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17. Mai 1989

I N H A L T

DOKUMENTATION

USA würden "Rückkehr der Sowjetunion in die Weltordnung begrüßen"
- Rede von Präsident Bush in Texas -

Sowjetische Bedrohung noch nicht als schwacher zu bezeichnen
- Rede von Staatssekretär Kimmitt vor dem Unterausschuß des Senats

HINTERGRUNDMATERIAL
f

Stand der Rüstungskontrollverhandlungen
- Wöchentliche Ü b e r s i c h t -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
S t r e i t f r a g e "Kalte Kernfusion"
- W i s s e n s c h a f t l e r warten auf exakte Angaben zum Versuch und
seinen R e s u l t a t e n -

* * * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

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D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�AMERIKA DIENST
VON

Dokumentation

&amp;

17. Mai 1989

20

USA WÜRDEN "RÜCKKEHR DER SOWJETUNION IN DIE WELTORDNUNG BEGRÜSSEN"
- Rede von Präsident Bush in Texas COLLEGE STATION, TEXAS - (AD) - In seiner Ansprache bei der Texas Agricultural and Mechanical University erörterte Präsident Bush am 12. Mai 1989
die Ergebnisse der außenpolitischen Bilanz seiner Administration im Hinblick
auf die Sowjetunion und das Ziel der Vereinigten Staaten, "die Rückkehr der
Sowjetunion in die Weltordnung zu begrüßen".
Der Präsident erklärte, westliche Politik müsse die Entwicklung der
Sowjetunion zu einer offenen Gesellschaft ermutigen. "Diese Aufgabe wird unsere Kraft auf die Probe stellen, unsere Geduld herausfordern und ungeheure
Vorstellungskraft erfordern". Ihm zufolge müßte der Kreml positive Schritte
unternehmen: die sowjetischen Streitkräfte reduzieren, der von den Sowjets
eingegangenen Verpflichtung zur Förderung der Selbstbestimmung aller Länder
Ost- und Mitteleuropas nachkommen, mit dem Westen an diplomatischen Lösungen
für regionale Konflikte auf der ganzen Welt arbeiten, einen dauerhaften politischen Pluralismus und Wahrung der Menschenrechte erreichen und gemeinsam mit
dpn Vereinigten Staaten internationale Probleme behandeln.
Nachfolgend veröffentlichen wir Präsident Bushs Rede im Wortlaut:

Wir müssen uns vor Augen führen,
daß keine Generation ihrer Geschichte
entfliehen kann. Nicht die Eltern wir teilen den brennenden Wunsch, daß
unsere Kinder und deren Kinder eine
bessere und sicherere Welt kennenlernen. Nicht die Studenten - Ihre Eltern und Großeltern haben einen Weltkrieg erlebt und Amerika beim Wiederaufbau der Welt geholfen. Sie haben
das Drama der durch sowjetische Subversion und Gewalt in der Nachkriegszeit geteilten Länder erlebt, die jedoch von der - mit der Berliner Luftbrücke am besten dokumentierten - Reaktion der Verbündeten versorgt wurden.
Kluge Persönlichkeiten - Truman,
Eisenhover, Vandenberg, Rayburn sowie
Marshall, Acheson und Kennan - haben

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Embassy of the United States of America

die Containment-Strategie erarbeitet.
Sie vertraten die Ansicht, daß sich
die Sowjetunion, wenn man ihr den
leichten
Expansionskurs
verweigert,
nach innen und den Widersprüchen ihres
ineffizienten, repressiven und
inhumanen Systems zuwendet.
Und sie
haben recht behalten.
Die Sowjetunion stellt sich dieser harten Realität jetzt öffentlich.
Containment war erfolgreich.
Es
war deshalb erfolgreich, weil unsere
demokratischen
Grundsätze,
Institutionen und Werte gefestigt sind und
immer waren.
Es war erfolgreich,
weil unsere Bündnisses stark sind und
stark waren und weil die Überlegenheit freier Gesellschaftssysteme und
freier Marktwirtschaft über den stagnierenden Sozialismus nicht zu leug-

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Telex: 8-85432

�nen ist.
Wir nähern uns der Lösung eines
historischen Streits zwischen zwei
Visionen in der Nachkriegszeit
einer Vision der Tyrannei und des
Konflikts und einer anderen von Demokratie und Freiheit. Die von meiner
Administration gerade abgeschlossene
Bilanz der amerikanisch-sowjetischen
Beziehungen weist einen neuen Weg zur
Lösung dieses Streits.
Unser Ziel ist hoch gesteckt - es
ist ehrgeiziger als alles, was meine
Vorgänger für möglich hielten. Unsere Bilanz deutet darauf hin, daß 40
Jahre Beharrlichkeit uns eine einzigartige Gelegenheit geboten haben.
Jetzt ist es an der Zeit, sich
einer über Containment hinausgehenden
neuen Politik zuzuwenden - einer Politik der neunziger Jahre, die dem
gesamten Umfang des Wandels Rechnung
trägt, der auf der ganzen Welt und
auch in der Sowjetunion stattfindet.
Insgesamt geht das Ziel der Vereinigten Staaten über eine einfache
Eindämmung des sowjetischen Expansionismus hinaus - wir streben die Integration der Sowjetunion in die Staatengemeinschaft an. Während sich die
Sowjetunion größerer Offenheit und
Demokratisierung zuwendet - und damit
der Herausforderung verantwortungsbewußten internationalen Verhaltens gerecht wird - werden unsere Schritte
nicht lange auf sich warten lassen.
Letztlich ist es unser Ziel, die
Rückkehr der Sowjetunion in die Weltordnung zu begrüßen.
Die Sowjetunion bekundet ihre Absicht, mit der Welt in Frieden leben
zu wollen und kritisiert ihre eigene
Politik der Nachkriegzeit. Dies können wir nur begrüßen. Aber ein neues
Verhältnis kann nicht nur von Moskau
erklärt oder von anderen ausgerufen
werden. Es muß verdient werden. Es
muß verdient werden, weil Versprechungen niemals ausreichen. Die Sowjetunion hat früher bereits ein kooperativeres Verhältnis versprochen,

nur um dann ihren Kurs zu ändern und
erneut eine kriegerische Haltung einzunehmen. Die sowjetische Außenpolitik unterlag fast jahreszeitlichen
Schwankungen - Wärme kam vor Kälte,
Tauwetter vor Frost.
Wir streben
eine Freundschaft an, die kein Klima
des Mißtrauens und der Verdächtigungen kennt.
Wir hoffen, daß Perestrojka die
Sowjetunion zu einem Bruch - einem
definitiven Bruch - mit der Vergangenheit veranlaßt.
Wer hätte gedacht, daß wir einmal die Überlegungen des Zentralkomitees auf der Titelseite der Prawda lesen könnten
oder den Dissidenten Andrei Sacharow
in der Nähe der Machthaber sitzen sähen? Wer hätte sich jemals träumen
lassen, daß ein sowjetischer Staatsund
Parteichef
auf
den
Straßen
Moskaus und Washingtons um Stimmen
wirbt? Dies sind hoffnungsvolle und
in der Tat bemerkenswerte Anzeichen.
Niemand darf an unserem ernsthaften
Wunsch nach Fortsetzung und Erfolg
der Perestrojka zweifeln. Aber die
nationale
Sicherheit
Amerikas und
seiner Verbündeten darf sich nicht
auf Hoffnung allein verlassen. Sie
muß sich auf Taten gründen. Wir halten nach dauerhaftem, fest verwurzeltem wirtschaftlichen und politischen
Wandel Ausschau.
Obwohl wir die Hoffnung auf eine
Überwindung des Containment hegen,
stehen wir erst am Anfang eines neuen
Weges. Viele Gefahren und Unsicherheiten liegen noch vor uns. Wir dürfen nicht vergessen, daß die Sowjetunion erschreckende militärische Fähigkeiten erworben hat. Damit mußten
meine Vorgänger leben. Damit haben
unsere Verbündeten immer leben müssen. Und damit werde ich leben müssen.
Bei unserem Streben nach Frieden
müssen wir stark bleiben. Das Ziel
unserer militärischen Stärke besteht
keineswegs in der Ausübung von Druck
auf eine schwache sowjetische Wirtschaft oder im Streben nach militärischer Vorherrschaft.
Es besteht
2 -

�vielmehr in der Abschreckung eines
Krieges. Es besteht in der Verteidigung unseres Landes und unserer Verbündeten - und darüber hinaus wollen
wir die Sowjets davon überzeugen, daß
sich weitere expansionistische Bestrebungen nicht lohnen und davon,
daß ein Streben nach Frieden lohnenswert ist.
Die Politik des Westens muß die
Entwicklung der Sowjetunion zu einer
offenen Gesellschaft ermutigen. Diese Aufgabe wird unsere Kraft auf die
Probe stellen, unsere Geduld herausfordern und eine ungeheure Vorstellungskraft erfordern - die ich Ihnen
erklären möchte. Ich sehe vor mir
eine westliche Hemisphäre demokratischer
wohlhabender
Länder, die
nicht mehr von einem Kuba oder einem
Nicaragua mit den Waffen Moskaus bedroht wird. Ich sehe eine Sowjetunion, die ihre Verbindungen zu terroristischen Ländern - wie Libyen abbricht, die für die rechtmäßige Sicherheit ihrer Nachbarn eine Bedrohung darstellen.
Ich sehe vor mir
eine Sowjetunion, die Chinas Integrität respektiert und die Territorien
im Norden Japans zurückgibt - als
Auftakt zu dem Tag, an dem alle grossen Länder Asiens harmonisch zusammenleben werden.
Aber um diese Vision Wirklichkeit
werden zu lassen, muß die Sowjetunion
positive Schritte unternehmen:
Erstens: Reduzierung der sowjetischen Streitkräfte. Obwohl bereits
kleine Schritte unternommen worden
sind, besitzt der Warschauer Pakt
über 30 000 Panzer, mehr als zweimal
soviel Artillerie und hunderttausend
Soldaten mehr in Europa als die NATO.
Sie sollte ihre Streitkräfte im Verhältnis zu ihren berechtigten Sicherheitsinteressen auf ein weniger bedrohliches Niveau abbauen.
Zweitens: Einhaltung der von den
Sowjets - in den letzten Tagen des
Zweiten Weltkriegs - eingegangenen
Verpflichtung
zur
Förderung
der
Selbstbestimmung aller Länder Ost-

und Mitteleuropas.
Dies erfordert
insbesondere die Aufgabe der Breschnew-Doktrin. Eines Tages sollte es
möglich sein, von Moskau nach München
zu fahren, ohne einen einzigen Wachturm oder einen Stacheldrahtzaun zu
sehen. Kurz gesagt: Reißt den Eisernen Vorhang nieder.
Drittens: Zusammenarbeit mit dem
Westen an positiven, praktischen
und nicht nur rhetorischen - Schritten für diplomatische Lösungen regionaler Konflitke auf der ganzen Welt.
Ich begrüße den sowjetischen Truppenabzug aus Afghanistan und das AngolaAbkommen. Aber auf der ganzen Welt
gibt es noch mehr zu tun. Wir sind
bereit. Wir sollten die Ärmel aufkrempeln und uns an die Arbeit begeben.
Viertens: Erlangung eines dauerhaften politischen Pluralismus und
Wahrung
der
Menschenrechte.
In
Moskau haben bereits dramatische Ereignisse stattgefunden. Wir sind von
den beschränkten, aber dennoch mit
mehreren
Kandidaten
stattfindenden
Wahlen beeindruckt. Wir sind ferner
beeindruckt von der größeren Toleranz
gegenüber Dissidenten. Darüber hinaus macht eine neue Offenheit über
die Ära Stalin Eindruck auf uns. Herr
Gorbatschow, geben Sie jetzt nicht
auf.
Fünftens: Zusammenarbeit bei der
Behandlung internationaler Probleme,
wie des internationalen Drogenhandels
und den Gefahren für unsere Umwelt.
Wir können unseren Kindern eine bessere Welt schaffen.
Wenn sich die Sowjetunion der Rüstungskontrolle und Reformen zuwendet, wird sie im Westen hilfsbereite
Partner finden. Wir streben verifizierbare, stabilisierende Rüstungskontrolle
und
Reduzierungsabkommen
mit der Sowjetunion und ihren Verbündeten an. Dennoch ist Rüstungskontrolle an sich kein Ergebnis, sondern
ein Mittel, um zur Sicherheit Amerikas und zum Frieden auf der Welt beizutragen.
Ich habe Außenminister

- 3 -

�Baker angewiesen, den Sowjets Vorschläge für eine Wiederaufnahme der
START-Verhandlungen im Juni zu unterbreiten. Und wie Sie wissen, haben
die Sowjets zugestimmt.
Unser Konzept ist klar. Bei den
START-Verhandlungen wollen wir das
Risiko eines Atomkrieges abbauen.
Bei den begleitenden Verhandlungen
über Verteidigung im Weltraum werden
wir die Erhaltung unserer Optionen
zur Stationierung eines modernen Verteidigungssystems
zum Ziel haben,
wenn dies fertiggestellt ist. Bei
den Atomtests werden wir weiterhin
die notwendigen Verbesserungen zur
Verifizierung in den bestehenden Verträgen anstreben, damit diese durchgeführt werden können.
Wir werden
nach wie vor ein verifizierbares
weltweites Verbot chemischer Waffen
anstreben. Wir unterstützen die Bestrebungen der NATO zürn Abbau der offensiven sowjetischen Bedrohung in
den Verhandlungen über Konventionelle
Streitkräfte in Europa. Und ich habe
bereits darauf hingewiesen, daß all
diesen Zielen ganz einfach Offenheit
zugrundeliegt.
Unmißverständlich weht ein neuer
Wind über die Steppen und Städte der
Sowjetunion hinweg.
Warum sollte
dieser neuer Geist der Offenheit
nicht zunehmen, und Warum sollten
nicht weitere Schranken fallen? Offen für Auswanderung, für Diskussionen, offen für den Luftverkehr - Offenheit soll die Veröffentlichung und
den Verkauf verbotener Bücher und
Zeitungen in der Sowjetunion bedeuten. Den 19 000 sowjetischen Juden,
die im vergangenen Jahr ausgereist
sind, sollen all diejenigen folgen
dürfen, die in diesem Jahr ausreisen
wollen. Offenheit darf keine geringere Bedeutung haben als Freizügigkeit und den freien Austausch von Büchern und Ideen zwischen Ost und
West. Und darüber hinaus sollte sie
eine weitere Bedeutung erlangen.
Vor 34 Jähren ist Präsident
Eisenhower in Genf mit der sowjetischen
Führungsspitze
zusammenge-

troffen, die nach dem Tod Stalins
einen neuen Ansatz gegenüber dem
Westen versprach.
Er schlug einen
Plan namens "Offene Himmel" vor, im
Rahmen dessen unbewaffnete Flugzeuge
aus den Vereinigten Staaten und der
Sowjetunion das Territorium des anderen Landes überfliegen durften. Damit könnten militärische Aktivitäten
regelmäßig überprüft und laut Präsident Eisenhower "die Welt davon überzeugt werden, daß wir ... die Gefahr
verringern und die Spannungen abbauen" .
Präsident Eisenhowers Vorschlag
stellte die sowjetische Bereitschaft
zur Öffnung ihrer Gesellschaft auf
eine Probe, der der Kreml nicht
standhielt. Wir Wollen diesen Vorschlag erneut untersuchen, aber auf
einer breiteren, eingehenderen und
radikaleren Basis - der sich hoffentlich auch die Verbündenten auf beiden
Seiten
anschließen
werden.
Wir
schlagen vor, daß Länder, die diesen
Vorschlag prüfen möchten, bald zusammenkommen, um außerhalb ariderer Rüstungskontrollverhandlungen die notwendigen technischen Einzelheiten zu
erarbeiten.
Solche Überwachungsflüge ließen
zusammen mit Satelliten eine regelmäßige Prüfung auf beiden Seiten zu.
Ein solch beispielloser Zugang zum
Territorium deö jeweils arideren würde
der Welt die Bedeutung des Konzepts
der Offenheit dokumentieren. Die Bereitschaft der Sowjets zur Akzeptanz
eines solchen Konzepts an sich würde
ihr Engagement für Veränderungen bekunden.
Wo
Zusammenarbeit
stattfiridet,
kanri es umfassendere Wirtschaftsbeziehungen geberi.
Aber die sowjetische Innenpolitik hat die Wirtschaftsbeziehungen gelähmt. Sie haben unter Moskaus Praxis, dem Westen
uriter dem Mäntelchen des Handels
Technologie
zu stehlen; gelitten.
Ein Ende der Benachteiligung amerikanischer Firmen wäre ein hilfreicher
Schritt.
Geschäfte und finanzielle
Tränsaktionen könnten auf der Basis

�normaler Handelsbeziehungen
führt werden.

durchge-

Und wenn die Sowjetunion
ihre
Auswanderungsgesetze
internationalen
Standards anpaßt und ihre neuen Gesetze buchstabengetreu verwirklicht,
bin ich bereit, mit dem Kongreß eine
zeitweise
Aufhebung
des
JacksonVanik-Zusatzartikels zu verfügen und
damit den Status der Meistbegünstigung auf die Sowjetunion zu erweitern. Die soeben von mir beschriebene Politik betrifft Sie alle.
Heute legen Sie ihr Examen ab.
Sie werden einen Beruf ergreifen und
eine Familie gründen. Und Sie werden
Amerikas Elite im nächsten Jahrhundert werden. Was für eine Welt werden Sie kennenlernen?
Möglicherweise
wird die Weltordnung der Zukunft eine
echte Staatengemeinschaft sein.
Es ist eine traurige Wahrheit,
daß wir durch nichts eher dazu gezwungen werden, unsere Verbundenheit
als Menschen zu erkennen als durch
eine Naturkatastrophe.
Ich denke dabei an die Sowjetrepublik Armenien
vor einigen Monaten - eine schuldlos
verursachte Tragödie, eine Zerstörung
wie im Krieg, jedoch nicht durch einen Krieg verursacht.

Mein Sohn nahm unseren zwölfjährigen Enkel mit nach Eriwan. Am Ende
des Tages, an dem sie die Verwundeten
getröstet und den Hinterbliebenen Mut
zugesprochen hatten, setzten sie sich
gemeinsam zwischen die Trümmer und
weinten.
Wie können unsere beiden
Länder diesen schlichten Ausdruck der
Fürsorge noch steigern?
Wie können
wir uns gegenseitig den guten Willen
unseres Volkes übermitteln?
Vor 43 Jahren hat der junge Leutnant Albert Kotzebue, der 1945 hier
an dieser Universität sein Examen abgelegt hat, als erster amerikanischer
Soldat den Sowjets an der Elbe die
Hand gereicht. Wir sind wieder bereit, die Hand auszustrecken und bereit, eine ausgestreckte Hand entgegenzunehmen.
Die Zeit ist erneut
reif für Frieden.

�AMERIKA DIENST
Dokumentation

%r,os e&lt;

17. Mai 1989

20

SOWJETISCHE BEDROHUNG NOCH NICHT ALS SCHWÄCHER ZU BEZEICHNEN
- Rede von Staatssekretär Kimmltt vor dem Unterausschuß des Senats WASHINGTON - (AD) - Dem Staatssekretär für politische Angelegenheiten im
amerikanischen Außenministerium, Robert Kimmitt, zufolge sollte das westliche
Bündnis die militärische Bedrohung durch die Sowjets noch nicht als schwächer
ansehen. Am 10. Mai 1989 erklärte Kimmitt vor dem Unterausschuß des Senats
für die Bewilligung von Verteidigungsausgaben, es sei voreilig, die sowjetische Bedrohung als "erheblich abgebaut" zu betrachten.
Ihm zufolge wird der NATO-Gipfel Ende Mai "erneut die zentrale Bedeutung
des Bündnisses für die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten herausstellen
und darüber hinaus die vor uns liegenden Herausforderungen behandeln: Modernisierung der Streitkräfte, RüstungskontrollVerhandlungen und die Notwendigkeit besserer Lastenverteilung.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede Kimmitts im Wortlaut:

Herr Vorsitzender, ihre Jahre an
der Spitze des Unterausschusses für
die Verwendung von Mitteln im Ausland
haben Ihnen ein gutes Urteil über die
zur Ausübung
einer wirkungsvollen
Außenpolitik
erforderlichen
Mittel
verschafft.
Der Verteidigungshaushalt steht in enger Beziehung zu dieser Aufgabe, und deshalb freue ich
mich über die Möglichkeit, hier vor
dem Unterausschuß zu sprechen, um
über die Auswirkungen von Entscheidungen zum Verteidigungshaushalt auf
die amerikanische Außenpolitik zu
sprechen.
Ich möchte darum bitten,
daß der Wortlaut meiner Rede in das
Protokoll aufgenommen wird.

Der Umgang mit der Sowjetunion
Die

amerikanische

Militärstrate-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

gie basiert seit langem auf gemeinsamer Sicherheit, Abschreckung, Vorneverteidigung und flexibler Reaktion.
Diese Verteidigungsstrategie
zielt darauf ab, einer massiven,
weltweiten
militärischen
Bedrohung
durch die Sowjets entgegenzutreten.
In jüngster Zeit konnten wir potentielle Veränderungen wahrnehmen, da
die Sowjets zur Durchsetzung ihrer
Ziele in geringerem Maße auf die Androhung oder den Einsatz militärischer Mittel zu vertrauen scheinen
und in ihrer Außenpolitik weniger den
Klassenkampf betonen.
Wir hoffen,
daß die versprochene Neuorientierung
der sowjetischen Politik und Doktrin
zu Veränderungen im Umfang und der
Struktur der sowjetischen Streitkräfte führt und die Bedrohung abbaut,
die sie für unsere nationalen Interessen darstellt.

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�Es wäre jedoch höchst voreilig,
die sowjetische Bedrohung als erheblich abgebaut zu betrachten. Sicher
hat die Sowjetunion Reduzierungen bei
der Truppenstärke und den konventionellen Streitkräften sowie niedrigere
Verteidigungsausgaben angekündigt und
beseitigt ihre Mittelstreckenraketen
im Einklang mit dem INF-Vertrag.
Dennoch modernisieren
die Sowjets
weiterhin ihre strategischen Atomstreitkräfte mit neuen Klassen von
raketenbestückten U-Booten, strategischen Raketen und Bombern längerer
Reichweite.
Ihre
konventionellen
Streitkräfte
moderner
gepanzerter
Fahrzeuge, Artilliere und taktischer
Kampfflugzeuge sind mit 4,5 Millionen
Soldaten unter Waffen nach wie vor
nahezu die größten der Welt. In den
letzten zehn Jahren hat die Sowjetunion ihre Fähigkeit zum Einsatz ihrer Streitkräfte in entfernten Teilen
der Welt verbessert. Die Sowjets haben kürzlich das größte militärische
Transportflugzeug
der Welt vorgestellt, und der Prototyp einer neuen
Klasse großer Flugzeugträger steht
kurz vor seiner Vollendung
Obwohl
die von Gorbatschow bekundeten Absichten zur Reduzierung der militärischen Stärke der Sowjetunion lobenswert sind, konnten wir eine Umsetzung
dieser Ankündigungen in erhebliche
Veränderungen bei den Fähigkeiten und
der Struktur der sowjetischen Streitkräfte noch nicht beobachten.
Auf regionaler Ebene scheinen die
Sowjets den ausgehandelten Lösungen
einiger Konflitke offener gegenüberzustehen und zeigen ein zunehmendes
Bewußtsein für den Preis einer anhaltenden Expansion.
Dennoch liefern
sie immer noch Waffen und unterhalten
nachrichtendi enstliche
Verbindungen
mit Satellitenstaaten, deren Engagement für die Normen internationalen
Verhaltens in Zweifel zu ziehen ist.
Der Verkauf von Bombern längerer
Reichweite des Typs SU-24 an Libyen
macht dies deutlich. Immer noch gehen umfangreiche Lieferungen an Nicaragua, Angola und Kuba und die Lieferungen militärischer
Güter nach
Libyen, Afghanistan und Nordkorea haben zugenommen.

Wie Sie wissen, weilt Außenminister Baker gegenwärtig zu Gesprächen mit der sowjetischen Führungsspitze in Moskau.
Diese Zusammenkünfte sind Teil langfristiger Bemühungen, die zahlreichen Meinungsverschiedenheiten zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion über
so kritische Punkte wie Rüstungskontrolle, regionale Konflikte, Menschenrechte, bilaterale und zwischenstaatliche Fragen beizulegen.
Wir
sind uns in höchsten Maße bewußt, daß
dies eine günstige Zeit für die Behandlung unserer Probleme ist. Präsident Bush und Außenminister Baker
sind entschlossen, diese Chancen zu
nutzen. Eine starke Verteidigung und
Wachsamkeit bei der Sicherung unserer
Interessen sind für die Bestrebungen
um den Aufbau kooperativerer OstWest-Beziehungen von entscheidender
Bedeutung.
Wir begrüßen das Interesse des
Unterausschusses an dem Beziehungsgeflecht zwischen Außenpolitik und Verteidigungshaushalt.
Die Administration und der Kongreß müssen zusmmenarbeiten, um zu gewährleisten, daß
haushaltspolitische
Entscheidungen
auf eine Weise getroffen und ausgeführt werden, die im Einklang mit unseren nationalen Interessen und siehe rheitspoli tischen
Zielsetzungen
steht.

Der SchlUssel zur Minimierung

von Problemen liegt im gesamten Prozeß bei der Bewertung von Auswirkungen haushaltspoitischer Entscheidungen auf die Außenpolitik.
Die militärischen Fähigkeiten unseres Landes sind in den vergangenen
zehn Jahren notwendigerweise erheblich verstärkt worden. Eine starke
Verteidigung ist für die Vereinigten
Staaten und ihre Verbündeten weiterhin von entscheidender Bedeutung und
verkörpert die Fähigkeit und Entschlossenheit
unseres
Landes
zum
Schutz unserer Freiheit. Eine starke
und von einer gesunden Wirtschaft unterstützte
Verteidigung,
gesunde
Bündnisse und eine aktive Diplomatie,
die alle zusammen von angemessenen
nachrichtendienstlichen
Fähigkeiten
gestützt werden, bilden die Grundlage

�unserer nationalen Sicherheit.
Wir sehen uns nunmehr neuen Herausforderungen und auch neuen Möglichkeiten gegenüber, die sich aus
grundlegenden Veränderungen im internationalen Umfeld ergeben. Die bemerkenswerteste dieser Veränderungen
ist die Verteilung wirtschaftlicher,
politischer und militärischer Macht,
Fortschritte in den Bereichen Technik
und Kommunikation, die Verbreitung
der Demokratie und des Konzepts der
freien Marktwirtschaft und das Phänomen Gorbatschow.
Unsere Pläne und
Maßnahmen müssen diesen Veränderungen
im Ausland und auch den wirtschaftlichen und steuerpolitischen Gegebenheiten im Inland angepaßt werden.
Amerikas Führungsspitze hat viele
dieser Veränderungen in die Wege geleitet.
Unsere Unterstützung für
Länder, die unseren Einsatz für Demokratie und die Wahrung der Menschenwürde teilen, war eine treibende
Kraft beim Aufbau der Bedingungen für
Frieden und Wohlstand. Die erneuerte
Tatkraft des westlichen Bündnisses
hat für den weiteren Prozeß Vorbildcharakter und dient als Leitlinie,
und die jetzt von uns in der Sowjetunion und anderen Ländern beobachteten Veränderungen spiegeln zum Teil
Bedingungen wider, zu denen wir beigetragen haben.
Unsere diplomatischen Bemühungen
haben mit Unterstützung der militärischen Stärke zur echten Chance einer
Lösung für einige der dringlichsten
regionalen Konflikte und zu Fortschritten in Fragen der Sicherheit
und Rüstungskontrolle geführt.
Die
Situation stellt uns vor große Möglichkeiten, und die Administration
befindet sich inmitten einer umfassenden Bilanz ihrer nationalen Sicherheit, die dem sich wandelnden sicherheitspolitischen Umfeld gerecht
werden soll. Diese Bilanz wird die
Integration unserer diplomatischen,
militärischen
und
wirtschaftlichen
Mittel zu einem einheitlichen strategischen Konzept in der amerikanischen
Außen- und Verteidigungspolitik sicherstellen.

Unsere
Verteidigungsbestrebungen
und unsere auswärtigen Beziehungen
sind also eng miteinander verknüpft,
und ich möchte kurz darauf eingehen,
wie der Verteidigungshaushalt und die
amerikanische Außenpolitik in verschiedenen Bereichen zusammenhängen:
im Umgang mit der Sowjetunion, der
sicherheitspolitischen Zusammenarbeit
mit Freunden und Verbündeten, Verhandlungen über strategische Waffen
und Rüstungskontrolle sowie Stationierungen oder Manövern im Ausland.

Nichtsowjetische Bedrohung
Obwohl wir kurz vor der Lösung
einiger der beunruhigendsten regionalen Konflikte der letzten Jahre zu
stehen scheinen, besteht in politisch
instabilen Regionen weiterhin ein hohes Konfliktpotential, das in einigen
Fällen noch ansteigt. Bestimmte regionale Militärregime, deren Streitkräfte mit immer moderneren Waffen
ausgerüstet sind, stellen für ihre
unmittelbaren Nachbarn - und in geringerem Maße auch für die Sicherheitsinteressen der Vereinigten Staaten - eine Bedrohung dar.
Für diese regionalen Bedrohungen
lassen sich bedauerlicherweise zahllose Beispiele anführen.
Im Nahen
Osten ist der Irak aus dem Golfkrieg
mit
umfangreicheren,
moderneren
Streitkräften
und
größeren
politischen
Ambitionen
hervorgegangen.
Der Iran bleibt unberechenbar und unterstützt nach wie vor den internationalen Terrorismus. Die Weiterverbreitung ballistischer Raketen unter
anderem mit chemischen Gefechtsköpfen
- nach Libyen, Syrien, dem Iran, Irak
und in andere Länder - und die Gefahr
der Weiterverbreitung von Atomwaffen
stellen
eine
zunehmende Bedrohung
dar. Der Frieden bleibt für den Libanon nur ein Hoffnungsschimmer, und
der grundsätzliche Konflikt zwischen
Israelis und Arabern scheint nach wie
vor unlösbar zu sein. In SUdasien
liegt
eine Konfrontation
zwischen
Nachbarstaaten weiterhin im Rahmen
des Möglichen. In Mittelamerika bietet die trotz ermutigender diploma-

- 3-

�tischer Entwicklungen weiterhin bestehende Möglichkeit für subversive
Aktivitäten Kubas und Nicaraguas die eine mögliche Lösung auf diplomatischem Wege erschweren könnten - den
Vereinigten Staaten weiterhin Anlaß
zur Sorge. Anhaltende Konflikte in
Kambodscha, Äthiopien, dem Sudan und
anderen Teilen Afrikas und Asiens
fordern immer noch zahlreiche Menschenleben und festigen regionale Instabilität.
Angesichts
dieser
regionalen
Spannungen benötigen die Vereinigten
Staaten in absehbarer Zukunft die Fähigkeit zur Übertragung militärischer
Macht zum Schutz unserer Interessen
in instabilen Regionen. Unsere militärische Präsenz ist - auch wenn sie
nur begrenzt eingesetzt wird - in
vielen für die Vereinigten Staaten
entscheidenden
Bereichen
letztlich
der Garant für regionale Stabilität.

Sicherheitspolitische Zusammenarbeit
und Lastenverteilung
Für unsere Freunde und Verbündeten wie auch für die internationale
Stabilität ist unsere anhaltende Fähigkeit zur Erfüllung unserer Verteidigungspflichten in Übersee von entscheidender Bedeutung. Unser sicherheitspolitisches Konzept basiert auf
der Vornestationierung amerikanischer
Streitkräfte und auf Programmen für
Sicherheitsleistungen.
Etwa
drei
Viertel dieser vorne stationierten
Streitkräfte stehen der NATO, Japan
und Korea zur Verfügung, wo sie zur
gemeinsamen Verteidigung
der Vereinigten Staaten und ihrer Verbündeten beitragen.
Der amerikanische
Beitrag zur
NATO ist die umfangreichste unserer
militärischen Aktivitäten in Übersee. Die NATO feiert in diesem Jahr
ihr 40jähriges Bestehen, und sie
bleibt unser bester Garant für den
Frieden in Europa. Der NATO-Gipfel
in diesem Monat wird die zentrale
Rolle des Bündnisses für die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten
bekräftigen und darüber hinaus die

vor uns liegenden Herausforderungen
behandeln:
Modernisierung
der
Streitkräfte,
Rüstungskontrollverhandlungen sowie die Notwendigkeit
einer
besseren
Lastenverteilung.
Diese Probleme berühren unsere Haushalt sentScheidungen und umgekehrt und
sowohl unsere NATO-Verbündeten als
auch der Warschauer Pakt werden unsere Aktionen und Absichten genau beobachten. Wir müssen unser Engagement
für die Verteidigung Europas und die
weiterhin
bestehende
Notwendigkeit
für
umfangreiche
vornestationierte
konventionelle und nukleare Streitkräfte der Vereinigten Staaten bekräftigen.
Die Sowjetunion verfügt nach wie
vor über ungeheure militärische Stärke. Als Reaktion darauf müssen wir
sicherstellen, daß unsere Verteidigungsbündnisse die für unsere Sicherheit und die unserer Verbündeten erforderlichen Streitkräfte aufrechterhalten. Alle von uns beabsichtigten
Veränderungen müssen sorgfältig erwogen werden, auf den bekannten Fähigkeiten unserer Gegner basieren und in
enger Abstimmung mit unsren Verbündeten entwickelt werden.

Lastenverteilung
Wir erarbeiten sowohl in engen
Konsultationen mit unseren europäischen Verbündeten als auch in multilateralen Rüstungskontrollverhandlungen neue Methoden zur Bewältigung des
Problems der Aufrechterhaltung einer
glaubwürdigen Verteidigung in einem
Zeitalter abnehmender Ressourcen.
Andere Verbündete, wie etwa Japan, haben einen größeren Teil der
gemeinsamen Sicherheitslast übernommen, indem sie mehr Auslandshilfe
leisten. Erwartungsgemäß werden sie
noch mehr tun.
Zusätzliche Hilfe
kann eine wertvolle Rolle bei der
Förderung regionaler Stabilität und
der Sicherheit
friedlicher Länder
spielen.

�ropa zieht.

Strategische und konventionelle
Rüstungskontrolle
In einer Zelt knapper Verteidigungshaushalte
müssen
wir
unsere
Prioritäten bei den Verteidigungsausgaben eingehend analysieren. Die gegenläufigen Erfordernisse von Haushaltskürzungen und der Modernisierung
von Streitkräften werden sich auf alle strategischen und konventionellen
Rüstungsprogramme
der
Vereinigten
Staaten auswirken, und amerikanische
Entscheidungen über Ausgaben und die
Stellung der Streitkräfte werden unsere Fähigkeit zum Aushandeln erfolgreicher RUstungskontrollabkommen beeinflussen.
Wenn wir den Anschein erwecken,
daß wir zur einer Bereitstellung von
Mitteln für die Modernisierung und
Erhaltung
unserer
strategischen
Streitkräfte nicht bereit sind, werden die Sowjets geringere Bereitschaft zu konstruktivem Verhalten
zeigen, wenn wir die START-Verhandlungen
wiederaufnehmen.
Ähnliche
einseitige Reduzierungen bei den konventionellen Streitkräften der Vereinigten Staaten würden lediglich einem bereits großen sowjetischen Vorteil Vorschub leisten und darüber
hinaus unsere Fähigkeit zum Aushandeln von Reduzierungen bei den Wiener
KSE-Gesprächen
einschränken.
Bei
diesen Gesprächen scheinen wir generelle Übereinstimmung über den Umfang
erster Reduzierungen sowie über einige Kategorien des zu reduzierenden
Geräts (Panzer, Artillerie und Schützenpanzer) und Schlüsselfragen der
Verifizierung erzielt zu haben. Des
Warschauer Pakt fordert eine Reduzierung von Flugzeugen. Unseres Erachtens ist das unklug, da solche Begrenzungen weder verifizierbar wären
noch militärisch ins Gewicht fielen,
da Flugzeuge schnell in Konfliktzonen
zurückgebracht werden könnten.
In
enger Abstimmung mit unseren Verbündenten streben wir nach einem Ergebnis, das die Verteidigungsfähigkeit
des Bündnisses erhält und gleichzeitig alle Vorteile aus einer möglicherweise
einmaligen
Gelegenheit
zum Abbau des Konfliktrisikos in Eu-

Sowohl bei den strategischen als
auch bei den konventionellen Waffen
gestatten uns die Modernisierungprogramme erhebliche Einflußnahme bei
den Verhandlungen. Wie das Beispiel
des INF-Vertrages zeigt, kann die bekundete
Modernisierungsabsicht
für
die Erzielung eines lohnenden Abkommens entscheidend sein. Wir müssen
sicherstellen, daß jegliche Veränderungen im Verteidigungshaushalt nicht
unsere Fähigkeit
zu erfolgreichen
Verhandlungen unterminieren.

Stationierungen und gemeinsame
Manöver
Außerhalb des Rahmens unserer
formellen Bündnisse fördert die zeitweise Bereitstellung amerikanischer
Streitkräfte
unsere
Interessen in
vielen Bereichen, in denen wir nicht
permanent militärisch präsent sind.
Damit wird die militärische Zusammenarbeit erweitert und friedlichen Ländern Sicherheit geboten, wie dies etwa im Persischen Golf geschah. Sie
fördert darüber hinaus die Entwicklung gesunder Beziehungen zwischen
den Streitkräften, mit denen unsere
diplomatischen
Bestrebungen
sowie
Einfluß und Prestige der Vereinigten
Staaten gefördert werden.
Weniger
zeitweise Stationierungen oder gemeinsame Manöver könnten zusammen mit
zurückgehenden Mitteln bei den Hilfsprogrammen den amerikanischen Einfluß
in vielen Teilen der Welt schmälern,
in denen wir keine Bündnisse haben
oder permanent militärisch sind.
Wie Außenminister Baker in seiner
Anhörung vor dem Senat im Amt erklärte, kann mit einer realisitischen
Führungsrolle der Vereinigten Staaten
die Gelegenheit genutzt werden, in
ein friedlicheres und glücklicheres
Zeitalter überzugleiten. Ein umfangreiches Programm liegt vor uns. Angesichts der Beschränkungen im Haushalt müssen wir herausfinden, wie unsere politische und militärische Effektivität bei gleichzeitigen notwendigen Anpassungen unserer Regierungs-

- 5 -

�ausgaben beibehalten werden kann.
Zur Gewährleistung des anhaltenden
Wachstums und der Sicherheit der Vereinigten Staaten wie auch der ganzen
Welt müssen wir bereit sein, eine
starke diplomatische, wirtschaftliche
und militärische Präsenz in denjenigen Teilen der Welt aufrechtzuerhalten oder aufzubauen, in denen wir
wichtige Interessen haben. Wir sind
der Überzeugung, daß durch die gemeinsamen Anstrengungen des Kongresses und der Administration die Verwirklichung dieses wichtigen Ziels
sichergestellt wird.

* * * * * *

�reo ST&gt;

^7

"*"

AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

^&lt;

17. Mai 1989

20

STAND DER RÜSTUNGSKONTROLLVERHANDLUNGEN
- Wöchentliche Übersicht -

WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir eine am 11. Mai 1989
von US-Informationsamt (USIA) herausgegebene Übersicht über den Stand der Verhandlungen über nukleare Kurzstreckensysteme, amerikanische Truppenpräsenz in
Europa, die START-Verhandlungen sowie Sanktionen gegen den Einsatz oder die
Verbreitung chemischer Waffen.

Arnerikaniseh- sowjeti sehes Treffen
führt zur Wiederaufnahme ßer
Gespräche
Bei Beendigung der Treffen vom
10. und 11. Mai 1989 mit seinem Amtskollegen Schewardnadse erklärte Aussenminister Baker, "wir haben uns auf
eine Wiederaufnahem der Rüstungskontrollverhandlungen in vollem Umfang geeinigt".
Baker zufolge würden die Verhandlungen über die Verringerung strategischer Rüstungen (START) zwischen
dem 12. und 19. Juni in Genf wiederaufgenommen, wobei "ein genauer Termin auf diplomatischem Wege festgesetzt wird".
Der Ständige Konsultativausschuß
(SCC) wird sein Treffen Mitte Juni
fortsetzen, erklärte Baker, um Themen

United States Information Service
Embassy of the United States of America

im Zusammenhang mit dem ABM-Vertrag
aus dem Jahr 1972 sowie der damit
verbundenen Verifizierung und Einhaltung des Vertrags zu erörtern.
Baker stellte ferner fest, daß
die Gespräche über ein Verbot von
Atomversuchen am 26. Juni 1989 in
Genf wiederaufgenommen würden.
"Am Rande der Genfer Abrüstungskonferenz der Vereinten Nationen werden wir im nächsten Monat bilaterale
Gespräche über chemische Waffen führen", erklärte Baker.
Die amerikanischen
und sowjetischen Regierungsvertreter sprachen
ferner über die konventionellen Rüstungskontrollverhandlungen
in Wien
sowie über vertrauensbildende Maßnahmen.

Postfach 20 03 00
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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Sie kamen überein, "das Rüstungskontrollprogramm zu erweitern und dem
Problem chemischer Waffen und der
Verbreitung von Raketen größere Aufmerksamkeit zu widmen", stellte Baker
fest.

SNF-Diskussion beherrscht Rüstungsfcontro^ldialog
Der
sowjetische
Außenminister
Schewardnadse brachte im Verlauf seiner Gespräche mit Außenminister Baker
in Moskau das Thema der Modernisierung der Lance-Raketen sowie Verhandlungen über einen Abbau solcher Waffen zur Sprache.
Bei
Beendigung
der
Gespräche
stellte Baker fest, das NATO-Bündnis
"ist im Hinblick auf die Anzahl der
gegenwärtig stationierten taktischen
atomaren Kurzstreckensysteme ins Hintertreffen geraten".
Baker zufolge
haben die Vereinigten Staaten die Sowjetunion aufgefordert, "ihre atomaren Kurzstreckenwaffen abzubauen, um
das Ungleichgewicht geradezurücken.
Und unserer Meinung nach sollte dies
geschehen, bevor wir überhaupt die
Frage von Verhandlungen anschneiden."
Dem vorausgegangen war ein am 5.
Mai zwischen Präsident Bush und Bundeskanzler Kohl begonnener transatlantischer Dialog.
Im Anschluß an
ihre erste private Unterredung erklärte der Sprecher des Weißen Hauses, Marlin Fitzwater, infolge der
Gespräche verstünden die beiden Regierungschefs die jeweilige Position
etwas besser und fügte hinzu, "wir
freuen uns immer über ein Ausloten
von Mitteln und Wegen, mit denen die
Meinungsverschiedenheiten
zwischen
den Bündnispartnern über die Modernisierung und die Frage von Verhandlungen überbrückt werden können".
Die Vereinigten Staaten suchen
"einen Punkt, an dem in etwa ein
Gleichgewicht bei der Kräfteverteilung und Streitkräftestruktur des
Warschauer
Pakts
und
der
NATO
herrscht, bevor sie das Thema SNF anschneiden", stellte Fitzwater fest.
Jedes Gespräch, das zu "einer Entnu-

klearisierung Europas führen würde,
wäre nicht begrüßenswert", fügte er
hinzu.
Im Anschluß an die Gespräche zwischen Bush und Kohl gab die Bundesrepublik bekannt, daß Verteidigungsminister Gerhard Stoltenberg die Vereinigten Staaten vom 17. - 19. Mai zu
weiteren SNF-Gesprächen mit seinem
Amtskollegen Cheney besuchen und Aussenminister Genscher nach Großbritannien reisen werde.
Das Thema SNF löst in Washington
weiterhin heftige Kontroversen aus,
und der Vorsitzende des Unterausschusses des Repräsentantenhauses für
Europa und den Nahen Osten, Lee
Hamilton, erklärte, seiner Ansicht
nach könnten die Vereinigten Staaten
ihre Position nicht aufrechterhalten,
Verhandlungen über SNF abzulehnen.
Hamilton zufolge sollten die Gespräche über konventionelle Rüstungskontrolle und SNF aneinander gekoppelt
werden und die Vereinigten Staaten
sollten ihre ablehnende Haltung zu
SNF-Verhandlungen aufgeben, wenn "wir
zu Verhandlungen über alles andere
bereit sind:
wir verhandeln über
atomare Langstreckensysteme, wir verhandeln über Mittelstreckensysteme,
aber wir sind nicht bereit, über
Kurzstreckensysteme zu verhandeln meiner Meinung nach können wir diese
Position nicht aufrechterhalten."
In der NBC-Fernsehsendung "Meet
the Press" betonte Hamilton, die Stationierung der SNF sei für die Glaubwürdigkeit der Abschreckungsstrategie
der NATO unabdingbar.
"Meiner Ansicht nach kann man das von der Regierung vorgebrachte Argument nicht
von der Hand weisen, man unternehme
eine Gratwanderung zum vollständigen
Abbau aller Waffensysteme, wenn man
Verhandlungen über diese Waffensysteme aufnimmt. Angesichts der sowjetischen Überlegenheit bei den konventionellen Waffen sind wir dagegen.
Die Administration ist meiner Ansicht
nach gut beraten, wenn sie Vorsicht
walten läßt.
Auf die Frage, ob die Vereinigten
Staaten überhaupt nicht zu Verhand-

�lungen bereit seien, antwortete Verteidigungsmnister Cheney am 7. Mai,
"zum jetzigen Zeitpunkt nicht ... im
Augenblick sollte das Schlüsselelement der Rüstungskontrolle in Europa
im Abbau der konventionellen Streitkräfte bestehen; die Sowjets haben
einen überwältigenden Vorsprung im
konventionellen Bereich, und wir haben in Wien einen Vorschlag unterbreitet (ebenso wie die Sowjets) ...
demzufolge die atomaren Kurstreckensysteme jetzt nicht im Mittelpunkt
stehen sollten".
In einem Interview der ABC-Nachrichtensendung "This Week With David
Brinkley" erklärte Cheney, Atomwaffen
seien für Europa wichtig, weil "sie
gegen die konventionellen und nicht
gegen die nuklearen Fähigkeiten der
Sowjets gerichtet sind. Solange das
Ungleichgewicht fortbesteht, benötigen wir diese Atomwaffen."
Ein ehemaliger Rüstungskontrollberater der Reagan-Administration erklärte, seiner Ansicht nach könne
keine Bundesregierung der Modernisierung der veralteten Lance-Rakete oder
Verhandlungen mit den Sowjets über
SNF irgendwelcher Art zustimmen. In
dem gemeinsamen Interview mit Cheney
erklärte
Botschafter
Paul Nitze,
"Dieses Thema ist geeignet, die Bundesrepublik und die NATO in zwei Lager zu spalten."
Er verwies auf die bereits von
Bundeskanzler Kohl abgegebene Erklärung, er wolle durch Verhandlungen
nicht alle SNF abschaffen - eine Meinung, die seiner Ansicht nach von der
Mehrheit
der Bundesbürger geteilt
wird. Nitze zufolge sollten die beiden Bündnisse gleiche Obergrenzen für
SNF anstreben.
"Ich bin nicht sicher, ob die Sowjets dem zustimmen
werden, aber wir sollten es zumindest
versuchen", drängte er.
Der Vorsitzende des Streitkräfteausschusses des Repräsentantenhauses,
Les Aspin, wurde in derselben Sendung
wie Nitze interviewt und erklärte,
die Beseitigung aller SNF "ist inakzeptabel."
Dies
sollte
vielmehr
durch "Mandatsgespräche" als durch

Verhandlungen über SNF vermieden werden. "Damit erhält man eine Feuerpause zwischen den Mandatsgesprächen
und den SNF-Verhandlungen an sich",
fügte er hinzu.
Er erklärte, er hege "gewisse
Sympathie" für die von der Bush-Administration vertretene Ansicht, einmal
begonnene SNF-Gespräche "lösen einen
Erdrutsch aus und am Ende haben wir
eine dritte Null-Lösung (die Beseitigung aller landgestützten Atomwaffen)
und diese Gespräche werden am Ende
weit über die konventionellen Abrüstungsgepräche hinausgehen. Für die
Vereinigten Staaten wäre das die
schlechteste aller möglichen Lösungen."

Keine Veränderung bei der Politik
der Vereinigten Staaten zur Truppenpräsenz in Europa
Der Widerstand der NATO-Mitgliedstaaten gegen die Modernisierug von
SNF hat die Diskussionen im amerikanischen Kongreß über einen möglichen
Truppenabzug aus Europa angeheizt,
das Weiße Haus hat jedoch betont, die
Regierung halte an der bisherigen Politik fest.
Die SNF sind "Bestandteil der
flexiblen Reaktion und Teil der Strategie, die hinter unserer Truppenpräsenz in Europa steht", erklärte der
Sprecher des Weißen Hauses am 9. Mai
1989. "Im Augenblick besteht keinerlei Absicht zu einem Kurswechsel in
dieser Politik."
Verteidigungsminister Cheney betonte am 7. Mai, "wir können uns keine Umstände vorsteilen, unter denen
wir amerikanische Truppen in Westeuropa stationiert haben würden und
nicht gleichzeitig einen beträchtlichen Anteil der aus atomaren Kurzstreckensystemen
bestehenden
Abschreckung aufrechterhalten würden.
Das ist eine Tatsache."
In einem Leserbrief in der Ausgabe der New York Times vom 10. Mai
1989 erklärte der Verteidigungsminister, "Nachdem wir 40 Jahre lang

- 3 -

�zur Abschreckung eines Krieges beigetragen
haben,
beabsichtigen
wir
nicht, irgendetwas zu tun, das die
NATO schwächen könnte. Wir haben die
Absicht, unser weltweites Engagement
aufrechtzuerhalten und sind dabei vom
Konzept der Stärke und Wachsamkeit
geleitet, das bisher gewährleistet
hat, daß der Kalte Krieg kalt bleibt."

die Aufmerksamkeit von den Wiener
Verhandlungen
über
Konventionelle
Streitkräfte in Europa (KSE) abzulenken. Er betonte, es bestünden größere Chancen als je zuvor, "um herauszufinden, ob wir ein Abkommen über
konventionelle
Rüstungen
erzielen
können".

Der Vorsitzende des Streitkräfteausschusses des Repräsentantenhauses,
Les Aspin, unterbreitete am 7. Mai
jedoch den Vorschlag, die Vereinigten
Staaten könnten "zwar nicht in diesem
Jahr, aber in den kommenden Jahren"
ihre Truppen aus der Bundesrepublik
abziehen, wenn sie sich weigern würde, der Stationierung von SNF auf ihrem Gebiet zuzustimmen.
"Wenn der
Wunsch nach einer dritten Null-Lösung
- der Beseitigung aller Atomwaffen besteht, dann rückt das Thema "keine
Atomwaffen, keine Truppen" wieder in
den Vordergrund", erklärte er.

Reduzierungen im strategischen
Bereich bleiben P~riorität~~bei der
Rüstungskontrolle

Lehman will konventionelle Rüstungsgespräche_ voranbringen
Am 10. Mai 1989 erteilte der Auswärtige Ausschuß des Senats seine Zustimmung zur Nominierung von Botschafter Ronald Lehman als designiertem Direktor der amerikanischen RUstungskontroll- und Abrüstungsbehörde
(ACDA).
Die Bestätigung durch den
Senat steht noch aus.
In seiner Anhörung vor dem Senat
erklärte Lehman am 5. Mai, die Verhandlungen über strategische und konventionelle Rüstungen stünden für ihn
nach seiner Bestätigung durch den Senat an erster Stelle.
Auf die Frage, ob ein START-Vertrag seiner Ansicht nach noch vor Ende des Jahres unterzeichnet werden
könnte, erklärte Lehman, angesichts
der Verifizierungsprobleme reiche die
Zeit bis Ende des Jahres 1989 wohl
nicht aus, um ein Abkommen zu erzielen.
Lehman erklärte ferner, sollte
sich die NATO mehr mit Kurzstreckensystemen befassen, liefe sie Gefahr,

Der neue ChefUnterhändler für
Kern- und Weltraumwaffen erklärte am
5. Mai vor dem Senat, dem Abschluß
eines START-Vertrages, komme "in der
Rüstungskontrolle erste Priorität" zu.
Vor dem Auswärtigen Ausschuß des
Senats
bezeichnete
Botschafter
Richard Burt dies als vordringlichen
Punkt, da die Sowjetunion "das einzige Land der Welt ist, das über die
Kapazitäten verfügt, um dieses Land,
seine Menschen und seine Werte zu
zerstören".
Bei der Anhörung vor dem Senat
warnte Burt - der Außenminister Baker
zu seinem Treffen mit dem sowjetischen Außenminister Schewardnadse
am 10. und 11. Mai nach Moskau begleitet hatte, um einen Termin zur
Wiederaufnahme der Gespräche im Juni
auszuhandeln - davor, daß die Lösung
der schwierigsten Fragen bei START
noch bevorstünde, wie etwa mobile Raketen, Verifizierung und die Verfahrensweisen bei den luft- und seegestützten Marschflugkörpern.
Burt bestand darauf, daß Bestrebungen zum Abschluß eines START-Vertrages ohne Einbeziehung von Einschränkungen der Strategischen Verteidigungsinitiative zur Raketenabwehr (SDI) erfolgen müssen. Ein solcher Vertrag "muß unsere Optionen zur
Entwicklung und Stationierung einer
strategischen Verteidigung schützen".
Der Ausschuß vertagte am 10. Mai
die Abstimmung über Burts Nominierung
auf Wunsch des Abgeordneten des republikanischen Abgeordneten Jesse Helms.

- 4 -

�"Grundsätzliche" Unterstützung von
Sanktionen bei chemischen Waffen
Der Abteilungsleiter für militärpolitische Angelegenheiten im Außenministerium, H. Allen Holmes, erklärte am 4. Mai gegenüber dem Kongreß,
die Bush-Administration sei "grundsätzlich" bereit, gesetzliche Sanktionen gegen Länder zu unterstützen,
die chemische Waffen einsetzen oder
ihrer Weiterverbreitung Vorschub leisten.
Er bestand jedoch darauf, daß jeder neue Gesetzentwurf "der Exekutive
vorgelegt werden muß und es keine automatische Reaktion oder rückwirkende
Anwendung" geben dürfe.
Holmes erklärte, die Vereinigten
Staaten ermutigten ihre Verbündeten
"zur Verstärkung der Exportkontrollen" und hätten auf diplomatischem
Wege versucht, Libyen vom Erwerb der
Fähigkeit zur Herstellung chemischer
Waffen abzuhalten.
"Obwohl wir nicht für uns in Anspruch nehmen können, den Handel mit
Material und Technologie für chemische Waffen unterbunden zu haben, haben wir es einzelnen Ländern doch erheblich erschwert, die Fähigkeit zur
Herstellung chemischer Waffen zu beschaffen oder zu erweitern", erklärte
Holmes.
Holmes verwies ferner darauf, daß
die Vereinigten Staaten in Genf weiterhin um die Aushandlung eines weltweiten Verbots chemischer Waffen bestrebt sein werden.

* * * * * *

- 5 -

�AMERIKA DIENST
Wissenschaft und Technik
17. Mai 1989

20

STREITFRAGE "KALTE KERNFUSION"
- Wissenschaftler warten auf exakte Angaben zum Versuch
und seinen Resultaten -

WASHINGTON - (AD) - Forscher in aller Welt sind dabei, die Experimente der
Chemiker Stanley Pons (Universität Utah, USA) und Martin Fleischmann (Universität Southampton, England) auf der Basis der bisher erhaltenen Informationen
zu wiederholen. Die Ergebnisse sind sehr unterschiedlich, offenbar auch die
Meßmethoden und Meßgeräte. Der Schlußfolgerung der beiden als Elektrochemiker
durchaus respektierten Wissenschaftler, mit einem Palladiumstab als Kathode
und einer um diesen plazierten Platinspirale als Anode in einem Gefäß mit
schwerem Wasser bei Raumtemperatur, ohne zusätzlichen Druck und nur mit Strom
aus einer Autobatterie, eine kontrollierte Kernverschmelzungsreaktion unter
Energiegewinn erzielt zu haben, begegnet die Mehrheit der Experten mit wachsender Skepsis.
Pons und Fleischmann erläuterten
ihre Beobachtung des vierfachen Energiegewinns (in Form von Wärme) mit
einer durch elektrochemische Vorgänge
vorbereiteten, dann im Kristallgitter
des Palladiumstabes zustandegekommenen Verschmelzung
von Deuteronen,
d.h. von Kernen des schweren Wasserstoffs
Deuterium.
Wassermoleküle
werden unter Stromeinwirkung zersetzt
und in Sauerstoff- und Wasserstoffionen aufgespalten. Dabei spielt es
keine Rolle ob es sich um lechtes
Wasser (H2O) oder schweres Wasser
(D2O) handelt.
Die elektrisch positiven Ionen - im ersten Fall Protonen (Kerne des normalen Wasserstoffs
H), im zweiten Fall Deuteronen (Kerne
des schweren Wasserstoffs D, bestehend aus einem Proton und einem Neutron) - wandern zum elektrisch nega-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

tiven Pol, der Kathode. Das Halbedelmetall Palladium ist für Wasserstoff besonders stark aufnahmefähig.
Die beiden Chemiker vermuten, daß die
bei
Stromfluß
in das
PalladiumKristallgitter einsickernden Deuteronen nach gewisser Zeit so dicht darin
"gepackt" sind, daß die gegenseitige
Abstoßung der Teilchen gleicher elektrischer Ladung überwunden wird und
es zur Kernverschmelzungen kommt.
Dabei wird Energie frei - aber nach
Meinung der Nuk!earphysiker geht die
Rechnung
mit
den
von
Pons und
Fleischmann ermittelten Umsetzungsdaten nicht auf. Ein sehr wichtiger
und bekannter Faktor fehle - nämlich
Gammastrahlung oder ein dichter Strom
freigesetzter Neutronen.
Vor

einem

Ausschuß

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

des

ameri-

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�kanischen
Kongresses
bezeichnete
Fleischmann am 26. April 1989 das Experiment, über das er und Pons am 23.
März auf einer Pressekonferenz in
Salt Lake City zum ersten Mal berichtet hatten, als eine Form von Fusion,
die der Wissenschaft zuvor unbekannt
gewesen sei.
Sein Kollege und er
hätten jahrelang mit bestimmten Materialien und chemischen Reaktionen im
elektrischen
Feld
experimentiert.
Was sie jetzt erreicht hätten, sei
"kein Schuß ins Blaue" gewesen, sondern basiere auf logischen Überlegungen zu der Fragestellung, was unter
gegebenen Bedingungen geschehen werde. "Natürlich müssen jetzt die theoretischen Überlegungen und Hypothesen verbessert werden ... und diese
Forschung ist eindeutig Sache der
ganzen wissenschaftlichen Welt", sagte Fleischmann.
Angesichts des wachsenden weltweiten Interesses an "kalter Kernverschmelzung" wies das amerikanische
Energieministerium ungeachtet der gegenwärtigen Unklarheiten seine nationalen Laboratorien an, Forschungen zu
verstärken, die zum Verständnis des
Phänomens führen könnten. Energieminister James D. Watkins möchte alle
Möglichkeiten sondiert wissen, die
vielleicht
zur Erschließung einer
neuen Energiequelle führen könnten.
Er verwies jedoch darauf, daß der
Prozeß, der bei den Experimenten zu
der berichteten Freisetzung von Wärme
geführt habe, bisher nicht bekannt
sei - ob es sich nun um einen nuklearen, chemischen, mechanischen oder
anderen Vorgang gehandelt habe. Das
Parlament des amerikanischen Bundesstaates Utah bewilligte inzwischen
fünf Millionen Dollar zur Durchführung weiterer Experimente.
(Bisher
waren von den beiden Wissenschaftlern
ca. 100 000 Dollar dafür aufgewandt
worden.) Unter der Leitung von James
Fletcher, der kürzlich als Chef des
US-Amtes
für
Luft- und
Raumfahrt
(NASA) zurücktrat, sollen die Studien
für das Projekt von Utah aufgeteilt
und die Gelder an Universitäten und
Privatunternehmen vergeben werden.

Kernfusion ist der Prozeß im Innern der Sterne, also auch in unserer
Sonne, bei dem mehr Energie freigesetzt als verbraucht wird. Er wird,
ließe er sich technisch nutzen, als
ideal angesehen, weil dabei relativ
wenig radioaktiver Abfall entsteht.
Und der Brennstoff, schweres Wasser,
wäre in großen Mengen billig aus
Meerwasser zu gewinnen.
Im nicht
kontrollierten Ablauf
besitzt der
Prozeß ein ungeheures Zerstörungspotential
(z.B.
Wasserstoffbombe).
Seit Mitte der fünfziger Jahre beraühen sich Forscher in der ganzen Welt
darum,
eine
kontrollierte,
sich
selbst
erhaltende
Wasserstoff-Fusionsreaktion
zustandezubringen.
Dies aber war bisher nur bei sehr hohen Temperaturen mit mehreren Millionen Grad für sehr kurze Zeit möglich,
und reichte nicht aus, um wenigstens
bis zum "break-even point", d.h. zum
Gleichgewicht
zwischen
Energieverbrauch und Energiegewinn, zu gelangen. In letzter Zeit konzentrierten
sich in den USA viele Hoffnungen auf
die
mit
Magnetkräften
arbeitende
"Compact Ignition Tokamak"-Maschine,
die an der Universität Princeton errichtet werden soll, und auf die
"Nova"-Maschine am Lawrence Livermore
National Laboratory, wo mit enorm hoher Laser-Energie Deuterium in winzigen Kügelchen zum Verschmelzen gebracht wird.
Die Experimente von Pons und
Fleischmann
wurden
inzwischen
in
zahlreichen Instituten der Vereinigten Staaten sowie von Wissenschaftlern in Italien, in der Sowjetunion,
in Ungarn, Indien, Brasilien und in
der Bundesrepublik Deutschland teilweise oder ganz nachvollzogen. Aber
nur ganz selten fand man ähnliche Ergebnisse, die dann häufig nicht wiederholbar waren. Die meisten amerikanischen und europäischen Forschergruppen sind nicht überzeugt, daß es
sich bei dem in Utah beobachteten
Phänomen
um
Kernfusion
handelte.
Pons und Fleischmann berufen sich jedoch darauf, nicht nur die Freisetzung von Wärme, sondern auch von Neutronen sowie die Bildung von Tritium

v

i
*

�und Helium festgestellt zu haben also von erwarteten Nebenprodukten
der
Kernverschmelzungsreaktionen.
Auch sei der "break-even point" überwunden worden.
Die Reaktion habe
mehr Energie erbracht als verbraucht.
Pons und Fleischmann erklärten
ferner, nach dem von ihnen angewandten Prinzip könnten Großanlagen zur
Erzeugung von Wärme und Strom gebaut
werden. Das würde bedeuten, daß saubere, billige Energie praktisch unbegrenzt verfügbar wäre. Ein einziges
Gramm Deuterium setze so viel Energie
frei wie in ca. 9500 Litern Benzin
enthalten sei. Allerdings müsse, so
Fleischmann, zum Verständnis der Vorgänge weiter an den wissenschaftlichen
Grundlagen
gearbeitet
und
außerdem der Wert des Verfahrens für
die Energieökonomie gründlich untersucht werden.
Eine Forschergruppe an der Stanford-Universität (Kalifornien) unter
Leitung von Prof Robert A. Huggins
(Werkstoffwissenschaftler) berichtete
am 18. April, den Fusionstest erstmals in einem Experiment mit exakten
Kontrollbedingungen durchgeführt zu
haben. Man habe zwei Versuchsreihen
nebeneinander laufen lassen, wobei
einige
Palladium-Platin-Zellen
mit
schwerem Wasser, andere mit normalem
(leichtem) Wasser gefüllt waren. Ergebnis: Die Schwerwasser-Version erbrachte 50 Prozent mehr Wärmeenergie,
als verbraucht wurde, die Leichtwasser-Version brachte dagegen keinen
Wärmeüberschuß. Dies wurde als Anzeichen für eine nukleare, nicht für
eine chemische Reaktion verstanden,
da alle denkbaren chemischen Reaktionen in Verbindung mit leichtem Wasser
genauso
ablaufen
müßten wie mit
schwerem Wasser.
George Chapline,
Physiker am Lawrence Livermore National Laboratory, meinte dazu jedoch,
das Experiment der Stanford-Gruppe
beweise "nicht zwangsläufig", daß die
Wärmeentwicklung auf nukleare Reaktionen zurückzuführen sei.

giert, ebenfalls Neutronen aus einer
"kalten Kernfusion" im Labor beobachtet zu haben. Ihren ersten Angaben
hätten
Meßfehler
zugrundegelegen,
sagten beispielsweise Forscher am
Georgia
Institute
of
Technology.
Professor
Ronald
Ballinger
vom
Massachusetts Institute of Technology
(MIT) in Cambridge berichtete dem
Kongreßausschuß, daß seines Wissens
keine Forschergruppe - vielleicht mit
Ausnahme der Stanford-Universität die experimentellen Ergebnisse, die
an der Universität Utah erzielt wurden, habe nachvollziehen können. Am
MIT sei bisher keines der Ergebnisse
bestätigt worden "ungeachtet der Tatsache, daß wir ... sehr viel genauere
und empfindlichere Strahlenmeßmethoden anwenden als die Universität
Utah". Ihm und den anderen Gruppen
fehlten
ohnehin
genügend
wissenschaftliche Details der Utah-Versuche, die garantieren, "daß wir die
Experimente
tatsächlich
genauso
durchführen".
Fleischmann bezeichnete es als
Zeitvergeudung anderer Forschergruppen, nach großen Mengen von Neutronen
und anderen herkömmlichen Begleitproduktion einer Kernfusion zu suchen.
Vielmehr sei man an der Universität
Utah auf eine bislang unbekannte Art
von Kernfusion gestoßen, die als ungewöhnliches
Nebenprodukt
Helium-4
freisetze, dazu sehr viel Wärme und
einige andere Produkte.

Forscher aus anderer Institutionen haben inzwischen Aussagen korri- 3 -

�</text>
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                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
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                <text>Amerikadienst 17.05.1989</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA würden "Rückkehr der Sowjetunion in die Weltordnung begrüßen"&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Präsident Bush in Texas&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Sowjetische Bedrohung noch nicht als schwächer zu bezeichnen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Staatssekretär Kimmitt vor dem Unterausschuß des Senats&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Stand der Rüstungskontrollverhandlungen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Wöchentliche Übersicht&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Streitfrage "Kalte Kernfusion"&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Wissenschaftler warten auf exakte Angaben zum Versuch und seinen Resultaten&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST
'VON

4

10. Mai 1989

19

I N H A L T

DOKUMENTATION
Walters zum Stand der deutsch-amerikanischen Beziehungen
~ Rede de^s~lTs-BotschaFters bei "der-Er Öffnung der 35. deutschamerikanischen Freundschaftswoche -

HINTERGRUNDMATERIAL

Stand der Rüstungskontrollverhandlungen

- Wöchentliche Ü b e r s i c h t Atomare Ki^jrtj^y^jasyjsjtenie
- "Eine IJbeTsTcht der ACDA'"
VSBM sind von Optimismus, Realitätssinn und Vernunft geleitet
- Neue Publikation des Außenministeriums zu den VSBM-Verhandlungen

WISSENSCHAFT UND TECHNIK

Radarsonde MAGELLAN auf dem Weg j^ur JVenus
~ T n ~2y0~km~Höhe vöiTYordT dVsTYa^mtransVorters ATLANTIS gestartet

* * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

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�AMERIKA DIENST
Dokumentation

"VoN^

10. Mal 1989

19

WALTERS ZUM STAND DER DEUTSCH-AMERIKANISCHEN BEZIEHUNGEN
- Rede des US-Botschafters bei der Eröffnung
der 35. deutsch-amerikanischen Freundschaftswoche -

(AD) - In einer Ansprache anläßlich der Eröffnung der 35. deutsch-amerikanische Freundschaftswoche am 7. Mai 1989 in Stuttgart nahm Botschafter Walters
zum gegenwärtigen Stand der deutsch-amerikanischen Beziehungen und zum OstWest-Verhältnis Stellung. Dem Botschafter zufolge haben die deutsch-amerikanischen Beziehungen "durch die noch lebendigen Erinnerungen an den Krieg und
das enge Verhältnis der Nachkriegszeit eine seltsam emotionale Qualität erhalten".
Einen Höhepunkt der Feierstunde bildete die Verleihung der Lucius D.
Clay-Medaille an den (nicht anwesenden) Kongreßabgeordneten Lee H. Hamilton,
dessen Arbeit für das beiderseitige Verständnis hierdurch gewürdigt wurde.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Ansprache des Botschafters im Wortlaut.
Herr Bundesaußenminister,
Herr Ministerpräsident,
Herr Oberbürgermeister,
Frau Frank,
meine Damen und Herren,
es ist mir eine Ehre und ein Vergnügen, so kurz nach meiner Ankunft
in der Bundesrepublik mit Ihnen gemeinsam die jährlich stattfindende
Freundschaftswoche des Verbands der
Deutsch-Amerikanischen Clubs eröffnen
und gleichzeitig im Namen des Kongreßabgeordneten Lee Hamilton die Lucius D. Clay-Medaille in Empfang nehmen zu dürfen.
Der Verband der Deutsch-Amerikanischen Clubs hat dem Kongreßabgeordneten Hamilton eine große und verdiente Ehre erwiesen. Ebenso wie er

United States Information Service
Embassy of the United States of America

bedauere auch ich, daß er heute nicht
anwesend sein kann, um die Auszeichnung persönlich entgegenzunehmen.
Ich kenne Lee Hamilton seit vielen Jahren. Er ist eines der fähigsten und engagiertesten Mitglieder
des Repräsentantenhauses. Er verfügt
dort über großen Einfluß, insbesondere in seinem Spezialbereich Auswärtige Angelegenheiten. Er ist schwierigen Problemen oder Aufgaben nie aus
dem Weg gegangen - seine Arbeit als
Vorsitzender
des Untersuchungsausschusses zur Aufklärung der Iran-Contra-Affäre ist Beweis dafür. Als
Vorsitzender des Unterausschusses für
Europa und den Nahen Osten im Auswärtigen Ausschuß des Repräsentantenhauses muß er sich mit einer Reihe heikler, kritischer Fragen auseinander-

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�setzen. Als Vorsitzender des Gemeinsamen Wirtschaftsausschusses des Kongresses ist er vehementer Gegner internationaler Handelshemmnisse. Obwohl die Ansichten des Kongreßabgeordneten Hamilton zu zahlreichen Themen von denen der Reagan- und BushAdministration - und meinen eigenen abweichen, hat er sich stets für Zusammenarbeit zwischen dem Kongreß und
der Exekutive eingesetzt.

bührt Ihnen viel von diesem Verdienst.
Und dennoch müssen sich heute
viele von Ihnen sehr frustriert fühlen. Nachdem S^e so lange und intensiv für die deutsch-amerikanische
Freundschaft gearbeitet haben, hat es
den Anschein, als ob die täglichen
Beziehungen zwischen unseren beiden
Ländern heute schlechter sind als je
zuvor in den vergangenen 40 Jahren.

Heute sollten wir uns jedoch vor
allem
daran
erinnern,
daß
Lee
Hamilton ein großer Freund der Bundesrepublik und der Deutschen ist.
dnd aus dierem Grund ist er Vorsitzender der Studiengruppe Deutschland
des amerikanischen Kongresses und unterstützt das Jugendaustauschprogramm
zwischen Kongreß und Bundestag. Er
hat immer wieder bewiesen, daß er die
Bedeutung
enger
deutsch-amerikanischer Bindungen zu würdigen weiß.
Mindestens ebenso wichtig ist, daß
der Kongreßabgeordnete Hamilton der
Tatsache Rechnung trägt, daß Zusammenarbeit nicht ^usr^hließlich Sache
der R' öierungen ist. Er ist ebenso
wie ich davon überzeugL, daß unsere
Beziehungen sich auf menschliche Kontakte und Freundschaften zwischen
ganz
"gewöhnlichen" Deutschen und
Amerikanern gründen müssen.

Aus den Vereinigten Staaten vernehmen wir Beschwerden darüber, daß
die Deutschen nicht länger bereit
seien, ihren Anteil an unserer gemeinsamen Verteidigung
zu tragen.
Kurzsichtig drängten sie auf einen
Rüstungsabbau, der die gesamte NATO
in Gefahr bringen könnte. Sie seien
Gorbatschows "Offensive des Charmes"
kritiklos
erlegen.
Die
deutsche
Agrar- und
Handelspolitik
schädige
sowohl die Vereinigten Staaten als
auch die um ihr Überleben kämpfenden
Länder der Dritten Welt. Und obwohl
die Deutschen mit allen Handel treiben würden, hielten sie sich aus gefährlichen regionalen Konflikten heraus, statt zu deren Lösung beizutragen.
Die Präsenz der verbündeten
Streitkräfte werde eher als Last denn
als Beitrag zur Sicherheit der Bundesrepublik angesehen.

Diesen Punkt brauche ich Ihnen
gegenüber - die Sie aktiv an der Arbeit der Deutsch-Amerikanischen Clubs
teilnehmen - nicht zu betonen. Über
viele Jahre hinweg haben Sie private
Energien und Mittel freigesetzt, um
deutsche und amerikanische "Normalbürger" zusammenzubringen. Sie haben
dazu beigetragen, Vorurteile abzubauen und die in den Lehrbüchern, Unterrichtsräumen und Medien so häufig
wiederholten falschen Bilder zurechtzurücken.
Sie haben unseren jungen
Menschen geholfen, dauerhafte Freundschaften aufzubauen. Sie haben das
Leben Tausender amerikanischer Soldaten und ihrer Familien bereichert.
Wenn Deutsche und Amerikaner heute
bereit sind, einander zu mögen und zu
unterstützen - und meiner Ansicht
nach sind sie dazu bereit - so ge-

Auf dieser Seite des Atlantiks
hören wir, daß die Vereinigten Staaten die deutsche Souveränität nicht
respektierten. Die Amerikaner machten sich zuwenig Gedanken über die
besondere Gefahr, der sich die Deutschen an der Frontlinie der NATO-Verteidigung ausgesetzt sehen. Amerika
versuche, den Konsequenzen seiner eigenen Verschwendung zu entfliehen,
indem es den deutschen Steuerzahler
auspresse, die deutschen Bauern in
die Armut dränge und die deutschen
Produzenten von ausländischen Märkten
vertreibe.
Daß die Amerikaner von
den Deutschen Dankbarkeit für die
Präsenz ausländischer Truppen erwarteten, die mit ihren Manövern und
Tiefflügen den Tagesablauf beeinträchtigen.

�Anschuldigungen wie diese dürfen
nicht auf die leichte Schulter genommen werden. Selbst wenn sie selten
mehr als ein Körnchen Wahrheit enthalten - und häufig nicht einmal das
- stehen sie doch für Gefühle, die
uns entzweien können. Menschen, die
sich wie Sie eingehend mit den
deutsch-amerikanischen
Beziehungen
auseinandersetzen, kommt daher eine
besondere Verantwortung zu. Es ist
Ihre Aufgabe - unsere Aufgabe - den
Bürgern unserer beiden Länder komplexe Probleme leichter verständlich zu
machen, unsere Schwierigkeiten in die
richtige Perspektive zu setzen und in
einen Kontext zu betten, der uns falsche Schlußfolgerungen aus alltäglichen Ereignissen vermeiden läßt.
Natürlich gibt es Probleme in unserem Verhältnis. Es gibt echte Meinungsverschiedenheiten, von denen einige tatsächlich divergierende nationale Interessen widerspiegeln.
Es
wäre dumm und gefährlich, vorzugeben,
solche
Unterschiede
existierten
nicht.
Unser
Verständnis
der
deutsch-amerikanischen
Beziehungen
scheint jedoch von einer ungewöhnlichen Anzahl von Trugschlüssen belastet zu sein.
Drei dieser Trugschlüsse fallen besonders ins Auge.
Erstens, der Trugschluß der Neuheit.
Sowohl Amerikaner als auch
Deutsche haben wiederholt mit einem
gerüttelt Maß an Angst auf beiden
Seiten das "Ende der Nachkriegszeit"
in unseren Beziehungen verkündet.
Dasselbe haben wir in den Jahren des
Vietnamkriegs und während der Raketendebatte Anfang der achtziger Jahre
gesagt.
Bei
der
Eröffnung
der
deutsch-amerikanischen Freundschaftswoche in Mannheim betonte Botschafter
Burns vor sieben Jahren die grundlegende Stärke der deutsch-amerikanischen Freundschaft und stellte die
Frage:
"Warum ist der öffentliche
Dialog zwischen Deutschen und Amerikanern in der letzten Zeit so mißtönend geworden?"
Auch aus seiner
Sicht gehörten zur Aufrechterhaltung
von Beziehungen zwischen zwei einander freundschaftlich gesonnenen aber

auch konkurrierenden Staaten, deren
Interessen so eng miteinander verflochten sind, tatsächlich manchmal
auch Mißtöne.
Zweitens gibt es den Trugschluß
der Identität. Es ist allzu leicht besonders für Amerikaner -, zu vergessen, daß Deutsche und Amerikaner
nicht völlig gleich sind. Wie könnten wir dies auch sein? Geopolitisch
und historisch ist Amerika mit Europa
verbunden, zugleich aber liegt es
weit davon entfernt. Durch die Tatsachen der europäischen Geographie,
seit langem bestehende Handelsverflechtungen und eine jahrhundertealte
Politik- und Kulturgeschichte werden
die Deutschen jedoch zwangsläufig daran erinnert, daß sie sich mitten auf
der großen Wasserscheide zwischen Ost
und West befinden. Es trifft zu, daß
wir eine reiche gemeinsame Kultur und
zahlreiche Grundwerte teilen.
Wir
glauben beide an Demokratie, Menschenrechte und soziale Gerechtigkeit. Aber es gibt auch eine ganze
Reihe deutsch-amerikanischer Gegensätze - Stabilität kontra Mobilität,
Sicherheit kontra Möglichkeiten, Homogenität kontra Vielfalt. Wir sind
nicht gleich, und wenn wir Amerikaner
so beurteilen, als seien sie Deutsche
oder Deutsche, als seien sie Amerikaner, tun wir einander unrecht.
Drittens besteht ein gefühlsmäßiger Trugschluß. Durch die noch lebendigen Erinnerungen an den Krieg
und das enge Verhältnis der Nachkriegszeit erhalten die deutsch-amerikanischen Beziehungen eine seltsam
emotionale Qualität. Jede Meinungsverschiedenheit wird unabhängig vor
ihrer "wirklichen" Bedeutung gern zu
einer Krise zwischen den beiden Ländern hochstilisiert. Jeder Deutsche,
der die Vereinigten Staaten kritisiert, ist "antiamerikanisch", jeder
nörgelnde
Amerikaner
"antideutsch"
eingestellt.
Ich
möchte
nochmals
betonen:
Zwischen uns bestehen reale Meinungsverschiedenheiten und reale Probleme,
die gelöst werden müssen. Ich bilde

- 3 -

�mir nicht ein, daß wir immer derselben Meinung sein können oder sollten
- dies wurde uns in den vergangenen
zehn Tagen erneut deutlich vor Augen
geführt.
Und,
Herr
Minister
Genscher, ich gehe davon aus, daß Sie
in mir, wie in jedem amerikanischen
Botschafter, den sie kennengelernt
haben, in vielen Dingen einen energischen Anwalt der amerikanischen Haltung sehen werden. Ich hoffe, Sie
werden dasselbe für Ihre Seite tun.
Ich hoffe jedoch auch, daß wir beide
- und alle, die Sie hier versammelt
sind - im Gedächtnis behalten werden,
daß unsere Aufgabe in der Lösung von
Problemen besteht - so partiell, unvollkommen und unbefriedigend unsere
Lösungen auch häufig sein mögen.
Um dieser Aufgabe gerecht zu werden, müssen wir sowohl vor den von
mir erwähnten Trugschlüssen als auch
deren Spiegelbildern auf der Hut
sein. Wir sollten uns nicht von Emotionen überwältigen lassen - aber wir
sollten auch nicht zu dem Schluß kommen, es bestehe kein Grund zur Sorge
um di i deutsch-amerikanischen Bezieh e -en. Während wir uns unsere Verschiedenartigkeit vor Augen halten,
müssen wir nicht zwangsläufig zu der
Schlußfolgerung gelangen, die Unterschiede zwischen uns seien so groß,
daß keinerlei Gemeinsamkeiten bestehen. Vor allen Dingen sollten wir
den Trugschluß des vermeintlich Neuen
vermeiden ohne in eine ebenso gefährliche geistige Starrheit zu verfallen. Die Welt verändert sich wirklich. Wer hätte vor einem Jahrzehnt
Gorbatschow und "Glasnost" vorhersehen können? Wir hätten gelacht, wenn
uns jemand erzählt hätte, das sowjetische Regime werde bald Demonstrationen auf dem Roten Platz und Autonomiebestrebungen in den Baltischen Republiken tolerieren, die Werke von
Nabokow und Solschenitzyn veröffentlichen, einen ersten, unsicheren Versuch freier Wahlen wagen oder echte
Begrenzungen ihrer Streitkräfte anbieten.

zen würden - aber wir wären noch törichter, wenn wir die Geschehnisse
dort ignorieren würden. Wir im Westen müssen versuchen, diese Veränderungen zu verstehen, auf sie zu reagieren und sie weiter voranzutreiben.
Wir müssen dies gemeinsam tun. Diese
Veränderungen machen es zwingend erforderlich, daß Deutsche und Amerikaner enger zusammenarbeiten als je zuvor - selbst, wenn Veränderung auch
bedeutet, daß dies häufig schwieriger
erscheint als jemals zuvor.
Eine wichtige Veränderung hat besondere Auswirkungen auf die deutschamerikanische Freundschaft. Noch vor
wenigen Jahren wurde die politische
und intellektuelle Szene in der Bundesrepublik ebenso wie in den Vereinigten Staaten von denjenigen beherrscht, die lebhafte persönliche
Erinnerungen an den Krieg und die unmittelbare
Nachkriegszeit
hatten.
Nun ist hier eine neue Generation
herangewachsen,
deren
dominierende
Eindrücke
im
Hinblick
auf
die
deutsch-amerikanischen
Beziehungen
von den Konflikten der sechziger und
siebziger Jahre geprägt wurden, nicht
von dem Wiederaufbau der späten vierziger oder der engen Zusammenarbeit
der fünfziger Jahre. In den Vereinigten Staaten gibt es eine "Nachfolgegeneration", die praktisch überhaupt kein Bild von Deutschland hat.
Während also unsere Zusammenarbeit in einer sich verändernden Welt
immer mehr an Bedeutung gewinnt,
nimmt unser Wissen über den Partner
ständig ab.
Das ist gefährlich.
Wenn wir nicht in der Lage sind, die
Gesellschaft des andern zu verstehen,
werden wir nicht effektiv miteinander
kommunizieren oder unsere jeweiligen
politischen Maßnahmen und Ziele richtig einschätzen können. Es ist deshalb unabdingbar, daß wir alles in
unserer Macht Stehende zur Gewährleistung der Kontinuität der deutschamerikanischen Freundschaft tun, indem wir unsere jungen Menschen zusammenbringen.

Wir wären töricht, wenn wir das
Tempo des Wandels 4a Orlen überschät- 4 -

Als

Botschafter

der

Vereinigten

�Staaten
in
der
Bundesrepublik
Deutschland beabsichtige ich, mich
voll und ganz für die Bewahrung der
Bindungen einzusetzen, die in den
vergangenen vierzig Jahren soviel zu
unserer Sicherheit und unserem Wohlstand beigetragen haben. Ich weiß,
daß Präsident Bush und viele andere
Amerikaner ebenso entschlossen sind,
dies zu tun. Ich weiß, daß viele
Mitglieder Ihrer Regierung, angefangen mit Bundeskanzler Kohl, die gleiche Überzeugung hegen. Aber nur mit
Ihrer Hilfe werden wir Erfolg haben.
Unsere politischen und wirtschaftlichen Beziehungen hängen letztlich von
persönlichen Beziehungen ab.
Auf
diesem Gebiet sind Sie, die Mitglieder der Deutsch-Amerikanischen Clubs
überall in diesem Land sowie ihre
Partnerorganisationen in den Vereinigten Staaten die wahren Experten.
Im Grunde meines Herzens bin ich
ein Optimist.
Über vierzig Jahre
lang hat das Bündnis seine Meinungsverschiedenheiten lösen können. Ich
spiele die heute bestehenden Differenzen nicht herunter. Aber ich bin
zuversichtlich, daß wir sie nicht nur
überwinden werden, sondern daß letztlich das Verhältnis zwischen unseren
beiden Ländern enger als je zuvor
sein wird.
Ich danke Ihnen.

* * * * *

- 5 -

�AMERIKA DIENST
'VON

Hintergrundmaterial

4

19

10. Mai 1989

STAND DER RÜSTUNGSKONTROLLVERHANDLUNGEN
- Wöchentliche Übersicht -

WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir eine Übersicht über
den Stand der Verhandlungen über nukleare Kurzstreckensysteme, Vertrauens- und
Sicherheitsbildende Maßnahmen sowie chemische Waffen.

Europäisch-amerikanische
über Kurzstreckenraketen
zu

Kontroverse
spitzt sich

Die
Kontroverse
über
atomare
Kurzstreckensysteme (SNF) - ob modernisiert, verhandelt oder eine Kombination von beidem vorgenommen werden
soll - hielt diese Woche an.
Die britische Premierministerin
Thatcher, die eine Modernisierung befürwortet, traf mit Bundeskanzler
Kohl zusammen, der für baldige Verhandlungen der NATO mit der Sowjetunion über Obergrenzen für atomare
Kurzstreckensysteme
und
Geschütze
eintritt.
Premierministerin
Thatcher ist
beunruhigt
über
die zahlenmäßige

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Überlegenheit der Sowjets bei SNF von
7:1. Ebenso wie Präsident Bush befürwortet sie ein Nachfolgesystem für
die derzeitige westliche Version der
Kurzstreckenrakete Lance und lehnt
Gespräche über einen Abbau der SNF
mit Moskau ab.
Premierministerin
Thatcher zufolge sind SNF "für die
NATO-Strategie der flexiblen Reaktion
unabdingbar".
Laut im Anschluß an das Treffen
vom 30. April 1989 in Deidesheim veröffentlichten Presseberichten gelang
es Thatcher und Kohl nicht, ihre Differenzen zu bereinigen. Premierministerin Thatcher, die auf einen Kommentar zur deutschen Position verzichtete, erklärte nur, die Gespräche
seien "sehr offen und sehr freundlich" gewesen.
Kohl zufolge werde

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�seine Regierung versuchen, in den Wochen vor dem NATO-Gipfeltreffen Ende
Mai "die Grundlage für eine gemeinsame Entscheidung" über SNF zu erarbeiten.
In Washington erklärte der Sprecher des Weißen Hauses, Marlin Fitzwater, am 3. Mai, die Aufnahme von
SNF-Verhandlungen mit der Sowjetunion
"wäre ein schwerer Fehler, da es keine gemeinsame Grundlage gibt, auf der
solche Verhandlungen aufbauen könnten
... weil Moskau die Beseitigung aller
Nuklearsysteme aus Europa anstrebt.
Eine solche Entnuklearisierung des
Kontinents würde dann die konventionellen Streitkräfte der Sowjetunion
zum entscheidenden Kriterium für die
Sicherheit Europas machen."
Präsident Bush "mißt Verhandlungen über konventionelle Streitkräfte
höchste Priorität bei", so Fitzwater.
"Wir müssen uns zuerst mit den konventionellen Streitkräften auseinandersetzen. Die Reihenfolge ist aufgrund der Überlegenheit bei den konventionellen Streitkräften entscheidend", über die die Sowjetunion und
ihre Verbündeten im Warschauer Pakt
verfügen, erklärte Fitzwater.
Paul Nitze, der ehemalige ChefUnterhändler bei den RUstungskontrollverhandlungen, erklärte der New York
Times gegenüber, es sei ein Fehler,
keine Gespräche mit der Sowjetunion
über SNF-Reduzierungen aufzunehmen.
Ihm zufolge könnte die Opposition der
Bundesrepublik gegen den amerikanischen Ansatz eine Krise für Bonn und
das gesamte NATO-Bündnis hervorrufen.
Die amerikanische Politik ist "für
Europa politisch unmöglich", stellte
er fest. Seinen Argumenten zufolge
übertrifft der sowjetische Bestand an
Kurzstreckenraketen den des Westens
und SNF-Gespräche könnten zur Behebung des Ungleichgewichts eingesetzt
werden. Er habe erst kürzlich Außenminister Baker über die möglichen
Folgen der von Bush bei Kurzstreckensystemen vertretenen Politik gewarnt.
Auf dem Capitol Hill legten in

der Zwischenzeit der Vorsitzende des
Streitkräfteausschusses des Senats,
Sam Nunn, gemeinsam mit Ausschußmitgliedern eine dreiteilige RUstungskontrollstrategie vor: die Bundesrepublik würde die Stationierung einer
Lance-Nachfolgerakete
akzeptieren;
die Vereinigten Staaten würden Verhandlungen über Kurzstreckensysteme
unter der Voraussetzung zustimmen,
daß die Obergrenze für diese Raketen
mindestens 50 Stück betragen würde
und SNF-Verhandlungen an Fortschritte
beim
Abbau
der
konventionellen
Streitkräfte in Europa gebunden seien.
Der amerikanische Verteidigungsminister Cheney erklärte Nunn gegenüber, er würde die Reduzierung des
sowjetischen
SNF-Bestands
auf ein
gleiches Niveau mit dem Westen begrüßen, wenn jedoch SNF-Verhandlungen
in die Wege geleitet würden, gäbe es
seiner Ansicht nach ernsthaften politischen Druck im Hinblick auf die
vollständige Beseitigung dieser Raketen. Er verwies darauf, daß die amerikanischen taktischen Nuklearraketen
in Europa nicht zur Abwehr sowjetischer Raketen sondern gegen sowjetische
konventionelle
Fähigkeiten
stationiert seien.
Cheney zufolge sei ein dreigleisiger Ansatz sicherlich eines Tages
in Erwägung zu ziehen, ebenso wie das
Weiße Haus bestehe er jedoch darauf,
daß die erste Priorität bei der Rüstungskontrolle dem Abbau konventioneller Streitkräfte zukomme.
Ebenfalls für SNF-Verhandlungen
trat eine überparteiliche Gruppe ehemaliger Vertreter der Regierungen
Reagan, Nixon und Carter ein - der
Ausschuß für Nationale Sicherheit -,
der am 1. Mai 1989 einen Bericht mit
dem Titel "Neues Denken in der sowjetischen Verteidigungspolitik - Neue
Chancen für amerikanische RUstungskontrollinitiativen" vorgelegt hatte.
Der Bericht stellt fest, "klügeres Strategiedenken, der interne politische Nutzen eines Abbaus für die
NATO und die Tatsache, daß die Recht-

�fertigung dieser (SNF) Waffen an sich
abnimmt" deuten alle auf eine Möglichkeit zur Reduzierung einer beträchtlichen Anzahl dieser Systeme
hin.
Darüber hinaus wird erklärt,
der bloße Beginn von SNF-Verhandlungen bedeute nicht zwangsläufig, daß
alle diese Waffen beseitigt werden
würden - was die Bush-Administration
vehement zu vermeiden versucht hat.

f

s

Der Bericht forderte ferner, Verhandlungen über die Verringerung der
strategischen Rüstungen (START) dürften nicht verzögert werden, "während
man auf Fortschritte beim Abbau konventioneller Rüstungen wartet", da
solche Verhandlungen sich aller Voraussicht nach in die Länge ziehen
würden.
Im Weißen Haus schloß Fitzwater
die Möglichkeit eines Kompromisses
zum Thema Verhandlungen nicht aus,
betonte jedoch: "Wir haben Position
bezogen."

Größere Offenheit
sprächen

bei

den

VSBM-Ge-

Die Vereinigten Staaten wollen
sich bei der neuen Runde der Wiener
Gespräche über Vertrauens- und Sicherheitsbildende
Maßnahmen
(VSBM)
auf größere Offenheit in den OstWest-Beziehungen konzentrieren, erklärte der amerikanische Chefunterhändler John Maresca.
In einem Interview mit der "Stimme Amerikas" erläuterte Maresca einige der in dieser Hinsicht vom Westen
unterbreiteten Vorschläge:
&gt;

Jährlicher
Informationsaustausch
unter den 35 in Wien verhandelnden
KSZE-Teilnehmerstaaten, der
eine Beschreibung aller Streitkräfte umfaßt.
Erweiterte Inspektionen. Zusätzlich zu den derzeitigen zwei Inspektionsmethoden - Beobachtung
militärischer Übungen und "Adhoc-Inspektionen"
militärischer
- 3

Aktivitäten - möchte der Westen
eine dritte Art der Inspektion
einführen, ... um die über Truppenstärke zur Verfügung gestellten Informationen auszuwerten das heißt, Inspektionen zu ermöglichen, solches Gerät wie Panzer
beispielsweise
routinemäßig
zu
zählen.
Solche
Inspektionen
könnten ein "besseres Bild darüber vermitteln, wie die normale
Truppenstärke aussieht".
Seminare, "bei denen führende Militärs zusammenkommen, ihre jeweilige
Politik erläutern und
Fragen beantworten würden".
Die neue Verhandlungsrunde ist
vom 5. Mai bis Mitte Juni 1989 vorgesehen.

Geringe
Fortschritte
chemischer Waffen

beim

Verbot

Beim am 27. April 1989 beendeten
ersten Teil der Genfer Abrüstungsverhandlungen wurde ein "gerüttelt Maß"
an technischen Einzelheiten für ein
Verbot chemischer Waffen erarbeitet,
bei umfassenderen Themen, wie beispielsweise der Verifizierung, wurden
jedoch nur "minimale" Fortschritte
erzielt, erklärt der amerikanische
Vertreter
bei
den
Verhandlungen,
James Granger.
Die aus 40 Nationen zusammengesetzte Genfer Abrüstungskonferenz hat
auf der Grundlage eines amerikanischen Vertragsentwurfs aus dem Jahr
1984 ein umfassendes und wirksames
weltweites Verbot der Entwicklung,
Produktion, Lagerung Weitergabe und
des Einsatzes chemischer Waffen zum
Ziel. Die Konferenz muß sich mit einer Tagesordnung von über 30 Verhandlungsthemen befassen.
Der "Höhepunkt" der in diesem
Jahr erzielten Fortschritte, erklärte
Granger dem US-Informationsamt (USIA)
gegenüber, bestand in probeweisen Inspektionen
ziviler
Chemiefabriken,
die von einigen Teilnehmerstaaten der

�Genfer
Abrüstungskonferenz,
einschließlich der Vereinigten Staaten,
durchgeführt worden waren.
"Diese probeweisen Inspektionen
der jeweiligen Länder haben gezeigt,
wie schwierig es ist, zivile Einrichtungen zu inspizieren, die mit der
Herstellung von Chemikalien befaßt
sind", führte Granger aus. Sollte
ein Vertrag erzielt werden, müßte jeder Unterzeichnerstaat die Inspektion
seiner chemischen Industrien zulassen, um sicherzustellen, daß sie keine chemischen Waffen oder verbotene
chemische Bestandteile
für solche
Waffen produzieren.
Weitere, in diesem Jahr bezüglich
der technischen Einzelheiten einer
Übereinkunft
erzielte
Fortschritte
beinhalten Granger zufolge Treffen
technischer Experten aus den jeweiligen Hauptstädten mit Delegationsmitgliedern in Genf über Listen chemischer Substanzen, die im Rahmen der
Übereinkunft verboten
oder streng
kontrolliert
werden
sollen.
Die
nächste dreimonatige Sitzungsperiode
der Genfer Abrüstungskonferenz ist
für den 13. Juni 1989 anberaumt.

*****

�AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

10. Mai 1989

19

ATOMARE KURZSTRECKENSYSTEME
- Eine Übersicht der ACDA -

Nachfolgend veröffentlichen wir eine am 5. Mai 1989 herausgegebene Übersicht des amerikanischen Amtes für Rüstungskontrolle und Abrüstung (ACDA) zu
den atomaren Kurzstreckensystemen.
Landgestützte ballistische Raketen kurzer Reichweite (SNF) oder - in
der Sprachregelung
des Warschauer
Pakts taktische
und einsatzfä'hige
taktische ballistische Raketen - können Ziele in einer Entfernung von bis
zu 500 Kilometern treffen. Diese Systeme werden vom INF-Vertrag nicht
erfaßt. Der Warschauer Pakt hat bei
diesen Systemen gegenwärtig einen
überwältigenden Vorsprung.
Obwohl sowjetische Regierungsvertreter in jüngster Zeit darauf verwiesen haben, daß sie ihre Kurzstrekkensysteme nicht modernisieren werden, haben sie in den vergangenen
zehn Jahren bei diesen Systemen ein
umfangreiches Modernisierungsprogramm
verfolgt, das auch Raketen und nukleare Artillerie umfaßt.

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Der Gesamtumfang der in den letzten zehn Jahren erfolgten Modernisierung von Kurzstreckensystemen erlaubt
dem Warschauer Pakt die Modernisierung eines modernen und im höchsten
Maße effektiven, direkt gegenüber der
NATO stationierten Kurzstreckenarsenals.
Bis Anfang der achtziger Jahre
haben die Sowjets ihre zahlreichen,
alten und wenig zielgenauen Boden-Boden-Raketen des Typs FROG durch die
modernen,
zuverlässigen
und
sehr
treffsicheren
gelenkten
SS-21 ersetzt. Diese Modernisierungsmaßnahme
der Sowjets ist in Osteuropa fast
vollständig durchgeführt worden. Infolgedessen ist die Zahl der Abschußvorrichtungen für SS-21 unter Gorbatschow erheblich gestiegen.

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�Darüber hinaus haben die Sowjets
die
militärische
Fähigkeit
ihrer
SS-21 verbessert, indem sie Bataillone der SS-21 zu Brigaden unter zentraler Kontrolle der Armee ausbauen.
Diese Reorganisation gewährt längere
Abschußzeit und nutzt die Zuverlässigkeit und Zielgenauigkeit der SS-21
besser aus.
Die Sowjets ersetzen ihre Raketen
des Typs SS-23 (die dem INF-Vertrag
zufolge abgezogen und verschrottet
werden) durch die Rakete vom Typ SCUÜ
mit einer Reichweite von 300 Kilometern.
Als Ergebnis dieser Modernisierung und Umstrukturierung hat der
Warschauer Pakt jetzt eine ungleich
ernstzunehmendere Fähigkeit bei den
Kurzstreckensystemen. Aufgrund eigener Angaben ist der Warschauer Pakt
bei den nicht vom INF-Vertrag erfaßten Kurzstreckenraketen und Abschußvorrichtungen westlich des Urals im
Verhältnis
11,8 zu 1 überlegen.
(Quelle: Erklärung des Ausschusses
der Verteidigungsminister
im Warschauer Pakt "Zum Verhältnis der
Stärke von Streitkräften und Rüstungen des Warschauer Pakts und der NATO
in Europa und den angrenzenden Gewässern" vom 1. Juli 1988, veröffentlicht am 30. Januar 1989. In dieser
"Erklärung" behauptet der Warschauer
Pakt, die NATO habe 136 "Abschußvorrichtungen für taktische Raketen".
Diese Zahl schließt jedoch französische Abschußvorrichtungen für Kurzstreckenraketen ein, die nicht zur
NATO gehören, sondern der unabhängigen nationalen Abschreckung Frankreichs zuzurechnen sind).
Berechnungen der NATO zufolge haben die Sowjets bei den Abschußvorrichtungen für diese Systeme einen
Vorteil von 16:1. Die jährlich in
der Nuklearen Planungsgruppe zusammenkommenden
NATO-Verteidigungsminister haben die sowjetische Vormachtstellung bei den Kurzstreckensystemen
als "massiv und unannehmbar" bezeichnet.

Der Warschauer Pakt gibt zu, in
Europa westlich des Urals mehr als
1600 Raketen und Abschußvorrichtungen
der Typen FROG, SS-21 und SCUD zu besitzen. Davon sind mehr als 1 200
sowjetischen
Einheiten
zuzuordnen.
Allein die sowjetischen Streitkräfte
östlich des Urals übertreffen zahlenmäßig die Kurzstreckensysteme der
NATO, und diese Systeme sind natürlich mobil.
Die Absichtserklärung der Sowjets
zum Abzug von 24 Abschußvorrichtungen
für taktische Nuklearraketen hätte
bei ihrer Verwirklichung nur geringe
Auswirkungen
auf
die
sowjetische
Überlegenheit bei diesen Systemen, da
der Warschauer Pakt viel mehr dieser
Mehrzwecksysteme
(mit konventionellen, chemischen und nuklearen Fähigkeiten) besitzt als die NATO. Tatsächlich würden diese angekündigten
Reduzierungen weniger als zwei Prozent der Abschußvorrichten für die
Kurzstreckensysteme
des
Warschauer
Paktes ausmachen.
Darüber hinaus hat der Warschauer
Pakt einen erheblichen Vorteil bei
nuklearfähigen
Artilleriegeschützen.
Seit 1980 hat die Sowjetunion ältere,
gezogene Haubitzen durch neue Geschütze auf Selbstfahrlafetten ersetzt (einschließlich der Waffen mit
152, 203 und 240 mm), die viel mobiler sind und stärker feuern.
Die
neue Artillerie erhöht die Bandbreite
ihrer nuklearen Optionen auf einem
europäischen Kriegsschauplatz.
Am 12. April haben Minister der
Warschauer Pakt-Staaten Einzelgespräche über taktische Nuklearsysteme in
Europa verlangt und die NATO aufgefordert,
ihre
Nuklearstreitkräfte
nicht zu modernisieren. Im Hinblick
auf die Vorteile des Warschauer Pakts
bei diesen Systemen und angesichts
des zehnjähirgen Modernisierungsprogramms für die Kurzstreckensysteme
kommt dies nicht überraschend. Der
Warschauer Pakt scheint nur Widerspruch gegen die Modernisierung der
NATO und nicht gegen seine eigenen
Modernisierungen einzulegen.

�Perspektiven der NATO

d

Zur Erhaltung einer wirksamen und
glaubwürdigen Abschreckung
in den
neunziger Jahren muß die NATO ihre
kriegsschauplatzgebundenen
Nuklearstreitkräfte modernisieren. Die Verteidigungsstrategie der NATO basiert
auf der Abschreckung eines Krieges
durch vornestationierte Streitkräfte
und eine Politik der flexiblen Reaktion. Die NATO hat über Jahre hinweg
eine effektive Abschreckung aufrechterhalten, indem sie eine glaubwürdige
Mischung nuklearer und konventioneller Streitkräfte in Europa stationierte.
Diese Streitkräfte müssen
auf dem neuesten Stand gehalten werden.
Konventionelle
Verteidigungsmaßnahmen allein können keinen dauerhaften Frieden gewährleisten. Nur Nuklearwaffen können einen potentiellen
Aggressor mit einem inakzeptablen Risiko konfrontieren.
Aus diesen Grunde würde ein Verzicht auf die Modernisierung und Umstrukturierung
der
NATO-Nuklearstreitkräfte die Verteidigungsbande
zwischen den Vereinigten Staaten und

ihren europäischen NATO-Verbündeten
schwächen und gleichzeitig für die
Sowjets den Wert ihrer Überlegenheit
im konventionellen Bereich steigern.

,

Die NATO setzt sich weiterhin für
die Erhaltung der Mindestzahl an modernsten Nuklearwaffen ein, die erforderlich sind, um die konventionellen und nuklearen Streitkräfte der
Sowjets abzuschrecken. Seit 1979 hat
die NATO einseitig ihr Arsenal nuklearer Gefechtsköpfe in Europa um
2 400 und damit auf den niedrigsten
Stand seit zwanzig Jahren abgebaut.
Weitere Reduzierungen sind möglich,
wenn wir moderne Systeme stationieren.
* * * * *
- 3

�AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

' V O N **

19

10. Mal 1989
VSBM SIND VON OPTIMISMUS, REALITÄTSSINN UND VERNUNFT GELEITET
- Neue Publikation des Außenministeriums zu den VSBM-Verhandlungen -

WASHINGTON - (AD) - Dem ChefUnterhändler bei den Wiener Verhandlungen
über Vertrauens- und Sicherheitsbildende Maßnahmen (VSBM), Botschafter John
Maresca, zufolge ist das gegenwärtige Klima in den Ost-West-Beziehungen "zur
Förderung des Programms von Frieden und Sicherheit heute geeigneter als je zuvor in den letzten vierzig Jahren".
In seinem Vorwort zu einer Veröffentlichung des Außenministeriums zum Prozeß über Vertrauens- und sicherheitsbildende Maßnahmen mit dem Titel "Stärkung
der Stabilität durch Offenheit" erklärte Maresca, der Westen habe Grund, "über
die Aussichten zur Hinwendung in Richtung auf eine stabilere und sicherere Zukunft für Europa wahrhaft optimistisch zu sein".
Nachfolgend veröffentlichen wir das Vorwort und den Bericht des Außenministeriums in wesentlichen Auszügen:
Unser Ziel eines stabilen und sicheren Europa ist durch den KSZE-Prozeß in greifbare Nähe gerückt. Die
1986 in Stockholm erfolgte Verabschiedung einer Reihe militärischer
Vertrauens- und
sicherheitsbildender
Maßnahmen hat erheblich zu einem verbesserten Informationsfluß über militärische Aktivitäten beigetragen und
in diesem Bereich Berechenbarkeit und
Offenheit eingeführt. In Wien streben wir eine Erweiterung der Maßnahmen von Stockholm an, um den sich auf
gegenseitigen
Respekt,
Kooperation
zwischen Ost und West und gemeinsames
Interesse an Sicherheit und Stabilität gründenden Prozeß der Vertrauens- und Sicherheitsbildung zu fördern.
Wir

können

über

die Aussichten

United States Information Service
Embassy of the United States of America

für Schritte in Richtung auf eine
stabilere und sicherere Zukunft für
Europa wahrhaft optimistisch sein.
Das Klima in den Ost-West-Beziehungen
ist zur Förderung des Programms von
Frieden und Sicherheit heute geeigneter als je zuvor in den letzten vierzig Jahren.
Das Versprechen eines
"Neuen Denkens" in der Sowjetunion
und anderen Ländern Osteuropas birgt
in sich die Möglichkeit eines Wandels
in der Einstellung dieser Regierungen
gegenüber ihren Nachbarn und Bürgern.
Unser Optimismus sollte jedoch
von Realitätssinn und Vernunft geleitet sein. Ebenso wie Chancen bestehen, die es zu nutzen gilt, gibt es
Realitäten, die wir nicht ignorieren
dürfen.
Der kalte Krieg war kein
Trugbild, sondern eine reale weltpo-

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�litische Tatsache mit erkennbaren
Merkmalen: der politischen Teilung
Europas,
der
Militarisierung
der
Ost-West-Beziehungen und dem Wettbewerb zwischen zwei im großen ud ganzen unvereinbaren Gesellschaftssystemen und Volkswirtschaften.
Obwohl
eine Verbesserung in den Ost-West-Beziehungen stattgefunden hat, bleibt
die Teilung Europas bis heute bestehen.
Es kann nicht erwartet werden,
daß einzelne Länder ihre Streitkräfte
abbauen, wenn sie nicht darauf vertrauen können, daß ihre Nachbarn ihnen gegenüber keine feindlichen Absichten hegen. Massive Stationierungen von Offensivstreitkräften des
Warschauer
Pakts
in
Mitteleuropa
schaffen keine Vertrauensbasis. Wenn
dann noch geschlossene Grenzen, Unterdrückung politischer und gewerkschaftlicher Vereinigungen und die
Verschleierung hinzukommt, die bei
nahezu allen militärischen Angelegenheiten des Warschauer Pakts stattfindet, ist es nicht verwunderlich, daß
der Westen vierzig Jahre lang seine
Nachh. rt» im Osten mit Mißtrauen und
An^st betrachtet hat.
Die Sicherheit einzelner Länder
kann mit militärischen Mitteln allein
weder eindeutig gemessen noch letztlich erreicht werden.
Tatsächlich
ist die militärische Konfrontation,
die Europa seit vierzig Jahren belastet, Auswirkung - nicht Ursache der politischen und sozialen Teilung
des Kontinents. Echte und dauerhafte
Sicherheit für alle Länder und Völker
Europas kann nur auf einer Grundlage
des Vertrauens geschaffen werden: dem
Vertrauen der Länder in ihre Nachbarn
und dem Vertrauen der Bürger in ihre
Regierungen.
Unsere Bestrebungen sind somit
nur Teil eines umfassenderen Prozesses. Das von uns angestrebte Vertrauen und die Offenheit bei militärischen Angelegenheiten muß auf das
Verhältnis zwischen Regierungen und
Regierten in ganz Europa erweitert
werden. Nur wenn Ideen Menschen und

Informationen
Grenzen
frei
überschreiten können und einzelne Menschen überall ein Mitspracherecht bei
Entscheidungen haben, die ihr Leben
betreffen, werden wir in der Lage
sein, ein wahrhaft sicheres und stabiles Europa hervorzubringen.
Die von uns in Wien geführten
Verhandlungen sind ein wichtiger Teil
dieses Gesamtbildes. Sie zielen auf
erhöhte Stabilität und Sicherheit in
Europa durch größere Offenheit und
gegenseitiges Verständnis im militärischen Bereich ab. Bei diesem Unternehmen erzielte Erfolge können nur
an verbesserter Sicherheit für alle
35 Teilnehmerstaaten gemessen werden.
Wir werden uns bei diesen Verhandlungen auf kein Abkommen einlassen, das
die Fähigkeit des Westens zu seiner
eigenen Verteidigung aushöhlt.
Wir werden als Teil unserer kontinuierlichen Aufgabe für einen Beitrag zu Stabilität und Sicherheit
dieses Kontinents alle Möglichkeiten
ausloten und alle Vorschläge in Erwägung ziehen. Wir erwarten, daß alle
35 Staaten dieser Zielsetzung zustimmen. Wir sind in diesem Bereich vorsichtig, nicht etwa naiv.
Wir hoffen inständig
daß diese
/erhandlungen
zur
Sicherheit
und
letztlich zur Freiheit aller Europäer
beitragen werden.

Die Rolle der Vertrauensbildung
der Rüstungskontrolle

in

Vertrauens- und
sicherheitsbildende Maßnahmen haben in jüngster
Zeit Eingang in den Sprachschatz gefunden. Im Gegensatz zu traditionellen
Rüstungskontrollverhandlungen,
die Kriegswaffen zu reduzieren suchen, betreffen VSBM keine Begrenzungen von Fähigkeiten der Streitkräfte
oder deren Struktur. Vielmehr versuchen sie die Wahrscheinlichkeit zu
verringern, daß diese Waffen jemals
eingesetzt werden. VSBM zielen auf
den Abbau von Mißtrauen und Mißverständnissen über militärische Fähig-

�keiten und Absichten ab, indem sie im
militärischen Umfeld mehr Offenheit
und Berechenbarkeit schaffen.
Jüngste Verbesserungen
in den
Ost-West-Beziehungen
wie etwa der
1987 zwischen den Vereinigten Staaten
und der Union Sozialistischer Sowjetrepubliken geschlossene Vertrag über
die Beseitigung ihrer Raketen mittlerer und kürzerer Reichweite (INF) haben in Europa und Nordamerika neue
Hoffnungen auf ein bevorstehendes
Zeitalter
anhaltender
Fortschritte
beim Abbau von Waffen geweckt. Tatsächlich führen Ost und West gegenwärtig eine große Bandbreite von Rüstungskontrollverhandlungen
über
strategische, konventionelle und chemische Waffen.
Insbesondere diese Verhandlungen
über Vertrauens- und Sicherheitsbildende Maßnahmen konzentrieren sich
auf ein grundsätzliches Problem der
Rüstungskontrolle - das Problem gegenseitigen Mißtrauens.
Mit einer
Reihe ausgehandelter Maßnahmen zur
Verbesserung der Offenheit und Transparenz in militärischen Angelegenheiten erhöhen die 35 KSZE-Teilnehmerstaaten den Informationsumfang über
die militärischen Fähigkeiten und Absichten des jeweils anderen stufenweise. Die Verhandlungen gehen von
der Annahme aus, daß verbesserte
Transparenz und Offenheit das Risiko
eines Krieges durch Fehlkalkulation
verringern kann. Tatsächlich können
Ost und West nur in einem Klima gegenseitigen Vertrauens Fortschritte
im Hinblick auf größere Sicherheit
auf niedrigeren Streitkräfteniveaus
erzielen.
Aber das Konzept des Vertrauens
geht über militärische Angelegenheiten hinaus.
Der Westen betrachtet
die militärische Konfrontation in Europa als Auswirkung - nicht als Ursache - der politischen, wirtschaftlichen und sozialen Teilung des Kontinents.
In der Nachkriegszeit waren
die militärischen Fähigkeiten und Absichten der Sowjetunion und ihrer
Verbündeten in Osteuropa lange ver-

schleiert.
Mißtrauen und Mißverständnisse
beherrschten
die
OstWest-Beziehungen.
Das
Ziel
des
KSZE-Prozesses besteht in der gleichzeitigen Förderung militärischer Sicherheit, wirtschaftlicher Zusammenarbeit und humanitärer Werte und damit in der Veränderung des Charakters
dieser Beziehungen.

Bilanz der Durchführung des Stockholmer Schlußdokuments von 1986
Die VSBM des Stockholmer Schlußdokuments traten am 1. Januar 1987 in
Kraft. In den ersten beiden Jahren
der Durchführung von KVAE haben sich
viele KSZE-Staaten aktiv an der Verwirklichung des Stockholmer Schlußdokuments beteiligt.
KVAE-Jahresplanung.
Mehr
als
die Hälfte der KSZE-Staaten haben ihre Jahresplanung zu militärischen Aktivitäten vorgelegt. Einige geplante
Aktivitäten sind zurückgestellt oder
abgesagt worden und in einigen Fällen
sind angekündigte Aktivitäten in die
Kalender aufgenommen worden.
KVAE-Benachrichtung.
Zum
31.
März 1989 sind der KVAE insgesamt 97
Aktivitäten angezeigt worden.
Eine
Benachrichtigung
ist erfolgt über
sechs Aktivitäten ohne Vorabinformation, d.h. über Übungen für den
Ernstfall, die alle von NATO-Staaten
durchgeführt wurden. Die NATO-Staaten haben 38 Aktivitäten angezeigt,
einige freiwillig, da die Zahl der
beteiligten
Streitkräfte
unterhalb
der Grenze lag, die eine Benachrichtigung zwingend erforderlich macht.
Die Warschauer Pakt-Staaten haben 53
Aktivitäten gemeldet und darüber hinaus freiwillige Meldungen gemacht.
Neutrale und blockfreie Staaten haben
sechs Aktivitäten gemeldet.
Im ersten Jahr haben zahlreiche
Staaten bei der Erstellung einzelner
Meldungen Fehler oder Auslassungen
begangen. Ferner gab es bei der Bereitstellung fristgerechter Meldungen
technische Probleme.
Manche Länder

- 3 -

�lieferten umfassendere Beschreibungen
und Informationen als andere. Andere
Länder lieferten Informationen, die
über die im Schlußdokument festgelegten Anforderungen hinausgingen. Die
meisten Diskrepanzen oder Unstimmigkeiten konnten korrigiert werden,
nachdem die einzelnen Länder mit den
Anforderungen vertraut waren.
KVAE-Beobachtungsprogramme.
Insgesamt gab es 36 Beobachtungsprogramme zu militärischen Aktivitäten,
zu denen alle KSZE-Länder eingeladen
wurden. Die NATO-Staaten haben 18,
der Warschauer Pakt 15 Beobachtungsprogramme durchgeführt. Die neutralen und blockfreien Staten haben drei
Programme abgehalten, von denen eines
auf freiwilliger Basis stattfand.
Obwohl die Warschauer Pakt-Staaten nur einige ihrer militärischen
Aktivitäten meldeten und ihre zu beobachteten Aktivitäten niemals für
alle KSZE-Staaten öffneten - wie es
den Bestimmungen der Schlußakte von
Helsinki entspräche - ist ihre Durchführung des Stockholmer Schlußdokuments doch ermutigend.
Im Laufe des Jahres 1988 wurden
von amerikanischen Beobachtern Verbesserungen bei vielen Beobachtungsprogrammen des Warschauer Pakts wahrgenommen, aber die Sowjetunion ist
weiterhin im Hinblick auf ihre Bestimmungen zur Beobachtung wenig entgegenkommend.
Die Sowjetunion legt
oftmals die Beobachtungsmodalitäten
sehr eng aus und liefert häufig nur
eine Minimierung
an Informationen
über die Aktivität, zu der Beobachter
Zugang haben. Amerikanische Beobachter haben an allen sowjetischen Beobachtungsprogrammen teilgenommen und
festgestellt, daß die Sowjets nicht
auf Fragen oder Forderungen nach Veränderungen ihrer Beobachtungsprogramme reagiert haben und nur begrenzte
Kontaktmöglichkeiten zu den beteiligten Streitkräften schaffen.
KVAE-Inspektionen.
In den Jahren 1987 und 1988 wurden Inspektionen
zum integralen Bestandteil der Stock-

holmer Vereinbarungen.
Seit März
1989 sind insgesamt 18 KVAE-Inspektionen durchgeführt worden: neun vom
Westen und neun vom Osten. An acht
der neun vom Osten durchgeführten Inspektionen
waren
amerikanische
Streitkräfte beteiligt.
Der vom Westen bei den Wiener
Verhandlungen
über
Vertrauens- und
Sicherheitsbildende Maßnahmen unterbreitete Vorschlag
Am 9. März 1989, dem Eröffnungstag der Wiener Verhandlungen über
Vertrauens- und
Sicherheitsbildende
Maßnahmen, schlugen die 16 westlichen
Verbündeten eine Reihe durchgreifender und integrierter Maßnahmen vor,
die darauf abzielen, den Prozeß der
Vertrauensbildung in Europa voranzutreiben.
Die 12 Maßnahmen werden
ebenso wie der damit in Verbindung
stehende Vorschlag für einen Gedankenaustausch über Militärdoktrin und
deren Anwendung auf die derzeitigen
Truppenstationierungen im folgenden
beschrieben.

I.
Transparenz
nisationen

militärischer

Orga-

Diese Maßnahmen sind darauf ausgerichtet, größere Offenheit und mehr
Vertrauen bezüglich der Streitkräfteaufstellung des jeweiligen Teilnehmerstaats herbeizuführen. Dies wird
durch regelmäßigen Informationsaustausch über die Landstreitkräfte in
der Zone sowie über wichtige Waffenstationierungsprogramme erzielt.
Maßnahme 1: Austausch militärischer
Informationen
Die Teilnehmerstaaten werden Informationen über militärische Organisation, Anzahl von Streitkräften und
Gerät in der Zone austauschen. Dies
beinhaltet jährlichen Austausch von
Informatioen über:
—

die
Kommandoorganisation
der
Landstreitkräfte in der Zone;

�diese zeitlich begrenzten Besichtigungen
werden
von
Personen
durchgeführt,
die
bereits
im
Gastland akkreditiert oder vom
besuchenden Staat dafür bestimmt
worden sind;

die Bestimmung der Heeresgroßverbände, bis hin zur Divisionsebene;
die
normalen
Friedensstandorte
dieser Einheiten;
die Personalstärke dieser Einheiten;

Beobachtern wird die Besichtigung
der wichtigsten Waffensysteme und
Geräte gestattet;

die wichtigsten Waffensysteme und
das diesen Einheiten zugeteilte
Gerät;
Landgestützte Lufteinheiten
deren Flugzeugstärke.

die entsprechenden Vorkehrungen
für den Beobachtungsbesuch werden
vom Gastland veranlaßt, dessen
Vertreter das Beobachterteam jederzeit begleitet.

und

Dies beinhaltet ferner die unverzügliche Benachrichtigung über:
die Verlegung von Heeresgroßverbänden innerhalb der Zone von einem Friedensstandort zu einem anderen, wie oben ausgeführt;
die Einberufung einer beträchtlichen Anzahl von Reservisten.

II. Transparenz und Berechenbarkeit
militärischer Aktivitäten
Diese Maßnahmen bauen auf den in
Stockholm vereinbarten Maßnahmen auf
und stellen eine Verbesserung dar, da
sie größere Offenheit zur Folge haben
und die Berechenbarkeit militärischer
Aktivitäten verbessern.

Maßnahme
2:
Informationsaustausch
über die wichtigsten Stationierungsprogramme für konventionelle Streitkräfte.

Maßnahme 4: Verbesserte Informationen bei der Jahresplanung

Jeder Teilnehmerstaat wird die
anderen über die in Maßnahme 1 genannten
wichtigsten
konventionelle
Waffensysteme und das Gerät informieren, das er in der KVAE-Zone über einen bestimmten Zeitraum hinweg bei
seinen Streitkräften einzuführen gedenkt.

Die Teilnehmerstaaten werden bei
ihrer
Jahresplanung
umfangreichere
und detailliertere Informationen über
zukünftige militärische Aktivitäten
zur Verfügung stellen. Diese beziehen sich auf Bestimmung, Anzahl und
Art der Heeresverbände bis hin zur
Divisionsebene, die zur Teilnahme an
angemeldeten Aktivitäten in der Zone
vorgesehen sind.

Maßnahme 3: Schaffung eines Stichproben-Auswertungssystems
Um die gemäß Maßnahmen 1 und 2
gelieferten Informationen auswerten
zu können, werden die Teilnehmerstaaten ein Stichproben-Auswertungssystem
einführen, mit dem:
sie das Recht auf vorher angekündigte Besichtigungen von Friedensstandorten gemäß Maßnahme 1
haben;

Maßnahme 5: Verbesserte Informationen bei der Benachrichtigung
Zur Verbesserung der Benachrichtigung über militärische Aktivitäten
werden die Teilnehmerstaaten umfangreichere und detailliertere Informationen über das Engagement ihrer
Streitkräfte, die wichtigsten Waffensysteme sowie das bei solchen Aktivitäten der Landstreitkräfte eingesetzte Gerät zur Verfügung stellen.

- 5 -

�Maßnahme 6: Verbesserung der Beobachtungsmodalitäten
Die Teilnehmerstaaten werden die
Beobachtung durch detailliertere Informationsveranstaltungen,
Bereitstellung besserer Karten und den Einsatz von mehr BeobachtungsgerMt erleichtern. Um die Möglichkeiten des
Beobachters zur Auswertung des Umfangs der Aktivitäten zu verbessern,
werden die Teilnehmerstaaten darüber
hinaus ermutigt, eine Luftaufnahme
des
tlbungsgebiets
bereitzustellen.
Ferner wird die Dauer des Beobachtungsprogramms erweitert.

Maßnahme 7: Lockerung der Beobachtungsmodalitäten
Die Teilnehmerstaaten werden Beobachter zu angemeldeten Aktivitäten
einladen, wenn die Anzahl der eingesetzten Soldaten 13 000 oder mehr beträgt oder wenn über 300 Panzer daran
teilnehmen.

Maßnahme 8: Verbesserung der Inspektionsobergrenzen
Die Teilnehmerstaaten werden folgende Maßnahmen zur wesentlichen Verbesserung der Inspektionen verabschieden:
Erhöhte Anzahl
tionen;

passiver

Inspek-

Verkürzung des Zeitraums zwischen
Inspektionsantrag und Zugang der
Inspektoren zum benannten Gebiet;
Auf Antrag der Inspektoren Erlaubnis zu einer Luftaufnahme vor
Beginn der Inspektion;
-

Verbesserung von Gerät und Fernmeldeeinrichtungen, die das Inspektionsteam benutzen darf;

Verbesserung der Informationsveranstaltungen für die Inspektoren.

Maßnahme 9: Lockerung der Obergrenze
für längerfristig anberaumte Benachrichtigung größerer Aktivitäten
Die Teilnehmerstaaten werden keine militärischen Aktivitäten durchführen, die vorheriger Benachrichtigung unterliegen und mehr als 50 000
Soldaten umfassen, es sei denn, sie
fallen unter
die im Stockholmer
Schlußdokument vereinbarten Regelungen.

III.

Kontakte und Kommunikation

Diese Maßnahmen
durch Kommunikation
militärischer Ebene
die militärischen
Teilnehmerstaaten zu

zielen darauf ab,
und Kontakte auf
das Wissen über
Fähigkeiten der
verbessern.

Maßnahme 10: Verbesserter Zugang für
akkreditiertes Personal, das mit militärischen Angelegenheiten befaßt ist
Um das Prinzip größerer Offenheit
in militärischen Angelegenheiten zu
verwirklichen und das gegenseitige
Vertrauen zu stärken, werden die
Teilnehmerstaaten die ReiseVorkehrungen des mit militärischen Aktivitäten
befaßten akkreditierten Personals erleichtern und ihm bei der Kontaktaufnahme mit Regierungsvertretern behilflich sein.
Einschränkungen für
akkreditiertes Personal in der KVAEZone sollten gelockert werden.

Maßnahme 11: Entwicklung von Kommunikationsmitteln
Zusätzlich zur Benutzung der diplomatischen Kanäle für die Übermittlung von mit den vereinbarten Maßnahmen in Verbindung stehenden Fakten
(Terminpläne, Benachrichtigung usw.)
werden die Teilnehmerstaaten ermutigt, weitere Vorkehrungen in Erwägung zu ziehen, um den schnellstmöglichen Austausch von Informationen
sicherzustellen.

�Maßnahme 12: Gleiche Behandlung der
Medienvertreter
Die Teilnehmerstaaten werden ermutigt, Medienvertretern die Teilnahme an beobachteten militärischen Aktivitäten zu gestatten; wenn Medienvertreter eingeladen werden, wird das
Gastland diese Vertreter aller Teilnehmerstaaten zulassen und sie unterschiedslos behandeln.

Gedankenaustausch Über Militärpolitik
Vertrauensbildung ist ein dynamischer Prozeß, der durch den offenen
und freimütigen Gedankenaustausch erweitert wird und darauf ausgerichtet
ist, Mißverständnisse
und falsche
Darstellungen
der
militärischen
Fähigkeiten abzubauen.
Zu diesem
Zweck werden die Teilnehmerstaaten
bei den bevorstehenden Verhandlungen
von folgenden Möglichkeiten Gebrauch
machen:
Erörterung von die Durchführung
der im Stockholmer Schlußdokument
vereinbarten Regelungen betreffenden Themen;
In Veranstaltungen mit Seminarcharakter Diskussion der Militärdoktrin im Zusammenhang mit Einsatzkonzept und Struktur der konventionellen Streitkräfte in der
KVAE-Zone, einschließlich:
Informationsaustausch über
jährlichen Militärausgaben;

ihre

Informationsaustausch
über
die
Ausbildung ihrer Streitkräfte unter
Verwendung
militärischer
Handbücher;
Verdeutlichung von Entwicklungen,
die zu Unsicherheit Anlaß geben,
wie beispielsweise Veränderungen
bei Anzahl und Ablauf der angemeldeten militärischen Aktivitäten.

* * * * *

- 7 -

�AMERIKA DIENST
'VON'^

Wissenschaft und Technik
10. Mai 1989

19

RADARSONDE MAGELLAN AUF DEM WEG ZUR VENUS
In 270 km Höhe von Bord des Raumtransporters ATLANTIS gestartet

(AD) "Präzision"
war
das
Schlüsselwort sowohl für den Start
des Raumtransporters ATLANTIS min
seiner interplanetaren Fracht, der
Venussonde Magellan, am 4. Mai 1989
von Kap Canaveral, als auch für das
Absetzen der Sonde und Zünden ihrer
Triebwerke in der Erdumlaufbahn. Das
sogenannte Startfenster war seit dem
28. April täglich nur kurze Zeit geöffnet und schließt sich am 28. Mai
1989 wieder für zwei Jahre. Nur innerhalb dieser vier Wochen hatte ein
zum richtigen Tageszeitpunkt vorgenommener Start Sinn, wenn die VenusRadarsonde MAGELLAN ihr Ziel überhaupt erreichen soll. Damit ist im
August 1990 zu rechnen. Bis dahin
wird sie aus einer Erdumlaufbahn abgeschossen und auf interplanetare Geschwindigkeit beschleunigt, die Sonne

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eineinhalb Mal umrundet und sich ihr
dabei auf die Entfernung der VenusUmlaufbahn genähert haben. Um in eine Umlaufbahn um den Planeten Venus
eintreten zu können, ist dann so
starkes Abbremsen erforderlich, daß
die Instrumente einem Druck standhalten müssen, der 10 g, d.h. der zehnfachen Erdbeschleunigung, entspricht.
Wenige Stunden nach dem Eintritt
von ATLANTIS in die Erdumlaufbahn
(Höhe 270 km, Neigung zum Äquator
28,9 Grad) hatten Kommandant David M.
Walker und Kopilot Ronald J. Grabe
das Fluggerät durch komplizierte Lagesteuerungsmanöver in eine ganz bestimmte Position zu bringen:
Das
Heck der ATLANTIS mußte in Flugrichtung, der "Bauch" in Richtung Sonne
und die geöffnete Ladebucht mit der

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�Nutzlast MAGELLAN in Richtung Erde
stehen. Denn bis zum Absetzen sollte
die Sonde weder extremer Hitze noch
Kälte ausgesetzt sein, außerdem vor
dem Aufprall von Sauerstoffatomen,
die auch in der dünnen Hochatmosphäre
noch vorhanden sind, auf empfindliche
Instrumente geschützt werden.
Die
drei
Missionsspezialisten
Norman E. Thagard, Mary L. Cleave und
Mark C. Lee waren verantwortlich dafür, daß alle Prozeduren zum überprüfen und Aktivieren der Systeme des
3,5 Tonnen schweren und 6,3 m langen
Forschungssatelliten samt der Systeme
seiner
zweistufigen
Antriebsrakete
(Gewicht: 9,1 Tonnen) ordnungsgemäß
durchgeführt
wurden.
Rund
sechs
Stunden
nach
dem
Eintritt
von
ATLANTIS in den Erdorbit schwebte
MAGELLAN, von Befestigungen gelöst
und durch einen Federmechanismus in
Bewegung gesetzt, aus der Ladebucht.
Walker setzte den Raumtransporter zurück und steuerte in eine etwas tiefere Bahn, um in sicherem Abstand die
Zündung der ersten Feststoff-Raketenstufe der MAGELLAN-Sonde abzuwarten.
Für die Zündung selbst war der Leiter
der Abteilung Weltraumwissenschaften
der NASA (US-Behörde für Luftund
Raumfahrt), Dr. L.A. Fisk, verantwortlich.
Zuvor waren bereits die
Sonnenenergie-Kollektoren des interplanetaren
Fluggeräts
ausgefahren
worden, um sie vor Erschütterungen
besser zu schützen. Die zweite Raketenstufe beschleunigt kurze Zeit später die Sonde auf die notwendige Geschwindigkeit für die interplanetare
Reise.
Nach
der
PIONIER-VENUS-Mission
vom Jahr 1978 haben Planetenforscher
in den USA und mit ihnen zahlreiche
ausländische Kollegen ab August 1990
wieder Gelegenheit, über ein amerikanisches Forschungsgerät topographische Daten von der Oberfläche des
Planeten Venus zu bekommen. Da dieser ständig von dichten Wolken verdeckt ist, sind Fernrohruntersuchungen nicht möglich. Für die Radarstrahlen der MAGELLAN-Sonde sind die
Wolken jedoch durchlässig. Im Gegen-

satz zu den Radarbildern früherer
amerikanischer und sowjetischer Venus-Sonden, auf denen die kleinsten
erkennbaren Objekte ca. 600 m Durchmesser haben, dürfte das Auflösungsvermögen bei den von MAGELLAN übermittelten Bildern bei 60 bis 90 m
liegen. Das bedeutet, daß viel mehr
Einzelheiten auf der teilweise sehr
gebirgigen und zerklüfteten Oberfläche unseres "Schwesterplaneten" ausgemacht werden können.
Nach dem Freisetzen von MAGELLAN
standen für die ATLANTIS-Astronauten
Erdbeobachtungen und einige wissenschaftliche und technische Experimente auf dem Programm. Vier Tage nach
ihrem Start kehrten sie zur Erde zurück und landeten mit dem Orbiter auf
dem Lufthafenstützpunkt Edwards in
Kalifornien.

* * * * *

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt; Walters zum Stand der deutsch-amerikanischen Beziehungen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede des US-Botschafters bei der Eröffnung der 35. deutsch-amerikanischen Freundschaftswoche&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt; Stand der Rüstungskontrollverhandlungen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Wöchentliche Übersicht&lt;/em&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Atomare Kurzstreckensysteme&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Eine Übersicht der ACDA &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;VSM sind von Optimismus, Realitätssinn und Vernunft geleitet &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Neue Publikation des Außenministeriums zu den VSBM-Verhandlungen&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Radarsonde MAGELLAN auf dem Weg zur Venus&lt;br /&gt;&lt;em&gt;In 270 km Höhe von Bord des Raumtransporters ATLANTNIS gestartet&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST
'VON

*

18

3 . Mai 1989
I N H A L T

DOKUMENTATION
Cheney: Reduzierung nuklearer Gefechtsköpfe möglich
- Rede des US-Verteidigungsministers vor der NDU -

HINTERGRUNDMATERIAL
Eröffnungsrunde der VSBM-Verhandlungen "generell positiv'
- Interview mit Botschafter Maresca -

WIRTSCHAFT
Bericht des US-Handelsbeauftragten zur Bundesrepublik
- Auszüge aus dem Bericht des Handelsbeauftragten Neuer Handelsbericht veröffentlicht
- Unfaire Handelspraktiken von vielen Ländern angewendet

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Präsidialamt für Wissenschafts- und Technologlepolltlk
- Kernphysiker D. Allan Bromley als neuer Direktor nominiert t

Nationaler Raumfahrt-Beirat wiedereingesetzt

* * * * *

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�AMERIKA DIENST
VON

Dokumentation

^

3. Mai 1989

18

CHENEY:

REDUZIERUNG NUKLEARER GEFECHTSKÖPFE MÖGLICH

- Rede des US-Verteidigungsministers vor der NDU -

WASHINGTON - (AD) - Dem amerikanischen Verteidigungsminister Cheney zufolge könnte die NATO "die Anzahl der in Europa stationierten Gefechtsköpfe" reduzieren, sobald das Nukleararsenal modernisiert ist.
Bei einem Symposium der National Defense University erklärte Cheney am 24.
April 1989 weiter, er könne sich "keine Bedingungen" vorstellen, unter denen
die NATO alle ihre nuklearen Streitkräfte aus Europa abziehen würde. "Ein
solches Vorgehen würde die Abschreckung entscheidend schwächen, weil unserer
Strategie der flexiblen Reaktion zunichte gemacht würde", so Cheney.
Nachfolgend bringen wir die Ansprache des amerikanischen Verteidigungsministers im Wortlaut.
Seit ich Minister geworden bin,
hat sich mir etwas in einer Weise
verdeutlicht, wie es niemals der Fall
gewesen wäre, als ich noch Mitglied
des Kongresses war. In welche Richtung wir auch immer bei unserer Überprüfung der Sicherheitsstrategie der
vergangenen Monate geblickt haben,
wir kommen immer wieder auf unser erstes Prinzip zurück - die Notwendigkeit der Geschlossenheit im westlichen Bündnis. Mit dieser Geschlossenheit kann praktisch jede Zukunft
bewältigt werden.
Ohne sie wird
selbst die einfachste Aufgabe zu einer Belastung der internationalen Beziehungen.
Vom täglichen Funktionieren des
internationalen
Wirtschaftssystems
bis hin zu Rüstungskontrolle und Ein-

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Embassy of the United States of America

dämmung wären alle Bestrebungen
Westens nach Sicherheit ohne die
scheidende Einheit zwischen den
einigten
Staaten
und Europa
Scheitern verurteilt.

des
entVerzum

Paradoxerweise sind die Werte,
die das Wesen dieser Verbundenheit
mit Europa ausmachen - im Gegensatz
zu den Werten, die den Ostblock zusammenhalten - Güter wie freie Meinungsäußerung, Wettbewerb und Wahlfreiheit. Mit anderen Worten, Werte,
die das Wesen eines Büdnisses ausmachen, das sich in einer solch lebhaften Diskussion befindet, daß die
übrige Welt zweifellos beeindruckt
von unserer Fähigkeit ist, eine gemeinsame Politik zu erarbeiten und
beizubehalten.

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Telex: 8-85432

�Heute feiern wir den Erfolg und
die Stärke des wichtigsten Resultats
dieser Geschlossenheit. Es gibt vieles, auf das wir stolz sein können,
wenn wir eine Bestandsaufnahme der
ersten 40 Jahre der NATO vornehmen.
Dennoch hat jeder von uns noch wichtige Fragen bezüglich der Zukunft unseres Bündnisses in einem sich wandelnden internationalen Umfeld.
Wir sollten uns jedoch vor Augen
führen, daß unser Unbehagen nichts
Neues ist. In seinem Bericht über
die feierliche Unterzeichnung des
Nordatlantikvertrags am 4. April 1949
hielt Dean Acheson fest, die MarineBand "verlieh dem Ereignis einen unerwarteten Realitätsbezug", indem sie
zwei Lieder aus dem Musical Porgy und
Bess spielte:
"Ich habe viel von
Nichts" und "Es muß nicht zwangsläufig so sein".
Aber selbst angesichts Achesons
nüchterner Sicht der Zukunft ist die
offensichtlichste Tatsache im Hinblick auf das 40jährigen Bestehen der
NATO nicht das ungenutzte Potential,
sondern ihr außerordentlicher Erfolg.
Nach dem Zweiten Weltkrieg ging
es Gewinnern und Verlierern in Europa
gleich schlecht, abgesehen vom Ausmaß
der Vernichtung, das sie umgab. Der
durch die schreckliche Zerstörungskraft des modernen Krieges verursachte wirtschaftliche Zusammenbruch ging
einher mit einer politischen Krise,
deren
Größenordnung
ihresgleichen
sucht. Der Bruch des Kriegsbündnisses, Angst vor Machtübernahmen und
geschwächte europäische Staaten sowie
die zunehmende Kriegstreiberei der
Sowjetunion schufen eine düstere Bedrohung des neugefundenen Friedens in
Europa.
Auf der anderen Seite des Atlantiks war Amerika nur zu gern bereit,
zu dem überholten und gefährlichen
Isolationismus zurückzukehren. Nachdem der Krieg gewonnen war, standen
wir kurz vor dem Verlust des Friedens. In dieser Phase der Nabelschau
traten sowohl in Europa als auch in

den Vereinigten Staaten einige herausragende Politiker auf, die zunächst den Weg bereiteten und dann
die Grundlage für den Frieden schufen, dessen wir '^ns heute erfreuen.
Heute wird der Erfolg des Bündnisses praktisch als selbstverständlich hingenommen.
Nicht nur wirtschaftliche und politische Stabilität
wurden wiederhergestellt und Amerika
gab seinen traditionellen Isolationismus auf sondern in jüngster Zeit
konnten wir auch einen Wandel in der
Ideologie unseres Hauptgegners beobachten, der in der Geschichte seinesgleichen sucht. Während wir uns vor
nicht allzu langer Zeit noch fragten,
warum Demokratien zugrunde gehen, erleben wir heute das allmähliche Entstehen von Demokratien in einer Reihe
von Ländern der Dritten Welt und fragen uns, ob die Freiheit in Osteuropa
und vielleicht sogar in der Sowjetunion den Sieg über den Kommunismus
erringen wird.
Obwohl man geteilter Meinung darüber sein kann, warum dies so Ist,
liegen die Gründe meiner Ansicht nach
auf der Hand.
Seit Bestehen des
Bündnisses haben wir militärische
Stärke bewahrt und waren zur Verteidigung unserer Freiheit bereit. Weder der Aufschwung unserer Volkswirtschaften noch die Verbreitung der Demokratie sind lediglich auf irgendeinen mysteriösen Prozeß oder bloßes
Glück
zurückzuführen.
Eindämmung,
flexible Reaktion und die dahinterstehende Verpflichtung zu militärischer Stärke haben weltweit ein Umfeld geschaffen, in dem die Nationen
ihre eigenen Entscheidungen treffen
können und in dem unser mächtigster
Gegner gezwungen wurde, sich mit der
Stagnation seiner Gesellschaft auseinanderzusetzen.
Es steht außer Frage, daß sich in
der Sowjetunion und in Osteuropa ein
tiefgreifender Wandel vollzieht, und
es besteht kein Zweifel, daß diese
Reformen eine besondere Herausforderung an die NATO darstellen. Glasnost und Perestrojka sind willkommene

�Signale, nicht nur für den Westen,
sondern insbesondere für diejenigen,
die unter der kommunistischen Herrschaft zu leiden hatten.

dukts für die Verteidigung aus,
während die Vereinigten Staaten
weniger als 6 Prozent dafür aufwenden.

Wir begrüßen Gorbatschows neues
Denken in der Außen- und Verteidigungspolitik. Seit Beginn des kalten
Krieges haben wir auf ein neues Denken in Moskau gewartet und wir haben
allen Grund zu der Hoffnung, daß die
Sowjets zu einem stabilisierenderen
Faktor in der Weltpolitik werden.

Die
Rüstungsproduktion
behält
insgesamt das in der BreschnewÄra vorgegebene hohe Tempo bei.
Wir besitzen zum Beispiel keinerlei Beweise dafür, daß die Sowjets ihre Jahresproduktion von
3 500 Panzern verringert haben.

Unsere erste Pflicht ist es jedoch, die sowjetischen Fähigkeiten zu
verstehen und das sowjetische Vorgehen richtig einzuschätzen. Wir können die gute Absicht loben, aber wir
müssen uns mit der Realität auseinandersetzen.
Darüber hinaus ist Vorsicht angebracht, wenn wir solch kritische Themen behandeln wie unsere Bewertung
der militärischen Bedrohung der Sowjetunion. Trotz der Worte, die wir
von Generalsekretär Gorbatschow vernehmen, ist und bleibt die Sowjetunion militärisch ein Gigant mit enormer
Zerstörungskraft und einer Geschichte, die uns Wachsamkeit und Festigkeit lehrt.
Gorbatschows bisherige Amtszeit
liefert in der Tat noch kein klares
Bild von jemandem, der ausschließlich
von wohlwollenden Intentionen gegenüber der NATO geleitet ist. Lassen
Sie uns einige Fakten prüfen:
Selbst wenn die Sowjets die von
Gorbatschow in seiner Rede vor
den Vereinten Nationen am 7. Dezember 1988 erwähnten Streitkräfte vollständig abbauen würde, wären die Streitkräfte des Warschauer Pakts denen der NATO bei
Panzern, Geschützen und Divisionen zahlenmäßig immer noch im
Verhältnis von 2:1 überlegen.
Trotz der Reden über einen reduzierten Militärhaushalt gibt Moskau offenbar weiterhin 15 bis 17
Prozent seines Bruttosozialpro- 3 -

Das neue Denken in der Außenpolitik hat die Sowjets nicht davon
abgehalten, ihre Militärhilfe für
Nicaragua von ca. 280 Millionen
Dollar im Jahr 1985 auf über 500
Millionen Dollar im Jahr 1988 zu
erhöhen - fünfmal soviel, wie unsere gegenwärtige Hilfe an El
Salvador.
Bei einem Thema, das für die NATO
von großer Bedeutung ist - der
Modernisierung
der
nuklearen
Kurzstreckensysteme - sind die
Sowjets leider zu ihrer sattsam
bekannten Haltung zurückgekehrt.
So hat Außenminister Schewardnadse im März dieses Jahres erklärt: "Die Modernisierung kann
das in Europa entstehende echte
Vertrauen zerstören."
Und erst
kürzlich hat Gorbatschow in London verkündet, die Sowjets hätten
die Modernisierung ihrer Kurzstreckensysteme eingestellt. Betrachtet man die von den Sowjets
gegenwärtig unternommenen Modernisierungsanstrengungen, so können diese beiden Erklärungen bestenfalls als bizarr bezeichnet
werden.
Schon seit über zehn Jahren modernisieren
die
Sowjets
ihre
Kurzstreckensysteme.
Sie haben
alte und wenig zielgenaue FROGSysteme durch die moderne SS-21
ersetzt. Unter Staats- und Parteichef Gorbatschow hat sich die
Zahl der SS-21-Abschußvorrichtungen sogar mehr als verdoppelt.
Zusätzlich ersetzt Moskau seine
vom INF-Abkommen betroffenen SS-

�23-Raketen durch SCUD-Flugkörper.
Die Modernisierung von Flugzeugen
dauert ebenso wie die der Artilleriesysteme an.
Infolge dieser Modernisierung besitzt der Warschauer Pakt bei
atomaren Kurzstreckenraketer. eine
Überlegenheit
von
sage
und
schreibe 16:1.
Zusammengenommen deuten diese unter Gorbatschow vorgenommenen Maßnahmen darauf hin, daß wir im Hinblick
auf Veränderungen in unserem Einsatzkonzept sehr vorsichtig vorgehen müssen. Überdies besteht kein Zweifel,
daß die Politik des Bündnisses, die
den Frieden über 40 Jahre bewahrt
hat, ständiger Bekräftigung bedarf.
Dies war meines Erachtens die
deutliche Botschaft, die von unserem
jüngsten Treffen der Nuklearen Planungsgruppe in Brüssel übermittelt
wurde. Die Vereinigten Staaten konnten ihr Engagement für das Bündnis
bekräftigen und der NATO versichern,
daß die Kürzungen, zu denen wir im
Verteidigungshaushalt der Vereinigten
Staaten gezwungen sind, die Verteidigung der NATO auf keinen Fall schwächen werden.
Die
Nukleare
Planungsgruppe
stellte eindeutig fest, daß zur Abschreckung weiterhin atomare und konventionelle Waffen gehören müssen.
Ich kann mir keine Bedingungen vorstellen, unter denen wir den Abzug
aller Kernwaffen aus Europa vornehmen
könnten. Ein solches Vorgehen würde
die Abschreckung entscheidend schwächen, weil unsere Strategie der flexiblen Reaktion zunichte gemacht würde.
Aufgrund dessen brachte die NPG
ihre anhaltende Unterstützung für die
in Montebello eingegangene Verpflichtung zum Ausdruck, ein glaubwürdiges
nukleares Abschreckungspotential aufrechtzuerhalten.
Das Bündnis wird
den notwendigen Zeitplan für eine
solche Modernisierung ausarbeiten.

Es sind Forderungen nach Verhandlungen mit Moskau über eine dritte
Null-Lösung erhoben worden. Wir dürfen nicht in diese gefährliche Falle
gehen.
Eines der Hauptziele des
Kreml ist die Entnuklearisierung Europas.
Betrachtet man dieses Ziel
und die gefährlichen Bedingungen, die
sich bei dessen Verwirklichung ergeben könnten, so muß das Bündnis weiterhin diese Forderung nach einer
dritten Null-Lösung entschlossen ablehnen.
Wenn wir heute nicht den
Willen besitzen, dieser Option entgegenzutreten, könnten wir ihn dann
wirklich in irgendwelchen Verhandlungen über Kurzstreckensysteme aufbringen?
Zusätzlich zur nuklearen Modernisierung sind gemeinsame Verbesserungen in der konventionellen Verteidigung unerläßlich.
Abschreckung und
Verteidigung ebenso wie unsere Hoffnung auf ein günstiges Ergebnis der
Gespräche über die konventionellen
Streitkräfte in Europa beruhen auf
diesen Verbesserungen. Wir haben gewiß aus der Vergangenheit gelernt,
daß wir nichts gewinnen, wenn wir In
der Hoffnung einseitig Verbesserungsprogramme begrenzen oder auf sie verzichten, daß die Sowjets darauf ebenso großzügig antworten.
Wir beabsichtigen, auf der von
der Reagan-Administration hinterlassenen
starken
Sicherheitsgrundlage
aufzubauen und eine beständige Politik zu verfolgen, die weiterhin der
absoluten Notwendigkeit eines soliden
westlichen Bündnisses Rechnung trägt,
das auf eine faire Teilung von Aufgaben, Risiken und Verantwortlichkeiten
gegründet ist.
Ich bin mir der mannigfachen Forderungen nach einer grundlegenden
Neueinschätzung unserer Bündnisse und
nach umfassenden Neuerungen in der
nationalen Sicherheitspolitik bewußt.
Keiner dieser Vorschläge ist jedoch
zur Zeit für uns attraktiv.
In den Vereinigten Staaten besteht ein starker Wunsch nach Neue-

�rungen. Trotz der eindeutigen Erfolge unserer nationalen Sicherheitsstrategie wird vielfach immer noch
die Meinung vertreten, wir sollten
auf die sowjetischen Reformen mit einer Wende in unserer Strategie der
Eindämmung reagieren.
Zu häufig haben wir in der Vergangenheit ein Auf und Ab der amerikanischen Macht erlebt, haben wir gesehen, wie unsere Interessen sprunghaft von einer Region zu einer anderen wechselten, wenn verschiedene Administrationen den Schwerpunkt verlagerten. Dies ist die Art von unsteter Politik, sei es in Haushaltsfragen oder in unseren Auslandsverpflichtungen, die diese Administration zu vermeiden trachtet.
Wir sind schließlich eine mächtige Nation, die Teil einer mächtigen
Koalition ist. Wir müssen nicht auf
jeden Vorschlag oder jede Verlagerung
in der Politik unseres Hauptgegners
reagieren. Die Welt ist viel komplexer. Mit anderen Worten: Wir haben
andere Anliegen als die Sowjetunion
und wir beabsichtigen, diesen Anliegen die gebührende Aufmerksamkeit zukommen zu lassen.
In der Tat ist es die Komplexität
der Welt, mit der wir konfrontiert
sind, die von uns eine stetige und
berechenbare
Außen- und
Verteidigungspolitik verlangt, die auf einer
realistischen Einschätzung der internationalen Politik beruht.
Ich weiß, daß der Ruf nach Beharrlichkeit
und
Strategie keinen
Stoff
für aufregende Schlagzeilen
liefert. Er ist jedoch die richtige
Formel für ein großartiges Bündnis
wie das unserige, ein Bündnis, das
aus der Vergangenheit gelernt hat und
das beabsichtigt, auf seinen Erfolgen
aufzubauen.

* * * * *
- 5

�AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

'VON**

3. Mai 1989

18

ERÖFFNUNGSRUNDE DER VSBM-VERHANDLUNGEN "GENERELL POSITIV
- Interview mit Botschafer Maresca -

WASHINGTON - (AD) - Die letzten
Monat in Wien eröffnete Runde der
Verhandlungen
über
Vertrauens- und
Sicherheitsbildende Maßnahmen (VSBM)
war dem amerikanischen ChefUnterhändler, Botschafter John Maresca zufolge
"im großen und ganzen positiv".
Ein Beweis dafür ist, daß sowohl
die NATO als auch der Warschauer Pakt
bereits erste Vorschläge unterbreitet
haben, erklärte Maresca in einem Interview am 27. April 1989. Dies
steht im Gegensatz zu den früheren
Stockholmer Gesprächen, bei denen es
nahezu neun Monate dauerte, bevor die
ersten Vorschläge vorgelegt wurden,
fügte Maresca hinzu.
Die Vorschläge der beiden Bündnisse "überschneiden sich in gewissen

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Punkten", vor allem in den vom Westen
bevorzugten Bereichen, stellte der
Botschafter fest, der vom Osten unterbreitete Plan ließe jedoch Einzelheiten vermissen, fügte er hinzu.
Die Position der NATO stützt sich
im wesentlichen auf den ursprünglich
in Stockholm gemachten Vorschlag, der
damals jedoch vom Osten abgelehnt
worden war. Er fordert die 35 betroffenen Nationen auf, "umfassende
Informationen" über ihre Streitkräfte
in Europa zur Verfügung zu stellen,
die die Kommandostruktur, die genauen
Stellungen der Streitkräfte in Friedenszeiten sowie die Art des wichtigsten in Europa stationierten Geräts
beinhalten sollten. Alle diese Informationen würden jährlich vorgelegt, "so daß man im Lauf der Zeit

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Telex: 8-85432

�eine Entwicklung bezüglich der jeweiligen Streitkräfte feststellen könnte", erklärte Maresca.

handlungen stattfinden, um ihnen einen gewissen Auftrieb zu verleihen,
fügte er hinzu.

Darüber hinaus fordert der NATOVorschlag alle Nationen auf, sich gegenseitig jährlich über ihre Pläne
zur Stationierung von neuem militärischen Croßgerät zu informieren. Dem
Botschafter zufolge sei ein solches
Vorgehen als Maßnahme gegen die sowjetische Tendenz gedacht, heimlich
neue Systeme zu stationieren. Insgesamt gesehen würden die westlichen
Vorschläge die Stabilität und Berechenbarkeit
in Europa vergrößern,
fügte er hinzu.

Maresca erklärte, trotz ermutigender Anzeichen enthielten die Vorschläge des Ostens Positionen, die
der Westen für "inakzeptabel" hält,
vor allem folgende:

In der Schlußakte von Helsinki
haben sich die 35 Nationen der NATO,
des Warschauer Pakts sowie die neutralen und blockfreien Nationen auf
zwei
Inspektionsmethoden
geeinigt.
Die erste Methode gestattet die Beobachtung von militärischen Manövern.
Die andere räumt jeder Nation das
Recht ein, kurzfristig (binnen 48
Stunden) anberaumte Ad-hoc-Inspektionen aller militärischen Einrichtungen
der 35 Nationen zu fordern.
Auf diese Maßnahmen aufbauend,
enthält der NATO-Vorschlag jetzt eine
dritte Art von Inspektion, bei der
tni] itärisehe Einrichtungen in regelmäßigen Abständen aufgesucht würden,
um das dort stationierte Gerät zu inspizieren und zu zählen - ein Gedanke, der Maresca zufolge der militärischen Lage in Europa "ein zusätzliches Element der Stabilität" verleihen würde.
Ein weiterer Vorschlag des Westens, der vom Warschauer Pakt offensichtlich gut aufgenommen wurde, ist
der Gedanke, ein Seminar über Militärdoktrin und -politik zu veranstalten.
"Es ist ein günstiger Zeitpunkt" für diese Art von Übung, erklärte Maresca, und verwies darauf,
daß Themen wie die Mililtärdoktrin
und der Verteidigungshaushalt der Sowjetunion bei solchen Seminaren erörtert werden könnten. Er hoffe, das
Seminar werde noch während der Ver-

Zonen: Der Osten versucht, die
Streitkräfte des Westens innerhalb
noch festzulegender Zonen zu begrenzen. Das den Staaten des Warschauer
Pakts zur Verfügung stehende riesige
Territorium - Osteuropa plus die gesamte Sowjetunion westlich des Urals
- verglichen mit dem der NATO versetzt den Westen jedoch eindeutig in
eine schwächere Position, erklärte
der Botschafter.
Begrenzungen: Der Osten will den
Aktivitäten der westlichen Streitkräfte bestimmte Obergrenzen oder Begrenzungen auferlegen. Ohne Reduzierungen des Warschauer Pakts auf gleiche Obergrenzen würde sich auch dies
zu einem Vorteil für die Sowjetunion
auswirken. Um ihre geringere Anzahl
an Streitkräften wettzumachen, muß
die NATO ihre Fähigkeit zur Durchführung von Großmanövern aufrechterhalten, stellte er fest.
Unabhängige Luft- und Seemanöver:
Das ursprüngliche Mandat, auf das
sich sowohl die Stockholmer als auch
die Wiener VSBM-Gespräche stützen,
legt besondere Betonung auf die landgestützten
Streitkräfte,
womit
Luft- und Seeoperationen ausgeschlossen werden. Das Problem liege auf
der Hand, daß Luftübungen "außerordentlich schwer zu überwachen sind",
erklärte Maresca.
Die NATO lehnt Verhandlungen über
Seemanöver ab, da die Vereinigten
Staaten ihre Bereitschaft aufrechterhalten müssen, Europa im Falle einer
militärischen Konfrontation auf europäischem Gebiet auf dem Seeweg zu
verstärken, bemerkte der Botschafter.
Zusammengenommen

könnten

Maresca

�zufolge diese Aspekte der vom Osten
unterbreiteten Vorschläge als "Vorteilbildende Maßnahmen" beschrieben
werden.
Die zweite Sitzungsperiode der
Wiener Gespräche ist für den 5. Mai
1989 anberaumt und soll bis Mitte Juni dauern. Der Botschafter erwartet,
daß die 35 Nationen bald Arbeitsgruppen zur Erörterung bestimmter Probleme bilden werden.
Bezüglich eines
solchen Vorgehens scheine ein "Konsens" zu bestehen.
Mit Blick auf die Zukunft stellte
Maresca fest, die VSBM-Gespräche müßten über ihre Fortschritte bei der
für Frühjahr 1992 in Helsinki angesetzten KSZE-Zwischenbilanz berichten.
"Das wirkt in gewisser Weise
wie eine Frist", erklärte Maresca und
fügte hinzu, ein Abkommen könnte möglicherweise vor diesem Zeitpunkt erzielt werden.

* * * * *

�»

AMERIKA DIENST

&gt;

Wirtschaft

^ON

3. Mai 1989

18

BERICHT DES US-HANDELSBEAUFTRAGTEN ZUR BUNDESREPUBLIK
- Auszüge aus dem Bericht des Handelsbeauftragten -

WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir den die Bundesrepublik
Deutschland betreffenden Teil des Nationalen Handelsberichts über ausländische
Handelshemmnisse, der am 28. April 1989 vom Büro des Handelsbeauftragten veröffentlicht wurde.

Bundesrepublik Deutschland
Im Jahr 1988 belief sich das Handelsdefizit mit der Bundesrepublik
auf 13,1 Milliarden Dollar und war
damit 3,2 Milliarden Dollar niedriger
als 1987. Der Warenexport in die
Bundesrepublik betrug 14,3 Milliarden
Dollar, was verglichen mit 1987 einem
Anstieg von 2,6 Milliarden Dollar
oder 22,2 Prozent entspricht.
Die
Bundesrepublik Deutschland war 1988
der fünftgrößte Exportmarkt der Vereinigten Staaten. Amerikanische Importe aus der Bundesrepublik beliefen
sich 1988 auf insgesamt 27,4 Milliarden Dollar und lagen damit um 2,1
Prozent unter den Zahlen des Jahres
1987.
Die

direkten

Auslandsinvestitio-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

nen der Vereinigten Staaten in der
Bundesrepublik
betrugen 1987 24,4
Milliarden Dollar, waren also 3,6
Milliarden Dollar höher als 1986.
Die amerikanischen Direktinvestitionen in der Bundesrepublik konzentrieren sich vornehmlich auf nichtelektrische
Maschinen,
Transportausrüstungen und Mineralöl.

1. Normen, Erprobung, Beschriftung,
Zulassungsverfahren
Bestimmungen für sterile medizinische
und diagnostische Geräte
Die kürzlich in der Bundesrepublik
Deutschland
veröffentlichten
medizinischen Normen werden den Herstellern in den Vereinigten Staaten

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�voraussichtlich übermäßige Belastungen auferlegen.
In bestimmten Fällen erscheinen die neuen Normen unnötig vage. Die amerikanische Industrie vertritt die Auffassung diese
Normen seien ohne angemessene Berücksichtigung
der
Interessen anderer
Staaten verfaßt worden.
Die neuen Bestimmungen betreffen
steriles medizinisches und diagnostisches Gerät.
Besonders umstrittene
Bereiche sind unter anderem die Bestimmungen für Arneimittelproben und
Beschriftungen.
Eine Verfügung des Gesetzes bestimmt die Lagerung von Arzneimittelproben auf dem Gelände des Importeurs
statt auf dem des exportierenden Unternehmens. Vertreter der amerikanischen Industrie sind der Auffassung,
diese Bestimmung würde zusätzliche
Kosten in Höhe von 8 bis 10 Millionen
Dollar pro Jahr für die Importfirma
verursachen.
Eine Bestimmung, die
sich auf mehrere Wirkstoffe enthaltende
Arzneimittel
bezieht, wird
ebenfalls Mehrkosten verursachen, da
die Hersteller gezwungen sind, bestimmte Kontingente speziell für den
westdeutschen Markt zu beschriften.
Es ist schwierig, die Mehrkosten
genau vorauszusagen, die diese Richtlinien den amerikanischen Herstellern
medizinischer
Produkte
auferlegen
könnten. Man geht jedoch davon aus,
daß sie nachteiligen Auswirkungen auf
die Exporte medizinischer Produkte
der Vereinigten Staaten in die Bundesrepublik haben könnten.
Die Vereinigten S.taaten verwahren
sich weiterhin gegen die in der Vergangenheit angewandte Praxis der Bundesrepublik, die interessierten Parteien zu benachrichtigen, wenn neue
medizinische
Normen
verabschiedet
werden sowie gegen die übermäßigen
Kosten, die einige dieser Normen den
amerikanischen
Herstellern
voraussichtlich auferlegen werden. Amerikanische Regierungsvertreter werden
diese Themen weiterhin auf bilateraler Ebene mit ihren Kollegen in der

Bundesrepublik anschneiden.

2.

Staatliche Beschaffungen

Ausschluß ausländischer Firmen
der Liste befähigter Anbieter

von

Acht der 1 000 bundesdeutschen
Stromversorgungsunternehmen sind für
80 Prozent der Stromerzeugung des
Landes verantwortlich. Vertreter der
Bundesregierung versichern, ihr Markt
für schweres elektrisches Gerät (HEE)
sei offen.
Obwohl Verträge öffentlich ausgeschrieben werden, unterhalten die
bundesdeutschen Stromerzeuger keine
Liste der befähigten Anbieter. Entscheidungen über die Befähigung eines
Unternehmens werden vom Versorger von
Vertrag zu Vertrag auf der Grundlage
seiner Entscheidung über die Zuverlässigkeit des Anbieters und anderer
Faktoren gefällt. Bisher wurde keinem ausländischen Unternehmen der Zuschlag zum Bau eines Turbinengenerators erteilt.
Der bundesdeutsche Markt für Turbinengeneratoren und Transformatoren
wird auf rund 350 Millionen Dollar
pro Jahr geschätzt.
Amerikanische
Firmen sind zuversichtlich, daß sie
einen beträchtlichen Marktanteil für
sich gewinnen könnten, wenn die Beschaffungpraktiken offen und transparent würden.
Die Vereinigten Staaten sprechen
über dieses Thema mit Vertretern der
Bundesregierung, utr auf mehr Transparenz und Marktzugang zu drängen.
Diese umfassenden sondierenden Gespräche erstrecken sich auch auf diejenigen Versorgungsunternehmen, die
bestimmten Einfluß auf Beschaffungsentscheidungen der Bundesrepublik für
schweres elektrisches Gerät haben.
Gleichzeitig wird durch Verhandlungen
im Rahmen des GATT versucht, die Beschaffung von schwerem elektrischem
Gerät gemäß dem Regierungsbeschaffungskodex des GATT einzubeziehen.

�In ähnlicher Weise sind die Konsultationen mit der Europäischen Gemeinschaft darauf ausgerichtet, den
Zugang zum Binnenmarkt für amerikanische Hersteller von schwerem elektrischem Gerät zu sichern. Unabhängig
vom tatsächlichen Besitzer der Einrichtung versucht die EG ihre Richtlinien für diesen priviligierten Bereich auf alle öffentlichen Versorgungsunternehmen anzuwenden. Wie im
Entwurf vorgesehen, würde die Richtlinie diesen Unternehmen die Vorschrift gestatten, daß 50 Prozent aus
"heimischer" odr lokaler Produktion
zu stammen haben.

3.

Andere Handelshemmnisse

Regierungssubventionen für den Airbus
Die Airbus-Subventionen sind nach
wie vor ein Hauptstreitpunkt zwischen
den Vereinigten Staaten und der Bundesrepublik.
Im Juni 1987 kündigte
die Bundesregierung Subventionen in
Höhe von 1,65 Milliarden Dollar für
das
kommerzielle
Flugzeugprogramm
Airbus A 330 und A 340 an. Seit 1967
belief sich die gesamte Unterstützung
der Bundesrepublik für die AirbusProgramme auf über 5,6 Milliarden
Dollar, von denen bisher 2,3 Milliarden Dollar ausgegeben worden sind.
Die Subventionen der Bundesregierung gingen an Messerschmidt-BölkowBlohm (MBB), ein im öffentlichen Besitz befindliches Unternehmen in der
Bundesrepublik.
Eine Tochtergesellschaft von MBB, die Deutsche Airbus,
ist zu 38 Prozent Partner der Airbus
Industries. MBBs Partner im AirbusKonsortium
sind
Unternehmen
aus
Frankreich, Großbritannien und Spanien. Jedes dieser Unternehmen erhält zusätzlich umfangreiche Subventionen von der Regierung des jeweiligen Landes.

Handelsabkommen über die Zivilluftfahrt stehen. Die Vereinigten Staaten haben sowohl auf bilateraler Ebene als auch im GATT-Flugzeugausschuß
Diskussionen zu diesem Thema in die
Wege geleitet.
Im Herbst 1988 hat die Bundesregierung Pläne zur Privatisierung von
MBB durch den Verkauf der Kapitalmehrheit des Unternehmens an Daimler-Benz verlauten lassen. Um Daimler davon zu überzeugen, die Kontrolle über MBB zu übernehmen, mußte die
Bundesregierung die ausstehenden Verpflichtungen im Rahmen des AirbusProgramms, einschließlich einer Wechselkursgarantie in Höhe von 1,4 Milliarden Dollar umstrukturieren. Garantierte Wechselkurse für einen bestimmten Zeitraum für neue AirbusProgramme sind eine zusätzliche finanzielle Verpflichtung von nahezu 1
Milliarde Dollar.
Ferner mußte sie
einen 20prozentigen Anteil am neuen
MBB-Unternehmen
für
Zivilluftfahrt
übernehmen.
Genaue Schätzungen der
möglichen Verpflichtungen für diese
Wechselkursgarantien
bis ins Jahr
2000 liegen nicht vor und könnten den
Budgetrahmen sprengen.
Die Vereinigten Staaten haben die
Rechtmäßigkeit dieser Verfügungen im
Sinne des GATT-Subventionenkodex in
Frage gestellt und am 20. März 1989
Konsultationen gemäß dem Kodex gefordert.
Die Vereinigten Staaten werden
das Thema Airbus weiterhin mit den
zuständigen Vertretern der Bundesregierung bei der Suche nach Wegen zum
völligen Abbau oder der Begrenzung
von Subventionen durch die AirbusPartnerregierungen verfolgen.

* * * * *
Die Vereinigten Staaten haben die
Frage aufgeworfen, ob die von den
vier Regierungen für ihre Mitglieder
des Airbus-Konsortiums gewährten Subventionen im Einklang mit dem GATT- 3

�AMERIKA DIENST
Wirtschaft

3. Mai 1939

18

NEUER HANDELSBERICHT VERÖFFENTLICHT
- Unfaire Handelspraktiken von vielen Ländern angewendet -

WASHINGTON - (AD) - Der vierte
Jahresbericht der US-Regierung über
ausländische Handelsschranken findet
mehr Beachtung als die drei vorhergehenden. Dieses Jahr benutzt das Büro
des US-Handelsbeauftragten (USTR) den
Bericht mit dem Titel "National Trade
Estimate (NTE) Report on Foreign
Trade Barriers" als ein Kriterium für
die Feststellung der Länder, denen
bei einer Reihe von Untersuchungen in
Fällen unfairen Handels, die Vergeltungsmaßnahmen nach sich ziehen könnten, vorrangige Bedeutung beigemessen
wird.
Bei einer Informationsveranstaltung am 28. April 1989 erklärte der
ständige Berater des USTR, Joshua
Bolton, jedoch, der Bericht sei für
die Regierung bei der Festlegung der

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Prioritäten für Untersuchungen gemäß
"Special 301" in Fällen der Verletzung von Rechten an geistigem Eigentum sowie gemäß "Super 301" in anderen Fällen von unfairen Handelsbeschränkungen nur einer von vielen
Faktoren.
Abschnitt 301 des amerikanischen
Handelsgesetzes
ist die schärfste
Waffe des USTR gegen unfaire Handelspraktiken.
Dem Handelsgesetz von
1988 zufolge muß der USTR bis zum 30.
Mai in Fällen von "Super 301" und
"Special 301" die vordringlich zu behandelnden Länder benennen und binnen
eines Monats Untersuchungen gegen
diese Länder einleiten.
Verständlicherweise wird in diesem Bericht den Ländern, deren Han-

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�delsvolumen mit den Vereinigten Staaten am größten ist, der meiste Raum
gewidmet. "Die Seitenzahl sagt wahrscheinlich nichts darüber aus, wo die
schwerwiegendsten Probleme liegen,"
räumte Bolton ein.
Die längsten Abschnitte betreffen
jedoch Kanada, Brasilien, die Europäische Gemeinschaft (EG) und Südkorea
mit je 10 Seiten sowie Japan mit 18
Seiten. Der diesjährige Bericht enthält
Informationen
über
Handelsschranken in 34 Staaten sowie in der
Europäischen Gemeinschaft
und den
Ländern
des
Golfkooperationsrats.
Ägypten ist zum ersten Mal darin enthalten, während sieben Länder, die
vormals getrennt behandelt wurden,
heute im Abschnitt über die EG erscheinen.
Der Bericht führt mehrere japanische Handelsschranken zum ersten Mal
auf, darunter staatliche Marktinterventionen zugunsten von in Japan hergestellten Kommunikationsgeräten und
Personalcomputern, die das japanische
Betriebssystem TRON verwenden.
Dem
Bericht zufolge erarbeitet das japanische Bildungsministerium gegenwärtig technische Richtlinien für die
angestrebte unfaire Beschaffung von
2,2 Millionen TRON-Personalcomputern,
durch die einer japanischen Gruppe
von Unternehmen besondere Vorteile
verschafft werden.
Japan unterhält weiterhin unfaire
Quoten bei Weizen, Gerste, Reis,
Schellfisch, Hering, Kabeljau, Makrelen und Tintenfisch. Ferner wurden
Mängel im bis zu sechs Jahren dauernden japanischen Patentverfahren sowie
bei der Registrierung von Markenzeichen aufgedeckt, die bis zu vier Jahren dauern kann.
Der Bericht kritisiert das geschlossene
Ausschreibungsverfahren
für Bauprojekte in Japan, ein Vertriebssystem, mit dem der Marktzugang
amerikanischer Zulieferer in der Automobilindustrie behindert wird sowie
staatliche Schranken gegen amerikanische Satelliten und Supercomputer.

Dem Bericht zufolge verletzt Japan immer noch das Handelsabkommen
von 1986, in dem der US-Halbleiterindustrie
verstärkter
Marktzugang
versprochen wurde.
Aufgrund dieses
Vertragsbruchs erhalten die Vereinigten Staaten Handelssanktionen in Höhe
von 165 Millionen Dollar jährlich gegenüber japanischen Produkten aufrecht .
Auch von der Europäischen Gemeinschaft wird, wie der Bericht feststellt, ein Handelsabkommen verletzt.
Obwohl sich die EG zu Zollsenkungen
bei Kraftpapier und Pappe bereiterklärt hat, weigert sie sich nach wie
vor, die notwendigen Anpassungen bei
der
Produktdefinition
vorzunehmen,
durch die der vorgeschriebene Mindestweichholzanteil von 80 Prozent
abgeschafft würde.
Das
Handelsgesetz
von
1988
schreibt gemäß Abschnitt 301 eine
formelle Entscheidung des USTR über
Vergeltungsmaßnahmen
zwingend
vor,
wenn ein Handelsabkommen gebrochen
wurde.
Der Bericht kritisiert das EG-System variabler Abgaben auf Einfuhren
von Getreide, Zucker, Milchprodukten,
Rindfleisch, Geflügel, Eiern, Schweinefleisch und verarbeiteten Produkten. "Es dient dazu, eine Abgabe zu
erheben, die ausreicht, um die Preise
von Importprodukten über das EGPreisniveau zu verteuern", stellt der
Bericht fest.
Ferner wird der umfassende Einsatz von Exportsubventionen für Weizen, Rindfleisch, Milchprodukte, Geflügel, Nudeln sowie von Produktionsquoten für Ölsaaten und proteinhaltige Feldfrüchten durch die EG kritisiert. Zum EG-Verbot für amerikanisches Rindfleisch von hormonbehandelten Tieren enthält der Bericht keine
neuen Erkenntnisse. Nachdem die Vereinigten Staaten am 1. Januar 1989
Vergeltungszölle gegen Agrarimporte
aus der EG verhängten, haben beide
Seiten am 18. Februar 1989 eine Expertengruppe
eingesetzt,
um
den

�Streit innerhalb von 75 Tagen zu
schlichten. Die Verhandlungen dauern
an.
Neben vielen anderen Beschwerden
bleiben dem Bericht zufolge die Subventionen Frankreichs, der Bundesrepublik Deutschland, Großbritanniens
und Spaniens für den Airbus "ein besonders strittiger Bereich zwischen
den Vereinigten Staaten und der EG".
Ferner wird in dem Bericht erklärt,
der EG sei schon am 19. Januar 1989
von den Vereinigten Staaten Priorität
beim Abbau von unfairen Beschränkungen beim Zugang zum Telekommunikationsmarkt eingeräumt worden.
Der
Stand der Verhandlungen mit der EG
oder dem anderen vordringlich zu behandelnden Land, Südkorea, im Telekommunikationsbereich wird nicht erörtert.
Korea erhält Quoten bei Hunderten
von Gütern aufrecht, wobei besonders
rigorose Kontrollen für Importe von
Futtergetreide, Sojabohnen und Erdnüssen gelten - "für Erdnüsse wurde
die Quote auf Null gesetzt", stellt
der Bericht fest.
Korea verbietet
die Einfuhr amerikanischer Orangen,
während es selbst Orangen in die Vereinigten Staaten exportiert.
Im April 1989 verkündete Korea
ein Dreijahrespaket für eine Liberalisierung im Agrarbereich, das von
der amerikanischen Regierung zur Zeit
geprüft wird. Korea verhängt ungewöhnlich restriktive Gesundheitsbestimmungen für die Einfuhr von Obst,
um die heimischen Erzeuger zu schützen. So werde zusätzlich zur Erhebung einer 45prozentigen Abgabe zum
Beispiel das Aussehen von frischen
Kirschen durch die Vorschrift zur
Desinfektion bei unnötig hohen Temperaturen beeinträchtigt und ihre Regallebensdauer reduziert.
Der Bericht bezeichnet die koreanische Haltung zur Durchsetzung von
Patent-, Urheber- und Markenzeichenrechten als lax. Der ungenügende Urheberrechtsschutz allein koste die
amerikanische Industrie schätzungs- 3

weise 100 Millionen Dollar jährlich.
Bei Dienstleistungen im Rechnungs-,
Rechts- und Finanzwesen, Werbung sowie im Seeverkehr, im Transport- und
Telekommunikationswesen
unterhält
Südkorea
erhebliche
Beschränkungen
für Investitionen und Marktzugang,
möglicherweise unter Verletzung eines
Vertrages aus dem Jahr 1956. Korea
erhält einen recht hohen Durchnschnittszollsatz
von 12,7 Prozent
aufrecht.
Die hohen Zölle Taiwans sind das
Hauptimporthemmnis dieses Landes, wobei der Durchschnittssatz 12 Prozent
beträgt und Spitzenzölle von bis zu
50 Prozent für Agrarprodukte gefordert werden.
Taiwan wendet Normen
und Inspektionsvorschriften auf diskriminierende Weise an. Importiertes
Geflügel und rotes Fleisch werden regelmäßig inspiziert, während dies bei
heimischen Erzeugnissen augenscheinlich nicht der Fall ist.
Taiwan untersagt ausländische Investitionen in 55 Industriezweigen,
darunter die meisten Immobiliengeschäfte und -dienstleistungen sowie
die öffentlichen Versorgungseinrichtungen, während Investitionen in vielen anderen Bereichen beschränkt werden, darunter Bergbau, chemische Düngemittel,
Pharmazie,
medizinische
Dienstleistungen und Rechnungswesen.
Indien, das Land mit der zweitgrößten Bevölkerung der Welt, lag bei
den amerikanischen Exporten im Jahr
1988 an 24. Stelle.
"Indiens Geflecht von Marktzugangsschranken bildet ein ernstes und seit langem bestehendes Hindernis für amerikanische
Exporte", stellt der Bericht fest.
"Obwohl einige amerikanische Firmen
einzelne für den Export in Frage kommende Produkte bestimmt haben, haben
die meisten Exporteure angesichts der
umfassenden quantitativen Beschränkungen und hohen Zölle aufgegeben."
Dem Bericht zufolge bilden die
Zulassungsbestimmungen weiterhin die
wirksamste
Importschranke
Indiens.
Die meisten Konsumgüter werden nicht

�zugelassen, obwohl Indien einzelne
Zulassungskontrollen
für
Industrie
und Außenhandel gelockert hat.
Zusätzlich zu restriktiven Importzulassungsverfahren benutzt Brasilien hohe Zölle und quantitative
Beschränkungen, um amerikanische Exporte zu verhindern.
Brasilien unterhält eine Liste
von 1 000 Produkten, für die Importzulassungen verweigert werden. Durch
das "Gesetz über ähnliche Produkte"
werden andere Erzeugnisse beschränkt,
darunter etwa 90 Prozent von Importen
im
Maschinen- und
Kapitalgüterbereich, die konkurrierenden brasilianischen Produkten "ähnlich" sind.

* * * * *

- 4-

�A£°S^&lt;

AMERIKA DIENST
6

VON

#

Wissenschaft und Technik
3. Mai 1989

18

PRÄSIDIALAMT FÜR WISSENSCHAFTS- UND TECHNOLOGIEPOLITIK
Kernphysiker D. Allan Bromley als neuer Direktor nominiert

(AD) - Der Physiker Prof. D.
Allan Bromley wurde von Präsident
George Bush als neuer Direktor des
"Amtes für Wissenschaftsund Technologiepolitik" im Weißen Haus nominiert.
Wird seine Ernennung, wie erwartet,
vom US-Senat bestätigt, tritt er die
Nachfolge von Dr. William R. Graham
an. Der Präsident beabsichtigt ausserdem, Prof. Bromley als ständigen
persönlichen Berater in wissenschaftlich-technischen Fagen heranzuziehen
- eine Funktion, die Dr. Graham nicht
innehatte.
Schon seit 1972 ist Allan Bromley
Inhaber des Henry Ford II-Lehrstuhls
für Physik an der 1701 gegründeten
Yale-Universität in New Haven (Connecticut). Dort leitete er von 1970
bis 1977 die Physikalische Fakultät

United States Information Service
Embassy of the United States of America

und steht seit Jahren dem A.W.
Wright-Institut für Kernstrukturforschung als Direktor vor. Diese Fachrichtung ist Bromleys eigentliches
wissenschaftliches Spezialgebiet, auf
dem er internationalen Ruf genießt.
Nicht von ungefähr wurde er 1985 zum
Präsidenten der Internationalen Union
für reine und angewandte Physik gewählt. Zu jener Zeit äußerte er wiederholt seine Besorgnis darüber, daß
bei amerikanischen Physikern die Tendenz bestehe, sich gegenüber der internationalen Gemeinschaft der Wissenschaftler zu isolieren. Er drang
darauf, Kontakte mit Wissenschaftlern
in anderen Ländern, wo seinem Empfinden nach wichtige Fortschritte in der
Forschung erzielt wurden, zu verbessern.

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�Mitglied des wissenschaftlichen
Beraterstabes des Weißen Hauses war
D. Allan Bromley bereits seit 1981.
Ebenso gehörte er den Beratergremien
der Nationalen Akademie der Wissenschaften ("National Academy of Sciences") und der Nationalen Wissenschaftsstiftung
("National
Science
Foundation") an.
Der langiährige
Freund
Präsident Bushs bekleidete
außerdem mehrmals leitende Positionen
in Instituten und Firmen. Im Jahr
1982 war er Mitglied des gemeinsamen
amerikanisch-sowjetischen
Komitees
für Grundlagenforschung, 1978 Leiter
einer Gruppe amerikanischer Nuklearwissenschaftler bei deren Besuch in
der Volksrepublik China. Prof. Bromley ist Inhaber der Ehrendoktorwürde
einer Anzahl inund ausländischer Universitäten in Europa, der Universitäten Frankfurt, Straßburg und Padua.
Im vergangenen Jahr wurde er vom USPräsidenten mit der Nationalen Wissenschaftsmedaille
ausgezeichnet.
Ebenfalls 1988 verlieh ihm das Trinity College in Hartford (Connecticut)
einen akademischen Ehrengrad, wobei
Bromleys "beharrlicher Forschergeist
bei der Aufklärung des fundamentalen
Wesens der Materie und seine großen
Anstrengungen, Wissenschaft für jedermann zugänglich zu machen", besonders gewürdigt wurden.
Prof. Bromley stammt aus Kanada
und ist naturalisierter amerikanischer Staatsbürger. Er studierte an
der "Queen's University" in Kingston
(Ontario) und erwarb an der Universität Rochester (New York) den Doktorgrad. Von 1956 bis 1960 war er in
einer Forschungsabteilung der kanadischen Atomenergie-Behörde in leitender Position tätig. Bromley ist verheiratet und hat zwei Kinder.

* * * * *

�AMERIKA DIENST
^7

"V"

&lt;£

Wissenschaft und Technik
3. Mai 1989

18

NATIONALER RAUMFAHRT-BEIRAT WIEDEREINGESETZT

(AD) - Auf Weisung von Präsident
George Bush wurde der Nationale Raumfahrt-Beirat, in den siebziger Jahren
unter Präsident Nixon seiner Aufgabe
entbunden, wiedereingesetzt, um die
zivilen, kommerziellen und militärischen Weltraumprogramme der Vereinigten Staaten zu koordinieren.
Dem
12-köpfigen Gremium unter der Leitung
von Vizepräsident Dan Quayle gehören
u.a. die Minister für Auswärtige Angelegenheiten, Verteidigung, Finanzen, Handel und Verkehr an, ferner
der Stabschef des Weißen Hauses, der
Direktor des US-Nachrichtendienstes
CIA sowie der Chef der US-Bundesbehörde für Luftund Raumfahrt (NASA).
Auch Leiter der Haushaltsabteilung,
Richard Darman, wurde in den Beirat
berufen.

United States Information Service
Embassy of the United States of America

"Ich bin zuversichtlich, daß der
Raumfahrt-Beirat Klarheit und Logik,
Kontinuität und verbindliches Engagement in unsere Bemühungen, den Weltraum zu erforschen und zu erschließen
bringen wird", sagte der Präsident
bei einer kurzen Feierstunde im Weissen Haus.
"Mit FREEDOM müssen wir
eine bemannte Raumstation schaffen.
Wir müssen zu Investitionen von privater Seite ermutigen, und wir müssen
unsere nationale
Sicherheit durch
wirksame Verteidigungsaktivitäten im
Weltraum gewährleisten", fügte Präsident Bush hinzu.
Der Raumfahrt-Beirat hat die Aufgabe, die amerikanische Raumfahrtpolitik einschließlich ihrer langfristigen Ziele zu überprüfen, Empfehlungen zur Raumfahrtpolitik auszuar-

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�beiten und eine enge Koordinierung
sowie Technologieaustausch zwischen
dem zivilen, militärischen und kommerziellen Raumfahrtsektor zu fördern.

* * * * *

�</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST
VON**

26. A p r i l 1989

17
INHALT

DOKUMENTATION
Die deutsch-amerikanische Freundschaft auf dem Prüfstand;
Herausforderung der neunziger Jahre
- Rede von Botschafter Vernon A. Walters bei der Atlantik-Brücke
Sperrfrist: 27. April 1989, 19:00 Uhr (MESZ)
Cheney: Abkommen über konventionelle Streitkräfte von grösserer
Tragweite
- Pressekonferenz der Nuklearen Planungsgruppe (Auszüge) Howe: USA dürfen sich nicht von Europa abkoppeln
- Interview mit dem britischen Außenminister -

HINTERGRUNDMATERIAL
Die Modernisierung der Nuklearwaffen:
- von General John R~. Galvin -

i

Einige Diskussionspunkte

Hat sich die Sowjetunion wirklich verändert
- von William E. Odom -

WJSSENSCHAFT UND TECHNIK
Gemeinsam gegen die Drogengefahr
- 12. PRIDE-Kongreß in Atlanta mit Delegierten aus 81 Ländern -

* * * * *

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4

Dokumentation

26. April 1989

17

DIE DEUTSCH-AMERIKANISCHE FREUNDSCHAFT AUF DEM PRÜFSTAND
HERAUSFORDERUNG DER NEUNZIGER JAHRE
- Rede von Botschafter Vernon A. Walters bei der Atlantik-Brücke (SPERRFRIST: 27. APRIL 1989, 19:00 UHR (MESZ))
HANNOVER - (AD) - Bei seinem ersten Auftritt als Botschafter der Vereinigten Staaten von Amerika in der Bundesrepublik Deutschland erklärte Vernon A.
Walters am 27. April 1989 in Hannover, die entscheidende Herausforderung für
die Welt bestehe in der Neugestaltung der Ost-West-Beziehungen und eines sichereren Europas. Darüber hinaus würdigte Walters die herausragende Rolle,
die die NATO bei der Bewahrung eines historischen Friedens gespielt hat und
auch in Zukunft spielen wird. Um seiner Aufgabe gerecht zu werden, benötige
das Bündnis "weiterhin effektive und glaubwürdige konventionelle und nukleare
Streitkräfte".
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Botschafter Walters im Wortlaut.

Es ist mir eine Ehre, heute hier
In Hannover über die Herausforderungen
an
die
deutsch-amerikanische
Partnerschaft
sprechen
zu
können.
Ich freue mich insbesondere darüber,
meine erste Rede in Europa hier halten zu dürfen.
Eine Ansprache vor
der Atlantik-Brücke scheint mir deshalb besonders sinnvoll zu sein, weil
diese Organisation in der bemerkenswerten Geschichte des Aufbaus fester
und dauerhafter Beziehungen zwischen
der Bundesrepublik und den Vereinigten Staaten eine außergewöhnlich ehrenvolle Rolle gespielt hat.
Die
Atlantik-Brücke
verkörpert
den Wunschtraum von Menschen wie dem
verstorbenen John Jay McCloy, der in
den Jahren nach 1945 die Auffassung
vertrat, daß Frieden und Stabilität

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in Europa Freundschaft, Zusammenarbeit und Verständnis zwischen Ihrem
und unserem Land erfordere.
Ihre
Hoffnungen haben sich erfüllt, und
ich möchte an dieser Stelle die großartige Arbeit würdigen, die sowohl
die Begründer als auch die heutigen
Mitglieder der Atlantik-Brücke geleistet haben und noch immer leisten.
Es bleibt uns jedoch noch weitere gemeinsame Arbeit zu tun, und ich möchte heute einige noch vor uns liegende
Aufgaben umreißen.
Bevor ich damit beginne, möchte
ich den hier anwesenden Ministerpräsidenten Ernst Albrecht als einen
herausragenden Politiker und Förderer
der deutsch-amerikanischen Beziehungen begrüßen.
Ihre Anwesenheit ist
mir eine Ehre.

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�Meine Damen und Herren, wir ehren
heute abend das Andenken eines Mannes, der ein langjähriges Vorstandsmitglied der Atlantik-Brücke gewesen
ist und der einen sehr bedeutenden
Beitrag zur Verbesserung der deutschamerikanischen Verständigung und Zusammenarbeit geleistet hat.
KarlHeinz Beckurts, einer der führenden
Atomphysiker der Bundesrepublik und
auf der internationalen Ebene ein
Verfechter der friedlichen Nutzung
der Kernenergie, wurde vor drei Jahren von Terroristen der Rote Armee
Fraktion brutal ermordet. Durch seinen frühen und so tragischen Tod haben wir nicht nur einen guten Kollegen und hervorragenden Wissenschaftler, sondern auch einen Menschen verloren, der sich weitreichende und
tiefgehende Gedanken um die Zukunft
der Menschheit gemacht und aktiv daran gearbeitet hat, die Lebensbedingungen für die Menschen auf dieser
Erde zu verbessern. Ich fühle mich
persönlich geehrt, an diesem Abend,
der
dem Andenken von Karl-Heinz
Beckurts gewidmet ist, zu Ihnen sprechen zu dürfen.
Eine
meiner
Grundüberzeugungen
lautet, daß die Erhaltung des Weltfriedens aktive internationale Zusammenarbeit und gegenseitiges Verständnis erfordert. In meiner Eigenschaft
als amerikanischer Botschafter bei
den Vereinten Nationen von 1985 bis
1989 habe ich dazu mit multilateraler
Diplomatie und Bemühungen zur Erhaltung des Friedens einen Beitrag geleistet.
In dieser Zeit haben die Vereinten Nationen erneut ihre Funktion als
starke Kraft weltweiter Versöhnung
und als Instrument zur Konfliktlösung
übernommen.
Die Vereinten Nationen
bieten ein Forum, in dem kein einzelner Staat die Vorherrschaft hat und
fördern ein Umfeld der Flexibilität,
in dem einzelne Länder eher als in
anderen Gremien bereit sind, ihre destabtlisierende Politik abzuwandeln
oder aufzugeben. Mit dieser erweiterten Rolle der Vereinten Nationen
konnten Fortschritte für einen Frie-

den in Afghanistan, im südlichen
Afrika und im Krieg zwischen Iran und
Irak erzielt werden. Auf diese Bilanz können alle Mitglieder der Vereinten Nationen ^colz sein. Ich hoffe inständig, daß die internationale
Zusammenarbeit in den Vereinten Nationen anderen von Konflikten heimgesuchten Ländern der Welt zum Frieden
verhelfen kann.
Die Vereinten Nationen waren jedoch nicht meine erste Station auf
dem Wege internationaler Zusammenarbeit für den Frieden. Nach der Gründung der NATO, die ich als junger Offizier bei der Unterzeichnung des
Nordatlantikvertrages miterlebte, war
ich Mitglied des Stabs von General
Eisenhower, als sich das Oberste
Hauptquartier der Alliierten Mächte
in Europa (SHAPE) etablierte.
Ich
hatte das Glück, in dieser Zeit eng
mit General Eisenhower zusammenarbeiten zu dürfen. So erhielt ich die
einmalige Gelegenheit, ihn bei ganz
unterschiedlichen Ereignissen kennenzulernen und im Umgang mit ausländischen Spitzenpolitikern zu beobachten.
Nach einzelnen Treffen mit
Staats- und Regierungschefs sprach er
bei der Rückfahrt häufig über seine
Gesprächspartner und seine Reaktion
auf die behandelten Themen. Sein auf
einem ungeheuren Erfahrungsschatz basierendes Urteil war mir später von
großem Nutzen.
Er war ein ausgezeichneter Menschenkenner und besaß
die untrügliche Fähigkeit, Menschen
richtig einzuschätzen.
Eisenhower war der Ansicht, die
Völker des Bündnisses müßten für den
Gedanken der gemeinsamen Verteidigung
und insbesondere für die Notwendigkeit des NATO-Militärbündnisses gewonnen werden. Vor dem Hintergrund
der kommunistischen Machtübernahme in
Prag, des militärischen Druckes auf
Griechenland durch von Moskau unterstützte Guerillas, der Berlin-Blockade und anderer bedrohlicher Schritte
der Sowjetunion wuchs die Überzeugung
unter den Ländern Westeuropas und
Nordamerikas, daß sie sich zur Verteidigung ihrer Freiheit zusammen-

�schließen müßten. Angesichts dieser
Gefahr formierte sich die Solidarität
unseres Bündnisses.

Systems erkannt und experimentieren
nun mit vom Westen entlehnten Mechanismen.

Seitdem hat sich die Welt erheblich verändert. Dennoch stehen wir
vor neuen Möglichkeiten und Herausforderungen, die unsere Kreativität
und unseren Mut auf vielfältige Weise
auf die Probe stellen werden. Einige
dieser Herausforderungen werden sich
in den entscheidenden Bereichen der
Verteidigungspolitik und Rüstungskontrollstrategie ergeben.
Wir werden
uns mit weiteren Herausforderungen in
der Wirtschaft konfrontiert sehen und
uns grenzüberschreitenden Problemen
wie etwa dem Umweltschutz stellen
müssen. Am grundlegendsten ist jedoch die Herausforderung zur Neugestaltung
der
Ost-West-Beziehungen,
mit denen wir ein sichereres Europa
schaffen können, ein Europa, in dem
die in den Nachkriegsjahren erfolgte
Teilung überwunden werden kann.

Der Wind der politischen Reform
weht also auch in der Sowjetunion und
in Osteuropa, insbesondere in Polen
und Ungarn. Diese Tendenzen bestätigen auf eindrucksvolle Weise zwei
Grundwahrheiten. Eine ist die ungeheure
kreative
Antriebskraft
der
Freiheit des Menschen in der heutigen
Welt. Letzten Monat hat Außenminister Baker in seiner Rede in Wien von
der Schaffung eines neuen Europas gesprochen, das auf den folgenden Freiheiten basiere. Er sprach von:
Der Freiheit aller Europäer, ein
Mitspracherecht an Entscheidungen
zu haben, die ihr Leben betreffen.
Der Freiheit aller Europäer, ihre
unterschiedlichen
politischen
Meinungen zum Ausdruck zu bringen, wenn alle Ideen dankbar aufgenommen werden und Menschenrechte wahrhaft unverletzlich sind.

LEISTUNGEN UND PERSPEKTIVEN
In den Jahren seit den Herausforderungen der frühen Nachkriegszeit
haben wir viel erreicht. Durch Zusammenarbeit haben wir eine wohlhabende
und
dynamische
atlantische
Staatengemeinschaft geschaffen. Unsere demokratischen Werte und unser
Engagement für die Marktwirtschaft
eröffnen uns nie dagewesene neue Möglichkeiten zur besseren Selbstverwirklichung des Menschen.
Als der
Marshall-Plan ins Leben gerufen wurde, betrug das Bruttosozialprodukt
der Länder, die heute die Europäische
Gemeinschaft bilden, sechs Prozent
unseres BSP. Heute hat es denselben,
wenn nicht einen größeren Umfang.
Diese Erfahrungen, die sozusagen
in einem "Atlantischen Versuchslabor"
entstanden sind, finden Nachahmer auf
der ganzen Welt. Der einstmals moderne Glaube an eine zentralistische
Planung als dem kürzesten Weg zur
wirtschaftlichen Entwicklung ist ins
Wanken geraten.
Sogar die Sowjetunion und andere Planwirtschaften haben das Versagen des stalinistischen

Der Freiheit aller Europäer, Ideen und Informationen auszutauschen und ihr Recht auf Freizügigkeit wahrzunehmen.
Und schließlich sprach er von der
Freiheit und dem Recht aller Europäer, vor militärischer Einschüchterung oder einem Angriff
sicher zu sein.
Die zweite der von mir erwähnten
Grundwahrheiten lautet, daß sich echte Hoffnungen auf mehr Freiheit und
einen anhaltenden Frieden in Europa
nicht zufällig ergeben haben.
Sie
sind möglich, weil der Westen Einigkeit und
Zielstrebigkeit
bewiesen
hat. Diese Behauptung kann kaum besser verdeutlicht werden als durch die
bei den jüngsten KSZE-Verhandlungen
erzielten Erfolge des Westens bei der
Förderung der Aussichten auf mehr
Freiheit in den Warschauer-Pakt-Staaten. Dank enger Zusammenarbeit der
NATO-Verbündeten und der begrüßenswerten Unterstützung der neutralen

- 3 -

�europäischen Länder haben wir vor
kurzem in Wien ein KSZE-Dokument erarbeitet, in dem sich die Sowjets und
die Osteuropäer zur besseren Einhaltung der Menschenrechte verpflichten.
Wenn diese Maßnahmen verwirklicht
werden, wird ein wesentlich größeres
Maß an Freiheit im Osten Europas Eilzug halten.
Wir haben noch weitere Gründe zuversichtlich zu sein, daß die Entschlossenheit des Westens zu günstigen Ergebnissen führt. Mit dem NATODoppelbeschluß und der danach erfolgten Stationierung von Pershing II und
Marschflugkörpern würden - so wurde
behauptet - weitere Rüstungskontrollabkommen unmöglich gemacht. Tatsächlich spielten sie eine entscheidende
Rolle, als es darum ging, die Sowjets
zum Abschluß des INF-Vertrags zu bewegen. Die Vereinigten Staaten und
die Bundesrepublik Deutschland haben
jeder für sich einen einzigartigen
und entscheidenden Beitrag geleistet,
um die erste jemals auf dem Verhandlungsweg erzielte Reduzierung von Nuklearwaffen zu verwirklichen.
Aufgrund unseres Realitätssinns
und
unserer
Entschlossenheit
zu
Schritten wie diesen bin ich zuversichtlich, daß wir gemeinsam mit unseren Verbündeten die erforderliche
militärische Stärke aufrechterhalten
können, um bei den RüstungskontrollverhandLungen mit den Sowjets weitreichende und nutzbringende Ergebnisse zu erzielen.
Die gegenwärtig
stattfindenden Gespräche über konventionelle Streitkräfte in Europa beinhalten - wenn wir bei diesem Ansatz
bleiben - die Möglichkeit für mehr
Sicherheit in Europa. Die Absichtserklärung des Generalsekretärs Gorbatschow sein Land werde 50 000 Soldaten, 5,000 Panzer und anderes Gerät
aus Osteuropa abziehen, hat uns im
vergangen Dezember ermutigt. Darüber
hinaus begrüßen wir ähnliche Schritte
anderer Warschauer-Pakt-Staaten.
Obwohl diese Schritte für uns alle einen hoffnungsvollen Anfang bedeuten, werden sie doch das militäri-

sche Ungleichgewicht, das Unsicherheit in Europa zur Folge hat, nicht
aus der Welt schaffen. Wenn diese
Reduzierungen
vollständig
durchgeführt werden, haben die WarschauerPakt-Staaten
gegenüber
den
NATOStreitkräften bei Panzern und Artillerie immer noch einen Vorteil von
zwei zu eins. Schließlich ist eine
Uberquerung der Weichsel immer noch
einfacher als eine Uberquerung des
Atlantiks. Genau diese Vorteile sind
es, die die Möglichkeiten für einen
erfolgreichen konventionellen Angriff
beinhalten und die wir bei den Verhandlungen in Wien ausschalten müssen. Wir sollten bei den Verhandlungen Geduld und Realitätssinn walten
lassen, um ein solches Ziel zu erreichen.

DIE HERAUSFORDERUNG DER SICHERHEIT
Diese
günstigen
Entwicklungen,
die zeitlich in eine Periode innenpolitischer Reformen in der Sowjetunion
fallen, haben in unseren beiden Ländern Hoffnungen geweckt auf entscheidende Veränderungen der Ost-West-Beziehungen. Ich teile diese Hoffnungen, aber der Prozeß des Wandels hat
gerade erst begonnen, der Weg, den
wir noch vor uns sehen, ist noch lang
und viele unbeantwortete Fragen warten auf ihre Lösung.
Es scheint jedoch vielfach die
Auffassung vorzuherrschen, daß die
von uns angestrebten grundlegenden
Veränderungen bereits stattgefunden
hätten oder kurz vor ihrer Verwirklichung stünden.
Es wird behauptet,
unsere Politik der Beibehaltung starker und glaubwürdiger Streitkräfte
bei gleichzeitiger Bereitschaft zu
Rüstungskontrollverhandlungen mit der
Sowjetunion sei nicht mehr zeitgemäß
oder seiin der heutigen Zeit zu gefährlich.
Darauf möchte ich folgende Antwort geben: Die NATO wird auch weiterhin effektive
und glaubwürdige
konventionelle und nukleare Streitkräfte benötigen. Das bedeutet, daß

�wir die für diesen Bereich bestimmten
Ressourcen besser nutzen sollten. Es
bedeutet auch, daß der Umfang unserer
Verteidungsausgaben dem Stand der militärischen Fähigkeiten der Sowjetunion entsprechen muß. Auch die besten Absichten können sich über Nacht
wandeln, aber - was noch wichtiger
ist - eine einseitig geschwächte Verteidigung kann nicht an einem Tag
wiederaufgebaut werden.
Es ist Ihnen sicherlich bekannt,
daß in meinem Land vielfach die Frage
laut wird, ob die Europäer wohl ihren
gerechten Anteil an der gemeinsamen
Verteidigung übernehmen. Diese Frage
ist meiner Meinung nach falsch gestellt. Die entscheidende Frage lautet vielmehr: Halten wir, Europäer
und Amerikaner, die Streitkräfte aufrecht, die wir für unsere Verteidigung benötigen, für den Fall, daß die
Sowjets sich wieder auf ihre früheren
bedrohlicheren Verhaltensweisen besinnen, oder entscheiden sich die
Sowjets dahingehend, daß sie ihre
Streitkräfte doch nicht auf rein defensive Zwecke umstrukturieren.
Meiner Ansicht nach ist eine intensivierte Zusammenarbeit zur Verteidigung Europas entscheidend wichtig. Eine solche Zusammenarbeit kann
nicht automatisch oder über Nacht erfolgen. Wir müssen sie wirklich wollen, und wir müssen den Prozeß echter
Konsultationen innerhalb der NATO als
Fundament unserer gemeinsamen Arbeit
aufrechterhalten.
Die
deutschamerikanische Partnerschaft im westlichen Bündnis ist der Schlüssel zum
Erfolg der NATO.
Ich weiß, daß die Präsenz der etwa 1 Million - deutscher und verbündeter - Soldaten auf dem Territorium
der Bundesrepublik eine besondere Belastung darstellt, die von den Bundesbürgern getragen werden muß. gegenwärtig erarbeiten wir gemeinsam
mit Ihrer Regierung Möglichkeiten,
mit denen die Störungen im Alltag der
Bundesbürger auf ein Mindestmaß beschränkt werden können. Dies werden
wir fortführen.
Als alter Soldat

verstehe ich die Probleme nur zu gut,
die Ausbildung und Manöver für die
Bevölkerung bedeuten, auf deren Territorium sie stattfinden müssen.
Unsere - deutschen und verbündeten - Streitkräfte müssen Übungen abhalten, wenn sie ihre Effektivität
erhalten und unsere gemeinsame Sicherheit sowie die in unserer Strategie vorgesehene Vorneverteidigung gewährleisten sollen.
Unsere Streitkräfte müssen unter realistischen Bedingungen üben, so daß sie im Falle
des Aufrufs zu unserer Verteidigung den Gott verhüten möge - dazu in der
Lage sein würden.
Die Erhaltung der Stärke und Fähigkeiten bedeutet auch den Besitz
der notwendigen modernen - konventionellen und nuklearen - Waffen. In
dieser Hinsicht treten wir in eine
besonders schwierige Phase ein. Viele Menschen in unseren beiden Ländern
vertreten die Auffassung, die militärische Gefahr aus dem Ostblock habe
sich vermindert. Wir sehen aber keine Anzeichen dafür, daß die sowjetische Fähigkeit zur Durchführung eines Angriffs auf den Westen erheblich
geschwächt worden wäre.
Trotz der
von Gorbatschow angekündigten Maßnahmen hält die Rüstungsproduktion im
Osten unvermindert an.
In einer Zeit der Haushaltsdefizite werden die Regierungen unserer
Länder vor eine ausgesprochen schwierige Wahl gestellt. Meiner Ansicht
nach werden jedoch die Westeuropäer
und die Nordamerikaner, wie sie es
schon in der Vergangenheit bewiesen
haben, auch weiterhin die Stärke und
Klugheit besitzen, um die notwendigen
Opfer zur Erhaltung der Effektivität
und Glaubwürdigkeit unserer konventionellen Streitkräfte zu bringen.
Eine
angespannte
Haushaltslage
und die immer ausgefeiltere Technologie machen es mehr denn je erforderlich, verteidigungsrelevante Technologien zu schützen, mit denen wir die
zahlenmäßige
Überlegenheit
unserer
potentiellen Gegner ausgleichen kön-

- 5 -

�nen.
Die COCOM-Mitglieder stärken
ihre Systeme, mit denen sie den Handel mit strategisch wichtigen Gütern
kontrollieren, während sie gleichzeitig die Liste der von uns kontrollierten Güter überarbeiten und auf
ein Mindestmaß beschränken. Die Vereinigten Staaten unterstützen ein^u
Ausbau des Handels mit Osteuropa und
der Sowjetunion, solange er nicht unsere Sicherheit gefährdet. Aber amerikanische Unternehmen haben mehr potentielle Aufträge verloren als irgendein anderes Land, indem sie sich
an ihre COCOM-Verpflichtungen gehalten haben, und unsere Öffentlichkeit
muß die Gewißheit erhalten, daß auch
unsere Verbündeten diesen entscheidenden Bestandteil unserer gemeinsamen Verteidigung weiterhin unterstützen.

den Vereinigten Staaten und ihren
Verbündeten für die kollektive Verteidigung geschlossen wurde.
Wenn
einzelne Verbündete die historische
transatlantische
Verpflichtung
zur
gegenseitigen Verteidigung durch Teilung der Risiken zu unterlaufen suchen, werden damit aller Voraussicht
nach zentrifugale Kräfte im Bündnis
freigesetzt, die für uns alle katastrophale Auswirkungen haben könnten.
Damit hätten wir die wichtigste Lektion der zwei Weltkriege in der ersten Hälfte dieses Jahrhunderts ignoriert, die da lautet, daß Sicherheit
nur in einem Kollektiv erreicht werden kann, das gemeinsame Interessen
und Werte über kurzfristige Einzelvorteile stellt.

DIE HERAUSFORDERUNG DES WANDELS
Der Glaube an eine geringere militärische Gefahr aus dem Ostblock
und die Sorge über mögliche Konsequenzen eines Nuklearkrieges haben
Fragen darüber aufgeworfen, ob das
Bündnis wirklich weiterhin auf Nuklearwaffen zurückgreifen sollte.
Auch in diesem Zusammenhang dürfen wir nicht nur auf ein weniger gefährliches
militärisches
Gleichgewicht zwischen Ost und West hoffen.
Wir müssen uns vor Augen halten, daß
diese Waffen seit mehr als vierzig
Jahren zu einem großen Teil den Ausbruch eines Krieges verhindert haben.
Dies ist die längste Friedenszeit in
der neueren Geschichte Europas, wenn
man die Zeit zwischen dem deutschfranzösischen Krieg und dem Ausbruch
des Ersten Weltkrieges ausklammert.
Ob wir nun Kernwaffen befürworten
oder nicht, sie sind in jedem Fall
unerläßlich für die Erhaltung unserer
Fähigkeit, einen Angriff durch die
überlegenen konventionellen Streitkräfte des Warschauer Pakts abzuschrecken. Das bedeutet, wir müssen
unsere Nuklearwaffen gegenüber jeder
Art von militärischer Bedrohung modern und effektiv erhalten.
Dieses Prinzip berührt den Lebensnerv des Bündnisses, das zwischen

Sowohl in Ostais auch in Westeuropa können wir das Potential für
weitreichende Veränderungen erkennen.
Dabei ist es von entscheidender Bedeutung daß wir die Kraft und den
Kurs dieser Veränderungen nicht unter- oder überbewerten.
Veränderungen dieser Art werden
nicht über Nach und auch nicht automatisch erfolgen.
Die grundsätzlichen Entscheidungen für einen solchen
Prozeß werden in Moskau und in den
Hauptstädten
Osteuropas
getroffen.
In Polen können wir zum Beispiel die
vielversprechenden Ansätze und die
Schwierigkeiten beobachten, die mit
einem
solchen Wandel einhergehen.
Dieser hoffnungsvolle Prozeß steht
meiner Ansicht nach noch nicht unwiderruflich fest.
Unvergessen sind
die tragischen Ereignisse vom November 1956 und vom August 1968. Sie
erinnern uns daran, was geschehen
kann.
Der Westen kann eine konstruktive
und wichtige Rolle für die Verbreitung der Freiheit im Osten spielen.
Wir sollten uns aber auch vergegenwärtigen, daß unsere Rolle ihre Grenzen hat, die ihr durch begrenzte Mittel und die gegenwärtigen politischen

�Bedingungen gesteckt sind. Aufgrund
dieser Einschränkungen und der im
Ostblock
zu treffenden Grundsatzentscheidungen müssen wir in unseren
Erwartungen geduldig und realistisch
bleiben.
Dennoch glaube ich, daß sowohl
die Zeit als auch der unstillbare
Durst unserer Zeitgenossen nach Freiheit schließlich in ganz Europa die
demokratischen
Ideale
triumphieren
lassen werden, die bisher nur den Westen verbinden.
Darüber
hinaus
kündigen
sich
große Veränderungen in Westeuropa an.
Ich befürworte seit langem den Gedanken eines Europas ohne Grenzen und
freue mich über die Hinwendung zum
Binnenmarkt. Angesichts der jetzt in
der Europäischen Gemeinschaft wahrgenommenen Impulse hoffe ich, daß viele
Träume von Politikern wie Monnet, De
Gasperi und Adenauer Wirklichkeit
werden.
Als ich im Mai 1948 mit
Avereil Harriman nach Europa kam, um
den Marshall-Plan zu verwirklichen,
zielte unsere Hilfe bereits auf eine
europäische Einheit ab.
Als
ich
vor
einigen
Tagen
Washington verließ, schlugen die Wogen des Interesse an dem Geschehen in
Europa immer noch hoch. Genau wie
ich, sehen viele darin die echte Möglichkeit zur Verwirklichung von John
F. Kennedy's Traum einer atlantischen
Gemeinschaft, die von gleich starken
amerikanischen und europäischen Säulen getragen wird.
Sie sehen auch
die möglichen Vorteile eines europäischen Marktes, in dem künstliche innere Schranken abgebaut und damit in
Europa Energien und verstärkter Wettbewerb zum allseitigen Vorteil freigesetzt werden.
Andererseits muß ich offen zugeben, daß es in den Vereinigten Staaten auch Stimmen gibt, die in der
Schaffung des Binnenmarktes Grund zur
Sorge sehen. Vertreter dieses Standpunktes sind besorgt darüber, daß der
schwierige Entscheidungsprozeß, mit
dem sich die EG konfrontiert sieht,

Kompromisse hervorbringt, die dem
amerikanischen Zugang zu und der Präsenz auf dem europäischen Markt abträgligh sind. Sie sind ferner besorgt darüber, daß sich protektionistische Tendenzen wie sie etwa in der
europäischen Landwirtschaft bestehen,
verstärken könnten.
Wir Amerikaner stehen hier vor
einer
Herausforderung.
Präsident
Bush und vor ihm Präsident Reagan sahen sich wiederholt protektionistischem Druck in unserem eigenen Land
ausgesetzt.
Wenn wir diesen Druck
erfolgreich bekämpfen wollen, müssen
wir beweisen können, daß sich auch
die EG für den freien Handel einsetzt
und die ihm im Weg stehenden Schranken niederreißen kann.
Ich weiß, daß die Regierung der
Bundesrepublik ein offenes Welthandelsystem befürwortet.
Wir müssen
weiterhin intensiv zusammenarbeiten,
um zu gewährleisten, daß wir in diesem Bereich unser Ziel erreichen können.
Ich möchte noch weitere Aufgabengebiete ansprechen, die meines Wissens für Präsident Bush von großer
Bedeutung sind.
Es sind Probleme,
die über Landesgrenzen hinausgehen
und die nur durch internationale Zusammenarbeit gelöst werden können.
Schon bald wurde mir klar, daß diese
Probleme auch für die Bundesbürger
ein ernstes Anliegen darstellen.
Das erste dieser Aufgabengebiete
besteht in dem gemeinsamen Schutz unserer Umwelt. Dabei kann ich nicht
ohne Stolz feststellen, daß die Vereinigten Staaten schon seit einiger
Zeit auf diesem Gebiet eine Pionierrolle übernommen haben, indem sie
dieses Problem erkannt und Schritte
zu dessen Bewältigung in die Wege geleitet haben. Obwohl wir schon gewisse
Erfolge
verbuchen
können,
bleibt noch viel zu tun. Wir müssen
das Problem des Umweltschutzes auf
internationaler Ebene angehen, und
dabei nimmt die Zusammenarbeit zwischen Ost und West in unserem gemein-

- 7 -

�samen Kampf einen zentralen Stellenwert ein.
Das Krebsgeschwür des internationalen Terrorismus ist eine weitere
Aufgabe, die unseren ganzen Erfindungsreichtum und unsere Energie herausfordert.
Durch ihre Zusammenarbeit auf diesem Gebiet haben die
westlichen
Industrienationen
ihre
Verteidigung gegen diese Geißel der
Menschheit schon verbessert.
Dabei
weiß ich die hohe Qualität der Zusammenarbeit zwischen dem Nachrichtendienst und der Justiz in der Bundesrepublik Deutschland mit den amerikanischen Behörden außerordentlich
zu schätzen.
Die jüngsten Schlagzeilen haben
erneut die Aufmerksamkeit auf die
Herausforderung gelenkt, die im Verbot der Verbreitung chemischer Waffen
und den Mitteln zu ihrer Herstellung
liegt. Meiner Ansicht nach haben wir
jetzt eine solide Grundlage für bilaterale Zusammenarbeit auf diesem Gebiet geschaffen. Darüber hinaus versuchen wir, die mit der Bewältigung
dieses Problems befaßten internationalen Institutionen zu verstärken.
Die von Außenminister Baker im vergangenen Monat in Wien erhobene Forderung einer Konferenz mit Vertretern
von Regierung und chemischer Industrie ist ein erster Schritt in diese
Richtung.
Die Regierung
der Vereinigten
Staaten hat sich ferner der Arbeit an
einem
internationalen Vertrag zur
Ächtung aller chemischen Waffen verpflichtet.
Dies ist eine außerordentlich schwierige Aufgabe, da die
Probleme der Verifizierung so vielschichtig sind.
Dennoch sind wir
entschlossen, mit unseren europäischen Verbündeten - einschließlich
der Bundesrepublik Deutschland - zusammenzuarbeiten, um so bald wie möglich
einen wirksamen Vertrag zu
schließen.
Der Kampf zur Eindämmung des illegalen internationalen Drogenhandels
wird von unseren Regierungen mit al-

len verfügbaren Mitteln geführt. Im
Bereich der Wirtschaft ist die Schuldenkrise der Entwicklungsländer - wie
durch die jüngsten Ereignisse in Venezuela dramatisch belegt wird - ein
weiteres Beispiel für ein Problem,
das wirksamer multilateraler Maßnahmen bedarf.
Ich habe hier nur einen Teil der
wachsenden Anzahl von Problemen angeschnitten, die von der internationalen Völkergemeinschaft bewältigt werden müssen. Uns ist die Dringlichkeit von Lösungsvorschlägen wohl bewußt, und wir werden gemeinsam mit
unserer Regierung daran arbeiten.

RETROSPEKTIVE UND PERSPEKTIVEN
Unsere Erfahrungen der vergangenen vierzig Jahre sowie die Errungenschaften der letzten Jahre haben mich
gelehrt, daß ein uneingeschränktes
Engagement unserer beiden Kontinente
bei der Gestaltung eines stabilen Umfeldes für friedlichen Wandel weiterhin unerläßlich ist. Schließlich leben wir alle auf einem Planeten, der
von Jahr zu Jahr kleiner wird.
Ich bin voll und ganz davon überzeugt, daß die von Deutschen und
Amerikanern hervorgebrachte einzigartige Partnerschaft auch in den kommenden Jahrzehnten ein zentrales Element unserer Welt bilden wird. Es
handelt sich hierbei nicht nur um ein
Frage der Wechselwirkung auf den Gebieten
Politik,
Verteidigung
und
Wirtschaft. Diese Beziehungen waren
und werden von starken Grundfesten
persönlicher Freundschaften, geistiger Verbundenheit
und gemeinsamer
Werte getragen.
Es bedarf besonderer Bemühungen,
dieses Netzwerk unserer gegenseitigen
Beziehungen zu erweitern. Der Generation, deren freundschaftliche Beziehungen zu den Vereinigten Staaten
in
der
Nachkriegszeit
entstanden
sind, folgt nun eine jüngere Generation, die den Wiederaufbau nach dem
Krieg nicht selbst erlebt hat und die

�nicht Zeuge des unglaublichen Wunders
war, das von Ihren Landsleuten beim
Wiederaufbau des verwüsteten Deutschlands der Nachkriegszeit vollbracht
wurde - und dieses Wunder konnte
vollbracht werden, ohne daß Sie Ihre
Freiheit dafür opfern mußten.

müssen.
Ich darf Ihnen versichern,
daß Präsident Bush und Außenminister
Baker keinerlei Zweifel an der Loyalität unserer deutschen Freunde bezüglich
gemeinsamer
Vorstellungen
oder der Prinzipien des Atlantischen
Bündnisses hegen.

Bundeskanzler Kohl, von der Bedeutung
der
deutsch-amerikanischen
Beziehungen tief überzeugt, ist sich
dieser Herausforderung voll und ganz
bewußt. Im Hinblick auf die Zukunft
der Beziehungen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und den Vereinigten Staaten bin ich voller Zuversicht. Wir Amerikaner sind fest entschlossen, diese Aufgabe in enger Zusammenarbeit mit unseren deutschen
Freunden in Angriff zu nehmen.

Allerdings bestehen Gelegentlich
ernsthafte
Meinungsverschiedenheiten
im Hinblick auf den Wesensgehalt bestimmter politischer Maßnahmen. Wenn
dem so ist, sollten wir objektiv an
den Kern der Sache herangehen.

Als ein Leitmotiv meiner Gedanken
heute betrachte ich die Notwendigkeit, in den vor uns liegenden Jahren
das richtige Gleichgewicht zwischen
Kontinuität und Wandel herzustellen.
Ich bin zutiefst davon überzeugt, daß
die weltweit stattfindenden positiven
Veränderungen
nur deshalb möglich
sind, weil wir unsere Politik stark
und konsequent durchsetzen und uns
über Grundsätzliches einig sind. Angesichts der neuen Herausforderungen
sollten wir das was wir aus der Geschichte gelernt haben, hier auf's
Neue anwenden.
Innerhalb der atlantischen Staatengemeinschaft ist die deutsch-amerikanische Beziehung gesund und dynamisch. Wir blicken auf eine Tradition enger Konsultationen und Kooperation zurück, eine Tradition, die
heute fortbesteht und auch in Zukunft
fortbestehen muß.
Wir sehen uns jedoch mit Gefahren
konfrontiert, die vermieden werden
müssen, wenn unsere Partnerschaft
weiterhin gedeihen soll. Auf deutscher Seite nehme ich eine Tendenz zu
der Auffassung wahr, die Bundesrepublik werde ungerechterweise zur Zielscheibe amerikanischer Kritik.
Das
gibt mir das Gefühl, ständig ihre
Loyalität unter Beweis stellen zu

In den Vereinigten Staaten müssen
wir die Tendenz bekämpfen, daß einzelne Streitpunkte manchmal die bilaterale
Tagesordnung
überschatten.
Dies zu tun erfordert unsererseits
Selbstdisziplin und ein gesundes Gefühl für Prioritäten.
In der Verwirklichung dieses Ziels sehe ich
meine Aufgaben.
Im Grunde meines Wesens bin ich
Optimist. Darunter verstehe ich, daß
ich Vertrauen in unsere Fähigkeit
setze, unsere Zukunft mit Vernunft
und gemeinsamen Vorgehen zu gestalten. Ein rationaler Ansatz in den
vor uns liegenden wichtigen Zeiten
erfordert von uns, Lehren aus unseren
bisherigen Erfolgen oder Fehlschläge
zu ziehen.
Die vor uns liegenden Aufgaben
können nur dann bewältigt werden,
wenn wir nach diesen historischen
Lehren vorgehen. Was die Zukunft der
deutsch-amerikanischen
Beziehungen
betrifft, bin ich zuversichtlich, daß
wir Amerikaner unseren Beitrag leisten werden.
Gleichzeitig besitze
ich bezüglich unserer gemeinsamen
Ziele ein unbegrenztes Vertrauen in
das deutsche Volk.

- 9 -

�AMERIKA DIENST
%roN^

Dokumentation
26. April 1989

17

CHENEY: ABKOMMEN ÜBER KONVENTIONELLE STREITKRÄFTE VON GRÖSSERER TRAGWEITE
- Pressekonferenz der Nuklearen Planungsgruppe (Auszüge) -

BRÜSSEL - (AD) - Im Rahmen einer Pressekonferenz zum Abschluß der Frühjahrstagung der Nuklearen Planungsgruppe (NPG) der NATO erklärte der amerikanische Verteidigungsminister Cheney am 20. April 1989 in Brüssel, die Frage
von Verhandlungen zwischen NATO und Warschauer Pakt über die nuklearen Kurzstreckensysteme sollte "zum gegenwärtigen Zeitpunkt" nußer acht gelassen werden, da die gerade stattfindenden Verhandlungen über die konventionellen
Streitkräfte "von größerer Tragweite und von größerer Bedeutung sind". Die
Sowjets waren "stets um ein entnuklearisiertes Europa bestrebt", weil sie dadurch in der Lage sein würden, ihre "überwältigende Überlegenheit im konventionellen Bereich" ins Spiel zu bringen.
Nachfolgend veröffentlichen wir Auszüge aus der Pressekonferenz der Nuklearen Planungsgruppe im Wortlaut:
Wörner: Meine Damen und Herren,
bei unserem Treffen der NPG haben wir
die in den vergangenen Monaten geleistete Arbeit überprüft.
Wir haben
Orientierungspunkte
geliefert, mit
deren Hilfe die Arbeit im Einklang
mit unserem stufenweisen Ansatz weitergeführt werden kann. Wir haben
ein breites Spektrum von Fragen diskutiert. Wie Ihnen bekannt ist, waren bei diesem Treffen keinerlei Entscheidungen zu fällen.
Der amerikanische Verteidigungsminister hat uns über die Modernisierung der sowjetischen Atomstreitkräfte informiert. Dabei wurde uns deutlich vor Augen geführt, daß die Sowjets ihre Streitkräfte modernisiert
haben und dies auch in Zukunft tun
werden.
Ferner
trug der SACEUR
(Oberster Alliierter Befehlshaber in

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Europa) seine Analyse der künftigen
Erfordernisse im Nuklearbereich vor.
Wie Sie dem Kommunique entnehmen können, herrscht Übereinstimmung über
die Grundlage unserer künftigen Arbeit.
Cheney:
Dies war meine erste
Teilnahme an einem Treffen der NPG
seit meiner Berufung zum Verteidigungsminister, und von diesem Standpunkt aus war es ein interessantes
und informatives Erlebnis. Ich teile
die Ansicht des Generalsekretärs, daß
dies eine produktive Sitzung war, in
der wir viel geleistet haben. Ich
bin befriedigt, daß das veröffentlichte Kommunique die Tatsache widerspiegelt, daß wir zur Fortsetzung unseres stufenweisen Ansatzes in der
Lage sind, um ein wirksames und
glaubwürdiges
Abschreckungspotential

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Telex: 8-85432

�aufrechtzuerhalten, dem in der Strategie des Bündnisses eine Schlüsselfunktion zukommt.
Wie Manfred schon sagte, haben
wir einige definitive Informationen
zu dem Vortrag, der über die Modernisierung sbe mühungen der Sowjets J.a
Hinblick auf ihre Kurzstreckeudysteme
gehalten wurde. Es gibt dazu eine
Übersicht, die wir am Ende dieser
Pressekonferenz verteilt werden wird.
Cheney:
Das werde ich gern
tun. Eine der Entwicklungen, die ich
im Verlauf unserer Gespräche und Beratungen begrüßt habe, war der von
mir gewonnene Eindruck - und hierzu
hat sicher jeder Minister seine eigene Meinung -, eines Konsenses im
Bündnis, daß wir die Neigung zu einer
dritten Null-Lösung um jeden Preis
vermeiden müssen.
Das Kommunique bezieht sich insbesondere darauf, daß unsere Strategie der Abschreckung auch in absehbarer Zukunft sowohl konventionelle
als auch nukleare Streitkräfte erfordert. Bei dieser Konferenz haben wir
erneut unsere Entschlossenheit bekundet, zu gewährleisten, daß die NATO
in ihrem gesamten Spektrum eine Vielfalt Uberlebensfähiger und im Einsatz
flexibler
Nuklearstreitkräfte
besitzt. Meines Erachtens muß man von
der Annahme ausgehen, daß Kernwaffen
im Hinblick auf unsere Verteidigungshaltung weiterhin wichtiger Bestandteil einer effektiven Abschreckung
sind.
Das Problem
von Verhandlungen
über
nukleare
Kurzstreckensysteme
sollte meiner Ansicht nach zum gegenwärtigen Zeitpunkt außer acht gelassen werden, da den gegenwärtigen Bemühungen zur Aushandlung eines Abkommens über konventionelle Streitkräfte
von größerer Tragweite und größerer
Bedeutung zukommt.
Die Sowjets waren stets um ein
entnuklearisiertes Europa bestrebt.
Das war immer schon eines ihrer strategischen Ziele und ein Kurs, den sie
in Verhandlungen zur Beseitigung der

Atomwaffen aus Europa verfolgten, damit dann ihre überwältigende Überlegenheit im konventionellen Bereich zu
Tragen käme. Ihr käme dann größere
Bedeutung zu als heute. Es wäre ein
Fehler, sich unsererseits zu einer
Zeit auf Verhandlungen über nukleare
Kurzstreckensysteme einzulassen, da
die Sowjets weiterhin solch einen
überwältigenden
Vorsprung
bei den
konventionellen Fähigkeiten haben.
Frage: Ich möchte Herrn Cheney
noch eine Frage stellen. Natürlich
bestehen im Bündnis erhebliche Meinungsunterschiede zur Modernisierung
oder zum Ersatz der Lance-Rakete.
Ich möchte Herrn Cheney fragen, ob
überhaupt Fortschritte im Hinblick
auf eine Entscheidung über Lance erzielten wurden, und wenn ja, welche?
Cheney:
Ich möchte dazu nochmals unterstreichen, was Manfred zu
Beginn der Konferenz betonte:
bei
dieser Zusammenkunft sollten keine
"Entscheidungen
getroffen"
werden.
Das Treffen diente einer ersten Information über die von SACEUR durchgeführte Untersuchung zu den Erfordernissen für Atomwaffensysteme. Genau das erfolgte, und wir erhielten
die von der High Level Group erarbeitete Studie.
Jetzt ist dies ein kontinuierlicher Prozeß.
Seit einiger Zeit
gibt es Bestrebungen zum schrittweisen Vorgehen bei der Erhaltung unserer glaubwürdigen Fähigkeit zur Abschreckung. Meiner Ansicht nach nahm
die Konferenz ihren erwarteten Verlauf. Ich bin mit dem Ergebnis zufrieden, daß zu diesem Zeitpunkt keine Notwendigkeit für eine Entscheidung zur Stationierung eines bestimmten Systems bestand. Im vorliegenden
Kommunique werden unsere Interessen
ausreichend berücksichtigt, so daß
ich dem Kongreß diesen Fall vorlegen
kann, damit die zur Finanzierung von
Forschung und Entwicklung dieser Systeme notwendigen Mittel bewilligt
werden können.
Frage:
Werden Sie die in Absatz 6 angesprochenen Punkte voran-

- 2 -

�treiben?
Überschreitet
dies ihre
Kompetenzen, wie
es im Pentagon
heißt?
Wird dies eine politische
Entscheidung sein?
Es heißt, daß
diese Entscheidungen in einem umfassenderen politischen Kontext getroffen werden - heißt das, diese Entscheidung wird nicht von Ihnen allen
getroffen?
Cheney:
Dazu sollte angemerkt
werden, daß Entscheidungen von dieser
Tragweite im Bündnis auch eine technische und eine militärische Dimension haben, die Entscheidungen darüber aber von den Politikern der beteiligten Länder getroffen werden.
Das ist ein Bündnis souveräner Staaten, und in allen beteiligten Ländern
wie auch unter uns gibt es gesunde
politische Debatten. Ich erwarte also, daß endgültige Entscheidungen
über
die
Beibehaltung
effektiver
Streitkräfte auf dem neuesten Stand
in diesem Rahmen getroffen werden.
Frage:
Absatz 5 des Kommuniques beginnt mit dem Satz: "Im Einklang mit unserem schrittweisen Ansatz, demzufolge Entscheidungen getroffen werden, wenn dies erforderlich ist." Meine Frage lautet, welche Art von Entscheidung wird bis
1991-92 notwendig sein?
Nur eine
Entscheidung über das wann und wo der
Modernisierung, oder auch über die
Frage der Modernisierung an sich?
Cheney:
Meiner
Ansicht
nach
ist die Frage des "ob" der Modernisierung
bereits grundsätzlich Bestandteil des Kommuniques in dem Sinne, daß wir über die Bedeutung der
Aufrechterhaltung der Nuklearfähigkeit sprechen -, daß die NATO tatsächlich ein Vielfalt von überlebensfähigen, operativ flexiblen Nuklearstreitkräften über das gesamte Spektrum besitzt.
Diese Streitkräfte
müssen auf dem neuesten Stand gehalten werden, wo dies erforderlich ist.
Der Generalsekretär hat bereits
das Datum angesprochen, zu dem die
Lance voraussichtlich veraltet sein
wird - Mitte der neunziger Jahre.
Ich glaube, man kann davon abweichen

und sagen, daß wir hoffentlich bis
1991 oder 92 bestimmte Entscheidungen
im Hinblick darauf getroffen haben
werden, welche Systeme stationiert
werden. Aber an diesem Punkt sind
wir eindeutig noch nicht angelangt.
Im Moment besteht kein Bedarf für
solche klaren Entscheidungen.
Und
aus diesem Grund finde ich akzeptabel, was in das Kommunique aufgenommen worden ist.
Frage:
Herr
Verteidigungsminister, kürzlich sagten Sie, ich zitiere:
"Meiner Ansicht nach müssen
wir im Hinblick auf Nuklearraketen
kürzerer
Reichweite
Verhandlungen
aufnehmen."
Zumindest ein anderes
Land vertritt den Unterlagen zufolge
die Meinung, daß dies letztlich vielleicht doch gar keine so schlechte
Idee ist.
Könnten Sie dazu vielleicht einige Ausführungen machen,
und eventuell auch Generalsekretär
Wörner?
Cheney: Natürlich kann ein anderes Land diese Ansicht vertreten.
Wir teilen sie zu diesem Zeitpunkt
jedoch nicht. Ich glaube, wir haben
die Position der amerikanischen Regierung hinreichend klargestellt, daß
Verhandlungen über Nuklearstreitkräfte kürzerer Reichweite heute nicht
angebracht
sind.
Herr
Minister
Younger hat sehr offen eine Meinung
vorgebracht, die ich teile - nämlich,
daß die Betonung im Hinblick auf das
europäische
militärische
Gleichgewicht heute primär auf konventionelle
Waffen gelegt werden sollte, und
nicht auf Nuklearstreitkräfte kürrzerer Reichweite.
Wörner:
Ich möchte nur hinzufügen, daß diese Frage zweifelsohne
im Rahmen des Gesamtkonzepts erörtert
werden wird. Und zweitens unterhält
die Sowjetunion heute noch immer
vierzehnmal soviele Waffensysteme wie
wir. Um ihren guten Willen unter Beweis zu stellen, fordern wir sie zu
Reduzierungen auf.
Ich wiederhole,
was ich in Washington gesagt habe warum nicht reduzieren. Wir haben in
den vergangengen fünf Jahren einseitig 2 400 nukleare Gefechtsköpfe ab-

- 3 -

�gebaut - das entspricht einem Drittel
unseres Nuklearpotentials - und die
Sowjets haben um keinen einzigen reduziert. Sie haben den Abbau von 24
Systemen angekündigt - verglichen mit
2 400 - es bleibt also genug Raum für
weitere Schritte ihrerseits.
Frage:
Herr
Generalsekretär,
in Brüssel vernimmt man Gerüchte, die
Bundesrepublik Deutschland würde zu
einem NATO-Partner geringerer Qualität, nachdem es ihr bis heute nicht
gelungen ist, eine Entscheidung über
die Modernisierung zu treffen und sie
die Verlängerung des Wehrdienstes auf
18 Monate zurückgenommen hat. Wie
denken Sie darüber?
Wörner: Es steht mir nicht zu,
nationale Entscheidungen zu kommentieren, aber ich möchte zwei Bemerkungen machen. Erstens hege ich keinerlei Zweifel, daß die Bundesrepublik weiterhin ein verläßliches Mitglied
des Bündnisses sein wird.
Zweitens gehe ich davon aus, daß die
Bundesrepublik Deutschland ihrer Verpflichtung nachkommen und die für die
NATO notwendigen Streitkräfte aufrechterhalten wird.

Frage:
Herr
Verteidigungsminister Cheney, unabhängig davon, ob
Entscheidungen getroffen worden sind
oder nicht, wurden bei dieser Sitzung
irgendwelche
alternativen
erwähnt,
auf die man im Notfall zurückgreifen
kann, wenn die Lance oder andere Systeme nicht modernisiert werden, zum
Beispiel Gespräche über größeres Vertrauen in die in Großbritannien stationierten Bomber? Wurde eine solche
Alternativlösung zur Modernisierung
erwähnt?
Cheney:
Zumindest
in
keinem
der Gespräche, an denen ich teilgenommen habe.

* * * * *

�AMERIKA DIENST
Dokumentation
26. April 1989

17

HOWE:

USA DÜRFEN SICH NICHT VON EUROPA ABKOPPELN

- Interview mit dem britischen Außenminister -

WASHINGTON - (AD) - Die Sicherheit Westeuropas und Nordamerikas hängt in
erster Linie von der Geschlossenheit der NATO ab, erklärte der britische
Außenminister Sir Geoffrey Howe im amerikanischen Fernsehen am 18. April 1989.
Da die Sowjetunion versuche, die Vereinigten Staaten von Europa abzukoppeln,
müsse der Westen sicher sein, daß Gorbatschows Vorschlag für "ein gemeinsames
Haus Europa" die Vereinigten Staaten nicht ausschließe.
Nachfolgend veröffentlichen wir das in der Sendung MacNeil/Lehrer News
Hour am 18. April 1989 geführte Interview mit dem britischen Außenminister.
Koproduzent der Sendung war WNET-TV und MACNEIL/LEHRER GANNET PRODUCTIONS.
Copyright (c) 1989 Educational Broadcasting Corporation and GWETA.
Rechte vorbehalten).
Frage: Welches Thema stand bei
Ihrem Besuch bei Präsident Bush im
Weißen Haus an erster Stelle?
Antwort:
Das Hauptthema war
natürlich der gesamte Komplex der
Ost-West-Beziehungen, da wir erst
kürzlich mit Staats- und Parteichef
Gorbatschow
und
Außenminister
Schewardnadse in London zusammengetroffen sind und das NATO-Gipfeltreffen in Kürze stattfindet. Weitere
Gesprächsthemen waren das südliche
Afrika und der Nahe Osten.
Frage: Gibt es aus Ihrer Sicht
irgendwelche größeren Probleme mit
den bevorstehenden Rüstungskontrollgesprächen?
Antwort!

Nicht

im

mindesten.

United States Information Service
Embassy of the United States of America

(Alle

Meiner Ansicht nach müssen wir die
sich uns im Bereich der Rüstungskontrolle bietenden Chancen so gut
wie möglich nutzen, um die RUstungskontrollgespräche in die Wege zu leiten und zu einem fruchtbaren Ende zu
bringen. Gleichzeitig müssen wir jedoch auch die Bereitschaft der Bevölkerung
aufrechterhalten,
effektive
Verteidigungs- und
Sicherheitskräfte
zu unterhalten. Beides gleichzeitig
ist ziemlich schwierig.
Frage: Warum?
Antwort;
Die Menschen
geben
sich gerne dem Glauben hin, daß sowieso alles abgeschafft wird und die
Zukunft rosig aussieht. Wenn wir also Truppenreduzierungen vornehmmen,
warum nicht gleich die ganze Vertei-

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�digung abschaffen?
Ich übertreibe
natürlich, aber die Tatsache bleibt
bestehen, daß wir unsere atomaren Fähigkeiten
aufrechterhalten
müssen;
wir müssen sie auf dem gebotenen
Stand halten, aber gleichzeitig das
generelle Klima der Beziehungen verbessern.
Frage:
Hat das etwas mit der
anscheindend anhaltenden Skepsis zu
tun, die zumindest in Großbritannien
über Gorbatschow und seine Absichten
vorherrscht?
Antwort:
Ich glaube nicht nur
in Großbritannien.
Meiner Ansicht
nach haben wir hier in Großbritannien
mehr als alle anderen Gorbatschow ein
gutes Gelingen gewünscht und hoffen
auf Erfolg für seine bewundernswerte
Aufgabe, die sowjetische Wirtschaft
von Grund auf umzugestalten.
Wir
wünschen ihm, daß sich auch in der
Außenpolitik ein positiveres Denken
breit macht - das befürworten wir uneingeschränkt.
Aber wer weiß, ob er Erfolg haben
wird? In der Sowjetunion sind noch
immer sehr mächtige Kräfte am Werk,
die das starke militärische Einsatzkonzept aufrechterhalten wollen. Was
geschieht, wenn er keinen Erfolg hat?
Wir müssen die Ereignisse im historischen Kontext betrachten und uns
auf das Schlimmste gefaßt machen,
während wir auf das Beste hoffen.
Frage:
Besteht
denn
Skepsis
bezüglich Gorbatschow selbst und seinen Absichten?
Antwort:
Das glaube ich eigentlich nicht. Wenn man seine Reden
liest, hat er meiner Ansicht nach erkannt, daß man mit Zwangsarbeit im
Hinblick auf Wirtschaft und Politik
schlechte Karten hat - er muß ganz
von vorne anfangen. Wenn ihm das gelingt, muß er einige der abschreckenden
außenpolitischen
Verwicklungen
überdenken, in die sich die Sowjetunion
hineinmanövriert
hat.
Die
Truppen werden aus Afghanistan abgezogen. Bei Kuba wartet er noch immer

auf eine Gegenleistung für all das
Geld, das in dieses Land geflossen
ist - um nur einige Beispiele zu nennen.
Andererseits unterhält er noch
immer einen mächtigen, enormen Bestand an chemischen Waffen. Er hat
noch immer eine riesige Armee und
Auswahl an Streitkräften - zwei- oder
dreimal größer als die der NATO ;n
Europa. Man muß also alle Aspekte
der Person Gorbatschow und seiner Politik berücksichtigen.
Frage:
Es wurde Kritik laut,
daß der Westen die Antwort auf den
von Moskau unterbreiteten Vorschlag
über einen umfassenden Abbau der konventionellen Rüstungen verzögert hat.
Können Sie dazu etwas sagen?
Antwort:
Das ist nicht richtig. Man muß sich vor Augen führen,
daß der Westen seit Jahren auf Fortschritte bei der Rüstungskontrolle
gedrangt hat - bei chemischen, nuklearen und in Europa vor allem bei konventionellen Waffen - da die Sowjets
bei Panzern, Artillerie usw. weit
überlegen sind.
In diesem Bereich
wollen wir Fortschritte sehen.
Vor erst sechs Wochen habe ich in
Wien die Vorschläge des Westens zu
einem sehr umfassenden Abbau dieser
Waffenkategorien unterbreitet und die
Sowjetunion hat jetzt im Versuch,
diese zu überbieten, noch drastischere Vorschläge gemacht. Nachdem wir
zehn Jahre lang versucht haben, sie
überhaupt zu einem Schritt zu bewegen, würden wir eine Antwort auf die
jetzt von uns unterbreiteten Angebote
und Forschritte in diesem Bereich begrüßen.
Frage: Abgesehen von Ihrem Gespräch mit dem Präsidenten waren Sie
heute auch auf dem Capitol Hill. Ein
Kongressabgeordneter, der Vorsitzende
des Streitkräfteausschusses des Repräsentantenhauses, Les Aspin, hat
vor kurzem erklärt, die Position der
NATO sei zu vorsichtig und würde dem
Wunsch des Westens nach Kürzung der

- 2 -

�Verteidigungausgaben nicht gerecht.
Wurde dieses Thema heute erneut angesprochen?
Antwort:
Natürlcih haben wir
darüber gesprochen. Wir kommen jedoch auf den gleichen Punkt zurück.
Jahrelang haben wir versucht, bei der
Rüstungskontrolle
Fortschritte
mit
der Sowjetunion zu erzielen. Schließlich ist es uns gelungen, ihre Zustimmung zur Aufnahme neuer Gespräche
zu gewinnen, nachdem die gescheiterten
Verhandlungen
beendet
worden
sind. Wir haben drastische Vorschläge unterbreitet, damit sie ihre Überlegenheit abbauen und gleichzeitig
unsere eigene Gesamtzahl verringert.
Wir wollen, daß sie ernsthaft darüber
verhandeln.
Die Vorschläge kommen
gerade frisch aus der Druckerpresse,
also steht es uns nicht an, sie schon
wieder beiseite zu legen und neue zu
produzieren. Man muß erst einmal gehen lernen, bevor man laufen kann.
Hier müssen Fortschritte erzielt werden.
Frage:
gesagt?

Haben Sie das Les Aspin

Antwort:
Das habe ich allen
gesagt, die heute im Verlauf des Tages getroffen habe.
Frage:
reagiert?

Und

wie

hat

er darauf

Antwort:
Nun, sicherlich hat
die Medaille auch eine Kehrseite, die
ich aber nicht akzeptiere. Ich bin
nicht gegen eine erfolgreiche Rüstungskontrolle
eingestellt.
Wir
möchten Fortschritte erzielen, und
wir in Großbritannien haben eine bedeutende Rolle bei deren Förderung
gespielt. Wir sollten jedoch Schritt
für Schritt in einer realistischen
Art und Weise vorgehen.
Frage: Wie steht es dann mit
dem anscheinend ziemlich weit verbreiteten
und
teilweise
von
Gorbatschows charismatischen Besuchen
in der ganzen Welt hervorgerufenen Eindruck, demzufolge er mehr an der

Verringerung von Waffen interessiert
ist als die NATO. Stellt dieser Eindruck für Sie ein Problem dar und
stimmen Sie zu, daß es ihn wirklich
gibt?
Antwort:
Meines
Erachtens
stellt er aus zwei Gründen ein Problem dar. Erstens, weil die Menschen
schon so lange daran gewöhnt sind,
mit einer unbeweglichen sowjetischen
Führung zu leben, so daß der Wechsel
zu Gorbatschow, einem handfesten Politiker, der über reale Probleme mit
einem menschlichen Ansatz spricht,
den Menschen ein großes Gefühl der
Erleichterung
vermittelt.
Danach
sollten sie sich anschauen, was wirklich geschieht. Bedenken Sie, daß er
diese riesige Überzahl an Waffen aller Art besitzt.
Und wie ich gestern schon erklärt
habe, kann er aus einem gut ausgestatteten Hut noch lange Zeit gut bewaffnete Hasen herausziehen. Er hat
eine Menge Waffen mehr abzubauen als
wir. Die Menschen müssen also gewarnt werden, ohne daß man ihnen nun
sagt, Herr Gorbatschow sei kein guter
Kerl, ohne ihnen zu sagen, wir sollen
ihm nicht stets vertrauen, aber indem
wir ihnen einfach sagen: "Wir müssen
sorgfältig beobachten, was wirklich
vorgeschlagen wurde, weil sie immer
noch ein großes Waffenarsenal besitzen, weil sie immer noch mehr chemische Waffen haben als der Rest der
Welt zusammen und weil sie immer noch
mehr Panzer als die NATO und der Warschauer Pakt zusammen besitzen." Es
ist also noch ein langer Weg zurückzulegen. Wir sind bereit, mit ihm
diesen Weg zu gehen, aber wir sollten
dabei Vorsicht walten lassen.
Frage:
Was sagen sie denjenigen, die der Meinung sind, die NATO
sollte noch über die von Gorbatschow
vorgeschlagenen
Streitkräftereduzierungen hinausgehen und bis auf die
Hälfte heruntergehen, wenn der Warschauer Pakt ebenfalls bis auf dieses
Niveau reduziert? Ist das ein gänzlich unrealistischer Vorschlag?

- 3 -

�Antwort:
Nun, es wäre meines
Erachtens ein Versuch, zu laufen bevor man in der Lage ist zu gehen.
Wenn man die Situation des Warschauer
Pakts betrachtet, mit etwa dreimal so
vielen der wichtigsten Waffensysteme
wie Panzern und Artillerie wie wir,
und wenn wir dann sagen, "in Ordnung,
laßt uns beginnen, laßt uns erhebliche Reduzierungen auf unserer Seite
vornehmen und laßt uns auf Eurer Seite Reduzierungen vornehmen, um dasselbe Niveau wie bei uns zu erzielen", dann müssen sie erheblich mehr
Waffen beseitigen als wir, weil sie
ohnehin schon dreimal soviel haben
wie wir. Wir sollten sehen, ob sie
es damit ernst meinen.
Wenn sie
wirklich darauf eingehen, wenn sie
wirklich ihre enorme Panzerproduktion
einstellen, die heute noch stattfindet - sie stellen weiterhin neue Panzer her, neue U-Boote. Es gibt also
noch genug Zeit, um noch dramatischere Pläne zu schmieden, wenn wir diesen hier unter Dach und Fach haben.
Frage:
Betrachten
wir
Gorbatschows Vorschläge und seine
Auftritte in der ganzen Welt sowie
sein Reden von einem "gemeinsamen
europäischen Haus", das meines Erachtens die UdSSR, nicht jedoch die Vereinigten Staaten einbezieht - was beabsichtigt er Ihrer Meinung nach damit?
Antwort:
Nun, meines Erachtens
ist das "gemeinsame europäische Haus"
ein attraktives Schlagwort. Er hat
von einem "gemeinsamen pazifischen
Haus" gesprochen. Er hat sogar schon
von einem "gemeinsamen arktischen
Haus" gesprochen. Er hat eine ganze
Menge Häuser in seinen Plan eingearbeitet. Die Wahrheit ist aber, daß
das europäische Haus, in dem die europäische Zivilisation - Menschenrechte, Demokratie, Selbstbestimmung,
Freiheit - wirklich gedeiht, ein Haus
ist, das nicht von der Sowjetunion
entworfen wurde. Dieses Haus wurde
in Westeuropa und bei Ihnen auf der
anderen Seite des Atlantiks entworfen. Es ist ein Haus, dessen Fundamente von uns gelegt wurden. Und

wenn er bereit ist, die Bewohner der
Warschauer-Pakt-Staaten in unsere Art
von sozialen, politischen und liberalen Strukturen einziehen zu lassen,
wenn er bereit ist, die Sowjetunion
darin einziehen zu lassen, dann werden wir sie freudig begrüßen. Wir
sind jedoch besser qualifiziert, als
die Architekten des "gemeinsamen europäischen Hauses" aufzutreten. Für
ihn ist es eine nette Phrase. Demgegenüber haben wir schon lange daran
gearbeitet.
Frage: Aber Ihrer Meinung nach
bemüht er sich nicht darum, Westeuropa von den Vereinigten Staaten wegzusteuern.
Antwort:
Ich denke, daß dies
weiterhin ein langfristiges Ziel der
sowjetischen Außenpolitik ist.
Frage:
Hat
etwas verändert?

sich

daran

irgend

Antwort:
Nein, das hat sich
nicht geändert. Deshalb ist der Zusammenhalt der NATO so wichtig, weil
die Sicherheit Europas und Amerikas
von unserem Zusammenhalten in der
NATO abhängt.
Die Sowjetunion würde uns sehr
gerne voneinander abkoppeln. Deshalb
wollen wir ja auch dafür sorgen, daß
das gemeinsame europäische Haus die
Vereinigten Staaten nicht ausschließt.
Betrachten Sie die 35 Länder, die
an den Verhandlungen im Rahmen des
KSZE-Prozesses teilgenommen haben also die Staaten des Warschauer Pakts
und der NATO einschließlich der Vereinigten Staaten und Kanadas sowie
die neutralen Staaten in Europa -,
daß ist in gewisser Weise der Rahmen
für die
Schaffung
einer breiten
Grundlage der Menschenrechte in ganz
Europa und Nordamerika.
Frage:
Nachdem
seit
Ihrem
letzten Besuch hier soviele Veränderungen stattgefunden haben, insbesondere zwischen den Vereinigten Staaten
und der Sowjetunion, was man viel-

- 4 -

�leicht
als
Annäherung
bezeichnen
könnte, möchte ich Sie zum Schluß
fragen: Betrachten Sie dies als Beginn einer definierbaren neuen Ära in
den internationalen Beziehungen - als
das Ende des kalten Krieges und eine
neue Phase?
Antwort:
Ich glaube, die ist
eine wirklich aufregende Zeit für
meine Tätigkeit als Außenminister,
weil es eine Menge positiver Veränderungen gibt - die Art, wie wir heute mit der sowjetischen Führung sprechen können, verglichen mit der
schroffen Zurückweisung, wie wir sie
von Gromyko gewohnt waren.
Wenn man mit Gromyko über Menschenrechte sprach, entgegnete er
einfach: "Sie werden nach diesem Gespräch Bescheid wissen."
Das hat
sich geändert. Wir haben große Möglichkeiten, Fortschritte zu erzielen,
sei es im südlichen Afrika, in
Kambodscha oder in Mittelamerika.
Wir dürfen jedoch nicht annehmen,
daß, nur weil die Dinge an einigen
Fronten heute so gut stehen, dies mit
allen Dingen auf immer und ewig der
Fall sein wird. Wir müssen ständig
daran arbeiten. Die Demokratie muß
besonders wachsam bleiben, weil es
nur allzu leicht heißen kann: "Wie
gewonnen, so zerronnen." Wir haben
bis jetzt nur gewonnen, weil wir unsere Einheit und unsere Bereitschaft
aufrechterhalten haben, uns zu verteidigen.

- 5 -

�AMERIKA DIENST
4-,

Hintergrundmaterial

&lt;

26. April 1989

17

DIE MODERNISIERUNG DER NUKLEARWAFFEN:

EINIGE DISKUSSIONSPUNKTE

- Von General John R. Galvln -

Der folgende Beitrag des Obersten Alliierten Befehlshabers in Europa wurde
erstmals am 18. April 1989 in der International Herald Tribüne veröffentlicht.
(c) International Herald Tribüne (Alle Rechte vorbehalten).

MONS - Atomwaffen bilden weder
die Ursache von Spannungen in Europa,
noch erhöhen sie die Wahrscheinlichkeit eines Krieges.
Im Gegenteil,
ihre Präsenz hat seit dem Ende des
Zweiten Weltkriegs den Frieden in Europa aufrechterhalten - der längsten
kriegsfreien Periode auf diesem Kontinent seit mindestens 500 Jahren.
Konventionelle Waffen waren niemals ein erfolgreiches Mittel zur Abschreckung
eines Krieges.
Ironischerweise ist es gerade die schreckliche Macht der Atomwaffe gewesen,
die den Frieden erhalten hat. Nukleare Gefechtsfeldsysteme sind für die
Abschreckung und für die NATO-Strategie der flexiblen Reaktion und Vorneverteidigung lebenswichtig. Ihr Vorhandensein stellt sicher, daß wir

United States Information Service
Embassy of the United States of America

mehrere Optionen
zur Beantwortung
einer Aggression haben und gleichzeitig den Angreifer darüber im Ungewissen lassen, ob sein Angriff erfolgreich sein wird.
Obwohl wir sie vielleicht niemals
einsetzen werden, wird durch wirksame
nukleare Gefechtsfeldwaffen eine atomare Reaktion
auf einen Angriff
glaubwürdiger, da diese eingesetzt
werden können, ohne automatisch zu
einem regelrechten Atomkrieg zu führen.
Gleichzeitig bilden sie ein
sichtbares Bindeglied zu den strategischen Streitkräften und zeigen damit, daß die möglichen Folgen einer
Aggression deren voraussichtlich Vorteile bei weitem überwiegen.
Zwischen den Mitgliedstaaten der

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�NATO finden gegenwärtig Diskussionen
- in Form von weitreichenden, offenen
Gesprächen, die Kennzeichen eines
einzigartigen Bündnisses souveräner,
demokratischer Nationen sind - über
die Modernisierung ihrer nuklearen
Gefechtsfeldwaffen statt. Wie in jeder fruchtbaren Diskussion werden
viele Aspekte des Problems erörtert
und viele Tatsachen vorgetragen.
Selbst die Sowjets haben sich in
den öffentlichen Dialog des Westens
eingeschaltet.
Der stellvertretende
Außenminister Viktor Karpow hat erklärt, er könne "nicht garantieren,
daß keine Gegenmaßnahmen zur Modernisierung unserer eigenen Kurzstreckensysteme ergriffen werden", falls die
NATO die Erneuerung ihrer nuklearen
Kurzstreckenwaffen beschließt.
Dies
ist die gleiche bedrohliche, säbelrasselnde Haltung
wie sie von den
Sowjets eingenommen wurde, als wir
die Pershing II und landgestützten
Marschflugkörper stationierten.
Im
gegenwärtigen Fall ist es schwer einzusehen, wie sie damit drohen können,
mit etwas (der Modernisierung) zu
beginnen,
was
sie
schon
vollbracht haben.
Was in der derzeitigen öffentlichen Diskussion fehlt, ist eine genaue Analyse der vom Warschauer Pakt
zur Modernisierung
seiner eigenen
atomaren Kurzstreckensysteme vorgenommenen Maßnahmen.
Der Warschauer Pakt hat in den
achtziger Jahren ein umfassendes Modernisierungsprogramm
für
diese
Streitkräfte durchgeführt.
- Die Sowjets ersetzen das System
FROG durch den weiterreichenden
und zielgenaueren Flugkörper vom
Typ SS-21 und setzen diesen in
Brigaden auf Front- und Armeebene
ein.
Zu Beginn des Jahrzehnts
hatte der Warschauer Pakt nur
eine
Handvoll
SS-21-Flugkörper
stationiert.
Unter Staats- und
Parteichef
Michail
Gorbatschow
hat sich die Zahl der SS-21-Abschußrampen mehr als verdoppelt.

Der Warschauer Pakt besitzt gegenwärtig über 150 Abschußvorrichtungen in Einheiten, während
er gleichzeitig eine große Zahl
von FROG-Sv^i-emen beibehält.
- Das
Systeme
SCUD mit seiner
Reichweite von 300 km wurde durch
die SS-23 ersetzt, bis letztere
durch den INF-Vertrag verboten
wurde.
Das ältere System SCUD
wird nun beibehalten und verbessert.
550 dieser Systeme verbleiben im Arsenal der Fronten
und Armeen.
- Die Sowjets haben die Zahl der in
vorgeschobenen Gebieten gelagerten Nachladeflugkörper für alle
ihre Kurzstreckensysteme erheblich erhöht.
- Ihren eigenen Berechnungen zufolge geben die Sowjets für den Warschauer Pakt bei den Abschußvorrichtungen für nukleare Kurzstreckenraketen eine Überlegenheit von 12 zu 1 gegenüber der
NATO zu. Durch die Einbeziehung
von Verbesserungen bei Zielgenauigkeit
und
Reaktionsvermögen
stellen ihre neuen und modernisierten Systeme eine wachsende
Bedrohung für zeitkritische Ziele, wie etwa nukleare Raketeneinheiten, Luftwaffenstutzpunkte und
Luftverteidigungseinrichtungen
der NATO dar.
- Die Sowjets und ihre Verbündeten
im Warschauer Pakt modernisieren
nicht nur ihre nuklearfähige Artillerie, um deren Leistungs- und
Uberlebensfähigkeit zu verbessern
(indem sie gezogene durch Systeme
auf Selbstfahrlafetten ersetzen),
sondern sie haben auch die Zahl
dieser Systeme erheblich vergrössert. Im Jahr 1980 herrschte bei
der nuklearfähigen Artillerie ein
ungefährer Gleichstand, heute dagegen besitzt der Warschauer Pakt
bei diesen Systemen eine bedeutende zahlenmäßige Überlegenheit
gegenüber der NATO.

�Während die Staaten des Warschauer Pakts damit beschäftigt waren, ihre atomaren Kurzstreckensysteme aufzustocken - was tat das
Bündnis? Es reduzierte einseitig nukleare Gefechtsköpfe auf dem Kontinent. Zwischen 1979 und 1988 baute
die NATO rund 2 400 atomare Gefechtsköpfe ab - insgesamt ein Drittel unseres Bestands - was die niedrigste
Zahl an Gefechtsköpfen in Europa seit
20 Jahren zur Folge hatte. Auch weiterhin versucht die NATO, die Sicherheit ihrer Mitgliedstaaten auf dem
niedrigsten Streitkräfteniveau zu gewährleisten. Wir könnten weitere Reduzierungen unseres Bestands vornehmen ohne unsere Sicherheit aufs Spiel
zu setzen, wenn wir durch modernere
Systme verbesserte Überlebensfähigkeit,
Zuverlässigkeit,
Genauigkeit
und Reichweite erhalten.
Die derzeitige Diskussion in der
NATO konzentriert sich auf den Ersatz
für die 88 Lance-Abschußvorrichtungen
des Bündnisses.
Diese Waffe wurde
mit der Technologie der sechziger
Jahre entwickelt und Anfang der siebziger Jahre stationiert.
Aufgrund
des Alters hat sie verschiedene technische Mängel und Konstruktionsprobleme, die sie irgendwann unzuverlässig machen werden. Es werden Änderungen vorgenommen, so daß sie noch
bis Mitte der neunziger Jahre einsatzbereit sein wird. Der Versuch,
ihre Lebensdauer über diese Zeit hinauszudehnen, wäre unzulässig teuer
und technologisch unmöglich.
Landgestützte Raketen haben gegenüber den nuklearen Gefechtsfeldwaffen entschiedene Vorteile. Verglichen mit der Artillerie erlaubt
ihre größere Reichweite der NATO zunächst, die nachfolgenden Streitkräfte einem Risiko auszusetzen, um sie
aufzuhalten und eine Massierung der
Streitkräfte zu verhindern, die unsere Vorneverteidigung überfordern würde. Gleichzeitig können die Systeme
aufgrund der Reichweite weit genug
hinter unserer Linien aufgestellt
werden, so daß sie im Falle eines
Konflikts nicht der Gefahr rascher
- 3

Eroberung oder Zerstörung ausgesetzt
sind, wodurch der Druck auf das Bündnis, sie frühzeitig einzusetzen, vermindert wird.
Darüber hinaus sind sie überlebensfähiger als luftgestützte Waffen.
Raketensysteme können an beliebig
vielen Orten versteckt werden; Flugzeuge müssen von einer begrenzten Anzahl von Flugplätzen aus operieren,
die bekannt sind und vom Feind unter
Druck gesetzt werden können. Selbst
wenn die Flugzeuge erfolgreich starten, müssen sie die engmaschige Luftverteidigung des Warschauer Pakts die tödlichste der Welt - unterfliegen. Ferner werden diese Flugzeuge
auch für die Luftverteidigung und zum
Angriff auf die nachfolgenden Streitkräfte benötigt.
Seegestützte Systeme sind nicht
so reaktionsfähig wie landgestützte,
aber ihr gravierendster Mangel besteht darin, daß ihnen ein wesentliches Kriterium für unser Abschrekkungskonzept fehlt: Diese Waffensysteme kommen von See und demonstrieren der anderen Seite nicht mit absoluter Gewißheit, daß es sich bei
jeder nuklearen Reaktion um die Antwort "aller NATO-Partner" handelt.
Nicht zuletzt ist es die Geschlossenheit des Bündnisses, die der Abschreckung Nachdruck verleiht.
Die Sowjets haben in jüngster
Zeit mehrere positive Schritte unternommen, die zur Vermiderung des Konfrontationsniveaus in Europa beitragen könnten, bis hin zum Eingeständnis der Notwendigkeit asymmetrischer
Reduzierungen ihrer Streitkräfte, der
Veröffentlichung von Daten über ihre
Streitkräfte und - in gewissem Maße der Verpflichtung zum Abbau ihrer unnötig großen konventionellen Stärke.
Die Androhung von Vergeltungsmaßnahmen gegen die Moderniserung der NATO
und mangelnde "Glasnost" im Hinblick
auf ihre eigene Modernisierung sind
jedoch Schritte in die falsche Richtung.
Die

NATO

wird

eine

gemeinsame

�Entscheidung über die Modernisierung
fällen - eine Entscheidung, die weder
von eine» Land aufgezwungen noch vqn
Drohungen von außen beeinflußt ist.
Wie immer das Ergebnis auch aussehen
mag, es wird ?tets das Produkt umfassender Erörterungen der Regierungen
vou Völkern sein, die frei sind, das
F^r und Wider von Alterna,t,4Y£n §bzuwägen.
Die Verpflichtung zur Aufrechterhaltung dieser Freiheit ist
die Rechtfertigung für das Bündnis,
die Quelle unserer Starke und das
Wesen unserer Partnerschaft.

* * * | * *

�AMERIKA DIENST
^7

Hintergrundmaterial

&lt;&amp;

26. April 1989

17

HAT SICH DIE SOWJETUNION WIRKLICH VERÄNDERT
- Von William E. Odom -

Der folgende Artikel wurde erstmals in der in der in Washington D.C. erscheinenden Zeitschrift U.S. News &amp; World Report vom 3. April 1989 veröffentlicht.
Der Autor ist Direktor für nationale Sicherheitsstudien beim
Hudson Institute.
(c) U.S. News &amp; World Report, Inc. (Alle Rechte vorbehalten).
- (AD) - Fast täglich erscheinen
in der westlichen Presse verblüffende
Berichte über Veränderungen in der
Sowjetunion.
Die Begriffe Glasnost
und Perestrojka wurden in viele Sprachen übernommen. Darin spiegelt sich
die Annahme wider, daß tiefgreifende
Reformen stattfinden. Wir lesen von
"Demokratisierung",
dem
"Gewinnmotiv", "privater Landwirtschaft" und
"Wahlen mit mehreren Kandidaten".
Bisweilen gehen sowjetische Schriftsteller über die Verurteilung von
Breschnew und Stalin hinaus und stellen sogar Lenin und Marx in Frage.
Viele Amerikaner fühlen sich durch
all diese Nachrichten in dem Glauben
bestärkt, die sowjetische Diktatur
gebe den Weg für grundlegende Veränderungen frei.
Entspricht dieses
Bild der Wirklichkeit?
Bricht für
die UdSSR ein neuer Tag an?

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Dies mag zutreffen oder auch
nicht. Fragmente ergeben kein einheitliches Bild. Was wir benötigen
sind Meßwerte und Maßstäbe, um die
Medieneuphorie über sich scheinbar
vollziehende Veränderungen zu durchbrechen und die wirklichen Veränderungen zu bewerten.
Nachfolgend einige Orientierungspunkte:
Erstens beruht die sowjetische
Wirtschaft auf dem staatlichen Besitz
an Produktionsmitteln und Kapital,
und nahezu die gesamte Wirtschaftstätigkeit wird nach wie vor von einem
zentralen Planungssystem sowie fast
100 Ministerien und staatlichen Ausschüssen kontrolliert.
Die Preise
spiegeln nicht Angebot und Nachfrage
wider, sie sind weiterhin zentral

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�vorgeschrieben. Durch den Mangel an
Wettbewerb und freiem Handel wird den
staatlichen Planern kein Mittel an
die Hand gegeben, um zwischen effektivem und ineffektivem Einsatz von
Land, Arbeit und Kapital zu unterscheiden.
Zweitens kontrolliert ein umfassendes System der Zensur den Fluß von
Informationen und bestimmt deren Inhalt. Ein freier Austausch von Wirtschaftsinformationen, der im Westen
für Werbung, Verhandlungen, Management, An- und Verkauf unabdingbar
ist, existiert praktisch überhaupt
nicht. Der Staat monopolisiert die
Medien und benutzt sie, um die Bevölkerung für die Zwecke der Partei zu
kontrollieren und mobilisieren.
Drittens werden die ersten beiden
Erscheinungen durch eine einzige politische Partei am Leben gehalten,
die über dem Gesetz steht und dieses
überwiegend als Mittel zur Kontrolle
der Gesellschaft einsetzt. Die Partei hat über große Zeiträume hinweg
nur wenig organisierte Opposition geduldet. Sie hat ferner stets verlangt, daß sich ihre Mitglieder fast
wie Offiziere verhalten, indem sie
Befehle entgegennehmen und diese ohne
Fragen ausführen.

Wie lassen sich Veränderungen
messen?
Trotz Glasnost und Perestrojka
haben sich diese strukturellen Bedingungen kaum verändert. Sie wurden in
mehrfacher Hinsicht abgeschwächt, da
Gruppen außerhalb und einige Einzelkämpfer innerhalb der Partei versucht
haben, diese Lockerung auszunutzen.
Ein Teil der sowjetischen Geschichte
wurde neu geschrieben und die Presse
wird eingesetzt, um alles vom großrussischen Nationalismus und neostalinistischen Stimmungen bis hin
zur Autonomie nichtrussischer Minderheiten und liberalen demokratischen
Ideen zu fördern.
Nach sieben Jahrzehnten einer repressiven Partei- und Polizeikontrol-

le sind diese Entwicklungen in westlichen Augen in der Tat erstaunlich.
Sind sie jedoch Beweis für die Tatsache, daß ein grundlegender Wandel
stattgefunden hat, stattfindet oder
bald stattfinden wird? Um diese Fragen zu beantworten, benötigen wir
Maßstäbe, die wir an unsere Orientierungspunkte anlegen können. Drei davon sind:
Erstens, wieviel marktwirtschaftliche Handlungsfreiheit ist zugelassen worden? Bis zumindest die Hälfte
der Wirtschaft, einschließlich Industrie und Landwirtschaft, von zentralen Kontrollen befreit und in irgendeiner Weise auf Privatbesitz und
Marktpreise gegründet wurde, wird
sich kein Wandel des Systems vollzogen haben. Die zentrale Planungsbürokratie muß abgebaut und die Führung
der Wirtschaft durch administrative
Vorschriften beseitigt werden.
Welche Bilanz hat Gorbatschow bis
heute vorzuweisen? Erstens sind bis
heute trotz aller Reden über Dezentralisierung, Marktpreise und lokale
Kontrolle des Eigentums wirkliche
Fortschritte nur Randerscheinungen.
Einige wenige "Kooperativen" wurden
gegründet, aber sie machen lediglich
einen Bruchteil des Bruttosozialprodukts aus. Der in einem Gesetz aus
dem Jahr 1987 versprochene Spielraum
für Unternehmenstätigkeit ist nicht
Wirklichkeit geworden.
Das jüngste
Parteiplenum über die Landwirtschaft
deutet auf einen Schritt zu privatem
Unternehmertum in der Landwirtschaft
hin, der im Falle seiner Verwirklichung ein bedeutender Schritt nach
vorn sein wird.
Zweitens muß die Zensur abgeschafft werden. Landesweite Werbung,
Verhandlungen und Austausch von wirtschaftlichen Informationen müssen gestattet werden. Ohne sie hat eine
Marktwirtschaft keine Chance auf Erfolg
Wie steht es mit Gorbatschows Reformbilanz, wenn man diesen Maßstab
anlegt? Schlecht, milde gesagt. Obwohl Glasnost öffentliche Kritik und

�mehr Freiheit für Literatur, Geschichtsschreibung, politische Wissenschaften und Kunst zugelassen hat,
hat sie nicht den freien Informationsfluß gestattet, der Zeichen für
einen Wandel des Systems wäre.
Drittens muß sich die Kommunistische Partei dem Gesetz unterordnen,
Bürgerrechte und Privateigentum müssen durch das Gesetz geschützt werden.
Ohne diese Umgestaltung läßt
sich voraussichtlich keines der ersten beiden Kriterien verwirklichen.
Eine Marktwirtschaft verlangt nach
einem
unabhängigen
Rechtssystem.
Dasselbe gilt für eine freie Presse
und für die politische Demokratisierung.
Gorbatschow und seine Verbündeten
in der Intelligenz! ja haben die Reform des Rechtswesens Reformen auf
ihre Tagesordnung geschrieben und es
zeichnet sich einige Bewegung ab.
Die Sowjetbürger wurden ermutigt, das
Gesetz zur Verteidigung ihrer Rechte
in Anspruch zu nehmen. Die Presse
hat ernsthaften Mißbrauch des Rechtssystems aufgedeckt. Die wichtigsten
Maßnahmen, mit denen die Partei der
Rechtsstaatlichkeit unterworfen und
willkürliche Parteikontrolle über die
Wirtschaftstätigkeit verboten sowie
neue Gesetze zum Schutz von Privateigentum geschaffen werden sollten,
wurden jedoch noch nicht einmal in
Angriff genommen.

diese Veränderungen durchgeführt werden, ohne den nationalen Minderheiten
die Ausübung ihres in der sowjetischen
Verfassung
garantierten
Rechts auf Unabhängigkeit zu gewähren? Kann Reform die tief verwurzelten Gewohnheiten der Parteibürokratie
und der Legislative überwinden? Können die Konsumenten die unvermeidbare
Inflation und Arbeitslosigkeit
in
Kauf nehmen, die ein Marktsystem, das
der sowjetischen Industrie Effizienz
aufzwingt, mit sich bringen würde?
Perestrojka anhand dieser Maßstäbe zu messen, legt die Vermutung nahe, daß wenig tiefgreifende Veränderungen
stattgefunden
haben
und
Gorbatschows Reformen umkehrbar sein
können. Solche Prüfsteine sind auch
Anzeichen für die Größenordnung seiner Aufgabe - wenn es tatsächlich ein
Systemwandel sein sollte, den er anstrebt.
Ein Herunterschrauben der westlichen
Erwartungshaltung
an
Gorbatschow könnte sich längerfristig
für die Ost-West-Beziehungen als angebracht erweisen. Wenn wir weniger
von ihm erwarten, ist unsere Geduld
wahrscheinlich
größer, sollte die
Perestrojka an Schwung verlieren und
unsere
Desillusionierung
weniger
schockierend, sollte sie vollständig
scheitern.

Diese Prüfsteine tragen nicht nur
dazu bei, den Wust an Schlagzeilen
und Schablonen über Glasnost und
Perestojka zu durchforsten - sie dekken auch die Gefahren auf, mit denen
sich jeder sowjetische Verfechter von
Reformen konfrontiert sieht. Können

- 3 -

******

�AMERIKA DIENST
^VoN^

Wissenschaft und Technik
26. April 1989

17

GEMEINSAM GEGEN DIE DROGENGEFAHR
- 12. PRIDE-Kongreß in Atlanta mit Delegierten aus 81 Ländern -

ATLANTA - (AD) - Die Interessen und Probleme der 81 Staaten, aus denen
fast 7000 Teilnehmer zur 12. Jahreskonferenz der privaten amerikanischen AntiDrogen-Organisation PRIDE (Parents' Resources Institute for Drug Education)
nach Atlanta (Georgia) gekommen waren, sind vielfach recht unterschiedlicher
oder sogar gegensätzlicher Natur. Alle Delegierten waren jedoch aufgerufen,
ihre Differenzen beiseite zu lassen und zusammenzuarbeiten, damit der Kampf
gegen Sucht und Drogen gewonnen werden könne.

Eindringlich
appellierte
Dr.
Thomas Gleaton, Präsident und Gründer
von PRIDE, in seiner Eröffnungsansprache zu der sechstägigen Konferenz
(10. - 16. April 1989) an die Verständigungsbereitschaft aller.
Die
Teilnehmer kamen nicht nur aus Ländern, in denen Drogen konsumiert werden, sondern auch aus Ländern, in denen Drogen hergestellt werden. Auf
beiden Seiten fehlt es häufig an der
Kenntnis der komplexen Situationshintergründe beim anderen. Es kommt zu
Schuldzuweisungen, ohne sich ausreichend mit den Problemen auf der anderen Seite auseinandergesetzt zu haben. Miteinander reden schafft jedoch eine Basis, um die gemeinsame
Aufgabe mit Erfolg anpacken zu können.
Während der ersten drei Tage befaßten sich Experten verschiedener

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Fachgebiete mit allen nur erdenklichen Sachfragen, zu denen auch nationale und internationale politische
Themen gehörten. Erst am 13. April
begannen die der Öffentlichkeit zugänglichen
Veranstaltungen.
Die
zahlreichen Arbeitskreise für Erwachsene und Jugendliche waren sorgfältig
vorbereitet worden.
Die Organisation PRIDE, der mittlerweile eine ganze Anzahl internationaler Sektionen angehören, ging
1978 aus einer Elterninitiative gegen
die Gefährdung der Jugend durch Drogen hervor. Man wollte allgemein Eltern und junge Menschen über wirtschaftliche, soziale und gesundheitliche Konsequenzen von Rauschgiftkonsum exakt, ohne Pathos und nach dem
neuesten Stand wissenschaftlicher Erkenntnisse zu den Auswirkungen infor-

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�mieren.
Erziehungsberechtigte
und
Lehrerschaft sollten veranlaßt werden, Kindern und Jugendlichen mehr
Zeit zu widmen und sie zu überzeugen,
daß ein drogenfreies Leben ein besseres und lohnenderes Dasein garantiere. Die Organisation unterhält heute
eine der größten Datenbanken der Welt
über Drogengebrauch unter Jugendlichen. Von überall her erhofft man
sich von PRIDE Rat und Hilfe - 1988
bearbeitete die Organisation über
150 000 Anfragen und Bitten um Informationsmaterial.

Vorbeugen und Verhüten
Vielen jungen Menschen in aller
Welt seien heutzutage Fernsehen, Kino, heiße Musik, T-Shirts und Aufkleber wichtiger als herkömmliche Bildungswerte, sagte Dr. Gleaton. Moderne Technik vermittle "eine neue
Art von Kultur", die den Konsum von
Alkohol und Drogen glorifiziere. Dagegen seien die Eltern das wichtigste
Bollwerk. Und es sei dringend nötig,
"sie dabei ein bißchen mehr zu ermutigen und sie weniger zu kritisieren".
Auf der anderen Seite wiesen die
erfolgreichen
Vorbeugungsprogramme,
die PRIDE durchführt und schon durchgeführt hat, einen Weg, um das Problem wirksam anzupacken. Sie seien,
so Gleaton, "auf Eltern, Schulen, Religionsgemeinschaften und auf die Gemeinden ausgerichtet, die sich um die
Jugend Sorgen machen und Drogenkonsum
verhindern wollen".
Im größeren Rahmen sollten die
gegenwärtigen Anstrengungen der amerikanischen Regierung zur Bekämpfung
von Drogenhandel und Sucht ebenfalls
auf Vorbeugung konzentriert werden,
insbesondere "auf die Verantwortlichkeit dessen, der Drogen nimmt". Damit meine er, ihn von der Gesellschaft her zu beeinflussen - und dazu
können und sollten die Medien, bis
hin zum T-Shirt- und Aufkleber-Motto,
vieles beitragen.
Nur in der Jugend selbst liege
die Lösung für das Rauschgiftproblem,

erklärte Dr. Gleaton. Organisationen
und Regierungen sollten sie unter
diesem Aspekt unterstützen anstatt zu
versuchen, sie zu reglementieren.
Für junge Leute, die die Einsicht besitzen, bedeute
der Kampf gegen
Rauschgift eine neue soziale Bewegung, die mit der Bürgerrechtsbewegung oder der Anti-Kriegs-Bewegung
der sechziger Jahre zu vergleichen
sei. Sie seien durchaus in der Lage,
sich für die Sache zu engagieren "und darin sollten wir sie unterstützen. Aber die Wege, die aus der Misere führen, müssen sie selbst finden". Eine ganz wichtige Aufgabe von
PRIDE besteht jetzt darin, neue Programme zu entwickeln, die junge Menschen motivieren, Drogen zu meiden,
sich gegen eine Flucht oder gegen ein
Abgleiten in Drogen gewissermaßen zu
immunisieren.
Wenn die Sucht einmal da ist, sei
sie nicht zu heilen.
Dr. Gleaton
verwies in diesem Zusammenhang auf
die Statistik.
Sie besagt, daß 75
Prozent der Drogenabhängigen nach
einer Therapie wieder rückfällig werden. Man müsse eng mit anderen Ländern zusammenarbeiten, um "Vorbeugung" in der wahren Bedeutung des
Wortes praktizieren zu können. Der
Definition von PRIDE zufolge wolle
man damit jemanden von vornherein motivieren, Drogen gar nicht erst zu
probieren, oder ihn sehr früh, lange
ehe die Abhängigkeit einsetzt, von
Drogen abbringen.
"Mehr Gefängniszellen und mehr Krankenhausbetten für
Süchtige einzurichten, wäre dem Sinne
nach nichts anderes, als würde man
mehr Gräber für AIDS-Patienten ausheben. Die einzige Antwort auf eine
unheilbare Krankheit lautet: Vorbeugen und Verhüten."
Die Eltern sollten sich auch darum kümmern, was ihre Kinder lesen.
Keith Schuchard, Mitbegründerin von
PRIDE, sieht die Vereinigten Staaten
an einem zweiten Wendepunkt:
Seit
1980 sei der Drogenkonsum unter Jugendlichen zurückgegangen, berichtete
sie. Aber die heute gebräuchlichen
Rauschmittel seien viel gefährlicher
als jene, die damals genommen wurden.

- 2 -

�An Zeitungskiosken und in Buchläden
sollten sich die Eltern sehr gründlich nach Jugendheften umsehen, die
Drogengebrauch propagieren, und dagegen Front machen.
Mark Gold, der unter anderem
einen landesweiten Telefondienst zur
Beratung Kokain-Abhängiger eingerichtet hat, machte die inzwischen von
Studien belegte Erfahrung, daß Crack
ganz besonders gewalttätig mache.
Das geben Kokainsuchtige auch selbst
zu.
Zwei Drittel der gewalttätigen
Drogenabhängigen berichteten, Verbrechen dann begangen zu haben, "wenn
sie 'high' waren - nicht während des
Entzuges". Crack ist ein Derivat von
Kokain, das besonders stark süchtig
macht.
Gold beklagte, daß man so
lange Zeit gebraucht habe, um sich
von seiner Gefährlichkeit zu überzeugen.

Staaten gelangen, von den Hindernissen, die gegen sie errichtet sind,
nicht zurückgehalten werden.
Umso
wichtiger sei die persönliche Abwehr
und Nicht-Anfälligkeit gegen Drogen
bei jedem einzelnen, die durch Erziehung und Leitbilder auch innerhalb
der Jugend geprägt wird.
Die Nationen müßten zusammenstehen und gemeinsam ihre Nöte, ihre
Fehlschläge und ihre Erfolge im Kampf
gegen Drogen analysieren und bewältigen, forderte Kay Bondurant. Sie ist
für die internationalen Koordinierungsprogramme von PRIDE verantwortlich, die unter anderem Australien,
Ägypten, Belize, Bermuda, Honduras,
Kanada, Nigeria, Panama und die
Cayman-Inseln mit der amerikanischen
Organisation verbinden. "Jedes Kind
hat das Recht, erwachsen zu werden,
ohne daß es den Schmerz des Drogenmißbrauchs erleidet", sagte sie.

Strafverfolgung allein könne gegen Drogen nicht viel ausrichten.
Das zeigt Gleaton zufolge schon die
Tatsache, daß 90 Prozent der illegalen Drogen, die in die Vereinigten

- 3 -

* * * * * *

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die deutsch-amerikanische Freundschaft auf dem Prüfstand: Herausforderung der neunziger Jahre&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Botschafter Vernon A. Walters bei der Atlantik-Brücke&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Sperrfrist: 27. April 1989, 19:00 Uhr (MESZ)&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Cheney: Abkommen über konventionelle Streitkräfte von grösserer&lt;br /&gt;Tragweite&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Pressekonferenz der Nuklearen Planungsgruppe (Auszüge)&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Howe: USA dürfen sich nicht von Europa abkoppeln&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Interview mit dem britischen Außenminister&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Modernisierung der Nuklearwaffen:&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von General John R. Galvin&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Hat sich die Sowjetunion wirklich verändert&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von William E. Odon&lt;/em&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Gemeinsam gegen die Drogengefahr&lt;br /&gt;&lt;em&gt;12. PRIDE-Kongreß in Atlanta mit Delegierten aus 81 Ländern &lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
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AMERIKA DIENST

'VON**

19. A p r i l 1989

16
INHALT
DOKUMENTATION
Bush beschließt Handelserlelchterungen für Polen
- Rede des Präsidenten in Hamtramck (Michigan)

Baker betont Notwendigkeit anhaltender amerikanischer Führungsrolle
- Ansprache des Außenministers vor der ASNE Walters betont "Schlüsselrolle" der Bundesrepublik Deutschland
- Eröffnungsansprache vor Senatsausschuß -

HINTERGRUNDMATERIAL
Brady fordert vollständige Bewilligung der Mittel für multilaterale
Entwicklungsbanken
- Erklärung vor Kongreßausschuß (Zusammenfassung) Der Atomwaffensperrvertrag:
- Bericht der ACDA -

Erfolgreiche Rüstungskontrolle

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
NASA unter neuer Leitung
- Präsident Bush nominiert Richard Truly als Leiter der US-Behörde
für Luft- und Raumfahrt Bennett greift durch
- Aktionsplan gegen Drogen und Drogenkriminalität für die
Bundeshauptstadt Washington -

* * * * * *

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Dokumentation

19. April 1989

15

BUSH BESCHLIESST HANDELSERLEICHTERUNGEN FÜR POLEN
- Rede des Präsidenten in Hamtramck (Michigan) -

HAMTRAMCK - (AD) - Präsident Bush hat am 17. April 1989 als Reaktion auf
die in Polen eingeleiteten Reformen handeis- und wirtschaftspolitische Maßnahmen für das Land verkündet. Da das polnische Volk "heute konkrete Schritte
unternimmt, die aktive unsere Unterstützung verdienen", habe er "bestimmte
Maßnahmen der Vereinigten Staaten beschlossen, die den stattfindenden Reformen
Rechnung tragen und sich abzeichnende Reformen ermutigen, sovald die Gewerkschaft Solidarität wieder zugelassen ist". Zu diesen Maßnahmen gehören die
Bitte an den Kongreß, Polen den MeistbegünstIgungsstatus im Handel einzuräumen
sowie das Versprechen, mit den Verbündeten der Vereinigten Staaten im Pariser
Club an der Entwicklung eines tragfähigen Ruckzahlungsplans für die Auslandsschulden des Landes zu arbeiten.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede des Präsidenten im Wortlaut:
Wir Amerikaner sind im Hinblick
auf die Ereignisse in Polen nicht nur
von milder Sympathie geleitete Zuschauer. Wir sind mit Polen auf ganz
besondere
Weise
verbunden,
durch
Blutsbande, Kultur und gemeinsame
Werte. Es Lst also ein ganz natürlicher Vorgang, daß wir im Zuge der
in Polen stattfindenden dramatischen
Veränderungen die Bestrebungen und
die Begeisterung des polnischen Volkes teilen.
In der Rede zu meiner Amtseinführung sprach ich von dem neuen Wind
der Freiheit, der auf der ganzen Welt
an Stärke zunimmt. "Zumindest in den
Herzen der Menschen", so erklärte
ich, "ist die Stunde der Diktatur
vorbei.
Das Zeltalter des Totalitarlsmus geht vorüber, seine alten

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Ideen werden weggefegt wie Blätter
eines alten toten Baumes."
Ich sprach von der sich ausbreitenden Erkenntnis, daß Wohlstand nur
durch einen freien Markt und das
schöpferischen Genie des einzelnen
entstehen kann. Ich sprach von der
neuen Macht demokratischer Ideen
dem Recht auf Redefreiheit, freie
Wahlen und Freiheit des Willens.
Wir
sollten
nicht
überrascht
sein, daß die demokratischen Ideen
mit neuer Kraft nach Europa zurückkehren - der Heimat der Philosophen
der Freiheit, deren Ideale in Amerika
so umfassend
verwirklicht wurden.
Victor Hugo hat einmal gesagt: "Gegen eine Invasion von Armeen kann man
Widerstand leisten, nicht aber gegen

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�eine Idee, deren Zeit gekommen ist."
Meine Freunde, Freiheit ist eine
Idee, deren Zeit in Osteuropa gekommen ist.
Fast ein halbes Jahrhundert lang
hat die von der militärischen Macht
der Sowjetunion aufrechterhaltene Unterdrückung der Freiheit in Osteuropa
Staaten und Nachbarn voneinander getrennt. Während Ost und West den Abbau von Waffen anstreben, darf nicht
in Vergessenheit geraten, daß Waffen
nur ein Symptom, nicht die Quelle,
von Spannungen darstellen. Die wahre
Ursache von Spannungen ist die erzwungene
und
unnatürliche Teilung
Europas.
Wie kann es Stabilität und Sicherheit in Europa und der Welt geben, solange Staaten und Menschen das
Recht auf Selbstbestimmung über ihre
Zukunft verweigert wird - ein Recht,
das ihnen durch die Abkommen der Siegermächte nach dem Ende des Zweiten
Weltkrieges ausdrücklich zugestanden
wurde? Wie können Stabilität und Sicherheit in Europa herrschen, solange
Nationen, die einst stolz zu den führenden
Industriestaaten
gehörten,
durch eine diskreditierte Ideologie
und ein lähmendes autoritäres Regierungssystea
heruntergewirtschaftet
werden? Die Vereinigten Staaten haben die Teilung Europas nie als legitim hingenommen.
Wir akzeptieren
keine Einflußsphären, mit denen Staaten ihr Recht auf Souveränität verweigert wird.
Und doch wird das Schicksal Europas durch den Wind des Wandels neu
bestimmt.
Westeuropa ist zu neuer
3lüte gelangt. In Osteuropa erwacht
die Sehnsucht nach Demokratie, Unabhängigkeit und Wohlstand.
In der
Sowjetunion selbst werden wir durch
den Klang lange schwelgender Stimmen
und dem Anblick von Herrschern ermutigt, die die Beherrschten konsultieren. In einigen Bereichen der sowjetischen Außenpolitik stellen wir ein
"ieues Denken" fest. Wir hoffen, daß
diese Ereignisse Vorboten bedeutender, dauerhafter und weitreichender

Veränderungen sind.
Niemand sollte die Aufrichtigkeit
des amerikanischen Volkes und seiner
Regierung
im Hinblick
auf
ihren
Wunsch anzweifeln, daß den Reformen
in der Sowjetunion. Erfolg beschieden
sein soll. Wir begrüßen die vollzogenen Reformen und werden weiterhin
die umfassendere Anerkennung von Menschenrechten,
ma.rktwirt schaft liehen
Anreizen und Wahlen ermutigen.
Ost und West verhandeln über ein
breites Spektrum, von Problemen, von
Rüstungskontrolle bis hin zu Umweltfragen. Aber der kalte Krieg hat in
Osteuropa begonnen; wenn er beendet
wird, so in diesem Schmelztiegel d;rr
Weltkonflikte - und er muß ein Ende
finden. Das amerikanische Volk möchte die Länder Ost- und Mitteleuropas
in Freiheit, Wohlstand und Frieden
leben sehen. Mit Umsicht, Realitätssinn und Geduld versuchen wir das
Entstehen der Freiheit zu fördern die Chancen, die in der Schlußakte
von Helsinki und vertieften Ost-WestKontakten ihren Ursprung gehabt haben.
In den vergangenen Jahren haben
wir die Beziehungen mit den Ländern
in dieser Region verbessert. In jedem einzelnen Fall haben wir nach
Fortschritten im internationalen Verhalten und innenpolitischen Praktiken
Ausschau gehalten - im Hinblick auf
Menschenrechte, kulturelle Öffnung,
Auswanderungsprobleme, Bekämpfung von
Terrorismus. Auch wenn wir eine Verbesserung der Beziehungen wünschen,
gibt es bestimmte Taten, die wir weder verurteilen noch hinnehmen werden
- ein Verhalten, das die Beziehungen
in die falsche Richtung dirigieren
kann:
Verletzung von Menschenrechten, illegaler Technologietransfer,
gegen uns gerichtete nachrichtendienstliche Ermittlungen oder außenpolitische Aktionen.
Einige Regime versuchen heute,
durch Reformen ihre Legitimierung in
der Öffentlichkeit zu gewinnen. In
Ungarn experimentiert eine neue Führung mit Reformen, die vielleicht

�einen politischen Pluralismus gestatten, der noch vor wenigen Jahren undenkbar gewesen wäre. Und in Polen
unterzeichneten der Vorsitzende der
Gewerkschaft
Solidarität,
Lech
Walesa, und Innenminister Kiszczak am
5. April Vereinbarungen, die vorbehaltlich ihrer wortgetreuen Verwirklichung einen Wendepunkt in der Nachkriegsgeschichte Osteuropas markieren
werden.
Im Rahmen dieser Vereinbarungen
am "runden Tisch" wird die freie Gewerkschaft Solidarität formell wieder
zugelassen, die freie Oppositionspresse legalisiert, unabhängige politische und andere freie Verbände zugelassen und Wahlen für einen neuen
polnischen Senat abgehalten.
Diese
Vereinbarungen sind der Beweis für
den
Realitätssinn
von
General
Jaruzelski und seiner Genossen. Und
sie sind anregendes Zeugnis für die
geistige
Führungsrolle
der katholischen Kirche, den unbeugsamen Geist
des polnischen Volkes - und der Stärke und Klugheit von Lech Walesa.
Polen sieht sich mit ernsthaften
WirtSchaftsproblemen
konfrontiert,
und

dies

wir

auch

noch

für

Ich habe die Mittel und Wege
sorgfältig erwogen, mit denen die
Vereinigten Staaten Polen helfen können. Wir werden nicht vorbehaltlos
vorgehen. Wir werden keine unsinnigen Kredite anbieten.
Wir werden
keine Hilfe ohne gesunde Wirtschaftspraktiken als Gegenleistung anbieten.
Wir müssen uns vor Augen halten, daß
Polen noch immer Mitglied des Warschauer Pakts ist. Wir dürfen keine
Schritte unternehmen, mit denen die
Sicherheit des Westens aufs Spiel gesetzt wird.
Der Kongreß, die polnisch-amerikanische Gemeinschaft, die amerikanische Gewerkschaftsbewegung, unserer Verbündeten und internationale
Finanzinstitutionen müssen gemeinsam
handeln, wenn die polnische Demokratie neue Wurzeln schlagen und tragfähig werden soll. Wir können und müssen auf diesen Ruf nach Freiheit antworten. Und hier in Hamtrarack ist es
besonders angemessen, die Mitglieder
und Vorsitzenden der amerikanischen
Gewerkschaftsbewegung
dazu
zu beglückwünschen, daß sie in den besonders schweren Zeiten zur Solidarität
gehalten haben.

einige

Zeit der Fall sein.
Ein moderner
französischer Schriftsteller stellte
fest, daß Kommunismus keine andere
Form von Volkswirtschaft bedeutet,
sondern deren Tod ist. In Polen wurde ein durch die Ineffizienz der
Planwirtschaft gelähmtes System beinahe zum Tod von Initiative und Unternehmergeist. Beinahe. Aber Wirtschaftsreformen können dem Unternehmergeist und der Kreativität des polnischen Volkes wieder freien Lauf gewähren.
Das polnische Volk versteht die
Größenordnung dieser Herausforderung.
Die demokratischen Kräfte in Polen
haben um die moralische, politische
und wirtschaftliche Unterstützung des
Westens nachgesucht. Und der Westen
wird antworten. Meine Administration
nimmt eine umfassende Überprüfung unserer Politik gegenüber Polen und
ganz Osteuropa vor.

Die Polen unternehmen jetzt konkrete Schritte, die unsere aktive Unterstützung verdienen. Ich habe mich
für ein bestimmtes Vorgehen der Vereinigten Staten entschieden, das den
stattfindenden
Reformen
Rechnung
trägt und sich abzeichnende Reformen
ermutigt, sobald die Solidarität wieder zugelassen ist:
- Ich werde den Kongreß bitten, mit
mir geraeinsam Polen Meistbegünstigungsstatus im Handel einzuräumen, der den begünstigten Ländern bestimmte Zollerleichterungen gewährt.
- Wir werden gemeinsam mit unseren
Verbündeten
und
Freunden
im
Pariser Club an der Entwicklung
eines tragfähigen RUckzahlungsplans für die Auslandsschulden
des Landes
arbeiten
und die
schwere Last erleichtern, so daß
ein freier Markt entstehen kann.

�- Ich werde ferner den Kongreß bitten, mit mir gemeinsam der Overseas Private Investment Corporation die Genehmigung zum Betrieb
in Polen zu erteilen, wovon sowohl die polnischen als auch die
amerikanischen Investoren profitieren können.
- Wir werden Verhandlungen über ein
privatwirtschaftliches
Abkommen
mit Polen vorschlagen, um die Zusammenarbeit
zwischen
amerikanischen Firmen und polnischen
Privatunternehmen zu ermutigen.
Davon können beide Seiten profitieren.
- Die Vereinigten Staaten werden
weiterhin leistungsgerechte Kredite der Internationalen FinanzCorporatLon an den Privatsektor
unterstützen.
- Wir vertreten die Auffassung, daß
die am Verhandlungstisch erzielten Abkommen Polen den Weg zur
Zusammenarbeit mit dem Internationalen Währungsfonds bei Förderprogrammen für eine solide,
neugestaltete
und
marktwirtschaftlich
orientierte
Wirtschaftspolitik ebnen.
- Wir ermutigen geschäftliche und
private gemeinnützige Vereine zur
Entwicklung innovativer Programme, mit denen die Schulden Polens
in Beteiligungen an polnischen
Unternehmen
umgewandelt
sowie
durch wohltätige, humanitäre und
umweltpolitische Programme abgelöst werden.
- Wir werden phantasievolle Erziehungs-, Kultur- und Bildungsprogramme unterstützen, um kreative
Energie des polnischen Volkes
freisetzen zu helfen.
Als ich im September 1987 Polen
besuchte, habe ich dem Parteivorsitzenden Jaruzelski und Lech Walesa gegenüber erklärt, das amerikanische
Volk und die Regierung würden auf bedeutsame innenpolitische Reformen von

der Art, wie wir sie jetzt wahrnehmen, unmittelbar und ideenreich reagieren. Beide wußten diese Zusicherung zu schätzen. Es ist mir daher
eine besondere Genugtuung, Zeuge dieser gegenwärtig in Polen stattfindenden Veränderungen zu werden und diese
wichtigen Veränderungen in der amerikanischen Politik zu verkünden. Die
Vereinigten Staaten halten ihr Versprechen.
Wenn Polens Experimente Erfolg
haben, werden andere Länder seinem
Beispiel folgen.
Obwohl wir immer
noch Unterschiede zwischen den Ländern Osteuropas machen müssen, vermittelt uns das Beispiel Polen zwei
Lehren. Erstens kann es keine Fortschritte ohne umfassende politische
und wirtschaftliche Liberalisierung
geben. Zweitens wird die Hilfe aus
dem Westen gleichzeitig mit der Liberalisierung erfolgen. Unsere Freunde
und europäischen Verbündeten teilen
diese Theorie.
Der Westen kann jetzt eine kühne
Vision von der Zukunft Europas mutig
vorschlagen:
Wir träumen von dem
Tag, an dem es keine Schranken für
die Bewegungsfreiheit von Menschen,
Waren und Ideen mehr gibt. Wir träumen von dem Tag, an dem die Völker
Osteuropas die Freiheit zur Wahl ihres Regierungsystems haben werden und
in regelmäßigen Wahlen die von ihnen
favorisierte Partei wählen können.
Wir träumen von dem Tag, an dem Länder Osteuropas die Freiheit zur Wahl
ihres eigenen friedlichen Kurses in
der Welt und engerer Verbindungen mit
Westeuropa haben werden. Und wir haben die Vision eines Europas, in dem
die Sowjetunion vorbehaltslos die militärische Intervention als Instrument ihrer Politik aufgibt. Wir teilen die unverrückbare Überzeugung,
daß eines Tages alle Völker Osteuropas in Freiheit leben werden.
Im kommenden Monat werden die
Staats- und Regierungschefs der westlichen Demokratien diese Anliegen bei
einem Gipfeltreffen des Nordatlantischen Bündnisses diskutieren. Dies

�sind keine bilateralen Fragen zwischen den Vereinigten Staaten und der
Sowjetunion.
Es sind vielmehr die
Anliegen aller westlichen Verbündeten, die einen gemeinsamen Ansatz
fordern. Die Sowjetunion sollte deshalb verstehen, daß ein freies demokratisches Osteuropa, wie es uns vorschwebt, für keinen Menschen und kein
Land eine Bedrohung darstellen würde.
Eine solche Entwicklung würde die
weitere Verbesserung der Ost-West-Beziehungen auf allen Ebenen - RUstungsabbau, politische Beziehungen,
Handel - auf eine Art und Weise hervorbringen und fördern, die Sicherheit und Wohlergehen des gesamten
Europas steigert. Eine andere Möglichkeit gibt es nicht.

Vor zweihundert Jahren kam ein
polnischer Patriot namens Thaddeus
Kosciuszko nach Amerika, um für die
Freiheit einzutreten. Lassen Sie uns
dieses Helden unseres eigenen Strebens nach Freiheit gedenken und ihn
würdigen und unsere Hand ausstrecken
nach denen, die in den Danziger Werften arbeiten und durch die kopfsteingepflaserten Straßen Warschaus gehen.
Wir wollen der Worte der polnischen
Freiheitskämpfer gedenken: "Für Ihre
und unsere Freiheit". Wir wollen die
friedliche Entwicklung der Demokratie
in Polen unterstützen. Die Sache der
Freiheit kennt keine Schranken und
die Freunde der Freiheit keine Grenzen.

Was hat uns zu dieser Öffnung
veranlaßt?
Die Einheit und Stärke
der Demokratien und noch etwas - das
mutige neue Denken der Sowjetunion;
das innerste Verlangen aller Menschen
nach Freiheit. Wir werden in unserem
Engagement für die Freiheit nicht
schwanken. Wenn wir klug, einig und
bereit sind, die Gelegenheit zu ergreifen, wird man sich an uns als die
Generation erinnern, die dem gesamten
Europa auf seLnem Weg in die Freiheit
geholfen hat.

- 5 -

* * * * * *

�AMERIKA DIENST
VON

Dokumentation

*

16

19. April 1989
BAKER BETONT NOTWENDIGKEIT ANHALTENDER AMERIKANISCHER FÜHRUNGSROLLE
- Ansprache des Außenministers vor der ASNE -

WASHINGTON - (AD) - In einem Überblick über die amerikanische Außenpolitik
erklärte Außenminister Baker am 14. April 1989 vor der Amerikanischen Gesellschaft der Zeitungsredakteure (American Society of Newspaper Editors - ASNE)
in Washington, die Welt sei in den letzten zehn Jahren - trotz der Notwendigkeit, sich einer Reihe von Herausforderungen im Hinblick auf die Gestaltung
einer neuen Weltordnung zu stellen - ein sicherer Ort geworden.
Im Rahme n seiner Rede mit dem Titels 'Macht für das Gutes Die amerikanische Außenpolitik in einer neuen Zeit" wies Baker unter anderem auf seine
bevorstehenden Gespräche in Moskau hin, die einerseits eine Verbesserung der
amerikanisch-sowjetischen Beziehungen zum Ziel hätten, andererseits aber auch
darauf eingehen müßten, daß dem sowjetischen Schlagwort des neuen Denkens Substanz verliehen würde.
Nachfolgend veröffentlichen wir Bakers Ansprache im Wortlaut:

Ich freue mich, heute vor Ihnen
sprechen zu dürfen. Ich habe immer
die Überzeugung vertreten, daß die
Medien eine entscheidende Rolle bei
der Erziehung zur Demokratie spielen.
Aber wie Sie wissen, haben die Nachrichten nicht nur Tätigkeit oder Untätigkeit der Regierung zum Thema.
Den wichtigsten Dienst, den Sie sowohl der Regierung als auch den Menschen leisten können, sind Erklärungshilfen bei der wichtigsten Veränderungen, die unsere Welt verwandeln. Über diese Veränderungen möchte ich heute sprechen. Und darüber
hinaus möchte ich die Maßnahmen beschreiben, die wir bisher ergriffen
haben, um den Grundstein für die amerikanische Außenpolitik in einer neuen Zeit zu legen.

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Vor zehn Jahren war uns die Welt
jenseits unserer Grenzen bekannt,
aber keineswegs beruhigend. Die Sowjetunion war auf dem Vormarsch. Die
Demokratie schien sich auf dem Rückzug zu befinden, und unsere Werte
wurden in Frage gestellt.
Unsere
Verbündeten und wir sahen uns schwerwiegenden Wirtschaftsproblemen gegenüber, die das Vertrauen in freie
Märkte und freien Handel erschütterten.
Nach einem Jahrzehnt, das als Ära
Reagan in die Geschichte eingehen
wird, ist die Welt jenseits unserer
Grenzen beruhigender.
Die sowjetischen Truppen sind aus Afghanistan
abgezogen. Andere durch sowjetische
Einmischung entfachte regionale Konflikte lassen mit Unterstützung einer

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�kreativen amerikanischen Diplomatie
Lösungsmöglichkeiten erkennen.
Die
Demokratie befindet sich erneut auf
dem Vormarsch. Wir haben unsere Werte bekräftigt. Und die von der längsten in Amerika belegten Expansion in
Friedenszeiten
gestärkte Weltwirtschaft gibt zu neuer Hoffnung auf
Fortschritte Anlaß.
Diese beruhigendere Welt beinhaltet jedoch auch Unsicherheiten.
Die Welt hat den Schlagabtausch
zwischen den Supermächten, von dem
die Weltpolitik der Nachkriegszeit
bestimmt wurde, überwunden.
Statt
dessen sehen wir uns einer Reihe von
Herausforderungen gegenüber, die eine
neue Weltordnung gestalten.
- Wir könnten eine zunehmend demokratisierte Welt hervorbringen,
oder die Sache der Freiheit könnte im Falle des Versagens neuer
instabiler
Demokratien
einen
Rückschlag erleiden.
- Die Weltwirtschaft könnte weiterhin wachsen oder der durch Wettbewerb, Ungleichgewichte im Handel
und
Schulden
entstandene
Druck könnte zu Protektionismus
und rivalisierenden Handelsblökken - und damit zu unser aller
Nachteil - führen.
- Die internationale Staatengemeinschaft könnte handeln, um mit
grenzüberschreitenden
Gefahren
wie etwa Umweltkatastrophen, Terrorismus und dem Drogenhandel
fertigzuwerden, oder diese Probleme könnten aufgrund mangelnder
Zusammenarbeit überhand nehmen.
- Ein gut geplanter Ansatz des Atlantischen Bündnisses könnte die
Fortschritte untermauern, die wir
gemeinsam mit der Sowjetunion erzielt haben und zu kooperativeren
Ost-West-Beziehungen führen. Es
sei denn, diese Chance würde
durch Fehler auf beiden Seiten
des Eisernen Vorhangs verpaßt.
_

- Schließlich könnten neue militärische Technologien größere Stabilität auf niedrigeren Streitkräften! vear; schaffen.
Es sei
denn, wir treten in ein düsteres
Zeitalter ein, wenn wir die Verbreitung der Waffen nicht aufhalten, können wir die Nationen an
den Rand des Krieges bringen,
insbesondere, wenn wir bei der
Lösung
schwelender
regionaler
Konflikte keine Fortschritte erzielen.
Im Gegensatz zu den vergangenen
40 Jahren ist die vor uns liegende
Aufgabe komplexer und vielschichtiger. Sie hängt in geringerem Maße
von der großen Geste, der einzigen
Lösung oder der allumspannenden Doktrin ab. Wir sehen uns an vielen
Fronten einem ständigen Wettbewerb
ausgesetzt.
Winston Churchill pflegte zu sagen, in verwirrenden Situationen sei
es am besten, zu den ersten Grundsätzen zurückzukehren. Diese Grundsätze
haben ihren Ursprung in der Notwendigkeit einer amerikanischen FUhrungsrolle. Als mächtigste Demokratie und größte Wirtschaftsmacht der
Welt werden wir - bewußt oder unbewußt - erheblichen Einfluß auf die
Zukunft ausüben. Aus diesem Grunde
können wir wie niemand sonst eine
Triebfeder für Freiheit und friedliche Veränderungen sein. Aber wenn
uns dies nicht gelingt, werden wir
die Konsequenzen zu tragen haben.
Wir können uns dem nicht entziehen
und müssen daher die Macht Amerikas
zum Guten nutzen.
Unsere Führungsrolle muß jedoch
zeitgemäß sein. Gemeinsame Probleme
und immer noch mächtige Gegner machen
unsere
zunehmend
einflußreicheren
Verbündeten für unseren Erfolg unabdingbar. Neue Gefahren, wie Terrorismus, internationaler Drogenhandel
und die Zerstörung der Umwelt können
nicht von einem Land allein bewältigt
werden. Diese Realitäten werden keinen blinden Isolationismus oder rücksichtigslosen Alleingang zulassen.

�Statt dessen erinnern sie uns an Amerikas einzigartige Rolle: Wir sind
gleichzeitig ein Vorbild für Demokratie, ein Katalysator für internationale Zusammenarbeit und der Bewahrer
nationaler amerikanischer Interessen.
Ein zweiter Grundsatz lautet, daß
die amerikanische Führungsrolle realistisch sein muß. Aber ich meine
damit nicht nur ein Verständnis der
Funktionsweise der Welt, sondern die
Nutzung dieses Verständnisses, um die
Welt zu verändern und dabei amerikanische Werte als Leitlinie zu benutzen.
Der Gedanke, amerikanische Werte
und engagierte Außenpolitik seien relativ
unvereinbar,
ist
eindeutig
falsch.
Eine demoraktische Gesellschaft wird nicht über längere Zeit
hinweg eine Politik unterstützen, die
ihren
Überzeugungen
zuwiderläuft.
Und eine Politik, die nicht unseren
Interessen dient, wird sich - selbst
wenn sie uns ein gutes Gefühl verschafft - ad absurdum führen. Realitätssinn heute bedeutet keinen Ausschluß der Werte, sondern ihre Einbeziehung als Richtschnur unserer Politik.
Der dritte und letzte Grundsatz
ist Überparteilichkeit. Damit meine
ich kein Einstellen der Diskussion
oder das Ende der von der Verfassung
vorgesehenen Spannungen zwischen Exekutive und Kongreß.
Unterschiedliche Perspektiven und
Pflichten werden oftmals gegensätzliche Ansichten hervorbringen.
Der
demokratische
Prozeß
fördert
und
schützt das Recht auf Widerspruch.
Wenn jedoch alles gesagt ist,
müssen wir zur Tat schreiten. Wir
müssen unser außenpolitisches Geschäft durchführen und wenn wir das
tun, sollten wir es gemeinsam tun,
wenn wir unsere nationalen Zielsetzungen verwirklichen wollen.
Führung, Realitätssinn und Überparteilichkeit sind das Handwerks-

zeug, mit dem wir ein neues und vielversprechendes
Zeitalter
schaffen
können. Wir haben den Grundstein bereits gelegt. In den 80 Tagen seit
der Amtseinführung von Präsident Bush
haben wir unsere Tagesordnung entworfen und die Grundlage für das weitere
Vorgehen geschaffen.
Heute möchte
ich einige der Aktivitäten im Detail
erörtern und ein Gefühl vermitteln,
wie sie in unser zukünftiges außenpolitisches Programm eingebunden sind.
Wie ich bereits bei meiner Anhörung vor dem Senat ausgeführt habe,
stehen ganz oben auf unserer Tagesordnung die Nachbarländer - die Länder unseres Kontinents. Der Präsident hat die Bedeutung hervorgehoben,
die wir unseren Beziehungen mit Kanada und Mexiko beimessen. Dies wurde
noch durch seine frühzeitigen Treffen
mit Premierminister Mulroney und Präsident Salinas unterstrichen. Unsere
Beziehungen zu diesen beiden lebenswichtigen Nachbarländern haben das
symbolische
Stadium
überschritten.
Wir haben die Initiative zu zwei Themen ergriffen, die jeweils ganz oben
auf der Tagesordnung dieser Länder
stehen.
Mit Mexiko arbeiten wir
daran, dessen Schuldenlast abzubauen.
Der Präsident hat sich ferner verpflichtet, ein Gesetz mit einem endgültigen Zeitplan für einen umfassenden Abbau der Chemikalien vorzulegen,
die den sauren Regen verursachen.
Zum anderen haben wir einen überparteilichen Konsens zu einem Plan
erzielt, Mittelamerika von den Konflikten der vergangenen Jahre weg In
Richtung auf eine Zukunft der Demokratie und wirtschaftlichen Fortschritte zu führen.
Dieser Plan
spricht ein Problem an, das zu lange
nicht nur die Nachbarn in Übersee,
sondern auch die Amerikaner hier im
Lande in zwei Lager gespalten hat.
Die im März unterzeichnete Überparteiliche Übereinkunft umreißt klar
und deutlich die Zielsetzung unsere
Politik gegenüber Nicaragua und Mittelamerika. Diese Ziele heißen Demokratie, Beendigung der Subversion von

- 3 -

�Nachbarn und Abbruch der militärischen Beziehungen zur Sowjetunion,
durch die sich die amerikanische und
regionale Sicherheit bedroht sehen.
Die Übereinkunft stützt sich auf das
von Präsident Arias von Costa Rica
verfaßte Esquipulas II-Abkommen sowie
die Bestrebungen der mittelamerikanischen Länder, ihre eigenen Grundsätze für Freiheit und Frieden zu
entwickeln. Und unsere Politik konzentriert sich darauf, daß der zu
diesen Zielen führende Prozeß sich
auf glaubwürdige Normen der Einhaltung, genaue Zeitpläne für die Durchführung und wirksame, dauerhafte Verifizierungsmaßnahmen stützen muß.
Die
Übereinkunft
legt
ferner
fest, daß der Kongreß dem nicaraguanischen Widerstand humanitäre Hilfe
im gegenwärtigen Umfang bis zum 28.
Februar 1990 gewähren wird, kurz
nachdem in Nicaragua international
überwachte Wahlen abgehalten worden
sind.
Die neue amerikanische Politik unser "neues Denken" sozusagen - erfreut sich bereits der Unterstützung
der mittelamerikanischen Demokratien,
Kanadas, Venezuelas und anderer Demokratien auf diesem Kontinent und in
Europa. In den vor uns liegenden Wochen werden wir auf diese Unterstützung aufbauen.
Mit dieser Übereinkunft übermitteln wir der Welt eine bedeutsame
Botschaft:
Amerikaner
können
zu
einem Thema von vordringlichem nationalen Interesse Einigung erzielen.
Und wir können noch eine weitere Botschaft übermitteln: Unser Kontinent
ist nicht der Schuttabladeplatz für
sowjetische Waffen oder eine gescheiterte sowjetische Ideologie.
Offen gesagt haben wir in diesem
Zusammenhang auf Zeichen des "neuen
Denkens" aus Moskau gewartet. Kürzlich vernahmen wir einige vielversprechende Worte. In Anwesenheit von
Fidel Castro erklärte Generalsekretär
Gorbatschow:
"Wir lehnen Theorien
und Doktrinen, die den Export von Re-

volution und Konterrevolution rechtfertigen sowie alle Formen ausländischer Einmischung in die Angelegenheiten souverä-.or Staaten vehement
ab."
Das klingt zweifelsohne vielversprechend. Wir hoffen, daß es wahr
ist. Aber bis heute ist die Sowjetunion dem Aufruf von Präsident Arias,
diesem Schlagwort des neuen Denkens
Inhalt zu verleihen, nicht nachgekommen. Sowjetische Hilfe für Kuba und
Nicaragua bedeutet nach wie vor Unterstützung der Subversion gegen El
Salavador. Die sowjetische Militärhilfe an Nicaragua allein beläuft
sich auf über 500 Millionen Dollar
pro Jahr - fünfmal so viel wie die
amerikanische Hilfe an El Salvador und weit höher, als alle legitimen
sowjetischen Sicherheitsbelange dies
rechtfertigen würden. Als Konsequenz
dieser Hilfe stellt Nicaragua heute
eine militärische Streitmacht, die
sehr viel größer ist als die seiner
Nachbarn - die größte Armee in der
Geschichte Mittelamerikas.
Ich rufe die sowjetische Regierung erneut auf, dieses Vorgehen auf
unserem Kontinent und seine Konsequenzen für die Zukunft zu überdenken.
Der dritte Bereich, in dem wir
den Grundstein für Frieden und Sicherheit gelegt haben, ist der Nahe
Osten.
Am 25. März haben wir den zehnten
Jahrestag des ägyptisch-israelischen
Friedensvertrages
gefeiert.
Aber
einen Jahrestag zu begehen, bedeutet
auch die Erkenntnis dessen, wieviel
noch zu tun bleibt. Die täglichen
Ausschreitungen im Westjordanland und
dem
Gazastreifen,
die
geworfenen
Steine, die verlorenen Leben kommen
zu dem an sich schon bitteren Vermächtnis des Hasses zwischen Arabern
und Israelis hinzu.
In der vergangenen Woche haben
der ägyptische Präsident Mubarak und
Premierminister Shamir Washington besucht. Seine Majestät, König Hussein

�von Jordanien, wird für nächste Woche
erwartet.
Ich hege keine Zweifel, daß nach
so vielen Jahren des Haders ein tiefes Verlangen nach Frieden besteht.
Es steht jedoch ebenso außer Zweifel,
daß die Kluft zwischen den Parteien
zu tief ist und das Klima zu sehr von
Gewalt und Spannungen überschattet,
um jetzt Verhandlungen in die Wege
leiten zu können. Aus diesem Grund
haben wir zwei Monate lang die Notwendigkeit eines stufenweisen Vorgehens betont. Dessen Ziel besteht im
Abbau von Spannungen, Förderung des
Dialogs zwischen Israelis und Palästinensern und in der Schaffung eines
Umfelds, in dem Verhandlungen über
Interimlösungen und den permamenten
Status überdauern können.
In der vergangenen Woche hat Premierminister Shamir geantwortet. Er
hat klargestellt, daß der Status quo
inakzeptabel ist. Er hat ferner den
Wunsch Israels unterstrichen, den politische Prozeß voranzubringen, der
letzlich zu einer Lösung führen könnte. Er schlug Wahlen für palästinensische Vertreter in den besetzten Gebieten vor, die ein Interimabkommen
aushandeln sollten.
Dieser Prozeß
würde in Verhandlungen über den endgültigen Status gipfeln. In solchen
Verhandlungen wären alle Optionen offen. Alle Parteien könnten ihre bevorzugte Position auf den Verhandlungstisch legen und das Ergebnis
müßte für alle akzeptabel sein.
Dies ist ein positiver Schritt,
der weiterer Erwägung und Fortentwicklung wert ist. In den kommenden
Wochen werden wir mit Isreal und den
Arabern die Einzelheiten dieses Gedankens erörtern, wie darauf aufgebaut werden kann und er sich in die
Vorbereitung von Verhandlungen einpaßt.
Wir haben ein schrittweises
Vorgehen in die Wege geleitet, das
unserer Ansicht bezüglich Fortschritten bei diesem schwierigsten aller
Konflikte entspricht.
Der nächste

und vierte Bereich,

auf den wir unsere anfänglichen Bemühungen konzentriert haben, betrifft
die Vorbereitung weiterer Verbesserungen in den Ost-West-Beziehungen.
Von all den Veränderungen, die wir im
vergangenen
Jahrzehnt
beobachten
konnten, sind die in der Sowjetunion
zweifelsohne am bemerkenswertesten.
Die sowjetischen Truppen wurden aus
Afghanistan abgezogen. Der INF-Vertrag wird verwirklicht. Einige politische Gefangene wurden freigelassen.
Die Zahl der Auswanderer ist drastisch angestiegen. Und eine Art von
Demokratisierung - weit entfernt von
Demokratie, aber immerhin ein Demokratisierungsprozeß - hat begonnen.
Die
Gorbatschow

von
in

Generalsekretär
die

Wege

geleiteten

politischen und wirtschaftlichen Reformen haben jedoch auch ein breites
Feld der Unzufriedenheit aufgedeckt.
Praktisch jeder Bereich des sowjetischen Lebens und der sowjetischen
Geschichte sah sich Kritik ausgesetzt. Eine ebensolche Welle der Unzufriedenheit hat die Länder Mittelund Osteuropas überspült. Die Reaktionen darauf waren uneinheitlich.
Einige Länder widersetzen sich dem
Wandel.
Andere haben ihre politischen und wirtschaftlichen Systeme
in einem Maß verändert, wie es einst
als unmöglich galt.
Die vor einer Woche in Polen erzielten historisch einmaligen Vereinbarungen am runden Tisch sind beispielhaft für diese Veränderungen in
der kommunistischen Welt. Vor sieben
Jahren wurden Kerzen angezündet, um
Polens unterdrückte
freie Gewerkschaft Solidarität zu unterstützen.
Heute hat die Hoffnung neue Nahrung
bekommen. Polen hat einen wichtigen
Schritt weg vom Totalitarismus getan,
obwohl die Demokratie noch bei weitem
nicht verwirklicht wurde.
In Wien habe ich die Veränderungen im Osten vor allem als Zeichen
dafür begrüßt, daß sich die westliche
Vision von Freiheit, Frieden und Demokratie durchgesetzt hat. Gemeinsam
mit unseren Verbündeten haben wir in

- 5 -

�den vergangenen vier Jahrzehnten diese Vision hochgehalten. Heute bestätigt ein neuer Sinn für Realismus im
Kreml den Erfolg unserer Bemühungen.
Ich kann sagen, daß wir Herrn
Gorbatschow bei seinem Versuch, die
Sowjetunion zu reformieren, viel Erfolg wünschen. Wir haben kein Interesse an einem Fehlschlag der Perestrojka. Wir begrüßen das Konzept
des "neuen Denkens" in der Außen- und
Sicherheitspolitik, und wir sehen erwartungsvoll der Wiederaufnahme der
Verhandlungen zum Abschluß eines neuen Vertrages entgegen, mit dem die
strategischen Waffen begrenzt werden.
Vereinfacht ausgedrückt besteht
unser allgemeines Ziel darin, insbesondere bei regionalen Fragen unser
kooperatives Verhältnis zu vertiefen
und auszuweiten.
Es ist
jedoch verfrüht, den
Schluß zu ziehen, daß die dem Westen
am meisten Sorge bereitenden Maßnahmen der Sowjets für immer überwunden
seien. Die bis heute erzielten Fortschritte in der Rüstungskontrolle haben nichts an der Tatsache geändert,
daß die Sowjetunion eine schwer bewaffnete Supermacht ist, deren militärischer Arm jeden Winkel der Welt
erreichen kann. In jüngster Zeit hat
es Anzeichen für einen konstruktiveren sowjetischen Ansatz gegeben, der
die Notwendigkeit anerkennt, die Fähigkeit zum Überraschungsangriff zu
beseitigen.
Diese Möglichkeit muß
jedoch noch sondiert und weiterentwickelt werden. So real die Möglichkeiten auch sein mögen, sind sie doch
noch nicht verwirklicht.
Es bestehen in der Tat noch zu
viele Bereiche, in denen die Schlagworte des neuen Denkens noch keine
Substanz enthalten. Lassen Sie mich
einige Beispiele nennen:
- Moskau hat erklärt, jedes Mitglied der sozialistischen Staatenfamilie habe das Recht, seinen
eigenen Weg zu gehen, hat sich
jedoch geweigert, der Breschnew-

Doktrin eine Absage zu erteilen,
die immer noch die von der UdSSR
dominierten Staaten überschattet.
- Die Sowjetunion strebt nach einer
Reduzierung der Streitkräfteniveaus an der Trennungslinie in
Europa. Sie weigert sich jedoch
immer noch, die Berliner Mauer
und andere mit sowjetischem Druck
erzwungene Realitäten der europäischen Teilung zu beseitigen.
- Generalsekretär Gorbatschow hat
erklärt,
die
"vordringlichste
Aufgabe besteht nun in der Beilegung der sogenannten regionalen
Konflikte". Wie ich jedoch vorhin schon festgestellt habe, weigert sich Moskau, dem "neuen Denken" im Hinblick auf Mittelamerika Substanz zu verleihen.
- In der vergangenen Woche hat Generalsekretär Gorbatschow den Nahen Osten als echtes Pulverfaß
bezeichnet. Wie sollen wir jedoch den Verkauf modernster Hochleistungsbomber an Libyen interpretieren, ein Land, das den Terrorismus in Europa und andernorts
unterstützt?
Und wie fördert
dieser Verkauf die (angeblich von
Moskau unterstützten) weltweiten
Bemühungen zur Kontrolle chemischer Waffen, wie sie von Libyen
in der Fabrik von Rabta hergestellt werden?
Diese und andere Fragen werden
auf meiner Tagesordnung stehen, wenn
ich
im
Mai
mit
Außenminister
Schewardnadse zusammentreffe.
Ich bin voll und ganz davon überzeugt, daß die amerikanisch-sowjetischen Beziehungen das Potential für
eine wesentlich engere Zusammenarbeit
in sich bergen. Wir werden bei unserem Treffen im Mai in der Tat einige
neue Themen besprechen, darunter internationale Umweltfragen, Drogenhandel und Terrorismus. Wir können mehr
neues Denken fördern, die Schlagworte
mit Inhalt füllen und das Spektrum
der Zusammenarbeit ausdehnen.

�Damit komme ich zu dem fünften
und letzten Bereich, in dem wir seit
Januar beharrliche Arbeit geleistet
haben.
Letztlich hängt der Erfolg
unserer Ost-West-Politik von unserer
West-West-Politik ab - der Fähigkeit
der Vereinigten Staaten und ihrer
Verbündeten zur Zusammenarbeit. Unsere kollektive Stärke, nicht nur die
innenpolitische Schwäche der Sowjets,
hat dem bemerkenswerten Realismus den
Weg bereitet, den wir in jüngster
Zeit in Moskau festgestellt haben.
Die Sowjetunion ist jedoch nicht
der einzige Beweggrund für unsere
Bündnisse und Freundschaften. In den
vergangenen 40 Jahren haben wir starke politische, militärische und wirtschaftliche
Beziehungen
aufgebaut,
die durch gemeinsame Werte und grundsätzliche Interessen miteinander verbunden sind.
Durch den Erfolg unserer Maßnahmen haben enorme Veränderungen zum
Besseren stattgefunden.
Heute sind
unsere Verbündeten stark und wohlhabend, und die Vereinigten Staaten
bilden nicht die einzige Quelle von
Initiativen oder Ressourcen. Wie ich
vorhin schon bemerkt habe, bleibt jedoch die Tatsache bestehen, daß wir
für die Zusammenarbeit eine einzigartige
Katalysatorfunktion
erfüllen.
Damit sind wir zu kreativer und aktiver Führung aufgerufen.
Aus diesem Grund haben wir mit
unseren Verbündeten und Freunden umfangreiche Konsultationen über Probleme von gemeinsamem Interesse aufgenommen.
Ich habe meine Ministerkollegen in allen 15 NATO-Hauptstädten besucht, und wir sind zum Beginn
der Verhandlungen über konventionelle
Rüstungskontrolle in Wien erneut zusammengetroffen.
Der Präsident hat
Japan, Korea und die Volksrepublik
China besucht. In den kommenden zwei
Monaten werden wir wiederum Europa
besuchen, um am Gipfeltreffen zum 40jährigen Jubiläum der NATO und am
Weltwirtschaftsgipfel
teilzunehmen.
Aus diesen Gesprächen wird sich ein
gemeinsames Programm ergeben, das wir

benötigen, um die Zukunft zu meistern. Dies gilt nicht nur für die
Behandlung von Ost-West-Fragen, sondern für alle vor uns liegenden Herausforderungen .
Lassen Sie mich diesen Überblick,
den man mit dem Titel "In 80 Tagen um
die Welt" umschreiben könnte, mit der
folgenden
Beobachtung
beschließen.
Vor
langer
Zeit
stellte
de
Tocqueville fest, daß es der Demokratie bei der Durchführung ihrer Diplomatie für gewöhnlich an Geheimhaltung, Schnelligkeit und Zusammenhalt
fehle.
Ich stimme dem zu und füge
noch hinzu, daß sich diese Probleme
in einem Bündnis von Demokratien vervielfachen.
Und doch könnte sich der diplomatische Stil der Demokratien hervorragend für das vor uns liegende komplexe Zeitalter eignen.
Wie Wunder
bringt die Geschichte bisweilen auch
Helden hervor, aber wir können weder
auf Helden noch auf Wunder zählen, um
unsere Interessen zu sichern. In jedem Fall muß der Durchschnittsbürger
die Folgen tragen. Das ist Amerika das Abenteuer des Durchschnittsbürgers. Das ist Demokratie - die Freiheit wird für alle, nicht nur einige
wenige gewährleistet.
Konsultation
und Konsens, die
vorsichtigen Bewegungen eines Programms, das sich Schritt für Schritt
vollzieht und langsamer, aber stetiger Wandel zum Besseren, das sind die
Wege der Demokratie, die Wege, die am
besten zu uns passen.

- 7 -

* * * * * *

�AMERIKA DIENST
Dokumentation

19. April 1989

16

WALTERS BETONT "SCHLÜSSELROLLE" DER BUNDESREPUBLIK DEUTSCHLAND
- Eröffnungsansprache vor Senatsausschuß WASHINGTON - (AD) - In seiner Eröffnungsansprache anläßlich seiner Anhörung vor dem Auswärtigen Ausschuß des Senats erklärte der neue Botschafter der
Vereinigten Staaten in Bonn, Vernon A. Walters, am 12. April 1989, er könne
sich "kein Verhältnis von größerer Tragweite für die Vereinigten Staaten und
den Westen vorstellen als das deutsch-amerikanische". Die Bundesrepublik
Deutschland stehe "im Mittelpunkt der Ost-West-Beziehungen" wie auch der amerikanischen Beziehungen zu den Westeuropäern in der NATO und der Europäischen
Gemeinschaft.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Eröffnungsansprache von Botschafter
Walters im Wortlaut.

Herr Vorsitzender,
verehrte Ausschußmitglieder,
es ist mir eine große Ehre, heute
vor Ihnen sprechen zu dürfen, und ich
werde mich kurz fassen.
Zunächst möchte ich dem Präsidenten für meine Nominierung zum amerikanischen Botschafter in der Bundesrepublik Deutschland und dem Außenminister für das in mich gesetzte
Vertrauen meinen Dank aussprechen.
Darüber hinaus möchte ich Ihnen,
Herr Vorsitzender, dafür danken, daß
sie heute diese Anhörung zu meiner
Nominierung einberufen haben. Es ist
mir immer wieder eine Freude, mit dem
Ausschuß
zusammenzutreffen.
Heute
ist das dritte Mal, daß ich zur Bestätigung hier geladen bin.

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Herr Vorsitzender,
ich kann mir gegenwärtig kein
Verhältnis von größerer Tragweite für
die Vereinigten
Staaten und den
Westen vorstellen als das deutschamerikanische.
Der Kongreß hat in
den vergangenen Jahren die diesen Beziehungen beigemessene Bedeutung betont, unter anderem mit dem Austauschprogramm zwischen Bundestag und
Kongreß, der gemeinsamen Resolution,
die den 6. Oktober zum "Tag der
Deutsch-Amerikaner"
erklärt
sowie
auch mit der Einrichtung dieser einzigartigen, informellen, überparteilichen und von beiden Häusern getragenen Körperschaft - der Forschungsgruppe Deutschland des Kongresses.
Die
Bundesrepublik
Deutschland
steht im Mittelpunkt der Ost-West-Be-

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Telex: 8-85432

�Ziehungen wie auch unserer Beziehungen zu den Westeuropäern in der NATO
und der Europäischen Gemeinschaft.
Gerade wegen der Bedeutung der Bundesrepublik für das Bündnis ist die
bundesdeutsche Öffentlichkeit wichtigste Zielgruppe von Gorbatschows
"Offensive des Charmes".
Wie dem Ausschuß bekannt ist,
stellt die Bundesrepublik die größten
aktiven konventionellen Streitkräfte
des Westens in Europa. Ebensoviele
verbündete Truppen - einschließlich
250 000 amerikanischer Soldaten des
Heeres und der Luftwaffe - und ein
großer Anteil der kriegsschauplatzgebundenen atomaren Streitkräfte der
NATO sind auf ihrem Territorium stationiert. Nach den Vereinigten Staaten belegt die Bundesrepublik im
Welthandel den zweiten Platz und
steht bei unseren Handelspartnern an
dritter Stelle.
Wir haben mit Bonn ein solides
Fundament bilateraler Zusammenarbeit
in einem Verhältnis geschaffen, das
in den vergangenen vier Jahrzehnten
erheblichen Veränderungen unterworfen
war. Obwohl unsere Beziehungen heute
den Charakter einer reifen Partnerschaft haben, sind sie weiterhin anfällig für Mißverständnisse und bisweilen auch Meinungsverschiedenheiten. Meines Erachtens sind die in
unserem Verhältnis zutage getretenen
Friktionen - und wir sollten die
jüngsten Ereignisse nicht als Ausnahmefälle betrachten -, eher Ausdruck
der Bedeutung, Vielfalt und Intensität unserer Bindungen und gemeinsamen
Interessen als grundsätzlicher Meinungsverschiedenheiten.
Sicherlich setzt sich die Bundesrepublik energischer für die Wahrung
ihrer Interessen ein. Sie erhebt zu Recht - Anspruch auf den ihr zukommenden politischen und wirtschaftlichen Rang in der Welt. Eine solche
Position bringt jedoch zugleich zusätzliche Verpflichtungen mit sich,
die zu erfüllen Bonn bereit sein muß.
Zudem haben ein Generationswechsel
sowie Veränderungen in der innen- und
außenpolitischen Landschaft stattge-

funden. Parallel dazu hat in einigen
Kreisen das Vertrauen in die Fähigkeit der Vereintsten Staaten abgenommen, den Westen effektiv und berechenbar zu führen. Unsere FUhrungsrolle und Beharrlichkeit haben jedoch
ebenso wie die unserer Bündnispartner
Europa nicht nur Freiheit und Veränderungen im Osten beschert, sondern
die längste Friedensperiode, die Europa seit der Schlacht von Waterloo
erlebt hat.
Meines Erachtens erkennen die
Bonner Regierung wie auch die Mehrheit der Bundesbürger, daß für sie
die feste Verankerung in der NATO und
in der Europäischen Gemeinschaft unerläßlich ist. Westpolitik genießt
weiterhin Vorrang vor Ostpolitik.
Der auch heute schon wichtige
wirtschaftspolitische
Teil
unseres
Verhältnisses
wird
wahrscheinlich
noch an Bedeutung gewinnen, jedoch
zunehmend von Entscheidungen bestimmt
werden, die in Brüssel und nicht in
Bonn fallen. Allerdings spielt die
Bundesrepublik
Deutschland
eine
Schlüsselrolle bei der Entscheidungsfindung innerhalb der Europäischen
Gemeinschaft. Wir erwarten, daß ihre
Stimme zur Unterstützung des freien
Handels und eines offenen europäischen
Binnenmarkts,
insbesondere
nach 1992, Gehör finden wird.
Herr Vorsitzender,
ich kann mir keine größere Ehre,
keine wichtigere Aufgabe und keine
größere Herausforderung vorstellen,
als an der Schwelle zum nächsten
Jahrhundert die Vereinigten Staaten
in unseren Beziehungen mit der Bundesrepublik Deutschland zu vertreten.
Vorbehaltlich meiner Bestätigung
wird meine vornehmste Aufgabe darin
bestehen, auf unseren vielfältigen,
zum Teil deckungsgleichen Interessen,
gemeinsamen Werten sowie dem gegenseitigen Respekt und Vertrauen aufzubauen, von denen die deutsch-amerikanischen
Beziehungen
gekennzeichnet
sind, um gemeinsame Zielsetzungen im
Namen von Frieden, Wohlstand und

�Freiheit zu verwirklichen.
Dabei werde ich die amerikanischen Interessen und Anliegen klar
und deutlich vertreten, über die Entwicklungen
in
der
Bundesrepublik
wahrheitsgetreu und gewissenhaft berichten und dabei berücksichtigen,
daß auch die Bundesbürger Interessen
und Ansichten haben, die sich gelegentlich von den unseren unterscheiden, heute vielleicht noch mehr als
in der Vergangenheit. Ich gebe mich
keinerlei Illusionen darüber hin, daß
meine Aufgabe leicht sein wird, aber
in den nahezu 50 Jahren meiner
Dienstzeit sind mir selten leichte
Aufgaben gestellt worden.
Die Herausforderung - und nicht
nur für einen Botschafter in Bonn besteht darin, dieses für beide Seiten wichtige Verhältnis auf allen
Ebenen und in allen Bereichen so zu
gestalten, daß gemeinsame, überragende Prinzipien und Zielsetzungen - und
insbesondere gegenseitiges Vertrauen
weiterhin gefördert werden.
In
diesem Zusammenhang dlirfen die Vereinigten Staaten und die Bundesrepublik Deutschland nicht jedes neue

Problem auf beiden Seiten des Atlantiks
entweder
zum
"Prüfstein"
deutscher Zuverlässigkeit oder zum
Beispiel amerikanischer Unnachgiebigkeit werden lassen. Ein solches Vorgehen
würde bedeuten, dieses entscheidende Verhältnis aufs Spiel zu
setzen. Sicherstellung enger, dauerhafter Kontakte - nicht zuletzt auch
mit der politischen Opposition - und
die wirksame Erfüllung unserer besonderen Verantwortung für Berlin sind
andere Schlüsselelemente des Erfolges.
Herr Vorsitzender,
im Bewußtsein der schwerwiegenden
Verantwortung, die ich vorbehaltlich
meiner Bestätigung zu tragen haben
werde, kann ich diesem Ausschuß versichern, daß ich mein Bestes geben
werde, um mich des in mich gesetzten
Vertrauens würdig zu erweisen.

- 3 -

�AMERIKA DIENST
^7

^

C&amp;

Hintergrundmaterial
19. April 1989

16

BRADY FORDERT VOLLSTÄNDIGE BEWILLIGUNG DER MITTEL FÜR
MULTILATERALE ENTWICKLUNGSBANKEN
- Erklärung vor Kongreßausschuß (Zusammenfassung) -

WASHINGTON - (AD) - Die Bush-Administration hat Finanzminister Nicholas
Brady zufolge für das am 30. September 1990 endende Haushaltsjahr beim Kongreß
die Bewilligung von 1,637 Milliarden Dollar für die amerikanischen Zahlungen
an die multilateralen Entwicklungsbanken (MDBs) beantragt. Dazu gehören die
Weltbank, die Internationale Entwicklungsorganisation, die Internationale Finanz-Corporation, die Interamerikanische Entwicklungsbank, Asiatische Entwicklungsbank und -fonds sowie Afrikanische Entwicklungsbank und -fonds.

Ferner fordert die Bush-Administration 313 Millionen Dollar, um in
der Vergangenheit entstandene Fehlbeträge bei den amerikanischen Verpflichtungen gegenüber diesen Institutionen abzudecken sowie die Freigabe von 150 Millionen Dollar zur Finanzierung der amerikanischen Beteiligung an der Erweiterten Strukturellen Anpassungseinrichtung (ESAF) des
Internationalen Währungsfonds (IWF).
Mit diesem IWF-Programm wird den ärmsten Ländern finanzielle Unterstützung zu günstigen Bedingungen gewährt, wenn diese mit anhaltenden
Zahlungsbilanzproblemen
konfrontiert
und bereit sind, mehrjährige Wirtschaftsreformen durchzuführen.
"Die Vereinigten Staaten sind das
einzige führende Industrieland, das

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Embassy of the United States of America

noch keinen Beitrag zur ESAF geleistet hat", erklärte Brady am 17. April 1989 vor einem Unterausschuß des
Repräsentantenhauses. "Eine bescheidene Zuwendung an die ESAF würde viel
dazu beitragen, um unsere Glaubwürdigkeit im IWF zu erhalten und den
Vereinigten Staaten Einfluß bei Fragen von zentraler Bedeutung für unsere nationalen Interessen und das
Wohlergehen der Weltwirtschaft zu
sichern."
Der Finanzminister erklärte vor
dem Unterausschuß für die Bewilligung
von Mitteln für auswärtige Angelegenheiten, gemäß der neuen Schuldenstrategie für die Dritte Welt - die sich
auf Schulden und Schuldendienstreduzierung konzentriert - komme der angemessenen Bereitstellung von Mitteln

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�für die multilateralen Entwicklungsbanken entscheidende Bedeutung zu.
Diese Institutionen werden ihm zufolge eine stärkere Rolle bei der Stimulierung des Schuldenabbaus spielen
und müssen "für ihre Arbeit angemessene Mittel erhalten".
Brady ging ausführlich auC die
Bedeutung von Fragen des Umweltschutzes bei von internationalen Institutionen finanzierten Projekten aus der
Sicht der Vereinigten Staaten ein.
Insbesondere behandelte er detailliert das Problem der tropischen Regenwälder und erklärte: "Die Regierung der Vereinigten Staaten ist entschlossen, daß die MDBs Maßnahmen und
Verfahrensweisen zum Schutz vor Projekten beschließen sollen, die diese
Wälder und andere instabile Ökosysteme beeinträchtigen." Wir haben verschiedene Schritte unternommen, um
weltweit Verständnis für die Bedeutung dieses Problems zu wecken und
größere Unterstützung für Maßnahmen
zum Schutz solcher Ökosysteme zu gewinnen, die durch Entwicklungsprojekte und -programme bedroht sein könnten.

Es ist zwingend erforderlich, daß
in den MDBs und den Schuldnerländern
angemessene Verfahrensweisen zur Bewertung der Auswirkungen auf die Umwelt erarbeitet werden. Ferner besteht die dringende Notwendigkeit für
die MDBs, der Öffentlichkeit die für
die Umwelt relevanten Informationen
über Projekte im Vorfeld der von der
Bank getroffenen Maßnahmen zugänglich
zu machen. Ich habe bei der Jahrestagung der Weltbank in Berlin im September vergangenen Jahres die Bedeutung von Umweltproblemen hervorgehoben. Im März dieses Jahres habe ich
einen Brief an Präsident Conable geschrieben und darin auf die Bedeutung
verwiesen, die wir dem Zugang von Informationen und der Notwendigkeit zum
schnelleren Handeln der Bank in diesem Bereich beimessen. Vor zwei Wochen haben wir vor dem Entwicklungsausschuß der Weltbank eine Erklärung
abgegeben und darin erneut die Bedeutung unverzüglichen Handelns betont.
Ich habe meine Kollegen in den anderen Industrienationen zur Untertsützung dieser Bestrebungen aufgefordert, und wir werden in den kommenden
Monaten auf die internationale Vereinbarungen angemessener Verfahrensweisen drängen.

* * * * * *

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VON

Hintergrundmaterial

4

16

19. April 1989

DER ATOMWAFFENSPERRVERTRAG:

ERFOLGREICHE RÜSTUNGSKONTROLLE

- Bericht der ACDA -

WASHINGTON - (AD) - Der nachfolgende Bericht der amerikanischen Rüstungskontroi L- und Abrüstungsbehörde (ACDA) erläutert den Zweck des Nichtverbreitungsvertrages.

Der Vertrag über die Nichtverbreitung von Kernwaffen (NPT) ist der
Rüstungskontrollvertrag, der weltweit
am wenigsten gebrochen wird. Die 138
Nationen unterzeichneten den Vertrag
in dem Bewußtsein, daß die Weiterverbreitung von Kernwaffen die Sicherheit aller Staaten ernsthaft gefährden würde.
Die Bedrohung durch die Weiterverbreitung von Kernwaffen führt zu
Problemen unter regionalen Rivalen,
insbesondere bei bereits bestehenden
Spannungen . Der darin resultierende
Rüstungswettlauf kann sehr gefährlich
werden und zu einem bewaffneten Konflikt führen. Solche Aussichten haben an sich schon nicht nur für die
fragliche Region, sondern auch für
andere Gebiete der Welt eine destabilisierende Wirkung.

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Verhinderung der Verbreitung von
Kernwaffen
Die kontinuierliche Zunahme der
Länder, die dem NPT beitreten, ist
eindeutiger Beweis für die wachsende
weltweite Verpflichtung zur Nichtverbreitung.
Durch die Unterzeichnung
des Vertrages haben Staaten ohne
Kernwaffen sich verpflichtet, Kernwaffen weder herzustellen noch zu erwerben. Die Vertragspartner des NPT,
die im Besitz von Kernwaffen sind die Vereinigten Staaten, die Sowjetunion und Großbritannien -, haben
sich verpflichtet, auf die Weitergabe
von nukleren Sprengsätzen an einen
anderen Staat zu verzichten und Staaten, die keine nuklearen Sprensätze
besitzen, nicht bei der Herstellung
oder Beschaffung solcher Waffen be-

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�hilfllch zu sein. Frankreich und die
Volksrepublik China sind dem Vertrag
nicht beigetreten, Frankreich hat jedoch erklärt, es werde seine Beziehungen im Nuklearbereich im Einklang
mit den Zielsetzungen des Vertrages
führen und China hat versichert, daß
es anderen Ländern nicht bei der Entwicklung von Kernwaffen behilflich
sein wird.

Förderung der friedlichen Nutzung
von Kernenergie
Der NPT erleichtert den Zugang
zur friedlichen Nutzung von Kernenergie. In der Tat gewähren zahlreiche
Lieferanten von Kernenergie ihren Nuklearexporten in Länder, die dem Vertrag be-'getreten sind ebenso wie anderen gemeinsamen Unternehmungen mit
NPT-Mitgliedern eine bevorzugte Behandlung.
Die
NPT-Vertragsparteien
haben
von den zahlreichen Vorteilen aus der
friedlichen Nutzung von Kernenergie
in großem Umfang profitiert. Die vom
NPT geförderte friedliche Anwendung
von Kernenergie wird weltweit in
vielfältiger produktiver Weise genutzt, zum Beispiel: in der Landwirtschaft bei der Schädlingsbekämpfung und Aufstockung von Nahrungsmittelvorräten; in der Medizin zur
Krebstherapie; in der Geologie zur
Lokalisierung von Rohstoffen und natürlich bei der Energieproduktion als
Mittel zur Stromerzeugung.

Vorkehrungen zur Gewährleistung von
Sicherheit und Vertrauen
Einzelne Länder sind dem NPT beigetreten, weil der Vertrag ein wichtiges Instrument zur Förderung gegenseitigen Vertrauens sowie weltweiter
Sicherheit und Stabilität darstellt.
Sie leisten ihren Beitrag dazu, indem
sie ihre Atomexplosionen zu friedlichen Zwecken Sicherheitsmaßnahmen
unterwerfen, die von der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEO)
überwacht werden. Mit Hilfe der Si-

cherheitsmaßnahmen des NPT soll verifiziert werden, daß die friedliche
Nutzung der Kernenergie nicht für
Atomwaffenprogrrmme verwendet wird.
Die mit dem System der Schutzmaßnahmen gebotenen Sicherheiten sollen
Mißtrauen abbauen, das andernfalls
Nachbarstaaten ermutigen könnte, Fähigkeiten für Nuklearwaffen anzustreben oder andere Maßnahmen zu ergreifen, die dem regionalen und weltweiten Rüstungswettlauf Vorschub leisten
könnten.
Da
die
Sicherheitsvorkehrungen
der IAEO Vertrauen schaffen, daß zu
friedlichen Zwecken genutztes nukleares Material nicht mißbräuchlich verwendet wird, liefert der NPT eine
feste Grundlage für die friedliche
internationale Zusammenarbeit im Nuklearbereich. Ohne den NPT und die
Sicherheitsvorkehrungen der IAEO bestünde kein volles Vertrauen, daß nukleares Material nur zu friedlichen
Zwecken verwendet wird. Unter diesen
Bedingungen würde der Handel mit
friedlichen Zwecken dienenden nuklearem Material weitaus schwieriger und
die sich aus dieser internationalen
Zusammenarbeit
ergebenden
Vorteile
erheblich reduziert.

Weiterführung der atomaren Abrüstung
Bei der schwierigen Aufgabe, Maßnahmen zur Beendigung des atomaren
Rüstungswettlaufs
auszuhandeln
und
eine Abrüstung von Kernwaffen zu erzielen, sind erhebliche Fortschritte
erzielt worden.
Seit Bestehen des
NPT arbeiten die Vereinigten Staaten
und die Sowjetunion an der Festsetzung von Obergrenzen für die Anzahl
und die Kategorien von Kernwaffen.
Jüngste Verhandlungen haben mehr hervorgebracht als lediglich die Begrenzung dieser Waffen und sie reduziert.
Der 1988 zwischen den Vereinigten
Staaten und der Sowjetunion geschlossene INF-Vertrag stellt eine einzigartige Leistung in der Abrüstung dar.
Heute beseitigt der INF-Vertrag eine
gesamte Kategorie amerikanischer und

- 2 -

�sowjetischer
Atomwaffen.
Darüber
hinaus sieht er die umfangreichsten
Vor-Ort-Inspektionen vor, die jemals
für einen Abrüstungsvertrag erarbeitet worden sind.

NPT verfolgt eine dreifache Zielsetzung:

Auch im Bereich der Verhandlungen
über strategische Rüstungen (START),
einer weiteren Bestrebung der Vereinigten Staaten und der Sowjetunion
um echte Abrüstung, sind erhebliche
Fortschritte
erzielt worden.
Die
START-Verhandlungen haben in ihren
Bemühungen um einen Abbau strategischer Offensivwaffen der Vereinigten Staaten und der Sowjetunion um 50
Prozent viel erreicht.

- Förderung der friedlichen Nutzung
von Kernenergie.

Bedeutende
Fortschritte
wurden
ferner auf dem Weg zur Ratifizierung
des Schwellenvertrags und des Vertrags über Atoraexplosionen zu friedlichen Zwecken erzielt. Durch Zusammenarbeit bei gemeinsamen Experimenten in einem Ausmaß, das noch vor wenigen Jahren für unrealistisch gehalten worden wäre, haben sich die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion
bemüht, eine wirksame Verifizierung
von Atomtests zu gewährleisten, um
eine Ratifizierung dieser Verträge zu
ermöglichen. Die beiden Länder haben
sich überdies darauf geeinigt, daß
nach Ratifizierung dieser Verträge
Verhandlungen über Möglichkeiten zur
Durchführung stufenweiser, parallel
ablaufender
Programme
eingeleitet
werden, mit denen Atomtests begrenzt
und beendet sowie alle Kernwaffen reduziert und
letztlich abgeschafft
werden sollen.
Zusammen mit verstärkter amerikanisch-sowjetischer Zusammenarbeit bei
Inspektion und Verifizierung zeigen
diese Errungenschaften bei Rüstungskontrolle und Abrüstung, daß die Verhandlungen über nukleare Abrüstung
aufrichtig betrieben werden - und mit
bedeutendem Erfolg.

- Verhinderung der Weiterverbreitung von Kernwaffen.

- Ermutigung aufrichtig geführter
Verhandlungen über wirksame Mittel und Wege zur Beendigung des
nuklearen Wettrüstens, Erlangung
nuklearer Abrüstung und Aushandlung eines Vertrages über allgemeine und umfassende Abrüstung.
Mit der Verhinderung der Verbreitung von Kernwaffen fördert der NPT
zudem die friedliche Nutzung der
Kernenergie
durch
internationale
Schutzmechanismen, um zu verhindern,
daß die friedliche Nutzung der Kernenergie für Programme zum Bau von
Kernwaffen mißbraucht wird.

Sicherheit für alle Staaten
Bei der letzten Überprüfung des
NPT im Jahr 1985 wurde die allgemeine
Einhaltung des Vertrages als bestes
Mittel angesehen, um den Schutz vor
der Verbreitung von Kernwaffen zu
stärken.
Die Vertragsparteien verliehen feierlich ihrer Überzeugung
Ausdruck, daß der NPT für Frieden und
Sicherheit in der ganzen Welt unerläßlich ist. Diejenigen, die daran
zweifeln, daß dies der Wahrheit entspricht, sollten sich nur eine Welt
ohne NPT vorstellen.
Das Fehlen
rechtlicher Beschränkungen für die
Verbreitung von nuklearen Sprengsätzen würde

Was leistet der NPT?
Der unter Berücksichtigung der
Interessen aller Staaten entworfene
- 3 -

- regionale Spannungen und Verdächtigungen verschärfen,
- die Bedrohung durch
Wettrüsten erhöhen,

regionales

- die auf dem Weg zu nuklearer Abrüstung
erzielten
Fortschritte
untergraben,

�- die Grundlagen der friedlichen
internationalen
Zusammenarbeit
und des Handels im Nuklearbereich
zerstören.
Der NPT erhöht eindeutig die Sicherheit aller Staaten. Ohne inn wäre die Welt ein schrecklicherer und
unsicherer Ort.

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�AMERIKA DIENST
VON

&amp;

Wissenschaft und Technik

19. April 1939

16

NASA UNTER NEUER LEITUNG
- Präsident Bush nominiert Richard Truly als Leiter der US-Behörde
für Luft- und Raumfahrt -

WASHINGTON - (AD) - Konteradmiral Richard Harrison Truly wurde am 11.
April 1989 von Präsident George Bush zum Nachfolger von Dr. James J. Fletcher
als Leiter der US-Behörde für Luft- und Raumfahrt (NASA) nominiert. Vorbehaltlich der erwarteten Zustimmung durch den Senat würde damit zum ersten Mal
ein Astronaut diese bislang meist mit Wissenschaftlern besetzte Position übernehmen.

Bei der Bekanntgabe der Nominierung Trulys erklärte der Präsident
u.a.: "Dies ist in der ruhmreichen
Geschichte der NASA das erste Mal,
daß eine überragende Persönlichkeit
aus den eigenen Reihen ihre Leitung
übernimmt - ein Astronaut mit Weltraumerfahrung, ein Mann, der auf besondere Weise mit der großartigen
Teamarbeit in der NASA und ihren Leistungen vertraut ist." Die Zustimmung des amerikanischen Kongresses
sei jedoch erforderlich, weil Truly
aktiver Marine-Offizier ist.
Seit 1986 war Truly beigeordneter
Leiter der NASA für bemannte Raumfahrt. Zuvor war er zwei Jahre lang
als erster Kommandeur des MarineRaumfahrtkommandos
in
Dalhgreen
(Virginia) tätig. Im Jahr 1973 ge-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

hörte er der Bodenmannschaft für die
SKYLAB-Missionen an. Bei allen drei
bemannten Einsätzen des "Himmelslabors" war er zuständig für die Funkverbindungen mit der Besatzung. In
ähnlicher Eigenschaft leitete er zwei
Jahre später den Funkverkehr mit den
Astronauten bei dem amerikanischsowjetischen APOLLO-SOYUS-Unternehmen.
Im Jahr 1977 konnte Truly erste
praktische Erfahrungen
zum "Space
Shuttle"-Programm mit dem Vorläufer
ENTERPRISE des Raumtransporters als
Pilot der zweiköpfigen Besatzung bei
Tests sammeln, die der Erprobung von
Anflug- und
Landemanövern
galten.
Seinen erster Einsatz im Weltraum
flog er 1981 (12. - 14. November) als
Kopilot von Joseph Engle bei der
zweiten Mission der COLUMBIA. Sei-

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�nerzeit wurde zum ersten Mal der in
Kanada gebaute "mechanische Arm" verwendet. Er ist in der Ladebucht untergebracht und leistete den Astronauten beim Umsetzen und Absetzen von
Nutzlasten schon viele gute Dienste.
Beim achten Flug des wiederverwendbaren
amerikanischen
Raumtransporters, der mit fünf Mann an Bord vom
30. August bis 5. September x983 mit
der CHALLENGER durchgeführt wurde,
war Truly der Kommandant, Daniel
Brandenstein der Kopilot. Zum ersten
Mal erfolgten Start und Landung in
der Nacht.
Truly wurde am 12. November 1937
in Fayette (Mississippi) geboren. Er
studierte Flugzeugbau am bekannten
Georgia Institute of Technology und
schlug nach Erwerb des BachelorGrades im Jahr 1959 die Berufsoffizierslaufbahn bei der US-Marine ein.
1960 erwarb er das Pilotenabzeichen
als Marineflieger. Von 1963 bis 1965
war er zunächst Student, dann Ausbilder an der Forschungsakademie für
Luft- und
Raumfahrt,
gleichzeitig
Testpilotenschule der US-Luftstreitkräfte in "Edwards Air Force Base"
(Kalifornien). Im Jahr 1965 gehörte
er zur ersten Gruppe militärischer
Astronauten, die für das Programm
"Bemanntes
Orbit-Laboratorium"
der
amerikanischen
Luftstreitkräfte
in
Los Angeles ausgewählt wurden. Truly
ist verheiratet und hat drei Kinder.

Am Tag der Nominierung Trulys gab
Präsident Bush ferner seine Absicht
bekannt, James R. Thompson, Jr., als
Stellvertretenden Leiter der NASA zu
nominieren. Er würde in dieser Eigenschaft die Nachfolge von Dale D.
Myers antreten. Thompson leitet seit
1986 das Marshall-Raumflugzentrum der
NASA in Huntsville (Alabama).

* * * * * *

�AMERIKA DIENST
V»ON *

Wissenschaft und Technik

19. April 1989

16

BENNETT GREIFT DURCH
- Aktionsplan gegen Drogen und Drogenkriminalität für die
Bundeshauptstadt Washington -

WASHINGTON - (AD) - Einen "Bundesaktionsplan" gegen Drogenhandel und damit
einhergehende Gewalttaten gab Dr. William Bennett, der Direktor des amerikanischen Amtes für Anti-Drogen-Politik, für die Bundeshauptstadt Washington bekannt. Die lokale Polizei war bisher nicht in der Lage, die Eskalation von
Mord und Gewalt oder den offenen Straßenhandel mit Rauschgift zu stoppen.

Das am 10. April 1989 in Anwesenheit
des amerikanischen Justizministers Dick Thornburgh und des Ministers für Wohnungsbau und Stadtentwicklung, Jack F. Kemp, verkündete
Programm soll zum Testfall für andere
drogengeplagte Städte in den Vereinigtn Staaten werden. Die Strafverfolgungsbehörde für Drogendelikte
(DEA) werde unter Einbeziehung von
Mitarbeitern von 57 Fahndungsstellen
der Behörden des Bundes, der Einzelstaaten und der Kommunen die Schaffung einer Arbeitsgruppe für den Raum
Washington koordinieren, der unter
anderem
elf DEA-Angestellte sowie
fünf
Geheimdienstspezialisten
vom
amerikani sehen
Verteidigungsrainisteriuo angehören sollen. Außerdem werden ihr 25 zusätzliche Beamte vom FBI
(Bundeskriminalamt) für die Tätigkeit
in der Hauptstadt zugeteilt.

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Um mehr Raum in den Gefängnissen
der Stadt zu schaffen, werden Gefangene in Einrichtungen des Bundes verlegt. In Washington wird ein neues
Untersuchungsgefängnis mit 500 Plätzen sowie ein Bundesgefängnis mit 700
Plätzen errichtet. Die Räumung von
Wohnungen der öffentlichen Hand, in
denen derzeit Rauschgifttäter wohnen,
wird beschleunigt. Gleichzeitig werden Maßnahmen ergriffen, die für die
Mieter mehr Sicherheit bringen und
gewährleisten, daß leerstehende Wohnungen nicht von Drogenhändlern benutzt werden. Präsident Bush stimmte
dem Plan Bennetts zu und appellierte
an die zuständigen Behörden auf allen
Ebenen, sich zusammenzuschließen, um
das Drogenproblem der Bundeshauptstadt zu lösen.

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�Nach
den
Worten
von
Marlin
Fltzwater, dem
Pressesprecher des
Weißen Hauses, "mögen die Vorschläge
von Direktor Bennett unpopulär sein aber sie zeigen an, daß man den drängenden Problemen in gebührender Weise
begegnet". .
"Um sie zu bestehen,
hängt viel davon ab, ob wir gewillt
sind, die zahlreichen schwierigen
Maßnahmen zu akzeptieren, die zur Bekämpfung der Drogenkriminalität ergriffen werden müssen."
"Wir handeln so, als befänden wir
uns in einer NotsituatIon, um herauszufinden, was wir zu lernen haben abgesehen davon, daß die Stadtverwaltung nicht verantwortlich genug gehandelt hat", sagte Bennett auf seiner ersten Pressekonferenz als Direktor des Amtes für Anti-Drogen-Politik. Seit Beginn dieses Jahres habe
es in Washington 135 Morde gegeben.
Bei den meisten davon ging es in irgend einer Form um Rauschgift.

Die
Kosten
für
seinen
Plan
schätzt Bennett auf 70 bis 80 Millionen Dollar. Vom Kongreß seien keine
zusätzlichen Mittel dafür erforderlich; vielmehr würden Gelder aus
Fonds mehrerer ^undesbehörden für Anti-Drogenprogramme umdirigiert.
Obgleich der Plan auch eine gewisse
Hilfe für Drogentherapie, berufliche
Schulung und kommunale Aktionsprogramme im Raum Washington vorsehe,
liege
das
Schwergewicht
auf der
Strafverfolgung.
erklärte
Bennett.
In den nächsten fünf Monaten werde er
eine national? Anti-Drogen-Strategie
ausarbeiten, wie sie das Gesetz gegen
Drogenmißbrauch
von 1988 fordere.
Diese werde sowohl auf eine Reduzierung der Nachfrage als auch des Angebots an Drogen abzielen. "Wir werden
das Problem nicht los, solange 24
Millionen Menschen einen riesigen Appetit auf Drogen haben. Mit Strafverfolgung allein ist es nicht zu bewältigen.
Die Bevölkerung muß mit
uns handeln und erkennen, daß es an
der Zeit ist, sich ihre Straßen, ihre
Wohnviertel und ihre Kinder zurückzuholen. "

* * * * * *

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Bush beschließt Handelserleichterungen für Polen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede des Präsidenten in Hamtramck (Michigan)&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Baker betont Notwendigkeit anhaltender amerikanischer Führungsrolle&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Ansprache des Außenministers vor der &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;ASNE&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Walters betont "Schlüsselrolle" der Bundesrepublik Deutschland&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Eröffnungsansprache vor Senatsausschuß&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Brady fordert vollständige Bewilligung der Mittel für multilaterale Entwicklungsbanken&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung vor Kongreßausschuß (Zusammenfassung)&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Der Atomwaffensperrvertrag: Erfolgreiche Rüstungskontrolle&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Bericht der ACDA&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;NASA unter neuer Leitung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Präsident Bush nominiert Richard Truly als Leiter der US-Behörde für Luft- und Raumfahrt&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Bennett greift durch&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Aktionsplan gegen Drogen und Drogenkriminalität für die Bundeshauptstadt Washington&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST
'VON

4

12. A p r i l 1989

15
INHALT

HINTERGRUNDMATERIAL
Leichter Anstieg terroristischer Gewalttaten im Jahr 1988
- Einleitung zum Bericht des amerikanischen Außenministeriums -

Kontrollen für amerikanische Exporte
- Richtlinien des amerikanischen Außenministeriums

Hills begrüßt Durchbrüche in vier Bereichen des GATT
- Stellungnahme der Handelsbeauftragten - Zusammenfassung der
GATT-Vereinbarungen -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK

'

Unschuldige Opfer mütterlichen Fehlverhaltens
- Auswirkungen von Narkotika-Konsum in der Schwangerschaft Grundstoffe für Drogenproduktion künftig streng kontrolliert

* * * * * * *

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�AMERIKA DIENST
'^7

^

&lt;Ä&lt;

Hintergrundmaterial

12. April 1989

15

LEICHTER ANSTIEG TERRORISTISCHER GEWALTTATEN IM JAHR 1988
- Einleitung zum Bericht des amerikanischen Außenministeriums -

WASHINGTON - (AD) - Einem neuen Bericht des amerikanischen Außenministerium zufolge stieg die Zahl terroristischer Gewalttaten in aller Welt im Jahr
1988 um lediglich drei Prozent von 832 Anschlägen im Jahr 1987 auf 856. Der
am 11. April 1989 vom Büro für Terrorismusbekämpfung des Ministeriums veröffentlichte Bericht mit dem Titel "Globale Muster des Terrorismus: 1988"
stellt fest, daß erneut der Nahe Osten Zentrum terroristischer Aktivitäten
war. 313 Anschläge oder 36 Prozent aller weltweit begangenen terroristischen
Gewalttaten wurden in dieser Region verübt.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Einleitung zu diesem Bericht im Wortlaut :

Das Jahr im Überblick
Der Umfang der weltweiten terroristischen Aktivitäten blieb im Jahr
1988 nahezu unverändert und stieg gegenüber dem Jahr 1987, in dem 832
terroristische
Gewalttaten
verübt
worden waren, um drei Prozent auf 856
(i) Vorfälle an.
Erneut lag der
Schwerpunkt
internationaler
terroristischer Aktivität im Nahen Osten,
wo 313 Anschläge verübt wurden - 36
Prozent aller weltweit verübten Verbrechen dieser Art. Wenn man die vom
Nahen
Osten
ausgehenden
Anschläge
hinzuzählt, steigt der Anteil der mit
dieser Region verbundenen
Vorfälle
sogar auf 41 Prozent (ein Rückgang um
15
Prozent
gegenüber
1987).
Den
zweiten Platz mit 194 Anschlägen oder
22 Prozent nahm wiederum Asien ein,

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was hauptsächlich auf die hohe Zahl
afghanischer Terroranschläge auf Ziele in Pakistan zurückzuführen ist.
Westeuropa
lag mit 150 Anschlägen
wiederum an dritter Stelle, und Lateinamerika belegte mit 146 Vorfällen
den vierten Platz.
Afrika blieb an
fünfter Stelle mit 52 Anschlägen oder
sechs Prozent.
In Osteuropa wurden
im Jahr 1988 keinerlei Anschläge international operierender Terroristen
verzeichnet.
Drei
"spektakuläre"
Anschläge
wurden im Jahr 1988 von Terroristen
ausgeführt - die Entführung einer kuwaitischen Passagiermaschine im April, der Anschlag auf ein griechisches Ausflugsschiff vor der Küste
Griechenlands im Juli sowie höchstwahrscheinlich der Bombenanschlag auf

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�Pan Am-Flug 103 über Schottland im
Dezember.
Bei den Großoperationen
setzte sich jedoch der schon 1987
verzeichnete Trend nach unten weiter
fort.
Die Hauptfaktoren für das
schwächere Anwachsen des internationalen Terrorismus im Jahr 1988 waren:
- Anhaltende
Verbesserungen
beim
physischen Schutz staatlicher und
privater Einrichtungen erschwerten die Zielauswahl für Terroristen.
- Westliche und andere Staaten profitierten von ihrer Zusammenarbeit bei der Terrorismusbekämpfung der vergangenen Jahre und
konnten weitere Terroristen festnehmen.
- Einige staatliche Förderer des
Terrorisraus, zum Beispiel Syrien
und Irak, scheinen ihre direkte
Beteiligung
am Terrorismus im
Jahr 1988 erheblich verringert zu
haben, obwohl beide Staaten weiterhin terroristischen Organisationen Unterschlupf und Ausbildung zur Verfügung stellen.
(i) Der Borabenanschlag auf den
Pfa Am-Flug 103 vom 21. Dezember 1988
wurde in diese Statistik einbezogen,
well alle bis zu diesem Zeitpunkt
vorhandenen Beweise auf einen terroristischen Anschlag hindeuten.
Ein
krimineller Sabotageakt kann jedoch
nicht völlig ausgeschlossen werden.
Die Ermittlungen dauern an, und bis
heute konnten noch keine definitiven
Schlußfolgerungen
gezogen
werden.
Durch den Anschlag wurden 270 Menschen getötet, darunter 189 Amerika:ier.
Die Aktivitäten von Milizionären
im Libanon wirkten sich weiterhin
schwächend auf die Fähigkeiten interna r.ional operierender terroristischer
Grippen aus, Operationen in Übersee
durchzuführen.
Der iranische Beschluß zur Beendigung des Krieges gegen den Irak und
zur Ausweitung der Beziehungen mit

dem Westen führte zu einer zumindest
zeitweisen Verringerung der iranischen Beteiligung am Terrorismus, obwohl Teheran weiterhin den Terrorismus als Mittel seiner Politik einsetzt - möglicherweise auch durch die
Ausübung erheblichen Einflusses auf
diejenigen, die amerikanische Bürger
im Libanon als Geiseln halten. Wir
können jedoch nicht ausschließen, daß
der Iran seine Unterstützung des Terrorismus wieder ausweiten wird, um
damit zu versuchen, angesichts des
Rückschlags im Golfkrieg sein revolutionäres Gesicht in Übersee zu wahren.

»

Trotzdem erreichte die Gesamtzahl
der terroristischen Anschläge im Jahr
1988 eine neue Rekordhöhe. Terroristen haben weiterhin das Potential,
Umfang und Wirkungsweise ihrer Aktivitäten aufrechtzuerhalten. überdies
wurde durch den höchstwahrscheinlich
von Terroristen verübten Anschlag auf
Pan Am-Flug 103 erneut die Fähigkeit
der Terroristen mit aller Schärfe
verdeutlicht, Sicherhe3 tsvorkehrungen
durch sorgfältige Planung zu überwinden. Streitigkeiten unter Rivalen im
Nahen Osten - von denen viele in der
Vergangenheit
den
internationalen
Terrorismus als politisches Instrument gegen ihre Nachbarn benutzt haben - könnten zu einem Wiederaufleben
der Gewalttätigkeiten führen.
Die Provisional Irish Republican
Army (PIRA) war erneut eine der aktivsten separatistischen Gruppen in
Europa.
Bei den separatistischen
Gruppen in Europa waren keinerlei Anzeichen festzustellen, die auf ein
Nachlassen des Einsatzes terroristischer Gewalt hindeuteten, obwohl ihre Fähigkeiten durch wirksame polizeiliche
Maßnahmen
stark
eingeschränkt wurden. Andere westeuropäische Organisationen, wie etwa die
Rote Armee Fraktion (RAF) in der Bundesrepublik Deutschland und die Roten
Brigaden (BR) bildeten weiterhin eine
Bedrohung, während die Gruppe 17. November in Griechenland ihre Aktivitäten ausweitete und unter anderem den
amerikanischen
Verteidigungsattache
ermordete. Rebellen in Lateinamerika

- 2 -

1

�und dem Fernen Osten wandten sich
verstärkt dem städtischen Terrorismus
zu.
Afghanistan scheint weiterhin
willens zu sein, den Terrorismus gegen Pakistanis zu benutzen.
Bei den im Jahr 1988 verzeichneten 856 Anschlägen international operierender Terroristen wurden 658 Personen getötet und 1 131 verletzt,
einschließlich der verletzten Terroristen. Bei der Zahl der Todesopfer
bedeutet dies gegenüber 633 im Jahr
1987 eine Zunahme, für die hauptsächlich der Bombenanschlag auf den Pan
Am-Flug 103 verantwortlich ist. Die
Zahl der Verletzten nahm jedoch gegenüber den 2 272 Personen im Jahr
1987 ab. Abgesehen von der Pan AmKatastrophe ging die Zahl der Opfer
zurück, was auf die Abnahme der Anschläge nahöstlicher Terroristen und
der von Afghanistan ausgehenden Anschläge in Pakistan zurückzuführen
ist. Obwohl nur ein vergleichsweise
geringer Anteil von Anschlägen dort
begangen wurde, erlebte Afrika bei
der Zahl der Opfer eine der höchsten
Zuwachsraten - fast 60 Prozent gegenüber der Gesamtzahl des Jahres 1987,
von 163 auf 259 Getötete und Verletzte. Der Terrorismus im Nahen Osten
und die von ihm ausgehenden Anschläge
in der übrigen Welt verursachte den
Ton von 356 Personen und Verletzungen
von 319.
Die Vereinigten Staaten mußten im
Jahr 1988 im Ausland erheblich mehr
terroristische Anschläge und Todesopfer hinnehmen, was darauf hindeutet, daß sie weiterhin ein bevorzugtes Ziel für den internationalen Terrorismus darstellen.
Die Zahl der
Anschläge gegen amerikanische Einrichtungen nahm in allen Regionen zu
und stieg von 149 im Jahr 1987 auf
185, insgesamt gab es 192 Tote und 47
Verwundete. 1987 wurden sieben Amerikaner getötet und 47 verwundet.
Wie schon 1987 fanden die meisten Anschläge gegen amerikanische Bürger
und Einrichtungen - 60 Prozent - in
Lateinamerika statt. Etwa 20 Prozent
der gegen die Vereinigten Staaten gerichteten Anschläge wurden in Asien,

zehn Prozent im Nahen Osten und neun
Prozent in Westeuropa verübt. In Afrika wurde ein Anschlag ausgeführt.
In insgesamt 68 Ländern wurden
Bürger und Einrichtungen aus 79 Ländern Zielscheibe des internationalen
Terrorismus. Terroristen verüben ihre Anschläge zumeist - 77 Prozent aller Anschläge weltweit - weiterhin
auf die am wenigsten geschützten Ziele, wie Geschäfte und Touristen. Die
Übergriffe auf Regierungseinrichtungen und andere staatliche Ziele nahmen in nur geringem Umfang ab - von
25 Prozent aller Anschläge im Jahr
1987 auf 23 Prozent im Jahr 1988.
Viele Anschläge wurden auf Personen
verübt und betonen damit die Notwendigkeit besserer Kenntnis von persönlichen Sicherheitsmaßnahmen.
Terroristische Anschläge richteten sich
in geringerem Umfang gegen zivile
Einrichtungen der Streitkräfte (ii),
38 Mal im Jahr 1988 gegenüber 88 Mal
im Jahr 1987 - was zum Teil auf die
stark verschärften Sicherheitsvorkehrungen zurückzuführen ist und auch
einen Wandel in der ideologischen
Ausrichtung vieler Gruppen widerspiegelt, der ihr Interesse an solchen
Zielen abklingen läßt.
(ii) Dies sind terroristische Anschläge, da das angegriffene Personal
oder die Einrichtungen der Streitkräfte sich nicht im Kampf befinden.
Ein Beispiel hierfür ist die Ermordung des amerikanischen Verteidigungsattaches Captain William Nordeen
in Athen im Juni 1988, der Bombenanschlag auf eine Fernmeldeeinrichtung
der US-Air Force in Spanien im April
1988 und die Ermordung von vier USMarines außer Dienst in einem Strassencafe in San Salvador im Juni 1985.
Die Anzahl der Anschläge variierte nach Art und Weise gegenüber 1987
nur wenig. Terroristen verübten zumeist Bombenattentate (48 Prozent aller Übergriffe), den zweiten Platz
nahmen Brandanschläge ein (28 Prozent),
dahinter
lagen
bewaffnete
Übergriffe (15 Prozent). Terroristen
bedienten sich 1988 in geringerem Um-

- 3 -

�fang (vier Prozent) der Entführung
als ihrem Mittel zum Zweck, die meisten Entführungen (12 von 32 insgesamt weltweit) wurden in Lateinamerika durchgeführt, eine Veränderung gegenüber 1987, wo der Nahe Osten an
erster Stelle stand (mit 30 von 53
Entführungen).
Der
internationale
Terrorismus
wird weiterhin in erheblichem Umfang
staatlich gefördert. 1988 war jedoch
hier ein leichter Rückgang zu verzeichnen. Einige wichtige Länder im
Nahen Osten, die Anschläge terroristischer Vereinigungen in hohem Maße
gefördert haben, suchen ihre Beteiligung mit Stellvertretern und anderen
Mitteln zu verbergen. Anschläge mit
nachweislicher staatlicher Beteiligung gingen von 189 im Jahr 1987 auf
177 im Jahr 1988 zurück und nahmen
somit um sieben Prozent ab. Von Afghanistan unterstützte internationale
Terroranschläge machten dabei 1988
mit 124 den größten Teil aus, gegenüber 125 im Jahr 1987 und 29 im Jahr
1986.
Unserer Ansicht nach gingen internationale Terroranschläge dreier
Länder, die sich am stärksten internationalem Druck ausgesetzt sahen Tran, Libyen und Syrien - zurück.
1983 wurden dem Iran 32 Anschläge zugeschrieben, gegenüber 45 im Jahr
1.987, was hauptsächlich auf das Ende
des Krieges mit dem Irak und Bemühungen um westliche Wirtschaftshilfe zurückzuführen ist. Libyen soll 1988
an sechs Anschlägen beteiligt gewesen
sein und unterstützt weiterhin Extremisten und terroristische Vereinigungen. Über eine direkte Beteiligung der syrischen Regierung an Anschlägen dieses Jahres liegen keine
Beweise vor. Wir wissen noch nicht,
welche Rolle sie unter Umständen beim
Absturz des Pan Am-Fluges 103 gespielt haben könnten.
Zehn Länder waren Schauplätze von
etwa 75 Prozent aller Anschläge des
Jahres 1988. Gestaffelt nach Häufigkeit sind dies Israel, der GazaStreifen
und
das
West-Jordanland

(insgesamt 29 Prozent), Pakistan (15
Prozent), Kolumbien (zehn Prozent),
Spanien
(sieben Prozent), Libanon
(drei
Prozent),
Bundesrepublik
Deutschland
(drei
Prozent)
sowie
Zimbabwe, Südkorea, Peru und Frankreich (jeweils zwei Prozent).
Die Zahl der vom Nahen Osten aus
verübten Anschläge außerhalb dieser
Länder ging 1988 auf 45 zurück (gegenüber 50 im Jahr 1987) - wenn jedoch das Bombenattentat auf den Pan
Am-Flug 103 dem Nahen Osten zugeschrieben werden kann, steigt damit
die Zahl der Todesopfer erheblich.
In Westeuropa wurden 30 Anschläge
verübt, die meisten davon in Ländern,
in denen Gruppen aus dem Nahen Osten
seit mehreren Jahren aktiv sind.
Acht Anschläge wurden in der Türkei
verübt,
jeweils
vier
in Zypern,
Frankreich
und
der Bundesrepublik
Deutschland, drei in Großbritannien,
jeweils einer in der Schweiz, in Dänemark, Griechenland, Italien, Norwegen, Spanien und Portugal. Bei den
Anschlägen in Westeuropa gab es 291
Tote - einschließlich der 189 amerikanischen Bürger auf dem Pan Am-Flug
103 - und 147 Verwundete. Im Jahr
1987 wurden in der Region von Terroristen aus dem Nahen Osten 19 Personen getötet und 47 verwundet. Vier
Anschläge in Lateinamerika fielen mit
dem zweiten Jahrestag des amerikanischen Luftangriffs auf Libyen zusammen. Die Hauptverdächtigen wurden
bereits in der Vergangenheit von Libyen unterstützt.

* * * * *

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Hintergrundmaterial

12. April 1989

15

KONTROLLEN FÜR AMERIKANISCHE EXPORTE
- Richtlinien des amerikanischen Außenministeriums -

WASHINGTON - (AD) - Die im April vom amerikanischen Außenministerium veröffentlichten Richtlinien dienen als Leitfaden für außenpolitische Entscheidungen der Vereinigten Staaten.
Die Bush-Administration hat sich
der Förderung amerikanischer Exporte
verschrieben.
Exporte schaffen Arbeitsplätze und Gewinne und dank der
Exporte können wir lebenswichtige Güter zur Befriedigung der Binnennachfrage importieren.
Die Vereinigten
Staaten verhängen jedoch bestimmte
Kontrollen, um sicherzustellen, daß
die Exporte im Einklang mit ihrer
Außenpolitik
stehen.
Die meisten
Kontrollen erstrecken sich auf Geräte
und Technologie, die für die Volkswirtschaft des importierenden Landes
von Bedeutung sind. Sie machen dem
Wert nach weniger als fünf Prozent
der derzeitigen amerikanischen Exporte aus.

von 1979 weltweit und/oder landesweit
auf zehn Zielbereiche Anwendung.

Kontrollen für Gerät, das für
Terroranschläge verwendet werden kann
Im Rahmen der ihm gemäß Abschnitt
6 (j) des EAA verliehenen Befugnis
hat der Außenminister Kuba, Iran,
Libyen, Nordkorea, Syrien und die
Volksrepublik Jemen zu Ländern erklärt, die wiederholt den internationalen Terrorismus unterstützt haben.
Über für sie bestimmte Produkte sind
umfangreiche, landesspezifische Exportkontrollen verhängt worden.

Diese außenpolitischen Kontrollen
finden gemäß dem Export-Gesetz (EAA)

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�Kontrollen für Gerät, das bei
Verbrechen elgesetzt werden kann
Diese Kontrollen regeln den Export von Instrumenten und Gerät zur
Verbrechenskontrolle
und -ermittlung
und der damit verbundenen Technologie
weltweit, mit Ausnahme der NATO-Mitgliedstaaten sowie Japan, Australien
und Neuseeland. Im allgemeinen werden Lizenzen vergeben, es sei denn,
Bedenken liegen gegen die Regierung
des importierenden Landes bezüglich
einer Verletzung der Menschenrechte
vor
(zum Beispiel Südafrika und
Chile).

Kontrolle der regionalen Stabilität
Exporte von zur Herstellung von
Waffen und militärischem Gerät verwendeten Produkten werden überprüft,
im sicherzustellen, daß solche Exporte die Stabilität der Region oder des
Bestimmungslandes nicht unterminieren.

Kontrollen für die Bekämpfung der
Apartheid
Die Vereinigten Staaten verbieten
den Export von Ausrüstungsgegenstände
für Militär und Polizei nach Südafrika und Namibia, ferner den Export von
Computern an Regierungsbehörden, die
eine Politik der Apartheid durchführen, Einrichtungen für Herstellung
und Verwendung von nuklearem Material
und alle Güter, die unter das obligatorische Waffenembargo der Vereinten
Nationen fallen. (Das Finanzministerium verbietet den Import von 13 Warenkategorien aus Südafrika, einschließlich landwirtschaftlicher Produkte, Eisen, Stahl, Uran und Gold in
allen Erscheinungsformen).

Kontrolle von Raketentechnik
Die Vereinigten Staaten helfen
anderen Länder bei der friedlichen
Nutzung und Erforschung des Weltraums, suchen aber die Entwicklung
von Trägersystemen für Waffen einzu-

dämmen. Die Vereinigten Staaten beschränken weltweit den Export von
vielseitig verwendbaren Ausrüstungsgegenständen und Materialien, die ihrem Chrakter nach kommerziell sind,
aber auch der Entwicklung von Raketensystemen dienen könnten.

Kontrollen der Vorläufer chemischer
und biologischer Waffen
Die Vereinigten Staaten kontrollieren gemeinsam mit ihren Verbündeten den weltweiten Export von neun
chemischen Verbindungen, die bei der
Herstellung chemischer Waffen Anwendung finden können. Zusätzlich wird
der Export von 31 chemischen Verbindungen in genau bezeichnete Bestimmungsländer kontrolliert.
Gegenwärtig ist der Export aller 40 chemischen Verbindungen in den Iran, Irak,
nach Libyen und Syrien verboten.
Ähnliche Kontrollen gelten für viele
Arten von Bakterien, Pilzen, Einzellern, Toxinen, Viren und Giften.

Kontrolle von Atomenergie
Die Vereinigten Staaten leisten
anderen Ländern bei der friedlichen
Nutzung ihrer Kernenergie aktive Hilfestellung, suchen aber gleichzeitig
die Verbreitung von Kernwaffen einzudämmen. Aus diesem Grunde kontrollieren die Vereinigten Staaten Exporte von Waren oder Technologie, die
bei mißbräuchlicher Verwendung im Importland zur Herstellung von nuklearen SprengsäLzen
verwendet werden
könnte. Das Gesetz zur Atomenergie
mit seiner Zusatzklausel über nukleare Nicht-Weiterverbreitung
schreibt
diese Kontrolle vor. Bevor die Vereinigten Staaten den Export gestatten, wird überprüft, wie das Exportgut möglicherweise verwendet wird, ob
die Regierung des Käuferlandes den
Vertrag über die Nicht-Weiterverbreitung von Kernwaffen unterzeichnet hat
und ob angemessen gewährleistet werden kann, daß die Güter oder das daraus hergestellte atomare Material
nicht etwa zur Entwicklung von Kernwaffen benutzt werden.

2 -

�Kontrollen für knappe Güter

Kontrollen des Finanzministeriums

Kontrollen sind gelegentlich notwendig, um die Binnenwirtschaft vor
einem übermäßigen Abfluß knapper Materialien zu schützen. Der Kongreß
hat per Gesetz dem Export von Rohöl
und Erdgas, raffinierten Mineralölund Gasprodukten, von Helium, Ammonium und unverarbeiteten Rotzedernstämmen aus dem Westen sowie dem Export von Pferden auf dem Seeweg (um
die nichtgenehmigte Schlachtung im
Ausland zu verhindern) Beschränkungen
auferlegt.

Die meisten Handels- und Finanztransaktionen mit Kambodscha, Cuba,
Libyen, Nordkorea und Vietnam unterliegen vom Finanzministerium verhängten Embargos.
Dieses kontrolliert
den direkten Handel zwischen den Vereinigten Staaten und Nicaragua sowie
einen Teil der finanziellen Transaktionen mit Panama und Südafrika.
Ferner regelt es bestimmte Importe
aus dem Iran und Südafrika.

Leitlinien für Exporteure
Kontrollen für Supercomputer
Aus außenpolitischen Gründen verlangen die Vereinigten Staaten weltweit die individuelle Genehmigung für
Exporte \ron Supercomputern.

Exporteure sollten die einschlägigen Exportrichtlinien (U.S. Export
Administration Regulations) in der
Ausgabe von 1988-89 studieren. Informationen über die Handels- und Finanzkontrollen für Kambodscha, Cuba,
Iran, Libyen, Nicaragua, Nordkorea,
Panama und Vietnam sind beim Office
of Foreign Assets Control des amerikanischen Finanzministeriums erhältlich.

* * * * * *

- 3 -

�AMERIKA DIENST
'VON

Hintergrundmaterial

**

12. April 1989

15

HILLS BEGRÜSST DURCHBRÜCHE IN VIER BEREICHEN DES GATT
- Stellungnahme der Handelsbeauftragten - Zusammenfassung der
GATT-Vereinbarungen WASHINGTON - (AD) - Nach Beendigung der Genfer GATT-Zusammenkunft erklärte die amerikanische Handelsbeauftragte, Botschafterin Carla Hills, in einer
am 8. April 1989 von ihrem Büro veröffentlichten Stellungnahme, der starke
Wunsch aller Teilnehmerstaaten bei den Handelsgesprächen der Uruguay Runde in
Genf zu deren erfolgreichem Abschluß habe zu einem Durchbruch bei "Rahmen"Vereinbarungen in den Bereichen Landwirtschaft, geistiges Eigentum, Textil und
Bekleidung sowie Importschutzklauseln geführt.
Nachfolgend veröffentlichen wir den Text von Hills Stellungnahme sowie
eine Zusammenfassung der vier Vereinbarungen:

Die amerikanische Handelsbeauftragte Carla Hills kündigte heute
eine Vereinbarung über die Grundlagen
für abschließende Maßnahmen im Rahmen
der Uruguay-Runde multilateraler Handelsgespräche an, die im Dezember
1990 abgeschlossen sein soll.
In
dieser Woche sind Unterhändler aus
über 100 Ländern im Sitz des GATT in
Genf zusammengetreten, um ein Paket
von "Rahmenvereinbarungen" auszuarbeiten, die in der Endphase dieser
wichtigen Handelsgespräche zur Stärkung der Regeln im Welthandel als
Leitlinien dienen sollen.
Die Zusammenkünfte zwischen hochrangigen Ländervertretern zielten auf
Abschlüsse in Teilbereichen des Zwischenbilanzprozesses ab, die bei Beendigung
der Ministergespräche im

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Embassy of the United States of America

vergangenen Dezember in Montreal offen geblieben waren. Bei den diese
Woche stattfindenden Gesprächen wurden die noch bestehenden Meinungsverschiedenheiten in vier Teilvereinbarungen - Landwirtschaft, geistiges
Eigentum
und
Importschutzklauseln
beigelegt.
Die Unterhändler haben
sich auf elf weitere Rahmenvereinbarungen geeinigt, die in Montreal ausgearbeitet wurden, die Resolution zu
den vier Abschlußvereinbarungen jedoch "bis auf weiteres" vertagt.
Zum Ergebnis der Zusammenkünfte
äußerte sich Botschafterin Hills wie
folgt:
"Wir freuen uns, daß der tote
Punkt der Zwischenrunde überwunden
ist. Aufgrund des starken Wunsches

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�aller Länder, hier Erfolge zu erzielen, ist uns ein Durchbruch gelungen
(...)
Vor uns liegen schwierige Verhandlungen, aber wir haben jetzt einen Rahmen geschaffen, der intensivere Verhandlungen zulassen wird, die
den von den Vereinigten Staaten in
der Uruguay-Runde verfolgten Zielsetzungen förderlich sind. (...)
Wenn
wir in jedem der 15 Verhandlungsbereiche ein Schlußabkommen erzielen
können, wird das Welthandelssystem
erheblich gestärkt werden. Dies erfordert aber bindende Verpflichtungen
unserer Handelspartner, keine einseitigen Konzessionen der Vereinigten
Staaten. (...)
In der Landwirtschaft
muß das Schlußabkommen grundlegende
Reformen in allen Ländern hervorbringen.

multilateralen
unterbreiten.

Die in dieser Woche erzielten
vier Vereinbarungen enthalten folgende Punkte:

Dieses Abkommen ist insofern von
Bedeutung, als es die Verhandlungen
über handelsbezogene Rechte an geistigem Eigentum (TRIPS) aus der verfahrensmäßigen Sackgasse geführt hat,
in der sie seit Anbeginn steckten.
Der Rahmen bietet eindeutige Richtlinien für die Unterhändler, daß Verhandlungen in Richtung auf ein umfassendes Abkommen über TRIPS folgendes
beinhalten sollten: 1. angemessene
und umfangreiche Normen für geistiges
Eigentum, 2.
wirksame Mittel zur
Durchsetzung dieser Normen und 3.
wirksame und unverzügliche Schlichtungsverfahren.

Landwi rt schaf t
Das Agrarabkommen umreißt Umfang
und Verfahren für die in den kommenden 18 Monaten stattfindenden Verhandlungen.
Das langfristige Ziel
dieser Verhandlungen besteht in einem
stufenweisen maßgeblichen Abbau der
Agrarsubventionen und protektionistischen Maßnahmen, der Restriktionen
und Verzerrungen der internationalen
Agrarmärkte beheben und verhindern
wird.
Alle Maßnahmen, die direkt
oder indirekt Importzugang und Exportwettbewerb betreffen, müssen während der letzten Sitzungsrunden auf
den Verhandlungstisch gelegt werden.
Vor Ablauf dieses Jahres werden die
Teilnehmer Vorschläge unterbreiten,
um ein faires und marktorientiertes
Agrarhandelssystem sowie die vorgeschlagenen Bestimmungen und Verfahrensweisen zur Regelung des neuen Systems zu verwirklichen. Die Teilnehmer werde bis zu diesem Zeitpunkt
ferner ihre Vorschläge zur Harmonisierung der Hygienevorschriften für
pflanzliche und tierische Produkte
und der vorgeschlagenen Methoden zur
Verbesserung des damit verbundenen

Schlichtungsverfahrens

Die Minister verständigten sich
außerdem darauf, im Jahr 1991 mit der
Verwirklichung der langfristigen Reform zu beginnen.
Kurzfristig besteht Einigung dahingehend, die Subventionen und protektionistischen Maßnahmen im Inland
und für Exporte auf dem Niveau von
1989 oder darunter zu halten. Bis
Oktober dieses Jahres werden die Minister Einzelheiten des beabsichtigten Subventionsabbaus und der Schutzmaßnahmen für 1990 vorlegen.

Geistiges Eigentum

Diese Verhandlungen sind für die
Vereinigten Staaten ein Schlüsselelement der Verhandlungen der UruguayRunde.
Unser Ziel besteht darin,
durch ein solches Abkommen die durch
das Fehlen von angemessenem und wirksamem Schutz der Rechte an geistigem
Eigentum auf der ganzen Welt verursachten Verzerrungen und Behinderungen des internationalen Handels anzusprechen.
Wirtschaftliche Verluste
aufgrund des Fehlens solcher Schutzmaßnahmen beliefen sich einer Studie
der
amerikanischen
internationalen
Handelskommission aus dem Jahr 1988
zufolge im Jahr 1986 auf schätzungsweise 43 bis 61 Milliarden Dollar.

�Die Bestrebungen der Vereinigten
Staaten, diese Verhandlungen voranzubringen, wurden durch das aktive Interesse und die Beteiligung von Kongreß und Privatsektor vehement unterstützt. Aufgrund dieser gemeinsamen
Bemühungen nimmt das Bewußtsein für
die Bedeutung von angemessenem und
wirksamem Schutz der Rechte an geistigem Eigentum in den Vereinigten
Staaten und im Ausland zu. Das Beharren der Vereinigten Staaten, dieses Thema im GATT anzusprechen, wird
jetzt von einer maßgeblichen Zahl
ihrer Verhandlungspartner unterstützt.

Textilien und Bekleidung
Der vereinbarte Text zu Textilien
und Bekleidung erkennt die Bedeutung
dieses Sektors in der Uruguay-Runde
an und spiegelt die Übereinkunft aller Teilnehmer wider, substantielle
Verhandlungen über Modalitäten zu
führen, die letzten Endes die Integration dieses Bereichs gemäß der
Vereinbarung von Punta del Este im
Jahr 1986 in das GATT gestatten könnten.
Jegliche Integration dieser Art
müßte eine erhebliche Stärkung der
GATT-Regelungen und Ordnungen enthalten, wenn diese von Handelspraktiken
im
Textilbereich
betroffen
sind.
Solche Regelungen und Ordnungen sollen zusätzlich in der Uruguay-Runde
ausgehandelt werden.

Mitleidenschaft gezogen wurden. Seit
vielen Jahren wird von den Vertragsparteien des GATT anerkannt, daß die
Verfügungen von Artikel XIX eindeutiger gefaßt werden müssen.
Die zu den Schutzmaßnahmen vereinbarte Sprachregelung erlaubt Fortschritte bei der Arbeit dieser Verhandlungsgruppe ohne die Position der
Teilnehmer im Hinblick auf das Hauptthema der Verhandlungen zu präjudizieren. Die Vereinbarung sieht eine
Frist für die Erstellung eines Textentwurfs bis Juni vor, der während
der Restdauer der Uruguay-Runde als
Verhandlungsgrundlage
dienen
soll.
Die Delegationen werden ermuntert, so
bald wie möglich ihre eigenen Vorschläge zu unterbreiten, möglichst
bis Ende April.
Das Rahmenabkommen unterstreicht
die Bedeutung, die dem Abschluß einer
Gesamtvereinbarung zur Schaffung multilateraler Kontrolle über Schutzklauseln zukommt, darunter sogenannte
"Grauzonen-Maßnahmen", die zur Zeit
keiner multilateralen Kontrolle unterliegen. Das Ziel der Verhandlungen besteht darin, solche Maßnahmen
entweder multilateraler Kontrolle zu
unterwerfen oder sie zu beseitigen.

Die Teilnehmer bekräftigten, daß
Verhandlungen in diesem Bereich zur
weiteren Liberalisierung des Handels
beitragen und sich alle Teilnehmer
(Industrie- und
Entwicklungsländer)
um eine Verbesserung der Situation im
Handel bemühen sollten.

Schutzklauseln
Artikel XIX des GATT enthält Verfahren zur Gewährung befristeter Maßnahmen gegen Importe, um diejenigen
heimischen Industriezweige zu schützen, die von Importen ernsthaft in
- 3 -

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Ott

VON

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AMERIKA DIENST
Wissenschaft und Technik

12. April 1989

15

UNSCHULDIGE OPFER MÜTTERLICHEN FEHLVERHALTENS
- Auswirkungen von Narkotika-Konsum in der Schwangerschaft -

WASHINGTON - (AD) - Über die schädlichen Auswirkungen von Marihuana- und
Kokain-Konsum während der Schwangerschaft auf das Baby gibt es mittlerweile
Informationen genug - von der katastrophalen Wirkung von Herion gar nicht zu
reden. Aber woran liegt es, daß die Appelle der Mediziner an die Verantwortung der Schwangeren in den Wind gesprochen scheinen?

Hochgerechnet aus den Ergebnissen
von Untersuchungen in 36 amerikanischen Kliniken dürften in den USA
jährlich etwa 375 000 Babies zur Welt
kommen, die daran leiden müssen, daß
ihre Mütter Kokain nahmen, Marihuana
und Zigaretten rauchten und nicht auf
Alkohol verzichteten. Und nur selten
sind diese Gifte einzeln wirksam.
Die Regel ist vielmehr die Kombination, noch verstärkt durch den Umstand, daß solche Schwangere meist
nicht auf ordnungsgemäße Ernährung
achten. Und da die Kokainwelle inzwischen Europa erreicht hat, ist
hier mit ähnlichen Problemen zu rechnen.
Die Ergebnisse der bisher umfassendsten, mit wissenschaftlichen Untersuchungen auch zu den variablen

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Embassy of the United States of America

Faktoren aufs Beste belegten amerikanischen Studie zu diesem Komplex wurden im renommierten "New England
Journal of Medicine" (Ausgabe 23.
März 1989) veröffentlicht. In einem
telefonischen Interview von USIA (USInformationsamt, Washington) mit Dr.
Barry Zuckerman (Boston) plädierte
der Forscher für spezielle Hilfeprogramme, die es suchtstoffabhängigen
Schwangeren leichter machen, auf Drogen und für das Kind gefährliche Genußmittel zu verzichten. Zuckerman,
Professor für Kinderheilkunde und Direktor der Abteilung Entwicklungsund Verhaltenspädiatrie am "Boston
City Hospital", hatte diese Studie
geleitet. Insgesamt waren 1226 Frauen während der Schwangerschaft und
nach der Geburt des Kindes sowie besonders gründlich - die Babies in

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�die Untersuchungen einbezogen.
Durch Befragen der werdenden Mütter und die Analyse von Urinproben
wurde ermittelt und nachgewiesen, ob
sie Marihuana oder Kokain konsumierten.
Außerdem waren Zigarettenrauchen und Alkohol wichtige Punkte.
Mit den Urinuntersuchungen wurden
auch jene Frauen erfaßt, die Drogenkonsum nicht zugeben wollten. Die
Stoffwechselprodukte
von
Marihuana
können sieben bis zehn Tage, die von
Kokain bis zu drei Tage nach Aufnahme
der Drogen im Urin nachgewiesen werden. Das fettlösliche Kokain schadet
dem Fötus auf ganz besondere Weise:
Es überwindet mit Leichtigkeit die
Plazenta, aus der der Fötus ernährt
wird. Sein wasserlösliches Nebenprodukt aus dem fetalen Stoffwechsel,
Norcocain, verbleibt
über längere
Zeit in der Amnionflüssigkeit und
wird vom Fötus aufgenommen, ausgeschieden und von neuem aufgenommen.
Geringeres
Gewicht,
geringere
Körpergröße und, bei Kokainmißbrauch,
auch kleinerer Schädelumfang des Kindes sind jetzt erwiesen. Zuckerman
und Mitarbeiter fanden durchschnittliche Minus-Werte bei Babies, deren
Mütter Marihuana genommen hatten, von

79 Gramm für Gewicht und 0,5 Zentimeter für die Körperlänge, bei Kindern
von
Kokain-Konsumentinnen
von
93
Gramm beim Gewicht und 0,7 Zentimeter
bei der Körpevlänge, dazu von 0,43
Zentimeter bei der Kopfgröße.
In der letztgenannten Gruppe seien bereits unmittelbar nach der Geburt Auswirkungen auf die neurologischen Funktionen zu erkennen, sagte
Prof Zuckerman. Die Babies scheinen
sehr leicht irritierbar zu sein, was
die Pflegeperson und damit auch deren
Beziehung zum Kind stark belasten
könne.
Verhaltensstörungen in der
weiteren Entwicklung seien zu befürchten. Die Sterblichkeitsrate untergewichtiger Babies sei größer, der
plötzliche Kindstod häufiger.
Die
Gefahr von Mißbildungen an den Genital- und Harnwegsorganen einschließlich der Nieren ist bei Kokainbabies
erhöht.
Neurologische Ausfälle und
Anomalien sind jedoch besonders häufig. Bei einer der zahlreichen Einzelstudien zeigte sich, daß mit einer
entsprechenden vom Arzt und von Eltern angewandten Therapie Verhaltensstörungen und motorische Probleme etwas gemildert werden können.

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�AMERIKA DIENST
VON

4

Wissenschaft und Technik

12. April 1989

15

GRUNDSTOFFE FÜR DROGENPRODUKTION KÜNFTIG STRENG KONTROLLIERT

WASHINGTON - (AD) - Mit Inkrafttreten der neuen Durchführungsbestimmungen
zum Chemikalien-Gesetz von 1988 drei Monate nach deren Veröffentlichung Ende
April dürfte die illegale Drogenherstellung erheblich schwieriger werden.
Chemiefirmen sind dann verpflichtet, über Lieferungen Buch zu führen und bestimmte Transaktionen der DEA (U.S. Drug Enforcement Administration - US-Bundesbehörde für Strafverfolgung von Drogendelikten) zu melden.
Die Bestimmungen sollen das Abzweigen legaler chemischer Stoffe für
die Produktion illegaler Drogen verhindern. Sie verpflichten Verteiler,
Importeure und Exporteure von 20 bestimmten Chemikalien dazu, über den
Verkauf bei Überschreiten einer bestimmten Menge Buch zu führen, ihre
Kunden zu nennen, verdächtige oder
ungewöhnliche Aufträge dem Justizministerium zu melden und im voraus
Einfuhren und Exporte anzumelden.
Der Justizminister, der dem DEA untersteht, kann Importe und Exporte
stornieren, wenn er zu der Schluß
kommt, "daß solche Lieferungen zur
heimlichen Herstellung einer der Kontrolle unterliegenden Substanz abgezweigt werden können".
Die Buchführung

über Transaktio-

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Embassy of the United States of America

nen erleichtert es den Mitarbeitern
der Strafverfolgungsbehörden, den Weg
gewisser Chemikalien zur ursprünglichen Quelle zurückzuverfolgen und
Beweismaterial für Gerichtsverfahren
zu sichern. Drogenhändler verschaffen sich solche Chemikalien von Lieferanten, die möglicherweise die wahren Motive ihrer Kunden nicht kennen
oder ihnen gleichgültig gegenüberstehen. Außerdem gebe es, wie Gene R.
Haislip von der DEA sagte, eine kleine Zahl "wilder Chemiefirmen", die
nur die Aufgaben haben, Chemikalien
an Drogenproduzenten zu verkaufen.
Diese Transaktionen werden auf ganz
ähnliche Weise getarnt - man könnte
auch sagen: 'gewaschen' - wie Gewinne aus dem Rauschgifthandel.
'Bis jetzt gab es in den USA kein

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�Bundesgesetz für Kontrollen über chemische Grundstoffe oder Chemikalien,
die für bestimmte Prozesse wichtig
sind", sagte Robert Angarola, ein Anwalt, der sich auf die Rechtslage im
Zusammenhang mit Lebensmitteln und
Suchtstoffen spezialisiert hat. Zwar
erwägen einige Bundesstaaten entsprechende Gesetze, jedoch hat bisher nur
Kalifornien eine solche Regelung in
Kraft gesetzt.
Die DEA-BeStimmungen gehen laut
Angarola auch weit über das hinaus,
was die USA im Rahmen der Konvention
von Wien der Vereinten Nationen (vom
Dezember 1988) zur Bekämpfung des
Handels mit Suchtstoffen zu unternehmen hätten. Artikel 12 der Konvention verpflichtet jedes Land, alle
Maßnahmen zu ergreifen, "die es für
angemessen hält", um das Abzweigen
von Chemikalien für die illegale Herstellung von Suchtstoffen zu verhindern. Die USA sollten andere Signatarstaaten auch künftig drängen, dieser Verpflichtung nachzukommen. Als
größter Konsument solcher illegalen
Produkte müßten sie konkret demonstrieren, daß sie selbst aktiv sind.
Auf der anderen Seite könnten sich
daraus jedoch Einschränkungen für die
amerikanische
Industrie ergeben
Einschränkungen, die andere Staaten
möglicherweise scheuen würden.

Um die Chemiefirmen nicht mit bürokratischer Arbeit zu überlasten,
setzte die DEA, die für die praktische Durchführung
des Programms
verantwortlich "'-3t, eine Art Schwellenwert fest - d.h. höchstzulässige
Mengen, über die nicht Buch geführt
werden muß. Auch können Firmen weiterhin mit "regulären Kunden" nach
Abgabe nur eines Berichtes Geschäfte
tätigen. Die Vertraulichkeit in bezug auf Geschäftsgeheimnisse und finanzielle Informationen bleibt bei
Anwendung des Gesetzes gewahrt. Um
es voll auszuschöpfen, müsse jedoch
auch der Zoll mitarbeiten, um unvollständig ausgefüllte Dokumente ausfindig zu machen und jene herauszufinden, die sich dem Gesetz entziehen
wollen.
Haislip verlangte außerdem
den Auf- und Ausbau internationaler
Kontrollen in anderen Ländern ähnlich
jenen, die in den USA entwickelt werden.

* * * * * *

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Leichter Anstieg terroristischer Gewalttaten im Jahr 1988&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Einleitung zum Bericht des amerikanischen Außenministeriums&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Kontrollen für amerikanische Exporte&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Richtlinien des amerikanischen Außenministeriums&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Hills begrüßt Durchbrüche in vier Bereichen des GATT&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Stellungnahme der Handelsbeauftragten - Zusammenfassung der GATT-Vereinbarungen&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Unschuldige Opfer mütterlichen Fehlverhaltens&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Auswirkungen von Narkotika-Konsum in der Schwangerschaft&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Grundstoffe für Drogenproduktion künftig streng kontrolliert</text>
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                    <text>^o^&lt;

AMERIKA DIENST

VION &amp;

5. A p r i l 1989

14

1
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I N H A L T

DOKUMENTATION
Bush; NATO Bewahrer von Frieden und Freiheit
- Erklärung zum 40jährigen Jubiläum der NATO Brady fordert rasches Handeln zur Verschuldung der Dritten Welt

- Rede vor dem Interim-Aupschuß des IWF Die Gefahren der Weiterverbreitung von Kernwaffen
- Rede von CIA-Direktor Webster in Los Angeles -

INFORMATION
Lehman bringt großen Erfahrungsschatz mit zu ACDA
- Porträt des designierten ACDA-Direktors -

HINTERGRUNDMATERIAL
Ist das Bildungswesen so schlecht wie eh und je ?
- Von Ben J. Wattenberg Erschütternde Klischees über die Obdachlosen
- Neue Forschungsergebnisse räumen mit überholten Mythen auf -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Fotos aus dem All zeigen Veränderungen der Erdoberfläche
- NASA-Dokumente von Raumtransporterflügen Privatfirma startet erste kommerzielle Rakete

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VON

Dokumentation

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5. April 1989

14

BUSH: NATO BEWAHRER VON FRIEDEN UND FREIHEIT
- Erklärung zum 40jährigen Jubiläum der NATO -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Bush zufolge bewahrt die NATO "nicht nur
Frieden und Freiheit der Atlantischen Welt, sondern sie hat auch gemeinsame
Anstrengungen zum Aufbau eines konstruktiveren Verhältnisses mit dem Osten ermöglicht". Während einer Feier anläßlich des 40. Jahrestages der NATO-Gründung erklärte der Präsident am 4. April 1989, er werde den "enormen Erfolg"
der NATO mit seiner für den kommenden Monat angesetzten Reise nach Europa würdigen, in deren Rahmen er am NATO-Gipfel in Brüssel teilnehmen und Rom, Bonn
und London besuchen werde.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Erklärung des Präsidenten im Wortlaut:
Am heutigen Tag vor 40 Jahren
versammelten sich einige der fähigsten und weitblickendsten Staatsmänner ihrer und aller anderen Generationen - Männer wie Robert Schumann
und Lester Pearson, Paul Henry Spaak,
Dean Acheson, Ernest Bevin - hier in
Washington unter den wachsamen Augen
Harry Trumans, um einen historischen
Schritt zu tun. Sie unterzeichneten
eine feierliche Erklärung zur kollektiven Sicherheit, einen Vertrag zur
Sicherung des Friedens und des Wohlstands der Gemeinschaft freier Nationen.
Jener Vertrag erwies sich als
Grundlage des erfolgreichsten Bündnisses der neueren Geschichte. Heute
haben sich an diesem Ort viele hervorragende
Amerikaner
eingefunden,

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die - als Regierungsvertreter, Kongreßabgeordnete oder Privatleute
der Atlantischen Gemeinschaft und den
von ihr verkörperten Idealen gedient
haben. Wir wolle sie heute ehren.
Der Nordatlantikvertrag symbolisierte zum Zeitpunkt seiner Unterzeichnung eine kühne Verpflichtung
zum Schutz gegen neue Gefahren, zur
Bewahrung der Freiheiten, für die wir
noch wenige Jahre zuvor so hart gekämpft hatten. Ebenso sehr verkörperte er die gemeinsamen Werte unserer Zivilisation - Werte, die so vielen anderen historischen Meilensteinen der Nachkriegszeit ihren Stempel
aufgedrückt haben, von der UNO-Charta
bis zum KSZE-Prozeß.
Und zugleich mit der festen Ver-

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�ankerung der Freiheit entwickelte
sich der Nordatlantikvertrag aufgrund
der von ihm aufgebotenen Stärke zur
Grundlage der längsten Friedensperiode in der Geschichte Europas, die zudem von nie dagewesenem Wohlstand begleitet wurde. In jeder Hinsicht war
die NATO ein enormer Erfolg. Wie jede von Menschen geschaffene Institution unterliegt sie ständigen Prüfungen und Herausforderungen, aber wir
haben stets zusammengehalten.
Im
kommenden Monat werde ich nach Europa
reisen, um am NATO-Gipfel in Brüssel
teilzunehmen und die verantwortlichen
Politiker in Rom, Bonn und Brüssel zu
besuchen.
Dies wird ein historischer Augenblick sein, nicht nur aufgrund des
begangenen Jubiläums, sondern auch
aufgrund der hoffnungsvollen Veränderungen, die er verkörpern kann - Veränderungen, die durch die Stärke und
Solidarität des Atlantischen Bündnisses ermöglicht wurden.
Heute, in einer sich wandelnden
Welt, bewahrt unser Bündnis nicht nur
Frieden und Freiheit der Atlantischen
Welt, sondern hat auch gemeinsame Anstrengungen zum Aufbau eines konstruktiveren Verhältnisses mit dem
Osten ermöglicht.
Europa tritt in
ein Zeitalter nie dagewesener Veränderungen und enormer Hoffnung ein.
Ohne unsere über vier Jahrzehnte aufrechterhaltene Moral und politische
Einheit würde dies niemals geschehen.

Unsere Werte von Freiheit und Demokratie erweisen sich heute als
mächtigste politische Kraft in der
Welt - insbesondere in Europa. An
diesem Jahrestag schließe ich mich
meinen amerikanischen Mitbürgern und
den Bürgern der 15 anderen BUndnisstaaten an, indem ich für das in der
Vergangenheit Geleistete meinen Respekt bekunde. Des weiteren begrüßen
wir eine aussichtsreiche Zukunft und
verpflichten uns erneut auf die gemeinsame Vision eines ungeteilten Europas, in dem Sicherheit und Frieden
für alle Nationen des Kontinents auf
der Grundlage von Freiheit, echter
Demokratie,
Menschenrechten
und
Rechtsstaatlichkeit garantiert sind
und der Traum - die Vision - von vor
40 Jahren verwirklicht ist.

* * * * * *

�AMERIKA DIENST
r

^7

^

Dokumentation

C&amp;

5. April 1989

14

BRADY FORDERT RASCHES HANDELN ZUR VERSCHULDUNG DER DRITTEN WELT
- Rede vor dem Interim-Ausschuß des IWF -

WASHINGTON - (AD) - Dem amerikanischen Finanzminister Nicholas Brady zufolge müssen sich Weltbank und Internationaler Währungsfonds (IWF) rasch darauf verständigen, welche Rolle sie bei der neu vorgeschlagenen Strategie zum
Schuldenabbau der Dritten Welt spielen sollen.
Brady erklärte am Nachmittag des 3. April 1989 vor dem Interim-Ausschuß
des IWF, der für die Politik des Fonds verantwortlich zeichnet, ein Schuldnerland, das durchgreifende Wirtschaftsreformen durchführt, müsse "von Anfang an
- nicht erst Monate später - sichtbare und sinnvolle Unterstützung seitens der
internationalen Gemeinschaft erhalten".
Nachfolgend bringen wir Bradys Rede im Wortlaut:
Seit einer Reihe von Jahren gilt
das besondere Augenmerk dieses Ausschusses der internationalen Schuldenstrategie.
Der Interim-Ausschuß
hat in der Tat zu dieser Frage nicht
nur dem Direktorium des IWF, sondern
auch der internationalen Staatengemeinschaft insgesamt Leitlinien an
die Hand gegeben. Es ist nun wiederum an der Zeit, daß dieser Ausschuß
eine führende Position beim Schuldenproblem einnimmt und den internationalen Bemühungen zur Stärkung der
Schuldenstrategie die Richtung vorgibt.
Wir haben unlängst eine Reihe definitiver Vorschläge
zur Stärkung
dieser Strategie vorgelegt, die auf
Ideen und Vorschlägen aufbauen, die
viele von Ihnen unterbreitet haben.

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Ich fühle mich äußerst ermutigt durch
die breite internationale Unterstützung, für die vorgelegten Konzepte
und Ansätze.
Gleichzeitig bin ich
mir jedoch bewußt, daß noch viele
Fragen offen bleiben. Es ist meines
Erachtens an der Zeit, daß wir zusammenarbeiten, um diese Konzepte in
präzise Regeln zu verwandeln, die
eine Grundlage für dauerhafte Fortschritte bei der Bewältigung des
Schuldenproblems liefern.
Wir sind der Meinung, daß die
Prinzipien der gegenwärtigen Strategie - die lebenswichtige Bedeutung
stärkeren Wachstums, der Reformen
seitens der Schuldnerstaaten, finanzieller Unterstützung von außen sowie
eines einzelfallorientierten Ansatzes
für die Probleme der einzelnen Länder

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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�- weiterhin gültig sind. Es ist ferner von entscheidender Bedeutung, daß
Fonds und Weltbank auch in Zukunft
eine zentrale Rolle bei der Strategie
und bei der Unterstützung der Entwicklungsländer in der Formulierung
solider makroökonomischer und struktureller Maßnahmen spielen sowie eine
Katalysatorfunktion für die finanzielle Unterstützung
durch andere
Gläubiger einnehmen.
Reformen zur Schaffung lebenswichtiger
makroökonomischer
und
struktureller Veränderungen sind zur
Lösung des Schuldenproblems unerläßlich. Ferner sind besondere Anstrengungen als Teil der Programme von IWF
und Weltbank vonnöten, um das Vertrauen in die Wirtschaftsprogramme zu
fördern und als Alternative zur Neuverschuldung einen neuen Fluß direkter Investitionen sowie den Rückfluß
von Fluchtkapital zu ermutigen. Der
Fonds sollte weiterhin verbesserte
Techniken entwickeln, um Fluchtkapital zu beobachten und frühzeitige Abhilfemaßnahmen einzuleiten.
Schätzungen staatlicher und privater Quellen zufolge sind die im Ausland angelegten Mittel von Angehörigen einer
Reihe von Staaten ebenso hoch oder
noch höher als deren Auslandsverschuldung.
Deshalb stellen diese
Mittel für die Schuldnerländer potentiell eine wichtige Quelle privaten
Kapitals dar, die Teil eines Gesamtansatzes zum Schuldenproblem sein muß.
Wir fordern die Banken auf, anhaltende Reformbemühungen von Schuldnerländern durch freiwilligen Abbau
von Schulden und Schuldendienst sowie
die weitere Gewährung neuer Kredite
zu unterstützen. Um diesen Prozeß zu
erleichtern, müssen rechtliche Beschränkungen bei bestehenden Vereinbarungen über Bankkredite gelockert
werden. Insbesondere wären in diesem
Zusammenhang Verhandlungen über einen
allgemeinen Verzicht auf die Verpflichtung zur gleichmäßigen Bedienung aller Gläubiger sowie auf die
Bereitstellung aller Reserven zur Bedienung der Kredite für jeden Schuldnerstaat, der bestimmte Leistungen

erbringt, wichtig.
Damit könnten
Verhandlungen über ein breites Spektrum von Transaktionen zur freiwilligen Reduzierung der Schulden oder des
Schuldendienstes zwischen Schuldnern
und Banken erleichtert werden, die
sich zur Weiterverfolgung dieser Alternativen entschließen könnten. Ein
solcher Verzicht könnte vielleicht
auf drei Jahre begrenzt sein, um einen Schulden- oder Schuldendienstabbau innerhalb eines relativ kurzen
Zeitraums zu fördern. Wir erwarten,
daß solche Verzichtserklärungen den
Abschluß freiwilliger Markttransaktionen zur Reduzierung von Schulden
oder
Schuldendienst
beschleunigen
werden, womit den Schuldnerländern
gedient wäre und der Bedarf an Neufinanzierung auf ein kontrollierbareres
Niveau gesenkt würde.
Damit sich dieser Prozeß jedoch
weiterentwickeln kann, müssen auch
IWF und Weltbank eine aktive Rolle
darin übernehmen. Deshalb haben wir
vorgeschlagen, daß der Fonds und die
Weltbank ihre politisch motivierten
Kreditprogramme so anpassen, daß sie
damit insbesondere einen freiwilligen
Schuldenabbau fördern.
Für Schuldnerländer, die ein Programm zum
Schuldenabbau
fordern, sollte ein
Teil der Kredite beiseite gelegt werden, um Transaktionen zu unterstützen, die einen erbeblichen Schuldenabbau mit sich bringen könnten. Diese Mittel sollten verfügbar sein, um
den Tausch von Schulden gegen Anleihen zu decken oder um Devisenreserven
nach Rückkäufen wieder aufzufüllen,
wenn solche Transaktionen mit Handelsbanken ausgehandelt worden sind.
Darüber hinaus sind wir der Ansicht, daß beide Institutionen für
Transaktionen, die eine erhebliche
Reduzierung von Schulden Schuldenbedienung vorsehen, bei den Zinsen beschränkte Unterstützung leisten sollten. Diese Unterstützung, die ihrer
Struktur nach die finanziellen Positionen des IWFs und der Weltbank
schützen sollte, könnte für einen beschränkten Zeitraum im Rollverfahren
vergeben werden.
Diese Bemühungen

�könnten für Aktivitäten auf dem Markt
als Katalysator fungieren, die dann
die Last der Schuldenbedienung erleichtern, die Kreditwürdigkeit der
Schuldner verbessern und Impulse für
Wachstum liefern würden. Diese Maßnahmen gereichten damit sowohl den
Schuldnern als auch den Gläubigern
zum Vorteil.

den. Wo dies möglich ist, sollten
Gläubigerländer zur Unterstützung der
gestärkten Schuldenstrategie bilaterale Finanzierung bereitstellen. In
diesem Zusammenhang begrüßen wir die
zusätzliche
finanzielle
Unterstützung, die zur Förderung dieser Bestrebungen von Japan gewährt worden
ist.

In Zukunft wird es wichtig sein,
eine enge Verbindung zwischen den
Leistungen des Schuldnerlandes, der
Finanzierung durch IWF und Weltbank
und der Aktivitäten von Handelsbanken
aufrechtzuerhalten.
Gleichzeitig
sollten wir erkennen, daß es den
Schuldnerländern durch Verkrustungen
im gegenwärtigen System und in manchen Fällen durch fehlende rechtzeitige Hilfe schwerer gemacht wurde,
unter Reformprogrammen gute Leistungen zu erbringen. Wenn ein Land eine
Reform seiner Wirtschaft in größerem
Umfang durchführt, benötigt es von
Anfang an - nicht erst Monate später
- die sichtbare und sinnvolle Unterstützung der internationalen Gemeinschaft. Aus diesem Grunde vertreten
wir die Auffassung, daß die Politik
des Fonds zu finanziellen Zusicherungen im Hinblick auf mehr Flexibilität
in diesem Bereich überprüft werden
sollte. Wir haben vorgeschlagen, daß
erste Auszahlungen von IWF und Weltbank dann vorgenommen werden sollen,
wenn eine Verzichtsvereinbarung erzielt wurde, aber noch vor der Fertigstellung vollständiger Finanzierungspakete durch die Privatbanken.

Um Fortschritte bei der Stärkung
der Schuldenstrategie zu erzielen,
ist es von entscheidender Bedeutung,
daß die Interim- und Entwicklungsausschüsse den Direktorien von IWF und
Weltbank in diesen Bereichen klare
Leitlinien an die Hand geben. Ich
möchte sodann beide Direktorien auffordern, bald
erforderliche politische Maßnahmen von IWF und Weltbank
unmittelbar zu erwägen, damit neue
Mechanismen geschaffen werden können.

Gläubigerländer
sollten
ihrerseits
weiterhin
die
offiziellen
Schulden im Pariser Club umwandeln
und eine Deckung der Exportkredite
für Schuldnerländer, die IWF- und
Weltbankprogramme durchführen, vornehmen. Darüber hinaus sollten einzelne Länder ihre jeweiligen Vorschriften, ihr Rechnungswesen und ihr
Steuersystem dahingehend überprüfen,
ob sie Hindernisse für die Schulden
und deren Bedienung abbauen können.
Diese Bereiche müssen eher die nationalen Behörden als die internationalen Institutionen für sich entschei-

Gleichzeitig möchte ich die Banken auffordern, jetzt diese Konzepte
in ihre Verhandlungen mit einzelnen
Ländern aufzunehmen, um die Zeit der
Unsicherheit abzukürzen.
Maßnahmen
zu Verzichtserklärungen kommen dabei
insbesondere Bedeutung zu, um das Umfeld für einen freiwilligem Schuldenabbau oder eine Reduzierung
der
Schuldenbedienung zu schaffen.
Das
Gleichgewicht zwischen Schuldenabbau,
Schuldentilgung und erneutem Kreditwunsch wird natürlich von Land zu
Land und von Bank zu Bank variieren.
Ich bin zuversichtlich, daß dieser Ansatz zur Stärkung der Schuldenstrategie die Basis für neuerliche
Fortschritte
beim
Schuldenproblem
liefern kann.

- 3 -

******

�AMERIKA DIENST
Dokumentation

5. April 1989

14

DIE GEFAHREN DER WEITERVERBREITUNG VON KERNWAFFEN
- Rede von CIA-Direktor Webster in Los Angeles -

LOS ANGELES - (AD) - CIA-Direktor William Webster zufolge ist die Weiterverbreitung von Kernwaffen mit einer Reihe von ernsten Gefahren verbunden. In
einer Rede in Los Angeles nannte er am 30. März 1989 insbesondere "die offensichtliche Gefahr, daß Kernwaffen in regionalen Konflikten eingesetzt werden",
die Tatsache, daß "neue Nuklearmächte in einen Rüstungswettlauf eintreten
könnten, der politisch destabilisierend sein und die Wahrscheinlichkeit eines
Kriegsausbruchs erhöhen könnte" sowie die Möglichkeit, daß "die bloße Anzahl
und Verteilung von Kernwaffen und kernwaffenfähigem Material in der Welt die
Risiken des Diebstahls, der Sabotage und des Terrorismus vergrößern könnten".
Nachfolgend veröffentlichen wir Websters Rede im Wortlaut:

Es mutet wie Ironie an, daß zu
einer Zeit, in der sich die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion auf
die Beseitigung einer ganzen Kategorie von Waffen verständigt haben,
Staaten in der Dritten Welt ihre eigenen Arsenale aufbauen. Heute nachmittag möchte ich über die Weiterverbreitung atomarer, chemischer und
biologischer Waffen sprechen - Waffen, die neue Gefahren für die regionale Stabilität und die Interessen
der Vereinigten
Staaten heraufbeschwören. Ich möchte die Weiterverbreitung ballistischer Raketen erörtern, mit deren Hilfe diese Massenvernichtungswaffen schnell und über
große Entfernungen befördert werden
können, und ich möchte über die Rolle
nachrichtendienstli eher Informationen
bei den Bemühungen unserer Regierung
sprechen, der Weiterverbreitung die-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

ser Waffen und ihrer
Einhalt zu gebieten.

Trägersysteme

Seit der Explosion der ersten
Atombombe im Jahr 1945 und dem im
selben Jahr erfolgten ersten Einsatz
von Atomwaffen im Krieg lebt die Welt
ständig mit der Bedrohung der Weiterverbreitung von Kernwaffen. In den
frühen sechziger Jahren prognostizierte Präsident Kennedy, bis 1975
könne es 15 bis 20 Atomwaffenstaaten
geben. Aber im Jahr 1989 gibt es wie
in den sechziger Jahren immer noch
nur fünf Staaten, die eigenen Erklärungen zufolge nukleare Arsenale besitzen - die Vereinigten Staaten, die
Sowjetunion,
China,
Großbritannien
und Frankreich.
Man

sollte

sich

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dadurch

jedoch

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�nicht gänzlich beruhigt fühlen. Während es immer noch lediglich fünf erklärte Nuklearmächte gibt, haben eine
Anzahl weiterer Staaten die Fähigkeit
zur Herstellung von Kernwaffen einfach nicht zugegeben. Mehrere Länder
besitzen entweder Atomwaffen oder
sind in der Lage, solche kurzfristig
herzustellen. Andere entwickeln nukleare
Schlüsseltechnologien,
die
sich später zur Herstellung eines
atomaren Sprengsatzes benutzen H e s sen, falls eine entsprechende Entscheidung
gefällt
werden
sollte.
Wieder andere Staaten befinden sich
im
Frühstadium
atomtechnologischer
Forschung und Entwicklung.
Sicherlich läßt sich die Erforschung nuklearer Technologien mehrfach anwenden. Um Bedenken unserer
Regierung über eine mögliche Weiterverbreitung von Kernwaffen auszulösen, muß ein Land technisches Knowhow und die politische Intention besitzen. Technisches Know-how erfordert Jahre der Forschung und Entwicklung. Nachdem die technischen Voraussetzungen geschaffen sind, ist ein
Land in der Lage, nukleare Sprengsätze zu entwickeln - wenn eine derartige Entscheidung getroffen wird.
Aber die Intention - das heißt,
der politische Wille und der Wunsch,
häufig begrenzte nationale Ressourcen
zu opfern, um mit der Entwicklung von
Kernwaffen zu beginnen - ist eine
Entscheidung
die von der Regierung
eines jeden Staates getroffen werden
muß. Selten gibt es greifbare Beweise für eine solche Intention. Durch
die Entwicklung eines zivilen Atomprogramms kann ein Land die Entscheidung über den Beginn der Arbeiten an
Kernwaffen hinausschieben, bis ein
Großteil der Grundlagenforschung und
Entwicklung durchgeführt wurde.
Die Weiterverbreitung von Kernwaffen birgt eine Reihe ernster Gefahren. Erstens besteht die offensichtliche Gefahr, daß Kernwaffen in
regionalen Konflikten eingesetzt werden - insbesondere in Gebieten großer
Spannungen und Instabilität wie dem
_

Nahen Osten und SUdasien. Zweitens
könnten neue Nuklearmächte in einen
Rüstungswettlauf eintreten, der politisch destabilisierend sein und die
Wahrscheinlichkeit eines Kriegsausbruchs
erhöhen
könnte.
Drittens
könnten die bloße Anzahl und Verteilung von Kernwaffen und kernwaffenfähigem Material in der Welt die Risiken des Diebstahls, der Sabotage und
des Terrorismus vergrößern.
Für potentielle Weiterverbreiter
liegt der Schlüssel zu einem Waffenprogramm in der Beschaffung von Plutonium 239 oder hochangereichertem
Uran. Sensible und hochspezialisierte Technologien sind erforderlich, um
schon für die simpelste Atomwaffe
eine ausreichende Menge dieser Materialien zu erhalten. Die Fähigkeit
zur Beschaffung und Beherrschung dieser Technologien entscheidet darüber,
wie schnell ein Land Kernwaffen entwickeln und herstellen kann.
Diese sensiblen nuklearen Technologien unterliegen amerikanischen und
internationalen
Exportkontrollen.
Atomare Technologien lassen sich jedoch immer noch gesetzwidrig und verdeckt durch die Einschaltung von
Strohfirmen, Fälschung von Ausfuhrbescheinigungen und die Verwendung mehrerer Umschlagplätze beschaffen. Es
ist ferner möglich, Ausrüstung und
Material legal zu bestellen, die als
Einzelteile nicht unter die Exportkontrollbestimmungen fallen, zusammengenommen jedoch diesen Kontrollen
unterliegen würden.
Versuche zur Kontrolle von Gerät
und Material werden durch die Tatsache kompliziert, daß viele Nukleartechnologien mehrfach verwendbar sind
- mit anderen Worten, sie können sowohl nuklear als auch nichtnuklear
eingesetzt werden.
Dies erschwert
eine Kontrolle von Nuklearexporten
und macht es noch schwieriger, festzustellen, ob ein solches Waffenprogramm beabsichtigt ist.
Unserer Ansicht nach stellen Bemühungen zur Nichtweiterverbreitung

�nuklearer Technologie - einschließlich Verträgen, Organisationen und
Exportkontrollen
- einen unerläßlichen Bestandteil der gemeinsamen
Sicherheit der Menschheit dar.
Als Teil dieser Bestrebungen haben die Vereinigten Staaten seit langem die friedliche Nutzung von Kernenergie aufgrund ihrer Wirtschaftlichkeit und Zuverlässigkeit wie auch
ihrer wichtigen Rolle in Medizin, Industrie und Landwirtschaft gefördert.
Wir unterstützen technische Hilfsprogramme an Länder, die den Atomsperrvertrag unterzeichnet haben.
Trotz
des wachsenden Erfolges des Vertrages
in den vergangenen 20 Jahren - inzwischen sind 140 Nationen Vertragspartner - haben eine Handvoll Länder, die
als potentielle Kandidaten für nukleare
Weiterverbreitung
angesehen
werden, dem Vertrag noch nicht zugestimmt.
Beim Problem der nuklearen Weiterverbreitung
dürfen
zahlreiche
nachrichtendienstliche Faktoren und
Strategien nicht außer acht gelassen
werden. Wir gehen von der Annahme
aus, daß es im besten Falle - und unter der Voraussetzung eines einigermaßen modernen Kernenergie- und Forschungsprogrammes - einige Jahre dauern wird, bis ein Land seine Nuklearwaffenfähigkeit entwickeln kann.
Es gibt sowohl technische als
auch politische Anzeichen, die für
nachrichtendienstliche Experten, die
das Problem der nuklearen Weiterverbreitung gründlich studieren, alarmierend sind. Unsere Experten konzentrieren sich nicht nur auf die
technischen Fähigkeiten, die sich im
Entwicklungsstadium befinden, sondern
erwägen auch, ob diese Aktivitäten
für rein zivile Zwecke wirklich erforderlich sind.
Wir wären beispielsweise besorgt, wenn ein Land
mit der Entwicklung einer schwierigen
und
kostenintensiven
Urananreicherungsanlage beginnen würde, wenn bereits bestehende Kernkraftwerke dies
nicht erfordern.

Dennoch bedingt die Entwicklung
von Nuklearwaffenfähigkeit viel Zeit
und Ressourcen.
Dies gilt nicht für die Fähigkeit
eines Landes, chemische und biologische Waffen zu entwickeln - Waffen,
die als die Atombombe des armen Mannes bezeichnet worden sind. Vor 20
Jahren waren nur fünf Länder im Besitz von chemischen Waffen.
Heute
können über 20 Länder chemische Waffen entwickeln, und mindestens zehn
Länder arbeiten an der Herstellung
biologischer Waffen.
Im Gegensatz zu Kernwaffen bieten
chemische und biologische Waffen ein
billiges und leicht erhältliches Mittel zur Behebung des militärischen
Ungleichgewichts gegenüber mächtigeren Feinden. Die für chemische und
biologische
Waffen
erforderliche
Technologie ist einfacher als die von
Nuklearwaffen, und ihre Produktion
ist schwieriger aufzudecken, zu überwachen und zu kontrollieren.
Aber ebenso wie bei der nuklearen
Weiterverbreitung erfordert die Fähigkeit zur Begrenzung der Verbreitung chemischer und biologischer Waffen internationale Verträge und Zusammenarbeit bei deren Durchsetzung.
Nach dem Ersten Weltkrieg wurde
der Einsatz chemischer Waffen von den
Unterzeichnerstaaten des Genfer Protokolls aus dem Jahr 1925 geächtet.
Im Verlauf des Zweiten Weltkrieges selbst während der verzweifeltsten
Kämpfe - verzichteten beide Seiten
auf den Einsatz chemischer Waffen Waffen, die Winston Churchill als
"dieses teuflische Gift" bezeichnet
hat.
Im Krieg zwischen Iran und Irak
wurde diese Zurückhaltung aufgegeben
und ein gefährlicher Präzedenzfall
für
zukünftige Kriege geschaffen.
Den Nachrichtendiensten liegt umfangreiches Beweismaterial dafür vor, daß
der Irak chemische Waffen gegen den
Iran und auch gegen die irakischen
Kurden eingesetzt hat. Auch der Iran

- 3 -

�brachte chemische Waffen gegen irakische Truppen zum Einsatz.
Ebenso wie im Falle von Nukleartechnologien ist ein Großteil des zur
Herstellung von chemischen und biologischen Waffen erforderlichen Geräts
von seiner Beschaffenheit her mehrfach verwendbar. Alles zur Produktion von Kampfstoffen zur chemischen
Kriegführung
benötigte Gerät kann
auch zur Produktion von Industriechemikalien benutzt werden, und zahlreiche Anlagen, die Pharmazeutika oder
Pestizide herstellen, könnten zur
Produktion von Chemiewaffen umfunktioniert werden. Das zur Produktion
von Kampfstoffen
zur biologischen
Kriegführung erforderliche Gerät, Material und Fachwissen findet legitimen Einsatz in der pharmazeutischen
Industrie. Mit der derzeit verfügbaren Technologie können Kampfstoffe
zur biologischen Kriegführung in solchem Umfang hergestellt werden, daß
Lagerbestände nicht länger erforderlich sind.
In der Tat kann jedes
Land mit einer bescheiden entwickelten pharmazeutischen Industrie Kampfstoffe zur biologischen Kriegführung
herstellen, wenn es dies wünscht.
Ich bin sicher, daß Sie im Verlauf der vergangenen Monate sehr viel
über chemische und biologische Waffen
gelesen haben.
Wie Sie sicherlich
auch wissen, ist der Kongreß in höchstem Maße über die Weiterverbreitung
dieser Waffen besorgt.
Sowohl im
vergangenen Monat als auch zu Beginn
dieses Monats habe ich vor dem Senatsausschuß über chemische und biologische Waffen gesprochen.
Die Pariser Chemiewaffen-Konferenz vom Januar hat sehr viel dazu
beigetragen, den nationalen und internationalen
Bedenken
über diese
Waffen Taten folgen zu lassen. Die
Vereinigten Staaten nehmen bei der
Genfer Abrüstungskonferenz auch an
Verhandlungen über die weltweite Ächtung chemischer Waffen teil.
Wir
sind einer von 40 Teilnehmern bei
dieser Konferenz.
Zu Beginn diees
Monats hat Außenminister Baker den

Vorschlag unterbreitet, daß wir die
Regierungen und Vertreter der internationalen chemischen Industrie zusammenbringen, um den zunehmenden internationalen Handel mit den zur Herstellung von chemischen Waffen erforderlichen Chemikalien und der Technologie zu erörtern.
Im Hinblick auf biologische Waffen haben die Vereinigten Staaten und
110 andere Länder das Abkommen über
biologische und toxische Waffen aus
dem Jahr 1972 unterzeichnet.
Mit
diesem Abkommen wird die Herstellung,
Entwicklung und Lagerung dieser Waffen verboten, es enthält jedoch keine
Bestimmungen zur formellen Verifizierung.
Die Nachrichtendienste erforschen
technische und politische Anzeichen,
die auf Entwicklung, Herstellung und
Anreize für den Einsatz chemischer
und biologischer Waffen hindeuten und
werden dies auch weiterhin tun. Darüber hinaus werden wir dem illegalen
Handel mit Material für diese Waffen
nachgehen und darüber Meldung erstatten. Ein Beispiel für unsere Arbeit
in diesem Bereich war unsere Unterstützung für politische Entscheidungsträger im Hinblick auf die Chemiewaffenfabrik in Libyen. Wir werden weiterhin Politikern Informationen über chemische, und biologische
Waffen zuleiten und die Bestrebungen
der Vereinigten Staaten zu ihrem Verbot weiterhin unterstützen.
Die Fähigkeit, eine Waffe mit
einem nuklearen, chemischen oder biologischen Gefechtskopf zu einem entfernten Ziel zu befördern, stellt
eine erhebliche Bedrohung der weltweiten Sicherheit dar. Bis vor kurzem galt unsere Besorgnis vor allem
den Trägersystemen für Nuklearwaffen.
Jetzt erkennen wir eine Bedrohung dadurch, daß diese Raketen zum Abschuß
chemischer und biologischer Waffen
ebenso eingesetzt werden könnten wie
für nukleare und konventionelle Waffen.
Im vergangenen Jahr, als der Iran

�und der Irak im "Städtekrieg" Dutzende von Raketen auf ihre jeweiligen
Hauptstädte abfeuerten,
wurden mit
konventionellen
Gefechtsköpfen
bestückte ballistische Raketen gegen
Zivilisten eingesetzt. Diese Raketen
haben im Krieg zwischen Iran und Irak
einen Präzendenzfall geschaffen: Raketen sind nunmehr in der Dritten
Welt zu einem akzeptierten Instrument
der Kriegführung geworden.
Bis zum Jahr 2000 werden mindestens 15 Entwicklungsländer ihre eigenen ballistischen Raketen herstellen. Obwohl die in diesen Ländern
entwickelten Raketen wenig ausgereift
und zielgenau sind, besitzen viele
von ihnen doch Fähigkeiten über den
Radius des Gefechtsfeldes hinaus und
können ein Ziel in wenigen Minuten
treffen. Wenn sie einmal abgefeuert
worden sind, können sie nicht zurückgeholt werden.
Ballistische Raketen räumen denjenigen, die sie erwerben, einen neuen politischen und militärischen Status ein. Viele Länder, in denen diese Raketen entwickelt werden, liegen
im Nahen Osten - einem Bereich, in
dem wir wichtige Sicherheitsinteressen haben und wo die regionalen Spannungen am größten sind. Auch eine
Kurzstreckenrakete liefert den Ländern des Nahen Ostens ein funktionsfähiges strategisches Waffensystem.
Ebenso wie die Programme für nukleare, chemische und biologische
Waffen stützt sich auch das Raketenprogramm der Dritten Welt in einem
gewissen
Ausmaß
auf
ausländische
Technologie.
Aber ein großer Teil
dieser wichtigen Technologie ist bereits auf der ganzen Welt verbreitet,
wird anderweitig verwendet oder kann
leicht zweckentfremdet werden.
Die
Länder der Dritten Welt nutzen vielfach Technologie, ihre Ressourcen und
ihr technisches Know-how gemeinsam.
Eine weitere von uns beobachtete
beunruhigende Entwicklung
ist der
Transfer vollständigeer Waffensysteme
zwischen einzelnen Ländern.
Damit
- 5

könnten Entwicklungsländer die Möglichkeit erhalten, der Konkurrenz
vorauszueilen, obwohl die meisten
Länder weiterhin ihre eigenen Raketenfähigkeiten zu entwickeln suchen
werden. Darüber hinaus ist zu erwarten, daß die Länder der Dritten Welt
selbst wichtige Exporteure von Raketen und Raketentechnik werden.
Im April 1987 haben sieben Industrieländer - die Vereinigten Staaten, Kanada, Frankreich, Großbritannien, Italien, Japan und die Bundesrepublik Deutschland die Einrichtung
eines Kontrollsystems für Raketentechnik (Missile Technology Control
Regime - MTCR) beschlossen. Dieses
System zielt auf die Einschränkung
des Transfers von Technologie und Geräten ab, die zur Entwicklung von Nuklearraketen beitragen könnten, es
bezieht jedoch nicht die Hauptbeteiligten am gegenwärtigen Handel mit
Raketen und moderner Technologie ein.
Darüber hinaus wird mit der Vereinbarung nicht der Anreiz oder die Fähigkeit der Dritte-Welt-Länder zur Entwicklung ihrer eigenen Raketentechnik
eingeschränkt.
Die Nachrichtendienste beobachten
eingehend die Bestrebungen von Ländern der Dritten Welt im Hinblick auf
den Erwerb oder die Entwicklung ballistischer Raketen. Durch die frühzeitige Lieferung von Informationen
zur Weiterverbreitung ballistischer
Raketen unterstützen wir Politiker in
ihrem Bemühungen um eine effektivere
Durchführung
des
Kontrollssystems.
Darüber hinaus helfen wir Ihnen dabei, die nicht an diesem Kontrollsystem Beteiligten von der Vermarktung
ihrer Raketen abzuhalten.
Die Einschätzung der Weiterverbreitung nuklearer, chemischer und
biologischer Waffen und auch ballistischer Raketen zählt zu den schwierigsten Herausforderungen der Nachrichtendienste. Meiner Ansicht nach
ist sie eine unserer Hauptaufgaben,
weil wir in der heutigen Zeit einen
Punkt erreicht haben, an dem Vereinbarungen zur Eindämmung von Massen-

�Vernichtungswaffen entscheidende Bedeutung zukommt. Und die Sicherheit
aller Länder auf der ganzen Welt wird
von der Bereitschaft eines jeden Landes zur Kontrolle und Beschränkung
dieser Waffen abhängen. Die Politikern unsererseits zur Verfügung gestellten nachrichtendienstlichen Erkennntissse ermöglichen nicht nur mit den erforderlichen Verifizierungen - internationale Abkommen, sondern führen auch zu gut durchdachten
Vereinbarungen.
Ich möchte noch etwas über unsere
Arbeit zu bedenken geben: die von
uns den Politikern über die Sowjetunion, die Verbreitung moderner Waffen und viele andere Themen zur Verfügung gestellten nachrichtendienstlichen Erkenntnisse sind nicht leicht
erhältlich. Tatsächlich fordert sie
manchmal von den Mitarbeitern des
amerikanischen
Nachrichtendienstes
einen hohen Preis. Ich denke insbesondere jedesmal daran, wenn ich
durch das Foyer unseres Hauptgebäudes
gehe, wo Sterne für diejenigen eingemeißelt wurden, die ihr Leben im
Dienst verloren haben.

Seit meinem Amtsantritt als Direktor vor zwei Jahren bin ich im Inund Ausland mit vielen Mitarbeitern
des Nachrichtendienstes zusammengetroffen. Ich habe den Erfolg unserer
Operationen bei der Bewältigung einer
Unzahl komplexer Themen - die oftmals
so komplex sind, daß wir modernste
technische Anlagen einsetzen müssen beobachten können.
Aber die wichtigste Quelle unseres Nachrichtendienstes war immer unser Volk, und
das wird es immer sein. Seine Kreativität, Entschlossenheit und sein
Mut kann den Unterschied zwischen Erfolg und Mißerfolg ausmachen.
Mit solchen Menschen können wir
weiterhin die nachrichtendienstlichen
Ermittlungen zur Verfügung stellen,
die
politische
Entscheidungsträger
benötigen, um im Interesse unserer
nationalen Sicherheit kluge Entscheidungen treffen zu können. Das erwarten Sie zusammen mit dem gesamten
amerikanischen Volk von uns, und ich
kann Ihnen versichern, daß wir unser
Bestes geben, um dies zu leisten.

* * * * * *

�AMERIKA DIENST
Information

5. April 1989

14

LEHMAN BRINGT GROSSEN ERFAHRUNGSSCHATZ MIT ZU ACDA
- Porträt des designierten ACDA-Direktors -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Bushs Kandidat für das Amt des Leiters der
amerikanischen Behörde für Rüstungskontrolle und Abrüstung (ACDA), Botschafter
Ronald Lehman, ist als Teilnehmer an wichtigen Gipfeltreffen und multilateralen Gesprächen wie auch an den RUstungskontrollverhandlungen in Genf, Wien,
Brüssel, Washington und Moskau bereits ein bekanntes Gesicht in der internationalen Rüstungskontrolle.
Insbesondere gilt Lehman bei Regierungsvertretern aus der Sowjetunion, der Volksrepublik China, Europa, Japan und Südkorea als Fachmann
für eine Reihe von Problembereichen
wie etwa konventionelle Streitkräfte,
strategische Rüstungskontrolle, Technologietransfer und Militärhilfe.
Während
seiner
Laufbahn
war
Lehman als Nachfolger des früheren
Senators John Tower unter anderem
amerikanischer Chefunterhändler für
strategische Waffen bei den Genfer
Verhandlungen über Kern- und Weltraumwaffen (NST).
Lehman konnte bei seiner Arbeit
mit anderen Regierungen viele Erfahrungen sammeln und hatte ebenfalls
Schlüsselpositionen im Weißen Haus,

United States Information Service
Embassy of the United States of America

im Vertei.digungsministerium und im
Kongreß inne. Darüber hinaus hat er
in Vietnam gekämpft.
Er verläßt den Posten als Leiter
der Abteilung für internationale Sicherheitspolitik im Verteidigungsministerium, auf dem er die Aufrechterhaltung der nuklearen Abschreckung
zur Friedenssicherung befürwortete,
um seine neue Tätigkeit aufzunehmen.
Lehman hat davor gewarnt, die zum
erfolgreichen Abschluß eines STARTAbkommens noch auszuräumenden Schwierigkeiten zu unterschätzen und vertritt die Auffassung, daß in Zukunft
ein Vertrag geschlossen werden könnte, wenn die Sowjetunion "den notwendigen politischen Willen" zeigt. Er
hat der Hoffnung Ausdruck verliehen,

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�daß die sowjetische Führungsspitze zu
der
Erkenntnis gelangt, daß ein
START-Abkommen, "das die Sicherheit
des Westens verbessert, nicht notwendigerweise eine Verminderung ihrer
Sicherheit bedeuten muß".

sprächen über Nichtweiterverbreitung
von Nuklearwaffen, die schließlich in
ein Abkommen zwischen beiden Ländern
mündeten, mit dem der "heiße Draht"
verbessert und ausgebaut werden sollte.

Obwohl die beiden Supermächte den
INF-Vertrag erfolgreich abgeschlossen
haben, werden weitere Schritte in der
Rüstungskontrolle
Lehman
zufolge
"immer schwieriger". Im vergangenen
Jahr erklärte er vor einer Rüstungskontrollkonferenz in Washington, "es
ist von großer Bedeutung, daß der
Westen sehr sorgfältig und klar" über
seine nächsten Schritte nachdenkt.

Lehman kam im Jahr 1974 erstmals
als Stipendiat für Öffentlichkeitsarbeit im Zusammenhang mit der Hoover
Institution der Stanford University
nach Washington.
Er arbeitete zunächst als Berater in der Legislative, und später gehörte er zum Mitarbeiterstab des Streitkräfteausschusses im Senat, wo er sich auf Fragen
der strategischen und kriegsschauplatzgebundenen
NuklearStreitkräfte
und die Beschaffung von Waffen spezialisierte. Im Jahr 1980 arbeitete
er
für den damaligen Präsidentschaftskandidaten Ronald Reagan.

Lehman billigte Mitte März dieses
Jahres den Verhandlungen über konventionelle Streitkräfte in Europa (KSE)
einen "guten Anfang" zu; als positives Anzeichen sah er, daß der Warschauer Pakt sich das westliche Prinzip zu eigen machte, "wichtige Waffen
der Landstreitkräfte auf gleiche und
niedrigere Niveaus abzubauen".
Er
erklärte, dies erfordere einschneidende Reduzierungen des Warschauer
Pakts "wofür die von der Sowjtunion
angekündigten einseitigen Reduzierungen einen ersten Schritt darstellen".
Der Botschafter hatte im Rahmen
seiner Tätigkeit für die Regierung
verschiedene Positionen im Nationalen
Sicherheitsrat inne, unter anderem
als Stellvertretender
Berater des
Präsidenten für sicherheitspolitische
Fragen zur Erarbeitung der Verteidigungspolitik. In der Reagan-Administration beschrieb ihn der frühere
Außenminister George Shultz als "einen Menschen mit unerschöpflichen Fähigkeiten" und als einen "fähigen und
sachkundigen" Mitarbeiter im Bereich
der Rüstungskontrolle.

Botschafter
Lehman
promovierte
1975 in Staatswissenschaften an der
Claremont Graduate School in Kalifornien. Er wurde 1946 in Napa (Kalifornien) geboren.
Lehman unterrichtete an der Georgetown University
Examenskandidaten in nationaler Sicherheit.
Der designierte ACDA-Direktor ist
Beobachter des Weißen Hauses im Ausschuß für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa und Aufsichtsratsmitglied des U.S. Institute of Peace.
Der frühere Major der Reserve
Lehman wird nach seiner Bestätigung
durch den Senat Nachfolger des früheren ACDA-Direktors William Bums.

* * * * * *

In
seinen
Anfangsjahren
im
Pentagon war Lehman Stellvertretender
Abteilungsleiter für Verteidigungsfragen. Er war ferner Berater bei
der Sondersitzung der Vereinten Nationen zur Abrüstung. Später diente
er als Vertreter bei den amerikanisch-sowjetischen
bilateralen
Ge-

�AMERIKA DIENST
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"""

Hintergrundmaterial

A&lt;

5. April 1989

14

IST DAS BILDUNGSWESEN SO SCHLECHT WIE EH UND JE ?
- Von Ben J. Wattenberg -

Der folgende Artikel wurde erstmals in der in Washington D.C. erscheinenden Zeitschrift U.S. News &amp; World Report vom 20. März 1989 veröffentlicht.
(c) U.S. News &amp; World Report, Inc. (Alle Rechte vorbehalten).

Die Probleme haben sich gewandelt,
das Vokabular ist dasselbe geblieben
Um das "Problem mit der Erziehung" in den Vereinigten Staaten begreifen zu können, ist es nützlich,
sich vor Augen zur führen, wo die Defizite liegen. Angenommen, im Jahr
1970 habe eine Untersuchung im Bildungswesen
stattgefunden.
Welche
Veränderungen hätten damals vorgenommen werden müssen? Eine Aufstellung
würde wahrscheinlich folgende Punkte
enthalten: Man müßte die Abbrecherquote insbesondere von Minderheiten
in High Schools senken, den Besuch
von Colleges und Vorschulen fördern,
mehr Geld in die Ausbildung investieren, die Klassenstärken verringern
und die Schulleistungen insbesondere
von Minderheiten verbessern.

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Bis zu einem gewissen Grad ist
all dies eingetroffen. Dennoch ist
das Vokabular über den schrecklichen
Zustand des Erziehungswesens im Hinblick auf diese Punkte nahezu dasselbe geblieben. Tatsache ist, daß
die Vereinigten Staaten in einigen
Bereichen Fortschritte erzielen: Die
Einschreibungen an den Colleges nehmen zu, weniger Schüler brechen die
High-School vorzeitig ab, die Schulleistungen haben sich insgesamt verbessert, das Schuleintrittsalter ist
gesunken und unser Land gibt heute
mehr für Erziehung aus. Aber eklatante Probleme bleiben bestehen.
Rein zahlenmäßig gesehen ist die
Bilanz unseres Landes positiv. In
keinem anderen Land besucht ein so
großer Teil der Bevölkerung Colleges.

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�"Großartig", findet das ehester Firm
von der Arbeitsgruppe für die Verbesserung des Erziehungswesens an der
Vanderbilt University, "und im College erhalten die meisten dann die
Ausbildung, die ihnen in der HighSchool nicht zuteil wurde. Das Ergebnis läßt in jedem Fall zu wünschen
übrig." Finn verweist auf Untersuchungsergebnisse, denen zufolge nur
sechs Prozent aller Schüler in der
11. Klasse bei Prüfungen im Fach Mathematik gut abschneiden. Lediglich
ein Drittel kann den Zeitraum des
Amerikanischen Bürgerkrieges bis auf
50 Jahre eingrenzen.
Positiv zu werten ist dennoch der
stark angestiegene Prozentsatz der
25-29jährigen, von denen noch im Jahr
1950 mehr als 40 Prozent der Weißen
(über 60 Prozent Schwarze) weniger
als vier Jahre eine High School besuchten, während diese Zahl 1987 für
Weiße und Schwarze auf unter 20 Prozent gesunken ist. Der Anteil derer,
die vier Jahre oder länger ein College besuchen, ist bei Weißen von unter zehn
Prozent
im Jahr
1950
(Schwarze: etwa fünf Prozent) auf
über 20 Prozent im Jahr 1987 (Schwarze: etwa 12 Prozent) gestiegen, wobei
dieser Wert seit 1975 relativ konstant geblieben ist.

Ein zweifaches Hoch auf djLe
Flexibilität des Schulsystems
Dagegen gibt es Einspruch.
So
gering die Schulleistungen auch sein
mögen, so ist bei den Leistungen in
den letzten Jahren doch eindeutig ein
Aufwärtstrend zu beobachten, der zugegebenermaßen langsam und von einem
niedrigen Niveau aus ansteigt. Darüber hinaus sind einige der auf internationaler
Ebene
durchgeführten
Vergleiche als schief bezeichnet worden. In den Vereinigten Staaten besuchen mehr Jugendliche eine High
School als in irgendeinem anderen
Land, und manche Untersuchungen vergleichen die Mehrheit unserer Schüler
mit der Elite ihrer Schüler.
Das trifft jedoch nicht auf die
Untersuchung des ETS zu, die Schüler
der Altersgruppe untersucht, in der
die Schule noch nicht vorzeitig abgebrochen werden kann.
Wohlwollend
sollte man dagegenhalten, daß die
Tatsache, amerikanische Kinder lernten im Alter von 13 Jahren keine Naturwissenschaften,
nicht
bedeutet,
daß sie diese niemals lernen. Vielleicht werden sie lernen, was sie
wissen müssen, wenn sie es wissen
müssen.

Bei der Teilnahme an der Vorschulerziehung ist seit 1965 die Zahl
der 5-6jährigen Kinder von etwas über
80 auf über 90 Prozent im Jahr 1985
gestiegen, die Anzahl der 3-4jährigen
Vorschulkinder hat sich von unter
zehn Prozent im Jahr 1965 auf nahezu
40 Prozent im Jahr 1985 vervielfacht.

Tatsächlich herrscht im amerikanischen Erziehungswesen große Flexibilität. Das ist nicht nur negativ
zu bewerten.
Zum Beispiel ist die
reale Zahl der Schulabbrecher in unserem Land sehr niedrig, weil viele
Jugendliche, die vorzeitig die Schule
verlassen, später wieder zur Schule
gehen.

Ein qualitativer Vergleich zwischen
amerikanischen
und
ausländischen Schülern und Studenten ist
ein wenig erfreuliches Unterfangen.
Eine jüngste Untersuchung des Educational Testing Service (ETS) unter
13jährigen Schülern kam zu dem Ergebnis, daß Amerikaner in Mathematik das
Schlußlicht bildeten und bei den Naturwissenschaften
fast an letzter
Stelle rangierten.

Unternehmen beklagen den niedrigen Wissensstand vieler Jugendlicher
und richten Ausbildungsprogramme ein.
Amerikanische Firmen geben jährlich
etwa 40 Milliarden Dollar für die
Ausbildung ihrer Mitarbeiter aus. Es
ist schlimm - und verschwenderisch -,
daß der größte Teil dieser Ausbildung
nicht in der Schule geboten wird,
aber er wird irgendwie, irgendwo und
irgendwann geleistet.

�Der Sektor der "Berufsbildung"
erfährt gegenwärtig in Amerika einen
Boom.
Es gibt etwa 7 000 private
Handels- und Berufsschulen, die Jugendliche in Fernsehtechnik, Elektronik, Informatik, Installationsarbeiten, kosmetischer Behandlung und
Röntgenassistenz
ausbilden.
Die
Schüler lernen das, was sie lernen
müssen, wenn sie es lernen müssen.
Für die Colleges bedeutet dies,
daß der vielfach (aufgrund der älter
werdenden Angehörigen geburtenstarker
Jahrgänge) prognostizierte Rückgang
der Einschreibungen nicht erfolgt
ist.
Warum nicht?
Zahlreiche Erwachsene besuchen - oftmals nebenbei
- ein College. Sie lernen, was sie
lernen müssen, wenn sie es lernen
müssen.
Es bestehen kaum Zweifel über die
Verfügbarkeit einer ausgezeichneten
College-Ausbildung.
Warum
kämen
sonst so viele ausländische Studenten
zum Studium in die Vereinigten Staaten? Nahezu eine Million Ausländer
machen hier jährlich Examen.
Auch die Kritiker des Bildungssektors erkennen zumeist die Qualität
des besten Teils vom amerikanischen
Universitätswesen an. Und die offene
Kultur bringt kreative und innovative
Studenten hervor. Die Japaner versuchen gegenwärtig, junge amerikanische Wissenschaftler nach Japan abzuwerben.
Bringt Amerika wirklich eine Generation
nicht
konkurrenzfähiger
Trottel hervor? Wo das System versagt, übernimmt oftmals Amerikas Kultur, in der es gilt, aus eigener
Kraft erfolgreich zu werden, seine
Funktion. Dennoch ist etwas Wahres
an Finn's mahnender Bewertung.
Es
kann noch viel mehr getan werden.
Dies wird insbesondere in einer
Untersuchung zu den Leistungen 17jähriger Schüler im Lesen, in Mathematik
und den Naturwissenschaften deutlich.
Dabei wurde ein Test verwendet, in
dem maximal 500 Punkte erzielt werden

konnten.
Das Durchschnittsergebnis
der weißen Schüler lag In allen Fächern von 1970 bis 1986 relativ konstant um etwa 300 Punkte, die schwarzen Schüler schnitten mit durchschnittlich 250 Punkten etwas schlechter ab, Hispano-Amerikaner lagen etwas darüber bei 260 Punkten.
Amerika kann offen sein und dennoch seine Kinder in Mathematik und
Naturwissenschaften
unterrichten.
Ein High-School-Abgänger sollte zumindest verständlich schreiben können.

Was ist zu tun?
Unser Land braucht bessere Lehrer. Ihre Gehälter sind zwar in den
letzten
Jahren
gestiegen,
jedoch
nicht in dem Umfang, daß es gelingen
könnte, Spitzenkräfte anzuwerben.
Der Präsident des Amerikanischen
Lehrerverbandes vertritt die Auffassung, daß die altmodische Schulform
ausgedient hat. Ihm zufolge braucht
das Land individuellere Schulen, in
denen Kinder in dem Umfang unterrichtet werden, wie sie Wissen aufnehmen
können, in denen nicht nur Lehrer,
sondern auch Manager, Angehörige verschiedener Berufsgruppen, Eltern und
Studenten höherer Semester unterrichten und in denen es ein System der
Auszeichnung für gute Lehrer gibt.
Finn behauptet, die altmodische Schule könne immer noch funktionieren,
wenn wir Ansprüche und Disziplin auf
einem hohen Niveau halten.
Beide
sind im Recht: anspruchsvollere Schulen für die Begabteren, andere Schulen für die weniger Begabten.
Die
disziplinarische
Situation
läßt zu wünschen übrig. Nahezu die
Hälfte (44 Prozent) aller Lehrer erklären, Störungen durch die Schüler
hätten in den vergangenen fünf Jahren
drastisch zugenommen. In den höheren
Klassen haben sechs von zehn Schülern
bereits mit Drogen experimentiert.
Dafür werden von den Lehrern
vielfach die Eltern verantwortlich

- 3 -

�gemacht.
Als Hauptursache für die
Schwierigkeiten der Schüler in der
Schule geben sie "nach der Schule alleingelassene Kinder - in Familien
mit einem alleinerziehenden Elternteil" an. Die Lehrer haben recht:
Eltern müssen Hilfe leisten, zumal
sie einer Untersuchung zufolge zu höheren Ausgaben bereit sind, damit ihre Kinder in kleineren Klassen unterrichtet werden. Im Jahr 1985 betrug
der durchschnittliche Betrag, den Eltern im Jahr für die Ausbildung ihrer
Kinder in Privatschulen ausgaben,
4 000 Dollar. Das bedeutet eine Verdoppelung gegenüber 1965 (bei inflationsbereinigten Zahlen), während in
dieser Schulform die Klassenstärke im
gleichen Zeitraum von 25 auf unter 20
Kinder abgenommen hat.

Gouverneure mit Engagement im
Erziehungswesen sind vonnöten
Wie kann das System geändert werden? George Bush hat erklärt, daß er
der "Erziehungspräsident" sein will.
Aber die Bundesregierung ist nur für
sechs Prozent aller Aufwendungen im
Bildungswesen
verantwortlich.
Der
größte Teil der hier ausgegebenen
Dollars kommt aus den Einzelstaaten.
Amerika braucht "Erziehungsgouverneure". Viele stellen sich dieser Herausforderung.
Die
Schulausbildung
wird besser. Zumindest ist das die
Auffassung der Öffentlichkeit.
Im
Jahr 1973 bekundeten 58 Prozent aller
Befragten "sehr großes" oder "großes"
Vertrauen in unsere Schulen.
Bis
1981 war dieser Prozentsatz auf 42
Prozent gesunken. Heute beträgt er
immerhin wieder 50 Prozent. Wir sind
zwar auf halbem Weg zum Ziel, haben
aber noch einen langen Weg vor uns.

******

�AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

5. April 1989

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ERSCHÜTTERNDE KLISCHEES ÜBER DIE OBDACHLOSEN
Neue Forschungsergebnisse räumen mit überholten Mythen auf -

Der folgende Artikel wurde erstmals in der in Washington D.C. erscheinenden Zeitschrift U.S. News &amp; World Report vom 20. März 1989 veröffentlicht.
(c) U.S. News &amp; World Report, Inc. (Alle Rechte vorbehalten).

Als vor sieben Jahren obdachlose
Männer und Frauen die Seitenstraßen
der amerikanischen Städte zu bevölkern begannen, entzündete sich eine
oberflächliche
Diskussion
darüber,
wieviele Menschen eigentlich obdachlos seien und woher sie kämen. Republikaner wie Ronald Reagan bagatellisierten das Problem und behaupteten, ein "hoher" Prozentsatz der Obdachlosen seien früher in psychiatrischer Behandlung gewesen. Demokraten und liberale Aktivisten wie
Mitch Snyder aus Washington hielten
dagegen, "Millionen" von Amerikanern
seien obdachlos und mahnten, nur die
"Gnade Gottes" hielte mehr Mittelstandsfamilien aus der Gosse fern.
Da keine verläßlichen statistischen
Daten zur Verfügung standen, lähmten
diese widersprüchlichen Einschätzun-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

gen des Problems alle Versuche, den
ärmsten Bürgern des Landes zu helfen.
Heute
legen
drei
landesweite
Übersichten über die Situation der
städtischen Obdachlosen den Schluß
nahe, daß praktisch jeder der an der
Diskussion Beteiligten Unrecht hatte.
Die neuen Statistiken belegen, daß
die Mehrzahl der Obdachlosen weder
psychisch krank noch zu der Familie
nebenan gehören und daß es weniger
Obdachlose gibt, als die meisten angenommen hatten. Die Übersicht widerlegt ferner zusammen mit Daten des
amerikanischen Ministeriums für Bauwesen und Städteplanung (HUD), die
voraussichtlich noch in dieser Woche
veröffentlicht werden, eine Reihe anderer weitverbreiteter Klischees, die
zu wohlgemeinten, jedoch unwirksamen

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�Hilfsprogrammen für Obdachlose geführt haben. Nachfolgend einige Beispiele:

Klischee 1.
Obdachlose

Es gibt abermillionen

Von
Demokraten
wie
Michael
Dukakis und dem Präsidenten des Repräsentantenhauses, Jim Wright, wurden ebenso wie in unzähligen neuen
Berichten die Behauptung aufgestellt,
drei
Millionen
Amerikaner
fänden
Nacht für Nacht Unterschlupf auf
Straßen, in Hauseingängen oder Obdachlosenheimen. Falsch! Eine 1988
vom überparteilichen Urban Institute
veröffentlichte Studie, die sich zum
Teil auf Interviews mit 1 700 Obdachlosen in 20 Großstädten stützt, kommt
zu dem Schluß, daß im Jahr 1987 maximal 600 000 Amerikaner die Nacht im
Obdachlosenasyl oder auf der Straße
verbrachten.
Das heißt, unter den
Stadtbewohnern und selbst den Armen
gibt es relativ wenige Obdachlose.
Weniger als zwei Prozent der Armen
sind beispielsweise obdachlos.
Fürsprecher der Obdachlosen halten dagegen, daß schon ein Obdachloser - ganz zu schweigen von 600 000 zu viel ist. Mitch Snyder ist sogar
so weit gegangen, die "nagende Neugier" nach genaueren Zahlen als das
Werk
"westlicher
Kleinkariertheit"
abzutun.
Selbst ein Bewohner des
Elfenbeinturms kann jedoch nicht die
Augen davor verschließen, daß das Obdachlosenproblem sehr viel leichter
zu bewältigen ist, wenn es, sagen wir
einmal, fünfmal kleiner ist als vorher angekündigt. Um Martha Burt, die
Autorin der Studie des Urban Institute, zu zitieren:
"Was wir nicht
brauchen sind drei Millionen Wohneinheiten zur Unterbringung der Obdachlosen von heute - um dann noch drei
Millionen für die Obdachlosen von
morgen zu bauen."

Klischee 2. Es gibt Scharen von
weiblichen Obdachlosen
Im
vergangenen
Jahr
erklärte
George Bush, psychische Krankheit sei
die "Hauptursache" der Obdachlosigkeit. Doch sowohl die HUD-Studie als
auch ein 19 Städte umfassendes Projekt über Gesundheitsfürsorge, das
größtenteils von der Robert Wood
Johnson-Stiftung
finanziert
wurde,
belegen, daß nur ein Drittel der obdachlosen Erwachsenen psychisch krank
sind. Darüber hinaus hat die massenhafte Entlassung psychisch Kranker
aus den Kliniken wenig zum Obdachlosenproblem der achtziger Jahre beigetragen. In dem in Kürze erscheinenden Buch Address Unknown berichtet
Professor James Wright von der Tulane
University, daß sich weniger als fünf
Prozent der 83 000 an den Robert Wood
Johnson-Kliniken behandelten obdachlosen Männer und Frauen unmittelbar
vor ihrer Obdachlosigkeit in psychiatrischen Anstalten aufhielten.

Klischee 3.
wir

Sie sind Menschen wie

Ebenso
falsch
sind
emotional
griffige Argumente der Fürsprecher
von Obdachlosen und liberalen Demokraten, daß die Obdachlosen ganz gewöhnliche - nur vom Pech verfolgte Angehörige der Mittelschicht seien.
Vor nicht allzulanger Zeit formulierte es der demokratische Abgeordnete
aus New York und Vorsitzende einer
Arbeitsgruppe
des Kongresses, die
sich mit Wohnungsproblemen befaßt,
Charles
Schumer,
folgendermaßen:
"Die große Mehrheit der Obdachlosen
sind wie Du und ich; sie können sich
nur keine Wohnung leisten."
Zahlreiche Medienberichte, insbesondere
im Fernsehen, haben diese Beschönigung des Obdachlosenproblems gefördert. Um nur ein Beispiel zu nennen:
In einem NBC-Sonderbericht des vergangenen Jahres reiste Tom Brokaw ins
ländliche Iowa, um weiße Familien
aufzuspüren, bei denen beide Elternteile obdachlos sind. Brokaw informierte seine Zuschauer, die Obdachlosen seien "Menschen, die Sie kennen".

�Nicht ganz. Während die meisten
Obdachlosen nicht psychisch krank
sind und ihre Reihen von Stadt zu
Stadt erheblich variiert, haben zwei
Drittel der obdachlosen Erwachsenen
mindestens ein ernsthaftes persönliches Problem, das dazu beiträgt,
daß sie auf der Straße oder im Obdachlosenasyl landen.
Jüngste Studien belegen, daß 33 bis 38 Prozent
der Obdachlosen Alkoholiker, 13 bis
25 Prozent drogenabhängig und 21 bis
24 Prozent entweder straffällig geworden oder eine Gefängnisstrafe verbüßt haben. Abgesehen von extremer
Armut sind obdachlose Männer und
Frauen auch von ihren Familien und
den herkömmlichen amerikanischen Einrichtungen
völlig
isoliert.
Im
Durchschnit sind sie seit nahezu vier
Jahren arbeitslos.

Klischee 4. Die Gelegenheitsarbeiter sind wiederjla
Der
vielleicht
irreführendste
Eindruck von den Obdachlosen betrifft
die obdachlosen Familien - die auffälligsten Neuankömmlinge
auf den
Straßen und in den Obdachlosenheimen
des Landes. Zahlreiche Medienberichte haben diese Familien als neue Gelegenheitsarbeiter dargestellt, entlassene Amerikaner der Arbeiterklasse, die keine billigen Mietwohnungen
mehr finden können. Ein schlagendes
Beispiel dieser Art war der von der
Kritik gelobte Fernsehfilm "God Bless
the Child", in dem Mare Winningham
eine weiße, getrennt lebende Mutter
spielt, die ihren Arbeitsplatz verloren hat und dann ihre kleine Tochter
aussetzt, damit das Kind nicht in dem
schrecklichen
Obdachlosenasyl
aufwächst.
In Wahrheit sind jedoch die meisten Obdachlosen mit Kindern schwarze
oder hispanoamerikanische alleinstehende Frauen, die von der Sozialfürsorge leben und über wenig Berufserfahrung verfügen.
Insgesamt machen
Mütter mit Kindern ein Viertel der
Obdachlosen auf der Straße und im
Heim aus. Und während die neuen Stu-

dien belegen, daß sie entschieden weniger anfällig als alleinstehende obdachlose Erwachsene sind, Alkoholiker, psychisch krank oder straffällig
zu werden, sind sie traurigerweise
sehr viel eher im Obdachlosenasyl gelandet, weil sie ihr Zuhause wegen
Gewalttätigkeiten verlassen haben.

Klischee 5. Mehr Wohltätigkeit ist
die Antwort
Die neuen Studien widerlegen auch
zwei gängige Lösungen des Obdachlosenproblems.
Auf der politischen
Rechten haben Präsident Bush und andere gewarnt, daß "ein großes Erwachen" seitens der Wohltätigkeitsorganisationen und religiösen Gruppen,
den "Tausend Lichtern" erfolgen muß.
Die HUD-Obdachlosenstudie läßt jedoch
erkennen, daß der Privatsektor bereits ein phänomenales Programm auf
die Beine gestellt hat, um den Obdachlosen zu helfen. Im vergangenen
Jahr wurden rund neun von zehn Obdachlosenunterkünften von Gemeindeverbänden und Kirchen betrieben. Es
ist fraglich, wie die "Tausend Lichter" noch mehr Licht anzünden können.
Letztes Jahr stieg die Zahl der freiwilligen Helfer in Obdachlosenheimen
auf überwältigende
80 000, nahezu
viermal soviele wie noch vor fünf
Jahren.
Erwartungsgemäß hat der Privatsektor seit 1984 auch seine finanzielle Unterstützung der Obdachlosenunterkünfte erheblich aufgestockt und
im vergangenen Jahr rund eine Milliarde Dollar, beziehungsweise zwei
Drittel der Betriebskosten übernommen. Die Bundesmittel zur Bekämpfung
dieses landesweiten Problems sind jedoch bescheiden, insbesondere wenn
man sie gegen die Beiträge zahlreicher Bundesstaaten und Gemeinden aufrechnet.
In diesem Haushaltsjahr
wird New York City allein ca. 475
Millionen Dollar an direkter Hilfe
für die Obdachlosen aufwenden - also
nicht sehr viel weniger als die Regierung in allen 50 Bundesstaaten
ausgibt.

- 3 -

�Klischee^ 6.
Wohnungen

Sle brauchen nur

Viele Liberale und Fürsprecher
der Obdachlosen bekräftigen die von
Robert Hayes von der National Coalition for the Homeless vorgelegte Lösung des Obdachlosenproblems: "Wohnungen, Wohnungen und nochmals Wohnungen." Die jüngsten Studien legen
jedoch den Schluß nahe, daß rund die
Hälfte der städtischen Obdachlosen
mehr als einmal obdachlos gewesen
sind, was darauf hindeutet, daß ein
Dach über dem Kopf eines Alkoholikers, eines psychisch Kranken oder
eines Drogenabhängigen ihn nicht für
immer von der Straße fernhält. Unglücklicherweise sind die meisten Obdachlosenunterkünfte zu sehr mit der
kurzfristigen Befriedigung elementarer Bedürfnisse wie der Bereitstellung warmer Mahlzeiten und Schlafstellen in Anspruch genommen, als daß
sie angemessene Rehabilitationsmaßnahmen anbieten könnten.
Die HUDStudie liefert den Beweis, daß weniger als ein Drittel der Obdachlosenheime des Landes eine Behandlung für
Suchtkranke oder psychisch Kranke zur
Verfügung stellen und ebensowenige
Kinderbetreuung oder Gesundheitsfürsorge anbieten.

Eine Schlußfolgerung der neuen
Studien lautet, daß die Obdachlosen
sehr viel eher auf ihre Bedürfnisse
zugeschnittene Dienstleistungen und
Wohnungen als Ubergangslösung benötigen als neue Sozialwohnungen.
Die
meisten Obdachlosen bedürfen einer
Behandlung in einer psychiatrischen
Klinik der Gemeinde, der Einweisung
in ein Rehabilitationszentrum für Alkoholkranke, Anleitung bei der Kindererziehung, Unterstützung zur Erlangung einer Behindertenrente oder
nur ein Bett in einer sicheren und
sauberen kleinen Pension. Sobald die
Öffentlichkeit die Tatsache akzeptiert hat, daß die Mehrzahl der obdachlosen Erwachsenen anhaltende persönliche Probleme hat, besteht natürlich die Gefahr, daß sie als Arme abgetan werden, die kein Mitgefühl verdienen. Hayes zufolge sind die Obdachlosen jedoch "keine andere Spezies Mensch". Und selbst wenn einige
Amerikaner sie als unwürdig erachten,
gibt es keine Anzeichen dafür, daß
sich die Reihen der Obdachlosen lichten. Das Problem ist nicht, ob die
Obdachlosen weiterhin Hilfszahlungen
in Milliardenhöhe für Notunterkünfte
und Mahlzeiten verdienen, sondern ob
diese Milliarden in den kommenden
Jahren besser angelegt werden.

* * * * * *

�:£D S &gt;

AMERIKA DIENST
Wissenschaft und Technik
5. April 1989

14

FOTOS AUS DEM ALL ZEIGEN VERÄNDERUNGEN DER ERDOBERFLÄCHE
- NASA-Dokumente von Raumtransporterflügen -

WASHINGTON - (AD) - "Fast jede heute existierende Landkarte gibt ein völlig falsches Bild vom Tschad-See in Zentralafrika. Den neuen Aufnahmen aus
dem Weltraum zufolge ist nur noch ein kläglicher Rest von ihm vorhanden", sagt
Dr. Charles Wood, der Leiter der Abteilung Erdbeobachtung für bemannte Raumflüge des US-Amtes für Luft- und Raumfahrt (NASA). Der Tschad-See wird auf
den meisten Karten in seiner früheren GLänge von 200 km dargestellt, seine
Oberfläche ist jedoch in den 23 Jahren, seitdem GEMINI-Astronauten mit briltlianten Aufnahmen aus dem Weltraum die überflogenen Gebiete unserer Erde In
neuer Perspektive zugänglich machten, um fast 95 Prozent geschrumpft.

Tausende solcher Fotografien geben Wissenschaftlern in aller Welt
die Möglichkeit, die "Geschichte" bestimmter Landschaften über die vergangenen paar Jahrzehnte zu verfolgen. Der Tschad-See und der NasserSee (am Assuan-Staudamm in Ägypten)
eignen sich schon deshalb gut als Fotoobjekte, weil diese Regionen selten
durch Wolken verdeckt sind. In Südostasien ist das ganz anders. "Dort
ist häufig wegen der Wolken kaum etwas zu erkennen", meint Dr. Woods.
In Südamerika wiederum, insbesondere
über dem Amazonasbecken, sind es "von
Menschen erzeugte Wolken", die von
den Rodungsfeuern zu bestimmten Zeiten des Jahres herrühren.
Woods verweist ausdrücklich darauf, daß das Fotografieren im Welt-

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Embassy of the United States of America

raum und die Auswertung dieser Aufnahmen keinesfalls mit Spionage in
Zusammenhang zu bringen sei und die
Bilder jedermann zum Selbstkosten^
preis für Reproduktionen zur Verfügung stünden.
Für einen bemannten
Raumflug wählt seine Abteilung be~
stimmte Gebiete aus, von denen Wissenschaftler - Geologen, Meteorologen, Biologen, Meereskundler und Ökologen - mehr Daten für ihre Arbeit
benötigen. Zwar erhielten die Astronauten während ihrer Mission täglich
aktualisierte Meldungen zu möglichen
Fotoobjekten und jeweiligen Wetterbedingungen, jedoch komme es auf ihre
Beobachtungsgabe und das Erfassen unerwarteter Ereignisse an, damit ein
Raumfahrtunternehmen
so
profitabel
wie möglich wird.
Im Durchschnitt
bringen sie 2000 Fotos von einem Flug

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�mit. Nach wie vor werden HasselbladKameras der gleichen Bauart wie in
den sechziger Jahren verwendet, die
mit 70 mm- und 250 mm-Objekten ausgestattet sind. Gewöhnliche EktrachromFilme liefern hochwertige Bilder.
Bei Vergleichen mit früheren Fotos zeigte sich, daß der im Jahr 1966
ca. 26 500 Quadratkilometer große
Tschad-See bis zum Juli 1985 auf 2400
qkm geschrumpft und inzwischen noch
kleiner geworden ist. Der im Jahr
1984 mit 500 km Länge als der größte
Stausee der Welt bezeichnete NasserSee war 1981 auf die nahezu größte
Ausdehnung angestaut. Aber schon die
Trockenheit im darauffolgenden Jahr
ließ vom Weltraum aus ein merkliches
Absinken des Wasserspiegels erkennen.
Aufnahmen aus dem Raumtransporter
DISCOVERY von September 1988 zeigten,
daß er zu diesem Zeitpunkt den niedrigsten Wasserstand seit den sechziger Jahren hatte. Deutlich sind auf
den Fotos die Schlickablagerungen an
den immer tiefer freiwerdenden Ufergebieten zu erkennen.

* * * * * *

�AMERIKA DIENST
'VON

4

Wissenschaft und Technik
5. April 1989

14

PRIVATFIRMA STARTET ERSTE KOMMERZIELLE RAKETE

WASHINGTON - (AD) - Ein kleines amerikanisches Privatunternehmen, Space
Services Inc., startete am 29. März 1989 seine erste Rakete. Die 22 m lange
STARFIRE erreichte eine Höhe von 317 km; die Nutzlastkapsel landete am Fallschirm 80 km vom Startplatz White Sands in Neu Mexiko entfernt. Die US--Armee
hatte Startanlagen zur Verfügung gestellt. In der Kapsel befanden sich sechs
Experimente von Wissenschaftlern der Universität Alabama, die sich mit Werkstoffentwicklung befassen und die Auswirkungen der sieben Minuten dauernden
Schwerelosigkeit auf ihre Materialproben untersuchen wollen. Die Universität
zahlte Space Services Inc. eine Million Dollar für den Start aus einem von der
US-Behörde für Luft- und Raumfahrt (NASA) finanzierten Fonds.

Space Services Inc. baute die Rakete mit Elementen "aus dem Magazin",
wie der Präsident des Unternehmens,
der
ehemalige
Astronaut
Donald
Slayton, sagte.
Das Triebwerk für
den suborbitalen Flug kam von der
Firma Morton Thiokol, dem gleichen
Unternehmen, das die Feststoffraketen
für den Raumtransporter liefert. Die
Genehmigung für den Start mußte vom
amerikanischen
Verkehrsministerium
erteilt werden. Dieses ist zuständig
für die entsprechenden Vorschriften
zum Abschuß kommerzieller Raketen und
Raumfahrtunternehmen der Privatindustrie. Seine Abteilung für "Kommerzielle Raumfahrt" bewertet und prüft
die Sicherheit der Mission, gibt
Startgenehmigungen und setzt den Rahmen für die Versicherungshöhe.

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Embassy of the United States of America

Diese neue Rolle des Verkehrsministeriums ist Teil eines Planes der
amerikanischen Regierung, die Privatindustrie zu Raumfahrtunternehmen zu
motivieren.
Er sieht unter anderm
vor, daß Bundesbehörden kommerzielle
Dienstleistungen auf dem Sektor Raumfahrtaktivitäten in Anspruch nehmen.
Die Privatunternehmen ihrerseits benutzen regierungseigene Startanlagen
und entschädigen den Staat für die
entstehenden
Kosten.
Nutzlasten
konnten bisher nur an Bord des Raumtransporters der NASA oder regierungseigener unbemannter Raketen In
den Weltraum transportiert werden.
Space Services Inc. machte bereits im September 1982 mit dem Start
des ersten von privater Seite finanzierten Raumfahrtgeräts Geschichtet

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�Die Versuchsrakete CONESTOGA wurde
mit Wasserballast von einer Insel vor
der Küste von Texas gestartet und kam
im Golf von Mexiko zur Erde zurück.
Inzwischen haben einige große Firmen
der amerikanischen Luft- und Raumfahrtindustrie Projekte für den Bau
privater Trägergeräte in Angriff genommen. In den nächsten paar Jahren
dürften nach und nach 20 wichtige Satelliten gestartet werden können, für
die Kontrakte im Gesamtwert von über
einer Milliarde Dollar abgeschlossen
werden. Die Firmen McDonnell Douglas
Astronautics, Martin Marietta und General Dynamics haben mit den Regierungen von Indien, Großbritannien,
Japan und der USA bereits Vereinbarungen über den Start von Nachrichtensatelliten getroffen.
•

.:

••

* * * * * *

•

.

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Bush: NATO Bewahrer von Frieden und Freiheit&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung zum 40jährigen Jubiläum &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;der NATO&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Brady fordert rasches Handeln zur Verschuldung der Dritten Welt&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede vor dem Interim-Aupschuß des IWF&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Gefahren der Weiterverbreitung von Kernwaffen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von CIA-Direktor Webster in Los Angeles&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Lehman bringt großen Erfahrungsschatz mit zu ACDA&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Porträt des designierten ACDA-Direktors&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ist das Bildungswesen so schlecht wie eh und je ?&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Ben J. Wattenberg &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Erschütternde Klischees über die Obdachlosen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Neue Forschungsergebnisse räumen mit überholten Mythen auf&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Fotos aus dem All zeigen Veränderungen der Erdoberfläche&lt;br /&gt;&lt;em&gt;NASA-Dokumente von &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Raumtransporterflügen&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Privatfirma startet erste kommerzielle Rakete</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST
'VON

*

"

29. März 1989

13

INHALT

DOKUMENTATION
Rldgway;

Europäischer Binnenmarkt "benutzerfreundlich'

- Rede in Minneapolis -

Maresca:

Fortschritte in der ersten VSBM-Runde

-- Pressekonferenz mit dem Leiter der amerikanischen Delegation -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
\

Entscheidende Phase im Kampf gegen Rauschgift
- Präsident Bush und Anti-Drogen-Beauftragter Bennett fordern
Sofortmaßnahmen -

* * * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

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D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�AMERIKA DIENST
Dokumentation
29. März 1989

13

RIDGWAY:

EUROPÄISCHER BINNENMARKT "BENUTZERFREUNDLICH"
- Rede in Minneapolls -

MINNEAPOLIS - (AD) - Die Leiterin der Abteilung für europäische und kanadische Angelegenheiten im amerikanischen Außenministerium, Rozanne L. Ridgway,
hat am 21. März 1989 in einer Rede vor dem Komitee für auswärtige Beziehungen,
einer privaten außenpolitischen Vereinigung, in Minneapolis erklärt, es gebe
"keinen Widerspruch zwischen der Verteidigung amerikanischer Interessen" und
der Unterstützung einer verstärkten wirtschaftlichen Integration Europas. Die
Abteilungsleiterin äußerte in diesem Zusammenhang, die europäische Integration
könne "grundsätzlich und in hohem Maße benutzerfreundlich im transatlantischem
Sinne sein".
Nachfolgend veröffentlichen wir Ridgways Rede im Wortlaut:

Meine Botschaft lautet, daß kein
Widerspruch zwischen der Verteidigung
amerikanischer Interessen in den Beziehungen mit Europa, wie sie sich
seit 40 Jahren darstellen, und der
Unterstützung einer verstärkten wirtschaftlichen Integration Europas besteht.
Die europäische Integration
kann grundsätzlich und in hohem Maße
benutzerfreundlich
im
transatlantischen Sinne sein. Und in den Bereichen, in denen sie potentiell negative Folgen für die Vereinigten
Staaten hat, ist es an uns, wachsam
zu sein und ihnen energisch entgegenzuwirken.

glauben nämlich, daß damit Konflikte
vermieden werden und ein Partner entsteht - für die westliche Verteidigung, die Außenpolitik des Westens
und die westlichen Werte freier Gesellschaften und offener Märkte.

Über die wirtschaftliche Integration hinaus besteht eine weitergehende europäische Einigkeit, die von uns
seit 40 Jahren befürwortet wird. Wir

- Die Organisation für Europäische
Wirtschaftliche
Zusammenarbeit
(OEEC) wurde im Jahr 1948 gegründet, um die von den Vereinigten

United States Information Service
Embassy of the United States of America

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Das Jahr 1992 ist ein wichtiger
nächster Schritt einer Entwicklung,
die sich in Schüben seit dem Krieg
mit Unterstützung
der Vereinigten
Staaten vollzogen hat.
Nach dem
Zweiten Weltkrieg haben die führenden
Politiker Europas zunächst durch verschiedene Ansätze nach Einheit gestrebt:

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Staaten im Rahmen des MarshallPlanes zur Verfügung gestellte
Hilfe am effizientesten zu nutzen
und zu vermeiden, daß die verschiedenen Länder in der Wirtschaftspolitik unabsichtlich gegeneinander arbeiteten. Die OEEC
entwickelte sich zu einem auch
die überseeischen Industrieländer
einbeziehenden
Koordinierungsmechanismus für die Industriestaaten, die heutige OECD.
- Im Jahr 1949 entstand der Europarat, um weitergehende Ziele der
Garantierung demokratischer Prinzipien und der Menschenrechte zu
verfolgen. Mit 22 Mitgliedstaaten ist der Rat heute ein aktives
Forum der Diskussion über Politik
und Wirtschaft.
- Ein Versuch der Gründung einer
europäischen
Verteidigungsunion
scheiterte an Einwänden des französischen Parlaments.

Die Evolution der Europäischen
Gemeinschaften
Der wahre Träger der europäischen
Einheit sind jedoch von jeher die Europäischen
Gemeinschaften
gewesen.
Wie schon von diesem Plural angedeutet, beruhten diese auf einer Reihe
von Verträgen, sie wurden Schicht um
Schicht aufgebaut.
Die Europäische Gemeinschaft für
Kohle und Stahl (Montanunion) wurde
im Jahr 1951 ins Leben gerufen, um
die primären Kriegsindustrien in gemeinsamen Institutionen zu vereinigen. Die Theorie forderte Integration durch zentrale Regulierung. Der
Geniestreich der Montanunion bestand
in ihrer einzigartigen institutionellen Struktur, die den Kern einer weitergehenden Integration in sich barg:
- Einen Rat, in dem alle Mitgliedstaaten mit Sitz und Stimme vertreten waren.
- Eine Kommission als unabhängiges
Exekutivorgan.

- Ein Parlament als demokratisches
Beratungsgremium.
- Einen Gerichtshof
um eine bindende Interpretation des Gründungsvertrags zu gewährleisten.
Die Montanunion selbst ist heute
ein Überbleibsel innerhalb der enormen EG-Struktur, aber ihr institutionelles Grundmuster ist in allen europäischen Gemeinschaften erhalten geblieben.
Die Montanunion funktionierte, weil sie praxisorientiert,
mit klaren Zielen und Machtbefugnissen ausgestattet war, eben kein großartiger Vereinigungsplan, der nur beratende Funktion hatte.
Mit den Römischen Verträgen wurde
parallel zur Montanunion im Jahr 1957
die
Europäische
Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) geschaffen. Die ihr zugrundeliegende Theorie war jedoch
neu:
Wirtschaftliche
Integration
durch einen gemeinsamen Markt anstatt
durch zentrale Regulierung und die
Hoffnung, daß die wirtschaftliche Integration mit der Zeit auch zur politischen Integration führen werde.
Im Jahr 1967 wurden die Europäische
Wirtschaftsgemeinschaft,
die
Montanunion und Euratom in nach dem
Muster der Montanunion gebildeten gemeinsamen Institutionen zusammengefaßt, die Europäische Gemeinschaft
war entstanden. Von Anbeginn gestattete die Europäische Gemeinschaft politische Zusammenarbeit, aber diese
kam nicht zustande. De Gaulle blokkierte jede Sitzung des Rats für Aussenpolitik.
Selbst nach De Gaulle
zögerten die Mitgliedstaaten weiterhin, der politischen Rolle den gleichen Rang einzuräumen wie der wirtschaftlichen. Die Europäische Politische Zusammenarbeit (EPZ) begann ad
hoc im Jahr 1970 und entwickelte sich
langsam in den folgenden Jahren. Im
Jahr 1987 wurde sie schließlich Institutionalisiert.
Die EPZ ist in erster Linie ein
Konsultationsprozeß zwischen den Mitgliedstaaten, wobei die Rolle von

�Kommission und Parlament immer noch
nicht eindeutig festgelegt ist. Die
Bedeutung der EPZ nimmt trotzdem
ständig zu. Die jüngsten Maßnahmen
der Europäischen Gemeinschaft gegen
den Iran nach der Todesdrohung gegen
Rushdie sind ein Zeichen ihrer Fähigkeit zu schnellem, konkretem und effektivem Handeln.

Der Binnenmarkt
Der Plan zur Schaffung eines einheitlichen Markts im Jahr 1992 wurde
ins Leben gerufen, um den im Jahr
1957 erklärten Zielen neuen Auftrieb
zu verleihen. Ein neuer Ausdruck des
politischen Willens war nötig geworden, um die Entschlußlosigkeit der
siebziger und frühen achtziger Jahre
zu überwinden. Lord Cockfields Weißbuch aus dem Jahr 1985 erbrachte wenig substantiell Neues, aber es faßte
viele nüchterne Einzelheiten zur Vision eines vollständig integrierten
Markts mit einem festen zeitlichen
Rahmen zusammen.

Die Einheitliche Europäische Akte
Die Einheitliche Europäische Akte
von 1986 markiert das Widererstarken
der Europäischen Geraeinschaft.
Sie
vereinigte zahlreiche Einzelelemente
mit zweckmäßigen neuen Mechanismen:
Die Reform des Entscheidungsfindungsprozesses in der Europäischen Gemeinschaft, die politische Zusammenarbeit
und das Programm für 1992.
- Heute
werden
mehr
Beschlüsse
durch
Mehrheitsentscheid
als
durch Konsens gefaßt.
- Das Europäische
Parlament hat
mehr Macht in bezug auf die EGGesetzgebung und außenpolitische
Vereinbarungen.
Die Europäische Gemeinschaft und die
Vereinigten Staaten
Wir sind mit dem Verhältnis zwi-

schen der Europäischen Gemeinschaft
und den Vereinigten Staaten insgesamt
zufrieden und fühlen uns durch die
Beschleunigung der europäischen Integration und deren allgemeine Richtung
ermutigt. Gibt es Probleme? Selbstverständlich. Wir sehen jedoch eine
enorme Chance zur Zusammenarbeit in
einer reifen Partnerschaft angesichts
drängender weltweiter Probleme. Unsere
gemeinsamen
politischen
und
wirtschaftlichen Grundwerte sollten
gewährleisten, daß die Maßnahmen der
Vereinigten Staaten und Westeuropas
einander ergänzen und nicht einander
entgegenwirken - vielleicht nicht immer, aber meistens und bei den wichtigsten Fragen. Gleichzeitig werden
wir uns energisch für die Verteidigung
berechtigter
wirtschaftlicher
Interessen der Vereinigten Staaten
einsetzen und sicherstellen, daß die
transatlantischen Beziehungen nicht
durch kurzsichtige Maßnahmen beeinträchtigt werden.
Es wird immer Reibungen im Handel
zwischen
Europäischer
Gemeinschaft
und Vereinigten Staaten geben. Probleme wie der Hormonstreit sind in
einem solch komplexen Verhältnis wie
dem unseren unumgänglich.
Es hat
eine Folge amerikanisch-europäischer
Streitfälle im Handel gegeben, die
wir erfolgreich gelöst haben. Sicherlich gibt es ernste Probleme, und
bei deren Lösung dürfen amerikanische
Wirtschaftsinteressen nicht geopfert
werden. Sie sollten jedoch nicht den
Blick auf unser grundsätzlich kooperatives Verhältnis verstellen.
Bisweilen ist es nützlich, das
Offenkundige ins Gedächtnis zurückzurufen - Europa ist für die Vereinigten Staaten wichtig. Die Europäische
Gemeinschaft erwirtschaftet jährlich
ein Bruttosozialprodukt von 2,5 Billionen Dollar. Unser Handel beläuft
sich jährlich auf 160 Milliarden Dollar und die transatlantischen Investitionen auf beiden Seiten erreichen
nahezu 300 Milliarden Dollar.
Ein
Viertel aller amerikanischen Exporte
geht in die 12 Mitgliedstaaten der
Europäischen Gemeinschaft.

- 3 -

�Wenn man von diesen schwindelerregenden Zahlen einmal absieht, bildet die atlantische
Partnerschaft
eine Grundlage
der amerikanischen
Außenpolit k,
da
die
Vereinigten
Staaten und Westeuropa marktwirtschaftlich
orientierte
Demokratien
mit dem Ziel einer friedlichen Welt
sind, in der politische Freiheit und
wirtschaftlicher Wohlstand herrschen.
Der Erfolg der NATO und die intensivierte
Partnerschaft
zwischen den
Vereinigten Staaten und der Europäischen Gemeinschaft sind ein Beweis
für die anhaltenden Gemeinsamkeiten
zwischen Amerika und Europa.

Wir akzeptieren die Zusicherung
der Gemeinschaft, ihre offene Partnerschaft mit der Welt fortführen zu
wollen. Aber wir sehen eine Gefahr,
daß sich Protektionismus in Gesetzgebung und Vorschriften einschleichen
könnte. Es wird die Versuchung bestehen, im Rahmen des Gesamtplans
enggefaßten Einzelinteressen nachzugeben, vielleicht auch, um dem Programm als Ganzem die Unterstützung zu
sichern. Weiterer Druck wird entstehen, um besondere Regionen zu schützen, die fürchten, vom neuen Europäischen Binnenmarkt überrollt zu werden.

Die Ereignisse in Europa sind in
unserem Sinne - wir würden in derselben Situation genauso handeln.
In
dem Europa, wie es die Europäische
Gemeinschaft hervorbringen will, können Waren aller Ursprungsländer so
frei zwischen Italien und der Bundesrepublik Deutschland gehandelt werden
wie zwischen Kalifornien und Oregon;
ein
belgischer
Versicherungsnehmer
kann zwischen Policen britischer und
französischer Versicherungen oder anderer Gesellschaften wählen; ein holländischer Architekt
kann genauso
leicht ein Büro in Paris und Athen
eröffnen wie in Amsterdam.

Wir haben bei einigen bereits im
Zusammenhang mit dem Binnenmarkt unterbreiteten Vorschlägen echte Bedenken.
Bestimmungen mit einer hohen
lokalen Zustimmungsrate, die sich zum
Beispiel gegen
unfaire asiatische
Handelspraktiken wenden, zwingen europäische
Hersteller,
europäische
statt amerikanischer Teile zu erwerben. Das ist eine unannehmbare Begleiterscheinung die mit der Gemeinschaft noch erörtert werden muß.

Tatsächlich bestehen Parallelen
zwischen dem Binnenmarkt, wie ihn die
Vereinigten Staaten unter ihren Einzelstaaten haben und dem Binnenmarkt,
den
die
Europäische
Gemeinschaft
schaffen wird.
Ihr Wirtschaftsprogranrai zielt darauf ab, Handelsschranken und die Last der Vorschriften abzubauen und die Mobilität von Arbeitskräften und Ressourcen zu verbessern.
Die Vereinigten
Staaten haben
aufgrund ihrer engen wirtschaftlichen
Verbindungen mit der Europäischen Gemeinschaft und aufgrund der wichtigen
Rolle der Gemeinschaft in der Welt
ein reales Interesse an den in Europa
getroffenen Entscheidungen. Aus diesem Grunde beobachten wir die Verwirklichung des Binnenmarktes sehr
genau.

Bei den Vorschlägen der Europäischen Gemeinschaft bezüglich der Gegenseitigkeit bei den Dienstleistungen beobachten wir die Fortführung
eines Ansatzes, der uns in der Vergangenheit
Probleme
bereitet hat.
Die Europäische Gemeinschaft versucht
ihre einseitige Liberalisierung auszunutzen, um sich Vorteile zu verschaffen. Die vielfach in der Europäischen Gemeinschaft vorgeschlagene
Gegenseitigkeit ist mit den traditionellen Prinzipien für Investitionen
unvereinbar.
Amerikanische
Märkte
stehen europäischen Investoren offen,
und wir erwarten das Gleiche von Europa. Wir werden nicht für Reformen
bezahlen, die im eigenen Interesse
der Europäischen Gemeinschaft unternommen wurden. Wir wollen eine "nationale Behandlung".
Der
Europäischen
Gemeinschaft
scheinen generell zwei Möglichkeiten
zur Verfügung zu stehen, und zum besseren Verständnis wollen wir die eine

�das Faß ohne Boden der Subventionierung und die andere eine Steuerreform
nach dem Vorbild der Vereinigten
Staaten nennen.
Die Möglichkeit der Subventionierung läßt sich mit dem Agrarprogramm
der Gemeinschaft vergleichen, einem
System, in dem jeder den Schutz oder
die Subventionierung von Eigeninteressen akzeptiert. Wenn diese Methode
bei der Gesetzgebung und den Vorschriften des Binnenmarktes - der zumeist vom Agrarhandel unabhängig ist
- greift, sähen wir uns echten Problemen gegenüber.
Aber meiner Ansicht nach wird die
Europäische Gemeinschaft diesen Weg
nicht verfolgen. Ich denke vielmehr,
daß der Binnenmarkt dem Modell der
Steuerreform folgen wird, in dem kaum
Eigeninteressen zulässig sind, weil
andernfalls das Programm zum Scheitern verurteilt wäre.
Länder mit
wettbewerbsfähigen Industrien können
nicht zulassen, daß ein geschlossener
europäischer Markt kranke Unternehmen
anderer Länder schützt.
Wir vertrauen darauf, daß die
Probleme vermieden werden können, und
wir planen die Weiterführung unserer
häufigen und eingehenden Diskussionen
mit der Europäischen Gemeinschaft, um
sicherzustellen, daß unsere allgemeinen und besonderen Anliegen zum Binnenmarkt berücksichtigt werden.

Perspektiven der wirtschaftlichen
Integration
Ich möchte mich jetzt den allgemeineren Aspekten der europäischen
Einheit zuwenden.
Einer jüngst in
Europa durchgeführten und in der
Presse veröffentlichten Umfrage zufolge vertraten nur etwa die Hälfte
der befragten Europäer die Ansicht,
daß die Vereinigten Staaten eine
stärkere europäische Einheit unterstützen, ein Viertel war der Ansicht,
wir seien dagegen und ein weiteres
Viertel hatte keine Meinung.
Wenn
diese Umfrage repräsentativ ist, ist

unsere Botschaft nicht hinreichend
vermittelt worden.
Die Vereinigten
Staaten haben ein geeintes Europa
länger und enthusiastischer unterstützt als mancher Europäer.
Wir betrachten die Entwicklung
der Europäischen Gemeinschaft als
eine der positivsten Entwicklungen in
der Geschichte der Nachkriegszeit.
Die von uns geäußerte Besorgnis zu
einzelnen politischen Fragen, wie die
Auswirkung der europäischen Agrarzuschüsse, tut unserer Auffassung keinen Abbruch, daß die Entwicklung der
Europäischen Gemeinschaft der Welt
zum Vorteil gereicht.
Der Plan zur Schaffung des Europäischen Binnenmarkts hat große Aufmerksamkeit erregt, aber er ist nur
eins von mehreren miteinander verknüpften Entwicklungen im Rahmen der
europäischen Einheit.
Die mit der
Einheitlichen Europäischen Akte von
1986 bewirkten Veränderungen bei den
Institutionen der Gemeinschaft, die
zunehmende Aktivierung des Mechanismus politischer Zusammenarbeit in Europa und die Belebung der Westeuropäischen Union (WEU) sind wichtige Entwicklungen.
Die Einheitliche Europäische Akte
von 1986 reformiert die Entscheidungsfindung in den Institutionen der
Europäischen Gemeinschaft und legitimiert die außenpolitische Zusammenarbeit in Europa. Aufgrund der Akte
werden Entscheidungen
der Gemeinschaft schneller getroffen und die
Fähigkeit der Europäischen Gemeinschaft
zum entschlossenen Handeln
verbessert. Darüber hinaus ist der
Einfluß des Europäischen Parlaments
auf die Entscheidungsprozesse verbessert worden. Die Einheitliche Europäische Akte verpflichtet die Mitgliedsstaaten darauf, ihre Politik
nach Möglichkeit
zu koordinieren.
Darüber hinaus legt sie fest, daß die
Mitgliedsstaaten ihre Positionen enger an politischen und wirtschaftlichen Aspekten der Sicherheit orientieren muß.

- 5 -

�Mir scheint, daß die miteinander
verknüpften Entwicklungen der europäischen wirtschaftlichen Integration
und die politische Zusammenarbeit in
Europa für die amerikanische Außenpolitik zwei offensichtliche Probleme
aufwerfen: Wie wird sich der Binnenmarkt mit den wirtschaftlichen Interessen der Vereinigten Staaten vereinbaren lassen? Und wird die europäische Zusammenarbeit in der Außenpolitik zu einer besser abgestimmten
oder
divergierenderen
europäischen
und amerikanischen Politik führen?
Die Antwort auf die erste Frage
lautet, daß die Vereinigten Staaten
von einer starken europäischen Wirtschaft profitieren. Solange der Europäische Binnenmarkt offen ist, sind
Maßnahmen zum Ausbau der europäischen
Wirtschaft gut für die Vereinigten
Staaten.
Eine gesunde europäische
Wirtschaft bedeutet einen größeren
Markt für amerikanische Waren, Verbündete, die zahlungskräftiger für
die Verteidigung des Westens sind und
auf der ganzen Welt höheren wirtschaftlichen Wohlstand. Wir fürchten
keinen rigorosen Wettbewerb in der
Wirtschaft - wir begrüßen ihn, solange er fair ist. Ein sekundärer, aber
sehr wichtiger Nebeneffekt ist die
Tatsache, daß ein europäisches Beispiel des Vorteils freierer Märkte
zusätzlichen Vorbildcharakter für andere Länder erlangen könnte, insbesondere für diejenigen im anderen
Teil Europas, die im Hinblick auf ihre Wirtschaft Grundsatzentscheidungen
treffen müssen.
Die Ansichten der Länder Westeuropas zu Fragen der Außenpolitik
stimmen mit unserer Meinung überein.
Einzelne EG-Länder, die meinungsmäßig
eine Minderheit darstellen, können
wahrscheinlich von der Mehrheit zu
einer gemäßigteren Haltung bewogen
werden. Angesichts unserer gemeinsamen Auffassung über Grundwerte mache
ich mir keine Sorgen darüber, daß die
Europäische Gemeinschaft aus unserem
traditionell kooperativen Verhältnis
ausbricht. Angesichts der Tatsache,
daß die Europäische Gemeinschaft als

Vertreter einer gemeinsamen Meinung
mehr Einfluß hat als jeder Staat einzeln, wird die europäische Kooperation wahrscheinlich auch zu einer
verbesserten Einflußnahme des Westens
auf die Welt führen - eine Entwicklung die wir sehr begrüßen würden.

Die Europäische Gemeinschaft und die
NATO
Das verbleibende Problem betrifft
das Beziehungsgeflecht zwischen der
politischen Koordinierung der Europäischen Gemeinschaft und der NATO.
Die NATO ist eine effektive und unerläßliche Institution. Sie bietet den
Stützpfeiler der Sicherheit des Westens und ist heute stärker und enger
verbündet als jemals zuvor. Ferner
sind alle außer einem der 12 EG-Länder Mitglied der NATO, aber dies ist
kein Grund für eine Verwischung politischer Anliegen
zwischen Europäischer Gemeinschaft und NATO - wir
und auch die Europäer erkennen dies.
Die Einheitliche
Europäische Akte
weist ausdrücklich darauf hin, daß
kein Punkt in den EG-Vereinbarungen
eine engere Zusammenarbeit im Bereich
der Sicherheitspolitik innerhalb des
Atlantischen
Bündnisses
behindern
wird.
Die
amerikanisch-europäische
Freundschaft soll nicht nur ein positives Gefühl schaffen. Unsere Aufgaben in der Weltwirtschaft und unsere
Ressourcen weisen uns eine große gemeinsame Verantwortung bei der Behandlung weltpolitischer Probleme zu:
Menschenrechte,
die
Schulden
der
Dritten Welt und deren Entwicklung,
die weltweite Umweltproblematik und
politische Entwicklungen in der Sowjetunion und
Osteuropa.
Augrund
dessen müssen wir weiterhin unsere
bilateralen
Spannungen
im
Handel
überwinden
und
kurzsichtige
oder
fehlgeleitete
politische
Maßnahmen
vermeiden.
Dazu wird harte Arbeit
und ein intensiver Dialog zwischen
den Vereinigten Staten und Europa erforderlich sein.

�Reife
Ich möchte zum Schluß noch eine
besondere Eigenschaft des amerikanisch-europäischen Verhältnisses hervorheben - die "Reife". Kritiker der
amerikanischen
Außenpolitik
haben
darauf verwiesen, die Vereinigten
Staaten weigerten sich, ihre Verbündeten der Nachkriegszeit wie Partner
und nicht wie Grünschnäbel zu behandeln. Meiner Ansicht nach entbehrt
diese Kritik jeder Grundlage.
- Sie ingnoriert insbesondere die
anhaltende Absicht der amerikanischen Nachkriegspolitik - starke und reife Partner zu schaffen,
die den Herausforderungen aus dem
Osten besser begegnen können.

Wir können unseren Spitzenpolitikern zu beiden Seiten des Atlantiks
dankbar sein, daß sie den Mut hatten,
eine weitsichtige und zukunftsträchtige Politik zu wählen, von der wir
nunmehr profitieren. Wenn wir ihrem
Beispiel folgen, werden politische
Entscheidungsträger in Zukunft auf
eine starke amerikanisch-europäische
Partnerschaft aufbauen können.
Wir
müssen sowohl in Europa wie auch in
den Vereinigten Staaten klarstellen,
daß zwischen der Verteidigung unserer
Interessen und der Unterstützung eines europäischen Binnenmarktes heute
und dem Ziel der europäischen Einheit
morgen kein Widerspruch besteht.

- Sie verwechselt Führungskraft mit
Dominanz.
- Eine reife Partnerschaft mit Europa bedeutet nicht, daß die Vereinigten Staaten bei der Förderung ihrer eigenen Interessen Zurückhaltung walten lassen sollten. Das werden wir auch nicht
tun.

- 7 -

�^£°f*hs ^ «&gt;*

AMERIKA DIENST
Dokumentation
29. März 1989

13
MARESCA:

FORTSCHRITTE IN DER ERSTEN VSBM-RUNDE

- Pressekonferenz mit dem Leiter der amerikanischen Delegation WIEN - (AD) - Der Leiter der amerikanischen Delegation bei der Konferenz
über Vertrauens- und Sicherheitsbildende Maßnahmen, Botschafter John Maresca,
erklärte in einer Pressekonferenz am 22. März 1989, es gebe "zahlreiche Gemeinsamkeiten" bei den Vorschlägen des Westens und des Ostblocks in der ersten
Verhandlungsrunde, die an diesem Tage zuende ging.
Maresca erklärte, einige Delegationen des Ostblocks hätten "recht positive
Reaktionen" auf die westliche Forderung nach einem offiziellen Seminar gezeigt, "im Rahmen dessen offizielle Vertreter militärischer Institutionen in
den Teilnehmerstaaten in der Lage sein werden, sich gegenseitig zu befragen,
ihre Anliegen zur Sprache zu bringen, ihre Sicherheitspolitik zu beschreiben"
und ihr Einsatzkonzept für Europa zur Diskussion zu stellen.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Pressekonferenz im Wortlaut:

Wie Sie wissen, werden die Verhandlungen jetzt unterbrochen.
Wir
werden nach Washington zurückkehren,
um die uns unterbreiteten Vorschläge
und ihre Kompatibilität mit unseren
Vorschlägen zu prüfen.
Wir werden
wie immer eine Bilanz unserer Vorschläge ziehen, um festzustellen, ob
Anpassungen erforderlich sind und zu
Beginn der nächsten Runde mit einigen
neuen Denkanzsätzen aufwarten.
Ich
denke, daß wir uns zu Beginn der
nächsten Runde vor allem auf die
Bildung von Arbeitsgruppen konzentrieren werden, um ernsthaftere Diskussion über substantiell.' Einzelheiten führen zu können. In diesem Zusammenhang wird uns bald eine inhaltlich ausgearbeitete Version eines jeden unserer Vorschläge vorliegen, die
- wie sie anhand unseres Konzepts se-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

hen - jetzt erst in Rohform zu Papier
gebracht worden sind. Ich denke also, daß hier zu Beginn der nächsten
Runde einiges besser zusammenpassen
wird - die Bildung von Arbeitsgruppen
und voll ausgearbeitete, detaillierte
Versionen der Vorschläge, die wir im
Konzept bereits vorgelegt haben.
Nur als Kommentar zu unserer gegenwärtigen Position: meiner Ansicht
nach haben diese Verhandlungen einen
guten Anfang genommen.
Uns liegen
natürlich die beiden Vorschläge vor.
Heute wurde ein dritter - ein Beitrag
Rumäniens - unterbreitet.
Es sind
also auf Anhieb einige substantielle
Vorschläge von beiden Seiten vorgelegt worden. Man kann es fast schon
einen Rekord nennen, daß nunmehr fünf
Vorschläge aus dem Westen und aus dem

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�Ostblock in zwei Verhandlungen in
derselben Stadt zu Beginn dieser beiden Verhandlungen unterbreitet wurden. Ich habe nie zuvor gehört, daß
so etwas in den RUstungskontrollverhandlungen zwischen Ost und West
schon einmal vorgekommen ist. Meiner
Ansicht nach ist das eine gute Sache,
und ich denke, es gibt zahlreiche Gemeinsamkeiten zwischen den von Ost
und
West
vorgelegten
Entürfen.
Gleichzeitig möchte ich nicht allzu
optimistisch sein, weil auch noch
Meinungsverschiedenheiten
bestehen
und die Haltung beider Seiten nicht
ganz übereinstimmt. Ich werde das,
wenn Sie gestatten, später etwas eingehender erläutern.
Meiner Meinung nach gibt es im
Hinblick auf Fortschritte einen frühen positiven Hinweis, die sehr interessante Übereinstimmung von Ideen
bei dem, was wir in unserem Entwurf,
ein "Seminar über Doktrinen" genannt
haben. Erst heute haben eine Reihe
von Delegationen des Ostblocks sich
in dieser Hinsicht positiv geäußert,
und ich denke, Sie dürfen auf die
baldige Übereinstimmung von Ideen im
Rahmen dieses Seminars hoffen wie
auch auf dessen baldige Durchführung.
Lassen Sie mich hier eine Pause machen und auf Ihre Fragen eingehen,
und wenn ich Ihrer Ansicht nach auf
einige Dinge näher eingehen sollte,
werde ich das gerne tun.
Frage:
Wie stehen Sie zu dem
Konzept der Einbeziehung von Seestreitkräften bei den VSBM-Verhandlungen?
Antwort:
Es gibt ein Problem
im
Zusammenhang
mit
VSBM:
der
Warschauer Pakt hat die Einbeziehung
unabhängiger Luft- und Seestreitkräfte in diese Verhandlungen gefordert.
Unserer Ansicht nach geht dies technisch über das Mandat von Madrid hinaus.
Das Mandat von Madrid sieht
vor, daß diese Verhandlungen sich auf
die zentrale Konfrontation zwischen
Ost und West auf dem europäischen
Kontinent und damit vor allem auf die
Landstreitkräfte konzentrieren.
Die

Sprachregelung des Mandats von Madrid
umfaßt die Möglichkeit der Einbeziehung von Streitkräften, die Operationen zu Land durchführen, und aus diesem Grunde haben wir in die Schlußakte von Helsinki zum Beispiel Bestimmungen über amphibische Streitkräfte
aufgenommen.
Unserer Ansicht nach
ist die wesentliche Konfrontation
zwischen Ost und West eine Konfrontation zu Land in Europa, und diese
Verhandlungen sollten sich daher auf
diese zentrale Konfrontation und die
sich möglicherweise ergebenden Konflikte konzentrieren.
Dies sollte
den Kernpunkt der Verhandlungen bilden. Darüber hinaus habe ich öffentlich darauf hingewiesen, daß einige
dieser vom Warschauer Pakt vorgelegten Vorschläge ihren Auswirkungen zufolge nicht ausgewogen sind. Ich habe sie als "vorteilbildende" Maßnahmen bezeichnet. Dasselbe gilt auch
hier und insbesondere für Maßnahmen
bei den Seestreitkräften. Wir sind
in höchstem Maße von unserer Fähigkeit zur überquerung des Atlantiks
abhängig, um die Verteidigung des
Westens in Europa zu stärken. Das
ist ein sehr entscheidender Punkt für
die Verteidigung des Westens.
Aus
diesem Grunde sind wir der Ansicht,
daß die Aufnahme von Diskussionen
über vertrauensbildende Maßnahmen bei
den Seestreitkräften unausgewogene,
negative Auswirkungen auf die Fähigkeit des Westens zur Verteidigung Europas haben würde.
Meiner Meinung
nach können wir hier keine Übereinkunft über vertrauensbildende Maßnahmen erzielen, die Ungleichheit hervorbringen könnten. Das trifft auch
auf andere Bereiche zu. Durch einige
Vorschläge des Warschauer Pakts zieht
sich ein roter Faden - das Konzept
von Zonen jeweiliger militärischer
Aktivitäten, das Konzept von Beschränkungen, die im wesentlichen bei
Manövern vorgenommen werden.
Auch
das wäre zum Nachteil des Westens.
Aus diesem Grunde können wir das
nicht akzeptieren.
Frage: Noch eine Frage zu demselben Thema - Botschafter Konarski
(der Leiter der polnischen Delega-

^
'

i
*

�tion) hat heute erklärt, daß umfangreiche NATO-Manöver als Bedrohung der
Sicherheit empfunden werden, da diese
Truppen einsatzbereit sind und ein
Angriffspotential darstellen. Theoretisch stellen sie also eine Bedrohung
für die Sicherheit dar. Gibt es für
den Westen eine Möglichkeit, auf diese Sorgen einzugehen?

würden, dies
gleichen.

durch

Übungen

auszu-

Antwort:
Wir haben einen Vorschlag, den Sie bitte unserem Entwurf
entnehmen wollen und der auf das von
Ihnen Vorgetragene abzielt. In der
Schlußakte von Helsinki sollte eine
Reduzierung bei Großmanövern - bei
denen eine lange Vorwarnzeit erforderlich ist - von 75 000 auf 50 000
vorgenommen werden. Unserer Ansicht
nach könnte dies der Besorgnis abhelfen. Lassen Sie mich jedoch das eigentlich Problem
ansprechen.
Der
Warschauer Pakt hat einen erheblichen
zahlenmäßigen Vorteil bei Streitkräften, Panzern und allem anderen auch.
Diesen Vorteil wird er auch dann behalten, wenn die von Gorbatschow angekündigten einseitigen Reduzierungen
vorgenommen worden sind. Auch wenn
das Verhältnis sich bei den wichtigsten Arten von schwerer Ausrüstung in
Europa auf zwei zu eins verändert
hat. Wir müssen Möglichkeiten finden, um diesen ungeheuren Nachteil
des Westens auszugleichen. Eine der
uns zur Verfügung stehenden Möglichkeiten sind die Manöver. Solange also dieses Ungleichgewicht und diese
Asymmetrie - um sich der Sprache der
Rüstungskontrolle zu bedienen - besteht, benötigen wir unsere Fähigkeit, in vielfacher Weise Übungen
durchzuführen. Deshalb erklären wir,
daß Beschränkungen auf diese Arten
von Manövern nur im Rahmen von Reduzierungen auf gleiche Streitkräfteniveaus in Europa vorgenommen werden
können. Wenn wir das Ziel gleicher
Streitkräfteniveaus erreichen, kann
meiner Ansicht nach diese Art der
Einschränkung erwogen werden.
Aber
solange wir uns in der Situation dieser Art von erheblichem zahlenmäßigem
Nachteil befinden, begingen wir eine
große Dummheit, wenn wir Einschränkungen unserer Fähigkeit zustimmen

Antwort:
Zunächst
halte
ich
unseren Vorschlag nicht für bescheiden. Wir haben einen sehr dynamischen
Informationsaustausch
vorgeschlagen, der mit einem völlig neuen
System der Bewertung vor Ort einhergehen soll. Dies wäre ein wichtiger
Schritt nach vorn im Hinblick auf gegenseitiges Verständnis und die Fähigkeit, Vertrauen über die Aktionen
der anderen Seite in Europa zu haben.
Das ist kein bescheidener Vorschlag.
Tatsächlich deckt er Tausende von
normalen
Streitkräftestandorten
in
normalen Friedenszeiten ab. Er ist
in der Tat so unbescheiden, daß die
Warschauer-Pakt-Staaten ihn zurückwiesen, als wir etwas Ähnliches zuerst in Stockholm vorschlugen.

Frage: Der Warschauer Pakt hat
den vom Westen bei diesen Verhandlungen unterbreiteten Vorschlag bescheiden genannt und sogar innerhalb der
NATO wurde Enttäuschung laut. Welche
Meinung haben Sie dazu?

Wir haben dieses Konzept seitdem
stark weiterentwickelt und es noch
flexibler gestaltet, um Veränderungen
einzubeziehen, die noch in diesem
Jahr stattfinden werden und auch auf
neue Entwicklungen von Waffen eingehen werden. Das ist etwas, das in
Europa noch nicht behandelt worden
ist, aber unser Problem besteht darin, daß die Warschauer-Pakt-Staaten
neue Waffensysteme in der Regel heimlich stationieren. Wir erhalten also
davon erst Kenntnis nach ihrer Dislozierung. Das ist zum Beispiel bei
der SS-20 geschehen. Diese Art der
Entwicklung kann die Stabilität und
das Gleichgewicht in Europa gefährden
und aus diesem Grunde hat unserer Ansicht nach jedes Land in Europa das
Recht zu wissen, wann andere Länder
solche wichtigen neuen Waffensysteme
stationieren.
Dieser Vorschlag ist
also keineswegs bescheiden. Darüber
hinaus sieht er Besuche von Inspektoren vor - die wir aus verschiedenen
Gründen lieber Bewerter nennen - die

- 3 -

�an Ort und Stelle Waffensysteme zählen werden.
Dazu werden sie das
Recht haben, an Ort und Stelle die
Anzahl zun Beispiel dort stationierter Panzer und Artillerie zu zählen.
Das ist keine Kleinigkeit. Ich denke, es stößt an die Grenzen des gegenwärtig zwischen Ost und West in
Europa machbaren. Aber es ist ganz
sicher nicht bescheiden.
Frage:
Haben
Sie in dieser
letzten Runde bereits Meinungsverschiedenheiten
zwischen
NATO
und
Warschauer Pakt entdeckt?
Antwort:
Die Diskussion dazu
ist aufgenommen worden. Ich möchte
in diesem Zusammenhang erwähnen, daß
unser Verhandlungsort eher überwältigend ist und keineswegs zu saloppen
Bemerkungen herausfordert.
Das ist
einer der Gründe, warum wir uns so
schnell wie möglich in Arbeitsgruppen
aufteilen wollen:
die Atmosphäre
soll etwas weniger formell werden und
wir könnten einen echten Austausch
erzielen.
Aber es gab Fragen von
beiden Seiten und, wie Sie sich vorstellen können, vornehmlich über diese Bereiche, auf die wir auch bereits
hingewiesen haben, wo Unterschiede
zwischen beiden Vorschlägen bestehen.
Gleichzeitig gab es positive Übereinstimmung zwischen den Delegationen
des Westens und des Ostblocks im Hinblick auf den Vorschlag für ein "Seminar über Doktrinen". Sie ist durch
informelle Kontakte entstanden, die
sich nebenbei ergeben haben und im
Rahmen derer wir unsere Position darlegen konnten. Andere haben uns dazu
befragt, und meiner Ansicht nach gibt
es genug Übereinstimmungen, aufgrund
derer wir uns bald einigen könnten,
wie ich auch bereits erklärt habe.
Es sind also auf beiden Seiten Fragen
gestellt und Erklärungen abgegeben
worden, so daß zumindest bei einem
unserer
Vorschläge
Übereinstimmung
besteht.
Frage:
(Der polnische Delegationsleiter) Konarski hat erklärt,
das Seminar über Militärdoktrinen
werde auf Regierungsebene durchge-

führt.
Sprechen Sie darüber oder
über den Vorschlag Polens und der
Bundesrepublik (einer zweiten inoffiziellen Konferenz)?
Antwort:
Vielen Dank, daß Sie
mich zu dieser Klarstellung veranlassen. Die Idee aus Polen und der Bundesrepublik im Hinblick auf ein Seminar ist ein ganz anderes Thema. Dazu
möchte ich nicht Stellung nehmen.
Das ist eine von ihnen geförderte
Initiative, die meines Wissens von
einer privaten Institution mit privaten Fachleuten
durchgeführt wird.
Wir sprechen hier über den von uns in
unserem Entwurf unterbreiteten Vorschlag für eine offizielle Zusammenkunft, im Rahmen derer offizielle
Vertreter militärischer Institutionen
in den Teilnehmerstaaten in der Lage
sein werden, sich gegenseitig zu befragen, ihre Anliegen zur Sprache zu
bringen, ihre Sicherheitspolitik zu
beschreiben und ihr Einsatzkonzept
für Europa zur Diskussion zu stellen
sowie die damit in Zusammenhang stehenden Themen - wie etwa das Einsatzkonzept in Europa - zu erläutern.
Sie sollten sich ebenso gegenseitig
Fragen stellen und darauf eine Antwort mit offiziellem Charakter erhalten können. So lauten unsere Vorschläge, und wir denken, dafür ist es
jetzt in Europa an der Zeit. Darauf
beziehe ich mich.
Frage: Wann würde dieses Seminar stattfinden?
Antwort: Das wissen wir nicht.
Es hängt davon ab, wann wir eine
Übereinkunft erzielen können. Unsere
Idee ist, daß es noch im Rahmen dieser Verhandlungsrunde stattfindet, so
daß wir davon profitieren könnten.
Es könnten sich Ideen oder Fragen ergeben, die auch für uns in unseren
Verhandlungen nützlich sein könnten.
Wir wünschen uns, daß es zu irgendeinem Zeitpunkt der laufenden Verhandlungen noch stattfinden kann, damit wir daraus für unsere zukünftige
Arbeit Nutzen ziehen können.
Frage:

Aber wäre das bald?

�Antwort:
Praktisch
betrachtet
erfordert dies einen bestimmten Umfang an geduldiger Arbeit, um dabei
Übereinkünfte - auch bescheidene - zu
erzielen. Bald? Ich denke, es könnte bald sein. Wenn Sie es noch eher
wünschen, so denke ich, daß es seinem
Charakter nach so kompliziert ist,
daß es schwierig sein wird, es eher
zu organisieren, aber ich halte es im
Laufe dieser Verhandlungen noch für
möglich.
Frage:
Ich habe zwei Fragen.
Verstehe ich Sie richtig, daß der
deutsch-polnische Vorschlag eine Konferenz außerhalb der VSBM-Verhandlungen vorsieht? Die zweite Frage betrifft das System stichprobenartiger
Beurteilungen: Welche Art von Besuchen möchten Sie durchführen, und ist
dies nicht ein Vorschlag, dessen Ablehnung Sie von vornherein einkalkuliert haben, um damit die Konferenz
zum Scheitern zu bringen?
Antwort:
Zunächst zum deutschpolnischen Seminar. Das ist ein Vorschlag dieser beiden Länder. Ich bin
dafür
nicht
verantwortlich.
Sie
sollten Ihren Fragen an sie richten,
und meines Wissens wird Botschafter
Joetze in Kürze hier erscheinen. Ich
schlage also vor, daß Sie ihn fragen.
Ich habe damit wirklich nichts zu tun.
Im Hinblick auf das von mir vorgeschlagene Stichproben-System: Meines Erachtens sind die realistischen
Begrenzungen hier von der Praxis vorgegeben. An unserer Konferenz nehmen
große und kleine Länder teil. Eine
der Schwierigkeiten besteht darin,
eine gemeinsame Grundlage für ein Abkommen zu finden, das für alle hier
vertretenen Staaten unterschiedlicher
Größe akzeptabel ist. Dies ist nur
einer der vielen Aspekte, mit denen
wir es hier zu tun haben. Im Hinblick auf das Stichproben-System bedeutet das, daß die Anzahl der zulässigen Besuche wahrscheinlich nicht
sehr hoch sein wird. Sagen wir, wir
hätten das Recht auf fünf Besuche pro
Jahr. Wenn Sie das mit der Zahl von
- 5

35 Staaten multiplizieren, kommen Sie
wirklich auf eine Menge von Besuchen.
Das bedeutet für die Länder finanzielle, bürokratische und sonstige
Belastungen. Man sollte diese Dinge
also realistisch
betrachten.
Wir
werden mit allen hier vertretenen
Länder darüber sprechen müssen, was
sie realistischerweise leisten können.
Ihre letzte Bemerkung überrascht mich. Wir unterbreiten hier
keine Vorschläge, um die Konferenz
zum Scheitern zu bringen. Wir haben
uns in den vergangenen zwei Jahren
vielmehr sorgfältig mit unseren Verbündeten beraten und versucht, Vorschläge auszusondern, die entweder
nicht zu verwirklichen, unpraktikabel
oder für eine der Seiten inakzeptabel
sind, um uns auf Dinge zu konzentrieren, die wirklich realisierbar sind.
Diese Dinge lassen sich erreichen,
die Zeit ist reif, um sie zu erreichen, und deshalb haben wir sie vorgeschlagen. Aus keinem anderen Grund.
Frage:
Ein System stichprobenartiger Beurteilungen beinhaltet die
Verifizierung statischer Informationen.
Aus welchem Grund bezeichnen
Sie dies als Verifizierungssystem,
wenn es dem Stockholmer Abkommen zufolge bereits mehrere institutionalisierte Inspektionssysteme gibt? Erwarten Sie Widerstand von selten der
neutralen und blockfreien Staaten gegen das Stichproben-System?
Antwort:
Sie vergleichen zurecht dieses Beurteilungssystem mit
den Stockholmer Regelungen.
Lassen
Sie mich zunächst auf die Frage der
Verifizierung eingehen. Unseres Erachtens ist Verifizierung ein sehr
wichtiger Begriff. Wir möchten diesen Begriff nicht durch Maßnahmen
entwerten, die wir nicht als Verifizierung im umfassenden Sinn verstehen. Der von uns vorgeschlagene Informationsaustausch wird wahrscheinlich Tausende von Orten in Friedenszeiten umfassen. Wir gehen nicht davon aus, daß es physisch möglich sein
wird, diese Art von Informationsaustausch vollständig zu verifizieren.
Es gibt einfach zuviel Material - zu-

�viele Orte, Panzer etc. Es wäre physisch enorm schwierig, wenn nicht unmöglich. Um die Bedeutung der Verifizierung nicht zu verwässern, haben
wir uns absichtlich entschlossen, in
diesem Fall eine andere Terminologie
zu verwenden. Deshalb haben wir den
Begriff "Bewertung" gewählt, einen
neuen Begriff, ein neues Konzept. Es
ist nicht dasselbe wie Verifizierung.
Wir gehen davon aus, daß uns Bewertungsbesuche dieser Art mit der Zeit
ein gewisses Maß an Vertrauen geben
könnten, daß die gelieferten Informationen korrekt waren - mit der Zeit
und nach Jahren. Das ist die Art der
von uns angestrebten Regelung, die
"mit den Jahren" Auswirkungen haben
wird.
Es ist also der Mühe wert,
aber es ist keine vollständige Verifizierung.
Der Vergleich mit dem Stockholmer
Abkommen ist etwas anderes, und ich
hoffe, dies so erklären zu können,
daß es jedem einleuchtet. Die in den
Stockholmer Vereinbarungen vorgesehenen Inspektionen sind so beschaffen,
daß sie durch verdächtige militärische Aktivitäten provoziert werden,
militärische Aktivitäten, die Besorgnis auslösen.
Man sieht sie oder
hört davon auf irgendeine Weise und
dann bittet man um einen Besuch und
eine Inspektion, um zu prüfen, was
dort vorgeht.
Dann hat man das
Recht, innerhalb
einer bestimmten
Frist dorthin zu reisen und nachzusehen. Das ist In der Tat auf recht
konstruktive Weise geschehen.
Der
zugrundeliegende Gedanke ist auf diesen Verdachtsfall angelegt.
In unserem Fall sprechen wir jedoch über etwas ganz anderes. Diese
Inspektionen werden nicht durch irgendein Ereignis provoziert. Es sind
schlicht
Routine-Inspektionen,
bei
denen Leute einreisen und Truppen in
ihren Friedensstellungen zählen. Sie
werden sicherlich verstehen, daß eine
Aktivität, die Besorgnis auslösen
könnte, per definitionem außerhalb
der friedensmäßigen Stellungen der
Einheit
stattfinden
würde.
Das
heißt, die Truppen befinden sich ir-

gendwo außerhalb und führen irgendeine Aktivität durch, die Ihre Besorgnis erweckt. Sie schlafen nicht
in ihren Betten. Hingegen würden unsere Bewerter hingehen und Leute zählen, die in ihren Betten schlafen, in
ihren Panzern, in ihren Parks, während die Artillerie stillgelegt und
in Reih und Glied geparkt ist. Es
besteht also ein Unterschied zwischen
den beiden. Meines Erachtens brauchen die Neutralen keine Probleme damit zu haben. Es ist nicht beabsichtigt, die frühere Idee auszuwalzen.
Es ist im Gegenteil eine ganz andere
Vorgehensweise - eine andere Idee.
Frage:
Ist
dieser
Vorschlag
nicht ein anderer Name für ein amerikanisches Konzept, daß von Ihrer Seite in Stockholm vorgeschlagen wurde?
Und zweitens, unterstützen die Vereinigten Staaten den östlichen Vorschlag für ein Zentrum zur Risikoverringerung?
Antwort:
Wie ich bereits sagte, hatten wir in Stockholm ein Konzept für den Informationsaustausch,
der damals vorgelegt und von den östlichen
Teilnehmerstaaten
abgelehnt
wurde. Dies ist eine weitere Entwicklung in dieser Frage. Sie geht
aber aufgrund der seither hinzugefügten dynamischen Elemente darüber hinaus. Meines Erachtens ist sie also
daraus erwachsen.
Im Hinblick auf das Zentrum zur
Risikoverringerung bestehen zahlreiche Ideen in bezug auf Instrumente
zur Risikoverminderung. Zum Beispiel
haben einige von einem bestimmten Ort
- einem Gebäude - gesprochen, der mit
Abgesandten der verschiedenen Länder
besetzt sein sollte. Ich persönlich
denke, daß dies ernste Probleme aufwirft. Ohne auf Einzelheiten einzugehen, stellen sich hier meines Erachtens schwierige Probleme. Es gibt
andere Vorschläge, etwa "Heiße Drähte", "Netzwerke" etc., die nicht an
einen geographischen Ort oder ein Gebäude gebunden sind. Wir werden diese anhören müssen und untersuchen,
wie sie zu realisieren wären, bevor

�wir wirklich feststellen, wo die Probleme liegen. Meines Erachtens muß
man in diesem Bereich äußerst sorgfältig vorgehen, damit man nicht
"verwirrungsbildende" Maßnahmen einführt. Wir müssen dies auch hier untersuchen.
Viele davon sind praktische Erwägungen, aber man sollte
sie diskutieren und die Meinung der
Leute hören.
Frage:
Sie haben gesagt, es
sei ein guter Anfang gemacht worden,
aber Sie haben ebenfalls erklärt, Sie
seien nicht allzu optimistisch. Können Sie uns den Grund dafür nennen?
Antwort:
Man kann in gewissem
Maß optimistisch sein, aber ich würde
nicht zu optimistisch sein.
Die
Gründe dafür sind ganz normal. Wir
haben ein gewisses Maß an Erfahrung
in diesem Bereich, und diese Erfahrungen waren nicht immer sehr vielversprechend.
Das ist ein Faktor.
Man sollte meines Erachtens realistisch in bezug auf das sein, auf was
sich Ost und West verständigen können. Die Probleme zwischen Ost und
West haben sich nicht durch Glasnost
und Perestrojka in Wohlgefallen aufgelöst. Sie bestehen weiterhin. Wir
müssen sie realistisch bewältigen.
Die sowjetische Produktion militärischer Güter hat sich nicht verändert. Wir stellen fest, daß immer
noch die gleiche Zahl von Panzern das
Fließband verläßt wie früher; die
Ausrichtung ihrer Streitkräfte ist
immer noch so, wie sie schon immer
war - wir haben dies immer so interpretiert, daß sie auf der Möglichkeit
beruht, eine Offensive in Europa zu
führen. All dies ist immer noch Realität, trotz aller Reden.
Meines Erachtens besteht einer
der Gründe für unseren Wunsch, ein
Seminar über Militärdoktrinen zu veranstalten, gerade darin, festzustellen, was die Sowjets meinen, wenn sie
sagen, sie wollten von der offensiven
zur defensiven Orientierung übergehen. Wir möchten ferner feststellen,
wie sich dies in der Praxis auf die
Ausrichtung ihrer Streitkräfte und

die Auswahl der von ihnen in Europa
stationierten Waffensysteme auswirkt.
All dies muß ausdiskutiert werden.
Die Realität der militärischen Konfrontation zwischen Ost und West in
Europa hat sich nicht verändert, und
man muß deshalb bei der Erörterung
dieser Dinge Vorsicht walten lassen.
Frage:
Noch einmal zum Vorschlag von Gesprächen über die Doktrin.
Ist dies ein amerikanischer
oder ein NATO-Vorschlag, und wann
wurde er gefaßt?
Antwort:
In diesen speziellen
Verhandlungen sprechen wir nicht von
NATO-Vorschlagen, denn weder die NATO
noch der Warschauer Pakt sind hier
Verhandlungspartner.
Wir alle sind
souveräne Staaten. Wir sind Freunde
und enge Verbündete bestimmter Länder, aber wir sitzen hier nicht als
NATO am Verhandlungstisch. Die NATO
hat einen solchen Vorschlag nicht beschlossen, aber 16 Länder haben dies
getan, und eines davon waren wir. Er
wurde am ersten Verhandlungstag vorgelegt, und wenn Sie ihn sich genau
ansehen, so betrifft sein letzter
Teil den Gedanken eines Seminars. Er
ist nicht als eine der von uns vorgeschlagenen vertrauensbildenden Maßnahmen numeriert, weil wir nicht davon ausgehen, daß es genau das gleiche ist wie eine vertrauensbildende
Maßnahme, unserer Ansicht nach eine
konkrete Maßnahme mit militärischer
Bedeutung. Dies ist eine Art Experiment.
Unseres Erachtens sollte es
eine einmalige Veranstaltung sein, um
festzustellen, was dabei herauskommt.
Wir meinen, daß möglicherweise nützliche Ergebnisse dabei erzielt werden
könnten.
Dies liegt in der Natur
eines Experiments. Das ist der Vorschlag, über den ich spreche, und wir
haben ihn zusammen mit 15 anderen
Staaten eingebracht, die Mitglieder
der NATO sind.
Frage:
Sie haben vier Vorschläge genannt. Welche sind das?
Antwort:
Es sind drei Papiere
vorgelegt worden. Es sind wv-1, 2

- 7-

�und 3. Wv 3 erhielten wir erst heute
morgen. Es ist ein rumänischer Vorschlag.
Frage: Ist dies, wie viele rumänische Vorschläge, nur ein Abklatsch früherer Vorschläge?
Antwort: Ich war noch nicht in
der Lage, ihn zu studieren, ich kann
Ihre Frage also noch nicht beantworten. Ich haben ihn heute zum ersten
Mal gesehen. Es gibt einige Gedanken, die den in wv-2 ähnlich sind,
das grundsätzlich ein Papier des
Warschauer Pakts ist, obwohl es nicht
von allen Pakt-Staaten eingebracht
wurde. Zum Beispiel sind darin Zonen
enthalten. Der Vorschlag beinhaltet
noch einige andere gemeinsame Elemente, aber sie unterschieden sich doch
etwas.
Frage:
Wie steht es mit
Einfrieren der Militärhaushalte?

unser Muster hier stark daran angelehnt sein wird. Wir haben ein grosses Wort im KSZE-Prozeß - mutatis
mutandis -, was bedeutet, daß man die
Dinge den gegenwärtigen Umständen anpassen kann. Sie werden wahrscheinlich ein wenig angepaßt werden müssen, weil einige der in Stockholm besprochenen Themen nicht mehr Verhandlungsgegenstand sind, während einige
neue Ideen hinzugekommen sind.
Es
wird im wesentlichen um eine Anpassung dieses Musters gehen.
Wahrscheinlich werden sie keine Namen erhalten, weil ein Name einer Arbeitsgruppe besondere Bedeutung und ein
definiertes Mandat verleihen würde.
Damit würde es schwierig, unterschiedliche Vorschläge dort einzubringen.

|
'

dem
* * * * *

Antwort: Ja, auch das ist darin enthalten. Es sind eine Menge
von einzelnen Elementen darin enthalten.
Frage:
Sie haben etwas über
positive Reaktionen des Ostens gesagt
- könnten Sie dies näher erläutern?
Antwort:
Ich
habe mich auf
zwei Erklärungen bezogen, die abgegeben wurden, bevor ich das Treffen
verließ, um hierher zu kommen. Sie
enthielten grundsätzlich positive Reaktionen auf unseren Vorschlag eines
Seminars über Doktrinen. Meines Erachtens gab es einige Übereinstimmung
bei unseren Ideen zu dieser Frage.
Deshalb habe ich vorhin erklärt, daß
wir dazu möglicherweise schon relativ
bald eine Übereinkunft erzielen können - besonders über dieses Seminar.
Frage: Wie werden die Arbeitsgruppen aussehen?
Antwort:
Wir haben ein Grundmuster für diese Arbeitsgruppen, das
von den Stockholmer Verhandlungen
überliefert ist. Ich nehme an, daß

I

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nCh

*H&gt;.

AMERIKA DIENST
Wissenschaft und Technik

29. März 1989

13

ENTSCHEIDENDE PHASE IM KAMPF GEGEN RAUSCHGIFT
- Präsident Bush und Antl-Drogen-Beauftragter Bennett fordern
Sofortmaßnahmen -

WASHINGTON - (AD) - "Drogenmißbrauch geht mich nichts an" - mit einer solchen Einstellung könne sich niemand mehr der Verantwortung entziehen, die jeder einzelne Bürger im Kampf gegen Rauschgift trage. Ohne Umschweife ging
Präsident George Bush bei Vorträgen in verschiedenen Städten u.a. der Bundesstaaten Pennsylvanien und Delaware vor Schülern, Polizeibeamten, Vertretern
von Strafverfolgungsbehörden, Bürgerinitiativen und Mitarbeitern an Programmen
zur Drogenbekämpfung auf die vordringlichsten Probleme ein.

Die stark gestiegene Produktion
von Opium, Kokain und Cannabisdrogen
im Ausland, von Amphetamin, Crack und
Cannabisdrogen auch im Inland signalisiert höchste Gefahr. Rauschgift
und Rauschgiftmißbrauch
seien "in
Amerika die Geißel des 20. Jahrhunderts",
erklärte
der
Präsident.
"Auch die sogenannten Gelegeuueitskonsumenten von Kokain und anderen
Drogen verüben Mord, Raub und anderen
Gewalttaten
im
Zusammenhang
mit
Rauschgifthandel.
Und der 'PartyKonsum' fö:dert und beschönigt nur eile Drogenkultur - also Verbrechen,
Tod, sozialen Abstieg und Verlust der
Menschenwürde."
Erster Schwerpunkt für Gegenmaßnahmen soll nach den Vorstellungen
des Anti-Drogen-Beauftragten William

United States Information Service
Embassy of the United States of America

J.
Bennett
die
Bundeshauptstadt
Washington sein. Dafür sollen sogar
Mittel umdisponiert werden, die von
der Bundesregierung bereits für Drogenzentren wie die Städte New York
und Miami bewilligt worden sind.
Washington steht zur Zeit im Ruf eines Drogenumschlagplatzes mit hoher
Rauschgiftkriminalität.
Gewalttaten
und Mord in bestimmten Stadtvierteln,
wo sich Hintermänner des Drogenhandels und Dealer untereinander bekämpfen, versetzen die Bürger in Angst
und Schrecken.
Dem Plan Bennetts - der das "Amt
für Nationale Drogenbekämpfung" leitet - auch Bundespolizei und Militär
einzusetzen, stehen jedoch rechtliche
Bedenken entgegen. Im Raum Washington
wäre das Vorhaben nur dann durchführ-

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�bar, wenn auch der Tatbestand der illegalen Herstellung sowie des Imports
und der Verteilung von Rauschgiften
gegeben wäre. Eine wichtige Maßnahme
auf Bundesebene stellt allerdings das
kürzlich erlassene Verbot zur Einfuhr
von
halbautomatischen
Waffen
und
Sturmgewehren dar, die im Droge^händlermilieu besonders gefragt und laut
Bennett als "Teil des Drogenprcblems
anzusehen sind".
Die Nation müsse, so hatte Präsident Bush schon Anfang März in New
York erklärt, "ihre fiskalischen, moralischen, geistigen und wirtschaftlichen Ressourcen für den bedingungslosen Krieg gegen die Sucht" einsetzen. Sie müsse an jeder Front kämpfen - im Erziehungswesen, der Therapie, der Fahndung und der Strafverfolgung. Den Kongreß habe er um eine
Aufstockung der Mittel um eine Milliarde Dollar ersucht.
In bezug auf Rauschgiftkonsum,
Handel und Import von Suchtstoffen
steht in den USA der Raum New York an
erster Stelle. Vermutlich die Hälfte
der insgesamt 260 000 Heroinsüchtigen
lebt im Staat New York. In der Stadt
New York dürften weitere 600 000 Personen kokainabhängig oder dem besonders leicht süchtig machenden, aus
Kokain gewonnenen Crack verfaHen
sein.
Fachleute schätzen, daß die
heute in den Vereinigten Staaten konsumierten Drogen eine "Industrie" der
Größenordnung von 110 Milliarden Dollar ausmachen.
Bundesgesetze geben
jetzt
Strafverfolgungsbehörden
die
Möglichkeit, das Vermögen von Rauechgifthändlern
zu konfiszieren.
In
Form von Grundbesitz, Autos und Bargeld kann dies in nur einem einzigen
Fall den Wert von 50 Millionen Do1 lar
ausmachen.
Die Bürgermeister von 30 großen
Städten in den USA, Lateinamerika und
Europa (hier Amsterdam, London und
Madrid) hatten auf ihrer ersten internationalen Konferenz (8. - 10.
März 1989) in New York beschlossen,
sich bei ihren Regierungen für energischere und mit Geldmitteln besser

ausgestatteten
Maßnahmen
gegen
Rauschgift und Rauschgiftkriminalität
sowie für eine ähnliche internationale Konferenz auf höchster Regierungsebene einzusetzen. Die Strafen für
alle Rauschgiftdelikte - auch für
Verkauf, Besitz und Konsum - müßten
verschärft, die Beschlagnahme von
Vermögen strenger gehandhabt werden.
Geldwäsche müsse durch aggressives
Vorgehen gegen Finanzinstitute, die
wissentlich Transaktionen mit Gewinnen
aus
unerlaubten
Aktivitäten
durchführen, wirksamer kontrolliert
werden.
Delegierte aus südamerikanischen
Staaten machten darauf aufmerksam,
daß mit der häufig und auch verständlicherweise geforderten Reduzierung
des Koka-Anbaus in diesen Ländern
komplexe wirtschaftliche und soziale
Probleme verbunden seien. Schuldzuweisungen an die Bauern und die Regierungen seien nicht angebracht.
Vielmehr gehe es darum, den Bauern
einen Wechsel auf andere Produkte zu
ermöglichen, ohne ihnen gleichzeitig
Einkommensverluste aufzubürden, die
sie weit unter das Existenzminimum
drücken. An Ländern, in denen sich
Crack noch nicht epidemieartig ausgebreitet hat, sprachen sich die Teilnehmer der Konferenz für Sofortmaßnahmen zur wirksamen Vorbeugung aus.
Aufklärung und Erziehung seien in
diesem Zusammenhang ganz besonders
wichtig.
Aus der Gruppe der ebenfalls
teilnehmenden hochrangigen Politikern
und Vertretern von Behörden wie der
DEA (U.S. Drug Enforcement Administration
US-Bundesbehörde
für
Strafverfolgung von Drogendelikten)
forderte Charles Rangel, Vorsitzender
des Suchtstoffkomittees im amerikanischen
Repräsentantenhaus,
einen
"internationalen
Sicherheitspakt"
ähnlich dem NATO-Vertrag, um Drogen
wirksamer bekämpfen zu können.
Robert Stutman von der DEA-Sonderfahndung berichtete, daß der amerikanische Markt mit Kokain "fast gesättigt" sei. Den Schätzungen seiner

�Behörde zufolge kommen 90 Prozent davon aus Bolivien und Peru, während
Kolumbien als primärer Umschlagplatz
dient. Die Händlerorganisationen dirigierten nun Kokain vor allem nach
Westeuropa.
Den Westeuropäern redete er eindringlich ins Gewissen, aus den amprikanischen Erfahrungen zu lernen.
Strafverfolgung allein könne das Problem niemals lösen.
Die einzig»
Hoffnung bestehe darin, Kinder UIT4
Jugendliche so zu erziehen, daß sie
sich von Drogen fernhalten und sich
nie auf Rauschgift einlassen. Gerade
die Erfahrungen in New York verdeutlichen, wie schnell sich die Gepflogenheiten bei den Händlern ändern
können.
Die Behörden dürften sich
niemals auf nur einen Bereich bzw.
eine Droge konzentrieren.
Selbst
wenn eine Droge zu eliminieren sei,
nehme eine andere deren Platz ein.
Beispielsweise kamen im Jahr 1985
nur irei Prozent des Heroins in New
York aus Südostasien, 97 Prozent aus
Südwestasien - d.h. Iran, Pakistan
und Afghanistan.
"Heute, nur vier
Jahre später, kommen 80 Prozent des
Heroins aus Südostasien und nur noch
zehn bis 15 Prozent aus Südwestasien." Crack war 1985 in New York
so gut wie unbekannt. "Heute ist es
der Suchtstoff, der diese Stadt kaputt macht. Ganze Stadtviertel hat
er völlig verändert - und wenn wir
nicht sehr gut aufpassen, wird er das
Gesicht dieser Stadt zerstören." Die
Amerikaner, Dominikaner und Jamaikaner, die die Verteilung von Crack
kontrollieren, hätten ihr Netz von
New York aus auf alle 48 kontinentalen Bundesstnaten ausgeweitet. "Die
Bürgermeister stehen an vorderster
Front und wissen, daß an Ort und
Stelle ebenso wie regional, national
und weltweit dringend und mit Vernunft gehandelt werden muß. Andernfalls werden wir in zwei Jahren wehmütig auf die gute alte Zeit vom Jahr
1989 zurückblicken", sagte Stutman.
In ihrem Bericht vor der Arbeitsgruppe "Internationale Suchtstoffkon-

trolle" des amerikanischen Repräsentantenhauses wies Ann Wrobleski,
Unterstaatssekretärin
im
amerikanischen Außenministerium, unter anderem auf folgende Punkte hin:
- In Südwestasien dürfte der Rückzug der Sowjetunion aus Afghanistan eine starke Ausweitung der
Opiumproduktion zur Folge haben,
da eine starke zentrale Autorität
fehlt
und
der wirtschaftliche
Niedergang
kompensiert
werden
soll.
- Im Mittleren Osten ist Syrien ein
Umschlagplatz für alle Suchtstoffe und ein Zentrum für die Heroinaufbereitung.
Ägypten
ist
Umschlagplatz für Drogen auf dem
Weg in die USA. Das Bakaa-Tal in
Libanon liefert in großen Mengen
Heroin nach Europa, in die USA
und in den Mittleren Osten.
In Afrika ist Kenia ein wichtiger
Transitpunkt für Drogen aus SUdwestasien, die nach Afrika, Europa und in die USA transportiert
werden sollen, während Marokko
eine Hauptquelle für Marihuana
und Haschisch darstellt, das nach
Europa und Afrika gebracht wird.
Westeuropäische Länder sind große
Produzenten und Abnehmer von Drogen, jedoch hat die Beschlagnahme
großer Mengen dramatisch zugenommen. Der Konsum von Heroin und
Haschisch in Europa ist beträchtlich, auch aus anderen Regionen
wird immer mehr davon herangebracht. Der Kokainkonsum ist sogar noch stärker angestiegen.
In Osteuropa ist die Sowjetunion
immer stärker von Drogenhandel
und Drogenabhängigkeit betroffen
und wird zunehmend als Durchgangsland für Drogen von Asien
nach anderen Märkten benutzt.

* * * * * *

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ridgway: Europäischer Binnenmarkt "benutzerfreundlich"&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede in Minneapolis&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Maresca: Fortschritte in der ersten VSBM-Runde&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Pressekonferenz mit dem Leiter der amerikanischen Delegation&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wissenschaft und Technik&lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;Entscheidende Phase im Kampf gegen Rauschgift&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Präsident Bush und Anti-Drogen-Beauftragter Bennett fordern Sofortmaßnahmen&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST

12

22. Ma*rz 1989

INHALT

DOKUMENTATION
Anhaltende Probleme im Westen trotz Erfolgen der NATO
- Rede des Stellvertretenden Außenministers im Kongreß

HINTERGRÜNCMATERIAL
Wjilter8_ nimmt Abschied von den Vereinten Nationen
- Abschiedsbesuch bei Generalsekretär Perez de Cuellar

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Erfolgreicher "DISCOVERY"-Flug
- Reiche Ausbeute für Technik, Forschung und Fotodokumentation -

* * * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�AMERIKA DIENST
Dokumentation

"VoN^

22. März 1989

12

ANHALTENDE PROBLEME IM WESTEN TROTZ ERFOLGEN DER NATO
Rede des stellvertretenden Außenministers im Kongreß

WASHINGTON - (AD) - In seiner Ansprache vor dem Auswärtigen Ausschuß des
Senats erklärte der stellvertretende Außenminister Lawrence Eagleburger am 15.
März 1989, die Erfolge des Nordatlantischen Bündnisses in den vergangenen
vierzig Jahren hätten "chronische Probleme hinterlassen, die in manchen Fällen
zunehmend akut werden".
Eagleburger zufolge seien diese Probleme Ausdruck eines Generationskonflikts, der aufgetreten sei, weil "ein langer Frieden eine gewisse Gleichgültigkeit erzeugt" und weil Unstimmigkeiten über das Problem der Nuklearwaffen
sowie Spannungen im Welthandel bestehen.
Nachfolgend veröffentlichen wir Eagleburger's Rede im Wortlaut:
Herr Vorsitzender, verehrte Ausschußmitglieder.
Als ich im Jahr 1957 in den Auswärtigen Dienst eintrat, waren die
Vereinigten Staaten tief in den Kalten Krieg verstrickt.
Der Sputnik
erschütterte unser Vertrauen in Technik und Wissenschaft. Wir hatten gerade die schmerzliche Erfahrung gemacht, daß sich unsere Verbündeten im
Nahen Osten gegen uns stellten. Wir
sahen uns einem sowjetischen Regime
nach Stalin mit einem dynamischen,
reformorientierten
Führer
an
der
Spitze gegenüber, der offensichtlich
zu neuen Denkansätzen bereit war. In
Asien mußten wir mit der Feindseligkeit der chinesischen Kommunisten und
der wirtschaftlichen Schwäche unserer
asiatischen Freunde und Verbündeten,

United States Information Service
Embassy of the United States of America

einschließlich Japans, fertigwerden.
Die Entwicklungsländer zeigten sich
gegenüber freier Marktwirtschaft und
westlicher Demokratie abgeneigt.
Wer heute in den Auswärtigen
Dienst eintritt, nimmt ganz andere
Gegebenheiten
wahr.
Außenminister
Baker hat Ihnen in seiner Ansprache
einen umfassendesnUberblick über die
Welt gegeben, dem ich nichts hinzufügen muß. Es reicht aus, wenn ich darauf hinweise, daß wir starke und
wohlhabende
Verbündete
haben,
wo
einstmals schwache waren. Viele Entwicklungsländer haben die Vorzüge der
Marktwirtschaft und der Demokratie
für sich entdeckt, und unser sowjetischer Gegner kämpft mit systemimmanenten Schwächen. Die Welt des zuendegehenden zwanzigsten Jahrhunderts

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Telex: 8-85432

�ist In vieler Hinsicht eine freundlichere Welt als die meiner Anfangsjahre im Auswärtigen Dienst.
Diese Veränderungen werden noch
deutlicher, wenn man sie in ihrem geschichtlichen Zusammenhang betrachtet. Barbara Tuchman hat einmal gesagt, daß wir bis ins 14. Jahrhundert
zurückgehen müßten, um ein Zeitalter
zu finden, das von soviel Blut und
Unsicherheit gekennzeichnet war wie
die erste Hälfte unseres Jahrhunderts.
Zwei Weltkriege, eine Große
Depression und die Bedrohung durch
totalitäre Regime belegen ihre These.
Dennoch leitete die Nachkriegszeit im
Gegensatz zu den dreißiger Jahren
kein neues Blutbad ein. Der Grund
dafür ist in der amerikanischen Führungsrolle zu suchen.
Wir haben
nicht immer klug und effektiv gehandelt, bei den wichtigsten Problemen
jedoch immer Erfolg gehabt.
Im Gegensatz zur Sowjetunion ergeben sich unsere Probleme heute aus
unserem Erfolg, nicht etwa aus Mißerfolgen.
In den vergangenen vierzig Jahren
waren wir im allgemeinen bei der Behandlung des Ost-West-Problems und in geringerem Maße - beim Nord-SüdProblem erfolgreich, da die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten in
Europa und Asien einigermaßen zusammengehalten haben. Das Ergebnis war
ein Triumph für die politischen und
wirtschaftlichen Werte des Westens.
Das Ost-West-Verhältnis ist weniger
gespannt als noch vor einiger Zeit.
Das Nord-Süd-Problem wird hoffentlich
in allernächster Zeit auf solide und
produktive Art und Weise neu definiert. Mit anderen Worten: die Einheit des Westens hat die Tür zu einer
neuen vielversprechenden Zeit im kommenden Jahrhundert aufgestoßen. Aber
um diese Tür offenzuhalten und diese
Schwelle zu überschreiten, brauchen
wir jetzt ebenso wie in den vergangenen vierzig Jahren einen starken, geeinten Westen.
Das Verhältnis zwischen den west-

lichen Ländern hat sich grundlegend
verändert. Wo noch vor vierzig Jahren die gesamte Initiative und die
meisten Ressourcen aus Washington
stammten, bringen jetzt unsere europäischen und japanischen Verbündeten
einen großen Teil der Inititive und
einen zunehmenden Anteil der Ressourcen auf, was sie auch tun müssen. Es
ist dabei unvermeidlich, daß durch
die Veränderungen im relativen Gewicht und in der Stärke unserer Partner als auch durch die Tatsache, daß
wir ein Bund freier Nationen mit oftmals
unterschiedlichen
Interessen
sind, Spannungen auftreten. Solange
unsere gemeinsamen Werte und unsere
grundsätzlichen
Interessen
gleich
sind - was ich denke - können wir zusammenhalten.
Aber meiner Ansicht
nach müssen wir uns immer öfter vor
Augen führen, daß wir trotz heftig
geführter Diskussionen zu Ubergangslösungen immer noch Partner sind, die
eine Welt aufbauen müssen, die sicherer und demokratischer ist als die
Welt, wie sie uns von einer Generation hinterlassen wurde, die noch die
Jahrhundertwende erlebt hat.
Die NATO begeht bald ihren 40.
Geburtstag, was nach menschlichem Ermessen ein mittleres Alter, in Bezug
auf
internationale
Bündnisse aber
schon sehr alt ist. Je länger das
Bündnis gedauert hat, umso besser
ging es unseren Verbündeten. Das ist
von Vorteil.
Klagen dazu wären
kleinlich. Es wäre jedoch dumm, sich
nach früheren Zeiten zu sehnen, als
wir die ganze Last tragen mußten.
Wir sollten jedoch anerkennen,
daß die Erfolge der NATO chronische
Probleme hinterlassen haben, die in
manchen Fällen zunehmend akut werden.
Eines davon ist der Generationenkonflikt.
Ein langer Frieden erzeugt
eine gewisse Gleichgültigkeit. Weder
unsere Verbündeten noch wir haben genug dafür getan, daß die junge Generation die Leistungen des Bündnisses
anerkennen kann, insbesondere, daß
wir ihr die Möglichkeit für eine einigermaßen glückliche Zukunft geboten
haben. Diese Aufgabe ist jetzt ange-

�sichts einer von den Sowjets wiederentdeckten
sanfteren
Taktik
ganz
wichtig.
Ein zweites Problem trifft die
Nuklearwaffen. Manche nennen es Abneigung, aber es ist tatsächlich nur
eine
ambivalente
Haltung.
Jeder
wünscht sich die abschreckenden Vorteile der Nuklearwaffen, aber die
Menschen sind verständlicherweise zurückhaltend, wenn es darum geht, den
Preis für eine Politik zu zahlen, die
eine Stationierung dieser Waffen auf
ihrem Territorium vorsieht. Wir dürfen nicht dem Trugschluß erliegen,
auf die nukleare Abschreckung verzichten zu können oder daß wir, wenn
wir das täten, die Chancen für einen
Krieg verringern würden. Kriege gab
es schon lange bevor es Nuklearwaffen
gab. Wir dürfen uns auch keinen Illusionen über die ambivalente Einstellung der Öffentlichkeit über diese Nuklearwaffen hingeben, die hier
und in Europa vorherrscht. Sie liegt
den oftmals widersprüchlichen Kommentaren zugrunde, die wir zum INF-Abkommen oder zur Frage der Modernisierung von Kurzstreckenraketen vernehmen. Die Ambivalenz ist real und wir
müssen Möglichkeiten finden, mit ihr
fertigzuwerden.
Dann gibt es Spannungen und Ängste Lm Welthandel. Manchmal wünsche
ich mir, wir könnten all die Hormone,
die Europäer nicht in ihrem Fleisch
haben wollen, nehmen und sie dazu benutzen, unseren gemeinsamen Willen zu
stärken, um einen Kompromiß herbeizuführen, der die Vorteile und die Kosten zum Vorteil der Vereinigten
Staaten,
Westeuropas
und
Japans
gleichmäßig verteilt.
Der Schritt
der Europäischen Gemeinschaft zu ihrem Binnenmarkt Ende 1992 ist der offenkundigste Beweis. Der erfolgreiche Abschluß dieser Bemühungen wird
ein richtungweisendes Ereignis in der
Geschichte des letzten Viertels vom
20. Jahrhundert sein. Ob es zum Vorteil oder zum Nachteil gereichen oder
Europa eine geschlossene Enklave des
Protektionismus errichten wird, so
werden wir und die übrige Welt darauf

angemessen zu reagieren wissen. Wenn
auf der anderen Seite der neue Markt
ausländischen Waren und Dienstleistungen offensteht, dann wird Europa
nicht nur für sich selbst, sondern
auch für seine Handelspartner den
Grundstein für ein neues Zeitalter
gelegt haben.
Alle der von mir kurz beschriebenen Probleme sind miteinander verknüpft. Wenn wir keine Vorsicht walten lassen, könnte ein langsamer,
aber stetiger Niedergang einsetzen.
Im Rahmen der Sicherheitsvereinbarungen der NATO und der Arbeit internationaler, von uns nach dem Zweiten
Weltkrieg geschaffener Institutionen
wie dem IWF, GATT, der OECD und der
Weltbank hat Westeuropa einen langen
Weg von seinem verheerenden Zustand
nach dem Zweiten Weltkrieg zurückgelegt. Wir dürfen das durch diese Institutionen geschaffene konstruktive
Beziehungsgeflecht nicht beeinträchtigen. Jeder Strang dieses Geflchts
mag bisweilen dünn und brüchig erscheinen, aber zusammen können wir
eine große Last tragen. Die gemeinsame Aufgabe des Westens besteht darin, diese Vergangenheit zu bewahren
und auf ihr aufzubauen. Andernfalls
wird sich dieses Netz aufzulösen beginnen, wir werden zunehmend Streitigkeiten unter uns auszutragen haben
und damit die Gelegenheit zur Erlangung größerer Erfolge verspielt haben.
Dies trifft in besonderer Weise
auf Osteuropa zu.
Einfach ausgedrückt sind die marxistisch-leninistischen Ideologien und die auf sie
gegründeten
Volkswirtschaften
bankrott. Ihr Bankrott beruht größtenteils auf innenpolitischen Fehlschlagen, aber nicht auf diesen allein.
Der Widerstand des Westens gegen sowjetische Aggressionen und das Vorbild unserer eigenen erfolgreichen
Gesellschaften haben den Wandel im 0sten sicherlich beeinflußt.
Wir können Michail Gorbatschows
Fähigkeiten bewundern und den Wandel
in der Sowjetunion zur Kenntnis nehmen ohne unsere Verteidigung zu ver-

- 3 -

�nachlässigen. Es ist sogar unerläßlich, dies zu tun, und zwar nicht
nur, um uns zu schützen, falls die
Ref ormbemilhungen fehlschlagen, sondern auch, falls sie erfolgreich
sind. Eine stärkere UdSSR ist nicht
notwendigerweise eine freundlichere
UdSSR.
Das Endergebnis der Perestrojka
kann ich nicht voraussagen. Ich würde gern eine freie, demokratische Sowjetunion sehen, aber dies wäre dann
nicht mehr die Sowjetunion. Gorbatschows Ziel, das einzige Ziel, mit
dem sich seine Politik erklären läßt,
ist die Schaffung einer stärkeren,
leistungsfähigeren Sowjetunion. Gegenwärtig ist eine weniger aggressive
Außenpolitik diesem Ziel am ehesten
förderlich.
In einigen Bereichen,
etwa in Afghanistan, war Gorbatschow
bereit, mit der Vergangenheit zu brechen, wenn eine Fortführung der alten
Politik eine Hypothek für die Zukunft
bedeutet hätte.
Unsere Aufgabe besteht darin, zu
gewährleisten, daß dieser Prozeß anhält und daß letztlich Zurückhaltung
weiterhin im sowjetischen Interesse
liegt.
Es ist offenkundig, daß die Ära
Gorbatschow die Vereinigten Staaten
und ihre Verbündeten vor eine wesentlich
nuanciertere
Herausforderung
stellt als dies noch vor wenigen Jahren der Fall war. Ob beabsichtigt
oder nicht, diese Nuancen drohen den
Westen zu spalten, insbesondere die
Vereinigten Staaten und Europa und innerhalb Europas - die Bundesrepublik Deutschland und ihre Verbündeten. Dies muß uns natürlich Anlaß
zur Sorge geben, und wir sollten damit so gut wir können fertig werden.
Ich vertrete jedoch die Auffassung, daß unabhängig davon, wie groß
die Probleme des Westens bei der Bewältigung der neuen sowjetischen Herausforderung auch sein mögen, Gorbatschow mit noch
schwerwiegenderen
Problemen zu kämpfen hat. Die kommunistischen Parteien der DDR und der

CSSR haben bereits die meisten innenpolitischen
Reformen
Gorbatschows
verworfen. Die kommunistische Partei
Ungarns ist erheblich über sie hinaus
gegangen.
Wirtschaftspolitische
Zwänge haben die polnische Partei dazu veranlaßt, Ansätze in Erwägung zu
ziehen, die sie noch vor kurzem energisch verworfen hatte. In Rumänien
schließlich herrscht unter dem persönlichen Regiment Ceausescus eine
trügerische Ruhe. In diesen Ländern
wachsen ferner, ebenso wie in Jugoslawien und der Sowjetunion, die nationalen und ethnischen Spannungen.
Wiederum ist es unmöglich, das
Ergebnis vorherzusagen.
Über eines
sollten wir uns jedoch im klaren
sein: Die Krise des Wandels im Osten
wird nur dann zu einer Krise des Westens werden, wenn wir unsere Einigkeit nicht bewahren können. Es gibt
keine einzige Frage, sei es das Einsatzkonzept der NATO, die Verhandlungen über konventionelle Rüstung oder
die Wirtschaftsbeziehungen mit dem
Osten, die nicht am besten durch vereinte Maßnahmen des Westens beantwortet werden kann. Durch Verwirrung,
einseitige Handlungen oder unnötige
Panik über den Zustand der öffentlichen Meinung des Westens, die einem
kürzlich von Sir Geoffrey Howe geprägten Bonmot zufolge zu einem "gegenseitigen Striptease" bei den Waffensystemen
führen
würde,
werden
Chancen in Gefahren verwandelt. Der
Schlüssel zu den Ost-West-Beziehungen
sind deshalb wiederum die West-WestBeziehungen.
Ein weiterer Bereich der Herausforderung und der Chancen ist die Pazifikregion, insbesondere Japan. Die
Welt hat sich daran gewöhnt, daß amerikanische Unternehmer, Politiker und
Regierungsvertreter
das
pazifische
Jahrhundert ausrufen oder Japan zur
wirtschaftlichen Supermacht proklamieren.
Japans Aufstieg zu diesem
Status in den vergangenen dreißig
Jahren, ohne Krieg oder Depression,
ist gewiß eine hervorragende Leistung. Es ist jedoch an der Zeit,
damit aufzuhören, die Vergangenheit

�zu feiern.
kunft.

*

Was zählt, ist die Zu-

Kann Japans Zielstrebigkeit, Engagement und Kreativität im wirtschaftlichen Bereich für die umfassenderen Interessen des Westens nutzbar gemacht werden?
Kann Japans
wachsende weltpolitische Rolle auf
gemeinsame Ziele des Westens gerichtet werden anstatt auf enggefaßte nationale Ziele? Kann Japan eine Neuorientierung seiner Volkswirtschaft
einleiten, um die gegenwärtig bestehenden Ungleichgewichte zu korrigieren, ohne das internationale System
des freien Handels zu zerstören?
Dies sind Probleme für Japan,
aber es sind auch Probleme für den
Westen. Die Antworten werden nicht
nur Japans Sicherheit und Wohlstand
beeinflussen, sondern auch unsere und
die des Westens. Wir können "Lösungen erarbeiten", wie Ministerpräsident Takeshita zu sagen pflegt. Dies
wird
für alle Beteiligten nicht
schmerzlos ablaufen - vor allem für
Japan. Wir müssen jedoch gemeinsam
für Japan eine verantwortungsvollere
Rolle finden, weil die Alternative
unannehmbar ist.
Ich möchte etwas zitieren, was
ich vor einigen Monaten geschrieben
habe:
Eine Möglichkeit ist eine stärkere Einbindung Tokios in Beratungen
des Westens. Das Instrumentarium für
effektive Konsultationen mit Japan
ist nicht so gut entwickelt wie das
zwischen den Vereinigten Staaten und
Westeuropa. Gipfeltreffen der sieben
führenden Industriestaaten sind wichtig aber sie gestatten nicht die Art
von engen und andauernden Gesprächen,
die den Regierungen der Vereinigten
Staaten und Westeuropas durch die
NATO zur Verfügung stehen.
Selbstverständlich läßt sich die
Struktur der NATO nicht auf Japan
übertragen; Japan kann auch nicht in
den Konsultationsprozeß des Bündnisses einbezogen werden.
Es sollte

aber möglich sein, einen - auch informellen - Mechanismus zu schaffen,
der es uns erlaubt, regelmäßige Konsultationen über das gesamte Spektrum
politischer, wirtschaftlicher und militärischer Fragen durchzuführen, die
Japan, die Vereinigten Staaten sowie
die westeuropäischen NATO-Mitglieder
und die EG betreffen. Die Realität
der letzten Jahre dieses Jahrhunderts
besteht darin, daß die Welt der Demokratien zunehmend zu einer Welt dreier Machtblöcke wird. Der institutionelle Rahmen für Konsultationen und
Koordination zwischen diesen Machtblöcken wurde dieser Realität bisher
nicht angepaßt."
Schließlich möchte ich kurz auf
ein anderes Problem eingehen, das
durch einheitliche Maßnahmen des Westens am besten gelöst werden kann.
Man bezeichnet es als die Schuldenkrise der Dritten Welt, aber es ist
in Wirklichkeit eine Krise der Demokratie.
Nach und nach entscheiden
sich die Entwicklungsländer Lateinamerikas, der Pazifikregion und nun
auch in Afrika für persönliche Freiheit und politische Demokratie als
ihren Wegweiser in die Zukunft. Leider gibt es, wie ein Wirtschaftswissenschaftler einmal gesagt hat, "kein
Mittagessen
umsonst".
All
diese
freien Mittagessen aus den siebziger
Jahren müssen heute zurückgezahlt
werden. Wie die Ereignisse in unserer eigenen Hemisphäre, sei es in Venezuela oder Mexiko, erschöpfend bewiesen haben, sind Sparpolitik und
"Null-Wachstum" Formeln für Stagnation und echte Schwierigkeiten.
Ich möchte hier nicht auf bestimmte Lösungen eingehen. Der Präsident, der Außenminister und der Finanzminister
haben
übereinstimmend
erklärt, daß der gegenwärtig verfolgte Ansatz modifiziert werden muß. Es
ist jedoch einleuchtend, daß die Vereinigten Staaten das Problem nicht
allein lösen können. Unsere Verbündeten sind Teil der Lösung. Es wäre
gewissenlos, wenn wir andere demokratische Staaten herunterkommen lassen
würden, weil wir nicht genug getan

- 5 -

�haben.
Dies sind einige Beispiele für
Probleme, die teilweise aufgrund von
Erfolgen unserer früheren Maßnahmen
entstanden sind und die uns für die
Zukunft noch größere Erfolge versprechen, wenn sie angemessen behandelt
werden. Dazu ließen sich leicht weitere hinzufügen, etwa die Umwelt.
Durch sie alle zieht sich jedoch ein
roter Faden. Wenn wir im Westen eine
einheitliche Haltung einnehmen können, werden unsere Erfolgsaussichten
überproportional
vergrößert.
Wenn
wir versäumen, das richtige zu tun,
dann könnte uns die erste Hälfte des
21. Jahrhunderts fatal an die ersten
50 Jahre des Jahrhunderts erinnern,
auf dessen Ende wir gegenwärtig zusteuern.
Mit den Worten Benjamin Franklins, der über ein früheres Experiment der Kooperation sprach: Entweder wir ziehen alle an einem Strick,
oder wir werden an diesem Strick einzeln aufgehängt.

* * * *

�AMERIKA DIENST
VON

Hintergrundmaterial

**

22. März 1989

12

WALTERS NIMMT ABSCHIED VON DEN VEREINTEN NATIONEN
- Abschiedsbesuch bei Generalsekretär Perez de Cuellar NEW YORK - (AD) - Der amerikanische Chefdelegierte bei den Vereinten
Nationen seit 1985 und designierte
Botschafter der Vereinigten Staaten
in der Bundesrepublik Deutschland,
Botschafter Vernon Walters, hat UNOGeneralsekretär Perez de Cuellar am
15. März 1989 seinen Abschiedsbesuch
abgestattet und ein letztes Gespräch
mit bei der UNO akkreditierten Journalisten geführt. Der Nachfolger von
Walters bei der UNO ist Botschafter
Thomas Pickering.
Bei seiner letzten Zusammenkunft
mit UNO-Korrespondenten nannte Walters als Hauptprobleme, mit denen
Pickering während
seiner Amtszeit
konfrontiert sein werde, die "andauerndem Konflikte, insbesondere den
Nahost-Konflikt, der wahrscheinlich

United States Information Service
Embassy of the United States of America

von allen der komplizierteste ist,
den Konflikt um Zypern; ferner wird
er sicherstellen müssen, daß wir bei
Kambodscha und in der West-Sahara
Fortschritte erzielen."
Während der Amtszeit von Walters
bemühten sich die Vereinten Nationen
erfolgreich um die Herbeiführung eines Waffenstillstands im Golfkrieg,
die Einleitung der Verwirklichung des
UNO-Plans für die Unabhängigkeit Namibias, die Sicherstellung des vollständigen Abzugs der sowjetischen
Truppen aus Afghanistan sowie die
Durchführung einer Verwaltungs- und
Haushaltsreform.
Dies alles hat in
den Vereinigten Staaten die positive
Stimmung gegenüber den Vereinten Nationen verstärkt.

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Telex: 8-85432

�Meines Erachtens haben die Erfolge der Vereinten Nationen bei der Beendigung mehrerer Kriege Wirkung gezeigt", erklärte der Botschafter.
"Ich habe immer gesagt, ich sei das
einzige Kabinettsmitglied ohne Wählerschaft, und jetzt habe ich mir eine herangezogen."
Er lehnte es jedoch ab, sich diese Erfolge als eigenes Verdienst anzurechnen.
"Es hat ein atmosphärischer Wandel
in der Weltpolitik
stattgefunden,
dessen
glücklicher
Nutznießer ich gewesen bin", erklärte
Walters.
Walters führte ferner einen Teil
der Erfolge der UNO auf die neue Aussenpolitik der Sowjetunion zurück,
d!e seines Erachtens bis zu diesem
Wandel "vom amerikanischen Standpunkt
gesehen von nicht-permanenter Konfrontation geprägt zu sein schien".
In den Schlußverhandlungen über Namibia "war die Atmosphäre bei den Gesprächen mit ihnen (den Sowjets) völlig verändert, und ich begrüße dies",
erklärte er.
Des weiteren betonte er besonders
die Einigkeit der fünf ständigen Mitglieder des Sicherheitsrats, insbesondere bei der Verabschiedung von
Resolution 598, des UNO-Plans für einen umfassenden Frieden zwischen Iran
und Irak.
Der Botschafter sagte voraus, daß
der Generalsekretär "nach viel Gehabe" seitens des Iran und des Irak in
der Lage sein wird, Resolution 598
vollständig zu verwirklichen, da sowohl der Iran als auch der Irak "sich
für den Frieden entschieden haben,
und ... meines Erachtens ist der
Frieden unumkehrbar".
Auf Fragen zu den von der Sowjetunion vorgeschlagenen Reduzierungen
der
konventionellen
Streitkräfte
meinte Walters, die Europäer "denken,
daß Gorbatschow eine ganze Reihe von
Initiativen eingeleitet
hat.
Sie
sind sich nicht der großen Position
der Stärke bewußt, von der aus er

handeln kann. Er kann zum Beispiel
Reduzierungen in Europa vornehmen, er
hat nämlich 46 000 Panzer gegenüber
12 000 der NATO. Er hat doppelt soviel Artillerie, er hat doppelt soviel Flugzeuge für den Fronteinsatz,
da kann er schon sehr großzügig sein.
Er besitzt den traditionellen Vorteil, daß er seine Truppen nur über
die Weichsel bringen muß, was bedeutend leichter zu bewerkstelligen ist
als sie über den Atlantik zu transportieren."
Walters bezeichnete die "abgeschwächte Konfrontation zwischen den
Vereinigten Staaten und der Sowjetunion" als eine der wichtigsten Veränderungen seit dem Ende des Zweiten
Weltkriegs, die einen Einfluß auf die
internationalen Beziehungen hatte.
"Es ist nicht nur Gorbatschow allein", erklärte der Botschafter. "Es
mußte auch die Bereitschaft seitens
der Vereinigten Staaten bestehen.
Ich muß ihm jedoch einfach schon deshalb das Hauptverdienst zuschreiben,
weil er derjenige war, der den Menschen das Leben schwer gemacht hat,
und als er damit aufhörte, meinten
die Menschen 'er ist ein großer
Mann', denn er hat aufgehört, uns das
Leben schwer zu machen.'"

* * * *

�v&lt;fc° s &gt;&lt;

VON

*

AMERIKA DIENST
Wissenschaft und Technik

22. März 1989

12

ERFOLGREICHER "DISCOVERY"-FLUG
Reiche Ausbeute für Technik, Forschung und Fotodokumentation -

WASHINGTON - (AD) - Mission 28 der bemannten Raumtransporterflüge der NASA
(U.S. Behörde für Luft- und Raumfahrt) ist erfolgreich beendet. Nach dem
Start am 13. März 1989 kehrte der Orbiter mit seiner fünfköpfigen Besatzung Kommandant Michael Coats, Kopilot John Blaha, James Buchli, Robert Springer
und James Bagian als Missionsspezialisten - am 18. März 1989 zur Erde zurück.
DISCOVERY landete um 15.36 Uhr auf einer Piste der Edwards Air Force Base in
Kalifornien. Am Kap Canaveral sind mittlerweile die Vorbereitungen für den
Start der Venus-Sonde MAGELLAN im April angelaufen.

Ungewöhnliche
Druckschwankungen
in einem der drei Wasserstofftanks,
die
die
Brennstoffzellen
der
DISCOVERY versorgten, hatten befürchten lassen, daß der Flug um einen Tag
verkürzt werden müßte. Die Astronauten waren angewiesen worden, den Tank
abzuschalten und den Stromverbrauch
einzuschränken.
In einer Wasserstoffleitung zu einer der Brennstoffzellen, in denen durch eine chemische
Reaktion
zwischen Wasserstoff und
Sauerstoff Strom erzeugt wird, klemmte ein Ventil. Das technische Problem konnte jedoch gelöst, das Programm ohne Einschränkungen durchgeführt werden.
Die wichtigste Aufgabe der Mission, das Absetzen des Kommunikationssatelliten TDRS-D und dessen Start zu

United States Information Service
Embassy of the United States of America

seinem
vorläufigen
"Standort" in
35 680 km Höhe, war bereits sechs
Stunden nach Verlassen des Weltraumbahnhofs Kap Canaveral erledigt. Die
18,5 Tonnen schwere Nutzlast, von der
allein 16,5 Tonnen auf das zweistufige eigene Antriebssystem entfielen,
benötigte anschließend fünf Stunden
für den Aufstieg. Nach Beendigung
der Aktivierungsprozeduren und Funktionstests, die über Hawaii vorgenommen werden, wird das neue TDRS-Gerät
ostwärts zu seinem endgültigen Standort über der Ostspitze von Brasilien
am 41. Längengrad manövriert. Es ersetzt dann den im April 1983 gestarteten ersten TDRS-Satelliten, den man
anschließend über Südamerika am 79.
Längengrad "parken" und so in Reserve
halten will.

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Telex: 8-85432

�TDRS-2, im September vergangenen
Jahres beim ersten DISCOVERY-Flug
nach dem Unglück der CHALLENGER im
Januar 1986 gestartet, steht über dem
Zentralpazifik am 171. Längengrad.
Mit Hilfe dieser beiden Kommunikationssatelliten kann die NASA mit bemannten und unbemannten Satelliten in
niedrigen Umlaufbahnen nicht nur zu
85 Prozent der Zeit ständig Verbindung halten, sondern von ihnen auch
erheblich mehr Daten als bisher bekommen. Dies ist zum Beispiel für
die Funkverbindung mit dem HubbleWeltraumteleskop, das noch in diesem
Jahr gestartet werden soll, und erst
recht mit der künftigen Raumstation
von größter Bedeutung.
Durch die
TDRS-Geräte werden einige Bodenstationen überflüssig.
Die Funktionen
von
drei
Stationen
in
Spanien,
Australien und Kalifornien wurden bereits anderen Bereichen übertragen.
Sechs weitere Stationen werden in
Kürze geschlossen oder an andere Behörden abgegeben.
Die Astronauten hatten eine Reihe
von Experimenten zu betreuen, von denen zum Glück keines durch den vorübergehenden Strommangel beeinträchtigt wurde. Das größte Versuchssystem war ein über 15 m langer Temperaturregulator in der Nutzlastbucht,
der auf seine Eignung zur Verwendung
in einer künftigen Raumstation erprobt
wurde.
Weitere
technische
Tests galten unter anderem Neuentwicklungen für den Raumtransporter.
Wissenschaftliche Experimente an
Bord sollten unter anderem spezielle
Fragen der Pflanzenentwicklung, der
Zellteilung bei Pflanzen und der für
ihr Wachstum in Behältern erforderlichen Atmosphäre im Hinblick auf die
mögliche Errichtung
von Mondbasen
klären helfen.
Den Einfluß der
Schwerelosigkeit auf die weitere Entwicklung von Hühnerembryonen wollen
Studenten an den Küken untersuchen,
die aus den 32 Hühnereiernn schlüpfen
werden, die im Mitteldeck des Orbiter
verstaut waren. An vier weißen Ratten, denen an einem Beim ein kleines
Stück Knochen entfernt worden war,

wird man nun den möglichen Einfluß
der Schwerelosigkeit auf den Heilungsprozeß studieren. Dieses Experiment war von der Orthopädischen
Klinik der Universität Südkalifornien
(Los Angeles) gefördert worden.
Viel Zeit verwendeten die Missionsspezialisten auf Filmaufnahmen
von unserem Planeten mit einer 70-mmSpezialkamera
der
Firma IMAX in
Toronto (Kanada). Für eine Umweltdokumentation filmten sie zum Beispiel weite Regionen Afrikas, Südamerikas und der Vereinigten Staaten.
Sie brachten umfangreiche Bildserien
vom Viktoria-See und dem Gebiet um
den Kilimandscharo in Tansania, von
der vordringenden Wüste am TschadSee, der fortschreitenden Entwaldung
des Niger-Deltas sowie von überschwemmten Trockengebieten im Bereich
des Limpopo in Südafrika zurück.
Auch die Auswirkungen der schweren Regenfälle in letzter Zeit in
Peru, Zerstörungen durch den Wirbelsturm Gilbert im September in Jamaika, durch den Ausbruch des Vulkans
Pacäya Anfang dieses Monats in Guatemala sowie durch einen Waldbrand wurden erfaßt, der gegenwärtig in einem
Nationalpark im Südwesten der Vereinigten Staaten wütet.
Mit Fernsehkameras wurden Gewitterfronten samt Blitzentladungen in
der Nähe von Brisbane (Australien)
aufgenommen. Die infolge der starken
Sonnenaktivität während der Flugtage
besonders
auffälligen
Polarlichter
hofften die Astronauten ebenfalls dokumentieren zu können. Die Aufnahmen
sollen zu einem für eine Großprojektion geeigneten Farbfilm zusammengefaßt werden. Das Projekt wird von
der NASA und dem "Nationalen Luftund Raumfahrtmuseum" der Smithsonian
Institution in Washington gemeinsam
getragen.

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Anhaltende Probleme im Westen trotz Erfolgen der NATO&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede des Stellvertretenden Außenministers im Kongreß&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Walters nimmt Abschied von den Vereinten Nationen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Abschiedsbesuch bei Generalsekretär &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Perez de Cuellar&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Erfolgreicher "DISCOVERY"-Flug&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Reiche Ausbeute für Technik, Forschung und Fotodokumentation&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST
'VON

*

15. März 1989

11

y

I N H A L T

INFORMATION

Cheney bringt reichen Erfahrungsschatz In sein Amt mit
- Porträt des designierten Verteidigungsministers Richard Cheney

DOKUMENTATION

Ost-West-Gespräche_über_ konventionelle Waffen gut gestartet
- Pressekonferenz von Botschafter Ledogar USA__flir feste, angemessene Maßnahmen gegen Irans^jJrjqhungeji
- Erklärung von Alvin Adams vor Senatsunterausschuß Vereinigte Staaten wollen "Mauer des Mißtrauens" in Europa abbauen
- Ansprache von John Maresca -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK

Muskeldystrophie, Typ Duchenne
- Erster Erfolg zur Defektkorrektur im Tierversuch Tabak als Droge einstufen
- Nationaler Krebsbeirat fordert Kampagnen gegen das Rauchen -

* * * * *

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Information

15. März 1989

11

CHENEY BRINGT REICHEN ERFAHRUNGSSCHATZ IN SEIN AMT MIT
- Porträt des designierten Verteidigungsministers Richard Cheney -

WASHINGTON - (AD) - Der am 10.
März 1989 als Verteidigungsminister
nominierte Richard B. Cheney hat
trotz seines vergleichsweise jugendlichen Alters von 48 Jahren sowohl in
der Legislative als auch in der Exekutive unschätzbare Erfahrungen gesammelt .
Cheney ist seit 1978 als einziger
Abgeordneter seines Heimatstaates Wyoming im Repräsentantenhaus aktiv.
Er hat in Ausschüssen wichtige Aufgaben übernommen und wurde im vergangenen Dezember einstimmig zum Fraktionsgeschäftsführer der Republikaner
im Repräsentantenhaus, der zweitwichtigsten
Führungsposition
innerhalb
der republikanischen Minderheit, gewählt .

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Embassy of the United States of America

Zu Beginn und Mitte der siebziger
Jahre hatte Cheney, der seine politische Laufbahn als Referendar in der
gesetzgebenden Körperschaft von Wyoming begann, in den Administrationen
von Nixon und Ford eine Reihe von
Führungsaufgaben inne.
Im Jahr 1975 wurde er von Präsident Ford zum Stabschef des Weißen
Hauses ernannt und damit Nachfolger
von Donald Rumsfeld, der diese Stelle
aufgab, weil er Verteidigungsminister
wurde.
Präsident Bush nominierte Cheney
nur 24 Stunden nachdem der Senat den
vorher von ihm für den Posten im Pentagon ausgewählten Senator John Tower
abgelehnt hatte. Er bezeichnete den
Abgeordneten aus Wyoming als "einen

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�allgemein
respektierten
Mann
mit
Grundsätzen" und erklärte: "Ich bin
überzeugt davon, daß er ein großartiger Führer der Streitkräfte unseres
Landes sein wird."
Dick Cheney's Wahl in die Führungsspitze der Republikaner im Repräsentantenhaus
verweist auf die
jüngste Tendenz der Partei, jüngeren
Mitgliedern wichtige Ämter zu übertragen. Dem Abgeordneten gelang der
Aufstieg, nachdem er sich seit Mitte
des Jahres 1987 in seiner Eigenschaft
als Vorsitzender der Konferenz der
Republikaner
im
Repräsentantenhaus
für eine "sehr aggressive" Arbeitsweise einsetzte, um der Partei zur
Mehrheit zu verhelfen.
Darüber hinaus rückte der designierte Verteidigungsminister 1987 als
Mitglied des Kongreßausschusses, der
die Iran-Contra Affäre untersuchte,
ins Blickfeld der Öffentlichkeit. Er
stellte sich bei den landesweit im
Fernsehen
übertragenen
Anhörungen
ausdrücklich auf die Seite Präsident
Reagans.

Cheney arbeitete zunächst im Büro
des Abgeordneten von Wisconsin, William Steiger, und ging dann ins Weiße
Haus, um sich unter dem damaligen Direktor des Büros für Wirtschaftsförderung, Rumsfeld, den Beziehungen mit
dem Kongreß zu widmen.
In den Amtsjahren von Nixon war
er bis 1973 stellvertretender Leiter
der Arbeit des Rates für die Lebenshaltungskosten und trat später zeitweise in ein Wirtschaftsberatungsunternehmen ein.
Bei der Amtsübernahme Präsident
Fords im Jahr 1974, arbeitete Cheney
in dessen Ubergangsteam und wurde im
September desselben Jahren stellvertretender persönlicher Referent des
Präsidenten. Im November 1975 wurde
der dann dessen persönlicher Referent
und Stabschef des Weißen Hauses.
Cheney ist mit Lynne Ann Vincent
verheiratet und hat zwei Töchter.
Zusammen mit seiner Frau schrieb er
ein 1983 veröffentlichtes Buch über
das Repräsentantenhaus, Kings of the

Hill.
In seiner Laufbahn hat Cheney
konservative Meinungen vertreten und
sich bei zahlreichen Gelegenheiten
für eine Beibehaltung starker Streitkräfte ausgesprochen.
Zum Beispiel
warnte er bei seinem Auftritt anläßlich einer Zusammenkunft republikanischer Gouverneure zu Beginn der Reagan-Administration davor, daß innenpolitische Programme nicht auf Kosten
des Verteidigungshaushalts ausgebaut
werden sollten.
Cheney wurde am 30. Januar 1941
in Lincoln, Nebraska geboren und
schloß 1959 in Casper, Wyoming seine
Schulausbildung ab. Nach einem kurzen Zwischenspiel in Yale machte er
an University of Wyoming Examen.
Nachdem er dort auch seinen Magister erworben hatte, promovierte er
an der University of Wisconsin und
kam 1968 über ein Stipendium der American Political Science Association
nach Washington.

- 2-

* * * * *

-

�AMERIKA DIENST
Dokumentation

VION &amp;

15. März 1989

11

OST-WEST-GESPRÄCHE ÜBER KONVENTIONELLE WAFFEN GUT GESTARTET
- Pressekonferenz von Botschafter Ledogar WIEN - (AD) - Bei einer nach der ersten Plenarsitzung der VSBM-Verhandlungen abgehaltenen Pressekonferenz in der Wiener Hofburg bezeichnete Botschafter
Stephen J. Ledogar es am 9. März 1989 als "ermutigend", daß Ost und West offensichtlich in vielen Bereichen dieselben Ziele anstrebten. Dem westlichen
Vorschlag zufolge würde die Konzentration der Streitkräfte "vom Atlantik bis
zum Ural" erheblich reduziert und in einer Weise aufgelockert, die keine negativen Auswirkungen auf die Sicherheitsinteressen der an den VSBM-Verhandlungen
teilnehmenden Staaten des Warschauer Pakts und der NATO hätte.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Pressekonferenz von Botschafter Ledogar im Wortlaut:
Wir hatten heute ein nützliches
erstes Treffen im Rahmen der neuen
Verhandlungen. Ich würde es als guten Beginn charakterisieren.
Der
Osten hat uns seine Ideen in Form eines konzeptionellen Rahmens mitgeteilt.
Meines Erachtens ist die
Presse über vieles davon informiert
worden, aber ich bin nicht ganz sicher.
Dieser
"konzeptionelle
Rahmen"
enthält unserer Ansicht nach nichts
entscheidend Neues. Er geht auf den
"Budapester Appell" von 1986 zurück.
Er enthält auch nicht die Art von Details, wie sie für den Vorschlag der
NATO charakteristisch sind. Es mangelt ihm an verwertbarem Zahlenmaterial, und er beinhaltet auch keine
spezifischen Unterregionen etc.

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Embassy of the United States of America

Es ist jedoch festzustellen, daß
West und Ost vielfach dieselben Ziele
anzustreben scheinen, und das ist ermutigend:
A. Wir sind daran interessiert,
die Vorteile und Asymmetrien die destablisierenden Elemente zu reduzieren;
B. Wir wollen die Waffensysteme
definieren, die Anlaß zu Besorgnis geben. Es bestehen bei unseren Listen einige Gemeinsamkeiten
- aber es gibt auch wesentliche
Differenzen;
C. Der Osten möchte die offensiv
ausgerichteten Einheiten reduzieren - auch wir sind daran interessiert;

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�D. Wir möchten Übereinstimmung
über obligatorische Verifizierung
erlangen. Was ich heute über die
Vorstellungen des Ostens zur Verifizierung, wie etwa die Inspektionsmethoden, gehört habe, war
recht ermutigend.
Selbstverständlich bestehen weiterhin einige Meinungsverschiedenheiten, die bereits heute offen zutage
getreten sind:
A. Der Zeitpunkt der Behandlung
von Flugzeugen und deren Definition;
B. Die Behandlung der Personalstärken - aber dies stellt meines
Erachtens kein so schwerwiegendes
Problem dar, wie man erwarten
könnte;
C. Das Ausmaß der Reduzierungen
in der ersten Phase;
D. Die Behandlung des Problems
der Lagerung von Waffensystemen;
E. Wir haben erhebliche Zweifel
an dem Versuch, Rüstungskontrolle
durch Verhandlungen über die Verteidigungshaushalte anzustreben.
Insgesamt gesehen haben wir jedoch meines Erachtens einen guten Anfang gemacht. Ich werde jetzt gern
ihre Fragen beantworten.
Frage:
Herr Botschafter, Botschafter Grinewski hat heute morgen erklärt, die erste Reduzierungsphase
könne bis 1994 abgeschlossen sein.
Halten Sie dies für machbar oder
könnte es sogar schon zu einem früheren Zeitpunkt der Fall sein?
Und
zweitens, warum möchte der Westen gegenwärtig nicht über die Truppenstärken sprechen?
Antwort:
Unser Vorschlag enthält
keine Zeitangaben. Wir halten dies
nicht für einen Mangel. Wenn wir
breite Übereinstimmung über Umfang
und Form eines ersten Abkommens erzielt haben, wird es an der Zeit

sein, über den zeitlichen Rahmen zu
sprechen.
Zur zweiten Frage sind wir der
Überzeugung, daß die destabilisierendsten Elemente der konventionellen
Streitkräfte massierte Feuerkraft und
gepanzerte Kräfte, schnell bewegliche
Ausrüstung und Truppen sind. Wir behandeln die Truppen anfangs im Rahmen
der Frage gepanzerter Mannschaftstransportwagen.
Vereinzelte Behauptungen, wir strebten nicht nach Truppenreduzierung, treffen nicht zu.
Wenn wir die Begrenzungen und Reduzierungen bei den von uns spezifizierten Kategorien - Panzer, Artillerie, gepanzerte Mannschaftstransportwagen - behandeln, würde auch die damit zusammenhängende Personalstärke
gesenkt.
Wenn Sie einmal unseren
Vorschlag genau studieren, werden sie
feststellen, daß wir diese Frage im
Abschnitt über Informationsaustausch
ansprechen. Die Informationen würden
nicht nur Ausrüstung sondern auch
Truppen betreffen.
Zum Thema der
Truppen bin ich nicht der Meinung,
daß unsere Differenzen ebenso groß
sind. Es ist eine Frage der Gewichtung.
Frage:
Herr Botschafter, besteht
innerhalb der NATO Uneinigkeit darüber, daß Zone 4 dasselbe ist wie die
alte MBFR-Zone?
Antwort: Die Antwort ist Nein, es
herrscht keine Uneinigkeit. Wir ziehen es vor, dies als Gebiete oder Regionen zu bezeichnen.
Ich möchte
versuchen, Ihnen dies besser zu erläutern.
(Der Botschafter bittet
seinen Assistenten, einige Landkarten
zu präsentieren.)
Das Mandat geht davon aus, daß
der Anwendungsbereich der Verhandlungen "vom Atlantik bis zum Ural"
reicht. Wir mußten das definieren.
Wir mußten die Tatsache berücksichtigen, daß es bestimmte Inselterritorien gab, die nicht unbedingt von jedermann als Teil des europäischen
Kontinents verstanden wurden. Natürlich ist Island einer der Teilnehmer,

�und wir haben Spitzbergen und andere
spezifiziert, darunter die Azoren,
die Kanarischen Inseln etc.
Auch
über die Frage, welcher Teil der
asiatischen Türkei in die Gespräche
einbezogen werden sollte, haben wir
lange verhandelt.
Das ist also das Gebiet "vom Atlantik bis zum Ural". Diese erste
Karte zeigt das Gesamtgebiet. Und
Sie werden feststellen, daß unsere
Maßnahme 4, Unterabschnitt 1, dieses
gesamte Gebiet betrifft.
Ich werde nun versuchen, aufzuzeigen, wie wir konzentrische Regionen definiert haben und wie wir mit
abnehmender Größe innerhalb dieser
Regionen Untergrenzen festlegen. Wir
reduzieren einige der Streitkräfte.
Wenn Sie eine Untergrenze haben, dann
kann in jeder Unter-Region nicht mehr
als ein bestimmter Anteil der zugelassenen
Gesamtstärke
stationiert
sein.
Die Logik unseres Vorschlags lautet folgendermaßen:
In Nummer eins, Regel eins,
sprechen wir über Gesamtbegrenzungen
für beide Seiten.
- In Nummer zwei behandeln wir
das Problem, daß kein einzelner Teilnehmer auf seiner Seite dominieren
sollte. Regel zwei besagt, daß kein
Teilnehmer mehr als 30 Prozent der
Gesamtstärke besitzen darf.
- In Nummer drei haben wir immer
noch das Problem, wie viel außerhalb
der Grenzen eines Teilnehmerstaats
stationiert sein darf, also besagt
Regel drei, daß kein Bündnis zusammen
eine bestimmte Gesamtstärke der ausserhalb der Grenzen der Entsenderstaaten stationierten Truppen überschreiten darf.
Nun zu Regel vier - da wir immer
noch nicht das Problem der destablisierenden Konzentrationen gelöst haben. Regel vier betrifft eine Reihe
miteinander verknüpfter Regionen, die

dazu führen, bestimmte Streitkräfte
zu verdrängen, wenn diese vier Untergrenzen in einem Schritt eingeführt
werden. Ich möchte dies klarstellen
- das Endergebnis besteht in der obligatorischen Verteilung der Streitkräfte über das gesamte Verhandlungsgebiet.
Dies ist also Unterregel 4, Paragraph 2. Wir haben abgebaut und damit fallen auf der Westflanke Norwegen und Island heraus, die sowjetischen Militärbezirke im Norden und
an der Südflanke Griechenland und die
Türkei, ebenso der Trans-Kaukasus,
der Kaukasus und die Militärbezirke
von Kiew.
Als nächstes behandeln wir Regel
4, Unterregion 3, und hier sehen Sie,
daß wir auf der anderen Achse Beschränkungen vorgenommen haben, die
erfordern, daß bestimmtes zusätzliches Territorium und weitere Streitkräfte ausgenommen werden. Die unter
diesem Punkt erlaubten Zahlen liegen
Ihnen vor, und dies erfordert die
Auflockerung
bestimmter
anderer
Streitkräfte. Sie werden sehen, daß
es die Iberische Halbinsel auf der
westlichen Seite und die sowjetischen
Militärbezirke - zwischen ihren westlichen Bezirken und dem Ural - im
Osten sind.
Schließlich wenden wir uns der in
Regel 4, Unterregion 4 beschriebenen
Bereich zu. Dieser Bereich betrifft
genau den Punkt, der bereits Gegenstand
anderer
Verhandlungen
war.
Aber diese Zusmmentreffen hat nichts
hiermit zu tun, außer in bezug auf
die militärischen Gegebenheiten, die
es notwendig machen.
Es bestehen
überhaupt keine politischen Beziehungen.
Vergleiche mit MBFR hinken,
wenn man dies zu verstehen sucht,
weil diese vier miteinander verknüpften Unterregionen alle gleichzeitig
in Kraft treten. Wir konzentrieren
uns nicht insbesondere auf irgendeine
dieser Zonen und wenden ihnen keine
besondere Aufmerksamkeit
zu.
Wir
schlagen ein Netz von Regionen vor,
die alle zusammen den Effekt erbrin-

- 3 -

�gen, daß
werden.

die

Streitkräfte

verteilt

Ich bedaure, daß ich so detailliert darauf eingehen muß, aber meiner Ansicht nach bestanden hierbei
eine Reihe von Mißverständnissen.
Frage:
Herr Botschafter, der sowjetische Vertreter hat erklärt, er
würde ein erstes Abkommen vor 1992,
dem Datum der nächsten Konferenz in
Helsinki, befürworten.
Stimmen Sie
dem zu? Meine zweite Frage zielt darauf ab, daß Sie in einem WorldNetInterview im Februar erklärt haben,
im Verlauf der Verhandlungen könnten
Flugzeuge einbezogen werden.
Wann
könnte das Ihrer Ansicht nach möglich
sein?
Antwort:
Wir im Westen sind sehr
vorsichtig in bezug auf die Festlegung von Terminen.
Meiner Ansicht
nach wäre es verfrüht, Termine zu
setzen, und es ist unklug, ein wichtiges Thema wie die konventionellen
Streitkräfte unter dem Druck von Terminen zu verhandeln. Dies ist auch
einer der Gründe, warum wir dieses
besondere Verhältnis zum KSZE-Prozeß
haben - wir haben unser Mandat so
vorsichtig
vorbereitet,
daß
der
KSZE-Zeitplan nicht gegen uns arbeitet.
Was die Vorschläge des sowjetischen Vertreters im Hinblick auf
1992 betrifft, so ist meine Reaktion
darauf: Warum nicht eher?
Es ist
möglich, daß wir mehr Zeit benötigen
werden, aber ich hoffe, wir werden
weniger Zeit brauchen.
Wie Sie beim Mandat gesehen haben, schließen wir Flugzeuge nicht
aus. In unserem Vorschlag legen wir
jedoch dar, daß die drei gezählten
Kategorien Panzer, schwere Artillerie
und gepanzerte Mannschaftstransportfahrzeuge erste Priorität haben sollten. Unserer Ansicht nach sind dies
die Waffen, die direkteste Auswirkungen auf die in den ersten Abschnitten
des Mandats und des Vorschlags niedergelegten Zielsetzungen haben.

Frage:
Herr Botschafter, gibt es
im Hinblick auf Flugzeuge Umstände,
unter denen sie diese in die erste
Phase einschließen würden?
Antwort:
Sie haben die Position
des Bündnisses vernommen. Meine Meinung dazu lautet, wenn wir die Flugzeuge und ihre Zahl genau festlegen,
würden die Sowjets ihre Forderung
nach einer Betonung der Flugzeuge zurückziehen. In genau diesem Bereich
spielt der Osten unglücklicherweise
das alte Spiel "was mir gehört, behalte ich, und was Euch gehört, kann
ausgehandelt werden."
Sie wollen
mehr als die Hälfte der Flugzeuge des
Ostens beseite nehmen und ihnen dann
eine rein defensive Rolle zuweisen.
Nachdem sie also 7 000 ausgenommen
haben, erklären sie, die NATO sei ihrer Zählweise zufolge im Vorteil, und
wir sollten eine Reduzierung vornehmen. Wenn wir uns also meiner Ansicht nach zunächst der Frage zuwenden, über welche Art von Flugzeugen
wir sprechen und wessen Flugzeuge
ausgenommen werden, wird das Problem
gelöst.
Frage:
Herr Botschafter, die Sowjetunion hat klar herausgestellt,
daß Nuklearwaffen zwar kein Teil dieser Verhandlungen sind, sie aber dennoch einer Modernisierung dieser Raketen in Europa nicht zustimmen. In
welchem Maße sind davon diese Verhandlungen hier betroffen?
Antwort: Das Mandat besagt eindeutig, daß Kernwaffen nicht Gegenstand
dieser Verhandlung sind. Das Mandat
besagt ferner ganz klar, daß vielfältig einsetzbaren Waffensystemen keine
besondere
Aufmerksamkeit
zugewandt
wird. Als Ergebnis davon wird die
schwere Artillerie, mit der auch nukleare Munition abgefeuert werden,
nur im Hinblick auf ihre konventionelle
Fähigkeit
behandelt
werden
kann. Wenn diese abgebaut wird und
das auch zu einer Reduzierung der nuklearen Fähigkeiten führt, ist dies
eine zwangsläufige und keine gewollte
Entwicklung.

�Soviel zum Hintergrund. Um etwas
genauer auf Ihre Frage einzugehen, so
hat Schewardnadse bei seinem Besuch
im Januar zum Abschluß des KSZE-Folgetreffens und erneut vor drei Tagen
erklärt, daß die mit diesen Verhandlungen abgezogenen sowjetischen Einheiten ihre taktischen Nukelarwaffen
mitnehmen würden.
Das ist nicht
überraschend.
Alle zum Abzug bestimmten Einheiten werden ihre schwere Artillerie mitnehmen, die unter
Umständen in der Lage sein kann, nukleare Munition abzufeuern.
Der wahre Grund für diese sowjetische Gewichtung ist der Wunsch nach
Verschärfung eines in Brüssel behandelten Problems der NATO, und ferner
soll in unsere Gespräche hier die
Frage eingebracht werden, wann, ob,
wie und wo man von INF zu dem gelangen kann, was wir SNF nennen, das
heißt, zu Verhandlungen über nukleare
Systeme mit Reichweiten von 500 oder
weniger Kilometern. Es bestehen keine Unstimmigkeiten unter den 16 Verbündeten darüber, daß Nuklearsysteme
von den Verhandlungen ausgenommen
sind. Dazu gibt es einen Konsens.
Fragen darüber, ob, wo und wann nukleare Kurzstreckensysteme in anderen
Verhandlungen
abgehandelt
werden,
sind Fragen, die NATO-Vertretern in
Brüssel oder in den Hauptstädten der
NATO-Länder gestellt werden sollten.
Frage: Wenn wir die Zahlen und die
Zonen betrachten, die uns die NATO
bietet, sieht es so aus, daß sich in
der Bundesrepublik und der Türkei die
Streitkräfte konzentrieren und in anderen Teilen in geringerem Maße vorhanden sind. Die Bundesrepublik wird
stärker militarisiert sein als andere
Bereiche des Bündnisses.
Antwort:
Das ist sicherlich nicht
unsere Absicht, und das ist nicht die
Interpretation aller 16 Länder im
Hinblick auf diesen Vorschlag. Die
Auswirkung unseres Vorschlags ist genau das Gegenteil. Er will die Konzentration der Streitkräfte in der
Mitte Europas verringern, dies aber
auf eine Weise tun, die die Sicher-

heitsinteressen keiner Partei - und
sicher nicht die Sicherheitsinteressen eines NATO-Landes wie die Türkei,
Norwegen, Griechenland, Spanien und
Portugal - verletzt. All dies ist
sehr sorgfältig erarbeitet worden.
Es ist ein ausgeklügelter Vorschlag,
in den viele Überlegungen eingeflossen sind, und ich wünsche mir, wir
hätten bei vorangegangenen Verhandlungen diese Art der Arbeitsweise angewandt.
Ich denke, wenn Sie die
Möglichkeit haben, dies eingehend zu
studieren, werden sie sehen, daß diese Verhandlungen genau das Gegenteil
von dem tun, was sie andeuten.
Frage:
Ich habe eine Frage über
die Detailliertheit bei der NATO-Position. Die Haltung der NATO scheint
detaillierter zu sein als die Position der Sowjets. Erwarten Sie mehr
Details von sowjetischer Seite?
Antwort: Darauf hoffen wir sicherlich. Aber meiner Ansicht nach gibt
es genügend Gemeinsamkeiten, auf denen wir aufbauen können. Am Montag
werden wir anfangen, die Punkte der
Übereinstimmung
festzulegen.
Wir
werden uns gegenseitig Fragen stellen, weiter ausholen und sicherstellen, daß wir die Vorschläge der anderen Seite verstehen. Wie Sie ausführten, fehlen der östlichen Seite
die Einzelheiten, die wir in unseren
Vorschlägen darlegen, aber ich denke
nicht, daß dies eine Hindernis für
eine baldige Bewegung bildet.
Frage:
Obwohl beide Seiten ihre
Zufriedenheit über einen guten Anfang
bekundet haben und auf die gleichen
Ziele zuzustreben scheinen, gibt es,
wie Sie und Herr Grinewski betonten,
zahlreiche Komplikationen. Bei welchen Themen der KSE-Verhandlungen wäre Ihrer Ansicht nach eine Einigung
am schwierigsten zu erzielen?
Antwort: Das erinnert mich an die
Frage des Optimisten und des Pessimisten: Ist das Glas halb voll oder
halb leer? Ich möchte keine Durchbrüche oder schnellen Fortschritte
vorhersagen.
Ich möchte auch keine

- 5 -

�bevorstehenden Sackgassen prognostizieren. Ich habe in meiner Eröffnungsansprache daruf verwiesen, daß
es eine Reihe von Bereichen der Übereinstimmung gibt, aber dennoch einige
Punkte, die möglicherweise Schwierigkeiten bereiten werden. Ich möchte
den hier dargelegten Punkten nicht
vorgreifen.
Zu Ihrer Erinnerung:
ich habe
einige Bereich angeschnitten, in denen Unstimmigkeiten bestehen - ihre
Zählweise unterscheidet sich von unserer, etwa bei den Hubschraubern und
Flugzeugen
und
den Soldaten, es
bleibt unklar, wie weit die Reduzierungen in einer ersten Phase gehen
sollten und wie das Problem der Lagerung von Waffen und der Militärhaushalt behandelt werden sollten.
Vielen Dank.

* * * *

�:e° S&gt;.

AMERIKA DIENST
Dokumentation

15. März 1989

11

USA FÜR FESTE, ANGEMESSENE MASSNAHMEN GEGEN IRANS DROHUNGEN
- Erklärung von Alvin Adams vor Senatsunterausschuß WASHINGTON - (AD) - Angesichts der terroristischen Todesdrohung des Iran
gegen den britischen Autor Salman Rushdie sowie Verlage und Buchhandlungen
verfolgen die Vereinigten Staaten dem stellvertretenden Koordinator für Terrorismusbekämpfung im US-Außenministerium, Alvin Adams, zufolge eine Politik der
Festigkeit und der angemessenen Reaktion. Vor dem Unterausschuß des Senats
für Terorismus, Drogenhandel und Internationale Operationen gab Adams die folgende Erklärung ab, die wir im Wortlaut veröffentlichen:
Ich begrüße diese Gelegenheit,
mit Ihnen und den Mitgliedern Ihres
Unterausschusses
über
die
Affäre
Rushdie zu sprechen.
Diese Affäre
ist mit ihrer eigentümlichen Verwicklung innen- und außenpolitischer Elemente äußerst komplex und entzieht
sich angesichts der von ihr berührten
hochbrisanten politischen und religiösen Aspekte jeglicher Berechenbarkeit.
Wir möchten von Anfang an klarstellen, daß wir energisch für die
Meinungsfreiheit eintreten, die wir
als grundlegendes Menschenrecht betrachten. Dieses Recht steht allen
Menschen in der Welt zu. Des weiteren wird es für Amerikaner ausdrücklich in unserer Verfassung bekräftigt. Wir - alle, die wir hier ver-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

treten sind und die anderen Mitglieder der Bundesregierung - werden alles in unserer Macht Stehende tun, um
dieses Recht zu schützen.
Wir nehmen die von Teheran in Zu^
sammenhang mit Salman Rushdies Buch
"Die satanischen Verse" ausgesprochenen Drohungen sehr ernst. Die Reaktionen auf das Buch haben in Südasien
bereits zu erheblichen Ausschreitungen geführt und könnten auch das Motiv für die Brandanschläge auf zwei
Buchläden in Berkeley sowie auf The
Riverdale Press in New York liefern.
Wir betrachten die Drohungen gegen
Rushdie und sein Buch als Aufforderung zur Ausführung eines terroristischen Anschlags, die in den internationalen Beziehungen unserer Zeit ihresgleichen sucht. Die Aufforderun-

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�gen zur Ermordung Rushdies seitens
der iranischen Führung erscheinen vor
dem Hintergrund der ausgesetzten hohen Belohnungen noch abstoßender.
Bei der Beschäftigung mit diesen
Drohungen müssen wir zugleich jedoch
einen klaren Kopf bewahren, ihren
Charakter kühl bewerten und eine
wirksame Reaktion darauf ausarbeiten.
Dies ist nicht das erste Mal, daß wir
ernsthaften Drohungen
seitens des
Iran oder anderer, den internationalen Terrorismus unterstützender Staaten ausgesetzt sind, und es wird auch
nicht das letzte Mal sein.
Was wir tun müssen, und was wir
auch tun, ist, die seit langem bestehenden Prinzipien und Taktiken anzuwenden, die zur Abwehr terroristischer Drohungen entwickelt wurden.
Dazu gehören Festigkeit angesichts
von Einschüchterungsversuchen sowie
eine angemessene, mit unseren Freunden abgestimmte Reaktion, die sich an
einer wirksamen und realistischen
Strategie orientiert.
Von unserer Seite gibt es mehrere
unterschiedliche Reaktionen auf die
Affäre Rushdie. Im folgenden möchte
ich diese behandeln und danach auf
die Entstehung der Drohung eingehen.
Unsere Reaktionen werden von folgenden Grundsätzen geleitet:
1. Ungeachtet des literarischen
Werts dieses Buches stellte die
Drohung gegen Rushdie, seine Verleger und den Buchhandel ein
gänzlich unannehmbares Verhalten
seitens des Führers eines Staates
dar.
2. Obwohl die genauen Auswirkungen dieser Drohungen und der öffentlich ausgesetzten Belohnung
für den Mord noch ungewiß waren,
haben wir diese Drohungen ernst
genommen.
3. Angesichts der Drohungen gegen
Amerikaner in Pakistan waren unsere Reaktionen im Hinblick auf
Diplomatie und Sicherheit ange-

messen.
4. Unsere Reaktionen gründeten
sich zunächst auf Konsultationen
mit anderen Ländern, die noch unmittelbarer als wir bedroht waren, insbesondere Großbritannien,
da Rushdie britischer Staatsbürger ist und dort seinen Wohnsitz
hat.

Öffentliche Reaktionen
Was den Beginn der Affäre betrifft, so hat der Ajatollah Khomeini
seine berüchtigte Erklärung, in der
er das Buch "Die satanischen Verse"
verurteilte und den Tod Rushdies verlangte, am 14. Februar 1989 abgegeben. Die Erklärung enthielt allgemeinere Drohungen gegen Unternehmen
in Großbritannien und den Vereinigten
Staaten, die das Buch verlegten und
verkauften. Khomeinis Erklärung erfolgte nachdem das Buch wesentlich
früher schon von anderen betroffenen
Moslems verurteilt worden war und
nach den schweren Unruhen in Islamabad.
Angesichts der von dieser Affäre
betroffenen
äußerst
empfindlichen
Elemente der westlichen und islamischen Werte, dem verworrenen Zustand
der iranischen Politik und der enormen Herausforderung durch diese Affäre haben wir zu Beginn versucht, die
Ereignisse in Teheran zu analysieren
und eine Bestätigung für Khomeinis
Drohungen zu erhalten.
Unsere Reaktion hat unsere scharfe Ablehnung dieser Drohungen klargestellt. Im Rahmen einer Pressekonferenz hat der Sprecher des US-Außenministeriums, Charles Redman, am 16.
Februar 1989 die folgende formelle
Erklärung abgegeben:
"Wir sind über die vom Ajatollah
Khomeini gegen Salman Rushdie ausgesprochenen Todesdrohungen sowie über
die danach ausgesetzte Belohnung für
seine Ermordung entsetzt. Drohungen
dieser Art sind vollkommen verantwor-

- 2 -

�tungslos und unvereinbar mit den
grundlegenden Normen des internationalen Verhaltens."
In Luxemburg bekräftigte Außenminister Baker am selben Tag unsere Ablehnung der Todesdrohung und fügte
hinzu: "Die Vereinigten Staaten stehen fest zu ihrer Verpflichtung der
Bekämpfung des Terrorismus, insbesondere des staatlich geförderten Terrorismus."
Ebenfalls am 16. Februar 1989
verabschiedete
das
Europaparlament
eine Resolution, in der die Drohungen
verurteilt und der Europarat aufgefordert wurde, im Falle von deren
Ausführung Sanktionen gegen den Iran
zu verhängen. In den darauf folgenden Tagen wurden widersprüchliche
Äußerungen iranischer Vertreter bekannt. Einige meinten, der Iran werde die Todesdrohung zurückziehen,
wenn Rushdie sich für die Beleidigung
des Islam entschuldige. Am 19. Februar 1989 jedoch wurde in einer dem
Ajatollah
Khomeini
zugeschriebenen
Erklärung die Drohung in unmißverständlichen Worten bekräftigt, und
bald darauf hatte sich die gesamte
iranische Führung dem Chor derer angeschlossen, die Rushdies Tod forderten. Als Reaktion hierauf verurteilten die Außenminister der Europäischen Gemeinschaft, die sich am 20.
Februar in Brüssel eingefunden hatten, einmütig das Verhalten des Iran.
In einer bemerkenswerten Demonstration der Einigkeit beschlossen sie,
ihre höchsten Diplomaten aus Teheran
zurückzuberufen.
Innerhalb weniger
Tage hatten alle das Land verlassen.
Am 19. Februar bekräftigte Außenminister Baker in einem Fernsehinterview seine Verurteilung der Todesdrohung und der für Rushdies Ermordung
ausgesetzten Belohnung sowie die allgemeine Ablehnung
des Terrorismus
durch die amerikanische Regierung.
Er fügte hinzu: "Wenn der Iran es
mit dem Wiedereintritt in die Gemeinschaft zivilisierter Staaten ernst
meint, dann ist dies nicht die Art
von Verhalten, die dazu führt."

Am 21. Februar 1989 gab Präsident
Bush die folgende Erklärung ab:
"Ich unterstütze voll und ganz
die Erklärung der 12 EG-Staaten im
Hinblick auf die iranischen Drohungen
gegen Rushdie. Wie beleidigend das
Buch auch sein mag, so sind die Anstiftung zum Mord und die Aussetzung
von Belohnungen für dessen Durchführung eine Beleidigung der Normen zivilisierten Verhaltens. Unsere Haltung zum Terrorismus ist bestens bekannt. Im Lichte der vom Iran betriebenen Aufwiegelung kann die iranische Regierung im Falle irgendwelcher Handlungen gegen amerikanische
Interessen davon ausgehen, daß sie
dafür zur Verantwortung gezogen wird."
Am 22. Februar erklärte der Sprecher des US-Außenministeriums im Hinblick auf die Forderung führender
iranischer Politiker nach Ermordung
Rushdies:
"Diese Erklärungen stellen eine
Anstiftung zur Ausführung eines terroristischen Akts dar, und diese wird
durch das Angebot einer Belohnung für
die Ermordung Rushdies noch abstoßender...
Dies ist ein direkter Anschlag auf die Freiheit der Meinungsäußerung, die ein grundlegendes Menschenrecht ist."
Am 28. Februar erklärte der Präsident nach den Brandanschlägen auf
zwei Buchhandlungen in Berkely und
die Zeitungsredaktion in New York:
"Obwohl Einzelheiten zu diesen Anschlägen und die Motive derjenigen,
die sie begangen haben, noch unbekannt sind, ist es meines Erachtens
wichtig, bei dieser Gelegenheit zu
erklären, wo die Regierung der Vereinigten Staaten und - davon bin ich
überzeugt - das amerikanische Volk in
der Frage der Gewaltanwendung und unserer Rechte stehen.
Dieses Land
wurde auf den Prinzipien der Redefreiheit und der religiösen Toleranz
gegründet. Während unserer gesamten
Geschichte haben wir für die Bewahrung dieser Prinzipien gekämpft. Ich
möchte unmißverständlich klarstellen,

- 3 -

�daß die Vereinigten Staaten keinen
Anschlag auf diese Rechte amerikanischer Bürger hinnehmen werden."
Der Präsident fügte hinzu, falls
sich herausstellen sollte, daß durch
diese
Brandanschläge
Bundesgesetze
verletzt wurden, habe er Justizminister Dick Thornburgh aufgefordert
"alle Mittel des FBI und alle anderen
angemessenen Instrumente dieser Regierung einzusetzen, um die Verantwortlichen zu identifizieren und ihrer gerechten Strafe zuzuführen."
"Wir wissen noch nicht", erklärte
der Präsident weiter, "ob diese Anschläge mit dem Buch 'Die satanischen
Verse' in Zusammenhang stehen. Ich
möchte jedoch eines deutlich machen jeder, der Akte der Einschüchterung
oder der Gewalt gegen den Autor, die
Verleger oder die Händler des Buches
begeht, wird mit der vollen Schärfe
des Gesetzes verfolgt werden. Sicherlich mag sich mancher Anhänger
des Islam durch das Buch tief beleidigt fühlen, und ich habe dafür gewiß
Verständnis.
Aber wir können und
werden Gewalt und Gesetzlosigkeit in
diesem Land nicht hinnehmen, und die
Bürger unseres Landes sollen wissen,
wie ernst es mir mit dieser Haltung
ist.

lems, ist völlig ungerechtfertigt.
Ich möchte betonen, daß keine andere
Regierung und kein anderer Führer der
islamischen Welt - außer Gadhafi diese Todesdrohung
gutheißt.
Der
Scheich der Al-Azhar-Universität von
Kairo, einer führenden Institution
der
islamischen
Geisteswelt, hat
trotz seiner Verurteilung des Buches
Khomeinis Todesdrohung zurückgewiesen
und erklärt, diese stünde mit dem islamischen Rechtssystem nicht im Einklang .
Herr Vorsitzender,
es ist viel
über innenpolitische
Faktoren als
Gründe für Khomeinis Drohungen und
deren Unterstützung durch andere führende Politiker des Iran gesprochen
worden. Dies trifft sicherlich zu.
Wenn wir uns bemühen, das Verhalten
des Iran zu verstehen, dürfen wir jedoch nicht den Fehler begehen, dieses
Verhalten zu rechtfertigen.
Obwohl
sie dies mit unterschiedlicher Intensität getan haben, haben sich alle
führenden Politiker des Iran hinter
die Erklärungen Khomeinis gestellt.
Die gesamte Regierung des Iran ist
für dieses Verhalten verantwortlich die sogenannten Gemäßigten und die
Radikalen gleichermaßen.

Diplomatische Reaktionen
Am 3. März erklärte Justizminister Thornburgh einer Delegation amerikanischer Verleger, daß die amerikanischen Polizeibehörden alle erdenklichen Vorkehrungen treffen würden, um Verleger und Buchhändler vor
Drohungen und Gewaltakten zu schützen, die durch die Kontroverse ausgelöst würden.
Herr Vorsitzender, die Haltung
der Vereinigten Staaten steht außer
Frage. Khomeinis Erklärungen stellen
eine Anstiftung zur Ausführung eines
terroristischen Akts dar. Die Aussetzung einer Geldsumme für die Ermordung Rushdies macht dieses Verhalten noch rücksichtsloser und brutaler. Rushdies Buch hat gewiß viele
Moslems beleidigt, aber Khomeinis Behauptung, er spreche für alle Mos-

Die öffentlich abgegebenen Erklärungen sind nicht unsere einzige Reaktion auf die Drohungen gegen Rushdie. Wir haben uns mit diesem Problem auf mehreren Ebenen auseinandergesetzt, ebenso wie wir andere terroristische Bedrohungen mittels einer
Kombination von öffentlichen diplomatischen
Schritten,
diplomatischen
Verhandlungen hinter verschlossenen
Türen und Sicherheitsmaßnahmen begegnet sind.
Zusätzlich zu unserer öffentlichen Verurteilung des Vorfalls arbeiten wir eng mit Freunden zusammen,
die direkter bedroht sind und wenden
uns an andere Länder, die engere Beziehungen mit Teheran unterhalten als
wir und die daher ihrer Entrüstung

- 4 -

�wirksamer Druck verleihen können.
Unser Ziel besteht darin, andere
Staaten zu ermutigen, sich für diese
Sache einzusetzen und die sich in ihren Beziehungen mit dem Iran ergebenden Möglichkeiten auszuschöpfen, um
ihrer Mißbilligung konkret Ausdruck
zu verleihen.
Wir haben den Fall Rushdie in
mehreren Ländern angesprochen - zum
Beispiel auch in Japan und der Sowjetunion - und sie gebeten, ihre Ablehnung dieses Verhaltens klar und
deutlich zu artikulieren.
Unsere
Botschaften auf der ganzen Welt sind
mit Material über diesen Fall für Gespräche mit dem jeweiligen Gastland
versorgt worden.
Wir stellen fest, daß die westeuropäischen Länder zusammenarbeiten
und ihr Vorgehen koordinieren. Die
Europäische Gemeinschaft
hat beispielsweise ihre Botschafter aus dem
Iran abgezogen und hochrangige Besuche bis auf weiteres verschoben. Wie
bereits erwähnt, hat der Europarat
die iranischen Drohungen schärfstens
verurteilt. Präsident Bush hat seine
Unterstützung dieses Vorgehens zugesichert. Wir beabsichtigen, noch in
dieser Woche eine Erklärung bei der
Sitzung der Menschenrechtskommission
der Vereinten Nationen in Genf abzugeben.
Die Kommission weiß, daß die Vereinigten Staaten ihre diplomatischen
und wirtschaftlichen Beziehungen mit
dem Iran bereits zahlreichen Restriktionen unterworfen haben. Das amerikanische Verbot, militärisch verwendbare Produkte an den Iran zu verkaufen bleibt ebenso fest bestehen wie
das nahezu vollständige Embargo gegen
iranische Exporte in die Vereinigten
Staaten. Nach wie vor versuchen wir,
den Verkauf von Waffen aus Drittländern an den Iran zu unterbinden. Wie
Sie bereits wissen, sind wir in Iran
nicht offiziell vertreten und die zu
den Vereinten Nationen in New York
entsandten iranischen Diplomaten unterliegen weiterhin Reisebeschränkungen. Wir haben strikte Sicherheits-

vorschriften, die einzuhalten sind,
bevor ein Visum gleich welcher Art an
einen iranischen Staatsbürger erteilt
wird.
Bedrohungsanalyse
Auch auf anderer Ebene setzen wir
uns mit den Sicherheitsaspekten der
iranischen
Bedrohung
auseinander,
versuchen die politische Bedrohung
umfassender zu analysieren und gegebenenfalls die entsprechenden Vorkehrungen zu treffen. Aus den vom Iran
abgegebenen Erklärungen lassen sich
zwei Dimensionen dieser Bedrohung
entnehmen. Die eine besteht in möglichen Aktionen von Einzelpersonen,
die zwar von sich aus, jedoch ermutigt durch die Bekundungen des Iran
und die in Aussicht gestellte Belohnung für die Ermordung des Autors auf
die Ausführungen in Rushdies Buch reagieren.
Die zweite Dimension der
Sicherheitsbedrohung ergibt sich aus
der Möglichkeit vom Iran organisierter
professionellerer
Operationen
oder ähnlichem, falls die Organe der
iranischen Regierung selbst aktiv die
Morddrohung verfolgen.
Bei einer Analyse der Bedrohungen
ist Mr. Rushdie eindeutig das offensichtlichste Ziel. Sein Leben ist in
Gefahr; sowohl er als auch die britischen Behörden müssen davon ausgehen,
daß man versuchen wird, die gegen ihn
gerichtete Drohung in die Tat umzusetzen.
Aufgrund
der
britischen
Staatsbürgerschaft von Mr. Rushdie
und seinem Wohnsitz in Großbritannien
sind die britischen Interessen wahrscheinlich das nächstliegende Ziel,
zumindest aus der Sicht von Einzelpersonen, die auf die iranischen
Drohgebärden reagieren.
Angesichts
der Demonstrationen, die bereits gegen kulturelle Einrichtungen der Vereinigten Staaten in Islamabad stattgefunden haben und einer Reihe von
Drohungen, die gegen Einzelpersonen
und Unternehmen in den Vereinigten
Staaten ausgestoßen wurden, sind auch
wir ein potentielles Ziel. Im Hinblick auf die Einrichtungen in Über-

- 5 -

�see hat das Außenministerium alle diplomatischen Vertretungen in den am
meisten gefährdeten Gebieten von der
Möglichkeit antiamerikanischer Aktivitäten in Kenntnis gesetzt. Die diplomatischen Vertretungen wurden angewiesen, dem Außenministerium über
Reaktionen vor Ort auf den Fall Rushdie Bericht zu erstatten. Die amerikanische Flugsicherheit ist bereits
aufgrund des Bombenanschlags auf Pan
Am-Flug 103 erhöht worden und weitere
Drohungen werden nach wie vor sorgfältig ausgewertet.
Mit Blick auf die Zukunft ist es
schwierig, eine Beurteilung der Weiterentwicklung dieser Situation abzugeben, ob die Drohungen des Iran und
die von ihm heraufbeschworenen Gewaltakte sich in nichts auflösen oder
ob es tatsächlich in Verbindung mit
iranischen Regierungsbehörden weitere
Anschläge geben wird. Für den letzteren Fall hat Präsident Bush bereits
eindeutig klargestellt, daß der Iran
dafür zur Verantwortung gezogen wird.
Solange die iranische Regierung
weiterhin absolut gewissenlos und unverantwortlich handelt, muß sich Teheran zumindest auf heftige Kritik
und Isolation gefaßt machen. Dieser
Vorfall ist nicht das einzige Ereignis, das den Iran isoliert und ihn
von normalen Beziehungen mit der
übrigen Welt ausschließt. Die iranische Regierung setzt ihre Politik der
Unterstützung
des
internationalen
Terrorismus fort, einschließlich der
Terroristen, die die Geiseln im Libanon gefangenhalten.
Wir erachten
diese Politik als verabscheuungswürdig und inakzeptabel. Sie muß ein
Ende haben, wenn der Iran ein Mitglied der internationalen Staatengemeinschaft werden will.
Herr Vorsitzender - viele Moslems
fühlen sich von diesem Werk beleidigt.
Aber kein Mensch hat das
Recht, einen Mordanschlag auf einen
anderen für das, was er denkt und
schreibt, auszuüben. Der Islam ist
ebenso wie das Christen- und Judentum
eine der größten monotheistischen Re-

ligionen der Welt, die dem menschlichen Leben tiefe Verehrung erweisen.
Der vielleicht traurigste Aspekt dieser tieftraurigen Angelegenheit ist,
daß durch sie einige der Grundüberzeugungen des Islam in Mißkredit gebracht werden können.
Noch ein letzter Punkt: In unserer Entrüstung über das Verhalten des
Iran ist es doch von Bedeutung, daß
wir nicht fälschlicherweise annehmen,
es handele sich um einen grundsätzlichen Konflikt zwischen islamischen
und westlichen Werten. Das Buch "Die
satanischen Verse" verwendet islamische Thesen und Symbole für fiktive
und künstlerische Zwecke. Damit hat
der Autor viele Moslems und auch andere Menschen beleidigt.
Aber der
Konflikt hier besteht nicht zwischen
denjenigen, denen das Buch gefällt
und denjenigen, die es nicht mögen.
Noch liegen wir im Streit mit dem Islam. Wir befinden uns im Streit mit
denjenigen im Iran, die offensichtlich der Überzeugung sind, daß sie im
Namen des Islam das Recht haben,
Mordanschläge
anzustiften und die
sich durch dieses abstoßende Verhalten von der Mehrheit der Moslems und
der Menschheit isoliert haben.
Abschließend möchte ich nochmals
betonen, Herr Vorsitzender, daß die
verantwortungsbewußten Mitglieder der
internationalen
Staatengemeinschaft
in ihrer Verurteilung und ihrer Entrüstung über die Anstiftung zum Mord
und der Bedrohung von Buchhandlungen
und Verlegern und der Redefreiheit an
sich vereint sind. Senator Moynihans
Resolution (S. Res. 69) hebt diese
Tatsache besonders hervor. Wir werden und können Morddrohungen und Versuche, uns bei der Ausübung unserer
Grundrechte zu hindern, nicht tolerieren.
Wir hoffen, daß die iranische
Führung schnell erkennt, daß Anstiftung zur Gewalt den eigenen langfristigen Interessen des Iran in höchstem Maße zuwiderläuft, sein internationales Ansehen zerstört und ein
ernstzunehmendes Risisko für seine

- 6 -

�Beziehungen mit anderen Ländern bedeutet.
Unsererseits werden wir die Situation sorgfältig überwachen und unsere Verpflichtung zum Schutz der
amerikanischen Bürger und Rechte bekräftigen. Darüber hinaus werden wir
weiterhin alles in unserer Macht Stehende tun, jeden davon abzuhalten,
Bedrohungen zu weiteren Gewaltakten
eskalieren zu lassen.

*

* * * * *

- 7

�AMERIKA DIENST
'VON

4

Dokumentation

11

15. März 1989
VEREINIGTE STAATEN WOLLEN "MAUER DES MISSTRAUENS" IN EUROPA ABBAUEN
- Ansprache von John Maresca -

WIEN - (AD) - Dem Leiter der amerikanischen Delegation bei den Verhandlungen über Vertrauens- und sicherheitsbildenden Maßnahmen in Europa (VSBM), John
J. Maresca, zufolge betreffen die von den Vereinigten Staaten und ihren westlichen Verbündeten vorgeschlagenen Maßnahmen "den Kern des Vertrauensproblems
in den europäischen Militärangelegenheiten". Bei der ersten Plenarsitzung
schlug Maresca einen jährlichen Informationsaustausch zwischen Ost und West
über die in Europa stationierten konventionellen Streitkräfte und Waffensysteme vor, um die in den vergangenen vier Jahrzehnten errichtete "Mauer des Mißtrauens" abzubauen.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Ansprache des amerikanischen Delegationsleiters im Wortlaut:
Herr Vorsitzender, verehrte Delegierte,
zunächst möchte ich mich meinen
Vorrednern anschließen und die Dankbarkeit meiner Regierung gegenüber
unseren österreichischen Gastgebern
dafür zum Ausdruck bringen, daß sie
diesen herrlichen Rahmen für unsere
Verhandlungen zur Verfügung gestellt
und uns in den vergangenen Tagen
solch großartige Gastfreundschaft erwiesen haben. Wir können nur hoffen,
daß diese historische Umgebung uns
alle zu höchsten Zielen und staatsmännischen Leistungen inspirieren möge.
Bei den von uns heute eröffneten
Verhandlungen geht es um Sicherheit.
Wenn wir nun unsere gemeinsamen Bemü-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

hungen aufnehmen, tun wir gut daran,
alle Teile dieses Konzepts im Auge zu
behalten. Wenn uns die Erfahrung der
KSZE irgend etwas gelehrt hat, dann,
daß die Sicherheit der Nationen durch
militärische
Mittel
allein
weder
vollständig gemessen noch vollkommen
verwirklicht werden kann. Die militärische Konfrontation, die Europa
seit nunmehr vierzig Jahren belastet,
ist tatsächlich Auswirkung und nicht
Ursache, der politischen und gesellschaftlichen Teilung des Kontinents.
Wie Außenminister Baker in seiner
Rede am Montag erklärt hat, kann echte und dauerhafte Sicherheit in Europa nur auf einer Grundlage des Vertrauens begründet werden, des Vertrauens der Nationen gegenüber ihren
Nachbarn und des Vertrauens der Bür-

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�ger gegenüber ihren Regierungen.
Der von den Mitgliedstaaten des
Nordatlantischen
Bündnisses
heute
eingebrachte Vorschlag stellt einen
bedeutenden Schritt zum Aufbau dieser
Art von Vertrauen im Bereich der militärischen Angelegenheiten dar. Aus
diesem Grund wird er von der Regierung der Vereinigten Staaten voll und
ganz unterstützt.
Es kann nicht erwartet werden,
daß die Nationen ihre Streitkräfte
verringern, wenn sie nicht in gewissem Maß darauf vertrauen können, daß
ihre Nachbarn keinerlei feindselige
Absichten gegen sie hegen. Die massiven Stationierungen von Streitkräften mit offensiven Fähigkeiten seitens der Sowjetunion und des Warschauer Pakts in ganz Mitteleuropa
sowie an den Flanken des europäischen
Kontinents lassen kein Vertrauen aufkommen. Fügt man dem noch die geschlossenen Grenzen, die Unterdrückung politischer und gewerkschaftlicher Bewegungen sowie die erdrückende
Geheimhaltungspraxis hinzu, mit deren
Hilfe praktisch alle militärischen
Angelegenheiten des Warschauer Pakts
verschleiert werden, dann nimmt es
nicht wunder, daß der Westen seit
vier Jahrzehnten seine Nachbarn im
Osten mit Mißtrauen und Furcht betrachtet.
Unser Vorschlag ist darauf ausgelegt, weiter am Abbau dieser Mauer
des Mißtrauens zu arbeiten. Die von
uns und unseren Verbündeten vorgeschlagenen Maßnahmen betreffen den
Kern des Vertrauensproblems in den
europäischen militärischen Angelegenheiten. Mit einfachen Worten: Wir
schlagen vor, daß alle europäischen
Staaten auf jährlicher Basis vollständige Informationen darüber austauschen sollten, welche konventionellen Streitkräfte und Waffensysteme
sie auf dem europäischen Kontinent
stationiert haben und wo diese stationiert sind. Um unser Vertrauen in
die erhaltenen Informationen zu vertiefen, werden wir das Recht fordern,
diese direkt auszuwerten.

Ferner schlagen wir und unsere
Verbündeten vor, die bestehenden Regelungen zur Inspektion und Beobachtung
militärischer
Handlungen
zu
stärken, um unsere Einschätzung von
Fähigkeiten und Absichten zu verbessern. Wie Sir Geoffrey Howe am Montag erklärt hat: "Eine gute Idee ist
es wert, daß man sie verbessert."
Des weitern haben wir ein innovatives neues Forum vorgeschlagen, auf
dem Vertreter des militärischen Establishments unmittelbar ihre Meinungen
und
Anliegen
austauschen
können.
Meines Erachtens können wir im Hinblick auf die Aussichten für Fortschritte in Richtung auf eine stabilere und sicherere Zukunft Europas
wirklich optimistisch sein. Das Klima der Ost-West-Beziehungen ist heute
Fortschritten bei der Tagesordnung
von Frieden und Sicherheit vielleicht
förderlicher als zu irgendeinem Zeitpunkt der vergangenen vierzig Jahre.
Das "neue Denken" in der Sowjetunion
und in einigen Staaten Osteuropas
birgt in sich die Möglichkeit des
Wandels in der Haltung jener Regierungen gegenüber ihren Nachbarn und
Bürgern.
Unser Optimismus sollte jedoch
von Realismus und Klugkeit gezügelt
werden. Ebenso wie Chancen bestehen,
die wir verfolgen müssen, gibt es Realitäten, die wir nicht außer acht
lassen dürfen. Der Kalte Krieg war
keine Fata Morgana. Er war eine reale internationale Lage mit eindeutigen Merkmalen, der politischen Teilung Europas, der Militarisierung der
Ost-West-Beziehungen und dem Wettbewerb zwischen zwei weitgehend unvereinbaren
Gesellschafts- und
Wirtschaftssystemen. Alle diese Merkmale
existieren
in mehr oder weniger
scharfer Form auch heute noch.
Trotzdem müssen wir keine Gefangenen einer unglücklichen Vergangenheit oder einer komplizierten Gegenwart sein.
Kein Aspekt der OstWest-Beziehungen ist vor dem Wandel
zum Besseren gefeit. In dieser Hinsicht begrüßen wir den neuen Wind aus

�dem Osten. Glasnost und Perestrojka
sind Begriffe, die Hoffnung in den
Herzen von Millionen Europäern geweckt haben.
Unsere Hoffnungen auf eine stabilere und
friedlichere europäische
Ordnung sind jedoch in der Vergangenheit enttäuscht worden. Wir im Westen sehen erwartungsvoll den Taten
entgegen, die den Schlagworten Bedeutung und Substanz verleihen.

t
*

Wir begrüßen die Gelegenheit zu
Gesprächen über unsere konventionellen Streitkräfte - dies sind defensive Streitkräfte, und sie haben niemals eine Bedrohung für die Sicherheit irgendeines Staates auf diesem
Kontinent
dargestellt.
Wir
sind
gleichermaßen bereit, die Ausweitung
der Offenheit in militärischen Angelegenheiten zu diskutieren.
Offenheit bedeutet für die westlichen Demokratien keine Herausforderung, sie
ist ein natürliches Merkmal unserer
freien Gesellschaften.
Gleichzeitig werden wir jedoch
alle im Rahmen dieser Gespräche unterbreiteten Vorschläge mit den gleichen strengen Maßstäben messen, die
wir an die von uns und unseren Verbündeten heute eingebrachten Maßnahmen gelegt haben. Der Erfolg unseres
Unterfangens kann nur mit der Dimension verbesserter Sicherheit für alle
hier vertretenen Staaten gemessen
werden, Wir werden in diesen Verhandlungen auf keine Vereinbarungen
eingehen, mit denen die Fähigkeit des
Westens zur Selbstverteidigung ausgehöhlt werden.
Die vor uns liegende Aufgabe der Ausbau von Offenheit und Vertrauen in militärischen Angelegenheiten ist wichtig. Wie ich jedoch schon
vorhin festgestellt habe, sind unsere
Bemühungen lediglich Teil eines umfassenderen Prozesses. Die von uns
in militärischen Angelegenheiten angestrebte Sicherheit und Offenheit
muß sich also auch auf das Verhältnis
zwischen Regierungen und Regierten in
ganz Europa erstrecken.
- 3

Nur wenn Ideen, Menschen und Informationen die Grenzen ungehindert
passieren können und der Einzelne in
allen Ländern ein Mitspracherecht an
Entscheidungen besitzt, die sein Leben betreffen, werden wir In der Lage
sein, ein Europa zu schaffen, das
wahrhaft stabil und sicher ist,
Diese Gedanken sind vielen von
uns lieb und teuer, für andere eine
attraktive Alternative. Leider werden sie jedoch von einigen immer noch
als Bedrohung empfunden. Wie man sie
jedoch betrachten mag, diese einfachen Ideen verkörpern die Zukunft.
Wir hoffen aufrichtig, daß das von
uns heute im Bereich der militärischen Vertrauensbildung begonnene Unterfangen dazu dienen wird, diese umfassendere Vision der Offenheit und
Freiheit für alle Europäer zu fördern.

* * * * *

�AMERIKA DIENST
'VON**

Wissenschaft und Technik

15. März 1989

11

Muskeldystrophie, Typ Duchenne
Erster Erfolg zur Defektkorrektur im Tierversuch

(AD) - Knapp ein Jahr nach der
Entdeckung eines als "Dystrophin" bezeichneten Proteins, dessen Ausfall
im Organismus
zu fortschreitendem
Muskelschwund mit schwerer Behinderung und Tod meist schon in jungen
Jahren führt, haben Forscher im Tierversuch einen Weg gefunden, um den
Abbau der Muskelzellen zu stoppen.
Sie injizierten dystrophen Mäusen unreife Muskelzellen, woraufhin der
tierische Organismus begann, Dystrophin zu produzieren. Dies mag ein
erster, aber sehr bedeutsamer Schritt
sein, um endlich eine Therapie entwickeln zu können.

Folge einer genetischen Störung, die
die Produktion des Proteins Dystrophin verhindert. Bereits im ersten
Lebenjahr macht sie sich bemerkbar
und schreitet dann sehr rasch fort.
Nur wenige Patienten haben eine Chance, das dritte LebensJahrzehnt zu erleben.
In den Vereinigten Staaten
beträgt
die Häufigkeit
bei ausschließlich männlichen Neugeborenen
1:3500. Noch nicht allzu lange ist
bekannt,daß das dafür verantwortliche
Gen auf dem X-Chromosom liegt, sehr
groß ist und etwa ein Zweitausendstel
des menschlichen Genoms (d.H. der
Genmasse im Chromosomensatz) ausmacht.

Die Rede ist von infantiler progressiver Muskeldystrophie, "Typ Duchenne" (in der englischen Terminologie mit DMD abgekürzt). Sie ist die

Obgleich die exakte Funtkion des
bei DMD-Patienten fehlenden Proteins
noch nicht bekannt ist, lassen die
Ergebnisse von neuen Studien vermu-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�ten, daß es die Wand der Muskelzelle
stützt. Bei der Untersuchung extrem
dünner Schnitte von Muskelgewebe unter dem Elektronenmikroskop fand man
das durch spezielle Nachweisverfahren
sichtbar gemachte Dystrophin an der
Innenseite der Plasmamembrane.
Bei
dieser handelt es sich um die die
Zelle nach außen abschließende Wandung, die eine wichtige Funktion für
Transportvorgänge beim Stoffaustausch
zwischen Zelle und Außenmedium erfüllt. Dystrophin scheint Teil des
Zellskeletts zu sein, eines Netzwerks
von Proteinen, das die Zellstruktur
aufrechterhält.
Nach Meinung der
Forscher könnten somit Zellen, denen
Dystrophin fehlt, der normalen Muskelarbeit nicht
standhalten.
Sie
würden durch sie aufgerissen und zerstört.
Der amerikanische Genetiker Louis
Kunkel vom "Howard Hughes Medical Institute" In Boston (Massachusetts),
der die Tierexperimente mit Mäusen
leitete, bezeichnet die neuen Ergebnisse als "Voraussetzung für erste
Schritte zur Entwicklung therapeutischer Präparate für die Behandlung
von DMD". Weitere Experimente mit
Mäusen wurden und werden an der "Charing
Cross
and
Western
Medical
School" in London sowie am Neurologischen Institut von Montreal (Kanada)
durchgeführt. Dr. Donald Wood, Direktor für Forschung der Amerikanischen Gesellschaft für Muskeldystrophie, sagte kürzlich in Washington,
daß noch im Laufe dieses Jahres erste
Experimente an DMD-Patienten geplant
seien. (DMD ist die häufigste Form
von Erkrankungen im Zusammenhang mit
Muskeldystrophie.)
Diese
Studien,
für die einzelne Muskelstränge und
wenige Muskelgruppen ausgewählt würden, könnten den Anfang größerer Studien am Menschen bilden. Aber es sei
viel zu früh, sich dazu zu äußern,
wann Injektionen - sollten sie sich
als nützlich erweisen - im größeren
Umfang verfügbar werden.
Frühere Arbeiten hatten übrigens
auch gezeigt, daß Dystrophin, ofgleich es nur ein Fünfzigtausendstel

Anteil an den Muskelproteinen besitzt, offenbar eine wichtige Rolle
bei der Erhaltung des Calcium-Gleichgewichts spielt.
Calcium wird als
Elektrolyt für die normale Muskelerregung
und
Muskelkontraktion
gebraucht. Dr. Eric Hoffman von "Children's Hospital" in Boston vermutet,
daß durch die Störung des Calciumgleichgewichts ein Enzym aktiviert
wird, das Muskelfasern auflöst. Und
im Versuch des Organismus, dem gegenzusteuern, komme es zur Fibrose der
Skelettmuskulatur, d.h. zu einem Verhärtungsprozeß, der die Muskelfunktion beeinträchtigt.
Forschungsberichte
israelischer
Wissenschaftler besagen, daß Dystrophin, allerdings in anderer Form,
auch
von
Gehirnzellen
produziert
wird. Diese Entdeckung könnte möglicherweise erklären helfen, weshalb
bei manchen DMD-Patienten geistige
Retardierung beobachtet wird.
Etwa
30 bis 50 Prozent der Patienten sind
in sehr leichter bis mäßiger Form davon betroffen.
* * * * *

�AMERIKA DIENST
r

V,oN^

Wissenschaft und Technik

15. März 1989

11

TABAK ALS DROGE EINSTUFEN
Nationaler Krebsbeirat fordert Kampagnen gegen das Rauchen

(AD) - Mit ca. 576 000 Krebstoten
pro Jahr haben die Vereinigten Staaten nach Schätzungen von Wissenschaftlern des "National Cancer Institute" (Krebsforschungsistitut der
Medizinischen Bundesforschungsanstalten der USA) bis zum Jahr 2000 zu
rechnen.
Das hieße, mehr als ein
Viertel aller Todesfälle wären auf
Krebs zurückzuführen. In den gegenwärtigen Krebsstatistiken falle auf,
so der Direktor des Instituts Dr. Samuel Broder, daß etwa ein Drittel aller Todesfälle durch Krebs auf Rauchen zurückzuführen sei. Er nennt es
"eine traurige Tatsache, daß in unseren Schätzungen für 1989 Lungenkrebs
bei Frauen den Brustkrebs als häufigste Todesursache bei Krebserkrankungen überholt hat. Bei Männern macht
er 35 Prozent der Krebserkrankungen

United States Information Service
Embassy of the United States of America

mit Todesfolge aus".
Der Nationale Krebsbeirat (National Cancer Advisory Board - NCAB),
dessen Mitglieder vom amerikanischen
Präsident ernannt werden und der das
Nationale Krebsforschungsinstitut berät, setzte sich kürzlich für verstärkte Anstrengungen ein, um Tabakrauchen ganz auszuschalten. Außerdem
sollten in verstärktem Maße Krebsvorsorgeuntersuchungen in Anspruch genommen werden. Die Empfehlungen basieren u.a. auf den Ergebnissen öffentlicher Anhörungen, die in den
vergangenen zwei Jahren in fünf grossen amerikanischen Städten landesweit
durchgeführt wurden.
In ihrem Bericht fordert das
NCAB-Gremium mehr Druck und Aktivitä-

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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�ten der Behörden und anderer öffentlicher Stellen, um Rauchen und Tabakgenuß in den Vereinigten Staaten bis
zum Jahr 2000 völlig zu eliminieren.
Auch solle der US-Kongreß Tabak als
eine Droge klassifizieren, so daß er
unter die von der US-Behörde für Nahrungs- und Arzneimittel (FDA) erlassenen Bestimmungen falle.
In den
Passagierflugzeugen aller Fluglinien
und in allen übrigen Transportmitteln, am Arbeitsplatz, in öffentlichen und privaten Schulen und Hochschulen und in allen öffentlichen Gebäuden solle Rauchen verboten werden.
Krebsvorsorgeuntersuchungen, insbesondere auf Brust-, Gebärmutterhalsund Darmkrebs, sollten weit
mehr als bisher wahrgenommen werden.
Zwar seien in der Bevölkerung die
verschiedenen Methoden zum Aufspüren
von Krebs wie z.B. die Mammographie
bereits recht gut bekannt, aber es
werde zu wenig Gebrauch davon gemacht.
Noch bleibe viel zu tun,
heißt es im NCAB-Bericht, um Erkenntnisse und Wissen zu verbessern. Das
gelte auch für den Zugang zu qualitativ guten und preiswerten Testverfahren. Diese sollten "aggressiver" als
bisher eingesetzt werden.
Als "gute Nachricht" bezeichnete
Dr. Broder die Fortschritte der letzten Jahre in der Erforschung genetischer und molekularer Grundlagen von
Krebserkrankungen. Dazu gehöre auch
die Identifizierung regelrechter Familien von Genen, die eine Entwicklung von Krebs beschleunigen oder
verzögern können. Dennoch sehe man
sich noch gewaltigen Problemen gegenüber. "Bis heute verfügen wir noch
nicht über lückenlose Kenntnisse, um
auf molekularer Basis Krebs erklären
zu können. Nicht jeder Krebspatient
kann mit den verfügbaren Therapien
geheilt werden. Und häufig wird das,
was wir genau wissen, zu wenig ernst
genommen."

* * * * *

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