgasdüsen an seinem "Raketenstuhl" stabilisiert.

Dann ist die Besatzung im

Cockpit der DISCOVERY in der Lage, das Gerät mit Hilfe des Robotarms zu
fassen und in den Frachtraum zu hieven.

Die Gebühren für die "Rettungsaktion" haben zwei Konsortien amerikanischer und britischer Versicherungsgesellschaften an die NASA (US-Amt

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�NASA (US-Amt für Luft- und Raumfahrt) bereits bezahlt:
Dollar pro Satellit.

2,75 Millionen

Die Versicherer erwarben die Eigentumsrechte an den

beiden Nachrichtensatelliten, die sie nach der Reparatur und Überholung
im Herstellerwerk an Interessenten weiterverkaufen können.

Die Geräte

müßten dann erneut mit einer Raumfähre in den Weltraum transportiert werden, um nach dem Absetzen mit der Schubkraft des bei beiden ausgetauschten Feststofftriebwerks zur sog. geostationären Bahn in 36 000 km Höhe
aufzusteigen.

PALAPA

dürfte bereits Mitte

1985

wieder

einsatzbereit

sein. An neuen Startgebühren würden ca. zehn Millionen Dollar anfallen.

Durch ausgeklügelte, ziemlich langwierige Korrekturmanöver wurden die
ursprünglich stark elliptischen Bahnen in kreisförmige Bahnen umgewandelt, die Umlaufhöhen in den letzten Wochen zunächst auf ca. 1040 km und
schließlich auf 360 km abgesenkt.

Dies entspricht annähernd der Bahnhö-

he, in der DISCOVERY die Erde umkreisen wird.

Das Außenmanöver soll von

den Astronauten Joseph Allen und Dale Gardner ausgeführt werden; Kommandant Rick Hauck, David Walker und Anne Fisher verfolgen das Unternehmen
aus dem Cockpit der Raumfähre und bedienen den "Kran".
Umlaufbahn zur Äquatorebene beträgt 28,5 Grad.

* * * * *

- 2-

Die Neigung der

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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Shultz: Dem Terrorismus mit allen Mitteln widerstehen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Vortrag des US-Außenministers in New York -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Weinberger: Sowjets fürchten Innovation&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rede des US-Verteidigungsministers in Milwaukee -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Sowjets bedrohen Gleichgewicht im Westpazifik&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Interview mit Admiral Crowe -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Jahrestag der Rettungsaktion auf Grenada&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärung Präsident Reagans -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Pro Satellit 2,75 Millionen Dollar Bergungsgebühr&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- "DISCOVERY" soll zwei Nachrichtensatelliten zurückbringen -&lt;/em&gt;</text>
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Embassy of the United States of America

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Deichmanns Aue 29
43

GOLFKRISE

5300 Bonn 2

31. Oktober 1990

BAKER SCHLIESST MILITÄR EIN SATZ GEGEN
DEN IRAK NICHT AUS
Rede beim World Affairs Council in Los Angeles

DIE GOLFKRISE
Chronologie der Ereignisse vom 1. bis 15. Oktober
UMWELT

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

KONGRESS VERABSCHIEDET UMFASSENDES
GESETZ ZUR REINHALTUNG DER LUFT
Unterzeichnung durch Präsident Bush erwartet

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 23 66
Telex: 8-85432

�GOLFKRISE
31. Oktober 1990

BAKER SCHLIESST MILITÄREINS ATZ
GEGEN DEN IRAK NICHT AUS
•V

Rede beim World Affairs Council in Los Angeles
LOS ANGELES - (AD) - US-Außenminister Baker zufolge sind die Vereinigten Staaten vordringlich an einer
friedlichen Beilegung der Golfkrise interessiert und nutzen gegenwärtig alle zur Verfügung stehenden diplomatischen Mittel, um einen Frieden ohne weiteres Blutvergießen zu erreichen, prüfen darüber hinaus jedoch auch
alle anderen Optionen. "Es darf kein Zweifel daran bestehen", erklärte Baker am 29. Oktober 1990 in einer Rede
beim World Affairs Council in Los Angeles, daß "wir den möglichen Einsatz von Gewalt nicht ausschließen, falls
der Irak weiterhin Kuwait besetzt hält".
Baker verwies darauf, daß die Vereinigten Staaten und 27 weitere Staaten Truppen oder Kriegsmaterial an den
Golf geschickt hätten, um die Resolutionen des UN-Sicherheitsrats zur Verurteilung der irakischen Aggression
gegen seinen Nachbarstaat zu unterstützen.
Baker stellte fest, daß die UNO-Sanktionen gegen den Irak bereits Wirkung zeigten, indem das Land keine
Einnahmen aus dem Verkauf seines Öls erziele und der Mangel an Ersatzteilen "seinen Tribut von der irakischen
Industrie und - was noch wichtiger ist - der irakischen Kriegsmaschinerie fordern".
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede Bakers im Wortlaut.

Herr Stegemeir, meine Damen und Herren,
bevor ich beginne, möchte ich Sie wissen lassen, daß
ich Ihre Einladung mit einigen Befürchtungen angenommen habe.
Im vergangenen Oktober sollte ich eine Rede in San
Francisco halten, und dann gab es ein Erdbeben.
Letzte Woche kündigte ich einen Besuch in Kalifornien
an, um erneut eine Rede zu halten, und wieder gab es
ein Erdbeben.
Heute befinde ich mich nun in Los Angeles, und wenn
es nochmals einen Erdstoß gibt, so werden die Wissenschaftler in der Erdbebenstation von Berkeley
wahrscheinlich sagen: "Also, wir haben zwar keinen
stichhaltigen wissenschaftlichen Beweis, daß Bakers
Reden diese Erdbeben verursachen, aber... vielleicht
sollte man ihn das nächste Mal bitten, an einem Ort zu
sprechen, wo ein Erdbeben wirklich angebracht wäre
- etwa in Washington."
Nun, dies sind Tage gro ßer Erschütterungen, und über
eine der wichtigsten möchte ich heute zu Ihnen sprechen: die Lage am Persischen Golf. Als Mitglieder des
World Affairs Council sind Sie sich seit langem der
AMERIKA DIENST 43

Tatsache bewußt, wie uns weit entfernte Ereignisse in
unserem Land betreffen können. Ich möchte aber
heute an dieser Stelle feststellen, daß es selten ein
Ereignis wie die irakische Invasion Kuwaits gegeben
hat, das eine größere Herausforderung für unsere
Zukunft und die Zukunft zahlreicher anderer Staaten
darstellte.
In diesem Moment stehen viele Tausend Amerikaner
in den Wüsten Saudi-Arabiens auf Wacht. Vielleicht ist
Ihr Sohn oder Ihre Tochter - ein Marineinfanterist oder
eine Soldatin, ein Matrose oder ein Flieger, die in Fort
Ord, Camp Pendieton oder der Alameda Air Station
stationiert waren oder in 29 Palms ausgebildet wurden
- unter ihnen. Vielleicht kennen Sie einen Nachbarn,
dessen Arbeitsplatz von den wirtschaftlichen Auswirkungen des Konflikts betroffen ist. Und sicherlich
zahlen wir alle einen höheren Preis an den Zapfsäulen.
Wir haben diesen Konflikt nicht gesucht. Aber er wird
nicht von allein verschwinden. Es handelt sich um
einen entscheidenden Kampf, in dem wir und die
internationale Staatengemeinschaft die Oberhand
behalten müssen.

Seite 1

�Was auf dem Spiel steht
Ich möchte Ihnen erläutern, was auf dem Spiel steht.
Erstens ist die irakische Aggression eine Herausforderung für den Weltfrieden. Wir leben in einer jener
seltenen Zeiten geschichtlichen Umbruchs. Der kalte
Krieg ist vorbei, und ein vielversprechendes Zeitalter
hat begonnen. Erst diesen Monat haben wir ein neues
in Frieden und Freiheit vereinigtes Deutschland begrüßt. Die Völker Mittel- und Osteuropas haben sich
durch demokratische, friedliche Revolutionen befreit.
Nach Jahrzehnten des Konflikts stellen die Vereinigten
Staaten und die Sowjetunion neue Regeln der Zusammenarbeit auf. Nach einer langen Periode der Stagnation werden die Vereinten Nationen zu einer effektiveren Organisation. Die Ideale der UNO-Charta werden
Wirklichkeit.
Dies ist jedoch auch ein Zeitalter voller Herausforderungen und Gefahren. Ethnische und religiöse Konflikte verschärfen sich. Atomare, chemische und biologische Waffen sowie deren moderne Trägersysteme
finden immer weitere Verbreitung. Terrorismus und
Drogen sind Geißeln ohne Grenzen oder Schranken.
Die Aggression Saddam Husseins erschüttert die Vision
einer besseren Welt nach dem kalten Krieg. Wie
Präsident Bush und Präsident Gorbatschow in Helsinki erklärt haben: "Keine friedliche Weltordnung ist
möglich, wenn größere Staaten ihre kleineren Nachbarn verschlingen können."
Der Rest der Welt versucht, in die Zukunft der neunziger Jahre zu gehen. Saddam Hussein jedoch versucht, uns alle in die dreißiger Jahre zurückzuziehen.
Und wir wissen, was das bedeutet: Den verlockenden
Weg zur Beschwichtigung von Diktatoren in der Hoffnung, daß sie keine weiteren Aggressionen begehen
werden. Den selbstzerstörerischen Weg, die Augen
vor der Realität zu verschließen, während kleine Staaten erobert und große Staaten bedroht wurden. Und
dann schließlich ein Krieg mit ungeheuren Opfern.
In den dreißiger Jahren wurden die Aggressoren beschwichtigt. Im Jahr 1990 hat der Präsident unsere
Haltung eindeutig klargestellt: Bei dieser Aggression
wird es kein Appeasement geben.
Während sich die internationale Staatengemeinschaft
bemüht, nach dem Ende des kalten Krieges einen
Neuanfang zu machen, scheint Saddam Hussein fest
zu einer Wiederbelebung des heißen Krieges entschlossen zu sein. Er vereinigt dabei seine althergebrachte Verachtung zivilisierter Herrschaftsformen mit
modernen Methoden derZerstörung: chemischen und
biologischen Waffen, ballistischen Raketen und - wenn
er dazu in der Lage wäre - Kernwaffen.
Welche langfristige Bedeutung können die umfangreichen Programme des Irak zur Entwicklung chemischer
und biologischer Waffen haben? Warum gibt der
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irakische Diktator Milliarden Dollar aus, um Massenvernichtungswaffen zu bauen, einschließlich der Atombombe? Und warum hat er Bagdad zu einem Schlupfwinkel für internationale Terroristen gemacht? Sicherlich nicht, weil er diese Aggression - erst gegen den
Iran, jetzt gegen Kuwait - als seine letzte betrachtet.
Die irakische Invasion Kuwaits ist also eine eindeutige,
ja historische Herausforderung für den Rest der internationalen Staatengemeinschaft.
Wenn wir diese Aggression zunichte machen, werden
wir dazu beitragen, eine Welt zu definieren, die den
kalten Krieg hinter sich läßt und in der zivilisierte
Verhaltensregeln Bestand haben.
Tun wir das nicht, so könnten die vielversprechenden
Aussichten des Zeitalters nach dem kalten Krieg von
neuen Gefahren, neuen Unruhen und einer wesentlich
weniger friedlichen Zukunft überschattet werden.
Zweitens stellt die irakische Aggression eine regionale
Herausforderung dar. Zwar ist die Herrschaft von
Macht über Gesetz überall eine schlechte Politik, aber
im Nahen Osten ist sie besonders gefährlich. Ebenso,
wie der Zeitpunkt eines Ereignisses diesem größere
Bedeutung geben kann, gilt dies auch für den Ort. Wie
wir wissen, erzeugen bereits eine Reihe ungelöster
Konflikte, religiöser und sozialer Streit sowie ein erhebliches wirtschaftliches Gefälle Unruhe im Nahen Osten. Fügt man dem noch Massenvernichtungswaffen
und einen Großteil der Weltenergievorräte hinzu, so
erhält man eine explosive Mischung. Heute steht der
Nahe Osten wahrhaft am Scheideweg. Ein Weg führt
zum Frieden, der andere zum Krieg.
Wenn wir eine Lektion gelernt haben, so die, daß
niemand gegen die Auswirkungen der Konflikte im
Nahen Osten immun ist. Es gibt keine Hoffnung auf
Lösung anderer Probleme in der Region, wenn friedlicher Wandel künftig nicht zur Richtschnur im Nahen
Osten und am Golf wird. Aber Saddam Husseins Weg
ist nicht der Weg des Friedens. Sein Weg führt
unweigerlich in den Krieg. Und ich möchte folgendes
deutlich sagen: wenn er sein Verhalten nicht ändert,
wird es keine Hoffnung auf Frieden in der Region
geben.
Drittens stellt die irakische Aggression für die Weltwirtschaft eine Herausforderung dar. Offensichtlich müssen
wir mehr tun, um unsere Abhängigkeit von bestimmten
Energiequellen abzubauen. Aber was auch immer
geschieht - der Zustand der Weltwirtschaft wird in
absehbarer Zukunft vom gesicherten Zugang zu den
Energiequellen des Persischen Golfs abhängen. Weder
wir noch der Rest der internationalen Staatengemeinschaft kann es sich leisten, daß ein einzelner Diktator
diesen Zugang kontrolliert.
Denken wir nur an die Auswirkungen. Wenn die ganze
Welt durch den irakischen Würgegriff um die Energiequellen am Golf in eine tiefe Rezession gestürzt würde,
AMERIKA DIENST 43

�wären die amerikanische Industrie, die Farmer und
Kleinbetriebe besonders hart betroffen. Dasselbe gilt
für die demokratischen Reformstaaten Osteuropas.
Ebenso die anderen aufstrebenden Demokratien in
Lateinamerika, Afrika und Asien. Jeder würde tiefgreifende Rückschläge in seiner Fähigkeit erleiden, das
erforderliche Wirtschaftswachstum zu erzielen, mit
dem sich Vertrauen in den demokratischen Prozeß
schaffen läßt.
Wir alle würden durch diese wirtschaftliche Tyrannei
nur Verluste erleiden. Und wir alle wissen, daß Saddam Hussein seine wirtschaftliche Macht zugunsten
seiner weitreichenderen Ambitionen ausbauen würde.
Maßnahmen der internationalen Staatengemeinschaft
Unter Führung der Vereinigten Staaten erkennt die
internationale Staatengemeischaft diese entscheidenden Prämissen. Präsident Bush hat für unsere Politik
vier Ziele definiert.
Erstens den unverzüglichen, vollständigen und
bedingungslosen Abzug aller irakischen Streitkräfte aus Kuwait gemäß der Resolution 660
des UN-Sicherheitsrats,
zweitens die Wiedereinsetzung der rechtmäßigen Regierung in Kuwait,
drittens der Schutz des Lebens amerikanischer
Bürger, die sowohl im Irak als auch in Kuwait
vom Irak als Geiseln gehalten werden und
viertens das Engagement für Sicherheit und
Stabilität am Persischen Golf.
Zur Verwirklichung dieser Ziele streben wir gemeinsam mit unseren internationalen Verbündeten eine
Isolierung des Irak an - politisch, wirtschaftlich und
militärisch.
Lassen Sie mich das, was wir bis heute erreicht haben,
in einen Zusammenhang stellen.
Auf diplomatischer Ebene hat der UN-Sicherheitsrat
nunmehr zehn Resolutionen verabschiedet, die letzte
davon erst heute. Mit jeder wurde der Druck auf den
Irak verstärkt. Die Verabschiedung der heutigen
Resolution des Sicherheitsrats bekräftigt die internationale Empörung über die Annexion Kuwaits durch
den Irak und ruft nach weiteren Schritten, die unter
Umständen erforderlich sind, um die irakische Aggression zunichte zu machen.
Zeit ihres Bestehens ist das Potential der Vereinten
Nationen als Kraft für Frieden und Stabilität niemals
deutlicher zutage getreten. Das ist zu einem nicht
unerheblichen Teil auf die einmalige Zusammenarbeit
zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion zurückzuführen - eine Zusammenarbeit, wie sie zu
Zeiten des kalten Kriegs undenkbar gewesen wäre.
AMERIKA DIENST 43

Darüber hinaus beruht es auf der Unterstützung der
Arabischen Liga und der Bewegung der Blockfreien
und auf der nahezu einmütige Haltung der internationalen Staatengemeinschaft.
Niemals in der jüngeren Vergangenheit haben soviele
Länder zusammen gehandelt, um Aggression und
Grausamkeit zu verurteilen.
Das Ergebnis ist die politische und wirtschaftliche
Isolation des Irak. Die Wirtschaftssanktionen gegenüber dem Irak zeitigen erste Auswirkungen. Der Irak
hat keine Öleinnahmen mehr. Der Mangel an Ersatzteilen wird seinen Tribut von der irakischen Industrie
und - was noch wichtiger ist - von der irakischen
Kriegsmaschinerie fordern. Die Sanktionen brauchen
Zeit, um zu greifen, aber wenn sie das tun, wird die
importabhängige irakische Wirtschaft einen hohen Preis
zahlen müssen.
Bagdad ist sich dessen bewußt, deshalb sucht es
verzweifelt Schwachstellen zu finden, die internationale Koalition zu spalten und die Sanktionen zu umgehen. Und deshalb müssen wir weiterhin fest zusammenstehen - bis Saddam Hussein es aufgibt, die
Sanktionen brechen zu wollen und wieder Mitglied der
zivilisierten Gesellschaft wird, indem er die Resolutionen des Sicherheitrats befolgt.
Auf militärischer Ebene haben wir zur Förderung der
Resolutionen des Sicherheitrats gemeinsam mit 27
anderen Ländern Truppen oder Gerät an den Golf
entsandt. Viele tausend arabische und moslemische
Soldaten stehen in Saudi-Arabien jetzt Seite an Seite
mit Amerikanern und Europäern. Und diese multinationalen Landstreitkräfte werden von starken multinationalen Truppen zur See und in der Luft unterstützt.
Zum Vergleich - im Koreakrieg stellten lediglich 14
Länder Streitkräfte bereit.
Wir müssen unsere militärische Mission eindeutig
darlegen. Unser militärisches Ziel besteht in der
Abschreckung eines irakischen Angriffs auf SaudiArabien, dem Schutz des Lebens amerikanischer Bürger
und der Gewährleistung der effektiven Verwirklichnug
der Resolutionen des Sicherheitrats. Ohne diese
Streitkräfte wären die irakischen Nachbarn unter
Umständen Angriffen ausgesetzt, wenn sie die Wirtschaftssanktionen durchzuführen versuchten.
Unsere Streitkräfte sind ebenfalls zu einer effektiven
und entschiedenen militärischen Reaktion bereit, wenn
die Situation dies erfordern sollte.
Saddam Hussein muß erkennen, daß die Geduld der
internationalen Staatengemeinschaft Grenzen hat.
Darüber hinaus muß er sich darüber im klaren sein,
daß ein potentieller Einsatz chemischer oder biologischer Waffen sehr ernsthafte Konsequenzen nach
sich ziehen wird.

Seite 3

�Der Präsident hat unsere Position eindeutig dargelegt:
Wir ziehen natürlich eine friedliche Lösung vor, die im
Einklang mit dem Mandat der Resolutionen des Sicherheitsrats steht. Wir schöpfen alle erdenklichen
diplomatischen Möglichkeiten aus, um ohne weiteres
Blutvergießen zu einer solchen Lösung zu kommen.
Dennoch werden alle Optionen in Erwägung gezogen.
Und es darf kein Zweifel daran bestehen: Wir werden
den möglichen Einsatz von Gewalt nicht ausschließen,
falls der Irak weiterhin Kuwait besetzt hält.
Seit der Invasion bin ich viel gereist, um unsere Verbündeten und Freunde zu besuchen und ihnen die
Botschaft zu überbringen, daß es unsere gemeinsame
Pflicht ist, diese Sache zu Ende zu führen. Und sie
haben reagiert. Unsere Freunde am Golf, in Europa
und Asien haben zusätzliche 20 Milliarden Dollar bereitgestellt, um sowohl die wirtschaftlich am stärksten
betroffenen Frontstaaten - Ägypten, die Türkei und
Jordanien - als auch unseren eigenen militärischen
Aufmarsch zu unterstützen. Wir sind zuversichtlich,
daß weitere Unterstützung hinzukommt, wenn der
Konflikt bis 1991 fortdauern sollte. Insgesamt leisten
54 Länder ihren militärischen oder wirtschaftlichen
Beitrag zu den Bestrebungen gegen die irakische
Aggression.
Wir haben also den Stein ins Rollen gebracht. Jeden
Tag bei Sonnenuntergang ist der Irak schwächer.
Jeden Tag, wenn die Sonne aufgeht, verpflichtet sich
die internationale Staatengemeinschaft zur Durchführung der Resolutionen des Sicherheitsrats. Früher
oder später - wir alle hoffen früher - muß auch der
irakische Diktator bemerken, daß er in ernsthaften
Schwierigkeiten steckt und daß diese Schwierigkeiten
täglich zunehmen.
Früher oder später, auf die eine oder andere Weise,
muß der Irak die Resolutionen des Sicherheitsrats
befolgen. Wenn er das tut, werden die Aussichten für
den Frieden am Golf und im Nahen Osten zweifellos
steigen. Wenn er das tut, werden sich auch die
Aussichten für eine friedliche Weltordnung verbessern.
In der Zwischenzeit widersetzen sich die Vereinigten
Staaten Versuchen, dem Irak seine Aggression zu
lohnen - auch wenn er den Sirenengesamg einer
"Teillösung" anstimmt.
Sollten Zweifel über die furchtbaren Konsequenzen
einer Teillösung aufkommen, möchte ich Sie zu einer
genauen Betrachtung dessen auffordern, was Saddam Hussein dem kuwaitischen Volk antut. Weil er
den Zugang zur wahren Geschichte Kuwaits kontrolliert, kann diese Geschichte nicht oft genug erzählt
werden.
Es ist eine Geschichte der Barbarerei in ihrer ursprünglichsten und schrecklichsten Form, der Vergewalti-

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gung Kuwaits. Viele Berichte kann man kaum glauben. Zum Beispiel den Bericht eines Elternpaares, das
zwei kranke Kinder ins Krankenhaus bringen will. Auf
ihrem Weg dorthin mußten sie eine irakische Streife
passieren. Als sie um Gnade und darum baten, ihren
Weg fortsetzen zu dürfen, erschoß der irakische Soldat beide Kinder, er "heilte sie", um mit seinen Worten
zu sprechen.
Und denken Sie an den Zoo von Kuwait. Irakische
Soldaen ließen die Löwen und Tiger frei und nahmen
sie dann als Zielscheibe für Schießübungen. Sie
hatten jedoch nicht immer Erfolg. Ein Löwe entkam
und zerfleischte ein junges kuwaitisches Mädchen.
Auch unseren noch in Irak und Kuwait befindlichen
Mitbürgern hat er einen politischen und wirtschaftlichen Krieg erklärt. In strategischen Einrichtungen
werden über 100 amerikanische Staatsbürger als
menschliche Schutzschilde festgehalten.
Diese
Amerikaner sind gezwungen, auf von Ungeziefer verseuchten Betonböden zu schlafen. Sie werden tagsüber im Dunkeln gehalten und nur bei Nacht ins Freie
gelassen. Sie erhalten nur zwei Mahlzeiten pro Tag.
Viele von ihnen werden krank während sie diese
schreckliche Prüfung erdulden müssen. Der bloße
Gedanke an Amerikaner als menschliche Schutzschilde ist unerträglich.
Das Leben derjenigen, die Saddams Soldaten entkommen sind, ist genauso schrecklich. Ihre Tage sind
von Terror erfüllt. Nahrungsmittel und Wasser zu
beschaffen - und damit die grundlegendsten menschlichen Bedürfnisse zu erfüllen - kann tödlich sein.
Wir alle leiden mit diesen Menschen - unschuldigen
Amerikanern und anderen Staatsbürgern, die in Saddam Husseins tödlichen Ambitionen gefangen sind. In
den meisten Fällen können wir diesen Amerikanern
unsere Sorgen und unser Mitgefühl nicht direkt übermitteln. Aber das mindert weder den Schmerz, den wir
angesichts ihrer Notlage empfinden noch unseren
Wunsch, alle Aspekte der irakischen Aggression zunichte zu machen.
Wir verstehen die Sorgen ihrer Angehörigen hier zu
Hause. Der Mut, den sie angesichts Saddam Husseins Manipulation bewiesen haben, ist beeindrukkend. Wir beglückwünschen sie zu ihrer Entschlossenheit und Haltung, ihrer Einheit angesichts allen
Unglücks. Wir werden auch sie nicht vergessen.
Diese Aggression betrifft nicht nur unsere Staatsbürger, sondern auch die kleine Gruppe amerikanischer
Diplomaten, die immernoch die amerikanische Flagge
über Kuwait wehen lassen. Ihnen werden Nahrungsmittel, Wasser und Strom verweigert. Aber der Mut hat
sie nicht verlassen. Seit dem 2. August habe ich häufig
mit Botschafter Howell gesprochen, zum letzten Mal in
der vergangenen Woche. Er und unsere anderen
Diplomaten in Kuwait dienen unserer Nation nach wie

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�vor in herausragender Weise. Sie schlagen immer
noch zurück.
Sie geben genausowenig auf wie wir.
Der Golf und die Rolle der Vereinigten Staaten in
der Welt

den die Augen davor verschließen. Kein Diktator darf
denken, wir seien taub gegenüber der Alarmglocke,
wenn unsere Prinzipien angegriffen werden. Und
niemand sollte glauben, daß die Vereinigten Staaten
auf ihre internationale Führungsrolle verzichten werden, weil der kalte Krieg vorüber ist.

Zu Beginn dieses Konf linkts mu ßten sich der Präsident
und ich ebenso wie alle anderen, die mit diesem
Problem konfrontiert sind, dieselben Fragen stellen
wie Sie jetzt: Warum müssen die Vereinigten Staaten
die Führungsrolle übernehmen? Warum müssen unsere
Kinder da draußen in der Wüste sein? Nun da der kalte
Krieg vorüber ist, können wir diesen nicht einfach
übergehen?

Ich darf Sie daran erinnern, daß das Engagement der
Vereinigten Staaten in der Weltpolitik aus der Überzeugung herrührt, die sich auf harte und schreckliche
Erfahrungen gründet. Wir sind nicht im Spiel, nur um
einen Schlag zu führen und dann nach Hause zu
gehen. Wir müssen uns für die Zukunft einen langen
Atem bewahren. Und was immer die Neinsager von
sich geben - unsere moralischen Prinzipien und materiellen Interessen machen uns zu einem Führer.

Meine Damen und Herren, dieser Kampf geht um die
Welt, in der wir leben wollen, die Nation, die wir sind
und das Vermächtnis, das wir unseren Kindern hinterlassen wollen.

Aus diesem Grund sind wir am Golf, und aus diesem
Grund müssen wir dort bleiben.

Der kalte Krieg ist vorbei, das ist richtig. Wir haben
über 40 Jahre lang gekämpft und Opfer gebracht, weil
wir keine Welt dulden wollten, die für Josef Stalin und
seinesgleichen sicher war.
Das amerikanische Volk ist nicht diesen langen, schweren Weg gegangen, um die Welt für Saddam Hussein
und seinesgleichen sicher zu machen.
Keine Nation darf denken, sie könne sich eine andere
Nation einverleiben, und die Vereinigten Staaten wür-

Werden wir den Mut und die Kraft haben, für das
einzustehen, was wir im Grunde unseres Herzens für
richtig halten? Ist Saddam Husseins Welt das Vermächtnis, das wir unseren Kindern hinterlassen wollen? Haben sich die Nationen der Welt umsonst
versammelt, um die Grundsätze der UN-Charta zu
verteidigen?
Ich glaube, Sie kennen die Antwort auf diese Fragen.
Es gibt eine Moral unter den Nationen. Aggression darf
kein Erfolg beschieden sein.
Die Vereinigten Staaten werden das richtige tun.

* *

AMERIKA DIENST 43

*

Seite 5

�UMWELT
31. Oktober 1990

KONGRESS VERABSCHIEDET UMFASSENDES GESETZ
ZUR REINHALTUNG DER LUFT
Unterzeichnung durch Präsident Bush erwartet

WASHINGTON - (AD) - Der amerikanische Senat und
das Repräsentantenhaus haben mit überwältigender
Mehrheit eine einschneidende Gesetzesvorlage verabschiedet, die mittels einer Reihe innovativer Maßnahmen die Verbesserung der Luftqualität zum Ziel
hat.
Die Gesetzesvorlage ist jedoch Schätzungen des
Weißen Hauses zufolge mit beträchtlichen Kosten rund 25 Milliarden Dollar - für die amerikanische Industrie verbunden, von denen ein Großteil erwartungsgemäß auf die Verbraucher umgelegt wird.
Der Gesetzentwurf wurde vom Repräsentantenhaus
am 26. Oktober 1990 mit 401 zu 25 Stimmen und vom
Senat am 27. Oktober mit 89 zu 10 Stimmen verabschiedet.
"Dies ist ein bedeutender Meilenstein bei der Erhaltung der natürlichen Ressourcen der Vereinigten Staaten und ich sehe der Unterzeichnung der Gesetzesvorlage gern entgegen", erklärte Bush im Anschluß an die
Abstimmung im Senat.
Der Gesetzentwurf stellt eine Erweiterung des Gesetzes zur Reinhaltung der Luft aus dem Jahr 1970 und das
Ende nahezu 10jähriger fruchtloser Versuche zur
Verschärfung dieses Gesetzes dar.
Das Abkommen sieht neue Kontrollmaßnahmen zur
Erlangung einer bestimmten Luftqualität in verschmutzten Gebieten vor, ruft Programme für vermehrten
Einsatz sauberer Brennstoffe in diesen Gebieten ins
Leben, verschärft die Abgasnormen für Automobile,
schafft ein Programm zu Verringerung des sauren
Regens und fordert das schrittweise Verbot von Produktion und Einsatz von Chemikalien, mit denen die
Ozonschicht der Atmosphäre abgebaut wird. Darüber
hinaus sieht es ein Programm zur Umschulung und
Abfindung von Arbeitnehmern vor, die ihren ArbeitsAMERIKA DIENST 43

platz infolge der Einhaltung des Gesetzes zur Reinhaltung der Luft verlieren.
Im folgenden die wesentlichen Bestandteile des Gesetzes:
Normen zur Luftqualität in verschmutzten Gebieten
Dem amerikanischen Umweltschutzamt (EPA) zufolge erfüllen derzeit 96 Gebiete der Vereinigten Staaten
die Bundesnormen für bodennahes Ozon - dem Hauptbestandteil städtischen Smogs - nicht. Ferner erfüllen
41 Gebiete laut EPA die Kohlenmonoxidnormen nicht,
und 70 Gebiete liegen unterhalb der Normen für kleine
Partikel (Staub, Schmutz, Ruß und Rauch).
Im Rahmen der Bundesgesetzgebung müßten sich
alle außer neun Bereichen bis November 1999 an
diese Normen halten, alle au ßer Los Angeles, Baltmore und New York bis November 2005, Baltimore und
New York bis November 2007 und Los Angeles bis
November 2010. Die Nichtbefolgung könnte zu einer
Kürzung bestimmter Bundesmittel führen.
Um stetige Fortschritte bei der Verwirklichung der
Bundesozonnormen zu erzielen, müssen alle mäßig
oder stärker verschmutzten Gebiete die Smogkonzentration innerhalb von sechs Jahren um 15 Prozent
senken. Danach müßten die stark oder mehr verschmutzten Gebiete alle drei Jahre weitere Reduzierungen um 9 Prozent vornehmen, bis sie den Bundesnormen entsprechen.
Luftqualitätsnormen für "mobile Einheiten"
Mobile Einheiten - Autos, Lastwagen, Busse und andere
Fahrzeuge - verursachen etwa die Hälfte des gesamten Smogs/der Ozonverschmutzung in den Städten
des Landes und sind für etwa 90 Prozent der Kohlenmonoxidbelastung verantwortlich.
Seite 1

�Ab 1995 müssen in den neun Städten mit der schlimmsten Ozonverschmutzung sauberere Treibstoffe verfügbarsein. In etwa 25 Städten mit den gravierendsten
Smogproblemen müssen die Autohersteller mindestens 150 000 Kraftfahrzeuge jährlich produzieren, die
mit alternativen, sauberen Treibstoffen fahren können.

von anderen Versorgungswerken und Industrieeinrichtungen ausgestoßen. Stickoxide fallen bei Kraftwerken, industriellen Verursachem, Pkw, Lkw und
Bussen an. Zur Zeit gibt es keine gesetzlichen Beschränkungen der Emissionen, die den sauren Regen
zur Folge haben.

Bis 1994 müssen 40 Prozent aller in den Vereinigten
Staaten verkauften Neufahrzeuge strengere Maßstäbe bei den Abgasen erfüllen - eine 30prozentige Reduzierung des gegenwärtigen Stands der Kohlenwasserstoffemission und eine 60prozentige Minderung der
Stickoxidemissionen. Bis 1998 müssten alle Neufahrzeuge den neuen Normen entsprechen. Frühere
Abgasnormen werden bis zu 50 000 Meilen oder fünf
Jahren beibehalten. Dieser Zeitraum würde nach der
neuen Gesetzgebung auf zehn Jahre oder 100 000
Meilen verlängert.

Das neue Gesetz sieht bis zum Jahr 2000 eine Reduzierung der Schwefeldioxidemissionen um 10 Millionen Tonnen pro Jahr und der Stickoxide um über zwei
Millionen Tonnen pro Jahr vor. Die Emissionen würden in zwei Phasen abgebaut. In Phase 1 müßten 111
Kraftwerksblöcke, die gegenwärtig die höchsten Schwefeldioxidmengen ausstoßen, diese Emissionen bis zum
Jahr 1995 auf einen bestimmten Anteil pro erzeugter
Energieeinheit verringern. Für Kraftwerke, die zur
Einhaltung dieser Grenzwerte Filter installieren, wird
die Frist zur Einhaltung der neuen Normen bis 1997
verlängert. In Phase 2 müssen die großen Kraftwerke
bis zum Jahr 2000 ihre Emissionswerte nochmals
verringern. Diese Frist würde bei Werken, die neue
Technologien zur reineren Kohleverbrennung einsetzen, bis zum Jahr 2004 verlängert. Das Gesetz legt
eine Höchstgrenze für den Gesamtausstoß an Schwefeldioxidfest, die nach dem Jahr 2000 von Elektrizitätswerken produziert werden dürfen. Die Elektrizitätswerke müssen darüber hinaus vom Jahr 1995 an die
Stickoxidemissionen um zwei Millionen Tonnen jährlich - etwa 25 Prozent - verringern.

Toxische Luftschadstoffe
Chemische Fabriken sind die größten Verursacher
industrieller Emissionen toxischer Luftschadstoffe und
für etwa 35 Prozent der Gesamtemissionen verantwortlich. Andere wichtige Verursacher sind die Papier-, Plastik-, Gummi-, Auto und Metallindustrie. Das
Gesetz zur Luftreinhaltung von 1970 verpflichtet das
EPA, Luftschadstoffe zu benennen, die den Tod oder
schwere Krankheiten verursachen und Emissionsnormen für diese Schadstoffe aufzustellen. Bis jetzt hat
der EPA für weniger als 10 toxische Schadstoffe Emissionsnormen aufgeteilt.
Das neue Gesetz setzt 189 solcher Schadstoffe auf
eine verbindliche Liste und fordert das EPA auf, Normen für alle Kategorien wichtiger Verursacher aufzustellen - diejenigen, die über 10 Tonnen eines jeden
aufgelisteten Schadstoffs oder über 25 Tonnen einer
beliebigen Kombination dieser Schadstoffe jährlich
emittieren. In den nächsten zehn Jahren müssen
umweltverschmutzende Betriebe die beste verfügbare
Technologie nutzen, um.- gemessen am Stand von
1987 - die Emissionen der wichtigsten toxischen
Chemikalien um 90 Prozent zu reduzieren.
Nach dem Einbau dieser Technologie müßte das EPA
noch schärfere Normen erlassen, falls das Krebsrisiko
über ein bestimmtes Niveau hinaus ansteigt.
Saurer Regen
Zwei chemische Stoffe, Schwefeldioxid und Stickoxide, bilden die wichtigsten Ursachen des "sauren
Regens". Diese Verbindungen steigen in die Luft auf,
vermischen sich mit Feuchtigkeit und fallen dann in
Form von saurem Regen oder Schnee häufig Hunderte von Kilometern von der Quelle entfernt. Etwa 50
Prozent der Schwefeldioxidemissionen in den Vereinigten Staaten stammen aus großen Kohlekraftwerken in neun Staaten des Mittelwestens, der Rest wird

Schutz des stratosphärischen Ozons
Das Gesetz sieht die völlige Einstellung der Herstellung und Anwendung von Fluorchlorkohlenwasserstoffen (FCKW) und anderer die Ozonschicht schädigender chemischer Stoffe vor. Bis zum Jahr 2000 muß
die Herstellung der fünf zerstörerischsten FCKW-Typen,
der drei zerstörerischsten Halone sowie von Kohlentetrachlorid eingestellt werden. Die Produktion von
Methylchloroform muß bis zum Jahr 2002 eingestellt
werden.
Das Gesetz gestattet eine begrenzte Produktion von
Methylchloroform bis zum Jahr 2004 für den unerläßlichen Bedarf, falls kein sicherer und wirksamer Ersatzstoff erhältlich ist. Es gestattet ferner die begrenzte Herstellung anderer oben aufgeführter Stoffe bis
zum Jahr 2009 für den Export in Entwicklungsländer,
die das Montrealer Protokoll von 1987 (mit dem ein
internationales Programm zur Halbierung der ozonschädigenden Chemikalien bis zum Jahr 1998 eingeführt wurde) unterzeichnet haben.
Für eine andere Kategorie weniger gefährlicher chemischer Stoffe, gegenwärtig 33 spezifizierte FCKW, würden
die Produktionsniveaus bis zum Jahr 2015 eingefroren
und bis zum Jahr 2030 vollständig abgebaut. Eine
begrenzte Verlängerung ist für solche FCKW vorgesehen, die für medizinische Geräte oder den Export in
Entwicklungsländer vorgesehen sind.
* *

Seite 2

*
AMERIKA DIENST 43

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. "Danke schön, - ich habe es übrigens selbst gemacht"&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;20 Millionen Amerikannerinnen schneidern zu Hause&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Ein Bankett für eine große Frau&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Der 70. Geburtstag von Eleanor Roosevelt&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Keiner ist zu alt für neue Eindrücke&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Vorsitzende des schleswig-holsteinischen Landesverbandes "Deutscher Frauenring" berichtete über ihre Amerikafahrt&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Diplomatinnen aus 26 Ländern zu Gast im Weißen Haus&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Mrs. Eisenhower gab ein Thanksgiving-Luncheon für die weiblichen Delegierten bei den Vereinigten Nationen&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. "... Vermisst im Ostsektor Berlins"&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;7jährige Leidenszeit einer Mutter in Straflagern der Sowjet-Union</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Eine echte "Mammy"&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Mary McLeod Bethune - ein Name, der eng mit der Geschichte der USA verbunden ist&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Eine junge deutsche wirkt in New York für Berlins Studenten&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Seit 1949 arbeitet Fräulein Dr. Eva Maria Jung in besonderer Mission im Amt für kirchliche Angelegenheiten, das dem amerikanischen Außenministerium untersteht&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Reisvögel aus China, Vispar aus Schweden&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Für jeden etwas im internationalen Kaufladen der Vereinten Nationen&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Mangelberuf Krankenschwester&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;In den USA ist der zunehmende Mangel an Krankenschwestern ein vieldiskutiertes Problem geworden&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. Grundumsatz und Körpergewicht&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Je dicker der Mensch ist, desto mehr Nahrung braucht er, um die Funktion seiner Organe intakt zu halten&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;6. Wie wird die Amerikanerin wählen?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ergebnis einer bei den Leserinnen der Zeitschrift "Woman's Home Companion" durchgeführten Umfrage&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;7. Ursula Thiess macht Karriere&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Erfolge der deutschen Nachwuchsschauspielerin in Hollywood&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;8. Im "Himmel großer Frauen"&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Auch große Frauen haben Modesorgen</text>
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