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dienet

U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

30

Deichmanns Aue 29

31. Juli 1991

5300 Bonn 2

MOSKAUER GIPFEL

BUSH: UMFASSENDE WIRTSCHAFTSBEZIEHUNGEN MIT SOWJETUNION IN
GREIFBARER NÄHE
Rede beim Moskauer Staatsinstitut
für internationale Beziehungen

START

DIE VERHANDLUNGEN ÜBER DIE
VERRINGERUNG STRATEGISCHER
RÜSTUNGEN
Eine Übersicht des ACDA

NAHER OSTEN

PARISER TREFFEN ERSTER SCHRITT
ZUR BEGRENZUNG VON
WAFFENLIEFERUNGEN IN
DEN NAHEN OSTEN
Bartholomew vor Unterausschuß des Senats

UMWELT

PRÄSIDENT ERNENNT KOMMISSION
FÜR UMWELTQUALITÄT
Eine Übersicht des Weißen Hauses

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-3392372
Telex: 8-85432

�MOSKAUER

GIPFEL
31. Juli 1991

BUSH: UMFASSENDE WIRTSCHAFTSBEZIEHUNGEN
MIT SOWJETUNION IN GREIFBARER NÄHE
Rede beim Moskauer Staatsinstitut für internationale Beziehungen
MOSKAU - (AD) - Mit dem Ziel der vollständigen Normalisierung der Wirtschaftsbeziehungen zur Sowjetunion
wird Präsident Bush dem amerikanischen Kongreß ein Handelsabkommen vorlegen, das der UdSSR den
Meistbegünstigungsstatus einräumt.
In einer Rede beim Moskauer Staatsinstitut für internationale Beziehungen am 30. Juli 1991 erklärte Bush
darüber hinaus, er werde die Aufhebung gesetzlicher Beschränkungen anstreben, mit denen den Sowjets der
Zugang zu staatlichen Krediten und Kreditbürgschaften der Vereinigten Staaten versperrt werde. Bush zufolge
bemühen sich die Vereinigten Staaten "die Türen für den sowjetischen Eintritt in die Weltwirtschaft zu öffnen".
Sie würden die Vollmitgliedschaft der UdSSR im Allgemeinen Zoll- und Handelsabkommen unterstützen,
nachdem die Sowjetunion die notwendigen Wirtschaftsreformen durchgeführt hat.
Nachfolgend veröffentlichen wir die unwesentlich gekürzte Rede des US-Präsidenten im Wortlaut.

Über vier Jahrzehnte hinweg waren unsere beiden
Staaten in einem Konflikt verhaftet, als der kalte Krieg
seine Schatten auf einen bewaffneten und unsicheren
Frieden warf. Dieser Gipfel markiert einen neuen
Anfang, die Aussicht, daß wir einem langen Zeitalter
der Gegnerschaft ein Ende bereiten, ein neues Kapitel
in der Geschichte unserer beiden Staaten schreiben,
eine neue Partnerschaft und einen soliden Frieden
schmieden können.
Wir haben Grund zur Hoffnung. Ja, wir haben sogar
guten Grund zur Hoffnung. Eine nach der anderen
treten die grausamen Realitäten des kalten Krieges in
den Hintergrund, und eine neue Welt der Möglichkeiten ruft uns auf, vorwärts zu schreiten. In Europa, das
40 Jahre lang die Trennungslinie im Ost-West-Konflikt
bildete, finden die Nationen Mitteleuropas heute ein
gemeinsames Haus in der Demokratie vor. Weit über
die Grenzen dieses Kontinents hinaus, von Afghanistan bis zum Hörn von Afrika, von Angola bis Mittelamerika drohen regionale Konflikte nicht länger zu
Auslösern einer Konfrontation zwischen den Supermächten zu werden. Weltweit ist das Risiko eines den
Globus umspannenden Krieges heute niedriger als
jemals in der Nachkriegszeit.

AMERIKA DIENST 30

Die Herausforderung, der wir bei diesem Gipfeltreffen
gegenüberstehen, die Herausforderung, mit der Sie
als gegenwärtige und künftige Führungskräfte dieser
großen Nation konfrontiert sind, lautet schlicht und
einfach folgendermaßen: gemeinsam müssen unsere
beiden Nationen ein halbes Jahrhundert des Mißtrauens überwinden, um diese Gelegenheit zu ergreifen
und einen dauerhaften Frieden aufzubauen.
In den vergangenen zwei Jahren haben Präsident
Gorbatschow und ich substantielle Fortschritte beim
Aufbau dieses neuen Verhältnisses erzielt. Gemeinsam haben wir - die sowjetische Seite und die amerikanische Seite - der Rüstungskontrolle neue Chancen
eröffnet. Im vergangenen Herbst haben wir in Paris
epochemachende Reduzierungen der in Europa stationierten konventionellen Streitkräfte vereinbart. Morgen
werden wir im Kreml den historischen START-Vertrag
unterzeichnen, den ersten Vertrag, der die gefährlichsten und destäbilisierendsten atomaren Waffen erheblich reduziert.
Die Abnahme von Spannungen hat es ferner unseren
beiden Staaten ermöglicht, die Wirtschaftsbeziehungen zu normalisieren. Präsident Gorbatschow und ich

Seite 1

�haben dies beim Gipfeltreffen in Malta zur Priorität
erklärt, und ich freue mich heute berichten zu können,
daß dieser Prozeß der Normalisierung jetzt nahezu
abgeschlossen ist. Im Mai hat der Oberste Sowjet das
Haupthindernis für den Ausbau des Handels beseitigt:
die sowjetischen Beschränkungen für freie Auswanderung. Das neue sowjetische Auswanderungsgesetz
bedeutet einen wichtigen Schritt nach vom, einen Sieg
für alle, die den Menschenrechten einen hohen Wert
beimessen.
Als Folge dieses Prozesses werde ich nach meiner
Rückkehr nach Washington dem Kongreß der Vereinigten Staaten das von uns vor einem Jahr unterzeichnete amerikanisch-sowjetische Handelsabkommen
vorlegen. Danach können wir der Sowjetunion den
Meistbegünstigungsstatus einräumen.
Ich werde den Kongreß auffordern, die Byrd- und
Stevenson-Zusätze aufzuheben, Beschränkungen, mit
denen die Kreditvergabe eingeschränkt und der Handel behindert wird. Darüber hinaus werden wir unsere
Bemühungen beschleunigen, ein Steuerabkommen
und ein bilaterales Investitionsabkommen abzuschließen.
Einen Großteil dieses Jahrhunderts stand die Sowjetunion au ßerhalb des Weltmarkts. Sie stand abseits als
die Kräfte des freien Markts im Westen einzigartigen
Wohlstand schufen. Die Ergebnisse dieser selbstgewählten Isolation von der Weltwirtschaft erwiesen sich
als äußerst kostspielig.
Aber nun haben Veränderungen eingesetzt. Beim
Londoner Gipfeltreffen diesen Monat sprach Präsident
Gorbatschow vom Interesse der Sowjetunion an einer
vollständigen Integration in die Weltwirtschaft.
Die Sowjetunion sollte vollständig an der Weltwirtschaft teilhaben, und die Vereinigten Staaten werden
Sie bei diesen Bemühungen unterstützen. Über den
beiderseitigen Handel hinaus bemühen sich die Vereinigten Staaten, die Türen für den sowjetischen Eintritt
in die Weltwirtschaft zu öffnen. Und deshalb haben die
Vereinigten Staaten den sowjetischen Beobachterstatus beim GATT unterstützt - und die Vollmitgliedschaft,
wenn die UdSSR die notwendigen Reformen vollendet, die sie in Angriff genommen hat. Aus diesem
Grund habe ich ferner im vergangenen Dezember
vorgeschlagen - und die G-7 hat dem soeben zugestimmt -, daß die UdSSR eine besondere Assoziierung
mit IWF und Weltbank eingeht. Die Sowjetunion hat
unlängst ihr massives Wiederaufbauprogramm einer
Wirtschaftsreform in Angriff genommen. Ihre Bedeutung und ihre schiere Grö ße berechtigen sie zu diesem
Sonderstatus, der schneller zu dem Tag hinführen
wird, an dem sie sich vollständig für die Leistungen der
internationalen Finanzinstitutionen qualifiziert.
Mit diesen Maßnahmen werden der Sowjetunion Hilfe
und Fachwissen zur Verfügung gestellt, die dazu bei-

Seite 2

tragen können, den schwierigen Übergang zu einer
Marktwirtschaft zu erleichtern und den Lebensstandard des sowjetischen Volks zu verbessern.
Der krönende Beweis dafür, daß wir die Animositäten
des kalten Kriegs überwinden, bleibt jedoch unsere
Zusammenarbeit am Persischen Golf. Auf dem Höhepunkt des kalten Krieges hätte die irakische Aggression gegen einen kleinen Nachbarstaat unsere beiden
Nationen und sogar die ganze Welt sehr wohl an den
Rand eines Konflikts bringen können. Statt dessen hat
unsere Zusammenarbeit die internationale Isolierung
Saddam Husseins sichergestellt. Und wenn Saddam
Hussein gedacht hat, er könne unsere Differenzen zu
seinem eigenen Vorteil ausbeuten, so hat er sich total
verrechnet. An jedem entscheidenden Punkt der Krise
arbeiteten die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion zusammen, um Saddam ein starkes und anhaltendes Signal zu senden, daß diese Aggression nicht
Bestand haben würde.
Und heute gibt unsere Zusammenarbeit am Golf Anlaß
zu der Hoffnung, daß wir zusammen auf einen gerechten und dauerhaften Frieden in Weltregionen hinarbeiten können, die heute im Nahen Osten, Kambodscha
und Afghanistan von Konflikten geschüttelt werden, so
wie wir zusammengearbeitet haben, um Frieden und
freie Wahlen nach Namibia, Angola und - ja - Nicaragua zu bringen.
Bei jedem Aspekt unserer Beziehungen - militärisch,
politisch, wirtschaftlich - sehen wir positive Anzeichen
einer neuen Partnerschaft. Aber trotz aller von uns
erzielten Fortschritte - darüber sollten wir uns nicht
hinwegtäuschen - bleiben Hindemisse bestehen. Unsere
Fähigkeit, sie zu überwinden, wird die entscheidende
Probe für die Stärke dieser neuen Beziehung sein, von
der ich spreche.
In vielen Fällen sind wir mit Konflikten und Streitigkeiten konfrontiert, die ihren Ursprung in dem Weltkrieg
haben, der vor 50 Jahren gekämpft wurde und die
durch den darauf folgenden langen kalten Krieg in
ihrem damaligen Zustand eingefroren wurden. Dazu
gehören Auseinandersetzungen wie der von uns unterstützte japanische Anspruch auf seine nördlichen
Territorien. Dieser Streitfall könnte Ihre Integration in
die Weltwirtschaft behindern, und wir möchten alles in
unserer Macht Stehende tun, um beiden Seiten bei
seiner Lösung zu helfen.
Auch die Fragen im Hinblick auf die Zukunft der
baltischen Staaten Estland, Lettland und Litauen sind
schwierig. Heute bittet eine neue demokratisch gewählte und den Willen der baltischen Völker widerspiegelnde Generation politisch Verantwortlicher im Baltikum eine neue Generation sowjetischer Politiker, eines der dunkelsten Kapitel der Stalin-Ära zu schlie ßen.
Zweifelsohne können vernunftbegabte und von gutem
Willen geleitete Männer und Frauen einen Weg finden,
um den baltischen Völkern Frieden zu geben.

AMERIKA DIENST 30

�Nur aufrichtig geführte Verhandlungen mit den baltischen Regierungen können das Streben ihrer Völker
nach Freiheit erfüllen. Wir dürfen die positiven Fortschritte, die wir erzielt haben, nicht Gefahren ausgesetzt oder in Zweifel gezogen sehen. Vor allem
benötigen wir eine eindeutige und uneingeschränkte
Verpflichtung zu friedlichem Wandel.
Ein weiteres Hindernis liegt unmittelbar vor der Türschwelle der Vereinigten Staaten. Ich bin sicher, Sie
alle wissen, wovon ich spreche. Neunzig Meilen vor
der Küste Floridas befindet sich noch immer dieses
Hindernis - Kuba. Die Vereinigten Staaten stellen
keine Bedrohung für Kuba dar und aus diesem Grund
besteht für die Sowjetunion keine Notwendigkeit, Millionen von Dollar an Militärhilfe nach Kuba zu pumpen,
insbesondere da der uneinsichtige, durch seinen eigenen veralteten Totalitarismus isolierte Castro seinem
Volk jeden Schritt zur Demokratie verweigert. Castro
teilt weder Ihr Vertrauen in Glasnost noch Ihr Vertrauen in Perestrojka.
Schlie ßlich ist es an der Zeit, daß Ihr Militärapparat den
Friedenszeiten angepaßt wird. Es ist Zeit, die Militärausgaben zu reduzieren. In den Vereinigten Staaten
tun wir das bereits. Die Welt hat sich verändert.
Während Sie darum kämpfen, Teil der Weltwirtschaft
zu werden, bieten wir unsere Hilfe bei der Umrüstung
Ihres militärisch-industriellen Potentials zu produktiven, friedlichen Zwecken an. Wir sind uns der Schwierigkeiten der Militärreform und der konkurrierenden
Bedürfnisse des Volkes bewußt, das sich in einem
Vakuum befindet, wenn das Ende des kalten Krieges
den Weg zu einer neuen Weltordnung freimacht, aber
wir wissen auch: die Entmilitarisierung Ihrer Volkswirtschaft ist der Schlüssel zu wirtschaftlichem Umbruch.
Er wird Sie in die Lage vesetzen, mehr Ressourcen für
Wirtschaftswachstum aufzuwenden und die Regale in
Ihren Läden füllen.
Die größte Herausforderung - der einzelne, wesentlichste Faktor beim Schmieden einer neuen Partnerschaft zwischen unseren beiden Nationen - ist nach
wie vor das Ergebnis des Experiments der Umgestaltung der sowjetischen Wirtschaft und Gesellschaft.
Führen Sie sich die Sowjetunion von heute vor Augen
- die Tage, an denen ein kleiner, hinter den hohen
Mauern des Kreml versteckter Kader die Hebel der
Macht bewegte, sind vorüber. Die Tage eines Parlaments der Ja-Sager und des Einparteienmonopols,
das eine Meinung durchsetzte, gehören der Vergangenheit an.
Statt dessen sehen wir unverkennbare Zeichen der
neuen Sowjetunion. Einstmals in der Verbannung
schmachtende Dissidenten sind heute Abgeordnete
im Volkskongreß. Samisdat wurde von offen auf der
Straßen geäußerter Kritik abgelöst. Eine neue sowjetische Revolution hat begonnen - eine vom Auftreten
vieler Meinungen innerhalb und außerhalb der Regierung und der Bildung zahlreicher politischer Parteien

AMERIKA DIENST 30

hier in Moskau und allen Teilen der unendlichen Weite
dieses großen und wundervollen Landes gekennzeichnete Revolution.
Die Kräfte des reaktionären Widerstands haben noch
immer große Macht, aber jeder Tag schafft neue
Bündnisse, ein neues Manifest für Wandel, einen
neuen Ruf nach Aktion. Inmitten dieses sich verändernden Szenariums stellen einige die Frage: "Was
für eine Politik vertreten wir gegenüber all diesen
Gruppen? Wen und was unterstützen wir?" Und
meine Antwort ist klar. Die Vereinigten Staaten stehen
zu den Kräften der Freiheit und Reform, wo immer sie
anzutreffen sind.
Mein Land ist bereit, dieser neuen sowjetischen Revolution zu helfen. Im wirtschaftlichen Bereich muß die
Umgestaltung von innen kommen. Weder der Mangel
an ausländischem Kapital hat Ihre Wirtschaft in die
Krise gestürzt, noch können Ihre wirtschaftlichen
Schwächen mit einer simplen Kapitalspritze kuriert
werden. Nur durch echte Reformen kann die Sowjetunion die kontraproduktive Kommandowirtschaft abschaffen, nur durch echte Reformen kann sie die
Talente, Energie und das unternehmerische Potential
ihres Volkes freisetzen.
Während die Marktreformen Fortschritte machen, sind
die Vereinigten Staaten zur Unterstützung Ihrer Bestrebungen bereit. Der nächste Schritt ist meines
Erachtens jetzt, eine Wirtschaftsstrategie mit dem IWF
und der Weltbank zu erarbeiten, eine Strategie, die
sich der Unterstützung der internationalen Investoren
erfreut. Es sollte sich um ein Programm handeln, das
Prioritäten festsetzt und Ihre enormen natürlichen
Schätze sinnvoll nutzt. Vor allem aber muß es ein Plan
sein, der Ihr großes menschliches Potental - das
sowjetische Volk - freisetzt. Der Fortschritt hängt vom
Tempo Ihrer Reformen ab - der Geschwindigkeit, mit
der Sie von einem auf Kommando und Kontrolle gegründeten zu einem auf Angebot und Nachfrage basierenden System übergehen. Ebenso wie in Osteuropa
wird unsere Hilfe mit dem Tempo Ihrer Reformen
Schritt halten.
Unsere neue Partnerschaft muß jedoch über die
Regierungsstellen in Washington und Moskau und den
Hauptstädten Westeuropas hinausgehen. Angesichts
ihrer knappen Ressourcen haben die westlichen
Regierungen nicht viel Handlungsspielraum. Aus diesem
Grund müssen wir die Geschäftsleute aus Europa und
Amerika und ihre Partner in der gesamten Sowjetunion
zusammenbringen.
Unsere neue Partnerschaft muß die Tausenden von
Meilen zwischen amerikanischen Kleinstädten und
Städten in der Sowjetunion überbrücken. Das bedeutet, den Austausch von Wissenschaftlern, Künstlern
und Technikern zu erweitern. Und von den großen
Städten Moskau und Kiew, den Ebenen Zentralasiens
und den Dörfern in Sibirien bis zum Hafen von Wladi-

Seite 3

�wostok und für alle dazwischenliegenden Orte heißt
dies, daß Schüler an amerikanischen Schulen lernen
und bei amerikanischen Familien leben werden, weitere Tausende amerikanischer Studenten in die Sowjetunion kommen, um Ihre Vergangenheit zu erforschen und aus erster Hand die Zukunft zu erleben, die
Sie schaffen.
Vier lange Jahrzehnte war Zusammenarbeit dieser Art
Opfer des kalten Krieges. Lassen Sie also diesen
Moskauer Gipfel als eindeutiges Symbol für das Ende
dessen stehen, das - und darin sind wir uns wohl alle
einig - ein Zeitalter des Mi ßtrauens war, und lassen Sie

ihn ein Symbol für den Neuanfang zwischen unseren
beiden Nationen sein. Ein Zeitalter des Fortschritts zu
einer neuen Welt des Friedens und der Partnerschaft.
Ich danke Ihnen nochmals für die Gelegenheit, vor
diesem Institut sprechen zu dürfen. Ich möchte Ihnen
versichern, daß die Beziehugnen zwischen der Sowjetunion und den Vereinigten Staaten gut sind und
besser werden, und es ist mein Ziel als Präsident der
Vereinigten Staaten, danach zu trachten, daß sie noch
besser werden. Ich danke Ihnen. Gott schütze das
Volk der Sowjetunion.

* * * * *

Seite 4

AMERIKA DIENST 30

�START
31. Juli 1991

DIE VERHANDLUNGEN ÜBER DIE VERRINGERUNG
STRATEGISCHER RÜSTUNGEN
Eine Übersicht des ACDA
WASHINGTON - (AD) - Die nachfolgende Übersicht über die START-Verhandlungen wurde am 29. Juli 1991 vom
Amt für Rüstungskontrolle und Abrüstung veröffentlicht.

Der START-Vertrag - Was er umfaßt

Regierungsvereinbarung zu Daten

Der Vertrag über die Verringerung strategischer Rüstungen (START) enthält den grundlegenden Vertragstext sowie eine Reihe von Begleitdokumenten.
Darüber hinaus umfaßt er mehrere Protokolle, die
Durchführungsverfahren vorsehen, mit denen die Verpflichtungen des Vertrags unterstützt werden und die
integraler Bestandteil des Vertrags sind.

enthält die Bezugsdaten und Kategorien des Vertrags,
die regelmäßig auf den neuesten Stand gebracht
werden.

Das Vertragsdokument
Die 17 Artikel, in denen die Vereinigten Staaten und die
Sowjetunion sich auf die Verringerung und Begrenzung ihrer strategischen Offensivwaffen einigen, umfassen Rüstungsbegrenzungen, Zählregeln, Umrüstung
oder Beseitigung von Waffensystemen, Verifizierung
und Inspektionen, kooperative Maßnahmen, die Gründung einer Gemeinsamen Einhaltungs- und Inspektionskommission (Joint Compliance and Inspection
Commission - JCIC) sowie Verfahrensweisen für Inkrafttreten, Änderung, Gültigkeitsdauer und Abzug.
Anhang zu vereinbarten Erklärungen
beinhaltet vereinbarte Erklärungen zur Erweiterung
der grundlegenden Vertragsbestimmungen.
Anhang zu Definitionen und Terminologie
enthält die Defintion der durchgängig im Vertrag verwendeten Termini.
Protokoll zu Umrüstung oder Beseitigung
legt die Verfahren zur Umrüstung oder Beseitigung
von vertraglich begrenzten Gegenständen fest.

AMERIKA DIENST 30

Protokoll zur Inspektion
enthält detaillierte Bestimmungen über die Vertragsverpflichtungen zu Vor-Ort-Inspektionen und kontinuierlicher Überwachung. Legt die Verfahren zur Durchführung der Inspektionsbestimmungen fest.
Protokoll zur Notifizierung
unterstützt die Verifizierungsbestimmungen, indem die
erforderlichen Notifizierungen über den Stand derstrategischen Atomwaffen festgelegt werden.
Protokoll zum Wurfgewicht
legt die Verfahrensweisen für Feststellung und Offenlegungspflicht der Wurfgewichte von ICBMs und SLBMs
fest.
Protokoll über die Gemeinsame Einhaltungs- und
Inspektionskommission (JCIC)
legt die Verfahren für Aktivitäten und Vorgehensweise
der JCIC fest.
Protokoll zu Telemetrie
legt die Bestimmungen für den Austausch telemetrischer Bänder, Ausnahmen, interpretierbare Daten und
Beschleunigungsprofile fest.
Übersicht: START - die grundlegenden Bestimmungen des Vertrags.

Seite 1

�START-Reduzierungen
Verringerungen auf gleiche Niveaus strategischer
Offensivwaffen, ausgeführt in drei Phasen binnen sieben
Jahren nach Inkrafttreten des Vertrags.
Spezifische, gleiche Zwischenniveaus für vereinbarte
Kategorien strategischer Offensivwaffen bis zum Ende
jeder Phase.
Die zentralen Begrenzungen umfassen:
1.600 strategische Trägersysteme (SNDVs)
6.000 anrechenbare Gefechtsköpfe
4.900 Gefechtsköpfe auf ballistischen Raketen
1.540 Gefechtsköpfe auf 154 schweren Interkontinentalraketen (ICBMs) für die sowjetische
Seite. Die Sowjets haben ferner in einem Begleitschreiben den Abbau von 22 SS-18-Trägersystemen pro Jahr für die Dauer von sieben
Jahren vereinbart, um dieses Ziel zu verwirklichen.
1.100 Gefechtsköpfe auf stationierten mobilen
ICBMs
Obergrenze des Wurfgewichts von 3.600 Tonnen
Trägersysteme
Eine Obergrenze von 1.600 für die Anzahl der SNDVs,
die stationierte ICBMs und ihre Trägersysteme, dislozierte unterseebootgestützte ballistische Raketen
(SLBMs) und ihre Trägersysteme sowie schwere Bomber
umfaßt.
Gefechtsköpfe
Eine Obergrenze von 6.000 anrechenbaren Gefechtsköpfen umfaßt die auf die Anzahl der stationierten
ICBMs und SLBMs angerechneten Gefechtsköpfe, die
Anzahl der für LRNA ausgerüsteten schweren Bombern angerechneten nuklearbestückten luftgestützten
Marschflugkörper längerer Reichweite (LRNA) sowie
einen Gefechtskopf, der auf jeden nur für nuklear
bestückte Freifallbomben und Angriffsraketen kurzer
Reichweite (SRAMs) ausgerüsteten schweren Bomber angerechnet wird.
Gefechtsköpfe auf ballistischen Raketen
Jeder Gefechtskopf auf ballistischen Raketen, der
einer Rakete zugerechnet wird, zählt als ein Gefechtskopf innerhalb der Obergrenze von 6.000 Gefechtsköpfen.
Keine Flugerprobung von Raketen mit Wiedereintrittsflugkörpern (RVs) über die angerechnete Anzahl hinaus.
Eine Quote von Vor-Ort-Inspektionen zur Verifizierung, daß dislozierte ballistische Raketen nicht mehr
RVs enthalten als die Anzahl der ihnen angerechneten
Gefechtsköpfe.

Seite 2

Verbot neuer Typen von ICBMs und SLBMs mit mehr
als 10 Gefechtsköpfen.
Verbot der Aufstockung der angerechneten Gefechtsköpfe bei zukünftigen Typen von ICBMs und SLBMs.
"Downloading"
Die Anzahl der Gefechtsköpfe auf bis zu drei Typen
von ballistischen Raketen und ihre Anrechnung im
Rahmen von START kann bis auf eine Gesamtzahl
von 1.250 RVs reduziert werden ("downloading").
Jede sowjetische SS-N-18 kann mit 3 RVs angerechnet werden; insgesamt 896 SS-N-18-Gefechtsköpfe
fallen unter die Obergrenze für "downloading".
Amerikanische Minuteman III können um 1 oder 2 RVs
reduziert werden.
Soweit innerhalb der Obergrenze von 1.250 gestattet,
können bis zu 500 RVs auf zwei anderen bestehenden
Typen ballistischer Raketen reduziert werden (bis zu 4
RVs pro Rakete).
Verbot des "downloading" neuer Typen. Verbot der
Stationierung neuer Typen mit mehr Gefechtsköpfen
als der reduzierte Typ (mit Ausnahme der Minuteman
III und der SS-N-18). Verbot des "downloading" schwerer ICBMs.
Wenn eine ICBM um mehr als 2 RVs reduziert wird,
muß sie mit einer neuen Steuer- und Kontrolleinheit in
der Raketenspitze ausgerüstet werden, und alle alten
Einheiten sind zu zerstören.
Schwere Bomber
Zusätzlich zu der erforderlichen Reduzierung stationierter schwerer ICBMs und ihrer Gefechtsköpfe um
50 Prozent beinhalten weitere Einschränkungen bei
schweren Raketen folgendes: kein "downloading",
keine Erhöhung des Abschuß- oder Wurfgewichts,
keine mobilen Abschuß Vorrichtungen für schwere
ICBMs, Verbot neuer Typen schwerer Raketen. Die
Konstruktion neuer Silos für schwere ICBMs ist gestattet, jedoch nur in Ausnahmefällen für die Verlegung
und nur als Ersatz für beseitigte schwere ICBM-Silos
unter außergewöhnlichen Umständen. Es sind maximal 154 solcher Silos gestattet. Die Modernisierung
und Erprobung der bestehenden schweren ICBMs
kann fortgesetzt werden.
Neue Typen von ICBMs und SLBMs
Eine ICBM oder SLBM wird als neuer Typ einer ICBM
oder SLBM angesehen, wenn sie eines der folgenden
Kriterien erfüllt: Geänderte Anzahl der Stufen, Veränderungen beim Typ des Treibmittels, 10prozentige
Veränderung der Länge der Rakete oder ihrer ersten
Stufe, 10prozentige Veränderung des Abschußgewichts der Rakete, 5prozentige Veränderung des
Durchmessers, Sprozentige Veränderung der Länge
der ersten Stufe mit 21 prozentiger Erhöhung des
Wurfgewichts.

AMERIKA DIENST 30

�Eine Obergrenze von 21 Prozent bei erlaubten Erhöhungen des Wurfgewichts bestehender Typen von
ICBMs und SLBMs.
Die Anrechnung von Gefechtsköpfen auf zukünftige
Typen von ICBMs und SLBMs entspricht der Höchstzahl erprobter und simulierter RVs, jedoch nicht weniger als die Anzahl, die man erhält, indem man 40
Prozent des Raketenwurfgewichts durch das Gewicht
der leichtesten erprobten RVs auf diesem Typ von
ICBM oder SLBM dividiert. Die Anwendung der 40Prozentregel auf neue Systeme mit nichtkonventioneller Raketenspitze wird in der JCIC erörtert.
Schwere Bomber
Jeder schwere Bomber zählt als ein strategisches
Trägersystem (SNDV). Jeder für Atomwaffen außer
atomaren luftgestützten Marschflugkörpern längerer
Reichweite (d.h. nur für Freifallbomben und Angriffsraketen kurzer Reichweite - SRAMs) ausgerüstete schwere Bomber wird als ein Gefechtskopf auf die Obergrenze von 6.000 angerechnet. Eine vereinbarte Zahl von
schweren Bombern könnte durch Umrüstung zu rein
konventionellen Systemen von der SNDV-Obergrenze von 1.600 ausgenommen werden. Für atomare
ALCMs längerer Reichweite (LRNA) ausgerüstete
schwere Bomber werden von anderen schweren
Bombern zu unterscheiden sein.
Im Gegenzug für die Ausklammerung des Tupolew22-M-Bombers (Backfire) aus dem START-Vertrag
wird die Sowjetunion eine politisch bindende Erklärung
abgeben, derzufolge sie nicht mehrals 300 Backfire für
die Luftwaffe und nicht mehr als 200 Maschinen dieses
Typs für die Marine stationieren wird und diese Bomber keine interkontinentale Fähigkeit erhalten.
Atomare luftgestützte Marschflugkörper längerer
Reichweite (LRNA)
Atomar bestückte ALCMs mit einer Reichweite von
über 600 Kilometern (LRNA) werden vom STARTVertrag betroffen sein. Neue weitreichende, konventionell bestückte ALCMs, die sich von nuklear bestückten ALCMs unterscheiden lassen, werden von START
nicht begrenzt und können auf jedem beliebigen Flugzeug stationiert werden.
Für die Anrechnung auf die Obergrenze von 6.000
Gefechtsköpfen werden die betreffenden Gefechtsköpfe folgendermaßen den für LRNA ausgerüsteten
schweren Bombern zugerechnet: jeder bestehende
und zukünftige für LRNA ausgerüstete schwere Bomber der Vereinigten Staaten zählt soviel wie 10 Gefechtsköpfe, darf jedoch maximal mit 20 LRNA ausgerüstet werden (Ausnahme siehe unten). Jeder bestehende und zukünftige für LRNA ausgerüstete schwere
Bomber der UdSSR zählt soviel wie 8 Gefechtsköpfe,
darf jfidoch mit maximal 16 LRNA bestückt werden
(Ausnahme siehe unten).

AMERIKA DIENST 30

Die Vereinigten Staaten dürfen die obengenannte
Zählregel auf bis zu 150 für LRNA ausgerüstete schwere Bomber anwenden; die Sowjetunion kann die obengenannte Zählregel für bis zu 180 für LRNA ausgerüstete schwere Bomber anwenden. Für alle über diese
Obergrenzen hinausgehenden für LRNA ausgerüsteten schweren Bomber gilt, daß die Zahl der anrechenbaren Gefechtsköpfe der Zahl von LRNA entspricht,
für die die Bomber tatsächlich ausgerüstet sind.
Atomare ALCMs längerer Reichweite mit Mehrfachgefechtsköpfen sind verboten.
Mobile ICBMs
Im großen und ganzen wurde Übereinstimmung über
zulässige Bewegungen und damit einhergehende
Notifizierungsverfahren erzielt.
Nichtstationierte mobile ICBMs und Abschuß Vorrichtungen werden zahlenmäßig und geographisch begrenzt (siehe unten Nichtstationierte Raketen).
Sowjetische mobile Systeme: SS-24, SS-25. Aufgrund des Prinzips der Gegenseitigkeit wird das
amerikanische Peacekeeper-System als mobil eingestuft, obwohl es nie als mobile ICBM getestet wurde.
Nichtstationierte Raketen
Bei nichtstationierten ballistischen Raketen wird für
alle ICBMs eines Typs, der bereits von einer mobilen
Abschußrampe im Flug erprobt wurde, eine zahlenmäßige Obergrenze von 250 eingeführt; von diesen dürfen höchstens 125 nichtstationierte Raketen schienengestützt sein. Darüberhinaus werden nichtstationierte
Abschußvorrichtungen für mobile Raketen auf 110
begrenzt. Davon dürfen höchstens 18 nichtstationierte Abschußvorrichtungen für schienengestützte ICBMs
sein.
Andere nichtstationierte ballistische Raketen werden
keinen zahlenmäßigen Begrenzungen unterliegen. Es
wird jedoch Beschränkungen im Hinblick auf Standort
und Bewegungen geben, und sie werden in den erforderlichen Datenaustausch einbezogen.
Ferner werden verschiedene andere Bestimmungen
vereinbart, um das rasche Nachladen von ICBMAbschußrampen zu verhindern.
Beide Seiten haben ferner vereinbart, daß die Zahl der
Marschflugkörper und anderer Waffen für schwere
Bomber keinerlei Begrenzung unterworfen wird. Die
Stationierungsorte der LRNA werden teilweise begrenzt.
Ausnahmen von den vertraglichen Obergrenzen
75 nichtmoderne für nichtnukleare Waffen ausgerüstete schwere Bomber, ehemalige schwere Bomber
und schwere Bomber für Schulungszwecke.
20 schwere Bomber zu Testzwecken.

Seite 3

�25 Siloabschußvorichtungen zu Testzwecken sowie
20 mobile Abschuß Vorrichtungen zu Testzwecken in
Erprobungsstellen.
SLCMs
Seegestützte Marschflugkörper (SLCMs) werden vom
START-Vertrag nicht begrenzt. Jede Seite wird jedoch der jeweils anderen eine politisch bindende
Deklaration über die atomaren SLCMs längerer Reichweite, also atomare SLCMs mit einer Reichweite von
über 600 Kilometern, zukommen lassen. In jährlichen
Deklarationen wird die geplante Höchstzahl dieser
stationierten atomaren SLCMs für jedes der folgenden
fünf Vertragsjahre präzisiert werden. Die geplante
Höchstzahl wird 880 atomare SLCMs längerer Reichweite nicht überschreiten. Nuklear bestückte SLCMs
mit einer Reichweite von 300 - 600 Kilometern werden
einem vertraulichen jährlichen Datenaustausch unterworfen. Die Seiten werden keine atomaren SLCMs mit
Mehrfachgefechtsköpfen produzieren oder stationieren.
Verifizierung
Die Verifizierung spielte bei der Konzeption des Vertrags über die Verringerung strategischer Rüstungen
(START) eine große Rolle, und Verifizierungsmaßnahmen wurden parallel zu anderen Aspekten ausgehandelt. Deshalb ist die Grundstruktur des Vertrags
darauf ausgelegt, die Verifizierung durch nationale
technische Mittel (NTM) zu erleichtem. Der STARTVertrag enthält detaillierte, ineinander übergreifende
und sich wechselseitig verstärkende Bestimmungen
zur Ergänzung nationaler technischer Mittel, um ein
wirksames Verifizierungsregime zu schaffen. Dieses
Regime sieht den Austausch von Daten sowie Notifizierung im Hinblick auf vertraglich erfaßte strategische
Systeme und Einrichtungen, ein Verbot der Verweigerung telemetrischer Daten, zwölf Arten von Vor-OrtInspektionen und Vorführungen, die kontinuierliche
Überwachung von Einrichtungen zur Endmontage
mobiler ICBMs sowie kooperative Maßnahmen vor.
Diese Elemente werden nachfolgend dargestellt.
Nationale technische Mittel (NTM)
Der START-Vertrag sieht die Anwendung und Nicht-

behinderung nationaler technischer Mittel zur Verifizierung - also Satelliten - vor. Er enthält ausdrückliche
Bestimmungen zum Verbot der Behinderung von NTM
oder von Maßnahmen zur Geheimhaltung, die einer
Verifizierung durch NTM im Wege stehen würden.
Telemetrie
Den Parteien ist jegliche Aktivität untersagt, die den
vollständigen Zugang zu telemetrischen Informationen während der Flugerprobung von Raketen verweigert, wobei gewisse begrenzte Ausnahmen zulässig
sind. Darüber hinaus sind die Parteien verpflichtet,
telemetrische Bänder, interpretierbare Daten und
Beschleunigungsprofile für jeden Testflug auszutauschen.

Seite 4

Datenaustausch und Notifizierung
Vor Unterzeichnung des Vertrags werden beide Seiten
Daten überzahlen, Standorte und technische Charakteristika von START-spezifischen Waffensystemen
und Einrichtungen austauschen. Danach werden sie
einander regelmäßig notifizieren und fortgeschriebene
Daten liefern.
Kooperative Maßnahmen
Siebenmal pro Jahr kann jede Partei von der anderen
die offene Vorführung von straßengestützten mobilen
Abschußvorrichtungen, schienengestützten mobilen
Abschußvorrichtungen und schweren Bombern auf
von der inspizierenden Partei zu bestimmenden Stützpunkten verlangen. Zusätzliche kooperative Maßnahmen können nach einer operativen Auflockerung
beantragt werden.
Kontinuierliche Beobachtungsaktivitäten
Der START-Vertrag schafft eine kontinuierliche Überwachung von Umfeld sowie Ein- und Ausgängen der
mobilen ICBM-Montageeinrichtungen beider Seiten.
Die Vereinigten Staaten hätten demnach das Recht
zur Etablierung eines Beobachtungspostens in Wotkinsk, wo sich die Endmontageeinrichtung für die SS25 befindet, sowie in Pawlograd, der Endmontageeinrichtung für die SS-24. Die sowjetische Seite hätte das
Recht zur Beobachtung von Thiokol Strategie Operations in Promontory (Utah), der Endmontageeinrichtung für die anrechenbare Stufe der PeacekeeperRakete. Eine solche Beobachtung würde auch für jede
künftige Einrichtung zur Montage mobiler ICBMs eingeführt.
Vor-Ort-Inspektionen
Es gibt zwölf Arten von Vor-Ort-Inspektionen und
Vorführungen. Dies sind: Inspektionen zur Verifizierung von Ausgangsdaten, Inspektionen zur Überprüfung neuer Daten, Inspektionen neuer Einrichtungen,
Inspektionen mutmaßlicher Standorte, Inspektionen
von Wiedereintrittsflugkörpern, Inspektionen zur Überwachung der Auflockerung nach Übungen, Inspektionen zur Überprüfung der Umrüstung oder Beseitigung
von Systemen, Abschlußinspektionen nach Schließung von Standorten, Inspektionen zur Überprüfung
ehemals gemeldeter Einrichtungen, Vorführungen
technischer Charakteristika, Unterscheidbarkeitsvorführungen sowie Vorführungen der Grundausführungen schwerer Bomber.
Einhaltung
Anliegen im Hinblick auf die Einhaltung des Vertrags
können von jeder Seite in der Gemeinsamen Einhaltungs- und Inspektionskommission (JCIC) oder bei
jedem anderen geeigneten Forum vorgebracht werden.
Verweigerung von Daten
Vereinbarung zur Übertragung aller telemetrischen

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�Informationen von Erprobungsflügen von ICBMs und
SLBMs und zum Verbot sämtlicher Maßnahmen
(darunter Verschlüsselung, Verkapselung und Störung), die den vollständigen Zugang zu telemetrischen
Informationen verhindern. Begrenzte Ausnahmen sind
zulässig.
Pflicht zur Bereitstellung vollständiger telemetrischer
Bänder, Beschleunigungsprofile sowie gewisser besonders aufgeführter interpretierbarer Informationen
nach jedem Erprobungsflug eines ICBM oder SLBM.
Als Geste des guten Willens kamen die Seiten überein,
120 Tage nach der Unterzeichnung des Vertrags auf
Verschlüsselung oder Störung des Funkverkehrs zu
verzichten.
Vertragsdauer

nicht vorher durch ein Folgeabkommen abgelöst wird.
Mit Zustimmung beider Seiten kann der Vertrag für
weitere Zeiträume von jeweils fünf Jahren verlängert
werden.
Nichtumgehung/Drittlandsfragen
Kein Transfer strategischer Offensivwaffen an Drittländer, es sei denn, bestehende Strukturen der Zusammenarbeit werden nicht berührt.
Es wird keine dauernde Stationierung strategischer
Offensivwaffen und keine Inspektionen au ßerhalb des
jeweiligen nationalen Territoriums geben. Eine vorübergehende Stationierung schwerer Bomber in Übersee ist gestattet, aber dafür gelten gewisse Notifizierungspflichten. Anlegen von SSBNs in Häfen ist
gestattet.

Der Vertrag hat eine Laufzeit von 15 Jahren, sofern er

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Seite 5

�NAHER

OSTEN
31. Juli 1991

PARISER TREFFEN ERSTER SCHRITT ZUR
BEGRENZUNG VON WAFFENLIEFERUNGEN
IN DEN NAHEN OSTEN
Bartholomew vor Unterausschuß des Senats
WASHINGTON - (AD) - Das Treffen der fünf führenden Waffenlieferanten in den Nahen Osten - Vereinigte
Staaten, Sowjetunion, Frankreich, Großbritannien und China - Anfang dieses Monats in Paris markierte den
"ersten wichtigen Schritt zur Begrenzung destabilisierender Waffenlieferungen in den Nahen Osten", erklärte der
Staatssekretär für internationale Sicherheitsbelange, Reginald Bartholomew, am 25. Juli 1991.
In einer Rede vor den Unterausschüssen des Repräsentantenhauses für Europa, den Nahen Osten und
Rüstungskontrolle, internationale Sicherheit und Wissenschaft verwies Bartholomew auf die von den fünf
Nationen in Paris bei der "Entwicklung eines pragmatischen Verhaltenskodex für Waffenlieferungen" erzielten
Fortschritte. Ein solcher Kodex sollte den Standard setzen, an dem das Verhalten anderer waffenexportierender Nationen gemessen wird, fügte er hinzu.
Bartholomew, der Leiter der US-Delegation bei den Pariser Gesprächen war, betonte, daß jeder Versuch zur
Verhängung eines Moratoriums auf legale Rüstungsverkäufe der Vereinigten Staaten an verbündete Nationen
im Nahen Osten jedoch zum Scheitern verurteilt wäre.
"Ein Moratorium würde unsere Bestrebungen zum Aufbau eines effektiven internationalen Systems für die
Selbstbeschränkung der Lieferanten vereiteln, die anderen führenden Lieferanten von der Zusammenarbeit mit
uns abschrecken und 'Renegaten' einfach gestatten, unseren Platz einzunehmen", führte er aus.
Nachfolgend veröffentlichen wir Bartholomews Rede im Wortlaut.

Es ist mir eine Ehre und ein Vergnügen, vor diesen
beiden Unterausschüssen meine Sicht des vor kurzem
beendeten Treffens von Rüstungslieferanten in Paris
sowie unsere kontinuierlichen Bestrebungen zur Förderung der Stabilität im Nahen Osten darzulegen. Ich
weiß Ihr anhaltendes Interesse an der Rüstungskontrollpolitik der Administration und die ermutigenden
Worte von Ihnen und Ihren Kollegen zu den Ergebnissen des Pariser Treffens zu schätzen. Ich möchte mit
einem Abriß der Ereignisse beginnen, die zu dem
Pariser Treffen geführt haben.
In seiner Rüstungskontrollinitiative für den Nahen Osten
vom 29. Mai 1991 schlug der Präsident ein Treffen der
fünf wichtigsten Rüstungslieferanten für den Nahen
Osten - Vereinigte Staaten, Großbritannien, Frankreich, China und die Sowjetunion - vor, um die Trans-

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parenz im Prozeß der Rüstungslieferungen zu erhöhen. Der Präsident unterbreitete den Vorschlag zu
ersten Gesprächen zwischen diesen fünf Ländern, die
in den vergangenen Jahren eine beachtliche Menge
von Waffen in die Region geliefert haben.
Bei dem Treffen sollten sich die Gespräche auf die
Schaffung eines Regimes zur Verhinderung destabilisierender Exporte konventioneller Waffen und das
Verbot des Transfers von Massenvernichtungswaffen
sowie verwandter Technologien konzentrieren. Die
Fünf kamen vom 8. bis 9. Juli 1991 in Paris zusammen,
um Gespräche dieses Inhalts aufzunehmen.
Bei dem Pariser Treffen strebten die Vereinigten Staaten die Zustimmung der anderen Teilnehmer zu drei
grundlegenden Elementen von Präsident Bushs Vor-

Seite 1

�schlag an. Erstens die Entwicklung einer Reihe von
Richtlinien zu konventionellen Rüstungslieferungen
und einen Mechanismus für Konsultationen, Notifizierung und Informationsaustausch zu ihrer Unterstützung. Zweitens die Entwicklung von Richtlinien zur
Verhinderung des Transfers von Massenvernichtungswaffen, Boden-Boden-Raketen und verwandter Technologien. Drittens, eine Reihe spezifischer Rüstungskontrollvorschläge für die Region mit Unterstützung
der fünf Teilnehmerstaaten durchzuführen. Nach
anderthalbtägigen Gesprächen verabschiedete die
Gruppe diese grundlegenden Prinzipien. In dem von
den Fünf herausgegebenen Kommunique fanden diese Prinzipien und die Tatsache ihren Niederschlag,
daß die von Präsident Bush vorgebrachten Ideen als
Grundlage der Gespräche dienten.
Die Fünf einigten sich, erstmalig Regeln der Selbstbeschränkung in Form von Richtlinien beim Transfer
konventioneller Waffen in den Nahen Osten einzuhalten. Diese Richtlinien bilden das Kernstück eines
anhaltenden Prozesses, der Konsultationen und Informationsaustausch zu Rüstungslieferungen in die Region
beinhaltet.
Die Fünf vereinbarten darüber hinaus, strikte nationale
und so weit wie möglich harmonisierte Kontrollen zur
Eindämmung des Transfers von Massenvernichtungswaffen und verwandtem Material zu entwickeln und
aufrechtzuerhalten.
Die Fünf unterstützen die Initiative des Präsidenten für
ein umfassendes Programm zur Rüstungskontrolle im
Nahen Osten uneingeschränkt:
Sie verabschiedeten das Einfrieren der Erprobung und Beschaffung von Boden-Boden-Raketen mit dem Ziel ihrer endgültigen Beseitigung.
Sie vereinbarten, daß alle nuklearen Aktivitäten
in der Region unter die Sicherheitsbestimmungen der Internationalen Atomenergieorganisation (IAEO) fallen sollen.
Sie unterstützen ein Verbot der Einfuhr und
Herstellung von nuklearfähigem Material und
sie erzielten Einigung, daß alle Staaten in der
Region Unterzeichner der Konvention zum Verbot
chemischer Waffen werden sollten, sobald diese (im Jahr 1992) abgeschlossen wird.
Die Gruppe vereinbarte, die in Paris begonnene Arbeit
mit der nächsten Plenarsitzung kommenden Oktober
in London fortzusetzen. In der Zwischenzeit wird im
September in London ein Treffen auf Expertenebene
abgehalten, um die im Kommunique geforderten
Konsultationsmechanismen und Richtlinien zu erörtern.

Seite 2

Das Pariser Treffen ist der Anfang einer neuen Form
der Zusammenarbeit zwischen ä&amp;n fünf führenden
Rüstungslieferanten in den Nahen Osten. Wir haben
von den Fünf die gegenseitige Verpflichtung erhalten,
die Konzepte von Transparenz und Selbstbeschränkung der Lieferanten bei Rüstungstransfers beschleunigt zu entwickeln. Kurzum: Wir haben in Paris ein
höheres Maß an Einigung zur Quintessenz des Ansatzes von Präsident Bush zu einem früheren Zeitpunkt
erzielt als viele Beobachter dies für möglich gehalten
hätten.
Wir fühlten uns durch die positive Reaktion ermutigt,
die die internationale Staatengemeinschaft den Ergebnissen des Pariser Treffens entgegenbrachte. Beim
jüngsten Gipfeltreffen der G-7 haben Deutschland,
Italien, Japan und Kanada gemeinsam mit Großbritannien und Frankreich die Notwendigkeit für Transparenz und Konsultatioen im Rüstungstransferprozeß
hervorgehoben.
In ihrer Gipfelerklärung betonten die G-7 den internationalen Charakter dieses Problems. Dem können wir
nur zustimmen. Ein Teil unserer Diskussionen in Paris
konzentrierte sich auf die Notwendigkeit, wirksame
Maßnahmen auf internationaler Ebene zu erarbeiten.
Die Vorschläge von Premierminister Major und Präsident Mitterrand tragen diesem Punkt Rechnung. Nichtverbreitung ist ein internationales Problem und die
Administration nimmt es als solches in Angriff. Aber
selbst wenn wir unsere Arbeit bei bestehenden Nichtverbreitungsregimen intensivieren und bilaterale Bestrebungen zu Themen von weltweitem Interesse
verfolgen, müssen die Fünf vordringlich das Problem
der Weiterverbreitung im Nahen Osten - dem Gebiet,
das uns die größten Sorgen bereitet - ansprechen. Ich
denke, wir sind uns alle einig, daß der Golfkrieg diesen
Punkt in sehr drastischer Art und Weise illustriert hat.
Herr Vorsitzender, gerade die Tatsache, daß die Fünf
überhaupt zusammentrafen, um das sensible Thema
Waffenlieferungen zu erörtern, ist eine bedeutende
Leistung an sich. Daß sie darüber hinaus übereinkamen, destabilisierende Lieferungen zu begrenzen,
beweist die Stärke des Ansatzes des Präsidenten zu
dieser äußerst schwierigen Frage.
Wir sind zwar mit dem Ausmaß des in Paris erzielten
Erfolgs sehr zufrieden, geben uns im Hinblick auf die
noch vor uns liegenden Herausforderungen jedoch
keinen Illusionen hin. Obwohl alle dem Konzept der
Zurückhaltung zustimmten, wird es sehr schwierig
werden, die Fünf zu einer Einigung auf bestimmte
Maßnahmen zur Begrenzung von Waffenlieferungen
zu bewegen. Dies wird ein beispielloses Ausmaß an
multilateraler Zusammenarbeit erfordern. Wir müssen
gewisse Lieferanten, die für gewöhnlich heimlich Waffen
exportieren, dazu bringen, diesen Prozeß für Konsultationen, Notifizierung und Informationsaustausch transparent zu machen.

AMERIKA DIENST 30

�Durch die Initiative des Präsidenten führen wir gleichzeitig im Nahen Osten Konzepte ein, die dort bisher
praktisch unbekannt waren. Wir fordern Staaten in
dieser Region, die normalerweise ihre nationale Sicherheit auf Geheimhaltung und Anhäufung von Waffen aufbauen, dazu auf, einen Ansatz zu akzeptieren,
der Transparenz und Rüstungsbegrenzung verlangt.
Auch dies wird nicht einfach sein. Aber wie der
Präsident bei der Ankündigung der Initiative im Mai
erklärte, ist der Weg zum Frieden niemals leicht.
Trotzdem hoffen wir, daß der Erfolg des Pariser Treffens bei den Staaten der Region einen neuen Realismus im Hinblick auf ihre Sicherheitsbedürfnisse hervorrufen wird. Wir haben bereits Anzeichen in diese
Richtung festgestellt. Saudi Arabien hat seine Führungsrolle unterstrichen, indem es mutig seine Bereitschaft erklärte, sich an alle Beschränkungen für Massenvernichtungswaffen zu halten und zu den ersten
Nationen zu gehören, die von diesen Beschränkungen
erfaßte Waffen vernichten. Wie in der MubarakInitiative zum Ausdruck kommt, unterstützt Ägypten
weiterhin unsere Bemühungen und teilt unsere Ziele
für Rüstungskontrolle im Nahen Osten. Die Administration begrüßt diese Schritte wärmstens und ermutigt andere Staaten in der Region zu ähnlichen Gesten.
Solche Schritte werden der Zurückhaltung seitens der
Lieferländer eindeutig Vorschub leisten und der Rüstungskontrolle im Nahen Osten mehr Legitimität verleihen.
Unsere Rüstungskontrollverhandlungen mit den Sowjets haben uns eine sehr wichtige Lektion gelehrt.
Selbst in Zeiten tiefer Feindschaft und starken Mißtrauens kann Rüstungskontrolle dem Abbau des militärischen Wettbewerbs und der Einbeziehung eines
Elements der Berechenbarkeit und Stabilität in die
politische Gleichung förderlich sein.
Mit zunehmendem Auftrieb des arabisch-israelischen
Friedensprozesses werden wir unsere Bemühungen
zur Eindämmung des regionalen Rüstungswettlaufs
intensivieren. Rüstungskontrolle und der Friedensprozeß sind keine aufeinanderfolgenden Ereignisse. Sie
verstärken sich wechselseitig. Sie sind Teil unseres
umfassenden Gesamtkonzepts zur Vertrauensbildung
und Behandlung der Probleme in der Region.
Eine wichtige Komponente bei diesem Prozeß der
Vertrauensbildung ist die Stärkung der Sicherheit unserer
Freunde und Verbündeten in der Region. Unsere
Waffenlieferungspolitik dient einzig und allein dem
friedlichen Zweck, ihnen die Mittel bereitzustellen, um
Aggression abzuschrecken und sich gegebenenfalls
dagegen zu verteidigen. Wie die fünf wichtigsten
Waffenexporteure in Paris bekräftigten, garantiert die
Charta der Vereinten Nationen jedem Staat das Recht
auf Selbstverteidigung sowie das Recht, die Mittel zu
seiner Verteidigung zu erwerben.

AMERIKA DIENST 30

Wir sind uns jedoch der Tatsache bewußt, daß Selbstverteidigung durch die verantwortungsvolle Lieferung
konventioneller Waffen gewährleistet werden sollte,
die legitimen Verteidigungszwecken dienen und keine
destabilisierenden konventionellen Ungleichgewichte
hervorrufen. Dies war stets eine Komponente unserer
Politik und ist eines unserer Ziele bei der Entwicklung
von Beschränkungen seitens der Lieferanten.
Herr Vorsitzender, ich bin mir der Sorgen voll und ganz
bewußt, die Sie und Ihre Kollegen über eine Rückkehr
zu "business as usual" im Nahen Osten empfinden.
Dazu möchte ich folgende Anmerkungen machen.
Erstens möchte ich Ihnen versichern, daß die Vereinigten Staaten im Hinblick auf ihre Militärhilfeprogramme niemals eine Haltung des "business as usual"
eingenommen haben. Wir genehmigen nur solche
Waffenlieferungen, die im Einklang mit unseren Exportgenehmigungsverfahren stehen, zur regionalen
Verteidigungsfähigkeit beitragen und damit die Stabilität stärken sowie die amerikanische militärische
Zusammenarbeit mit der Region verbessern. Wir
werden weiterhin eine kluge Militärhilfepolitik verfolgen, mit der die defensiven Erfordernisse verantwortungsbewußter, befreundeter und friedliebender Regierungen gestärkt werden.
Erinnern Sie sich bitte an einen sehr wichtigen Punkt:
Es waren nicht von den Vereinigten Staaten gelieferte
Waffen, die zur Krise am Golf führten. Glaubt irgendein verantwortlicher Experte wirklich, daß der Verkauf
von Waffen an Israel, Ägypten und Saudi-Arabien die
brutale Invasion Kuwaits heraufbeschworen hat? Femer
liefern wir auch keine Waffen an solche Staaten des
Nahen Ostens, die eine ständige Quelle aggressiven
Verhaltens und unverantwortlicher Aktionen sind. Wir
sind nicht die Quelle übertriebener Arsenale im Nahen
Osten. Unsere Bilanz verantwortungsbewußter Waffenlieferungen kann sich sehen lassen und spricht für
sich.
Zweitens haben wir eine einzigartige Chance, in dieser
Angelegenheit die Führungsrolle zu übernehmen. In
der Tat tun wir mit der Initiative des Präsidenten genau
dies. Wir bringen andere Lieferanten dazu, die Art von
Zurückhaltung bei Waffenlieferungen zu übernehmen,
die stets integraler Bestandteil der amerikanischen
Rüstungsexportpolitik gewesen ist. Wir haben den
fünf führenden Lieferanten ein Forum geboten, um die
Probleme zu erörtern, bevor sie gefährlich außer Kontrolle
geraten. Wir entwickeln einen pragmatischen Verhaltenskodex für Waffenlieferungen, der Normen dafür
schaffen wird, wie die Aktionen der anderen waffenexportierenden Staaten bewertet werden. Die Bemühungen der fünf wichtigsten Lieferanten in Paris zeugen von diesem Ziel.
Vor dem Golfkrieg existierte weder ein Überwachungssystem, um die Aufrüstung des Irak zu verhindern,

Seite 3

�noch gab es irgendeine Vereinbarung, um destabilisierende Waffenlieferungen zu erörtern. Genau das
wollen wir ändern, und das ist die Richtung, in die
unsere Führungsrolle weist.
Schließlich müssen wiruns vor Augenführen, daß jede
einseitige Maßnahme der Vereinigten Staaten beim
Streben nach einer Veränderung des weltweiten
Waffenhandels, wie etwa die Verhängung eines Moratoriums, von Anfang an zum Scheitern verurteilt ist.
Wird die einseitige Einstellung amerikanischer Waffenlieferungen in den Nahen Osten unsere Chancen
verbessern, andere Waffenlieferanten dazu zu veranlassen, unserem Beispiel zu folgen? Die Administration geht davon aus, daß genau das Gegenteil der Fall
wäre.
Es ist mehr als wahrscheinlich, daß ein Moratorium
unsere Bestrebungen zum Aufbau eines effektiven
internationales Systems für die Selbstbeschränkung
der Lieferanten vereiteln, die anderen führenden Lieferanten von der Zusammenarbeit mit uns abschrecken
und "Renegaten" einfach gestatten würde, unseren
Platz einzunehmen.

*

Seite 4

Noch schwerer wiegt die Tatsache, daß damit unseren
regionalen Verbündeten demonstriert würde, daß die
Vereinigten Staaten kein verläßlicher Unterstützer ihrer
legitimen Verteidigungsbedürfnisse sind. Es bestehen
kaum Zweifel daran, daß diese sich dann an andere
wenden werden, um ihre Verteidigungsbedürfnisse zu
befriedigen, wenn wirnicht bereit sind, dies zu tun. Das
einzige greifbare Ergebnis eines Moratoriums wäre
also eine Verringerung der amerikanischen Fähigkeit,
das von uns angestrebte Resultat zu beeinflussen.
Herr Vorsitzender, das Pariser Treffen war der erste
wichtige Schritt zur Begrenzung destabilisierender
Waffenlieferungen in den Nahen Osten. Wir fühlen
uns durch die Bereitschaft der Fünf ermutigt, bei der
Sondierung des ungewohnten Terrains der Selbstbeschränkung seitens der Lieferanten zusammenzuarbeiten. Während wir die Initiative des Präsidenten
weiterverfolgen, hoffe ich mit Ihrer anhaltenden Unterstützung und der des Ausschusses rechnen zu können, um ein von uns allen geteiltes Ziel zu erreichen:
die Stärkung der Stabilität im Nahen Osten.

* * *

*

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�UMWELT
31. Juli 1991

PRÄSIDENT ERNENNT KOMMISSION
FÜR UMWELTQUALITÄT
Eine Übersicht des Weißen Hauses
WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir eine am 23. Juli 1991 vom Weißen Haus herausgegebene Übersicht zu Organisation und Aufgabe der von Präsident Bush ernannten Kommission für Umweltqualität.

Präsident Bush hat heute 25 führende Vertreter von
Umweltorganisationen, Wirtschaft, Wissenschaft und
Stiftungen als Mitglieder seiner Kommission für
Umweltqualität benannt.
Zweck dieser Kommission ist die Bewertung von
Möglichkeiten, um wichtige umweltpolitische Herausforderungen der neunziger Jahre durch Vernetzung
der Ziele Umweltqualität, Wirtschaftswachstum und
Lebensqualität in Angriff zu nehmen. Die Kommission
wird Bündnisse und Partnerschaften fördern, die innovativen Umweltprogrammen Schwungkraft verleihen.
Diese Aktivitäten werden über bestehende gesetzliche
und behördliche Auflagen zur Verbesserung der
Umweltqualität hinausgehen.
In den vergangenen 20 Jahren haben behördliche und
gesetzliche Maßnahmen zum Schutz der Umwelt
beigetragen. Der Präsident beabsichtigt, diese Bemühungen zu ergänzen, indem die Aufmerksamkeit auf
Möglichkeiten gelenkt wird, den Wirkungsgrad der
Marktkräfte schöpferisch zur Verbesserung der
Umweltqualität zu nutzen.
Organisation
Die Kommission wird regelmäßig zusammentreten
und dem Präsidenten über Fortschritte Bericht erstatten. Der Vorsitzende des Rats für Umweltqualität im
Leitungsbüro des Präsidenten wird der Kommission
als Vorsitzender dienen. Ein Direktor wird die Maßnahmen der Kommission leiten. Besondere Expertengruppen, die sich auf das Fachwissen des Privatsektors stützen, werden mögliche Maßnahmen identifizieren und Modellprogramme zur Behandlung dieser
Bereiche fördern. Die Arbeit der Kommission ist auf
zwei Jahre begrenzt. Eine Verlängerung ist möglich.
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Leitlinien

Die Leitlinien der Kommission beinhalten eine innovative umweltpolitische Tagesordnung. Sie stellen sich
wie folgt dar:
Nutzung der Marktkräfte - ihrer Vitalität, Flexibilität und Effizienz.
Befähigung der Bürger, freiwillige Maßnahmen
zu ergreifen, durch Verstärkung des Informationsflusses in alle gesellschaftlichen Bereiche.
Förderung der Prävention von Umweltverschmutzung, die sich als Synergie umweltpolitischer
und wirtschaftlicher Ziele darstellt, anstatt Mittel
auszugeben, um nach erfolgter Verschmutzung
Altlasten zu beseitigen.
Förderung der Umweltqualität durch einen
ganzheitlichen Ansatz zu Umweltfragen, indem
Ressourcen so effizient wie möglich genutzt
werden und Umweltqualität zu einem wichtigen
Bestandteil der wirtschaftlichen Grundlagen
gemacht wird.
Förderung kooperativer Partnerschaften zwischen unterschiedlichen Gruppen und Interessen.
Die Tagesordnung der Umweltqualität
In den vergangenen 20 Jahren hat das Land bemerkenswerte Fortschritte bei der Behandlung vieler
Umweltprobleme gemacht. Die Kosten des traditionellen, auf behördlichen Anordnungen und Vorschriften
beruhenden Regimes sind jedoch erheblich, und viele
Fragen lassen sich nicht administrativ lösen. Für die
Seite 1

�Arbeit der Kommission wurden vier Themenkomplexe
identifiziert, in denen sich die neue umweltpolitische
Tagesordnung widerspiegelt und die Chancen für
meßbare Fortschritte bieten. Dies sind:
Verhinderung von Umweltverschmutzung
und Management der Umweltqualität: Solide Managementpraktiken resultieren aus der
Einbeziehung umweltpolitischer Gedanken in
die tägliche Entscheidungsfindung. Die Verlagerung des Schwerpunkts von nachträglichen
Gegenmaßnahmen zur Verhinderung der
Umweltverschmutzung von Beginn an ist eine
der aussichtsreichsten Methoden zum Umgang
mit einem Spektrum von Umweltproblemen.
Diese Strategien vereinen für gewöhnlich Kosteneinsparungen, Effizienz und Wettbewerb
mit der Forderung deröffenlichkeit nach Schutz
der Umwelt sowie der öffentlichen Gesundheit
und Sicherheit.

in positive Maßnahmen für die Umwelt umzusetzen. Über die Studien, Debatten und institutionellen Maßnahmen hinaus ist letzlich der
einzelne die treibende Kraft beim Schutz der
Umwelt. Bürger, Konsumenten, Arbeitnehmer,
leitende Angestellte und Entscheidungsträger
können über die Medien, Berufsverbände, Marketjngkanäle und besonders durch das Bildungswesen erreicht werden - wo unsere Schulen die
Bewahrer der Erde von morgen ausbilden.
Durchführung des Programms
Die Arbeit der Kommission wird durch Erreichen folgender Ziele verwirklicht:
Schaffung eines Führungsnetzes von Einzelpersonen, die dem Präsidenten bei der Förderung einer gesunden Umwelt und starken Wirtschaft helfen werden, indem sie Zeit und Mittel
für die Förderung von Maßnahmen und Bildungsprogrammen auf freiwilliger Basis einsetzen.

Umgang mit natürlichen Ressourcen: Der
vernünftige Umgang mit unseren natürlichen
Ressourcen wird durch kooperative Managementpläne sowie Partnerschaften zwischen
öffentlichem und privatem Sektor gestärkt, der
traditionelle Praktiken der Bewirtschaftung von
Boden und Wasser übersteigt.
Innovative
Bündnisse stellen die Vorteile umweltpolitischer
Partnerschaften unter Beweis und führen Behörden, Ressourcen Verwalter, Partner aus der
Industrie, Bürgervertreter und Freiwillige zusammen.
Internationale Zusammenarbeit: Die Förderung umweltpolitisch sensibler wirtschaftlicher
Entwicklung und technologischer Zusammenarbeit bietet Möglichkeiten, um die Bedingungen nicht nur im In- sondern auch im Ausland zu
verbessern. Die Verflechtung der Umweltqualität über nationale Grenzen hinweg ist mit dem
Auftreten globaler Umweltfragen immer stärker
in Erscheinung getreten. Die internationale
Zusammenarbeit ist für unsere Zukunft von entscheidender Bedeutung, wenn wir die von weltweiter Umweltverschmutzung ausgehenden
Bedrohungen abbauen, dauerhafte Entwicklung
fördern und die internationalen Beziehungen
verbessern wollen.
Bildung und Kommunikation: Durch breite
Unterrichtung der Öffentlichkeit kann die Kommission den Bürgern dabei helfen, ihre Sorgen

Identifizierung erfolgreicher Modelle dafür, was
der Privatsektor auf kooperativer freiwilliger
Grundlage leisten kann, indem er seine eigenen
Ressourcen und schöpferischen Fähigkeiten
nutzt.
Anregung weiterer Maßnahmen durch Informationsprogramme, die öffentliche Nachfrage und
Unterstützung dieser Bemühungen verstärken
sowie Schaffung einer Infrastruktur für technische Hilfe.
Verbesserung durch Resonanz, Betonung einer
Überprüfung der Effektivität von Aktionen, die
den bestmöglichen Einsatz von Ressourcen zur
Bewältigung umweltpolitischer Herausforderungen fördern.
Durch diese zu verwirklichenden Ziele wird die Kommission einen Rahmen für Maßnahmen verfechten,
der Einzelpersonen und Organisationen dazu veranlassen wird, sich für ein gesundes ökonomisches und
wirtschaftliches Umweld der Vereinigten Staaten einzusetzen.
Weitere Informationen sind erhältlich bei: Patricia
Kearney, Director, President's Commission on Environmental Quality, 722 Jackson Place, Washington
DC., 20503.

* * * * *

Seite 2

AMERIKA DIENST 30

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                <text>&lt;strong&gt;1. Artikel&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Das ist Amerika (V)&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Zwanzig amerikanische Dichter und Schriftsteller schreiben über "ihre Stadt" - Boston&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Robert Lowell&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ein Photoalbum der Familie Mensch&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Steichens Ausstellung "Wir Alle - The Family of Man" wird nun auch in Deutschland gezeigt&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Erik Steindaam&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gewerkschaft und Menschenrechte&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Am 5. September feiert Amerika den Tag der Arbeit&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von George Meany, Präsident der AFL&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;WMO Kartographiert Wetter, Wind und Wolken&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Aus einem Bericht der Meteorologischen Weltorganisation an den Wirtschafts- und Sozialrat der Vereinten Nationen&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wallace Stevens gestorben&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gedenktage im September 1955&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Anhang&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Dulles: USA bereit, zur Lösung des arabisch-israelischen Problems beizutragen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Wortlaut der Rede des amerikanischen Außenministers vor der Gesellschaft für Außenpolitik in New York vom 26. August 1955&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Lodge erläutert Präsident Eisenhowers Abrüstungsvorschlag&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Wortlaut der Erklärung, die der US-Chefdelegierte bei den Vereinten Nationen, Henry Cabot Lodge, am 29. August vor dem UN-Unterausschuss für Abrüstungsfragen abgab&amp;nbsp;&lt;/em&gt;</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Jugend und Politik&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Brasiliansche Studenten interviewen die Kennedys&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Welt der Frau&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Frauenberufe im Zeitalter der Raumfahrt&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Ernährung, Sicherheit und Bequemlichkeit der Astronauten stellen besondere Probleme&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Lillian Levy&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Raumflug&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Erster statischer Versuch mit Saturn-Oberstufe&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Alle US-Raumflugkörper bei den Vereinten Nationen registriert&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;NASA fördert Anwendung neuer Entwicklungen der Weltraumforschung in der Industrie&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Kulturnachrichten aus den USA&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Philharmonie im Lincoln Center&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Picasso "Guernica" im Museum of Modern Art&lt;br /&gt;</text>
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                    <text>Information
und
Dokumentation
United States Information Service

3 1 . August 1977

24

INHALT

DOKUMENTATION
Carter bekräftigt Unterstützung der NATO-Vorneverteidigung
- Wortlaut des Schreibens an die ATA Carter/Vance: Chinareise ein guter Anfang
- Erklärung des Weissen Hauses zur Asienreise des Außenministers

HINTERGRUNDMATERIAL
US-Regierungsvertreter fordert internationale Flüchtlingskonferenz

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Druck von Kohlendioxid presst Dl aus der Tiefe
Mikroelektronik als nationales Forschungsprojekt
Kontrolle der Schilddrüse nach Röntgenbestrahlungen

Um Übei/endung von
Belegexemplaren wird
gebeten

Postfach 300,
D5300 Bonn-Bad Godesberg 1
Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�1

1
I

Dokumentation
United States Information Service

31. August 1977

24

CARTER BEKRÄFTIGT UNTERSTÜTZUNG DER NATO-VORNEVERTEIDIGUNG
- Wortlaut des Schreibens an die ATA -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Jimmy Carter hat am 27. August 1977 noch
einmal mit Nachdruck die Unterstützung der NATO-Strategie der Vorneverteidigung
Europa bekräftigt. Diese Versicherung ist in einer Botschaft enthalten, die
Carter an den Präsidenten der gegenwärtig in Reykjavik tagenden Vereinigung
der Atlantischen Gesellschaften (ATA),Karl Mommer,richtete. Die USA, so heißt
es 1n dem Schreiben, blieben dieser Strategie "kategorisch verpflichtet."
Das Schreiben Präsident Carters hat folgenden Wortlaut:
Ich ersuche Sie, der Vereinigung meine herzlichsten Grüße zu übermitteln,
wo Sie sich anschicken, erneut die gegenwärtige Situation unseres Bündnisses
zu erörtern. Wir erwarten von Ihnen, den führenden Politikern in der Nordatlantischen Gemeinschaft, Gedanken und Vorstellungen, welche Schritte wir ergreifen sollten, um die Sicherheit noch mehr zu stärken, von der die Atlantische
Gemeinschaft so entscheidend abhängt.
Ihre Beratungen waren niemals zeitgerechter.

Wir sehen uns einer mili-

tärischen Herausforderung von Seiten des Warschauer Paktes gegenüber.

Während

Postfach 300,
D 5300 Bonn-Bad Godesberg 1

Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�J

Während der letzten zehn Jahre hat der Warschauer Pakt beständig und nachhaltig seine gegen Westeuropa dislozierten Streitkräfte verstärkt.
Auf der NATO-Gipfelkonferenz im Mai dieses Jahres haben meine Bündniskollegen und ich eine eingehende Überprüfung dieser Herausforderung vorgenommen.

Unsere Reaktion war sorgfältig abgewogen: ein wichtiges Programm

für die Verbesserung der Verteidigung - sowohl kurzfristig als auch langfristig - auf konventionellem wie auf nuklearem Gebiet.

Meine Regierung ist

diesen Anstrengungen fest verpflichtet, die unserer Auffassung nach die Glaubwürdigkeit der bestehenden NATO-Strategie bis in die achtziger Jahre und darüber hinaus aufrechterhalten werden.

In Zusammenarbeit mit unseren Verbündeten

sind wir mit Nachdruck bemüht, in Verfolgung dieses Zieles konkrete Streitkräfteverbesserungen aufzuzeigen.
Ich möchte ferner noch einmal wiederholen, daß die Vereinigten Staaten
der NATO-Strategie der Vorneverteidigung und der flexiblen Antwort kategorisch
verpflichtet bleiben. Dies ist meine feste Oberzeugung, und dies wird die
Politik der Vereinigten Staaten bleiben, solange ich Präsident bin. Da dies
auch die feste Oberzeugung des Kongresses und des amerikanischen Volkes ist,
besteht überhaupt kein Zweifel, daß auch meine Amtsnachfolger diese Verpflichtung aufrechterhalten werden.
Wir sind weiterhin der Überzeugung, daß diese Strategie - glaubwürdig
gehalten durch zeitgemäße Streitkräfteverbesserungen - die territoriale Integrität aller Bündnismitglieder bewahren kann.
Die Verpflichtung meines Landes für die Verteidigung Westeuropas ist das
Kernstück unserer Außen- und Sicherheitspolitik.

Die Sicherheit der Nordat-

lantischen Gemeinschaft bleibt weiterhin von lebenswichtiger Bedeutung für die
Sicherheit der Vereinigten Staaten selbst.

+ + + + +
- 2 -

\

�Dokumentation
United States Information Service

31. August 1977

24

CARTER/VANCE: CHINAREISE EIN GUTER ANFANG
- Erklärung des Weissen Hauses zur Asienreise des Außenministers

WASHINGTON - (AD) - In einer gemeinsamen Erklärung haben Präsident
Carter und Außenminister Vance den Besuch des amerikanischen Außenministers
vom 22. bis 26. August 1977 in der Volksrepublik China als einen "guten Anfang" bezeichnet.

Nachdem Vance den Präsidenten eingehend über seine Reise

unterrichtet hatte, gab das Weiße Haus am 28. August folgende Erklärung dazu
heraus:
Außenminister Vance traf heute nachmittag mit dem Präsidenten zusammen,
um ihm über seine Reise nach Peking zu berichten, wo der Außenminister vom
22. bis 26. August Gespräche mit führenden Vertretern der Volksrepublik China
führte. Der Außenminister berichtete auch über sein Treffen mit unseren Verbündeten in Japan auf der Heimreise von Peking. An dem Gespräch (im Weißen
Haus) nahmen auch Vizepräsident Mondale, Verteidigungsminister Brown und
Dr. Brezinski teil.
Außenminister Vance berichtete dem Präsidenten, daß seine Sondierungsgespräche in der Volksrepublik China durchgehend in einer ernsthaften und

Postfach 300,
D5300 Bonn-Bad Godesberg 1

Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�und konstruktiven Atmosphäre stattfanden.

Während seines Aufenthaltes in

Peking traf er mit dem Partei Vorsitzenden und Ministerpräsidenten der Volksrepublik China Hua Kuo-Feng, dem Stellvertretenden Ministerpräsidenten Teng
Hsiao-Ping und Außenminister Huang Hua zusammen.

Nach Feststellung der

Chinesen war der Meinungsaustausch zwischen beiden Seiten "ernsthaft und bedeutsam".

Vance berichtete, daß er die Gespräche als sehr nützlich und wich-

tig für die Herstellung effektiver Verbindungen zwischen führenden Vertretern
beider Regierungen betrachte, die in Zukunft fortgesetzt werden.

Er berich-

tete ferner, daß die Gespräche "unser gegenseitiges Verständnis unserer jeweiligen Standpunkte in einem weiten Bereich von Fragen" gefördert haben.
Der Außenminister machte der chinesischen Führung deutlich, daß unser
Verhältnis zur Volksrepublik China weiterhin von dem Kommunique

von Schanghai

bestimmt wird und einen zentralen Platz in unserer globalen Politik einnimmt.
Der Außenminister erläuterte in Peking die Standpunkte der Carter-Administration
in vielen wichtigen globalen und bilateralen Fragen, einschließlich der Normalisierung (der Beziehungen). Die chinesische Seite legte ihre Auffassungen
in der gleichen Offenheit dar.
Der Präsident und der Außenminister waren sich darüber einig, daß der
Besuch in Peking ein guter Anfang war, daß es jedoch zu diesem Zeitpunkt noch
verfrüht sei, daraus feste Schlüsse zu ziehen. Der Präsident und der Außenminister rechnen mit weiteren konstruktiven Zusammenkünften mit der chinesischen
Seite in den kommenden Wochen und Monaten.
Der Besuch des Außenministers in Japan, wo er mit Ministerpräsident
Fukuda und Außenminister Hatoyama zusammentraf, stand in Übereinstimmung mit
dem Schwergewicht, das der Präsident auf eine enge Konsultation mit Japan in
allen Fragen beiderseitigen Interesses legt. In Tokio sprach der Außenminister mit japanischen Führern über die Zusammenkünfte in Peking und eine
Vielzahl anderer Fragen, einschließlich der Beziehungen zur Vereinigung der
Südostasiatischen Nationen (ASEAN), der Wiederaufbereitungsanlage von Tokai
Mura, der weltwirtschaftlichen Lage und der Veränderungen der Wirtschafts- 2 -

�Wirtschaftslage seit dem Londoner Gipfeltreffen.

Weitere Fragen, die behan-

delt wurden, waren der Nahe Osten, SALT, das südliche Afrika, Zivilluftfahrt
und der bevorstehende Besuch von Botschafter Strauss, dem Sonderbeauftragten
für Handelsverhandlungen, um über Mittel und Wege zur Beschleunigung der TokioRunde der multilateralen Handelsverhandlungen zu sprechen.

Der Präsident und

der Außenminister waren sich darüber einig, daß dieses Verfahren der engen
und ständigen Konsultationen entscheidend wichtig ist und in Zukunft fortgesetzt werden wird.

+ + + + +

- 3 -

�31. August 1977

24

US-REGIERUNGSVERTRETER FORDERT INTERNATIONALE FLÜCHTLINGSKONFERENZ

WASHINGTON - (AD) - Der Unterstaatssekretä'r für ostasiatische und pazifische
Angelegenheiten im amerikanischen Außenministerium, Richard Holbrooke, hat eine
internationale Konferenz gefordert, die sich mit dem Problem der Flüchtlinge aus
Vietnam, Laos und Kambodscha befassen soll. Die Zahl der Flüchtlinge aus diesen Ländern ist in den letzten Monaten ständig gestiegen.
Vor dem Unterausschuß für Einwanderung und Staatsbürgerschaft des Repräsentantenhauses wies Holbrookeam 4. August auf Berichte hin, nach denen jeden Monat
rund 500 Flüchtlinge mit Booten an den Küsten von Ländern am Chinesischen Meer
landen und bis zu 1200 auf dem Landwege nach Thailand kommen. Viele Flüchtlinge
würden den Strapazen der Irrfahrten und Irrwege erliegen. Jetzt seien internationale Maßnahmen notwendig, um mit einem Flüchtlingsproblem fertig zu werden,
"das plötzlich akut geworden ist."
Der Unterausschuß befaßte sich mit dem inzwischen angelaufenen Programm der
Regierung Carter, 15 000 der Flüchtlinge in die USA aufzunehmen, die gegenwärtig
auf Booten oder in Flüchtlingslagern in den Vereinigten Staaten leben.
Hol brock

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Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�Holbrooke erinnerte daran, daß die Vereinigten Staaten in den letzten
zwei Jahren rund 140 000 Flüchtlinge aus Indochina aufgenommen haben. Er empfahl

die Aufnahme von weiteren 7000 Flüchtlingen, die auf Booten leben,

und 8000 aus Flüchtlingslagern in Thailand.
"Die Motivation ist einfach", so erklärte er, "es ist das tiefe humanitäre Mitgefühl, das seit jeher ein deutliches Kennzeichen unseres Nationalcharakters gewesen ist." Allerdings, so fügte er hinzu, müsse die internationale Gemeinschaft dazu gebracht werden, "einen größeren Teil an dieser
Bürde zu tragen.

Wir planen weitgestreute bilaterale diplomatische Sondie-

rungen in dieser Frage.

Diese Bemühungen werden die Notwendigkeit unterstrei-

chen, daß die angesprochenen Länder die Möglichkeit für eine dauerhafte Neuansiedlung (von Flüchtlingen) bieten und daß sie ihre Beiträge an den Hochkommissar der Vereinten Nationen für Flüchtlingsfragen erhöhen."
Er hoffe, so erklärte Holbrooke vor dem Unterausschuß, daß das amerikanische Beispiel der Aufnahme weiterer Flüchtlinge ein schlagkräftiges Argument
in anderen Ländern sein werde.
Holbrooke teilte mit, daß er und andere Vertreter des amerikanischen
Außenministeriums Kontakt mit Vertretern anderer Regierungen aufgenommen
hätten, um diese zur Aufnahme von mehr Flüchtlingen zu bewegen. Er versprach,
diese Bemühungen "zu verdoppeln."
Die Neuansiedlung von Flüchtlingen über internationale Kanäle sei bisher
"unzureichend" gewesen. Er verwies auf Fälle, wo die Boote mit Flüchtlingen
von größeren Schiffen einfach ignoriert oder wo Boote nach der Landung wieder
auf See gebracht worden seien. "Mit Ausnahme von Frankreich und Australien
haben andere Länder, einschließlich der Vereinigten Staaten, immer weniger
Möglichkeiten für eine Neuansiedlung von Flüchtlingen geboten."
Er hoffe, so führte Holbrooke aus, daß "multilaterale Anstrengungen innerhalb der internationalen Gemeinschaft ein nützliches Forum bieten werden,
- 2 -

�werden, um einen Fortschritt bei der Lösung dieses langfristigen Problems
zu erreichen." Die Initiative für eine internationale Konferenz sollte jedoch von der internationalen Gemeinschaft und nicht von den Vereinigten
Staaten allein ausgehen .
Die Entscheidung, 15 000 weitere Flüchtlinge in die USA aufzunehmen,
wurde auch von dem amerikanischen Justizminister Griffin Bill unterstützt.
Nach amerikanischem Recht muß der Justizminister bestätigen, daß eine Ausnahmesituation herrscht oder daß es im öffentlichen Interesse der Vereinigten
Staaten liegt, wenn Flüchtlinge außerhalb der normalen Einwanderungsbestimmungen in die USA aufgenommen werden sollen.
Nach sorgfältiger Prüfung, so erklärte Bell vor dem Unterausschuß, trete
er für das Sonderverfahren zur Aufnahme der 15 000 Flüchtlinge aus Indochina
ein. Der Justizminister äußerte jedoch Unzufriedenheit mit den gegenwärtigen
Aufnahmeverfahren und betonte, daß man sich mit diesem Problem langfristig
befassen müsse. Präsident Carter habe die Anweisung gegeben, daß eine Sonderarbeitsgruppe aus Bediensteten verschiedener Regierungsstellen ein langfristiges Programm zur Lösung des Problems der Indochinaflüchtlinge ausarbeitet.
Der Vorsitzende des Unterausschusses, der Abgeordnete Joshua Eilberg,
wies darauf hin, daß eine Lösung mit dem Gesetzesentwurf gefunden werden
könne, der gegenwärtig vom Justizausschuß des amerikanischen Repräsentantenhauses behandelt wird.

Die von Eilberg eingebrachte Vorlage würde Verfahren

für die Behandlung des Flüchtlingsproblems ermöglichen, ohne daß eine Ausnahme von den normalen Einwanderungsverfahren notwendig wäre.
Das Gesetz würde nach seiner Verabschiedung die Aufnahme von 20 000
Flüchtlingen pro Jahre unter normalen Bedingungen ermöglichen.

Im Falle

einer Ausnahmesituation könnten weitere 20 000 Flüchtlinge aufgenommen werden.

In jedem Falle wäre der Präsident gehalten, die Zusammenarbeit der

internationalen Gemeinschaft bei der Suche nach einem neuen Heim für Flücht- 3 -

�Flüchtlinge zu gewinnen. Seine Vollmacht würde auch an die Konsultation
der zuständigen Kongreßausschüsse gebunden sein und könnte durch ein Votum
im Senat oder im Repräsentantenhaus aufgehoben werden.

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�31. August 1977

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DRUCK VON KOHLENDIOXID PRESST ÖL AUS DER TIEFE

- (AD) - Die Verwendung von Kohlendioxid (COp) als "Spülmittel" zum Auspressen von Erdöl aus großer Tiefe wird jetzt in einem Gemeinschaftsunternehmen
der US-Bundesbehörde für Energieforschung und Entwicklung (ERDA) und der Shell
Oil Company erprobt. Von den Gesamtkosten in Höhe von 5,5 Millionen Dollar übernimmt die ERDA 2 475 000 Dollar (45 Prozent).
Mit dem Einpumpen von CO« will man erstmals die tiefliegenden, heißen Vorkommen von Kohlenwasserstoffen entlang der Golfküste für die Sekundär- und
Tertiär-Förderung erschließen.

Die Temperatur und der hohe Salzgehalt des

Wassers lassen es nicht zu, bei diesen Sanden die bisher verfügbaren chemischen
Injektionsverfahren anzuwenden, um nach Beendigung der Primärförderung das Restöl aus der Tiefe zu holen.
Testgebiet ist das "S"-Sand-Ölfeld mit 3900 m Tiefe bei 105°C Temperatur
und 364 kg/qcm Druck. Mit dem neuen Verfahren könnten bis zu 90 Prozent des in
dem Feld noch vorhandenen restlichen Öls gewonnen werden. Das Projekt soll anderen Unternehmern der Mineralölindustrie an der Golfküste einen Anreiz geben,
ebenfalls tiefliegende Vorkommen mit Hilfe der CO^-Injektion besser zu nutzen.
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und Technik
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3-1. August 1977

MIKROELEKTRONIK ALS NATIONALES FORSCHUNGSPROJEKT

- (AD) - Das erste nationale Laboratorium der USA für Forschung mit elektronischen Komponenten und kompletten Funktionseinheiten in der Größenordnung
von weniger als einem Tausendstel Millimeter (= 1 Mikron) sowie zum Studium
der grundlegenden Eigenschaften der dabei verwendeten Materialien wurde an der
Cornell-Universitä't in Ithaca (New York) eingerichtet. Die Nationale Wissenschaftsstiftung (NSF) stellte für das Labor, das als "National Research and
Resource Facility for Sub-Micron Structures" bezeichnet wird, 5 Millionen
Dollar zur Verfügung.
Die in diesem Institut geleistete Arbeit soll helfen, die Herstellungsverfahren für Mikroschaltkreise zu verbessern, die in elektronische Ausrüstungen
und Instrumente verschiedenster Art und Funktion eingebaut werden können. Davon
würde letztlich die Nachrichtentechnik profitieren, die Kapazität der Computer
würde erhöht, und den biologischen Wissenschaften und anderen Forschungsgebieten würde der Weg zu neuen Fortschritten geebnet.
Nach Ansicht von Dr. Joseph Ballantyne, Professor der Elektrotechnik an
der Cornell-Universitä't und Initiator des Entwicklungsprojekts, könnte die Forschung unter Nutzbarmachung der neuen Technologien, die im Elektronikinstitut
erarbeitet werden, beispielsweise auf gleichem Raum zehnmal mehr Komponenten in

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�.

in integrierten Schaltkreisen als bisher unterbringen. Dadurch würde die Kapazität und Meßgenauigkeit einzelner Typen von Instrumenten ganz wesentlich
gesteigert.
An dem neuen Institut sollen sich vor allem graduierte junge Akademiker
und Ingenieure sowie Wissenschaftler aus der Praxis weiterbilden können.
Wissenschaftler von Universitäten, staatlichen und privatwirtschaftlichen
Forschungsanstalten bekämen Gelegenheit, hier zu arbeiten. Die gesamte Forschung im Bereich mikroskopischer Kleinststrukturen in der Physik, Chemie,
chemischen Verfahrenstechnik und verwandten Sektoren wird manche neuen Anregungen erhalten.

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United States Information Service

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3.1. August 1977

KONTROLLE DER SCHILDDRÜSE NACH RÖNTGENBESTRAHLUNGEN

- (AD) - "Erhielten Sie als Kind oder Jugendlicher Röntgenbestrahlung
am Kopf, Hals, Nacken oder oberen Teil des Brustkorbs? Wenn ja, ist es wichtig, daß Sie sich von Ihrem Arzt untersuchen lassen." Mit diesem Aufruf wandte
sich jetzt das amerikanische Nationale Krebsforschungsinstitut an die Öffentlichkeit, weil sich die Anzeichen dafür mehren, daß möglicherweise ein Zusammenhang zwischen Röntgenbestrahlungen, die 5 bis 30 Jahre und mehr zurückliegen können, und Geschwülsten an der Schilddrüse bestehen. Glücklicherweise
sind solche Geschwülste, wie es in einer kleinen Broschüre der Medizinischen
Bundesforschungsanstalten (NIH) der USA heißt, gewöhnlich gutartig. Sie entwickeln sich nur langsam und bleiben, selbst wenn sie krebsartig sind, lange
Zeit auf die Halsregion begrenzt. Bei rechtzeitiger Entdeckung können sie erfolgreich entfernt werden.
Seit Anfang der zwanziger Jahre wurde nicht nur bei Geschwülsten, sondern
auch bei Erkrankungen, die mit Krebs nichts zu tun hatten, über Jahrzehnte eine
Strahlentherapie als wirksame Behandlungsmethode betrachtet - beispielsweise
bei bestimmten Flechtenerkrankungen am Kopf, Vergrößerung der Thymusdrüse, Vergrößerung und Wucherungen der Rachenmandeln, Gewebewucherungen im Mittelohr und

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�und an den Eustachischen Röhren, Polypen oder bei schweren Fällen von Akne.
Erst mit der Einführung der Antibiotika Ende der vierziger Jahre und der Verbesserung der Chirurgie standen zusätzliche neue, wirksame Behandlungsmethoden
zur Verfügung.
Personen, die im Kopf- und Halsbereich Bestrahlungen erhalten haben,
sind nach Ansicht von Wissenschaftlern der NIH dem Risiko ausgesetzt, daß bei
ihnen die Wahrscheinlichkeit für eine Entwicklung von Tumoren der Schilddrüse
im Durchschnitt größer ist als bei den übrigen Bevölkerungsgruppen. Deshalb
sollten sie, auch wenn sie keine Beschwerden haben, keine anomalen Veränderungen oder Knoten bemerken, ihren Arzt auf die frühere Strahlenbehandlung aufmerksam machen und sich vorsorglich alle ein bis zwei Jahre zu einer KontrollUntersuchung einfinden.
(Zusätzliche Informationen für Ärzte sind auf Anforderung erhältlich vom
Office of Cancer Communications
Dept. T
National Cancer Institute
Bethesda, Maryland 200014, U.S.A.).

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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Carter bekräftigt Unterstützung der NATO-Vorneverteidigung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut des Schreibens an die ATA -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Carter/ Vance: Chinareise ein guter Anfang&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärung des Weißen Hauses zur Asienreise des Außenministers -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;US-Regierungsvertreter fordert internationale Flüchtlingskonferenz&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Druck von Kohlendioxid presst Öl aus der Tiefe&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Mikroelektronik als nationales Forschungsprojekt&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Kontrolle der Schilddrüse nach Röntgenbestrahlungen</text>
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                    <text>nroffiiauon
und
Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America
31. August 1983

35
INHALT

DOKUMENTATION
Erklärung des State Department zum neuen Andropow-Vorschlag

HINTERGRUNDMATERIAL
Die NATO braucht eine glaubwürdige nukleare Abschreckung
- Von Anne Armstrong, ehemalige amerikanische Botschafterin
in Großbritannien Chronologie der jüngsten Ereignisse in Afghanistan
Die Schwachstellen des sowjetischen Weltraum-Vorschlags
- Von unserem diplomatischen Korrespondenten Russell Dybvik Die "goldenen Deutschen"

.merikas

- Den ersten amerikanischen Golddollar prägte ein deutschstämmiger
Amerikaner -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Erdklima und Antarktikeis
- US-Forscher suchen nach Anhaltspunkten für Zusammenhänge Harte Auslandskonkurrenz für pharmazeutische Industrie
- Anteil der US-Firmen an Forschung und neuen Präparaten sinkt

Um Über/endung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 B o n n 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�31. August 1983

35

ERKLÄRUNG DES STATE DEPARTMENT ZUM NEUEN ANDROPOW-VORSCHLAG

WASHINGTON - (AD) - Das amerikanische Außenministerium hat am 27. August 1983 zu dem Angebot des sowjetischen Staats- und Parteichefs Andropow,
einen Teil der auf Europa gerichteten SS-20-Raketen zu verschrotten, folgende Erklärung abgegeben:
Wir haben die Berichte über die Ausführungen von Staats- und Parteichef Andropow gelesen.

Seit langem schon haben wir an die Sowjets die Frage

gerichtet, ob sie die Absicht haben, die Raketen zu zerstören, oder ob sie
sie nur anderswo stationieren wollen, und haben klargestellt, daß eine reine
Verlegung keine ernsthafte Rüstungskontrollmaßnahme wäre. Wenn die Sowjets
diese Haltung am Verhandlungstisch in Genf bekräftigen würden, dann würden
wir dies als ein positives Zeichen ansehen.
Leider beanspruchen

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
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Telex: 8-85432

�Leider beanspruchen die Sowjets jedoch weiterhin das Recht, die unabhängigen britischen und französischen Nuklearstreitkräfte anzurechnen. Somit scheint es keine Änderung in dem sowjetischen Bemühen um ein ungleiches
Ergebnis zu geben, das es ihnen gestatten würde, die meisten der vorhandenen
SS-20 beizubehalten, während es der NATO verwehrt wäre, eine amerikanische
Abschreckung gegenüber dieser Streitmacht zu dislozieren; es würde also ein
sowjetisches Monopol bei diesen Systemen erhalten bleiben.
Darüber hinaus wollen die Sowjets weiterhin ein Abkommen, das nur auf
Europa begrenzt wäre.

Die beträchtliche sowjetische SS-20-Streitmacht in

Asien würde offenbar uneingeschränkt bestehen bleiben und könnte noch stärker anwachsen, als dies gegenwärtig der Fall ist. Aufgrund der Reichweite,
der Beweglichkeit und der Transportfähigkeit der SS-20 würden diese Raketen
auch weiterhin eine Gefahr sowohl für Europa als auch für Asien darstellen.
Wir rechnen damit, daß wir mit den Sowjets die Möglichkeiten für Fortschritte auf dem Gebiet der nuklearen Mittel Streckensysteme (INF) sondieren
können, wenn die Verhandlungen in Genf am 6, September wieder aufgenommen
werden, und hoffen, daß die sowjetische Erklärung die Bereitschaft ihrerseits erkennen läßt, die Besorgnisse in Rechnung zu stellen, die den
NATO-Beschluß aus dem Jahr 1979 herbeigeführt haben.

+ + + + +

�31. August 1983

35

DIE NATO BRAUCHT EINE GLAUBWÜRDIGE NUKLEARE ABSCHRECKUNG
Von Anne Armstrong
ehemalige amerikanische Botschafterin in Großbritannien

- (AD) - Die Vereinigten Staaten machen sich ebenso wie alle anderen
Länder Sorgen über einen Atomkrieg. Präsident Reagan hat genau das ausgesprochen, was wir alle wissen: "In einem Atomkrieg gibt es keine Sieger
- nur Verlierer,"
Darum haben sich die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten einer
Strategie der Abschreckung verschrieben.

Sowohl die Vereinigten Staaten

als auch die Länder Westeuropas sind der Überzeugung, daß der Einsatz von
Kernwaffen nicht leicht begrenzt oder eingedämmt werden könnte, wenn es zu
einem Krieg in Europa käme.

Und so bestand von An'"-"-ng an das Hauptziel der

NATO darin, einen Krieg - sei es ein konventioneller, sei es ein nuklearer zu verhüten.
Seit 1949 hat die Organisation des Nordatlantikvertrages, kurz NATO,
eine beachtliche Verteidigung auf die Beine gebracht und damit einer Nötigung keine Chance gegeben und vor einem Angriff abgeschreckt.

Westeuropa

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
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�Westeuropa hat 38 Jahre Frieden erlebt - die längste ununterbrochene
Friedensperiode in unserem Jahrhundert.

Welch ein Gegensatz zu den vier

Jahrzehnten davor, die in dem Zweiten Weltkrieg gipfelten! Von den vielen
bewaffneten Konflikten, die die Welt seit dem Zweiten Weltkrieg heimgesucht haben, fand keiner in Europa statt.
Obwohl die NATO-Verbündeten beträchtliche Anstrengungen und Mittel
für die Verhütung des Krieges aufgewandt haben, gaben sie keineswegs ihre
anderen Interessen auf oder setzten sie aufs Spiel. Westeuropa erholte
sich rasch von den Zerstörungen des Zweiten Weltkrieges und hat sich seither eines gewaltigen wirtschaftlichen Wohlstandes erfreut.
ten Staaten haben

Die Vereinig-

eine Revolution im Informationswesen und in der Techno-

logie angeführt.
Von entscheidender Bedeutung für den Erfolg des Bündnisses ist Artikel
5 des Nordatlantikvertrages, in dem es heißt, daß ein Angriff auf ein Mitglied des Bündnisses einen Angriff auf alle darstellt.

Ohne die in diesem

Prinzip zum Ausdruck gebrachte Geschlossenheit des Bündnisses wäre die Erhaltung des Friedens nicht möglich gewesen.

Von gleicher fundamentaler

Bedeutung für die Aufrechterhaltung des Friedesn war die Ausbreitung des
amerikanischen Nuklearschirms, der als Kernstück der NATO-Abschreckung
dem Bündnis Stärke und Glaubwürdigkeit verlieh.
Die Abschreckung der NATO hat jedoch ihre frühere Stärke und Glaubwürdigkeit nicht durchgehalten. Die militärischen Programme der Vereinigten
Staaten und der Sowjetunion folgten keinem einfachen Aktion-Reaktion-Muster,
bei dem jede Seite in einer Rüstungsspirale der anderen ständig nachgezogen
hätte. In vielen Fällen verlief die Sache nach einem ganz anderen Muster:
Die Tatenlosigkeit der Vereinigten Staaten ermutigte die Sowjets zum Handeln, indem sie Moskau die Chance bot, einen militärischen Vorteil zu erringen.
Ende der

- 2 -

�Ende der sechziger Jahre begann die Sowjetunion eine massive Aufrüstung in allen wichtigen Kategorien nuklearer und konventioneller Streitkräfte.

Bereits Anfang der siebziger Jahre hatten die Sowjets die Parität

mit den Vereinigten Staaten überschritten, was die Zahl der Raketen und das
Wurfgewicht der Raketen angeht.

Aber die Aufrüstung ging weiter, und bis

Ende der siebziger Jahre hatten die Sowjets auf einer Reihe von Gebieten
eine Überlegenheit.

So steht beispielsweise außer Frage, daß die Sowjetunion

auf dem Gebiet der nuklearen Mittel Streckensysteme eine gewaltige Überlegenheit besitzt,

Wenn die Trends der siebziger Jahre nicht umgekehrt würden,

das wurde immer klarer, dann könnte die Sowjetunion bis Mitte oder Ende der
achtziger Jahre eine strategische Gesamtüberlegenheit erlangen.

Der Aspekt der sowjetischen Aufrüstung, der die europäische Sicherheit am stärksten bedrohte, war die Dislozierung der SS-20-Rakete, die Mitte
der siebziger Jahre begann.
mit drei Gefechtsköpfen.

Die SS-20 ist eine mobile Mittelstreckenrakete

Die NATO besitzt keine vergleichbare Waffe mit

Offensivkapazität; sie besitzt auch nicht die Verteidigungseinr'chtungen, die
notwendig wären, um ihre militärischen Anlagen zu schützen, die für eine
potentielle Zerstörung durch die SS-20 verwundbar geworden sind.

Die SS-20

hat, vor allem im Zusammenhang mit der Gleichwertigkeit der strategischen
Nuklearstreitkräfte der Supermächte und der historischen Überlegenheit des
Warschauer Paktes in konventionellen Streitkräften, das Gleichgewicht der
taktischen Nuklearstreitkräfte gefährlich zugunsten der Sowjetunion verschoben.

Ohne die Fähigkeit, der sowjetischen Drohung direkt zu begegnen, muß
sich die NATO noch mehr auf die Vereinigten Staaten verlassen, die ohnehin
bereits durch die Notwendigkeit der Wahrnehmung ihrer Sicherheitsinteressen
im Gebiet des Persischen Golfs, in Asien - vor allem in Japan und Korea und in der westlichen Hemisphäre sowie durch ihre Anstrengungen, dem sowjetischen Streben nach strategisch nuklearer Überlegenheit Einhalt zu gebieten,
stark angespannt sind.
Die destabilisierende

- 3 -

�Die destabilisierende Wirkung der SS-20 wurde 1979 von allen NATOLändern erkannt, und sie beschlossen einstimmig, eine zweigleisige Politik
der Modernisierung der nuklearen Streitkräfte und der Rüstungsverminderung
zu verfolgen.

Mit diesem Doppelbeschluß wollten sie einmal das Ungleichge-

wicht beseitigen, das durch die SS-20 entstanden war und der NATO-Abschrekkung neue Glaubwürdigkeit verleihen.

Nukleare Mittel Streckensysteme - 108

PERSHIN6 II und 464 landgestützte Marschflugkörper - sind für die Dislozierung ab Dezember 1983 vorgesehen.

Gleichzeitig verhandeln die Vereinigten

Staaten mit der Sowjetunion über eine Begrenzung der nuklearen Mittelstrekkensysteme in Europa.

Dieser Doppelbeschluß bietet den Sowjets einen An-

reiz, ihre Rüstung zu verringern - wenn ihr Vorteil durch die neuen NAT0Raketen aufgehoben wird -, und die NATO hätte die Gewähr, daß ihre Rüstungskontroll ziele die Abschreckung stärken würden.
Trotz dieses Beschlusses und der anhaltenden Dislozierung von SS-20Raketen und Backfire-Bombern ist in Westeuropa ein gerüttelt Maß an Uneinigkeit über die INF-Dislozierung entstanden. Obwohl die Regierungen des
Bündnisses immer wieder ihre Entschlossenheit signalisiert haben, am Doppelbeschluß festzuhalten, hat eine beträchtliche Zahl von Bürgern den Sinn der
Dislozierung von PERSHING II und Marschflugkörpern in Frage gestellt, vor
allem seit die Genfer Verhandlungen wenig Anzeichen eines Fortschritts gezeigt haben. Diese Bürger erkennen bei aller guten Absicht nicht die Tatsache, daß die Sowjets keinen Anreiz für eine Zurückhaltung bei ihrer Aufrüstung haben, wenn die westlichen Verbündeten eine einseitige Abrüstung
praktizieren. Wie wir gesehen haben, ist die SS-20 seit sechs Jahren konkurrenzlos geblieben, ja ihre Zahl hat unaufhörlich zugenommen.
Es gibt keinen Grund zu der Annahme, daß der tote Punkt in den Verhandlungen in Kürze überwunden wird, wenn Entschlossenheit und Gärung im
Bündnis anhalten. Schwächung des Bündnisses und Abkopplung Europas von den
Vereinigten Staaten sind zwei Hauptziele der Sowjets, die, wenn sie erreicht
würden, zu einem wehrlosen Europa führen würden. Die SS-20 hätte dann als
wertvolles politisches und strategisches Instrument zur Erreichung dieses
- 4 -

�Erreichung dieses Zieles gedient.

Ein Abkommen über die Begrenzung nukle-

arer Mittel Streckensysteme würde jedoch die Einheit und Stärke in der NATO
wiederherstellen und gleichzeitig den sowjetischen Vorteil aufheben.

Der kürzliche Wirtschaftsgipfel in Williamsburg brachte die neuerliche
Verpflichtung, die planmäßige Dislozierung der neuen nuklearen Mittelstrekkenraketensysteme nachdrücklich zu unterstützen, wenn es zu keinem Rüstungskontroi labkommen kommt.

Frankreich und Japan, die beide nicht der mili-

tärischen Integration der NATO angehören, haben diese Erklärung ebenfalls
unterstützt, die eine wichtige Äußerung der anhaltenden westlichen Solidarität angesichts feindseliger sowjetischer Herausforderungen darstellt.
Die einstimmige Unterstützung der Dislozierung ist der einzige Weg, um die
Sowjets zu ernsthaften Verhandlungsbemühungen zu bewegen.

Der beste Weg, um zu einem Rüstungskontroi labkommen zu gelangen und
auch in Zukunft den Frieden zu sichern, ist der,zur Dislozierung der 572
Flugkörper ab Dezember dieses Jahres entschlossen zu bleiben, wenn bis dahin kein Abkommen erreicht worden ist.

Damit wird gezeigt, daß die NATO

sowjetische ; Druck nicht nachgibt, noch sich mit der Gefahr abfindet, die
von den SS-20 und der anhaltenden sowjetischen Aufrüstung in Europa ausgeht.
Der Vorteile einer starken Verteidigung des Bündnisses sind viele, und sie
dürfen nicht übersehen und vergessen werden.

Wenn man mit der Sowjetunion

aus einer Position der Einigkeit und Stärke verhandelt hat, dann hat das
immer wesentliche wirtschaftliche, politische und strategische Dividenden
getragen.

Was aber am wichtisten ist, es hat den Frieden bewahrt.

Es kann

kein Zweifel bestehen, daß die NATO, nach den Worten von Generalsekretär
Joseph Luns, "die wahre Friedensbewegung ist."

+ + + + +

- 5 -

�31. August 1983

35

CHRONOLOGIE DER JÜNGSTEN EREIGNISSE IN AFGHANISTAN

- (AD) 7. Juni 1983
Wie aus diplomatischen Quellen in Islamabad verlautete, zerschlugen
afghanische Widerstandskämpfer Ende Mai in einer drei Tage dauernden Schlacht
in der südöstlichen Paktia-Provinz das 38. Ersatzbataillon, eine Eliteeinheit des Regimes in Kabul. 200 Soldaten des Regimes wurden getötet, der
Rest desertierte, als das Bataillon in der Nähe der pakistanischen Grenze
eine Säuberungsaktion durchführen sollte.
8. Juni 1983
Das Regime in Kabul ließ den französischen Arzt Philippe Augoyard
von Aide Medicale Internationale frei, der im Januar gefangengenommen worden war, als er Mujahedin versorgte.

Man hatte ihn zuvor zu einer acht-

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Telex: 8-85432

�einer achtjährigen Gefängnisstrafe verurteilt.

(Nachdem er Afghanistan

verlassen hatte, erklärte der Arzt, die Widerstandsbewegung erfreue sich
beim Volk großer Unterstützung und kontrolliere außerhalb des Gebietes um
Kabul die meisten der Provinzen.,)
10. Juni 1983
Nach einem zweitägigen Treffen in Paris veröffentlichen die Außenminister des Nordatlantischen Bündnisses eine Erklärung, in der es heißt:
"Die verschärfte sowjetische Aggression in diesem Lande stößt weiterhin
auf den entschlossenen Widerstand der afghanischen Bevölkerung»
Der steigende Blutzoll unter der Zivilbevölkerung und die anhaltende
Vernichtung materieller Werte unterstreichen die Dringlichkeit einer politischen Lösung aufgrund der verifizierbaren Durchführung der Entschließung
der Vollversammlung der Vereinten Nationen"»
11. Juni 1983
Der pakistanische Außenminister Sahabzada Yaqub Khan erklärte nach
seiner Rückkehr aus Moskau, wo er mit dem sowjetischen Außenminister Andrei
Gromyko zusammengetroffen war, bei den von den Vereinten Nationen unterstützten, indirekten Gesprächen über Afghanistan, die am 16. Juni in Genf zwischen
Pakistan und dem Kabuler Regime wideraufgenommen werden sollten, sei kein
rascher und größerer Durchbruch zu erwarten.
16. Juni 1983
Diego Cordovez, der persönliche Vertreter des Generalsekretärs der
Vereinten Nationen für das Afghanistan-Problem hält in Genf getrennte Gespräche mit dem pakistanischen Außenminister Yaqub Khan und Shah Mohammad
Dost, einem Vertreter des Kabuler Regimes, während die dritte Runde der
indirekten Gespräche der Vereinten Nationen nach achtwöchiger Unterbrechung
wiederbeginnt.
17. Juni 1983

�17. Juni 1983
Ein Sprecher des UN-Flüchtlingshochkommissars in Genf erklärt, der
Iran habe um Zelte für 400 000 Flüchtlinge gebeten, die in letzter Zeit aus
Afghanistan gekommen seien.

Die Bitte kommt, kurz nachdem Anfang Mai Be-

richte darüber zu hören waren, daß mehrere tausend Zivilisten im Verlauf
eines zweiwöchigen Bombenangriffs der Sowjets auf Herat ums Leben gekommen
seien, der Hauptstadt der nordwestlichen Provinz Herat, die an den Iran
grenzt.
21. Juni 1983
Diplomatische Quellen in Neu Delhi erklären, daß die afghanischen
Mujahedin ihre Angriffe gegen sowjetische Einrichtungen und solche des Regimes in der vergangenen Woche auf "das höchste Ausmaß bilang in diesem
Jahr" verstärkt hätten. Die Angriffe waren zeitlich so abgestimmt, daß sie
mit der Wiederaufnahme der Afghanistan-Gespräche in Genf zusammenfielen.
24. Juni 1983
Die dritte Runde der Afghanistan-Gespräche in Genf geht zu Ende.
Eine UN-Presseverlautbarung erklärt, daß "weitere Forschritte bei der Ausarbeitung eines Textentwurfs über die umfassende Regelung erzielt wurden"
und daß die Beteiligten "erneut ihre Überzeugung zum Ausdruck brachten, daß
es möglich sein wird, die verbleibenden Hindernisse zu überwinden."

Der

Beigeordnete Generalsekretär Cordovez soll - so das Kommunique - "gegen
Ende des Sommers in das Gebiet fahren"

und wird "vorbereitende Konsulta-

tionen" mit der Sowjetunion und den Vereinigten Staaten über eine mögliche
Rolle als Garanten eines Abkommens führen.
29. Juni 1983
Der 13. Weltkongreß des Internationalen Bundes Freier Gewerkschaften,
der in Oslo tagt, nimmt einstimmig eine Resolution an, die "die anhaltende
Einmischung der Sowjetunion in die inneren Angelegenheiten des afghanischen
Volkes verurteilt." Der Kongreß "verlangt, daß die sowjetischen Truppen
ohne Verzögerung abgezogen werden."
1. Juli 1983
- 3 -

�1. Juli 1983
Der amerikanische Außenminister George Shultz erklärt während eines
Besuches mehrerer südasiatischer Staaten auf einer Pressekonferenz in Neu
Delhi, daß er kürzlich in brieflichem Kontakt mit dem sowjetischen Außenminister Andrei Gromyko hinsichtlich Afghanistans gestanden habe.

Shultz

erklärt - wie die "Washington Post" berichtet -, daß der Zweck dieses Briefes gewesen sei,"der Sowjetunion zu versichern, wie wir dies auch gegenüber
anderen getan haben, die verwickelt sind, daß wir eine Beilegung (des
Afghanistan-Problems) wünschen."
3. Juli 1983
Außenminister Shultz erklärt gegenüber afghanischen Flüchtlingen
im Nasrbagh-Lager in der Nähe von Peshawar, daß "vom Standpunkt der Vereinigten Staaten aus gesehen, Verhandlungen (über Afghanistan) nur dann erfolgreich sein können, wenn sie den Rückzug der sowjetischen Streitkräfte aus
Afghanistan einschließen, wenn sie eine Bestimmung über die Selbstbestimmung
in Afghanistan enthalten, wenn sie Vorkehrungen beinhalten, denen zufolge
die Flüchtlinge mit Würde und Ehre in ihr Land zurückkehren können."
er erklärte:
sehr einfach.

Und

"Meine Botschaft an Euch von den Vereinigten Staaten ist
Wie sind mit Euch."

19. Juli 1983
Am 3. Juli richteten sowjetische Streitkräfte in der Provinzhauptstadt Ghazni, 140 km südwestlich von Kabul, 12 Respektspersonen als Vergeltungsmaßnahme für den Tod eines sowjetischen Offiziers und dreier Soldaten hin, wie Agence France Press unter Bezug auf westliche Diplomaten
aus Islamabad berichtet (Am 20. Juli streitet das Kabul er Regime den Bericht ab.)
26. Juli 1983
Diplomatische Quellen in Neu Delhi berichten von den schwersten
Kämpfen dieses Jahres im Ghazni-Gebiet.

Der Angriff eines größeren Konvois

durch die Mujahedin Mitte Juli dauerte 48 Stunden und hatte unter den
Streitkräften des Regimes 60 Tote zur Folge. Zwei Dörfer in der Nähe von

�Nähe von Ghazni wurden von den Sowjets bombardiert und 50 Zivilisten getötet.
In Reaktion auf die verstärkten Aktivitäten der Widerstandsbewegung
wurden in der vergangenen Woche in der Shomali-Region nördlich von Kabul
größere Säuberungsoperationen durch die sowjetischen Truppen wie die des
Regimes durchgeführt.
1. August 1983
Moslemische Widerstandsquellen zufolge - die die Agence France Press
in Islamabad zitiert - schössen die Mujahedin im Verlauf von sowjetischen
Bombenangriffen auf Dörfer nordöstlich von Kabul in der vergangenen Woche
zwei sowjetische MIG-Flugzeuge ab.

Diesen Quellen nach wurde auch der

Oberkommandierende der Widerstandskräfte in Qonduz, einer nördlichen, an
die Sowjetunion angrenzenden Provinz, in einer Schlacht an der Landstraße
Qonduz-Baghlan getötet.

Pehalawan Mohammed Khan war der vierte Führer der

Widerstandsbewegung, der in den vergangenen Monaten umkam.
13./14. August 1983
Diplomatischen Quellen in Neu Delhi und Islamabad zufolge haben die
Widerstandskämpfer mit dem - wie es scheint - seit der sowjetischen Invasion
1979 schwersten, koordinierten Angriff innerhalb von Kabul begonnen.

In

einem fünfstündigen, nächtlichen Angriff attackierten die Mujahedin militärische Anlagen und Einrichtungen des Regimes mit Mörser- und Raketenbeschuß.

Hauptziel war das Fort Bala-Hissar, in dem ausschließlich sowje-

tische Truppen untergebracht sind; dem Eindruck nach gab es beträchtliche
Verluste.

+ + + + +

- 5 -

�31. August 1983

35

DIE SCHWACHSTELLEN DES SOWJETISCHEN WELTRAUM-VORSCHLAGS
- Von unserem diplomatischen Korrespondenten Russell Dybvik

WASHINGTON - (AD) - Die Vereinigten Staaten prüfen mit Sorgfalt einen
Vertragsentwurf der Sowjetunion über Rüstungskontrolle im Weltraum, doch hat
das US-Außenministerium auch darauf hingewiesen, daß "unangemessene Verifizierbarkeit eine seiner wesentlichen Schwächen ist."

Der Vertragsentwurf

wurde den Vereinten Nationen zu Beginn dieses Monats vorgelegt und sein Text
im sowjetischen Parteiblatt "Prawda" veröffentlicht.
Als Präsident Reagan am 4. Juli 1982 die amerikanische Politik hinsichtlich der Rüstungskontrolle im Weltraum darlegte, erklärte er, die Vereinigten Staaten würden verifizierbare und ausgewogene Maßnahmen der Rüstungskontrolle im Weltraum in Erwägung ziehen, die die Erprobung und Dislozierung
von speziellen Waffen verbieten oder zumindest begrenzen würden, falls diese
Maßnahmen in Einklang mit der nationalen Sicherheit der Vereinigten Staaten
stünden.
Der stellvertretende Sprecher des Außenministeriums, Alan Romberg,
erklärte, daß solche Maßnahmen derzeit analysiert würden.

Er verwies jedoch

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�verwies jedoch darauf, daß "es ernste technische, substantielle Probleme
gibt, die unter anderem mit der Verifizierbarkeit zusammenhängen.

Der

sowjetische Vertrag sieht nationale technische Mittel der Verifizierbarkeit vor, nichts jedoch, was darüber hinausginge,,"
Nationale technische Mittel der Verifizierbarkeit bedeuten Überwachung per Satellit»

Daher könnten eben diese Mittel zur Überwachung

der Einhaltung eines solchen Vertrags - nämlich die Satelliten - erste
Ziele einer Verletzung sein»
"Wir würden uns über eine Klarstellung seitens der Sowjets hinsichtlich der Mittel zur Verifizierbarkeit ihres Vertragsvorschlags freuen,"
sagte Romberg in einer vorbereiteten Erklärung» "Unsere erste Prüfung
des sowjetischen Vertragsentwurfs deutet darauf hin, daß unangemessene
Verifizierbarkeit eine seiner wesentlichen Schwächen ist„" So verwies
Romberg beispielweise darauf, daß es beinahe unmöglich sei, durch nationale technische Mittel allein den Abbau und die Zerstörung des sowjetischen
Antisatellitensystems (ASAT) zu verifizieren, welches bereits seit über
12 Jahren im Einsatz Ist. "Der ASAT-Abfangsatellit ist verhältnismäßig
klein und sitzt auf einer sowjetischen Raumrakete, die auch für andere
Raummissionen verwendet wirdo Wir wissen nicht, wie viele solcher ASATAbfangsatelliten produziert wurden, und es wäre für die Sowjets verhältnismäßig einfach, insgeheim eine Reihe solcher Satelliten für den Einsatz
in einer Krise zu lagern "
Der Sprecher betonte, daß "eine jegliche sowjetische Täuschung bei
einem ASAT-Abkommen - sogar in geringem Umfang - ein hinderliches Risiko"
bedeuten würde, da derzeit nur sehr wenige Satelliten dazu verwendet werden,
den nationalen Sicherheitserfordernissen der Vereinigten Staaten und ihrer
Verbündeten zu dienen

Weitere ernste Probleme der Verifizierbarkeit wür-

den sich aus dem, im Vertragsentwurf vorgeschlagenen Verbot hinsichtlich
der Zerstörung, der Schädigung und der Störung von Raumobjekten anderer
Staaten ergebene
Mancherlei Art

�Mancherlei Art von Aktivitäten könnte gegenüber den Raumobjekten
eines anderen Staates unternommen werden, ohne daß der Täter genau zu ermitteln wäre.

Die sowjetische Forderung nach einem Verbot von raumstatio-

nierten Waffen ist ein weiteres Beispiel für Vorschläge, die Verifizierungsprobleme mit sich bringen.

Es ist schwierig, den ganzen Umfang der Mög-

lichkeiten und Funktionen von Objekten im Weltraum festzustellen, sagte
der Sprecher.
Regierungsvertreter wiesen auch darauf hin, daß der Vertragsentwurf nicht den Vorschlag des sowjetischen Parteichefs Andropow eines Moratoriums bei Versuchen mit ASAT-Systemen einschließt.
Nach einem Bericht der Nachrichtenagentur TASS über ein Treffen
Andropows mit einer Gruppe von neun amerikanischen Senatoren, das am 18.
August stattfand, erklärte Andropow:

"Die UdSSR verpflichtet sich dazu,

nicht der erste zu sein, der irgendwelche Antisatellitenwaffen in den
Weltraum bringt - das heißt, sie unterzieht sich einem Moratorium bei
Starts dieser Art für den gesamten Zeitraum, währenddessen andere Länder,
einschließlich der Vereinigten Staaten von Amerika, davon absehen, Antisatellitenwaffen jeglicher Art im Weltraum zu stationieren."
Einem amerikanischen Regierungsvertreter zufolge finden sich im
Wortlaut des TASS-Berichtes "einige Unklarheiten", wie etwa, ob das Moratorium auch Tests aller landgestützten wie weltraumgestützten ASAT-Systeme
abdecke.
Vertreter des Außenministeriums wiesen darauf hin, daß die Sowjetunion ihren Moratoriumsvorschlag den Vereinigten Staaten noch nicht offiziell übermittelt habe.
sorgfältig geprüft.

Sobald dies geschehen sei, würde der Vorschlag

Unterstrichen wurde jedoch die Tatsache, daß die

Sowjetunion derzeit auf der ganzen Welt über das einzige einsatzfähige
ASAT-System verfügt, wobei die sowjetischen Antisatellitenwaffen seit Ende
der sechziger Jahre rund 20 mal getestet worden seien.

- 3 -

"Angesichts dieser

�"Angesichts dieser sowjetischen Tests fragt man sich natürlich, was die
UdSSR meint, wenn sie versichert, sie werden nicht der erste sein, der irgendwelche ASAT-Waffen in den Weltraum senden werde."
In einer ersten Überprüfung des Vertragsentwurfs wiesen Regierungsvertreter indessen auch darauf hin, daß Moskau die Frage angegangen sei,
wie man das Wort "Waffe" zu definieren habe. Was in einem, den Vereinten
Nationen im Jahr 1981 vorgelegten Vertragsentwurf noch nicht geschehen war.
"Solange wir noch keine praktischen Lösungen für die definitorischen und
Verifizierungsprobleme gefunden haben, die mit der Rüstungskontrolle im
Weltraum zusammenhängen, glauben wir nicht, daß es nützlich wäre, auf diesem Gebiet formelle bilaterale Verhandlungen mit der Sowjetunion zu führen.
Wir würden natürlich jede Klarstellung der Sowjets hinsichtlich der Verifizierungsmittel in ihrem Vertragsvorschlag begrüßen."
Bedeutsam erscheint auch der Vorschlag des sowjetischen Vertragsentwurfs, keine bemannten Weltraumfahrzeuge für militärische Zwecke zu benützen.

"Wir haben den starken Verdacht, daß diese Bestimmung des Vertrags-

entwurfs darauf abzielt, die Verwendung der amerikanischen Weltraumfähre
SPACE SHUTTLE einzuengen.

Die Sowjets sehen offenbar, daß die SHUTTLE

den Vereinigten Staaten eine technologisch fortschrittlichere Start- und
Erdumrundungs-Kapazität bietet", erklärte ein Regierungsvertreter.
Als Präsident Reagan im vergangenen Jahr die nationale Weltraumpolitik darlegte, unterstrich er, daß das amerikanische SHUTTLE-System
das wesentliche Raumtransportsystem für die Missionen nationaler Sicherheit der Vereinigten Staaten sei.
"Diese Missionen unterstützen Funktionen wie Frühwarnung, Kommando
und Kontrolle, Kommunikation, Navigation, Überprüfung und Überwachung.
All diese Funktionen stärken die Sicherheit der Vereinigten Staaten und
ihrer Verbündeten." sagte ein Regierungsvertreter. Gleichzeitig wurde in
diesem Zusammenhang unterstrichen, daß auch die Sowjetunion ihre bemannten

- 4 -

�ihre bemannten Weltraumprogramme für militärische Zwecke verwendet.
"Die Sowjets sehen den militärischen Wert des Weltraums und verwenden beträchtliche Mittel für ihr militärisches Weltraumprogramm." erklärte
der Regierungsbeamte.

"Sie führen derzeit Starts für Satelliten zur Foto-

aufklärung für elektronische Anlagen, Frühwarnung? Kommunikation, Wetterdienst und bemannte Raumstationen durch.

Wir rechnen damit, daß die Sowjets

noch mehr Betonung auf ihre bemannten militärischen Raumfahrtprogramme legen.

Tatsächlich führt die derzeitige bemannte Raummission, Sajut 7, Ex-

perimente durch, die wichtige militärische Anwendungsmöglichkeiten haben."

- 5 -

�31. August 1983

DIE "GOLDENEN DEUTSCHEN" AMERIKAS
Den ersten amerikanischen Golddollar prägte ein deutschstämmiger
Amerikaner -

Dies ist der zweite von sechs Artikeln
über die Deutschen in Amerika, die wir
im Zusammenhang mit den Feierlichkeiten
anläßlich des 300, Jahrestages deutscher
Einwanderung in Amerika bis zum 6. Oktober veröffentlichen.

- (AD) - Von den mehr als sieben Millionen Deutschen, die während
der letzten 300 Jahre nach Amerika emigrierten, brachten viele
Fähigkeiten mit, die sie in Deutschland erworben hatten und die in der Neuen
Welt sehr gesucht waren.

Einige erlangten einen beachtlichen Bekanntheits-

grad, andere erwarben große Reichtümer, wieder andere trugen in aller Stille
zur Entwicklung Amerikas bei und werden in der amerikanischen Geschichte lediglich in anekdotischen Fußnoten erwähnt.
Zur letzteren

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Telex: 8-85432

�Zur letzteren Kategorie zählen die beiden Deutsch-Amerikaner
Christopher Bechtler und sein Sohn Augustus.

Die Bechtlers waren erfah-

rene Metallarbeiter und unterhielten von 1831 bis 1852 in Rutherford County
im Bundesstaat Nord-Carolina eine kleine private Münzprägestätte.

Bis zum

kalifornischen "Goldrausch" des Jahres 1848 war das Bechtlersche Unternehmen
das einzige private dieser Art in ganz Amerika,

Während ihres 20jährigen

Bestehens wurde dort Gold im Wert von mehr als drei Millionen Dollar verarbeitet.

Und sie konnte sich rühmen, den ersten Golddollar Amerikas geprägt

zu haben, einer Währung, die die Münzanstalt der Vereinigten Staaten erst
17 Jahre nach der ersten Bechtlersehen Golddollar-Prägung herausgab.
Die Geschichte des Deutsch-Amerikaners John Augustus Sutter (geboren
1803 in Kandern, Baden), dessen Name mit dem großen kalifornischen Goldrausch von 1848 verbunden ist, gibt uns einen interessanten Einblick in
das Schicksal jener, deren Leben vom Gold beeinflußt wurde.

Am 24, Ja-

nuar 1848 wurde erstmals in der Nähe von Sutters Mühle Gold gefunden, ein
Ereignis, das den Beginn des Goldrausches auslöste.

Bis zu jener Zeit war

Sutter ein erfolgreicher Abenteurer und Siedler gewesen, der es in Kalifornien zu beträchtlichem Wohlstand und großem Landbesitz gebracht hatte.
Nach der Entdeckung des Goldes auf seinem Grundstück wandelte sich Sutters
Glück abrupt; seine Arbeiter verließen ihn, seine Schafherden verschwanden
und Goldsucher besetzten sein Land.

Innerhalb von vier Jahren war Sutter

bankrott.
Der Goldrausch selbst zog Amerikaner und Deutsch-Amerikaner von überall her an.

Einem von ihnen, dem 1829 in Bayern geboren Levi Strauss ge-

lang es jedoch nie, die Goldminen Kaliforniens zu erreichen.

Strauss

ver-

ließ New York, um sich dem Goldrausch anzuschließen, der im Februar 1850
in Kalifornien einsetzte.

Da er nicht genügend Geld beisammen hatte, um

zu den Goldfeldern zu ziehen, verkaufte er den Stoff, den er mitgenommen
hatte, um damit die nötigen Mittel aufzutreiben.

Als sich ein befreunde-

ter Goldsucher bei ihm über den Mangel an strapazierfähiger Kleidung für die
Arbeit in den Goldminen beklagte, nahm Strauss den einzigen noch übrigge-

- 2 -

�noch übriggebliebenen Stoff, einen Ballen Leinwand, und fertigte daraus
eine Hose.

Dieser Einfall wurde unter den Goldsuchern mit großer Begeiste-

rung aufgenommen,und statt in den Goldminen zu arbeiten, ließ sich Strauss
in San Francisco nieder, um dort seine Waren zu produzieren.

Die Kleidung,

die auch heute noch den Namen ihres Erfinders trägt, ist weiterhin
weltweit ein Beispiel für deutsch-amerikanischen Erfindungsgeist.
Zu den "goldenen Deutschen" Amerikas gehört auch Henry Villard, 1835
in Speyer als Ferdinand Hilgard geboren.

Er emigrierte 1853

ten Staaten und berichtete als Journalist für eine Reihe deutschsprachiger
Zeitungen über die Goldfunde in Colorado in den Jahren 1859 bis 1860.

1860

erschien sein Buch mit dem Titel "The Past and Present of the Pike's Peak
Gold Regions".
Obwohl Villards Tätigkeit als Journalist ihm eine beträchtliche Popularität einbrachte, war es doch seine spätere Laufbahn als Finanzier, die
ihm Reichtum brachte. Dieses finanzielle Interesse, das er auch dem amerikanischen Eisenbahnnetz gegenüber zeigte, führte ihn zu einem weiteren
"goldenen" Kapitel der amerikanischen Geschichte - der Fertigstellung der
Eisenbahnlinie quer durch den Kontinent. Dieses historische Ereignis fand
am 10. Mai des Jahres 1869 statt, dem Tag, an dem die Gleise der Union
Pacific Linie, die aus dem Osten kamen, auf die aus dem Westen kommenden
Gleise der Central Pacific Linie trafen. Diese Begebenheit wurde dadurch
unvergänglich gemacht, daß man einen goldenen Bolzen verwandte, um die Konstruktion zu vollenden. Villard, der zu jener Zeit die Northern Pacific
Linie leitete, eröffnete im September 1883 die Fahrt des "Gold Spike Special"Sonderzuges auf einer Nebenlinie der transkontinentalen Strecke.
Andere "goldene Deutsche" Amerikas kamen eher indirekt mit dem Gold
in Berührung.

Eine entscheidende Rolle spielten Deutsch-Amerikaner bei-

spielsweise in der Geschichte des amerikanischen Währungssystems.

Der

erste Finanzminister der USA, Michael Hillegas, war der Sohn deutscher Einwanderer.

Der erste Direktor der Münze der Vereinigten Staaten, David
- 3 -

�Staaten, David Rittenhouse, war ein direkter Nachfahre der Familie
Rittenhouse aus Germantown.

Und der Begründer der amerikanischen Bundes-

bank war Paul Moritz Warburg, der 1868 in Hamburg geboren wurde.
Bei der Aufzählung der "Goldenen Deutschen" Amerikas sollte man
natürlich den Mann nicht vergessen, der 1763 in Walldorf in Baden geboren
wurde.

Als John Jacob Astor im Jahre 1783 in Amerika ankam, hatte er gan-

ze 25 Dollar in der Tasche; als er im Jahre 1848 starb, war er der reichste
Mann Amerikas.

- 4 -

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Wiz/cn/choft
und Technik

MM

United States Information Service
Embassy ot me United States of America

3 h August 1983

35

ERDKLIMA UND ANTARKTIKEIS
- US-Forscher suchen nach Anhaltspunkten für Zusammenhänge -

- (AD) - Das bisher intensivste Programm zur Erforschung des Verhaltens der Eismassen in der Westantarktis und ihres möglichen Einflusses auf
das Erdklima wird, wie jetzt die Nationale Forschungsstiftung der USA (NSF)
bekanntgab, im November 1983 beginnen.

Vier amerikanische Wissenschaftler-

gruppen, in erster Linie Gletscherforscher und Geophysiker von der Staatsuniversität Ohio, der Universität Wisconsin in Madison und vom Goddard Space
Flight Center in Maryland, wollen mit modernsten Methoden eine Vielzahl von
Informationen und exakte Daten sammeln.
gesetzt.

Das Projekt ist auf drei Jahre an-

Es ist eines von 90 Studienprogrammen, an deren Durchführung in

dieser Saison 280 amerikanische Forscher beteiligt sind.

Sie dauert von

Mitte November bis etwa Mitte Februar, wenn in der Antarktis Sommer ist.
Aber selbst dann steigen die Temperaturen nur wenig über Null Grad Celsius.
Zu den derzeit geförderten Spezialgebieten zählen auch Geologie, Meeresforschung, Biologie und Atmosphärenforschung.

Denn die Antarktis ist ein ide-

aler Platz, um Einblicke in die Geschichte unserer Erde, in weltweit wirksame Vorgänge, aber ebenso in Veränderungen zu bekommen, die durch die Akti-

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D 5300 Bonn 2
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�die Aktivität des Menschen weiträumig herbeigeführt werden.

Dagegen haben

Spekulationen auf eine Nutzung der Bodenschätze dieses unwirtlichen Kontinents noch kaum praktische Bedeutung.

Sie wäre einfach zu teuer - gemes-

sen an den Kosten, die andernorts anfallen.
Die westantarktische Eisplatte ist im Durchschnitt 2000 m dick und
hat eine Ausdehnung von mehr als 2,6 Millionen qkm.

Vergleichbar auf der

Erde ist ihr nur noch die Eisplatte der Ostantarktis und die Grönlands.
Allerdings stellt die westantarktische Platte insofern eine Besonderheit
dar, als sie direkt auf dem Meeresboden aufliegt.
instabil.

Das macht sie besonders

Es gibt Anzeichen dafür, daß sie vor ca. 125 000 Jahren eine gründ-

liche Um- bzw. Neubildung erfuhr.

Sie wird flankiert von zwei riesigen

Schelfeismassen, die ihr einen gewissen "Halt" geben - das Ross-Eisschelf,
und das Ronne-Eisschelf.

Wären diese nicht da, könnte, wie manche For-

scher vermuten, die Eisplatte schon in ca„ 500 Jahren aufgelöst sein.
Dies würde wesentliche Veränderungen auf der Erdoberfläche mit Klimaänderungen und der Überschwemmung weiter Küstengebiete bedeuten.
Die Eisplatte der Westantarktis wurde als "das große ungelöste Problem der Glaziologie" bezeichnet. Die drei Aspekte dieses Problems seien,
so wurde gesagt, neben ihrer möglichen Instabilität das Verhalten des
Eises während der letzten Vergletscherung und der letzten Zwischeneiszeit
sowie die Art und Weise, wie die Eisplatte wachse und schrumpfe. Eine
Untersuchung dieser Probleme könnte auch helfen, Vorgänge auf der Nordhalbkugel der Erde in vergangenen Jahrmillion besser zu erkennen und zu verstehen.
Die Gruppe um Prof. Charles Bentley (Wisconsin) sammelt Daten über
den gegenwärtigen Zustand der Eisplatte und ihr "Verhalten" während der
letzten paar Tausend Jahre.

So interessieren beispielsweise Dicke und Be-

schaffenheit des Eises, unterschiedliche Bewegungsgeschwindigkeit des flieenden Eises und seine Bewegungsrichtung.

Zwar sind sich die Gletscher-

forscher darüber einig, daß heute die Masse des Eises gegenüber dem Höhe- 2 -

�dem Höhepunkt der Eiszeit vor 17 000 Jahren reduziert ist, jedoch gehen
die Meinungen in bezug auf den Umfang der Veränderungen und über die Auflageregionen der Eisplatte auf festem Untergrund auseinander,

Die Kuppen

und Bergketten von Eis entlang der Siple-Küste, wo die Gruppe arbeitet, dürften gute Hinweise auf eine Übergangsperiode in der Zeit vor etwa 10 000
Jahren geben können, weil sie am felsigen Untergrund festgefroren sind und
es nur kleine Becken gibt, von denen wenig Eis abfließt-

Die Untersuchun-

gen am Eis und dem darunterliegenden Gestein - die Westantarktis ist eine
Art Archipel mit Gebirgsinseln unter einem dicken Eispanzer - werden nun
von Fahrzeugen aus mittels modernster, computergestützter Radarverfahren,
außerdem mit seismischen Methoden und durch Sondierung von Eis und Untergrund mit elektrischen Widerstandsmessungen vorgenommen.

Das Studium schnell fließender Eisströme ist von besonderem Interesse, weil sie eine wichtige Rolle im Verhalten und in der Stabilität der
Platte spielen.

Das Fundament der Eismassen liegt zum größten Teil unter

dem Meeresspiegel,

Die Ränder der Platte schwimmen im Meer, die Abbruche

treiben als Eisberge davon.

Schon eine kleine Veränderung des Meeresspie-

gels oder in den Fließmerkmalen könnte zu dramatischen Veränderungen an der
gesamten Platte führen.

Ob der Gletscher wächst oder schrumpft, will eine Arbeitsgruppe ermitteln, die im Grenzbereich zwischen Siple-Küste und Ross-Eisschelf stationiert ist.

Eine weitere Gruppe konzentriert sich auf das Studium der

westantarktischen Eisplatte in den Bergen nahe der Südostecke des RossEisschelfes.

In diesem Gebiet sind auch Anhaltspunkte dafür zu finden,

wie der westliche Eisschild mit Teilen der ostantarktischen Platte zusammenwirkte

Am Gesch-iebegestein in der Region, wo die Westplatte das Transant-

arktisgebirge erreicht (ein fast 3000 km langer Gebirgszug zwischen der
West- und Ostantarktis), hofft man u.a. Höhenveränderungen dieses Teils
des Ross-Eisschelfs zum Meeresspiegel in jüngerer Zeit ausfindig machen
zu können.
Das Transantarktisgebirge

- 3 -

�Das Transantarktisgebirge wurde vermutlich in den letzten 65 Millionen Jahren erheblich angehoben - es hat Berggipfel mit mehr als 3000 m
Höhe»

Wissenschaftler der Universität Ohio vermuten sogar, daß sich die-

ser Vorgang in nur zwei bis drei Millionen Jahren abspielte.
muß zuvor von Wasser bedeckt gewesen sein.

Die Region

Denn in Gletscherablagerungen

an der Gebirgsoberflache entdeckte der Paläontologe Dr. Peter N. Webb
Mikrofossilien mit gut erhaltenen Kieselalgen, Strahlentierchen, Foraminiferen und anderen Oberresten winziger tierischer Lebewesen, von denen
viele mit bloßem Auge auszumachen sind»

Die jüngsten Fossilien könnten

noch als Lebewesen existiert haben, als die Ablagerungen gebildet wurden.
Die ältesten waren wohl bereits versteinert und wurden im Geschiebematerial des Gletschers, der sich über ältere Sedimente eines Beckens im
Innern des Kontinents bewegte, transportiert.
Der Fund läßt vermuten, daß sich große Teile der riesigen ostantarktischen Eisplatte über die Landmassen ausgedehnt, Gebirgsketten und
die Festlandsränder weitläufig überdeckt haben, aber periodisch wieder
geschrumpft sind. Während der Rückzugsperioden scheinen flache Binnenmeere große Flächen der Antarktis polwärts überflutet zu haben. Dafür
spricht das unterschiedliche Auftreten fossilienhaltiger Sedimente auf
den Bergen - oft im Abstand bis zu 1500 km, Sie dokumentieren außerdem
mehrere Phasen des Vordringens von Wasser. Ausbreitung und Rückgang der
Vergletscherung läßt sich über mehr als 50 Millionen Jahre verfolgen.
Das Gebiet des Transantarktisgebirges ist eine tektonisch ruhige Region, was nicht dafür spricht, daß sich dort ein Grenzbereich von zwei aneinanderstoßenden Platten der Erdkruste befindet. Jedoch erhoffen sich
Seismologen von der Staatsuniversität Louisiana von Messungen im Bereich
der amerikanischen Forschungsstation am McMurdo-Sund einen gewissen Aufschluß zu der Frage, ob das Gebirge eine Zone darstellen könnte, in der
der antarktische Kontinent irgendwann weiter aufbricht. Sie werden versuchen, vom McMurdo-Eisschelf bis westlich von Cape Bird, an der Grenze
zwischen West- und Ostantarktis, die Erdrinde bis zum oberen Erdmantel in

- 4 -

�Erdmantel in fast 21 000 m Tiefe zu sondieren.

Die Forscher arbeiten in

einem Gebiet, wo das Eis mehr als zwei Meter dick und das Wasser 500 bis
1000 m tief ist.

Das Projekt könnte auch in Verbindung mit der weiteren Suche nach
pflanzlichen und tierischen Fossilien helfen, den geologischen Aufbau der
Antarktis besser zu bestimmen.

Letzteres planen Gruppen von vier amerika-

nischen Universitäten, und zwar auf Inseln östlich der antarktischen Halbinsel gegenüber der Südspitze des amerikanischen Kontinents.

Vor einem

Jahr wurden auf der Seymour-Insel Überreste von Landsäugetieren, insbesondere von Beuteltieren entdeckt.

Da die Fossilien einer geologisch

jungen Zeit angehören und in Südamerika gefundenen Formen ähnlich sind,
stellt sich die Frage, wann in der Vergangenheit und wie lange Beuteltiere
von Südamerika in die Antarktisregion kommen konnten.

Auch hofft man mehr

Informationen darüber zu bekommen, in welchem Umfang sie zwischen Australien und Südamerika hin- und herwanderten, bevor sich Australien vor etwa
56 Millionen Jahren von dem Superkontinent, Gondwana genannt, löste.
Er umfaßte einst Landmassen, die heute Kontinente oder Subkontinente für
sich bilden - Indien, Australien, Afrika, Südamerika und die Antarktis.
Es wird angenommen, daß Gondwana am Ende des Paläozoikums, vor etwa 280
Millionen Jahren, aufzubrechen begann und die Teile auseinanderdrifteten.

Neue oder verbesserte Verfahren ermöglichen eine bessere Analyse
von Eisbohrkernen auf Kohlendioxid und die von kosmischen Strahlen erzeugten Elemente bzw. die in diesem Zusammenhang beobachteten Veränderungen.
Dies ist für die Klimaforschung und Klimageschichte wichtig, insbesondere
im Hinblick auf Veränderungen seit der Industrialisierung.

Strömungs-

und Temperaturmessungen i n den antarktischen Meeren und deren Randzonen
sowie chemische Wasseranalysen tragen dazu bei, Austauschprozesse und Zusammenhänge weltweit zu erkennen und besser zu verstehen.

+ + + + +

- 5 -

�Wi//en/chaft
und Technik
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31. August 1983

35

HARTE AUSLANDSKONKURRENZ FÜR PHARMAZEUTISCHE INDUSTRIE
Anteil der US-Firmen an Forschung und neuen Präparaten sinkt -

- (AD) - Ihr Erscheinungsbild trügt,

In Wirklichkeit verliert die

amerikanische Arzneimittelindustrie, einer der bedeutsamsten Repräsentanten
unter den Branchen mit hochqualifizierter Technologie, gegenüber der ausländischen Konkurrenz an Boden.

Dies ist jedenfalls das Ergebnis einer kürz-

lich veröffentlichten Studie der "National Academy of Engineering (NAE)", die
der "National Academy of Sciences" (Nationalen Akademie der Wissenschaften)
angeschlossen ist.

Der Bericht im Umfang von 97 Seiten beruht auf zweijäh-

rigen Untersuchungen, die die Nationale Forschungsstiftung (NSF) finanzierte
und die von prominenten Persönlichkeiten aus Forschung und Wirtschaft in enger Zusammenarbeit mit Fachkommissionen des Nationalen Forschungsrates (NRC)
durchgeführt wurden.
Es ist die vierte von insgesamt sechs Studien, mit denen weltweite
Verlagerungen industriell-technologischer Kapazitäten auf bestimmten Sektoren
der Wirtschaft untersucht werden. Sie haben zum Ziel, Ursachen und Zusammenhänge in Verbindung mit Veränderungen zu erkennen und künftige Entwicklungen
bzw. weitere Änderungen im technologischen Bereich samt ihren Auswirkungen

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�ihren Auswirkungen auf die Industrie eher abschätzen zu können, über die
Sparten "Kraftfahrzeuge", "Werkzeugmaschinen" und "Fasern, Textilien und
Bekleidung" wurden bereits Studien veröffentlicht»

"Elektronik" sowie "Ei-

sen und Stahl" werden die beiden letzten Themen sein.
Dem Bericht zufolge belief sich der Lieferwert pharmazeutischer Präparate in den USA im Jahr 1981 auf 17,7 Milliarden Dollar.

Die amerikanischen

pharmazeutischen Unternehmen beschäftigen derzeit 145 000 Personen.

Insge-

samt 756 Firmen waren im Jahr 1977 (aus der Folgezeit liegen noch keine Angaben vor) in dieser Branche tätig. Jahrzehntelang sei die pharmazeutische
Industrie einer der gewinnträchtigsten Sektoren der amerikanischen Wirtschaft
mit sehr hohen Wachstumsraten gewesen.

Hinsichtlich Ausstoß, Produktion und

Beschäftigung sei eine beständige Expansion bei gleichzeitigem Zurückbleiben
der Arzneimittel preise hinter der allgemeinen Inflationsrate zu verzeichnen
gewesen. Auch habe die pharmazeutische Industrie wichtige Beiträge zum
Gesundheitsstand der Bevölkerung und zur Kontrolle eskalierender Kosten im
Gesundheitswesen geleistet.
Gegenwärtig aber sei, so besagt die Studie, das Bild angesichts einer
relativen Schwächung der Grundlagen für die Wettbewerbsposition weniger rosig - insbesondere was die notwendigen Forschungsanstrengungen für die Entdeckung und Einführung neuer patentierter Arzneimittel angehe. Der Anteil
der amerikanischen pharmazeutischen Industrie an den weltweiten Aufwendungen
für Forschung und Entwicklung fiel von durchschnittlich 60 Prozent (Mitte
der fünfziger Jahre) auf weniger als 30 Prozent (1982) zurück. Auch sei
die Anzahl der von US-Firmen entwickelten neuen Medikamente, die jährlich
für klinische Versuche zugelassen werden, von durchschnittlich 60 Mitte
der sechziger Jahre auf etwa 25 im Jahr 1982 gesunken. Im Gegensatz dazu
sei die Zahl ausländischer Arzneimittel, die vergleichbaren Prüfungen unterzogen werden, mit ungefähr 20 pro Jahr nahezu konstant geblieben.
Der Bericht besagt ferner, daß der Anteil pharmazeutischer Präparate
aus den USA an der Weltproduktion von 50 Prozent im Jahr 1962 auf 38 Pro-

- 2 -

�38 Prozent im Jahr 1968 und schließlich 27 Prozent im Jahr 1978 zurückgefallen sei. Der Anteil an den Weltexporten in dieser Sparte sei von über
30 Prozent im Jahr 1960 auf weniger als 15 Prozent heute gesunken.

Klei-

nere pharmazeutische Unternehmen brächten weniger neue Arzneimittel als vor
1960 heraus und würden für die Lizenzierung neuer Produkte in zunehmendem
Maße von ausländischen Firmen abhängig, wenn auch Lizenzprodukte noch immer weniger als die Hälfte neuer, von kleinen Firmen auf den Markt gebrachten Präparate ausmachten.
Obgleich amerikanische pharmazeutische Firmen nach wie vor im In- und
Ausland hohe und wachsende Beträge für Forschung aufwenden, könne der Zuwachs nicht annähernd mit der überdurschnittlichen Expansion der Forschungsanstrengungen und der Produktion ausländischer Unternehmen Schritt halten.
Aber Forschungsanstrengungen, der Umfang neuartiger Präparate, Produktion,
Absatz, Marktstrukturen und internationaler Handel seien nun einmal wettbewerbsbestimmende Faktoren. Während z.B. Mitte der siebziger Jahre die
pharmazeutische Produktion in den USA ziemlich stabil geblieben sei, sei
sie in Westeuropa und Japan enorm gewachsen - nämlich um ca. 15 Prozent pro
Jahr gegenüber etwa fünf Prozent in den Vereinigten Staaten. Anfang der
sechziger Jahre lag die Produktion wertmäßig doppelt so hoch wie in Westeuropa, heute liege diese Größe nur bei etwa 60 Prozent. In der gleichen
Zeit sei die Produktion Japans relativ zu der in den USA von 33 auf 75 Prozent gestiegen.
(Der Bericht mit dem Titel "Competitive Status of the U.S. Pharmaceutical
Industry" kann von der "National Academy Press", 2101 Constitution Ave.,
Washington D.C. 20418 bezogen werden."

+ + + + +

- 3 -

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Erklärung des State Department zum neuen Andropow-Vorschlag&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die NATO braucht eine glaubwürdige nukleare Abschreckung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von Anne Armstrong, ehemalige amerikanische Botschafterin in Großbritannien -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Chronologie der jüngsten Ereignisse in Afghanistan&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Erdklima und Antarktikeis&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- US-Forscher suchen nach Anhaltspunkten für Zusammenhänge -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Harte Auslandskonkurrenz für pharmazeutische Industrie&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Anteile der US-Firmen an Forschung und neuen Präparaten sinkt -&lt;/em&gt;</text>
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AMERIKA DIENST

3 1 . August 1988

31

I N H A L

T

HINTERGRUMPflATERIftL
Da» sowjetische Militär:

Offene Worte aber keine Taten

Von Frank C. Carlucci -

Ein« Aufgabe der neuen Administration:

Anpassung der NATO

an neue Realitäten
- Von Sen. William V. Roth 3r. , Bill Richarcison und Ooug Bereutet

WIRTSCHAFT
Oll nichtprotaktionistlache amerikanische Handelsgesetz
- Von Judith Hippler Bello, Ständige Beraterin des amerikanischen
Hände 1sbeauftragten -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Erfolgreiche Brenntests mit DISCOVERY-Antriebsmotoren
- Veränderte Haupttriebwerke und Zusatzraketen erprobt

* * * * * H

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�AMERIKA DIENST
VON

Hintergrundmaterial

^

31

31. August 1988

DAS SOWJETISCHE MILITäR:

OFFENE WORTE ABER KEINE TATEN

- Von Frank C. Carlucci -

WASHINGTON - (AD) - Frank C. Carlucci ist amerikanischer Verteidigungaminister.
Der folgende Artikel, wurde erstmals im Wall Street Journal vom 30,
August 1988 veröffentlicht.

Anfang dieses Monats konnte ich
vier Tage lang eine Seite des sowjetischen Militärs beobachten, die bis
dahin dem größten Teil der Welt hermetisch
verschlossen
war
ein
schließlich Millionen Bürgern in der
Sowjetunion.
Die Begegnung war die
dritte in einer Reihe von Treffen mit
dein
sowjetischen
Verteidigungsminister Dimitri Jasow,

Besuch gekennzeichnet war, zu beweisen, daß Glasnost auch ins sowjetische Militär Einzug hält. Der Zu
gang und die Freimütigkeit waren in
der Tat bemerkenswert gemessen an dem
bisher von den Sowjets zugrunde gelegten Standard.
Ich konnte jedoch
nicht: umhin, die sowjetische Art der
Offenheit mit dem Standard der westlichen Seite zu vergleichen.

Der Besuch war faszinierend, der
Gedankenaustausch
freimütig,
offen
und engagiert.
Die sich jetzt stel
Lende Frage lautet:
Wo stehen wir
heute, und was wird als nächstes geschehen?

Lassen sie mich ein Beispiel aus
dem Bereich der nationalen Sicherheit
nennen. Eis ist allseits bekannt, daß
der sowjetische Verteidigungshaushalt
in realen Zahlen abgenommen hat und
wir als Folge dessen den Umfang unserer Streitkräfte im Verlauf der kommenden zwei Jahre um eine Anzahl von
Schiffen, drei Fluggeschwader, einige
Einheiten des Heeres- und Marinekorps

Zweifelsohne versuchten die Sowjets, mit der Offenheit und dem ungehinderten Zugang, von denen mein

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�und nahezu
worden.

45 0 0 0 Soldaten

reduzieren

Über die militärischen F ä h i g k e i ten der Sowjets ist entschieden weniger bekannt.
Unseren Schätzungen z u folge sind die gegenwärtigen Militärausgaben
der
Sowjets
mindestens
sechsmal höher als die im Haushalt
angegebene Zahl.
Im Verlauf meiner
Gespräche habe ich den Vorschlag unterbreitet, daß die Sowjets ihr M i l i tärbudget
offen legen und
erklären,
welche Veränderungen vorgenommen w e r den könnten und welche Auswirkungen
dies auf die sowjetische Streitkräftestruktur haben würde.
Es wurde mir erklärt, die sowjetische Regierung sei aus technischen
Gründen nicht in der Lage, solche I n formationen zu liefern.
Dies hinge
mit; d e r Verteilung des sowjetischen
Militärhaushalts
über mehrere Mini
sterien zusammen, was eine d e r u n s r i gen vergleichbare Haushalt saufschlüsselung erschwere.
Die
sowjetischen
Regierungsvertreter vers icherten mir,
daß sie sich mit diesem Problem b e fassen werden, und ich bin bereit,
die Möglichkeit in Betracht zu z i e hen, daß die Veröffentlichung
eines
detai 11 ierten Mi 1 itärhaushaIts
ihnen
be s o nd e r e
S c hw i e r i g k e i t e n
b e re i t e n
mag.
Trotzdem sind wir noch weit d a von entfernt, das sowjetische Mil i
tärwesen als offen bezeichnen zu k ö n ne n, be v o r d :i e s e g ru nd 1 eg e nd e n I n f o rmalionen nicht d e r Öffentlichkeit z u gänglich gemacht werden.
Ich habe meine sowjetischen Gesprächspartner ferner gedrängt, z u sätzliche Einzelheiten über ihre neue
"Verteidigungsdoktrin" und das P r i n zip des "vernünftigen und ausreichen
den Niveaus" zur Verfügung zu s t e l len, die angeblich heute die Grundla
go
der
sowjetischen
Strategie
und
Streitkräftestruktur
bilden.
Ich
sprach dieses Thema an, da wir im
Westen noch kein Wach lassen im kontinuierlichen Wachstum der sowjetischen
Militärmacht feststellen konnten.
20 Jahre nach dem Prager

Frühling

unterhält die Rote Armee m e h r D i v i sionen in der Tschechoslowakei
als
die Vereinigten Staaten in ganz Europa, und mehr Divisionen in d e r DDR
als die Vereinigten Staaten in ihrem
gesamten aktiven Hoar haben.
Auf d e r
Halbinsel
Kola,
drei
norwegischen
Grenzbatail.Ionen mit leichter I n f a n terie gegenüber, haben die
Sowjets
drei Divisionen, eine Flotte und eine
Marineinfanteriebrigade
stationiert.
Vor der Küste Japans unterhalten sie
umfangreiche
Landstreitkräfte,
die
von
zahlreichen
Flugzeugen
unterstützt der Verteidigung gegen
eine
angebliche Invasionsbedrohung seitens
d e r japanischen
Selbstverteidigungsstreitkräfte dienen sollen.
Trotz d e r Tatsache, daß die S o wjetunion eine wesentlich größere M i litärmacht besitzt, als sie zu ihrer
Verteidigung benötigt, g a b V e r t e i d i gungsminister Jasow keinen Anlaß zu
d e r Annahme, daß - außer bei mit dem
We s ten au sgehande1ten be iderse i t igen
Reduzierungen - ein Abbau der sowjetischen
Streitkräfte
stattfinden
könnte.
Wie dies
mit den
sowjetischen Äußerungen über ein "vernünftiges und ausreichendes Miveau" der
militärischen Fähigkeiten in Einklang
zu bringen ist, bleibt abzuwarten.
Ich habe meinen sowjetischen G e sprächspartnern
gegenüber
verdeutlicht, daß die Vereinigten
Staaten
nichts lieber sähen als die Abkehr
d e r Sowjets von einer offensiv o r i e n tierten
militärischen
Haltung.
Gleichzeitig habe ich festgestellt,
daß gewisse Elemente in d e r sowjetischen
Streitkräftestruktur
die
starke Betonung von Panzern, motorisierter Artillerie, vorne stationiertem Brückenlegegerät, hochbeweglicher
operativer Manövergruppen und s c h w e rer Atomraketen vorn T y p SS 18 mit ihrem Erstschlagpotential - in scharfem
Gegensatz zu sowjetischen Erklärungen
über die Verteidigungsdoktrin
stünden. Meine G a s t g e b e r erwiderten, ihre Streitkräfte könnten auch defensiv
eingeschätzt werden und wir sollten
die sowjetischen Versicherungen
akzeptieren, daß sie keine
Bedrohung

... 2 -

�für uns oder unsere Verbündeten darstellten.
Selbstverständlich
- und
dies erklärte ich den sowjetischen
Offizieren, mit denen ich sprach ••wäre kein kluger Soldat bereit, dies
zu tun.
Die Sowjetunion mag im Hinblick
auf Reformen zögernde Schritte unternehmen, aber im Umfang oder beim Einsatzkonzept ihres Militärs ist immer
noch keine nennenswerte Veränderung
zu verzeichnen.
Die "neue Doktrin"
hat weder zur Zerstörung oder Ausmusterung
eines
einzigen
Schiffes,
Flugzeuges oder Panzers geführt noch
zu einem Abzug von Truppen aus Europa
oder
Ostasien.
Die
sowjetischen
Streitkräfte sind ihrem Aufbau und
ihrer Ausrüstung nach immer noch in
der Lage, mächtige
Offensivschläge
auszuführen, um Territorium zu erobern und zu halten.

Erhaltung eines starken Amerika. Die
Reagan Administration verfolgt im Bereich der Verteidigung ein Modern!
sierungsprogramm, mit dem gewährleistet werden soll, daß wir die Fähigkeit und auch die Bereitschaft zur
Verteidigung unserer Interessen besitzen.
Genau
diese
Politik
der
Stärke hat den Weg für bessere Beziehungen zur Sowjetunion geebnet.
Das ist die Realität, die mit der
Hoffnung einhergehen muß, daß die Zukunft eine weniger bedrohliche Sowjetunion bringen wird.
Inzwischen
werden wir auf Veränderungen warten,
danach Ausschau halten - und den von
uns aufgenommenen Dialog vorantreiben.

x K x x x x
Bis jetzt; liegen also keine Hinweise dafür vor, daß die in der Sowjetunion geführte Debatte über militärische Strategie über das Stadium
von Diskussionen hinaus gediehen ist.
Dennoch besteht eine bemerkenswerte
ßere i 19 cha f t, Me i nungs versc hiedenhe iten zwischen den Vereinigten Staaten
und der Sowjetunion offen anzusprechen.
Das genügt, um mich davon zu
überzeugen, daß unsere Zusammenkünfte
fortgeführt werden können und sollen.
Gleichzeitig
ist es notwendig,
eine
realistische
Betrachtungsweise
darüber
beizubehalten,
was
dieser
Dialog
zu
leisten
vermag.
Meine
Treffen mit Herrn Jasow sind beispielsweise kein Ersatz für Verhandlungen zum Abbau strategischer oder
konventioneller
Streitkräfte.
Sie
sind vielmehr eine Möglichkeit, uns
gegenseitig persönlich unsere Ansich
ten zur Sicherheit darzulegen.
Wir müssen uns vergegenwärtigen,
daß der Fortschritt, den wir im Hinblick
auf
die
Behandlung
unserer
größten
potentiellen
Bedrohung ei—
zielt haben, auf mehr basiert als nur
auf Gesprächsbereitschaft
- er basiert auch auf unserem Entschluß zur

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;0 S&gt;.

'%r,oN

4

Hintergrundmaterial

31

31, August 198 8

EINE AUFGABE DER NEUEN ADMINISTRATION:
AN NEUE REALITSTEN

ANPASSUNG DER NATO

Von Senator William V. Roth Jr., Bill Richardson und Doug Bereuter

(AD)
(Senator William V. Roth Jr., ein Republikaner aus dem Staat
Delaware, der Abgeordnete im Repräsentantenhaus Bill Richardson, ein Demokrat
aus New Mexico und der Abgeordnete im Repräsentantenhaus Doug Bereuter, ein
Republikaner aus Nebraska, sind Mitglieder im Ausschuß zur NATO in den neunziger Jahren.
Der folgende Artikel ist ein Nachdruck einer zuerst im Christian Science
Monitor erschienenen Veröffentlichung des Philadelphia Inquirer vom 2.9. August
1988. )

Der Amisantritt der nächsten amerikanischen Administration findet zu
einer Zeit außergewöhnlicher Chancen
statt.
Begünstigt durch zahlreiche
positive Tendenzen in den Ost-WestBeziehungen und unter dem Zwang zur
Sanierung des amerikanischen Bundes
haushalts sollte sich die Administration mit ihren Verbündelen in der
NA 10 zusammensetzen, um neue transat I ant :i. sehe Vere inbarungen auszuhandeln, die beiden Entwicklungen Rechnung tragen.
Ein neues Mandat für das Bündnis
sollte den anhaltenden Bedarf &lt;m Maßnahmen zur Sicherung der Abschreckung
widerspiegeln
und
gleichzeitig die
Ausweitung
von
Zusammenarbeit
und
Dialog mit den Staaten des Warschauer
Pakts anstreben; diese beiden Prin-

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zipien sind
im Marmel-Bericht von
196/ festgeschrieben.
Das neue Mandat muß jedoch zusätzlich die Eni
sehlossenheit
widerspiegeln,
eine
wirklich europäische Säule innerhalb
des Atlantischen Bündnisses zu errichten, mit dar die Grundlage für
die schrittweise Übernahme weiterer
Verteid igungs und Führungsverantwor
tung durch die europäischen Bündnispartner geschaffen wird.
Der Plan für eine solche Verein
barung wird in einem kürzlich von
e iner transatlant i sehen
Parlamenta
riergruppe aus Demokraten und Republikanern, Nordamerikanern und Europäern, Christdemokraten und Sozialdemokraten
verabschiedeten
Sonderbe
rieht der Nordatlantischen Versammlung mit dem Titel "Die NATO in den

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�gen, und wir sollten keine grundsätzlichen Änderungen vornehmen.

neunziger Jahren" dargelegt.
Dieser
Ausschuß
hat
Präsident
Reagan seinen Bericht vorgelegt, jedoch wird die Aufgabe, dessen Empfehlungen
umzusetzen,
weitgehend
der
nächsten Administration zufallen. In
den vergangenen Monaten hat Präsident
Reagan mit seiner ausdrücklichen Unterstützung
der europäischen
Säule
innerhalb der NATO und mit den jüngsten Verbesserungen in den Ost-West
Beziehungen bereits das Fundament für
solche Bemühungen gelegt.
Die NATO stellt auch weiterhin
für die Vereinigton Staaten, Kanada
und die westeuropäischen Bündnispartner das beste Mittel dar, um die nationale Sicherheit zu garantieren und
ein stabileres Sicherheitsgefüge ohne
Bedrohung in Europa anzustreben.
Es
hat sich jedoch im amerikanisch-europäischen Verhältnis ein grundlegender
Wandel vollzogen, der sich im Anstieg
der wirtschaftlicher Stärke und dos
politischen Potentials der westeuropäischen Verbündeton niederschlägt.
Einige
amerikanische
Beobachter
haben auf diesen Wandel dergestalt
reagiert, daß
sie die Vereinigten
Staaten zu einschneidenden Kürzungen
ihrer Beiträge zur IMATO auffordern,
wobei einige von ihnen hoffen, die
Europäer so zu zwingen, diesen Ausfall
wettzumachen.
Diese
Haltung
könnte jedoch leicht den gegenteiligen
Effekt
haben.
Generalsekretär
Gorbatschows Öffentlichkeitsarbeit in
Westeuropa ist nicht ohne Wirkung ge
blieben.
Deshalb würde ein Abzug
amerikanischer Truppen - ob angedroht
oder de facto - nicht notwendigerweise zu verstärkten europäischen Vei—
teidigungsanstrengungen führen.
Andere Beobachter wiederum argumentieren nach dem bekannten Motto
"Wenn etwas nicht kaputt ist, sollte
man nicht daran herumreparieren."
Mit anderen Worten:
Die IMATO hat
über 40 Jahre lang unseren Interessen
gut gedient, zur
Aufrechterhaltung
des Friedens und Sicherung der politischen Einheit des Westens beigetra
- 2

Der Bericht über "Die IMATO in den
neunziger Jahren" fordert, die meisten Teilbereiche der gegenwärtigen
Struktur und Politik der IMATO auf
Dauer beizubehalten. Die Vereinigten
Staaten sollten eine umfangreiche militärische Präsenz
in Europa aufrechterhalten und gleichzeitig ihre
IMuklearstreitkräfte so aufbauen, daß
damit die Abschreckung
einer jeglichen Bedrohung für die Sicherheit
des Westens gewährleistet wird. Alle
Mitglieder sollten ihre Beteiligung
am Bündnis bekräftigen.
Die gegenwärtige IMATO-Strategie
und - noch
mehr - ihre Doktrin der flexiblen Reaktion, mit der Optionen zur Vertei
digung offenstehen, sollten beibehalten werden.
Aber das Bündnis muß sich auch
verändern.
Das Wetz seines Zusammenhalts wird allmählich von Unmut zerfressen:
dem amerikanischen
Unmut
darüber, daß die Vereinigten Staaten
den Löwenanteil zur Verteidigung der
IMATO zahlen und dem europäischen Unmut, daß die Vereinigten Staaten immer den Ton angeben.
Kurzfristig
wäre es einfacher,
nichts zu tun. Die Bürokratien aller
NATO-Staatan neigen ihrem Wesen nach
zu dem Ratschluß, alles seinen Gang
gehen zu lassen.
Manche der amerikanischen RegierungsVertreter fürchten, größerer Einfluß der Europäer
auf
Entscheidungen
des
Bündnisses
würde die Position der Vereinigten
Staaten innerhalb der NATO "unterminieren" .
Aber die Verfasser von "Die NATO
in den neunziger Jahren" sind davon
überzeugt, daß Veränderungen stattfinden müssen, wenn wir in Zukunft
ein starkes und tragfähiges Bündnis
zwischen Nordamerika und Westeuropa
aufrechterhalten
wollen.
Dieses
Bündnis trägt dazu bei, zwischen den
Weltmächten Frieden und Stabilität in
einem Umfang zu gewährleisten, der in
der Geschichte seinesgleichen sucht.

»

*

�reich führen.
Verbesserte Zusammen
arbeit zwischen Ost und West könnte
ebenfalls dazu
beitragen, daß die
Probleme der Dritten Welt nicht zum
Zankapfel
zwischen den
Vereinigten
Staaten und der Sowjetunion werden.
Aber ob diese Rüstungskontrollbestrebungen Erfolg zeitigen und zum Abbau
von Konflikten in der Dritten Welt
Bald nach der Amtseinführung dar
beitragen - die NATO-Verbündeten müsneuen
Administration
in Washington
soll ei n IM ATO--G i p f e 1 das E ng ag e m e n tsen sich zusammenschließen, um sicherzustellen, daß ihr Bündnis in den
für eine Politik bekräftigen, deren
neunziger Jahren denselben Erfolg hat
Leitlinie die Notwendigkeit für Vei—
wie in den ersten vier Jahrzehnton
teidigung, Dialog und Entwicklung eiseines Bestehens.
nes echten europäischen Pfeilers der
NATO bi1det. Mitg1ieder so111en sich
verpflichten, jede künftige Entscheidung der NATO im Hinblick auf dieses
Engatngent zu prüfen.
K tt K tt * K
Zur Absicherung dieser Dauerhaftigkeit müssen Veränderungen erfolgen.
Irn nächsten
Jahrzehnt sollten die
NATO-Verbündeten eine bewußte Umverteilung der Lasten und Pflichten voi—
nehmen, um für die NATO eine echte
Zwei-Säulen-Basis zu schaffen.

Wir sind ferner übereingekommen,
daß alle NATO-Länder ohne Entschädigung
die
von
den
amerikanischen
Stre i tkräf ten benötigten Stützpunkte
zur Verfügung stellen sollten und daß
nicht nur die Vereinigten Staaten,
sond e rn
alle
wohlhabe nd eren
NATOStaaten den
ärmeren Mitgliedern
Portugal, Griechenland, Türkei - Unterstützung leisten sollten.
Wir haben darüber hinaus die Einrichtung einer "Arbeitsgruppe westlicher Länder zu Fragen internationaler
Sicherheitspolitik"
empfohlen,
die einen Rahmen für Konsultationen
und die Planung für Eventualitäten
abstecken soll, um zusätzliche Ansätze zu entwickeln, wie den Herausforderungen aus bündnisfremden Gebieten
für die Sicherheit des Westens begegnet werden kann. Angesichts der formalen und politischen Beschränkungen
des Mandats der NATO sollte eine solche Gruppe von der NATO abgetrennt
sein und auch NATO-Verbündete, Japan
und
solche Demokratien
Westeuropas
Mitglieder werden können, die eine
Te i 1 nähme an st re be n.
Wenn wir Glück haben, wird die
Verbesserung der Ost-West-Beziehungen
zu weiteren soliden und verifizierbaren
RüstungskontrollVereinbarungen
für
Nuklearstreitkräfte,
chemische
Waffen und den konventionellen Be- 3

�AMERIKA DIENST
'VON

Wirtschaft

«*

31

31. August 1908

DAS WOfTPROTEKTICmSTISCHE flflERXKMtt8GHE MMDCUOCMTZ
Von Judith Hippler Bello, Ständige Beraterin des
amerikanischen Hande1sbeauftragten -

— (AD)
Im Jahr 1986 charakterisierte Präsident Reagan ein vom Reprä
sentantenhaus verabschiedetes Handelsgesetz als "Rambo, . . . Kamikaze"-Gesetzgebung.
Im August 1988 verlieh Präsident Reagan mit seiner Unterschrift dem
Allgemeinen Handels- und Wettbewerbsfähigkeitsgesetz von 1988 Gesetzeskraft.

Hatte sich der Präsident eines
anderen besonnen?
Gewiß nicht. Was
sich dramatisch vorändert hatte, war
das
Gesetz.
Die
führenden
Wirtschaftsberater des Präsidenten hätten
ihm dringend nahegelegt, gegen ein
Gesetz, wie es im Jahr 1987 von R e präsentantenhaus
oder
Senat
verabschiedet worden wäre, sein Veto einzulegen.
Mach den im Verlauf der
Mammuthandelskonferenz mit 199 Teilnehmern zu Beginn des Jahres 1988 e r folgten Veränderungen wird das Gesetz
jedoch unter dem Strich einen Beitrag
zur Öffnung ausländischer Märkte und
zur Liberalisierung des Handels leisten und darüber hinaus die multilateralen Handelsgespräche fördern. Es
ist kein protektionistisches
Gesetz
mehr, das eine "Festung Amerika" zur
Folge hat.

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Das Gesetz erneuert das Engagement
der Vereinigten Staaten für die
multilateralen Handelsgespräche
Was leisten die den Handel betreffenden Verfügungen des Gesetzes?
Ihr Herzstück bildet die Ermächtigung
des amerikanischen Kongresses zur beschleunigten Überprüfung der vom Präsidenten und seinen Mitarbeitern a u s g e ha nd e 11 e n
Ha nd e 1 s v e r e i n ba r u ng e n,
wobei weitere Abänderungen nicht zulässig sind.
Diese Ermächtigung zu
schnellem
Handeln
symbolisiert das
Engagement
dar
Vereinigten
Staaten
für die Liberalisierung des Handels
durch multilaterale Verhandlungen und
wird die zur Halbzeit der Verhandlungen der Uruguay Runde im Dezember in
Montreal fällige Überprüfung fördern.
Die wichtigsten den Handel betreffen

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�den Verfügungen des Gesetzes werden
demnach das G A U und das internationale Handelssystem stärken, anstatt
es zu untergraben.
In diesem Licht
betrachtet, erhält und erneuert das
Gesetz das amerikanische
Engagement
für die Liberalisierung des W e l t h a n dels und das Streben nach zügigen und
konstruktiven Lösungen von Handelsproblemen und dadurch hervorgerufenen
Spannungen.

Gegensatz
zu
zahlreichen
früheren
Versionen ist das G e s e t z d e s h a l b b e merkenswert, weil es keinerlei dem
G A L T zuwiderlaufende Zusätze zu den
Antidumping- und Ausgleichszollgesetzen enthält.
Zum Beispiel fehlen in
dem
Gesetz
frühere
vom
Reprä
sentantenhaus
verabschiedete
Verfügungen, die folgendes vorgesehen hätten:
- erhöhte Strafzahlungen für
derholungsfälle von Dumping,

Wie

Das G e s e t z verwirklicht andere V e r -

alnbftr.Mnatn xur Liberal i»iarunci da»

- ein Klagerecht für Privatpersonen
und -Institutionen
vor
amerikanischen Gerichten sowie a d m i n i strative Verfahren g e g e n das D u m ping sowie

Handais

Andere Verfügungen spiegeln das
amerikanische Engagement für das mult i 1 a t e ra 1. e H a nd a 1 s s y s t a m wider.
1. u m
Beispiel vorleiht das Gesetz d e r Exe
- die Einbeziehung des sog. "Down
kutive die Vollmacht, das N a i r o b i stream"-Dumping, so d a ß weitere
Protokoll d e r Konvention von Florenz
Fertigwaren nur d e s h a l b den A n t i umzusetzen, das Importen für die Bedumping-Zöllen
unterworfen
würreiche Bildung, Wissenschaft und Kulden,
weil sie zu Dumpingpreisen
tur Zollfreiheit gewährt.
Es vei—
verkaufte Komponenten enthalten.
wirklicht
das
harmonisierte
Tarifschema, mit dem der Handel dadurch
Auf
Drängen
der
Administration
erleichtert wird, d a ß es Im- und Exlehnte die Handelskonferenz auch eine
porteuren
aller
beteiligten
Länder
vom Senat verabschiedete
Vorschrift
die Benutzung d e r gleichen "Sprache"
ab,
mit d e r d i e W a h r s c h e i n l i c h k e i t
für
Zo 1 lange legenhe i tan
gestattet.
von Antidumpingzöllen in den Fällen
Es gewährt die Vollmacht für das Inerheblich erhöht worden w ä r e , in de
ternationale Kaffeeabkommen und r e d u nen ein ausländisches Unternehmen in
ziert bestimmte amerikanische Zölle,
den Vereinigten Staaten durch eine
um ein mit der Europäischen G e m e i n Filiale oder eine anderweitig mit ihm
schaft
geschlossenes
Abkommen
zur
verbundene Firma Handel treibt.
TatBeilegung
langwieriger
Auseinandersächlich
sind
d:i.e Anti.dumping - und
setzungen über diskriminierende
EGAusgleichszölle betreffenden
Zusätze
Zölle auf Zitrusfrüchte d u r c h z u f ü h von
allen
Experten
allgemein
als
ren.
(Ein GATT-Ausschuß hatte e n t "sauberstes" Paket solcher Zusätze in
schieden, daß die Praktiken der EG
Jahrzehnten bezeichnet worden.
nicht mit dem GATT in Einklang stünden, aber die EG blockierte die V e r Desgleichen wurde eine Vielzahl
abschiedung des Berichts durch den
von
Repräsentantenhaus
oder
Senat
(oder
von beiden z u s a m m e n )
verabGAIT Rat.)
schiedeter störender Verfügungen e i n fach fallengelassen.
Aus dem Gesetz
gestrichen
wurden:
Dar Kongreß verwarf eine Vielzahl zu
beanstandender Verfügungen
- Quoten
für
Importe
von
Lammfleisch und Drahtzaunelementen,
Ebenso wie durch seinen Inhalt
spiegelt
das Gesetz
amerikanisches
Engagement
für
das
internationale
- eine umfassende Erweiterung
der
Handelssystem auch durch das w i d e r ,
Zollrückvergütungs Verfügungen
was nicht in ihm enthalten ist. Im
bei Zucker,
2 -

�- besondere
Handelsbeschränkungen
für Länder, die als Unterstützer
des
internationalen
Terrorismus
gekennzeichnet sind,
die Verfügung zur Abschaffung der
Meistbegünstigung
für
Produkte
aus Rumänien und Angola,
und so weiter.
Das Ausmaß, in dem
von
der
Administration
abgelehnte
Verfügungen
nicht nur beschnitten,
sondern
komplett
verworfen wurden,
war benie rk en swert.
Einige Skeptiker äußern sich jedoch immer noch besorgt über die im
Gesetz verbliebenen, den Handel betreffenden Verfügungen, gleichgültig,
wie viel schlechter es gewesen wäre,
wenn diese vielen Streichungen nicht
stattgefunden hätten.
Um auf dieses
verbleibende
Anliegen
einzugehen,
sollte man zunächst eine Überprüfung
der Errungenschaften dieses Gesetzes
abgesehen von der Wiederbelebung
der amerikanischen Beteiligung an und
des amerikanischen Engagements
für
die multilateralen Handelsgespräche ••vornehmen.

Die durch dieses Gesetz vorgenommenen Änderungen in Abschnitt 301
werden keine Handelskriege auslösen
Sicherlich wird durch das Gesetz
Abschnitt 301, das wichtigste Gegenmittel der Vereinigten Staaten gegen
unfaire ausländische Handelsschranken
für amerikanische Investitionen oder
Exporte von Waren und Dienstleistungen sowie gegen den unzureichenden
oder unwirksamen Schutz geistigen Eigentums, abgeändert.
Die meisten Änderungszusätze
werden die Art und
Weise, in der diese Gegenmittel bis
1985 angewendet wurden, jedoch nicht
grundlegend verändern.
Die
dem
Händelsbeauftragen
im
Rahmen des Gesetzes verliehenen Befugnissse 1. zu entscheiden, ob bestimmte Praktiken einer ausländischen
Regierung unfair sind und 2. Maßnahmen als Reaktion darauf zu ergreifen
- 3

(gegebenenfalls vorbehaltlich spezifischer Richtlinien des Präsidenten)
werden
höchstwahrscheinlich
in bestimmten Fällen kein anderes Ergebnis
zeitigen.
Die Hauptverantwortung bei
der Formulierung von Empfehlungen an
den Präsidenten oblag schon in der
Vergangenheit dem Handelsbeauftragten
und er hat dazu alle interessierten
Behörden
konsultiert.
Da er
vom
Wohlwollen des Präsidenten abhängt,
ist es höchst unwahrscheinlich, daß
er Maßnahmen verabschiedet, die dem
Präsidenten nicht genehm sind.
Ferner hat der Präsident eindeutig das
verfassungsmäßige Recht, allen Verwaltungsbeamten Weisungen zu erteilen.
Und da im Bereich des Handels
vielfältige Interessen zusammenlaufen
und
zahlreichen Behörden
beteiligt
sind,
wird
der
Handelsbeauftragte
weiterhin den
Rat dieser Behörden
einholen
und
berücksichtigen.
Aus
diesen Gründen ist es unwahrscheinlich, daß sich die Grundsatzentscheidungen ÜQr unter Abschnitt 301 genannten Fälle als Folge der neuen gesetzlichen Befugnisse des Handelsbeauftragten verändern werden.
In ÖQr geänderten Version von Ab
schnitt 301 ist der Handelsbeauftragte zum ersten Mal verpflichtet (gegebenenfalls vorbehaltlich spezifischer
Richtlinien des Präsidenten), als Reaktion auf Verletzungen von Handelsabkommen durch eine ausländische Regierung Maßnahmen zu ergreifen. Abschnitt 301 sieht jedoch zahlreiche
Ausnahmen dieses begrenzten Mandats
vor, so daß in folgenden Fällen keine
Maßnahmen in die Wege geleitet werden:
- Das allgemeine Zoll- und Handelsabkommen
GATT - (oder andere
entsprechende internationale Organisationen
im Rahmen
anderer
Handelsabkommen) beschließt, daß
die fragliche Handelspraxis der
ausländischen
Regierung
nicht
unfair ist;
- die ausländische Regierung verab
schiedet zufriedenstellende Maßnahmen, um den Vereinigten Staaten im Rahmen eines Händelsabkom

�mens die ihnen zustehenden Rechte
zu gewähren;
- die ausländische Regierung ei—
klärt sich zur Beendigung oder
schrittweisen
Einstellung
der
Handlungen bereit; die Anlaß zur
Beschwerde gegeben haben oder zu
einer
unverzüglichen
Aufhebung
der Belastung oder Beschränkung
des amerikanischen Handels;
- die ausländische Regierung bietet
den Vereinigten Staaten hinreichende Entschädigung an oder
- der Handel»beauftragte gelangt in
Ausnahmefällen zu der Schlußfolgerung, daß die Gegenmaßnahmen
nachteilige Auswirkungen auf die
amerikanische
Wirtschaft
haben
würden, die in keinem Verhältnis
zum Mutzen solcher Schritte stehen würden.
Dabei müssen auch
die
Auswirkungen
unterlassener
Maßnahmen auf die Glaubwürdigkeit
des in Abschnitt 301 beschriebenen Programms in Betracht gezogen
werden.
Zu diesem Mandat sind einige entscheidende Beobachtungen anzustellen.
Erstens findet es nur dann Anwendung,
wenn eine ausländische Regierung ein
Abkommen vorletzt hat und nicht,
wenn die Vereinigten Staaten ausländische Praktiken einseitig als unvernünftig oder diskriminierend erachten.
Zweitens sehen die genannten
Ausnahmen einen ausreichenden Ermessensspielraum \ior, um im Ergebnis eine Handelsliberalisierung zu gewährleistenen und unnötige Handelskriege
zu vermeiden. Drittens ist dar Handel sbeauftragte im Rahmen des Gesetzes befugt, sich bei jedem in Betracht kommenden Handelsabkommen auf
die formellen Bestimmungen zur Beilegung einer Kontroverse zu berufen.
Dieser Rückgriff auf internationales
Vorgehen bei der Beilegung von Kontroversen gewährleistet, daß die Vei—
einigten Staaten eher eine einheitliche Interpretation des Begriffs unfair anstreben als einseitig eine
solche Entscheidung zu treffen.

Zusammenfassend
ist das Gesetz
schlicht eine Erweiterung der bisher
unter Abschnitt 301 angewandten Praxis.
Handelspartner haben keinen
vernünftigen Grund zu der Annahme,
internationale Handelsabkommen ungestraft verletzen zu können.
Solch
unverantwortliches Verhalten, das dem
GATT und dem internationalen Handelssystem abträglich ist und den internationalen Bestrebungen zur Beilegung
von Kontroversen zuwiderläuft, untei—
ruiniert das GATE und seine Bestrebungen zur Liberalisierung des Handels
und kann somit nicht toleriert werden.
Eine weitere Neuerung
in Abschnitt
301
ist die
zusätzliche
Sprachregelung bezüglich der Verweigerung
international
anerkannter
Rechte der Arbeitnehmer, gezielter
Exportoffensiven sowie staatlich ge
duldeter
privater Aktivitäten zur
Wettbewerbsbeschränkung.
Abschnitt
301 war jedoch bereits umfassend genug ausgelegt, um unfaire Handelspraktiken einer Regierung abzudecken,
einschließlich
der
obengenannten,
wenn sie die in Abschnitt 301 festgelegten Kriterien erfüllten. In der
neuen Version macht Abschnitt 301
auch in keinem dieser Eälle Maßnahmen
zwingend erforderlich. Wie unter dem
vorherigen Gesetz ist der Handelsbeauftragte befugt, aber nicht verpflichtet, Maßnahmen als Reaktion auf
"unzumutbare" oder "diskriminierende"
ausländische Praktiken zu ergreifen
(aber selbst dann findet die Befugnis
nur dann Anwendung, wenn diese Praktiken eine Belastung oder Einschränkung des amerikanischen Handels darstellen) .
Dem sogenannten "Super 301-Zusatzartikel", der den Handelsbeauftragten
im Wesentlichen
nur vei—
pflichtet, in den Jahren 1989 und
1990 jeweils eine nicht näher definierte Anzahl von Überprüfungen von
Abschnitt 301 vorzunehmen, wurde unverhältnismäßig viel Aufmerksamkeit
gewidmet. Abschnitt 301 schreibt weder
zwingende
Vergeltungsmaßnahmen
oder verkürzte Fristen vor, noch werden öffentliche Beschuldigungen aus-

�gesprochen.
Der
Handelsbeauftragte
wird nur aufgefordert, in den Jahren
1989 und 1990 die an erster Stelle
für eine Liberalisierung des Handels
stehenden Praktiken und Länder zu be
nennen und diese Praktiken zu überprüfen.
Die im Zusammenhang mit Abschnitt
301 stehenden Zusatzartikel über eine
beschleunigte Überprüfung der geistiges Eigentum betreffenden Praktiken
sind etwas präziser formuliert.
Sie
fordern den Handelsbeauftragten auf,
die "an erster Stelle stehenden" Länder in Übersee zu benennen, die angemessenen Schutz oder Marktzugang für
das Recht an geistigem Eigentum \/ei—
wehren.
Ferner muß er diese Praktiken im Rahmen von Abschnitt 301 überprüfen,
jedoch
in einem
kürzeren
Zeitraum (nur sechs Monate).
Unter
bestimmten Umständen ist eine Verlängerung dieser Frist jedoch möglich,
und für solche Länder sind Ausnahmen
vorgesehen, die in gutem Glauben Verhandlungen
aufgenommen
haben
oder
Fortschritte bei Verhandlungen über
angemessenen und wirksamen Schutz der
Rechte an geistigem Eigentum erzielen.
Darüber hinaus kann der Handels beauftragte der Liste neue Länder
hinzufügen und aufgrund veränderter
Gegebenheiten vorher genannte Länder
streichen.
Folglich gewährt das Ge
setz ausreichende
Flexibilität, um
die
gesetzmäßige
Durchführung
dar
Verfügungen sicherzustellen.

Das Gesetz sieht Verhandlungen über
eine Liberalisierung des Handels mit
Produkten und Dienstleistungen im
Telekommunikationssektor vor

nicht,
ihn mit
protektionistisehen
Maßnahmen zu belegen. Mit ihm sollen
eher gegenwärtig geschlossene Märkte
geöffnet
als
bereits
zugängliche
Märkte geschlossen werden.
Wie bei
Abschnitt 301 besteht auch das Konzept des Titels über Telekommunika
tion darin, die Möglichkeiten und
Aussichten für erfolgreiche Verhandlungen zu erhöhen, mit denen der Handel verbessert und erleichtert werden
kann.
Im Grunde wird damit der Hände 1sbeauftragte
zunächst
aufgefordert, Länder nach ihrer Priorität zu
benennen - wobei er sich bei veränderten Umständen anders entscheiden
und Zusätze und Streichungen auf der
Liste dieser Länder vornehmen kann.
Zweitens muß er für jedes dieser Länder Zielsetzungen für Verhandlungen
zur Liberalisierung des Handels festlegen und dabei die im Gesetz vorgesehenen umfassenden Rahmen-Leit1i nien
sowie eine Auswahlliste detaillierterer
Zielsetzungen
berücksichtigen.
Im Falle schließlich, daß die Administration kein befriedigendes Abkommen
zur besseren Durchführung eines liberaleren Handels erzielen kann, muß
der Präsident "Maßnahmen ergreifen,
die ... angemessen sind und mit denen
dies e
a1lgemei nen Ve rhand1ungszie le
höchstwahrscheinlich
am besten erreicht werden können."
Wer könnte
berechtigte Beschwerden über eine gesetzliche Direktive vorbringen, mit
deren Hilfe der Präsident angemessene
Maßnahmen ergreifen kann, die höchstwahrscheinlich der Verwirklichung des
Ziels von Verhandlungen zur Liberalisierung des Handels dienen werden?

Insgesamt sind die Zusatzartikel
zu Abschnitt 301 und dem Kapitel Telekommunikation
des Gesetzes
weder
Die Verfügungen des Gesetzes zum
radikal noch drakonisch.
Sie wären
Tele kommuni k at i o ns be re i c h s i nd gele-richtig beschrieben, wenn man aus
gentlich als angeblich protektionist führte, daß sie nicht mehr tun, als
ische, bestimmten Interessen dienende
unter künftigen Administrationen eine
Gesetzgebung kritisiert worden. Dies
Politik fortzuführen, wie sie dem in
ist jedoch schlicht und einfach unAbschnitt 301 beschriebenen Programm
richtig.
Der Titel Telekommunikation
zufolge seit 1980 durchgeführt wurde.
des Gesetzes zielt darauf ab, den inEs wird vielfach behauptet, daß das
ternationalen
Handel
mit Produkten
in Abschnitt 301 beschriebene Pround Dienstleistungen im Telekommunigramm allzu oft die Zuflucht zu ein
kationssektor zu liberalisieren und
seitigen Maßnahmen bedeutet hat. Un-

�sere Antwort darauf lautet, daß es
(ITC) der Vereinigten Staaten befinLänder gibt, die ihre internationalen
det, daß höhere Importe eine wichtige
Verpflichtungen ignorieren, damit unUrsache ernstlicher Schädigung sind.
klugerweise unsere Bestrebungen zur
Und selbst wenn die ITC eine solche
Beilegung
\/on Streitigkeiten gemäß
Schädigung feststellt, muß der Präsiden
i n t e rnati o na1e n
Handeis ab k ommen dent keine Entlastung gewähren, wenn
blockieren und den Handel eher behiner der Ansicht ist, daß solche Maßdern als fördern. Natürlich ist die
nahmen nicht im Interesse der natioReagan-Administration nicht \/or dem
nalen Wirtschaft liegen. Damit bleiGebrauch
einseitiger Maßnahmen
zuben die grundlegenden Parameter dierückgeschreckt, wenn dies als Reakses Gegenmittels unverändert bestehen.
tion auf anhaltende, unfaire ausländische Handelspraktiken erforderlich
Der Gegenstand einiger Zusatzarwar.
Aber in den meisten Fällen hat
tikel zu Abschnitt 2.01 ist dennoch
die
Reagan Administration
bei Hanvon Bedeutung, weil hier hervorgehodelsabkommen
unterliegenden
Angeleben wird, daß die Verfügungen des Abgenheiten weiterhin dem GATT Verfahschnitts 2.01 darauf abzielen, ameriren für die Beilegung von Streitigkanische Hersteller gegenüber der Im
keiten den Vorzug gegeben, und bei
portkonkurrenz
anpassungsfähiger
zu
anderen
Angelegenhe iten
bilaterale,
machen.
Es ist nicht erforderlich,
für beide Seiten befriedigende Lösundaß die Antragsteller Pläne zur Angen vorgezogen. Einseitige Maßnahmen
passung vorlegen oder einzelne Unterder Vereinigten Staaten verdienen wenehmen
Verpflichtungen
für
Anpasgen ihres vergleichsweise seltenenen
sungspläne eingehen.
Und als wichVorkommens besondere Erwähnung.
tigster Punkt gilt, daß keine Regierungsbearnten den betroffenen
Industriezweigen
oder Unternehmen vorschreiben, wie sie sich an die ImDas Gasatz führt die Praxis in bezug
portkonkurrenz
anpassen sollen. Aber
auf Rücktrittsklauseln fort und
entsprechende
Pläne
können vorgelegt
verändert sie nicht wesentlich.
und Verpflichtungen eingegangen werden, und die ITC muß diese Informa
Abschnitt 201 ist das Hilfsmittel
im Handel, mit dessen Hilfe die Vertionen berücksichtigen, wenn sie Emeinigten Staaten ihre Rechte gemäß
pfehlungen über Entlastungsmaßnahrnen
Artikel XIX des GATT zur vorübergeformuliert (wenn sie entsprechenden
henden Einschränkung steigender ImSchaden für die amerikanische Induporte, die der amerikanischen Industrie feststellt).
Die ITC muß solstrie Schaden zufügen, ausüben.
Arche Maßnahmen empfehlen, die nicht
tikel XIX unterstreicht dieses Recht,
nur auf die Schädigung eingehen, sonlegt aber eine damit einhergehende
dern auch wirkungsvoll die positive
Verpflichtung fest: betroffene HanAnpassung der heimischen Industrie an
delspartner müssen für diesen vordie
Importkonkurrenz
fördern.
In
übergehenden "Rücktritt" von den norähnlicher Weise muß der Präsident die
M 1 e n V e r p f 1 i c h t u ng e n, wie s i e im
Bestrebungen der Industrie zur AnpasG AIT e i ng eg a ng e n wu rd e n, e nt s c häd i g tsung berücksichtigen
(einschließlich
werden.
der Anpassungspläne oder Verpflichtungen, die der ITC vorgelegt wurden).
Abschnitt 201 war - in der Vergangenheit - und ist - in Gegenwart
und Zukunft das Mittel zur Ausübung
Das Gesetz ist von ftntidumpinq- und
dieses Rechts und Verwirklichung dieAusglaichszöllan "gereinigt"
ser Verpflichtung.
Die Zusatzartikel
von 1988 bedeuten keine erhebliche
Es wurde bereits erwähnt, daß die
Veränderung:
eine Befreiung kann vom
Zusatzartikel
des Gesetzes zu den
grundsätzlichen Bestimmungen über AnPräsidenten nur gewährt werden, wenn
tidumping- und
Ausgleichszölle
werdie Internationale HändeIskommission

�gleichsweise gemäßigten Charakter haben.
Der vielleicht interessanteste
Zusatzartikel verbessert die Befugnis
des Handelsministeriums (nach Berück
sichtigung der Empfehlungen des ITC)
im Hinblick auf die Umgehung von Verfügungen über Antidumping- oder Aus
gleichszölle durch geringfügige Veränderungen der betroffenen Waren oder
durch deren Endmontage in den Vereinigten Staaten oder Drittländern.
Diese Verfügungsgewalt bei einer Umgehung bezieht sich jedoch nur auf
Produkte derselben Warenkategorie wie
das bereits den Gesetzen über Antidumpingoder Ausgleichszölle unter
liegende Produkt.
Diese Veränderung
ist im Vergleich zu den bei spielswei
se gerade verfügten und durchgefühi—
ten Antidumping-Praktiken der Euro
päisehen Gemeinschaft
ziemlich zurückhaltend .

des Handeln eher fördert als aus höhlt.
Aus diesen Gründen sollten
die über das Gesetz: besorgten Handelspartner mit ihrem Urteil bis zu
dessen endgültiger Anwendung warten,

* * * * *

Zusammenfassung
Die Bestimmungen des Allgemeinen
I lande 1 s - und We11bewerbs f äh igke itsge••setzes haben die Öffnung und Libera
lisierung des Handels zum Ziel, nicht
den Schutz amerikanischer Unternehmen
oder Arbeitnehmer oder die Schließung
des amerikanischen Marktes.
Durch
die Verfahrensweisen wird der Druck
auf den Präsidenten und insbesondere
auf den Handelsbeauftragten erhöht,
um die gewünschte und wünschenswerte
Liberalisierung im Handel zu erreichen.
Aber dadurch werden keinesfalls internationale Verpflichtungen
der Vereinigten Staaten verletzt oder
etwa die Administration zu einem protektionistischen Kurs gezwungen.
Es
liefert dar Exekutive Werkzeuge zur
Liberalisierung des Handels und befugt sie zur Entscheidung im Einzelfall.
Sicherlich
könnte
das
Gesetz
von einer künftigen Administration in
protektionistischem Sinne angewendet
werden.
Aber das trifft auch für
frühere Gesetze zu, und es gilt gleichermaßen, daß das Gesetz auf eine
Weise durchgeführt werden kann, die
eine
mu11 ilatera1e
Li be ra1i s i e ru ng
7 ....

K

�^osr&lt;

VON

AMERIKA DIENST
*

Wissenschaft und Technik

3i

31. August 1988

ERFOLGREICHE BREHMTESTS PUT DISOWERY-rfWTRlEßSmröfi'ElI*
Veränderte Haupttriebwerke und Zusatzraketen erprobt •

MASHINGTON - (AD) - Zwar ist die Auswertung des letzten Brenntests der
Feststoff-Zusatzraketen für den Raumtransporter DISCOVERY vom 18. August 1988
noch nicht beendet. Dennoch spricht alles dafür, daß der Versuch auf dem Gelände der Herstellerfirma Morton T'hiokol (Utah) ebenso erfolgreich verlief wie
der 22 Sekunden lange Brenntest dar drei Orbiter -Haupttriebwerke vom 10. August im Kennedy- Raumfahrtzentrum (Kap Canaveral). Die größten Hürden für den
Start der Raumfähre, der nunmehr für Ende September oder Anfang Oktober vorgesehen ist, wären damit überwunden.

Von technischen Veränderungen an
den Antriebseinheiten gegenüber den
Versionen, die bis zum CHAL IE IMGER Unglück am 28. Januar 1986 benutzt wurden, erwartet man mehr Sicherheit für
die
Astronauten.
So besitzen die
beiden Feststoffraketen, die zusammen
mit den drei mit Flüssigtreibstoff
arbeitenden Hauptmotoren den Transport in die Erdumlaufbahn ermöglichen, jetzt u.a. jeweils drei statt
zwei Dichtungsringe, eine verstärkte
Isolierung und einen zusätzlichen Metallring als Schutzvorrichtung zwischen ihren Segmenten.
Die Zerstörung einer Dichtung an einem der unteren Segmente war die Ursache dafür,
daß heiße Gase austreten und die Wandung
des großen
Flüssigtreibstofftanks durchschmelzen konnten, was zur
Explosion und zum Absturz des Orbiter

United States Information Service
Embassy of the United States of America

CHAlLENGER mit sieben Astronauten an
Bord führte. In den zweieinhalb Jahren wurden so viele Veränderungen am
Shuttle-System vorgenommen, daß die
DISCOVERY heute als neues experimentelles Fluggerät betrachtet wird.
Die zwei 38 Meter hohen Feststoffraketen sind zu beiden Seiten
des riesigen Außentanks angebracht,
der den
flüssigen Wasserstoff und
Sauerstoff für die Haupttriebewerke
des Orbiter aufnimmt.
Beim tatsächlichen Start brennen sie, mit je 500
Tonnen
festem
Treibstoff
gefüllt,
zwei Minuten lang und werden dann abgeworfen.
Für weitere sechs Minuten
übernehmen die drei Haupttriebwerke
allein den Transport bis zum Eintritt
des Fluggeräts in die Erdumlaufbahn.
Beim bevorstehenden DISCOVERY-Flug -

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�von der NASA als "Mission 26" bezeichnet - werden sich fünf Astronauten vier Tage im Weltraum aufhalten.
Als Nutzlast wird ein tonnenschwerer
TORS-Satellit
(Tracking
and
Data
Relay Satellite
Satellit zur Beobachtung
und
Datenübermittlung) mit
seinem Antriebss'ystern an Bord genommen, das ihn nach dem Absetzen im Orbit zu seinem "Stationierungsplatz"
in 36 000 km Höhe weiterbefördert.

tt * tt tt K *

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Das sowjetische Militär: offene Worte aber keine Taten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Frank C. Carlucci&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Eine Aufgabe der neuen Administration: Anpassung der NATO an neue Realitäten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Sen. William V. Roth Jr., Bill Richardson und Doug Bereuter&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;&lt;strong&gt;2. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Das nichtprotektionistische amerikanische Handelsgesetz&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Judith Hippler Bello, Ständige Beraterin des amerikanischen Handelsbeauftragten&amp;nbsp;&lt;/em&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Erfolgreiche Brenntests mit DISCOVERY-Antriebsmotoren&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Veränderte Haupttriebwerke und Zusatzraketen erprobt&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>amcrika
dienet

Herausgeber: U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

Z12462 C

31. August 1994

34

VERBRECHENSBEKÄMPFUNG

KONGRESS NIMMT GESETZ ZUR
VERBRECHENSBEKÄMPFUNG AN
Verbot bestimmer Typen von Schußwaffen

BEVÖLKERUNG

GORE: MASSNAHMEN ZUR EINDÄMMUNG
DES BEVÖLKERUNGSWACHSTUMS DER
LÄNDER
Reaktion auf Kritik des Vatikans

FAST ALLE LÄNDER SEHEN NOTWENDIGKEIT
ZUR EINDÄMMUNG DES
BEVÖLKERUNGSWACHSTUMS
Erklärung des Vizepräsidenten

NGOs KOMMT ENTSCHEIDENDE ROLLE BEI
KAIROER KONFERENZ ZU
Mehr Entscheidungsbefugnis für Frauen

VIEL ÜBEREINSTIMMUNG ZU
BEVÖLKERUNGSPOLITIK
Auszüge aus Pressekonferenz
mit USAID-Vertretern

UMWELT

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

NÄCHSTE SCHRITTE BEI GLOBALER
KLIMAVERÄNDERUNG - DIE SICHT DER
VEREINIGTEN STAATEN
Rede von Timothy Wirth

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn

Tel.:0228-339 23 72
Fax:0228-33 41 02

�VERBRECHENSBEKÄMPFUNG
31. August 1994

KONGRESS NIMMT GESETZ ZUR
VERBRECHENSBEKÄMPFUNG AN
Verbot bestimmter Typen von Schußwaffen
WASHINGTON - (AD) - Nach den härtesten Kontroversen seit Jahren nahm der Senat ein umfassendes
Gesetz zur Verbrechensbekämpfung an, das den
Verkauf und Besitz von 19 verschiedenen Schußwaffenarten verbietet. Der Gesetzentwurf wird durch die
Unterschrift Präsident Clintons Gesetzeskraft erlangen.
Die am 25. August angenommene Kompromißlösung
sieht 30,2 Milliarden Dollar für Initiativen zur Verbrechensbekämpfung vor, einschließlich 23,3 Milliarden für die Strafverfolgung und Unterstützung
staatlicher Gefängnisse sowie 6,9 Milliarden für
Programme zur Vorbeugung von Verbrechen. Die
Gesetzesvorlage umfaßt strenge Meldevorschriften
für verurteilte Sexualtäter und informiert die Gemeinde, in der sie sich nach ihrer Freilassung
niederlassen.
Dem Gesetzesvorschlag zufolge soll gegen Straftäter, die drei Schwerverbrechen begangen haben,
eine lebenslange Gefängnisstrafe verhängt werden,
60 Straftaten können zur Verhängung der Todesstrafe führen und die nationale sowie bundesstaatliche Polizei erhält Finanzmittel, um 100.000 zusätzliche Streifenbeamte einzustellen.
Der Annahme des Gesetzentwurfs, der den Kern der
innenpolitischen Tagesordnung der Clinton-Administration darstellt, gingen ernsthafte Debatten voraus.
Anfang August scheiterte der Entwurf beinahe
aufgrund eines verfahrensrechtlichen Schrittes im
Repräsentantenhaus, anschließend wegen ähnlicher
Aktionen im Senat. Nur die Überzeugungsarbeit des
Präsidenten und führender Kongreßabgeordneter
führten zur Verabschiedung des Entwurfs.
Der mit 61 zu 38 Stimmen angenommene Gesetzesvorschlag sieht Gelder für eine Vielzahl von Strategien zur Verbrechensbekämpfung im Laufe der
nächsten sechs Jahre vor. Die Finanzmittel gehen
in einen Fonds für die Bekämpfung schwerer Ver-

AMERIKA DIENST 34

brechen und stammen aus der Abschaffung von
272.000 Arbeitsplätzen im Bereich der Bundesregierung.
Über einen Zeitraum von 10 Jahren sind Herstellung
und Besitz von 19 spezifischen Waffenarten verboten.
Ungefähr 650 bereits in privatem Besitz befindliche
Typen von Sportgewehren und halbautomatischen
Waffen sind von diesem Verbot ausgenommen.
Ferner fallen Munition und Halterung für solche
Waffen unter das Verbot. Die Regierung muß jedoch
nachweisen, daß sie nach Inkrafttreten des Gesetzes
erworben wurden.
Die halbautomatische Waffen betreffenden Bestimmungen des Gesetzes führten zu heftigem Widerstand unter Waffenherstellern und privaten Vereinigungen von Waffenbesitzern. Sie waren verantwortlich für Druck von Seiten der Wählerschaft,
Auseinandersetzungen unter den Gesetzgebern und
Verzögerungen bei der Annahme des Gesetzes.
Die Gesetzesvorlage sieht 13,5 Milliarden Dollar für
den Gesetzesvollzug vor, 10,8 Milliarden davon für
die Bundesstaaten und Gemeinden. Von dieser
Summe sind 8,8 Milliarden Dollar für die Einstellung
von 100.000 zusätzlichen Polizisten vorgesehen,
wodurch deren Zahl um 20 Prozent erhöht wird.
Von den für die Gefängnisse vorgesehenen 9,9
Milliarden Dollar gehen 2 Milliarden an die Gefängnisse der Bundesregierung und 7,9 Milliarden Dollar
an die der Bundesstaaten. Die Hälfte der für die
Bundesstaaten vorgesehenen Gelder werden denjenigen zugewiesen, die strenge Gesetze für "wirkliche
Verurteilungen" verabschieden, durch die Wiederholungstäter gezwungen werden, mindestens 85 Prozent ihrer Strafe zu verbüßen.
Zur Bekämpfung von Jugendkriminalität sieht das
Gesetz Zweckzuweisungen in Höhe von 380 Millionen Dollar zur Bekämpfung von Verbrechen durch die

Seite 1

�I
Gemeinden vor, die existierende Programme zur
Verbrechensbekämpfung ersetzen. Die Gemeinden
können die Gelder für eine Vielzahl von Aktivitäten
verwenden. Die Finanzmittel werden auf der Grundlage der Verbrechensrate jedes Bundesstaates
vergeben.
Personen, die wegen Kindesmißbrauch verurteilt
wurden sowie Sexualverbrecher müssen während
ihrer Bewährungszeit ihre Anschrift bei den Stafverfolgungsbehörden ihres Bundesstaates hinterlegen.
Aus dem Gefängnis entlassene Wiederholungssexualtäter, die unter einer geistigen Behinderung
leiden, welche eine Wiederholung der Tat wahrscheinlich macht, müssen lebenslang ihre Anschrift
hinterlassen und ihre Meldung jedes Vierteljahr auf
den neuesten Stand bringen. Die bundesstaatliche
Polizei darf die örtlichen Behörden über die Anwesenheit solcher Straftäter informieren.
Das Gesetz gestattet die Verwendung von Beweismitteln früherer sexueller Straftaten bei staatlichen
Verfahren gegen Sexualverbrecher. Diese Bestimmung tritt 10 Monate nach Erlaß des Gesetzes in
Kraft.
Bei Vergewaltigungsprozessen ist auf Ersuchen des
Opfers eine Untersuchung des Angeklagten auf das
HI-Virus erforderlich. Die Testergebnisse werden
nur dem Opfer, dem Angeklagten und anderen, vom
Gericht dazu berechtigten Personen mitgeteilt. Das
Opfer darf den Befund nur Ärzten, Rechtsanwälten,
Familienmitgliedern und Sexualpartnern mitteilen.
Die Gesetzesvorlage stellt eine Novellierung der
kürzlich erlassenen Bestimmungen über vorgeschriebene Gefängnisstrafen für Drogentäter dar. Personen, die wegen des Besitzes von Drogen eine
solche Strafe verbüßen, können nach zwei Jahren
entlassen werden. Diese Sonderbestimmung gilt nur
für Straftäter, die eine Bescheinigung des Staatsanwalts besitzen, vom Gericht ausersehen wurden
und bestimmte Kriterien erfüllen, darunter den
Schluß, eine lange Gefängnisstrafe würde einen

mung gezeigtes unerschütterliches Engagement für
die öffentliche Sicherheit", erklärte Cheryl Brolin,
Sprecherin von Handgun Control Incorporated, einer
führenden Organisation zur Förderung von Schußwaffenkontrolle, in einem Interview.
"Das amerikanische Volk wird die Ergebnisse dieses
Gesetzes zur Verbrechensbekämpfung sehen, wenn
es weniger Schußwaffen auf den Straßen gibt", stellte
Brolin fest. "Die im Kongreß geführte Schlacht zeigte
das wahre Gesicht der Vereinigung der amerikanischen Waffenbesitzer (National Rifle Association NRA)", fügte sie hinzu. Die mächtige NRA, die sich
einer Kontrolle von Schußwaffen widersetzt, hatte
eine entschiedene Lobby gegen das Schußwaffenverbot gebildet. Brolin bezeichnete den Mißerfolg dieser
Organisation beim Gesetz zur Verbrechensbekämpfung sowie eine frühere Niederlage im Zusammenhang mit der versuchten Niederschlagung des
sogenannten Brady-Gesetzes, das Informationen
über den Käufer sowie eine Wartezeit vor dem Kauf
von Schußwaffen fordert, als "den Anfang vom Ende
der Machtausübung der NRA im Kapitol".
Die NRA hat bisher noch keine Stellungnahme
abgegeben, jedoch oftmals darauf hingewiesen, daß
eine Schußwaffenkontrolle nur gesetzestreuen
Bürgern den Zugang zu Waffen verwehrt, die ihrem
Schutz dienen, während Kriminelle immer noch in
ihren Besitz gelangen könnten.
Auf die Frage nach den nächsten Schritten für
stärkere Schußwaffenkontrolle in den Vereinigten
Staaten antwortete Brolin, ihre Organisation, Handgun Control Incorporated, werde sich jetzt für ein
allgemein "Brady M" genanntes neues Gesetz einsetzen. "Dadurch sollen die Produktion und der
Verkauf von Waffen in diesem Land gründlich überprüft und Lizenzen, Registrierung, Kontrolle von
Waffentransfers sowie eine Sicherheitsausbildung
vorgeschrieben werden", äußerte sie. "Es ist ein
Gesetz über Pflichten."

Die Annahme des Gesetzes zur Verbrechensbekämpfung durch den Senat wurde von den Organisationen in den Vereinigten Staaten begrüßt, die
eine stärkere Kontrolle von Schußwaffen fordern.
Das Gesetzeswerk wird voraussichtlich von Staaten
in Europa und andernorts eingehend geprüft, die
ebenfalls mit einen Anstieg der Kriminalität, insbesondere von Schwerverbrechen, konfrontiert sind.

Im Hinblick auf die Verwässerung von Brady I, einem
Kompromiß zur Erzielung des Schußwaffenverbots,
stellte Brolin fest: "Das ist nicht wirklich ein fataler
Fehler." Durch diesen Kompromiß soll den ursprünglichen Käufern von Schußwaffen die Möglichkeit
gegeben werden, ihre eigenen Waffen ohne weitere
Nachfragen aus dem Pfandhaus zurückzukaufen.
"Die Pfandhäuser werden jedoch bei neuen Waffenkäufern Nachforschungen anstellen müssen", so
Brolin. Ihre Organisation werde jedoch versuchen,
diese Gesetzeslücke in Zukunft zu schließen.

"Wir begrüßen die Verabschiedung dieser Gesetzesvorlage außerordentlich und danken Präsident
Clinton für sein bei der Unterstützung dieser Bestim-

Handgun Control Incorporated ist nicht die einzige
Organisation in den Vereinigten Staaten, die sich für
stärkere Schußwaffenkontrolle einsetzt. Andere

Justizirrtum darstellen.

Seite 2

AMERIKA DIENST 34

�Gruppen auf kommunaler und nationaler Ebene
beteiligen sich an diesen Bestrebungen, ebenso wie
die Administration und einzelne Gesetzgeber.

Ansicht, bei einer umfassenden Gesetzgebung zur
Eindämmung der Weiterverbreitung von Waffen sei
ein völliges Verbot nicht notwendig.

Einer der radikalsten Vorschläge stammt von Senator John Chafee (Republikaner aus Rhode Island),
der einen Gesetzentwurf über das Verbot des
Besitzes sämtlicher Handfeuerwaffen vorlegte.
Chafee, einer der gemäßigten Republikaner, die für
das von Clinton unterstützte Gesetz stimmten, hält
derzeit ein umfassendes Verbot für die Bekämpfung
von Schwerverbrechen für erforderlich.

Da es neben den Befürwortern eines vollständigen
Verbots von Schußwaffen Anhänger eines stufenweisen Ansatzes gibt sowie diejenigen, die jegliche
Schußwaffenkontrolle ablehnen, wird die Debatte
über das ob und wie einer Waffenkontrolle wahrscheinlich fortgesetzt. Die Annahme eines Gesetzes
über das Verbot von halbautomatischen Waffen wäre
ein weiterer Meilenstein. Befürworter und Gegner
einer Schußwaffenkontrolle sind sich einig, daß dies
nicht ihre letzte Auseinandersetzung sein wird.

Brolin zufolge vertritt ihre Organisation jedoch die

*

AMERIKA DIENST 34

* * * *

Seite 3

�BEVÖLKERUNG
31. August 1994

GORE: MASSNAHMEN ZUR EINDÄMMUNG
DES BEVÖLKERUNGSWACHSTUMS
ENTSCHEIDUNG DER LÄNDER
Reaktion auf Kritik des Vatikans
WASHINGTON - (AD) - Als direkte Antwort an den
Vatikan unterstrich Vizepräsident Gore bei einer
Pressekonferenz wiederholt, daß die Vereinigten
Staaten ihre Ansichten zu Schwangerschaftsabbruch
und Empfängnisverhütung nicht den jeweiligen
Ländern der Welt aufzwingen wollen.
Bei einer Rede vor dem National Press Club am 25.
August 1994 stellte Gore fest, die amerikanische
Delegation bei der Konferenz über Bevölkerung und
Entwicklung strebe die Einbeziehung einer Sprachregelung in ihr Abschlußdokument an, die eindeutig
klarstellt, daß jedes Land das Recht auf eigene
Entscheidung über die Methoden zur Eindämmung
des Bevölkerungswachstums hat. "Ich wiederhole:
Wir haben diese Sprachregelung bereits vorher
unterstützt. Wir haben darauf gedrängt, daß sie
einbezogen wird, wir werden dies auch weiterhin tun
und erwarten, daß sie einbezogen wird."
Bei der Pressekonferenz im Anschluß an den
Vortrag antwortete der Vizepräsident auf die Frage,
ob eine Frau das Grundrecht auf Schwangerschaftsabbruch oder Empfängnisverhütung habe: "Wir
versuchen nicht, internationale Rechte in diesem
Dokument zu verankern."
Die 12 Nationen umfassende Europäische Union, zu
deren Mitgliedern das liberale Dänemark und das
eher konservative katholische Irland zählen, hat eine
Sprachregelung erarbeitet, die sie bei der vom 5. 13. September 1994 in Kairo anberaumten Konferenz vorzulegen beabsichtigt. Dieser Sprachregelung zufolge werden keine neuen internationalen
Rechte geschaffen und die Entscheidung über
Maßnahmen zur Eindämmung des Bevölkerungswachstums liegt bei den jeweiligen Ländern.
Amerikanische Regierungsvertreter haben ihre
Unterstützung dieser Sprachregelung zugesagt. Sie

AMERIKA DIENST 34

stellten ferner fest, der Vatikan habe keine Unterstützung signalisiert.
Das Büro des Vizepräsidenten hatte den National
Press Club einige Tage zuvor angerufen und um die
Einberufung der Pressekonferenz als Reaktion auf
die Äußerungen des Vatikans und einiger muslimischer Theologen in den vergangenen Wochen
gebeten, daß die Kairoer Konferenz Schwangerschaftsabbruch und Promiskuität Vorschub leisten
und die Familie untergraben werde.
Der Vizepräsident appellierte an den Vatikan und
andere Kritiker, nach Mitteln und Wegen zur Beilegung der Differenzen zu suchen, damit die internationale Konferenz über Bevölkerung und Entwicklung mit Maßnahmen und Programmen zur Stabilisierung der Weltbevölkerung zu einem erfolgreichen
Abschluß geführt werden könne.
Gore verwies darauf, daß Papst Johannes Paul II.,
das Oberhaupt des Vatikans und der römisch-katholischen Kirche, und die Clinton-Administration ein
breites Spektrum von Programmen unterstützen, die
zur Verlangsamung des Bevölkerungswachstums
beitragen würden, einschließlich natürlicher Geburtenkontrolle, besserer Ausbildung für Mädchen, Verringerung der Kindersterblichkeit und Beendigung der
Armut in den Entwicklungsländern.
"Unseres Erachtens maximiert unser Ansatz die
Bandbreite des möglichen Konsenses und verringert
die verbleibenden Meinungsverschiedenheiten auf ein
erträgliches Maß", führte der Vizepräsident aus.
Gore sprach mit sorgfältig gewählten Worten über
Schwangerschaftsabbruch und Empfängnisverhütung.
"Wir verabscheuen und verurteilen einen unfreiwilligen Schwangerschaftsabbruch", stellte er fest.

Seite 1

�Ziel der amerikanischen Politik sei es, Schwangerschaftsabbruch "sicher, legal und selten zu machen".
Amerikanische Frauen hätten den amerikanischen
Gesetzen zufolge das Recht auf einen Schwangerschaftsabbruch, aber die Administration sehe
Schwangerschaftsabbruch nicht als Maßnahme zur
Geburtenkontrolle.
Im Rahmen der amerikanischen Gesetze seien
empfängnisverhütende Mittel zulässig, und viele
Männer und Frauen verwendeten sie zur Familienplanung, so Gore. Schwangerschaftsabbruch sei in
Ländern wie Rußland zum Mittel der Geburtenkontrolle geworden, weil empfängnisverhütende Mittel
kaum zur Verfügung stünden. Russische Frauen
hätten durchschnittlich sieben Abtreibungen in ihrem
Leben, um die Geburt eines ungewollten Kindes zu
verhindern.
Gore räumte ein, daß die katholische Kirche der
Verwendung künstlicher Mittel zur Familienplanung
nicht zustimme, fügte jedoch hinzu, zwischen der
römisch-katholischen Kirche und der Clinton-Admini-

stration bestehe ein hohes Maß an Übereinstimmung
über zahlreiche andere Maßnahmen zur Eindämmung
des Bevölkerungswachstums.
Vizepräsident Gore zufolge wird die Kairoer Konferenz ein "Meilenstein" sein, weil sie Bevölkerungsund Entwicklungsbelange verbindet.
Vor kurzem belief sich die Bevölkerung der Welt noch
auf 2 Milliarden Menschen, heute zählt sie nahezu 6
Milliarden und könnte binnen einer Generation 9
Milliarden erreichen, äußerte Gore.
Dieser enorme und rasche Anstieg habe zur Zerstörung der Umwelt und menschlichem Leiden auf
der ganzen Welt beigetragen. Die Entwicklungsländer könnten keinen ausreichenden Lebensstandard erreichen, bis sich ihre Bevölkerung stabilisiert
und sie wirtschaftlich schneller wachsen.
"Die untrennbare Verbindung" zwischen Bevölkerung
und Entwicklung "ist entscheidend", stellte der Vizepräsident fest.

* * * * *

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AMERIKA DIENST 34

�BEVÖLKERUNG
31. August 1994

FAST ALLE LÄNDER SEHEN
NOTWENDIGKEIT ZUR EINDÄMMUNG
DES BEVÖLKERUNGSWACHSTUMS
Erklärung des Vizepräsidenten
WASHINGTON - (AD) - Dem amerikanischen Vizepräsidenten AI Gore zufolge ist sich nahezu jedes Land,
einschließlich des Vatikans, bewußt, daß die Stabilisierung der Weltbevölkerung ein legitimes Ziel darstellt.
Die Vereinigten Staaten erwarten, daß auf der vom 5 . - 1 3 . September 1994 in Kairo anberaumten Konferenz
über Bevölkerung und Entwicklung deutlich gemacht wird, daß jedes Land das Recht auf eigene Methoden auf freiwilliger Basis - zur Verlangsamung des Bevölkerungswachstums hat.
Vizepräsident Gore wird bei der Kairoer Konferenz, an der Vertreter aus 180 Ländern teilnehmen, die
amerikanische Delegation leiten. Nachfolgend veröffentlichen wir die von AI Gore bei einer Pressekonferenz
am 25. August 1994 abgegebene Eingangserklärung im Wortlaut.

Heute möchte ich über Bevölkerung, umweltverträgliche Entwicklung und die Herausforderung
sprechen, sich auf das 21. Jahrhundert vorzubereiten.
Nach dem Ende des Kalten Krieges ist die internationale Staatengemeinschaft von vielen Spaltungen der Vergangenheit befreit, und die Nationen
nähern sich - in wirtschaftlicher, ökologischer und
politischer Hinsicht - aneinander an. In dieser
Übergangszeit haben die Vereinigten Staaten und
alle anderen Nationen die Chance und Verantwortung, sich mit lange vernachlässigten, zukunftsweisenden Belangen zu befassen, die darüber
entscheiden, welche Welt wir unseren Kindern und
Enkeln hinterlassen.
Um diesen Übergang erfolgreich gestalten zu
können, müssen wir zunächst die entscheidend
veränderte Natur der Beziehung zwischen der
menschlichen Zivilisation und dem Ökosystem Erde
akzeptieren und verstehen. Diese Beziehung wurde
durch drei Faktoren radikal gewandelt - einem
philosophischen und zwei physischen. Der philosophische Wandel steht in Zusammenhang mit unserer
Haltung gegenüber der Erde und unserer eigenen
Zukunft, insbesondere mit unserer Gewohnheit, die
Verantwortung für die langfristigen Konsequenzen

AMERIKA DIENST 34

unseres Handelns und Verhaltens zu leugnen. Ich
habe bei anderer Gelegenheit ausführlich darüber
gesprochen und möchte hier nicht ins Detail gehen.
Die beiden anderen Faktoren sind physischer Natur,
obwohl beide sich gemessen an geologischen
Zeitverhältnissen in nur einer Millisekunde ereigneten
und beide in diesem Jahrhundert einzigartig sind.
Der erste Faktor, auf den ich heute ebenfalls nicht
eingehen möchte, ist die dramatische und einzigartige
Revolution in Wissenschaft und Technologie, die sich
immer noch beschleunigt, unsere Lebensqualität
verbessert, uns aber auch die Macht zur Veränderung der lebenserhaltenden Systeme gibt, auf denen
unsere Gesellschaften, Volkswirtschaften und unser
Leben basieren. Der zweite Faktor ist natürlich das
schnelle Bevölkerungswachstum, ein Thema, das ich
heute im Zusammenhang mit umweltverträglicher
Wirtschaftsentwicklung ansprechen werde.
Beunruhigend sind nicht so sehr die empirischen
Daten, sondern die vorauszusehenden Konsequenzen eines solch schnellen Bevölkerungswachstums
für die Zukunft, was alle Amerikaner und alle Nationen mit einem Gefühl der Dringlichkeit erfüllt sowie
der Entschlossenheit, sich mit diesen beispiellosen
Entwicklungen zu befassen. Ich möchte hier nur
einige anführen:

Seite 1

�Im Bereich der Umwelt trägt rasches Bevölkerungswachstum natürlich oftmals zur Zerstörung natürlicher Ressourcen bei. Es ist aber wichtig hinzuzufügen, daß dies auch für das Konsumverhalten der
stabileren und wohlhabenderen Industrieländer gilt.
In wirtschaftlicher Hinsicht führt das Bevölkerungswachstum oft zu einer stärkeren Beschäftigung mit
den Herausforderungen dauerhaft niedriger Löhne,
Armut und wirtschaftlichem Gefälle. Obwohl unter
bestimmten Umständen schnelles Bevölkerungswachstum eine bestehende Nachfrage nach Arbeitskräften decken und somit zu einem positiven Faktor
werden kann, führt es in der Welt, in der wir leben,
fast ausschließlich zur Vergrößerung des Problems
von Niedriglöhnen und Armut.
Bevölkerungstrends fordern auch die Fähigkeit von
Gesellschaften, Volkswirtschaften und Regierungen,
die erforderlichen Investitionen in Humankapital und
Infrastruktur zu tätigen.
Auf der Ebene der Familie haben die demographischen Trends dazu geführt, daß Investitionen in
Kinder gering und ungerecht getätigt werden, insbesondere zum Nachteil der Mädchen.
Auf der Ebene des einzelnen stehen Bevölkerungswachstum und eine hohe Fruchtbarkeitsrate in
engem Zusammenhang mit mangelnder Gesundheitsfürsorge und schlechtem Befinden von mehreren Millionen Frauen, Kleinkindern und Kindern.
Der Bevölkerungsdruck enttäuscht oft die Hoffnung
auf Stabilität auf nationaler und internationaler
Ebene. Denken Sie beispielsweise an das Problem
der 20 Millionen Flüchtlinge, mit dem die Welt
fertigzuwerden versucht. Die Zunahme grenzüberschreitender Wanderbewegungen wird teilweise
durch das umweltschädigende Bevölkerungswachstum herbeigeführt.
Man kann nicht sagen, daß schnelles Bevölkerungswachstum an sich ein Grund für Instabilität in einer
Gesellschaft darstellt. Man sollte jedoch feststellen,

daß Ruanda im vergangenen Jahr in Afrika das
Land mit der höchsten Bevölkerungsdichte war. Und
es ist auch nicht unwichtig, daß Somalia die schnellste Wachstumsrate der Bevölkerung in ganz Afrika
verzeichnete. Obwohl es keine direkte Beziehung
zwischen Ursache und Wirkung gibt, sagt der
gesunde Menschenverstand, daß schnelles, umweltschädigendes Bevölkerungswachstum es den
Gesellschaften und Nationen erschwert, mit den
politischen, wirtschaftlichen und anderen Problemen
umzugehen, denen sich alle Nationen gegenübersehen.

Seite 2

Die Auswirkungen müssen auf globaler, aber auch
auf kommunaler und nationaler Ebene angegangen
werden. Beispielsweise wurde in jüngster Zeit viel
über die Probleme Afrikas in Ländern wie Nigeria
geschrieben. Die nigerianische Bevölkerung hat sich
in den vergangenen 40 Jahren verdreifacht. Die
Probleme einer Gesellschaft wie der Nigerias haben
eine Vielzahl von Ursachen. Wenn sich jedoch die
Bevölkerung innerhalb von 40 Jahren verdreifacht,
wird die Lösung dieser Probleme für jede Gesellschaft bedeutend schwieriger. Nigeria - um noch
einmal dieses Beispiel anzuführen - befindet sich auf
dem besten Weg zu einer erneuten Verdreifachung
seiner Bevölkerung im Verlauf der nächsten 40 Jahre.
In 40 Jahren werden in diesem Land mehr Menschen
leben als in den fünfziger Jahren auf dem gesamten
afrikanischen Kontinent. Um ein weiteres Beispiel zu
nennen: Afghanistan ist das Land mit der schnellsten
Wachstumsrate der Welt und es sieht so aus, als
würde sich seine Bevölkerung in nur zehn Jahren
verdoppeln.
Diese Ausschnitte aus einer zunehmend komplexen
Welt führen uns eine Notwendigkeit vor Augen, die
meines Erachtens im Mittelpunkt der internationalen
Zusammenarbeit in der Zeit nach dem Kalten Krieg
stehen sollte: Die Verwirklichung der Vision umweltverträglicher Entwicklung. Mit Mut, Überzeugung,
Konsens und gemeinsamen Strategien können wir
zweifellos den großen Herausforderungen gerecht
werden, die Weltbevölkerung zu stabilisieren und
umweltverträgliche Entwicklung herbeizuführen.
Erwiesenermaßen fällt es schwer, diese Herausforderungen zu akzeptieren, und nichts ist schwieriger
für den einzelnen und die Gesellschaft als eine
Veränderung der Denkweise. Und die vor uns
liegenden Fragen erfordern vor allem ein neues
Denken über unsere Welt und unser Verhältnis zu ihr.
Von den verschiedenen Faktoren, die diese neue
Situation herbeigeführt haben, bereitet keiner größere
Schwierigkeiten als das schnelle Bevölkerungswachstum. Es bewegt unsere Gedanken und steht auf
unserer Tagesordnung als die dritte große Weltbevölkerungskonferenz dieses Jahrhunderts, die im
kommenden Monat anberaumt ist. Vor zehn Jahren
fungierte die amerikanische Delegation bei der
zweiten Weltbevölkerungskonferenz in Mexico City
als unbeteiligter Zuschauer, was nicht nur für die
lange Geschichte der Vereinigten Staaten als Führungsmacht, sondern auch für Fortschritt und
Schwung der internationalen bevölkerungspolitischen
Bestrebungen während der achtziger Jahre ein
Rückschlag war.
Zehn Jahre später ist der Wandel gekommen; die
Vereinigten Staaten sind wieder aktiv, und Präsident
Clinton hat die amerikanische Führungsrolle bei den

AMERIKA DIENST 34

�entscheidenden Herausforderungen Bevölkerung
und umweltverträgliche Entwicklung wiederhergestellt. Die Kairoer oder internationale Konferenz
über Bevölkerung und Entwicklung, so der offizielle
Name - und ich möchte bei dieser Gelegenheit jedes
Mitglied der Presse vor der Abkürzung Bevölkerungskonferenz warnen - ist eine Konferenz über
Bevölkerung und Entwicklung, und die untrennbare
Verbindung ist entscheidend für die Fähigkeit der
Welt, einen Konsens für die gemeinsame Bewältigung dieser beiden Herausforderungen zu bilden.
Diese Konferenz soll die interdependente Natur der
Welt unterstreichen sowie die Notwendigkeit einer
Zusammenarbeit aller Nationen, um die Weltbevölkerung merklich zu stabilisieren, Wirtschaft, Umwelt
und Entwicklung zu integrieren, dauerhafte Werte für
die Familie sowie die Verantwortung des einzelnen
und der Gemeinschaft zu bekräftigen und weltweiter
Bildung, Gesundheitsfürsorge und vermehrter Entscheidungsbefugnis für Frauen und alle Menschen
Priorität einzuräumen.
In der Presse wurde vielleicht nicht darüber berichtet, aber die Vorbereitungen für die Kairoer Konferenz waren von einem bemerkenswerten Konsens
über umfassende Strategien zur Realisierung dieser
Ziele gekennzeichnet. Während früher von einigen
behauptet wurde, Bevölkerungswachstum stelle kein
Problem dar, besteht jetzt tatsächlich Einigkeit über

unvollständigen Aktionsplan, an dessen Vollendung
die Staaten in Kairo arbeiten werden. Ich möchte
über die Annäherung an einen Konsens im Entwurf
für das Kairoer Dokument zu Frauen, Kindern, der
Umwelt und anderem sprechen. Dieser dramatische
Fortschritt darf nicht von einer Frage überschattet
werden, die in tiefgreifenden moralischen, philosophischen und religiösen Unterschieden wurzelt - ich
meine natürlich den Schwangerschaftsabbruch.
In diesem Bereich erscheint umfassender Konsens
unwahrscheinlicher als auf jedem anderen Gebiet,
selbst unter Männern und Frauen, die mit Offenheit
und gutem Willen diese Frage erörtern. Wichtig ist,
daß die teilweise Übereinstimmung, die in greifbarer
Nähe liegen könnte, nicht von Mißverständnissen
vereitelt wird. Ich möchte mich klar ausdrücken und
sicherstellen, daß die Ansichten dieser Administration
eindeutig sind. Mein Freund Michael Novak zitierte
kürzlich John Courtney Murray, der feststellt, "nichts
ist schwieriger, als Uneinigkeit zu erzielen". Oftmals
ist Uneinigkeit in unpräziser Form gegenwärtig und
erscheint viel größer und furchteinflößender, als sie
wirklich ist.
Praktisch jeder Mensch in jedem Teil der Welt
möchte Schwangerschaftsabbruch zu einem seltenen
Vorkommnis machen. Das ist das Ziel der Vereinigten Staaten, von Frauengruppen, Umweltschützern, der katholischen Kirche und Vertretern aller

die Notwendigkeit, daß alle Nationen Bevölkerung

großen Religionen.

und umweltverträgliche Entwicklung als Priorität
betrachten. Und die katholische Kirche, auf die ich
gleich zu sprechen komme, bezeichnet die Stabilisierung der Weltbevölkerung als legitimes Ziel.

mit dieser Frage Befaßten, obwohl viele von uns
dieses Ziel auf unterschiedliche Art und Weise
verfolgen. Beispielsweise bin ich der Ansicht, wenn
weniger Frauen einen Schwangerschaftsabbruch für
nötig halten, wird er auch seltener vorgenommen.
Und wenn Frauen ihn selten für notwendig halten,
wird er auch seltener. Dafür setzt sich unsere
Administration ein. Aber die heutige Situation sieht
anders aus. Schwangerschaftsabbruch ist nicht
selten. Weltweit werden jährlich über 25 Millionen
Schwangerschaftsabbrüche vorgenommen. Und in
manchen Teilen der Welt ist es für eine Frau nicht
ungewöhnlich, im Laufe ihres Lebens sieben oder
acht Abtreibungen zu haben.

Während früher diese Diskussion an der Nord-SüdGrenze scheiterte, besteht jetzt Einigkeit darüber,
daß Zusammenarbeit im Interesse aller Staaten des Nordens und des Südens - liegt. Während
früher Uneinigkeit darüber bestand, ob Familienplanung oder wirtschaftlicher Fortschritt eine Vorbedingung für Fortschritte auf diesen Gebieten sei,
wird jetzt allgemein anerkannt, daß beide an sich
bedeutend sind, jedoch am besten gleichzeitig
verfolgt werden sollten. Während man sich früher
engstirnig auf nur einen Aspekt einer globalen
Strategie konzentrierte, umfaßt das gemeinsame Ziel
jetzt Bestrebungen, die Bildung, Gesundheit, mehr
Entscheidungsfreiheit für Frauen und wirtschaftlichen
Fortschritt mit dem Traum eines besseren Lebens
für alle Menschen verbinden.
Man hat also zweifelsohne viel gelernt, seit vor 30
Jahren durch die Arbeit von John D. Rockefeiler III.
und anderen ernsthafte Besorgnis über das schnelle
Bevölkerungswachstum entstand. Diese Lektionen
charakterisieren den vielversprechenden, aber

AMERIKA DIENST 34

Es ist tatsächlich das Ziel aller

Es gibt tatsächlich Länder, beispielsweise Rußland,
in denen empfängnisverhütende Mittel nicht leicht und
überall zur Verfügung stehen und Frauen im Laufe
ihres Lebens durchschnittlich sieben oder acht
Abtreibungen vornehmen lassen. Aus einer Vielzahl
von Gründen sterben jedes Jahr weltweit 200.000
Frauen an medizinisch riskanten Schwangerschaftsabbrüchen. Wir können diese Tatsachen nicht unter
den Teppich kehren oder vortäuschen, sie existierten
nicht - und das versucht auch niemand.

Seite 3

�Eine der Fragen, die sich die Konferenzteilnehmer in
Kairo und alle Bürger der Welt stellen, lautet, was
wir dagegen unternehmen. Wie können wir Schwangerschaftsabbrüche seltener machen? Nach Ansicht
unserer Administration ist es wünschenswert, in den
Bereichen Gesundheit und reproduktive Gesundheit
möglichst viele Optionen anzubieten. Wir sind uns
jedoch bewußt, daß die Ansichten über einen
Schwangerschaftsabbruch unter Nationen ebenso
unterschiedlich sind wie unter Einzelpersonen.
Heute haben 173 Nationen Gesetze über die Umstände, unter denen ein Schwangerschaftsabbruch
vorgenommen werden darf und unter denen er
eingeschränkt ist.
Unseres Erachtens sollte die Entscheidung darüber,
unter welchen Umständen ein Schwangerschaftsabbruch akzeptabel ist, im Entscheidungsbereich
jeder einzelnen Regierung im Rahmen ihrer Gesetze
und nationalen Gegebenheiten liegen. Aus diesem
Grund haben wir während der Verhandlungen eine
Sprachregelung und deren Einbeziehung unterstützt,
die dieses Prinzip für alle in Kairo abgegebenen
Empfehlungen klarstellt. Und wir erwarten in Kairo,
daß dieses Prinzip im Abschlußdokument bekräftigt
wird und werden darauf drängen. Ich wiederhole:
Wir haben diese Sprachregelung bereits vorher
unterstützt. Wir haben darauf gedrängt, daß sie
einbezogen wird, wir werden dies auch weiterhin tun
und erwarten, daß sie einbezogen wird.
Die Respektierung nationaler Souveränität bei dieser
Frage impliziert keine Neutralität. Wir sind der
Meinung, daß Schwangerschaftsabbrüche seltener
werden sollten. Sie sind keine Methode, mit der die
Nationen das Bevölkerungswachstum reduzieren
können oder sollten. Wir sind kein Befürworter von
Schwangerschaftsabbrüchen. Wir verabscheuen
und verurteilen einen unfreiwilligen Schwangerschaftsabbruch, ungeachtet dessen, ob der Zwang
dazu physischer, wirtschaftlicher, psychologischer,
politischer oder anderer Natur ist.
Es wurde behauptet, die Vereinigten Staaten hätten
im Zusammenhang mit der Bereitstellung von
Entwicklungshilfe über Gebühr ihren Einfluß gegenüber Nationen geltend gemacht, die nicht unsere
Bevölkerungspolitik und -programme unterstützen.
Das ist eindeutig und absolut falsch. Wir wissen,
daß einige diesbezügliche Behauptungen aufgestellt
wurden. Wir respektieren die Tatsache, daß Menschen guten Willens die Wahrheit mißverstehen
können und haben um spezifische Information
gebeten. Kein vernünftiger Mensch würde ein
solches Verhalten unterstützen. Ich möchte folgendes sagen: Sollten Beweise für die Unterstützung
eines solchen Verhaltens bei den Vorbereitungen für

Seite 4

die Kairoer Konferenz, in Kairo oder danach auftauchen, werden wir sofort und entschieden Disziplinarmaßnahmen ergreifen. Diese Anschuldigungen
sind ungeheuerlich. Sollten sie sich als wahr erweisen, würden wir die Regierung sofort umgestalten.
Wir halten einen Schwangerschaftsabbruch nicht für
eine Methode der Familienplanung. Er sollte auch
nicht als solche gesehen werden, obwohl er in
Ländern, in denen nicht ausreichend empfängnisverhütende Mittel vorhanden sind, tragischerweise
allzuoft aus diesem Grund vorgenommen wird. Und
wir betrachten einen Schwangerschaftsabbruch
zweifelsohne nicht als moralisches Äquivalent zur
Empfängnisverhütung. Alle Diskussionsteilnehmer
räumten ein, daß der Entscheidung für eine Option
eine bestimmte moralische Einstellung zugrundeliegt.
Ich möchte mit deutlich ausdrücken: Unsere Administration ist der Ansicht, daß die Verfassung der
Vereinigten Staaten jeder innerhalb unserer Grenzen
lebenden Frau mit wenigen und bestimmten Ausnahmen das Recht auf eine Entscheidung zusichert.
Wir sind diesem Prinzip unverändert verpflichtet. Wir
wollen jedoch direkt einem Mißverständnis vorbeugen. Die Vereinigten Staaten streben kein internationales Recht auf Schwangerschaftsabbruch an
und werden das auch in Zukunft nicht tun.
Die gerade von mir dargelegten Grundsätze repräsentieren die seit langer Zeit bestehende Position der
Administration und der Vereinigten Staaten in dieser
Frage. In seiner im Juni gehaltenen Grundsatzrede
vor der National Academy of Sciences erklärte der
Präsident:
"Ich möchte mich deutlich ausdrücken: Im Gegensatz
zu manchen Behauptungen sind wir keine Befürworter eines Schwangerschaftsabbruchs als Methode der
Familienplanung. Wir respektieren jedoch die vielfältigen nationalen Gesetze mit Ausnahme jeglicher
Zwangsausübung. Unsere Politik in den Vereinigten
Staaten vertritt die freie Wahl des einzelnen, nicht
das Diktat der Öffentlichkeit. Ich habe bereits vielfach
darauf hingewiesen, daß Schwangerschaftsabbrüche
sicher, legal und selten sein sollten. In anderen
Ländern, wo es Schwangerschaftsabbrüche gibt, ist
Sicherheit unseres Erachtens ein wichtiger Punkt.
Wenn man sich die Sterblichkeitsziffern anschaut,
muß man sich dieses Problems annehmen. Ferner
sind wir der Ansicht, daß die Versorgung der Frauen
mit Verhütungsmitteln mehr als alles andere zur
Reduzierung von Schwangerschaftsabbrüchen
beitragen wird."
Seit er diese Rede hielt, bevor er diese Rede hielt,
aber vor allem viele Male nachdem er diese Rede
gehalten hatte, hat der Präsident anderen und mir

AMERIKA DIENST 34

�gegenüber bei mehreren Gelegenheiten bekräftigt,
daß ein Schwangerschaftsabbruch, wenn er vorgenommen wird, sicher sein sollte. Jede Nation
sollte das festlegen. Wir lehnen Zwang ab. Wir
verabscheuen Zwang.
Und wir sollten andere
Maßnahmen zur Reduzierung der Zahl von Schwangerschaftsabbrüchen ergreifen.
Ich wiederhole, wir wollen alles in unserer Macht
Stehende zur Verringerung von Abtreibungen
weltweit tun. Aus unserer Sicht ist der effektivste
Weg zur Reduzierung von Bevölkerungswachstum
und Abtreibungen eine umfassende globale Strategie, die Informationen über Familienplanung und
Möglichkeiten leicht zugänglich macht, umweltverträgliche Wirtschaftsentwicklung fördert, Kindersterblichkeit und Analphabetentum verringert, die Gesundheit der Frauen verbessert, Familien stärkt und
sich auf Ausbildung und vermehrte Entscheidungsbefugnis der Frau konzentriert. Zu dieser Schlußfolgerung sind wir aufgrund schmerzlicher Erfahrungen
gelangt.
Im Verlauf der letzten Generation haben wir gelernt,
daß Familienplanung allein selten erfolgreich ist und
wirtschaftliche Entwicklung allein nicht automatisch
das Bevölkerungswachstum verringert.
Meiner Ansicht nach ist der wahre Hintergrund des
Vorbereitungsprozesses und der Konferenz selbst
das Ausmaß, in dem ein neuer weltweiter Konsens
um diese modernere, holistischere, umfassendere
Sichtweise Gestalt angenommen hat: Das Mittel, mit
dem die Welt den Bevölkerungszuwachs stabilisieren
kann, ist eine vielschichtige Strategie, die unter
bestimmten Umständen verfügbare Empfängnisverhütung unter Berücksichtigung der Kultur, in der
sie zur Verfügung gestellt wird, einbezieht, die
Betonung auf die Ausbildung und vermehrte Entscheidungsbefugnis für Frauen legt, damit sie an
Entscheidungen über die Größe der Familie sowie
umweltverträgliche und gerechte wirtschaftliche
Entwicklung teilnehmen können, die historisch mit
der demographischen Umgestaltung und der Stabilisierung des Bevölkerungswachstums einhergehen,
mit Betonung auf Verbesserung der Gesundheit von
Kindern und der Bekämpfung der Kindersterblichkeit
für die Entscheidung der Eltern über die Größe ihrer
Familie, denn wenn die Kinder überleben, ist der
Wunsch nach einer sehr viel größeren Familie
erheblich geringer.
Ich möchte Ihnen aus einem Brief vorlesen, den
Papst Johannes Paul II. im Frühjahr an Dr. Nafis
Sadik, den Generalsekretär der Kairoer Konferenz
geschrieben hat.

AMERIKA DIENST 34

"Es besteht weitgehende Übereinstimmung, daß
Bevölkerungspolitik nur Teil einer umfassenden
Entwicklungsstrategie ist. Entsprechend ist es von
Bedeutung, daß jede Diskussion über Bevölkerungspolitik die tatsächliche und prognostizierte
Entwicklung von Nationen und Regionen im Auge
behalten sollte. Gleichzeitig ist es unmöglich, das
Wesen dessen unberücksichtigt zu lassen, was
man unter dem Begriff "Entwicklung" versteht.
Jede dieses Namens werte Entwicklung muß
integral sein - das heißt, sie muß auf das Wahre
und Gute jeder Person sowie die ganze Person
ausgerichtet sein. Echte Entwicklung kann nicht
in der einfachen Anhäufung von Wohlstand und
der besseren Verfügbarkeit von Waren und
Dienstleistungen bestehen, sondern muß unter
wirklicher Berücksichtigung der sozialen, kulturellen und geistigen Dimensionen des menschlichen
Wesens verfolgt werden. Entwicklungsprogramme
müssen auf Gerechtigkeit und Gleichheit aufbauen
und den Menschen ein Leben in Würde, Harmonie
und Frieden gestatten. Sie müssen das kulturelle
Erbe von Menschen und Nationen respektieren
sowie die sozialen Qualitäten und Tugenden, die
die von Gott gegebene Würde jeder einzelnen
Person widerspiegeln und den göttlichen Plan, der
alle Menschen zur Einheit auffordert. Am wichtigsten ist, daß alle Männer und Frauen aktive Mittler
ihrer eigenen Entwicklung sein müssen. Denn
Männer und Frauen als bloße Objekte in einem
Schema oder Plan zu behandeln, würde bedeuten, diese Fähigkeit zu Freiheit und Verantwortung
zu ersticken, die für das Gute des Menschen
grundlegend ist."
Wie wichtig ist es doch, daß die Welt diese Perspektive vernimmt. Und wie wichtig ist es, daß die
Welt hört, was die großen Weltreligionen über all die
uns konfrontierenden Themen zu sagen haben.
Die katholische Kirche hat ebenso wie andere christliche und nichtchristliche Religionen eine Mission, die
sich manchmal von der politischer Institutionen
unterscheiden muß. Die Kirchenvertreter versuchen,
eine moralisch strenge Haltung im Hinblick auf
materielle Güterund sozioökonomische Beziehungen
zu ermutigen. Der politischen Führung kommt die
Verantwortung zu, sorgfältig auf das zu hören, was
die Religionen zu sagen haben - selbst wenn sie es
nicht immer würdigen kann. Dieser Dialog ist äußerst
wichtig. Wir wollen Kairo zu einem Dialog statt einer
von vorneherein geplanten Konfrontation machen insbesondere, da bezüglich des Dokumentsentwurfs
so große Übereinstimmung besteht.
Wir teilen auch die Meinung von Papst Johannes
Paul II., daß diese Themen die wichtigsten des 21.
Jahrhunderts sind und die Zukunft der Menschheit

Seite 5

�bestimmen. Ich habe in der Vergangenheit bereits
das Argument vorgebracht, daß trotz bestehender
Meinungsverschiedenheiten der umfassende Charakter und die Stärke der Übereinstimmung zu einem
natürlichen Bündnis zwischen den in der Regierung
Tätigen unter uns führt, die der Auffassung sind, daß
wir einerseits das Bevölkerungswachstum stabilisieren, die Umwelt schützen, umweltverträgliche Entwicklung fördern und eine für unsere Kinder und
Enkelkinder lebenswerte Zukunft schaffen müssen,
und die katholische Kirche andererseits trotz ihres
allseits bekannten Widerstands gegen Empfängnisverhütung historisch gesehen einer der stärksten
und effektivsten Befürworter der ganzen Welt von Alphabetisierungs- und Bildungsprogrammen, von
Maßnahmen zur drastischen Reduzierung der
Kindersterblichkeit und anderer Schritte ist, die in der
Tat entscheidend für die Stabilisierung des Bevölkerungszuwachses und die Erarbeitung eines Musters
für umweltverträgliche Entwicklung sind.
Es geht darum, eine humane und umfassende
Strategie auf der Grundlage universellen menschlichen Strebens zu entwerfen. Als Teil dieser umfassenden Strategie ist ein Ziel in Kairo und darüber
hinaus die Stärkung der Fähigkeit prospektiv denkender Eltern, zu entscheiden, wieviele Kinder und
zu welchem Zeitpunkt sie haben wollen. Jedes Land
hat die Verantwortung, über die geeigneten Möglichkeiten zu entscheiden, die zur Verhinderung ungewollter Schwangerschaften, Gewährleistung geistiger
Gesundheit und Verringerung von Schwangerschaftsabbrüchen erforderlich sind. Jedes Land
sollte darauf hinarbeiten, die von ihm gewählten
Möglichkeiten für alle seine Bürger verfügbar zu
machen. Und in den Fällen, in denen eine Nation
sich für legalen Schwangerschaftsabbruch entscheidet, sollte dieser medizinisch sicher sein.
Wenn wir die Lebenserwartung verlängern und die
Kindersterblichkeit verringern können, wenn wir das
Leben der Menschen durch Ausbildung und wirtschaftliche Chancen verbessern können, wenn wir
ihre Wünsche und ihren Horizont erweitern können,
dann können wir die Bevölkerungswachstum nährenden Kräfte abbauen. Wir erkennen jetzt, daß
Familienplanung, gerechte und umweltverträgliche
Entwicklung, vermehrte Entscheidungsbefugnis für
alle Bürger nicht konkurrierende Strategien, sondern
vielmehr entscheidende und sich gegenseitig verstärkende Elemente des umfassenden Ansatzes
sind, den unsere globale Zukunft fordert.
Dies ist der Rahmen, der uns beim Sondieren von
gemeinsamem Terrain in Kairo leitet. Wir können
uns nicht vorstellen, daß wir die Abtreibungsdiskussion je ad acta legen - die Meinungsverschiedenheiten sind zu tiefgreifend. Unseres Erachtens maxi-

Seite 6

miert unser Ansatz die Bandbreite des möglichen
Konsenses und verringert die verbleibenden Meinungsverschiedenheiten auf ein erträgliches Maß.
Schließlich hat man sich bereits auf über 90 Prozent
der Sprachregelungen des Kairoer Dokuments
geeinigt - das ist weit mehr als bei vorherigen internationalen Konferenzen. Und viele der verbleibenden
Differenzen können mit harter Arbeit, respektvollem
Dialog und vernünftig begründeter Annäherung
beigelegt werden, die wir heute fordern.
Wir dürfen und sollten im Verlauf dieses Unternehmens nicht zu Gegnern werden. Wir müssen vielmehr Kollegen und Freunde bei diesem historischen
Unterfangen sein, eine Politik zu entwerfen, mit der
die Würde und der Wert jedes menschlichen Wesens
auf der Erde bekräftigt wird und einer Politik, die die
Bedeutung der Familie untermauert.
Unseres Erachtens ist die Familie die Keimzelle eines
verantwortungsbewußten Lebens in der Gesellschaft.
Wenn Sie beispielsweise eine umweltbewußte
Gesellschaft haben wollen, müssen Sie die Familie
stärken. Die Regierungen haben die Pflicht zur
Gewährleistung von politischer Freiheit zur Gründung
einer Familie und der Erziehung der Kinder im
Einklang mit der religiösen Überzeugung dieser
Familie. Alle Regierungen müssen die Stabilität der
Ehe und die Institution Familie sowie die Gesundheit
der Familie schützen. Die Betonung der Familie ist
unserer Ansicht nach entscheidend, weil Themen wie
die Gesundheit von Frauen und ihre Ausbildung in
vielen Ländern durch das Prisma der Familie in
Angriff genommen werden müssen.
In diesem Zusammenhang ist die Kairoer Konferenz
daher bemerkenswert für ihre Bestrebungen, eine
globale Tagesordnung der Hoffnung, Chancen und
Fortschritte zu definieren. Ungeachtet der nicht
vollständigen Übereinstimmung zu allen Themen ist
dies - bei weitem - das beste je erarbeitete Dokument
zu Bevölkerungsfragen. Und ich möchte hinzufügen,
daß diese Bestrebungen - und auch die Vereinigten
Staaten - in hohem Maße von dem Talent, der
Kreativität und sorgfältigen Anleitung von Tim Wirth,
unserem Staatssekretär im Außenministerium für
globale Angelegenheiten, profitiert haben. Dank Tims
Arbeit und der anderer wird diese Konferenz einen
historischen Schulterschluß zwischen der Notwendigkeit zur Integration wirtschaftlicher und umweltpolitischer Maßnahmen auf globaler Ebene und der
Anerkennung der Beziehung zwischen umweltverträglicher Entwicklung und Bevölkerungsstabilität
vornehmen.
Ich möchte auch im voraus Präsident Mubarak
danken, der als Gastgeber einen unschätzbaren

AMERIKA DIENST 34

�Beitrag zu dem erwartungsgemäß erfolgreichen
Ausgang der Konferenz in Kairo geleistet hat.
Ebenso wie der Erdgipfel in Rio erkennt diese
Konferenz die Bedeutung der Einbeziehung der
Bürger und nichtstaatlicher Organisationen an,
analysiert ihre Rolle und ihren Beitrag zum internationalen Dialog. Diese Konferenz geht für ihre
beispiellose Einbeziehung der Bürger - insbesondere
der Frauen, deren Beitrag historisch und außergewöhnlich war - in die Annalen der Geschichte ein.

Die Kairoer Konferenz trägt ferner der Tatsache
Rechnung, daß dies nicht nur Belange der armen
Länder sind. Sie betreffen auch die Bürger von
Industrienationen und beziehen sie ein. Wir sind

*

AMERIKA DIENST 34

*

unseren Nachbarn durch Sorge und Mitgefühl verbunden. Rasches Bevölkerungswachstum ist eng mit
Armut, Ungerechtigkeit und menschlichem Leid
verbunden. Die Amerikaner stehen diesen Problemen nicht indifferent gegenüber.
Wir sind uns bewußt, daß die Herausforderungen
groß sind, und aus diesem Grund ist unser Engagement so tiefgreifend. Die Integration von Bevölkerung, Umwelt und Entwicklung ist ein Gebot für
Frieden und nationale Sicherheit, für menschliche
Gesundheit und menschliches Wohlergehen und für
die Qualität des Lebens auf Erden. Die ClintonAdministration ist entschlossen, diese Erfordernisse
zu erfüllen. Und bei der Bevölkerungs- und Entwicklungsproblematik sind wir entschlossen, eine Führungsrolle zu übernehmen.

* *

Seite 7

�BEVÖLKERUNG
31. August 1994

NGOs KOMMT ENTSCHEIDENDE ROLLE
BEI KAIROER KONFERENZ ZU
Mehr Entscheidungsbefugnis für Frauen
WASHINGTON - (AD) - Nichtstaatliche Organisationen (NGOs) werden sowohl bei der Kairoer Konferenz über Bevölkerung und Entwicklung als auch
bei den Folgetreffen eine entscheidende Rolle
spielen, erklärte eine hochrangige Vertreterin des
Amts für internationale Entwicklung (U.S. Agencyfor
International Development - USAID).
"Wir legen besondere Betonung auf die Zusammenarbeit mit NGOs hier sowie den in Afrika und anderen Ländern tätigen, nicht nur, weil sie wichtige
Dienstleistungen bereitstellen, sondern weil sie
darüber hinaus Schlüsselelemente in den bürgerlichen Gesellschaften dieser Länder sind", stellte die
Stellvertretende Leiterin von USAID, Carol Lancaster, am 25. August 1994 in einer Fernsehsendung des US-Informationsamts (U.S. Information
Agency - USIA) fest.
Voraussichtlich werden Delegationen aus 180
Ländern an der von den Vereinten Nationen veranstalteten Konferenz teilnehmen, die vom 5 . - 1 3 .
September 1994 in Kairo stattfindet.
Lancaster brachte ihre Hoffnung zum Ausdruck, daß
die Kairoer Konferenz die Themen Familienplanung,
reproduktive Gesundheit, Ausbildung von Mädchen
und Bekämpfung der Kindersterblichkeit "gleichberechtigt auf die internationale Tagesordnung" setzen
und die Aktivitäten der NGOs ermutigen wird, diese
Themen auf der Tagesordnung der jeweiligen
Länder weiterzuverfolgen.
Lancaster ist der Überzeugung, die Aussichten für
zusätzliche Unterstützung der Geberländer zu
Planungsaktivitäten in den Bereichen Bevölkerungsund Familienplanung seien gut, unterstrich jedoch,
daß die Entwicklungsländer ihren Beitrag dazu
leisten müssen, indem sie den Programmen gegenüber aufgeschlossen sind.
An der Fernsehsendung nahm gemeinsam mit
Lancaster auch Belkis Giorgis teil, eine bei einer
nichtstaatlichen Organisation - dem Zentrum für

AMERIKA DIENST 34

Entwicklung und Bevölkerungsbelange
Spezialistin für Auswertung.

- tätige

Giorgis stellte fest, in einigen Teilen Afrikas sei der
Sozialisierungsprozeß zusammengebrochen und die
Familie übernehme nicht länger die traditionelle Rolle,
die Jugendlichen auf das Erwachsensein vorzubereiten. Infolgedessen sei ein dramatischer Anstieg an
ungewollten Schwangerschaften zu beobachten,
insbesondere unter den Heranwachsenden.
Giorgis zufolge lautet die Schlüsselfrage nicht, welche
Länder die meiste Unterstützung bei Bevölkerungsproblemen erhalten, sondern, wie Frauen größere
Entscheidungsbefugnis und die Fähigkeit verliehen
werden kann, anhand von Informationen über die
Anzahl und den zeitlichen Abstand zwischen ihren
Kindern zu entscheiden.
Giorgis erklärte, die NGOs könnten eine wichtige
Rolle bei der Veränderung der derzeitigen kulturellen
Perspektive der Eltern spielen, die glauben, die
Bereitstellung von Informationen über reproduktive
Gesundheit für Jugendliche ermutige sie, sexuell aktiv
zu sein. Genau das Gegenteil treffe zu angesichts
der hohen Zahl von Jugendlichen, die in Afrika und
anderen Ländern ungeschützten Geschlechtsverkehr
ausüben.
Sie verwies darauf, daß über 50 Prozent der Bevölkerung In den meisten Länder Afrikas südlich der
Sahara unter 15 Jahre alt sind.
Kontroversen im Vorfeld der Konferenz über die
Themen Schwangerschaftsabbruch und produktive
Gesundheitsfürsorge für Erwachsene würden von
einigen übertrieben, so Lancaster.
"Unsere Position ist ganz klar. Unseres Erachtens
sollte Schwangerschaftsabbruch sicher, legal und
selten und kein Mittel der Familienplanung sein. Wir
sollten Leistungen zur Familienplanung unterstützen,
die tatsächlich die Notwendigkeit einer Abtreibung
verhindern."

Seite 1

�Die Vereinigten Staaten vertreten jedoch die Position, erläuterte Lancaster, daß die Gesundheitsprobleme der Frauen mit verpfuschten Abtreibungen
angesprochen werden müssen.
"Stümperhafte Abtreibungen, an denen pro Jahr
50.000 Frauen sterben, sind ein Zeichen, daß der

gesamte Bereich der Familienplanung verbessert
werden muß", betonte Lancaster.
Lancaster prognostiziert, daß "ein außerordentlich
hohes Maß an Konsens" unter der Mehrzahl der in
Kairo vertretenen Länder sowie unter der christlichen
und muslimischen Gemeinde erzielt werden.

* * * *

*

.

Seite 2

AMERIKA DIENST 34

�BEVÖLKERUNG
31. August 1994

VIEL ÜBEREINSTIMMUNG ZU BEVÖLKERUNGSPOLITIK
Auszüge aus Pressekonferenz mit USAID-Vertretern
WASHINGTON - (AD) - Amerikanischen Regierungsvertretern zufolge haben die meisten Industrie- und
Entwicklungsländer die Notwendigkeit einer Stabilisierung ihrer Bevölkerung erkannt, damit ihre Volkswirtschaften wachsen können.
Sally Shelton, Stellvertretende Leiterin für globale Programme sowie Unterstützung und Forschung vor Ort beim
Amt für internationale Entwicklung (U.S. Agency for International Development - USAID) räumte am 19. August
1994 bei einer Pressekonferenz ein, der Vatikan sowie einige römisch-katholische und muslimische Länder
widersetzten sich dem Beschluß von Maßnahmen zur Stabilisierung der Bevölkerung auf der vom 5. bis 13.
September 1994 in Kairo anberaumten Konferenz über Bevölkerung und Entwicklung.
Sie sprach die Hoffnung aus, daß die Delegierten aus über 100 Ländern die Differenzen beilegen, da ein
hohes, umweltschädigendes Bevölkerungsniveau zu Bürgerkriegen, Massenarbeitslosigkeit, Armut,
Umweltverschmutzung und Gesundheitsschäden führen könne.
Nils Daulaire, hochrangiger politischer Berater für Bevölkerungs- und Gesundheitsfragen bei USAID erklärte,
im Vorfeld der Kairoer Konferenz bestünde mehr Einigkeit zwischen Industrie- und Entwicklungsländern als je
zuvor bei solch umfassenden internationalen Verhandlungen.
Nachfolgend veröffentlichen wir die bei der Pressekonferenz abgegebenen Eingangserklärungen von
Botschafterin Shelton und Dr. Daulaire.

Shelton: Die amerikanische Regierung ist der
Ansicht, daß sich die Bevölkerung als eine der
entscheidendsten Entwicklungsfragen abzeichnet,
mit denen die Welt in diesem Jahrzehnt und vielleicht in diesem Jahrhundert konfrontiert wird.
Unseres Erachtens erweist sich Erfolg oder Scheitern nationaler Entwicklung als Schlüsselfrage der
Zeit nach dem Kalten Krieg.
Bei der Kairoer Konferenz werden Vertreter staatlicher und nichtstaatlicher Organisationen aus der
ganzen Welt zusammenkommen, was in diesem
Ausmaß eine einzigartige politische Maßnahme
darstellt. Die in den Bereichen Bevölkerung, reproduktive Gesundheit und Familienplanung als
Vorbereitung der Kairoer Konferenz geleistete Arbeit
ist enorm. USAID hat sich in den vergangenen 30
Jahren mit diesen Fragen beschäftigt, und wir freuen
uns auf die Zusammenarbeit mit einer Reihe anderer
Regierungen aus der ganzen Welt, um in Kairo

AMERIKA DIENST 34

einen Konsens zu erzielen und ein entsprechendes
Dokument auszuarbeiten.
Ich möchte noch betonen, daß das Thema dieser
Konferenz Bevölkerung und Entwicklung ist. Man hat
sich häufig auf die Bevölkerungsaspekte konzentriert
und meines Erachtens der Entwicklung nicht genug
Aufmerksamkeit gezollt.
Viele von uns haben sich in den letzten Wochen mit
den tragischen Ereignissen in Ruanda, Somalia und
Haiti befaßt. Diese Geschehnisse bilden den Hintergrund der Kairoer Konferenz, denn diesen Tragödien
ist gemeinsam, daß umweltschädigendes Bevölkerungswachstum zu Konflikten innerhalb eines Landes
führt. Ferner sehen viele von uns Bevölkerungsfragen in einem größeren Kontext. Die Bevölkerung
beeinflußt die Fähigkeit der Regierungen, den Erwartungen ihrer Bürger gerecht zu werden. Sie beeinflußt entscheidend die Beschäftigungspolitik einer
Regierung und einer Gesellschaft. Sie ist ein wesent-

Seite 1

�licher Faktor für die Armut. Sie hat Auswirkungen
auf die Umwelt, die Verwaltung von Rohstoffen, die
Verschmutzung von Wasser und Luft. Sie steht in
engem Zusammenhang mit der Kindersterblichkiet.
Sie ist ein zentraler Faktor dabei, Frauen mehr
Entscheidungsgewalt zu geben.
Unserer Ansicht nach sind die auf der Tagesordnung
der Kairoer Konferenz stehenden Fragen für die
ganze Welt von Belang. Vor einigen Tagen kam ich
von einer Reise nach Indien und Indonesien zurück.
Während meiner ausführlichen Diskussionen in
diesen beiden Länderrn war ich betroffen von der
Allgemeingültigkeit der Anliegen, die meine Regierung in Kairo vorbringen wird. Die von Männern und
Frauen auf der ganzen Welt vorgetragene Forderung
nach Zugang zu Familienplanung sowie mehr
Lebensqualität im Hinblick auf Wirtschaftslage und
Umwelt ist überwältigend und reicht von der Basis
bis hinauf in alle Gesellschaftsschichten.
Ich möchte hier auch darauf hinweisen, daß sich die
Kairoer Konferenz mit einer Reihe über Bevölkerung
und Familienplanung hinausgehender Fragen
befassen wird: Der Stärkung der Familie, den
Bedürfnissen von Wanderarbeitern und Flüchtlingen,
reproduktiver Gesundheitsfürsorge für Frauen und
mit einer Frage, die meiner Meinung nach den
wichtigsten Tagesordnungspunkt darstellt - vermehrte Entscheidungsbefugnis für Frauen. Meines
Erachtens ist es wirklich interessant zu beobachten,
wie sich in den letzten Monaten der Schwerpunkt
der Kairoer Konferenz von einer nahezu ausschließlichen Konzentration auf Familienplanung zu den viel
umfassenderen Fragen der vermehrten Entscheidungsgewalt für Frauen verlagerte, die durch diese
Erweiterung mit der Stärkung von Demokratien in
Zusammenhang stehen.
Für uns im Amt für internationale Entwicklung ist von
großer Bedeutung, der Rolle der Frau bei allen
Aspekten unserer Entwicklungsprogramme größere
Priorität einzuräumen. Aus diesem Grund ist es
unserer Überzeugung nach angemessen, daß der
Kairoer Konferenz im Herbst 1995 in Beijing eine
Konferenz über den Status der Frau folgt. Das ist
natürlich Teil einer kontinuierlichen Entwicklung. Auf
der Kairoer Konferenz soll der vor 20 Jahren zwischen den Regierungen erzielte Konsens bekräftigt
werden, daß alle Paare und Einzelpersonen in der
Lage sein sollten, frei und in eigener Verantwortung
über die Zahl ihrer Kinder und den Abstand zwischen den Geburten zu entscheiden. Ferner möchte
ich Betonung auf die Idee der Verantwortlichkeit
legen, auf die im Text der Konferenz besonderer
Wert gelegt wird. Es geht also nicht nur um die
Rechte aller Bürger, sondern auch um Pflichten.

Seite 2

Wir bei USALD haben - wie bereits erwähnt - seit
mehr als 30 Jahren anderen Ländern bei der Entwicklung von Familienplanungsprogrammen geholfen,
ihren Familien mehr Möglichkeiten zur Empfängnisverhütung geboten und dazu beigetragen, daß die
Nationen ihre Programme im Bereich der reproduktiven Gesundheit verbessern können. Verschiedene
Länder - Thailand, Indonesien, Kolumbien, Mexiko haben derartige Programme mit solchem Erfolg
entwickelt, daß sie jetzt praktisch unabhängig sind.
Ich war über eine einfache Tatsache erstaunt. Vor
einer Generation verfolgten nur wenige Länder eine
Bevölkerungspolitik, heute sind es mehr als 100
Staaten. Die meisten, aber nicht alle Länder der Welt
haben jetzt Maßnahmen verabschiedet, die eine
Stabilisierung der Bevölkerung als nationales Ziel
definiert. Daher sind wir der Auffassung, daß die
meisten Länder in Kairo einen beachtlichen Konsens
erzielen können. Wir hoffen, daß die nicht uneingeschränkt zustimmenden in der Lage sein werden.einige der verbleibenden Differenzen auf Verhandlungsbasis beizulegen, damit wir einen umfassenden
Konsens erreichen können.
Es bestehen noch Bedürfnisse beträchtlichen Ausmaßes, die nicht gedeckt sind. Unseren Schätzungen zufolge wünschen noch ungefähr 120 Millionen
Männer und Frauen weltweit, auch in den Vereinigten
Staaten, Zugang zu Empfängnisverhütung. Obwohl
wir schon viel unternommen haben, um den Männern
und Frauen bei der Bestimmung der Zahl ihrer Kinder
zu helfen, bleibt immer noch sehr viel zu tun.
Mit diesen kurzen Anmerkungen möchte ich meine
Ausführungen beenden und meinen Kollegen, Dr. Nils
Daulaire, vorstellen - einen Arzt mit langjähriger
Erfahrung in den Bereichen Gesundheitsfürsorge und
Familienplanung.
Daulaire: Vielen Dank, Frau Botschafterin. Besonders interessant für viele von uns im Bereich der
internationalen Entwicklung und der Gesundheit ist
die Tatsache, daß das Ergebnis von Kairo nicht nur
ein Dokument, nicht nur die Formulierung bestimmter
Prinzipien und Maßnahmen ist, sondern ein konkretes
Aktionsprogramm. Und ich möchte die Tatsache
unterstreichen, daß wir hier über Aktionen sprechen.
Im gesamten Spektrum von Bevölkerung und Gesundheit hat in den vergangenen 20 Jahren seit der
ersten Konferenz - der internationalen Bevölkerungskonferenz von Bukarest im Jahr 1974 - ein langer
und manchmal schwieriger Evolutionsprozeß stattgefunden.
Meines Erachtens sollte man sich im Kontext der
Besorgnis, die viele von Ihnen über die noch ausstehenden, bei den Erörterungen der Vorkonferenz

AMERIKA DIENST 34

�nicht gelösten Fragen vernommen haben, vor Augen
führen, wie weit wir gekommen sind und wieviel
Konsens hier besteht.
Die erste internationale
Bevölkerungskonferenz 1974 in Bukarest war von
einem enormen Gefälle zwischen Nord und Süd
gekennzeichnet. Zu jener Zeit hatte ein Großteil der
in Bukarest vertretenen Länder des Südens das
Gefühl, das Thema Bevölkerung sei zweitrangig oder vielleicht nicht nur zweitrangig, sondern sogar
unwichtig und eine Angelegenheit, die für den Westen von Bedeutung, aber im Kontext der nationalen
Entwicklung wirklich unerheblich war. 1974 war man
in dieser Frage völlig geteilter Meinung, und wie
Botschafterin Shelton festgestellt hat, bestehen diese
Meinungsverschiedenheiten nicht mehr. Im Vorfeld
von Kairo und bei den bereits geführten Verhandlungen zeichnete sich ein eindeutiger und breiter Konsens aus jedem Teil des Globus und seitens aller
betroffenen Parteien ab, daß rasches und umweltschädliches Bevölkerungswachstum ein entscheidendes Thema im Bereich der Entwicklung ist, und das
ist ein enormer Fortschritt.
Es hat 20 Jahre gedauert, sollte deswegen aber
nicht bagatellisiert werden.
Bei der Bevölkerungskonferenz in Mexiko 1984
wurden erneut große Fortschritte erzielt. Zu dieser
Zeit waren viele der Länder des Südens zu der
Schlußfolgerung gelangt, daß die Bevölkerungsfrage
in der Tat von großer Bedeutung ist. Und in mancherlei Hinsicht wendete sich das Blatt zwischen
1974 und 1984. Die Vereinigten Staaten kamen zu
der Konferenz von Mexiko mit einer äußerst aussagekräftigen politischen Tagesordnung, die in
gewisser Weise die Position von 1974 revidierte,
derzufolge Bevölkerung ein zweitrangiges Thema
verglichen mit Wirtschaftswachstum und Entwicklung
sei, und damals gab es auch eine gewisse Konfrontation zwischen Norden und Süden oder den
Vereinigten Staaten und den Entwicklungsländern.
Beeindruckend ist auch hier wiederum, daß die
Differenzen jetzt beigelegt sind und es zwischen
dem Norden und dem Süden, zwischen den Ländern
der G-77, der Europäischen Union und den Vereinigten Staaten über Bevölkerung und Entwicklung
keine maßgeblichen Meinungsverschiedenheiten
mehr gibt, und das ist außerordentlich erfreulich.
Dies ermöglicht ein Aktionsprogramm zum jetzigen
Zeitpunkt.
Zum Ergebnis von Kairo und zu dem im April in New
York erarbeiteten Dokumentsentwurf haben wir
bereits nahezu 90 Prozent Übereinstimmung über
die Punkte des Dokuments erzielt. Es ist sehr
ungewöhnlich, zu einer internationalen Konferenz mit
einem Dokument zu gehen, in dem 90 Prozent der

AMERIKA DIENST 34

Sprachregelungen nicht mehr eingeklammert sind.
Ich möchte also nochmals betonen, wie weit die
Dinge vorangekommen sind.
Wir haben einen klaren Konsens unter der großen
Mehrheit der Länder der Welt, daß dies ein enormer
Themenkomplex ist, der auf humane Weise angesprochen werden kann, wobei man sich nicht so sehr
auf die Frage der Kontrolle konzentriert, oder den
Menschen sagt, was zu tun ist, sondern vielmehr sie
- wie Botschafterin Shelton es formuliert hat - in die
Lage versetzt, das zu tun, was sie als ihr Eigeninteresse erkannt haben. Das ist der entscheidende
Punkt, der für mich außerordentlich aufregend war.
Ich war über 20 Jahre lang in Dörfern und Vierteln
der Dritten Welt tätig und habe Programme gesehen,
die von oben aufoktroyiert wurden, bei denen die
Regierungen sagten, Ihr müßt das tun, oder die
internationalen Geber sagten, Ihr müßt jenes tun. Sie
alle erfüllten nicht den Bedarf der Menschen. Sie
waren in gewisser Weise unverständlich. Sie erfaßten nicht, was die Menschen wollten, und infolgedessen gab es sehr häufig Diskrepanzen.
Im vergangenen Jahrzehnt konnten wir eine Annäherung der Vorstellungen bezüglich dessen beobachten,
was die Menschen wollen und benötigen - die von
Botschafterin Shelton angeführten 120 Millionen
Paare auf der Welt - die jetzt Empfängnisverhütung
nur anwenden würden, wenn sie ihnen zur Verfügung
stünde, und die schätzungsweise 180 Millionen
weiteren Paare, die wahrscheinlich ebenfalls verhüten
würden, wenn sie sehen, wie ihre Freunde und
Nachbarn dies tun. Es gibt einen enormen Bedarf
und eine enorme Nachfrage auf der ganzen Welt,
und wir sind zum jetzigen Zeitpunkt in der Position,
diese Situation zu beheben.
Es wurde über einige der geäußerten Bedenken
gesprochen, die Vereinigten Staaten und der Westen
exportierten gewisse Werte und Ansätze, und meines
Erachtens muß man sich ganz klar vor Augen führen,
daß dies weder die Absicht noch die Sprachregelung
des Dokumentsentwurfs für Kairo ist. Ich möchte Sie
alle ermutigen, das Dokument zu lesen - es ist sehr
lang - und zwar Zeile für Zeile, weil es in der Tat ein
Dokument für die Familie ist, ein Dokument, das die
Bande der Gemeinde stärkt sowie den Bedarf und die
Rechte von Einzelpersonen und Paaren anerkennt.
Es ist ein Dokument mit im Konsens erzielten Sprachregelungen, das jetzt von der Europäischen Union
erarbeitet wurde und beide Seiten des Spektrums
repräsentiert, von den eher konservativen Ansichten
Irlands bis zu den progressiveren Hollands und
Dänemarks.
In der vorgeschlagenen Sprachregelung sind neue
Formulierungen enthalten, die von den Vereinigten

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�Staaten mit großem Enthusiasmus unterstützt werden, denen zufolge zum Thema reproduktive Gesundheit und reproduktive Rechte eindeutig klargestellt wird, daß die Formulierung und Umsetzung
bevölkerungspolitischer Maßnahmen, einschließlich
derjenigen im Zusammenhang mit reproduktiver
Gesundheit, das souveräne Recht jeder Nation im
Einklang mit nationalen Gesetzen und den internationalen Menschenrechtsnormen sind. Als Ergebnis von Kairo erwarten wir die Fähigkeit jedes
Landes und der Menschen jedes Landes, ihre
eigenen Entscheidungen zu treffen und sich nicht
bestimmte Werte von außen aufoktroyieren zu
lassen, sei es von den Vereinigten Staaten oder
irgendeiner anderen Organisation mit einem bestimmten Standpunkt. Sie müssen in der Lage sein,
ihre eigenen Entscheidungen zu treffen, und wir
werden dann da sein, um diese Entscheidungen zu
unterstützen.

Das Amt für internationale Entwicklung ist der weltweit größte Geldgeber in den Bereichen Gesundheit
und Familienplanungsprogramme. Wir haben im
Zusammenhang mit reproduktiver Gesundheit eine
wichtige neue Initiative in die Wege geleitet, um diese
zu ergänzen, um den Menschen die Möglichkeiten
zur Verfügung zu stellen, die sie wirklich wollen, und
die ihnen kleinere und gesündere Familien ermöglichen und sie dazu ermutigen.
Von unserem Standpunkt und dem des Amts für
internationale Entwicklung aus ist dies eine enorme
Chance für Fortschritte in kühner und aufregender
Weise, und wir sehen ihnen erwartungsvoll entgegen.
Ich danke Ihnen.

* * * * *

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�UMWELT
31. August 1994

NÄCHSTE SCHRITTE BEI GLOBALER
KLIMAVERÄNDERUNG • DIE SICHT DER
VEREINIGTEN STAATEN
Rede von Timothy Wirth
WASHINGTON - (AD) - Im Vorfeld der vom 5. bis 13. September 1994 anberaumten Konferenz über
Bevölkerung und Entwicklung hielt der Staatssekretär für globale Angelegenheiten im Außenministerium,
Timothy Wirth, am 3. August 1994 eine Rede vor Regierungsvertretern und Fachleuten nichtstaatlicher
Organisationen. Nachfolgend veröffentlichen wir wesentliche Auszüge.

Ich freue mich, daß Sie so zahlreich erschienen sind.
Es ist mir eine Freude, Sie hier im Außenministerium
begrüßen zu dürfen.
Wie Sie wissen, befinden wir uns an einem entscheidenden Wendepunkt in den internationalen
Diskussionen über Klimaveränderungen. Dieser vor
zwei Jahren in Rio unterzeichnete historische
Vertrag ist in Kraft getreten, und die erste Konferenz
der Parteien steht unmittelbar bevor. Erste nationale
Pläne sind in zwei Monaten fällig, in denen Strategien für die Verringerung der Treibhausgasemissionen dargelegt werden sollen. Dies sind maßgebliche und wichtige Schritte. Dennoch ist offensichtlich, daß wir uns auf der internationalen Bühne
einem neuen Ausgangspunkt nähern. Wir wissen,
daß die harte Arbeit vor - nicht hinter - uns liegt.
Im umfassenderen Kontext ist dies ein bemerkenswerter Augenblick in der Geschichte, denn die
Nationen beginnen die Chancen und Pflichten zu
begreifen, die ihnen bei der Erforschung der die Welt
immer komplexer machenden aktuellen Krise bis zu
den zugrundeliegenden Ursachen zukommt, sowie
bei der Neudefinition der Prioritäten für langfristige
nationale Sicherheit und globale Stabilität. Angesichts der demographischen, wirtschaftlichen und
technologischen Prognosen für die Entwicklungsländer könnte das Morgen eine Katastrophe werden.
Wir müssen den Kurs ändern.
Die Clinton-Gore-Administration hat sich verpflichtet
unter Beweis zu stellen, wie der öffentliche und der
Privatsektor zusammenarbeiten können, um die

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Versprechungen und Notwendigkeit umweltverträglicher Entwicklung zu realisieren.
Auf internationaler Ebene und innenpolitisch gleichermaßen vertritt die Administration die Auffassung und kämpft um die Beweisführung - daß wir die
doppelte Dividende umweltverträglicher Entwicklung
zum Tragen bringen können: Fortschritte zu einem
Gleichgewicht zwischen Umweltschutz und Wirtschaftswachstum. Dies ist nirgends offenkundiger als
beim Problem der globalen Klimaveränderungen.
Als oberstes Ziel hat der Präsident die Vereinigten
Staaten zum Ziel der globalen Klimakonvention
verpflichtet - dem Abbau der Treibhausgasemissionen
bis zum Jahr 2000 auf das Niveau von 1990. Und
wir haben einen flexiblen und wirtschaftlich profitablen
Plan zur Erlangung dieses Ziels erarbeitet. Wir
haben eine Vorreiterrolle bei Partnerschaften zwischen dem öffentlichen und Privatsektor sowie mit
der internationalen Staatengemeinschaft gespielt - die
am besten durch unsere zukunftsweisende Position
und Rolle bei der gemeinsamen Umsetzung unter
Beweis gestellt wird.
Es wurde eine parallele Tagesordnung zur Förderung
der Entwicklung und Verbreitung von Umwelttechnologie aufgestellt. Unter Einbeziehung des Energie-,
Wirtschafts- und Außenministeriums, des Umweltschutzamts, des Amts für internationale Entwicklung
sowie unserer Exportförderungsbehörden bauen
diese Bestrebungen auf den bereits von uns für die
Förderung von Umwelttechnologie ausgegebenen 4
Milliarden Dollar auf. Die Clinton-Administration hat

Seite 1

�einen strategischen Rahmen für Umweltexporte und
eine Technologieinitiative zur Schaffung zukunftsträchtiger Umweltsysteme entwickelt.
Jetzt richten wir unseren Blick auf die Zukunft. Das
für August anberaumte Treffen des zwischenstaatlichen Verhandlungskomitees wird erneut eine fruchtbare Diskussion über die "Angemessenheit" der
unter der Rahmenkonvention über Klimaveränderungen eingegangenen Verpflichtungen führen und
weitere Schlüsselfragen erörtern, einschließlich
gemeinsamer Umsetzung sowie Überprüfung nationaler Kommunikationssysteme und Prioritäten der
Finanzmechanismen der Konvention.
Wir haben bereits von immer mehr Regierungen die
Forderung vernommen, daß in Berlin ein offizielles
Verfahren zur Prüfung der nächsten Schritte eingeleitet werden soll, Treibhausgase zu reduzieren und manche haben schwierige spezifische Fragen in
die Debatte eingebracht.
Wir haben mit Interesse zugehört und bereiten uns
auf die Teilnahme vor. Diese Administration will
dazu beitragen, den internationalen Prozeß voranzubringen, um der Bedrohung durch eine beträchtliche Erhöhung der Treibhausgaskonzentrationen zu
begegnen.
Um diese Führungsrolle übernehmen zu können,
müssen wir mit Ihnen und anderen darüber beraten,
wo wir stehen und in welche Richtung wir gehen
sollten - und darum geht es bei der heutigen Sitzung. Aus unserer Sicht erscheinen vier Prioritäten
am vielversprechendsten.
Die Klimakonvention in ihrer jetzigen Form enthält
ein Ziel zur Erreichung des übergeordneten Ziels der
Konvention - die Verhinderung gefährlicher Eingriffe
in die natürlichen klimatischen Prozesse der Erde.
Dieses im Vorfeld der Konferenz von Rio beschlossene Ziel sollte unsere nationalen Bestrebungen für
die Zeit vor dem Jahr 2000, jedoch nicht darüber
hinaus leiten. Die Administration erklärte, die
derzeitigen, unter der Konvention eingegangenen
Verpflichtungen befaßten sich nicht ausreichend mit
den nach dem Jahr 2000 zu ergreifenden Maßnahmen. Mit anderen Worten: Es handelt sich hier um
eine langfristige Herausforderung, die langfristige
Lösungen erfordert. Wir erachten dies als oberste
Priorität für die Zukunft und müssen uns ein Ziel
setzen, das unsere Bestrebungen in der ersten Zeit
nach der Jahrhundertwende leiten kann.
Der Ansatz der Vereinigten Staaten, im Rahmen der
Konvention die nächsten Schritte zu unternehmen,
sollte wie stets in unserer Verpflichtung zu umfassenden, flexiblen, umweltfreundlichen, vorteilhaf-

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ten, gerechten, pragmatischen und innovativen
Bestrebungen liegen.
Vor dem Hintergrund der während der bewegten
Aushandlung des Vertrags und danach gelernten
Lektionen werden wir uns verstärkt darum bemühen
müssen sicherzustellen, daß die Nationen ihren
Worten Taten folgen lassen. Neben den Vereinigten
Staaten haben nur wenige Nationen klare, substantielle Vorschläge zur Reduzierung von Emissionen
vorgelegt, die sie zur Erreichung der ersten Ziele der
Konvention befähigen. Wir müssen eindeutig klarstellen: Gute Absichten und hochfliegende Worte
bringen uns nicht dem Ziel näher, den mit einem
Abbau der Emissionen einhergehenden, äußerst
bedeutenden Herausforderungen zu begegnen. Der
Vertrag fordert und erwartet Aktionen.
Wenn wir die nächsten Schritte unternehmen, ist es
daher geboten, eine zweite Priorität zu setzen - die
Chancen für gemeinsame Aktionen zur prüfen, die
zur Erlangung jedes neuen Ziels in der Zeit nach dem
Jahr 2000 ergriffen werden können. Ich vermute,
daß die Konvention bei diesen Themen nicht länger
Stillschweigen bewahren kann, obwohl die amerikanische Position weiterhin lautet, daß wir einen großen
Teil nationaler Flexibilität bewahren müssen, um
verläßliche, verifizierbare, nationale Bestrebungen
zum Abbau von Emissionen verfolgen zu können.
Unserer Ansicht nach könnten zur Erreichung des
Ziels verschiedene gemeinsame Aktionen verfolgt
werden. Gemeinsame Aktionen könnten die Form
vereinbarter Verfahren zur Prüfung von Möglichkeiten
der Reduzierung von Emissionen unter gegebenen
nationalen Umständen annehmen, wobei lediglich
gefordert würde, daß diese Chancen erwogen werden
und darüber berichtet wird. Als Beispiel für ein
solches Verfahren möchte ich eine im Gesetz über
Energiepolitik von 1992 enthaltene Bestimmung
anführen. Sie fordert von den Bundesstaaten eine
Projektstudie über die Nutzung integrierter Ressourcenplanung. Die Bestimmung legte keine Methode
für die integrierte Ressourcenplanung fest, sondern
wies die Bundesstaaten an, dieses Mittel zu erwägen
und darüber zu berichten, ob und warum es unter
den gegebenen Umständen angemessen erscheint
oder nicht.
Ferner könnten wir breitgefächerte und spezifische
Technologieinitiativen prüfen, einschließlich Anreizen
oder abschreckenden Faktoren, Technologien mit
geringeren Emissionen auf den Markt zu bringen,
Technologien mit höheren Emissionen vom Markt zu
verdrängen oder bestehende Interventionen zu
reduzieren, die diesen Zielen zuwiderlaufen. Im
Hinblick auf zukünftige Emissionen ist es klar, daß
alle Nationen neue Technologien einsetzen müssen,

AMERIKA DIENST 34

�die zur Erlangung wirtschaftlicher und emissionspolitischer Ziele befähigen. Technologie ist ein
vielversprechender Faktor für internationale Zusammenarbeit.
Andererseits ist es vielleicht möglich, daß die Nationen sich im Rahmen dieser Konvention oder in
anderer Weise auf eine Reihe von Maßnahmen
einigen, die den Ländern beim Abbau von Emissionen behilflich sind. Hierzu möchte ich ebenfalls ein
Beispiel aus dem Gesetz über Energiepolitik anführen. Mit Blick auf die immer länger werdende Liste
von Staaten, die Normen für Lampen, Motoren und
Duschköpfe festsetzen, arbeiteten wir gemeinsam
mit der Industrie ein Abkommen über Mindestnormen für die Leistungsfähigkeit dieser Produkte aus.
Es wird schwierig, aber vernünftig sein, ein Abkommen über internationale Normen zu schließen, an
denen sich die Hersteller während des Produktionsprozesses orientieren können. In diesem Sinne
bedeuten "vereinbarte Maßnahmen" nicht "harmonisierte" Maßnahmen.
Es ist meine Überzeugung, daß wir all diese Initiativen - Abkommen über Prozesse und Maßnahmen zum Abbau von Emissionen - verfolgen und
gleichzeitig als Priorität ein neues Ziel zur Kontrolle
der Emissionen in den ersten Jahren nach der
Jahrhundertwende anstreben sollten. Dieser Ansatz
wird uns die erforderliche Zielsetzung und Sicherheit
verleihen, daß die Nationen angemessen auf die
Herausforderung des Schutzes der Integrität des
globalen Klimasystems reagieren.
Die dritte Herausforderung zur Stärkung des Klimavertrags betrifft Sie alle. Obwohl Experten aus dem
öffentlichen und privaten Sektor an den Sitzungen
des zwischenstaatlichen Verhandlungskomitees
teilgenommen haben, war ihre Rolle bisher auf die
von Sitzungsbeobachtern beschränkt, die gelegentlich Erklärungen abgaben und auf den Fluren der
internationalen Konferenzsäle Kontakte zu Regierungsvertretern knüpften (das Klima, in dem Sie, die
Kämpfer gegen den Treibhauseffekt, sich am wohlsten fühlen).
Je mehr wir über umweltverträgliche Entwicklung
erfahren, desto klarer wird uns, daß der Prozeß viel
Klugheit erfordert. Meines Erachtens ist es an der
Zeit, Experten aus dem öffentlichen und privaten
Sektor stärker in die mit dem Vertrag einhergehenden Verfahren einzubinden und sie zur aktiven
Teilnahme zu gewinnen. Unter dem Montrealer
Protokoll beispielsweise haben Gremien technischer
Berater, denen auch Experten aus dem öffentlichen
und privaten Sektor angehören, eine entscheidende
Rolle beim Ausmachen von Optionen und der

AMERIKA DIENST 34

Auswahl von Alternativen für die verringerte Nutzung
die Ozonschicht zerstörender Chemikalien gespielt.
Schließlich sind wir der Ansicht, daß die Stärkung der
Konvention eine vierte Priorität darstellen sollte.
Kontinuierliche Arbeit in diesem Bereich sollte in
Abstimmung mit den nächsten Schritten erfolgen, da
weitere Fortschritte von wesentlicher Bedeutung beim
Aufbau von Vertrauen sind, daß die Parteien ihren
Verpflichtungen nachkommen, die Integrität nationaler
Pläne sicherzustellen, den Abbau von Emissionen
durch gemeinsame Durchführung kostengünstig zu
gestalten und den Parteien zum besseren Verständnis der Pläne anderer sowie der Ergebnisse und
Effektivität nationaler Aktionen zu verhelfen, was zu
besserer Planung führt.
Diese vier Prioritäten stellen zusammengenommen
eine schwierige Auswahl künftiger Aktionen dar. Sie
sind keine vollständige Definition der künftigen
Tagesordnung, denn wir benötigen beispielsweise
auch neue Strategien um sicherzustellen, daß die
Nationen alles in ihrer Macht Stehende zum Abbau
von Emissionen unternehmen. Obwohl die Industriestaaten hierbei die Führungsrolle übernehmen
müssen, ist es für uns nicht zu früh, uns Gedanken
darüber zu machen, wie wir andere noch stärker
einbeziehen können. Wir sollten überlegen, wie wir
zusätzlich zu den in Anhang A aufgeführten weitere
Länder identifizieren können, die eine führende Rolle
zu spielen in der Lage wären.
Zweifellos sind auch noch andere Fragen zu klären,
und wir begrüßen Anregungen Ihrerseits zu diesen
Ideen, zusätzlichen Prioritäten und zukünftigen Zielen
der amerikanischen und internationalen Bestrebungen
im Rahmen der Konvention.
Abschließend möchte ich noch auf Berlin zu sprechen
kommen und die Bedeutung der für den kommenden
Monat in Kairo anberaumten internationalen Konferenz über Bevölkerung und Entwicklung für Berlin
hervorheben. Ungeachtet dessen, was wir im Rahmen der Klimakonvention unternehmen, wird die
Reduzierung von Treibhausgasen und die Förderung
umweltverträglicher Entwicklung bedeutend schwieriger sein, wenn wir keine umfassenden Strategien zur
Bekämpfung des rapiden Bevölkerungswachstums
entwickeln. Bevölkerung ist von zentraler Bedeutung
für sämtliche Entwicklungen, und jeder hier Anwesende sollte sich dieser Herausforderung widmen. Es
wird immer deutlicher, daß Erfolg in Kairo ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg nach Berlin und darüber hinaus ist.
Ich möchte nochmals wiederholen, wie bedeutend es
für uns ist, uns gemeinsam auf die unvermeidlichen,
unter dem Klimavertrag zu unternehmenden nächsten

Seite 3

�Schritte vorzubereiten. Praktisch alle Nationen sind
sich darin einig, daß die derzeitigen Bestrebungen
zur Bewältigung der bevorstehenden Aufgabe nicht
ausreichend sind. Man würde einen großen Fehler
machen, seine Hoffnungen auf die verbleibenden
Unsicherheiten bei der Erforschung des weltweiten
Klimas zu setzen. Die verbleibenden Unsicherheiten
rechtfertigen keine Gleichgültigkeit. Die grundlegende Forschung besagt eindeutig, daß der fortgesetzte
Anstieg von Treibhausgasen einen Klimawandel
herbeiführen wird, der beträchtliche Auswirkungen
auf unseren Planeten haben wird. Wir können uns
keine Untätigkeit leisten. Ebenso sicher, wie ich hier

stehe, wird die internationale Staatengemeinschaft in
nicht allzu ferner Zukunft härtere Maßnahmen zum
Abbau von Emissionen im 21. Jahrhundert ergreifen.
Diese Administration wird dem öffentlichen und
privaten Sektor weiterhin enorme Chancen bieten,
gemeinsam mit uns der Wirtschaft und der Umwelt
förderliche Strategien zum Abbau von Treibhausgasen und zur Förderung umweltverträglicher Entwicklung zu entwerfen.
Ich danke Ihnen.

* * * * *

Seite 4

AMERIKA DIENST 34

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                <text>&lt;strong&gt;1. Artikel&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Wegebau in der Antarktis&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Kühne Brückenkonstruktionen in Schnee und Eis&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Fremdsprachenbibliothek der Public Library in New York&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nachwuchsprobleme in der amerikanischen Atomwissenschaft&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Akuter Mangel an Lehrern und Schülern&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Kulturelle Nachrichten aus den USA&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;"Variatonen in einer Sphäre"&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die 15. Kopie der Unabhängigkeitserklärung&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die UNESCO baut in Paris&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Eine G.B.S. - Sammlung für die Universität von Kalifornien&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Anhang&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;John Foster Dulles zur gegenwärtigen Weltlage&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Wortlaut einer Rede vom 27. Okt. 1956 in Dallas (Texas)&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Eisenhower: Vertrauen und Verständnis unter allen Völkern schaffen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Wortlaut einer Rede vom 23. Okt. 1956 zu den Wasserstoffbombenversuchen der USA&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;US-Beitrag zur Weltatombehörde&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Wortlaut einer Botschaft Eisenhowers vom 26. Okt. 1956&lt;/em&gt;</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Zum internationalen geophysikalischen Jahr&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Radioisotope in der Atmosphäre&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Ein Hilfsmittel der meteorologischen Forschung&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Von Kunst und Künstlern&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Wiederentdeckung Eugene O'Neills&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Joseph Wood Krutch, Professor für Theaterliteratur an der Columbia-Universität, New York&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Atomtechnik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Reaktor für Atomkraftwerk Kahl in Auftrag gegeben&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Achter Lehrgang der internationalen Akademie für Kernwissenschaft und Kerntechnik (ISNSE)</text>
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                    <text>amerika dienst
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und
Dokumentation

Telex:08-85432

Nummer

44

3 1 . Oktober 1972

Inhalt

INFORMATION:

Nixon: Weltwirtschaftsordnung muß gerechter und offener werden
-Erklärung des Weißen Hauses-

DOKUMENTATION:
Kissinger erläutert Stand der Verhandlungen mit Hanoi
-Wortlaut der Erklärung Kissingers auf der Pressekonferenz am 26.0ktober-

WISSENSCHAFT UND TECHNIK:

Internationale "Denkfabrik" zur Lösung sozialer Probleme
-Institut für angewandte Systemanalyse in Schloß Laxenburg bei WienLokalisierung von Flugzeugwracks im Meer
Kosmische Gamma-Strahlung

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

�amerika dienst
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44/1972

NIXON: WELTWIRTSCHAFTSORDNUNG MUSS GERECHTER UND OFFENER WERDEN
-Erklärung des Weißen Hauses-

WASHINGTON --(AD)-- Die Vereinigten Staaten werden bei den bevorstehenden Verhandlungen über eine Währungs-und Handelsreform "kühne Maßnahmen" für eine gerechtere und offenere Weltwirtschaftsordnung ergreifen. Dies betonte Präsident
Nixon in einer Erklärung des Weißen Hauses zum kürzlichen EWG-Gipfeltreffen
in Paris, die am 27. Oktober in Washington veröffentlicht wurde.
Die Erklärung des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:
"Ich habe mit großem Interesse das Kommunique gelesen, das von den Führern
der neun Länder der erweiterten Europäischen Gemeinschaft herausgegeben wurde
und in dem sie erneut ihre Verpflichtung zu einer verstärkten europäischen Einheit zum Ausdruck bringen. Auf diesem wichtigen Treffen haben die Mitglieder der
Gemeinschaft ihre Absicht bekundet, »vor Ablauf dieses Jahrzehnts die Gesamtheit ihrer Beziehungen in eine Europäische Union umzuwandeln.* Die Vereinigten
Staaten unterstützen dieses Ziel mit allem Nachdruck. Es ist - und war immer meine feste Überzeugung, daß Fortschritte in Richtung auf ein vereintes Europa
den Frieden in der Welt, Sicherheit und Prosperität fördern.
Es

-1-

�Es ist ebenfalls von größter Wichtigkeit, daß die Vereinigten Staaten und
Europa eng zusammenarbeiten. Aus diesem Grunde begrüße ich besonders die erklärte Absicht der Gemeinschaft, mit uns in einem progressiven, aufgeschlossenen
Dialog zu bleiben, sowie ihre Verpflichtung zu einer progressiven Liberalisierung der tarifären und nichttarifären Handelsschranken auf einer umfassenden
Basis während der wichtigen multilateralen Verhandlungen, die im nächsten Jahr
beginnen sollen.
Im Namen der Vereinigten Staaten möchte ich unsere Verpflichtung bekräftigen, mit den Mitgliedern der Europäischen Gemeinschaft für eine Reform des Weltwirtschaftssystems zusammenzuarbeiten, und zwar in einer Weise, durch die eine
Freiheit des Welthandels, eine neue Gerechtigkeit im internationalen wirtschaftlichen Verhalten sowie wirksame Lösungen der Probleme der Entwicklungswelt erreicht werden.
Dies sind die Ziele, die die Vereinigten Staaten bei den bevorstehenden
Verhandlungen über eine Währungs-und Handelsreform leiten werden. Wir werden bereit sein, mit unseren europäischen Partnern kühne Maßnahmen für eine gerechtere und offenere Weltwirtschaft zu ergreifen. Die Erklärung der Gipfelkonferenz
vom 21. Oktober ist der Beweis, daß unsere europäischen Partner sich in gleicher
Weise dem Erfolg dieser Bemühungen verschrieben haben. In der Zwischenzeit rechnen wir von ihrer Seite mit kontinuierlicher Unterstützung bei der Förderung
eines Klimas der gegenseitigen Zusammenarbeit und des gegenseitigen Vertrauens
sowie mit einer Demonstration, daß diese Bemühungen durch positive Maßnahmen zur
Lösung dringlicher und unmittelbarer Probleme von Erfolg gekrönt sein werden."

-2-

�Jamerika dienst
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44/1972

KISSINGER ERLÄUTERT STAND DER VERHANDLUNGEN MIT HANOI

•wortlaut der Erklärung Kissingers auf der Pressekonferenz am 26.0ktober-

WASHINGTON --(AD)-- Der Berater Präsident Nixons für Fragen der Nationalen
Sicherheit, Dr. Henry Kissinger, hat auf einer Pressekonferenz am 26. Oktober
in Washington den Stand der Verhandlungen mit Nordvietnam erläutert. Dabei gab
er eine längere Erklärung ab, die folgenden Wortlaut hat:
"Meine Damen und Herren:
Beide Teile Vietnams haben sich nunmehr geäußert, und es ist offensichtlich, daß ein Krieg, der zehn Jahre lang gedauert hat, jetzt zu Ende geht; das
ist eine traumatische Erfahrung für alle Beteiligten. Der Präsident meinte,
es könnte nützlich sein, daß ich Ihnen jetzt einen Bericht darüber gebe, was
wir getan haben, wo wir jetzt stehen und daß ich die verschiedenen Behauptungen und Beschuldigungen in die richtige Perspektive rücke.
Lassen Sie mich zunächst über die Situation sozusagen in drei Teilen berichten:
wo

1-

�wo wir verfahrensmäßig stehen, welches der wesentliche Inhalt der Verhandlungen ist und welches unser künftiger Kurs sein wird.
Ich glaube, daß der Friede in Reichweite ist. Wir sind der Auffassung, daß
ein Abkommen in Sicht ist - ein Abkommen, das sich auf den Vorschlag des Präsidenten vom 8. Mai sowie auf einige Anpassungen unseres Vorschlages vom 25. Januar stützt und das für alle Beteiligten gerecht ist. Es ist unvermeidlich, daß
es in einem Krieg von solcher Komplexität bei der Erreichung einer endgültigen
Lösung gelegentliche Schwierigkeiten gibt, aber wir glauben doch, daß bei weitem
der längste Teil dieses Weges zurückgelegt worden ist; was jetzt einem Abkommen
noch im Wege steht, sind Fragen, die relativ weniger wichtig sind als die Probleme, die bereits geregelt wurden.
Ich möchte zunächst auf die verfahrensmäßigen Punkte eingehen, auf die Argumente hinsichtlich bestimmter Daten für die Unterzeichnung des Abkommens. Wie
Sie wissen, haben wir nahezu vier Jahre lang auf geheimen Sitzungen mit den Nordvietnamesen verhandelt. Wir haben die Gespräche am 19. Juli dieses Jahres wieder aufgenommen. Bisher sind die Verhandlungen immer daran gescheitert, daß die
Nordvietnamesen darauf bestanden, daß erst eine politische Regelung erreicht
werden müsse, bevor über eine militärische Lösung verhandelt werden könne; sie
scheiterten ferner an der damit zusammenhängenden Forderung der Nordvietnamesen,
daß die politische Regelung Vorkehrungen enthalten müsse, die nach unserer Auffassung das politische Ergebnis von vorneherein entschieden hätten.
Wir haben in diesen vertraulichen Verhandlungen von Anfang an den Standpunkt vertreten, dau ein zügiger Fortschritt nur erreicht werden könne, wenn die
politischen und die militärischen Fragen getrennt würden; d.h., wenn die Nordvietnamesen und wir über Mittel und Wege für eine Beendigung des Krieges verhandelten, und wenn die politische Lösung des Krieges einer Erörterung der vietnamesischen Partner unter sich überlassen bleibe. Während vieler langer und

�und vertraulicher Sitzungen während des Sommers blieben diese Positionen im
wesentlichen unverändert

Wie Radio Hanoi heute richtig gemeldet hat, machten die

Nordvietnamesen am 8. Oktober zum erstenmal einen Vorschlag, der uns in die Lage
versetzte, die Verhandlungen zu beschleunigen. Ja, zum erstenmal unterbreiteten
sie einen Vorschlag, der es überhaupt möglich machte, konkret zu verhandeln

Die-

ser Vorschlag ist mit den Erklärungen aus Hanoi korrekt wiedergegeben worden;
d.h. er sieht vor, daß die Vereinigten Staaten und Hanoi sich zunächst einmal
darauf konzentrieren, die militärischen Aspekte des Krieges zu einem Ende zu
bringen, daß sie sich über einige sehr allgemeine Grundsätze einigen, innerhalb
derer die südvietnamesischen Partner dann über die politische Entwicklung

in

Südvietnam entscheiden könnten, was genau der Position entsprach, die wir immer
vertreten haben. Sie ließen ihre Forderungen nach einer Koalitionsregierung fallen, die alle vorhandenen Kräfte absorbieren würde. Sie ließen ihre Forderung
nach einem Veto in bezug auf die führenden Persönlichkeiten und die Struktur der
gegenwärtigen Regierung fallen.
Sie stimmten auch zum erstenmal einer Formel zu, die eine gleichzeitige Erörterung von Laos und Kambodscha gestattete. Kurz gesagt, wir hatten zum erstenmal den Rahmen,innerhalb dessen wir konkret und genau unsere Standpunkte sowie
das, was jede Seite zu geben bereit war, prüfen konnten, statt allgemeine Behaup
tungen aufzustellen und einen Fortschritt daran zu messen, ob bestimmte Klauseln
besonderer Sätze in Winzigkeiten geändert worden seien
Ich möchte diese Gelegenheit benutzen, um darauf hinzuweisen, daß von diesem
Zeitpunkt an die nordvietnamesischen Unterhändler guten Willen und großen Ernst
zeigten. Dasselbe gilt für uns. Wir haben an der allgemeinen Darstellung der Ereignisse, die von Radio Hanoi gegeben wurde, nichts auszusetzen.

Es

�Es zeigte sich jedoch der erste Anfang eines spezifischen Mißverständnisses. Die nordvietnamesischen Unterhändler machten ihren Vorschlag von der Lösung
des Problems bis zum 31. Oktober abhängig, und sie bestanden beharrlich darauf,
daß wir gewisse Verpflichtungen dahingehend eingehen sollten, daß wir bis zum
31. Oktober den Krieg beilegen und die Verhandlungen abschließen müßten.
Ich möchte hier unterstreichen, daß diese Daten keine Daten waren, die wir
erfunden oder vorgeschlagen haben. Ich möchte ferner unterstreichen, daß meine
Anweisungen seitens des Präsidenten genau diejenigen waren, die er auf einer
Pressekonferenz dargelegt hatte; d.h., daß wir eine Regelung erreichen sollten, die gerecht und unabhängig ist von irgendwelchen willkürlichen Terminen,die
von innenpolitischen Vorgängen bestimmt würden. Um eine abstrakte Erörterung von
endgültigen Terminen zu vermeiden, die zu jenem Zeitpunkt noch überaus theoretisch erschienen, stimmten wir jedoch zu, daß wir eine wesentliche Anstrengung
machen würden, um die Verhandlungen bis zum 31. Oktober abzuschließen; und es
ist richtig, daß wir von Zeit zu Zeit Terminabläufe nannten, durch die dies
vielleicht erreicht werden könnte. Es war jedoch immer klar - zumindest für
uns, und wir dachten, wir hätten dies auch in den Verhandlungsprotokollen klar
gemacht - daß wir ganz offensichtlich kein Abkommen unterzeichnen könnten, bei
dem noch Einzelheiten auszuarbeiten blieben, nur weil wir guten Glaubens erklärt hatten, wir würden uns darum bemühen, dieses Abkommen zu einem bestimmten
Datum abzuschließen.
Es war immer klar, daß wir alles, was ausgehandelt wurde, zunächst in
Washington und dann in Saigon erörtern müßten. Es ist viel darüber geredet worden, ob Saigon ein Veto hinsichtlich unserer Verhandlungen habe, und ich möchte
unseren Standpunkt hierzu darlegen:
Ohne

�•4

Ohne Frage hat die Bevölkerung Südvietnams, die so sehr gelitten hat,
sowie die Regierung Südvietnams, mit der wir verbündet sind, die beide in jenem
Lande verbleiben, nachdem wir abgezogen sind, jedes Recht, sich an der Gestaltung
ihres eigenen Friedens zu beteiligen. Sie haben jedes Recht darauf, daß ihre Ansichten gehört und überaus ernst genommen werden.
Wir behalten uns selbstverständlich unsere eigene Urteilsfreiheit vor und
wir treffen unsere eigenen Entscheidungen darüber, wie lange nach unserer Auffassung ein Krieg fortgesetzt werden sollte. Aber eine Quelle des Mißverständnisses
bestand darin, daß Hanoi der Ansicht zu sein schien, daß wir Saigon irgendeine
Lösung einfach aufzwingen könnten und daß die Beteiligung Saigons nicht erforderlich sei. Ich möchte jedoch auch klar machen, daß die noch zu regelnden Punkte
aus einer ganzen Reihe von Quellen herrühren, und ich werde mich ausführlich mit
ihnen befassen. Saigon, und dies ist allgemein bekannt, hat seine Ansichten mit
dem üblichen Ungestüm sowie öffentlich als auch vertraulich zum Ausdruck gebracht.
Wir stimmten mit einigen dieser Ansichten überein, wir stimmten jedoch nicht
allen diesen Auffassungen zu und wir machten klar, welche wir akzeptierten und
mit welchen wir uns nicht identifizieren können.
Darüberhinaus haben meine Mitarbeiter und ich, während wir in Saigon waren,
auch andere Länder Südostasiens besucht, und wir hatten ausführliche Gespräche mit
amerikanischen Regierungsvertretern. Es hatte hierbei den Anschein, daß es bestimmte Besorgnisse und bestimmte Unklarheiten in dem Abkommensentwurf gab, die nach
unserer Auffassung einer Modifizierung und Verbesserung bedurften. Ich möchte jedoch noch einmal betonen, daß

das, was noch getan werden muß, nur einen Bruchteil

dessen ausmacht, was bereits erreicht worden ist, und wenn jetzt Behauptungen und
Gegenbehauptungen aufgestellt werden, dann müssen wir uns vor Augen halten, daß
wir nach dem bisher Erreichten an dem, was noch geregelt werden muß, nicht scheitern können und nicht scheitern werden.
Lassen

-5-

�Lassen Sie mich nun zunächst kurz die Hauptbestimmungen des Abkommens,
wie wir sie verstehen, umreißen, damit ich dann erläutern kann, was nach unserer
Auffassung noch getan werden muß. Wir sind übrigens der Meinung, daß das, was
noch geregelt werden muß, in einer einzigen weiteren Sitzung mit den nordvietnamesischen Unterhändlern erreicht werden kann, die, so möchte ich meinen, nicht
länger als drei oder vier Tage dauern dürfte, so daß hier nicht die Rede von
einer sehr langen Verzögerung ist.
Lassen Sie mich jetzt noch, bevor ich die noch verbleibenden Fragen behandle, auf jene Punkte eingehen, die in dem Entwurf für ein Abkommen enthalten
sind, und die im großen und ganzen in der Rundfunksendung aus Hanoi sehr fair
wiedergegeben wurden. Ich beziehe micht jetzt nicht auf die beiden letzten rhetorischen Seiten, sondern ich beziehe mich auf die Darstellung des Abkommens.
Die hauptsächlichen Bestimmungen waren und sind, daß eine Waffenruhe in Südvietnam von einem Zeitpunkt an eingehalten wird, über den man sich beiderseits
geeinigt hat - es würde eine Waffenruhe an Ort und Stelle sein; daß die amerikanischen Streitkräfte innerhalb von 60 Tagen nach Unterzeichnung des Abkommens
abgezogen würden; daß es ein totales Verbot hinsieht der Verstärkung der Truppen
geben würde, d.h., daß eine Infiltration nach Südvietnam, von welchem Gebiet und
von welchem Land aus auch immer, verboten sein würde; die vorhandene militärische Ausrüstung innerhalb Südvietnams könnte - unter internationaler Überwachung auf der Basis Stück gegen Stück durch Waffen ersetzt werden, die die gleichen
Eigenschaften oder eine ähnliche Beschaffenheit haben.
Das Abkommen sieht vor, daß alle gefangengenommenen Soldaten und ausländische Zivilpersonen während des gleichen

Zeitraums, in dem sich der Abzug voll-

zieht, repatriiert werden, d.h. alle amerikanischen Gefangenen, Soldaten wie
Zivilisten, werden innerhalb von 60 Tagen nach Inkrafttreten des Abkommens zurückkehren.
Nordvietnam

-6-

�Nordvietnam hat sich verpflichtet, über alle unsere Gefangenen und im Einsatz Vermißten in ganz Indochina Auskunft zu erteilen und alle amerikanischen Gefangenen in ganz Indochina zu repatriieren.
Es gibt da ferner eine besondere Bestimmung, wonach die Zukunft der südvietnamesischen Zivilpersonen, die in Südvietnam festgehalten werden, durch Verhandlungen zwischen den südvietnamesischen Beteiligten bestimmt werden soll, so daß
die Rückkehr unserer Gefangenen nicht von den Vorkehrungen hinsichtlich der vietnamesischen Gefangenen in vietnamesischen Gefängnissen beider am Konflikt beteiligter Seiten abhängt. Was die politischen Bestimmungen angeht, so gibt es da eine
Bestätigung der allgemeinen Grundsätze, die garantieren, daß das südvietnamesische
Volk ein Recht auf Selbstbestimmung hat und daß es über seine politische Zukunft
im Rahmen freier und demokratischer Wahlen unter internationaler Überwachung bestimmt ,
Wie Radio Hanoi ausführte, würden die bestehenden Behörden in bezug auf die
Innen-und Außenpolitik im Amt bleiben. Die beiden Beteiligten in Vietnam würden
über den Zeitpunkt von Wahlen, über die Art der Wahlen sowie über jene Ämter verhandeln, um die es bei diesen Wahlen gehen soll.
Es würde eine als Nationalrat der Versöhnung und Eintracht bezeichnete Einrichtung geschaffen werden, dessen generelle Aufgabe darin bestehen würde, für die
Aufrechterhaltung der Waffenruhe einzutreten und die Wahlen zu überwachen, auf
die sich die Parteien einigen könnten. Dieser Rat würde auf der Basis der Ernennung gebildet werden und würde auf der Grundlage der Einstimmigkeit arbeiten.
Wir betrachten ihn als die Institutionalisierung der Wahlkommission, die wir am
25. Januar in unserem Plan vorgeschlagen haben.
Es

-7-

�Es gibt da Bestimmungen, daß die Disposition vietnamesischer Streitkräfte
im Süden ebenfalls durch Verhandlungen unter den südvietnamesischen Partnern geregelt werden soll.
Es gibt da Bestimmungen, daß die Vereinigung Vietnams ebenfalls auf dem
Verhandlungswege unter den Beteiligten erreicht werden soll, und zwar ohne militärischen Druck, ohne Einmischung von außen, ohne Zwang und ohne Annexion.
Es gibt da ferner ein sehr langes und kompliziertes Kapitel über internationale Überwachung, das sicherlich Studenten höherer Semester noch viele Jahre
beschäftigen wird, und das, soweit ich das übersehe, nur mein Kollege, Botschafter Sullivan, ganz versteht.
Kurz gesagt, es sieht gemeinsame Kommissionen der Beteiligten, je nachdem
mit zwei Parteien oder vier Parteien, für jene Teile des Abkommens vor, die jeweils auf zwei Parteien oder auf vier Parteien anwendbar sind. Es sieht eine internationale Überwachungskommission vor, an die Streitfragen der aus Parteien zusammengesetzten Kommissionen verwiesen würden; die jedoch auch das Recht haben
würde, unabhängige Untersuchungen vorzunehmen, sowie eine internationale Konferenz, die innerhalb von 30 Tagen nach Unterzeichnung des Abkommens zusammentreten soll, um die Garantien auszuarbeiten und die Beziehungen

der verschiedenen

Parteien untereinander im einzelnen herzustellen.
Da gibt es schließlich ein Kapitel über Kambodscha und Laos, in dem die an
dem Abkommen Beteiligten übereinkommen, die Unabhängigkeit und Souveränität von
Kambodscha und Laos zu respektieren und anzuerkennen, in dem sie übereinkommen,
davon Abstand zu nehmen, das Territorium von Kambodscha und das Territorium von
Laos dazu zu benutzen, die Souveränität und Sicherheit anderer Staaten zu gefährden.
Es

-8-

�Es gibt da ein Übereinkommen, daß ausländische Mächte ihre Streitkräfte aus
Kambodscha und Laos abziehen werden, und es gibt da ein besonderes Kapitel über
die künftigen Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und der Demokratischen
Republik Vietnam, in dem beide Seiten ihre Überzeugung zum Ausdruck bringen, daß
dieses Abkommen eine neue Periode der Versöhnung zwischen beiden Ländern einleiten wird, und in dem die Vereinigten Staaten ihre Auffassung zum Ausdruck bringen, daß es in der Nachkriegsperiode zum Wiederaufbau von Indochina beitragen
wird und daß beide Länder ihre Beziehungen auf der Grundlage der gegenseitigen
Achtung und Nichteinmischung in die Angelegenheiten des anderen aufbauen werden,
und daß sie aus einem Zustand der Feindseligkeit heraus in einen normalen Zustand
eintreten werden.
Meine Damen und Herren, angesichts des Standes, den wir erreicht haben, ist
es klar ersichtlich, daß die meisten der schwierigsten Probleme überwunden sind.
Wenn Sie einmal von dem ausgehen, was viele von Ihnen noch vor Monaten für möglich gehalten hätten, und es mit dem vergleichen, wo wir heute sind, dann müssen
wir sagen, daß beide Seiten an dieses Problem mit einem Blick auf die weite Zukunft herangegangen sind - mit der Einstellung, daß wir nicht lediglich einen
Waffenstillstand haben wollen, sondern Frieden - und es ist diese Einstellung, die
trotz des gelegentlichen Auf und Ab, das bei einem Problem solcher Komplexität
unvermeidlich ist, unser Handeln bestimmen wird.
Was verhindert denn nun aber den Abschluß des Abkommens? Warum haben wir
um eine weitere Zusammenkunft mit den Nordvietnamesen ersucht, um den endgültigen
Text auszuarbeiten? Der Hauptgrund ist der, daß bei Verhandlungen, die fünf Jahre
lang auf der Stelle traten und bei denen bis zum 8. Oktober faktisch kein Durchbruch erzielt werden konnte, viele der Grundprinzipien vor diesem Durchbruch klar
verstanden wurden, dann aber bei einem genaueren Eingehen auf den Text viele der
Nuancen, von denen die Verwirklichung letztlich abhängen wird, mehr und mehr zu
Tage traten.
Es

-9-

�Es lag auf der Hand und es war nur natürlich, daß sich bei unseren Gesprächen über den abstrakten Wunsch nach einer Waffenruhe weder die eine noch die
andere Seite so präzise ausdrückte, wie später notwendig wurde, als wir über
Zeitpunkt und Ablauf einer Waffenruhe in einem Lande sprachen, in dem es keine
klare Frontlinie gab. Und auch als wir unsererseits das Beharren der Nordvietnamesen auf einem beschleunigten Zeitplan akzeptierten, bedeutete das, daß der
Text niemals konform gestaltet werden konnte, daß also die englischen und
vietnamesischen Texte hintereinander herhinkten, und daß außerdem Unklarheiten
bei der Formulierung entstanden, deren Klärung eine weitere Zusammenkunft erforderlich machen.
Ich darf Ihnen dafür ein paar Beispiele geben und ich glaube, Sie werden
verstehen, daß wir hier über ein ganz anderes Problem sprechen als das, was uns
in den vielen Konferenzen beschäftigte, die ich mit Ihnen, meine Damen und
Herren, über das Problem des Friedens in Vietnam gehabt habe - Konferenzen,
die die abstrakten Theorien betrafen, welcher Weg zum Erfolg führen könnte.
Wir sprechen hier über sechs oder sieben sehr konkrete Fragen, die mit
einem ähnlichen guten Willen, wie er bereits gezeigt wurde, leicht gelöst werden
können. So ist es beispielsweise für uns klar geworden, daß eine große Versuchung
bestehen wird, mit einer Waffenruhe eine letzte Anstrengung einhergehen zu lassen, um soviel Territorium wie nur möglich in Besitz zu nehmen und die Operationen vielleicht lange genug auszudehnen, um die politische Kontrolle über ein
bestimmtes Gebiet zu erlangen.
Wir möchten die Gefahren des weiteren Verlustes von Menschenleben vermeiden, vielleicht in einigen Gebieten sogar die eines Massakers, das damit gegeben sein könnte, und daher wünschen wir über Methoden zu sprechen, durch die
ein internationales Überwachungsgremium gleichzeitig mit der Verkündigung der
Waffenruhe seinen Platz einnehmen kann.
Unser

-10-

�Unser Außenminister hat bereits vorbereitende Gespräche mit einigen der
Länder geführt, die gebeten werden sollen, diesem internationalen Gremium beizutreten - um dadurch diesen Prozeß zu beschleunigen.
Zweitens, wegen der unterschiedlichen politischen Umstände in jedem der
indochinesischen Länder ist der Zusammenhang zwischen den dortigen militärischen Operationen und dem Ende des Krieges in Vietnam oder der dortigen Waffenruhe zu dem Ende des Krieges in Vietnam ziemlich komplizierter Art, und wir
möchten in konkreterer Weise erörtern, wie man dies zeitlich so stark wie möglich zusammendrängen kann.
Es bestehen ferner gewisse Unklarheiten, die sich aus einem Interview ergeben, das der nordvietnamesische Ministerpräsident Pham Van Dong einer Wochenzeitschrift gegeben hat, in dem er hinsichtlich eines oder zweier Punkte in
einem Irrtum über das, was der Inhalt des Abkommens

ist, befangen zu sein

schien - jedenfalls würden wir das gern klargestellt sehen.
Es gibt auch rein sprachliche Probleme. So bezeichnen wir beispielsweise
den Nationalrat für Versöhnung als ein administratives Gebilde, um klarzumachen,
daß wir in ihm nichts mit einer Koalitionsregierung Vergleichbares sehen. Wir
möchten sicherstellen, daß der vietnamesische Text die gleiche Bedeutung vermittelt .
Ich muß hinzufügen, daß der Ausdruck administratives Gebilde uns von den
Vietnamesen selbst durch die englischen Worte "administrative structure11 vorgeschlagen wurde, so daß es sich hier nicht etwa um ein Manöver von unserer
Seite aus handelt.
Da

-11-

�Da gibt es ferner einige technische Probleme hinsichtlich der Frage, auf
welche Klauseln der Genfer Abkommen man sich in bestimmten Abschnitten des
D&lt; uiments beziehen solle und es gibt außerdem das Problem, das bisher nicht
gelöst wurde, daß nämlich die Nordvietnamesen - wie sie in ihrer Rundfunksendung
betonten - vorgeschlagen haben, daß das Abkommen von den Vereinigten Staaten und
Nordvietnam unterzeichnet werden soll - wir für Saigon; sie für ihre Verbündeten in Südvietnam.
Wir haben stets die Auffassung vertreten, daß es unseren Verbündeten überlassen bleiben sollte, ob sie ein Zwei-Mächte-Dokument wünschten oder ob sie
selbst das Dokument unterzeichnen wollten, das Frieden in ihrem Lande schafft.
Nun ziehen sie es vor, an der Unterzeichnung des Friedens beteiligt zu sein und
es erscheint uns auch als ein durchaus vernünftiger Vorschlag, daß ein Land,
auf dessen Territorium ein Krieg geführt worden ist und dessen Bevölkerung so
schwer gelitten und Opfer gebracht hat, das Recht haben sollte, seinen eigenen
Friedensvertrag zu unterzeichnen.
Das wiederum scheint uns keine unüberwindliche Schwierigkeit darzustellen,
aber die Annahme dieses Vorschlages wird eine Neufassung bestimmter Abschnitte
des Dokumentes erforderlich machen, und das wiederum ist eine Aufgabe, für die
mehrere Stunden Arbeit notwendig sind.
Wir haben die Nordvietnamesen gebeten, mit uns zu einem Zeitpunkt ihrer
Wahl zusammenzukommen. Wir haben - wie schon berichtet - unsere Bombardierungen
eingeschränkt und zwar faktisch auf das eigentliche Kampfgebiet, um damit unseren guten Willen zu zeigen und erkennen zu lassen, daß wir uns im Rahmen der bestehenden Übereinkunft halten.
Wir bleiben auch weiterhin davon überzeugt, daß die von mir erwähnten Fragen in einem sehr kurzen Zeitraum gelöst werden können. Wir haben zugesagt, und

-12-

�und ich wiederhole dies hier in aller Öffentlichkeit, sie auf einem einzigen
weiteren Zusammentreffen zu regeln und dieses Zusammentreffen so lange auszudehnen wie es notwendig ist, um das Abkommen zu einem Abschluß zu bringen.
Das ist also die Situation, in der wir uns im Hinblick auf Hanoi befinden.
Wir verstehen Hanois Enttäuschung, daß ein Zeitplan, für dessen Verwirklichung
es so ernsthafte Anstrengungen gemacht hat, aus Gründen, die außerhalb der Kontrolle irgendeines Beteiligten liegen, nicht eingehalten werden konnte; sie
(die Nordvietnamesen) wissen jedoch oder sie sollten es wissen, und gan* bestimmt müssen sie es jetzt wissen, daß der Friede innerhalb von Wochen oder
noch weniger in Reichweite ist, was davon abhängt, wann das Treffen stattfindet. Und sie wissen auch, daß wir, wenn der Friede einmal erreicht worden ist,
von der Gegnerschaft zu einer normalen Situation gelangen werden und von dort
zur Zusammenarbeit, und zwar mit dem gleichen Ernst, mit dem wir unsere bisherigen weniger glücklichen Beziehungen zu ihnen geführt haben.
Was nun Saigon anbetrifft, so ist es natürlich berechtigt, an der Beendigung
eines Krieges mitzuwirken, der auf seinem Territorium geführt worden ist. Das
südvietnamesische Volk hat vieles erleiden müssen, und die Südvietnamesen werden
dort bleiben, wenn wir das Land verlassen haben. Die südvietnamesischen Ansichten
verdienen großen Respekt. Um die Verhandlungen zu beschleunigen, legten wir ihnen
Ergebnisse vor, über die man in den vier Tagen, die ich in Saigon verbrachte,
offenbar nicht hundertprozentig klarkommen konnte. Wir sind jedoch zuversichtlich, daß unsere Konsultationen mit Saigon innerhalb des zeitlichen Rahmens, der,
wie ich angedeutet habe, zum Abschluß des Abkommens mit Hanoi erforderlich ist,
zu einer Einigung führen werden, und daß die Verhandlungen nach dem Plan fortgesetzt werden können, den ich dem amerikanischen Volke dargelegt habe.
Wir

-13-

�Wir haben hier sehr oft über die Friedensverhandlungen gesprochen und wir
waren uns der Spaltung und der Sorgen sehr wohl bewußt, die der Krieg in diesem
Lande verursacht hat. Ein Grund, warum der Präsident so bestrebt war, den Krieg
durch Verhandlungen zu beenden, und zwar in einer Weise, die sich mit unseren
Grundsätzen in Übereinstimmung befindet, ist die Hoffnung, daß der Friedensschluß die Einheit wiederherstellen kann, die zuweilen zu bestimmten Zeiten während dieses Krieges verlorengegangen war, so daß das Abkommen heilend wirken
könne statt neue Spaltung zu verursachen. Das bleibt auch weiterhin unsere
Politik.
Wir werden uns nicht in ein Abkommen hineintreiben lassen, bevor die Bestimmungen in Ordnung sind. Wir werden einem Abkommen nicht ausweichen, wenn seine
Bestimmungen in Ordnung sind. Mit dieser Haltung und mit etwas Zusammenarbeit
seitens der anderen Seite glauben wir, daß wir schon sehr bald sowohl den Frieden als auch die Einigkeit in Amerika wiederherstellen können,"

+++

-14-

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INTERNATIONALE "DENKFABRIK" ZUR LÖSUNG SOZIALER PROBLEME
-Institut für angewandte Systemanalyse in Schloß Laxenburg bei Wien-

--(AD)-- Wissenschaftliche Organisationen und Akademien aus zunächst 12 Ländern der westlichen und östlichen Welt haben sich zu einer internationalen
Institution zusammengeschlossen, die sich mit der Lösung weltweiter sozialer
Fragen befassen will. Dabei wird man vor allem auf Methoden der Systemanalyse
zurückgreifen, die beispielsweise die Inangriffnahme und Durchführung technischer Großprojekte wie die Landung von Menschen auf dem Mond ermöglicht
haben. Sitz des "Internationalen Instituts für angewandte Systemanalyse" wird
Schloß Laxenburg bei Wien sein, das die österreichische Bundesregierung gegenwärtig für den neuen Bestimmungszweck renovieren läßt. Der Gründungsvertrag für das Institut wurde Anfang Oktober 1972 in London unterzeichnet.
Die Anregung zu dem neuen internationalen Projekt, das vor allem die
komplexen Folgeprobleme der Industrialisierung in Angriff nehmen wird, gab
schon im Jahre 1966 McGeorge Bundy in seiner damaligen Eigenschaft als Berater von Präsident Lyndon B. Johnson. Bundy wurde kurz darauf mit dem Amt
des Präsidenten der Ford-Stiftung betraut, das er noch heute innehat.

Bundys

-1-

�Bundys damalige Verhandlungen mit Vertretern der UdSSR führten zu einem
ständig weiter intensivierten Gedankenaustausch zwischen der Nationalen Akademie der Wissenschaften in den Vereinigten Staaten unter der Leitung von
Philip Handler und Repräsentanten der Akademie der Wissenschaften der Sowjetunion. Später wurden auch führende Wissenschaftler anderer Länder in Ost und
West hinzugezogen. Wie Dr. Handler, der Präsident der US-Akademie der Wissenschaften, kürzlich erklärte, wird das jetzt ins Leben gerufene Gemeinschaftsunternehmen "einzigartige Möglichkeiten und Hilfsmittel für Wissenschaftler
vieler Nationen schaffen. Sie können relativ frei von Rücksichten auf nationale Belange direkt miteinander zusammenarbeiten, um einige der schwierigsten
Weltprobleme zu untersuchen, sie zu verstehen und nach Lösungen zu suchen."
Die wichtigsten "Instrumente" zur Bewältigung dieser Aufgabe werden Methoden
der Systemanalyse, des modernen Management und der Computertechnik sein. Nach
Meinung Handlers ist gerade dieses Institut geeignet, Brücken zwischen den
Geisteswelten der Länder von Ost und West zu bauen.
Sein künftiger Direktor, der Wirtschaftsstatistiker und Mathematiker
Prof

Howard Raiffa von der Harvard-Universität in Cambridge (Mass.),wird nach

Wien übersiedeln und dort einen Mitarbeiterstab von zunächst 80, später etwa
100 Wissenschaftlern aus den Mitgliedsländern haben.
Die in Angriff zu nehmenden Projekte konzentrieren sich auf die verschiedensten Aspekte von Umweltverschmutzung, des Wasserhaushaltes der Erde angesichts des rapide zunehmenden Wasserverbrauchs sowie der Verunreinigung und Aufheizung natürlicher Wasserläufe, ferner auf Systeme der optimalen Gesundheitsfürsorge für große Bevölkerungsgruppen, auf Dienstleistungsaufgaben der Großstädte und auf Bauvorhaben größten Stils. Wie Prof. Raiffa erklärte, dürften zunächst Energiefragen im Vordergrund stehen - Versorgung, Bedarf, Erschließung
zusätzlicher Energiequellen, neuartige Technologien der Energieproduktion und

~2-

�und schließlich auch der Gefahren von Produktion und Verbrauch von Energie.
Um jedoch brauchbare Lösungen zu finden, sind nicht nur physikalisch-technische und wirtschaftliche, sondern ebenso gesellschaftliche und menschliche
Faktoren zu berücksichtigen und in das "System" zu integrieren.
Das internationale Institut, in dem die Wissenschaftler aller beteiligten
Länder gleichberechtigt sind, wird sich nur mit friedlichen Forschungsaufgaben
befassen. Von dem erforderlichen Jahresetat von ca. 3,5 Millionen Dollar übernehmen in den ersten Jahren die USA und die Sowjetunion je eine Million Dollar,
in den Rest teilen sich die Vertragsorganisationen der übrigen Länder - in
der Bundesrepublik die Max-Planck-Gesellschaft, in der DDR die Deutsche Akademie der Wissenschaften, ferner Wissenschaftsorganisationen in Frankreich,
England, Italien, Kanada, Japan, Polen, Bulgaren und der Tschechoslowakei.

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44/1972

LOKALISIERUNG VON FLUGZEUGWRACKS IM MEER

--(AD)-- Die Klärung der Unfallursache nach dem Absturz eines Flugzeuges
ist für die zuständigen zivilen oder militärischen Behörden eine der
kritischsten Aufgaben. In den meisten Katastrophenfällen ist sie, auch wenn
auf die Aussagen von Überlebenden zurückgegriffen werden kann, nur dann
zu erfüllen, wenn der Flugschreiber geborgen wird. Dies aber ist beim Absturz über dem Meer oder einem großen Binnensee oft schon deshalb fraglich, weil die Absturzstelle nicht genau zu lokalisieren ist. Ohne besondere Suchhilfen besteht dann kaum Aussicht, das Wrack unter Wasser zu
entdecken.
Ein Ultraschall- Gerät der amerikanischen Firma Dukane Corporation
(St. Charles, Illinois) hat sich in solchen Fällen außerordentlich bewährt.
Wie Gloria W. Heath, Direktorin von SAR-Assist, Inc. (Greenwich,Connecticut)
- ein Unternehmen, das sich mit der Entwicklung von Rettungsverfahren für
Luft-und Raumfahrzeuge befaßt - kürzlich in Wien erklärte, seien z.B. sämtliche Flugzeuge der NASA (US-Amt für Luft-und Raumfahrt) sowie zahlreiche
Flugzeuge der US-Marine und vor allem Versuchsmaschinen damit ausgerüstet.

Dank

-l-

�Dank eines solchen Ultraschallsenders an Bord eines Jagdflugzeuges vom
Typ F 14-A war es möglich,die in der Chesapeake-Bucht (Bundesstaat Maryland) abgestürzte Maschine innerhalb von fünf Stunden zu finden. Sie lag in 10 m Wassertiefe. Jedoch war das Wasser, gepeitscht von einem Hurrikan, so trübe, daß die
Sicht gleich Null war. Ein vom nahegelegenen Marine-Testzentrum ausgeschicktes
Suchboot nahm das Peilsignal auf; ein mit einem Empfangsgerät ausgerüsteter
Froschmann vermochte dann innerhalb von Minuten das Wrack zu finden.
Das batteriebetriebene PcLI gerät wird mit dem Augenblick der Wasserberührung aktiviert. Es ist mit einem entsprechenden Empfangsgerät selbst noch bei
6 000 m Wassertiefe auszumachen; je nach den Wasserverhältnissen und der Betriebsdauer ist das Signal in einem umkreis von knapp 2000 bis 4000 m aufzuspüren. Die aktive Lebensdauer wird von Dukane mit 3o Tagen angegeben. Die Betriebsfrequenz liegt bei 37,5 kHz. Das Gewicht des Signalgerätes beträgt ca. 34o g.
Es wurde auch bei Testflugkörpern verwendet,die mit sehr hoher Geschwindigkeit
auf das Wasser aufschlugen. Das Gerät blieb unversehrt und signalisierte den
Lageort, so daß die Bergung in mehr als 95 Prozent der Fälle möglich war.

f+4-i

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44/1972

KOSMISCHE GAMMA-STRAHLUNG

--(AD)-- Die "Kartierung" von Quellen kosmischer Gammastrahlung innerhalb
und außerhalb unserer Milchstraße ist die Aufgabe eines neuen wissenschaftlichen Satelliten, den die NASA (US-Amt für Luft-und Raumfahrt) mit einer
SCOUT-Rakete von der italienischen San-Marco-Plattform aus Anfang November
1972 zu starten beabsichtigt

Der Abschußplatz befindet sich auf einer stäh-

lernen Insel, ca. 5 km vor der Küste des Staates Kenia im Indischen Ozean.
Er erlaubt die Einsteuerung des Satelliten in qine fast auf Äquatorebene
liegende Umlaufbahn. Bei der vorgesehenen Umlawfhöhe von 555 km ist dies
deshalb von großer Bedeutung, weil dadurch der Durchgang durch ein die
Messungen störendes Feld hoher Elektronendichte

über dem Südatlantik, das

auf eine Anomalie im erdmagnetischen Feld zurückzuführen ist, vermieden
wird.
Der 186 kg schwere Satellit SAS-B (nach erfolgreichem Start wird er die
Bezeichnung EXPLORER 48 führen) ist mit einem Funkenkammer-Detektor ausgerüstet, der über ein Filter von 32 Einzelschüiten auf Gammastrahlung in den

-l-

�'

den Energiebereichen zwischen 25 und 200 Millionen Elektronenvolt anspricht und
außerdem noch die Bestimmung der Richtung, aus der die Strahlen kommen, auf ein
Grad genau erlaubt. Die Lokalisierung der Strahlungsquellen ist somit mit großer
Präzision möglich.
Die Gammastrahlen-Astronomie hat vor allem auf Grund der Ergebnisse, die
mit EXPLORER 42 (auch UHURU genannt) erzielt wurden, große Bedeutung erlangt.
Allein durch diesen Satelliten wurden 125 Quellen von Röntgenstrahlung entdeckt, bei denen es sich z.T. um Binär-Sternsysteme, um die noch rätselhaften
Quasare, um

sogenannte Seyfert-Galaxien und um einen neuartigen Typ von Pulsaren

handelt. Dr. Carl Fichtel vom Goddard-Raumflugzentrum in Greenbelt (Maryland)
nennt dieses neue Gebiet der astronomischen Forschung "einen riesigen Schritt
vorwärts, weil nicht nur wichtige, sondern auch unerwartete Phänomene zu erfassen sind, die direkten Bezug zu den

Hochenergie-Prozessen haben, welche bei

der Evolution der Sterne und Galaxien eine Rolle spielen."
Die kosmische Gammastrahlung - übrigens sendet auch die Sonne Gammastrahlung aus, wie der amerikanische Forschungssatellit OSO 7 im Zusammenhang mit
den heftigen Eruptionen am 4. und 7. August 1972 feststellte - dringt nicht
bis zur Erdoberfläche vor. Aber in ca. 36 000 m Höhe, also im Operationsbereich
von Forschungsballonen, ist sie bereits zu registrieren. Jedoch werden dort die
Beobachtungen durch die Reaktionen kosmischer Partikelstrahlung mit den Luftmolekülen gestört. Deshalb sind Satellitenbeobachtungen außerhalb der Erdatmosphäre
auf jeden Fall vorzuziehen. Von SAS-B erhoffen sich die Wissenschaftler besonders
aufschlußreiche Ergebnisse, weil das dabei verwendete Gamma-Teleskop zehnmal
empfindlicher ist als alle ähnlichen,bisher in Raumfluggeräten verwendeten Instrumente.
Vor

-2-

�Vor allem die wichtigen Prozesse des Transports und der Umwandlung von Energie im Kosmos dürften durch diese Art von Beobachtungen besser verstanden werden.
So erwartet man beispielsweise neue Erkenntnisse über Supernovae - explodierende
Sterne, die in ihrer Masse etwa der Masse unserer Sonne vergleichbar sind. Auch
zur Dynamik des Kräftespiels innerhalb unseres Milchstraßensystems, wo dem Expansionsdruck von kosmischer Strahlung, Magnetfeldern und Teilchenbewegung die
Gravitationskraft der Materie in der galaktischen Ebene entgegenwirkt, dürften
neue Einsichten zu erwarten sein.
Das 11-Millionen-Dollar-Projekt (9 Millionen Dollar davon entfallen auf den
Satelliten) wird von Marjorie R. Townsend (Goddard-Raumflugzentrum) geleitet.
Mrs. Townsend studierte Ingenieurwissenschaften an der George Washington-Universität (in der Bundeshauptstadt Washington) und wurde vor einem Jahr in Anerkennung ihrer hervorragenden organisatorischen Fähigkeiten bei der Durchführung
komplizierter Projekte mit der Verdienstmedaille der NASA ausgezeichnet.

-3-

�</text>
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