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                    <text>AMERIKA DIENST
^

^

c&amp;

26. J u l i 1989

28
INHALT
DOKUMENTATION

"Frieden und Demokratie" leere Versprechungen der Sandinisten
- Erklärung Präsident Bushs zu Nicaragua Bush fordert kontinuierliche Erforschung des Weltraums
- Rede des Präsidenten anläßlich des 20. Jahrestags von Apollo XI

HINTERGRUND
Apollo - zwanzig Jahre danach
- Amerikas letztes großes Wagnis

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Gesunder Regenwald von großem Wert
- Umwandlung in Weide- und Farmland unwirtschlaftlich

* * * * *

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AMERIKA DIENST
Dokumentation

Ä&lt;

28

26. Juli 1989
"FRIEDEN UND DEMOKRATIE" LEERE VERSPRECHUNGEN DER SANDINISTEN
- Erklärung Präsident Bushs zu Nicaragua -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Bush zufolge bieten die in Nicaragua anstehenden Wahlen dem Regime der Sandinisten eine weitere Gelegenheit, ihre im
Jahr 1979 gegenüber der OAS und im vergangenen Jahr im Esquipulas-Abkommen gegebenen Versprechen "zur Errichtung einer Demokratie" in Nicaragua einzulösen.
In einer vom Weißen Haus am 19. Juli 1989 veröffentlichten Erklärung verwies der Präsident jedoch auf einen offensichtlichen "neuerlichen Versuch zur
Verhinderung freier und fairer Wahlen. In scharfem Gegensatz zu den Nachbarländern, die den Weg der Demokratie gewählt haben, demonstriert die Regierung
der Sandinisten lediglich, daß sie den freien politischen Wettstreit fürchtet."
Nachfolgend veröffentlichen wir die Erklärung von Präsident Bush zu Nicaragua im Wortlaut:
Vor zehn Jahren herrschte hier
und in Lateinamerika allgemein Befriedigung darüber, daß die Revolution gegen Somoza in Nicaragua triumphiert hatte und damit endlich der
Demokratie eine Chance gegeben würde. Im Jahr 1979 verpflichteten sich
die Sandinisten gegenüber der OAs zur
Errichtung einer Demokratie, und sie
erneuerten diese Verpflichtung mit
der Unterzeichnung des Friedensabkommens für Mittelamerika vor nahezu
zwei Jahren. Trotz dieser Versprechen wurde die Verpflichtung bis heute nicht eingelöst.
Die Vereinigten Staaten wollten
die Hinwendung zur Demokratie unterstützen. Wir hatten durch die Einstellung der Militärhilfe zum Sturz
Soraozas beigetragen. Ermutigt durch
das Versprechen der Sandinisten ge-

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genüber der OAS stellten wir der
neuen nicaraguanischen Regierung 118
Millionen Dollar an wirtschaftlicher
und humanitärer Hilfe zur Verfügung.
Dies war erheblich mehr als jedes andere Land dem neuen Regime gewährte
und auch mehr Hilfe, als wir in den
vier Jahren davor für die Regierung
Somoza bereitgestellt hatten.
Trotz der Unterstützung der Vereinigten Staaten und anderer Regierungen haben die Sandinisten unverzüglich einen Kurs eingeschlagen, mit
dem sie die Macht in ihren Händen
konzentrieren konnten, trieben ihr
Land in den wirtschaftlichen Ruin und
zwangen Hunderttausende zur Flucht.
Sie bauten mit Hilfe Kubas, der Sowjetunion und anderer kommunistischer
Länder die größten Streitkräfte Mittelamerikas auf. Die Sicherheitspo-

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�lizei und sandinistische Schlägertrupps verfolgten und Inhaftierten
Oppositionsmitglieder aus politischen
Parteien, Gewerkschaften, Unternehmen, der katholischen Kirche und der
Miskitoindianer.
Wahlen wurden um
fünf Jahre verschoben und als sie
endlich stattfanden, war der Opposition nach den Grundregeln der Sandinisten kein freies und gerechtes Konkurrieren erlaubt.
Heute, da die Augen der Welt auf
ihnen ruhen, haben die Sandinisten
wiederum Gelegenheit, Frieden und Demokratie eine Chance zu geben. Aber
trotz des herannahenden Jahrestages
der Verpflichtungen von Esquipulas
ist nur der neuerliche Versuch zu erkennen, freie und faire Wahlen zu
verhindern. In scharfem Gegensatz zu
den Nachbarländern, die den Weg der
Demokratie
gewählt
haben, demonstriert die sandinistische Regierung
lediglich, daß sie einen freien politischen Wettstreit fürchtet.

kontrollieren.
Zwei
amerikanische
Diplomaten wurden aufgrund ihrer Beobachtung eines Wahlkampfs der Opposition ausgewiesen, und EG-Vertreter
protestierten gegen Behinderungen anderer Mitglieder des diplomatischen
Corps durch die Sandinisten. Diese
Aktionen stehen in scharfem Gegensatz
zu den Erfahrungen in El Salvador, wo
Beobachter von allen Seiten - auch
Kritiker der Regierung -• begrüßt wurden.
Darüber hinaus entspricht das
neue Mediengesetz nicht demokratischen Maßstäben und enthält nur vage
Bestimmungen, mit denen eine Diffamierung der Regierung verfolgt und
durch das Inneministerium bestraft
werden kann. Im Gegensatz zu anderen
Länder Mittelamerikas ist die Regierung per Gesetz Eigentümer der Fernsehanstalten. Umfragen sind nur mit
Genehmigung der Regierung erlaubt und
die Sandinisten damit in der Lage,
dem Volk das wahre Ausmaß ihrer Unbeliebtheit vorzuenthalten.

Die reformierten Wahlgesetze der
Sandinisten wurden der Opposition gegen ihren Widerstand aufoktroyiert
und sehen einen Wahlrat vor, in dem
die Sandinisten die Mehrheit haben.
Bestimmungen
zur Finanzierung der
staatlichen Wahlkampagne benachteiligen Parteien, die nicht an der letzten Wahl teilgenommen haben. Um jede
Chance auszuräumen, daß ausländische
Mittel an die Opposition die offizielle Begünstigung der sandinistischen Partei aushöhlen, verfügt das
Gesetz die Zahlung von 50 Prozent der
ausländischen Mittel an den Wahlrat.
Diese Bestimmungen gelten nicht für
die sandinistische Partei.

Die Sandinisten haben auch auf
andere Weise ihre Angst vor freien
Wahlen dokumentiert. Zahlreiche Demonstrationen der Opposition mußten
abgesagt werden, weil die Regierung
die Genehmigung verweigerte. Gewerkschaften wurden bedroht, weil die Demonstration
ihrer
wirtschaftlichen
Macht eine Bedrohung für die Sandinisten darstellt.
In jüngster Zeit
wurden zahlreiche Privatunternehmer
enteignet - nicht aufgrund von Gesetzesübertretungen - sondern in dem
offensichtlichen Versuch, Kritik an
der Politik der Sandinisten im Keim
zu ersticken.

Auf dem Papier sind ausländische
Wahlbeobachter zugelassen, aber die
Praktiken der Sandinisten deuten auf
den Wunsch hin, diese zu behindern.
Zum Beispiel haben die Sandinisten
Vertreter der Nationalen Stiftung für
Demokratie als "CIA-Agenten" gebrandmarkt, einen Beobachter von Freedom
House ausgewiesen und Amerikanern Visabestimmungen auferlegt, um die Berichterstattung über die Wahlen zu

Die Maßnahmen
der Sandinisten
werden von einer staatlichen Propaganda unterstützt, die Opposition mit
mangelnder Staatstreue und Kritik mit
Loyalität gegenüber einer ausländischen Macht gleichsetzt. Die Sandinisten haben immer wieder zum Ausdruck gebracht, daß sie den Wunsch
der Opposition nach Dialog zu ignorieren gedenkt. Vergangene Woche hat
Präsident Ortega in San Jose seinen

- 2 -

�Wunsch nach Veränderungen bekundet.
Wir sind gespannt, ob er sie auch
durchführen wird, weil die Aussichten
für eine nationale Aussöhnung düster
sind, wenn die Opposition und der nicaraguanische Widerstand in diesem
Prozeß keine gleichberechtigten Partner werden.
Wir erwarten darüber hinaus, daß
die Sandinisten andere Veränderungen
vornehmen, um ihren Verpflichtungen
von Esquipulas nachzukommen.
Kürzlich entdeckte Waffenverstecke in El
Salvador deuten darauf hin, daß die
Sandinisten ihre subversive Tätigkeit
in den Nachbarnländern nicht aufgegeben haben. Obwohl wir keine todbringenden Waffen mehr an die Widerstandskämpfer
liefern, rüsten die
Sandinisten mit Hilfe neuer Lieferungen aus Kuba und anderen kommunistischen Ländern weiterhin auf.
Und
jetzt machen sie mit dem Noriega-Regime in Panama - einer Diktatur im
Stile Somozas - gemeinsame Sache.
Das Überparteiliche Abkommen mit
dem Kongreß bietet die Gelegenheit zu
besseren Beziehungen zwischen unseren
Ländern. Wir streben die Verwirklichung von Demokratie und nationaler
Aussöhnung in Nicaragua an. Wir sind
weiterhin zu positiven Reaktionen bereit, wenn die Sandinisten ihre Versprechen erfüllen - die sie der OAS
vor 10 Jahren, in Esquipulas, und erneut letzten Februar in El Salvador
gegeben haben - damit die Nicaraguaner ihre demokratischen Rechte wahrnehmen können.
Trotz der düsteren Aussichten unterstützen wir weiterhin freie Wahlen
und Demokratie in Nicaragua und hoffen inständig, daß das nicaraguanische Volk im nächsten Jahr wirklich
etwas zu feiern haben wird.

* * * * *
- 3 -

�AMERIKA DIENST
'VON

4

Dokumentation
26. Juli 1989

28

BUSH FORDERT KONTINUIERLICHE ERFORSCHUNG DES WELTRAUMS
- Rede des Präsidenten anläßlich des 20. Jahrestags von Apollo XI -

WASHINGTON - (AD) - In seiner Ansprache anläßlich des 20. Jahrestags der
Landung amerikanischer Astronauten auf dem Mond nannte Bush bemannte Weltraumflüge "die unausweichliche Herausforderung für alle modernen Länder der Welt"
und gab Pläne für ein kontinuierliches Programm zur Erforschung des Weltraums
in den kommenden Jahren bekannt.
Bush zufolge besteht ein erster Schritt seines Projekts im Bau einer permanenten amerikanischen Raumstation in den neunziger Jahren, der im 21. Jahrhundert die Errichtung eines ständigen amerikanischen Stützpunkts auf dem Mond
und eine bemannte Mission zum Mars folgen sollen.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Ansprache von Präsident Bush im Wortlaut.

Ich danke Ihnen allen sehr herzlich.
Ich stehe vor einem der am
häufigsten besichtigten Orte der Welt
einem Symbol amerikanischen Muts
und Erfindungsreichtums. Und vor mir
stehen jene, deren Genie dieses Vermächtnis zu verdanken ist - die Männer und Frauen des amerikanischen
Astronautenkorps.
Wir sind sehr stolz, an dieser
einmaligen Versammlung amerikanischer
Veteranen des Weltalls teilnehmen zu
können - und zusammen mit drei der
größten Helden dieses oder jedes anderen Jahrhunderts auf diese Bühne zu
stehen - der Mannschaft von Apollo XI.
Es mutet unglaublich an, daß bereits 20 Jahre vergangen sein sollen.
Neil und Buzz haben den Moon-

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walk 15 Jahre, bevor Michael Jackson
auch nur einen Gedanken daran verschwendete, erfunden.
Michael Collins - der ehemalige
Direktor dieses berühmten Museums und
gleichzeitig der mutige Pilot, der
alleine den Mond umkreiste, während
Neil und Buzz den Mond betraten.
Mike - ich glaube, Sie sind wohl der
einzige Amerikaner über 10, der in
dieser Nacht die Mondlandung nicht im
Fernsehen verfolgt hat.
Später heute abend, wenn sich die
Menge aufgelöst hat und die Sonne untergegangen ist, wird ein fast voller
Mond aus der Dunkelheit aufgehen und
auf ein Amerika scheinen, das in
Wohlstand und Frieden lebt. Diejenigen, die alt genug sind, sich an die

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�historische Nacht vor 20 Jahren zu
erinnern, sollten heute abend gemeinsam mit ihren Kindern und Enkelkindern ins Freie treten, ihre Augen zum
Himmel richten und ihnen von der amerikanischen Flagge erzählen, die noch
immer stolz auf diesem fernen Boden
des Mondes weht.
Und diejenigen, die noch nicht
geboren waren oder noch zu jung sind,
um sich daran zu erinnern und Kinder
dieses neuen Jahrhunderts sind, sollten ihre Augen zum Himmel richten und
mit uns gemeinsam einen großen Traum
träumen, einen amerikanischen Traum,
einen Traum ohne Ende.
Die Apollo-Mission.
Der erste
Mensch auf dem Mond. Einige verglichen es mit Don Quichottes Kampf gegen die Windmühlen, andere hielten es
für unmöglich, weil es nie zuvor gewagt worden war. Aber Amerika hat
diesen Traum geträumt, Amerika hat
ihn verwirklicht: am 16. Juli 1969.
Die Sonne ging ein zweites Mal auf an
jenem Morgen, als diese drei Pioniere
mit Saturn V in einem gleißenden Feuerball in den Wolken verschwanden.
Eine Million Menschen hielten zusammen mit der Hälfte des amerikanischen
Kongresses den Atem an, als die Erde
unter ihren Füßen erbebte und unsere
Sicht des Himmels sich für immer wandelte.
Drei Tage und drei Nächte dauerte
diese gefährliche, einmalige, atemberaubende Reise. Und wir alle erinnern uns an jene Nacht.
Mein Frau Barbara und unsere
Tochter Dorothy befanden sich mit mir
in unserem roten Backsteinhaus am
Rande Washingtons, wo wir hingezogen
waren, um Houston im amerikanischen
Kongreß zu vertreten. Unser 12 Jahre
alter Sohn Marvin war mit Freunden
von uns auf einer Reise in den Westen
und erinnert sich daran, wie sie an
einem Motel an der Straße anghielten,
um zuzusehen.
Unser zweiter Sohn,
der in jenem Sommer 16jährige Jeb,
unterrichtete Englisch in einem kleinen mexikanischen Dorf, das noch kei-

nen Strom hatte und
Mondlandung im Radio.

verfolgte

die

Die Landung selbst war schrecklich. Alarmlampen leuchteten auf und
eine Überlastung des Computers drohte, die Mission abzubrechen, während
die Mondfähre Tausende von Metern
über dem Mond hing. Armstrong übernahm die manuelle Kontrolle, um einen
mit Felsbrocken übersäten riesigen
Kratersee zu umfliegen. Dann leuchteten andere Alarmlampen auf und
zeigten einen Treibstoffverlust an die Sicht war jetzt durch Mondstaub
getrübt - und die Flugsicherung begann mit dem Countdown für den Abbruch der Mission.
Amerika - und die ganze Welt lauschten mit zugeschnürter Kehle und
einem Gebet auf den Lippen. Es blieb
nur noch für 20 Sekunden Treibstoff.
Und dann kamen die Worte aus dem
All: Houston. Hier ist die Raumstation. Der Adler ist gelandet."
Innerhalb einer Generation ist
der Mensch von den Dünen von Kitty
Hawk bis zum Staub einer anderen Welt
vorgedrungen. Apollo ist ein Monument der unvergleichlichen Fähigkeit
unserer Nation, rasch und erfolgreich
auf eine klar definierte Herausforderung zu reagieren sowie der Bereitschaft Amerikas, für eine große Belohnung auch ein großes Risiko einzugehen.
Wir hatten eine Herausforderung,
wir haben ein Ziel gesetzt, und wir
haben dieses Ziel erreicht.
Dies ist heute nicht nur eine Gelegenheit, den Astronauten und ihren
Kollegen, sondern auch den Tausenden
von talentierten Männern und Frauen
im ganzen Land unseren Dank auszusprechen, die mit ihrem Engagement,
ihrer Kreativität und ihrem Mut diesen Traum verwirklicht haben. Es ist
also an der Zeit, dem amerikanischen
Volk für sein Vertrauen zu danken,
denn der Erfolg von Apollo wurde von
dem Elan und der Kühnheit einer gesamten Nation ermöglicht, die sich

- 2 -

�einem Traum verschrieben hat.
In dem Gebäude hinter mir werden
die Zeugnisse von Apollo und dessen
Vorgängern aufbewahrt - von den Triumphen
Armstrongs,
Yeagers, Lindberghs und der Gebrüder Wright. Und
in den Nationalarchiven auf der anderen Seite dieser großen Rasenfläche
werden die Dokumente aufbewahrt, die
jene große Idee ins Leben riefen,
durch die dies alles ermöglicht wurde
- das größte Experiment der Freiheit
und Vielfalt in der Welt.
Dieser Ort, zwischen diesen beiden Vermächtnissen gelegen, ist eine
geeignete Stätte, um den Blick in die
Zukunft zu richten.
Denn, die Apollo-Astronauten haben mehr als Flagen und Fußabdrücke
auf dem Mond hinterlassen. Sie hinterließen auch eine unvollendete Aufgabe. Denn selbst vor 20 Jahren erkannten wir bereits, daß das Endziel
der Vereinigten Staaten nicht darin
bestand, dorthin zu reisen und wieder
zurück, sondern dorthin zu reisen und
von dort aus weiter.
Mike Collins hat dies am besten
in dem Satz zusammengefaßt:
"Der
Mond
ist
kein
Bestimmungsort,
er
weist lediglich die Richtung."
Der Weltraum ist die unausweichliche Herausforderung für alle modernen Länder der Welt, und es steht außer Frage, daß der Mensch im 21.
Jahrhundert wieder seinen Heimatplaneten zu Entdeckungs- und Forschungsreisen verlassen wird.
Was einst
kaum denkbar erschien, ist heute unvermeidlich.
Die Zeit ist gekommen, um über
kurzfristige
Projekte
hinauszudenken. Wir müssen uns erneut für ein
dauerhaftes
Programm der bemannten
Erforschung
des
Sonnensystems
und
auch der dauernden Besiedelung des
Weltraums engagieren. Wir müssen uns
für eine Zukunft engagieren, in der
Amerikaner und Bürger aller Staaten
im Weltraum leben und arbeiten werden.

Heute sind die Vereinigten Staaten die reichste Nation der Erde mit
der mächtigsten Volkswirtschaft der
Welt. Unser Ziel ist nichts geringeres als die Vereinigten Staaten zur
ersten Weltraumfahrernation zu machen.
Von den Reisen des Christoph Columbus über den Oregon Trail bis zur
Reise zum Mond hat die Geschichte
stets gelehrt, daß wir niemals verloren haben, wenn wir auf Überwindung
unserer Grenzen gedrängt haben.
Zu Beginn dieses Monats berichtete ein Nachrichtenmagazin, das Apollo-Programm habe reale Dividenden erbracht und wäre selbst zum doppelten
Preis
ein
Sonderangebot
gewesen.
Apollo wurde als bestes Renditeobjekt
seit Leonardo da Vincis Skizzenblock
bezeichnet.
Im Jahr 1961 bedurfte es noch einer Krise, dem Wettlauf zum Weltraum,
um die Dinge in Gang zu setzen. Heute haben wir keine Krise, wir haben
eine Chance.
Um diese Gelegenheit beim Schopf
zu
ergreifen,
schlage
ich
keinen
Zehnjahresplan wie bei Apollo vor.
Ich schlage ein anhaltendes langfristiges Engagement vor.
Erstens, für das kommende Jahi—
zehnt, für die neunziger Jahre, die
Raumstation 'Freiheit', unseren entscheidenden nächsten Schritt bei all
unseren Weltraumprojekten.
Als nächstes, im nächsten Jahrhundert, zurück zum Mond.
Zurück in
die Zukunft, und dieses Mal zurück,
um dort zu bleiben.
Und dann - und dann eine Reise
ins Morgen, eine Reise zu einem anderen Planeten, eine bemannte Mission
zum Mars.
Jede Mission soll und wird die
Grundlagen für die nächste legen, und
der Weg zu den Sternen beginnt wie
vor 20 Jahren bei Ihnen, dem amerika-

- 3 -

�nischen Volk, und er führt weiter
diese Straße entlang zum amerikanischen Kongreß, in dem über die Zukunft der Raumstation und unsere Zukunft als Raumfahrernation entschieden wird.
Wir befinden uns heute an einem
Scheideweg.
Schwierige Entscheidungen müssen getroffen werden - heute,
da wir uns anschicken, ins nächste
Jahrhundert einzutreten.
Wie William Jennings Bryan kurz
vor der letzten Jahrhundertwende erklärte: "Das Schicksal ist keine Sache des Zufalls. Es ist eine Sache
der Wahl. Es ist keine Sache, auf
die man einfach wartet. Es muß errungen werden."
Und denjenigen, die vor den Herausforderungen der Zukunft zurückschrecken oder an unseren Erfolgschancen zweifeln, möchte ich folgendes sagen:
Bis heute handelt es sich bei den
einzigen Fußspuren auf dem Mond um
amerikanische Fußabdrücke. Die einzige Fahne auf dem Mond ist die amerikanische Flagge. Und das Wissen,
mit dem dieses Meisterstück vollbracht wurde, ist amerikanisches Wissen. Was Amerikaner träumen, können
sie auch verwirklichen.
In zehn Jahren, am 30. Jahrestag
dieses außerordentlichen und erstaunlichen Flugs, erweist man den Apollo-Astronauten nicht dadurch Achtung,
daß man sie zu neuen Ehrenbezeigungen
nach Washington einhält, sondern indem die Raumstation "Freiheit" einsatzfähig und benutzbar wird.
Sie
wird eine neue Brücke zwischen den
Welten schlagen und eine Investition
in Wachstum, Wohlstand und die technologische Vormachtstellung unseres
Landes bedeuten.
Darüber hinaus wird die Raumstation ein Sprungbrett für die Erde
als wichtigstem Planeten im Sonnensystem sein.

Erst vor einigen Tagen habe ich
in Europa darauf hingewiesen, daß die
Zerstörung der Umwelt nicht vor den
Grenzen Halt macht.
Wir brauchen
groß angelegte nationale und internationale Initiativen, um neue Lösungen für die Zerstörung des Ozons, die
zunehmende Erderwärmung und den sauren Regen zu finden. Diese Initiative - Mission für den Planeten Erde
- ist entscheidender Bestandteil unseres Weltraumprogramms und ruft uns
den Anblick ins Gedächtnis, der die
Astronauten am stärksten beeindruckt
hat. Wenn ich mich recht erinnere,
waren es nicht der Mond oder Sterne,
sondern die - kleine, zerbrechliche,
wertvolle blaue Kugel - Erde, die
sich über der Wüstenlandschaft des
Meeres der Ruhe erhob.
Die Raumstation ist ein erster
und notwendiger Schritt für die weitere bemannte Erforschung des Weltalls, für den wir Senator Glenn, Neil
Armstrong und den vielen Astronauten,
derer wir heute gedenken, dankbar
sind, aber es ist eben nur ein erster
Schritt.
Und heute bitte ich meine rechte
Hand, unseren fähigen Vizepräsidenten
Dan Quayle, die Leitung des Nationalen Weltraumrats zu übernehmen und
insbesondere

zu

ermitteln,

was

für

die nächste Runde der Erforschung an
Geld, Personal und Material notwendig
und an
internationaler Zusammenarbeit durchführbar ist und realistische Terminpläne aufzustellen, die
Meilensteine auf unserem Weg darstellen. Der Weltraumrat wird mir sobald
wie möglich konkrete Empfehlungen zu
einem neuen stetigen Kurs zum Mond,
dem Mars und anderen Planeten aussprechen.
Es gibt viele Gründe zur Erforschung des Universums, aber zehn sehr
naheliegende, warum Amerika niemals
aufhören darf, zu neuen Ufern aufzubrechen - die zehn mutigen Astronauten, die das größte Opfer für die Sache der Weltraumforschung gebracht
haben. Sie haben ihren Platz im Himmel eingenommen, damit Amerika seinen

�Platz bei den Sternen bekommen kann.
Ebenso wie sie und ebenso wie Kolumbus träumen wir von entfernten
Ufern, die wir noch nie gesehen haben.
Warum auf den Mond? Warum auf
den Mars? Weil die Menschheit prädestiniert ist, zu streben, zu suchen
und zu entdecken und weil Amerika
prädestiniert ist, dabei die Führungsrolle zu übernehmen.
Vor sechs Jahren hat Pionieer 10
die Umlaufbahnen von Neptun und Pluto
verlassen und hat als erstes von Menschen geschaffenes Werk das Sonnensystem mit unbekanntem Ziel verlassen.
Seine Reise dauert jetzt schon fünf
Amtzeiten von Präsidenten und befindet sich 4 Milliarden Meilen von der
Erde entfernt.

In den kommenden Jahrzehnten werden wir den Weg von Pioneer 10 verfolgen. Wir werden zu Nachbarsternen
reisen und in neue Welten aufbrechen,
um das Unbekannte zu entdecken. Das
wird nicht mehr in meinem Leben und
vielleicht auch nicht im Leben meiner
Kinder der Fall sein, aber mit der
Verwirklichung eines Traums der nächsten Generationen muß in unserer Generation begonnen werden. Wir können
morgen nicht den nächsten großen
Schritt für die Menschheit tun, wenn
wir heute keinen einzigen Schritt
vorangehen.
Ihnen
allen,
unserem
fähigen
NASA-Direktor und allen, die viel geleistet
haben,
insbesondere
den
Astronauten - wir wünschen Ihnen viel
Glück bei Ihren Unternehmungen, wohin
sie Sie auch führen mögen. Ihnen allen viel Glück, und Gott segne die
Vereinigten Staaten von Amerika.

* * * * *

- 5 -

�AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

V(DN &amp;

APOLLO - ZWANZIG JAHRE DANACH
Amerikas letztes großes Wagnis Von Charles Murray

Der folgende Artikel erschien erstmals am 20. Juli 1989 im Wall Street
Journal. Der Autor Charles Murray ist Mitarbeiter am Manhattan Institute und
hal: zusammen mit Catherine Bly Cox das Buch "Apollo: The Race to the Moon"
(Simon Ä Schuster, 1989) veröffentlicht.
(C) Wall Street
vorhehalten.

Journal. 1989 Dow Jones and Company, Inc.

Als John F. Kennedy nm 25. Mai
1961 der Nation die Aufgabe übertrug,
bis zum Ende des Jahrzehnts zum Mond
fliegen, sollten
folgende Menschen
sie ausführen:
Am Langley Forschungszentrum im
ländlichen Virginia war Bob Gilruths
Arbeitsgruppe für den Weltraum tätig,
eine bunt zusammengewürfelte Gruppe
aus einigen hundert Menschen, von einer kleinen Schar fähiger kanadischer
und britischer Ingenieure verstärkt,
die sich nach Langley aufgemacht hatten, nachdem die kanadische Regierung
einen großen Rüstungsauftrag rückgängig gemacht hatte. Im Marshall Weltraumflugzentrum
in
Alabama
waren
Wernher von Brauns' Deutsche tätig,
die nach dem Zweiten Weltkrieg nach
Amerika kamen und einige hundert Süd-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Alle Rechte

staatler aus kleinen Orten in Georgia, Alabama und Mississippi, die
nach Huntsviile gekommen waren. um
für Sie zu arbeiten. An den primitiven Abschußanlagen in Cape Canaveral
waren Deutsche und Amerikaner zu finden, die von der Arbeitsgruppe für
den Weltraum, den Streitkräften und
beteiligten Unternehmen dorthin geschickt worden waren.
Außer den Deutschen und den Kanadiern handelte es sich hier nicht um
eine handverlesene Elite.
Kaum ein
Amerikaner
hatte
eine
renommierte
Universität, das MIT oder die kalifornische technische Hochschule besucht. Sie sprachen vielfach starken
Dialekt, und nicht
wenige
hatten
Schwierigkeiten
mit der Grammatik.
Sie waren keine Manager - lediglich

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Telex: 8-85432

�Ingenieure für Flugtechnik, Flugzeugmechaniker und Raketentechniker, die
klares Design liebten und gerne fliegen.
Ihr Arbeitgeber, die NASA, steckte noch in den Kinderschuhen und wurde von einem Wohnhaus am Lafayette
Square gegenüber dem Weißen Haus geleitet.
Die Ingenieure in Langley,
Marshall und Cape Canaveral nannten
es noch nicht einmal "Hauptquartier",
sondern bezeichneten es lieber als
"Washingtoner Büro", womit sie nicht
viel zu tun hatten. Langley und Marshall fauchten sich inzwischen an wie
böse Katzen - jeder in der Gewißheit,
seine
Ideen
seien
die
richtigen.
Aber die NASA jener Tage vibrierte
förmlich vor Energie und Kreativität
und war ein Ort, an dem der "Senior",
der die Abteilung leitete, um die
dreißig Jahre alt und seine Mitarbeiter um die zwanzig waren. Sie waren
(wie auch die Veteranen jener Jahre
immer wieder betonen) zu unerfahren,
um zu wissen, daß ihre Arbeit etwas
Unmögliches war.
Sie taten folgendes:
Als
Kennedy
1961
seine
Rede
hielt, hatte die größte Rakete in
Amerikas Arsenal kaum genug Schubkraft, um eine Ein-Mann-Kapsel in die
Erdumlaufbahn zu befördern, und eine
von vier Raketen explodierte bereits
in der Abschußphase.
Nur sechseinhalb Jahre später startete die NASA
die erste Saturn V, eine Rakete von
der Größe und dem Gewicht eines Zerstörers.
Bereits in ihrer ersten
Flugphase entwickelte sie eine Schubkraft von 7,5 Millionen Pfund und war
damit 40mal so stark wie die stärkste
Rakete aus dem Jahr 1961. Und diesmal versagte sie nicht - und auch
später niemals.
Seitdem ist weder
von den Vereinigten Staaten, den Sowjets oder irgendjemandem sonst eine
so große oder so zuverlässige Rakete
gebaut worden wie Marshalls Saturn V.

Die
Welt

komplizierteste

Maschine

der

Die Langley-Arbeitsgruppe - inzwischen
in Houston angesiedelt
baute auch zwei verschiedene, von
vorn
bis
hinten
völlig
neuartige
Raumschiffe, die Apollo-Kommandokapsel und die Mondfähre, die beide unabhängig voneinander um den Titel der
kompliziertesten
Maschine der Welt
hätten ringen können. In Cape Canaveral
errichtete die
Apollo-Gruppe
die Montagehalle für das Raumschiff den größten umbauten Raum der Welt,
mit Türen, groß genug, daß das UNOGebäude
hindurchgepaßt
hätte,
auf
sandigem Boden, an einem Ort, der in
regelmäßigen Abständen von Hurrikanen
heimgesucht wird.
Sie bauten eine
Zugmaschine mit einer Transportfläche
von der Größe eines Baseballfelds,
die eine Saturn V drei Meilen eine
Steigung mit einem Neigungswinkel von
5 •* hinauf transportieren konnte
ohne daß die Spitze der Saturn. 120
Meter oberhalb ihrer Rampe, sich jemals um mehr als die Größe eines Basketballs aus der Vertikalen bewegt
hätte.
Dann lernten die Flugtechniker,
die 1961 nur AI Shepards einfachen
suborbitalen Lob kannten, wie man bemannten Raumflug betreibt - Langzeitflüge, Spaziergänge und Begegnungen
im All, Navigation in der Tiefe des
Weltraums, Andocken, Flug zum und
Rückflug vom Mond.
Mit nur wenigen
primitiven
Anhaltspunkten
und
ein
paar Telefonleitungen zu den beteiligten Unternehmen wurden die Flugtechniker, deren Arbeit nur in Ansätzen im Kontrollraum sichtbar wurde, zu dem tüftelnden, versierten und
hochqualifizierten
Team,
das
die
Apollo-Missionen am Leben erhielt unter anderem dabei, die Mannschaft
von Apollo XIII nach einer Katastrophe auf halbem Weg zum Mond sicher
zur Erde zurückzubringen, eine Meisterleistung, die vom Bodenpersonal

'

i

v

�1

und der Flugmannschaft die Beanspruchung der Systeme weit über die
Entwurfsspezifikationen hinaus erforderte.
Als Beobachter dieser Wunder haben wir im großen und ganzen die
fal-schen Lehren gezogen:
Apollo sollte ein Triumph hochmodernen Managements sein. Tatsächlich
aber war die NASA selbst in ihren besten, produktivsten und kreativsten
Jahren ein dezentralisiertes, höchst
"ineffizientes" Konglomerat halbautonomer Zentren, in denen jungen Burschen riesige Budgets, große Freiheit
gewährt und unrealistisch ehrgeizige
Aufgaben gestellt wurden. Und obwohl
einige der Appolo-Techniker hervorragende Manager wurden, trifft eine
Überprüfung des von ihnen angewandten
Managementsystems nicht den Kern der
Sache.
Was für Apollo sprach, war ein
harter Kern an Führungskräften, denen
Arroganz und Hierarchiedenken fremd
waren - oft nahmen führende Manager
einen beruflichen Abstieg hin, um die
Arbeit auszuführen, die zu dem Zeitpunkt am vordringlichsten war. Apollo hatte FUhrungskräfte, die auf allen Ebenen miteinander kommunizierten, ungeachtet hierarchischer Strukturen oder Referenzen auf dem Papier
- sogar einige High School-Absolventen hatten entscheidenden Anteil am
Erfolg der Apollo-Mission.
Und trotz seiner gigantischen
Größe weckte Apollo eine Familienzusamraengehörigkeit, die keine Führungsstruktur
vermitteln
konnte.
Techniker, die Grissom und White und
Chaffee nie getroffen hatten, waren
zutiefst betroffen, als diese drei
Astronauten in einem Feuer auf der
Abschußrampe ihr Leben ließen.
Um Raketenstarts sorgten sie sich
wie Mütter, die ihre Kinder in den
Krieg ziehen sehen. Sie feierten eine gelungene Landung mit dem leidenschaftlichen Stolz frischgebackener
Väter. Nach den zahllosen Stunden,

die sie ihrer Arbeit widmeten, darf
man nicht fragen. Einige der Apollo-Leute haben dafür folgenden Satz
parat:
"Die sechziger Jahre sind
spurlos an mit vorübergegangen."
Wir zogen eine weitere törichte
Lehre, indem wir glaubten, Apollo
verkörpere all das, was die Nation
leisten könne, wenn sie sich nur mit
aller Kraft darum bemühte ("Wenn dieses Land einen Menschen zum Mond
schicken
kann,
dann
können
wir
auch..."). Wir dachten, soziale Probleme ließen sich mit ebensolchen gigantischen
Anstrengungen
lösen.
Apollo hat uns jedoch eindringlich
vor Augen geführt, warum die technische Konstruktion eine der vornehmsten und anspruchsvollsten Aufgaben
ist und warum "die Konstruktion des
Sozialwesens" weiterhin einen Widerspruch in sich bedeutet.
Aber die größte Dummheit besteht
vielleicht darin, daß manch einer
Apollo immer noch unter dem Gesichtspunkt bewerten, wie das Geld anders
hätte ausgegeben werden können - als
ob jene 25 Milliarden Dollar für
Apollo einen Fonds bildeten, den man
für die Hungerhilfe oder die Krebsbekämpfung eingesetzt hätte, wenn er
nicht für Apollo ausgegeben worden
wäre. Vielleicht hätten die Menschen
des Jahres 1961 ebenso enthusiastisch
für den Kampf gegen den Hunger eintreten sollen wie für die Reise zum
Mond, aber dem war nicht so.
Wir sollten es nicht im Nachhinein überbewerten. Apollo begann so
subtil und so kühn wie ein Spiel ohne
Limit, in dessen Verlauf man einen
Haufen Chips in die Mitte des Spieltischs schiebt. Es fügte sich in die
lange und geschätzte Tradition großer
amerikanischer Prahlereien - überschwenglicher, übertriebener, grandioser, chauvinistischer Prahlereien -,
daß wir die Briten schlagen und die
Rocky Mountains überqueren, mehr Mais
anbauen und höhere Gebäude errichten
könnten als jeder andere. Eine fast
kindliche Prahlerei, die vielleicht
nur in jungen Nationen entstehen

- 3 -

�kann.
Vielleicht sind wir seither
älter geworden, und Apollo war die
letzte dieser Prahlereien. Wenn dies
aber der Fall war, dann war es ein
ungeheuerliches Unterfangen. Dennganz
gleich, wie man die Bedeutung von
Apollo
im kosmischen Ganzen bewerten mag, man sollte sich stets vor
Augen führen: Bei Gott, wir haben es
durchgezogen.

* * * * *

�AMERIKA DIENST
^7

^

C$

Wissenschaft und Technik

26. Juli 1989

28

GESUNDER REGENWALD VONGROSSEM WERT
- Umwandlung In Weideund Farmland unwirtschaftlich -

(AD) - Der wirtschaftliche Nutzen
der tropischen Regenwälder ist grösser, wenn sie konsequent als Lieferanten für Produkte wie eßbare Früchte, Öle, Gummi und Pharmazeutika genutzt werden, als wenn zur Holzgewinnung und für die Umwandlung in Weiden
und Äcker gefordert wird.
In der
britischen
Zeitschrift Nature vom
29. Juni 1989 veröffentlichten drei
amerikanische Wissenschaftler die Ergebnisse einer über DreiJahresstudie,
im Rahmen derer detaillierte Untersuchungen
zu den genannten Fragen
durchgeführt werden.
Dr. Charles M. Peters, Pflanzenökologe am Institut für Wirtschaftsbotanik des Botanischen Gartens New
York, Alwyn H. Gantry, Botaniker am
Botanischen Garten von Missouri, und

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Dr. Robert 0. Mendelsohn, Professor
dür Forstwirtschaft an der Universität Yale, kommen zu dem Schluß, daß
die Tropenwälder einen erheblich höheren Wert haben als bislang angenommen und die tatsächlichen Marktvorteile der Bauholzgewinnung gegenüber
dem Marktwert der anderen Ressourcen
relativ gering seien.
Die Wissenschaftler berücksichtigten den Marktwert aller kommerziell verwertbaren
Naturstoffe von einem Hektar des artenreichen Tropenwaldes im Amazonasgebiet.
"Unsere Studie zeigt zum ersten
Mal, daß es wichtige wirtschaftliche
Gründe für die Unversehrtheit des Regenwalds gibt", erklärte Dr. Peters.
Das untersuchte Areal am Rio Nanay.
einem Nebenfluß des Amazonas, in der

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Telex: 8-85432

�Nähe des Dorfes Mishana 30 km südwestlich der Stadt Iquitos (Peru) umfaßt 842 Bäume. Davon wurden 41 Prozent zum Abernten von Früchten, für
Holz- und Gummi gewinnung und damit
für Produkte genutzt, die in Iquitos
verkauft werden. Der Wert des Landes
würde unter Zugrundelegung des Marktwerts von Produkten wie Früchten und
Latex (ohne Holz) bei einem Ertrag
über 50 Jahre auf 6 820 Dollar betragen. Würde die gleiche Fläche nur
für Bauholz und Rohstoffe zur Papierherstellung genutzt, verringerte sich
im gleichen Zeitraum der Bodenwert
auf 3 184 Dollar, bei Umwandlung in
Weideland auf 2 960 Dollar. Die Dollar-Angaben spiegeln den kumulativen
Wert aller künftigen Erträge in 50
Jahren wider, wurden jedoch - wie etwa bei der Wertermittlung langfristiger Anleihen - in heutigen Dollar berechnet. .
Die Vergleiche zeigen Dr. Peters
zufolge, daß mit dem kontinuierlichen
Abernten der Naturprodukte der intakte Wald mehr Ertrag bringt als durch
Roden und Umwandlung in Weideland
oder Anlegen von Bauholzplantagen.
Die Einheimischen im Amazonasgebiet
nutzten tropische Wälder in einer
Weise, die ökologisch auf die Dauer
tragbar und wirtschaftlich vernünftig
ist und überdies ihr Einkommen sichert.
"Millionen von Menschen tun
dies", erklärte Peters.
"Aber das
gesamte Handelsnetz ist so diffus und
so schwer zu erfassen, daß diese Art
von Aktivitäten in Regierungsstatistiken oder volkswirtschaftlichen Berechnungen gar nicht auftauchen. Die
Politiker haben dies bisher übersehen." Auch sollte man keine Naturparks schaffen und die Menschen verzweifelt aus den Wäldern herauszuhalten suchen, damit diese geschützt
werden, sondern große Waldbezirke zum
Ernten von Früchten, Latex und Pharmazeutika reservieren. Damit fänden
die Einheimischen eine Erwerbsquelle
und der Schaden am Wald würde begrenzt.

* * * * *

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;"Frieden und Demokratie" leere Versprechungen der Sandinisten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung Präsident Bushs zu Nicaragua&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Bush fordert kontinuierliche Erforschung des Weltraums&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede des Präsidenten anläßlich des 20. Jahrestags von Apollo XI &lt;br /&gt;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrund&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Apollo - zwanzig Jahre danach&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Amerikas letztes großes Wagnis&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Gesunder Regenwald von großem Wert&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Umwandlung in Weide- und Farmland &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;unwirtschaftlich&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST
'VON

Sonderdienst

*

PRÄSIDENT BUSHS BESUCH IN POLEN UND UNGARN VOM 9.-13. JULI 1989

INHALT

Bush; Zeitpunkt für einen eigenen Weg Polens Ist gekommen
- Rede des Präsidenten vor dem polnischen Parlament Das Aktionsprogramm für Polen
- Eine Übersicht des Weißen Hauses USA wollen Risiko eines Kriegs in Europa abbauen
- Ansprache von Präsident Bush in der Karl-Marx-Universität
Das Programm zur Förderung der Reformen in Ungarn
- Eine Übersicht des Weißen Hauses * * * * *

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�I

^

AMERIKA DIENST
Dokumentation

'VON**

BUSH:

ZEITPUNKT FÜR EINEN EIGENEN WEG POLENS IST GEKOMMEN

- Rede des Präsidenten vor dem polnischen Parlament -

WARSCHAU - (AD) - Vor dem neuen, demokratisch gewählten polnischen Parlament erklärte Präsident Bush, jetzt sei "innenpolitisch wie international der
richtige Zeitpunkt für Polen, seinen eigenen Weg einzuschlagen."
In seiner Rede am 10. Juli 1989, dem zweiten Tag seiner zehntägigen Europareise, erinnerte der Präsident daran, daß die geteilte Welt des modernen
Zeitalters ihren Ursprung vor 50 Jahren in Polen hatte. Er erklärte, das polnische Volk "kann heute zur Überwindung der Teilung Europas beitragen."
Bush erläuterte den neuen Gesetzgebern, "jetzt ist es an der Zeit,, um
sich über Containment hinaus einer zu lang hinausgezögerten Welt - einer besseren Welt - zuzuwenden".
Nachfolgend veröffentlichen wir Bushs Rede im Wortlaut:

Herr
Vorsitzender
Jaruselski,
Präsident Kosakiewicz und Senatspräsident Stelmachowski, Ministerpräsident Rakowski, verehrte Senatoren und
Delegierte. Im Namen des Volkes der
Vereinigten Staaten habe ich die Ehre, die neugewähiten Abgeordneten des
polnischen
Parlaments zu begrüßen.
Meine heutige Anwesenheit hier ist
ein Beweis dafür, daß wir in einer
außergewöhnlichen und in der Tat sensationellen Zeit leben.
Die Macht und das Potential dieses Augenblicks wurden mir erstmals
deutlich, als ich ein auf der ganzen
Welt verbreitetes Photo sah, auf dem
der
Staatsratsvorsitzende
General
Jaruzelski und von der Gewerkschaft
Solidarität
Arbeiterführer
Lech
Walesa Seite an Seite bei der Eröff-

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nungssitzung des Parlaments abgebildet waren - als Symbol des neues
Fortschritts in Polen.
Glauben Sie
mir, damit wurde der ganzen Welt ein
Zeichen gesetzt.
Polen und die Vereinigten Staaten
sind, so heißt es, durch Verwandtschaft und Kultur miteinander verbunden.
Aber unsere Völker verbindet
noch mehr als nur Empfindungen.
Mit der Verfassung vom 3. Mai
1791 eilte Polen seiner Zeit und den
anderen Staaten Osteuropas im Streben
nach Freiheit und demokratischen Idealen weit voraus, ebenso wie die amerikanische Verfassung von 1787 neue
Maßstäbe zum Schutz der Rechte des
einzelnen setzte.

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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Seit Jahrzehnten - seit den Friedensverträgen von Versailles - sind
die Vereinigten Staaten für Unabhängigkeit, Freiheit und den Wohlstand
Polens eingetreten.
Und wir sind
stolz auf unser frühes und langfristiges Engagement für die Selbstbestimmung Polens. Ich stehe heute als
amerikanischer Präsident vor Ihnen,
der diese hehre Verpflichtung erneuern will.
Ich verstehe etwas von der Arbeit, die Sie hier aufnehmen, weil
ich selbst zunächst im amerikanischen
Kongreß in den Dienst an der Öffentlichkeit eintrat.
Demokratisch gewählte Legislativen sind für die Menschheit eines der besten Foren für
Diskussionen und Dialog. Und obwohl
ich bereits in Polen war, hätte ich
nicht gedacht, daß ich dieses Land so
bald wieder besuchen würde - jedenfalls nicht unter so veränderten Umständen. Ebenso werden viele von Ihnen nicht erwartet haben, hierher zu
kommen und in diesem oder überhaupt
einem polnischen Parlament zu arbeiten. Ihre Leistung hat alle Erwartungen übertroffen und verdient unsere Anerkennung.
Als der polnische Astronom Kopernikus vor etwa 450 Jahren die natürliche Ordnung der Planeten entdeckte
und den Mut hatte, das Wissen der damaligen Zeit in Zweifel zu ziehen,
änderte sich die Welt ein für allemal.
Ebenso wird Polen von diesem
Jahr an, in dem es das natürliche
Verhältnis zwischen Menschen und Regierung
neu
festlegt, vollständig
verändert werden.
Heute hat der Umfang der politischen und wirtschaftlichen Veränderungen in Polen in der Tat kopernikanischen Stellenwert. Ein grundlegender Wandel in der Betrachtungsweise,
die den Menschen in den Mittelpunkt
stellt. Ein neuen Verständnis davon,
daß die Regierten die echte Quelle
anhaltenden
sozialen
Friedens und
wirtschaftlichen Wohlstands sind, um
den sich die Regierung dreht und dem
sie dient.

Polen hat ein reiches demokratisches Erbe. Die Verfassung vom 3.
Mai war ein Geniestreich. Heute am
Anbruch des dritten Jahrhunderts dieses Dokuments sind Sie aufgefordert,
diesem genialen Akt zeitgenössische
Taten
entgegenzusetzen
und
einen
friedlichen Übergang zu einer politischen und wirtschaftlichen Erneuerung
durch eine repräsentative Regierung
zu schaffen, die den Willen des Volkes widerspiegelt.
Ich konnte vor einigen Wochen
hier in Europa beobachten, daß Ost
und West am Ende eines Zeitalters und
am Beginn
eines neuen angelangt
sind.
Der
Staatsratsvorsitzende
Jaruzelski hat kürzlich über Polen
gesagt, "das Licht der Nation war
tiefgreifenden Veränderungen unterworfen, und es ist gutes Recht der
Gesellschaft, zu fragen, wann wieder
ein Sonnenstrahl über Polen scheinen
wird". Das trifft in der Tat nicht
nur für Polen, sondern auf die Beziehungen zwischen Ost und West insgesamt zu.
Die Reihe der Unruhen und großen
Veränderungen setzt sich von Polen
bis zum Pazifik fort. Sie ist oftmals anregend, wie etwa hier in Warschau. Aber manchmal ist sie auch
furchterregend, wie gegenwärtig in
China. Aber der Umfang der Veränderungen, wie wir ihn auf der ganzen
Welt wahrnehmen, zwingt uns, in uns
zu gehen und zu Gott aufzuschauen,
damit uns eine seltene Mischung aus
Mut und Zurückhaltung zuteil wird.
Die Zukunft birgt sowohl Hoffnung
als auch Unsicherheit. Polen und Ungarn befinden sich an einem Scheideweg:
jeder hat seinen eigenen Weg
der Reformen ohne Gewähr für leichten
Erfolg eingeschlagen.
Den Menschen
dieser Länder - und dem Mut ihrer
Führer - gebührt unsere Bewunderung.
Der Weg ist steinig. Aber jetzt ist
innenpolitisch wie international der
richtige Zeitpunkt für Polen, seinen
eigenen Weg einzuschlagen.
Am Tag, an dem die Gewerkschaft

�Solidarität wiederzugelassen wurde,
habe ich meine Unterstützung und Bewunderung für das jetzt in Polen begonnene politische
Experiment zum
Ausdruck gebracht. Inzwischen haben
Sie ein gutes Stück dieses Weges zurückgelegt und auch die bemerkenswerten Wahlen durchgeführt, die dieses
Parlament hervorgebracht haben. Und
wir wollen uns vor Augen führen, was
dieses Experiment - nicht nur für Polen, sondern für Europa und die ganze
Welt - bedeuten kann.
Die geteilte Welt des modernen
Zeitalters hatte hier - genau hier in
Polen - vor 50 Jahren ihren Ursprung. Ihr Land und nahezu das gesarate Europa waren zunächst belagert
und dann von totalitären Kräften besetzt. Ein mutiges Polen war unser
Verbündeter.

In dieser schrecklichen

Zeit haben Franklin Roosevelt und
Winston Churchill die Atlantik-Charta
entworfen, in der die Grundlage aufgestellt wurde, auf der wir eine bessere Welt hervorzubringen hofften,
einschließlich der Freiheit von Mangel und Furcht und dem Recht der Menschen, die Regierungsform zu wählen,
unter der sie leben wollen.
Aber Sie wissen besser als irgendjemand sonst, daß die Welt, wie
wir sie uns wünschten, nicht entstand. Stalinistische Regime beherrschten ein Drittel des Kontinents.
Der Kalte Krieg begann. Die Länder
des Westens schlössen sich zur Verteidigung demokratischer Prinzipien
zusammen. Und wir unterbreiteten den
Vorschlag, daß der Marshallplan auch
auf Osteuropa ausgedehnt werden sollte. Aber auch das traf nicht ein.
Die Strategie des Westens - die
Strategie des Containment - war ein
Mittel
zum
Zweck,
aber
niemals
Selbstzweck.
Es gab keinen Ersatz
für ein freies und vereintes Europa.
Und wir vergaßen weder die gescheiterten und vereitelten Hoffnungen des
Jahres 1945, noch das Versprechen einer besseren Welt. Das gleiche galt
für das polnische Volk. Ihr Land war
ein Konfliktherd. Nun wird es zu ei-

nem Beispiel des Wandels.
Der Kalte Krieg begann in Polen,
und heute kann das polnische Volk zur
Überwindung der Teilung Europas beitragen. Jetzt ist es an der Zeit, um
sich über Containment hinaus einer zu
lang hinausgezögerten Welt - einer
besseren Welt - zuzuwenden. Und heute haben es uns zwei Entwicklungen
endlich ermöglicht, die Grundsätze
der Atlantik-Charta einzulösen, für
die die Vereinigten Staaten und Polen
als Verbündete gekämpft haben. Eine
ist der offensichtliche Fehlschlag
des klassischen stalinistischen Systems. Die andere besteht im unbeugsamen Willen des Volkes - verkörpert
durch führende Politiker in Polen und
Ungarn, die sich mit Ehrlichkeit,
Kreativität und auch Mut um die Überwindung der Fehler der Vergangenheit
bemühen.
Die Welt betrachtet dies
mit Bewunderung.
Und nun besteht - teilweise auch
durch Ihre Bemühungen - für uns alle
eine echte Gelegenheit, ein Europa
aufzubauen, von dem viele geglaubt
haben, es sei in den vierziger Jahren
für immer zerstört worden.
Dieses
Europa, das Europa unserer Kinder,
wird offen, ungeteilt und frei sein.
Wir können dies auf zwei Wegen
erreichen.
Erstens muß ein neues
Ost-West-Verhältnis auf einem erheblich verringerten RUstungsniveau beruhen. Ich nehme General Jaruzelskis
Äußerungen zu diesem Thema zur Kenntnis und unterstütze Ihn. Wir im Westen haben drastische Reduzierungen
der konventionellen Streitkräfte in
Europa vorgeschlagen, Reduzierungen,
die Aussichten auf die Umgestaltung
der militärischen Landkarte Europas
und eine Verringerung des Kriegsrisikos in sich bergen. Die neue Bereitschaft Moskaus, diesen westlichen
Rahmen für Reduzierungen von Truppen,
Panzern, Flugzeugen und anderen Waffenkategorien zu akzeptieren, läßt
uns hoffen, daß die Verhandlungen in
Wien erfolgreich sein werden.
Ein
guter Anfang wurde gemacht. Von beiden Seiten werden konstruktive Vor-

- 3 -

�Schläge unterbreitet. Wir sind entschlossen, uns voll und ganz für einen baldigen und erfolgreichen Abschluß dieser Gespräche einzusetzen.

am runden Tisch liegt das Schicksal
Polens heute mehr denn je in polnischer Hand. Und dort muß es für immer bleiben.

Zweitens werden Reduzierungen der
r
Streitkräfte weiterreichend und tragg
fähiger sein, wenn sie gleichzeitig
mit politischen Veränderungen einhere
gehen.
Übermäßige
Waffenarsenale
m
sind unseres Erachtens ein Symptom
r
und nicht die Ursache politischer
e
Spannungen.
In Europa beruhen diese
n
Spannungen
auf einer unnatürlichen
und grausamen Teilung.

Ihre Verantwortung für die Zukunft Ihres Landes ist immens.
Polens Freunde, einschließlich des amerikanischen Volkes, wollen, daß Polen
frei, wohlhabend, demokratisch
und
unabhängig ist - getreu den besten
Traditionen Ihres Landes. Und diese
Regierung
schreitet
in einer Zeit
großer Schwierigkeiten und Herausforderungen mit einem Sinn für Realismus
und Mut in die Zukunft. Lech Walesas
Solidarität fühlt sich der Gründung
von Institutionen in Polen tief verpflichtet, die dem ganzen Volk dienen
werden. Schon aufgrund seiner bloßen
Existenz fördert dieses Parlament den
Pluralismus. Die Kirche hat sich in
stürmischen
Zeiten als Quelle der
geistigen Führung und Einheit erwiesen.
Über allen steht jedoch das
polnische Volk, das unerschütterlich
auf produktive Veränderungen hingearbeitet hat.

Der Entschluß Polens zu politischen Reformen - und auch die Schritte Ungarns in die gleiche Richtung g
haben deshalb auch große Bedeutung
über ihre Landesgrenzen hinaus. Indem Sie durch den Volkswillen legitimierte politische Strukturen schafe
fen, können Ihre Reformen Grundlage
von Stabilität, Sicherheit und Wohln
stand sein, nicht nur hier, sondern
s
in ganz Europa, heute und bis ins
nächste Jahrhundert.
Um Michail Gorbatschow zu zitieren:
"Allseitige Sicherheit beruht
t
auf der Anerkennung des Rechts jedes
s
Landes auf Wahl seines eigenen Weges
•s
der
gesellschaftlichen
Entwicklung
g
sowie auf der Absage an Einmischung
g
in die inneren Angelegenheiten anderer Staaten.
Eine Nation kann sich
h
für Kapitalismus oder Sozialismus entscheiden.
Dies ist ihr souveränes
s
Recht." Dem stimme ich grundsätzlich
h
zu.
Ich hätte jedoch vielleicht gesagt, daß sich das Volk eines jeden
n
Landes entweder für eine freie Marktwirtschaft oder für den Sozialismus
s
frei entscheiden kann. Das ist sein
n
Recht.
Der Westen ist also darum bemüht,,
die Sicherheit eines Landes weder anzutasten, zu bedrohen, noch sich einzumischen, sondern dazu beizutragen,,
engere
und
dauerhaftere
Bindungen
n
zwischen Polen und dem übrigen Europa
a
zu knüpfen.
Als

Ergebnis

der

in
Vereinbarungen

Doch selbst unter den besten Bedingungen
sind
der
repräsentativen
Regierung besondere Herausforderungen
zu eigen. Sie erfordert Geduld, Toleranz sowie ein Geben und Nehmen
zwischen
politischen
Gegnern.
Ihr
Vorzug besteht darin, daß sie der politischen Führung und ihrer Politik
Legitimität
verleiht.
Sie
stattet
Regierungen
und Gesellschaften
mit
dem Mandat für harte Entscheidungen
aus.
Und durch die Beteiligung des
Volkes erhält dieses Anteil an den
getroffenen Entscheidungen,
Über 200 Jahre lang haben die
Amerikaner Auseinandersetzungen über
politische und wirtschaftliche Interessen, über die Rechte des einzelnen
und die Bürgerrechte sowie über die
Rolle einer loyalen Opposition geführt.
Die Demokratie ist kein Abschluß, sie ist ein Prozeß - und ihre
Vervollkommnung hört nie auf.
Die
Geschichte hat die Amerikaner aber
unmißverständlich gelehrt: Die Demokratie funktioniert.

- 4 -

�Wir verstehen in meinem Land die
enormen
wirtschaftlichen
Probleme,
mit
denen
sie
konfrontiert
sind.
Wirtschaftliche Entbehrungen sind eine Gefahr, die jedes große demokratische Experiment bedrohen können. Und
ich muß zu Ihnen offen sprechen.
Wirtschaftliche Reformen und Gesundung können nicht ohne Opfer vonstatten gehen.
Selbst in einer so leistungsfähigen Wirtschaft wie der unseren diskutieren wir weiterhin über
Rolle und Grenzen des Staates - wie
der
Privatsektor
reguliert
werden
soll ohne Innovationen abzuschrecken,
wie unser enormes
Haushaltsdefizit
reduziert
werden
kann,
wie
ein
Gleichgewicht zwischen den Bedürfnissen der Arbeitnehmer und unternehmerischer Effizienz geschaffen werden
kann, wie man den durch Veränderungen
hervorgerufenen schmerzhaften Beeinträchtigungen begegnen soll -, um der
Produktivität, des Fortschritts und
des Wohlstands willen.
Die Reform der polnischen Wirtschaft bedeutet eine historische Herausforderung.
Für die eigenen Anstrengungen Polens kann es keinen Ersatz geben.
Ich möchte jedoch vor
Ihnen heute betonen, daß Polen nicht
allein
ist.
Aufgrund der enormen
Tragweite dieser Stunde sind die Vereinigten Staaten bereit, Ihnen in dem
Maße zu helfen, wie Sie sich selbst
helfen.
In Hamtramck in Michigan habe ich
vor drei Monaten eine Politik zur Unterstützung der Reformen in Polen erläutert, die damals gerade begonnen
hatten. Ich habe bestimmte, sorgfältig ausgewählte Maßnahmen vorgeschlagen, um die sich hier vollziehenden
und künftigen Reformen anzuerkennen.
Diese Politik baut auf das dynamische
Zusammenspiel zwischen Fortschritt in
Polen und westlichem
Engagement
nicht auf zweifelhafte Kredite, die
ohne Rücksicht auf die notwendigen
Reformen zugesagt werden.
Das war
die Bilanz der siebziger Jahre. Polen und die Vereinigten Staaten sollten diesen Fehler nicht wiederholen.

Bei den in Hamtramck angekündigten Maßnahmen haben wir Fortschritte
erzielt.
Neue Gesetzentwürfe werden in die
Wege geleitet, im Rahmen derer polnische Exporteure dank der Meistbegünstigungsklausel
auf
amerikanischen
Märkten
besser konkurrieren
können
und die unseren privaten Investitionsgesellschaften
in
Übersee
geschäftliche
Transaktionen
in Polen
gestatten, indem sie Garantien für
Investitionen leisten und einen Anreiz für amerikanische Investitionen
in Gemeinschaftsunternehmen in Polen
bieten.
Die Vereinigten Staaten schlagen
ein Abkommen über private Geschäftstätigkeit vor, das Kontakte zwischen
dem wachsenden Privatsektor in Polen
und amerikanischen Geschäftspartnern
fördern wird. Wir hoffen, schon bald
ein Abkommen zu erzielen, damit wir
auf
diese offensichtlich
einmalige
Gelegenheit aufbauen können.
In den Vereinigten Staaten besteht großes Interesse an und Bewunderung für die Ereignisse in Polen
und
der unmißverständliche
Wunsch,
dem Reformprozeß behilflich zu sein.
Am 6. Juli 1989 leitete ich ein Symposium im Weißen Haus, an dem an der
Förderung von Investitionen. Handel
und wissenschaftlichen Austauschprogrammen mit Polen und Ungarn interessierte
Amerikaner
teilnahmen.
Und
ich kann Ihnen mehr denn je versichern, daß das amerikanische Volk an
Ihrem demokratischen Experiment teilhaben wird.
Ich habe erklärt, die Vereinigten
Staaten werden auf den Reformprozeß
in Polen reagieren.
Selbst in der
kurzen Zeit seit Hamtramck ist sehr
viel geschehen. Es ist mir daher eine besondere Ehre, heute unsere Absicht bekanntgeben
zu können, zum
Wohle eines stabilen und florierenden
Polens
mehr
tun
und
noch
einen
Schritt weiter gehen zu wollen.
Erstens werde

- 5 -

ich

beim

bevorste-

�henden Weltwirtschaftsgipfel in Paris
den Vorschlag unterbreiten, daß die
Teilnehmerstaaten - die G-7 - ihre
Zusammenarbeit und konzertierten Aktionen zur Förderung demokratischer
Reformen in Polen und Ungarn intensivieren und einen sinnvollen Beitrag
zum Prozeß des Wandels leisten. Wir
werden beim Gipfeltreffen mit unseren
Partnern
zusammenarbeiten
und mit
aufgestockten
Hilfsleistungen
und
technischer Unterstützung des Westens
unverzüglich zur Tat schreiten. Diese konzertierte Aktion wird bestehende Institutionen wie die Weltbank,
den Pariser Club und den IWF ergänzen
und sich mit erforderlichen Wirtschaftsreformen, der Verwaltung von
Krediten, Ausbildungsinitiativen, Sozialversicherung, Wohnungsbau und anderen, für Polen entscheidenden Themen befassen.
Zweitens werde ich den amerikanischen Kongreß bitten, einen Fonds in
Höhe von 100 Millionen Dollar zur
Kapitalisierung und Ankurbelung des
polnischen
Privatsektors
bereitzustellen
- und wir werden entsprechende Beiträge von den anderen Gipfelteilnehmern ermutigen.
Drittens werde ich die Weltbank
auffordern, einen wirtschaftlich lebenswichtigen Kredit in Höhe von 325
Millionen Dollar zu vergeben, damit
die polnische Landwirtschaft und Industrie das Produktionsniveau erreichen, zu dem sie eindeutig fähig sind.
Und viertens werde ich meine Kollegen im Westen bitten, eine frühzeitige und großzügige Umschuldung der
polnischen Kredite zu befürworten.
Dies könnte einen Zahlungsaufschub
für die in diesem Jahr fälligen Rückzahlungen in Höhe von 5 Milliarden
Dollar bedeuten, wenn unsere Verbündeten und Freunde im Pariser Club
auch dazu bereit sind, liberalere
Zahlungsbedingungen anzubieten.
Ich
beabsichtige, dieses Thema mit meinen
Kollegen beim Gipfeltreffen in Paris
zu erörtern.
Fünftens

sollte

wirtschafIticher

Fortschritt nicht auf Kosten unseres
gemeinsamen Erbes, unseres gemeinsamen Vermächtnisses - der Umwelt
stattfinden.
Eine gesunde Ökologie
und eine starke Wirtschaft können und
müssen
nebeneinander
bestehen.
Luft- und Wasserverschmutzung kennen
keine Grenzen. Und diese Sorge besteht weltweit. Vor etwa zwei Jahren
habe ich Krakau besucht - ehemals
Sitz der polnischen Könige - eine
Stadt, die von der UNESCO als internationale Sehenswürdigkeit eingestuft
worden ist. Heute kämpft Krakau gegen die Umweltverschmutzung, seine
kostbaren
Baudenkmäler
fallen der
Zerstörung anheim. Krakau muß gerettet werden.
Und die Vereinigten
Staaten werden helfen. Ich werde den
Kongreß um 15 Millionen Dollar für
ein Gemeinschaftsunternehmen mit Polen zur Bekämpfung der Luft- und Wasserverschmutzung dort bitten.
Sechstens und letztens begann ich
meine Ausführungen mit dem gemeinsamen kulturellen Erbe unserer beiden
Nationen. Es ist mir eine Ehre, heute bekanntgeben zu können, daß die
Vereinigten Staaten in Warschau ein
Kultur- und Informationszentrum gründen und Polen bitten werden, ein entsprechendes Zentrum in den Vereinigen
Staaten ins Leben zu rufen. Damit
können unsere beiden Länder zum ersten Mal Bildungs- und Kulturprogramme außerhalb ihren jeweiligen Botschaften und Konsulate durchführen.
Die Wahlen, aufgrund derer wir
uns alle heute hier versammelt haben,
bedeuten, daß der vom polnischen Volk
eingeschlagene Weg ein Weg des politischen Pluralismus und der wirtschaftlichen Wiedergeburt ist. Der
vor uns liegende Weg ist lang, aber
der einzige, der zu Wohlstand und sozialem Frieden führt. Polens Fortschritte auf diesem Weg werden den
Weg zu einem neuen Zeitalter in ganz
Europa weisen - ein Zeitalter, das
sich auf gemeinsame Werte und nicht
nur geographische Nähe gründet. Die
westlichen Demokratien
werden dem
polnischen Volk und den anderen Völkern dieser Region zur Seite stehen.

- 6 -

�Demokratie liegt im Zeitgeist.
Wie alle Regierungsformen kann Demokratie zwar verteidigt aber niemals
aufgezwungen werden. Wir glauben an
die Demokratie. Denn obwohl Demokratie für viele ein Traum sein mag, ist
sie meiner Ansicht nach ohne jeden
Zweifel der Menschheit vorbestimmt.
Vor zweihundert Jahren wurden von
drei Nationen demokratische Verfassungen verabschiedet, in denen der
starke Einfluß der Aufklärung Zeugnis
von Gedanken ablegte, die Bestand haben.
Die amerikanische Verfassung war
die erste und hat sich in der Geschichte über 200 Jahre unseres Bestehens als Republik bewährt.
In
Frankreich wurde die konstitutionelle
Demokratie in diesem Sommer vor zwei
Jahrhunderten verkündet. Und in wenigen Tagen werden die Staats- und
Regierungschefs aus allen Ländern der
Welt in Paris zusammenkommen, um ihren Jahrestag feierlich zu begehen.
Am 3. Mai 1991 wird auch die polnische Verfassung 200 Jahre alt. Ihre Verfassung aus dem Jahr 1791 wurde
widerrufen, aber niemals vergessen.
Und heute lautet der Ruf dieser Generation, das Versprechen einer freien
polnischen Republik einzulösen. Solange der Geist Polens lebt, ist Polen nicht verloren.
Die Vereinigten Staaten wünschen
Ihnen viel Erfolg bei der Bewältigung
der schwierigen Probleme von heute.
Ich beglückwünsche General Jaruzelski
zu seiner Führungsstärke und danke
für die herzliche Gastfreundschaft,
die er mir zuteil werden ließ. Ich
grüße die Vorsitzenden und Mitglieder
dieser beiden hervorragenden gesetzgebenden Körperschaften.
Gott in
seiner unendlichen Weisheit und Güte,
weilt unter uns. Möge Gott Sie und
Ihre Bestrebungen segnen. Lang lebe
Polen. Ich danke Ihnen.

* * * * *
- 7

�AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

'VON**

DAS AKTIONSPROGRAMM FÜR POLEN
- Eine Übersicht des Weißen Hauses -

WASHINGTON - (AD) - Die folgende Übersicht des Weißen Hauses zur wirtschaftlichen und kulturellen Unterstützung der Vereinigten Staaten für Polen
wurde am 10. Juli 1989 in Warschau veröffentlicht:

Das Aktionsprogramm für Polen

Das Maßnahmenpaket setzt sich wie
folgt zusamen:

In seiner Rede vor dem polnischen
Parlament am 10. Juli 1989 stellte
der Präsident ein umfassendes Paket
mit sechs Maßnahmen vor, um Polen bei
der Bewältigung der historischen Herausforderungen der neunziger Jahre zu
helfen. Diese Maßnahmen berücksichtigen die gegenwärtig stattfindenden
demokratischen Veränderungen in Polen.
Mit diesen Maßnahmen wird der
Tatsache Rechnung getragen, daß erfolgreiche marktwirtschaftliche Reformen und die Demokratisierung in
Polen sowie in anderen Ländern des
östlichen Zentraleuropas die Grundlage für Stabilität und Sicherheit Europas schaffen können.

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Konzertierte internationale Maßnahmen.
Der Präsident schlägt
ein
verstärktes
konzertiertes
Vorgehen der Regierungen der Vereinigten Staaten, Westeuropas und
Japans zur Unterstützung der auf
politischem Pluralismus gegründeten wirtschaftlichen Reformen und
Gesundung in Polen vor. Dies
wird ein wichtiges Thema des
Weltwirtschaftsgipfels in Paris
sein.
-

Der Polnisch-Amerikanische Unternehmensfonds.
Der
Präsident
schlägt die Einrichtung eines mit
100 Millionen Dollar ausgestatteten Unternehmensfonds zur Unter-

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Stützung privater Unternehmer in
Polen vor. Er wird andere führende Staaten ermutigen, ähnliche
Initiativen zu ergreifen.
Weltbankdarlehen.
Der Präsident
wird die Weltbank ermutigen, Polen zwei wirtschaftlich lebensfähige Projektkredite in Gesamthöhe
von 325 Millionen Dollar zu bewilligen.
Umschuldung.
Der Präsident hat
erklärt, die Vereinigten Staaten
würden im Pariser Club eine großzügige und rasche Umschuldung für
Polen unterstützen. Diese würde
Polens finanzielle Beziehungen zu
seinen Gläubigern normalisieren
und Polen erlauben, in beiderseitigen Vereinbarungen mit seinen
Gläubigern die Rückzahlung von
etwa 5 Milliarden Dollar in diesem Jahr aufzuschieben.
Eine Umweltinitiative. Der Präsident ist der Ansicht, daß die
wirtschaftliche Erholung nicht zu
Lasten der Umwelt, des Erbes der
Menschheit, gehen darf. Aufgrund
seines in Mainz verkündeten Vorschlags zur Umweltzusammenarbeit
zwischen Ost und West wird der
Präsident den Kongreß um die Bewilligung von 15 Millionen Dollar
für ein Gemeinschaftsprojekt mit
Polen zur Bekämpfung der Luftund Wasserverschmutzung in der
großartigen
mittelalterlichen
Stadt Krakau bitten.

Vorschlag
Der Präsident schlägt vor, daß
die Teilnehmerstaaten am Weltwirtschaftsgipfel ihre konzertierte Aktion verstärken, um die auf politischen
Pluralismus gegründeten Wirtschaftsreformen in Polen und Ungarn zu unterstützen.
Ergänzende
Bemühungen
führender demokratischer Industriestaaten werden ein kräftiger Impuls
zu wirtschaftlicher
Gesundung und
Fortschritten in diesen Staaten sein,
die sich gegenwärtig an einem Wendepunkt befinden. Andere interessierte
Länder könnten ebenfalls zu diesem
Prozeß beitragen.

Umfang
Zu diesen Bemühungen wird die Zusammenarbeit mit den Regierungen Polens und Ungarns sowie mit anderen
staatlichen und nichtstaatlichen Organisationen in diesen Ländern gehören, um Informationen zu sammeln und
den Meinungsaustausch zu Themen beiderseitigen Interesses zu gewährleisten.
Die beteiligten Regierungen
werden ferner gegebenenfalls mit Vertretern von IWF, Weltbank, EG-Kommission und anderen multilateralen und
privatwirtschaftlichen
Institutionen
zusammenarbei ten.
Der Themenkatalog könnte enthalten:
Notwendige Wirtschaftsreformen,

Einrichtung eines Kulturzentrums.
Die Vereinigten Staaten werden
ihre
Austauschprogramme
erweitern, um die Kontakte mit der zunehmend offenen Gesellschaft in
Polen auszuweiten. Die Vereinigten Staaten werden in Warschau
ein Kulturzentrum eröffnen, und
Polen kann ein vergleichbares
Zentrum in den Vereinigten Staaten einrichten.

Verstärkte
konzertierte
Maßnahmen
des Westens für Polen und Ungarn

Zeitrahmen und Konditionen
neue Kredite und

für

konkrete Unterstützung für Privatisierung und Privatunternehmen, Umweltprojekte, Managementund Ausbildungsinitiativen, soziale Absicherungsnetze zur Begleitung der Umstrukturierung, Wohnungsbau etc.
Mit diesen Bemühungen würden die
bestehenden Institutionen wie Weltbank, Pariser Club oder IWF nicht um-

�gangen oder ersetzt,

Technische
Hilfe oder Ausbildungsprogramme, die den polnischen Privatsektor unterstützen
oder von ihm verwaltet werden,

Die nächsten Schritte

Finanzierung teilweise oder vollständig privater Exportvorhaben,

Der Präsident wird diesen Vorschlag in Paris mit den politisch
Verantwortlichen der anderen Teilnehmerstaaten am Weltwirtschaftsgipfel Großbritannien,
Bundesrepublik
Deutschland, Frankreich, Japan, Italien und Kanada - erörtern.

Der Polnisch-Amerikanische
mensfonds

Gemeinschaftsunternehmen zwischen
privaten polnischen und amerikanischen Investoren (z.B. Ermutigung zur Teilnahme privater polnischer Firmen an Gemeinschaftsunternehmen) .

UnternehKredite der Weltbank

Vorschlag
Vorschlag
Die wirtschaftliche Gesundung Polens wird einen starken unternehmerischen Sektor erfordern, der rasch
wächst und Wohlstand zum Nutzen der
gesamten Nation schafft. Um diesen
Prozeß zu fördern, hat der Präsident
die Einrichtung eines "Polnisch-Amerikanischen Unternehmensfonds" durch
Polen und die Vereinigten Staaten
vorgeschlagen. Der Präsident bittet
den Kongreß um die Bewilligung von
100 Millionen Dollar für diese Initiative. Der Fonds wird von einem
Gremium hervorragender amerikanischer
und polnischer Vertreter verwaltet
werden.

Der Präsident wird die Weltbank
auffordern, zwei wirtschaftlich lebenswichtige Kredite für Projekte in
Polen in Höhe von 325 Millionen Dollar zu vergeben. Die Kredite für industrielle Unstrukturierung und agroindustrielle Entwicklung zielen darauf ab, die Wettbewerbsfähigkeit der
polnischen Exporte zu verbessern.

Hintergrund
Der Kredit zur Industriellen Umstrukturierung (250 Millionen Dollar)
soll folgendermaßen verwendet werden:

Zweck

Einfuhr von Technologie und Gerät, die bei Umstrukturierungsprojekten von Betrieben verwendet
werden, die Chemiefasern, petrochemische Produkte, Polypropylen
zur Verpackung, Spanplatten und
Stickstoff herstellen sowie

Mit dem Fonds wird die Entwicklung des Privatsektors in Polen gefördert. Er ist befugt, für bewilligte Projekte Kredite in harten Währungen oder Subventionen bei Risikokapital zu vergeben, einschließlich:
Entwicklung
des
Privatsektors
(Geschäftskredite/Subventionen,
eventuell Gründung einer Entwicklungsbank für den Privatsektor),
Privatisierung staatlicher Firmen
(z.B. Bereitstellung finanzieller
Mittel für Unternehmer, um sich
in staatliche Firmen einzukaufen),

die mit technischer Hilfe aus dem
Ausland verbundenen Devisenkosten
für diese Projekte.
Der Kredit für Agro-Industrielle
Entwicklung
(75 Millionen Dollar)
soll folgendermaßen verwendet werden:

- 3 -

Kauf von Gerät und Lizenzenzen im
Ausland sowie Devisenkosten für
technische Unterstützung von Be-

�trieben, die in der Verarbeitung
von
Gefrierobst
und
Gemüse,
Fleisch oder anderen Formen der
Nahrungsmittelverarbeitung
tätig
sind.
Die Kredite haben eine
17jährige Laufzeit mit einer tilgungsfreien Zeit von 6 Jahren vor
Rückzahlung.
Eine polnische Bank wird das Geld
an einzelne Unternehmen weiterverleihen. Die Kredite an diese Darlehensnehmer sowie ihre Rückzahlung erfolgt
in Dollar zur Erleichterung der Rückzahlung des Gesamtkredits an die
Weltbank.

Amerikanisch-polnisches
dung sa bkommen

zeichnet.
Verhandlungen
über die beiden
ausstehenden
bilateralen
Abkommen
wurden zu Beginn dieses Jahres wiederaufgenommen, als die polnische Regierung versuchte, dieses Problem mit
ihren Gläubigern zu lösen.

Abkommen und nächste Schritte
Am 10. Juli 1989 haben die Vereinigten Staaten von Amerika und Polen die beiden ausstehenden bilateralen Abkommen unterzeichnet, mit denen
die Umschuldungen von 1985 und 1987
abgedeckt sind.

Umschul-

Vorschlag
Der Präsident wird seine Amtskollegen im Pariser Club bitten, eine
baldige und großzügige Umschuldung
der polnischen Schulden zu befürworten.

Hintergrund
Polens Auslandsschulden in Höhe
von fast 40 Milliarden Dollar stehen
vorwiegend bei westlichen staatlichen
Gläubigern aus.
Der bei den Vereinigten Staaten
ausstehende Teil dieser Auslandsverschuldung beläuft sich auf ca. 2,2
Milliarden Dollar, meist in Form von
Kreditgarantien, die von der amerikanischen Preisstützungsbehörde für die
Landwirtschaft und der Import-ExportBank vergeben wurden.

Damit wird der Weg für weitere
Abkommen zwischen Polen und seinen
Gläubigern über die Umschuldung der
Verschuldung gegenüber ausländischen
Regierungen und internationalen Institutionen geebnet.
Ein Umschuldungsvorschlag des Pariser Clubs zu den Verpflichtungen
aus dem Schuldendienst, die 1989 fällig werden, würde Polen gestatten,
Zahlungen in Höhe von etwa 5 Milliarden Dollar aufzuschieben.
Ein
neues
Umschuldungsabkommen
des Pariser Clubs würde die Finanzbeziehungen Polens normalisieren und
Exportkreditbehörden eine rechtliche
Grundlage zur Wiederaufnahme von Krediten gewähren, wenn die Regierungen
entscheiden, daß solche Kredite gerechtfertigt sind.
Umweltinitiativen
Vorschlag

Der Pariser Club stimmte in den
vergangenen acht Jahren viermal einer
Umschuldung des polnischen Schuldendienstes an staatliche Gläubiger zu.
Bis März 1989 hatte Polen jedoch
noch keine Verhandlungen über die bilateralen Abkommen zu den letzten
beiden Umschuldungen Ende 1985 und
1987 aufgenommen oder diese unter-

Der Präsident hat die Notwendigkeit neuer internationaler Bemühungen
zur Erhaltung und Verbesserung der
Umwelt - des gemeinsamen Erbes der
Menschheit - betont. In Weiterführung seiner Mainzer Rede, in der OstWest-Zusammenarbeit bei Umweltfragen
besonders hervorgehoben wurde, hat
der Präsident drei Umweltinitiativen

�für Polen in Höhe von insgesamt 15
Millionen Dollar verkündet, die sich
vor allem auf die schöne mittelalerliche Hauptstadt Krakau konzentrieren. Diese herrliche Stadt, die von
der UNESCO zur Sehenswürdigkeit erklärt wurde, ist ernsthaft von Umweltverschmutzung bedroht.

Nachrüstung
kraftwerks

lar für ein System zur Überwachung
der Luftreinhaltung im Stadtgebiet
von Krakau als Teil des nationalen
polnischen
Uberwachungssystems,
zu
dem folgende Geräte zählen sollen:
Monitore und andere Geräte zur
Messung
von
Schwefeldioxid,
Stickstoffoxid,
Makroteilchen,
Kohlenmonoxid, Ozon und Blei,

eines bestehenden KohleGeräte zur Datenspeicherung und
-Verarbeitung.

Hierbei handelt es sich um eine
10-Millionen-Dollar-Initiative,
im
Rahmen derer ein bestehendes Kohlekraftwerk in der Nähe von Krakau mit
neuer sauberer Kohleverstromungstechnik ausgestattet werden soll. Diese
Nachrüstung wird die Schwefeldioxidemissionen einer 100 MW-Fabrik um
60-65 Prozent
verringern.
Stickstoffoxid-Emissionen werden ebenfalls
abgebaut.
In der Anfangsphase des Projekts
wird eine Bewertung der wichtigsten
Kohlekraftwerke in der Umgebung von
Krakau vorgenommen, um die besten
Strategien zur Kontrolle dieser Anlagen festzulegen. Dann würde eine Anlage bestimmt und diese mit der für
sie optimalen Technik ausgestattet.
Nach der Auswahl tritt das Projekt in die Entwurfsphase, wobei dann
die Herstellung und Installierung der
Geräte vorgenommen würde.
Das Projekt würde dann durchgeführt und mit einer Ergebnisanalyse
abschließen.
Erwartungsgemäß
wird
Polen
die
Verantwortung
für die
Durchführung des Projekts übernehmen
und den Vereinigten Staaten das Datenmaterial zur Verfügung stellen.
Die Vereinigten Staaten werden Polen
gegenbenenfalls technische Hilfestellung leisten.

Wasserqualität und Wasserversorgung
Hierbei handelt es sich um eine
Initiative in Höhe von 4 Millionen
Dollar zur Verbesserung der Wasserqualität und der Wasserversorgung
Krakaus.
Mit dem Programm für Umweltschutz
und Wasserwirtschaft für die Jahre
1986 bis 2010 als Leitlinie wird die
Umweltschutzbehörde
(EPA) gemeinsam
mit polnischen Experten den gegenwärtigen und künftigen Bedarf Krakaus an
Trinkwasser und Abwasser ermitteln
und danach die den örtlichen Bedingungen am besten angepaßten Methoden
auswählen und erproben.
Um die optimalen preiswertesten
technischen Lösungen zu finden, wird
das Programm Strömungsdaten von Flüssen beobachten und Daten über die Gesundheit einer Reihe von im Wasser
lebenden Spezies sammeln, die Reinheit von Fluß- und Trinkwasser prüfen
und
verbrauchsorientierte
Maßstäbe
für die Wasserversorgung aufstellen.
Das Programm wird Wiederaufbereitung, Verhinderung
der Umweltverschmutzung und preiswerte Methoden
wie etwa die Verwertung von Abwasser
für den Boden betonen.

Das System zur Überwachung der Luftreinhaltung

Abkommen über den Austausch von Kulturzentren

Es handelt sich hierbei um ein
Projekt im Umfang von 1 Million Dol-

Zweck

- 5-

�Der Präsident hat die Vereinigten
Staaten aufgefordert, phantasievolle
Bildungs- und Kulturprogramme mit Polen zu unterstützen. Gemäß dem am
10. Juli 1989 unterzeichneten Abkommen können die Vereinigten Staaten in
Warschau ein Kultur- und Informationszentrum eröffnen, und Polen hat
das Recht zur Einrichtung eines solchen Zentrums in den Vereinigten
Staaten.

Fernseh- und Videovorführungen,
Durchführung von Seminaren mit
Experten, Wissenschaftlern
und
Prominenten aus dem kulturellen
Leben,
englische
kurse.

und

polnische

* * * * *

Hintergrund
Dies ist das erste Mal, daß beide
Länder die Möglichkeit haben, Öffentlichkeitsarbeit und Kulturprogramme
außerhalb von Botschaften und Konsulaten zu veranstalten. Die Zentren
werden dennoch als integraler Bestandteil des diplomatischen Dienstes
beider Länder betrachtet.
Das amerikanische Zentrum in Polen wird unter der Leitung des US-Informationsamts stehen, das ähnliche
Zentren in vielen Ländern der Welt
unterhält.
In Warschau muß noch ein Standort
für das neue amerikanische Zentrum
gefunden und eingerichtet werden wir hoffen jedoch auf seine Eröffnung
zu Beginn des Jahres 1990. Die Kosten für Errichtung und Betrieb werden sich im ersten Jahr auf etwa 1,1
Million Dollars belaufen.

Dienstleistungen
Die Zentren werden Dreh- und Angelpunkt zahlreicher kultureller Aktivitäten und der Öffentlichkeitsarbeit sein und folgende Leistungen anbieten:
eine Bibiliothek, die als Präsenzbibliothek fungiert und ausleiht, mit einem Bestand an Periodika, Filmen, Videokassetten und
anderen Materialien,
Förderung von Konzerten, Liederabenden, Ausstellungen, Filmen,
- 6-

Sprach-

�AMERIKA DIENST
Dokumentation

USA WOLLEN RISIKO EINES KRIEGS IN EUROPA ABBAUEN
- Ansprache von Präsident Bush in der Karl-Marx-Universität -

BUDAPEST - (AD) - Die Vereinigten Staaten arbeiten "Tag und Nacht" an einem umfassenden Abkommen zur konventionellen Rüstungskontrolle mit der Sowjetunion, "zur Stärkung der Stabilität in Europa und Verringerung des Kriegsrisikos", erklärte Präsident Bush am 12. Juli 1989 in einer Ansprache vor Studenten der Karl-Marx-Universität. "Es besteht kein Zweifel daran, daß wir uns an
der Schwelle eines neuen Zeitalters befinden", fügte Bush hinzu und versicherte seine Bereitschaft zur Zusammenarbeit mit dem sowjetischen Staats- und Parteichef Gorbatschow, um den Eintritt in dieses neue Zeitalter zu beschleunigen.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Ansprache des Präsidenten im Wortlaut.

Herr Präsident,
Herr Ministerpräsident,
verehrte Frau Nemeth,
Herr Dr. Csaki,
meine Damen und Herren,
meine Frau und ich freuen uns
außerordentlich, wieder in Budapest
zu sein. Und ich bin sehr stolz darauf, daß ich als erster amerikanischer Präsident Ungarn besuche.
Es
entbehrt vielleicht nicht einer gewissen Ironie, daß ich meine Rede in
einer nach Karl Marx benannten Universität halte.
Wenn es in Ungarn
schon einer gewissen Ironie nicht
entbehrt, dann erst recht nicht in
den Vereinigten Staaten. Aber meine
heutige Anwesenheit gibt weniger zur
Überraschung Anlaß, sondern ist vielmehr Beweis für die Tatsache, daß die
Vereinigten Staaten den ungehinderten

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Ideenwettstreit begrüßen. Und meines
Wissens hat etwa 50 Mitglieder des
Lehrkörpers dieser berühmten Universität entweder als Student oder Dozent die Vereinigten Staaten von Amerika besucht. Für unser Land ist das
ein sehr positives Zeichen und ich
freue mich, daß Sie den Weg zu uns
gefunden haben.
Die Hauptaufgabe einer Unviersität liegt in der Förderung von Wettbewerb - dem ungehinderten Ideenwettstreit. Und dieser Geist bringt uns
einander näher - ein Geist, von dem
ein
herausragender
Dozent
an
der
Karl-Marx-Universität mit Namen Imre
Nagy geleitet war.
Als die Trauerprozession zu seinen Ehren vor einigen Wochen über den

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Heldenplatz zog, vernahm man die
Stimme Ungarns, als die ungarische
Nationalhymne gesungen wurde. Und in
dieser schlichten, traurigen Zeremonie sah die Welt mehr als einen Akt
der Würde - einen Akt der Versöhnung.
Wir wurden Zeuge eines Akts der Wahrheit. Und auf diesem Fundament der
Wahrheit, das fester als Stein ist,
haben die Ungarn begonnen, eine neue
Zukunft aufzubauen. Eine Generation
hat gewartet, um Imre Nagys Mut Ehrerbietung bezeugen zu können - mögen
hundert Generationen dies im Gedächtnis bewahren.
Während Ungarn seine natürliche
Rolle in europäischen Angelegenheiten
wiederentdeckt, blickt die Welt in
der Hoffnung auf Inspiration erneut
auf Ungarn. In den Vereinigten Staaten gibt es ein bekanntes Sachbuch
mit dem Titel Budapest 1900. Dr.
John Lukacs beschreibt liebevoll das
Budapest seiner Erinnerung, mit seiner lebhaften Börse und berühmten
Oper - eine Zeit, in der Europas erste elektrische Untergrundbahn unter
den attraktiven Geschäften des Andrassy Boulevards verkehrte.
Eine Stadt, die Paris in ihrer
Pracht den Ruf streitig machte, Wien
mit seiner Musik und London mit seiner Literatur. Ein Zentrum der Wissenschaft, das die Welt aufgeklärt
und Genies wie Josef Pulitzer und
Bela Bartok hervorgebracht hat, zum
Stolz der Vereinigten Staaten. Aber
seit vierzig Jahren ist diese herrliche Stadt, diese große Nation - die
in jeder Hinsicht das Zentrum des
Kontinents bildet - von Europa und
dem Westen getrennt.
Aber heute öffnet sich Ungarn erneut dem Westen gegenüber - wird zu
einem Lichtstrahl der europäischen
Kultur. Und ich sehe Menschen, Farben, Kreativität, Experimente.
Ich
sehe einen neuen Anfang für Ungarn.
Und die bloße Atmosphäre dieser Stadt
Budapest
ist
elektrisierend
und
strahlt vor Optimismus.
Ihr Volk und Ihre politisch Ver-

antwortlichen - Regierung und Opposition gleichermaßen - haben keine
Angst, mit der Vergangenheit zu brechen und im Geiste der Wahrheit zu
handeln. Es gibt kein besseres Beispiel als eine schlichte Tatsache:
Die Karl-Marx-Universität
hat Das
Kapital von der Liste der Pflichtlektüre gestrichen.
Einige Historiker bringen das Argument vor, der Marxismus sei aus einem menschlichen Impuls heraus entstanden. Aber Karl Marx spürte nur
eine Faser der menschlichen Existenz
auf und übersah den Rest - die farbenprächtigen und vielschichtigen Facetten der Menschheit. Er sah den
Menschen als glücklos - unfähig, seine Umgebung oder sein Schicksal zu
bestimmen. Aber der Mensch ist nicht
von unpersönlichen wirtschaftlichen
Kräften geleitet. Er Ist nicht bloß
ein Objekt, das sich nach den mechanischen
"Gesetzen" der Geschichte
richtet.
Der Mensch ist vielmehr phantasievoll und erfindungsreich. Er ist
ein Künstler, mit einem angeborenen
Drang, Schönheit zu schaffen und zu
genießen. Er ist liebendes Mitglied
einer Familie und ein treuer Patriot
seines Volkes. Der Mensch ist dynamisch und entschlossen, seine Zukunft
selbst in die Hand zu nehmen.
Das lange unterdrückte kreative
Genie des ungarischen Volkes gelangt
in Ihren Schulen, Geschäften und Kirchen zu neuer Blüte. Und dies ist
mehr als eine vergängliche Saison der
Freiheit. Dies ist Ungarn, das zu
seinen normalen, traditionellen Werten zurückkehrt. Ein Ungarn, das zu
sich selbst findet.
Lange Zeit zum Schweigen verurteilte Stimmen sind jetzt wieder zu
vernehmen.
Eine unabhängige Tageszeitung wird heute auf den Straßen
verkauft.
Private
Rundfunk- und
Fernsehstationen werden alles senden,
von Nachrichten bis zur Musik von
Stevie Wonder, und Radio Freies Europa wird hier in Budapest sein erstes

- 2 -

�Osteuropa-Büro eröffnen.
Entlang Ihrer Grenze zu Österreich wird das häßliche Symbol der
Teilung Europas und Isolierung Ungarns abgebaut, wird der Stacheldraht
zusammengerollt und in Ballen aufgeschichtet. Zum ersten Mal hat der
Eiserne Vorhang begonnen, sich aufzutun.
Und Ungarn, Ihr großartiges
Land, weist den Weg.
Die Sowjetunion hat Truppen abgezogen, und ich betrachte dies ebenfalls als Schritt zur Überwindung der
europäischen Teilung.
Während sich
der Abzug dieser Truppen vollzieht,
sollte die sowjetische Führung wissen, daß sie durch friedlichen Wandel
alles gewinnen kann und nichts zu
verlieren oder zu fürchten hat. Wir
können - und ich bin dazu entschlossen - zusammenarbeiten, um die Politik des Containment und den Kalten
Krieg zu überwinden.
Einer der wichtigsten Schritte
zur Überwindung des Containment besteht in der Entspannung der militärischen Konfrontation in Europa. Zu
diesem Zweck haben die NATO-Partner
auf dem Gipfeltreffen im Mai meinen
Vorschlag einer umfassenden Initiative zur konventionellen Rüstungskontrolle aufgegriffen - eine Initiative, mit der die Zahl der Panzer,
Schützenpanzer, Geschütze, Kampfflugzeuge, Angriffshubschrauber sowie der
von den Vereinigten Staaten und der
Sowjetunion auf ausländischem Territorium
in
Europa
stationierten
Streitkräfte auf niederigere, gleiche
Niveaus verringert würden.
Diese Fragen mögen sehr komplex
sein, aber wir arbeit en Tag und Nacht
an einem soliden, historischen Abkommen zur Stärkung der Stabilität in
Europa und Verringerung des Kriegsrisikos.
Und wir sind entschlossen,
dies in naher Zukunft zu erreichen.
Es besteht kein Zweifel daran,
daß wir uns heute an der Schwelle eines neuen Zeitalters befinden. Ferner kann kein Zweifel daran bestehen,

daß Ungarn sich an der Schwelle grosser, historischer Veränderungen befindet.
Sie entwickeln eine echte
Verfassung - und Sie bereiten demokratische Wahlen mit mehreren Parteien vor.
Dies ist teilweise deshalb möglich, weil mutige Männer und Frauen
Oppositionsparteien gegründet haben.
Und dies ist teilweise möglich, weil
die politisch Verantwortlichen in Ungarn das Äußerste an politischem Mut
zeigen - den Mut, sich dem Urteil des
Volkes in freien Wahlen zu unterwerfen.
Um jedoch bei den Reformen erfolgreich zu sein, benötigen Sie
Partner - Partner, die zur Förderung
dauerhaften Wandels in Ungarn beitragen. Und ich bin heute hier, um Ungarn die Partnerschaft der Vereinigten Staaten von Amerika anzubieten.
Drei lebenswichtige Bereiche nehmen
in unserer Partnerschaft einen besonderen Stellenwert ein - Wirtschaft,
Umwelt sowie demokratischer und kultureller Austausch.
Die Vereinigten Staaten glauben
an die Beschleunigung des produktiven
Wandels, nicht an dessen Verzögerung.
Dies ist also unser Leitprinzip - die
Vereinigten Staaten werden Unterstützung nicht zum Zweck der Erhaltung
des Status quo gewähren, sondern um
Reformen voranzutreiben.
Natürlich wird der Unternehmergeist Ungarns immer noch von der Bürde der Vergangenheit belastet.
Es
gibt noch Reminiszenzen an die stalinistische Wirtschaft - riesige, unwirtschaftlich
arbeitende
Fabriken
und ein verwirrendes Preissystem, das
von kaum jemand verstanden wird sowie
massive Subventionen, mit denen wirtschaftliche Entscheidungen vernebelt
werden - all dies bedeutet eine Verlangsamung dessen, was Sie normalerweise erreichen könnten. Es ist ein
ökonomischer Zauberwürfel, der sich
einer Lösung entzieht.

- 3-

Die

Umsetzung

des

Übergangs

zu

�einer
produktiven
Volkswirtschaft
wird Sie als Volk auf die Probe stellen. Die Preise einiger Waren werden
steigen. Einige unwirtschaftlich arbeitende Unternehmen und Fabriken
werden schließen. Aber der ungarische Staat überläßt die Führung der
Geschäfte zunehmend den Ladeninhabern
und die Bauernhöfe zunehmend den Bauern. Die einmal entfesselte schöpferische Kraft des Volkes wird eine Eigendynamik entwickeln. Dies wird Ihnen einen größeren Schatz eintragen
als nur der von Ihnen geschaffene
Reichtum. Es wird ihnen die Kontrolle über Ihr eigenes Schicksal geben das Schicksal Ungarns.
Wie ich schon erklärt habe, werden die Vereinigten Staaten Ihnen bei
der Umgestaltung zu einer erfolgreichen Volkswirtschaft als Partner zur
Seite stehen.
Am vergangenen Donnerstag (dem 6.
Juli 1989) hatte ich im Weißen Haus
führende Vertreter aus Industrie,
Bildungswesen, Gewerkschaften und anderen Bereichen zu Gast, um über die
neuen privatwirtschaftlichen Möglichkeiten zu sprechen, die sich nun in
Ungarn eröffnen. Und ihre Reaktion
war enthusiastisch. Dies galt besonders für die Amerikaner ungarischer
Abstammung, die so stolz darauf sind,
eine Brücke zwischen ihrem neuen Land
und ihrer alten Heimat zu bauen. Solange unsere beiden Regierungen den
Weg ebnen, können die Völker der Vereinigten Staaten und Ungarns das
übrige tun - die Völker können das
übrige tun.
In diesem Geist verkünde ich nun
die folgenden Maßnahmen.
Erstens, wie ich schon in Warschau erklärt habe, werde ich auf dem
Weltwirtschaftsgipfel in Paris eine
konzertierte Aktion des Westens für
Polen und Ungarn vorschlagen, um Ihre
Reformen durch wirtschaftliche und
technische Hilfe der Gipfelteilnehmer
zu unterstützen.
Natürlich werden
unsere Bemühungen für Ungarn speziell
auf Ihre Bedürfnisse zugeschnitten

sein.
Zweitens werde ich den amerikanischen Kongreß bitten, einen Fonds von
25 Millionen Dollar zu bewilligen,
der eine Quelle neuen Kapitals zur
Belebung des ungarischen Privatsektors bilden soll. Ich werde ferner
parallele Bemühungen der anderen Gipfelteilnehmer ermutigen.
Drittens werde ich nach Verabschiedung des von Ihrem Ministerrat
vorgeschlagenen neuen Auswanderungsgesetzes durch Ihr Parlament unseren
Kongreß davon in Kenntnis setzen, daß
sich Ungarn in völliger Übereinstimmung mit dem Jackson-Vanik-Zusatz zu
unserem Handelsgesetz aus dem Jahr
1974 befindet. Für kein Land sind
bisher die Beschränkungen dieses Zusatzes aufgehoben worden. Ich freue
mich deshalb, Ihnen mitteilen zu können, daß Ungarn das erste Land sein
wird. Dieser Schritt wird Ungarn den
freiesten Zugang zum amerikanischen
Markt für den längsten Zeitraum geben, der unseren Gesetzen gemäß möglich ist.
Viertens sind die Vereinigten
Staaten bereit, Ihrem Land Zugang zu
unserem Allgemeinen Begünstigungssystem zu geben, das selektive Zollerleichterungen bietet. Einfach ausgedrückt werden es Ihnen die letzteren
beiden Maßnahmen gestatten, sich die
Vorteile des größten Einzelmarkts in
der ganzen Welt zunutze zu machen.
Fünftens haben wir den Entwurf
für ein Abkommen erarbeitet, mit dem
die Gesellschaft für private Investitionen im Ausland (Overseas Private
Investment Corporation) - auch OPIC
genannt - in Ungarn tätig werden
kann. Und wenn unser Senat die entsprechende Gesetzgebung verabschiedet, wird OPIC Sicherheiten geben
können und damit amerikanische Investitionen in ungarischen Privatfirmen
ermutigen. Durch OPIC werden amerikanische Geschäftsleute das ungeheure
Potential Ungarn aus erster Hand erleben können.

- 4-

�Private Investitionen sind für
Ungarn ungemein wichtig. Sie bedeuten
Arbeitsplätze,
Innovationen,
Fortschritt. Vor allem schaffen Privatinvestitionen aber eine bessere
Zukunft für Ihre Kinder und eine bessere Zukunft für Ungarn.
Und dennoch kann wirtschaftlicher
Fortschritt nicht auf Kosten der
Luft, die wir atmen und des Wassers,
das wir trinken, durchgesetzt werden.
Vor sechs Wochen habe ich in Mainz
die Zusammenarbeit zwischen Ost und
West bei Umweltfragen vorgeschlagen.
Und deshalb werde ich den amerikanischen Kongreß bitten, fünf Millionen
Dollar für die Gründung eines internationalen Umweltzentrums für Mittelund Osteuropa zu bewilligen, das seinen Sitz hier in Budapest haben wird.
Es soll private und staatliche Investoren und Organisationen zusammenführen, die sich mit der ökologischen
Krise befassen sollen.
Schließlich
ist die Erde unser gemeinsames Erbe,
und ihr Schicksal betrifft alle Länder, nicht nur Ost und West.
Ungarn hat in Mittel- und Osteuropa eine Führungsrolle übernommen,
als es darum ging, die Sorge seiner
Bürger um sauberere Luft und saubereres Wasser anzusprechen. Und jetzt
können Sie noch mehr tun und mit dem
Westen
zusammenarbeiten,
um
eine
Brücke der Zusammenarbeit in Wissenschaft und Technik zu schlagen.
In diesem Zusammenhang freue ich
mich auch, Ihnen mitteilen zu können,
daß die Vereinigten Staaten ein Abkommen zwischen unseren beiden Ländern vorgeschlagen haben, um wissenschaftliche und technische Zusammenarbeit in der Grundlagenforschung und
in besonderen Bereichen wie etwa Umwelt, Medizin und Reaktorsicherheit
zuzulassen.
Ich hoffe, daß dieser Besuch auch
zu einem erweiterten Austausch zwischen Ost und West führen wird, so
daß unsere Wissenschaftler, unsere
Künstler und unsere UmweltschUtzer
voneinander lernen können; so daß un-

sere Soldaten und Politiker über
Frieden sprechen und unsere Studenten
- Gott schütze sie - die Zukunft erörtern können.
Aber Diskussion erfordern eine
gemeinsame Sprache.
Englischunterricht ist einer der beliebtesten amerikanischen Exportartikel.
Und Sie
als Studenten wissen, daß Englisch
die Lingua franca der Weltwirtschaft
und damit der Schlüssel für Geschäfte
von Hongkong bis Toronto ist. Um also mehr Ungarn die Weitmärkte zu öffnen, freue ich mich, Ihnen mitteilen
zu können, daß das Peace Corps erstmals in einem europäischen Land zum
Einsatz kommen wird. Und damit werden die Lehrer des Peace Corps in Budapest und den 19 anderen Bezirken
Englisch unterrichten.
Mit
diesen
Austauschprogrammen
wollen wir Ihnen bei Ihrem Streben
nach einem neuen Anfang als demokratisches Ungarn helfen. Deshalb stellen die Vereinigten Staaten Osteuropa
über 6 Millionen Dollar für Projekte
im Bildungswesen und im kulturellen
Bereich zur Verfügung.
Wir werden
Mittel für eine Reihe wichtiger neuer
amerikanisch-ungarischer
Austauschprogramme bereitstellen - für Kongreßabgeordnete und Gesetzesexperten,
Gewerkschafter
und
Geschäftsleute,
Rechtsexperten,
Kommunalpolitiker,
Lehrer
und
junge Menschen.
Wir
schaffen eine Reihe neuer Stipendien,
damit Ungarn an amerikanischen Universitäten studieren können. Und wir
werden mit Stiftungsgeldern Lehrstühle für Amerikanistik an Ihren Universitäten einrichten und viele Tausend
Bücher finanzieren, die dann Regale
Ihres neuen Internationalen Management Centers und die Bibliotheken der
Schulen und Universitäten Ungarns
füllen werden.
Und die Vereinigten Staaten werden in den nächsten Jahren auch ein
Amerika Haus im Zentrum von Budapest
eröffnen.
Heute hat der bekannte
amerikanische Architekt Robert Stern
seinen Entwurf für dieses Zentrum
vorgestellt, das als offenes Haus der

- 5 -

�Bücher, Zeitschriften und Videokassetten - als offenes Haus für Ideen fungieren wird.
Zusammenfassend möchte ich sagen
- wirtschaftliche Reformen und demokratischer Wandel, Zusammenarbeit im
kulturellen Bereich und bei Umweltfragen bergen große Chancen und große
Herausforderungen. Für Ungarn bleibt
noch viel zu tun, ebenso für die Vereinigten Staaten und Ungarn, wenn sie
zusammenarbeiten, um diese bessere
und dynamische Zukunft aufzubauen.
Ihre Herausforderung ist enorm
und von historischer Bedeutung: die
Strukturierung
politischen
Wandels
und eines dezentralisierten Wirtschaftssystems auf den Trümmern eines
gescheiterten stalinistischen Systems.
Und bei der Möglichkeiten, die
Sie haben, um die Ihnen eigene Initiative, Kreativität und den Erfindungsreichtum unter Beweis zu stellen, bin ich der Überzeugung, daß Sie
die Herausforderung bewältigen werden. Sie stehen an der Schwelle eines neuen Zeitalters wirtschaftlicher
Entwicklungen und realer politischer
Veränderungen.
Und ich bin der festen Überzeugung, daß Sie bereit sind, sich der
Zukunft zu stellen.
Ich sehe ein
Land, das bereits seinen Weg macht.
Ich sehe ein Land, dessen Menschen
ein reiches Potential in sich bergen
moralischen Mut.
Ich sehe ein
Land, daß seine Vergangenheit hinter
sich läßt und sich seinem Schicksal
stellt.
Ich beglückwünsche Sie zu
dem Weg, den Sie bereits zurückgelegt
haben.
Und wir wollen uns den vor uns
liegenden Möglichkeiten gleichermaßen
stellen. Die Geschichte soll von uns
sagen, daß wir die Generation waren,
unter der Europa ungeteilt und frei
wurde.
Ich danke Ihnen.
alle. Vielen Dank.
*****

Gott segne Sie

�AMERIKA DIENST
VON

Hintergrundmaterial

*

DAS PROGRAMM ZUR FÖRDERUNG DER REFORMEN IN UNGARN
- Eine Übersicht des Weißen Hauses -

Die folgende Übersicht über Präsident Bushs Programm zur Förderung der Reformbestrebungen in Ungarn wurde am 12. Juli 1989 in Budapest vom Weißen Haus
veröffentlicht.

BUDAPEST - (AD) - In Ungarn ist
eine Zeit dynamischer Veränderungen
in Politik und Wirtschaft eingeleitet
worden. Präsident Bush hat verschiedene Maßnahmen angekündigt, um die
bereits
umfangreichen
Anstrengungen
Ungarns zur Entwicklung privaten Unternehmertums und eines freien politischen Systems zu fördern.

Ungarisch-Amerikanischer
Unternehmensfonds.
Der
Präsident
schlägt die Einrichtung eines Unternehmensfonds im Umfang von 25
Millionen Dollar vor, um den Ungarn beim Ausbau ihres Privatsektors zu helfen, der bereits zu
den größten in Mittel- und Osteuropa zählt.

Konzertierte Aktion des Westens.
Der Präsident schlägt eine konzertierte Aktion der Regierungen
der Vereinigten Staaten, Westeuropas und Japans vor, mit der
Wirtschaftsreformen und der Wiederaufbau
in
Ungarn
gefördert
werden
sollen.
Das wird ein
wichtiges
Thema
beim
Pariser
Weltwirtschaftsgipfel sein.

Meistbegünstigungsklausel.
Der
Präsident hat seine Absicht bekundet, Ungarn die Meistbegünstigung ohne jährliche Prüfung einzuräumen,
sobald
Ungarn
seine
neuen Auswanderungsgesetze verabschiedet hat. Dieses neue Gesetz
wird gemäß dem Jackson-Vanik-Zusatz den Anforderungen nach freier Ausreise entsprechen.
Ungarn
würde damit das erste Land des

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Warschauer Pakts, das voll und
ganz Im Einklang mit Jackson-Vanik stünde.
Umweltinitiative. Präsident Bush
hat Umweltpolitik zu einem Eckpfeiler seines Plans zur Unterstützung von Reformen in Osteuropa erklärt. Der Präsident will
den Kongreß bitten, fünf Millionen Dollar für die Einrichtung
eines regionalen Umweltzentrums
in Budapest bereitzustellen. Das
Zentrum wird Experten aus dem
Privatsektor und der Regierung
sowie Organisationen zusammenführen, um ökologische Probleme zu
erörtern.
Austausch. Der Präsident hat eine erhebliche
Erweiterung der
Austauschprogramme mit Ungarn und
anderen Ostblockländern angekündigt.
Das
US-Informationsamt
(USIA) wird 1,6 Millionen Dollar
für diese neuen Programme bereitstellen.
Abkommen über Wissenschaft und
Technologie (Science and Technology - S und T). Der Präsident
hat die Absicht der Vereinigten
Staaten bekundet, ein Rahmenabkommen mit Ungarn zu S und T abzuschließen. Wir stellen uns ein
breit angelegtes Programm wissenschaftlicher und technischer Zusammenarbeit in Bereichen gemeinsamen Interessens und gemeinsamen
Fachgebieten vor wie etwa Grundlagenforschung, Umwelt, Landwirtschaft, Medizin, Energie und Reaktorsicherkeit.
Peace Corps. Der Präsident hat
die
Einrichtung
eines
Peace
Corps-Programms in Ungarn angekündigt, das hauptsächlich ungarische Bestrebungen zur Entwicklung und Erweiterung des Englischunterrichts
unterstützen
soll.

Vorschlag
Der Präsident schlägt vor, daß
die Gipfelteilnehmer ihre gemeinsamen
Anstrengungen verstärken, um Wirtschaftsreformen in Polen und Ungarn
zu fördern, die auf politischem Pluralismus basieren.
Einander ergänzende Bestrebungen der führenden demokratischen Industrieländer werden
dem Wirtschaftsaufschwung
und dem
Fortschritt dieser Länder an ihrem
Wendepunkt
großen Auftrieb geben.
Andere Interessierte Länder könnten
ebenfalls zu diesem Fortschritt beitragen.
Umfang
Die Bestrebungen werden Arbeit
mit den Regierungen Polens und Ungarns umfassen wie auch mit anderen
offiziellen und unabhängigen Organisationen in diesen Ländern, um Informationen zu sammeln und Reaktionen
auf Probleme beiderseitigen Interesses festzuhalten. Beteiligte Regierungen werden gegebenenfalls auch mit
Vertretern von IWF, Weltbank, der EGKommission und anderen multilateralen
und privatwirtschaftlichen Institutionen zusammenarbeiten.
Hierbei könnten folgende Bereiche
angesprochen werden:
notwendige Wirtschaftsreformen,
Termine und Konditionen für neue
Kredite und
konkrete Unterstützung zur Privatisierung und für Privatunternehmen, Umweltprojekte, Ausbildungsprogramme,
Netze
sozialer
Sicherheit, die auch Umstrukturierung und Wohnungswesen einschließen.
Diese Bestrebungen würde bestehende Institutionen wie die Weltbank,
den Pariser Club oder den IWF nicht
umgehen oder ersetzen.
Der nächste Schritt

Konzertierte Aktion des Westens für
Ungarn und Polen

Der Präsident wird diesen Vorschlag in Paris mit den Staats- und
2 "

�Regierungschefs der anderen Gipfelländer erörtern - mit Großbritannien,
der
Bundesrepublik
Deutschland,
Frankreich, Japan, Italien und Kanada.

Ungarisch-amerikanischer
mensfonds

Unterneh-

Vorschlag
Ungarn hat eine Reihe von Schritten zum Ausbau seines Privatsektors
unternommen, der Wohlstand zum Nutzen
der gesamten Nation schaffen kann.
Auf Anregung des Präsidenten werden
die Vereinigten Staaten und Ungarn
einen "Ungarisch-amerikanischen Unternehmensfonds" ins Leben rufen.
Der Präsident bittet den Kongreß um
25 Millionen Dollar für diese Initiative.
Zweck
Der Fonds wird die Entwicklung
des zunehmenden Privatsektors fördern. Er wird autorisiert sein, Kredite in harter Währung oder Subventionen für bewilligte Projekte zu vergeben, einschließlich:
Entwicklung
des
Privatsektors
(Geschäftskredite/Fördermittel,
mögliche Einrichtung einer Entwicklungsbank für den Privatsektor),
Privatisierung staatlicher Unternehmen (zum Beispiel Hilfe für Unternehmer, sich in Staatsfirmen einzukaufen) ,

Ungarn;

Meistbegünstigungsstatus

Vorschlag
Der Präsident hat angekündigt,
mit der Verabschiedung des neuen Auswanderungsgesetzes durch das ungarische Parlament wird er den Kongreß
davon in Kenntnis setzen, daß der
Jackson-Vanik-Zusatzartikel zum Handelsgesetz von 1974 von Ungarn voll
und ganz eingehalten wird.
Ungarn
qualifiziert
sich
damit für den
Meistbegünstigungsstatus für den im
Rahmen unserer Gesetzgebung gewährten
maximalen Zeitraum, der jährlich automatisch verlängert wird.

Hintergrund
Am 26. Juni 1989 hat der ungarische Ministerrat den endgültigen Entwurf eines neuen Auswanderungsgesetzes genehmigt, der dem ungarischen
Parlament zur Verabschiedung vorgelegt werden soll.
Der genehmigte
Entwurf enthält Bestimmungen, die zur
Erfüllung der in Abschnitt 402 des
Jackson-Vanik-Zusatzartikels
enthaltenen Bedingungen zur freien Auswanderung unabdingbar sind.
Im Rahmen des Jackson-Vanik-Zusatzartikels zum Handelsgesetz von
1974 ist der Präsident befugt, die
Verweigerung des Meistbegünstigungsstatus' für Zölle an ein Land, das
Auswanderungen
maßgeblich
einschränkt, aufzuheben, wenn eine solche Aufhebung die Ziele des Zusatzartikels fördern würde.

Technische
Hilfe oder Ausbildungsprogramme, die Ungarns Privatsektor unterstützen oder von ihm geleitet werden,
Finanzierung von ganz oder teilweise privaten Exportprojekten,
Joint Ventures zwischen privaten
ungarischen und amerikanischen Investoren (zum Beispiel, indem man die
Beteiligung ungarischer Privatfirmen
an Joint Ventures fördert).

- 3 -

Im Hinblick auf Ungarn hat der
Präsident dieses Verfahren seit
1978 jedes Jahr angewandt.
Ungarn ist auf dem Wege der vollständigen Einhaltung der Bestimmungen des Jackson-Vanik-Zusatzartikels.
Ungarn wird das erste
Warschauer Pakts sein,
Auswanderung gesetzlich
hat und praktiziert und

Land des
das freie
verankert
damit die

�Bestimmungen des Jackson-VanikZusatzartikels erfüllt.
Ein regionales Umweltzentrum
dapest

4.

Obwohl das Zentrum in oder in der
Umgebung von Budapest errichtet
werden soll, besteht seine Aufgabe vornehmlich darin, staatliche
und private Gremien und Gruppen
aus Ost und West für die Bereitstellung von Mitteln und direkte
Teilnahme an den Projekten zu gewinnen.

in Bu-

Vorschlag
Der Präsident hat die Gründung
eines Umweltzentrums für 5 Millionen
Dollar vorgeschlagen, das in Budapest
errichtet werden soll.
Damit wird
die vom Präsidenten in Mainz unterbreitete Initiative in die Praxis umgesetzt, Ost- und Mitteleuropa bei
der Bewältigung ihrer Umweltprobleme
behilflich zu sein.

Zweck
Dieses Zentrum wird als Einrichtung für gemeinsame Forschungstätigkeit fungieren, in dem Experten aus
Regierung und Privatwirtschaft sowie
gemeinnützige Vereine aus den Vereinigten Staaten, West- und Osteuropa
sich mit Umweltfragen einschließlich
Energiewirtschaft und Reaktorsicherheit befaßen.

Umfang
Bei dem Zentrum soll es sich um
eine mit privaten und staatlichen
Mitteln geförderte Organisation handeln. Ihre Arbeit konzentriert sich
darauf, ein Potential von Mitarbeitern zur umfassenden Verbesserung der
Umwelt und zum Schutz von Aktivitäten
in der Region heranzubilden.
-

Verbesserung von Technologie und
Verfahren zur Reaktorsicherheit.

Austauschprogramm mit Ostmitteleuropa
Vorschlag
Der Präsident hat erweiterte und
phantasievolle Austauschprogramme gefordert. Das US-Informationsamt wird
von den für 1990 bewilligten Mitteln
6,1 Millionen Dollar zur Verfügung
stellen, um diese neue Initative zur
Unterstützung der Hinwendung zu demokratischen Werten und Institutionen
durch erheblich erweiterte Kontakte
auf wissenschaftlicher und kultureller Ebene und von Mensch zu Mensch zu
verwirklichen.
Diese
Initiative
konzentriert
sich vornehmlich auf Ungarn und Polen, erstreckt sich jedoch auch auf
andere Länder in der Region.
Im
nächsten Jahr wird das neue, staatlich geförderte Austauschprogramm bereits Hunderte von Teilnehmern haben.
Die Initiative
Aspekte:

umfaßt

folgende

Politische, gesellschaftliche und
rechtliche Institutionen

Das Zentrum verleiht Laborgeräte
und veranstaltet Seminare und andere Austauschprogramme.
Besondere Betonung wird auf folgende Probleme gelegt:

1.

Grenzüberschreitende
Umweltprobleme
2. Giftmüllentsorgung
3. Alternative,
umweltfreundliche
Energiequel1en
- 4 -

Das John Marshall-Studienprogramm
für Rechtswissenschaften.
über
50 Anwälte, Juristen und Parlamentarier besuchen die Vereinigten Staaten, um die amerikanische
Rechtsprechung und Gesetzgebung
zu studieren.
Besuche von Fachleuten des Kongresses, um die neue demokratische Gesetzgebung in Ungarn und

�Jugend,
tausch

Polen kennenzulernen.
Konsultationen von Vertretern der
ostmitteleuropäischen politischen
Parteien mit amerikanischen Parteiverbänden, um die Mechanismen
demokratischer Wahlen kennenzulernen.

Übersetzung und Verteilung von
bis zu 100 000 Büchern, Zeitschriften und Videokassetten über
das politische und wirtschaftliche System der Vereinigten Staaten in den Landessprachen.

Austauschinitiative.
Unterstützung des amerikanischen Privatsektors bei der Entwicklung von
Jugend- und anderen Austauschprogrammen in Ost- und Mitteleuropa.
Mehrere hundert amerikanische und
europäische Bürger wären in diese
intensivierte Austauschinitiative
einbezogen.

Umweltschutz und
turdenkmälern

Initiative für freie Marktwirtschaft
Alexander Hamilton-Stipendien im
Bereich
Management.
Praktika,
Aus- und
Fortbildungsprogramme
für mindestens 50 Unternehmer und
Manager.
Besuche von amerikanischen Unternehmern und Management-Experten
zur Beratung privater Unternehmen
und Genossenschaften.

Erhaltung von Kul-

Austausch von Spezialisten für
Umweltschutz und die Erhaltung
von Kulturdenkmälern.

Entsendung amerikanischer Fachleute für Recht vind öffentliche
Verwaltung an ostmitteleuropäische Forschungseinrichtungen.
Besuche
"zukünftiger
Führungskräfte" unter 30 Jahren aus Ostmitteleuropa in den Vereinigten
Staaten.
Für dieses Programm
sind ca. 100 Teilnehmer vorgesehen.

Studentenaus-

Einrichtung
von Noah WebsterLehrstühlen
für
amerikanische
Sprache und Literatur an Universitäten Mittel- und Osteuropas.

Samuel Gompers Gewerkschaftsführer-Austauschprogramme.
Reiseund Studienprogramme für Gewerkschafter in den Vereinigten Staaten.
-

Schüler- und

Vereinbarung mit Ungarn
Wissenschaft und Technik

!• Bereich

Umfang
Der Präsident hat die Absicht der
Vereinigten Staaten verkündet, mit
Ungarn ein Rahmenabkommen über Wissenschaft und Technik abzuschließen.
Wir stellen uns darunter ein breitgefächertes Programm wissenschaftlicher
und technologischer Zusammenarbeit in
Bereichen von gemeinsamem Interesse
und Fachwissen vor, etwa in Grundlagenforschung, Umwelt, Landwirtschaft,
Medizin, Energie, Geologie und Reaktorsicherheit.

Zweck
Unterstützung von Management-Ausbildungsprogrammen
und -instituten durch amerikanische Ausbilder, Lehrmittel sowie Kurzseminare. Hunderte von Management-Experten in Ostmitteleuropa würden
von diesen breitgefächerten Bemühungen profitieren.

Die Vereinbarung würde eine qualitativ
hochwertige
Zusammenarbeit
bei Forschungsprogrammen entwickeln
und umsetzen.

- 5 -

Die Zusammenarbeit
in Wissenschaft und Technik trägt Ungarns
ausgezeichnetem
wissenschaftll-

�ehern Potential Rechnung.
Die Vereinbarung ergänzt zudem
die Umweltinitiative des Präsidenten für Osteuropa durch Koordinierung von Forschungsvorhaben,
Bereitstellung des erforderlichen
Grundkapitals und Ermutigung von
Kontakten im Umweltbereich.

Die Vereinigten Staaten und die
Regierung Ungarns haben prinzipiell
vereinbart, ein Peace Corps-Programm
einzurichten, das sich primär auf die
Unterstützung ungarischer Bemühungen
zur Entwicklung und Ausweitung des
Englischunterrichts
konzentrieren
soll.
Die Aufnahme der Tätigkeit des
Peace Corps in Ungarn stellt eine
neue Ära für die amerikanischen
Freiwilligen in Übersee dar. Das
ungarische Programm, das schon im
Herbst 1989 mit der Ausbildung
für einen Einsatz Anfang 1990 beginnen könnte, hat den Englischunterricht in Budapest und allen
19 Bezirken des Landes zum Ziel.

Die nächsten Schritte
Wir erwarten in Kürze die Entsendung einer technischen Delegation
nach Ungarn, um abschließend über die
Vertragsbedingungen zu verhandeln und
detaillierte Vereinbarungen über die
Finanzierung auszuarbeiten.

Finanzierung

Die Freiwilligen

Von beiden Seiten entrichtete
jährliche Beiträge in Höhe von je etwa einer Million Dollar oder der entsprechende Betrag in ungarischer Währung würden die Umsetzung dieser Vereinbarung ermöglichen.

Heute gibt es nahezu 6 000 Freiwillige und Praktikanten in 65 Staaten Amerikas, Afrikas, Asiens und des
Pazifiks. Ungarn wird das erste europäische Land sein, in das amerikanische Freiwillige entsandt werden.

Die Vereinigten Staaten können
eine vernünftige und spürbare
Rendite erwarten, die wesentlich
über den für die Vereinigten
Staaten
entstehenden
Kosten
liegt, da ein solches Grundkapital häufig wesentlich höhere Dividenden in Form von wissenschaftlichen Innovationen und Anreizen für weitere Mittelvergabe
durch die beteiligten technischen
Behörden abwirft.

In der gesamten Welt bieten diese
Freiwilligen des Peace Corps ihre
Fähigkeiten
in
einem
breiten
Spektrum von Programmen an, darunter Gesundheit für Mutter und
Kind, Ernährung, SÜßwasserfischerei , Ausbau der Landwirtschaft,
Lehrerausbildung,
Beratung
von
Kleinunternehmen,
öffentliche
Verwaltung, Erschließung von Bodenschätzen, Energie, Ingenieurwesen und Industriedesign.

Dieses Programm wird andere mit
Polen und Jugoslawien bestehende,
wertvolle amerikanische Programme
im Bereich Wissenschaft und Technik ergänzen.

Ein Freiwilliger muß amerikanischer Staatsbürger mit einem Mindestalter von 18 Jahren sein. Es
gibt keine obere Altersgrenze,
nahezu 500 Freiwillige sind über
50.

Das
Peace
Corps
Staaten in Ungarn
Das Programm

der

Vereinigten
Ausbildung
Alle Freiwilligen werden eine
Sprach- und landeskundliche Ausbildung in Ungarn durchlaufen, bevor sie
- 6 -

�an die Schulen entsandt werden. Ein
Hauptschwerpunkt wird die Erlernung
der ungarischen Sprache sein.
Zu
Landeskunde zählen Ungarns Geschichte, Sitten- und Gebräuche sowie soziale und politische Systeme.

* * * * *

- 7-

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Präsident Bushs Besuch in Polen und Ungarn vom 9.-13. Juli 1989&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Bush: Zeitpunkt für einen eigenen Weg Polens Ist gekommen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede des Präsidenten vor dem polnischen &lt;br /&gt;Parlament&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das Aktionsprogramm für Polen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Eine Übersicht des Weißen Hauses&lt;/em&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;USA wollen Risiko eines Kriegs in Europa abbauen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Ansprache von Präsident Bush in der Karl-Marx-Universität&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das Programm zur Förderung der Reformen in Ungarn&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Eine Übersicht des Weißen Hauses&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST&#13;
&#13;
5. J u l i 1989&#13;
&#13;
26&#13;
&#13;
INHALT&#13;
DOKUMENTATION&#13;
Baker; Nur wirtschaftliche Freiheit kann Osteuropa beleben&#13;
- Pressekonferenz des Außenministers im Weißen Haus&#13;
—&#13;
USA betonen Bedeutung von Nuklearwaffen in Europa&#13;
- Bericht des Verteidigungsministeriums -&#13;
&#13;
WIRTSCHAFT&#13;
Die wirtschaftliche Entwicklung in den Vereinigten Staaten&#13;
- Konjunkturindikatoren des Monats Mai -&#13;
&#13;
WISSENSCHAFT UND TECHNIK&#13;
&#13;
f&#13;
"Dunkler Fleck" in turbulenter Neptun-Atmosphäre&#13;
Fusionsforschung mit zwei Schwerpunkten&#13;
&#13;
* * * * *&#13;
&#13;
United States Information Service&#13;
Embassy of the United States of America&#13;
&#13;
Postfach 20 03 00&#13;
D 5300 Bonn 2&#13;
&#13;
Tel.: 0228-339 2035&#13;
Telex: 8-85432&#13;
&#13;
�AMERIKA DIENST&#13;
Dokumentation&#13;
&#13;
5. Juli 1989&#13;
&#13;
26&#13;
&#13;
BAKER:&#13;
&#13;
NUR WIRTSCHAFTLICHE FREIHEIT KANN OSTEUROPA BELEBEN&#13;
&#13;
- Pressekonferenz des Außenministers im Weißen Haus WASHINGTON - (AD) - Außenminister Baker zufolge birgt das in Westeuropa&#13;
zur Blüte gelangte System freier Marktwirtschaften in freien Ländern auch&#13;
Hoffnungen für Osteuropa. Bei einer Pressekonferenz im Weißen Haus am 29.&#13;
Juni 1989 erklärte Baker Journalisten gegenüber, Präsident Bush messe diesem&#13;
Thema beim bevorstehenden Weltwirtschaftsgipfel Mitte Juli besondere Bedeutung&#13;
zu. "Der Präsident wird das freie Unternehmertum in einer demokratischen Gesellschaft bekräftigen, das in Europa so erfolgreich war und die einzige Antwort auf die Hoffnungen der Völker Osteuropas darstellt", so Baker.&#13;
Nachfolgend veröffentlichen wir die Pressekonferenz im Wortlaut.&#13;
Beim 40. Jahrestag der Gründung&#13;
der NATO im vergangenen Monat hat&#13;
Präsident Bush einen ehrgeizigen Vorschlag für die Zukunft unterbreitet,&#13;
der vorsieht, aus einem geteilten Europa ein neues Europa zu schaffen,&#13;
ein Europa das ungeteilt, frei und&#13;
sicher ist. Seine bevorstehende Reise nach Polen und Ungarn belegt sein&#13;
persönliches Interesse und seine Unterstützung des demokratischen Wandels und der Wirtschaftsreformen in&#13;
dieser Region.&#13;
Beim NATO-Gipfeltreffen haben wir&#13;
uns vornehmlich darauf konzentriert,&#13;
wie die Verantwortung für unsere größeren&#13;
Sicherheitsbedürfnisse&#13;
unter&#13;
Freunden und Partnern besser aufgeteilt werden könnte.&#13;
Bei dem nur&#13;
sechs Wochen später stattfindenden&#13;
&#13;
United States Information Service&#13;
Embassy of the United States of America&#13;
&#13;
Weltwirtschaftsgipfel werden wir beraten, wie wir unsere jeweiligen&#13;
Stärken am besten koordinieren können, um die sich in Osteuropa stellenden Herausforderungen und grenzüberschreitende Probleme wie Umweltfragen zu bewältigen und natürlich&#13;
weiterhin eine expandierende und florierende Weltwirtschaft zu gewährleisten.&#13;
Die Reise des Präsidenten findet&#13;
in einer Zeit des Umbruchs statt. In&#13;
einer Zeit der Chancen und Hoffnungen&#13;
in Europa - Ost wie West. Seine Auftritte und Reden in Polen, Ungarn,&#13;
Paris und den Niederlanden werden besonders hervorheben, daß unser gemeinsamer Respekt westlicher Werte&#13;
das Bindeglied bildet, das die Völker&#13;
Europas und Amerikas und viele andere&#13;
&#13;
Postfach 20 03 00&#13;
D 5300 Bonn 2&#13;
&#13;
Tel.: 0228-339 2035&#13;
Telex: 8-85432&#13;
&#13;
�Völker der Welt eint.&#13;
&#13;
pekten des Gipfeltreffens bilden.&#13;
&#13;
Der Präsident wird das freie Unternehmertum -i. einer demokratischen&#13;
Gesellschaft bekräftigen, das in Europa so erfolgreich war und die einzige Antwort auf die Hoffnungen der&#13;
Völker Westeuropas darstellt.&#13;
Gemeinsam mit ihren Freunden und Verbündeten werden die Vereinigten Staaten diese Länder Osteuropas ermutigen, den Übergang zu freien, demokratischen und marktwirtschaftlich orientierten Gesellschaften zu vollziehen.&#13;
&#13;
Das Gipfeltreffen bietet eine Gelegenheit für die westlichen Staatsund Regierungschefs, Maßnahmen in Erwägung zu ziehen, die sie zur Unterstützung des Wandels ergreifen könnten, der sich heute in Osteuropa&#13;
vollzieht. Natürlich werden sie wie&#13;
immer auch über verschiedene regionale Themen beraten. Zum Beispiel die&#13;
jüngsten&#13;
tragischen&#13;
Ereignisse in&#13;
China, die Aussichten auf Frieden im&#13;
Nahen Osten, Demokratie in Mittelamerika usw.&#13;
&#13;
Soweit wie möglich werden wir&#13;
diesen Ländern dabei behilflich sein,&#13;
die notwendigen politischen Reformen&#13;
durchzuführen und ihnen bei der Verwirklichung der erforderlichen Wirtschaftsreformen helfen.&#13;
&#13;
Im Hinblick auf die Weltwirtschaft werden sich die Themen aller&#13;
Voraussicht nach auf dieselben Bereiche konzentrieren wie bei den vergangenen Gipfeltreffen. Meiner Ansicht&#13;
nach wird man die Schuldenkrise der&#13;
Dritten Welt, den Welthandel und die&#13;
Koordinierung der Wirtschaftspolitik&#13;
diskutieren.&#13;
&#13;
Der Präsident wird insbesondere&#13;
hervorheben, wie wichtig die Entwicklung eines aktiven Privatsektors, eines pluralistischen politischen Systems und einer offenen Gesellschaft&#13;
ist.&#13;
Der Weltwirtschaftsgipfel am&#13;
15. und 16. Juli in Paris wird sich&#13;
vornehmlich a XJ. vier Hauptgebiete&#13;
konzentrieren.&#13;
Irstens, den Schutz&#13;
und die Erweiterung der gemeinsamen&#13;
Werte des Westens, insbesondere in&#13;
Osteuropa; zweitens die Weltwirtschaft; drittens die Umwelt und viertens die Bewältigung internationaler&#13;
Probleme wie Drogenhandel, internationalen Terrorismus und Waffenhandel.&#13;
Die offiziellen&#13;
Sitzungen des&#13;
Gipfels werden sich wie bisher mit&#13;
Wirtschaftsthemen befassen. Für die&#13;
Staats- und&#13;
Regierungschefs&#13;
werden&#13;
sich jedoch andere Möglichkeiten zur&#13;
Erörterung wichtiger politischer Themen ergeben.&#13;
Großes Interesse wird meiner Ansicht daran bestehen, wie der Präsident die Aussichten für politische&#13;
und wirtschaftliche Reformen in Polen&#13;
und Ungarn einschätzt.&#13;
Und natürlich werden die Entwicklungen in Osteuropa das Bindeglied zwischen den&#13;
politischen und wirtschafliehen As-&#13;
&#13;
Bezüglich der Umweltprobleme werden sich die Staats- und Regierungschefs wahrscheinlich intensiv mit der&#13;
Erörterung von Möglichkeiten befassen, wie solche Probleme wie die&#13;
weltweite&#13;
Klimaveränderung,&#13;
Rodung&#13;
der Wälder, Erhaltung der Meere,&#13;
Giftmüll und Ozonschwund angegangen&#13;
werden können.&#13;
Wie ich bereits erwähnte, werden&#13;
Themen von internationalem Interesse&#13;
sicherlich den Drogenhandel, Terrorismus und die Weiterverbreitung von&#13;
Waffen betreffen.&#13;
Seit dem ersten Weltwirtschaftsgipfel in Rambouillet im Jahr 1974&#13;
haben die Vertreter der führenden Industrienationen des Westens diese Tagungen zur Bewältigung der Herausforderungen einer zunehmend interdependenten Welt genutzt. Die Gipfeltreffen haben sich auch als nützliches&#13;
Forum für ein gemeinsames Engagement&#13;
für die vordringlichsten politischen&#13;
Probleme erwiesen.&#13;
Meiner Meinung&#13;
nach werden wir in diesem Jahr Gelegenheit haben, den Grundstein für unsere gemeinsame Reaktion auf eine&#13;
&#13;
�sich veränderende Welt zu legen, Insbesondere im Hinblick auf Europa.&#13;
Insgesamt&#13;
gesehen&#13;
bietet&#13;
der&#13;
Weltwirtschaftsgipfel eine Chance zur&#13;
Bekräftigung der westlichen Werte wie&#13;
politische Freiheit und marktwirtschaftlich&#13;
orientierte&#13;
Volkswirtschaften und als Beweis dafür, daß&#13;
wir gemeinsam eine Reihe neuer und&#13;
unterschiedlich gelagerter Herausforderungen angehen können, während die&#13;
Nachkriegszeit von einer neuen Ära&#13;
abgelöst wird.&#13;
&#13;
Frage:&#13;
Ich wollte eine Frage zum&#13;
Weltwirtschaftgipfel&#13;
stellen, aber&#13;
neue Schlagzeilen verdrängen dieses&#13;
Thema immer wieder. Die Mitglieder&#13;
des&#13;
Repräsentantenhauses&#13;
scheinen&#13;
sich auf begrenzte Sanktionen gegenüber China geeinigt zu haben. Sie&#13;
sind sicherlich darüber informiert.&#13;
Unterstützt die Regierung dieses Maßnahraenpaket?&#13;
Antwort: Nein, das tut sie nicht.&#13;
Ich möchte kurz darauf eingehen. Bei&#13;
einer öffentlichen Anhörung letzte&#13;
Woche hat der Präsident meiner Ansicht nach den richtigen Kurs bezüglich dieser gemäßigten Antwort auf&#13;
die tragischen Ereignisse in China&#13;
eingeschlagen, und er hat von Anfang&#13;
an den richtigen Kurs verfolgt. Er&#13;
hat seine Empörung und sein Mitgefühl&#13;
unmißverständlich zum Ausdruck gebracht.. Darüber hinaus hat er eine&#13;
Reihe von - unserer Ansicht nach zumindest bemerkenswerten - Maßnahmen&#13;
im Wege von Sanktionen ergriffen, die&#13;
sich primär auf militärische Angelegenheiten beziehen, aber auch auf&#13;
hochrangige Besuche und Austauschprogr,imme. Ich möchte auf diese lange&#13;
Liste von Sanktionen nicht im einzelnen eingehen.&#13;
Meiner Ansicht nach - die sicherlich von vielen Amerikanern geteilt&#13;
wird - versteht kein gewählter Regierungsvertreter&#13;
in den Vereinigten&#13;
Staaten China besser als der Präsident der Vereinigten Staaten, der&#13;
seinem Land in China mehrere Jahre&#13;
&#13;
lang gedient hat. Aus meiner Sicht&#13;
stand und steht er an erster Stelle&#13;
der Staats- und Regierungschefs der&#13;
Welt im Hinblick auf seine Worte und&#13;
Taten zu dieser Tragödie. Natürlich&#13;
sind wir uns des Wunsches gewählter&#13;
Regierungsvertreter bewußt, zu diesem&#13;
Thema Stellung nehmen und abstimmen&#13;
zu wollen, aber wir sind der festen&#13;
Überzeugung, daß die Führungsrolle in&#13;
diesem Fall bei der Regierung und damit beim Präsidenten der Vereinigten&#13;
Staaten als Oberbefehlshaber und als&#13;
jemandem liegen sollte, der in China&#13;
betreffende Angelegenheiten bestens&#13;
versiert ist.&#13;
Frage: Wird der Präsident sein Veto gegen dieses Maßnahmenpaket einlegen?&#13;
Antwort:&#13;
Das ist noch nicht endgültig entschieden, da wir bisher&#13;
versucht haben, gemeinsam mit dem&#13;
Kongreß eine Erklärung auszuarbeiten,&#13;
die dem Wunsch des Kongresses Rechnung trägt, zu diesem Thema Stellung&#13;
zu nehmen und abzustimmen, die aber&#13;
gleichzeitig die von uns notwendig&#13;
erachtete Flexibilität des Präsidenten gewährleistet, auf die jeweilige&#13;
Situation zu reagieren.&#13;
Frage:&#13;
Erwarten&#13;
Sie einen reibungslosen Verlauf des Gipfeltreffens&#13;
bezüglich&#13;
der&#13;
Wirtschaftsfragen?&#13;
"Super 301" hat meiner Ansicht nach&#13;
viel Ärger hervorgerufen - das ist&#13;
der den Handel betreffende Teil. Der&#13;
von Handelsminister Brady vorgelegte&#13;
Plan zur Behebung der Schuldenkrise&#13;
der Dritten Welt ist von den Banken den Handelsbanken - nicht uneingeschränkt&#13;
angenommen&#13;
worden.&#13;
Und&#13;
drittens hat es bei der OECD den Anschein, als ob die G-7 unterschiedliche Ansichten zur Inflation hätten.&#13;
Werden sich diese Probleme beim Gipfeltreffen alle in Wohlgefallen auflösen, oder werden wir noch mehr darüber hören?&#13;
Antwort:&#13;
Nun, ich denke, all das&#13;
wird beim Gipfel Gestalt annehmen,&#13;
obwohl wir abwarten und beobachten&#13;
müssen, wie sich die Dinge entwik-&#13;
&#13;
- 3-&#13;
&#13;
�kein. Meiner Ansicht nach wird es wie meist bei diesen Gipfeltreffen lebhafte Diskussionen geben. Es ist&#13;
nicht alles schon "vorgekaut", wie&#13;
einige behaupten. Es wird sicherlich&#13;
eine eingehende Erörterung der Schuldenkrise der Dritten Welt und makroökonomischer&#13;
politischei&#13;
Maßnahmen&#13;
geben.&#13;
Die kontinuierliche Bekämpfung der Inflation ist von vorrangiger Bedeutung, muß aber immer gegen&#13;
die Aufrechterhaltung und Erweiterung&#13;
einer produktiven Weltwirtschaft abgewogen werden.&#13;
Diese Themen werden sicherlich&#13;
erörtert werden. Ein weiteres Thema&#13;
ist zweifelsohne die erneute Ankurbelung des Koordinierungsprozesses der&#13;
Wirtschaftspolitik.&#13;
Ich kann Ihnen&#13;
hier natürlich nicht felsenfest versichern, daß sich keine weiteren Differenzen ergeben werden, weder auf&#13;
der politischen noch auf der wirtschaftlichen Seite. Aber ich denke,&#13;
die Meinungsverschiedenheiten werden&#13;
wie bisher beigelegt werden.&#13;
Frage:&#13;
Sie sagten, der Präsident&#13;
besitze umfassende Kenntnis der chinesischen Angelegenheiten, sei aber&#13;
von den Entwicklungen und der Härte&#13;
der Reaktion auf die prodemokratischen Proteste überrascht gewesen.&#13;
Wie schätzt er die heutige Lage ein?&#13;
Stimmt es, daß die chinesische Führung die totale Kontrolle Chinas um&#13;
jeden Preis übernehmen will und es&#13;
offensichtlich ist, daß wir bisher&#13;
keinen großen Eindruck hinterlassen&#13;
haben.&#13;
Können wir überhaupt etwas&#13;
bewirken? Und ist es so wichtig, daß&#13;
wir weiterhin diplomatische Beziehungen mit China auf höchster Ebene unterhalten, während China die Unterdrückung fortsetzt?&#13;
Antwort:&#13;
Der Grundsatz der Menschenrechte, zu dem ich mich noch&#13;
kürzlich bekannt habe, muß ein Grundprinzip unserer Außenpolitik sein.&#13;
Das war, ist und wird meiner Ansicht&#13;
nach auch in ferner Zukunft der Fall&#13;
sein.&#13;
Es ist ein außerordentlich&#13;
wichtiger Grundsatz.&#13;
Aber es ist&#13;
nicht der einzige Grundsatz, von dem&#13;
&#13;
unsere Außenpolitik geleitet ist. Es&#13;
kann und darf nicht der einzige&#13;
Grundsatz sein, der das Ausmaß der&#13;
Reaktion der Vereinigten Staaten auf&#13;
eine Situation wie diese bestimmt.&#13;
Wenn wir das Verhältnis für wichtig erachten und es zu bewahren suchen, dann heißt das noch nicht, um&#13;
jeden Preis, und es ist nicht nur aus&#13;
wirtschaftlichen Gründen wichtig. Es&#13;
hat Bedeutung für die Wirtschaft: soviel ist klar. Aber es ist auch unter geopolitischen und geostrategischen Gesichtspunkten wichtig.&#13;
Frage:&#13;
Sie erklärten, der Präsident habe seine Empörung unmißverständlich&#13;
zum&#13;
Ausdruck&#13;
gebracht.&#13;
Meiner Ansicht nach hat er sich jedoch nicht im einzelnen zu den Exekutionen geäußert.&#13;
Antwort: Er hat die Ereignisse auf&#13;
dem Platz des Himmlischen Friedens&#13;
verurteilt. Ich kann mit Sicherheit&#13;
sagen, daß wir vom Podium des Außenministeriums entsprechende Erklärungen abgegeben haben. Auch ich habe&#13;
mich bei zahlreichen Gelegenheiten&#13;
dazu geäußert. Ich kann Ihnen nicht&#13;
mehr genau sagen, wo und wann der&#13;
Präsident seine Empörung zum Ausdruck&#13;
gebracht hat. Ich möchte jedoch im&#13;
Namen der gesamten Administration erklären, daß wir die Ereignisse auf&#13;
dem Tiananmen-Platz verurteilen. Wir&#13;
möchten, daß man sich im Hinblick auf&#13;
die Bestrafung Beschränkungen auferlegt. Und wir verurteilen die Bestrafung derjenigen, die nichts anderes tun, als ihre grundlegenden Menschenrechte und Freiheiten auszuüben.&#13;
Frage:&#13;
Vor kurzem war Mr. Hawke&#13;
hier und hat den Begriff Barberei benutzt. Er hat an die Emotionen appelliert. Weder Sie noch der Präsident scheinen das tun zu wollen.&#13;
Antwort: Wir werden keine flammende Rhetorik benutzen. Wenn es Leute&#13;
gibt, die das von uns verlangen, so&#13;
steht ihnen das zu. Aber wir haben&#13;
nicht die Absicht, weil eine maßvolle&#13;
Antwort unserer Ansicht nach das&#13;
&#13;
�richtige ist. Das Ereignis fordert&#13;
eine Antwort, die unsere Empörung unmißverständlich zum Ausdruck bringt,&#13;
aber nicht zu einer stark emotionalisierten Reaktion führt, in der flammende Rhetorik eine Rolle spielt.&#13;
Und damit gehen Sanktionen in angemessener Form einher. Diese Punkte&#13;
haben wir auch verwirklicht.&#13;
Frage: Wird damit nicht das politische Problem geschaffen, das jetzt&#13;
mit den Kongreßabgeordneten zutage&#13;
tritt, die eine Resolution mit scharfen Formulierungen verabschieden wollen?&#13;
Und werden Sie damit nicht in eine Rolle gedrängt, in der sie die&#13;
Kontrolle verlieren könnten, indem&#13;
sich möglicherweise beide Kammern des&#13;
Kongresses für eine Resolution aussprechen, gegen die Sie ihr Veto einlegen müssen?&#13;
Antwort: Manchmal ist der richtige&#13;
Kurs nicht unbedingt der politisch&#13;
populäre Kurs.&#13;
Frage: Wie soll er denn aussehen?&#13;
Antwort: Wir sind auf dem richtigen Kurs. Unserer Ansicht nach ist&#13;
dies aus außenpolitischer Sicht ganz&#13;
klar die richtige Maßnahme. Und offen gesagt - ich glaube, in diesem&#13;
Land gibt es viele Leute, die eingehend über die Situation nachdenken&#13;
und mit uns übereinstimmen.&#13;
Frage: Wie ist der Stand der Diskussionen mit den führenden Politikern auf dem Capitol Hill zu diesem&#13;
Problem?&#13;
Antwort:&#13;
Die erste Frage lautete:&#13;
Können wir die vorgeschlagene Gesetzesänderung insgesamt unterstützen?&#13;
Und darauf habe ich geantwortet: In&#13;
ihrer gegenwärtigen Form können wir&#13;
sie nicht unterstützen.&#13;
Und eine&#13;
weitere Frage lautete:&#13;
Heißt das,&#13;
Sie würden dagegen Ihr Veto einlegen?&#13;
Worauf ich geantwortet habe: So weit&#13;
sind wir noch nicht, aber ich habe&#13;
erklärt, wir können sie nicht unter-&#13;
&#13;
stützen. Es gibt einige Punkte in&#13;
der Änderung, die unsere Zustimmung&#13;
finden.&#13;
In der Änderung wird klar&#13;
zum Ausdruck gebracht, daß die Vereinigten Staaten bei solchen - wichtigen außenpolitischen - Angelegenheiten einmütig sprechen und der Präsident die Führungsrolle und die Flexibilität haben sollte, auf eine ihm&#13;
angemessen erscheinende Art und Weise&#13;
zu reagieren. Diese Erklärung in der&#13;
gegenwärtigen Form der Änderung wird&#13;
gerade erwogen. Aber es gibt darin&#13;
noch andere Punkte, denen wir nicht&#13;
zustimmen können.&#13;
Frage: Wenn Sie flammende Rhetorik&#13;
vermeiden, ziehen Sie dann langfristig die Möglichkeit in Betracht, daß&#13;
Gorbatschow nicht überleben wird, andere Leute wie etwa die alten Konservativen an die Macht kommen und dami t&#13;
mit China das alte Dreiecksverhältnis&#13;
wie unter Nixon-Kissinger wieder Bedeutung erlangt?&#13;
Antwort: Meiner Ansicht nach haben&#13;
wir es nicht damit zu tun, daß China&#13;
dem Beispiel der Sowjetunion folgt.&#13;
Hier liegt nicht das Problem, sondern&#13;
es ist vielschichtiger.&#13;
Frage:&#13;
Die Solidarität hat einen&#13;
Appell an den Westen gerichtet, in&#13;
den nächsten Jahren Hilfe in Höhe von&#13;
10 Milliarden Dollar zu leisten.&#13;
Dies scheint die Summe dessen, was&#13;
einige Politiker des Bündnisses zu&#13;
leisten bereit sind, erheblich zu&#13;
übersteigen.&#13;
Gibt es Konfliktstoff&#13;
im Hinblick darauf, was die Polen&#13;
gern hätten und was der Westen zu tun&#13;
bereit ist, um Polen zu helfen?&#13;
Antwort:&#13;
Ich weiß nicht, ob ich&#13;
das Konfliktstoff nennen würde. Natürlich möchte Polen, daß wir alles&#13;
in unserer Macht Stehende tun, und&#13;
wir wollen auch das tun, was möglich&#13;
ist. In der Größenordnung, von der&#13;
Sie sprechen, ist das jedoch gegenwärtig kaum möglich. Dazu möchte ich&#13;
sagen, daß wir unter keinen Umständen&#13;
die Fehler der siebziger Jahre wiederholen wollen, in denen wir viele&#13;
Kredite mit zahlreichen Konzessionen&#13;
&#13;
�und Subventionen gewährt haben, ohne&#13;
daß damit angemessene Reformen in der&#13;
Wirtschaft einhergegangen wären. Und&#13;
infolgedessen werden sie jetzt von&#13;
einer großen Schuldenlast niedergedrückt, und es hat ihnen nicht zu einer marktwirtschaftlich orientierten&#13;
Wirtschaft verholfen.&#13;
&#13;
angedeutet habe,, mit Osteuropa befassen wird, weiß ich nicht, warum wir&#13;
nicht auch darüber sprechen sollten,&#13;
was dort getan werden kann. Liberalere Bedingungen im Pariser Club sind&#13;
eine Form der Erleichterung. Es ist&#13;
sicherlich eine Erleichterung für den&#13;
Kapitalfluß.&#13;
&#13;
Frage:&#13;
Welche Ziele verfolgt&#13;
Präsident mit seinem Besuch dort?&#13;
&#13;
Frage:&#13;
Aber bestehen nicht Meinungsverschiedenheiten zwischen Ihnen&#13;
und den anderen Mitgliedern des Pariser Clubs? Besteht nicht die Schwierigkeit, daß diese liberalere Auffassungen vertreten als Sie?&#13;
&#13;
der&#13;
&#13;
Antwort:&#13;
Sicherlich&#13;
verfolgt&#13;
er&#13;
welche, aber die muß er selbst darlegen. Das ist insbesondere so weit im&#13;
Vorfeld der Reise nicht meine Aufgabe.&#13;
Frage:&#13;
Würden Sie bei Gesprächen&#13;
mit Ihren Amtskollegen eine Art von&#13;
Schuldennachlaß unterstützen?&#13;
Oder&#13;
erschöpft sich bei der Frage ihrer&#13;
Schulden unsere Bereitschaft bereits&#13;
in den Konzepten der Hamtramck-Rede,&#13;
das heißt, mit eienr Art Umschuldung?&#13;
Ich denke, die meisten Schulden&#13;
werden von den deutschen Banken getragen, nicht so sehr von amerikanischen.&#13;
Antwort:&#13;
Ich weiß nicht, wieviel&#13;
Prozent die amerikanischen Banken genau tragen, aber die Schulden sind&#13;
offiziell bekannt. Beim Gipfel von&#13;
Toronto sind die sieben Industrieländer zusammengekommen und haben den&#13;
armen Ländern südlich der Sahara einige recht liberale Bedingungen und&#13;
einen sehr großen Schuldennachlaß gewährt.&#13;
Ich weiß nicht, ob es bei&#13;
diesem Gipfel ähnlich geartete Vorschläge geben wird, und mit meinem&#13;
Hinweis darauf will ich nicht sagen,&#13;
daß es welche geben wird.&#13;
Wir haben vor kurzem ein Gesetz&#13;
verabschiedet, dessen Abschnitt 572&#13;
es den Vereinigten Staaten gestattet,&#13;
in besonderen Fällen einen Schuldennachlaß zu gewähren.&#13;
Das bezieht&#13;
sich jedoch nicht auf Schulden wie&#13;
bei der Export-Import-Bank.&#13;
Aber&#13;
Schuldennachlaß wird ganz sicher eines der wichtigsten Themen sein, die&#13;
wir beim Gipfel erörtern werden, und&#13;
da sich der Gipfel, wie ich bereits&#13;
&#13;
Antwort:&#13;
Ich bin nicht sicher, ob&#13;
ihre Äußerungen zum Pariser Club zutreffend sind. Es bestehen geringfügige&#13;
Meinungsverschiedenheiten,&#13;
ob&#13;
Kredite der Weltbank erst nach Beendigung eines IWF-Programms gewährt&#13;
werden sollten, aber was den neuen&#13;
Zeitplan des Pariser Clubs im Hinblick auf den technischen Ablauf betrifft, könnte es Differenzen geben.&#13;
Das ist normal.&#13;
&#13;
'&#13;
&#13;
Frage:&#13;
Könnten Sie uns den Punkt&#13;
erläutern, an dem Sie und andere&#13;
Wirtschaftspartner sich zur Zeit befinden?&#13;
Antwort:&#13;
Warum befragen Sie dazu&#13;
nicht morgen Minister Brady, der darüber besser Bescheid weiß.&#13;
Es hat&#13;
täglich damit zu tun. Ich möchte dazu nur sagen, daß wir - gemäß den&#13;
Äußerungen des Präsidenten in seiner&#13;
Hamtramck-Rede - einen neuen liberalen Zeitplan im Pariser Club befürworten und nicht auf vorheriger Beendigung eines IWF-Programms bestehen&#13;
werden - was normalerweise unseren&#13;
Gepflogenheiten wie auch den aller&#13;
anderen Mitglieder des Pariser Clubs&#13;
entspricht.&#13;
Frage:&#13;
Besteht&#13;
die&#13;
Möglichkeit,&#13;
daß die Gipfelländer sich auf einen&#13;
umfassenderen Plan zur Hilfe für Osteuropa einigen, oder sind Sie der Ansicht, daß jedes Land eigene Maßnahmen ergreifen wird, um Osteuropa Hilfe zu gewähren?&#13;
&#13;
•&#13;
*&#13;
&#13;
�Antwort:&#13;
Ich&#13;
hoffe und wünsche&#13;
mir, daß es allgemeine Grundsätze&#13;
giht, an die sich alle zu halten bereit sind, wie etwa beim Gipfel in&#13;
Toronto zur Kreditvergabe an Osteuropa. Sicherlich hat sich die Situation seit dem Gipfel im Laufe des Jahres verändert. Es mag jedoch Länder&#13;
geben, die auf bilateraler Ebene weitergehen möchten, und das sollten sie&#13;
ruhig tun. Das würde einem allgemeinen Ansatz zu einigen Punkten nicht&#13;
widersprechen. Zum Beispiel ist Polen bei der Bundesrepublik Deutschland besonders hoch verschuldet. Der&#13;
Kredit wurde unter der Bedingung gewährt, daß Polen einigen Deutschen&#13;
die Ausreise gestattet. Und es wird&#13;
erwogen, die Rückzahlung dieses Kredits insgesamt oder in Teilen zu erlassen. Und hier würden andere Länder nicht mitziehen, weil sie nicht&#13;
in derselben Situation sind.&#13;
&#13;
hat meiner Ansicht nach das Gegenteil&#13;
bewirkt. Er hatte sicherlich keine&#13;
positiven Auswirkungen. Als wichtigste Tatsache sollte man sich also bei&#13;
dem Versuch, Ländern zu einer marktwirtschaftlich orientierten Politik&#13;
zu verhelfen, vor Augen führen, daß&#13;
sie selbst bereit sein müssen, die&#13;
notwendigen Reformen durchzuführen,&#13;
die sie auf diesen Weg bringen.&#13;
&#13;
Frage:&#13;
Die Bitte der Solidarität&#13;
um etwa 10 Milliarden Dollar Hilfe&#13;
beruht auf ihrer Einschätzung, daß&#13;
ohne Hilfe in diesem Umfang in Polen&#13;
die&#13;
Situation&#13;
umschlagen&#13;
könnte.&#13;
Sind Sie besorgt darüber, daß der Westen nicht in notwendigem Umfang Hilfe leisten könnte, um die Verschärfung einer politischen Krise in Polen&#13;
zu verhindern?&#13;
Antwort:&#13;
Der Schlüssel ist darin&#13;
zu suchen, daß politische Reformen&#13;
und Wirtschaftsreformen sich nicht&#13;
gleich&#13;
schnell&#13;
vollziehen.&#13;
Das&#13;
trifft für Polen in gleichem Maße zu&#13;
wie für die Sowjetunion und China.&#13;
Das scheint sich als Grundprinzip&#13;
durchgesetzt zu haben. In Polen müssen unbedingt die notwendigen Reformen durchgesetzt werden, um den Weg&#13;
zu einem marktwirtschaftlich orientierten System einschlagen zu können.&#13;
Und wir sollten das auf jede erdenkliche Weise unterstützen. Aber wenn&#13;
wir lediglich Nachlässe gewähren oder&#13;
Kredite mit vielen Konzessionen vergeben, ohne daß damit Reformen einhergehen, bringen wir sie damit nicht&#13;
auf den Weg, den sie einschlagen wollen. Diesen Kurs haben wir in den&#13;
siebziger Jahren verfolgt.&#13;
Und er&#13;
- 7-&#13;
&#13;
* * * * *&#13;
&#13;
�^J^&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST&#13;
Dokumentation&#13;
&#13;
5. Juli 1989&#13;
&#13;
26&#13;
&#13;
USA BETONEN BEDEUTUNG VON NUKLEARWAFFEN IN EUROPA&#13;
- Bericht des Verteidungsministeriums -&#13;
&#13;
WASHINGTON - (AD) - Nuklearstreitkräfte in Europa, insbesondere nukleare&#13;
Kurzstreckensysteme (SNF) - landgestützte Raketen und Geschütze mit einer&#13;
Reichweite von unter 500 Kilometern - "spielen nach wie vor eine entscheidende&#13;
Rolle in der Strategie des Bündnisses", erklärte der Abteilungsleiter im Verteidigungsministerium, Robert Joseph, in einer Anhörung vor dem Streitkräfteausschuß des Senats. Dem hochrangigen Regierungsvertreter zufolge seien Nuklearwaffen in Europa "seit langem als unabdingbar für die Aufrechterhaltung&#13;
der vereinbarten NATO-Strategie flexibler Reaktion und Vorneverteidigung eingestuft worden".&#13;
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede des amerikanischen Regierungsvertreters im Wortlaut.&#13;
&#13;
Es ist mir eine Ehre, Ihnen heute&#13;
die Gründe dafür darlegen zu können,&#13;
warum Nuklearstreitkräfte in Europa insbesondere nukleare Kurzstreckenraketen (short-range nuclear forces SNF) - landgestützte Raketen und Geschütze mit einer Reichweite von unter 500 Kilometern - nach wie vor eine entscheidende Rolle in der Strategie des Bündnisses spielen. Wie Sie&#13;
wissen, haben die Staats- und Regierungschefs beim NATO-Gipfeltreffen im&#13;
vergangenen Monat die Notwendigkeit&#13;
solcher Nuklearstreitkräfte für die&#13;
"absehbare Zukunft" bekräftigt. Aus&#13;
diesem Grund möchte ich unser laufendes Modernisierungsprogramm für nukleare&#13;
Gefechtsfeldwaffen&#13;
(theater&#13;
nuclear forces - TNF) und die besonderen Vorteile der Stationierung dieser Systeme erläutern. Und schließ-&#13;
&#13;
United States Information Service&#13;
Embassy of the United States of America&#13;
&#13;
lich möchte&#13;
ich unsere nächsten&#13;
Schritte vor dem Hintergrund des&#13;
jüngsten Gipfeltreffens erörtern. In&#13;
diesem Zusammenhang möchte ich unsere&#13;
Position zu den SNF-Verhandlungen sowie die Herausforderungen darlegen,&#13;
mit denen sich die Vereinigten Staaten bei der Aufnahme von SNF-Verhandlungen mit der Sowjetunion konfrontiert sehen.&#13;
&#13;
Rolle von TNF in der Strategie des&#13;
Bündnisses&#13;
Die Notwendigkeit nuklearer Gefechtsfeldwaffen in Europa - einschließlich SNF-Raketen und Geschützen - ist seit langem als unabdingbar&#13;
für die Aufrechterhaltung der vereinbarten NATO-Strategie flexibler Reak-&#13;
&#13;
Postfach 20 03 00&#13;
D 5300 Bonn 2&#13;
&#13;
Tel.: 0228-339 2035&#13;
Telex: 8-85432&#13;
&#13;
�tion und Vorneverteidigung eingestuft&#13;
worden. Für die NATO leitet sich die&#13;
Notwendigkeit von Nuklearwaffen nicht&#13;
vornehmlich aus der Existenz der Nuklearwaffen des Warschauer Pakts ab.&#13;
Die Bestandserfordernisse der NATO&#13;
gründen sich vielmehr auf die Bedrohung des Warschauer Pakts insgesamt&#13;
und unsere Analyse dessen, was zur&#13;
Aufrechterhaltung&#13;
der&#13;
Abschreckung&#13;
erforderlich ist. Es ist das massive&#13;
Ungleichgewicht bei den konventionellen Streitkräften zugunsten des Warschauer Pakts, von dem unsere Berechnungen vor allem geleitet sind. Während mit einem Abbau der Bedrohung&#13;
oder der Behebung der heute zwischen&#13;
NATO und Warschauer Pakt bestehenden&#13;
Ungleichgewichte&#13;
die&#13;
Notwendigkeit&#13;
von Nuklearstreitkräften in Europa&#13;
verringert würde, hätte dies jedoch&#13;
keine Auswirkungen auf die Rolle, die&#13;
Nuklearstreitkräfte in unserer Strategie dauerhaft spielen.&#13;
Die nuklearen Gefechtsfeldwaffen&#13;
der NATO leisten einen Beitrag zur&#13;
Abschreckung&#13;
eines&#13;
konventionellen&#13;
Angriffs, indem sie die Planung des&#13;
Warschauer Pakts erschweren und den&#13;
Pakt mit der Aussicht einer Eskalation zu von der NATO festgesetzten&#13;
Bedingungen&#13;
konfrontieren.&#13;
Damit&#13;
tragen sie dazu bei, den Warschauer&#13;
Pakt im unklaren darüber zu lassen,&#13;
wie, wann und wo die NATO auf einen&#13;
Angriff&#13;
reagieren würde.&#13;
Darüber&#13;
hinaus untergraben diese Systeme&#13;
insbesondere SNF - das Vertrauen des&#13;
Warschauer Pakts in die Fähigkeit zur&#13;
Massierung seiner zahlenmäßig überlegenen&#13;
konventionellen&#13;
Streitkräfte&#13;
zum Durchbruch durch die Vorneverteidigung der NATO oder zur Aufrechterhaltung&#13;
der&#13;
Stoßkraft eines Angriffs. Zweifelsohne schrecken also&#13;
die Nuklearstreitkräfte der NATO den&#13;
Einsatz von Nuklearwaffen des Gegners&#13;
ab, indem sie die Fähigkeit zu entsprechender Reaktion demonstrieren.&#13;
Sollte die Abschreckung versagen,&#13;
würden diese Waffen eine entscheidende Rolle dabei spielen, den Warschauer Pakt von der Einstellung von Aggression, dem Abzug der Truppen aus&#13;
dem Bündnisgebiet und der Wiederher-&#13;
&#13;
stellung der Abschreckung zu überzeugen. Um dem Gegener jegliches Vertrauen zu nehmen, er könne sein Ziel&#13;
in Form eines Angriffs jedweder Art&#13;
erreichen, ohne einen unannehmbaren&#13;
Tribut zu zahlen, müssen die Nuklearstreitkräfte der NATO ein breites&#13;
Spektrum von Optionen anbieten, um&#13;
Ziele vom unmittelbaren Gefechtsfeld&#13;
bis in die Tiefe des gegnerischen Gebiets, einschließlich der Sowjetunion, zu treffen.&#13;
Vor diesem Hintergrund vereinbarten die Minister der Nuklearen Planungsgruppe (NPG) der NATO in Montebello im Jahr 1983, den Bestand an&#13;
Atomwaffen in Europa um 1 400 zu reduzieren - im Anschluß an einen ähnlichen, 1979 angekündigten einseitigen Abbau von 1 000 Waffensystemen während sie gleichzeitig übereinkamen, daß die NATO handeln müsse, um&#13;
sicherzustellen, daß die verbleibenden Gefechtsköpfe und ihre Trägersysteme reaktions-, überlebensfähig und&#13;
effektiv sind. Die Minister der NPG&#13;
beauftragten daraufhin den Obersten&#13;
Alliierten&#13;
Befehlshaber&#13;
Europa&#13;
(SACEUR), Empfehlungen zur Durchführung des Montebello-Beschlusses zu&#13;
entwickeln.&#13;
Ich weiß, daß ich hier nicht ins&#13;
Detail der von SACEUR in seiner Studie über die Notwendigkeit von Nuklearwaffen aus dem Jahr 1985 (NWRS-85)&#13;
gegebenen Empfehlungen gehen muß, die&#13;
dem Ausschuß sicherlich bekannt sein&#13;
dürften. Wir müssen uns nur vergegenwärtigen, daß SACEUR eine Reihe&#13;
von Modernisierungserfordernissen für&#13;
die Nuklearstreitkräfte der NATO im&#13;
einzelnen darlegte - und ich möchte&#13;
betonen, daß es sich hierbei um das&#13;
Jahr 1985 handelte - einschließlich&#13;
eines Nachfolgesystems für die rasch&#13;
veraltende Lance-Rakete (follow-on to&#13;
Lance - FOTL), eine Luft-Boden-Abstandsrakete, mit der die Uberlebensfähigkeit von Mehrzweckkampfflugzeugen gesteigert werden sollte sowie&#13;
moderne nukleare Artilleriegeschosse&#13;
als Ersatz für die derzeitigen veralteten Geschosse, im Verhältnis von&#13;
unter 1 zu 1.&#13;
&#13;
�In unmittelbar vor der Unterzeichnung des INF-Vertrags begonnener&#13;
Arbeit prüfte die NPG, wie die&#13;
NATO-Streitkräfte nach dem INF-Vertrag strukturiert sein sollten. Beim&#13;
Treffen der NPG im April 1988 verabschiedeten&#13;
die&#13;
Minister&#13;
einen&#13;
schrittweisen Ansatz zur Umstrukturierung der Nuklearstreitkräfte der&#13;
NATO im Anschluß an den Abzug der&#13;
INF-Raketen.&#13;
Dabei&#13;
überarbeiteten&#13;
sie den in Montebello gesteckten Rahmen und bekräftigten die anhaltende&#13;
Unterstützung der nationalen Bestrebungen zur Verwirklichung der aus dem&#13;
Montebello-BeSchluß&#13;
resultierenden&#13;
Erfordernisse.&#13;
Um den Konsens der NATO bei der&#13;
weiteren Modernisierung der Nuklearstreitkräfte der NATO zu gewährleisten, überprüfte die NPG dann die&#13;
Rolle von SNF in der Abschreckungsstrategie der NATO.&#13;
Als Ergebnis&#13;
dieser Überprüfung kamen die NPG-Minister bei ihrem Treffen im Oktober&#13;
1988 Uberein, daß die NATO in absehbarer Zukunft unterschiedliche, überlebensfähige und flexibel einsetzbare&#13;
Nuklearstreitkräfte in Europa über&#13;
alle Reichweiten hinweg benötigt,&#13;
einschließlich SNF.&#13;
Im Januar 1989 legte SACEUR dem&#13;
Bündnis die Ergebnisse seiner Studie&#13;
über die Notwendigkeit von Nuklearwaffen (NWRS-88) vor, in der die Erkenntnisse der NPG über notwendige&#13;
kontinuierliche Modernisierung, insbesondere die Entwicklung einer Tomahawk-Schiffabwehrrakete (Tomahawk anti-ship missile - TASM) und eines&#13;
Nachfolgesystems für die Lance-Rakete&#13;
zur Einführung Mitte der neunziger&#13;
Jahre bestätigt wurden. SACEUR zufolge ist angesichts der derzeitigen&#13;
und zukünftigen Unzulänglichkeiten im&#13;
nuklearen Einsatzkonzept der NATO die&#13;
Stationierung dieser Systeme erforderlich, um das Ausmaß an Sicherheit&#13;
zu gewährleisten, das die Abschrekkung untermauert. NWRS-88 kommt zu&#13;
dem Schluß, daß die Stationierung der&#13;
modernisierten Systeme und die damit&#13;
einhergehende&#13;
Umstrukturierung&#13;
der&#13;
Kurzstreckenrakten der NATO mit einer&#13;
&#13;
Verlagerung auf längere Reichweiten&#13;
das Bündnis in die Lage versetzen&#13;
würde, seinen nuklearen Bestand in&#13;
Europa erheblich zu reduzieren. Und&#13;
schließlich verweist NWRS-88 darauf,&#13;
daß ein Abbau der konventionellen Bedrohung Möglichkeiten für eine weitere Verringerung des nuklearen Bestands der NATO eröffnet, während&#13;
gleichzeitig die Notwendigkeit für&#13;
Uberlebensfähige und operativ flexible SNF aufrechterhalten würde.&#13;
&#13;
Warum die&#13;
lich ist&#13;
&#13;
Modernisierung&#13;
&#13;
erforder-&#13;
&#13;
In absehbarer Zukunft wird unsere&#13;
Strategie der flexiblen Reaktion weiterhin sowohl konventionelle als auch&#13;
nukleare Waffen erforderlich machen.&#13;
Der Montebello-Beschluß und die jüngsten Arbeiten der NPG und Militärbehörden der NATO, insbesondere SACEURs&#13;
NWRS-88, bieten eine klare Richtlinie&#13;
für die Gewährleistung der dauerhaften Glaubwürdigkeit&#13;
der Abschrekkungsstrategie der NATO mit einem Minimum an Nuklearwaffen.&#13;
Wir sind&#13;
übereingekommen, daß spezifische Entscheidungen unserer Verbündeten heute&#13;
nicht erforderlich sind und eine Entscheidung über die Stationierung des&#13;
FOTL erst 1992 getroffen werden muß.&#13;
Dennoch bleibt die Notwendigkeit für&#13;
FOTL, TASM und ein modernes AFAPS&#13;
heute bestehen, und die NATO-Mitgliedstaaten haben wiederholt und öffentlich - zuletzt beim NATO-Gipfeltreffen im vergangenen Monat - ihre&#13;
kontinuierliche&#13;
Unterstützung&#13;
der&#13;
amerikanischen Bestrebungen bei der&#13;
Erfüllung dieser Anforderungen bekräftigt&#13;
&#13;
FOTL und TASM&#13;
An erster Stelle der Debatte über&#13;
die SNF-Modernisierung steht die seit&#13;
langem erkannte Notwendigkeit für ein&#13;
FOTL. Gelegentlich wurde das Argument vorgebracht, wir sollten versuchen, die Lebensdauer der Lance zu&#13;
verlängern, um die politischen Nachteile der Stationierung eines neuen&#13;
&#13;
- 3 -&#13;
&#13;
�Systems zu vermeiden.&#13;
Das Hauptargument, das hier angeführt werden sollte - das aber nahezu&#13;
immer Übersehen wird - lautet, die&#13;
Lance-Rakete entspricht nicht den Anforderungen der NATO.&#13;
Im Einklang&#13;
mit der Arbeit der NPG hat SACEUR die&#13;
Notwendigkeit einer Boden-Boden-Rakete (surface-to-surface missile - SSM)&#13;
längerer&#13;
Reichweite&#13;
festgestellt.&#13;
Die begrenzte Reichweite der Lance,&#13;
ihr kompliziertes Ladeverfahren und&#13;
die geringe Anzahl von Abschußvorrichtungen, von denen aus die Rakete&#13;
abgefeuert werden kann, sind insgesamt gesehen der Uberlebensfähigkeit&#13;
des Systems in erheblichem Maße abträglich.&#13;
Nachdem ihre Lebensdauer&#13;
bereits einmal verlängert worden ist,&#13;
veraltet die - auf die Technologie&#13;
der sechziger Jahre gegründete&#13;
Lance jetzt rasch. Ein zweites Programm zur Verlängerung der Lebensdauer (service life extension program SLEP) würde diesen Zustand fortsetzen&#13;
und die Abschreckung der NATO unterminieren, indem die Abhängigkeit vom&#13;
Mehrzweckkampfflugzeug (dual capable&#13;
aircraft - DCA) vergrößert würde.&#13;
Daß die DCA auf relativ wenigen&#13;
Stützpunkten in Europa stationiert&#13;
sind, macht sie für Präventivschläge&#13;
des Warschauer Pakts anfällig. Dai—&#13;
über hinaus würde größeres Vertrauen&#13;
auf DCA als nukleares Trägersystem&#13;
bedeuten, daß für konventionelle Operationen weniger Mehrzweckkampfflugzeuge zur Verfügung stünden.&#13;
Verlängerug der Lebensdauer von&#13;
Lance würde uns ferner zwingen, eine&#13;
Streltkräftestruktur aufrechtzuerhalten, die gegebenenfalls anderweitig&#13;
eingesetzt werden könnte. Das FOTL&#13;
wird mit einem Mehrfachraketenwerfersystem (MLRS) bestückt und der entsprechenden Streitkräftestruktur versehen.&#13;
Mit der Beibehaltung der&#13;
Lance würde die Option zunichte gemacht, das für die ausschließlich nuklearfähige Lance eingesetzte Personal zur GrUndung von vier zusätzlichen&#13;
MLRS-Mehrzweckbatai Honen&#13;
zu&#13;
verwenden. Um sich eine Vorstellung&#13;
von der vergeudeten Artilleriefeuer-&#13;
&#13;
kraft machen zu können, sollte man&#13;
bedenken, daß eine Salve von 12&#13;
8-Inch-Raketen&#13;
aus einer MLRS-Abschußvorrichtung der Feuerkraft von&#13;
88 155 mm Haubitzen entspricht. Darüber hinaus ginge die Fähigkeit dieser vier Bataillone verloren, als&#13;
Trägersystem für konventionell bestückte taktische Raketensysteme des&#13;
Heeres (Army tactical missile System&#13;
- ATACMS) für Ziele in der Tiefe des&#13;
gegnerischen Gebiets zu dienen.&#13;
Im Gegensatz dazu wird ein FOTL&#13;
längerer Reichweite - das voll und&#13;
ganz im Einklang mit dem INF-Vertrag&#13;
steht - wichtige Vorteile mit sich&#13;
bringen.&#13;
Eine&#13;
längere Reichweite&#13;
wird natürlich die Zielerfassung in&#13;
der Tiefe des gegnerischen Gebiets im&#13;
Hinblick auf wichtige feste und mobile Ziele verbessern. Darüber hinaus&#13;
wird FOTL den zunehmenden Einsatz der&#13;
NATO DCA für tiefer im gegnerischen&#13;
Gebiet liegende Ziele und bei konventionellen Einsätzen verbessern.&#13;
Es&#13;
wird die Uberlebensfähigkeit der Systeme verbessern, weil es die Rückschlagfähigkeit erhöht und für bessere Flexibilität bei den Einsätzen&#13;
sorgt, wie etwa die Unterstützung angrenzender Truppen.&#13;
Bei den FOTL&#13;
werden MRLS-Abschußvorrichtungen zum&#13;
Einsatz kommen, womit die Möglichkeit&#13;
zu weitverzweigter Stationierung gegeben ist. Damit wird Solidarität im&#13;
Bündnis bekundet und der gemeinsame&#13;
Beitrag und Einsatz aller Mitglieder&#13;
für die Sicherheit des Bündnisses bekräftigt.&#13;
Eine taktische Luft-Boden-Rakete&#13;
für das Mehrzweckkampfflugzeug der&#13;
NATO ist von ebenso entscheidender&#13;
Bedeutung.&#13;
Die Mehrzweckkampfflugzeuge werden angesichts der Beseitigung von INF-Raketen bei der Gewährleistung der Abschreckung und Ankoppelung der Verteidigung Europas an&#13;
die strategischen Streitkräfte der&#13;
Vereinigten Staaten natürlich eine&#13;
größere Rolle spielen. Eine vielfach&#13;
in NATO DCA - wie in den Kampfflugzeugen F-lll, F-15E, F-16 und Tornado&#13;
- stationierte TASM wird die verbesserte Luftverteidigung des Warschauer&#13;
&#13;
�Pakts abwehren und unsere Fähigkeit&#13;
verbessern, stark verteidigte und&#13;
tief im Territorium des Warschauer&#13;
Pakts liegende Ziele zu treffen. Die&#13;
Erweiterung der Reichweite effektiver&#13;
DCA, ihre verbesserte Uberlebensfähigkeit und - mit der Stationierung&#13;
der TASM - stärkere Eindringfähigkeit&#13;
wird die Abschreckung der NATO erheblich verbessern.&#13;
Um termingerechte und angemessene&#13;
Entscheidungen über die Stationierung&#13;
modernisierter&#13;
Systeme&#13;
treffen zu&#13;
können, haben die Vereinigten Staaten&#13;
Mitte des Jahres 1988 Entwicklungsprogramme für FOTL und TASM ins Leben&#13;
gerufen. Sowohl TASM als auch FOTL&#13;
werden erwartungsgemäß der Reichweite&#13;
von SACEUR und den Erfordernissen für&#13;
die Fähigkeit eines Einsatzbeginns&#13;
entsprechen. Ende vergangenen Jahres&#13;
haben die Vereinigten Staaten die Abschußvorrichtung M270 für das MLRS&#13;
des FOTL ausgewählt, und wir untersuchen gegenwärtig für FOTL in Frage&#13;
kommende Raketen, mit dem Ziel einer&#13;
endgültigen Entscheidung bis Mitte&#13;
der neunziger Jahre. Darüber hinaus&#13;
haben die Vereinigten Staaten im November 1988 eine zweite modifizierte&#13;
Version der Kurzstreckenangriffsrakete (SRAM) ausgesucht, die den Erfordernissen der TASM gerecht wird, und&#13;
gegenwärtig&#13;
werden&#13;
Untersuchungen&#13;
über den Aufbau und die Integration&#13;
der TASM durchgeführt.&#13;
Bis heute wurden für die Finanzierung dieser beiden wichtigen Programme nur sehr begrenzte Mittel bereitgestellt.&#13;
Die Mittel für FOTL&#13;
wurden gekürzt. Wir haben 15 Millionen Dollar angefordert und 7,5 Millionen Dollar erhalten.&#13;
Die volle&#13;
Finanzierung für FOTL und TASM in den&#13;
Haushaltsjahren 1990 und 1991 ist&#13;
nicht umfangreich, aber dennoch von&#13;
entscheidender Bedeutung, um die erforderlichen&#13;
Stationierungstermine&#13;
einhalten zu können.&#13;
In&#13;
höchstem&#13;
Maße&#13;
effektive&#13;
SNF-Streitkräfte erfordern, daß die&#13;
älteren nuklearen Artilleriegeschosse&#13;
von 155 mm und 8-Inches kontinuier-&#13;
&#13;
lich durch Geschosse größerer Reichweite und einbebaute moderne Sicherheitsvorkehrungen&#13;
ersetzt&#13;
werden.&#13;
Die Kombination von Alter, schwieriger Monate, unzureichender Sprengkraft&#13;
und der sehr kurzen Reichweite gegenwärtiger Systeme schränken ihre Verwendbarkeit ein. Eine modernisierte&#13;
nukleare Artillerie wird weiterhin&#13;
einen wichtigen Beitrag zur Abschrekkung leisten, einmal indem sie eine&#13;
Gefahr&#13;
für&#13;
führende&#13;
strategische&#13;
Staffeln darstellt und indem sie ein&#13;
sichtbares Zeichen für Zusammenhalt&#13;
im Bündnis setzt.&#13;
In den Wochen vor dem NATO-Gipfel&#13;
der Staats- und Regierungschefs hat&#13;
die Sowjetunion ihre Kampagne zur&#13;
Spaltung des Bündnisses über Fragen&#13;
der Modernisierung und Rüstungskontrolle intensiviert.&#13;
Die NATO demonstrierte&#13;
jedoch&#13;
Geschlossenheit&#13;
und vereinbarte&#13;
ein Gesamtkonzept&#13;
über Rüstungskontrolle und Abrüstung,&#13;
in dem die unerläßliche Rolle nuklearer Waffen in der NATO-Strategie wie&#13;
auch die Verpflichtung der NATO bekräftigt&#13;
wurde,&#13;
ihre&#13;
nuklearen&#13;
Streitkräfte gegebenenfalls auf dein&#13;
neuesten&#13;
Stand&#13;
zu&#13;
halten.&#13;
Die&#13;
Staats- und&#13;
Regierungschefs&#13;
der&#13;
NATO-Mitgliedstaaten&#13;
vereinbarten,&#13;
daß land-, see- und luftgestützte Systeme in Europa notwendige Bestandteile des Abschreckungskonzepts der&#13;
NATO sind.&#13;
In diesem Zusammenhang&#13;
hat das Bündnis erneut seine Unterstützung&#13;
für&#13;
amerikanische&#13;
Forschungs- und&#13;
Entwicklungsprogramme&#13;
bekräftigt, mit denen die in Montebello angeregten Bedingungen erfüllt&#13;
werden sollen. Wir haben - wie bereits beim NPG-Treffen im April vereinbart, daß spezifische Entscheidungen über die Stationierung von&#13;
FOTL nicht vor 1992 getroffen werden&#13;
müssen.&#13;
Das Bündnis hat darüber hinaus&#13;
den sehr begrenzten Umfang des von&#13;
der Sowjetunion angekündigten Plans&#13;
zum Abzug von 500 Nuklearwaffen aus&#13;
Osteuropa erkannt, insbesondere, wenn&#13;
man ihn mit der enormen Zahl der noch&#13;
verbleibenden&#13;
Waffen&#13;
vergleicht.&#13;
&#13;
- 5-&#13;
&#13;
�Darüber hinaus verblaßt der sowjetische Plan verglichen mit den seit&#13;
1979 von der NATO einseitig aus Europa abgezogenen 2 400 nuklearen Waffen&#13;
- dem Fünffachen der von den Sowjets&#13;
angekündigten Zahl.&#13;
Angesichts der&#13;
massiven Überlegenheit des Warschauer&#13;
Pakts bei den SNF - das Ergebnis eines aggressiven jahrzehntelangen Modernisierungsproramms - hat das Bündnis die Sowjetunion aufgefordert, ihre Kurzstreckenraketensysteme einseitig zu reduzieren.&#13;
&#13;
barungen bieten eine solide Grundlage&#13;
für die Aufrechterhaltung militärischer Stärke und politischer Solidarität, wie sie für die Sicherheit des&#13;
Bündnisses entscheidend sind.&#13;
Auch&#13;
im Hinblick auf die SNF-Verhandlungen, von denen man glaubte, sie würden zu einem "gescheiterten" Gipfel&#13;
führen, ist das Bündnis zu einem außergewöhnlichen Konsens über die angemessene Rolle und den Stellenwert&#13;
der Rüstungskontrolle in unserer Sicherheitspolitik gelangt.&#13;
&#13;
Schließlich hat das Bündnis auch&#13;
seine Prioritäten in der Rüstungskontrolle dargelegt. Die Staats- und&#13;
Regierungschefs der NATO stehen weiterhin zu ihren 1987 in Reykjavik zur&#13;
Rüstungskontrolle vereinbarten Zielsetzungen und haben darüber hinaus&#13;
bekräftigt, daß die Behebung des konventionellen&#13;
Ungleichgewichts&#13;
zwischen NATO und Warschauer Pakt - und&#13;
damit der wichtigsten Bedrohung für&#13;
die Sicherheit in Europa - weiterhin&#13;
in Europa für das Bündnis erste Priorität hat. Angesichts der Tatsache,&#13;
daß die überwiegenden konventionellen&#13;
Streitkräfte des Warschauer Pakts der&#13;
Hauptbeweggrund für die Stationierung&#13;
von&#13;
NATO-Kurzstreckensystemen&#13;
ist,&#13;
sind&#13;
wir&#13;
übereingekommen,&#13;
daß&#13;
SNF-Verhandlungen zur Erlangung einer&#13;
teilweisen Reduzierung der Zahl amerikanischer und sowjetischer landgestützter&#13;
Nuklearstreitkräfte&#13;
auf&#13;
gleiche und verifizierbare Niveaus&#13;
unter dem gegenwärtigen Stand in der&#13;
NATO nur Sinn haben, wenn ein Abkommen zur Beseitigung des konventionellen Ungleichgewichts in Europa Anwendung findet. Das Bündnis erkennt den&#13;
Grundsatz der SNF-Verhandlungen an,&#13;
schließt eine "dritte Null-Lösung"&#13;
aus und vereinbart, daß ausgehandelte&#13;
Reduzierungen nicht verwirklicht werden, bis die Ergebnisse der KSE-Verhandlungen durchgeführt worden sind.&#13;
Damit liegt die noch zu leistende Arbeit bei den gegenwärtig in Wien&#13;
stattfindenden&#13;
Verhandlungen&#13;
über&#13;
konventionelle Streitkräfte in Europa&#13;
(KSE).&#13;
&#13;
Wenn wir über die KSE-Verhandlungen hinaus die Möglichkeit amerikanisch-sowjetischer Verhandlungen über&#13;
SNF ins Auge fassen, müssen wir die&#13;
Herausforderungen kennen, die sich&#13;
uns stellen.&#13;
&#13;
Die beim Gipfel erzielten Verein-&#13;
&#13;
Verhandlungen - ob sie nun Löhne&#13;
und Gehälter, Zölle oder Rüstungen&#13;
betreffen - sind immer am erfolgreichsten, wenn alle Verhandlungspartner&#13;
gleiche&#13;
Ziele&#13;
verfolgen.&#13;
Leider ist dies bei NATO und Sowjetunion zum Thema Kurzstreckenraketen&#13;
nicht der Fall.&#13;
Die Sowjets haben&#13;
ein Endziel vor Augen - die Entnuklearisierung Europas.&#13;
Angesichts der&#13;
Rolle, die Nuklearwaffen bei der Erhaltung der NATO-Strategie der flexiblen Reaktion spielen, müssen wir eine Entnuklearisierung Europas vermeiden, mit der die Glaubwürdigkeit der&#13;
Abschreckung ausgehöhlt und die NATO&#13;
verwundbar würde (auch angesichts erheblicher Reduzierungen bei den konventionellen Streitkräften des Warschauer Pakts). Das wird nicht einfach sein, da die Vorschläge einer&#13;
"dritten Null-Lösung" aus vielfältigen politischen und technischen Gründen auf viele einen großen Reiz ausüben. Das Bündnis muß entschlossen&#13;
zusammenstehen, damit die gegenwärtigen Verhandlungen zur Finanzierung&#13;
unserer Sicherheit nicht den gegenteiligen Effekt haben.&#13;
Darüber hinaus sind insbesondere&#13;
die in wirksam verifizierbaren Begrenzungen für SNF immanenten Schwierigkeiten entmutigend.&#13;
Die Systeme&#13;
sind klein, sehr mobil und sowohl nu-&#13;
&#13;
�klear wie auch nichtnuklear einsetzbar. Mit dem Versuch, die sich mit&#13;
den Mehrzwecksystemen stellenden Herausforderungen&#13;
durch&#13;
Abbau&#13;
aller&#13;
SNF-Abschußvorrichtungen&#13;
zu&#13;
lösen,&#13;
würden unsere konventionellen Fähigkeiten&#13;
unannehmbar&#13;
eingeschränkt.&#13;
Mit der Ausstattung unserer SNF-Systeme mit "außen sichtbaren Unterscheidungen" würde die Uberlebensfähigkeit der Systeme geschwächt und&#13;
nichts getan, um unsere Verifizierungsprobleme im Hinblick auf sowjetische SNF-Systeme zu lösen. Darüber&#13;
hinaus bleibt immer noch das Problem&#13;
der Verifizierung von Begrenzungen&#13;
von Kurzstreckenraketen bestehen, die&#13;
leicht auf SNF-Abschußvorrichtungen&#13;
umgeladen werden können. Wir müssen&#13;
sicherlich die Verifizierungslektion&#13;
der KSE berücksichtigen, bevor wir&#13;
erwägen, wie wir Systeme wirksam verifizieren und mögliche Fehlerquellen&#13;
ausschalten können.&#13;
&#13;
strebungen zur Spaltung des Bündnisses fortführen, wie sie das auch vor&#13;
dem Gipfel dokumentiert hat. Die Bewahrung von Einigkeit unter 16 souveränen Staaten ist unter keinen Umständen eine leichte Aufgabe. Aber&#13;
ich bin zuversichtlich, daß das Bündnis, wie bereits zu Beginn der achtziger Jahre angesichts sowjetischer&#13;
Versuche, es über die INF-Stationierungen zu entzweien, denselben Mut&#13;
und dieselbe Entschlossenheit an den&#13;
Tag legen wird, um seine Freiheit zu&#13;
bewahren.&#13;
&#13;
Darüber hinaus besteht die Gefahr, daß es angesichts unserer prinzipiellen Zustimmung zu SNF-Verhandlungen unter bestimmten Umständen für&#13;
das Bündnis politisch schwierig sein&#13;
wird, die notwendigen Modernisierungsmaßnahmen zu ergreifen, um die&#13;
anhaltende&#13;
Glaubwürdigkeit&#13;
unseres&#13;
Abschreckungskonzepts zu gewährleisten. Ich bin sicher, daß der Warschauer Pakt nicht dieselben politischen Schwierigkeiten hat wie der Westen und sein Modernisierungsprogramm&#13;
fortführen wird.&#13;
Das Bündnis&#13;
wie&#13;
auch der Kongreß bei seiner Abstimmung über den Verteidigungshaushalt&#13;
für das Finanzjahr 1990 - muß sich&#13;
vor Augen führen, daß keine Modernisierung dieselben Auswirkungen haben&#13;
wird wie das Akzeptieren einer dritten Null-Lösung.&#13;
Abschließend möchte ich nochmals&#13;
auf den Umfang hinweisen, in dem sich&#13;
die NATO-Regierungen über die absolute Notwendigkeit effektiver und moderner&#13;
Nuklearstreitkräfte&#13;
einig&#13;
sind, mit denen unsere vereinbarte&#13;
Strategie der flexiblen Reaktion gestützt wird.&#13;
Die Sowjetunion wird&#13;
natürlich erwartungsgemäß ihre Be- 7 -&#13;
&#13;
* * * * *&#13;
&#13;
�:eOSK&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST&#13;
Wirtschaft&#13;
&#13;
^rioN&#13;
&#13;
26&#13;
&#13;
5. Juli 1989&#13;
&#13;
DIE WIRTSCHAFTLICHE ENTWICKLUNG IN DEN VEREINIGTEN STAATEN&#13;
- Konjunkturindikatoren des Monats Mai -&#13;
&#13;
WASHINGTON - (AD) - Der Gesamtindex der führenden Konjunkturindikatoren, mit dem sich Prognosen zur&#13;
wirtschaftlichen Entwicklung aufstellen lassen, ist im Mai gefallen. Berichten des Handelsministeriums zufolge ist dies das dritte Mal in den&#13;
letzten vier Monaten.&#13;
Der Index fiel im Mai um 1,2 Prozent, wobei 9 der 11 Indikatoren zu&#13;
dem Rückgang beitrugen, erklärte das&#13;
Ministerium am 28. Juni 1989.&#13;
Seit Beginn des Jahres 1989 stieg&#13;
der Index im Januar um 0,8 Prozent,&#13;
ging im Februar um 0,4 Prozent und im&#13;
März um 0,6 Prozent zurück, stieg im&#13;
April um 0,6 Prozent und sank dann im&#13;
Mai um 1,2 Prozent.&#13;
&#13;
United States Information Service&#13;
Embassy of the United States of America&#13;
&#13;
Der Index parallel zur Konjunkturentwicklung erstellter Indikatoren, der anhaltende wirtschaftliche&#13;
Aktivitäten widerspiegelt, fiel im&#13;
Mai um 0,2 Prozent, nachdem er im&#13;
April um 0,4 Prozent gestiegen und im&#13;
März um 0,2 Prozent gesunken war.&#13;
Der Pressesprecher des Weißen&#13;
Hauses, Marlin Fitzwater, kommentierte diese Zahlen mit den Worten: "Die&#13;
Wirtschaft ist gesund und wächst&#13;
langsamer, was einen geringeren Druck&#13;
auf die Inflation und die Zinssätze&#13;
bedeutet, und wir sind immer noch der&#13;
Ansicht, daß die Wirtschaft in guter&#13;
Verfassung ist."&#13;
Folgende Indikatoren trugen zu&#13;
den von April bis Mai rückläufigen&#13;
Leitindi zes bei:&#13;
&#13;
Postfach 20 03 00&#13;
D 5300 Bonn 2&#13;
&#13;
Tel.: 0228-339 2035&#13;
Telex: 8-85432&#13;
&#13;
�-&#13;
&#13;
Die Geldmenge (in Dollar von 1982&#13;
gerechnet) ging von 2,41 Billionen Dollar auf 2,39 Billionen&#13;
Dollar zurück.&#13;
&#13;
Beim Index für Baugenehmigungen&#13;
war ein Anstieg von 106,4 auf&#13;
107,4 zu verzeichnen.&#13;
&#13;
Der Preisanstieg hei konjunkturabhängigem Gütern ging von 0,8&#13;
auf 0,52 Prozent zurück.&#13;
&#13;
Darby prognostiziert anhaltende Expansion der amerikanischen Wirtschaft&#13;
&#13;
Der Index der Verbrauchererwartungen sank von 83,2 auf 80,1&#13;
Punkte.&#13;
Der Anteil der Lieferanten mit&#13;
Lieferschwierigkeiten&#13;
(was&#13;
auf&#13;
eine gestiegene Nachfrage hindeutet) nahm von 53,2 auf 49,3 Prozent ab.&#13;
Die durchschnittliche Wochenarbeitszeit der Arbeitnehmer in der&#13;
verarbeitenden Industrie ging von&#13;
41,2 auf 41,0 Stunden zurück.&#13;
Kaufverträge und Aufträge für Gewerbebetriebe und Maschinen gingen (in Dollar von 3 982) von 48,9&#13;
Milliarden Dollar auf 46,15 Milliarden Dollar zurück.&#13;
Die Zunahme beim Rückstand der&#13;
nicht ausgeführten Bestellungen&#13;
von langlebigen Verbrauchsgütern&#13;
(in Dollar von 1982) sank von&#13;
2,69 Milliarden Dollar auf 2,26&#13;
Milliarden Dollar.&#13;
Die durchschnittliche Zahl erstmaliger Anträge auf staatliche&#13;
Arbei tslosenunterstütznng&#13;
stieg&#13;
von 299 000 auf 312 000 pro Woche.&#13;
Die Zahl neuer Aufträge der Hersteller für Verbrauchsgüter und&#13;
Maschinenen fiel (in Dollar des&#13;
Jahres 1982) von 89,75 Milliarden&#13;
Dollar auf 88,01 Milliarden Dollar.&#13;
&#13;
Zwei Indikatoren hatten positive Auswirkungen auf den Leitindex:&#13;
Der Index für den Preis von 500&#13;
Stammaktien stieg von 302,25 auf&#13;
313,93.&#13;
&#13;
Dem Staatssekretär für Handel und&#13;
Wirtschaft, Michael Darby, zufolge&#13;
können weder Indikatoren für eine Rezession noch für eine Konjunkturüberhitzung oder Inflation der amerikanischen Wirtschaft beobachtet werden.&#13;
Die führenden Konjunkturindikatoren der Regierung, die im Mai um 1,2&#13;
Prozent fielen, decken sich mit anderen Anzeichen für eine Verlangsamung&#13;
des Wirtschaftswachstums auf ein gemäßigteres Niveau, erklärte Darby am&#13;
28. Juni 1989 vor Journalisten.&#13;
Dank der Anwendung einer restriktiveren Geldpolitik im Verlauf der&#13;
letzten beiden Jahre zur Ermutigung&#13;
eines gemäßigteren Wachstums hat die&#13;
amerikanische Bundesbank dieses Ziel&#13;
erreicht, so Darby.&#13;
Darby schrieb den jüngst gestiegenen Verbraucherprei.sindex (CPI) dem&#13;
Ansteig der Ölpreise und den Auswirkungen der Dürre des Jahres 1988 zu.&#13;
Mit Ausnahme von Lebensmitteln und&#13;
Treibstoff ist der CPI im Fallen begriffen.&#13;
"Angesichts der von der amerikanischen Bundesbank seit 1987 verfolgten Politik gibt es keine Gründe für&#13;
eine anhaltende Inflation", erklärte&#13;
Darby.&#13;
Darby zufolge zielt die Politik&#13;
der Bush-Administration auf einen Abbau der Inflation und letztlich deren&#13;
vollständige&#13;
Beseitigung&#13;
ab.&#13;
Er&#13;
sieht keine Diskrepanz zwischen der&#13;
amerikanischen Position zur Inflation&#13;
und der Position der wichtigsten Handelspartner der Vereinigten Staaten,&#13;
die sich aus dem Weltwirtschaftsgipfel in Paris im Juli ergeben könnte.&#13;
Obwohl&#13;
&#13;
- 2&#13;
&#13;
der&#13;
&#13;
Dollardevisenkurs&#13;
&#13;
in&#13;
&#13;
�den vergangenen Monaten einen höheren&#13;
Wert erzielt hat, prognostiziert Darby eine weitere Ahnahme des amerikanischen Handelsdefizits.&#13;
Das Handelsdefizit spiegelt den&#13;
Zufluß ausländischen Kapitals in die&#13;
Vereinigten Staaten wider, so Darby.&#13;
Er beschrieb den jüngsten Anstieg der&#13;
Sparrate bei Privatkonten als positiv&#13;
für die internationale Bilanz der&#13;
Vereinigten Staaten.&#13;
Um die nationalen Spareinlagen&#13;
aufzustocken, ist es der Regierung&#13;
Darby zufolge gelungen, die Ausgaben&#13;
der öffentlichen Hand im Verhältnis&#13;
zum Bruttosozialprodukt zu senken.&#13;
Dieser Prozentsatz entspricht heute&#13;
dem der wichtigsten Handelspartner&#13;
der Vereinigten&#13;
Staaten, erklärte&#13;
Darby.&#13;
Der Abbau der Staatsausgaben müßte Darby zufolge fortgesetzt, dürfe&#13;
aber nicht "übereilt" werden.&#13;
"Ein gemäßigtes Tempo&#13;
richtige Gangart", so Darby.&#13;
&#13;
ist&#13;
&#13;
die&#13;
&#13;
* * * * *&#13;
- 3&#13;
&#13;
�AMERIKA DIENST&#13;
Wissenschaft und Technik&#13;
5. July 1989&#13;
&#13;
26&#13;
&#13;
'DUNKLER FLECK" IN TURBULENTER NEPTUN-ATMOSPHÄRE&#13;
(AD) - Die unbemannte amerikanische Forschungssonde VOYAGER 2, der&#13;
wichtige Erkenntnisse über die Planeten Jupiter, Saturn und Uranus zu&#13;
verdanken sind, hat ihr nächstes&#13;
Ziel, den Planeten Neptun, schon seit&#13;
einem Jahr avisiert. Am 25. August&#13;
1989 wird sie ihn im Abstand von nur&#13;
5 000 km passieren.&#13;
Gespannt warten die Wissenschaftler auf Bilder und Meßdaten aus der&#13;
Nähe. Denn die Fernsehaufnahmen, die&#13;
VOYAGER 2 in den letzten Wochen z.B. im Mai dieses Jahres aus 135&#13;
Millionen km Entfernung - von Neptun&#13;
übermittelte, werfen schon jetzt neue&#13;
Fragen auf. So gibt es noch keine&#13;
Erklärung dafür, weshalb die Atmosphäre dieses zweitletzten Außenplaneten in unserem Sonnensystem so turbu-&#13;
&#13;
United States Information Service&#13;
Embassy of the United States of America&#13;
&#13;
lent ist. Darauf lassen jedenfalls&#13;
die immer wieder auftretenden und&#13;
verschwindenden hellen und dunklen&#13;
Regionen in der Atmosphäre schließen.&#13;
Schließlich erhält Neptun (Durchmesser:&#13;
50 000 km, Rotationszeit 18&#13;
Stunden) infolge seiner großen Entfernung von unserem Zentralgestirn&#13;
nur ein Tausendstel der Sonnenenergie, die die Atmospäre der Erde in&#13;
Bewegung hält.&#13;
Seit Anfang Juni wird der Planet&#13;
in Rotation zu jeweils einem Fünftel&#13;
erfaßt.&#13;
Ähnlich wie bei Jupiter&#13;
fällt eine ringartige Struktur der&#13;
Atmosphäre auf, und ähnlich wie bei&#13;
Jupiter zeigt sich in der Atmosphäre&#13;
ein langgestreckter dunkler Fleck.&#13;
Im Vergleich zur Größe des Planeten&#13;
entspricht seine Ausdehnung der des&#13;
&#13;
Postfach 20 03 00&#13;
D 5300 Bonn 2&#13;
&#13;
Tel.: 0228-339 2035&#13;
Telex: 8-85432&#13;
&#13;
�"Roten Flecks" in der Jupiteratmosphäre. Wie "Aviation Week &amp; Space&#13;
Technology" (Ausgabe v. 26. Juni&#13;
1989) berichtet, wird auf Grund der&#13;
unterschiedlichen&#13;
Sichtbarkeit&#13;
bei&#13;
Aufnahmen mit vier Farbfiltern und&#13;
ohne Farbfilter vermutet, daß es sich&#13;
um ein Phänomen in tieferen Schichten der Atmosphäre handelt.&#13;
&#13;
* * * * *&#13;
&#13;
�AMERIKA DIENST&#13;
r/&#13;
&#13;
u&#13;
&#13;
•""*•&#13;
&#13;
Ä&#13;
&#13;
&lt;&#13;
&#13;
Wissenschaft und Technik&#13;
5. Juli 1989&#13;
&#13;
26&#13;
&#13;
FUSIONSFORSCHUNG MIT ZWEI SCHWERPUNKTEN&#13;
(AD) - Auf Vorschlag des US-Energieministeriums soll sich die Entwicklung von Methoden der Kernverschnelzung zur Energieerzeugung auf&#13;
zwei Systeme konzentrieren. Das eine&#13;
ist das Tokamak-Verfahren zur magnetischen Einschließung des Plasmas,&#13;
das zweite System der Kernverschmelzung durch Implosion unter Einwirkung&#13;
von Laserenergie oder Partikelstrahlen auf winzige, mit dem "Brennstoff"&#13;
Deuterium gefüllte Kügelchen vor.&#13;
&#13;
hält jedoch nach Beratung mit Experten eine Aufstockung der Mittel für&#13;
diese Projekte um ca. 100 Millionen&#13;
Dollar in den nächsten Jahren für&#13;
notwendig.&#13;
Nach Ansicht des Beratungsausschusses für das magnetische&#13;
Fusionsprojekt ist jedoch nicht abzusehen, wann oder ob überhaupt mit Tokamak-Maschinen die "Zündung" für eine sich selbst erhaltende kontrollierte Kernverschmelzungsreaktion zu&#13;
erreichen ist.&#13;
&#13;
Im Haushaltsjahr 1990 hatte die&#13;
US-Regierung für die magnetische Fusionsforschung 349 Millionen Dollar,&#13;
für entsprechende Projekte mit Laserund Strahlenenergie&#13;
169 Millionen&#13;
Dollar angefordert. der Direktor der&#13;
Abteilung Energie-Forschung im USEnergieministerium,&#13;
Robert&#13;
Hunter,&#13;
&#13;
Bei den Förderprogrammen des USEnergieministeriums lag bisher das&#13;
Schwergewicht auf der Entwicklung der&#13;
"Tokamak-Maschine&#13;
mit&#13;
Kompaktzündung"(CIT - Compact Ignition Tokamak). Dieses in den Laboratorien der&#13;
Princeton-Universtät&#13;
gebaute&#13;
Gerät&#13;
gilt als eine der leistungsfähigsten&#13;
&#13;
United States Information Service&#13;
Embassy of the United States of America&#13;
&#13;
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&#13;
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&#13;
�Maschinen dieser Art in der Welt. Es&#13;
soll 1996 den Betrieb aufnehmen.&#13;
Starke Magnetfelder pressen das durch&#13;
Vorheizung ionisierte Plasma aus Kernen von schwerem Wasserstoff unter&#13;
weiterer Aufheizung auf über 100 Millionen Grad so stark zusammen, daß&#13;
die Atomkerne verschmelzen und dabei&#13;
Energie abgeben. Für die Energiegewinnung wird das Verfahren aber erst&#13;
dann interessant, wenn sich eine Fusionsreaktion in kontrollierter Form&#13;
selbst erhält und mehr Energie erzeugt als sie verbraucht.&#13;
Bisher wurde jedoch noch nicht&#13;
einmal der "break-even point" erreicht, der Punkt, wo sich Energieverbrauch und Energieerzeugung die&#13;
Waage halten.&#13;
Haupthindernis ist&#13;
nach wie vor der Umstand, daß sich&#13;
die magnetische Einschließung noch&#13;
nicht stabilisieren läßt. Immer wieder bricht "Brennmaterial" aus der&#13;
Magnetfeldbarriere aus. Zwar befindet sich eine Vakuumzone zwischen ihr&#13;
und der Brennkammerwandung.&#13;
Wenn&#13;
auch nur wenige Atomkerne des schweren Wasserstoffs sie überwinden, können sie Metallatome aus der Wandung&#13;
herausschlagen, die dann das Plasma&#13;
verunreinigen und die Fusionsreaktion&#13;
stören.&#13;
Wie Hunter erklärte, umriß Energieminister James Watkins die wesentlichen Prinzipien einer umfassenden&#13;
neuen Politik zur Erschließung der&#13;
Fusionsenergie in der Weise, daß beide Programme zur Fusionsforschung neu&#13;
belebt werden und sich auf die ungelösten oder auch noch unbekannten&#13;
Probleme konzentrieren sollen. Mit&#13;
neuen Versuchsausrüstungen dürfte man&#13;
in etwa zehn Jahren bis zur Zündung&#13;
von&#13;
Fusionsreaktionen&#13;
vorgedrungen&#13;
sein. Anfang des nächsten Jahrhunderts wird sich dann beurteilen lassen, welche Technologie am besten geeignet ist, um kommerzielle Fusionsreaktoren zu entwickeln.&#13;
&#13;
* * * * *&#13;
&#13;
�</text>
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                    <text>DOKUMENTATION&#13;
Baker; Nur wirtschaftliche Freiheit kann Osteuropa beleben&#13;
- Pressekonferenz des Außenministers im Weißen Haus&#13;
—&#13;
USA betonen Bedeutung von Nuklearwaffen in Europa&#13;
- Bericht des Verteidigungsministeriums -&#13;
&#13;
WIRTSCHAFT&#13;
Die wirtschaftliche Entwicklung in den Vereinigten Staaten&#13;
- Konjunkturindikatoren des Monats Mai -&#13;
&#13;
WISSENSCHAFT UND TECHNIK&#13;
&#13;
"Dunkler Fleck" in turbulenter Neptun-Atmosphäre&#13;
Fusionsforschung mit zwei Schwerpunkten&#13;
</text>
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&#13;
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                <text>Amerikadienst 05.07.1989</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Baker: nur wirtschaftliche Freiheit kann Osteuropa beleben&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Pressekonferenz des Außenministers im &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Weißen Haus&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;USA betonen Bedeutung von Nuklearwaffen in Europa&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Bericht des Verteidigungsministeriums&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die wirtschaftliche Entwicklung in den Vereinigten Staaten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Konjunkturindikatoren des Monats Mai&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;"Dunkler Fleck" in turbulenter Neptun-Atmosphäre&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Fusionsforschung mit zwei Schwerpunkten</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST
*

'VON

28. J u n i 1989

25

INHALT
DOKUMENTATION
Baker verurteilt Gorbatschows "Zurückhaltung" zu China
- Rede des Außenministers vor dem Auswärtigen Ausschuß des Senats USA benötigen zur Abschreckung zwei mobile ICBM-Systeme
- Rede des Staatssekretärs für Verteidigungspolitik im Senat -

HINTERGRUNDMATERIAL
Stand der Rüstungskontrollverhandlungen
- Wöchentliche Übersicht -

WIRTSCHAFT
Weltwirtschaftsgipfel in Paris; Polen und Umwelt als Hauptthemen
- Kommentare der amerikanischen Regierung -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
«

Mebr Drogenabhängigkeit durch neue Rauschgifte

* * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�AMERIKA DIENST
Dokumentation
28. Juni 1989

25

BAKER VERURTEILT GORBATSCHOWS "ZURÜCKHALTUNG" ZU CHINA
- Rede des Außenministers vor dem Auswärtigen Ausschuß des Senats -

WASHINGTON - (AD) - In einer Anhörung vor dem Auswärtigen Ausschuß des
Senats erklärte Außenminister Baker am 20. Juni 1989, die Vereinigten Staaten
seien von Gorbatschows "zurückhaltenden Äußerungen" zu den tragischen Ereignissen der vergangenen Wochen in China enttäuscht.
Baker nahm darüber hinaus zu den Ergebnissen des jüngsten NATO-Gipfeis,
den Ost-West-Beziehugen allgemein und den in der europäischen Sicherheitspolitik erzielten Fortschritten Stellung.
Nachfolgend veröffentlichen wir Bakers Rede im Wortlaut:

Ich freue mich, heute nachmittag
zu Ihnen über die Ost-West-Beziehungen und die von uns in der europäischen
Sicherheitspolitik
erzielten
Fortschritte sprechen zu dürfen.
Der Einsatz der NATO für den
Schutz unserer Sicherheit und die
Förderung demokratischer Werte hat zu
einem großen Teil die positiven Entwicklungen bewirkt, die wir heute auf
internationaler
Ebene
wahrnehmen.
Beim NATO-Gipfel sind alle westlichen
Spitzenpolitiker übereingekommen, daß
wir uns in den Ost-West-Beziehungen
in einer bemerkenswerten Übergangsphase befinden. Durch das Zusammenspiel von westlicher Entschlossenheit
und wirtschaftlichen Problemen innerhalb der Sowjetunion scheint die sowjetische Führungsspitze zu der Über-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

zeugung gelangt zu sein, daß sie eine
große Bandbreite innen- und außenpolitischer Themen neu überdenken muß.
Die Aufgabe des Westens besteht
nunmehr darin, die durch das neue
"Zusammenspiel der Kräfte" - um eine
Moskauer Formulierung zu verwenden hervorgebrachte Gelegenheit zu ergreifen.
In dieser Ubergangsphase
müssen wir zusammenarbeiten, um die
im
Nordatlantikvertrag
und
der
Schlußakte von Helsinki verankerten
demokratischen Grundsätze des Westens
zu fördern.
Der Präsident hat die Vereinigten
Staaten und den Westen aufgefordert,
"über Containment hinaus" auf ein
neues Ziel zuzusteuern: die Teilung
Europas zu überwinden, indem wir die

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Teilung Europas aufheben und Freiheit
nach Europa bringen. Wir wollen eine
neue Einigkeit nach Europa bringen eine Einigkeit, die auf westlichen
Werten basiert.
Der Präsident hat seine Strategie
erläutert, wie er dieses Ziel erreichen will. Er hat erklärt, wie Amerika beim "Umgang mit den Veränderungen" eine FUhrungsrolle übernehmen
und neue Aufgaben für das Bündnis und
den Westen festlegen muß.

Das Verhältnis zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion
Wir leben in einem Zeitalter des
Übergangs.
Das System der Nachkriegszeit wandelt sich, und es entsteht ein neues Umfeld.
Um diese
Veränderungen in eine Perspektive zu
rücken, ist es nützlich, sich vor Augen zu führen, welche Veränderungen
in der Sowjetunion stattfinden.
Der Kurs, den wir in der sowjetischen Politik wahrnehmen, birgt das
Potential für eine Revolution, von
der wir hoffen, daß sie Erfolg hat.
"Neues Denken" ist in Wahrheit ein
Überdenken fehlgeschlagener Ideologie.
Aber niemand - nicht einmal
Gorbatschow - weiß, wie eine Sowjetunion aussehen wird, in der diese
Veränderungen stattgefunden haben.
In dieser Übergangsphase haben
uns unsere Werte und Interessen dazu
bewogen, den Osten aktiv einzubeziehen. Wir dürfen nicht tatenlos zusehen. Wir sind entschlossen vorgegangen, als es darum ging, den Dialog
mit der Sowjetunion auszubauen und
waren betrebt, zum Schlagwort vom
"neuen Denken" in der Sowjetunion Inhalte beizutragen.
Die Sowjets haben in einer Reihe
von wichtigen Bereichen konkrete und
ermutigende
Schritte
unternommen.
Die Zahl der Auswanderer ist drastisch gestiegen. Es hat ernsthafte
Reaktionen auf unsere RUstungskontrollvorschlage - etwa bei den Mit-

telstreckenraketen und den Reduzierungen im konventionellen Bereich gegeben. Die Sowjets haben wie versprochen ihre Truppen aus Afghanistan
abgezogen. Sie haben aktiver Zusammenarbeit bei grenzüberschreitenden
Fragen von internationalem Interesse
zugestimmt. Aber bevor das Versprechen der Perestrojka Wirklichkeit und
der Fortschritt
institutionalisiert
wird, ist noch ein langer Weg zurückzulegen.
Wir müssen realistisch und geduldig sein, wenn wir die Sowjets auf
das Ausmaß ihrer Kooperationsbereitschaft testen. Wir werden hart arbeiten, um Ergebnisse in jedem Bereich zu erzielen. Einzelne Schritte
mögen von geringer Bedeutung sein,
aber zusammengenommen könnten sie zu
einem sehr viel konstruktiveren amerikanisch-sowjetischen
Verhältnis
führen.
Ergebnisse sind nicht leicht zu
erzielen, und viele der uns beide betreffenden wirklich wichtigen Probleme lassen sich nicht so leicht und
schnell lösen.
Aber der Präsident und ich sind
optimistisch, daß Fortschritte möglich sind, wenn wir die Unterstützung
heider Parteien im Kongreß haben, gemeinsam mit unseren Verbündeten zu
unseren Überzeugungen stehen, aktiv
bleiben und uns vor allem einig sind.
Die Bush-Administration hat mit
den Sowjets die gesamte Bandbreite
unserer Anliegen erörtert. Wie immer
haben wir mit den Menschenrechten angefangen. Bei meinen Ministertreffen
im Mai in Moskau habe ich einzelne
Fälle von Menschenrechtsverletzungen
vorgebracht und Außenminister Schewardnadse erklärt, daß wir nicht ruhen werden, ehe die mehreren hundert
akuter Fällen gelöst sind.
Ich habe ihn darüber hinaus darauf hingewiesen, daß wir uns wünschen, die Sowjets würden aus dem
"Zeitalter der Listen" herauskommen.
Wir möchten, daß sie Menschenrechte

�garantieren, indem sie die dort erzielten Veränderungen institutionalisieren. Wir wünschen uns eine offenes politisches System in der Sowjetunion und eine Rechtsprechung, mit
der die jüngsten Verbesserungen nur
noch schwer umkehrbar sind.
Auch in der Rüstungskontrolle
gibt es Fortschritte. Wir haben Bewegung bei der Reduzierung konventioneller Waffen versprochen. (Im folgenden werde ich auf den ehrgeizigen
Vorschlag des Präsidenten im konventionellen Bereich und die Situation
der KSE-Verhandlungen näher eingehen.) Der Präsident hat einen Vorschlag über "Offene Himmel" unterbreitet, mit dem Vertrauen durch mehr
Transparenz geschaffen werden kann.
Wir gehen auf multilateraler Ebene
mit den im Rahmen der KSZE geführten
Gesprächen über Vertrauens- und Sicherheitsbildende Maßnahmen in Wien
vor. Wir haben soeben ein bilaterales Abkommen mit der Sowjetunion unterzeichnet, mit dem militärische Aktivitäten verhindert werden sollen,
die zu unbeabsichtigten Konflikten
führen könnten.
Gestern wurden in
Genf die Rüstungskontrollverhandlungen über strategische Waffen wieder
aufgenommen.
Und wir haben ferner gegenüber
den Sowjets unser Interesse an der
Erweiterunug des RUstungskontrollprogratnms bekundet, das die Verbreitung
ballistischer Raketen, chemischer und
atomarer Waffen umfassen soll. Diese
Waffen werden von verantwortungslosen
Regierungen in instabilen Regionen
erworben und steigern die Gefahr einer Eskalation.
Obwohl wir mit Hilfe von Rüstungsreduzierungen und -kontrolle an
der Überwachung von Technologie im
Wettbewerb der Supermächte arbeiten,
haben wir Moskau gegenüber deutlich
klargemacht, daß regionale Konflikte
aufgrund der gefährlichen Bedrohung
einer Eskalation, die sie beinhalten,
zentraler Punkt der Zusammenarbeit
zwischen den Supermächten werden sollen.

In Moskau haben Generalsekretär
Gorbatschow und Außenminister Schewardnadse meinen Ausführungen zu Nicaragua und dem Friedensprozeß im Nahen Osten aufmerksam zugehört. Sie
verstehen, daß wir in Mittelamerika
der Diplomatie eine Chance geben und
daß unsere Politik die Unterstützung
beider Parteien hat. Sie kennen die
Bedeutung, die wir der Einhaltung der
von den Sandinisten in Esquipulas II
eingegangenen Verpflichtungen beimessen.
Im Nahen Osten verstehen sie
unsere Unterstützung für Wahlen in
den besetzten Gebieten, und sie verstehen ebenfalls, warum eine vorzeitige internationale Konferenz nur von
den Veränderungen ablenken wird, die
wir dort sehen wollen. Wir beteiligen uns gegenwärtig an einer Reihe
von Expertengesprächen mit den Sowjets in allen Bereichen, in denen regionale Konflikte herrschen.
Indem
die
Sowjets
positive
Schritte zur Lösung regionaler Konflikte unternehmen, können sie uns
dokumentieren, daß ihr "neues Denken"
weltweit gilt. Insbesondere in Mittelamerika und im Nahen Osten, aber
auch im Südlichen Afrika, am Hörn von
Afrika und in Asien, ist es an der
Zeit, daß die Sowjets ihre Vasallen
zu neuem Denken bewegen.
Beim Ministertreffen hatten wir
ebenfalls
fruchtbare
Diskussionen
über länderübergreifende und bilaterale Fragen. Die länderübergreifenden Probleme wurden auf unser Betreiben hin in die Tagesordnung aufgenommen. Wir haben darauf hingewiesen,
daß die Ölkatastrophe in Alaska, das
Erdbeben in Armenien, Tschernobyl,
die Erwärmung der Erde - daß all diese Probleme über die traditionelle
geopolitische Sorge hinausgehen, Souveränität und Sicherheit könnten das
internationale
Wohlbefinden
beeinträchtigen.
Außenminister Schewardnase und ich haben darüber hinaus ein
Abkommen zur Bekämpfung der Umweltverschmutzung in der Beringstraße und
der Tschukschensee unterzeichnet
ein kleiner Schritt auf einem, wie
ich hoffe, langen Weg zur Lösung der

�internationalen Umweltprobleme, von
denen die gesamte Menschheit bedroht
ist.
Beim Terrorismus wollen wir Kontakte zwischen Regierungsstellen knüpfen und Informationen über terroristische Vereinigungen austauschen.
Zu bilateralen Fragen haben wir
einen vollen Arbeitsplan mit 23 so
unterschiedlichen Punkten wie Ozeanographie, zivile Luftfahrt, Atomenergie und Grenzen auf See aufgestellt.
Ich möchte diesen kurzen Überblick über die amerikanisch-sowjetischen
Beziehungen
folgendermaßen
zusammenfassen: niemand kann die Ergebnisse der in Moskau und in den anderen kommunistischen Ländern stattfindenden Veränderungen vorhersagen.
Letztlich wissen wir, daß der Erfolg
der Reformen vor allem von Entscheidungen abhängen wird, die in Moskau,
Peking oder Ost-Berlin und nicht In
Washington, Brüssel oder Bonn getroffen werden. Wir wissen jedoch, daß
der Osten nur durch politische und
wirtschaftliche Reformen Fortschritte
erzielen kann. Sich solchen notwendigen historischen Veränderungen In
den Weg zu stellen - wie wir dies zu
unserer Empörung und mit Betroffenheit in China beobachten - heißt,
sich der Zukunft in den Weg zu stellen. Und deshalb sind Generalsekretär Gorbatschows zurückhaltende Äußerungen zu diesen tragischen Ereignissen enttäuschend.
Wir sind der festen Überzeugung,
daß Reformen in der kommunistischen
Welt - in Asien oder in Europa - voll
und ganz in unserem Interesse liegen. Aus diesem Grunde bauen wir auf
Bestrebungen der Vergangenheit auf
und erzielen in unserem Programm mit
der Sowjetunion Fortschritte.
Wir
erforschen und finden neue Mittel,
die systematische Zusammenarbeit unterstützen.
Und wir werden unsere
umfassenden Diskussion bei den Ministertreffen im September fortführen.
Wir beteiligen Moskau aktiv, hal-

ten dabei die Augen offen und konzentrieren uns weiterhin auf unsere traditionellen
Ziele und Interessen:
den Schutz der Sicherheit des Westens
und die Förderung der demokratischen
Werte, Ziele und Interessen, die wir
beim NATO-Gipfel bekräftigt haben.

Ein Schritt nach vorn - der NATO-Gipfel
Beim Gipfeltreffen zum 40. Jahrestag der NATO haben wir die nachsten 40 - nicht die vergangenen 40 Jahre als Leitlinie genommen.
Wir
haben einen kühnen Schritt gewagt,
damit ein Krieg in Europa undenkbar
und unmöglich wird, mit dem Ziel vor
Augen, daß Europa ungeteilt und frei
und die Welt für alle ein besserer
Platz zum Leben wird.

*

In Brüssel hat der Präsident drei
bedeutsame Schritte unternommen, um
im Bündnis die Führungsrolle zu übernehmen, wenn es sich der vor uns liegenden veränderten Welt stellt. Zu- ,
nächst hat diese Administration die
Gelegenheit ergriffen, um eine mögliche
historische
Veränderung
im
Gleichgewicht der Streitkräfte in Europa zu begünstigen und zu beschleunigen. Zweitens haben wir eine Vereinbarung zum Gesamtkonzept der NATO
erzielt.
Drittens haben wir neue
Aufgaben für die NATO festgelegt.

Der Vorschlag des Präsidenten
konventionellen Abrüstung

zur

Ich möchte den Vorschlag des Präsidenten zur konventionellen Abrüstung erläutern, indem ich den hier
Anwesenden einen kurzen Abriß der
bisherigen Verhandlungen gebe.
Im März dieses Jahres haben die
NATO und der Warschauer Pakt in Wien
Verhandlungen
über
Konventionelle
Streitkräfte in Europa (KSE) aufgenommen, mit dem Ziel, die durch die
Überlegenheit des Warschauer Pakts
bei den wichtigsten konventionellen
Fähigkeiten entstandene Bedrohung ab-

- 4 -

*
*

�zubauen.
Bei der Eröffnung der
KSE-Verhandlungen haben wir gemeinsam
mit unseren westlichen Verbündeten
detaillierte und umfassende Vorschläge unterbreitet, mit denen Sicherheit
und Stabilität in Europa auf erheblich
verringerten
konventionellen
Streitkräfteniveaus
herbeigeführt
werden soll.
Der Vorschlag des Westens, der
die Grundlage der Verhandlungen bildet, fordert gleiche Obergrenzen für
NATO und Warschauer Pakt bei den
wichtigsten Waffenkategorien, mit denen Territorium erobert und gehalten
werden kann. Neben dem Abbau der
entscheidenen militärischen Vorteile
des Warschauer Pakts zielt der Vorschlag des Westens bei den KSE-Verhandlungen darauf ab, die Fähigkeit
des Warschauer
Pakts zu Überraschungsangriffen und raurogreifenden
Offensiven zu verringern oder seine
Streitkräfte
zur politischen Einschüchterung
einzusetzen.
Darüber
hinaus wollen wir die Gesamtstärke
der sowjetischen Streitkräfte, den
Umfang ihrer Stationierung in Osteuropa sowie die relative Geschwindigkeit, mit der sie im Falle eines Konflikts mobilisiert werden können, abbauen oder begrenzen.
Schließlich beinhaltet unser Vorschlag vier Obergrenzen für Unterzonen, mit denen die Streitkräftekonzentratton in allen Teilen Europas
begrenzt weren könnte. So versuchen
wir die Abschreckung zu erweitern,
indem ein Gleichgewicht zwischen Ost
und West bei den Fähigkeiten zur
Durchführung und Fortsetzung militärischer Aktionen geschaffen wird.
Eine entscheidende Möglichkeit zu
Fortschritten bei den Wiener Verhandlungen ergab sich aus meinem Treffen
mit Generalsekretär Gorbatschow in
Moskau am 11. Mai 1989. Generalsekretär Gorbatschow legte mir bestimmte zahlenmäßige Obergrenzen und einen
detaillierteren Zeitplan für den Vorschlag vor, den der Osten zuvor in
Wien unterbreitet hatte. Diese Zahlen wurden offiziell kurz vor dem

NATO-Gipfel veröffentlicht.
Der Präsident gelangte zu der
Schlußfolgerung, daß die spezifischen
Vorschläge des Warschauer Pakts einer
stillschweigenden Billigung des westlichen Konzepts und des Rahmens für
die KSE-Verhandlungen gleichkämen und
die Zeit reif sei, die Verhandlungen
einen entscheidenden Schritt voranzubringen.
Der Präsident entschied,
unseren ursprünglichen Vorschlag in
vier Bereichen zu erweitern.
Beim
Gipfeltreffen wurde der Plan einmütig
von unseren Verbündeten begrüßt. Unser Vorschlag umfaßt folgenden Forderungen:
Erstens, Einbeziehung der Zustimmung des Ostens zu den vom Westen
vorgeschlagenen Obergrenzen für die
wichtigsten Teile der Landstreitkräfte. Dies würde bedeuten, eine gemeinsame Obergrenze für Panzer bei
20 000, für Schützenpanzer bei 28 000
und bei Artilleriegeschützen zwischen
16 500 und 24 000 festzusetzen, je
nach der Lösung der Definitionsfragen. Das abgebaute Gerät würde verschrottet.
Zweitens, Erweiterung
des ursprünglichen Vorschlags des Westens
unter Einbeziehung der Begrenzungen
für alle ständig an Land stationiei—
ten Flugzeuge oder für Hubschrauber
vom Atlantik bis zum Ural bei 15 Prozent unter der derzeitigen Gesamtzahl
der NATO. Alles abgebaute Gerät würde zerstört.
Drittens, ein Abkommen zwischen
den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion, mit dem die in Europa stationierten Einsatztruppen außerhalb
des nationalen Territoriums auf einen
Gleichstand 20 Prozent unter dem derzeitigen NATO-Niveau reduziert würden. Die entsprechenden Obergrenzen
für amerikanische und sowjetische in
Europa stationierte Landstreitkräfte
würden dann bei etwa 275 000 Soldaten
liegen. Die abgezogenen Streitkräfte
würden auf beiden Seiten demobilisiert.
Bei diesen Obergrenzen für
Personal müßten die Sowjets ungefähr

- 5 -

�325 000 Soldaten aus Osteuropa abziehen und damit den im ursprünglichen
Vorschlag des Westens enthaltenen
Obergrenzen bei stationierten Streitkräften entsprechen.
Viertens, ein Abkommen über die
Beschleunigung der Zeitpläne von Ost
und West, damit ein KSE-Abkommen entsprechend der von mir gerade umrissenen Vorstellungen und zur Verwirklichung der erforderlichen Verringerungen erzielt werden kann. Der sowjetische Vorschlag forderte die vollständige Verwirklichung einer Übereinkunft bis zum Jahr 1997. Der Präsident hat als Frist für ein Abkommen
sechs Monate oder ein Jahr festgesetzt, wobei die notwendigen Verringerungen bis 1992 oder 1993 durchgeführt sein sollen.
Diese Bestimmungen würden beide
Seiten verpflichten, eine beträchtliche Anzahl an Gerät zu zerstören.
Entscheidend wäre jedoch, daß die
Überlegenheit des Warschauer Pakts
bei den wichtigsten Komponenten seiner militärischen Stärke beseitigt
würden.
Diese Bestrebungen laufen den Modernisierungsplänen der NATO nicht
zuwider. Sie sollten als Teil eines
umfassenden Ansatzes zur Verbesserung
unserer Sicherheit durch Streitkräftemodernisierung einerseits und Rüstungskontrolle und Abrüstung andererseits verstanden werden.
Die westlichen Regierungen sind
jetzt damit befaßt, die Erweiterung
unseres
ursprünglichen
Vorschlags
vorzubereiten, die bei der Eröffnung
der dritten Verhandlungsrunde in Wien
am 7. September 1989 unterbreitet
werden soll. Darüber hinaus ist der
Westen immer noch mit der Entwicklung
bestimmter Bestandteile der Verifizierungsmaßnahmen und einem Paket von
"Stabillsierungsmaßnahmen"
befaßt,
die darauf ausgerichtet sind, die
Vorteile von Obergrenzen für Gerät zu
untermauern.
Gleichzeitig wird die
Arbeit für Verhandlungen mit dem
Osten über die Entwicklung gemeinsa-

mer Definitionen und Zählvorschriften
fortgesetzt.
Beide Seiten haben grundsätzlich
Einigung darüber erzielt, daß Untergrenzen für Streitkräfte auf ausländischem Gebiet in Europa, Begrenzungen für die Streitkräfte der jeweiligen Länder sowie Unterzonen eingeführt werden sollten.
Es bestehen
jedoch entscheidende Unterschiede in
der Art und Weise, in der Ost und
West diese Grundsätze anwenden. Der
Osten muß seine Verifizierungsmaßnahmen noch verbessern, aber wir erwarten zügige Fortschritte.

Die umfassenderen Auswirkungen des
vom Präsidenten unterbreiteten Vorschlags
Ich möchte mich hier nicht in
Zahlen verlieren. Abrüstung und Rüstungskontrolle sind sehr viel mehr
als eine schlichte Subtraktion. Und
die Initiative des Präsidenten ist
mehr als nur ein militärisches Konzept.
Unser Vorschlag hat weitreichende
politische
Auswirkungen
auf
die
Schaffung des von uns angestrebten
ungeteilten und freien Europas. Wir
ergreifen diese Gelegenheit, um den
Schatten zu verringern, den die sowjetische
Militärmacht
auf
Europa
wirft. Wir versuchen, Westeuropa von
der Bedrohung der Aggression oder
politischen Einschüchterung durch die
überlegenen
Streitkräfte
des Warschauer Pakts zu befreien. Und nicht
zuletzt wollen wir dazu beitragen,
den politischen Reformprozeß in Osteuropa von der schweren Last der
übermäßigen sowjetischen Militärpräsenz zu befreien. Während wir dahin
tendieren, die sowjetischen Streitkräfte als potentielle Invasionsstreitmacht zu sehen, sind die Sowjets für Millionen Menschen im Osten
immer noch eine Besatzungsmacht.
Insgesamt wollen wir Europa zu
einem Zentrum der Kooperation und
nicht
der
Konfrontation
machen.

�Die Rolle von
NATO-Strategie

Atomwaffen

in

der

Beim Gipfeltreffen veranlaßte der
Präsident das Bündnis, einen zweiten
wichtigen Schritt in Richtung auf die
Zukunft zu unternehmen: Die Zustimmung des Westens zu den Bestandteilen
eines "Gesamtkonzepts für Rüstungskontrolle und Abrüstung". Diese Leistung ist Beweis für die Fähigkeit
der NATO, sich an Veränderungen anzupassen und gleichzeitig zu unserer
Grundüberzeugung zu stehen, daß Atomwaffen eine entscheidende Rolle dabei
spielen, die Wirksamkeit unserer Abschreckungsstrategie
zu gewährleisten. Im Lichte des bestehenden Ungleichgewichts bei den konventionellen Streitkräften gab das Bündnis
seine Zustimmung, daß Verhandlungen
über Kurzstreckenraketen erst dann
aufgenommen werden sollten, wenn die
Durchführung eines KSE-Abkommens in
die Wege geleitet worden ist. Darüber hinaus wird der vereinbarte Abbau
von SNF nicht vorgenommen, bevor das
KSE-Abkommen tatsächlich verwirklicht
ist.
Das
Gipfel-Kommunique
unterstreicht - im wahrsten Sinne des Wortes - unser Ziel, teilweise Reduzierungen dieser Streitkräfte bei den
SNF-Verhandlungen
herbeizuführen.
Das Bündnis hat sich verpflichtet, in
absehbarer Zukunft ein angemessenes
Niveau von land-, see- und luftgestützten Nuklearsystemen aufrechtzuerhalten, einschließlich landgestützter SNF-Raketen.
Damit hat das Bündnis unsere seit
langem geteilte Überzeugung bekräftigt, daß Atomwaffen einen unersetzlichen Beitrag zur Glaubwürdigkeit
der Abschreckungsstrategie der NATO
leisten. Wir hoffen, daß das katastrophale Potential einer nuklearen
Eskalation in einem Konflikt weiterhin abschreckend auf einen möglichen
Aggressor wirken wird.
Selbst bei
einem konventionellen Gleichgewicht
sind Atomwaffen immer noch von einzigartiger Bedeutung in unserer Strategie.

Neue Aufgaben für die NATO
Der dritte, vom Präsidenten beim
Gipeltreffen unternommene Schritt in
die Zukunft war seine Aufforderung an
das Bündnis, neue Probleme in Angriff
zu nehmen. Er ermutigte unsere Bündnispartner, neue Aufgaben für das
Bündnis in Betracht zu ziehen. Da es
uns gelingt, die militärische Konfrontation in Europa zu verringern,
müssen wir das Bündnis neuen Herausforderungen zuführen. Die Hauptaufgabe der NATO wird stets in der Aufrechterhaltung der kollektiven Sicherheit des Westens bestehen. Der
Schwerpunkt der Aktivitäten des Bündnisses wird in einem günstigeren europäischen Sicherheitsumfeld
jedoch
offensichtlich ein anderer sein als
in den vergangenen 40 Jahren.
Erstens sprach der Präsident über
unser Interesse an der weiteren Dezentralisierung
politischer, wirtschaftlicher und sozialer Macht in
Osteuropa.
Während wir den Westen
schützen,
müssen
wir
dem
Osten
gleichzeitig entgegenkommen, um unserer Verpflichtung zur Überwindung
der Teilung Europas Substanz zu verleihen.
In dieser Hinsicht könnten die
Rolle der NATO als politisches Konsultativforum und unsere Verpflichtung zum KSZE-Prozeß wirksamer genutzt werden, um die Haltung des Westens gegenüber dem Osten abzustimmen.
Gemeinsam mit Aktivitäten in
der Europäischen Gemeinschaft und anderen westlichen Institutionen sollten die Vereinigten Staaten und ihre
Verbündeten eine einheitliche Strategie zur Bewältigung der Veränderungen
in Osteuropa entwickeln.
Zweitens unterstrich der Präsident die neuerkannte Gefahr für unsere Sicherheit und unser Wohlergehen
durch die Bedrohung der Umwelt. Er
schlug neue Maßnahmen vor, die der
Westen ergreifen könnte, um dem Osten
bei der Behebung seiner massiven Umweltprobleme behilflich zu sein. Darüber hinaus haben sich die Bündnis-

- 7 -

�partner dazu verpflichtet, mehr Mittel für bestimmte nichtmilitärische
Projekte bereitzustellen, die Aufgaben der Europäischen Gemeinschaft und
anderer europäischer Gemeinschaftsinstitutionen ergänzen, beispielsweise bei Umweltproblemen und im Bereich
der wissenschaftlichen Zusammenarbeit.
Drittens lenkte der Präsident das
Augenmerk auf die Notwendigkeit zur
Zusammenarbeit bei der Behandlung der
gesamten Bandbreite von Sicherheitsbedrohungen, insbesondere diejenigen,
die durch regionale Konflikte und die
Weiterverbreitung chemischer und nuklearer Waffen und ihrer Trägersysteme entstehen. Die NATO muß weder augenfällige einheitliche Antworten auf
all diese neuen Sicherheitsbedrohungen entwickeln noch sollten diese Bestrebungen auf die Zusammenarbeit
zwischen den Ländern des Westens begrenzt sein. Diese neuen Bedrohungen
sind eine Gefahr für Verbündete,
Freunde und Gegner gleichermaßen.
Wir haben unsere Bereitschaft zur Zusammenarbeit mit allen betroffenen
Nationen bei ihrer Bewältigung signalisiert.

Schlußfolgerung
Der Erfolg des Gipfeltreffens und nicht zuletzt für das Bündnis
selbst - ist Beweis für die Dauerhaftigkeit der politischen, kulturellen und wirtschaftlichen Bande, die
Amerika seit 40 Jahren mit seinen europäischen Verbündeten einen.
Wie
der Präsident betont hat, sind und
bleiben die Vereinigten Staaten eine
europäische Macht.
In Brüssel haben wir mit unseren
Bündnispartnern ehrgeizige Zukunftspläne entwickelt.
Wir haben entscheidende Fortschritte im Bereich
der Sicherheit erzielt und erfolgreich die Richtlinien für die Entwicklung unseres nuklearen und konventionellen Einsatzkonzepts und für
die Rüstungskontrollpolitik festgelegt. Darüber hinaus haben wir das
Augenmerk auf die Notwendigkeit für
- 8

die Bündnispartner und die anderen
westlichen Nationen gelenkt, das sehr
viel umfassendere Programm in Angriff
zu nehmen, mit dem wir uns in Europa
und weltweit in den neunziger Jahren
konfrontiert sehen.
Am wichtigsten ist jedoch, daß
wir und unsere Bündnispartner beim
40. Jahrestag der Unterzeichnung des
Nordatlantikvertrags
und
in einer
Zeit tiefgreifender Veränderungen in
den Ost-West-Beziehungen eine neue
Grundlage für Einheit geschaffen haben.

* * * * *

�AMERIKA DIENST
VON

*

Dokumentation

25

28. Juni 1989

USA BENÖTIGEN ZUR ABSCHRECKUNG ZWEI MOBILE ICBM-SYSTEME
- Rede des Staatssekretärs für Verteidigungspolitik im Senat -

WASHINGTON - (AD) - Dem Staatsekretär für Verteidigungspolitik im Senat,
Paul Wolfowitz, zufolge benötigen die Vereinigten Staaten zwei Systeme mobiler
Interkontinentalraketen (ICBM) zur Abschreckung einer potentiellen sowjetischen Aggression. Wolfowitz forderte am 21. Juni den Streitkräfteausschuß des
Senats auf, im Hinblick auf die gerade in Genf aufgenommenen amerikanisch-sowjetischen Verhandlungen über Strategische Rüstungen (START) diesem Vorschlag
des Präsidenten zuzustimmen, der ein zweifaches System vorsieht, bei dem
MX-Raketen des Typs Peacekeeper mit 10 Gefechtsköpfen auf Schienenfahrzeugen
disloziert werden und kleinere Raketen mit nur einem Gefechtskopf auf LKWs
stationiert würden.
Nachfolgend veröffentlichen wir Wolfowitz' Ansprache im Wortlaut:

Herr Vorsitzender, verehrte Mitglieder des Streitkräftesausschusses,
Es ist mir eine Ehre, heute hier
gemeinsam mit General Welch über das
Programm
der
Administration
zur
ICBM-Modernisierung
referieren
zu
können.
Wie Sie wissen, hat die Administration eine umfangreiche Überprüfung unserer nationalen Sicherheitspolitik durchgeführt. Bei der Untersuchung aller Aspekte strategischer
Fragen sind wir zu einer Reihe von
Schlußfolgerungen
gelangt, die ich
Ihnen heute darlegen möchte, bevor
ich mich der Frage der ICBM-Modernisierung im einzelnen zuwende.

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Die strategische Triade
Unsere Bilanz hat die Notwendigkeit einer Triade strategischer Offensivstreitkräfte
bestätigt.
Die
drei Säulen unserer Abschreckung leisten zusammengenommen weit mehr als
die Summe der einzelnen dies vermuten
ließe.
Jede Säule hat einzigartige
Stärken und Fähigkeiten, die insgesamt den Präsidenten mit einer effektiven und flexiblen Abschreckung mit
der Fähigkeit ausstattet, sich einer
großen Bandbreite potentieller Bedrohungen zu stellen - und sie damit abzuschrecken.
Das
von
Präsident
Reagan
im
Herbst 1981 eingeleitete strategische
Modernisierungsprogramm war in höchstem Maße erfolgreich: Es hat viele

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�strategische Mängel beseitigt, mit
denen wir die achtziger Jahre begonnen haben, unsere Abschreckung gestärkt, indem es bisher existierende
einseitige Vorteile der Sowjets wie
etwa das Treffen gehärteter Ziele außer Kraft gesetzt und damit die
Grundlage für bedeutende Fortschritte
bei den RUstungsreduzierungen geschaffen hat.
Da das strategische
Verhältnis jedoch dynamisch ist und
das Reagan-Programm darauf abzielte,
alle drei Säulen der Triade in einem
Zeitrahmen von 15 bis 20 Jahren zu
modernisieren, bleibt noch viel zu
tun. Wir müssen weiterhin U-Boote,
Bomber und ICBM wie auch die sie unterstützenden Führungs- und Kommunikat ionseinrichtungen modernisi eren.

reiten Bombern und den bereits auf
See befindlichen SSBN die größtmögliche Abschreckung gegen einen sowjetischen Präventivschlag gewährleistet.
Nach Erwägung all dieser Punkte
haben wir die verschiedenen Situationen
analysiert, in denen unsere
ICBM-Silos angegriffen werden könnten. Dabei ergeben sich zwei potentielle Szenarien.
Ein sowjetischer Schlag als Reaktion auf einen Konflikt, der so
groß ist, daß er bereits zu einem
konventionellen
Krieg
zwischen
den Vereinigten Staaten und der
Sowjetunion geführt haben könnte
oder,
-

Die ICBM-Streitkräfte
Mit der Stationierung von 50 ICBM
des Typs Peacekeeper und der Modernisierung
der
Minuteman-Raketen
wurde eine in höchstem Maße fähige
Abschreckung geschaffen, die ein Risiko für nahezu alle Arten sowjetischer
Ziele
bedeutet.
Die
ICBM-Streitkräfte können heute jedoch
den Sowjets nicht die Fähigkeit bestreiten, einen Teil der Streitkräfte
in einem Präventivschlag zu treffen.
Der Ausschuß ist sich bewußt, daß
dieses Problem den zwanzig Jahren der
Debatte
und
Kontroverse
um
die
ICBM-Modernisierung
zugrundegelegen
hat.
Vor diesem wichtigen Hintergrund fand unsere Überprüfung statt.
Wir sind zu dem Schluß gekommen,
daß es vom Standpunkt der Abschrekkung her in der Tat wünschenswert
ist, wenn zumindest ein Teil jeder
SMule der Triade überlebensfähig wäre. Unsere alarmbereiten Bomber und
unsere nukleargetriebenen Raketenunterseeboote (SSBN) auf See werden
diesen Anforderungen heute gerecht.
Wenn einige unserer ICBM heute Uberlebensfähig wären, würde damit unter
anderem eine Vorbeugemaßnahme getroffen, wenn bei den Bombern oder den
U-Booten
Schwachstellen
auftreten,
und damit zusammen mit den alarmbe-

ein Angriff
der zuweilen als
"Blitz aus heiterem Himmel" bezeichnet wird und in Ermangelung
akuter internationaler Konflikte
oder
Feindseligkeiten
durchgeführt wird.

Wir haben große Fortschritte beim
Wiederaufbau unserer Triade gemacht
und glauben nicht, daß die Abschrekkung versagen wird. Ein Versagen der
Abschreckung und ein Angriff auf unsere ICBM-Silos ist sehr unwahrscheinlich, aber eben deshalb haben
wir viel investiert, um unsere Abschreckung effektiv zu machen, und
das müssen wir angesichts wiederkehrender Bedrohungen weiterhin tun. Da
es unabdingbar ist, daß wir gegen
beide der oben beschriebenen Szenarien eine angemesse Abschreckung haben, führen wir beide Raketenprogramme aufgrund ihrer unterschiedlichen
Entwicklungsstadien konsequent durch
und auch, weil wir damit sowohl auf
die Bedrohung als auch auf haushaltsmäßige Gegebenheiten reagieren.

Das Programm des Präsidenten
Das Mittel zur Vorbeugung gegen
die erste Art der Bedrohung steht zur
Verfügung
kann kurzfristig stationiert werden und ist darüber hinaus
voll finanzierbar. Wenn wir die exi-

�stierenden
50
Peacekeeper-Raketen
aus ihren Silos entnehmen und sie auf
Schienenfahrzeugen stationieren - womit sich die Gesamtkosten des Programms auf etwa 6 Milliarden Dollar
beliefen - hätten wir damit 50 in
drei
Jahren
Peacekeeper-Gefechtsköpfe, die voll überlebensfähig werden können, und in fünf Jahren werden
die insgesamt 500 Gefechtsköpfe umfassenden
Peacekeeper-Streitkräfte
dazu in der Lage sein.
Die Lösung für das zweite Szenarium, bei dem wir nur taktische Warnung vor einem Angriff hätten, besteht in der Entwicklung einer neuen
kleinen ICBM (Small ICBM - SICBM).
Wir könnten mit der Stationierung der
SICBM auf ihren gehärteten mobilen
Abschußvorrichtungen erst Ende der
neunziger Jahre beginnen, also lange
nach der Zeit, in der wir die 50
Peacekeeper-Raketen
in Eisenbahndepots neu stationieren könnten. Aufgrund der unmittelbaren Bedrohung,
der technologischen Reife und der
Haushaltslage hat der Präsident sich
zur Fortführung dieses Programms entschieden, will aber die 50 Peacekeeper-Raketen zuerst stationieren.
In den nächsten Jahren werden wir untersuchen, wie und wo die SICBMs zu
stationieren sind, wie viele erforderlich sein werden, wie hoch ihre
Sprengladung sein könnte und welche
Maßnahmen wir ergreifen müssen, um
die Kosten des Gesamtprogramms zu
senken.

sere befinden sich noch in der Planung.
Bevor mobile ICBM im Rahmen eines
START-Abkommens
zugelassen
werden,
müssen wir sichersteilen, daß jegliche Begrenzungen bei diesen Systemen
wirksam verifizierbar sind. Andernfalls sind die Vorteile der Stationierung mobiler ICBM zur Sicherheit
der Vereinigten Staaten das Risiko
sowjetischer Täuschungsmanöver nicht
wert. Damit die Sowjets einem befriedigenden Ergebnis bei START zustimmen, ist es von entscheidender
Bedeutung, daß die Vereinigten Staaten ihre Bereitschaft und Fähigkeit
zur Stationierung eines mobilen Systems demonstrieren.
In dieser Wochen wurden in Genf
die START-Verhandlungen wiederaufgenommen. Zusäztlich zur Verifizierung
bleiben für uns und die Sowjets noch
wichtige Fragen offen. Deshalb können wir wirklich nicht vorhersagen,
wann ein Vertrag unterschriftsreif
sein wird. Darüber hinaus wäre es
unvorsichtig, wenn wir unsere strategischen Streitkräfte so konzipierten,
daß sie einem noch unvollständigen
und nicht vereinbarten Dokument entsprächen.
Zusätzlich zu den Abschreckungsvorteilen
steilen
die
Fortführung
der Stationierung der
Peacekeeper in Eisenbahndepots und
die Konstruktion der SICBM vorsichtige Schritte und eine Vorbeugemaßnahme
dar, wenn kein Vertrag erzielt wird,
der amerikanische Interessen berücksichtigt.

Erwägungen zur Rüstungskontrolle
In Ermangelung eines START-Abkommens möchten die Vereinigten Staaten
in der Lage sein, mobile ICBM-Streitkräfte zu stationieren, die denen der
Sowjets vergleichbar sind. Die Vereinigten Staaten dürfen sich nicht in
eine Situation bringen, in der die
Sowjets überlebensfähige ICBM haben
und sie nicht. Die Sowjets haben uns
gegenüber in diesem Bereich einen
Vorsprung
da
sie
zwei
mobile
ICBM-Systeme stationiert haben. Un-

Schlußfolgerung
Herr Vorsitzender, das Programm
des Präsidenten steht für eine gesunde Abschreckungspolitik wie auch eine
gesunde Haushaltspolitik.
Und es
steht auch für eine gesunde Rüstungskontrollpolitik. Es wägt die Risiken
und Möglichkeiten vorsichtig ab, denen wir uns in den kommenden Jahren
gegenübersehen. Meiner Ansicht nach
haben wir heute die Gelegenheit, die

- 3 -

�Debatten der Vergangenheit hinter uns
zu lassen. Wenn wir uns weiter auf
dem Weg bewegen, wie er im neuen
Haushalt vorgezeichnet ist, können
wir auf angemessene Weise sowohl die
strategischen als auch die haushaltspolitischen Schwierigkeiten angehen,
die bisher so schwer zu lösen waren.
Die Kehrseite all dessen lautet
natürlich, daß drastische Veränderungen zugunsten des Programms der zwei
Raketensysteme zusäztliche Probleme
mit sich bringen werden. Die Verzögerung
des
Peacekeeper-Programms
wird seine Kosten steigern und unsere
Fähigkeit
behindern, schnell eine
verwundbare Stelle in unserem strategischen Einsatzkonzept zu heilen, das
sich auf die wahrscheinlichere von
uns abzuschreckende Bedrohung bezieht.
Wenn wir schnelle Entscheidungen
über die SICBM erzwingen, könnte das
dazu führen, daß wir voreilig eine
Rakete stationieren, die teurer als
notwendig und nicht auf eine Weise
stationiert ist, die dem Abschrekkungspotential
am
besten
gerecht
wird. Darüber hinaus könnte mangelnder Konsens zur ICBM-Modernisierung
die Position unserer Unterhändler in
Genf schwächen und auf selten der Sowjets zu der Auffassung führen, daß
wir niemals mobile ICBM stationieren
werden und sie deshalb diese Aussicht
bei ihrer Position in den START-Verhandlungen nicht in Betracht ziehen
müssen.
Wir haben genug Zeit mit der Erörterung dieser Frage verbracht. Das
Programm des Präsidenten ist eine
überlegte, logische Antwort auf ein
Problem, das aus oftmals sehr schwer
lösbaren Fragen bestand. Unser Programm verdient die Unterstützung des
Senats und des gesamten Kongresses,
und ich möchte den Ausschuß auffordern, das Programm wie auch die anderen Teilbereiche des strategischen
Modernisierungsprogramms
zu unterstützen.

* * * * *

�AMERIKA DIENST
^7

"W"

Hintergrundmaterial

Ä&lt;

25

28. Juni 1989

STAND DER RÜSTÜNGSKONTROLLVERHANDLUNGEN
- Wöchentliche Übersicht -

WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die am 22. Juni 1989
vom US-Informationsamt (USIA) herausgegebene Übersicht über den Stand der
START-Verhandlungen, SDI, gemeinsame amerikanisch-sowjetische Experimente sowie die MX- und Midgetman-Raketenprogramme.

Betonung der Verifizierung
START-Verhandlungen

bei den

Die elfte Runde der Verhandlungen
Über

Kern- und

Weltraumwaffen

beider Länder herbeizuführen, um die
strategische Stabilität zu erhöhen
und die Möglichkeit eines Atomkrieges
zu verringern.

wurde

am 19. Juni 1989 mit einem Treffen
zwischen den beiden Chefunterhändlern
der amerikanischen und sowjetischen
Seite, Richard Burt und Juri Nasarkin, aufgenommen. Die Verhandlungen
beinhalten auch die ersten unter der
Bush-Administration geführten Gespräche über die Verringerung strategischer Rüstungen (START) und die ersten Gespräche über die Verteidigung
im Weltraum.
Das amerikanische Ziel bei den
START-Verhandlungen
besteht
darin,
verifizierbare Reduzierungen bei den
strategischen
NuklearStreitkräften

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Noch ungelöste Hauptprobleme betreffen
see- und
luftgestützte
Marschflugkörper, mobile Interkontinentalraketen
(ICBM),
Untergrenzen
für ICBM-Gefechtsköpfe sowie die sowjetischen Bestrebungen, START an den
ABM-Vertrag aus dem Jahr 1972 zu koppeln.
In der laufenden Verhandlungsrunde, die voraussichtlich sechs bis
sieben Wochen dauern wird, werden
sich die Unterhändler vornehmlich auf
Fragen der Verifizierung konzentrieren. Die Vereinigten Staaten werden
bestimmte
Verifizierungsmaßnahmen

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�vorschlagen, die Botschafter Burt zufolge "vor dem Abschluß eines Rüstungskontrollabkommens" durchgeführt
werden sollen.
Präsident Bush erläuterte am 19.
Juni 1989 den Vorschlag der Vereinigten Staaten, beide Seiten sollten
"besondere Anstrengungen unternehmen,
um Einigung bei auf den Vorschlägen
basierenden Maßnahmen zur Verifizierung und Stabilität zu erzielen, die
beide Seiten bereits im Rahmen der
START- und anderer Verhandlungen unterbreitet haben".
Die
vorgeschlagenen
Verifizierungsmaßnahmen
sollen
angeblich
Vor-Ort-Inspektionen,
24stündige
Überwachung der Raketenproduktionsstätten, ein Verbot der bei Raketentests vorgenommenen Kodierung elektronischer Signale sowie einen Plan
zum Austausch von Daten über strategische Nuklearstreitkräfte enthalten.
Präsident Bush erklärte, ein baldiges Abkommen und die Durchführung
von Verifizierungsmaßnahmen "werden
die Lösung noch zu behandelnder Themen beschleunigen und den Bestrebungen unserer beiden Länder zum raschen
Abschluß eines START-Abkommens zusätzlichen Auftrieb verleihen".
Der stellvertretende Pressesprecher des Weißen Hauses, Roman Popadiuk, führte ein hypothetisches Beispiel dafür an, wie die Verifizierung
funktionieren könnte, indem er erklärte, mit der Gründung von amerikanischen und sowjetischen technischen
Expertengruppen könnten die Meinungsverschiedenheiten bei der Verifizierung gelöst und Entscheidungen über
die Art des Geräts herbeigeführt werden, das bei den Inspektionen zum
Einsatz kommen könnte.
Ein amerikanischer Verteidigungsexperte erklärte am 16. Juni, man
verfolge das Ziel, die Verifizierungsmaßnahmen
voranzubringen
und
"Mechanismen zur Art und Weise der
Verifizierung zu prüfen, so daß wir
in Genf nicht nur zusammensitzen und

darüber sprechen, sondern tatsächlich
etwas tun".
Die Sowjets halten nach wie vor
an
der
Position
fest, daß ein
START-Vertrag nur vorbehaltlich der
Zustimmung der Vereinigten Staaten
geschlossen werden kann, Begrenzungen
bei der Entwicklung der strategischen
Verteidigung gegen ballistische Raketen einzuführen.
Die Vereinigten
Staaten behaupten, START und die
Strategische
Verteidigungsinitiative
(SDI) seien getrennte Themenbereiche
und Begrenzungen bei SDI inakzeptabel.
Botschafter Burt erklärte am
20. Juni 1989, Präsident Bush vertrete die Auffassung, "es sei unverantwortlich, diese Option (SDI) zum jetzigen Zeitpunkt aufzugeben".
Burt fuhr fort: "Offen gesagt,
unserer Ansicht
nach
sollte ein
START-Abkommen nicht zum Pfand für
ein Abkommen über Verteidigung im
Weltraum oder andere Restriktionen
bei unserem Recht zur Entwicklung und
Erprobung im Bereich der strategischen Verteidigung gemacht werden."

Kongreßkoalition
strebt
der Mittel für SDI an

Kürzungen

Obwohl
die
Bush-Adminsitration
das SDI-Programm
weiterhin unterstützt, plant eine überparteiliche
Koalition von 33 Kongreßabgeordneten
eine Kürzung der Mittel für SDI in
Höhe von 1,8 Milliarden Dollar als
Zusatz zum bewilligten Verteidigungshaushalt für 1990.
Bei einer Pressekonferenz in Genf
erklärte Burt jedoch, die Bush-Administration werde das SDI-Programm "in
völligem Einklang mit" dem ABM-Vertrag von 1972 fortführen.
In der vergangenen Woche wurde
ein neuer Termin für ein wichtiges
SDI-Experiment für Mitte Juli festgesetzt: der Abschuß des ersten neutralen Teilchenstrahls in den Weltraum von New Mexico aus wurde nach
Schwierigkeiten bei der Zündung der

�Aries-Rakete abgebrochen.
Mit dem
Teilchenstrahlexperiment
in Raketen
(Beam Experiment Aboard Rockets
BEAR) soll herausgefunden werden, wie
Explosionen von Teilchenstrahlen im
Weltraum reagieren.

Amerikanische und sowjetische Wissenschaftler versuchen seegestützte
Waffen zu verfizieren
Eine Gruppe von Wissenschaftlern
vom amerikanischen Natural Resources
Defense Council (NRDC) und der sowjetischen Akademie der Wissenschaften werden vom 5. bis 8. Juli 1989
ein gemeinsames Experiment durchführen, um sowjetische Nukleargefechtsköpfe auf See aufzuspüren und zu veri fizieren.
Amerikanische Wissenschaftler der
Stanford University, dem Massachusetts Institute of Technology und dem
Brookhaven National Laboratory werden
am 1. Juli die Reise nach Moskau antreten.
John Spratt, Mitglied des
Streitkräfteausschusses des Repräsentantenhauses wird das Experiment beobachten, das im Schwarzen Meer an
Bord eines sowjetischen Kreuzers der
Slava-Klasse durchgeführt wird, der
mit Marschflugkörpern bestückt ist.
Einem Sprecher des NRDC zufolge
besteht der Zweck des Experiments darin, "die Fähigkeit passiver Strahlungsmonitore zum Aufspüren von Nukleargefechtsköpfen auf See zu bewerten."
Präzise Methoden zur Verifizierung der Präsenz von nuklearbestückten unterseebootgestutzten Marschflugkörpern sind noch nicht entwickelt worden.

Bush versucht, die Unterstützung des
Kongresses für mobile Rakten zu gewinnen
Präsident Bush kam am 20. Juni
mit Vertretern des Kongresses zusammen, um ihre Unterstützung für seinen
Plan zur Entwicklung von zwei getrennten amerikanischen mobilen Rake-

tensystemen zu gewinnen, der MX mit
Mehrfachgefechtsköpfen und der mobilen Interkontinentalrakete Midgetman
mit einem Gefechtskopf.
Dem Sprecher des Weißen Hauses,
Marlin Fitzwater, zufolge benötigt
die Administration die Zusicherung
des Kongresses zur Finanzierung der
beiden Systeme, bevor die Genfer Verhandlungen über Kern- und Weltraumwaffen weitere Fortschritte machen.
"Bei den Verhandlungen brauchen wir
größtmögliche Flexibilität, damit wir
unseren sowjetischen Kollegen über
den Tisch hinweg sagen können: 'Zu
diesen Systemen hat der Kongreß seine
Zustimmung erteilt, und jetzt können
wir darüber verhandeln, wie wir mit
ihnen verfahren sollen'", stellte er
fest.
Die
Reagan-Administration
hat
aufgrund der Schwierigkeiten mit der
Verifizierung beim Abbau ein Verbot
mobiler Raketen vorgeschlagen.
Die
Sowjetunion, die bereits zwei mobile
Systeme besitzt, hat sich jedoch geweigert, ein solches Verbot in Erwägung zu ziehen.
Einige Kongreßmitglieder bestehen
darauf, daß die Vereinigten Staaten
es sich nicht leisten können, zwei
mobile Systeme anzuschaffen. Die Senatoren Carl Levin und John McCain
erklärten
beispielsweise
kürzlich,
der "Zwei-Raketen-Ansatz" würde etwa
47 Milliarden Dollar kosten, "zu einer Zeit, in der wir uns mit einem
enormen Haushaltsdefizit konfrontiert
sehen und das Pentagon viele Jahre
eines stagnierenden oder gekürzten
Budgets vor sich hat".
Der Vorsitzende des Streitkräfteausschusses des Senats, Sam Nunn, erklärte jedoch, er sehe die Zukunft
für die beiden Raketensysteme positiv. "Es ist eindeutig klar, daß der
Präsident, der Außen- und der Verteidigungsminister ihre Bereitschaft angedeutet haben, die Genfer Position
zum Verbot mobiler Raketen zu überprüfen, wenn der Kongreß seine Zustimmung sowohl zur Finanzierung der

- 3 -

�schienenmobilen MX-Rakete als auch
der (LKW-gestützten) Midgetman gibt",
sagte er im Anschluß an ein Treffen
mit dem Präsidenten.
Verteidigungsminister Cheney hat
den Kongreß davon in Kenntnis gesetzt, daß das Pentagon für die Haushaltsjahre 1992-94 zusätzlich 1 Milliarde Dollar für das Midgetman-Raketenprogramm benötigen wird.

Berater Rowny bleibt im Amt; Hadley
wird Nachfolger von Lehman
Das Weiße Haus gab bekannt, daß
Botschafter Edward Rowny weiterhin
das Amt als Sonderberater des Präsidenten und des Außenministers für RUstungskontrollangelegenheiten
innehat. In dieser Position war er vier
Jahre lang für die Reagan-Administration tätig.
Präsident Bush nominierte außerdem Stephen Hadley zum Abteilungsleiter im Verteidigungsministerium für
internationale
Sicherheitspolitik.
Vorbehaltlich
seiner
Bestätigung
durch den Senat wird Hadley dann
Nachfolger von Ronald Lehman, der
diese Position innehatte, bevor er
sein neues Amt als Leiter der Rüstungskontroll- und Abrüstungsbehörde
antrat.
Hadley, ein Sozius der Washingtoner Rechtsanwaltskanzlei
Shea and
Gardner, war Anfang der siebziger
Jahre für das Verteidigungsministerium und von 1974 bis 1977 für den Nationalen Sicherheitsrat tätig.

* * * * *

�AMERIKA DIENST
%

Wirtschaft

"*" c&amp;

28. Juni 1989

25

WELTWIRTSCHAFTSGIPFEL IN PARIS:

POLEN UND UMWELT ALS HAUPTTHEMEN

- Kommentare der amerikanischen Regierung -

WASHINGTON
(AD)
Die
Staats- und Regierungschefs der führenden Industrieländer bereiten sich
auf den 15. jährlich stattfindenden
Weltwirtschaftsgipfel vor, und amerikanische Regierungsvertreter erwarten, daß Probleme wie das Ungleichgewicht im Handel, der Dollar, die
Umwelt sowie die Unterstützung wirtschaftlicher Fortschritte in Osteuropa die Diskussionen vom 14. bis 16.
Juli bestimmen werden.
Das in diesem Jahr in Paris
stattfindende Gipfeltreffen ist das
erste, an dem Präsident Bush teilnehmen wird, der unmittelbar vor seiner
Ankunft in Frankreich am 13. Juli Ungarn und Polen besucht.
In einer

Pressekonferenz am 27.

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Juni 1989 erklärte Bush, die Vereinigten Staaten seien bereit, Polen
und Ungarn zusätzliche Hilfe zu leisten. "Wir haben ein Paket, das ich
jetzt nicht im einzelnen erörtern
möchte, von dem ich aber überzeugt
bin, daß es hilft. Ich weiß, daß die
polnische Wirtschaft nach meinem Besuch in Polen bei unserem Gipfeltreffen eine große Rolle spielen wird."
Bush verwies darauf, daß ein Teil des
Pakets noch der Zustimmung des Kongresses bedürfe. Er betonte jedoch,
sichergehen zu wollen, daß die notwendigen Wirtschaftsreformen in Polen
durchgeführt worden seien, um zu gewährleisten, daß die amerikanischen
"Gelder vernünftig ausgegeben werden". "Wir werden diejenigen unterstützen, die sich wirtschaftlich, politisch und im Hinblick auf die Men-

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�schenrechte unserem
erklärte Bush.

Kurs

annähern",

In einem Informationsgespräch mit
ausländischen Journalisten über den
bevorstehenden Wirtschaftsgipfel erklärte ein hochrangiger Regierungsvertreter am 26. Juni 1989, die im
vergangenen Jahr in Osteuropa beobachteten Ereignisse seien "mit die
ermutigendsten" der letzten 25 Jahre.
"Es besteht nun wahrhaft Aussicht
auf grundlegende politische und wirtschaftliche Verbesserungen in diesem
Teil der Welt. Nicht nur wir, sondern jeder ist nur allzu bereit, alles in seiner Macht Stehende zu tun,
um diese Entwicklung im Rahmen der
verfügbaren Mittel zu unterstützen",
erklärte er.
Der Regierungsvertreter erwartet,
daß die Gipfelteilnehmer positiv auf
die Situation in Osteuropa reagieren
werden - in welcher Form, konnte er
noch nicht sagen, da dieses Thema
noch erörtert wird.
Am Pariser Weltwirtschaftsgipfel
werden die Staats- und Regierungschefs der Bundesrepublik Deutschland,
Frankreichs, Großbritanniens, Italiens, Kanadas und der Vereinigten
Staaten sowie ein Vertreter der Europäischen Gemeinschaft teilnehmen.
Das Gipfeltreffen fällt in diesem
Jahr mit dem 200. Jahrestag der Französischen Revolution von 1789 zusammen. Obwohl diese Feierlichkeiten am
13. und 14. Juli unabhängig von den
Diskussionen des Wirtschaftsgipfels
stattfinden, nehmen daran Staats- und
Regierungschefs aus 30 verschiedenen
Ländern teil.
Außer der besonderen Hilfe für
Polen sind dem Regierungsvertreter
zufolge die auf dem diesjähirgen Gipfel erörterten Themen die Lage der
Weltwirtschaft, weltweite Umweltprobleme, "der Schutz und die Ausweitung
der Gemeinschaft freier Nationen insbesondere in Osteuropa", internationaler
Terrorismus, Drogenhandel

und die Verbreitung chemischer Waffen.
Der Regierungsvertreter warnte,
diese Probleme seien zwar bei den
vorbereitenden Treffen erörtert worden, es bestehe jedoch keine Möglichkeit, vorherzusagen, welchen Verlauf
die Diskussion beim Zusammentreffen
der Staats- und Regierungschefs nehmen werden. Ihm zufolge gibt es verschiedene Probleme, auf die die Vereinigten Staaten beim Gipfel "besonderen Wert legen möchten".
"Wir möchten unbedingt sicherstellen, daß die Umweltproblematik
eingehend erörtert wird, wir wollen
gewährleisten, daß die Brady-Initiative (der von Finanzminister Nicholas
Brady unterbreitete Vorschlag zur Bewältigung der Schuldenprobleme der
Dritten Welt) die Zustimmung und Unterstützung erhält, die sie verdient,
und wir wollen garantieren, daß eine
inhaltsreiche
Diskussion
über die
Frage geführt wird, wie sich die
Volkswirtschaften auf der ganzen Welt
gegenseitig unterstützen können, um
einen Ausgleich zu erzielen", erklärte der Regierungsvertreter.
Zum letzten Punkt erläuterte er,
daß die Verbesserungen im Handel und
Leistungsbilanzdefizit im vergangenen
Jahr stagniert oder sich zumindest
verlangsamt haben, und die Vereinigten Staaten die Auffassung vertreten,
daß in Paris Diskussion
darüber
stattfinden müssen, wie das Ungleichgewicht abgebaut werden kann.
"Alle sollten darüber nachdenken,
warum das Ungleichgewicht besteht,
was dagegen getan werden kann, welche
Maßnahmen unserer Ansicht nach die
anderen dabei ergreifen sollen und
welche Schritte wir unternehmen wolI en .
tt

Nach dem Abbau des Ungleichgewichts im Handel zwischen den Vereinigten Staaten und Japan in Höhe von
nur 5 Milliarden Dollar im vergangenen Jahr sei diese Verbesserung rückläufig und das amerikanische Handelsdefizit gegenüber Japan könne sich in

- 2-

�diesem Jahr in einer Größenordnung
von 50 Milliarden Dollar bewegen.
Dem amerikanischen Regierungsvertreter zufolge bereitet der Höhenflug
des Dollars der vergangenen Monate
gegenüber den wichtigsten Währungen
den Teilnehmerstaaten des Gipfeltreffens Schwierigkeiten beim weiteren
Abbau der Ungleichgewichte im Handel
und "dieses Thema wird ebenfalls erörtert werden".
r

»

In dieser Hinsicht biete das Gipfeltreffen den Teilnehmern eine gute
Gelegenheit zur gemeinsamen Beratung,
wie größere Koordination und Kooperation ihrer jeweiligen Volkswirtschaften herbeigeführt werden kann.
Während der letzten beiden Gipfeltreffen hatten die Vertreter Japans und der Bundesrepublik Deutschland auf eine Stimulierung der Binnennachfrage gedrängt und die Vereinigten Staaten zum Ausgleich ihres
Haushaltsdefizits aufgefordert.
Dem
Regierungsvertreter
zufolge
werden
Fortschritte bei diesen Bestrebungen
überprüft.
Die Gipfelteilnehmer würden die
Erörterungen des vergangenen Jahres
über strukturelle Wirtschaftsreformen
fortsetzen - "was die einzelnen Länder unternehmen sollten, um ihre
Volkswirtschaften effizienter zu gestalten".
Ein Ansatz zur Behebung des Ungleichgewichts im Handel zwischen den
Vereinigten Staaten und Japan läge in
der Beseitigung der japanischen Behinderung amerikanischer Exporte.

i

Der
Regierungsvertreter
fuhr
fort, Fragen der Umwelt kämen bei allen Gipfelteilnehmern zentrale Bedeutung zu, einschließlich der eingehender Erörterung solcher Probleme wie
der weltweiten KlimaVeränderung, Rodung der Wälder, Verschmutzung der
Meere, Giftmüll, saurer Regen sowie
Schwund der Ozonschicht. Die Gipfelteilnehmer werden
ein gemeinsames
Vorgehen zur Verbesserung der For-

schung und Datenerfassung in diesen
Bereichen in Betracht ziehen, fügte
er hinzu.
Im Zusammenhang mit dem BradyPlan, in dem die Handelsbanken und
Schuldnerländer aufgefordert werden,
mit Unterstützung der Weltbank und
Mitteln des Internationalen Währungsfonds einen Abbau sowohl der Schuldenlast als auch des Schuldendienstes
auszuhandeln, erklärte der Regierungsvertreter, er erwarte die Unterstützung dieser Initiative durch
die Gipfelteilnehmer.
"Wir alle wissen, daß die jeweiligen Verhandlungen
(zwischen den
Banken und den Schuldnerländern) diesem Konzept zufolge langwierig sein
werden, insbesondere die ersten Verhandlungsrunden", fuhr er fort. "Wir
haben das Gefühl, daß sie einen
Schritt in die richtige Richtung machen. Und ich glaube, daß die Gipfelteilnehmer dieses Gefühl teilen
werden."
Der amerikanische Regierungsvertreter räumte ein, daß von den Gipfelteilnehmern andere Vorschläge bezüglich der Schuldenstrategie unterbreitet worden sind, fügte jedoch
hinzu, "der Konsens konzentriert sich
im Augenblick auf den Brady-Plan".
Dem hochrangigen amerikanischen
Regierungsvertreter
zufolge
werden
auch Fortschritte bei der laufenden
Uruguay-Runde multilateraler Verhandlungen erörtert und die Vereinigten
Staaten würden auch in Zukunft kein
Hehl aus ihrer Ansicht machen, daß
Fortschritte bei solchen Themenbereichen wie Landwirtschaft und geistigem
Eigentum unabdingbar sind.
"Wir sind sehr bestrebt, dieser
Runde in der zur Verfügung stehenden
Zeit auf den Kurs zu verhelfen", erklärte er, "damit sie sich nicht allzusehr in die Länge zieht und ihren
Terminplan einhält", der auf Ende des
Jahres 1990 festgesetzt ist.
Dem

Regierungsvertreter

zufolge

�erwarten
die
Vereinigten
Staaten
nicht, daß unfaire Handelspraktiken
gemäß dem neuen Abschnitt "Super 301"
des Handelsgesetzes ein Streitpunkt
beim Gipfeltreffen sein werden.
Zu politischen Themen erklärte
er, die Ereignisse in China sowie die
kollektive oder individuelle Reaktion
der Gipfelteilnehmer werden bei dem
Pariser Treffen eine Schlüsselrolle
einnehmen.
"Meiner Ansicht nach hat sich ein
enormes Gefühl der Enttäuschung darüber verbreitet, daß die im vergangenen Jahr noch so vielversprechenden
Ansätze in China eine solch unglückliche Wendung genommen haben ... Zu
recht sei man besorgt, hier könne ein
Präzedenzfall für Ereignisse in anderen Regionen der Welt geschaffen werden, wo die Planwirtschaften eine gewisse Liberalisierung erfahren", erklärte er.
"Man hat das Gefühl, zu den Ereignissen in China eindeutig Position
beziehen zu müssen, und sei es nur,
um ähnliche Zwischenfälle in Osteuropa in der Zukunft zu verhindern",
fuhr er fort.
Der Regierungsvertreter gab keinen Kommentar dazu ab, wie diese Besorgnis von den Gipfelteilnehmern zum
Ausdruck gebracht werden könnte.

* * * * *

�AMERIKA DIENST
'VON

4

Wissenschaft und Technik

28. Juni 1989

25

MEHR DROGENABHÄNGIGKEIT DURCH NEUE RAUSCHGIFTE

(AD) - Heroin und das Aufputschmittel Metamphetamin werden neuerdings in Formen angeboten, bei denen
der Stoff nicht gespritzt oder als
Tablette
eingenommen, sondern geraucht wird. Noch sind die neuen Zubereitungen in der Drogenszene wenig
verbreitet, erklärte kürzlich Dr.
Nicholas J. Kozel, Epidemiologe am
"Nationalen Institut für NarkotikaMißbrauch (NIDA - National Institute
on Drug Abuse).
Jedoch ist man in
den Vereinigten Staaten darauf vorbereitet, daß diese in wachsenden Mengen auf den Markt gebracht werden.
Sie könnten ähnliche verheerende Auswirkungen haben wie das Kokainderivat
Crack. Eine weitere Form von Rauschgift, die neue synthetische Droge
"Ecstacy", ist schon leicht erhältlich und wird vor allem von jungen

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Leuten konsumiert. Sie verändere die
Stimmungslage, gelte aber als harmlos, "weil sie einen nicht schon beim
ersten oder zweiten Mal umwirft", bemerkte Kozel.
Auf ähnliche Weise kam in den
siebziger Jahren Kokain in Mode. Es
führte zu der jetzt von niemandem
mehr geleugneten Epidemie - nicht zuletzt deshalb, weil zunächst eindeutige wissenschaftliche Beweise für
das Risiko der Droge fehlten. "Heute
wissen wir, daß Kokain, insbesondere
das rauchbare Kokain-Crack, schon
beim ersten Mal zum Tode führen
kann", sagte Dr. Kozel. "Wir haben
inzwischen auch unwiderlegbare Beweise, daß Marihuana wichtige Regionen
des Gehirns zerstört". Die Besorgnisse der NIDA-Mitarbeiter hinsieht-

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�lieh der neuen Rauschgiftpräparate
werden von Vertretern der DEA (Drug
Enforcement Administration - Bundesbehörde zur Strafverfolgung von Drogendelikten) geteilt. Als Warnsignal
gilt die Tatsache, daß mehr denn je
versucht wird, Opium ins Land zu
schmuggeln. So wurde etwa im Februar
Heroin in bisher nie dagewesener Menge
beschlagnahmt.
Herkunftsländer
sind Burma und Laos, aber auch Iran,
Pakistan, Mexiko und Afghanistan.
In einer Reihe von Studien versucht man am NIDA-Institut derzeit
die
zerstörerischen
Nebenwirkungen
der rauchbaren Formen von Heroin, Metamphetamin und Ecstacy zu erforschen. Auf keinen Fall sollte die
Öffentlichkeit noch einmal - wie bei
Kokain-Crack - den Fehler begehen,
neue Rauschgifte für harmlos zu halten, solange ihre Risiken nicht mit
wissenschaftlichen Daten belegt sind.
Außerdem ist Dr. Kozel zufolge keine
klare Unterscheidung mehr zwischen
Ländern möglich, in denen Drogen produziert oder konsumiert werden. Beispielsweise sind die rauchbaren Metaraphetamine von den Philippinen über
Hawaii in die Vereinigten Staaten gekommen. Und hier wurde kürzlich von
Beamten der DEA ein Metamphetaminlabor auf dem Lande ausgehoben, das Abnehmer in England mit seinen gefährlichen Produkten
beliefert hatte.
Kokain findet gegenwärtig in Westund
Osteuropa weite Verbreitung - Grund
genug für Regierungen, Behörden und
Öffentlichkeit, wachsam zu sein.
Nach Meinung von Melvyn Levitsky,
der als Nachfolger von Abteilungsleiterin Ann Wrobleski für internationale Narkotika-Angelegenheiten im USAußenministerium
nominiert
wurde,
müßte dem illegalen Drogenhandel in
der Außenpolitik generell mehr Bedeutung beigemessen werden. Der Karrierediplomat setzte sich vor dem Auswärtigen Ausschuß des Senats dafür
ein, Drogenprobleme als Teil der bilateralen Beziehungen mit anderen
Ländern zu betrachten.
Als einige
seiner Prioritäten nannte er

Verhinderung
der
Abzweigung
legaler Grundstoffe für die
Herstellung illegaler Drogen;
Erleichterung
zur
Aufhebung
des
Bankgeheimnisses
und
anderer
Maßnahmen,
um
die
Geldwäsche illegaler Drogenprofite zu verhindern;
-

Weltweite
Unterstützung
des
moralischen Grundsatzes, daß
Drogenkonsum "ein Übel ist,
das Regierungen und Demokratie
bedroht";
Unterstützung der Vernichtung
von
Koka-Anpflanzungen
mit
Herbiziden, die von Flugzeugen
aus versprüht werden und unschädlich für Mensch und Umwelt sind, und Verbreitung von
Informationen über die Schäden, die durch den Kokastrauch-Anbau angerichtet werden;
Verringerung
der
weltweiten
Nachfrage nach Rauschgiften;

-

Bemühungen um mehr internationale Zusammenarbeit, insbesondere mit den Industrieländern.

Wenn Melvyn Levitsky bestätigt
wird, steht er an der Spitze einer
Behörde mit einem Jahresbudget von
115 Millionen Dollar, die für die Unterstützung von Projekten zur Zerstörung von Drogenpflanzen-Kulturen und
zur Strafverfolgung von Drogendelikten in 13 Ländern zuständig ist. Ihr
Jahresbericht entscheidet darüber, ob
andere Länder als kooperationsbereit
zu betrachten sind und somit auch
weiterhin US-Auslandshilfe bekommen
können.
Eine wichtige Ergänzung zum Programm Levitskys stellt der Vorschlag
des Premierministers
von Jamaika,
Michael Manley, dar, ähnlich der
Friedenstruppe der Vereinten Nationen
eine internationale Anti-RauschgiftTruppe aufzustellen.
Sie soll Spezialisten ausbilden und Unterstützung

- 2 -

�bei der Fahndung und Festsetzung von
Drogenhändlern geben, ebenso bei der
Vernichtung von Anpflanzungen. Ausserden soll sie Ländern als "paramilitärische Truppe" im Kampf gegen
Drogen auf Anforderung zur Verfügung
stehen. Bekämpfungsmaßnahmen im nationalen oder bilateralen Rahmen reichen einfach nicht mehr aus, weil die
Drogenländer weltweit
operieren
gleichgültig, ob es sich um Produktion, Transport, Verteilung oder Absatz handelt.

* * * * *

- 3

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Baker verurteilt Gorbatschows "Zurückhaltung" zu China&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede des Außenministers vor dem Auswärtigen Ausschuß des Senats&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;USA benötigen zur Abschreckung zwei mobile ICBM-Systeme&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede des Staatssekretärs für Verteidigungspolitik im Senat&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Stand der Rüstungskontrollverhandlungen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Wöchentliche Übersicht&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Weltwirtschaftsgipfel in Paris: Polen und Umwelt als Hauptthemen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Kommentare der amerikanischen Regierung&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Mehr Drogenabhängigkeit durch neue Rauschgifte</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST

24

2 1 . Juni 1989

INHALT

DOKUMENTATION
Crowe; Sowjetische Armee Immer noch schlagkräftig
- Rede an der Militärakademie in Moskau -

INFORMATION
Gephardt; Erfahren in der Gesetzgebung - Unermüdlich in Wahlkämpfen
- Porträt des neuen Mehrheitsführers im Repräsentantenhaus Gray eilt der Ruf von Fairness und Pragmatismus voraus
- Porträt des neuen "Einpeitschers" der Demokraten -

HINTERGRUNDMATERIAL
Warschauer Pakt mißachtet KSZE-Verpflichtungen
- Der~26. Halbjahresbericht der KSZE in Auszügen -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
AIDS-Epidemie für den Amerikanischen Kontinent befürchtet
- WHO-Experten vergleichen Situation mit Afrika -

* * * * *

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�v^SJ 3 ^

^7

AMERIKA DIENST
Dokumentation

C$

21. Juni 1989

24

CROWE:

SOWJETISCHE ARMEE IMMER NOCH SCHLAGKRÄFTIG

- Rede an der Militärakademie in Moskau (Auszüge)

MOSKAU - (AD) - Trotz einseitiger Reduzierungen bedroht der "überwältigende Umfang" der sowjetischen Armee den Westen, so der Vorsitzende der vereinigten Stabschefs, Admiral Crowe, am 14. Juni 1989 vor Studenten und Ausbildern der Woroschilow-Militärakademie in Moskau. Er begrüßte aber "die angekündigten Veränderungen im Denken und in der inneren Struktur der sowjetischen
Armee" und forderte zu intensiveren militärischen Kontakten zwischen den beiden Supermächten auf.
Im folgenden Auszüge aus Crowes Rede:

Die Beziehung zwischen unseren
beiden Militärs wurde in einer Zeit
der Prüfung geboren, jener Zeit des
Zweiten Weltkrieges - Ihres großen
patriotischen Krieges - als die Vereinigten Staaten die Leih-und-PachtHilfe für die Sowjetunion fortführten.
Im Zuge dieser Zusammenarbeit
lernten amerikanische und sowjetische
Soldaten einander gut kennen, und
einige Amerikaner nahmen sogar an militärischen Operationen der Sowjets
teil.

schichte überdauert.
Die Zeit dieser unmittelbaren Zusammenarbeit war natürlich nur von
kurzer Dauer und wurde abgelöst von
der Nachkriegszeit, einer Zeit der
Konfrontation im geteilten Europa und
anderen Ländern. Doch halte ich es
für bemerkenswert, daß sogar in einer
solchen Zeit Uniformierte auf beiden
Seiten bei zahlreichen Aktivitäten
zum Abbau der Spannungen eine wichtige und konstruktive Rolle gespielt
haben.

So beschränkt uns diese Zusammenarbeit heute auch erscheinen mag, hat
doch die Erinnerung daran und an die
Achtung, die amerikanische Soldaten
ihren sowjetischen Kollegen entgegenbrachten, den Wandel der Zeit und damit auch die Wechselfälle der Ge-

- Beispielsweise wurden im geteilten Deutschland Militärmissionen
errichtet und Dialoge zwischen
den Befehlshabern der Vereinigten
Staaten und der Sowjetunion in
die Wege geleitet; diese Kontakte.

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�bestehen bis heute fort.
- Militärangehörige
haben
ferner
bei der Einrichtung der Luftkorridore nach Berlin eine Rolle gespielt,
- bei der Verhandlung über und der
anschließenden Durchführung der
"Vereinbarungen über Vorfälle auf
See" von 1972;
- bei den Abrüstungsgesprächen und
Maßnahmen zur Risikoreduzierung,
- bei den SALT, START, und KSE-Verhandlungen in Wien,
- Bei der KSZE-Schlußakte von 1975
sowie dem Stockholmer Abkommen im
Jahr 1985,
- im Ständigen Konsultativausschuß
- und heute bei dem entscheidenden
Veriftzierungsverfahren zum INFAbkommen in beiden Ländern.
Insgesamt zeigt dieser kurze historische Abriß, daß wir trotz der
Ungleichheit der Entwicklungen in der
Vergangenheit über ein großes Kapital
verfügen, auf dem wir in der Gegenwart aufbauen können.
Täuschen wir uns nicht. Wir, die
wir versuchen, die gegenwärtigen sozialen und wirtschaftlichen Anforderungen zu erfüllen, ohne dabei unsere
eigene Sicherheit zu gefährden, werden in unserer Geschichte mit großen
Herausforderungen konfrontiert. Aber
diese sollten uns weder entmutigen
noch abschrecken. Die führenden Politiker unserer beiden großen Nationen sind entschlossen, dieser Herausforderung klar ins Auge zu sehen.
Dank des politischen Mutes, den Parteichef Gorbatschow und Präsident
Reagan - jetzt Bush - demonstriert
haben, befassen sich Amerika und die
Sowjetunion heute ernsthaft mit den
großen Streitfragen, die uns trennen.
Die Armeen unserer beiden großen Länder sind nun ihrerseits gefordert,
nach Wegen zu suchen, um diese Bemü-

hungen zu beeinflussen.
Im Zuge solcher Bemühungen habe
ich letztes Jahr Marschall Achromejew
in die Vereinigten Staaten eingeladen, um unsere Armee zu besuchen und
unsere Bürger kennenzulernen.
Wir führten lange Gespräche über
unsere jeweiligen Heimatstaaten und
legten
in
einem
aufschlußreichen
Austausch unsere jeweiligen Standpunkte in Sicherheitsfragen dar.

t

Wir kamen zu einigen allgemeinen
Schlußfolgerungen:

i

Zunächst ist es unbedingt erforderlich, daß unsere beiden Militärs
nach Wegen suchen, um zu dem umfangreicheren Prozeß des Abbaus von Spannungen zwischen unseren beiden Regierungen sowie zur Förderung der Stabilisierung beizutragen.
- Wir waren beide der Meinung daß
das in der Nachkriegszeit zwischen Washington und Moskau entstandene "Mißtrauen" eines der
wichtigsten Hindernisse für verbesserte Beziehungen ist. Echte
Fortschritte erfordern, daß wir
gegenseitiges Verständnis fördern
und Möglichkeiten finden, um Ressentiments und Mißtrauen abzubauen. Es ist unabdingbar, daß jede
Seite die andere so gut wie möglich versteht und sich von Klischees und Argwohn freimacht.
Mit diesem Ziel vor Augen konnten
wir ein Programm für weitere militärische Kontakte vereinbaren.
Das Rahmenwerk sieht zwei Wege
vor:
Eine gemeinsame Arbeitsgruppe über "gefährliche militärische Aktivitäten" und einen
Zweijahresplan, der gegenseitige
Besuche von führenden Militärs,
Kriegsschiffen, Historikern, Medizinern und Sportlern vorsieht.
- In ähnlicher Weise sind der Marschall und ich übereingekomen,
daß Initiativen zur Rüstungsreduzierung für die Verbesserung unseres Verhältnisses von grundle-

{

�gender Bedeutung sind. Für den
Erfolg solcher Bestrebungen ist
die einhellige Unterstützung unserer beiden Streitkräfte notwendig.
Dabei müssen noch viele
technische Fragen besprochen werden, die nur von den entsprechenden Fachleuten gelöst werden können. Darüber hinaus ist es zwingend erforderlich, daß ausgehandelte Reduzierungen in einer Weise vorgenommen werden, die ein
angemessenes
Gleichgewicht
für
jede Seite und ein verläßliches
Sicherheitsniveau schafft.
Auch
hier wird die gesunde Urteilskraft unserer militärischen Führer besonderes Gewicht haben.
- Um schnellere Fortschritte erzielen zu können, sind wir über die
Notwendgikeit eines freien Meinungsaustauschs und eines besseren Verständnisses der Doktrin
und Ziele der jeweils anderen
Partei übereingekommen. Wir haben erkannt, daß diesen Kontakten
Grenzen gesetzt sind. Alle Länder haben von Natur aus ihre ureigensten Perspektiven, die zum
Teil auf unterschiedliche Geschichte, Geographie und strategische
Umstände
zurückzuführen
sind.
- Zum Schluß haben der Marschall
und ich anerkannt, daß die vor
uns liegenden Aufgaben sehr umfangreich sind.
Es wird viel
Zeit, Geduld, Beharrlichkeit und
Überlegung
erfordern, um alle
Hindernisse aus dem Weg zu räumen. Aber es steht viel auf dem
Spiel, was diese außerordentlichen
Anstrengungen
rechtfertigt. Wir dürfen nicht, aufgeben
oder uns entmutigen lassen - in
unserem Zeitalter gibt es keine
vernünftige Alternative.
Ich persönlich bin im Hinblick
auf das Endergebnis und die positive
Rolle, die unsere jeweiligen Streitkräfte in den kommenden Jahren übernehmen können, sehr optimistisch.

Was die Zukunft unserer Beziehungen anbelangt, müssen sowohl Moskau
als auch Washington sehr vorsichtig
vorgehen, um bei den Beziehungen zwischen unseren Militärs Fortschritte
zu erzielen.
Geeignete Punkte für
Diskussionen und Austausch müssen im
Einklang mit unseren Sicherheitsinteressen und
angesichts weltpolitischer Entwicklungen sorgfältig definiert werden.
Wir waren in der Tat sehr aufmerksam, und
einige Veränderungen
treten bereits klar zutage. Von unserem Standpunkt aus nehmen wir jedoch manchmal widersprüchliche Anzeichen wahr, die hoffentlich mit der
Zeit zu unseren Gunsten gelöst werden.
In dieser Hinsicht haben die
vom Vorsitzenden Gorbatschow im vergangenen Dezember angekündigten Reduzierungen und Umstrukturierungen bei
den Streitkräften einen weiteren Hinweis darauf gegeben, was das Konzept
des "vernünftigen und ausreichenden
Verteidigungsniveaus" bedeutet. Wenn
die grundlegenden Programme zum Erfolg geführt werden, werden sie einen
wichtigen Schritt zur Lösung unseres
langfristigen
Anliegens
über
das
Übergewicht - das echte Gewicht - Ihrer Streitkräfte darstellen und insbesondere auch über ihren offensiven
Einsatz zum Beispiel bei einem Überraschungsangriff.
Sie müssen auch die Art und Weise
verstehen, wie wir die einseitigen
Vorschläge Ihrer Regierung betrachten. Unserer Ansicht nach werden die
Reduzierungen lediglich einen winzigen Teil der sowjetischen Militärmacht betreffen. Wenn sie durchgeführt werden, konzentrieren sie sich
auf Einheiten, die einen kriegsschauplatzgebundenen
Krieg
führen,
aber auch nach den vorgesehenen Reduzierungen werden Sie das größte aktive Militär der Welt besitzen und zudem bei vielen Arten von Gerät einen
größeren
Bestand
an militärischer
Ausrüstung besitzen als die NATO insgesamt.
Um es ganz deutlich zu sagen, so

- 3 -

�ist es für Amerikaner - und auch für
andere Länder - ziemlich schwierig,
sich vorzustellen, wie eine solche
massive Machtkonzentration durch berechtigte
Verteidigungserfordernisse
zu rechtfertigen ist.
Sie müssen ebenfalls unser berufsmäßiges Anliegen im Hinblick auf
die gegenwärtigen Asymmetrien im RUstungsgleichgewicht verstehen. Nehmen Sie zum Beispiel Europa. Was man
auch über die Absichten Ihrer Führer
oder den Charakter Ihrer Strategie
glauben mag, so führt doch ein einfaches Rechenexempel zu Ihren Fähigkeit unweigerlich zu dem Schluß, daß
die NATO, wenn sie die Verteidigung
Europas ernst nimmt - was ich Ihnen
versichern kann - nicht voreilig
wichtige Waffensysteme aufgeben kann
- insbesondere nicht in der Luft und
bei
den
kriegsschauplatzgebundenen
Waffen.
In ähnlicher Weise lehrt uns Ihre
ungeheure zahlenmäßige Überlegenheit,
daß wir starke maritime Fähigkeiten
haben müssen, um die Seewege offenzuhalten, potentielle Kriegsschauplätze
zu verstärken und zu halten. Es gibt
keine andere vernünftige Haltung die
wir einnehmen können. Ich bin überzeugt, daß Sie, wenn Sie an meiner
Stelle oder im NATO-Rat wären, von
denselben
Erfordernissen
geleitet
sein würden.
Mit anderen Worten - wenn diese
uns seit langem beunruhigenden Asymmetrien nicht gelöst werden, kann
vernünftigerweise nicht erwartet werden, daß Washington - und ich als
Vorsitzender der Vereinigten Stabschefs - unsere Fähigkeit gefährdet,
Westeuropa zu erreichen und unseren
Verpflichtungen innerhalb der NATO
nachzukommen. In dieser Hinsicht betrachte ich den jüngsten Vorschlag
der Sowjets im Rahmen von KSE als
höchst ermutigend, da hierbei die
Gleichheitsgrundsätze
ausdrücklich
anerkannt werden. Einzelheiten müssen dabei noch gelöst werden, denn
zusammen mit Präsident Bushs jüngster
Intervention sehen wir Aussichten für

echte Veränderungen der militärischen
Landschaft in Europa und ermutigende
Stabilität.
Der gleiche Ansatz bestimmt natürlich auch unsere Erfordernisse bei
den strategischen Waffen und unterstreicht unser gesamtes Abschrekkungskonzept.
Bitte vergegenwärtigen Sie sich,
daß ich hier die amerikanische Auffassung vertrete. Ich bin mir darüber im klaren, daß Sie berechtigte
Anliegen im Hinblick auf Ihre Intentionen und Fähigkeiten lösen müssen,
was in einem Dialog geschehen muß,
daß wir mehr über einander wissen
müssen und daß beide Seiten ihre ganze Phantasie und ihr staatsmännisches
Geschick aufwenden müssen, bevor wir
eine gemeinsame Basis haben.
Damit kein Zweifel entsteht: Ihre amerikanischen Amtskollegen begrüßen die angekündigten Veränderungen im Denken und in der Struktur
beim sowjetischen Militär. Wir werden die weitere Entwicklung dieser
Veränderung genau beobachten und hoffen, daß sich diese Impulse weiter
fortsetzen. Bei diesem Besuch hoffe
ich, viel über ihren neuen Blickwinkel zur Verteidigung zu lernen. Sicherlich kann ein beständiges Programm der Kontakte dazu beitragen,
Unsicherheiten auf beiden Seiten auszuräumen.
Mir ist es ein besondere Anliegen, der sowjetischen Regierung und
dem Volk die grundlegenden Ziele der
amerikanischen Verteidigungsstrategie
darzulegen und darüber hinaus zu betonen, daß unser Ziel darin besteht,
uns einer Aggression zu widersetzen,
nicht sie zu beginnen.
Wenn wir diese Probleme angehen,
ist es wichtig, daß wir ein umfassenderes Verständnis des jeweils anderen
Systems erlangen. Um in diesem Punkt
offen zu sein, so haben die Amerikaner nur ein begrenztens Verständnis
vom Zusammenspiel Ihrer militärischen
und politischen Behörden bei der Kon-

�zeptlon sowjetischer Politik.
Wir
beobachten - wenn auch von ferne mit großem Interesse den Prozeß politischer Reformen, die sich in der
Sowjetunion heute vollziehen.
Ich
möchte mich nicht in Ihre innenpolitischen Diskussion einmischen. Tatsächlich haben meine Landsleute seit
1776 die Auffassung vertreten, daß
jede Gesellschaft das Recht hat, die
Regierungsform zu wählen, die sie für
die beste hält. Lassen Sie mich also
ein System beschreiben, daß ich sehr
gut kenne - das amerikanische - und
ihnen darlegen, wie ein Offizier das
Verhältnis des Militärs zum politischen System beurteilt.

gleichzeitig
Oberbefehlshaber
der
Streitkräfte ist. Dieses Mittel der
Verfassung spiegelt den Wunsch unserer Gründerväter wider, 'zivile Kontrolle' militärischer Operationen zu
gewährleisten und gleichzeitig eine
einzige Autorität einzusetzen, die
entschieden
und
energisch handeln
kann.

Das wichtigste Merkmal aller politischen Entscheidungen in der amerikanischen Regierung ist Pluralismus, das heißt, es gibt bei jeder
wichtigen Entscheidung viele Stimmen.
Das trifft insbesondere im Bereich
der Sicherheit zu, wo die Beteiligung
der Zivilbevölkerung sehr stark ist.
Am bemerkenswertesten ist die zu jeder wichtigen Frage stattfindende öffentliche Diskussion.

Aber entscheidend dabei, ist, daß
sowohl der Präsident als auch der
Kongreß vom Volk gewählt sind. Im
amerikanischen System bedeutet zivile
Kontrolle demokratische Kontrolle des
Militärs.
Der
Präsient
hat die
Macht, gegebenenfalls schnell zu handeln, aber das Volk kann sein Urteil
hinterfragen, ihn zur Rechenschaft
ziehen und ihn bei Bedarf kritisieren.

Die Lage wird dadurch noch komplizierter, daß die amerikanische
Verfassung unserem Kongreß verschiedene wichtige Machtbefugnisse überträgt, zum Beispiel die Verantwortung, Verträgen zustimmen, die Armee
und die Marine zu mobilisieren und zu
unterstützen, Reserven zu mobilisieren und Kriege zu erklären. All dies
kann nicht der Präsident veranlassen,
sondern nur der Kongreß. Das heißt,
wichtige Entscheidungen zur Verteidigung werden nicht nur in einem Prozeß
getroffen, der komplex und gründlich,
sondern auch formell und offen ist.
Die Autorität des Kongresses in bezug
auf den Haushalt gestattet beispielsweise konstante und überall veröffentlichte Anfragen, Nachforschungen
und Untersuchungen über das, was wir
tun.
Ergänzend ist zum Verhältnis zwischen zivilem und militärischem Bereich im amerikanische System noch
anzuführen, daß unserer Präsident
- 5

Das ist jedoch keine völlig unabhängige Macht. In jedem Fall diskutieren der Präsident und der Kongreß
die Grenzen der Rechte des jeweils
anderen, insbesondere in der Außenpolitik.
Von außen erscheint dies
manchmal verwirrend.

Die demokratische Kontrolle des
Militärs ist trotz aller Mängel der
wichtigste Grundsatz des amerikanischen Systems. Nach Auffassung des
Militärs werden damit die Aussichten
verbessert, daß unsere Maßnahmen die
Zustimmung der Öffentlichkeit und ihre Legitimierung erhalten. Gleichermaßen wichtig ist die Tatsache, daß
unsere Soldaten - die Freiwillige
sind - mit den Wurzeln der Macht verbunden bleiben - unsereu Bürgern.
Da durch Wahlen sichergestellt
wird, daß unsere zivilen Behörden die
Zustimmung der Regierten genießen,
bedeutet zivile Kontrolle des Militärs nicht, daß eine Bürokratie sich
über eine andere stellt. Wie James
Madison schrieb, ist das Volk "die
reine, ursprüngliche
Quelle jeder
rechtmäßigen
Autorität".
Demokratische Politiker treffen schwierige
Entscheidungen, führen manchmal die
öffentliche Meinung an, der sie sich
manchmal auch anschließen, aber die
Tatsache, daß ihre Autorität auf die

�ausdrückliche Wahl des Volkes zurückzuführen Ist, ist ihr wertvollstes
Kapital.
Kein führender Politiker in den
Vereinigten Staaten - weder aus dem
Militär noch aus dem zivilen Bereich
- wünscht einen Krieg. Wir haben immer die Auffassung vertreten, die sowohl Präsident Reagan als auch Generalsekretär Gorbatschow haben: daß
ein Atomkrieg nicht gewonnen werden
kann und niemals geführt werden darf.
Die Bewahrung des Friedens ist die
grundlegende Mission unserer Streitkräfte, und der vorrangige Maßstab
unseres Erfolgs ist die Fähigkeit zur
Abschreckung von atomaren oder nichtatomaren Konflikten.
Ich spreche als Offizier, dessen
47 Dienstjahre die gesamte Nachkriegszeit umspannen und der auf den
höchsten Ebene europäischer und asiatischer Befehlsbereiche wie auch in
Washington gedient hat, und ich habe
niemals von irgendeinem Plan der Vereinigten Staaten erfahren, mit dem
ein Angriffskrieg gegen die Sowjetunion oder jemand anderen begonnen
werden sollte.
Tatsächlich ist es
diese Grundwahrheit, die hoffentlich
durch unsere Kontakte verstärkt werden kann, und ich spreche dabei mit
einem Vertrauen, daß sich auf unmittelbaren Kontakt mit unserer Führungsspitze wie auch mit unserem Volk
gründet.

Wenn sich die politischen Beziehungen zwischen Moskau und Washington
weiterhin verbessern, sehe ich ein
größeres Potentia] für intensivere
militärische Kontakte als in der Vergangenheit. Sie würden von der beiderseitigen Absicht geleitet, Krisenstabilität und Vertrauen in das Bestreben der anderen Seite um die Vermeidung von Konflikten zu schaffen.
Durch offene und grundlegende Diskussionen über den Charakter der militärischen
Strategie, Informationsaustausch über Fragen wie Haushaltsund Beschaffungspläne, den erweiterten Austausch von Personal, die Entwicklung von Systemen zur Verifizierung von Rüstungsreduzierungen und
die Erarbeitung Vertrauens- und sicherheitsbildender Maßnahmen, werden
wir in der Lage sein, unsere Regierungen bei der Schaffung eines insgesamt konstruktiveren Verhältnisses zu
unterstützen und damit die Aussichten
für einen Konflikt zu verringern.
Marschall
Achromejew,
General
Moissejew und ich haben bei diesem
Projekt den ersten Schritt getan. Es
wird an Ihnen und an Ihren amerikanischen Kollegen liegen, die nächsten
Schritte in die Zukunft zu unternehmen.

* * * * * *

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'VON'«*

21. Juni 1989

24

GEPHARDT:

ERFAHREN IN DER GESETZGEBUNG - UNERMÜDLICH IN WAHLKÄMPFEN

- Porträt des neuen Mehrheitsführers im Repräsentantenhaus -

WASHINGTON - (AD) - Mit seiner Wahl zum Mehrheitsführer des amerikanischen
Repräsentantenhauses erklimmt der Abgeordnete Richard Gephardt die weitere
Stufe einer Leiter, die von schnellem Fortschritt und bemerkenswerten Leistungen in der Gesetzgebung gekennzeichnet war.

Dem Abgeordnete aus Missouri, der
sich im vergangenen Jahr erfolglos um
die Nominierung zum Präsidentschaftskandidaten der Demokratischen Partei
beworben hatte, eilt auf der zweitwichtigsten Position, die das Repräsentantenhaus zu vergeben hat, der
Ruf eines unermüdlichen Wahlkämpfers
- für sich und andere - voraus. Er
gilt darüber hinaus als Stratege in
der Gesetzgebung mit der besonderen
Fähigkeit, seinen Kollegen zuzuhören
und bei schwierigen Fragen den Konsens zu suchen.
Als Mehrheitsführer ist der 47jährige Gephardt Nachfolger von Tom
Foley, der den ausgeschiedenen Jim
Wright abgelöst hatte. Foley war einer der 70 Demokraten im Repräsentantenhaus, der 1988 Gephardts Streben

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nach dem Präsidentenamt
hatte.

unterstützt

In einer Stellungnahme zum Wahlkampf von Gephardt erklärte Foley:
"Der seit mehr als 16 Jahren am öffentlichen
Leben
beteiligte
Dick
Gehardt war immer seiner Zeit voraus.
Er scheint immer die Ereignisse vorherzusehen und weiß dann, was als
nächstes getan werden muß. Und dann
schafft er das auch. Er ist eine bemerkenswerte Führungspersönlichkeit."
Gephardt ist Absolvent der Northwestern University und der rechtswissenschaftlichen Fakultät der University of Michigan. Nach seinem Examen
diente er in der Missouri Air National Guard als Hauptmann und Offizier
für Rechtsfragen.
Seine politische

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�Laufbahn begann Anfang der siebziger
Jahre als Ratsherr im Stadtrat von
St. Louis.
Gephardt wurde 1976 in den Kongreß gewählt und hat seitdem jede
Wahl mit über 66 Prozent der Stimmen
gewonnen. Er ist Mitglied im Finanzausschuß und in den Unterausschüssen
für Handel und Sozialversicherungswesen. Er hat sich bei vielen wichtigen Themen wie etwa Steuerreform, Rüstungskontrolle ,
Landwirtschaft,
Welthandel und Gesundheitswesen zu
Wort gemeldet.
Von 1984 bis 1987 war Gephardt
Vorsitzender
der
Gruppe
demokratischer Abgeordneter im Repräsentantenhaus. Einer zu seinem Wahlkampf
veröffentlichten Biographie zufolge
war er der jüngste jemals gewählte
Amtsinhaber.
Bei seinem Präsidentschaftswahlkampf fand Gephardt besonderen Anklang bei der arbeitenden Bevölkerung
- Bauern und Automobilarbeitern -,
deren Lebensunterhalt
vom Verkauf
amerikanischer Waren im Ausland abhängt und sagte dem amerikanischen
Handelsdefizit dem Kampf an. Gleichzeitig brachte er einen Gesetzentwurf
- den vom Repräsentantenhaus verabschiedeten Gephardt-Zusatz - im Kongreß ein mit dem Ziel, die HandelsUberschüsse Japans, Koreas und anderer Länder abzubauen, deren Exporte
in die Vereinigten Staaten umfangreicher sind als ihre Importe.
Bei einem im Wahlkampf geführten
Interview verteidigte er seine Vorschläge als nützlich und vernünftig.
Er erklärte, nach langem, scharfen
Nachdenken und durch unermüdliches
Lernen zu seiner Position im Handel
gelangt zu sein.
"Ich bin kein Ideologe", erklärte
Gephardt, "ich habe lediglich versucht, realistisch und pragmatisch zu
handeln... Ich wünsche mir für echte
Probleme echte Lösungen."
Seine

bereits

1982

vorgelegten

Vorschläge zur Steuerreform, mit denen Lücken geschlossen und das Einkommenssteuersystem vereinfacht werden sollten, fanden in der Öffentlichkeit nur wenig Anklang. Als diese Reformmaßnahme 1986 verabschiedet
wurde, galten eher Präsident Reagan
und andere Mitglieder aus Senat und
Repräsentantenhaus als deren Urheber.
Dennoch errang Gephardt Anerkennung und Zustimmung für die Behandlung schwieriger Fragen. Ein politischer Kolumnist schrieb einmal über
Gephardt, als dieser in einem Nichtwahljahr in 30 Staaten für sich warb:
"Er kann nicht rasten und er kann
keiner Herausforderung widerstehen.
Er hat rote Haare, ein jungenhaftes
Gesicht und einen Motor, der nie
stillsteht."
Gephardt wuchs in St. Louis als
Sohn eines Milchwagenfahrers und einer Rechtsanwaltssekretärin auf. Er
war begeisterter Camper und Baseballspieler und tat sich besonders bei
den Pfadfindern hervor, wo er es bis
zum "Eagle Scout" brachte.
Seine Mutter berichtete einem Reporter bei seinem Wahlkampf: "Seit
seinem 16. Lebensjahr haben die Leute
behauptet, er würde eines Tages Präsident werden."
Der neue Mehrheitsführer ist seit
21 Jahren mit seiner Frau Jane verheiratet, mit der er drei Kinder Matthew, Christine und Katherine hat.

* * * * * *

�:e° s&gt;

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21. Juni 1989

24

GRAY EILT DER RUF VON FAIRNESS UND PRAGMATISMUS VORAUS
- Porträt des neuen "Einpeitschers" der Demokraten -

WASHINGTON - (AD) - Als Führungskraft in der Demokratischen Partei sieht
Gray seine Aufgabe darin "zu gewährleisten, daß alle Ansichten geäußert werden
und berücksichtigt werden".

Darauf verwies der Abgeordnete
aus Pennsylvania gegenüber den Mitgliedern des für die Parteiplattform
verantwortlichen Ausschusses seiner
Partei, der 1988 die Zielsetzungen
für den nationalen Konvent der Demokraten formulierte. In seiner politischen Laufbahn hat Gray vielfach
Führungsrollen
übernommen, so als
Vorsi tzender des Ausschusses demokratischer Kongreßabgeordneter, als Vorsitzender des Haushaltsausschusses im
Repräsentantenhaus und Vizevorsitzender der Gruppe schwarzer Kongreßabgeordneter.
Als neugewählter "Einpeitscher" und dritthöchster Demokrat im Repräsentantenhaus - wird Gray oftmals Gelegenheit haben, die vielfältigsten
Kräfte innerhalb seiner Partei zu

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vereinigen und seinen über viele Jahre hinweg erworbenen Ruf als fairer
und pragmatischer Politiker zu verteidigen.
1985 fegte er Bedenken vom Tisch,
ein schwarzer Liberaler könne keine
ernsthaften
Haushaltseinsparungen
vornehmen und baute eine vielfältige
regionale und ideologische Koalition
auf, um den Vorsitz im Haushaltsausschuß und damit eine der einflußreichsten
und
prestigeträchtigsten
Positionen im Repräsentantenhaus zu
erlangen. Als er die Position erhielt, wurde er damit einer der ranghöchsten gewählten Vertreter unter
den Schwarzen.
Durch seine Klugheit trug Gray
erheblich zur Konsensbildung bei, und

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�er betrachtete den Haushalt als politische Stellungnahme und nicht SO
sehr als ein Mittel fiskalischer Kontrolle . Er war verantwortlich für
die Konzeption von HaushaltsresolutIonen, die von nahezu allen Demokraten im Repräsentantenhaus wie auch
von zahlreichen Republikanern unterstützt wurden.
Sein Interesse an politischen und
wirtschaftlichen
Entwicklungen
auf
dem afrikanischen Kontinent hat dazu
geführt, daß Gray kontinuierlich auf
mehr Hilfe für diese Länder drängt,
die ihrem Umfang nach dem Marshallplan zum Wiederaufbau Europas nach
dem Zweiten Weltkrieg gleichkommen
soll. Er hat als Mitglied des Auswärtigen Ausschusses im Repräsentantenhaus einen Gesetzentwurf gefordert, mit dem eine Stiftung für die
Entwicklung Afrikas gegründet werden
soll, mittels derer amerikanische
Hilfe direkt in afrikanische Dörfer
weitergeleitet werden kann. Darüber
hinaus übernahm er beim Problem der
Sanktionen gegenüber der Apartheid in
Südafrika eine Führungsrolle und war
an der Entwicklung der amerikanischen
Haltung beteiligt.

der Zwischenzeit war er Pfarrer in
verschiedenen
Gemeinden
und wurde
nach dem Tod seines Vaters 1972
Pastor von Bright Hope.
Durch seinem Kampf um die Verbesserung der Lebensbedingungen für die
Armen interessierte sich Gray zunehmend für Politik als Kraft sozialen
Wandels. Er entschied sich 1976 zu
einer Kandidatur für den Kongreß und
verlor die Vorwahlen an den Mann, dem
er früher als Praktikant gedient hatte - Robert Nix, Zwei Jahre später
besiegte Gray Nix jedoch in seinem
überwiegend demokratischen Bezirk und
gewann seinen Sitz.
Seit diesem
Wahlkampf 1978 ist Gray alle zwei
Jahre erneut durch eindeutige Siege
in seinem Amt bestätigt worden - sogar mit 91 Prozent der Stimmen.
Gray bezeichnet sich selbst als
"Arbeitstier", er ist unkompliziert,
witzig und immer sehr liebenswürdig.
Er ist verheiratet und hat mit seiner
Frau Andrea drei Söhne.

* £ * * *

Gray wurde am 20. August 1941 in
Baton Rouge (Louisiana) als Sohn eines Priesters und Lehrers und einer
Lehrerin geboren.
Die Familie zog
erst nach Florida und später nach
Philadelphia
um, wo Grays Vater
Pastor der Baptistengemeinde Bright
Hope wurde.
Gray studierte am Franklin and
Marshall College in Lancaster (Pennsylvania) Soziologie und danach Theologie an der Drew Theological Sehool
in Madison (New Jersey). Bereits im
Grundstudium interessierte er sich
für Politik und arbeitete als Prakti&gt;kant für den Abgeordneten seines Bezirks.
Nach weiteren Studien an der University of Pennsylvania, Temple University und Oxford University bestand
er 1970 am Princeton Theological Seminary sein Examen in Theologie. In
2 -

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Hintergrundmaterial
21. Juni 1989

24

WARSCHAUER PAKT MISSACHTET KSZE-VERPFLICHTUNGEN
Der 26. Halbjahresbericht der KSZE in Auszügen -

WASHINGTON - (AD) - Das Verhalten der Warschauer Pakt-Staaten im Bereich
der Menschenrechte und menschlichen Kontakte ist nach wie vor in einer Reihe
von Fällen unbefriedigend und steht nicht im Einklang mit den Bestimmungen der
Schlußakte von Helsinki und den Madrider und Wiener Schlußdokumenten der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE).
Zu dieser Schlußfolgerung gelangt der vom Kongreßausschuß für Sicherheit
und Zusammenarbeit in Europa von Außenminister Baker im Namen von Präsident
Bush am 16. Juni 1989 vorgelegte 26. Halbjahresbericht über die "Durchführung
der Schlußakte von Helsinki".
Nachfolgend veröffentlichen wir Auszüge aus Kapitel 1 des Berichts.

UdSSR

litischen Aktivismus stimulierte.

Die Verwirklichung der Abkommen
von Helsinki, Madrid und Wien durch
die Sowjetunion hat sich im Berichtszeitraum erheblich verbessert.

Ende des Jahres 1988 berichteten
die Sowjets von der Freilassung aller
aus politischen oder religiösen Gründen Inhaftierter, die ausschließlich
aufgrund der Artikel 70, 142, 190.1
und 227 des sowjetischen Strafrechts
verurteilt worden waren. Zuverlässige westliche Quellen gehen jedoch davon aus, daß sich noch immer einige
Personen aufgrund
dieses Artikels
entweder
in Gefangenenlagern
oder
psychiatrischen Kliniken aufhalten.
Die Sowjets hatten darüber hinaus
Verhandlungen
mit den Vereinigten
Staaten aufgenommen, um einen Mechanismus zur Überprüfung der Fälle zu
schaffen, bei denen der begründete
Verdacht
bestand, die betreffende
Person sei aus politischen Gründen

Am 15. Februar hat die Sowjetunion planmäßig ihre widerrechtliche
Besetzung Afghanistans beendet. Im
Inland hat das Streben der sowjetischen Führung nach Glasnost und
"Demokratisierung" zu einer weiteren
Öffnung der sowjetischen Gesellschaft
geführt. Bei den gerade abgehaltenen
Wahlen für den Kongreß der Volksdeputierten wurden so viele Kandidaten
wie nie zuvor gestellt, und die Wahlen waren von einer Offenheit gekennzeichnet, die in der sowjetischen Geschichte ihresgleichen sucht und po-

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�wegen vorgeblicher krimineller Delikte verurteilt worden.

stellten, in der Mehrzahl der Fälle
die Ausreisegenehmigung erteilt wurde. Pro Monat werden über 2 000 neue
Anträge zur Auswanderung in die Vereinigten Staaten gestellt.

Trotz einiger positiver Entwicklungen ist die Durchführung der Abkommen in der Sowjetunion nach wie
vor unbefriedigend und zwar hauptDie sowjetische Regierung besächlich, weil für die meisten Vertrachtet die Verbreitung von Inforbesserungen noch der institutionelle
mationen weiterhin als Instrument, um
Rahmen oder eine feste gesetzliche
die öffentliche Meinung auf den Kurs
Grundlage geschaffen werden muß. Der &gt; der aktuellen Politik zu bringen. Im
Entwurf neuer Gesetze zur Anpassung
Rahmen von Perestojka und Glasnost
der sowjetischen Rechtsgrundlagen an
verfügen die offiziellen Medien jeden internationalen Standard im Bedoch jetzt über etwas mehr Spielraum
reich der Menschenrechte liegt hinter
bei der Entscheidung was veröffentdem Terminplan zurück. Gesetzentwürlicht werden soll. Infolgedessen gefe zur Presse- und Meinungsfreiheit,
ben die Journalisten und Zeitungen
zu Gerichten, sozialen Organisationen
heute ein sehr viel breiteres Spekund Auswanderung werden ebenso wie
trum an Meinungen wider als in der
ein neues Strafgesetz erst im weiteVergangenheit. Mitte Dezember hatten
ren Verlauf des Jahres erwartet.
die Sowjets alle Störungen westlicher
Menschenrechte sind in der SowjetRundfunksendungen eingestellt.
union also immer abhängig von der jeweiligen Politik und nicht eine geIm Berichtszeitraum war die Zusetzlich verankerte Angelegenheit.
sammenarbeit bei Austauschprogrammen
in den Bereichen Kultur und Bildung
insgesamt gut, obwohl sich Anzeichen
Das
Nationalitätenproblem
hat
bemerkbar machten, daß die Ausweitung
sich in den vergangenen 6 Monaten
bilateraler Austauschprogramme allverschärft.
Gewaltakte führten zur
mählich zu Lasten der sowjetischen
Verhängung des Ausnahmezustands in
Infrastruktur geht...
großen
Teilen
von
Armenien
und
Aserbeidschan und zu scharfem Vorgehen gegen nationale Aktivisten. In
anderen Regionen - insbesondere den
Rumänien
baltischen Staaten, aber auch in der
Ukraine, Georgien und der MoldauDie augenfälligste Bekundung der
ischen SSR - tolerierte Moskau wachPolitik Rumäniens im Hinblick auf
sende nationale Selbstbestimmung, obseine KSZE-Verpflichtungen erfolgte
wohl in jüngster Zeit die Sorge über
am Ende des Wiener Folgetreffens im
"Extremisten"
und
"ültrareformer"
Januar, als Rumänien das Schlußdohervorgehoben wurde, die Grundfesten
kument akzeptierte, jedoch bekanntdes sowjetischen Sozialismus und "Ingab, sich nicht an die Verfügungen zu
ternationalismus" angreifen...
halten, gegen die es zuvor Einspruch
erhoben hatte. In den seit Ende des
Wiener Treffens vergangenen Monaten
In der sowjetischen Politik der
hat die rumänische Regierung wiederFamilienzusammenführung konnten erholt Versuche abgewehrt, den im Wiehebliche
Verbesserungen
beobachtet
ner Schlußdokument festgelegten Mewerden, obwohl immer noch Probleme
chanismus der menschlichen Dimension
bestehen.
Die Zahl der jüdischen
auszuüben.
Auswanderer blieb so hoch wie im vergangenen Berichtszeitraum und einer
Reihe
jüdischer Dissidenten wurde
Was die generelle Politik Rumänach langer Zeit endlich die Ausreiniens zu den laufenden KSZE-Verpflichtungen anbetrifft, so hat die
segenehmigung erteilt.
Es hat den
rumänische Regierung im BerichtszeitAnschein, daß jüdischen Auswanderern,
raum die Vertrauens- und sicherheitsdie zum ersten Mal einen Antrag

k

t

.
\

�bildenden Aspekte der KSZE weiterhin
aktiv unterstützt und besondere Betonung auf die ersten sechs Artikel
der
Schlußakte
von Helsinki als
Schlüsse]elemente
ihrer
Innen- und
Außenpolitik gelegt. In den meisten
anderen Bereichen blieb die Bilanz
der rumänischen Regierung weit hinter
ihren KSZE-Verpflichtungen zurück...
Im Bereich der Religionsfreiheit
konnten keine Verbesserungen beobachtet werden, und die Religionsausübung
wird nach wie vor von der Regierung
vorgeschrieben und kontrolliert...
Die
weitverbreitete
Besorgnis
über das Regierungsprogramm zur "Systematisierung" oder Modernisierung
der ländlichen Gebiete hält an. Dem
Plan zufolge soll nahezu die Hälfte
der 13 000 rumänischen Dörfer dem
Erdboden gleichgemacht werden, aber
bis heute ist der Abriß erst in einem
Gebiet in der Nähe von Bukarest erfolgt.
Die "Systematisierung" des
ländlichen Raums wird in Bukarest und
anderen Städten
fortgesetzt.
Die
Einwohner haben wenig oder gar kein
Mitspracherecht bei der Entscheidung
über die Anwendung von politischen
Maßnahmen und wurden gegen ihren Willen zur Umsiedlung gezwungen. Während dieses Berichtszeitraums hat die
Regierungspolitik die ethnische Identität der ungarischen, deutschen und
anderer Minoritäten weiterhin untergraben.
Rumäniens Verhalten zu Korb II
(Wirtschaft, Wissenschaft, Technologie und Umwelt) hat sich während dieses Berichtszeitraums insgeamt nicht
verbessert. Die Aufhebung der Meistbegünstigungskausel für Rumänien trat
am 3. Juli 1988 in Kraft. Rumänien
hat die Mischung an Exportgütern etwas angepaßt, um den Verlust der
Meistbegünstigungsklausel
wettzumachen. . .
Im Bereich der menschlichen Kontakte hat sich Rumäniens Verhalten
nicht verbessert. Obwohl die Anzahl
von Personen leicht angestiegen ist,
denen die Genehmigung für einen kur-

zen Familienbesuch erteilt wurde, erhöhte sich die Zahl derjenigen, denen
die Ausreise bewilligt wurde, nicht
maßgeblich. Der amerikanischen Botschaft liegen Informationen über nahezu 2 500 in Frage kommende Antragsteller vor, die bisher noch nicht
die Genehmigung zur Auswanderung in
die Vereinigten Staaten erhalten haben.
Rumänien strebt außerhalb seiner
Grenzen ein etwas positiveres Image
an, teils indem es die Aktivitäten
der zu Besuch weilenden westlichen
Journalisten einschränkt und sie ausweist, wenn sie sich für von der rumänischen Regierung nicht genehmigte
Aktivitäten engagieren oder denjenigen die Einreise verweigert, die in
der Vergangenheit wenig Schmeichelhaftes über Rumänien zu berichten
hatten...

Polen
Unter den Warschauer Pakt-Staaten
hat Polen im Hinblick auf die generelle Einhaltung der Verfügungen der
Schlußakte
von
Helsinki
und der
Madrider und Wiener Schlußdokumente
eine etwas bessere Bilanz vorzuweisen. In dem hier behandelten Zeitraum geben die politischen Entwicklungen jedoch berechtigten Anlaß zu
der Hoffnung, daß Polen seine KSZEBilanz im nächsten Berichtszeitraum
noch weiter verbessern könnte.
Diese Entwicklungen können praktisch ausnahmslos unter dem Oberbegriff der "Gespräche am runden Tisch"
zusammengefaßt werden.
Diese Verhandlungen wurden am 6. Februar nach
monatelangen Verzögerungen für die
Dauer von 8 Wochen aufgenommen. Vertreter von Opposition und Behörden
kamen zu offenen und äußerst detaillierten Verhandlungen über die vordringlichsten
politischen,
wirtschaftlichen und sozialen Probleme
zusammen, mit denen sich Polen konfrontiert sieht.
Daß das Abkommen am runden Tisch

�einen solchen
bedeutenden Schritt
nach vorne verkörpert, ist jedoch ein
Anzeichen für das ungenügende Ausmaß,
in dem Bürgerrechte zum gegenwärtigen
Zeitpunkt in Polen institutionalisiert sind. Viele der Restriktionen
heim Recht auf freie Meinungsäußerung
und der Versammlungsfreiheit in Polen
blieben im Berichtszeitraum weiterhin
gesetzlich verankert, obwohl die Änderung vieler dieser Gesetze im Verlauf der Gespräche am runden Tisch
vereinbart worden war...
Selbst wenn die Vereinbarungen am
runden Tisch in Polen generell anerkannt würden, wäre die Verwirklichung
des Abkommens immer noch eine Herausforderung. Eine Vielzahl unabhängiger Faktoren - vornehmlich in der
krisengeschüttelten polnischen Wirtschaft - bergen das Potential, die
vollständige Verwirklichung der Bestimmungen des Abkommens zu durchkreuzen oder sogar zu verhindern.

Ungarn
Verglichen mit anderen Warschauer
Pakt-Staaten weist Ungarn insgesamt
eine relativ gute Bilanz der Einhaltung von Prinzipien der Schlußakte
von Helsinki und der Schlußdokumente
von Madrid und Wien auf. Im untersuchten Zeitraum wurden alles in allem bedeutsame weitere Fortschritte
bei der Menschenrechtssituation in
Ungarn erzielt.
Dazu zählten der
friedliche Regierungswechsel und einige der größten von inoffiziellen
Gruppen
organisierten
friedlichen
Massendemonstrationen seit 1948. Ein
Dutzend neue unabhängige Organisationen wurde gegründet, und im Berichtszeitraum wurden drei politische Pai—
teien wieder zugelassen.
Zusammenkünfte der Opposition und Aktivitäten
der 'Samisdat' fanden - zumeist ohne
staatliche Einmischung - weiterhin
statt.
Die Nationalversammlung hat dem
Entwurf einer neuen ungarischen Verfassung zugestimmt, die das im Jahr
1949
verabschiedete
Dokument
der

Stalin-Ara ersetzen soll.
Darüber
hinaus hat sie wichtige neue Gesetze
über das Recht auf Versammlungsfreiheit und Streiks gebilligt. Sie unternimmt Schritte zur Erhöhung der
richterlichen Gewalt und führt eine
Reihe neuer Gesetze über Gewerkschaften, politische Parteien und die
Presse ein.
Ein
drastisch
liberalisiertes
Paßgesetz hat 1988 den Ungarn 11 Millionen Reisen ins Ausland und dreimal
soviele Reisen nach Österreich ermöglicht.
Negativ zu verzeichnen ist die
Intervention der Polizei in einer Uberwältigenden
Demonstration
ihrer
Macht, mit der sie am 15. November
die Demonstration der Opposition zur
Unterstützung der Flüchtlinge aus Rumänien auflöste.
Einige der heute
wahrgenommenen Verbesserungen bei den
Menschenrechten können vom Regime zunichte gemacht werden, das immer noch
die wichtigsten Entscheidungen über
die künftige Rolle der kommunistischen Partei am Arbeitsplatz und bei
den Streitkräften sowie das Ausmaß
der in Ungarn zulässigen repräsentativen Demokratie debattiert.

Deutsche Demokratische Republik
In der Deutschen Demokratischen
Republik (DDR) werden weiterhin nur
geringe Fortschritte bei der Verwirklichung der Schlußakte von Helsinki
verzeichnet.
Wenn im Berichtszeitraum positive Entwicklungen stattfanden, so schienen diese durch ostdeutsche Versuche zur Einhaltung der
im Schlußdokument von Wien eingegangenen Verpflichtungen beeinflußt zu
sein. Die allgemeine Situation insbesondere im Hinblick auf Menschenrechte, Grundfreiheiten und Zusammenarbeit im humanitären Bereich ist jedoch weiterhin unbefriedigend, und
Verbesserungen
beispielsweise
bei
Reisen und Ausreisen in den Westen
und eine beschränkte Entspannung im
kulturellen Bereich waren begleitet
von anhaltenden Spannungen zwischen

�Evangelischer Kirche und Staat und
der zunehmenden Anwendung des Schießbefehls an der Mauer.
Ein lange erwartetes Gesetz zur
Regelung von Reisen und Ausreisen
wurde im Dezember 1988 verabschiedet
und trat am 1. Janaur 1989 in Kraft.
Nach diesem Gesetz werden Bürger nach
dem 1. Juli das Recht auf richterliche Überprüfung
von Negativentscheidungen haben.
Weiteren Mitte
März verabschiedeten Zusätzen zufolge
werden die Regelungen für private Besuche in dem Versuch gelockert, auf
vielfach geäußerte Kritik zu reagieren, der zufolge die neuen Gesetze
mehr Einschränkungen enthalten als
die der vergangenen Jahre. Im allgemeinen sind Familienzusammenführung,
Heirat mit anderen Staatsangehörigen,
Ausreisen und Westreisen für DDR-Bürger wach wie vor eher Privilegien als
Rechte, und in der DDR herrscht weithin Skepsis darüber, ob die Bestimmungen zu großzügigeren Reisen und
Ausreisen im Jahr 1989 führen werden.
Im Hinblick auf die Alarmbereitschaft der DDR an ihren scharf bewachten Grenzen und am Sektorenübergang in Berlin hat keine Entspannung
stattgefunden.
Trotz Installierung
eines
hochmodernen
Frühwarnsystems
werden vereinzelt Fälle geglückter
Fluchtversuche. . .

Tschechoslowakei
Die Situation in der Tschechoslowakei bei der Verwirklichung von KSZE
ließ in den vergangenen sechs Monaten
zu wünschen übrig. ... Trotz einiger
positiver
Entwicklungen
ereigneten
sich in diesem Zeitraum zahlreiche
Zwischenfälle, bei denen die Behörden
Gewalt und eine Reihe von gerichtlichen und außergerichtlichen Maßnahmen
wie Drohungen, Verhöre, kurze Verhaftungen anwendeten und Pässe verweigerten, um unabhängige politische,
religiöse und kulturelle Aktivitäten
zu behindern.
Das bedeutendste Ereignis in die-

sem Zeitraum waren der Prozeß und die
Verurteilung des bekanntesten Verfechters von Menschenrechten in der
Tschechoslowakei, Vaclav Havel, aufgrund von Beschuldigungen, die im Zusammenhang mit Demonstrationen in
Prag im Januar zum Gedenken an den
Selbstmord von Jan Palach im Jahr
1969 erhoben worden waren.
Havel
wurde zu acht Monaten Gefängnis verurteilt.
Bei vertrauensbildenden und damit
in Zusammenhang stehenden Maßnahmen
hat die Tschechoslowakei alle Anforderungen des Stockholmer KVAE-Abkommens zur Benachrichtung einer im Februar und März dieses Jahres auf ihrem
Territorium durchgeführten militärischen Übung erfüllt. Darüber hinaus
haben die Tschechoslowaken vorab Informationen über eine militärische
Übung veröffentlicht, die wahrscheinlich nicht unter die Notwendigkeit
der Benachrichtung gemäß der KVAE
fällt.
Bedingungen für ausländische Geschäftsreisende sind immer noch weit
vom Ideal zustand entfernt.
Dennoch
könnten sich mit den in der Tschechoslowakei verfügten Reformen zum
beschränkten wirtschaftlichen Wiederaufbau einige Verbesserungen ergeben. . .
Die Tschechoslowakei
hat eine
schlechte Bilanz beim Problem geteilter Familien. Bei anderen Problemen
der Freizügigkeit lassen die Zustände
immer noch stark zu wünschen übrig.
Die Reisemöglichkeiten für Bürger der
Tschechoslowakei
haben
sich etwas
verbessert, sind aber immer noch beschränkt. Das Land führt weiterhin
scharfe Grenzkontrollen durch.
Im Berichtszeitraum waren in der
Tschecholowakei sehr geringe sichtbare Verbesserungen bei der Verbreitung von gedruckten, gefilmten und in
Radio und Fernsehen gesendeten Informationen zu verzeichnen.
Insgesamt
gab es weiterhin relativ starke bilaterale Beziehungen in den Bereichen
Kultur und Bildung, was teilweise auf

- 5 -

�die Verwirklichung eines bilateralen
Abkommen über einen Austausch in den
Bereichen Kultur, Bildungswesen und
Wissenschaft zurückführen ist, das im
April 1986 geschlossen und 1988 erneuert wurde.

Bulgarien
Bulgarien verweigert seinen Bürgern weiterhin bestimmte Menschenrechte und Grundfreiheiten und beschränkt den Fluß von Informationen,
errichtet
weiterhin
gesetzliche
Schränken für die Freizügigkeit im
In- und Ausland, behindert die Versammlungsfreiheit
und verfolgt die
Mitglieder verschiedener unabhängiger
Menschenrechtsgruppen durch Maßnahmen
wie Schikanen, Verhaftung und Verbannung und tatsächliche Ausweisung.
Die
Ausübung
des
islamischen
Glaubens wird verhindert, und Bulgarien erkennt weiterhin die Existenz
der im Land stark unterdrückten türkischen Minderheit nicht an...
Bulgarien hat weitere wirtschaftliche Reformmaßnahmen mit dem Ziel
einer Dezentralisierung und größerer
wirtschaftlicher
Freiheit
verfügt.
Anhaltende
Wirtschaftsprobleme,
wie
etwa ein steigender Schuldenberg in
harter Währung haben das Interesse
der Regierung an der Erweiterung von
Handels- und
Geschäftskontakten
mit
dem Westen entfacht . . .
Bulgariens
generell
kooperative
Haltung und ein andauernder Prozeß
bilateraler Konsultationen führte zur
Lösung einer Reihe von der amerikanischen Botschaft bekannter Fälle geteilter Familien . . . Gesetzliche Beschränkungen über Reisen und Ausreisen blieben jedoch bestehen und führten zu immer neuen Fällen. Trotz der
steigenden Zahl ins Ausland reisender
Bulgaren bleiben Gesetze über die
Ausstellung von Pässen im Berichtszeitraum ein unerfülltes Versprechen.
Die bulgarische Regierung dokumentierte größere Offenheit mit der

- 6

Veröffentlichung
sozialer
Probleme
wie Drogenabhängigkeit, Prostitution
und Jugendkriminalität.
Seit Dezember 1988 wird Radio Free Europe nicht
mehr gestört, türkische Rundfunksender jedoch weiterhin blockiert.
In
jüngster Zeit haben Schriftsteller,
Künstler und andere "Intellektuelle"
erstmalig auf Kongressen offene und
lebhafte Diskussionen über eine Reihe
heikler Themen geführt.
Andererseits
diszipliniert
das
Regime nach wie vor diejenigen Mitglieder der Presse, die sich über die
von der Regierung abgesteckten Grenzen hinaus auf Glasnost berufen und
führt eine aktive Propagandakampagne
gegen Dissidenten und erklärte Mitglieder der Intelligenz! ja des Landes . . .

* * * * *

•

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\ l G N

^

Wissenschaft und Technik
21. Juni 1989

24

AIDS-EPIDEMIE FÜR DEN AMERIKANISCHEN KONTINENT BEFURCHTET
- WHO-Experten vergleichen Situation mit Afrika -

WASHINGTON - (AD) - Gesundheitsexperten der Pan-Amerikanisehen Gesundheitsorganisation (PAHO), einer Sektion der Weltgesundheitsorganisation (WHO),
prognostizieren eine "massive" AIDS-Epidemie für die Länder des amerikanischen
Kontinents. Sie könnte, wie auch die Fachzeitschrift "New England Journal of
Medicine" kürzlich warnte, durchaus den Umfang annehmen, wie er bereits in Afrika zu beobachten ist.

Aufgrund der vorliegenden Daten
kann man Marjorie Anderson Clifford
von der statistischen Abteilung der
PAHO zufolge die Zahl der Infizierten
mit 2,5 Millionen beziffern. "Bis
zum Jahr 1992 dürfte eine AIDS-Erkrankung bei einer halben Million
Menschen zum Ausbruch gekommen sein",
erklärte sie.
Laut Dr. Jonathan M. Mann, Direktor der Weltgesundheitsorganisation
in Genf, wurden weltweit bisher etwa
250 000 Krankheitsfälle registriert.
Fünf bis zehn Millionen Menschen sind
bereits Träger von AIDS-Viren. Die
meisten gemeldeten Erkrankungen verzeichnen
die Vereinigten Staaten,
Brasilien, Uganda
und Frankreich.
Auch Mexiko, Kanada, Haiti und die
Dominikanische Republik stehen weit

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oben auf der Liste.
Gemessen an der Gesamtbevölkerungszahl ist Ms. Clifford zufolge
die Erkrankungsrate auf den Bahamas,
in Trinidad-Tobago, auf den Bermudas
und in Honduras alarmierend hoch.
Eines der schwierigsten Probleme bei
der Ermittlung der genauen Zahl von
AIDS-Erkrankungen in Entwicklungsländern, sind irrige Vorstellungen und
Tabus im Bereich der Sexualität.
Beispielsweise sei dem aggressiveren
Partner eines homosexuellen Paares
nicht klarzumachen, daß er homosexuell ist, so daß Wissenschaftler,
die statistische Erhebungen in Ländern wie Haiti vornehmen, irreführende Angaben bekommen.
Ms. Clifford
schätzt, daß die 1850 in Haiti registrierten AIDS-Fälle nur etwa ein

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�Fünftel der tatsächlichen Zahl manifester Erkrankungen ausmachen. "Und
dies gilt meines Erachtens überall in
der Karibik und in den übrigen zentral- und südamerikanischen Ländern",
meinte sie. "Man kann sich vorstellen, was all dies für die bereits angespannte Haushaltssituation der meisten Regierungen in der Region bedeutet. AIDS wird zweifellos die Volkswirtschaft dieser Nation aufs Schwerste belasten. Mehr als drei Jahrzehnte wirtschaftlicher und sozialer
Entwicklung dürften buchstäblich ausgelöscht werden, weil die Regierungen
dieser Länder Entwicklungsgelder zur
Abdeckung der Gesundheitskosten aufwenden müssen."
Die PAHO unterstützt mittel- und
langfristige Programme, um der Ausbreitung von AIDS entgegenzuwirken.
Aufklärung und Information in Wort
und Schrift, vor allem auch Vorträge
mit Bildvorführungen bei der häufig
leseunkundigen Landbevölkerung sind
wichtige Punkte. Sie soll in die Lage versetzt werden, AIDS-Symptome wie
geschwollene Lymphdrüsen, Durchfall,
Nachtschweiß, trockener Husten, Erschöpfung, Fieber und Gewichtsverlust
zu erkennen. "Solche Symptome können
natürlich auch Hinweise auf andere
Erkrankungen wie z.B. auf Tuberkulose
sein", meinte Ms. Clifford.
"Aber
die Leute sollten zumindest wissen,
wann sie einen Arzt aufsuchen müssen."

Große Sorge bereitet der WHO und
der PAHO die Übertragung von AIDS auf
Neugeborene durch ihre Mütter, die
häufig vielleicht gar nicht wissen,
daß sie Virusträger sind und bei denen sich womöglich auch nie die Erkrankung in vollem Umfang entwickelt.
So würden sie immer wieder Babies zur
Welt bringen, diese sterben sehen und
glauben, so sei nun einmal der Lauf
der Welt, sagte Marjorie Clifford.
Der finanziellen Förderung zahlreicher Projekte, mit denen man die Ausbreitung von AIDS in der ganzen Welt
aufhalten will - etwa durch amerikanische und kanadische Organisationen wie die Kanadische Internationale
Entwicklungsbehörde und die US-Behörde für Internationale Entwicklung
(A.I.D.) - gebühren große Anerkennung.

* * * * * *

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;Crowe: Sowjetische Armee immer noch schlagkräftig&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede an der Militärakademie in Moskau&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;&lt;strong&gt;2. Information&lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;Gephardt: Erfahren in der Gesetzgebung - Unermüdlich im Wahlkampf&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Porträt des neuen Mehrheitsführers im Repräsentantenhaus&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;Gray eilt der Ruf von Fairness und Pragmatismus voraus&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Porträt des neues "Einpeitschers" der Demokraten&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;&lt;strong&gt;3. Hintergrundmaterial&lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;Warschauer Pakt mißachtet KSZE-Verpflichtungen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Der 26. Halbjahresbericht KSZE in Auszügen&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;&lt;strong&gt;4. Wissenschaft und Technik&lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;AIDS-Epidemie für den amerikanischen Kontinent befürchtet&lt;br /&gt;&lt;em&gt;WHO-Experten vergleichen Situation mit Afrika&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST&#13;
&#13;
14. J u n i 1989&#13;
&#13;
23&#13;
&#13;
INHALT&#13;
&#13;
DOKUMENTATION&#13;
&#13;
Bush verurteilt Gewalt und hofft auf eine Einigung in China&#13;
- Pressekonferenz des amerikanischen Präsidenten -&#13;
&#13;
Mosbacher sieht das Handelssystem bedroht&#13;
- Rede des amerikanischen Handelsministers -&#13;
&#13;
WISSENSCHAFT UND TECHNIK&#13;
&#13;
Wissenschaftler fordern rasches Handeln beim "Treibhauseffekt'&#13;
&#13;
* * * * * *&#13;
&#13;
United States Information Service&#13;
Embassy of the United States of America&#13;
&#13;
Postfach 20 03 00&#13;
D 5300 Bonn 2&#13;
&#13;
Tel.: 0228-339 2035&#13;
Telex: 8-85432&#13;
&#13;
�AMERIKA DIENST&#13;
Dokumentation&#13;
14. Juni 1989&#13;
&#13;
23&#13;
&#13;
BUSH VERURTEILT GEWALT UND HOFFT AUF EINE EINIGUNG IN CHINA&#13;
- Pressekonferenz des amerikanischen Präsidenten -&#13;
&#13;
WASHINTON - (AD) - In seiner ersten Pressekonferenz zur Hauptsendezeit erklärte Präsident Bush am 8. Juni 1989 im amerikanischen Fernsehen, die Vereinigten Staaten verurteilten "die Gewalt und die Todesopfer" in China und&#13;
fügte hinzu, er "hoffe immer noch, daß in China eine baldige Einigung hervorgebracht wird, die den vom Volk bekundeten Drang nach Demokratie respektiert".&#13;
&#13;
Der Präsident beantwortete ebenfalls einige Fragen zum sowjetischen&#13;
Staats- und&#13;
Parteichef&#13;
Gorbatschow&#13;
und bemerkte, Gorbatschow demonstriere "sein Engagement für Veränderungen&#13;
und Reformen" und er (Bush) wünsche&#13;
"Perestrojka Erfolg". Darüber hinaus&#13;
beantwortete Bush Fragen zum Iran,&#13;
Panama, Polen, zum NATO-Bündnis und&#13;
den atomaren Kurzstreckenraketen.&#13;
Nachfolgend veröffentlichen wir&#13;
diese Pressekonferenz in wesentlichen&#13;
Auszügen:&#13;
Frage:&#13;
Herr&#13;
Präsident,&#13;
die&#13;
Aussetzung des Verkaufs militärischer&#13;
Güter nach China scheint auf die dortige Führungsspitze keine Eindruck&#13;
gemacht zu haben, und die Repressalien scheinen zuzunehmen. Was wer-&#13;
&#13;
United States Information Service&#13;
Embassy of the United States of America&#13;
&#13;
den Sie noch tun, um die Empörung der&#13;
Vereinigten Staaten zum Ausdruck zu&#13;
bringen. Haben Sie weitere Pläne?&#13;
Antwort:&#13;
Meiner Ansicht nach&#13;
hat die von uns eingenommene Haltung,&#13;
die sich nicht etwa gegen das chinesische Volk richtet, sondern militärische Vereinbarungen betrifft, auf&#13;
der ganzen Welt ein positives Echo&#13;
gefunden.&#13;
Viele europäische Länder&#13;
sind unserem Beispiel gefolgt. Die&#13;
Ereignisse in China sind dergestalt,&#13;
daß wir natürlich die Gewalt und die&#13;
Todesopfer verurteilen und auf Rückkehr zur Ordnung unter Beachtung der&#13;
Rechte des Volkes drängen. Ich hoffe&#13;
immer noch, daß in China eine baldige&#13;
Einigung hervorgebracht wird, die den&#13;
vom Volk bekundeten Drang nach Demokratie respektiert.&#13;
&#13;
Postfach 20 03 00&#13;
D 5300 Bonn 2&#13;
&#13;
Tel.: 0228-339 2035&#13;
Telex: 8-85432&#13;
&#13;
�Und was wir in Zukunft unternehmen wollen, werde Ich zu gegehener&#13;
Zelt verkünden. Im Augenblick unternehmen wir Anstrengungen auf diplomatischem Wege, wie andere Länder auch.&#13;
Wollen wir hoffen, daß sich dies günstig auf die Situation auswirkt.&#13;
Frage:&#13;
Weiten Sie Ihre Unterstützung für Menschenrechte und Demokratie auch auf andere Teile der&#13;
Welt, wie etwa Südafrika oder das&#13;
Westjordanland, aus, wo schon sehr&#13;
viel länger als in China gegen Unterdrückung gekämpft wird?&#13;
Antwort:&#13;
Ja, natürlich.&#13;
Das&#13;
AnHegen hat universellen Chrakter.&#13;
Und ich möchte, daß die chinesische&#13;
Führungsspitze dies versteht.&#13;
Ich habe in China gelebt und verstehe die Bedeutung der Beziehungen&#13;
zum chinesischen Volk und zur chinesischen Regierung. Gute Beziehungen&#13;
liegen im Interesse der Vereinigten&#13;
Staaten, und sie haben nur zu recht&#13;
darauf hingewiesen, daß wir uns für&#13;
die Menschenrechte aussprechen müssen. Wir können die Welt nicht neu&#13;
erschaffen, aber wir sollten für etwas einstehen. Und für diese Studenten ist es keine Frage, daß sich die&#13;
Vereinigten Staaten für sie stark&#13;
machen.&#13;
Ich möchte Ihnen dazu eine kleine&#13;
Geschichte&#13;
erzählen.&#13;
Als&#13;
unsere&#13;
Fahrzeuge zur Universität fuhren, um&#13;
einige Studenten von dort wegzubringen, schlug ihnen von überallher&#13;
Applaus entgegen. Und auch die Studenten hier haben die von mir unternommenen Schritte sehr wohl begrüßt.&#13;
Vor einigen Tagen hatten wir einige&#13;
von ihnen zu Besuch im Oval Office,&#13;
und ich fühle wirklich mit ihnen.&#13;
Sie können nicht mit ihren Familien&#13;
sprechen. Es ist alles sehr schwierig.&#13;
Aber die Vereinigten Staaten müssen überall, in welchem Land auch immer, unbedingt für die Menschenrechte&#13;
einstehen. Sie haben in diesem Zusammenhang Südafrika erwähnt. Natür-&#13;
&#13;
lich auch dort.&#13;
Die schreckliche&#13;
Apartheid muß ein Ende haben.&#13;
Frage:&#13;
Herr Präsident&#13;
können&#13;
die Vereinigten Staaten normale Beziehungen zu China aufnehmen, solange&#13;
die wahrscheinlich für das Massaker&#13;
verantwortlichen Hardliner wie Deng&#13;
Xiaoping&#13;
und Ministerpräsident Li&#13;
Peng noch an der Macht sind? Mit anderen Worten, was muß getan werden,&#13;
damit die amerikanisch-chinesischen&#13;
Beziehungen wieder in ihr normales&#13;
Fahrwasser zurückgelangen?&#13;
Antwort:&#13;
Dazu wird die Beachtung der Rechte des Einzelnen und der&#13;
Respekt für Andersdenkende erforderlich sein. Sie haben zwei führende&#13;
Politiker erwähnt, wobei ich Ihnen zu&#13;
Deng Xiaoping etwas erzählen möchte,&#13;
was den Amerikanern wenig bekannt&#13;
sein dürfte. Er wurde Ende der sechziger Jahre von den Anhängern der&#13;
Kulturrevolution abgesetzt, 1976 kam&#13;
er wieder, wurde aber wiederum als zu&#13;
fortschrittlich davon gejagt.&#13;
Ich&#13;
möchte damit nur sagen, daß wir nicht&#13;
leichtfertige Schlußfolgerungen ziehen sollen, was einzelne Politiker in&#13;
China denken, wenn wir uns dessen&#13;
nicht sicher sein können.&#13;
Aber nochmals zu Ihrer Frage:&#13;
Wir können keine völlig normalen Beziehungen haben, wenn nicht die Gültigkeit der Hoffnungen dieser Studenten anerkannt wird, und ich denke, es&#13;
wird dazu kommen.&#13;
Wir hatten gerade Herrn Wan Li zu&#13;
Besuch im Weißen Haus. Er hat etwas&#13;
gesagt, was die Bürger Amerikas sicher interessieren wird. Er hat erklärt, die Armee liebe das Volk. Und&#13;
dann sehen wir, wie Soldaten der 27.&#13;
Armee Peking stürmen und Menschen erschießen.&#13;
Ich denke auch nicht, daß wir die&#13;
gesamte Volksbefreiungsarmee Chinas&#13;
nach diesem schrecklichen Zwischenfall beurteilen sollten. Ich möchte&#13;
diese Beziehungen so gut wie eben&#13;
möglich erhalten, und ich hoffe, daß&#13;
die vor uns liegende Situation dies&#13;
&#13;
�zulassen wird. Ich möchte kein Urteil über einzelne Politiker abgeben,&#13;
aber dennoch diesen Politikern und&#13;
auch dem Rest der Welt gegenüber&#13;
klarstellen,&#13;
daß&#13;
die&#13;
Vereinigten&#13;
Staaten diese Art von Brutalität, wie&#13;
wir sie auf unseren Fernsehschirmen&#13;
sehen konnten, verurteilen.&#13;
&#13;
gene Sichrheit fürchten mußte. Die&#13;
chinesische Regierung hat dies als&#13;
böswillige Einmischung in ihre inneren Angelegenheiten und als Verletzung des Völkerrechts bezeichnet.&#13;
Wie reagieren Sie darauf und werden&#13;
die Vereinigten Staaten Fang Asyl in&#13;
den Vereinigten Staaten gewähren?&#13;
&#13;
Frage:&#13;
Sie haben erklärt, unser Ziel bestehe im Erhalt der Beziehungen zur chinesischen Regierung.&#13;
Aber was sagen Sie dem amerikanischen&#13;
Volk, das sich vielleicht wundert,&#13;
warum wir nicht als einer der wichtigsten Befürworter von Demokratie&#13;
auf der Welt einen härteren Kurs einschlagen und in dieser Situation&#13;
nicht unserer Verantwortung gerecht&#13;
werden?&#13;
&#13;
Antwort:&#13;
Ich möchte meine Zuhörer daran erinnern, daß wir hier&#13;
nicht über Asyl diskutieren. Das käme einer öffentlichen Erörterung von&#13;
Angelegenheiten gleich, die den Nachrichtendienst betreffen.&#13;
Aber was&#13;
Ihre Frage betrifft, so haben wir im&#13;
Einklang mit dem Völkerrecht aus humanitären Gründen eine außergewöhnliche Maßnahme ergriffen. Seiner Ansicht nach war seine persönliche&#13;
Sicherheit bedroht. Und traditionell&#13;
versuchen wir, eine solche Angelegenheit in Zusammenarbeit mit dem ausländischen Staat zu lösen. Wir verletzen&#13;
also&#13;
der Meinung&#13;
unserer&#13;
Rechtsberater zufolge nicht das Völkerrecht. Es ist sehr schwierig für&#13;
die Vereinigten Staaten, einen Menschen abzuweisen, der als Dissident&#13;
vorspricht und um sein Leben fürchten&#13;
muß. Auf diesen Voraussetzungen wurden die Vereinigten Staaten nicht gegründet. In diesem Sinne haben wir&#13;
Meinungsverschiedenheiten.&#13;
Ich hoffe, sie lassen sich lösen.&#13;
&#13;
Antwort: Nun, es sind zum Beispiel Vorschläge laut geworden, unseren Kurs zu demonstrieren, indem wir&#13;
den Botschafter abziehen. Ich vertrete eine völlig entgegengesetzte&#13;
Meinung. Wir konnten in den vergangenen Tagen beobachten, daß wir sehr&#13;
wohl Gründe für seinen Verbleib dort&#13;
haben. Tatsächlich wurde einer Ihrer&#13;
Kollegen, Richard Roth von CBS, zum&#13;
Teil aufgrund der Arbeit unserer Botschaft und unseres sehr fähigen Botschafters Jim Lilley, frei gelassen.&#13;
Es sind auch Vorschläge laut geworden, wirtschaftliche Sanktionen zu&#13;
verhängen. Ich möchte den Handel mit&#13;
Getreide - und Getreide ist es, was&#13;
wir gerade an die Volksrepublik China&#13;
geliefert haben - nicht aufgeben.&#13;
Meiner Ansicht nach ginge dies zu&#13;
Lasten des Volkes.&#13;
Ich möchte&#13;
vielmehr all die&#13;
Schritte unternehmen, die Amerikas&#13;
Besorgnis am deutlichsten ausdrücken.&#13;
Und ich denke, das habe ich getan.&#13;
Ich werde noch andere Möglichkeiten&#13;
in Erwägung ziehen, die wir ergreifen&#13;
können.&#13;
&#13;
Frage:&#13;
Die Regierung im Iran&#13;
hat gewechselt. Und die Frage an Sie&#13;
lautet, besteht Hoffnung darauf, daß&#13;
die Beziehungen zu diesem Land in irgendeiner Form wiederhergestellt werden können? Wie Sie wissen, hat der&#13;
Iran heute ein informelles Angebot&#13;
unterbreitet, daß sie uns bei der Befreiung unserer Gefangenen oder Geiseln helfen würden, wenn die Amerikaner sie im Gegenzug bei der Befreiung&#13;
von Iranern unterstützen würden, die&#13;
von den Falangisten gefangengehalten&#13;
werden.&#13;
Bestehen in naher Zukunft&#13;
Hoffnungen auf Veränderungen?&#13;
&#13;
Frage:&#13;
Der chinesische Dissident Fang Lizhi hat in der amerikanischen Botschaft&#13;
Schutz gesucht,&#13;
weil er offentsichtlich um seine ei-&#13;
&#13;
Antwort:&#13;
Für veränderte Beziehungen?&#13;
Ich habe erst vor einigen&#13;
Tagen erklärt, was für Veränderungen&#13;
notwendig wären, und es wäre vor al-&#13;
&#13;
�lern die Absage an den Terror. Wir&#13;
können keine normalen Beziehungen zu&#13;
einem Land unterhalten, das als terroristischer Staat gebrandmarkt ist.&#13;
Und zweitens müssen wir an die Freilassung amerikanischer Geiseln denken. Genau das wäre dazu erforderlich. Es gab vor einiger Zeit einen&#13;
Fall , bei dem die Iraner um Informationen über ihre Geiseln nachgesucht&#13;
haben - sie haben uns zu Recht nicht&#13;
beschuldigt, Menschen als Geiseln zu&#13;
halten oder dies In irgendeiner Weise&#13;
zu&#13;
befürworten.&#13;
Wir&#13;
verurteilen&#13;
dies. Und wir haben ihnen diese Informationen gegeben.&#13;
Aber es sind&#13;
noch Veränderungen im Verhalten erforderlich. Sie nennen uns weiterhin&#13;
"Großer Satan". Aber das kümmert uns&#13;
nicht.&#13;
Dem alten Spruch zufolge&#13;
schmerzen nur Stockschläge auf dem&#13;
Rücken. Und Nachrede tut nicht weh,&#13;
aber wir wollen Taten sehen. Und bis&#13;
jetzt konnte ich noch keine Veränderungen wahrnehmen.&#13;
Ich habe in der Rede bei meiner&#13;
Amtsübernahme den Olivenzweig hingehalten und erklärt, wir seien um bessere Beziehungen zum Iran bestrebt.&#13;
Wir mögen das iranische Volk. In unserem Land leben viele Iraner. Und&#13;
ich habe erklärt: Wenn Sie bessere&#13;
Beziehungen wünschen, müssen sie bei&#13;
den Menschen, die gegen ihren Willen&#13;
festgehalten werden, das Richtige&#13;
tun. Und wir sehen keine Fortschritte. Dieses Angebot möchte ich heute&#13;
abend wiederholen.&#13;
Frage: Vor einigen Tagen haben&#13;
Sie mit Richard Nixon telephoniert&#13;
und über China gesprochen. Da Sie&#13;
mit einigen der führenden chinesischen Politiker persönlich bekannt&#13;
sind, frage ich mich: Warum telefonieren Sie nicht mit ihnen?&#13;
Antwort:&#13;
Das habe ich heute&#13;
versucht. Was für ein Zufall, daß&#13;
Sie diesen Punkt ansprechen.&#13;
Frage: Was haben Sie in Erfahrung gebracht?&#13;
Antwort:&#13;
&#13;
Ich bin nicht durch-&#13;
&#13;
gekommen.&#13;
&#13;
Die Leitung war besetzt.&#13;
&#13;
Frage:&#13;
Konnten Sie bei Ihren&#13;
Telephongesprächen herausfinden, wer&#13;
in China wirklich an der Macht ist?&#13;
Antwort:&#13;
Ich sagte doch, ich&#13;
bin nicht durchgekommen und habe mit&#13;
unserem Botschafter gesprochen, insbesondere angesichts der Tatsache,&#13;
daß heute viele Fragen über China gestellt werden würden und die Situation noch sehr sehr unklar ist. Genau so ist es gewesen.&#13;
Ich erinnere mich daran, daß man&#13;
zu meiner Zeit in China feststellte,&#13;
wer Gewinner oder Verlierer war, indem man Leute in die Stadt schickte,&#13;
um die Limousinen mit roten Fähnchen&#13;
zu zählen. Diese wußten dann zu berichten, es seien etwa 30 gesichtet&#13;
worden und ein wichtiges Treffen müsse stattfinden.&#13;
Und jeder bemühte&#13;
sich, festzustellen, wer ausstieg,&#13;
oder wer bei einer Parade oder einer&#13;
Feier neben wem stand. Seitdem gab&#13;
es mehr Offenheit, und es haben drastische Veränderungen stattgefunden.&#13;
Aber&#13;
es&#13;
ist&#13;
außergewöhnlich&#13;
schwierig, herauszufinden, wie es mit&#13;
der inneren Organisation bestellt&#13;
ist.&#13;
Ich habe mich heute bemüht,&#13;
einen chinesischen Politiker zu kontaktieren; es hat nicht geklappt,&#13;
aber ich werde es weiter versuchen.&#13;
Ich möchte, daß Sie wissen, wie wichtig mir diese Beziehungen sind und&#13;
wieviel mir das Leben jedes einzelnen&#13;
Studenten wert ist.&#13;
Frage:&#13;
Sie haben bereits auf&#13;
Deng Xiaoping verwiesen und darauf,&#13;
daß er möglicherweise nicht für die&#13;
Aktionen verantwortlich&#13;
zu machen&#13;
ist. Sie haben ihn als Reformer bezeichnet, der&#13;
zweimal davongejagt&#13;
wurde und zurückkehrte. Was wollen&#13;
Sie damit sagen? Liegen Ihnen Informationen darüber vor, daß er nicht...&#13;
Antwort:&#13;
Ich&#13;
habe&#13;
versucht,&#13;
darzulegen, daß ich es nicht genau&#13;
weiß und daß es außerhalb Chinas&#13;
schwer zu beurteilen ist. So funk-&#13;
&#13;
�tioniert eben das chinesische System.&#13;
Wenn wir jeden Tag neue Namen von&#13;
dort lesen, gibt das kein richtiges&#13;
Bild wieder.&#13;
Ich möchte nicht, daß beim amerikanischen Volk ein falscher Eindruck&#13;
entsteht. Aber ich weiß, daß wir ungeachtet dessen, wer dort an der&#13;
Macht ist, die Ereignisse verurteilen. Es gibt Beziehungen dort, die&#13;
für die Vereinigten Staaten von fundamentaler Bedeutung sind und deren&#13;
Erhaltung&#13;
ich gewährleistet sehen&#13;
möchte. Ich strebe ein angemessenes,&#13;
vorsichtiges Gleichgewicht&#13;
an und&#13;
versuche, nicht auf extreme Positionen zu hören, die mir raten, den Botschafter abzuziehen und dem chinesischen Volk die Nahrungsmittel zu verwehren, um unsere Besorgnis zu dokumentieren. Ich denke, wir haben den&#13;
richtigen Weg eingeschlagen, aber ich&#13;
kann Ihnen einfach nicht sagen, wer&#13;
heute an der Macht ist - auch wenn&#13;
das eine gute Frage ist.&#13;
Frage:&#13;
Dazu möchte ich noch&#13;
folgendes fragen: Als Sie zu Beginn&#13;
dieses Jahres in China waren, sind&#13;
Sie mit Li Peng zusammengetroffen,&#13;
und ich denke, Sie haben ihm erklärt,&#13;
China sei von ihrer politischen Bestandsaufnahme ausgenommen, weil sie&#13;
das Land persönlich kennen und verstehen. Sind Sie persönlich in die&#13;
Irre geführt worden?&#13;
Antwort:&#13;
Zu&#13;
einem&#13;
gewissen&#13;
Grad fühle ich persönliche Enttäuschung, aber sie sind nicht von den&#13;
international&#13;
vereinbarten&#13;
Verhaltensmaßregeln ausgeschlossen, die besagen, daß Bewaffnete nicht auf unbewaffnete Studenten schießen. Das hat&#13;
niemand gesagt.&#13;
Dabei gab es einen interessanten&#13;
Punkt - und ich möchte hier nicht&#13;
allzusehr in Details vertraulicher&#13;
Gespräche gehen - aber ein sehr prominenter chinesischer Politiker hat&#13;
mir gesagt: Wir wollen Veränderungen, aber man muß verstehen, daß es&#13;
hier sehr schwierig ist, schnelle Reformen&#13;
durchzuführen.&#13;
Wir&#13;
haben&#13;
&#13;
einen langen Weg zurückgelegt. - Tatsächlich haben sie ihre wirtschaftlichen Reformen viel schneller durchgeführt, als irgendjemand in diesem&#13;
Raum jemals für möglich gehalten hätte.&#13;
Aber dies hat keine politischen&#13;
Reformen oder Reformen im Hinblick&#13;
auf freie Meinungsäußerung nach sich&#13;
gezogen. Die Pressefreiheit war etwas besser geworden, aber nicht nennenswert, während nunmehr Kriegsrecht&#13;
und Zensur herrschen. Aber bei diesem Besuch wurde uns bedeutet, daß&#13;
sich Fortschritte in China nur langsam vollziehen würden. Einige waren&#13;
wirtschaftlicher Art, aber die Botschaft bezog sich schon darauf, wie&#13;
schnell&#13;
politische&#13;
Veränderungen&#13;
durchgeführt werden können.&#13;
Frage: Es gibt heute abend Berichte darüber, daß die Regierung&#13;
StudentenfUhrer bedrängt, denen zumindest Verfolgung und als höchstes&#13;
Strafmaß Verurteilung wegen Verrat&#13;
und deren Folgen bevorstehen.&#13;
Sie&#13;
haben heute abend über ihren ausdrücklichen Wunsch nach Fortführung&#13;
der Beziehungen bekundet und wollen&#13;
den Dialog und unsere Geschäftsbeziehungen fördern.&#13;
Antwort:&#13;
&#13;
Nicht alle.&#13;
&#13;
Frage:&#13;
Außer dem Handel mit&#13;
militärischen Gütern. Wenn wir herausfinden, daß diejenigen, die das&#13;
Massaker auf dem Tiananmen-Platz angeordnet und die Studenten bedrängt&#13;
haben, in der Regierung sitzen: können die Vereinigten Staaten dann auch&#13;
nur annähernd normale Beziehungen zu&#13;
ihnen aufrechterhalten, wenn sie sich&#13;
auf ihr Ziel der Förderung von Menschenrechten und Demokratie besinnen?&#13;
Antwort:&#13;
Es wäre außergewöhnlich schwierig, aber die Frage ist so&#13;
hypothetisch, daß ich sie nicht direkt beantworten will. Aber alles,&#13;
was die Akzeptanz von Brutalität oder&#13;
die mangelnde Respektierung der Menschenrechte betrifft, macht die Sache&#13;
umso schwieriger. Das ist überhaupt&#13;
keine Frage.&#13;
&#13;
�Frage:&#13;
Dazu noch eine Frage.&#13;
In den Vereinigten Staaten gibt es&#13;
20 000 chinesische Studenten. Viele&#13;
von ihnen habe ihre Meinung kundgetan. Werden Sie Ihnen in diesem Land&#13;
politisches Asyl gewähren?&#13;
Antwort&#13;
Sie&#13;
beantragen&#13;
kein&#13;
Asyl. Vor einigen Tagen kamen vier&#13;
von ihnen zu Besuch. Und das erste,&#13;
was einer von ihnen, Jia Hao, erklärte, war: "Ich liebe mein Land". Und&#13;
er möchte in sein Land zurückkehren.&#13;
Aber ich habe die Visa dieser Leute&#13;
verlängert, so daß sie nicht zu einer&#13;
Rückkehr nach China gezwungen sind.&#13;
Sie beantragen kein Asyl.&#13;
Dieser&#13;
Mann wird seinem eigenen Land nicht&#13;
den Rücken kehren. Aber er wünscht&#13;
sich auch Sicherheit - was ich verstehen kann. Asyl ist ein rechtlicher Status und den streben sie nicht&#13;
an.&#13;
Frage: Was die Verfolgung&#13;
Studenten anbelangt ...&#13;
&#13;
der&#13;
&#13;
Antwort:&#13;
Es&#13;
ist schrecklich.&#13;
Und deshalb kann ich diesen Leuten&#13;
nur klarmachen, daß sie nicht zurückkehren müssen. Aber ich werde sie&#13;
nicht bitten, ihrer Fahne abzuschwören und China den Rücken zu kehren.&#13;
Es sind patriotische junge Menschen,&#13;
die Angst haben, weil sie sehen, wie&#13;
ihre Brüder und Schwestern niedergeschossen werden. Aber sie beantragen&#13;
kein Asyl.&#13;
Sie wollen nicht aus&#13;
China fliehen, sondern helfen, China&#13;
zu verändern.&#13;
Frage:&#13;
Herr&#13;
Präsident,&#13;
ich&#13;
möchte kurz auf ein anderes kommunistisches Land zu sprechen kommen.&#13;
Ihre Haltung zur Sowjetunion scheint&#13;
sich seit ihrem Amtsantritt etwas gewandelt zu haben - von tiefer Skepsis&#13;
zu scheinbarer Einsicht in ihre Absichten. Akzeptieren Sie Gorbatschows&#13;
Aufrichtigkeit im Hinblick auf das&#13;
neue Denken, und können Sie uns etwas&#13;
dazu sagen, warum Sie....&#13;
Antwort:&#13;
Meiner Ansicht nach&#13;
hat sich nicht soviel verändert, wie&#13;
Sie vielleicht annehmen. Ich habe&#13;
&#13;
gesagt, wir müssen noch einige Dinge&#13;
ganz vorsichtig aufdecken - erforschen und aufdecken. Und dann erst&#13;
können wir einen Vorschlag unterbreiten. Und genau das haben wir getan.&#13;
Der von uns innerhalb der NATO vorgelegte Vorschlag hat das NATO-Bündnis&#13;
vereint, und einige der Spitzenpolitiker haben mir gesagt, daß es einiger ist als jemals zuvor in seiner&#13;
Geschichte.&#13;
Wir haben jetzt einen&#13;
guten Vorschlag unterbreitet, und ich&#13;
hoffe, die Sowjets werden ihn in gutem Glauben annehmen. Bis jetzt bin&#13;
ich durch die Reaktionen ermutigt.&#13;
Trotzdem werde ich in meinem Umgang mit der Sowjetunion meine Augen&#13;
weit offen halten. Ich möchte auch&#13;
sagen, daß ich Perestrojka Erfolg&#13;
wünsche. Ich wünsche mir ihren Erfolg, nicht ihren Untergang. Und das&#13;
habe ich Herrn Gorbatschow im letzten&#13;
Herbst Punkt für Punkt auf Governor's&#13;
Island dargelegt.&#13;
Ich denke also&#13;
nicht, daß er dies als ein Verhältnis&#13;
wie im Kalten Krieg betrachtet oder&#13;
annimmt, ich wünsche ein Scheitern&#13;
von Perestrojka. Seiner Ansicht nach&#13;
wünschen sich das manche in unserem&#13;
Land. Ich hoffe, er weiß jetzt, daß&#13;
ich es nicht so sehe.&#13;
Frage: Denken Sie, er ist aufrichtig, wenn er sein Interesse an&#13;
neuem Denken in den internationalen&#13;
Angelegenheiten bekundet?&#13;
Antwort:&#13;
Er hat bereits demonstriert, daß er an neuem Denken interessiert ist. Wer hätte gedacht,&#13;
daß wir hier sitzen würden, um im&#13;
Fernsehen so eine lebhafte Diskussion&#13;
zu führen? Es ist nicht wie im Kongreß, stellenweise aber doch ähnlich.&#13;
Und ich denke, er hat bereits sein&#13;
Engagement für Veränderungen und Reformen bekundet. Aber es gibt noch&#13;
Möglichkeiten, um diese Veränderungen&#13;
zu untermauern.&#13;
Sie unterhalten in&#13;
Europa 600 000 Soldaten im Gegensatz&#13;
zu 305 000 auf unserer Seite. Ich&#13;
habe erklärt, die beste Möglichkeit&#13;
zur Gewährleistung von Stabilität und&#13;
einer weniger kriegerischen Haltung&#13;
bestehe darin, gleiche Zahlen auf&#13;
&#13;
- 6 -&#13;
&#13;
�beiden Seiten zu schaffen. Und dabei&#13;
sind sie gefordert, viel mehr Soldaten abzuziehen als wir. Aber ich habe auch die Frage gestellt: Was ist&#13;
daran falsch, gleiche Zahlen anzustreben? Damit werden die Vereinigten Staaten 275 000 Soldaten haben&#13;
und die Sowjetunion wird ebenfalls&#13;
275 000 Soldaten haben. Das ist ein&#13;
Prüfstein. Niemand kann die Gleichheit in Zweifel ziehen, insbesondere&#13;
weil wir die Zahl der Flugzeuge, Hubschrauber und andere Kategorien offengelegt haben.&#13;
Ich denke also, wenn ich meine&#13;
Arbeit richtig mache und wir die NATO&#13;
in diesem knappen Zeitrahmen auf&#13;
Fortschritte prgrammieren, können wir&#13;
Erfolg haben. Und wenn dies der Fall.&#13;
ist, wird er erneut seinen Wunsch&#13;
nach Veränderungen unter Beweis gestellt haben.&#13;
Frage:&#13;
Herr Präsident, einige&#13;
Ihrer Kritiker behaupten, daß General&#13;
Noriega trotz all Ihrer Rhetorik solange in Panama an der Macht bleiben&#13;
kann, wie er möchte und daß er Sie im&#13;
Endeffekt auslacht - daß er über die&#13;
Vereinigten Staaten nur lachen kann.&#13;
Können Sie daran irgendetwas ändern?&#13;
Sollten Sie das tun?&#13;
Antwort:&#13;
Sie wissen, wenn Sie&#13;
sich die Welt anschauen und Veränderungen wahrnehmen, die Achtung vor&#13;
Wahlen - also ich würde dazu schlicht&#13;
sagen, daß Panama dagegen nicht immun&#13;
ist. Sicherlich stehen wir alle gegenwärtig noch unter der traumatischen&#13;
Erfahrung&#13;
dieser schrecklichen Exzesse auf dem Platz des&#13;
Himmlischen Friedens. Aber ich habe&#13;
auch nicht das brutale Vorgehen gegen&#13;
Guillermo Ford in Panama vergessen,&#13;
und das gilt ganz sicher auch für die&#13;
Welt. In bezug auf Noriega hat sich&#13;
die öffentliche Meinung in Europa&#13;
drastisch verändert. Und ich hoffe&#13;
inständig, daß die Organisation Amerikanischer&#13;
Staaten&#13;
ihrer Mission&#13;
treu bleibt und ihr Mandat erfüllen&#13;
wird, bis Noriega abtritt.&#13;
Ich möchte einen wichtigen Punkt&#13;
&#13;
wiederholen.&#13;
Meines&#13;
Erachtens&#13;
herrscht in Panama teilweise der Eindruck vor, wir seien gegen die PDF die Panamaischen Verteidigungsstreitkräfte. Wir befinden uns nicht im&#13;
Streit mit den PDF. Viele ihrer Soldaten wurden in den Vereinigten Staaten ausgebildet.&#13;
Wir respektieren&#13;
das panamaische Volk.&#13;
Das Problem&#13;
ist also Noriega. Und wenn er abtritt und die Ergebnisse der freien&#13;
Wahl - und für die Freiheit der Wahl&#13;
gibt es überzeugende Beweise - anerkannt werden, dann würden sich die&#13;
Beziehungen mit den Vereinigten Staaten augenblicklich verbessern.&#13;
Ich werde also in dieser Frage&#13;
nicht aufgeben. Es ist meines Erachtens angemessen, daß wir uns hierzu&#13;
multilateraler&#13;
Diplomatie&#13;
bedienen&#13;
und gleichzeitig auf bilateraler Ebene tun, was wir können, und ich gedenke unsere vertraglichen Rechte zu&#13;
schützen und sicherlich alles in meiner Macht Stehende zu unternehmen, um&#13;
die Sicherheit der Amerikaner zu garantieren.&#13;
Frage:&#13;
Die Übereinkunft&#13;
zwischen Bonn und Washington in der Frage der atomaren Kurzstreckenraketen&#13;
kann&#13;
die&#13;
Meinungsverschiedenheiten&#13;
nur vorübergehend überbrücken. Wann&#13;
erwarten Sie die Stationierung der&#13;
neuen Lance in der Bundesrepublik&#13;
Deutschland, und ist diese für irgendeine&#13;
Bundesregierung&#13;
überhaupt&#13;
annehmbar?&#13;
Antwort:&#13;
Nun, diese Angelegenheit ist durch die Vereinbarung der&#13;
NATO in geeigneter Weise vertagt worden.&#13;
Die Forschungsarbeiten können&#13;
weitergehen, aber die Stationierung&#13;
wurde vertagt, und wir sollten jetzt&#13;
die von der NATO in Brüssel angekündigten Maßnahmen verwirklichen.&#13;
Es&#13;
gibt sicherlich Meinungsverschiedenheiten. Sie haben absolut recht. Es&#13;
besteht in der Bundesrepublik zu dieser Frage andere Auffassungen - nicht&#13;
nur bezüglich des Nachfolgesystems&#13;
für die Lance, sondern über die gesamte Frage der atomaren Kurzstrekkensysteme (SNF). Es liegt in unse-&#13;
&#13;
- 7 -&#13;
&#13;
�rem Interesse, hier rasche Fortschritte zu erzielen. Denn wenn wir&#13;
es schaffen, innerhalb des von uns&#13;
gesetzten Zeitrahmens ein Abkommen&#13;
über die konventionellen Streitkräfte&#13;
abzuschließen, dann würde dies bei&#13;
den Kurzstreckensystemen einen ungeheuren Druck von den Deutschen nehmen.&#13;
Frage:&#13;
Ich bin ein polnischer&#13;
Journalist.&#13;
Vielleicht möchten Sie&#13;
eine Frage zu Polen beantworten. Was&#13;
erwarten Sie von Ihrem Besuch in Polen?&#13;
Antwort:&#13;
satzfrage.&#13;
&#13;
Da war noch eine Zu-&#13;
&#13;
Frage:&#13;
Der NATO-Gipfel wurde&#13;
als Erfolg betrachtet, weil Sie dort&#13;
ihre Initiative vorgelegt haben, aber&#13;
ist die bundesdeutsche Herausforderung nicht nur die erste von vielen,&#13;
da die sowjetische Bedrohung in Westeuropa nun abnimmt?&#13;
Antwort:&#13;
Ich möchte diese Frage mit meiner Antwort auf die Frage&#13;
zu Polen verbinden. Mit der schwindenden Besorgnis über bewaffnete Konflikte werden neue Herausforderungen&#13;
für die NATO auftauchen. Ich werde&#13;
unsere Freunde und diesemich daran&#13;
erinnern, daß wir eine Streitmacht&#13;
aufrechterhalten müssen, die zur Abschreckung eines Krieges ausreicht.&#13;
Aber ein Teil dessen, was heute geschieht - und ich bin froh, daß der&#13;
Herr Polen erwähnt hat -, ist dieses&#13;
Streben nach Demokratie in Polen.&#13;
&#13;
Und wenn sich dies fortsetzt, kann&#13;
ich mir ein wesentlich besseres Verhältnis der Vereinigten Staaten mit&#13;
Polen vorstellen, das in Polen selbst&#13;
die Menschen davon überzeugen wird,&#13;
daß sie an einer militärischen Konfrontation mit dem Westen oder an der&#13;
Konfrontation des Ostblocks mit dem&#13;
Westen kein großes Interesse haben&#13;
können.&#13;
Die sich dort vollziehenden Veränderungen sind faszinierend.&#13;
Sie&#13;
sind absolut faszinierend. Ich werde&#13;
den politisch Verantwortlichen dort&#13;
folgendes mitteilen: Wir wollen mit&#13;
Ihnen zusammenarbeiten.&#13;
Sie müssen&#13;
Ihre Wirtschaft&#13;
reformieren.&#13;
Wir&#13;
sind davon überzeugt, daß Sie den&#13;
Vereinigten Staaten gegenüber keine&#13;
bösen Absichten hegen, aber wir möchten, daß diese Politik der Differenzierung anhält. Wenn ein Land wie&#13;
Polen diese Schritte auf dem Weg zur&#13;
Demokratie unternimmt, dann sollten&#13;
die Vereinigten Staaten darauf so gut&#13;
wie möglich reagieren.&#13;
&#13;
* * * * * *&#13;
&#13;
8 -&#13;
&#13;
�v^° S ^&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST&#13;
Dokumentation&#13;
&#13;
'VON'^&#13;
&#13;
14. Juni 1989&#13;
&#13;
23&#13;
&#13;
MOSBACHER SIEHT DAS HANDELSSYSTEM BEDROHT&#13;
- Rede des amerikanischen Handelsministers -&#13;
&#13;
WASHINGTON - (AD) - In seiner Ansprache bei einer von der Zeitschrift&#13;
Fortune veranstalteten Konferenz in Venedig erklärte Handelsminister Robert&#13;
Mosbacher am 9. Juni 1989, "ein strukturell unausgeglichener Handel - sei er&#13;
absichtlich durch staatliche Politik oder die Hartnäckigkeit des Privatsektors&#13;
hervorgebracht - mündet in eine Sackgasse". Mosbacher warnte, daß die Fortführung solcher Praktiken Protektionismus hervorbringen und zum Niedergang des&#13;
Welthandels führen könnte.&#13;
Nachfolgend veröffentlichen wir Mosbachers Ansprache im Wortlaut:&#13;
&#13;
Mit dieser Konferenz zollen wir&#13;
der Zeitschrift Fortune und ihrer&#13;
Rolle in der Weltwirtschaft Tribut.&#13;
Ich möchte also zunächst den Sponsoren für ihre Weitsicht danken.&#13;
Und ich möchte Fortune noch zu&#13;
seiner ausgezeichneten Untersuchung&#13;
über die Auswirkungen des Binnenmarktes 1992 beglückwünschen. Die Ergebnisse sind insbesondere angesichts&#13;
unserer jüngsten Diskussionen über&#13;
Handelsfragen von Interesse.&#13;
Ich habe gerade eine Reihe von&#13;
Gesprächen in Europa geführt, Präsident Bush nach Brüssel begleitet und&#13;
bin dort mit Vertretern der Europäischen Gemeinschaft zusammengetroffen.&#13;
Ich habe letzte Woche an den Sit-&#13;
&#13;
United States Information Service&#13;
Embassy of the United States of America&#13;
&#13;
zungen der OECD in Paris teilgenommen, wo ich Gespräche mit wichtigen&#13;
Handelsministern, unter&#13;
ihnen Minister Ruggiero, führen konnte und&#13;
bin in London, Paris und Bonn mit&#13;
Vertretern aus Regierung und Industrie zusammengetroffen, unter anderem von Patronaut in Frankreich, der&#13;
Confederation of British Industries&#13;
und dem DIHT.&#13;
Das Zusammenspiel zwischen Staat&#13;
und Privatsektor, von dem diese Konferenz ein Teil ist, spielt eine&#13;
wichtige Rolle bei der Entwicklung&#13;
und Erhaltung guter Beziehungen zwischen einzelnen Ländern.&#13;
Das trifft auf der ganzen Welt&#13;
zu, aber nirgendwo mehr als im Verhältnis der Vereinigten Staaten zu&#13;
&#13;
Postfach 20 03 00&#13;
D 5300 Bonn 2&#13;
&#13;
Tel.: 0228-339 2035&#13;
Telex: 8-85432&#13;
&#13;
�Europa, weil wir so viele gemeinsame&#13;
Werte und gemeinsame Anliegen haben.&#13;
Europäer und Amerikaner stützen&#13;
sich gleichermaßen auf den Markt,&#13;
wenn es darum geht, die Nachfrage zu&#13;
ermitteln, die Preise festzusetzen&#13;
und einen vergleichbaren Vorteil im&#13;
Welthandel zu erlangen. Wir konkurriere! auf der ganzen Welt miteinander unc gleichzeitig sind wir uns gegenseitig die besuen Kunden und die&#13;
besten Freunde. Im vergangenen Jahr&#13;
betrug zum Beispiel der Umsatz aus&#13;
den Exporten amerikanischer Unternehmen in die EG mehr als 600 Milliarden&#13;
Dollar. Das ist dreimal soviel wie&#13;
der Wert amerikanischer Exporte nach&#13;
Kanada und viermal soviel wie unser&#13;
Japanhandel. Die Europäische Gemeinschaft ist also sehr wichtig für uns.&#13;
Bevor wir uns jedoch den Beziehungen der Vereinigten Straaten zur&#13;
Europäischen Gemeinschaft zuwenden,&#13;
möchte ich noch etwas über Amerikas&#13;
Konzept im Welthandel sagen.&#13;
Die Vereinigten Staaten unterstützen den freien Handel voll und&#13;
ganz, und damit keine Verwirrung entsteht - freier Handel ist Grundlage&#13;
unseres Wohlstands und Triebfeder unserer Innovation.&#13;
Ich weiß aus meiner eigenen 40jährigen Erfahrung in der Wirtschaft,&#13;
daß die einzig vernünftige und leistungsfähige Wirtschaft auf freien&#13;
Entscheidungen basiert, die zwischen&#13;
Verkäufer und Käufer getroffen werden.&#13;
Die Vereinigten Staaten sind dem&#13;
multilateralen Handelssystem, wie es&#13;
im GATT verankert ist, verpflichtet.&#13;
Wir haben jede Runde eingeleitet, von&#13;
der Dil Ion-Runde Ende der vierziger&#13;
Jahre bis hin zur Uruguay-Runde heute. Wir werden im Hinblick auf unsere Verpflichtungen nicht schwanken.&#13;
Die Ernsthaftigkeit dieser Verpflichtungen demonstrieren wir mit der anhaltenden&#13;
Offenheit&#13;
amerikanischer&#13;
Märkte.&#13;
Unsere Offenheit&#13;
&#13;
hat die Volks-&#13;
&#13;
wirtschaften anderer Länder auf Expansionskurs gebracht - und zu Wachstum geführt, das Milliarden Dollar&#13;
beträgt.&#13;
Sie hat die Vereinigten&#13;
Staaten zum Markt für mehr als die&#13;
Hälfte der verarbeiteten Exportgüter&#13;
aus den Entwicklungsländern werden&#13;
lassen.&#13;
Wir lehnen jede Hinwendung zum&#13;
Protektionismus strikt ab. Und wir&#13;
begrüßen den Einsatz der anderen&#13;
Welthandelsländer - Japans und der EG&#13;
- bei der gemeinsamen Unterstützung&#13;
des freien Handels.&#13;
Mit den Jahren sind wir bei der&#13;
Entwicklung des Welthandelssystems an&#13;
vielen Wegkreuzungen angelangt, und&#13;
dazu möchte ich noch einmal wiederholen, daß wir - zu unseren Vorteil und&#13;
zum Wohlstand der Welt - den Weg gewählt haben, der uns zu einem offeneren Handel führt.&#13;
Es ist jetzt klar, daß wir uns&#13;
erneut an einem Scheideweg befinden mit der schwierigsten Herausforderung, die sich uns jemals gestellt&#13;
hat. Heute müssen wir uns der Tatsache stellen, daß es keine Zölle,&#13;
keine nichttarifären Handelshemmnisse&#13;
oder andere Hindernisse an nationalen&#13;
Grenzen sind, die den freien Handel&#13;
hauptsächlich bedrohen.&#13;
Die Bedrohung liegt viel tiefer.&#13;
Sie ergibt sich aus den industriellen&#13;
und wirtschaftlichen Strukturen in&#13;
einigen Ländern und aus der zunehmenden Unwilligkeit - und Unfähigkeit der übrigen Welt, die Konsequenzen im&#13;
Handel zu akzeptieren.&#13;
Der Absatz, die Industriepolitik&#13;
und sogar die wirtschaftlichen Strukturen einiger Länder - und nicht nur&#13;
Japans - haben zu einem Schwergewicht&#13;
auf den Exporten ohne Bereitschaft zu&#13;
Importen geführt. Das Ergebnis sind&#13;
die&#13;
ungeheuren&#13;
Handelsüberschüsse,&#13;
die den Welthandel und den Geldverkehr verzerren.&#13;
Aber eine noch ernsthaftere Bedrohung für das Handelssystem liegt&#13;
&#13;
- 2 -&#13;
&#13;
�in der Reaktion anderer Länder auf&#13;
diese Ungleichgewichte.&#13;
Es besteht&#13;
zunehmend die Gefahr, daß einzelne&#13;
Länder zunehmend ihre Märkte schliessen und sich von einer Politik des&#13;
freien Handels abkehren werden, um&#13;
ihre Handelsbilanz mit geschlossenen&#13;
Märkten auszugleichen.&#13;
Dieser Trend zeichnet sich seit&#13;
einigen Jahren ab, in denen sich verschiedene&#13;
Länder&#13;
unterschiedlicher&#13;
Mittel im Handel bedient haben, wie&#13;
etwa Antidumping, Regelungen zur Ursprungsbezeichnung, freiwillige Beschränkungsvereinbarungen und andere&#13;
Mittel,&#13;
um&#13;
Industriezweige&#13;
vor&#13;
scheinbar unfairem Wettbewerb abzuschirmen.&#13;
Sie kennen alle die Grunde, die&#13;
hierzu vorgebracht werden - "Industriezweige in den Kinderschuhen",&#13;
"Uberlebensfähigkeit&#13;
der&#13;
Landwirtschaft", "Erhalt nationalen Kulturguts" und "nationale Sicherheit" - um&#13;
nur einige zu nennen.&#13;
So kann man nicht weitermachen.&#13;
Wir dürfen nicht zulassen, daß die&#13;
von einigen wenigen Länders geschaffenen Verzerrungen zu weltweitem Protektionismus&#13;
führen.&#13;
Das&#13;
würde&#13;
letztlich zum Niedergang des Handelssystems führen, das uns allen zum&#13;
Vorteil gereicht.&#13;
Aber wir dürfen die langfristig&#13;
durch die industrielle Struktur und&#13;
das Verhalten wichtiger Exportländer&#13;
verursachten Verzerrungen auch nicht&#13;
ignorieren. Wenn wir das täten, würde das Handelssystem einen Punkt ansteuern, an dem durch Ungleichgewichte und Verzerrungen Protektionismus&#13;
unvermeidlich wird.&#13;
Meine Damen und Herren, die unausweichliche und uns allen bekannte&#13;
Tatsache lautet, daß Handel auf Gegenseitigkeit beruhen muß.&#13;
Ein strukturell unausgeglichener&#13;
Handel - sei er absichtlich durch&#13;
staatliche Politik oder die Hartnäkkigkeit des Privatsektors hervorge-&#13;
&#13;
bracht - mündet in eine Sackgasse.&#13;
Es gibt nur einen Weg, den wir&#13;
einschlagen können. Nur einen Weg,&#13;
den wir wählen müssen. Wir müssen&#13;
der Tatsache klar ins Auge blicken,&#13;
daß die industrielle Struktur und die&#13;
Wirtschaftpolitik einiger Länder unannehmbare Auswirkungen auf den Welthandel haben und geändert werden müssen.&#13;
So schwierig dieser Prozeß auch&#13;
sein mag, so bedeutet er gegenüber&#13;
den sich bietenden Alternativen das&#13;
kleinere Übel.&#13;
Dieses Konzept hat&#13;
die Bush-Administration bei ihrer Anwendung des Allgemeinen Handelsgesetzes verfolgt - insbesondere bei Bestimmungen wie "Super 301".&#13;
Wir stellen uns nicht dem GATT&#13;
und dem multilateralen Handelssystem&#13;
in den Weg sondern wollen es schützen.&#13;
Um unseren zweiten Präsidenten&#13;
John Adams zu zitieren: Wir haben&#13;
die Revolution nicht durchgeführt,&#13;
sondern verhindert.&#13;
Und genau das&#13;
will unsere Handelspolitik.&#13;
Ich bin sehr optimistisch, daß&#13;
wir den freien Handel fördern können.&#13;
Ich möchte dabei insbesondere auf die&#13;
bevorstehenden Gespräche mit Japan&#13;
über strukturelle Probleme hinweisen.&#13;
Diesen Gesprächen kann - und wird&#13;
meiner Ansicht nach - entscheidende&#13;
Bedeutung zukommen.&#13;
Nur wenn wir grundlegende strukturelle Probleme anschneiden, können&#13;
wir wirklich etwas Grundsätzliches in&#13;
einem wichtigen Punkt erreichen - bei&#13;
unseren Handelsdefizit.&#13;
Aber die&#13;
Ergebnisse der von&#13;
Fortune durchgeführten Untersuchung&#13;
belegen auch, daß Vorsicht geboten&#13;
ist.&#13;
Dieser Untersuchung&#13;
zufolge&#13;
sind etwa 60 Prozent aller amerikanischen Unternehmen der Auffassung,&#13;
daß Protektionismus in der EG noch&#13;
vor 1992 zunehmen wird.&#13;
&#13;
- 3 -&#13;
&#13;
�Sie sehen voraus, daß Europa&#13;
stärker auf Gegenseitigkeit bestehen&#13;
und fordern wird, daß andere Märkte&#13;
ebenso offen sind wie die EG nach&#13;
1992 und ferner die zunehmende Anwendung von Antidumpingmaßnahmen.&#13;
Diese beiden Fragen waren auch&#13;
Hauptbestandteil meiner Gespräche in&#13;
Europa.&#13;
Nach all diesen Sitzungen&#13;
war ich ermutigt - sowohl von den erzielten Fortschritten als auch von&#13;
dem positiven Ansatz der europäischen&#13;
Vertreter. Die meisten europäischen&#13;
Vertreter unterstützen eine offene&#13;
EG, einige streben jedoch durchaus&#13;
den einen oder anderen Schutz für besondere Intressen innerhalb Europas&#13;
an. Wir müssen also wachsam sein und&#13;
die Bereiche behandeln, die Restriktionen im Handel mit sich bringen&#13;
könnten.&#13;
Wie Sie vielleicht wissen, haben&#13;
einige Teilbereiche des EG-Programms&#13;
den Vereinigten Staaten Anlaß zur&#13;
Sorge bereitet, insbesondere Normen,&#13;
Kontrollen und Nachweise, Gegenseitigkeit, staatliche Beschaffung sowie&#13;
Ursprungsregelungen und deren Anwendung.&#13;
Bei unserem jüngsten Zusammenkünften habe ich mich auf Normen konzentriert, da dieser Punkt für amerikanische Unternehmen von vorrangiger&#13;
Bedeutung ist. In der Untersuchung&#13;
von Fortune bezeichneten überwältigende 75 Prozent der amerikanischen&#13;
Firmen und 85 Prozent aller europäischen Unternehmen Normen, Kontrollen&#13;
und Nachweise als wichtigste Maßnahmen, die die EG treffen könnte.&#13;
Bereits ein winziges Detail bei&#13;
den Normen - etwa wie Batteriekabel&#13;
aussehen müssen oder wie groß Flaschen sein sollten - kann darüber befinden, ob ein amerikanisches Produkt&#13;
in der EG Absatz findet.&#13;
Als Ergebnis meines Besuchs in&#13;
Brüssel und der mit dem EG-Vizepräsident Bangemann und anderen Mitgliedern der Kommission getroffenen Vereinbarung bin ich zuversichtlich, daß&#13;
&#13;
die Bereiche Normen, Kontrollen und&#13;
Nachweise für 1992 eine positive&#13;
Kraft im Handel sein werden.&#13;
In dieser Richtung ist bedeutender Fortschritt erzielt worden, und&#13;
ich freue mich insbesondere über das&#13;
Engagement für Grundsätze der Transparenz und Offenheit.&#13;
Interessierte Beteiligte aus Amerika werden jetzt im voraus über die&#13;
Entwicklung von EG-Normen informiert,&#13;
können entsprechende Entwürfe kommentieren und technische Vorführungen&#13;
arrangieren, wo dies notwendig erscheint. Die EG wird auf die Anwendung internationaler Normen hinarbeiten, die rein europäische ersetzen&#13;
sollen.&#13;
Im Bereich der Normen bestehen&#13;
noch einige Unklarkeiten, aber ich&#13;
hoffe, daß sie in den in diesem Sommer beginnenden Zusammenkünften geklärt werden können.&#13;
Bei der Frage zum Protektionismus&#13;
bezeichneten die in der Fortune-Untersuchung befragten Firmen Gegenseitigkeit als ihr größtes Anliegen.&#13;
Ich freue mich daher darüber, daß die&#13;
Kommission in der zweiten Bank-Richtlinie "Gegenseitigkeit" als nationale&#13;
Behandlung und effektiven Marktzugang&#13;
definiert hat.&#13;
Dies ist eine sehr wichtige Veränderung. Die jüngste Maßnahme der&#13;
EG-Kommission hat die meisten Anliegen über die Betrachtungsweise der EG&#13;
zur nationalen Behandlung beseitigt.&#13;
Wir hoffen - und werden nachfragen daß diese Definition auf andere Bereiche Anwendung findet, wie etwa&#13;
Versicherungen und Investitionen.&#13;
Das heißt nicht, daß alle Probleme gelöst sind. Die Maßnahme der EG,&#13;
daß die Fernsehprogramme aus NichtEG-Ländern nur einen Anteil von 50&#13;
Prozent haben dürfen, ist ganz einfach protektionistisch.&#13;
Und natürlich bleiben restriktive lokale Erfordernisse, Ursprungsregelungen, die&#13;
staatliche Beschaffung und andere An-&#13;
&#13;
- 4 -&#13;
&#13;
�liegen bestehen.&#13;
Einige dieser Probleme konnten in&#13;
bilateralen Gesprächen gelöst werden.&#13;
Andere können durch ihre Einbeziehung&#13;
in multilaterale&#13;
Gesprächen gelöst&#13;
werden.&#13;
Aber&#13;
einige&#13;
weden&#13;
als&#13;
Streitfälle bestehen bleiben.&#13;
Wir&#13;
müssen einen besseren Weg zur Beilegung dieser Differenzen finden als in&#13;
der Vergangenheit.&#13;
Mangelndes Vertrauen bei der Beilegung von Streitigkeiten im Gatt&#13;
veranlaßt einzelne Länder zu einseitigen Schritten.&#13;
Wir müssen unser&#13;
Engagement verdoppeln, wenn wir im&#13;
GATT ein angemessenes Verfahren zur&#13;
Beilegung der Differenzen finden wollen. Das trifft insbesondere auf die&#13;
Vereinigten Staaten und die Europäische Gemeinschaft zu.&#13;
Aber die Vereinigten Staaten müssen nicht nur Schranken abbauen und&#13;
Streitigkeiten beilegen, sondern auch&#13;
im Inland Maßnahmen treffen, um unsere Konkurrenzfähigkeit zu verbessern.&#13;
&#13;
Es sei in diesem Zusammenhang die&#13;
Geschichte eines Großgrundbesitzers&#13;
erzählt, der mit seinem Gärtner seinen schönen Besitz abschreitet. Auf&#13;
einem Hügel hielt man an und der Besitzer wies den Gärtner an, hier&#13;
einen besonderen Baum zu pflanzen.&#13;
Der Gärtner widersprach und erklärte,&#13;
der Baum wachse langsam und würde&#13;
erst nach 100 Jahren seine volle&#13;
Größe erreicht haben.&#13;
Worauf der&#13;
Landbesitzer erwiderte:&#13;
"In diesem&#13;
Fall dürfen wir keine Zeit verlieren.&#13;
Pflanzen Sie ihn schon heute nachmittag."&#13;
Wir sind mit den erzielten Fortschritten sehr zufrieden. Aber genau&#13;
wie der Landbesitzer dürfen wir keine&#13;
Zeit verlieren. Wir müssen heute für&#13;
die Zukunft Vorsorgen. Der Welthandel mit offenen Märkten bringt Frieden und Verständnis auf der Welt hervor. Das ist ein Ziel, das all unsere Bemühungen rechtfertigt.&#13;
&#13;
Wir müssen die Betonung auf Qualität legen. Die Baldridge-Auszeichnung symbolisiert den Standard, den&#13;
amerikanische Unternehmen anstreben&#13;
sollten. Wir müssen unser Bildungssystem verbessern und unsere Sparrate&#13;
erhöhen und die Kapitalkosten senken&#13;
- was Maßnahmen bei der Kapitalertragssteuer und bei den Steuerermäßigungen für Forschung und Technik bedingt.&#13;
&#13;
- 5 -&#13;
&#13;
�^°s7~&lt;&#13;
&#13;
^7&#13;
&#13;
^&#13;
&#13;
C$&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST&#13;
Wissenschaft und Technik&#13;
14. Juni 1989&#13;
&#13;
23&#13;
&#13;
WISSENSCHAFTLER FORDERN RASCHES HANDELN BEIM "TREIBHAUSEFFEKT'&#13;
&#13;
WASHINGTON - (AD) - Die Politiker gehen nunmehr auf die Warnungen der Wissenschaftler vor dem zunehmenden Abbau der Ozonschicht ein, obgleich der Verzicht auf die chemischen Substanzen, die diesen Vorgang verursachen, zunächst&#13;
erhebliche wirtschaftliche Problemen mit sich bringen wird. Jedenfalls befürworteten in Helsinki Anfang Mai 1989 die Vertreter von 86 Ländern das totale&#13;
Verbot für bestimmte Fluorchlorkohlenwasserstoffe (FCKW) bis spätestens zum&#13;
Ende dieses Jahrhunderts, wofür die Vereinigten Staaten und die Europäische&#13;
Gemeinschaft zuvor schon plädiert hatten.&#13;
&#13;
Das Protokoll von Montreal aus&#13;
dem Jahr 1987, das einen Abbau der&#13;
FCKW-Produkte auf 50 Prozent bis 1998&#13;
forderte, ist angesichts der Forschungsergebnisse aus jüngster Zeit&#13;
bereits überholt. Die Zerstörung der&#13;
Ozonschicht in der Stratosphäre, die&#13;
alles Leben auf der Erdoberfläche vor&#13;
bestimmten Anteilen der ultravioletten&#13;
Strahlung&#13;
schützt,&#13;
schreitet&#13;
schneller voran als damals erwartet mit allen negativen Konsequenzen für&#13;
die Gesundheit von Menschen, für die&#13;
Nahrungsproduktion, für die Lebensfähigkeit von Tier und Pflanze bis hin&#13;
zur Schädigung des Meeresplanktons.&#13;
Es erging ein Aufruf an die Industrienationen, einen UN-Fonds einzurichten, um auch Entwicklungsländern&#13;
die Umstellung auf eine Wirtschaft&#13;
&#13;
United States Information Service&#13;
Embassy of the United States of America&#13;
&#13;
ohne&#13;
FCKW-Verbindungen&#13;
zu&#13;
ermöglichen. Diese finden allein schon in&#13;
der Industrie vielfältige Anwendung beispielsweise zum Aufschäumen von&#13;
Kunststoffen, als Kühl- und Reinigungsmittel, als Treibgas zur Dosierung und besseren Verteilung von&#13;
Sprühsubstanzen. Konkrete Pläne, wie&#13;
eine solche Umstellung zu bewerkstelligen wäre, gibt es allerdings noch&#13;
nicht.&#13;
Das sehr viel komplexere und noch&#13;
wichtigere Problem ist jetzt der&#13;
Schutz der Erdatmosphäre vor dem sogenannten Treibhauseffekt, der weltweit Klimaänderungen nach sich zieht.&#13;
Durch menschliche Aktivitäten werden&#13;
in der Atmosphäre immer größere Mengen von Kohlendioxid, Stickstoffoxiden und Methan angereichert. Sie er-&#13;
&#13;
Postfach 20 03 00&#13;
D 5300 Bonn 2&#13;
&#13;
Tel.: 0228-339 2035&#13;
Telex: 8-85432&#13;
&#13;
�höhen beträchtlich die Belastung mit&#13;
diesen und anderen Aerosolen, zum&#13;
Beispiel Schwefel Verbindungen aus natürlichen Vorgängen wie heftigen Vulkanausbrüchen. Dies alles führt dazu, daß die von der Erdoberfläche&#13;
abgegebene Wärme (Infrarotstrahlung)&#13;
anteilmäßig unzureichend in den Weltraum abgegeben und zunehmend in der&#13;
Lufthülle gespeichert wird. Der Prozeß wird noch verstärkt durch Ozonbildung aus Luftschadstoffen unter&#13;
Lichteinwirkung&#13;
in&#13;
den&#13;
unteren&#13;
Schichten der Atmosphäre sowie durch&#13;
das Vorhandensein von FCKW-Verbindungen nicht nur in der Stratosphäre,&#13;
sondern auch in diesem Bereich.&#13;
Bei der Anhörung vor einem Unterausschuß des amerikanischen Senats&#13;
machten kürzlich sieben führende amerikanische Wissenschaftler, unter ihnen Ralph Cicerone vom Nationalen&#13;
Zentrum für Atmosphärenforschung und&#13;
Dr. James Hansen vom Goddard-Institut&#13;
für&#13;
Weltraumwissenschaften,&#13;
darauf&#13;
aufmerksam, daß die Erwärmung sehr&#13;
viel schneller vor sich gehe als bislang angenommen. Diesem Trend müsse&#13;
durch strikte Gegenmaßnahmen Einhalt&#13;
geboten werden.&#13;
Dr. V. Ramanathan&#13;
von der geophysikalischen Fakultät&#13;
der Universität Chicago verwies darauf, daß - das durch Verbrennen fossiler Brennstoffe wie Kohle freigesetzte Kohlendioxid allein - gegenwärtig etwa 50 Prozent der Treibhausgase in der Luft ausmache. FCKW-Verbindungen sowie das beim Verrotten&#13;
von Pflanzen und Tierdung entstehende&#13;
Methan seien für weitere 40 Prozent&#13;
verantwortlich.&#13;
Die Wissenschaftler legten der&#13;
amerikanischen Regierung nahe, die&#13;
Initiative für internationale Verhandlungen über die Einschränkung von&#13;
Aktivitäten,&#13;
die&#13;
den&#13;
"Treibhauseffekt" fördern, zu ergreifen.&#13;
Der&#13;
Nutzeffekt beim Energieverbrauch von&#13;
Kraftfahrzeugen,&#13;
Kraftwerken&#13;
und&#13;
Fabriken müsse gesteigert werden, um&#13;
die Zuwachsrate für die Freisetzung&#13;
von Kohlendioxid zu verringern. Auf&#13;
politischer Seite hält man jedoch die&#13;
Forschungsergebnisse noch nicht für&#13;
&#13;
ausreichend, um sich bereits zum jetzigen Zeitpunkt auf eine Reduzierung&#13;
oder Ausschaltung bestimmter Spurengase festzulegen.&#13;
Die wirtschaftlichen Kosten für solche Maßnahmen&#13;
sind enorm. Aus diesem Grund nahmen&#13;
die Vereinigten Staaten auf der Tagung eines Umweltgremiums der Vereinten Nationen, die am 9. Mai 1989 in&#13;
Genf begann, zunächst eine abwartende&#13;
Haltung ein. "Unsere Delegation ist&#13;
mit der Weisung nach Genf gegangen,&#13;
zuzuhören und sich darüber zu informieren, was andere Länder vorhaben",&#13;
sagte Ed Johnson, Direktor der Abteilung Entwicklungsländer innerhalb der&#13;
amerikanischen&#13;
Umweltschutzbehörde&#13;
(EPA). Angesichts der Befürchtungen&#13;
bei manchen europäischen und anderen,&#13;
industriell weniger entwickelten Ländern, die auf sofortige Maßnahmen gegen einen möglichen weltweiten Temperaturanstieg drängen, könnten sich&#13;
allerdings die USA veranlaßt sehen,&#13;
sich dieser Haltung anzuschließen.&#13;
Einer am 4. Mai 1989 veröffentlichten von der amerikanischen Regierung in Auftrag gegebenen und über&#13;
zwei Jahre durchgeführten Studie zufolge können mit den bereits erwähnten Maßnahmen zur Energieeinsparung,&#13;
dem Verbrennnen von weniger Kohle und&#13;
Wiederaufforstung im großen Stil die&#13;
schlimmsten Auswirkungen des vorhergesagten Treibhauseffekts abgefangen&#13;
werden. Diese Auswirkungen bestehen&#13;
in einem durchschnittlichen Temperaturanstieg von zwei bis sechs Grad&#13;
bis zum Ende des 21. Jahrhunderts.&#13;
Schon der Anstieg auf die Hälfte dieser Werte bis zum Jahr 2030 würde soviel Polareis schmelzen lassen, daß&#13;
der Meeresspiegel um zehn bis 20 cm&#13;
angehoben würde. Auch die Anbaumöglichkeiten der Landwirtschaft in den&#13;
einzelnen Regionen wären davon beeinträchtigt.&#13;
Bei der Erörterung des Berichtes&#13;
auf einer zweitägigen Konferenz der&#13;
Nationalen Akademie der Wissenschaften und einiger anderer Forschungsinstitutionen der USA in Washington&#13;
sprach sich die Mehrzahl der Teilnehmer für Maßnahmen zur Einschränkung&#13;
&#13;
*&#13;
&#13;
)&#13;
&#13;
,&#13;
»&#13;
&#13;
�i&#13;
&#13;
der Freisetzung von Spurengasen aus.&#13;
Das sei wichtig, obgleich über den&#13;
tatsächlichen Ablauf und das Ausmaß&#13;
von möglichen Klimaveränderungen keine definitiven Angaben gemacht werden&#13;
könnten. Allerdings sei im Gegensatz&#13;
zu Tieren und Pflanzen der Mensch&#13;
noch am ehesten in der Lage, sich auf&#13;
die neuen Situationen einzustellen.&#13;
Den Ländern der Dritten Welt müsse&#13;
jedoch geholfen werden, bessere und&#13;
effizientere Wege zu finden, um die&#13;
für die Entwicklung ihrer Wirtschaft&#13;
erforderlichen Energiemengen zu erhöhen. Gro Harlem Brundtland, Premierministerin von Norwegen, schlug vor,&#13;
daß die Industrieländer 0,1 Prozent&#13;
ihres Bruttosozialprodukts für Projekte der Dritten Welt zur Verfügung&#13;
stellen, damit diese Länder Technologie ihren eigenen Erfordernissen anpassen und zerstörte Wälder wieder&#13;
aufforsten können.&#13;
&#13;
* * * * * *&#13;
&#13;
- 3 -&#13;
&#13;
�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Bush verurteilt Gewalt und hofft auf eine Einigung in China &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Pressekonferenz des amerikanischen Präsidenten&lt;/em&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Mosbacher sieht das Handelssystem bedroht &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede des amerikanischen Handelsministers&lt;/em&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Wissenschaftler fordern rasches Handeln beim "Treibhauseffekt"</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST

7. Juni 1989

22

INHALT

DOKUMENTATION
Bush setzt Waffenverkäufe an China aus
- Erklärung des Präsidenten zu den Ereignissen in der Volksrepublik
Bush: NATO kann zur Gestaltung einer besseren Welt beitragen
- Erklärung des Präsidenten in New Hampshire -

WISSENSCHAFT J ^ J J C J W I K
Non-A-Non-B-Hepatitis - Infektion im Blut direkt nachweisbar
Kampf gegen Drogen braucht weltweite Zusammenarbeit
- DEA-Chef vor Arbeitskreis ausländischer Journalisten -

* * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

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Tel.: 0228-339 2035
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�AMERIKA DIENST
Dokumentation

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Juni 1989

BUSH SETZT WAFFENVERKÄUFE AN CHINA AUS
- Erklärung des Präsidenten zu den Ereignissen in der Volksrepublik WASHINGTON - (AD) - Präsident Bush hat am 5. Juni 1989 die "Aussetzung aller staatlichen und privaten Waffenexporte" an die Volksrepublik China verkündet, um damit die Mißbilligung der Niederschlagung der "vom Volk ausgehenden,
friedlichen Demonstrationen in China" durch die Vereinigten Staaten zu unterstreichen.
Die vom amerikanischen Präsidenten im Rahmen einer Pressekonferenz in Washington abgegebene Erklärung hat folgenden Wortlaut:
In den vergangenen Tagen haben
Einheiten der chinesischen Armee in
brutaler Weise die vom Volk ausgehenden, friedlichen Demonstrationen unterdrückt.
Es gab weitverbreitete
und anhaltende Gewalt, viele Tote und
Verwundete.
Wir bedauern die Entscheidung zum Einsatz von Gewalt, und
ich fordere die chinesische Führung
öffentlich auf, wie ich es auch schon
über private Kanäle getan habe, Gewaltanwendung zu vermeiden und zu ihrer früheren Politik der Mäßigung zurückzukehren.
Die Demonstranten auf dem Platz
des Himmlischen Friedens vertraten
grundlegende Menschenrechte, darunter
Rede-, Presse- und Versammlungsfreiheit. Dies sind Ziele, die wir auf
der ganzen Welt unterstützen. Dies

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Embassy of the United States of America

sind Freiheiten, die sowohl in der
amerikanischen als auch in der chinesischen Verfassung verankert sind.
In der ganzen Welt stehen wir auf der
Seite derer, die nach mehr Freiheit
und Demokratie streben.
Diese Ansicht wird von meiner Administration,
unserem Kongreß und vor allem vom
amerikanischen Volk mit Nachdruck
vertreten.
In den vergangenen Wochen haben
wir gegenseitige Zurückhaltung, Gewaltlosigkeit und Dialogbereitschaft
gefordert. Stattdessen hat ein gewaltsamer und blutiger Angriff auf
die Demonstranten stattgefunden. Die
Vereinigten Staaten können die gewaltsamen Angriffe nicht gutheißen
und die Folgen für unser Verhältnis
zu China nicht ignorieren, das sich

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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�auf die breite Unterstützung des amerikanischen Volkes gründete.
Dies ist nicht die Zeit für eine
emotionale Antwort, sondern für vernünftige, vorsichtige Handlungen, die
sowohl unseren langfristigen Interessen als auch dem Wissen um die komplexe innenpolitische Lage in China
Rechnung tragen. Eindeutig gibt es
Auseinandersetzungen
innerhalb
der
politischen Führung wie auch in der
Volksbefreiungsarmee. Nun ist es an
der Zeit, über den Augenblick hinaus
die bedeutenden und dauerhaften Aspekte dieses für die Vereinigten
Staaten entscheidenden Verhältnisses
zu betrachten. In der Tat verdankt
dieses Aufkeimen der Demokratie, dessen Zeugen wir in den letzten Wochen
geworden sind, viel diesem Verhältnis, das wir seit 1972 entwickelt haben, und es ist jetzt wichtig, in einer Art und Weise zu handeln, die der
Ermutigung der weiteren Entwicklung
und der Vertiefung der positiven Elemente dieses Verhältnisses und dem
Demokratisierungsprozeß dienen wird.
Es wäre für alle eine Tragödie, wenn
China in die Ära der Isolation und
Repression vor 1972 zurückfallen würde.
Unter
Berücksichtigung
dieser
komplexen Lage und der gleichzeitgen
Notwendigkeit,
unsere
Verurteilung
der Ereignisse der vergangenen Tage
energisch und eindeutig zum Ausdruck
zu bringen, ordne ich folgendes an:
Aussetzung aller staatlich vereinbarten Waffenverkäufe und privater Waffenexporte, Aussetzung von Besuchen
amerikanischer und chinesischer Militärs, wohlwollende Behandlung von Ersuchen chinesischer Studenten in den
Vereinigten Staaten um Verlängerung
ihres Aufenthaltes, ein Angebot humanitärer und medizinischer Hilfe durch
das Rote Kreuz für diejenigen, die
während des Angriffs verletzt wurden
sowie die Überprüfung anderer Aspekte
unseres bilateralen Verhältnisses im
Zuge der weiteren Entwicklung in China.
Der

Prozeß

der

Demokratisierung

der
kommunistischen
Gesellschaften
wird nicht reibungslos ablaufen, und
wir müssen auf Rückschläge in einer
Art und Weise reagieren, die Fortschritte zu offenen und repräsentativen Systemen stimulieren anstatt sie
zu ersticken.

*****

�AMERIKA DIENST
VON

Dokumentation

*

7. Juni 1989

22

BUSH: NATO KANN ZUR GESTALTUNG EINER BESSEREN WELT BEITRAGEN
- Erklärung des Präsidenten In New Hampshire -

PEASE AIRFORCE BASE (New Hampshire) - (AD) - Bei seiner Ankunft auf dem
Luftwaffenstützpunkt Pease erklärte Präsident Bush am 2. Juni 1989 zu seiner
einwöchigen Europa-Reise, bei der er auch am NATO-Gipfel in Brüssel teilnahm,
das Atlantische Bündnis habe "niemals mehr Zusammenhalt und mehr Stärke bewiesen" .
Bush verwies ferner darauf, "obwohl wir unsere Verteidigung aufrecht und
unsere Augen offenhalten, müssen wir vorwärts streben. Wir müssen in der Offensive bleiben. Wir müssen jetzt die Arbeit aufnehmen, um den Kalten Krieg
zu beenden."
Nachfolgend veröffentlichen wir Präsident Bushs Erklärung im Wortlaut:

Vergangene Woche waren meine Frau
und ich im Vatikan, in Rom, Brüssel,
Bonn und London und haben gemeinsam
mit unseren Verbündeten einen Kurs
für die Zukunft festgelegt. Und wir
müssen in Bewegung bleiben, um diese
Vorhersagen zu erfüllen, über das
Containment, das Zeitalter der Konflikte und des Kalten Krieges hinaus,
die die Welt seit mehr als vierzig
Jahren erlebt hat, weil die Bewahrung
des Friedens in Europa auch Frieden
für Amerika bedeutet. Unser Bündnis
strebt ein weniger militarisiertes
Europa und eine sicherere Welt für
uns alle an.
Ich kehre jetzt mit einer Botschaft - einer Botschaft der Hoffnung
- für das amerikanische Volk aus Europa zurück. Wir haben eine große

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und historische Chance, die in Europa
wirkenden Veränderungen mitzugestalten. Diese Chance bietet sich uns
nicht nur, weil wir stark und entschlossen sind, sondern aufgrund der
Macht unserer Ideen, insbesondere der
einen Idee, die über die kommunistische Welt hinwegfegt - Demokratie.
In den vergangenen Wochen habe
ich in mehreren Reden Möglichkeiten
aufgezeigt, um mit Hilfe der Veränderungen das beste aus dieser Chance zu
machen. Das möchte ich noch einmal
zusammenfassen. In Michigan habe ich
hervorgehoben, daß die Vereinigten
Staaten die von den Kräften der Freiheit in Osteuropa angeführte friedliche Reform aktiv fördern wollen. In
meiner Rede in Texas habe ich Amerikas Engagement für einen ausgewogenen

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�Ansatz im Verhältnis mit der Sowjetunion bekundet - daß wir stark und
realistisch bleiben, Taten und nicht
Worte beurteilen und dennoch eine
Freundschaft mit den Sowjets anstreben müssen, die kein Mißtrauen kennt.
Bei der Boston University lag der
Schwerpunkt auf unserer Partnerschaft
mit einem einigeren Westeuropa - und
darauf, daß ein starkes Europa ein
starkes Amerikas bedeutet. Und bei
der Coast Guard Academy habe ich erklärt, daß Amerika bereit ist, jede und ich meine wirklich jede - Gelegenheit zu ergreifen, um die Sowjetunion in die Staatengemeinschaft einzugliedern.
Und dann haben meine
Kollegen und ich in Brüssel zum 40.
Jahrestag der Gründung des Nordatlantischen Bündnisses die vierzig Jahre
der NATO gefeiert, in denen sie erfolgreich den Frieden in Europa bewahrt hat - die längste Periode ohne
Krieg in der Geschichte dieses Kontinents.
Und wir wurden daran erinnert,
daß die Zukunft so vieler Nationen
wieder einmal von der Einheit und
Entschlossenheit der NATO abhängt.
Und wurden daran erinnert, daß die
NATO stark und einig bleiben muß und
sind herausgefordert, diese neue Gelegenheit für Fortschritte zu ergreifen und gleichzeitig den Prinzipien,
die uns dorthin geführt haben, treu
zu bleiben.
Wir haben uns dieser Herausforderung gestellt. Wir werden gemeinsam
vorgehen - und erhoffen ein Europa,
das ungeteilt und frei ist. In der
Mainzer Rheingoldhalle, im Herzen
Deutschlands, habe ich darauf hingewiesen, daß der Kalte Krieg mit der
Teilung Europas begann und mit einer
Wiedervereinigung enden muß, die auf
gemeinsamen Werten basiert, bei der
Osteuropa ebenso wie Westeuropa Mitglied in einem Staatenbund freier Nationen wird.
Dies ist meine Vision von der Zukunft, und ich kann auch den Weg
dorthin aufzeigen.
Der Warschauer

Pakt verfügt über viel mehr Flugzeuge, Waffen und Soldaten in Europa als
die NATO, und wir fordern, daß die
Sowjets, wenn sie es ernst meinen,
durch Reduzierungen einen Gleichstand
herbeiführen.
Unser Vorschlag ist
kühn, aber grundsätzlich fair und
wird von jedem einzelnen unserer Verbündeten befürwortet.
Wir haben eine neue Initiative
für umfassendere und schneller ausgehandelte Reduzierungen bei konventionellen Waffen vorgeschlagen, um den
seit 1945 mit den massiven Land- und
Luftstreitkräften über Europa liegenden Schatten zu lüften, und unsere
Verbündeten haben
dem zugestimmt.
Und wir haben vorgeschlagen, daß Berlin - Ost und West - ein Zentrum der
Zusammenarbeit, nicht der Konfrontation wird. Unsere Verbündeten haben
dem zugestimmt.
Wir haben darüber
hinaus vorgeschlagen, daß wir den
KSZE-Prozeß unterstützen, um freie
Wahlen in Osteuropa zu ermutigen, und
unsere Verbündeten haben diesem Punkt
ebenfalls zugestimmt.
Da die Bedrohung der Umweltzerstörung vor keiner Grenze halt macht,
haben wir vorgeschlagen, daß der Westen sich mit den Ländern Osteuropas
zur Lösung eines der wichtigsten Probleme unserer Zeit zusammenschließt dem gemeinsamen Kampf zur Rettung der
Natur als unserem Erbe.
Und mit unserer Vereinbarung innerhalb der NATO über unsere atomaren
Kurzstreckenraketen in Europa haben
wir als Bündnis demonstriert, daß wir
mit Veränderungen umgehen und doch
der Abschreckungsstrategie treu bleiben können, die den Frieden bewahrt
hat.
Kurzum hat der NATO-Gipfel diese
Woche in Brüssel gezeigt, daß wir zur
Gestaltung einer besseren Welt bereit
sind.
In diesem Zeitraum historischer Veränderungen hat die NATO niemals mehr Zusammenhalt und mehr Stärke bewiesen. Wir haben ein Kommunique veröffentlicht, in dem unsere Vision für die Zukunft und unsere Vor-

�gehensweise dargelegt werden.
Und
dies ist keine arrogante Herausforderung an Gorbatschow, sondern ein Appell in gutem Glauben. Der Gipfel
war ein Triumph für das Bündnis, ein
Triumph der Ideen und vor allem ein
Triumph der Hoffnung.
Und ich möchte auch hervorheben,
wie befriedigend es ist, daß dies alles in unserem Land und auch im Ausland auf soviel Verständnis stieß.
Obwohl wir unsere Verteidigung aufrecht und unsere Augen offenhalten,
müssen wir vorwärts streben.
Wir
müssen in der Offensive bleiben. Wir
müssen jetzt die Arbeit aufnehmen, um
den Kalten Krieg zu beenden.
Die
Welt hat lange genug gewartet, und
wenn wir Erfolg haben, wird die Welt,
die unsere Kinder kennenlernen werden
- das 21. Jahrhundert - eine bessere
Welt werden.
Wir freuen uns, heute hier sein
zu dürfen, und ich grüße die Mitarbeiter
des
Luftwaffenstützpunktes
Pease, die zur Bewahrung des Friedens
beigetragen haben. Ich danke meinen
Freunden und Nachbarn aus New Hampshire und sehe sogar einige aus Kennebunkport in Maine hier. Ich danke
auch den beiden Gouverneuren und den
Kongreßabgeordneten, daß sie hierher
gekommen sind, um uns zu begrüßen,
und insbesondere einem früheren Gouverneur des Staats New Hampshire und
meinem
fähigen
Stabschef,
John
Sununu, unserem Verteidigungsminister
Dick Cheney, unserem Außenminister
James Baker und meinem Freund und Berater, dem Leiter des Nationalen Sicherheitsrats,
General
Brent
Scowcroft.
Meine Frau und ich freuen uns
über die Begrüßung zuhause. Ich danke Ihnen allen. Gott segne Sie und
die Vereinigten Staaten von Amerika.
Vielen Dank.

* * * * *

�AMERIKA DIENST
Wissenschaft und Technik

7. Juni 1989

22

NON-A-NON-B-HEPATITIS - INFEKTION IM
BLUT DIREKT NACHWEISBAR

(AD) - Als "überaus wichtigen
Durchbruch" bezeichnet Dr. Richard
Aach, Spezialist für Virus-Hepatitis
an der Johns Hopkins-Universität in
Baltimore (Maryland), die erfolgreiche klinische Erprobung eines Bluttests zum Nachweis einer Infektion
mit Erregern der Non-A-Non-B-Hepatitis.
Wie die amerikanische Zeitschrift "Science" in ihrer Ausgabe
von 21. April 1989 berichtet, eignet
sich der neue Test ausgezeichnet zur
Identifizierung dieser Infektion in
Spenderblut, was nunmehr zum ersten
Mai direkt möglich ist. In den Vereinigten Staaten wird nach Bluttransfusionen diese Hepatitis-Infektion am
häufigsten
festgestellt.
Mit der
Kontrollmethode können pro Jahr etwa
150 000 neue Hepatitis-Infektionen
verhindert werden.

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Die klinische Erprobung begann im
August 1988 an mehreren großen Krankenhauszentren. Anfang 1990 soll ein
Test zur Blutprüfung auf den Markt
kommen. Darüber hinaus gibt der Test
den Epidemiologen die Möglichkeit,
zum ersten Mal den Grad der Durchseuchung der Bevölkerung mit Non-A-NonB-Hepatitis festzustellen. Da ca. 75
Prozent der infizierten Personen keine Krankheitssymptome entwickeln, ist
gar nicht bekannt, wie stark der Erreger der Non-A-Non-B-Hepatitis verbreitet ist.
Für die Erkrankung
selbst gibt es noch keine Therapie,
obgleich zur Zeit einige Versuchspräparate erprobt werden.
Etwa 10 Prozent aller Erkrankungen an Non-A-Non-B-Hepatitis treten
nach Bluttransfusionen auf. Der Er-

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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�reger, den Wissenschaftler bisher
noch nie zu Gesicht bekamen, kann
auch durch Benutzen desselben Spritzenbestecks durch Rauschgiftsüchtige
sowie durch Geschlechtsverkehr übertragen werden. Etwa 50 Prozent der
infizierten Personen entwickeln ausreichende Abwehrkräfte im Organismus
und überwinden die Infektion.
Die
andere Hälfte wird chronischer Virusträger. Bei etwa 20 Prozent dieses
Personenkreises kommt es zu Leberzirrhose, was bei manchen zum Tod infolge Leberversagens führt.
Non-A-Non-B-Hepatitis unterscheidet sich sowohl von Hepatitis-A als
auch von Hepatitis-B.
Hepatitis-A,
die vor allem im asiatischen Raum Hunderte Millionen Fälle von Lebererkrankungen hervorruft, wird in erster
Linie durch verseuchte Nahrungsmittel
und verseuchtes Wasser, aber nur selten durch Bluttransfusionen weiterverbreitet. Für Hepatitis-B gibt es
bereits einen Bluttest sowie eine
Schutzimpfung, die allerdings sehr
kostspielig ist. Eine passive Immunprophylaxe schützt einige Monate lang
vor der schweren From einer Hepatitis-B-Erkrankung.
Sie wird durch
Kontakt mit infiziertem Blut und anderen Körperflüssigkeiten übertragen.
Den neuen Bluttest auf Non-ANon-B-Hepatitis-Erreger
entwickelten
im vergangenen Jahr Wissenschaftler
der Chiron-Corporation (Emeryville,
Kalifornien), nachdem es ihnen gelungen war, vom Virus stammende Proteine
zu isolieren. Auf der Basis dieser
Proteine führten dann gentechnische
Methoden zum Erfolg. Der Test ist
einem Prüfverfahren ähnlich, nach dem
in Blutbanken versucht wird, Antikörper gegen AIDS-Viren in Spenderblut
zu entdecken, die auf eine AIDS-Infektion hinweisen.
*****

�AMERIKA DIENST
Wissenschaft und Technik

7. Juni 1989

22

KAMPF GEGEN DROGEN BRAUCHT WELTWEITE ZUSAMMENARBEIT
DEA-Chef vor Arbeitskreis ausländischer Journalisten
(AD) - John Lawn, Leiter der
Strafverfolgungsbehörde für Drogendelikte (DEA - Drug Enforcement Administration), forderte kürzlich vor ausländischen Journalisten internationale Zusammenarbeit, um eine gemeinsame
Lösung für das Drogenproblem zu finden.
Die Medien können viel dazu
beitragen, um der Öffentlichkeit klar
zu machen, was auf dem Spiel steht.
In den vergangenen fünf Jahren
sind die Länder, in denen Drogen produziert werden und die Drogenhandel
dulden, selbst zu Märkten für Rauschgift geworden. Deshalb sehen jetzt
mehr Länder ein, wie lebenswichtig
internationale
Zusammenarbeit
ist.
Der Kampf gegen Drogen müsse Vorbeugung, Strafverfolgung, Therapie und
Forschung miteinander verbinden, sag-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

te Dawn.
Die DEA arbeitet mit 45 Ländern
zusammen, zu denen auch China gehört.
Über seine vor kurzem in der Sowjetunion geführten Gespräche berichtete
Lawn u.a., daß man dort über "das reale und zunehmende Problem illegaler
Drogen" immer mehr besorgt sei. In
Mexiko hat die neue Regierung strenge
Maßnahmen gegen Rauschgifthändler ergriffen. Kolumbien bringe viele Opfer im Kampf gegen Drogen. Dieses
Land ist ein Beispiel dafür, was getan werden könne - selbst unter widrigsten Bedingungen.
Die Vereinigten
Staaten sehen
sich weiterhin einer Drogenepidemie
gegenüber,
obgleich
Fahndung
und
Strafverfolgung ganz erheblich ausge-

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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�weitet und verschärft wurden.
Die
DEA nimmt täglich durchschnittlich 66
Verhaftungen vor, schließt drei geheime Drogenlabors, zieht zwei Millionen Dollar ein und beschlagnahmt
12 Waffen, davon zwei automatische
Waffen.
Wie Lawn weiter erklärte,
wird in den Vereinigten Staaten zunehmend härter gegen Drogenkonsumenten vorgegangen. In einigen Bundesstaaten können Halbwüchsige mit Drogenproblemen keinen Führerschein bekommen; viele Firmen machen eine Einstellung von Drogentests abhängig.
"Strafverfolgung allein kann jedoch das Drogenproblem nicht lösen".
Der DEA-Chef verwies darauf, daß beispielsweise im April dieses Jahres
jeder zehnte Amerikaner illegale Drogen nahm - im vergangenen Jahr waren
es doppelt so viele. Der Drogenkonsum der einzelnen Bevölkerungsgruppen
änderte sich. Der Anteil weiblicher
Kokainsüchtiger nimmt beispielsweise
auffallend zu.
Wegen
des
Zusammenhangs
mit
AIDS-Infektionen sei, so Lawn, der
Anstieg
des
Drogenmißbrauchs
bei
Frauen äußerst
schwerwiegend.
Im
vergangenen Jahr wurden 375 000 Kinder geboren, bei denen Infektionen
als Folge des Drogenkonsums der Mutter festgestellt wurden. Und schon
in zwei Jahren dürften in den USA
10 000 bis 20 000 Babies geboren werden, die mit AIDS infiziert sind,
weil sich ihre Mütter Rauschgift bedenkenlos und um jeden Preis zu verschaffen suchten.
Amerikanische Sondergesetze lassen die Beschlagnahme von Bargeld,
Hausbesitz und anderen Vermögenswerten zu, die aus Drogenhandel stammen.
Wenn der Staat Zugriff zum Geld der
Drogenhändler hat, ist dies viel
wirksamer als deren Verhaftung, erklärte Lawn.
Länder mit ernsten
wirtschaftlichen
Problemen
könnten
den Kampf gegen Rauschgift mit der
Beschlagnahme von Profiten aus dem
illegalen Drogenhandel finanzieren.
Durch gegenseitige Rechtshilfeverträge der USA mit einer Reihe von Staa- 2

ten werden Gelder, die im Rahmen kooperativer Maßnahmen gegen Drogenhandel und Drogenschmuggel beschlagnahmt
werden, unter den beteiligten Staaten
aufgeteilt. Es darf "keinen sicheren
Hafen" für Drogenhändler geben, betonte John Lawn.
Korruption stellt angesichts der
riesigen Geldsummen im Zusammenhang
mit illegalen Drogen in allen Ländern
ein Problem dar. Schon deshalb ist
internationale Schulung von Fachpersonal wichtig, damit allen Beteiligten klar gemacht wird, wie unbedingt
notwendig Integrität bei der Fahndung
und Strafverfolgung ist. Den Vereinigten Staaten ist es noch nicht gelungen, ihr Drogenproblem zu lösen.
Jedoch sind zahlreiche erfolgreiche
Programme entwickelt worden, an denen
andere Länder teilhaben könnten.

* * * * *

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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Bush setzt Waffenverkäufe an China aus&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung des Präsidenten zu den Ereignissen in der Volksrepublik&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Bush: NATO kann zur Gestaltung einer besseren Welt beitragen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung des Präsidenten in New Hampshire&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Non-A-Non-B-Hepatitis - Infektion im Blut direkt nachweisbar&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Kampf gegen Drogen braucht weltweite Zusammenarbeit&lt;br /&gt;&lt;em&gt;DEA-Chef vor Arbeitskreis ausländischer &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Journalisten&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST
Sonderdienst
30. Mai 1989

Tischrede des Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika,
GEORGE BUSH,
in der Redoute in Bonn-Bad Godesberg,
30. Mai 1989

* * *

Baker:

Gipfeltreffen hat Geschlossenheit der NATO bekräftigt
- Pressekonferenz in Königswinter -

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�30. Mai 1989

Tischrede des Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika,
GEORGE BUSH,
in der Redoute in Bonn-Bad Godesberg,
30. Mai 1989

Herr Bundeskanzler,
und Herren,

meine

Damen

Deutschland
Bündnisses.

und

des

Atlantischen

Ich hätte mich über meinen ersten
Besuch als Präsident hier zu jedem
Zeitpunkt gefreut, denn ich habe Ihr
wunderbares Land schon häufig besucht. Und stets waren meine Frau
und ich von der uns entgegengebrachten Freundlichkeit beeindruckt.

Über vier Jahrzehnte hinweg haben
sich diese Ereignisse gegenseitig positiv beeinflußt.
Heute ist eine
NATO ohne ein demokratisches Deutschland kaum vorstellbar. Denn die Geschichte
Ihrer Republik
war und
bleibt ein Erfolg, der seinesgleichen
sucht. Ebenso ist eine Bundesrepublik ohne die NATO kaum vorstellbar.
Denn dieses Bündnis war und bleibt
eine Zitadelle der Freiheit im Zentrum der amerikanischen Außenpolitik.

Dieser Besuch hat jedoch eine besondere Bedeutung. Er fällt nämlich
mit zwei Jahrestagen zusammen, die
für unsere beiden Länder von großer
Tragweite sind:
Dem 40. Jahrestag
der
Gründung
der
Bundesrepublik

Die Geschichte der deutsch-amerikanischen Beziehungen in der Nachkriegszeit ist eine Geschichte entschlossener und starker Verbündeter,
die durch die Werte des Glaubens, der
Familie, der Menschenrechte und der

es ist uns eine große Ehre, hier
in diesem prachtvollen Saal vom Bundeskanzler und Ihnen allen so herzlich empfangen zu werden.

�Demokratie verbunden sind. Und wirtschaftlichen, kulturellen und militärischen Banden, die unsere Demokratien miteinander verknüpfen. Ein gemeinsames Engagement für die Sache
des Friedens - auch darin sind wir
vereint - und in dem Wissen, daß die
Einheit des Westens für diese Sache
von zentraler Bedeutung ist.
Im Jahr 1989 sind wir unseren
Zielen Frieden und europäische Aussöhnung näher als je zuvor seit Gründung der NATO und der Bundesrepublik.
Aber wir werden sie nur verwirklichen, wenn wir die Grundsätze aufrechterhalten, die unsere Freundschaft und das Atlantische Bündnis
über vierzig Jahre hinweg geleitet
haben.
Der Wind des Wandels weht in Osteuropa, auch in der Sowjetunion.
Dies geschieht
teilweise deshalb,
weil Gorbatschow eingesehen hat, daß
unsere Gesellschaft im Gegensatz zu
seiner funktioniert.
Wir begrüßen
diesen Wandel und sind bereit, über
die Politik des Containment hinaus
eine Politik zu verwirklichen, die um
die Integration der Sowjetunion in
die
internationale
Staatengemeinschaft bestrebt ist. Wir fühlen uns
durch die Veränderungen in Osteuropa,
insbesondere in Polen und Ungarn, ermutigt. Um tiefgreifende wirtschaftliche und politische Reformen zu fördern, werden wir mit einer aktiveren
Einbeziehung der Regierungen und Völker Osteuropas antworten.
Und wenn Hoffnung auf ein Ende
der Teilung Europas besteht, dann
deshalb, weil wir vierzig Jahre lang
zur Verteidigung unserer Freiheit bereit waren.
In Zukunft müssen wir aus der
Vergangenheit lernen. Diese Vergangenheit lehrt uns, daß die Aufrechterhai tung einer starken Verteidigung
die größte Hoffnung auf eine Aufhebung der Teilung und Gewährleistung
der Freiheit Europas birgt.
Denn
Frieden durch Stärke wird der Sowjetunion einen anhaltenden Anreiz bieten, ihre Sicherheit durch Demokrat!-

sierung und Wirtschaftsreform zu festigen. Die Vereinigten Staaten und
ihre Verbündeten haben die gemeinsame
Vision eines weniger militarisierten
Europas, in dem sich nicht länger
diesseits und jenseits von Stacheldraht und Mauern große Armeen gegenüberstehen. Aus diesem Grunde habe
ich gestern beim NATO-Gipfel meine
Initiative zur konventionellen Rüstungskontrolle vorgelegt. Wir streben ein Europa ohne Schranken an, das
durch freie Märkte und Demokratie
vereinigt ist.
Und es ist mir eine Ehre, heute
abend eine Neuigkeit ankündigen zu
dürfen. Schon bald werden Bürger der
Bundesrepublik Deutschland, die als
Touristen
oder Geschäftsleute die
Vereinigten Staaten besuchen, kein
amerikanisches Visum mehr benötigen.
Dies ist ein kleiner Beweis für die
immer engeren Beziehungen zwischen
unseren beiden Ländern.
Vor vierzig Jahren war die Welt
vom vielleicht besten Beweis für
Deutschlands Mut beeindruckt. Er ist
vielfach als "Wiege deutsch-amerikanischer Freundschaft" bezeichnet worden. Natürlich spreche ich hier von
der Berliner Luftbrücke.
Zusammen
haben wir als Verbündete den Kräften
der Tyrannei
widerstanden.
Heute
müssen und werden wir erneut zusammenstehen.
Einzeln können wir keinen Erfolg
haben.
Zusammen können wir nicht
versagen. Und in diesem Sinne bitte
ich unsere Gäste, ihr Glas zu erheben,
- Auf die Bundesrepublik Deutschland am 40. Jahrestag ihrer Gründung und auf die deutsch-amerikanische Freundschaft,
- Auf das dauerhafteste Bündnis in
der Geschichte der Menschheit,
- Auf die Gesundheit meines Freundes und Kollegen, Bundeskanzler
Kohl.
* * * * * *

�30. Mai 1989

BAKER:

GIPFELTREFFEN HAT GESCHLOSSENHEIT DER NATO BEKRÄFTIGT
- Pressekonferenz in Königswinter -

KÖNIGSWINTER - (AD) - In einer Pressekonferenz während des Besuchs von USPräsident Bush in der Bundesrepublik Deutschland hat der amerikanische Außenminister James Baker am 30. Mai 1989 erklärt, der NATO-Gipfel am 29. und 30.
Mai 1989 in Brüssel habe "bewiesen, daß in der NATO Geschlossenheit herrscht".
Baker ging insbesondere auf Bushs neue Abrüstungsinitiative ein.
Nachfolgend veröffentlichen wir den Text der Pressekonferenz im Wortlaut:

Außenminister Baker:
Ich möchte zunächst eine kurze Erklärung abgeben und werde danach gerne Ihre
Fragen beantworten. Wir haben gerade
ein sehr produktives Gipfeltreffen
abgeschlossen, das erste dieser Präsidentschaft.
Wie Sie wissen, hat
der Präsident davon gesprochen, daß
wir in dieser Zeit grundlegenden Wandels
in unseren Beziehungen zur
Sowjetunion über die Politik des
Containment
hinausgehen
sollten.
Meines Erachtens haben wir jetzt eine
Grundlage für die Bewältigung dieses
Wandels.
Dieser Gipfel hat unter Beweis
gestellt, daß in der NATO Geschlossenheit herrscht.
Wir haben eine
Initiative im Bereich der Rüstungskontrolle erlebt. Wie wir schon frü-

her erklärt hatten, haben wir schon
seit geraumer Zeit politische und
wirtschaftliche Erfolge zu verzeichnen. Die Werte des Westens setzen
sich durch.
Und heute können wir
auch eine Initiative in der Sicherheitspolitik anbieten.
Frage:
Herr Außenminister. was
haben die Amerikaner - vom amerikanischen Standpunkt aus betrachtet aufgegeben, um heute diese Übereinkunft (zu den Kurzstreckenraketen SNF) zu erzielen?
Antwort:
Nun, ich würde es
nicht so ausdrücken, obwohl jede Vereinbarung ein Kompromiß ist. Wie Sie
wissen, haben wir zu dieser Frage vor
dem Brüsseler Gipfel über zwei Monate
hinweg Gespräche geführt.
Während

�dieser Diskussionen haben die Vereinigten Staaten ihre Bereitschaft zu
verstehen gegeben, den Stationierungsbeschluß zu vertagen - Produktion und Stationierung des LanceNachfolgesystems bis Ende 1991, Anfang 1992 - sowie die Bereitschaft,
Verhandlungen über SNF grundsätzlich
zu akzeptieren.
Wir hatten dies bereits vor unserer Ankunft in Brüssel angedeutet.
Wir mußten einen Weg für eine Sprachregelung finden, mit der keiner der
von uns bewahrten Grundsätze verletzt
würde.
Ich möchte diese Grundsätze
hier erwähnen, da sie durchaus von
Interesse sein könnten.
Wir wollten die Position bewahren, daß wir trotz einer eventuellen
Bereitschaft zu Verhandlungen nach
einem gewissen Zeitraum und vorbehaltlich bestimmter Bedingungen bei
solchen Verhandlungen keine Null-Lösung, keine totale oder vollständige
Beseitigung dieser Raketen anstreben
werden.
Wir haben diese Position
aufrechterhalten.
Ferner wollten wir nicht in die
Lage kommen, verhandeln zu müssen,
bevor wir mit der Verwirklichung
eines Abkommens über die konventionellen Streitkräfte beginnen.
Und
dies kommt auch größtenteils in der
Sprachregelung zum Ausdruck.
Und drittens wollten wir keine
Zweifel daran aufkommen lassen, daß
ein Abkommen über die konventionellen
Streitkräfte verwirklicht werden müßte, bevor wir mit der Umsetzung von
im Rahmen eines Abkommens über Kurzstreckenraketen vereinbarten Reduzierungen beginnen können.
Gibt es dazu eine Zusatzfrage?
Frage: Ja. War das nicht von
Anfang an die Position der Vereinigten Staaten, daß Sie nicht vor einem
Abkommen über konventionelle Streitkräfte über die SNF verhandeln würden?
Antwort:

Das

ist

richtig.
- 2

Nicht, bevor die Durchführung eines
Abkommens über die konventionellen
Streitkräfte in greifbare Nähe gerückt ist. Was wir hier erreicht haben, ist eine Erklärung
derzufolge
wir keine Verhandlungen über atomare
Kurzstreckensysteme aufnehmen werden,
bevor nicht die Umsetzung des Abkommens über die konventionellen Streitkräfte eingeleitet worden ist. Ich
kann dies selbst nicht als große Veränderung interpretieren.
Frage:
Herr Außenminister, das
klingt so, als sei alles schon vor
langer Zeit klar gewesen, aber es
gibt zumindest einen Bericht, demzufolge der Präsident mit den Ergebnissen der strategischen Bestandsaufnahme überhaupt nicht zufrieden war, daß
er in den letzten Tagen von einigen
Vertretern des Pentagon und einigen
zivilen Mitarbeitern eine neue Bestandaufnahme angefordert hat, die
dann ziemlich rasch zusammengestellt
wurde und daß das, was er dann auf
dem NATO-Gipfel vorgelegt hat, das
Produkt dieser Überprüfung gewesen
sei...

^

Antwort: Das ist einfach nicht
zutreffend. Das ist gänzlich falsch.
Frage: Was ist denn geschehen?
Antwort: Was meinen Sie damit?
Die Ausgangsfrage betraf die Kurzstreckensysteme. Worüber möchten Sie
sprechen? Konventionelle...
Frage:
Lassen Sie mich deutlicher werden. Hat der Präsident in
letzter Minute einige wichtige Korrekturen an seiner Bewertung, was die
Vereinigten Staaten im Hinblick auf
diese Raketen und die Truppenreduzierung
tun
könnten,
vorgenommen?
Mulroney und andere wurden ja augenscheinlich etwas davon überrascht.
Antwort:
Ich möchte dazu sagen, daß zwar eine Beziehung zur
Durchführung
besteht, beide Dinge
aber voneinander getrennt sind. Die
Initiative
zu den konventionellen
Streitkräften wurde innerhalb einer

v,

�sehr kleinen Gruppe dieser Administration diskutiert, und dies begann
schon in den ersten Tagen dieser Administration.
Das Abkommen über die atomaren
Kurzstreckensysteme ist mit den Fragen der Modernisierung und Verhandlungen verbunden. Die Gespräche über
dieses Thema haben wir mit unseren
Verbündeten im Rahmen meiner ersten
Reise in die NATO-HauptStädte im Februar aufgenommen. Beide Dinge wurden
auf getrennten Wegen verfolgt und waren in keiner Weise miteinander verbunden.
Frage:
War dies
tens kein Wendepunkt?

Ihres

Erach-

Antwort:
Nein, die Vorschläge
über konventionelle Streitkräfte sind
bereits in den Anfangstagen dieser
Administration
von
einer
kleinen
Gruppe in dieser Regierung erörtert
worden.
Frage:
Herr Außenminister, ist
es keine Frage der Auslegung verschiedener Parteien, ob jemals eine
Null-Lösung bei den Kurzstreckenraketen ausgehandelt werden kann?
Antwort:
Nein, es ist keine
Frage der Auslegung. Meiner Ansicht
nach ist der Begriff "teilweise" klar
definiert und bedeutet keine vollständige Beseitigung. Aber dabei muß
es nicht bleiben. Das ist in Paragraph 48 der Vereinbarung festgelegt.
Wenn Sie sich darüber hinaus Paragraph 45 - insbesondere den letzten
Satz - ansehen, so wird darin Bezug
auf die betroffenen Nuklearstreitkräfte genommen, und es werden land-,
see- und luftgestützte Systeme angeführt, einschließlich der "landgestützten Raketen unter den gegenwärtigen Bedingungen und soweit in Europa gegebenenfalls erforderlich ist".
Dazu können Sie auch Paragraph 63
prüfen. Unserer Meinung nach liegt
es also auf der Hand, daß es keine
Null-Lösung geben wird.

Frage:
Ja, aber wie sieht es
in Zukunft aus?
"Gegebenenfalls"
kann auch nur ein paar Jahre bedeuten.
Antwort:
Wenn Sie eine Ankündigung von mir wünschen, daß es keine
ausdrückliche Erklärung gibt, derzufolge dies nicht von unbegrenzter
Dauer ist, werde ich diese nur zu
gern abgeben. Aber Tatsache ist, daß
abgebrochene Verhandlungen kein Ei—
gebnis zulassen, das zu einer NullLösung führt oder diese Raketen vollständig beseitigt.
Frage:
Könnten Sie uns noch
etwas über die Verhandlnugen der vergangenen Nacht berichten, die sich
auf den "teilweisen" Aspekt konzentrierten und eine dritte Null-Lösung
ausschlössen. Sollte damit der Bundesregierung
ein
etwas
größerer
Spielraum zugestanden werden. Können
Sie uns etwas dazu sagen?
Antwort: Es sollte nicht in so
harten Worten ausgedrückt werden,
weil diese Worte der Bundesregierung
gegenüber zu stark sind.
Und aus
diesem Grunde haben wir uns auf diese
Sprachregelung geeinigt.
Frage:
Herr Außenminister, zurück zu der Frage der Überprüfung.
Viele von uns haben die Reden des
Präsidenten in den vergangenen Wochen
gehört und dabei vernommen, wie er
mit dem Wort "Vorsicht" umgegangen
ist. Er hat über Besonnenheit gesprochen. Und jetzt haben wir einen
ganz eindeutigen Vorshlag, der sich
von seinen Reden sehr zu unterscheiden scheint. Die Frage, die wir uns
jetzt stellen, lautet, ob hier eine
Kursänderung zu beobachten ist?
Antwort:
Nein, dies ist keine
Kursänderung. Besonnenheit und Realitätssinn werden weiterhin Leitlinien
dieser
Beziehungen
bleiben.
Aber die Tatsache, daß der Präsident
einen eindeutigen Vorschlag unterbreitet hat, bedeutet keineswegs eine
Abkehr von Besonnenheit und Realitätssinn, wenn Sie den Vorschlag eingehend betrachten. Dieser Vorschlag

�schafft ein Gleichgewicht bei der gesamten
Bandbreite
konventioneller
Waffen, außer den Seestreitkräften,
die davon nicht betroffen sind. Er
schafft einen Gleichstand angesichts
des ungeheuren Ungleichgewichts, der
dem Ostblock Vorteile verschafft.
Wenn wir also über Reduzierungen
sprechen - über die Reduzierung um
29 000 Soldaten, oder wenn wir den
Abbau von 750 oder 800 Kampfflugzeugen erörtern, müssen wir uns vor Augen führen, welche viel umfangreicheren Reduzierungen der Ostblock vornehmen muß. Es bandelt sich hierbei
um 300 000 Soldaten und Tausende von
Flugzeugen. Das ist keineswegs ein
unbesonnener Vorschlag.
Frage: Sie bezeichnen dies als
Ergebnis der Überprüfung, aber nicht
als Kursänderung. Der Präsident bat
der
Überprüfung
zugestimmt,
und
selbst bekundet, es habe ...
Antwort:
Nein, das habe ich
nicht gesagt.
Der Präsident, wie
auch wir alle, war mit der Überprüfung sehr zufrieden. Diese besondere
Initiative fand auf einer anderen
Ebene statt. Sie durchlief nicht die
Dienstwege. So kann ich es am besten
erklären.
Alle mit diesen Dingen befaßten
Dienststellen in unserer Bundesregierung haben diesen Vorschlag geprüft.
Aber er wurde nicht zur allgemeinen
Überprüfung freigegeben, sondern auf
einer höheren Regierungsebene behandelt.
Frage:
Ich denke, Sie haben
zugestimmt, daß die deutsche Bundesregierung den von Ihnen und dem Präsidenten in Kennebunkport unterbreiteten
Gegenvorschlag
grundsätzlich
akzeptiert hat.
Der Präsident hat
sogar heute morgen in seiner Pressekonferenz den Begriff "eindeutig"
verwendet. Und dennoch hat die Bundesregierung ihn, als sie zuerst davon Kenntnis erhielt, zurückgewiesen.
Es wird vielfach behauptet, SNF-Gespräche könnten demnach möglicherwei-

se erst
im nächsten
Jahrhundert
stattfinden.
Und jetzt haben sie
denselben Vorschlag akzeptiert. Was
ist geschehen? War es der konventionelle
Rüstungskontro]lvorsch]ag
des Präsidenten oder die Tatsache,
daß die Vertreter der Bundesrepublik
sich im NATO-Rat in einer sehr kleiner Minderheit sahen oder beides?
Antwort:
Beides
stimmt
zum
Teil. Beim Gipfel gab es die Haltung, daß die Vereinigten Staaten
noch vor ihrem Eintreffen dort entgegenkommend waren. Wie ich Ihnen berichtet habe, was dies Thema einer
zweimonatigen Übung. Und viele Verbündete nahmen die Position ein, daß
wir so entgegenkommend waren, die
veränderten Bedingungen anzuerkennen,
dabei Flexiblität zu beweisen und
dennoch unsere Abschreckung zu schützen. Und viele der Verbündeten waren
wohl der Ansicht, daß wir diesen Ansatz verfolgt hatten.
Das war jedoch nicht der einzige
Grund. Ich bin der Meinung daß die
Initiative über konventionelle Rüstungskontrolle Eingang in die deutsche Denkweise gefunden hat, obwohl
sie dazu selbst befragt werden sollten. Aber die Tatsache, daß wir eine
Initiative und damit einen Rüstungskontrollvorschlag über konventionelle
Streitkräfte unterbreitet haben, der
zumindest die Möglichkeit eines Abschlusses vor Jahresfrist zuläßt,
wird jetzt auch von ihnen erwogen.
Frage:
Herr Außenminister, Sie
haben erklärt, daß keine Kursänderung
stattgefunden hat, aber hat nicht
eine Veränderung im Denken des Präsidenten stattgefunden? In seiner Rede
in Texas am 12. Mai schien er die Betonung auf eine Reibe von einseitigen
Schritten zu legen, die die Sowjets
unternehmen sollten, einschließlich
eines einseitigen Truppenabbaus vor
einem Schritt unsererseits, und in
seinem Vorschlag gestern hat er von
beiderseitigen
Reduzierungen
gesprochen.
Antwort:

Ich

denke,

es

gibt

�4

immer noch Schritte, die er zunächst
von den Sowjets vorgenommen sehen
möchte. Wir würden gern beobachten
können, daß sich das neue Denken in
vielen Teilen der Welt auch in Taten
und nicht nur in Worten manifestiert.
Sie sollten die Tatsache, daß der
Präsident einen eindeutigen Vorschlag
zur konventionellen Rüstungskontrolle
unterbreitet hat, nicht als Kursänderung oder Richtungswechse] deuten, weil dieser Vorschlag sehr gut
für ....

*

Frage: Ich habe es als Veränderung im Denken bezeichnet.
Antwort:
Bedenken
Sie
aber
bitte: dieser Vorschlag ist für die
Vereinigten Staaten von großem Nutzen. Deshalb hat er ihn unterbreitet. Es handelt sich hierbei nicht
um etwas, was wir für die Sowjetunion
tun. Das ist von unserem Standpunkt
aus betrachtet sehr positiv.
Im
Westen wird es uns besser gehen, und
wir werden sicherer sein, wenn die
Sowjets ihn akzeptieren. Und übrigens haben wir gerade davon Kenntnis
erhalten, daß Schewardnadse diesen
Vorschlag als sehr ernsthaft, positiv
und substantiell bezeichnet und darauf hingewiesen hat, er würde ernsthaft in Erwägung gezogen, und das ist
sehr gut.

i)

Frage:
Ich möchte eine kurze
Anschlußfrage stellen. Bei dem gestrigen Informationsgespräch bezeichneten Regierungsvertreter den sowjetischen Vorschlag als einen Grund dafür, daß wir jetzt von ihrer Ernsthaftigkeit überzeugt seien und dies
auch der Anlaß für die jüngste Reaktion des Präsidenten war.

J

Antwort: Sie meinen die sowjetische Antwort auf den ursprünglichen
NATO-Vorschlag zu den konventionellen
Streitkräften? Ja.
Frage: Die Antwort auf den ursprünglichen Vorschlag der NATO. Es
schien, als habe sich hier etwas bewegt.

Antwort: Richtig.
Frage: Ich meine, streiten Sie
ab, daß es keinen Wandel im Denken
oder Verhalten gab?
Antwort:
Aber nein.
Ich sage
nur, daß keine tiefgreifende Veränderung stattgefunden hat. Aber die in
diesem Zusammenhang angestellten Erwägungen des Präsidenten liegen weit
zurück und datieren noch vor der
sowjetischen Antwort auf den ursprünglichen Vorschlag der NATO zu
konventionellen Rüstungen.
Frage:
Herr Außenminister, Sie
erklären, dieses Abkommen im konventionellen Bereich könnte binnen eines
Jahres erzielt werden. Ist es möglich oder denkbar, daß SNF-Verhandlungen noch vor der Modernisierungsentscheidung im Jahr 1992 stattfinden?
Besteht da die entfernteste
Möglichkeit?
Und möchten Sie auf
diese Art und Weise Verhandlungen mit
der Sowjetunion aufnehmen?
Antwort: Das ist eine Möglichkeit. Meiner Ansicht nach ist die
Einjahresfrist
optimistisch,
aber
nicht unrealistisch.
Frage:
Möchten Sie Verhandlungen dieser Art mit der Sowjetunion
führen, bei denen die Modernisierungsfrage ausgeklammert bleibt und
aus diesem Grund kein Druck auf die
Sowjets ausgeübt wird, die dann denken, sie werden diese Raketen bekommen und können weiterhin ihr politisches Spiel mit der Bundesrepublik
treiben?
Antwort:
Verhandlungen
aufzunehmen, bedeutet noch lange nicht,
daß man nachgibt. Und die Entscheidung über die Modernisierung fällt im
Jahr 1992. Wir sprechen also von
einem Zeitraum von 14 bis 17 Monaten.
Abgesehen davon sind hier Bestimmungen enthalten, denen zufolge unsere
derzeitigen Streitkräfte auf dem neuesten Stand gehalten werden müssen,
und das werden wir tun. Diese Waffen
werden also weiterhin
stationiert

- 5 -

�bleiben.
Frage:
Aber das erfordert Mode rniserung, da sie Mitte der neunziger Jahre veraltet sein werden.
Antwort:
Mitte der neunziger
Jahre, also ungefähr 1996 - ja. Aber
wir sprechen nicht über diesen Zeitraum. Wir werden die Frage der Modernisierung im Jahr 1992 erneut
überprüfen.
Frage:
Aber um Waffen zu unterhalten, müssen sie modernisiert
werden. Trifft das nicht zu?
Antwort:
Nein, eine Modernisierung ist nicht erforderlich. Im
Augenblick unterhalten wir 88 Waffensysteme und haben bei jedem einzelnen
Gipfeltreffen vereinbart, daß diese
Systeme auf dem neuesten Stand gehalten werden. Wir halten sie instand
und auf dem neuesten Stand und das
werden wir auch weiterhin tun. In
diesem Kommunique ist nichts enthalten, das uns davon abhalten könnte.
Frage:
Besteht hier nicht ein
Widerspruch, wenn es keinen Modernisierungsbeschluß gibt?
Antwort:
Die
Modernisierung
bezieht sich auf ein neues System,
die Entwicklung eines Lance-Nachfolgesystems. Bis wir diesen Beschluß
fassen, werden wir unsere Lance-Raketensysteme auf dem neuesten Stand
halten.
Frage:
Herr Außenminister,
Präsidenten zufolge können Sie
sagen, wer dafür verantwortlich
daß das Wort "teilweise" in dem
munique unterstrichen wurde.

dem
uns
war,
Kom-

Antwort: Wir.
Frage:
Staaten?

Wir,

Antwort:
Ja
einigten Staaten.
Frage: Warum?

die
wir,

Vereinigten
die

Ver-

Antwort:
Weil wir aus dem in
der ersten Frage erörterten Grund
eine gewisse Betonung auf dieses Wort
legen wollten.
Frage:
Herr Außenminister, was
muß vor einem Modernisierungsbeschluß
geschehen?
Müssen Fortschritte bei
den Gesprächen erzielt werden? Muß
tatsächlich ein Abbau der konventionellen Waffen erfolgen?
Antwort:
Es muß genug politische Unterstützung für den Modernisierungsbeschluß der NATO im Jahr
1992 geben.
Frage: Und was wird diese Entscheidung auslösen?
Antwort:
Nun, das hängt von
den weltweiten sicherheitspolitischen
Entwicklungen ab. Wir müssen prüfen,
ob das neue Denken Bestand hat, abwarten, ob die Sowjetunion weiterhin
auf den Westen zugeht, beobachten, ob
der Osten nach wie vor einen Schritt
in Richtung
auf westliche Werte
macht. Alle diese Aspekte fließen in
das politische Kalkül ein, ob es im
Jahr 1992 ausreichende Unterstützung
für diesen Beschluß geben wird.
Frage:
Ein Vertrag über den
Abbau konventioneller Rüstungen wäre
also nicht unbedingt Voraussetzung?
Antwort:
Nein, es gibt keine
solche Bedingung oder Einschränkung.
Frage: Werden Sie sich vor der
dritten Verhandlungsrunde im September mit Außenminister Schewardnadse
treffen?
Antwort:
Bisher
beabsichtige
ich nicht, mich vor September mit ihm
zu treffen. Sie dürfen nicht vergessen, daß es sich hierbei um Entscheidungen des Bündnisses handelt. Der
Vorschlag über einen Truppenabzug betrifft amerikanische und sowjetische
Streitkräfte
und
würde
natürlich
einen bilateralen Dialog gestatten,
aber wir würden dazu sehr enge Konsultationen mit dem Bündnis bevorzugen.

�Frage:
Aber
direkter
Dialog
würde sie auch nicht unbedingt beschleunigen.
Sobald also die offizielle Sprachregelung
im September
vorliegt, könnte man wirklich Fortschritte machen?
Antwort:
Wir
würden
diesen
Vorschlag sehr gerne bei der Wiederaufnahme der Verhandlungen am - wenn
ich mich richtig erinnere - 7. September - auf den Verhandlungstisch
legen. Aber hierbei handelt es sich
um ein Maßnahmenpaket.
Wir unterbreiten diesen Vorschlag nicht mit
dem Gedanken, daß der Osten sich dann
das herauspickt, was ihm gefällt und
das andere übrigläßt. Natürlich müssen noch einige Probleme gelöst werden.
Es gibt Zählvorschriften, insbesondere für Flugzeuge, aber auch
für Artillerie. Es gibt noch Fragen
bezüglich
der
Demobilisierung
und
Außerdienststellung
der
abgebauten
Truppen.
Diese Fragen bedürfen der
Erörterung, aber wir hoffen, einen
solchen Vorschlag bei der Wiederaufnahme der Wiener KSE-Verhandlungen am
7. September unterbreiten zu können.
Herr Außenminster,
dieses Gespräch.

wir

* * * * * *

danken

für

�</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST

Rede von Präsident George Bush
anläßlich seines Besuchs in der Bundesrepublik Deutschland
am30./31.Mail989
in der Rheingoldhalle in Mainz

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Für ein ungeteiltes freies Europa

Vielen Dank Herr Bundeskanzler. Herr Oberbürgermeister, verehrte Gastgeber.
Ich möchte ebenfalls den beiden amerikanischen
und deutschen Orchestern und dem Chor für ihre mitreißenden Darbietungen danken.
Ihnen. Herr Bundeskanzler, gebührt mein besonderer Dank, daß Sie mich bei meinem ersten Staatsbesuch in der
Bundesrepublik Deutschland in diese schöne alte Stadt eingeladen
haben. Soeben haben Herr Kohl und ich beim NATO-Gipfel in Brüssel
unsere Beratungen beendet, und damit sind ausgezeichnete Arbeitsbeziehungen zwischen uns in unserer Eigenschaft als Bundeskanzler
und Präsident aufgenommen worden.
Es heißt, hier in Mainz an den Ufern des Rheins und im Herzen der Weinberge und Dörfer sei die deutsche Seele zuhause.
Mainz ist also der geeignete Ort für die Ansprache eines amerikanischen Präsidenten an die Bundesbürger.
Heute möchte ich nicht nur über unsere gemeinsame Verteidigung, sondern über unsere gemeinsamen Werte sprechen.

Ich möchte

nicht nur Fragen anschneiden, die den Verstand betreffen, sondern
an die im Innersten gehegten Hoffnungen appellieren.

Die erste Aufgabe der NATO
Erst
deutschen

heute morgen waren Barbara und
Studentengruppe

beeindruckt

die einen Teil ihrer Studienzeit
bracht hatten.

-

ich von einer

klugen

kleinen

jungen Menschen,

in den Vereinigten Staaten ver-

Ihr Wissen über mein Land und die Welt war. gelin-

de gesagt, eindrucksvoll.

Leider

scheinen

jedoch viele Menschen

im Westen - Amerikaner und Europäer gleichermaßen - die Lektionen
- 1 -

�unseres gemeinsamen Erbes und dessen, wie die Welt in ihrer heutigen Gestalt zustandegekommen ist. vergessen zu haben. Das kann
und darf nicht sein. Wir müssen uns vor Augen führen, daß die
jetzt in Amerika und Europa heranwachsende Generation ein größeres
Erbe antritt, als es jeder Generation vor ihr hinterlassen wurde Frieden. Freiheit und Wohlstand.
Dieses Erbe ist möglich, weil sich vor vierzig Jahren die
Länder der westlichen Welt in einer großen gemeinsamen Sache - der
NATO - zusammengeschlossen haben.
Zuerst gab es die Vision und
damit ein Konzept von freien Völkern, die in Europa und Nordamerika zum Schutz ihrer Werte zusammenarbeiten. Dann wurden die Risiken und Lasten aufgeteilt und der sowjetische Expansionismus realistisch eingeschätzt. Schließlich war man entschlossen, über alte Feindschaften hinwegzusehen. Das NATO-Bündnis leistete nichts
Geringeres als Westeuropa den Weg zu bereiten, um jahrhundertelange Rivalitäten zu begraben und ein Zeitalter der Versöhnung und
des Wiederaufbaus einzuleiten. Dies war eine zweite Renaissance
Europas.
Wie Sie wissen, ist dies nicht nur der 40. Jahrestag des
Bündnisses. Es ist auch der 40. Jahrestag der Gründung der Bundesrepublik Deutschland - einer Republik, die aus der Hoffnung geboren wurde, aber auch Herausforderungen bestehen mußte. Auf dem
Höhepunkt der Berlinkrise forderte Ernst Reuter die Deutschen auf.
Standhaftigkeit und Vertrauen zu zeigen, und das haben sie getan mutig und großartig.
Die im Verlauf der Geschichte oftmals unter Beweis gestellten Gaben des deutschen Volkes kommen in diesem Zeitalter des
Friedens zum Tragen. Die Bundesrepublik nimmt in der Technologie
eine Spitzenstellung ein und ist viertgrößte Wirtschaftsmacht der
Welt. Aber noch wichtiger ist die Tatsache, daß Sie der Welt ein
Zeichen gesetzt haben, indem Sie sich wirkungsvoll für Grundwerte
wie Menschenrechte, Demokratie und Freiheit einsetzen. Die Amerikaner und die Bundesrepublik waren immer enge Freunde und Verbündete.
Heute übernehmen wir darüber hinaus noch eine
Aufgabe - als Partner in einer Führungsrolle.
- 2 -

gemeinsame

�Und natürlich ist diese Führungsrolle fest mit einem weiteren Element verbunden - Verantwortung.
Und unsere Verantwortung
besteht darin, daß wir vorausschauen und die Verheißungen der Zukunft verwirklichen können.

Die zweite Aufgabe der NATO:

Ein ungeteiltes und freies Europa

Ich habe in jüngster Zeit darauf verwiesen, daß wir an der
Schwelle

zu einem

neue Politik

neuen

gegenüber

Zeitalter

der

stehen.

Sowjetunion

Und

ich habe unsere

als Überwindung

des Con-

tainment bezeichnet.
Seit vierzig Jahren liegt die Saat der Demokratie in Osteuropa brach, begraben unter der im Kalten Krieg gefrorenen Erde der
Tundra.
Seit vierzig Jahren wartet die Welt auf ein Ende des Kalten
Krieges.
Jahrzehntelang und immer wieder wurde der schöpferische
Geist des Menschen Opfer von Krisen und Unterdrückung.
Und die Welt hat lange gewartet.
Aber
ewig

der

verwehrt

Zeit ist reif.

leidenschaftliche
werden.

Die Welt

Wunsch
hat

nach Frieden

kann nicht

lange genug gewartet.

Die

Europa muß frei und ungeteilt sein.

Für die Gründerväter des Bündnisses war diese Hoffnung ein
ferner Traum. Jetzt ist diese Hoffnung die neue Aufgabe der NATO.
Wenn sich alte Gegner wie Großbritannien und Frankreich oder
Frankreich und Deutschland versöhnen können - warum können es dann
nicht die Länder in Ost und West? In Osteuropa weisen uns tapfere
Zeitgenossen den Weg. Nehmen wir Polen, wo die Gewerkschaft Solidarität und die Katholische Kirche zugelassen worden sind.
Die
Kräfte der Freiheit treiben den sowjetischen Status quo in die Defensive.
- 3 -

�Im Westen hatten wir Erfolg, weil wir unseren Werten und unserer Vision treu geblieben sind. Aber auf der anderen Seite des
rostigen Eisernen Vorhangs konnte die Vision nicht verwirklicht
werden.
Der

Kalte Krieg

begann

mit

der

Teilung Europas.

Er

kann

nur beendet werden, wenn die Teilung Europas aufgehoben ist.
Diese Politik eines geteilten Europas steht heute auf dem
Prüfstand.
Und unsere Hoffnungen sind besonders hochfliegend,
weil die Teilung Europas nicht von Armeen in Frage gestellt wird,
sondern von der Verbreitung von Ideen, die genau hier ihren Ursprung hatte. Ein Sohn der Stadt Mainz. Johannes Gutenberg, hat
durch die Macht des gedruckten Wortes den Verstand der Menschen
beflügelt.
Dieselbe befreiende Macht tritt heute auf hundert verschiedene Arten zutage. Mit Hilfe der "Stimme Amerikas" und der "Deutschen Welle" sind wir in der Lage. Millionen von Menschen in Osteuropa und auf der ganzen Welt aufzuklären. Durch Fernsehsatelliten können wir Zeuge von Ereignissen in den Danziger Werften und
auf dem Platz des Himmlischen Friedens werden. Aber die Impulse
für Freiheit gehen nicht nur vom gedruckten Wort, dem Radio oder
dem Fernsehschirm aus. Sie entstehen aus der Macht einer einzigen Idee - der Demokratie.
Diese eine Idee fegt über Eurasien hinweg.
Diese eine
Idee bewirkt einen Umbruch in der kommunistischen Welt von Budapest bis Peking. Für die führenden Politiker Osteuropas gibt es
keine Freiheit um der Freiheit willen. Aber was ihre Beweggründe
auch sein mögen - sie setzen eine Kraft frei, die sie nur sehr
schwer kanalisieren oder kontrollieren können - den Hunger der
unterdrückten Völker nach Freiheit, von der sie einen Vorgeschmack
bekommen haben.
Nirgendwo tritt dies deutlicher zutage als in Osteuropa, der
Wiege des Kalten Krieges.

Am Ende des Zweiten Weltkrieges hat die

sowjetische Armee in Polen die freien Wahlen verhindert, die
- 4 -

�Stalin in Jalta versprochen hatte. Heute unternehmen die Polen
ihre ersten Schritte in Richtung auf die so lang versprochenen und
so lang verschobenen freien Wahlen. Und in Ungarn können wir endlich die Chance eines Wettbewerbs mehrerer Parteien an der Wahlurne feststellen.
In meiner Eigenschaft als Präsident werde ich alles in meiner Macht Stehende
europas

zu

Deutschland

tun. um die geschlossenen Gesellschaften Ost-

öffnen.
und

alle

Wir

streben

Länder

die

Selbstbestimmung

Osteuropas

ruhen und uns nicht beirren lassen.

an.

Wir

für

werden

ganz
nicht

Die Welt hat lange genug ge-

wartet.
Aber die Reise der Demokratie nach Osteuropa ist nicht einfach. Intellektuelle wie der tschechische Dramatiker Vaclav Havel
arbeiten immer noch im Schatten der Unterdrückung. Unfreiheit beherrscht immer noch das Leben zu vieler Völker Osteuropas. Barrieren und Stacheldraht schließen immer noch viele Länder ein.
Wenn ich in diesem Sommer nach Polen und Ungarn reise, werde ich
diese Botschaft übermitteln:
Es kann kein gemeinsames europäisches Haus geben, wenn sich nicht all seine Bewohner von Raum zu
Raum frei bewegen können.
Und ich werde noch eine Botschaft mit dorthin nehmen: der
Weg der Freiheit führt in ein größeres Haus - ein Haus, in dem
West und Ost zusammentreffen, ein demokratisches Haus - den Staatenbund freier Nationen.
Ich habe angekündigt, daß wir mit den positiven Schritten
der Sowjetunion gleichziehen würden. Aus diesem Grunde habe ich
am 12. Mai die Bereitschaft bekundet, den Sowjets gegenüber vorläufig die Aussetzung der Jackson-Vanik Handelsbeschränkungen in
Betracht zu ziehen, wenn sie im Gegenzug ihr Ausreiseverfahren
lockern. Deshalb habe ich auch am Montag verkündet, daß die Vereinigten Staaten bereit sind, die Regel "ohne Ausnahme" fallenzulassen, die unser Konzept zur Kontrolle von Technologieexporten in
die Sowjetunion geleitet hat - das heißt, ich habe Sanktionen aufgehoben, die als Reaktion auf den Einmarsch in Afghanistan verhängt worden waren.
- 5 -

�In demselben Geist habe ich vier Vorschläge unterbreitet, um
die tragische Teilung Europas zu beseitigen und dazu beizutragen,
daß Europa frei und ungeteilt sein wird.

Pluralismus
Erstens schlage ich vor. daß wir den KSZE-Prozeß stärken und
ausbauen, um in Osteuropa freie Wahlen und politischen Pluralismus
zu fördern.

Unsere Erwartungen sollten in dem Maße steigen wie

die Kräfte von Freiheit und Demokratie in Osteuropa zunehmen.
Die Verbindung der vereinzelten Freiheitsbestrebungen in
Osteuropa ist eine große Aufgabe für die westlichen Demokratien.
Dabei müssen insbesondere die großen politischen Parteien im
Westen eine historische Verantwortung übernehmen - den tapferen
Menschen mit Rat und Tat zur Seite stehen, die erstmals repräsentative politische Parteien in Osteuropa gründen und mit der Förderung von Freiheit und Demokratie den Eisernen Vorhang öffnen
wollen.

Glasnost für Berlin
Diese Öffnung hat bereits begonnen. Die Grenze aus Stacheldraht und Minenfeldern zwischen Ungarn und Österreich wird Fuß um
Fuß. Meile um Meile beseitigt. Ebenso wie in Ungarn müssen diese
Schranken in ganz Osteuropa fallen. Berlin muß die nächste Station sein.
An keinem andern Ort wird die Teilung zwischen Ost und West
deutlicher sichtbar als in Berlin. Dort trennt eine brutale Mauer
Nachbarn und Brüder.
Diese Mauer steht als Monument für das
Scheitern des Kommunismus. Sie muß fallen.
Glasnost mag

ja ein russisches Wort sein. Offenheit

ist ein westliches Konzept.
einer freien Stadt besessen.

jedoch

West-Berlin hat immer die Offenheit
Unser Vorschlag würde ganz Berlin zu
- 6-

�einem Zentrum des Handels zwischen Ost und West machen - einem Ort
der Zusammenarbeit, nicht der Konfrontation. Wir bekräftigen erneut unsere Verpflichtung zu der im Jahr 1987 von den Westmächten
verkündeten Initiative zur Stärkung von Freiheit und Sicherheit in
dieser geteilten Stadt. Dies ist also mein zweiter Vorschlag bringt Glasnost nach Ost-Berlin.

Die Rettung der Umwelt in Europa
Meine Generation kann sich noch an ein vom Krieg zerstörtes
Europa erinnern. Natürlich hat Europa schon vor langer Zeit seine
stolzen Städte wiederaufgebaut und seine majestätischen Kathedralen restauriert. Welch eine Tragödie wäre jedoch eine neuerliche
Verwüstung Ihres Kontinents, dieses Mal durch eine subtilere und
heimtückischere Gefahr - durch vergiftete Flüsse und sauren Regen.
Die Vereinigten Staaten sind in Alaska mit einer Umwelttragödie konfrontiert worden. Die Länder von Frankreich bis Finnland
haben unter Tschernobyl gelitten. Die Bundesrepublik Deutschland
unternimmt heute Anstrengungen zur Rettung des Schwarzwalds. Und
durch all diese Ereignisse haben wir eine schreckliche Lektion gelernt: Die Zerstörung der Umwelt macht nicht vor Grenzen halt.
Mein dritter Vorschlag zielt also auf die Zusammenarbeit
bei Umweltproblemen ab. wobei die Vereinigten Staaten und Westeuropa dem Osten entgegenkommen sollten. Da in Ost und West noch
viel getan werden muß. fordern wir Osteuropa auf. sich mit uns in
diesem gemeinsamen Kampf zusammenzuschließen. Wir können technische Ausbildung. Hilfe bei der Ausarbeitung von Gesetzen und Vorschriften sowie neue Technologien zur Bewältigung dieser Probleme
anbieten. Ich lade die Umweltexperten und Ingenieure aus Osteuropa zu Besuchen im Westen ein, um unser gemeinsames Wissen zum Erfolg dieser wichtigen Sache zu nutzen.
Mein vierter Vorschlag, eigentlich ein Paket von Vorschlägen, betrifft ein weniger militarisisertes Europa - den am stärksten bewaffneten Kontinent der Welt. Nirgendwo tritt dies deutli- 7 -

�eher zutage als in den beiden Teilen Deutschlands. Aus diesem
Grunde hat unser Bestreben um einen Rüstungsabbau, der unsere Sicherheit nicht gefährdet, eine besondere Bedeutung für die Bundesbürger .
Denjenigen, die über unser maßvolles Tempo in der Rüstungskontrolle ungeduldig sind, möchte ich mit allem Respekt vorschlagen, sich auf eine Lehre der Geschichte zu besinnen:
und

Stärke

sind.

Katalysator

und

Voraussetzung

für

daß Einheit

Rüstungskontrolle

Wir waren stets der Überzeugung, daß eine starke Verteidi-

gung des Westens der beste Weg zum Frieden ist.

Die Erfahrung von

vierzig Jahren hat gezeigt, daß wir recht hatten.
Aber wir haben mehr getan als lediglich den Frieden zu bewahren.

Durch unsere Einigkeit haben wir die Sowjets davon über-

zeugt, daß

ihre Aufrüstung

teuer

und

sinnlos war.

Wir

sollten

ihnen keinerlei Anreize geben, sich erneut der Politik der Vergangenheit zuzuwenden.

Wir sollten ihnen allen Grund geben, um der

Menschheit willen das Wettrüsten einzustellen.
Die Vereinigten Staaten sind sich in dieser Ära der Verhandlungen und bewaffneter Lager der Tatsache bewußt, daß die Bundesrepublik Deutschland eine besondere Last trägt.
Zwar befindet
sich im Atomzeitalter jedes Land an der Frontlinie. Aber nicht
alle freien Nationen müssen die Spannungen routinemäßiger militärischer Aktivitäten oder die dauernde Präsenz ausländischer
Streitkräfte ertragen. Wir wissen um diese besonderen, von dieser
notwendigen Präsenz hervorgerufenen Bedingungen.
Um die von den bewaffneten Lagern in Europa hervorgerufenen
Belastungen einschneidend
für

zu reduzieren, müssen wir uns energisch

solide, verifizierbare

Vereinbarungen

zwischen

der

NATO und

dem Warschauer Pakt einsetzen.
Am Montag habe ich meinen Kollegen in Brüssel erklärt, daß
ich große Hoffnungen für die Zukunft der Verhandlungen über konventionelle Waffen in Europa hege.

Ich habe Ihnen einen Vorschlag

zur Erzielung drastischer Reduzierungen in naher Zukunft vorgelegt.
- 8 -

�Wie Sie wissen, hat der Warschauer Pakt nun wichtige Elemente unseres westlichen Ansatzes bei den neuen Verhandlungen über
konventionelle Waffen in Wien akzeptiert. Der Ostblock räumt ein.
daß bei den konventionellen Streitkräften der beiden Bündnisse ein
substantielles Ungleichgewicht besteht. Er hat sich der Position
der NATO weiter angenähert, indem er unsere ersten Vorschläge zu
den konventionellen Streitkräften größtenteils angenommen hat.
Diese ermutigenden Schritte haben eine Gelegenheit zu kreativem
und entschlossenem Handeln eröffnet. Wir werden diese Gelegenheit
nicht ungenutzt verstreichen lassen. .
Unser Vorschlag enthält mehrere bedeutsame Initiativen:
Ich schlage vor. daß wir den Osten auf seine Zustimmung zu
den vom Westen vorgeschlagenen Obergrenzen bei Panzern und
Schützenpanzern "festnageln". Wir sollten ferner Übereinstimmung über eine gemeinsame zahlenmäßige Obergrenze für
die Artillerie anstreben, die zwischen den Beständen der
NATO und des Warschauer Pakts liegt, vorausgesetzt, daß die
Definitionsprobleme gelöst werden können. Und die abgebauten Waffen müssen vernichtet werden.
Wie sollten unser gegenwärtiges Angebot auf sämtliche landgestützten Kampfflugzeuge und Hubschrauber erweitern, indem
wir vorschlagen, daß beide Seiten in diesen Kategorien auf
ein Niveau reduzieren, das 15 Prozent unter den gegenwärtigen Gesamtstärken der NATO liegt. Angesichts der zahlenmäßigen Überlegenheit des Warschauer Pakts würde dieser weit
umfangreichere Reduzierungen vornehmen müssen als die NATO,
um ein Gleichgewicht auf diesen niedrigeren Niveaus herzustellen. Auch in diesem Fall müssen die abgebauten Waffen
vernichtet werden.
Ich schlage eine 20prozentige Reduzierung bei den Kampftruppen der US-Stationierungsstreitkräfte und eine sich daraus
ergebende Obergrenze der von den Vereinigten Staaten und den
Sowjets außerhalb ihres nationalen Hoheitsgebiets in der Zone vom Atlantik bis zum Ural stationierten Land- und Luft- 9-

�Streitkräfte von etwa 275 000 Mann vor. Mit dieser Reduzierung auf ein Gleichgewicht und ein faires, ausgewogenes Niveau der Stärke würden die Sowjets dazu gezwungen, die Zahl
der in Osteuropa stationierten Soldaten der Roten Armee von
600 000 um 325 000 zu verringern.
Diese abgezogenen
Streitkräfte müssen demobilisiert werden.
Schließlich appelliere ich an Präsident Gorbatschow, das
Tempo zur Erzielung dieser Vereinbarungen zu beschleunigen. Es gibt keinen Grund für den von Moskau vorgeschlagenen Zeitrahmen von fünf bis sechs Jahren. Ich schlage
einen wesentlich ehrgeizigeren Zeitplan vor. Wir sollten
ein Abkommen innerhalb von sechs Monaten bis zu einem Jahr
und die Verwirklichung der Reduzierungen bis spätestens 1992
oder 1993 anstreben.
Zusätzlich zu meinen Vorschlägen im Hinblick auf die konventionellen Waffen müssen wir und die Sowjets uns meines Erachtens
um mehr Offenheit in unseren militärischen Aktivitäten bemühen.
Ich möchte deshalb meinen Vorschlag wiederholen, daß die Sowjetunion und ihre Verbündeten ihren Himmel für gegenseitige, unbewaffnete Aufklärungsflüge mit kurzer Vorwarnung öffnen, um militärische Aktivitäten zu beobachten.
Satelliten sind ein sehr
wichtiges Mittel zur Verifizierung von Rüstungskontrollvereinbarungen. Sie bieten uns jedoch keine kontinuierliche Erfassung der
Sowjetunion. Eine Politik des offenen Himmels würde beide Seiten
einer totalen kontinuierlichen Erfassung näherbringen und gleichzeitig ein Symbol für größere Offenheit zwischen Ost und West darstellen.
Dies sind meine Vorschläge zur Schaffung eines weniger militarisierten Europas. Noch vor kurzer Zeit wären sie zu revolutionär gewesen, um in Betracht gezogen zu werden. Doch heute könnten
wir uns in der Tat an der Schwelle zu einem noch ehrgeizigeren Abkommen in Europa befinden, als irgend jemand für möglich gehalten
hätte.
Wir müssen uns jedoch auch Herausforderungen außerhalb des
- 10 -

�traditionellen Bereichs der NATO stellen. Jedes Land des Westens
ist mit der weltweiten Verbreitung todbringender Technologien konfrontiert, darunter ballistische Raketen und chemische Waffen.
Wir müssen die Verbreitung dieser wachsenden Bedrohungen gemeinsam
eindämmen. Wir sollten so bald wie möglich mit einer weltweiten
Ächtung chemischer Waffen beginnen.

Schlußbemerkunqen
Mehr politische Freiheit im Osten, ein Berlin ohne Mauer,
eine sauberere Umwelt, ein weniger militarisiertes Europa - dies
sind jedes für sich schon ehrenwerte Ziele. Zusammengenommen sind
sie Merkmale einer umfassenderen Vision - eines Europas, das frei
und im Frieden mit sich selbst lebt. Die Sowjets sollten wissen,
daß unser Ziel nicht darin besteht, ihre legitimen Sicherheitsinteressen zu untergraben. Unser Ziel ist es. sie schrittweise davon zu überzeugen, daß ihre Definition von Sicherheit überholt ist
und ihre innersten Ängste unbegründet sind.
Westeuropa wird im Jahr 1992 mit einem großen Schritt institutionalisieren, was faktisch bereits seit Jahren vollzogen wurde
- Grenzen, die Menschen. Waren und

Ideen offenstehen.

Zwischen

Ihnen gibt es keinen Schatten eines Verdachts, keine tiefsitzenden
Ängste.

Die Möglichkeit eines Krieges innerhalb des Westens ist

für unsere Bürger schlicht undenkbar.
tegration

von Nationen

Eine solche friedliche In-

in eine Weltgemeinschaft

bedeutet

jedoch

nicht, daß irgendein Land seine Kultur, geschweige denn seine Souveränität aufgeben müßte.
Dieser Prozeß der Integration, eine subtile Verflechtung gemeinsamer Interessen, der in Westeuropa so kurz vor seiner Vollendung steht, hat nun endlich auch im Osten begonnen. Wir möchten
den Staaten Osteuropas zu einer Erkenntnis verhelfen, die sich in
Westeuropa schon vor langer Zeit durchgesetzt hat. Die Grundlage
dauerhafter Sicherheit erwächst nicht von Panzern. Truppen oder
Stacheldraht.
Sie wird auf gemeinsame Werte und Vereinbarungen
gegründet, die freie Völker verbinden.

- 11 -

�Die Nationen Osteuropas entdecken aufs Neue ihr glanzvolles
nationales Erbe. Mögen die grauen Gesellschaften des Ostens erneut in den Farben nationaler Kultur erstrahlen. Möge Europa von
einem Frieden der Spannungen zu einem Frieden des Vertrauens finden, einem Frieden, in dem die Völker des Ostens und des Westens
frohlocken können, auf einem Kontinent, der vielfältig ist und
doch eine Einheit bildet.
Vierzig Jahre des Kalten Kriegs waren ein Prüfstein für unsere Entschlossenheit und die Stärke unserer Werte.
erste

Aufgabe

der NATO

nahezu

vollendet.

Nun ist die

Aber wenn wir

unsere

europäische Vision verwirklichen wollen, wird uns die Herausforderung der

nächsten vierzig Jahre

meinsam werden wir

diesem Ruf

nicht weniger

folgen. Die Welt

abverlangen.
hat

lange

Gegenug

gewartet.
Vielen Dank für

Ihre Einladung nach Mainz, Gott segne Sie

alle.

- 12 -

�</text>
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                <text>Rede von Präsident George Bush &lt;br /&gt;&lt;em&gt;anläßlich seines Besuchs in der Bundesrepublik Deutschland am30./31.Mail989 in der Rheingoldhalle in Mainz&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST
%

"*"

Ä&lt;

24. Mai 1989

21
I N H A L T

DOKUMENTATION
Bush:

Vereinigte Staaten begrüßen Entstehung eines Vereinten Europas

- Rede an der Boston University -

Bush "wäre erfreut" über ein wiedervereinigtes Deutschland
- Interview des Präsidenten mit der Washington Times -

HINTERGRUNDMATERIAL
Stand der Rüstungskontrollverhandlungen
- Wöchentliche Übersicht -

COCOM und der Ost-West-Dialog
- Von Botschafter Allan Wendt -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Umweltschäden aus dem Weltraum kartiert
- Weitere Einschränkung von Stickstoffoxidemissionen notwendig -

Satellitenbrücke für medizinische Problemfälle
- USA richten Direktverbindung nach Armenien ein -

* * * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

F'ostfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�AMERIKA DIENST
\os

Dokumentation

^

21

24. Mai 1989

BUSH:

VEREINIGTE STAATEN BEGRÜSSEN ENTSTEHUNG EINES VEREINTEN EUROPAS
- Rede an der Boston Unlverslty -

BOSTON - (AD) - In Gegenwart des französischen Präsidenten Mitterrand hat
Präsident Bush am 21. Mai 1989 im Rahmen einer Abschlußfeier an der Boston
University erklärt, die Vereinigten Staaten begrüßten "die Entstehung Europas
als Partner bei der Führung der Welt" und seien bereit, gemeinsam "neue Konsultations- und Kooperationsmechanismen zu politischen und globalen Problemen"
zu entwickeln.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede des Präsidenten im Wortlaut:

Als Absolventen der Boston University nehmen Sie das Diplom einer
großen
Institution
und noch etwas
mehr mit sich - das Wissen um die
Vergangenheit und Verantwortung für
die Zukunft. Schauen Sie sich unsere
Welt an.
Die Staaten unterliegen
solch
radikalen Veränderungen, daß
sich das internationale System, wie
sie es im nächsten Jahrhundert vorfinden werden, von dem heutigen so
sehr unterscheiden wird, wie die heutige
Welt
von der Zeit
Woodrow
Wilsons.
Wie werden sich die Vereinigten Staaten auf die vor ihnen
liegenden
Herausforderungen
vorbereiten?
Gerade im Hinblick auf Ihre Zukunft und nach Diskussionen und Bestandsaufnahmen
richten wir unsere
Außenpolitik darauf aus, diese Zeit
außergewöhnlicher
Veränderungen und

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Chancen zu bewältigen. Ich habe ausgeführt, wie diese Administration Reformen in Osteuropa fördern wird und
wie wir mit unseren Freunden in Lateinamerika zusammenarbeiten werden.
In Texas habe ich zu einer anderen
Gruppe
von
Universitätsabsolventen
über unsere neue Haltung zur Sowjetunion gesprochen, die über eine Politik der Eindämmung hinausgeht, um zu
versuchen, die Sowjets in die internationale Staatengemeinschaft zu integrieren und ihnen zu helfen, die
Früchte
internationaler
Zusammenarbeit zu ernten.
Heute möchte ich mich jedoch der
Zukunft Europas widmen, jener Mutter
der Nationen und Ideen, die so sehr
ein Bestandteil Amerikas ist. Es ist
diesem
Anlaß
angemessen,
daß ich
dieses Forum mit einem besonderen
Freund Amerikas teile - Präsident

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Mitterrand, Sie stehen beim amerikanischen Volk in besonderem Ansehen.
Ich erinnere mich gut an unser Treffen in Yorktown im Jahr 1981 aus Anlaß des 200. Jahrestages des ersten
französisch-amerikanischen Kampfs für
die Freiheit. Schon bald werde ich
in Paris mit Ihnen zusammenkommen, um
den 200. Jahrestag des französischen
Kampfs für Freiheit und Gleichheit zu
begehen.
Dies ist nur ein Beispiel für das
besondere Band zwischen unseren beiden Kontinenten. Sehen Sie sich nur
diese Stadt an. Von der alten Old
North Church bis zu Paul Reveres Heim
im Herzen des italienisch geprägten
Nordteils der Stadt und unseren berühmten,
gesangserfüllten
irischen
Kneipen - die alte und die neue Welt
sind in Boston untrennbar miteinander
verbunden.
Aber wenn wir auf die
Tradition der alten Welt zurückschauen, müssen wir auch den Blick nach
vorn auf das neue Europa richten.
Historische Veränderungen werden Ihren Werdegang und ihr Leben prägen.
Die sich in Westeuropa vollziehenden Veränderungen
sind weniger
dramatisch als diejenigen, die im
Osten stattfinden, aber sie sind deshalb nicht weniger grundlegend. Die
Nachkriegsordnung, die im Jahr 1945
ihren Ausgangspunkt
hatte, erhält
einen völlig neuen Charakter. Zwar
bleiben gewisse Grundzüge bestehen,
da unser Bündnis mit Westeuropa von
jenen zynischen Mächteallianzen der
Vergangenheit
gänzlich
verschieden
ist. Es gründet sich auf weit mehr
als die Wahrnehmung eines gemeinsamen
Gegners. Es gründet sich auf Bande
der Kultur, Blutsverwandtschaft und
gemeinsamer Werte. Während wir den
Blick auf das 21. Jahrhundert richten, sollten Amerikaner und Europäer
sich gemeinsam der Worte von Raymond
Aron erinnern, der das Bündnis als
"moralische
und
geistige
Gemeinschaft" bezeichnete.
Unsere Ideale
entsprechen denen der amerikanischen
Bill of Rights und der französischen
Erklärung der Menschenrechte.
Und
gerade weil die Ideale dieser Gemeinschaft einen solch universellen Charakter besitzen, befindet sich die

Welt heute im Umbruch.
Ein neues Jahrhundert bietet heute die Aussicht auf ein vereintes
Europa.
Wie Sie wissen, befinden
sich die Staaten Westeuropas bereits
auf dem Weg zu verstärkter wirtschaftlicher Integration mit dem ehrgeizigen Ziel, bis zum Jahr 1992
einen europäischen
Binnenmarkt zu
schaffen.
Die Vereinigten Staaten
haben häufig erklärt, sie strebten
nach der Überwindung alter Feindschaften, einer Integration Europas.
Gleichzeitig hatten einige Amerikaner
ein historisch zwiespältiges Verhältnis gegenüber einem geeinteren Europa.
Zu dieser Ambivalenz gesellte
sich Besorgnis im Hinblick auf die
Aussicht des europäischen Binnenmarkts im Jahr 1992. Aber was andere
auch immer denken mögen, diese Administration ist sich einig. Unserer
Überzeugung
zufolge
bedeutet
ein
starkes, vereintes Europa ein starkes
Amerika.
Das Bruttoinlandsprodukt Westeuropas ist etwa ebenso hoch wie das
unsere, und seine Bevölkerungszahl
übertrifft die unserige. Auf vielen
Gebieten nimmt die europäische Wissenschaft
weltweit
eine
führende
Stellung ein, Bildungs- und Ausbildungsniveau der europäischen Arbeitnehmer sind sehr hoch.
Die Vereinigten Staaten begrüßen
die Entstehung Europas als Partner
bei der Führung der Welt. Wir sind
bereit, mit der Europäischen Gemeinschaft und ihren Mitgliedstaaten neue
Konsultations- und Kooperationsmechanismen zu politischen und globalen
Problemen zu entwickeln, von der
Stärkung der demokratischen Kräfte in
der Dritten Welt bis zur Bewältigung
regionaler Spannungen und Überwindung
der Teilung Europas. Ein wiederaufstrebendes Westeuropa besitzt wirtschaftliche Magnetkraft
und zieht
Osteuropa
enger
zur
Gemeinschaft
freier Nationen hin.
Eine reifere Partnerschaft mit
Westeuropa wird neue Herausforderungen an uns stellen. Sicherlich wird
es zu Auseinandersetzungen und Kon-

- 2 -

�troversen über wirtschaftliche Fragen
kommen. Die Vereinigten Staaten werden selbstverständlich
ihre Wirtschaftsinteressen
verteidigen.
Es
ist jedoch wichtig, Gegner von Verbündeten und Verbündete von Gegnern
zu unterscheiden. Welch eine Tragödie - wie absurd - wäre es, wenn
künftige Historiker den Zerfall des
Bündnisses auf Streitigkeiten über
Hormone in Rindfleisch und Kriege
über Teigwaren zurückführen würden.
Wir müssen uns alle energisch dafür
einsetzen, daß das Europa des Jahres
1992 die niedrigeren Schranken der
modernen Weltwirtschaft annehmen wird
und nicht die hohen Wälle und Wassergräben des mittelalterlichen Handels.
Letztlich beruhen unsere Hoffnungen für die Zukunft jedoch auf der
Bewahrung des Friedens in Europa.
Vor 42 Jahren hielt Außenminister
George Marshall auf der anderen Seite
des Charles River bei einer Abschlußfeier eine Ansprache, in der er einen
Plan für den Wiederaufbau Europas erläuterte. Westeuropa hat darauf heldenhaft reagiert und später zusammen
mit uns eine Partnerschaft zur gerne insaqmen Verteidigung begründet
einen Schild, den wir als NATO bezeichnen. Dieses Bündnis ist stets
von einer angeregten Debatte über den
besten Weg zur Erlangung friedlichen
Wandels geleitet worden. Die tiefere
Wahrheit besteht jedoch darin, daß
das Bündnis einen historischen Frieden erzielt hat, weil es gemeinsam
ein grundsätzliches Ziel verfolgt.
Hinder dem Schild der NATO hat Europa
bis heute 40 Jahre ohne Konflikt erlebt, die längste Friedensperiode,
die dieser Kontinent je gekannt hat.
Hinter diesem Schild sind die Staaten
Westeuropas von Not zu Wohlstand aufgestiegen - all das aufgrund der
Stärke und Entschlossenheit freier
Völker.
Da Westeuropa sich nunmehr zusammenschließt, erkennen wir, daß neue
Formen der Zusammenarbeit entwickelt
werden müssen. Wir begrüßen die sich
herauskristallisierende
Verteidigungszusammenarbeit in der neu belebten Westeuropäischen
Union, deren
Mitglieder mit uns bei der Offenhal-

tung der Seewege im Persischen Golf
zusammengearbeitet haben.
Wir begrüßen die wachsende militärische Zusammenarbeit zwischen der Bundesrepublik Deutschland und Frankreich. Wir
begrüßen britische und französische
Programme zur Modernisierung ihrer
Abschreckungsfähigkeit
und
ihre
Schritte zu mehr Zusammenarbeit in
diesem Bereich.
Es ist nur billig
und recht, daß die Europäer ihre Verteidigungszusammenarbeit
zunehmend
als Investititon in eine sichere Zukunft betrachten. Wir jedoch haben
ein wichtiges Anliegen anderer Natur
im Auge - eine wachsende Selbstgefälligkeit im gesamten Westen.
Sicherlich kann kaum erwartet
werden, daß Ihre Generation die Ängste der Vergangenheit teilt.
Nach
einer solch langen Friedensperiode
ist es schwer vorstellbar, daß es
auch anders sein könnte. Unsere Erwartungen in dieser sich rasch verändernden Welt können jedoch nicht so
weit vorauseilen, daß wir vergessen,
was auf dem Spiel steht. Eine gewisse Ironie ist nicht von der Hand zu
weisen. Während die Grundlagen der
kommunistischen
Gesellschaften
von
einem ideologischen Erdbeben erschüttert werden, wird der Westen durch
die Erscheinung der Selbstgefälligkeit auf die Probe gestellt.
Wir dürfen niemals vergessen, daß
zweimal in diesem Jahrhundert amerikanisches Blut in Konflikten vergossen wurde, die ihren Ursprung in Europa hatten. Wir teilen den leidenschaftlichen Wunsch der Europäer, den
Krieg für immer in das Reich ferner
Erinnerungen zu verbannen.
Gerade
deshalb ist das atlantische Bündnis
ein solch zentraler Bestandteil unserer Außenpolitik.
Aus diesem Grund
bleiben die Vereinigten Staaten dem
Bündnis und der Strategie verpflichtet, die Europa die Freiheit bewahrt
hat. Wir dürfen niemals vergessen,
daß die Erhaltung des Friedens in Europa gleichbedeutend mit der Erhaltung des Friedens für die Vereinigten
Staaten ist.
Die NATO-Politik der flexiblen
Reaktion erhält die Ankoppelung der

- 3 -

�Vereinigten Staaten an Europa aufrecht und läßt jeden möglichen Angreifer wissen, daß wir die Machtmittel einsetzen werden, die für die Abwehr seines Angriffs und die Vereitelung seiner Pläne angemessen sind.
Unser in Europa stationiertes, auf
modernem Stand gehaltenes Abschrekkungspotential im Kurzstreckenbereich
demonstriert, daß die vitalen Interessen der Vereinigten Staaten untrennbar mit Westeuropa verbunden
sind und daß ein Angreifer niemals
darauf setzen kann, daß er seine
Kräfte nur mit unseren konventionellen Streitkräften messen würde. Obwohl zur Zeit große Hoffnungen auf
einen friedlicheren Kontinent bestehen, lehrt die Geschichte dieses
Jahrhunderts Amerikaner und Europäer,
ihre Bereitschaft aufrechtzuerhalten.
Während wir einen anhaltenden
Frieden anstreben, begrüße ich die
von Herrn Gorbatschow eingeleiteten
Schritte.
Wenn die Sowjets solide
und konstruktive Friedenspläne vorlegen, sollten wir das Verdienst demjenigen zubilligen, der es verdient.
Wir erleben tiefgreifende Veränderungen in der Sowjetunion, die eine
Chance auf dauerhafte Verankerung
enthalten. Gleichzeitig sind wir in
einem
Zeitalter
außergewöhnlicher
Veränderungen dazu verpflichtet, Optimismus durch Besonnenheit zu mildern.
So hat zum Beispiel der sowjetische Außenminister in der vergangenen Woche die Welt davon in Kenntnis
gesetzt, daß die Verpflichtung seines
Landes zur Zerstörung der SS-23-Raketen gemäß INF-Vertrag möglicherweise
nicht eingehalten wird. Die Sowjets
sind sich sicherlich über das Resultat einer Nichteinhaltung dieses feierlichen Vertrags im klaren. Möglicherweise bestand ihr Ziel in der
Spaltung des Westens bei anderen Fragen. Unabhängig davon ist klar, daß
das sowjetische "neue Denken" das alte noch nicht völlig überwunden hat.

in der Sowjetunion dramatische Veränderungen vollziehen, obwohl diese
noch nicht vollständig zum Tragen
kommen. Der Warschauer Pakt erhält
gegenüber dem atlantischen Bündnis
bei den Kurzstreckensystemen und Abschußvorrichtungen für Nuklearwaffen
eine Überlegenheit von nahezu 12 zu 1
und bei den Kampfpanzern von über 2
zu 1 aufrecht. Aus diesem Grund werden wir in Zusammenarbeit mit unseren
Verbündeten Land- und Luftstreitkräfte in Europa stationieren solange
diese erwünscht und benötigt werden,
um den Frieden in Europa zu bewahren.
Gleichzeitig wird meine Administration Verhandlungen über ein weniger
militarisiertes Europa mit einem sicheren konventionellen Gleichgewicht
auf niederigerem Niveau hohe und andauernde Priorität beimessen. Unser
höchstes Ziel ist ein Frieden, der
sich auf gemeinsamen Optimismus und
nicht auf bewaffnete Lager gründet.
Im Jahr 1992 begehen wir den 500.
Jahrestag der Entdeckung der neuen
Welt.
Wir feiern dann also fünf
Jahrhunderte, nichts weniger als unsere Zivilisation an sich - die amerikanische Bill of Rights und die
französische Erklärung der Menschenrechte, die alte und ungeschriebene
Verfassung Großbritanniens und die
demokratische
Vision
von
Konrad
Adenauer und Aleide de Gasperi.
Und bei all unseren Feiern erinnern wir uns einer Tatsache - dies
ist wahrhaftig eine moralische und
geistige Gemeinschaft. Sie ist unser
Erbe. Laßt sie uns schützen. Laßt
sie uns fördern. Laßt sie uns für
unsere Kinder und die nachfolgenden
Generationen von Amerikanern und Europäern bewahren.

Ich glaube an einen überlegten,
stufenweisen Ansatz in den Ost-WestBeziehungen, weil sich wiederholende
Anzeichen darauf hindeuten, daß sich
- 4 -

* * * * *

�AMERIKA DIENST
VL

7

"**

Dokumentation

Ä&lt;

24. Mai 1989

21

BUSH "WÄRE ERFREUT" ÜBER EIN WIEDERVEREINIGTES DEUTSCHLAND
- Interview des Präsidenten mit der Washington Times -

WASHINGTON - (AD) - In einem Exklusivinterview mit dem Chefredakteur der
Washington Times, Arnaud Borchgrave, erklärte Präsident Bush am 15. Mai
1989, die Wiedervereinigung Deutschlands sei nur "auf einer angemessenen
Grundlage" möglich. Bush bekundete ferner Zweifel über ihre baldige Verwirklichung, da die DDR hinter dem Gedankengut Moskaus und Bonns weit hinterherhinke. An dem Interview nahmen auch der Stabschef im Weißen Haus, John
Sununu, und der Nationale Sicherheitsberater, Brent Scowcroft, teil.

Zur Frage, ob westliche Nationen
die Sowjetunion in das Weltwirtschaftssystem
integrieren
sollten,
wie er es in seiner Rede der vergangenen Woche gefordert hatte, erklärte
Bush:
"Wenn ich die Unterstützung
aller westlichen Länder auflistete,
würden die meisten dieser Zielsetzung
zustimmen."
Der Präsident erklärt
ferner, bei seinem ersten Gipfeltreffen mit Gorbatschow im Laufe des Jahres werde er mögliche Erleichterungen
sowjetischer Belastungen in Osteuropa
zur Sprache bringen und gleichzeitig
die Sicherheitsinteressen der Sowjetunion bekräftigt.
Nachfolgend veröffentlichen
das Interview in Auszügen:
Frage:

Wenn

die

Politik

wir
des

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Containments bei der Sowjetunion erfolgreich war und - wie Sie es vergangenen Freitag formulierten - der
größte Kampf zwischen Freiheit und
Diktatur seit dem Zweiten Weltkrieg
ausgefochten ist: Welche Vorstellungen haben Sie dann genau für Europa?
Wird es ein Kontinent sein, auf dem
die Länder Osteuropas frei, aber neutral wie Finnland sind. Deutschland
schrittweise wiedervereinigt wird und
es keine
rivalisierenden militärischen Blöcke mehr gibt?
Antwort:
In meiner Rede habe
ich über kurzfristigere Vorstellungen
gesprochen und erklärt, daß Schranken
abgebaut, die Berliner Mauer niedergerissen, ein freierer Handel zwischen Ost und West stattfinden und
sicherlich
Freizügigkeit
hervorge-

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�bracht werden soll.
Und natürlich
wünsche Ich mir eine Fortsetzung der
Demokratisierungstendenzen, wobei ich
dem Begriff Demokratisierung noch
"Freiheit" hinzufügen möchte.
Und
ich denke, wir beobachten in Polen
heute faszinierende Schritte, die
noch vor zehn - und auch vor fünf Jahren nicht möglich gewesen wären.
Und dieselben Tendenzen können wir in
Ungarn insbesondere in der Wirtschaft
wahrnehmen. Und wer weiß, wann der
Rest Osteuropas diesem Beispiel folgt
und es ebenso weit - und möglicherweise weiter - bringt.
Wenn man also Vorstellungen haben
oder erträumen sollte, was man gerne
sähe, wären das sicher mehr Freiheit
und mehr Demokratie. Wie ich in meiner Rede erklärte, sollte die Ära
Breschnew
vorüber
sein
und
die
Breschnew-Doktrin aufgegeben werden.
Wir sollten darüber hinaus die demokratischen Hoffnungen der Menschen,
wo immer sie auch leben mögen, erfüllen. Das ist einer der Gründe, warum
ich Perestrojka und Glasnost Erfolg
wünsche.
Frage:
Aber wäre dies nicht
auch eine einmalige Gelegenheit für
eigenes neues Denken, Herr Präsident? Zum Beispiel über einen Plan,
mit dem die deutsche Frage gelöst und
der Klotz Osteuropa vom Bein Moskaus
entfernt werden könnte?
Würde man
damit nicht Gorbatschows Ton treffen,
wenn auch nicht unbedingt den seines
Nachfolgers? Warum verpflichten wir
nicht die gegenwärtige Führungsspitze
auf ein neues geopolitisches Konzept,
das Gorbatschows Nachfolger nicht
aufgeben könnte?
Antwort:
Ich denke, genau das
versuchen wir zu tun. Wie ich in
meiner Rede in Hamtramck erklärte habe, haben wir Polen - und nicht nur
Polen, sondern auch anderen Ländern ein starkes Signal gegeben, daß wir
zum Entgegenkommen bereit sind, wenn
Veränderungen erfolgen. Eine differenzierte Politik ist meiner Ansicht
nach eine sehr wertvolle Politik und
auch eine viel bessere Möglichkeit,

die Erfüllung umfassenderer Vorstellungen, wie etwa Demokratisierung und
Freiheit aller Völker und Länder, zu
ermutigen.
Ich denke also, daß hier bereits
Tendenzen im Hinblick auf die von Ihnen angesprochenen Punkte bestehen,
wir aber schrittweise vorgehen.
Frage:
Sie haben die Aufgabe
der Breschnew-Doktrin erwähnt, Herr
Präsident, die ungarische Führungsspitze erklärt demgegenüber, sie sei
bereits tot und begraben. Wir beobachten unter anderem, daß die Gewerkschaft Solidarität wieder zugelassen
wird
und nichtkommunistische Vereinigungen in Ungarn neue Grundregeln
für Wahlen diskutieren... Wie viele
Feuerproben müssen noch bestanden
werden?
Antwort:
Sie müssen noch die
Probe bestehen, ob sie diese Freiheiten weiterhin zulassen können. Ich
begrüße die Tatsache, daß in Polen
keine Intervention stattgefunden hat,
aber Polen macht gerade seine ersten
Schritte auf dem Weg zur Demokratie.
Und deshalb würde ich alle Fälle einzeln betrachten und diejenigen ermutigen, die am wenigsten Macht haben,
damit sie vorankommen... Ich freue
mich, daß Gorbatschow offensichtlich
mehr Selbstbestimmung oder zumindest
mehr Neuerungen in
diesen Ländern
zuläßt.
Es wird Besorgnis darüber laut,
daß es einen Punkt geben könnte, den
zu überschreiten er nicht bereit ist,
und aus diesem Grunde bin ich der Ansicht, die Vereinigten Staaten sollten
in
ihrem
Ansatz
gegenüber
Gorbatschow einigermaßen vorsichtig
sein.
Als zum Beispiel kürzlich
Außenminister Schewardnadse über eine
mögliche Aufstockung der Mittelstrekkenwaffen sprach, die unserer Ansicht
nach eindeutig eine Verletzung des
INF-Vertrages darstellen würden, habe
ich mir gesagt: Sie mögen mit ihrer
Vorsicht beim weiteren Vorgehen Recht
haben. Das war meiner Ansicht nach
aber kein gutes Zeichen.
Es gäbe

�bessere Zeichen.
Aber das hält mich nicht von dem
ab, was ich für den richtigen Weg
halte.
Ich blicke, wenn auch mit
einer gewissen Vorsicht, nach vorn.
Frage: Sind Sie nicht der Ansicht, beim Gipfel mit Gorbatschow
könnte ein Plan diskutiert werden,
mit dessen Hilfe seine Belastungen in
Osteuropa erleichtert und die Sowjetunion gleichzeitig ihrer berechtigten
Sicherheitsinteressen versichert werden könnte?
Antwort: Das könnte zwar sein,
aber meiner Ansicht nach müssen wir
bereit sein, eine Reihe regionaler
Probleme zu besprechen. Aus den uns
bekannten historischen Gründen will
die Sowjetunion Osteuropa nicht als
regionales Problem betrachten. Wenn
wir den Weg wählten, wie wir eine Belastung verringern könnten, wäre das
schon ein Unterschied zu harten Worten über eine Aufgabe ihrer Verbindungen im Warschauer Pakt.
Frage: Um noch einmal auf die
Finnlandisierung Osteuropas zurückzukommen: würden damit nicht die berechtigten Sicherheitsinteressen der
Sowjets in Osteuropa bestätigt und
gleichzeitig Osteuropa mehr Freiheiten eingeräumt?
Antwort: Es würde für uns kein
Problem darstellen, ihnen gegenüber
ihre Sicherheitsinteressen zu bestätigen, aber meiner Ansicht nach sollte dies vorsichtig und schrittweise
erfolgen.
Außerdem wäre ich etwas
vorsichtig, wie weit man dabei gehen
möchte, wenn man unser anhaltendes
Engagement für Freiheit, freie Wahlen, Pressefreiheit und andere grundsätzliche Verpflichtungen in Betracht
zieht, das nach wie vor besteht und
stark ist, was es auch bleiben soll.
Meiner Meinung nach sollte man
jedoch nicht so weit gehen, daß man
einige dieser Länder zu leichtsinnigen Schritten ermutigt und dann Ergebnisse erzielt wie 1956 in Ungarn.

Und so lassen wir Vernunft walten und
wissen, was wir wollen: wir wollen
soviel Freiheit und Demokratie wie
nötig, und bei all dem bin ich sehr
opt mistisch.
Meiner Ansicht nach sind zahlreiche Punkte auf Schwachstellen im
sowjetischen System selbst zurückzuführen, mit denen die Sowjetunion
selbst genug zu tun hat.
Frage:
Was die Schwachstellen
im sowjetischen System betrifft und
wenn die von ihnen geäußerte Zielsetzung Integration der Sowjetunion in
die Staatengemeinschaft und das Weltwirtschaftssystem heißt, so bedeutet
dies einen konvertierbaren Rubel,
GATT-Mitgliedschaft, ...
Inwieweit
obliegt den westlichen Ländern die
Pflicht, dazu beizutragen?
Antwort:
Wenn ich die Unterstützung aller westlichen Länder auflistete, würden die meisten dieser
Zielsetzung zustimmen. Aber wenn Sie
mir die Frage stellen würden, ob meiner Ansicht nach der Rubel morgen
oder in absehbarer Zukunft konvertierbar sein wird, würde ich das verneinen. Auf diese Frage könnte ich
keine positive Antwort geben. Wäre
eine konvertierbare Währung für eine
Wiedereingliederung notwendig? Diese
Frage ist eindeutig mit Ja zu beantworten. Und auch alle Teilnehmer am
Weltwirtschaftssystem würden dies bejahen.
Frage:
In welchem Umfang sind
Ihrer Ansicht nach die westlichen
Länder zu einem Beitrag verpflichtet,
um dies zu erreichen?
Antwort:
Ich würde mich freuen, wenn sie dies leisten könnten,
aber sie sollten das mit offenen Augen tun. Meiner Ansicht nach bestehen wir zu Recht auf bestimmten Beschränkungen im Hochtechnologie-Handel mit der Sowjetunion oder bei
Technologien, die unseren Vorsprung
in einigen für die Verteidigung bedeutsamen Bereichen verringern könnten. Dieses Problem im Handel zusam-

- 3 -

�men mit dem Problem der Ermahnung zur
Einhaltung der Menschenrechte und dem
Problem der Zusammenarbeit muß uns
dazu veranlassen, den Sowjets die
Notwendigkeit zur Behandlung regionaler Spannungen zu verdeutlichen.
Zusammenarbeit kann dies leisten - in
einem soliden, einigen Bündnis, zumindest im Hinblick auf Rüstungskontrolle.
Frage: Wenn man die Hochtechnologie außer acht läßt, müssen die
Sowjets nicht nur die Waren produzieren, die ihr Volk dringend benötigt,
sondern auch eine Qualität herstellen, mit der sie auf den Weltmärkten
konkurrenzfähig bleiben. Können Sie
dies Ihrer Ansicht nach allein tun,
oder muß man ihnen dabei Hilfestellung leisten?
Antwort: Wenn die Sowjets jemals zu der Meinung gelangen würden,
daß sie von uns keinen Erstschlag zu
fürchten haben, könnten sie einen wesentlich größeren Teil ihres BSP der
von Ihnen angesprochenen Produktion
zuführen. Ich denke, wir haben die
Verpflichtung, sie nicht nur durch
einseitige RUstungsreduzierungen unsererseits, sondern durch Dialoge und
gemeinsame diplomatische Anstrengungen davon zu überzeugen, daß sie aus
dem Westen
keinen Erstschlag zu
fürchten haben. Bei den Sowjets können sich auch die jüngeren Leute noch
lebhaft an Leningrad und Stalingrad
und an den Krieg erinnern, der 20
Millionen
Menschenleben
forderte.
Diese Erinnerung ist in ihren Streitkräften und bei ihren Menschen so lebendig, daß sie Mißtrauen zu den Absichten der Vereinigten Staaten hegen. Sie können sicher keinen einzigen Beweis für die Glaubwürdigkeit
ihrer Furcht vor einem Erstschlag
oder einem Angriff der Vereinigten
Staaten oder ihrer Verbündeten anführen. Aber ich denke, sie hegen immer
noch diese Befürchtungen.
Und bei
jedem Gespräch fällt der Satz: "Sie
wissen nicht, was es heißt, 20 Millionen Menschenleben zu verlieren und
eine Invasion des Landes zu erleben.
Sie sind anders. Sie leben auf der

anderen Seite der Welt." Und darauf
antworte ich, daß wir anders sind,
aber für unseren Glauben und unsere
Überzeugung
gekämpft
haben.
Ich
möchte jedenfalls, daß wir unser
Bestes tun, damit die Sowjets nicht
diesen großen Prozentsatz ihres BSP
für Waffen aufwenden.
Frage:
Mit unserer Weigerung,
über Kurzstreckenraketen zu verhandeln, geben wir uns den Anschein, in
der Materie der Atomwaffen verhaftet
zu sein, die unsere westlichen Verbündeten zunehmend als Mythos betrachten. Die Sowjetunion kann kaum
mit Osteuropa fertigwerden, ganz zu
schweigen von einer möglichen Invasion und Vereinnahmung Westeuropas.
Warum setzen wir uns also nicht die
Abschaffung der künstlichen Teilung
Ost- und Westeuropas in umfassenden
Verhandlungen zum Ziel?
Antwort:
Dazu ist es meiner
Ansicht nach noch zu früh. Ich möchte zunächst beobachten, welche Fortschritte die Länder auf der östlichen
Seite der Trennungslinie bei der Demokratisierung machen. Und wenn wir
mehr erhellende Anzeichen aus Moskau
wahrnehmen, können wir danach handeln. Aber ich denke, der Präsident
der Vereinigten Staaten wäre naiv,
wenn er so schnell handeln würde, um
dann aufzuwachen und sich in einer
schwierigen Lage zu befinden.
Und
bei den Kurzstreckenraketen werden
wir das nicht tun.
Ich bin verpflichtet, alles zu
tun, um unsere Soldaten so gut wie
möglich
zu
schützen.
Und diese
flexible Reaktion mit der Fähigkeit
zum Schutz durch Kurzstreckenraketen
ist insbesondere angesichts des enormen Ungleichgewichts im konventionellen Bereich wichtig. Ich möchte damit nicht sagen, daß niemals Diskussionen
über
Kurzstreckenraketen
stattfinden werden. Und meiner Meinung nach haben Sie recht: Die auf
der Wel*- "orherrschende Auffassung
lautet:
Warum wird darüber nicht
verhandelt.

�Wir wissen, was wir wollen. Im
konventionellen Bereich besteht ein
Ungleichgewicht - das die Sowjets beseitigen sollten.
Sie sollten den
guten Willen demonstrieren, für den
Gorbatschow soviel Lob erntet. Solange dieses ungeheure konventionelle
Ungleichgewicht existiert, kann ich
als Präsident darauf bestehen, daß
das Bündnis die mit diesen Kurzstrekkenraketen mögliche flexible Reaktion
leisten kann. Sie wollen im Gegensatz zu mir über eine dritte Null-Lösung sprechen. Bei die sem Punkt werden die Vereinigten Staaten und das
Bündnis zusammenhalten.
Frage:
Ich wollte nur darauf
hinweisen, daß zu einer Zeit, in der
jedermann über alle möglichen Themen
verhandelt, die Verweigerung von Verhandlungen den Eindruck erweckt, als
sei man gegen so selbstverständliche
Dinge wie Apfelkuchen und Mutterschaft.
Antwort: Das ist richtig. Ich
werde gefragt: "Warum sprechen sie
nicht mit Castro, warum nicht mit
Orteea?
Sie wissen, was es heißt,
mit mir über bestimmte Dinge zu sprechen. Wir sprechen mit den Sowjets.
Ich möchte sie jedoch nicht mit
Castro, Ortega und Gadhafi gleichsetzen. Die Gespräche werden weitergeführt. Ich möchte nicht diese amerikanischen Soldaten dort stationiert
haben, ohne mich in dem Bewußtsein
schlafen legen zu können, daß wir alles Notwendige tun, um sie im Falle
ausbrechender
Unruhen
schützen zu
können.
Frage: Wie lange kann ein amerikanischer Präsident den Steuerzahler wohl noch um 150 Milliarden Dollar jährlich für Verteidigung im Rahmen der NATO gegen den unwahrscheinlichsten Verteidigungsfall bitten den klassischen Fall einer sowjetischen Invasion Westeuropas?
Antwort:
Solange
wie
die
Streitkräfte der Sowjets in ihrem gegenwärtigen Umfang ausgestattet werden.

Frage
Besteht
Ihrer
Ansicht
nach die Gefahr einer Invasion?
Antwort:
Das habe ich nicht
gesagt. Sie haben gefragt, wie lang
der Zeitraum noch andauern wird, und
ich habe geantwortet: solange es ein
unannehmbares Ungleichgewicht gibt.
Und jeder Präsident, der kein starkes
und
geschütztes
Bündnis
wünscht,
macht einen naiven Fehler. Wir werden also gegenwärtig keine einseitigen Kürzungen vornehmen.
Frage:
Könnte nicht jetzt ein
vollständiger Abzug sowjetischer und
amerikanischer Streitkräfte vom europäischen Kontinent erfolgen, zumal
die Europäische Gemeinschaft 1992 mit
ihrer Bevölkerung von 320 Millionen
Menschen und einem BSP von 4,4 Billionen ein Magnet für die zunehmend
von sowjetischer Kontrolle befreiten
Länder Osteuropas wird?
Antwort: Es könnte an der Zeit
sein, zu überdenken, wie wir gemeinsam mit den Sowjets Reduzierungen
vornehmen können, sofern wir unsere
Verbündeten nicht in einem Zustand
des Ungleichgewichts zurücklassen und
wenn nicht eine Seite im Falle eines
Konflikts schneller reagieren könnte
als die andere. Dies ist meiner Ansicht nach eine aufregende Zeit für
neues Gedankengut und für Erwägungen
darüber, wie realistisch diese Möglichkeit ist. Darüber werden wir mit
den Sowjets gute Gespräche führen.
Aber ich möchte in diesem Zusammenhang die Warnung Schewardnadses anführen, der gesagt hat: Wenn wir
nicht unsere Haltung durchsetzen können, werden wir den INF-Vertrag brechen. Ich denke, daß er das gemeint
hat, auch wenn er es nicht mit diesen
Worten ausgedrückt hat. Und wenn er
das wirklich gemeint hat, müssen wir
vorsichtig sein.
Frage:
Vor
drei Jahren hat
Georgi Arbatow gesagt: Wir werden
Euch etwas Schreckliches antun und
Euch den Feind wegnehmen. Gibt uns
das keine Gelegenheit, wieder Fortschritte zu machen?

- 5 -

�Antwort:
Das ist richtig, und
genau das werden wir in unseren Gesprächen mit ihnen auch anstreben.
Tatsächlich vertrat Jim Baker die
Auffassung die Gespräche seien besser gewesen als die Presseberichte,
in denen vor allem von Gorbatschows
Absicht die Rede war, das zu tun, was
wir bereits zum großen Teil bereits
vor Jahren getan haben.
Frage: Wäre es nicht viel einfacher gewesen, zu sagen:
Vielen
Dank für den Abbau ihrer Kurzstrekkenraketen um 500, aber das sind - in
Prozenten gerechnet - lediglich vier
unserer 88 Lance-Raketen.
Antwort: Das stimmt. Und wieviele taktische Atomwaffen haben wir
bereits abgeschafft? Ich denke, etwa
2 000. Meiner Ansicht nach war die
Berichterstattung
nicht
besonders
gut.
Wir
haben
gelesen,
daß
Gorbatschow uns erneut das Terrain
streitig gemacht hat.
Wir nehmen
seine Äußerungen sehr euphorisch auf,
auch wenn ihm das Vorteile verschafft. Ich werde also darauf nicht
reagieren. Ich würde mich über Fortschritte mit den Sowjets freuen,
bringe aber nur Interesse dafür auf,
wenn er Vorschläge macht, auf die wir
bereits eingegangen sind, oder einseitige Kürzungen vornimmt, die immer
noch weit über unseren Arsenalen liegen. Das fordert keine Entscheidungen heraus, die ich als Präsident der
Vereinigten Staaten treffe.
Frage: Stimmen Sie der Auffassung zu, daß die Sowjetunion als Imperium von ihren äußeren Grenzen nach
innen bröckelt und Perestrojka mit
einem Offenbarungseid gleichzusetzen
ist? Sollte das heißen, wir lassen
die Ereignisse ihren Lauf nehmen?
Antwort:
Nein,
wir
streben
weiterhin Fortschritte mit der Sowjetunion an, und - wie ich in meiner
Rede bereits betont habe - fühlen wir
uns wohl dabei. Wir unternehmen etwas im Handel, aber ich glaube kaum,
daß wir plötzlich ein völlig demokratisches Land vorfinden werden. Die

Sowjets müssen noch viel tun, um ihre
Offenheit und ihre Reformen zu demonstrieren. Ich betrachte die Reformierung ihres politischen Systems als
ihre eigene Angelegenheit. Aber es
gibt bestimmte objektive Kriterien
bei den Menschenrechten, die etwa die
Vertreibung der Juden aus der Sowjetunion und die Verurteilung der dort
gebliebenen
Juden betreffen.
Wir
wollen ganz einfach Ergebnisse sehen.
Sie sollten etwas in dieser Hinsicht
unternehmen und nicht nur großartige
Vorschläge äußern. Ich habe ein umfassendes Ziel der Wiedereingliederung der Sowjetunion in die Staatengemeinschaft
formuliert,
und
das
sollten sie verstehen.
Wir wollen
nicht, daß sie versagen. Wir wollen
ihren Erfolg. Dick Cheney will ihren
Erfolg. Aber meines Erachtens wird
keine Außen- oder Verteidigungspolitik auf der Basis von Wünschen formuliert, sondern auf der Grundlage von
Realitäten. Die Kritiker und Journalisten sollen also ruhig ihre Salven abfeuern und schreiben, wir sollten viel mehr tun. Das wird mich
nicht überzeugen.
Dies ist kein
Starrsinn, sondern Realitätssinn.
Frage:
Wenn
Sie sagen, wir
wollen den Erfolg von Glasnost und
Perestrojka, heißt das, Sie wollen
Gorbatschow bei der Umstrukturierung
seines Systems helfen und es stärken?
Antwort:
Wir wollen dabei unsere Augen weit offenhalten.
Ich
möchte mit ihnen mehr Handel treiben,
aber ich möchte sicherstellen, daß er
im Interesse der Vereinigten Staaaten
liegt.
Ich möchte mehr gemeinsame
Rüstungskontrolle, dabei aber sichergehen, daß sie im Interesse des Bündnisses liegt. Wir wollen keine einseitigen Schritte, um dies zu ermutigen. Wir haben eine zu schwerwiegende Verpflichtung, so daß wir bei jedem Schritt sehr wachsam sein müssen.
Frage: Sie erwarten nicht, daß
sie den Weg einer Demokratie nach
westlichem Muster nehmen werden?

- 6 -

Antwort:

Nein,

nicht

ganz,

�aber ich werde durch diese Wahlen mit
zahlreichen Kandidaten ermutigt und
dann weiß ich, daß Roger Ailes dort
sein wird. Und das wird der Seite
nutzen, die er unterstützen wird.
Aber wir wollen dies ernsthaft
ermutigen. Wenn Sie mich fragen, ob
ich heute davon träume, daß dort Demokratie herrscht und die von uns als
selbstverständlich erachteten Freiheiten genossen werden, kann ich das
nur beIahen. Aber werde ich danach
meine Politik ausrichten? Nein.
Frage:
Dick Cheney hat kürzlich in einer Talkshow erklärt, er
könne sich die Wiedervereinigung beider Teile Deutschlands in der Zukunft
vorstellen und diese beginne - wie
Sie gesagt haben - mit der Beseitigung der Berliner Mauer. Entspricht
das auch ihrer Ansicht?
Antwort:
Ich wäre darüber erfreut. Jeder, der zurückschaut, dann
die Gegenwart betrachtet und ein
durch eine Teilung entzweites Land
und durch politische Teilung getrennte Menschen sieht, sollte Wiedervereinigung
auf
einer
angemessenen
Grundlage
befürworten.
Das
wird
nicht unmittelbar möglich sein, weil
die
DDR
hinter
dem
Gedankengut
Gorbatschows und insbesondere Bonns
weit hinterherhinkt.
Frage:
Sie haben die sowjetische Hilfe an Nicaragua zur Feuerprobe für verbesserte Beziehungen zu
Moskau erklärt.
Sind dabei Fortschritte zu verzeichnen? Warum ist
es Ihrer Ansicht nach für Gorbatschow
wichtig, jährlich eine Milliarde Dollar für ein zerrüttetes marxistisches
System auszugeben?
Antwort:
Ich denke, das hängt
zu einem großen Teil mit der Vergangenheit zusammen.
Die gegenwärtige
sowjetische
Unterstützung
ist ein
Überbleibsel der umfangreichen Unterstützung für den treuen Freund Fidel
Castro. Aber wenn heute damit begonnen würde, hätte ich Zweifel, ob
Gorbatschow jedes Jahr eine halbe

Milliarde oder eine Milliarde in Nicaragua
investieren würde.
Sogar
Europa gelangt jetzt zu der Überzeugung, daß die Sandinisten ihrem Volk
die Demokratie verweigert haben, die
Anlaß für die Revolution war. Das
würde ich Gorbatschow zubilligen.
Wenn er heute die Mittel vergeben
müßte, würde er sicher nicht seinem
Politbüro die Ausgabe von einer Milliarde Dollar an Nicaragua vorschlagen. Die Antwort lautet also, wir
müssen ihn ermutigen, dies aufzugeben
und das auf der Grundlage der größeren Offenheit, die jetzt in seinem
Land stattfindet.
Frage:
Gibt
Fortschritte?

es

Anzeichen

für

Antwort: Das könnte sein. Ich
werde dabei nicht aufgeben. Ich denke, das ist sehr wichtig, und ich
möchte dieses Interview nutzen, um
meinen Aufruf an die Sowjetunion zu
wiederholen, sich von Nicaragua abzusetzen. Ich war kürzlich sehr beeindruckt von den Westeuropäern, die den
Sandinisten weit weniger Mittel gewährten, als gemeinhin angenommen
worden war.
Frage: Es handelte sich immerhin noch um 50 Millionen Dollar.
Antwort:
Meiner Ansicht nach
sollten sie überhaupt keine Mittel
gewähren.
Es gibt in der Region
zahlreiche demokratische Länder, die
Unterstützung verdienen. Ich begrüße
nicht die Tatsache, daß lediglich 50
Millionen Dollar gewährt wurden, obwohl Ortega um 150 Millionen gebeten
hatte.
Aber das ist immerhin ein
Fortschritt. Und wir werden weiterhin mit unseren Freunden in Europa
zusammenarbeiten, um ihnen das Problem vor Augen zu führen. Ich habe
darüber ein langes Gespräch mit Brian
Mulroney geführt und bin überzeugt,
daß wir hier Fortschritte erzielen
werden.
Frage:
Warum sind Sie offensichtlich stärker über Noriega, der
keine Operationen im Panamakanal an-

- 7 -

�gedroht hat, als über Ortegas marxistische Regierung beunruhigt, die in
der gesamten Region amerikanische Interessen untergräbt.
Antwort: Darüber bin ich nicht
stärker beunruhigt, aber es hat ein
Ereignis
mit
umwäüzender
Wirkung
stattgefunden. Es gab eine Wahl, die
unter den Augen des Volkes und der
ganzen Welt zunichte gemacht wurde.
Und es besteht noch ein weiterer Unterschied. Dort gibt es 40 000 amerikanische Bürger, viele amerikanische Soldaten und immerhin die Interessen des Kanals zu vertreten.
Diese Kriterien unterscheiden sich
von denen in Nicaragua. Was die Mißachtung der Menschenrechte betrifft,
so bestehen große Ähnlichkeiten.

* * * * * *

�AMERIKA DIENST
'1-7

^

Hintergrundmaterial

C&amp;

24. Mai 1989

21

STAND DER RÜSTUNGSKONTROLLVERHANDLUNGEN
- Wöchentliche Übersicht -

WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir eine am 18. Mai 1989
vom US-Informationsamt (USIA) herausgegebene Übersicht über den Stand der Verhandlungen über nukleare Kurzstreckensysteme, amerikanische Truppenpräsenz in
Europa, die START-Verhandlungen sowie Sanktionen gegen den Einsatz oder die
Verbreitung chemischer Waffen.

Sowjetische Erklärungen schüren
SNF-Kontroverse innerhalb der NATO

Entwicklung eines Ersatzes
Lance-Rakete weiterverfolgt.

Die anhaltende Kontroverse innerhalb der NATO über das Problem der
nuklearen Kurzstreckenraketen
(SNF)
in Europa entbrannte in dieser Woche
erneut aufgrund jüngster Erklärungen
der sowjetischen Führungsspitze über
einseitige Truppenreduzierungen und
neue Raketen.

Außenminister
Baker
nannte
Gorbatschows Vorschlag "einen sehr,
sehr
bescheidenen Schritt . . wenn
man sich die Tatsache vor Augen
führt, daß die NATO im Laufe der
letzten zehn Jahre diese Waffen einseitig um 2 400 reduziert hat".

Am 11. Mai 1989 kündigte Generalsekretär Gorbatschow an, die Sowjets
würden vor Ende dieses Jahres 500
Kurzstreckenraketen
verschrotten.
Darüber hinaus erklärte Außenminister
Schewardnadse, Moskau würde eine eigene neue Kurzstreckenrakete entwikkeln oder die im INF-Vertrag vereinbarte Verschrottung der SS-23 aufgeben, wenn die NATO ihre Pläne zur

United States Information Service
Embassy of the United States of America

für

die

Baker verwies darauf, die Sowjets
"bewegen sich auf uns zu" und sie
reagierten auf die amerikanische Forderung nach einseitigen sowjetischen
Reduzierungen der Kurzstreckenraketen, im Rahmen derer sie mit der Zerstörung von 2 400 Waffen durch die
NATO gleichziehen sollen.
Verteidigungsminister Cheney bemerkte, die Sowjets "verfügen in Ost-

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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�europa über so viele Versteckmöglichkeiten, daß 500 eine kümmerliche Zahl
ist." Gorbatschows Angebot betrifft
lediglich 5 Prozent der 10 000 sowjetischen Kurzstreckenraketen.
Cheney
zufolge macht Schewardnadses Vorschlag zu möglichen sowjetischen Reaktionen auf Ersatz für die Lance-Rakete keinen Sinn.
"Das ist kein
ernsthafter Vorschlag. Er zielt vor
allem darauf ab, im Bündnis Unfrieden
zu stiften."
Der stellvertretende Sprecher des
Außenministeriums, Richard Boucher,
erklärte:
"Unserer
Ansicht
nach
liegt eine besondere Ironie darin,
daß die Sowjets mit einem Bruch des
INF-Vertrags drohen, um bei den Kurzstreckenraketen Druck auf den Westen
auszuüben, zumal sie diese Raketen
gerade erst modernisiert haben und
gegenüber dem Westen mit 12 zu 1 im
Vorteil sind."
Baker hob hervor, daß die Sowjets
bei den INF-Verhandlungen einer Beseitigung der SS-23 zugestimmt hätten
und "es ist niemals der Vorschlag unterbreitet worden ... daß die Vereinigten Staaten oder die NATO ihre
Kurzstreckenraketen
nicht auf dem
neuesten Stand halten sollten."
Der ehemalige RUstungskontrollberater der Reagan-Administration, Paul
Nitze, schlug in einem am 14. Mai in
der Washington Post erschienenen Artikel vor, die Vereinigten Staaten
sollten sich unter folgenden Bedingungen zu Verhandlungen mit den Sowjets über SNF bereitfinden:
- die
Bundesrepublik
Deutschland
stimmt zu, "weiterhin ihre traditionelle
Position
einzunehmen,
daß sie eindeutig gegen die vollständige Beseitigung von Kurzstreckenraketen ist",
- die Regierung Kohl stimmt zu, die
Vereinigten Staaten in ihren Bestrebungen um "gleiche Obergrenzen wie die Sowjets" bei SNF zu
unterstützen, "die auf einem Niveau erheblich über Null (vorzugsweise bei den Reichweiten von

200 bis 300 Meilen) liegen", und
- das NATO-Bündnis würde seine Unterstützung für die gesamte Initiative bekunden.
Der frühere Beamte im Pentagon,
Richard Perle, sprach sich für ein
weltweites Verbot von SNF aus. In
einem am 13. Mai 1989 mit der New
York Times geführten Interview erklärte Perle, ein Verbot solle nur
ausgehandelt werden, wenn der Westen
seine atomaren Artilleriegeschoße behält und seine Fähigkeit zur Führung
nuklearer Luftangriffe gegen Ziele am
Boden verbessert.

Bush: SDI sollte als Option beibehalten werden
Am 12. Mai 1989 erklärte Präsident Bush, die Zielsetzung der Vereinigten Staaten bei der Strategischen Verteidigung "besteht in der
Erhaltung unserer Option zur Stationierung moderner Verteidigungssysteme, wenn diese fertiggestellt sind."
Diese Äußerung wurde vom Leiter
der Organisation zur Strategischen
Verteidigungsinitiative
(SDI0), Generalleutnant George Monahan, bekräftigt, der den Senat am 11. Mai davon
unterrichtete, die Zielsetzung des
Programms zur Verteidigung gegen ballistische Raketen "bleibt unverändert
bestehen". Monahan zufolge erfordert
die Strategische Verteidigungsinitiative (SDI) die Entwicklung sowohl
Weltraum- als auch landgestützter Bestandteile eines strategischen Verteidigungssystems .
Er erklärte, eine Entscheidung
über die mögliche Stationierung einer
ersten Phase des Programms könne in
drei bis vier Jahren getroffen werden.
"Wir müssen jedoch flexibel
bleiben und uns die neueste Technologie zunutze machen."
Der Leiter der SDIO betonte, daß
jede der in den kommenden vier Jahren
durchgeführte Erprobung von SDI mit
einer engen Interpretation der Be-

�Stimmungen des ABM-Vertrages im Einklang stünde.
Monahan beschrieb den vorläufigen
Plan für die erste Phase:
- 1991: Entwicklung
eines neuen
Sensors zur Überwachung und Zielverfolgung wird in vollem Umfang
aufgenommen.
- 1994: Entwicklung der FUhrungsund Kontrolleinrichtungen wird in
vollem Umfang eingeleitet.
- 1998: Entwicklung wuchtabhängiger Abwehrflugkörper wird begonnen.
- 1999:
Verschiedene Bestandteile
des Systems würden erstmalig stationiert.
Nach der ersten Phase fordern
Monahan zufolge die Pläne eine Stationierung modernerer Abfangraketen
mit gebündelter Energie, wie etwa
"neutrale Teilchenstrahlwaffen sowie
Weltraum- und landgestützte Laser".
Der Leiter der SDIO sprach über
den wertvollen Beitrag, den eine neue
Technologie
namens
"Brilliant
Pebbles" für das Programm leisten
könnte. Bei diesem Konzept würden wenn es verwirklicht wird - Tausende
kleiner Raketen im Abstand von 250
bis 300 nautischen Meilen im Weltraum
stationiert, mit infraroten und ultravioletten Sensoren sowie mit einem
Laserradar ausgerüstet werden, das
den Abschuß ballistischer Raketen
entdecken kann. Die Raketen würden
bereits abgeschossene Raketen zerstören.
Monahan zufolge steht eine Bewertung der Leistungsfähigkeit und der
Kosten des Konzepts der "Brilliant
Pebbles" noch aus. Eine Reihe von 12
Erprobungen in der Entwicklung ist
für das Haushaltsjahr 1992 vorgesehen.
"Zügiger Verlauf" der Gespräche über
konventionelle Streitkräfte möglich

Runde der Wiener Verhandlungen über
Konventionelle Streitkräfte in Europa
(KSE) erklärte ein hochrangiger Vertreter des Außenministeriums am 16.
Mai 1989, die Vereinigten Staaten
seien optimistisch, daß die Verhandlungen einen "zügigen Verlauf nehmen
können".
Der
Unterabteilungsleiter
für
Europäische und Kanadische Angelegenheiten im Außenministerium, Charles
Thomas, erklärte, in zwei bis drei
Jahren könne ein Ost-West-Abkommen
abgeschlossen werden, da beide Seite
"dies schnell vorantreiben wollen".
Die Position beider Seiten über
die Anzahl der auf jeder Seite erlaubten Panzer und Schützenpanzer ähnelt sich, Thomas zufolge könnten bei
den letztgenannten noch "Definitionsprobleme" bestehen. In einigen Punkten gibt es bei Artillerie, Mannschaften und Flugzeugen noch Unstimmigkeiten.

Bush fordert Vertrauen im Luftverkehr
In einer poitischen Grundsatzrede
schlug Präsident Bush vor, die Himmel
West- und Osteuropas für unbewaffnete
Uberwachungsflüge zu öffnen.
Diese vertrauensbildende Maßnahme
des Präsidenten für die Vereinigten
Staaten und die Sowjetunion ist eine
moderne Version von Präsident Dwight
Eisenhowers Politik des "Offenen Himmels".
Obwohl Überwachungsmissionen
im allgemeinen von modernen Satelliten durchgeführt werden können, haben
die Vereinigten Staaten diesen Vorschlag zur symbolischen Demonstration
ihrer Offenheit unterbreitet und um
aus der Sowjetunion ein Signal für
das Engagement für Offenheit zu empfangen.
Amerikanische Rüstungskontrollexperten haben Flüge als Mittel zur
Überwachung eines einseitigen Abzugs
sowjetischer Truppen und militärischen Geräts aus Osteuropa.

Zum weiteren Verlauf der zweiten
- 3 -

�Lehman zum ACDA-Dlrektor ernannt
Außenminister Baker nahm am 12.
Mai 1989 Botschafter Ronald Lehman
den Amtseid ab, mit dem dieser 10.
Direktor des Amerikanischen Amtes für
Rüstungskontrolle und Abrüstung wurde. Beide befanden sich im Flugzeug
des Außenministers auf der Rückkehr
von Informationsgesprächen mit den
NATO-Verbündeten in Brüssel.

Israel will beim Verbot chemischer
Waffen in den Vereinten Nationen
aktiv werden
Israel hat seine Absicht bekundet, im nächsten Monat bei der Konferenz der Vereinten Nationen in Genf
Beobachterstatus zu erlangen, die mit
der Ausarbeitung eines Vertrags zum
Verbot der Herstellung und des Besitzes chemischer Waffen befaßt ist. An
der Abrüstungskonferenz
nehmen 40
Länder teil, 23 Nichtmitglieder werden bei der nächsten Sitzung Beobachterstatus haben.

In einem Artikel der New York
Times vom 14. Mai 1989 wird dazu
Elisa Harris von der Brookings Institution in Washington zitiert: "Israel muß eine aktive Rolle übernehmen, wenn die arabischen Länder die
Verhandlungen ernst nehmen sollen."
Zur gleichen Zeit haben die Vereinigten Staaten die Verhaftung des
Vorstandsvorsitzenden
der
Imhausen
Chemie für seine umstrittene Hilfe
beim Bau einer Chemiewaffenfabrik in
Libyen begrüßt. Der stellvertretende
Sprecher
des
Außenministeriums,
Richard Boucher, erklärte am 11. Mai
1989, diese Entwicklung "ist ein weiteres Zeichen dafür, daß die Bundesregierung es mit der Beendigung der
Beteiligung deutscher Firmen an der
Verbreitung chemischer Waffen ernst
meint.

* * * * * *

4 -

�AMERIKA DIENST
'VON

Hintergrundmaterial

4

24. Mai 1989

21

COCOM UND DER OST-WEST-DIALOG
- Von Botschafter Allan Wendt -

Der Autor dieses Artikels ist ein hochrangiger Beauftragter für strategische Aspekte Technologiepolitik im amerikanischen Außenministerium. Dem Artikel liegt eine Ansprache Botschafter Wendts zugrunde, die erstmalig in der
diesjährigen Mai-Ausgabe von World Link erschien, einer für die Teilnehmer
des jährlich stattfindenden Weltwirtschaftsforums in Davos erstellten Publikation.

- (AD) - Keine Abfolge von Ereignisse hat in den letzten Jahren
weltweit soviel Interesse und soviele
Hoffnungen geweckt wie die jüngsten
Ereignisse in der Sowjetunion. Im
geistigen und kulturellen Leben der
Sowjetunion finden zukunftsträchtige
Veränderungen statt. Die sowjetische
Presse liest sich immer interessanter. Mit der Unterzeichnung des INFVertrages, dem Abzug
sowjetischer
Truppen aus Afghanistan und dem Vorschlag zur Reduzierung einer halben
Million Soldaten der sowjetischen
Streitkräfte beobachten wir neue Ansätze in der Außenpolitik.
Welche
Politik sollte also der Westen gegenüber dem Komitee zur Koordinierung
der Ost-West-Handelspolitik
(COCOM)
angesichts dieser Veränderungen verfolgen?

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Woher rühren diese Veränderungen?
Zunächst einmal ist eine neue Führungsspitze an der Macht. Gorbatschow
und seine Zeitgenossen bringen einen
anderen Werdegang und andere Erfahrungen mit. Sie haben eine bessere
Ausbildung genossen und mehr Reisen
außerhalb der Sowjetunion unternommen.
Im Jahr 1988 hat Gorbatschow
einschneidende Veränderungen in der
Führungsspitze vorgenommen und den
Prozeß einer ernsthaften politischen
Umstrukturierung eingeleitet, der im
März zu Wahlen für den Kongreß der
Volksdeputierten geführt hat.
Darüber hinaus werden wir Zeuge
des Phänomens Glasnost, das zur eingehenden Behandlung bisheriger Tabuthemen geführt hat. In den vergangenen Jahren haben sich die sowje-

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�tischen Medien von der immerwährenden
Rückschau in die Geschichte abgewandt
- was zu Kritik an Stalin und zur Rehabilitierung von Bukarin führte -,
Frontalangriffe auf wichtige Bereiche
sowjetischer Außenpolitik unternommen
und bei manchen Gelegenheiten sogar
die Vorteile der Herrschaft der Kommunistischen Partei in Frage gestellt. Wir haben ferner bescheidene, aber bedeutsame Verbesserungen
bei den Menschenrechten beobachten
können: Gefangene werden freigelassen und die Zahl der Auswanderer
steigt.
Es ist vernünftig, das Ausmaß und
die Dauerhaftigkeit dieser Veränderungen
sorgfältig
zu
beobachten.
Werden wir hier Zeugen einer unwiderruflichen Lockerung zentraler Macht?
Werden die bis jetzt aufgezeigten Alternativen eine völlig andere Sowjetunion hervorbringen, die nicht mehr
die
grundlegenden
Interessen
der
westlichen Demokratien bedroht? Dies
sind Fragen von großer historischer
Tragweite, deren langfristige Beurteilung schwierig ist und die kurzfristig erst recht nicht zu beantworten sind. Der Erfolg von Gorbatschows
Reformen zur Liberalisierung - deren
Funktionieren von der Lockerung der
Macht abhängt - liegt in unserem Interesse, aber da wir nicht über die
Gabe der Weissagung verfügen, sollten
wir objektiv und vorsichtig bleiben,
wenn es um die - günstigen oder ungünstigen - längerfristigen Implikationen für den Rest der Welt geht.
Gorbatschow hat noch nicht eindeutig klargestellt, daß er nicht die
Absicht hat, das sowjetische Einparteiensystem abzuschaffen, sondern es
- insbesondere im Bereich der Wirtschaft - lediglich effektiver gestalten will. Er hat seine Bereitschaft
demonstriert, sowohl seine Außen- als
auch seine Innenpolitik auf die Förderung dieses komplexes innenpolitischen Ziels abzustimmen. Wir begrüßen die sowjetischen Fortschritte
bei den Menschenrechten, die jedoch
noch nicht zur festen Einrichtung geworden sind und bei denen noch viel

getan werden muß. Trotz allen Geredes über neues Denken in der Außenpolitik und ein vernünftiges und ausreichendes Niveau der Verteidigung
produzieren sowjetische Fließbänder
die neuesten Panzer und Raketen in
einer Stückzahl, die vernünftige Berechnungen über die zur berechtigten
Verteidigung der Sowjetunion erforderliche Anzahl weit übersteigen.
Die Maßregel für den Westen heißt
Vorsicht, was aber nicht etwa Stillstand bedeutet. Die von Gorbatschow
vorgeschlagenen Veränderungen bieten
uns neue Möglichkeiten, die wir bisher stets ergriffen haben - INF, Afghanistan, Zusammenarbeit
im südlichen Afrika - und auch weiterhin
gern zu ergreifen bereit sind.
Außenminister Baker hat den Kurs
der amerikanischen Politik gegenüber
der Sowjetunion beschrieben. Erstens
sollten wir weiterhin sowjetische Reformen ermutigen, diese Ermutigung
sollte jedoch moralischen und nicht
materiellen Charakter haben.
Perestrojka wird aus eigener Kraft erfolgreich sein oder versagen, nicht
aufgrund außerordentlichen Zuspruchs
oder anderer Konzessionen, die der
Westen gewährt oder auch nicht.
Zweitens müssen wir angesichts
des neuen Realitätssinns, von dem
Moskaus Außenpolitik neuerdings geleitet wird, anerkennen, daß die
Handlungsweise des Westens zu dieser
aufkeimenden Akzeptanz der Realität
geführt hat.
Umfassende Unterstützung der Mujahedin von außen hat zum
Abzug sowjetischer Truppen aus Afghanistan beigetragen und die Entscheidung der NATO zur Stationierung der
Pershing II und Marschflugkörper war
ein notwendiger Schritt zum erfolgreiche Abschluß des INF-Vertrages.
Der Westen muß Moskau weiterhin
zu allen Aspekten unseres umfassenden
gemeinsamen Anliegens einer besseren
Welt ausforschen und herausfordern.
Die Reagan-Administration
hat mit
Moskau ein gemeinsames Programm erarbeitet:
Menschenrechte,
regionale

�Konflikte, RUstungsreduzierung
und
bilaterale Fragen. Die Bush-Administration hat es übernommen und einen
fünften Punkt hinzugefügt: überregionale oder weltweite Probleme, wie
etwa Zusammenarbeit bei der Bekämpfung von Drogen und Eindämmung der
Umweltverschmutzung.

Handelspolitik für strategisch
wichtige Güter
Welche Politik des Westens ist
vor diesem Hintergrund sich verändernder Ost-West-Beziehungen nun für
den Handel mit strategisch wichtigen
Gütern angemessen? Wir unterstützen
bereits den Ausbau des nichtsubventionierten Handels mit Gütern für
nichtstrategische Zwecke mit der Sowjetunion, der beiden Seiten Vorteile
bringt. Unsere Politik des Handels
mit
strategisch
wichtigen
Gütern
sollte auf dem besonderen Charakter
der sowjetischen militärischen Bedrohung basieren, wie er sich konkret
militärisch darstellt.
Rhetorische
Bekundungen des guten Willens sind
eine unzureichende Grundlage für die
Ausarbeitung von Politik. Unsere Politik sollte wirksame Exportkontrollsysteme im Rahmen des COCOM, die
Gleichbehandlung von Unternehmen aller Länder und minimale Einmischung
in den gerechtfertigten Handel mit
nichtstrategischen Gütern betonen.

Verwirklichung erfordert jedoch harte
Arbeit.
Die
Harmonisierung
der
Durchführung von Exporten und der Genehmigungsverfahren bedingen zusammen
mit der schrittweisen Abschaffung von
Exportlizenzen im Handel der C0C0MLänder untereinander erhebliche Änderungen in der Gesetzgebung, bei den
Vorschriften, bei der Mittelvergabe
und den Geschäftspraktiken. Bei der
Zusammenarbeit mit Drittländern sollten Eingriffe in ihre Souveränität,
ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit oder in einigen Fällen ihren
neutralen Status vermieden werden.
Die schwierigste Aufgabe ist die
Neuorientierung oder Straffung der
Exportkontroll-Listen. Auf den Laien
haben die umfangreichen Kontroll-Listen eine einschüchternde Wirkung sie sind lang, komplex und sehr technisch. Ihre Straffung ist jedoch weniger ein technisches als ein grundsätzliches politisches Problem. Mit
der Straffung der Kontroll-Listen
entscheidet der Westen, wieviele Risiken er beim Export in die Sowjetunion und die Länder Osteuropas zu
tragen bereit ist. Diese Entscheidungen haben bedeutende Konsequenzen
für die Sicherheit des Westens, wichtige Geschäftsinteressen und die Aussenpolitik der COCOM-Mitgliedsregierungen.

Die Frage des Risikos
Im Rahmen des COCOM ist eine
vierteilige Strategie erarbeitet worden, um dieser Notwendigkeit gerecht
zu werden: erstens die bessere und
einheitlichere Durchführung von Exportkontrollen,
zweitens
die
Beschränkung der Kontroll-Listen auf
wirklich sicherheitsempflindliche Güter und Technologie, drittens die Abschaffung von Kontrollen beim Handel
mit den meisten dieser Güter zwischen
COCOM-Mitgliedern
und
schließlich
verbesserte Zusammenarbeit und Abstimmung mit Ländern, die nicht Mitglieder des COCOM sind.
Alle Aspekte der oben beschriebenen Strategie sind entscheidend, ihre

So sehr wir die verbesserten Beziehungen zur Sowjetunion begrüßen,
haben doch noch keine Entwicklungen
wahrgenommen,
die
eine
Akzeptanz
größeren strategischen Risikos beim
Handel mit der Sowjetunion rechtfertigen würden. Die Vereinigten Staaten betrachten diejenigen von der Sowjetunion für ihre militärische Produktion benötigten Güter als "sicherheitsempfindliche" Technologie, über
die sie selbst nicht in ausreichendem
Maße oder in ausreichender Qualität
verfügt.
Angesichts des desolaten
Zustands der sowjetischen Wirtschaft
und des technischen Standards, hat
dieser Ansatz den Handel oftmals auf

- 3 -

�Technologie beschränkt, die für unsere Begriffe bereits zehn Jahre veraltet ist.
Darüber hinaus sollten wir uns
vor Augen führen, daß der größte Teil
des Handels mit den Warschauer-PaktStaaten mit nichtstrategischen Gütern
abgewickelt wird und außerhalb von
COCOM stattfindet. Tatsächlich fällt
nur ein relativ geringer Teil unserer
Exporte in den Osten unter COCOM.
Ein größeres Hindernis als COCOM für
den Ausbau des Handels stellt das sowjetische System mit seinen vielen
immanenten Beschränkungen für den
freien internationalen Warenhandel an
sich selbst dar. Zu diesen Beschränkungen zählt die mangelde Konvertierbarkeit des Rubels, die geringe Zahl
der marktfähigen sowjetischen Exportgüter und die strukturellen Mängel,
die die meisten ausländischen Unternehmen von Investitionen in Joint
Ventures in der Sowjetunion abhalten.
Jede Zunahme im Handel mit nichtstrategischen Gütern, die auf die Aufhebung dieser ungeheuren wirtschaftlichen Hemmnisse in der Sowjetunion
zurückzuführen ist, wäre begrüßenswert.
In jedem Fall sollten wir beim
Export sicherheitsempfindlicher kontrollierter Güter in die Sowjetunion,
wo sie scheinbar "nichtstrategischer"
Verwendung zugeführt werden, weiterhin wachsam sein. Es gibt keine zuverlässigen Möglichkeiten, um strategisch sensible Ausrüstung und Technologie vor einer Verwendung für wichtige Verteidigungszwecke zu schützen.

In den kommenden Jahren muß unser
Ziel weiterhin im Schutz des westliche Vorteils bei strategisch sicherheitsempfindlichen und für unsere
Sicherheit entscheidenden Gütern bestehen. Der Vorteil des Warschauer
Pakts war immer quantitativ.
Auch
wenn die Sowjets ihre bekundete Absicht zum Abbau ihrer Streitkräfte um
500 000 Soldaten in die Tat umsetzen,
werden sie immer noch eine Streitmacht von fünf Millionen Soldaten und
damit mehr als die Streitkräfte der
westliche Verbündeten haben.
Der
Vorteil des Westens lag immer in der
Qualität - der Technologie unserer
Waffen und der Phantasie unserer Menschen.
Wenn sicherheitsempfindliche
Technologie nicht in die Hände unserer Gegner fällt, sichern wir damit
unseren technologischen Vorteil, der
zusammen mit unserer nuklearen Abschreckung seit 1945 den Frieden der
ganzen Welt erhalten hat. Jetzt ist
nicht die Zeit, in unserer Wachsamkeit nachzulassen.

* * * * * *

�AMERIKA DIENST
VON

4

Wissenschaft und Technik
24. Mai 1989

21

UMWELTSCHÄDEN AUS DEM WELTRAUM KARTIERT
- Weitere Einschränkung von Stickstoffoxidemissionen notwendig -

WASHINGTON - (AD) - Die Emission von Stickstoffoxiden in Autoabgasen, in
der Abluft von Kraftwerken und von Heizungen müßte nach Meinung der Amerikanischen Gesellschaft für die Bekämpfung von Lungenerkrankungen (American Lung
Association) in den nächsten zehn Jahren um mindestens ein Drittel verringert
werden. Das ergab eine von der Gesellschaft in Auftrag gegebene umfassende
Studie zu den Auswirkungen von Stickstoffoxiden auf die Entstehung von saurem
Regen, auf die Zerstörung der Vegetation, die Schädigung der Gewässer und auf
den sogenannten Treibhauseffekt. Die Gesellschaft widmet sich der Bekämpfung,
Behandlung und Verhütung von Lungenerkrankungen. Mediziner, Pflegepersonal
und Laien gehören der einflußreichen American Lung Association an, die über
Delegierte ihrer Sektionen in den Bundesstaaten direkt mit Kongreß- und Regierungsausschüssen in Washington zusammenarbeitet.

Aufgrund der jetzt vorgelegten
Resultate setzte sich Senator Max
Baucus, der Vorsitzende des Senatsunterausschusses
für
Umweltschutz,
für strengere Maßnahmen zur Luftreinhaltung ein. Solche Maßnahmen könnten wesentlich dazu beitragen, die
jährlichen Ausgaben für Krankheitskosten in den Vereinigten Staaten um
40 Milliarden Dollar zu verringern.
Durch Umweltschäden an Ernteerträgen,
Gebäuden und Materialien entstünden
derzeit außerdem Verluste in Höhe von
60 bis 100 Milliarden Dollar pro
Jahr, erklärte Baucus. Die Technologie sei vorhanden, um Stickstoffoxide, von denen zum Beispiel im Jahr
1985 durch Kraftfahrzeuge 6,9 Millionen Tonnen, durch Kraftwerke 6,8 Millionen Tonnen und durch anderweitige
Nutzung fossiler Energiequellen in

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Industrie, Wirtschaft und Wohnhäusern
weitere 6,9 Millionen Tonnen in die
Luft strömten, ganz erheblich zu reduzieren. Die in den USA entwickelten Verfahren werden gegenwärtig in
Japan und Europa verbessert.
Im November 1988 hatten zahlreiche westeuropäische Länder und die
USA ein internationales Protokoll unterzeichnet, demzufolge bis Mitte der
neunziger Jahre die Emission von
Stickstoffoxiden auf dem Stand von
1987 eingefroren werden
soll. Für
wirksamere und strengere Maßnahmen
seien, Senator Baucus zufolge neue
Investitionen erforderlich, mit denen
zusätzlich ca. 85 000 Arbeitsplätze
geschaffen werden könnten.

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�Umweltschäden In Entwicklungsländern
Im Gegensatz zu den Industrieländern verfügen die meisten Entwicklungsländern weder über die Mittel
noch über das Know-how, um Umweltschäden aus der Wirtschaftsentwicklung oder der dort üblichen Landnutzung zu begrenzen oder zu vermeiden.
Eine zum Teil erschreckende Übersicht
über das weltweite Ausmaß an Zerstörung von Lebenräumen für Pflanze,
Tier und Mensch erhielt die DISCOVERY-Besatzung während ihres FUnf-Tage-Fluges um die Erde im März 1989:
In ausgedehnten Landstrichen Mexikos,
Afrikas und Südamerikas ist die Bewaldung sehr stark zurückgegangen und
teilweise sogar völlig verschwunden.
Große Gebiete in Süd-Zaire weisen, wie der NASA-Geologe Charles
Wood Anfang April auf einer Pressekonferenz in Washington erklärte,
überhaupt keine Vegetation mehr auf "keine Spur von Grün ist dort zu sehen". Drei der fünf Tage im Weltraum
hatten die Astronauten der Erdbeobachtung gewidmet. Sie brachten 6000
Meter Film und über 4000 Fotos zurück. Die Filme werden nun bei einer
Kongreß-Anhörung zur weltweit wachsenden Bedrohung der Umwelt vorgeführt.

diese Art Luftverschmutzung auch Einfluß auf den Abbau der Ozonschicht
haben könnte, ist noch offen. Nach
einer gründlichen Analyse der jüngsten Weltraumaufnahmen der von Menschen verursachten Wald- und Dschungelfeuer und ihrer Rauchwolken beabsichtigt
das
Langley-Forschungszentrum der NASA, mit neuartigen Atmosphären-Meßsonden erstmals "Treibhausgase" wie Stickstoffoxide und
Kohlendioxid in der Luft zu analysieren.
Abholzungen
haben
Bodenerosion
zur Folge, was die Massen von Schlamm
vor den Mündungsgebieten großer Ströme wie Mississippi und Ganges im Meer
nur zu deutlich machen. Auch entlang
des Sambesi-Flusses, der kürzlich
Hochwasser führte, macht sich - wie
die Aufnahmen aus der DISCOVERY zeigen - starke Erosion bemerkbar.

Landerschließung

Brasilianische und amerikanische
Wissenschaftler
schätzen, daß die
Brandrodungen in den tropischen Regenwäldern vor allem im Amazonasbecken mindestens zehn Prozent des
vom Menschen verursachten Ausstoßes
von Kohlendioxid ausmachen, der in
erster Linie für den Treibhauseffekt,
d.h. die Erwärmung der Erde mit daraus sich ergebenden tiefgreifenden
KlimaVeränderungen,
verantwortlich
gemacht wird.
Die weitaus größten
Mengen an Kohlendioxid werden jedoch
in den Industrieländern freigesetzt.

Im abgeholzten Regenwald Südamerikas prägt den Astronauten zufolge
ein Netzwerk von Straßen das Landschaftsbild. Es wurde angelegt, um
Bodennutzung
nach
agrarwirtschaftlichen Gesichtspunkten betreiben zu
können.
In Zentralafrika dagegen
seien kaum Anzeichen einer Infrastruktur
vorhanden.
über
weite
Strecken sehe man nur nackten, braunen Boden, hier und dort von Flußläufen durchzogen. Wo aber Aufbauarbeit
geleistet werde, sei dies sofort erkennbar - etwa im Grenzgebiet der
Staaten Mosambik und Malawi. Der Boden in Malawi sei infolge von Überweidung oder falscher Nutzung bis zur
Landesgrenze eintönig braun, ohne irgendwelchen
Pflanzenbewuchs.
Jenseits der Grenze aber, in Mosambik,
sei das Land grün von natürlicher Vegetation.

Natürliche Vorgänge wie Vulkanausbrüche tragen zur Anreicherung sowohl von "Treibhausgasen" als auch
von Staubteilchen in der Atmosphäre
bei.
Inwieweit beziehungsweise ob
zusammen mit den riesigen Brandwolken

Auf den Fotos ist ferner zu sehen, daß gegenwärtig "die grüne Linie", d.h. die Grenze der Vegetation
- normalerweise die südliche Grenze
der Sahara - so weit nach Norden verschoben ist wie nie zuvor.
Sogar

�große Wassertilmpel waren im Wüstengebiet der Sahara zu erkennen. Der Regen hatte offenbar auch die Sandstürme gestoppt, die zum Beispiel 1984
und 1985 eine Ausdehnung von ca. zwei
Millionen
Quadratkilometern
über
Nordafrika hatten und noch über weiten Teilen des Atlantiks auszumachen
waren.
Daß moderne Bewässerungstechniken
auch Wüste in Grünland verwandeln
können, zeigen die Aufnahmen von Saudi-Arabien.
Sie seien ein Beweis
dafür, wie gut manche Umweltschäden ob vom Menschen oder durch Naturereignisse verursacht - korrigiert werden
können,
sagte
Staatssekretär
William Nitze vom amerikanischen Aussenministerium. Der starke Bevölkerungszuwachs in Entwicklungsländern
und die Versuche dieser Menschen, unter allen Umständen zu überleben, übten jedoch einen gewaltigen Druck auf
die verbliebenen natürlichen Ressourcen aus. Ein Bericht der "International Herald Tribüne" vom 10. April
1989 über den Schwund der Fischbestände in den Küsten- und Hochseefanggebieten
im
südostasiatischen
Raum, den vor allem die kleinen Fischereiunternehmer zu spüren bekommen, läßt auf eine besorgniserregende
Entwicklung
schließen:
Das wegen
seines Eiweißgehaltes so wichtige
Grundnahrungsmittel Fisch wird dort
allmählich knapp und immer teurer.

* * * * * *

- 3 -

�AMERIKA DIENST
Wissenschaft und Technik

24. Mai 1989

21

SATELLITENBRÜCKE FÜR MEDIZINISCHE PROBLEMFÄLLE
- USA richten Direktverbindung nach Armenien ein -

WASHINGTON - (AD) - Die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion haben vereinbart, unter Einsatz der neuesten Satellitentechnik direkte Funkverbindungen
zwischen Kliniken in den Vereinigten Staaten und dem Diagnosezentrum in Eriwan
(Armenien) herzustellen. Hierdurch sollen medizinische Konsultationen bei der
Behandlung von Erdbebenopfern mit schweren körperlichen oder seelischen
Traumata zwischen Fachleuten beider Länder ermöglicht werden.
Das zunächst auf drei Monate befristete Projekt bietet die Möglichkeit, weitere Erfahrungen in der wissenschaftlichen Zusammenarbeit beider
Länder zu sammeln. Gleichzeitig kann
die NASA (US-Behörde für Luft- und
Raumfahrt) Verfahren demonstrieren,
wie medizinische Diagnosen über Telekommunikations-Einrichtungen
am besten durchzuführen sind. Im Hinblick
auf künftige Langzeitflüge ist dies
zum Beispiel ein Gebiet, auf dem es
wenig Erfahrungen gibt.

Arbeitsgruppen, die 1987 im Rahmen
einer Vereinbarung über Zusammenarbeit im Weltraum eingerichtet wurden.
INTELSAT (die Internationale Organisation
für
Fernmeldesatelliten)
stellt kostenlos die Benutzung eines
Transponders
(Verstärkeranlage)
in
einem ihrer Satelliten zur Verfügung.
COMSAT, die amerikanische Organisation von INTELSAT, koordiniert die
internationalen Maßnahmen, und die
NASA stellt eine in Armenien installierte Erdfunkstelle bereit.

Die Vereinbarung wurde im März
1989 zwischen Vertretern der NASA und
des sowjetischen Gesundheitsministeriums in Moskau getroffen. Das Projekt wird von der amerikanisch-sowjetischen gemeinsamen Arbeitsgruppe für
Weltraumbiologie und Weltraummedizin
koordiniert. Dies ist eine von fünf

Die Sowjetunion verzichtet ihrerseits auf Gebührenerhebung innerhalb
ihres Territoriums und sorgt für den
Transport der Bodenstation durch ihre
Fluglinie AEROFLOT. über die Satellitenfunkbrücke laufen Fernsehverbindungen in jeweils einer Richtung und

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�Sprechfunkverbindungen
in
beiden
Richtungen mit Klinikzentren der Universitäten Texas, Utah, Maryland und
der
Sanitätsoffiziersakademie
in
Bethesda (Maryland). Die Satellitenverbindung ist an fünf Tagen pro Woche für jeweils vier Stunden in Betrieb.
Der Direktor des Instituts für
Medizinische Information im sowjetischen
Gesundheitsministeriums,
Alexander Kiselew, bezeichnete das
Erdbeben in Armenien als ein Ereignis
"von enormer Zerstörungskraft, das
viele, viele Opfer gefordert hat".
Die Auswirkungen einer solchen Katastrophe können sich über viele Jahre
erstrecken, in denen den Opfern psychologische Beratung und Rehabilitation ermöglicht werden muß und in denen sie Therapie für erlittene körperliche Schäden brauchen. Der Vorschlag der NASA zur Einrichtung einer
Satellitenbrücke für Fernkonsultationen sei mit großer Dankbarkeit aufgenommen worden, sagte Kiselew. "Nur
durch gemeinsame Anstrengungen können
wir den besten Weg finden, um den
Erdbebenopfern zu helfen".
Der Vizepräsident
der "COMSAT
World Systems Division", Jack Hannon,
berichtete, daß das INTELSAT-Satellitensystem bereits in anderen Notsituationen wertvolle Dienste geleistet
habe, beispielsweise bei den Verwüstungen durch den Hurrikan GILBERT im
vergangenen Jahr und bei dem Erdbeben
in Mexiko im Jahr 1985.

* * * * * *

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Bush: Vereinigte Staaten begrüßen Entstehung eines Vereinten Europas&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede an der Boston University&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Bush "wäre erfreut" über ein wiedervereinigtes Deutschland&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Interview des Präsidenten mit der Washington Times&lt;/em&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Stand der Rüstungskontrollverhandlungen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Wöchentliche Übersicht&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;COCOM und der Ost-West-Dialog&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Botschafter Allan Wendt &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Umweltschäden aus dem Weltraum kartiert&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Weitere Einschränkung von Stickstoffoxidemissionen notwendig&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Satellitenbrücke für medizinische Problemfälle&lt;br /&gt;&lt;em&gt;USA richten Direktverbindung nach Armenien ein&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
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