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                    <text>AMERIKA DIENST
%

r

"v"

Ä&lt;

37

1 1 . Oktober 1989

4

INHALT

DOKUMENTATION

Mosbacher; Verstärkte Kontrolle für Chemieexporte
- Rede des U.S.-Handelsministers Präsident Bushs Proklamation zum Tag der Deutsch-Amerikaner 1989
Bush würdigt bundesdeutsche Unterstützung für die DDR-Flüchtlinge
- Ansprache des Präsidenten zum Tag der Deutsch-Amerikaner -

HINTERGRUND

Die Sozialversicherung; Grundlage des "Sozialen Netzes" in den USA
- Erster von fünf Artikeln zum amerikanischen Sozialwesen -

* * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�AMERIKA DIENST
V,ON

Dokumentation

4

37

11. Oktober 1989

MOSBACHER:

VERSTÄRKTE KONTROLLE FÜR CHEMIEEXPORTE

- Rede des US-Handelsministers -

WASHINGTON - (AD) - Dem amerikanischen Handelsminister Robert Mosbacher
zufolge beabsichtigen die Vereinigten Staaten, Exportkontrollen für 10 zusätzliche bei der Herstellung chemischer Waffen verwendete Grundstoffe einzuführen
und bei drei Chemikalien zu verschärfen, die er in seiner Rede vor dem auswärtigen Ausschuß des Repräsentantenhauses am 5. Oktober 1989 jedoch nicht im
einzelnen benannte. Wenn das Handelministerium diese Maßnahmen verabschiedet,
werden die Vereinigten Staaten alle 50 von den westlichen Nationen vereinbarten Chemikalien kontrollieren, so Mosbacher.
Nachfolgend veröffentlichen
cher im Wortlaut.

wir die Erklärung von Handelsminister Mosba-

Herr Vorsitzender, ich möchte in
der heutigen Anhörung das außenpolitische Programm der Vereinigten Staaten
zur Exportkontrolle
erläutern.
Bevor ich dieses Programm mit Ihnen
im einzelnen erörtere, möchte ich
kurz auf den globalen Zusammenhang
zwischen Exportkontrollen und wirtschaftlicher Sicherheit eingehen.
Von Zeit zu Zeit wurden Vorwürfe
laut, dem Handelsministerium sei das
Handelsdefizit wichtiger als die nationale Sicherheit der Vereinigten
Staaten
und
unsere
Entscheidungen
über Ausfuhrgenehmigungen ließen einen Hang zur Exportförderung erkennen. Das trifft nicht zu. Das Handelsministerium nimmt die Rolle außerordentlich ernst, die wir bei der
nationalen Sicherheit spielen. Kraft

Gesetzes gehen wir bei Exportkontrollen sehr umsichtig vor. Gemäß diesem
Gesetz müssen wir wirtschaftliche und
nationale
Sicherheitsfaktoren
sorgfältig gegeneinander abwägen.
Dem
Gesetz zufolge ist die Aufrechterhaltung einer gesunden und wettbewerbsfähigen
Wirtschaft
integraler Bestandteil der Sicherheit der Vereinigten Staaten. Unser Mandat lautet,
Exportkontrollen
auf Güter in den
Vordergrund zu stellen, die zu rein
strategischen Zwecken eingesetzt werden können, um unnötige negative Auswirkungen auf den rechtmäßigen Handel
im zivilen Bereich so gering wie möglich zu halten.

ten
daß

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Mit anderen Worten, die VereinigStaaten
sollten gewährleisten,
Exportkontrollen für Güter und

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D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Technologie
angemessen
angewendet
werden, so daß sie nicht entscheidend
zum militärischen Potential unserer
Gegner beitragen.
Die weitere Kontrolle dieser Produkte oder die Kontrolle von Gütern oder Technologien,
die unseren Gegnern in anderen Ländern frei zugänglich sind, würde nur
zu einer unnötigen Schädigung amerikanischer Geschäftsinteressen führen
ohne unserer nationalen Sicherheit zu
dienen. Auf lange Sicht würden solche Kontrollen unsere wirtschaftliche
Sicherheit unterhöhlen, was wiederum
unserer nationalen Sicherheit abträglich wäre.
Aus diesem Grund müssen der Kongreß und die Regierung meiner Ansicht
nach eng bei der Verhinderung von
Maßnahmen zusammenarbeiten, die den
amerikanischen
Handel bei geringer
Gegenleistung
unverhältnismäßig
und
einseitig einschränken. Da die Vereinigten Staaten den Weltmarkt für
technologische Innovationen und militärisch sensible Güter nicht vollständig unter Kontrolle haben, müssen
unsere Bestrebungen zum Schutz unserer Sicherheit und anderer Interessen
in Zusammenarbeit mit anderen freundlich
gesinnten
Nationen
erfolgen.
Ich beabsichtige, alles in meiner
Macht Stehende zu tun, um diese Zusammenarbeit sicherzustellen und zu
gewährleisten, daß wir unsere Kontrollen soweit wie möglich auf multilateraler Basis durchführen.

Außenpolitisch
trollen

motivierte

Exportkon-

Wir haben die am 20. Januar 1989
in Kraft getretenen
außenpolitisch
motivierten Exportkontrollen bis zum
20. Januar 1990 verlängert. Mit Ihrer
Erlaubnis,
Herr
Vorsitzender,
möchte ich zur Aufnahme in das Sitzungsprotokoll eine Kopie des Jahresberichts über außenpolitisch motivierte Exportkontrollen vorlegen, den
das Handelsministerium an den Kongreß
weitergeleitet hat.
Außenpolitisch

motivierte

Kon- 2

trollen können aus einer Reihe von
Gründen erfolgen. Außenpolitisch motivierte Kontrollen können zum Beispiel aus einem spezifischen Grund,
wie dem kontrollierten Export einer
bestimmten Chemikalie in eine besondere Region ausgeübt werden, um die
Weiterverbreitung
chemischer
Waffen
zu verhindern. Darüber hinaus können
außenpolitisch motivierte Kontrollen
auch zur Verwirklichung umfassenderer
politischer Ziele wie der Abkoppelung
der Vereinigten Staaten von einem bestimmten Land verwendet werden, wie
es bei Kuba und Vietnam der Fall war.
Außenpolitisch
motivierte
problemorientierte Kontrollen finden aus
Gründen statt, die mit Menschenrechten, terroristischen Aktivitäten, regionaler Stabilität, chemischer und
biologischer Kriegführung, der sowjetischen
Invasion in Afghanistan
und der Verbreitung von Raketen in
Verbindung stehen.
Wir üben länderspezifische Kontrollen aus, indem wir Handelsembargos gegen Libyen, Kuba, Nordkorea,
Vietnam und Kambodscha verhängt haben.
Gegen von Südafrika gelenkte
Polizei- und
Militäreinheiten
haben
wir außenpolitisch motivierte Kontrollen vorgenommen, und wir kontrollierren den Export von Computern an
pro Apartheid eingestellte Behörden,
um unsere anhaltende Opposition gegen
die südafrikanische Apartheidpolitik
unter Beweis zu stellen.
Länderspezifische
Kontrollen
spiegeln generell die von den Vereinigten Staaten gegenüber dem jeweiligen Land verfolgte Außenpolitik wider.
In einigen Fällen zielen sie
darauf ab, Druck auf bestimmte Volkswirtschaften oder Regierungen auszuüben, indem der Zugang zu einer Vielzahl amerikanischer Produkte eingeschränkt wird. In anderen Fällen haben sie die Distanzierung der Vereinigten Staaten von der Politik eines
bestimmten Landes zum Ziel.
Das Allgemeine Handelsgesetz verfügt, daß außenpolitisch motivierte

�Exportkontrollen für Ersatzteile nur
dann aufrechterhalten werden dürfen,
wenn der Handelsminister ihre Kontrolle
definitiv
beschlossen
hat.
Wir haben einen solchen Beschluß gefaßt und außenpolitisch
motivierte
Kontrollen von Ersatzteilen für Produkte eingeführt, die aus Gründen der
Menschenrechte
oder
Terrorismusbekämpfung kontrolliert werden.
Die im Rahmen von Abschnitt 309
(c) des Gesetzes über die Nichtweiterverbreitung von Nuklearwaffen aus
dem Jahr 1978 angewandten Kontrollen
bleiben weiterhin In Kraft ebenso wie
die gemäß dem
Anti-Apartheidgesetz
von 1988 gegen Südafrika gerichteten
Kontrollen.
Herr
Vorsitzender,
mit
großer
Sorge beobachten wir die jüngste Verbreitung todbringender Technologien,
insbesondere in Regionen der Welt,
die von Instabilität gekennzeichnet
sind.
Abgesehen von der Nichtweiterverbreitung von Nuklearwaffen, die ein
langfristiges Anliegen
ist, können
diese Technologien in zwei Kategorien
aufgeteilt werden: 1. chemische und
biologische Waffen und 2. nuklearfähige Trägersysteme und andere Massenvernichtungswaffen.
Die Vereinigten
Staaten haben sehr viel Zeit und Mühe
darauf verwandt, das wirksamste Mittel gegen die weitere Verbreitung
dieser Waffensysteme zu entwickeln.
Unsere
außenpolitisch
motivierten
Kontrollen in diesen beiden Bereichen
sind aus einem wichtigen Grund bemerkenswert:
ihre
Entwicklung
und
Durchführung basiert auf multilateraler
Zusammenarbeit.
Multilaterale
Bestrebungen
sind
für erfolgreiche
Kontrollen unabdingbar.
Ich möchte
jetzt besonders auf diese beiden entscheidenen Bereiche und unsere außenpolitisch motivierten Kontrollen im
Hinblick auf sie eingehen.

Chemische und biologische Waffen
Die

Vereinigten

Staaten

nehmen

eine Führungsrolle bei den multilateralen Bestrebungen ein, die Verbreitung und den Einsatz chemischer und
biologischer Waffen zu unterbinden,
von denen die Sicherheit weltweit bedroht ist.
In seiner Abschiedsrede
vor den Vereinten Nationen im September 1988 forderte Präsident Reagan
die Einberufung einer internationalen
Konferenz über chemische Waffen, die
im Januar 1989 in Paris stattfand.
Bei dieser Konferenz wurde die im
Genfer Protokoll von 1925 vereinbarte
internationale
Verpflichtung
gegen
den Einsatz chemischer Waffen erneut
bekräftigt. In seiner ersten Ansprache als Präsident vor der Vollversammlung der Vereinten Nationen unterstrich Präsident Bush die Notwendigkeit der "Zusammenarbeit aller Nationen, um die Welt von der Geißel
chemischer Waffen zu befreien".
Er
kündigte eine neue Initiative zu chemischen Waffen an, die drastische Reduzierungen
der amerikanischen
und
sowjetischen Arsenale an chemischen
Waffen und verbesserte Techniken zur
Überwachung
und
Verifizerung
des
weltweiten
Bestands
an
chemischen
Waffen fordert - die bei unseren Verhandlungen über ein umfassendes Vei—
bot chemischer Waffen als vertrauensbildende Maßnahme dienen soll.
Die Vereinigten Staaten sind aktives Mitglied der "Australien-Gruppe" chemieverarbeitender Länder mit
dem gemeinsamen Anliegen, die Vei—
breitung und den Einsatz von Chemiewaffen aufzuhalten.
Die AustralienGruppe ist ein informelles und unabhängiges Gremium, in dem die Regierungen der Vereinigten Staaten und 19
anderer Länder mit dem
Ziel
der
Nichtwei terverbrei tung
chemischer
Waffen zusammenarbeiten. Die Australien-Gruppe hat eine schwarze Liste
von 50 chemischen Grundstoffen erai—
beitet, die bei der Waffenherstellung
Anwendung finden.
Das Handelsministerium war in der
amerikanischen
Delegation
bei
der
jüngsten
Regierungs-Industriekonferenz gegen chemische Waffen in Canberra im September stark vertreten.

�Die Delegierten des Handelsministeriums haben eine Reihe bilateraler
Gespräche mit Abordnungen anderer Regierungen über Probleme der Exportkontrolle geführt.
Darüber hinaus
haben wir Gesetzentwürfen über den
Handel mit chemischen Grundstoffen
und
biologischen Organismen große
Aufmerksamkeit gewidmet.
Diese außenpolitisch motivierten Exportkontrollen und die damit verbundenen
Maßnahmen spiegeln das amerikanische
Engagement wider, das sich in der Zusammenarbeit bei multilateralen Exportkontrollbestrebungen ebenso zeigt
wie in der Beachtung der im Genfer
Protokoll von 1925 und der Konvention
über biologische Waffen von 1972 eingegangenen internationalen Verpflichtungen sowie in den Bemühungen um ein
weltweit verifizierbares Verbot aller
chemischen und biologischen Waffen.
Das Handelsministerium
hat im
Rahmen seiner Mitarbeit in der Australien-Gruppe seine außenpolitisch
motivierten
Kontrollmaßnahmen
für
chemische Grundstoffe verschärft und
neue verhängt. Am 22. Februar 1989
habe ich dem Kongreß im Einklang mit
Abschnitt 8 des Außenwirtschaftsgesetzes einen Bericht vorgelegt, der
Exportkontrollen für 23 mehrfach einsetzbare chemische Grundstoffe vorsieht, die als Basis für chemische
Waffen sowie für bestimmte Organismen
dienen können. Vor dieser Maßnahme
sah das Handelsministerium Exportkontrollen für 17 chemische Grundstoffe
vor, die nachweislich zur Herstellung
chemischer Waffen genutzt werden können.
Die
betroffenen
chemischen
Grundstoffe und biologischen Wirkstoffe unterlagen bisher einseitigen
nationalen Sicherheitskontrollen, die
am 23. Februar dieses Jahres dem Allgemeinen Handelsgesetz von 1988 zufolge Ihre Gültigkeit verlieren. Die
neue Grundlage außenpolitisch motivierter
Exportkontrollen
gestattet
dem Ministerium, seine Kontrollbestrebungen auf solche Länder zu konzentrieren, an die Weiterverbreitung
als problematisch gilt: Iran, Irak,
Syrien und Libyen.
Zum Zweck der
besseren Kontrolle überarbeiten wir

die außenpolitisch motivierten Exportbestimmungen, um Wiederausfuhrkontrollen
auf
diese
chemischen
Grundstoffe und biologischen Wirkstoffen mit dem Bestimmungsort Iran,
Irak, Syrien und Libyen zu verhängen.
Wir gestehen Schwierigkeiten bei
der Kontrolle dieser "Mehrzweck"-Chemikalien ein. Einige sind sehr gebräuchlich und werden sowohl in der
Forschung als auch kommerziell vielfach eingesetzt, etwa bei der Herstellung von Verdünnern, Emulsionsund Düngemitteln.
Tatsächlich kann
jedes Land mit einer Ölraffinerie
oder einer Düngemittelfabrik diese
Verbindungen herstellen. Leider können diese Chemikalien in anderen Verbindungen zur Herstellung chemischer
Waffen genutzt werden. Darüber hinaus ist die Technik zur Herstellung
dieser chemischen Verbindungen nicht
geschützt.
Ich werde dem Kongreß ferner einen Bericht über die Ausweitung der
Exportkontrollen auf drei chemische
Grundstoffe und die Einführung solcher Kontrollen für 10 zusätzliche
Chemikalien vorlegen.
Mit dieser
Maßnahme werden die Vereinigten Staaten zusammen mit anderen westlichen
Ländern alle 50 der mehrfach verwendbaren chemischen Grundstoffe kontrollieren.
Diese Kontrolle mehrfach
einsetzbarer und kommerziell genutzter Chemikalien findet zusätzlich zur
Kontrolle chemischer und biologischer
Waffen, ihrer Bestandteile und Trägersysteme statt, die bereits im Rahmen des Gesetzes zur Kontrolle von
Waffenexporten vom Außenministerium
eingeführt wurde.

Kontrollmechanismus
technik

für die Raketen-

Schon seit langem wenden sich die
Vereinigten Staaten gegen die Verbreitung von Trägersystemen. Am 16.
April 1987 haben wir eine neue Maßnahme verkündet, um die Verbreitung
von Raketen zu begrenzen, die Nuklearwaffen als Träger dienen können.

- 4 -

�Die
Vereinigten
Staaten
schlössen
sich mit der Bundesrepublik Deutschland,
Frankreich,
Großbritannien,
Italien, Japan und Kanada zusammen,
um einen Kontrollmechanismus für die
Raketentechnik
(Missile
Technology
Control Regime - MTCR) zu schaffen,
mit dem die Verbreitung nuklearfähiger ballistischer Raketen
begrenzt
werden kann.
Die Mitglieder haben
vereinbart, den Export der zur Entwicklung und Stationierung von Raketen mit der Fähigkeit zum Abschuß nuklearer Gefechtsköpfe erforderlichen
Anlagen und Techniken zu kontrollieren.
Das Außenministerium kontrolliert
die Mehrzahl - etwa 80 Prozent - der
Handelsware, die in direktem Zusammenhang mit Raketen steht. Das Handelsministerium kontrolliert hingegen
mehrfach einsetzbare Posten, deren
Kontrolle unter dem MTCR vereinbart
wurde.
In Übereinstimmung mit dem
Außenministerium hat das Handelsministerium die außenpolitisch motivierten
Exportkontrollen
auf
mehrfach
einsetzbare Waren erweitert, die im
Anhang zum MTCR genannt sind.
Die
Erweiterung dieser Kontrollen hat jedoch keine neuen Genehmigungsverfahren für Anlagen zur Folge gehabt,
weil sie lediglich für Waren eingefügt wurde, die bereits nationalen
Sicherheitskontrollen unterliegen.
Gegenwärtig werden alle Anträge
auf Ausfuhrgenehmigung für Waren, die
Kontrollen für Raketentechnik unterliegen, sorgfältig überprüft, um sicherzustellen, daß der beabsichtigte
Export nicht entscheidend zu einem
Raketenentwicklungsprogramm
beiträgt.
Folgende Kriterien sind im
Handelsministerium für die Genehmigung der Ausfuhranträge ausschlaggebend:
ob die Ware der außenpolitisch
motivierten
Exportkontrolle
für
Raketen unterliegt,
ob das Bestimmungsland die Fähigkeit
zur Herstellung ballistischer Raketen entwickelt,

ob der Endverbraucher ein für uns
besorgniserregendes
Projekt
durchführt,
ob die Ware einen entscheidenden
Beitrag zum Raketenentwicklungsprogramm des Landes leisten würde,
der Ruf, in dem das Importland im
Hinblick auf die Nichtweiterverbreitung steht und die Art und
Weise der Garantie einer Nichtweiterverbreitung.
Gegenwärtig im Rahmen von MTCR
erörterte Probleme betreffen Vorbereitungen für ein Gesetz über Sanktionen bei "Verletzungen" des MTCR
und Zusatzartikel zum Gesetz über die
Kontrolle von Waffenexporten und das
Außenwirtschaftsgesetz von 1979, um
die Weiterverbreitung von Raketen,
Raketenteilen und Raketentechnik zu
begrenzen.
Um die Wirkung des Kontrollmechanismus zu erhöhen und Übertretungen abzuschrecken, sehen die
Gesetzentwürfe folgendes vor:
Sanktionen gegen die Vereinigten Staaten
und ausländische Körperschaften, die
Verhä'ngung stärkerer einseitiger amerikanischer
Technologiekontrollen,
Berichte über die Wirksamkeit des
Kontrollmechanismus
(MTCR) und zusätzliche Überprüfungen von Exportanträgen für mehrfach verwendbare Waren
durch das Außen- und Verteidigungsministerium.
Aller Wahrscheinlichkeit
nach wird eine solche Gesetzgebung
aber eher negative Auswirkungen haben
und
multilaterale
Betrebungen
zur
Nichtweiterverbreitung
von
Raketen
schwächen. Sie würde die weitere Zusammenarbeit und den Informationsaustausch behindern und die Regeln, nach
denen der Kontrollmechanismus aufgestellt wurde, einseitig verändern.
Darüber hinaus werden Fragen der
Erweiterung
des
Kontroilmechanismus
erwogen, so daß er zusätzliche Länder
einbezieht.
Der MTCR bildet
eine
wirksame Sperre gegen Programme zur
Weiterverbreitung nuklearfähiger Raketen.
Er liefert ein ausgezeichnetes Beispiel für die Vorteile multi-

�lateraler Zusammenarbeit im Gegensatz
zu einseitigen Kontrollen. Wir wollen ihn so erweitern, daß er auch
Länder mit der Fähigkeit zur Herstellung und Ausfuhr nuklearfähiger Raketen und ihrer Teile einbezieht.

Andere außenpolitische Probleme
Im Hinblick auf Nordkorea haben
außenpolitisch motivierte Kontrollen
tatsächlich zu einem Handelsembargo
zwischen diesem Land und den Vereinigten Staaten geführt. Am 20. Januar 1988 hat der Außenminister Nordkorea als ein Land bezeichnet, das den
internationalen Terrorismus bei seinen Aktionen wiederholt unterstützt
hat und in diesem Zusammenhang auch
den Abschuß der KAL-Maschine im November 1987 zitiert.
Im Oktober 1988 entschied die Administration, Nordkorea aus seiner
Isolation herauszuhelfen und das Land
zur Abkehr von terroristischen Aktivitäten zu bewegen. Diese politische
Entscheidung führte zu einer sehr bescheidenen Liberalisierung der amerikanischen
Exportkontrollpolitik
gegenüber Nordkorea. Diese Veränderung
läßt nunmehr die Lieferung von Handelswaren und Spenden an Nordkorea
zu, um die Grundbedürfnisse der Menschen zu decken.
Wie bereits ausgeführt, sind außenpolitisch motivitierte Exportkontrolen für Anlagen und technische Daten in Kraft, die zur Herstellung von
Lastwagen an der Kama und in der
Zil-LKW-Fabrik
in
der
Sowjetunion
dienen. Diese Politik wurde als Reaktion auf den Einsatz der in der Fabrik an der Kama hergestellten LKWs
beim Einmarsch in Afghanistan eingeführt.
Gegenwärtig
verfolgen
die
Vereinigten Staaten die Politik, Anträge auf Export dieser Anlagen abzulehnen. Angesichts des nunmehr abgeschlossenen Abzugs sowjetischer Truppen aus Afghanistan wird die Administration insbesondere diese Bestimmung neu überprüfen.

Zusammenfassung
Wir investieren viel Zeit und Mühe, um Realitätsbezug und Effektivität
außen- und
sicherheitspolitisch
motivierter Kontrollen zu gewährleiten. Ich versichere Ihnen, das Handelsministerium wird weiterhin alles
in seiner Macht Stehende tun, um sicherzustellen, daß unser Exportkontrollprogramm amerikanischen sicherheits- und
außenpolitischen
sowie
wirtschaftlichen Interessen dient.

* * * * *

�•fcD S T &gt;

%r,DN

AMERIKA DIENST

4

Dokumentation

11. Oktober 1989

37

PRÄSIDENT BUSHS PROKLAMATION ZUM TAG DER DEUTSCH-AMERIKANER 1989

WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die Proklamation des
Präsidenten zum "Tag der Deutsch-Amerikaner" am 6. Oktober 1989 im Wortlaut.
Im Jahr 1683 verließ eine kleine
Gruppe Männer, Frauen und Kinder ihre

Heimat Deutschland, um in der Neuen
Welt ihre Religion frei ausüben zu
können. Diese 13 Familien, die vor
über 300 Jahren in der Nähe von Philadelphia an Land gingen, waren die
ersten von sieben Millionen deutschen
Einwanderern in Amerika. Heute können nahezu 60 Millionen Amerikaner
ihre. Wurzeln zu diesen mutigen und
fleißigen Menschen zurückverfolgen.
Ihr stolzes kulturelles Erbe ist
nicht nur eine von Generation zu Generation weitergegebene Kostbarkeit,
sondern auch ein nicht versiegender
Quell der Stärke und des Stolzes für
die Vereinigten Staaten von Amerika.
In gesamten Verlauf der Geschichte unseres Landes standen die Deut-

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Embassy of the United States of America

schen mit ihren Angehörigen an vorderster Front bei der Verteidigung
der Freiheit. Von den heroischen Bestrebungen unter General Friedrich
von Steuben während des amerikanischen Unabhängigkeitskrieges bis zu
General Eisenhower im Zweiten Weltkrieg standen Ihr Mut und Patriotismus außer Zweifel.
In Zeiten des
Friedens wie in Zeiten des Kampfes
haben Generationen von Deutsch-Amerikanern getreu die Prinzipien verteidigt, auf die diese Nation gegründet
wurde.
Nach dem Zweiten Weltkrieg trugen
die Vereinigten Staaten gemeinsam mit
Ihren Verbündeten dazu bei, die Bedingungen wiederherzustellen. unter
denen die deutsche Demokratie, geführt von Politikern wie Konrad Ade-

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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�nauer, wurzeln und gedeihen konnte.
Heute besteht kein Zweifel daran, daß
Europa stärker - und die Welt sicherer - ist, weil die Bundesrepublik
Deutschland
frei, demokratisch und
souverän ist.
Während
wir
stolz
zu unserer
Freundschaft mit den Bürgern der Bundesrepublik Deutschland stehen, müssen wir gleichzeitig mit Betroffenheit feststellen, daß vielen Deutschen
immer
noch
das
Recht
auf
Selbstbestimmung
verweigert
wird.
Die Vereinigten Staaten sind daher
nach wie vor der Förderung von Freiheit und demokratischer Regierung in
ganz Deutschland und ganz Osteuropa
verpflichtet. Wir werden in unserer
Bestrebungen nicht ruhen, überall in
Osteuropa die Wahrung der Menschenrechte zu fördern, politische Reformen voranzutreiben und die Barrieren
abzubauen, die Berlin immer noch teilen.
Unsere große Nation ist stark,
weil wir Amerikaner in unserem gemeinsamen Glauben an die. Freiheit des
einzelnen und die Rechtsstaatlichkeit
ebenso wie durch Vertrauen und Familienbande vereint sind. Während wir
heute die zahlreichen Beiträge würdigen, die Amerikaner deutscher Herkunft für unser Land geleistet haben,
wollen wir uns erneut der Förderung
derselben Einheit im Land ihrer Vorfahren verpflichten.
Zu Ehren aller Deutsch-Amerikaner
hat der Kongreß mit der gemeinsamen
Entschließung 118 den 6. Oktober 1989
zum "Tag der Deutsch-Amerikaner" erklärt und den Präsidenten ermächtigt
und ersucht, zum Gedenken an diesen
Tag eine Proklamation zu erlassen.
Aufgrund
dessen
erkläre
ich,
George Bush, Präsident der Vereinigten Staaten
von Amerika, hiermit
Freitag, den 6. Oktober 1989, zum Tag
der Deutsch-Amerikaner.
Ich bitte
alle Amerikaner, mehr über den Beitrag der deutschen Einwanderer zu Leben und Kultur der Vereinigten Staaten in Erfahrung zu bringen und die-

sen Tag mit angemessenen Feiern
Veranstaltungen zu begehen.

und

Unterzeichnet am 5. Tag des Oktober, im Jahr des He rrn 1989 und im
214. Jahr der Unabhängigkeit der Vereinigten Staaten von Amerika.
(unterzeichnet) George Bush

* * * * *

�AMERIKA DIENST
Dokumentation

11. Oktober 1989

37

BUSH WÜRDIGT BUNDESDEUTSCHE UNTERSTÜTZUNG FÜR DIE DDR-FLÜCHTLINGE
- Ansprache des Präsidenten zum Tag der Deutsch-Amerikaner -

WASHINGTON - (AD) - Bei einer Feierstunde anläßlich der Unterzeichnung
der Proklamation zum Tag der Deutsch-Amerikaner erklärte Präsident Bush am 5.
Oktober 1989: "Ich bin bewegt von den Zehntausenden DDR-Bürgern, die all ihren Besitz opfern, alles zurücklassen, um ihren Weg in einen Westen zu finden,
der Freiheit und Möglichkeiten verpricht." "Amerika steht zu den treibenden
Kräften des Wandels", erklärte Bush. "Wir haben unsere moralische und materielle Unterstützung zugesichert."
Nachfolgend veröffentlichen wir die Ansprache, des Präsidenten Im Wortlaut.

Alle, die wir heute hier zusammengekommen sind, werden Zeuge eines
entscheidenden Wendepunkts in der Geschichte.
Die Länder Osteuropas befinden sich im Umbruch, und ihr Kampf
um Freiheit ist in eine neue Phase
der Hoffnungen eingetreten, die jetzt
stärker sind als jemals zuvor.
In
Polen
ist eine
nichtkommunistische
Regierung gebildet worden. In Ungarn
wird der totalitären Ideologie eine
Absage erteilt.
Ich habe bereits in Hamtramck,
Warschau, Danzig und Budapest erklärt. Amerika stehe zu den treibenden Kräften des Wandels. Wir haben
unsere moralische und materielle Unterstützung zugesichert.
Die polnische Regierung

hat ver-

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Embassy of the United States of America

gangene Woche angesichts der Aussicht
schmerzhafter
Anpassungen
bei
der
Einführung
ihrer drastischen Wirtschaftsreformen vom Westen eine Milliarde Dollar Direkthilfe erbeten.
Und deshalb habe ich gestern (am 4.
Oktober) den Kongreß gebeten, Polen
zusätzlich 200 Millionen Dollar zur
Verfügung zu stellen, wenn das Land
einen Vertrag mit dem Internationalen
Währungsfonds unterzeichnet, um unseren Beitrag zur Erfüllung Ihrer Bitte
zu leisten. Darüber hinaus entsende
Ich eine Delegation nach Polen, die
mit den Polen über den besten Einsatz
dieser und anderer Mittel
beraten
soll.
Wir sind gebannt, und ich bin bewegt von den Zehntausenden DDR-Bürgern, die all ihren Besitz opfern,

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�alles zurücklassen, um ihren Weg in
einen Westen zu finden, der Freiheit
und Möglichkeiten verspricht.
Und ich habe heute von Tausenden
von Menschen gelesen, die zehn Jahre
gewartet haben, um ein Auto zu kaufen
und es dann ganz einfach auf der
Straße zurücklassen und die Schlüssel
jemandem schenken.
Sie nahmen nur
das mit, was sie tragen konnten und
kletterten über einen Botschaftszaun,
um auf einen Zug in die Freiheit zu
warten.
Angesichts unserer Feier zum Tag
der Deutsch-Amerikaner möchte ich die
Maßnahmen der Bundesrepublik Deutschland würdigen, die sich den mit diesen Ereignissen stellenden ungeheuren
Herausforderungen
gewachsen
zeigt.
Und ich freue mich auf den Tag, an
dem die Deutschen keine Zäune mehr
überwinden, nicht mehr in Botschaftsgärten frieren oder Kugeln ausweichen
müssen, um die Vorzüge einer freien
Gesellschaft genießen zu können.
Ich muß Ihnen nicht erzählen,
welch wichtige Rolle alle DeutschAmerikaner in den letzten 200 Jahren
in den Vereinigten Staaten - einzeln
und auch gemeinsam - gespielt haben.
Deutsch-Amerikaner bilden einen entscheidenden Bestandteil unseres Erbes. Und, wie Sie wissen, wurden wir
uns zu Beginn der achtziger Jahre der
Notwendigkeit
bewußt, die Kontakte
zwischen der Bundesrepublik und den
Vereinigten
Staaten
zu
vertiefen.
Und seit der Zeit haben unsere Länder
gemeinsam am Fortbestand unserer Werte und Pflichten gearbeitet.
Unser
US-Informationsamt
(USIA)
hat bei vielen dieser Initiativen die
Führungsrolle übernommen.
USIA hat
eine wichtige Rolle bei der 300-JahrFeier zum Gedenken an die deutschen
Einwanderer
gespielt, an der
ich
teilzunehmen die Ehre hatte. Und in
jüngster Zeit hat sich USIA an der
Einrichtung des Gartens der DeutschAmerikanischen
Freundschaft
beteiligt, die Sie heute hier feiern.

Aus diesem Grunde freue ich mich,
Ihnen heute mitteilen zu können, daß
unser USIA-Direktor, Bruce Gelb, eine
neue Aufgabe übernehmen und Amerikanischer Koordinator für Deutsch-Amerikanische Kontakte werden wird.
Er
möchte gemeinsam mit Ihnen dazu beitragen, daß junge deutsche und amerikanische
Führungskräfte
Kontakte
knüpfen. Dies liegt auch im Interesse Bundeskanzler Kohls.
In Regierung, Industrie, im Journalismus, den
Geisteswissenschaften
- wir wollen
Kontakte knüpfen, um Perspektiven zu
eröffnen, Freundschaften zu erhalten
und das Verständnis zwischen unseren
Ländern zu fördern.

* * * * *

�AMERIKA DIENST
VON

Hintergrundmaterial

4

11. Oktober 1989

37

DIE SOZIALVERSICHERUNG:

GRUNDLAGE DES "SOZIALEN NETZES" IN DEN USA

- Erster von fünf Artikeln zum amerikanischen Sozialwesen -

WASHINGTON - (AD) - Das amerikanische
Sozialwesen Ist ein sich ständig
fortentwickelndes Geflecht von etwa
40 000
eigenständigen
öffentlichen
und privaten sozialen Diensten, die
zusammengenommen das "soziale Netz"
in den Vereinigten Staaten bilden,
das die meisten Amerikaner vor den
wie Präsident Franklin D. Roosevelt
es nannte "Launen und Wechsel fällen
des Lebens" schützt.
Schätzungen des Amerikanischen Verbands für Wohlfahrtspflege (American
Public Weifare Association) zufolge
belaufen sich die Ausgaben für die
Aufrechterhaltung dieses Netzes der
sozialen Sicherheit heute auf über 1
Billion Dollar pro Jahr oder etwa 20%
des amerikanischen Bruttosozialprodukts im Jahr 1989. Circa zwei Drit-

tel dieser Mittel werden von der Bundesregierung vergeben. Aber auch die
Bundesstaaten sowie Städte und Gemeinden geben etwa ein Prozent ihrer
Steuereinnahmen, ungefähr 300 Milliarden Dollar, für Programme aus,
die Armen, Arbeitslosen und Benachteiligten helfen sollen.
Der Rest
wird vom Privatsektor finanziert, zumeist in Form von Renten und Krankenversicherungsbeiträgen sowie Spenden
für wohltätige Zwecke. Das Spendenaufkommen belief sich im Jahr 1988
auf über 100 Milliarden Dollar, 20
Prozent davon wurden für Gesundheits- und Pflegedienste gespendet.

Ursprünge der Sozialversicherung
Eine

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Reihe

von

Sozialverslcherungs-

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Programmen wurden während der Großen
Depression von Präsident Roosevelt
und dem Kongreß als Teil des historischen Sozialversicherungsgesetzes von
1935 zum Schutz amerikanischer Arbeitnehmer in Handel und Industrie
gegen Einkommensverlust aufgrund unverschuldeter Arbeitslosigkeit, Ruhestand oder Tod geschaffen. Sie bilden die Grundlage des amerikanischen
sozialen Netzes.
Roosevelt zufolge sollten diese Programme dazu beitragen, die Auswirkungen
künftiger
Wirtschaftseinbrüche
abzuschwächen, indem sie dem amerikanischen Arbeitnehmer ein Grundeinkommen sicherten, das "die Höhen und
Tiefen von Deflation und Inflation
ausgleichen" würde.
Eines dieser Programmpakete - Rentenversicherung,
Hinterbliebenen- und
Invaliditätsversicherung - wurden unter dem Begriff "Sozialversicherung"
bekannt.
Die Sozialversicherung sollte nicht
die einzige Einkommensquelle für Arbeitnehmer nach Eintritt in den Ruhestand sein.
Sie sollte eher eine
Grundversorgung
sicherstellen, die
durch eigene Ersparnisse, private
Renten und Familienvermögen ergänzt
werden könnte.
Die Sozialversicherung, das bei weitem wichtigste Element des amerikanischen sozialen Netzes, hat seit ihrer
Schaffung
erhebliche
Veränderungen
erfahren. Ihre Grundsätze - Zwangsmltgliedschaft, Anspruchsberechtigung
aufgrund von Arbeit in den erfaßten
Berufen,
Beitragsbezogenhelt
sowie
Finanzierung durch gehaltsabhängige
Beiträge von Arbeitnehmer und Arbeitgeber - haben jedoch Bestand gehabt.
Bei Inkrafttreten der Sozialversicherung im Jahr 1937 erfaßte sie weniger
als 60 Prozent der Arbeitsplätze in
den Vereinigten Staaten. Sie wurde
seither auf etwa 95 Prozent aller Arbeitnehmer erweitert. Viele freiberuflich Tätigen, Saison- und Teilzettarbeitnehmer in kleinen Unterneh-

men sind nicht erfaßt oder möchten
sich nicht beteiligen.
Auch die
Langzeitarbeitslosen werden per definitionem den Erwerbstätigen zugerechnet, können aber nicht teilnehmen.

Höhe der Renten
Im Lauf der Zeit wurden auch Familienangehörigen und Hinterbliebenen von
Rentnern sowie Erwerbsunfähigen und
deren Familien Renten zugebilligt.
Die Zwangsmitgliedschaft wurde auf
Beschäftigte in Land- und Hauswirtschaft, Freiberufler, Angehörige der
Streitkräfte, Angestellte im öffentlichen Dienst sowie Mitarbeiter gemeinnütziger
Organisationen
ausgedehnt. Ferner wurde die Möglichkeit
einer Vorruhestandsregelung für Männer und Frauen eingeführt.
Heute belaufen sich die Ausgaben für
die Sozialversicherung auf jährlich
etwa 23 Prozent aller Ausgaben aus
dem Bundeshaushalt, und ungefähr einer von sechs Amerikanern bekommt jeden Monat eine Rente ausbezahlt.
Im Jahr 1940, dem ersten Jahr, in dem
Renten gezahlt wurden, waren die Altersrenten auf einen Höchstbetrag von
41 Dollar pro Monat für einen alleinstehenden Arbeitnehmer und auf 62
Dollar für einen anspruchsberecbtigten Arbeitnehmer mit einem nicht berufstätigen
Ehepartner begrenzt
selbst zu jener Zeit sehr bescheidene
Beträge.
Bis heute sind diese Renten auf
durchschnittlich folgende Monatswerte
angestiegen:
(Tabelle: siehe letzte
Seite)
Während das normale Rentenalter bei
65 Jahren liegt, kann ein Arbeitnehmer schon mit 62 Jahren in den Ruhestand treten, falls er voll versichert ist (nach mindestens zehn Arbeitsjahren an einem der Versicherung
unterliegenden
Arbeitsplatz).
Die
monatlichen Rentenzahlungen an Vorruheständler betragen jedoch auf Dauer
nur 80 Prozent der Vollrente, die an

- 2 -

f

i

�diejenigen gezahlt wird, die mit 65
oder später in den Ruhestand treten.
Ab dem Jahr 2000 wird das Alter, mit
dem die volle Rente bezogen werden
kann, schrittweise auf 67 Jahre angehoben.
Eine reduzierte Rente wird
immer noch ab 62 Jahren möglich sein,
jedoch wird die Reduzierung höher
ausfallen als heute.
Zur Berechnung der Bezüge für Ruhestand
und Berufsunfähigkeit
werden
beim im gesamten Berufsleben erarbeiteten Nettoverdienst des Arbeitnehmers Anpassungen vorgenommen, die den
Veränderungen der Durchschnittslöhne
seit 1951 Rechnung tragen. Von diesen angepaßten Einkünften wird der
Durchschnittswert errechnet, von dem
dann mittels einer Formel die Leistungen abgeleitet werden.
Die Sozialversicherung ist nicht vermögensabhängig, das heißt, die Leistungen
richten sich nicht nach dem Umfang
anderweitig erzielter Einkünfte oder
dem
Privatvermögen des Antragstellers.
Dennoch begünstigt die Formel
Arbeitnehmer mit geringerem Einkommen
aufgrund der Annahme, daß sie nicht
wie höhere Einkommensgruppen über finanzielle Mittel verfügen, um ihre
Sozialleistungen aufzubessern.

Finanzierung
Um die gegenwärtig gewährten Leistungen beibehalten und in den nächsten
Jahren neue finanzieren zu können,
mußte der Kongreß die - jeweils zur
Hälfte von Arbeitgeber und Arbeitnehmer gezahlte - Lohnsummensteuer erhöhen. Die von Arbeitgeber und Arbeitnehmer jeweils auf ein Jahreseinkommen unter 3 000 Dollar gezahlte Lohnsummensteuer ist von 1 Prozent seit
der Einführung des Programms 1937 auf
7,51
Prozent
für Einkommen
unter
48 000 Dollar im Jahr 1989 (einschließlich
1,45
Prozent
für
MEDICARE-KrankenhausVersicherung) gestiegen. Das ergibt einen maximalen
Arbeitgeber/Arbeitnehmeranteil
von
jährlich 7 210 Dollar. Ein selbständiger Erwerbstätiger muß 13,2 Prozent
seines Einkommens unter 48 000 Dollar

als
Sozial Versicherungsbeitrag
entrichten und damit einen etwas geringeren Satz, als er und sein Arbeitgeber in einem Angestelltenverhältnis
zu zahlen hätten.
Diese Einnahmen werden zusammen mit
geringfügigen durch die Besteuerung
einiger
Sozialleistungen
erzielten
Einkünften in vier einzelnen Treuhandfonds
unabhängig
von
anderen
staatlichen Konten verwaltet.
Die
nicht zur Zahlung unmittelbarer Leistungen
und
Verwaltungsaufwendungen
benötigten Mitteln werden in Staatsanleihen der Vereinigten Staaten angelegt, wobei durch Zinsgewinne wiederum Einnahmen erzielt werden.

Rückgang
bürgern

der Armut

bei

älteren

Mit-

Heute haben 130 Millionen Amerikaner
sozialversicherungspflichtige
Arbeltsplätze, und
1989 werden 38,9
Millionen Menschen daraus Leistungen
im Umfang von 228 Milliarden Dollar
in Anspruch nehmen.
Die Sozialversicherungszahlungen werden in diesem
Jahr etwa 27 Millionen Rentnern und
ihren Ehepartnern, 5,3 Millionen Witwen, 3,5 Millionen
berufsunfähigen
Arbeitnehmern und ihren Ehepartnern
und 3,2 Millionen Kindern pensionierter, verstorbener oder arbeitsunfähiger Arbeitnehmer gewährt.
Untersuchungen haben ergeben, daß die
Sozialversicherung
für die meisten
Amerikaner im Ruhestand die wichtigste Einkommensquelle
ist.
Bei 62
Prozent der über 65jährigen macht sie
wenigstens die Hälfte des verfügbaren
Einkommens aus. bei 26 Prozent sind
es 90 Prozent, und für 15 Prozent der
älteren Mitbürger ist sie einzige
Einkommensquelle.
Ein Drittel aller
sozialversicherten Rentner hat eine
private Altersversorgung von durchschnittlich
260
Dollar
im Monat.
Darüber hinaus erhalten viele Pensionäre zusätzliche Leistungen in Form
von Steuerfreibeträgen, Fahrpreisermäßigungen, preiswerter medizinischer
Versorgung und Rabatt für Nahrungs-

- 3 -

�und Arzneimittel.
über die Hälfte der 124 Millionen zivilerwerbstätigen
Amerikaner
haben
eine private Altersversorgung, die im
Falle des Ruhestands oder der Berufsunfähigkeit des Arbeitnehmers eine
monatliche Rente zahlt. Diese Leistungen werden zusätzlich zu den Versicherungsleistungen der Bundesregierung oder der Einzelstaaten gewährt.
Heute gibt es in den Vereinigten
Staaten mehr als 1,7 Millionen private Altersversicherungspläne mit einem
Gesamtvermögen von über 1,6 Milliarden Dollar.
Die Beteiligung, Mitgliedsbedingungen und Leistungen weichen stark voneinander ab. Ihre Mitglieder arbeiten in der Regel in großen Privatunternehmen und haben höhere Einkommen als Nichtmitglieder.
Im Jahr 1987 erhielten mehr als neun
Millionen Amerikaner und ihre Familien Leistungen aus einer privaten Rentenversicherung, einschließlich einmaliger Zahlungen, im Gesamtumfang
von 117,4 Milliarden Dollar.
Wenn man die Bezüge aus allen Quellen
zusammenrechnet - Rente, Ersparnisse,
Gewinne aus Investitionen und Teilzeitarbeit - ergibt sich für einen
etwa 65jährigen Amerikaner für 1985
ein mittleres Einkommen von 11.833
Dollar. Im gleichen Jahr bewohnten
13,8 Millionen oder 73,2 Prozent aller Haushalte mit einem Haushaltsvorstand in diesem Alter ihr eigenes
Haus.
Der amerikanische Verband der Ruheständler hält der Sozialversicherung
zugute, daß sie mehr geleistet hat,
um ältere Amerikaner vor Armut zu bewahren als jede andere Einzel initiative.
Dem Statistischen Bundesamt
der Vereinigten Staaten zufolge lag
der Anteil der über 65jährigen Amerikaner, die 1959 - bei Einführung dieser Statistik - an oder unter der offiziellen "Armutsgrenze" lebten, bei
33,1 Prozent und war damit doppelt so
hoch wie für den Rest der Bevölkerung. Bis 1987 fiel die Zahl auf 12,
2 Prozent und war damit nur noch halb

so hoch wie für den Rest der Bevölkerung. Die Armutsgrenze lag 1987 für
einen über 65jährigen bei 5 447 Dollar (sie ist etwas niedriger als bei
einem unter 65jährigen).
Eine ähnliche Untersuchung der Forschungsabteilung des Kongresses kam
vor einigen Jahren zu dem Schluß, daß
die an ältere Mitbürger gezahlten
Leistungen der Bundesregierung "der
Hauptgrund" für den allgemeinen Rückgang der Armutsgrenze bei den über
65jährigen ist. Der Untersuchung zufolge war die Sozialversicherung "am
wirkungsvollsten".

�Alleinstehender Rentner über 65

537 Dollar

Rentnerehepaar, beide mit Rentenanspruch

921 Dollar

Hinterbliebener mit zwei Kindern

1 112 Dollar

Witwe oder Witwer im Rentenalter

492 Dollar

Erwerbsunfähiger mit Familie

943 Dollar

Erwerbsunfähiger, alleinstehend

529 Dollar

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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Mosbacher: verstärkte Kontrolle für Chemieexporte&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede des U.S.-Handelsministers &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Präsident Bushs Proklamation zum Tag der Deutsch-Amerikaner 1989&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Bush würdigt bundesdeutsche Unterstützung für die DDR-Flüchtlinge&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Ansprache des Präsidenten zum Tag der Deutsch-Amerikaner&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrund&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Sozialversicherung; Grundlage des "Sozialen Netzes" in den USA&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erster von fünf Artikeln zum amerikanischen Sozialwesen &lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST
'VON**

4. Oktober 1989
v

t

DIE SOWJETISCHE MILILTÄRMACHT 1989

- Achte Dokumentation des amerikanischen Verteidigungsminister!ums -

P
-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�WASHINGTON - (AD) - Das amerikanische Verteidigungsministeriuli) hat am 26.
Septemher 1989 eine 53seitige Zusammenfassung der achten Dokumentation über
die sowjetische Militärmacht veröffentlicht.

Im folgenden bringen wir wesentliche Auszüge aus der Zusammenfassung.

Die
sowjetische
Militärmacht
1989
analysiert die Gegebenheiten,
unter denen sich der Wandel in der
Sowjetunion vollzieht sowie die Auswirkungen
dieser Veränderungen auf
die militärischen Fähigkeiten der Sowjetunion
und
das
militärische
Gleichgewicht zwischen Ost und West.
Generalsekretär Gorbatschow hat weitreichende Initiativen im Bereich der
Innen-, Außen- und Militärpolitik ergriffen, die einen entscheidenden Umschwung in der Strategie und Taktik
zur
Verwirklichung
der
nationalen
Ziele bedeuten.
Obwohl die Vereinigten
Staaten
die Evolution der Sowjetunion zu einer offeneren Gesellschaft und einer
Sowjetunion, die sich offenkundig de-

mokratischen Prinzipien verschreibt,
ermutigen, können sie nicht einseitig
auf sowjetische Initiativen reagieren, die noch in die Tat umgesetzt
werden müssen oder auf Vorschläge,
die - falls realisiert - leicht revidiert werden können.
Trotz Gorbatschows erklärter Verpflichtung zu einer defensiven Militärdoktrin fährt die Sowjetunion beispielsweise mit der Modernisierung
ihrer Streitkräfte und der Verbesserung ihrer Fähigkeiten fort.
Obwohl
einige Einheiten und Gerät aus Osteuropa abgezogen wurden, ist die Sowjetunion tatsächlich nach wie vor
die größte Militärmacht der Welt,
selbst wenn die von Generalsekretär
Gorbatschow versprochenen einseitigen

�Reduzierungen durchgeführt werden.
Generalsekretär Gorbatschow hat
darüber hinaus bekanntgegeben, daß
die Sowjets ihren Verteidigungshaushalt in den nächsten zwei Jahren um
14,2 Prozent kürzen werden.
Seit
1985 wurden die sowjetischen Verteidigungsausgaben jedoch in realen Zahlen um durchschnittlich 3 Prozent pro
Jahr aufgestockt, dagegen nahm der
amerikanische
Verteidigungshaushalt
im gleichen Zeitraum in realen Zahlen
um über 11 Prozent ab. Infolgedessen
sehen sich die Vereinigten Staaten
und ihre Verbündeten nach wie vor mit
sehr umfangreichen, modernen konventionellen Land-, See- und Luftstreitkräften
sowie
mit
hervorragenden
strategischen und kriegsschauplatzgebundenen Nuklearstreitkräften der Sowjetunion konfrontiert.
Das herausragendste Merkmal der
sowjetischen Militärmacht heute ist
das außerordentliche Tempo, mit dem
sie ihre offensiven Nuklearstreitkräfte modernisiert.
Die Sowjets
stationieren die neuen silogestützten
schweren ICBMs des Typs SS-18 Mod 5.
Diese SS-18 sind jeweils mit mindestens zehn nuklearen Gefechtsköpfen
bestückt, sie verfügen über größere
Zielgenauigkeit und Nutzlast als frühere Versionen und verbessern die Fähigkeit der strategischen Raketenstreitkräfte zur Zerstörung gehärteter Ziele wie amerikanische ICBM-Silos.
Während die Vereinigten Staaten
noch mit der Entscheidung für eine
mobile Raketenstreitmacht und ihre
Finanzierung kämpfen, setzen die Sowjets die Stationierung der fünften
Generation mobiler ICBMs fort - rund
170 straßenmobile SS-25-Raketen und
etwa 18 schienenmobile SS-24, die mit
zehn Nukleargefechtsköpfen bestückt
sind. Die Stationierung dieser Systeme in großer Zahl hat die Überlebensfähigkeit der strategischen Raketenstreitkräfte der Sowjetunion beträchtlich erhöht.
Im vergangenen Jahr haben die Sowjets ferner die Zahl ihrer atomge-

triebenen BFK-U-boote (SSBN) erhöht,
indem sie die jeweils sechste Einheit
von U-Booten der TYPHOON- und DELTA
IV-Klasse vom Stapel gelassen haben.
Die bemannte
strategische Bomberstreitmacht der Sowjetunion disloziert weiterhin neue operative Einheiten der tfberschallbomber BEAR H
und BLACKJACK als Abschußplattformen
für ihre luftgestützten Marschflugkörper mit 3 000 Kilometern Reichweite.
Obwohl die Sowjets einseitig einige der NATO gegenüberstehende Landstreitkräfte abziehen, setzen sie die
Reorganisation und Modernisierung ihrer
Mehrzweck-Einsatzgruppe
fort,
verbessern die Führungs- und Fernmeldeeinrichtungen für diese Streitkräfte und betreiben Forschung und Entwicklung zukünftiger Generationen von
Waffensystemen.
Die Modernisierung der sowjetischen Landstreitkräfte wird im gleichen Tempo fortgesetzt, wobei die
Panzerproduktion weiterhin an erster
Stile steht.
Moderne sowjetische
Panzer wie der T-64, T-72 und T-80
werden den Streitkräften in solchen
Mengen zur Verfügung gestellt, daß
sie in weniger als zwei Jahren die
von den Sowjets angekündigten Panzerreduzierungen in Osteuropa mehr als
ausgleichen werden. Auch die sowjetischen Luftstreitkräfte werden weiterhin modernisiert, obwohl der Austausch älterer Systeme durch neuere,
leistungsfähigere Flugzeuge wie die
Su-27 FLANKER und Mig-31 FOXHOUND generell im Verhältnis von unter 1 zu 1
stattfindet.
Trotz der Verschrottung einiger
veralteter
Unterseeboote
hat
die
UdSSR eine zweite Fertigungsstraße
für die Produktion des atomgetriebenen und mit Marschflugkörpern bestückten Unterseeboots der AKULAKlasse eingerichtet.
Während das
Tempo
sowjetischer
Stationierungen
außerhalb des BUndnisgebiets abgenommen hat, wurde die sowjetische Flotte
um neue, größere Uberwasserkriegsschiffe - wie die Lenkwaffenzerstörer
der UDALOY- und SOVREMENNYY-Klasse,

- 2 -

�einen nukleargetriebenen Kreuzer der
KIROV-Klasse und einen Flugzeugträger
der KIEV-Klasse - erweitert. Bei den
sowjetischen Initiativen zur Reduzierung der Seestreitkräfte bleiben die
beiden neuen, gegenwärtig in der Ausrüstungsphase befindlichen Flugzeugträger der TBILISI-Klasse mit einer
Wasserverdrängung von 65 000 Tonnen
ebenso unerwähnt wie die Tatsache,
daß in Nikolajew bereits ein weiterer
Flugzeugträger auf Kiel gelegt worden
ist.
Es liegt daher auf der Hand, daß
trotz der dramatischen Veränderungen,
die sich in der Sowjetunion vollziehen und wohlmeinender Absichtserklärungen der sowjetischen Führungsspitze gegenüber den westlichen Demokratien die sowjetischen militärischen
Fähigkeiten nach wie vor eine große
Bedrohung unserer Sicherheit darstellen. Wir sollten Moskau ermutigen,
weiterhin eine Politik zu verfolgen,
die Pluralismus im In- und internationale Stabilität im Ausland fördert. Noch wichtiger sind jedoch unsere
kontinuierliche
Unterstützung
der erfolgreichen Strategie des Bündnisses und unsere gemeinsamen Sicherheitsbestrebungen, die sich auf eine
starke
militärische
Abschreckung
gründen, bis die Sowjets ihre Streitkräfte auf erheblich niedrigere Niveaus reduziert haben. Um die Erklärung der Staats- und Regierungschefs
der NATO beim Gipfeltreffen im Mai
1989 in Brüssel zu zitieren: "Friede
muß geschaffen werden; er ist nicht
selbstverständlich.
Das
erheblich
verbesserte politische Klima zwischen
West und Ost eröffnet Aussichten auf
einen stabilen und dauerhaften Frieden, aber die Erfahrung lehrt uns,
daß wir wachsam bleiben müssen."

Die sowjetische Verteidigungspolitik
- Strategie und Struktur
Militärpolitik
Die
politisch
Verantwortlichen
haben ein neues "vernünftiges und
ausreichendes Niveau" oder "ausrei-

chende Verteidigung" zur Bewertung
der sowjetischen Streitkräfte sowie
die neue Doktrin der "defensiven Verteidigung" für militärische Operationen vorgeschlagen. Die Interpretation dieser Prinzipien bleibt jedoch
umstritten und bietet breiten Raum
für Spekulationen bezüglich der zukünftigen Zusammensetzung der sowjetischen Streitkräfte.
Im Generalstab wird häufig der
Begriff der "ausreichenden Verteidigung" verwendet, um damit die Aufrechterhaltung einer offensiv ausgerichteten Verteidigungsfähigkeit zum
Ausdruck zu bringen, die durch offensive Gegenoperationen in der Tiefe
des gegnerischen Territoriums zu dessen Niederlage führen würden. Im Gegensatz dazu befürworten Gorbatschows
zivile Berater das Prinzip eines
"vernünftigen und ausreichenden Niveaus", das ihrer Ansicht nach die
Strukturierung der Streitkräfte für
eine defensiv ausgerichtete Verteidigung im strategischen und operativen
Bereich
beinhalten
würde.
Damit
könnten ein Aggressor zurückgeschlagen, aber Offensivoperationen auf
gegnerischem
Gebiet
ausgeschlossen
werden.
Die Debatte wird in Gorbatschows
Einbeziehung des "Konzepts zur Verhinderung eines Krieges" in die sowjetische
Militärdoktrin
ersichtlich. Obwohl die Sowjets erklärt haben, daß sie die Verhinderung eines
Krieges als vorrangig erachten, muß
das Konzept noch im Hinblick auf
Strategie
und
Streitkräftestruktur
definiert werden.
Der Generalstab
hofft, diesen Prozeß mit dem Ziel zu
beeinflussen, die Fähigkeiten für eine offensiv ausgerichtete Verteidigung aufrechtzuerhalten.
Ein weiterer Streitpunkt ist der
Vorschlag, eine parlamentarische Aufsicht über Entscheidungen im militärischen und außenpolitischen Bereich
einzuführen. Bis heute war die Formulierung der nationalen Sicherheitspolitik in höchstem Maße zentralisiert, wobei den Militärexperten Vor-

- 3 -

�schlage zur Mannschaftsstärke und Optionen vorbehalten waren. Der sowjetische
Außenminister
Schewardnadse
hat öffentlich ein Verfahren befürwortet, mit dem die wichtigsten Entscheidungen im Bereich der Sicherheit
(darunter der Einsatz sowjetischer
Kampftruppen im Ausland, die Verteidigungspläne und der Verteidigungshaushalt) vorbehaltlich der Zustimmung durch die Kommissionen des Obersten Sowjets getroffen werden sollen.
Obwohl das Ergebnis von Diskussionen über Militärdoktrin und politische
Verfahrensweisen
letztlich
entscheidende Auswirkungen auf die
sowjetische Militärmacht haben könnte, werden diese Auswirkungen nur
dann ersichtlich, wenn sie Umfang und
Charakter der stationierten sowjetischen Streitkräfte verändern.

Kürzung der Militärausgaben und Verhandlungen
Im vergangenen Jahr kündigten die
sowjetischen Machthaber Kürzungen der
Militärausgaben und bei den stationierten Streitkräften der Sowjetunion
an. Damit sind die Auswirkungen von
Gorbatschows Initiative zur sowjetischen Miitärmacht nicht länger Spekulation, sondern erklärte Politik. Es
handelt sich jedoch noch nicht um eine vollendete Tatsache, und bezüglich
des Art der versprochenen Reduzierungen bleiben etliche Unsicherheitsfaktoren bestehen.
In seiner Rede vor den Vereinten
Nationen im Dezember 1988 gab Gorbatschow bekannt, daß in den kommenden
zwei Jahren Reduzierungen bei mehreren sowjetischen Gerätkategorien und
bei der Gesamtzahl der sowjetischen
Streitkräfte vorgenommen werden, einschließlich des Abzugs von sechs Panzerdivisionen und 5 000 Panzern aus
Osteuropa.
Anfang des Jahres 1989
verkündete Gorbatschow, die sowjetischen
Verteidigungsausgaben
würden
bis 1991 um 14,2 Prozent gekürzt.
Darüber hinaus haben die Sowjets ausgehandelte Reduzierungen bei den kon-

ventionellen Streitkräften in Europa
vorgeschlagen und damit im Prinzip
dem Gedanken eines Gleichstands zwischen den Streitkräften der NATO und
des Warschauer Pakts zugestimmt.

Neues Denken in der Außenpolitik
Auch die sowjetischen Diskussionen über die allgemeinen Ziele und
den bei ihrer Außenpolitik verfolgten
Ansatz waren in den vergangenen Jahren von Innovationen gekennzeichnet.
Die im Westen größte Hoffnungen wekkenden Erklärungen gingen so weit,
den Verzicht auf "jegliche Bedrohung
oder den Einsatz von Macht und Einmischung in die inneren Angelegenheiten
anderer Staaten unter jedem möglichen
Vorwand" anzukündigen. In seiner Rede vor den Vereinten Nationen sprach
Gorbatschow über die "vielfältigen
Optionen gesellschaftlicher Entwicklungen in den einzelnen Ländern" und
erklärte, "der Einsatz von Bedrohung
oder Macht kann und darf nicht länger
ein Instrument der Außenpolitik sein".
Eine Befolgung dieser Prinzipien
würde eine radikale Abkehr von der
bisherigen Politik der Sowjetunion
gegenüber Osteuropa und den anderen
Ländern erforderlich machen. Der sowjetische Rückzug aus Afghanistan,
die Unterzeichnung des INF-Vertrags
sowie die Bereitschaft zu Verhandlungen
über
einen
konventionellen
Gleichstand in Europa berechtigen zu
Hoffnungen, daß die Sowjets tatsächlich ihre Sicherheitspolitik überdacht haben.
Eine Veränderung im Denken an
sich ist nicht zuverlässig nachprüfbar und kann durch noch neueres Denken überholt werden. Darüber hinaus
erfordert es Zeit, bis greifbare Auswirkungen des "neuen Denkens" bei den
sowjetischen
Streitkräften
spürbar
werden. Sollten die Sowjets eine Politik verfolgen, die tatsächlich auf
den Einsatz von Macht außer zur
Selbstverteidigung verzichtet, müßten
sie sehr viel umfangreichere Reduzierungen des sowjetischen Militärs vor-

�nehmen als bisher versprochen.
Die sowjetische Außenpolitik
Unter Gorbatschow hat die UdSSR
eine Außenpolitik verfolgt, die offensichtlich auf eine Erweiterung sowjetischer Kontakte und Einflußnahme
auf eine Vielzahl von Ländern abzielt
und gleichzeitig ihre regionalen Vasallenstaaten von einem Konfrontationskurs entmutigt.
Im Jahr 1989
gaben China und die UdSSR beispielsweise die Normalisierung der chinesisch-sowjetischen Beziehungen sowie
den Abzug des Großteils der sowjetischen Truppen aus der Mongolei bekannt.
Bei demselben Gipfeltreffen
erörterten Funktionäre beider Parteien die beschleunigte Beendigung der
chinesisch-sowjetischen
Grenzstreitigkeiten und der Besetzung Vietnams. In Afrika spielten die Sowjets
eine hilfreiche Rolle bei der erfolgreichen, von den Vereinigten Staaten
vermittelten Schlichtung, die zum Abzug ausländischer Truppen aus Angola
und der Unabhängigkeit von Namibia
führte. In dem Maße, in dem diese
Initiativen eine Umkehr der sowjetischen Außenpolitik in Richtung auf
stille Diplomatie, verbesserte politische Beziehungen und den Abbau regionaler
Spannungen
widerspiegeln,
stehen sie im Einklang mit dem kürzlich von sowjetischen Regierungsvertretern verkündeten "neuen Denken" in
auswärtigen Angelegenheiten.
Obwohl das sowjetische Verhalten
in gewisser Weise eine gemäßigtere
Außenpolitik belegt, müssen Versprechungen eines radikalen Umbruchs in
den Ost-West-Beziehungen mit Vorsicht
genossen werden. Erstens kommen die
neuen sowjetischen Initiativen nicht
der Abkehr vom langfristigen Ziel der
Sowjetunion gleich, "das Streitkräftegleichgewicht" zu ihren Gunsten zu
verlagern.
Die UdSSR wird voraussichtlich weiterhin eine Ausweitung
ihrer Macht und ihres Einflusses auf
Kosten des Westens durch Diplomatie,
Wirtschafts- und Militärhilfe sowie

Unterstützung von den westlichen Interessen feindlich gesonnenen Bewegungen und Regime anstreben.
Beispielsweise hat die UdSSR einheimischen "nationalen Befreiungsbewegungen" ihre Unterstützung nicht versagt, obwohl die Unterstützung linksgerichteter Rebellen weltweit jetzt
indirekter und verdeckter erfolgen
könnte, wobei ein Großteil der Hilfe
über die sowjetischen Vasallenstaaten
geleistet wird. Ferner hat das "neue
Denken" Gorbatschow nicht davon abgehalten, die Militärhilfe an Nicaragua
von 280 Millionen Dollar im Jahr 1985
auf über 500 Millionen im Jahr 1988
aufzustocken. Darüber hinaus werden
Militärhilfe und Waffenverkäufe mit
Blick auf harte Devisen und regionalen politischen Einfluß weiterhin die
sowjetischen Beziehungen zu vielen
Entwicklungsländern beherrschen.
Zweitens zielen die sowjetischen
RUstungskontrollinitiativen zumindest
zum Teil auf eine Schwächung der
NATO, Verschärfung amerikanisch-europäischer Spannungen sowie die Unterhöhlung westlicher Militärprogramme
ab, während sie gleichzeitig die geplante Modernisierung und Entwicklung
der sowjetischen Streitkräfte schützen sollen.
Drittens
hat
der
sowjetische
Wunsch nach Abbau der Handelshemmnisse und größerer wirtschaftlicher Zusammenarbeit mit dem Westen teilweise
zum Ziel, den Zugang zu westlicher
Technologie und Finanzkrediten zu sichern, die ihnen bis heute verweigert
wurden.
Viertens sind die von Generalsekretär Gorbatschow angekündigten außenpolitischen Veränderungen Teil eines umfassenderen Programms politischer und wirtschaftlicher Reformen,
deren Erfolg in keiner Weise sichergestellt ist. Praktisch alle politischen Veränderungen könnten rückgängig werden, insbesondere wenn ein
Scheitern
von
Gorbatschows
Wirtschaftspolitik zu einer innenpolitischen Krise für das derzeitige Regime
führen könnte.

�Schließlich
ist es ungeachtet
wohlmeinender sowjetischer Erklärungen praktisch unmöglich, die sowjetischen Absichten auf lange Sicht genau
zu beurteilen. Noch gilt als sicher,
ob und in welchem Umfang die von Gorbatschow eingeleiteten jüngsten außenpolitischen Initiativen von seinen
möglichen Nachfolgern weitergeführt
werden.

Sowjetische Verbündete und Vasallen
Die sowjetische Politik des "neuen Denkens" und der Perestrojka hat
bei einigen osteuropäischen Machthabern und linksgerichteten Vasallenstaaten der Sowjets ein gewisses Unbehagen hervorgerufen, die für sie
ein Hindernis bei der Verwirklichung
ihrer eigenen innenpolitischen und
regionalen Ziele bedeutet.
Einige
osteuropäische
Politiker
sehen in
Gorbatschows Politik eine gefährliche
Freisetzung
latenter
nationalistischer Gefühle und Forderungen nach
größerer Freiheit und Konsumgütern,
während diese Politik für die sowjetischen Verbündeten und Vasallen in
der dritten Welt einer Bedrohung einheimischer Revolutionen, nationalistischer Interpretationen des Marxismus-Leninismus sowie der anhaltenden
politischen und militärischen Unterstützung
durch
die
Sowjetunion
gleichkommt.

Osteuropa
Während einige Formulierungen des
sowjetischen "neuen Denkens" über internationale Beziehungen die bisherige Politik gegenüber Osteuropa offensichtlich in Frage stellen, scheinen
die Sowjets entschlossen, ihre politische Vormachtstellung gegenüber den
Warschauer Pakt-Staaten aufrechtzuerhalten.
Moskau verfolgt im Hinblick auf
Osteuropa mehrere Ziele:
größeren Zusammenhalt und
lebensfähigkeit des Blocks;

Über-

verbesserte wirtschaftliche Integration;
ein akzeptables Niveau der Verteidigungsausgaben
sowie
die
Stärkung des politischen Apparats
des Pakts;
Bewahrung der Machtbefugnis der
kommunistischen Partei in allen
Ländern und
kontinuierliche Unterstützung der
sowjetischen Außenpolitik.
Die UdSSR strebt als Weg zu verbesserten Wirtschaftsleistungen Osteuropas langfristig die Erhöhung der
Sicherheit an. Ungeachtet von Moskaus Wunsch nach Gemeinschaftsunternehmen mit dem Westen und der dringenden Notwendigkeit zur Beschaffung
westlicher Technologie wird Osteuropa
weiterhin der Hauptlieferant für Industrieteile und Konsumgüter bleiben. Tatsächlich versuchen die Sowjets, größere Integration unter den
Mitgliedern des Rats für Gegenseitige
Wirtschaftshilfe zu fördern. Dennoch
machen sich die gleichen in der UdSSR
zu
beobachtenden
Anzeichen
wirtschaftlichen Versagens in nahezu allen Ländern Osteuropas bemerkbar:
lange Schlangen von Verbrauchern stehen an, um schäbige Ausschußware zu
kaufen, die Umweltverschmutzung nimmt
überhand, Fabriken und Fertigungsprozesse sind veraltet, die Grundnahrungsmittel knapp, und all dies wird
noch durch die massive Auslandsverschuldung Polens und Ungarns und die
nur unwesentlich geringere Verschuldung anderer Länder verschärft. Einige Osteuropäer haben seit 40 Jahren
immer wieder versucht, Wirtschaftsreformen durchzuführen - zum Beispiel
Gomulka in Polen im Jahr 1956, Gierek
im Jahr 1970 und Kania im Jahr 1980 mit geringem Erfolg, vor allem da
wirtschaftlicher Wandel für gewöhnlich den sowohl für Moskau als auch
die anderen kommunistischen Machthaber inakzeptablen Versuch zu politischen Veränderungen beinhaltete oder
dazu führte. Dennoch lockern die politisch Verantwortlichen in Polen,

�Ungarn und der Tschechoslowakei die
Wirtschaftskontrollen erneut und gewähren größere politische Freiheit,
obwohl sie bei jedem Schritt Moskaus
Reaktion im Auge behalten. Die Sowjets haben den Osteuropäern jedoch
keinen definitiven Anhaltspunkt gegeben, wie weit sie gehen können.
Die
größtenteils
konservative
Führung in anderen osteuropäischen
Ländern, insbesondere der DDR und Rumänien, wollen wenig oder keine Veränderungen aus Angst, sie würden ihren Sturz bewirken. Die sowjetische
Herausforderung hier wird darin bestehen, wirtschaftliche und politische Reformen ohne eine Gefährdung
der kommunistischen Herrschaft zu ermutigen.
Trotz einiger beachtlicher Veränderungen in den Beziehungen zwischen
der Sowjetunion und ihren osteuropäischen Verbündeten war die durch den
Prager Frühling ausgelöste Invasion
der Tschechoslowakei im Jahr 1968 eine Handlung Breschnews, die Gorbatschow nicht verurteilt hat. Obwohl
die Sowjets versprochen haben, die
"ungeschriebenen Seiten" in der sowjetisch-osteuropäischen
Geschichte
anzusprechen - und sogar indirekt zugegeben haben, daß die sowjetiche Geheimpolizei
für das Massaker an
10 000 polnischen Offizieren in Katyn
verantwortlich war - ist noch keine
Bestandsaufnahme des Prager Frühlings
oder seiner Folgen vorgenommen worden.
Im August 1988 wurden Demonstrationen zum Gedenken an den Prager
Frühling in Moskau und Prag gewaltsam
durch die sowjetische und tschechoslowakische Polizei aufgelöst und die
offizielle Haltung in beiden Ländern
lautet immer noch, der Prager Frühling sei eine durch westliche Provokation angestiftete, außer Kontrolle
geratenene Situation gewesen, die eine Invasion der Pakt-Staaten rechtfertigte. In seiner Rede vor dem Europarat im Juli 1988 erklärte Gorbatschow: "Jegliche Einmischung in innere Angelegenheiten . .. , jeder Versuch die Souveränität von Staaten zu
- 7

begrenzen ..., ist unzulässig." Er
stellte jedoch auch fest, daß "die
Überwindung
der
Teilung
Europas"
nicht als ein Mittel "zur Überwindung
des Sozialismus" verstanden werden
sollte, was "einen Konfrontationskurs, wenn nicht noch Schlimmeres"
bedeuten würde.

Die sowjetische Regionalpolitik
Die Atlantische Gemeinschaft
Für Moskau bestand seit jeher ein
fundamentales strategisches Ziel in
der Abkoppelung der Vereinigten Staaten von ihren westlichen Verbündeten. Trotz der hohen Priorität, die
Gorbatschow den amerikanisch-sowjetischen Beziehungen beimißt, ist Westeuropa nach wie vor ein Hauptschwerpunkt der sowjetischen Außenpolitik.
Eines der bevorzugten Themen des
Kremls ist die Notwendigkeit, ein
"gemeinsames Haus Europa" zu bauen,
das die Sowjetunion einbezieht. Verweise auf dieses Thema - ein Manöver,
das unter anderem dazu dient, die
Bindungen
innerhalb
der NATO zu
schwächen - zielen darauf ab, die Befürchtungen des Westens bezüglich sowjetischer Aggression zu zerstreuen
und die westeuropäische Unterstützung
für die NATO und für Verteidigungsausgaben zu lähmen.
Wirtschaftlich
hat Gorbatschow das Thema Gemeinsamkeit für Appelle zu erweiterter Zusammenarbeit benutzt und den Wunsch
der UdSSR nach verstärktem Ost-WestHandel, ungebundenen westlichen Krediten sowie der Lockerung von Restriktionen beim Technologietransfer
in den Ostblock unterstrichen.
Die Sowjets nutzen die durch den
INF-Vertrag in Bewegung geratene Situation, um auf weitere Rüstungskontrollmaßnahmen in Westeuropa zu drängen. Während des Besuchs von Bundeskanzler Helmut Kohl in Moskau im Oktober 1988 brachte Gorbatschow seine
Ablehnung gegenüber dem NATO-Plan zur
Modernisierung ihrer in der Bundesrepublik
Deutschland
stationierten

�Kurzstreckensysteme zum Ausruck. Die
sowjetische Ankündigung, 500 taktische Nukleargefechtsköpfe abzuziehen,
wurde zweifelsohne in der Absicht abgegeben, die Meinungsverschiedenheiten innerhalb der NATO auszunutzen.
Darüber hinaus befürworten die Sowjets die Errichtung eines 300 Kilometer breiten Korridors in Mitteleuropa, der frei von nuklearen oder
chemischen Waffen sein soll und sowohl die Bundesrepublik als auch die
DDR einbezieht.
Während seines Besuchs in Dänemark im September 1988 führte Außenminister Schewardnadse Gorbatschows
Rede in Murmansk vom Oktober 1987
weiter aus, die eine Reihe von Vorschlägen zur nordeuropäischen Sicherheit und wirtschaftlichen Zusammenarbeit enthielt. Er schlug den Austauschbesuch von Kriegschiffen vor,
würdigte die in Dänemark und im übrigen Europa zur "nichtoffensiven Verteidigung" betriebene Forschung und
unterstützte Gorbatschows Konzept eines
"gemeinsamen
Hauses
Europa".
Schewardnadse
forderte
umfassende
wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen der UdSSR und den nordeuropäischen Staaten, mit allem, was solche
Zusammenarbeit für sowjetischen Zugang zu moderner Technologie bedeutet.
Bei einer Pressekonferenz in
Kopenhagen
stellte
Schewardnadse
fest, die vom Koordinierungsausschuß
für
ost-westliche
Handelspolitik
(COCOM) herausgebene Liste vom Export
in den Ostblock ausgeschlossener Produkte solle gekürzt werden, um den
Geist der Zusammenarbeit zwischen Ost
und West zu fördern.

Zusammenfassung
Die neue öffentliche Betonung von
Zusammenarbeit und Verhandlungen in
der sowjetischen Außenpolitik dient
einer Reihe von Zielen. Die Sowjets
hoffen wahrscheinlich, ihre Interessen und ihren Einfluß zu erweitern
und Unterstützung für Initiativen wie
Rüstungskontrolle und regionale Entnuklearisierung, besseren Zugang zu

modernen Technologien und zusätzliche
Wirtschaftschancen
zu
erhalten.
Schewardnadse hat eingeräumt, daß die
Aktivitäten der Sowjetunion in der
dritten Welt die Ost-West-Beziehungen
beeinflussen (zuvor hatte Moskau dieses "Junktim" zurückgewiesen). Die
wirtschaftlichen Kosten des sowjetischen Engagements in der dritten Welt
könnten auch zugunsten von Verhandlungen oder Zurückhaltung sprechen.
Darüber hinaus könnte eine weniger
provokative sowjetische Politik eine
Atmosphäre schaffen, in der die amerikanischen Verbündeten den Nutzen
der amerikanischen Militärpräsenz in
den jeweiligen Regionen in Frage
stellen.
Trotz des sowjetischen Anliegens,
nicht länger als Bedrohung sondern
als zur Zusammenarbeit bereit angesehen zu werden, hängt die von der Sowjetunion verfolgte Politik in hohem
Maße von den Umständen, Chancen und
der Politik anderer Länder ab.

Mittelvergabe für militärische Zwekke
Die sowjetischen Militärausgaben
Die Fortsetzung der traditionellen Mittelvergabe für militärische
Zwecke spiegelt sich in westlichen
Schätzungen der Militärausgaben unter
Gorbatschow wider, die belegen, daß
der gesamten militärische Kostenapparat seit 1985 in realen Zahlen um etwa 3 Prozent pro Jahr gestiegen ist.
Die Ausgaben für Forschung und Entwicklung
sowie
RUstungsbeschaffung
haben in erster Linie zu der Kostenexplosion beigetragen.
Diese Zuwachsrate ist etwas höher als Anfang
der achtziger Jahre, obwohl sie offensichtlich keine Veränderung bei
den Verteidigungsausgaben unter Gorbatschow bedeutet. Der Zuwachs ist
vielmehr größtenteils auf die Einführung oder beschleunigte Produktion
einiger neuer Waffensysteme zurückzuführen, die sich bereits im Entwicklungsstadium
befanden, als Gorbatschow sein Amt antrat.
8 -

�Alle wichtigen Waffensysteme erhalten weiterhin umfangreiche Finanzierung.
Historisch gesehen haben
die Sowjets den größten Teil ihres
Beschaffungsetats für die Landstreitkräfte aufgewendet. Die Ausgaben für
diese Rüstungskategorie hielten sich
unter Gorbatschow auf einem relativ
stabilen, wenn auch hohen Niveau und
gestatteten es dem Militär, die umfassende Modernisierung seiner Landstreitkräfte fortzusetzen.
In der
Zwischenzeit sind die Beschaffungskosten der Seestreitkräfte drastisch
gestiegen, insbesondere bei Mehrzweck-U-Booten und größeren Überwasserkampfschiffen.
Die
steigenden
Kosten für neue Kampfflugzeuge spiegeln ihre technische Vervollkommnung
und Fähigkeiten wider, die ein niedrigeres Produktionsniveau gestatteten. Die Beschaffung taktischer und
strategischer Raketen hat zugenommen,
vor allem aufgrund der erhöhten Produktion von Boden-Luft- und ICBM-Raketen nach dem Tiefstand der Jahre
1984 bis 1986.
Die Sowjets haben in den vergangenen Jahren versucht, einige Militärausgaben zu kürzen. Die sowjetische Marine hat beispielsweise
wahrscheinlich als Reaktion auf sowohl wirtschaftliche als auch operative Erfordernisse - Operationen in
entfernt gelegenen Gebieten reduziert
und
die
Verschrottung
veralteter
U-Boote und Uberwasserschiffe beschleunigt. Berichten in der sowjetischen Militärpresse zufolge erhielten einige Landeinheiten konkrete Anweisung, den Verbrauch von Öl und anderen Ressourcen zu senken. Offensichtlich haben die Sowjets ferner
ihre Bemühungen verstärkt, die Lebensdauer einzelner Waffen zu verlängern. Dennoch werden diese Versuche
zu Einsparungen im militärischen Bereich durch die steigenden Kosten der
sowjetischen Waffenprogramme mehr als
wettgemacht.
Infolgedessen stiegen
die Militärausgaben schneller als das
Wirtschaftswachstum
insgesamt, was
einen Anstieg der Verteidigungslast
bedeutet.

Für
die
Zukunft besteht das
Schlüsselproblem des Westens in der
Frage, inwieweit die jüngsten sowjetischen Erklärungen über Kürzungen
der Militärausgaben zu einer echten
Verlagerung der traditionellen Prioritäten bei der Mittelvergabe für militärische
Zwecke
führen
werden.
Oberflächlich betrachtet sind die sowjetischen Erklärungen Anzeichen einer neuen Bereitschaft, bisher als
geheim eingestufte Daten über militärische Aufwendungen freizugeben und
deuten die Aussicht auf drastische
Veränderungen bei den Militärausgaben
an.
Trotz dieser neuen, zur Schau
gestellten Offenheit sind die sowjetischen Erklärungen weit davon entfernt, auf ihre wirklichen Absichten
schließen zu lassen.
Die Eröffnungssitzung des sowjetischen Kongresses der Volksdeputierten Ende Mai, Anfang Juni 1989 erwies
sich als weitere Gelegenheit für Enthüllungen über Militärausgaben. Zum
ersten Mal legte Generalsekretär Gorbatschow den Gesamtumfang des Militäretats offen, der sich seinen Worten zufolge im Jahr 1989 auf 77,3
Milliarden Rubel belaufen wird. Er
behauptete, die Militärausgaben seien
1987-88 "eingefroren" worden, was zu
einer Einsparung von 10 Milliarden
Rubel geführt habe und schlug "bereits für 1990-91" eine Kürzung des
Militäretats um 14 Prozent vor, was
weiteren 10 Milliarden Rubel entsprechen würde. Ministerpräsident Ryschkow legte den Verteidigungshaushalt
vor, der zum ersten Mal nach solchen
Kategorien
wie
Waffenbeschaffung,
Forschung
und
Entwicklung, Mannschaftsstärke, Operationen und Instandhaltung sowie militärisches Bauwesen aufgeschlüsselt war. Ryschkow
zufolge strebt die UdSSR "bis 1995
eine Kürzung von einem Drittel bis
zur Hälfte des Anteils der Verteidigungsausgaben am nationalen Einkommen
an".
Obwohl die Sowjets betonten, sie
hätten den Verteidigungshaushalt "genauestens und im gesamten Umfang" be-

- 9 -

�rechnet, enthalten ihre Erklärungen
beachtliche Unstimmigkeiten und Diskrepanzen. Obwohl entschieden höher
als jeder zuvor verabschiedete Verteidigungshaushalt, erscheint Gorbatschows Zahl von 77,3 Milliarden Rubel unrealistisch niedrig in Anbetracht der zur Ausrüstung, Instandhaltung und Operation erforderlichen
Ressourcen für eine Streitmacht von
der Größe der sowjetischen.
Diese
Zahl entspricht in etwa der Hälfte
der westlichen Schätzungen Ober die
aktuellen sowjetischen Militärausgaben. Sie beläuft sich auf 9 Prozent
des sowjetischen Bruttosozialprodukts
(BSP), im Gegensatz zu den 15 - 17
Prozent des BSP, das der Westen für
die
sowjetische
Verteidigungslast
schätzt.
Für diesen enormen Unterschied
zwischen den von Gorbatschow für den
Verteidigungshaushalt
angegebenen
Zahlen und den westlichen Schätzungen
könnte es mehrere Gründe geben. Die
Schätzungen
des
Westens
könnten
schlicht und einfach zu hoch liegen.
Alle von westlichen Regierungsbehörden, Statistikern und privaten Forschungsinstituten unabhängig voneinander abgegebenen Schätzungen sind
jedoch entschieden höher als 77,3
Milliarden Rubel.
Darüber hinaus
wurde in einem Presseartikel eines
sowjetischen Wirtschaftswissenschaftlers vom Februar 1989 eingeräumt, es
sei "offensichtlich", daß die Verteidigungsausgaben "weit über 100 Milliarden Rubel pro Jahr betragen".
Ministerpräsident
Ryschkow
verwies
auf eine mögliche Quelle der Unstimmigkeiten, als er nach der detaillierten Aufstellung der Aktivitäten,
aus denen sich ihm zufolge der Verteidigungshaushalt zusammensetzt, zusätzliche Ausgaben in Höhe von 3,9
Milliarden Rubel für Weltraumprogramme für militärische Zwecke getrennt
aufführte. Dies könnte als repräsentativ für mehrere Ausgabenkategorien
gelten, die die Sowjets aus einem eng
ausgelegten
Verteidigungshaushalt
ausgenommen haben könnten.
- 10

Die Rüstungsindustrie
Die im Januar 1989 von Gorbatschow abgegebene Erklärung, die Waffenproduktion würde um 19,5 Prozent
gekürzt, ist ein Anzeichen dafür, daß
die sowjetische Führung zu einer Modifizierung der traditionellen Prioritäten bei der Mittelvergabe kommen
könnte und mehr Ressourcen der Verteidigungsindustrie in die Modernisierung der gesamten Wirtschaftsbasis
leitet. Obwohl der Prozeß eines Abbaus der Waffenproduktion sich voraussichtlich bis weit in die neunziger Jahre erstrecken wird, werden die
Sowjets einen tatsächlichen Produktionsrückgang wahrscheinlich relativ
bald publik machen, um dem Westen gegenüber die Ernsthaftigkeit von Gorbatchows Absichten zu beweisen. Im
März 1989 wurde westlichen Journalisten beispielsweise die Besichtigung
einer Flugzeugfabrik in Moskau erlaubt, die Berichten zufolge zumindest teilweise
stillgelegt werden
soll.
Die Auswirkungen der Umrüstung
von militärischer in zivile Produktion bleiben jedoch noch abzuwarten.

Die sowjetische Mannschaftsstärke
Auch menschliche Ressourcen, die
zur Aufrechterhaltung der sowjetischen Macht ebenso wichtig sind wie
industrielle und technologische Ressourcen, bereiten der sowjetischen
Führung zunehmend Sorgen. Die Ankündigung einer Reduzierung der Mannschaftsstärke um 500 000 Mann wird
den Rückgriff auf nichtslawische insbesondere zentralasiatische - Minoritäten einschränken.
Mit diesem
Abbau wird die sowjetische Führung
Zeit gewinnen, um die Rolle anderer
Nationalitäten in den Streitkräften
neu zu bewerten und Methoden zu verbessern, die Moslems in das Militär
zu integrieren. Dies ist jedoch nur
ein zeitweiliger Aufschub. Das Bevölkerungswachstum und die sich ver-

�ändernde
ethnische
Zusammensetzung
stellen in absehbarer Zukunft Herausforderungen für die sowjetische Führung dar.

Perspektiven
Bis über das Jahr 1995 hinaus
werden die längerfristigen sowjetischen Entscheidungen bezüglich der
Mittelvergabe für militärische Zwecke
voraussichtlich
vom
Zusammenwirken
mehrerer Faktoren abhängen:
Fortschritte beim wirtschaftlichen Modernisierungsprogramm während des 13.
Fünfjahresplans, den Prognosen der
Führung bezüglich dem Stand der Modernisierung
ihrer
Streitkräfte,
technologischen Erfordernissen sowie
den militärischen Fähigkeiten des Westens. Wenn bis Mitte der neunziger
Jahre entscheidende Produktivitätsverbesserungen erzielt werden, könnten die Sowjets mit dem militärischen
Modernisierungsprogramm
fortfahren
und es vielleicht sogar beschleunigen, ohne Kompromisse bei der Modernisierung der Wirtschaft machen zu
müssen.
Falls sich die Wirtschaft
jedoch noch immer in einer Übergangsphase befindet - was wahrscheinlicher
ist - werden die Sowjets zwischen
zwei Optionen entscheiden müssen:
Aufschub umfangreicher militärischer
Modernisierungsprogramme durch Konzentration auf Projekte, die mehr
technologische Entwicklung und längere Vorlaufzeit erfordern oder Beschleunigung der militärischen Modernisierungsprogramme trotz der Auswirkungen, die dies auf langfristige
wirtschaftliche
und
militärische
Fortschritte haben würde. Die Antwort der sowjetischen Führung auf
dieses Dilemma wird über den zukünftigen Kurs der sowjetischen Bedrohung
entscheiden.

den kann und die strategischen Waffenarsenale abgebaut werden müssen,
stationieren die Sowjets weiterhin
neue Generationen von Interkontinentalraketen,
unterseebootgestützten
ballistishen Raketen und bemannten
strategischen
Bombern.
Zu diesen
neuen, entschieden fähigeren strategischen Nuklearsystemen gehören:
Die
außerordentlich
zielgenaue
SS-18 Mod 5 ICBM, die straßenmobile SS-25 ICBM und die schienenmobile und silogestützte SS-24
ICBM;
die
strategischen
BFK-U-Boote
(SSBN) der TYPHOON-Klasse mit
SS-N-20 U-Boot-gestützten ballistischen Flugkörpern (SLBMs) und
SSBN der DELTA IV-Klasse mit
SS-N-23 SLBMs;
die mit luftgestützten Marschflugkörpern von 3 000 Kilometern
Reichweite bestückten bemannten
strategischen
Bomber
BLACKJACK
und BEAR H sowie
umgerüstete U-Boote der YANKEEKlasse und andere U-Boote, die
als Plattform für den Angriff von
Landzielen mit U-Boot-gestützten
Marschflugkörpern (SLCMs) dienen.

Verteidigungs- und

Darüber hinaus haben sich die sowjetischen Pläne für den Einsatz
strategischer Nuklearwaffen anscheinend trotz ihrer Behauptung bisher
wenig geändert, eine defensive Doktrin verabschiedet zu haben. Diese
Pläne stützen sich nach wie vor auf
zwei entscheidende Einschätzungen der
Sowjetunion: Erstens, daß sich der
Einsatz strategischer Nuklearwaffen
am ehesten aus einer Eskalation des
Einsatzes von nuklearen Gefechtsfeldwaffen in Europa ergibt und zweitens,
daß der beste Weg zur Schadensbegrenzung in einem Nuklearkrieg darin besteht, selbst zuerst anzugreifen.

Trotz öffentlicher Bekundungen,
daß ein Atomkrieg nicht gewonnen wer-

Im Rahmen der angekündigten defensiven Doktrin scheinen die Sowjets
die NATO betreffend weiterhin ein europäisches kriegsschauplatzgebundenes
Einsatzkonzept anzustreben, das davon

Strategische
Weltraumprogramme
Doktrin

- 11 -

�ausgeht, daß die NATO voraussichtlich
keine
strategischen
Nuklearwaffen
einsetzen wird, wie es in ihrer strategischen Doktrin der flexiblen Reaktion vorgesehen ist.
Eines ihrer
Ziele bei der Unterzeichnung des
INF-Vertrags scheint daher im Abbau
einiger Nuklearwaffen bestanden zu
haben, die - obwohl für den Einsatz
auf dem europäischen Gefechtsfeld bestimmt - ein Ausufern des nuklearen
Schlagabtauschs auf sowjetisches Territorium nicht unbedingt verhindert
hätten. Aus demselben Grund streben
sie weiterhin den Abbau aller nuklearen Kurzstreckensysteme in Europa
an, wie aus Gorbatschows jüngstem
Vorschlag ersichtlich wird, im Gegenzug zur Zustimmung der Vereinigten
Staaten zu Gesprächen über SNF-Kürzungen nukleare Kurzstreckensysteme
einseitig abzubauen.
In dem Versuch, Bedingungen zu
schaffen, unter denen ein Krieg zwischen den Bündnissen auf Europa beschränkt bleibt, betonen die Sowjets
zunehmend den abschreckenden Aspekt
ihrer strategischen Offensiv- und Defensivprogramme.
Diese Verlagerung
der Perspektive hat jedoch lediglich
zu Reduzierungen bei ihren Nuklearwaffenprogrammen geführt wie sie auch
der INF-Vertrag vorsieht. Obwohl die
Sowjets jedoch auf den abschreckenden
Aspekt ihrer Nuklearstreitkräfte verweisen, besteht das Grundkonzept ihrer Doktrin über strategische Nuklearwaffen in einer Fähigkeit zur strategischen Kriegführung, mit der dem
Gegner unter allen Umständen ein verheerender nuklearer Schlag zugefügt
werden kann. Trotz der angekündigten
defensiven Doktrin bleibt unter Bedingungen, bei denen der Einsatz von
Nuklearwaffen durch den Gegner sehr
wahrscheinlich ist, ein Präventivschlag die von den Sowjets bevorzugte
Option beim Einsatz nuklearer Waffen. Diese Angriffsoption bedeutet,
daß die Sowjets Nuklearwaffen in
Stellung bringen, wenn überzeugende
Beweise dafür vorliegen, daß ein Gegner einen nuklearen Angriff gegen die
Sowjetunion vorbereitet. Obwohl die
Sowjets argumentieren, daß ein Prä- 12

ventivschlag lediglich der Selbstverteidigung gegen einen drohenden Angriff dient, sollen damit doch Ziele
strategischer Kriegführung verwirklicht werden, und das heißt auch, daß
die Sowjetunion ihre strategischen
Raketen zuerst abfeuert.
Die Sowjets entwickeln und stationieren auch weiterhin strategische
Offensivstreitkräfte auf der Grundlage von vor zehn bis zwanzig Jahren
getroffenen Entscheidungen über die
Streitkräfteerfordernisse,
und
das
allgemeine Tempo dieser Modernisierung wurde nicht von den gegenwärtig
unter Gorbatschow geführten Diskussionen über nationale Sicherheitspolitik beeinträchtigt. Inwieweit diese Diskussionen
die Streitkräftestruktur der Zukunft beeinflussen,
bleibt abzuwarten. Die heute stationierten Systeme sind zunehmend präziser und überlebensfähiger. Die verbesserte
Uberlebensfähigkeit
zeigt
sich besonders deutlich in der Stationierung der schienenmobilen SS-24
und der straßenmobilen SS-25 ICBMs.
Die mobilen Systeme verbessern die
Fähigkeit zu Abschreckung und Kriegführung der strategischen Offensivstreitkräfte der Sowjets, indem sie
die Wahrscheinlichkeit erhöhen, daß
sowjetische strategische Nuklearwaffen nach einem ersten Schlagabtausch
für Nachfolgeangriffe zur Verfügung
stehen.
Die Sowjets haben bei den STARTVerhandlungen Vorschläge unterbreitet, um die Anzahl der sowohl der Sowjetunion als auch den Vereinigten
Staaten zur Verfügung stehenden strategischen Nuklearsysteme zu reduzieren. Diese Vorschläge bestätigen jedoch nicht zwangsläufig eine Veränderung im sowjetischen Einsatzkonzept
noch beeinflussen sie die Fähigkeit
der Sowjets zur Verwirklichung ihrer
Ziele bei der nuklearen Kriegführung.

Implikationen
Das gesamte Spektrum von Themenkomplexen, die Rüstungskontrollen^

�Wicklungen, die mögliche Stationierung eines amerikanischen Systems zur
strategischen Verteidigung und das
Potential für Vorstöße in neue strategische Waffentechnologien betreffen
- sich aber nicht auf sie beschränken
- wird Einfluß auf Entscheidungen der
sowjetischen Führung zur Gestaltung
des künftigen strategischen Nuklearwaffenarsenals der Sowjets ausüben.
Hierfür lassen sich folgende Beispiele anführen:
START:
Es läge gegenwärtigen
Beurteilungen zufolge im Rahmen
des Möglichen, daß die Sowjets
einen START-Vertrag unterzeichnen
und im wesentlichen die Fähigkeit
aufrechterhalten, Schläge gegen
wichtige nukleare, andere militärische sowie politisch und wirtschaftlich relevante Ziele auszuführen.
Diese Fähigkeit ließe
sich aus verschiedenen Faktoren
herleiten, etwa aus einer möglichen Reduzierung der von den Sowjets anzugreifenden Anzahl amerikanischer gehärteter Ziele, der
verbesserten Fähigkeit neuer sowjetischer Nuklearsysteme wie etwa der SS-18 Mod 5 (auf der die
Anzahl der für jedes Ziel bestimmten Gefechtsköpfe reduziert
wird) und der verbesserten Uberlebensfähigkeit neuer strategischer Systeme der Sowjets.
SDI:
Da die Stationierung eines amerikanischen strategischen
Verteidigungssystems
sogar
mit
begrenzter Effektivität sowjetische Planungen zu einem Einsatz
strategischer Waffen komplizieren
würde, könnte eine solche Entscheidung der Vereinigten Staaten
dazu führen, daß die Sowjets die
Wirksamkeit ihrer Pläne zur strategischen Kriegführung einer Neubewertung unterziehen und möglicherweise
ihre
RUstungskontrollvorschläge
modifizieren.
Sowjetischen Erklärungen zufolge
würde ihre Reaktion sowohl quantitative als auch qualitative
Maßnahmen vorsehen.
Im Extremfall könnten die Sowjets zum Bei-

spiel eine größere Anzahl nuklearer Gefechtsköpfe stationieren,
um mit amerikanischen Verteidigungssystemen gleichzuziehen und
sie zu übertreffen. Darüber hinaus könnten die sogenannten "aktiven Instrumente" der Sowjets
wie Satellitenabwehrwaffen (ASAT)
und die "passiven Instrumente"
wie Köder und andere Mittel zum
Eindringen in der Absicht stationiert werden, die Uberlebensfähigkeit der sowjetischen strategischen
Streitkräfte
sicherzustellen,
die
Nuklearschlage
durchführen.

Kriegsschauplatzgebundene
streitkräfte

Nuklear-

Zielsetzung
Die sowjetischen Nuklearsysteme
mittlerer Reichweite - die straßenmobile SS-4 SANDAL und die SS-20 SABER
- bilden den integralen Bestandteil
der strategischen Nuklearstreitkräfte. Mit diesen Systemen können alle
weichen Ziele und Flächenziele in Europa angegriffen werden.
Entwicklungen bei den Streitkräften
Die SS-20 und die SS-4 zählen zu
den Raketensystemen, die nach den Bestimmungen des INF-Vertrages beseitigt werden. Der im Juni 1988 in
Kraft getretene Vertrag fordert, daß
beide Länder in einem Zeitraum von
drei Jahren alle landgestützten Nuklearraketen (Marschflugkörper eingeschlossen) mit einer Reichweite von
500 bis 5 000 Kilometer abbauen. Der
Vertrag betrifft darüber hinaus zwei
Raketensysteme kürzerer Reichweite,
die SS-12 und die SS-23.
Die Sowjets haben mit der Beseitigung der vom INF-Vertrag erfaßten
Raketen und Abschußvorrichtungen im
Juli 1988 begonnen. Vor den INF-Reduzierungen
umfaßten
die
SS-20
Streitkräfte 48 Stützpunkte, in denen
regulär 405 Raketen und Abschußvor-

- 13 -

�richtungen stationiert waren.
Die
SS-4 Streitkräfte setzten sich aus 96
vorbereiteten Abschußstellungen zur
Unterstützung von 60 stationierten
Raketen zusammen.

Implikationen
Bevor die Sowjets über die Vorschrottung ihrer SS-20 Streitkräfte
und damit über ein System verhandelten, das sie zu Beginn der siebziger
Jahre entwickelt hatten und 1977 zu
stationieren begannen, wogen sie seinen Wert gegen die Fähigkeiten von
Mittelstreckensystemen der Vereinigten Staaten und der NATO ab und
stellten Überlegungen darüber an,
welche Systeme unmittelbar verfügbar
waren, um die Verluste jeder Seite
auszugleichen. Auf der Grundlage ihrer Zielvorgaben und Einsätze der Nuklearstreitkräfte in Eurasien ist es
wahrscheinlich, daß die Sowjets zu
dem Schluß gelangten, die Beseitigung
ihrer
Mittelstreckenraketen
durch
Neuausrichtung anderer strategischer
und taktischer nuklearer Trägersysteme auszugleichen.
Zahlreiche Ziele
der SS-20 können auch von ICBMs und
SLBMs mit Unterstützung anderer Luftwaffenkomponenten getroffen werden.
Die ICBMs der Typen SS-11 und SS-19
werden zusammen mit allen in sowjetischen Bastionen stationierten SLBMs
bis Mitte der neunziger Jahre alle
Ziele abdecken können, wobei dafür
auch potentiell Raketen der Typen
SS-24 und SS-25 zur Verfügung stehen. Auch nach den Reduzierungen im
Rahmen des INF- und START-Vertrags
werden die Sowjets aufgrund der kontinuierlichen
Modernisierung
ihrer
strategischen
Streitkräfte
höchstwahrscheinlich in der Lage sein, ihre
wichtigsten mit taktischen, kriegsschauplatzgebundenen und interkontinentalen Waffen erreichbaren Zielvorgaben ebenso effektiv zu verwirklichen wie mit ihrem gegenwärtigen Arsenal strategischer Waffen. Darüber
hinaus sind sich die Sowjets auch der
Tatsache bewußt, daß der INF-Vertrag
zu Unstimmigkeiten im NATO-Bündnis
geführt hat.

Nuklearstreitkräfte
te

kurzer

Reichwei-

Zielsetzung
Das sowjetische Militär stationiert ein breites Spektrum nuklearer
Trägersysteme mit einer Reichweite
unter 1 000 Kilometern. Dazu zählen
Mittelstreckenraketen kürzerer Reichweite (SRINF), die vom INF-Vertrag
abgedeckt werden. Gegenwärtig werden
insbesondere die SS-12 und SS-23 beseitigt. Der INF-Vertrag erfaßt weder Kurzstreckenraketen
mit einer
Reichweite von unter 500 Kilometern
noch Mehrzweckkampfflugzeuge oder Artilleriegeschütze. Trotz der Tatsache, daß der INF-Vertrag die bedrohlichsten sowjetischen Nuklearsysteme
beseitigt, behalten die Sowjets eine
mehr als angemessene Fähigkeit, ihre
Landstreitkräfte mit taktischen Nuklearwaffen zu unterstützen.
Obwohl sich die Streitkräftemodernisierungen der NATO voll und ganz
im Einklang mit dem INF-Abkommen befinden, hat Generalsekretär Gorbatschow diese Streitkräfteverbesserungen als Unterminierung des Vertrags
bezeichnet. Die Sowjets geben solche
Erklärungen ab, während sie die nach
dem INF-Vertrag abzuziehenden SS-23
durch Raketen des Typs SS-1 SCUD ersetzen, für die keine Beschränkungen
gelten.

Entwicklungen bei den Streitkräften
Das sowjetische Militär hat die
Reichweite und Zielgenauigkeit seiner
Kurzstreckenraketen
kontinuierlich
verbessert. Darüber hinaus hat es in
einigen Fällen SNF-Einheiten neu organisiert, um eine stärker zentralisierte Kontrolle und größere Flexibilität bei ihrem Einsatz zu gewährleisten. Das Militär hat zum Beispiel
Bataillone
von
Kurzstreckenraketen
auf Divisionsebene in dem Heer unterstehende Brigaden umorganisiert.
Darüber hinaus haben die Sowjets
ihre Absicht bekundet, fünf nach dem

- 14 -

�INF-Vertrag frei werdende Raketenstützpunkte in Basen umzuwandeln, auf
denen nach dem INF-Vertrag gestattene
SRBMs disloziert sind. Seitdem wurden BauaktivitMten und die Ausbildung
neuer Raketeneinheiten
auf diesen
Stützpunkten oder in ihrer Umgebung
beobachtet, auch in der DDR. Solche
Aktionen deuten möglicherweise auf
sowjetische Absichten hin, den Verlust ihrer SS-12 und SS-23 auszugleichen, die bis Dezember 1989 vollständig beseitigt sein sollten.

Implikationen
Trotz der von Gorbatschow angekündigten
Streitkräftereduzierungen
wird der Warschauer Pakt gegenüber
der NATO bei den Trägersystemen für
SRBMs einen erheblichen zahlenmäßigen
Vorteil (von 16:1) haben. Das trifft
auch für nukleare Artillerie (4:1) in
der Region vom Atlantik bis zum Ural
zu.
Verbesserungen bei Reichweite
und Zielgenauigkeit dieser Systeme
haben die Qualität sowjetischer Kurzstreckenraketen geteigert.

Technologie für traditionelle und modernste Verteidigung gegen ballistische Raketen fort. Das umfangreiche
sowjetische Programm passiver Verteidigungsmaßnahmen - einschließlich ziviler Verteidigung, Mobilität, Härtung und Redundanz - zielt darauf ab,
die Auswirkungen gegnerischer Nuklearschläge auf sowjetischem Territorium zu begrenzen. Obwohl nicht bei
all diesen Programmen schnelle Fortschritte zu verzeichnen sind, wurden
sie doch in den vergangenen zwanzig
Jahren
kontinuierlich
unterstützt,
was auf ein langfristiges Engagement
für die strategische Verteidigung
schließen läßt.

Luftverteidigungsstreitkräfte
Die Sowjets haben ihre Streitkräfte für die Luftverteidigung erheblich modernisiert und erweitert.
Zusätzlich zur Integration neuer Waffensysteme in diese Streitkräfte war
- nach jüngsten Verletzungen sowjetischen Luftraums - eine stärkere Betonung der Einsatzbereitschaft zu beobachten.

Strategische Verteidigung
Boden-Luft-Raketen
Zielsetzung
Nach Ansicht der Sowjets sind sowohl aktive als auch passive strategische Verteidigung entscheidende Bestandteile einer Militärdoktrin, die
darauf abzielt, im Falle eines Krieges den Schaden für die Sowjetunion
zu begrenzen. Das anhaltend starke
sowjetische Engagement für strategische Verteidigungsprogramme läßt sich
durch die Vielfalt der stationierten
oder im Stadium der Entwicklung befindlichen Defensivwaffen und den Umfang anderer aktiver und passiver
Verteidigungsfähigkeiten
ermessen.
Die Sowjets haben ein umfassendes
Luftverteidigungssystem
in Stellung
gebracht und eine ABM-Verteidigung um
Moskau stationiert.
Darüber hinaus
setzen sie in beeindruckendem Umfang
ihre Forschung und Entwicklung der

Die strategischen Boden-Luft-Raketen (SAMs) der Sowjets - die SA-2,
SA-3, SA-5 und SA-10 leisten die
Sperrpunkt-, Raum- und Objektverteidigung des Gebiets der Sowjetunion.
Seit 1985 ist der Zahl strategischer
SAM-Stellungen und ihrer Trägersysteme vergleichsweise konstant geblieben, dennoch hat ihre Einsatzfähigkeit mit der Stationierung der SA-10
erheblich zugenommen. Mit der Fähigkeit der SA-10, mehrere Ziele gleichzeitig anzufliegen und ihrer verbesserten Feuerkraft (vier Raketen pro
Trägerabschußfahrzeug)
wurde
die
Luftverteidigungsfähigkeit
der
Sowjetunion verbessert. Darüber hinaus
könnte sie eine begrenzte Fähigkeit
zum Abfangen einiger Wiedereintrittsflugkörper und Marschflugkörper besitzen. Gegenwärtig stellt das SA-10

- 15 -

�System etwa 15 Prozent aller strategischen SAM-Abschußvorrichtungen der
Sowjets.

Flugzeuge
Als Ergebnis der Mitte der achtziger Jahre erfolgten Reorganisation
sowjetischer
Luftstreitkräfte
und
Luftverteidigung
wurden
zahlreiche
Abfangjäger erneut den Luftverteidigungsstreitkräften unterstellt und in
sie eingegliedert. Die Sowjets stationieren ihre neueste und ausgereifteste Luftaufklärung und statten
ihre Abfangjäger damit aus. Zum Beispiel wurde im letzten Jahr die Zahl
von Flugzeugen der vierten Generation
mit Lookdown/Shootdown-Radar, wie etwa die MiG-31 FOXHOUND und Su-27
FLANKER durch FOXHOUND- und FLANKERFlugzeuge bei den Luftverteidigungsstreitkräften ergänzt, wobei die Zahl
der Flugzeuge aus der vierten Generation im Vergleich zu den über 2 000
Abfangjägern relativ gering ist. Bis
1994 wird die Hälfte des Luftverteidigungsinventars aus Flugzeugen der
vierten Generation bestehen, bis 1999
werden alle Flugzeuge der vierten
oder einer späteren Generation angehören. Die sowjetischen Luftverteidigungsstreitkräfte stationieren auch
weiterhin ihr MAINSTAY AWACS, um die
Auffindungs- und Verfolgungsfähigkeiten zu verbessern. Die Sowjets verfügen gegenwärtig über mindestens 10
einsatzbereite Flugzeuge.

Passive Verteidigung
Das passive Verteidigungsprogramm
der Sowjets bildet einen wichtigen
Bestandteil eines integrierten Systems strategischer Verteidigung, mit
dem die Auswirkungen eines nuklearen
Angriffs gemindert werden sollen.
Die grundlegenden Ziele der passiven
Verteidigungsbestrebungen lauten: im
Krieg Kontinuität der Führung sicherstellen, die Wirtschaft schnell und
effektiv mobilisieren, die Industrieanlagen und die Arbeitskräfte schützen und eine glaubwürdige Wiederaufbaufähigkeit entwickeln.
Eine umfangreiche, redundante Reihe gehärteter Kommandoposten und Fernmeldeeinrichtungen und Ausweichquartiere für
alle wichtigen Kommandoeinheiten des
Militärs und des Partei- und Regierungsapparates
bilden die Grundlage
des passiven Verteidigungsprogramms
der Sowjets.

Implikationen
Nach sowjetischer Auffassung über
den Charakter eines Krieges sind Operationen zur strategischen Verteidigung eine der grundlegendsten Formen
militärischer Aktion, um einen feindlichen Luftangriff abzuwehren und
seinen Schaden zu begrenzen. Obwohl
ein einzelnes Element einer gestaffelten Verteidigung nicht unbedingt
in höchstem Maße effektiv sein muß,
streben die Sowjets durch Staffelung
eine insgesamt
sehr wirkungsvolle
Verteidigung an.

Verteidigung durch Raketenabwehr (ABM)
Seit Beginn der achtziger Jahre
haben die Sowjets das einzige einsatzfähige
Raketenabwehrsystem
der
Welt um Moskau herum stationiert.
Das modernisierte System wird in diesem Jahr teilweise einsatzfä'hig sein
und die Sowjets zum ersten Mal mit
einer doppelt gestaffelten Verteidigung außerordentlich wichtiger Ziele
im Gebiet um Moskau ausstatten.

Obwohl die Sowjets jetzt betonen,
daß ihre Militärdoktrin defensiven
Charakter hat, haben sie keine Erklärungen darüber abgegeben, wie sich
dies mit ihren strategischen Verteidigungsprogrammen vereinbaren läßt.
Der Umfang und Charakter ihrer Programme lassen darauf schließen, daß
die Fähigkeit der sowjetischen strategischen Verteidigung insgesamt weiterhin erheblich zunimmt.

�Weltraumstreitkräfte
Glasnost hat zu einer Vielzahl
neuer Berichte über das sowjetische
Weltraumprogramm geführt. Diese Berichte waren jedoch sehr selektiv und
spielen die vorwiegend militärische
Ausrichtung sowjetischer Weltraumsysteme und Operationen herunter. Der
größte Teil der in der Sowjetunion in
den letzten Jahren veröffentlichten
Informationen stellt das sowjetische
Weltraumprogramm als nichtmilitärisch
dar, rühmt aber gleichzeitig technologische Fortschritte und fördert sowjetische Bestrebungen, in den Markt
für die kommerzielle Nutzung des
Weltraums vorzudringen. Die Sowjets
haben offensichtlich keine Anstrengungen unternommen, um ihre militärischen Ziele im Weltraum zu verändern,
wie sie es bei einigen ihrer anderen
Streitkräfte zu tun vorgeben.
Die
Sowjets streben einerseits eine hinreichende Vormachtstellung an, um im
Weltraum optimale Unterstützung für
die Streitkräfte auf der Erde zu leisten und andererseits die Fähigkeit,
anderen Staaten die Nutzung des Weltraums zu verweigern.

Implikationen
Die Fähigkeit der Sowjets, ihren
Streitkräften auf der Erde militärische Unterstützung aus dem Weltraum
zu leisten, verbessert und erweitert
sich, ebenso wie die Fähigkeit zur
Stationierung von Nutzlasten in der
Erdumlaufbahn stetig. Die Fähigkeit
der Sowjets zur Durchführung von
ASAT- und ABM-Operationen ist nach
wie vor konkurrenzlos, und gleichzeitig werden in sowjetischen Einrichtungen Forschung und Entwicklung noch
fähigerer
Systeme
durchgeführt.
Glasnost muß jedoch noch auf die vielen wichtigen militärischen Aspekte
des
sowjetischen
Weltraumprogramms
eingehen. Sowjetische Dementis, daß
sie
Kosmonauten
für
militärische
Zwecke einsetzen und Systeme zur
Kriegführung im All besitzen, kommen
der Behauptung - vor Gorbatschows
Eingeständnis im November 1987

gleich, die Sowjetunion habe keine
SDI-ähnliche Forschung durchgeführt.
Solche widersprüchlichen Äußerungen
zu militärischen Weltraumprogrammen
und Zielsetzungen lassen Mißtrauen
über Behauptungen einer verteidigungsorientierten Militärdoktrin und
ein vernünftiges und ausreichendes
Niveau aufkommen.

Perspektiven
In der sowjetischen Doktrin wird
die Forderung nach einem strategischen Einsatzkonzept, das einen strategischen Nuklearangriff auf die Sowjetunion abschreckt und gleichzeitig
die
Fähigkeit
zur
strategischen
Kriegführung aufrechterhält, höchstwahrscheinlich
bestehen
bleiben.
Dennoch könnten die Entwicklungen bei
den verschiedenen strategischen Programmen langsamer vorangehen als in
den letzten zehn Jahren. Zum Beispiel werden die Sowjets weiterhin
die Effektivität ihrer strategischen
Waffen steigern und eine große Zahl
landmobiler
Systeme
stationieren,
aber sie scheinen es mit der Reduzierung des Umfangs der Gesamtstreitkräfte durch gemeinsame Abkommen mit
dem Westen ernst zu meinen. Die Reduzierungen stehen erwartungsgemäß im
Einklang mit den reduzierten Zielvorgaben, die mit den ausgehandelten
Veränderungen bei den Streitkräften
des Westens erreicht wurden. Die Sowjets haben eine ähnliche Bereitschaft bekundet, weitere Reduzierungen bei den kriegsschauplatzgebundenen Nukelarwaffen kürzerer Reichweite
vorzunehmen. Im Gegensatz dazu werden künftige Entwicklungen bei den
sowjetischen Streitkräften zur Verteidigung im Weltraum und bei den
Programmen zur passiven Verteidigung
im Einklang mit der bisherigen Praxis
stehen.

Mehrzweckstreitkräfte
Im Dezember 1988 hat die Sowjetunion die einseitige Reduzierung ihrer Soldaten und konventionellen Waf-

- 17 -

�fen im Laufe der nächsten zwei Jahre
angekündigt. Das bedeutet:
Eine Reduzierung der sowjetischen
Mannschaftsstärke um 500 000 Soldaten.
Eine
Reduzierung
sowjetischer
Streitkräfte in Osteuropa und im
europäischen Teil der Sowjetunion
(westlich des Urals) im Umfang
von 10 000 Panzern, 8 500 Artilleriegeschützen und 800 Kampfflugzeugen.
Im Rahmen dessen
werden zusätzlich 50 000 Soldaten
und 5 000 Panzer aus Osteuropa
abgezogen. Dies läßt sich teilweise durch den Abzug und die
Auflösung von sechs gegenwärtig
in der DDR stationierten Panzerdivisionen verwirklichen.
Erhebliche
Reduzierungen
der
Streitkräfte im asiatischen Teil
der Sowjetunion und Abzug sowjetischer Truppen aus der Mongolei.
Am 25. April 1989 haben die Sowjets mit einem Zeremoniell für die
Öffentlichkeit in Ungarn mit dem Abzug einer sowjetichen Panzerdivision
aus diesem Land offiziell ihren Rückzug angetreten.
Gleichzeitig haben
die Sowjets jedoch ihre Mehrzweckstreitkräfte neuorganisiert und modernisiert und treiben die Forschung
und Entwicklung neuer Waffengenerationen für diese Streitkräfte vehement voran. Trotz der von der sowjetischen Führung angekündigten einseitigen Reduzierungen müssen die Auswirkungen solcher Reduzierungen im
Hinblick auf künftige Fähigkeiten der
kriegsschauplatzgebundenen
Streitkräfte noch eingehend ausgewertet
werden.
Mit dem Beginn des Truppenabbaus
hat der Warschauer Pakt ein Zeitalter
potentiell weitreichender Veränderungen bei den Mehrzweckstreitkräften
eingeleitet - Veränderungen, die tatsächlich Auswirkungen auf Umfang,
Struktur und grundlegende Einsatzkonzepte
dieser
Streitkräfte
haben.
Traditionell haben die Sowjets ihre

Mehrzweckstreitkräfte
zusammen
mit
denen ihrer Verbündeten im Warschauer
Pakt an den sowjetischen Grenzen auf
Schauplätzen
von
Kriegshandlungen
(TVDs) stationiert und sie so strukturiert, daß sie schnelle Offensivoperationen durchführen können, um in
einem
konventionellen,
chemischen
oder nuklearen Umfeld Ziele in der
Tiefe des Kriegsschauplatzes erobern
zu können.
Seit Mitte des Jahres 1987 haben
die Sowjets jedoch öffentlich erklärt, ihre Streitkräfte seien "defensiv ausgerichtet" und ihre Militärdoktrin basiere auf einem "ausreichenden" und "vernünftigen Niveau
der Verteidigung". Die Sowjets verweisen darauf, daß die jetzt begonnenen Streitkräftreduzierungen den defensiven Chrakter ihrer Militärdoktrin besonders herausstellen.
Seit Ende der sechziger Jahre hat
sich die Struktur der sowjetischen
kriegsschauplatzgebundenen
Streitkräfte auf die Schaffung einer Fähigkeit zur Durchführung einer strategischen Operation auf dem Kriegsschauplatz konzentriert - eine massive Offensive mit verbundenen Waffen unter
nuklearen und nichtnuklearen Bedingungen bis in eine Tiefe von 1 500
oder mehr Kilometern. Dieser Schwerpunkt hat zu einer dramatischen Erhöhung des Umfangs der Streitkräfte und
ihrer Kampffähigkeit geführt. Dennoch zwingen bedeutende neue - und
auch die noch anstehenden alten Herausforderungen
die
sowjetische
Führung
zur
Neubewertung
dieser
Struktur im Hinblick auf ihre Pläne
für die neunziger Jahre.
Die traditionellen Probleme mit
der Führung auf mittlerer Ebene, Ausbildung, Disziplin und Moral im allgemeinen bestehen nach wie vor. Im
Feld demonstrieren die sowjetischen
Landstreitkräfte oftmals nur mittelmäßige taktische Leistungen, und bei
den Manövern handelt es sich häufig
um stereotype und schablonenhafte
Übungen.
Der sowjetische Generalleutnant und stellvertretende Leiter

�des Direktorats für die Kampfausbildung der Landstreitkräfte, V.N. Kasikow, beklagte kürzlich, die Leistung
kleiner taktischer Einheiten lasse zu
wünschen übrig. Er stellte darüber
hinaus fest, die Durchführung stereotyper Manöver habe die Ausbildung der
unteren Ränge wertlos gemacht, und
Beschränkungen für den Einsatz von
Gerät verhinderteten den richtigen
Umgang damit.
Ein erhebliches oft
von den Sowjets angeführtes disziplinarisches Problem ergibt sich vor allem durch die nach wie vor "fehlende
Regelung des Umgangs miteinander" ein Euphemismus für ein brutales System der Schikanierung neuer Rekruten
durch ältere Soldaten. Darüber hinaus werden oftmals die Fähigkeiten
und die Routine vieler Offiziere,
insbesondere die mangelnde Initiative
vieler
junger Offiziere, beklagt.
Obwohl diese Probleme zum großen Teil
schon seit langem bestehen, vertreten
die Sowjets im gegenwärtigen Zeitalter zurückgehender Personal- und Materialkapazitäten die Auffassung, daß
diese Umstände korrigiert werden müssen, um die kompetente und modernisierte Armee zu schaffen, die erforderlich ist, um sich den Herausforderungen der neunziger Jahre zu stellen.
Unter der Ägide eines als "militärische
Perestrojka"
bezeichneten
Programms leiten die Sowjets weitreichende Veränderungen zur Verbesserung
der Qualität ihrer Streitkräfte ein.
Die Sowjets erwarten, daß die von ihnen durchgeführten Veränderungen eine
modernisierte, kompetente und professionelle Armee hervorbringt, auch
wenn deren zahlenmäßige Stärke abnimmt.
Der General der Armee und
neue sowjetische Generalstabschef Michail Moisejew hat kürzlich bemerkt,
daß die "nächsten zwei Jahre für die
Streitkräfte und den Generalstab besonders wichtig und spannungsreich
sein werden". In der Zeit wird eine
grundlegende
Umstrukturierung
der
Streitkräfte, eine Umstrukturierung
militärischer
Ausbildungsprogramme
sowie wichtige organisatorische und
technische Veränderungen im Zusammen-

hang mit den angekündigten Streitkräftereduzierungen
stattfinden.
Moisejew wies ferner darauf hin, das
gesamte System der Kampfbereitschaft
müsse analysiert werden. Damit bezog
er sich auf die Auswirkungen, die eine Umstrukturierung auf die Mannschaftsstärke in Friedenszeiten, Mobilisierungsplanung,
Reservistenausbildung und den Umfang und Charakter
der Manöver haben wird. Er erklärte
ferner, das Führungssystem würde neuorganisiert und "auf eine neu automatisierte technische Grundlage" gestellt.
Darüber hinaus werden bei
Strategie, Einsatzführung und Taktik
drastische
Veränderungen
erfolgen.
Moisejew zufolge "wird eine neue
Theorie der Militärkunst ins Leben
gerufen".

Konzepte
zur
Kriegführung
kriegsschauplatzgebundenen Waffen

mit

Die von Gorbatschow und den
nichtsowjetischen
Warschauer
PaktStaaten
angekündigten
einseitigen
Truppenreduzierungen und die Reorganisation der Streitkräfte werden im
Falle ihrer Durchführung zum Teil eine Streitkräftestruktur und Veränderungen bei der Stationierung hervorbringen, die auf eine stärker defensiv ausgerichtete Strategie schließen
lassen. Sie bedeuten eine Reduzierung der militärichen Fähigkeit der
Sowjets, insbesondere im Hinblick auf
ihre nichtverstärkte Angriffsfähigkeit gegen die Region NATO-Mitte.
Dennoch zielen die Erklärungen auch
darauf ab, eines der wichtigsten traditionellen Ziele sowjetischer Außenpolitik zu untermauern: die mögliche
Auflösung der NATO und Beseitigung
von Einfluß und militärischer Macht
der Vereinigten Staaten auf dem Europäischen Kontinent. Moskau hofft daher, daß die Truppenreduzierungen
folgendes bewirken werden:

- 19 -

Im Westen - insbesondere in der
Bundesrepublik Deutschland - öffentlichen Druck für die Verpflichtung zu einem ebensolchen

�Streitkräfteabbau der NATO insgesamt oder einzelner Mitglieder
des Bündnisses in naher Zukunft
hervorzurufen.
Ihre Verhandlungsposition bei den
Gesprächen
über
konventionelle
Waffen zu stärken.
Die öffentliche Unterstützung für
die Entwicklung und Stationierung
technologisch hochwertiger Waffen, die Schläge in die Tiefe des
gegnerischen
Aufmarschgebiets
durchführen können, auszuhöhlen
und die geplante Modernisierung
der atomaren Kurzstreckenraketen
der NATO zu vereiteln.
Nach ihrer Verwirklichung werden
diese Kürzungen die Fähigkeiten der
sowjetischen Streitkräfte zur Durchführung eines Überraschungsangriffs
verringern und die vom Warschauer
Pakt zur Durchführung offensiver Operationen gegen die NATO benötigte
Vorbereitungszeit verlängern. Im Zuge einer erweiterten Aufrüstung wird
den Sowjets jedoch genügend Zeit zur
Verfügung stehen, um die Streitkräftemobilisierung, Vorbereitungen und
Vornestationierung zu einer verstärkten Kräfteverteilung vorzunehmen, von
der aus sie eine andauernde Offensive
durchführen können. Die heute schon
in vorgeschobenen Bereichen existierenden Lagerbestände werden den aus
der UdSSR zur Verstärkung herangeführten Einheiten zur Verfügung stehen.
Gorbatschow hat ferner eine einseitige
Reduzierung
der
atomaren
Kurzstreckensysteme
(SNF) angekündigt. Diese Kürzungen würden jedoch
lediglich zu einer 5prozentigen Verringerung des Gesamtbestandes sowjetischer SNF-Gefechtsköpfe führen und
nicht an die von der NATO seit den
siebziger Jahren vorgenommenen Reduzierungen heranreichen. Das Verhältnis sowjetischer zu amerikanischen
Gefechtsköpfen in Europa würde immer
noch 12 zu 1 betragen. Die von den
Sowjets bisher angekündigten SNF-Verringerungen würden lediglich den Be-

ginn einer Auseinandersetzung mit
denheute bei SNF bestehenden amerikanisch-sowjetischen Asymmetrien bedeuten und sowjetische SNF-Fähigkeiten
nur unwesentlich beeinträchtigen.
Gorbatschow hat außerdem einschneidende Reduzierungen der konventionellen Streitkräfte an der chinesisch-sowjetischen Grenze und in der
Mongolei angekündigt. Diese Reduzierungen haben den Forderungen Pekings
nach einer sowjetischen Truppenreduzierung an der chinesisch-sowjetischen Grenze weitestgehend entsprochen und zur Normalisierung der Beziehungen zwischen beiden Ländern
beim chinesisch-sowjetischen Gipfel
im Mai 1989 - dem ersten seit drei
Jahrzehnten - beigetragen.

Chemische
rung

und

biologische

Kriegfüh-

Die UdSSR besitzt die umfassendsten
Fähigkeiten
zur
chemischen
Kriegführung in der Welt. Als Träger
kann sie nahezu alle konventionellen
Waffensyst eme von Morsern über taktische Langstreckenflugkörper bis zu
den
leistungsfähigsten
Flugzeugen
einsetzen.
Im Jahr 1987 gaben die
Sowjets zum ersten Mal den Besitz eines Arsenals chemischer Waffen zu.
Sie räumten einen Bestand von 50 000
Tonnen Kampfstoffen ein, bei weitem
der größte in der ganzen Welt. Es
wird jedoch angenommen, daß diese
Zahl noch erheblich unter dem Gesamtvorrat der UdSSR an offensiven chemischen Waffen liegt.
Die sowjetischen Fähigkeiten zum
Einsatz chemischer Kampfmittel werden
noch verstärkt durch ihre umfassende
Fähigkeit, sich in einem verseuchten
Umfeld zu schützen.
Dazu benutzen
sie besonders ausgebildete und ausgerüstete Einheiten. Die Sowjets verfügen über mehr als 60 000 Mann, die
auf Unterstützungsoperationen in verseuchten Gebieten spezialisiert sind
sowie über 30 000 Sonderfahrzeuge für
Operationen mit chemischen oder biologischen Waffen. Die Einsatzbereit-

�schaft dieser Truppen wurde durch eine Reorganisation verbessert, mit deren Hilfe offensive Operationen besser unterstützt werden sollen. Weitere Verbesserungen wurden durch ein
verstärktes Augenmerk auf Ausbildung
für Operationen in verseuchten Gebieten erzielt. Der Umfang dieser Fähigkeiten ist weit höher als aufgrund
der begrenzten Fähigkeiten jedes potentiellen Gegners der Sowjetunion im
Bereich der chemischen Kriegführung
notwendig wäre.
Forschung, Entwicklung und Erprobung neuer chemischer Waffensysteme
wurden mit finanzieller und politischer Rückendeckung höchster sowjetischer Stellen weitergeführt. Die Sowjets haben Tausende chemischer Verbindungen zur Nutzung als Wirkstoffe
für chemische Kriegführung ausgewertet und parallel dazu neue Methoden
für ihre Verbreitung und mögliche
Waffen-Konfigurationen
untersucht.
Dieses Forschungsprogramm ist auf die
Überwindung von Schutzmaßnahmen seitens der NATO gerichtet.
Die Sowjets haben versucht, die
Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit
von ihrem enormen Potential zur chemischen Kriegführung abzulenken, indem sie in öffentlichen Erklärungen
besonders auf den Bau ihrer Pilotanlage zur Vernichtung von Chemiewaffen
in Tschapajewsk verwiesen haben. Eine sowjetische Vernichtungsanlage wäre in jedem Fall zur Zerstörung lekker und überflüssiger Munition notwendig geworden, unabhängig von den
Bestimmungen eines Vertrags über Chemiewaffen. Viele von den Sowjets im
Jahr 1987 in Schikany als Teil ihrer
gegenwärtigen Bestände angemeldeten
Munitionsbestände
waren
eindeutig
veraltet und zur Zerstörung vorgesehen.

Bestandes
an
biologischen
nutzbar gemacht.

Waffen

Die Sowjets streiten weiterhin
ab, daß sie ein offensives Programm
zur biologischen Kriegführung unterhalten, aber es wurden Beweise erbracht, die nicht nur die Existenz
von Forschung und Entwicklung sondern
auch von biologischen Waffen untermauern. Der Unfall von Swerdlowsk im
Jahr 1979, der durch die Freisetzung
von Anthrax aus einem Institut für
biologische
Kriegführung
ausgelöst
wurde, lieferte solch einen Beweis
und einen eindeutigen Hinweis darauf,
daß die Sowjets die Konvention über
biologische Waffen aus dem Jahr 1972
verletzt haben.

Die konventionellen Luftstreitkräfte
Die sowjetische Luftwaffe besteht
aus drei Hauptelementen - den Luftarmeen des Obersten Befehlskommandos
(VGK), den Luftstreitkräften der Militärbezirke und Gruppen von Streitkräften
sowie
den
militärischen
Transportfliegern. Die Sowjets verbessern diese konventionellen Luftkomponenten durch Einführung neuester
Flugzeuge und Waffen zur Unterstützung offensiver Operationen. Während
der Ersatz alter Typen durch neue im
allgemeinen nicht im Verhältnis von
eins zu eins durchgeführt wurde und
sich damit der Nettozuwachs in Grenzen hielt, wurde die Qualität erheblich
verbessert.
Nachteile
bei
Reichweite, Waffenlasten und Avionik
werden bei den neuesten Flugzeugtypen
zunehmend wettgemacht.
Ferner verbessern die Sowjets ihre Führung der
Luftstreitkräfte,
insbesondere
auf
Gefechtsfeldebene.

Perspektiven
Die Sowjets verbessern weiterhin
ihre Fähigkeit zum Einsatz biologischer Wirkstoffe.
Neue biologische
Technologien, darunter die Gentechnik, werden zur Erhöhung von toxischer Wirkung, Stabilität und militärischem Potential des sowjetischen

Im Falle seiner Verwirklichung
bedeutet das unlängst von Generalsekretär Gorbatschow abgegebene Versprechen,
die
sowjetischen
Luftstreitkräfte westlich des Urals um
800 Flugzeuge zu verringern und die

- 21 -

�in der Mongolei stationierten sowjetischen Luftstreitkräfte zu "liquidieren", eine bedeutende potentielle
Reduzierung der Kampfkraft. Das Ausmaß der Veränderungen und die Kampfkraft der Luftstreitkräfte nach einer
solchen Reduzierung wird davon abhängen, welche Flugzeuge abgebaut werden
und was mit ihnen geschieht. Wenn
lediglich überschüssige oder ältere
Flugzeuge beseitigt werden, wird dies
nur
minimale
Auswirkungen
haben.
Falls andererseits eine große Zahl
von Langstreckenflugzeugen wie FENCER
und BACKFIRE wirklich aus dem Bestand
genommen, zerstört oder flugunfähig
in Depots gelagert (und nicht nur
verlegt) werden, wird die sowjetische
Fähigkeit zur Durchführung offensiver
Operationen
erheblich
verringert.
Kürzlich abgegebenen Erklärungen hoher sowjetischer Offiziere zufolge
werden einige moderne Flugzeuge beseitigt werden, darunter ein Großteil
Flugzeuge für den Bodenkampf.
Bis
heute wartet der Westen jedoch vergebens auf bedeutende Veränderungen in
Struktur oder operativer Stationierung der sowjetischen Luftstreitkräfte sowie auf bedeutende Veränderungen
bei den Beschaffungstrends.
Es gibt bis heute keinerlei Hinweise auf eine Reduzierung vorgelagerten Nachschubs für die Luftstreitkräfte wie etwa Flugzeugtreibstoff,
Munition und Ersatzteile.
Tatsächlich wurden in den letzten zehn Jahren die Bestände an Flugzeugtreibstoff erheblich aufgestockt. Landebahnen auf den Flugplätzen der Westlichen Gruppe von Truppen wurden verlängert. Die Munitionsbestände wurden ebenfalls, wenn auch nicht in
demselben Umfang, vergrößert. Diese
logistischen
Verbesserungen
werden
das Durchhaltevermögen der sowjetischen Luftstreitkräfte in vorgeschobenen Bereichen auch mit reduziertem
Fluggerät erhöhen.
Die Seestreitkräfte
Zielsetzung
Die mit zahlreichen sowohl kon- 22

ventionell als auch nuklear einsetzbaren Waffensystemen ausgerüstete sowjetische Marine ist ein wichtiges
Element der sowjetischen Streitkräfte.
Eine der höchsten Prioritäten
der sowjetischen Marine im Kriegsfall
besteht darin, die Verfügbarkeit ihrer mit ballistischen Raketen ausgerüsteten U-Boote (SSBNs) für strategische Schläge gegen interkontinentale und Gefechtsfeldziele sicherzustellen. Dies erfordert den Schutz
der SSBNs vor Angriffen durch die
westliche U-Boot-Abwehr. Die moderneren SSBNs der Klassen DELTA und
TYPHOON sind mit weitreichenderen und
zielgenaueren ballistischen Raketen
(SLBMs) bewaffnet und mit einer größeren Zahl von Raketen/Wiedereintrittsflugkörpern
ausgerüstet,
die
von sowjetischen Häfen und Küstengewässern aus Nordamerika erreichen
können. Dies bietet den Sowjets die
Option, solche Plattformen in Seegebieten nahe der sowjetischen Heimat
einzusetzen, in denen Mehrzweckschiffe, U-Boote und Flugzeuge mehr Schutz
bieten können. Für den Fall eines
größeren Konflikts erwartet Moskau
den umfassenden Einsatz der westlichen U-Boot-Abwehr gegen sowjetische
SSBNs. Als Ergebnis dieser Einschätzung werden sowjetische Plattformen
zur Abwehr von U-Booten und Uberwasserschiffen als lebenswichtig für den
Schutz der SSBNs während eines konventionellen oder atomaren Konflikts
betrachtet.
Die sowjetische Marine hat ferner
den Auftrag, die gegnerischen Marinestreitkräfte, die eine Bedrohung der
Sowjetunion, ihrer Verbündeten oder
ihrer
SSBN-Streitmacht
darstellen
können, zu neutralisieren. Um dieser
Aufgabe gerecht zu werden, stützt sie
sich auf einen Mix von Flugzeugen,
Uberwasser-Einheiten
und
U-BootPlattformen. Die Sowjets betrachten
die gegnerischen Flugzeugträgerverbände, amphibischen Streitkräfte und
mit seegestützten Marschflugkörpern
(SLCMs) ausgerüstete Uberwasserschiffe als Hauptbedrohung über Wasser,
während ihr Hauptaugenmerk bei der
U-Boot-Abwehr den westlichen SSBNs,

�mit SLCMs ausgerüsteten SSNs und den
zur U-Boot-Abwehr ausgelegten SSNs
gilt.
Ein weiterer wichtiger Auftrag
ist die Unterstützung der Landstreitkräfte der UdSSR und des Warschauer
Pakts. Dazu gehört die Bereitstellung von Flankenschutz für die Landstreitkräfte gegen einen Angriff gegnerischer Marine- und Amphibienkräfte
sowie Feuer-, logistische und amphibische Unterstützung von Landoperationen.
Die Entwicklung der sowjetischen Seestreitkräfte in der Ära Gorbatschow
In den vergangenen vier Jahren
unterlag die sowjetische Marine Veränderungen in Führung und Struktur.
Obwohl ältere Einheiten nicht im Verhältnis von eins zu eins durch moderne ersetzt werden, haben die qualitativen Verbesserungen bei diesen neuen
Einheiten jedoch eine noch schlagkräftigere Streitmacht zur Folge gehabt, überdies könnte es sich die
sowjetische Marine leisten, selbst
eine größere Anzahl veralteter Plattformen außer Dienst zu stellen ohne
die Kampfkraft erheblich zu beeinträchtigen.
Zusammenfassung
Die sowjetische Marine hat sich
zu einer zunehmend modernen Streitmacht entwickelt, die befähigt ist,
die Erfordernisse eines konventionellen oder nuklearen Krieges auf jedem
Niveau zu erfüllen. Es ist richtig,
daß eine geringere Anzahl von großen
Uberwasserschiffen und U-Booten der
neuesten Generation gebaut wird als
in den vergangenen Jahrzehnten, was
für die neunziger Jahre einen rückläufigen Trend in der Streitkräftestruktur bedeutet. Die verbesserten
Einzelfähigkeiten der neuen Schiffe
werden jedoch die zahlenmäßigen Reduzierungen bei einigen - jedoch nicht
bei allen - Aufträgen mehr als wettmachen.
Diese Reduzierungen beim

Produktionsausstoß
wurden
jedoch
schon vor den von Präsident Gorbatschow verkündeten Initiativen vorgenommen, und die künftigen Produktionszahlen sind ungewiß.

Die Streitkräfte für den
feldeinsatz: Perspektiven

Gefechts-

Die Sowjets besitzen umfangreiche, beeindruckende Streitkräfte zur
allgemeinen Verwendung, die zur Zeit
vornehmlich auf offensive Operationen
ausgerichtet sind. Die Sowjets haben
jedoch ihre Absicht bekundet, weitreichende Veränderungen vorzunehmen,
die
eine
Umstrukturierung
ihrer
Streitkräfte zu einem defensiven Einsatzkonzept vorsehen. Die Einleitung
einseitiger
Truppenreduzierungen
könnte ein erster Schritt in diesem
Prozeß sein.
Gleichzeitig fordern die Sowjets
beiderseitige Reduzierungen des Warschauer Pakts und der NATO durch den
Rüstungskontrollprozeß als Mittel zur
vollständigen
Verwirklichung
ihrer
defensiven Doktrin. Sie haben in der
Öffentlichkeit
einen
schrittweisen
Ansatz vorgeschlagen, der letztlich
zu einer einschneidenden Reduzierung
der Streitkräfte von Warschauer Pakt
und NATO und zu einer Streitkräftestruktur führen wird, die den Sowjets
zufolge keiner Seite die Möglichkeit
läßt, für die Gegenseite eine offensive Bedrohung darzustellen.
Die Sowjets sind der Überzeugung
daß ihre einseitigen Reduzierungen
als Katalysator für die Verringerung
der militärischen Anstrengungen seitens der NATO und die Erlangung des
in ihren Rüstungskontrollvorschlägen
geforderten einschneidenden Streitkräfteabbaus dienen werden. Ob die
Sowjets im Rahmen der KSE-Gespräche
bereit sein werden, stark asymmetrische Reduzierungen zu akzeptieren und
das Ungleichgewicht bei den konventionellen Streitkräften in Europa zu
behandeln, wird ein wichtiger Indikator dafür sein, wie ernst sie es mit
der Umstrukturierung ihrer Streit-

- 23 -

�die meisten um ein Mehrfaches
härter sind als die amerikanischen sowie ihr über die ganze
Sowjetunion
verteiltes
System
tief unter der Erde gelegener
Bunker für das Führungspersonal
und deren Unterstützungskader.

kräfte zu einem defensiven Einsatzkonzept meinen.
Gegenwärtig leiten die Sowjets
Veränderungen ein, die auf eine dem
Umfang nach erheblich reduzierte sowjetische Streitmacht hinauslaufen,
die ihre Kampfkraft jedoch aufrechterhält oder sogar noch verbessert.
Man hofft, dies durch eine fortlaufende Modernisierung der Ausrüstung,
qualitative Verbesserungen bei Ausbildung, Führung, Moral und Disziplin
sowie durch eine Verbesserung der
Führung zu erreichen.

Besteht eine erhebliche Asymmetrie bei der Zahl abzudeckender
Ziele. Die Zahl der Ziele in der
UdSSR liegt etwa doppelt so hoch
wie die Zahl von Zielen in den
Vereinigten Staaten, die von den
sowjetischen
Planern
abgedeckt
werden müssen.
Dies bedeutet,
daß die Sowjetunion mit ungefähr
der gleichen Zahl von Gefechtsköpfen wie die Vereinigten Staaten in ihren Planungen davon ausgehen kann, daß sie nach einem
nuklearen Schlagabtausch mehr Gefechtsköpfe besitzt.

Das militärische Gleichgewicht
Durch statische Berechnungen
erfaßte Asymmetrien

nicht

Der Vergleich von Raketen mit Raketen und Bombern mit Bombern ist für
die
Bewertung
des
strategischen
Gleichgewichts nicht ausreichend. So
werden Bomber nicht gegen andere Bomber eingesetzt sondern gegen die
Luftabwehr, und strategische Streitkräfte bedrohen Ziele und Einrichtungen (zu denen unter anderem auch andere strategische Streitkräfte gehören). Zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion bestehen erhebliche Unterschiede bei strategischem Verteidigungspotential und den
Zielen. Zum Beispiel:
Unterhält die Sowjetunion das umfassendste
Luftverteidigungssystem und das einzige Abwehrsystem
gegen ballistische Raketen der
Welt.
Die Luftverteidigung der
Vereinigten Staaten ist dagegen
vergleichsweise
bescheiden
und
hauptsächlich auf Vorwarnung und
Einschätzung eines Angriffs ausgerichtet.
Legt die UdSSR ein Hauptaugenmerk
auf passive Verteidigungssysteme
zum Schutz einer Vielzahl wichtiger Einrichtungen vor amerikanischen Vergeltungsschlägen. Wichtige Beispiele dafür sind die gehärteten Raketensilos, von denen

Schließlich bestehen bei der Doktrin grundsätzliche Unterschiede zwischen den Vereinigten Staaten und der
Sowjetunion, und es wäre in diesem
Zusammenhang
gefährlich,
lediglich
spiegelbildliche Vergleiche anzustellen. Während beide Seiten ein militärisches Potential zur Abschreckung
einer
Aggression
aufrechterhalten,
liegt das Hauptaugenmerk der sowjetischen Doktrin und der Streitkräfteplanung seit jeher in der Erlangung
einer möglichst glaubwürdigen Fähigkeit zum Führen eines Atomkriegs im
Falle eines Versagens der Abschrekkung.
Die sowjetische strategische
Nukleardoktrin geht weiterhin davon
aus, daß präventive Schläge durchgeführt werden sollen, wenn dies als
notwendig erachtet wird. Obwohl die
Sowjets behaupten, sie hätten eine
neue defensive Doktrin eingeführt,
wird eine Umstrukturiereung der sowjetischen strategischen Streitkräfte
- unter Einbeziehung bedeutender programmatischer Veränderungen und einer
umfassenden Neuverteilung von Mitteln, die aus strategischen Programmen abgezogen werden - wahrscheinlich
mehrere Jahre in Anspruch nehmen,
wenn
sie
überhaupt
verwirklicht
wird.
Obwohl die Zukunft ungewiß

- 24 -

�ist, scheint es so, als ob die sowjetische Militärführung an ihrer Überzeugung festhält, daß ein "ausreichendes strategisches Niveau" auf der
Ebene der strategischen Atomstreitkräfte auf ihrer Fähigkeit beruht,
einen militärischen Vorteil gegenüber
ihren potentiellen Gegnern aufrechtzuerhalten.
Zusammenfassend lassen sich drei
das Gleichgewicht und die Stabilität
der Abschreckung beeinflussende Faktoren nennen: Erstens die erheblichen Unterschiede innerhalb der von
jeder Seite stationierten Streitkräfte. Zweitens die Verteidigungssysteme und Ziele, gegen die diese eingesetzt würden. Drittens die Militärdoktrinen und Grundsätze, die ihrer
Existenz zugrundeliegen und über ihren Einsatz entscheiden.
Letztlich beruht die Aufrechterhaltung der strategischen Abschrekkung auf der Fähigkeit der Vereinigten Staaten, die Sowjets davon zu
überzeugen, daß sie sowohl die Mittel
als auch den Willen haben, auf jeden
sowjetischen Angriff gegen die Vereinigten Staaten oder ihre Verbündeten
wirksam zu reagieren. Wie die Geschichte der vergangenen beiden Jahrzehnte jedoch beweist, ist Abschrekkung ein dynamisches Konzept. Unter
dem Blickwinkel der langfristigen und
dauerhaften Modernisierung der strategischen Streitkräfte durch Moskau
ist es vernünftig, anzunehmen, daß
die Sowjets weiterhin versuchen werden, das amerikanische nukleare Abschreckungspotential
zu
schwächen.
Deshalb müssen die Vereinigten Staaten bereit sein, mit angemessenen
Programmen zu reagieren und die notwendigen Fähigkeiten zu entwickeln,
um ihr strategisches Abschreckungspotential aufrechtzuerhalten.

terstützung von Weltraumvorhaben unterhält.
Die von den Vereinigten
Staaten in Umlaufbahnen gebrachten
Systeme bieten im Frieden überlegene
Fähigkeiten. Um jedoch ihre Funktion
während eines Konflikts zu sichern,
müssen sich die Vereinigten Staaten
weiterhin um die Schaffung einer operativen ASAT-Fähigkeit, einer reaktionsfähigeren Fähigkeit zur Wiederherstellung von Weltraumsystemen sowie einer überlebensfähigeren Infrastruktur zur Unterstützung von Weltraumvorhaben bemühen.

Perspektiven
Heute ist die Wahrscheinlichkeit
eines Konflikts zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion
vielleicht geringer als jemals in der
Nachkriegszeit. Es steht ferner außer Frage, daß in der UdSSR bedeutende und in einigen Fällen dramatische
Veränderungen stattfinden. Zum Beispiel :

Das Gleichgewicht im Weltall
Die Sowjetunion ist gegenüber den
Vereinigten Staaten im Vorteil, weil
sie eine einzigartige ASAT-Fähigkeit
und eine solide Infrastruktur zur Un- 25 -

Wirtschaftlich hat die sowjetische Führung mit der Perestrojka
ein Programm in Angriff genommen,
mit dem sie ihre Wirtschaft in
einer Art und Weise umgestalten
möchte, die sich von den Lehren
des Marxismus-Leninismus scharf
abhebt.
Politisch experimentieren die Sowjets durch Glasnost mit bestimmten Elementen einer offenen Gesellschaft, darunter einem gewissen Maß an Redefreiheit und - zum
ersten Mal in 70 Jahren - Wahlen,
die den sowjetischen Bürgern eine
begrenzte Kandidatenauswahl gestatten.
Militärisch hat Generalsekretär
Gorbatschow bedeutende einseitige
Verringerungen bei den sowjetischen konventionellen Streitkräften angekündigt und weitere Kürzungen vorgeschlagen, die ernsthaft berücksichtigt werden sollten.
Er hat ferner erhebliche
Reduzierungen
im
sowjetischen

�Verteidigungshaushalt und bei der
Waffenbeschaffung
angekündigt.
Schließlich behaupten die Sowjets, sie rückten von einer offensiv ausgerichteten Militärdoktrin ab und wendeten sich einem
neuen Konzept zu, das sich auf
das "ausreichende Niveau" gründet.
Gesellschaftlich scheint die sowjetische
Führung
willens
zu
sein, ein größeres Maß an Toleranz gegenüber den zahlreichen
nichtrussischen
Nationalitäten
und Volksgruppen sowie gegenüber
der Religion walten zu lassen.
Diplomatisch
geht
Gorbatschows
Forderung nach einem "neuen Denken" mit einer Abkehr der Sowjets
von der Konfrontation mit dem Westen und der Hinwendung zu einer
Betonung von Verhandlungen als
Mittel
zur
Schlichtung
von
Streitfällen einher. Insbesondere sind der Abzug der sowjetischen Streitkräfte aus Afghanistan und die Bereitschaft Moskaus, den Staaten Osteuropas mehr
Freiheit bei der Lösung ihrer
Probleme
einzuräumen,
positive
Schritte zur Schaffung eines stabileren internationalen Umfelds.
So eindrucksvoll diese Veränderungen auch sein mögen, so ist es
doch nur natürlich, daß wir im Westen
uns fragen, warum sie gerade jetzt,
nach über 40 Jahren der Ost-WestSpannungen und über 70 Jahren kommunistischer Herrschaft in der Sowjetunion stattfinden.
Wir sind der
Überzeugung, daß die sowjetische Führung diese Maßnahmen durchführt, weil
sie mit zwei Grundbedingungen konfrontiert ist, durch die sie sich zu
Veränderungen veranlaßt sieht.
Die erste Bedingung betrifft den
inneren Zusammenbruch des sowjetischen Kommunismus. Dies gilt besonders für die sowjetische Wirtschaft,
in der die Sowjetunion eine Generation nach dem in der Nachkriegszeit
in Westeuropa und Japan vollendeten
Wiederaufbau immer noch unfähig ist,

in einem schnell wachsenden Weltwirtschaftssystem zu konkurrieren, die
Ernährung ihrer Bevölkerung sicherzustellen ohne auf die Einfuhr großer
Mengen von Nahrungsmitteln zurückgreifen zu müssen und aufgrund einer
unzulänglichen technologischen Basis
vollständig an der Revolution des Militärwesens zu partizipieren. Dieses
wirtschaftliche Versagen hat dazu geführt, daß die sowjetische Bevölkerung die ihrem politischen System zugrundeliegenden
Voraussetzungen
in
Frage stellt. Unter Gorbatschow kamen diese Zweifel in der Bereitschaft
der Führung zum Ausdruck, die Situation realistisch einzuschätzen und in
ihrer Entschlossenheit, sich mit der
Unfähigkeit des Kommunismus zur Bewältigung der gegenwärtigen und zukünftigen politischen, militärischen
und wirtschaftlichen Ziele der Sowjetunion auseinanderzusetzen.
Ein zweiter wesentlicher Anreiz
für Veränderungen in der Sowjetunion
ist die über mehr als 40 Jahre hinweg
unter Beweis gestellte Entschlossenheit der westlichen Demokratien, allen sowjetischen Versuchen der Einschüchterung und Subversion zu widerstehen und die sowjetische Führung
davon zu überzeugen, daß jegliche
durch Gewalt möglicherweise errungene
Vorteile den damit einhergehenden
Preis nicht wert wären. Diese Festigkeit gründet sich auf unsere Entschlossenheit,
unsere
gemeinsamen
Werte der Demokratie, der Freiheit
des einzelnen und der wirtschaftlichen Möglichkeiten zu bewahren und
kommt in einem robusten System der
kollektiven Sicherheit, einem starken
militärischen
Abschreckungspotential
sowie der Dynamik eines leistungsfähigen, innovativen Wirtschaftssystems
zum Ausdruck. Die Zeit hat die universelle Macht dieser Werte bewiesen. Heute bringen die Menschen in
den kommunistischen Staaten offen ihren Wunsch zum Ausdruck, an den Vorzügen der Demokratie, der Freiheit
und den wirtschatlichen Möglichkeiten
teilzuhaben.

- 26 -

Insgesamt beruht die gegenwärtige

�Entschlossenheit
der
sowjetischen
Führung, ihre wirtschaftliche Leistungskraft zu stärken, ihre Fähigkeit zu verbessern, in einem raschen
Veränderungen unterworfenen weltwirtschaftlichen Umfeld zu konkurrieren
und die Revolution in der Militärtechnik für ihre eigenen Zwecke auszunutzen, auf dem sowjetischen Eigeninteresse und der Entschlossenheit
westlicher Demokratien, ihre eigenen
Interessen vor sowjetischer Einflußnahme zu schützen.
Einige Fakten zu den jüngsten
wjetischen Maßnahmen sollten uns
Gedächtnis zurückrufen, daß die
wjetische militärische Bedrohung
weiterhin sehr real betrifft:

soins
souns

Selbst wenn die Sowjets die in
der Gorbatschow-Rede vor den Vereinten Nationen am 7. Dezember
1988 erwähnten Streitkräfte vollständig
abbauten,
wären
die
Streitkräfte des Warschauer Pakts
bei Panzern, Artillerie und Divisionen denen der NATO immer noch
2 zu 1 überlegen.
-

Trotz öffentlicher Hinweise auf
reduzierte Militärhaushalte gibt
Moskau immer noch geschätzte 15
bis 17 Prozent seines BSP für die
Verteidigung
aus, während die
Vereinigten Staaten hierfür weniger als 6 Prozent aufwenden.
Trotz
Gorbatschows
Vorschlägen
einer Kürzung des sowjetischen
Verteidigungshaushalts um 14, 2
Prozent sind die Verteidigungsausgaben seit 1985 jährlich real
um durchschnittlich 3 Prozent gestiegen. Im Vergleich dazu sind
die
Verteidigungsausgaben
der
Vereinigten Staaten seit 1985 real um 11,2 Prozent gesunken. Die
Sowjetunion wird also, selbst
wenn Gorbatschow seine Vorschläge
in die Tat umsetzt, nur mit unseren
eigenen
Ausgabenkürzungen
gleichziehen.
Obwohl wir uns darüber im klaren
sind, daß Veränderungen bei der
- 27 -

Herstellung
von
Rüstungsgütern
nur schrittweise erfolgen können,
bleibt doch die Tatsache bestehen, daß die Rüstungsindustrie in
der Sowjetunion unter Gorbatschow
insgesamt im selben Umfang produziert wie unter seinen unmittelbaren Vorgängern.
Dabei fällt
besonders die anhaltende Modernisierung strategischer Systeme ins
Auge.
Die Sowjets stationieren
zum Beispiel weiterhin mobile
ICBMs der Typen SS-24 und SS-25,
zu denen uns die Entsprechung
fehlt.
Seit mehr als zehn Jahren modernisieren die Sowjets ihre Kurzstreckensysteme.
Sie haben zum
Beispiel die alten und nicht
zielgenauen
FROG-Systeme
durch
die moderne SS-21 ersetzt. Tatsächlich hat sich die Zahl der
Trägersysteme
für SS-21 unter
Gorbatschow mehr als verdoppelt.
Darüber hinaus ersetzt Moskau
seine SS-23 - die bei Einhaltung
des INF-Vertrages eigentlich zerstört werden müßte - durch SCUDRaketen. Als Folge dieser Modernisierung hat der Warschauer Pakt
bei den Kurzstreckenraketen gegenüber der NATO nunmehr einen
Vorteil von 16:1.
Die Sowjets erhielten kürzlich
viel Beifall, als Moskau seine
Absicht bekundete, 500 Nuklearwaffen ersatzlos aus Osteuropa
abzuziehen. Weniger bekannt ist,
daß die NATO in den letzten zehn
Jahren ihren erheblich geringeren
Bestand in Europa einseitig um
2 400
Nuklearwaffen
reduziert
hat. Das heißt, daß die Reduzierungen der Sowjets trotz wortgewaltiger Reden geringer sind und
ihr Restbestand erheblich umfangreicher ist als bei der NATO.
Trotz der Beteuerungen einer neuen Offenheit muß die Sowjetunion
im Hinblick auf Informationen
über Militärausgaben, Waffenbeschaffung,
Streitkräftestruktur
und Stationierung ihrer Streit-

�kräfte noch den westlichen Maßstäben gerecht werden.
Aufgrund
der
kontinuierlichen
Stationierung
enormer
Streitkräfte
und der unsicheren Ergebnisse der Reformpolitik müssen wir in dieser
Ubergangsphase gegenüber der Sowjetunion einen zweiteiligen Ansatz verfolgen. Dabei berücksichtigt der eine Teil die Bedeutung der kontinuierlichen Unterstützung unserer erfolgreichen Bündnisstrategie und kollektiven, auf einer starken militärischen Abschreckung basierenden Sicherheitsbestrebungen, bis wir einen
Abbau sowjetischer Militärmacht auf
ein erheblich niedrigeres Niveau beobachten. Der zweite Teil sieht vor,
daß wir Moskau bei politischen Maßnahmen unterstützen, die den demokratischen Pluralismus in der Sowjetunion und ein stabiles internationales
Umfeld fördern.
Die Vorsicht gemahnt, daß wir in
der Zwischenzeit unsere Verteidigung
beibehalten und abwarten, ob die sowjetischen Fähigkeiten zur Bedrohung
unserer Sicherheit sich mit den von
ihren bekundeten wohlmeinenden Absichten zur Deckung bringen lassen.
Unsere in diesem Jahrhundert insbesondere mit totalitären Staaten gewonnenen Erfahrungen haben immer wieder gezeigt, daß scheinbar freundschaftliche Beziehungen sich aufgrund
von Entscheidungen weniger mächtiger
Politiker blitzschnell ändern können. Dagegen verändern sich militärische Fähigkeiten sehr viel langsamer. Bis wir Klarheit darüber erlangen, in welches Sicherheitsstadium
wir eintreten, ist die Beibehaltung
unserer militärischen Stärke und politischen Entschlossenheit ein vergleichsweise niedriger Preis für die
Aufrechterhaltung unserer Sicherheit
und unserer Freiheiten.

* * * * *

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                    <text>AMERIKA DIENST
%

^

&lt;&amp;

27. September 1989

36

I N H A L T

DOKUMENTATION
Bush signalisiert Bereitschaft zur Zerstörung chemischer Waffen
- Ansprache des Präsidenten vor den Vereinten Nationen Mosbacher;

"Beachtlicher Wandel" in Polen

- Rede des amerikanischen Handelsministers HINTERGRUND
Regionale Fragen in den amerikanisch-sowjetischen Beziehungen
- Eine Übersicht des US-Außenministeriums Rüstungskontrolle in den amerikanisch-sowjetischen Beziehungen
- Eine Übersicht des US-Außenministeriums Das amerikanisch-sowjetische Memorandum of Understanding über
chemische Waffen
- Eine Übersicht des US-Außenministeriums START; Eine Rahmenvereinbarung zu Verifizierung und Stabilität
- Eine Übersicht des US-Außenministeriums ' Stand der Rüstungskontrollverhandlungen
/ - Wöchentliche Übersicht Umweltinitiativen der Bush-Administration
- Eine Übersicht des Weißen Hauses -

* * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�AMERIKA DIENST
Dokumentation
27. September 1989

36

BUSH SIGNALISIERT BEREITSCHAFT ZUR ZERSTÖRUNG CHEMISCHER WAFFEN
- Ansprache des Präsidenten vor den Vereinten Nationen VEREINTE NATIONEN - (AD) - Präsident Bush gab am 25. September 1989 in
einer Rede vor der Vollversammlung der Vereinten Nationen ein Drei-Punkte-Programm bekannt, um "die Welt von diesen wahrhaft furchtbaren" Chemiewaffen zu
befreien, wenn auch die Sowjetunion sich daran beteiligt. Bushs Plan zufolge
sind die Vereinigten Staaten bereit, innerhalb von acht Jahren 98 Prozent ihres Bestands an chemischen Waffen zu zerstören und sie innerhalb von zehn Jahren lOOprozentig zu vernichten, wenn alle Länder mit der Fähigkeit zur Hersteilung chemischer Waffen den Vertrag über ein vollständiges Verbot unterzeichnen.
Bush bekundete darüber hinaus, er sei "sehr zufrieden" mit den Fortschritten in den Gesprächen über die Reduzierung konventioneller und strategischer
Waffen zwischen Außenminister Baker und seinem sowjetischen Amtskollegen
Schewardnadse in Jackson Hole (Wyoming).
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede des Präsidenten im Wortlaut.
Herr Präsident, Herr Generalsekretär, verehrte Delegierte der Vereinten Nationen: es ist mir eine Ehre, heute bei der Eröffnung der 44.
Sitzung der Vollversammlung zu Ihnen
sprechen zu dürfen.
Ich möchte zunächst dem ehrenwerten nigerianischen Diplomaten Joseph
Garba £u seiner Wahl zum Präsidenten
dieser Sitzung der Vollversammlung
gratulieren und ihm eine erfolgreiche
Präsidentschaft wünschen.
Ich persönlich freue mich auch
über diese Gelegenheit. Für mich ist
es eine Heimkehr. Die Erinnerungen
an meine Zeit hier in den Jahren 1971
und 1972 sind immer noch lebendig die Augenblicke der Menschlichkeit
und des Humors, die auch bei Unter-

nehmungen an höchster Stelle stattfinden.
Dazu möchte ich Ihnen eine Geschichte erzählen - aus einer der
zahlreichen
Sitzungen des Sicherheitsrats.
Ich kam 45 Minuten zu
spät zu der Versammlung, und die ganzen 45 Minuten wurden vom ersten Redner bestritten.
Als ich hereinkam
und meinen Platz einnahm, machte der
Redner eine kurze Pause und sagte
sehr höflich: "Ich begrüße den Ständigen Vertreter der Vereinigten Staaten und werde jetzt ihm zuliebe meine
Rede noch mal von vorn halten." In
diesem Augenblick gab es keine Gegensätze zwischen Bündnissen oder Ideologien mehr. Das am ganzen Tisch von allen Mitgliedern - vernehmbare
Aufstöhnen und das anschließende Ge-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�lächter einte uns alle.
Heute möchte ich beginnen, indem
ich die gegenwärtigen Ständigen Vertreter würdige, mit denen ich zusammengearbeitet habe: Roberto Martinez-Ordonez, Blaise Rabetafika und
der Ständige Beobachter John Dube.

Kämpfer für den Frieden erinnern. An
einen Amerikaner, der an einer Friedensmission der Vereinten Nationen
und damit an einer Mission zum Wohl
der Welt teilgenommen hat. An einen
zweifellos tapferen Mann mit unbeirrbarem Engagement für das Ideal der
Vereinten Nationen:
Oberstleutnant
William Richard Higgins.

Es ist wunderbar, wenn man sich
umsieht und soviele bekannte Gesichter erblickt - Außenminister, Mitarbeiter des Sekretariats, Delegierte.
Und natürlich Sie, Herr Generalsekretär, der Sie Ständiger Vertreter Ihres Landes waren, und Sie Herr Stellvertretender
Generalsekretär
Abby
Farah, als damaliger Ständiger Vertreter. Ich freue mich, heute zusammen mit Ihnen an dieser historischen
Stätte zu weilen.

Ich fordere die Vollversammlung
auf, den Mord an diesem Soldaten des
Friedens zu verurteilen und bitte die
Verantwortlichen, der Familie seine
sterblichen Überreste, zu übergeben.
Und ich möchte, daß wir uns hier und
jetzt erneut auf die Sache verpflichten, der Oberst Higgins so selbstlos
gedient hat.

Die Vereinten Nationen wurden vor
41 Jahren auf den Trümmern des Krieges errichtet, und ihre Gründung wurde von großen Hoffnungen begleitet.
Und die Vereinten Nationen können
Großes vollbringen. Dabei sind sie
keineswegs unfehlbar.
Sie liefern
kein Allheilmittel für die Probleme
der Welt. Aber sie sind ein ungemein
wichtiges Forum, indem die Nationen
der Welt Konflikte durch Konsens zu
ersetzen suchen, und sie müssen ein
Forum für den Frieden bleiben.
Die Vereinten Nationen nähern
sich diesem Idealbild immer mehr an.
Und sie verfügen über die Zustimmung
der Vereinigten Staaten von Amerika.
In den letzten Jahren - und ganz sicherlich seit meiner Zeit hier - haben die von diesen Wänden widerhallenden Wortgefechte oftmals eine neue
Denkrichtung eingeleitet. Wir haben
eine begrüßenswerte Verlagerung - von
Fehden zu versöhnlichen Worten - beobachten können.
Die
UN-Friedenstruppen
haben
jetzt ihren Dienst aufgenommen, und
in all den Jahren haben mehr als 700
ihrer Mitglieder ihr Leben im Dienst
der
Vereinten
Nationen
gelassen.
Heute möchte ich an einen dieser

Die Gründer dieser historischen
Institution wollten, daß die Nationen
der Welt sich hier zusammenfinden, um
sich darauf zu einigen, daß das Gesetz und nicht die Gewalt regieren
sollte. Und die Vereinten Nationen
können bei den wichtigen Problemen
unserer Zeit eine entscheidende Rolle
spielen.
Denn heute gibt es eine
Idee, die die Welt beherrscht - eine
Idee von unbestreitbarer Macht. Und
diese Idee heißt: Freiheit.
Der Vormarsch der Freiheit läßt
sich überall beobachten. In Mitteleuropa in Ungarn - wo sich Staat und
Gesellschaft nunmehr inmitten einer
Bewegung zu politischem Pluralismus
und freier Marktwirtschaft befinden.
Wo die Zäune, die einmal eine unnatürliche Trennung zwischen Ungarn und
seinen Nachbarn im Westen bewirkten,
jetzt niedergerissen - und durch »neue
Hoffnungen für die Zukunft ersetzt
wurden - neue Hoffnungen auf Freiheit.
Wir beobachten die Verwirklichung
der Freiheit in Polen - wo die kommunistische Partei unter Respektierung des Volkswillens ihr Machtmonopol aufgegeben hat und auch in der
Sowjetunion, wo die Welt die Stimmen
der Menschen vernimmt, die keine
Angst mehr haben, ihre Meinung zu äußern oder auf dem Recht auf Selbstbe-

�Stimmung zu bestehen.
Aber der Vormarsch der Freiheit
bleibt nicht auf einen einzelnen Kontinent oder die Industrieländer beschränkt.
Wir beobachten auch größere Freiheit in Lateinamerika, wo die Diktaturen langsam zugunsten von Demokratien verschwinden.
Wir beobachten dasselbe auf dem
afrikanischen Kontinent, wo mehr und
mehr Länder in freiem Unternehmertum
die Rettung für ihre durch übermäßige
staatliche
Kontrolle
behinderten
Volkswirtschaften erblicken.
Ost und West, Nord und Süd: Auf
jedem Kontinent, an jedem Horizont
erkennen wir den Silberstreif einer
neuen Welt der Freiheit.
Natürlich ist das Werk der Freiheit noch unvollendet. Die Tendenzen, die wir wahrnehmen, finden nicht
überall statt. Einige Regime stellen
sich immer noch den Gezeiten entgegen. Manche der Regierenden verweigern den Menschen immer noch das
Recht, sich selbst zu regieren. Aber
jetzt wird die Macht der Befangenheit
und Tyrannei herausgefordert.
Niemals zuvor haben diese Regime so isoliert und allein dagestanden, so weit
vom stetigen Vormarsch der Freiheit
entfernt.
Heute werden wir Zeuge eines Zusammenbruchs von Ideologien, dem Untergang der totalitaristischen Idee
des allmächtigen Staates.

die Bill of Rights und damit Grundfreiheiten für jeden einzelnen vorgeschlagen. Rechte, die keine Regierung
verweigern
kann.
Dieselben
Rechte sind von dieser Versammlung
der Nationen mit dem Text der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte
anerkannt worden, und sie stellen eine Maxime für alle Menschen und alle
Nationen dar.
Von unserem Standpunkt aus gesehen, von der Schwelle dieser neuen
Welt der Freiheit, läßt sich diese
Tendenz eindeutig ausmachen.
Wenn
diejenigen, die unsere heutige Geschichte schreiben, das 20. Jahrhundert als Zeitalter des Staates bezeichnen, muß das 21. Jahrhundert ein
Zeitalter der Emanzipation des Individuums sein.
Damit kein falscher Eindruck entsteht: Nichts kann dem Vormarsch der
Freiheit im Weg stehen. Es wird ein
Tag kommen, wo Freiheit auf der ganzen Welt als allgemein verbrieftes
Recht - jeder Rasse und jedes Lebensbereichs - betrachtet wird. Auch unter den schlimmsten Umständen, in den
schwierigsten Zeiten ist Freiheit immer lebendig geblieben - als ferner
Traum vielleicht, aber immer noch lebendig.
Heute ist dies nicht mehr nur ein
ferner Traum. Zum ersten Mal ist für
Millionen Menschen auf der ganzen
Welt eine neue Welt der Freiheit in
Reichweite. Jetzt ist die Zeit reif
für die Freiheit.

Für diesen Zusammenbruch gibt es
zahlreiche Gründe. Aber am Ende läßt
sich das, was wir heute wahrnehmen,
in einem Satz erklären: Für die Anhänger der Idee des Totalitarismus
war deren Triumph ein Gesetz der Geschichte. Sie haben jedoch nicht die
Liebe zur Freiheit beachtet, die in
die Herzen der Menschen geschrieben
ist.

Wie Sie sehen, besteht nunmehr
die Möglichkeit zur Schaffung einer
echten Staatengemeinschaft, die sich
auf gemeinsame Interessen und Ideale
gründet.
Eine echte Gemeinschaft,
eine Welt, in der freie Regierungen
und
freie
Marktwirtschaften
dem
Wunsch der Menschen nach Gestaltung
ihres eigenen Schicksals entgegenkommen: nach einem Leben in Würde und
freier Ausübung ihrer grundlegenden
Menschenrechte.

Vor zweihundert Jahren haben die
Vereingten Staaten - unser Kongreß -

Es ist an der Zeit, daß wir zusammenarbeiten, um dieses Schicksal

- 3 -

�in die Hände aller Menschen zu legen.
Wir stehen vor der Herausforderung, die Grundfesten der Freiheit zu
stärken, ihren Vormarsch zu fördern
und uns unseren vordringlichsten Herausforderungen zu stellen. Den globalen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts: wirtschaftliches Wohlergehen, gesunde Umwelt und die großen
Fragen von Krieg und Frieden.
Zunächst zum Wachstum der Weltwirtschaft. In diesem Jahrzehnt sind
eine Reihe von Entwicklungsländern in
die Reihen der fortschrittlichsten
Volkswirtschaften aufgestiegen, und
jedes von ihnen hat es auf der Basis
freien Unternehmertums geschafft.
In den kommenden zehn Jahren können andere dazukommen.
Aber viele
Länder sehen sich Hindernissen gegenüber. Im Falle einiger Länder sind
es selbsterrichtete Hindernisse: unnötige Einschränkungen und Vorschriften, die sich als Hemmschuh für ihre
eigenen Volkswirtschaften und als
Hindernisse für den Außenhandel erweisen.
Aber es gibt noch andere Hindernisse für den Wandel, die auch nach
Taten verlangen. Allzuviele Entwicklungsländer kämpfen heute mit der
Last ihrer Schulden, die ein Wachstum
nahezu unmöglich macht. Die Länder
der Welt verdienen bessere Möglichkeiten, um die Kontrolle über ihr eigenes wirtschaftliches Schicksal zu
erlangen und ihren Bewohnern ein besseres Leben zu schaffen.
Der von den Vereinigten Staaten
mit dem Brady-Plan unterbreitete Vorschlag wird diesen Länder beim Abbau
ihrer Schuldenlast helfen und gleichzeitig Reformen für eine freie Marktwirtschaft fördern, mit denen Wachstum in Gang gesetzt werden kann.
In zwei Tagen werde ich eine Rede
beim
Internationalen
Währungsfonds
und der Weltbank halten. Ich werde
dabei eingehender auf die Maßnahmen
eingehen, die unsere Länder zur Lö-

sung des Schuldenproblems ergreifen
können.
Aber jetzt kann ich dazu
schon sagen, daß die neue Welt der
Freiheit keine Welt ist, in der einige Länder in Wohlstand leben und andere bedürftig sind.
Die Macht des Handels treibt den
Fortschritt
voran.
Offene Märkte
sind der Schlüssel für anhaltendes
Wachstum in den Entwicklungsländern.
Heute erwerben die Vereinigten Staaten über die Hälfte der verarbeiteten
Exportgüter, die alle Entwicklungsländer zusammen an die Industrieländer verkaufen. Es ist an der Zeit,
daß andere wohlhabende Länder es uns
gleichtun, um mehr Möglichkeiten im
Handel zu schaffen.
Meiner Ansicht nach werden wir im
kommenden Jahrhundert
lernen, daß
viele Länder der Welt ihr volles Entwicklungspotential kaum ausgeschöpft
haben. Freie Marktwirtschaft und ihre Früchte sind nicht nur einigen wenigen vorbehalten, sondern alle sollten davon profitieren.
über
die
Herausforderung
des
weltweiten Wachstums hinaus gibt es
noch eine andere Frage von globaler
Bedeutung:
die Umwelt.
Keine auf
einer Landkarte eingezeichnete Grenze
kann die fortschreitende Verschmutzung der Umwelt aufhalten. Bedrohungen für die Umwelt sind zu einem
weltweiten Problem geworden.
Wir
müssen einen internationalen Ansatz
finden, um der Umweltproblematik größere Dringlichkeit zu verleihen und
gemeinsam nach Lösungen für gemeinsame Probleme suchen.
Die Vereinten Nationen arbeiten
bereits daran. Am Problem der Erwärmung der Erde. Und es gibt Bestrebungen, um Öl- und andere Katastrophen zu verhindern, die unsere Meere
und die Luft, die wir atmen, verschmutzen.
Und dazu möchte ich Ihnen jetzt
sagen: Die Vereinigten Staaten werden ihren Teil dazu beitragen. Wir
haben uns zur weltweiten Abschaffung

- 4 -

�aller
Fluorchlorkohlenwasserstoffe
bis zum Jahr 2000 verpflichtet. Wir
haben Zusätze zu unserem Gesetz über
die Luftreinhaltung vorgeschlagen, um
innerhalb nur einer Generation saubere Luft für all unsere Bürger sicherzustellen. Wir haben den Import von
Elfenbein verboten, um Elefanten und
Nashörner vor den Wilderern zu schützen, die sie des Profits wegen ausrotten.
Und wir haben begonnen, gemeinsam
mit anderen Ländern Maßnahmen zu erarbeiten - mit den wichtigsten Industrieländern, Polen und Ungarn, um
den Umweltschutz zu einer gemeinsamen
Sache zu machen. Die Umwelt gehört
uns allen. In unserer neuen Welt der
Freiheit müssen alle Menschen der
Welt diese gemeinsame Zuversicht in
allen folgenden Generationen hegen
dürfen.
Das Wachstum der Weltwirtschaft,
die Erhaltung unseres Planeten - beides sind entscheidende Fragen. Wie
immer jedoch müssen Fragen von Krieg
und Frieden für die Vereinten Nationen übergeordnete Bedeutung haben.
Wir müssen uns bemühen, Massenvernichtungswaffen zu begrenzen - und
zu beseitigen. Vor fünf Jahren habe
ich der Abrüstungskonferenz der Vereinten Nationen in Genf einen amerikanischen Vertragsentwurf zum Verbot
chemischer Waffen vorgelegt. Seither
wurden Fortschritte erzielt, aber die
Zeit
wird
knapp.
Die Bedrohung
wächst.
Über 20 Staaten besitzen
heute chemische Waffen oder die Fähigkeit, sie herzustellen. Und diese
schrecklichen Waffen werden heute in
regionalen
Konflikten
eingesetzt.
Das ist unannehmbar.
Um der Menschheit willen müssen
wir diese Bedrohung aufhalten und abbauen. Ich möchte heute Schritte ankündigen, die die Vereinigten Staaten
zu unternehmen bereit sind, Schritte,
um die Welt von diesen wahrhaft
furchtbaren Waffen zu befreien, zu
einem Vertrag, der innerhalb von 10
Jahren nach seiner Unterzeichnung al-

le chemischen Waffen auf der ganzen
Welt verbieten und beseitigen wird.
Diese Initiative
wichtige Elemente:

enthält

drei

Erstens
sind
die
Vereinigten
Staaten bereit, in den ersten acht
Jahren nach Abschluß eines Vertrags
über chemische Waffen 98 Prozent ihres Bestands an chemischen Waffen zu
vernichten, wenn sich die Sowjetunion
dem Verbot anschließt. Ich bin überzeugt, daß sie dies tun wird.
Zweitens sind wir bereit, all unsere chemischen Waffen, 100 Prozent,
jede einzelne, innerhalb von 10 Jahren nach der Unterzeichnung eines
Vertrags über das vollständige Verbot
durch alle zur Herstellung dieser
Waffen befähigten Staaten zu zerstören.
Und drittens sind die Vereinigten
Staaten bereit, sofort zu beginnen.
Wir werden noch während der Arbeit an
einem Vertrag über 80 Prozent unserer
Bestände beseitigen, wenn sich die
Sowjetunion uns anschließt, die chemischen Waffen auf ein gleiches Niveau abbaut und wir uns auf Inspektionen einigen, um zu überprüfen, daß
diese Bestände zerstört werden.
Wir wissen, daß die Überwachung
eines vollständigen Verbots chemischer Waffen eine Herausforderung
darstellt. Aufgrund der Erkenntnisse, die wir mit unseren Erfahrungen
aus den jüngsten Rüstungskontrollabkommen gewonnen haben sowie aufgrund
unserer intensivierten Forschung in
diesem Bereich bin ich jedoch der
Übe rzeugung, daß wir einen Grad der
Verifizierung erreichen können, der
uns Vertrauen zum Abschluß eines solchen Verbots gibt.
Die Welt lebt schon zu lange im
Schatten
der chemischen Kriegführung. Lassen Sie uns ab heute gemeinsam handeln, um die Welt von dieser Geißel zu befreien.

- 5 -

Wir bemühen uns ebenso ernsthaft

�um die konventionelle Abrüstung. Aus
diesem Grund haben wir am vergangenen
Donnerstag, dem 21. September 1989,
bei den Wiener KSE-Verhandlungen neue
Vorschläge präsentiert - Vorschläge,
die unser Engagement unter Beweis
stellen, daß wir uns bemühen, sobald
wie möglich die militärischen Spannungen in Europa abzubauen und die
Völker dieses Kontinents ihrer gemeinsamen Bestimmung einen Schritt
näherzubringen:
einem
ungeteilten
und freien Europa.
Die Vereinigten Staaten sind davon überzeugt, daß offene und innovative Maßnahmen die Abrüstung fördern
und internationale Spannungen abbauen
können. Genau dieser Gedanke liegt
dem Vorschlag der 'offenen Himmel'
zugrunde, zu dessen Prüfung sich die
Sowjets nun bereiterklärt haben. Er
liegt dem Vorschlag der 'offenen Länder' zugrunde - der zum ersten Mal
die Reisefreiheit aller sowjetischen
und amerikanischen Diplomaten im jeweiligen Gastland vorsieht. Offenheit ist der Feind des Mißtrauens,
und jeder Schritt zu einer offeneren
Welt ist ein Schritt zu der neuen
Welt, wie wir sie anstreben.
Ich möchte noch kurz auf die
Treffen mit Außenminister Schewardnadse in den letzten Tagen eingehen.
Ich bin mit den erreichten Fortschritten sehr zufrieden.
Die Sowjetunion hat eine Reihe von Hindernissen für Fortschritte bei der Reduzierung konventioneller und strategischer Waffen aus dem Weg geräumt.
Wir haben Grundsatzvereinbarungen zu
Problemen von der Verifizierung bis
zu den Atomtests erzielt. Und wir
haben uns auf ein Gipfeltreffen im
Frühjahr oder Frühsommer des Jahrs
1990 verständigt.
Jedes dieser Ergebnisse ist für
sich allein schon bedeutend.
Sie
sind jedoch noch wichtiger als Zeichen der neuen Haltung, die zwischen
den Vereinigten Staaten und der UdSSR
vorherrscht.
Ernste
Meinungsverschiedenheiten bleiben bestehen, aber
die Bereitschaft, diese Meinungsver-

schiedenheiten konstruktiv und offen
zu behandeln, ist eine neue Tatsache,
die wir und die ganze Welt begrüßen
sollten.
Wir sind nicht in ein Zeitalter
ewigen Friedens eingetreten. Die Bedrohungen des Friedens, mit denen die
Staaten heute konfrontiert werden,
mögen sich verändern, aber sie sind
nicht
verschwunden.
Tatsächlich
tritt in einer Reihe von Regionen der
Welt ein brisantes Gemisch zutage:
Regime, die mit alten und unversöhnlichen Animositäten - und modernen
Massenvernichtungswaffen
ausgerüstet
sind.
Durch diese Entwicklung wird das
Risiko bei jedem möglichen Kriegsausbruch erhöht.
Regionale Konflikte
könnten den Weltfrieden in nie gekanntem Ausmaß bedrohen.
Die Bewahrung des Friedens ist
für uns alle hier in diesem Saal eine
persönliche
Herausforderung.
Die
Vereinten Nationen können ein Vermittler sein und ein Forum, das alle
miteinander
in Konflikt stehenden
Parteien auf der Suche nach friedlichen Lösungen zusammenführen kann.
Um des Friedens willen müssen die
Vereinten Nationen ihre Unterstützung
der gegenwärtig stattfindenden Friedensbemühungen
in
Konfliktgebieten
auf der ganzen Welt verdoppeln. Ich
versichere Ihnen:
Die Vereinigten
Staaten sind entschlossen, bei der
Beilegung regionaler Konflikte eine
aktive Rolle zu übernehmen. Bisweilen wird unsere Rolle bei regionalen
Streitigkeiten vollständig der Öffentlichkeit bekanntgegeben. In anderen Fällen arbeiten wir, wie viele
von Ihnen auch, ohne großes Aufsehen
- hinter den Kulissen. Immer jedoch
setzen wir uns für positive Veränderungen und dauerhaften Frieden ein.
Unsere Welt ist noch anderen, weniger geläufigen Bedrohungen ausgesetzt, die für Frieden und Stabilität
in der Welt jedoch nicht minder gefährlich sind. Drogen sind eine Be-

�drohung der Gesellschaftsordnung und
ein Quell menschlichen Leids, wo immer sie Fuß fassen. Die Länder, die
von dieser Geißel der Menschheit betroffen sind, müssen ihre Kräfte im
Kampf
dagegen
zusammenschließen.
Dies geschieht bereits. Ich möchte
insbesondere das Engagement und den
außergewöhnlichen Mut eines einzelnen
Landes hervorheben, nämlich Kolumbiens, in dem wir heute mit der Bevölkerung und ihrem Präsidenten, Virgilio Barco, zusammenarbeiten, um den
Drogenkartellen die Geschäftsgrundlage zu nehmen und die Drogenbarone ihrer gerechten Strafe zuzuführen.
Schließlich müssen wir unsere
Kräfte vereinen, um der Bedrohung des
Terrorismus entgegenzutreten.
Jedes
Land und die Vereinten Nationen müssen den Gesetzlosen der Welt eine
deutliche Botschaft zu übermitteln:
Geiselnahme und der Terror willkürlicher Gewalt werden von der Welt nicht
mit Zustimmung aufgenommen. Jegliche
Art von Terrorismus läuft allen Werten einer zivilisierten Welt zuwider. Täuschen Sie sich nicht: Terrorismus ist ein Mittel, das von keinem Zweck, sei er auch noch so gerecht, geheiligt wird.
Wie auch immer eine Herausforderung beschaffen sein mag, unsere Erfolgschancen werden durch Freiheit
erheblich verbessert. Die Stunde der
Freiheit ist eine Zeit der Hoffnung
für die ganze Welt. Denn, wenn sie
einmal in Bewegung gesetzt wurde,
entwickelt die Freiheit ihre eigene
Dynamik.
Am Tag meiner Amtseinführung habe
ich erklärt: 'Wir müssen nicht nächtelang die bessere Regierungsform erörtern. ' Wir wissen, daß eine frei
gewählte Regierung - Demokratie - am
besten ist.
Dies ist die schwer erkämpfte
Wahrheit unserer Zeit, die unanfechtbare Tatsache, die am Ende eines
Jahrhunderts harter Kämpfe und großen
menschlichen Leids Bestand hat. Dies
gilt nicht deshalb, weil all unsere

Meinungsverschiedenheiten
der Demokratie weichen müssen, sondern weil
die Demokratie all unseren Meinungsverschiedenheiten Raum gibt. In der
Demokratie findet die Vielfalt ihr
gemeinsames Haus.
Der Kern des demokratischen Ideals ist die Achtung - der Freiheit
des Glaubens, der Gedanken- und Handlungsfreiheit in all ihrer Vielfalt,
der Menschenrechte. Die Welt hat genug Ideologien erlebt, die versprachen, den Menschen in einer neuen,
besseren Form noch einmal zu erschaffen. Wir haben die kolossalen Tragödien und zerstörten Hoffnungen erlebt. Wir wissen jetzt, daß Freiheit
unbd Demokratie die Antworten sind.
Was die Menschen und Staaten möchten,
ist die Freiheit, nach ihrem eigenen
Willen zu leben und die Chance, in
Wohlstand und Frieden zu leben.
Zu Beginn meiner heutigen Rede
sprach ich über die Erhaltung des
Friedens.
Ich möchte mich nun der
Schaffung von Frieden widmen.
Wir
müssen denjenigen Menschen den Frieden bringen, die seine Wohltaten noch
nie erfahren konnten.
In meinem Amtszimmer im Weißen
Haus hängt ein Gemälde.
Es zeigt
Präsident Lincoln und seine Generäle
gegen Ende des blutigsten Krieges in
der Geschichte der Vereinigten Staaten. Draußen tobt zu jener Zeit eine
Schlacht. In der Ferne sehen wir jedoch einen Regenbogen, Symbol der
Hoffnung. Das Gemälde trägt den Titel "Die Friedensstifter". Für mich
bedeutet es eine dauernde Mahnung,
daß unser Kampf, der Kampf für den
Frieden, ein von der Hoffnung gesegneter Kampf ist.
Ich erinnere mich an die Zeit,
als ich selbst in diesem Saal saß.
Ich erinnere mich an den Respekt, den
wir, die wir stolz als Delegierte
hier anwesend waren, einander entgegenbrachten.
Ich erinnere mich der
fast endlosen Reden, der Sitzungen
des Sicherheitsrats.
Der Empfänge
und Defllees. Der formellen Treffen

- 7 -

�dieser Versammlung und der informellen Diskussionen in der DelegiertenLobby.
Ich erinnere mich auch noch an
andere Dinge, die über die Hektik und
die manchmal frustrierenden Erfahrungen des Alltags hier hinausgehen: An
den Herzschlag der Vereinten Nationen, die stille Überzeugung, daß wir
die Welt zu einem friedlicheren, einem freieren Ort machen könnten.
Was wir damals anstrebten, ist
nun in greifbare Nähe gerückt. Ich
frage jeden von Ihnen in diesem
Saal: Können wir den Vereinten Nationen nicht ein einheitliches Ziel
geben? Können wir nicht diese neue
Welt der Freiheit zu dem von uns angestrebten gemeinsamen Schicksal machen?
Ich glaube, daß wir es können.
Ich weiß, daß wir es müssen.
Mein feierlicher Wunsch ist heute, daß hier in den Vereinten Nationen dieser Geist Wurzeln schlägt und
daß alle Menschen und alle Staaten
die Stunde der Freiheit zu ihrer eigenen machen.
Ich danke Ihnen, Gott schütze Sie
und die Arbeit der Vereinten Nationen.

* * * * *

- 8-

�AMERIKA DIENST
Dokumentation

VoN^

36

27. September 1989

MOSBACHER:

"BEACHTLICHER WANDEL" IN POLEN

- Rede des amerikanischen Handelsministers -

WA1SCHAI - (AD) - Handels Minister Robert A. Mosbacher erklärte bei einem
Treffer mit imeriManischen unc polnischen Regierungsvertretern und Geschäftsleuten .im 39. S ptember 1989, sein Besuch in Polen sei "ein erster Schritt"
zur Verwirklichung von Präsident Bushs Plan, "die Dynamik des amerikanischen
Pri v/atF^kto. s mi' den Wachstu nschc'ncen des enstehenden polnischen Privatsektors zu kom vinie&gt;-en". Mosbach ^r stellte fest: "Ich bin seit einem Tag in Polen und habe mit eigenen Auge T gesehen, was für eine bemerkenswerte Zeit des
Wandels für diesem Land angebrochen ist."
Nachfolgend v-röffentliehen wir die Rede des Handelsministers im Wortlaut.

Ich bin seit einem Tag in Polen
und habe mit eigenen Augen gesehen,
was für eine bemerkenswerte Zelt des
Wandels für dieses Land angebrochen
ist. Bis vor kurzem wäre es undenkbar gewesen, daß wir heute zu einem
Treffen mit der ersten nichtltommunistischen Regierung in Osteuropa seit
40 Jahren zusammenkommen.
Die Chance, freie Gewerkschaften
zu gründen, wirkliche Rede- und Pressefreiheit ?.u haben, bei wichtigen
Wahlen
seine Stimme abzugeben und
zwischen
larteien
und
politischen
Vorstellungen zu wählen - all diese
Errungenschaften sind fundamental und
weitreichend.
Den Ereignissen des Sommers 1988
In Polen kommt eine wahrhaft histo-

rische Dimension zu - und ich beglückwünsche das polnische Volk und
seine politisch Verantwortlichen zu
der disziplinierten und weitsichtigen
Art und Weise, in der sie diese tiefgreifenden Veränderungen durchgeführt
haben. Die wirtschaftlichen Veränderungen sind gleichermaßen beeindrukkend. Bis vor kurzem wäre es undenkbar gewesen, daß ausländische Firmen
in Polen investieren und sogar zu 100
Prozent in ausländischem Besitz befindliche Unternehmen gründen können.
Und niemand hätte sich das Ausmaß
dieser Veränderungen vorstellen können:
dezentralisierter
Entscheidungsprozeß in der Wirtschaft, die
Gründung
von Privatunternehmen
und
der Weg zu echten Großhandelsmärkten
und Preisreformen.

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Dank all dieser Maßnahmen werden
wunderbare Möglichkeiten eröffnet
nicht nur für das polnische Volk sondern auch für Amerikaner und ebenso
für alle anderen.
Als Präsident Bush vor zwei Monaten Polen besuchte, bot er eine Politik der Hoffnung, Ermutigung und Hilfe an. Er verkörperte die von allen
Amerikanern
empfundene Freude über
die hier gemachten Fortschritte - und
ihre große Hoffnung auf weitere Fortschritte und zukünftige Reformen.
Der Präsident hat erklärt:
"Die
demokratischen Kräfte in Polen haben
um die moralische, politische und
wirtschaftliche Unterstützung des Westens gebeten.
und der Westen wird
reagieren."
Die Verwirklichung der sich hier
abzeichnenden tiefgreifenden Beformen
stellt
eine
große
Herausforderung
dar. w.^nn ;*in System der Planwirtschaft und Staatsbetriebe, das die
Verteilung anhand von Warteschlangen
vornimmt, durch t-ine dezentralisierte
Wirtschaft ersetzt wird, die dank
privater Anreize produziert und die
Warenverteilung über den Preis steuert. Dies wird sich als sehr schwierig erweisen.
Es geht kein Weg daran vorbei,
daß große Opfer erforderlich sind.
Und der Erfolg wird sich nicht über
Nacht einstellen. Aber mit Vertrauen,
Geduld
und
Durchhaltevermögen
wird der Erfolg kommen.
Präsident Bush hat den Schlüssel
zur Überwindung der Hindernisse genannt, die sich dem Erfolg in den Weg
stellen: Das Wachstum des Privatsektors.
Initiativen und Innovationen
des Privatsektors können vollbringen,
was keine staatlicher Hilfe oder Verordnung kann: Sie können die polnische Wirtschaft verjüngen.
Einzig
und allein die Kreativität der einzelnen Unternehmer und eine Marktwirtschaft können diese Aufgabe erledigen.

Dieser
Besuch
ist
ein
erster
Schritt zur Verwirklichung von Präsident Bushs Programm - die Dynamik des
amerikanischen Privatsektors mit den
Wachstumschancen des enstehenden polnischen Privatsektors zu kombinieren.
Wir möchten so viel wie möglich
zur Wiederbelebung des Wirtschaftswachstums in Polen beitragen - und
zur Erweiterung des Handels mit den
Vereinigten
Staaten.
Unser Besuch
gilt
der
Kontaktaufnahme
zwischen
amerikanischen Firmen und polnischen
Unternehmen, die zur Triebfeder von
Innovation, Kooperation und dynamischer Wirtschaft werden sollen.
Bei unserem Besuch haben wir einen besonderen Auftrag zur Entwicklung des Handels zu erfüllen.
Ein
Teil unserer Delegation besteht aus
amerikanischen
Führungskräften
des
amerikanisch-polnischen
WirtSchaftsrats.
Beurt Servaas, der amerikanische Vorsitzende des Rats, ist Leiter
der Delegation, die mit ihren polnischen Kollegen und Regierungsvertretern zusammentreffen wird, um aus der
Sicht des Privatsektors zu erörtern,
was zur Förderung von Investitionen
und Handel zwischen unseren Ländern
getan werden muß.
Diese Delegation wird besser als
jeder Regierungsvertreter feststellen
können, was genau erforderlich ist,
um den Weg zu raschem Wirtschaftwachstum zu ebnen. Wir haben sie um
einen umfassenden Bericht und eine
Reihe von Empfehlungen gebeten, die
uns dabei behilflich sein sollen, die
Wege zu schnellstmöglichem Ausbau der
Wirtschaftsbeziehungen aufzuzeigen.
Für morgen erwarten wir die Unterzeichnung eines Abkommens, mit dem
enge und zunehmende Kontakte zwischen
polnischen und amerikanischen Firmen
und bilaterale Geschäftsverbindungen
in die Wege geleitet werden sollen.
Darüber hinaus beabsichtigen wir
die Unterzeichnung eines bilateralen
Abkommens, das darauf abzielt, den
Tourismus
zwischen
unseren
beiden

�Ländern zu fördern und amerikanische
Exporte im Touristikbereich sowie Investitionsmöglichkeiten in Polen erweitern soll.
Ein weiterer Teil unserer Delegation bestent aus einer Gruppe, die in
Polen ein Programm durchführt, in
dessen Rahmen pensionierte qualifizierte amerikanische FUhrungskräfte
in polnischen Unternehmen eingesetzt
werden. Diese Führungskräfte sollen
den polnischen Firmen amerikanische
Managementtechniken vermitteln.
Das
Programm staht unter der Schirmherrschaft des International Executive
Service Corps (IESC) und wird - wie
wir hoffen - zu zunehmender Partnerschaft im Bereich der Ausbildung
führen.
Einige bedeutende Abkommen mit
der Touristikindustrie sind bereits
ausgehandelt worden, wie beispielsweise
das
Gemeinschaftsunternehmen
Marriott-LOT und der Kauf von Boeing-Flugzeugen durch die Fluggesellschaft LOT. Ich hatte die Ehre, als
erster Gast in dem neuen MarriottHotel wohnen zu dürfen und sehe bereits den Erfolg unserer gemeinsamen
Bestrebungen.
Unserer Ansicht nach
wird unser bilaterales Abkommen die
gewerbliche Tätigkeit fördern.
Präsident Bush hat den Kongreß um
die Befugnis ersucht, private amerikanische Investitionen in Polen gemäß
dem Programm der Entwicklungsgesellschaft (Overseas Private Investment
Corporation - OPIC) garantieren zu
können und polnischen Exporten in die
Vereinigten
Staaten
Meistbegünstigungsstatus zu gewähren. Das heißt,
für über 4 100 Produkte aus Polen
wird kein Importzoll erhoben.
Wir freuen uns, daß das Repräsentantenhaus diesen Anträgen zugestimmt hat und sie jetzt dem Senat
zur Entscheidung vorliegen.
Sobald
die endgültige
Zustimmung erfolgt
ist, werden wir Investitionsmissionen
gründen und Handelsseminare durchführen, damit die Wirtschaft von diesen
beiden Programmen profitieren kann.

Das Hauptziel besteht im Wachstum
solider amerikanischer Investitionen
in Polen. Priscilla Raab, die Leiterin des amerikanischen Handelsentwicklungsprogramms, hat uns nach Warschau begleitet, um Wege zur Verwirklichung dieses Ziels aufzuzeigen.
Sie prüft von amerikanischer Seite
finanzierte Projektstudien, die zu
einer Vielzahl neuer Investitionen in
die polnische Wirtschaft führen könnten.
Die 24 Abkommen zu Gemeinschaftsunternehmen, die bereits zwischen
amerikanischen und polnischen Unternehmen unterzeichnet wurden, sind ein
weiterer Beweis dafür, daß amerikanische Firmen hier die Geschäftstätigkeit
aufnehmen
wollen.
Das
Marriott-LOT-Gemeinschaftsunternehmen
ist ein Beispiel dafür.
Curtis International, auch ein
Pionier im Beteiligungsgeschäft, hat
im Bereich der Film-Innovation erfolgreich das Hannah-Barbers-Gemeinschaftsunternehmen
abgeschlossen.
Curtis wird in den Bereichen Wohnungbau und pharmazeutische Industrie in
diesem Jahr neue Beteiligungsgeschäfte mit Polen gründen.
Auch 24 amerikanische Firmen haben genügend Geschäftsmöglichkeiten
in Polen ausgemacht, um dort Büros zu
eröffnen.
Johnson und Johnson hat
bereits im Juli seine Niederlassung
eröffnet. Auch Honeywell hat diese
Absicht und damit beläuft sich die
Zahl amerikanischer Unternehmen mit
Geschäftsstellen in Polen auf 26.
Ich möchte nicht zum Schluß kommen, ohne dieses herrliche Gebäude zu
erwähnen, das Zeugnis für die Tradition der Handwerkskunst
und das
künstlerische Geschick hier in Polen
ablegt. Dieses Geschick ist im heutigen Polen überall zu beobachten ebenso wie im 17. und 18. Jahrhundert, als das Wilanow-Palais erbaut
wurde. Aber den polnischen Künstlern
fehlt häufig das Material, das für
ihre ausgezeichnete Arbeit erforderlich ist.

- 3 -

�Aus diesem Grunde - und als Ausdruck der dauerhaften Freundschaft
zwischen unseren beiden Ländern - habe ich die Ehre, ein Geschenk des Nationalen Verbands der Farben- und
Lackproduzenten der Vereinigten Staaten zu Überreichen. Diese Organisation hat mich gebeten, ihr Geschenk
im Wert von 5 000 Dollar an Material
zu überreichen, das zur Beendigung
der
Restaurationsarbeiten
am
Wilanow-Pal.iis benötigt wird. Es ist
ihre - wie auch unsere - Hoffnung,
daß dieses Geschenk den polnischen
Künstlern helfen wird, ihr Bestes bei
der Erhaltung des polnischen Erbes zu
geben.

polnische Kultur sein wird
echte Villa Nova, Wilanow.

Niemand gibt sich der Illusion
hin, daß die Abwicklung von Geschäften in einem Polen leicht sein wird,
das sich a'if dem Weg von einer zentral gelenVten Wirtschaft zu einer
Marktwirtschaft befindet. Insbesondere der Mangel an harter Währung erschwert internationale Transaktionen.
Aber es wäre ein Fehler, sich nur
die Probleme und Schwierigkeiten vor
Augen zu halten und zu der Schlußfolgerung zu gelangen, es sei nicht an
der Zeit für Geschäfte. In den vergangenen Tagen konnten wir das große
Engagement und den Enthusiasmus des
polnischen Volkes bei der Wiederherstellung offener Märkte und auf dem
Weg zu einer von Unternehmergeist geleiteten Wirtschaft beobachten. Wir
stehen vor großen Chancen und Herausforderungen. Wir haben arbeitswillige Arbeitnehmer und vor Ungeduld
brennende Unternehmer von morgen gesehen.
Wir haben innovative Ideen
und den Wunsch zur Bewältigung der
Herausforderungen vernommen.
Wir hegen keinerlei Zweifel - und
auch Sie sollten keine haben -, daß
es in Ihrem Land ein enormes Wachstumspotential gibt, wenn der Geist
der Freiheit und des Unternehmertums
sich entfalten kann.
Sie haben die Chance, ein neues
Polen zu schaffen - das ein "neues
Haus" für das polnische Volk und die
- 4 -

Gott schütze Sie.

* * * * *

-

eine

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27. September 1989

36

Regionale Fragen in den amerikanisch-sowjetischen Beziehungen
- Eine Übersicht des US-Außenministeriums -

Im Rahmen des Treffens von Außenminister Baker und seinem sowjetischen
Amtskollegen Schewardnadse hat das amerikanische Außenministerium am 23. September 1989 eine Reihe von Übersichten erstellt, von denen wir einige veröffentlichen.

Afghanistan

Mittelamerika

Die Vereinigten Staaten unterstützen die Mujahedin und ihre Bestrebungen, das unrechtmäßige Najibullah-Regime seines Amtes zu entheben. Eine politische Einigung sollte
auf der Selbstbestimmung des afghanischen Volkes basieren und das von den
Sowjets aufoktroyierte Regime durch
eine repräsentative Regierung ersetzen.
Die Sowjets haben die Bildung
eines politischen Prozesses in der
Hand.
Sie liefern jedoch weiterhin
Waffen, wie etwa Scud-Raketen und andere moderne Waffen in unbegrenztem
Umfang an das Na jibullah-Regime.

Wir sind auch weiterhin tief besorgt über die Aktivitäten des Ostblocks in Mittelamerika und seine Unterstützung kubanischer und nicaraguanischer Bestrebungen zur Aushöhlung
regionaler Stabilität.
Trotz der ausgesetzten amerikanischen Militärhilfe an die nicaraguanische Widerstandsbewegung und einer
angeblichen Aufgabe sowjetischer Waffenlieferungen an Nicaragua leistet
der Ostblock den Sandinisten weiterhin unablässig Unterstützung.

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�Wir ermutigen Moskau, seinen Einfluß in Nicaragua, Kuba und anderen
Ländern geltend zu machen, um eine
friedliche Einigung in der Region
herbeizuführen und freie, faire Wahlen zu ermöglichen.

Naher Osten
Die Vereinigten Staaten begrüßen
sowjetische Bestrebungen zur Übernahme einer aktiveren und konstruktiveren Rolle im Friedensproseß des Nahen
Ostens. Wir haben Moskau ermutigt,
den Plan des israelischen Premierministers Schamir für Wahlen in den besetzten Gebieten zu unterstützen.
Ferner fordern wir die Sowjets zur
Wiederaufnahme diplomatischer Beziehungen zu Israel auf, wenn sie eine
für alle Beteiligten konstruktive
Rolle spielen wollen. Darüber hinaus
arbeiten wir mit den Sowjets daran,
die Anstrengungen des Dreiparteienausschusses der Arabischen Liga im
Libanon für einen Waffenstillstand
und die Aufhebung des Belagerungszustandes zu unterstützen.

Kambodscha
Die Vereinigten Staaten und die
Sowjetunion sind sich über die Dringlichkeit einer umfassenden Regelung
für Kambodscha einig.
Die sowjetische Unterstützung für Hun Sen und
die mangelnde Flexibilität Vietnams
bei der Pariser Kambodscha-Konferenz
im Hinblick auf die Teilung der Macht
haben nur bedingt Fortschritte ermöglicht. Wir müssen weiterhin auf diplomatischem Wege alles tun, um ein
Abkommen zu erzielen.

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27. September 1989

36

Rüstungskontrolle In den Amerikanisch-Sowjetischen Beziehungen
- Eine Übersicht des US-Außenministeriums -

Im Rahmen des Treffens von Außenminister Baker und seinem sowjetischen
Amtskollegen Schewardnadse hat das amerikanische Außenministerium am 23. September eine Reihe von Übersichten erstellt, von denen wir einige veröffentlichen.

Konventionelle Rüstungskontrolle

tionaustausch ab.

Dieses Thema nimmt sowohl bei der
Bush-Administration als auch innerhalb der NATO einen sehr hohen Stellenwert ein. 1986 hat die KSZE-Konferenz mit ihren 35 Teilnehmerstatten
ein innovatives Programm vertrauensbildender Maßnahmen erarbeitet, um
Offenheit und Berechenbarkeit militärischer Aktivitäten zu fördern. Der
Westen verfolgt
bei den laufenden
Verhandlungen
über
Vertrauens- und
Sicherheitsbildende Maßnahmen (VSBM)
unter anderem das Ziel eines umfassenden
Informationsaustauschs
über
die Stationierung von Soldaten und
Waffen in Europa und zielt darüber
hinaus auf einheitlichere Richtlinien
für die Beobachtung und Inspektion
von Manövern und besseren Informa-

Die 23 Mitgliedstaaten der NATO
und des Warschauer Pakts haben in
diesem Jahr Verhandlungen über Konventionelle
Streitkräfte
in Europa
(KSE) eröffnet, um die massive Überlegenheit der konventionellen Streitkräfte des Warschauer Pakts zu bekämpfen.
Dabei wird das Ziel verfolgt, Sicherheit und Stabilität auf
niedrigen konventionellen Streitkräfteniveaus vom Atlantik bis zum Ural
zu gewährleisten.

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Embassy of the United States of America

Die NATO hat einige weitreichende
Vorschläge unterbreitet und arbeitet
hart an ihrem Ziel eines KSE-Abkommens in den kommenden sechs bis zwölf
Monaten.

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�Verhandlungen
raumwaffen

über

Kern- und

Welt-

Diese Verhandlungen wurden 1985
aufgenommen und umfassen drei Hauptbereiche:
strategische Offensivwaffen (START), Verteidigung im Weltraum
(D and S) und Mittelstreckenraketen
(INF). Bei START verfolgen die Vereinigten Staaten das Ziel, das Risiko
eines Krieges zu reduzieren, indem
sie ein stabileres nukleares Gleichgewicht auf erheblich niedrigeren Niveaus schaffen. Beide Seiten haben
sich
im
wesentlichen
auf
einen
START-Vertragsentwurf geeinigt, wobei
noch einige wichtige Fragen gelöst
werden müssen. Die Vereinigten Staaten haben im Juni Maßnahmen zur Verifizierung und Stabilität vorgeschlagen, um den Verhandlungen neue Impulse zu geben und praktische Erfahrungen bei der Verifizierung sicherzustellen.

Die Vereinigten Staaten sind mit
der Durchführung des INF-Vertrages
bis heute zufrieden, wo sich Im Hinblick auf die sowjetische Einhaltung
Probleme ergeben haben, haben wir
diese zu unserer Zufriedenheit gelöst.
Atomtests
Bei den amerikanisch-sowjetischen
Verhandlungen über Atomtests (NTT)
werden
Protokolle über Verifizierungsmaßnahmen ausgehandelt, so daß
der Vertrag über Atomexplosionen zu
friedlichen Zwecken (PNET) von 1976
und der Schwellenvertrag von 1974
endlich ratifiziert werden können.
Die Vereinigten Staaten verfolgen
langfristig das Ziel eines umfassenden Atomtestverbots, aber erst dann,
wenn die nukleare Abschreckung kein
Erfordernis mehr für die nationale
Sicherheit der Vereinigten Staaten
ist.

Verteidigung im Weltraum
Die Vereinigten Staaten möchten
erforschen, ob eine effektive Verteidigung eines Tages zur Sicherung eines
stabilen
Streitkräftegleichgewichts zwischen beiden Seiten beitragen kann.
Die amerikanischen Ziele bei der
Verteidigung im Weltraum sind: den
Vereinigten Staaten das Recht zu erhalten, ihr SDI-Programm im Rahmen
ihrer im ABM-Vertrag eingegangenen
Verpflichtungen
weiterzuführen
und
sich gemeinsam mit den Sowjets stärker auf defensive statt auf offensive
Waffensysteme zu stützen, wenn sich
herausstellt, daß die auf beiden Seiten durchgeführte Forschung Verteidigungssysteme als machbar ausweist.

Fragen
Waffen

zum

Vertrag

über

chemische

Die Aufmerksamkeit richtet sich
gegenwärtig auf den vom damaligen Vizepräsident Bush bei der Genfer Abrüstungskonferenz 1984 vorgelegten Vertragstext, in dem der Einsatz, die
Entwicklung, Herstellung, Verbreitung
und Lagerung chemischer Waffen verboten wird.
Jedes Verbot chemischer
Waffen, das auf Akzeptanz der Vereinigten Staaten stoßen kann, muß umfassend, weltweit gültig und wirksam
verifizierbar sein. In dieser Hinsieht haben die amerikanisch-sowjetischen bilateralen Gespräche das
Ziel verfolgt, multilaterale Verhandlungen über ein solches Verbot zu
fördern.

INF
Die Verbreitung chemischer Waffen
Nach dem INF-Vertrag vom Dezember
1987 haben die Vereinigten Staaten
und die Sowjetunion einen weiten Weg
zur Beseitigung einer gesamten Kategorie nuklearer Waffen zurückgelegt.

Die Verbreitung chemischer Waffen
stellt die Vereinigten Staaten und
ihre Verbündeten vor eine stärker
werdende Bedrohung. Aus diesem Grund

- 2 -

t

«.

�sind
die
Außenminister
Baker
und
Schewardnadse
übereingekommen,
daß
Bestrebungen zur Eindämmung der Verbreitung chemischer Waffen mit Anstrengungen für einen Chemiewaffenvertrag einhergehen müssen.

Die Verbreitung von Raketentechnik
Die Bush-Administration räumt dem
Problem der Verbreitung von Raketen
und Raketentechnik höchste Priorität
ein - der Golfkrieg zwischen Iran und
Irak hat die Gefahren einer solchen
Verbreitung besonders vor Augen geführt.
Die Vereinigten Staaten und die
Sowjetunion haben drei Runden von Gesprächen zur Eindämmung der Verbreitung von Raketen und Raketentechnik
geführt.

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27. September 1989

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DAS AMERIKANISCH-SOWJETISCHE MEMORANDUM OF UNDERSTANDING
ÜBER CHEMISCHE WAFFEN

- Eine Übersicht des US-Außenministerium -

Nachfolgend bringen wir eine der Übersichten des US-Außenministeriums, die
am 23. September 1989 in Zusammenhang mit dem Treffen zwischen US-Außenminister Baker und seinem sowjetischen Amtskollegen Schewardnadse veröffentlicht
wurden:

Hintergrund
Das von Außenminister Baker und
seinem
sowjetischen
Amtskollegen
Schewardnadse am 23. September 1989
in Jackson Hole (Wyoming) unterzeichnete
Memorandum
of
Understanding
(MOU) über chemische Waffen sieht ein
bilaterales
Verifizierungsexperiment
und einen Datenaustausch vor.

Verbots chemischer Waffen zu fördern. Dieses Ziel wird von den Vereinigten Staaten seit 1984 verfolgt,
als der damalige Vizepräsident Bush
der Genfer Abrüstungskonferenz, an
der 40 Nationen teilnehmen, einen
Vertragsentwurf zu diesem Thema vorlegte.

Ein Zweiphasen-Abkommen
Diese Vereinbarung wurde von den
Vereinigten
Staaten
vorgeschlagen.
Sie spiegelt das Bestreben der Vereinigten Staaten und der Sowjetunion
wider, den Verhandlungsprozeß, die
Unterzeichnung und die Ratifizierung
eines umfassenden, wirksam verifizierbaren
und
wirklich
weltweiten

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Experiment
und
Datenaustausch
werden in zwei Phasen vorgenommen.
Phase I sieht vor:
Austausch allgemeiner Daten über
das auf beiden Seiten vorhandene

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�Chemiewaffenpotential. Die Daten
für Phase I würden bis Ende dieses Jahres ausgetauscht.
Besuche von einschlägigen militärischen und zivilen Einrichtungen, die vom Gastland ausgesucht
werden. Die für Besuche vorgesehenen Einrichtungen sind Produktionsund Lagerungsstätten für
chemische Waffen sowie Chemiefabriken der Privatindustrie.
Die
Besuche im Rahmen von Phase I
werden ab 30. Juni 1990 beginnen.
Phase II wird beginnen, sobald
beide Seiten formell und gemeinsam
feststellen, daß die Möglichkeit der
Einleitung eines multilateralen Vertrags über chemische Waffen innerhalb
von vier Monaten gegeben ist. Phase
II sieht vor:
Austausch
detaillierter
Daten
über
das
Chemiewaffenpotential
beider Seiten.
-

Vor-Ort-Inspektionen zur Verifizierung der angegebenen Daten.

Jeder Seite wird gestattet, bis
zu fünf Inspektionen von angemeldeten
Einrichtungen vorzunehmen, die aus
einer von der anderen Seite bereitgestellten Liste ausgewählt werden sowie bis zu zehn kurzfristige Verdachtsinspektionen in nicht angemeldeten Einrichtungen.
Von den zehn in Phase II zulässigen Verdachtsinspektionen können bis
zu fünf auf jeder Seite innerhalb eines viermonatigen Zeitraums vor der
Einleitung eines Vertrags über chemische Waffen stattfinden. Bis zu fünf
zusätzliche
Inspektionen pro Seite
können durchgeführt werden nachdem
die Parteien ihren jeweils zuständigen gesetzgebenden Körperschaften einen Vertrag über chemische Waffen zur
Ratifizierung
zuleiten.
Verdachtsinspektionen werden im Einklang mit
den Gesetzen des inspizierten Landes
- im Falle von Drittländern mit deren
Zustimmung - durchgeführt.

Das MOU sieht vor, daß beide Seiten regelmäßige Treffen abhalten, um
Fragen über die gelieferten Daten zu
stellen und Problembereiche zu behandeln.

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27. September 1989

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START:

EINE RAHMENVEREINBARUNG ZU VERIFIZIERUNG UND STABILITÄT

- Eine Übersicht des US-Außenministeriums Nachfolgend bringen wir eine der Übersichten des US-Außenministeriums, die am
23. September 1989 in Zusammenhang mit dem Treffen zwischen US-Außenminister
Baker und seinem sowjetischen Amtskollegen Schewardnadse veröffentlicht wurden:

Hintergrund
Bei
Wiederaufnahme
der
STARTVerhandlungen in Genf im Juni 1989
präsentierte Präsident Bush eine aus
sieben
Einzelmaßnahmen
bestehende
Initiative, die auf die Stärkung von
Vertrauen und strategischer Stabilität sowie auf die Förderung von Fortschritten, insbesondere
im Bereich
der Verifizierung, abzielte.
Diese Maßnahmen sind ein deutliches
Signal
unseres
Engagements,
Fortschritte bei den START-Verhandlungen zu fördern sowie Stabilität
und Vertrauen schon vor Inkrafttreten
des START-Vertrags zu stärken.
In Genf haben die Vereinigten
Staaten den Sowjets diese sieben Maß-

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nahmen in all ihren Einzelheiten dargelegt.
Die Sowjets waren jedoch
nicht bereit, dieses Thema erschöpfend zu behandeln, weshalb die Erörterungen dazu beschränkt blieben.
Als die sowjetischen Experten zu
den vorbereitenden Arbeitsgesprächen
für das Außenministertreffen in Washington eintrafen, legten sie den
Text einer Grundsatzerklärung zum Verifizierungs- und
Stabilitätspaket
vor. Nach Gesprächen zwischen beiden
Seiten wurde Übereinstimmung zum Text
dieses Dokuments erzielt.
Die Vereinigten Staaten sind über
diese grundsätzliche Übereinkunft befriedigt und sehen konkreten Fortschritten mit den Sowjets zu bestimmten Verifizierungs- und Stabilitäts-

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�maßnahmen nach der Wiederaufnahme der
Genfer Gespräche erwartungsvoll entgegen.

Die Rahmenvereinbarung
Der Vereinbarung zufolge besteht
der doppelte Zweck der Maßnahmen darin, Verifikationsverfahren
für den
START-Vertrag
zu erproben und das
Vertrauen zu stärken, um einen baldigen Abschluß des Vertrags zu erleichtern.
Zu den gegenwärtig diskutierten
speziellen Maßnahmen gehören:
-

Ein frühzeitiger Datenaustausch;

Die Beendigung der Verweigerung
telemetrischer Daten zu ballistischen Raketen, einschließlich der
Verschlüsse]ung;
Einrichtung
der
Vor-Ort-Überwachung von Ein- und Ausgängen bestimmter
Raketenproduktionsstätten;
Behandlung des Problems der SLBMs
mit kurzen Flugzeiten;
Untersuchung
von Verfahren
zur
Überprüfung der Anzahl von Gefechtsköpfen
auf
ballistischen
Raketen;
Vorführung
von sowie Datenaustausch über Techniken zur Identifizierung von Raketen (sogenanntes "Tagging").
Ferner wurde eine von den Vereinigten Staaten vorgeschlagene Vereinbarung über die gegenseitige Benachrichtigung von strategischen Übungen
unterzeichnet.

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27. September 1989

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STAND DER RÜSTUNGSKONTROLLVERHANDLUNGEN
- Wöchentliche Übersicht -

WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die am 21. September
1989 vom US-Informationsamt (USIA) herausgegebene Übersicht über den Stand der
Rüstungskontrollverhandlungen bei mobilen Interkontinentalraketen, KSE, chemischen Waffen, Atomtests, Israel, Ägypten und MX.
USA verzichten
biler ICBMs

auf Einbeziehung mo-

Am 19. September 1989 gab Außenminister Baker bekannt, daß die Vereinigten Staaten auf die Einbeziehung
mobiler landgestützter Interkontinentalraketen (ICBMs) in die Rüstungskontrollgespräche mit der Sowjetunion
verzichten.
Der Außenminister fügte jedoch
hinzu, diese Position hänge von der
Zustimmung des Kongresses zur Finanzierung amerikanischer mobiler Raketen ab. Der Vorschlag wurde auch bei
dem Treffen zwischen Baker und seinem
sowjetischen Amtskollegen Schewardnadse in Wyoming vom 22. bis 23. September 1989 erörtert.

Vorbehaltlich der Zustimmung des
Kongresses werden die amerikanischen
Unterhändler in Genf Baker zufolge
die "entsprechenden Details für die
auf mobile ICBMs angewandten Obergrenzen sowie wirksame Verifizierungsmaßnahmen" ausarbeiten.
Mit diesem Vorschlag wird ein
Hindernis bei den START-Verhandlungen
beseitigt, er erschwert jedoch die
Verifizierung eines Vertrags, da mobile Raketen leichter zu verstecken
und als Ziel schwerer auffindbar sind.
Die Sowjetunion besitzt zwei mobile ICBMs - die SS-25 und SS-24 -,
während sich die zwei amerikanischen
Proramme - die schienenmobile MX und
die straßenmobile Midgetman - noch im

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�Entwicklungsstadium
befinden.
Die
Position
der
Bush-Administration
hängt von der Bewilligung der Mittel
für diese beiden Programme durch den
Kongreß ab.

NATO
stimmt
AbrUstungsvorschlagen
bei konventionellen Rüstungen zu
Außenminister Baker gab bekannt,
daß die NATO-Partner Einigung zu den
"konkreten Vorschlägen zu Verifizierung, Informationsaustausch und Stabilisierungsmaßnahmen" erzielt haben,
die von den Vereinigten Staaten bei
den Verhandlungen über Konventionelle
Streitkräfte (KSE) am 21. September
1989 in Genf unterbreitet wurden.

Die
amerikanische
Chemieindustrie
beabsichtigt Eindämmung der Verbreitung chemischer Waffen
Der Verband der amerikanischen
Chemieproduzenten
(CMA) gab einen
fünf Punkte umfassenden Vorschlag bekannt, der darauf abzielt, die Verbreitung chemischer Waffen einzudämmen.
Die CMA, in der 90 Prozent der
amerikanischen Chemieproduzenten zusammengeschlossen sind, forderte seine Mitglieder zu folgenden Maßnahmen
auf:
Verfahren, mit denen festgestellt
werden kann, ob Aufträge für
"sensitive" Chemikalien (die möglicherweise für die Herstellung
chemischer Waffen eingesetzt werden können) für friedliche Zwecke
bestimmt sind;

"Zusammen mit den am 13. Juli
eingebrachten Vorschlägen werden damit die Entscheidungen voll und ganz
in die Praxis umgesetzt, die wir beim
NATO-Gipfeltreffen
anhand der von
Präsident Bush vorgeschlagenen Initiative zu konventionellen Streitkräften getroffen haben", erklärte
der Außenminister am 19. September
1989. Der von Präsident Bush in die
Wege geleitete Plan fordert die Reduzierung von Streitkräften und Gerät
vom Atlantik bis zum Ural im Rahmen
eines voraussichtlich bis nächstes
Jahr abgeschlossenen Vertrags.

freiwillige Bekanntgabe von verdächtigen Aufträgen für oder Anfragen nach sensitiven Chemikalien;
offizielle Routineüberprüfung der
Unternehmenspraxis bei Chemieexporten und Schärfung des Bewußtseins bezüglich chemischer Waffen
unter den Export- und Marketingfachleuten;

Offensichtlich hat Griechenland
auf weitere Einwände gegen die Anzahl
der für die Türkei vorgesehenen gepanzerten Truppenfahrzeuge verzichtet, die zuvor die Vorlage des NATOPakets verzögert hatten.

Kontakte mit Bundesbehören für
Exportkontrolle auf Betriebs- und
Managementebene, sowie

Die neuen Vorschläge enthalten
einen detaillierten Informationsaustausch über Truppen und Depotlagerung
von militärischem Gerät.

ein Referenzsystem innerhalb der
einzelnen Unternehmen, das alle
Exporttransaktionen
sensitiver
Chemikalien vermerkt, in das amerikanische
Regierungsbehörden
Einblick nehmen können.

Die Sowjetunion wird voraussichtlich in Kürze einen Vorschlag unterbreiten, der als Zeichen ihrer Zustimmung zu Obergrenzen für bestimmte
Arten von Kampfflugzeugen gilt, die
sie bisher verweigert hatte.

Richard Clarke, Abteilungsleiter
im Außenministerium für politisch-militärische Angelegenheiten und Leiter
der amerikanischen Delegation bei der
Canberra-Konferenz, lobte die "enthusiastische Unterstützung" der Indu-

- 2 -

�strie für einen Vertrag über ein Verbot von Entwicklung, Produktion, Lagerung und Einsatz chemischer Waffen.

schuß des Repräsentantenhauses gegenüber eingeräumt, daß Israel "eine
Art" Raketentest durchgeführt hat.

Er erklärte gegenüber den Teilnehmern der vom 18. bis 22. September
1989 veranstalteten Regierungs-Industriekonferenz gegen chemische Waffen, "die Geheimhaltung" zwischen den
Nationen, die im Besitz chemischer
Waffen sind, müsse aufgehoben werden
und Vertrauen in einen Vertrag über
ein Verbot chemischer Waffen "durch
eine Vielzahl unilateraler, regionaler und multilateraler Schritte" geschaffen werden. Darüber hinaus solle eine Gruppe technischer Experten
gebildet werden, die vor Abschluß eines Vertrags die wichtigsten Problembereiche erörtern.

Auf die am 20. September 1989 gestellte Frage, ob die Vereinigten
Staaten Israel zu dem Test um Stellungnahme gebeten hätten, antwortete
er: "Wir haben mit den Israelis bei
zahlreichen Gelegenheiten über Raketen an sich und ihre Verbreitung gesprochen."
Berichten der sowjetischen Nachrichtenagentur Tass zufolge
hat Israel am 14. September 1989 eine
ballistische Mittelstreckenrakete zur
Erprobung abgefeuert.

Die
internationale
Chemieindustrie
ä'chtet chemische Waffen
Die Chemieunternehmen, die für
ca. 80 Prozent der Weltproduktion
verantwortlich sind, gaben am 20.
September 1989 eine gemeinsame Erklärung ab, die ihre Abscheu gegenüber
chemischer Kriegführung und die Forderung nach einem Verbot chemischer
Waffen enthält.
Die bei der Regierungs-Industriekonferenz gegen chemische Waffen in
Canberra abgegebene Erklärung ist ein
Zeichen der Bereitschaft privater
Firmen zur Zusammenarbeit mit den nationalen Regierungen, um einen solchen umfassenden und verifizierbaren
weltweiten Vertrag zu erlangen.
Bei der Konferenz kamen zum ersten Mal Regierungen und Vertreter
der Chemieindustrie aus 67 Nationen
in dem Bestreben zusammen, den Weg
für einen Vertrag zu ebnen.

USA nehmen israelischen
zur Kenntnis

Raketentest

Der stellvertretende Außenminister für den Nahen Osten und Südasien, John Kelly, hat einem Unteraus-

Der Sprecher des Außenministerium, Richard Boucher, hatte zuvor erklärt, Israel sei sich der Tatsache
bewußt, daß die Vereinigten Staaten
die Verbreitung von ballistischer Raketentechnologie insbesondere im Nahen O.'iten ablehnen.
"Wir haben alle Länder, die ballistische Raktenprogramme durchführen, davon in Kenntnis gesetzt - einschließlich Israel", stellte er am
15. September 1989 fest.
Berichten zufolge landete die in
der Gegend von Jerusalem abgeschossene Rakete ein gutes Stück von der Libyschen Küste entfernt im Mittelmeer.
Die Vereinigten Staaten und die
Sowjetunion bauen im Rahmen des INFVertrags aus dem Jahr 1987 Raketen
dieses Typs ab.

Ägypten gibt das ballistische Raketenprojekt auf
Der Abteilungsleiter im Außenministerium für den Nahen Osten und
Südasien, John Kelly, erklärte am 19.
September 1989, daß Ägypten offensichtlich "die Zusammenarbeit " mit
Irak bei einem ballistischen Raketenprojekt beendet habe.
In einer Anhörung vor einem Unterausschuß des auswärtigen Ausschusses im Repräsentantenhaus erklärte

�Kelly, Ägypten und Irak hätten an der
Produktion der Condor 2-Rakete zusammengearbeitet.
Seiner Ansicht nach
habe "Ägypten die Zusammenarbeit bei
diesem Programm beendet".

Annäherung zwischen
bei Atomtests

USA

und

UdSSR

Die mit der Beilegung der Meinungsverschiedenheiten über die Verifizierung von unterirdischen Atomtests mit einer Sprengkraft von 150
Kilotonnen
befaßten
amerikanischen
und sowjetischen Unterhändler haben
Fortschritte bei einem Abkommen erzielt, das unterschiedliche Verifiziecungsmethoden zuläßt.
Dem Kompromiß zufolge würden die
Vereinigten Staaten den Detonationswert eines Atomtests überwachen, indem sie in der Nähe der Explosionsstelle ein Kabel in den Boden verlegen, gleichzeitig jedoch den Sowjets
gestatten, die von ihnen bevorzugten
seismischen Messungen des Detonationswerts vorzunehmen.
Das Thema Atomtests stand auch
auf der Tagesordnung für das vom 22.
bis 23. September 1989 abgehaltene
Treffen zwischen Außenminister Baker
und seinem sowjetischen Amtskollegen
Schewardnadse. Am 19. September hatte Baker erklärt, die Vereinigten
Staaten wollten neue Vorschläge unterbreiten, "um den nun 15 Jahre währenden Stillstand bei Atomtests zu
durchbrechen und damit den Weg für
die Ratifizierung von zwei Atomtestverträgen im nächsten Jahr zu ebnen."

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27. September 1989

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UMWELTINITIATIVEN DER BUSH-ADMINISTRATION
- Eine Übersicht des Weißen Hauses -

Nachfolgend veröffentlichen wir eine Übersicht zu Umweltinitiativen der
Bush-Administration, die am 18. September 1989 in Spokane (Washington) vom
Pressebüro des Weißen Hauses veröffentlicht wurde.

Gesetz zur Luftreinhaltung
Am 12. Juni 1989 verkündete der
Präsident Vorschläge zur Reduzierung
von Emissionen, die sauren Regen,
vermehrte Ozonbildung in Großstadtregionen sowie die Verschmutzung der
Luft mit Schadstoffen
verursachen.
Die Vorschläge, die in dem ersten von
einer
Administration
unterbreiteten
allgemeinen Gesetz zur Luftreinhaltung seit über einem Jahrzehnt enthalten sind, sehen eine Reduzierunge
der
S02-Emissionen
(Schwefeldioxid)
um 10 Milliarden Tonnen bis zum Jahr
2000, eine Reduzierung der Emissionen
von NOx (Stickoxid) um zwei Millionen
Tonnen sowie einen 40prozentigen Abbau der Emissionen von flüchtigen organischen Verbindungen, die für den
Smog in Städten verantwortlich sind

sowie eine 75-90prozentige Reduzierung von Luftschadstoffen vor. Diese
Reduzierungen werden ferner dazu beitragen, die aus der Verwendung fossiler
Brennstoffe
herrührende
fortschreitende Erwärmung der Erdatmosphäre zu drosseln.
Der Vorschlag
fördert überdies den Einsatz alternativer Treibstoffe in einer Million
Fahrzeuge bis zum Jahr 1997. Alternative Treibstoffe werden neben der
Reduzierung von Substanzen, die zur
Ozonbildung beitragen, die Menge der
durch konventionellen Treibstoff entstehenden toxischen Aromate verringern. Der Präsident hat dem Kongreß
am 21. Juli 1989 ein umfassendes Gesetz zur Reinhaltung der Luft vorgelegt, in dem die am 12. Juni verkündeten Vorschläge enthalten sind.

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�Vorschläge zur Reduzierung von Emissionen durch Kohleverbrennung ("Saubere Kohle"- Technologien)
Der Präsident hat für das Haushaltsjahr 1990 die Bewilligung von
710 Millionen Dollar für das Technologieprogramm "Saubere Kohle" vorgeschlagen, mit dem die Entwicklung
neuer Technologien zur Reduzierung
von S02~ und NOx-Emissionen gefördert werden soll, damit die Kohle
auch in Zukunft zu unserer Energieversorgung beitragen kann.
Treibstoffverbrauch von Kraftfahrzeugen
Die Administration hat eine Maßnahme zur Verschärfung der Norm für
den Flottenverbrauch von Automobilen
auf 27,5 Meilen pro Gallone gebilligt. Mit dieser Maßnahme werden die
Ölimporte
sowie
der Beitrag von
Kraftfahrzeugemissionen
zur Aufheizung der Erdatmosphäre verringert.

LuftSchadstoffe
Verbot von Asbest
Am 7. Juli ]989 hat die Umweltschutzbehörde (EPA) einen fast vollständigen Verzicht auf Asbest bis zum
Jahr 1997 verkündet. Mit diesem Verbot wird die Einfuhr, Herstellung und
Verarbeitung von Asbest, einem krebserzeugenden Stoff, der mit Lungenkrebs und Mesotheliom in Verbindung
gebracht wird, untersagt. Schätzungen der EPA zufolge verursacht Asbest
zwischen 3 000 und 12 000 krebsbedingte Todesfälle pro Jahr. Die Maßnahme ist das Ergebnis von über einem
Jahrzehnt der Gesetzesvorschläge und
Auswertung von Daten zu den Auswirkungen von Asbest und dessen Einsatz.
Normen für Benzolemissionen
Am 31. August 1989 hat der Leiter
der EPA Normen verkündet, mit denen
die für die von Benzolemissionen verursachten Gesundheitsrisiken verringert werden sollen. Diese Luftschad-

stoffnorm war seit Jahren umstritten,
und diese Maßnahme stellt einen bedeutenden Schritt zur Reduzierung der
Emissionen eines bedeutenden Luftschadstoffs dar.

Entsorgung von Sondermüll
Medizinischer Müll
Die EPA hat am 10. März ein Programm zur Ermittlung der Verursacher
medizinischer Abfälle verabschiedet,
um eine umweltgerechte Entsorgung zu
gewährleisten und Meeresverschmutzung
zu vermeiden. Das Pilotprogramm wird
in zehn Staaten durchgeführt.
Die
EPA wird dem Kongreß nach zwei Jahren
berichten, ob eine landesweite Einführung dieses Programms notwendig
ist. Verstöße können zivilrechtlich
mit Geldstrafen von bis zu 25 000 und
strafrechtlich mit bis zu 50 000 Dollar geahndet werden.
Das Programm
stellt einen ersten Schritt bei der
Einlösung des von Präsident Bush gegebenen Versprechens dar, die Entsorgung medizinischer Abfälle zu regeln,
die in der Vergangenheit an den Meeresstränden angespült worden waren.
Der Superfonds für Entsorgung
In dem vom Präsidenten vorgelegten Haushalt werden 315 Millionen
Dollar für die Verwirklichung eines
ehrgeizigen Zeitplans für die Entsorgung
von
Giftmülldeponien
veranschlagt. Die Administration hat sich
gegen Bestrebungen im Kongreß verwandt, die Mittel dieses Superfonds
auf 150 Millionen Dollar zu kürzen.
Überprüfung der Verwaltung des Superfonds
Im Februar schlug der Präsident
eine erhebliche Stärkung des Superfonds-Programms vor, um dessen Durchsetzung besser als bisher sicherzustellen.
Am 14. Juni 1989 schloß
Verwaltungschef Reilly eine auf Anweisung des Präsidenten vorgenommene
Überprüfung der Verwaltung des Superfonds-Programms ab und unterbreitete

�Initiativen für ein effektiveres Programm, einschließlich privater Kontrollen in hezug auf akute Gefährdungen, bessere Vollstreckungsmaßnahmen,
um Privatunternehmen zu Entsorgungsmaßnahmen zu veranlassen sowie verstärkte Forschung für bessere Entsorgungstechniken. Für die Überwachung
werden in der EPA 500 neue Mitarbeiter eingestellt, die sicherstellen
sollen, daß eine ordnungsgemäße Entsorgung vorgenommen wird.

Verbrecher.
Die Administration hat
mit New York eine Vereinbarung über
die Beendigung der Einleitung von Abwässern, Klärschlamm und Industriemüll Ins Meer bis zum Jahr 1991 unterzeichnet .

Die Atomwaffeneinrichtungen des Energieministeriums

Der Präsident hat für das Haushaltsjahr 1990 einen Anstieg der Mittel zur Erforschung weltweiter Umweltprobleme um 43 Prozent oder 191,5
Millionen Dollar vorgeschlagen. Zusätzlich zu dem Gesetz zur Luftreinhaltung und dem Technologieprogramm
"Saubere Kohle" werden die Vereinigten Staaten im kommenden Februar eine
zwischenstaatliche Konferenz über die
Klimaveränderung
(IPCC)
abhalten.
Die Vereinigten Staaten halten den
Vorsitz in der Arbeitsgruppe zur Erarbeitung von Gegenstrategien (Response Strategies Working Group), vor
der Außenminister Baker in einer Rede
im Januar 1989 die Bedeutung koordinierter Bemühungen zur Behandlung der
Klimaveränderung betonte.
Die Vereinigten Staaten haben Diskussionen
über .iinen Rahmen für eine weltweite
Konvention zur Reduzierungen derjenigen Gasemissionen aufgenommen, die
für die Erwärmung der Erde verantwortlich sein könnten.

Der Präsident hat die erhebliche
Aufstockung der Bundesmittel zur Bekämpfung umweltbelastender Einflüsse
durch Atomwaffenfabriken im Bundesbesitz um nahezu eine Milliarde Dollar
beschlossen. Auf Anweisung des Präsidenten hat Minister Watkins ein auf
fünf Jahre angelegtes Umwelt- und Sicherheitsprogramm
für Atomwaffenfabriken angekündigt. Die Administration untersucht mit allen ihr zu Gebote stehenden Mitteln mögliche Verletzungen anzuwendender Umweltgesetze, die eventuell in Bundeseinrichtungen vorgekommen sind.
Die nationale Energiestrategie
Der Präsident hat die Erarbeitung
einer nationalen Energiestrategie angekündigt, und das Energieministerium
hat landesweit fünf öffentliche Anhörungen veranstaltet, um Stellungnahmen aus der Öffentlichkeit zu erhalten. Ein Element der Strategie wird
ein
Plan
zur
Herstellung
eines
Gleichgewichts zwischen der Notwendigkeit einer sicheren, ausreichenden
Energieversorgung und dem Schutz der
Umwelt sein.
Meeresverschmutzung
Mit seinem Haushaltsentwurf für
das Jahr 1990 hat der Präsident dem
Kongreß ein Gesetz zugeleitet, das
die Strafen für die illegale Einleitung von Abfällen ins Meer drastisch
verschärft. Das Gesetz verlangt die
Bestrafung von Zuwiderhandelnden als

Umweltschutz
Ebene

auf

internationaler

Weltweite Klimaveränderung

FluorChlorkohlenwasserstoffe (FCKW)
Am 3. März 1989 forderte der Präsident einen vollständigen weltweiten
Verzicht auf die Verwendung von FCKW
bis zum Jahr 2000, falls bis dahin
sichere
Ersatzstoffe
erhältlich
sind. FCKW verursachen den Abbau der
Ozonschicht.
Sondermüllexporte
Am 10. März 1989 forderte der
Präsident ein Verbot für den Export
von Sondermüll außer in solchen Fällen, in denen sich das Empfängerland
durch ein bilaterales Abkommen zu

- 3 -

�dessen ordnungsgemäßer Entsorgung bereiterklärt. Ein kleiner Teil des in
den Vereinigten Staaten anfallenden
Sondermülls wird exportiert, teilweise in Entwicklungsländer, deren Mangel einer angemessenen Entsorgungspraxis
zu
Umweltproblemen
führen
könnte.
Polen und Ungarn
Am 9. und 10. Juli 1989 kündigte
der Präsident technische Hilfe für
Polen und Ungarn an, um die Luftverschmutzung zu bekämpfen und die Wasserqualität zu verbessern.
Abkommen über Treibnetzfischerei
Die Administration
hat Japan,
Taiwan und Korea dazu veranlaßt, Abkommen über die Treibnetzfischerei
abzuschließen, mit denen der praktische Einsatz von Treibnetzen überwacht und die Gesetze über das Verbot
des
Fangs
amerikanischer
Lachse
durchgesetzt
werden
sollen.
Dank
dieser Abkommen können die Vereinigten Staaten den versehentlichen Fang
von Seevögeln, Robben, Walen und anderen maritimen Säugetieren zu quantifizieren. Jahr für Jahr wird illegal gefangener Lachs amerikanischer
Herkunft im Wert von mehreren hundert
Millionen Dollar auf dem Weltmarkt
gehandelt. Mit diesen Abkommen wird
das amerikanische Fischereiwesen für
die Zukunft vor solchen Verlusten geschützt, gleichzeitig wird die Meeresumwelt geschützt.

fallentsorgung ,
Wiederaufforstung,
Umgang mit Pestiziden.
Schutz gefährdeter Arten und Lebensräume
Verbot der Einfuhr afrikanischen Elfenbeins
Am 5. Juni 1989 verkündete die
Administration ein Einfuhrverbot für
afrikanisches Elfenbein. Danach ist
die Einfuhr von afrikanischem Elfenbein aus allen Ländern der Welt illegal. Darunter fallen sowohl kommerzielle als auch nichtkommerzielle
Einfuhren. Bei Beschlagnahme solcher
Waren kann der Reisende mit einer
Geldstrafe bis zu 5 000 Dollar belegt
werden. Als Ergebnis dieser Maßnahme
ist der Preis für Elfenbein auf dem
Weltmarkt stark gefallen. Somit wurde der Anreiz für das Wildern von
Elefanten verringert.
Die WUstenschildkröte
Das Innenministerium hat die Wüstenschildkröte in einer Notmaßnahme
für Südkalifornien, Utah und Nevada
gemäß dem Gesetz über gefährdete Arten auf die Liste der gefährdeten
Tierarten gesetzt.
Panther
Das Innenministerium hat in Florida zusätzlichen Lebensraum für gefährdete Panther erworben.
Schutz von Lebensraum

Initiativen des Entwicklungsdienstes
Am 18. September 1989 kündigte
der Präsident eine gemeinsame Initiative der EPA und des Entwicklungsdienstes (Peace Corps) an. Mit Beginn des Jahres 1990 sollen Entwicklungshelfer als Teil ihrer Standardausbildung auch den Umgang mit einem
breiten
Spektrum
umweltpolitischer
Herausforderungen erlernen: Vermeidung von Gewässerverschmutzung, Ab-

Die EPA hat die Genehmigung für
den Bau des umstrittenen Two ForksDammes in Colorado verweigert, weil
dieses Bauvorhaben Tausende von Hektar wertvollen Lebensraums für freilebende Tierarten vernichtet hätte.
Entwicklung der Fischerei
Der Präsident hat einen Vorschlag
überstimmt, die Ausgaben von Mitteln

�im Rahmen des Wallop-Breaux Trust
Funds für Schutz und Entwicklung der
Fischerei zu kürzen.
ErÖlbohrungen vor der Küste

•

In seiner Februar-Ansprache vor
beiden Häusern des Kongresses schlug
der Präsident vor, die Vergabe von
Konzessionen für die Erschließung von
Öl- und Gasvorkommen in umweltpolitisch sensiblen Gebieten vor den Küsten von Kalifornien und Florida zurückzustellen.
Der Präsident rief
eine Arbeitsgruppe ins Leben, um die
mit diesen Konzessionen verbundenen
umweltpolitischen Bedenken untersuchen zu lassen und versprach, die Erschließung nur in solchen Gebieten
anzustreben, in denen Bohrungen in
einer umweltverträglichen Art und
Weise vorgenommen werden können. Die
Administration hat Bestimmungen veröffentlicht, denen zufolge die Vergabe von Konzessionen zur Öl- und Gasförderung in dem umweltpolitisch sensiblen Cordell Bank National Maritime
Sanctuary vor der kalifornischen Küste verboten werden soll.

Rückgewinnung
sourcen

und

Schutz

von

206 Millionen Dollar für die Erweiterung
amerikanischer
Nationalparks,
Forst- und
Wildschutzgebiete
vor.
Dies war die erste seit mehreren Jahren vorgeschlagene Erweiterung.
Wiederaufforstung
Der Präsident ist seit langem davon überzeugt, daß das Konzept der
Verwaltung unserer nationalen Ressourcen die Grundlage eines soliden
Ansatzes im Umweltschutz darstellt.
Als Teil dieser Überzeugung ist der
Präsident seit langem ein Befürworter
der Wiederaufforstung.
Sein persönliches Engagement beim Pflanzen von
Bäumen ist ein Zeichen für das Ausmaß
seiner Unterstützung kontinuierlicher
Bemühungen dieser Art auf Bundes-,
Staats- und Gemeindeebene sowie von
Aufforstungsprojekten, die auf privater und freiwilliger Basis durchgeführt werden.

Res-

Feuchtgebiete
Der Präsident fordert die Verankerung des Ziels, bei Feuchtgebieten
"keinen Nettoverlust" hinzunehmen, in
der nationalen Politik. Im Einklang
mit dieser Forderung wurde eine behördenübergreifende Arbeitsgruppe gebildet, die gegenwärtig Empfehlungen
zur Verwirklichung dieses Ziels erarbeitet. Der Präsident hat eine besondere
gesetzgeberische
Vollmacht
vorgeschlagen, mit der Zinsen von im
Rahmen des Pittman-Robinson-Gesetzes
eingenommenen Geldern für den Kauf
von Feuchtgebieten gemäß dem North
American Waterfowl Management Act
verwendet werden können.
Erweiterung
bieten

von Parks und Schutzge-

In seinem
Haushalt
für 1990
schlug der Präsident Mehrausgaben von
- 5 -

* * * * *

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Bush signalisiert Bereitschaft zur Zerstörung chemischer Waffen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Ansprache des Präsidenten vor den Vereinten Nationen&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Mosbacher: "beachtlicher Wandel" in Polen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede des amerikanischen Handelsministers&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrund&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Regionale Fragen in den amerikanisch-sowjetischen Beziehungen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Eine Übersicht des US-Außenministeriums&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Rüstungskontrolle in den amerikanisch-sowjetischen Beziehungen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Eine Übersicht des US-Außenministeriums&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das amerikanisch-sowjetische Memorandum of Understanding über chemische Waffen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Eine Übersicht des US-Außenministeriums&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;START: eine Rahmenvereinbarung zu Verifizierung und Stabilität&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Eine Übersicht des US-Außenministeriums&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Stand der Rüstungskontrollverhandlungen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Wöchentliche Übersicht&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Umweltinitiativen der Bush-Administration&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Eine Übersicht des Weißen Hauses&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST
VON

4

20. September 1989

35

I N H A L T

DOKUMENTATION
Die amerikanische Außenpolitik In einer Zelt des Umbruchs
- Von Lawrence S. Eagleburger US-Handelspolitik setzt große Hoffnungen in Uruguay-Runde
- Rede der US-Handelsbeauftragten in London Baker; Neue US-Position zu mobilen Raketen
- Erklärung d:»s amerikanischen Außenministers -

HINTERGRUND
Die Verhandlungen über chemische Waffen
- Übersicht über die Bestrebungen zum Verbot chemischer Waffen Industrie und Regierung bekämpfen chemische Waffen gemeinsam
- Von Richard Clarke und Will Carpenter Die Vernichtung chemischer Waffen
- Ijbersicht über das Programm der Vereinigten Staaten Das amerikanische Forschungsprogramm zur biologischen Verteidigung
- Eine Übersicht des US-Informationsamtes -

* * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�AMERIKA DIENST
'VoN

Dokumentation

^

35

20. September 1989

DIE AMERIKANISCHE AUSSENPOLITIK IN EINER ZEIT DES UMBRUCHS
- Von Lawrence S. Eagleburger -

Der Autor ist Stellvertretender Außenminister. Der folgende Artikel stützt
sich auf die am 13.September 1989 anläßlich der Gedenkfeier für Samuel D.
Berger in der Georgetown University in Washington gehaltene Rede.
Uns allen ist das Klischee bekannt, daß die Früchte des Sieges in
der Niederlage gesät werden.
Ein
Ausdruck dieser altbekannten Wahrheit
ist, daß Menschen ebenso wie ganze
Nationen fähig sind, aus ihren Fehlern zu lernen und die Lektion der
Niederlage auf ihr nächstes Rendezvous mit dem Schicksal anzuwenden.
Wir Amerikaner sind uns der dem
Erfolg immanenten Gefahren jedoch
meist sehr viel weniger bewußt. Wir
sind ein selbstbewußtes und optimistisches Volk und in unserer Einstellung zu internationalen Angelegenheiten tendieren wir dazu, uns auf die
Herausforderungen des Augenblicks zu
konzentrieren und den langfristigen
Aspekten
sowie der Notwendigkeit,
Vorsorge für eine im permanenten Um-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

bruch begriffene Welt zu treffen, wenig Aufmerksamkeit zu widmen. Zu Beginn dieses Jahrhunderts haben wir
zwei große Siege über die Mächte der
Aggression und des Totalitarismus davongetragen. Aber bei beiden Gelegenheiten haben wir es im Verlauf des
Konflikts versäumt, weit über das aktuelle Geschehen und die Aussicht auf
Sieg hinauszublicken und der Tatsache
Rechnung zu tragen, daß unsere Siege
an sich schon die Welt verändern und
uns mit einer Reihe neuer Probleme,
Herausforderungen und Verantwortlichkeiten konfrontieren würden.
Fairerweise muß jedoch gesagt
werden, daß die Vereinigten Staaten
tatsächlich eine wichtige Lehre aus
den bitteren Erfahrungen der Zeit
zwischen den beiden Weltkriegen gezo-

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D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�gen haben, und zwar die Erkenntnis
der Notwendigkeit einer aktiven Rolle
der Vereinigten Staaten und die Übernahme von Verantwortung bei der Bewahrung des internationalen Friedens
und der Stabilität. Zum dritten Mal
in diesem Jahrhundert riskieren wir
heute jedoch, Opfer unseres eigenen
Erfolges zu werden. Wir vernehmen
von allen Seiten, daß der als kalter
Krieg bekannte gnadenlose ideologische und militärische Machtkampf zwischen den Vereinigten Staaten und der
Sowjetunion jetzt zu Ende geht. Und
wir hören, daß dieser Krieg im großen
und ganzen zu unseren Bedingungen zu
Ende geht.
Obwohl ein Großteil der Diskussionen über dieses Thema meines Erachtens verfrüht ist, besteht kein
Zeifel daran, daß wir in eine neue
Ära internationaler Beziehungen eintreten, die größtenteils das Produkt
unserer erfolgreichen Nachkriegspolitik ist. Es ist jedoch jetzt nicht
an der Zeit, uns selbst auf die
Schulter zu klopfen.
Zufriedenheit
über unseren Erfolg macht sachliches
Nachdenken über die neuen außenpolitischen Herausforderungen nicht überflüssig, die uns in den kommenden
Jahren erwarten. Wir betreten Neuland und wir werden einen anderen
Kompaß als den benötigen, der uns bis
heute sicher durch die zweite Hälfte
des 20. Jahrhunderts geleitet hat.
Zunächst möchte ich mich jedoch
in einigen selbstgefälligen Betrachtungen ergehen. Die Geschichte wird
lehren, daß die Vereinigten Staaten
sich - obwohl sie den kalten Krieg
nicht vorhergesehen hatten - den Herausforderungen und Verantwortlichkeiten einer Weltmacht voll und ganz gestellt haben, die er uns aufgezwungen
hat. Was haben wir erreicht? Erstens haben wir dazu beigetragen,
Westeuropa vor wirtschaftlichem Ruin
und vielleicht permanentem Abstieg zu
bewahren, indem wir den Grundstein
für die beeindruckende Stärke und den
heutigen Wohlstand dieses Kontinents
gelegt haben. Zweitens haben wir die
Führungsrolle bei der Gründung eini-

ger
multilateraler
Institutionen
übernommen, die erstmals in der Geschichte die rationelle Verwaltung
einer unabhängigen, internationalen
freien Marktwirtschaft gestatteten.
Drittens haben wir unsere ehemaligen
Gegner - die Bundesrepublik Deutsch] and und Japan - in der Reihe demokratischer Nationen des Westens willkommen geheißen, die Feindseligkeiten
der Vergangenheit begraben und einen
Krieg zwischen uns für immer undenkbar gemacht. Und viertens haben wir
gemeinsam mit unseren NATO-Partnern
ein Bollwerk gegen sowjetische Expansion in Europa und weltweit gebildet.
Das sind keine geringen Errungenschaften. Es ist für eine Demokratie
nicht leicht, die Entschlußkraft und
den für eine erfolgreiche und in sich
geschlossene Außenpolitik erforderlichen öffentlichen Konsens zu bewahren. Unsere Aufgabe wurde durch die
Tatsache noch zusätzlich erschwert,
daß wir nur ein Land in einer Koalition von Demokratien waren und uns
mit einem mächtigen Gegner konfrontiert sahen, dessen Missionseifer nur
noch durch seine scheinbar grenzenlose Fähigkeit, die Bedürfnisse seines
Volkes zu ignorieren und enorme Ressourcen der Beschaffung des Instrumentariums für Einschüchterung und
Aggression zu opfern, in den Schatten
gestellt wurde. Wir hatten Erfolg,
weil wir und unsere Verbündeten einig
waren, daß die Bedrohung, der wir uns
gemeinsam gegenübersahen, unmittelbar
und real war und weil die Völker des
Westens bereit waren, die zur Bewältigung dieser Bedrohung erforderlichen Opfer zu bringen.
Unser Erfolg spricht für sich
selbst.
Kollektiv ist der Westen
heute stärker als jemals zuvor seit
dem Zweiten Weltkrieg.
Wir haben
Wohlstand und Sicherheit. Wir haben
Vertrauen in unsere Aufgabe und in
die Gültigkeit - und Allgemeingültigkeit - unserer demokratischen Ideale.
Andererseits ist der Kommunismus als
Staatsphilosophie und Wirtschaftsform
in Auflösung begriffen.
Heute ist
Kommunismus das Refugium von Despoten

�und Oligarchen, die sich verzweifelt
an die Macht klammern aber wissen,
daß sie von der Geschichte verurteilt
sind.
Von Osteuropa bis Nicaragua
und von Äthiopien bis Kuba sind kommunistische Volkswirtschaften anerkannte Fehlschläge.
Die Geschichte
des vergangenen Jahrzehnts ist weltweit eine nahezu fehlerlose Bilanz
marktorientierter Reformen und des
Sieges demokratischer Kräfte über
Diktaturen des linken und rechten politischen Spektrums.
Aber die Bilanz unserer Leistungen ist nicht das Thema meiner heutigen Ansprache.
Stattdessen möchte
ich absichtlich Nachdenken über die
diametral entgegengesetzten Herausforderungen provozieren, mit denen
sich die Vereinigten Staaten bei ihrem Weg ins nächste Jahrhundert auf
der internationalen Bühne konfrontiert sehen. Wir müssen uns vor Augen führen, daß die bipolare Welt der
Nachkriegszeit, in der die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion das
Weltgeschehen beherrschten und die
Tagesordnung für ihre jeweiligen Verbündeten bestimmten, zu Ende ist.
Wir bewegen uns jetzt in Richtung auf
- oder sollte ich sagen zurück in denn seit Menschengedenken liegt dies
in der Natur internationaler Beziehungen - eine Welt, in der Macht und
Einfluß unter einer Vielzahl von
Staaten aufgeteilt wird.
Natürlich wurde diese Entwicklung
vom Westen insofern begrüßt, als sie
eine Abnahme der sowjetischen Wirtschaftsmacht und den Prozeß politischen Zerfalls widerspiegelt, der
heute für Osteuropa symptomatisch zu
sein scheint. Aber machen wir uns
nichts vor. Wenn es stimmt, daß wir
als Sieger aus dem kalten Krieg hervorgegangen sind, dann sind wir ebenso wie die Sowjets hinter uns ziemlich außer Atem durchs Ziel gekommen. Sowohl die Sowjets als auch
wir sehen uns mit einer offensichtlich geringeren Fähigkeit konfrontiert, Ereignisse zu beeinflussen und
unsere jeweiligen Interessen weltweit
in dem bisher gewohnten Maße zu för- 3

dern.
Das soll nicht heißen, daß die
Vereinigten Staaten und die Sowjetunion aufhören werden, die einzigen
wirklichen Supermächte der Welt zu
sein oder daß die Sowjets auch in absehbarer Zukunft nicht die Hauptbedrohung für die Sicherheitsinteressen
des Westens darstellen.
Noch wird
die multipolare Welt, auf die wir uns
zwangsläufig zubewegen angesichts der
Existenz und der tatsächlichen Verbreitung von Massenvernichtungswaffen
ein sichererer Ort sein als das Zeitalter des kalten Krieges, das wir
jetzt hinter uns lassen.
Bei all
seinen Risiken und Unsicherheiten war
der kalte Krieg durch ein bemerkenswert stabiles und berechenbares Beziehungsgeflecht zwischen den Großmächten gekennzeichnet.
Ein kurzer
Blick in die Geschichtsbücher wird
uns lehren, daß wir das über den
Zeitraum von der Geburtsstunde der
europäischen Nationalstaaten bis zum
Ausbruch
des
Zwweiten
Weltkriegs
nicht sagen können.
Daher leben wir in einer Zeit des
Umbruchs, einer Zeit der Risiken und
Chancen.
Es besteht Aussicht, daß
die Ostblockländer letztlich der demokratischen Staatengemeinschaft beitreten und die Entwicklungsländer von
den Segnungen des Fortschritts profitieren können, indem sie marktorientierte Reformen durchführen. Es besteht jedoch auch die Gefahr, daß ein
Wandel im Ostblock sich als zu destabilisierend erweisen könnte, um fortgeführt werden zu können und die Länder der Dritten Welt unter der Last
der Verschuldung und des Zerfalls zusammenbrechen, was wiederum zu gravierenden Instabilitäten führen könnte.
Wenn es eine Botschaft gibt, die
ich heute abend übermitteln möchte,
so lautet sie folgendermaßen: Unsere
Fähigkeit, den Herausforderungen in
den Ost-West- und den Nord-Süd-Beziehungen zu begegnen, wird maßgeblich
davon abhängen, wie gut die führenden
westlichen
Industrienationen
den

�Übergang zu einem neuen Beziehungsgeflecht und zu einer Neuverteilung der
Verantwortlichkeiten
untereinander
bewältigen.
Zweifelsohne hat sich
das Kräftegleichgewicht zwischen den
Vereinigten Staaten, Westeuropa und
Japan im vergangenen Jahrzehnt verlagert. Wir können etwas gegen unsere
Handels- und Haushaltsdefizite tun,
aber wir stehen der unumstößlichen
Tatsache machtlos gegenüber, daß wir
in
internationalen
Angelegenheiten
nicht länger wie gewohnt unseren Willen bekommen werden.
Wie wir mit
dieser Tatsache fertigwerden und wie
sich unsere westlichen Partner an ihre neugewonnene Unabhängigkeit und
Verantwortung gewöhnen, wird darüber
entscheiden, ob der stabile internationale Rahmen, für dessen Stützung
die Vereinigten Staaten in der Nachkriegszeit soviel getan haben, weiterhin zum Nutzen aller funktionieren
wird oder ob wir zu den dunklen Tagen
der Autarkie, des Unilateralismus und
Protektionismus
zurückkehren,
die
sich in den zwanziger und dreißiger
Jahren als höchst schädlich für den
Westen erwiesen haben.
Die Verlagerung des Kräftegleichgewichts zwischen den führenden westlichen
Industrienationen
bedeutet
nicht, daß die Vereinigten Staaten
ihre Führungsrolle aufgeben müssen.
Im Gegenteil, die Vereinigten Staaten
werden noch bis weit ins nächste
Jahrhundert hinein die einzige Großmacht sein, die in der Lage - oder
zumindest bereit - ist, global zu
denken und Maßnahmen zu erarbeiten,
die im allgemeinen politischen, wirtschaftlichen
und
sicherheitspolitischen Interesse des Westens liegen.
Dies ist uns nicht immer gelungen,
noch haben wir es notwendigerweise
aus reinem Altruismus getan, aber es
ist und bleibt eine Tatsache, daß
keiner unserer westlichen Partner
über die globale Einflußsphäre verfügt oder in der Lage ist, bei der
Bewahrung und Erweiterung der institutionellen Mechanismen die Führungsrolle zu übernehmen, die für die Erhaltung
der internationalen wirtschaftlichen und politischen Stabili-

tät unabdingbar ist. Unsere Fähigkeit zur Übernahme dieser Rolle mag
abgenommen haben, aber nicht die Notwendigkeit, es zu tun.
Damit die Vereinigten Staaten
diese Rolle weiterhin spielen können,
ist jedoch die Erkenntnis unserer demokratischen Partner im Westen erforderlich, daß zunehmender Wohlstand
und Einfluß mit wachsender Verantwortung einhergeht. Westeuropa muß auf
seinem Weg zur Schaffung eines europäischen Binnenmarktes bis Januar
1993 beispielsweise kontinuierliche,
offene Handelsbeziehungen
mit den
Vereinigten
Staaten
sicherstellen,
wenn wir die Spirale des Protektionismus und damit die zwangsläufige
Verschlechterung
der
transatlantischen Beziehungen vermeiden wollen.
Gleichermaßen werden die Japaner die
Tatsache akzeptieren müssen, daß sie
es sich nicht länger leisten können,
nur ihren eigenen Vorteil auf Kosten
der Stabililtät des internationalen
Systems insgesamt im Auge zu behalten. In dieser Hinsicht müssen sowohl die Vereinigten Staaten als auch
Westeuropa die institutionellen Mittel und Wege finden, um die Japaner
in engere Konsultationen zu einem
breiten
Spektrum
politischer
und
wirtschaftlicher Themen einzubeziehen, so daß sie die kreative und positive internationale Rolle spielen
können, die ihnen rechtmäßig und
zwangsläufig zukommt.
Die Anpassungsprobleme, mit denen
wir uns im Westen konfrontiert sehen,
sind verschwindend gering, verglichen
mit denen der Sowjets heute. Die Sowjetunion durchläuft eine Phase, die
nur als Krise massiven Ausmaßes beschrieben werden kann. Michail Gorbatschow hat die Klugheit und Einsicht besessen, daß radikale Veränderungen erforderlich sind, um sein
Land vor permanentem Abstieg zu bewahren.
Dies ist jedoch nicht das
erste Mal, daß der Kreml einen ideologischen Rückzug angetreten hat, um
nationale Gesundung zu stimulieren.
In den zwanziger Jahren hat Lenin ihn
zum ersten Mal mit seinem marktorien-

- 4 -

�tierten neuen Wirtschaftsplan vollzogen und Stalin opferte während des
großen patriotischen Krieges gegen
Nazi-Deutschland die Ideologie zugunsten des russischen Nationalismus.
Wir müssen uns dieses Kapitel der Geschichte ebenso wie die Tatsache vor
Augen führen, daß Gorbatschow kein
Antikommunist ist und beabsichtigt,
die Sowjetunion so stark wie irgend
möglich zu machen.
Dennoch trifft es zu, daß die von
Gorbatschow eingeleiteten Veränderungen zu ersten realistischen Hoffnungen auf eine Umgestaltung des sowjetischen Systems und auf eine qualitative Verbesserung der Ost-West-Beziehungen Anlaß geben. Wie Präsident
Bush erklärt hat, bietet sich heute
die Gelegenheit zur Überwindung der
seit dem Ende des Krieges bestehenden
Teilung Europas zu Bedingungen, in
denen unsere demokratischen Prinzipien ihren Niederschlag finden. Offensichtlich hat Gorbatschow begriffen,
daß sein Land wirtschaftlich nicht
konkurrieren kann, solange die Ressourcen nicht aus dem militärischen
Bereich abgezogen werden und die Sowjetunion nicht ins nachindustrielle
Zeitalter eintreten kann, wenn sie
ihre Gesellschaft nicht der Welt
draußen öffnet und die Beziehungen
mit dem Westen auf eine normale
Grundlage stellt. Aus diesen Gründen
hat er hoffnungsträchtige Erklärungen
zur Abrüstung abgegeben und die abenteuerlichen Eskapaden in Übersee mehr
oder weniger aufgegeben, die so ausserordentlich zur Festigung der Solidarität im Westen Anfang der achtziger Jahre beigetragen haben.
Und darin liegt eine Gefahr für
die westlichen Interessen: Mit der
wachsendenen Erkenntnis in der westlichen Öffentlichkeit, daß die sowjetische Bedrohung abgenommen hat, wird
sich unter den NATO-Mitgliedstaaten
eine Tendenz abzeichnen, beim Ausbau
ihrer Beziehungen mit dem Ostblock zu
wetteifern.
Bereits
jetzt werden
Stimmen laut, die fordern, wir müßten
Maßnahmen ergreifen, um den Erfolg
von Gorbatschows Reformen sicherzu-

stellen. Das ist jedoch weder Aufgabe der amerikanischen Außenpolitik
noch die unserer westlichen Verbündeten. Unsere Aufgabe besteht letztlich darin, politische Maßnahmen zu
erarbeiten, die unseren Interessen
dienen - gleichgültig, ob Gorbatschow
Erfolg hat oder nicht. Und unser gemeinsames Ziel sollte die Aufrechterhaltung des Konsenses im Sicherheitsbereich sein, der dem Westen in den
vergangenen vierzig Jahren so gut gedient hat, bis der Prozeß demokratischer Reformen im Ostblock wirklich
unumkehrbar geworden ist.
Das ist leichter gesagt als getan. Wenn die westliche Tendenz zu
Unilateralismus bei Handelsangelegenheiten auch auf die Beziehungen mit
dem Ostblock im Sicherheitsbereich
zutrifft, könnte die Sowjetunion die
NATO-Mitgli edstaaten
gegeneinander
ausspielen und Konzessionen bei Handel und Rüstungskontrolle erhalten,
ohne ihr System auf eine Art und Weise zu reformieren, die einzig und allein zu einer stabilen und vertrauensvollen Beziehung zwischen Ost und
West führen können.
Zweifelsohne liegt es ebensosehr,
wenn nicht noch mehr im europäischen
als in unserem Interesse, die finanzielle
Unterstützung
rein
kosmetischer Reformen in der Sowjetunion
zu vermeiden oder RUstungskontrollabkommen zu erzielen, mit denen die Fähigkeit der NATO zur Abschreckung von
Aggression unterhöhlt wird.
Letztlich sind die Europäer von der Geographie her verdammt, im Schatten der
sowjetischen Militärmacht zu leben,
unabhängig davon, ob die Sowjetunion
langfristig
soviele
Veränderungen
vornimmt wie wir alle hoffen. Und
während das Engagement der Vereinigten Staaten für die NATO unerschütterlich bestehen bleibt, müssen unsere europäischen Verbündeten - insbesondere in Anbetracht der Schaffung
eines europäischen
Binnenmarkts
größere Verantwortung für ihre Verteidigung übernehmen und eine gerechtere Arbeitsteilung im Bündnis einführen, die der relativen Stärke un-

- 5 -

�serer Volkswirtschaften Rechnung trägt.
Es gibt noch einen weiteren
Grund, warum die Europäer bei der
Verwaltung ihrer Interessen mehr Verantwortung übernehmen müssen.
Wir
entdecken jetzt, daß der Reformprozeß
im Ostblock und die Lockerung der sowjetischen Kontrolle über Osteuropa
lang unterdrückte ethnische Auseinandersetzungen und Nationalitätenkonflikte an die Oberfläche bringt und
die deutsche Frage wieder auf die internationale Tagesordnung setzt. Obwohl die amerikanische Politik einen
stabilisierenden Einfluß auf die Behandlung dieser Fragen haben kann,
sind
es
letztlich
die
Europäer
selbst, die das politische Hauptinteresse daran haben, den Übergang zu
einem neuen und ungeteilten Europa
friedlich und reibungslos zu gestalten. Darüber hinaus ist der kooperative und multilaterale Ansatz, der in
der Nachkriegszeit ein wohlhabendes
und sicheres Westeuropa geschaffen
hat, der Schlüssel zur Überwindung
der Instabilität und Unberechenbarkeit, die der multipolaren Ära innewohnt, in die ganz Europa heute eintritt.
Die Vereinigten
Staaten sehen
sich im nächsten Jahrzehnt auch in
ihren Beziehungen zu den Entwicklungsländern neuen Herausforderungen
gegenüber.
Auch hier scheint sich
der Nachkriegskampf zwischen liberaler Demokratie und kommunistischen
oder dirigistischen
Ideologien um
Seele und Geist der Völker in der
Dritten Welt in eine für den Westen
günstige Richtung zu entwickeln. Wir
sollten die unterschwellige Bedeutung
des Trends zu Demokratie und freien
Marktreformen, dessen Zeuge wir heute
in einem Großteil der Entwicklungsländer werden, jedoch realistisch beurteilen. Tatsache ist, daß dieser
Trend gegen die amtierenden Regierungen überall auf der Welt und aller
politischen Schattierungen gerichtet
ist - Regierungen, die mit Problemen
wie Bevölkerungsexplosion, Arbeitslosigkeit
und
stagnierendem
Wirtschaftswachstum überfordert sind.

Zweifelsohne sind viele der Probleme in den Entwicklungsländern ihnen selbst zuzuschreiben. Wenn sie
jedoch zu den notwendigen Reformen
bereit sind, müssen wir im Westen mit
kreativen Ansätzen zur Bewältigung
des Schuldenproblems und mit dem Maß
an Investitionen reagieren, das viele
Länder zunächst gescheut haben, jetzt
aber dringend empfehlen. Wenn es uns
nicht gelingt, angemessen auf die
Schuldenkrise zu reagieren, könnte
sich der Trend zu Demokratie in den
Entwicklugnsländern als kurzlebig erweisen. Darüber hinaus könnten einige der noch im Entstehen begriffenen
Nationalstaaten der Dritten Welt in
ihre ethnischen oder regionalen Bestandteile zerfallen, während die gut
bewaffneten die Lösung ihrer Probleme
im Inland durch Aktionen im Ausland
anstreben könnten. Und es könnte geschehen, daß die Instabilität in den
Entwicklungsländern bis vor unsere
Türschwelle in Europa und den Vereinigten Staaten exportiert wird.
Schließlich gibt es noch eine
weitere Reihe von Problemen, mit denen wir uns auf unserem Weg ins nächste Jahrhundert konfrontiert sehen,
deren Lösung die Fähigkeiten der Vereinigten Staaten oder jedes anderen
Staates übersteigt und die daher einen kollektiven Ansatz erfordern. Es
handelt sich hierbei um Probleme wie
die Verbreitung von Waffen, internationalen Drogenschmuggel, Terrorismus
und die Gefährdung der Umwelt. Diese
Probleme machen nicht an Grenzen halt
und es gibt keine nationalen oder
rein unilateralen Lösungen für sie.
Wenn Michail Gorbatschow seine
Aussage ernst meint, daß wir unsere
ideologischen Differenzen und den militärischen Wettstreit beilegen müssen, um uns der fundamentalen Bedrohung des Überlebens auf unserem Planeten zuwenden zu können, so hat er
in den Vereinigten Staaten einen bereitwilligen Partner. Aber die Mehrzahl der von mir genannten Probleme die in den kommenden Jahren voraussichtlich die internationale Tagesordnung beherrschen werden - können

- 6 -

�nicht allein im Rahmen der Ost-WestBeziehungen gelöst werden.
Nehmen
wir zum Beispiel Probleme wie Umweltverschmutzung und die Verbreitung von
Waffen. Wir in den Industrienationen
befinden uns heute in der peinlichen
Lage, die Entwicklungsländer bitten
zu müssen, auf Methoden der Wirtschaf tsentwicklung zu verzichten, die
wir selbst vor nicht allzu langer
Zeit praktiziert haben und die zum
Teil für unseren heutigen Wohlstand
verantwortlich sind.
Ebenso bitten
wir viele dieser Nationen, auf die
Produktion von Waffen zu verzichten,
die wir selbst besitzen und die in
einer gefährlichen und unberechenbaren Welt zu unserer Sicherheit beitragen.

tionären Veränderungen, die heute die
Welt erfassen, sind umkehrbar und
können nicht allein durch die Bemühungen der Vereinigten Staaten weitergeführt werden. Sie können jedoch
fortgeführt und die bestehenden Gefahren zu Chancen gemacht werden,
wenn die westlichen Demokratien ihre
Verpflichtung zu einem kollektiven
und kooperativen Ansatz bei der Bewältigung der Hauptprobleme erneuern,
mit denen wir uns konfrontiert sehen.
Und dafür ist an erster Stelle die
amerikanische FUhrungsrolle erforderlich.

Zweifelsohne ist die Zusammenarbeit zwischen Ost und West zur Behebung vieler unterschwelliger politischer und regionaler Spannungen unabdingbar, die die Wurzel grenzüberschreitender Probleme wie Terrorismus
und Verbreitung von Waffen sind. Die
Herausforderung, die Drogenkartelle
zu zerschlagen und insbesondere die
Gefährdung der Umwelt zu beseitigen,
hat jedoch eine internationale Dimension und macht gemeinsame Bemühungen
der Nationen erforderlich, die zur
Mobilisierung der zu ihrer Lösung
notwendigen Ressourcen wohlhabend genug sind.
Ich hatte nicht die Absicht, ein
düsteres Bild des internationalen Umfelds zu zeichnen, das uns im nächsten Jahrzehnt und im kommenden Jahrhundert erwartet. Die Zeit des Umbruchs, in der wir uns heute befinden, kann erfolgreich gemeistert werden, wenn wir der Tatsache Rechnung
tragen, daß wir uns anderen Herausforderungen als in den vergangenen 40
Jahren gegenübersehen.
Militärisch
gesehen sind wir heute stark. Wirtschaftlich gesehen sind wir heute
stark. Und es ist nur eine Frage der
Zeit, bis wir den Triumph demokratischer Werte in Ländern beobachten
können, in denen dies noch vor wenigen Jahren undenkbar gewesen wäre.
Aber die positiven und sogar revolu- 7-

* * * * *

�AMERIKA DIENST
"VON

Dokumentation

**

20. September 1989

35

US-HANDELSPOLITIK SETZT GROSSE HOFFNUNGEN IN URUGUAY-RUNDE
- Rede der US-Handelsbeauftragten In London LONDON - (AD) - Der US-Handelsbeauftragten Carla Hills zufolge ist eine
tiefgreifende Reform des Welthandelssystems erforderlich, um zu verhindern,
daß regionale Handelsblöcke gebildet werden und die verschiedenen Staaten sich
in zerstörerische Handelskriege drängen lassen. Diese Reform sollte in der
derzeitigen Uruguay-Runde multilateraler Handelsgespräche errreicht werden,
erklärte Frau Hills am 14. September 1989 in London. Aus diesem Grund bilde
die Runde "für die Vereinigten Staaten die höchste Priorität im Bereich des
Handels".
Nachfolgend
Wortlaut.

veröffentlichen wir die Rede der US-Handelsbeauftragten im

Der Handel ist mit London untrennbar verbunden. Seit Jahrhunderten gehören sie zusammen wie eine
steife Brise und die Segel eines
Schoners.
Ein offener Handel ist
Eckpfeiler Ihres Wohlstands.

Ich bin heute hierher gekommen,
um Ihnen zu versichern, daß die Handelspolitik der Bush-Administration
vom Geist Humes, Smiths und Ricardos
geleitet und dem Ausbau des offenen
Handels verpflichtet ist.

Drei berühmte Briten - David
Hume, Adam Smith und David Ricardo sind die geistigen Helden derjenigen
unter uns, die heute das freie Handelssystem verteidigen und ausbauen
möchten. Dieses System besteht noch,
aber es unterliegt schweren Belastungen - es wird von Regierungen auf die
Probe gestellt, die das freie Spiel
der Marktkräfte behindern, den Handel
verzerren und den Wettbewerb hemmen.

Zu Beginn dieses Jahres hat Präsident Bush eine umfassende Überprüfung des Welthandelssystems und unserer Handelspolitik vorgenommen. Ich
möchte Ihnen kurz die Ergebnisse unserer Erörterungen schildern und Ihnen insbesondere die Ziele der amerikanischen
Handelspolitik,
unsere
Strategie zu deren Verwirklichung und
die zentrale Bedeutung der UruguayRunde für diese Politik erläutern.

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Die amerikanische Handelspolitik für
die neunziger Jahre

schlossenen Maßnahmen zugrunde, darunter:

Ich versichere Ihnen, daß wir eine klare Vision der von uns angestrebten Welt haben: Eine Welt, in
der die Unternehmer und nicht Regierungsbürokraten bestimmen, wie industrielle und landwirtschaftliche Unternehmen
miteinander
konkurrieren
und die Staaten Handel treiben.

Unsere Verhandlungen im Stahlund Schiffbaubereich, die auf
den Abbau staatlicher Subventionen und die Öffnung der Märkte
zielen.

Die Politik der Bush-Administration ist auf die Öffnung der Märkte
nicht auf deren Abschottung gerichtet, auf die Schaffung eines kontinuierlich
wachsenden
Welthandelssystems, das auf klaren und durchsetzbaren Regeln beruht.
Der Präsident hat zur Umsetzung
dieser Vision eine dreifache Strategie entwickelt, die von uns mit aller
Energie durchgeführt wird:
Erstens, wir verpflichten uns und wir fordern unsere Handelspartner zu einer ebensolchen Verpflichtung auf - zum erfolgreichen Abschluß der Uruguay-Runde
multilateraler
Handelsgespräche
in der für Dezember 1990 gesetzten Frist.
-

Zweitens, wir werden - auf eine
Art und Weise, die vollständig
mit
unseren
Zielen
in
der
Uruguay-Runde übereinstimmt - bilaterale und regionale Initiativen zur Marktöffnung weiterverfolgen.
Schließlich werden wir die Stärke
unseres Binnenmarkts zur Förderung
unserer
Ziele
in
der
Uruguay-Runde einsetzen.

Unsere eindeutige und dauerhafte
Unterstützung der Schaffung eines
Binnenmarkts durch die Europäische Gemeinschaft (EG) und unsere
Forderung
an
diese, die
Schranken nicht nur innerhalb Europas sondern auch zwischen Europa und seinen Handelspartnern abzubauen.
Unsere Durchführung des Handelsgesetzes von 1988 in einer Weise,
die den Welthandel von staatlicher Einmischung befreit.
Unser Besuch in Mexiko im vergangenen Monat, in dessen Verlauf
wir die Kreativität der Regierung
Salinas begrüßt haben, mit der
Zölle und Handelsschranken abgebaut werden und eine Umstrukturierung der mexikanischen Volkswirtschaft vorgenommen wird.
Unser für den nächsten Monat vorgesehener Besuch in der Pazifikregion, um die Entwicklung zu
marktwirtschaftlichen
Handelsund
Investitionsregelungen
in
dieser Region zu stärken.
Unser anhaltender Widerstand gegen protektionistischen Druck in
unserem eigenen Land, darunter
Versuche, ausländische Investitionen zu begrenzen.

Manchmal müssen wir die Regierung
auch drängen, wettbewerbsfeindliche
Praktiken zu beseitigen, die ebenfalls den Handel einschränken können.
Unsere gemeinsame Initiative
mit Japan gegen strukturelle Hemmnisse zum Beispiel zielt darauf ab,
sichtbare und "unsichtbare" Hemmnisse, die den Wettbewerb in beiden Ländern stark einschränken, zu beseitigen.
- 2-

Das grundsätzliche Ziel unserer
Strategie besteht darin, den Staat
aus der Wirtschaft zu verdrängen:
aus der Stahlproduktion, aus dem Verkauf von Getreide, aus der Viehmast,
dem Schiffbau und den vielen anderen
Bereichen, in denen der Staat den
Handel verzerrt. Dieses Ziel liegt
allen unseren in jüngster Zeit be-

�Die Uruguay-Runde
Jede dieser Maßnahmen zur Marktöffnung betrifft bestimmte Probleme.
Sie allein werden jedoch die so dringend benötigte durchgreifende Reform
des Welthandelssystems nicht bewirken
können.

ternationalen Regeln für fairen Wettbewerb nicht zufriedenstellend abgedeckt. Und wenn Regeln unzureichend
sind oder gar nicht existieren, werden aus Handelsstreitigkeiten Handelskriege, werden Exporteure behindert und bedienen sich ineffiziente
Industrien aus staatlichen Quellen.
Die Kosten sind schwindelerregend:

Seit dem Zweiten Weltkrieg hat
das Allgemeine Zoll- und Handelsabkommen (GATT) - die wichtigste Plattform für internationale Handelsgespräche - sieben erfolgreiche Runden
zur Senkung von Zöllen zwischen den
bedeutenden Handelsnationen der Welt
gefördert.
Diese Runden haben zum
Abbau von Hemmnissen und Ausbau des
Handels geführt. Als Ergebnis sind
unsere Volkswirtschaften in den vergangenen vier Jahrzehnten schneller
gewachsen als in jedem vergleichbaren
Zeitraum der Weltgeschichte.

Die Europäer gaben letztes Jahr
nahezu 120 Milliarden Dollar zur
Stützung der Landwirtschaft aus,
die Vereinigten Staaten fast 75
Milliarden.
Das sind pro Kopf
300 bis 400 Dollar jährlich.
In der EG wurden zusätzlich 50
Milliarden Dollar für Subventionen an europäische Stahlunternehmen,
Schiffbau
und
andere
Branchen verschwendet. Das sind
weitere 150 Dollar pro Jahr, die
jedem Verbraucher aus der Tasche
gezogen werden.

Das GATT fördert auch weiterhin
den Ausbau des Handels, und es hat
eine wachsende Mitgliederzahl unterschiedlicher Volkswirtschaften aufgenommen. Am schwersten wiegt jedoch
die Tatsache, daß es eine verbreitete
Akzeptanz, wenn auch nicht immer die
Einhaltung, gewisser Grundprinzipien
hervorgebracht hat - etwa die nationale Behandlung -, die den offenen
Handel unterstützen.
Das Problem besteht jedoch darin,
daß das Handelssystem den GATT-Rahmen
sprengt. Während die Zölle gesenkt
wurden, haben die nichttarifären Handelshemmnisse zugenommen.
Überdies
sind vom GATT kaum oder garnicht abgedeckte Bereiche wie etwa Landwirtschaft
oder
geistiges
Eigentum,
Dienstleistungen und Investitionen,
heute von erheblich größerer Bedeutung als früher.
Um es griffig zu formulieren:
Das GATT gleicht einem Zwei-ZimmerBungalow
auf
einem
unbezahlbaren
Grundstück: Die Vorteile einer Renovierung überwiegen deren Kosten bei
weitem. Insgesamt werden über 1 Milliarde Dollar aus dem Handel mit Gütern und Dienstleistungen von den in-

Der unzureichende Schutz geistigen Eigentums kostet amerikanische Software-Entwickler, Arzneimittelfirmen und andere Exporteure jährlich über 40 Milliarden
Dollar.
Ihre europäischen Konkurrenten verlieren nochmals etliche Milliarden. Diese Piraterie blutet die Produktivität des
Ruhrgebiets ebenso aus wie die
des Silicon Valley.
Dies kann nicht so weitergehen.
Die Runde ist unsere beste Chance zu
kontrollieren, was sonst bald außer
Kontrolle geraten könnte.
Aus diesem Grund hat Präsident
Bush die - im Jahr 1986 in Punta del
Este in Uruguay eröffnete - UruguayRunde zur höchsten Priorität der Vereinigten Staaten im Bereich des Handels erklärt.
Gegenwärtig arbeiten
100 Staaten in Genf am Ausbau des
GATT, an seiner Stärkung als Institution, der Ausdehnung seines Geltungsbereichs auf die Landwirtschaft und
seiner Ausweitung auf neue Problembereiche wie etwa Dienstleistungen,
geistiges Eigentum und Investitionen.

- 3 -

�Meine Botschaft an Europa ist
einfach - und dringend. Wir müssen
nach ehrgeizigen Ergebnissen streben. Wenn wir uns nur mit Randsymptomen beschäftigen, werden wir uns
auf eine risikoreiche Politik und
Handelsblöcke einstellen müssen. Zu
lange schon haben wir auf Veränderungen im Welthandel nur reagiert. Die
Runde ist für dieses Jahrhundert die
letzte Chance zum Handeln:
Zum Handeln in der Landwirtschaft.
Das Ziel der Vereinigten
Staaten ist die vollständige Beseitigung aller den Handel verzerrenden
Maßnahmen, wobei den Landwirten eine
Frist zur Anpassung an die Marktkräfte eingeräumt wird. Im vergangenen
Monat haben wir vorgeschlagen, alle
nichttarifären Handelshemmnisse - wie
Quoten und variable Abgaben - in Zölle umzuwandeln, die offen sichtbar
sind und damit leichter reduziert
werden können.
Noch diesen Monat
werden wir in Genf einen umfassenden
Vorschlag
präsentieren,
demzufolge
die Landwirte anbauen können, was sie
möchten und wann sie möchten und womit sie ein angemessenes Einkommen
ohne staatliche Einmischung erzielen
können. Unseres Erachtens wird die
Runde ohne eine grundlegende Reform
im Agrarbereich scheitern. Von einer
solchen Reform werden wir alle profitieren: Eine Reform könnte drei Millionen neue Arbeitsplätze in Europa
schaffen, das amerikanische Haushaltsdefizit um 37 Milliarden Dollar
senken und die Reallöhne in Japan um
2,5 Prozent erhöhen.
Zum Handeln, um den Marktzugang
für Industrieprodukte sicherzustellen. Die Vereinigten Staaten fordern
ihre Handelspartner auf, eine künftige Welt ohne Zölle ins Auge zu fassen. Wir sind heute dazu bereit, mit
anderen zusammenzuarbeiten, um dies
in Schlüsselberelchen schon in der
jetzigen Runde zu erreichen.
Zum Handeln, um die Rechte an
geistigem Eigentum zu schützen. Wir
haben im vergangenen Jahr einen weitreichenden Vorschlag unterbreitet.
- 4

Die Unterhändler erarbeiten zur Zeit
ein Abkommen, daß in der Praxis folgende Regelungen enthalten soll:
a)

Patentschutz für pharmazeutische,
chemische und andere Produkte,

b) Urheberrechtsschutz für Tonträger
und Computersoftware,
c) Schutz von Betriebsgeheimnissen
für Herstellungsverfahren und Daten sowie
d) wirksame Strafverfolgung, um die
Fälschung von Warenzeichen und
das Raubkopieren urheberrechtlich
geschützter Materialien wie Bücher, Filme und Tonaufzeichnungen
zu beenden.
Zum Handeln, um sicherzustellen,
daß internationale Regeln für fairen
Wettbewerb auf Dienstleistungen Anwendung finden. Britische und französische Versicherungsgesellschaften,
amerikanische Reiseveranstalter und
andere Dienstleistungsfirmen müssen
im Ausland Filialen eröffnen können
und wie ortsansässige Firmen behandelt werden. Wir werden unsere Vorstellungen zu einem umfassenden Abkommen im Oktober auf den Tisch legen.
Zum Handeln, um Beschränkungen
von Auslandsinvestitionen abzubauen.
Amerikanische und japanische Automobilhersteller, deutsche Investitionsgüterproduzenten und andere Unternehmen müssen in Übersee investieren
können ohne dazu gezwungen zu werden,
einen inländischen Partner zu beteiligen, einen bestimmten Prozentsatz
ihrer Produktion zu exportieren, im
Inland hergestellte Teile zu verwenden oder irgendeine von einem Dutzend
anderer
Investitionsbedingungen
zu
erfüllen. Ich war gerade in Genf, wo
unsere Berater aus dem Privatsektor
und ich zwei Tage damit verbracht haben, den von uns im Juli unterbreiteten Vorschlag zu den Investitionen zu
erörtern.
Zum Handeln, um den Handel verzerrende Subventionen abzubauen. Ich

�Zum Handeln, um den Handel verzerrende Subventionen abzubauen. Ich
habe die amerikanische Initiative zu
Stahl und Schiffbau erwähnt, aber das
Problem geht über diese beiden Bereiche hinaus.
Subventionen zerstören
die Wirtschaft und runieren die öffentlichen Haushalte. Wir können Arbeitnehmern und Regionen effektiver
helfen ohne auf wettbewerbsfeindliche
Subventionen
zurückzugreifen.
Die
Vereinigten Staaten werden zum Jahresende einen ehrgeizigen Plan zur
Begrenzung von Subventionen vorlegen.
Und zum Handeln, um Streitigkeiten zu beenden. Wir benötigen neue
Mechanismen, um unsere Differenzen
beizulegen bevor der unvermeidliche
Streit zu einem bedauerlichen Krieg
eskaliert. Wenn wir Handelspartnern
neue Vorstellungen
zur Erörterung
vorlegen, so durchlaufen diese sämtliche Instanzen von der Schlichtung
zur "Berufungsüberprüfung" bis zu einem
richtigen
"GATT-Gerichtshof".
Was auch immer das Endergebnis sein
mag, wir benötigen ein System, das
schnell, fair und effektiv ist.
Die Zeit ist kurz, die Aufgabe
gewaltig. Bis zum Ende dieses Jahres
müssen die Staaten alle verbleibenden
Vorschläge in jeder der 15 Verhandlungsgruppen auf den Tisch legen.
Die Vereinigten Staaten haben zahlreiche Vorschläge unterbreitet. Wir
werden die noch ausstehenden bis zum
Jahresende vorlegen. Bis Mitte des
Jahres 1990 werden sich die Staaten
darum bemühen, in jedem Bereich Vereinbarungen zu erzielen. Danach müssen wir diese Vereinbarungen bis zum
Treffen der GATT-Minister in Brüssel
im November 1990 in einem Paket verankern.

Schlußbemerkungen
Europa und die Vereinigten Staaten haben bei der Förderung der Freiheit in der ganzen Welt Hand in Hand
zusammengearbeitet.
Ob bei Rede-,
Religions- oder politischer Freiheit

- wir haben für das Recht der Menschen überall gekämpft, ihre eigene
Wahl zu treffen.
Die Wahlfreiheit ist das unauslöschliche Bindeglied zwischen unserem politischen und unserem ökomischen System.
Politische Freiheit
und wirtschaftliche Freiheit sind interdependent. Jeder sollte das Recht
haben, zu entscheiden, wie, wann und
wo er Güter und Dienstleistungen frei
auf einem fairen Markt kaufen oder
verkaufen möchte.
Das ist Wettbewerb: die grundlegende Stärke unserer beiden Nationen. David Ricardo
bezeichnete dies im Jahr 1817 als die
Freiheit zu tun, was jeder von uns am
besten kann.
Darum geht es in der UruguayRunde - Wettbewerb. Deshalb ist sie
der Mittelpunkt unserer Handelspolitik und der Schlüssel zur Zukunft des
Welthandels. Wenn die Runde erfolgreich sein soll, so müssen unseres
Erachtens
bestimmte
Vereinbarungen
erzielt werden:
Eine
grundlegende
Agrarhandels,

Reform

des

die Ausdehnung der GATT-Regeln
auf die "neuen Bereiche" Dienstleistungen,
Investitionen
und
geistiges Eigentum,
erweiterter Marktzugang
Warenhandel,
-

für

den

Beseitigung
handelsverzerrender
Subventionen und
ein faires und wirksames Schlichtungsverfahren bei Streitfällen.

Die Vereinigten Staaten streben
keinen unfairen Vorteil an, aber wir
werden nicht einseitig abrüsten. Wir
streben offene Märkte nicht zum alleinigen Vorteil amerikanischer Unternehmer an.
Wir engagieren uns
vielmehr voll und ganz dafür, unsere
Stärke zur Öffnung der Märkte für alle, die auf diesen Märkten konkurrie-

- 5 -

�ren möchten, einzusetzen.
Wir waren zum Beispiel erfolgreich bei der Öffnung des japanischen
Rindfleischmarkts, von der die australischen
Viehzüchter
mindestens
ebenso profitiert haben wie unsere.
Insbesondere für die weniger entwickelten Länder muß die von uns angestrebte Offenheit gelten, damit sie
ebenfalls zu Märkten für unsere Produkte werden können und an der dem
Welthandelssystem innewohnenden Verantwortung teilhaben.
Wir streben
also an, was wir schon immer angestrebt haben - Freiheit und Fairneß,
für Landwirte und Industriearbeiter
in der ganzen Welt.
Jeder Zyklus diplomatischer Bemühungen fügt der Geschichte ein eigenes Kapitel hinzu.
Unseres sollte
unseren Wagemut und nicht unsere Ängste widerspiegeln, unser Vertrauen
und nicht unsere Unsicherheit. Das
Handelssystem, das diese Qualitäten
am besten verkörpert, ist dasjenige,
das am meisten zu ihrer Entwicklung
beiträgt. Wenn die Uruguay-Runde Erfolg hat, werden wir ein Kapitel angefügt haben, das der vor 40 Jahren
geleisteten Arbeit würdig ist - ein
Kapitel, das von Hoffnung und Wohlstand für die nächste Generation erfüllt ist.

* * * * *

- 6

�;eos&gt;

VON

AMERIKA DIENST
Dokumentation

4

35

20. September 1989

BAKER:

NEUE US-POSITION ZU MOBILEN RAKETEN

- Erklärung des amerikanischen Außenministers -

WASHINGTON - (AD) - Außenminister Baker zufolge werden die Vereinigten
Staaten nicht länger darauf bestehen, daß ein Vertrag über die Verringerung
strategischer Rüstungen (START) ein Verbot mobiler Interkontinentalraketen
(ICBMs) enthält. In der am 19. September 1989 bei einer Pressekonferenz abgegebenen Erklärung unterstrich der Außenminister, die neue Position der Vereinigten Staaten ziele darauf ab, bis zu seinem vorgesehenen Treffen mit dem sowjetischen Außenminister Schewardnadse "den Ball ins Rollen zu bringen".
Nachfolgend veröffentlichen wir die Erklärung des Außenministers im Wortlaut ,

Die
START-Verhandlungen
finden
vor dem Hintergrund
tiefgreifender
Veränderungen
in
der
Sowjetunion
statt.
Wir können Fortschritte erkennen, aber wir sind uns auch der
Herausforderungen und des Drucks bewußt, denen sich die Sowjets ausgesetzt sehen.
Dafür gibt es keine Patentlösungen. Keiner von uns kann ihre Probleme für sie lösen. Da sie die Lektion der - wie Generalsekretär Gorbatschow es bezeichnete - "Ära der Stagnation" gelernt haben, wissen die
Sowjets, daß es an ihnen ist, die erforderlichen grundlegenden Strukturreformen durchzuführen.
Gorbatschow
hat es als "Revolution" bezeichnet
und wir stimmen mit dieser Charakterisierung Uberein.

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Die Frage lautet also: Was können und sollten wir tun? Die Antwort
darauf ist, daß wir Punkte von beiderseitigem
Nutzen
finden sollten,
Vorteile,
die
ihnen
helfen
und
gleichzeitig unseren Interessen dienen. Dieser Ansatz erfordert sicherlich von beiden Seiten eine gewisse
Kreativität.
Meines Erachtens wird das Ministertreffen dieser Strategie Rechnung
tragen.
Wir befassen uns jetzt mit
einer erwetterten Tagesordnung - die,
wenn Sie mir diese Bemerkung gestatten, auf unseren Vorschlag hin bei
früheren Treffen zwischen uns erweitert wurde.
Ich möchte kurz unser
Vorgehen erläutern, das unserer Ansicht nach zu unserem beiderseitigen
Vorteil dient.

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Zunächst muß fairerweise gesagt
werden, daß die Sowjets sich am besten auf Reformen im Inland konzentrieren können, wenn das internationale Umfeld stabil und positiv gestaltet ist. Und das ist einer der
Gründe, warum wir sie gedrängt haben,
regionale Konflikte mit uns gemeinsam
zu lösen.
Sie könnten dadurch Milliarden Dollar sparen, die sie immer
noch
zur
Unterstützung
derjenigen
aufwenden, die den Konflikt schüren in Mittelamerika, Kambodscha, Afghanistan, Kuba, Äthiopien und anderen
Regtonen der Welt -, was unseres Erachtens eine unhaltbare Situation ist.
Zweitens könnte Rüstungskontrolle
den
Sowjets
reale
wirtschaftliche
Vorteile verschaffen, wenn sie positiv auf unsere Initiative zu den konventionellen Streitkräften reagieren.
Meiner Ansicht nach liegt es an Ihnen, jetzt t^inen Schritt zu tun - und
wir hoffen, daß sie ihn tun werden.
Darüber hinaus können meiner Ansicht nach beim bevorstehenden Ministertreffen Fortschritte im gesamten
Spektrum
der
Rüstungskontrolltheraen
erzielt werden.
Wir werden Vorschläge unterbreiten, die darauf abzielen, den nun 15
Jahre währenden Stillstand bei Atomtests zu durchbrachen und damit den
Weg für die Ratifizierung von zwei
Verträgen im nächsten Jahr zu ebnen.
Im Bereich der chemischen Waffen
können wir uns meiner Ansicht nach
berechtige Hoffnungen auf ein Abkommen über den Austausch von Daten über
den Bestand an chemischen Waffen machen, das einen ersten praktischen
Schritt
zu
echter
Kontrolle
und
letztlich einem vollständigen Verbot
dieser Waffen bedeuten könnte.
Bei den START-Verhandlungen erwarten wir eine positive Reaktion der
Sowjets auf unsere Initiativen zur
Verifizierung
und
Stabilisierung.
Wie Präsident Bush bereits bei der
Ankündigung dieser Initiativen andeutete, würde ein Abkommen in diesem

Bereich natürlich eine spätere Ratifizierung erleichtern.
Ich vermute,
daß das Thema START auch in dem angekündigten Schreiben zu den Rüstungskontrollverhandlungen
breiten
Raum
einnehmen
wird,
das
Außenminister
Schewardnadse eigenen Aussagen zufolge mitbrigen wird.
Obwohl w" r gehofft hatten, dieses Schreiben noch
vor dem Ministertreffen zu erhalten,
damit wir an den in dieser Woche angesprochenen Themen arbeiten können,
wissen wir eine Antwort zu schätzen,
wann immer sie uns erreicht.
Um den Ball jedoch jetzt ins Rollen zu bringen, gebe ich hiermit bekannt, daß wir vorbehaltlich der Zustimmung des Kongresses zur Finanzierung unserer mobilen ICBMs unsere
Forderung eines Verbots mobiler ICBMs
im Rahmen des START-Vertrags aufgehoben haben. Wir werden unsere STARTUnterhändler in Genf anweisen, die
entsprechenden Details für die auf
mobile ICBMs angewandten Obergrenzen
sowie wirksame Verifizierugsmaßnahmen
auszuarbeiten.
Drittens können wir einen konstruktiven
Beitrag
zu
Perestrojka
leisten, wenn wir die sich abzeichnenden Reformprozesse in Polen und
Ungarn unterstützen. In dieser Woche
werde ich Außenminister Schewardnadse
unsere Absicht bekanntgeben, uns maßgeblich an den Bestrebungen dieser
beiden Länder zur Selbsthilfe zu beteiligen.
Und schließlich können unsere Bemühungen
zur
Institutionalisierung
des Dialogs mit der Sowjetunion über
das Thema Menschenrechte und Erweiterung unserer gemeinsamen
Maßnahmen
zur Bewältigung grenzüberschreitender
Probleme wie Umweltfragen
Glasnost
unterstützen, indem sie eine pluralistische Gesellschaft in der Sowjetunion fördern.
Ich werde Außenminister Schewardnadse eine Liste möglicher
Umweltinitiativen
überreichen
und hoffe, daß wir eine Vereinbarung
über eine Erklärung zu den Menschenrechten, der Rechtsstaatlichkeit und
anderen Themen erzielen.

- 2 -

�Wir versuchen den Geist der Offenheit zwischen der Sowjetunion und
den Vereinigten Staaten zu ermutigen
und hoffen, daß unser Treffen in Wyoming von diesem Geist getragen sein
wird.

* * * * *

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Hintergrundmaterial

35

20. September 1989

DIE VERHANDLUNGEN ÜBER CHEMISCHE WAFFEN
Übersicht über die Bestrebungen zum Verbot chemischer Waffen -

(Die nachfolgende Übersicht mit dem Titel "Die Verhandlungen über chemische
Waffen im Rahmen der Genfer Abrüstungskonferenz" wurde im September 1989 von
der amerikanischen Delegation bei der Internationalen Konferenz von Regierungen und Industrieunternehmen j*egen chemische Waffen veröffentlicht, die vom
18. bis 22. September 1989 stattfindet.)

Das Kernstück
der Politik der
Vereinigten
Staaten
zu
chemischen
Waffen besteht in dem Ziel, einen
Vertrag über das vollständige Verbot
chemischer Waffen abzuschließen. Ein
Verbot wäre die beste Antwort auf die
durch den illegalen Einsatz und die
Verbreitung
chemischer Waffen
entstandene Bedrohung.
Um wirksam sein
zu können, müßte der Vertrag weltweite Gültigkeit besitzen und wirksam
verifizierbar
sein.
Solange
die
weltweite Ächtung chemischer Waffen
nicht verwirklicht ist, behalten die
Vereinigten Staaten sich die Option
zur Aufrechterhaltung eines wirksamen
Abschreckungspotentials und das Recht
auf einen Vergeltungsschlag mit diesen Waffen für den Fall vor, daß ein
anderes Land gegen uns oder unsere
Verbündeten chemische Waffen einsetzt.

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Embassy of the United States of America

Hintergrund
Seit 1981 haben die Vereinigten
Staaten aktiv an den Verhandlungen
über chemische Waffen bei der 40 Nationen umfassenden Genfer Abrüstungskonferenz
teilgenommen.
Im April
1984 unterbreitete der damalige Vizepräsident Bush der Genfer Abrüstungskonferenz einen umfassenden Vertragseatwurf, der ein Verbot der Entwicklung, Beschaffung, Produktion, Lagerung, des Transports und Einsatzes
chemischer
Waffen
vorsieht.
(Das
Genfer Protokoll aus dem Jahr 1925
verbietet nur den Ersteinsatz chemischer Waffen in einem Krieg.)
Seit
dieser Zelt dient der amerikanische
Vertragsentwurf als Grundlage für die
Verhandlungen über chemische Waffen.
Alle 40 bei der Genfer Abrüstungskon-

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�ferenz verhandelnden Nationen haben
ein Dokument erarbeitet, das mehrere
Elemente des amerikanischen Vertragsentwurfs einschließlich dem Prinzip
der Offenheit enthält.

Hindernisse
Das
wirksame,
verifizierbare,
weltweite Verbot chemischer Waffen
stellt eine einzigartige Herausforderung für die Rüstungskontrolle dar.
Zahlreiche Länder haben Zugang zu
Technologie und Chemikalien (sogenannten chemischen Grundstoffen), die
für die Herstellung chemischer Waffen
erforderlich sind. Viele Länder besitzen darüber hinaus eine hochentwickelte
kommerzielle
Chemieindustrie, die problemlos für die Herstellung chemischer Waffen umgewandelt werden könnte.
Obwohl bei den Genfer Verhandlungen Einigung zu einer Reihe kontroverser Punkte erzielt wurde, sind
weite Teile des Vorschlags noch ungelöst. Diese umfassen die Gewährleistung der wirksamen Verifizierung,
Überwachung der kommerziellen Chemieindustrie, um sicherzustellen, daß
sie keine chemischen Waffen herstellt, Entwurf des Organisationsrahmens, in dem die Bedingungen des Abkommens ausgeführt würden, Erarbeitung von Einzelheiten, wie die Vernichtung der Lager und Produktionsstätten chemischer Waffen vorgenommen
werden könnte sowie Schutz der im
Verlauf von Inspektionen gewonnenen
Daten.

Offenheit und Verifizierung
Die Vereinigten Staaten haben der
Förderung der für ein wirksames Verbot erforderlichen Offenheit den Weg
geebnet, indem sie umfassende Informationen über die Zusammensetzung und
den Standort der amerikanischen Lager
und
Produktionsstätten
chemischer
Waffen zur Verfügung gestellt haben.
Als Teil der Verifizierungsmaßnahmen
haben die Vereinigten Staaten seit

langem auf kurzfristig anberaumten,
obligatorischen
Ad-hoc-Inspektionen
vor Ort als einem Mittel zur Verifizierung der Einhaltung eines Abkommens über chemische Waffen bestanden.
Einschließlich der Sowjetunion akzeptieren jetzt die meisten Länder dieses Prinzip.
Einzelheiten wie die
Inspektionsverfahren und der Schutz
sicherheitsempfindlicher Anlagen, die
keine chemischen Waffen herstellen,
müssen noch abgesprochen werden.
Darüber hinaus muß das Problem
erörtert werden, wie angegebene Lager
und
Produktionsstätten
aufgespürt
werden können.
Routineinspektionen
militärischer und ziviler Anlagen,
die im Rahmen eines Abkommens über
chemische Waffen angegeben worden
sind, werden die Inspektionsmaßnahmen
ergänzen. Da die Vereinigten Staaten
ein weltweites Verbot chemischer Waffen anstreben, müßte ein internationales Gremium zur Durchführung und
Überwachung des Verbots geschaffen
werden.
Die Teilnehmer der Genfer Abrüstungskonferenz haben sich auf Bestimmungen zur Überwachung und Verifizierung solcher Anlagen von der Bekanntgabe bis zur letztlichen Vernichtung geeinigt. Diese Bestimmungen beinhalten
systematische VorOrt-Inspektionen, die an die kontinuierliche Überwachung mit von den internationalen Inspektoren vor Ort angebrachten Geräten gekoppelt sind.
Einzelne Kriterien und die zur Durchführung dieser Bestimmungen erforderlichen Verfahren müssen noch ausgearbeitet werden.
Einmal vollständig,
stellen sie einen wirksamen Mechanismus zur Vertrauensbildung und Verifizierung dar.

Vernichtung
Waffen

der

Lager

chemischer

Im Rahmen des Abkommens würden
die Lager chemischer Waffen mit Ablauf einer zehnjährigen Übergangsperiode ab dem Datum des Inkrafttretens
eines Abkommens über chemische Waffen

- 2 -

�vernichtet sein. Die Reihenfolge und
das Verhältnis, in dem die Lager chemischer Waffen zerstört würden, müssen noch endgültig ausgearbeitet werden. Ferner werden Maßnahmen zur Gewährleistung der Sicherheit der jeweiligen Nation während der Übergangsperiode bei der Genfer Abrüstungskonferenz angesprochen.

renz vorgelegt, die über die Einbeziehung des Vorschlags in einen Vertragsentwurf über chemische Waffen
befindet. Darüber hinaus haben die
Vereinigten Staaten einen bilateralen
Datenaustausch über chemische Waffen
mit der Sowjetunion erörtert, der aus
amerikanischer Sicht eine vertrauensbildende Maßnahme zur Unterstützung
eines möglichen weltweiten Verbots
dieser Waffen darstellen würde.

Zerstörung
der
Produktionsstätten
für chemische Waffen
Schlußfolgerung
Der Entwurf des Abkommens fordert
die Zerstörung der Produktionsstätten
für chemische Waffen in einer Art und
Weise, mit der sichergestellt wird,
daß weder das Gerät noch die Gebäude
jemals wieder verwendet oder aufgebaut werden können. Einzelheiten der
angewandten Zerstörungsmethoden und
-techniken werden ausgehandelt und
variieren je nach Aufbau der Anlage,
Art der produzierten chemischen Waffen und ihrer Trägersysteme.

Die amerikanisch-sowjetischen bilateralen Konsultationen über chemische
Waffen
Zur Erleichterung multilateraler
Verhandlungen über chemische Waffen
haben die Vereinigten Staaten und die
Sowjetunion in Genf 12 DJskussionsrunden auf Expertenebene zur Erörterung der technischen Details und Einzelheitpn eines Vertrags über chemische Waffen abgehalten.
Diese Gespräche haben Fortschritte beim Verbot chemischer Waffen zum Ziel. Am
1. August 1989 haben die Vereinigten
Staaten und die Sowjetunion sich auf
Verfahren und Modalitäten zur Durchführung kurzfristig anberaumter Adhoc-Inspektionen geeinigt.
Die Arbeit an anderen gemeinsamen Papieren
einschließlich der Reihenfolge, in
der chemische Waffen nach Inkrafttreten eines Vertrags über chemische
Waffen vernichtet werden sollen, wird
fortgesetzt. Wenn beide Seiten ihre
Zustimmung gegeben haben, wird die
vorgeschlagene Reihenfolge der Vernichtung der Genfer Abrüstungskonfe-

Ein Ende der Verhandlungen ist
unmöglich vorherzusagen. Die Vereinigten Staaten werden darauf bestehen, einen guten Vertrag auszuhandeln
- gleichgültig, wie lange es dauern
wird. Sie werden jedoch ihre Sicherheit oder die ihrer Verbündeten nicht
aufs Spiel setzen, indem sich übereilt ein Verbot beschließen, das die
nationale Sicherheit aller Vertragsparteien nicht verbessert.

Teilnehmerstaaten
stungskonferenz

der

Genfer

Ägypten
Äthiopien
Algerien
Argentinien
Australien
Belgien
Brasilien
Bulgarien
Bundesrepublik Deutschland
Burma
Deutsche Demokratische Republik
Frankreich
Großbritannien
Indien
Indonesien
Iran
Italien
Japan
Jugoslawien
Kanada
Kenia
Kuba
Marokko
Mexiko
Mongolei

- 3 -

Abrü-

�Niederlande
Nigeria
Pakistan
Peru
Polen
Rumänien
Schweden
Sri Lanka
Tschechoslowakei
Ungarn
UdSSR
Venezuela
Vereinigten Staaten von Amerika
Volksrepublik China
Zai're

Beobachterstaaten bei der Genfer
rtistungskonferenz
Bangladesch
Chile
Dänemark
Finnland
Griechenland
Heiliger Stuhl (Vatikan)
Irak
Irland
Jordanien
Katar
Li byen
Malaysia
Neuseeland
Nordkorea
Norwegen
Oman
Österreich
Portugal
Schweiz
Senegal
Simbabwe
Spanien
Südkorea
Syrien
Türkei
Tunesien
Vietnam

* * * * *

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'%r,oN **

35

20. September 1989

INDUSTRIE UND REGIERUNG BEKÄMPFEN CHEMISCHE WAFFEN GEMEINSAM
- Von Richard Clarke und Will Carpenter -

(Richard Clarke ist der Leiter der amerikanischen Delegation bei der Internationalen Konferenz von Regierungen und Industrieunternehmen gegen chemische
Waffen, die vom 18. bis 22. September 1989 in Canberra stattfindet und Will
Carpenter Vertreter der Industrie in der amerikanischen Delegation und Vizepräsident der Monsanto Agricultural Company.)

Die in dieser Woche in Canberra
(Australien) veranstaltete Konferenz
gegen chemische Waffen bietet eine
weitere Gelegenheit, die ausgesprochen enge Zusammenarbeit zwischen Regierung und Chemieindustrie der Vereinigten Staaten bei der Eindämmung
der Verbreitung dieser heimtückischen
Waffen und letzlich ihrer vollständigen Verbannung unter Beweis zu stellen.
In keinem anderen Bereich von
Rüstungskontrolle und Sicherheitspolitik arbeiten Regierung und Industrieunternehmen so effektiv zusammen.
Im vergangenen Jahrzehnt haben
wir einen beschleunigten Prozeß der
Mißachtung internationaler Normen gegen den Einsatz chemischer Waffen beobachtet.
Wer kann jemals die ihm
letzten Jahr im Fernsehen gezeigten

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Embassy of the United States of America

schrecklichen
Bilder
unschuldiger
Frauen
und
Kinder
vergessen, die
durch
den weitverbreiteten
Einsatz
chemischer Waffen im Krieg zwischen
Iran und Irak vom plötzlichen Tod ereilt wurden?
Der Bestand an chemischen Waffen
nimmt rasch zu. Unseren Schätzungen
zufolge sind heute rund 20 Nationen
im Besitz dieser Waffen.
Die Welt
befindet sich in einem Wettlauf um
den Besitz chemischer Waffen.
Dies
muß ein Ende haben. Die Länder und
Völker der Dritten Welt sind von der
gefährlichen
Verbreitung
chemischer
Waffen am meisten betroffen.
Die Vereinigten Staaten arbeiten
gemeinsam mit zahlreichen anderen Nationen an der Erstellung eines umfas-

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�senden, wirksam verifizierbaren und
wirklich weltweiten Vertrags über das
Verbot von Entwicklung, Produktion,
Transport, Lagerung und Einsatz chemischer Waffen. Darüber hinaus sehen
die Vereinigten Staaten in der Durchführung eines Vertrags über das Verbot chemischer Waffen die beste Lösung des gefährlichen Problems ihrer
Verbreitung. Im Jahr 1984 hat der
damalige Vizepräsident Bush einen
Vertragsentwurf bei der Genfer Abrüstungskonferenz eingebracht, und die
Verhandlungen stützen sich auf diesen
Text. Es ist eine schwierige Aufgabe, da die Verifizierung eines solchen Vertrags - sicherzustellen, daß
andere ihn nicht umgehen - absolut
notwendig und äußerst schwierig ist.

Verstärkte Exportkontrollen
Zur Kontrolle des Exports von
Grundstoffen für chemische Waffen
(solche Chemikalien, die zur Produktion todbringender chemischer Wirkstoffe verwendet werden) hat die amerikanische Regierung mit uneingeschränkter Unterstützung der Industrieunternehmen
weitreichende
Exportrestriktionen verhängt. Für amerikanische Industrieunternehmen sind
diese Bestimmungen aufgrund ihres lobenswerten Ziels mehr als gerechtfertigt: doppelt verwendbare Chemikalien dürfen nur für legitime Zwecke exportiert werden. Die Regierung arbeitet mit den Industrieunternehmen
zusammen, um sicherzustellen, daß
diese Kontrollen effektiv durchgeführt werden und konsultiert die Industrieunternehmen
regelmäßig,
um
festzustellen, ob zusätzliche Kontrollen erforderlich sind.
Bedauerlicherweise haben die Kontrollen die Beschaffung von Chemikalien durch solch problematische Länder wie Syrien, Libyen, Iran und Irak
nicht verhindert.
Die Länder, die
auf ihren Besitz besonders erpicht
sind, werden immer geschickter im Umgehen der Kontrollen. Um die Aussage
von Reginald Bartholomew, dem Unterstaatssekretär
im
Außenministerium

vor dem amerikanischen Senat im vergangenen Juni zu zitieren: "Wir haben es den potentiellen Verbreitern
und anderen erschwert, in den Besitz
von Grundstoffen für chemische Waffen
zu gelangen. Aber", warnte er, "Länder, die beabsichtigen, solche Chemikalien zu beschaffen, können dies immer noch tun."

Verschärfte Inspektionsverfahren
Die Zusammenarbeit zwischen Regierung und Industrieunternehmen ist
für das erfolgreiche Verbot chemischer Waffen unabdingbar. Unsere Zusammenarbeit erstreckt sich auf die
Gewährleistung, daß mit Inkrafttreten
eines Vertrags über das Verbot chemischer Waffen durch Inspektionen der
Chemieindustrie festgestellt wird, ob
illegale Aktivitäten stattfinden
ohne die lebenswichtigen Unternehmensinteressen zu gefährenden.
Im vergangenen Februar haben die
amerikanische Regierung
und Industrieexperten beispielsweise gemeinsam im Rahmen eines 14 Nationen umfassenden Versuchs zur Erprobung von
Inspektionsverfahren für Chemieunternehmen eine Inspektion der AKZO-Chemieanlage in West Virginia durchgeführt. Dieses Experiment dient als
Grundlage für eine realistische Datenbank für zukünftige multilaterale
Verifizierungsexperimente und für einen Vertrag über das Verbot chemischer Waffen.
Die Chemieindustrie der Vereinigten Staaten sammelt derzeit Daten
über mehrfach verwendbare Chemikalien, die potentiell als chemische Waffe eingesetzt werden können. Diese
Bestrebungen werden den amerikanischen Behörden dabei behilflich sein,
die illegale Umwandlung dieser Chemikalien aufzudecken.
Darüber hinaus
könnten sie dazu beitragen, die Wirkung von Exportkontrollen und eines
Verbots chemischer Waffen an sich abschließend zu beurteilen.
Die Unterstützung seitens der In-

�dustrie hat positive Auswirkungen auf
die Genfer Verhandlungen gehabt und
zu Fortschritten in mehreren Problembereichen wie Handhabung vertraulicher Daten, Durchführung von Betriebsinspektionen sowie die Bestimmung der Materialien, die in Kontrollmaßnahmen einbezogen werden sollen, geführt.

Weitergabe von Daten
Die amerikanische Regierung und
die Industrieunternehmen stellen sich
gegenseitig Informationen über Chemikalien zu Verfügung, die unseres Erachtens nicht in den freien Handel
mit Ländern gelangen sollten, die
Terrorismus offen unterstützen oder
gutheißen. Bisher haben wir gemeinsam an der Überwachung des Exports
von 40 Chemikalien gearbeitet, die
wir und eine Reihe der Handelspartner
auf eine Liste gesetzt haben.

eines Verbots chemischer Waffen erfordert eingehende Inspektionen einiger Chemieanlagen und bedarf daher
beispielloser Zusammenarbeit zwischen
Regierung und Industrieunternehmen.
Ein Teil unserer Bemühungen besteht
in der Erarbeitung wirksamer Verifizierungsmaßnahmen, um sicherzustellen, daß alle Vertragsparteien darauf
vertrauen können, daß dieser Vertrag
eingehalten wird.
Wir erarbeiten
neue Wege, um die Einhaltung zu gewährleisten, die voraussetzen, daß
die Industrieunternehmen sich in noch
höherem Maße selbst überwachen.
Die Chemieindustrie wird zum Beispiel weiterhin ihre Kunden überprüfen, um sich zu vergewissern, daß die
Käufer mit Einsatz, Handhabung und
Lagerung dieser Chemikalien vertraut
und sie für legitime Zwecke bestimmt
sind. Ebenso wie andere Industrieprogramme werden diese Bestrebungen
die Arbeit an einem internationalen
Vertrag erleichtern.

Die amerikanische Regierung ist
damit befaßt, andere Länder davon zu
überzeugen, ihre Chemieexporte so
sorgfältig zu überwachen wie wir.
Amerikanische Chemieproduzenten stellen amerikanischen Regierungsbehörden
freiwillig Informationen über verdächtige Aufträge für sensitive Materialien und Technologien zu Verfügung. Der amerikanische Verband der
Chemieproduzenten
arbeitet an der
Formalisierung dieses Verfahrens, indem er ein Informations- und Referenzsystem aufbaut, anhand dessen Unternehmen die Regierungsbehörden zu
bestimmten
Aufträgen
konsultieren
können und das diesen Behörden gestattet, die Chemieproduzenten bezüglich bestimmter "unerwünschter Käufer" zu warnen.

Chemieunternehmen mit Betrieben
in mehreren Ländern haben das größte
Interesse an einem wirksamen weltweiten Verbot chemischer Waffen. Eine
Welt ohne chemische Waffen würde
freie Märkte für den Handel mit Chemikalien ohne Einschränkungen fördern
und erweitern.
In gleicher Weise
wollen die Industrieunternehmen gewährleisten, daß ihre Betriebe über
jeden Verdacht erhaben sind und auch
ihre Kunden die internationalen Normen einhalten. Die führenden Organisationen der Chemieindustrie unterstützen unsere Unterhändler in Genf
in jeder Hinsicht einmütig bei ihrer
Arbeit an einem umfassenden, wirksam
verifizierbaren und wirklich weltweiten Verbot chemischer Waffen.

Ergänzung der Verifizierungsmaßnahmen des Vertrags

* * * * *

RUstungskontrollmaßnahmen sollten
nur dann ratifiziert werden, wenn sie
verifizierbar
sind.
Alles andere
würde den gesamten Rüstungskontrollprozeß gefährden. Die Verifizierung
- 3 -

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V,oN &amp;

35

20. September ]989

DIE VERNICHTUNG CHEMISCHER WAFFEN
- Übersicht über das Programm der Vereinigten Staater -

(Die folgende Übersicht über das Programm der Vereinigten Staaten zur Vernichtung chemischer Waffen wurde im September von der amerikanischen Delegation
bp' der Internatioalen Konferenz von Regierungen und Industrieunternehmen geveröffentlicht, die vom 18. bis 22. September 1989 in
;&gt;/n chemische Waffen
Canberra stattfindet.)

Die Vereinigten Staaten von Amerika sind das einzige Land, das sich
öffentlich
zur
Vernichtung
eines
Großteils ihres Bestands an chemischen Waffen bis zu einem bestimmten
Zeitpunkt verpflichtet haben. In dem
am 8. November 1985 in Kraft getretenen öffentlichen Gesetz 99-145 ist
verankert, daß der Verteidigungsminister die Vernichtung des gesamten
amerikanischen Bestands an unitären
todbringenden chemischen Wirkstoffen
und Munition vornehmen wird. Dem Gesetz zufolge muß der Bestand an unitären Wirkstoffen bis 30. April 1997
vernichtet sein.
Das Gesetz findet
darüber hinaus auch auf in Europa gelagerte unitäre chemische Waffen der
Vereinigten Staaten Anwendung.
Wir
beabsichtigen, die in Europa gelagerten chemischen Waffen vor 1992 zum

Johnston Atoll
zu verlagern,
termingemäß ab.

im Pazifischen
Das Programm

Ozean
läuft

Die Vereinigten Staaten haben im
Jahr 1970 mit der systematischen Vernichtung ihrer unitären Senfgaswirkstoffe
durch
Verbrennen
begonnen.
1973 wurde das Programm auf die Vernichtung von Nervengas durch Neutralisation erweitert.
Millionen Pfund
beider Wirkstoffe wurden im Rocky
Mountain Arsenal in Colorado vernichtet. Zu diesem Zeitpunkt waren diese
größtenteils
veralteten
Waffen
26
Jahre alt. Seit 1979 ist eine kleine
Pilotanlage zur Vernichtung unitärer
chemischer Waffen im Tooele Army Depot in der Nähe von Salt Lake City
(Utah) in Betrieb (diese Anlage wurde
im Jahr 1983 von den Teilnehmerstaa-

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�ten der Genfer Abrüstungskonferenz
und 1987 von sowjetischen Experten
besichtigt).
In der Anlage in Tooele können
Vernichtungstests an allen Arten von
todbringenden Wirkstoffen und Munition vorgenommen werden. Die dort verwendete Technologie ist erfolgreich
in anderen Vernichtungsanlagen angewandt worden. Anhand der in den Anlagen in den Rocky Montains und in
Tooele gemachten Erfahrungen haben
die Vereinigten Staaten eine Vernichtungsanlage in Pine Bluff (Arkansas)
entworfen, die im Mai 1988 in Betrieb
genommen wurde. In Pine Bluff wird
heute BZ vernichtet, ein bewußtseinsverändernder
halluzinogener
Wirkstoff.
Bis Oktober dieses Jahres
wird der gesamte Bestand der Vereinigten Staaten an diesem Wirkstoff
vernichtet sein. In der Zwischenzeit
ist die erste, in jeder Hinsicht mit
modernster
Technologie
ausgestatte
Vernichtungsanlage für chemische Waffen der Welt auf dem Johnston Atoll
gebaut worden, die bis Ende des Jahres in Betrieb genommen wird.

Vereinigten Staaten ca. 15 Millionen
Pfund an chemischen Waffen vernichtet
haben.
Umweltverträgliche Methoden
zur Vernichtung von Nervengas sind
teuer und zeitaufwendig.
Auch bei
Senfgas ergeben sich Schwierigkeiten.
Die jährlichen Lagerungskosten für
den Bestand an unitären chemischen
Waffen belaufen sich auf rund 63,8
Millionen Dollar, wovon ein Großteil
für Sicherheitsmaßnahmen aufgewendet
wird.
Schätzungen der US-Army zufoge
wird dieses Programm ungefähr 3 Milliarden Dollar kosten. Es wird im
Einklang mit strengsten Umweltvorschriften und unter Einhaltung der
Sicherheitserfordernisse
durchgeführt.
Als Folge dieses Programms
werden die Vereinigten Staaten einen
sehr viel geringeren Bestand an chemischen Waffen haben, der nur noch
aus binären chemischen Waffen besteht, die entschieden sicherer zu
handhaben und zu lagern sind.

* * * * *

Am 23. Februar 1988 hat die USArmy ein Entscheidungsprotokoll veröffentlicht, in dem die Vernichtung
des Bestands an unitMren chemischen
Waffen der Vereinigten Staaten in den
acht Lagern in den Vereinigten Staaten und in der Vernichtungsanlage für
chemische Waffen auf dem Johnston
Atoll im Pazifischen Ozean gefordert
wird. Die Standorte in den Vereinigten Staaten sind: Aberdeen Proving
Ground in der Nähe von Edgewood (Maryland), Anniston Army Depot bei Anniston
(Alabama),
Lexington
Blue
Grass Army Depot bei Richmond (Kentucky), Newport Army Ammunition Plant
bei Newport (Indiana), Pine Bluff Army Ammuniton Plant, Pueblo Army Depot
Activity in der Nähe von Pueblo (Colorado) , das Tooele Army Depot und
die Umatilla Army Depot Activity bei
Hermiston (Oregon).
Am 4. April 1989 hat Botschafter
Friedersdorf die Genfer Abrüstungskonferenz darüber informiert, daß die
- 2 -

�v^°S^&lt;

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20. September 1989

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DAS AMERIKANISCHE FORSCHUNGSPROGRAMM ZUR BIOLOGISCHEN VERTEIDIGUNG
- Eine Übersicht des US-Informationsamts -

Hintergrund
Im Jahr 1969 haben die Vereinigten Staaten einseitig und bedingungslos auf Programme zur Entwicklung und
Herstellung biologischer Waffen und
Wirkstoffe verzichtet. Die Vernichtung aller derartigen Bestände wurde
angeordnet. Im Jahr 1970 wurde dieses einseitige Verbot auf Toxine (von
lebenden Organismen produzierte giftige Chemikalien) ausgeweitet.
Im Jahr 1972 unterzeichneten die
Vereinigten Staaten die Konvention
über biologische Waffen (BWC). Dieser von 111 Staaten unterzeichnete
Vertrag untersagt Entwicklung, Produktion, Lagerung, Besitz sowie die
Lieferung von biologischen Wirkstoffen oder Toxinen an andere Staaten.

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Embassy of the United States of America

Die Vereinigten Staaten standen im
Kampf für ein weltweites Verbot biologischer Waffen, der zur Konvention
über biologische Waffen führte, an
vorderster Front. Die BWC trat im
Jahr 1975 in Kraft.
Das schon während des Zweiten
Weltkriegs ins Leben gerufene amerikanische Forschungsprogramm zur biologischen Verteidigung (BDRP) wurde
nach dem im Jahr 1969 erklärten Verzicht auf biologische Waffen fortgeführt - jedoch als rein auf Verteidigung ausgerichtetes Programm und nach
der Unterzeichnung der BWC im Jahr
1972 im Einklang mit Artikel I der
BWC, der den Besitz geringfügiger
Mengen biologischer Wirkstoffe und
Toxine zu "prophylaktischen, schützenden oder anderen friedlichen Zwek-

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�ken" gestattet.
Zum Zeitpunkt der Umsetzung der
Konventton über biologische Waffen
waren alle von der BWC verbotenen militärischen
Bestände
biologischer
Wirkstoffe und Toxine, Waffen, Ausrüstung oder Trägersysteme der Vereinigten Staaten bereits einseitig zerstört worden. Die zuvor für biologische Waffen oder Toxine benutzten
amerikanischen Einrichtungen wurden
für andere Zwecke umgerüstet.
So
sind beispielsweise die militärischen
Einrichtungen von Fort Detrick (Maryland) und Pine Bluff Arsenal (Arkansas), die in der Vergangenheit biologische Zwecken dienten, heute dem
US-Gesundheitsmini sterium unterstellt.
Seit dem Inkrafttreten der BWC im
Jahr 1975 hat kein Land die Vereinigten Staaten jemals beschuldigt, Programme zur Entwicklung offensiver
biologischer Waffen durchzuführen.

Die gegenwärtige Situation
Das Forschungsprogramm zur biologischen
Verteidigung
konzentriert
sich heute wie in den vergangenen 20
Jahren ausschließlich auf defensive
Systeme. Seine Ziele sind die Entwicklung
medizinischer
Schutz- und
Behandlungsmöglichkeiten (Impfstoffe,
Medikamente), von Schutzkleidung, Dekontamlnierungsverfahren und verbesserten Aufspürfähigkeiten auf dem Gefechtsfeld.
In den Jahren 1980 und 1986 gab
es zwei Konferenzen zur Überprüfung
der BWC, die nächste ist für 1991
vorgesehen.
Bei beiden Konferenzen
haben die Vereinigten Staaten bekräftigt, daß sie alle Bestimmungen der
Konvention
vollständig
einhalten.
Insbesondere bei der zweiten Konferenz forderten die Vereinigten Staaten einen jährlichen Informationsaustausch über die Forschungsmaßnahmen
aller Parteien, der so offen wie möglich sein sollte.
Darunter sollte
auch das BDRP fallen. Die Vereinigten Staaten betonen seit jeher ihren

Wunsch, Programme weiterzuführen, in
deren Rahmen Forscher aus verschiedenen Ländern in den Laboratorien anderer Staaten arbeiten können.

Die Verbreitung biologischer Waffen
Trotz amerikanischer Bemühungen
enthält die Konvention über biologische Waffen keine Verifikationsregelung. Bei der Unterzeichnung der BWC
im Jahr 1972 wurde vier Staaten der
Besitz biologischer Waffen unterstellt. Amerikanische Regierungsvertreter gehen davon aus, daß heute
mindestens zehn Staaten nachweislich
oder vermutlich biologische Waffenprogramme unterhalten.
Noch im Jahr 1988 hatte die Administration dem Kongreß berichtet, sie
sei zu der Überzeugung gelangt, daß
die Sowjetunion ein Programm zur offensiven
biologischen
Kriegführung
unterhält.
In diesem Zusammenhang
warten die Vereinigten Staaten immer
noch auf eine zufriedenstellende amtliche Erklärung zu dem beispiellosen
Ausbruch von Milzbrand im Jahr 1979,
von dem Hunderte von Menschen in
Swerdlowsk betroffen waren. Die Sowjetunion behauptet, der Ausbruch
dieser Krankheit habe auf dem Verzehr
von verseuchtem Fleisch beruht. Dies
Angelegenheit falle daher in den Bereich des öffentlichen Gesundheitswesens, und es bestehe keinerlei weitergehende Verpflichtung zu Konsultationen gemäß der BWC. Die Vereinigten Staaten verweisen darauf, daß die
Mehrheit der Infizierten über die
Atemwege und nicht über den Darmbereich von Milzbrand befallen wurden.
Die Vereinigten Staaten nehmen an,
daß die Sowjets außer Milzbrand Tularämie, Pest und Cholera für Zwecke
der biologischen Kriegführung entwikkelt haben.

Programmumfang
Die Vereinigten Staaten wurden
sich nur langsam der Tatsache bewußt,
daß sich eine wachsende Zahl von Län-

- 2 -

�dem mit offensiv ausgerichteten Programmen zur biologischen Kriegführung
beschäftigen.
Nachdem die Beweise
für die zunehmende Zahl von Ländern,
die offensive biologische Waffen entwickeln, unübersehbar geworden waren,
beschlossen die Vereinigten Staaten
eine erhebliche Aufstockung der Mittel für das BDRP, um dieser wachsenden Bedrohung gerecht zu werden. Wie
in jedem Fall, wenn man praktisch bei
Null beginnt und die für ein Projekt
zur Verfügung stehenden Mittel rasch
erhöht, erscheint der prozentuale Zuwachs als sehr hoch.
Der für Verhandlungspolitik zuständige
Unterabteilungsleiter
im
US-Verteidigungsministerium,
Jim
Hinds, hat am 17. Mai 1989 vor dem
Ausschuß des Senats für Regierungsangelegenheiten eindeutig festgestellt,
daß "es die anhaltende Entwicklung
dieser Waffen durch andere erforderlich macht, daß die Vereinigten Staaten defensive Fähigkeiten beibehalten, um den Einsatz biologischer Waffen gegen unsere Streitkräfte zu verhindern. ... Dies zwingt uns dazu,
wirksame Forschungsprogramme zu Verteidigungszwecken weiterzuführen, mit
denen wir unsere Streitkräfte immunisieren, behandeln und defensiv ausrüsten können, falls sie auf einem biologisch verseuchten Gefechtsfeld operieren müssen."

Defensive Forschung
Viele Wissenschaftler beteiligen
sich an der medizinischen Forschung
im Rahmen des BDRP. Ihre Erkenntnisse werden häufig in Fachzeitschriften
veröffentlicht. Das BDRP unterliegt
keinerlei Geheimhaltung.
Der Kongreß, die Vereinten Nationen, Aufsichtsbehörden, Wissenschaftler aus
der ganzen Welt, Bürgerinitiativen
und die Medien haben jederzeit Zugang
zu Informationen über das BDRP.
Das einzige mit dem BDRP in Verbindung stehende und der Geheimhaltung unterliegende Element sind die
Mittel und Quellen, mit deren Hilfe

die Vereinigten Staaten Informationen
darüber sammeln, welche Länder biologische Waffen entwickeln und wie ausgefeilt diese Waffen sind.
In diesem Jahrhundert wurden fast
unweigerlich
tödlich
verlaufende
Krankheiten wie Pocken erfolgreich
ausgemerzt. Andere, nur gelegentlich
tödlich verlaufende Krankheiten wie
Polio und Röteln werden zunehmend unter Kontrolle gebracht. Das Bindeglied bei der Ausrottung und/oder
Kontrolle dieser Krankheiten ist die
Verwendung kleiner Mengen des die
Krankheit auslösenden Stoffs - unter
streng kontrollierten Bedingungen -,
um Gegenmittel, Impfstoffe oder ein
anderes Schutzsystem zu entwickeln
und erproben.
Diese wissenschaftlich-medizinische Methode liegt auch
dem Teil des BDRP zugrunde, der sich
mit Giften und Toxinen beschäftigt.
Ein kritischer Einwand zum BDRP
lautet, es gäbe keine eigentliche Unterscheidung zwischen offensiver oder
defensiver Forschung zu biologischen
Waffen. Diese Behauptung läßt einige
Realitäten außer acht. Abgesehen von
der Grundlagenforschung ist die gesamte Methodologie bei der Art von
Arbeiten, wie sie für offensive im
Vergleich zu defensiven biologischen
Waffen durchgeführt würden, grundsätzlich verschieden und für jeden
qualifizierten Wissenschaftler offensichtlich. Von Anbeginn basiert defensive Forschung auf anderen Postulaten und Hypothesen als Forschung
mit offensiven Zielsetzungen. Diese
grundverschiedenen Ansätze sind unter
Wissenschaftlern,
insbesondere
bei
den zahlreichen Wissenschaftlern aus
aller Welt, die regelmäßig BDRP-Einrichtungen
besuchen,
wohlbekannt.
Wenn das Ziel des amerikanischen BDRP
tatsächlich darin bestünde, offensive
Systeme zu entwickeln, wäre dies jedermann aufgrund der offenkundigen
Bemühungen ersichtlich, die zur Verstärkung von Virulenz oder toxischer
Wirkung sowie zur Herstellung der
enormen Mengen notwendig sind, die
weit über den zur Produktion von
Impfstoffen benötigten liegen.

- 3 -

�Neue Entwicklungen
Die jüngsten Entwicklungen in der
Gentechnik haben Einhaltung und Verifizierung der BWC erheblich kompliziert. Das Aufspüren von genetisch
veränderten
Substanzen
ist
sehr
schwierig.
Aufgrund der wachsenden
Bedeutung der Gentechnologie in der
Weltwirtschaft ist es leider für viele Staaten auch leichter geworden,
von der Konvention verbotene tödliche
Substanzen herzustellen.
Diese neue und erschreckende Realität der Gentechnik stellt das Forschungsprogramm zur biologischen Verteidigung vor große Herausforderungen. Es müssen jetzt noch energischere Bemühungen unternommen werden,
um die amerikanischen Streitkräfte
vor dem Einsatz und möglichen Mißbrauch dieser Technik zu schützen.

* * * * *

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die amerikanische Außenpolitik in einer Zeit des Umbruchs&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Lawrence S. Eagleburger&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;US-Handelspolitik setzt große Hoffnungen in Uruguay-Runde&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede der US-Handelsbeauftragten in London&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;Baker: neue US-Position zu mobilen Raketen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung des amerikanischen Außenministers&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrund&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Verhandlungen über chemische Waffen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Übersicht über die Bestrebungen zum Verbot chemischer Waffen&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Industrie und Regierung bekämpfen chemische Waffen gemeinsam&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Richard Clarke und Will Carpenter&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Vernichtung chemischer Waffen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Übersicht über das Programm der Vereinigten Staaten&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das amerikanische Forschungsprogramm zur biologischen Verteidigung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Eine Übersicht des US-Informationsamtes&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST

34

13. September 1989

•

INHALT

i
DOKUMENTATION

Bush: Drogenbekämpfung muß Im In- und Ausland erfolgen
- Rede des Präsidenten zur neuen Drogenbekämpfungsstrategie Maresca: "Beachtliche Fortschritte" bei VSBM-Gesprächen
- Erklärung des Leiters der amerikanischen Delegation -

HINTERGRUND
Bush; Drogenmißbrauch muß weltweit bekämpft werden
- Internationaler Teil der Drogenstrategie des Präsidenten Bush steht voll und ganz hinter dem Zeitplan für KSE-Phase I
- Interview mit KSE-Chefunterhändler Ledogar -

Ostblock akzeptiert NATO-Zeitplan für KSE
- Pressekonferenz mit Botschafter Ledogar bei den
KSE-Verhandlungen -

Die Verbreitung chemischer Waffen
- Eine Übersicht -

* * * * *

Eine Amerikadienst-Ausgabe Nr. 32 ist nicht erschienen. Auf Nr. 31
folgt also unmittelbar Nr. 33. Wir bitten um Verständnis.

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�AMERIKA DIENST
Dokumentation

'V,oN^

34

13. September 1989
BUSH:

DROGENBEKÄMPFUNG MUSS IM IN- UND AUSLAND ERFOLGEN

- Rede des Präsidenten zur neuen Drogenbekämpfungsstrategie -

WASHINGTON - (AD) - Indem er das Drogenproblem als die gravierendste Bedrohung der Vereinigten Staaten in der heutigen Zeit brandmarkte, umriß Präsident Bush am 5. September 1989 eine vier Punkte umfassende Strategie zur Bekämpfung des Drogenhandels und -konsums in den Vereinigten Staaten und "jenseits unserer Grenzen, wo das Kokain und Crack angebaut und weiterverarbeitet
wird, das auf den Straßen Amerikas gekauft wird".
In einer landesweit übertragenen Fernsehansprache erörterte Bush eine
FünfJahresstrategie, die "gelegentlichem Drogenkonsum überhaupt kein Verständnis entgegenbringt" und die Verpflichtung zu Hilfsleistungen der Vereinigten
Staaten "an die bedrängten Regierungen" der Drogen produzierenden Staaten enthält, die versuchen "die internationale Drogenmafia zu zerschlagen".
Nachfolgend veröffentlichen wir die Ansprache des Präsidenten im Wortlaut.

Seitdem ich meinen Amtseid geleistet habe, hatte ich jetzt zum ersten
Mal das Gefühl, ein Problem sei von
solcher Brisanz und so bedrohlich,
daß ich beschlossen habe, mich direkt
an Sie - die Bürger der Vereinigten
Staaten - zu wenden. Wir sind uns
alle einig, daß die gravierendste Bedrohung, mit der sich unsere Nation
im Inland heute konfrontiert sieht,
das Drogenproblem ist.
Drogen haben unseren Glauben an
unser Justizsystem erschüttert. Unsere Gerichte, unsere Gefängnisse,
unser Rechtssystem stehen kurz vor
dem Zusammenbruch. Aufgrund des Drogenproblems schnellen die Soziallasten in die Höhe. Kurzum: Drogen
zehren am Lebensnerv der Nation.

Schaltet man die Abendnachrichten
ein oder schlägt die Morgenzeitung
auf, so sieht man, womit einige Amerikaner bestens vertraut sind, wenn
sie nur einen Schritt vor die Tür machen:
Unser ernsthaftestes Problem
heute ist Kokain und insbesondere
Crack.
War ist verantwortlich.
es Ihnen geradeheraus sagen.

Ich will

Jeder, der Drogen nimmt.
Jeder, der Drogen verkauft.
Und jeder, der die Augen vor dem
Problem verschließt.
Heute abend werde ich Ihnen aufzählen, wie viele Amerikaner Drogen

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�nehmen. Ich werde Ihnen unsere nationale Strategie erläutern, mit der
wir jeden Aspekt dieser Bedrohung bewältigen wollen. Und ich werde Sie
bitten, sich für das zu engagieren,
was ein sehr schwerer Kampf zu werden
verspricht.
Das ist Crack-Kokain, das vor einigen Tagen von Agenten der Drogenbekämpfungsbehörde
(Diug
Enforcement
Administration, DEA) in einem Park
gegenüber dem Weißen Haus beschlagnahmt wurde. Es hätte genausogut Heroin oder PCP sein können. Es sieht
so unverfänglich aus wie Bonbons,
aber es verwandelt unsere Städte in
Schlachtfelder und ermordet unsere
Kinder. Damit wir uns nicht falsch
verstehen:
Dieser Stoff ist Gift.
Manche haben Drogen als harmloses
Freizeitvergnügen
bezeichnet.
Das
sind sie nicht. Drogen sind eine reale und entsetzlich gefährliche Bedrohung unserer Nachbarschaft, unsere
Freunde und unserer Familien.
Keiner von uns ist in Sicherheit.
Wenn
Vierjährige auf Spielplätzen
spielen, die mit Spritzen und Crackampullen übersät sind - es bricht mir
das Herz. Wenn Kokain - eine der
töd]ichsten und
süchtig machenden
Drogen - Schulkindern zur Verfügung
steht - Schulkindern - so ist das empörend. Und wenn jedes Jahr Hunderttausende von Babies zur Welt kommen,
deren Mütter drogenabhängig sind
Frühgeburten, die unheilbar krank geboren werden - dann sind selbst die
hilflosesten unter uns in Gefahr.
Das sind die Schicksale hinter
der Statistik. Aber auch die Zahlen
sprechen für sich selbst. Ich möchte
Ihnen die Ergebnisse einer kürzlich
erstellten Meinungsumfrage des Bundesinstituts für Drogenmißbrauch (National Institute on Drug Abuse) vorlegen.
Sie stellt einen Vergleich
zwischen dem Drogenkonsum heute und
vor drei Jahren an. Sie teilt uns
einige gute Nachrichten und einige
sehr schlechte Nachrichten mit. Zuerst die gute Nachricht.

Wie Sie der graphischen Darstellung entnehmen können, schätzte die
Regierung im Jahr 1985, daß 23 Millionen Amerikaner "gewohnheitsmäßig"
Drogen einnahmen - das heißt, mindestens einmal im vorausgegangenen Monat. Letztes Jahr verringerte sich
diese Zahl um über ein Drittel. Das
bedeutet, nahezu 9 Millionen weniger
Amerikaner sind gelegentliche Drogenkonsumenten. Gute Nachrichten.
Weil wir unsere Einstellung im
Inland gegenüber Drogen geändert haben, hat der gelegentliche Drogenkonsum abgenommen. Wir haben vielen zu
danken: Unseren mutigen Polizeibeamten, Kirchenführern, Lehrern,
Gemeindevertretern sowie Unternehmern
und Gewerkschaftsfunktionären.
Darüber hinaus sollten wir auch den Medien für ihre umfassende Berichterstattung und Kommentare sowie ihre
Sendezeit und den Raum danken, den
sie den Aufklärungskampagnen über
Drogenmißbrauch gewidmet haben. Und
schließlich
möchte
ich
Präsident
Reagan und seiner Frau meinen Dank
dafür aussprechen, daß sie diese Kampagne in die Wege geleitet haben.
Sie alle haben die Wahrheit gesprochen - Drogenkonsum ist falsch und
gefährlich.
Aber so sehr wir angesichts dieser positiven Bilanz beruhigt sein
könnten, es gibt auch schlechte Nachrichten - sehr schlechte Nachrichten.
Rund 8 Millionen Menschen haben im
vergangenen
Jahr Kokain genommen,
fast 1 Million hat e3 häufig, einmal
pro Woche oder öfter konsumiert.
Das bedeutet, trotz der Tatsache,
daß der Kokainkonsum insgesamt gesunken ist, hat sich der häufige Konsum
in den vergangenen Jahren nahezu verdoppelt. Und aus diesem Grund sind
die gewohnheitsmäßigen Kokainkonsumenten - insbesondere Crackkonsumenten - das vordringlichste Drogenproblem.
Wie also lautet unser Plan? Zunächst verlasse ich mich auf das, was
die Erfahrung lehrt: Keine isolierte

�Maßnahme wird zu einer Abnahme des
Drogenkonsums führen, so spektakulär
oder magisch sie auch klingen mag.
Um den Kampf gegen abhängig machende
Drogen wie Crack gewinnen zu können,
benötigen wir mehr als eine Strategie
auf Bundesebene.
Wir brauchen eine
landesweite Strategie, eine, die jede
Schule, jeden Arbeitsplatz erreicht
und jede Familie einbezieht.
Heute habe ich dieses Dokument,
unsere erste nationale Strategie an
den Kongreß weitergeleitet. Sie wurde dank der intensiven Arbeit unseres
ersten Direktors für Drogenbekäinpfungsmaßnahmen, Bill Bennett, entwikkelt. Während der Erarbeitung dieses
Plans haben wir Gepräche mit Vertretern der Bundesregierung, Einzel Staaten und Gemeinden, Polizeibeamten und
Fachleuten für Bildungswesen, Prävention urd Rehabilitation geführt. Wir
haben mit Eltern und Kindern gesprochen. Wir haben alles, was die Bundesregierung in der Vergangenheit gegen Drogen unternommen hat, einer genauen
Überprüfung
unterzogen:
Was
funktioniert hat und - um ehrlich zu
sein - was schiefgelaufen ist.
Zu
häufig haben die Verantwortlichen in
der Regierung getan, als ob ihr Teil
des Problems - sei es die Bekämpfung
der
Drogenproduktion,
des
Drogenschmuggels oder der Nachfrage nach
Drogen - das einzige Problem sei.
Aber mit Einzelkämpfen wird dieser
Krieg nicht gewonnen, sondern nur in
Gemeinschaftsarbeit.
Heute
abend
kündige
Ich
eine
Strategie an, in der das koordinierte, gemeinsame Engagenment aller Bundesbehörden ihren Niederschlag gefunden hat. Mit anderen Worten: Dieser
Plan ist so umfassend wie das Problem
selbst.
Mit dieser Strategie haben
wir endlich einen Plan an der Hand,
der unsere Ressourcen, unsere Programme und die Menschen koordiniert,
die sie durchführen.
Unsere Waffen in dieser Strategie
sind:
Das
Rechtssystem
und
die
Strafgerichtsbarkeit, unsere Außenpolitik,
unsere
Behandlungsprogramme

sowie unsere Schulen und Präventivprogramme. Die wichtigsten erforderlichen Waffen haben wir also bereits
zur Hand.
Vvas bisher gefehlt hat,
war eine Strategie für Ihren wirksamen Einsatz.
Ich möchte die vier Hauptelemente
unserer Strategie umreißen.
Erstens sind wir zur Durchsetzung
der Gesetze entschlossen, um unsere Straßen
und die Nachbarschaft sicher zu machen. Für den
Anfang schlage ich daher vor, daß
wir die staatliche Unterstützung
für die Strafverfolgung auf Einzelstaaten- und
Gemeindeebene
mehr als verdoppeln.
Amerikaner
haben ein Recht auf Sicherhett in
ihrem Heim und ihrer Umgebung.
Nur wenn wir hart gegen Drogenkriminelle vorgehen - viel härter als
bisher - werden wir eine sichere
Nachbarschaft haben. In manchen Fällen bedeutet dies härtere Strafen.
Aber sehr viel häufiger bedeutet es
nur gerechte und sichere Strafe. Wir
haben alle Geschichten über Drogenhändler gehört, die - wieder und wieder - geschnappt und verhaftet, aber
niemals bestraft werden. Nun, jetzt
haben die Zeiten sich geändert: Wenn
Sie Drogen verkaufen, werden Sie geschnappt.
Und wenn Sie geschnappt
werden, folgt die Anklage. Und wenn
Sie einmal verurteilt sind, werden
Sie Ihre Zeit absitzen. Geschnappt.
Angeklagt. Bestraft.
Darüber hinaus schlage ich vor,
daß wir unsere Strafgerichtsbarkeit
auf allen Ebenen erweitern - auf der
Ebene der Gemeinden, Einzelstaaten
und der Bundesregierung gleichermassen. Wir brauchen mehr Gefängnisse,
mehr Zuchthäuser, mehr Gerichte, mehr
Anklagevertreter.
Aus diesem Grund
bitte ich heute abend um die Aufstokkung der drogenbezogenen Bundesausgaben für Strafverfolgungsmaßnahmen in
Höhe von nahezu 1,5 Milliarden Dollar.
Obwohl wir mit illegalem Drogenkonsum in praktisch jeder Gemeinde

- 3 -

�konfrontiert sind, ist es nirgendwo
schlimmer als in unseren Sozialwohnungen. Wir alle wissen, die Armen
haben es in dieser Welt niemals
leicht gehabt.
Aber bisher wurden
sie auf ihrem Heimweg von der Arbeit
wenigstens nicht überfallen und ausgeraubt. Und ihre Kinder mußten sich
auf dem Schulweg nicht vor Kugeln
ducken. Aus diesem Grund veranschlage ich 50 Millionen Dollar für die
Verbrechensbekämpfung
in
sozialen
Wohnungsbauprojekten - die dazu beitragen sollen, die Ordnung wiederherzustellen und die Drogenhändler für
immer zu vertreiben.
Das zweite Element unserer Strategie ist grenzüberschreitend und
hat die Länder zum Ziel, in denen
das Kokain und Crack angebaut und
weiterverarbeitet wird, das auf
den
Straßen
Amerikas
gekauft
wird. Allein in Kolumbien haben
vom Kokainkartell gedungene Mörder einen führenden Staatsmann
erschossen, fast 200 Richter und
sieben Mitglieder des Obersten
Bundesgerichts ermordet. Die bedrängten Regierungen der Drogen
produzierenden
Länder
schlagen
zurück und kämpfen für die Zerschlagung
der
internationalen
Drogenmafia.
Sicherlich stimmen
Sie wie auch ich dem mutigen
Staatspräsidenten von Kolumbien,
Virgilio Barco, zu, der erklärt
hat, wenn Amerikaner Kokain nehmen, dann bezahlen die Amerikaner
für Mord. Die amerikanischen Kokainkonsumenten müssen begreifen,
daß unser Land dem gelegentlichen
Drogenkonsum überhaupt kein Verständnis
entgegenbringt.
Wir
tragen die Verantwortung, unsere
mutigen Freunde in Kolumbien in
ihrem Kampf nicht im Stich zu
lassen.
Die vor zwei Wochen angekündigten
65 Millionen Dollar an Soforthilfe
waren nur ein erster Schritt bei der
Unterstützung der Andenstaaten in ihrem Kampf gegen die Kokainkartelle.
Kolumbien
hat bereits Lieferanten
verhaftet, Tonnen von Kokain be-

scnlagnahmt und palastähnliche Häuser
der Drogenkönige konfisziert.
Aber
Kolumbien siebt sich einem langen,
harten Kampf gegenüber, und deshalb
müssen wir bereit sein, noch mehr zu
tun.
Im Rahmen unserer Strategie werden für nächstes Jahr über 250 Millionen Dollar an Militärhilfe und polizeiliche Unterstützung für die drei
Andenstaaten Kolumbien, Bolivien und
Peru zur Verfügung gestellt. Das ist
der erste Teil unseres Fünfjahresprogramms, das sich auf 2 Milliarden
Dollar beläuft und die Bekämpfung der
Produzenten, Händler und Schmuggler
zu Ziel hat.
In der vergangenen Woche hatte
ich eine Unterredung mit Präsident
Barco und wir hoffen, mit den Regierungschefs der betroffenen Länder einen in der Geschichte bisher einmaligen Drogengipfel abzuhalten, zur Koordinierung einer interamerikanischen
Strategie zur Bekämpfung der Kartelle. Wir werden mit unseren Verbündeten und Freunden zusammenarbeiten insbesondere mit den Teilnehmern am
Wirtschaftsgipfel - um mehr im Kampf
gegen Drogen zu tun. Ferner werde
ich den Senat bitten, die im Dezember
vergangenen
Jahres
verabschiedete
Drogenkonvention der Vereinten Nationen zu ratifizieren.
Um den Drogenfluß auf dem Weg in
die Vereinigten Staaten zu unterbinden, schlage ich über 1,5 Milliarden
Dollar für Abfangmaßnahmen vor. Bessere behördenübergreifende Zusammenarbeit kann zusammen mit modernsten
nachrichtendienstlichen Erkenntnissen
und der Technologie des amerikanischen Verteidigungsministeriums dazu
beitragen, die Drogen an unseren
Grenzen aufzuhalten.
Unsere Botschaft an die Drogenkartelle lautet:
Die Zeiten haben
sich geändert. Wir werden jeder Regierung helfen, die unsere Hilfe
wünscht. Auf Wunsch werden wir zum
ersten Mal die geeigneten Mittel der
amerikanischen Streitkräfte zur Ver-

�fügung stellen. Wir werden unseren
Kampf gegen Drogenschmuggler auf hoher See, Im internationalen Luftraum
und an unseren Grenzen intensivieren.
Wir werden den Fluß von Chemikalien
aus den Vereinigten Staaten unterbinden, die zur Weiterverarbeitung von
Drogen verwendet werden. Wir werden
internationale
Abkommen
erarbeiten
und durchsetzen, mit denen die Drogendollar bis zu den obersten Bossen
und Geldgebern zurückverfolgt werden
können. Und dann werden wir diesen
Geldwäschern Handschellen anlegen und
sie hinter Gitter bringen - genau wie
jeden Drogenhändler auf der Straße.
Und für die Drogenbosse die Todesstrafe.
Der dritte Teil unserer Strategie
befaßt sich mit der Behandlung
Drogenabhängiger.
Experten zufolge gibt es zwei Millionen Drogenabhängige in den Vereinigten
Staaten, die mit geeigneter Behandlung von der Droge loskommen
können. Gegenwärtig erhalten jedoch nur 40 Prozent wirklich Hilfe. Das ist einfach nicht genug.
Viele, die Behandlung nötig hätten, kümmern sich nicht aus eigenem
Antrieb darum, und einige, die sich
darum bemühen, werden auf Wartelisten
gesetzt. Die meisten Programme wurden für Heroinabhängige entworfen,
aber heute sind die Kokainkonsumenten
das Hauptproblem.
Es ist an der
Zeit, daß wir unsere Behandlungssysteme ausweiten und denjenigen, die
es nötig haben, mehr solcher Hilfen
bereitstellen.
Ich schlage deshalb
heute abend Mehrausgaben des Bundes
von 321 Millionen Dollar für die Behandlung Drogenabhängiger vor.
Mit dieser Strategie werden wir
mehr leisten.
Wir werden mit den
Einzelstaaten zusammenarbeiten.
Wir
werden die Unternehmer ermutigen,
Hilfsprogramme für ihre Beschäftigten
einzurichten, um den Drogenkonsum zu
bekämpfen.
Weil Drogenabhängigkeit
ein solch grausames Erbe ist, werden
wir darüber hinaus die Suche nach
Möglichkeiten intensivieren, um dro-

genabhängigen
helfen.

werdenden

Müttern

zu

Viertens müssen wir den Drogenkonsum verhindern noch bevor er
beginnt. Leider beginnt er schon
früh - bei vielen Kindern schon
vor dem Teenageralter.
Er beginnt jedoch nicht so, wie Sie
vielleicht denken mögen, durch
einen Dealer oder einen Süchtigen, der um den Schulhof herumlungert.
Noch häufiger kommen
unsere Kinder zum ersten Mal
durch Freunde oder durch ältere
Geschwister mit Drogen in Kontakt. Anpassungsdruck trägt zur
Verbreitung
des
Drogenkonsums
bei.
Anpassungsdruck kann auch
dazu beitragen, ihn zu stoppen.
Ich schlage eine Aufstockung der
Bundesmittel für Präventionsprogramme
in Schulen und Gemeinden um 250 Millionen Dollar vor, mit denen jungen
Menschen und Erwachsenen geholfen
werden kann, den Verlockungen zum
Ausprobieren von Drogen zu widerstehen. Darüber hinaus schlage ich noch
etwas vor. Jede Schule, jedes College und jede Universität - und jede
Arbeitsstätte - müssen im Hinblick
auf den Drogenkonsum von Schülern,
Studenten und Arbeitnehmern harte,
aber faire Maßnahmen ergreifen. Diejenigen, die keinerlei Maßnahmen dieser Art einleiten, werden kein Bundesmittel mehr erhalten. Punkt.
Auch dem Privatsektor kommt eine
Rolle zu. Ich habe mit einem Unternehmer namens Jim Burke gesprochen,
der erklärte, er werde von dem Gedanken - eigentlich einem Alptraum
verfolgt, daß irgendwo in den Vereinigten Staaten zu jedem beliebigen
Zeitpunkt ein Mädchen im Teenageralter, das eigentlich in der Schule
sein sollte, stattdessen ein kokainsüchtiges Kind gebärt. Jim hat deshalb gehandelt. Er stellte sich an
die Spitze einer aus privaten Mitteln
finanzierten Partnerschaft zur Drogenbekämpfung, um mit Werbe- und Medienfirmen zusammenzuarbeiten.
Ihre
Partnerschaft ist heute entschlossen,

- 5 -

�mit unserer Strategie zusammenzuarbeiten, indem sie Aufklärungskampagnen im Wert von einer Million Dollar
pro Tag - und das für jeden Tag in
den nächsten drei Jahren - produziert, also eine Milliarde Dollar an
Werbung zur Förderung des Feldzugs
gegen Drogen bereitstellt.

verwirklicht werden - und zwar sofort. Das nächste Haushaltsjahr beginnt in nur 26 Tagen. Ich bitte also heute abend den Kongreß, der uns
bei der Formulierung dieser Strategie
unterstützt hat, uns bei seiner unmittelbaren Verwirklichung zu helfen.
Wir können diesen Kampf gegen
Drogen bezahlen ohne Steuern zu erhöhen oder das Haushaltsdefizit zu vergrößern. Wir haben dem Kongreß unseren Plan zugeleitet, der aufzeigt,
wie er in den Grenzen unserer überparteilichen Haushaltsvereinbarung zu
finanzieren ist.

Als Präsident besteht eine meiner
vornehmsten Pflichten darin, die Aufmerksamkeit der Nation weiter auf unsere Offensive gegen Drogen zu lenken. Ich werde also nächste Woche in
einer besonderen Fernsehansprache den
Feldzug gegen Drogen in die Klassenzimmer tragen und hoffe, daß er jede
Schule und jeden jungen Amerikaner
erreichen wird. Die Erziehung gegen
Drogen beginnt jedoch nicht im Klassenzimmer oder vor dem Fernseher.
Sie muß zu Hause und in der Nachbarschaft beginnen. Eltern und Familien
müssen ein Beispiel für ein drogenfreies Leben geben. Und wenn Familien
auseinanderbrechen,
müssen
Freunde und Nachbarn helfen.

Ich weiß, daß manch einer trotzdem sagen wird, wir gäben nicht genug
aus.
Aber diejenigen, die unsere
Strategie nur nach deren Kosten beurteilen, verstehen einfach das Problem
nicht. Täuschen wir uns nicht: Wir
alle haben in der Vergangenheit gesehen, daß unsere schwierigsten Probleme mit Geld allein nicht zu lösen
sind.

Dies sind die wichtigsten Elemente unserer Strategie zur Drogenbekämpfung. Sie alle sind darauf ausgerichtet, sich gegenseitig zu verstärken und ein umfassendes Ganzes zu
ergeben, um das Problem an allen Ekken und Enden energisch zu bekämpfen.
Dies ist das erste Mal in der Geschichte unseres Landes, daß wir eine
wirklich umfassende Strategie haben.

Unsere Strategie benötigt diese
Mittel, um durchschlagend und wirksam
zu sein. Es gibt jedoch nichts, was
mit einem vereinten Amerika, einem
entschlossenen Amerika und einem zornigen Amerika vergleichbar wäre. Unsere Wut über Drogen vereint uns,
schweißt uns in diesem einen Aktionsplan zusammen, einem Angriff an allen
Fronten.

Wie Sie sich denken können, ist
ein solcher Ansatz nicht billig. Im
vergangenen Februar habe ich im Drogenbudget für das kommende Jahr einen
Zuwachs von 700 Millionen Dollar beantragt. In den letzten sechs Monaten sorgfältiger Untersuchungen haben
wir einen unmittelbaren Bedarf von
weiteren 1,5 Milliarden Dollar festgestellt.
Mit diesen zusätzlichen
2,2 Milliarden Dollar wird unser Drogenbudget im Jahr 1990 nahezu 8 Milliarden Dollar erreichen - dies ist
der stärkste Zuwachs in unserer Geschichte.

Dies ist die schwerste innenpolitische Herausforderung seit Jahrzehnten, und wir müssen uns dieser Herausforderung stellen - nicht als Demokraten oder Republikaner, als Liberale oder Konservative, sondern als
Amerikaner. Der Schlüssel liegt in
einer koordinierten, gemeinsamen Anstrengung. Wir haben auf den Antrag
des Kongresses zur Erstellung der ersten nationalen Strategie zur Drogenbekämpfung aufrichtig reagiert. Ich
werde mich auf die führende Rolle und
die überparteiliche Unterstützung der
demokratischen Mehrheit und unserer
republikanischen Abgeordneten im Kongreß stützen. Unsere Mitbürger ver-

Dieses

Programm

muß

vollständig

�dienen Zusammenarbeit, nicht Konkurrenz, eine nationale Anstrengung,
keinen Parteienstreit.

auf dem Spiel.

Um einen Anfang zu machen, muß
der Kongreß nicht nur zu dieser nationalen Strategie zur Drogenbekämpfung handeln, sondern auch zu unserem
Paket zur Verbrechensbekämpfung vom
letzten Mai. Mit diesem Paket sollen
Strafen verschärft, die Strafverfolgung verstärkt und 24 000 neue Gefängnisplätze geschaffen werden.

Vor nicht allzu langer Zeit las
ich in einer Zeitung die Geschichte
über einen kleinen Jungen namens
Dooney, der bis vor kurzem in einem
Crack-Haus in einem Vorort von Washington labte. In Dooneys Nachbarschaft zucken Kinder beim Geräusch
von Schüssen nicht zusammen, und wenn
sie spielen, tun sie so, als verkauften sie einander kleine weiße Steine,
die sie Crack nennen.

Sie und ich wissen, daß die Bundesregierung dies nicht allein bewältigen kann. Die Einzelstaaten müssen
schärfere Bundesgesetze durch schärfere Staatsgesetze ergänzen - die Bestimmungen für Kautionen, Bewährung,
Hafturlaub und Verurteilungen verschärfen.

Das Leben Zuhause war so grausam,
daß Dooney seine Lehrer bat, auf dem
Boden der Schule schlafen zu dürfen.
Und als man ihn nach der Zukunft
fragte, erwiderte der sechsjährige
Dooney:
"Ich möchte keine Drogen
verkaufen, aber wahrscheinlich muß
ich es tun."

Wir benötigen Ihre Hilfe. Wenn
Menschen in Ihrem Bekanntenkreis Drogen nehmen, helfen Sie Ihnen, davon
loszukommen. Wenn Sie Eltern sind,
sprechen Sie mit Ihren Kindern über
Drogen - noch heute abend.

Nun, Dooney muß keine Drogen verkaufen. Kein Kind in den Vereinigten
Staaten soll so leben müssen. Zusammen, als Volk, können wir diese Kinder retten. Wir haben bereits die
nationale Einstellung der Toleranz in
eine Haltung der Verurteilung verändert. Aber der Krieg gegen Drogen
wird nur nach hartem Kampf gewonnen
werden, Nachbarschaft
um Nachbarschaft, Häuserblock um Häuserblock,
Kind um Kind.

Rufen Sie Ihre lokale Beratungsstelle an. Seien Sie ein großer Bruder oder eine große Schwester für ein
Kind in Not. Beteiligen Sie sich an
Ihrem
nachbarschaftlichen
Uberwachungsprogramm.
Ob Sie Ihre Zeit
oder Ihre Talente einbringen, jeder
zählt.
Jedes Unternehmen, das Drogen vom
Arbeitsplatz verbannt.
Jede Schule, die hart gegen Drogenkonsum vorgeht.
Jede Nachbarschaft, in der Drogen
nicht willkommen sind.

Wenn wir diesen Krieg als geteilte Nation führen, dann haben wir ihn
schon verloren. Aber wenn wir diesem
Unheil als vereinte Nation entgegentreten, wird es nichts als eine Handvoll nutzloser Chemikalien darstellen.
Sieg. Sieg über die Drogen ist
unser Anliegen, eine gerechte Sache,
und mit Ihrer Hilfe werden wir gewinnen.

Am wichtigsten jedoch ist jeder
von Ihnen, der sich weigert, wegzusehen. Jeder von Ihnen zählt.
Natürlich werden für einen Sieg
harte Arbeit und Zeit erforderlich
sein. Aber zusammen werden wir gewinnen - zu viele junge Leben stehen
- 7 -

*****

�^°^&lt;

AMERIKA DIENST
Dokumentation

34

13. September 1989
MARESCA:

"BEACHTLICHE FORTSCHRITTE" BEI VSBM-GESPRÄCHEN

- Erklärung des Leiters der amerikanischen Delegation -

WIEN - (AD) - Bei den Verhandlungen über Vertrauens- und Sicherheitsbildende Maßnahmen (VSBM) sind bereits "beachtliche Fortschritte" erzielt worden,
erklärte der Leiter der amerikanischen Delegation, Botschafter John Maresca,
bei der Eröffnung der dritten Verhandlungsrunde am 8. September 1989 in Wien.
Was die VSBM-Gespräche erreicht haben, hat auch "maßgeblichen und positi- ven
Einfluß auf die Rüstungskontrolle insgesamt gehabt", fügte Maresca hinzu. Dem
Botschafter zufolge können die Verhandlungen jetzt "sehr wohl Fortschritte
machen, aber frühzeitige positive Schlußfolgerungen können nur gezogen werden,
wenn Vorschläge, bei denen voraussichtliche kein Konsens erzielt werden kann,
ausgeklammert werden".
Nachfolgend veröffentlichen wir die Erklärung von Botschafter Maresca im
Wortlaut.

Wie die anderen Redner am heutigen Vormittag möchte auch ich die Befriedigung meiner Delegation zum Ausdruck bringen, zur Eröffnung dieser
dritten Verhandlungsrunde wieder in
Wien sein zu können. Wir sehen weiteren fruchtbaren Sitzungen und der
engen Zusammenarbeit mit Ihnen allen
gerne entgegen.
Herr Vorsitzender, während der
Sommerpause bin ich zu Konsultationen
nach Washington zurückgekehrt.
In
den Gesprächen mit hochrangigen Vertretern des Weißen Hauses, des Aussen- und
Verteidigungsministeriums
sowie anderen Regierungsinstitutionen
habe ich von den beachtlichen Fortschritten berichtet, die wir bei diesen Verhandlungen bisher verzeichnen
konnten. Bei meinen Gesprächen habe

United States Information Service
Embassy of the United States of America

ich den Eindruck gewonnen, daß Washington den VSBM-Verhandlungen zunehmende Bedeutung beimißt.
Die
politisch
Verantwortlichen
meines Landes sind sich der besonderen Bedeutung von Rüstungskontrolle
bei den im Rahmen der KSZE geführten
Verhandlungen voll und ganz bewußt.
Es wird immer deutlicher, daß die zunächst bei den 35 KSZE-Teilnehmerstaaten verzeichneten Erfolge auch
maßgeblichen und positiven Einfluß
auf die Rüstungskontrolle insgesamt
gehabt haben. Helsinki hat die Tür
zur Beobachtung von Übungen geöffnet.
In Madrid wurde zum ersten Mal Einigung über die Zone vom Atlantik bis
zum Ural erzielt. In Stockholm wurde
das Konzept von Ad-hoc-Inspektionen
verabschiedet.
Diese Entwicklungen

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D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�haben den Weg zu Fortschritten in anderen Bereichen der Rüstungskontrolle
geebnet.
1

Es liegt für mich auf der Hand,
daß diese Vorreiterfunktion auch Einfluß auf die Wiener Verhandlungen gehabt hat. Der reguläre Austausch militärischer Informationen hat meiner
Ansicht nach jetzt auch Eingang in
dieses Forum gefunden. Dies stellt
einen wichtigen Schritt nach vorne
dar, der ausschließlich positive Auswirkungen auf das gesamte Spektrum
der derzeit stattfindenden Rüstungskontrollgespräche haben wird. Natürlich haben wir uns noch nicht auf alle Einzelheiten des Informationsaustauschs geeinigt. Eine Herausforderung liegt in der Erarbeitung eines
Konsenses zu den unterschiedlichen
Ansätzen, die in dem westlichen Vorschlag, dem inoffizellen polnischen
Papier des vergangenen Sommers und
dem von den neutralen und blockfreien
Delegationen unterbreiteten Vorschlag
enthalten sind. Meines Erachtens ist
jedoch mit der grundsätzlichen Zustimmung zu einem solchen Austausch
bereits ein Durchbruch erzielt worden.
Es gibt noch einen anderen Bereich, in dem diese Verhandlungsrunde
den Weg nach vorne weist - und der
besteht in der vorgeschlagenen Erörterung der jeweiligen Militärdoktrin
in Form eines Seminars. Auch hier
scheint sich umfassende Zustimmung
zum Konzept eines solchen Seminars
abzuzeichnen. Ich habe den Eindruck,
daß die Ad-hoc-Arbeitsgruppe, die mit
der Vorbereitung dieses Seminars befaßt ist, jetzt zu einer sachlichen
Erörterung der Tagesordnung und Modalitäten für diese Veranstaltung in
der Lage ist. Wenn unsere Bestrebungen erfolgreich sind, wird diese Verhandlungsrunde zum ersten Informationsaustausch über Militärdoktrin zwischen den jeweiligen Regierungen führen, der je stattgefunden hat. Dialog ist insbesondere in der heutigen
Zeit von vorrangiger Bedeutung und
meine Delegation würde in der Zustimmung zu einem solchen Seminar eine
Errungenschaft von beachtlicher mög- 2

licher Tragweite sehen.
Zusätzlich zu den beeindruckenden
Fortschritten im Hinblick auf den Informationsaustausch und das Seminar
zur Militärdoktrin konnten auch in
anderen Bereichen bedeutende Fortschritte verzeichnet werden.
Unter
der generellen Bezeichnung "Verbesserungen der Stockholmer Maßnahmen" haben sich einige Gemeinsamkeiten abgezeichnet. Es scheint sich jetzt die
umfassende Zustimmung zu dem Gedanken
abzuzeichnen, daß unser Schlußdokument eine Reihe von Verbesserungen
der Stockholmer Maßnahmen enthalten
sollte, die unserer einhelligen Meinung nach zur besseren Verwirklichung
eines Dokuments führen werden, das
bereits als Erfolg der Rüstungskontrolle eingestuft worden ist. Auch
diese Bereiche scheinen reif für weitere Fortschritte im Verlauf dieser
Verhandlungsrunde.
Herr Vorsitzender, bei diesen
Verhandlungen können jetzt sehr wohl
Fortschritte
erzielt werden.
Wir
müssen jedoch auch realistisch sein.
Die Gemeinsamkeiten, die sich in den
ersten beiden Verhandlungsrunden abgezeichnet haben, können nur zu frühzeitigen positiven Schlußfolgerungen
führen, wenn Vorschläge, bei denen
voraussichtlich kein Konsens erzielt
werden kann, ausgeklammert werden.
Das ist zweifelsohne die schwierigste
- wenn nicht sogar schmerzlichste Aufgabe, mit der wir uns konfrontiert
sehen, aber ein Sondierungsprozeß ist
unabdingbar und wir werden uns ihm
stellen.
Meine Delegation ist zur
Zusammenarbeit mit Ihnen allen bereit, um diese Gespräche auf der
Grundlage eines Konsenses voranzubringen. Das ist unser gemeinsames
Ziel für Runde III.

* * * * *

�AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

' V O N **

13. September 1989

34

BUSH: DROGENKONSUM MUSS WELTWEIT BEKÄMPFT WERDEN
Internationaler Teil der Drogenstrategie des Präsidenten -

WASHINGTON - (AD) - Bei der Formulierung einer amerikanischen Strategie
zur Bekämpfung der weltweiten Verbreitung von Drogen sind Präsident Bush zufolge Programme unabdingbar, mit denen andere Länder zum Kampf gegen die Herstellung und den Handel mit Drogen auf internationaler Ebene ermutigt werden
sollen. In seinem Strategiepapier zur nationalen Drogenbekämpfung betonte
Bush am 5. September 1989, daß die Vereinigten Staaten die Kosten und Verantwortung für die Drogenbekämpfung nicht alleine tragen könnten. Aus diesem
Grund, so Bush, "muß ein Eckpfeiler unserer internationalen Drogenpolitik die
Entschlossenheit sein, mit anderen Ländern zusammenzuarbeiten und sie zur Mobilisierung ihrer Ressourcen im Kampf gegen den Drogenschmuggel zu ermutigen".
Nachfolgend veröffentlichen wir den Teil des Strategiepapiers des Präsidenten, der sich mit internationalen Belangen befaßt, im Wortlaut.
Internationale Prioritäten
Zerschlagung
Drogenmafia.
-

und

Auflösung

Nachrichtenerfassung gegründet.
der

Verringerter
Kokainnachschub.
Den drei Kokain produzierenden
Andenstaaten wird Hilfe bei der
Strafverfolgung sowie militärische und wirtschaftliche Unterstützung gewährt, um die wichtigsten Koka-Anbaugebiete zu isolieren, Lieferungen von zur KokainVerarbeitung verwendeten Chemikalien abzufangen, die Kokain-Hydrochlorid verarbeitenden Labors
zu zerstören und Drogenhändlerringe auszuheben. Im Transitbereich werden die Maßnahmen verstärkt, und im Karibischen Becken
wird ein gemeinsames Zentrum zur

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Unterbindung des Heroinnachschubs
durch Bestrebungen, andere Länder
zu überzeugen, auf Opiumanpflanzer einzuwirken und Heroinverarbeitung und -vertrieb abzubauen.
Unterbindung des Marihuananachschubs durch verstärkte Strafverfolgung im Ausland und Vernichtung der Felder sowie durch Bestrebungen, Länder mit geringen
Marihuanaanpflanzungen davon zu
abzuhalten, große Mengen anzubauen.
Unterstützung
der
Vereinigten
Staaten und Ermutigung von Bestrebungen der Europäischen Gemeinschaft und auf multilateraler

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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Ebene, die die Anbau- und Transdtländer, Verteilernetze sowie
den Verbrauch in Europa zum Ziel
haben. Unterstützung der Europäischen Gemeinschaft beim Kampf
gegen die internationale und regionale Drogenmafia.
Andere internationale Ziele:
Das Drogenproblem wird ein Punkt
der bilateralen Außenpolitik.
Ratifizierung der Konvention der
Vereinten Nationen gegen den unerlaubten Verkehr mit Suchtstoffen
und
psychotropen
Stoffen
durch die Vereinigten Staaten zusammen mit anderen noch zu verabschiedenden Verträgen über gegenseitige Rechtshilfe. Andere Länder werden zur Ratifizierung der
Konvention aufgefordert.
Unterstützung des Genehmigungsverfahrens für Auslandshilfe der
Vereinigten
Staaten,
um
eine
wirksamere Einhaltung der amerikanischen
Drogenbekämpfungsziele
in den Anbau- und Transitländern
zu gewährleisten.
Bilaterale und multilaterale Bestrebungen
zur Bekämpfung der
Geldwäsche
auf
internationaler
Ebene.
Internationale Initiativen
Die Herkunft der gefährlichsten
Drogen, die unser Land bedrohen, ist
im wesentlichen auf internationaler
Ebene zu suchen. Wenige ausländische
Bedrohungen sind kostspieliger für
die
amerikanische
Volkswirtschaft.
Keine richtet mehr Schaden an unseren
nationalen Werten und Institutionen
an oder zerstört mehr Leben in den
Vereinigten
Staaten.
Während die
meisten internationalen Bedrohungen
potentiell bestehen, sind die im Drogenhandel resultierenden Schäden und
Gewalttaten alles beherrschende Realität. Drogen sind eine entscheidende Bedrohung unserer nationalen

Sicherheit.
Eine umfassende Drogenkontrollstrategie muß Programme zur wirksamen
Bekämpfung der Herstellung und des
Handels mit Drogen auf internationaler Ebene beinhalten. Diese Programme, die auf die Herstellung von Drogen im Ausland abzielen, unterstützen
die damit einhergehenden Konzepte der
Abschreckung
und
Vernichtung
und
stellen eine Erweiterung der Strafgerichtsbarkeit im Inland dar, indem
die Bekämpfung der multinationalen
Drogenmafia über unsere Grenzen hinausgetragen wird.
Sie tragen dazu
bei, daß wir den Drogenhandel vom Anbau bis zur Ankunft in den Vereinigten Staaten unterbinden können und
das Problem nicht nur auf unseren
Straßen in Angriff nehmen.
Wirksame internationale Bestrebungen gestatten uns, in diesem Kampf
auf die Ressourcen anderer Nationen
zurückzugreifen. Unser Land kann die
Verantwortung oder Kosten der Drogenbekämpfung nicht alleine übernehmen.
Genausowenig können wir erwarten, die
Bedrohung ohne gegenseitige Unterstützung zu bekämpfen. Ein Eckpfeiler unserer internationalen Drogenpolitik muß die Entschlossenheit sein,
mit anderen Ländern zusammenzuarbeiten und sie zur Mobilisierung ihrer
Ressourcen im Kampf gegen den Drogenhandel zu ermutigen. Nur durch umfassende, gemeinsame internationale
Bestrebungen können wir den Drogennachschub aus dem Ausland verringern
und andere Länder ermutigen, uns in
unseren Bemühungen zur Drogenkontrolle zu unterstützen und die Drogengefahr selbst zu bekämpfen.
In den meisten Fällen werden die
Drogen nicht von den Konsumenten ins
Land gebracht - Einzelpersonen, die
genug für den eigenen Bedarf oder den
ihrer Freunde einschmuggeln.
Die
Mehrzahl vor allem der gefährlichsten
Drogen wird von multinationalen Verbrechersyndikaten angebaut, verarbeitet und in die Vereinigten Staaten
verschifft oder geliefert.
Unsere
internationalen Bestrebungen zur Dro-

�genbekämpfung müssen sich daher vornehmlich auf die Gruppen und ihre
Bosse richten, die den Handel gefährlicher Drogen in die Vereinigten
Staaten und andere Länder organisieren und kanalisieren. Jedes einzelne
Element dieser Organisationen muß von
der Herstellung, Verarbeitung, Lieferung, Verteilung bis hin zu den Finanznetzen bekämpft werden. Im Einklang mit unseren und den Gesetzen
anderer Länder müssen wir handeln, um
den internationalen Drogenhandel zu
zerschlagen und aufzulösen, so daß
die Drogenhändler um ihr Geschäft gebracht werden. Darüber hinaus müssen
wir in größtmöglichem Umfang den
Transport und Handel mit Drogen in
den Erzeugerländern vereiteln, da die
Unterbindung des Drogenschmuggels in
die Vereinigten Staaten ein unverhältnismäßig komplizierteres, teureres und weniger wirksames Mittel zum
Abbau des Drogennachschubs in unser
Land ist.

Kokain, Heroin, Marihuana und andere
Drogen
Heute stellen zwei Drogen - Kokain und Heroin - die ernsthafteste Bedrohung der Vereinigten Staaten dar.
Praktisch das gesamte in den Vereinigten
Staaten konsumierte Kokain
stammt von in Peru (60 Prozent), Bolivien (30 Prozent) und Kolumbien (10
Prozent) angebautem Koka. 80 Prozent
des in den Vereinigten Staaten angebotenen Kokains wird in Kolumbien
verarbeitet und verschifft. Zusätzlich zu den Verbrechen und Gewalttaten, die der Kokainhandel in den Vereinigten Staaten mit sich bringt, ist
die Kokain herstellende Industrie direkt für Gewalt, drogenbezogene Korruption und Einschüchterung durch die
Drogenhändler gegenüber Einzelpersonen und Regierungen in den Andenländern verantwortlich, in denen das Kokablatt angebaut wird.
Sie alle
schließen sich zusammen, um die Bemühungen der Regierungen der Andenstaaten bei der Drogenbekämpfung zu vereiteln.

Darüber hinaus ist der Kokainhandel in der Andenregion nur eine von
vielen Bedrohungen.
Wirtschaftliche
Unsicherheit und politische Rebellion
sind ebenso ernsthafte Herausforderungen für demokratische Institutionen und die Stabilität in diesem Gebiet. Diese drei Faktoren gehen Hand
in Hand: die isolierte Bewältigung
eines Problems, ohne gleichzeitig
auch die anderen anzugehen, wird
wahrscheinlich nicht zu einem Abbau
des Kokainnachschubs
führen.
Die
Herausforderung besteht darin, die
Regierungen der Kokain herstellenden
Länder zur Zusammenarbeit mit uns zu
motivieren, um der Kokainindustrie
einem empfindlichen Schlag zu versetzen, während diese Länder gleichzeitig ihre eigenen Programme zur Drogenbekämpfung durchführen. Umfassende und kontinuierliche mehrjährige
Bestrebungen, die wirtschaftliche und
militärische Unterstützung sowie Hilfe bei der Strafverfolgung beinhalten, werden zur Verwirklichung dieses
Ziels in die Tat umgesetzt.
Die
Zielsetzung dieser Bestrebungen muß
folgendermaßen
lauten:
Isolierung
der Hauptanbaugebiete von Koka in Peru und Bolivien, Unterbindung von
Lieferungen der zur Kokainverarbeitung unerläßlichen chemischen Grundstoffe in diesen Ländern, Zerstörung
der Einrichtungen, in denen KokainHydrochlorid verarbeitet wird, Zerschlagung der Drogenhändlerringe sowie Vernichtung der Kokaernte, wenn
dies mit einer wirksamen Strategie
gewährleistet werden kann. Wir können und müssen diese Ziele mit einem
möglichst geringen direkten Einsatz
amerikanischen Personals verwirklichen.
Das ist ein entscheidender
Punkt. Die Länder der Region müssen
die Hauptlast selbst tragen.
Um die regionale Unterstützung
dieser Zielsetzungen zu verbessern,
müssen wir die Zusammenarbeit mit den
Regierungen der Koka anbauenden Länder intensivieren. Dies sollte die
Einberufung einer Drogen-Gipfelkonferenz der Andenstaaten im kommenden
Jahr beinhalten. Unsere Teilnahme an
einer solchen Konferenz würde einen

- 3 -

�umfassenden Gedankenaustausch zu dem
Problem gestatten, uns Gelegenheit
zur Erläuterung unserer angebots- und
nachfrageorientierten Strategien geben und im Idealfall ein Abkommen
zwischen den Vereinigten Staaten und
den Andenstaaten über unsere Hauptziele und Strategien in dieser Region
hervorbringen. Darüber hinaus könnte
die
Koordinierung
der
regionalen
Strafverfolgung unter den Andenstaaten erwogen werden sowie gemeinsame
Maßnahmen zum Abbau der Nachfrage
nach Drogen in diesen Staaten. Zur
weiteren Unterstützung von Kokainbekämpfungs- und
Drogenkontrollprogrammen, die auf Opium und andere Substanzen abzielen, sollten die Vereinigten Staaten diplomatische Initiativen in die Wege leiten, um erweiterte Zusagen für materielle Hilfe
aus anderen Geber- und Verbraucherländern sicherzustellen.
Da die überwiegende Mehrheit der
Kokainlieferungen über Mittelamerika,
Mexiko und die Karibik in die Vereinigten Staaten gelangen, müssen wir
darüber hinaus verstärkt Programme
zur Verbesserung der Drogenbekämpfung
in diesen Transitgebieten entwickeln.
In diesem Zusammenhang hat die jüngste Erweiterung des gemeinsamen Zentrums zur Nachrichtenerfassung, dank
dem die Vereinigten Staaten und die
Regierungen des Karibischen Beckens
nachrichtendienstliche
Erkenntnisse
über Drogenziele sammeln und austauschen konnten, wertvolle Möglichkeiten eröffnet. Mit der verbesserten
Technik können 26 Länder der Karibik
miteinander und mit den amerikanischen Strafvollzugsbehörden über INTERPOL Verbindung aufnehmen, was zu
einer weiteren Verbesserung der Zusammenarbeit in diesem Gebiet beigetragen hat.
Zusätzlich zur Unterstützung dieser Bemühungen können die
Vereinigten Staaten einen entscheidenden Beitrag zu den Strafverfolgungsmaßnahmen der Transitländer leisten, von Ausbildung und technischer
Hilfe bis hin zu operativer Unterstützung der Drogenbekämpfungsmaßnahmen. Auch hier müssen die Organisationen und Personen, die den Drogen-

handel leiten und handhaben, im Mittelpunkt stehen.
Opium und sein gefährlichstes Derivat, Heroin, werfen eine Reihe von
Problemen auf, die ganz anders gelagert sind als bei Kokain. Der Umfang
der weltweiten Heroinproduktion, der
weit über den derzeitigen Konsum in
den Vereinigten Staaten hinausgeht,
wächst weiter an. Mit Ausnahme von
Thailand hat jedes Opium produzierende Land im Jahr 1988 sein bisheriges
Produktionsniveau
aufrechterhalten
oder aufgestockt, und die Gesamtzunahme der Opiumproduktion wird 1989
voraussichtlich
anhalten.
In den
beiden führenden Opium produzierenden
Regionen hat Südostasien die Stelle
von Südwestasien
als Hauptversorgungsquelle für unser Land eingenommen.
Die Vereinigten Staaten haben jedoch keinen zwingenden Einfluß auf
die wichtigsten Opium produzierenden
Länder der Welt. Infolgedessen haben
Bestrebungen zum Abbau des Nachschubs, die regionale und internationale Organisationen
oder Entwicklungshilfe umfassen, wenig Aussicht
auf eine maßgebliche Verringerung der
Opiumernten. Eine Strategie zur Eindämmung des Heroinnachschubs in die
Vereinigten Staaten muß daher ausschließlich auf drei Pfeiler gegründet sein:
Überzeugung der Länder,
die Einfluß auf die Opiumanpflanzer
haben, diesen direkt geltend zu machen und Ermutigung von Strafverfolgung und Erntevernichtungsprogrammen
in den Ländern, in denen die Vereinigten Staaten einen gewissen Einfluß
haben; Ausübung des amerikanischen
Einflusses auf Länder, die Verarbeitungs- und Verteilungszentren sind zum
Beispiel
Malaysia,
Thailand,
Hongkong und China und als wirksamstes Mittel Anwendung von Abfangmaßnahmen an der amerikanischen Grenze,
insbesondere in den Ankunftshäfen.
Bessere strategische und operative
nachrichtendienstliche
Erkenntnisse
(die im folgenden Kapitel behandelt
werden) sind unabdingbar zur Verwirklichung dieser Ziele.

�Kolumbien ist der Hauptlieferant
für in den Vereinigten Staaten konsumiertes Marihuana und stellt rund 40
Prozent des gesamten amerikanischen
Bedarfs.
Mexiko produziert 25 Prozent des Verbrauchs in den Vereinigten Staaten und 10 Prozent kommen aus
anderen Ländern. Der übrige amerikanische Markt - 25 Prozent - wird aus
dem Inland beliefert.
Um die Marihuanalieferungen aus dem Ausland einzudämmen, müssen wir Abkommen mit den
Hauptanbauländern
abschließen,
um
ausländische
Strafverfolgungsmaßnahmen durch Avisbildung, logistische und
nachrichtendienst1iche
Unterstützung
zu verbessern. Darüber hinaus müssen
wir dabei behilflich sein, genaue
Schätzungen des Ernteertrags vorzunehmen, auf die sich mit Drogenkontrolle in Verbindung stehende Aktivitäten gründen.
Ferner müssen wir
Erntevernichtungsprogramme
dort unterstützen, wo sie die beste Anwendung finden.
Ein zweites Hauptmerkmal unserer Strategie muß darauf ausgerichtet sein, noch kleine Cannabisanpflanzer in Mittel- und Südamerika, Ostasien und Afrika davon abzuhalten, führende Marihuanalieferanten
zu werden.
Multilaterale Bestrebungen der Verbraucherländer müssen gemeinsam mit bilateralen Initiativen
und
wirksamer
Öffentlichkeitsarbeit
an die spezifischen Gegebenheiten der
Länder angepaßt werden.
In bestimmten Gebieten und unter
gewissen Umständen könnten Erntevernichtungsmaßnahmen
der
beste
und
wirtschaftlichste Ansatz sein, um den
weiteren Anbau von Pflanzen zu verhindern, aus denen Drogen gewonnen
werden können.
In anderen Ländern
kann es genau das Gegenteil bewirken
und Bauern in die Reihen regierungsfeindlicher Rebellen treiben oder in
andere Gebiete vertreiben, die nicht
so leicht zugänglich sind.
Vernichtungsmaßnahmen
funktionieren
wahrscheinlich am besten in solchen Gebieten, in denen wenig oder kein Widerstand vom Gastland geleistet wird,
wo
Strafverfolgungsmaßnahmen
das
Rückgrat der Schmuggelringe gebrochen
haben und Ernteerträge gesunken sind,

wo die Wahrscheinlichkeit einer Ernteverlagerung - die Anpflanzer verlagern ihre Produktion in andere Gebiete - begrenzt ist und echte Beschäftigungsalternativen
bestehen
oder
leicht geschaffen werden können. Bei
Vernichtungsprogranmen muß sorgfältig
von Fall zu Fall abgewogen werden im Hinblick auf mögliche Auswirkungen
auf die Gesamtproduktion des Landes,
auf Rentabilität und Nutzen im Vergleich zu anderen Drogenbekämpfungsprogrammen im selben Land oder Gebiet
und auf ihre möglichen politischen
Konsequenzen.
Zusätzlich zu Kokain, Opium und
Marihuana bedrohen andere gefährliche
Drogen und Substanzen die Nation.
Die Einfuhr von Grundstoffen zur Herstellung
von Methylamphetaminen in
heimischen Labors stellt ein besonderes Problem in den westlichen und
südwestlichen Staaten dar, das nur
noch von Crack als Hauptdrogenproblem
übertroffen wird.
Die illegale Einfuhr von Ergotamin, das bei der Herstellung von LSD verwendet wird und
der Schmuggel von MDMA ("ecstasy")
sowie von Amphetaminen müssen weitere
Ziele unserer Bestrebungen sein.
Um diese eben genannte Reihe von
Problemen bewältigen zu können, müssen
wir
verhindern,
daß Drogenschmuggler Material im großem Umfang
über die kontrollierten aber meist
nicht genügend bewachten Landgrenzen
oder auf dem Luft- oder Seeweg ins
Land bringen. Dies erfordert erweiterte
Vollstreckungsmaßnahmen
der
Grenzposten,
zusätzliche
Fahrzeugund Containerinspektionen und - im
Falle importierter Chemikalien - Einführung
umfassender
internationaler
Kontrollen
und gemeinsamer Uberwachungs- und Strafverfolgungsprogramme
mit anderen Ländern.

Außenpolitische Initiativen
Wir haben durchgreifende Bemühungen unternommen, um einen internationalen
Konsens
über die
Bedrohung
durch den Drogenhandel zu erreichen.

- 5 -

�Ein bedeutender Meilenstein wurde mit
der am 18. Dezember des vergangenen
Jahres in Wien verabschiedeten Konvention der Vereinten Nationen gegen
den unerlaubten Verkehr mit Suchtstoffen und psychotropen Stoffen erzielt.
Die Konvention fordert die
Bestrafung
von
Produktion, Anbau,
Transport und Handel von Kokain, Heroin, Marihuana und anderen gefährlichen Drogen. Ferner fordert sie, daß
der Handel mit chemischen Grundstoffen sowie die Geldwäsche unter Strafe
gestellt werden und liefert einen
Rahmen für die Beschlagnahme von Vermögen, die Auslieferung von Drogenhändlern, die Abtretung von Strafverfahren, Ausbildungsmaßnahmen und andere Formen der Zusammenarbeit.
Die Konvention ist für wirksame
internationale Zusammenarbeit bei der
Bekämpfung
des
Drogenhandels
von
grundlegender Bedeutung. Die Vereinigten Staaten müssen sie sobald wie
möglich ratifizieren und Durchführungsgesetze erlassen, um sie wirksam
werden zu lassen. Ferner müssen wir
die Ratifizierung durch andere Länder
zu einer vordringlichen Frage in unseren bilateralen Beziehungen machen,
insbesondere mit den wichtigsten Herstellungs- und
Transitländern
für
Drogen.
In anderen Bereichen Von außenpolitischem Interesse bieten gewisse
Länder und Regionen sowohl den internationalen Drogenhändlern als auch
dem Interesse der Vereinigten Staaten
an der Zerschlagung des internationalen Drogenhandels besondere Möglichkelten.
Dazu gehören: Westeuropa,
wo Drogen zunehmend als unmittelbare
Bedrohung betrachtet werden und der
Konsum, insbesondere von Kokain und
Heroin, ständig zunimmt. Die Sowjetunion und Osteuropa, wo innerhalb von
wenigen Jahren asiatisches Heroin und
andere Drogen das soziale Geflecht
durchdrungen haben. Dies führte im
Juni des vergangenen Jahres zur ersten Ostblockkonferenz über Drogenbekämpfung in Taschkent. Begrenzte und
selektive Zusammenarbeit in mehreren
anderen Ländern und Regionen könnte

den Vereinigten Staaten hohen Nutzen
bei der Bekämpfung von Drogenhändlern
und deren Organisationen einbringen.
Die
amerikanischen
Initiativen
müssen auf bestimmte Situationen zugeschnitten sein.
Im Hinblick auf
Europa zum Beispiel wird die amerikanische Strategie vier Ziele verfolgen: Erstens, der Europäischen Gemeinschaft bei der Entwicklung durchschlagender Maßnahmen, Strategien und
Programme zur Reduzierung der Nachfrage mit dem Ziel zu helfen, den europäischen Drogenmarkt auszuhöhlen,
die Profite aus dem Drogenhandel einschneidend zu verringern und den internationalen Drogenhandel zu schwächen. Zweitens, die Europäischen Gemeinschaft bei der Stärkung ihres eigenen Mechanismus zur Reduzierung des
Angebots zu unterstützen, insbesondere bei Strafverfolgungsmaßnahmen sowie Austausch von Aufklärungsergebnissen und Informationen. Drittens,
die Einbindung von Staaten der Europäischen Gemeinschaft in multilaterale Bemühungen mit den Vereinigten
Staaten, um die Produktion, Weiterverarbeitung und den Handel, insbesondere von Kokain und Heroin, in den
Produktions- und Transitländern unter
Kontrolle zu bekommen. Schließlich,
Sicherung der Unterstützung seitens
der EG für Maßnahmen internationaler
und regionaler Organisationen mit Beteiligung der Herstellungsländer und
-gebiete, insbesondere dort, wo die
Vereinigten Staaten über wenig oder
gar keinen direkten Einfluß verfügen.
Wir müssen bereit sein, unser
Wissen und unser Anliegen mit der Sowjetunion und den osteuropäischen
Staaten zu teilen und diese an kooperativen Maßnahmen zur Drogenbekämpfung teilhaben zu lassen.
Ferner
sollten wir willens sein, von anderen
Ländern, zu denen wir minimale oder
gar keine diplomatischen Beziehungen
unterhalten,
angebotene
besondere
Chancen zu nutzen.
So könnte zum
Beispiel Kuba den Transit von Drogenflugzeugen auf dem weg in die Vereinigten Staaten effektiv blockieren,
anstatt ihn zu fördern. Die kubani-

- 6 -

�sehe Regierung hat die Fähigkeit, den
gegenwärtigen Drogenhandel erheblich
zu stören. Es bleibt abzuwarten, ob
sie dies mit dem nötigen Nachdruck
tun wird.
Eine durchgreifende internationale Strafverfolgung ist ein vordringliches Anliegen.
In demselben Umfang, in dem wir ürogenkonsumenten
und Drogenhändler in unserem eigenen
Land für ihre Taten zur Verantwortung
ziehen, müssen wir anderen Staaten
dabei helfen, ihre Fähigkeiten zur
Strafverfolgung sowie ihre gesetzlichen Möglichkeiten zur Bestrafung von
Drogentätern auf deren Territorium zu
stärken. Falls nötig, sollten ausländischen Behörden Fortbildung bei
der Strafverfolgung, besondere Ausrüstung und logistische Unterstützung
gewährt werden. Die Mechanismen zum
Austausch strafrechtlich relevanter
Informationen mit ausländischen Regierungen sollten ebenfalls verbessert werden.
Wir sollten uns um Abkommen mit
den wichtigsten Herkunftsländern von
Drogen bemühen, um die internationale
Zusammenarbeit bei der Strafverfolgung zu verbessern. Solche kooperativen Bemühungen sollten beinhalten:
Gegenseitige Rechtshilfeabkommen, die
amerikanische
Strafverfolgungsbehörden in die Lage versetzen, im Ausland
vor amerikanischen Gerichten verwertbares Beweismaterial zu sammeln und
die ermittlungstechnische und strafrechtliche Unterstützung zwischen den
Vereinigten Staaten und den Vertragspartnern erleichtern würden; Auslieferungsabkommen; Abkommen zur Stärkung der in anderen Staaten bestehenden Gesetze gegen Verschwörung; bedeutende Maßnahmen zur Beschlagnahme
von Vermögen und gezielte finanzielle
Maßnahmen. Die schon seit vielen Monaten dem Senat vorliegenden Rechtshilf eabkommen müssen ratifiziert werden.
Wir sollten ferner auf die Beteiligung der Industriestaaten - darunter die EG-Mitgliedstaaten, Japan,
Australien und Kanada - bei der Bil-

dung einer ständigen Konsultativgruppe zur Unterstützung von Maßnahmen
zur Drogenbekämpfung durch die Herkunftsländer drängen.
Wir müssen weiterhin den Ländern
bei ihren Programmen zur Drogenbekämpfung durch bestehende internationale und
regionale Organisationen
helfen - einschließlich der Vereinten
Nationen. Unsere Unterstützung dieser Organisationen muß jedoch gute
Aussichten für die Verstärkung des
internationalen Engagements zur Drogenbekämpfung in sich bergen.
Die
amerikanische Unterstützung kann kein
Ersatz für die Konzentration und den
Einfluß sein, der durch speziell auf
Drogen ausgerichtete bilaterale und
multilaterale Abkommen
zum Tragen
kommt.
Konzertierte, von den führenden
Politikern der verschiedenen Staaten
geleitete internationale Bemühungen
sind notwendig, um in der Weltmeinung
zum Drogenproblem einen grundlegenden
Umschwung herbeizuführen. Vorrangige
Aufmerksamkeit sollte der baldmöglichen Einberufung eines Drogengipfels
zukommen, auf dem Herkunfts-, Transit- und Verbraucherländer vertreten
sind - jedoch nur nach sorgfältiger
Vorbereitung, einschließlich Konsultationen mit allen beteiligten Staaten sowie nur nachdem wir mit den politisch Verantwortlichen der Andenstaaten zusammengetroffen sind.
Die rechtlich vorgeschriebene Bescheinigung für wichtige Drogenherstellungs- und Transitländer kann zur
Bekämpfung des internationalen Drogenhandels und der Drogenherstellung
eingesetzt werden.
Diese nach der
Verabschiedung
des Gesetzes gegen
Drogenmißbrauch von 1986 in Kraft getretene
Bescheinigungsvorschrift
stellt eine direkte Beziehung zwischen der amerikanischen Unterstützung für wichtige Herstellungs- und
Transitländer von Drogen und deren
positivem Verhalten bei der Drogenbekämpfung her. Der Präsident muß die
Angemessenheit der Bemühungen dieser
Länder zur Unterbindung von unerlaub-

- 7 -

�ter Produktion, Handel und Geldwäsche
oder ihre umfassende Zusammenarbeit
mit amerikanischen Bemühungen zur Bekämpfung des Drogenhandels bescheinigen. Falls der Präsident einem Land
diese Bescheinigung verweigert oder
wenn der Kongreß sein Veto gegen die
Bescheinigung
einlegt, müssen die
Vereinigten Staaten den Großteil ihrer Wirtschafts- und Militärhilfe zurückbehalten. Das gleiche gilt für
die Unterstützung von Krediten durch
die Weltbank oder andere Institutionen. Der Präsident behält die Option, Konzessionen beim Handel zu gewähren.
Die Androhung der Verweigerung
dieser Bescheinigung kann die Beziehungen mit Ländern belasten, in denen
für uns wichtige außenpolitische Interessen auf dem Spiel stehen. Richtig eingesetzt kann sie jedoch ein
wichtiges Instrument darstellen, um
ausländische Regierungen zu motivieren, bei der Bekämpfung des Drogenhandels Hilfe zu leisten. Überdies
unterstützt das Bescheinigungsverfahren unsere Position, daß in demselben
Maße, wie wir uns für die Verringerung der unersättlichen Nachfrage
nach Drogen in unserem Land einsetzen, sich auch jede ausländische Regierung für die Eindämmung des Drogenproblems auf ihrem eigenen Territorium engagieren muß. Kurzum: Regierungen müssen für ihre Leistungen
oder Versäumnisse verantwortlich gemacht werden. In den bilateralen Beziehungen mit Herstellungs- und Transitländern von Drogen müssen die Vereinigten Staaten deshalb die Notwendigkeit der Zusammenarbeit mit unseren Bemühungen zur Drogenbekämpfung
sowie davon unabhängiger effektiver
Maßnahmen zur Unterbindung des Drogenhandels betonen.
Ferner müssen
wir bereit sein, denjenigen Ländern
die Bescheinigung zu verweigern, die
willentlich den Drogenhändlern gestatten, ihre Operationen von deren
Territorium aus durchzuführen.
Um
die Wirksamkeit des Bescheinigungsverfahrens zu stärken, sollten wir
ferner danach streben, mit jedem Herstellungs- und Transitland jährliche

und langfristige Zielvorgaben zu vereinbaren.
Auch in der diplomatischen Öffentlichkeitsarbeit ist ein energisches, koordiniertes Programm unerläßlich, wenn die Vereinigten Staaten
beabsichtigen, die Unterstützung ihrer internationalen Ziele in der Drogenbekämpfung zu verbreitern. In der
Vergangenheit wurden die Programme in
diesem Bereich durch den Mangel an
Bedeutung abgeschwächt, der dem Drogenproblem als außenpolitisches Anliegen von unserem Land beigemessen
wurde. In der diplomatischen Öffentlichkeitsarbeit müssen wir ein breitgefächertes, sinnvolles Programm in
einer Art und Welse entwickeln und
zum Ausdruck bringen, die das Ausmaß
der internationalen Ablehnung gegenüber Drogen verstärkt und staatliche
und private Maßnahmen zur Beseitigung
von Drogenproduktion, -handel und
-verbrauch in der ganzen Welt fördert.
Unsere Programme in der Öffentlichkeitsarbeit
sollten anderen
Ländern dabei helfen, die Nachfrage
nach Drogen zu verringern und sollten
die internationale Unterstützung für
bilaterale und multilaterale Strategien und Programme der Vereinigten
Staaten fördern. Insbesondere sollten sie sich auf die Verbraucherländer konzentrieren. Alle erdenklichen
Anstrengungen
sollten
unternommen
werden, um diesen Ländern die benötigten Informationen über erfolgreiche amerikanische Strategien und Programme zur Senkung der Nachfrage zu
verschaffen.

Die Abzweigung chemischer Grundstoffe und Geldwäsche
Aus dem kommerziellen Handel abgezweigte Chemikalien sind für die
Herstellung von Kokain, Heroin und
Drogen wie Methylamphetamin, PCP and
LSD unerläßlich.
Tatsächlich wird
das meiste in unser Land geschmuggelte Kokain mit Hilfe von Chemikalien
verarbeitet, die von amerikanischen
Unternehmen exportiert wurden, und
fast alle Methylamphetamine, LSD und

- 8 -

�PCP werden mit Hilfe von Chemikalien
amerikanischer Firmen illegal hergestellt. Einige Firmen und Vertreiber
sind unwissentlich darin verstrickt.
Andere sind kriminelle Komplizen. In
beiden Fällen müssen wir versuchen,
den Vertrieb von chemischen Substanzen zu unterbinden, die zur Herstellung von Drogen benutzt werden, ob
sie in das betreffende Land eingeschmuggelt oder dort produziert werden.
Drei Strategien werden benötigt.
Wir müssen strenge Kontrollen für die
Ausfuhr
von Chemikalien einführen,
die zur unerlaubten Herstellung von
Kokain in Südamerika verwendet werden.
Energische Maßnahmen sind vonnöten, um die Abzweigung chemischer
Substanzen zur unerlaubten Herstellung von Drogen innerhalb der Vereinigten Staaten zu unterbinden. Diese
beiden Strategien werden von einem
Eckpfeiler
der Gesetzgebung unterstützt, dem Gesetz über Abzweigung
und Verkehr chemischer Substanzen von
1988 (Chemical Diversion and Trafficking Act), mit dem ein System zur
Identifizierung, Überwachung und Kontrolle chemischer Lieferungen eingeführt wird, die für den unerlaubten
Drogenhandel abgezweigt werden könnten. Ferner müssen wir auf Vereinbarungen
zur
internationalen
Zusammenarbeit dringen, die einschneidende Kontrollen zur Verhinderung der
Abzweigung chemischer Substanzen unterstützen (wie etwa die obengenannte
UNO-Konvention) sowie die Einführung
von Gesetzen im Ausland, die mit unseren
vergleichbar
sind.
Darüber
hinaus müssen wir uns um die Schaffung
von
Ermittlungs- und
Uberwachungsprogrammen in anderen Ländern
bemühen, die eng mit amerikanischen
Strafverfolgungsbehörden
zusammenarbeiten.

Märkte einzudringen - und diese potentiell zu dominieren -, amerikanische und ausländische Beamte zu korrumpieren sowie ausländische Regierungen zu destabilisieren.
Die Lösung dieses Problems erfordert Aufmerksamkeit auf nationaler Ebene, und
die durch einen Erfolg in diesem Bereich zu gewinnenden Vorteile sind
potentiell sehr hoch. Neben unseren
Bemühungen im Inland - die in diesem
Bericht getrennt behandelt werden müssen wir die Fähigkeiten und Ressourcen anderer
Staaten ins Spiel
bringen, um dazu beizutragen, die im
Ausland angelegten Erträge aus Drogengeschäften zu identifizieren, aufzuspüren, einzufrieren
und zu beschlagnahmen.
Wir müssen weiterhin
auf Internationale Abkommen dringen,
wie etwa die UNO-Konvention, mit denen durchgreifende Maßnahmen zur Kriminalisierung
und
Bestrafung
der
Geldwäsche gefördert werden.
In unseren bilateralen Beziehungen werden
wir andere Regierungen drängen, Geldwäsche
durch
Verabschiedung
einschneidender Maßnahmen unter Strafe
zu stellen und gegen diejenigen Sanktionen zu verhängen, die das internationale Finanzsystem mißbrauchen, um
unrechtmäßig erworbene Mittel zu verschleiern und über nationale Grenzen
zu transferieren.

Ein weiterer entscheidender Bereich, der Anlaß zu Besorgnis gibt,
ist die Geldwäsche. Der Umfang ihres
aus
dem
Drogenhandel
erworbenen
Reichtums
verschafft
ausländischen
Drogenhändlern die Fähigkeit sowohl
in rechtmäßige als auch in illegale
- 9 -

* * * * *

�AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

13. September 1989

34

BUSH STEHT VOLL UND GANZ HINTER DEM ZEITPLAN FÜR KSE-PHASE I
- Interview mit KSE-ChefUnterhändler Ledogar -

WASHINGTON - (AD) - Der amerikanische Chefunterhändler bei den Verhandlungen Über Konventionelle Streitkräfte in Europa (KSE), Botschafter Stephen Ledogar, wird am 7. September 1989 mit dem Auftrag von Präsident Bush in die
Sitzungsrunde in Wien gehen, "auf rasche Fortschritte zu einem verifizierbaren
Abkommen hinzuarbeiten".

Der Präsident steht "voll und
ganz" hinter dem beim NATO-Gipfeltreffen im Mai vorgeschlagenen Zeitplan von 6 bis 12 Monaten, erklärte
Ledogar in einem Interview am 31. August 1989.
Der beim NATO-Gipfeltreffen am
Ende der zweiten KSE-Sitzungsrunde im
Juli in Form eines Rahmenabkommens
unterbreitete Vorschlag "forderte den
Ostblock auf", im Einklang mit dem
vorgeschlagenen Zeitplan auf ein Phase I-Abkommen hinzuarbeiten, so Ledogar.

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Obwohl "umfangreiche und detaillierte
Verhandlungen
erforderlich
sind" bevor ein Abkommen erzielt werden kann, "scheint es nach wie vor im
Bereich
des Möglichen", daß der
NATO-Zeitplan
eingehalten
werden
kann, erklärte Botschafter Ledogar.
Bis heute hat sich der Warschauer
Pakt "sehr sachlich und ernsthaft
verhalten", fügte er hinzu. "Es besteht kein Grund zu der Annahme, daß
sich dies ändern wird".
Aber der Westen kann nicht all
die zu bewältigenden Probleme selbst

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�lösen.
"Wir brauchen vernünftige
Partner", erläuterte der Botschafter.
Der
ChefUnterhändler
erklärte,
die Hochrangige Arbeitsgruppe (HLTF)
der NATO sei damit befaßt, Einzelheiten der westlichen Position zu Informationsaustausch, Verifizierung, Stabilisierungs- und
Nichturogehungsmaßnahmen zu erarbeiten. Diese Einzelheiten würden in dem Dokument enthalten sein, das die NATO am 7. September vorlegt, fügte er hinzu.
Eine weitere Frage, die nach wie
vor einen Großteil der Aufmerksamkeit
des Chefunterhändlers erfordern wird,
lautet, wie präzise Definitionen der
fünf "Zähleinheiten" - Waffenkategorien - erarbeitet werden können, mit
denen sich das KSE-Abkommen befaßt.
Im März unterbreitete die NATO
ihren Vorgeschlag zu Obergrenzen bei
Panzern, Schützenpanzern und Geschützen. Im Juli wurden Obergrenzen für
Kampfflugzeuge und Kampfhubschrauber
hinzugefügt.
Gemäß den NATO-Vorschlägen würden beide Seiten jede der
fünf Waffenkategorien auf gleiche Niveaus reduzieren, die unterhalb des
derzeitigen NATO-Stands liegen.
Trotz der Bestrebungen der Sowjetunion werden die Gespräche über
Rüstungskontrolle bei den Seestreitkräften nicht in die KSE-Verhandlungen einbezogen. Darauf einigten sich
alle 23 Mitgliedstaaten der NATO und
des Warschauer Pakts in dem Mandat
vom Januar 1989, mit dem die Verhandlungen ins Leben gerufen wurden, erklärte er.
Ledogar zufolge sind die vorgeschlagenen Obergrenzen bei Panzern
und Schützenpanzern jetzt für die Unterhändler beider Seiten in greifbare
Nähe gerückt, bei Geschützen sind die
Positionen jedoch noch weit voneinan- 2

der entfernt. Dies könnte sich ändern, wenn eine gemeinsame Definition
der Geschütze erarbeitet werden kann,
erklärte er. Der Warschauer Pakt hat
die Zahlen für Kampfflugzeuge und
Hubschrauber noch nicht vorgelegt.
Bis heute haben die Warschauer
Pakt-Staaten die Position vertreten,
nur für Angriffe auf Ziele am Boden
ausgerüstete Flugzeuge - und ihre Definition, welches Gerät in diese Kategorie fällt - sollten in ein KSEAbkommen einbezogen werden. "Meiner
Ansicht nach wissen sie, daß sie eine
unlogische und schwer zu haltende Position vertreten", erklärte der Botschafter. Die Position der NATO ist
"zweifelsohne logischer", fügte er
hinzu.
Wenn der Westen weiterhin das
Prinzip verfolgt "gleich aussehende
Waffen werden gleich gezählt", sollte
es möglich sein, die Unstimmigkeiten
in der Position des Ostblocks zu beheben, erklärte Ledogar. Das Festhalten an dieser Position würde bedeuten, daß alle Flugzeuge des gleichen Typs als solche aufgeführt werden, unabhängig von der jeweiligen
Bauart, mit der die militärischen Fähigkeiten eines Flugzeugs verändert
werden können, stellte der Botschafter fest.

* * * * *

�AMERIKA DIENST
"VON

Hintergrundmaterial

4

34

13. September 1989

OSTBLOCK AKZEPTIERT NATO-ZEITPLAN FÜR KSE
- Pressekonferenz mit Botschafter Ledogar bei den KSE-Verhandlungen -

WIEN - (AD) - Der Warschauer Pakt hat Botschafter Stephen Ledogar, dem
amerikanischen ChefUnterhändler bei den Verhandlungen über Konventionelle
Streitkräfte in Europa (KSE) zufolge die "Herausforderung" des sechs- bis 12raonatigen Zeitplans der NATO zum Abschluß eines Phase I-Abkommens angenommen.
Bei einer Pressekonferenz in der Wiener Hofburg erklärte Ledogar am 7. September 1989, die Zustimmung des Ostblocks zu dem Zeitplan sei "eine sehr positive
Entwicklung". Weder der Warschauer Pakt noch die NATO haben bei der Eröffnung
der dritten Runde der Gespräche Vorschläge unterbreitet. Ledogar verwies jedoch darauf, daß er einen Vorschlag des Bündnisses "recht bald" erwarte.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Pressekonferenz mit Botschafter Ledogar 1m Wortlaut.

Heute wurde die dritte Runde der
Verhandlungen
über
Konventionelle
Streitkräfte in Europa (KSE) eröffnet.
Heute vormittag war eine Plenarsitzung anberaumt, die im Hinblick
auf
den
allgemeinen
Tenor
sehr
fruchtbar verlaufen ist und von einer
positiven Einstellung gekennzeichnet
war.
Bei den Einzelheiten ließ sie
jedoch noch zu wünschen übrig.
Wir
haben es begrüßt, daß der Ostblock
die Herausforderung der NATO angenommen hat, die am 30. Mai 1989 von den
Staats- und Regierungschefs der NATO
formuliert wurde und die ein erstes
KSE-Abkommen binnen 6 bis 12 Monaten
und die Durchführung des Abkommens
bis 1992 oder 1993 zum Ziel hat.
Dies ist eine sehr positive Entwicklung. Wie ich bereits erwähnt habe,
war die Atmosphäre sehr freundlich,

United States Information Service
Embassy of the United States of America

mit einer Reihe von Absichtserklärungen, Fortschritte erzielen zu wollen,
es wurden jedoch keine Vorschläge unterbreitet.
Heute nachmittag findet
eine
Arbeitsgruppensitzung
statt.
Nun bin ich gerne zur Beantwortung
von Fragen bereit.

Frage:
Warum hat die NATO heute
keine
Stabilisierungsvorschläge
unterbreitet?
Antwort:
Nun, sie
ganz ausformuliert.

waren

noch

nicht

Frage:
Besteht
eine
Möglichkeit,
daß morgen oder in Kürze Stabilisierungsmaßnahmen vorgeschlagen werden?
Antwort:

Die

Konsultationen

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

und

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Verhandlungen dauern auch untereinander noch an und ich möchte daher auf
die Probleme nicht im einzelnen eingehen. Es gibt jedoch einen offensichtlichen Schuldigen, der unsere
Bestrebungen in vielen Bereichen kontinuierlich erschwert, und das ist
die geographische Realität.
Frage: Wer ist das?
Antwort:
Es handelt sich hierbei
nicht um eine Person. Die Schwierigkeit liegt im BUndnisgebiet selbst,
das sich wie eine schmale Sichel in
der Form des Neumonds um den riesigen
Kreis
des
Warschauer
Paktgebiets
krümmt.
Wenn
man versucht, die
Streitkräfte des Ostblocks aus Mitteleuropa zu verbannen, lassen sich
Probleme für die Verbündeten nur
schwer vermeiden, die an unseren sogenannten Flanken stationiert sind.
Frage: Wo liegen die größten Probleme bei diesen Verhandlungen?
Antwort:
Wie ich bereits erwähnt
habe, möchte ich auf die Probleme
nicht im einzelnen eingehen, aber der
Aspekt der Geographie sollte im Auge
behalten werden. Es ist eine Tatsache, daß von unseren 16 BUndnisstaaten einige vollständig innerhalb und
andere größtenteils oder ganz außerhalb des Anwendungsbereichs liegen.
Dies
führt
zu
unterschiedlichen
Sichtweisen bestimmter Themenkomplexe. Wir sind uns jedoch meiner Ansicht nach zu 98 Prozent einig, nicht
nur im Hinblick auf die Stabilisierungsmaßnahmen, sondern auch bei allen vier Abschnitten des Kapitels, an
dem wir den ganzen Sommer gearbeitet
haben. Ich erwarte also, daß hier
binnen Kürze etwas in Bewegung gerät.
Frage:
Besteht
die
Möglichkeit,
daß das Paket, das sie heute unterbreiten sollten, morgen oder nächste
Woche vorgelegt wird?
Antwort: Für morgen ist keine Plenarsitzung anberaumt. Man könnte eine einberufen, nehme ich an. Wir bemühen uns jedoch, nicht mit dem Ab-

lauf der anderen hier in Wien abgehaltenen Verhandlungen in Konflikt zu
geraten.
Die nächste Plenarsitzung
findet am kommenden Donnerstag statt.
Frage:
Wo
liegen
die
größten
Schwierigkeiten bei den Verhandlungen?
Antwort: Ich möchte nicht über die
Schwierigkeiten
sprechen,
sondern
vielmehr die Chancen hervorheben, da
wir bei diesen Verhandlungen mit
atemberaubender Geschwindigkeit vorgegangen sind, wenn man es einmal mit
unseren bisherigen Erfahrungen bei
der konventionellen Rüstungskontrolle
vergleicht und sich vor Augen führt,
daß wir dieses Unterfangen erst am 9.
März 1989 begonnen haben. Wir hatten
nur 10 oder 12 Sitzungswochen und haben ganz enorme Fortschritte erzielt.
Aus diesem Grund würde ich es vorziehen, die Betonung auf die Chancen zu
legen. Es trifft sicherlich zu, daß
es Bereiche gibt, in denen wir im Augenblick noch sehr weit voneinander
entfernt sind. In einigen dieser Bereiche können meiner Ansicht nach die
Meinungsverschiedenheiten
ausgeräumt
werden, und wir arbeiten derzeit an
neuen Initiativen unsererseits, die
dazu beitragen können, diese Differenzen zu überbrücken.
Wir warten
jedoch auch auf Initiativen der anderen Seite, die ihrerseits zu Lösungen
beitragen könnten.
Frage:
Grinewski zufolge sind die
Definitionen das schwierigste Problem. Stimmen Sie dem zu?
Antwort: Ja, in dem Sinne, daß das
Problem, das wir als erstes lösen
wollen, die Definitionsfrage ist.
Sie ist der Baustein, ohne den keine
wirksamen Fortschritte bei einer Reihe anderer Themen erzielt werden können. Wir müssen genau wissen, was
man unter einem Panzer oder einem
Schützenpanzer versteht, damit dieses
Fahrzeug bei der Gesamtbewertung entsprechend gezählt wird. Das klingt
ganz einfach, ist in Wirklichkeit jedoch sehr schwer. Aber wir machen
Fortschritte.

- 2 -

�Was die anderen Definitionsfragen
anbetrifft, stellen Flugzeuge zum
jetzigen Zeitpunkt die größte Herausforderung dar. Bei Kampfpanzern und
Schützenpanzern haben wir uns angenähert.
Im Hinblick auf Geschütze
sieht es auch nicht allzu schlecht
aus und wir haben bereits Vorstellungen, wie das Ungleichgewicht behoben
werden kann.
Die Definition der
Flugzeuge wird schwierig sein. Wir
sind nach wie vor optimistisch, aber
wir sind auch realistisch, weil es
sich um eine schwierige Aufgabe handelt.
Frage:
Sollten die landgestützten,
nuklearfähigen Flugzeuge der Sowjetunion Ihrer Ansicht nach in diese
oder die START-Verhandlungen einbezogen werden?
Antwort:
Unsere
Definition
der
Flugzeuge schließt Nuklearfähigkeit
nicht aus, sondern würde zahlreiche
Typen
von
Mehrzweckkampfflugzeugen
einbeziehen. Eine Vielzahl von Flugzeugtypen würden unserer Definition
nach von diesen Verhandlungen abgedeckt. Andere würden in den Rahmen

Antwort:
Wir werden Ihren neuen
Vorschlag einer Überprüfung unterziehen. Es gab Anzeichen, daß sie ein
bißchen weitergehen würden, als wir
als "vernünftig" bei diesem Themenkomplex bezeichnen würden. Wir erachten eine Position, die unter dem
Strich die Hälfte ihrer Luftstreitkräfte ausschließen, aber alle unsere
Luftstreitkräfte einbeziehen würde,
als unvernüftige Position. Ich möchte hier jedoch keine hypothetischen
Fragen beantworten und mit Ihnen Verhandlungen aufnehmen. Ich bedauere,
dies sagen zu müssen, aber ich brauche offizielle Verhandlungspartner,
die die Meinung der Sowjets und des
Warschauer Vertrags vertreten, bevor
ich alternative Positionen erörtere.
Frage:
Die NATO hat erklärt, sie
erwarte eine Antwort des Warschauer
Pakts auf ihren am 13. Juli 1989 unterbreiteten Vorschlag zu Flugzeugen.
Grinewski hat jedoch gesagt, der Ostblock habe bereits geantwortet. Können Sie das bitte klären. Trifft es
also zu, daß die NATO Mehrzweckkampfflugzeuge einbezogen hat, aber nicht
beabsichtigt, sie zu reduzieren?

der Genfer Verhandlungen fallen.

Frage: Sehen Sie Probleme zwischen
diesen beiden Verhandlungsrunden?
Antwort: Nein, ich sehe keine Probleme voraus.
über Munition wird
beispielsweise nicht im Rahmen der
KSE-Gespräche
verhandelt.
Während
der Mandatsgespräche kam dem Problem
bei den Mehrzweckkampfflugzeugen besondere Bedeutung zu. Es hat außerordentlich viel Zeit und Mühe erfordert, aber wir haben es bewältigt.
Zwischen den beiden Seiten bestehen
keine Meinungsverschiedenheiten bezüglich der Grenzlinie bei Mehrzwecksystemen mehr. Im Rahmen dieser Verhandlungen sprechen wir nicht über
Nuklearwaffen.
Frage: Teilen Sie den sowjetischen
Einwand gegen die Einbeziehung ihrer
Luftverteidigungsflugzeuge
in
die
Verhandlungen?

Antwort:
Zunächst zum Thema Flugzeuge - ich kenne Botschafter Grinewskis Aussage nicht im einzelnen,
habe aber gehört, was er Ihnen zufolge gesagt hat. Wenn die Sowjets weiterhin darauf bestehen, daß bestimmte
Flugzeugtypen aufgrund ihrer spezifischen Rolle
ausgeschlossen werden
müssen, bedarf das einer detaillierten Analyse und wir werden uns damit
zum gegebenen Zeitpunkt befassen.
Solche Ausgrenzungen müßten natürlich
auf beide Seiten gleichermaßen anwendbar sein. Wir werden keine Vereinbarungen akzeptieren, bei denen
das Kriterium für Einbeziehung westlicher Flugzeuge die Fähigkeit ist,
wohingegen das Kriterium für die Einbeziehung östlicher Flugzeuge angeblich Rolle und Mission ist. Äpfel
sind Apfel und Birnen sind Birnen das gilt für beide Seiten. Das ist
meiner Ansicht nach eine vernünftige
Position.

- 3 -

�Zu Ihrer zweiten Frage kann ich
nur zwei Punkte wiederholen. Erstens
macht keine Seite die vorgeschlagenen
Definitionen der Zähleinheiten publik, noch beantworten wir spezifische Fragen darüber, welche Gerätetypen auf beiden Seiten unter diese Definitionen fallen würden. Ich kann
also das Vertrauen hier nicht brechen
und über bestimmte Flugzeuge sprechen. Ich kann bestätigen, daß auf
beiden Listen eine Reihe von Mehrzweckkampfflugzeugen aufgeführt sind,
die zusätzliche zur konventionellen
Fähigkeit auch nuklerfähig sind. Ich
kann mir kaum ein Flugzeug vorstellen, das nuklearfähig, aber nicht
gleichzeitig auch konventionell einsetzbar ist. Wie sollte man sonst
ausbilden? Wie man nun die Reduzierungen aufteilt, die sich aus einem
Abkommen ergeben - das ist keine Frage zwischen Ost und West. Diese Frage ist dem jeweiligen Bündnis vorbehalten. Aus diesem Grund haben wir
eine vereinbarte Obergrenze für Flugzeuge, die Reduziereungen auf der
Seite der NATO erforderlich machen
und wir werden dann Verhandlungen untereinander aufnehmen, wie diese vorgenommen werden. Einige der Verbündeten haben bereits angedeutet, daß
sie Kürzungen bei ihren Kategorien
sicherlich ablehnend gegenüberstehen
würden - aber dies ist eine Angelegenheit, die nur die NATO betrifft.
Ein Großteil dessen kann dank der generellen
Flexibilität
verwirklicht
werden, über die wir 16 bei den Reduzierungen - sollten sie beschlossene
Sache sein - verfügen.
Frage:
Gerüchten
aus
Washington
zufolge verlassen Sie diesen Posten
bald. Haben Sie eine Kommentar dazu
abzugeben?
Antwort:
Tut mir leid, kein Kommentar.
Es ist das Vorrecht des
Weißen Hauses, solche Ankündigungen
zu machen. Ich bin Berufsdiplomat im
auswärtigen Dienst und unterstehe dem
Präsidenten. Ich werde hingehen, wohin immer und wann immer es ihm beliebt.

Frage:
Botschafter
Grinewski hat
die amerikanische Position zu leichten Panzern kritisiert. Können Sie
einen Kommentar zur westlichen Position abgeben?
Antwort:
Ich möchte lieber nicht
ins Detail gehen. Ich kann nur sagen, bei diesen Verhandlungen fühlen
wir uns durch die nüchterne und
ernsthafte Einstellung unserer Verhandlungspartner aus dem Ostblock ermutigt.
Wenn es Probleme gab, so
hatten sie bisher einen bestimmten
realistischen und logischen Grund.
Wir überprüfen diesen Themenkomplex
zur Zeit um herauszufinden, ob wir
zur Beilegung der Differenzen nicht
die Definitionen der Arbeitsgruppen
einbringen können. Neue Technologien
sind ein realistischer Aspekt. Andererseits wollten wir nicht in die Position geraten, schwere Panzer zugunsten der leichteren Panzer zerstören
zu müssen, die einige von uns für bestimmte Zwecke benötigen, die nicht
notwendigerweise in den Rahmen der
europäischen
Gegebenheiten
fallen.
Wir arbeiten daran.
Frage:
Bedeutet die Tatsache, daß
Sie heute keinen NATO-Vorschlag unterbreiten konnten, daß es eine tiefe
Spaltung innerhalb der NATO gibt?
Antwort:
Nein - das trifft ganz
und gar nicht zu. Es bestehen noch
Probleme und dabei handelt es sich um
ernsthafte und komplexe Themenbereiche. Wir sind weiterhin entschlossen, unsere fertiggestellten Kapitel
in dieser Verhandlungsrunde so bald
wie möglich vorzulegen, aber keiner
von uns möchte etwas festlegen, das
nicht richtig ist und nicht von allen
unterstützt wird. Ich möchte die bestehenden
Meinungsverschiedenheiten
nicht bagatellisieren, aber es handelt sich hierbei um kontinuierliche
Verhandlungen innerhalb des Bündnisses. Selbst während wir verhandeln,
arbeiten wir an diesen Fragen und wir
werden letzte Hand an diese vier Kapitel legen und sie so bald wie möglich vorlegen. Damit meine ich: In
dieser Verhandlungsrunde.

- 4 -

�Frage:
Können Sie etwas über die
vertrauensbildenden Maßnahmen sagen,
die sie Ihrem Vorschlag zufolge bald
einfuhren wollen?
Antwort: Nein, lieber nicht. Vertrauensbildende Maßnahmen ist eigentlich ein Begriff, der auf die anderen
Verhandlungen zutrifft. Wir bezeichnen sie als stabilisierende Maßnahmen, nicht nur zur Unterscheidung,
sondern auch, weil die Maßnahmen, mit
denen wir uns befassen, sehr eng mit
Reduzierungen verbunden sind und ihr
Zweck darin besteht, die Wirkung der
Reduzierungen im Hinblick auf verbesserte Stabilität und Sicherheit zu
erweitern.
Ich möchte hier aber
wirklich nicht zu einzelnen Maßnahmen
zitiert werden. Eine Reihe von Maßnahmen ist vorlagereif. Ich bin sicher, einige von Ihnen sind bestens
unterrichtet und wenn ich Ihnen jetzt
die fertiggestellten nenne, werden
einige von Ihnen sofort in der Lage
sein, die Maßnahme auszumachen, mit
der wir noch ein kleines Problem haben - und dann bin ich in Schwierigkeiten.
Frage:
Können Sie sagen, ob es
sich nur um eine oder zwei oder um
mehrere handelt?
Antwort:
Es sind nicht nur eine
oder zwei, sondern auch nur ein oder
zwei Wörter oder eine oder zwei Zahlen in diesen Maßnahmenpaketen.
Frage:
Botschafter
Grinewski zufolge sind eines der Hauptprobleme
die stationierten Truppen. Was meinen Sie dazu?
Antwort: Dazu hätte ich gerne weitere Einzelheiten und auch heute bestand ein Teil des Problems darin,
daß wir nur allgemeine Fakten vorliegen hatten. Erstens hat der Ostblock
darauf bestanden, Fragen der Mannschaftsstärke in diese Verhandlungen
miteinzubeziehen. Unsere ursprüngliche Position, die immer noch sehr
viel für sich hat, lautete, daß Personal logischerweise Zug um Zug mit
dem Gerät reduziert wird. Aber der

Ostblock sagte "nein", es muß bestimmte Grenzen geben. Unserer Ansicht nach müßten diese Grenzen verifizierbar sein und wir können sowjetische Streitkräfte in der Sowjetunion nicht mit einem vernüftigen Maß an
Vertrauen verifizieren. Und wir können die Streitkräfte des Ostblocks
aufgrund der Fragen bezüglich paramilitärischer
Streitkräfte,
Grenzschutzposten, Milizen usw. nicht mit
einem hohem Maß an Vertrauen verifizieren.
Unsere Konzession war folgende:
Da wir der Ansicht sind, daß wir
großes Vertrauen in unsere Fähigkeit
zur Verifizierung der sowjetischen
Truppen in Osteuropa setzen können,
sollten wir uns darauf konzentrieren.
Es erscheint uns also logisch, gleiche Obergrenzen zu haben, und es erscheint uns logisch, daß wir über die
Streitkräfte der beiden Supermächte
sprechen, die außerhalb ihrer Heimatländer stationiert sind. Deshalb haben wir den Vorschlag in der vorliegenden Form gestaltet. Unseres Erachtens ist er in sich schlüssig.
Wenn Herr Grinewski besondere Vorstellungen bezüglich der niederländischen, belgischen, kanadischen, französischen und britischen Streitkräfte
hat, so sollte er seine Vorschläge
erläutern, seine Zahlen vortragen und
seine Sprachregelung vorlegen.
Der
klarere Weg in bezug auf die Frage
der Mannschaftsstärke ist jedoch der,
den wir vorgeschlagen haben.
Frage: Trifft es zu, daß die Positionen Norwegens und der Türkei heute
die Haupthindernisse auf dem Weg zu
Fortschritten sind?
Antwort:
Nein, das trifft nicht
zu. Ich muß leider noch einmal wiederholen, daß ich mich nicht darauf
einlassen werde, bestimmte Länder
herauszugreifen, die besondere Haltungen einnehmen.
Ich habe ferner
bereits erklärt, daß viele Probleme
aus der Tatsache herrühren, daß unterschiedliche geographische Gegebenheiten die Suche nach einem einfachen
Weg zu einer Lösung erschweren, die

- 5-

�von allen Teilnehmern getragen wenien
kann.
Zu diesen unterschiedlichen
geographischen Voraussetzungen gehört
die Tatsache, daß die Vereinigten
Staaten und Kanada nur mit Streitkräften beteiligt sind, nicht mit ihrem Territorium. Wenn Sie versuchen,
komplexe Maßnahmen auf eine Art and
Weise anzuwenden, die Schwerpunktbildungen auf verschiedenen Teilen Europas vermeiden - was zu getrennten
Verhandlungen über den Norden, den
Süden oder die Mitte führen würde und sich um allgemeingültige Maßnahmen bemühen, mit denen jeder leben
kann, dann ist zumeist die Geographie
die Wurzel allen Übels. Das bedeutet
nicht, daß die Vereinigten Staaten,
die Türkei oder Norwegen das Prob Lern
sind. Es bedeutet, daß die Geographie Probleme verursacht.
Frage:
Wie lange wird die NATO
brauchen, um einen Vorschlag zu präsentieren?
Antwort:
Ich weiß es nicht. Aufgrund meiner Kenntnis der gegenwärtig
unternommenen Bemühungen gehe ich davon aus, daß dies schon bald der Fall
sein wird. Ich hoffe es.
Frage:
Ihren vorherigen Bemerkungen entnehme ich, daß Sie eine Vorlage dieses Papiers vor dem nächsten
Donnerstag ausschließen?
Antwort: Das ist die nächste planmäßige Gelegenheit. Ich schließe die
Möglichkeit
der Einberufung einer
außerplanmäßigen Plenarsitzung nicht
aus, aber sage auch keine vorher.
Frage:
Wie sehen die amerikanischen Wünsche im Hinblick auf die
Überwachung der Produktionseinrichtungen aus, und ist dies ein Problem
innerhalb des Bündnisses?
Antwort:
Die Frage der Produktionsstätten muß, wie auch Botschafter
Grinewski anscheinend erklärt hat, in
Betracht gezogen werden.
Wie man
dies nun genau tut, ist eine schwierige Frage.
Diejenigen unter uns,
die in Europa keine Produktionsstät-

ten besitzen, neigen dazu, die Vorteile einer einschneidenden Überwachung östlicher Produktionseinrichtungen zu betonen. Diejenigen unter
uns, die in Westeuropa Produktionsstätten besitzen, neigen zu Besorgnis
über den Umfang der Rechte, die dem
Osten auf Gegenseitigkeit eingeräumt
würden.
Frage: Wäre es für die UdSSR nicht
leicht, bei jedem START-Vertrag zu
betrügen, indem sie einige ihrer
strategischen Bomberstreitkräfte dem
KSE-Reglement unterwirft?
Antwort:
Wir sind nicht der Ansicht, daß es für sie leicht wäre,
auf diese Weise zu betrügen. Wir befassen uns hier mit konventionellen
Fähigkeiten. Und ich sehe eigentlich
nur wenige - einige würden sogar sagen keine - Flugzeuge, die rein nuklear sind. Wenn es eine konventionelle Fähigkeit gibt, dann wird sie
In diese Verhandlungen einbezogen.
Ich möchte versuchen, Ihnen das folgendermaßen zu erklären:
Es gibt
keine rein nuklearen Kanonen. Jedes
einzelne Artilleriegeschütz über ein
Kaliber von etwa 152 mm hinaus ist
heute nuklearfähig.
Ob ein großes
Geschütz wirklich dafür eingerichtet,
ob die Bedienungsmannschaft dazu ausgebildet und ob dieses Geschütz für
eine nukleare Rolle vorgesehen ist,
können wir in bezug auf die andere
Seite nicht immer sagen. Was unsere
Seite betrifft, so wissen wir, daß
nur einige unserer Bedienungsmannschaften für 155mm und 8 Inch-Geschütze in den Vereinigten Staaten
für eine mögliche nukleare Fähigkeit
vorgesehen
und
ausgebildet
sind.
Wenn die Waffe selbst nuklearfähig
ist, dann besitzt sie also eine doppelte Fähigkeit - eigentlich eine
dreifache, wenn Sie chemische Munition berücksichtigen oder wenn Sie noch
hinzufügen wollen, daß sie Leuchtmunition verschießen kann, dann besitzt
sie eine Mehrfachfähigkeit. Wir denken also nicht über nukleare Kanonen
nach.
Ebensowenig denken wir über
rein nukleare Flugzeuge nach.

�Frage:
Wenn
einige
jedoch
Langstreckenflugzeuge
in den START-Gesprächen abhandeln, wie können diese
dann auch in Ihre einbezogen werden?

kräfte werden ausgeklammert, und das
ist in dem Mandat für die Gespräche
so vorgesehen. Ich erwarte in diesem
Zusammenhang keine Probleme.
Vielen
Dank.

Antwort:
Ich stelle fest, daß Sie
sich sehr stark mit diesem Problem
beschäftigen. Mir bereitet es keine
Schwierigkeiten.
* * * * *
Frage:
Aber die
Schwierigkeiten?

Franzosen

macnen

Antwort:
Auch
hier
möchte
ich
nicht die Liste der französischen
Flugzeuge durchgehen, die in unserer
Definition enthalten sind.
Ich kann
Ihnen sagen, daß auf unserer Liste
der Flugzeuge, die in diese Verhandlungen einbezogen werden sollen, einige französische Flugzeuge stehen,
die der französischen Planung zufolge
strategische Rollen haben.
Frage:
Beide Bündnisse haben Probleme damit, daß durch die Einführung
neuer Waffensysteme Bestimmungen umgangen werden. Können Sie dazu Stellung nehmen?
Antwort:
Nein, das kann ich nicht.
Offensichtlich sind Sie über die internen Konsultationen im Osten weit
besser informiert als ich. Was aber
die westlichen angeht, so enthält Ihre Frage Informationen, die nur Eingeweihten bekannt sind. Ich kann das
bestätigen.
Ich möchte jedoch nicht
weiter gehen, denn ich müßte dann
einzelne NATO-Partner herausgreifen,
die besonders starke Positionen haben.
Auch diejenigen, die nicht in
Europa sind, aber Ausrüstung nach Europa bringen, müssen angemessen berücksichtigt werden.
Darüber möchte
ich nicht hinausgehen.
Frage:
Werden die
Seestreitkräfte
unter den NATO-Mitgliedern überhaupt
besprochen?
Antwort:
Nein, das ist nicht der
Fall - außer insoweit, daß landgestützte Marinefliegerkräfte in unsere
Definition der Kampfflugzeuge einbezogen werden.
Aber die Seestreit- 7 -

�AMERIKA DIENST
'VON

Hintergrundmaterial

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13. September 1989

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DIE VERBREITUNG CHEMISCHER WAFFEN
- Eine Übersicht -

(Die folgende Übersicht über die Verbreitung chemischer Waffen wurde im
September von der amerikanischen Delegation bei der Internationalen Konferenz
von Regierungen und Industrieunternehmen gegen chemische Waffen veröffentlicht, die vom 18. bis 22. September 1989 in Canberra stattfinden wird.)
Im Jahr 1984, als der damalige
amerikanische Vizepräsident Bush bei
der Genfer Abrüstungskonferenz einen
Vertragsentwurf einbrachte, der die
vollständige
Verbannung
chemischer
Waffen aus den Arsenalen aller Länder
vorsah, besaßen Schätzungen zufolge
nur fünf Staaten chemische Waffen.
Bis heute ist diese Zahl auf etwa 20
angestiegen, und noch mehr Länder unternehmen Anstrengungen, um chemische
Waffen zu beschaffen. Viele dieser
Staaten befinden sich in instabilen
Weltregionen. Eine Reihe von Faktoren hat die Verbreitung chemischer
Waffen gefördert: sie sind relativ
preiswert, erfordern zu ihrer Herstellung wenig technisches Know-how,
und sie werden im allgemeinen auf der
Grundlage von chemischen Wirkstoffen
und Technologien hergestellt, die le-

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gitimen industriellen Zwecken dienen.
Die weitverbreitete Verfügbarkeit von
mehrfach
verwendbaren
chemischen
Wirkstoffen und Geräten hat die Beschaffung chemischer Waffen erleichtert und das Problem ihrer Kontrolle
verschärft.
Die Verbreitung chemischer Waffen
erhöht das Risiko ihres Einsatzes beträchtlich, der eine Verletzung des
Genfer Protokolls von 1925 darstellt,
das den Einsatz chemischer Waffen
verbietet. Sowohl der Irak als auch
der Iran haben im Golfkrieg chemische
Waffen eingesetzt.
Zusätzlich hat
der Irak im vergangenen Jahr chemische Waffen gegen seine eigenen kurdischen
Staatsbürger
eingesetzt.
Trotz des gegenwärtigen Waffenstillstands bemühen sich beide Seiten wei-

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�ter um die Beschaffung von Bestandteilen zur Herstellung chemischer
Waffen. Das Problem geht jedoch über
Iran und Irak, hinaus.
Mit Hilfe
westlicher Unternehmen und Arbeitskräften aus den Entwicklungsländern
hat der libysche Revolutionsf iihrer
Muammar Gadhafi die größte Produktionsstätte für chemische Waffen in der
Dritten Welt geschaffen.
Berichten
zufolge hat Libyen chemische Waffen
im Tschad eingesetzt. Leider ist Libyen jedoch nicht das einzige Land,
das geheime chemische Fabriken in der
Wüste oder abgelegenen Gebieten versteckt.
Neben der Verbreitung chemischer
Waffen war die in jüngster Zeit beobachtete Verbreitung von Trägersystemen eine weitere beunruhigende Entwicklung.
Eine wachsende Zahl von
Staaten besitzt oder entwickelt Mittelstreckenraketen, die in erheblichem Umfang chemische Waffen transportieren können. Damit wird dem gefährlichen Problem der Verbreitung
chemischer Waffen eine neue Dimension
hinzugefügt.
Schätzungen
zufolge
werden bis zum Jahr 2000 mindestens
15 Entwicklungsländer ihre eigenen
ballistischen Raketen herstellen.
Chemische Waffen sind ein weltweites Problem.
Die beschleunigte
Verbreitung und Anwendung chemischer
Waffen sind Bedrohungen für die Sicherheit aller Mitglieder der internationalen
Staatengemeinschaft
und
gefährden die Verwirklichung unseres
gemeinsamen Ziels - den Abschluß eines weltweiten Vertrags zur Beseitigung dieser gesamten Waffenkategorie.
Die
internationale
Staatengemeinschaft muß energische Maßnahmen ergreifen, um der gefährlichen Verbreitung und dem rechtswidrigen Einsatz
dieser Waffen Einhalt zu gebieten.
Sowohl die Regierungen und als auch
die Industrie müssen sich gemeinsam
darum bemühen.

* * * * *

- 2

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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Bush: Drogenbekämpfung muß Im In- und Ausland erfolgen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede des Präsidenten zur neuen Drogenbekämpfungsstrategie&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Maresca: "beachtliche Fortschritte" bei VSBM-Gesprächen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung des Leiters der amerikanischen Delegation&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrund&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Bush: Drogenmißbrauch muß weltweit bekämpft werden&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Internationaler Teil der Drogenstrategie des Präsidenten&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Bush steht voll und ganz hinter dem Zeitplan für KSE-Phase I&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Interview mit KSE-Chefunterhändler Ledogar&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ostblock akzeptiert NATO-Zeitplan für KSE&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Pressekonferenz mit Botschafter Ledogar bei den&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;KSE-Verhandlungen&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Verbreitung chemischer Waffen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Eine Übersicht&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST
4

'VON

30. August 1989

33

I N H A L T

DOKUMENTATION
Bushs Glückwünsche an den neuen polnischen Premierminister
- Erklärung des Präsidenten zu Polen -

HINTERGRUND
Zwe1 Weltkriege und ihre Lehren
- Von Paul H. Nitze -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Letzte Station; Neptun
- VOYAGER 2 seit zwölf Jahren Kundschafter im Sonnensystem

* * * * *

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�AMERIKA DIENST
'VON

Dokumentation

**

33

30. August 1989

BUSHS GLÜCKWÜNSCHE AN DEN NEUEN POLNISCHEN PREMIERMINISTER
- Erklärung des Präsidenten zu Polen -

KENNEBUNKPORT -(AD) - Bei einer Ansprache im Jachthafen von Kennebunkport
am 24. August 1989 übermittelte Präsident Bush dem neuen polnischen Premierminister seine Glückwünsche und besten Wünsche für sein Amt. Dem Präsidenten
zufolge werden wir in Europa Zeuge "eines faszinierenden Wandels .. . der sich
so rasch vollzieht, daß er noch vor sieben Monaten nicht absehbar gewesen wäre, als ich Präsident der Vereinigten Staaten wurde. Der Präsident brachte in
einem Glückwunschschreiben seine "uneingeschränkte Unterstützung" für Tadeusz
Mazowiecki als neuem Premierminister zum Ausdruck, "bei dem Versuch, sein Land
wirtschaftlicher Gesundung und demokratischem Wandel zuzuführen".
Nachfolgend veröffentlichen wir die Ansprache des Präsidenten im Wortlaut.

Ich möchte Herrn Mazowiecki meine
Glückwünsche zu seiner Wahl zum Premierminister
von Polen
aussprechen
und ihn unserer uneingeschränkten Unterstützung versichern bei dem Versuch, sein Land wirtschaftlicher Gesundung und demokratischem Wandel zuzuführen.
Darüber hinaus möchte ich
Staatspräsident Jaruzelski zu seiner
politischen Weitsicht bei der Unterstützung einer Regierung beglückwünschen, die den echten Willen des polnischen Volkes widerspiegelt und die
Solidarität - unter der Führung von
Lech Walesa - zu ihrer konstruktiven
Rolle bei diesem neuen Anfang in Polen.
Seit der Vereinbarung am Runden
Tisch vom vergangenen April ist Polen
den Weg demoratischer Veränderungen

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gegangen. Die Wahl im Juni, die Einberufung des neuen polnischen Parlaments, die Wahl von General Jaruzelski zum Staatspräsidenten und jetzt
die Wahl von Tadeusz Mazowiecki zum
Premierminister sind weitere dramatische Signale eines historischen Prozesses.
Diese Entwicklungen bergen
nicht
nur
das
Versprechen
eines
friedlichen demokratischen Übergangs
in Polen sondern auch eines umfassenderen Prozesses europäischer Aussöhnung zu einem ungeteilten und freien
Europa.
Unmittelbar nach der Unterzeichnung des Abkommens am Runden Tisch
zwischen der polnischen Regierung und
der Solidarität habe ich in meiner
Rede in Hamtramck die Unterstützung
der Vereinigten Staaten bei den wirt-

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�schaftlichen und politischen Reformen
in Polen zugesichert.
Bei Besuchen
in Warschau und Danzig im vergangenen
Monat haben wir diese Unterstützung
bekräftigt und Hilfsmaßnahmen angekündigt. Das polnische Volk und seine neue Regierung können bei der Bewältigung der vor ihnen liegenden
ernsten wirtschaftlichen und politischen Herausforderungen unserer kontinuierlichen
Unterstützung
gewiß
sein.

* * * * *

�«fc°s&gt;&lt;

VON

AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

*

30. August 1989

33

ZWEI WELTKRIEGE UND IHRE LEHREN
- Von Paul H. Nltze -

WASHINGTON - (AD) - Der Autor hat von Anbeginn des Zweiten Weltkriegs nahezu fünfzig Jahre lang wichtige Posten in der amerikanischen Regierung innegehabt und der Reagan-Administration als ChefUnterhändler bei den START-Verhandlungen gedient.

Eine der Hauptaufgaben eines Kulturkreises besteht darin, auf die
Lehren der Geschichte sensibel und
aufgeschlossen zu reagieren, weil das
der Schlüssel zum Überleben dieses
KuLturkreises sein kann. Am 1. September jährt sich der Ausbruch des
Zweiten Weltkriegs zum fünfzigsten
Mal - und der Erste Weltkrieg brach
vor etwa 75 Jahren aus. Welche Lehren hat die Welt aus ihren Erfahrungen mit diesen beiden großen Fehlschlägen staatsmänniscben Handels gezogen?
Ein großer Teil der Veröffentlichungen über den Ersten Weltkrieg
beschäftigt sich mit dem Schuldigen
an diesem Krieg.
Die weitaus interessantere Frage lautet jedoch, ob es
möglicherweise ein destabilisierendes

strukturelles Moment im militärischen
Gefüge der damaligen Mächte war, das
es seinen Politikern unmöglich machte, zu verhindern, daß eine ernste
politische Krise unkontrollierbar ihren Lauf nahm und in einen allgemeinen Krieg mündete.
Ein solches Moment - die Notwendigkeit für vergleichsweise schnelle
Mobilisierung von Streitkräften - war
tatsächlich
der Struktur militärischer Planungen und Streitkräfte der
wichtigsten
Teilnehmer
am
Ersten
Weltkrieg immanent.
Wenn eine der
führenden Mächte mobilisierte, würde
eine Kettenreaktion ausgelöst und eine rivalisierende und nicht aufzuhaltende Mobilisierung aller Streitkräfte nach sich ziehen. Als Folge ergab
sich eine militärisch instabile Si-

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�tuation, in der es nur noch der Entzündung eines Funkens bedurfte, um
einen
unkontrollierbaren
Großbrand
hervorzubringen.
Dieser Funken wurde am 28. Juni
1914 mit der Ermordung des österreichischen Großherzogs durch Serben
in Sarajewo entfacht.
Österreich
stellte an Serbien umfangreiche Forderungen, die das von den Russen unterstützte
Serbien nicht erfüllen
wollte. Daraufhin begann Österreich
seine Streitkräfte zu mobilisieren,
was bei den Russen zu einer Mobilisierung an der Nordgrenze führte.
Daraufhin verfügte Deutschland die
allgemeine Mobilmachung.
Frankreich
sah sich zu einer Reaktion veranlaßt
- und damit war das Feuer außer Kontrolle geraten.
Der Erste Weltkrieg hatte ungeheure Konsequenzen.
Frankreich und Großbritannien waren wirtschaftlich und politisch ausgebrannt, ihre Weltreiche bestanden
noch, erwiesen sich aber eher als Belastung denn als Stütze. Die Reiche
der Österreicher und Türken waren
zerstört. Deutschland war zu einem
kleineren, wirtschaftlich verkümmerten und politisch instabilen Staat
geworden.
Rußland wurde jetzt von
einer marxistisch-leninistischen Führung regiert.
Die unsachgemäße Handhabung des
Friedens nach dem Krieg führte zu ungerechten,
willkürlich
gezogenen
Grenzen und instabilen wirtschaftlichen und militärischen Vereinbarungen. Damit wurde ein Prozeß eingeleitet, der ebenso unweigerlich in
den Zweiten Welkrieg führte, wie dies
bereits vor dem Ersten Weltkrieg der
Fall gewesen war.
Die Vereinigten Staaten gingen
als stärkste Weltmacht aus dem Krieg
hervor.
Aber aufgrund der fehlgeschlagenen Friedensverhandlungen nahmen sie entscheidende zehn Jahre lang
von einer aktiven Rolle in der Weltpolitik Abstand.

Die von Präsident Woodrow Wilson
in seiner Rede im Kongreß am 8. Januar 1918 vorgestellten 14 Punkte versprachen eine Nachkriegzeit mit Einschränkungen und vernünftiger Gerechtigkeit für die überlebenden - Sieger
und Verlierer gleichermaßen - des Ersten Weltkriegs. Aber Wilson wurde
krank, vom Kongreß abgelehnt und von
den Siegermächten in Europa ausmanövriert. Die den Besiegten auferlegten Bedingungen waren so hart und ungerecht, daß sie unweigerlich in eine
wirtschaftliche
Katastrophe
münden
und den Ruf nach Rache laut werden
lassen mußten.
Darüber hinaus lenkte die zehn
Jahre nach dem Krieg ausgebrochene
Große Depression die Aufmerksamkeit
stärker auf Probleme in Wirtschaft
und Handel als auf militärische und
strategische Fragen.
Ein schwacher
Völkerbund kämpfte auf ineffektive
Weise mit gegenwärtigen Weltproblemen, eine langfristige weltpolitische
Strategie lag brach.
Mit dem Aufstieg Hitlers änderte
sich alles.
Nach dem Angriff Stalins auf
Finnland und dem darauf folgenden
Nichtangriffspakt mit Hitler wurde
die Lage schnell für diejenigen hoffnungslos, die sowohl den Zweiten
Weltkrieg
als
auch
ein
HitlerDeutschland mit einer unanfechtbaren
Vorherrschhaft über Westeuropa vermeiden wollten. Sie entchieden sich
für Krieg.
Als Hitlers erster Angriff von
den Russen zurückgeschlagen und eine
Niederlage für ihn und die Briten immer wahrscheinlicher wurde, machten
sich Washington und die anderen Verbündeten mehr Gedanken über den Frieden und die Bedürfnisse der Welt in
der Nachkriegszeit.
Bei der Konferenz von Bretton Woods erarbeiteten
Diplomaten und Wirschaftsexperten die
Grudlagen für eine Weltbank und einen
Internationalen Währungsfonds.
Später wurde ein Allgemeines Zoll- und
Handelsabkommen ausgearbeitet.

�Diese drei Institutionen sollten
Kredite für einen enormen weltweiten
Anstieg von Produktion und Handel gewähren, relative Stabilität schaffen,
damit die Währungen der verschiedenen
Handelsländer und Blöcke konvertierbar wurden und gegen Zölle und Vereinbarungen vorgehen, die mit Hilfe
des Handels einer Ländergruppe gegenüber einer anderen unfaire Vorteile
verschaffen könnten.
Intensive Arbeit wurde bei der
Konferenz von Dumbarton Oaks am Entwurf einer Organisation der Vereinten
Nationen geleistet, die größere Entscheidungsbefugnis
und
mehr
Handlungsspielraum haben sollte als der
Völkerbund.
Um den vom Krieg am meisten zerstörten Ländern beim Wiederaufbau ihrer Fabriken und ihrer Infrastruktur
zu
helfen,
schlug
Außenminister
George Marshall - mit Zustimmung des
Kongresses - ein umfangreiches gemeinsames Programm vor, das der unmittelbaren Notwendigkeit des europäischen
Wiederaufbaus
entgegenkam.
Der Marshallplan übertraf mit seinem
Erfolg alle Erwartungen.
Das schwierigste Problem bestand
darin, herauszufinden, was mit den
besiegten Deutschen, dem japanischen
Kaiser und dem japanischen Volk zu
geschehen hatte.
Es wurde die Meinung vertreten, sie sollten nicht nur
als frühere Feinde, sondern als potentielle künftige Gegner betrachtet
werden und deshalb nicht die Möglichkeit zum Wiederaufbau erhalten. Eine
andere Auffassung besagte, ein Anfang
sollte gemacht werden, um sie wieder
in die Staatengemeinschaft einzugliedern.
Die
unnachgiebigere
Gruppe
siegte in den politischen Kämpfen,
aber im Lauf der Durchfuhrungsphase
war die konstruktivere Gruppe erfolgreich.
Ein Frieden mit Strafmaßnahmen wurde vermieden.
Die amerikanische Nachkriegspolitik durchlief zwei Phasen.
Während
der bis Februar 1947 dauernden Phase

gründete sich diese Politik auf den
Versuch einer Fortsetzung des Kriegsbündnisses mit der Sowjetunion in
Friedenszeiten im Vertrauen darauf,
daß dieses Bündnis die Vereinten Nationen zu den ursprünglich für sie
bestimmten
Aufgaben
zurückzuführen
und dann im Vertrauen darauf, daß
Großbritannien sich wie vor dem Ersten Weltkrieg weiterhin mit den Einzelheiten
der Weltordnung
befassen
würde. Als sich beide Elemente dieses Ansatzes als nicht praktikabel
erwiesen, wurde die zweite Phase der
Nachkriegspolitik
eingeleitet.
Sie
forderte sehr viel mehr Initiative,
Verantwortungsbewußtsein
und
FUhrungskraft von den Vereinigten Staaten.
Im Rahmen dieser überarbeiteten
Politik wurde den Vereinigten Staaten
die Führungsrolle bei der Schaffung
einer neuen Weltordnung zugewiesen.
Diese Ordnung würde politische, wirtschaftliche und militärische Aspekte
umfassen.
Innerhalb dieser Ordnung
hätte jedes Volk und jede Nation einen angemessene Platz, einschließlich
der Sowjetunion und ihren Vasallen,
falls sie sich zur Zusammenarbeit
entschließen.
Sollten die Sowjetunion und ihre Satellitenstaaten jedoch
die Schaffung einer solchen Ordnung
bekämpfen, wäre es Aufgabe der Vereinigten Staaten, den von Aggression
bedrohten Staaten bei der Verteidigung dieser Ordnung Beistand zu leisten.
Bei der Schaffung des neuen Systems wurde der Versuch unternommen,
die entscheidenden Lektionen zu berücksichtigen, die zur Katastrophe
der beiden Weltkriege geführt hatten. Die besiegten ehemaligen Gegner
wurden erneut in die Staatengemeinschaft aufgenommen und erhielten die
Gelegenheit,
ihr
politisches
und
wirtschaftliches Potential voll und
ganz auszuschöpfen.
Die von dem amerikanischen Diplomaten George Kennan
vorgeschlagene
Containment-Politik wurde im Rahmen

- 3-

�eines allgemeinens Systems gemeinsamer Sicherheit auf der Grudlage der
Charta der Vereinten Nationen entwikkelt.
Und als offensichtlich wurde,
daß die Sowjetunion ihre Verpflichtungen gemäß der Charta weder einhalten noch durchführen würde, gründeten
die Vereinigten Staaten und die Mehrzahl der europäischen nichtkommunistischen
Nationen die Organisation
des Nordatlantikvertrags (NATO) zur
Bewahrung ihrer Sicherheit und zum
Aufbau einer militärischen Abschrekkung der sowjetischen Macht.
Dann wurde eine ernsthafte Rüstungskontrollpolitik entwickelt, die
darauf abzielte, mögliche Schwankungen im strukturellen Gefüge der Nuklearstreitkräfte auf der Welt zu beheben oder zu verhindern.
Gemeinsam mit den kontinuierlichen Bereitstellung und Modernisierung
der
Abschreckungsstreitkräfte
haben diese Maßnahmen zu dem beigetragen, was sehr leicht als radikale
Veränderung
des
sicherheitspolitischen Umfelds der Welt in die Geschichte eingehen könnte.
Noch sehr viele neue und schwierige Aufgaben sind zu bewältigen,
aber 50 Jahre später kann die Staatengemeinschaft stolz auf das Ausmaß
sein, in dem sie von den Fehlern und
Versäumnissen der beiden Weltkriege
gelernt hat und eine Wiederholung
wirksam verhindern.

* * * * *

�AMERIKA DIENST
^TiaN ^

Wissenschaft und Technik

30. August 1989

17

LETZTE STATION: NEPTUN
- VOYAGER 2 seit zwölf Jahren Kundschafter im Sonnensystem
(AD) - "Die Sonde arbeitet bewundernswert. . .Sie tut genau das, was
wir ihr vorgegeben haben." Norman
Haynes,
Projektmanager
für
das
VOYAGER-Programm der NASA, fand sogar
am 24. August, dem Tag der größten
Annäherung und des Vorbeifluges der
amerikanischen
Forschungssonde
VOYAGER 2 am Planeten Neptun, Zeit
zum Gespräch mit Journalisten. Gespannt verfolgten alle Beobachter im
Jet Propulsion Laboratory (JPL - Pasadena, Kalifornien) den Ablauf der
Begegnung mit Neptun und, fünf Stunden später, mit dessen Mond Triton.
Das Doppel-Rendezvous war die letzte
Station und noch einma] ein Höhepunkt
der schon zwölf Jahre währenden Entdeckungsreise der Sonde zu den Großplaneten unseres Sonnensystems.
Am
20. August 1977 in Kap Canaveral ge-

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startet, hatte die Route zunächst zu
Jupiter (9.7.1979), weiter zu Saturn
(25.8.1981)
und
dann
zu
Uranus
(24.1.1986) geführt. Wie zuvor schon
VOYAGER 1, PIONEER 10 und PIONEER 11,
wird nun auch VOYAGER 2 das Sonnensystem verlassen.
Etwa sieben Milliarden Kilometer
hatte der Forschungsroboter seit seinem Start zurückgelegt, als er mit
nur 32 km Abweichung vom berechneten
Kurs in 4 860 km Abstand zur Wolkenobergrenze die Nordpolarregion des
Neptun passierte. Unter der vorausberechneten Einwirkung der Gravitationskraft
des
Planeten erfuhr er
gleichzeitig eine Kursänderung nach
Süden, die in den folgenden paar
Stunden die Beobachtung des Mondes
Triton aus ca. 39 800 km Entfernung

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�ermöglichte. Nie zuvor war die Sonde
einem Ziel ihrer Untersuchungen so
nahe gekommen. Verständlich, daß es
vor allem in der letzten Phase des
Anfluges für die Zeitplanung der
Funkbefehle auf Sekunden ankam - noch
dazu angesichts der Tatsache, daß die
Signale in einer Richtung vier Stunden und sechs Minuten benötigten und
somit bis zu einer Rückmeldung mehr
als acht Stunden vergingen.
Am frühen Morgen des 25. August
1989 verschwand VOYAGER 2 für über
eine Stunde hinter dem Neptun. Als
er aus dem Schatten des Planeten im
Süden wieder hervorkam, war die Erfassung seiner Funksignale während
ihres Durchgangs durch die Atmosphäre
samt den Veränderungen, die sie dabei
erfuhren, von besonderer Bedeutung.
Denn sie ergeben Hinweise auf die Zusammensetzung der Gashülle, in der
wegen der blaugrünen Färbung des im
Fernrohr nur undeutlich zu erkennenden Himmelskörpers u.a. Methan vermutet wird.
Nur wenige Funkmeßdaten wurden
sofort übermittelt. Die Masse ist,
ebenso wie die Daten zu den Programmpunkten "Ringsystem", "Tritonatmosphäre" sowie "Gravitationsfelder von
Neptun und Neptunmond Triton", auf
Band gespeichert, um erst in ein paar
Wochen abgerufen zu werden.
Wie
Prof. G. Leonard Tyler (Stanford-Universität), der Leiter dieser Teilprogramme im VOYAGER-Projekt, sagte,
werde die Ananlyse ohnehin Jahre in
Anspruch nehmen.
Daß auch Neptun ein Ringsystem
besitzt, brachten erst die zwei Tage
vor dem Rendezvous von VOYAGER 2 aufgenommenen Fotos an den Tag. Als erster wurde ein dünner, wohl aus
Staubteilchen bestehender geschlossener Ring in 27 300 km Abstand zur
Wolkenobergrenze entdeckt. Ein zweiter Ring könnte sich 10 000 km weiter
draußen befinden. Die Wissenschaftler sind sich noch nicht sicher, ob
auch er geschlossen ist, oder ob es
sich um mehrere Ringsegmente handelt.

Bisher war nämlich auf Grund ca.
10 Jahre zurückliegender Fernrohrbeobachtungen beim Durchgang des Neptun
vor einem Stern angenommen worden,
daß sich in seiner Umgebung Materieansammlungen nur in der Form von "Bögen", nicht aber in der Form vollständiger Ringe fänden. Einige solcher "Bögen von fünf bis acht Kilometern Breite sind auf Fotos aus den
letzten 12 Anflugtagen zu erkennen.
Die Segmente, die man möglicherweise
dem äußeren Ring zuordnen kann, finden sich in der Nachbarschaft des von
VOYAGER
2 entdeckten Neptunmondes
"1989 N 4" und enthalten neben Staub
und Eis Materiebrocken recht unterschiedlicher Größe. Der innere Ring
dagegen sei auffallen dunkel, erklärte Dr. Bradford A. Smith, Leiter des
Teams für die Bildauswertung. Er habe Ähnlichkeiten mit den dünnen,
schmalen Ringen, die VOYAGER 2 am
Uranus fand.
Insgesamt sechs neue Monde entdeckte man bisher auf den Nahfotos
vom Neptun. Der erste, "1989 N 1"
benannt, hat 420 km Durchmesser und
umkreist den Planeten 72 800 km von
seinem Zentrum entfernt. "1989 N 4"
zieht 21 000 km tiefer seine Bahn.
"1989 N 5" und "1989 N 6", die erst
auf Fotos der letzten Tage ausgemacht
wurden, sind mit 90 und 50 km Durchmesser recht kleine Körper ca 24 000
und 26 000 km außerhalb der Atmosphäre. Die Bahnen der neuen Trabanten
seien nahezu kreisförmig und ziemlich
regelmäßig, sagte ein Sprecher des
JPL. Da ihre Umlaufebene der Äquatorebene des Planeten entspricht,
dürften sie etwa zur gleichen Zeit
wie Neptun und in dessen Nähe entstanden sein.
Nicht so der Mond Triton.
Er
wurde 1846 entdeckt, also im gleichen
Jahr wie Neptun selbst. Die Wissenschaftler beschäftigt er schon seit
langem, weil er bei 355 000 km Abstand den Planeten rückläufig, d.h.
entgegen dessen Rotationsrichtung umkreist. Seine Bahn ist zum Neptunäquator um 20 Grad geneigt.
Mit
2 784 km Durchmesser ist der blau und

�rosa
schimmernde
Mond
kleiner,
gleichzeitig kälter und heller als
bislang vermutet. Er zeigt deutlich
jahreszeitliche Schwankungen und besitzt eine dünne Atmosphäre, die vermutlich aus Methan und Stickstoff besteht.
Dank VOYAGER 2 konnten die Wissenschaftler in Pasadena durch die
Atmosphäre auf die Oberfläche sehen.
Was sie dort ausmachten, ist geradezu
sensationell:
Gletscher, Felsformationen, Gebirgskämme, flache Krater
mit gefrorenen Rändern, Schnee - auf
der SUdhälfte vermutlich sogar Sumpfland. Aufgrund seiner ungewöhnlichen
Umlaufbahn wird seit langem vermutet,
daß Triton vor Jahrmilliarden in einer ganz anderen Region entstand.
Auf seiner kosmischen Wanderung könnte er mit einem Neptunmond kollidiert
und dann infolge der Massenanziehung
des Planeten von diesem "eingefangen"
worden sein. Sein Auftauchen im Trabantensystem des Neptun dürfte für
die Bahnen der anderen Monde erhebliche Störungen und Veränderungen bedeutet haben. So führen manche Wissenschaftler die stark elliptische
Bahn des Mondes Nereide (1949 entdeckt) mit Scheitelpunkten bei 1,4
Millionen und 9,65 Millionen Kilometern Abstand von Neptun auf dieses
Ereignis zurück. Nereide, ein Körper
von ca. 400 km Durchmesser, umkreist
Neptun in "normaler" Umlaufrichtung,
jedoch in einer Bahnebene mit 30 Grad
Neigung zu dessen Äquator.
Es wird angenommen, daß Triton
durch spätere Kollisionen mit Neptun-Trabanten deren Zahl innerhalb
eines bestimmten Höhenbereichs erheblich reduzierte.
Vermutlich haben
die Materieansammlungen in Neptunnähe
etwas damit zu tun. Die weitere Auswertung der Fotos - ca. 8 000 Aufnahmen wurden gemacht - dürfte noch manche neuen Erkenntnisse bringen.
Der vor fast drei Monaten entdeckte dunkle oder "Blaue Fleck" unterhalb des Neptun-Äquators ist eine
Turbulenzzone von der Ausdehnung des
Erddurchmessers.
Sie ist mit dem

"Roten Fleck" in der Jupiter-Atmosphäre vergleichbar.
Zum ersten Mal
waren jetzt Wissenschaftler auch in
der Lage, Wolkenschatten auf einem
anderen Planeten zu beobachten. Die
unerwarteten Schatten, so Dr. Bradford Smith, stammen von dünnen weißen
Wolken hoch in der Atmosphäre. Die
Region zwischen diesen und der tieferliegenden, ziemlich gleichmäßigen
Wolkendecke sei relativ klar. Eine
solche Struktur der Atmosphäre habe
man noch bei keinem Großplaneten gesehen. Im Auflicht der Sonne war in
der Südpolarregion sogar die Höhendifferenz zu bestimmen, die mit ca.
50 bis 75 km Zwischenraum zwischen
den dünnen cirrusähnlichen Wolken und
der tiefen Wolkenschicht ungewöhnlich
groß ist.
Wie Smith weiter berichtet, rasen
Windströmungen
mit
Überschallgeschwindigkeit um den Planeten. Sie
wurden vor allem nahe dem "Großen
dunklen Felck" beobachtet.
Dabei
scheinen die Scherkräfte so groß zu
sein, daß die Cirrus-Wolken, ähnlich
wie die Wolkenhaube eines Berges
"stillstehen", obgleich sie infolge
rascher Verdunstung fortlaufend durch
neue ersetzt werden. Der Wind blase
mit ca. 200 km pro Minute. Wegen
dieses Effekts sei es bislang nicht
möglich gewesen, die tatsächlichen
Strömungsund Rotationsgeschwindigkeiten am "Dunklen Fleck" in der Tiefe
der Atmosphäre zu ermitteln.
Die
strömungsaktive
Atmosphäre
überrascht die Forscher umso mehr,
als Neptun in 4,5 Milliarden Kilometern Entfernung von der Sonne nur ein
Tausendstel
der
Sonnenenergiemenge
der Erde erhält.
Offenbar besitzt
der Planet eine noch unbekannte innere Wärmequelle.
Auch registrierte
VOYAGER 2 intensive Emissionen von
Radiostrahlung des Neptun. Sie lassen die Existenz eines Magnetfeldes
ähnlich dem der Erde, vielleicht in
Verbindung mit dem Auftreten von Polarlichtern, vermuten. Solche Felder
entstehen durch die Bewegung flüssiger Massen im Planetenkern.
Auch
Merkur, Jupiter, Saturn und Uranus

- 3 -

�besitzen ein Magnetfeld, Venus und
Mars dagegen nicht. Da das Magnetfeld mit dem Planeten rotiert, dürfte
anhand der Maßdaten jetzt auch die z.
Zt. mit 17 bis 18 Stunden angenommene
Rotationsgeschwindigkeit des Neptun
genauer bestimmt werden können.

grammieren
bestimmter
Bordsysteme
auszuschalten bzw. zu kompensieren.
So haben nicht nur die Forscher, sondern auch die Raumfahrtingenieure aus
dieser "Großen Planetentour" viel gelernt.

Die Wissenschaftler nehmen an,
daß Neptun aus einer inneren Schicht
von Gestein und Eis und einer oberen
Schicht besteht, in der sich vor allem Wasserstoff und Helium finden.
Die Atmosphäre dürfte Wasserstoff und
Methan, vielleicht auch geringe Mengen Stickstoff enthalten. über ihre
Dichte sollen die Radiosignale von
VOYAGER 2 beim Austritt aus dem Neptunschatten Auskunft geben. übrigens
fand die Sonde kurz vor dem Rendezvous neben einer dunklen "Manschette"
um die Südpolregion ein weiteres, im
Vergleich zum "Großen Fleck" jedoch
kleineres Turbulenzzentrum auf der
SUdhalbkugel.
Der äußerste Planet, Pluto, blieb
für VOYAGER außer Sichtweite. Auf
seinem Weg um die Sonne, der für einen Umlauf 247 Jahre in Anspruch
nimmt (Neptun: 165 Jahre), befindet
er sich jetzt in einer weit entfernten Position innerhalb der Neptunbahn. VOYAGER 2 wird sicherlich noch
geraume Zeit Signale senden. Seine
drei thermoelektrischen Generatoren,
die Ihre Energie aus dem natürlichen
radioaktiven Zerfall von Plutonium
238 beziehen, könnten sogar noch 30
Jahre lang arbeiten. Jedoch wird die
Datenaufnahme nicht zuletzt aus Kostengründen reduziert werden.
Nach
Abschluß des Neptun-Projektes wird
das VOYAGER 2 Meßprogramm unter der
Bezeichnung
"VOYAGER
Interstellar
Mission" weitergeführt.
Zwar begannen die Kameras und
manche Sensoren nach zwölf Jahren im
Weltraum gewisse Alterserscheinungen
zu zeigen.
Dennoch blieben ihre
Funktionen erstaunlich gut, wie die
bisherige wissenschaftliche Ausbeute
zeigt. Im Laufe der Jahre aufgetretene
Schwierigkeiten
verschiedener
Ursache versuchte man durch Umpro- 4 -

* * * * *

�</text>
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                <text>Amerikadienst 30.08.1989</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Bushs Glückwünsche an den neuen polnischen Premierminister&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung des Präsidenten zu Polen&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrund&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Zwei Weltkriege und ihre Lehren&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Paul H. Nitze&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Letzte Station: Neptun&lt;br /&gt;&lt;em&gt;VOYAGER 2 seit zwölf Jahren Kundschafter im Sonnensystem &lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST
\ ü N

$ &lt;

*

16. August 1989

31
DOKUMENTATION
Bush sieht künftiges Europa ohne Berliner .Mauer
- Erklärung zum 28. Jahrestag des Mauersbaus -

INFORMATION
Ppv«JJ_je_ilt_ in seiner neuen Position ein hervorragender Ruf voraus
- Porträt des designierten Vorsitzenden der Vereinigten Stabschefs

HINTERGRUNDMATERIAL
Stand der Rüstungskontrollverhandlungen
-"wöchentliche "Übersicht WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Baker: Kampf gegen Drogen oberstes Ziel amerikanischer Politik
- US-Außenminister fordert wirksame internationale Strategie -

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Dokumentation
31

16. August 1989

BUSH SIEHT KÜNFTIGES EUROPA OHNE BERLINER MAUER
- Erklärung zum 28. Jahrestag des Mauerbaus WASHINGTON - (AD) - Einer Erklärung Präsident Bushs zum 28. Jahrestag des
Baus der Berliner Mauer zufolge hat sich "eine historische Gezeitenwende vollzogen".
Die Welt strebe heute nach einer "Zukunft Europas in Einheit und
Freiheit", in der "Berlin, das deutsche Volk und Europa nicht länger von einer
Mauer geteilt sind".
Nachfolgend veröffentlichen wir die Erklärung des Präsidenten im Wortlaut:

Vor 28 Jahren wurde im Herzen
Berlins eine Barriere aus Stahl und
Beton errichtet. Sie steht dort noch
immer - und sie ist heute mehr denn
je das Relikt einer vergangenen Epoche und einer gescheiterten Philosophie.
Der Stacheldraht, der eine großartige
Stadt durchschnitt, brachte
zudem in krasser, unmenschlicher Weise die unnatürliche Teilung Europas
zum Ausdruck.
Über die von ihr in
all den Jahren verursachten tragischen Folgen hinaus - etwa die brutale Trennung von Freunden und Verwandten -, hat die Berliner Mauer die
freie Welt mit einer ihr gänzlich
fremden Vision geschlossener Gesellschaften konfrontiert, in denen die
Grundfreiheiten verweigert werden.

Die mutige Bevölkerung von WestBerlin hütet für uns alle das kostbare Feuer der Freiheit. Die Stadt gedeiht und profitiert von ihrem innovativen Geist und der Ausweitung internationaler Bindungen. Ihre kulturelle Vielfalt, ihr wirtschaftlicher
Elan und ihr politischer Pluralismus
sind Früchte des grenzenlosen Ideenreichtums, der in einer demokratischen Gesellschaft zum Tragen kommt.
Die Vereinigten Staaten sind stolz
darauf, zur Freiheit und Lebensfähigkeit Berlins beigetragen zu haben.
Wir stehen weiterhin fest zu unserer
Verpflichtung, die Sicherheit und das
Wohlergehen der Stadt zu sichern. In
einem Jahr, in dem sich die Luftbrükke zum vierzigsten Male jährt, kommen
diesen
historischen Bindungen
zwischen Amerikanern und Berlinern eine

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�besondere Bedeutung zu.
Die Vereinigten Staaten engagieren sich darüber hinaus für die Verbesserung der Lebensbedingungen der
Berliner und streben danach, den Tag
näherrilcken zu lassen, an dem die
Stadt wieder ungeteilt ist. Zusammen
mit unseren britischen und französischen Alliierten haben wir eine Initiative vorgeschlagen, mit der solche
Fortschritte verwirklicht werden sollen. Wir möchten, daß Berlin durch
erweiterte Flugverbindungen verstärkt
Zugang zur Welt erhält, daß die Stadt
ein Zentrum internationaler Begegnungen und sportlicher Wettbewerbe wird,
und wir wollen Begegnungen zwischen
den Menschen fördern, die zu besserem
Verständnis führen.
Wie ich am 31. Mai in Mainz erklärt habe, möchten wir Berlin zu einem Ort der Zusammenarbeit machen,
nicht zu einem Ort der Konfronta-

tion. Wir haben die Sowjetunion aufgefordert, ihrer Verantwortung für
Berlin im Rahmen des Viermächtestatus
gerecht zu werden und mit uns bei der
Verwirklichung dieser Ziele zusammenzuarbeiten. Wir warten weiterhin auf
eine - wie wir hoffen - positive Antwort.
Wir begehen diesen traurigen Jahrestag mit neuer Entschlossenheit,
die Teilung Berlins und Europas zu
überwinden. Stellvertretend für das
Volk der Vereinigten Staaten bekräftige ich die Verpflichtung dieser Nation für die Freiheit und den Wohlstand Berlins.
Eine
historische
Gezeitenwende
hat sich vollzogen, und heute streben
wir nach einem Europa in Einheit und
Freiheit. Wie wir heute den Jahrestag des Mauerbaus begehen, so werden
wir unweigerlich einen Tag erleben,
an dem Berlin, das deutsche Volk und
Europa nicht länger geteilt sind.

* * * * *

�AMERIKA DIENST
Information

V,DN #

16. August 1989

31

POWELL EILT IN SEINER NEUEN POSITION EIN HERVORRAGENDER RUF VORAUS
- Porträt des designierten Vorsitzenden der Vereinigten Stabschefs -

hochrangige
schwarze Offizier des
amerikanischen Heeres wird ranghöchster Offizier aller Teilstreitkräfte
sein, wenn ihn der Senat in seinem
Amt bestätigt.

Als Vorsitzender der Vereinigten
Stabschefs unterstehen Powell alle
amerikanischen
Teilstreltkräfte.
Diese Aufgabe hat größere Bedeutung
als jemals zuvor. Seit dieses Amtes
im Jahr 1947 ins Leben gerufen wurde,
hat der Vorsitzende die Aktivitäten
der Stabschefs von Heer, Marine,
Luftwaffe und Marinekorps koordiniert. Im Laufe der Amtszeit des gegenwärtigen
Vorsitzenden,
Admlral
William Crowe, hat der Kongreß eine
Änderung der mit diesem Amt verbundenen Aufgaben vorgenommen.

Die Betätigung gilt als fast sicher, da Powell bei den Kongreßabgeordneten wie auch bei den Streitkräften und den amerikanischen Verbündeten im Ausland hohes Ansehen genießt.

Der Vorsitzende ist nunmehr, ungeachtet in welcher der vier Teilstreitkräfte er bisher gedient hat,
direkter
Oberkommandierender
der
Streitkräfteverbände und höchster Mi-

WASHINGTON - (AD) - Dem General
des Heeres Colin Powell eilt der Ruf
von guter Urteilsfähigkeit, Intelligenz und Diplomatie für sein Amt als
Vorsitzender der Vereinigten Stabschefs voraus.
Powell wurde am 10. August 1989
von

Präsident

Bush

nominiert.

Der

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�litärberater des Präsidenten.
Im
Hinblick auf die Kommandostruktur bedeutet das, er ist lediglich Bush und
Verteidigungsminister Cheney gegenüber verantwortlich.

1958 schloß er die Offiziersausbildung ab und wurde Leutnant im
Heer.
Von 1962-63 kämpfte er in
Vietnam. Er wurde verwundet und erhielt das Purple Heart.

Powell muß Cheney beraten, wie
Ausgabenkürzungen für Programme des
Pentagons in der gegenwärtig schwierigen Haushaltslage zu verwirklichen
sind.

Powell kehrte 1968 nach Vietnam
zurück, befehligte ein Jahr lang als
stellvertretender Kommandeur ein Infantriebataillon
und
war
später
Stabsoffizier im Divisionshauptquai—
tier. Er wurde zum Kommandeur eines
Infantriebataillons in Südkorea und
später zum Kommandeur einer in den
Vereinigten
Staaten
stationierten
Brigade befördert.

Schließlich besteht die wichtigste Aufgabe Powells wohl darin, amerikanische politische Entscheidungsträger über die Implikationen von Rüstungskontrollvorschlägen
etwa
zum
Abbau amerikanischer und sowjetischer
Waffenarsenale oder den noch schwierigeren Vorschlägen bei den Verhandlungen über die Verringerung strategischer Rüstungen (START) zu beraten.
Powell genießt ebenso wie Crowe
den Ruf eines militärischen Vordenkers. Er gilt allgemein als vorbildlicher Offizier und vereinigt große
militärische Erfahrung mit politischem und diplomatischem Geschick.
Er verfügt über Erfahrung bei Gipfeltreffen der Supermächte und im Umgang
mit Spitzenpolitikern.
Der Amtsanwärter steht bei den
amerikanischen Verbündeten in hohem
Ansehen. Ein Berater der britischen
Premierministerin Thatcher bezeichnete Powell einmal als den Militärvertreter, der ihn am meisten beeindruckt habe.
Seit Beginn der Bush-Administration hat Powell als Kommandeur aller
Streitkräfte auf dem amerikanischen
Kontinent gedient - als Oberkommandierender der Streitkräfte, dem größten Befehlsbereich der amerikanischen
Streitkräfte.
Powell wurde am 5. April 1937 als
Kind jamaikanischer Einwanderer in
New York City geboren. Er erwarb an
der City University of New York ein
Bakkalaureat in Geologie und an der
George Washington University einen
Magister in Betriebswirtschaft.

1972 hatten Powells hervorragende
militärische Leitungen die Aufmerksamkeit hochrangiger Regierungsvertreter erregt. Daraufhin erhielt er
1977 eine Stellung im Büro des Verteidigungsministers. In den nächsten
Jahren stieg sein Bekanntheitsgrad im
Pentagon, und 1983 wurde er schließlich persönlicher Militärberater des
damaligen
Verteidigungsministers
Caspar Weinberger.
1986 übernahm
Powell erneut einen Befehlsbereich
als Kommandierender General des Fünften Korps, eines Teils der US-Streitkräfte in Westeuropa.
Vielleicht fühlte sich General
Powell wohler als Führer von Soldaten, als er 1987 zunächst das Angebot
für die Mitarbeit im Stab des Nationalen
Sicherheitsberaters
Franks
Carlucci ausschlug.
Powell änderte
seine Meinung über den Eintritt in
den Nationalen Sicherheitsrat (NSC)
erst, als Präsident Reagan ihn persönlich um die Übernahme des Amts
bat. Als Carlucci Verteidigungsminister wurde, bestimmte Reagan Powell
zum Nationalen Sicherheitsberater und
Leiter des NSC.
Diese Beförderung zum Leiter des
NSC wurde vom damaligen stellvertretenden Führer der Republikaner im Repräsentantenhaus, Cheney, unterstützt.
Im Pentagon erklärte der Sprecher
Pete Williams am 10. August, Cheney
sei mit dem jetzt nominierten Vorsit-

�zenden der Vereinigten Stabschefs zusammengetroffen, als dieser das V.
Korps in der Bundesrepublik befehligte.
Darüber hinaus arbeiteten sie zusammen, als der damalige Abgeordnete
Cheney in den Ausschüssen zur IranContra Affäre und des Nachrichtendienstes tätig war, während Powell
als Carluccis Berater beim NSC fungierte.
"Sie arbeiteten besonders intensiv an Problemen wie der Finanzierung
der Contras, so daß bei zu Cheneys
Amtszeit viel miteinander zu tun hatten. Cheney hat eine sehr hohe Meinung von General Powell,"
erklärte
Williams.
Unmittelbar
vor Aufgabe
seines
Amtes
nominierte
Präsident
Reagan
Powell
für
seine
Beförderung
vom
Drei-Sterne-General zum Vier-SterneGeneral .

* * * * *

�AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial
16. August 1939

31

STAND DER RÜSTUNGSKONTROLLVERHANDLUNGEN
- Wöchentliche Übersicht -

WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die am 11. August 1989
vom US-Informationsamt (USIA) herausgegebene Übersicht über den Stand der
START-Verhandlungen, Krasnojarsk, SLCMs, Sari Shagan, SDI, ACDA und chemische
Waffen.

Keine Reaktion der Sowjets auf
amerikanische START-Initiative

die

Die sowjetischen Unterhändler haben nicht offiziell auf die während
der am 7. August 1989 in Genf zu Ende
gegangenen jüngsten Runde der Verhandlungen
über
die Verringerung
strategischer Rüstungen (START) unterbreitete amerikanische Verfizierungsinitiatlve reagiert.
Der sowjetische Chefunterhändler
Juri Nasarkin räumte nur ein, die
vorgeschlagenen amerikanischen Verifizierungsmaßnahmen
"könnten
hilfreich" sein.
Der amerikanische ChefUnterhändler
bei
den
START-Verhandlungen,
Richard Burt, ist der Ansicht, beide

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Seiten seien in der Lage gewesen,
"den Grundstein für ein hoffentlich
konstruktives Gespräch zwischen Außenminister Baker und seinem sowjetischen Amtskollegen Schewardnadse zu
legen", wenn sich beide im nächsten
Monat in den Vereinigten Staaten
treffen.
Der amerikanische Verifizierungsvorschlag behandelt Themen wie die
kontinuierliche Überwachung bestimmter Produktionsstätten für ballistische Raketen und den Datenaustausch
über Nuklearstreitkräfte.
Die Initiative soll Burt zufolge verwirklicht werden bevor ein Vertrag geschlossen ist, um die Verhandlungen
zu "beschleunigen".
"Obwohl bei den Gesprächen kein

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�größerer Durchbruch zu verzeichnen
war, wurden Fortschritte in kleinen,
aber entscheidenden Bereichen des 450
Seiten umfassenden Vertragsentwurfs
erzielt", erklärte Burt und fügte
hinzu: "Wir halten den Kurs auf stabilisierende Reduzierungen, mit denen
das Risiko eines Nuklearkriegs in den
neunziger Jahren und darüber hinaus
abgebaut wird."
Burt zufolge ist die amerikanische Position im Hinblick auf ein
Verbot mobiler Interkontinentalraketen (ICBMs) "derzeit unverändert".
Die Administration könne diese Position überdenken, wenn beide Seiten
"sich auf Bestimmungen einigen, mit
denen die wirksame Verifizierung zahlenmäßiger Obergrenzen bei mobilen
ICBM-Systemen ermöglicht wird", erklärte er. Die Sowjets besitzen bereits zwei einsatzfähige Systeme,
während die Bush-Administration versucht, zwei Systeme zu stationieren.
Zwischen beiden Seiten bestehen
noch Meinungsverschiedenheiten bezüglich der Grenzen bei ICBM-Gefechtsköpfen, luftgestützten Marschflugkörpern und den Zählvorschriften für
strategische
Bomber,
seegestützte
Marschflugkörper sowie im Hinblick
auf die sowjetischen Bestrebungen,
ein Junktim zwischen START und dem
ABM-Vertrag herzustellen.
Die nächste Runde der START-Verhandlungen beginnt am 25. September
1989.

Keine Lösung der Kontroverse über
das Radar von Krasnojarsk in Sicht
Dem amerikanischen Unterhändler
bei den amerikanisch-sowjetischen Gesprächen über die Verteidigung im
Weltraum (DST) zufolge ist keine Lösung der Kontroverse über das Radar
von Krasnojarsk in der Sowjetunion in
Sicht.
Botschafter Henry Cooper erklärte
am 7. August 1989, "bis die Probleme
mit dem Radar von Krasnojarsk zu un-

serer Zufriedenheit gelöst sind, werden die Vereinigten Staaten an ihrer
Politik festhalten, im strategischen
Bereich keine zusätzlichen Rüstungskontrollabkommen zu schließen."
Die Vereinigten Staaten vertreten
die Auffassung, das Radar von Krasnojarsk verletze den ABM-Vertrag aus
dem Jahr 1972 und streben seine vollständige Beseitigung an. "Das Radar
muß mitsamt seinen Grundmauern abgerissen werden", erklärte der Botschafter.
In seiner Ansprache vor der Abrüstungskonferenz am 3. August 1989 unterstrich Botschafter Cooper, daß die
Sowjets "im Bereich der strategischen
Verteidigung bereits sehr viel mehr
tun als die Vereinigten Staaten".
Ihm zufolge sucht "die Größenordnung der zivilen und Luftverteidigung
der Sowjetunion ihresgleichen in der
Welt" und "einige ihrer Aktivitäten
gehen eindeutig über die Grenzen des
ABM-Vertrags hinaus".

SLCM-Verfizierungsverfahren
nicht zuverläßig

noch

Trotz
"detaillierter"
Studien
sind die Vereinigten Staaten weiterhin der Überzeugung, daß es keine
"wirksame" Art und Weise der Verifizierung seegestützter Marschflugkörper (SLCM) gibt.
Botschafter Richard Burt gab eine
Erklärung zu dem kürzlich von amerikanischen und sowjetischen Wissenschaftlern im Schwarzen Meer durchgeführten Experiment zur Identifizierung nuklearbestückter SLCMs ab.
"Die angeblich geeignete verfügbare Technologie zum Aufspüren nuklearer SLCM-Gefechtsköpfe
in großer
Entfernung und zur Unterscheidung von
anderen Nukleargefechtsköpfen ist in
beiden Fällen unzuverlässig", erklärte Burt.
Burt

zufolge

ist die beste Art

�und Weise, die Umgehung eines Abkommens über SLCMs zu verhindern, "Berechenbarkeit herzustellen und beiden
Seiten eine Idee dessen zu vermitteln, was die andere Seite plant".

*

Unverbindliche
Absichtserklärungen zu den SLCM-Plänen beider Seiten
sind "der beste Weg", so Burt.
"Da
nuklearbestückte
SLCMs
für
einen
Erstschlag weder geeignet noch durch
ihn verletzbar sind", erklärte Burt,
"vertreten
die Vereinigten Staaten
die Auffassung, daß der amerikanische
Vorschlag beiden Ländern die praktischsten Mittel an die Hand gibt, um
Vertrauen aufzubauen, daß nuklearbestückte SLCMs die START-Obergrenzen
nicht umgehen."

Beobachter haben nur eine
sche Laser-Anlage besichtigt

Sowjetische
Regierungsvertreter
nehmen an, bei der Anlage handele es
sich um eine wissenschaftliche Forschungseinrichtung, in der Niederleistungslaser gegen sowjetische Flugzeuge und Satelliten eingesetzt werden.

Bush benennt Hanmer zum neuen Stellvertretenden Direktor der ACDA
Präsident
Bush
beabsichtigt,
Stephen Read Hanmer zum neuen Stellvertretenden Direktor der amerikanischen
Rüstungskontroll- und
Abrüstungsbehörde (ACDA) zu nominieren.

sowjeti-

Das amerikanische Verteidigungsministerium hält an der Aussage fest,
daß Kongreßmitglieder und Privatpersonen, die im Juli die Sowjetunion
besuchten, nur eine der zahlreichen
sowjetischen
Laser-Anlagen
in Sari
Shagan gesehen haben.
Nach Ansicht der von der inoffiziellen Reisegruppe zur Verfügung gestellten
Videobänder
erklärte
das
Verteidigungsministerium am 3. August
1989, daß in der Anlage in Sari
Shagan
"andere
Laser-Einrichtungen
untergebracht sind", die eine Bedrohung der nationalen Sicherheit der
Vereinigten Staaten darstellen könnten.

\
J

kanische Forscher an, daß in Sari
Shagan ein Hochenergielaser zur Satellitenabwehr untergebracht ist.

Dem Verteidigungsministerium zufolge sollte die von den Amerikanern
besichtigte Anlage "nicht als repräsentativ für den sowjetischen Stand
der Waffentechnik angesehen werden"
mit dem Hinweis, daß "es eine Reihe
anderer sowjetischer Anlagen gibt ...
die sich mit Forschung und Entwicklung von Laserwaffen befassen".
In der vom Pentagon jährlich veröffentlichten
Publikation
Die
sowjetische Militärmacht deuten ameri-

Hanmer, der im Rahmen der amerikanisch-sowjetischen
Verhandlungen
über Kern- und Weltraumwaffen amerikanischer Chefunterhändler für strategische Offensivwaffen war, würde
Nachfolger von George Murphy.
Hanmer hat eine Reihe ziviler Positionen im Verteidigungsministerium
bekleidet und war auch bei der amerikanischen NATO-Vertretung.

Sowjets
akzeptieren
den
Vorschlag
frühzeitiger Vor-Ort-Inspektionen von
Chemiewaffenanlagen
Jüngsten
Berichten
zufolge hat
die
Sowjetunion
dem
amerikanischen
Vorschlag zur Inspektion von Chemiewaffenanlagen zugestimmt, noch bevor
ein Vertrag über das weltweite Verbot
dieser Waffen geschlossen ist.
Frühzeitige
Inspektionen
werden
voraussichtlich
Meinungsverschiedenheiten zwischen beiden Seiten über
den Umfang des sowjetischen Chemiewaffenbestands beilegen.
Schätzungen
über den Umfang des Bestands variieren zwischen 50 000 bis 300 000 Tonnen.
Informelle

amerikanisch-sowjeti-

�sehe Gespräche über technische Einzelheiten bei Chemiewaffen werden erwartungsgemäß im August in Genf aufgenommen.

*****
- 4 -

i

l

�AMERIKA DIENST
VON

4

Wissenschaft und Technik

31

16. August 1989

BAKER: KAMPF GEGEN DROGEN, OBERSTES ZIEL AMERIKANISCHER POLITIK
- US-Außenminister fordert wirksame internationale Strategie -

(AD) - Präsident George Bush erklärte
während seines Europabesuchs, daß die
neue Welt jetzt rasch Gestalt annimmt. Es ist eine Welt, in der das
Streben nach Demokratie offensichtlich wird. Aber die Kräfte, die Demokratie
bedrohen,
sind
ebenfalls
deutlich erkennbar: Die Drogenepidemie bedeutet eine direkte Herausforderung für die Demokratie, erklärte
Außenminister Baker kürzlich anläßlich
der
Vereidigung
von
Melvyn
Levitsky als Abteilungsleiter für internationale Suchtstoff-Fragen (INM)
im Außenministerium.
"Wer der Sucht
verfällt, wird bald deren Sklave und
hört auf, ein freier Mensch, ein
freier oder informierter Bürger zu
sein". Und was dem einzelnen geschehe, betreffe auf ganz ähnliche Weise
die gesamte Nation.
Die Drogenmafia

United States Information Service
Embassy of the United States of America

unterwandert
staatliche
Institutionen, bis die Demokratie selbst auf
dem Spiel steht. Demokratie und Drogen
bekämpfen
sich
gegenseitig
"letztlich geht es um unsere Freiheit
und unsere Menschenwürde", erklärte
Baker. In diesem Kampf gibt es keinen Sieger oder Verlierer.
Es ist
ein Kampf an Millionen Fronten, in
jedem Gemeinwesen, in der Schule,
beim Sport und in der Wirtschaft, an
jedem Tag und jedem Ort. Insbesondere der Anbau von Pflanzen, aus denen
Narkotika gewonnen werden, muß in
Südamerika, in der Karibik, in Südostund
Südwestasien
unterbunden
werden. Die USA werden auch künftig
mit den zuständigen Regierungen zusammenarbeiten, um Alternativen für
solche Anpflanzungen zu entwickeln.
Ein weiterer Punkt ist die gemeinsame

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Fahndung der Regierungsbehörden, um
die Aktivitäten der Drogenmafia zu
unterbinden, ihre Flugplätze, Labors
und Arsenale zu zerstören, "ehe das
Gift den Weg zu uns findet". Training, technische Hilfe und Informationen
werden
Regierungsstellen
und
Privatwirtschaft von den USA angeboten.
Unser Leben, unsere Familien,
unsere Freiheit und unsere Ehre stehen auf dem Spiel, und deshalb muß
der Kampf gegen Drogen oberstes Ziel
amerikanischer Politik sein.
In einem Kurzlehrgang für Agrarwissenschaftler und Ökologen informierte INM Anfang August über die in
der Landwirtschaft zur Unkrautbekämpfung und zur Vernichtung von Anpflanzungen zur Suchtstoffgewinnung verwendeten Herbizide und deren Auswirkungen auf Gesundheit und Umwelt. An
dem Seminar in Beltsville (Maryland)
nahmen Wissenschaftler der UN-Abteilung für Suchtstoffe in Wien sowie
Experten aus Belize, Jamaika, Kolumbien, Mexiko, Pakistan, Peru, Trinidad und Tobago teil. All diese Länder werden von INM bei der Vernichtung von Drogenanpflanzungen unterstützt.
Die erteilten Informationen
basieren auf Erfahrungen bei der Anwendung von Herbiziden in den Vereinigten Staaten. Die Präparate könnten auch in den genannten Ländern zur
Drogenpflanzenvernichtung, aber ebenso bei landwirtschaftlichen Produktionsprogrammen
eingesetzt
werden,
erklärte Dr. Joe Antognini, Leiter
des
Laboratoriums
für
tropische
Pflanzen
im
US-Landwirtschaftsministerium.
Zu den von INM geförderten Programmen zählen die chemische Vernichtung von Opiummohn mit 2,4-D in Mexiko und Pakistan, die manuelle Vernichtung von Coca-Sträuchern in Peru,
Bolivien, Equador, Brasilien und Kolumbien sowie die manuelle und chemische Vernichtung von Marihuana-Anpflanzungen
in Kolumbien, Jamaika,
Belize, Guatemala und Mexiko.
Als
rihuana

Vernichtungsmittel gegen Mawird normalerweise Glyphosat

eingesetzt, in Mexiko Paraquat. Guatemala benutzt Glyphosat auch zur
chemischen
Bekämpfung
von
Schlafmohn-Anpflanzungen.
In Peru wurden
verschiedene
Herbizide
wie
etwa
Tebuthiuron gegen Coca-Pflanzen erprobt. Die Versuche werden gegenwärtig ausgewertet. All diese Herbizide
werden
in den Vereinigten Staaten
nach Prüfung und Einzelzulassung für
spezielle Zwecke durch die US-Umweltschutzbehörde EPA zur Unkrautbekämpfung
auf
Feldern, Weideland,
auf
Landstraßen, Autobahnen und Grünflächen in Wohngebieten eingesetzt. Paraquat darf allerdings nur mit Sondergenehmigung angewandt werden. Mit
Glyphosat werden im Rahmen der von
Bundesbehörden
durchgeführten
Programme Marihuana-Anpflanzungen in den
USA vernichtet. Manche Bundesstaaten
setzten für den gleichen Zweck das
Präparat 2,4-D ein.
Bevor ein Herbizid bei einem von
der
INM-Abteilung geförderten
Programm verwendet wird, muß ein Gutachten über die Unbedenklichkeit für Umwelt und Gesundheit in dem betreffenden Land oder der betreffenden Region
ausgearbeitet werden.
Die gegenwärtig laufenden Tests in Peru sind Teil
dieses Prozesses, erklärte Eric Rosenquist
vom
US-Außenministerium.
Seminare dieser Art fördern die Zusammenarbeit und Kommunikation zwischen amerikanischen und ausländischen Fachleuten und liefern technische Informationen für die Vernichtung von rauschgifthaltigen Pflanzen
mit Hilfe von Herbiziden.

* * * * *

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Bush sieht künftiges Europa ohne Berliner Mauer&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung zum 28. Jahrestag des Mauersbaus&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Powell eilt in seiner neuen Position ein hervorragender Ruf voraus&lt;br /&gt;&lt;em&gt; Porträt des designierten Vorsitzenden der Vereinigten Stabschefs &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Stand der Rüstungskontrollverhandlungen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;wöchentliche Übersicht&lt;/em&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Baker: Kampf gegen Drogen oberstes Ziel amerikanischer Politik&lt;br /&gt;&lt;em&gt;US-Außenminister fordert wirksame internationale Strategie&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST
%r,oN

4

9. August 1989

30
DOKUMENTATION

USA legen Verifizierungsmaßnahmen für START-Abkommen dar
- Rede von Botschafter Richard Burt USA: Fortschritte bei Abwehrsystemen im Weltraum
- Rede von Botschafter Cooper bei der Geafer Abrüstungskonferanz -

HINTERGRUND
Westliche Sicherheit: Die USA und ihre NATO-Partner
- Regionale Übersicht des Außenministeriums -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK

*
Integriertes Entsorgungsprogramm fUr Atomanlagen
- Fünfjahresplan des US-Energieministeriums -

* * * * *

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�AMERIKA DIENST
4-7

Dokumentation

Ä&lt;

9. August 1989

30

USA LEGEN VERIFZIERUNGSMASSNAHMEN FÜR START-ABKOMMEN DAR
- Rede von Botschafter Richard Burt GENF - (AD) - Der Leiter der amerikanischen Delegation bei den Verhandlungen über Kern- und Weltraumwaffen, Botschafter Richard Burt, erläuterte am
3. August 1989 seinen Vorschlag an die Sowjetunion, die Verhandlungen sollten
sich "jetzt sofort" auf eine Reihe von Maßnahmen zu Verifizierung und Stabilität konzentrieren, "die auch Niederschlag in der Endfassung des Vertrags über
die Reduzierung Strategischer Rüstungen (START) finden könnten".
Botschafter Burt beschrieb Präsident Eushs Initiative zu Verifizierung und
Stabilität im einzelnen und erklärte, sie "ergänzt die bisher in Genf geleistete Arbeit". Er verwies ferner darauf, "diese Initiative zielt darauf ab,
die START-Verhandlungen zu beschleunigen, nicht sie zu verzögern". Burt ging
darüber hinaus auf Bereiche ein, in denen Unstimmigkeiten zwischen beiden Seiten bestehen und verwies in diesem Zusammenhang insbesondere auf mobile Interkontinentalraketen.
Nachfolgend veröffentlichen wir Botschafter Burts Rede im Wortlaut.

Ich danke Botschafter Friedersdorf für seine freundliche Einführung, und es ist mir eine Ehre, beute
hier gemeinsam mit den Mitgliedern
und Nichtmitgliedern der Abrüstungskonferenz die jüngsten Entwicklungen
unserer
bilateralen Gespräche über
Kern- und
Weltraumwaffen
zu
erörtern.
Meines Wissens ist Präsident
Benbima gerade für den Monat August
zum Präsidenten der Konferenz bestimmt worden. Meine Hoffnungen und
besten Wünsche für eine erfolgreiche
und produktive Sitzungsperiode während Ihrer Amtszeit begleiten Sie.
Ich freue mich auch darüber, hier einige alte Freunde wiederzusehen.
Die Runde XI der START-Verhandlungen zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion war nützlich
und
konstruktiv.
Die
Vereinigten

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Embassy of the United States of America

Staaten haben diese Runde als Sondierungsgespräche betrachtet, die politische Position beider Parteien zu
klären und das Grundrauster des gemeinsamen Vertragsentwurfs zu bestätigen.
Tatsächlich haben wir den
Eindruck, in vielen Bereichen - einschließlich des sehr wichtigen Punkts
über die Durchführung effektiver Verifizierung - mehr als das erreicht
zu haben.
Ich habe mit meinem sowjetischen
Kollegen eine gründliche Überprüfung
wichtiger
Vertragsbestimmungen
und
noch strittiger Fragen vorgenommen.
Er ist ein erfahrener Unterhändler
und leitet eine fähige Arbeitsgruppe,
die über fundiertes Fachwissen verfügt. Meiner Ansicht nach haben wir
gesunde Arbeitsbeziehungen aufgenommen - obgleich sich im Laufe dieser

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�Runde gezeigt hat, daß er ein weit
besserer Tennisspieler ist als ich.
Im Hinblick auf den Vertrag und
die Protokolle, aus denen der gemeinsame
START-Vertragsentwurf
besteht,
hat auf der Ebene der Arbeitsgruppen
ein guter Austausch
stattgefunden.
Beide Seiten haben fruchtbare Gespräche geführt und die verschiedenen Alternativen erörtert.
Wir haben den
Text gemeinsam verbessert, ausgeklammerte Punkte geklärt und Unstimmigkeiten in kleinen, aber wichtigen
Teilbereichen ausgeräumt.
Der Prozeß war sachlich, unpolemisch und konzentrierte sich auf Inhalte und nicht auf Rhetorik. In allen Bereichen hat ein nützlicher Austausch
stattgefunden.
Obwohl
bei
diesen Verhandlungen immer noch bedeutsame
Meinungsverschiedenheiten
zwischen den Vereinigten Staaten und
der Sowjetunion bestehen, haben beide
Seiten meiner Ansicht nach jetzt ein
besseres Verständnis der Beweggründe,
die der Position des anderen zugrundeliegen.
Ich vertrete daher die
Auffassung, daß meine
sowjetischen
Kollegen und ich den Grundstein dafür
legen konnten, was hoffentlich nächsten Monat in den Vereinigten Staaten
zwischen den Außenministern Baker und
Schewardnadse in eine produktive Diskussion über START münden wird.
Bevor ich näher auf einige Bereiche eingehe, die im Mittelpunkt meiner
Gespräche
mit
Botschafter
Nasarkin standen, möchte ich zu den
Grundprinzipien Stellung nehmen, von
denen die amerikanische
Delegation
sich in Runde XI leiten ließ und die
für zukünftige Runden von Beduetung
sind.
Die Vereinigten Staaten sind mit
Präsident Bushs festem Versprechen zu
den Genfer Verhandlungen zurückgekehrt, "wir werden hart arbeiten, um
faire und weitreichende Abkommen auszuhandeln, die dem Frieden dienen.
Nichts hat höhere Priorität."

- 2

Bei ihrem Amtsantritt hat die
Bush-Administration
eine
umfassende
Überprüfung
über die amerikanische
Sicherheits- und
Rüstungskontrollpolitik
durchgeführt.
Als
Ergebnis
dieser Überprüfung ist der Präsident
zu dem Schluß gekommen, das vordringlichste Ziel strategischer Rüstungskontrolle bestehe in der Erlangung
verifizierbarer
Abkommen,
das
das
Kriegsrisiko mindern.
Das Risiko eines Atomkrieges kann
durch
ein
stabileres
nukleares
Gleichgewicht
abgebaut werden, bei
dem die Abschreckung gestärkt wird
und eine Abmachung über Krisenstabilität weiterhin gilt.
Eine solche
Abmachung besteht, wenn jede Seite
von einem Erstschlag abgehalten wird,
weil der für einen solchen Schlag zu
zahlende Preis und das damit einhergehende Risiko mögliche Vorteile bei
weitem aufwiegen.
Aus diesem Grund
besteht ein wesentlicher Bestandteil
zur Aufrechterhaltung der Krisenstabilität im Besitz überlebensfähiger
Streitkräfte zur Vergeltung. In diesem Zusmmenhang muß man sich wiederum
vor Augen führen, daß Rüstungskontrolle einseitige Maßnahmen zur Aufrechterhaltung einer effektiven Abschreckung lediglich ergänzen, nicht
aber ersetzen kann.

T

*

Einschneidende Reduzierungen der
strategischen Streitkräfte können die
Stabilität verbessern, wenn sie in
geeigneter Weise durchgeführt wei—
den.
Größere Stabilität könnte etwa
durch
folgende Regelungen
erreicht
werden:
Erstens Reduzierung der Verwundbarkeit, da, wie ich schon sagte,
überlebensfähige Streitkräfte die
Anreize für einen Erstschlag verringern.
-

Zweitens
mehr
Transparenz,
da
Stabilität durch größere Offenheit im Hinblick auf Umfang und
Charakter
der
strategischen
Streitkräfte und Aktivitäten jeder Seite gefördert wird.

f

*•

�Drittens verbesserte Berechenbarkeit, weil die Stabilität größer
ist, wenn Ungewißheiten über die
künftige Entwicklung der Streitkräfte auf beiden Seiten verringert werden.
Die
START-Verhandlungen
haben
bisher einen umfangreichen gemeinsamen Vertragsentwurf hervorgebracht,
der die Bereiche der Übereinstimmung
und Gegensätze widerspiegelt. Zu Beginn dieser Runde haben wir die Absicht der Vereinigten Staaten bekräftigt, von der Grundlage des bestehenden gemeinsamen Vertragsentwurfs auszugehen. Insbesondere haben wir unsere anhaltende Zustimmung zur Struktur der bereits vereinbarten Oberund Untergrenzen bekräftigt.
Diese
sehen 1 600 offensive strategische
Trägersysteme, 6 000 nachweisbare Gefechtsköpfe, 4 900 Gefechtsköpfe auf
Interkontinentalraketen
(ICBMs) und
unterseebootgestützten
Raketen
(SLBMs), 1 540 Gefechtsköpfe auf 154
schweren Interkontinentalraketen sowie eine etwa 50prozentige Reduzierung des Wurfgewichts der sowjetischen ballistischen Raketen vor. Obwohl wir unsere Unterstützung der
grundsätzlich vereinbarten zahlenmäßigen Obergrenzen und anderer im gemeinsamen Vertragsentwurf enthaltener
amerikanischer Positionen bestätigen,
behalten wir uns das Recht zur Unterbrei tung neuer Ideen und anderer Änderungen vor, die unserer Meinung
nach
zur
Uberlebensfähigkeit
der
Streitkräfte und Stabilität beitragen
würden.
Um sicherzustellen, daß Verbesserungen bei der Uberlebensfähigkeit
langfristig wirksam bleiben, müssen
diese mit der Erfordernis in Einklang
gebracht werden, daß Umfang und Charakter der heute bestehenden und
künftigen strategischen Streitkräfte
transparent und berechenbar sein müssen und Vereinbarungen sich wirksam
verifizieren lassen.
Mobile ICBMs
sind hier ein Fallbeispiel: dasselbe
Merkmal, das die Uberlebensfähigkeit
der ICBMs erhöht - nämlich ihre Mobilität -, macht gleichzeitig eine ein-

deutige Verifizierung komplizierter.
Die amerikanische
Haltung zum
Verbot mobiler ICBMs bleibt zum jetzigen Zeitpunkt unverändert. Unsere
Entscheidung zu den mobilen ICBMs
hängt sicherlich teilweise von der
Unterstützung ab, die der amerikanische Kongreß dem Programm des Präsidenten zur ICBM-Modernisierung gewährt. Jedenfalls haben wir der sowjetischen Seite zu verstehen gegeben, daß wir zur Überprüfung unserer
im Licht der von den Sowjets in den
vergangenen Jahren stationierten über
hundert mobilen ICBMs erhobenen Forderung nach einem Verbot bereit sind,
wenn sich beide Seiten auf ein Vorgehen einigen können, das die wirksame
Verifizierung zahlenmäßiger Begrenzungen für mobile ICBMs gestatten
würde.
Obwohl noch viel zu tun
bleibt, hat Runde XI eine eindeutige
Klärung der Erfordernisse und Beschränkungen erbracht, die straßenund schienenmobilen Systemen auferlegt werden müssen.
Als Teil unserer umfassenden Verhandlungsbemühungen und hervorragendes Beispiel der neuen von den Vereinigten Staaten in Runde XI eingebrachten Ideen haben die Vereinigten
Staaten vorgeschlagen, beide Seiten
sollten besondere Anstrengungen unternehmen, um sich auf bestimmte, in
der Vergangenheit von beiden Seiten
vorgeschlagene
Verifizierungs- und
Stabilitätsmaßnahmen zu einigen und
mit deren Anwendung so bald wie möglich zu beginnen. Ich muß gegenüber
den Teilnehmern der Abrüstungskonferenz die Rolle der Verifizierung in
den heutigen RUstungskontrollverhandlungen nicht eigens betonen. Unsere
Initiative zu Verifizierung und Stabilität trägt dieser zentralen Bedeutung Rechnung.
Auf Anweisung
des Präsidenten
wurde den Sowjets insbesondere vorgeschlagen,
die
START-Unterhändler
sollten sich jetzt auf folgende Vertfizierungs- und
Stabilitätsmaßnahmen
konzentrieren, die schließlich im
START-Vertrag ihren Niederschlag fin-

- 3 -

�den würden:
1) Unverzügliche und gegenseitige Einrichtung einer Überwachung von
Umgebung sowie Ein- und Ausgängen bestimmter Raketenproduktionsstätten in
den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion, um unser Vertrauen in die
Genauigkeit der angemeldeten Arsenale
mobiler
Interkontinentalraketen
zu
erhöhen.
2) Sofortiger Austausch von ausgewählten
Daten
zu den
nuklearen
Streitkräften jedes Landes, um uns
bei der Erarbeitung geeigneter Inspektionsverfahren zu helfen und die
Verifizierung des START-Vertrages zu
erleichtern.
3)
Beendigung der Verschlüsselung telemetrischer Daten von Interkontinentalraketen sowie der Verweigerung von Daten über bestimmte Abschüsse von ICBMs und SLBMs, so daß
jedes Land ein besseres Verständnis
von
neuen
Entwicklungen
in
den
Streitkräften des anderen entwickeln
kann.
4)
Gegenseitige Übungsinspektionen, um Verfahren vorzuführen, mit
denen verifiziert werden soll, daß
die von den Vereinigten Staaten und
der Sowjetunion für diesen bestimmten
Raketentyp vereinbarte Zahl der Wiedereintrittsflugkörper auf bestimmten
ballistischen
Raketen
nicht
überschritten wird.
Eine gegenseitige
Demonstration könnte den Unterhändlern helfen, solide Inspektionsvorschriften für diese beispiellos einschneidenden Inspektionen zu entwikkeln.
5)
Gegenseitige Vorführung von
Technologien zur Identifizierung ballistischer Raketen, ein häufig auch
als "tagging" bezeichnetes Verfahren,
um den Austausch technischer Informationen über erfolgversprechende Ansätze zu erleichtern.
Die Vereinigten Staaten sind ferner der Ansicht, daß beide Länder von
einer Einigung auf zwei zusätzliche

Maßnahmen
profitieren
können, . die
trotz der Tatsache, daß sie in unseren
bisherigen
Verhandlungen
noch
nicht zur Sprache gekommen sind und
selbst nicht Teil des START-Vertrages
sein würden, als getrennt vereinbarte
Maßnahmen die strategische Stabilität
erhöhen würden.
1)
Aufgrund
des Außenminister
James Baker von der Sowjetunion unterbreiteten Vorschlags sind wir bereit, das Problem der unterseebootgestützten
ballistischen Raketen mit
kurzer Flugzeit zu behandeln. Darunter würden auch die bisweilen so bezeichneten niedrigen Flugbahnen fallen.
2) Ferner schlagen wir vor, daß
beide Länder einen in einem früheren
Briefwechsel
besprochenen
Vorschlag
verwirklichen, demzufolge die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion
sich
gegenseitig
über
eine
große
strategische Übung pro Jahr in Kenntnis setzen würden.
Die Initiative des Präsidenten zu
Verifizierung und Stabilität ergänzt
die bisher in Genf geleistete Arbeit.
Diese Initiative zielt darauf
ab, die START-Verhandlungen zu beschleunigen, nicht zu verzögern: Der
START-Vertrag wird beispiellose Verifizierungsbestimmungen enthalten.
Es
ist von vorrangiger Bedeutung, die
Probleme so früh wie möglich zu erkennen,
so daß
die
Verhandlungen
nicht durch ungelöste technische Verifizierungsfragen
unnötig
in
die
Länge gezogen werden. Die frühzeitige Durchführung dieser Maßnahmen wird
den beiden Ländern Erfahrung in Verifizierungsverfahren
vermitteln,
so
daß wir in Genf realistische Bestimmungen erarbeiten können.
Die Vereinigten Staaten betrachten
die
amerikanische
Initiative
nicht als alles oder nichts. Obwohl
wir zu jeder Maßnahme ein Abkommen
erzielen wollen, sind wir bereit, nur
die Themen anzusprechen, zu deren Erörterung die Sowjets bereit sind.
Darüber hinaus sollen aus der Sicht

�der Vereinigten Staaten alle Maßnahmen auf Gegenseitigkeit beruhen und
daher auf beide Länder In gleichem
Maße Anwendung finden.
Bis heute haben wir mit der sowjetischen Seite Sondierungsgespräche
geführt, dank denen wir die Initiative zu Verifizierung und Stabilität im
einzelnen beschreiben können. Unseren Erwartungen zufolge wird der amerikanischen Initiative zu Verifizierung und Stabilität bei dem Treffen
zwischen Außenminister Baker und seinem Amtskollegen Schewardnadse ein
hoher Stellenwert beigemessen.
Ich habe mit meinem sowjetischen
Amtskollegen detaillierte Gespräche
über wichtige Bereiche geführt, in
denen beide Seite unterschiedliche
Meinungen vertreten - eine Untergrenze für ICBM-Gefechtsköpfe, schwere
ICBMs, ALCMs/schwere Bomber, SLCMs
und das Junktim zwischen START und
dem ABM-Vertrag. Diese Gespräche waren keine abgedroschenen, rhetorischen Wiederholungen bekannter Themen, sondern vielmehr von Offenheit
und Substanz gekennzeichnet.
Die Vereinigten Staaten vertreten
weiterhin die Auffassung, daß Einigung über eine Untergrenze von 3 000
bis 3 300 Gefechtsköpfen auf stationierten ICBMs erzielt werden sollte.
Beide Länder könnten von der zusätzlichen Berechenbarkeit einer solchen
Begrenzung profitieren, da die ICBMSysteme nach wie vor hervorragend für
den Einsatz bei einem Präventivschlag
geeignet sind und daher destabilisierender wirken als andere Kategorien
strategischer Offensivwaffen.
Schwere ballistische Raketen haben eine besonders destabilisierende
Wirkung. Aus diesem Grund halten die
Vereinigten Staaten an ihrer Position
fest, daß der START-Vertrag die Produktion, Flugerprobung oder Stationierung neuer modernisierter schwerer
ICBMs ebenso verbieten sollte wie die
Produktion oder Stationierung zusätzlicher schwerer ICBMs des bereits bestehenden Typs. Beide Länder sollten

es sich darüber hinaus zur Aufgabe
machen, keine Flüge mit den bestehenden Typen schwerer ICBMs zu unternehmen und auf die Produktion, Flugerprobung oder Stationierung schwerer
SLBMs zu verzichten. Die amerikanische Position zu schweren Raketen
würde wirksam zu einem Gleichstand
beitragen, indem sie letztlich zum
stufenweisen Abbau der sowjetischen
SS-18 Streitmacht führen würde, die
für sich alleine schon das destabilisierendste Waffensystem in der heutigen Welt darstellt.
Im Hinblick auf Bumberwaffen haben die Vereinigten Staaten ihre bisherige Position bezüglich Zählung,
Reichweite und Erkennbarkeit luftgestützter
Marschflugkörper
(Air
Launcbed Cruise Missiles - ALCM) bekräftigt. Wir schlagen daher weiterhin vor, daß ALCMs nach dem Gesetz
der
Zugehörigkeit
gezählt
werden
sollten, das jedem für ALCMs ausgerüsteten schweren Bomber angesichts der
Obergrenze von 6 000 Gefechtsköpfen
unabhängig von der Zahl, mit der er
tatsächlich bestückt ist, eine vereinbarte Zahl von Gefechtsköpfen zugesteht.
Die Vereinigten Staaten
halten ferner nach wie vor die Position aufrecht, daß nur nuklearbestückte
Luft-Boden-Marschflugkörper
mit einer Reichweite über 1 500 Kilometern unter die START-Obergrenzen
fallen sollten.
Die amerikanische
Position zu
seegestützten Marschflugkörpern (SeaLaunched Cruise Missiles - SLCMs)
bleibt fest.
Konventionelle SLCMs
sind nicht Bestandteil des amerikanisch-sowjetischen strategischen atomaren Gleichgewichts und sollten daher nicht in dieses Abkommen einbezogen werden. Nach gründlicher Überprüfung sind die Vereinigten Staaten
zu dem Schluß gekommen, daß die sowjetischen Vorschläge zu SLCM keine
wirksame Verifizierung vorsehen. Die
angeblich geeignete verfügbare Technologie
zum
Aufspüren
nuklearer
SLCM-Gefechtsköpfe in großer Entfernung und der Unterscheidung von anderen Nukleargefechtsköpfen ist nicht

- 5 -

�zuverlässig. Die jüngste sowjetische
Demonstration im Schwarzen Meer hat
diese
Schlußfolgerung
bekräftigt.
Die Umgehung von auf diese Technologien gegründeten Bestimmungen wäre
demzufolge einfach. Selbst wenn die
Technologien so angelegt sind, daß
sie nukleare SLCMs zuverlässig aufspüren
und
unterscheiden
können,
scheint es immer noch höchst fraglich, ob wirksame Verfizierungsmaßnahmen entwickelt werden könnten.
Die Vereinigten Staaten kennen heute
noch keine Mittel und Wege, um Obergrenzen bei der Produktion und Lagerung von SLCMs wirksam verifizieren
zu können - was angeblich der Kern
des SLCM-Verifizierungsproblems ist.
Aus diesem Grund sehen die Vereinigten Staten eine nicht bindende
Darlegung der Pläne für nuklearbestückte SLCMs beider Länder vor. Da
nukleare SLCMs für einen Erstschlag
weder geeignet noch durch ihn verletzbar sind, vertreten die Vereinigten Staaten die Auffassung, daß der
amerikanische Vorschlag beiden Ländern die praktischsten Mittel an die
Hand gibt, um Vertrauen aufzubauen,
daß nukleare SLCMs die START-Obergrenzen nicht umgehen.
Abschließend möchte ich die Beziehung zwischen START und anderen
Verhandlungen ansprechen.
In jüngster Zeit wurde die Frage aufgeworfen, ob der Abschluß eines START-Vertrags für die Bush-Administration
niedrigeren Stellenwert einnimmt als
der Abschluß eines KSE-Vertrags, oder
ob wir START vorbehaltlich von Fortschritten bei KSE verzögern wollen.
Beides trifft nicht zu. Die Bush-Administration mißt sowohl den STARTals auch den KSE-Verhandlungen hohe
Priorität bei. Obwohl der Präsident
seine Hoffnung zum Ausdruck gebracht
hat, daß ein KSE-Abkommen in sechs
bis zwölf Monaten abgeschlossen werden kann, hat er kein Junktim zwischen Fortschritten bei START und denen bei KSE hergestellt.

die Fertigstellung eines START-Abkommens nicht von der Lösung der dornigen Gespräche über die Verteidigung
im Weltraum abhängig gemacht werden.
Seit 1972, als der ABM-Vertrag in
Kraft trat, hat die Größenordnung und
Macht der nuklearen Bedrohung um ein
vielfaches zugenommen. Eine Schlüsselvoraussetzung dieses Vertrags war
jedoch, daß Gespräche über die Reduzierung strategischer Offensivwaffen
bald folgen würden. Aus diesem Grund
sollten die Sowjets mit uns gemeinsam
einen STABT-Vertrag abschließen, wenn
es soweit ist, und zwar ohne Bedingungen. Ein getrennter Vertrag über
die Verteidigung im Weltraum - ein
Thema, das Botschafter Cooper in Kürze im einzelnen ansprechen wird
sollte ebenfalls für sich allein und
in einem eigenen Zeitrahmen ausgehandelt werden.
Die
Schlußfolgerungen
unserer
strategischen Übersicht und die Geschichte der Verhandlungen zu diesen
Themen haben die Vereinigten Staaten
überzeugt, daß die vor ihnen liegende
Aufgabe sehr umfangreich ist. Es ist
bereits sehr viel geleistet worden,
dennoch bleibt noch viel zu tun.
Meines Erachtens wird es uns mit
ernsthaften, konstruktiven Verhandlungen gelingen, beachtliche Fortschritte zu erzielen. Die Vereinigten Staaten haben sich verpflichtet,
auf ihre bisherigen Leistungen aufzubauen , um Abkommen zur Erfüllung unserer Zielsetzungen zu erzielen: das
Risiko eines Kriegs zu verringern,
über das Containment hinauszugehen
und Sicherheit und Stabilität weltweit zu verbessern.

Da ein stabilisierender Abbau im
Interesse beider Länder liegt, sollte
- 6 -

* * * * *

�AMERIKA DIENST
Dokumentation

'VON**

30

9. August 1989

USA:

FORTSCHRITTE BEI ABWEHRSYSTEMEN IM WELTRAUM

- Rede von Botschafter Henry Cooper bei der Genfer Abrüstungskonferenz GENF - (AD) - Dem amerikanischen Chefunterhändler bei den Gesprächen über
Weltraumverteidigung, Henry Cooper, zufolge besteht "zunehmende Wahrscheinlichkeit einer wirksamen, nichtnuklearen Verteidigung gegen ballistische Raketen". Vor der Genfer Abrüstungskonferenz stellte der Botschafter am 3. August
1989 fest: "Wenn sich unsere Hoffnungen verwirklichen lassen, wird die nuklear oder chemisch bestückte ballistische Rakete - bei weitem das gefährlichste,
den Weltraum nutzende Mittel der Kriegführung - nicht länger eine 'absolute
Waffe' sein."
Nachfolgend veröffentlichen wir die Ausführungen des Botschafters im Wortlaut:

Ich freue mich, vor der Abrüstungskonferenz zum Stand der Gespräche über Verteidigung
im Weltraum
sprechen zu dürfen. Ich möchte Ihnen
zunächst
einige
Hintergrundinformationen liefern.
Seit Beginn unserer Gespräche im
März 1985 waren die Vereinigten Staaten bestrebt, einen in der Zukunft
möglichen
kooperativen Übergang zu
einem stabilisierenden Gleichgewicht
bei offensiven und defensiven Streitkräften zu erleichtern, falls sich
eine
wirksame
Verteidigung
gegen
strategische Raketen als machbar erweisen sollte.
Präsident Bush hat
uns angewiesen, den Vereinigten Staaten die Option auf Entwicklung und wenn diese verfügbar sind - Stationierung moderner Verteidigungssysteme

United States Information Service
Embassy of the United States of America

zu erhalten.
Wir gehen davon aus,
daß Stabilität und Sicherheit aller
Staaten mit solchen Verteidigungssystemen verbessert werden können, insbesondere, wenn sie schrittweise und
in kooperativer Weise eingeführt werden.
Es besteht eindeutig die zunehmende Wahrscheinlichkeit einer wirksamen,
nichtnuklearen
Verteidigung
gegen
ballistische Raketen.
Große
Fortschritte
bei
Datenverarbeitung,
Sensortechnik, Mikroelektronik, Material- und Antriebstechnik und gerichteter
Energie haben
möglicherweise
ein Fenster zu einer neuen und sichereren Welt geöffnet.
In den vergangenen sechs Jahren haben es unsere
Wissenschaftler und Techniker mit ihren schöpferischen Gaben verstanden,

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�diese Fortschritte auszubauen. Heute
verlassen
innovative
nichtnukleare
Verteidigungskonzepte die Labors und
stellen sich der Erprobung.
Wenn
sich unsere Hoffnungen verwirklichen
lassen, wird die nuklear oder chemisch bestückte ballistische Rakete bei weitem das gefährlichste, den
Weltraum nutzende Mittel der Kriegführung - nicht länger eine "absolute
Waffe" sein.
Unsere sowjetischen Kollegen und
andere sind der Meinung, man müsse
diese Entwicklungen mit großer Besorgnis beobachten. Ich möchte mich
direkt mit ihren Argumenten auseinandersetzen. Tatsächlich wird von vielen Sprechern die Meinung geäußert,
die Öffentlichkeit solle zu der Überzeugung gelangen, daß verantwortungsbewußte Politiker den technologischen
Fortschritt nicht zu einer Verteidigung gegen ballistische Raketen nutzen sollten.
Mit anderen Worten:
der technologische Fortschritt sollte
nur dazu benutzt werden, die Wirksamkeit der von offensiven ballistischen
Raketen dargestellten Bedrohung zu
erhöhen - selbst wenn es technisch
möglich wäre, sich gegen diese Bedrohung zu verteidigen oder sie zu abzuschwächen und damit die Abschreckung
stabiler zu machen. Natürlich argumentieren die Sowjets nicht in dieser
Weise.
Stattdessen lenken sie die
Aufmerksamkeit auf irreführende Auseinandersetzungen über den ABM-Vertrag.
So behaupten die Sowjets zum Beispiel fälschlicherweise, unser SDIProgramm verletze aufgrund seiner offen erklärten Zielsetzung den ABMVertrag.
Natürlich wissen sie es
besser - und wußten schon seit Unterzeichnung des ABM-Vertrags im Jahr
1972 besser Bescheid. Der damalige
Verteidigungsminister,
Marschall
Gretschko, erklärte während des Ratifizierungsprozesses vor dem Obersten
Sowjet, daß der ABM-Vertrag "der
Durchführung von Forschungs- und Erprobungsarbeiten, die darauf abzielen, das Problem einer Verteidigung
des Landes gegen einen Angriff mit

Atomraketen zu lösen, keinerlei Beschränkungen auferlegt".
Die Sowjets und wir sind sich also der Tatsache bewußt, daß der ABMVertrag für Forschung und Erprobung
mit dem Ziel, herauszufinden, ob eine
wirksame Verteidigung machbar ist,
keinerlei Beschränkung enthält. Und
die Sowjets haben selbst ein sehr
großes Interesse an strategischen
Verteidigungssystemen und führen ihre
eigenen damit zusammenhängenden Forschungsarbeiten
und
Experimente
durch.
Im November 1987 erwiderte
Generalsekretär Gorbatschow im amerikanischen Fernsehen auf eine Frage
über sowjetische Aktivitäten in diesem Bereich, daß "die Sowjetunion
praktisch alles tut, was die Vereinigten Staaten tun". Obwohl er des
weiteren erklärte, die Sowjetunion
werde ihr SDI nicht bauen oder stationieren, sind es Fähigkeiten und
nicht Absichten, die zählen.
In der Tat unternehmen die Sowjets im Bereich der strategischen
Verteidigung bereits beute weit mehr
als die Vereinigten Staaten. Der Umfang ihrer Zivil- und Luftverteidigung sucht seinesgleichen.
Ferner
besitzen sie das einzige stationierte
ABM-System auf der Welt, das sie gegenwärtig modernisieren - und das ist
dem ABM-Vertrag zufolge ihr gutes
Recht. Einige ihrer Aktivitäten gehen sicherlich über die Grenzen des
ABM-Vertrags hinaus. Die Handlungen
der Sowjets zeigen also eindeutig,
daß sie nicht Verteidigungssysteme
schlechthin ablehnen - sie lehnen nur
die amerikanischen ab.
Zusätzlich zu ihren Angriffen auf

SDI behaupten die Sowjets, der ABMVertrag lege für alle Zeiten die einzige stabile strategische Regelung
fest: Eine Regelung die eine Stationierung von Verteidigungssystemen
gegen strategische Raketen erheblich
einschränkt. Sie können nicht erklären, warum wirksame Verteidigungssysteme gegen die bedrohlichste offensive Wafe, die strategische Rakete,
destabilisierend wirken würde - wäh-

- 2 -

�rend ihre Verteidigungssysteme in anderen Bereichen, etwa der Luftverteidigung, stabilisierend sind. Ferner
trifft es schlicht und einfach nicht
zu, daß mit dem ABM-Vertrag politisch
eine bestimmte, für alle Zeit gültige
strategische Regelung geschaffen wurde.
Im Gegenteil, der ABM-Vertrag
trug ausdrücklich der Tatsache Rechnung, daß sich die strategische Lage
in Zukunft verändern könnte.
Entsprechend bieten seine Bestimmungen
Raum für Gespräche und Änderungen.
Der ABM-Vertrag bietet darüber
hinaus einen bestimmten Mechanismus,
der besagt, daß keine Seite gegen die
Entscheidung der anderen, sich aufgrund übergeordneter Interessen zurückzuziehen und Verteidigungssysteme
außerhalb seiner Bestimmungen zu stationieren, ein Veto einlegen kann.
Die Vereinigten Staaten haben 1972
deutlich erklärt, solch ein Grund
könne die Tatsache sein, daß innerhalb von fünf Jahren kein Abkommen
zur drastischen Reduzierung strategischer Offensivwaffen erzielt wird.
Solch ein Abkommen wurde nicht geschlossen.
Heute - siebzehn Jahre
später - versuchen die Sowjets, ein
anderes Junktim zu dieser Voraussetzung des ABM-Vertrages aufzustellen.
Sie erklären, eine strenge Einhaltung
des
ABM-Vertrags
sei
für
einen
START-Vertrag zwingend erforderlich.
In der Zwischenzeit haben sich seit
1972 die strategischen Offensivwaffen
der Sowjets vervierfacht, während
sich unsere verdoppelt haben. Das
heißt, sogar gemäß den in START antizipierten erheblichen Reduzierungen
werden mehr strategische Waffen übrigbleiben als 1972. Der Zeitpunkt
für den Abschluß eines START-Vertrages, wie er 1972 vorgesehen war - ohne weitere Beschränkungen für eine
strategische Verteidigung - ist seit
langem überfällig.
Gleichzeitig verstehen wir das
Interesse der Sowjets an der Gewährleistung der Berechenbarkeit, da auf
beiden Seiten Forschung und experimentelle Arbeit fortgeführt werden
und Reduzierungen bei den strategi-

schen
Offensivwaffen
stattfinden.
Auch wir möchten die Berechenbarkeit
sicherstellen - nicht nur jetzt und
in naher Zukunft, sondern auch in
fernerer Zukunft, wenn mit Hilfe noch
ausgereifterer Technologien eine effektive Verteidigung geschaffen werden kann, die eine stärkere Rolle in
den strategischen Streitkräften beider Seiten spielen kann. Darin liegt
eine Grundlage für ein Abkommen im
Rahmen des Vertrags über Verteidigung
im Weltraum. Und obwohl noch Unstimmigkeiten in Schlüsselbereichen bestehen und wir langsamer vorankommen,
als wir uns das wünschen würden, gab
es gewisse Fortschritte in Richtung
auf ein solches Abkommen.
Besondere amerikanische Vorschläge haben angedeutet, wie diese Berechenbarkeit sichergestellt werden
könnte. Wir haben, auf den Vorschlag
von Premierministerin Thatcher, 1986
erste Vorschläge über "Maßnahmen zur
Berechenbarkeit"
unterbreitet.
Zu
Beginn des Jahres 1988 haben die Vereinigten Staaten offiziell ein Protokoll über Maßnahmen zur Berechenbarkeit im Rahmen eines Vertrags über
Verteidigung im Weltraum vorgelegt.
Obwohl noch keine Vereinbarung über
den besonderen Zweck des Protokolls
besteht, arbeiten beiden Seiten konstruktiv an einem gemeinsamen Entwurf. Insbesondere sind sich beide
Seiten darüber einig, daß sie nach
diesem Protokoll mit Hilfe der Zentren nur Reduzierung des nuklearen Risikos einen jährlichen Datenaustausch
über ihre Aktivitäten zu Entwicklung,
Erprobung Stationierung, Modernisierung und Austausch der Raketensysteme
zur strategischen Verteidigung durchführen wollen. Die Vereinigten Staaten wünschen sich darüber hinaus vor
Beginn der offiziellen Entwicklungsphase einen Datenaustausch über Forschungsaktivitäten.
Bei der Erarbeitung dieses Protokolls sind die Parteien ferner übreingekommen, Expertentreffen durchzuführen und auf der Grundlage des
jährlichen
Datenaustauschs
weitere
Aktivitäten zu planen, die auch Be-

- 3 -

�suche der Testgelände des anderen zur
Beobachtung bestimmter Tests vorsehen
könnten, wobei die einladende Seite
das Programm bestimmen würde. Wiederum würden die Vereinigten Staaten
weitergehen und auch gegenseitige Besuche in Labors befürworten, die sich
außerhalb der Testgelände befinden
könnten, ferner die Beobachtung von
Tests, die nicht notwendigerweise auf
Testgeländen stattfinden müßten sowie
Aktivitäten, die nicht unbedingt mit
Nationalen Technischen Mitteln zu beobachten sind. Die Vereinigten Staaten vertreten die Auffassung, daß
diese Maßnahmen nur praktikabel sind,
wenn sie freiwillig, vergleichbar und
auf der Grundlage von Gegenseitigkeit
durchgeführt werden.
Obwohl sie die Idee solcher vertrauensbildender Maßnahmen akzeptieren, betonen die Sowjets auch die
Entwicklung neuer Verifizierungsmaßnahmen, einschließlich von für die
Vereinigten Staaten nicht akzeptablen
Vor-Ort-Inspektionen.
Natürlich unterstützen die Vereinigten Staaten
gemeinsame
Verifizierungsmaßnahmen,
wenn sie etwas leisten können, ohne
die Sicherheitsinteressen der Vereinigten Staaten und ihrer Verbündeten
zu verletzen, wenn sie erforderlich,
den Umständen angemessen sind und die
zur Verhandlung stehenden Systeme betreffen. Aber in diesem Fall wird
die Verifizierung des ABM-Vertrags in
seiner 1972 unterzeichneten Fassung
von den Nationalen Technischen Mitteln geleistet. Da die von den Vereinigten Staaten vorgeschlagenen Maßnahmen zur Berechenbarkeit größere
Transparenz bei den Aktivitäten beider Seiten hervorbringen und einige
Verifizierungsziele vorantreiben würden, handelt es sich hierbei im wesentlichen um vertrauensbildende Maßnahmen.
In jedem Fall konnte der im Hinblick auf dieses Protokoll erzielte
erhebliche Fortschritt keine große
öffentliche Aufmerksamkeit auf sich
lenken.
Die Betonung lag vielmehr
auf sowjetischen Drohungen, es könne
kein START-Vertrag ohne eine Verein-

barung geschlossen werden, sich für
einen bestimmten Zeitraum nicht aus
dem ABM-Vertrag zurückzuziehen.
Tatsache ist, daß die Vereinigten
Staaten ßeit 1986 erklärt haben, sie
würden dem Abschluß eines separaten
Vertrags von unbegrenzter Dauer zustimmen, der auch eine Phase des
Nichtrückzugs umfaßt - nicht jedoch
als Preis für einen START-Vertrag,
der um seiner selbst willen geschlossen werden sollte. Die Vereinigten
Staaten sind vielmehr bereit, der sowjetischen Forderung nach einer Phase
des Nichtrückzugs nachzukommen, wenn
die Sowjets drei Bedingungen der Vereinigten Staaten erfüllen.
Erstens
werden die Vereinigten Staaten nach
der Phase des Nichtrückzugs die Freiheit haben, ohne weitere Berücksichtigung des ABM-Vertrags und nach einer sechsmonatigen Vorwarnzeit Verteidigungssysteme
zu
stationieren.
Zweitens bleiben die gemäß dem Völkerrecht bestehenden Rechte auf Rückzug und Kündigung, sofern sie nicht
mit der Stationierung an sich zusammenhängen, unberührt. Drittens darf
es in der Phase des Nichtrückzugs
keine Unstimmigkeiten über Forschung,
Entwicklung und Erprobung - auch im
Weltraum - geben. In diesem Zusmmenhang möchte ich hervorheben, daß die
Vereinigten Staaten das SDI-Programm
jetzt und in Zukunft im Einklang mit
allen internationalen Abkommen, einschließlich des ABM-Vertrags, durchführen werden.
Zwei dieser drei amerikanischen
Bedingungen wurden in der Gemeinsamen
Erklärung des Washingtoner Gipfels
vom 10. Dezember 1987 behandelt, einem wichtigen Meilenstein in unseren
Verhandlungen, mit dem es uns in Genf
möglich war, ein Abkommen mit demselben rechtlichen Status wie der ABMund der START-Vertrag auszuarbeiten.
Erstens wurde in Washington vereinbart, daß "intensive Diskussionen
über die Stabilität im strategischen
Bereich nicht später als drei Jahre
vor Ende des zu bestimmenden Zeitraums (des Nichtrückzugs) aufgenommen

- 4 -

�werden sollten, und danach wird jede
Seite - vorbehaltlich anderslautender
beiderseitiger Vereinbarungen - den
weiteren Verlauf ihrer Aktivitäten
frei bestimmen können". Damit wurde
ein neues System nach der Phase des
Nichtrückzugs anerkannt, demzufolge
jede Seite über die Stationierung von
Raketensystemen zur Verteidigung ohne
Berücksichtigung
des
ABM-Vertrags
entscheiden könnte. Die Position der
Vereinigten Staaten besagt, daß die
Einschränkungen des ABM-Vertrags weiterhin gelten, bis eine Partei von
ihrem "Stationierungsrecht" Gebrauch
macht.
Darüber hinaus wurde zweitens
vereinbart, daß beide Seiten "den
ABM-Vertrag in der 1972 unterzeichneten Version einhalten, während sie
die im Rahmen des ABM-Vertrags erlaubte Forschung, Entwicklung und Erprobung durchführen". Generalsekretär Gorbatschow stimmte dieser amerikanischen Sprachregelung zu, die von
den Sowjets in den vorausgegangenen
18 Monaten in Genf mit dem Argument
abgelehnt worden war, die Vereinigten
Staaten würden darunter die Erprobung
auf anderen physikalischen Prinzipien
beruhender weltraumgestutzter ABM-Systeme und ihrer Komponenten im Weltraum verstehen.
Hier in Genf haben die Sowjets
versucht, diese Vereinbarung des Washingtoner
Gipfels
herunterzuspielen. Im ersten Fall strebten sie eine Beendigung des Vertrags über Verteidigung im Weltraum mit Ablauf der
Nichtrückzugsphase an, womit die vereinbarten neuen Maßnahmen nach dieser
Phase null und nichtig würden. Der
von amerikanischer Seite vorgeschlagene Vertrag über Verteidigung im
Weltraum ist unbegrenzt gültig und
gewährleistet das "Recht zu Stationierung" zusammen mit den entsprechenden
Benachrichtigungsverfahren.
Im zweiten Fall haben die Sowjets erklärt, der "weiten Auslegung" des
ABM-Vertrags nicht zuzustimmen, obwohl die Genfer Verhandlungsprotokolle eindeutig belegen, daß sie verstanden haben, daß die Vereinigten

Staaten die "weite Auslegung" bei der
Formulierung meinten, der Generalsekretär Gorbatschow beim Gipfeltreffen
in Washington zugestimmt hat.
Infolgedessen haben die Vereinigten Staaten klargestellt, daß der Abschluß eines Vertrags über Verteidigung im Weltraum von der Klärung dieser Formulierung in der Gemeinsamen
Erklärung des Washingtoner Gipfels
abhängt, um ein klares gegenseitiges
Verständnis der genehmigten Erprobung
zu gewährleisten. Um dies zu verwirklichen und um die Diskussion über
Kontroversen über die Auslegung des
ABM-Vertrags
hinauszuführen,
haben
die Vereinigten Staaten drei Initiativen in die Wege geleitet. Erstens
haben sie die von mir bereits erwähnten Maßnahmen
zur Berechenbarkeit
vorgeschlagen.
Zweitens haben die
Vereinigten Staaten in Anbetracht der
unlösbaren Verifizierungsprobleme und
der vordringlichen Entwicklung neuer,
stablisierender
weltraumgestützter
Sensoren den Vorschlag unterbreitet,
daß beide Seiten übereinkommen, auf
der Grundlage des ABM-Vertrags die
Entwicklung, Erprobung oder Stationierung weltraumgestutzter Sensoren
der anderen Seite nicht abzulehnen.
Drittens haben wir im vergangenen Oktober eine Garantie für Erprobung im
Weltraum gegeben, die der von den Sowjets vorgebrachten Besorgnis über
die Stationierung von ABM-Systemen im
Weltraum oder die Errichtung eines
Stützpunkts für eine solche Stationierung Rechnung trägt.
In dieser
Garantieerklärung haben sich die Vereinigten Staaten verpflichtet, daß
sie nur eine begrenzte Anzahl bestimmter Komponenten weltraumgestützter ABM-Systeme von ABM-Erprobungssatelliten aus erproben werden, die auf
anderen physikalische Prinzipien beruhen und fähig sind, ABM-Abfangraketen zur Abwehr ballistischer Raketen
oder ihrer Elemente während des Fluges zu ersetzen. Die Anzahl dieser
amerikanischen ABM-ErprobungsSatelliten, die sich gleichzeitig in der
Erdumlaufbahn befinden, wird nicht
niedriger sein, als dies realistisch
gesehen der Fähigkeit stationierter

- 5 -

�Systeme entsprechen würde. Im Zusammenhang mit dieser Garantieerklärung
haben wir Benachrichtigungsverfahren
vorgeschlagen, die sich auf die Erprobung
von
ABM-Versuchssatelliten
beziehen.
Obwohl die Sowjets noch nicht zugestimmt haben, sind wir zufrieden,
daß diese Initiativen von einer soliden
technischen
und
politischen
Grundlage ausgehen und sich gerecht
mit der Besorgnis beider Seiten auseinandersetzen.
Sie werden beiden
Seiten Berechenbarkeit im Hinblick
auf alle Verteidigungsaktivitäten mit
strategischen Raketen gewähren. Sie
geben die Garantie, daß über die Bestimmungen des ABM-Vertrags für einen
festgelegten Zeitraum keine Stationierung moderner Verteidigungssysteme
vorgenommen wird - sollte es dazu
kommen, garantieren sie, daß vorher
umfangreiche Diskussionen über die
Stabilität im Strategischen Gleichgewicht zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion stattgefunden
haben müssen.
Die
amerikanischen
Initiativen
zielen auch darauf ab, sicherere und
stabilere zukünftige Maßnahmen zu erarbeiten, bei denen die Sicherheit
beider Seiten und der ganizen Welt
sich auf die immer bedeutendere Rolle
einer effektiven nichtnuklearen Verteidigung gegen die bedrohlichste
Waffe der modernen Technologie - die
ballistische Offensivrakete - gründet, unabhängig davon, ob sie mit "nuklearen, konventionellen oder chemischen Gefechtsköpfen bestückt ist.
Diese Prognose Scheint sich voll und
ganz mit jüngsten sowjetischen Erklärungen zu decken, denen zufolge die
UdSSR ihre Militärstrategie insgesamt
ändert und ihr defensiven Charakter
verleiht. Und diese Prognose deckt
sich auch vollständig mit dem allseits bekannten sowjetischen Interesse an Verteidigung, generell gesprochen. Daher werden wir uns in Geduld
fassen und eine positive sowjetische
Reaktion abwarten.
In diesem Zusammenhang möchte ich

feststellen, daß wir eine nützliche
Runde unserer Verhandlungen beenden.
Die amerikanische Seite hat die Kontinuität der amerikanischen Position
zur Verteidigung im Weltraum betont
und mit dem Protokoll in Verbindung
stehendes neues Material zur Verfügung gestellt.
Obwohl die Sowjets
kein neues Material vorgelegt und
sich geweigert haben, die Positionen
beider Seiten in «einem Gemeinsamen
Entwurf des Vertrags über die Verteidigung im Weltraum zu verankern, haben sie konstruktiv am Protokoll des
Gemeinsamen Entwurfs mitgearbeitet.
In dieser Runde schien sich auch,
ausgehend von der gemeinsamen Erkenntnis, daß es keine absolute Waffe
gibt - sei sie offensiv oder defensiv
- eine leichte Verlagerung in Richtung auf eine umfassendere Erörterung
des
Offensiv-Defensiv-Verhältnlsses
abzuzeichnen. Wohin eine solche Diskussion angesichts fortschreitender
technischer
Möglichkeiten
führen
wird, ist unklar, aber es wäre höchst
unwahrscheinlich, zu der Schlußfolgerung zu gelangen, daß wirksame Verteidigungssysteme nicht stationiert
werden sollen, wenn sie sich als
machbar erweisen sollten. Die Vereinigten Staaten sind der Ansicht, es
sei sinnvoll, wirksame Verteidigungssysteme zu entwickeln, wenn fortschreitende Technologien dies ermöglichen und sie zu Stationieren, wenn
sie fertig sind - vorzugsweise in gemäßigtem Tempo und auf kooperative
Art und Weise.
Abschließend möchte ich die Arbeit des Weltraumausschusses hier bei
der
Abrüstungskonferenz
würdigen.
Wie Sie meiner Beschreibung der Gespräche über die Verteidigung im
Weltraum entnehmen können, ist die
Arbeit in diesem Bereich außerordentlich kompliziert.
Verständnis auf
diesem Gebiet aufzubauen, ist kein
leichter Prozeß, und ich beglückwünsche den Weltraumausschuß zu der geleisteten Arbeit, größeres Verständnis für dieses Thema zu wecken. Während auf bilateraler Ebene zunächst
ein grundsätzlicher Rahmen geschaffen

�werden muß, haben die Vereinigten
Staaten nach wie vor Interesse an den
mit Rüstungskontrolle
im Weltraum
verbundenen Themen bei der Abrüstungskonferenz und wollen diese weiterhin prüfen. Aber die Vereinigten
Staten haben noch keine praktischen
Maßnahmen zur Rüstungskontrolle im
Weltraum ausgemacht, die auf multilateraler Ebene behandelt werden können.
•
*

Herr Präsident, es war mir eine
Ehre und ein Vergnügen, vor dieser
Konferenz sprechen zu dürfen.
Ich
verfolge Ihre Arbeit aufmerksam und
wünsche der Konferenz einen erfolgreichen Verlauf.
Ich danke Ihnen,
Herr Präsident.

* * * * *

- 7-

i

�AMERIKA DIENST
'VoN

Hintergrundmaterial

4

30

9. August 1989

WESTLICHE SICHERHEIT:

DIE USA UND IHRE NATO-PARTNER

- Regionale Übersicht des Außenministeriums -

Die folgende regionale Übersicht zur Sicherheit des Westens wurde vom Außenministerium im Juni 1989 veröffentlicht.

Westliche Sicherheit:
ihre NATO-Partner

USA und

es zum am schwersten bewaffnetenen
Kontinent der Welt machte.

Nach dem Zweiten Weltkrieg sahen
sich die von der Bedrohung des Naziregimes befreiten Völker Europas ;nit
zwei
diametral
entgegengesetzten
Sichtweisen
der Zukunft
konfrontiert. Die Vereinigten Staaten und
ihre Verbündeten in Westeuropa sahen
ein Zeitalter der Demokratie vor
sich, das von der Freiheit des einzelnen und wirtschaftlichem Wohlstand
geprägt sein sollte, wie sie sich auf
der Grundlage freier Marktwirtschaft
entfalten können. Gemeinsam mit unseren Verbündeten bildeten wir &gt;;ln
Bollwerk gegen die von der Sowjetunion vertretene gegensätzliche Sichtweise - die Europa gegen den Willen
seiner Völker willkürlich teilte und

Anzeichen, daß die Sowjetunion durch Glasnost, Perestrojka, Demokratisierung und "neues Denken" - ihre
Vision der Zukunft ändert, bedeuten
nicht, daß die notwendige Solidarität
der Verbündetenen hinfällig geworden
ist. Mit Interesse und Wachsamkeit
beobachten wir die Veränderungen in
der Sowjetunion.
Die Vereinigten
Staaten
begrüßen
Glasnost, Perestrojka, neues politisches Denken und
die ersten zögernden Schritte in
Richtung auf Demokratisierung. Die
Vereinigten Staaten erwarten jedoch
greifbare Anzeichen, daß die Sowjets
ihr Verhalten im Hinblick auf militärische Expansion der Sowjetunion, Beschaffungsvorhaben
und Aufstellung

Die

United States Information Service
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�von
Streitkräften,
Militärdoktrin,
Menschenrechte, regionalen Konflikte
und militärische Unterstützung totalitärer Staaten geändert haben, bevor
sich die Haltung der Verbündeten in
den Beziehungen mit dem Ostblock entscheidend ändern kann.
Darüber hinaus ist die ehemals
von den Sowjets vertretene Sichtweise
eines in ideologische Lager aufgespaltenen Europas nicht der einzige
Grund für westliche Bündnisse und
Freundschaften.
In den vergangenen
vierzig Jahren haben die Vereinigten
Staaten und ihre NATO-Partner starke
politische, militärische und wirtschaftliche
Beziehungen
aufgebaut,
die durch gemeinsame Werte und grundsätzlich gemeinsame Interessen verknüpft sind. Bei den westlichen Verbündeten selbst haben enorme Veränderungen stattgefunden, und die Rolle
der Vereinigten Staaten ist heute wesentlich weniger vorherrschend als
nach dem Zweiten Weltkrieg. Weit davon entfernt, ein negatives Anzeichen
schwindenden Einflusses der Vereinigten Staaten zu sein, sind die Veränderungen der bestmögliche Beweis dafür, daß unsere politischen Maßnahmen
funktioniert haben. Obwohl die Vereinigten Staaten nicht die Hauptquelle von Ressourcen für Europas politische, wirtschaftliche und militärische Stärke sind, spielen sie eine
einzigartige Rolle als Katalysator
für Zusammenarbeit.
Die entscheidendste Entwicklung
in der Reaktion der Verbündeten auf
die Herausforderungen der Nachkriegszeit war die Unterzeichnung des Nordatlantikvertrags im April 1949. Mit
diesem Dokument wurde die Organisation des Nordatlantikvertrags (NATO)
geschaffen, die vielfach als das
wirksamste und dauerhafteste Verteidigungsbündnis der modernen Geschichte angesehen wird. Die NATO ist ein
rein defensives Bündnis: sie erhebt
keine Gebietsansprüche gegenüber anderen Nationen und ihre Mitglieder
haben sich verpflichtet, ihre Streitkräfte nur zur Verteidigung des Bündnisgebiets einzusetzen. Während die

NATO im Jahr 1989 ihren 40. Jahrestag
feiert, werden kontinuierliche Konsultationen zwischen den Vereinigten
Staaten und den Verbündeten zu einem
umfassenden Ansatz nicht nur bei
Ost-West-Fragen führen, sondern das
westliche Bündnis bei der Bewältigung
der vor ihm liegenden Herausforderungen auch stärker als je zuvor machen.
Diese Übersicht prüft die grundsätzlichen Zielsetzungen der Vereinigten Staaten, während die NATO eine
Neubewertung eines sich verändernden
Sicherheitsklimas vornimmt und darauf
reagiert.

|

v
(Die
ursprünglichen
Mitglieder
der NATO waren: Belgien, Dänemark,
Frankreich, Großbritannien, Island,
Italien, Kanada, Luxemburg, Niederlande, Norwegen, Portugal und die
Vereinigten Staaten. Die Bundesrepublik Deutschland, Griechenland, Spanien und die Türkei traten später
bei, wodurch sich die Zahl der NATOMitgliedstaaten
auf
16
erhöhte.
Frankreich zog sich im Jahr 1966 aus
der integrierten militärischen Struktur der NATO zurück, ist jedoch noch
Mitglied des Bündnisses).
Politische Beziehungen
In einer Ansprache beim Treffen
der europäischen
Außenminister in
Wien umriß Außenminister Baker am 6.
März 1989 "vier Freiheiten", die vom
Westen als Grundsteine für Demokratie
und friedliche Beziehungen angesehen
werden:
Die Freiheit aller Europäer, ein
Mitspracherecht an Entscheidungen
zu haben, die ihr Leben betreffen, darunter die freie Wahl des
Arbeitsplatzes.
Würde der Ostblock diese Freiheit akzeptieren,
wäre die Legalität der Gewerkschaft Solidarität die Norm und
nicht Thema kontroverser Verhandlungen gewesen.
Die Freiheit aller Europäer, ihre
politischen Meinungen zum Aus-

t
v

�druck zu bringen, wenn alle Ideen
dankbar aufgenommen werden und
die Menschenrechte wahrhaft unverletzlich sind. Würde der Ostblock diese Freiheit akzeptieren,
würden die Beobachter der KSZEVereinbarungen zu den Menschenrechten nicht von ihren Regierungen verfolgt.
Die Freiheit aller Europäer, Ideen und Informationen auszutauschen und ihr Recht auf Freizügigkeit wahrzunehmen. Würde der
Ostblock diese Freiheit akzeptieren, wäre Wissenschaftlern der
Zugang zu Lehrmaterial niemals
verweigert worden - und die Berliner Mauer wäre nur noch Bruchstein.
Die Freiheit aller Europäer nicht
nur von einem militärischen Angriff sondern auch von militärischer Einschüchterung. Würde der
Ostblock diese Freiheit akzeptieren, sähen sich die Westeuropäer
nicht einer überwältigenden militärischen Streitmacht im Osten
gegenüber und die Osteuropäer wären in der Lage, eigene politische Entscheidungen ohne Furcht
zu treffen, von sowjetischen Panzern "überstimmt" zu werden, wie
es in der DDR im Jahr 1953, in
Ungarn 1956 und in der Tschechoslowakei 1968 der Fall war.
Dank dieser durch die Kraft freier Marktwirtschaften und enge Zusammenarbeit mit den Vereinigten Staaten
genährten
unerschütterlichen
Verpflichtung zu diesen vier Grundsätzen
konnte Westeuropa sich mit Hilfe des
Marshall-Plans von der Verwüstung des
Zweiten Weltkriegs schneller erholen
als die meisten noch so optimistischen Planer erwartet hatten. Infolgedessen hat sich ein Teil der Macht
und des Einflusses der Vereinigten
Staaten auf die westeuropäischen Verbündeten verlagert.
Diese Entwicklung ist sowohl positiv als auch wünschenswert. Dennoch stellt sie uns
vor neue Herausforderungen, während
die Vereinigten Staaten und ihre Ver-

bündeten Mittel und Wege ergründen,
um sowohl den Nutzen als auch die Lasten der gemeinsamen Verteidigung zu
verteilen.
Die Westeuropäer gewöhnten sich
daran, daß die Vereinigten Staaten
einen Großteil der Kosten für die gemeinsame Verteidigung trugen. Heute
jedoch,
da
die
Volkswirtschaften
Westeuropas
amerikanische
Wirtschaf tsinteressen in den Vereinigten
Staaten und der ganzen Welt herausfordern, wird von den Amerikanern die
Meinung vertreten, Westeuropa sei nun
in der Lage, einen größeren Anteil
zur gemeinsamen Verteidigung beizutragen. Die Tatsache, daß das westliche Bündnis sogar inmitten einer
Debatte über solch grundlegende Fragen weiter an Stärke gewinnt, ist der
beste Beweis dafür, daß der demokratische Austausch von Ideen die einzige Garantie für dauerhaften Frieden
und Freundschaft bietet.
Gerade weil, sich die NATO aus
funktionierenden Demokratien zusammensetzt, muß die öffentliche Meinung
in vielen Staaten berücksichtigt werden, bevor wichtige politische, wirtschaftliche und militärische Entscheidungen gefällt werden. Zum Beispiel wurde der amerikanisch-sowjetische Vertrag zur Beseitigung der
nuklearen Mittelstreckenraketen (INF)
ermöglicht, weil sich die Menschen in
mehreren westeuropäischen Demokratien
trotz sowjetischer Schachzüge dafür
aussprachen, zunächst INF-Systeme zu
stationieren. Diese gemeinsame Handlungsweise der Verbündeten setzte
Moskau in Zugzwang, da die Sowjets
vor der Stationierung der westlichen
INF-Systeme ein Monopol bei diesen
Waffen besaßen und keinen Anlaß zu
ernsthaften
Verhandlungen
sahen.
Wichtige Beschlüsse zur Sicherheit
der Verbündeten sowie zu den politischen und wirtschaftlichen Beziehungen müssen der Überprüfung durch die
Öffentlichkeit aller 16 Mitgliedstaaten standhalten.
Die
westlichen
Bündnispartner
sind sich seit langem der Tatsache

- 3 -

�bewußt, daß ihre Freiheit und ihr
Wohlstand am besten geschützt werden,
wenn sie ein wirksames Abschreckungspotential aufrechterhalten und gewisse Arrangements mit dem Osten treffen
können. Die Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa
(KSZE), die zum ersten Mal im Jahr
1972 in Helsinki zusammentraf, hat
sich bemüht, den Kern der politischen
und militärischen Probleme zu behandeln, die zur Instabilität in Europa
beitragen.
Folgetreffen im Rahmen
des sogenannten "KSZE-Prozesses" wurden zu verschiedensten Themen, von
den Menschenrechten bis zur friedlichen Beilegung von Konflikten und Umweltfragen einberufen.

Namen "flexible Reaktion" bekannte
Strategie, die auch heute noch gültig
ist. Die NATO ist bereit, jede ihr
zur Verfügung stehende Waffe einzusetzen, um einem Akt der Aggression
in geeigneter Weise entgegenzutreten.
Der Warschauer Pakt muß die
Möglichkeit in Betracht ziehen, daß
die NATO jedes ihr zur Verfügung stehende Mittel einsetzen könnte - einschließlich der Atomwaffen -, wenn
die Truppen des Warschauer Pakts in
Westeuropa
einmarschierten.
Diese
Flexibilität dient der Abschreckung
eines Krieges, indem der anderen Seite
unmißverständlich
klargemacht
wird, daß der Westen geeignete Maßnahmen ergreifen wird, um jeder Form
von Aggression zu begegnen.

Die nukleare Rüstungskontrolle

Auf beiden Seiten erschienen atomare Kurzstreckenwaffen, und die sowjetisch geführten Truppen und Panzer
des Warschauer Pakts waren denen des
Westens weiterhin zahlenmäßig weit
überlegen. Dies war ein entscheidender Faktor in der Verteidigungsstrategie des Bündnisses, weil die stärkste Militärmacht der NATO, die Vereinigten Staaten (Tausende von Meilen
von der Grenze zwischen Ost und West
entfernt), nicht in der Lage war,
konventi onelle
Streitkräfte
rasch
nach Europa zu verlegen.

Um
eigener
propagandistischer
Vorteile willen versucht die Sowjetunion häufig, die NATO-Strategie der
"flexiblen Reaktion" und unsere Bemühungen um Abschreckung eines Krieges
falsch darzustellen. So würde Moskau
es beispielsweise vorziehen, wenn wir
den Ersteinsatz nuklearer Waffen ausschlössen und Europa in eine "atomwaffenfreie Zone" verwandelten.
In
der Vergangenheit schlug Moskau ferner ein "Einfrieren" der Atomstreitkräfte auf den gegenwärtigen Niveaus
vor. Der wahre Charakter dieser sowjetischen Argumente wird deutlich,
wenn man in Betracht zieht, daß bei
Abwesenheit eines glaubwürdigen nuklearen Abschreckungspotentials die
konventionellen Streitkräfte des Warschauer Pakts das Umfeld der europäischen Sicherheit beherrschen würden. Überdies hat die Geschichte gezeigt, daß selbst bei Vorhandensein
gleicher konventioneller Streitkräfteniveaus konventionelle Streitkräfte
allein einen Krieg nicht verhindern.
Es ist die auf einem glaubwürdigen
Mix moderner atomarer und konventioneller Waffen gegründete NATO-Strategie der Abschreckung, die in den vergangenen 40 Jahren den Frieden in Europa bewahrt hat.

Als Antwort auf die massive Aufrüstung des Ostblocks verabschiedete
die NATO im Jahr 1967 eine unter dem

Aufgrund dessen haben die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten
die Frage der nuklearen Rüstungskon-

In den ersten Nachkriegsjahren
befand sich das militärische Gleichgewicht in Europa im Fluß. Es wurde
von Versuchen der Sowjets geprägt,
anderen Regierungen den Willen Moskaus aufzuzwingen.
Die amerikanischen strategischen
oder atomaren
Langstreckenraketen bildeten ein Gegengewicht zur Überlegenheit der Sowjetunion
bei den konventionellen
Streitkräften. Nach 1948 stellte die
Entwicklung von Atomwaffen durch die
Sowjetunion eine zusätzliche Bedrohung Europas und der Vereinigten
Staaten dar.

- 4 -

�trolle unter dem umfassenden Gesichtspunkt der westlichen Sicherheit
in Angriff genommen. Die Reduzierung
von Waffen ist kein Selbstzweck, unser Ziel besteht vielmehr in der Verbesserung der westlichen Sicherheit
und regionalen Stabilität. Die Vorschläge des Westens zur konventionellen Rüstungskontrolle zielen auf die
Beseitigung der Ungleichgewichte bei
den konventionellen Streitkräften und
auf die Verbesserung der Stabilität
ab.
Es gibt drei grundlegende Kategorien
landgestützter
Atomraketen:
Kurzstreckensysteme (SNF) mit einer
Reichweite unter 500 Km, Mittelstrekkensysteme mit Reichweiten zwischen
500 und 4 500 Km sowie Langstreckenoder strategische Systeme - Interkontinentalraketen
(ICBMs), unterseebootgestUtzte
ballistische
Raketen
(SLBMs) und schwere Bomber - mit einer Reichweite über 5 500 Km.
Die einzige von den Vereinigten
Staaten und der UdSSR vollständig
verbotene Kategorie von Atomraketen
sind
die
Mittelstreckensysteme
(INF).

Die

Sowjetunion

begann

mit

der Stationierung landgestützter Systeme, die Ziele in Westeuropa erreichen konnten, in den fünfziger Jahren. Die gefährlichsten dieser INFWaffen waren die modernen SS-20-Raketen, die von den Sowjets seit 1977
stationiert wurden.
Die westlichen
Bündnispartner einigten sich im Hinblick auf INF auf einen "zweigleisigen" Ansatz - die Stationierung neuer
INF-Systeme, um der sowjetischen Bedrohung zu begegnen, bei gleichzeitigen Verhandlungen mit den Sowjets, um
die SS-20 und andere sowjetische
INF-Raketen zu beseitigen.
Angesichts der Stationierung amerikanischer INF-Raketen stimmte die UdSSR
einem amerikanischen Vorschlag zu,
der ein vollständiges, verifizierbares Verbot aller Mittelstreckensysteme vorsieht.
Die strategischen Atorastreitkräfte sind Thema der Gespräche zur Ver-

ringerung
strategischer
Rüstungen
(START) mit dem Ziel, das Risiko eines Atomkriegs zu verringern.
Das
Ziel der Vereinigten Staaten bei den
START-Verhandlungen ist die Herbeiführung eines ausgewogenen und wirksam verifizierbaren Abkommens, mit
dem ein stabileres atomares Gleichgewicht geschaffen und damit der Anreiz
für jede Seite verringert wird, einen
Erstschlag durchzuführen. Die Vereinigten Staaten gehen davon aus, daß
ein START-Vertrag in der Zukunft möglich ist, zunächst jedoch noch eine
Reihe schwieriger Fragen gelöst werden muß.
Dazu gehören:
mobile
ICBMs, see- und luftgestützte Marschflugkörper
sowie Untergrenzen für
ICBM-Gefechtsköpfe. In vielen dieser
Fälle bildet die Verifizierung die
schwierigste Herausforderung.
Die NATO sieht sich weiterhin der
unmittelbaren Bedrohung einer großen
Zahl atomarer Kurzstreckensysteme des
Warschauer
Pakts
ausgesetzt,
die
kürzlich noch erheblich modernisiert
wurden. In dem im Mai 1989 von der
NATO verabschiedeten
"Gesamtkonzept
für Rüstungskontrolle und Abrüstung"
bekräftigt die NATO ihre Haltung,
derzufolge es in vorhersehbarer Zukunft keine Alternative zur auf einem
geeigneten Mix angemessener und wirksamer nuklearer und konventioneller
Streitkräfte
gegründeten
Strategie
der Abschreckung gibt. Land-, seeund luftgestützte nukleare Systeme in
Westeuropa, darunter
auch landgestützte Raketen, werden weiterhin benötigt und gegebenenfalls modernisiert werden müssen. Im Einklang mit
der Verpflichtung der NATO, nur die
Mindestzahl der zur Aufrechterhaltung
dieser Strategie erforderlichen Atomwaffen beizubehalten, hat das Bündnis
bereits einseitige Kürzungen bei den
nuklearen Kurzstreckensystemen vorgenommen. Die Anzahl der landgestützten Gefechtsköpfe in Westeuropa wurde
seit 1979 um über ein Drittel abgebaut und erreichte somit ihren niedrigsten Stand seit 20 Jahren. Eine
Modernisierung solcher Systeme würde
zu weiteren Reduzierungen führen.

- 5 -

�Konventionelle Rüstungskontrolle
Präsident Bush und Außenminister
Baker betrachten die konventionellen
Streitkräfte als einen der vorrangigsten Bereiche in der Rüstungskontrolle. Außenminister Baker hat das Problem sehr einfach umrissen: "Die Sowjetunion und ihre Verbündeten haben
eine ungeheure von schwer bewaffneten
Einheiten angeführte und starker Feuerkraft unterstützte Streitmacht stationiert. Diese Streitmacht ist auf
den Westen gerichtet."
Panzer und
Artillerie des Warschauer Pakts sind
der NATO im Verhältnis 3 zu 1 überlegen, und der Warschauer Pakt hat bei
Schützenpanzern einen Vorteil von 2
zu 1. Selbst wenn alle von Generalsekretär Gorbatschow und dem Warschauer Pakt angekündigten einseitigen Streitkräftereduzierungen vorgenommen würden, hätte der Warschauer
Pakt immer noch doppelt soviel Panzer
und Artillerie.
Am 9. März 1989 sind im Rahmen
des KSZE-Prozesses zwei neue autonome
Verhandlungen in Wien eröffnet worden. Die Verhandlungen über Konventionelle Streitkräfte in Europa (KSE)
decken das gesamte europäische Territorium des Warschauer Pakts und der
NATO-Staaten vom Atlantik bis zum
Ural ab. Bei den separaten Verhandlungen über Vertrauens- und Sicherheitsbildende Maßnahmen (VSBM) haben
alle beteiligten 35 KSZE-Länder das
Ziel, "Offenheit" zwischen Ost und
West hervorzubringen.
KSE.
Beim
NATO-Gipfeltreffen
am 29. Mai 1989 hat Präsident Bush
die Verbündeten aufgefordert, gemeinsam mit den Vereinigten Staaten den
weitreichendsten westlichen Vorschlag
zur konventionellen Rüstungskontrolle
zu unterbreiten, der jemals in der
Nachkriegszeit vorgelegt wurde. Der
Präsident hat mit Zustimmung der NATO
folgende Verbesserungen zum nunmehr
in Wien vorliegenden KSE-Vorschlag
der NATO vorgeschlagen:
Erstens sollen die Bündnispartner
die Zustimmung des Ostblocks zu den

vom Westen vorgeschlagenen Begrenzungen bei wichtigen Bereichen ihrer
Landstreitkräfte festklopfen.
Dazu
zählen Obergrenzen für die Anzahl der
Panzer
(20 000 für jede Seite),
Schützenpanzer (28 000 für jede Seite) und Artilleriegeschütze (16 500
bis 24 000 für jede Seite, je nach
Lösung von Fragen der Definition).
Das reduzierte Gerät würde zerstört.
Mit dieser Bestimmung würde der Ostblock verpflichtet, Zehntausende von
Waffensystemen zu vernichten und seine Vormachtstellung in diesen wichtigen Bereichen militärischer Stärke
aufzugeben.

,
\

Zweitens muß der Westen seinen
Vorschlag so erweitern, daß damit zum
ersten Mal das Konzept konventioneller Rüstungskontrolle auch alle landgestützten Kampfflugzeuge und Hubschrauber im Gebiet vom Atlantik bis
zum Ural abdeckt. Jede Seite wäre
verpflichtet, ihren Bestand auf 15
Prozent unter der gegenwärtigen Gesamtmenge der NATO zu reduzieren.
Alles reduzierte Gerät würde verschrottet. Wiederum würde trotz beiderseitig vorgenommener erheblicher
Kürzungen der Ostblock seine gegenwärtige Vormachtstellung bei diesen
Streitkräften verlieren.
Drittens müssen sich die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion
auf einen gemeinsamen Stand von etwa
275 000 Soldaten der Land- und Luftstreitkräfte einigen, die außerhalb
des nationalen Territoriums im Gebiet
zwischen Atlantik und Ural stationiert sind. Die Vereinigten Staaten
sind bereit, ihre Kampftruppen um 20
Prozent zu reduzieren, um diesen
Stand zu erreichen. Bei dieser Reduzierung auf einen Gleichstand müßten
die Sowjets ihre 600 000 Mann starken
Truppen in Osteuropa um 325 000 Soldaten reduzieren.
Die auf beiden
Seiten abgezogenen Soldaten würden
entlassen.
&lt;
Viertens müßten beide Seiten ihren Zeitplan für den Abschluß eines
KSE-Abkommens im oben beschriebenen
Kontext und die Durchführung der er-

- 6 -

(

i

�Landes (etwa sowjetischer Truppen
in der DDR) sollten zusätzliche
Begrenzungen gelten. Diese beiden Punkte würden zusammengenommen sicherstellen, daß kein einzges Land Europa mit Waffengewalt
beherrschen könnte.

forderlichen Reduzierungen beschleunigen. Die Sowjetunionm strebt dabei
als Ziel das Jahr 1997 an, während
die Vereinigten Staaten innerhalb von
sechs Monaten bis zu einem Jahr ein
Abkommen erzielen und die Reduzierungen bis 1992 oder 1993 vornehmen wollen.

Die Beseitigung von Fähigkeiten
zur
Durchführung
von
Überraschungsangriffen und großen Offensivoperationen. Die Arten von
Waffensystemen, bei denen der
Ostblock die größten Vorteile hat
- Panzer, Artillerie und Schützenpanzer - sind solche Systeme,
die für den Einfall und die Besetzung von Terrotorium - dem
Hauptziel eines jeden Aggressors
von entscheidender Bedeutung
sind.

Die NATO hat als Ziel für die
Vorlage dieser Verbesserungen zusammen mit den Verifizierungsbestimmungen die Eröffnung von Runde III der
KSE am 7. September 1989 avisiert.
Wenn die Sowjetunion und ihre Verbündeten Bereitschaft zur Änderung ihrer
nationalen Prioritäten signalisieren
und
ihre ungeheuren militärischen
Aufstellungen reduzieren, sind die
Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten bereit, an der Verwirklichung
der seit langem gehegten Hoffnung eines sicheren und weniger militarisierten Europas mitzuwirken.

Die Vereinigten Staaten bestehen
darauf, daß jeder Rüstungskontrollvertrag wirksam verifizierbar sein muß und Inspektionen
verstärkt
durchgeführt
werden
sollen.

Die westlichen Verbündeten verfolgen bei KSE vier Hauptzielsetzungen:
Die Errichtung eines sicheren und
stabilen Gleichgewichts konventioneller Streitkräfte auf niedrigerem Niveau. Die gegenwärtige
Konzentration
konventioneller
Streitkräfte
zwischen
Atlantik
und Ural stellt das größte jemals
aufgestellte destruktive Potential konventioneller Streitkräfte
dar.
Allein die Präsenz einer
solchen massiven Feuerkraft bedroht die Sicherheit Europas.
Die Behebung von Stabilität und
Sicherheit abträglichen Ungleichgewichten. Es ist das erhebliche
Ungleichgewicht bei Panzern, Artillerie und Schützenpanzern, das
die Stabilität und Sicherheit Europas am stärksten bedroht. Insbesondere sollte es keinem einzigen Land erlaubt sein, mehr als
einen festgelegten Anteil aller
Waffensysteme zu besitzen, die
alle Parteien haben.
Für die
Stationierung von Soldaten auf
dem Territorium eines anderen

VSBM. Mit Hilfe der VSBM soll
das Risiko für bewaffnete Konflikte
abgebaut werden, die aufgrund von
Mißverständnissen oder Fehleinschätzungen militärischer Fähigkeiten und
Absichten in Europa entstehen könnten. Nach dem erfolgreichen Abschluß
des Stockholmer Abkommens von 1986
und der zweieinhalbjährigen Erfahrung
mit seiner Durchführung werden die 35
Teilnehmerstaaten der KSZE erneut in
Wien zusammenkommen, um zusätzliche
Maßnahmen zu erarbeiten. Der westliche Vorschlag konzentriert sich dabei
auf Maßnahmen zur Förderung von Offenheit und Transparenz von militärischen Strukturen, Gerät und Aktivitäten und verringert damit die Wahrscheinlichkeit, daß solche Waffen jemals eingesetzt werden.
Ausblick
Wirtschaftliche, soziale und politische Veränderungen in der Sowjetunion und Osteuropa finden genau zu

- 7 -

�dem Zeitpunkt statt, an dem die
Volkswirtschaften und Demokratien der
Verbündeten einen Aufschwung erfahren. Neue Ufer liegen jetzt vor einem Kontinent, der vor vierzig Jahren
durch einen Konflikt zweier gegensätzlicher Visionen geteilt wurde.
Mit dem nachlassenden Konflikt könnte
es möglich sein, alte Hindernisse auf
Europas Weg in die Zukunft zu beseitigen.
Die Vereinigten Staaten und ihre
NATO-Verbündeten arbeiten gemeinsam
an der Beseitigung der größten Hindernisse - insbesondere des konventionellen Ungleichgewichts und den
Schleiern der Geheimhaltung, die sich
lange über die Sicherheit Europas und
den Weltfrieden gelegt haben. Dieser
Prozeß wird nicht leicht sein, aber
einem freien, offenen, sicheren und
wohlhabenden Europa den Weg bereiten.

* * * * *

- 8-

�AMERIKA DIENST
Wissenschaft und Technik

30

9. August 1989

INTEGRIERTES ENTSORGUNGSPROGRAMM FÜR ATOMANLAGEN

- Fünfjahresplan des US-Energieministeriums -

(AD). - Der Energieminister der Vereinigtes Staaten, Admlral James D.
Watklns, kündigte am 1. August 1989
Im Nationalen Presseklub in Washington einen auf zunächst fünf Jahre angesetzten Plan zur Entsorgung an nuklearen
Produktionsstätten an.
Er
ist Teil des wenige Tage zuvor bekanntgegebenen Programms zum Aufbau
einer "Nationalen Energiestrategie",
mit deren Hilfe das Land seinen Energiebedarf weit in das nächste Jahi—
hundert hinein decken kann.
Mehr denn je muß Watkins zufolge
nach Energietechnologien gesucht werden, bei denen keine Abfälle erzeugt
werden oder, falls sie nicht zu vermeiden sind, diese ordnungsgemäß entsorgt werden. Das gilt z.B. für die
festen
Rückstände
von
Entschwefe-

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lungsanlagen in Kohleund Heizölkraftwerken aber ebenso für die Rückstände
aus der Produktion von Kernmaterial
für Verteidigungszwecke.
Aus vielerlei Gründen
befindet
sich Watkins zufolge der letztgenannte Komplex in einem desolaten Zustand.
Eine Reihe von Anlagen Ist
überaltert. Manche mußten wegen notwendiger
S1eherheitsVerbesserungen
abgeschaltet werden, was bereits zu
einer Verknappung von Tritium führte.
Erst kürzlich hat man den Bau
eines
neuen
Produktionsreaktors
ernsthaft in Erwägung gezogen.
Infolge fragwürdiger Prioritäten in der
Vergangenheit und sich häufig ändernder Betriebsvorschriften sind Umweltprobleme In diesen Anlagen weit verbreitet; Gesundheitsund Sicherheits-

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�Vorkehrungen sind erst im nachhinein
getroffen worden und daher noch unvollständig. Ursprünglich waren sie
in den Betrieben nicht vorgesehen.
Der jetzt vorgesehene Fünfjahresplan gibt Auskunft darüber, wie das
Energieministerium die Einhaltung von
Gesetzen,
Betriebsbestimmungen
und
Abkommen zum Schutz der Gesundheit
von Mensch und Umwelt in den Einrichtungen, die Forschung für Verteidigungsprogramme, an Kernenergie und
Energie allgemein betrieben, gewährleisten will. Die auf 90 Tage angesetzte öffentliche Erörterung des Dokuments beginnt nach Bekanntgabe im
Bundesregister am 28. August. Nur
die nationale Sicherheit betreffende
Aktivitäten unterliegen weiterhin der
Geheimhaltung.
An der Ausarbeitung des Planes
waren Fachleute und Dienststellen des
Energieministeriums, Gouverneure der
betroffenen Bundesstaaten, gewählte
Vertreter des Indianerreservate sowie
Repräsentanten des Nationalen Gouverneursrats, der Nationalen Konferenz
der Parlamente der Bundesstaaten und
des Nationalen Verbandes der Justizminister
beteiligt.
Anschließend
wurde der Plan dem Ausschuß für Atommüll
bei
der Nationalen Wissenschaftsakademie vorgelegt.
Die von
all diesen Gremien vorgebrachten Bedenken wurden berücksichtigt.
"Wir
planen ein lebendiges Dokument - keinen starren Fünfjahresplan", sagte
Watkins.
Zum ersten Mal werden zur Korrekturmaßnahmen, Umweltschutz und Entsorgung sowie angewandte Forschung
und Entwicklung, für Verteidigungsprogramme, Kernenergie und Energieforschung in ein Gesamtprogramm integriert. Man wird alle wissenschaftlich anwendbaren Möglichkeiten nutzen, um Probleme an Ort und Stelle zu
lösen, statt sie ständig zu verlagern.
Technologien zur Behandlung
vou deponiertem Abfall, die nicht
dessen Abtransport erfordern, haben
dabei höchste Priorität.

Bereits bekannte Verseuchung an
stillgelegten Anlagen darf sich nicht
ausbreiten.
Verseuchung in anderen
Betrieben, über deren Art und Ausmaß
Unklarheit besteht, muß im Rahmen
realistischer technischer und zeitlicher Planung sowie zur Bereitstellung
der erforderlichen Mittel analysiert
werden. Gesundheitsdaten der Mitarbeiter aus dem Energieministerium unterstehenden
Betrieben
sollen zur
wissenschaftlichen Auswertung freigegeben und Gesundheitsrisiken beim
früherem, gegenwärtigem und künftigem
Betrieb der Anlagen bewertet werden.
Watkins verwies auf die Notwendigkeit, intensiv und kompetent auf
die Ziele des Planes hinzuarbeiten,
um sich auch die Unterstützung des
Kongresses zu sichern. Risiken für
die menschliche
Gesundheit müssen
wirksam abgebaut werden.
Am Forschungsund Entwicklungsprogramm sind
Universitäten, die Industrie, nationale Laboratorien und andere Bundesbehörden zu beteiligen, um Prioritäten und notwendige Projekte zu steuern und neue bzw. verbesserte Technologien zur Abfallminimierung und Entsorgung anzuwenden. Der Personalbedarf mit engagierten und gut ausgebildeten Mitarbeitern ist den Aufgaben entsprechen zu berücksichtigen.
Watkins schätzt, daß die Entseuchung, Entsorgung und Wiederherstellung der Umwelt bei nuklearen Anlagen
30 Jahre in Anspruch nehmen wird.
Der Kostenaufwand wird vielfach auf
150 Milliarden Dollar veranschlagt,
was Watkins als zu hoch ansieht.

* * * * *

�</text>
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                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
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                <text>Amerikadienst 09.08.1989</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA legen Verifizierungsmaßnahmen für START-Abkommen dar&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Botschafter Richard Burt&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;USA: Fortschritte bei Abwehrsystemen im Weltraum&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Botschafter Cooper bei der Geafer Abrüstungskonferanz&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrund&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Westliche Sicherheit: Die USA und ihre NATO-Partner&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Regionale Übersicht des Außenministeriums&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Integriertes Entsorgungsprogramm für Atomanlagen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Fünfjahresplan des US-Energieministeriums&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST
%

^ &lt;£

8. März 1989

10
INHALT

A

DOKUMENTATION
Ungleichgewichte Im Außenhandel verringert
- Jahresbericht zur Entwicklung im Handel USA fordern Sowjets zur Beteiligung am Abbau chemischer Waffen auf
- Außenminister Baker zur Eröffnung der KSE -

HINTERGRUNDMATERIAL
Die VSBM-Verhandlungen
- Hintergrundmaterial zu den VSBM WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Durchfallerkrankungen bei Kindern
- Orale Rehydration sehr oft wichtiger als Medikamente

* * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�AMERIKA DIENST
4

^v*-

V,QN

Dokumentation

- x

&amp;

10

8. März 1989
UNGLEICHGEWICHTE IM AUSSENHANDEL VERRINGERT
r

- Jahresbericht zur Entwicklung im Handel WASHINGTON - (AD) - Der amerikanischen Regierung zufolge wird sich die im
Jahr 1988 festgestellte positive Entwicklung bei der Erlangung eines besseren
Gleichgewichts im Welthandel in den kommenden zwei Jahren fortsetzen.
Diese Vorhersage ist im Jahresbericht zur Entwicklung im Handel enthalten,
der dem Kongreß am 1. März 1989 vom Finanzministerium und dem Büro des US-Handelsbeauftragten (USTR) zugeleitet wurde. Darin wird ein weiterer Rückgang
des US-Handelsdefizits sowie der Außenhandelsüberschüsse Japans, Europas und
der asiatischen Schwellenländer prognostiziert.
Nachfolgend veröffentlichen wir den Bericht im Wortlaut:

Teil I: Einführung
Das Allgemeine Handels- und Wettbewerbsfähigkeitsgesetz
von
1988
(P.L. 100-418) enthält Verpflichtungen, denen zufolge Berichte zu verschiedenen Themenbereichen vorzulegen
sind, darunter in Abschnitt 1641 die
Verpflichtung zur Vorlage eines Jahresbericht zur Entwicklung im Handel.
Auslösendes Moment für diesen Bericht
war die verbreitete Besorgnis über
die Entstehung erheblicher Ungleichgewichte im US-Handel und in der USLeistungsbilanz sowie die Auswirkungen wirtschaftlicher Tendenzen und
Maßnahmen im Ausland auf diese Ungleichgewichte.

und

Der Bericht soll eine Uberpüfung
Analyse der maßgeblichen wirt-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

schaftlichen Entwicklungen in Ländern
und Ländergruppen beinhalten, die
wichtige Handelspartner der Vereinigten Staaten sind, Prognosen für Entwicklungen der verschiedenen makroökonoraisehen Variablen im Berichtszeitraum und dem darauf folgenden
Jahr, Schlußfolgerungen und Empfehlungen für einen Kurswechsel zur Verbesserung der Aussichten sowie eine
Übersicht über die Auswirkungen von
Marktschranken und sonstigen unfairen
Praktiken auf den amerikanischen Handel.
Dem Gesetz zufolge ist der Bericht gemeinsam vom Finanzministerium
und dem Büro des US-Handelsbeauftragten in Konsultation mit dem Vorsitzenden des Zentralbankrats (Federal
Reserve Board) zu erarbeiten.
Der

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Bericht ist dem Finanzausschuß des
Senats sowie dem Haushaltsausschuß
des Repräsentantenhauses jeweils bis
zum 1. März eines jeden Jahres vorzulegen.

Teil II;
Überprüfung
jüngster Entwicklungen

Dies ist der erste nach P.L.
100-418, Abschnitt 1641 unterbreitete
Bericht. Teil II enthält eine Überprüfung und Analyse jüngster makroökonomischer Entwicklungen in Ländern
oder Ländergruppen, die wichtige Handelspartner der Vereinigten Staaten
sind sowie einen Überblick über die
wichtigsten neuen Entwicklungen in
der amerikanischen Wirtschaft. Teil
III beinhaltet Prognosen für die
gleichen Länder und Ländergruppen im
Hinblick auf entscheidende makroökonomische Entwicklungen in den Jahren
1989 und 1990. Die beiden Hauptteile
sind folgendermaßen gegliedert: Abschnitt 1 behandelt Wirtschaftswachstum, steuerpolitische Tendenzen sowie
Leistungs- und
Handelsbilanzentwicklungen in den Industriestaaten; Abschnitt 2 überprüft wichtige wirtschaftliche Entwicklungen in anderen
Teilen der Welt, darunter die nicht
der OPEC angehörenden Entwicklungsländer, die asiatischen Schwellenländer sowie die OPEC-Staaten. Teil IV
enthält eine Einschätzung der von
diesen Prognosen aufgeworfenen politischen Fragen und Teil V behandelt
die Auswirkungen von Marktschranken
und anderen unfairen Praktiken auf
den amerikanischen Handel.

Das reale Wirtschaftswachstum in
den Industriestaaten war im Jahr 1988
nahezu überall erheblich stärker als
weithin erwartet, insbesondere angesichts der von den Turbulenzen an den
Finanzmärkten im Oktober 1987 ausgelösten Besorgnis. Tatsächlich erhöhte sich das durschnittliche reale
Wachstum
des
Bruttosozialprodukts
(BSP) in den OECD-Ländern im Jahr
1988 auf geschätzte 4 Prozent und lag
damit wesentlich über der durchschnittlichen Wachstumsrate des vorigen Jahrzehnts.

Der Leser wird ferner auf den vom
Finanzministerium
im Oktober 1988
vorgelegten Bericht an den Kongreß
über die internationale Wirtschaftsund Wechselkurspolitik hingewiesen,
der detailliert auf wichtige Probleme
eingeht, darunter die Entwicklungen
bei den Wechselkursen und eine genauere Untersuchung wichtiger historischer Tendenzen der jüngeren Vergangenheit liefert. Auch dieser Bericht
wurde gemäß den Verpflichtungen des
Allgemeinen Handels- und Wettbewerbsfähigkeitsgesetzes
von 1988 (P.L.
100-418) erstellt.

1. Entwicklungen
staaten

und

Analyse

in den Industrie-

A.
Wichtige Entwicklungen
Vereinigten Staaten

in

den

Da die wirtschaftlichen Entwicklungen in den Vereinigten Staaten ein
wichtiger Bestimmungsfaktor für die
Leistung in anderen Industriestaaten
sind, wird ein kurzer Überblick über
diese Entwicklungen dazu beitragen,
die folgenden Erörterungen in den
richtigen Kontext zu stellen.
Das
reale Wachstum des BSP in den Vereinigten Staaten stieg im Jahresdurchschnitt von 3,4 Prozent im Jahr 1987
auf 3,8 Prozent im Jahr 1988. Vergleicht man jedoch jeweils das letzte
Quartal der Jahre 1987 und 1988, so
verlangsamte sich das Wirtschaftswachstum von 5,0 Prozent auf 2,7 Prozent. (Letztere Meßmethode trägt dazu bei, die Wachstumstendenz im Verlauf des Jahres einzuschätzen - Beschleunigung oder Verlangsamung -,
obwohl sie auch empfindlicher auf
Entwicklungen
in den Anfangs- und
Schlußquartalen reagiert.)
Dieser allgemeine Eindruck einer
Verlangsamung des Wachstums in den
Vereinigten Staaten im Jahr 1988 ist
jedoch irreführend, bedenkt man die
durch die Dürre des vorigen Jahres
verursachten nachteiligen Auswirkungen. Bereinigt man die BSP-Daten um

�die Dürreschaden, tritt ein gänzlich
verändertes Bild zutage: Das reale
Wachstum des BSP in den Vereinigten
Staaten stieg im Jahresdurchschnitt
noch stärker auf 4,1 Prozent und verlangsamte sich beim Vergleich der 4.
Quartale weniger drastisch auf 3,3
Prozent. Die Bereinigung um die Dürreschäden ist besonders eindrucksvoll
beim Vergleich der 4. Quartale, da
die Negativeinflüsse der Dürre auf
das BSP in der zweiten Jahreshälfte
stärker zu Buche schlugen.

Dienstleistungen insgesamt 0,8 Prozentpunkte zum realen BSP-Wachstum
bei; die verbesserte Nettoexportleistung verursachte also ca. 20 Prozent
des amerikanischen Gesamtwirtschaftswachstums des vergangenen Jahres, obwohl die Ausfuhren nur 13 Prozent des
gesamten realen BSP ausmachen. Unter
dem Blickwinkel des BSP betrachtet,
setzte sich im Jahr 1988 der außenwirtschaftliche Anpassungsprozeß für
die Vereinigten Staaten also fort und
verstärkte sich sogar noch.

Die Auswirkungen
der weiteren
Verringerung der Defizite in der amerikanischen Handels- und Leistungsbilanz wirken sich eindeutig in den nationalen Bilanzen aus. (N.B.: Für
die Außenbewertung einer Volkswirtschaft gibt es zwei Maßstäbe. Die
Zahlungsbilanz, d.h. die Handels- und
Leistungsbilanz, mißt den nominellen
Dollarwert des internationalen Umschlags von Gütern (Handelsbilanz)
oder von Gütern und Dienstleistungen
(Leistungsbilanz). Das Bruttosozialprodukt (BSP) enthält das außenwirtschaftliche Element, indem es Einund Ausfuhren von Waren und Dienstleistungen auf realer, d.h. preisbereinigter
Grundlage,
beinhaltet.
Durch die Trennung des binnenwirtschaftlichen Elements (i.e. privater
und öffentlicher Verbrauch sowie Investitionen) vom außenwirtschaftlichen Element (Ein- und Ausfuhren) und
die inflationsbereinigte Darstellung
beider Elemente lassen sich mit dem
BSP-Maßstab deren relative Beiträge
zum realen Gesamtwachstum der Wirtschaftsleistung identifizieren.)

Die Anpassung wird ferner deutlich sichtbar, wenn man die Zahlungsbilanz als Maßstab anlegt. Wie in
der obigen Zusammenfassung erläutert,
verringerten sich das US-Handelsdefizit im Jahr 1988 um geschätzte 35
Milliarden Dollar und das Leistungsbilanzdefizit um ca. 20 Milliarden
Dollar.
In Prozent des BSP ausgedrückt, was den internationalen Vergleich mit Ländern unterschiedlicher
Größe erleichtert, verringerte sich
das US-Leistungsbilanzdefizit von 3,4
Prozent im Jahr 1987 auf 2,8 Prozent
im Jahr 1988.

Die Zunahme der Binnennachfrage
in den Vereinigten Staaten betrug im
Jahr 1988 3,0 Prozent, war also im
Vergleich zu 1987 unverändert. Das
Wachstum des BSP übertraf demzufolge
sowohl 1987 als auch 1988 das der
Binnennachfrage erheblich. Wie oben
ausgeführt, beleuchtet diese Kluft
den positiven Nettobeitrag des außenwirtschaftlichen Elements zum Gesamtwachstum der US-Wirtschaft seit 1986.
Im Jahr 1988 trug die starke Realzunahme bei den Ausfuhren von Waren und

Die größten Verbesserungen beim
US-Handelsdefizit im Jahr 1988 wurden
gegenüber den Industriestaaten erzielt (ca. 20 Milliarden Dollar), die
zusammen 64 Prozent der amerikanischen Ausfuhren aufnehmen. Innerhalb
dieser Gruppe wurde das amerikanische
Defizit gegenüber Westeuropa (27 Prozent der amerikanischen Gesamtausfuhr) mehr als halbiert, von 27 Milliarden auf 13 Milliarden Dollar:
das US-Defizit gegenüber der Bundesrepublik Deutschland ging ausschließlich aufgrund verstärkter Exporte um
ca. 3 Milliarden Dollar zurück, und
das amerikanische Handelsdefizit gegenüber
Großbritannien
verbesserte
sich um fast 4 Milliarden Dollar zu
einem
geringen
Überschuß.
Das
Gleichgewicht im amerikanischen Handel mit der EG verlagerte sich um 12
Milliarden Dollar von einem Defizit
von 21 Milliarden Dollar zu einem Defizit von 9 Milliarden Dollar. Die
Verbesserungen der US-Handelsbilanz
gegenüber Japan (das für etwa 12 Pro-

- 3 -

�zent der amerikanischen Ausfuhren und
20 Prozent der amerikanischen Einfuhren verantwortlich ist) erreichten
ca. 4 Milliarden Dollar.
Auch in der Handelsbilanz der
Vereinigten Staaten mit den Entwicklungsländern ergab sich im Jahr 1988
ein erheblicher Defizitabbau. Gegenüber dieser Gruppe, die 33 Prozent
der amerikanischen Exporte aufnimmt
(also mehr als Westeuropa) verringerte sich das US-Defizit um 13 Milliarden Dollar, von 59 Milliarden Dollar
im Jahr 1987 auf 46 Milliarden im
Jahr 1988. Das US-Handelsdefizit gegenüber Mexiko (dem drittgrößten amerikanischen Exportmarkt nach Kanada
und Japan) verringerte sich um 3 Milliarden Dollar.
Diese Verschiebung
wurde jedoch teilweise von einem Anstieg des US-Handelsdefizits gegenüber Brasilien um 1 Milliarde Dollar
wettgemacht.
Die Verschiebung im US-Defizit
gegenüber den Entwicklungsländern war
etwa zur Hälfte dem Rückgang des Defizits gegenüber den Schwellenländern
Asiens zuzuschreiben, der 5,5 Milliarden Dollar betrug. (Diese Gruppe
macht 11 Prozent der US-Exporte und
14 Prozent der US-Importe aus). Diese Verbesserungen wurden zum Großteil
im Handel mit Taiwan erzielt, demgegenüber das amerikanische Defizit von
17 Milliarden auf 13 Milliarden Dollar zurückging.
Andererseits blieb
das Defizit gegenüber Korea nahezu
unverändert.
Schließlich wurde das amerikanische Defizit gegenüber den OPEC-Ländern um 4 Milliarden Dollar verringert, was hauptsächlich und - betrachtet man den allgemeinen Rückgang
bei den Importen der OPEC-Staaten überraschenderweise auf einen Anstieg
der amerikanischen Ausfuhren in diese
Länder zurückzuführen
ist.
Angesichts der Entwicklung der Ölpreise
im Jahr 1988 verringerten sich die
amerikanischen
Einfuhren
aus
den
OPEC-Ländern um nahezu eine Milliarde
Dollar.

B.
Entwicklungen
striestaaten

in

anderen

Indu-

Das in den Industriestaaten im
Jahr 1988 verzeichnete beschleunigte
Wirtschaftswachstum beruhte auf einer
Reihe von Faktoren. Erstens verbesserte sich die Stimmung bei Verbrauchern und Unternehmen in der ersten
Jahreshälfte drastisch. Damit vollzog sich nach dem extremen Pessimismus, der nach den Ereignissen an den
Finanzmärkten im Oktober 1987 vorgeherrscht hatte, ein Umschwung. Die
Auswirkungen dieser Veränderung kamen
im privaten Verbrauch zum Ausdruck,
der eindeutig höher lag als anfänglich erwartet, sowie - und dies ist
der wichtigste Bereich - in erheblich
erhöhten realen Ausgaben für Investitionen.
Zweitens stieg die reale
Wachstumsrate im Welthandel volumenmäßig um etwa 50 Prozent (von fast 6
Prozent im Jahr 1987 auf geschätzte 9
Prozent im Jahr 1988), was sowohl ein
Echo auf das höhere allgemeine Wachstum in den Industriestaaten als auch
einen Beitrag zu diesem Wachstum darstellt.
Drittens
erhielten
die
Wachstumsraten zu Beginn des Jahres
1988 durch einige besondere Faktoren
- einen milden Winter und zusätzliche
Arbeitstage in Europa - deutlichen
Auftrieb.
Wie oben bereits festgestellt,
trug die stärkere Investitionstätigkeit im Jahr 1988 erheblich zur allgemeinen Verbesserung der Binnennachfrage in den Industriestaaten außerhalb der Vereinigten Staaten bei.
Tatsächlich stiegen die Bruttoinvestitionen real in jedem der sechs
ausländischen
Teilnehmerstaaten
am
Weltwirtschaftsgipfel (Japan, Bundesrepublik
Deutschland,
Frankreich,
Großbritannien, Italien und Kanada),
in einigen Fällen sogar drastisch
(Bundesrepublik Deutschland und Großbritannien) . In der Gruppe der 12
EG-Staaten stieg das Investitionswachstum von etwa 4,5 Prozent im Jahr
1987 auf geschätzte 7,5 Prozent im
vergangenen Jahr, ein unerwartet gutes Resultat, das allgemein auch in

�den anderen europäischen Staaten erzielt wurde.
Die Entwicklungen bei einer weiteren wichtigen Komponente der Binnennachfrage, dem privaten Verbrauch,
verlief jedoch weniger einheitlich.
Die Wachstumsraten beim Verbrauch
stiegen in Japan, Großbritannien und
den Niederlanden
an, blieben in
Frankreich im wesentlichen unverändert und gingen in den anderen Ländern dieser Gruppe allgemein zurück.
Für die EG insgesamt wird für das
Jahr 1988 eine geringfügige Abnahme
des privaten Verbrauchswachstums angenommen. Mit 3,5 Prozent lag es jedoch immer noch über den durchschnittlichen Wachstumsraten in der
ersten Hälfte dieses Jahrzehnts. Obwohl
Verallgemeinerungen
schwierig
sind, spiegelten sich in diesem Rückgang in gewisser Weise die Auswirkungen der Zurückhaltung bei den Realverdiensten und eine etwas höhere Inflationsrate wider.
Zusammengenommen
belegen
diese
Tendenzen, daß zusätzlich zur quantitativen Verbesserung des Wirtschaftswachstums bei unseren wichtigsten
Handelspartnern unter den Industriestaaten im Jahr 1988 ebenfalls eine
qualitative Verbesserung erzielt wurde.
Insbesondere verbreiterte sich
die Kluft zwischen dem Anstieg der
Binnennachfrage und dem Gesamtwachstum des BSP in den führenden Uberschußländern - ein wichtiger Bestimmungsfaktor für die Geschwindigkeit
der Anpassung von Handel und Leistungsbilanz -, besonders gegenüber
Japan.
Insgesamt stieg die durchschnittliche Wachstumsrate der Binnennachfrage in den sechs anderen Gipfelstaaten von 4,3 Prozent im Jahr 1987
auf geschätzte 5,5 Prozent im Jahr
1988. Das durchschnittliche Wachstum
des BSP betrug jeweils 3,4 und 4,4
Prozent.
Die Kluft zwischen dem
Wachstum der Binnennachfrage und dem
allgemeinen Wirtschaftswachstum blieb
für diese Ländergruppe real bei ca. 1
Prozent. Das gleiche Gesamtbild er-

gibt sich für die Gruppe der EG-Staaten als Ganzes, obwohl das Wachstum
der Binnennachfrage in den kleineren
europäischen Volkswirtschaften schätzungsweise um die Hälfte über dem
Wachstum des BSP lag.
Was bestimmte Länder angeht, so
lag im Jahr 1988 unter den Gipfelteilnehmern
wiederum
Japan
beim
Wachstum
an
der
Spitze;
seine
BSP-Wachstumsrate stieg von 4,5 Prozent im Jahr 1987 auf geschätzte 6,0
Prozent im Jahr 1988. Die Binnennachfrage (insbesondere der private
Verbrauch und die Investitionen) war
erneut mit einer realen Steigerung
von 8 Prozent die treibende Wachstumskraft.
Für die Bundesrepublik
Deutschland ergibt sich ein ähnliches, wenn auch nicht ganz so beeindruckendes Bild. Das Gesamtwachstum
des BSP stieg nach einem enttäuschenden Ergebnis von 1,8 Prozent im Jahr
1987 im Jahr 1988 stark an (auf etwa
3,6 Prozent). Mit den Investitionen
als wichtigster Stütze erhöhte sich
das Wachstum der Binnennachfrage von
3,1 Prozent im Jahr 1987 auf geschätzte 3,9 Prozent im Jahr 1988.
Die Lücke zwischen dem Wachstum der
Binnennachfrage und dem Wachstum des
BSP verringerte sich infolgedessen in
der Bundesrepublik Deutschland erheblich von 1,3 Prozent im Jahr 1987 auf
0,3 Prozent im Jahr 1988.
Der Anstieg des Wachtums der Binnennachfrage lag in Großbritannien im
Jahr 1988 erheblich höher (vielleicht
5,8 Prozent), was großenteils auf
stark gestiegenen Investitionen beruhte. Auch in Kanada und Italien
war das Wachstum der Binnennachfrage
ausschlaggebende Kraft für das BSP;
in Frankreich und Belgien stiegen
beide um 3,5 Prozent, während in den
Niederlanden die Wachstumsraten bescheidenere 2,5 Prozent erreichten.
In der wichtigen Gruppe der sechs
anderen
Gipfelteilnehmer
insgesamt
(die ausschließlich wegen Japan und
der Bundesrepublik Deutschland einen
Gesamtüberschuß in der Leistungsbilanz aufweist) übte das außenwirt-

- 5 -

�schaftliche Element im Jahr 1988 netto eine Sogwirkung aus, d.h. die Nettoexporte von Gütern und Dienstleistungen nahmen real ab. Sowohl für
Japan als auch für die Bundesrepublik
Deutschland war dies das dritte Jahr
der Anpassung in Folge. (In den Vereinigten Staaten leistete umgekehrt
die Erhöhung der Nettoexporte einen
positiven Beitrag zum Wachstum des
BSP seit 1987).

C.

Steuer- und Haushaltspolitik

Die Haushaltsdefizite in den Industriestaaten
lagen insgesamt im
Jahr 1988 niedriger, was hauptsächlich auf automatische Stabilisierungseffekte aufgrund des oben beschriebenen
stärkeren
Wirtschaftswachstum zurückgeführt werden kann.
Insbesondere das höhere Wachstum und
größere Unternehmensgewinne führten
zu einem starken Anstieg der Steuereinnahmen während andererseits die
Ausgaben für öffentliche Unterstützungsprogramme wie etwa die Arbeitslosenversicherung im allgemeinen weniger stark anstiegen oder sogar zurückgingen. Die Anspannung der Haushaltslage im Jahr 1988 scheint hauptsächlich
eher
konjunkturelle
als
strukturelle Gründe zu haben.
Berechnungen von Experten der
OECD zufolge hatten die grundlegenden
fiskalischen Maßnahmen in den Industriestaaten im Jahr 1988 eine geringfügig abschwächende Wirkung, während sie 1987 etwas expansionsorientierter waren. Die OECD schätzt, daß
die "konjunkturbereinigte" fiskalische Gesamtposition der 6 Gipfelstaaten um 0,2 Prozent des BSP zum Überschuß tendierte, während sie sich im
Jahr 1987 um 0,3 Prozent des BSP abgeschwächt hatte.
Nach Abzug der
Auswirkungen automatischer Stabilisatoren (fiskalische Sogwirkung) und
einzelner politischer Veränderungen
vollzog sich also in der allgemeinen
fiskalischen Position der Regierungen
(d.h. unter Einbeziehung aller Regierungsebenen) der sechs Staaten zusammengenommen ein Umschwung von gering-

fügiger Ausweitung (0,3 Prozent des
BSP) im Jahr 1987 zu einer milden Abschwächung Im Jahr 1988. In diesem
Zweijahreszeitraum waren also fiskalischen Rahmenbedingungen der Gruppe
der sechs Gipfelteilnehmer durchweg
neutral ausgelegt. Die OECD schätzt
ferner, daß die gleichen Zahlen auf
die
europäischen
Volkswirtschaften
allgemein zutreffen.
Zwischen den verschiedenen Ländern ergaben sich jedoch einige wichtige Unterschiede. In Japan wurden
die großen Zuwächse bei den öffentlichen Investitionen und eine Senkung
der Einkommensteuern gegen Ende des
Jahres 1988 von einem höheren wachstumsbedingten Steueraufkommen wettgemacht, was in einem geringfügigen Anstieg des kleinen (0,4 Prozent des
BSP) allgemeinen staatlichen Überschusses resultierte. In der Bundesrepublik Deutschland trugen die im
Januar 1988 in Kraft getretenen Einkommensteuersenkungen zu einer gewissen Steigerung des staatlichen Defizits auf geschätzte 2,1 Prozent des
BSP im Jahr 1988 bei. Nach mehreren
Jahren konjunkturabschwächender Maßnahmen bleibt das bundesdeutsche Defizit, in Prozent des BSP ausgedrückt, immer noch weit unter den Niveaus zu Beginn der achtziger Jahre.
In
Großbritannien
verbesserte
sich die allgemeine fiskalische Position im Jahr 1988 weiter, wobei der
Überschuß auf 1,4 Prozent des BSP anwuchs. Die Ausgaben blieben weiterhin innerhalb relativ restriktiver
Zielvorgaben, während die Steuereinnahmen von dem starken Wachstum und
den Privatisierungsmaßnahmen profitierten. In anderen Ländern wird das
Gesamtbild von andauernden Bemühungen
zur Zügelung des Ausgabenwachstums im
Verein mit Steuereinnahmen geprägt,
die höher liegen als vorhergesehen.
Deshalb lagen die im Jahr 1988 erzielten Defizite im Vergleich zum BSP
etwas niedriger.

D.

Die Außenbilanzen

�Obwohl die Entwicklungen bei den
Außenbilanzen der einzelnen Industrieländer im Jahr 1988 naturgemäß
unterschiedlich ausfielen, sind in
wichtigen Bereichen eindeutige Fortschritte zu einem besseren internationalen Gleichgewicht erzielt worden. Die amerikanischen Defizite im
Handel und in der Leistungsbilanz
gingen sowohl nominell wie auch als
prozentualer Anteil am BSP zurück.
Das Gegenstück zu dieser amerikanischen Anpassung konnte im Jahr 1988
bei den geringeren außenwirtschaftlichen Überschüssen in Japan, der EG
(und Europa im weiteren Sinne) und
den
asiatischen
Schwellenländern
festgestellt werden.
Japans
Leistungsbilanzüberschuß
verringerte sich von 87 Milliarden
Dollar im Jahr 1987 auf 79,5 Milliarden Dollar im Jahr 1988. Darin kommt
sowohl der Rückgang des Handelsüberschusses als auch ein Zuwachs des im
Dienstleistungs- und
Kapitalverkehr
mit dem Ausland erzielten Defizits
zum Ausdruck.
Die wichtigste Entwicklung beim Handel war die sehr
starke Zunahme des Einfuhrvolumens
(ca. 16 Prozent) im Vergleich zum Anstieg des Ausfuhrvolumens von ca. 4,5
Prozent.
Da jedoch die Ausfuhren
insgesamt nahezu das doppelte der Gesarateinfuhren erreichten, wurde der
Handelsüberschuß um weniger als 1
Milliarde Dollar (auf 96 Milliarden
Dollar) verringert.
Kanadas Bilanz im Warenhandel erreichte im Jahr 1988 einen Überschuß
von 7,2 Milliarden Dollar, ein Rückgang um 1 Milliarde Dollar seit 1987,
während die realen Wachstumsraten bei
Importen und Exporten gleichermaßen
anstiegen. Da jedoch das traditionell hohe Defizit
im Dienstleistungs- und Kapitalverkehr unter dem
Stand von 1987 lag, verringerte sich
das Defizit in der Leistungsbilanz
auf geschätzte 7 Milliarden Dollar.
Der Leistungsbilanzüberschuß der
Europäischen Gemeinschaft insgesamt
fiel von ca. 37 Milliarden Dollar im
Jahr 1987 auf geschätzte 15 Milliar-

den Dollar im Jahr 1988. Beim Abschneiden der verschiedenen Länder
ergaben sich jedoch starke Unterschiede. Die außergewöhnlichste Entwicklung war ein nahezu sechsfacher
Anstieg
im
Leistungsbilanzdefizit
Großbritanniens, von 4,4 Milliarden
Dollar im Jahr 1987 auf geschätzte 25
Milliarden Dollar
im Jahr 1988.
Hierfür waren teilweise die geringeren Einnahmen aus der Erdölförderung
verantwortlich, der Löwenanteil dieses Umschwungs ist jedoch auf die
stark gestiegenen Einfuhren von Investitionsgütern zurückzuführen.
Der Handelsüberschuß der Bundesrepublik Deutschland
wiederum erreichte in DM ausgedrückt einen neuen
Rekordstand (etwa im Wert von 73 Milliarden Dollar), was hauptsächlich
auf den wesentlich gestiegenen Ausfuhren von Investitionsgütern in andere EG-Länder beruhte. Als Ergebnis
dessen wuchs der Überschuß der bundesdeutschen Leistungsbilanz um ca. 4
Milliarden Dollar auf nahezu 49 Milliarden Dollar (die Bundesrepublik
Deutschland weist ein großes und weiter wachsendes Defizit im Dienstleistungs- und Kapitalverkehr auf), während es im Vergleich zum BSP leicht
auf geschätzte 3,9 Prozent zurückging.
Im Jahr 1988 wies das Gesamtbild
der Leistungsbilanzen
der übrigen
EG-Länder nur geringfügige Veränderungen
auf.
Frankreichs
Defizit
stieg in bescheidenem Umfang auf etwa
4,5 Milliarden Dollar, blieb jedoch
als Prozentsatz des BSP relativ niedrig, wie es im großen und ganzen
auch in Italien der Fall war. In den
übrigen Ländern der EG konnten ebenso
wie in Europa insgesamt einige bemerkenswerte
Entwicklungen
beobachtet
werden: das Defizit aller nordischen
Länder zusammengenommen blieb mehr
oder weniger gleich und belief sich
auf ca. 9 Milliarden Dollar; der
Überschuß aller Benelux-Länder stieg
von ungefähr 6 Milliarden Dollar auf
ca. 9 Milliarden Dollar und das neu
aufgenommene EG-Mitglied Spanien hatte eine defizitäre Leistungsbilanz
aufzuweisen.

- 7 -

�2. Entwicklungen
dustriestaaten

außerhalb der In-

Im Jahr 1988 war die Wachstumskurve der Entwicklungsländer im grossen und ganzen zufriedenstellend, obwohl das reale Wachstum insgesamt verglichen mit den Industrienationen
- hinter 1987 zurückblieb. Insbesondere ging die von Experten des Finanzministeriums ausgemachte BSP-bezogene durchschnittliche reale Zuwachsrate der 137 nicht der OPEC angeschlossenen Entwicklungsländer von
ca. 3,7 Prozent im Jahr 1987 auf vorläufig geschätzte 3,1 Prozent im vergangenen Jahr zurück.
Wie gewöhnlich waren jedoch gravierende Unterschiede zwischen den
einzelnen Ländern und Ländergruppen
zu beobachten, von denen ein Großteil
von Entwicklungen in einigen der
größten Volkswirtschaften betroffen
waren.
In Lateinamerika war beim
durchschnittlichen
realen
Wachstum
eine rückläufige Entwicklung zu verzeichnen, in den Schwellenländern
Asiens blieb es jedoch relativ stark.
Das generell rückläufige Wachstum
in den Entwicklungsländern war im
Jahr 1988 nahezu ausschließlich den
negativen Entwicklungen in einigen
wenigen lateinamerikanischen Volkswirtschaften zuzuschreiben.
Insbesondere Brasilien hatte 1988 ein reales Nullwachstum (nach 2,9 Prozent im
Jahr 1987) zu verzeichnen, und Mexikos Wachstumsrate fiel von ca. 1,5
Prozent im Jahr 1987 auf geschätzte
0,5 Prozent im Jahr 1988. Infolgedessen verlangsamte sich der Zuwachs
des BSP ingesamt von 2,5 Prozent im
Jahr 1987 auf 1,4 Prozent im Jahr
1988. In den übrigen nicht zur OPEC
gehörenden Entwicklungsländern entsprach das reale Wachstum dem Stand
des Jahres 1987, lag also knapp unter
4 Prozent.
Die Schwellenländer Asiens (Taiwan, Korea, Singapur, Hongkong) führten das Wachstum erneut eindeutig an
und verzeichneten ebenso wie im Jahr
1986 durchschnittliche Zuwachsraten

von ca. 10 Prozent im Jahr 1988: Koreas Zuwachsrate blieb bei rund 12
Prozent, während Taiwans Wachstum auf
immer noch beeindruckende 8 Prozent
fiel.
Bei der Leistungsbilanz der nicht
der OPEC angeschlossenen Entwicklungsländer insgesamt war ein geringes Defizit von 1 Milliarde Dollar im
Jahr 1988 zu verzeichnen, verglichen
mit einem Überschuß von 4 Milliarden
Dollar im Jahr 1987. Ebenso wie bei
den oben erörterten Wachstumszahlen
bestanden
gravierende
Unterschiede
zwischen den einzelnen Ländern und
Regionen.
Der gemeinsame LeistungsbilanzUberschuß der asiatischen Schwellenländer sank im Jahr 1988 um geschätzte 5 Milliarden Dollar auf ca. 26
Milliarden Dollar. Diese Bereinigung
war ausschließlich der Halbierung des
Überschusses von Taiwan zuzuschreiben, von ca. 18 Milliarden Dollar im
Jahr 1987 auf geschätzte 9,6 Milliarden Dollar für 1988; ungefähr 4 Milliarden Dollar dieser bereinigten
Summe ergaben sich jedoch aus besonderen und wahrscheinlich einmaligen
Goldkäufen.
Koreas Überschuß stieg
hingegen weiter auf ca. 14 Milliarden
Dollar an.
Andere entscheidende Entwicklungen der Leistungsbilanz von Nichtmitgliedstaaten der OPEC waren:
eine
dramatische Verschlechterung der Position Mexikos, dessen Überschuß von
3,4 Milliarden Dollar sich in ein für
1988 geschätztes 3 Milliarden-Defizit
von verwandelte; eine beachtliche gegenläufige Entwicklung war in Brasiliens Leistungsbilanz zu beobachten,
die nach einem Defizit von ungefähr 1
Milliarde Dollar im Jahr 1987 einen
vorläufigen Überschuß von 4, 4 Milliarden Dollar für 1988 verzeichnete.
Trotz dieser bedeutenden Leistungsbilanzverlagerungen
innerhalb
der einzelnen Länder hat sich unter
dem Strich die Bilanz der lateinamerikanischen Länder in den vergangenen
Jahren (in Dollar) insgesamt relativ

�wenig verändert. Das Defizit von 17
Milliarden Dollar des Jahres 1986
wurde auf 11 Milliarden Dollar im
Jahr 1987 abgebaut, wo es sich im
vergangenen Jahr einpendelte.
Die vier asiatischen Schwellenländer (Korea, Taiwan, Hongkong und
Singapur) wurden besonders wichtige
Akteure im Welthandelssystem.
Seit
1970 hat sich ihr Anteil an den Exporten weltweit mehr als verdreifacht
und beläuft sich derzeit auf 7,4 Prozent.
Darüber hinaus verzeichnen
diese
Volkswirtschaften
gemeinsam
Außenhandelsüberschüsse, die maßgeblich zu den heutigen weltweiten Ungleichgewichten
beitragen.
Taiwan
und Korea konnten jüngst große Leistungsbilanzüberschüsse aufweisen zwei- bis viermal höher als die von
Japan und der Bundesrepublik Deutschland gemessen am BSP. (Es sollte jedoch nicht unerwähnt bleiben, daß Korea erst seit 1986 ein Leistungsbilanzdefizit zu verzeichnen hat).
Die für zunehmende Außenhandelsüberschüsse der asiatischen Schwellenländer verantwortlichen Faktoren
variieren von Land zu Land und erschweren eine Verallgemeinerung. In
nicht unerheblichem Maße tragen hierzu Vorteile bei den Produktionskosten
sowie die Betonung auf Exportproduktion auf Kosten des Verbrauchs im Inland und einer Verbesserung des Lebensstandards bei. Die Schwellenländer haben natürlich von der Ausweitung des Welthandels im allgemeinen
und der Expansion der amerikanischen
Wirtschaft im besonderen profitiert,
obwohl dies auch für die übrige Welt
zutrifft. Unterbewertete Wechselkurse waren ferner ein wesentlicher Faktor im Falle von Korea und Taiwan.
Alle 13 OPEC-Staaten verzeichneten 1988 eine beträchtliche Zunahme
ihres Leistungsbilanzdefizits, da sie
aufgrund
des
etwas
20prozentigen
Preisverfalls von OPEC-Öl erheblichen
Einbußen bei ihren Einnahmen aus Ölund Erdgasexporten hinnehmen mußten.
Nachdem das Defizit von 26 Milliarden
Dollar im Jahr 1986 auf weniger als

11 Milliarden Dollar im Jahr 1987 gesunken war, verdoppelte es sich 1988
auf 20 Milliarden Dollar.
(Obwohl
die OPEC-Staaten für gewöhnlich einen
erheblichen Handelsüberschuß aufweisen können, war dieser in jüngster
Zeit unbeständig und wird von einem
enormen Defizit im Dienstleistungs
und Kapitalverkehr mit dem Ausland
überschattet).

Teil III; Voraussichtliche Entwicklungen für 1989 und 1990
Vor einer Prognose der Entwicklungen in diesem und im kommenden
Jahr sollten zunächst einige der
Grundvoraussetzungen aufgezeigt werden, auf die sich die Analyse gründet. Erstens basieren alle Prognosen
für die einzelnen Länder und Ländergruppen auf den heutigen Gegebenheiten.
Für die Vereinigten Staaten
geht man von der Annahme aus, daß das
Haushaltsdefizit
entsprechend
dem
Gramm-Rudman-Hollings-Gesetz abgebaut
wird.
Für den Betrachtungszeitraum
werden keine Vermutungen darüber angestellt, welche Veränderungen bei
der Steuer- oder Geldpolitik vorgenommen werden könnten.
Zweitens wird davon ausgegangen,
daß die Wechselkurse nominal auf dem
derzeitigen Niveau konstant bleiben.
Und schließlich stellen die in der
Haushaltsvorlage der Administration
enthaltenen Vorhersagen die Grundlage
für die Perspektiven der amerikanischen Wirtschaft dar, die an sich
schon ein wesentlicher Faktor für die
wirtschaftliche Leistung der führenden
amerikanischen
Handelspartner
sind.
Als Ergebnis dieser einzelnen
Grundvoraussetzungen sind die im folgenden erörterten Tendenzen keine
"über den Daumen gepeilte" Prognosen
der Wirtschaftslage für 1989 und
1990. Sie sind vielmehr, vorbehaltlich einer politischen Kursänderung,
"die bestmögliche Beurteilung" -der
künftigen Situation.

- 9 -

�Die jüngsten Vorhersagen und Statistiken deuten darauf hin, daß der
derzeitige wirtschaftliche Aufschwung
der Industrieländer voraussichtlich
1989 und 1990 - und damit im siebten
und achten aufeinanderfolgenden Jahr
- anhalten wird. Man geht jedoch im
großen und ganzen davon aus, daß das
Tempo des gesamten Wachstums sich
verglichen mit 1988 etwas verringern
wird.
Ebenso wie 1988 wird die
Wachstumsrate des Welthandels wahrscheinlich
weiterhin
beträchtlich
über dem Realwachstum des BSP liegen
und damit den derzeit stattfindenden
außenwirtschaftlichen
Anpassungsprozeß unterstützen und gleichzeitig
eine solide Grundlage und einen Anreiz für weltweites Wachstum bieten.
Die Inflation in den Industrienationen wird voraussichtlich bis ins Jahr
1990 gemäßigt bleiben. Eine generelle Übersicht über die steuerpolitischen Entwicklungen erweist sich
als etwas schwieriger: viele Länder
werden nach wie vor - mit wechselndem
Druck - eine Politik verfolgen, die
darauf ausgerichtet ist, das Haushaltsdefizit und die Notwendigkeit
öffentlicher
Anleihen
abzubauen.
Nicht zuletzt bleiben jedoch auch
Steuerreformen und generelle Steuererleichterungen die politische Zielsetzung in vielen anderen Ländern.
1. Prognosen
Wirtschaft

für die amerikanische

Die amerikanische Wirtschaft wird
1989 und 1990 voraussichtlich weiterhin von anhaltendem Wachstum gekennzeichnet sein.
Nach dem teilweise
durch die Dürre des letzten Jahres
verursachten
rückläufigen
Wachstum
wird die BSP-Zuwachsrate (im Vergleich der 4. Quartale) offiziellen
Schätzungen zufolge bis auf 3,5 Prozent im Jahr 1989 aufholen und sich
im Jahr 1990 auf diesem Prozentsatz
einpendeln. (N.B.: Diese Zuwachsrate für 1989 bewertet aufgrund der negativen Auswirkungen der oben erwähnten Dürre, die sich Ende des Jahres
1988 bemerkbar machten, zugrundeliegende wirtschaftlichen Antriebskraft

zu hoch).
Die Wachstumsrate der Vereinigten
Staaten wird im Jahresdurchschnitt
wahrscheinlich etwas niedriger ausfallen, sich aber über beide Jahre
hinweg in der Größenordnung von 3 bis
3,5 Prozent bewegen. Den Vorhersagen
zufolge wird die Zuwachsrate bei der
Inlandsnachfrage weiterhin 2,5 bis 3
Prozent betragen.
Damit wird der
Außenhandel nach wie vor positiv zum
Gesamtwachstum beitragen, mit realen
Zuwächsen bei den Exporten, die voraussichtlich beträchtlich über dem
Anstieg bei den Einfuhren liegen.
Auf der Grundlage der Zahlungsbilanz
wird ein weiterer Abbau des amerikanischen Handels- und Leistungsbilanzdefizits erwartet; angesichts der
steigenden Kosten zur Tilgung der
Schulden wird sich der Abbau des Handelsdefizits nicht in vollem Umfang
auf die Leistungsbilanz niederschlagen.

2. Prognosen für die anderen Industrienationen
A.

Wirtschaftswachstum

Das reale Wirtschaftswachstum der
Industriestaaten wird in diesem Jahr
voraussichtlich etwas zurückgehen und
sich zwischen 3,0 und 3,5 Prozent bewegen, was einer Rückkehr zu den Zahlen des Jahres 1987 entspricht. Dieser gemäßigte Rückgang ist im großen
und ganzen auf die erwartungsgemäß
rückläufige Zuwachsrate bei den Investitionen zurückzuführen, die nach
dem außergewöhnlichen Auftrieb des
Jahres 1988 im Jahr 1989 wieder ein
ausgewogeneres Niveau erreichen wird.
Obwohl für 1990 noch keine Prognosen

gewagt werden können, lassen erste
Studien auf einen weiteren - wenn
auch bescheideneren - Wachstumsrückgang der führenden ausländischen Industrienationen schließen. Man geht
davon aus, daß sich das reale Wachstum der sechs anderen Gipfelteilnehmer 1990 durchschnittlich auf knapp 3
Prozent belaufen wird.

�Unter
den
Konjunkturberatern
herrscht weithin Überinstimmung, daß
der BSP-Zuwachs der Bundesrepublik in
diesem Jahr etwas hinter die entschieden höhere Rate des letzten Jahres zurückfallen wird und damit vor
allem die dämpfende Wirkung einzelner
Steuererhöhungen auf das verfügbare
Einkommen und gesteigerten Privatverbrauch widerspiegelt. Auch in Japan
wird das Wirtschaftswachstum in diesem Jahr aller Voraussicht nach rückläufig sein - wenn auch aus anderen
Gründen - und sich in einer Größenordnung bewegen, die noch weit über
der
Wachstumsrate
anderer
Länder
liegt. Insbesondere sollte die Steigerung des Privatverbrauchs in Japan
stabil bleiben, während die Investitionszuwächse - im Jahr 1988 ein besonders dynamischer Faktor - beträchtlich abflachen.
Angesichts der Größe der Bundesrepublik Deutschland und der Auswirkungen ihrer Wirtschaftpolitik auf
die anderen Länder des Europäischen
Währungssystems überrascht es nicht,
daß die Wachstumsleistung der vier
größten europäischen Volkswirtschaften
(Bundesrepublik
Deutschland,
Frankreich, Großbritannien und Italien) nicht entscheidend von der Tendenz in der Bundesrepublik abweichen
wird.
Großbritannien
wird
wahrscheinlich die im Jahr 1988 verzeichneten massiven Zuwachsraten bei Investitionen und Privatverbrauch angesichts
der
jüngsten
restriktiven
Geldpolitik
nicht
aufrechterhalten
können; die reale BSP-Zuwachsrate
wird voraussichtlich auf einen konstanteren Prozentsatz zurückfallen.
Frankreich hatte im Jahr 1988 keine
vergleichbaren außergewöhnlichen Entwicklungen zu verzeichnen, aber sowohl die Verbrauchs- als auch die Investitionskurve wird aller Voraussicht nach in diesem Jahr abflachen.
Die Aussichten für das übrige Europa sind innerhalb wie außerhalb der
EG im großen und ganzen gleich: verlangsamtes Wachstum des BSP und der
Inlandsnachfrage, zum Teil infolge
der Anpassung von Investitionen an

niedrigere Wachstumsraten. Insbesondere wird eine Verlangsamung der
BSP-Zuwächse in den nicht am Gipfel
teilnehmenden europäischen Ländern um
einen halben Prozentpunkt auf 2 3/4
Prozent erwartet.
Der Anstieg der Inlandsnachfrage
in den sechs anderen Teilnehmerstaaten am Wirtschaftsgipfel sollte insgesamt weiterhin den weltweiten BSPZuwachs übertreffen. Die Größenordnung, in der der Anstieg der Inlandsnachfrage über dem BSP-Zuwachs liegt,
wird sich wahrscheinlich in diesem
Jahr beträchtlich verringern.
Darüber hinaus bestehen nach wie vor wesentliche Unterschiede zwischen den
einzelnen Ländern.
Zusammengenommen
wird der Anstieg der Inlandsnachfrage
in den vier führenden Ländern Europas
(wie auch in den kleineren europäischen Ländern) erwartungsgemäß ungefähr ebenso hoch ausfallen wie der
BSP-Zuwachs - also knapp 3 Prozent
ausmachen.
Die Uberbrückung der Kluft von
Inlandsnachfrage und BSP-Wachstum in
den vier führenden Ländern Europas im
Verlauf dieses Jahres wird voraussichtlich auch auf die anderen Länder
Auswirkungen haben. In der Bundesrepublik Deutchland, Frankreich und
Großbritannien werden die Zuwachsraten der Inlandsnachfrage beträchtlich
fallen - obwohl aus anderen als den
oben erwähnten Gründen - und den gesamten BSP-Zuwachs mit nach unten
ziehen. Vom Blickwinkel einer Anpassung des Handels aus betrachtet, läßt
die
mögliche
Uberbrückung
dieser
Kluft den Schluß zu, daß im Verlauf
dieses Jahres weitere begrenzte Fortschritte in Richtung auf eine Behebung des Ungleichgewichts beim Handel
der vier führenden europäischen Länder erzielt werden können. Im Gegensatz dazu wird die Zunahme der Inlandsnachfrage in Japan voraussichtlich weiterhin über dem BSP-Zuwachs
liegen, obwohl sich auch hier die
Kluft verglichen mit 1988 wahrscheinlich verringern wird.

- 11 -

�Zu diesem frühen Zeitpunkt einer
Prognose lassen Analysen anhaltende
gemäßigte BSP-Zuwächse in den Industrienationen für 1990 vermuten, das
damit zum achten aufeinanderfolgenden
Jahr der Expansion werden könnte.
Während die Wachstumskurve generell
relativ zufriedenstellend im quantitativen Sinne erscheint, trifft dies
qualitiativ weniger zu. Unsere Vorhersagen deuten insbesondere darauf
hin, daß das Muster des Inlands- verglichen mit dem Gesamtwachstum sich
wahrscheinlich nicht stark vom diesjährigen unterscheiden wird.
In den sechs anderen Gipfelstaaten wird sich das BSP-Wachstum voraussichtlich etwas verlangsamen und
knapp unter 3 Prozent liegen. Die
Wachstumsraten in den beiden größten
ausländischen Volkswirtschaften - Japan und der Bundesrepublik Deutschland - werden sich erwartungsgemäß
etwas weiter verlangsamen, wenn auch
aus anderen Gründen. Trotz der Verwirklichung der letzten Stufe einer
mehrjährigen Steuerreform in der Bundesrepublik
werden
Steuersenkungen
von ca. 0,5 Prozent voraussichtlich
den Privatverbrauch nicht entscheidend ankurbeln.
Der Verbrauchszuwachs wird wahrscheinlich durch einen
Anstieg der Sparrate begrenzt und die
Zunahme von Investitionen wird sich
voraussichtlich nach zwei relativ
starken Jahren verlangsamen.
Wenn
diese
Ansichten
sich
bestätigen,
könnte das BSP-Wachstum in der Bundesrepublik
ans
untere Ende des
Wachstums der anderen Gipfelstaaten
zurückfallen.
Im Gegensatz dazu wird in Japan
die Zuwachsrate beim Privatverbrauch
aller Voraussicht nach im gleichen
Tempo wie 1989 steigen, es wird jedoch
ein
ziemlich
beträchtlicher
Rückgang von Investitionen in Produktionsstätten
und
Gerät
erwartet.
Dennoch wird die für 1990 prognostizierte BSP-Zuwachsrate Japans voraussichtlich weit über dem Durchschnitt
der anderen Gipfelstaaten liegen.

Die Wachstumsraten werden wahrscheinlich auch in Italien und Frankreich - den anderen beiden führenden
Volkswirtschaften auf dem europäischen Kontinent - etwas zurückgehen.
Im Gegensatz dazu könnte sich das reale BSP-Wachstum in Großbritannien
etwas stabilisieren, da die Exportsituation sich weiter verbessert und
der Privatverbrauch sich nach einem
in diesem Jahr erwartungsgemäß schwachen Wachstum erholt.
Zum heutigen Zeitpunkt geht man
davon aus, daß das übrige Europa sich
1990 auf einer Wachstumskurve von
rund 2,5 Prozent befinden wird. Spanien, Portugal und die Türkei werden
voraussichtlich wiederum die Spitzenreiter sein, während das reale Wachstum in Dänemark und Schweden relativ
langsam bleiben wird.
Die gesamte
Zuwachsrate der EG wird natürlich
stark von den Entwicklungen in den
vier führenden Volkswirtschaften beeinflußt und daher wahrscheinlich auf
ca. 2,5 Prozent fallen.

B.

Steuer- und Haushaltspolitik

Wenn
die
Haushaltspolitik
so
bleibt wie gegenwärtig vorhergesehen
- wovon man ausgehen muß - wird die
Steuer- und Hauhaltslage
der OECD
insgesamt (wiederum konjunkurbereinigt) im Zeitraum von 1989 bis 1990
im großen und ganzen neutral sein.
Dennoch wird es einige wesentliche
Unterschiede zwischen den einzelnen
Ländern geben.
In den Vereinigten
Staaten wird die Steuerpolitik darauf
ausgerichtet sein, die Grundvoraussetzungen zum Abbau des Haushaltsdefizits zu erfüllen. In Japan wird
der Haushaltsfehlbetrag aller Voraussicht nach etwas ansteigen, was auf
die Kombination einer Reihe von Steueränderungen bei einem gleichzeitigen
geringen Anstieg der Staatsausgaben
zurückzuführen ist. Die von der Bundesrepublik Deutschland für diesen
Zeitraum angestrebte Politik besteht
aus einer Kombination einzelner Steuererhöhungen mit höheren Sozialleistungen für 1989 und weiteren Einkom-

�mensteuersenkungen im Jahr 1990. Das
gesamte Haushaltsdefizit der Bundespublik (als Prozentsatz des BSP) wird
daher im Jahr 1989 fallen und 1990
ansteigen; durchschnittlich wird es
jedoch für 1989-1990 weit unter dem
der Jahre 1987 und 1988 liegen.
Großbritannien konnte trotz Steuersenkungen im Jahr 1988 einen Umschwung zu einem Haushaltsüberschuß
verzeichnen, und - verglichen mit dem
BSP - werden die Jahre 1989 und 1990
wahrscheinlich
leicht
ansteigende
Überschüsse bringen. Frankreich kann
insgesamt höhere Ausgaben bei einzelnen Inlandsprogrammen bei gesenkten
Körperschafts- und
Verbrauchssteuern
aufweisen, bei seinem relativ geringen Defizit werden jedoch wenig Änderungen insgesamt erwartet. Die gegenwärtige Politik eines generellen
Staatsdefizits, das als Prozentsatz
des BSP relativ hoch ist (11,5 Prozent im Jahr 1988), wird in Italien
im wesentlichen unverändert bleiben.
Entsprechend wenig Veränderungen werden für das kanadische Haushaltsdefizit bis 1990 erwartet.
Die kleineren europäischen Länder
haben die Defizite der öffentlichen
Hand als Prozentsatz des BSP seit Anfang der achtziger Jahre kontinuierlich abgebaut, und dieser Trend wird
voraussichtlich anhalten.
Insbesondere wird das durchschnittliche Defizit wahrscheinlich in diesem und im
nächsten Jahr unter 2 Prozent gehalten werden können - verglichen mit
der Fünf-Prozent-Marke
des Jahres
1983.

C.

Außenbilanzen

Die Prognosen für die Leistungsbilanz der Industrienationen in den
Jahren 1989 und 1990 deuten darauf
hin, daß der Anpassungsprozeß im Aussenhandel andauern wird, wenn auch
mit weniger einheitlichen Verbesserungen als wünschenswert erscheinen
mag.
Die internationalen Handelsflüsse werden natürlich vor allem
durch die oben erörterten Wachstums-

tendenzen beeinflußt. Daher wird angesichts des erwarteten leicht rückläufigen Wachstums der Industrieländer in den Jahren 1989 und 1990 insgesamt auch die reale Expansion (das
heißt der Volumenzuwachs) des Handels
zurückgehen. Dennoch sollte sich der
Zuwachs des Handelsvolumens in den
OECD-Ländern immer noch als relativ
stabil erweisen und erneut in einer
Größenordnung von 2 : 1 über dem
BSP-Zuwachs liegen. In der Tat könnte das durchschnittliche Wachstum des
Handelsvolumens von 1989 bis 1990 höher ausfallen als je in irgendeinem
anderen Dreijahres-Zeitraum seit Mitte der siebziger Jahre.
Vorläufige Prognosen deuten darauf hin, daß der Leistungsbilanzüberschuß der sechs anderen Gipfelstaaten insgesamt in diesem und erneut im Jahr 1990 zurückgehen wird.
Im einzelnen bedeutet dies, daß nach
dem geschätzten Überschuß von 88 Milliarden Dollar im Jahr 1988 der gesamte Überschuß der sechs anderen
Teilnehmerstaaten am Wirtschaftsgipfel den Prognosen zufolge im Jahr
1989 auf 74 Milliarden Dollar und
1990 auf 64 Milliarden Dollar fallen
wird. Das heißt, der gesamte Überschuß dieser Gruppe wird seit seiner
Rekordhöhe von 123 Milliarden Dollar
im Jahr 1986 nahezu halbiert sein.
Der größte Umschwung könnte sich
in Japan vollziehen, dessen Leistungsbilanzüberschuß den Erwartungen
zufolge einen starken Rückgang von
den ca. 80 Milliarden Dollar des vergangenen Jahres verzeichnen wird.
Rund die Hälfte dieses prognostizierten Rückgangs ist dem rückläufigen
Handelsüberschuß (in Dollar) zuzuschreiben und der Rest einem Anstieg
im Dienstleistungs- und Transferdefizit Japans.
In der Bundesrepublik Deutschland
stellt sich jedoch ein anderes Bild
dar. Nachdem sich die Exportzuwächse
nach einem kurzen Einbruch im Jahr
1987 (größtenteils aufgrund der Zusammensetzung der deutschen Exportgüter und der stärkeren Auslandsnach-

- 13 -

�frage nach Investitionsgütern) erholt
hatte, wird der deutsche Handelsüberschuß wahrscheinlich bis 1990 leicht
ansteigen.
Trotz der erwartungsgemäßen Zunahme des herkömmlichen Defizits beim Dienstleistungsverkehr mit
dem Ausland wird der Leistungsbilanzüberschuß der Bundesrepublik daher
wahrscheinlich im großen und ganzen
unverändert bestehen bleiben.
Auf
regionaler Ebene ist die deutsche
Handelsbilanz vor allem durch einen
starken Anstieg der Überschüsse mit
den anderen EG-Ländern gekennzeichnet, und diese Entwicklung wird voraussichtlich anhalten.
In den anderen Gipfelstaaten werden keine dramatischen Veränderungen
erwartet. Die Aufblähung des britischen
Handels- (und
Leistungsbilanz-) defizits im vergangenen Jahr
wird sich wahrscheinlich bis 1990
nicht umkehren. Frankreich, Italien
und Kanada werden gemeinsam im Jahr
1990 wohl das gleiche Leistungsbilanzdefizit wie 1988 zu verzeichnen
haben.
Die kleineren OECD-Länder werden
zusammengenommen wahrscheinlich einen
Anstieg ihres relativ geringen gemeinsamen
Leistungsbilanzdefizits
aufweisen, was vor allem auf das erwartete höhere Defizit Spaniens zurückzuführen ist. Unter den anderen
Ländern sind Überschüsse und Defizite
in Dollar relativ gering, und es werden keine tiefgreifenden Veränderungen erwartet. Die Tendenzen der Leistungsbilanz in der OECD insgesamt
werden bis 1990 im wesentlichen den
Entwicklungen der sieben führenden
Industriestaaten folgen.

2.
Prognosen
striestaaten

für

die

Nichtindu-

Die
Entwicklungsländer
werden
1989 zusammen wahrscheinlich etwas
höhere reale Zuwächse zu verzeichnen
haben, die bis 1990 mit Hilfe des erwarteten
anhaltenden
gemäßtigten
Wachstums der Industriestaaten relativ ausgeglichen bleiben werden. Die

Tendenzen in Lateinamerika werden erneut von den Entwicklungen in Mexiko
und Brasilien beherrscht werden. In
beiden Fällen legen die derzeitigen
Entwicklungen
einen
bescheidenen
Wachstumszuwachs in diesem Jahr nahe,
mit einem etwas höheren realen Zuwachs auch in Argentinien. Für die
Region insgesamt erwarten wir ein Absinken der Wachstumskurve auf 3,5 bis
4 Prozent bis 1990.
Die Wachstumsaussichten für die
asiatischen Schwellenländer sind nach
wie vor ziemlich gut.
Obwohl die
zwei größten Volkswirtschaften - Taiwan und Korea - wahrscheinlich einen
Rückgang ihrer derzeitigen zweistelligen Wachstumsraten hinnehmen müssen, sollte das Wachstum noch bei ca.
9 beziehungsweise 7 Prozent liegen.
Diese Prognosen bedeuten Wachstumsraten der Schwellenländer insgesamt in
einer Größenordnung von 7 bis 8 Prozent in diesem und im nächsten Jahr.
Zu diesem verlangsamten Wachstumsszenarium werden die rückläufige Export-Expansionsrate und ein Anstieg
der
Import-Zuwachsrate
beitragen.
Traditionell verfolgen die Schwellenländer
eine
relativ
konservative
Steuerpolitik, was geringe direkte
Wachstumsanreize
von
öffentlicher
Seite und anhaltende Steuerüberschüsse bedeutet.
Eine Bewertung der jüngsten Entwicklungen
beim
Wirtschaftwachstum
der
OPEC-Länder
vorzunehmen
und
glaubwürdige Prognosen für die Zukunft aufzustellen, ist angesichts
der ernsthaften Probleme bei der
Übermittlung von Zahlen aus zwei der
größten Länder - Iran und Irak - sowie Schwankungen bei den Ölpreisen
außerordentlich schwierig. Wir weichen von den jüngsten Prognosen des
IWF nicht sehr weit ab, die darauf
hindeuten, daß das durchschnittliche
Wachstum der OPEC-Staaten voraussichtlich von ca. 1 Prozent im Jahr
1988 auf ungefähr 2 Prozent im Jahr
1989 ansteigen wird. Natürlich wird
das Bild in diesem und im nächsten
Jahr erheblich von den Ö'lpreisentwicklungen abhängen.
Wenn die öl-

- 14 -

�preise auf dem gegenwärtigen Stand
bleiben (was eine von vielen Möglichkeiten ist) und vorbehaltlich anderer
außerordentlicher Entwicklungen könnte die Wachstumsrate der OPEC im Jahr
1990 insgesamt wiederum zwischen 1,5
bis 2 Prozent liegen.
Das
Leistungsbilanzdefizit
der
Entwicklungsländer, die keine OPECMitglieder sind, wird Prognosen zufolge in diesem Jahr von schätzungsweise 29 Milliarden Dollar (1988) auf
etwa 39 Milliarden Dollar ansteigen.
Etwa die Hälfte dieses Sprungs ist
auf einen Rückgang bei den Gesamtüberschüssen der Schwellenländer zurückzuführen, die Restsumme spiegelt
eine erwartete Steigerung von 2 Milliarden Dollar im Defizit Lateinamerikas und vereinzelte Zuwachsraten
bei. den restlichen Entwicklungsländern wider, die keine OPEC-Mitglieder
sind.
Die Entwicklungen in den Leistungsbilanzen
der
Schwellenländer
werden wie üblich vor allem von Korea
und Taiwan beeinflußt. Koreas großer
Überschuß wird sich in diesem Jahr
angesichts der
sich abzeichnenden
Trends niedrigerer Zuwachsraten bei
den Exporten und höherer Zuwächse bei
den Importen erwartungsgemäß verringern. In Taiwan wird sich die bereits 1988 erfolgte Anpassung in diesem Jahr fortsetzen und den Leistungsbilanzüberschuß weiter verringern. Diese Voraussage hängt jedoch
in erheblichem Maße von höheren Importen ab. In beiden Ländern wird
ein weiterer Abbau des Überschusses
für 1990 vorhergesagt, der jedoch
wahrscheinlich nicht den gleichen Umfang haben wird wie in diesem Jahr.
Angesichts dieser Grundannahmen
für die beiden größten Volkswirtschaften sollte die Zuwachsrate der
Leistungsbilanz aller Schwellenländer
sowohl 1989 (auf 21 Milliarden Dollar) als auch 1990 (auf 18 Milliarden
Dollar) sinken.
Diese Leistungsbilanzprojektionen verschleiern jedoch
einen stärkeren zugrundeliegenden Anpassungsprozeß in den jeweiligen Han-

delsbilanzen. Sowohl Korea als auch
Taiwan weisen zunehmende Überschüsse
im Dienstleistungs- und Kapitalverkehr aus, die sinkende Zuwachsraten
im Warenhandel ausgleichen. Während
wir im Zeitraum von 1988 bis 1990 einen Abbau um 8 Milliarden Dollar bei
den Überschüssen der Leistungsbilanz
aller Schwellenländer erwarten, wird
der Abbau des Defizits im Warenhandel
voraussichtlich 11 Milliarden Dollar
betragen.
Wenn unsere Vorhersagen
eintreffen, wird der Handelsüberschuß
aller Schwellenländer insgesamt im
Jahr 1990 auf unter 10 Milliarden
Dollar sinken.
Zu den wichtigen Entwicklungen,
die 1989 und 1990 das Leistungsbilanzdefizit der Länder Lateinamerikas
beeiflussen werden, zählen: die erheblich abgebauten Überschüsse Brasiliens gegenüber 1988 und geringfügig
niedrigere Defizite in Mexiko. Insgesamt wird für das Leistungsbilanzdefizit Lateinamerikas im Jahr 1989
eine geringfügige Zunahme (auf 13
Milliarden
Dollar)
prognostiziert,
auf die eine leichter Rückgang folgt
(auf 11 Milliarden Dollar).
Angesichts des oben beschriebenen erwarteten Wachstums in den Industrieländern und der hier angeführten Tendenzen im Handel sehen wir keine dramatischen Entwicklungen voraus.
Die
Überschüsse im Handel werden in Lateinamerika insgesamt nahezu unverändert bleiben und weiterhin etwa 27
bis 28 Milliarden Dollar betragen.
Die Entwicklungen in der Leistungsbilanz
der OPEC-Staaten für
1989/90 werden sicherlich von der Situation auf den internationalen ölmärkten und dem Ausmaß beeinflußt, in
dem die Förderländer darauf einwirken
können.
Angesichts des erwarteten
langsameren Wachstums in den Industrieländern in diesem und im nächsten Jahr und angesichts der weltweiten Überschußproduktion deuten Überlegungen zu Angebot und Nachfrage
nicht darauf hin, daß in naher Zukunft ein starker Druck auf die Preise entstehen wird. Ein geringfügiger
Anstieg im Handelsüberschuß der OPEC

- 15 -

�würde ihr Leistungsbilanzdefizit
gleichem Umfang verringern.

in

Teil IV
Die zugrundeliegenden kurzfristigen Zielsetzungen der Industrieländer, insbesondere derjenigen mit einem erheblichen Ungleichgewicht im
Außenhandel, werden dieselben bleiben
wie in den vergangenen Jahren. Insgesamt müssen sie gewährleisten, daß
reales Wachstum in einem stetigen
Tempo anhält, der Inflationsdruck
eingedämmt wird und der Anpassungsprozeß im Außenhandel im Rahmen eines
gesunden und wachsenden internationalen
Handels- und
Finanzssystems
bleibt. Diese Ziele gelten auch für
Nicht-Industrieländer.
Über diese allgemeinen Zielsetzungen bestehen keine Unstimmigkeiten. Tatsächlich spiegeln sie einen
klaren internationalen Konsens wider
und sind oftmals und eingehend von
den Teilnehmern der jährlich stattfindenden Wirtschaftsgipfel, im Rahmen der regulären Treffen von Finanzministern und Zentralbankpräsidenten
und bei den halbjährlichen Treffen
des IWF Interim-Ausschusses bekräftigt worden.
Sicherlich bestehen unvermeidbare
Meinungsverschiedenheiten
über
die
relative Bedeutung der verschiedenen
Zielsetzungen und die beste Methode
ihrer Verwirklichung. Um diese Differenzen erörtern und auszuräumen zu
können, haben die Gipfelländer den
Prozeß zur Koordinireung ihrer Wirtschaftspolitik weiterentwicklet und
verstärkt.
Internationale Zusammenarbeit in der Wirtschaft war ein zentrales Thema der letzten drei Wirtschaftsgipfel (1986 in Tokio, 1987 in
Venedig, 1988 in Toronto) und wird
auch beim bevorstehenden Gipfeltreffen in Paris einen hohen Stellenwert
haben (Dieser Prozeß wurde im Bericht
des Finanzministeriums an den Kongreß
über Internationale Wirtschafts- und
Währungsppolitik vom Oktober 1988
ausführlich behandelt, auf den hier

verwiesen werden soll).
Der Prozeß der politischen Zusammenarbeit hat einen eindeutigen und
soliden Konsens über die grundlegenden Bestandteile hervorgebracht, mit
denen das gemeinsame Ziel eines Abbaus des Ungleichgewichts im Außenhandel hervorgebracht und gleichzeitig der Weg zum Wachstum offen gehalten werden soll. Im weitesten Sinne
erfordert die anhaltende Anpassung
unterstützende makroökonomische Entwicklungen auf den Weltmärkten. Die
Industrieländer müssen auf dem Pfad
nicht-inflationären Wachstums bleiben, um den Welthandel zu stimulieren
und wachsende Märkte für ihre eigenen
Exporte und die Exporte der Entwicklungsländer zu schaffen, um den Zielsetzungen
der
Schuldenbegleichung,
Wachstum und Entwicklung gerecht zu
werden.
Die Teilnehmer verpflichten sich
zu einem grundlegenden politischen
Kurs, der notwendig ist, um diese
Zielstzungen in echte Fortschritte
umzuwandeln. Die Vereinigten Staaten
verpflichten sich ihrerseits zum Abbau ihres Haushaltsdefizits, zur Verbesserung ihrer interntionalen Wettbewerbsfähigkeit und Erhöhung ihrer
Sparrate. Für die Länder mit großen
Überschüssen im Außenhandel - insbesondere Japan und die Bundesrepublik
- bedeutet dies die Anwendung makroökonomischer struktureller Maßnahmen,
mit denen offene, wachsende Binnenmärkte geschaffen werden können. Im
wesentlichen muß der Zuwachs bei der
Nachfrage im Inland in den Überschußländern groß genug sein, um den konjunkturabschwächenden Effekt rückgängiger Überschüsse auszugleichen.
Es setzt sich jedoch zunehmend
die Erkenntnis durch, daß die meisten
Volkswirtschaften unter strukturellen
Beschränkungen für Wachstum und Anpassung leiden, mit denen die Wirksamkeit steuerund währungspolitischer
Maßnahmen abgeschwächt wird.
Aus
diesem Grunde ist der Umfang des Koordinierungsprozesses erweitert worden, der zusätzlich zu seiner tradi-

- 16 -

�tionellen Betonung makroökonomischer
Politik eine besondere Überprüfung
der ergänzenden Rolle, die strukturelle Reformen spielen können, einschließen soll. In Toronto hat jedes
Teilnehmerland besonderen strukturellen Reformen zugestimmt, unter anderem: einem Abbau von Verkrustungen
auf dem Arbeitsmarkt, die Flexibilität behindern und hohe Arbeitslosenraten begünstigen; einer Verringerung
von Subventionen, die den ungehinderten Verkehr von Rohstoffen im Inland
und über alle Grenzen hinweg behindern; der Reformierung eines Steuersystems, das keine Risikoübernahme
und keine Innovationen fördert und
die Nachfrage unterdrückt; einer Liberalisierung der Finanzmärkte und
einem Abbau belastender Vorschriften
und übermäßige Einmischung des Staates in den Privatsektor.
Der politische Koordinierungsprozeß
ist
somit
entwicklungsfähig.
Durch die besondere Berücksichtigung
makroökonomischer und struktureller
Erwägungen und Prüfung der weitreichenderen Konsequenzen einzelner politischer Maßnahmen ist er in hohem
Maße geeignet, mittelfristige Lösungen für die hier anliegenden mittelfristigen Probleme zu finden.
Die Notwendigkeit einer angemessenen makroökonomischen und strukturellen Politik ist jedoch nicht auf
die
Industrienationen
beschränkt.
Die Entwicklungsländer müsen dabei
auch eine wichtige Rolle spielen.
Zum Beispiel müssen die Schwellenländer dafür Sorge tragen, daß ihre
Wechselkurse sich im Einklang mit den
Kräften des Marktes und ihrer wirtschaftlichen Stärke bewegen, um zu
ausgewogenerem Handel und weiterer
weltweiter
Anpassung
beizutragen.
Darüber hinaus sind in den Schwellenländern weitere politische Veränderungen wie etwa strukturelle Reformen
notwendig, um die Nachfrage im Inland
als Quelle des Wachstums und im Falle
Koreas und Taiwans Maßnahmen zur Liberalisierung des Handels und Kapitalflusses anzufachen.
Seit Mitte
des Jahres 1986 haben die Vereinigten

Staaten mit den vier Ländern - insbesondere mit Korea und Taiwan - Gespräche über diese Probleme geführt.
Darüber hinaus untersucht die OECD
Möglichkeiten zur Eröffnung eines informellen Dialogs mit den Schwellenländern und konzentriert sich dabei
auf gemeinsame Pflichten zur Förderung offener Märkte für Handel, Investitionen
und
andere
finanzielle
Transaktionen.
Im allgemeinen müssen die Entwicklungsländer und insbesondere die
hochverschuldeten
Volkswirtschaften
sicherstellen, daß ihre politischen
Maßnahmen die Nachfrage im Inland und
die Kapitalbildung unterstützen, die
Inflation eindämmen und angemessene
finanzielle Unterstützung
von den
Handelsbanken und den internationalen
Finanzinstitutionen ermutigen.
Der
Abbau der ernsthaften Ungleichgewichte in diesen Volkswirtschaften ist
eine wichtige mittelfristige Herausforderung, die sowohl im makroökonomischen als auch in den strukturpolitischen Bereichen eine fundierte Politik erfordert.
Steuerdefizite und Vermehrung der
Geldmenge müssen unter Kontrolle gebracht und die Kapitalflucht eingedämmt werden. Die Investitionspolitik muß den Rückfluß von ausländischen Mitteln zur Unterstützung der
Investitionen im Inland ermutigen,
Verzerrungen bei den relativen Prei&gt;sen - auch bei Zinssätzen und Wechselkursen - müssen abgebaut und übermäßige Vorschriften und staatliche
Einmischung abgeschafft werden, und
die Handelspolitik sollte eine stärkere Integration in das Welthandelssystem ermutigen.
Glücklicherweise tritt zunehmend
die Erkenntnis der Entwicklungsländer
zutage, daß eine marktorientierte Politik
die
besten Aussichten für
Wachstum, Entwicklung und weltweite
wirtschaftliche Integration bietet.
Zusätzlich zur Ermutigung dieser gewandelten Einstellungen ist es von
entscheidender Bedeutung
daß die
Volkswirtschaften der Industrienatio-

- 17 -

�nen materielle Unterstützung leisten,
indem sie offene und erweiterungsfähige Märkte erhalten, Verzerrungen im
Welthandelssystem abbauen und den internationalen Finanzinstitutionen angemessene Unterstützung leisten. Der
politische Koordinierungsprozeß ist
integraler Bestandteil dieser umfassenden Bemühungen.

Teil V
Der Kongreß fordert die Berichterstattung
über
ausländische
Beschränkungen für den amerikanischen
Handel im durch Abschnitt 1304 des
Allgemeinen Handels- und Wettbewerbsfähigkeitsgesetzes von 1988 revidierten
Jahreswirtschaftsbericht.
Das
Gesetz fordert ferner nach Möglichkeit die Quantifizierung der geschätzten
Auswirkungen
einzelner
Schranken für den Export amerikanischer Waren und Dienstleistungen und
amerikanische Direktinvestitionen im
Ausland. Dieser Bericht wird bis zu
seinem Fälligkeitstermin am 30. April
1989 dem Kongreß vorliegen.
Aufgrund des Zweimonatszeitraums
zwischen den vorgeschriebenen Vorlageterminen der beiden Berichte befindet sich der Jahreswirtschaftsbericht
jetzt bei Abschluß des Jahresberichts
zur Entwicklung im Handel gerade in
Vorbereitung.
Zur Auflistung der
Handelsschranken und ihrer Auswirkungen auf Handel und Direktinvestitionen der Vereinigten Staaten wird der
Kongreß daher auf den bald erscheinenden Jahreswirtschaftsbericht verwiesen.
Bei der Interpretation der Auswirkungen von Handelsschranken auf
den Handel und Investitionen der Vereinigten Staaten ist Sorgfalt geboten.
Manche Handelsschranken haben
unter Umständen erhebliche Auswirkungen auf das Gleichgewicht der Exporte, Importe, Produktion und in geringerem Maße auch auf besondere bilaterale Handelsbeziehungen der Vereinigten Staaten. Dennoch haben Handelsschranken
vergleichsweise
geringe

Auswirkungen auf das Ungleichgewicht
im amerikanischen Handel insgesamt.
Wenn man die geschätzten Auswirkungen einzelner Handelsschranken auf
den Handel insgesamt betrachtet, würde man die Auswirkungen überbewerten,
die amerikanische Exporte insgesamt
auf die Abschaffung ausländicher Handelsschranken haben. Der Definition
nach läßt die Analyse des "teilweisen
Gleichgewichts", mit der Auswirkungen
von Handelsschranken geschätzt werden, keine Rückschlüsse von den Auswirkungen einzelner Handelsschranken
auf das gesamte Gleichgewicht im Handel zu.
Handelsschranken sind von großer
Bedeutung, weil sie mikroökonomische
Unzulänglichkeiten (falsche Mittelvergabe) auf nationales und internationales Umfeld transponieren und den
Gesellschaften die Kosten für das
Wohlergehen der Wirtschaft aufbürden.
Dennoch sind ihre Auswirkungen auf
das Gleichgewicht des Handels insgesamt oder dessen Schätzung beschränkt.

�AMERIKA DIENST
VON

Dokumentation

*

10

8. März 1989

USA FORDERN SOWJETS ZUR BETEILIGUNG AM ABBAU DER CHEMISCHEN WAFFEN AUF
- Außenminister Baker zur Eröffnung der KSE WIEN - (AD) - US-Außenminister Baker hat im Rahmen seiner Rede bei der Eröffnung der Wiener Verhandlungen über die konventionellen Streitkräfte in Europa (KSE) am 6. März 1989 erklärt, die Vereinigten Staaten untersuchten zur
Zeit die Möglichkeit eines Abzugs chemischer Waffen aus Europa. Dabei forderte er die Sowjetunion auf, sich der Initiative anzuschließen und ihre "enormen
Arsenale" an chemischen Waffen zu zerstören. Baker appellierte ferner an die
internationale Staatengemeinschaft, sich der "Bedrohung durch die Verbreitung
chemischer Waffen" zu stellen.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Außenminister Baker im Wortlaut:
Verehrte Ministerkollegen, meine Damen und Herren,
wir treffen uns heute in einer
historischen Umgebung. Wien ist sicherlich ein lebendes Denkmal der
Schöpfungskraft
westlicher
Kultur.
Diese Stadt ist ferner ein Scheideweg
der Zivilisation.
Es erinnert uns
daran, daß Europa und die Leistungen
Europas
stets
die
geographischen
Grenzen überschritten haben, um die
Welt insgesamt zu beeinflussen.
Wien steht jedoch auch für fehlgeschlagene Hoffnungen. Verhandlungen und Abkommen, die zur Schaffung
eines anhaltenden Friedens in Europa
gedacht waren, wurden allzu oft durch
Krieg zunichte gemacht. Zu oft bedeutete der Mangel an Sicherheit in

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Europa einen Mangel an Sicherheit für
die ganze Welt. Unser Ziel besteht
darin, die Sicherheit Europas zu verbessern
und damit ebenfalls die
Grundlagen des Weltfriedens zu stärken.
Meines Erachtens benötigen wir
eine umfassendere Perspektive, eine
gemeinsame Vision dessen, was wir anstreben und warum, wenn wir Erfolg
haben wollen.
Nach dem Zweiten Weltkrieg waren
Europa und die Welt mit zwei gänzlich
entgegengesetzten Auffassungen konfrontiert.
Die Vereinigten Staaten
und ihre Verbündeten in Westeuropa
vertraten die Vision freier Völker,
die in einem Rechtsstaat mit geschützten Rechten des Einzelnen leb-

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�ten und deren demokratisch gewählte
Regierungen diesen Völkern gegenüber
verantwortlich waren.
Wir sind der Meinung, und wir
halten an dieser Überzeugung fest,
daß die Rede- und Religionsfreiheit,
die Freiheit von Furcht und die Freiheit zur Wahrnehmung wirtschaftlicher
Möglichkeiten natürliche Rechte freier Menschen überall waren und sind.
Wir waren gewiß, und wir haben auch
heute die Gewißheit, daß freie Märkte
und Eigeninitiative das sicherste Rezept für sozialen und wirtschaftlichen Fortschritt sind. Wir waren und
sind bestrebt, unsere Sicherheit in
einer Koalition freier Staaten zu gewährleisten, die durch gemeinsame
Werte und nicht nur durch gemeinsame
Interessen verbunden sind. Und wir
hatten damals, wie auch heute, die
Vision eines Europas im Frieden, dessen Nationen die Freiheit besitzen,
sich unterschiedlich zu entwickeln,
aber sich gemeinsam gegen den Krieg
wenden.
Unsere Vision war nicht die einzige Vision. Es gab auch eine andere
Haltung, die den teuersten Werten des
westens entgegengesetzt war.
Der
Wettstreit zwischen diesen beiden Visionen brachte uns das schwierige
Vermächtnis, mit dem wir heute leben.
Ein gewaltsam gegen den Willen seiner
Völker geteiltes Europa. Ein Europa,
das der Kontinent mit den meisten
Waffen ist.
Gegen Ende dieses Jahrzehnts eröffnen sich uns neue Horizonte, Horizonte, die uns eine Chance bieten,
die Konflikte der Vergangenheit hinter uns zu lassen. Die andere Vision
verändert sich. Sie verändert sich,
weil wir im Westen unserer Vision
treu geblieben sind. Und sie verändert sich, weil sich in der Sowjetunion der Realismus durchzusetzen beginnt.
Perestrojka, Glasnost, Demokratisierung sind die Schlagworte des
"neuen Denkens". Es gibt ermutigende
Entwicklungen bei den Menschenrechten

und in der Betonung des Prinzips der
Rechtsstaatlichkeit.
Volkswirtschaften, die sich einst im eisernen Griff
zentralisierter
Lenkung
befanden,
werden befreit, und die Rolle der Eigeninitiative ist von Staat anerkannt
worden. Unlängst erklärte Generalsekretär Gorbatschow, "auch die Weltpolitik sollte vom Primat der universellen menschlichen Werte geleitet
werden". In öffentlichen Bekundungen
wird die sowjetische Außenpolitik mit
verringerter Betonung des Einsatzes
von Gewalt umgestaltet.
Minister
Schewardnadse hat dies heute erneut
bekräftigt, und das ist gut so.
Niemand kann vorhersehen, wohin
dieser
Prozeß
führen
wird
oder
selbst
ob er andauern wird.
Wir
können jedoch nicht die Realität dessen außer acht lassen, was heute in
Europa geschieht.
In seinem Roman
"Die Besessenen" schrieb Dostojewski:
"Das Feuer brennt im Geist des Menschen, nicht auf den Dächern von Häusern."
Die revolutionären Veränderungen in jenem Teil Europas, der
sich immer noch hinter einem rostenden Eisernen Vorhang befindet, sind
vor allem Veränderungen im Geist der
Menschen, in ihrer Vision von der Zukunft. Die Menschen wollen Freiheit:
Gedankenfreiheit, Freiheit zuhause,
Freiheit am Arbeitsplatz und frei gewählte Regierungen. Und diese Freiheiten werden die von Stagnation und
Tyrannei geschlagenen Wunden heilen.
Ich schlage vor, daß wir uns der
Schaffung eines neuen Europas verpflichten - eines Europas, das auf
folgenden Freiheiten gegründet ist:
Der Freiheit aller Europäer, ein
Mitspracherecht an Entscheidungen
zu haben, die ihr Leben betreffen, darunter die freie Wahl des
Arbeitsplatzes.
Die
Legalität
der
Gewerkschaft
Solidarität
sollte beispielsweise die Norm
und kein Thema von Verhandlungen
sein.
Der Freiheit aller Europäer, ihre
politischen Meinungen zum Aus-

�druck zu bringen, wenn alle Ideen
dankbar aufgenommen werden und
die Menschenrechte wahrhaft unverletzlich sind. Die Beobachter
der KSZE-Vereinbarungen sollten
beispielsweise geehrt und nicht
von ihren Regierungen verfolgt
werden.
Der Freiheit aller Europäer, Ideen und Informationen auszutauschen und ihr Recht der Freizügigkeit wahrzunehmen. So sollte
der Forscher in Prag zum Beispiel
in der Lage sein, die Bücher zu
bekommen, die er benötigt. Verwandte in Hamburg und Dresden
sollten nicht länger durch Stacheldraht
voneinander
getrennt
sein, und Berlin sollte nicht von
einer Mauer geteilt werden, die,
wie wir vorigen Monat erst wieder
gesehen haben, weiterhin Menschen
das Leben kostet, die nach Freiheit streben.
Schließlich der Freiheit aller
Europäer vor militärischer Einschüchterung oder einem militärischen Angriff. Diejenigen im Westen sollten frei von der Furcht
sein, daß die massiven Streitkräfte unter sowjetischem Befehl
über sie herfallen werden. Diejenigen im Osten sollten frei von
der Furcht sein, daß eine bewaffnete
sowjetische
Intervention,
wie sie durch die Breschnew-Doktrin gerechtfertigt wurde, erneut
angewendet wird, um ihnen die
Wahlmöglichkeit zu nehmen.
"Neues Denken" und die Breschnew-Doktrin sind einander diametral
entgegengesetzt.
Wir fordern Generalsekretär Gorbatschow heute auf,
der Breschnew-Doktrin eine Absage zu
erteilen - ohne den Schatten eines
Zweifels.
Möge das "neue Denken"
dieses Überbleibsel des Zeitalters
der Stagnation hinwegfegen.
Diese vier Freiheiten sind untrennbar miteinander verbunden. Sie
sind die Prinzipien des neuen Europas, sie sind die Schlüssel, mit de-

nen die Tür zum europäischen Haus der
Zukunft geöffnet wird. Wie der amerikanische Präsident Abraham Lincoln
einmal gesagt hat: "Ein Haus, das in
sich geteilt ist, kann nicht bestehen." Ein Kontinent, der von einer
Mauer geteilt Wird, kann nicht sicher
sein. Ein sicheres und wohlhabendes
Europa kann niemals auf der Grundlage
künstlicher Schranken, der Furcht und
der Verweigerung der Unabhängigkeit
gegründet werden.
Ich freue mich, Ihnen berichten
zu können, daß wir einige Fortschritte bei der Verwirklichung dieses neuen Europas erzielt haben - Fortschritte, auf denen wir alle aufbauen
können. Die Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa hat
mit den Dokumenten von Helsinki, Madrid, Stockholm und jetzt Wien die
Verpflichtungen
der Staaten immer
präziser definiert.
Wir haben die
Freiheit des einzelnen sowie das Konzept der Offenheit und der vertrauensbildenden Maßnahmen
im Sicherheitsbereich erneut bekräftigt. Wir
unterstützen
diesen
Prozeß.
Die
Schlußakte von Helsinki verkörpert
unsere Vision von Europa. Und die
sicherheitspolitische Dimension der
NATO hatte stets das Ziel der Kriegsverhinderung
Auch der wirtschaftliche Wandel
ist ein wichtiges Merkmal des neuen
Europas. Die Schaffung eines gemeinsamen Binnenmarkts im Jahr 1992, der
zum Vorteil aller, die Handel treiben
möchten, nach außen orientiert ist,
würde sicherlich die Hoffnungen derjenigen erfüllen, die nach dem Krieg
zu Recht die Vision der wirtschaftlichen Union als Stützpfeiler für Frieden und Freiheit hegten. Zentral gelenkte Volkswirtschaften legen nach
und nach die Zwangsjacke der ausgedienten
marxistisch-leninistischen
Theorien ab. Der Wunsch nach verstärkten Handelskontakten ist stark
und wird noch stärker.
Es besteht ferner eine echte Möglichkeit für alle Industriestaaten,
im Westen wie im Osten, bei neu er-

- 3 -

�kannten übernationalen Problemen zusammenzuarbeiten. Gefahren für unsere Umwelt setzen zum Beispiel die
grundlegendste Sicherheit aller Erdenbewohner aufs Spiel. Erst letzte
Woche haben die Europäische Gemeinschaft und die Vereinigten Staaten
beschlossen, die Benutzung der Fluorchlorkohlenwasserstoffe
(FCKW) bis
zum Jahr 2000 einzustellen, unter der
Voraussetzung daß bis dahin Ersatzstoffe gefunden werden, was wir annehmen. Wir hoffen, daß die Sowjetunion in Erwägung zieht, sich im
Geist des "neuen Denkens" uns anzuschließen.
Dies sind
Fortschritte.
Aber
während die alte Ära vor den Horizonten des neuen Europas zurücktritt,
sind diese Horizonte immer noch zu
weit entfernt.
Immer noch stehen
sich die Waffen und Armeen gegenüber.
Dieser Kontinent wird immer noch von
einem Eisernen Vorhang geteilt. Zu
viele Regierungen haben nach ihrer
feierlichen Unterzeichnung von Verpflichtungen auf die Menschenrechte
abweichende Meinungen gewaltsam unterdrückt.
Bei dieser Tour d'horizon bleiben
wichtige Frage unbeantwortet. Werden
diesen neuen Worten Taten folgen oder
wird es sich um eine bloße Wiederholung der Vergangenheit, um erneut
enttäuschte Hoffnungen handeln?
Werden Ost und West gemeinsam in
der Lage sein, die im Zeitalter des
Wettbewerbsdenkens
aufgebauten
Schranken
niederzureißen?
Werden
diese Schranken endlich abgebaut, die
Berliner Mauer, der Stacheldraht und
die Wachtürme endlich der Vergangenheit angehören?
Wird die Sowjetunion ihre Außenpolitik in Europa entmilitarisieren,
wird sie aufhören, die Demokratien
mit abertausenden von Panzern zu bedrohen?
Die Aussagen von Außenminister
Schewardnadse haben mich ermutigt,
als er von einem umfassenden Abbau

der Streitkräfte sprach.
In jüngster Zeit hatten wir allen
Grund zu Hoffnungen über das neue
sowjetische Denken. Aber sowohl Realitätsbewußtsein als auch Vernunft
erfordern eine Erprobung dieses neuen
Denkens, um sicherzustellen, daß es
sich hierbei um eine neue Politik und vor allem - um einen Wandel in
der
Stationierungspolitik
handelt.
Wir haben sondiert, ob Ost und West
gemeinsam nicht umkehrbare Schritte
unternehmen können, die in Richtung
auf ein Europa der Freiheiten gehen.
Darüber hinaus haben wir versucht,
das Niveau militärischer Konfrontation abzubauen.
Auch hier sind Fortschritte zu
verzeichnen. Als Reaktion auf einen
von den Vereinigten Staaten unterbreiteten Vorschlag hat sich die Sowjetunion gemeinsam mit den Vereinigten Staaten an den Verhandlungstisch
begeben, um einen Vertrag über Mittelstreckenraketen zu erarbeiten, mit
dem eine gesamte Kategorie nuklearfähiger Raketen beseitigt wird.
Der
Vertrag enthält in der Geschichte der
Abrüstung einmalige Bestimmungen, vor
allem im Hinblick auf Verifizierung
und asymmetrische Abrüstung bis zum
Gleichstand. Auch bei den START-Gesprächen haben wir ermutigende Fortschritte in Richtung auf einen Abbau
der strategischen Streitkräfte erzielt. Und sobald unsere Übersicht
fertiggestellt ist, sehen wir weiteren Schritten auf dem Weg zu Abrüstung und Rüstungskontrolle entgegen.
Präsident Bush zufolge messen die
Vereinigten Staaten der Kontrolle und
Vernichtung chemischer Waffen hohe
Priorität bei. Seit der Vorlage des
Vertragsentwurfs zur Achtung chemischer Waffen auf der ganzen Welt auf
einer wirksam verifizierbaren Grundlage im Jahr 1984 haben die Vereinigten Staaten bei den Genfer Verhandlungen eine führende Rolle gespielt.
Wir werden auch in Zukunft diese Bestrebungen zu unserem ersten Anliegen
machen. Bis diese Waffen auf verifizierbare Art und Weise vernichtet

�worden sind, werden die Vereinigten
Staaten jedoch ein Minimum an chemischen Abschreckung aufrechterhalten.
Vor kurzem konnten wir die positive Resonanz auf Präsident Reagans
Forderung nach einer Konferenz über
den Einsatz chemischer Waffen verbuchen - und den Erfolg dieser Konferenz unter dem Vorsitz der französischen Regierung. Es steht außer Frage, daß einige Länder zu Taten bereit
sind.
Die Vereinigten Staaten sind bereit, bei der Bewältigung dieses Problems die Führung zu übernehmen. Und
es ist mir eine große Ehre, bekanntgeben zu dürfen, daß Präsident Bush
als einen ersten Schritt die neue Administration angewiesen hat, Mittel
und Wege für die Beseitigung der in
der Bundesrepublik Deutschland gelagerten chemischen Waffen aufzuzeigen.
Die frühzeitige Beseitigung dieser
Waffen erfordert die Bereitstellung
sicherer Lagerungsstätten sowie die
Erarbeitung praktischer Pläne zu ihrer Vernichtung.
Aber einseitiges
Vorgehen ist nicht genug. Die Sowjetunion verfügt über enorme Lagerbestände an chemischen Waffen, die
Europa bedrohen.
Aus diesem Grund
fordern wir die Sowjets auf, mit uns
gemeinsam die Vernichtung ihrer enormen Lagerbestände dieser furchterregenden Waffen voranzutreiben.
Und nicht zuletzt müssen wir auch
die Bedrohung durch die Verbreitung
chemischer Waffen ansprechen.
Hier
können wir auf unsere jüngsten Pariser Erfolge aufbauen.
Unser Vorschlag geht dahin, Regierungen und internationale Vertreter der chemischen Industrie zusammenzubringen.
Wir haben gemeinsam
mit Australien die generelle Frage
der Verbreitung sowie die Veranstaltung einer Konferenz zu diesem Thema
erörtert.
Seit einigen Jahren hat
Australien international eine führende Rolle bei dem Versuch gespielt,
der Verbreitung
chemischer Waffen
Einhalt zu gebieten, auch als Vorsit-

zender der australischen Gruppe westlicher mit chemischer Produktion befaßter Staaten. Ich freue mich daher
besonders, Ihnen mitteilen zu können,
daß Australien zugestimmt hat, die
Initiative zur Veranstaltung einer
solchen Konferenz zu ergreifen.
Zweck dieser Konferenz wird sein,
das wachsende Problem des internationalen Transfers von chemiewaffenfähigem Material und der entsprechenden
Technologie zu erörtern. Wir hoffen,
ein besseres Informationssystem über
diesen todbringenden Handel aufbauen
zu können.
Fortschritte bei nuklearer Rüstungskontrolle und chemischen Waffen
sind jedoch nicht genug. Es wird uns
niemals gelingen, die Ost-West-Beziehungen auf einen nicht umkehrbaren
Kurs in Richtung auf dauerhafte Verbesserungen zu bringen, wenn wir uns
nicht mit dem enormen militärischen
Ungleichgewicht bei den konventionellen Waffen in Europa auseinandersetzen. Wir können das Problem klar umreißen. Eine riesige, von schwer gepanzerten Einheiten angeführte und
massiver
Feuerkraft
unterstützte
Streitmacht ist von der Sojwtunion
und
Ihren Verbündeten aufgestellt
worden. Diese Streitmacht ist gegen
den Westen gerichtet.
Wir im Westen haben uns dieser
Bedrohung seit Anbeginn des Kalten
Krieges gegenübergesehen. Heute gehen die Streitkräfte der Sowjetunion
und des Warschauer Pakts weit über
das erkennbare Maß an Verteidigung
hinaus.
Bei Panzern ist der Warschauer Pakt der NATO im Verhältnis 3
zu 1 überlegen. Bei der Artillerie
ist der Warschauer Pakt im Verhältnis
3 zu 1 überlegen. Und bei Schützenpanzern ist der Warschauer Pakt der
NATO im Verhältnis 2 zu 1 überlegen.
Diese
sich. Und
hat, sind
sten für
geeignet.

- 5 -

Prozentsätze sprechen für
wie die NATO festgestellt
diese Streitkräfte am beeine Invasion Westeuropas

�Es ist dieses breite Spektrum sowjetischer Macht, das Europa gegen
seinen Willen teilt und europäische
Hoffnungen
zur
Geisel
möglicher
feindseliger Absichten der Sowjets
macht.
In jüngster Zeit haben wir gehört, die sowjetische Militärdoktrin
würde geändert, um das sogenannte
"vernünftige
und
ausreichende"
Streitkräfteniveau zu erreichen. Und
im Dezember hat Generalsekretär Gorbatschow vor den Vereinten Nationen
die
sowjetische
Absicht
erklärt,
50 000 Soldaten, 5 000 Panzer und anderes ausgewähltes Gerät aus bestimmten Gebieten Osteuropas abzuziehen.
Auch einige osteuropäische Regierungen haben einen einseitigen Truppenabbau angekündigt.
Dies ist ein Anfang - ein sehr
guter Anfang. Es ist ein hoffnungsvoller Anfang und natürlich beobachten wir, ob den Worten Taten folgen.
Ebenso klar ist die Notwendigkeit,
noch weiter zu gehen. Selbst nach
diesen Reduzierungen hätte der Warschauer Pakt noch einen Vorteil von 2
zu 1 bei Panzern und Artillerie. Die
militärische Überlegenheit des Warschauer Pakts im konventionellen Bereich, insbesondere bei den für Offensivoperationen wichtigsten Komponenten, macht eine Invasion in der
Tat möglich.
Dies sind harte Tatsachen. Und
es sind diese Tatsachen, die einer
Änderung bedürfen, wenn unsere Verhandlungen
erfolgreich
und unsere
Fundamente eines neuen Europas von
Dauer sein sollen. Der Rüstungskontrollprozeß muß sich jetzt stark auf
dieses Ungleichgewicht zwischen Ost
und West konzentrieren.
Die Vereinigten Staaten haben geraeinsam mit den anderen westlichen
Teilnehmerstaaten an diesen Gesprächen ernsthafte Vorschläge zur Behebung der Ungleichgewichte bei den
konventionellen Landstreitkräften und
zur Einführung weitreichender vertrauensbildender und stabilisierender

Maßnahmen erarbeitet.
Unser Ansatz konzentriert sich
auf die Verwirklichung einschneidender Reduzierungen bei entscheidenden
militärischen Fähigkeiten, die auf
eine Invasion ausgerichtet sind. Wir
schlagen zum Beispiel eine Obergrenze
für die gesamte Rüstung in Europa vor
sowie eine Obergrenze von 40 000 für
alle von den 23 Teilnehmerstaaten an
den KSE-Verhandlungen
stationierten
Panzer.
Darüber hinaus sind die
westlichen Teilnehmerstaaten in naher
Zukunft zur Einführung neuer vertrauensbildender Maßnahmen bereit, die
darauf abzielen, die Transparenz zu
erhöhen und die Möglichkeit eines
Überraschungsangriffs zu verringern.
Letztlich wird Stabilität natürlich
nur dann erreicht, wenn kein Land in
der Lage ist, ein anderes durch Waffengewalt zu beherrschen.
Ich möchte jedoch nochmals betonen, daß Veränderungen im militärischen Gleichgewicht nur einen Teil
des Prozesses darstellen. Nur wenn
die Ursachen der historischen Teilung
Europas beseitigt sind, wir Freizügigkeit und den freien Fluß von Informationen erreicht haben, wenn alle
Bürger das Recht auf freie Meinungsäußerung genießen - nur dann wird es
möglich sein, die militärische Konfrontation vollständig zu beseitigen.
Mit anderen Worten: wir können keine
Symptome beseitigen, wenn wir uns
nicht eingehend mit den Ursachen auseinandersetzen.
Es ermutigt mich,
daß immer mehr Menschen aus Ost und
West diesen Zusammenhang verstehen.
Wir müssen gemeinsam daran arbeiten,
um weitreichende Veränderungen hervorzubringen, mit denen die Teilung
dieses Kontinents beendet werden kann.
Die
Vereinigten
Staaten
verpflichten sich zur Zusammenarbeit mit
vernunftbegabten Menschen auf der
ganzen Welt, um Erfolge zu erlangen.
Wir werden in einigen Tagen in eben
diesen Räumen die Verhandlungen aufnehmen und dabei ein klares Ziel, solide Grundsätze und eindeutig definierte Zielsetzungen vor Augen haben.
—

�Unser Ziel bei diesen Verhandlungen besteht wie bei allen Rüstungskontrollverhandlungen in der Verhinderung des Krieges - jedes Krieges,
sei er nuklear oder konventionell -,
Abschreckung von Aggression und Steigerung der Stabilität auf einem niedrigeren
Streitkräfteniveau.
Wir
werden jeden Vorschlag nicht nur im
Hinblick auf die Anzahl der reduzierten Waffen, sondern nach seinen Auswirkungen auf Abschreckung und Stabilität beurteilen.
Zur Verwirklichung dieses Ziels
bestätigen wir erneut das Zweckbündnis zwischen den Vereinigten Staaten
und ihren europäischen Verbündeten.
Wir sind uns seit langem bewußt, daß
"Europa Amerika ebenso braucht wie
Amerika Europa", wie NATO-Generalsekretär Manfred Wörner es formulierte.
Als einzelne würden wir Opfer der historischen Entwicklungen, heute können wir den Weg der Weltgeschichte
selbst positiv beeinflussen.
Unsere
Verhandlungsziele
sind
eindeutig definiert. Erstens - und
darauf habe ich bereits hingewiesen haben die NATO-Verbündeten gleiche
Obergrenzen
bei
wichtigen
Ausrüstungsgegenständen auf einem Niveau
gefordert, das unter dem gegenwärtigen
der
NATO-Streitkräfte
liegt.
Dies wäre der beste Schritt in Richtung auf ein sicheres Europa auf niedrigerem RUstungssniveau.
Zweitens sollte kein Staat Fähigkeiten besitzen, mit denen sich eine
Invasion ausführen ließe.
Drittens sollte ein System gegenseitiger Offenheit und Transparenz
bei militärischen Angelegenheiten erweitert werden, mit dem Vertrauen gefördert, Absichten geklärt und folglich die Stabilität gestärkt werden
kann.
Darüber hinaus hoffen wir, daß
alle Staaten Doktrinen und Streitkräftestrukturen erarbeiten, die eine
Verteidigungsabsicht glaubwürdig widerspiegeln.

Im Rahmen der fortschreitenden
Verhandlungen werden wir gemeinsam
mit unseren Verbündeten alle Möglichkeiten für Fortschritte in Erwägung
ziehen. Das gegenwärtige Streitkräfteniveau und die Struktur der Streitkräfte in Europa sind nicht in Stein
gemeißelt. Sie sind das Produkt der
Geschichte, das Ergebnis von Konflikten. Und sie können geändert werden.
Wenn die Vergangenheit als Leitlinie dienen kann, haben wir viele
Vorschläge zu erwarten, die eine Perfektionierung der Abrüstung versprechen, wenn wir nur das Konzept der
Abschreckung aufgeben würden. Winston Churchill hat dazu sinngemäß gesagt, Perfektionismus sei an einem
Pfarrer bewundernswert, für einem Politiker jedoch nicht durchführbar.
Die Möglichkeiten sind zu kostbar,
als daß sie in radikalen, aber nicht
realisierbaren Vorschlägen verschenkt
werden dürften. Wir müssen stattdessen bei der Arbeit für den Frieden
Sorgfalt walten lassen, Schritt für
Schritt vorgehen und jeden Schritt
verifizieren.
Ich habe heute von dem neuen Europa der Freiheiten gesprochen, von
den neuen Horizonten, die sich einem
Kontinent eröffnen, der vor 40 Jahren
aufgrund unvereinbarer Vorstellungen
geteilt wurde.
Mit der Annäherung
dieser Vorstellungen aneinander könnte die Möglichkeit bestehen, die alten Hindernisse zu beseitigen, die
Europa im Wege stehen. Dies ist unsere Aufgabe. Wir müssen endlich die
konventionellen Ungleichgewichte und
Verschleierungen beseitigen, die so
lange die Sicherheit Europas und damit den Weltfrieden bedroht haben.
Der entscheidende Schritt wird
nicht leicht sein. Er wird neue Herausforderungen
und
möglicherweise
schwierige Situationen heraufbeschwören. Aber wir dürfen uns dieser Aufgabe nicht entziehen.
Ich habe darauf verwiesen, daß
ein besseres Verständnis des Europas
der Zukunft die Last erleichtern

- 7 -

�wird. Wir können bereits einen Teil
dieses Horizonts eines friedlicheren
und wohlhabenderen Europas erkennen,
für das so viele Opfer gebracht wurden. Obwohl es erkennbar ist, dürfen
wir es nicht als selbstverständlich
hinnehmen. Es ist an uns, den nächsten - wenn nicht den letzten
Schritt auf diesem Weg zu tun.
Prophezeiungen werden nur wenigen
von Gott zuteil, aber jeder Mensch
verfügt über Phantasie. Wir können
die Zukunft durch den Nebel der Veränderungen nur schwer erkennen, aber
wir können uns die Welt vorstellen,
wie wir sie uns wünschen. Das ist
der Zweck unserer Übung.
Lassen Sie uns gemeinsam vorgehen, um ein Europa aufzubauen, wie
wir es gern hätten, ein freies, offenes, sicheres und wohlhabendes Europa, ein ungeteiltes Europa, das der
ganzen Menschheit als Beispiel dienen
kann.

* * * * *

�AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

8. März 1989

10

DIE VSBM-VERHANDLUNGEN
- Hintergrundmaterial zu den VSBM -

WIEN - (AD) - Am 9. März 1989
werden in Wien offiziell die auf die
Vertrauens- und
Sicherheitsbildenden
Maßnahmen (VSBM) aufbauenden Gespräche eröffnet, die während der Stockholmer Konferenz über Vertrauens- und
Sicherheitsbildende Maßnahmen und Abrüstung in Europa (KVAE) im Jahr 1896
vereinbart wurden. Teilnehmen werden
alle 35 am KSZE-Prozeß beteiligten
Staaten.
Die VSBM sind darauf ausgerichtet, Mißtrauen und Mißverständnisse
bei militärischen Fähigkeiten und Absichten durch größere Offenheit bei
militärischen Angelegenheiten abzubauen. Unter VSBM sind beispielsweise Benachrichtigung und Beobachtung
militärischer Übungen und Vor-Ort-Inspektionen zu verstehen.

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Embassy of the United States of America

Die VSBM wurden mit der Schlußakte von Helsinki im Jahr 1975 ins Leben gerufen, mit der die freiwillige
Benachrichtigung und Beobachtung bestimmter
militärischer
Aktivitäten
ermutigt wurde. Die Stockholmer Konferenz, die von 1984 bis 1986 dauerte, stellte eine Erweiterung der Maßnahmen von Helsinki dar und machte
sie obligatorisch.
Die Stockholmer Maßnahmen basierten im wesentlichen auf westlichen
Vorschlägen und beziehen Berechenbarkeit, Offenheit und Vertrauen in den
Ausbildungs- und
Ubungsprozeß
der
Streitkräfte in Europa ein. Die Maßnahmen erstreckten sich ferner auf
den Austausch der Jahresübersicht
über militärische Aktivitäten, die
Benachrichtigung
über
militärische

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�Übungen oberhalb einer vereinbarten
Obergrenze,
Einladungen
in
alle
KSZE-Staaten zur Beobachtung größerer
Übungen sowie Ad-hoc-Inspektionen militärischer Aktivitäten als Verifizierungsmittel.
Die Durchführung der Stockholmer
VSBM war ermutigend. Seit Inkrafttreten der Maßnahmen im Jahr 1987
konnte größere Offenheit und Berechenbarkeit militärischer Aktivitäten
in Europa beobachtet werden. In den
zwei Jahren seit ihrem Inkrafttreten
traten die KSZE-Staaten bei über 35
militärischen Aktivitäten in 12 Ländern formell als Beobachter auf. Von
Ost und West wurden jeweils 18 VorOrt-Inspektionen durchgeführt.
Intensivere Kontakte der Militärs untereinander haben zu besserem Verständnis beigetragen.
Dies
sind
ermutigende
erste
Schritte.
Aber es kann noch sehr
viel mehr getan werden. In Wien werden die westlichen Verbündeten eine
Reihe durchgreifender und integrierter Maßnahmen vorschlagen, die darauf
ausgerichtet sind, diesen vertrauensbildenden Prozeß voranzubringen.
Zur Förderung der Offenheit bei
militärischen
Organisationen
beabsichtigen die Verbündeten, einen Vorschlag für einen weitreichenden, umfassenden jährlichen Informationsaustausch über militärische Organisationen, die wichtigsten Stationierungen
von Waffen, Personal und Gerät im Gebiet vom Atlantik bis zum Ural zu unterbreiten. Die NATO wird ferner die
Schaffung
eines
Auswertungssystems
vorschlagen, das zur Beurteilung des
Informationsaustauschs gedacht ist.
Um darüber hinaus größere Offenheit bei militärischen Aktivitäten zu
erlangen, beabsichtigt das Bündnis,
die Einbeziehung detaillierterer Informationen in die Benachrichtigung
über militärische Übungen, verbesserter Verfahren zur Beobachtung militärischer Aktivitäten und verstärkter
Verfizierungsmaßnahmen.

Schließlich wird das westliche
Bündnis zusätzliche Maßnahmen vorschlagen, die darauf abzielen, Kontakte und Kommunikation zwischen den
KSZE-Teilnehmerstaaten im militärischen Bereich zu verbessern, den Zugang des Militärpersonals und der Medienvertreter zu erleichtern sowie
das gegenseitige Verständnis militärischer Fähigkeiten, Verhaltensweisen
und des Einsatzkonzepts zu erleichtern. Das Bündnis wird ferner den
Vorschlag zu einem organisierten Gedankenaustausch über eine Militärdoktrin unterbreiten, mit der die tatsächlichen Struktur, Fähigkeiten und
Aufstellung der Streitkräfte in Europa abgedeckt wird.
Der Westen nimmt die VSBM-Gespräche also mit einer Reihe positiver,
zukunftsorientierter Vorschläge auf,
mit denen die Offenheit über militärische Strukturen und Aktivitäten in
Europa nachhaltig verbessert werden
könnte. Wir sind ferner bereit, andere Vorschläge zu überprüfen, die
zur militärischen Offenheit und Berechenbarkeit beitragen.
Diese Gespräche sowie die getrennt stattfindenden Verhandlungen
über Konventionelle Streitkräfte in
Europa (KSE) schlagen eine neues Kapitel in der Geschichte der europäischen Sicherheit und Zusammenarbeit
auf. Wir sollten uns jedoch vor Augen führen, daß militärische Konfrontation in Europa das Ergebnis - und
nicht die Ursache - der politischen
Teilung Europas ist.
Aus diesem
Grund müssen Bestrebungen zum Abbau
der Spannungen auf dem Kontinent
nicht nur die Sicherheitsbelange,
sondern auch den zugrundeliegenden
poltitischen Konflikt und die Verweigerung grundlegender Menschenrechte
und Freiheiten durch einige Länder
ansprechen.

Frage:
Worin besteht der Unterschied
zwischen den Verhandlungen
über Konventionelle Streitkräfte in
Europa (KSE) und den Verhandlungen
über Vertrauens- und Sicherheitsbil-

�dende Maßnahmen (VSBM)?
Antwort:
Das Mandat, die Teilnehmer und der Inhalt der beiden Verhandlungen sind unterschiedlich gelagert. Während beide Sicherheit und
Stabilität zum Ziel haben, streben
die KSE den Abbau von Ungleichgewichten bei den konventionellen Streitkräften vom Atlantik bis zum Ural sowie ein höheres Maß an Sicherheit und
Stabilität
auf
einen
niedrigeren
Streitkräfteniveau an.
Obwohl die
KSE-Gespräche im Rahmen der KSZE
stattfinden, sind die Verhandlungspartner Mitgliedstaaten der NATO und
des Warschauer Pakts. Die VSBM-Verhandlungen
hingegen
konzentrieren
sich auf Offenheit und Berechenbarkeit im Bereich militärischer Informationen und Aktivitäten.
An den
VSBM-Verhandlungen nehmen alle 35
Teilnehmerstaaten der KSZE teil.
Frage: Welche VSBM stehen zur Verfügung?
Antwort:
Das
Schlußdokument
von
Stockholm sieht folgende Bestimmungen
vor:
eine 42tägige vorherige Benachrichtigung über militärische Aktivitäten, bei denen mehr als
13 000 Soldaten oder 300 Panzer
(bei
Luftsturm- oder LandungsUbungen 3 000) beteiligt sind.
Obligatorische Beobachtng militärischer Aktivitäten mit mehr als
17 000 Soldaten (5 000 bei Luftsturm- oder Landungsübungen.
Austausch einer Jahresübersicht
über Aktivitäten, die der Benachrichtigung unterliegen.
Keine Aktivitäten mit mehr als
40 000 Soldaten, wenn diese nicht
vorher in der Jahresübersicht angekündigt worden sind.
Keine Aktivitäten mit mehr als
75 000 Soldaten, wenn diese nicht
zwei Jahre zuvor in der JahresUbersicht zwei Jahre zuvor angekündigt worden sind.
Ein System der Vor-Ort-Inspektion.

Antwort:
Das gesamte Europa, wie
es das Mandat der Stockholmer KVAEVerhandlungen vorsah.
Frage: Betreffen die VSBM auch USStreitkräfte?
Antwort:
Insofern
amerikanische
Streitkräfte auf dem Gebiet der KVAE
stationiert sind, ja.
Frage: Der Warschauer Pakt hat die
Einbeziehung
unabhängiger
See- und
Luftübungen in die VSBM-Verhandlungen
vorgeschlagen.
Warum
stimmen die
Vereinigten Staaten dem nicht zu?
Antwort:
Das
Mandat,
das
die
Stockholmer
KVAE-Verhandlungen
und
auch die nachfolgenden VSBM-Verhandlungen steuerte, sieht vor, daß die
VSBM die Manöver der Landstreitkräfte
in Europa abdecken. Dennoch müssen
gemäß dem Schlußdokument von Stockholm LuftSturmangriffe und Landungen
von Amphibienfahrzeugen
einer bestimmten Größenordnung gemeldet und
beobachtet
werden.
Unabhängige
Luft- und Seeübungen fallen daher
nicht unter die Bestimmungen des Verhandlungsmandats der VSBM.

Frage:
Welchen geographischen Raum
decken die VSBM-Verhandlungen ab?
- 3 -

* * * * *

�AMERIKA DIENST
Wissenschaft und Technik

8. März 1989

10

DURCHFALLERKRANKUNGEN BEI KINDERN
Orale Rehydration sehr of wichtiger als Medikamente

(AD). - Als eine ihrer besonders
wichtigen Funktionen betrachtet die
Weltgesundheitsorganisation (WHO) die
Bekämpfung von Diarrhö bei Babies und
Kleinkindern in Ländern der Dritten
Welt. Jedes Jahr sterben dort 4,5
bis 5 Millionen Kinder unter fünf
Jahren an Durchfallerkrankungen. Sie
stellen nach den Erkrankungen der Atraungsorgane die zweithäufigste Todesursache dar. Und dies, obgleich eine
relativ einfache Therapie zur Verfügung steht, die im akuten Stadium
zwar nicht heilen, aber Leben retten
kann. Es ist die sogenannte orale
Rehydrations-Therapie (ORT), eine Methode, mit der der Verlust an Flüssigkeit und Elektrolyten (Natrium und
Kalium) ausgeglichen und bei der
durch Glukosezusatz die Resorption
unterstützt wird.

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Als Hauptursache für die Diarrhöen bei Kleinkindern (etwa 80 Prozent der Todesopfer sind noch keine
zwei Jahre alt) gelten Rotaviren, die
durch Nahrung, Wasser und Hautkontakt
übertragen werden. Selbst gegen Desinfektionsmittel sind sie äußerst widerstandsfähig. Obgleich nur sehr
wenige Entwicklungsländer noch keine
nationalen Programme zur Bekämpfung
von Durchfallerkrankungen besitzen,
werden gegenwärtig erst etwa 60 Prozent der Kinder in diesen Staaten davon erreicht. Dennoch liegt dieser
Prozentsatz bereits über dem von der
WHO vor einigen Jahren angestrebten
Ziel von 50 Prozent bis 1990.
Die Entwicklung der ORT-Methode
geht in die sechziger Jahre zurück,
als man herausfand, daß ein aus Glu-

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�kose, Salz und Wasser gemischtes Getränk gegen die durch Druchfall verursachte Dehydration ebenso wirksam
war wie aufwendige und oft quälende
Infusionen im Krankenhaus. Medikamente, z.B. Antibiotika, sind ohnehin
nicht wirksam, andere nur unter ganz
bestimmten, eng begrenzten Voraussetzungen angebracht. Dagegen kann
die Rehydrationslösung auf Glukosebasis aus Zutaten bereitet werden, die
praktisch in jeder Küche vorhanden
sind, und für die meisten Mütter ist
es einfach, sie anzuwenden. Das
Hauptproblem besteht jedoch darin,
daß weder die Menge der Ausscheidung
nocht die Dauer der Krankheit verringert werden. Nur der Flüssigkeitsverlust und die Gefahr der hypertonen
Dehydration, die bis zum Koma und
Atemstillstand führen kann, wird behoben.
In Abänderung der Zusammensetzung
der Lösungen, die weltweit von der
WHO verteilt werden, schlagen Wissenschaftler heute die Verwendung von
Lösungen vor, die statt Glukose pulverisierten Reis und andere Nährmittel enthalten. Sie ersetzen nicht
nur den Flüssigkeitsverlust, sondern
verkürzen auch die Dauer der Erkrankung. Man kann den Reis als Brei mit
Salzzugabe kochen oder andere Nährmittel, z.B. Sorghumoder Maispulver
verwenden. Noch werden die neuen
Mixturen klinisch getestet, um die
erforderlichen Mengen von Stärke und
Protein für die Eingabe von Salzen
und Wasser in den Körper bestimmen zu
können. Eine Anwendung in großem Umfang dürfte frühestens in zwei bis
drei Jahren zu erwarten sein.
Aber auch die simple ORT-Lösung
hat sich in manchen Ländern, etwa in
der Sahel-Zone, noch kaum durchgesetzt. Selbst in afrikanischen Ländern mit guter Salzversorgung erreicht die Anwendung kaum zehn Prozent. Nach WHO-Angaben dürfte zwar
die Verwendung in manchen lateinamerikanischen Ländern mehr als 20 Prozent betragen, in anderen dagegen,
etwa Guatemala und Peru, wird die Lösung bei nicht einmal fünf Prozent

der Fälle von Kinder-Diarrhö eingesetzt. Ähnlich ist es im Jemen, während die Rehydrationstherapie in Bangladesch bereits bei 51 Prozent der
Erkrankten angewandt wird. Als Musterland erweist sich Ägypten: Plakataktionen, Fernsehund Radiosendungen haben dazu geführt, daß die ORTMethode zwischen 1983 und 1986 von
ursprünglich nur 1,5 Prozent Anwendungsbreite auf 98 Prozent ausgeweitet werden konnte. Gegenwärtigen
Schätzungen zufolge ist anzunehmen,
daß in Ägypten Todesfälle bei Kindern
unter zwei Jahren als Folge von Diarrhö-Erkrankungen auf etwa die Hälfte
zurückgegangen sind.
Alan Woods, der Chef der US-Behörde für Internationale Entwicklung
(AID), betont, daß für einen Erfolg
von ORT-Programmen mehr erforderlich
sei als nur die Bereitstellung von
Lösungen zur oralen Rehydration für
die Entwicklungsländer. Voraussetzung sei vielmehr, innerhalb der Länder der Dritten Welt Kapazitäten zur
Produktion und Verteilung der Lösungen zu schaffen. Auch müßten die erforderlichen Informationen an die Familien herangebracht werden, wann und
wie die Lösungen anzuwenden seien und
wie wichtig es ist, das Kind ohne Unterbrechung während und nach Diarrhö-Erkrankungen zu füttern.
Schließlich müßten finanzielle Mechanismen für die Fortführung der Programme entwickelt werden. "Wir wissen, daß wir eine ganze Generation
von Müttern durch regelrechte Kampagnen mit der oralen Rehydrationstherapie vertraut machen können", meint
Woods. "Aber die Kenntnis der Wirksamkeit dieser Therapie muß Eingang
in die Gesellschaft finden - in das
Gesundheitssystem ebenso wie in die
nachfolgende Müttergeneration. So
bedeutet die ORT-Methode auch für
Dorfhelfer und Ärzte eine sehr wichtige Aufgabe."
Daß auch in Industrieländern,
beispielsweise in den Vereinigten
Staaten, Todesfälle bei Kindern infolge Durchfallerkrankungen noch eine
Rolle spielen, war das überraschende

- 2 -

�Ergebnis einer Studie der Zentren für
Krankheitsüberwachung (Centers for
Disease Control) in Atlanta (Georgia). Der Studie zufolge starben
zwischen 1973 und 1983 mehr als 5 500
amerikanische Kinder im Alter zwischen einem Monat und vier Jahren an
Diarrhö - die Mehrzahl in den Südstaaten während der Wintermonate.
Allerdings ging die jährliche Todesrate von 719 im Jahr 1973 auf 372 im
Jahr 1983 zurück. In den USA sind
Durchfallerkrankungen die Ursache für
ca. zwei Prozent der Kindersterblichkeit. In dem Bericht, der dies als
"vermeidbar" bezeichnet, heißt es
weiter, daß jedes Jahr etwa 200 000
Kinder unter fünf Jahren wegen Diarrhö stationär behandelt werden müßten. Die meisten amerikanischen Kinderärzte seien sich noch immer nicht
der Sicherheit und Wirksamkeit der
oralen Rehydrationstherapie bewußt
und hielten an der kostspieligen und
oft gar nicht angebrachten medikamentösen Therapie fest.

* * * * *

- 3 -

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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ungleichgewichte Im Außenhandel verringert&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Jahresbericht zur Entwicklung im Handel&lt;/em&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;USA fordern Sowjets zur Beteiligung am Abbau chemischer Waffen auf&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Außenminister Baker zur Eröffnung der KSE&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die VSBM-Verhandlungen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Hintergrundmaterial zu den VSBM&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Durchfallerkrankungen bei Kindern&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Orale Rehydration sehr oft wichtiger als &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Medikamente&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST

2. August 1989

29

INHALT
DOKUMENTATION
Baker; Slhanouk soll Ubergangsregierung In Kambodscha leiten
- Erklärung bei der Eröffnung der Pariser Kambodscha-Konferenz -

HINTERGRUND
Die nationale Energiestrategie der Vereinigten Staaten
- Eine Übersicht des Energieministeriums USA; Start-Runde nimmt sachlichen und produktiven Verlauf
- Interview mit dem stellvertretenden amerikanischen Chefunterhändler

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Der Weltraum als Wirtschaftsfaktor
- Mittel- und langfristige Programme der USA -

* * * * *

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�AMERIKA DIENST
'VON

Dokumentation

*

29

2. August 1989

BAKER:

SIHANOUK SOLL ÜBERGANGSREGIERUNG IN KAMBODSCHA LEITEN

- Erklärung bei der Eröffnung der Pariser Kambodscha-Konferenz PARIS - (AD) - Außenminister Baker hat bei der Eröffnung der internationalen Kambodscha-Konferenz in Paris am 30. Juli 1989 erklärt, die Vereinigten
Staaten befürworteten eine Ubergangskoalitionsregierung in Kambodscha unter
der Führung von Prinz Sihanouk. Prinz Sihanouk verkörpere "das Volk der Khmer
und dessen Streben nach Einheit und nationaler Aussöhnung". Obwohl die Roten
Khmer für die Zukunft Kambodschas keine Rolle spielen sollten, seien die Vei—
einigten Staaten auch dann zur Unterstützung Sihanouks bereit, falls dieser
die Einbeziehung aller Khmer-Fraktionen in einer Übergangsregierung wünsche.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Erklärung des amerikanischen Außenministers im Wortlaut:

Herr
Vorsitzender,
meine Damen und Herren,

Exzellenzen,

stellvertretend
für
Präsident
Bush und das amerikanische Volk möchte ich Präsident Mitterrand unseren
aufrichtigen
Dank aussprechen.
Er
hat die Initiative zur Organisierung
dieser Konferenz ergriffen, und er
ist sich der Tragweite unserer Gespräche bewußt.
Ferner verdienen der Präsident
von Indonesien, Suharto, Außenminister Alatas, sein Vorgänger Dr. Mochtar sowie deren Amtskollegen aus den
ASEAN-Staaten unseren Dank.
Sie haben trotz aller Widrigkeiten die Vision eines friedlichen und wohlhabenden
Südostasiens
aufrechterhalten.
Sie haben sich über lange Zeit und
mit aller Energie dafür eingesetzt,

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daß wir heute an diesem Punkt anlangen konnten. Alle von uns an diesem
Ort beschlossenen Maßnahmen sollten
die
langandauernden
Bemühungen der
ASEAN ergänzen.
Außerdem möchte ich UNO-Generalsekretär Perez de Cuellar, einem wahren Mann des Friedens, für seine anhaltenden
Bemühungen
zur Beilegung
regionaler Konflikte meinen Respekt
bezeugen.
Wir sind heute hier zusammengekommen, weil eineinhalb
Jahrzehnte
der Gewalt und vietnamesischer Aggression vom Volk Kambodschas einen
fürchterlichen Tribut gefordert haben. Die Hand in Hand gehenden Tragödien des Massenmordes durch die Roten Khmer und der vietnamesischen Besatzung haben über eine Million Kam-

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�bodschaner das Leben gekostet. Dem
Verlust an Menschenleben müssen wir
die Wunden hinzurechnen, die der Gesellschaft und Kultur des Khmer-Volkes zugefügt wurden sowie die Instabilität, die der ganzen Region dauerhaften Schaden zugefügt hat.
Das
Ausmaß des Terrors, von dem das kambodschanische Volk heimgesucht wurde,
können wir nicht nachvollziehen - es
übersteigt die Leidensfähigkeit eines
jeden Volkes.
Besetzung sollte beendet, der
walt Einhalt geboten werden.
Leiden muß aufhören. Wir wissen,
der Weg zur inneren Aussöhnung
Kambodscha voraussichtlich lang
steinig ist. Aber heute tun wir
ersten Schritte.
Während wir
nach vorn schreiten, sollten wir
der möglichen Gefahren auf diesem
bewußt sein.

GeDas
daß
für
und
die
nun
uns
Weg

Kambodscha und die gesamte internationale Staatengemeinschaft stehen
vor einem tragischen Dilemma. Vielleicht läßt sich dieses Dilemma am
besten mit einem Beispiel aus der
Folklore Kambodschas erklären, in der
von dem Tag die Rede ist, an dem das
Volk der Khmer die Wahl hat, entweder
von einem Tiger oder von einem Krokodil gefressen zu werden. Diese Konferenz wurde in dem festen Glauben
einberufen, daß Kambodscha eine solche Tragödie erspart werden kann. Es
gibt eine Alternative zu den Zähnen
der Roten Khmer oder dem Rachen fremder Militärherrschaft. Diese Alternative besteht in einer umfassenden
Regelung, die dem Volk Kambodschas
sowohl Sicherheit als auch eine Chance zur Wahl seiner eigenen Regierung
gibt, eine Regelung, die durch außen- und innenpolitische Vereinbarungen zusammengehalten wird.
Der Zweck dieser Konferenz liegt
in der Arbeit an dieser Regelung.
Wir müssen den politischen Weg finden, auf dem Kambodscha aus der durch
Krieg zerrütteten Vergangenheit in
eine konstruktive
Zukunft geführt
werden kann. Durch sorgfältig auf-

einander abgestimmte internationale
Maßnahmen und nationale Aussöhnung
können wir diesen Weg ebnen. Und obwohl dieser Weg schwierig sein wird,
ist eine umfassende Regelung meines
Erachtens der geeignetste Weg zu einer besseren Zukunft.
Zunächst möchte ich das internationale Umfeld ansprechen.
In den
vergangenen Jahren konnten wir einen
dramatischen Abbau von Spannungen
weltweit beobachten. Wir sehen eine
zunehmende
Bereitschaft,
regionale
Konflikte auf dem Verhandlungswege zu
lösen. Darüber hinaus macht sich die
wachsende Erkenntnis breit, daß die
dauerhafte Lösung regionaler Konflikte von der Artikulierung des Volkswillens abhängt.
Unsere heutige Sitzung wird von
dieser neuen Richtung in der internationalen Politik geleitet. Aber die
Anzeichen der internationalen Aussöhnung bedürfen eines weiteren Signals,
das dieses Mal nicht von der internationalen Staatengemeinschaft oder von
kambodschanischen Volk oder - um es
etwas konkreter zu formulieren - von
ihren politisch Verantwortlichen gesetzt wird.
Für die Vereinigten
Staaten wie für alle anderen Länder
liegt es auf der Hand, daß alle Maßnahmen, die wir zur Unterstützung
Kambodschas ergreifen könnten, sich
auf den Willen der kambodschanischen
Parteien
selbst
zu
Fortschritten
gründen
müssen.
Ein
dauerhafter
Frieden erfordert die Selbstbestimmung des kambodschanischen Volkes.
Internationale Aussöhnung kann nicht
zum Ersatz für nationale Aussöhnung
werden.
Aus diesem Grund vertreten wir
die Ansicht, daß eine Lösung, die
Aussichten auf Erfolg hat, ihrem
Charakter nach umfassend sein muß.
Alles andere käme einem Rezept für
anhaltenden Krieg gleich. Der derzeitige Kampf gegen Besetzung wäre
der Bürgerkrieg von morgen und würde
ein bereits geschwächtes Land weiter
zerrütten.

^

�Die
unerschütterliche
Position
der Vereinigten Staaten, ASEAN und
unserer Verbündeten und Freunde bei
der jahrzehntelangen Suche nach Frieden in Kambodscha hat stets in einer
umfassenden Lösung bestanden. Unsere
gemeinsame Entschlossenheit zur Förderung dieser Position hat dazu beigetragen, den Weg für dieses Treffen
zu ebnen, insbesondere unsere unerbittliche Ablehnung von Aggression
und Besetzung durch Vietnam.
Heilung der Wunden und Überwindung der Teilung Kambodschas ist eine
Aufgabe, die höchste Führungsqualitäten verlangt. Kambodscha hat diese
Qualitäten
in Gestalt von Prinz
Sihanouk. Er verkörpert das Voik der
Khmer und ihr Streben nach Einheit
und nationaler Aussöhnung.
Aus diesem Grund muß der Prozeß
der nationalen Aussöhnung durch die
Bildung einer Ubergangskoalitionsregierung
unter der Führung Prinz
Sihanouks erfolgen. Sie muß auf echter Gewaltenteilung basieren und dem
Prinzen und dem nichtkommunistischen
Widerstand die Regierungsgewalt übertragen.

sion Vietnams geschaffen wurde. Wir
sind uns jedoch bewußt, daß Teile
dieses Regimes wahrscheinlich in eine
Ubergangskoalition aufgenommen werden.
Ich fordere alle Konferenzteilnehmer auf, die notwendige Aussöhnung
unter Prinz Sihanouks Führung zu unterstützen.
Ein
wirksamer
internationaler
Kontrollmechanismus unter der Schirmherrschaft
der Vereinten Nationen
kann im Friedensprozeß eine entscheidende Rolle spielen. Er kann einen
friedlichen Übergang von vietnamesischer Besetzung zu freien Wahlen erleichtern und die externen und internen Aspekte einer umfassenden Lösung
miteinander verbinden.
Solch ein
Mechanismus würde drei vordringlichen
Zielen dienen:
-

Die Vereinigten Staten vertreten
eindeutig die Ansicht, daß die Roten
Khmer in der Zukunft Kambodschas keine Rolle spielen sollten. Wir sind
jedoch bereit, Prinz Sihanouk zu unterstützen, sollte er es für notwendig erachten, die Einbeziehung aller
Gruppen der Khmer in eine Koalition
oder Übergangsregierung zu gestatten. Das Ausmaß unserer Unterstützung für jede kambodschanische Regierung wird jedoch direkt vom Grad einer Beteiligung der Roten Khmer an
dieser Regierung - sofern überhaupt abhängen. Es müssen Sicherheitsvorkehrungen getroffen werden, daß Pol
Pot und andere für Massenmorde verantwortliche Führer der Roten Khmer
Kambodscha niemals wieder beherrschen
werden.
Wir können eine Fortsetzung des
gegenwärtigen Regimes in Phnom Penh
nicht dulden, das durch die Aggres-

- 3-

Erstens würde er die internationale Verifizierung des Abzugs aller vietnamesischen Truppen und
Berater gewährleisten.
Zweitens würde der Mechanismus
während der Übergangsphase durch
Maßnahmen der Friedenssicherung,
etwa durch Überwachung des Waffenstillstands
und
Überprüfung
der Aufstellung von Soldaten unterschiedlicher kambodschanischer
Gruppierungen, die Aussichten für
Stabilität verbessern.
Darüber
hinaus würde er die Einstellung
ausländischer Militärhilfe an die
vier Parteien überwachen.
Drittens würde der internationale
Kontrollmechanismus
eine
entscheidende Rolle im politischen
Ubergangsprozeß spielen. In seinem Rahmen würde eine Volkszählung beobachtet und die Rückführung von Flüchtlingen überwacht.
Als
wichtigste
Aktion
würden
freie und faire Wahlen überwacht
und verifiziert. Die Vereinigten
Staaten sind bereit, den Wahlsieger in jedem Fall anzuerkennen.
Letztlich sind solche Wahlen der
Schlüssel zu einem unabhängigen,
neutralen und friedlichen Kambodscha.

�Unserer Ansicht nach verfügen nur
die Vereinten Nationen über die Erfahrung, die Mittel und die Glaubwürdigkeit, um sich die immense Verantwortung einer so komplexen Reihe von
Maßnahmen aufzubürden.

in starkem Maße bestimmen, ob solch
ein gerechter und dauerhafter Frieden
in Kambodscha entstehen wird öder ob
Kambodschas Zukunft der Tragödie seiner jüngsten Vergangenheit ähneln
wird.

Ich muß wiederum darauf hinweisen, daß die innen- und außenpolitischen Aspekte des Schlichtungsprozesses untrennbar miteinander verknüpft
sind.
Ohne
nationale
Versöhnung
fehlt uns die Basis für den von mir
beschriebenen
internationalen
Kontrollmechanismus.
Tatsächlich wäre
dieser Mechanismus ohne eine anerkannte Ubergangsregierüng nicht funktionsfähig.

Der Zweck dieser Konferenz besteht nicht darin, die Tragöde zu
verlängern, sondern den Weg zu einer
ganz anderen Zukunft zu finden. Meiner Ansicht nach werden wir diesen
Weg durch eine umfassende Vereinbarung finden. Und obwohl die jüngste
Vergangenheit nur zu geringen Hoffnungen Anlaß gibt, sind wir an einem
Punkt angelangt, an dem das Gebot internationaler Versöhnung sich mit der
Notwendigkeit nationaler Aussöhnung
verbindet.

Zur Förderung dieses wichtigen
Prozesses nationaler Aussöhnung ist
es entscheidend, daß Vietnam jetzt
und in Zukunft eine verantwortungsvolle Rolle übernimmt. Es muß seine
Verpflichtung zum Rückzug bis zum 30.
September erfüllen und darf nicht zurückkehren. Aber nach mehr als zehnjähriger Besatzungszeit werden Hanois
politische und moralische Verpflichtungen nicht allein dadurch erfüllt,
daß die Truppen abgezogen und entweder Chaos oder, ein gewaltsam eingesetztes Regime hinterlassen werden.
Meiner Ansicht nach bestehen zwischen uns kaum Unstimmigkeiten darüber, daß unsere gemeinsamen Pflichten für die regionale Sicherheit und gegenüber dem kambodschanischen
Volk - nicht mit dem Abzug der Vietnamesen erfüllt sind. Der Truppenabzug kam zustande, weil wir an unseren
Prinzipien festgehalten haben: wir
sind der vietnamesischen Aggression
entgegengetreten und haben uns geweigert, sie als Dauereinrichtdng zu akzeptieren. Jetzt, da die vietnamesische Besetzung zu Ende geht, müssen
wir zusammenarbeiten, um ein unabhängiges, neutrales und politisch stabiles Kambodscha aufbauen zu helfen.
Was wir hier bei dieser Konferenz
leisten - oder nicht leistet! - wird
- 4

«
»

Ich möchte Ihnen unsere Position
zusammenfassen.
Die
Vereinigten
Staaten engagieren sich für einen
fairen politischen Prozeß. Wir unterstützen eine umfassende Vereinbarung, die nicht nur einen vollständigen und verifizierten Abzug vietnamesischer Truppen, sondern auch ein nationales Abkommen und einen Internationalen
Kontrollmechanismus
vorsieht. Wir werden die Ergebnisse gut
vorbereiteter und überwachter, freier
und fairer Wahlen respektieren.
Mit Hilfe aller Teilnehmerstaaten
dieser Konferenz kann die Zeit bis zu
dem Tag verkürzt werden, an dem die
blutgetränkte
Erde Kambodschas zu
fruchtbaren Feldern eines friedlichen
und wohlhabenden Volkes werden kann.
Die Ruinen von Angkor Wat erinnern an
vergangene
Leistungen
der
Roten
Khmer. Jetzt ist die Zeit gekommen,
um dieser Zeit etwas Ebenbürtiges
entgegenzusetzen.
Wir müssen den
Grundstein für einen neuen Und dauerhaften Frieden in Kambodscha und ganz
Südostasien legen.
Vielen Dank.
*****

«.

�«fc°s&gt;&lt;

'VON

AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

4

29

2. August 1989
DIE NATIONALE ENERGIESTRATEGIE DER VEREINIGTEN STAATEN
- Eine Übersicht des Energieministeriums -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Bush hat seinen Energieminister, Admiral
James D. Watkins, angewiesen, eine Nationale Energiestrategie (NES) zu konzipieren, die den Rahmen für die Energiepolitik und Entscheidungen über einzelne
Programme liefern soll.
Diese Aufgabe wird nicht leicht sein. Wir müssen unseren steigenden Bedarf an Energie zu tragbaren Preisen, unser Engagement zur Schaffung einer sichereren, gesunderen Umwelt, unsere Verpflichtung zur Bewahrung einer konkurrenzfähigen Wirtschaft und unser Ziel, die Abhängigkeit von unsicheren Energiequellen zu verringern, miteinander in Einklang bringen.

Die Nationale Energiestrategie
Diese wird besondere kurz-, mittel- und
langfristige
Zielvorgaben
enthalten,
um
Energieangebot
undnachfrage auszugleichen.
Sie wird den Schutz der Gesundheit, Sicherheit und Umwelt sowie die
Sicherstellung
einer
angemessenen
Energieversorgung in den Mittelpunkt
stellen, um eine gesunde, wachsende
und konkurrenzfähige Volkswirtschaft
zu erhalten.
Sie wird in umfassenden Konsultationen mit der Öffentlichkeit entwickelt werden.
Eine

erste

Reihe

öffentlicher

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Anhörungen wird
im August und
September, beginnend mit dem 1.
August 1989, in Washington veranstaltet werden.
Eine weitere Reihe von Anhörungen
zu
besonderen
Fragen
wird
im
Spätherbst stattfinden.
Das Ministerium wird während des
ganzen Prozesses eng mit dem Kongreß sowie mit Vertretern der
Bundesstaaten und Gemeinden zusammenarbeiten.
Der Energieminister wird den ersten Entwurf der NES bis zum 1. April
1990 dem Kongreß zuleiten.
Die NES
wird in den darauffolgenden 12 Monaten verfeinert und weiterentwickelt
werden.

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Energiefragen
deutung

von entscheidender Be-

Notwendigkeit von erweiterten Kapazitäten
bei
der Stromgewinnung.
Der Bedarf an höheren Kapazitäten
könnte durch einschneidende Bemühungen zur Energieeinsparung verringert
werden, aber trotzdem werden neue
Kraftwerke zur Deckung des Bedarfs
einer wachsenden Volkswirtschaft erforderlich sein.

Entwicklungsländern
den können.

geteilt

wer-

*****

Schutz der von der Energiegewinnung betroffenen Umwelt. Das amerikanische Volk verlangt zu Recht die
Reduzierung von Schadstoffemissionen,
einer verbesserten
Entsorgung
von
Sondermüll sowie technologische Verbesserungen, um Öl- oder Chemieunfälle zu verhindern oder deren Folgen zu
beseitigen.
Energiegewinnung sowie Transporte
müssen in einer die Umwelt nicht
beeinträchtigenden Art und Weise
abgewickelt werden.

Die Veränderung des Erdklimas
Die Veränderung
des Erdklimas
wird in der NES zentralen Stellenwert
einnehmen. Wir müssen
-

in den Bereichen, in denen wissenschaftliche
Übereinstimmung
besteht, energische Maßnahmen ergreifen.
Diejenigen Bereiche für weitere
Untersuchungen auswählen, in denen solche Übereinstimmung noch
nicht besteht.
Bei wissenschaftlicher Unsicherheit Maßnahmen
ergreifen, die
auch in anderer Hinsicht sinnvoll
sind, etwa Wirkungsgrad, Verringerung von FCKWs (Fluorchlorkohlenwasserstoffe),
Wiederaufforstung.

-

Entscheiden, wie technologische
Gegenmittel bewertet und mit den
- 2 -

*

�AMERIKA DIENST
^7

^

C&amp;

Hintergrundmaterial

2. August 1989

29

USA: START-RUNDE NIMMT SACHLICHEN UND PRODUKTIVEN VERLAUF
- Interview mit dem stellvertretenden amerikanischen Chefunterhändler GENF - (AD) - Dem stellvertretenden Leiter der amerikanischen Delegation,
Linton Brooks, zufolge betrachten die Vereinigten Staaten die elfte Runde der
amerikanisch-sowjetischen Verhandlungen über die Reduzierung strategischer Rüstungen als "sachlich geführt" und "in Teilbereichen produktiv".
In einem am 28. Juli 1989 in Genf geführten Interview erklärte Linton
Brooks, die Unterhändler hätten zahlreiche Routinefragen abgeklärt, "die keine
Schlagzeilen machen werden".
"Wir haben die sachliche Gesprächsführung unserer Verhandlungspartner sehr
begrüßt", erklärte Brooks, aber es muß noch "viel geduldige Arbeit" geleistet
werden.
Nachfolgend veröffentlichen wir das Interview in Auszügen:

Die gegenwärtige Runde der amerikanisch-sowjetischen
Verhandlungen
über die Verringerung strategischer
Rüstungen (START) wurde am 19. Juni
in Genf aufgenommen. Sie wird am 7.
August vertagt, damit in den Hauptstädten beider Länder Konsultationen
stattfinden können, bevor sie im
Herbst wiederaufgenommen wird.
Die
START-Verhandlungen
sind Teil der
amerikanisch-sowjetischen Verhandlungen über Kern- und Weltraumwaffen
(NST), die 1985 in Genf begannen und
auch Verteidigung im Weltraum umfassen.
Bei START streben beide Seiten
ein Abkommen an, mit dem stationierte
strategische Offensivwaffen (mit einer Reichweite von über 5 500 Kilometern) um 50 Prozent reduziert, die

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Gefechtsköpfe jeder Seite auf 6 000
begrenzt werden und die Zahl der Trägersysteme - Interkontinentalraketen
(ICBM), unterseebootgestützte ballistische Raketen (SLBM) und schwere
Bomber - jeder Seite auf 1 600 verringert wird.
Brooks verwies ferner darauf, daß
die Vereinigten Staaten neue Ideen
zur Förderung der Verifizierung unterbreitet hätten.
Brooks zufolge
sollen damit "die Endfassung des
START-Abkommens beschleunigt und verbessert werden, indem man bestimmte
Erfahrungen bei einigen Details der
Verifizierung
gewinnt", bevor der
Vertrag geschlossen wird.
Der amerikanische Vorschlag zur
Verifizierung umfaßt seinen Erklärun-

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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�gen zufolge sieben Punkte:
vorherige Benachrichtung
gischer Übungen.

strate-

Abkommen über die Enstellung der
Entwicklung von SLBMs mit kurzer
Flugzeit. "Die Idee besteht darin,
daß die strategische Stabilität behindert wäre, wenn beide oder eine
der beiden Seiten über eine SLBM verfügten, die ihr Ziel sehr schnell erreichen und damit zur Sorge über einen Erstschlag Anlaß geben könnte",
erklärte Brooks. "Es ist technisch
möglich, die Energie einer ballistischen Rakete so einzusetzen, daß ihr
Flug vom Abschußpunkt zum Ziel beschleunigt wird. Der einzige Grund
dafür wäre eine Verkürzung der Vorwarnzeit, denn was die Vorwarnzeit
verkürzt, wirkt in der Regel destabilisierend. "

"weil man in der Praxis Erfahrungen
sammelt, die sich nicht am Verhandlungstisch erwerben lassen".
Der START-Unterhändler beharrte
jedoch darauf, daß die Vereinigten
Staaten diese Vorschläge zur Verifizierung weder als Vorbedingung für
die Weiterführung der START-Verhandlungen noch als unverzichtbares Paket
betrachten.
"All dies sind gute Ideen, und
wir sind bereit, sie alle zu behandeln und andere nicht zu behandeln,
wenn dies die Dinge (für die andere
Seite) vereinfacht", erklärte Brooks.

über

Ferner betonte er, daß "die Vereinigten Staaten
diese Vorschläge
nicht als Verzzögerung oder Ablenkung
vom Hauptziel - der Erarbeitung eines
guten START-Vertrages - betrachten.
Unseres Erachtens ist das Gegenteil
der Fall. Da noch viel Arbeit zu tun
bleibt, werden diese Ideen dazu beitragen, die Arbeit zu beschleunigen,
indem sie einem weitgehend auf dem
Papier ablaufenden Prozeß praktische
Erfahrung hinzufügen."

Vorausgehende
Vorführungen
bestimmter
Inspektionstechniken,
die mit der zulässigen Höchstzahl
der auf ein Trägersystem montierten Gefechtsköpfe zusammenhängen.

Brooks weigerte sich, die Reaktion der sowjetischen Delegation auf
amerikanische Verifizierungsvorschläge zu kommentieren. Er vermerkte lediglich, der sowjetische Sprecher habe sich "positiv dazu geäußert".

Abkommen "jetzt" über bestimmte
Verbote zur Verschlüsselung telemetrischer
Daten
(Chiffrierung
von Daten über Raketentests).
Sofortiger
Datenaustausch
strategische Streitkräfte.

Technische
Demonstrationen
von
und
Diskussionen
über
das
"tagging" - eine Methode zur
Identifizierung einzelner Raketen
und anderer unter die voraussichtlichen
START-Begrenzungen
fallender Träge.rsysteme im Rahmen
von kurzfristig anberaumten Inspektionen.
Regelmäßige Überwachung bestimmter Produktionsstätten für ICBMs,
um das Vertrauen in die Verifizierung eines Vertrags zu erhöhen.
Brooks zufolge würde die Verwirklichung dieser Maßnahmen den Abschluß
eines START-Abkommens beschleunigen,

Die Vereinigten Staaten hätten im
Rahmen der gegenwärtigen Gesprächsrunde keine weiteren bedeutenden neuen Vorschläge unterbreitet und führten ihre "geduldige Arbeit zur Verringerung von Meinungsverschiedenheiten" zu den anderen noch aus den früheren Verhandlungsrunden fortbestehenden
"Schlüsselbereichen"
fort.
Dazu gehören:
Das sowjetische Beharren auf
einem Junktim zwischen den START-Verhandlungen und einem Abkommen über
Weltraumverteidigung: "Die Vereinigten Staaten sind der Ansicht, daß
Stabilitätsverbesserungen
im Rahmen
von START ihre eigenen Vorzüge haben

�und START nicht in Abhängigkeit von
den Verhandlungen über strategische
Verteidigungssysteme geraten sollte."

die Sowjets seien immer noch für eine
"genaue zahlenmäßige Obergrenze bei
SLCMs".

- Luftgestützte Marschflugkörper
(ALCMs):
Zu den ALCMs "haben wir
vereinbart, daß mit dem Vertrag nicht
versucht werden soll, die ALCMs einer
täglichen
Zählung
zu unterziehen,
sondern daß wir jedem schweren Bomber
automatisch eine bestimmte Anzahl von
ALCMs zurechnen werden. Wir sind uneinig darüber, wie diese Zahl berechnet werden soll. Die Sowjets sind
der Ansicht, sie sollte der Höchstkapazität eines solchen Bombers entsprechen, während
die Vereinigten
Staaten davon ausgehen, die Zahl solle näher an der Zahl erwartungsgemäß
tatsächlich von einem solchen Bomber
getragener Systeme liegen."
Beide
Seiten sind sich ferner uneinig über
die vertraglich festzulegende Begrenzung der Reichweite von ALCMs: die
Vereinigten Staaten wünschen nur die
Einbeziehung von ALCMs mit Reichweiten über 1 500 km, während die Sowjetunion alle ALCMs mit Reichweiten
von über 600 km erfassen möchte.

Untergrenzen
bei
ballistischen
Raketen: Brooks zufolge befürworten
die Vereinigten Staaten Untergrenzen
bei ballistischen Raketen, um "beide
Seiten zu ermutigen, ihre Streitkräfte in Richtung auf Stabilisierung zu
führen". Es bestehe bereits ein Abkommen über eine Obergrenze von 6 000
Gefechtsköpfen, von denen nur 4 900
auf ballistischen Raketen montiert
sein dürfen. Die Gefechtsköpfe beziehen
ICBM- und
SLBM-Nukleargefechtsköpfe mit ein, ebenso wie mit
Nuklearwaffen bestückte schwere Bomber, die jeweils als ein Gefechtskopf
gezählt werden, so Brooks. Die Vereinigten Staaten strebten eine Untergrenze zwischen 3 000 und 3 300 Gefechtsköpfen auf ICBMs an, stellte
Brooks fest, aber "die Sowjets haben
es bisher abgelehnt", dieser Zahl zuzustimmen.

Mobile ICBMs:

"Die amerikanische

Position lautet- nach wie vor, daß
solche ICBMs aufgrund der schwierigen
Verifizierung des Standorts mobiler
Raketen verboten werden sollten", erklärte Brooks. Ihm zufolge besitzen
die Vereinigten Staaten derzeit keine
mobilen Raketen, die Sowjetunion hingegen sowohl schienen- als auch straßenmobile ICBMs.
Unterseebootgestützte Marschflugkörper
(SLCMs):
"Die Vereinigten
Staaten sind der Ansicht, daß es keine Mittel und Wege, zur Verifizierung
solcher
Raketen
gibt",
erklärte
Brooks.
Darüber hinaus lehnen die
Vereinigten Staaten Vorschläge ab,
die "die Operationen von Schiffen,
von denen unsere Sicherheit und die
der NATO abhängt, stören würden, und
die eine Verletzung unserer traditionellen Politik, die Präsenz von Nuklearwaffen an Bord von Schiffen weder zu bestätigen noch zu bestreiten,
darstellen würden". Er stellte fest,
- 3

Schwere
ballistische
Raketen:
Beide Seiten sind übereingekommen,
daß es auf keiner Seite mehr als 154
schwere Raketen mit maximal 1 540 Gefechtsköpfen geben soll, so Brooks.
Dies käme einem 50prozentigen Abbau
des derzeitigen sowjetischen Arsenals
gleich und würde die Vereinigten
Staaten nicht betreffen, die "keine
hat". Er fügte hinzu, die Vereinigten Staaten strebten letztlich die
Beseitigung schwerer Raketen an und
befürworteten daher Bestimmungen im
START-Vertrag, mit denen die weitere
Modernisierung und Erprobung schwerer
Raketen verhindert würde.
Modernisierung der Systeme von
Drittländern: Brooks zufolge hat die
Sowjetunion ihre Forderung aufgegeben, die unabhängigen britischen und
französischen
nuklearen
Abschrekkungssysteme in die START-Verhandlungen einzubeziehen, aber die Sowjets
"würden die Art von Unterstützung
ausschließen, die wir Großbritannien
in den vergangenen 25 Jahren bei der
Modernisierung
seiner
unabhängigen
nuklearen Abschreckung gewährt ha-

�ben. Und das ist für uns einfach unannehmbar. "
Brooks erklärte ferner, bei zahlreichen entscheidenden, noch zu besprechenden
Einzelheiten
bestünden
noch "reichlich Meinungsverschiedenheiten".
Der Text des gemeinsamen STARTVertragsentwurfs, der ca. 400 Seiten
umfaßt, so Brooks, besteht aus dem
Vertrag, einem Anhang mit Definitionen, getrennten Protokollen über Inspektion, Umwandlung und Beseitigung,
dem Wurfgewicht ballistischer Raketen
(Messung
der
Vemichtungsfä'higkeit)
sowie
einer
Regierungsvereinbarung
mit einer Aufstellung von Daten.
Brooks wollte sich im Hinblick
auf den Abschluß eines START-Vertrags
keinen Spekulationen hingeben.
"Für
die Vereinigten Staaten ist letztlich
entscheidend", erklärte er, "daß wir
die Stabilität verbessern und das Risiko eines Kriegs verringern ..., und
wir müssen unsere Arbeit fortsetzen,
bis wir einen Vertrag geschlossen haben".

* * * * *

�AMERIKA DIENST
Wissenschaft und Technik

2. August 1989

29

DER WELTRAUM ALS WIRTSCHAFTSFAKTOR

- Mittel- und langfristige Programme der USA -

(AD) - In einer Feierstunde anläßlich
der 20. Wiederkehr der ersten Landung
von Menschen auf dem Mond (20. Juli
1969) kündigte Präsident George Bush
ein Langzeitprogramm der Vereinigten
Staaten für die bemannte Erforschung
des Sonnnensystems an. Nach der Errichtung der Raumstation FREEDOM im
kommenden Jahrzehnt sei der nächste
Schritt - wohl zu Beginn des nächsten
Jahrhunderts - die Rückkehr zum Mond
und der Aufbau einer bemannten Mondbasis. Der Erdtrabant könne, so der
Präsident, später als Ausgangspunkt
für den bemannten Flug zum Planeten
Mars und eine weitergehende Erforschung des Weltraums durch den Menschen dienen. Es sei Aufgabe von Vizepräsident Dan Quayle, Vorsitzender
des "National Space Council" (Nationaler
Raumfahrtbeirat)
im
Weißen

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Haus, mit Experten zu ermitteln, was
in Bezug auf den Bedarf and Geld,
Personal und Material sowie an internationaler Zusammenarbeit "für die
nächste Runde der Forschungsaktivitäten erforderlich ist."
Schon seit einigen Jahren werden
bei der US-Behörde für Luftund Raumfahrt (NASA) Studien dazu ausgearbeitet. Namhafte Wissenschaftler, u.a.
Dr. Thomas 0. Paine, zur Zeit der
APOLLO-Flüge Leiter der NASA und in
den achtziger Jahren Vorsitzender der
"Nationalen Raumfahrtkomission" des
US-Kongresses, befürworten die jetzt
von Präsident Bush vorgeschlagenen
Projekte.
Viele Forscher sehen in
einer
erweiterten
Weltraumnutzung
auch neue Chancen für die Wirtschaft.

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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�So berichtete Richard Ott Direktor der NASA-Abteilung für kommerzielle Projekte, daß derzeit 50 Universitäten und 135 Firmen in Studien
investierten, die an 16 NASA-Zentren
zur kommerziellen Erschließung des
Weltraums durchgeführt werden.
Sie
reichen von der Züchtung von Protein-Kristallen in der Schwerelosigkeit
für neue oder verbesserte pharmazeutische Produkte bis zur kommerziellen
Fernerkundung der Erde mit Fotos und
Meßdaten. In einem solchen NASA-Zentrum an der Universität von Houston
berichtete im Jahre 1986 Dr. Paul
Chu, daß der Durchbruch zu Hochtemperatur-Supraleitern
gelungen
sei.
Diese Entdeckung löste weltweit Bestrebungen aus, neue Materialien für
dieses zukunftsträchtige Spezialgebiet der Elektrotechnik zu entwickeln.
Die nächste Phase der Partnerschaft von NASA und Industrie ist die
Absprache von Gemeinschaftsunternehmen, bei denen die NASA den Firmen,
die mit eigenen Mitteln Experimente
durchführen, ihre Raumfahrzeuge zur
Verfügung stellt.
So beabsichtigt
die Fa. Rockwell International an
Bord von Raumtransportern möglichst
fehlerfreie Kristalle zu erzeugen, um
noch bessere Halbleiterchips für noch
schnellere Computer anbieten zu können. Auch wird erwogen, Metall-Legierungen von geringem Gewicht und
besonders hoher Festigkeit, von denen
bereits mehr als 400 in die engere
Wahl kommen, unter Mikrogravitation,
d.h. im fast-schwerelosen Zustand im
Weltraum herzustellen. Die geplante
Raumstation FREEDOM wäre z.B. d?r geeignete Ort für solche Experimente.
Das Interesse der Europäer und Japaner zeige, daß sie,die Beteiligung an
der Raumstation als Einstieg in neue
Zukunftstechnologien betrachten, so
Ott. In den drei Labormodulen, die
von den USA, der Europäischen Weltraumagentur ESA und Japan gebaut werden, sei u.a. Metallverarbeitung im
Weltraum vorgesehen.
Fernmeldesatelliten dienten inzwischen einer Branche, die damit
drei Milliarden Dollar Jahresumsatz

erreiche. Sie ermöglichten mehr als
zwei Drittel der weltweiten Sprechverbindungen und praktisch sämtliche
weltweiten Fernsehübertragungen. Vor
drei Jahren erhielten Privatfirmen
die Genehmigung, kommerzielle Satelliten zu starten.
Noch in diesem
Jahr werde eine von der Fa. McDonnell
Douglas gebaute DELTA-Rakete einen
indischen Satelliten in den Weltraum
befördern, berichtete Ott. Bis Mitte
1993 sind von McDonnell Douglas und
einigen anderen Unternehmen 28 kommerzielle Starts für inund ausländische Auftraggeber, u.a. Italien, Japan, Großbritannien und Indonesien
vorgesehen.
Die Entwicklung kleinerer, leichterer und wirtschaftlicherer Satelliten dank der Miniaturisierung dürfte
das Geschäft weiter beleben.
Sie
können für Photographien, zur Datenübermittlung und sogar zur Materialverarbeitung im Weltraum benutzt werden. Ein solcher Mini-Satellit wiegt
ca. 225 kg und kostet etwa eine Million Dollar - ein "herkömmlicher" Satellit hingegen wiegt bis zu 14 Tonnen und kostet mehrere hundert Millionen Dollar. Bis Ende der neunziger Jahre dürften einige Hundert der
Mini-Geräte gestartet werden.
Fernerkundung der Erde ist ein
Gebiet, das vor allem angesichts der
wachsenden Sorge um die Umwelt kontinuierlich erweitert wird.
Geräte
wie der amerikanische LANDSAT und der
französische SPOT sondieren fortlaufend Kontinente und Meere aus ca. 650
km Höhe und tragen dazu bei, bewirtschaftete Flächen und Waldgebiete auf
Schädigungen zu überwachen, die Erschließung von Ölund Mineralvorkommen
zu unterstützen und die Bodennutzung
in städtischen und ländlichen Gebieten zu kartieren. Neue Systeme wie
das beim Raumtransporter eingesetzte
Bildradar eröffnen immer mehr Möglichkeiten der Fernerkundung.
Auch
die Sowjetunion stellt jetzt Erdaufnahmen zur Verfügung, Japan und Thailand haben unbemannte Erkundungssatelliten gestartet. Der größte Zuwachs in diesem Fachbereich ist bei

- 2 -

�Analyse und Interpretation der visuellen und durch Messung von Satelliten ermittelten Daten zu verzeichnen.
In den kommenden fünf bis zehn
Jahren stehen Umweltfragen im Vordergrund.
So ist es bereits möglich,
die zunehmende Versteppung und den
Verlust
an tropischen
Regenwäldern
(der zum Anstieg des Kohlendioxidgehalts der Atmosphäre und damit zu
Klimaveränderungen, dem "Treibhauseffekt" führen) recht genau zu verfolgen.
Das auf 15 Jahre angesetzte Projekt "Mission zum Planeten Erde" das
sehr gründliche geophysikalische und
chemische, geologische und geobiologische Studien umfaßt, dürfte im Verlauf der nächsten zehn Jahre in Angriff genommen werden.
Es erfordert
neue große Erdbeobachtungssatelliten,
die von den USA, Europa und Japan
entwickelt und gestartet werden. Unbemannte Weltraumplattformen als Träger modernster Instrumente zur Fernerkundung liefern erstmals vom umfassende Beobachtungen des gesamten Erdballs darüber, was menschliche Aktivitäten, die Tierund Pflanzenwelt auf
unserer Erde bewirken und wie natürliche Prozesse .davon beeinflußt werden.
Das Institut für Weltraumstudien,
eine gemeinnützige Organisation zur
Mitfinanzierung
von
Weltraumforschung, schlug kürzlich den Start einer kleinen Robotersonde zum Mond
vor. Sie soll in den nie vom Sonnenlicht
erreichten
polnahen Regionen
des Mondes nach Wasser suchen. Theoretisch könnte es dort unter der
Oberfläche
Wasservorkommen
in
der
Form von Eis geben.
Die Entdeckung
von Wasser auf dem Mond würde die
Wirtschaftlichkeit der Raumforschung
einschneidend verbessern und den Aufbau bemannter Mondbasen erheblich beschleunigen.

* * * * *

�</text>
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                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
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                <text>Amerikadienst 02.08.1989</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Baker: Sihanouk soll Übergangsregierung in Kambodscha leiten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung bei der Eröffnung der Pariser Kambodscha-Konferenz&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrund&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die nationale Energiestrategie der Vereinigten Staaten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Eine Übersicht des Energieministeriums&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;USA: Start-Runde nimmt sachlichen und produktiven Verlauf&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Interview mit dem stellvertretenden amerikanischen Chefunterhändler&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Der Weltraum als Wirtschaftsfaktor&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Mittel- und langfristige Programme der USA&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
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